Worte

Worte — Teil 2

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Zweite Anmerkung:

Der Mensch hat zwei Gesichter. Das eine betrifft sein Ego und ist dem weltlichen Leben zugewandt. Das andere betrifft den Dienst und die Anbetung und blickt auf das Ewige Leben. Hinsichtlich des ersten Gesichtes ist er ein so hilfloses Geschöpf, dass sein Grundkapital nur ein bedeutungslos schwacher Wille - ein Wille, dünn wie ein Haar - ein geringes Vermögen Macht, eine schnell verlöschende Flamme Vitalität, eine schnell vergehende Spanne Leben und ein rasch verfallendes Stückchen Dasein ist. Zugleich befindet er sich in diesem Zustand als ein empfindliches und schwaches Exemplar unter ungezählten anderen Exemplaren innerhalb der unendlich großen Familie, die über alle Schichten der ganzen Welt verstreut ist.

Hinsichtlich des zweiten Gesichtes und besonders, was seine Schwäche und Armseligkeit betrifft, die auf Dienst und Anbetung ausgerichtet ist, verfügt er über eine besonders große Schwingungsweite. Und er besitzt eine besonders große Bedeutung. Denn: Der weise Schöpfer hat den Menschen in der Geistigkeit seines So-Seins mit einer unendlich großen Schwäche und einer grenzenlos weiten Armseligkeit ausgestattet. So sei er wie ein universeller Spiegel des Barmherzigen in Seiner grenzenlosen Macht und des Herrn allen Reichtums und aller Freigiebigkeit in Seinem grenzenlosen Reichtum, ein universeller Spiegel, der die zahllosen Erscheinungen des Allmächtigen sammelt. Ja, der Mensch ähnelt einem Samenkorn. Gleich ihm sind dem Samenkorn von der Macht (Gottes) bedeutende geistige Anlagen und von der Bestimmung (Gottes) ein fein abgestimmtes und kostbares Programm mitgegeben worden. So soll es unter der Erde arbeiten, aus dieser engen Welt emporwachsen, in die weite, luftige Welt hineinwachsen und von seinem Schöpfer in seiner Fähigkeit unausgesprochen erbitten, ein Baum zu werden, jene Vollkommenheit zu erreichen, die ihm gebührt. Wenn dieses Korn aufgrund seiner schlechten Anlage die ihm gegebenen innerlichen Funktionen dazu missbraucht, einige unter der Erde liegende Giftstoffe an sich zu ziehen, wird es nach kurzer Zeit an diesem engen Orte fruchtlos vergehen und verderben. Wenn dieses Korn seinen innerlichen Funktionen, gemäß dem Befehl (Gottes)

فَالِقُ الْحَبِّ وَالنَّوَىٰ

{"Er lässt das Weizenkorn und den Dattelkern keimen." (Sure 6, 95)}

entspricht und sie richtig anwendet, wird es aus dieser engen Welt emporwachsen, ein großer, fruchtbarer Baum werden, und sein kleines Stückchen Wahrheit, sein geistiges Antlitz, wird die Gestalt einer großen und ganzen Wahrheit annehmen.

In gleicher Weise sind nun auch den menschlichen Wesen von der Macht (Gottes) wichtige Funktionen und von der Bestimmung (Gottes) ein kostbares Programm anvertraut worden. Wenn der Mensch auf dieser engen irdischen Welt, gleichsam wie unter der Erde des diesseitigen Lebens, seine geistigen Anlagen nach seinen egoistischen Launen missbraucht, wird er - gleich wie das verdorbene Korn - nach einem kurzen Leben für einen bedeutungslosen Genuss an einem engen Ort unter mühevollen Umständen vergehen und verderben. Nachdem er moralische Schuld auf seine unglückliche Seele geladen hat, wird er von der diesseitigen Welt Abschied nehmend heimkehren.

Wenn er dieses Korn der Begabung mit dem Wasser des Islam und dem Lichte des Glaubens in der Erde des Dienstes und der Anbetung aufzieht, seine geistigen Anlagen im Gehorsam gegenüber dem Auftrag des Qur'an auf die wahren Ziele ausrichtet, wird er ein Korn sein, das die Anlagen zu einem ewigen Baum und einer immerwährenden Wirklichkeit in sich trägt sowie dazu, unendliche Gnade und Vollkommenheit im Paradies zu erlangen und ein hervorragendes Werkzeug und eine gesegnete und erleuchtete Frucht am Baume der Welt zu werden.

Ja, der Fortschritt besteht in Wirklichkeit darin, das Gesicht der dem Menschen verliehenen Sinne wie Herz, meditative Wahrnehmung, Geist, Verstand, ja sogar Traumvorstellung und andere dem Ewigen Leben zuzuwenden, damit jeder von ihnen mit der ihm eigenen Aufgabe des Dienstes und der Anbetung betraut werde. Andererseits, was diejenigen, die sich im Irrtum befinden, als ihren Fortschritt ansehen, nämlich: sich in alle Verästelungen des irdischen Lebens zu verstricken, jede Art von Vergnügungen, bis hin zu den größten Ausschweifungen, zu genießen und dabei alle feineren Empfindungen, Herz und Verstand als Gehilfen ihrer selbstsüchtigen Seele in den Dienst zu nehmen, ist nicht Fortschritt, sondern Rückschritt. Diese Wahrheit habe ich in einer geistigen Schau unter folgendem Gleichnis beobachtet:

Ich kam in eine Großstadt. Ich sah, dass es in dieser Stadt große Schlösser gab. Ich betrachtete die Tore mancher Schlösser. Ein Fest wie eine glanzvolle Theatervorstellung lenkte die Aufmerksamkeit auf sich. Es war eine große Vergnügung und alle amüsierten sich. Ich wurde darauf aufmerksam, dass der Schlossherr ans Tor gekommen war, mit einem Hund spielte und sich an dessen Spiel beteiligte. Die Damen plauderten charmant mit einfachen jungen Leuten. Die Töchter des Hauses aber leiteten die Spiele der Kinder. Und der Pförtner tat wie ein Schauspieler, der sie alle kommandierte. Da sah ich, dass das Innere dieses riesigen Schlosses gähnend leer war. Alle bedeutsamen Aufgaben waren vernachlässigt worden. Die Moral der Leute war so verfallen, dass sich vor der Pforte dieses Bild ergab.

Dann ging ich weiter, traf ein anderes großes Schloss. Ich sah, dass sich vor dem Tor ein treuer Hund ausgestreckt hatte. Es gab dort einen ernsten, rauhen, verschlossenen Pförtner. Die Lage war ruhig. Ich wurde neugierig. Warum ist dies so? Jenes so? Ich trat ein. Ich sah, dass es innen sehr festlich war.

Die Bewohner des Schlosses in den verschiedenen Stockwerken waren mit verschiedenen bedeutsamen Aufgaben beschäftigt. Die Männer im ersten Geschoss verwalteten das Schloss und trafen ihre Anordnungen. Ein Stockwerk höher wurden die Knaben und Mädchen unterrichtet. Darüber beschäftigten sich die Frauen mit allen schönen Künsten und Handfertigkeiten. Ganz oben sah ich, wie des Schlosses Herr mit dem König Verkehr pflegte und sich mit persönlichen wie erhabenen Aufgaben beschäftigte, um die Ruhe des Volkes zu sichern und seine eigene Entwicklung und Vervollkommnung zu fördern. Weil sie mich nicht sehen konnten, verbot mir niemand die Besichtigung. Dann ging ich hinaus und sah mich um. Überall in der Stadt gab es diese zwei Arten von Schlössern. Als ich danach fragte, sagte man mir: "Die Schlösser, deren Tore festlich und deren Inneres leer ist, gehören den Vorstehern der Ungläubigen und

denen, die sich im Irrtum befinden. Die anderen den aufrichtigen Großen unter den Muslimen." Dann fand ich in einer Ecke noch ein Schloss. Ich erblickte darüber den Namen "Said". Ich wurde neugierig. Als ich es genauer in Augenschein nahm, schien es mir, als erblickte ich meine Gestalt darauf. Ich war so überrascht, dass ich aufschrie, meine Sinne wiederfand und erwachte. Ich werde nun diese geistige Schau ausdeuten. Möge es Allah wohlgefällig sein!

Was also diese Stadt betrifft, so bedeutet sie das gesellschaftliche Zusammenleben der Menschen und den Ort ihrer Zivilisation. Jedes einzelne dieser Schlösser ist ein Mensch. Die Schlossbewohner aber sind die Sinne des Menschen wie Auge, Ohr, Herz, meditative Wahrnehmung, Geist und Verstand und Erscheinungen wie Lust, Laune, Liebe und Zorn. In jedem Menschen hat jede Empfindung eine andere Aufgabe, zu dienen und anzubeten. Jede hat ihre eigene Lust und ihren Schmerz. Lust, Liebe, Laune und Zorn sind wie der Pförtner und sein Hund. So heißt denn diese hohen Empfindungen der Lust und Laune unterwerfen und ihre eigentlichen Aufgaben in Vergessenheit geraten lassen sicherlich Rückschritt und nicht Fortschritt. Die anderen Aspekte kann man sich selber ausdeuten.

Dritte Anmerkung:

Hinsichtlich seiner Handlungen, Taten und körperlichen Leistungen ist der Mensch nicht mehr als ein schwaches Tier und ein hilfloses Geschöpf. Hinsichtlich dessen, was er besitzt und worüber er verfügen kann, ist sein Rahmen so eng gesteckt, dass er ihn mit einer Hand zu umspannen vermag. Und sogar bei den Haustieren, die sich der Mensch gezähmt hat und von denen ein jedes seinen Anteil an der Schwäche, Hilflosigkeit und Faulheit des Menschen erhalten hat, bemerken wir im Vergleich mit den ihnen entsprechenden wild lebenden Tieren einen gewaltigen Unterschied (z.B. Ziegen und Ochsen, die als Haustiere oder in freier Wildbahn leben). Aber der Mensch ist als ein ehrenwerter Pilger in der Herberge dieser Welt in einer solchen Lage,

dass er bitten, fragen und annehmen muss, ohne selbst etwas dazu beitragen zu können. So wurde er ein Gast des Freigiebigen (Gottes), der ihm Seine Schatzkammer unendlichen Erbarmens geöffnet hat. Und Er hat ihm zahllose einzigartige Geschöpfe als seine Diener zur Verfügung gestellt. Und Er hat diesem Gast zu seiner Erholung, zu seinem Vergnügen und zu seinem Nutzen einen so großen Lebensraum geschaffen und bereitgestellt, einen Kreis, der sich vom Zentrum bis zur Peripherie erstreckt, so weit das Auge reicht, ja darüber hinaus so weit und breit, wie er es sich nur zu erträumen vermag.

Wenn also der Mensch auf sein Ego vertraut, nur im weltlichen Leben sein Ideal sieht, sich nur um seinen Unterhalt sorgt und nur für einige vergängliche Vergnügungen arbeitet, wird er in einem sehr engen Lebenskreis untergehen. Alle ihm verliehenen Anlagen, Sinne und Fähigkeiten werden ihn vor der Versammlung (am Tage des Gerichtes) anklagen und als Zeugen gegen ihn auftreten. Sie werden seine (Prozess)gegner sein. Wenn er sich aber als ein Gast weiß, als Gast des freigiebigen Herrn, im erlaubten Rahmen das Kapital seines Lebens ausgibt, arbeitet er innerhalb eines so weiten Rahmens gut für ein langes ewiges Leben. Dort kann er aufatmen und sich ausruhen. Und sodann bis zu den höchsten Höhen aufsteigen.

Und auch alle ihm verliehenen Anlagen und Fähigkeiten werden mit ihm zufrieden im Jenseits seine Zeugen sein. Ja alle dem Menschen verliehenen außerordentlichen Anlagen sind ihm nicht für dieses wertlose diesseitige Leben, sondern für ein sehr wertvolles bleibendes Leben verliehen worden. Denn wenn wir den Menschen mit dem Tier vergleichen, sehen wir, dass der Mensch hinsichtlich seiner Anlagen und Fähigkeiten sehr reich ist. Hundertfach reicher als das Tier. Genießt er das diesseitige animalische Leben, fällt er hundertfach tiefer; denn jeder Genuss, den er durchlebt, trägt die Spur tausender Schmerzen. Der Schmerz gegenüber der Vergangenheit, die Angst vor der Zukunft und auch der Schmerz nach

jedem Genuss, nimmt ihm den Reiz, hinterlässt eine Spur in seinem Genuss. Nicht so das Tier! Es genießt ohne Schmerz, noch beängstigt es die Angst vor der Zukunft. Es lebt und schläft in Ruhe, dankt seinem Schöpfer.

Das heißt also, dass der Mensch, der als ein Musterbeispiel der Schöpfung erschaffen wurde, noch hundertfach unter ein Tier wie den Sperling herabsinkt, obwohl er doch von seiner Substanz her dem Tier hundertfach überlegen wäre, wenn er sich in seinem Denken auf das rein Irdische beschränkt. Ich hatte diesen Tatbestand bereits weiter oben in einem Gleichnis erklärt. Ich möchte in diesem Zusammenhang dieses Gleichnis noch einmal anführen. Es war dies wie folgt:

Ein Herr gibt seinem Diener zehn Goldstücke und befielt ihm: "Lassen Sie sich einen Anzug aus einem Stoff von guter Qualität schneidern!" Einem zweiten gibt er tausend Goldstücke, steckt ihm einen Zettel in die Tasche, auf dem verschiedene Dinge aufgeschrieben stehen und schickt ihn zum Basar. Der erste Diener kauft für zehn Goldstücke einen vollendeten Anzug aus bestem Stoff. Der zweite Diener in seiner Verrücktheit schaut dem ersten Diener hinterdrein, gibt einem Kaufmann die tausend Goldstücke und verlangt, ohne den Zettel zu lesen, der in seiner Tasche steckt, einen Anzug. Aber der gewissenlose Kaufmann gibt ihm einen Anzug aus einem alten, schäbigen Stoff. Der unglückselige Diener tritt vor seinen Herrn hin. Er wird zornig zur Rede gestellt und streng bestraft. Wer also ein bisschen Verstand besitzt, begreift, dass dem zweiten Diener die tausend Goldstücke nicht gegeben wurden, um damit einen Anzug zu kaufen, sondern um damit ein bedeutendes Geschäft abzuschließen.

Desgleichen gilt: Der Mensch verfügt über geistige Anlagen und menschliche Sinne, deren jeder im Vergleich mit einem Tier hundertfach weiter ausgebildet ist. Wozu gebraucht der Mensch seine Anlagen und Fähigkeiten, wie zum Beispiel das Auge, welches alle Schattierungen der Schönheit zu unterscheiden vermag, oder die Geschmacksempfindungen

seiner Zunge, welche alle die verschiedenen Geschmacksrichtungen einer Mahlzeit gesondert wahrzunehmen vermag, oder den Verstand, welcher in alle Feinheiten der Wahrheit eindringt, oder das Herz, welches sich nach jeder Art Vollkommenheit sehnt? Wozu gebraucht das Tier seine weit weniger, vielleicht nur ein, zwei Stufen entwickelten Fähigkeiten? Der Unterschied besteht nur darin, dass das Tier eine Fähigkeit für seinen eigenen Gebrauch besonders entwickelt hat. Doch diese Entwicklung ist für es eine spezifische. Der Reichtum des Menschen an Fähigkeiten erhellt aus folgendem Geheimnis:

Die Sinne und Empfindungen des Menschen wurden durch seinen Verstand und seine Vorstellungskraft weit entwickelt und ihr Bereich ausgedehnt. In seiner Notlage entstanden ihm zahlreiche verschiedene Empfindungen. Und seine Empfindsamkeit hat sich in verschiedenster Hinsicht entfaltet. Die Zusammengesetztheit seiner Natur hat dazu beigetragen, seine Wünsche auf sehr viele Ziele zu richten. Und weil er sehr viele natürliche Aufgaben vorfand, haben sich seine Anlagen und Fähigkeiten gewaltig ausgebildet. Und weil er seiner Natur nach zu jeder Art Anbetung geschaffen war, wurde ihm jene Fähigkeit verliehen, welche den Samen zu jeglicher Vollkommenheit in sich enthält. Doch wurde ihm ein so großes Kapital und ein solcher Reichtum an Fähigkeiten sicherlich nicht dazu verliehen, um lediglich dieses bedeutungslose, vergängliche irdische Leben kennen zu lernen.

Vielmehr besteht die Grundaufgabe des Menschen darin, seine auf zahllose verschiedene Ziele gerichteten Verpflichtungen wahrzunehmen, seine Schwäche, Armseligkeit und Fehlerhaftigkeit in Dienst und Anbetung zum Ausdruck zu bringen, in seiner Weitsichtigkeit den Lobpreis allen Seins zu betrachten und zu bezeugen, in allen Gaben die Hilfe der Barmherzigkeit (Gottes) zu erkennen, dafür zu danken, die Wunder der Allmacht des Herrn in Seinen Werken zu schauen und aus diesem Anblick die Lehre zu ziehen und darüber nachzudenken.

Oh du unbedachter Mensch, der du die Welt anbetest, das irdische Leben liebst und das Geheimnis um deinen Rang und Wert in Seiner Schöpfung vernachlässigst! "Der alte Said" hat die Wirklichkeit dieses Lebens in einer geistigen Schau gesehen. Höre das Gleichnis der Schau, das ihn in einen "neuen Said" verwandelt hat:

Ich schaute: Ich bin ein Reisender. Ich gehe einen langen Weg, d.h. ich bin ihn gesandt. Seine Exzellenz hatte mir von den für mich bestimmten sechzig Goldstücken von Zeit zu Zeit eine kleine Summe Geldes zur Verfügung gestellt. Während ich noch davon lebte, gelangte ich zu einer Herberge. Es war eine Vergnügungsstätte, in der ich während einer Nacht zehn Goldstücke zum einen für Spiel und Spaß verschwendete, zum anderen, um mir damit einen Namen zu machen. Am Morgen hatte ich kein Geld mehr in meiner Hand. Ein Geschäft hatte ich nicht abgeschlossen. Ich hatte nichts erworben, was ich am Ziel meiner Reise hätte verwenden können. Von dem Geld, für das ich mir Schmerzen, Sünden und Vergnügungen erworben hatte, blieben mir nur Wunden, blaue Flecken und Kummer übrig. Plötzlich, während ich mich noch in diesem traurigen Zustand befand, tauchte ein Mann vor mir auf. Er sagte zu mir: "Du hast dein ganzes Vermögen verloren. Schläge hättest du verdient. Bankrott wirst du ans Ziel gelangen! Du gehst mit leeren Händen. Aber wenn du Verstand hast, steht dir die Tür zur Verzeihung offen. Bewahre dir von den fünfzehn Goldstücken, die du noch bekommst, jedes Mal nach Erhalt die Hälfte als Rücklage auf. Kaufe dir davon einige Dinge, die du benötigen wirst, wenn du am Ziel bist." Ich sah, dass meine Seele nicht damit einverstanden war. "Ein Drittel", sagte er. Auch dem leistete meine Seele nicht Folge. Danach sagte er: "Ein Viertel!" Ich sah, dass meine Seele ihre liebgewordene Gewohnheit nicht aufgeben wollte. Da wandte sich der Mann ärgerlich ab und ging.

Plötzlich änderte sich die Szene. Ich erblickte mich in einem Zug, der mit Fallgeschwindigkeit durch einen Tunnel raste. Ich befand mich in Panikstimmung. Es gab keinen Ausweg.

Man konnte nirgendwohin fliehen. Das Seltsame aber war, dass sich zu beiden Seiten des Zuges zauberhaft schöne Blumen und wohlschmeckende Früchte zeigten. Ich sah sie an wie ein unerfahrener Rekrut und streckte meine Hand nach ihnen aus. Ich versuchte, die Blumen zu pflücken, griff nach den Früchten. Aber die Blumen und Früchte waren mit Disteln und Dornen bedeckt und stachen mir die Hände blutig, wenn ich sie berühren wollte. Der Zug entriss sie mir im Vorbeifahren, und sie zerschnitten mir die Hände. Es kam mir sehr teuer zu stehen. Plötzlich sagte ein Bahnarbeiter zu mir: "Gib mir fünf Kurush! Du kriegst so viele Blumen und Früchte, wie du willst. Du wirst dir mit deinen zerschnittenen Händen statt für fünf Kurush für hundert Kurush Schaden antun. Außerdem bekommst du noch eine Strafe. Du darfst sie nicht ohne Erlaubnis pflücken."

In meiner Bedrängnis streckte ich den Kopf hinaus und blickte nach vorne, um zu sehen, wann der Tunnel zu Ende sei. Aber an Stelle der Tunnelausfahrt erblickte ich viele Löcher. Leute wurden aus dem langen Zug in diese Löcher hineingeworfen. Ich sah ein Loch vor mir. Zu seinen beiden Seiten waren ein Paar Grabtafeln aufgestellt. Ich schaute neugierig hin. Ich sah, dass darauf mit großen Buchstaben der Name "SAID" geschrieben stand. "Ach", seufzte ich traurig und betroffen. Plötzlich hörte ich die Stimme des Herrn, der mir vor der Tür jener Herberge einen Rat erteilt hatte, sagen: "Bist du nun zu Verstand gekommen?"

"Ja", sagte ich, "Aber ich habe keine Kraft mehr. Es gibt keinen Ausweg."

"Bitte um Verzeihung", sagte er, "und vertraue (dich Gott an)!"

"Das habe ich bereits getan."

Ich erwachte... Da war "der alte Said" verschwunden. Ich fand mich als "neuer Said" wieder.

Ich werde von dieser geistigen Schau ein, zwei Teile ausdeuten. Möge es Allah wohlgefällig sein. Die übrigen

Aspekte mag man selber deuten.

Was die Reise betrifft, so ist sie eine Reise, die aus der Welt der Seele, dem Schoß der Mutter, durch Jugend und Alter, Grab und Zwischenreich, Auferstehung und Brücke in die Ewigkeit führt. Was aber die sechzig Goldstücke betrifft, so bedeuten sie die sechzig Jahre Lebenszeit. Als ich dieses Gesicht schaute, war ich schätzungsweise fünfundvierzig Jahre alt. Ein Zeugnis darüber habe ich nicht. Aber die verbliebenen fünfzehn Jahre für die Ewigkeit zu wirken, dazu hat mir ein aufrichtiger Schüler des weisen Qur'an Anleitung gegeben. Die Herberge ist für mich wohl Istanbul. Der Zug aber ist die Zeit. Jedes einzelne Jahr ist ein Wagen. Der Tunnel ist das irdische Leben. Die dornigen Blumen und Früchte sind die verbotenen Genüsse. Die verbotenen Vergnügungen bereiten bei der Vorstellung ihres Endes Schmerzen, während man sich ihnen hingibt, und lassen das Herz bluten, zerreißen es, wenn man Abschied nehmen muss. Zudem folgt ihnen die Strafe. Der Bahnarbeiter hatte gesagt: "Gib fünf Kurush. Dafür gebe ich dir soviel wie du willst." Die Bedeutung dessen ist: Was man durch legale Arbeit im erlaubten Rahmen an Genuss und Vergnügen erhält, genügt für das Wohlbefinden. Es ist nicht notwendig, etwas Unerlaubtes zu tun. Die übrigen Teile kann man sich selber ausdeuten.

Vierte Anmerkung:

Der Mensch gleicht in dieser ganzen Welt einem zarten und zierlichen Kindlein. Dabei besitzt er in seiner Schwäche eine große Kraft und in seiner Hilflosigkeit eine große Macht. Denn es ist die Kraft in seiner Schwäche und die Macht in seiner Hilflosigkeit, die ihm alles Sein dienstbar macht. Wenn der Mensch seine Schwäche begreift, mit seinen Worten, Taten und durch sein Verhalten betet und im Bewusstsein seiner Hilflosigkeit um Hilfe bittet, erweist er zur rechten Zeit seine Dankbarkeit für diesen Dienst und erlangt zu gleicher Zeit die Erfüllung seiner Wünsche; seine Ziele werden ihm erreichbar; und das alles in einer Weise, wie er es aus eigener Kraft nicht zu einem Hundertstel vermocht hätte.

Aber manchmal schreibt er fälschlicherweise die Erfüllung eines Wunsches nach einem Gebet der Tat seiner eigenen Kraft zu. So lässt zum Beispiel die Stärke in der Schwäche eines Kükens eine Henne einen Löwen angreifen, und ein gerade zur Welt gekommenes Löwenjunges macht diesen reißenden, hungrigen Löwen sich selbst dienstbar und lässt ihn hungern, um selbst satt zu werden. Ist diese Stärke in der Schwäche nicht bemerkenswert und das Aufscheinen der Barmherzigkeit (Gottes) nicht einer Betrachtung wert?...

In gleicher Weise, wie ein verwöhntes Kind seinen Wünschen mit Weinen oder Betteln oder einem traurigen Gesicht zum Erfolg verhilft und sich so die Starken unterwirft, so vermöchte es mit tausendfacher Stärke jedoch nicht einen unter tausend Wünschen zu erfüllen. Weil also seine Schwäche und Hilflosigkeit zu Liebe und Fürsorge bewegt, so kann es sich mit seinem kleinen Finger selbst große und starke Leute dienstbar machen. Wollte aber nun ein solches Kind diese Liebe verleugnen und die Fürsorge zurückweisen und in törichtem Stolze sagen: "Ich unterwerfe diese Leute meiner Macht!", so würde es sicherlich eine Ohrfeige bekommen. In gleicher Weise zieht sich auch der Mensch, der die Barmherzigkeit seines Schöpfers verleugnet und dessen Weisheit verwirft und wie Qarun (Er revoltierte gegen Mosis. - A.d.Ü.) undankbar gegenüber der Gabe (Gottes) sagt: اِنَّمَآ اُوتِيتُهُ عَلٰى عِلْمٍ {"Ich habe das durch mein eigenes Wissen und meine eigene Macht erhalten." (Sure 28, 78)} sicherlich selbst auch eine solche "Ohrfeige" zu. Wie wir also gesehen haben, wurden ihm solche Werte wie menschliche Königsherrschaft, persönliches Wachstum und kulturelle Vollkommenheit nicht als sein Verdienst, nicht infolge eines Sieges, nicht durch Kampf gegeben, sondern das alles wurde ihm aufgrund seiner Schwäche unterworfen; ihm wurde aufgrund seiner Hilflosigkeit geholfen;

es wurde ihm aufgrund seiner Armut als Wohltat erwiesen, aufgrund seiner Unwissenheit eingegeben, aufgrund seiner Bedürftigkeit als Gastgeschenk verehrt. Und der Grund seiner Königsherrschaft ist nicht Macht und wissenschaftliches Können, es ist vielmehr die Güte und das Erbarmen des Herrn, die Barmherzigkeit und Weisheit Gottes, die ihm alle Dinge dienstbar gemacht hat. Ja, was den Menschen, den solches Ungeziefer wie ein Skorpion ohne Augen oder eine Schlange ohne Beine zu besiegen vermag, sich in die Seide einer kleinen Raupe kleiden und den Honig eines giftigen Insektes essen lässt, ist nicht seine Macht, es ist vielmehr die Unterwerfung des Herrn als Folge menschlicher Schwäche und ein Gastgeschenk der Barmherzigkeit (Gottes).

Oh Mensch! Da dies nun einmal die Wahrheit ist, gib deinen Stolz und deine Selbstgefälligkeit auf! Bringe vor dem Throne Gottes deine Schwäche und Hilflosigkeit um Hilfe bittend, deine Armseligkeit und Bedürftigkeit flehend und betend zum Ausdruck und erweise dich als Anbeter und Diener! Sage: حَسْبُنَا اللَّهُ وَنِعْمَ الْوَكِيلُ {"Allah ist unser Genügen und unser bester Anwalt." (Sure 3, 173)} und schwinge dich empor!

Sage aber nicht: "Ich bin nichts. Welchen Wert hätte ich denn, dass der Allweise mir diese ganze Welt dienstbar machen wollte und von mir für all dies einen Dank erwartete?"

Tatsächlich giltst du ja nichts, wenn man deine Gestalt und deine Seele betrachtet. Aber hinsichtlich deines Auftrages und deines Ranges bist du ein Besucher in dieser ganzen großartigen Welt und ihr aufmerksamer Beobachter, ein sprachgewandter und beredter Sprecher dieses geheimnisvollen Daseins, ein verständnisvoller Leser im Buche der Welt, ein staunender Betrachter der lobpreisenden Schöpfung und ein achtungsgebietender Werkmeister der anbetenden Werke (Gottes).

Ja, oh Mensch! Du bist im Hinblick auf das Leben der Pflanzen und deines Körpers und in Anbetracht deiner tierischen Seele ein winzig kleiner Bruchteil, ein armseliges Geschöpf, wie ein schwaches Tier, das inmitten der Wellen des ganzen fürchterlichen Daseinsstromes hin und her geworfen wird. Wenn du dich aber, erleuchtet vom Lichte des Glaubens, das die Strahlen der Liebe Gottes in sich enthält, durch islamisches Verhalten vervollkommnest, wirst du als Mensch, Diener und Anbeter wie ein König sein, als ein Teilchen wie ein Ganzes, trotz deiner Kleinheit eine Welt, trotz deiner Geringfügigkeit von hohem Rang, ein Stellvertreter in einem großen und weiten Bereich sein, der sagen kann: "Der Barmherzige, mein Herr hat mir die Welt zur Heimstatt bereitet. In diesem Heim machte Er Sonne und Mond zur Leuchte, den Frühling zu einem Rosenstrauß, den Sommer zu einem Gastgeschenk bei Tisch und die Tiere zu Dienern. Und Er gab mir die Pflanzen als Schmuck und Versorgung in meinem Haus."

Nachsatz: Wenn du auf dein Ego horchst und auf den Teufel, sinkst du zum Niedrigsten der Niedrigen herab. Wenn du auf die Wahrheit und den Qur'an horchst, steigst du zum Höchsten der Hohen auf und wirst der ganzen Welt ein Musterbeispiel sein.

Fünfte Anmerkung:

Der Mensch wurde in diese Welt gesandt als ein Gast und ein Beauftragter, und ihm wurden sehr wichtige Fähigkeiten mitgegeben. Und diesen Fähigkeiten entsprechend wurden ihm auch sehr wichtige Aufgaben anvertraut. Damit aber der Mensch sein Ziel erreiche und seine Aufgabe erfülle, wurden ihm nachhaltige Anregungen erteilt und furchtbare Drohungen ausgesprochen. Wir werden hier die Grundsätze über die Aufgaben des Menschen, seinen Dienst und seine Anbetung, die wir an anderer Stelle bereits erklärt haben, noch einmal zusammenfassen, um das Geheimnis des Menschen um seinen höchsten Rang und Wert verstehen zu können.

So hat der Mensch - nachdem er in diese Welt gekommen ist - in zweifacher Hinsicht Dienst und Anbetung zu verrichten. In erster Hinsicht ist es Dienst und Anbetung in der "dritten Person", ein Nachsinnen. In der zweiten ist es Dienst und Anbetung in der Gegenwart, der "zweiten Person", eine Hingebung.

Erste Hinsicht,

die Königsherrschaft (Gottes) über das Universum zu sehen, im Gehorsam zu bekräftigen und zu Seiner Vollkommenheit und Schönheit bewundernd aufzublicken.

Danach zeigen sich die Menschen, um einander zu belehren, die einzigartigen Kunstwerke, bestehend aus den Ornamenten der heiligen Namen Gottes, machen sie bekannt, rufen sie aus.

Danach wägen sie die Juwelen der Gottesnamen, von denen jeder einzelne eine verborgene Schatzkammer des Geistes ist, mit der Waage der Einsicht und schätzen lobpreisend ihren Wert mit dem Herzen als Schatzmeister der Werte.

Danach lesen sie die Seiten von Himmel und Erde aus dem Buch des Seins, Briefe (der Schöpfung), geschrieben mit der Feder der Macht (Gottes), und sinnen bewundernd darüber nach.

Und während sie die Verzierungen und Feinheiten an den Kunstwerken des Seins bewundern und preisen, sehnen sie sich danach, ihren Schöpfer kennen zu lernen, der alle Schönheit besitzt, und verlangen danach, in die Gegenwart ihres vollkommenen Meisters einzugehen und Seine Liebe und Freundlichkeit zu erlangen.

Zweite Hinsicht:

Hier geht es um die Gegenwart (Gottes) und das Gespräch (des Menschen mit Gott). Der Weg führt vom Werkstück zum Meister. Man sieht: Ein erhabener Meister möchte sich selbst durch Seine wunderbaren Kunstwerke mitteilen und zu erkennen geben. Glaube und Erkenntnis kommen ihm als Antwort entgegen.

Danach sieht man: Ein barmherziger Herr möchte ob der schönen Früchte Seiner Barmherzigkeit selbst geliebt werden. Wenn man seine Liebe auf Ihn allein beschränkt

und seine Anbetung Ihm allein zueignet, um Ihm allein zu dienen, wird man auch selbst von Ihm geliebt.

Danach sieht man: Er, der freigiebig die Geschenke Seiner Gnade erteilt, umhegt den Menschen mit geschmackvollen Geschenken für Leib und Seele. Dieser bringt Ihm in seinen Taten, seiner Handlung, seinen Worten, ja wenn es ihm möglich wäre mit allen seinen Empfindungen und Fähigkeiten Lob, Preis und Dank entgegen.

Danach sieht man: Er, der Gewaltige in Seiner vollkommenen Schönheit zeigt Seine Größe, Vollkommenheit, Erhabenheit und Schönheit im Spiegel des Daseins, in ihm die Blicke des aufmerksamen Betrachters einfangend. Dieser begegnet Ihm demütig bewundernd mit den Worten: "Allahu Ekber!"(Allah ist unvergleichlich groß!) "Subhanallah!"(Allah sei gepriesen!) und wirft sich in liebender Anbetung nieder.

Danach sieht er: Er, der Vollkommen-Reiche zeigt in vollendeter Freigiebigkeit die Schatzkammern Seines unendlichen Vermögens. Der Mensch entgegnet Ihm rühmend und verehrend, erbittet und erfragt von Ihm in völliger Armseligkeit.

Danach sieht er: Der erhabene Schöpfer hat die Erde einer Ausstellung gleich erschaffen. Dort hat Er die ganzen antiken Kunstwerke ausgestellt. Der Mensch entgegnet Ihm voll Staunen und Hochachtung: "Mashaallah!"(so hat es Allah gewollt!), "Barekallah!"(Allah hat gesegnet!); "Allahu Ekber!"(Allah ist unvergleichlich groß!), und Seine vollkommene Güte preisend kommt er Ihm antwortend entgegen.

Danach sieht er: Der Eine {Vahid-i Ahad: Eins über allen Geschöpfen, eins in jedem einzelnen Geschöpf. (A.d.Ü.)} prägt im Schlosse des Universums mit Seinem unnachahmlichen Münzsiegel, Seinem nur Ihm eigenen Siegel der Propheten, Seinem nur Ihm zubestimmten königlichen Siegel, kraft königlichen Privilegs allem Sein den Stempel Seiner Einheit (Vahdet)auf.

Und Er malt und stickt die Wunderzeichen Seiner Einheit (Tauhid)und richtet an den Enden des Weltenhimmels die Fahne Seiner Einheit (Vahdaniyet)auf und verkündet Seine Herrschaft. Der Mensch begegnet Ihm mit einer Affirmation, im Glauben, in der Einheit (Tauhid),in der Einsicht, mit dem Zeugnis, seinem Dienst und seiner Anbetung und kommt Ihm so antwortend entgegen.

So also wird er durch diese verschiedenen Arten der Anbetung und des Nachsinnens zum wahren Menschen, und er zeigt, dass er "Musterbeispiel der Schöpfung" geworden ist. Ausgestattet mit der Kraft und dem Segen des Glaubens wird dem Menschen eine Seele anvertraut als ein Gut, und er wird so ein treuer Kalif der Erde.

Oh du unbesonnener Mensch, der du mit dem höchsten Grad und Wert der Schöpfung erschaffen wurdest und in deiner Böswilligkeit auf die Seite der Niedrigsten der Niedrigen hinübergehst! Höre mich! Auch ich habe so wie du in der Trunkenheit meiner Jugend und in meiner Gottvergessenheit die Welt für schön und angenehm gehalten. In dem Augenblick, da ich an der Schwelle des Alters aus der Trunkenheit meiner Jugend erwachte, erkannte ich, wie hässlich jenes Antlitz der Erde war, das dem Jenseits abgewandt ist und das ich für schön gehalten hatte, und wie schön ihr wahres Antlitz ist, welches in das Jenseits hinüberschaut.

Betrachte nun die beiden Tafeln der Wahrheit, die ich im zweiten Kapitel des "Siebzehnten Wortes" beschrieben habe, und siehe selbst:

Erste Tafel:

Beschreibt die Wirklichkeit der Welt der Gottvergessenen, so als ginge ich selbst auf Irrwegen und so wie ich sie durch den Schleier der Gottvergessenheit gesehen habe, jedoch ohne betrunken zu sein.

Zweite Tafel:

Zeigt die wahre Welt derer, die recht geleitet und sich der göttlichen Gegenwart bewusst sind.

Ich habe sie so gelassen, wie ich sie damals beschrieben habe. Sie sehen wie ein Gedicht aus, sind aber kein Gedicht...

سُبْحَانَكَ لاَعِلْمَ لَنَآ اِلاَّ مَاعَلَّمْتَنَآ اِنَّكَ اَنْتَ الْعَلِيمُ الْحَكِيمُ ٭ رَبِّ اشْرَحْ لِى صَدْرِى ٭ وَيَسِّرْ لِىٓ اَمْرِى ٭ وَاحْلُلْ عُقْدَةً مِنْ لِسَانِى ٭ يَفْقَهُوا قَوْلِى ٭ اَللّٰهُمَّ صَلِّ عَلَى الذَّاتِ الْمُحَمَّدِيَّةِ اللَّطِيفَةِ اْلاَحَدِيَّةِ شَمْسِ سَمَآءِ اْلاَسْرَارِ وَمَظْهَرِ اْلاَنْوَارِ وَمَرْكَزِ مَدَارِ الْجَلاَلِ وَقُطْبِ فَلَكِ الْجَمَالِ ٭ اَللّٰهُمَّ بِسِرِّهِ لَدَيْكَ وَبِسَيْرِهِٓ اِلَيْكَ اٰمِنْ خَوْفِى وَاَقِلْ عُثْرَتِى وَاذْهِبْ حُزْنِى وَحِرْصِى وَكُنْ لِى وَخُذْنِى اِلَيْكَ مِنِّى وَارْزُقْنِى الْفَنَآءَ عَنِّى وَلاََتَجْعَلْنِى مَفْتوُناً بِنَفْسِى مَحْجُوباً بِحِسِّى وَاكْشِفْ لِى عَنْ كُلِّ سِرِّ مَكْتُومٍ ٭ يَاحَىُّ يَاقَيُّومُ ٭ يَاحَىُّ يَاقَيُّومُ ٭ يَاحَىُّ يَاقَيُّومُ ٭ وَارْحَمْنِى وَارْحَمْ رُفَقَآئِى وَارْحَمْ اَهْلَ اْلاِيمَانِ وَالْقُرْاٰنِ اٰمِينَ يَآ اَرْحَمَ الرَّاحِمِينَ وَيَآ اَكْرَمَ اْلاَكْرَمِينَ ٭ وَاٰخِرُ دَعْوٰيهُمْ اَنِ الْحَمْدُ ِللَّهِ رَبِّ الْعَالَمِينَ

{"Gepriesen seist Du! Wir haben kein Wissen, außer dem, das Du uns gelehrt hast. Denn du bist der Allwissende, der Allweise!" (Sure 2, 32) "Herr! Mache mir die Brust weit und meine Angelegenheiten leicht! Löse das Band meiner Zunge, damit sie meine Worte verstehen! Oh Allah! Gib Deinen Frieden und gieße aus Deinen Segen über Mohammed, der Sonne im Himmel der Geheimnisse, der Verkörperung der Lichter, dem Brennpunkt der Erhabenheit, dem Polarstern am Firmament der Schönheit. Oh Allah, bei Deinem Geheimnis, bei Deiner Gegenwart, bei seiner Himmelfahrt: gib mir Sicherheit in meiner Furcht, entwurzele mich, wenn ich zögere, vertreibe meine Sorge und meine Gier! Sei mit mir! Nimm mich von mir weg hin zu Dir! Gewähre mir, mich von mir selber zu lösen und lass nicht zu, dass ich in mich selbst vernarrt werde, beschämt werde durch meine Sinne! Entschleiere mir jedes verborgene Geheimnis! Oh Lebendiger! Oh Beständiger! (Ya Hayy! Ya Qayyum!) Erbarme Dich meiner! Erbarme Dich meiner Freunde! Erbarme Dich Deiner Gläubigen und derer, denen Du den Qur'an herabgesandt hast! Amen - Oh Erbarmer der Barmherzigen! Oh Großzügigster der Großzügigen!" Und der Schluss unseres Gebetes sei: "Aller Lobpreis und Dank gebührt Allah, dem Herrn der Welten!"}

Vierundzwanzigstes Wort

(Dieses Wort besteht aus "fünf Ästen". Beachte den vierten Ast, fasse den fünften Ast, klettere hinauf, pflücke die Früchte dort und nimm sie dir!)

بِسْمِ اللَّه الرَّحْمَنِ الرَّحِيمِ ٭ اَللَّه لآَ اِلٰهَ اِلاَّ هُوَ لَهُ اْلاَسْمَآءُ الْحُسْنٰى

{"Im Namen Gottes, des Erbarmers, des Barmherzigen. Gott ist einer allein. Es gibt keinen Gott außer Ihm. Ihm stehen all die schönen Namen zu." (Sure 20, 8)}

Hier wollen wir auf fünf Äste des Lichtbaumes dieser großartigen Ayah hinweisen, aus dem sie eine Wahrheit unter vielen anderen Wahrheiten bilden.

Erster Ast:

Ein König trägt in den Ämtern seiner Regierung verschiedene Titel, unterschiedliche Bezeichnungen und Eigenschaften bei den Schichten seiner Untertanen und besondere Namen und Orden in den Stufen seiner Königsherrschaft.

Zum Beispiel:

Bei dem Amt für Justiz heißt er der gerechte Richter, am Katasteramt der König, bei dem Militär der Marschall, im Ministerium für geistliche Angelegenheiten der Kalif und so weiter... Wenn du nun auch noch mehr von seinen Namen und Titeln kennst, dann verstehst du, dass ein einziger König in den Ämtern seines Königreiches und auf der Stufenleiter seiner Regierung tausend Namen und Titel besitzen kann. Dieser König ist in jedem Amt dank der Ausstrahlung seiner Persönlichkeit, kraft seiner Anordnungen und durch seine Nachrichtenverbindungen anwesend und gewissermaßen gegenwärtig. Er befindet sich dort und erfährt (alles). Und auf jeder Sprosse (seiner Beamtenleiter) wird er durch sein Gesetz, durch seine Anordnungen, in seinem

Stellvertreter gleichsam sichtlich zum Zeugen. Auf diese Weise sieht er alles und wird selbst sichtbar. Auf jeder Stufe sieht er durch seine Verwalter, durch seine Erlasse, durch seine Macht, durch sein Wissen, Kenntnisse, Kunde. Er lenkt und leitet und beobachtet.

Ebenso hat der König aller Ewigkeiten, welcher der Herr aller Welten ist, in den Ämtern Seiner Herrschaft unterschiedliche aber zueinander in Beziehung stehende Eigenschaften und Titel. In den Bereichen, in denen Seine Gottheit erkennbar ist, hat Er verschiedene aber ineinander erscheinende Namen und Orden, bei der Durchführung (der Anordnungen) Seiner Majestät verschiedene aber einander ähnelnde Erscheinungen, in Anwendung und Gebrauch Seiner Macht unterschiedliche aber aufeinander hinweisende Titel. Wenn Seine Eigenschaften aufstrahlen, tritt seine Heiligkeit auf verschiedene, jedoch gemeinsam auf sie hin deutende Weise hervor. In den Spuren Seiner Taten erkennt man Seine weisheitsvolle Lenkung und Leitung auf verschiedene, einander ergänzende Weise. In Seinen vielfarbigen, vielfältigen Kunstwerken erscheint Seine majestätische Herrschaft auf ganz unterschiedliche, doch zu einander geordnete Weise. Darüber hinaus treten die verschiedenen Schattierungen eines Seiner schönen Namen (Esma-i Husna)in jeder Art und Gattung und in allen Universen des Kosmos in Erscheinung. Dieser Name ist in diesem Bereich vorherrschend. Seine übrigen Namen stehen dem untergeordnet, finden sich vielmehr in dessen Schatten.

Außerdem tritt Er bei allen Arten Seiner Geschöpfe unter dem Blickwinkel eines bestimmten Namens und einem bestimmten Aspekt Seiner Herrschaft, in einer beschränkten oder reichlichen Anzahl, in kleinem oder großen Umfang, im individuellen oder allgemeinen Rahmen in Erscheinung. Das heißt: obwohl dieser Name alles umfasst und allgemein gültig ist, erkennt man, dass er sich einem Ding mit einer solchen Absicht und Wichtigkeit zuwendet, als wäre dieser Name nur diesem einen Ding bestimmt. Darüber hinaus verbirgt sich der majestätische

Schöpfer, obwohl Er allen Dingen nah ist, hinter siebzigtausend Lichtschleiern.

Zum Beispiel:

Mit Seinem Namen "der Schöpfer", der dir gegenüber in Erscheinung tritt, kannst du vergleichen, wie viele Schleier vorhanden sind, angefangen von der kleinen Stufe deiner Erschaffung bis zu der großen Stufe und dem gewaltigen Titel als Schöpfer des ganzen Kosmos.

Das heißt, du kannst erst dann durch das Tor deiner Erschaffung zu den unendlichen Grenzen des Namens "der Schöpfer" schreiten und dich dem Bereich dieser Eigenschaft nähern, wenn du den ganzen Kosmos hinter dir lassen kannst. Da sich aber in den einzelnen Schleiern Öffnungen befinden, die hintereinander liegen und die Namen ineinander erscheinen und die Eigenschaften in Beziehung zueinander stehen und deren Schattierungen ineinander verwoben sind und die einzelnen Abstufungen miteinander assoziiert sind und einander wach rufen und die Manifestationen einander gleichen und die Ausführungen einander helfen und ergänzen und die verschiedensten Arten der Aufzucht und Ausbildung in Seiner Herrschaft sich einander helfen und unterstützen, ist es doch notwendig, während man Gott den Gerechten mit einem Seiner Namen oder Seiner Titel und Würden oder Seiner Herrschaftsbereiche kennt, dass man Seine übrigen Titel, Herrschaftsbereiche oder Eigenschaften dabei nicht leugnet. Vielmehr kommt der zu Schaden, welcher von der Erscheinung eines Namens nicht zu den anderen Namen hinüber gelangen kann.

Zum Beispiel:

Sieht man die Werke der Namen "der Allmächtige und der Schöpfer" und kennt aber den Namen "der Allwissende" nicht, kann man in den Irrtum der Gottvergessenheit und des Naturalismus verfallen. Vielmehr ist es notwendig, dass sein Blick ständig vor sich lesen und sehen kann:

هُوَ، هُوَاللَّهُ

{"Er, Er ist der eine Gott."}

Sein Ohr soll bei allen Dingen hören können:

قُلْ هُوَ اللَّهُ اَحَدٌ

{"Sprich: Er ist der eine einzige Gott!"}

Seine Zunge soll sagen und bekannt geben können:

لآَ اِلٰهَ اِلاَّ هُو بََرَابَرْ مِينَ نَدْ عَا لَمْ

{"Die ganze Welt rezitiert gemeinsam, dass es keinen Gott gibt außer Ihm."}

اَللَّهُ لآَ اِلٰهَ اِلاَّ هُوَ لَهُ اْلاَسْمَآءُ الْحُسْنٰى

{"Gott ist einer allein. Es gibt keinen Gott außer Ihm. Ihm stehen all die schönen Namen zu." (Sure 20, 8)}

Mit diesem Erlass weist der offenkundige Qur'an auf die aufgezählten Wahrheiten hin.

Willst du diese hohe Wahrheit aus der Nähe betrachten, geh und frag das stürmische Meer, die bebende Erde danach. Frag sie: "Was sagt ihr dazu?" Du wirst doch hören, dass sie rufen: "Oh Majestät, oh Euer Majestät, oh Würdevoller, oh Zwingender!" Dann frage alle kleinen Tiere, frage die Jungtiere, welche im Meer oder auf dem Land barmherzig und liebevoll versorgt werden: "Was sagt ihr dazu?" Auch sie werden doch sagen: "Oh Gütiger, oh Vollkommener, oh Erbarmer, oh Barmherziger!"

{(*): Ich betrachtete sogar einmal die Katzen. Sie aßen ihre Speisen, spielten und schliefen. Ich dachte: "Wie kann man diese kleinen Raubtiere, die keine Pflichten haben, für gesegnet halten?" Später, in der Nacht legte ich mich hin, um zu schlafen. Ich merkte, eine von diesen Katzen kam und schmiegte sich an mein Kissen an. Sie legte ihren Kopf nahe an mein Ohr. Eindeutig rief sie "oh Barmherziger, oh Barmherziger, oh Barmherziger, oh Barmherziger", als wiese sie den Einspruch und die Herabschätzung in meinen Gedanken im Namen ihrer Gattung zurück und hielte sie mir vor. Ich fragte mich, ob dieser Ausruf nur dieser einen Katze zu eigen war oder ihrer ganzen Gattung im Allgemeinen, und ob ihn zu hören, nur mir, der ich ungerecht urteilte, möglich war, oder ob jeder andere, der ein wenig darauf achtete, gewissermaßen dasselbe hören könne? Später, am Morgen hörte ich die anderen Katzen. Nicht so klar wie diese eine in der Nacht, doch auch sie wiederholten denselben Ausruf mit unterschiedlicher Deutlichkeit. Anfänglich hörte man ihr Schnurren, erst dann bemerkte man den Ausruf "oh Barmherziger (ya Rahim)". Allmählich wurde ihr Murren und Schnurren ein "ya Rahim". Es wurde eine melancholische Rezitation, leise, gleichsam flüsternd, aber dennoch verständlich. Sie schlossen ihr Maul und rezitierten auf Schönste "ya Rahim". Ich erzählte das den Mitbrüdern, die mich besuchten. Auch sie achteten darauf und sagten: "In gewissem Grade hören wir es." Dann kam es mir in das Herz: "Woran liegt es, dass sie nur diesen Namen ausrufen? Warum rezitieren sie mit menschlicher Zunge und nicht in der Sprache der Tiere?" Mir kam ins Herz: Diese Tiere sind wie Kinder verpäppelt und verwöhnt und ein Freund des Menschen, der mit ihm zusammen lebt. Deswegen bedürfen sie besonders der Liebe und Barmherzigkeit. Sie freuen sich, wenn sie gestreichelt werden. Als Dank für diese Zuwendung lassen sie, anders als die Hunde, die Ursachen außer Acht und machen die Barmherzigkeit ihres barmherzigen Schöpfers in ihrer Welt bekannt. Dadurch ermahnen sie die Menschen, die im Schlaf der Gottvergessenheit sind, und sie erinnern die Ursachenanbeter mit dem Ausruf "oh Barmherziger", von wem die Hilfe kommt und von wem man Barmherzigkeit erwarten soll.}

Höre die Stimme der Atmosphäre, wie sie ruft: "Oh Du majestätischer Herr aller Schönheit!" Und leihe dein Ohr der Erde, wie sie ruft: "Oh Herr der Herrlichkeiten!" Und achte auf die Tiere, wie sie rufen: "Oh Erbarmer, oh Versorger!" Frage den Frühling. Siehe, wie du von ihm viele Namen hören wirst wie "Oh Gütiger, oh Erbarmer, oh Barmherziger, oh Freigiebiger, oh Gastfreundlicher, oh Mitleidiger, oh Du, der Du alle Dinge schmückst und gestaltest, der Du alles und jeden erleuchtest und ihm spendest!" Und frage einen Menschen, der wirklich ein Mensch ist. Siehe, wie er alle schönen Namen Gottes vorträgt und sie ihm ins Gesicht geschrieben stehen. Und wenn auch du darauf achtest, kannst du sie lesen. Der ganze Kosmos gleicht einer gewaltigen Musikkapelle, die Gottes gedenkt. Der winzigste Klang mischt sich mit den stärksten Klängen und bringt eine gewaltige Harmonie hervor.

Und so kannst du noch weitere Vergleiche ziehen. Doch insoweit der Mensch auch alle Namen Gottes offenbart, verursachen die verschiedene Namen Gottes, welche die unterschiedlichen Arten im Kosmos und die unterschiedlichen Dienste und Anbetungen der Engel zur Folge haben, gewissermaßen auch die Verschiedenheit der Menschen. Die unterschiedlichen Gesetze der Propheten, die unterschiedlichen Wege der Gottesfreunde (Heiligen) und die unterschiedlichen Methoden der Reinen (Theologen) entstehen aus diesem Geheimnis.

Zum Beispiel:

In Jesus, mit dem Friede und Segen sei, dominierte der Name "der Allmächtige" über alle die anderen Namen. Bei den Leuten, die in der Liebe Gottes leben, herrscht der Name "der Freund" und bei den Leuten, die im Nachsinnen über Gott leben, der Name "der Allweise" vor.

Wäre ein Mann sowohl ein Lehrer, als auch ein Offizier und auch ein Justizbeamter und auch ein Inspektor beim Katasteramt, würde er eine Beziehung zu jedem seiner Ämter, einen Auftrag, einen Dienst, ein Gehalt, eine Verpflichtung, eine Karriere und einen Feind und Konkurrenten haben, der eine Ursache für seine Erfolglosigkeit sein könnte. Dem König gegenüber tritt er mit seinen verschiedenen Titeln auf und kennt auch den König diesen Titeln entsprechend. Er bittet ihn mit verschiedenen Ansprachen um Hilfe. Er wendet sich an seinen Chef unter vielen verschiedenen Namen. Und um sich vor den Bosheiten seiner Feinde zu retten, bittet er in verschiedener Weise um seine Hilfeleistung.

Genauso wiederholt ein Mensch, in dem sich verschiedene Namen (Gottes) offenbaren, der mit verschiedenen Aufgaben betraut ist, von verschiedenen Feinden bedroht ist, verschiedene Namen, wenn er zu Gott betet und bei Ihm Zuflucht sucht. Ebenso bringt auch Mohammed, der Araber, mit dem Friede und Segen sei, auf den das Menschengeschlecht stolz ist, der wahrhaftig und mit Recht ein vollkommener Mensch ist, sein Bittgebet namens Djaushenu l-Kebir(das mächtige Panzerhemd) mit

tausendundeinem Namen dar und sucht bei Ihm vor dem Feuer Zuflucht. In der 114. Sure, 1-4

قُلْ اَعُوذُ بِرَبِّ النَّاسِ ٭ مَلِكِ النَّاسِ ٭ اِلٰهِ النَّاسِ ٭ مِنْ شَرِّ الْوَسْوَاسِ الْخَنَّاسِ

{"Sprich: Ich nehme meine Zuflucht zum Herrn der Menschen, dem König der Menschen, dem Gott der Menschen, vor dem Übel des Einflüsterers, dem Heimtückischen."}

befiehlt Gott der Gerechte uns in diesem Geheimnis, bei Ihm unter diesen drei Titeln Zuflucht zu suchen und durch

بِسْمِ اللَّهِ الرَّحْمَنِ الرَّحِيمِ

{"Im Namen Gottes des Erbarmers des Barmherzigen."}

weist Er uns darauf hin, Ihn mit drei Namen um Hilfe zu bitten.

Zweiter Ast:

Hier werden zwei Geheimnisse erklärt, welche die Schlüssel vieler weiterer Geheimnisse enthalten.

Erstes Geheimnis:

"Weshalb sind die Gottesfreunde in ihren geistigen Beobachtungen und Entdeckungen so widersprüchlich, obwohl sie sich doch in den Prinzipien des Glaubens einig sind? Wie kommt es, dass ihre geistigen Entdeckungen, die sie visionär erleben, manchmal nicht den Tatsachen entsprechen, der Wahrheit widersprechen? Und weiter: warum sehen und zeigen Denker und Theoretiker jeder seiner eigenen Meinung entsprechend, die er aufgrund unwiderlegbarer Beweise für wahr hält, die Wahrheit in einander widersprechender Weise? Wie kann die eine Wahrheit in verschiedenen Farben erscheinen?"

Zweites Geheimnis:

"Warum haben die vorausgegangenen Propheten einige Pfeiler des Glaubens wie die leibliche Wiederauferstehung nach dem Tode nur kurz erwähnt und nicht wie der Qur'an detaillierte Angaben gemacht? Später ist ein Teil ihrer Gemeinden so weit gegangen, diese kurz zusammengefassten Pfeiler des Glaubens zu leugnen. Warum ist ein Teil der Gottesfreunde (Heiligen), die wahrhaftige Gotteskenner waren, nur in

der Einheit Gottes fortgeschritten? Sie sind darin sogar bis zum Grade der selbst erlebten Gewissheit gelangt. Trotzdem sieht man aber einen Teil der Glaubenspfeiler in ihrer Art sehr wenig und nur kurz erwähnt. Deswegen haben ihre Gefolgschaften später sogar diesen Glaubenspfeilern nicht mehr die notwendige Bedeutung beigemessen. Einige von ihnen sind sogar irregegangen. In der Tat gelangt man aber durch die Entwicklung aller Glaubenspfeiler zur wahrhaftigen Vollendung. Warum sind die Kenner der Wahrheit in manchem weit fortgeschritten und in manchem weit zurückgeblieben? Es machen doch der Ehrenwerte Gesandte, mit dem Friede und Segen sei, bei dem alle Namen Gottes in stärkstem Umfang in Erscheinung treten und der der Bannerträger aller Propheten ist, und der weise Qur'an, der der strahlende Fürst unter allen heiligen Büchern ist, über alle Glaubenspfeiler in aller Klarheit mit besonders nachdrücklicher Betonung und in einem dementsprechend absichtsvollen Stil detaillierte Angaben."

Es ist denn in der Tat die wahrhaftige, vollendete Vollkommenheit genau eben diese. Die Weisheit dieser Geheimnisse ist folgende:

In einem Menschen offenbaren sich zwar alle Namen Gottes und er ist auch zu aller Vollkommenheit fähig. Jedoch seine Kraft ist aber nur ein Bruchteil, seine Entscheidungsfreiheit nur ein Bruchteil, seine Begabungen sind unterschiedlich, seine Wünsche weichen voneinander ab. In diesem Zustand sucht er zwischen Tausenden Schleiern und Übergängen nach der Wahrheit. Aus diesem Grunde tauchen bei der Entdeckung der Wirklichkeit und bei der Schau der Wahrheit Übergänge auf. Manche können diese Übergänge nicht passieren. Die Begabungen sind sehr unterschiedlich. Die Begabung mancher mag für die Entdeckung mancher Glaubenspfeiler nicht dienlich sein. Darüber hinaus sind die Farben der Erscheinungen der Namen entsprechend dem, der sie empfängt, verschiedenartig. Sie zeigen sich verschiedenartig. Manchmal kann ein Empfänger die vollständige Erscheinung

eines Namens nicht ganz erfassen. Außerdem nehmen die Erscheinungen der Namen unterschiedliche Formen an, je nachdem, ob sie allumfassend oder persönlich und schattenhaft oder ursprünglich erscheinen. Die Begabung mancher kann nicht über eine bruchstückhafte Erscheinung hinaus schauen und nicht aus ihrem Schatten heraustreten. Je nach der Begabung herrscht manchmal nur ein bestimmter Name, der allein seine eigene Wirkung ausübt. Hier wollen wir auf dieses tiefe Geheimnis, diese umfangreiche Weisheit mit einem umfangreichen Gleichnis einige Hinweise geben, in dem bis zu einem gewissen Grade die Wahrheit bereits erkennbar wird.

Nehmen wir zum Beispiel einmal an, da wäre eine prachtvolle Blume, die wir Iris nennen wollen, einen kristallklaren Tautropfen, in dem sich die Sonne spiegelt, einen Tropfen lebendigen Wassers, der in den Mond verliebt ist, der sich in ihm spiegelt. Jeder von ihnen hat ein eigenes Bewusstsein und kann sich vervollkommnen, wonach auch jeder ein brennendes Verlangen hat. Mit diesen drei Dingen wird auf viele Wahrheiten hingewiesen, wobei sie auch auf die Vervollkommnung der Seele, des Verstandes und des Herzens hinweisen. Und es ist auch ein Beispiel für drei Schichten der Leute der Wahrheit.

{(*): In jeder Schicht gibt es drei Gruppen. Die drei Spieler in unserem Gleichnis stellen je drei Gruppen jeder Schicht dar, also insgesamt neun Gruppen.}

Erstens:

Es ist ein Hinweis auf die Denker, die Geistlichen und die Gottesgesandten.

Zweitens:

Es ist ein Beispiel für die Leute, die hin zur Wahrheit voranschreiten, indem sie sich mit ihren materiellen Möglichkeiten um Vollkommenheit bemühen;

und für die Leute, die hin zur Wahrheit voranschreiten, indem sie sich darum bemühen, ihre Seele zu läutern und ihren Geist dienstbar zu machen;

und für die Leute, die durch Läuterung ihres Herzens, durch Glauben und durch Ergebenheit hin zur Wahrheit voranschreiten.

Drittens:

Es ist ein Beispiel, das auf den Sinn der Unterschiede der drei Gruppen mit unterschiedlichen Begabungen hinweist. Zum einen für diejenigen, die ihren Egoismus nicht aufgeben, die in ihren Werken aufgehen und allein durch ihre eigenen Schlussfolgerungen hin zur Wahrheit voranschreiten;

und für diejenigen, die sich mit Wissen und Weisheit, mit Verstand und Erkenntnis auf die Suche nach der Wahrheit machen;

und für diejenigen, die mit dem Glauben und dem Qur'an, in Armut, mit ihrem Dienst und in der Anbetung rasch zur Wahrheit hin voranschreiten.

Nun wollen wir das Geheimnis und die umfangreiche Weisheit, die in dem Voranschreiten dieser drei Schichten liegt, bis zu einem gewissen Grade in einem Spiel unter den Bezeichnungen "die Iris", "der Wassertropfen", "der Tautropfen" darstellen.

Zum Beispiel:

Die Sonne hat mit der Erlaubnis und mit dem Befehl ihres Schöpfers drei Arten von Erscheinungen, Widerspiegelungen und Ausstrahlungen. Es sind verschiedenartige Widerspiegelungen, nämlich erstens in den Blumen, zweitens im Mond und in den Planeten und drittens in glänzenden Dingen wie Glas oder Wasser.

Die erste ist auf drei Arten:

Eine ist ihre ganzheitliche und umfassende Erscheinung und Widerspiegelung, eine Ausstrahlung, die sich über alle Blumen gleichzeitig ergießt.

Eine andere ist ihre spezielle Erscheinung, die sich in jeder Art gesondert widerspiegelt.

Die dritte ist ihre gewissermaßen individuelle Erscheinung, die auf die besondere Eigenart jeder einzelnen Blume ausstrahlt. Wir wollen nun unser Spiel mit der Aussage beginnen, dass die bunten Farben der Blumen aus der Umwandlung der sieben Farben in den Widerspiegelungen des Sonnenlichtes entstehen. Dieser Aussage

entsprechend sind auch die Blumen eine Art Spiegel der Sonne.

Zweitens:

Es ist das Licht und die Kraft, die die Sonne mit der Erlaubnis des allweisen Schöpfers dem Mond und den Planeten spendet. Diese ganzheitliche und umfassende Kraft und dieses Licht von der Sonne, das bei uns als Widerspiegelung jenes Lichtes gilt, gebraucht der Mond als ein Ganzes. Dann gibt er es in einer besonderen Form den Meeren, der Luft, glänzenden Erdschichten, in winzig kleinen Portionen den Wassertropfen der Meere, den glänzenden Steinen und Kristallen der Erde und den Atomen der Luft zu Nutz und Segen weiter.

Drittens:

Die Sonne macht mit dem Befehl Gottes die Atmosphäre und die Oberfläche der Meere zu Spiegeln und hat in ihnen eine klare, ganzheitliche und direkte Widerspiegelung. Dann schenkt die Sonne den Wasserbläschen des Meeres, den Tropfen des Wassers, den Regentropfen in der Luft und den Schneeflocken je eines ihrer winzigen Spiegelbilder.

Also wendet sich die Sonne jeder Blume und dem Mond, jedem Wassertropfen und jedem Tautropfen in den oben erwähnten drei Hinsichten auf zwei Arten zu und spendet ihnen Kraft.

Die erste Art

geschieht ursprünglich, unmittelbar, ohne einen Vermittler oder einen Schleier. Diese Weise stellt das Beispiel des Prophetentums dar.

Bei derzweiten Art

gibt es Mittler. Die Eigenart derer, die als Spiegel oder Linse dienen, fügen den Erscheinungen der Sonne ihre jeweilige Färbung bei. Diese Art stellt den Weg der Gottesfreunde (Heiligen) dar.

Nach der ersten Art kann jeder von ihnen, "die Iris", "der Wassertropfen", "der Tautropfen" sagen: "Ich bin ein Spiegel der Sonne, die über der ganzen Welt scheint!" Nach der zweiten Art können sie aber nicht so sagen. Vielmehr sagen sie dann: "Ich bin der Spiegel meiner Sonne!", oder "Ich bin der Spiegel der Sonne, die über meiner Art scheint!" Denn sie kennen die Sonne nur auf

ihre Art und können die Sonne nicht kennen, wie sie über der ganzen Erde scheint. Dagegen erscheint ihnen ihre Sonne, die Sonne ihrer Art oder Gattung nur durch Vermittler und nur mit Einschränkungen. Sie vermögen die Werke der uneingeschränkten, ohne einen Mittler scheinenden und alles umfassenden Sonne nicht ihrer eigenen, beschränkten Sonne zuzuschreiben. Denn die ganze Erde zu erwärmen, zu erleuchten, das Leben der Tiere und aller Pflanzen zu erwecken, die Planeten um sich kreisen zu lassen und dergleichen großartige Werke können sie nicht aus der Überzeugung ihres Herzens der Sonne zuschreiben, die sie unter jenen eingeschränkten Bedingungen und durch die Begrenzung eines Mittlers sehen.

Wenn diese drei Dinge, die wir als Bewusstseinsträger angenommen haben, diese einzigartigen Werke ihrer eigenen Sonne, die sie unter jener Einschränkung betrachten, zuschreiben wollen, können sie sie ihr erst dann zuschreiben, wenn sie rein logisch denkend zu dem festen Glauben gelangt sind, dass diese vermeintlichen Beschränkungen der Vollkommenheit gleich kommen. Aber diese Schlussfolgerungen von "der Iris", "dem Wassertropfen" und "dem Tautropfen", die wir Menschen uns als vernünftig vorstellen, das heißt, dass sie diese überaus riesigen Werke ihrer Sonne zuschreiben, beruhen auf Vernunft, nicht auf eigener Erfahrung. Manchmal geraten ihre Schlussfolgerungen durch den Glauben mit ihren Beobachtungen der Gegebenheiten in Widerspruch. Dann können sie nur schwer glauben.

So müssen wir denn nun, da für die Wahrheit nur wenig Raum geboten ist und wo von der Wahrheit nur mehr in manchen Ecken Teile sichtbar und vielmehr mit der Wahrheit vermischt sind, alle drei in unser Spiel mit einbeziehen. Wir stellen sie alle drei als "die Iris", "den Wassertropfen" und "den Tautropfen" vor. Da das Bewusstsein, das ihnen zugesprochen wurde, nicht ausreicht, müssen wir ihnen auch noch den Verstand zur Hilfe geben. Das heißt, sie müssen verstehen, dass sie von ihrer materiellen Sonne genauso viel Segen empfangen,

wie wir von unserer geistigen Sonne.

Oh mein Freund mit deiner der Finsternis verfallenen Seele, der du die Welt nicht vergisst und dich statt dessen mit materiellen Dingen beschäftigst! Du sollst "die Iris" sein. Diese "Iris" bekommt eine Farbe, die durch das Sonnenlicht ausgelöst wird. Sie löst das Spiegelbild der Sonne in dieser einen Farbe auf und bekleidet und schmückt sich damit. Denn auch deine Begabung gleicht der ihren.

Des Weiteren soll der Philosoph mit westlicher Bildung, der sich wie "der Alte Said" in den Ursachen verloren hat, "der Wassertropfen" sein, der in den Mond verliebt ist. Ihm gibt der Mond den Reflex des Lichtes, das er von der Sonne empfängt, schenkt seiner Pupille ein Licht. Er glänzt auch in diesem Licht. In diesem Licht sieht der "Wassertropfen" aber nur den Mond. Er kann nicht die Sonne sehen. Er kann sie nur in seinem Glauben betrachten.

Des Weiteren soll dieser arme Mann, der alles unmittelbar von Gott dem Gerechten weiß und die Ursachen als einen Schleier versteht, "der Tautropfen" sein. Er ist als ein "Tautropfen" arm in sich selbst. Er hat überhaupt nichts, worauf er sich stützen kann und womit er wie "die Iris" auf sich selbst vertrauen könnte. Er hat keine Farbe, mit der er sich zeigen könnte. Er kennt auch keine anderen Dinge, zu denen er sich wenden könnte. Er hat eine lautere Reinheit, sodass er das Spiegelbild der Sonne unmittelbar in seiner Pupille bewahrt.

Da wir nun einmal die Rolle dieser drei angenommen haben, müssen wir nun uns selbst betrachten. Was haben wir? Was sollen wir machen?

So sehen wir denn hier, dass uns ein freigiebiger Herr mit seiner Güte überaus gut ausstattet, belehrt und erzieht. Was aber den Menschen betrifft, so verehrt er den, der ihm gegenüber gütig ist. Er will sich dem, dem die Verehrung gebührt, nähern und ihn sehen. Unseren Begabungen entsprechend wird sich jeder von uns durch

die Anziehungskraft dieser Liebe auf den Weg machen.

Oh du, welcher du der "Iris" gleichst! Du gehst, aber geh in der Gestalt einer Blume! In dieser Gestalt bist du gegangen. Durch ständiges Voranschreiten bist du zu einer Stufe gelangt, die allen gemeinsam ist. So als geltest du (als Beispiel) für alle Blumen. Eine "Iris" ist aber ein trüber Spiegel. Bei ihr werden die sieben Farben des Lichtes gebrochen und (alle bis auf das Blau der Iris) aufgesogen. Sie verbirgt das Spiegelbild der Sonne. Dir wird es nicht gelingen, das Antlitz der Sonne zu betrachten, die du liebst. Denn die vorgegebenen Farben und Besonderheiten lösen sie auf, ziehen einen Schleier davor, können sie nicht zeigen. Du kannst dich in diesem Zustand von der Trennung nicht befreien, die durch das Dazwischentreten der Formen und der Mittler entsteht. Nur unter dieser einen Bedingung kannst du dich befreien: dass du deinen Kopf, der in die Liebe zu dir selbst eingetaucht ist, aufhebst und deinen Blick, der sich mit den Schönheiten deiner selbst vergnügt und sich ihrer rühmt, abziehst und dem Auge der Sonne im Antlitz des Himmels zuwendest. Zudem sollst du dein Gesicht, das um des Lebensunterhalts willen erdwärts schaut, zur Sonne dort droben hin wenden. Denn du bist ja ihr Spiegel. Deine Aufgabe besteht gerade darin, ein Spiegel zu sein. Ob du es weißt oder nicht, wird dein Lebensunterhalt von Seiten der Erde kommen, die das Tor der Schatzkammer der Barmherzigkeit ist. Tatsächlich ist eine Blume ein winzig kleiner Spiegel der Sonne. Auch die riesige Sonne ist nur ein Spiegel, gleicht einem Tropfen im Meer des Himmels für den Glanz, der durch den Namen der Urewigen-Sonne "Licht (Nur)"erscheint.

Oh du Menschenherz! Wisse, welch einer Sonne Spiegel du bist! Nachdem du diese Bedingung erfüllt hast, kannst du deine Vollendung finden. Du kannst aber die Sonne nicht so betrachten, wie sie in Wirklichkeit ist. Diese Wirklichkeit kannst du nicht nackt begreifen. Vielmehr geben ihr die Farben deiner Eigenschaften eine Farbe und gibt dein trübes Fernglas ihr eine Form und deine

begrenzte Begabung setzt ihr eine Grenze.

Nun auch du, weiser Philosoph, der du in den Wassertropfen hineingegangen bist! Durch das Fernglas deiner Bildung von der Größe eines Wassertropfens und durch die Leiter deiner Wissenschaft bist du bis zum Mond emporgestiegen. Du bist auf dem Mond gelandet. Siehe, der Mond ist in seinem Wesen dicht und finster. Er hat weder Licht noch Leben. Deine Mühe ist nutzlos, dein Wissen ist ohne Nutzen. Du kannst dich vor der Finsternis der Verzweiflung und vor der Wildnis deines Nichts-und-Niemand-Seins und vor der Beunruhigung durch die bösen Geister und vor der Grausamkeit dieser Einsamkeit nur unter einer einzigen Bedingung retten, wenn du die Nacht der Naturphilosophie verlässt und dich zu der Sonne der Wahrheit wendest und mit Gewissheit glaubst, dass diese Lichter der Nacht die Spiegelung der Lichter der Sonne am Tage sind. Erst nachdem du diese Bedingung erfüllt hast, kannst du deine Vollendung finden. An Stelle des armen, dunklen Mondes findest du die majestätische Sonne. Du kannst aber auch nicht, wie dein anderer Freund, die Sonne ungeschützt betrachten. Du kannst sie vielmehr nur hinter den Schleiern betrachten, mit denen dein Verstand und deine Philosophie vertraut und verbunden sind, und hinter den Vorhängen, die dein Wissen und deine Weisheit dir gewebt haben, und in einer Farbe, die deine Fähigkeiten dir (von Natur aus) gegeben haben.

Hier ist nun der dritte Freund, der dem "Tautropfen" gleicht, welcher sowohl arm, als auch farblos ist. Durch die Hitze der Sonne verdampft er rasch, verlässt sein Ego, besteigt den Dampf und erhebt sich in die Lüfte. Sein irdisches Kleid fängt durch den Funken der Liebe Feuer und Licht. Er klammert sich an einen Strahl der Erscheinungen dieses Lichtes und nähert sich ihm. Oh du, der du dem "Tautropfen" gleichst! Da du nun einmal der Sonne unmittelbar als Spiegel dienst, wirst du stets, auf welcher Stufe du dich auch immer befinden magst, ein Loch, ein Fenster finden, durch das du die Sonne selbst im Grade augenscheinlicher Sicherheit unverstellt betrachten kannst.

Zudem wirst du mit keinen Schwierigkeiten zu kämpfen haben, die einzigartigen Werke der Sonne ihr selbst zuzuschreiben. Du kannst ihr die ihr gebührenden majestätischen Eigenschaften ohne Zweifel zuschreiben. Während du ihr die großartigen Spuren des Königreiches ihres Wesens zuschreibst, kann nichts deine Hände fesseln und davon abbringen. Weder eine Einengung durch Mittler, noch eine Beschränkung (deines Vertrauens in Gott durch dein Vertrauen auf deine eigenen) Fähigkeiten, noch die Kleinheit der Spiegel(reflexionen) können dich täuschen und dazu führen, dass du entgegen der Wahrheit läufst. Denn da du sie klar, unverstellt, unmittelbar betrachtet hast, hast du auch verstanden, dass keine von denen, die in den Objekten erscheinen und in den Spiegeln zu sehen sind, die wahre Sonne ist, sondern dass sie eine Art ihrer Erscheinungen und eine Art ihrer bunten Widerspiegelungen sind. Zwar sind diese Widerspiegelungen ihre Titel, aber sie können alle Werke ihrer majestätischen Größe nicht zeigen.

So führen denn diese drei so verschiedenen Wege unseres Spiels, das zur Darstellung der Wahrheit dienen soll, zur Vollendung. Sie unterscheiden sich in den Besonderheiten der Vollendung und in den Einzelheiten der Stufen geistiger Schau. Sie stimmen aber in dem Ergebnis und in der Gewissheit des Rechtes und in der Bestätigung der Wahrheit überein.

Ein Mann, ein Nachtwandler, der niemals die Sonne gesehen hat, kennt nur ihren Widerschein im Spiegel des Mondes. Er kann sich die majestätische Ausstrahlung, die unglaublich großartige Anziehung, die der Sonne Eigen ist, nicht vorstellen. Vielmehr schließt er sich denjenigen, die sie gesehen haben, an und ahmt sie nach. Genauso kann derjenige, der durch das Erbe Ahmeds(: gemeint ist die Lehre und die Tradition Mohammeds, mit dem Friede und Segen sei) die gewaltige Stufe der Namen, wie des Allmächtigen und des Lebensspendenden, nicht erkennt, die gewaltige Wiederversammlung und die Große Wiederauferstehung nur traditionell annehmen.

Er sagt: "Sie ist keine Frage des Verstandes." Denn die Wahrheit der Wiederversammlung und der Wiederauferstehung ist eine Offenbarung des gewaltigen Namens und mancher Namen auf ihrer gewaltigsten Stufe. Wessen Blick nicht bis dorthin gelangen kann, der kann dies nur (im Glauben) annehmen. Wer aber mit seinen Überlegungen bereits soweit vorangeschritten ist, der hält die Wiederversammlung und die Wiederauferstehung für so leicht wie den Wechsel von Nacht und Tag, Winter und Frühling, und nimmt in der Zufriedenheit des Herzens (den Glauben) an.

Aus diesem Geheimnis erklärt also der Qur'an die Wiederversammlung und die Wiederauferstehung in der gewaltigsten Stufe mit ausführlichen Einzelheiten und der Gesandte Gottes, mit dem Friede und Segen sei, dem der gewaltigste Name offenbart wurde, unterrichtet uns darüber. Was aber die vorherigen Propheten betrifft, so hatten sie ihren Gemeinden, die verhältnismäßig einfach und ursprünglich waren, als Erfordernis der Weisheit der Rechtleitung die Wiederversammlung noch nicht in ihrem gesamten Umfang und in allen Einzelheiten gelehrt. Es geschah auch aus dieser tiefen Weisheit, dass ein Teil der Gottesfreunde manche Grundpfeiler des Glaubens nicht in ihrer gewaltigen Stufe erkennen oder aufzeigen konnten. Aus diesem Geheimnis zeigen die Stufen der Kenner in der Gotteserkenntnis große Unterschiede. Noch dergleichen weitere Geheimnisse entfalten sich aufgrund dieser Wahrheit. Da dieses Gleichnis die Wahrheit in gewissem Grade erahnen lässt und da die Wahrheit sehr umfangreich und sehr tief ist, begnügen auch wir uns hier mit diesem Gleichnis. Wir werden uns nicht mit den Geheimnissen befassen, welche über unsere Grenzen und unsere Kraft hinaus gehen.

Dritter Ast:

Da die ehrwürdigen Überlieferungen, die von den Zeichen des Weltuntergangs und von den Ereignissen der Endzeit und von den Vorzügen und den Verdiensten mancher guter Taten handeln, nicht genau verstanden werden, halten ein Teil der Wissenschaftler

sie für schwach (d.h. nicht nachweisbar) oder für widerlegt. Ein Teil von ihnen, dessen Glaube schwach und dessen Ego stark ist, ist bis zur Leugnung gegangen. Hier wollen wir uns nicht mit den ausführlichen Einzelheiten befassen und nur "zwölf Pfeiler" erklären.

Erster Pfeiler:

Es ist die Frage, die schon bezüglich der Frage und der Antwort am Ende des "Zwanzigsten Wortes" besprochen wurde. Eine Zusammenfassung davon lautet wie folgt: Der Glaube ist eine Prüfung, eine Erfahrung. Er unterscheidet erhabene Geister von niederen. Darum soll er von den Ereignissen, die in der Zukunft für jeden augenscheinlich sichtbar werden, in der Weise berichten, dass sie weder ganz und gar unbekannt bleiben, noch eindeutig erkennbar werden, wodurch sie jeder gewollt oder ungewollt hätte bestätigen müssen. Er öffnet dem Verstand das Tor, nimmt ihm aber die Entscheidungsfreiheit nicht aus den Händen. Wenn ein Zeichen des Weltuntergangs völlig eindeutig erkennbar wäre und es ein jeder bestätigen müsste, dann würde eine Einstellung (so gewöhnlich) wie Kohle mit einer Einstellung (so erlesen wie) Diamanten vermischt bleiben. Der Sinn des Angebotes und die Folge der Prüfung gingen verloren. Deswegen kamen viele Meinungsverschiedenheiten bezüglich der vielen Fragen, wie der Fragen über Mehdi und Sufyan zu Stande. Darüber hinaus sind die Überlieferungen auch sehr unterschiedlich, und dadurch entstanden voneinander entgegengesetzte Auffassungen.

Zweiter Pfeiler:

Islamische Fragen gibt es auf verschiedenen Stufen. Verlangt eine nach einem sicheren Beweis (für den hinterfragten Gegenstand), begnügt sich eine andere damit, dass man (das Gefragte) für äußerst wahrscheinlich hält. Noch eine andere erfordert nur, dass man (mit der gegebenen Antwort) einverstanden ist und (sie) nicht ablehnt. Deswegen soll man bei jeder Frage, die nicht die (allgemeinen) Glaubensgrundsätze betrifft und die zu den Einzelheiten gehört (über die man verschiedener Meinung sein kann), und bei jedem Ereignis, welches über die Zeichen der Zeit vorausgesagt wurde,

nicht nach einem sicheren Beweis verlangen. Vielmehr soll man sich damit begnügen, etwas nicht zu bestreiten, sondern für möglich zu halten.

Dritter Pfeiler:

In der Zeit der Gefährten Mohammeds (Friede und Segen sei mit ihm) bekehrten sich viele von den Gelehrten unter den Söhnen Israels und unter den Christen zum Islam. Auch ihre alten Kenntnisse (vergangener Dinge) wurden mit ihnen zusammen islamisch. Manche ihrer vorherigen Kenntnisse, die den tatsächlichen Geschehnissen zuwider liefen, wurden gleichfalls für Eigentum des Islam gehalten.

Vierter Pfeiler:

Manche Aussagen der Überbringer der ehrwürdigen Ahadith oder deren Ausdeutungen hielt man für den Text der Ahadith. Da der Mensch nicht frei von Fehlern ist, wurden manche ihrer der Wahrheit zuwiderlaufende Ausdeutungen oder Worte für Hadith gehalten, jedoch für schwach erklärt.

Fünfter Pfeiler:

Dem Sinn der folgenden Überlieferung entsprechend

مُلْهَمُونَ: اِنَّ فِى اُمَّتِى مُحَدَّثوُنَ

{"Wahrlich finden sich in meiner Gemeinde solche, die Inspirationen erhalten, d.h. diejenigen, die Eingebungen haben."}

entstanden manche Aussagen, die man für Hadith hielt, durch die Inspirationen einiger Hadithgelehrter, Männern einer inneren, geistigen Schau, die Inspirationen empfingen, die Gottesfreunde waren. Es können in den Inspirationen der Gottesfreunde - bei Ungenauigkeiten - Mängel erscheinen. Auf diese Art kann also ein Teil der Überlieferungen der Wahrheit zuwiderlaufen.

Sechster Pfeiler:

Es gibt manche Erzählungen, die unter den Menschen berühmt wurden. Sie gelten als (Erzählungen), die Beispiele geprägt haben. Man soll sie nicht für bare Münze nehmen, sondern für das betrachten, wozu sie geprägt worden sind. So erwähnte der ehrenwerte Gesandte, mit dem Friede und Segen sei, manche

Gleichnisse und Erzählungen dieser Art, welche unter den Menschen bekannt waren, als Lehrbeispiele oder als eine Art Andeutung. Wenn die wörtlichen Aussagen in solchen Fällen fehlerhaft erscheinen, sollte man sie zu den Traditionen und menschlichen Gewohnheiten rechnen, zu dem, was man so ganz allgemein vom Hörensagen her kennt.

Siebter Pfeiler:

Es gibt sehr viele Vergleiche und Beispiele, die mit der Zeit oder durch den Wechsel aus der Hand des Wissens in die Hände des Unwissens nun wörtlich verstanden wurden. So kommt man zu Fehlern.

Zum Beispiel:

Zwei Engel Gottes, die "Sevr(Stier)" und "Hut(Fisch)" genannt werden, und in der Welt der Beispiele und Gleichnisse als Stier und Fisch erscheinen und die Tiere auf dem Land und in den Meeren beobachten, stellte man sich irrigerweise als einen riesigen Stier und einen leibhaftigen Fisch vor und versuchte diese Überlieferung zu kritisieren.

Ein weiteres Beispiel:

Einmal hörte man in Gegenwart des Propheten ein dumpfes Geräusch. Der ehrenwerte Gesandte, mit dem Friede und Segen sei, sagte: "Dieses Geräusch kommt von einem Stein, der seit siebzig Jahren hinab gerollt und in diesem Augenblick auf dem Boden der Hölle aufgeschlagen ist." So kann jemand, der diese Überlieferung hört, der aber die Wahrheit nicht kennt, versuchen, sie zu leugnen. In Wirklichkeit steht mit Sicherheit fest, dass kurz danach jemand kam, der dem ehrenwerten Gesandten, mit dem Friede und Segen sei, die Nachricht überbrachte: "Der bekannte Heuchler (Munafiq)ist vor kurzem verstorben." Der ehrenwerte Gesandte, mit dem Friede und Segen sei, erklärte in einer überaus treffenden Weise, dass dieser Munafiq in seinem siebzigsten Lebensjahr, nachdem er ein Leben lang wie ein Stein seinen Weg zur Hölle hinab gerollt war, mit seinem Fall zum Niedrigsten der Niedrigen und zu einem Beispiel für den Unglauben geworden war. Gott der Gerechte ließ im Moment seines Abscheidens dieses Geräusch hörbar werden und machte es zu einem Zeichen.

Achter Pfeiler:

Gott der Vollkommene-Allweise verbirgt an diesem Ort der Erfahrungen und dem Platz der Prüfungen sehr bedeutende Dinge innerhalb vieler anderer. Mit dieser Verborgenheit sind viele Weisheiten und viele gute Gründe verknüpft.

Zum Beispiel:

Er verbarg die Nacht von Qadr (: Macht, Bestimmung) innerhalb des Monats Ramadan; die Stunde, in der alle Gebete erhört werden, in dem Tag der Versammlung (Freitag); Seinen geschätzten Freund unter den Menschen; die Todesstunde in der Spanne des Lebens; und die Zeit des Weltuntergangs innerhalb der Lebenszeit der Erde. Wenn aber die Todesstunde des Menschen bekannt wäre, würde sie bis in die Hälfte seiner Lebensspanne eine totale Gottvergessenheit und nach der Hälfte ein Entsetzen zu Wege bringen, wie (der Weg dessen,) der Schritt für Schritt dem Galgen entgegen geführt wird. Deshalb erfordert die Angelegenheit, die das Gleichgewicht zwischen der jenseitigen und der diesseitigen Welt bewahrt und immer zwischen Furcht und Hoffnung hält, dass in jedem Moment sowohl Sterben als auch Leben möglich sein soll. In diesem Fall werden zwanzig Jahre einer uns nicht bekannten Art innerhalb einer uns nicht bekannten Lebensspanne einer uns bekannten Lebensspanne von tausend Jahren vorgezogen. So verhält es sich auch mit dem Weltuntergang, jener Todesstunde der Welt, welche "der Große Mensch" ist. Wenn ihre Stunde bekannt wäre, würde die erste und die mittlere Periode totaler Gottvergessenheit verfallen und die letzte Periode im Entsetzen verharren. Der Mensch ist in seinem persönlichen Leben mit dem Fortbestehen seines Hauses und seines Dorfes verbunden, wie er in seinem gesellschaftlichen Leben und auch als Gattung mit dem Leben des Erdballs und des Diesseits verbunden ist. Der Qur'an sagt:

اِقْتَرَبَتِ السَّاعَةُ

{"Die Stunde des Weltuntergangs ist nah."}

Wenn sie nach so vielen tausend Jahren noch nicht eingetreten ist, stellt das nicht ihre Nähe in Abrede.

Denn der Weltuntergang ist die Todesstunde der Welt. Im Vergleich mit der Lebenszeit der Welt sind ein oder zwei tausend Jahre wie ein, zwei Tage oder ein, zwei Minuten. Die Stunde des Weltuntergangs ist nicht nur die Todesstunde der Menschheit, sodass man sie mit deren Lebensspanne vergleichen und so für unmöglich halten könnte. Darum verbirgt der Vollkommene-Allweise die Stunde des Weltuntergangs in Seiner Allwissenheit als eines der fünf nicht voraus berechenbaren Geheimnisse. So gehört es denn zu diesem Geheimnis des Unbekannten, dass sich jedes Jahrhundert, ja sogar das glückliche Zeitalter, das Zeitalter (des Propheten und seiner Gefährten), die ein Auge für die Wahrheit hatten, stets vor der Stunde des Weltuntergangs fürchtete. Ja manche sagten sogar: "Ihre Kennzeichen sind fast schon zur Gänze erschienen."

So sagen nun unbillig denkende Menschen, die diese Wahrheit nicht kennen: "Wie konnten sich die Sahabis

(Gefährten des Propheten), die über die jenseitige Welt bis ins Einzelne unterrichtet wurden und wachsame Herzen und einen scharfen Blick hatten, in ihren Gedanken ein Ereignis in ferner Zukunft, welches in dieser Welt nach vierzehnhundert Jahren noch nicht eingetreten ist, in naher Zukunft denken, als lebten sie, noch tausend Jahre von der Wahrheit entfernt, nur noch in ihrer Vorstellung?"

Antwort:

Dies geschah, weil die Sahabis(Gefährten des Propheten), gesegnet mit einer Fülle von Gesprächen mit dem Propheten, mehr als andere über die jenseitige Welt nachgedacht haben und sich der Vergänglichkeit dieser Welt bewusst waren. Sie verstanden die Weisheit Gottes, die in der Nichtbekanntgabe der Stunde des Weltuntergangs liegt und erwarteten stets die Todesstunde der Welt sowie ihre eigene Todesstunde und bemühten sich stets ernsthaft um das Jenseits. Es entspricht der Rechtleitung durch den Propheten, die aus dieser Weisheit entstand, wenn der ehrenwerte Gesandte, mit dem Friede und Segen sei, wiederholt darauf hinwies:

"Erwartet den Weltuntergang und gebt auf ihn Acht!" Andererseits sagte (der Prophet) dies nicht aufgrund einer Offenbarung, die sich auf ein bestimmtes Ereignis bezieht, sodass (dieser Hinweis) weit davon entfernt wäre, wahr zu sein. Die beabsichtigte (Aussage) ist das eine und der Sinn (dieser Aussage) ist das andere. Also rühren diese Art Worte des Propheten, mit dem Friede und Segen sei, aus der Weisheit der Nichtbekanntgabe her.

Des Weiteren haben die Leute aufgrund dieser tiefen inneren Weisheit Persönlichkeiten wie Mehdi und Sufyan, die in der Endzeit der Welt kommen werden, vor langer Zeit sogar schon in der Zeit der Tabiin, also der zweiten Generation nach dem Propheten, erwartet und dachten ihnen bald zu begegnen. Manche Gottesfreunde sagten sogar: "Sie sind schon vorüber." So verlangt denn auch dies, gleich dem Weltuntergang, von der Weisheit Gottes diesen Zeitpunkt nicht anzugeben. Denn jede Zeit, jedes Jahrhundert bedarf dieser Idee vom Mehdi, um seine innere Kraft zu stärken und sich von der Verzweiflung zu befreien. An der Kraft dieser Erwartung muss ein jedes Zeitalter seinen Anteil haben. Des Weiteren soll sich jedes Zeitalter vor den schrecklichen Menschen, Despoten, die Zwist und Kriege führen, zurückhalten und sie fürchten, damit es nicht in Gottvergessenheit verfällt und dem Bösen nicht folgt und ihm nicht gehorcht, und nicht in seiner Gleichgültigkeit die Zügel der Begierde loslässt und seine Seele nicht in Zucht nimmt. Wenn der Zeitpunkt ihres Erscheinens angegeben wäre, würde der Zweck der allgemeinen Rechtleitung verloren gehen.

Nun ist die Verschiedenheit der Überlieferungen über die Persönlichkeiten wie den Mehdi und ihr Grund der folgende: Diejenigen, die die Überlieferungen kommentierten, wandten die Texte der Überlieferungen bei ihren Kommentaren und Auslegungen an.

Zum Beispiel:

Da damals der Regierungssitz in Damaskus oder in Medina lag, stellten sich die Kommentatoren die Ereignisse um den Mehdi oder Sufyan in Gegenden wie Basra, Kufa

oder Damaskus, die in der Umgebung dieser Regierungssitze lagen, vor und kommentierten auch dementsprechend. Des Weiteren stellten sich die Kommentatoren die gewaltigen Werke, wie sie aus der Einflusssphäre dieser Persönlichkeiten und in der Gemeinschaft um sie herum entstanden, so vor, als hätten diese Persönlichkeiten sie (selbst und ganz allein) vollbracht und legten sie dementsprechend aus. Sie stellten sie so dar, als könnten alle Menschen diese außergewöhnlichen Persönlichkeiten sofort erkennen, sobald sie sich zeigen würden. Wir sagten aber schon: Diese Welt ist ein Platz der Prüfung. Dem Verstand wird eine Tür geöffnet, aber die Entscheidungsfreiheit nicht aus den Händen genommen. Wenn diese Persönlichkeiten erscheinen, können viele sie nicht erkennen, auch der schreckliche Deddjal kennt sich am Anfang selbst nicht. Vielmehr können diese Persönlichkeiten der Endzeit nur bei aufmerksamer Betrachtung im Lichte des Glaubens erkannt werden.

In einer ehrwürdigen Hadith wird über den Deddjal

(der Betrüger, dessen Erscheinen) zu den Zeichen gehört, die auf den nahenden Weltuntergang hinweisen, überliefert: "Sein erster Tag gleicht einem Jahr, sein zweiter Tag einem Monat, sein dritter Tag einer Woche, sein vierter Tag ist gleich wie die gewöhnlichen Tage. Wenn er erscheint, wird die ganze Welt davon hören. Er wird die ganze Welt in vierzig Tagen bereisen." Unbillig denkende Menschen betrachteten diese Überlieferung als unmöglich. Gott bewahre! Sie versuchten diese Überlieferung zu leugnen und für nichtig zu erklären. In Wirklichkeit muss ihre Wahrheit lauten:

وَالْعِلْمُ عِنْدَ اللَّهُ

{"Alles Wissen ist bei Gott!"}

Darin liegt ein Hinweis darauf, dass eine Person von nördlicher Richtung kommen wird, welche die Gottheit leugnet und sich an die Spitze einer gewaltigen Strömung stellt, die aus dem ungläubigen Gedankengut der

Naturalisten im Norden durchsickert, wo die ungläubige Welt am dichtesten ist. In diesem Hinweis findet sich als Zeichen der Weisheit, dass in der polarnahen Zone das Jahr nur aus einer Nacht und einem Tag besteht. Sechs Monate sind Nacht und sechs Monate sind Tag. "Für den Deddjal ist ein Tag gleich einem Jahr" weist darauf hin, dass er in der Nähe dieser Zone erscheinen wird. "Sein zweiter Tag ist ein Monat" besagt, dass die Sonne im Sommer einen Monat lang nicht untergeht, wenn man von Norden her kommt. Dies zeigt auch, dass der Deddjal im Norden auftritt und nach der zivilisierten Welt greifen wird. Während die Überlieferung dem Deddjal Tage zumisst, weist sie auf diese Bedeutung hin. Je weiter er hierher nach Süden kommt, geht die Sonne eine Woche nicht unter. Noch weiter unten dauert es drei Stunden vom Untergang bis zum Wiederaufgang der Sonne. Als ich in Russland in Gefangenschaft war, war ich an einem solchen Ort. In der Nähe von uns sah man, dass die Sonne eine Woche nicht unterging. Um das zu sehen, reisten die Leute dort hin. Die Bedingung, dass die ganze Welt hören wird, wenn der Deddjal sich zeigt, erfüllten Telegramme und Rundfunk. Seine Vierzig-Tage-Reise machen heute Züge und Flugzeuge als seine Reittiere möglich. Die Ungläubigen, die früher diese beiden Bedingungen für unmöglich hielten, halten sie heute für alltäglich.

Da ich Gog und Magog und die große Mauer, welche zu den Kennzeichen des nahenden Weltuntergangs gehören, bereits in einer Abhandlung in gewissem Grade ausführlich behandelt habe, möchte ich hier nur noch kurz darauf hinweisen und folgendes dazu sagen:

Es wird in den alten Überlieferungen erwähnt, dass die Völker der Mandschurei und der Mongolei in der Geschichte schon einmal die menschliche Zivilisation zu Grunde gerichtet und diejenigen, die den Bau der großen chinesischen Mauer veranlasst haben, kurz vor dem Weltuntergang wiederum die menschliche Zivilisation in einem Anflug von Terrorismus zu Grunde richten werden. Manche Ungläubige sagen: "Wo sind diejenigen, die so

viel ungeheuerliches getan haben und noch tun werden?"

Antwort:

Eine Naturkatastrophe gleich einer Heuschreckenplage sieht man in mancher Jahreszeit sehr häufig. Ist die Jahreszeit vorüber, zieht sich diese Insektenart, welche das Land zerstört hatte, bis auf einige, wenige Exemplare zurück. Ist ihre Zeit wieder gekommen, geht die gleiche Plage mit Gottes Befehl wieder in großem Umfang von diesen wenigen Exemplaren aus. Es scheint, als habe ihre Art sich verflüchtigt, doch bleibt ihre Natur weiterhin ungebrochen. Ist ihre Zeit gekommen, sind sie wieder da. Genauso werden auch die gleichen, welche schon einmal die Welt durcheinander gewirbelt hatten, wenn ihre Zeit gekommen ist mit der Erlaubnis Gottes, wieder die menschliche Zivilisation durcheinander wirbeln. Doch ihre Drahtzieher treten nun unter einer anderen Maske auf.

لاَ يَعْلَمُ الْغَيْبَ اِلاَّ اللَّهُ

{"Das Verborgene kennt Gott allein!"}

Neunter Pfeiler:

Die Resultate eines Teils der Glaubenswahrheiten beziehen sich auf diese durch Bedingungen eingeschränkten und engen Welt. Ein anderer Teil von ihnen bezieht sich auf die weite und unbegrenzte Welt des Jenseits. Da ein Teil der ehrwürdigen Ahadith, die von den besonderen Vorzügen der guten Taten und ihren Belohnungen handeln, in einem poetischen Stil abgefasst sind, um einen ermunternden oder zurechtweisenden Einfluss auszuüben, sehen sie oberflächlich betrachtende Menschen als übertrieben an. Da sie alle ein Ausdruck der reinen und lauteren Wahrheit sind, gibt es in ihnen nichts, was unwahr oder übertrieben wäre.

Da ist zum Beispiel das folgende Hadith, mit dem sich die Gemüter aller unbillig Denkenden am meisten beschäftigen.

لَوْ وَزِنَتِ الدُّنْياَ عِنْدَ اللَّهِ جَناَحَ بَعُوضَةٍ مَا شَرِبَ الْكَافِرُ مِنْهَا جُرْعَةَ مَآءٍ

(au kema qal: oder so ähnlich)

Sinngemäße Wiedergabe: "Wenn die Welt bei Gott dem Gerechten so viel Wert hätte wie der Flügel einer Mücke, dürften die Ungläubigen noch nicht einmal einen Schluck Wasser von ihr trinken." Der Sinn ist folgender:

Der Ausdruck عِنْدَ اللَّهِ {"Bei Gott."} besagt, dass hier von der ewigen Welt die Rede ist. In der Tat ist Licht aus der ewigen Welt (wenn auch nur von der Bedeutung) eines Mückenflügels, da es nun einmal ewig ist, mehr als das Licht, das die Erde füllt, und doch nur vergänglich ist. Hier wird also nicht die ganze, große Welt mit einem Mückenflügel verglichen, sondern vielmehr gesagt, dass die ganz persönliche Welt, die in der winzig kleinen Lebensspanne eines jeden Menschen Platz findet, nicht mit dem beständigen Segen Gottes und der Gnade Gottes, wenn auch nur von der Größe eines Mückenflügels, verglichen werden kann. Des Weiteren hat die Welt zwei Gesichter, ja vielmehr drei Gesichter. Das eine ist der Spiegel der Namen Gottes des Gerechten. Das zweite ist auf das Jenseits gerichtet; sie ist der Acker des Jenseits. Das dritte blickt auf die Vergänglichkeit und Nichtigkeit. Das ist die uns bekannte Welt der Leute des Irrwegs, die nicht Gottes Wohlwollen findet. Das heißt, es ist dies ein Hinweis darauf, dass es nicht die riesengroße Welt ist, die der Spiegel der schönen Namen Gottes und die Briefe des Einzigartigen und der Acker des Jenseits ist, sondern vielmehr die Welt der Weltenanbeter, die dem Jenseits widerspricht und die Quelle aller Fehler und der Ursprung allen Übels ist, die nicht den Wert auch nur eines Stäubchens der Ewigkeit hat, das den Leuten des Glaubens in der jenseitigen Welt gegeben wird. Wo also findet sich nun diese Ausdeutung, die in höchstem Maße richtig und für ernst zu nehmen ist, und wo bleibt die Bedeutung, so wie sie die ungerechten Leute des Unglaubens verstanden haben! Wo steht die Bedeutung, die diese ungerechten Leute des Unglaubens für dermaßen übertrieben und unwahr halten!

Noch ein Beispiel:

Eine der Überlieferungen, die die ungerechten Leute des Unglaubens für übertrieben halten, ja sogar als eine unvorstellbare Übertreibung und als eine irrige Vorstellung betrachten, sind die über die Belohnungen für gute Taten und die über besondere Vorzüge mancher Suren.

Zum Beispiel:

Es gibt folgende Aussagen des Propheten: "Die erste Sure Fatiha(die Eröffnung) bringt so viele Segenspunkte wie der ganze Qur'an." "Die Sure 112 (Ihlas : Aufrichtige Hingabe) wie ein Drittel des ganzen Qur'an." "Die Sure 99 (das Beben) wie ein Viertel." "Die Sure 109 (die Ungläubigen) wie ein Viertel." "Die Sure 36 (Ya-Sin)zehnmal so viel wie der ganze Qur'an." So sagen denn Menschen, die dies ungerecht und oberflächlich betrachten: "Das ist unvorstellbar. Denn es sind die Sure Ya-Sin und noch andere Suren, die besondere Vorzüge haben, schon im Qur'an vorhanden. Aber wird deswegen schon eine solche Aussage sinnlos?"

Antwort:

Die Wahrheit ist aber folgende: Jeder Buchstabe des weisen Qur'an bringt Segen. Er ist ein gutes Werk. Durch die Gnade Gottes bringt der Segen dieser Buchstaben Früchte, manchmal zehn, manchmal siebzig, manchmal siebenhundert (wie die Buchstaben des Thronverses, Ayatu l-Kursi,Sure 2, Vers 255), manchmal tausendfünfhundert (wie die Buchstaben der Sure 112, Ihlas:Aufrichtige Hingabe), manchmal zehntausend (wie die Ayat, die man in der Nacht der Berufung des Propheten, Leyle-i Berat,und zu anderen bestimmten Zeiten rezitiert) und manchmal dreißigtausend, (also etwa ebensoviel wie ) zum Beispiel Mohnkörner hervorbringen können (z.B. die Ayat, die man in der Nacht der Bestimmung, Leyle-i Qadr,rezitiert). Der Hinweis des Qur'an, dass diese Nacht tausend Monaten entspricht, ist so zu verstehen, dass in dieser Nacht ein Buchstabe im Qur'an dreißigtausendfachen Segen bringt. In der Tat kann der weise Qur'an mit der Vielzahl der Segnungen, die von ihm ausgehen, in nichts aufgewogen werden und er wird es auch nicht. Doch kann er durch den Segen, der von ihm

ausgeht, mit einigen seiner Suren verglichen werden.

Zum Beispiel:

Stellen wir uns einen Acker vor, auf dem Maiskörner ausgesät sind; tausend Körner wurden ausgesät. Nehmen wir an, dass manche Körner sieben Kolben hervor bringen und jeder Kolben je hundert Körner enthalte. Dann entspricht (dem Ertrag, den) ein einziges Korn (hervorgebracht hat), zwei Drittel der gesamten Aussaat. Zum Beispiel bringt eines von ihnen zehn Kolben und jeder Kolben zweihundert Körner hervor. Dann erzielt ein einziges Korn zweimal so viel wie vorher die gesamte Aussaat im Acker. Auf diese Weise kann man also einen Vergleich ziehen.

Jetzt wollen wir uns einmal den weisen Qur'an als einen lichtvollen, heiligen Acker des Himmels vorstellen. Hinsichtlich des Segens, der aus der Anzahl seiner Buchstaben erwächst, entspricht vergleichsweise jeder seiner Buchstaben einem Saatkorn. Sein Fruchtstand (: der Kolben) soll hier nicht mit berechnet werden. An Hand von Suren und Ayat wie den Suren Ya-Sin, Ihlas, Fatiha, Qul ya ayyuha l-kafirun, Idha su l-silatu l-'arduund anderen, über deren besondere Vorzüge sich der Prophet äußerte, kann er gewogen werden.

Zum Beispiel:

Der weise Qur'an hat im Ganzen dreihunderttausend und sechshundertzwanzig Buchstaben. Sure 112, Ihlas(Aufrichtige Hingabe) hat mit Besmele{Besmele ist eine Abkürzung von "Bismillahi r-Rahmani r-Rahim" (Im Namen Gottes des Erbarmers, des Barmherzigen). Es steht am Anfang aller Suren. (A.d.Ü.)} neunundsechzig Buchstaben. Drei mal neunundsechzig macht zweihundertsieben Buchstaben. Also bringt jeder einzelne Buchstabe aus der Sure Ihlas etwa tausendfünfhundert Segenspunkte. Zählt man die Buchstaben in der Sure Ya-Sinund teilt die Buchstaben des ganzen Qur'an mit ihnen und achtet darauf, dass sie zehnfach mehr Segen als die Buchstaben des ganzen Qur'an bringen sollen, dann bekommt man folgendes Ergebnis: Jeder Buchstabe der ehrwürdigen Sure Ya-Sin hat etwa fünfhundert Segenspunkte.

Das heißt, dass jeder (Buchstabe) als ebensoviel gute Werke gezählt werden kann. Ziehst du in dieser Weise nun auch noch andere (Ahadith)zum Vergleich (über den Wert der Suren) heran, dann kannst du verstehen, was für eine anmutige, schöne und treffende Wahrheit ohne Übertreibung in ihnen zum Ausdruck kommt.

Zehnter Pfeiler:

Wie es unter den meisten Arten der Geschöpfe Ausnahmefälle gibt, so finden sich auch hinsichtlich der menschlichen Taten und Werke einige außergewöhnliche Einzelmenschen. Wenn diese Individuen in guten Taten vorangeschritten sind, dann ist ihre Art stolz auf sie. Im anderen Fall werden sie ein schlechtes Zeichen sein. Des Weiteren verbergen sie sich sogar. Es ist, als seien sie zu einer Legende geworden, oder zu einem Ideal. Alle anderen streben danach, selbst zu einer solchen Persönlichkeit zu werden. Jeder hat eine Möglichkeit, das zu werden. Was aber jenes vollkommene, außergewöhnliche Individuum betrifft, so ist es nicht an Zeit und Raum gebunden und unsichtbar. In Anbetracht seiner Unsichtbarkeit liegt logischerweise die Möglichkeit, von ihrer Allgemeingültigkeit zu sprechen. Das heißt, eine jede Tat kann nach der Überlieferung (unabhängig von Zeit, Raum und Öffentlichkeit) weitreichende Wirkungen haben.

Zum Beispiel:

"Wenn jemand zwei Rekat Namaz(Gebet) in dieser oder jener Zeit verrichtet, verdient er so viel Segen wie bei einer Pilgerfahrt." So entsprechen denn tatsächlich manchmal zwei Rekat Namazeiner ganzen Pilgerfahrt. Bei jedem Gebet von zwei Rekat ist diese Bedeutung allgemein gegeben. Das heißt jedoch, dass diese Aussagen des Propheten nicht jederzeit und für jeden zutreffend sind. Da die Annahme (unserer Gebete) von bestimmten Bedingungen abhängig ist, unterliegt sie nicht dem, was allgemein und allzeit gilt. Vielmehr ist sie entweder zeitlich bedingt, also nicht vorgeschrieben oder allzeit möglich und für alle gültig. Das heißt, die Allgemeingültigkeit einer Aussage des Propheten bringt lediglich eine Möglichkeit zum Ausdruck.

Noch ein Beispiel:

"Die üble Nachrede gleicht dem Mord." Das heißt, bei der üblen Nachrede gibt es einzelne Fälle, die, im Vergleich mit einem Mörder, mehr Schaden anrichten als mörderisches Gift.

Noch ein Beispiel:

"Ein schönes Wort gilt als eine große Wohltat wie die Freilassung eines Sklaven." Wenn in solchen Aussagen, wo es sich um Ermunterung und Anregung handelt, die Möglichkeit, dass dieser nicht näher definierte besondere Fall grundsätzlich überall eintreten kann, in Form einer allgemeinen Aussage formuliert wird, so geschieht das, um die Ermunterung zum Guten und die Abscheu vor dem Bösen zu erwecken.

Darüber hinaus können die Dinge der ewigen Welt nicht mit dem Maß dieser Welt gewogen werden. Das größte von hier kann mit dem kleinsten von dort nicht in gleicher Münze gewogen werden. Da sich der Segen für die Wohltaten auf die jenseitige Welt bezieht, bleibt unser irdisches Blickfeld dafür beschränkt. Wir können solche Dinge nicht mit unserem Verstand erfassen.

Zum Beispiel:

مَنْ قَرَاَ هٰذَا اُعْطِىَ لَهُ مِثْلُ ثَوَابِ مُوسٰى وَهَارُونَ

{"Wer dies liest, dem wird so viel Segen gegeben, wie der Segen von Mosis und Aaron."}

nämlich:

اَلْحَمْدُ ِللَّهِ رَبِّ السَّمٰوَاتِ وَرَبِّ اْلاَرَضِينَ رَبِّ الْعاَلمِينَ ٭ وَلَهُ الْكِبْرِيَآءُ فِى السَّمٰوَاتِ وَاْلاَرْضِ وَهُوَ الْعَزِيزُ الْحَكِيمُ ٭ اَلْحَمْدُ ِللَّهِ رَبِّ السَّمٰوَاتِ وَرَبِّ اْلاَرَضِينَ رَبِّ الْعَالَمِينَ ٭ وَلَهُ الْعَظَمَةُ فِى السَّمٰوَاتِ وَاْلاَرْضِ وَهُوَ الْعَزِيزُ الْحَكِيمُ ٭ وَلَهُ الْمُلْكُ رَبُّ السَّمٰوَاتِ وَهُوَ الْعَزِيزُ الْحَكِيمُ

{"Aller Lobpreis und Dank gebührt dem Herrn der Himmel, dem Herrn der Erde und Herrn der Welten." "Sein ist die Herrlichkeit in den Himmeln und auf Erden, und Er ist der unbesiegte Sieger und der Allweise." (Sure 45, 37) "Aller Lobpreis und Dank gebührt dem Herrn der Himmel, Herrn der Erde und Herrn der Welten. Sein ist die gewaltige Größe in den Himmeln und auf Erden, und Er ist der unbesiegte Sieger und der Allweise. Ihm, dem Herrn der Himmel, gehört das Reich und Er ist der unbesiegte Sieger und der Allweise."}

Dergleichen Aussagen sind es, die in erster Linie den kritischen Blick derer, die unbillig und oberflächlich denken, auf sich ziehen. Die Wahrheit ist folgende:

In welchem Umfang wir uns in dieser Welt mit unserem eingeengten Blickfeld und unseren viel zu kurz greifenden Gedanken eine Vorstellung machen können über den Segen, den Mosis und Aaron, mit denen Friede sei, erhalten, kann mit dem Segen, den der Allbarmherzige in der ewigen Welt mit der ewigen Glückseligkeit einem Seiner Diener in Not für ein einziges Gebet gibt, verglichen werden. Zum Beispiel ist da ein Beduine, ein einfacher Mann, der noch nie den König gesehen hat. Er kennt nicht seine majestätische Größe. Wie er sich den Aga (Landherren) auf einem Dorf vorstellt, so denkt er sich in seiner so begrenzten Vorstellung, einen König als einen großmächtigen Aga. Ja, es gab unter uns sogar naive Leute, die früher immer sagten: "Was der König an seinem Lagerfeuer macht, während er neben seinem Kochtopf sitzend seinen Bulgur(Grützensuppe) rührt, das weiß unser Aga." Das heißt also, dass sie sich den König ihrer begrenzten Betrachtungsweise und gewöhnlichen Vorstellungsweise dachten, wie er seinen eigenen Bulgur selbst kochte. Sie dachten sich ihn in etwa so mächtig wie einen Hauptmann. Hätte jemand einem von diesen Männern gesagt: "Wenn du heute für mich diese Arbeit machst, will ich dir so viel Macht geben, wie viel du dir nur unter der Macht eines Königs vorstellen kannst, das heißt: ich will dir einen so hohen Rang geben, wie er dem eines Hauptmanns entspricht.", so entspricht dieses Versprechen der Wahrheit. Denn das, was von der königlichen Majestät in seine kleine Vorstellungswelt hineinpasst, ist nur so viel wie der Macht eines Hauptmanns entspricht.

So können wir uns denn mit weltlichen Augen und mit unserem beschränkten Denkvermögen die Wahrheit über den Segen, den wir im Jenseits empfangen werden, auch nicht anders vorstellen, als dieser Wanderhirte seinen König. Es handelt sich hier nicht um einen Vergleich mit

dem Segen, den Mosis und Aaron, mit denen Friede sei, tatsächlich erhalten, der uns aber unbekannt ist. Denn in der Regel wird immer etwas Unbekanntes mit etwas Bekanntem verglichen. Es handelt sich hier vielmehr um einen Vergleich des Segens, den ein gläubiger Diener für ein einziges Gebet tatsächlich empfängt, der aber uns unbekannt ist, mit einem Segen (dieser beiden Persönlichkeiten), den wir uns vorstellen können, der uns bekannt ist und den wir vergleichen können.

Darüber hinaus wäre die Meeresoberfläche mit einem Wassertropfen zu vergleichen, der das ganze Spiegelbild der Sonne in sich umfasst. Der Unterschied besteht in der Qualität. Die Art des Segens, der sich in dem Spiegel des Geistes von Mosis und Aaron, mit denen Friede sei, gleich wie in einem Meeresspiegel reflektiert, ist die selbe Art Segen, den ein gläubiger Diener gleich dem Spiegel eines Wassertropfens von einer Ayah empfängt. Hinsichtlich der Art und der Menge sind sie gleich. Was aber die Qualität betrifft, so ist sie von der Fähigkeit abhängig. Manchmal passiert es, dass ein einziges Wort, ein einziges Gebet einen solchen Schatz der Glückseligkeit öffnet, den man vielleicht in sechzig Jahren Dienst nicht erlangt. Das heißt; manchmal treten geistige Zustände ein, in denen eine einzige Ayah wie der ganze Qur'an Nutzen bringen kann.

Darüber hinaus kann die Belohnung von Gott, die der ehrenwerte Gesandte, mit dem Friede und Segen sei, der unter der Erscheinung des Gewaltigen Namens (Gottes) steht, durch eine einzige Ayah erreicht, vielleicht der Belohnung entsprechen, die ein (anderer) Prophet in seinem ganzen Leben erhält. Wenn man sagt, dass ein Gläubiger, der durch das Erbe Ahmeds, mit dem Friede und Segen sei, unter den Schatten des Gewaltigen Namens (Gottes) tritt, seiner Begabung entsprechend hinsichtlich der Menge so reichlich Lohn und Segen empfängt wie der Gnade und dem Segen eines Propheten entspricht, kann dies nicht ein Widerspruch zur Wahrheit sein. Des Weiteren gehören Segen und Tugend zu der

Welt des Lichtes. Eine (Spiegelung der) Welt aus dieser Welt (des Lichts) kann in einem kleinsten Teilchen Platz finden. Wie in einer winzig kleinen Glasscherbe der Himmel mit seinen Sternen sichtbar wird, genauso kann sich in einem Gebet (dhikr)oder in (der Rezitation) einer Ayah, welche durch eine aufrichtige Einstellung kristallklar(er Spiegel) werden, eine Belohnung und Segen so leuchtend klar wie der Himmel wiederfinden.

Schlusswort:

Oh Mensch, der du unbillig, oberflächlich, im Glauben schwach, in der Philosophie aber stark, selbstgefällig und kritisch bist! Betrachte diese Zehn Pfeiler. Und versuche dann nicht, indem du dir eine Aussage, die du als der Wahrheit widersprechend und mit Sicherheit den Gegebenheiten entgegengesetzt betrachtest, zum Vorwand machst, den Finger der Kritik gegen die Aussagen des Propheten und infolge dessen gegen den Rang der Fehlerlosigkeit des ehrenwerten Gesandten zu erheben! Denn zuallererst bringen diese Zehn Pfeiler dich dazu, von einer Verleugnung abzusehen. Sie sagen dir: "Gibt es tatsächlich einen Fehler, so liegt er auf unserer Seite." Er kann nicht auf Seiten der Hadith liegen. Und "Ist der Fehler gar nicht wirklich (ein Fehler), so ist er auf einen Mangel an Verständnis deinerseits zurückzuführen." Kurzum, wenn man etwas leugnen, zurückweisen will, muss man zuerst einmal diese "Zehn Pfeiler" leugnen, d.h. widerlegen können. Wenn du recht und billig denken kannst, solltest du nun, nachdem du über diese Zehn Pfeiler gründlich nachgedacht hast, nicht mehr aufstehen, um den Ahadith des Propheten, die dein Verstand als der Wahrheit zuwiderlaufend betrachtet, zu widersprechen! Sage: "Entweder gibt es dazu einen Kommentar oder eine Auslegung, oder sie haben (ganz offensichtlich) einen Sinn" und kritisiere sie nicht!

Elfter Pfeiler:

Der weise Qur'an bringt Gleichnisse, die einer Deutung bedürfen, doch er fordert absolute Ergebenheit. Auch die Aussagen des Propheten enthalten wie die Gleichnisse des Qur'an Darstellungen. Manchmal bedürfen

sie eines sehr sorgfältigen Kommentars und der Auslegung. Wir können uns mit den oben erwähnten Beispielen begnügen.

Ein Mann im Wachzustand kann ja den Traum eines schlafenden Mannes an Hand seiner Bewegungen deuten. Genauso hört manchmal ein Mann im Schlaf die Stimmen der Leute, die neben ihm wach sind und sich unterhalten. Er nimmt sie innerhalb seiner Traumwelt wahr und verleiht ihr entsprechend Gestalt. Genauso, oh du unbillig denkender Mensch, der du wie betäubt im Schlaf deiner Gottvergessenheit und deiner Philosophie liegst, sollst du das, was jene Persönlichkeit sieht, die das Geheimnis von

مَازَاغَ الْبَصَرُ وَمَا طَغَى

{"Da wandte er seinen Blick nicht ab und ließ ihn nicht umherschweifen." (Sure 53, 17)}

und von

تَناَمُ عَيْنِى وَلاَ يَناَمُ قَلْبِى

{"Es schlafen meine Augen, doch mein Herz schläft nicht."}

erfahren hat und die wirklich wach ist, nicht in deinem Traum zurückweisen, sondern auslegen. Manchmal erlebt ein Mensch im Schlaf tatsächlich den Stich einer Mücke als ein Ereignis im Traum, als würde er in einem fürchterlichen Krieg verwundet. Könnte man ihn danach fragen, würde er sagen: "Tatsächlich wurde ich verwundet. Auf mich wurde mit Flinten und Kanonen geschossen." Diejenigen, die neben ihm sitzen, lachen über seine Qual im Schlaf. Das bedeutet also, dass der schläfrige Blick eines Gottvergessenen und seine philosophischen Gedanken mit Sicherheit kein Prüfstein für prophetische Wahrheiten sein können.

Zwölfter Pfeiler:

Da der Blick des Prophetentums, des Eingottglaubens (Tauhid)und des Glaubens (Iman)auf die Gegenwart Gottes (Vahdet),das Leben nach dem Tod (ahiret)und auf die Existenz des einen Gottes (Uluhiyet)

gerichtet ist, sieht er auch die Wahrheit dementsprechend. Das Auge (westlicher) Philosophie und Weisheit ist auf die Vielfalt in der Schöpfung, deren Ursachen und deren Natur gerichtet und sieht sie dementsprechend. Ihre Ausgangspunkte sind voneinander weit entfernt. Das größte Ziel der Leute des philosophischen Denkens ist unter den Zielen der Leute der Theologie und den Wissenschaftlern der Lehre vom Wort so winzig und unbedeutend, dass man es kaum sehen kann.

Aus diesem Grund sind die Leute der Weisheitslehre in ihren ausführlichen Erklärungen über das Wesen allen Seins und über die Feinheiten ihrer Formen weit fortgeschritten. Sie sind aber in dem hohen Wissen über Gott und über das Leben nach dem Tod so rückständig, dass sie noch rückständiger sind, als ein Gläubiger bei seinen Anfängen. Diejenigen, die dieses Geheimnis nicht bemerken, denken, die Gelehrten des Islams wären verglichen mit den (westlichen) Philosophen (den Naturwissenschaftlern) zurückgeblieben. Wie könnten jedoch diejenigen, denen der Verstand in die Augen gerutscht ist (d.h. sie glauben nur noch das, was sie sehen) und die in ihren Vielfältigkeiten erstickt sind (d.h. sie haben den Blick für das Ganze verloren), sich erdreisten, diejenigen, die dank des Erbes des Prophetentums die hohen heiligen Ziele erreicht haben, einholen zu können.

Wenn ein und dieselbe Sache aus zwei verschiedenen Blickwinkeln betrachtet wird, ergibt sich tatsächlich eine zweifache Schau (haqiqat)und beide sind tatsächlich gegeben. Doch keine endgültige wissenschaftliche Schau kann der heiligen Schau des Qur'an widersprechen. Der kurze Arm der Wissenschaft kann den reinen unbefleckten Saum seines Gewandes nicht erreichen. Als Muster erwähnen wir hier ein Beispiel:

Wenn die Erdkugel zum Beispiel aus dem Blickwinkel der Naturwissenschaftler betrachtet wird, lautet ihre Wahrheit folgendermaßen:

Sie ist ein mittelmäßiger Planet und kreist inmitten zahlloser Sterne um die Sonne. Im Vergleich mit diesen Sternen

ist sie nur ein kleiner Himmelskörper. Aber wenn sie aus dem Blickwinkel der Leute des Qur'an betrachtet wird, wie im "Fünfzehnten Wort" erläutert wurde, lautet ihre Wahrheit folgendermaßen:

Da der Mensch, die Frucht der Welt und ein ohnmächtiges, schwaches Wunder der Macht ist, einzigartig, doch das vielseitigste, liebenswerteste und anmutigste, ist die Erde seine Wiege und seine Wohnung. Sie ist im Verhältnis zum Kosmos zwar klein, winzig, aber in ihrer Bedeutung und als ein Kunstwerk das Herz und der Mittelpunkt des ganzen Kosmos... sie ist die Messe und der Ausstellungsort aller wunderbaren Kunstwerke (Gottes)... der Erscheinungsort und Brennpunkt aller Manifestationen Seiner Namen... der Versammlungsort und Spiegel der unbegrenzten Tätigkeiten der Herrschaft (Gottes)... der Angelpunkt und Markt der zahllosen Schöpfungen Gottes, besonders der im großen Umfang freigiebig erschaffenen kleinen Arten unter den Pflanzen und Tieren und sie ist ein Ort, wo die Muster für die Kunstwerke der überaus weiten jenseitigen Welten im kleinen Maßstab vorgeführt werden. Sie ist eine schnell arbeitende Weberei der Ewigkeit. Sie ist eine sich schnell ändernde Nachbildung der Szenen der ewigen Welt. Sie ist ein enges, zeitliches Feld und Beet, wo die Samenkörnchen der immerwährenden Gärten schnell ihre Früchte tragen.

Wegen dieser geistigen Größe und künstlerischen Bedeutsamkeit hält der weise Qur'an die Erde, die den Himmeln gegenüber wie eine winzige Frucht eines riesigen Baumes gilt, allen Himmeln gegenüber im Gegengewicht, wie ein winzig kleines Herz einem riesigen Körper gegenüber. Er legt sie in eine Waagschale und alle Himmel in die andere Waagschale und spricht oft von:

رَبُّ السَّمٰوَاتِ وَاْلاَرْضِ

{"Der Herr der Himmel und der Erde." (Sure 13, 16)}

So kannst du andere Beispiele mit diesem vergleichen und verstehen. Die geistlosen trüben Tatsachen der westlichen

philosophischen Denkweise (Naturwissenschaft) können nicht mit den Tatsachen des Qur'an, voll Geist und Licht, kollidieren. Da ihre Blickwinkel voneinander ganz verschieden sind, ist auch ihre Betrachtungsweise ganz verschieden voneinander.

Vierter Ast:

اَلَمْ تَرَ اَنَّ اللَّهَ يَسْجُدُ لَهُ مَنْ فِى السَّمٰوَاتِ وَمَنْ فِى اْلاَرْضِ وَالشَّمْسُ وَالْقَمَرُ وَالنُّجُومُ وَالْجِبَالُ وَالشَّجَرُ وَالدَّوَآبُّ وَكَثِيرٌ مِنَ النَّاسِ وَكَثِيرٌ حَقَّ عَلَيْهِ الْعَذَابُ وَمَنْ يُهِنِ اللَّهُ فَمَا لَهُ مِنْ مُكْرِمٍ اِنَّ اللَّهَ يَفْعَلُ مَايَشَآءُ

{"Siehst du nicht, dass alles, was in den Himmeln und auf Erden ist, sich vor Allah niederwirft, die Sonne, der Mond, die Sterne, die Berge, die Bäume und die Tiere und viele unter den Menschen. Viele aber erhielten ihre Strafe zu Recht. Und wen Allah schmäht, hat keinen, der ihn ehrt. Siehe, Allah tut, was Er will." (Sure 22, 18)}

Aus der großen und umfangreichen Schatzkammer dieser Ayah wollen wir nur auf einen einzigen Edelstein hinweisen. Es ist dies wie folgt:

Der weise Qur'an erklärt ausdrücklich, dass alles, was es von dem Thron Gottes bis zu der Erde, von den Sternen bis zu den Mücken, von den Engeln bis zu den Fischen, von den Planeten bis zu den Atomen gibt, sich vor Gott dem Gerechten niederwirft, Ihm dient und Ihn anbetet, lobt und preist. Aber ihr Dienst und ihre Anbetung sind entsprechend ihrer Begabung und den Namen Gottes, die an ihnen offenbar werden, völlig unterschiedlich... ganz voneinander verschieden. Wir wollen hier eine von den Verschiedenheiten in ihrem Dienst, ihrer Anbetung mit einem Gleichnis erklären.

Zum Beispiel:

وَ للَّهِ الْمَثَلُ اْلاَعْلٰى

{"Bei Gott sind die erhabensten Gleichnisse." (Sure 16, 60)}

Baut ein großer und mächtiger Herrscher seines Reiches, eine große Stadt oder ein prächtiges Schloss, so stellt dieser König vier verschiedene Arten von Arbeitern für diesen Bau ein und nimmt sie in seinen Dienst.

Die erste Art sind seine Sklaven.

Diese Art erhält weder Lohn noch Gehalt. Vielmehr empfangen sie bei allen Arbeiten, die sie auf Befehl ihres Herrn ausführen, eine zutiefst innere Freude und eine hohe Begeisterung. Wenn sie ihren Herrn loben und von seinen Eigenschaften reden, steigert sich noch ihre Freude und Begeisterung. Sie betrachten ihre Beziehung zu ihrem heiligen Herrn als eine große Ehre und begnügen sich damit. Außerdem verspüren sie eine innerliche Freude, während sie im Namen dieses Herrn, in Seinem Auftrag, unter Seiner Aufsicht ihre Arbeit leisten. Sie benötigen weder Lohn, noch Rang oder Gehalt.

Die zweite Art bilden einige ungeschulte Arbeiter.

Sie wissen nicht, worum es sich bei dieser Arbeit handelt. Vielmehr arbeiten sie im Dienste ihres Herrn. Er lässt sie nach Seiner Vorstellung und Seinen Plänen arbeiten. Er gibt ihnen auch einen entsprechenden Lohn. Diese Diener wissen nicht, welch umfangreichem Ziel, welch hohem Sinn und Nutzen ihre Tätigkeiten dienen. Manche stellen sich sogar vor, dass ihre Tätigkeit kein anderes Ziel außer dem ihnen zustehenden Lohn und Gehalt hat.

Die dritte Art:

Dieser Herrscher, der über sein Eigentum verfügt, hat eine bestimmte Art Tiere. Er lässt sie einige Tätigkeiten bei dem Bau jener Stadt, jenes Schlosses verrichten. Er gibt ihnen nur Futter. Diese finden auch ihre Freude daran, dass sie ihren Begabungen entsprechende Tätigkeiten verrichten können. Wenn eine potentielle Fähigkeit, eine Begabung sich in eine Tätigkeit, eine Arbeit umsetzt, dehnt sie sich aus und atmet und bringt Freude. Die Freude an jeder Tätigkeit entspringt aus diesem Geheimnis. Der Lohn und Gehalt dieser Art Diener ist nur das Futter und ihre innere Freude. Sie begnügen sich damit.

Die vierte Art sind solche Arbeiter, die wissen, was sie tun und worum es sich bei ihrer Arbeit handelt und für wen sie arbeiten und worum es sich bei den Tätigkeiten der anderen Arbeiter handelt und was das Ziel dieses Herrschers, der über sein Eigentum verfügt, ist und warum er arbeiten lässt.

Diese Sorte Arbeiter haben eine Führungs- und Überwachungsposition über andere Arbeiter. Sie haben ihrer Stufe und ihrem Rang entsprechend ein Gehalt.

Genauso stellt der Herr der Welten, der der majestätische Herrscher der Himmel und der Erde ist und der Vollkommene Erbauer der diesseitigen und der jenseitigen Welt, in diesem kosmischen Schloss, innerhalb des Rahmens dieser Ursachen, sowohl die Engel als auch die Tiere, die Pflanzen, die unbelebten Dinge und auch die Menschen, nicht um Seines Bedürfnisses Willen in den Dienst, Er ist ja der Schöpfer aller Dinge, sondern um mancher Weisheiten Willen, wie um Seiner Würde und Größe und der Wirkung Seiner Herrschaft willen. Er veranlasst sie dazu, Ihm zu dienen und Ihn anzubeten. Diese vier Arten hat Er zu ganz verschiedenen Aufgaben und zu Seiner Anbetung in Dienst genommen.

Erste Art:

In unserem Beispiel sind mit den Sklaven die Engel gemeint. Was die Engel betrifft, so gibt es unter ihnen keine Anstrengungen und keine Bemühungen zu ihrer weiteren Entwicklung. Jeder Engel hat eine bestimmte Stellung (maqam)und einen festen Rang. Doch in den ihnen zugewiesenen Tätigkeiten finden sie die ihnen entsprechende Freude. In ihrem Dienst und ihrer Anbetung empfangen sie je nach ihrer Stufe auch ihren Segen. D.h. also, dass der Lohn für ihre Dienste und für ihre Hingabe in ihrem Dienst selbst liegt. Wie der Mensch sich mit Wasser, Luft, Licht und Nahrungsmitteln ernährt und erhält und sie genießt, so ernähren sich die Engel und genießen das Licht, das ihnen aus dem Gottesgedenken, dem Lobpreis, der Danksagung, der Anbetung, der Gotteserkenntnis und der Liebe aufleuchtet. Denn da sie aus dem Licht erschaffen sind, genügt ihnen Licht als alleinige Nahrung. Selbst gute Düfte, die mit dem Licht nahe verwandt sind, gelten ihnen als eine Art Nahrung, die sie gleichfalls zu schätzen wissen.

In der Tat lieben die Guten Geister die guten Gerüche. Des Weiteren empfangen die Engel durch die Tätigkeiten, die sie auf Befehl des Angebeteten verrichten, durch

die Arbeiten, die sie in Seinem Auftrag ausführen, durch die Dienste, die sie in Seinem Namen versehen, in Anbetracht der Dinge, die sie mit Seinen Augen betrachten, in der Ehre, die sie in der Verbundenheit mit Ihm erwerben, durch die Reisen, die sie zum Studium Seines Herrschaftsbereiches (Mulk)und des Reiches Seiner Namen (Melekut)unternehmen, in der Begeisterung, die in ihnen bei dem Betrachten der Erscheinungen Seiner Schönheit (Djemal)und Majestät (Djelal)wach wird, eine solch gewaltige Glückseligkeit, dass es der menschliche Verstand nicht zu fassen vermag und die keiner - es sei denn ein Engel - zu wissen vermag.

Ein Teil der Engel obliegt dem Dienst der reinen Anbetung, ein anderer Teil drückt ihren Dienst und ihre Anbetung in ihren Arbeiten aus. Der dem irdischen Dienst verpflichtete Teil Arbeitsengel ist in etwa den Menschen vergleichbar. Sie arbeiten, wenn man das so sagen darf, als eine Art Hirten. Ein anderer Teil arbeitet nach Art der Bauern. Denn die Erde ist gewissermaßen ein gemeinschaftlicher Acker für sie alle. Über alle Tierarten, die auf ihr leben, wacht ein zuständiger Engel unter dem Befehl des majestätischen Schöpfers, mit Seiner Erlaubnis, in Seinem Auftrag, kraft Seiner Macht und Stärke. Eine Stufe unter ihm stehen wieder andere Engel, welche die Hüteengel für nur eine bestimmte Tierart sind. Darüber hinaus ist die Erde auch ein Acker, auf dem alle Pflanzen bestellt werden. Es gibt einen zuständigen Engel, der im Namen Gottes des Gerechten und mit Seiner Kraft über allen wacht. Wieder ein anderer Engel, abermals eine Stufe unter ihm, wacht über nur eine bestimmte Pflanzenart. Solche Engel dienen Gott dem Gerechten auf diese Weise, beten Ihn an, loben und preisen Ihn. Der Erzengel Michael, mit dem Friede sei, gehört zu den Trägern des Thrones der Versorgung (Rezzaqiyet).Er führt unter ihnen die Aufsicht und ist der größte unter ihnen.

Die Engel, die als Bauern und Hirten dienen, sind nicht mit den Menschen zu vergleichen. Denn ihr Aufsichtsdienst geschieht allein im Auftrag Gottes des Gerechten,

in Seinem Namen, in Seiner Kraft und in Seinem Auftrag. Ihr Aufsichtsdienst besteht also nur darin, dass sie die Erscheinungen Seiner Herrschaft für die Art, für die sie beauftragt sind, beaufsichtigen, die Erscheinung der Macht und der Barmherzigkeit in dieser Art erkennen, die Befehle Gottes für diese Art sozusagen eingeben und die freien Handlungen dieser Art gewissermaßen ordnen. Und ihr Aufsichtsdienst über die Pflanzen im Acker der Erde besteht insbesondere darin, die Lobpreisungen, die die Pflanzen auf ihre Art darbringen, mit Engelszungen darzustellen und die lebendigen Geschenke, die sie mit ihrem Leben dem majestätischen Schöpfer darbieten, mit Engelszungen zu verkünden und mit den gegebenen Anlagen gut umzugehen und sie auf bestimmte Ziele hin auszurichten, sozusagen zu ordnen.

Diese Dienste der Engel sind eine Art Werk, das sie aus freiem Willen verrichten, ja es ist Gottesdienst und ihre Art der Anbetung. Eine tatsächliche Herrschaft über diese Dinge haben sie aber nicht. Denn alle Dinge sind mit dem besonderen Siegel des Schöpfers aller Dinge versehen. Andere können sich mit ihren Händen nicht an der Schöpfung beteiligen. Das heißt, was die Art Tätigkeit der Engel betrifft, so ist es ihr Dienst und ihre Anbetung, nicht ihre Gewohnheit wie bei den Menschen.

Die zweite Art Arbeiter in diesem kosmischen Schloss sind die Tiere.

Da die Tiere eine hungrige Seele und ein klein wenig freien Willen haben, können ihre Werke nicht allein um Gottes Willen geschehen. Sie gewinnen dabei in gewissem Grade etwas für ihre Seele. Der Herr des Reiches, dem alle Majestät und Ehre zu Eigen ist (Maliku l-Mulki Dhu l-Djelali ve l-Ikram),schenkt ihnen in Seiner Freigiebigkeit einen Lohn, der schon in ihrer Tätigkeit selbst enthalten ist, um ihrer Seele einen Anteil zu geben.

Zum Beispiel:

Die uns bekannte Nachtigall,

{(*): Da sich die Nachtigall poetisch äußert, werden auch wir hier in unserem Thema ein wenig poetisch. Es handelt sich dabei aber nicht um Phantasie sondern um Tatsachen.}

berühmt

geworden durch ihre Liebe zu einer Rose, nimmt der allweise Schöpfer in Seinen Dienst. Er gebraucht sie in fünffacher Absicht:

Erstens:

Sie ist eine Beauftragte, die im Namen der verschiedenen Tiergattungen die intime Beziehung zu den Pflanzenarten bekannt gibt.

Zweitens:

Sie ist seitens der Tiere, dieser der Versorgung bedürftigen Gäste des Erbarmens, eine Rednerin des Herrn, beauftragt, die Geschenke, die der freigiebige Versorger schickt, mit Jubelgesang (in Empfang zu nehmen) und ihre Freude darüber zum Ausdruck zu bringen.

Drittens:

Sie gibt den Pflanzen, welche ihren Artgenossen zu Hilfe gesandt worden sind, vor allen anderen einen guten Empfang.

Viertens:

Sie teilt den gesegneten Häuptern der Pflanzen um ihrer schönen Gesichter willen die große Bedürftigkeit der Tiere mit, die sich bis zum Grade der Liebe steigert.

Fünftens:

Sie bringt den anmutigsten Lobgesang, vor der Schwelle der Barmherzigkeit des Herrn des Reiches (Maliku l-Mulk),des Majestätischen (Djelal)in Seiner Vollkommenheit (Djemal)und Gastfreundschaft (Ikram),in der innersten Begeisterung, vor dem anmutigsten Gesicht, wie dem einer Rose, zum Ausdruck.

Außer diesen oben genannten fünf verschiedenen Absichten gibt es auch noch andere Deutungsmöglichkeiten. Diese Deutungsmöglichkeiten und Absichten sind das Ziel des Werkes, das die Nachtigall im Auftrag Gottes des Gerechten, des Gepriesenen, des Erhabenen verrichtet. Die Nachtigall spricht in ihrer eigenen Sprache. Wir verstehen deren Bedeutung aus ihrem melancholischen Gesang. Auch wenn sie die Bedeutung ihres eigenen Gesanges nicht vollständig versteht, hindert dies uns nicht daran, ihn zu verstehen, so wenig wie es auch die Engel und Geister nicht daran hindert. Es ist ja bekannt, dass "Der, welcher hört, besser versteht, als der, der spricht." Wenn die Nachtigall diese Bedeutungen nicht

ausführlich kennt, ist das kein Beweis dafür, dass es sie nicht gibt. Sie tut doch wenigstens gleich der Uhr, wenn sie uns die Stunden anzeigt. Auch sie weiß selbst nicht, dass sie dies tut. Wenn sie es nicht weiß, stört das nicht, wenn du es weißt. Was aber den geringen Lohn betrifft, den die Nachtigall dafür empfängt, so besteht er in der Freude, die sie in der Betrachtung jener schönen und lieblichen, lächelnden Rosen erhält, und in dem Genuss, der ihr im vertrauten Gespräch mit ihnen zuteil wird, wenn sie ihnen ihr Herz ausschüttet. Das heißt, ihr melancholischer Gesang ist nicht die Klage über das Leid der Tiere, sondern eine Danksagung, die aus (dem Empfang) einer Gabe des Erbarmens erwächst.

Vergleiche nun die Nachtigall (als Sprecherin der Vögel) mit der Bienenkönigin (welche gleich der Nachtigall die Sprecherin der Bienen ist), (dem Vertreter) der männlichen Tiere, der Spinnen, der Ameisen und der kleinen und kleinsten Tiere. Jedes von ihnen hat in seinem Tun vielerlei Bedeutungen gleich der Nachtigall. Auch für sie ist als eine kleine Entlohnung die ihnen entsprechende Freude in ihrem Dienst und an ihrem Tun gegeben. Mit dieser Freude erfüllen sie zugleich wichtige Aufgaben in diesem Kleinod des Herrn. So wie ein Mann, der auf einem Schiff des Königs seinen Dienst als Steuermann versieht und dafür seinen Anteil an der Heuer erhält, genauso erhalten auch die Tiere, die im Dienst des Hochgelobten stehen, den ihnen entsprechenden Lohn.

Eine Ergänzung zu dem Abschnitt mit der Nachtigall:

Gib Acht, dass du nicht etwa denkst, diese Art, bekannt zu machen, zu veröffentlichen und ihren Lobgesang anzustimmen, sei nur typisch für den Schlag der Nachtigall. Vielmehr haben die meisten Tierarten solche Vertreter, die der Nachtigall ähneln. Sie kennen ein oder mehrere besonders prächtige Exemplare, die ihre Art mit all ihren anmutigen Empfindungen, mit ihren anmutigen Lobpreisungen und mit ihren anmutigen Lauten vorstellen. Die Nachtigallen unter den Insekten und den Käfern sind besonders zahl- und artenreich. Sie lassen über den

Häuptern aller Tiere, die ein Gehör haben, von dem Kleinsten bis zu dem Größten, ihre Lobpreisungen mit den schönsten Klängen und Lauten hören und erfreuen sie damit. Ein Teil von ihnen sind Nachttiere. Sie sind die Freunde aller kleinen Tiere, die in die Stille der Nacht eingetaucht und auf ihrem Lager ruhen, und sie rezitieren ihnen Lobgedichte. In nächtlicher Stille, während die Schöpfung ihren Atem anhält, tragen sie ihnen mit süßen Worten ihre Lesungen vor. Sie sind wie geistige Pole, um die sich die Einsamen im Kreise versammeln und Gottes im Stillen gedenken. Jeder hört ihnen zu und gedenkt des majestätischen Schöpfers in seinem Herzen und lobt Ihn auf seine Art. Ein anderer Teil von ihnen lebt im Licht und macht am Tage von den Kanzeln der Bäume über den Häuptern aller Lebewesen, im Frühling und im Sommer mit lauter Stimme, mit anmutigen Gesängen und melodischen Lobpreisungen, die Barmherzigkeit des gnädigen Erbarmers bekannt.

Es ist, als ob sie - gleich einem Chorleiter - in einer Dhikr-Feier ihre Zuhörer mit erhobener Stimme in Begeisterung versetzten, sodass jeder von den Hörern in der Sprache seiner Art, mit dem besonderen Klang (seiner eigenen Stimme), des majestätischen Schöpfers zu gedenken beginnt. Das heißt, dass alles Sein und Leben (maudjudat),ja sogar die Sterne ihren Dhikr-Leiter, eine Art lichtstrahlender Nachtigall, haben.

Aber unter allen diesen Nachtigallen ist der Beste, der Würdigste, der Leuchtenste, der Klarste, der Großartigste und der Freigiebigste, der Stimmgewaltigste, der Glänzendste in den Eigenschaften, der Vollständigste im Gottesgedenken, der Umfassendste in der Danksagung, der Vollkommenste in seinem Wesen, der Schönste nach seinem Aussehen, der im Garten des Kosmos, alles Sein im Himmel und auf Erden mit seinen anmutigen Gesängen, seiner voll- und wohltönenden Stimme, mit seinen hohen Lobpreisungen in Begeisterung und in Ekstase versetzt, die ruhmreiche Nachtigall des Menschengeschlechtes und die Nachtigall der Adamssöhne mit dem

Qur'an, Mohammed, der Araber.

عَلَيْهِ وَعَلٰٓى اٰلِهِ وَاَمْثاَلِهِ اَفْضَلُ الصَّلاَةِ وَاَجْمَلُ التَّسْلِيمَاتِ

{"Möge sein und seiner Familie und seiner Gefährten Gebet auf das schönste und seine Hingabe auf das edelste gewürdigt sein!"}

Zusammenfassung:

Die Tiere, die in dem kosmischen Schloss dienen, folgen in vollkommenem Gehorsam den Befehlen des Seins (den Naturgesetzen) und zeigen den Sinn ihrer Natur (den Plan Gottes) in ihrem schönen Erscheinungsbild und als ein Werk Gottes des Gerechten. Die Aufträge ihres Lebens führen sie auf schönste Art mit der Kraft Gottes des Gerechten aus. Die Lobpreisungen und Gottesdienste, die sie auf diese Weise darbringen, gelten als ihre Gaben und lebendigen Gastgeschenke, die sie dem majestätischen Schöpfer und an der Schwelle dessen, der das Leben schenkt, überreichen.

Die dritte Art Arbeiter:

Es sind die Pflanzen und die unbelebte Natur. Da sie keine freie Entscheidung haben, können sie auch keine Belohnung erhalten. Ihre Werke sind rein um Allahs Willen und geschehen durch den Willen Gottes des Gerechten, in Seinem Namen, in Seinem Auftrag, in Seiner Macht und Kraft. Beobachtet man jedoch die Reaktion der Pflanzen, so spürt man, dass sie in der Erfüllung ihrer Aufgaben, in der Bestäubung, der Befruchtung, beim Heranwachsen und Reifen ihrer Früchte eine Art von Genuss empfinden. Doch empfinden sie überhaupt keinen Schmerz. Ein Tier, das einen freien Willen hat, empfindet außer Freude auch Schmerz. Da die unbelebte Natur und die Pflanzen bei ihren Tätigkeiten über keinen freien Willen verfügen können, sind ihre Werke viel vollkommener als die Handlungen der Tiere, die im Besitz ihrer freien Entscheidungen sind. Unter denen, die über einen freien Willen verfügen, sind die Werke derer, die gleich der Biene, mit Eingebung und Erleuchtung begnadet sind, weit vollkommener als die Werke derer, die auf ihrem freien Willen bauen.

Auf dem Acker dieser Welt beten alle Pflanzenarten zu dem Allweisen Schöpfer und bitten Ihn im wortlosen

Ausdruck ihrer naturgegebenen Anlagen: "Oh Herr! Gib uns die Kraft, überall auf der Erde die Fahne unserer Gattung aufzurichten und so das Königreich Deiner Herrschaft auf unsere Weise zu verkünden. Verleihe uns Erfolg, damit wir in allen Ecken der Moschee dieser Erde Dich anbeten. Schenke uns Kraft, wenn wir uns ausbreiten, wenn wir verreisen wollen, damit wir überall auf dem Ausstellungsort "Erde" die Ornamente Deiner schönen Namen, Deine einzigartigen, hinreißend schönen Kunstwerke in unserer Sprache bekannt machen."

Der Allweise Schöpfer nimmt ihre Gebete der beabsichtigten Meinung entsprechend an, indem Er den Samen eine Art Flügelchen oder Fallschirmchen von kleinen Federchen gibt, womit sie in alle Richtungen fliegen und sich verbreiten. Im Namen ihrer Gattung lässt Er sie Seine Namen vortragen, (wie die meisten der dornigen Pflanzen und ein Teil der Samen der gelben Blumen). Einem Teil (der Pflanzen) verleiht Er (Früchte) von schönem (fruchtigen) Fleisch, das die Menschen nötig haben und gerne mögen. Er lässt den Menschen ihnen dienlich sein, sodass dieser sie überall anbaut. Manche Samenarten sind unverdaulich und hart wie Knochen. Er überzieht sie mit dem Fruchtfleisch, welches dann die Tiere fressen, und so diese Samen in verschiedene Richtungen verbreiten. Er verleiht manchen auch Häkchen, die sich an jeden anheften, der sie berührt. So kommen sie wieder in eine neue Gegend und pflanzen dort die Fahne ihrer Gattung ein. Sie stellen die einzigartigen Kunstwerke des glorreichen Meisters aus. Einem anderen Teil, wie z.B. einer Pflanzenart, die man "Spritzgurke" nennt, verleiht Er die Kraft einer Schrotflinte. Ist ihre Reifezeit gekommen, fällt ihre Frucht, die Gurke, ab und verschießt ihre Samen wie Schrotkörner mehrere Meter im Umkreis und sät sie (auf diese Weise aus). Sie arbeiten dafür, dass die Leute des majestätischen Schöpfers in vielen Sprachen gedenken und Ihn lobpreisen. Finde noch andere, ähnliche Beispiele.

Der allweise Schöpfer, der Allwissende, der Allmächtige, erschafft alles in vollkommener Ordnung aufs schönste, stattet es aufs schönste aus und richtet es für Seine schönsten Zwecke her, beauftragt es mit den schönsten Aufgaben, lässt es den schönsten Lobpreis darbringen und die Gottesdienste aufs schönste verrichten.

Oh Mensch! Wenn du ein wahrer Mensch bist, lass die Natur, den Zufall, die Sinnlosigkeit, den Irrtum sich nicht in diese schönen Tätigkeiten einmischen; mache (Gottes wunderbare Schöpfung nicht auf diese Weise) hässlich, handle nicht hässlich, werde nicht (selbst dadurch) hässlich.

Die vierte Art Arbeiter:

Es sind die Menschen. Die Menschen die in diesem kosmischen Schloss eine Art Diener sind, ähneln sowohl den Engeln als auch den Tieren. Der Mensch ähnelt den Engeln in seinem universellen Dienst und in der Anbetung Gottes, in seinem umfangreichen Aufsichtsdienst, in seiner umfassenden Kenntnis und als öffentlicher Ausrufer der Herrschaft Gottes. Ja, der Mensch ist (in seinen Aufgaben) sogar noch vielseitiger. Aber da der Mensch eine Seele hat, die unersättlich und zum Bösen geneigt ist, werden in ihm - im Gegensatz zu den Engeln - sehr bedeutende Vor- und Rückschritte bemerkbar. Da der Mensch durch seine Handlungen eine Freude für seine Seele und auch einen Anteil für sich selbst sucht, gleicht er den Tieren. Weil dies aber so ist, erhält der Mensch auch zweierlei Lohn: Der eine ist für ihn persönlich, leiblich und wird in dieser Zeitlichkeit ausbezahlt. Die andere (Art Lohn) gleicht dem der Engel, umfasst (die Menschheit als) Ganzes, gilt für die Ewigkeit. Nun wurden der Lohn des Menschen für seine Leistung, seine Vor- und Rückschritte schon zum Teil in den vorangegangenen Dreiundzwanzig Worten erwähnt. Besonders im elften und dreiundzwanzigsten (Wort) wurde eingehend darauf hingewiesen. Deswegen kommen wir hier nun zum Ende und schließen die Türe (hinter uns) zu. Wir bitten den gnädigen Erbarmer inständig darum, dass Er die Tore zur Barmherzigkeit für uns öffne, uns bei der Vollendung dieses Wortes führe und uns den

Erfolg zum Reisegefährten gewähre. Wir schließen mit der Bitte um Verzeihung unserer Fehler und Nachlässigkeiten.

Fünfter Ast:

Der fünfte Ast trägt "fünf Früchte".

Erste Frucht:

Oh du meine selbstsüchtige Seele! Oh du mein weltanbetender Freund! Liebe ist der Anlass für die Existenz dieses Kosmos. Zudem ist sie das Band dieses Kosmos. Ferner ist sie das Licht dieses Kosmos, und sie ist sein Leben. Da der Mensch die vielseitigste Frucht dieses Kosmos ist, ist die Liebe, die den ganzen Kosmos umhüllen kann, in sein Herz, das der Kern dieser Frucht ist, hineingelegt. Eine solche grenzenlose Liebe kann nur derjenige verdienen, der grenzenlose Vollkommenheit besitzt.

Wohlan denn, oh Seele, oh Freund! Zwei Organe, die dem Menschen Angst und Liebe vermitteln, sind in seiner Natur (fitrat)vorhanden. In jedem Fall, werden diese Liebe und diese Angst entweder auf die Schöpfung oder auf den Schöpfer hin ausgerichtet sein. In Wirklichkeit ist aber die Angst vor der Schöpfung eine leidvolle Plage. Auch ist die Liebe zur Schöpfung (d.h. ihr verfallen zu sein) ein lästiges Unglück. Denn du hast Angst vor denen, die kein Erbarmen mit dir haben oder deine Bitte nicht entgegennehmen. In diesem Zustand ist die Angst eine leidvolle Plage. Was aber die Liebe betrifft, so kennt das, was du liebst, dich entweder nicht und geht, wie deine Jugendzeit und dein Besitztum, ohne ein "Auf Wiedersehen" zu sagen, oder beleidigt dich wegen deiner Liebe. Siehst du denn nicht, dass sich 99 Prozent der weltlichen Liebhaber über ihre Geliebten beschweren? Denn mit dem Innern des Herzens, welches der Spiegel dessen ist, dessen alle und alles bedürfen (Samad),die weltlichen, götzenähnlichen Geliebten anzubeten, ist in den Augen dieser Geliebten hässlich; sie finden es lästig und lehnen es ab. Die natürliche (fitrat)Beschaffenheit lehnt alles ab, was unnatürlich und ungebührlich ist, und verwirft es. (Die sinnliche Liebe soll hier außer Betracht bleiben.) Das heißt, die Dinge, die du liebst, kennen dich

entweder nicht oder sie verachten dich oder sie werden dich nicht (für immer) begleiten. Sie werden dich auch gegen deinen Willen verlassen.

Da dies nun einmal so ist, sollst du deine Angst und deine Liebe dem zuwenden, vor dem deine Angst zu wohltuender Hingabe wird. Deine Liebe soll mit einer Freude verbunden sein, die nicht erniedrigt. Sich vor dem majestätischen Schöpfer zu fürchten, heißt in der Tat, einen Weg zu der Liebe Seiner Barmherzigkeit zu finden und bei Ihm seine Zuflucht zu nehmen. Furcht ist eine Peitsche. Sie wirft dich an die Brust Seiner Barmherzigkeit. Bekanntlich macht ja eine Mutter ihrem Kindlein Angst, damit es sich in ihren Schoß flüchtet. Diese Angst ist für ihr Kindlein ganz besonders angenehm. Denn die Barmherzigkeit (shefqat)lässt es sich in ihren Schoß flüchten. In Wirklichkeit gleicht aller Mütter Liebe und Zärtlichkeit einem Blitzstrahl der Barmherzigkeit Gottes. Also liegt in der Gottesfurcht ein überwältigender Wohlgeschmack. Wenn sich in der Gottesfurcht ein solcher Wohlgeschmack findet, wird es offensichtlich, welch ein grenzenloser Wohlgeschmack sich in der Liebe Gottes findet. Des Weiteren rettet sich der, der sich vor Gott fürchtet, vor den erbärmlichen und unheimlichen Ängsten. Und da seine Liebe zur Schöpfung im Auftrag Gottes ist, endet sie auch nicht in Trennung und Leid.

In der Tat liebt der Mensch zuallererst seine eigene Seele, danach seine Verwandten, dann sein Volk, dann die lebendigen Geschöpfe, dann das Universum und die ganze Welt (dunya).Mit jedem dieser Kreise fühlt er sich verbunden. Er freut sich in ihren Freuden und leidet in ihren Leiden. Da aber nun im Tohuwabohu dieser Welt und ihren Wirbelstürmen nichts von Bestand ist, wird des Menschen hilfloses Herz zu allen Zeiten verwundet. Alle Dinge, die an seinen Händen festkleben, reißen ihm die Hände ab, wenn sie von ihm gehen, ja reißen sie ihm in Stücke. Ständig lebt er in seinem Leid oder trunken von seiner Gottvergessenheit. So ist das nun einmal, du meine Seele! Wenn du Verstand hast, sammle alle diese o.g.

Arten der Liebe, schenke sie ihrem wahren Eigentümer und rette dich von diesen Leiden. Solch grenzenlose Liebe gebührt dem Herrn grenzenloser Vollkommenheit und Schönheit. In dem Augenblick, in dem du sie ihrem wahren Eigentümer geschenkt hast, in dem Augenblick kannst du alle Dinge in Seinem Namen und als Seine Spiegelungen lieben, ohne (ihretwegen) zu leiden. Das heißt, man soll seine Liebe nicht unmittelbar und direkt an die Schöpfung weggeben. Anderenfalls wird die Liebe, die doch das schönste Geschenk (der Gnade) ist, zu peinvoller Verhöhnung werden.

Bleibt noch ein Aspekt, und das ist der wichtigste, oh Seele! Du gibst deine Liebe für dich selbst aus. Du machst dir deine Seele zu deinem Angebeteten und Geliebten. Alles opferst du deiner Seele. Es ist, als schriebest du dir eine Art Herrschaft zu. In Wirklichkeit ist aber der Grund der Liebe entweder die Vollkommenheit, die als Wesensmerkmal liebenswert ist, oder ein Vorteil, oder Wohlgefallen, oder eine Wohltätigkeit. Aus dergleichen Gründen wird etwas geliebt.

Nun, oh Seele! In einigen "Worten (Sözler)"haben wir schon unwiderlegbar bewiesen, dass dein eigentliches Wesen eine Mischung aus Fehlern, Mangel, Armseligkeit und Schwäche ist, wobei - gleich wie der Grad der Dunkelheit einer Verfinsterung im Vergleich den Glanz des Lichtes zeigt - du durch diesen Gegensatz mit dieser (Mischung) der Vollkommenheit, der Schönheit, der Macht und der Barmherzigkeit des majestätischen Schöpfers einen Spiegel vorhältst. Das heißt, oh Seele! Du sollst deine Seele nicht lieben, sondern als deinen Widersacher behandeln, oder sie voll Mitleid behandeln, oder - nachdem sie innerliche Ruhe (nefsu l-mutma'inna)erlangt hat - liebevoll behandeln. Wolltest du aber deine Seele lieben - denn du bist ja die Quelle allen Wohlbefindens und aller Vorteile, ja von der Freude an deinem Wohlbefinden und deinen Vorteilen geradezu hingerissen - so bevorzuge nicht dein Wohlbefinden und deinen Vorteil, den deine Seele sucht und doch nur einem Fünkchen gleicht,

vor grenzenlosem Wohlbefinden und nicht endenden Vorzügen! Werde nicht wie das Glühwürmchen. Denn, in der Einsamkeit seiner Finsternis versenkt es alle seine Freunde und geliebten Dinge, und begnügt sich selbst mit einem Fünkchen. Du sollst den Urewigen Geliebten lieben, denn zu dessen Liebenswürdigkeit gehören mit dem Wohlbefinden und allen Vorteilen für deine Seele auch noch die Geschenke der ganzen Schöpfung und allen Seins, mit dem du verbunden bist, aus deren Vorzügen du deinen Nutzen ziehst und mit deren Glück du glücklich wirst, damit du dich sowohl mit deinem eigenen als auch mit ihrer aller Glück freuen kannst. Des Weiteren kannst du grenzenloses Wohlbefinden, das dir aus deiner Liebe zu dem Absoluten-Vollkommenen erwächst, empfangen.

Deine starke Liebe, die du deiner eigenen Seele zuwendest, die dir um Gottes willen aus Seinem Wesen zuströmt, ist Liebe von ihrem Wesen her, die du aber missbrauchst und für dein eigenes Wesen verausgabst. Zerreiße also nun dieses "Ich" in deiner Seele und zeige das "Er (Hu)".All deine im ganzen Universum verstreute Liebe ist dir gegeben, als die Liebe zu Seinen Namen und Eigenschaften. Du hast sie missbraucht. Die Strafe dafür hast du dir zugezogen. Denn die Strafe ungebührlicher Liebe, am falschen Platz verausgabt, ist eine unbarmherzige Plage.

Für den urewigen Geliebten, der dir deine Wohnstatt mit seinem Namen der Erbarmer, der Barmherzige und mit Jungfrauen zum Paradies gestaltet, es dir für all deine Wünsche und deine leiblichen Genüsse bereitstellt, der dieses Paradies mit all Seinen weiteren Namen mit ewigen Geschenken für dich ausstattet, um die Wünsche deines Geistes, deines Herzens, deiner meditativen Wahrnehmung, deines Verstandes und all deiner sonstigen feinstofflichen Organe zufrieden zu stellen, der sich in jedem seiner Namen, als den vielen verschiedenen geistigen Schätzen als der Gnädige und Freigiebige erweist, ist ein Fünkchen Seiner Liebe so viel wert wie der ganze

Kosmos. Der ganze Kosmos kann auch nicht einem Bruchteil vom Aufscheinen Seiner Liebe gleichkommen. So höre denn nun den urewigen Erlass, den dieser urewige Geliebte (Mahbub)Seinen eigenen Geliebten (Habib)sagen lässt:

اِنْ كُنْتُمْ تُحِبُّونَ اللَّهَ فَاتَّبِعُونِى يُحْبِبْكُمُ اللَّهُ

{"Wenn ihr Gott liebt, dann folgt mir, damit auch Gott euch liebt!" (3, 31)}

und befolge ihn!

Zweite Frucht:

Oh Seele! Dienst und Anbetung sind nicht ein erster Schritt in Richtung auf eine spätere Belohnung, sondern die Folgerung aufgrund eines vorangegangenen Geschenks. In der Tat haben wir unsere Belohnung schon erhalten. Dementsprechend sind wir zu Dienst und Anbetung verpflichtet.

Denn, oh Seele! Der majestätische Schöpfer, der dir als lautere Wohltat deinen Körper bekleidet und einen hungrigen Magen gegeben, hat unter Seinem Namen als "der Versorger (Rezzaq)"alle Speisen vor dir auf einer Geschenktafel ausgebreitet. Nachdem Er dir dann ein empfindsames Leben verliehen hat, verlangt auch dieses Leben, genau wie dein Magen danach, versorgt zu werden. Alle deine Sinnesorgane, wie Augen und Ohren, sind wie Hände, vor denen Er die ganze Erde als eine große Tafel voller Geschenke ausgebreitet hat. Nachdem Er dir dann deine Menschlichkeit verliehen hat, die viel Zivilisation, Kultur, Spiritualität erfordert, hat Er vor dem Magen deiner Menschlichkeit eine Tafel voller Gastgeschenke aufgetan, groß wie die Welt der Engel und der Menschen (alem-i mulk ve melekut)und so weit, wie du die Hand deines Verstandes ausstrecken kannst. Nachdem er dir dann als größte Menschlichkeit den Islam und den Glauben, der sich nach zahllosen Geschenken sehnt und der sich von den Früchten der grenzenlosen Barmherzigkeit ernährt, geschenkt, hat Er vor dir eine Tafel voller Geschenke, Glückseligkeit und einen Sinn für den Bereich aller Möglichkeiten, zugleich mit dem der Schönen Namen

und dem der Eigenschaften des Heiligen aufgetan. Nachdem Er dir dann die Liebe als ein Licht des Glaubens gegeben, hat Er dir eine Tafel mit Geschenken ohne Ende, Glückseligkeit und Wohlgeschmack zugeeignet. Das also heißt, wenn du auch hinsichtlich deines Körpers ein kleines, schwaches, ohnmächtiges, elendes, abhängiges und beschränktes Wesen bist, so bist du doch durch Seine Gaben von einem kleinen Teilchen zu einer alles umfassenden lichtvollen Ganzheit aufgestiegen. Denn, indem Er dir das Leben verliehen hat, bist du als ein Bruchteil zu einer Art Ganzheit gelangt; indem er dir deine Menschlichkeit verliehen hat, zu einer wahren Ganzheit; indem Er dir den Islam geschenkt hat, zu einer erhabenen und leuchtenden Ganzheit; und indem Er dir die Erkenntnis verliehen hat, ließ Er dich zu dem allumfassenden Licht aufsteigen.

Wohlan, oh Seele! Du hast diesen Lohn schon (im voraus) erhalten. Nun bist du (aber auch zu) einem angenehmen, gnadenvollen, erholsamen, leichten Dienst vor Gott und zu Seiner Anbetung verpflichtet. Doch selbst dafür bist du noch zu träge. Wenn du ihn aber nur halb machst, als reichte der schon zuvor empfangene Lohn nicht aus, so stellst du viel zu große Forderungen. Zudem (versuchst du, Gott) hinzuhalten, wenn du sagst: "Warum ist mein Gebet nicht angenommen worden?" Was dir zusteht, ist zu bitten, nicht (zu versuchen, Gott) hinzuhalten. Gott der Gerechte schenkt dir das Paradies und die ewige Glückseligkeit als Seine lautere Güte und Freigiebigkeit. Darum sollst du auch immer bei Seiner Barmherzigkeit und Freigiebigkeit Zuflucht suchen. Vertraue auf Ihn und höre den folgenden Erlass (ferman):

قُلْ بِفَضْلِ اللَّهِ وَبِرَحْمَتِهِ فَبِذٰلِكَ فَلْيَفْرَحُوا هُوَ خَيْرٌ مِمَّا يَجْمَعوُنَ

{"Sprich: Es ist Gottes Huld und Seine Barmherzigkeit, worüber sie sich nun freuen sollen. Das ist besser, als was sie (im Diesseits an Geld und Gut) zusammenbringen." (Sure 10, 58)}

Wenn du sagst:

"Wie kann ich solch umfangreichen, grenzenlosen Gastgeschenken mit meinem begrenzten, unvollkommenen Dank entgegnen?"

Antwort:

Mit einer Absicht, die alles mit einschließt, mit einer grenzenlosen Überzeugung...

Zum Beispiel:

Ein armer Mann tritt vor seinen König mit einem Geschenk im Wert von fünf Pfennigen hin und sieht, die Geschenke, von ehrenwerten Männern gebracht, jedes Millionen wert, dort aufgestellt. Es kommt ihm in den Sinn: "Mein Geschenk ist nichts wert. Was soll ich machen?" Plötzlich sagt er: "Oh mein Herr! Alle diese wertvollen Geschenke biete ich Dir in meinem Namen an. Denn Du bist ihrer würdig. Wenn ich dazu im Stande wäre, wollte ich Dir noch einmal ein Gleiches schenken." So nimmt dieser König, der überhaupt nichts benötigt und ihre Geschenke nur als Zeichen der Loyalität und Hochachtung seiner Untertanen entgegen nimmt, diese große und alles mit einschließende gute Absicht (niyet),den Wunsch dieses armen Mannes, seine Wertschätzung aus einer guten und edlen Überzeugung heraus, als das größte Geschenk an. Genauso sagt ein Diener in seiner Armseligkeit im Gebet, At-tehiyyatu lillah(alles Gute gebührt Gott). Das heißt: "Die Geschenke, die Dir die Geschöpfe mit ihrem Leben in all seinen Erscheinungsformen (hayat)als Gottesdienst darbringen, möchte ich Dir alle wie mein eigenes Geschenk darbringen. Stünde es in meiner Macht, wollte auch ich Dir darbringen, so viel auch immer ihrer aller Lobpreis entspricht. Zudem gebührt Dir alles, sogar noch mehr als sie Dir darbringen können." So ist denn diese Absicht und Überzeugung eine alles und jedes umfassende Danksagung. Die Absicht der Pflanzen aber sind ihre Samenkörner und Kerne.

Zum Beispiel hat eine Honigmelone in ihrem Herz tausend Absichten in Form ihrer Kerne. "Oh mein Schöpfer! Ich will die Ornamente Deiner schönen Namen an vielen Stellen der Erde bekannt machen." Da Gott der Gerechte weiß, wie Dinge künftig kommen werden, nimmt Er ihre Absichten als Gebet an und als einen Dienst, der bereits ausgeführt wurde. "Die innere Absicht (niyet)eines Gläubigen wiegt schwerer, als die Tat", weist auf dieses

Geheimnis hin. Aus diesem Geheimnis heraus wird der Sinn (des folgenden Gebetes) verständlich, Gott in grenzenloser Zahl zu loben und zu preisen, wie:

سُبْحَانَكَ وَبِحَمْدِكَ عَدَدَ خَلْقِكَ وَرِضَآءَ نَفْسِكَ وَزِنَةَ عَرْشِكَ وَمِدَادَ كَلِمَاتِكَ وَنُسَبِّحُكَ بِجَمِيعِ تَسْبِيحَاتِ اَنْبِيَآئِكَ وَاَوْلِيَآئِكَ وَمَلٰٓئِكَتِكَ

{"Lobpreis und Dank sei Dir nach Zahl und Maß Deiner Schöpfungen, die Dich zufrieden stellen, die Deinen Thron schmücken, welche die Tinte Deiner Worte sind. So preisen auch wir Dich mit allen Lobpreisungen Deiner Gesandten, Deiner Gottesfreunde und Deiner Engel."}

Des Weiteren bringt zum Beispiel ein Offizier in seinem eigenen Namen dem König alle Dienste seiner Soldaten dar. Genauso sagt ein Mensch, der sich als Offizier der Schöpfung versteht, der über Tiere und Pflanzen das Kommando führt, der im Stande ist, gegenüber allen Existenzen der Erde als Vertreter Gottes (: Kalif) zu erscheinen und der sich in seiner eigenen, persönlichen Welt (d.h. in seinem Leben) allen als Beauftragter vorstellt,

اِيَّاكَ نَعْبُدُ وَاِيَّاكَ نَسْتَعِينُ

{"Dir allein dienen wir, und zu Dir allein nehmen wir unsere Zuflucht." (Sure 1, 5)}

Er bietet dem Angebeteten in Seiner Majestät (Ma'budu Dhu l-Djelal)alles Gebet, die Dienste und Hilferufe der ganzen Schöpfung wie seine eigenen an. Ferner sagt er:

سُبْحَانَكَ بِجَمِيعِ تَسْبِيحَاتِ جَمِيعِ مَخْلوُقَاتِكَ وَبِاَلْسِنَةِ جَمِيعِ مَصْنُوعَاتِكَ

{"Gepriesen seist Du mit der Gesamtheit aller Lobpreisungen der Schöpfung, in all den Sprachen Deiner Kunstwerke."}

Er lässt die ganze Schöpfung in seinem Auftrag sprechen. Ferner sagt er:

اَللّٰهُمَّ صَلِّ عَلٰى مُحَمَّدٍ بِعَدَدِ ذَرَّاتِ الْكَآئِنَاتِ وَمُرَكَّبَاتِهَا

{"Oh Gott, segne Mohammed so viel Mal, nach der Zahl der Bestandteile des Alls und der Anzahl seiner Atome."}

Er bringt Mohammed, mit dem Friede und Segen sei,

im Namen aller Dinge seine Segenswünsche dar. Denn alle Dinge stehen mit dem Licht Ahmeds, mit dem Friede und Segen sei, in Verbindung. So verstehe denn den Sinn einer unbegrenzten Anzahl Lobpreisungen Gottes und Segenswünschen für Mohammed, mit dem Friede und Segen sei.

Dritte Frucht:

Oh Seele! Wünschst du in einer kurzen Lebensspanne ein gutes Werk für das Jenseits im grenzenlosen Maße und möchtest jede einzelne Minute deines Lebens so verdienstvoll wie ein ganzes Leben sehen und würdest gerne deine alltäglichen Gewohnheiten in einen Gottesdienst und deine Gottvergessenheit in Gottbewusstsein umwandeln, dann folge den preisenswürdigen Sitten des Propheten. Denn, wenn du dich der Art und Weise der Scharia entsprechend verhältst, versetzt dich das auf eine Art in Gottes Gegenwart (huzur).Es wird dir zu einer Art Gottesdienst. Es bringt dir im Jenseits viele Früchte.

Zum Beispiel:

Du hast etwas gekauft. In dem Augenblick, wo du im Handel und Wandel auf die Regeln der Scharia achtest, wird auch der alltägliche An- und Verkauf zu einem Gottesdienst. Diese Erinnerung an die Bestimmungen der Scharia gibt eine Vorstellung von der Offenbarung. Indem du aber an den Gesetzgeber denkst, wendest du dein Antlitz Gott zu. Auch das versetzt dich wiederum in die göttliche Gegenwart. Das heißt also: indem man bei seinen Handlungen den preisenswürdigen Sitten des Propheten entspricht, bringt dieses vergängliche Leben bleibende Frucht und erhält man einen Nutzen, der ein Anlass für ein ewiges Leben wird. Höre den folgenden Erlass (ferman):

فَاٰمِنوُا بِاللَّهِ وَرَسُولِهِ النَّبِىِّ اْلاُمِّىِّ الَّذِى يُؤْمِنُ بِاللَّهِ وَكَلِمَاتِهِ وَاتَّبِعُوهُ لَعَلَّكُمْ تَهْتَدُونَ

{"Darum glaubt an Allah und Seinen Gesandten, den ungelehrten Propheten, der an Gott und Seine Worte glaubt; folgt ihm, damit ihr rechtgeleitet seid!" (Sure 7, 158)}

Bemühe dich darum, damit alle schöne Namen Gottes, die segenspendenden Erscheinungen, die sich durch die Bestimmungen der Scharia und den preisenswürdigen Sitten des Propheten zeigen, bei dir erkennbar werden.

Vierte Frucht:

Oh Seele! Wenn du die Leute der Welt, besonders die Leute der Ausschweifung, besonders aber die Leute des Unglaubens betrachtest, lass dich nicht von dem äußerlichen Schmuck und von den trügerischen, von Gott verbotenen Genüssen, täuschen! Ahme sie auch nicht nach. Denn wenn du sie auch nachahmst, so kannst du doch nicht ihnen gleich werden. Du wirst sehr tief fallen. Du kannst auch kein Tier sein. Denn der Verstand in deinem Kopf wird dir zu einem Instrument, das dir nur noch Unglück bringt. Er wird ständig auf dich einhämmern.

Zum Beispiel:

Nehmen wir an, in dem großen Saal eines Schlosses befände sich eine riesige elektrische Lampe. Viele kleine Lampen, die mit dieser großen Lampe verbunden und zu ihr parallel geschaltet sind, seien überall in den kleinen Räumen verteilt. Wenn nun jemand den Schalter zu dieser riesigen Lampe umlegt und so das Licht ausschaltet, fallen alle Räume in eine tiefe Dunkelheit und in eine Trostlosigkeit. In allen Räumen eines anderen Schlosses befänden sich ebenfalls kleine elektrische Lampen, die aber nicht mit der riesigen Lampe im großen Saal verbunden seien. Wenn nun der Schlossherr den Schalter zu dieser riesigen elektrischen Lampe umlegt und somit ausschaltete, kann in den übrigen Räumen dennoch Licht sein. Somit kann dort weiter gearbeitet werden. Diebe können keine Gelegenheit finden.

Wohlan denn, oh Seele! Das erste Schloss ist mit einem Muslim zu vergleichen. Der ehrenwerte Prophet, mit dem Friede und Segen sei, ist in seinem Herzen jener großen elektrischen Lampe (des Schlosses) vergleichbar. Vergäße er ihn jemals, würde er ihn - was Gott verhüten möge! - aus seinem Herzen verbannen, kann er nie mehr einen anderen Propheten annehmen. Ja, es bleibt in seinem Geist kein Platz mehr für irgendeine Art von Vollkommenheit. Ja, er wird noch nicht einmal mehr seinen Herrn anerkennen. In seinem Innersten verfallen alle Stuben,

stürzen alle feinstofflichen (Organe) in Finsternis und in seinem Herzen breitet sich eine furchtbare Zerstörung und Trostlosigkeit aus. Was gäbe es denn noch, was du anstelle dieser Zerstörung, dieser Trostlosigkeit gewinnen könntest, um dein Vertrauen zurückzugewinnen! Welchen Vorteil könntest du finden, um nach einer solchen Zerstörung den Schaden noch zu beheben? Dagegen ist das zweite Schloss den Fremdlingen (: Nichtmuslime) zu vergleichen. Auch wenn sie das Licht des Propheten, mit dem Frieden und Segen sei, aus den Herzen verweisen, können nach ihrer Vorstellung dennoch manche Lichter übrigbleiben oder sie stellen sich doch vor, dass sie übrigbleiben könnten. Ihre Art wie Mosis oder Jesus, mit denen Friede sei, zu glauben und (von der Existenz) eines Schöpfers überzeugt zu sein, können weiterhin bestehen bleiben und ihren Moralvorstellungen als Quelle dienen.

Oh du eigenwillige Seele (nefsu l-emmare)!Wenn du sagst: "Ich möchte nicht wie ein Fremdling sein. Ich will lieber wie ein Tier sein." Doch wie viele Male hatte ich dir nicht schon gesagt: "Du kannst nicht wie ein Tier sein. Denn da du Verstand im Kopf hast, schlägt dieser Verstand dir deine vergangenen Leiden und künftigen Ängste um die Ohren, um den Kopf, vor die Augen, ins Gesicht und verprügelt dich damit. Einen Genuss vermischt er dir mit tausend Leiden. Was aber das Tier betrifft, so empfängt es vollkommenen Genuss ohne Leid und freut sich. Daher nimm also zuerst einmal deinen Verstand heraus und wirf ihn von dir, dann erst werde ein Tier! Und weiter fühle dich (durch die folgende Ayah) geohrfeigt:

كَاْلاَنْعَامِ بَلْ هُمْ اَضَلُّ

{"Sie gleichem dem Vieh, ja gehen noch mehr in die Irre als sie." (Sure 7, 179)}

Fünfte Frucht:

Oh Seele! Wie wir vielmals gesagt haben ist der Mensch die Frucht am Baume der Schöpfung. Er trägt ein Herz, wie eine Frucht ihren Samenkern, welcher

von der Wurzel (d.h. von seinem Ursprung) am weitesten ist, sich umfassend auf den ganzen (Baum) bezieht und die Zusammenschau des Ganzen (djihetu l-vahdet)in sich aufbewahrt. Er ist ein Geschöpf, dessen Gesicht auf Vielfältigkeit, Vergänglichkeit und Weltlichkeit (dunya)hin blickt. Was aber Dienst und Anbetung betrifft, so sind sie ein vereinigender Strang, der sein Gesicht von der Vergänglichkeit zur Ewigkeit, vom Geschaffenen zum Schöpfer, von der Vielheit zur Einheit und vom Endpunkt zum Ausgangspunkt wendet, oder ein Punkt, wo Anfang und Ende sich berühren.

Angenommen, eine kostbare, mit Bewusstsein begabte Frucht, die als Same bestimmt ist, würde die Lebewesen unter dem Baume betrachten und - stolz auf ihre Schönheit - sich in ihre Hände werfen oder aber nicht Acht geben und herunterfallen, so würde sie ihnen in die Hände fallen, in Stücke zerbrechen und schließlich wie eine ganz gewöhnliche Frucht verloren gehen. Wenn hingegen diese Frucht ihren Stützpunkt erkennt und daran denken könnte, dass der Kern in ihr, welcher eine Zusammenschau (djihetu l-vahdet)des ganzen Baumes in sich enthält, ein Mittel für den Fortbestand des Baumes und die Fortdauer seines Daseins (haqiqat)ist, dann erfährt dieser eine einzige Kern in dieser einen Frucht eine beständige, auf den ganzen (Baum) bezogene Wirklichkeit in einem fortdauernden (baqi)Leben.

Genauso wird auch der Mensch, wenn er sich in der Vielfalt (der Ursachen) verliert, im Dasein (kainat)erstickt, sich betrunken von seiner Liebe zur Welt vom Lächeln alles Vergänglichen (fani)verführen lässt und sich ihr in die Arme wirft, erfährt er auf jeden Fall einen grenzenlosen Verlust. Er stürzt zugleich in die Verlorenheit, die gleich ist mit Vergänglichkeit, gleich ist mit Nichtigkeit. Ferner verurteilt er sich innerlich zu seiner Hinrichtung. Wenn er jedoch durch das Ohr des Herzens den Glaubensunterricht mit den Worten des Qur'an hört, seinen Haupt erhebt und sich der Einheit (vahdet)zuwendet, kann er auf der Leiter des Dienstes und der Anbetung Gottes zum Throne der Vollkommenheit emporsteigen. So wird er ein unvergänglicher Mensch.

Oh du meine Seele! Da die Wahrheit nun einmal so ist und du zu dem Volk Abrahams, mit dem der Friede sei, gehörst, sage wie Abraham

لآَ اُحِبُّ اْلاٰفِلِينَ

{"Ich liebe die nicht, die untergehen." (Sure 6, 76)}

Und wende dein Gesicht dem beständigen Geliebten zu und weine so wie ich:

(Die persischen Verse die hier folgen sollten, sind schon im zweiten Kapitel des "Siebzehnten Wortes" niedergeschrieben worden, weshalb wir sie hier nicht angeführt haben.)

Fünfundzwanzigstes Wort

Abhandlung über die Wunder des Qur'an

Da der Qur'an als ein bleibendes Wunder auf der Hand liegt, erscheint es meinem Verstand für unnötig, nach einem anderen Zeugnis zu suchen.

Da der Qur'an als ein Zeugnis der Wahrheit auf der Hand liegt, könnte es etwa für mein Herz schwer sein, die Ungläubigen zum Schweigen zu bringen?

Anmerkung

Wir hatten am Anfang die Absicht dieses Wort in fünf "Flammen" zu schreiben. Aber am Ende der ersten Flamme mussten wir sehr schnell schreiben, um es noch mit den alten (arabischen) Schriftzeichen drucken zu können. Wir haben sogar in manchen Tagen zwanzig, dreißig Seiten in zwei, drei Stunden geschrieben. Deswegen haben wir drei Flammen kurz und bündig zusammengefasst und die weiteren zwei Flammen vorläufig aufgegeben. Ich bitte die Brüder darum, meine Fehler und Mängel bei den Erklärungen mit Nachsicht und Toleranz zu betrachten.

Die meisten Ayat, die in dieser Abhandlung "Über die Wunder des Qur'an" behandelt werden, sind die, welche entweder die Ungläubigen zum Anlass ihrer Kritik machen oder die, welche die Wissenschaftler bestreiten oder solche Ayat, über die die Teufel unter Dschinnen und Menschen Verdächtigungen und Zweifel aufkommen lassen. Dieses "Fünfundzwanzigste Wort" hat die Wahrheit und die Andeutungen in diesen Ayat so erklärt und nach wissenschaftlichen Grundlagen bewiesen, dass die Punkte, die die Ungläubigen und die Wissenschaftler als Fehler ansehen, die Funken des Wunders und die Quellen sind, in denen sich die Wortkunst des Qur'an als vollendet herausstellt. Ihre Zweifel werden nicht erwähnt, um

keinen Brechreiz hervorzurufen, und es werden nur die richtigen Antworten gegeben. Nur im ersten Kapitel des "Zwanzigsten Wortes" werden in drei, vier Ayat, wie

وَالشَّمْسُ تَجْرِى ٭ وَالْجِبَالَ اَوْتاَداً

{"die Sonne dreht sich..." (Sure 36, 38) "Wir machten die Berge zu Masten..." (Sure 78, 7)}

ihre Zweifel erwähnt. Diese Abhandlung über Wunder des Qur'an wurde zwar sehr kurz und eilig verfasst, aber hinsichtlich der Rhetorik und arabischen Sprachwissenschaft sind die Erklärungen so wissenschaftlich, fundiert und unwiderlegbar, dass sogar die Gelehrten davon begeistert sind. Jeden Abschnitt kann zwar nicht jeder, der aufmerksam liest, ganz verstehen und auch seinen Nutzen daraus ziehen, doch hat jeder in diesem "Garten" einen bedeutenden Anteil. Da diese Abhandlung sehr eilig und unter verwirrenden Umständen verfasst wurde, hat sie zwar in der Ausdrucksweise Mängel, sie erklärt aber vom wissenschaftlichen Standpunkt aus betrachtet die Wahrheit in einigen sehr wichtigen Punkten.

Said Nursi

* * *

Abhandlung über die Wunder des Qur'an

بِسْمِ اللَّهِ الرَّحْمَنِ الرَّحِيمِ ٭ قُلْ لَئِنِ اجْتَمَعَتِ اْلاِنْسُ وَالْجِنُّ عَلٰٓى اَنْ يَاْتوُا بِمِثْلِ هٰذَا الْقُرْاٰنِ لاَ يَاْتُونَ بِمِثْلِهِ وَلَوْ كَانَ بَعْضُهُمْ لِبَعْضٍ ظَهِيراً

{"Im Namen Allahs, des Erbarmers, des Barmherzigen." "Sprich: Gesetzt den Fall, die Menschen und die Geister kämen alle zusammen, um etwas herbeizubringen, was diesem Qur'an gleich wäre, so werden sie nichts dergleichen beibringen können. Auch nicht, wenn sie sich dabei gegenseitig helfen." (Sure 17, 88)}

Unter zahllosen Aspekten des weisen Qur'an, als Wunder, der in seiner Verkündigung ein Wunder ist, Schatzkammer der Wunder und das große Wunder Ahmeds, mit dem Friede und Segen sei, haben wir in meinen Abhandlungen und in der Risale-i Nur in arabischer Sprache und in meinem Kommentarbuch mit dem Titel "Zeichen des Wunders (Isharatu l-i'djaz)"und in diesen vorigen vierundzwanzig "Worten" auf etwa vierzig von ihnen hingewiesen. Hier wollen wir nur fünf Aspekte davon bis zu einem gewissen Grade erklären und die anderen Aspekte in ihnen zusammenfassen und mit einer Einleitung auf dessen Darstellung und Wesen hinweisen.

Die Einleitung besteht aus drei Abschnitten.

Erster Abschnitt:

Was ist der Qur'an? Wie kann man ihn darstellen?

Antwort:

Wie schon im "Neunzehnten Wort" erklärt und in anderen Worten bewiesen wurde, ist der Qur'an die urewige Übersetzung dieses großen Buches der Schöpfung... er ist das Sprachrohr ihrer verschiedensten Zungen, die die Wunderzeichen des Seins vortragen... er ist der Kommentator dieses Buches der unsichtbaren und bezeugten (alem-i shehadet)Welten... er ist der Entdecker der Namen Gottes als geistige Schätze, die in der Erde und im Himmel verborgen sind... er ist der Öffner der Wahrheiten, die in den Zeilen der Ereignisse enthalten sind... er ist die Sprache der unsichtbaren Welt in der sichtbaren Welt... er ist die Schatzkammer der ewigen Zuwendungen des Allbarmherzigen und der urewigen Reden des Gepriesenen, welche aus der unsichtbaren Welt kommen, die hinter dem Schleier dieser sichtbaren Welt liegt... er ist die Sonne, Fundament und Plan dieser geistigen Welt, die der Islam ist... er ist die heilige Landkarte der jenseitigen Welten... er ist das erläuternde Wort, eindeutige Auslegung, sicherer Beweis, klarer Übersetzer des Wesens, der Eigenschaften, der Namen und des Wirkens Gottes... er ist der Erzieher dieser Menschenwelt...er ist das Wasser und das Licht des Islam, was Hingabe in Gottes Willen bedeutet, was die

große Menschlichkeit ist... er ist die wahre Weisheit des Menschengeschlechts... er ist der wahre Lehrer und Wegweiser, der die Menschheit zur Glückseligkeit führt... er ist den Menschen sowohl ein Gesetzbuch als auch ein Gebetbuch und auch ein Buch der Weisheit, ein Buch des Gottesdienstes, ein Buch der Befehle und Einladungen, ein Buch des Gottesgedenkens, ein Buch des Nachsinnens; er ist das einzige, umfassende heilige Buch, das viele Bücher in sich enthält, die den Menschen für alle ihre geistige Bedürfnisse als Nachschlagewerke dienen können.

Er ist ein Buch des Himmels und gilt als eine heilige Bibliothek, die je ein Buch für die unterschiedliche Gemüts- und Lebensart aller Gottesfreunde, Getreuen, Kenner und Forscher der Wahrheit und für ihre verschiedenen Berufungen bietet, wie es der Stimmung in jeder Gemüts- und Lebenslage entspricht und jede Gemüts- und Lebenslage erhellt, wie es den Zwecken jeder Berufung angemessen ist und sie auch gestaltet.

Zweiter Abschnitt und Ergänzung zur Darstellung (des Qur'an):

Der Qur'an - herabgesandt vom Hohen Thron, offenbart durch Gottes höchsten Namen und durch alle Seine Namen auf deren höchster Stufe bestätigt (wie im "Zwölften Wort" bewiesen und erklärt wurde) - ist das Wort Allahs als des Herrn aller Welten. Zudem ist er der Erlass (ferman)Allahs, dessen Titel "Gott allen Seins" ist. Und weiter ist er eine Ansprache dessen, der Schöpfer der Himmel und der Erde ist. Überdies ist er das Wort des Herrn aller Herrscher. Zudem ist er eine immerwährende Predigt im Namen des allgemeinen Königreiches des Hochgepriesenen. Und weiter ist er ein Buch gnädigen Erbarmens aus der Überfülle des Allbarmherzigen. Überdies ist er eine Sammlung von Mitteilungen Gottes des Erhabenen voll Größe und Majestät, an deren Anfängen manchmal Chiffren stehen. Zudem ist er ein heiliges Buch voll Weisheit, herabgesandt vom Hohen Thron im Namen des Allerhöchsten, das alles umfasst und überall seine Gültigkeit hat. So ist denn dies das Geheimnis

aus dem heraus dem Qur'an der Ehrentitel "Wort Gottes" in vollkommener Rechtmäßigkeit verliehen wurde und immer noch verliehen wird. Den zweiten Platz auf der Stufenleiter nehmen nach dem Qur'an die Bücher und Schriften der anderen Propheten je nach dem Grad ihrer Vorzüglichkeit ein. Nun aber verhält es sich mit den zahllosen Worten Gottes so, dass dem Menschen ein Teil von ihnen als ein Wort besonderer Wertschätzung, ein anderer wie ein verkleinertes Abbild einer persönlichen Bezeichnung oder eines eigenen Namens, ein anderer in der Gestalt seines persönlichen Herren, ein anderer in der Form seines eigenen Reiches, ein anderer als das nur für ihn bestimmte Wort der Barmherzigkeit in Form einer Eingebung sichtbar wird. Die Eingebungen bei den Engeln, bei den Menschen und bei den Tieren sind hinsichtlich ihrer besonderen und ihrer allgemeinen Gültigkeit von einander sehr verschieden.

Dritter Abschnitt:

Der Qur'an ist ein himmlisches Buch, das in Kurzfassung die Bücher aller Propheten verschiedener Epochen enthält, die Werke aller Heiligen verschiedener Gemüts- und Lebensarten, die Werke aller aufrechten Männer der Wahrheit mit ihren verschiedenen Lehrmethoden. Er hat einen sechsfältigen Glanz. Er ist frei von der Finsternis der Verdächtigungen und Zweifel.

Er ruht in Gewissheit (bi l-yaqin)auf der Säule der himmlischen Offenbarung und des Urewigen Wortes. Sein Ziel und Zweck ist erwiesenermaßen ewige Glückseligkeit. Im Innern ist er offensichtlich reine Rechtleitung. Oben ist er notwendigerweise Strahl des Glaubens. Unten ist er mit wissenschaftlicher Gewissheit (bi ilme l-yaqin)Beweis und Zeugnis. Zur Rechten ist er mit der Gewissheit der Erfahrung die Sicherheit (teslim)des Herzens und des Gewissens. Zur Linken ist er mit Gewissheit durch Beobachtung (bi ayne l-yaqin)die Unterwerfung des Verstandes und der Vernunft. Seine Früchte sind mit Gewissheit durch Selbsterfahrung (bi haqqe l-yaqin)die Barmherzigkeit des Allerbarmers und die Gärten des Paradieses. Sein Rang und seine Bevorzugung

ist durch wahre Intuition unter Engeln, Menschen und Dschinnen gepriesen.

Jede von den Eigenschaften, die in diesen drei Teilen über Darstellung des Qur'an aufgezählt sind, wurden in verschiedenen Zusammenhängen schon eindeutig bewiesen oder sie werden noch bewiesen. Unsere Behauptungen sind keineswegs aus der Luft gegriffen, vielmehr ist jede einzelne von ihnen mit unwiderlegbaren Zeugnissen bewiesen.

Erste Flamme:

Diese Flamme hat drei Strahlen.

Erster Strahl:

Es ist die geradezu wunderbare Brillanz des Qur'an. Was aber diese Brillanz betrifft, so ist sie eine, die aus dem Fluss seiner Verse, aus der Kompetenz in seiner Aussage, aus der Einzigartigkeit seines Stils, aus seinem unvergleichlichen, bewunderungswürdigen Vorzug, aus der Überlegenheit seiner Erklärungen, aus seiner überragenden Unbefangenheit, aus der Kraft und Wahrhaftigkeit seines Inhalts, aus der Korrektheit und Beredsamkeit seines Wortes entsteht, eine Brillanz mit der er überaus geniale Dichter, die wunderbarsten Redner und Denker, die größte Kenntnisse besitzen unter den Söhnen Adams, zu einer Auseinandersetzung ruft und sie seit dreizehnhundert Jahren herausfordert. Er stachelt sie an und reizt sie in ihrem Gemüt. Obwohl er sie zu einer Auseinandersetzung herausfordert, konnten diese Genien, obwohl sie doch in ihrer Selbstgefälligkeit und Arroganz ihren Kopf bis zum Himmel empor gereckt halten, dennoch ihren Mund nicht öffnen, um sich mit ihm auseinanderzusetzen, verloren total ihre Würde und mussten ihr Haupt senken. Hier weisen wir auf diesen Aspekt seiner besonderen Brillanz auf zweierlei Art hin.

Erste Art:

Er ist ein Wunder und dieses ist gegenwärtig. Denn: Die Bewohner auf der arabischen Halbinsel waren in jener Zeit in der überwiegenden Mehrheit Analphabeten. Unkundig des Lesens und Schreibens tradierten sie ihren Stolz, die Ereignisse ihrer Geschichte, die Worte ihrer Väter, die ihrer guten Gesittung dienlich sein sollten, nicht durch Aufschreiben, sondern in ihrer Dichtung

und der künstlerischen Eleganz ihrer Redeweise. Ein bedeutendes Wort der Altvorderen prägte sich durch seine dichterische Anziehungskraft und in seiner Brillanz stets wieder dem Gedächtnis ihrer Nachkommen ein. So hatten denn quasi in Folge eines natürlichen Bedürfnisses die Brillanz, die Klarheit und Eleganz ihrer sprachlichen Ausdrucksfähigkeit auf dem geistigen Markt dieses Volkes gleichsam den Verkehrswert von Nationalhelden und -heiligtümern. Auf sie waren sie ganz außerordentlich stolz.

So stand denn jenes so hoch intelligente Volk, das die Welt nach Annahme des Islam durch seine Intelligenz lenkte und leitete, hinsichtlich seiner Beredsamkeit, der Eleganz seiner Sprache und der Brillanz seiner Ausdrucksfähigkeit, die bei ihnen in hohem Ansehen stand, auf die sie sehr stolz waren, die ihnen ein großes Bedürfnis, ja geradezu eine unbedingte Notwendigkeit waren, vor allen anderen Völkern der Welt auf der obersten Stufe.

Die Kunst der schönen Rede war von einer so hohen Bedeutsamkeit, dass zwei Stämme um eines einzigen Wortes eines ihrer Dichter willen in einen gewaltigen Kampf entbrennen und durch ein anderes Wort wieder Frieden miteinander schließen konnten. Es gab sogar sieben Dichter unter ihnen, deren sieben Gedichte die "sieben Ausgehängten" genannt wurden, weil sie mit goldenen Lettern an die Wände der Kaaba geschrieben wurden und auf die sie besonders stolz waren.

So geschah es denn in einer solchen Zeit, in der die Beredsamkeit im höchsten Ansehen stand, dass der Qur'an, dessen Verkündigung ein Wunder ist, herab gesandt worden ist. In der Zeit Mosis, mit dem Friede und Segen sei, stand die Magie und zur Zeit Jesu, mit dem Friede und Segen sei, die Heilkunde in hohem Ansehen. So waren auch ihre bedeutendsten Wunder von dieser Art. Und so wurden damals auch die Dichter der Araber dazu aufgefordert, einer seiner kürzesten Suren etwas Gleichwertiges entgegen zu setzen.

وَاِنْ كُنْتُمْ فِى رَيْبٍ مِمَّا نَزَّلْنَا عَلٰى عَبْدِنَا فَاْتوُا بِسوُرَةٍ مِنْ مِثْلِهِ

{"Und so ihr im Zweifel seid über das, was wir auf unseren Diener herab sandten, so bringt eine gleiche Sure hervor..." (Sure 2, 23)}

Mit diesem Erlass (ferman)fordert er sie dazu heraus. Des Weiteren sagt er: "Ohne zum rechten Glauben überzutreten, seid ihr verdammt. Ihr werdet zur Hölle fahren." Er reizt ihre Nerven aufs Äußerste. Er bricht ihren Stolz in fürchterlicher Weise. Er achtet ihre sich so hoch dünkende Klugheit nur gering. Er verurteilt sie zunächst zu ewiger Verlorenheit und später in der Hölle zu ewiger Pein und gleichzeitig hier auf Erden schon zur Hinrichtung. Er sagt: "Ihr werdet entweder Widerpart (gegen den Qur'an) leisten oder zu Grunde gehen (wenn ihr das nicht könnt), und zwar mit Leib und Leben."

Wäre also irgendein Widerstand möglich gewesen, etwa mit ein, zwei Zeilen seinen Anspruch für nichtig zu erklären, wie wäre es dann möglich gewesen, dass sie etwa, wo es doch einen leichten Ausweg gegeben hätte, statt dessen den gefährlichsten Weg, den schwierigen Weg des Kampfes gewählt hätten? Sollte denn in der Tat jenes intelligente Volk, jene Nation, die zur damaligen Zeit etwas von Politik verstand und, obwohl es die Welt mit diplomatischem Geschick regierte, den kürzesten, den leichtesten und einfachsten Weg verlassen und den gefährlichsten, den langwierigen Weg, auf dem sie ihren ganzen Besitz, ja ihr Leben aufs Spiel setzen mussten, gewählt haben? Ja, wäre das überhaupt denkbar gewesen? Denn: Hätte einer ihrer Dichter (dem Qur'an) mit einigen, wenigen Buchstaben (etwas Gleichwertiges entgegensetzen und ihm somit) Widerpart bieten können, hätte der Qur'an (zurückstecken und auf seinen) Anspruch verzichten müssen. Sie hätten sich dann vor materieller und geistiger Vernichtung retten können. Statt dessen haben sie den furchtbaren und langwierigen Weg des Kampfes gewählt. Das aber heißt doch, dass ein Widerstand mit der Feder nicht machbar, nicht zu leisten war. Deswegen waren sie zum Kampf mit dem Schwert

gezwungen. Es gab aber noch zwei weitere, recht gute Gründe, den Qur'an nachzuahmen, ihn zu kopieren. Der eine war der Konkurrenzneid der Feinde, der andere aber der Wunsch zur Nachahmung unter den Freunden. Unter diesen beiden starken Gründen wurden Millionen arabische Bücher verfasst und keines von ihnen konnte ihm gleichen. Gewiss wird ein jeder, der ihn mit anderen vergleicht, ob ein Gelehrter oder ein Laie, wer es auch immer sei, sagen: "Der Qur'an gleicht ihnen nicht. Keines von ihnen kann ihn nachahmen." In diesem Fall wird der Qur'an entweder unter allen stehen, was aber in Übereinstimmung mit allen, Freunden wie Feinden, unhaltbar und unmöglich ist oder er steht über allen diesen verfassten Büchern.

Nun könnte man aber sagen:

"Woher wissen wir, dass niemand sich gegen ihn zu erheben versuchte? Konnte sich niemand zutrauen, ihm öffentlich entgegenzutreten? Nutzte auch die gegenseitige Hilfe unter ihnen nichts?"

Antwort:

Wäre irgendein Widerstand gegen den Qur'an in irgendeiner Weise möglich gewesen, hätte man dies in jedem Falle versucht. Denn da handelte es sich um die Frage der Ehre und Würde, ihr Leben und ihr Besitz waren in Gefahr. Hätten sie aber einen Aufstand dagegen unternommen, hätte es in jedem Falle einen Zulauf von entschlossenen Anhängern in großer Zahl gegeben. Denn diejenigen, die sich hartnäckig der Wahrheit widersetzen, waren immer in der Mehrheit. Hätten sich Anhänger gefunden, hätten sie sich in jedem Falle berühmt gemacht. Denn: Eine kleine Auseinandersetzung lenkt den verwunderten Blick der Menschen auf sich und wird schließlich zu einer weit verbreiteten Legende. Dieser einzigartige Kampf, ein solches Ereignis kann jedoch nicht verborgen bleiben. Gegen den Islam werden alle negativen Dinge erzählt. Sie werden berüchtigt bis hin zu den Hässlichsten und Gemeinsten. Doch außer einigen Anekdoten über Müseylime, den Lügner, wird nichts überliefert, was seinen Gegenversuch betrifft.

Die Nachdichtung von Müseylime war zwar durchaus poetisch. Da seine Worte aber mit der Verkündigung des Qur'an, die eine grenzenlose Schönheit besitzt, verglichen wurden, sind sie in die Geschichte (verglichen mit dem Qur'an) als die Phantasmagorien (eines Fieberkranken) eingegangen. Da also das Wunder an Schönheit qur'anischer Ausdrucksweise die Sicherheit von "zwei mal zwei ist vier" besitzt, ergibt sich daraus die (oben dargestellte) Sachlage.

Zweite Art:

Die Weisheit, die in dem Wunder an Schönheit qur'anischer Ausdrucksweise liegt, wollen wir hier in fünf Punkten erklären.

Erster Punkt:

Im Versmaß (nazm)des Qur'an findet sich eine außergewöhnliche Zuverlässigkeit, eine Korrektheit und Festigkeit, die in dem Band "Isharatu l-i'djaz(: Die Zeichen des Wunders)" bereits vollständig erklärt wurde. So wie in einer Uhr, in der die Sekunden, die Minuten und die Stunden gezählt werden und einander zur vollständigen Ordnung ergänzen, so finden wir dieses Maß in jedem Satz des weisen Qur'an und in seinem ganzen Aufbau und so stehen auch die Anordnung der Wörter und die Harmonie der Sätze in Beziehung zueinander. Das haben wir in dem Buch "Isharatu l-i'djaz(: Die Zeichen des Wunders)" (vom Anfang) bis zum Ende erklärt. Wer will kann dort nachschlagen und diese außergewöhnliche Korrektheit seines Versmaßes ganz klar erkennen. Nur ein, zwei Beispiele wollen wir erwähnen, um das Versmaß im Aufbau eines Satzes zu zeigen.

Zum Beispiel:

وَلَئِنْ مَسَّتْهُمْ نَفْحَةٌ مِنْ عَذَابِ رَبِّكَ

{"Wenn aber auch nur ein Hauch der Strafe deines Herrn sie berührt,..." (Sure 21,46)}

Um die Fürchterlichkeit der Strafe zu zeigen, wird in diesem Satz die heftige Wirkung auch der geringsten Strafe angedeutet. Das heißt, es sollen sich auch alle Formen in einem Satz, die eine Minimierung aussagen sollen, nach

dieser Minimierung richten und sie verstärken. So lässt das Wort لَئِنْ {"wenn aber"} Verdacht schöpfen. Der Verdacht bezieht sich auch auf die Verminderung. Das Wort مَسَّ {"berühren"} heißt: ein wenig berühren. Wiederum drückt das die Verminderung aus. Das Wort نَفْحَةٌ {"Hauch"} bedeutet wörtlich: ein einziger, ganz kleiner Hauch, und drückt die Verminderung aus, wobei seine Verbalform auf das "einmalige" hinweist. Masdar-i merre,Infinitiv einer einmaligen Handlung, bedeutet nach der Wortbildungslehre "einzig". Das drückt die Verminderung aus. Die Nunation in dem Wort نَفْحَةٌ {"Hauch"} findet sich dort wegen der Verminderung und bedeutet, dass man ihn wegen seiner Leichtigkeit kaum wahrnehmen kann. Das Wort مِنْ {"von"} ist ein Verhältniswort und bedeutet "ein Stück" und drückt die Verminderung aus. Das Wort عَذَابِ {"Strafe"} bedeutet im Vergleich zu "neqal"und "'iqab"eine mildere Art Strafe, was auf die Minimierung hinweist. Das Wort

رَبِّكَ {"dein Herr"} lässt anstelle von "Qahhar(der Vernichter)", "Djebbar(der Zwingende)", "Muntaqim(der Rächer)" wiederum die Zärtlichkeit spüren, womit es auf die Minimierung hindeutet.

Hier soll ausgedrückt werden, dass man vergleichen kann, wie fürchterlich die Strafe "'iqab"Gottes ist, wenn ein bisschen Strafe "'adhab"unter so vielfacher Verminderung noch derart wirksam ist. So sind alle diese kleinen Bausteine dieses Satzes einander zugewandt und unterstützen sich gegenseitig. Jede verstärkt mit ihrer eigenen Ausdrucksweise das allgemeine Ziel. In diesem Beispiel handelt es sich in gewissem Grade um die Wortwahl und das Ziel.

Zweites Beispiel:

وَمِمَّا رَزَقْنَاهُمْ يُنْفِقُونَ

{"...von dem, was wir ihnen an Gut beschert haben, Spenden (Almosen, Armensteuer, Sadaqa, Zekat) geben." (Sure 2, 3)}

Die Satzformen weisen hier auf die fünf Bedingungen für die Gültigkeit der "Sadaqa" hin.

Erste Bedingung:

Man darf Sadaqa nur in dem Maß geben, wie man selbst nicht dessen bedürftig ist. Mit dem Verhältniswort مِنْ {"von"} aus der Aussage وَمِمَّا {"und von dem"} wird diese Bedingung ausgedrückt.

Zweite Bedingung:

Man darf nicht von Ali etwas nehmen, um es Veli zu geben, sondern muss vielmehr etwas

aus seinem eigenen Besitztum geben. Diese Bedingung drückt das Wort رَزَقْنَاهُمْ {"was wir ihnen an Gut beschert haben"} aus. Das heißt: "Ihr sollt von eurem Lebensunterhalt geben!"

Dritte Bedingung:

Sadaqa schuldet keinen Dank. Auf diese Bedingung weist das besitzanzeigende Fürwort نَا {"unser"} aus der Aussage رَزَقْنَا {"was wir... beschert haben"} hin. Das heißt: "Ich gebe euch den Unterhalt. Ihr habt kein Recht, meine Diener zu Dank zu verpflichten, wenn ihr ihnen von meinem Eigentum gebt."

Vierte Bedingung:

Man soll demjenigen etwas geben, der es für seinen Lebensunterhalt benötigt, weil Sadaqajemandem zu geben, der es für seine Vergnügungen verschwendet, nicht gültig ist. Auf diese Bedingung weist die Aussage يُنْفِقُونَ {"Sie spenden, d.h. geben etwas zum Lebensunterhalt."} hin.

Fünfte Bedingung:

Man soll sie im Namen Allahs geben. Das drückt das Wort رَزَقْنَاهُمْ {"was Wir ihnen beschert haben"} aus. Das heißt: "Das Gut ist Mein und in Meinem Namen müsst ihr es geben!"

Neben diesen Bedingungen bestehen Erweiterungen. Das heißt: Wie Sadaqa vom Besitztum (gegeben werden) kann, so kann es auch von dem Wissen, von Worten, von Handlungen, von guten Ratschlägen gegeben werden. Auf diese verschiedenen Möglichkeiten wird mit dem verallgemeinernden Wort مَا {"dem, was"} in dem Ausdruck مِمَّا {"von dem, was..."} hingewiesen. Außerdem wird in diesem Satz noch besonders darauf hingewiesen, weil er absolut gemeint ist und sich auf ein Ganzes bezieht. So wird die Abhandlung über "Sadaqa"in diesem kurzen Satz dem Verstand zusammen mit den fünf Bedingungen in weitem Rahmen dargeboten und ist aus der Wortwahl zu erahnen. So ergeben sich denn aus der Wortwahl sehr viele Zusammenhänge ihrer Bedeutung.

Für einen weiteren Bereich (an Deutungsmöglichkeiten) stehen auch einzelne Wörter genauso miteinander in Resonanz. Außerdem kann ein Wort, wie zum Beispiel: قُلْ هُوَ اللَّهُ أَحَدٌ {"Sprich: Er ist Allah, der Einzige." (Sure 112, 1)} sechs Sätze in sich enthalten. Drei davon sind positiv und drei negativ. Während sie die sechs Stufen der Einheit beweisen, widerlegen sie gleichzeitig die sechs Arten der Abgötterei. Jeder einzelne Satz dient den übrigen Sätzen sowohl als Beweis als auch als Ergebnis. Denn jeder Satz hat zwei Bedeutungen. In der einen Bedeutung ist er das Ergebnis, entsprechend der anderen Bedeutung ein Beweis. Das heißt, dass in der Sure 112 "Ihlas(Glaube ohne Vorbehalt)" dreißig verschiedene Ihlas-Suren enthalten sind, die aus wohlgeordneten und einander

beweisenden Zeugnissen gebildet sind.

Zum Beispiel:

قُلْ هُوَ اللَّهُ: لِاَنَّهُ اَحَدٌ، ِلاَنَّهُ صَمَدٌ، لِاَنَّهُ لَمْ يَلِدْ، لِاَنَّهُ لَمْ يُولَدْ، لِاَنَّهُ لَمْ يَكُنْ لَهُ كُفُوًا اَحَدٌ

{"Sprich: Er ist Allah. Denn Er ist ein Einziger. Denn Er ist unvergleichlich. Denn Er zeugt nicht. Denn Er ward nicht gezeugt. Denn nicht Ihm ebenbürtig ist einer."}

Außerdem:

وَلَمْ يَكُنْ لَهُ كُفُوًا اَحَدٌ: لِاَنَّهُ لَمْ يُولَدْ، لِاَنَّهُ لَمْ يَلِدْ، لِاَنَّهُ صَمَدٌ، لِاَنَّهُ اَحَدٌ، لِاَنَّهُ هُوَ اللَّهُ

{"Nicht Ihm ebenbürtig ist einer. Denn Er wurde nicht gezeugt. Denn Er zeugt nicht. Denn Er ist unvergleichlich. Denn Er ist ein Einziger. Denn Er, Er ist Allah."}

Außerdem:

هُوَ اللَّهُ: فَهُوَ اَحَدٌ, فَهُوَ صَمَدٌ، فَاِذاً لَمْ يَلِدْ، فَاِذاً لَمْ يُولَدْ, فَاِذًا لَمْ يَكُنْ لَهُ كُفُوًا اَحَدٌ

{"Er ist Allah. Und Er ist einzig. Und Er ist unvergleichlich. Und deshalb zeugt Er nicht. Und deshalb wurde Er nicht gezeugt. Und deshalb ist Ihm nicht ebenbürtig einer."}

Dementsprechend soll man vergleichen.

Zum Beispiel:

الٓمٓ ٭ ذٰلِكَ الْكِتَابُ لاَ رَيْبَ فِيهِ هُدًى لِلْمُتَّقِينَ

{"Elif lam mim. Dies ist die Schrift, an der nicht zu zweifeln ist, geoffenbart als Rechtleitung für die Gottesfürchtigen." (Sure 2, 1-2)}

Jeder von diesen vier Sätzen hat zwei Bedeutungen. Mit einer Bedeutung gilt er für die übrigen als ein Beweis, mit der anderen Bedeutung als ihr Resultat. Aus der Skizze von sechzehn verschiedenen Kombinationen entsteht ein Ornament einer wunderbaren Wohlordnung. In dem Band "Isharatu l-i'djaz(: Die Zeichen des Wunders)" wurden diese Kombinationen in einer solchen Weise erklärt, dass sie ein Ornament einer wunderbaren Wohlordnung bilden. Wie im "Dreizehnten Wort" schon erklärt wurde,

haben die meisten Verse des Qur'an ein Auge, welches alle übrigen Verse betrachtet, und ein Gesicht, das ihnen zugewandt ist, und sie so durch geistige Verbindungslinien miteinander verwebt. So webt jeder (von ihnen) ein Ornament dieses Wunders. So wird denn in dem Band "Isharatu l-i'djaz(: Die Zeichen des Wunders)" die vollkommene Harmonie (der Verse) vollendet erklärt.

Zweiter Punkt:

Es handelt sich um die wunderbare Fähigkeit (des Qur'an), seiner Bedeutung Ausdruck zu verleihen. Betrachte folgendes Beispiel, das bereits im "Dreizehnten Wort" erklärt wurde.

Beispiel:

سَبَّحَ ِللَّهِ مَا فِى السَّمٰوَاتِ وَاْلاَرْضِ وَهُوَ الْعَزِيزُ الْحَكِيمُ

{"Allah, den einen Gott, preist alles, was in den Himmeln und auf der Erde ist. Er ist der Allmächtige, der Allweise." (Sure 57, 1)}

Wenn du die Schönheit in der Ausdrucksweise dieser Ayah empfinden möchtest, versetze dich in jene Zeit der Unwissenheit (Djahiliyye),in die Wüste der Beduinen, jene Zeit, in der alles in der Finsternis der Unwissenheit und Gottvergessenheit wie in ein Tuch gewickelt erschien, das nur noch leblose Dinge und eine seelenlose Natur übrig ließ. Dann komm und höre nun in der himmlischen Sprache des Qur'an

سَبَّحَ ِللَّهِ مَا فِى السَّمٰوَاتِ وَاْلاَرْضِ

{"Allah, den einen Gott, preist alles, was in den Himmeln und auf der Erde ist." (Sure 57, 1)}

oder

تُسَبِّحُ لَهُ السَّمٰوَاتُ السَّبْعُ وَاْلاَرْضُ وَمَنْ فِيهِنَّ

{"Es preisen Ihn die sieben Himmel und die Erde und alles, was darinnen ist." (Sure 17, 44)}

und ähnliche Ayat. So wirst du plötzlich sehen, wie diese leb- und seelenlos erscheinenden Dinge, diese scheinbar

toten oder schlafenden Wesen in der Welt, unter der Rezitation des:

سَبَّحَ - تُسَبِّحُ

{"Es preisen Ihn..."}

in der vom Glauben erfüllten Vorstellung der Zuhörer auferstehen, zum Leben erwachen und Gott preisen. Auch die über die Erde verstreuten Geschöpfe und die Sterne am nachtdunklen Antlitz des Himmels zeigen sich, jeder einem glühenden Stückchen Kohle gleich, vor den Augen der Zuhörer, unter der Rezitation des

تُسَبِّحُ

{"Es preisen Ihn..."}

wobei der Himmel dem Mund gleicht und jeder Stern ein Wort ist, das die Weisheit Gottes verkündet, ein Licht, das Seine Wahrheit ausstrahlt, und die Erde das Haupt darstellt, dessen Länder und Meere wie deren Zungen reden und alle Tiere und Pflanzen ihre Worte sind, die die Heiligkeit Gottes verkünden.

Betrachte das folgende Beispiel, das bereits im "Fünfzehnten Wort" bewiesen wurde: Beispiel:

يَامَعْشَرَ الْجِنِّ وَاْلاِنْسِ اِنِ اسْتَطَعْتُمْ اَنْ تَنْفُذُوا مِنْ اَقْطَارِ السَّمٰواَتِ وَاْلاَرْضِ فَانْفُذُوا لاَ تَنْفُذُونَ اِلاَّ بِسُلْطَانٍ ٭ فَبِاَىِّ اٰلآَءِ رَبِّكُمَا تُكَذِّباَنِ ٭ يُرْسَلُ عَلَيْكُمَا شُوَاظٌ مِنْ نَارٍ وَنُحَاسٌ فَلاَ تَنْتَصِرَانِ ٭ فَبِاَىِّ اٰلآَءِ رَبِّكُمَا تُكَذِّباَنِ ٭ وَلَقَدْ زَيَّنَّا السَّمَآءَ الدُّنْيَا بِمَصَابِيحَ وَجَعَلْناَهَا رُجُومًا لِلشَّياَطِينِ

{"Oh versammelte Dschinnen und Menschen! Wenn ihr im Stande seid, die Grenzen der Himmel und der Erde zu überschreiten, so überschreitet sie doch! Aber ihr könnt es nicht, außer mit gewaltiger Energie. Welche der Wohltaten eures Herrn wollt ihr beide wohl leugnen? Man wird gegen euch beide Rauch und flüssiges Feuer aussenden und ihr werdet euch nicht mehr helfen können. Welche der Wohltaten eures Herrn wollt ihr beide wohl leugnen?" (Sure 55, 33-36) "Und wahrlich, wir schmückten den untersten Himmel mit Lampen und bestimmten sie zu Wurfgeschossen für die Satane..." (Sure 67, 5)}

Höre diese Ayat und merke auf das, was sie sagen! Sie sagen: "Oh ihr Dschinnen und Menschen, die ihr in eurer Winzigkeit stolz und verbohrt und die ihr in eurer Schwäche und Armseligkeit verblendet und hartnäckig seid! Wenn ihr meinen Befehlen nicht gehorcht, auf dann, verlasst mein Reich, wenn ihr das könnt! Wie könnt ihr es wagen, euch in eurer Aufsässigkeit gegen die Befehle eines so ruhmreichen Königs zu stellen, dessen Befehlen Sterne, Monde und Sonnen wie gehorsame Soldaten gehorchen. Überdies kämpft ihr in eurer Aufsässigkeit gegen einen Herrscher von solcher Majestät, der so gewaltig große, Ihm gehorsame Soldaten hat, dass eure Teufel, könnten sie gegen diese antreten, von ihnen mit Kugeln gleich Bergen gesteinigt würden. Zudem rebelliert ihr in eurer Undankbarkeit im Lande eines Königs von solcher Majestät, dass seine Diener und Soldaten, auf euch (kleine Menschlein), Geschöpfe (in eurer Winzigkeit), selbst dann noch, wenn ihr, den unmöglichen Fall angenommen, Feinde und Ungläubige so groß wie ein Berg oder wie die Erde wäret, Sterne und eiserne Feuerkugeln so groß wie ein Berg oder wie die Erde nach euch schleudern und mit flüssigem Metall euch davonjagen könnten. Außerdem brecht ihr ein solches Gesetz, dass euch diejenigen, die solchermaßen gebunden sind, wenn es nötig würde, die Erde um den Kopf schlagen könnten. Sie könnten Kugeln, groß wie Welten, gleich Sternen, so Gott wollte, über euch herab regnen lassen."

Vergleiche nun die Kraft, die sprachliche Eleganz und die Schönheit und Erhabenheit in der Ausdrucksweise weiterer Ayat, anhand der (oben aufgeführten) Beispiele.

Dritter Punkt:

Es handelt sich um die Einzigartigkeit seines Stils. Der Stil des Qur'an ist in der Tat sowohl vollkommen neuartig, vollkommen einzigartig und zugleich auch bewunderungswürdig und vollkommen überzeugend. Er kopiert nichts und niemanden. Und niemand vermag ihn nachzuahmen. Wie am ersten Tag bewahrte er stets und bewahrt er noch seine Frische, seine Vitalität und seine Einzigartigkeit.

Zum Beispiel:

In dem Band "Isharatu l-i'djaz(: Die Zeichen des Wunders)"

habe ich schon geschrieben, dass der einzigartige Stil in den zu Beginn einiger Suren, einer Chiffre gleichende "hurufu muqatta'a"genannten Gruppen von Buchstaben, wie

الٓمٓ ٭ الٓرٰ ٭ طٰهٰ ٭ يٰسٓ ٭ حٰمٓ ٭ عٓسٓقٓ

{"Elif Lam Mim. Elif Lam Ra. Ta Ha. Ya Sin. Ha Mim. 'Ajn Sin Qaf."}

fünf, sechs auf Wunder hinweisende Lichtstrahlen zum Inhalt hat.

Zum Beispiel:

Die Buchstabengruppen, die am Anfang einiger Suren stehen, werden jeweils von der Hälfte der "medjhure, mehmuse, shedide, rahwe, dhellaka, qalqale"

{Aussprachebezeichnungen für bestimmte Gruppen von Buchstaben. (A.d.Ü.)}

usw. genannten Buchstabengruppen gebildet, welche die bekanntesten von ihnen sind. Der Qur'an hat bei der Bildung der erwähnten Buchstabengruppen von den (Buchstaben mit) leichter (Aussprache), die unteilbar sind, mehr als die Hälfte und von den (Buchstaben mit) schwerer (Aussprache) weniger als die Hälfte erhalten. Somit ist der Anteil aller Buchstaben jeweils etwa die Hälfte der Gruppen. Da es unter zweihundert Möglichkeiten nur eine einzige Möglichkeit gab, solche vermischten und ineinander verschachtelten Gruppen zu bilden, diese aber nicht festgelegt, ja vielmehr verborgen und durch Nachdenken nicht in Erfahrung zu bringen sind, alle insgesamt mit einer einzigen Methode zu halbieren, auf jenem Weg dorthin, in diesem breiten Feld (nämlich dem Qur'an) das Wort zu führen, konnte nicht das Werk der Gedanken eines Menschen sein. Ein Zufall konnte hier nicht am Werk gewesen sein. Was die Buchstaben betrifft, die Gottes Chiffren am Anfang der Suren sind, so weisen sie noch auf fünf, sechs weitere, ähnliche, auf Wunder deutende Lichtstrahlen hin. Die Männer, die sich mit den Kenntnissen der Geheimnisse der Wortzeichen beschäftigen, und die Forscher unter Gottesfreunden haben mit Hilfe dieser Buchstaben viele Geheimnisse enträtselt

und derartige Wahrheiten entdeckt, dass schon diese Buchstaben allein für sie ein hell strahlendes Wunder sind. Da wir aber nun kein Spezialist für diese Geheimnisse sind und sie auch nicht soweit beweisen können, dass sie für aller Augen sichtbar werden, können wir diese Türe nicht öffnen. Wir begnügen uns deshalb damit, auf fünf, sechs dieser Lichtstrahlen des Wunders zu verweisen, die bereits in dem Band "Isharatu l-i'djaz(: Die Zeichen des Wunders)" behandelt wurden.

Nun wollen wir für den Stil im Qur'an, angesichts der Sure, angesichts des Zieles, angesichts der Verse (Ayat),der Wörter und Aussagen jeweils ein Beispiel bringen.

Beispiel: Wenn man die 78. Sure "'amme"aufmerksam betrachtet, so zeigt sie in einzigartiger Weise das Leben nach dem Tod, die Wiederauferstehung, die Umstände (des Lebens) im Paradies und in der Hölle so, wie diese (Sure in ihrem Stil) das Herz durch die Handlungen Gottes und Spuren Seiner Herrschaft auf dieser Erde überzeugt. Da die Erklärung des Stils in dieser Sure lang wird, wollen wir hier nur auf ein, zwei Punkte hinweisen. Es ist dies wie folgt:

Zum Beispiel:

Am Anfang dieser Sure sagt Er, um den Tag der Wiederauferstehung zu beweisen: "Ich habe die Erde für euch zu einer bestens ausgestatteten Wiege gemacht; die Berge als die (tragenden) Pflöcke (der Erde) für die Wohnstätten eures Lebens, die über verborgenen Schätzen aufragen; einander liebend vertraute Paare; die Nacht zu einer Decke für euren Schlaf und zu eurer Ruhe; den Tag zu einem Platz für euren Lebensunterhalt; die Sonne zu einer Leuchte (am Himmel), die (zugleich) Licht spendet und wärmt; und die Wolken zu einer Quelle, aus denen Ich das Wasser (für das Leben) entströmen lasse. Aus gewöhnlichem Wasser erschaffen Wir ganz leicht und in kurzer Zeit alle die verschiedenen blüten- und früchtetragenden Pflanzen, aus denen euch eure ganze Versorgung erwächst. In gleicher Weise erwartet euch eure Wiederauferstehung am "Tage der Entscheidung". Diesen Tag herbei zu bringen ist für Uns nicht schwer." Demnach deutet diese Sure mit indirekten Beweisen darauf hin, dass sich die Berge am Tage des Weltunterganges spalten, das (Tuch des) Himmels zerreißen wird, die Hölle wird vorbereitet werden und es werden den Leuten des Paradieses Gärten verliehen werden. Das heißt sinngemäß: "Da Er nun einmal vor euren Augen auf den Bergen und in der Ebene diese Taten vollbringt, kann Er auch im Jenseits vergleichbare Taten vollbringen." Das heißt, dass "Der Berg" am Anfang der Sure sich auf die Zustände der Berge am Tage des Weltuntergangs bezieht, "Der Garten" aber auf den Garten am Ende der Welt und im Jenseits. So kannst du andere Punkte mit dem vergleichen und sehen, was für einen hohen und erhabenen Stil (diese Sure) hat.

قُلِ اللّٰهُمَّ مَالِكَ الْمُلْكِ تُؤْتِى الْمُلْكَ مَنْ تَشَآءُ وَتَنْزِعُ الْمُلْكَ مِمَّنْ تَشَآءُ...الٓخ

{"Sag: Oh Allah, der du über die Königsherrschaft verfügst, du gibst die Herrschaft, wem du willst, du entziehst sie, wem Du willst. (Du erhöhst, wen Du willst, und erniedrigst, wen Du willst. In Deiner Hand ist alles Gute, denn Du bist aller Dinge mächtig. Auf die Nacht lässt Du den Tag folgen und auf den Tag die Nacht. Aus dem Tode lässt Du Leben hervorgehen und den Tod aus dem Leben, und Du ernährst, wen Du willst, ohne Maß.)" (Sure 3, 26-27)}

In einem dermaßen erhabenen Stil erklären diese Verse die Taten Gottes und göttlichen Erscheinungen bei der Umwandlung der Nacht und des Tages und das Walten des Herrn in den Jahreszeiten und die Verfügung des Herrn über Leben und Tod überall auf der Erde und in den Wiederversammlungen und Verbreitungen auf der Erde (im Frühling), sodass sie das Gemüt der aufmerksamen Betrachter verzaubern. Ihr Stil voll Glanz und Erhabenheit und der breite Umfang ihrer Darstellung kann auch bei weniger aufmerksamer Betrachtung erkannt werden, weshalb wir hier diese Schatzkammer nicht weiter öffnen wollen.

Zum Beispiel:

اِذاَ السَّمَآءُ انْشَقَّتْ ٭ وَاَذِنَتْ لِرَبِّهَا وَحُقَّتْ ٭ وَاِذاَ اْلاَرْضُ مُدَّتْ ٭ وَاَلْقَتْ مَا فِيهَا وَتَخَلَّتْ ٭ وَاَذِنَتْ لِرَبِّهَا وَحُقَّتْ

{"Wenn der Himmel zerreißt und seinem Herrn pflichtschuldigst gehorcht; und wenn die Erde sich streckt und herauswirft, was sie birgt, und sich leert und ihrem Herrn pflichtschuldigst gehorcht." (84, 1-5)}

In welchem Grade Himmel und Erde den Befehlen Gottes des Gerechten gegenüber gehorchen und unterworfen sind, erklären diese Verse durch ihren erhabenen Stil: Ein Oberkommandierender gründet und öffnet zum Beispiel zwei Abteilungen für die Angelegenheiten des Kampfes, wie Zweigstellen der Übungen, der Manöver und der Rekrutierung. Nach diesem Kampf oder Manöver wendet sich dieser Oberkommandierende zu diesen beiden Abteilungen, um sie umzuwandeln und zu anderen Angelegenheiten zu gebrauchen. Jede Abteilung sagt in der Sprache ihrer Diener oder sie beginnt in ihrer eigenen Sprache zu reden: "Oh Kommandant, lass uns noch ein bisschen Zeit, damit wir noch allerlei Kleinigkeiten reinigen und unnütze Dinge wegwerfen können. Danach mögen Sie uns die Ehre Ihres Besuches erweisen. Nachdem wir aufgeräumt haben, stehen wir Ihren Befehlen zur Verfügung. Verfahren Sie dann nach Ihrem Belieben! Wir folgen Ihren Befehlen! Was auch immer Sie tun, ist ganz und gar richtig, schön und gut und zweckmäßig." Genauso stehen die Himmel und die Erde als zwei Abteilungen offen, was ihren Auftrag, die Erfahrung und die Prüfung betrifft. Nachdem die Frist abgelaufen ist, beseitigen die Himmel und die Erde auf Befehl Gottes die Dinge, die zum Bereich dieser Prüfung gehörten, und sagen: "Oh Herr! Verfahre mit uns entsprechend dem, wozu Du uns in Deinen Dienst gestellt hast! Uns gebührt, Dir gegenüber gehorsam zu sein. Was Du auch tust, ist gerecht." So betrachte denn die Majestät des Stils dieser Sätze und merke auf!

Zum Beispiel:

يَآ اَرْضُ ابْلَعِى مَآءَكِ وَياَسَمَآءُ اَقْلِعِى وَغِيضَ الْمَآءُ وَقُضِىَ اْلاَمْرُ وَاسْتَوَتْ عَلَى الْجُودِىِّ وَقِيلَ بُعْدًا لِلْقَوْمِ الظَّالِمِينَ

{"Oh Erde, verschlinge dein Wasser, und, oh Himmel, halt ein! Und es nahm ab das Wasser, und vollzogen ward der Befehl, und sie hielt an auf (dem Berge) Al-Dschudi. Und es ward gesprochen: Fort mit dem Volk der Ungerechten!" (Sure 11, 44)}

So wollen wir denn nun, um auf einen Tropfen aus dem Ozean der Eleganz dieses Verses ein Zeichen zu setzen, seinen Stil im Spiegel eines Gleichnisses zeigen.

Ein Kommandant befiehlt zum Beispiel in einem weltumspannenden Krieg nach dem Sieg einer seiner Truppen, welche sich im Kampf befindet, "Feuer einstellen!" und einer anderen seiner Truppen, welche einen Angriff unternimmt, "Halt!". In diesem Augenblick wird das Feuer eingestellt und der Angriff zum Stillstand gebracht. Er sagt: "Das Werk ist getan, die Besetzung vollzogen. Unsere Fahnen wurden auf den Zinnen der hochragenden Burgen inmitten des feindlichen Landes aufgepflanzt. Diese maßlos Ungerechten, herabgesunken zu den Niedrigsten aller Niedrigen, haben ihre gerechte Strafe gefunden."

Genauso hat der unvergleichliche König den Himmeln und der Erde befohlen, das Volk Noahs zu vernichten. Nachdem sie ihre Aufgabe erfüllt hatten, befahl Er ihnen: "Oh Erde! Schlucke dein Wasser! Oh Himmel! Halt ein, deine Aufgabe ist beendet. Das Wasser hat sich zurückgezogen. Auf dem Gipfel des Berges wurde das Schiff, das für die Beauftragten Gottes an Stelle ihres Zeltes gedient hatte, verankert. Die Böswilligen hatte ihre gerechte Strafe ereilt. So betrachte denn die Erhabenheit dieses Stils. Hier wird gesagt: "Himmel und Erde folgen wie zwei gehorsame Soldaten ihrem Befehl und gehorchen." Ja in dieser Ausdrucksweise wird darauf hingewiesen, dass das All über den Ungehorsam des Menschen in Wut, Himmel und Erde in Zorn geraten. Er sagt mit diesem Hinweis: "Gegen einen solchen Herrn, dessen Befehlen sich Himmel und Erde zwei gehorsamen Soldaten gleich unterstellen, soll man nicht ungehorsam sein, ist man nicht ungehorsam." So kommt in dieser Ausdrucksweise eine furchterregende Gewalt zum Ausdruck. Hier wird ein so umfangreiches Ereignis wie die Sintflut mit all ihren Folgen und Tatsachen in ein paar Sätzen kurz und bündig, wunderbar und schön erklärt. Man mag nun mit diesem Tropfen des Meeres andere Tropfen vergleichen.

Nun betrachte den Stil, der durch das Fenster der Worte sichtbar wird. Siehe zum Beispiel wie das Wort

كَالْعُرْجُونِ الْقَدِيمِ

{"wie ein alter dürrer Dattelrispenstiel" (*) (Sure 36, 39)

(*) Palmzweig mit den Sternen daran als seine Datteln.}

aus dem Satz

وَالْقَمَرَ قَدَّرْناَهُ مَناَزِلَ حَتّٰى عَادَ كَالْعُرْجُونِ الْقَديِمِ

{"Und dem Mond bestimmten wir Stationen, bis er schließlich (schmal und gekrümmt) wird wie ein alter dürrer Dattelrispenstiel." (Sure 36, 39)}

einen so anmutigen Stil aufweist. Es ist dies wie folgt: Einer der Stationen des Mondes liegt in dem Bereich des Siebengestirns. In seiner Sichelform hier wird der Mond mit dem alten weißen Rispenstil einer Dattelpalme verglichen. Dieser Vergleich stellt vor das Auge des Hörers eine Palme, die ihm in seiner Phantasie hinter dem (nacht)blauen Schleier des Himmels, der mit ihrer spitzen, weißen, leuchtenden Rispenstiel diesen Schleier zerreißt und mit ihrer Spitze und dem Siebengestirn daran wie eine Rispe erscheint, und die übrigen Sterne als lichtvolle Früchte dieses (durch das nachtblaue) Himmelstuch verschleierten kosmischen Baumes zeigt. Wenn du dafür einen Sinn hast, dann kannst du verstehen, welch passender, anmutiger, erhabener Stil in dieser Aussage in den Augen der Wüstenbewohner zur Darstellung gelangt, deren wichtigste Lebensgrundlage die Dattelpalme ist.

Zum Beispiel, wie am Ende des "Neunzehnten Wortes" bewiesen wurde, öffnet das Wort تَجْرِى {"sie kreist"} aus dem Satz

وَالشَّمْسُ تَجْرِى لِمُسْتَقَرٍّ لَهَا

{"und die Sonne kreist um der Beständigkeit willen." (Sure 36, 38)}

einem solchen gehobenen Stil ein Fenster. Es ist dies wie folgt: Mit dem Wort تَجْرِى {"sie kreist"} das heißt, mit dem Ausdruck, "die Sonne kreist" wird die Größe des Meisters verständlich, der in dem Wechsel von Sommer und Winter, Tag und Nacht an seine ordnungsgemäße Verfügungsgewalt gemahnt und lenkt die Aufmerksamkeit auf die ewigen Briefe, die die Feder der Macht auf die Seiten dieser Jahreszeiten schreibt, und macht die Weisheit des majestätischen Schöpfers bekannt.

وَجَعَلَ الشَّمْسَ سِرَاجًا

{"Und Wir haben die Sonne zu einer Lampe gemacht." (Sure 71, 16)}

Das heißt, mit dem Ausdruck "Lampe" öffnet sich das Fenster zu der Beschreibung, dass diese Welt wie ein Schloss ist, in dem aller Schmuck, die Nahrung und alle Dinge des täglichen Bedarfs für die Menschen und alles Leben bereitgestellt ist. In ihm dient die Sonne als eine Leuchte. So macht er die Größe des Meisters und die Gnadengaben des Schöpfers verständlich und zeigt einen Beweis der Einheit Gottes, sodass die Sonne, welche die Götzendiener als den wichtigsten, glänzendsten unter den Anbetungswürdigen halten, nur eine dienstbereite Lampe und (innerhalb der Schöpfung nur) ein (Himmels)körper ohne Leben ist. Das heißt, mit dem Ausdruck سِرَاجًا {"Lampe"} wird an die Barmherzigkeit des Schöpfers in der Größe

Seiner Herrschaft erinnert und Seine Gnadengaben im Umfang Seiner Barmherzigkeit verständlich gemacht. So verspüren wir die Gastfreundschaft Gottes in der Größe Seines Königreiches, wodurch wir Seine Einheit und Allgegenwart erkennen. So sagt dieser Ausdruck sinngemäß: "Eine leblose, in Dienst gestellte Lampe kann keineswegs anbetungswürdig sein." Des Weiteren erinnert uns der Ausdruck تَجْرِى {"sie kreist"} der gleichzeitig "sie läuft" bedeutet, an die einzigartige ordnungsgemäße Verfügungsgewalt in dem Wechsel von Tag und Nacht, Sommer und Winter. Mit dieser Erinnerung wird die Größe der Macht des Meisters verständlich, der in Seiner Verwaltung und in Seiner Herrschaft ein Einziger ist. Das heißt, dass der Blick des Menschen von der Betrachtung der Sonne und des Mondes weg und auf die Zeilen gerichtet wird, die auf den Seiten von Tag und Nacht, Sommer und Winter geschrieben sind. Denn der Qur'an spricht von der Sonne nicht um der Sonne willen, sondern spricht von ihr um dessen willen, der sie erleuchtet. Des Weiteren spricht er nicht von dem Wesen der Sonne, das für den Menschen nicht von Nutzen ist, vielmehr spricht er von der Aufgabe der Sonne, welche für die Wohlgeordnetheit der Kunstwerke des Herrn als Uhrfeder dient und als Mittelpunkt der Ordnung im Schaffen des Herrn, außerdem als das Schiffchen des Webers der Kunstwerke des Herrn, die der urewige Designer mit den Fäden der Nacht und des Tages in die Dinge hinein gestaltet. Noch andere Worte des Qur'an kannst du mit diesen vergleichen. Sie sind zwar scheinbar schlichte, gewöhnliche Worte, dienen aber als Schlüssel zu den Schatzkammern der feinsinnigen Bedeutungen.

Da also nun der Stil des Qur'an wie obenerwähnt erhaben und glänzend, ist manchmal ein Beduine schon ganz bezaubert von einem einzigen Wort. Er wirft sich zur Erde nieder, auch ohne Muslim zu sein. Ein Beduine warf sich

sogleich zur Erde nieder, als er das Wort

فَاصْدَعْ بِمَا تُؤْمَرُ

{"Verkündige, was dir befohlen wurde!" (Sure 15, 94)}

hörte. Er antwortete denen, die ihn fragten: "Bist du nun ein Muslim geworden?"

"Nein! Ich werfe mich nur vor der unvergleichlichen Schönheit dieser Ayah nieder."

Vierter Punkt:

Es handelt sich um die wunderbare Klarheit (fesahat)in seiner Wortwahl. So wie der Qur'an inhaltlich in seiner Art, etwas darzulegen, außerordentlich beredt ist, so hat er auch in seinem Wortlaut einen außerordentlich glatt fließenden Stil. Ein sicherer Beweis für die Anwesenheit dieses seines flüssigen Stils ist, dass er niemals ermüdend wirkt. Ein klares Zeugnis für die Weisheit, wie sie auch in der Flüssigkeit (in seiner Ausdrucksweise zur Darstellung gelangt), sind die Zeugnisse genialer Gelehrter in der Kunst des schriftlichen und mündlichen Ausdrucks, der Lehre von Vergleich und Metapher. In der Tat werden wir, selbst nach Tausenden von Wiederholungen, seiner niemals überdrüssig, ja genießen sie vielmehr. Einem einfachen, kleinen Kind fällt es nicht schwer, ihn sich einzuprägen. Es kann ihn auswendig lernen. Dem Ohr eines Schwerkranken, das schon von einigen wenigen Worten beunruhigt wird, ist er nicht unangenehm. Er ist ihm angenehm. Einem Sterbenden gleicht er dem Nektar auf der Zunge. Das Murmeln (Zemzeme)des Qur'an ist ihm an seinem Ohr und in seinem Kopf so genussvoll wie Zemzem an Mund und Gaumen. Das Geheimnis dessen, dass er keinen Überdruss hervorruft, und die Weisheit dahinter ist folgende: Da der Qur'an für die Herzen Grundnahrung und Vitalstoff zugleich ist, Kraft und Reichtum für den Verstand, Wasser wie (Feuer und) Licht für Geist und Gemüt, Heilung und Medizin für die Seele, lässt er keinen Überdruss aufkommen. Jeden Tag essen wir Brot und werden dessen doch nicht überdrüssig. Doch äßen wir täglich selbst die schönste Frucht,

würden wir doch ihrer überdrüssig. Das heißt, da der Qur'an Recht und Gerechtigkeit, Wahrheit, Wahrhaftigkeit, Rechtleitung und hervorragende Klarheit (fesahat)ist, ruft er keinen Überdruss hervor. Wie er für allezeit jung bleibt, so bewahrt er auch seine Frische und seine Süßigkeit. Ja, es ging sogar einmal einer von den Stammesältesten der Quraisch, einer der Götzenanbeter, ein Sachverständiger unter den Dichtern, um den Qur'an zu hören. Er hörte ihn, kehrte zurück und sagte: "Dieses Wort hat so viel Saft und Süße, wie es keinem Menschenwort gleicht. Ich kenne Dichter und Wahrsager. Doch dieses hat keine Ähnlichkeit mit einem ihrer Worte. Wir können, um unsere Gefolgschaft zu beruhigen, allenfalls sagen, dass es ein Zauber ist." So waren denn auch die verbohrtesten der Feinde des weisen Qur'an von seiner Klarheit bezaubert.

Die Gründe für diesen so glatt fließenden Stil in den Versen, Worten, Sätzen des weisen Qur'an zu erklären, würde sehr in die Länge führen. Deswegen wollen wir uns hier kurz fassen und als ein Beispiel für die Klarheit und Flüssigkeit in den Worten, welche durch die Stellung der einzelnen Buchstaben des Alphabets innerhalb einer Ayah entstehen, und das Fünkchen, das aus dieser Position aufstrahlt und das Wunder (des Qur'an) offenbart, hier nur das folgende anführen:

ثُمَّ اَنْزَلَ عَلَيْكُمْ مِنْ بَعْدِ الْغَمِّ اَمَنَةً نُعَاسًا يَغْشٰى طَائِفَةً مِنْكُمْ

{"Dann, nach dem Kummer, sandte Er das Gefühl der Sicherheit auf euch herab, erquickenden Schlummer, die eine Gruppe von euch überkam..." (Sure 3, 154)}

In diesem Vers sind alle Buchstaben des Alphabeten vorhanden. Beachte, dass dabei alle Arten von Buchstaben, auch die emphatischen, beieinander sind, ohne den sprachlichen Fluss zu beeinträchtigen. Vielmehr haben sie ihm noch an Glanz und den Wohlklang eines Sprachflusses verschiedener aufeinander abgestimmter und einander ergänzender Saiten hinzugefügt. Zudem achte auf das Fünkchen, durch das das Wunder erkennbar wird,

dass die Buchstaben "ya"ي und "elif"ا , welche die Leichtesten sind und gewissermaßen einander ähneln wie zwei Geschwister

{"ye" wird gewöhnlich als "i", kann aber auch als "a" gelesen werden.}

jeweils einundzwanzigmal wiederholt werden. Die Buchstaben "mim"م und "nun"ن

{(*): Die Nunation (tenvin) gilt in diesem Fall auch als Buchstabe "nun".}

da sie Geschwister sind und füreinander eintreten, werden jeweils dreiunddreißigmal verwendet. Die Buchstaben "sad"ص "sin"س "shin"ش da sie hinsichtlich ihrer Artikulation, Eigenschaften und Klang Geschwister sind, werden jeweils dreimal; "'ajn"ع "ghajn"غ obwohl sie Geschwister sind, "'ajn"ع jedoch leichter ist, sechsmal und "ghajn"غ als der schwerere von beiden nur halb so oft, also dreimal wiederholt. Die Buchstaben "ti" ط "zi"ظ "dhel"ذ "ze"ز da sie hinsichtlich ihrer Artikulation, Eigenschaften und Klang Geschwister sind, werden jeweils zweimal verwendet. Die Buchstaben "lam"ل und "elif"ا vereinigen sich zu "lamelif"لا . Dabei ist der Anteil des "elif"ا in der Gestalt zu "lamelif"لا (wegen seines Gewichtes) die Hälfte von "lam"ل . Darum wird der Buchstabe "lam"ل zweiundvierzigmal und "elif"die Hälfte davon, also einundzwanzigmal verwendet. Da "he"ه und "hemze"ء

{(*): Das Zeichen "hemze" ء wird, ob nun ausgesprochenen oder nicht ausgesprochen, insgesamt fünfundzwanzigmal gebraucht und steht dreifach höher als der Buchstabe "elif" ا , der der stimmlose Bruder des "hemze" ء ist. Denn es gibt drei verschiedene Zeichen, die für die arabischen Buchstaben den Mittlaut geben.}

ihrer Aussprache nach Geschwister sind, wird "hemze"ء dreizehnmal, der Buchstabe "he"ه , da er in gewissem Maße leichter ist, vierzehnmal;

"qaf"ق "fe"ف "kef"ك - da sie Geschwister sind - und "qaf"ق einen Punkt mehr hat, "qaf"ق zehnmal, "fe"ف neunmal, "kef"ك neunmal, "be"ب neunmal, "te"ت da er in der alphabetischen Reihenfolge an dritter Stelle steht, zwölfmal verwendet. Der Buchstabe "ra"ر ist der Bruder des "lam"ل . Nach Ebdjed Rechnung ist der Wert des "ra"ر zweihundert und von "lam"ل dreißig. Da der Buchstabe "ra"ر sechsfach höherwertig ist, wird er auch nur zu einem Sechstel verwendet. Da nun weiter "ra"ر der Aussprache nach besonders betont ist, wiegt er auch schwer und wird er deshalb nur sechsmal verwendet. "kha"خ "ha"ح "the"ث "dat"ض werden wegen ihrer besonderen Schwere und einiger Wechselbeziehungen untereinander je einmal verwendet. Da der Buchstabe "vav"و leichter ist als "he"ه und "hemze"ء und schwerer als "ya"ي und "elif"ا , wird er siebzehnmal, also viermal öfter als das schwerere "hemze"ء und nur ein Viertel des leichteren "elif"ا verwendet.

So zeigt denn die Verwendungsweise dieser Buchstaben auf wunderbare Weise, in einer solchen Wohlgeordnetheit, in ihrer versteckten Wechselbeziehung, in ihrer klaren Anordnung und in der wunderbaren Schönheit und Glätte des Reims so klar wie zwei mal zwei vier ist, dass rein menschliches Denken dergleichen nicht zu Stande bringen, nicht zu gestalten vermag. Was aber den Zufall betrifft, so ist es unmöglich, dass er dabei mit im Spiel gewesen sein könnte.

Wie also nun diese einzigartige Wohlgeordnetheit, diese eigenartige Anordnung die Klarheit und Glätte die Quelle für den Fluss der Wörter ist, könnten sich (in diesen Versen) noch mehr versteckte Weisheiten finden. Da also nun bereits zwischen den einzelnen Buchstaben eine solche (göttliche) Ordnung erkennbar wird, sollte mit

Sicherheit auch zwischen den Worten, zwischen den Sätzen und dem Sinn (dieser Sätze) eine solche geheimnisvolle Anordnung, ein derartiger lichtvoller Strom erkennbar werden. Könnte das Auge ihn sehen, es würde sagen: "Mashaallah!(so wie Allah wollte!)", könnte der Verstand ihn verstehen, müsste er sagen: "Barekallah!(möge Allah segnen!)".

Fünfter Punkt:

Es handelt sich um die Überlegenheit der Erklärungen im Qur'an. Das heißt, dass sie überlegen, unerschütterlich und großartig sind. Wie seine Gedichtform (nazm)fließend, seine Worte klar, seine Bedeutungen einleuchtend und sein Stil einzigartig ist, so sind auch seine Erklärungen allem überlegen. Bezüglich aller Arten von Worten und aller Stufen der Ansprachen, wie Motivation und Abschreckung, Tadel und Lob, Beweisführung und Rechtleitung, seine Art, verständlich zu machen und zum Verstummen zu bringen, sind die Erklärungen des Qur'an unübertroffen.

Unter zahllosen Beispielen in Bezug auf Anregung und Ermunterung ist zum Beispiel die Erklärung in der 76. Sure, die beginnt mit

هَلْ اَتٰى عَلَى اْلاِنْسَانِ

{"Hat es nicht für den Menschen einmal (einen Zeitabschnitt) gegeben, (in dem er noch nichts Nennenswertes war)?" (Sure 76, 1)}

lieblich wie Kauthar-Brunnen,

{(*): Dieser Stil der Erklärung zeigt sich in der Verkleidung des Inhalts der Sure.}

fließt (diese Sure) wie die Selsebil-Quelle dahin und ist dabei süß wie die Früchte des Paradieses und hübsch wie die Kleidung der Huris.

Unter vielen Beispielen in Bezug auf Einschüchterungen und Drohungen, zum Beispiel die Erklärung des Qur'an am Anfang der 88. Sure, die beginnt mit

هَلْ اَتٰيكَ حَدِيثُ الْغاَشِيَةِ

{"Ist dir nicht die Geschichte von der Katastrophe zu Ohren gekommen, die alles überdecken wird." (Sure 88, 1)}

Sie wirkt wie flüssiges Blei, das den Leuten des Irrweges ins Ohr dringt, wie Feuer, das ihnen das Hirn verbrennt, wie eine Frucht des Zakkum-Baumes, das ihnen den Gaumen verätzt, wie die Hölle, die an ihren Gesichtern empor lodert, wie bitteres Dorngestrüpp in ihrem Magen. Die Büttel der Hölle, die die Drohung eines Herrschers zeigt, indem sie vor Zorn und Wut beinahe platzt, wenn der Qur'an sagt und zu sagen heißt:

تَكَادُ تَمَيَّزُ مِنَ الْغَيْظِ

{"und vor Wut beinahe platzt." (Sure 67, 8)}

zeigt, wie Schrecken erregend die Einschüchterung dieses Herrschers ist.

Unter Tausenden von Beispielen in Bezug auf Lob sind die Erklärungen des Qur'an in den fünf Suren, die mit Elhamdulillah(alles Lob gebührt Allah) beginnen, strahlend wie die Sonne

{(*): Mit diesen Ausdrücken wird auf den Inhalt dieser Suren hingewiesen.}

und glänzend wie der Schmuck der Sterne, majestätisch und gewaltig wie Himmel und Erde, freundlich wie die Engel, liebevoll wie die Barmherzigkeit für die Säuglinge auf der Erde und schön wie das Paradies im Jenseits.

Unter Tausenden von Beispielen in Bezug auf Tadel und Verbot tadelt der Qur'an zum Beispiel sechsfach in der Ayah

اَيُحِبُّ اَحَدُكُمْ اَنْ يَاْكُلَ لَحْمَ اَخِيهِ مَيْتًا

{"Möchte wohl einer von euch das Fleisch seines toten Bruders essen?" (Sure 49, 12)}

gegenseitige Beschimpfungen. Er tadelt sechsfach heftig üble Nachrede. Es ist dies wie folgt:

Wie bekannt, hat das "Hemze"ء , das vor dieser Ayah steht, den Sinn einer Fragestellung. Dieser Charakter einer

Infragestellung durchdringt wie Wasser alle Worte dieser Ayah. So ist denn da zuerst dieses "Hemze"ء , welches fragt: Habt ihr denn keinen Verstand, um Fragen zu stellen und Antworten zu finden, dass ihr eine derart abscheuliche Sache nicht verstehen könntet? Das zweite Wort, يُحِبُّ {"er liebt"} fragt: Ist denn etwa euer Herz, jener Ort aller Zuneigung und Abneigung, so verkommen, dass es etwas so Ekelhaftes zu lieben vermöchte? Das dritte Wort, اَحَدُكُمْ {"einer von euch"} fragt: Was ist aus eurem gesellschaftlichen Leben und seiner Kultur geworden, die doch die Quelle menschlichen Zusammenlebens ist, dass ihr eine solche Handlungsweise, welche euer Leben vergiftet, akzeptieren könntet? Das vierte Wort, اَنْ يَاْكُلَ لَحْمَ {"Fleisch zu essen"} fragt: Was ist aus eurer Menschlichkeit geworden, dass ihr euren Kollegen mit euren Zähnen wie ein Raubtier in Stücke reißen könntet? Das fünfte Wort, اَخِيهِ {"seines Bruders"} fragt: Ist euch denn jedes mitmenschliche Empfinden fremd geworden, habt ihr denn gar kein Gefühl für Verwandtschaftsbeziehungen mehr, dass ihr derart erbarmungslos die Persönlichkeit eures Nächsten zerreißt, welche auf vielfältige Weise euer Bruder ist? Habt ihr denn keinen Verstand, dass ihr eure eigenen Glieder mit euren eigenen Zähnen beißt wie ein Wahnsinniger? Das sechste Wort,

مَيْتًا {"tot"} fragt: Wo ist euer Gewissen geblieben? Ist eure Natur so verdorben, dass ihr dem gegenüber, der doch als euer Bruder einen höchst ehrenwerten Status (hal)innehat, eine so ekelerregende Handlung begehen könnt, sein Fleisch zu essen? Das heißt also, dass jede Art von Beschimpfung und übler Nachrede mit Herz und Verstand, aus Gründen der Menschlichkeit und aus Gewissensgründen, um der Natur (im Allgemeinen) und der Menschheit (millet, im besonderen) willen abgeschafft und verworfen werden muss. So siehst du denn nun wie diese Ayah eine solche Schandtat kurz und prägnant, sechs Stufen hinunter, herabsetzt und sie auf wunderbare Weise in sechs verschiedenen Stufen verbietet.

Ein Beispiel als Muster (maqam)zur Beweisführung unter Tausenden von Beispielen:

فَانْظُرْ اِلٰٓى اٰثاَرِ رَحْمَتِ اللَّهِ كَيْفَ يُحْيِى اْلاَرْضَ بَعْدَ مَوْتِهَآ اِنَّ ذٰلِكَ لَمُحْيِى الْمَوْتٰى وَهُوَ عَلٰى كُلِّ شَىْءٍ قَدِيرٌ

{"Siehe die Spuren der Barmherzigkeit Allahs: wie Er die Erde nach ihrem Tode wieder belebt! Fürwahr, Er ist es, der die Toten wieder belebt und Er hat Macht über alle Dinge." (Sure 30, 50)}

In diesem Vers führt der Qur'an, um das Leben nach dem Tode zu beweisen und dessen Unvorstellbarkeit aus dem Weg zu räumen, eine Erklärung auf eine solche Weise in Feld, wie es eine überlegenere Beweisführung nicht geben kann. Es ist dies wie folgt: Wie schon in der Neunten Wahrheit des "Zehnten Wortes" und im Sechsten Strahl des "Zweiundzwanzigsten Wortes" bewiesen und erklärt wurde, führt der Qur'an dem Menschen in jedem Frühling bezüglich der Wiederbelebung der Erde Beispiele des Lebens nach dem Tode vor Augen und zeigt uns dabei dreihunderttausend verschiedene Formen, säuberlich voneinander geschieden und zugleich in unendlichem Grade geordnet, obwohl sie doch in unendlichem Grade

ineinander verschlungen und miteinander vermischt sind. Dann sagt er: Dem Herrn, der solches vollbringt, kann die Wiederversammlung und das Leben nach dem Tode nicht schwer sein. Zudem werden hunderttausende Arten auf der Erde mit der Feder der Macht wie auf einer Seite niedergeschrieben, gemeinsam, ineinander verschlungen, ohne Fehler, ohne Mangel. Da dies nur das Siegel des einen Einzigen in Seiner Allgegenwart sein kann, wird durch diese Ayah die Einheit und die Gegenwart Gottes sonnenklar bewiesen, wobei gezeigt wird, dass das Leben nach dem Tode und die Wiederversammlung so leicht und so sicher ist wie der Auf- und Untergang der Sonne. So wie denn nun der Qur'an, betrachtet aus dem Blickwinkel dieses "Wie", das in dem Wort كَيْفَ {"wie"} liegt, uns diese Wahrheit aufzeigt, so erwähnt er sie auch in vielen anderen Suren eingehend.

Zum Beispiel wird in der 50. Sure, die beginnt mit

قٓ وَالْقُرْاٰنِ الْمَجيِدِ

{"Qaf! Beim preiswürdigen Qur'an!" (Sure 50, 1)}

das Leben nach dem Tod dermaßen glänzend, schön, süß und mit der so hohen Aussagekraft bewiesen, die der Überzeugung aufgrund der Gewissheit eines kommenden Frühlings entspricht. So siehe denn: Wenn die Ungläubigen die Wiederbelebung der vermoderten Knochen leugnen und sagen "Das ist merkwürdig, das kann nicht sein", antwortet er mit der Gemahnung (ferman)der folgenden Ayat: von dem 6. Vers in der 50. Sure

اَفَلَمْ يَنْظُرُوٓا اِلَى السَّمَآءِ فَوْقَهُمْ كَيْفَ بَنَيْنَاهَا وَزَيَّنَّاهَا وَمَالَهَا مِنْ فُرُوجٍ

{"Haben sie denn nicht gesehen, wie wir den Himmel über ihnen aufgebaut und wie wir ihn geschmückt haben, sodass er keine Risse hat?"}

usw. bis zum Ende des 11. Verses, das mit dem Wort

كَذٰلِكَ الْخُرُوجُ

{"So ist das Wiederhervorkommen."}

endet. Seine Erklärungen fließen wie das Wasser, glänzen wie die Sterne, geben dem Herzen wie Datteln sowohl Geschmack als auch Genuss und werden zur Nahrung.

Unter anmutigsten Beispielen in Bezug auf die Beweisführung des Qur'an sagt er:

يٰسٓ ٭ وَالْقُرْاٰنِ الْحَكِيمِ ٭ اِنَّكَ لَمِنَ الْمُرْسَلِينَ

{"Ya-ßin, beim weisen Qur'an! Du bist wirklich einer der von Gott Gesandten." (Sure 36, 1-3)}

Das heißt: "Ich schwöre beim weisen Qur'an, dass du einer der Gesandten Gottes bist." Dieser Schwur weist auf Folgendes hin: Das Zeugnis des Prophetentums ist dermaßen gewiss und wahr, dass es wegen seiner Wahrhaftigkeit die Stellung (maqam)der Hochachtung und Verehrung erlangt hat, sodass bei ihm geschworen wird. Durch dieses Zeichen wird gesagt: "Du bist der Gesandte Gottes. Denn du hast in der Hand den Qur'an. Was den Qur'an betrifft, so ist er wahr und das Wort dessen, der die Wahrheit ist. Denn die wahrhaftige Weisheit wohnt ihm inne und das Siegel des Wunders (das er ist) ist ihm aufgeprägt."

Eines von den Beispielen, die sich auf die Kürze und auf das Wunder des Qur'an in Bezug auf seine Beweisführung beziehen, ist folgendes:

قَالَ مَنْ يُحْيِى الْعِظَامَ وَهِىَ رَمِيمٌ ٭ قُلْ يُحْيِيهَا الَّذِىٓ اَنْشَأَهَآ اَوَّلَ مَرَّةٍ وَهُوَ بِكُلِّ خَلْقٍ عَلِيمٌ

{"Er sagte: Wer wird die Gebeine wieder beleben, nachdem sie bereits vermodert sind? Sprich: Wiederbeleben wird sie der, welcher sie das erste Mal zusammen fügte; denn Er weiß um jegliche Schöpfung." (Sure 36, 78-79)}

Das bedeutet: der Mensch sagt: "Wer wird die vermoderten Gebeine wiederbeleben?" Sage nun du: "Der, welcher sie am Anfang zusammen fügte und ihnen Leben verliehen hat, der wird sie auch wieder beleben."

Wie wir im dritten Gleichnis der Neunten Wahrheit im "Zehnten Wort" dargelegt haben, könnte wohl ein Mensch, nach dem jemand an einem einzigen Tage vor seinen Augen ein ganzes Heer wieder neu aufgestellt hatte, zu einem sagen: "Dieser Mensch kann ein Bataillon, dessen einzelne Soldaten sich in einer Pause zerstreut hatten, mit einem Posaunenstoß wieder versammeln und sie wieder zur Ordnung eines Bataillons zurückrufen." und könntest dann du, oh Mensch, etwa sagen: "Ich kann das nicht glauben." und wüsstest doch dann sehr wohl wie wahnwitzig dein Leugnen wäre?

In ähnlicher Weise könnte man fragen, wie der Herr in Seiner Allmacht und Allwissenheit, Er, der aus dem Nichts alle Tiere und all die anderen Lebewesen gleich einem neu erstellten Heer, alle die Bestandteile und alle die Fähigkeiten des Körpers Bataillonen gleich in vollkommener Ordnung und ausgewogener Weisheit aushebt und ihnen mit Seinem Wort: "kun fa yakun- كُنْ فَيَكُونْ - (Sei, und sie sind)"den Stellungsbefehl erteilt und der in jedem Menschenalter (karn: etwa sechzig Jahre), ja sogar in jedem Frühling über die Erde hin hunderttausende Arten und Gruppen von Lebewesen gleich Heeren aufstellt, mit einem einzigen Posaunenstoß aus Israfils Posaune alle die Kleinen, aber notwendigen Zellen sowie alle die wesentlichen Organe, die ja mit dem Körper bereits Bekanntschaft geschlossen und in ihm wie unter der Ordnung eines Bataillons gedient hatten, wieder versammeln könne. Darf man überhaupt so fragen und das für unmöglich halten? Es wäre dies doch ein wahnwitziger Irrsinn.

In Bezug auf Rechtleitung ist die Erklärung des Qur'an dermaßen einflussreich und rührend und dermaßen vertraut und liebevoll, dass sie die Seele mit Begeisterung, das Herz mit Freude, den Verstand mit Interesse und das Auge mit Tränen füllt. Nur eines unter Tausenden von Beispielen ist folgendes:

ثُمَّ قَسَتْ قُلوُبُكُمْ مِنْ بَعْدِ ذٰلِكَ فَهِىَ كَالْحِجَارَةِ اَوْ اَشَدُّ قَسْوَةً

{"Nach diesem aber verhärteten sich eure Herzen und wurden zu Stein und sogar noch härter; usw." (Sure 2, 74)}

Wie wir bereits im ersten Kapitel des "Zwanzigsten Wortes" wegen der Behandlung der dritten Ayah bewiesen und erklärt haben, wendet sich diese Ayah an die Söhne Israels, indem sie sagt: "Vor einem einzigen Wunder Mosis, mit dem Friede und Segen sei, das er mit seinem Stab vollbrachte, spaltete sich ein harter Stein in zwölf Öffnungen und vergoss eine Tränenflut wie Brunnen. Was ist mit euch geschehen, dass ihr vor allen Wundern Mosis, mit dem Friede und Segen sei, gleichgültig bleibt, wobei eure Augen trocken und ohne Tränen, eure Herzen hart und ohne Begeisterung sind." Da bereits in dieser Abhandlung diese rechtleitende Erklärung gegeben wurde, weise ich hier nur darauf hin und fasse mich kurz.

Betrachte nur folgende zwei Beispiele unter Tausenden von Beispielen des Qur'an, wie er verständlich macht und wie er zum Verstummen bringt: Erstes Beispiel:

وَاِنْ كُنْتُمْ فِى رَيْبٍ مِمَّا نَزَّلْناَ عَلٰى عَبْدِناَ فَاْتوُا بِسُورَةٍ مِنْ مِثْلِهِ وَادْعُوا شُهَدَآءَكُمْ مِنْ دُونِ اللَّهِ اِنْ كُنْتُمْ صَادِقِينَ

{"Und so ihr im Zweifel seid über das, was wir auf unseren Diener hernieder sandten, so bringt eine gleiche Sure hervor..." (Sure 2, 23)}

Das heißt: "Wenn ihr daran einen Zweifel habt, so sollt ihr alle eure Großen und ihre Gefolgschaft rufen, welche euch zu helfen und für euch Zeugnis abzulegen vermögen, und so bringt doch nur eine einzige Sure herbei, die ihm gleicht." In dem Band "Zeichen des Wunders (Isharatu l-i'djaz)"haben wir es bereits erklärt und bewiesen. Deswegen wollen wir hier nur auf die folgende Zusammenfassung hinweisen:

Der Qur'an, dessen Verkündigung ein Wunder ist, sagt: "Oh ihr Menschen und Dschinnen! Seid ihr im Zweifel darüber, dass der Qur'an das Wort Gottes ist, und vermeint

ihr, dass er nur Menschenwort wäre, so begebt euch auf eure Plätze! Lasst doch von einem Analphabeten gleich Mohammed, den ihr den Getreuen nennt, der des Lesens und Schreibens unkundig ist und keine derartige Ausbildung gehabt hat, ein Buch, das diesem Qur'an gleichwertig ist, zu Stande bringen, und zeigt es vor! Ihr werdet es nicht können. Wenn es also kein einfacher und ungebildeter Mann sein kann, dann soll es ein berühmter Dichter und Gelehrter sein. Könnt ihr auch ihn nicht herbeibringen, so soll es nicht ein einzelner Mann sein. Dann ruft doch all eure Dichter und Redner zusammen! Bringt all die schönen Dichtungen der Alten herbei! Ruft die Hilfe aller künftigen Dichter und den Beistand eurer Götter an! Arbeitet daran mit all eurer Kraft! Schafft etwas, das diesem Qur'an gleichwertig ist! Könnt ihr auch das nicht, dann bringt doch ein Werk hervor, das ihm - abgesehen von den Wahrheiten des Qur'an und von vielen seiner geistigen Wunder, deren gleichen es nicht gibt - an Schönheit seiner Ausdruckskraft gleicht!"

فَاْتوُا بِعَشْرِ سُوَرٍ مِثْلِهِ مُفْتَرَيَاتٍ

{"Dann bringt doch zehn Suren herbei, die ihm gleich, und von euch erdichtet sind." (Sure 11, 13)}

Die Ayah, die sie zum Schweigen bringt, sagt: "Auf nun, ich erwarte von euch nicht, dass der Inhalt der Wahrheit entspricht! Es mögen Erdichtungen, Erfindungen, Lügen, nichtssagende Erzählungen sein. Doch auch das könnt ihr ja nicht. Und wenn es schon nicht der ganze Qur'an sein soll, so bringt doch wenigstens بِعَشْرِ سُوَرٍ {"zehn Suren"} herbei, die ihm gleichen! Doch auch das werdet ihr nicht tun können. So bringt denn nur eine Sure herbei! Doch auch das ist schon zu viel. So bringt denn etwas, das wenigstens einem Stück einer Sure gleicht! Auch wenn ihr das nicht schaffen könnt - und ihr könnt es ja auch nicht

schaffen - obwohl ihr das ja doch bitter nötig hättet, denn eure Ehre und Würde, euer Ruf und Glaube, eure Sitten und Gebräuche, euer Leben und euer Hab und Gut, eure diesseitige und jenseitige Welt können nur dadurch gerettet werden, dass ihr ihm etwas Gleiches entgegenstellt. Anderenfalls stürzt ihr in dieser Welt ohne Ehre, ohne Würde, ohne Glaube, sittenlos, in Schande, mit eurem Leben und eurem Hab und Gut in großes Unglück und im Jenseits werdet ihr dem Hinweis der Ayah

فَاتَّقُوا النَّارَ الَّتِى وَقُودُهَا النَّاسُ وَالْحِجَارَةُ

{"Dann macht euch darauf gefasst, dass ihr in das Höllenfeuer kommt, dessen Brennstoff Menschen und Steine sind." (Sure 2, 24)}

entsprechend zu ewigem Kerker in der Hölle verurteilt und mit euren Götzen zusammen dem Feuer als Brennstoff dienen. Da ihr nun einmal bereits achtfach eure Ohnmacht erkannt habt, so sollt ihr auch achtfach wissen, dass der Qur'an ein Wunder ist. Kommt also entweder zum Glauben, oder schweigt und fahrt zur Hölle!" So erkenne denn nun, wie der Qur'an, dessen Verkündigung ein Wunder ist, in seiner Art, etwas zu erklären, alle zum Verstummen bringt und sage:

لَيْسَ بَعْدَ بَيَانِ الْقُرْاٰنِ بَيَانٌ

Es kann in der Tat, nachdem der Qur'an etwas erklärt hat, keine weitere Erklärung mehr geben und sie ist auch nicht mehr nötig.

Zweites Beispiel:

فَذَكِّرْ فَمَٓا اَنْتَ بِنِعْمَتِ رَبِّكَ بِكَاهِنٍ وَلاَ مَجْنُونٍ ٭ أَمْ يَقُولُونَ شَاعِرٌ نَتَرَبَّصُ بِهِ رَيْبَ الْمَنُونِ ٭ قُلْ تَرَبَّصُوا فَاِنِّى مَعَكُمْ مِنَ الْمُتَرَبِّصِينَ ٭ أَمْ تَاْمُرُهُمْ اَحْلاَمُهُمْ بِهٰذَا اَمْ هُمْ قَوْمٌ طَاغُونَ ٭ اَمْ يَقُولُونَ تَقَوَّلَهُ بَلْ لاَ يُؤْمِنُونَ ٭ فَلْيَاْتُوا بِحَدِيثٍ مِثْلِهِ اِنْ كَانُوا صَادِقِينَ ٭ اَمْ خُلِقُوا مِنْ غَيْرِ شَىْءٍ اَمْ هُمُ الْخَالِقُونَ ٭ اَمْ خَلَقُوا السَّمٰوَاتِ وَاْلاَرْضَ بَلْ لاَيُوقِنُونَ ٭ اَمْ عِنْدَهُمْ خَزَٓائِنُ رَبِّكَ اَمْ هُمُ الْمُصَيْطِرُونَ ٭ اَمْ لَهُمْ سُلَّمٌ يَسْتَمِعُونَ فِيهِ فَلْيَأْتِ مُسْتَمِعُهُمْ بِسُلْطَانٍ مُبِينٍ ٭ اَمْ لَهُ الْبَنَاتُ وَلَكُمُ الْبَنُونَ ٭ اَمْ تَسْئَلُهُمْ اَجْرًا مِنْ مَغْرَمٍ مُثْقَلُونَ ٭ اَمْ عِنْدَهُمُ الْغَيْبُ فَهُمْ يَكْتُبُونَ ٭ اَمْ يُرِيدُونَ كَيْدًا فَالَّذِينَ كَفَرُوا هُمُ الْمَكِيدُونَ ٭ اَمْ لَهُمْ اِلٰهٌ غَيْرُ اللَّهِ سُبْحَانَ اللَّهِ عَمَّا يُشْرِكُونَ

{"Drum ermahne, denn du bist, bei der Gnade deines Herrn weder ein Wahrsager noch ein Besessener. Sagen sie etwa: 'Ein Dichter! Wir wollen warten, was für ein Unheil das Schicksal ihm bringen wird.' Sage: 'Wartet; ich warte mit euch.' Oder befehlen ihnen ihre Träume dies (zu sagen)? Oder sind sie (nicht einfach) aufsässige Leute (die von vornherein Opposition treiben)? Oder sie sagen: 'Er hat ihn (den Qur'an) erfunden.' Doch sie wollen nur nicht glauben. So mögen sie mir eine Rede wie diese bringen, wenn sie wahrhaftig sind. Oder sind sie aus etwas anderem erschaffen worden, oder sind sie gar selbst die Schöpfer? Oder erschufen sie die Himmel und die Erde? Doch nein, sie haben keine Gewissheit (in ihrem Glauben). Oder besitzen sie etwa die Schätze deines Herrn, oder selbst die Oberherrschaft (über die Welt)? Oder haben sie eine Leiter, auf der sie hinaufsteigen können, um (den Gesprächen der Engel) zu lauschen? Dann mag doch einer ihrer Lauscher offenkundige Vollmacht bringen. Oder hat Er die Töchter und ihr die Söhne? Oder verlangst du einen Lohn von ihnen, sodass sie in Schulden geraten wären? Oder haben sie Einsicht in das Verborgene, sodass sie es niederschreiben könnten? Oder wollen sie eine List anwenden? Die Ungläubigen sind es die überlistet werden. Oder haben sie einen anderen Gott als Allah? Gepriesen sei Er! Er ist erhaben über das, was sie Ihm (an anderen Göttern) beigesellen!" (Sure 52, 29-43)}

Hier wollen wir eine unter Tausenden von Wahrheiten in dieser Ayah als Beispiel erklären, wie der Qur'an mit seinen Erklärungen etwas unwiderlegbar deutlich macht. Es ist dies wie folgt: Mit den Worten اَمْ - اَمْ {"oder-oder"} bringt er alle Arten von Leuten des Irrweges in fünfzehn Stufen in der Form einer verneinenden Fragestellung zum Schweigen und erstickt jeden Zweifel schon im Keime. Er lässt dem Teufel kein Loch offen, durch welches die Leute

des Irrweges entschlüpfen und worin sie sich verstecken könnten; verschließt ihnen alle. Er lässt ihren Irrtümern keinen Deckmantel, unter den sie kriechen und sich verbergen könnten; zerreißt sie alle. Er lässt von all ihren Lügen keine einzige Lüge übrig, zertritt ihr den Kopf. In jedem Abschnitt erklärt er die Zusammenfassung der gottlosen Gesinnungen jeder Gruppe entweder mit einem kurzen Ausdruck für nichtig, oder verweist durch sein Schweigen auf ihre offensichtliche Unhaltbarkeit, da ihre Unhaltbarkeit eindeutig klar ist, oder wenn sie in anderen Versen schon eingehend widerlegt sind, weist er hier nur kurz auf sie hin.

Zum Beispiel:

Im ersten Abschnitt (d.h. Sure 52, 29) wird auf die Ayah hingewiesen, die besagt:

وَمَا عَلَّمْنَاهُ الشِّعْرَ وَمَا يَنْبَغِى لَهُ

{"und wir haben ihn (Mohammed) nicht die Dichtkunst gelehrt, noch geziemte sie ihm." (Sure 36, 69)}

Im fünfzehnten Abschnitt (d.h. Sure 52, 43) wird aber auf die Ayah hingewiesen, die besagt:

لَوْ كَانَ فِيهِمَآ اٰلِهَةٌ اِلاَّ اللَّهُ لَفَسَدَتَا

{"Gäbe es in ihnen beiden (d.h. im Himmel und auf Erden) außer Allah noch einen anderen Gott, so wären beide dem Unheil verfallen." (Sure 21, 22)}

Man möge mit diesem Abschnitt noch weitere vergleichen. Es ist dies wie folgt: Am Anfang wird gesagt: "Verkünde die Befehle Gottes. Du bist kein Wahrsager. Denn die Worte eines Wahrsagers sind nichts als wirre Vermutungen. Die deinen aber sind zuverlässig und wahr und du kannst auch kein Besessener sein, denn selbst dein Feind kann dir deinen gesunden Verstand bezeugen.

أَمْ يَقُولُونَ شَاعِرٌ نَتَرَبَّصُ بِهِ رَيْبَ الْمَنُونِ

{"Sagen sie etwa: 'Ein Dichter! Wir wollen warten, was für ein Unheil das Schicksal ihm bringen wird.' (Sage: 'Wartet; ich warte mit euch.')" (Sure 52, 30)}

Sagen sie etwa von dir, wie die Ungläubigen, die unverständig und ahnungslos sind, du seist ein Dichter? Warten sie auf deinen Untergang? Du aber sage: "Wartet ihr und auch ich werde warten!" Die strahlenden, großen Wahrheiten, die du verkündest, sind frei von dichterischer Phantasie und bedürfen nicht dergleichen Ausschmückungen.

أَمْ تَاْمُرُهُمْ اَحْلاَمُهُمْ بِهٰذَا

{"Oder befehlen ihnen ihre Träume dies (zu sagen)?" (Sure 52, 32)}

Oder sagen sie wie die (atheistischen) Philosophen, die in ihrem Unverstand auf ihre eigene Klugheit vertrauen, "Unser Verstand reicht uns." und weigern sich, dir zu folgen. Doch hätten sie wirklich Verstand, befiele er ihnen, dir zu folgen. Denn alles, was du sagst, ist vernünftig. Doch der Verstand allein genügt noch nicht.

اَمْ هُمْ قَوْمٌ طَاغُونَ

{"Oder sind sie (nicht einfach) aufsässige Leute (die von vornherein Opposition treiben)?" (Sure 52, 32)}

Oder ist der Grund ihrer Leugnung, dass sie sich der Wahrheit nicht unterwerfen wollen, wie Aufständische und Tyrannen? Doch in Wahrheit ist das Ende der Pharaonen, der Nimrode und anderer Oberhäupter grausamer Gewaltmenschen, bereits bekannt.

اَمْ يَقُولُونَ تَقَوَّلَهُ بَلْ لاَ يُؤْمِنُونَ

{"Oder sie sagen: 'Er hat ihn (den Qur'an) erdichtet.' Doch sie wollen nur nicht glauben." (Sure 52, 33)}

Oder verdächtigen sie dich etwa, wie verlogene und gewissenlose Heuchler, und sagen: "Der Qur'an ist nur dein eigenes Wort!" In Wirklichkeit nannten sie dich bis jetzt Mohammed, den Getreuen, und kannten dich als den, der doch unter ihnen der Wahrhaftigste war. Doch sie wollen nur nicht glauben. Dabei sollten sie doch unter den Werken der Menschheit eines finden, das dem Qur'an gleiche!

اَم خُلِقُوا مِنْ غَيْرِ شَىْءٍ

{"Oder wurden sie aus etwas anderem erschaffen?" (Sure 52, 35)}

Oder stellen sie sich etwa vor, wie die Nihilisten unter den Philosophen, die alles Seiende für sinnlos und zwecklos halten, dass sie sich selbst überlassen seien, sinnlos, zwecklos, verantwortungslos und ohne Schöpfer? Sind etwa ihre Augen blind, dass sie nicht sehen, dass der Kosmos vom Anfang bis zum Ende sinnvoll ausgestattet und zweckmäßig und fruchtbringend gestaltet ist und alles Sein, angefangen von den Atomen bis zu den Sonnen, mit Aufgaben betraut ist und die Befehle Gottes befolgt?

اَمْ هُمُ الْخَالِقُونَ

{"Oder sind sie gar (selbst) die Schöpfer?" (Sure 52, 35)}

Oder stellen sie sich etwa in ihrem Pharaonenstolz gleich den Materialisten vor, dass alles aus sich selbst heraus entsteht, dass alles sich selbst ernährt und dass sie alles selbst erschaffen, wessen sie bedürfen, weswegen sie vor dem Glauben, dem Dienst vor Gott und Seiner Anbetung zurückschrecken? Doch stellen sie sich vor, dass sie selbst Schöpfer seien. In Wirklichkeit muss der Schöpfer eines einzigen Dinges aber der Schöpfer aller Dinge sein. Also hat ihre Selbstgefälligkeit und ihr Stolz sie in einem solchen Ausmaß mit Torheit erfüllt, dass sie einen grenzenlos Ohnmächtigen, der einer Mücke, ja einer Mikrobe unterlegen ist, für den Absolut Allmächtigen halten. Da sie nun einmal so tief (aus der Höhe jeglicher) Vernunft und Menschlichkeit hinuntergestürzt sind, befinden sie sich nun in einer noch übleren Lage als das Tier, ja sogar als die leblosen Dinge. Also brauchst du nicht über ihre Verweigerung bekümmert zu sein.

اَمْ خَلَقُوا السَّمٰوَاتِ وَاْلاَرْضَ بَلْ لاَيوُقِنُونَ

{"Oder erschufen sie die Himmel und die Erde? Doch nein, sie haben keine Gewissheit (im Glauben)." (Sure 52, 36)}

Oder leugnen sie Allah wie die Deterministen, die gedankenlos und verblendet sind und den Weltenschöpfer leugnen, weswegen sie nicht dem Qur'an folgen? Dann sollten sie auch die Existenz der Himmel und der Erde bestreiten oder sagen: "Wir haben sie erschaffen." So werden sie am Ende völlig aus dem Häuschen geraten, ihren Verstand verlieren und dem Fieberdelirium eines Wahnsinnskranken verfallen. Denn die Beweise der Einheit sind so viele Male ersichtlich und deutlich lesbar, wie die Sterne am Himmel und wie die Blumen und Blüten auf der Erde. Doch sie haben keine Absicht, sich zu vergewissern und die Wahrheit zu erkennen. Wie können sie sich aber dieses Buch des Kosmos, in dessen Buchstaben jeweils ein ganzes Buch geschrieben ist, ohne seinen Schreiber vorstellen, obwohl sie doch wissen, dass es keinen Buchstaben ohne seinen Schreiber gibt?

اَمْ عِنْدَهُمْ خَزَائِنُ رَبِّكَ

{"Oder haben sie die Schätze deines Herrn unter ihrer Verfügung?" (Sure 52, 37)}

Oder leugnen sie das Prophetentum als solches, wie die Brahmanen, oder wie einige Philosophen einer Irrlehre, die die Entscheidungsfreiheit Gottes des Gerechten verneint, und die dir deshalb keinen Glauben entgegenbringen? Also sollen sie dann alle Werke Seiner Barmherzigkeit und die Gnadengeschenke und alle Wunder aller Propheten leugnen, die Werke der Weisheit, der Zweckmäßigkeit, der Wohlordnung und deren Früchte, welche in der ganzen Schöpfung ersichtlich sind und Entscheidungs- und Willensfreiheit beweisen, oder sagen: "Die Schätze aller Gnadengaben, die den Geschöpfen verliehen sind, liegen hier bei uns und wir haben sie in unserer Hand." Sollen sie doch eingestehen, dass sie (als Partner für ein vernünftiges Gespräch) nicht ansprechbar sind. Sei wegen ihrer Verweigerung nicht betrübt.

اَمْ هُمُ الْمُصَيْطِرُونَ

{"Oder haben sie die Oberherrschaft (über die Welt)?" (Sure 52, 37)}

Oder glauben sie etwa, sie seien die Inspektoren und hätten die Oberaufsicht über die Handlungen des Schöpfers, wie die Mu'tezila, die ihren Verstand zum obersten Richter ernannt haben, und so den majestätischen Schöpfer zur Verantwortung ziehen wollen? Sieh zu, dass du nicht den Mut verlierst! Aus solcher Verweigerung dieser Selbstgefälligen kommt nichts heraus. Und nimm auch du sie nicht so wichtig!

اَمْ لَهُمْ سُلَّمٌ يَسْتَمِعُونَ فِيهِ فَلْيَأْتِ مُسْتَمِعُهُمْ بِسُلْطَانٍ مُبِينٍ

{"Oder haben sie eine Leiter, auf der sie lauschen können auf die Gespräche der Engel? Dann mag einer ihrer Lauscher offenkundige Vollmacht bringen." (Sure 52, 38)}

Oder denken sie sich, sie hätten gleich den Leuten, die Geistern und Satanen folgend mit Wahrsagerei spielen und Spiritismus betreiben, dass sie einen anderen Weg zur Welt des Verborgenen entdeckt hätten? Wenn dem aber so wäre, bilden sie sich dann ein, dass sie eine Leiter hätten, um in den Himmel emporzusteigen, was ihren Teufeln versperrt wurde, weswegen sie deine himmlischen Botschaften der Lüge bezichtigen. Die Verleugnungen solcher Scharlatane bedeuten nichts.

اَمْ لَهُ الْبَنَاتُ وَلَكُمُ الْبَنُونَ

{"Oder hat Er Töchter (die ihr Menschen für euch nicht haben wollt) und ihr Söhne?" (Sure 52, 39)}

Oder wollen sie wie die Philosophen (der Schule Ishraqiyyun),die Gott unter dem Namen "Zehn Stufen des Geistes" und "Herren der Arten" Götzen beigesellen, und wie die Sabi'iyyun, die Sternen und Engeln eine Art Göttlichkeit zuschreiben, und wie die Atheisten und die Irrgläubigen, die Gott dem Gerechten ein Kind zuschreiben, was der Einheit und Einmaligkeit des Herrn in Seinsnotwendigkeit, Seiner Allgegenwart, Seiner absoluten Bedürfnislosigkeit und Einzigartigkeit widerspricht, und die den Engeln weibliche (Attribute beifügen), was ihrem Dienst, ihrer Anbetung, ihrer Reinheit und ihrer

(geschlechtlichen Nicht-)Zugehörigkeit entgegengesetzt ist? Glauben sie, dass sie ihre Fürsprecher sind, weswegen sie dir nicht folgen?

Die Fortpflanzung, die für alle Geschöpfe, wie auch für den Menschen, (dessen Existenz von einer Reihe verschiedener) Umstände (abhängig) ist, der vergänglich ist und das Bedürfnis hat, fortzubestehen, der einen Körper hat, der zerfällt und die Fähigkeit hat, sich zu vermehren, der schwach ist, in alles Irdische vernarrt und Nachkommen ersehnt, die ihm zu Hilfe kommen sollen, dient nicht nur seiner Vermehrung, sondern auch der gegenseitigen Hilfeleistung und ist das Band seines Lebens und Bestehens, dem, dessen Existenz notwendig ist zuzuschreiben, dem majestätischen Herrn, der beständig und dessen Bestehen in alle Ewigkeit ist, der unabhängig ist von dem Dasein eines Körpers, dessen Wesen lauter und rein ist und frei von Zerfall und Vermehrung, dessen Macht unangreifbar und bar jeder Schwäche ist, Kinder zuzuschreiben, ja sogar zahllose Töchter, selbst Kinder, die diese ohnmächtigen und armseligen Menschlein, deren Existenz (von vielen, verschiedenen Umständen) abhängig ist, auch nicht mögen, ja geradezu unter ihrer Würde finden, zuzuschreiben, ist ein solcher Unsinn, leeres Gerede eines Wahnsinnigen, dass die Verleugnungen und Verweigerungen derartiger Kerle, die dieser Meinung sind, für Null und nichtig gelten können. Du brauchst sie gar nicht zu beachten. Man kann ja nicht dem Unsinn eines jedes Verblendeten, den Phantastereien eines jedes Verrückten sein Ohr leihen.

اَمْ تَسْئَلُهُمْ اَجْرًا فَهُمْ مِنْ مَغْرَمٍ مُثْقَلُونَ

{"Oder verlangst du einen Lohn von ihnen, dass sie bei dir verschuldet wären?" (Sure 52, 40)}

Oder finden sie deine Angebote schwer, wie die Weltverehrer, die der Gier und dem Geiz verhaftet, ungebärdig und aufständisch sind, weswegen sie vor dir davonlaufen? Wissen sie etwa nicht, dass du deinen Lohn, dein

Honorar nur von Gott erwartest. Sie halten das Gebot Zekat zu geben, für schwer und schrecken (vielleicht deswegen?) vor dem Islam zurück. Ist es ihnen etwa zu schwer, von dem Gut, das Gott der Gerechte ihnen gab, entweder ein Zehntel oder ein Vierzigstel den Armen unter ihnen zu geben, damit sie sowohl Segen finden, als auch sich vor dem Neid und den Verwünschungen der Armen retten? Ihre Verweigerung ist nicht von Bedeutung. Sie verdienen es, von dir eine Ohrfeige, statt einer Antwort zu bekommen.

اَمْ عِنْدَهُمُ الْغَيْبُ فَهُمْ يَكْتُبوُنَ

{"Oder haben sie Einsicht in das Verborgene, sodass sie es niederschreiben könnten?" (Sure 52, 41)}

Oder behagen ihnen deine Nachrichten aus dem Verborgenen nicht, wie den Buddhisten, die behaupten, bewandert in den verborgenen Dingen zu sein, oder denjenigen, die ihre Klugheit verkaufen wollen und ihre Mutmaßungen über die verborgenen Dinge als Gewissheit darstellen? Haben sie etwa Bücher aus dem Verborgenen, sodass sie dein Buch aus dem Verborgenen nicht annehmen wollen? Wenn das so ist, dann bauen sie Luftschlösser, denn sie bilden sich ein, die Welt des Verborgenen, die doch außer den Gottesgesandten, die Offenbarung empfingen, niemandem offen steht und in die auch niemand aus eigener Anstrengung einzutreten vermag, stünde ihnen offen zur Verfügung, sodass sie von dort her Auskünfte erhalten und niederschreiben könnten. Du brauchst auch wegen der Verweigerung dieser Selbstgefälligen, die ihre Grenzen dermaßen grenzenlos überschritten haben und eingebildet sind, nicht zu resignieren! Denn binnen kurzer Zeit werden sich diese Schlösser mit der Wahrheit, die du verkündest, in Luft auflösen.

اَمْ يُرِيدُونَ كَيْداً فَالَّذِينَ كَفَرُوا هُمُ الْمَكِيدُونَ

{"Oder wollen sie eine List anwenden? Die Ungläubigen sind es, die überlistet werden." (Sure 52, 42)}

Oder wollen sie das, woran sie selbst nicht glauben können, anderen glaubhaft machen, indem sie dich manchmal als Wahrsager, manchmal als Verrückten, manchmal als Zauberer bezeichnen? Wollen sie etwa dadurch die Menschen von der Rechtleitung, die ihnen nicht gegeben ist, überlisten und abspenstig machen, wie die Scharlatane unter den Heuchlern oder wie die hinterlistigen Gottesleugner, deren Naturanlagen verdorben sind und deren Gewissen abgestorben ist? Du brauchst dich von dem hinterlistigen und vordergründigen Widerstand solch verschlagener Scharlatane nicht beeindrucken zu lassen und darüber nicht mutlos zu werden, indem du vergeblich nach ihrer menschlichen Würde Ausschau hältst. Vielmehr solltest du deinen Eifer noch verdoppeln. Denn sie betrügen nur ihre eigene Seele. Sie schaden sich dabei selbst. Der Erfolg ihrer Bosheiten kann nur vorübergehend sein. Er ist etwas, worauf sie in ihrer Gottvergessenheit zu unrecht stolz sind und wodurch sie den Zorn und Seine Strafe auf sich ziehen. Er ist eine List Gottes und eine Hypothek für diese Menschen.

اَمْ لَهُمْ اِلٰهٌ غَيْرُ اللَّهِ سُبْحَانَ اللَّهِ عَمَّا يُشْرِكُونَ

{"Oder haben sie einen anderen Gott als Allah? Gepriesen sei Er! Er ist erhaben über das, was sie Ihm (an anderen Göttern) beigesellen!" (Sure 52, 43)}

Oder stützen sie sich auf andere Götter, wie die Parsen, die sich zwei verschiedene Götter mit den Namen, der Schöpfer des Guten und der Schöpfer des Bösen vorstellen, oder wie die Ursachenanbeter und Götzendiener, die verschiedenen Ursachen eine Art Göttlichkeit zuschreiben und sie als Stützpunkte ansehen, weswegen sie sich dir widersetzen! Wollen sie sich etwa deswegen von dir bitten und nötigen lassen? Laut der Ayah

لَوْ كَانَ فِيهِمَآ اٰلِهَةٌ اِلاَّ اللَّهُ لَفَسَدَتَا

{"Gäbe es in ihnen beiden (d.h. im Himmel und auf Erden) außer Allah noch einen anderen Gott, so wären beide dem Unheil verfallen." (21, 22)}

Sehen sie denn nicht diese vollkommene Ordnung und diese wunderbare Zuordnung der Dinge im ganzen Kosmos, die so klar ist wie das Tageslicht? Ja, sind sie denn blind? In Wirklichkeit wird aber die Ordnung in Unordnung geraten und die Zuordnung der Dinge in völligen Wirrwarr, wenn es in einem Dorf zwei Bürgermeister, in einer Stadt zwei Regierungspräsidenten, in einem Land zwei Könige gäbe. In Wirklichkeit sehen wir, dass eine dermaßen subtile Ordnung, von einem Mückenflügel bis zu den Lampen des Himmels beabsichtigt ist, dass für eine Vielgötterei kein Platz mehr bleibt, auch nicht einmal so groß wie ein Mückenflügel. Da sich aber nun diese (Leute) aller Weisheit und Verstand, allem Sinn und Klarheit dermaßen entgegengesetzt verhalten, sollen ihre Verleugnungen dich nicht davon abhalten, weiterhin gute Lehren und Ratschläge zu erteilen.

Wir haben hier unter hunderten von Diamanten dieser Ayah, die einen Rosenkranz (silsile)von Wahrheiten bilden, nur einen einzigen Diamanten der Verkündigung, nämlich (die Art, wie der Qur'an die Dinge erklärt) und verständlich macht und (wie er seine Gegner zum) Verstummen bringt, kurz und bündig erklärt. Wäre ich dazu im Stande und könnte noch einige andere seiner Diamanten zeigen, würdest auch du sagen: "Selbst diese wenigen Ayat sind für sich allein betrachtet schon ein Wunder."

Aber die Verkündigung des Qur'an ist, in der Art, etwas verständlich zu machen und zu unterweisen, so wunderbar schön und klar, dass auch der einfachste, ungebildete Mensch die Erklärungen des Qur'an und die subtilste Wahrheit in ihr ganz leicht verstehen kann. Der Qur'an, der in seiner Verkündigung ein Wunder ist, öffnet den Zugang zu vielen verborgenen Wahrheiten in einer einfachen und offenkundigen Weise und unterrichtet sie so, wie es dem allgemeinen Verständnis wohl tut, ohne die Empfindungen des Volkes zu verletzen, der Denkweise der einfachen Leute beschwerlich zu werden und sie zu ermüden. Etwa so wie man im Umgang mit einem Kind eine kindgemäße Ausdrucksweise verwendet.

تَنَزُّلاٰتٌ اِلٰهِيَّةٌ اِلٰى عُقُولِ الْبَشَرِ

{"So zu sprechen, wie der menschliche Intellekt es zu verstehen vermag, ist Herabkunft göttlicher Demut."}

Der Stil des Qur'an, wobei göttliche Demut mit den Worten des Sprechers (mutekellim)auf den Angesprochenen (muhatab)dessen Niveau entsprechend herabkommt, lässt die verborgenen Wahrheiten und Geheimnisse Gottes, die auch den Gedanken hochgelehrter Denker nicht zugänglich sind, durch einige Beispiele und Gleichnisse in Form von Sinnbildern selbst noch dem einfachsten, ungebildeten Menschen verständlich werden.

Zum Beispiel:

اَلرَّحْمٰنُ عَلَى الْعَرْشِ اسْتَوٰى

{"Der Barmherzige hat Seinen Thron bestiegen." (Sure 20, 5)}

Um in einem Gleichnis die Herrschaft Gottes darzustellen, und den Umfang Seines Herrschaftsanspruches in der Lenkung der Welt verständlich zu machen, wird hier als Beispiel angeführt, wie ein König seinen Thron besteigt und die Regierung übernimmt. Der Qur'an ist in der Tat das Wort des majestätischen Schöpfers dieses Kosmos. Er kommt von der gewaltigen Stufe Seiner Herrschaft herab. Er hat die höchste Autorität und unterrichtet alle die Autorität repräsentieren auf jeder Stufe unter ihm. Er scheint hinter siebzigtausend Schleiern und erleuchtet sie alle. Er spendet seinen Segen und verbreitet sein Licht über Tausende von Schichten, deren Verständnis und Intelligenz voneinander unterschiedlich ist. Er hat die Fähigkeit, über verschiedene Zeitalter und Epochen lebendig zu bleiben und verbreitet seinen Sinngehalt überall in reicher Fülle. Überdies verliert er auch keine Spur seiner Aktualität, bleibt vielmehr stets taufrisch und anmutig. Er unterrichtet in einer unglaublichen Leichtigkeit und Einfachheit, sodass er jedem einfachen Menschen verständlich ist. In dem selben Unterricht, mit den selben Worten unterweist er auch sehr viele Schichten, deren

Denkweisen voneinander unterschiedlich und deren Bildungsgrade voneinander verschieden sind, überzeugt und befriedigt sie alle. In welcher Hinsicht man auch ein solch wunderbares Buch aufmerksam betrachten mag: man wird in jedem Fall wenigstens ein Fünkchen dieses Wunders erkennen können.

Zusammenfassung:

Wenn ein Wort aus dem Qur'an wie "Elhamdulillah(alles Lob, Preis und Dank gebührt Allah)" vorgetragen wird, so erfüllt es eine Höhle, das Ohr eines Berges, in gleicher Weise wie das selbe Wort auch noch in dem winzig kleinen Öhrchen einer Mücke vollständig seinen Platz ausfüllt. So wie die Bedeutung des Qur'an winzig kleine, einfache Intelligenzen, wie z.B. eine Mücke unterrichten und befriedigen kann, so befriedigt sie auch mit den gleichen Worten Bergen gleiche Intelligenzen. Denn der Qur'an ruft alle Schichten der ganzen Menschen und Dschinnen zum Glauben. Überdies lehrt und beweist er der Allgemeinheit die Kenntnisse des Glaubens. Darum soll auch der einfachste, ungebildete Mensch mit den gebildeten der höheren Schichten gemeinsam Schulter an Schulter, Knie bei Knie, die Lektion des Qur'an hören und nutzen können.

Also ist der ehrwürdige Qur'an solch ein Tisch des Himmels, dass Denkweisen, Intelligenzen, Herzen und Gemüter, die Tausende von verschiedenen Schichten bilden, an diesem Tisch ihre Nahrung finden und alles, was sie sich nur wünschen können. Ihre Wünsche werden erfüllt. Es sind sogar noch sehr viele Türen verschlossen geblieben, die künftigen Generationen vorbehalten sind. Wenn du zu diesem Anlass ein Beispiel möchtest, ist der ganze Qur'an vom Anfang bis zum Ende voll von Beispielen zu diesem Anlass. Alle Mudjtehidin und Siddiqin, islamische Denker und Forscher, die Gelehrten zum Usulu l-Fiqh und Theologen, Kenner unter Heiligen, die geistige Pole unter den Geliebten Gottes, Kritiker unter Gelehrten und Muslime aus dem einfachen Volk und dergleichen Schüler des Qur'an und diejenigen, die seinem Unterricht folgen, sagen gemeinsam:

"Wir verstehen unsere Lektion bestens." Kurzum glänzen Blitzstrahlen dieses Wunders, das der Qur'an ist, in seiner Unterweisung und Verständlichkeit genau wie auch in anderen Hinsichten

Zweiter Strahl:

Es ist diese wunderbare Vielseitigkeit des Qur'an. Dieser Strahl besteht aus fünf Funken.

Erster Funke:

Es ist die Vielseitigkeit in seinen Ausdrücken. Mit Sicherheit wird diese Vielseitigkeit durch die Ayat, die in vorigen Abhandlungen und in diesem Wort zitiert wurden, offensichtlich erkennbar.

لِكُلِّ اٰيَةٍ ظَهْرٌ وَبَطْنٌ وَحَدٌّ وَمُطَّلَعٌ وَلِكُلٍّ شُجُونٌ وَغُصُونٌ وَفُنُونٌ

{"Für alle Ayat gibt es ein Äußerliches und ein Innerliches, einen Anfang und ein Ende und jede hat ihre Äste, Zweige und Blätter."}

Wie diese Hadith besagt, sind die Worte im Qur'an in der Art gesetzt, dass sich jede Aussage, ja sogar jedes Wort, selbst jeder Buchstabe, sogar manchmal ein Schweigen auf verschiedene Gesichtspunkte bezieht. Er gibt allen Angesprochenen (muhatab)durch verschiedene Türen ihren (eigenen Zugang zu ihrer individuellen) Lesart.

Zum Beispiel:

وَالْجِبَالَ اَوْتاَداً

{"Haben Wir nicht die Berge zu Pflöcken gemacht?" (Sure 78, 7)}

Das heißt: "Ich habe die Berge für eure Erde zu Pflöcken und Masten gemacht." Das ist eine Aussage. Was einfache Leute dieser Aussage entnehmen, ist folgendes: Sie sehen die Berge, die äußerlich wie in den Boden eingeschlagene Pflöcke aussehen, und denken an ihren Nutzen und an die Gnadengaben, die sie in ihnen finden. So danken sie ihrem Schöpfer.

Was dagegen ein Dichter dieser Aussage entnimmt, ist folgendes: Die Erde ist der Boden, über dem sich die Kuppel des Himmels wie ein großartiges blaues Zelt wölbt, geschmückt mit elektrischen Lampen. In seiner Phantasie stellt er sich die Berge als Pflöcke dieses Zeltes

vor, die in einen horizontalen Kreis vor den Saum des Himmels bilden. Ihren majestätischen Baumeister verehrt er voller Begeisterung.

Von den Zeltbewohnern entnimmt ein Dichter dieser Aussage folgendes: Die Erdoberfläche ist eine Wüste, die Sahara. Er stellt sich die Gebirgsketten als viele verschiedene Beduinenzelte vor, deren Planen die Erde über den hohen Masten der Berge darstellen, deren Gipfel diese Plane aus Erde hochheben und als Wohnstätte vieler ganz unterschiedlicher Geschöpfe dienen, die aufeinander angewiesen sind. Vor dem majestätischen Schöpfer, der solch große, gewaltige Schöpfungen, so ganz leicht wie diese Zelte auf Erden errichtet und fest begründet, wirft er sich voll Verehrung nieder.

Ein Dichter, der von Ländern und Meeren träumt, entnimmt dieser Aussage folgendes: Er denkt sich die Erdkugel als ein Schiff, das in dem großen Ozean des Äthers durch die Himmel segelt, und dessen Berge gleich Masten dieses Schiffes sind. Vor dem Allmächtigen in Seiner Vollkommenheit, der diese riesige Erdkugel zu einem bestens ausgerüsteten Schiff machte, uns an Bord nahm und nun in alle Winde des Kosmos reisen lässt, sagt er:

سُبْحَانَكَ مَآ اَعْظَمَ شَانَكَ

{"Gepriesen seist Du, wie gewaltig ist doch Dein Ruhm!"}

Ein Weiser, kundig in Kultur, Zivilisation und Gesellschaftslehre entnimmt dieser Aussage folgendes: Die Erde ist unser Haus. Die Basis unseres Haushalts stellt das Leben der Tiere und die Grundlage für das Leben der Tiere sind Wasser, Luft und Erde als deren Lebensbedingungen. Fundament und Pflöcke für Wasser, Luft und Erde sind die Berge. Denn die Berge speichern das Wasser, kämmen die Luft (sie lassen Schadstoffe sich absetzen und reinigen die Luft), beschützen die Erde (sie bewahren die Erde vor Sturmfluten, vor Hochwasser und vor der Überhandnahme der Sümpfe) und er begreift, dass alle übrigen, notwendigen Dinge Schatztruhen des

menschlichen Lebens sind. In vollkommener Verehrung lobt und preist er den majestätischen Schöpfer, den Freigiebigen, der diese riesigen Berge in diesem Sinne zu tragenden Säulen der Erde gemacht hat, welche das Haus unseres Lebens ist, und sie zum Zahlmeister für unseren Unterhalt bestimmte.

Zum Beispiel:

Das Wort رَتْقًا {"eine zusammenhängende Masse"}

aus der Ayah

اَنَّ السَّمٰوَاتِ وَاْلاَرْضَ كَانَتَا رَتْقًا فَفَتَقْنَاهُمَا

{"..., dass Himmel und Erde eine zusammenhängende Masse waren, worauf wir sie getrennt haben?" (Sure 21, 30)}

lässt einen Gelehrten, der mit den genauen Untersuchungen der Naturwissenschaft nicht belastet ist, folgendes erkennen: Der Himmel ist klar und ohne Wolken. Der Erdboden ist trocken und ohne Leben. Noch waren sie unfruchtbar. Es konnte also nur das Werk eines majestätischen Allmächtigen sein, Himmel und Erde miteinander zu vermählen, die (Tore) des Himmels dem Regen und die Erde dem Grün (der Pflanzen) zu öffnen, alles Leben aus diesem Wasser zu erschaffen und durch den Himmel zu befruchten. Vor Ihm ist die Erde nur ein kleiner Garten. Die Wolken aber, die wie ein Schleier vor dem Antlitz des Himmels sind, gleichen dem Schwamm, (der das Wasser) für Seinen Garten (speichert). Dies erkennt er und wirft sich nieder vor der Größe Seiner Macht.

Einem kritisch denkenden Weisen sagt dieses Wort folgendes: Am Anfang der Schöpfung bildeten der Himmel und die Erde einen formlosen Haufen, eine zusammengeballte, formlose Masse, einen nutzlosen wässerigen Brei, ohne Leben, ohne Geschöpfe, ohne Kinder. Der allweise Schöpfer rollte diese Masse aus, formte aus ihr schöne Gestalten, gestaltete aus ihr nützliche Formen und machte (die Erde) zu einem Beet für eine große Zahl

geschmückter Geschöpfe. So versteht er und begeistert sich vor dem Umfang Seiner Weisheit.

Ein Philosoph heutiger Zeit versteht dieses Wort wie folgt: Als unsere Erde und andere Planeten, die das Sonnensystem bilden, anfangs noch mit der Sonne verbunden, wie eine zusammengeballte (formlose Masse wie) ein Teigklumpen war, rollte der Allmächtige und Beständige diesen Teigklumpen aus, verteilte die Planeten, einen nach dem anderen, auf ihre Plätze, ließ die Sonne zurück, brachte unsere Erde hierher, breitete (fruchtbaren) Boden über die Erde aus, ließ vom Himmel herab regnen, sprühte Licht von der Sonne herunter, brachte in die Erde Leben und pflanzte uns dort ein. Da zieht er seinen Kopf aus dem Sumpf der Naturphilosophie und sagt:

آمَنْتُ بِاللَّهِ الْوَاحِدِ اْلاَحَدِ

{"Ich glaube an Allah, den allgegenwärtigen Einen."}

Zum Beispiel:

وَالشَّمْسُ تَجْرِى لِمُسْتَقَرٍّ لَهَا

{"und die Sonne läuft zu dem Ort, an dem sie sich aufhält." (Sure 36, 38)}

Der Buchstabe "lam"ل bringt die Präposition "li"لِ (: zu) zum Ausdruck, wie im üblichen Sinne, als auch im Sinne der Präposition "fi" فِي (: an), als auch im Sinne der Präposition "ila"اِلَى (: bis zu). So sehen die einfachen Leute den Buchstaben lam in dem Wort لِمُسْتَقَرٍّ {"zu einem Ort, an dem sie sich aufhält"} im Sinne von "ila"اِلَى (: bis zu) und verstehen darunter: "Die Sonne ist in ihrer Beziehung zu euch eine Lampe, die sich bewegt und Licht und Wärme gibt. Mit Sicherheit wird ihre Fahrt eines Tages an einem Ort enden, an dem sie zur Ruhe kommt. Sie wird eine Gestalt annehmen, in der sie euch nicht länger mehr nützlich sein wird."

So erkennen sie die großen Gnadengaben des majestätischen Schöpfers, welche Er ihnen durch die Sonne schenkt, und rufen "Subhanallah"(gepriesen sei Allah!), "Elhamdulillah"(alles Lob gebührt Allah!).

Einem Gelehrten erscheint dieses "lam"ل auch im Sinne von "ila"اِلَى (: bis zu). Er stellt sich die Sonne nicht nur als eine Lampe vor, sondern auch als ein Schiffchen an der Werkbank des Frühlings und des Sommer für die Webstücke des Herrn, oder auch als ein Tintenfass für die Briefe des Einzigartigen, die mit Licht auf den Seiten der Nacht und des Tages geschrieben werden. Der augenscheinliche Lauf der Sonne veranlasst ihn über die Ordnung der Welt nachzudenken, deren Lauf Kennzeichen für sie ist und auf sie hinweist. Er ruft vor der Kunstfertigkeit des allweisen Meisters "Maschaallah"(wunderbar ist es, was Allah wollte!) und vor seiner Weisheit "Barekallah"(segne es Allah!) und wirft sich vor Ihm nieder.

Ein Astronom betrachtet dieses "lam"ل als die Präposition "fi"فِي (: an) und versteht darunter folgendes: Die Sonne dreht sich um ihre Achse und läuft zugleich auf ihre Bahn, wodurch sie ihr System auf Gottes Weisung in Ordnung hält und es wie eine Uhrfeder antreibt. Vor dem majestätischen Schöpfer, der eine solche Riesenuhr erschuf und in Ordnung hält, ruft er in vollkommener Bewunderung und Begeisterung "Al-'azametu lillah ve l-qudretu lillah!"(die Größe ist Gottes und die Macht ist Gottes!). Er verwirft die (atheistische) Schule und begibt sich in die (Schule der) Weisheit des Qur'an.

Für einen kritisch betrachtenden Gelehrten bedeutet dieses "lam"ل sowohl die eigentliche Ursache als auch die näheren Umstände und er versteht dabei folgendes: "Der allweise Meister macht die augenscheinlichen Ursachen zu einem Schleier Seiner Taten. Darum verbindet Er mit Seinem Gesetz, das wir das Gesetz der Anziehung nennen, die Planeten gleich den Steinen (in einer Schleuder) mit der Sonne, (um die sie kreisen). Durch diese Anziehungskraft lässt Er die Planeten in verschiedenen, doch wohlgeordneten Bewegungen nach Seiner Weisheit

kreisen. Um diese Anziehung hervorzubringen, machte Er die Bewegung der Sonne um ihre Achse zu einem äußerlichen Grund. Also besagt die Bedeutung von لِمُسْتَقَرٍّ {"zu einem Ort, an dem sie sich aufhält."} فِى مُسْتَقَرٍّ لَهَا لِاِسْتِقْرَارِ مَنْظُومَتِهَا

Das heißt: Sie bewegt sich um ihre Achse um der Stabilität und der Wohlordnung ihres Systems Willen. Denn es ist eine Gewohnheit Gottes, ein Gesetz in Seiner Herrschaft, dass die Bewegung die Hitze, die Hitze die Kraft, die Kraft die Anziehung offensichtlich hervorruft. Wenn dieser Weise eine solche Weisheit aus einem Buchstaben des Qur'an entnimmt, sagt er: "Elhamdulilah(alles Lob gebührt Allah!), die Wahrheit und die Weisheit liegt im Qur'an; der Philosophie messe ich keine fünf Kurusch Wert bei."

Ein anderes Beispiel:

اُولٰٓئِكَ هُمُ الْمُفْلِحُونَ

{"Es sind diejenigen, die errettet werden." (Sure 2, 5)}

Hier bleibt vieles ungesagt. Die Aussage wird verallgemeinert. Hier wird nicht bestimmt, was für einen Sieg sie erringen, sodass jeder darin das Erwünschte finden kann. Hier wird wenig gesagt, damit das Gesagte viel werde. Denn ein Teil der Adressaten wollen sich vor dem Feuer retten. Ein anderer Teil denkt allein an das Paradies. Wieder ein anderer Teil sehnt sich nach ewiger Glückseligkeit. Wieder ein anderer Teil hofft nur auf das Wohlwollen Gottes. Wieder ein anderer Teil weiß als das Ziel seiner Hoffnungen, Gott zu schauen. Und so weiter... Desgleichen macht der Qur'an an vielen Stellen eine unbestimmte Aussage, damit sie für alle gültig sei. Er lässt vieles aus, um verschiedene Ausdeutungen zu ermöglichen. Er fasst kurz, damit jeder seine eigene Ansicht darin finden kann. So besagt

اَلْمُفْلِحُونَ

{"diejenigen, die errettet werden."}

Aber in diesem Ausdruck wird nicht gesagt, wovor sie errettet werden. Mit diesem Schweigen wird wohl ausgedrückt: "Oh ihr Muslime! Frohe Botschaft für euch. Oh Gottesfürchtiger! (muttaki)Du wirst vor der Hölle errettet. Oh Frommer! (salih)Du wirst dein Heil im Paradies finden. Oh Gotteskenner! (arif)Du wirst das Wohlwollen Gottes erlangen. Oh Gottesliebender! (ashik)Du wirst erreichen, Ihn zu sehen. Und so weiter..."

So haben wir Beispiele der Vielseitigkeit, die die Worte, die Wörter, die Buchstaben und das Ungesagte im Qur'an betreffen als Muster unter Tausend weiteren Beispielen gebracht. Du kannst nun die Ayat und die Geschichten im Qur'an mit diesen vergleichen.

Zum Beispiel:

فَاعْلَمْ اَنَّهُ لآَ اِلٰهَ اِلاَّ اللَّهُ وَاسْتَغْفِرْ لِذَنْبِكَ

{"Sei dir nun dessen bewusst, dass es keine Gottheit gibt, außer Allah, und bitte Ihn um Vergebung deiner Schuld." (Sure 47,19)}

Diese Ayah hat so viele Aspekte und so viele Stufen, dass alle Schichten der Gottesfreunde auf ihrem Weg und auf jeder Stufe (ihres Weges) erkannten, dass diese Ayah geradezu ein Bedürfnis für sie war und sie aus ihr stets eine ihrer Stufe entsprechende geistige Nahrung, eine aktuelle Bedeutung entnehmen konnten. Denn "Allah" ist der Name, der für alle Schöne Namen Gottes steht und in dem sich so viele (Erkenntnisse) der Einheit finden, wie es Schöne Namen gibt.

اَىْ لاَ رَزَّاقَ اِلاَّ هُوَ ٭ لاَ خَالِقَ اِلاَّ هُوَ ٭ لاَ رَحْمٰنَ اِلاَّ هُوَ

{"Dem entsprechend: Es gibt keinen Versorger außer Ihm. Es gibt keinen Schöpfer außer Ihm. Es gibt keinen Erbarmer außer Ihm. usw..."}

Ein anderes Beispiel:

Die Geschichte Mosis, mit dem Friede sei, hat unter den Geschichten im Qur'an Tausende von Nutzanwendungen wie der Stab Mosis(mit dem Friede sei). In dieser Geschichte gibt es viele Aspekte und sehr viele Absichten wie, den Gesandten Gottes, mit dem Friede und Segen sei, zu besänftigen und zu trösten, den Ungläubigen zu drohen, die Heuchler zu tadeln, den Juden einen Verweis zu erteilen. Darum wird sie in verschiedenen Suren behandelt. An allen Stellen kommen zwar alle diese Absichten zum Ausdruck, wobei jeweils nur eine von ihnen besonders im Vordergrund steht. Die Anderen hingegen stehen dahinter zurück.

Wenn du sagst:

"Woher können wir wissen, dass der Qur'an alle diese im obigen Beispiel erwähnten Bedeutungen beabsichtigt und auf sie hinweist?"

Antwort:

Der Qur'an ist eine Predigt des Urewigen. Er spricht zu allen Söhnen Adams, die in verschiedenen Klassen seit Jahrhunderten in der Reihe sitzen, und (darauf warten,) von ihm unterrichtet zu werden. Mit Sicherheit wird er den verschiedenen Auffassungsfähigkeiten entsprechend diese verschiedene Bedeutungen in sich umfassen, (sie ihnen mitzuteilen) beabsichtigen und auf diese Absichten hinweisen. In dem Buch "Zeichen des Wunders" wurde schon entsprechend der Formen und Satzlehre, der Lehre von Vergleich und Metapher, der Bedeutungslehre und Stilistik und der Rhetorik bewiesen, dass die Worte im Qur'an verschiedene Bedeutungen haben, wie wir als Beispiel oben erwähnt haben. Darüber hinaus können alle Gesichtspunkte und Bedeutungen, die die Leute der Bedeutungslehre aus dem Qur'an entnehmen, die die Männer der Lehre von Vergleich und Metapher und die Dichter gutheißen, nach der Übereinstimmung der Exegeten, der Kommentatoren, der Theologen und der Rechtsgelehrten und durch die Zeugnisse ihrer Disputationen nur dann zu dem Inhalt des Qur'an gerechnet werden, solange sie nach der arabischen Literatur richtig und nach der islamischen Wortlehre wahr sind. Auf jene Bedeutungen weisen Zeichen

entsprechend ihrer Wichtigkeit hin. Sie sind entweder Worte oder Anspielungen. Was aber die Anspielungen betreffen, so weisen sie als Zeichen entweder aus dem Kontext oder aus einer anderen Ayah auf jene Bedeutungen hin. Hunderttausende Qur'ankommentare, die von Forschern geschrieben und manche von ihnen sogar zwanzig, dreißig, vierzig, sechzig, ja sogar achtzig Bände umfassen, sind ein sicheres, klares Zeugnis für die Vielseitigkeit des Qur'an und das Wunder seiner Worte. Wie dem nun auch sein mag... Wenn wir in dieser Abhandlung jedes Zeichen so erklären wollen, unter welchem Gesetz und nach welchen Regeln es auf die Bedeutungen hinweist, dann verlängert sich die Abhandlung um vieles. Darum wollen wir hier kurz zusammenfassen und verweisen auf meine ausführliche Erklärung in dem Band "Zeichen des Wunders".

Zweiter Funke:

Die einzigartige Vielseitigkeit in seinen Bedeutungen. Der Qur'an bietet aus der Schatzkammer seiner Bedeutungen eine Quelle für alle Exegeten, einen (geistigen) Genuss für alle Kenner (der Wahrheit), die rechte Gemütsverfassung für alle Gottliebenden, für alle die Berufung zu ihrer Vollendung und die Lehrmeinung (mezheb)für alle Wahrheitssucher und -forscher. Dabei ist er für sie stets ein Wegweiser (rehber)und bei ihrer geistigen Entwicklung und inneren Entfaltung zu jeder Zeit ein Lehrer (murshid).Es wird von ihnen allen bestätigt und einmütig versichert, dass der Qur'an ihnen aus seiner unerschöpflichen Schatzkammer Licht auf ihrem Weg spendet.

Dritter Funke:

Die einzigartige Vielseitigkeit seiner Lehre (ilm).Der Qur'an lässt viele verschiedene Wissenszweige des islamischen Rechtes, viele unterschiedliche Wissenszweige wahrer Erkenntnis, viele verschiedene Wissenszweige der Mystik dem Meer seines Wissens entströmen. Die wahre Weisheit des "Bereiches der Möglichkeiten" (die Welt, in der wir leben) und das wahre Wissen des Bereiches des Notwendig-Seienden (Vucub)und die verschlossene Kenntnis des Bereiches der Jenseitigen Welt lässt er wiederum aus dem Meer (seines Wissens)

wohlgeordnet und in Fülle strömen. Wenn wir Beispiele für diesen (dritten) Funken anführen wollten, müsste man ein ganzes Buch schreiben. Statt dessen führen wir hier nur diese vorangegangenen fünfundzwanzig Worte als Beispiel an. In der Tat sind alle wahren Erkenntnisse in diesen fünfundzwanzig Worten nur fünfundzwanzig Tropfen aus dem Meer des Wissens des Qur'an. Soweit sich in diese Worte Fehler eingeschlichen haben, sind sie meinem zu kurzen Verständnis zuzuschreiben.

Vierter Funke:

Einzigartige Vielseitigkeit in seinen Themen. Der Qur'an umfasst in der Tat die umfangreichen Themen bezüglich des Menschen und des Auftrages des Menschen, der Schöpfung und des Schöpfers, der Erde und der Himmel, der Welt und des Jenseits, der Vergangenheit und der Zukunft, der Zeiten von Ewigkeit zu Ewigkeit. Alle grundlegenden und wichtigen Themen, angefangen von der Erschaffung des Menschen aus einem Samentropfen (nutfa)bis dahin, wo er ins Grab steigt; angefangen von den Sitten hinsichtlich Essen und Schlafen, bis hin zu den Themen der Göttlichen Fügung (Kaza) und der Vorherbestimmung Gottes; angefangen von der Erschaffung der Welt in sechs Tagen, bis hin zu den Aufgaben des Windes in seinem Wehen, wie in dem Schwur

وَالْمُرْسَلاَتِ ٭ وَالذَّارِيَاتِ

{"Bei denen, die nach und nach gesandt werden." (Sure 77, 1) "Bei denen, die Staub aufwirbeln." (Sure 51, 1)}

hingewiesen wird; angefangen von Gott, der Herz und Willen des Menschen ergreift, worauf

وَمَا تَشَآؤُنَ اِلاَّ اَنْ يَشَآءَ اللَّهُ ٭ يَحُولُ بَيْنَ الْمَرْءِ وَقَلْبِهِ

{"Ihr könnt nicht etwas wollen, wenn Gott es nicht will." (Sure 76, 30) "Allah hält den Menschen mit Leib und Seele in Händen." (Sure 8, 24)}

hinweisen, bis

وَالسَّمٰوَاتُ مَطْوِيَّاتٌ بِيَمِينِهِ

{"Und die Himmel werden zusammengerollt sein in Seiner Rechten." (Sure 39, 67)}

das heißt, dass Er alle Himmel in Seiner Hand hält; angefangen von den Blumen, den Weinstöcken und den Dattelpalmen der Erde

وَجَعَلْناَ فِيهَا جَنَّاتٍ مِنْ نَخِيلٍ وَاَعْنَابٍ

{"Und Wir legten Gärten auf ihr an mit Palmen und Weinstöcken." (Sure 36, 34)}

bis zu dem einzigartigen Ereignis, das in der Ayah

اِذَا زُلْزِلَتِ اْلاَرْضُ زِلْزَالَهَا

{"Wenn die Erde erschüttert wird..." (Sure 99, 1)}

zum Ausdruck kommt; angefangen von dem Zustand des Himmels

ثُمَّ اسْتَوَىٓ اِلَى السَّمَآءِ وَهِىَ دُخَانٌ

{"Hierauf richtete Er sich zum Himmel auf, der (damals noch) aus (formlosem) Rauch bestand,..." (Sure 41, 11)}

bis zu seiner Spaltung unter Rauch und dem Fallen der Sterne und der Verbreitung im grenzenlosen Weltall; und angefangen davon, dass die Welt um einer Prüfung Willen geöffnet wurde, bis sie wieder geschlossen wird; und angefangen von dem Grab, das die erste Wohnstatt des Jenseits ist, dann dem Zwischenreich, der Wiederversammlung, der Brücke (sirat),bis zum Paradies, bis zur ewigen Glückseligkeit; angefangen von den Ereignissen der vergangenen Zeit, von der Erschaffung Adams in seinem Leibe, von dem Zank seiner beiden Söhne, bis zu der Sintflut, bis zu dem Untergang des Volkes des Pharao, bis zu den wichtigen Ereignissen der meisten Propheten; und angefangen von dem Ereignis aus der Urzeit, auf das

اَلَسْتُ بِرَبِّكُمْ

{"Er sagte: Bin ich nicht euer Herr?" (Sure 7, 172)}

hinweist, bis zu dem Ereignis nach (dem Ende) aller Zeiten, das durch

وُجُوهٌ يَوْمَئِذٍ نَاضِرَةٌ ٭ اِلٰى رَبِّهَا نَاظِرَةٌ

{"An jenem Tag wird es strahlende Gesichter geben, die auf ihren Herrn schauen." (Sure 75, 22-23)}

mitgeteilt wird, erklärt der Qur'an in der Weise, dass diese Verlautbarung dem Majestätischen Herrn angemessen ist, der den ganzen Kosmos wie ein Schloss verwaltet, der diese und die jenseitige Welt gleich zwei Kammern öffnet und wieder schließt, der über die Erde wie über einen Garten und über den Himmel wie über ein mit Lampen verziertes Dach verfügt, der die Vergangenheit und die Zukunft wie zwei Seiten betrachtet, welche vor Seinem Blick wie eine Nacht und ein Tag gegenwärtig sind, und der ewige und urewige, vergangene und künftige Zeiten, wie Gestern und Heute, Schwingen in der Kettenfolge Seiner Taten in einer einzigen gegenwärtigen Zeit schaut und vereinigt.

Ein Baumeister spricht zum Beispiel von zwei Häusern, die er gebaut hat und verwaltet. Er zeichnet ihren Plan und macht eine Liste und Beschreibung von den Gegenständen in ihnen. Der Qur'an zeigt aber eine Form, wie sie einer Erklärung des Herrn angemessen ist, der diesen Kosmos erbaute und ihn verwaltet und eine Liste und Beschreibung der Gegenstände in ihm - wenn man so sagen darf - der sein Programm schrieb und beschreibt. In gar keiner Weise lässt sich die Spur theatralischen Gehabes oder der Förmlichkeit entdecken. Wie der Qur'an kein Zeichen von Täuschung, so als ob einer an Stelle eines anderen aufträte und in dessen Namen spräche, nicht den kleinsten Fleck der Imitation trägt, so sagt er mit allem Nachdruck, (und zugleich) in aller Lauterkeit und in aller Reinheit "Ich bin das Wort und die Kunde des Schöpfers der Welt.", so wie das Tageslicht sagt "Ich bin von der Sonne gekommen."

Ja, wäre er nicht in der Tat (Gottes) des Erbauers, des Gebers, der diese Welt mit einzigartigen Kunstwerken verzierte, mit geschmackvollen Gaben erfüllte und mit Kunstwerken ausstattete, die zur Begeisterung hinreißen, solche wertvollen Gnadengaben über das Antlitz der Erde hin mit Freude schenkend verteilt, eines nach dem anderen ordnet und über dem Antlitz der Erde ausbreitet und aufs Schönste herrichtet, wessen denn sonst könnte der Qur'an sein, der in seiner Verkündung ein Wunder ist, welcher diese Welt (mit Menschen) füllt, die begeistert gratulieren und applaudieren, mit dem murmelnden und raunenden (Chor derer, die Gott) lobpreisen und Ihm danken, erfüllt und die Erde in eine Gedenkstätte (dhikrhane),in eine Moschee, in eine Galerie der Kunstwerke Gottes verwandelte, wessen Wort könnte er sonst sein? Wer sonst könnte auf ihn Anspruch erheben? Wessen Wort könnte er sonst sein? Wem könnte das Licht, das über die Welt ausstrahlt, sonst entsprechen, außer dem der Sonne? Wessen könnte das Licht der Verkündung des Qur'an sein, welches das Geheimnis der Schöpfung entschleiert und die Welt erleuchtet, wenn nicht das der Urewigen Sonne? Wer wäre im Stande, etwas ihm gleichwertiges zu schaffen? Eine Nachdichtung hervorzubringen?

Es wäre in der Tat unmöglich, dass der Meister, der diese Welt mit Seinen Kunstwerken verziert, nicht mit dem Menschen spräche, der von Seinen Kunstwerken begeistert ist. In Anbetracht Seiner Allmacht und Allweisheit versteht Er es auch mit Sicherheit, sich mitzuteilen. In Anbetracht Seiner Fähigkeit, sich mitzuteilen, ist es mit Sicherheit der Qur'an, der Seiner Mitteilungen würdig ist. Wie könnte der Herrscher Seines Königreichs (maliku l-mulk),dem die Wohlgestalt einer Blume nicht gleichgültig ist, einem Wort gegenüber gleichgültig bleiben, das Sein ganzes Königreich in Aufruhr brachte? Ja könnte Er denn einen Anderen dazu veranlassen, es sich zu Eigen zu machen und selbst es nicht im geringsten berücksichtigen?

Fünfter Funke:

Die einzigartige Vielseitigkeit im Stil und der inhaltlichen Konzentration des Qur'an. Hierin gibt es fünf "Lichtbündel".

Erstes Lichtbündel:

Der Stil des Qur'an ist in seiner ganzen Vielseitigkeit so einzigartig, dass eine einzige Sure den Ozean des Qur'an beinhaltet, der die ganze Schöpfung umfasst. Eine einzige Ayah umfasst eine ganze Schatzkammer einer solchen Sure. Die meisten Ayat sind in sich selbst wie eine kleine Sure und die meisten Suren wie ein kleiner Qur'an. So ist denn diese wunderbare Konzentration in der Unterweisung eine große Gnade und eine gute und angenehme Erleichterung. Denn da ein Jeder jederzeit des Qur'an bedarf, wirkt eine jede Sure wie ein kleiner Qur'an, ja sogar eine jede längere Ayah wie eine kurze Sure, damit die Menschen, die entweder wegen mangelnder Auffassungsgabe oder aufgrund einer anderen Ursache nicht jederzeit den ganzen Qur'an lesen können, keine Zeit oder Gelegenheit dazu finden, nicht des ganzen Qur'an gleichsam wie beraubt bleiben mögen. Ja es stimmen sogar die Erforscher (und Entdecker der geistigen Gefilde) darin überein, dass der ganze Qur'an in der ersten Sure "Fatiha;die Eröffnung", die Sure "Fatiha"aber im "Besmele;im Namen Gottes... (dem ersten Satz dieser Sure)" enthalten ist. Die Übereinstimmung der Forscher ist der Beweis für diese Wahrheit.

Zweites Lichtbündel:

Die Ayat des Qur'an beinhalten alle möglichen Arten von Aussagen (kelam), die wahre Erkenntnis und die Bedürfnisse der Menschheit, mit Beweisen und Hinweisen, wie Geboten und Verboten, Versprechungen und Drohungen, Ermutigung und Abschreckung, Zurechtweisungen und Rechtleitung, Geschichten und Gleichnisse, Erlasse, Gotteserkenntnis, das Wissen des Seins und der Prinzipien, die Bedingungen des persönlichen Lebens, das gesellschaftliche Leben, das Leben mit Herzensbildung, das spirituelle Leben und das Leben nach dem Tode.

خُذْ مَا شِئْتَ لِمَا شِئْتَ

Das heißt: "Für alles, was du dir wünschst, nimm dir aus dem Qur'an, was du brauchst!" Die Bedeutung dieser Aussage ist in der Weise anerkannt und richtig, sodass sie unter den Kennern der Wahrheit (ehl-i haqiqat)als sprichwörtlich gilt. Die qur'anischen Verse sind so vielseitig, dass sie für allen Kummer Genesung bringen und jedes Bedürfnis stillen. In der Tat soll es auch so sein, denn der absolute Wegweiser für alle Schichten der Vollendeten, die ständig die Sprossenleiter ihrer Vollendung emporsteigen, muss sicherlich diese Qualität besitzen.

Drittes Lichtbündel:

Der Qur'an ist wunderbar in seinen Zusammenfassungen. Manchmal geschieht es, dass er die beiden Enden einer langen Kette in einer Weise erwähnt, welche diese lange Reihenfolge aufs Beste zusammenfasst. Manchmal geschieht es auch, dass er viele Beweise einer Behauptung zu einem Wort fügt, worin sie entweder eindeutig, oder durch einen Hinweis, ein Stichwort, eine Anmerkung erkennbar sind.

Zum Beispiel:

وَمِنْ اٰيَاتِهِ خَلْقُ السَّمٰوَاتِ وَاْلاَرْضِ وَاخْتِلاَفُ اَلْسِنَتِكُمْ وَاَلْوَانِكُمْ

{"Und zu Seinen Wunderzeichen gehört die Erschaffung von Himmel und Erde und die Verschiedenartigkeit eurer Sprachen und eurer Farben." (Sure 30, 22)}

Hier wird zunächst die zweite Reihenfolge gezeigt, indem der Anfang und das Ende der Reihenfolge in der Erschaffung des Kosmos erwähnt wird, die eine Reihenfolge von Wunderzeichen und Beweisen für die Einheit (Gottes) und Seine Allgegenwart sind. Daraus lässt er sodann die erste Reihenfolge herauslesen. In der Tat ist der erste Absatz auf den Seiten der Welt, die für den allweisen Baumeister Zeugnis ablegen, der Ursprung der Erschaffung von Himmel und Erde. Dann erfolgt die Reihenfolge Seines Wirkens mit der Verzierung der Himmel mit Sternen, mit der Belebung der Erde mit Lebewesen, sodann

mit dem Wechsel der Jahreszeiten in der Dienstbarkeit der Sonne und des Mondes, dann mit der Verschiedenheit und dem Wechsel von Tag und Nacht, bis hin zu den Gesichtern und den Stimmen, die sich dort am meisten voneinander unterscheiden, individuell charakteristisch sind, wo auch die größte Vielfalt herrscht. In Anbetracht der Tatsache, dass eine in Begeisterung versetzende Ordnung in Weisheit unter den Gesichtern gerade dort als charakteristisches Kennzeichen der einzelnen Personen zum Ausdruck kommt, wo wir diese Ordnung am wenigsten für möglich halten, wo sie dem Spiel des Zufalls am meisten ausgeliefert ist, und gezeigt wird, dass hier die Feder eines künstlerisch außerordentlich begabten Weisen am Werk ist, werden mit Sicherheit auch andere Seiten, deren Ordnung ebenfalls klar ersichtlich sind, sofort verständlich und lassen ihren Designer erkennen. Da nun einmal im Anfang der Schöpfung der gewaltigen Himmel und der Erde das Werk der Kunstfertigkeit und der Weisheit erkennbar ist, so ist auch das Werk der Kunstfertigkeit des Baumeisters, der für den Bau des kosmischen Schlosses voll Weisheit Himmel und Erde als Grundstein legte, dieses Schmuckstück Seiner Weisheit, in anderen Teilen des Schlosses klar erkennbar. So macht diese Ayah klar, was bisher verborgen war, übergeht dabei, was ohnehin offensichtlich ist und bringt uns auf diese Weise eine sehr schöne Zusammenfassung. Mit Recht sind, angefangen von

فَسُبْحَانَ اللَّهِ حِينَ تُمْسُونَ

{"Gott sei gepriesen am Abend..." (Sure 30, 17)}

bis zu

وَلَهُ الْمَثَلُ اْلاَعْلٰى فِى السَّمٰوَاتِ وَاْلاَرْضِ وَهُوَ الْعَزِيزُ الْحَكِيمُ

{"Er stellt in sich das erhabenste Wesen dar, das sich im Himmel und auf der Erde überhaupt nur denken lässt. Und Er ist der Mächtige und Weise." (Sure 30, 27)}

sind die Reihen von Zeugnissen die sechsmal mit

وَمِنْ اٰيَاتِهِ ٭ وَمِنْ اٰيَاتِهِ

{"zu Seinen Wunderzeichen gehören..."}

beginnen, eine Reihenfolge von Juwelen, eine Reihenfolge von Lichtern, eine Reihenfolge von Wundern, eine Reihenfolge von wunderbaren Zusammenfassungen. Mein Herz wünscht sich, dass ich die in diesen Schätzen verborgenen Diamanten zeigen könnte! Doch, was soll ich machen, wenn das hier den Rahmen dafür sprengen würde. Ich verschiebe es auf einen anderen Zeitpunkt und öffne diese Türe jetzt nicht.

Zum Beispiel:

فَاَرْسِلُونِ ٭ يُوسُفُ اَيُّهَاالصِّدِّيقُ

{"schickt mich...; Josef, du Wahrhaftiger!" (Sure 12, 45-46)}

Zwischen dem Wort فَاَرْسِلُونِ {"schickt mich ..."} und dem Wort يُوسُفُ {"Josef!"} liegt das folgende:

اِلٰى يُوسُفَ لِاَسْتَعْبَرَ مِنْهُ الرُّؤْيَا فَاَرْسَلُوهُ فَذَهَبَ اِلَى السِّجْنِ وَقَالَ يُوسُفُ

{"...zu Josef, damit ich Auskunft über den Traum holen kann! Sie haben ihn geschickt. Er ging in das Gefängnis und sagte zu Josef:"}

Das heißt, obwohl fünf Sätze in einem Satz zusammengefasst und verkürzt worden sind, wurde die Klarheit der Aussage dadurch nicht getrübt und das Verständnis dadurch nicht beeinträchtigt.

Zum Beispiel:

اَلَّذِى جَعَلَ لَكُمْ مِنَ الشَّجَرِ اْلاَخْضَرِ نَارًا

{"Er ist derjenige, der für euch aus dem grünen Baum Feuer hervorgebracht hat." (Sure 36, 80)}

Wenn der aufsässige Mensch herausfordernd sagt "Wer wird die vermoderten Knochen wieder lebendig machen?" antwortet der Qur'an auf diese (versteckte) Leugnung:

"Der, der sie zu Anfang erschaffen hat, wird sie auch wieder lebendig machen. Was aber denjenigen betrifft, der sie erschafft, so weiß Er Bescheid über alle Dinge mit all ihren Eigenschaften. Außerdem vermag derjenige, der für euch aus dem grünen Baum Feuer entstehen lässt, aus den vermoderten Knochen (wieder neues) Leben hervorzubringen."

So bezieht sich dieses Wort auf die Behauptung der Wiederbelebung in verschiedener Hinsicht und beweist sie. Zuerst beginnt (diese Ayah) mit diesem Wort die Reihe der Gnadengeschenke, die Gott für den Menschen bereitet hat, rüttelt ihn auf, ruft sie ihm in Erinnerung. Weil wir dies aber in anderen Ayat bereits ausführlich behandelt haben, fassen wir hier nur kurz zusammen und überlassen alles übrige dem eigenen Nachdenken.

"Vor dem Herrn, der euch Früchte und Feuer aus Bäumen, Nahrung aus Gräsern, Getreide und Pflanzen aus der Erde gibt, der die Erde für euch zu einer angenehmen Wiege gestaltet hat, in der alle Versorgungsmittel für euch bereitgestellt sind und der die Welt zu einem Schloss gemacht hat, das schön ist und in dem sich alles findet, was ihr braucht, kann man nicht entfliehen, ganz und gar auf sich allein gestellt bleiben, ins Nichts entschwinden und sich (vor Ihm) verbergen. Ihr könnt nicht ohne eine Verpflichtung bleiben, ins Grab hinabsteigen und ruhig schlafen, ohne (wieder auf)erweckt zu werden."

Hier nun, was diese Behauptung unter Beweis stellt:

Das Wort اَلشَّجَرِ اْلاَخْضَرِ {"der grüne Baum"} sagt sinngemäß: "Oh du, der die Wiederversammlung leugnet! Betrachte die Bäume! Den Herrn, der unzählige Bäume, die im Winter knochentot zu sein scheinen, im Frühling wieder belebt, begrünt, sogar in jedem Baum mit Blättern, Blüten und Früchten Beispiele dreifacher Wiederbelebung zeigt, kann man in Seiner Macht nicht herausfordern, indem man die Wiederversammlung leugnet und sie für unmöglich hält." Dann weist es auf ein weiteres Zeugnis hin und sagt: "Wie könnt ihr es für unmöglich halten, dass der Herr, der aus einem dichten, schweren, dunklen Stoff wie einem Baum etwas so Anmutiges, Leichtes, Leuchtendes wie das Feuer hervorbringt, Knochen, die dem Holz gleichen, ein Leben, das dem Feuer gleicht, und ein Bewusstsein, das dem Licht gleicht, verleihen wird." Dann macht es nähere Angaben zu noch einem weiteren Beweis und sagt: "Man hält es nicht für unmöglich, dass der Herr, der das Feuer erschafft, wenn Beduinen aus zwei Zweigen des bekannten Baumes Feuer entzünden als wären es Streichhölzer, indem sie diese noch grün aneinander reiben, und der zwei einander entgegengesetzte Naturen, der grünen Feuchtigkeit und der trockenen Hitze, vereinigt, und der eines dem anderen zur Quelle macht, wodurch Er zeigt, dass alle Dinge, ja sogar die Grundelemente und die Urnaturen Seinen Befehlen folgen, sich in Seiner Kraft bewegen, sodass keines von ihnen frei ist und sich nicht nach ihrer Natur richtet, den Menschen, den Er aus Erde gemacht hat und der wieder zur Erde zurückkehrt, ihn auch wieder aus der Erde hervorbringen wird. Mit Aufsässigkeit fordert man Ihn nicht heraus." Dann, indem es den berühmten Baum Mosis, mit dem Friede sei, in Erinnerung bringt, deutet es darauf hin, dass dieser Ruf Ahmeds, mit dem Friede und Segen sei, auch der Ruf Mosis ist, mit dem Friede sei. Er gibt uns so einen dezenten Hinweis auf die

Einmütigkeit der Propheten und fügt damit der prägnanten Zusammenfassung dieses Wortes noch eine Feinheit hinzu.

Viertes Lichtbündel:

Die Kürze im Qur'an ist ganz außergewöhnlich vielseitig und wunderbar. Wenn man aufmerksam hinschaut, bemerkt man, dass er, als zeige er ein Meer in einer Kanne, allgemeingültige Grundsätze in ihrer ganzen Länge und Breite, Gesetze, die für alle gelten, als Barmherzigkeit für das Verständnis der Einfachen und Ungebildeten in einem grundlegenden Abschnitt, in einem besonderen Ereignis darstellt. Dafür bringen wir hier zwei Beispiele unter Tausenden von Beispielen.

Erstes Beispiel:

Es sind drei Verse die in dem ersten Kapitel des "Zwanzigsten Wortes" eingehend erklärt wurden. Gleichsam unter der Überschrift: "Adams Unterweisung aller Namen" drücken sie die Unterweisung aller Wissenschaften und Kenntnisse aus, die dem Geschlecht der Söhne Adams eingegeben wurden. Mit der Erzählung von den Engeln, die sich vor Adam niederwarfen und dem Teufel, der sich nicht niederwerfen wollte, bringen sie zum Ausdruck, dass die meisten Geschöpfe, angefangen von den Fischen bis hin zu den Engeln, (in ihrer Weise) dem Menschengeschlechte dienstbar sind, dagegen aber Geschöpfe, die ihm Schaden zufügen, angefangen von den Schlangen bis hin zu den Teufeln, ihm nicht gehorchen, vielmehr ihm feindselig sind. Des Weiteren wird durch das Schlachten einer Kuh unter dem Volk Mosis, mit dem Friede sei, ausgedrückt, dass die Anbetung der Kühe, welches aus der Idolatrie der Kühe in Ägypten stammte und in der Geschichte von dem "Kalb" ihre Wirkung zeigte, mit dem Messer Mosis, mit dem Friede sei, abgeschnitten wurde. Wenn nun des Weiteren erwähnt wird, dass aus den Felsen Wasser hervorquoll, dass Bäche fließen und Felsen sich spalten und hinunter rollen, so wird damit zum Ausdruck gebracht, dass die Gesteinsschichten unter der Erde sowohl als Schatzkammer für die Wasseradern dienen, als auch die Erde (über sich wie) eine Mutter tragen.

Zweites Beispiel:

Es handelt sich um Sätze und Abschnitte in der Geschichte Mosis, mit dem Friede sei, die im Qur'an oft wiederholt werden, wobei uns mit jedem Satz, ja mit jedem Abschnitt ein Zipfel eines allgemeingültigen Gesetzes gezeigt wird und dieses Gesetz zum Ausdruck gebracht wird.

Zum Beispiel:

يَا هَامَانُ ابْنِ لِى صَرْحًا

{"Oh Haman, baue mir einen Turm." (Sure 40, 36)}

Der Pharao befiehlt seinem Minister: Baue mir einen hochragenden Turm! Ich will den Zustand der Himmel beobachten und schauen, ob es nach dem Gang des Himmels etwa einen Gott im Himmel gibt, der dort droben lenkt und leitet, wie Mosis verkündet." So wird durch das Wort صَرْحًا {"Turm"} und durch dieses kleine Ereignis ein erstaunliches Gesetz ausgedrückt, das in der Tradition der Pharaonen Ägyptens herrschte, die sich nach Bergen sehnten, weil sie in einer berglosen Wüste lebten, die Naturanbeter waren und ihre göttliche Herrschaft beanspruchten, weil sie den Schöpfer nicht kannten, die ihre Namen verewigten, indem sie die Werke ihrer Gewaltherrschaft zeigten, die ruhmsüchtig waren und die berühmten bergengleichen Pyramiden errichteten, die an Zauberei und Seelenwanderung glaubten, ihre Leichen einbalsamierten und in bergengleichen Gräbern aufbewahrten.

Zum Beispiel:

فَالْيَوْمَ نُنَجِّيكَ بِبَدَنِكَ

{"Heute wollen wir dich nun deinem Leibe nach retten..." (Sure 10, 92)}

Dem ertrunkenen Pharao wird gesagt: "Heute will Ich deinen Körper retten, nachdem er ertrunken ist." Mit dieser Aussage wird der den Tod betreffende, ein abschreckendes Lehrbeispiel bildende Grundsatz in ihrem

Leben, ausgedrückt, dass alle Pharaonen ihre Leichen aus der Vergangenheit heraus auf die Bühne der kommenden Generationen der Zukunft sandten, indem sie ihre Leichen aufgrund ihrer Vorstellung von der Seelenwanderung einbalsamierten. Übrigens wurde im letzten Jahrhundert im Gebiet dieses Meeres, wo er damals ertrank und an Land gespült wurde, ein Leichnam gefunden, eben jene Leiche des ertrunkenen Pharao, ein wunderbares Zeichen aus dem Unsichtbaren, Funke eines Wunders. Er wurde aus dem Meer der Zeit über die Wogen der Jahrhunderten hinweg an die Küste dieses Jahrhunderts geworfen. Schon deshalb ist dieses einzige Wort allein schon ein Wunder.

Fünftes Lichtbündel:

Es handelt sich um die wunderbare Vielseitigkeit des Qur'an hinsichtlich seiner Ziele und Themen, der Bedeutungen, seines Stils, der Feinheiten und Schönheiten. Achtet man auf die Suren und Ayat im Qur'an, dessen Verkündigung ein Wunder ist, und besonders auf die Anfänge der Suren, auf den Beginn und das Ende der Ayat, sieht man, dass er alle Arten der Dichtkunst, Wörter mit besonderem Gewicht und all ihren Formen, alle Grade der erhabenen Stile, alle Beispiele der ethischen Schönheiten, alle Resümees der Naturwissenschaften, alle Inhaltsverzeichnisse der Erkenntnis Gottes, alle nützlichen Grundsätze des persönlichen Lebens und des menschlichen Gemeinschaftslebens, alle lichtvollen Gesetze der hohen Weisheit der Schöpfung beinhaltet; und dabei sieht man nirgendwo eine Spur der Verworrenheit. So verschiedene Arten an einem Platz zusammenzubringen, ohne dass dabei ein Streit, ein Durcheinander entsteht, muss gewiss das Werk einer gewaltigen, wundersamen Ordnung sein.

Fürwahr, neben dieser Wohlordnung bei all dieser Vielseitigkeit, wie in den vorangegangenen vierundzwanzig Abhandlungen, den "Worten (Sözler)"schon erläutert und bewiesen, wurde der Schleier des Selbstverständlichen, welcher der Ursprung der Unkenntnis dessen ist, der überzeugt ist, genaue Kenntnis zu besitzen, durch

seine scharfen Erklärungen zerrissen. Die Wunder, die unter dem Schleier des Alltäglichen verborgen sind, wurden herausgeholt und gezeigt. Der Abgott (Taghut)aller Natur(philosophie), welcher die Quelle allen Irrtums ist, wurde mit dem diamantenen Schwert seiner Beweisführung in Stücke gehauen, die dicken Schichten der Gottvergessenheit von seiner donnergleichen Stimme wie Schlaf vertrieben, das tiefe Geheimnis der Welt und das einzigartige, verschlossene Rätsel der Erschaffung des Kosmos, das (zu enträtseln) sich Philosophie und Menschenweisheit als zu schwach erwiesen haben, gelöst und aufgedeckt. Dies sind mit Sicherheit wunderbare Werke eines Wunderwirkenden wie des Qur'an, der die Wahrheiten sieht, bewandert im Verborgenen, der zur Rechtleitung führt und zeigt, was recht ist.

Wenn man in der Tat in Recht und Billigkeit auf die Ayat des Qur'an achtet, so wird ersichtlich, dass er nicht einer fortschreitenden Gedankenkette gleicht, wie bei anderen Büchern, die ein oder zwei Ziele verfolgen, sondern eine spontane, aus dem Augenblick entstandene Art zeigt, einen Entwicklungsgang, als wären sie ihm zugeworfen worden. Und man merkt, dass jede Gruppe, die zu gleicher Zeit offenbart worden ist, für sich selbst steht und von einem weit entfernten Ort herüber gekommen ist, eine nach der anderen, in kurzen Mitteilungen, als eine überaus ernste und wichtige Botschaft. Wer, außer dem Schöpfer des Kosmos, könnte jemals ein Gespräch führen, welches sich ernsthaft mit dem Kosmos und dem Schöpfer des Kosmos beschäftigt?... seine Grenzen grenzenlos überschreiten? den majestätischen Schöpfer nach seiner Lust und Laune zu seinem Gesprächspartner machen und der Schöpfung treffend Ausdruck verleihen?

Tatsächlich wird im Qur'an erkennbar, wer in allem Ernst, wirklich, wahrhaftig und erhaben der Sprecher und wer das Sprachrohr des Schöpfer des Kosmos ist. Darin findet sich überhaupt keine Spur einer Nachahmung. Er spricht (für sich selbst) und lässt (Seinen Propheten) sprechen. Den unmöglichen Fall einmal angenommen,

jemand überschritte wie Müseylime grenzenlos seine Grenzen und ließe nachahmend den majestätischen Schöpfer, den Herrn aller Würde und Macht, nach eigener Vorstellung sprechen und die Schöpfung mit Ihm, so wird man mit Sicherheit Tausende von Spuren seiner Nachahmung und Tausende von Zeichen seines Betruges darin finden. Denn diejenigen, die sich von erhabenster Art zeigen, wo sie doch von gemeinster Art sind, verraten in all ihrem Verhalten ihre Fälschung. Also betrachte und beachte folgende Ayat, die diese Wahrheit mit einem Schwur verkünden:

وَالنَّجْمِ إِذَا هَوَىٰ ٭ مَا ضَلَّ صَاحِبُكُمْ وَمَا غَوَىٰ ٭ وَمَا يَنطِقُ عَنِ الْهَوَىٰ ٭ إِنْ هُوَ إِلَّا وَحْيٌ يُوحَىٰ

{"Beim dem Stern, wenn er fällt! Euer Gefährte geht nicht irre, ist nicht einem Irrtum erlegen und er redet nicht aus eigener Neigung. Es ist nichts anderes als eine Offenbarung, die offenbart wurde." (Sure 53, 1-4)}

Dritter Strahl:

Hier geht es um ein Wunder, das aus den Mitteilungen erwächst, die der Qur'an, dessen Verkündigung ein Wunder ist, aus dem Unsichtbaren gibt, und daraus, dass er in jedem Jahrhundert sein Jungsein bewahrt hat und für alle Menschen jeder Schicht geeignet ist. Dieser Strahl besteht aus "drei Erscheinungen".

Erste Erscheinung:

Hier werden die Mitteilungen aus dem Unsichtbaren behandelt. Diese Erscheinung besteht aus "drei Blitzen".

Erster Blitz:

Es sind seine Mitteilungen aus dem Unsichtbaren, die sich auf die Vergangenheit beziehen. Der weise Qur'an erwähnt die wichtigsten Umstände und die bedeutendsten Ereignisse der Propheten seit der Zeit Adams bis zu dem glücklichen Zeitalter des getreuen Propheten (Mohammedu l-Amin)in der Sprache einer nach allgemeiner Überlieferung unbelesenen Persönlichkeit mit besonderem Ernst und Nachdruck, wobei Bücher wie Thora und Evangelium (den Qur'an) bestätigen. Dort, wo die vorausgegangenen Bücher miteinander übereinstimmen,

stimmt (auch der Qur'an) zu. Dort, wo über ein Thema Uneinigkeit herrscht, legt er korrigierend den wahren Sachverhalt offen. Das heißt, dass das Auge des Qur'an das Verborgene sieht und die Ereignisse der Vergangenheit in allen vorausgegangenen Büchern überschaut. So bestätigt er dort, wo eine Übereinstimmung besteht und bezeugt so ihre Glaubwürdigkeit. In allen strittigen Fragen dient er als Prüfstein und stellt die Dinge richtig. In Wirklichkeit sind die Mitteilungen des Qur'an über die Ereignisse und Vorkommnisse der Vergangenheit keine Sache des Verstandes, sodass der Verstand sie uns mitteilen könnte. Vielmehr handelt es sich dabei um etwas, das auf einer Überlieferung vom Himmel herab beruht. Was derartige Überlieferungen betrifft, so sind sie eine Sache der Leute, die schreiben und lesen können. Freunde wie Feinde stimmen darin überein, dass (der Qur'an) auf eine Persönlichkeit herabgekommen ist, die zwar von Hause ungebildet ist, unkundig des Lesens und Schreibens, doch berühmt ob seiner Zuverlässigkeit.

Außerdem berichtet er über jene vergangenen Ereignisse in der Weise, dass er alle diese Ereignisse so erzählt, als habe er sie gesehen. Denn er schält den Kern und Geist einer Erzählung heraus, gebraucht ihn als die einleitende (Handlung), die ihn ans Ziel bringt. Das heißt also, dass die Auszüge und Zusammenfassungen im Qur'an darauf hinweisen, dass derjenige, der diese Auszüge und Zusammenfassungen schildert, die ganze Vergangenheit mit all ihren Ereignissen kennt. Denn jemandes Sachverstand in Kunst oder Wissenschaft erweist sich in seiner fachkundigen Ausdrucksweise, in einem fach- und materialgerecht hergestellten Kunstwerk, und so wie es das Geschick, das Talent eines Menschen beweist, so zeigt auch die Zusammenfassung, der Geist eines Ereignisses, das im Qur'an erwähnt wird, dass derjenige der es berichtet, falls mir dieser Ausdruck gestattet sei, mit einer wunderbaren Begabung über alle die Ereignisse berichtet, die er geschaut hat.

Zweiter Blitz:

Es sind seine Nachrichten aus dem Unsichtbaren, die sich auf die Zukunft beziehen. Diese Gruppe von Nachrichten hat verschiedene Arten. Die erste Gruppe bezieht sich auf das Persönliche. Sie ist bestimmt für einen Teil unter den Leuten der meditativen Wahrnehmung und den Gottesfreunden.

Zum Beispiel:

Muhyiddinu l-Arabi hat in der Sure 30, die mit den Ayat

الٓمٓ ٭ غُلِبَتِ الرُّومُ

{"Elif lam mim. Die Byzantiner sind besiegt worden..." (Sure 30, 1-2)}

beginnt, viele Nachrichten aus dem Verborgenen entdeckt. Imam Rabbani hat in den Buchstaben die Muqatta'at genannt und am Anfang der Suren erwähnt werden, Zeichen und Nachrichten auf viele unvorhersehbaren Ereignisse erkannt usw... Für die Gelehrten der inneren (batin)Bedeutung des Qur'an besteht der Qur'an vom Anfang bis zum Ende aus solchen verborgenen Mitteilungen. Wir wollen hier aber nur auf einen Teil von ihnen hinweisen, welcher die Allgemeinheit betrifft. Auch hier gibt es viele verschiedene Stufen, von denen wir hier nur eine Stufe behandeln wollen. So sagt denn der weise Qur'an dem ehrenwerten Gesandten, mit dem Friede und Segen sei:

{(*): Da diese Verse, die aus dem Verborgenen Nachricht bringen, schon durch sehr viele Kommentatoren erläutert wurden und da der Verfasser ungeduldig war, um diese Abhandlung mit alten Buchstaben (vor der Schriftreform - A.d.Ü.) zum Druck zu geben, bleiben hier diese wertvollen Schätze verschlossen.}

فَاصْبِرْ اِنَّ وَعْدَ اللَّهِ حَقٌ ٭ لَتَدْخُلُنَّ الْمَسْجِدَ الْحَرَامَ اِنْ شَآءَ اللَّهُ اٰمِنِينَ مُحَلِّقِينَ رُؤُسَكُمْ وَمُقَصِّرِينَ لاَ تَخَافُونَ ٭ هُوَ الَّذِى اَرْسَلَ رَسُولَهُ بِالْهُدىَ وَدِينِ الْحَقِّ لِيُظْهِرَهُ عَلَى الدِّينِ كُلِّهِ ٭ وَهُمْ مِنْ بَعْدِ غَلَبِهِمْ سَيَغْلِبوُنَ فِى بِضْعِ سِنِينَ ِللَّهِ اْلاَمْرُ ٭ فَسَتُبْصِرُ وَيُبْصِرُونَ بِأَيِّكُمُ الْمَفْتُونُ ٭ اَمْ يَقُولُونَ شَاعِرٌ نَتَرَبَّصُ بِهِ رَيْبَ الْمَنُونِ ٭ قُلْ تَرَبَّصُوا فَاِنِّى مَعَكُمْ

مِنَ الْمُتَرَبِّصِينَ ٭ وَاللَّهُ يَعْصِمُكَ مِنَ النَّاسِ ٭ فَاِنْ لَمْ تَفْعَلُوا وَلَنْ تَفْعَلُوا ٭ وَلَنْ يَتَمَنَّوْهُ اَبَداً ٭ سَنُرِيهِمْ اٰيَاتِنَا فِى اْلاٰفَاقِ وَفِىٓ اَنْفُسِهِمْ حَتّٰى يَتَبَيَّنَ لَهُمْ اَنَّهُ الْحَقُّ ٭ قُلْ لَئِنِ اجْتَمَعَتِ اْلاِنْسُ وَالْجِنُّ عَلٰى اَنْ يَاْتوُا بِمِثْلِ هٰذَا الْقُرْاٰنِ لاَ يَاْتوُنَ بِمِثْلِهِ وَلَوْ كَانَ بَعْضُهُمْ لِبَعْضٍ ظَهِيراً ٭ يَاْتِى اللَّهُ بِقَوْمٍ يُحِبُّهُمْ وَيُحِبُّونَهُ اَذِلَّةٍ عَلَى الْمُؤْمِنِينَ اَعِزَّةٍ عَلَى الْكَافِرِينَ يُجَاهِدُونَ فِى سَبِيلِ اللَّهِ وَلاَ يَخَافُونَ لَوْمَةَ لآَئِمٍ ٭ وَقُلِ الْحَمْدُ ِللَّهِ سَيُرِيكُمْ اٰياَتِهِ فَتَعْرِفُونَهَا ٭ قُلْ هُوَ الرَّحْمٰنُ اٰمَنَّا بِهِ وَعَلَيْهِ تَوَكَّلْنَا فَسَتَعْلَمُونَ مَنْ هُوَ فِى ضَلاَلٍ مُبِينٍ ٭ وَعَدَ اللَّهُ الَّذِينَ اٰمَنوُا مِنْكُمْ وَعَمِلوُا الصَّالِحَاتِ لَيَسْتَخْلِفَنَّهُمْ فِى اْلاَرْضِ كَماَ اسْتَخْلَفَ الَّذِينَ مِنْ قَبْلِهِمْ وَلَيُمَكِّنَنَّ لَهُمْ دِيَنهُمُ الَّذِى ارْتَضٰى لَهُمْ وَلَيُبَدِّلَنَّهُمْ مِنْ بَعْدِ خَوْفِهِمْ اَمْناً

{"Sei nun geduldig. Das Versprechen Gottes ist wahr." (Sure 30, 60) "Ihr werdet gewiss, wenn Gott will, die Heilige Moschee betreten in Sicherheit, sowohl mit geschorenem Haupt als auch mit gestutztem Haar, doch ohne euch zu fürchten." (Sure 48, 27) "Er ist es, der seinen Gesandten mit der Rechtleitung und der Religion der Wahrheit gesandt hat, um ihr die Oberhand zu verleihen über alle Religionen." (Sure 48, 28) "Aber sie werden, nachdem sie besiegt worden sind, (ihrerseits) siegen, in etlichen Jahren. Gott steht die Entscheidung zu." (Sure 30, 3-4) "Du wirst schauen, und auch sie werden schauen, wer von euch der Versuchung ausgesetzt ist." (Sure 68, 5-6) "Oder sagen sie etwa: Ein Dichter. Wir warten ab, was für ein Unheil das Schicksal ihm bringen wird. Sprich: Wartet ab, ich gehöre mit euch zu denen, die abwarten." (Sure 52, 30-31) "Gott schützt dich vor den Menschen." (Sure 5, 67) "Wenn ihr es nicht tut - und ihr werdet es nie tun können..." (Sure 2, 24) "Aber niemals werden sie ihn sich wünschen..." (Sure 2, 95) "Wir werden sie an den Horizonten und in ihnen selbst unsere Zeichen sehen lassen, bis es ihnen deutlich wird, dass es die Wahrheit ist." (Sure 41, 53) "Sage: Auch wenn Menschen und Dschinnen sich vereinigen würden, um diesem Qur'an ein Gleiches entgegenzusetzen, könnten sie dennoch nichts ähnliches schaffen. Auch nicht, wenn sie sich gegenseitig dabei helfen würden." (Sure 17, 88) "Oh ihr Gläubigen, wer unter euch von seinem Glauben abfällt, an dessen Stelle wird Allah ein anderes Volk setzen, welches Er liebt und das Ihn liebt, das liebevoll gegen die Gläubigen und streng gegen die Ungläubigen sein wird und welches für die Religion Allahs kämpft und das sich nicht vor dem Tadel der Verleumder fürchtet." (Sure 5, 54) "Und sag: Alles Lob gebührt Allah! Er wird euch Seine Zeichen sehen lassen, sodass ihr sie erkennt (und nicht sagen könnt, ihr wüsstet von nichts)." (Sure 27, 93) "Sprich: Er ist der Erbarmer. An Ihn glauben wir und auf Ihn vertrauen wir. Ihr werdet noch erfahren, wer sich im offenkundigen Irrtum befindet." (Sure 67, 29) "Allah hat denjenigen von euch, die glauben und tun, was recht ist, versprochen, dass Er sie zu Nachfolgern auf Erden bestellen wird, wie Er diejenigen, die vor ihnen lebten, zu Nachfolgern bestellt hat; dass Er ihnen ihre Religion, die Er für gut befunden und für sie festgelegt hat, zu einer angesehenen Stellung verhelfen wird; und dass Er ihnen, nachdem sie in Angst gelebt hatten, statt dessen Sicherheit gewähren wird." (Sure 24, 55)}

Und noch viele dergleichen Ayat bringen Mitteilungen aus dem Unsichtbaren zum Ausdruck, die sich wörtlich bewahrheitet haben. Solche Nachrichten aus dem Unsichtbaren, die aus dem Munde dessen, der sehr vielen Einwänden und Kritiken ausgesetzt ist und wegen eines einzigen Fehlers seinen Ruf (da'va)verlieren könnte, ohne zu zögern, vollkommen ernst und zuverlässig hervorgebracht wurden und eine große Authentizität verspüren lassen, zeigen, dass diese Persönlichkeit von dem Meister der Ewigkeit Unterricht nimmt und sodann spricht.

Dritter Blitz:

Es sind die Nachrichten aus dem Unsichtbaren, die sich auf die Wahrheit über Gott, die Wahrheit über das Sein und auf die Dinge des Jenseits beziehen. Die Erklärungen des Qur'an über die Wahrheiten über Gott und seine Aussagen über das Sein, die das Geheimnis des Kosmos öffnen und die verschlossene Wahrheit bei der Erschaffung der Welt aufdecken, sind in der Tat die Wichtigsten unter den Nachrichten aus dem Unsichtbaren. Denn mit der rechten Leitung zu diesen Wahrheiten aus dem Unsichtbaren zu gelangen und sie unter zahllosen Irrwegen zu finden, ist nicht ein Verdienst des menschlichen Verstandes und kann es auch nicht sein. Es ist bekannt, dass die genialsten Philosophen der Menschheit auch der kleinsten dieser Fragen mit ihrem Verstand nicht genügten.

Des Weiteren sagt der Verstand des Menschen zu dem Qur'an, der seine Aussagen über diese von ihm gezeigten

Wahrheiten über Gott und über das Sein hörte, nach der Reinigung seines Herzens, der Läuterung seiner Seele (nefs),der Entfaltung seines Geistes und der Vervollkommnung seines Verstandes "Sadaqte(du sagst die Wahrheit)" und nimmt diese Wahrheiten an. Er sagt zu dem Qur'an "Barekallah(Segne es Gott)". Die Erklärungen und Beweisführungen zu diesem Abschnitt wurden bereits im "Elften Wort" zum Teil dargestellt. Eine Notwendigkeit zu ihrer Wiederholung ist nicht gegeben. Was die Zustände (hal)im Jenseits und im Zwischenreich (berzah)betrifft, auch insoweit der Mensch durch eigenes Nachdenken allein nicht zu ihnen gelangen und sie nicht erkennen kann, so werden sie doch auf dem Wege, den der Qur'an uns aufzeigt, im Grade unmittelbarer Wahrnehmung bewiesen. Im "Zehnten Wort" wurde bereits erklärt und bewiesen, in welchem Grade die Nachrichten des Qur'an aus dem Unsichtbaren wahr und richtig sind. Dort kann man also nachschlagen.

Zweite Erscheinung:

Es handelt sich um die immerwährende jugendliche Frische des Qur'an. Er bewahrt diese seine Jugendlichkeit und Frische in jedem Jahrhundert so, als wäre er gerade erst herabgestiegen. Da sich der Qur'an ja, als eine Predigt (hutbe)des Urewigen, an alle Schichten der Menschheit aller Jahrhunderte gleichzeitig wendet, muss er in der Tat dementsprechend fortwährend jung sein. Außerdem hat man ihn stets so gesehen und sieht ihn stets noch so. Er geht auf jedes Jahrhundert ein, wie es seiner unterschiedlichen Denkweise und dem jeweils anderen Zeitgeist entspricht, als betrachte er ganz besonders dieses Zeitalter, verleiht ihm seine besondere Perspektive und erteilt ihm seinen eigenen Unterricht.

Die Werke und Gesetze der Menschen altern wie die Menschen selbst. Sie verändern sich, werden erneuert. Nur die Bestimmungen und Gesetze des Qur'an sind so fest und sicher, dass im Verlauf der Jahrhunderte stets mehr ihre Stärke sichtbar wird. In der Tat haben dieses gegenwärtige Jahrhundert und die Leute der Schrift in

diesem Jahrhundert, welche so ungeheuer stolz auf sich sind und sich vor dem Wort des Qur'an die Ohren verstopfen, den Ruf des Qur'an zur Rechtleitung

يَآ اَهْلَ الْكِتَابِ ٭ يَآ اَهْلَ الْكِتَابِ

{"Oh ihr Leute der Schrift! Oh ihr Leute der Schrift!" (Sure 3, 64)}

so dringend notwendig, als richtete sich dieser Ruf unmittelbar an dieses Jahrhundert; und der Ruf

يَآ اَهْلَ الْكِتَابِ

{"Oh ihr Leute der Schrift!" (Sure 3, 64)}

umfasst in sich auch die Bedeutung des

يَآ اَهْلَ الْمَكْتَبِ

{"Oh ihr Leute der Schule!"}

Er verkündet an allen Enden der Welt mit Donnerstimme

يَآ اَهْلَ الْكِتَابِ تَعَالَوْا اِلٰى كَلِمَةٍ سَوَآءٍ بَيْنَنَا وَبَيْنَكُمْ

{"Oh ihr Leute der Schrift, kommt herbei zu einem Wort, in gleicher Weise angenommen zwischen uns und euch." (Sure 3, 64)}

mit aller Kraft und mit aller jugendlichen Frische.

Zum Beispiel:

Nachdem sich einzelne Personen und ganze Gemeinschaften bereits mit dem Qur'an auseinandergesetzt und als schwach erwiesen haben, hat nun unsere gegenwärtige Zivilisation, die das Ergebnis der Denkweise der ganzen Menschheit, ja sogar der Dschinnen ist, gegen den Qur'an Stellung genommen. Sie widersetzt sich gegen das Wunder des Qur'an mit ihrem Zauber. Nun wollen wir aber die Grundsätze und Prinzipien, die diese Zivilisation zur Auseinandersetzung aufstellt, den Prinzipien des Qur'an gegenüberstellen, um gegenüber diesen verheerenden neuen Gegnern das Wunder des Qur'an und den Ruf (da'va)

seines Verses

قُلْ لَئِنِ اجْتَمَعَتِ اْلاِنْسُ وَالْجِنُّ

{"Sag: Wenn die Menschen und Dschinnen zusammen kämen," (17, 88)}

zu beweisen.

Erster Grundsatz:

Erste Stufe:

Die Vergleiche und die Gegenüberstellungen vom "Ersten Wort" bis zum "Zwanzigsten Wort", die Wahrheiten dieser Abhandlungen und die Ayat an ihren Anfängen beweisen mit der Sicherheit wie zwei mal zwei vier ist, das Wunder des Qur'an und seinen Sieg.

Zweite Stufe:

Wie bereits im Zwölften Wort bewiesen, wollen wir hier einige Grundsätze (des Qur'an und unserer heutigen Zivilisation) auflisten und einander gegenüberstellen. So ist es denn die heutige Zivilisation, die in ihrer Philosophie des gesellschaftlichen Lebens grundsätzlich "die Macht" als ihren Eckpfeiler annimmt. Als ihr Ziel weiß sie "Den Gewinn". Als Lebensgrundsatz kennt sie "Den Kampf". Als Band der Gemeinschaft hält sie an "Rassismus und Nationalismus" fest.

Was aber ihre Früchte betrifft, so sind es die Befriedigung der Begierden (nefs)des Fleisches und die Vermehrung der menschlichen Bedürfnisse. In Wirklichkeit jedoch ist Angriff die Konsequenz aus dem Streben nach Macht. Konkurrenzkampf heißt die Konsequenz aus dem Streben nach Gewinn, weil dieser ja nicht ausreicht, um alle Wünsche zu befriedigen. Der Interessenkonflikt ist die Konsequenz aus dem Grundsatz des Kampfes. Aggressivität ist die Konsequenz des Rassismus, weil er dadurch gespeist wird, dass er andere verschlingt. Solcher Art sind also nun die Grundsätze dieser Zivilisation, die trotz aller ihrer guten Seiten nur zwanzig unter hundert Menschen eine Art scheinbares Glück schenkt und achtzig in Ruhelosigkeit und Elend wirft.

Es ist aber nun die Weisheit des Qur'an, grundsätzlich anstelle der Macht die Gerechtigkeit als den Eckpfeiler im gesellschaftlichen Leben anzunehmen. Sie setzt anstelle des Gewinns grundsätzlich das, was vorzüglich ist und Gottes Wohlgefallen zu gewinnen vermag, als Ziel. Im Leben hält sie an Stelle des Grundsatzes vom Kampf den Grundsatz, Beistand zu leisten, als das Wesentliche fest.

Als Band der Gemeinschaft bestimmt sie anstelle von Rassismus und Nationalismus grundsätzlich die Liebe zum Glauben, zum Beruf und zur Heimat als das einigende Band. Ihr Ziel ist es, Gelüste und Launen einzudämmen, den Geist empor zu führen, die erhabenen Empfindungen zu nähren, hohe Lust zu stillen, den Menschen zu menschlicher Vollkommenheit hin zu leiten und so erst zu einem Menschen zu machen.

Einigkeit ist die Konsequenz der Gerechtigkeit. Gemeinschaftssinn ist die Konsequenz eines vorzüglichen Charakters. Einander zu Hilfe zu eilen ist die Konsequenz des Grundsatzes, Beistand zu leisten. Das Band der Brüderlichkeit und Zusammengehörigkeit ist die Konsequenz aus idealer Gesinnung und einer gläubigen Haltung. Glückseligkeit in beiden Welten heißt das Ergebnis für den, der zuerst seine Seele gebändigt, sodann den Geist zur Vollkommenheit angespornt und ihm so die Freiheit geschenkt hat. Und so hat denn in Anbetracht dieser Tatsachen die heutige Zivilisation gegenüber dem Qur'an verloren, trotz der guten Seiten, die sie den zuvor geoffenbarten Religionen, besonders aber aus den Lehren des Qur'an, entnommen hat.

Dritte Stufe:

Unter Tausenden von Fragestellungen des Qur'an wollen wir als Beispiel nur drei, vier Fragen besprechen. Denn da ja die Grundsätze und die Gesetze des Qur'an aus der Urewigkeit her kommen, bestehen sie auch bis in ewige Zeiten weiter. Sie veralten nicht wie die Gesetze einer Zivilisation, die zum Tode verurteilt ist. Sie sind immer jung, immer stark. Die Zivilisation unterliegt trotz all ihrer Wohlfahrtsverbände, trotz all ihrer zwingenden, strengen Ordnungsmaßnahmen und Anordnungen, trotz all ihrer Erziehungsinternate und Sittenlehren dem weisen Qur'an gegenüber in den folgenden zwei Punkten:

Zum Beispiel:

وَاَقِيمُوا الصَّلٰوةَ وَاٰتُوا الزَّكٰوةَ ٭ وَاَحَلَّ اللَّهُ الْبَيْعَ وَحَرَّمَ الرِّبوٰا

{"Und verrichtet das Gebet und entrichtet die Almosensteuer." (2, 43) "Doch Allah hat den Handel erlaubt und den Zins verboten." (2, 275)}

Diese Überlegenheit des Qur'an, durch die er sich als ein Wunder erweist, wollen wir mit der hier folgenden Einleitung erklären:

In dem Band "Zeichen des Wunders (Isharatu l-i'djaz)"wurde bereits bewiesen, dass, sowie der Grund aller Revolutionen unter den Menschen ein einziges Wort ist, so auch die Quelle aller schlechten Sitten nur ein einziges Wort ist.

Erstes Wort:

"Hauptsache ich werde satt; es geht mich nichts an, wenn ein anderer vor Hunger stirbt."

Zweites Wort:

"Arbeite du; ich werde essen."

Im gesellschaftlichen Leben aller Menschen können in der Tat bei einem Gleichgewicht zwischen Oberschicht und Unterschicht die Reichen und die Armen in Frieden miteinander leben. Die Grundlage dieses Gleichgewichtes sind aber Güte (shefqat)und Barmherzigkeit (merhamet)in der Oberschicht, Ehrerbietung und Gehorsam in der Unterschicht. Wie aber nun das erste Wort die Oberschicht zur Ungerechtigkeit, Sittenlosigkeit, Erbarmungslosigkeit, das zweite Wort die Unterschicht in Hass, Neid und Widerstand geführt und der Menschheit seit Jahrhunderten den Frieden geraubt hat, genauso ist in diesem Jahrhundert das allgemein bekannte, große Ereignis in Europa als Folge des Kampfes zwischen Arbeit und Kapital zu Stande gekommen. So konnte die Gesinnung der westlichen Zivilisation trotz all ihrer Wohlfahrtsverbände, Erziehungsinternate, Sittenlehren, strengen Ordnungsmaßnahmen und Anordnungen diese beiden Schichten der Menschen nicht versöhnen und dabei auch zwei schreckliche Wunden im Leben der Menschen nicht heilen. Der Qur'an schafft das erste Wort durch die zwangsläufige Einführung der Almosensteuer (zekat)von der Wurzel her ab und heilt es. Er schafft das zweite Wort durch das Verbot des Zinsnehmens von der Wurzel her ab und heilt es. In der Tat steht der Vers des Qur'an vor dem Tor der Welt und sagt dem Zins: "Eintritt verboten!" Er verordnet den Menschen: "Um das Tor des Streites zu schließen, schließt die Türe zur Bank!" Er befiehlt seinen Schülern: "Tretet nicht ein!"

Zweiter Grundsatz:

Die (westliche) Zivilisation akzeptiert die Polygamie nicht. Sie hält diese Bestimmung des Qur'an, so weit es sie selbst betrifft, für der Weisheit und, was die Menschheit betrifft, ihren Belangen entgegengesetzt. Bestünde der Sinn einer Heirat in der Befriedigung der Wollust, dann müsste die Polygamie besonders bevorzugt sein. In Wirklichkeit steht mit dem Zeugnis aller Tiere und Pflanzen fest und wird durch deren Vermählung bestätigt, dass der Sinn der Vermählung die Begattung und ihr Zweck die Vermehrung ist. Was aber den Genuss in der Befriedigung der Wollust betrifft, so ist er eine kleine Belohnung, die seitens der Barmherzigkeit gegeben wird, um diesen Auftrag zu erfüllen. Die Vermählung dient aber in Wahrheit zweckmäßiger Weise der Vermehrung und dem Fortbestand des Menschengeschlechtes. Da eine Frau aber nur einmal im Jahr gebären kann und nur in der Hälfte eines Monats empfänglich ist und nach fünfzig Jahren nicht mehr hoffen darf, ihr Mann aber in den meisten Fällen bis zu seinem hundertsten Lebensjahr zeugungsfähig ist, kann sie ihm sinnlich nicht genügend entgegenkommen. Daher ist die Gesinnung der westlichen Zivilisation gezwungen, sehr viele Freudenhäuser zuzulassen.

Dritter Grundsatz:

Die (westliche) Zivilisation in ihrem Unverstand kritisiert die Ayat, weil der Qur'an der Frau ein Drittel des Erbes zugesteht. In Wirklichkeit richten sich die meisten Gesetze im gesellschaftlichen Leben nach der Häufigkeit der einzelnen Fälle. Eine Frau findet gewöhnlich jemanden, der sie beschützt. Was aber den Mann betrifft, so muss er sich mit einer Frau arrangieren, die er unterhalten muss und die ihm ihre Versorgung überlässt. Erhält also nun eine Frau unter den gegebenen Umständen von ihrem Vater die Hälfte (eines männlichen Anteils), so ergänzt ihr Mann den Mangel (mit zwei Erbteilen). Bekommt hingegen der Mann zwei Erbteile von seinem Vater, so wird er den einen Teil davon für die Versorgung der Frau verwenden, mit der er verheiratet ist.

Daraus ergibt sich eine Gleichstellung mit seiner Schwester. Es ist also die Gerechtigkeit des Qur'an, die dies erfordert. So hat er es bestimmt.

{(*): Ein Abschnitt aus der Verteidigungsschrift vor dem Revisionsgericht, welche das Gericht zum Schweigen brachte. "Ich halte jedoch der Versammlung des Gerichtshofes entgegen: Die Gerechtigkeit, falls es diese auf Erden gibt, wird sicher einen ungerechten Gerichtsbeschluss, durch den ein Mann verurteilt wurde, weil dieser das Gesetz Gottes, das in 1350 Jahren und in jedem Jahrhundert mindestens 350 Millionen Menschen in ihrem gesellschaftlichen Leben über alles heilig war und sich unter ihnen als wahr und wirksam erwiesen hat, das von 350 tausend Kommentaren zum Qur'an bestätigt und durch deren Übereinstimmung bekräftigt wurde und von welchem unsere Väter seit 1350 Jahren fest überzeugt waren, kommentiert hat, wieder aufheben und diesen Gerichtsbeschluss revidieren."}

Vierter Grundsatz:

So wie der Qur'an die Götzenanbeterei streng verbietet, so verbietet er auch die Bilderanbeterei, welche eine Art Nachahmung der Götzenanbeterei ist. Die (westliche) Kultur zählt aber die Bilder zu ihren Kunstwerken und versucht damit sich dem Qur'an zu widersetzen. In Wirklichkeit sind Bilder und Statuen entweder ein Stein gewordenes Verbrechen, oder zur Schau gestellte Leiblichkeit oder die verkörperte Lust, sodass sie die Neigung des Menschen zum Verbrechen, die Sucht, sich zur Schau zu stellen, ihre Lust und Laune noch weiter aufreizen. Außerdem befiehlt der Qur'an in seiner Barmherzigkeit, um die Ehre der Frauen zu bewahren, sich in den Schleier ihrer Schamhaftigkeit zu hüllen, um diese Quelle ihrer selbstlosen Liebe (shefqat)nicht unter den Füßen gemeiner Lust ins Elend geraten zu lassen. Sie sollen nicht zu einem Werkzeug der Laune, zu einem wertlosen Objekt werden.

{(*): Der Vierundzwanzigste Blitz des Einunddreißigsten Briefes, eine Abhandlung über die Verhüllung der Frauen, hat mit absoluter Sicherheit bewiesen, dass die Verhüllung für die Frauen natürlich ist und ihrem Wesen entspricht und die Abschaffung der Verhüllung ihrem Wesen widerspricht.}

Was aber die

(westliche) Zivilisation betrifft, so hat sie die Frauen aus ihrem Heim vertrieben, ihr den Schleier zerrissen und auch die Menschen verführt. In Wirklichkeit kann aber das Leben in der Familie nur in gegenseitigem Respekt und in der Liebe zwischen Mann und Frau weiter bestehen. Freizügigkeit und Nachlässigkeit in der Bekleidung zerstört in der Tat jeden aufrichtigen Respekt und jede echte Liebe und vergiftet das Familienleben. Man kann also nun verstehen, dass besonders die Bilderverehrung die Sitten zutiefst erschüttert und den Grund legt für den geistigen Verfall: Die Leiche einer schönen, (aber bereits) verstorbenen und nun der Barmherzigkeit bedürfenden Frau mit einem wollüstig begehrlichen Blick zu betrachten: wie weit zerstört doch das eine edle Gesittung! Genauso erschüttert es die höchsten Empfindungen des Menschen und zerstört sie von Grund auf, wenn man Bilder verstorbener Frauen oder auch lebender Frauen, welche Bilder als deren kleine Leichen gelten, begehrlich zu betrachten.

So dient denn jedes der vielen Tausend Themen im Qur'an gleich diesen drei Beispielen zur Erlangung der Glückseligkeit des Menschen in dieser Welt, sowie es auch seinem ewigen Leben dient. Andere Themen magst du mit den oben erwähnten Themen vergleichen.

Wie die derzeitige (westliche) Kultur den Grundsätzen des Qur'an, die das gesellschaftliche Leben der Menschen betreffen, unterlegen ist, geht sie vor dem Qur'an, der von seinem Sinngehalt her ein Wunder ist, im Anblick der Wahrheit zu Grunde. Desgleichen gilt: In der Gegenüberstellung der beiden Weisheiten, die der westlichen Philosophie und der Weisheit der Menschen, mit der Weisheit, die der Qur'an lehrt, wird anhand der Vergleiche in den fünfundzwanzig Worten unwiderlegbar bewiesen, dass die Weisheit, die diese Philosophie lehrt, völlig hilflos und die Weisheit, die der Qur'an lehrt, ein Wunder ist. In dem "Elften" und "Zwölften Wort" wurde schon die Hilflosigkeit, ja das (unvermeidliche) Ende der Weisheit, die diese Philosophie lehrt, und das Wunder und der

Reichtum an Weisheit, den der Qur'an lehrt, bewiesen. Dort kann man also nachschlagen.

Ebenso ist auch die heutige Kultur dem Wunder an Weisheit des Qur'an in Theorie und Praxis unterlegen. Desgleichen verhält sich auch die westliche Kultur in ihrer Literatur und Rhetorik gegenüber der Literatur und Rhetorik des Qur'an: Es gleicht dem Verhältnis der Klage eines Waisenkindes, einsam und verlassen, hoffnungslos weinend in seiner dunklen Trauer, oder des tosenden Gesanges eines berauschten Trunkenbolds, zu den Liedern eines Liebenden, in seiner Erhabenheit, Sehnsucht und Hoffnung, wenn auch zugleich Trauer über die vorübergehende Trennung, oder einer Ode auf die Heimat, die zum Sieg oder Kampf oder zu hoher Opferbereitschaft ermuntert. Denn Literatur und Rhetorik vermitteln durch ihren Stil entweder Trauer oder Freude. Trauer aber ist eine Zwiefache. Die eine ist eine düstere Trauer, die aus der Schutzlosigkeit und der Trennung von Freunden erwächst, eine Trauer, die aus der Literatur der westlichen Kultur gespeist wird, die in die Irre führt, die Natur anbetet und dabei Gott vergisst. Die zweite Art der Trauer aber erwächst aus der Abwesenheit von den Freunden. Das heißt, es gibt zwar Freunde, doch ihre Abwesenheit erweckt eine Trauer, die von Sehnsucht nach ihnen erfüllt ist. Dies also ist die Trauer, die uns durch den Qur'an recht leitet und Licht spendet.

Was aber die Freude betrifft so ist auch sie eine Zwiefache. Die eine kitzelt die Begierden der Seele (nefs).Das ist die Eigenschaft der westlichen Literatur, die nach Theaterstücken, Filmen, Romanen verlangt. Die andere Art der Freude aber ist, nachdem die Begierde (nefs)zum Schweigen gebracht wurde, eine anmutige, artige und unschuldige Anregung, Geist, Sinn, Herz und Gemüt zu erhabenen Dingen, zur ursprünglichen Heimat der Menschen, zu ihrem ewigen Sitz, zum Treffen mit ihren Freunden im Jenseits gelangen zu lassen. Das ist die Freude, die aus dem Qur'an erwächst, dessen Verkündigung ein Wunder ist, eine Freude, welche die Menschen

zum Paradies, zur Ewigen Glückseligkeit, zum Schauen der Schönheit Gottes geleitet und sie dafür in Begeisterung versetzt. Nun,

قُلْ لَئِنِ اجْتَمَعَتِ اْلاِنْسُ وَالْجِنُّ عَلٰٓى اَنْ يَأْتوُا بِمِثْلِ هٰذَا الْقُرْاٰنِ لاَ يَأْتوُنَ بِمِثْلِهِ وَلَوْ كَانَ بَعْضُهُمْ لِبَعْضٍ ظَهِيراً

{"Sag: Gesetzt den Fall, Menschen und Dschinnen täten sich zusammen, um etwas herbeizubringen, was diesem Qur'an gleich wäre, so würden sie dennoch nichts Ähnliches herbeischaffen können. Auch, käme einer dem anderen zu helfen." (Sure 17, 88)}

wird die gewaltige Bedeutung und großartige Wahrheit, die diese Ayah zum Ausdruck bringt, von den Kurzsichtigen wegen ihrer Unachtsamkeit für die unmögliche Vorstellung einer Dichtkunst gehalten, die zu Übertreibungen (neigt). Gott bewahre! Hier ist keine Übertreibung, keine unmögliche Vorstellung! Es ist eine treffende Aussage und zugleich die Wahrheit, die (Unmöglichkeit einer solchen) Möglichkeit und eines solchen Geschehens.

Ein Gesichtspunkt dieser Vorstellung ist der folgende: Das heißt, kämen alle schönen Worte der Menschen und der Dschinnen, die nicht aus dem Qur'an heraus gefiltert wurden und deshalb Eigentum des Qur'an sind, zusammen, so könnten sie dennoch dem Qur'an nicht gleichwertig sein. Es gibt in der Tat nichts Gleichwertiges vorzuzeigen. Ein zweiter Gesichtspunkt besagt: Die Kultur, die Weisheit ihrer Philosophie und die fremdländische Dichtkunst, welche das Ergebnis der Gedanken der Dschinnen und Menschen, ja sogar der Teufel und das Gesamtresultat ihrer Arbeiten sind, bleiben auf der Stufe der Hilflosigkeit gegenüber den Verordnungen des Qur'an, der Weisheit, die er lehrt, und seiner Aussagekraft, wozu wir die Beispiele bereits angeführt haben.

Dritte Erscheinung:

Der weise Qur'an richtet das Wort an jede der Volksschichten eines jeden Jahrhunderts, als wendete er sich persönlich an jede einzelne Schicht. In der Tat ruft der Qur'an alle Söhne Adams in all ihren Volksschichten zum Glauben, der das höchste und tiefste Wissen ist, zur Gotteserkenntnis, die die umfassendste

und leuchtendste Wissenschaft ist, und zu den Bestimmungen des Islam, der die bedeutendste und vielseitigste Bildung ist, auf. Daher ist es für ihn notwendig, einen Unterricht zu erteilen, der für jede Kultur und jede Volksschicht geeignet ist. Natürlich ist der Unterricht stets derselbe und keineswegs immer wieder verschieden. Da dies aber so ist, so müssen sich in diesem selben Unterricht verschiedene Stufen finden. Jeder Mensch bekommt entsprechend seiner Stufe einen Anteil am Unterricht aus dem Qur'an, (verborgen hinter) Schleiern von Schleiern. Viele Beispiele dieser Wahrheit haben wir bereits angeführt. Man kann dort nachschlagen. Hier wollen wir nur auf ein, zwei Beispiele hinweisen, wie sie von ein, zwei Schichten verstanden werden.

Zum Beispiel:

لَمْ يَلِدْ وَلَمْ يُولَدْ ٭ وَلَمْ يَكُنْ لَهُ كُفُوًا اَحَدٌ

{"Er zeugt nicht, und ist nicht gezeugt worden, und keiner ist Ihm gleich." (Sure 112, 3-4)}

Was die Volksschicht betrifft, die die Mehrheit bildet und die Volksschicht der Ungebildeten ist, darunter versteht, ist: "Gott der Gerechte ist darüber erhaben, einen Vater oder Kinder oder Verwandte oder eine Frau zu haben." Was eine weitere, die Mittelschicht darunter versteht, ist: "Es wird die Gottheit Jesu, mit dem Friede sei, und der Engel und aller gezeugten Dinge, widerlegt." Denn da es offensichtlich zwecklos ist, etwas Unvorstellbares zu widerlegen, ist in der Redekunst eine Schlussfolgerung notwendig, die diesen Zweck erfüllt. Wenn diese Sure widerlegt, dass Gott ein Kind oder einen Vater hat, was zur Körperwelt gehört, so bezweckt sie, die Gottheit derjenigen zu widerlegen, die ein Kind oder einen Vater oder ihresgleichen haben, um zu zeigen, dass sie nicht der Anbetung würdig sind. Es ist das Geheimnis der Sure "Ihlas(Aufrichtiger Glaube)" jedem jederzeit von Nutzen sein zu können.

Was die Schicht betrifft, die noch ein Stückchen weiter vorne liegt, so versteht sie: "Gott der Gerechte ist, was Seine Geschöpfe betrifft, frei von jeglicher Bindung an sie, soweit sie eine Zeugung erahnen lassen oder gezeugt worden sind. Er ist auch frei davon, einen Partner, Helfer oder Mitgott zu haben. Vielmehr besteht das Verhältnis zu allem Sein im Schöpfungsakt. Mit dem Befehl "Sei! und es ist." erschafft Er mit Seinem ewigen Willen und Seiner freien Entscheidung. Er ist frei von allen Abhängigkeiten, die Seiner Vollkommenheit widersprechen würden, wie z.B. eine Notwendigkeit, eine Zwangslage, eine nicht abwendbare Erscheinung."

Was eine noch höhere Schicht darunter versteht, ist: Gott der Gerechte ist von Ewigkeit (ezeli)zu Ewigkeit (ebedi).Er ist der Erste (Evvel)und der Letzte (Ahir).Es gibt in keiner Weise, weder in Seinem Wesen, noch in Seinen Eigenschaften, noch in Seinem Tun, einen, der Ihm ähnlich, gleich oder ebenbürtig, der mit Ihm zu vergleichen, für Ihn ein Beispiel oder ein Partner zu sein vermöchte. Es gibt nur Beispiele im Sinne von Vergleichen, um Ihn in Seinem Tun, in Seinem Wirken betrachten zu können:

وَ ِللَّهِ الْمَثَلُ اْلاَعْلٰى

{"Gott ist erhaben über alle Vergleiche." (Sure 16, 60)}

Im Vergleich zu diesen drei Schichten kannst du dir über das Verständnis der Schicht der Gotteskenner, der Schicht der Leute der Liebe, der Schicht der Getreuen und dergleichen vielen anderen Eignern eines unterschiedlichen Verständnisses eine Vorstellung machen.

Zweites Beispiel:

مَا كَانَ مُحَمَّدٌ اَبَآ اَحَدٍ مِنْ رِجَالِكُمْ

{"Mohammed ist nicht der Vater eines eurer Männer." (Sure 33, 40)}

Was die erste Schicht darunter versteht, ist: Da Seyd, der Diener des Ehrenwerten Gesandten, mit dem Friede und Segen sei, und den er mit "mein Sohn" anredete, feststellte, dass seine würdige Gattin ihm nicht ebenbürtig

war, hat er auf einer Scheidung bestanden. Auf den Befehl Gottes hat der Ehrenwerte Gesandte, mit dem Friede und Segen sei, sie geheiratet. Die Ayah sagt: "Wenn der Prophet euch mit "mein Sohn" anredet, sagt er es angesichts seiner Sendung als Gesandter Gottes. Er ist ja selbst nicht euer Vater, sodass die Frauen, die er heiratete, ihm (gesetzlich) nicht zustehen könnten."

Was die zweite Schicht darunter versteht, ist: Ein großer Gebieter betrachtet seine Untertanen mit väterlicher Liebe. Wenn dieser Gebieter auch im übertragenen Sinne König der äußerlichen wie innerlichen Welt ist, dann übersteigt seine Barmherzigkeit hundertfach die Liebe eines Vaters und jeder seiner Untertanen betrachtet ihn als seinen Vater, als ob er tatsächlich sein Kind wäre. Da der väterliche Blick sich nicht zum Blick eines Bräutigams verändert, und da der Blick einer Tochter sich nicht leicht in den Blick einer Braut verwandelt, passt es der allgemeinen Vorstellung nicht, dass der Prophet, mit dem Friede und Segen sei, Töchter der Gläubigen heiratet. Aus diesem Grund sagt der Qur'an: "Der Prophet, mit dem Friede und Segen sei, hegt für euch selbstlose Liebe, die aus der Barmherzigkeit Gottes entspringt, und geht mit euch väterlich um. Von der Haltung eines Gottesgesandten her seid ihr wie seine Kinder. Aber von seiner Identität als Mensch ist er nicht euer Vater, sodass es für ihn unpassend sein könnte, eine eurer Frauen zu ehelichen."

Eine dritte Schicht versteht darunter: Das heißt, indem ihr dem Propheten, mit dem Friede und Segen sei, folgt, euch auf seine Vollkommenheit stützt und auf seine väterliche Liebe verlasst, sollt ihr keine Fehler begehen und nicht nachlässig sein. Tatsächlich gibt es viele, die sich auf ihre Großen und geistigen Lehrer verlassen und deshalb nachlässig werden. Man sagt sogar manchmal "Unser Gebet wurde schon verrichtet." (Wie ein Teil der Aleviten sagt.)

Eine vierte Schicht versteht unter dieser Ayah einen Hinweis aus dem Verborgenen: Die männlichen Nachkommen

des Propheten, mit dem Friede und Segen sei, werden das Mannesalter nicht erreichen, seine Söhne werden einem Geheimnis zufolge nicht (am Leben) bleiben. In dem Ausdruck "Mann" liegt ein Hinweis darauf, dass er Vater von Frauen sein wird und nur seine weibliche Nachkommenschaft fortbestehen soll. Alles Lob gebührt allein Allah, welcher die geistige und materielle Nachkommenschaft der Sonne am Himmel des Prophetentums, die gesegnete Nachkommenschaft sich von der Tochter des Propheten, Fatima, die der leuchtende Vollmond seiner beiden so lichtvollen Nachkommen, Hassan und Husseyn ist, fortsetzen ließ.

اَللّٰهُمَّ صَلِّ عَلَيْهِ وَعَلٰٓى اٰلِهِ

{"Oh Allah, gieße aus Deinen Segen über ihn und über seine Familie."}

(Hier endet die "Erste Flamme" mit ihren drei "Strahlen".)

Zweite Flamme:

Die Zweite Flamme hat drei "Lichter".

Erstes Licht:

Im ganzen Qur'an, dessen Verkündigung ein Wunder ist, liegt ein so lauterer Fluss, eine so überlegene Sicherheit, eine so unerschütterliche Solidarität, eine richtige Proportionalität, eine starke gegenseitige Hilfeleistung zwischen seinen Sätzen und Abschnitten und ein erhabener Frage- und Antwortwechsel zwischen den Ayat und ihren Zielen. Das steht fest nach der Bezeugung von Tausenden von Imamen, Koryphäen der ilm-i Beyan (Exegeten) und Fenni-Ma'ani und Beyani (Predigtlehre von der Bedeutung und Auslegung), wie Zemahsheri, Sekkaki, Abdu l-Qahir al-Djurdjani. Obwohl es acht, neun Ursachen gibt, die diesen Frage- und Antwortwechsel, diese gegenseitige Hilfeleistung, diese Solidarität, diesen Fluss und diese Sicherheit zerstören könnten, bewirken diese Ursachen keine Zerstörung, im Gegenteil, sie stärken den Fluss, die Sicherheit und die Solidarität unter ihnen. Nur in gewissem Grade setzen sich diese Ursachen durch und recken ihre Häupter aus dem Schleier der Wohlordnung und des Flusses empor.

Aber wie aus dem Stamm eines glatten, graden Baumes eine Zahl von Unebenheiten und Spitzen sprießen, kommen sie nicht heraus um das Ebenmaß zu zerstören, vielmehr kommen sie heraus, um die Früchte zu tragen, welche diesem Baum zur Vervollkommnung und Verschönerung seines Schmuckes dienen. Genau wie diese recken auch die Ursachen ihre spitzen Köpfe hervor, um den Bedeutungen Ausdruck zu verleihen, die für den Fluss der Poesie (nazm)des Qur'an wertvoll ist.

So besitzt der deutliche Qur'an (Qur'an-i mubin),obwohl er je nach Ort und Bedürfnis in voneinander verschiedenen Abschnitten, in unterschiedlichen Teilen, in zwanzig Jahren (in Versen wie) Sternen herabgekommen ist, ein so vollkommenes Ebenmaß, dass er einen Zusammenhang darstellt, als wäre er auf einmal als ein Ganzes herabgekommen.

Des Weiteren zeigt der Qur'an, obwohl (seine Verse) in zwanzig Jahren aus unterschiedlichen und voneinander unabhängigen Gründen herabgekommen sind, eine so vollkommene Einheit (einander ergänzender Verse), als wäre er aus einem einzigen Grund herabgekommen.

Des Weiteren zeigt der Qur'an, obwohl er als Antwort auf verschiedene, (manchmal auch) wiederholte Fragen herabgekommen ist, eine vollendete Harmonie und Einheit, als wäre er die Antwort einer einzigen Frage.

Des Weiteren zeigt der Qur'an, obwohl er herabgekommen ist, um die Wirkungen der verschiedenen Ereignisse zu verkünden, eine so vollkommene Wohlordnung, als wäre ein einziges Ereignis der Anlass seiner Verkündung.

Des Weiteren zeigt der Qur'an, obwohl er in verschiedenen Stilarten das jeweilige Verständnisvermögen der zahllosen Adressaten in ihrer verschiedenen, manchmal einander entgegengesetzten geistigen Verfassung anspricht und als ein (Zeichen) göttlicher Demut (mit menschlichen) Worten herabgekommen ist, eine wunderschöne Gleichheit und einen anmutigen Fluss, gleich wie das Wasser in einem Strom dahin fließt, als wäre die geistige Verfassung der Menschen stets ein und dieselbe

und läge ihr Verständnis auf der gleichen Stufe.

Des Weiteren hat der Qur'an, obwohl er sich an verschiedene, voneinander entfernte Klassen von Adressaten wendet und sie anspricht, eine solche Leichtigkeit in seinen Erklärungen, eine solche Harmonie in seiner Anordnung und eine solche Klarheit in seiner Art, sich verständlich zu machen, als wären seine Adressaten von ein und derselben Klasse. Ja, jede Klasse denkt sogar, dass in erster Linie nur sie allein angesprochen sei.

Des Weiteren findet sich im Qur'an, der herab gesandt wurde, um die Menschen zu verschieden Zielen stufenweise hin zu führen und zu leiten (irschad),eine so maßvolle und angemessene Vollkommenheit, eine so umsichtige und aufmerksame Ausgewogenheit, eine so gute und schöne Geordnetheit, als gäbe es nur ein einziges Ziel.

Obwohl diese Ursachen ausreichen könnten, Verwirrung zu stiften, wurden sie in das Wunder der Verkündigung des Qur'an, in seinen Fluss und in seinen harmonischen Aufbau mit eingeschlossen. In der Tat sieht jeder, der im Herzen nicht krank und in seinem Denken geradlinig ist, der in seinem Gewissen nicht verwundet worden ist, der ruhig (selim)ist in seinem Gemüt, in der Verkündung des Qur'an einen anmutigen Fluss, ein schönes Ebenmaß, vernimmt seinen angenehmen Klang, erkennt in ihm seine einzigartige Klarheit. Des Weiteren sieht jeder, der die Dinge mit dem Auge seines Herzens zu betrachten vermag, dass auch der Qur'an über ein solches Auge verfügt und mit diesem Auge alle Dinge im ganzen Kosmos, die Äußeren wie die Inneren, so klar sieht, als habe er eine Seite vor den Augen, die er nach Wunsch umblättert und uns dann die Bedeutung dieser Seite nach Wunsch mitteilt. Wollten wir die Wahrheit dieses Ersten Lichtes mit Beispielen erläutern, wären dafür mehrere Bände notwendig.

Da dies so ist, begnüge ich mich hier mit den Erklärungen aus meinen übrigen arabischen Abhandlungen und aus dem Band "Zeichen des Wunders" und aus diesen fünfundzwanzig "Worten" über den Beweis dieser Wahrheit und ich führe dabei gleichzeitig den ganzen Qur'an als Beispiel an.

Zweites Licht:

Es bezieht sich auf die wunderbaren Vorzüge des Weisen Qur'an, die in seinem guten Stil liegen, hinsichtlich der Zusammenfassungen wie auch der Namen Gottes (Esma-i Husna),die am Ende seiner Ayat angeführt werden.

Erinnerung:

In diesem "Zweiten Licht" werden nun viele Ayat angeführt werden. Was diese Verse betrifft, so dienen sie nicht nur als Beispiele zu diesem "Zweiten Licht", sie gelten vielmehr auch als Beispiele zu den vorangegangenen Abschnitten und "Strahlen". Diese ausführlich zu erläutern, würde viel Zeit beanspruchen. Ich muss mich aber jetzt hier kurz und bündig fassen. Darum wollen wir hier nur äußerst gerafft auf die Ayat, die zu den Beispielen jenes gewaltigen Geheimnisses des Wunders gehören, verweisen und deren ausführliche Erklärung auf eine andere Zeit verschieben.

So führt denn der Qur'an, der in seiner Verkündigung ein Wunder ist, meistens am Ende seiner Ayat einige Auszüge an, die entweder die Namen Gottes (Esma-i Husna)oder deren Bedeutungen zum Inhalt haben; oder aber auf den Verstand verweisen, um damit den Verstand zu (weiterem) Nachdenken anzuregen; oder sie beinhalten allgemeingültige Grundprinzipien, die zu den Zielen des Qur'an gehören. Er macht diese Auszüge, um damit die Aussagen der Verse zu bestätigen und zu bekräftigen. In diesen Auszügen finden sich einige Hinweise aus der erhabenen Weisheit des Qur'an, einige Tropfen aus dem Lebenswasser der Rechtleitung Gottes, einige Funken aus den Blitzen des Qur'an, der in sich ein Wunder ist. Nun wollen wir nur zehn Hinweise unter vielen kurz erwähnen. Sie enthalten viele verschiedene Beispiele und jedes Beispiel umfasst sehr viele Wahrheiten, wovon wir hier jeweils nur ein Beispiel einer solchen Wahrheit mit einer kurzen Auslegung aufzeigen wollen. Von diesen zehn Hinweisen finden sich die meisten in den meisten Ayat gemeinsam und formen ein richtiges

Muster dieses Wunders. Und die meisten der Ayat, die wir als Beispiel anführen, sind Beispiele für die meisten Hinweise. Wir wollen nur einen Hinweis für jeden Vers zeigen. Die nähere Bedeutung der Ayat, die wir hier als Beispiel anführen und die bereits in den vorausgegangenen Worten behandelt worden sind, wollen wir hier nur mit einem leichten Zeichen andeuten.

Erstens: der Vorzug sprachlicher Brillanz:

Der Weise Qur'an stellt uns mit seinen wunderbaren Erklärungen die Handlungen und Werke des glorreichen Meisters vor Augen und beschreibt sie. Dann extrahiert er aus dessen Werken und Taten die Namen Gottes; oder er beweist damit eines von den Grundzielen, denen der Qur'an folgt; den Glauben an die Wiederversammlung und an die Einheit Gottes (Tauhid).

Ein Beispiel für die erste Darstellungsweise:

هُوَ الَّذِى خَلَقَ لَكُمْ مَا فِى اْلاَرْضِ جَمِيعًا ثُمَّ اسْتَوٰٓى اِلَى السَّمَآءِ فَسَوّٰيهُنَّ سَبْعَ سَمٰوَاتٍ وَهُوَ بِكُلِّ شَىْءٍ عَلِيمٌ

{"Er ist es, der für euch alles, was auf der Erde ist, erschaffen hat, dann wandte Er sich dem Himmel zu und gestaltete ihn zu sieben Himmeln. Und Er weiß über alle Dinge Bescheid." (Sure 2, 29)}

Ein Beispiel für die zweite Darstellungsweise:

اَلَمْ نَجْعَلِ اْلاَرْضَ مِهَاداً وَالْجِباَلَ اَوْتاَداً وَخَلَقْنَاكُمْ اَزْوَاجاً

{"Haben Wir nicht die Erde zu einer Lagerstätte gemacht und die Berge zu Pflöcken? Und Wir haben euch als Paare erschaffen." (Sure 78, 6-8)}

Und so weiter bis zu dem Vers 17:

اِنَّ يَوْمَ الْفَصْلِ كَانَ مِيقَاتًا

{"Wahrlich, der Tag der Entscheidung ist ein festgelegter Termin." (Sure 78, 17)}

Im ersten Vers stellt er die Werke vor als Einleitung zu einer Folge, zu einem wichtigen Zweck; er legt die gewaltig großen Werke dar, welche durch Zweck und Wohlordnung für das Wissen und die Macht Zeugnis ablegen.

Er extrahiert den Namen "Der Allwissende". Im zweiten Vers erwähnt er, wie schon im dritten Punkt des Ersten Strahls der Ersten Flamme teilweise erklärt wurde, die großen Taten und gewaltigen Werke Gottes des Gerechten und erwähnt (weiter) als Folge die Wiederversammlung, den Tag der Entscheidung.

Zweitens, eine Anmerkung zur sprachlichen Brillanz:

Der Qur'an entrollt vor den Augen der Menschen das Tuch göttlicher Kunst und zeigt es ihnen. Dann rollt er das Tuch gleichsam wie in einer Zusammenfassung, welche die Namen Gottes in sich enthält, wieder zu einem Ballen zusammen, oder aber überlässt (diese Aufgabe) dem Verstand.

Ein Beispiel zu der ersten Darstellung:

قُلْ مَنْ يَرْزُقُكُمْ مِنَ السَّمَآءِ وَاْلاَرْضِ اَمَّنْ يَمْلِكُ السَّمْعَ وَاْلاَبْصَارَ وَمَنْ يُخْرِجُ الْحَىَّ مِنَ الْمَيِّتِ وَيُخْرِجُ الْمَيِّتَ مِنَ الْحَىِّ وَمَنْ يُدَّبِّرُ اْلاَمْرَ فَسَيَقُولُونَ اللَّهُ فَقُلَ اَفَلاَ تَتَّقُونَ ٭ فَذٰلِكُمُ اللَّهُ رَبُّكُمُ الْحَقُّ

{"Sag: Wer beschert euch den Lebensunterhalt vom Himmel und von der Erde, oder wer vermag euch Gehör und Gesicht zu verleihen? Und wer bringt das Lebendige aus dem Toten hervor, und das Tote aus dem Lebendigen? Und wer lenkt die Sache? Sie sagen: 'Gott!' Dann sag: Wollt ihr denn nicht gottesfürchtig sein? So ist Allah euer Herr, der Gerechte." (Sure 10, 31-32)}

So sagt er am Anfang: Wer ist es, der den Himmel und die Erde wie zwei Kammern für eure Versorgung bereitstellt, von dort Regen und von hier Korn hervorbringt? Kann überhaupt ein anderer als Allah den riesigen Himmel und die riesige Erde zu zwei in Dienst gestellten Schatzmeistern machen? Also gebührt Ihm allein der Dank.

Im zweiten Abschnitt sagt er: Wer ist der Eigentümer eurer Augen und Ohren, den wertvollsten unter euren Organen? Von welcher Werkbank oder von welchem Geschäft habt ihr sie gekauft? Derjenige, der diese anmutigen, wertvollen Augen und Ohren zu verleihen vermag, ist allein euer Herr. Er ist es, der euch ins Dasein bringt und versorgt, weshalb Er euch diese verliehen hat. Also ist Er allein der Herr. Auch Er allein ist euer Angebeteter (Ma'bud).

Im dritten Abschnitt sagt er: Wer ist es, der die tote Erde lebendig macht und hunderttausende verstorbener Arten wieder ins Leben ruft? Wer, außer dem Gerechten und Schöpfer des ganzen Kosmos, kann solches vollbringen? Er ist es, der es mit Sicherheit vollbringt. Er ist es, der lebendig macht. Da nun einmal Er der Gerechte ist, wird Er das Recht nicht verlassen. Er wird euch zu einem großen Gerichtshof schicken. Wie Er die Erde lebendig macht, so wird Er auch euch wieder lebendig machen.

Im vierten Abschnitt sagt er: Wer könnte es sonst sein, außer Allah, der diesen gewaltigen Kosmos wie ein Schloss, wie eine Stadt vollkommen wohlgeordnet lenkt und leitet und ihn versorgt? Außer Allah kann es niemand sein. Die Macht, die den riesigen Kosmos mit all seinen Himmelskörpern darin überaus leicht lenkt und leitet, ist dermaßen fehlerlos und unendlich, dass sie überhaupt keines Partners oder keiner Beteiligung oder Unterstützung und Hilfe bedarf. Derjenige, der den riesigen Kosmos lenkt und leitet, überlässt auch nicht das kleinste Geschöpf anderen Händen. Ob ihr also nun wollt oder nicht, ihr werdet "Allah" sagen müssen.

So sagt der erste und vierte Abschnitt "Allah". Der zweite Abschnitt sagt "Herr". Der dritte Abschnitt sagt "Der Gerechte". So verstehe nun wie wunderbar

فَذٰلِكُمُ اللَّهُ رَبُّكُمُ الْحَقُّ

{"So ist Allah euer Herr, der Gerechte." (Sure 10, 32)}

entspricht. So gedenkt er der gewaltigen Taten Gottes des Gerechten, der bedeutenden Tücher, die Seine Macht gewebt hat. Anschließend erwähnt er die Werkbank dieser gewaltigen Werke und Webstücke,

فَذٰلِكُمُ اللَّهُ رَبُّكُمُ الْحَقُّ

{"So ist Allah euer Herr, der Gerechte." (Sure 10, 32)}

Das heißt; indem er der Namen "Der Gerechte, Herr, Allah" gedenkt, zeigt er den Ursprung dieser gewaltigen Taten.

Eines von den Beispielen zu dem Zweiten:

اِنَّ فِى خَلْقِ السَّمٰوَاتِ وَاْلاَرْضِ وَاخْتِلاَفِ الَّيْلِ وَالنَّهَارِ وَالْفُلْكِ الَّتِى تَجْرِى فِى الْبَحْرِ بِمَا يَنْفَعُ النَّاسَ وَمَآ اَنْزَلَ اللَّهُ مِنَ السَّمَآءِ مِنْ مَآءٍ فَاَحْياَ بِهِ اْلاَرْضَ بَعْدَ مَوْتِهَا وَبَثَّ فِيهَا مِنْ كُلِّ دَابَّةٍ وَتَصْرِيفِ الرِّيَاحِ وَالسَّحَابِ الْمُسَخَّرِ بَيْنَ السَّمَآءِ وَاْلاَرْضِ لَاٰياَتٍ لِقَوْمٍ يَعْقِلُونَ

{"Siehe, in der Schöpfung der Himmel und der Erde und in dem Wechsel der Nacht und des Tages, und in den Schiffen, welche das Meer durcheilen mit dem, was den Menschen nützt, und was Allah vom Himmel nieder sendet an Wasser, womit Er die Erde belebt nach ihrem Tode, und was Er auf ihr ausbreitet an allerlei Getier, und in dem Wechsel der Winde und der Wolken, die fronen müssen zwischen dem Himmel und der Erde, wahrlich, darinnen sind Zeichen für ein Volk von Verstand!" (Sure 2, 164)}

Die Erschaffung der Himmel und der Erde, welche die vollkommene Macht Gottes des Gerechten und die Größe Seiner Herrschaft zeigt und Seine Einheit und Allgegenwart bezeugt, wodurch das Königreich der Gottheit in Erscheinung tritt; und der Wechsel der Nacht und des Tages, wodurch Seine Herrschaft in Erscheinung tritt; und die Schiffe, eines von den größten Verkehrsmitteln im gemeinschaftlichen Leben der Menschen, die über das Meer fahren können, wodurch die Barmherzigkeit in Erscheinung tritt; und auf der Erde die Erschaffung unzählbar verschiedener Lebewesen aus einfacher Erde, wodurch die Barmherzigkeit und Macht in Erscheinung treten; und die Winde (bzw. die Luft), die mit großen Aufgaben beauftragt sind, wie für die Atmung der Tiere und die Bestäubung der Pflanzen, und wie sie in Bewegung gebracht, gelenkt und geleitet werden, damit sie für Versorgung und Atmung nützlich werden, wodurch die Barmherzigkeit und die Weisheit in Erscheinung treten; und die Wolken, die zwischen der Erde und dem Himmel ein Mittel der Erbarmung sind, die wie eine einzigartige Versammlung

in der Schwebe zusammengebracht und wieder auseinandergetrieben werden, wie ein Heer in Ruhestellung gebracht und wieder zum Dienst aufgestellt wird, und dergleichen Unterwerfungen, wodurch die Herrschaft in Erscheinung tritt; nachdem der Qur'an all Sein Wirken und Werken aufgezählt hat, sagt er اٰياَتٍ لِقَوْمٍ يَعْقِلُونَ {"Darinnen sind Zeichen für ein Volk von Verstand!" (Sure 2, 164)} um den Verstand zum Nachdenken über die Wahrheit (in Seinen Werken) in allen Einzelheiten anzuregen. Er überlässt es dem Verstand, die Verständigen zu ermahnen.

Drittens, der Vorzug der sprachlichen Brillanz:

Manchmal erklärt der Qur'an die Taten Gottes des Gerechten ausführlich. Dann fasst er sie in einer kurzen Aussage zusammen. Durch seine ausführliche Erklärung vermittelt er eine Überzeugung; durch seine kurze Zusammenfassung prägt er sie dem Gedächtnis ein und fasst zusammen.

Zum Beispiel:

وَكَذٰلِكَ يَجْتَبِيكَ رَبُّكَ وَيُعَلِّمُكَ مِنْ تَأْوِيلِ اْلاَحَادِيثِ وَيُتِمُّ نِعْمَتَهُ عَلَيْكَ وَعَلٰٓى اٰلِ يَعْقُوبَ كَمَآ اَتَمَّهَا عَلٰٓى اَبَوَيْكَ مِنْ قَبْلُ اِبْرَاهِيمَ وَاِسْحٰقَ اِنَّ رَبَّكَ عَلِيمٌ حَكِيمٌ

{"Und gemäß diesem wird dich dein Herr erwählen und wird dich lehren die Deutung der Geschichten und wird Seine Gnade an dir vollenden und an dem Hause Jakobs, gleich wie Er sie vollendete an deinen Vätern zuvor, an Abraham und Isaak. Siehe, dein Herr ist wissend und weise." (Sure 12, 6)}

So weist der Qur'an mit dieser Ayah auf die Gnadengaben hin, die dem ägyptischen Josef und seinen Vätern erwiesen wurden. Er sagt: "Er hat euch unter allen Menschen durch den Rang des Prophetentums berühmt gemacht. Er hat alle Reihen der Propheten mit eurer Reihe (Generation) verbunden, wodurch Er eure Generation zu Wegbereitern aller Propheten des Menschengeschlechtes machte. Er hat euer Haus zu einer Stätte der Bildung im Wissen um Gott und der rechten Leitung zur Weisheit des Herrn gemacht. Durch dieses Wissen und Seine Weisheit hat Er bei euch das glückliche Sultanat in

dieser Welt mit der ewigen Glückseligkeit in der jenseitigen vereinigt. Er stattete dich mit Wissen und Weisheit aus und ernannte dich zu einem ehrenwerten Statthalter über Ägypten, als auch zu einem Gottesgesandten und einem weisen Lehrer (Murshid)."An diese Gnadengaben Gottes erinnert er, zählt sie auf und erwähnt, dass er und seine Väter und Vorväter durch ihr Wissen und ihre Weisheit bevorzugt waren. Anschließend sagt er: "Dein Herr ist allwissend und allweise. Seine Herrschaft und Seine Weisheit erfordern, dass er dich, deine Väter und deine Vorväter Ihn unter Seinen Namen "Der Allwissende, Der Allweise" offenbar werden ließ." Somit fasst der Qur'an jene ausführlich aufgezählten Gnadengeschenke in dieser kurzen Aussage zusammen.

Ein anderes Beispiel:

قُلِ اللّٰهُمَّ مَالِكَ الْمُلْكِ تُؤْتِى الْمُلْكَ مَنْ تَشَآءُ

{"Sag: Oh Gott, der Du über die Herrschaft verfügst! Du gibst die Herrschaft, wem Du willst." (Sure 3, 26-27)}

Diese Ayah zeigt die Verfügung Gottes des Gerechten im gemeinschaftlichen Leben der Menschen so, dass die Ehre und die Erniedrigung, die Armut und der Reichtum unmittelbar von der Entscheidung und dem Willen Gottes des Gerechten abhängig ist. Das heißt, "Bis hin zu den weitverästelten Verfügungen in den vielfältigen einzelnen Bereichen ist alles an den Willen und die Bestimmung Gottes gebunden. Hier kann der Zufall seine Finger nicht mit im Spiel haben." Nachdem diese Ayah dieses Urteil bekanntgegeben hat, beweist er anhand von ein, zwei Zitaten, dass der Lebensunterhalt des Menschen, da er die wichtigste Sache in seinem Leben ist, unmittelbar aus der Schatzkammer der Barmherzigkeit des wahren Ernährers gesandt wird. Er sagt: "Eure Versorgung ist abhängig vom Leben des Bodens. Was die Belebung des Bodens betrifft, so hält sie nach dem Frühling Ausschau. Was aber den Frühling betrifft, so ist er in der Hand dessen, der die Sonne und den Mond in Seine Dienste

nimmt und der Nacht und Tag wechselt. Da dies aber so ist, kann nur der einem Menschen einen Apfel zu seiner wahren Versorgung zu geben, der Selbst auch die ganze Erde mit all ihren Früchten füllt. Und Er wird ihm der eigentliche Versorger sein." Anschließend sagt er:

وَتَرْزُقُ مَنْ تَشَآءُ بِغَيْرِ حِسَابٍ

{"Und Du bescherst, wem Du willst, ohne Maß." (Sure 3, 27)}

In diesem Satz werden diese ausführlich aufgezählten Taten zusammengefasst und bewiesen. Das heißt, "Er, der euch euren Unterhalt gibt, ohne zu zählen, ist der, welcher alle diese Taten vollbringt."

Viertens, eine Anmerkung zu seiner sprachlichen Brillanz:

Manchmal geschieht es, dass der Qur'an die Geschöpfe Gottes in einer bestimmten Reihenfolge erwähnt. Anschließend zeigt er, dass sich in diesen Geschöpfen Ordnung und Ausgewogenheit finden und sie deren Früchte sind, (d.h. die Reihenfolge in der Erwähnung der Geschöpfe ist die Frucht einer Ordnung,) womit sie durchschaubar wird und einen Glanz gewinnt. Dann extrahiert er aus dieser Reihenfolge die Namen Gottes, deren Erscheinung und Spiegelbild sie ist, als ob die erwähnten Geschöpfe Worte wären, Namen (Gottes), welche die Bedeutungen (dieser Worte) oder die Kerne jener Früchte oder ihr Konzentrat sind.

Zum Beispiel:

وَلَقَدْخَلَقْنَا اْلاِنْسَانَ مِنْ سُلاَلَةٍ مِنْ طِينٍ ٭ ثُمَّ جَعَلْناَهُ نُطْفَةً فِى قَرَارٍ مَكِينٍ ٭ ثُمَّ خَلَقْنَا النُّطْفَةَ عَلَقَةً فَخَلَقْنَا الْعَلَقَةَ مُضْغَةً فَخَلَقْنَا الْمُضْغَةَ عِظَامًا فَكَسَوْنَا الْعِظَامَ لَحْمًا ثُمَّ اَنْشَأْناَهُ خَلْقًا اٰخَرَ فَتَبَارَكَ اللَّهُ اَحْسَنُ الْخَالِقِينَ

{"Und wahrlich Wir schufen den Menschen aus einem Lehmkloß. Dann machten Wir ihn zu einem Tropfen in einem festen Behältnis. Dann erschufen Wir aus dem Tropfen ein Anhängsel, und Wir erschufen diesen Nestling zu einem Fleischkloß und Wir erschufen diesen Fötus mit Knochen und Wir bekleideten die Knochen mit Muskeln. Dann entwickelten Wir ihn zu einer neuen Schöpfung. So sei denn Allah gepriesen, der beste Schöpfer." (Sure 23, 12-14)}

So gemahnt der Qur'an an die erstaunlichen, einzigartigen, wunderschönen, wohlgeordneten und wohlausgewogenen Gestalten bei der Erschaffung des Menschen, in der Weise, als würden sie (in ihm) widergespiegelt und bringt sie so der Reihe nach, dass

فَتَبَارَكَ اللَّهُ اَحْسَنُ الْخَالِقِينَ

{"So sei denn Allah gepriesen, der beste Schöpfer." (Sure 23, 14)}

darin von sich selbst erkennbar wird und aus sich selbst sprechen lässt. Einer der Schreiber des Propheten sprach sogar, während er diese Offenbarung niederschrieb, dieses Wort bereits aus, bevor der Prophet es empfing. Sicherlich meinte er: "Vielleicht habe auch ich eine Offenbarung empfangen." In Wirklichkeit war es aber die vollkommene Wohlordnung, die Klarheit und Folgerichtigkeit, die sich äußerte, bevor der Prophet dieses Wort empfing.

Ein anderes Beispiel:

اِنَّ رَبَّكُمُ اللَّهُ الَّذِى خَلَقَ السَّمٰوَاتِ وَاْلاَرْضَ فِى سِتَّةِ اَيَّامٍ ثُمَّ اسْتَوٰى عَلَى الْعَرْشِ يُغْشِى الَّيْلَ النَّهَارَ يَطْلُبُهُ حَثِيثًا وَالشَّمْسَ وَالْقَمَرَ وَالنُّجُومَ مُسَخَّرَاتٍ بِاَمْرِهِ اَلاَ لَهُ الْخَلْقُ وَاْلاَمْرُ تَبَارَكَ اللَّهُ رَبُّ الْعَالَمِينَ

{"Siehe euer Herr ist Allah, welcher die Himmel und die Erde in sechs Tagen erschaffen hat. Alsdann inthronisierte er sich in Seiner Herrschaft. Er lässt die Nacht den Tag verhüllen und sie folgt ihm schnell; und Er schuf die Sonne, den Mond und die Sterne, die zu Seinem Befehl bereitstehen. Wahrlich, Sein ist die Schöpfung und der Befehl! Gepriesen sei Allah, der Herr der Welten." (Sure 7, 54)}

So zeigt denn der Qur'an in dieser Ayah die Größe der Macht Gottes und das Königreich des Herrn in einer Weise, dass der Allmächtige in Seiner Majestät sichtbar wird, die Sonne, der Mond und die Sterne gleich Ordonnanzoffizieren Seiner Befehle harren und Er sich in Seiner Herrschaft inthronisiert, die Wunderzeichen Seiner Herrschaft auf die Seiten des Kosmos schreibt, indem Er die Nacht und den Tag wie zwei Zonen, schwarz und weiß, oder wie zwei Streifen hintereinander (ihre Runden) drehen lässt. Jede Seele, die es hört, wünscht zu sagen:

بَارَكَااللَّهُ ٭ مَا شَآ ءَ اللَّهُ ٭ فَتَبَارَكَ اللَّهُ رَبُّ الْعَالَمِينَ

{"Segne es Gott!" "Wie wunderbar ist doch, was mit Gottes Willen geschehen ist!" "So sei denn Allah gepriesen, der Herr der Welten!"}

Das heißt,

تَبَارَكَ اللَّهُ رَبُّ الْعَالَمِينَ

{"So sei denn Allah gepriesen, der Herr der Welten!"}

gilt als Auszug, Kern, Frucht und Lebenswasser aus dem Vorausgegangenen.

Fünftens, die Vorzüglichkeit der sprachlichen Brillanz:

Der Qur'an erwähnt manchmal materielle Dinge, die der Veränderung unterworfen sind und verschiedene Eigenschaften entwickeln. Um sie zu festen Wahrheiten zu machen, fasst und bindet er sie mit festen, lichtvollen, umfassenden Namen zusammen. Oder er schließt sie mit einem Resümee ab, das zum Nachdenken anregen und ein abschreckendes Lehrbeispiel vermitteln soll.

Ein Beispiel unter vielen Beispielen zu dem ersten Punkt:

وَعَلَّمَ اٰدَمَ اْلاَسْمَآءَ كُلَّهَا ثُمَّ عَرَضَهُمْ عَلَى الْمَلٰٓئِكَةِ فَقَالَ اَنْبِؤُنِى بِاَسْمَآءِ هٰٓؤُلاَءِ اِنْ كُنْتُمْ صَادِقِينَ ٭ قَالوُا سُبْحَانَكَ لاَ عِلْمَ لَنَآ اِلاَّ مَا عَلَّمْتَنَآ اِنَّكَ اَنْتَ الْعَلِيمُ الْحَكِيمُ

{"Und Er brachte Adam alle Namen bei; dann brachte Er diese vor die Engel und sagte: Nennt mir die Namen dieser Dinge, wenn ihr wahrhaftig seid! Sie sprachen: Gepriesen seist Du. Wir haben kein Wissen außer dem, was Du uns gelehrt hast; wahrlich, Du bist der Allwissende, der Allweise." (Sure 2, 31-32)}

Hier erwähnt also diese Ayah zunächst das Ereignis, welches als "das Wissen von Hazret-i Adam, das seine Bevorzugung als Beauftragter (Khalif) gegenüber den Engeln rechtfertigte". Dann erwähnt der Qur'an in diesem Geschehen, dass die Engel gegenüber Hazret-i Adam unterlegen waren, was sein Wissen betrifft. Dann fasst er diese beiden Ereignisse mit zwei umfassenden

Namen zusammen. Es heißt da:

اَنْتَ الْعَلِيمُ الْحَكِيمُ

{"Du bist der Allwissende, der Allweise." (Sure 2, 32)}

Das heißt: "Da Du der Allwissende, der Allweise bist, lehrtest Du Adam, wodurch er uns überlegen wurde. Da Du Allweise bist, gibst Du uns gemäß unseren Fähigkeiten, und (du gibst) ihm den Vorrang, wie es seinen Fähigkeiten entspricht."

Ein Beispiel unter vielen Beispielen zu dem zweiten Punkt:

وَاِنَّ لَكُمْ فِى اْلاَنْعَامِ لَعِبْرَةً نُسْقِيكُمْ مِمَّا فِى بُطُونِهِ مِنْ بَيْنِ فَرْثٍ وَدَمٍ لَبَنًا خَالِصًا سَآئِغًا لِلشَّارِبِينَ

{"Siehe: euer Vieh gibt euch ein Lehrbeispiel: Wir tränken euch mit dem, was in ihren Leibern ist, mitten zwischen dem Mist und dem Blut: mit lauterer Milch, die so wohlschmeckend ist für den, der sie trinkt." (16, 66)}

und bis zu dem Ende des 69. Vers:

فِيهِ شِفَآءٌ لِلنَّاسِ اِنَّ فِى ذٰلِكَ لَاٰيَةً لِقَوْمٍ يَتَفَكَّرُونَ

{"Darin liegt ein Heilmittel für die Menschen. Fürwahr: darin ist ein Zeichen für ein nachdenkendes Volk!" (Sure 16, 69)}

So zeigen denn diese Ayat, dass Gott der Gerechte Seine Geschöpfe, wie Schaf, Ziege, Rind oder Kamel für die Menschen zu reinen, lauteren, geschmackvollen Milchbrunnen; Kunstwerke wie Reben und Palmen für die Menschen zu Tischen und Töpfen voll, anmutigen, geschmackvollen, süßen Gaben; und kleine Wunderwerke Seiner Macht, wie die Bienen, zu Verteilern heilender, süßer, schöner Getränke gemacht hat, wonach (der Qur'an) sagt:

اِنَّ فِى ذٰلِكَ لَاٰيَةً لِقَوْمٍ يَتَفَكَّرُونَ

{"Fürwahr: darin ist ein Zeichen für ein nachdenkendes Volk!" (16, 69)}

und mit diesen Worten schließt, um dazu anzuregen, mit noch anderen Dingen zu vergleichen, damit (die Menschen) nachdenken und ihre Lehre ziehen sollen.

Sechstens, eine Anmerkung zur sprachlichen Brillanz:

Manchmal geschieht es, dass eine Ayah die Bestimmungen der Herrschaft über eine breite Vielfalt hin ausbreitet, dann mit einem einigenden Band zu einer Einheit vereinigt, oder in ein allumfassendes Gesetz einsetzt.

Ein Beispiel:

وَسِعَ كُرْسِيُّهُ السَّمٰوَاتِ وَاْلاَرْضَ وَلاَ يَؤُدُهُ حِفْظُهُمَا وَهُوَ الْعَلِىُّ الْعَظِيمُ

{"Weit reicht Sein Thron über die Himmel und die Erde und es fällt Ihm nicht schwer sie zu bewahren. Er ist der Hohe, der Gewaltige." (2, 225)}

So werden in dem Thronvers mit zehn Sätzen zehn Stufen der Einheit in verschiedenen Farben bewiesen, wobei der Satz

مَنْ ذاَالَّذِى يَشْفَعُ عِنْدَهُ اِلاَّ بِاِذْنِهِ

{"Wer ist es, der bei Ihm Fürsprache einlegen könnte, außer mit Seiner Erlaubnis?" (Sure 2, 225)}

in einer ganz besonders schneidenden Strenge Abgötterei (schirk)und jede Einwirkung fremder (Kräfte) von sich weist und sie verwirft. Weil aber nun zudem in dieser Ayah der Gewaltige Name Gottes (Ism-i 'Azam)aufscheint, wird in ihm die Bedeutung der Wahrheit Gottes in so hohem Grade sichtbar, dass sich darin die Größe Seines Herrschaftsbereiches zeigt. Nachdem er des Weiteren die Maßnahmen der Gottheit, die alle Himmel und die ganze Erde zugleich betreffen, und Seinen alles umfassenden Schutz im seinem ganzen, großen und gewaltigen Umfang erwähnt hat, zeigt er das einigende Band (der gesamten Schöpfung), den Aspekt ihrer Einheit auf und fasst die Ursprünge ihrer inneren gewaltigen Erscheinungen in (dem Ausdruck)

وَهُوَ الْعَلِىُّ الْعَظِيمُ

{"Er ist der Hohe, der Gewaltige." (Sure 2, 225)}

zusammen.

Ein anderes Beispiel:

اَللَّهُ الَّذِى خَلَقَ السَّمٰوَاتِ وَاْلاَرْضَ وَاَنْزَلَ مِنَ السَّمَآءِ مَآءً فَاَخْرَجَ بِهِ مِنَ الثَّمَرَاتِ رِزْقًا لَكُمْ وَسَخَّرَ لَكُمُ الْفُلْكَ لِتَجْرِىَ فِى الْبَحْرِ بِاَمْرِهِ وَسَخَّرَ لَكُمُ اْلاَنْهَارَ ٭ وَسَخَّرَ لَكُمُ الشَّمْسَ وَالْقَمَرَ دَآئِبَيْنِ وَسَخَّرَ لَكُمُ الَّيْلَ وَالنَّهَارَ ٭ وَاٰتيٰكُمْ مِنْ كُلِّ مَاسَاَلْتُمُوهُ وَاِنْ تَعُدُّوا نِعْمَةَ اللَّهِ لاَ تُحْصُوهَا

{"Allah ist es, der die Himmel und die Erde erschuf und vom Himmel Wasser herabkommen ließ und dadurch einen Lebensunterhalt von den Früchten für euch hervorbrachte. Und Er stellt in euren Dienst die Schiffe, damit sie auf Seinen Befehl über das Meer fahren. Und Er stellt die Flüsse in euren Dienst. Er stellt die Sonne und den Mond, wie sie unablässig miteinander laufen, in euren Dienst. Und Er stellt in euren Dienst die Nacht und den Tag. Und er lässt euch etwas zukommen von allem worum ihr bittet. Und wolltet ihr die Gnadengaben Gottes berechnen, ihr könntet sie nicht aufzählen." (Sure 14, 32-34)}

Diese Ayat besagen: Als erstes erschuf Gott der Gerechte diesen riesigen Kosmos für den Menschen wie ein schönes Schloss und Er sandte vom Himmel zur Erde das Lebenswasser. Er stellte die Erde und den Himmel als zwei Diener ein, um für den Menschen den Lebensunterhalt hervorzubringen. Er stellte die Schiffe in den Dienst der Menschen, um zu ermöglichen, dass jeder Mensch alle Arten Früchte von allen Ecken der Erde nutzen kann und damit die Menschen die Früchte ihrer Arbeit austauschen, und alle Arten ihrer Lebensbedürfnisse decken können. Das heißt: Er brachte das Meer, den Wind und das Holz in der Weise zueinander, dass der Wind (dem Menschen) als seine Peitsche, das Schiff als sein Pferd und das Meer gleich einer Wüste unter seinen Füßen dient. Durch das Schiff ermöglichte Er den Menschen, mit der ganzen Erde in Verbindung zu treten. Flüsse und große Ströme machte Er für die Menschen zu natürlichen Transportmitteln. Er ließ Sonne und Mond (ihre Bahnen) ziehen, ließ sie als zwei dienstbereite Steuermänner das riesige Rad der Jahreszeiten drehen und ließ sie als Seine Diener die vielfarbigen Gnadengeschenke des wahren Gebers anbieten, wie sie sich in den Jahreszeiten abwechseln.

Er stellte die Nacht und den Tag für den Menschen in den Dienst. Er machte die Nacht zu einer Decke für seinen erquickenden Schlaf und den Tag zu einem Marktplatz für seinen Lebensunterhalt. Nachdem der Qur'an diese Gnadengaben aufgezählt hat, zeigt er mit derZusammenfassung:

وَاٰتيٰكُمْ مِنْ كُلِّ مَاسَاَلْتُمُوهُ وَاِنْ تَعُدُّوا نِعْمَةَ اللَّهِ لاَ تُحْصُوهَا

{"Wenn ihr die Gnadengaben Gottes berechnen wolltet, könntet ihr sie nicht aufzählen." (Sure 14, 34)}

welch großen Umfang die Gnadengeschenke haben, die dem Menschen erwiesen werden, und in welchem Ausmaß grenzenlos viele Gnadengeschenke über dem Bereich (unserer Schöpfung) ausgeschüttet worden sind. Das heißt: Alles was der Mensch in der Sprache seiner geistigen Fähigkeiten und angeborenen Bedürfnisse erbittet, wird ihm gegeben. Gottes Gnadengaben für den Menschen kann man nicht aufzählen, noch erfassen. Sie erschöpfen sich nicht. Wären Himmel und Erde für den Menschen ein Tisch, ein Teil der Gnadengaben darauf Sonne und Mond, Nacht und Tag, ließen sich doch die Gnadengaben, die dem Menschen zugedacht sind, noch nicht einmal in Schätzungen und Grenzen angeben.

Siebtens, ein Geheimnis der sprachlichen Brillanz:

Manchmal geschieht es, dass uns eine Ayah den Sinn und den Nutzen einer Frucht zeigt, um (uns zugleich damit zu zeigen,) wie weit die äußerlichen Ursachen von der Fähigkeit entfernt sind, etwas erschaffen zu können, um so (Ursachen und Fähigkeiten voneinander) zu trennen und um uns (auf diese Weise) deutlich zu machen, dass eine Ursache nur ein Schleier von Äußerlichkeiten ist. Denn der Wille zu Zielen von großer Weisheit und bedeutenden Früchten, ist an das Werk eines Weisen (Hakiem)und großen Gelehrten (Alim)gebunden. Was aber die Ursachen betrifft, so sind sie ohne ein Bewusstsein und tot.

Des Weiteren zeigt eine Ayah, indem sie Nutzen und Früchte erwähnt, auch wenn die Ursachen äußerlich betrachtet,

in der physischen Welt, mit ihren Ergebnissen ganz nahe beieinander liegen und zusammenzugehören scheinen, dass in Wirklichkeit eine weite Entfernung zwischen ihnen liegt. Von einer Ursache bis zu ihrem Ergebnis liegt eine so große Entfernung, dass auch die größte Ursache zur Erschaffung auch des kleinsten Ergebnisses nicht genügen kann. So gehen denn die Namen Gottes in dieser weiten Entfernung zwischen Ursache und Wirkung wie die Sterne auf. Ihr Aufgang liegt zwischen den Entfernungen ihrer Bedeutungen, so wie ja auch die Berge unter dem Horizont nahe beieinander und mit dem Himmel zu verschmelzen scheinen. In Wirklichkeit liegt zwischen dem Kamm eines Berges und dem Horizont des Himmels eine große Spanne, innerhalb derer der Aufgang aller Sterne und (noch viele) andere Dinge ihre Wohnstatt haben. Genauso liegt eine große Entfernung ihrer Bedeutung zwischen einer Ursache und ihrer Folge, was aber erst durch das Fernrohr des Glaubens und im Licht des Qur'an erkennbar wird.

Zum Beispiel:

فَلْيَنْظُرِ اْلاِنْسَانُ اِلٰى طَعَامِهِ ٭ اَنَّا صَبَبْنَا الْمَآءَ صَبًّا ٭ ثُمَّ شَقَقْنَا اْلاَرْضَ شَقًّا ٭ فَاَنْبَتْنَا فِيهَا حَبًّا ٭ وَعِنَبًا وَقَضْبًا ٭وَزَيْتُونًا وَنَخْلاً ٭وَحَدَآئِقَ غُلْبًا ٭ وَفَاكِهَةً وَاَبّاً ٭ مَتَاعًا لَكُمْ وَ لِاَنْعَامِكُمْ

{"So betrachte der Mensch einmal seine Speise! Siehe, wir ließen Wasser in Strömen fließen. Alsdann zerspalteten wir die Erde. Und ließen Korn auf ihr sprießen. Weinreben und Gemüse. Und Ölbäume und Palmen. Und dicht bepflanzte Gärten. Und Früchte und Gras. Zum Unterhalt für euch und euer Vieh." (Sure 80, 24-32)}

So erwähnen denn diese ehrwürdigen Ayat die Wunderwerke der göttlichen Macht in einer Anordnung voll Weisheit. Sie verbinden die Wirkung mit ihrer Ursache und führen am Ende (der Ayah) mit den Worten: مَتَاعًا لَكُمْ {"zu eurem Nutzen" (Sure 80, 32)}

zu einem Ergebnis, einem Ziel, das beweist, dass es einen Lenker und Leiter gibt, der dieses Ziel (im Ablauf) aller dieser hintereinander geschalteten Ursachen und ihrer Wirkungen kennt und im Auge behält, und der sich hinter all diesen Ursachen wie hinter einem Schleier verbirgt. Mit dem Wort مَتَاعًا لَكُمْ وَ لِاَنْعَامِكُمْ {"zum Nutzen für euch und euer Vieh." (Sure 80, 32)} trennen sie in der Tat alle Ursachen von ihrer Fähigkeit, etwas erschaffen zu können. Der Bedeutung nach sagen sie: Um für euch und euer Vieh die Versorgung rechtzeitig herbeizubringen, kommt das Wasser vom Himmel. Da dieses Wasser aber nicht über die Fähigkeit verfügt, mit euch und euerem Vieh mitzufühlen, es zu lieben und die Versorgung zur rechten Zeit bereitzustellen, heißt dies, dass das Wasser nicht kommt, sondern gesandt wird. Des Weiteren öffnet sich die Erde in ihren Pflanzen, von wo euer Lebensunterhalt kommt. Da die Erde ohne ein Gefühl und ohne Bewusstsein sehr weit entfernt ist von der Fähigkeit, sich um eure Versorgung zu bekümmern und euch zu lieben, heißt dies, dass die Erde sich nicht von sich aus öffnet, vielmehr ein Anderer dieses Tor öffnet und die Gnadengaben in eure Hände legt. Des Weiteren liegt es Gräsern und Bäumen fern, sich um eure Versorgung zu bekümmern und in ihrer Barmherzigkeit Früchte und Getreide für euch wachsen zu lassen, weshalb die Ayah zeigt, dass dies Seile und Fäden sind, die der Allbarmherzige, der Allweise, (verborgen) hinter einem Schleier ausbreitet, an denen Er Seine Geschenke befestigt, um sie Seinen Lebewesen zu reichen. Aus diesen Erklärungen zeigt sich der Aufgang von vielen Namen, wie der Barmherzige (Rahim),der Versorger (Rezzaq),der Geber (Mün'im),Der Freigiebige (Kerim).

Ein anderes Beispiel:

اَلَمْ تَرَ اَنَّ اللَّهَ يُزْجِى سَحَابًا ثُمَّ يُؤَلِّفُ بَيْنَهُ ثُمَّ يَجْعَلُهُ رُكاَمًا فَتَرَى الْوَدْقَ يَخْرُجُ مِنْ خِلاَلِهِ وَيُنَزِّلُ مِنَ السَّمَآءِ مِنْ جِبَالٍ فِيهَا مِنْ بَرَدٍ فَيُصِيبُ بِهِ مَنْ يَشَآءُ وَيَصْرِفُهُ عَنْ مَنْ يَشَآءُ يَكَادُ سَنَا بَرْقِهِ يَذْهَبُ بِاْلاَبْصَارِ ٭ يُقَلِّبُ اللَّهُ الَّيْلَ وَالنَّهَارَ اِنَّ فِى ذٰلِكَ لَعِبْرَةً ِلاُولِى اْلاَبْصَارِ ٭ وَاللَّهُ خَلَقَ كُلَّ دَآبَّةٍ مِنْ مَآءٍ فَمِنْهُمْ مَنْ يَمْشِى عَلٰى بَطْنِهِ وَمِنْهُمْ مَنْ يَمْشِى عَلٰى رِجْلَيْنِ وَمِنْهُمْ مَنْ يَمْشِى عَلٰٓى اَرْبَعٍ يَخْلُقُ اللَّهُ مَا يَشَآءُ اِنَّ اللَّهَ عَلٰى كُلِّ شَىْءٍ قَدِيرٌ

{"Sahst du nicht, dass Allah die Wolken treibt und sie dann wieder versammelt und sie dann aufhäuft? Und du siehst den Regen mitten aus ihnen herauskommen. Und er sendet vom Himmel Wolkenberge herab, erfüllt mit Hagel, und Er trifft damit, wen Er will, und wendet sie ab, von wem Er will. Der Glanz Seines Blitzes blendet fast die Augen! Allah lässt wechseln die Nacht und den Tag; siehe, hierin ist wahrlich eine Lehre für die Verständigen. Allah erschuf alle Tiere aus Wasser; unter ihnen sind Einige, die auf ihrem Bauch und Andere, die auf zwei Füßen und Andere, die auf Vieren gehen. Allah schafft, was er will; siehe, Allah hat Macht über alle Dinge." (Sure 24, 43-45)}

Wenn diese Ayat diese einzigartige Lenkung und Leitung bei der Bildung der Wolken und dem Regen, die wichtigsten unter den wunderbaren Werken des Herrn und die bewunderungswürdigsten Schleier der Schatzkammern Seiner Barmherzigkeit, erklären wollen, vergleichen sie die Teile der Wolken, die in der Atmosphäre aufgelöst und verborgen haben, mit den Soldaten, die eine Ruhepause einlegen und sich auf ein Signal einer Trompete wieder zusammenfinden. So versammeln sie sich mit dem Befehl Gottes und formen sich wieder zu Wolken. Dann vereinigt Er diese kleinen Wölkchen, als ob diese winzig kleinen Scharen ein Heer bildeten. Von diesen Haufenwolken her, die mit ihrer Größe und Form die segelnden Berge des Weltuntergangs darstellen und feucht und weiß wie Schnee oder Hagel sind, sendet Er das Lebenswasser zu allem, was da lebt. Aber in dieser Aussendung offenbart sich ein Wille, eine Absicht. Es kommt je nach Bedürfnis; das heißt, es wird gesendet. Die Atmosphäre ist ganz klar und rein, ohne jede (sichtbare Spur einer Wolke) darinnen. Sie erscheint wie ein einzigartiger Versammlungsort. Diese bergesgleichen Massen

versammeln sich also nicht von sich aus, es ist vielmehr einer da, der alles, was da lebt, kennt und der sie sendet. So gehen denn in dieser Distanz zwischen ihren Bedeutungen die Namen wie der Allmächtige (qadir),der Allwissende (alim),der Lenker und Leiter (mutasarrif),der Organisator (mudebbir),der Versorger (murabbi),der Helfer (mughith),der Lebensspender (muhyi)auf.

Achtens, der Vorzug der sprachlichen Brillanz:

Manchmal geschieht es, dass der Qur'an Staunen erregende Taten erwähnt, die Gott der Gerechte in dieser Welt vollbringt, um den Menschen auf Seine wunderbaren Taten im Jenseits vorzubereiten, damit dieser sie in seinem Herzen annehme und mit seinem Verstande bestätige. Oder es werden darin die Staunen erregenden Taten erwähnt, die Er in der Zukunft (d.h. beim Weltuntergang) und im Jenseits (d.h. beim Weltgericht) vollbringen wird, damit wir durch die Beobachtung vergleichbarer Ereignisse davon überzeugt werden.

Zum Beispiel:

اَوَلَمْ يَرَ اْلاِنْسَانُ اَنَّاخَلَقْناَهُ مِنْ نُطْفَةٍ فَاِذَا هُوَخَصِيمٌ مُبِينٌ

{"Sieht der Mensch etwa nicht, dass Wir ihn aus einem Samentropfen erschaffen haben. Doch er ist Uns zu einem offenen Kritiker geworden." (Sure 36, 77)}

und so weiter bis zum Ende dieser Sure. So beweist der Weise Qur'an also in der Frage der Wiederversammlung die Auferstehung auf sieben, acht verschiedene Arten und Formen.

Zunächst stellt er uns unsere Ursprüngliche Entstehung (nesh'e-i 'ula)vor Augen. Er sagt: Von einem Samentropfen (nutfe)zu einem Eingenisteten (alaqa),von einem Eingenisteten zu einem Klumpen Fleisch (mudgha)könnt ihr die Erschaffung des Menschen bis zu ihrer Vollendung beobachten... Wie also nun könnt ihr eure Zweite Entstehung (nesh'e-i uhra)noch leugnen? Sie gleicht doch nur der ersten und ist vielleicht sogar noch einfacher als diese. Zudem weist Gott der Gerechte auch auf die gewaltigen Gnadengaben hin, die Er dem Menschen verliehen hat, indem Er sagt:

اَلَّذِى جَعَلَ لَكُمْ مِنَ الشَّجَرِ اْلاَخْضَرِ نَارًا

{"Er, welcher aus den grünen Bäumen Feuer für euch gemacht hat." (Sure 36, 83)}

Wird nun Er, der euch solche Gnadengaben verliehen hat, danach euch ganz und gar selbst überlassen, damit ihr euch am Ende ins Grab legen und nicht wiederauferstehen solltet? Zudem sagt der Qur'an indirekt auch: Ihr seht doch, wie tote Bäume von neuem wieder grün und lebendig werden. Könnt ihr nicht aus der Wiederbelebung knochentrockenen Holzes eure Schlussfolgerungen ziehen und wollt dies für völlig unverständlich ansehen? Ja sollte denn der, welcher Himmel und Erde erschaffen hat, über Leben und Tod des Menschen, der doch die Frucht der Himmel und Erden ist, keine Macht besitzen? Ja sollte denn der, welcher diesen riesigen Baum gepflegt hat, der Frucht dieses Baumes keinen Wert mehr beimessen und sie einem Anderen überlassen? Ja, könntet ihr euch vielleicht vorstellen, dass der, welcher den Baum der Schöpfung geformt und mit all seinen Teilen in Weisheit gebildet hat, ihn nun nutz- und sinnlos werden ließe und all dem, was er hervorbringt, keine Beachtung mehr schenkte? Und weiter heißt es im Qur'an: Der, welcher euch zu der Wiederversammlung auferwecken wird, ist jener Herr, vor dem der gesamte Kosmos einem befehlsbereiten Soldaten gleicht. Vor seinem Befehl: "Kun fe yakun"كُنْ فَيَكُونْ (Sei! Und es ist.), beugt er sich in vollkommenem Gehorsam. Einen Frühling zu erschaffen ist für Ihn ebenso leicht wie die Erschaffung einer Blume. Die gesamte Tierwelt ins Dasein zu rufen ist für Ihn in Seiner Macht genauso leicht, als handele es sich dabei bloß um eine Mücke. Man darf Ihn nicht herausfordern und Seine Macht gering schätzen und zu Ihm sagen:

مَنْ يُحْيِى الْعِظَامَ

{"Wer wird diese Gebeine wieder beleben?" (Sure 36, 78)}

Sodann wird mit dem Vers:

فَسُبْحَانَ الَّذِى بِيَدِهِ مَلَكُوتُ كُلِّ شَىْءٍ

{"Lob und Preis sei Ihm, in dessen Händen die Herrschaft (melekut) aller Dinge ruht." (Sure 36, 83)}

zum Ausdruck gebracht, dass der, welcher der Allmächtige ist in Seiner Majestät, die Zügel aller Dinge in Seinen Händen hält und die Schlüssel zu allen Dingen besitzt und dass Er Tag und Nacht, Sommer und Winter so leicht umblättert wie die Seiten eines Buches. Diesseits und Jenseits gleichen zwei Wohnstätten, deren eine Er öffnet und deren andere Er schließt.

Da dies nun einmal so ist, zeigt sich als Schlussfolgerung aller Beweisführung: وَاِلَيْهِ تُرْجَعُونَ {"Und zu Ihm werdet ihr zurückkehren." (Sure 36, 83)} d.h. Er wird euch aus dem Grabe heraus wieder zum Leben zurück und zur Wiederversammlung führen. In Seiner Gegenwart und Größe wird Er euch eure Rechnung vorlegen.

So haben also diese Ayat den Verstand darauf vorbereitet, den Glauben an die Wiederversammlung zu bestätigen. Sie haben auch das Herz bereit gemacht. Denn sie haben am Beispiel irdischer Geschehnisse deren Abbilder aufgezeigt.

Zudem geschieht es manchmal, dass der Qur'an die künftigen Taten Gottes dadurch erwähnt, dass deren irdische Entsprechungen in uns wachgerufen werden, sodass kein Raum mehr bleibt, sie für unmöglich zu halten oder zu leugnen. Z.B.: اِذَا الشَّمْسُ كُوِّرَتْ {"Wenn die Sonne zusammengefaltet wird..." (Sure 81, 1)} usw.

اِذَا السَّمَآءُ انْفَطَرَتْ {"Wenn der Himmel sich spaltet..." (Sure 82, 1)} usw. اِذَا السَّمَآءُ انْشَقَّتْ {"Wenn der Himmel zerreißt..." (Sure 84, 1)}

In solchen Suren werden die gewaltigen Umwälzungen und all das, was die Herrschaft Gottes bei der Auferstehung und Wiederversammlung verfügt, in der Weise erwähnt, dass der Mensch diese Umwälzungen, die dem Herzen Furcht einflößen und den Verstand überwältigen, leicht anzunehmen vermag, weil er ihre Entsprechungen in der Welt, z.B. im Herbst und im Frühling sehen kann. Wollten wir hier auf den Inhalt dieser drei Suren auch nur einen kurz zusammengefassten Hinweis geben: es würde dies zu weit führen. Wir wollen deshalb hier nur einen einzigen Vers als Beispiel anführen.

Mit den Worten: اِذَا الصُّحُفُ نُشِرَتْ {"Wenn die Blätter ausgebreitet werden..." (Sure 81, 10)} wird zum Ausdruck gebracht, dass bei der Wiederversammlung alle Taten jedes Menschen wie auf einer einzigen Seite zusammengefasst und veröffentlicht werden. Dieses Problem für sich allein betrachtet erscheint uns recht eigenartig und dem Verstand unzugänglich. Aber so wie diese Sure darauf hinweist, findet die Veröffentlichung der Blätter ganz offensichtlich ebenso ihre Entsprechung in der Wiederversammlung des Frühlings wie auch anderer vergleichbarer Geschehnisse. Denn jeder fruchttragende Baum und jede blühende Pflanze hat ihre Pflichten und Aufgaben, ihre Aktivitäten und Funktionen und ihre Prädikate. Je nach ihrer Form, in der sie die Namen Gottes zeigen, zelebrieren sie lobend und preisend den Dienst an ihrem Herrn. So ist die Funktion, die Lebens- und Wachstumsgeschichte einer jeden Pflanze

allen ihren Samenkernen und Körnern eingegeben, wenn diese in einem neuen Frühling und an einem anderen Ort wieder aus dem Boden hervorkommen werden. Mit der Form und Gestalt, in der sie sich uns zeigen, wird ganz klar ersichtlich, wie sie Ursprung und Herkunft ihrer Taten und Aufgaben gedenken und ihre Äste und Zweige, ihre Blätter und Blüten ausbreiten und ihre Früchte hervorbringen und so auch die Blätter ihrer Taten und Aufgaben ausbreiten. In der Tat vollbringt der Gleiche voll Weisheit und als ein Verständiger (Hakiem)voll Achtsamkeit und als ein Beschützer (Hafiz)voll Umsicht und als ein Leiter (Müdebbir)voll Fürsorge und als ein Lehrer (Mürebbi)voll Zärtlichkeit und als ein Anmutiger (Latif)alle diese Werke, der gesagt hat:

اِذَا الصُّحُفُ نُشِرَتْ

{"Wenn die Blätter ausgebreitet werden..." (Sure 81, 10)}

Man möge nun ähnliche Qur'anstellen zum Vergleich heranziehen und Möglichkeiten ausdeuten! Um eine Hilfestellung zu geben, wollen wir noch hinzufügen, dass die Ayah:

اِذَا الشَّمْسُ كُوِّرَتْ

{"Wenn die Sonne zusammengefaltet wird..." (Sure 81, 1)}

mit dem Ausdruck zusammenfalten, umhüllen (tekvir)auf das folgende glänzende Beispiel hinweist und auf dessen Entsprechung anspielt:

Erstens:

In der Tat hat Gott der Gerechte die Schleier des Nicht-Seins, des Äthers und des Himmels geöffnet, um die Sonne einer diamantenen Lampe gleich aus der Schatzkammer seiner Barmherzigkeit zur Erleuchtung der Welt hervorzuholen und der Welt zu zeigen. Nachdem diese Welt geschlossen worden ist, wird Er diesen Juwel wieder in seine Schleier einhüllen und zurückbringen.

Zweitens:

Man kann die Sonne auch als eine Art Beamten betrachten, der damit beauftragt ist, die guten Eigenschaften des Lichtes auszuteilen und dafür Sorge zu tragen,

dass es sich hier auf Erden mit der Finsternis abwechselt. Zwar sammelt nun dieser Beamte jeden Abend sein Gut ein und verbirgt sich; es kann aber auch sein, dass sein Geschäft durch den Schleier einer Wolke vermindert wird; oder es kann sein, dass der Mond zu einem Schleier vor ihrem Antlitz wird und ihn in seinem Dienst zum Teil behindert. So wie er nun seine Güter und das Buch seiner Taten einsammelt, so wird er sicherlich auch einmal von seinen Pflichten entbunden werden. Und es wird zu ihm gesagt werden: "Auf! Fahre nun zur Hölle hinab und verbrenne dort diejenigen, die dich angebetet und so mit ihrer Treulosigkeit eine gehorsame Dienerin wie dich verspottet haben!" So trägt sie den Erlass (ferman)vor:

اِذَا الشَّمْسُ كُوِّرَتْ

{"Wenn die Sonne zusammengefaltet wird..." (Sure 81, 1)}

Neuntens, eine Anmerkung zur sprachlichen Brillanz:

Zuweilen geschieht es, dass der Weise Qur'an einige kleine Ziele erwähnt. Dann berichtet er ein kleines Ereignis anstelle eines allgemeingültigen Grundsatzes mit Gottes Schönen Namen, stellt es fest, forscht und beweist es, um den Verstand von den erwähnten kleinen Ereignissen hinweg zu allgemeingültigen Rängen zu führen.

Ein Beispiel:

قَدْ سَمِعَ اللَّهُ قَوْلَ الَّتِى تُجَادِلُكَ فِى زَوْجِهَا وَتَشْتَكِىٓ اِلَى اللَّهِ وَاللَّهُ يَسْمَعُ تَحَاوُرَكُمَآ اِنَّ اللَّهَ سَمِيعٌ بَصِيرٌ

{"Gehört hat Gott die Aussage jener, die mit dir über ihren Gatten stritt und bei Gott Klage erhob. Gott hörte euren Wortwechsel. Gott hört und sieht alles." (Sure 58, 1)}

Hier sagt der Qur'an: "Gott der Gerechte ist allhörend, Er hört alles. Er hört sogar mit Seinem Namen "der Gerechte" den Streit einer Frau mit dir, die sich über ihren Gatten beklagt, was nur eine private Angelegenheit war. Überdies hört Er mit Seinem Namen "der Barmherzige" die berechtigte Beschwerde einer Frau, in der die

anmutigste Form der Barmherzigkeit erscheint und die in ihrer Opferbereitschaft eine Quelle der selbstlosen Liebe (shefqat)ist. Er hört sie aufmerksam unter Seinem Namen "der Barmherzige" und nimmt sie mit Seinem Namen "der Gerechte" genauso wichtig wie die gewaltigste Angelegenheit." Um dieses kleine Ereignis zu verallgemeinern, muss derjenige, der außerhalb des Bereichs der Möglichkeiten des Seins ist, der auch das kleinste Ereignis der Geschaffenen hört und sieht, mit Sicherheit der Herr sein, der alles hört und alles sieht. Derjenige, der der Herr des Kosmos ist, muss die Sorgen der armen, kleinen Geschaffenen innerhalb des Kosmos sehen und ihr Wehklagen hören. Wer ihre Sorgen nicht sieht und ihre Klagen nicht hört, kann kein Herr sein. Wenn das so ist, stellt der Qur'an mit dem Satz اِنَّ اللَّهَ سَمِيعٌ بَصِيرٌ {"Wahrlich, Gott hört und sieht alles." (Sure 58, 1)} zwei gewaltige Wahrheiten fest.

Ein anderes Beispiel:

سُبْحَانَ الَّذِىٓ اَسْرٰى بِعَبْدِهِ لَيْلاً مِنَ الْمَسْجِدِ الْحَرَامِ اِلَى الْمَسْجِدِ اْلاَقْصَا الَّذِى بَارَكْنَا حَوْلَهُ لِنُرِيَهُ مِنْ اٰياَتِنَآ اِنَّهُ هُوَ السَّمِيعُ الْبَصِيرُ

{"Preis sei dem, der seinem Diener bei Nacht von der heiligen Moschee (zu Mekka) zur fernen Moschee (zu Jerusalem), die Wir ringsum gesegnet haben, reisen ließen, damit Wir ihm etwas von Unseren Zeichen zeigen. Er ist der, der alles hört und sieht." (Sure 17, 1)}

Nachdem der Qur'an die Nachtreise des Ehrenwerten Gesandten, mit dem Friede und Segen sei, von seiner Moschee (Mesdjid-i Haram)zu der fernen Moschee (Mesdjid-i Aqsa),die der Anfang seiner Himmelfahrt (Mi'radj)war, erwähnt hat, sagt er

اِنَّهُ هُوَ السَّمِيعُ الْبَصِيرُ

{"Wahrlich, Er ist der, der alles hört und alles sieht." (Sure 17, 1)}

Das Pronomen "Hu",das in dem اِنَّهُ {"Wahrlich, Er ist."} enthalten ist, kann sich entweder auf Gott den Gerechten oder auf den Gesandten beziehen. Sollte es sich auf den Gesandten beziehen, dann besagt die Ayah folgendes: "Die Reise dieser Persönlichkeit ist eine Reise stellvertretend für alle und für einen Aufstieg über alle Stufen, sodass er die Zeichen des Herrn und die einzigartigen Kunstwerke Gottes gehört und gesehen hat, welche seine Augen und Ohren bei seiner Reise über alle Stufen der Gottesnamen bis zum "Lotusbaum" (Sidretu l-munteha),ja bis auf "Zwei-Bogenlängen-Nähe" zu Gott (Qab-i Qauseyn)angetroffen haben." Diese Ayah schildert jene persönliche Reise des Propheten als Schlüssel zu einer Reise mit einer einzigartigen Versammlung und zu einer Reise, die stellvertretend für alle ist. Wenn sich das Pronomen auf Gott den Gerechten beziehen sollte, dann besagt die Ayah folgendes:

"Er lud einen Seiner Diener zu einer Reise in Seine Gegenwart ein, um ihn mit einer Aufgabe zu beauftragen. Er sandte ihn von der innersten Moschee (zu Mekka)zur äußersten Moschee (zu Jerusalem),wo sich alle Propheten versammelten, ließ ihn mit den Propheten zusammentreffen, und nachdem Er ihnen gezeigt hatte, dass er der vollkommene Erbe des Wurzelgrundes der Religionen aller Propheten ist, führte Er ihn in Seinem ganzen Reiche, der Körperwelt wie der Engelwelt empor, bis Er ihn (schließlich in dem Maqam von) "Zwei-Bogen-längen-Nähe (Qab-i Qauseyn)"bei Sich (Gott empfing)." So ist diese Persönlichkeit also zwar ein Diener; diese Reise ist die Himmelfahrt, die zwar er Individuum erlebt; aber bei ihm als Diener ein Pfand (emanet),das ihn mit dem ganzen Sein verbindet. Überdies ist ein Licht mit ihm, das die Farbe unseres Daseins zu verwandeln vermag. Überdies ist ein Schlüssel bei ihm, der das Tor zur Ewigen Glückseligkeit zu öffnen vermag.

Darum stellt sich Gott der Gerechte in Seinen Eigenschaften als der All-Hörende und All-Sehende vor, sodass der universelle Wert dieses Unterpfandes, dieses Lichtes und dieses Schlüssels aufgezeigt werde.

Ein anderes Beispiel:

اَلْحَمْدُ ِللَّهِ فَاطِرِ السَّمٰوَاتِ وَاْلاَرْضِ جَاعِلِ الْمَلٰٓئِكَةِ رُسُلاً اُولِىٓ اَجْنِحَةٍ مَثْنىَ وَثُلٰثَ وَرُبَاعَ يَزيِدُ فِى الْخَلْقِ مَا يَشَآءُ اِنَّ اللَّهَ عَلٰى كُلِّ شَئٍْ قَدِيرٌ

{"Alles Lob gebührt Allah, dem Schöpfer der Himmel und der Erde, der die Engel zu Boten macht, versehen mit Flügeln in Paaren zu dritt und zu viert. Er fügt der Schöpfung hinzu, was Er will. Wahrlich, Allah hat Macht über alle Dinge." (Sure 35, 1)}

So besagt diese Ayah also am Anfang: "Der majestätische Schöpfer der Himmel und der Erde verzierte die Himmel und die Erde so mit Seinen wunderbaren Kunstwerken, dass die ungezählten Zuschauer dazu gebracht werden, ihren Schöpfer unendlich zu loben und zu preisen. Desgleichen schmückte Er sie mit unzählbaren Gnadengeschenken, dass der Himmel und die Erde in der Sprache all Seiner Gnadengaben, und derer, die diese Gnadengaben genießen, jenem gnädigen Schöpfer unendlich viel Lob und Preis darbringen." Der majestätische Schöpfer, der nicht nur Menschen, Tieren und Vögeln, Flügel und Flugmaschinen verliehen hat, womit sie zwischen den Städten und Ländern der Erde fliegen und umherreisen können, sondern auch den Engeln, Einwohnern des Himmelreiches, Flügel verliehen hat, damit sie zwischen den Sternen, den Schlössern des Himmels, und zwischen den Türmen, (Sternbildern und) hohen Ländern, wo sie Zuhause sind, reisen und fliegen können, muss mit Sicherheit Macht über alle Dinge haben. Derjenige, der einer Fliege die Flügel verleiht, mit denen sie von einer Frucht zur anderen Frucht fliegt, der einem Sperling Flügel gibt, mit denen er von dem einen Baum zu einem anderen Baum fliegt, ist derselbe, der die Flügel gibt, mit denen man vom Morgenstern zum Jupiter, vom Jupiter zum Saturn fliegen kann. Des Weiteren sind die Engel nicht auf eine einzelne Existenz, wie unsere

irdische, beschränkt. Sie sind nicht an einen bestimmten Ort gebunden. Als Hinweis darauf, das sie zu gleicher Zeit auf vier oder noch mehr Sternen anwesend sind, gibt der Vers eine ausführliche Erklärung mit den Worten

مَثْنٰى وَثُلٰثَ وَرُبَاعَ

{"in Paaren, zu dritt und zu viert"}

So weist denn diese Ayah mit dem Ausdruck: "Die Engel mit Flügeln zu versehen", was nur ein minderes Geschehen ist, auf die Werkbank hin, wo sich dann die Größe Seiner Macht in ihrem ganzen großen Umfang und in ihrer Allgemeingültigkeit herausstellt. Mit dem Ausdruck: اِنَّ اللَّهَ عَلٰى كُلِّ شَئٍْ قَدِيرٌ {"Wahrlich, Allah hat Macht über alle Dinge." (Sure 35, 1)} untersucht er dies zugleich und befestigt es.

Zehntens, eine Anmerkung zur sprachlichen Brillanz:

Es kommt gelegentlich vor, dass eine Ayah, Werke menschlichen Ungehorsams gegenüber Gott erwähnt, ihn deswegen unter einer strengen Androhung zurechtweist. Damit er aber unter dieser strengen Androhung nicht in Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit verfällt, schließt sie sodann, auf seine Barmherzigkeit verweisend, mit einem Teil Seiner Namen ab, die ihn nun wieder trösten.

Zum Beispiel:

قُلْ لَوْ كَانَ مَعَهُ اٰلِهَةٌ كَمَا يَقُولُونَ اِذًا لاَبْتَغَوْا اِلٰى ذِى الْعَرْشِ سَبِيلاً ٭ سُبْحَانَهُ وَتَعَالٰى عَمَّا يَقُولُونَ عُلُوّاً كَبِيرًا ٭ تُسَبِّحُ لَهُ السَّمٰوَاتُ السَّبْعُ وَاْلاَرْضُ وَمَنْ فِيهِنَّ وَاِنْ مِنْ شَىْءٍ اِلاَّ يُسَبِّحُ بِحَمْدِهِ وَلٰكِنْ لاَتَفْقَهُونَ تَسْبِيحَهُمْ اِنَّهُ كَانَ حَلِيمًا غَفُورًا

{"Sprich: Gäbe es neben Ihm noch andere Götter, wie sie sagen, dann müssten diese doch nach einem Weg trachten, zu dem Herrn des Thrones zu gelangen. Lob sei Ihm! Hoch und erhaben ist Er über das, was sie da behaupten! Es preisen Ihn die sieben Himmel und die Erde und wer darinnen ist. Es gibt kein Ding, das Ihn nicht lobpreist. Doch versteht ihr nicht ihre Lobpreisung. Siehe, Er ist milde und verzeihend." (Sure 17, 42-44)}

Diese Ayah sagt also nun: Sprich: Gäbe es in Seinem Eigentum noch einen Teilhaber, wie ihr behauptet, würde er mit Sicherheit die Hand nach dem Thron der Herrschaft Gottes ausstrecken und eine solche Unordnung hervorrufen, dass die Spuren seiner Einmischung sichtbar werden würden.

Jedoch preisen alle Geschöpfe, im Allgemeinen wie im Besonderen, angefangen von den sieben Himmeln bis hin zu den mikroskopisch kleinen Lebewesen, die kleinen und die großen, mit den Zungen der Erscheinungen und Ornamente aller Namen, die an ihnen sichtbar werden, denjenigen, der diese Schönen Namen in Seiner Majestät trägt, und erklären Ihn frei von irgendeinem, der Sein Teilhaber oder Ihm ebenbürtig sein könnte. Wie der Himmel Ihn mit den lichtausstrahlenden Worten, die Sonnen und Sterne genannt werden, mit seiner Zweckmäßigkeit und Wohlordnung verherrlicht und für Seine Einheit und Gegenwart Zeugnis ablegt und auch die Atmosphäre Ihn mit Worten der Wolken, der Blitze, des Donners und der Regentropfen preist und verherrlicht und für Seine Einheit und Gegenwart Zeugnis ablegt, genauso preist die Erde mit allem, was unter ihr und über ihr ist, in lebendigen Worten, die Tiere und Pflanzen heißen, den majestätischen Schöpfer und Seine Einheit (Tauhid).Jeder Baum auf ihr preist Ihn wiederum mit Worten gleich Blättern, Blüten und Früchten und bezeugt Seine Einheit.

Genauso preist auch das kleinste Geschöpf, das winzigste Kunstwerk, trotz seiner Kleinheit, seiner Winzigkeit, durch die Ornamente und Eigenschaften, die es trägt und die auf sehr viele alles umfassende (d.h. einen Partner ausschließende) Namen hinweisen, den Träger in Seiner Majestät und bezeugt Seine Allgegenwart (Vahdaniyyet).Was ist im Gegensatz zu all dem, der Unglaube und die Abgötterei, in die der Mensch verfällt, der eine Zusammenfassung dieses Kosmos, sein Ergebnis und seine kostbarste Frucht ist, ein teurer Beauftragter Gottes (Khalif) in diesem Kosmos, in dem alle Geschöpfe im Einklang, gemeinsam und in gleicher Sprache den majestätischen

Schöpfer preisen und Seine Einheit und Allgegenwart bezeugen und dadurch ihre Geschöpfespflicht in der ihnen entsprechenden Art in vollkommenem Gehorsam erfüllen, für eine Hässlichkeit und in welchem Grade verdient er dafür seine Strafe! Um ihn nicht ganz und gar in Verzweiflung zu stürzen, und um die Weisheit, die darin liegt, zu zeigen, dass der Zornige (Qahhar)in Seiner Majestät zu solch einem grenzenlosen Verbrechen und einer solch unendlich hässlichen Rebellion eine Möglichkeit gibt und den Kosmos über seinem Kopf nicht zerschlägt und zerstört, sagt der Vers:

اِنَّهُ كَانَ حَلِيمًا غَفُورًا

{"Siehe, Er ist milde und verzeihend." (Sure 17, 44)}

Mit diesem Abschluss zeigt (diese Ayah) den Sinn dieser Fristgewährung und lässt das Tor zu einer Hoffnung offen.

So verstehe denn nun aufgrund der zehn auf dieses Wunder hinweisenden Zeichen, dass es in den Zusammenfassungen am Ende der Ayat, neben vielen Spuren der rechten Leitung viele Blitze gibt, die dieses Wunder aufzeigen, sodass die größten und genialsten Dichter, in Anbetracht dieser einzigartigen Stilarten vollkommen verwundert und so begeistert waren, dass sie voll Staunen ganz und gar überwältigt sagten:

مَا هَٰذَا كَلاَمُ ا لْبَشَرِ

{"Das ist kein Menschenwort."}

Sie glaubten an اِنْ هُوَ اِلاَّ وَحْىٌ يُوحٰى {"Es ist nichts anderes als eine Offenbarung, die offenbart wird." (Sure 53, 4)} mit einer Gewissheit, die sie selbst erlebt und gelebt hatten. Also beinhalten manche Ayat neben allen obenerwähnten Zeichen noch viele andere Eigenschaften, die hier nicht unser Thema betreffen. Aus der Sammlung dieser Eigenschaften wird ein so wunderbares, vollendetes Ornament erkennbar, dass es selbst noch ein Blinder sehen kann.

Das dritte Licht des Zweiten Strahls ist folgendes:

Der Qur'an bietet keine Vergleichsmöglichkeit mit irgendeinem anderen Wort, ist unvergleichbar mit anderen Worten. Denn die verschiedenen Ebenen eines Wortes ergeben sich hinsichtlich seiner Erhabenheit, Kraft und Schönheit aus vier Quellen. Eine davon ist sein Sprecher (mutekellim).Eine andere ist der Angesprochene (muhatab).Eine weitere ist seine Absicht (maqsad).Eine letzte ist sein Niveau (maqam).Es ist keineswegs so, wie es die Literaten sagen, die nur den literarischen Wert (maqam)ins Auge fassen. Weil dies aber so ist, frage dich bei einem Wort: "Wer sagte es? Wem wurde es gesagt? In welcher Absicht wurde es gesagt? Wie seriös (maqam)war es gemeint?" Bleibe nicht dabei stehen, nur das Wort allein zu betrachten.

Da ein Wort nun einmal seine Kraft, seine Schönheit aus diesen vier Quellen schöpft, erkennt man, sobald man der Quelle des Qur'an seine Beachtung schenkt, den Grad seiner sprachlichen Brillanz, seiner Erhabenheit und seine Schönheit. Da nun einmal ein Wort (kelam)abhängig ist von dem, der es sagt (mutekellim),so beinhaltet dieses Wort auch, sobald es sich dabei um ein Gebot oder ein Verbot handelt, zugleich Willenskraft und Macht entsprechend dem Rang des Sprechers. Dann wird das Wort so stark, dass es keinen Widerstand mehr duldet. Es wirkt wie der elektrische Strom. Dementsprechend steigert sich auch die Erhabenheit und Kraft eines Wortes.

Zum Beispiel:

يَآ اَرْضُ ابْلَعِى مَآءَكِ وَيَاسَمَآءُ اَقْلِعِى

{"Oh Erde, verschlinge dein Wasser, und, oh Himmel, halt ein!" (11, 44)}

Das heißt: "Oh Erde, deine Aufgabe ist beendet. Verschlinge dein Wasser! Oh Himmel, deine Dienste sind nicht mehr erforderlich. Stelle den Regen ein!"

Ein anderes Beispiel:

فَقَالَ لَهَا وَلِْلاَرْضِ ائْتِيَا طَوْعًا اَوْ كَرْهًا قَالَتَآ اَتَيْنَا طَآئِعِينَ

{"Und Er sagte zum Himmel und zur Erde: kommt her, freiwillig oder widerwillig! Sie sagten: Wir kommen freiwillig." (Sure 41, 11)}

Das heißt: Er sagte: "Oh Erde! Oh Himmel! Ob ihr wollt oder nicht, kommt her, unterwerft euch Meiner Weisheit und Macht! Tretet aus dem Nichtsein heraus, kommt zu Meiner Kunstausstellung ins Dasein!" Sie sagten: "Wir kommen in vollkommenem Gehorsam. Wir werden alle Aufgaben, die Du uns zeigst, mit Deiner Macht vollbringen." So betrachte die Kraft und die Erhabenheit von derartigen wahren und eindringlichen Befehlen, welche die Macht und die Willenskraft (Gottes) in sich enthalten. Können denn da noch Gespräche in Befehlsform, welche sich Menschen mit der unbelebten Natur zurecht phantasieren, wie

اُسْكُنِى يَآ اَرْضُ وَانْشَقِّى يَاسَمَآءُ وَقوُمِى اَيَّتُهَا الْقِيَامَةُ

{"Oh Erde halt ein! Oh Himmel spalte dich! Oh Untergang brich an!"}

mit den oben angeführten Befehlen vergleichbar sein?... Wo bleiben denn da nun in der Tat alle die guten Wünsche und die unsinnigen Befehle, die aus diesen Wünschen erwachsen, und wo bleibt der wahre Befehl eines Kommandeurs in seinem Dienst, ausgestattet mit der Echtheit seines Kommandos? Wo bleibt da in der Tat der durchschlagende Befehl des Kommandeurs: "Marsch!" an sein großes, gehorsames Heer? Wenn ein solcher Befehl von einem einfachen Soldaten ausgesprochen wird, so unterscheidet er sich, obwohl er ihm doch äußerlich gleicht, dem Geist und Sinne nach so wie ein einfacher Soldat von seinem Kommandeur.

Zum Beispiel:

اِنَّمَآ اَمْرُهُ اِذَآ اَرَادَ شَيْئًا اَنْ يَقُولَ لَهُ كُنْ فَيَكُونُ

{"Sein Befehl ist nur, wenn Er ein Ding will, dass Er zu ihm spricht: Sei! und es ist." (Sure 36, 82)}

und zum Beispiel

وَاِذْ قُلْنَا لِلْمَلٰٓئِكَةِ اسْجُدُوا ِلاٰدَمَ

{"Und als Wir zu den Engeln sprachen: Werft euch vor Adam nieder." (Sure 2, 34)}

Betrachte die Kraft und die Erhabenheit, die in den beiden Befehlen der beiden Ayat liegt. Dann betrachte die Worte der Menschen, die sie als Befehle geben. Ähnelt es nicht einem Vergleich zwischen einem Leuchtkäfer mit der Sonne? Wenn in der Tat der wahre Inhaber eines Geschäftes uns eine Beschreibung gibt, wenn der wahre Künstler während seiner Tätigkeit Auskunft gibt über sein Kunstwerk, wenn der wahre Geber bei der Überreichung seiner Gaben eine Verlautbarung zu seinen Gaben äußert, so heißt das, Wort und Tat miteinander zu vereinigen, seine eigene Tat sowohl für das Auge als auch für das Ohr zu erläutern, wenn er sie folgendermaßen beschreibt: "Schaut her! So habe ich dies gemacht. So mache ich das. Hier habe ich dies aus jenem Grunde so gemacht. Dies muss so werden. Darum mache ich dieses auf jene Weise."

Zum Beispiel:

اَفَلَمْ يَنْظُرُوٓا اِلَى السَّمَآءِ فَوْقَهُمْ كَيْفَ بَنَيْنَاهَا وَزَيَّنَّاهَا وَمَالَهَا مِنْ فُرُوجٍ ٭ وَاْلاَرْضَ مَدَدْناَهَا وَاَلْقَيْناَ فِيهَا رَوَاسِىَ وَاَنْبَتْنَا فِيهَا مِنْ كُلِّ زَوْجٍ بَهِيجٍ ٭ تَبْصِرَةً وَذِكْرٰى لِكُلِّ عَبْدٍ مُنِيبٍ ٭ وَنَزَّلْناَ مِنَ السَّمَآءِ مَآءً مُبَارَكًا فَاَنْبَتْنَا بِهِ جَنَّاتٍ وَحَبَّ الْحَصِيدِ ٭ وَالنَّخْلَ بَاسِقَاتٍ لَهَا طَلْعٌ نَضِيدٌ ٭ رِزْقًا لِلْعِبَادِ وَاَحْيَيْناَ بِهِ بَلْدَةً مَيْتًا كَذٰلِكَ الْخُرُوجُ

{"Haben sie nicht zum Himmel über ihnen emporgeschaut, wie Wir ihn erbaut und geschmückt haben und (gesehen, dass) er keine Risse hat? Und die Erde - Wir haben sie ausgebreitet und feste Berge darauf gesetzt; und Wir ließen auf ihr all die herrlichen Paare hervorsprießen als Aufklärung und Ermahnung für jeden Diener, der sich Ihm zuwendet. Und vom Himmel senden Wir Wasser hernieder, das voll des Segens ist, und bringen damit Gärten und Korn für die Ernte hervor, und hochragende Palmen mit dichtstehenden Fruchtscheiden als Versorgung für die Diener; und beleben damit ein totes Land. So wird die Auferstehung sein." (Sure 50, 6-11)}

Was sind also derartige Darstellungen, die wie sternengleiche Paradiesesfrüchte als Sternzeichen (burudj)dieser Sure am Himmel des Qur'an leuchten, die brillante Ausdrucksweise, in der durch diese Taten Beweise der Auferstehung auf verschiedenen Ebenen erwähnt werden und was die Schlussfolgerung, die sich daran anschließt und mit dem Ausdruck كَذٰلِكَ الْخُرُوجُ {"So ist die Auferstehung."} die Auferstehung beweist und so schon am Anfang der Sure diejenigen, welche die Auferstehung bestreiten, zum Schweigen bringt und was sind dagegen die leeren Worte der Menschen über Werke, zu denen sie kaum eine Beziehung haben? Selbst Bilder von Blumen, naturgetreu kopiert, erreichen im Vergleich mit lebendigen Blumen nie einen solchen Grad von Echtheit. Die Bedeutung von diesem اَفَلَمْ يَنْظُرُوا {"betrachten sie nicht."} bis zum كَذٰلِكَ الْخُرُوجُ {"so ist die Auferstehung."} aufs Beste wiederzugeben, würde hier jedoch den Rahmen sprengen. Deshalb wollen wir hier nur darauf hinweisen und fahren fort. Es ist also wie folgt:

Da die Ungläubigen, die Wiederauferstehung leugnen, macht der Qur'an am Anfang der Sure eine solche Einleitung, um die Notwendigkeit der Wiederauferstehung darzulegen. Er sagt: "Schaut ihr etwa nicht zum Himmel über euch empor, in welcher Art Wir ihn, so wohlgeordnet und so prachtvoll aufgebaut haben? Und seht ihr überdies denn nicht, wie wir ihn mit den Gestirnen, dem Mond und der Sonne geschmückt haben? Wir haben keinen Fehler oder Mangel zurückgelassen. Und seht ihr überdies

denn nicht, wie Wir die Erde für euch ausgebreitet und wie Wir sie voll Weisheit eingerichtet haben? Wir haben Berge auf der Erde aufgerichtet und sie so vor dem Überfluten durch das Meer geschützt. Und seht ihr überdies denn nicht, wie schön bunt und in Farbe Wir paare von Pflanzen jeder Art erschaffen haben? Alle Ecken der Erde haben Wir mit diesem Schmuck verziert. Und seht ihr überdies denn nicht, wie Wir vom Himmel herab den Segen des Wassers senden? Aus diesem Wasser erschaffe Ich Weingärten und Felder, Getreide und hochragende Bäume, die, gleich den Dattelpalmen, wohlschmeckende Früchte tragen, schicke durch sie Meinen Dienern ihren Unterhalt, lasse ihn eilig herbeibringen. Seht ihr überdies denn nicht, dass Ich mit diesem Wasser ausgedorrtes Land wiederbelebe? Tausende irdische Abbilder der Auferstehung rufe Ich ins Dasein. Wie Ich diese Pflanzen durch Meine Macht aus diesem abgestorbenen Boden wieder hervorbringe, so wird auch euer Wiederhervorkommen am Tage der Auferstehung sein. Wenn die Welt untergeht, wird zwar die Erde sterben, doch ihr werdet lebendig wieder aus ihr hervorkommen."

Was also ist die Brillanz, welche diese Ayat bei den Beweisführungen für die Wiederauferstehung zeigen und für deren tausendsten Teil wir hier ein Zeichen setzen konnten? Und was sind dagegen die Worte, die die Menschen zu einer Behauptung benötigen?

Vom Anfang dieser Abhandlung bis hierher haben wir viele Anrechte des Qur'an im Namen der Forschung, welche sich in der Neutralität des Urteils findet, im Verborgenen gelassen, um einen hartnäckigen Gegner zur Anerkennung der Wunder des Qur'an zu bringen. Wir haben diese Sonne immer auf die Stufe der Kerzen herunter gebracht und sie mit ihnen verglichen. Nun hat die Forschung ihre Aufgabe erfüllt und die Wunder des Qur'an auf glänzende Weise bewiesen. Jetzt wollen wir hier nicht im Namen der Forschung, sondern im Namen der Wahrheit auf den wahren Rang des Qur'an, welcher sich jedem Vergleich entzieht, mit ein, zwei Worten hinweisen:

In der Tat ist das Verhältnis gewöhnlicher Worte zu den Versen des Qur'an so, wie das Verhältnis der Sterne selbst zu den winzig kleinen Spiegelbildern dieser Sterne in einer Glasscherbe. Was also sind in der Tat die Worte des Qur'an, von denen ein jedes wie ein Stern feststehende Wahrheiten beschreibt und aufzeigt, und was sind dagegen die Aussagen von Menschen, die sie nach ihrer Meinung und im Spiegel ihrer Empfindungen mit bloßen Worten zusammenstellen? Was sind in der Tat die engelsgleichen, lebendigen Worte des Qur'an, der das Licht der rechten Leitung eingibt, und der das Wort des majestätischen Schöpfers der Sonne und des Mondes ist, und was sind dagegen die mit betörenden Wünschen und betrügerischen Einzelheiten bestechenden Worte der Menschen, um deren Lust und Laune zu erwecken? Wie Ungeziefer und ihr Stich, wie Käfer im Vergleich zu den gesegneten Engeln und den lichtstrahlenden Geistwesen, sind in der Tat Menschenworte im Vergleich zu den Worten des Qur'an. Diese Wahrheiten sind in den vorangegangenen vierundzwanzig "Worten" zusammen mit dem "Fünfundzwanzigsten Wort" bewiesen.

Diese unsere Behauptung ist keineswegs aus der Luft gegriffen; Beweis dafür ist die weiter oben bereits angeführte Schlussfolgerung. Was sind in der Tat die Worte des Qur'an, dessen jedes einzelne eine Perle in der Muschel der Rechtleitung und eine Quelle der Glaubenswahrheiten, eine Fundgrube der Grundsätze des Islam ist, die unmittelbar vom Thron des Erbarmens herabkommen, Worte über und außerhalb des Kosmos, die um des Menschen willen auf ihn herabgesandt werden, und die das Wissen, die Macht und den Willen beinhalten und die Ansprache (hitab)des Urewigen sind. Was sind demgegenüber in der Tat die Worte der Menschen, die sie in ihrer Gleichgültigkeit den ernsten Dingen gegenüber äußern, die ihre Wünsche und ihre Neigungen preisen, Worte, nichtig sind und nur von ihren eigenen Wünschen handeln?

Was ist in der Tat der Qur'an, der zu einem paradiesischen Tuba-Baum wurde, indem er all seine geistigen Werte, seine Kennzeichen und Vollkommenheiten, seine Prinzipien und Gesetze wie seine Blätter in dieser islamischen Welt ausbreitet, indem er die Koryphäen des Herzens (Auliya)und des Geistes (Asfiya)als seine Blüten durch das Lebenselixier dieses Baumes frisch und schön zeigt und als Früchte immer die Vollkommenheiten, die wahren Erkenntnisse über die Schöpfung und über den Schöpfer trägt und die vielen Kerne in seinen Früchten, die je zu einem Grundsatz und Programm für das Leben werden und die wieder als ein fruchtbarer Baum die Kette (muteselsil)der Wahrheit zeigen? Was aber ist demgegenüber das uns bekannte Wort eines Menschen?

أَيْنَ ا لثَرَا مِنَ الثُرَ يَا

{"Wo ist die Erde und wo ist das Siebengestirn?"}

Während der Weise Qur'an seit 1350 Jahren alle seine Wahrheiten auf dem Markt des Kosmos ausbreitet, schöpfte jeder Mensch, jedes Volk, jedes Land von seinen Juwelen, von seinen Wahrheiten und schöpfen sie auch weiterhin aus ihm. In Wirklichkeit konnten weder sein gewohnheitsmäßiger Gebrauch, noch seine vielen Exemplare, noch die lange Zeit, noch die großen Umwälzungen seine kostbaren Wahrheiten, seine anmutigen Stilarten beeinträchtigen, veraltern, eintrocknen, ihm etwas von seinem Wert nehmen oder seine Schönheiten auslöschen. Dieser Zustand ist für sich allein genommen schon ein Wunder.

Wenn nun einer hervortreten würde und kindisch einem Teil der Wahrheiten, die der Qur'an brachte, nach seinen Vorstellungen, eine neue Anordnung geben wollte und zu einem Vergleich herbei brächte, um mit ihnen gegen einige Verse des Qur'an zu konkurrieren und sagen wollte: "Ich habe ein Wort gebracht, das dem Qur'an ähnlich ist.", so wäre das eine Aussage, so töricht wie in dem folgenden Beispiel:

Ein einfacher Baumeister ganz gewöhnlicher Häuser, der keine Ahnung von der hohen Kunst eines Baumeisters hat, der ein großartiges Schloss aus verschiedenen Edelsteinen erbaute und es durch exakte Platzierungen dieser Steine mit ausgewogenen Ornamenten verzierte, die sich bei dem hohen Schmuck dieses ganzen Schlosses finden, und nicht in der Lage ist, diesen hohen Schmuck, alle Edelsteine und Verzierungen dieses Schlosses zu erkennen, betritt dieses Schloss. Er vernichtet die erhabenen Ornamente, die von diesen wertvollen Steinen gebildet sind, und versucht kindisch nach seinem Wunsch, entsprechend der Form eines gewöhnlichen Hauses eine neue Anordnung, eine neue Form zu finden. Er befestigt einige Plastikperlen, wie sie den Augen der Kinder gefallen würden. Und dann sagt er anschließend: "Seht! Ich habe mehr Geschicklichkeit und Reichtum als der Baumeister dieses Schlosses. Ich habe wertvolle Schätze." Es ist ein Vergleich mit dem Werk eines Fälschers, mit den Phantastereien eines Fieberkranken.

Dritte Flamme:

Diese Flamme hat drei Strahlen.

Erster Strahl:

Einer der überwältigenden Aspekte des Qur'an, der als solcher nicht nur in sich selbst, als auch in der Art seiner Verkündigung ein Wunder ist, wurde bereits im "Dreizehnten Wort" erklärt. Er wird jedoch hier in diesem Zusammenhang noch einmal angeführt, um ihn in die Reihe seiner Geschwister, der übrigen Aspekte zu stellen, welche ebenfalls dieses Wunder zeigen.

So ist denn jede einzelne Ayah des Qur'an wie ein Stern von durchdringendem Glanz (Sure 86, 3). Wenn du sehen und erleben willst, wie er die Erkenntnis der Wunder und das Licht der Rechtleitung verbreitet und dadurch die Finsternis des Unglaubens und der Gottvergessenheit vertreibt, versetze dich zu jener Zeit der Unwissenheit (Djahiliyah)in die Wüste der Beduinen, jene Zeit, in der alles in der Finsternis der Unwissenheit und Gottvergessenheit wie in ein Tuch gewickelt schien, das nur noch leblose Dinge und eine seelenlose Natur übrig ließ. Dann komm und höre nun in der Sprache des Qur'an

سَبَّحَ ِللَّهِ مَا فِى السَّمٰوَاتِ وَاْلاَرْضِ وَهُوَ الْعَزِيزُ الْحَكِيمُ ٭ يُسَبِّحُ ِللَّهِ مَا فِى السَّمٰوَاتِ وَمَا فِى اْلاَرْضِ الْمَلِكِ الْقُدُّوسِ الْعَزِيزِ الْحَكِيمِ

{"Es preist Allah, was in den Himmeln und was auf Erden ist, den König, den Heiligen, den Mächtigen, den Weisen." (Sure 57, 1 u. 62, 1)}

und ähnliche Ayat. So wirst du plötzlich sehen, wie diese leb- und seelenlos erscheinenden Dinge, die scheinbar toten oder schlafenden Wesen in dieser Welt, unter der Rezitation des سَبَّحَ ... يُسَبِّحُ {"Es preist..."} in der vom Glauben erfüllten Vorstellung der Zuhörer zum Leben erwachen, auferstehen und Gott preisen. Auch die Sterne am nachtdunklen Antlitz des Himmels zeigen sich jeder einem glühenden Stückchen Kohle gleich und die über die Erde verstreuten Geschöpfe erscheinen vor den Augen der Zuhörer unter der Rezitation des تُسَبِّحُ لَهُ السَّمٰوَاتُ السَّبْعُ وَاْلاَرْضُ {"Es preisen Ihn die sieben Himmel und die Erde." (Sure 17, 44)} wobei der Himmel dem Mund gleicht, jeder Stern ein Wort ist, das die Weisheit Gottes verkündet, ein Licht, das die Wahrheit ausstrahlt und die Erde das Haupt darstellt, die Länder und Meere wie deren Zunge reden und alle Tiere und Pflanzen ihre Worte sind, die die Heiligkeit Gottes verkünden.

Schaust du jedoch aus heutiger Zeit in jene Zeit zurück, kannst du sicherlich die Feinheiten in den oben geschilderten Vorgängen nicht miterleben. Ja, betrachtest du sie in einer Welt, in der sich seit jener Zeit das Licht ausgebreitet hat und im Laufe der Zeit zu einem allgemeinen Leuchten geworden ist und die noch von anderen Lichtern des Islam überstrahlt wird und unter der Sonne des Qur'an die Farbe des Tages angenommen hat, oder

wenn du durch deinen Schleier der Oberflächlichkeit und Gewohnheit blickst, dann kannst du sicher nicht recht erfahren, welch eine Finsternis eine jede Ayah erleuchtet und mit welch einem köstlich hellen, wundersamen Klang er sie vertrieben hat. So kannst du diese Art Wunder unter vielen anderen Arten von Wundern des Qur'an mit deinen Sinnen nicht erfassen. Wenn du das Wunder des Qur'an, der ein Wunder seiner Verkündigung ist, in seiner höchsten Stufe betrachten willst, dann komm und höre das folgende Gleichnis. Es ist dies wie folgt:

Versuchen wir uns einmal einen sehr hohen und weit ausladenden, einen einzigartigen, Staunen erregenden Baum vorzustellen, der durch eine Art Tarnkappe verborgen und in ein großes Tuch eingewickelt sein soll. Nun ist ja bekannt, dass zwischen den Zweigen, Früchten, Blättern, Blüten und allem, was zu einem Baum gehört, ein Verhältnis, eine Proportionalität, ein Gleichgewicht bestehen muss, ähnlich dem unter den Organen des Menschen. Jedes Teil erhält also nach der Art des Baumes seine Form, das ihm entsprechende Aussehen.

Jetzt trete jemand auf, der von diesem noch nie gesehenen und auch tatsächlich nicht sichtbaren Baum auf einer Leinwand ein wohlproportioniertes Bild malen soll, mit allen seinen Teilen, von ihm einen Entwurf machen mit Stamm, Ästen und Zweigen, bis hin zu den Blättern und Früchten, eine wohlausgewogene Skizze anfertigen, eine stimmige Zeichnung entwerfen soll, wobei er während seiner Arbeit, mitten zwischen ihrem Anfang und ihrem noch unendlich weit entfernten Ende die einzelnen Teile entsprechend ihrer tatsächlichen Form und Gestalt darstellen müsste. Es bliebe dann mit Sicherheit kein Zweifel daran, dass der Maler diesen unsichtbaren Baum mit seinem Blick, der in das Unsichtbare schaut, betrachtet und danach beschreibt.

Genauso erklärt auch der Qur'an, dessen Verkündigung ein Wunder ist, das Bild von der Welt der unerschaffenen Möglichkeiten. (Dies ist das Bild vom Baum der Schöpfung, der sich vom Anbeginn der Welt bis in die

Unendlichkeit der Ewigkeit und von der Erde bis zum Thron Gottes und vom Atom bis hin zur Sonne ausbreitet.) Diese Offenbarungsschrift hat bei der Beschreibung dieses Bildes die Proportionalität so weit im Auge behalten und jeden Teil und jede Frucht dieses Baumes dementsprechend ins Bild gesetzt, dass alle Kenner der Wahrheit, am Ende ihrer Forschung, in Anbetracht der Beschreibung des Qur'an "Maschaallah, Barekallah" gesagt haben. Zudem haben sie gesagt: "Oh weiser Qur'an, du bist der, der die tiefe Wahrheit des Kosmos und die verschiedenen Geheimnisse der Schöpfung aufgedeckt und enthüllt hast."

وَلِلّٰهِ الْمَثَلُ اْلاَعْلٰى

{"Bei Gott sind die erhabensten Gleichnisse." (Sure 16, 60)}

Wir stellen die Namen und Attribute Gottes, die Taten und Handlungen Seiner Herrschaft in Form eines Tuba-Baumes aus Licht dar. Die weit ausladenden Äste dieses lichtstrahlenden Baumes strecken sich bis in alle Ewigkeiten aus. Seine Grenzen breiten und dehnen sich in den unendlichen Raum hinein und umfassen ihn. Die Grenze seiner Ausdehnung reicht von

يَحوُلُ بَيْنَ الْمَرْءِ وَقَلْبِهِ ٭ فَالِقُ الْحَبِّ وَالنَّوٰى

{"Allah dringt zwischen des Menschen Inneres und sein Herz." (Sure 8, 24) "Allah lässt Kerne und Körner keimen." (Sure 6, 95)}

bis zur Grenze von

وَالسَّمٰوَاتُ مَطْوِيَّاتٌ بِيَمِينِهِ ٭ خَلَقَ السَّمٰوَاتِ وَاْلاَرْضَ فِى سِتَّةِ اَيَّامٍ

{"Und die Himmel werden zusammengerollt sein in Seiner Rechten." (Sure 39, 67) "Er schuf die Himmel und die Erde in sechs Tagen." (Sure 7, 35)}

Der weise Qur'an hat diese leuchtende Wahrheit von den Namen, Attributen, Taten und Handlungen (Gottes) auf eine solche Weise erklärt, dass die einzelnen Zweige und Äste mit ihren Früchten und allem, was der Baum an

Nutzbarem hervorbringt, miteinander harmonieren, zueinander passen, einander entsprechen, ohne sich gegenseitig in ihrer Entfaltung zu behindern, einander in ihren Rechten zu beeinträchtigen und ohne einander in der Erfüllung ihrer Aufgaben allein zu lassen. Alle Erforscher und Kenner der Wahrheit, die Theologen und alle Leute von Weisheit und Bildung, die sich in der Welt der göttlichen Aspekte bewegen, haben über die Verkündigung der Errettung "Subhanallah" gesagt, und bestätigen sie mit den Worten: "Wie richtig und wie wahr, wie treffend und wie schön."

Beispiel:

Die sechs Grundpfeiler des Glaubens sind wie die Äste eines gewaltigen Baumes, die sich nach der Welt der bedingten Möglichkeiten und nach der Welt des unabdingbar notwendigen Seins erstrecken. Der Qur'an beschreibt bis zu den feinsten Früchten und Blüten hin alle Zweige an den sechs Ästen, den Grundpfeilern (des Glaubens) so treffend, schildert sie so wohlausgewogen und zeigt sie in einer so entsprechenden Weise, dass der menschliche Verstand zu schwach ist, ihm mit seiner Vorstellungskraft zu folgen und vor dessen Schönheit in Staunen verharrt.

Zwischen den fünf Grundpfeilern des Islam, welche gemeinsam einen Zweig am Ast des Glaubens bilden, wird bis zu den feinsten Verästelungen seines Stammes, d.h. kleinsten Sitten, fernsten Zielen, tiefsten Weisheiten und winzigsten Früchten, eine vollkommene Proportionalität, ein vollkommenes Verhältnis und ein vollständiges Gleichgewicht aufrecht erhalten. Dafür gibt es einen unwiderlegbaren, gerechten Zeugen und ein sicheres, zweifelsfreies Zeugnis: die vollkommene Ordnung, Gleichgewicht, vollkommene Ausgewogenheit und Autorität der Islamischen Großen Verfassung (Scharia),die aus den klaren Darlegungen, Aspekten, Hinweisen und Chiffren des alles umfassenden Qur'an erwächst. Das bedeutet also, dass die Erklärung des Qur'an nicht auf der begrenzten Kenntnis eines Menschen, besonders auf dem Wissen eines Analphabeten beruhen kann. Vielmehr ist sie das

allumfassende Wissen und das Wort des Herrn, der alle Dinge gleichzeitig überschaut und von Ewigkeit zu Ewigkeit in einem einzigen Augenblick aller Wahrheiten Zeuge ist. "Amenna(Wir glauben)".

Zweiter Strahl:

Da wir im "Zwölften Wort" erklärt und mit einem Gleichnis beschrieben und in anderen Worten bewiesen haben, in welchem Grade (westliche) Menschenweisheit, die angetreten ist, um der Weisheit des Qur'an Widerstand zu bieten, der Weisheit des Qur'an gegenüber unterlegen ist, wollen wir ihr hier nur noch einen anderen Aspekt gegenüberstellen und uns des Weiteren mit einem Hinweis begnügen. Es ist dies wie folgt:

Menschliche Philosophie und Weisheit betrachtet diese Welt als ewig. Von dem Wesen und den Eigenschaften der Schöpfung spricht sie ausführlich. Falls sie von der Aufgabe spricht, die alles Sein dem Meister gegenüber hat, fasst sie sich kurz. Im Buch des Kosmos bespricht sie so gut wie nur die Verzierungen und die Buchstaben. Seiner Bedeutung misst sie keinen Wert bei.

Was aber den Qur'an betrifft, so betrachtet er die Welt als vergänglich, vorüberfließend, trügerisch, vorbeifahrend, unbeständig und veränderlich. Vom Wesen der Schöpfung, ihren sichtbaren und materiellen Eigenschaften spricht er nur kurz. Er erwähnt aber ausführlich die Aufgaben der Schöpfung, mit denen sie als Diener und Anbeter von ihrem Meister beauftragt wurde, auf welche Art und Weise sie die Namen des Meisters zeigen, und von ihrem Gehorsam, den alles Sein den Befehlen Gottes an die Schöpfung erweist. So wollen wir denn nun den Unterschied zwischen der menschlichen Philosophie und der Weisheit des Qur'an betrachten in Bezug auf das, was sie kurz oder ausführlich behandeln, um zu sehen, welches die reine Wahrheit und die Wirklichkeit selbst ist. So scheint denn die Uhr, die wir am Arm tragen, oberflächlich betrachtet, stillzustehen. Innerlich ist sie aber durch die Anstrengung ihrer Unruhe und der Zahnräder ständig in Bewegung.

Desgleichen ist diese Welt eine große Uhr der Macht Gottes und bewegt sich trotz ihrer äußerlichen Ruhe in ständigen Erschütterungen und Umwandlungen, verfällt und vergeht. Da es in dieser Welt den Begriff der Zeit gibt, sind in der Tat die Nacht und der Tag wie ein Zeiger, der die Sekunden dieser großen Uhr anzeigt. Das Jahr spielt die Rolle eines Zeigers, der die Minuten auf dieser Uhr zählt. Was das Jahrhundert betrifft, so gleicht es dem Zeiger, der die Stunden dieser Uhr anzeigt.

So ist denn die Welt in das Meer der Zeit geworfen, in deren Wellen sie versinkt. Vergangenheit und Zukunft überlässt sie dem Nicht-mehr-Sein oder dem Noch-nicht-Sein und verbleibt nur mit der Gegenwart im Da-Sein. Doch gestaltet nicht nur der Wandel der Zeit das Gesicht unserer Erde, auch die Welt als ein Ort gleicht einer pulsierenden Uhr, die niemals still steht. Denn, da sich die Atmosphäre, der Himmel über der Erde ständig verändert, von einem Zustand in den anderen übergeht, an manchen Tagen sich ein paar Mal mit Wolken füllt und leert, gleicht eine Veränderung, der Veränderung die der Sekundenzeiger bewirkt.

Was nun den Erdboden betrifft, der der Boden unseres Weltenhauses ist, so verändert sich hier das Gesicht (der Erde) durch Leben und Tod, mit den Pflanzen und Tieren, sehr rasch und gleicht so einem Minutenzeiger, welcher anzeigt, dass das Gesicht dieser Welt vergänglich ist. In gleicher Weise, wie sich die Oberflächengestalt unserer Erde präsentiert, so gleicht ihr Inneres, ihr Bauch, mit den Umwälzungen und Beben in ihm und, als deren Folge, das Auffalten der Berge und das Absinken der Gräben einem Stundenzeiger, welcher zeigt, dass die Welt(zeit) auch in dieser Hinsicht allmählich vergeht. Was aber den Raum des Himmels, der die Decke des Weltenhauses ist, betrifft, so zeigen die Bewegungen der Himmelskörper, das Erscheinen der Kometen, das Zustandekommen von Sonnen- und Mondfinsternissen, das Verglühen der Sternschnuppen und andere Umwandlungen, dass auch der Himmel nicht beständig ist. Selbst das Weltall wird alt und geht zu Grunde. Obwohl diese Umwandlungen

gleich dem Umlauf des Tageszeigers in einer Wochenuhr nur langsam und schleppend vor sich geht, so zeigen sie doch in jedem Fall, dass auch der Himmel, das Weltall, vergänglich ist, dem Untergang bestimmt und zu Grunde gehen wird. So ist denn die Welt in weltlicher Hinsicht auf diesen sieben Grundpfeilern errichtet. Diese Grundpfeiler erschüttern sie ständig. Wenn aber diese Welt in all ihren Erschütterungen und Bewegungen auf ihren Meister hin blickt, dann sind diese Bewegungen und Umwandlungen das Werk der Feder der Macht, mit der der Einzigartige Seine Schriftstücke schreibt. Was die Veränderungen der Zustände betrifft, so sind sie Spiegel, die sich erneuern, und in denen sich die Erscheinungen des Wirkens der Gottesnamen in verschiedenen Arten zeigen.

In weltlicher Hinsicht geht also die Welt auf ihren Untergang zu, eilt ihrem Tode entgegen, befindet sich in einer ständigen Bewegung. Obwohl sie also tatsächlich wie Wasser dahin strömt, ist sie in ihrer Gottvergessenheit dennoch äußerlich wie gefroren, hat in ihrer materialistischen Gesinnung an Undurchsichtigkeit und Dichte zugenommen und ist so zu einer Trennwand gegenüber dem Jenseits geworden. So vermehrt denn also die Philosophie in ihrer Unzulänglichkeit, in der Kritik ihrer Betrachtung, wie auch in ihrer naturwissenschaftlichen Denkweise, mit verführerischen Tanzvergnügungen, in einer ausschweifenden Lebensweise und trunkener Laune die Erstarrung in dieser Welt, verfestigt noch die Gottvergessenheit, baut sich in ihrem Kummer eine undurchsichtige Wand auf und lässt den Schöpfer und das Jenseits dahinter vergessen. Was aber den Qur'an betrifft, so schlägt er die Welt, die sich in dieser Art darstellt, in weltlicher Hinsicht wie zerzauste Wolle mit den Versen

اَلْقَارِعَةُ ٭ مَا الْقَارِعَةُ ٭ اِذَا وَقَعَتِ الْوَاقِعَةُ٭ وَالطُّورِ ٭ وَكِتَابٍ مَسْطُورٍ

{"Die Pochende. Was ist die Pochende?" (Sure 101, 1-2) "Wenn die Stunde eintrifft, die eintreffen wird." (Sure 56, 1) "Beim Berg; bei einem Buch, das Zeile für Zeile niedergeschrieben wurde." (Sure 52, 1-2)}

Er schenkt der Welt eine Klarheit in der Beseitigung aller Undurchsichtigkeit mit Erklärungen wie

اَوَ لَمْ يَنْظُرُوا فِى مَلَكُوتِ السَّمٰوَاتِ وَاْلاَرْضِ ٭ فَلَمْ يَنْظُرُوٓا اِلَى السَّمَآءِ فَوْقَهُمْ كَيْفَ بَنَيْنَاهَا ٭ اَوَلَمْ يَرَ الَّذِينَ كَفَرُوٓا اَنَّ السَّمٰوَاتِ وَاْلاَرْضَ كَانَتَا رَتْقًا

{"Haben sie denn keine Betrachtungen über die Herrschaft Gottes über Himmel und Erde angestellt." (Sure 7, 165) "Haben sie denn nicht gesehen, wie Wir den Himmel über ihnen aufgebaut haben." (Sure 50, 6) "Haben denn diejenigen, die ungläubig sind, nicht gesehen, dass die Himmel und die Erde eine einzige Masse waren?" (Sure 21, 30)}

Er lässt die leblose Welt schmelzen durch seine leuchtenden Funken wie

اَللَّهُ نُورُ السَّمٰوَاتِ وَاْلاَرْضِ ٭ وَمَا الْحَيوةُ الدُّنْيَآ اِلاَّ لَعِبٌ وَلَهْوٌ

{"Gott ist das Licht der Himmeln und der Erde." (Sure 24, 35) "Das diesseitige Leben ist bloß Spiel und Zerstreuung." (Sure 6,32)}

Er zerspaltet die Welt in ihrer nur eingebildeten Ewigkeit durch seine auf den Tod hinweisenden Worte in Stücke, wie اِذَا الشَّمْسُ كُوِّرَتْ {"Wenn die Sonne zusammengefaltet wird..." (Sure 81, 1)} und اِذَا السَّمَآءُ انْفَطَرَتْ {"Wenn der Himmel sich spaltet..." (Sure 82, 1)} und اِذَا السَّمَآءُ انْشَقَّتْ ٭ وَنُفِخَ فِى الصُّورِ فَصَعِقَ مَنْ فِى السَّمٰوَاتِ وَمَنْ فِى اْلاَرْضِ اِلاَّ مَنْ شَآءَ اللَّهُ {"Wenn der Himmel zerreißt..." (Sure 84, 1) "Es wird in die Posaune gestoßen und da stürzt, wie vom Blitz getroffen, wer in den Himmeln und wer auf der Erde ist, die so Gott will ausgenommen." (Sure 39, 68)}

Er vertreibt die Gottvergessenheit, die die naturalistische Gesinnung hervorbringt, mit seinem donnergleichen Klang wie

يَعْلَمُ مَا يَلِجُ فِى اْلاَرْضِ وَمَا يَخْرُجُ مِنْهَا وَمَا يَنْزِلُ مِنَ السَّمَآءِ وَمَا يَعْرُجُ فِيهَا وَهُوَ مَعَكُمْ اَيْنَمَا كُنْتُمْ وَاللَّهُ بِمَا تَعْمَلُونَ بَصِيرٌ ٭ وَقُلِ الْحَمْدُ ِللَّهِ سَيُرِيكُمْ اٰيَاتِهِ فَتَعْرِفُونَهَا وَمَا رَبُّكَ بِغَافِلٍ عَمَّا تَعْمَلُونَ

{"Er weiß, was in die Erde eingeht und was aus ihr hervorkommt, was vom Himmel herabkommt und was zu ihm emporsteigt. Und Er ist mit euch, wo immer ihr auch seid. Und Gott sieht sehr wohl, was ihr tut." (Sure 57, 4) "Und sag: Alles Lob sei Gott! Er wird euch Seine Zeichen sehen lassen, sodass ihr sie erkennt (und nicht sagen könnt, ihr wüsstet von nichts). Und dein Herr gibt sehr wohl Acht auf das, was ihr tut." (Sure 27, 93)}

So folgt der Qur'an mit seinen Versen, welche sich auf den Kosmos beziehen, vom Anfang bis zum Ende, diesem Grundsatz. Er deckt die Wahrheit der Welt so auf, wie sie ist und stellt sie dar. Indem er dem Menschen zeigt, wie hässlich diese Welt ist, bringt er ihn dazu, sich von ihrer Hässlichkeit abzuwenden. Er zeigt ihm das schöne Antlitz einer schönen Welt, die auf ihren Schöpfer ausgerichtet ist. Er veranlasst den Menschen dazu, einzig auf sie seine Augen gerichtet zu halten. Er unterrichtet die wahre Weisheit. Er lehrt die Bedeutungen des kosmischen Buches. Selten lenkt er die Aufmerksamkeit auf seine Buchstaben und seine Verzierungen. Er macht es nicht so, wie jene Philosophie es macht, die von sich selbst berauscht und in das Hässliche verliebt ist, den Sinn (des Lebens) vergessen lässt und die Aufmerksamkeit auf die Verzierung der Buchstaben lenkt, wodurch die Menschen ihre Zeit für sinnlose Dinge vergeuden.

Dritter Strahl:

Im Zweiten Strahl haben wir darauf hingewiesen, dass die Weisheit der Menschen gegenüber der Weisheit des Qur'an unterlegen ist, und dass die Weisheit, die der Qur'an lehrt, ein Wunder ist. In diesem Strahl wollen wir nun den Umfang der Weisheit der Gottesgelehrten (asfiya)und der Gottesfreunde (auliya),die

die Schüler des Qur'an sind, und den Umfang der Weisheit der gnostischen Philosophen (ischrakiyun),die die Erleuchteten unter den Philosophen waren, und den Umfang der Weisheit des Qur'an aufzeigen und unter diesem Gesichtspunkt kurz auf das Wunder des Qur'an verweisen.

So ist denn der zuverlässigste Beweis der Erhabenheit des weisen Qur'an, das allerklarste Zeugnis seiner Wahrhaftigkeit und das mächtigste Zeichen dieses Wunders folgendes: Der Qur'an stellt alle Stufen sämtlicher Bereiche der Einheit (Tauhid)dar, während er sie zugleich auch mit allem umfasst, was aus ihr erwächst. Er stört nicht ihre Harmonie, er erhält sie. Des Weiteren ist im Qur'an die Ausgewogenheit aller erhabenen Wahrheiten über Gott bewahrt geblieben. Des Weiteren umfasst er alle Ergebnisse, die die Gottesnamen in sich enthalten und hält die Ausgewogenheit all dieser Ergebnisse aufrecht. Des Weiteren umfasst er die Auswirkungen der Herrschaft Gottes und Seiner Erhabenheit in vollendeter Harmonie. So ist denn eine besondere Eigenart, dass er diese Ausgewogenheit und Harmonie aufrecht erhält und in sich umfasst. Sie findet sich überhaupt nicht in den Werken der Menschen und ist nicht in den Ergebnissen der Meinungen der Großen unter den Menschen anzutreffen. Dergleichen findet sie sich weder in den Werken der Gottesfreunde, die in der Engelwelt wandern, noch in den Büchern der gnostischen Philosophen, die in das Innere der Dinge hineingehen, noch in den Erkenntnissen der Geistlichen, die in die unsichtbare Welt eindringen.

Als hätten sie sich die Arbeit (am Baum der Wahrheit) untereinander aufgeteilt, klammert sich jede Gruppe nur an ein, zwei Ästen am großen Baum der Wahrheit fest. Die eine widmet sich allein seinen Früchten und Blättern. Von einem anderen (Zweig oder Ast) hat sie entweder keine Ahnung, oder sie kümmert sich nicht darum. In der Tat können ihre beschränkten Blicke die absolute Wahrheit nicht umfassend erkennen. Ein ganzheitlicher Blick wie der des Qur'an ist notwendig, um sie zu erfassen.

Auch diejenigen, die vom Qur'an unterrichtet worden sind, können infolge ihrer persönlichen Auffassung nur ein, zwei Seiten der einen und ganzen Wahrheit vollständig betrachten. Sie beschäftigen sich allein mit ihr, schließen sich in ihr ein. Sie zerstören die Wahrheit in ihrer Ausgewogenheit durch Hinzufügungen oder Weglassungen und beseitigen so ihre Harmonie.

Diese Tatsache wurde schon im Zweiten Ast vom "Vierundzwanzigsten Wort" durch ein einzigartiges Gleichnis erläutert. Hier wollen wir aber mit einem anderen Gleichnis zu diesem Thema einen Hinweis geben.

Zum Beispiel:

Nehmen wir einmal an, dass sich irgendwo in einem Meer eine Schatzkiste befände, die mit allen Arten zahlloser Edelsteine gefüllt sei. Nun tauchen also Schatzsucher hinab, um diese Schatzkiste zu suchen. Mit geschlossenen Augen versuchen sie ihn durch Fühlen und Ertasten mit ihren Händen zu erkennen. Einem Teil von ihnen gelingt es einen länglichen Edelstein zu ergreifen. Diese Taucher meinen nun, der ganze Schatz bestünde aus Edelsteinen in der Form langgestreckter Säulen. Wenn einer unter ihnen durch seine Kameraden von anderen Mineralien hört, stellt er sich vor, dass diese Mineralien zu dem Edelstein, den er selbst gefunden hat, dazugehören, ihn noch weiter ausschmücken und ergänzen. Einem anderen Teil von ihnen gelingt es, einen kugelförmigen Rubin zu ergreifen. Wieder ein anderer findet einen würfelförmigen Bernstein. Und so weiter...

Jeder glaubt, dass der Edelstein, den er mit der Hand ergriffen hat und den er nun kennt, den größten Teil des eigentlichen Schatzes bildet. Er hält das, was er hört, für nebensächliche Dinge, für eine Art Zubehör seines Schatzes. Damit geht das Gleichgewicht der Wahrheit verloren. Die Proportionalität verschwindet. Viele Wahrheiten bekommen eine andere Farbe. Um die wahre Farbe der Wahrheit erkennen zu können, gerät man in den Zwang zu freien Auslegungen und zu Improvisationen. Ja manchmal gehen sie sogar soweit, etwas völlig zu verleugnen oder zu verschweigen. Diejenigen, welche die Bücher der

gnostischen Philosophen und die Bücher der Mystiker durchdenken, die mit ihrer geistigen Schau und ihren Entdeckungen vertraut sind, ohne sie mit der Waage der Tradition des Propheten (Mohammed) zu wiegen, bestätigen unsere Feststellung ohne Zweifel. Das also heißt, dass sie, obzwar sie von den Wahrheiten des Qur'an und von der Lehre des Qur'an herrühren, sie dennoch mangelhaft bleiben, weil sie eben nicht der Qur'an selbst sind.

Auch die Ayat des Qur'an, ein Ozean der Wahrheit, sind Taucher zu diesem Schatz im Meer. Doch ihre Augen sind geöffnet und erblicken den ganzen Schatz. Sie erkennen, was zum Schatz dazu gehört und was nicht. Sie beschreiben und erklären diesen Schatz in allen seinen Maßen und Proportionen auf das Beste und bringen so seine wahre Schönheit zur Geltung.

Zum Beispiel:

وَاْلاَرْضُ جَمِيعًا قَبْضَتُهُ يَوْمَ الْقِيٰمَةِ وَالسَّمٰوَاتُ مَطْوِيَّاتٌ بِيَمِينِهِ ٭ يَوْمَ نَطْوِى السَّمَآءَ كَطَىِّ السِّجِلِّ لِلْكُتُبِ

{"Am Tage der Auferstehung wird Er die ganze Erde in Seiner Hand halten und die Himmel zusammengerollt in Seiner Rechten." (Sure 39, 67) "An jenem Tag werden Wir den Himmel zusammenrollen, so wie man eine Schriftrolle zusammenrollt..." (Sure 21, 104)}

So wie diese Ayat die Größe der Herrschaft Gottes erkennen, die sie zum Ausdruck bringen, so erfassen auch die folgenden Ayat den Umfang der Barmherzigkeit Gottes, stellen sie dar, bringen sie zum Ausdruck.

اِنَّ اللَّهَ لاَ يَخْفٰى عَلَيْهِ شَىْءٌ فِى اْلاَرْضِ وَلاَ فِى السَّمَآءِ ٭ هُوَ الَّذِى يُصَوِّرُكُمْ فِى اْلاَرْحَامِ كَيْفَ يَشَآءُ ٭ مَا مِنْ دَآبَّةٍ اِلاَّ هُوَ اٰخِذٌ بِنَاصِيَتِهَا ٭ وَكَأَيِّنْ مِنْ دَآبَّةٍ لاَ تَحْمِلُ رِزْقَهَا اَللَّهُ يَرْزُقُهَا وَاِيَّاكُمْ

{"Vor Gott ist nichts verborgen, weder auf der Erde noch im Himmel. Er ist es, der euch im Mutterschoß gestaltet, wie Er will." (Sure 3, 5-6) "Es gibt kein Tier, Er trüge es nicht an seinem Nackenwulst." (Sure 11, 56) "Und wie viele Tiere gibt es, die ihre Versorgung nicht mit sich herumtragen! Allah versorgt sie und euch." (Sure 29, 60)}

Des Weiteren sieht und zeigt die Ayah

خَلَقَ السَّمٰوَاتِ وَاْلاَرْضَ وَجَعَلَ الظُّلُمَاتِ وَالنُّورَ

{"...Allah, der die Himmel und die Erde geschaffen, die Finsternis und das Licht gemacht hat!" (Sure 6, 1)}

die Weite des Schaffens Gottes, die er zum Ausdruck bringt, wobei die Ayah

خَلَقَكُمْ وَمَا تَعْمَلُونَ

{"...wo doch Gott euch und das, was ihr macht, erschaffen hat?" (Sure 37, 96)}

den Umfang der Lenkung und Leitung Gottes und Seiner Herrschaft, den sie zum Ausdruck bringt, sieht und zeigt. Die Ayah

يُحْيِى اْلاَرْضَ بَعْدَ مَوْتِهاَ

{"...wie Er die Erde wiederbelebt, nachdem sie abgestorben war." (Sure 30, 50)}

sieht und zeigt die Wahrheit der Größe, die sie zum Ausdruck bringt, und die Ayah

وَاَوْحٰى رَبُّكَ اِلَى النَّحْلِ

{"Und es hat dein Herr der Biene eingegeben,..." (Sure 16, 68)}

die Wahrheit der Freigiebigkeit, die sie zum Ausdruck bringt, und die Ayah

وَالشَّمْسَ وَالْقَمَرَ وَالنُّجُومَ مُسَخَّرَاتٍ بِاَمْرِهِ

{"Und die Sonne, der Mond und die Sterne stehen durch Seinen Befehl im Dienst." (Sure 7, 54)}

die gewaltige, herrschaftliche und gebieterische Wahrheit. Die Ayah

اَوَلَمْ يَرَوْا اِلَى الطَّيْرِ فَوْقَهُمْ صَآفَّاتٍ وَيَقْبِضْنَ مَايُمْسِكُهُنَّ اِلاَّ الرَّحْمَنُ اِنَّهُ بِكُلِّ شَىْءٍ بَصِيرٌ

{"Haben sie nicht zu den Vögeln über sich aufgeschaut, wie sie ihre Flügel ausbreiten und einziehen? Nur der Erbarmer hält sie. Er sieht alle Dinge." (Sure 67, 19)}

bringt die Wahrheit des Barmherzigen, des Lenkers und Leiters zum Ausdruck. Die Ayah

وَسِعَ كُرْسِيُّهُ السَّمٰوَاتِ وَاْلاَرْضَ وَلاَ يَؤُدُهُ حِفْظُهُمَا

{"Weit reicht Sein Thron über die Himmel und die Erde, und nicht schwer fällt Ihm ihre Hut." (Sure 2, 255)}

bringt die Wahrheit der Größe zum Ausdruck. Die Ayah

وَهُوَ مَعَكُمْ اَيْنَ مَا كُنْتُمْ

{"Und Er ist mit euch, wo immer ihr auch seid." (Sure 57, 4)}

bringt die Wahrheit der Begleitung zum Ausdruck. Die Ayah

هُوَ اْلاَوَّلُ وَاْلاٰخِرُ وَالظَّاهِرُ وَالْباَطِنُ وَهُوَ بِكُلِّ شَىْءٍ عَلِيمٌ

{"Er ist der Erste und der Letzte, der Sichtbare und der Verborgene. Und Er weiß über alle Dinge Bescheid." (Sure 57, 3)}

bringt die Wahrheit des Allumfassenden zum Ausdruck. Die Ayah

وَلَقَدْ خَلَقْنَا اْلاِنْسَانَ وَنَعْلَمُ مَا تُوَسْوِسُ بِهِ نَفْسُهُ وَنَحْنُ اَقْرَبُ اِلَيْهِ مِنْ حَبْلِ الْوَرِيدِ

{"Wir haben doch den Menschen erschaffen und wissen, was ihm seine Seele einflüstert. Und wir sind ihm näher als seine Schlagader." (Sure 50,16)}

bringt die Nähe (Gottes) zum Ausdruck. Die Ayah

تَعْرُجُ الْمَلٰٓئِكَةُ وَالرُّوحُ اِلَيْهِ فِى يَوْمٍ كَانَ مِقْدَارُهُ خَمْسِينَ اَلْفَ سَنَةٍ

{"Zu Ihm steigen die Engel und der Geist empor an einem Tag, dessen Maß fünfzigtausend Jahre ist." (Sure 70, 4)}

weist auf die Wahrheit der Hoheit hin. Die Ayah

اِنَّ اللَّهَ يَأْمُرُ بِالْعَدْلِ وَاْلاِحْسَانِ وَاِيتَآئِ ذِى الْقُرْبٰى وَيَنْهٰى عَنِ الْفَحْشَآءِ وَالْمُنْكَرِ وَالْبَغْىِ

{"Siehe, Allah gebietet Gerechtigkeit zu üben, Gutes zu tun und die Verwandten zu beschenken und verbietet das Schädliche und Schlechte und die Gewalttat." (Sure 16, 90)}

bringt die Wahrheit der Universalität zum Ausdruck. Jede Ayah sieht und zeigt ausführlich jeden von den sechs Grundpfeilern des Glaubens, die das Jenseits und das Diesseits, die Erkenntnis und die Tat betreffen; und jeden von den fünf Grundpfeilern des Islam mit Absicht und Ehrlichkeit; sowie alle Grundsätze, die die Glückseligkeit in den beiden Welten sicher stellen. Sie erhalten das Gleichgewicht aufrecht, bewahren seine Harmonie. Aus der Quelle der Schönheit und Herrlichkeit, die aus der Harmonie des gesamten Bildes dieser Wahrheiten hervortritt, erscheint uns das Wunder, das aus der inneren Bedeutung des Qur'an erwächst.

Also konnten aus diesem großen Geheimnis die Gelehrten (Ulema)des Gotteswortes wie die Gelehrten der Schule Mu'tezila, die den Verstand der Offenbarung vorgezogen hatten, obwohl sie Schüler des Qur'an waren, und obwohl ein Teil von ihnen je zehn Bände über die Grundpfeiler des Glaubens, also Tausende von Werken verfasst hatte, kaum klare Aussagen über die Wahrheit machen, sichere Beweise dafür erbringen und ernsthaft überzeugen wie nur zehn Ayat des Qur'an. Sie bohren sozusagen unter weitentfernten Bergen Tunnel, gehen wie in Rohrleitungen durch die Kette der Ursachen bis zum Ende der Welt, wo sie schließlich an das Ende der Kette aller Beweise gelangen. Alsdann versuchen sie die Gotteserkenntnis und Existenz des Notwendig-Seienden, welche Lebenswasser sind, zu beweisen.

Was aber die ehrwürdigen Ayat betrifft, so kann jeder mit ihrer Hilfe, dem Stab Mosis gleich, überall Wasser hervorholen, bei jeder Sache ein Fenster öffnen und so den majestätischen Schöpfer bekannt machen. In meiner arabisch verfassten Abhandlung namens "Qatre(Tropfen)", welche aus dem Ozean des Qur'an stammt, und auch in anderen "Worten" hat sich diese Tatsache als richtig herausgestellt, worauf wir auch hingewiesen haben. Aufgrund dieses Geheimnisses konnten diejenigen, die in das Innere der Dinge eingedrungen und sich ihrer eigenen inneren Schau sicher waren, ohne der gelobten

Tradition des Propheten Mohammed zu folgen, auf halben Wege wieder umgekehrt, das Oberhaupt einer Gemeinde geworden waren, Sekten gebildet hatten, also alle diese Bannerträger einer Irrlehre, Harmonie und Wohlausgewogenheit in der Wahrheit nicht aufrecht erhalten, sodass sie am Ende in derartige ketzerische Erneuerungen (bid'a)und Irrlehren gestürzt und jedesmal eine Gemeinschaft aus der Menschheit auf einen falschen Weg geführt haben. Somit zeigt also deren ganze Schwäche, dass die Verse des Qur'an ein Wunder sind.

Schlusswort

Zwei der Strahlen des Wunders des Qur'an wurden schon im vierzehnten Tropfen des "Neunzehnten Wortes" behandelt. Es sind die Wiederholungen in ihm und die kurzen Zusammenfassungen bei naturwissenschaftlichen Erkenntnissen in ihm, welche der Anlass dazu waren, in ihnen einen Fehler zu sehen, die aber im Grunde genommen jeweils eine Quelle der Strahlen des Wunders sind. Des Weiteren wurde ein Strahl des Wunders des Qur'an, der uns aus der Erscheinung der Wunder der Propheten im Qur'an entgegen strahlt, in dem Zweiten Kapitel des Zwanzigsten Wortes eindeutig dargelegt. Noch viele dergleichen Lichter des Wunders sind in anderen "Worten" und auch in einer meiner arabischen Abhandlungen aufgeführt worden. Damit wollen wir uns hier begnügen und nur noch hinzufügen:

Ein weiteres Wunder des Qur'an ist folgendes: Alle Wunder der Propheten zeigen ein Ornament des Wunders im Qur'an. So wird der Qur'an mit all seinen Wundern zu einem Wunder Ahmeds, mit dem Friede und Segen sei. Alle Wunder Ahmeds, mit dem Friede und Segen sei, gelten auch als ein Wunder des Qur'an. Das zeigt das Verhältnis des Qur'an zu Gott dem Gerechten. Durch das Bestehen dieses Verhältnisses wird jedes seiner Worte ein Wunder. Denn, ein einziges Wort wird wie ein Samenkern, der in sich einen Baum der Wahrheit unsichtbar enthält. Überdies kann es, wie die Zentrale eines Herzens, mit allen Organen einer gewaltig großen Wahrheit in Verbindung stehen. Da es sich auf ein allumfassendes Wissen und eine grenzenlose Willenskraft stützt, kann es sich durch seine Buchstaben, durch seine Zusammenstellung, durch seine Form, durch seine Stellung auf unendliche Dinge beziehen. Dies also ist der Grund dafür, dass die Gelehrten (Ulema),die über Buchstaben ein spezielles Wissen besitzen, behaupten, in einem Buchstaben im Qur'an Geheimnisse herauszufinden, die eine Seite füllen können, und ihre Behauptung vor Gelehrten ihres Faches beweisen können.

Fasse also nun alle Flammen, Strahlen, Funken, Lichtbündel und Lichter von Anbeginn dieser Abhandlung bis hierher zusammengenommen ins Auge und betrachte sie! Sie enthalten die Behauptung, die am Anfang erhoben wurde, nun als entscheidendes Ergebnis, d.h. die Ayah

قُلْ لَئِنِ اجْتَمَعَتِ اْلاِنْسُ وَالْجِنُّ عَلٰٓى اَنْ يَاْتوُا بِمِثْلِ هٰذَا الْقُرْاٰنِ لاَ يَاْتوُنَ بِمِثْلِهِ وَلَوْ كَانَ بَعْضُهُمْ لِبَعْضٍ ظَهِيراً

{"Sag: Gesetzt den Fall, die Menschen und die Geister tun sich alle zusammen, um etwas herbeizubringen, was diesem Qur'an gleich wäre, so werden sie das nicht können. Auch nicht, wenn sie sich gegenseitig helfen." (Sure 17, 88)}

trägt dies mit lauter Stimme vor und macht es bekannt.

سُبْحَانَكَ لاَعِلْمَ لَنَآ اِلاَّ مَاعَلَّمْتَنَآ اِنَّكَ اَنْتَ الْعَلِيمُ الْحَكِيمُ

{"Gepriesen seist Du! Wir haben kein Wissen, außer dem, das Du uns gelehrt hast. Denn Du bist der Allwissende, der Allweise." (Sure 2, 32)}

رَبَّناَ لاَ تُؤَاخِذْنَآ اِنْ نَسِينَآ اَوْ اَخْطَأْناَ ٭ رَبِّ اشْرَحْ لِى صَدْرِى ٭ وَيَسِّرْ لِى اَمْرِى ٭ وَاحْلُلْ عُقْدَةً مِنْ لِسَانِى ٭ يَفْقَهُوا قَوْلِى

{"Unser Herr, ziehe uns nicht zur Rechenschaft wegen unserer Fehler und dem, was wir durch unsere Vergesslichkeit unterlassen haben." (Sure 2, 286) "Herr! Weite mir die Brust, mach es mir leicht und löse den Knoten in meiner Zunge, damit die Leute verstehen, was ich sage!" (Sure 20, 25-28)}

اَللّٰهُمَّ صَلِّ وَسَلِّمْ اَفْضَلَ وَاَجْمَلَ وَاَنْبَلَ وَاَظْهَرَ وَاَطْهَرَ وَاَحْسَنَ وَاَبَرَّ وَاَكْرَمَ وَاَعَزَّ وَاَعْظَمَ وَاَشْرَفَ وَاَعْلٰى وَاَزْكٰى وَاَبْرَكَ وَاَلْطَفَ صَلَوَاتِكَ، وَاَوْفٰى وَاَكْثَرَ وَاَزْيَدَ وَاَرْقٰى وَاَرْفَعَ وَاَدْوَمَ سَلاَمِكَ، صَلاَةً وَسَلاَمًا وَرَحْمَةً وَرِضْوَانًا وَعَفْوًا وَغُفْرَانًا تَمْتَدُّ وَتَزِيدُ بِوَابِلِ سَحَآئِبِ مَوَاهِبِ جُودِكَ وَكَرَمِكَ، وَتَنْمُوا وَتَزْكُوا بِنَفَآئِسِ شَرَآئِفِ لَطَآئِفِ جُودِكَ وَمِنَنِكَ، اَزَلِيَّةً بِاَزَلِيَّتِكَ لاَ تَزُولُ، اَبَدِيَّةً بِاَبَدِيَّتِكَ لاَ تَحُولُ، عَلٰى عَبْدِكَ وَحَبِيبِكَ وَرَسُولِكَ مُحَمَّدٍ خَيْرِ خَلْقِكَ، اَلنُّورِ الْبَاهِرِ اللاَّمِعِ وَالْبُرْهَانِ الظَّاهِرِ الْقَاطِعِ، وَالْبَحْرِ الزَّاخِرِ وَالنُّورِ الْغاَمِرِ وَالْجَمَالِ الزَاهِرِ وَالْجَلاَلِ الْقَاهِرِ وَالْكَمَالِ الْفَاخِرِ، صَلاَتَكَ الَّتِى صَلَّيْتَ بِعَظَمَةِ ذَاتِكَ عَلَيْهِ وَعَلٰٓى اٰلِهِ وَصَحْبِهِ كَذٰلِكَ، صَلاَةً تَغْفِرُبِهَا ذُنُوبَنَا، وَتَشْرَحُ بِهَا صُدُورَنَا وَتُطَهِّرُ بِهَا قُلوُبَنَا، وَتُرَوِّحُ بِهَا اَرْوَاحَنَا وَتُقَدِّسُ بِهَا اَسْرَارَنَاوَتُنَزِّهُ بِهَا خَوَاطِرَنَا وَاَفْكَارَنَا وَتُصَفِّى بِهَا كُدُورَاتِ مَافِى اَسْرَارِنَا وَتَشْفِى بِهَآ اَمْرَاضَنَا وَتَفْتَحُ بِهَآ اَقْفَالَ قُلُوبِنَا

{"Oh Gott, gib Deinen Frieden und Deinen Segen nach Deiner vorzüglichen, schönsten, vornehmsten, klarsten, reinsten und saubersten, besten, würdigsten, gesegnetsten, ehrwürdigen und ehrenwerten, gewaltigen, höchsten, tiefsten und erhabensten Segensweise und mit Deinen ihm angemessenen, so vielen, so zahlreichen, edlen, hohen, immerwährenden Friedensgrüßen, mehre und ergieße über ihm Deinen Segen und Deinen Frieden, Dein Erbarmen, Dein Wohlwollen, Verzeihung und Vergebung wie einen Regen aus den Wolken Deiner Freigiebigkeit, Deiner Gastfreundlichkeit, lass sie wachsen und gedeihen durch die köstlichen, ehrenvollen, kostbaren Geschenke Deiner Freigiebigkeit und Güte von Weltzeit zu Weltzeit ohne alle Veränderung, von Ewigkeit zu Ewigkeit, ohne jeden Wandel, über Deinem Diener, Deinem vielgeliebten Propheten Mohammed, der das edelste Deiner Geschöpfe, das mächtigste und glänzendste Licht, ein klares und eindeutiges Zeugnis, ein unerschöpfliches Meer, ein sanftes Licht, eine erblühende Schönheit, eine überwältigende Größe, eine aufragende Vollkommenheit ist und segne ihn mit Deinem Segen, den Du in der Größe Deines Seins herabgesandt hast, auf ihn und seine Familie, wie auch auf seine Gefährten (Ashab), einem Segen, mit dem Du unsere Sünden vergibst, unsere Brust weitest, unsere Herzen reinigst, unseren Geist erquickst, unsere Geheimnisse heiligst, unsere Gedanken und Erinnerungen läuterst, die Schatten lichtest, die über dem liegen, was in uns verborgen (sirr) ist, unsere Krankheiten heilst und die Riegel unserer Herzen sprengst."}

رَبَّنَا لاَ تُزِغْ قُلُوبَنَا بَعْدَ اِذْ هَدَيْتَنَا وَهَبْ لَنَا مِنْ لَدُنْكَ رَحْمَةً اِنَّكَ اَنْتَ الْوَهَّابُ ٭ وَاٰخِرُ دَعْوٰيهُمْ اَنِ الْحَمْدُ ِللَّهِ رَبِّ الْعَالَمِينَ اٰمِينْ اٰمِينْ اٰمِينْ

{"Unser Herr, lass unsere Herzen nicht mehr in die Irre gehen, da Du uns geleitet hast, und gib uns Deine Barmherzigkeit! Denn Du bist fürwahr unser Geber (Vahhab)." (Sure 3, 8) "Und dies ihr letztes Gebet: Alles Lob gebührt Allah, dem Herrn der Welten!" (Sure 10, 10) "Amin Amin Amin."}

Erster Anhang

(Die siebzehnte Stufe des Ersten Kapitels im "Siebten Strahl" wurde in diesem Zusammenhang als Anhang zum "Fünfundzwanzigsten Wort" gebracht.)

Nun wandte sich unser nimmermüder Reisender, der sich noch nie satt zu sehen vermochte, wohl wissend, dass das Ziel des Lebens in dieser Welt und das Leben des Lebens selbst der Glaube ist, an das eigene Herz und sagte zu ihm:

"Lasst uns das Buch jener Persönlichkeit befragen, die wir suchen und deren Wort und Spruch es genannt wird und das in dieser Welt das berühmteste, hervorragendste und weiseste ist und das in jeder Generation wieder jeden, der sich ihm nicht fügen will, erneut herausfordert, nämlich den Qur'an, dessen Verkündigung ein Wunder ist. Lasst uns fragen, was er uns sagt! Vor allem aber ist es erst einmal notwendig, zu beweisen, dass er das Buch unseres Schöpfers ist." Und so begann er mit seinem Studium.

Da unser Reisender aber in gegenwärtiger Zeit lebt, betrachtete er zunächst die Risale-i Nur, Wunder und Funke aus dem Geiste des Qur'an und erkannte, dass ihre hundertdreißig Bände Anmerkungen und Lichter zu den Wunderzeichen der Unterscheidung (: Qur'an) und deren grundlegende Auslegung sind. Wenn die Risale-i Nur in einer Zeit wie der heutigen, wo die Menschen so verbohrt sind und so wenig Gewissen haben, die Wahrheit des Qur'an mit einem derartigen Idealismus verbreiten kann, ohne dass jemand dagegen aufzustehen vermag, so beweist dies, dass der Qur'an ihr Lehrmeister (Ustadh),von dem sie ihre Autorität bezieht, und ihre Sonne im Himmel ist und nicht Menschenwort. Ja, in der Risale-i Nur wird unter hunderten von Zeugnissen schon allein im "Fünfundzwanzigsten Wort" und am Ende des "Neunzehnten Briefes" als ein einziges Zeugnis für den Qur'an dergestalt der Beweis erbracht, dass der Qur'an

in vierzigfacher Hinsicht ein Wunder ist, dass der, welcher ihn liest, ihn nicht kritisieren noch etwas dagegen einwenden kann, sondern angesichts dieser Beweisführung von Bewunderung und Hochachtung erfüllt wird und höchstes Lob spendet. So überließ er es der Risale-i Nur, den Qur'an als ein Wunder darzustellen und zu beweisen, dass er das wahre Wort Allahs ist und achtete nur darauf, in wenigen Stichpunkten kurz auf dessen Größe hinzuweisen.

Erster Punkt:

So wie der Qur'an mit allen Wundern und allen Tatsachen, die ein Beweis seines Wahrheitsgehaltes sind, ein Wunder Mohammeds ist, so ist auch Mohammed, mit dem Friede und Segen sei, mit all seinen Wundern, Beweisen für sein Prophetentum und seiner Vollendung in der Wissenschaft ein unumstößliches Zeugnis dafür, dass der Qur'an ein Wunder ist und dass der Qur'an Allahs Wort ist.

Zweiter Punkt:

Der Qur'an, welcher in so lichtvoller beseligender und wahrheitsgemäßer Weise das gesellschaftliche Leben veredelt und sowohl den Seelen als auch den Herzen, als auch dem Geist, als auch dem Intellekt, als auch im persönlichen Leben, als auch im gesellschaftlichen Leben, als auch im politischen Leben eine solche Umwälzung zu Stande gebracht hat und noch immer zu Stande bringt und als eine Richtschnur dient, dessen 6666 Ayat im Verlaufe von vierzehn Jahrhunderten von mehr als hundert Millionen Menschen mit völliger Ehrerbietung rezitiert werden, ihre Seelen (nefs)wäscht und ihre Herzen reinigt, ihrem Geiste Wachstum und Gedeihen schenkt, dem Intellekt Ausrichtung und Licht, dem Leben Glück, dieser Qur'an ist sicherlich ein Buch ohne seinesgleichen, einzigartig, außerordentlich und wunderbar.

Dritter Punkt:

Der Qur'an hat seit der Epoche seiner Entstehung bis in unsere Zeit eine so überwältigende Schönheit gezeigt, dass die unter der Bezeichnung "Mu'alIakat-i Seb'a"(wörtlich: die sieben Hängenden) an den Wänden der Kaaba mit goldenen Lettern geschriebenen berühmten

Kassiden der bekanntesten Dichter von ihm dermaßen in den Schatten gestellt wurden, dass die Tochter des Dichters Lebid, als sie die Kasside ihres Vaters in der Kaabaabnahm, sagte: "Sie haben im Vergleich mit diesen Ayatihren Wert verloren."

So warf sich ein beduinischer Dichter, nachdem er die Ayah: فاَصْدَعْ بِمَا تُؤْمَرُ {"Verkündige, was dir befohlen wurde!" (Sure 15, 94)} gelesen hatte, zur Erde nieder und antwortete denen, die ihn fragten: "Bist du nun ein Moslem geworden?"

"Nein! Nur vor der unvergleichlichen Schönheit dieser Ayah habe ich mich zu Boden geworfen."

Gleich ihm haben Tausende von Imamen und Sprachforschern wie Abdu l-Qahir-i Djürdjani, Sekkakiund Zemahsheri,Rhetorik-Wissenschaftler von überragendem Geist, insgesamt übereinstimmend das Urteil abgegeben:

"Die überwältigende sprachliche Schönheit des Qur'an übersteigt alles menschliche Fassungsvermögen und bleibt unerreichbar."

Seit dieser Zeit reizt der Qur'an ständig die stolzen und selbstgefälligen Dichter und Schriftsteller zum Widerstand auf und indem er die Stolzen zerbricht, sagt er zu ihnen: "Bringt doch nur eine einzige ähnliche Sure herbei, oder nehmt in dieser und in jener Welt euren Untergang und eure Schande hin!" Obwohl aber doch der Qur'an sie dazu eingeladen hatte, gaben die halsstarrigen Dichter jener Zeit ihre Bemühungen auf, den kürzeren Weg einzuschlagen und auch nur eine einzige ähnliche Sure hervorzubringen und wählten statt dessen den langwierigen Kampf, in dem sie Gut und Leben aufs Spiel setzten, was beweist, dass es unmöglich ist, den kurzen Weg zu beschreiten.

So haben Freunde des Qur'an in ihrer Begeisterung versucht, den Qur'an nachzuahmen und auch seine Feinde kamen dazu, etwas zu schaffen, was dem Qur'an vergleichbar gewesen wäre und ihn zu kritisieren. Millionen arabischer Bücher sind mit dem Fortschritt des Gedankenaustausches auf den Markt gelangt. Keines davon konnte den Qur'an gleichen. Ja, würde selbst ein ungebildeter Mensch sie hören, sagte er gewiss: "Dieser Qur'an ist ihnen nicht gleich. Ja, er steht noch nicht einmal auf gleicher Stufe mit ihnen. Er muss entweder unter ihnen oder aber über ihnen allen stehen". Dass er unter ihnen stünde, kann in dieser Welt niemand, kein Ungläubiger, ja noch nicht einmal ein dummer Mensch behaupten. Das heißt also, das die Stufe seiner sprachlichen Schönheit weit über ihnen allen liegt. Einmal hatte jemand die Ayah:

سَبَّحَ ِللَّهِ مَا فِى السَّمٰوَاتِ وَاْلاَرْضِ

{"Es preist Allah, was in den Himmeln und auf Erden ist." (Sure 57, 1)}

gelesen und gesagt: "Ich kann an dieser Ayah nichts von der sprachlichen Schönheit finden, die als so bewundernswert an ihr gesehen wird." Da sagte man ihm:

"Geh doch auch du wie jener Reisende hinab in die damalige Zeit und lausche da!" Da stellte er sich selbst vor, in der Zeit vor dem Qur'an dort zu sein und sah:

Alle Wesen der damaligen Welt befanden sich in einem heillosen, dunklen, erstarrten, kaum noch bewussten Zustand, ziellos in einem grenzenlos leeren, unendlich öden Raum, in einer unbeständigen, vergänglichen Welt. Plötzlich hörte er die Stimme des Qur'an diese Ayah verkünden und erkannte, dass diese Ayah über der Welt und dem Antlitz der Erde einen Schleier hob, sie erleuchtend, allen mit Bewusstsein begabten Seelen in den Bankreihen der Jahrhunderte mit dieser urewigen Ansprache, diesem zeitlosen Erlass (ferman)Unterricht erteilend und so verstand er, dass das All einer großen Moschee gleich, von Himmel und Erde angeführt mit all seinen Geschöpfen in ein lebendiges Gedenken Gottes

(dhikr)und in Seinen Lobpreis versunken, seine Pflicht glücklich, begeistert und zufrieden erfüllt. Dies bezeugte er. Da genoss er die vollendete Schönheit dieser Ayah, verglich sie mit noch anderen Ayat und verstand, dass die Hälfte der Erde und ein Fünftel der Menschheit vom Raunen der Suren angerührt, von ihrer vollendeten Schönheit erfüllt wurde. Hierin liegt eine Weisheit unter Tausenden von Weisheiten, grundlegend für den Fortbestand des Königreiches in all Seiner Majestät und vollkommener Würde ununterbrochen seit vierzehn Jahrhunderten.

Vierter Punkt:

Der Qur'an weist eine solche wahrhaftige Süßigkeit auf, dass die Rezitation des Qur'an niemals Überdruss hervorruft, obwohl doch häufige Wiederholungen auch der süßesten Dinge überdrüssig werden lassen, sodass sich seine Süßigkeit bei der Wiederholung nur noch vermehrt, soweit das Herz des Menschen noch unverdorben und sein Geschmack noch unverfälscht geblieben sind. Dies ist schon seit langem so gewiss für jedermann, dass es bereits zum Sprichwort geworden ist.

Dabei erweist sich noch immer seine ursprüngliche Jugendlichkeit und Frische, sodass er trotz seines Alters von vierzehn Jahrhunderten und trotzdem er doch jedermann leicht zugänglich ist, seine Frische so bewahrt hat, als wäre er gerade erst offenbart worden. Jedes Jahrhundert hat in ihm eine solche Jugendlichkeit erblickt, als habe er es unmittelbar angesprochen. Und obwohl jeder Zweig der Wissenschaft sich stets an ihm orientierte und ihnen stets eine Vielzahl von Exemplaren zur Verfügung stand und alle ihm in ihrer Ausdrucksweise nacheiferten, vermochte er dennoch seinen ursprünglichen, unverfälschten Stil und seine originäre Ausdrucksweise bis in unsere Tage zu bewahren.

Fünfter Punkt:

So wie der Qur'an, mit dem einen Flügel in der Vergangenheit, mit dem anderen in der Zukunft, den die alten Propheten aufgrund der Tatsache ihrer Übereinstimmung, die seine Wurzel und der eine seiner Flügel ist, bestätigen und bestärken, sie gleichfalls

in dieser Übereinstimmung bestätigt, so beweisen auch Männer wie die Heiligen (auliya)und Gottesgelehrten (asfiya),dass sie die Frucht des Lebens an dem vollkommenen, segensreichen und segenspendenden Baum sind, der die Quelle der Wahrheit ist und alle echten Orden der Freundschaft (mit Gott) und alle wahrhaftigen Wissenschaften des Islam, die sich unter dem Schutz des zweiten Flügels gesammelt haben und leben, legen Zeugnis dafür ab, dass der Qur'an als die Wahrheit selbst und als ein Kompendium der Wahrheit und als ein Gesamtwerk ein Wunder ohnegleichen ist.

Sechster Punkt:

Der Qur'an spendet Erleuchtung nach sechs Seiten; sie alle bezeigen seine Richtigkeit und Wahrhaftigkeit.

So wie an seiner Unterseite die Pfeiler von Zeugnis und Beweis, an seiner Oberfläche das funkensprühende Siegel seiner Wunderhaftigkeit, an seiner nach vorne zielenden Seite die Geschenke der Glückseligkeit in beiden Welten, an seiner Rückseite der Stützpunkt der Offenbarung der himmlischen Wahrheiten, an seiner Rechten die Bestätigung durch die Beweise unendlich vieler geradliniger Intelligenzen, an seiner Linken die ernsthaften, vertrauensvollen, innerlich hingezogenen und ergebungsvoll hingegebenen Herzen und reinen Gewissen beweisen, dass der Qur'an eine über alle Maßen wunderbare, feste, unangreifbare Burg des Himmels auf Erden ist und so wie auch der Lenker der Welt auf sechs verschiedenen Ebenen dafür unterschrieben hat, dass der Qur'an die Wahrheit und Aufrichtigkeit selbst ist und nicht Menschenwort, noch ein Irrtum und sich den Grundsatz Seines Handelns zur Gewohnheit gemacht hat, dafür Sorge zu tragen, dass in der Welt jederzeit zunächst die Schönheit sichtbar wird und das, was gut und richtig ist, Betrug und Verleumdung aber auszurotten und dem Qur'an die höchstgeschätzte und erhabene Ehrenstellung in der Regierung der Welt und einen Grad des Erfolges gegeben, ihn bestätigt und für ihn unterschrieben hat, so vermochte man auch bei ihm, der die Quelle des Islam ist

und der Dolmetscher des Qur'an, der, welcher sich stärker als jeder Andere auf ihn stützte, ihn verehrte, der, welcher sich zur Zeit seiner Herabkunft in einer Art Schlafzustand befand, sodass andere seiner Worte den Qur'an nicht erreichen und ihm keineswegs gleich sein konnten, der obwohl selbst des Lesens und Schreibens unkundig, aus dem Qur'an die vergangenen und die künftigen Ereignisse in der Welt in Wahrheit aus dem Verborgenen mit unbeirrter innerer Sicherheit verkündete, selbst unter den Blicken höchst aufmerksamer Augen keine Spur von Betrug oder Falschheit zu entdecken. Er, der als sein Dolmetscher mit ganzer Kraft an alle Bestimmungen des Qur'an glaubte und sie bestätigte und sich durch nichts darin erschüttern ließ, unterschrieb auch dafür, dass der Qur'an vom Himmel herabgekommen und wahrhaftig das gesegnete Wort seines eigenen allbarmherzigen Schöpfers ist.

Zudem gilt die gläubig hingerissene Verbundenheit eines Fünftels, ja sogar eines Großteils der Menschheit mit diesem offen vor unseren Augen liegenden Qur'an, die Sehnsucht und Begeisterung, mit der sie ihm ihr Ohr leihen, das Zeugnis der vielen Hinweise, Ereignisse und Entdeckungen, dass sich auch Dschinnen, Engel und Geister zur Zeit der Lesung voll Verehrung für die Wahrheit den Faltern gleich um ihn versammeln, gleicht einer Urkunde dafür, dass der Qur'an weltweit angenommen wurde und eine hohe Stufe einnimmt.

Zudem ist die Tatsache, dass in allen Schichten des Menschengeschlechtes, von dem primitivsten und ungebildetsten angefangen bis zu den klügsten und intelligentesten jeder einzelne zur Gänze seinen Nutzen aus den Lektionen des Qur'an gezogen hat und selbst noch seine tiefsten Geheimnisse verstehen kann und jede Art von Erforschern der Wahrheit, gleich hunderten von Wissenschaftlern und islamischen Gelehrten, Religionswissenschaftlern und Theologen aus dem Qur'an die Antwort auf alle ihre Fragen entsprechend ihrem Wissensgebiet gefunden haben, gleicht einer Urkunde dafür, dass der Qur'an die Quelle der Gerechtigkeit und eine Fundgrube der Wahrheit ist.

Außerdem haben selbst unter den fortgeschrittensten Sprachwissenschaftlern diejenigen arabischen Dichter, die den Islam nicht angenommen haben, mochten sie nun noch so sehr das Bedürfnis haben, Widerstand zu leisten, bis heute nicht einmal die unvergleichliche sprachliche Schönheit des Qur'an, die doch nur ein einziges Wunder unter den sieben Aspekten seiner Wunderhaftigkeit ist, nicht eine einzige Sure nachzuahmen vermocht. Auch heute noch versuchen sie mit ihrem Widerstand an Ansehen zu gewinnen, doch konnte von allen berühmten Dichtern und überragenden Wissenschaftlern keiner auch nur einen einzigen Aspekt seiner Wunderhaftigkeit widerlegen. Alle wurden sie schwach, verstummten. Auch dies gleicht einer Urkunde dafür, dass der Qur'an über alle Menschenkraft hinaus ein Wunder ist.

In der Tat: bei einem Wort zu fragen: "Von wem stammt es und an wen richtet sich es und in welchem Zusammenhang wurde es ausgesprochen?" bestimmt seinen allgemeinen Wert, die individuelle Hochschätzung und den sprachlichen Rang. Auch von diesem Standpunkt betrachtet gibt es nichts, was man mit dem Qur'an vergleichen oder was ihn erreichen könnte. Denn der Qur'an ist die Anrede und Ansprache des Herrn und Schöpfers aller Welten, ein Wort, in dem sich nicht das geringste Zeichen entdecken ließe, das auf eine Nachahmung oder Vortäuschung schließen lässt. Aus ihm erwuchs durch den starken universalen Glauben seines Sprechers, welcher zugleich auch der Sprecher für die ganze Menschheit, ja sogar der Abgeordnete der gesamten Schöpfung, unter allen Menschen der gerühmteste und mit den höchsten Ehren ausgezeichnete ist, der riesige Baum des Islam. In seiner Herabkunft erhob er seinen Besitzer bis zur Stufe (maqam)von Qab-i Qauseyn und ließ ihn zum Gesprächspartner des Einzigartigen (Samed)werden. Er erklärt und erläutert alle Fragen, die sich auf das

Glück in beiden Welten und die Auswirkungen der Erschaffung des Alls und die in ihnen (verborgene) Absicht des Herrn beziehen und den hohen und weiten Glauben seines Sprechers, der alle Wahrheiten des Islam in sich enthält. Er zeigt alle Seiten des gewaltigen Kosmos, einer Landkarte, einer Uhr oder einem Haus gleich und belehrt über den Meister, der ihn gemacht hat, ihn lenkt und leitet und stellt Ihn anhand Seiner Taten vor. So ist es ohne allen Zweifel unmöglich, dem Qur'an, dessen Verkündigung ein Wunder ist, ein Gleiches an die Seite zu stellen und den Grad seiner Wunderhaftigkeit zu erreichen.

Zudem zeigen und beweisen alle die Forscher von hohem Geist, Tausende von Wissenschaftlern und Gelehrten, die den Qur'an kommentiert haben - manche von ihnen haben dreißig, vierzig, ja sogar siebzig Bände geschrieben und jeder seinen eigenen Kommentar! - durch die Veröffentlichung ihrer Urkunden und Zeugnisse die grenzenlosen Vorzüge und Besonderheiten und die außergewöhnlichen Werte des Qur'an, seine Geheimnisse, seinen erhabenen Sinn und die vielen Beispiele jeder Art verborgener Dinge. Insbesondere beweist jede einzelne der hundertdreißig Abhandlungen der Risale-i Nur mit absolut sicheren Zeugnissen die Vorzüge und Besonderheiten des Qur'an.

Desgleichen wird auch in der Abhandlung über die Wunderhaftigkeit des Qur'an, im zweiten Kapitel (maqam)des "Zwanzigsten Wortes", wo von Eisenbahnen und Flugzeugen und vielen anderen "Wundern" (harika)der modernen Zivilisation und Technik, auf die sich Hinweise im Qur'an finden, die Rede ist, und in den "Ersten Strahl" genannten Hinweisen des Qur'an, wo auf die Ayat verwiesen wird, die sowohl auf die Risale-i Nur einerseits als auch auf die Elektrizität andererseits hingewiesen wird, also in den "Acht Hinweise" genannten kleinen Abhandlungen, die zeigen, wie wohlgeordnet, geheimnis- und bedeutungsvoll die "Buchstaben" (harf)des Qur'an sind, in einer kleinen Abhandlung, die anhand der letzten Ayah der Sure 48 ("Feth")in fünffacher Hinsicht den auf die

unsichtbare Welt bezogenen Aspekt der Wunderhaftigkeit beweist, in jedem kleinsten Teil der Risale-i Nur eine Ansicht der Wahrheit und des Lichtes klar gelegt. Das alles ist wie eine Urkunde für die Unvergleichlichkeit, Wunderhaftigkeit (mudjize)und Außerordentlichkeit (hariqa)des Qur'an. In dieser bezeugten Welt ist er die Sprache der unsichtbaren Welt und das Wort dessen, der um alles Verborgene weiß.

Aufgrund dieser oben erwähnten in sechs Punkten, sechs Aspekten und sechs Stufen aufgezeigten Vorzüge und Besonderheiten hat der Qur'an in seinem lichtvollen Königreich, in seinem gewaltigen, Heiligen Sultanat das Antlitz der Jahrhunderte erleuchtet und erhellt auch das Antlitz der Erde schon seit tausenddreihundert Jahren. Es besteht weiter in vollkommener Würde fort. Ja, in diesem Königreich ist jeder Buchstabe des Qur'an hundert verdienstvollen guten Werken gleich, bringt zehnfache beständige Frucht. Auch in manchen Ayat und Suren bringt jeder Buchstabe hundert oder tausend oder noch mehr Früchte hervor und in Heiligen Zeiten vervielfältigen sich das Licht, die Verdienste und die Werte um das Zehnfache. Da erkannte unser Reisender, welche geheiligten Privilegien man erwerben kann und sprach zu seinem Herzen: "Nun also legt der Qur'an, der in jeder Hinsicht ein Wunder ist, durch die Gemeinsamkeit seiner Suren und den Einklang seiner Ayat, durch die Entsprechungen seiner Geheimnisse und Lichter, durch die Übereinstimmung seiner Früchte und Werke und mit Zeugnissen, die einen sicheren Beweis liefern, ein solches Zeugnis dafür ab, das notwendigerweise ein absolutes Sein da sein muss, für Seine Einheit, Seine Attribute und Namen (Charaktereigenschaften), dass die unendliche Zahl der Zeugnisse aller Männer des Glaubens als ein Zeugnis angesehen werden kann, das aus dem Zeugnis des Qur'an herausgewachsen ist."

So wurde denn auf der siebzehnten Stufe des ersten Kapitels als ein kurzer Hinweis auf die Lektion über die Einheit und den Glauben, die unser Reisender erhalten hatte, das folgende gesagt:

لآَ إِلٰهَ إِلاَّ اللَّهُ الْوَاجِبُ الْوُجُودِ الْوَاحِدُ اْلاَحَدُ الَّذِى دَلَّ عَلٰى وُجُوبِ وُجُودِهِ فِى وَحْدَتِهِ اَلْقُرْاٰنُ الْمُعْجِزُ الْبَيَانِ اَلْمَقْبُولُ الْمَرْغُوبُ ِلأَجْنَاسِ الْمَلَكِ وَاْلاِنْسِ وَالْجَآنِّ اَلْمَقْرُوءُ كُلُّ اٰيَاتِهِ فِى كُلِّ دَقِيقَةٍ بِكَمَالِ اْلاِحْتِرَامِ بِأَلْسِنَةِ مِئَآتِ الْمَلاَيِينَ مِنْ نَوْعِ اْلاِنْسَانِ اَلدَّآئِمُ سَلْطَنَتُهُ الْقُدْسِيَّةُ عَلٰٓى اَقْطَارِ اْلاَرْضِ وَاْلاَكْوَانِ وَعَلٰى وُجُوهِ اْلاَعْصَارِ وَالأَزْمَانِ، وَالْجَارِى حَاكِمِيَّتُهُ اَلْمَعْنَوِيَّةُ النُّورَانِيَّةُ عَلٰى نِصْفِ اْلاَرْضِ وَخُمْسِ الْبَشَرِ فِى اَرْبَعَةَ عَشَرَ عَصْرًا بِكَمَالِ اْلاِحْتِشَامِ وَكَذَا شَهِدَ وَبَرْهَنَ بِاِجْمَاعِ سُوَرِهِ الْقُدْسِيَّةِ السَّمَاوِيَّةِ، وَبِاِتِّفَاقِ اٰيَاتِهِ النُّورَانِيَّةِ اْلإِلهِيَّةِ، وَبِتَوَافُقِ أَسْرَارِهِ وَأَنْوَارِهِ وَبِتَطَابُقِ حَقَائِقِهِ وَثَمَرَاتِهِ وَاٰثَارِهِ بِالْمُشَاهَدَةِ وَالْعَيَانِ

{"Es gibt keinen Gott (ilah) außer Gott (Allah), der notwendigerweise da sein muss, der Eine und Einzige, dessen Seinsnotwendigkeit und Allgegenwart (Vahdet) der Qur'an beweist, der in seiner Verkündigung ein Wunder ist, geschätzt, gefragt und bewährt bei Engeln, Menschen und Dschinnen, der in all seinen Versen in jedem Augenblick in vollkommener Ehrfurcht durch die Zungen von Millionen des Menschengeschlechtes rezitiert wird, dessen heilige Herrschaft sich fortsetzt über alle Enden der Erde und die Äußersten des Alls, über Zeit und Ewigkeit, dessen lichtvolle, geistige Herrschaft in vollkommener Majestät über der Hälfte der Erde und über ein Fünftel der Menschheit, seit vierzehn Jahrhunderten gilt, in der Übereinstimmung seiner lichtvollen, göttlichen Verse und im Einklang mit seinen tiefen Wahrheiten (sirr), in der ganz offensichtlichen Entsprechung zu seiner Lehre, seinen Früchten, seinen Ergebnissen."}

Die Zehnte Problemstellung aus der "Frucht-Abhandlung", die der Elfte Strahl ist:

Eine Blume aus Emirdag

(Eine besonders überzeugende Antwort auf die Kritik, die sich auf Wiederholungen im Qur'an beziehen.)

Meine lieben und getreuen Mitbrüder.

Eigentlich ist diese Abhandlung aufgrund meiner zerrütteten Verhältnisse ein bisschen unklar ausgefallen und gar nicht elegant, doch habe ich trotz meiner mangelhaften Ausdrucksweise mit Sicherheit ein besonders kostbares Wunder (im Qur'an) gefunden. Leider war ich nicht dazu in der Lage, es in die rechten Worte zu kleiden. Doch wie schwach auch meine Ausdrucksweise sein möge, bleiben meine Erwägungen in ihrer Beziehung auf den Qur'an, dennoch sowohl eine Form des Gottesdienstes, als auch die Mutter einer Perle, glanzvoll, heilig und erhabenen. Nicht das zerrissene Kleid möge man darum betrachten, sondern den Diamant in meiner Hand! Übrigens war ich sehr krank, unzureichend versorgt und ungenügend ernährt. In nur ein, zwei Tagen musste ich im Ramadan sehr viele Wahrheiten und verschiedene Zeugnisse mit einem Satz kurz zusammenfassen. Man möge mir also verzeihen!

{(*): Diese Zehnte Problemstellung ist zusätzlich zur "Frucht des Gefängnisaufenthaltes in Denizli" eine lichtvolle kleine Blume aus Emirdag und (ein Geschenk) dieses heiligen Ramadans. Hier wird die Weisheit, die in den Wiederholungen im Qur'an liegt, erklärt und werden zugleich die stinkenden und giftigen Unterstellungen der Leute des Irrweges beseitigt.}

Meine lieben und treuen Brüder! Ich las im heiligen Monat Ramadan den Qur'an, der in seiner Verkündigung ein Wunder ist. Aber auf welchen Vers der 33 Ayat ich auch immer stieß, die auf die Risale-i Nur hinweisen, was im "Ersten Strahl" erklärt wurde, und welche Hinweise ich nun deuten wollte: ich bemerkte jedes Mal, dass sich

die Seite, der Abschnitt und der Inhalt im Zusammenhang mit einem dieser Verse gewissermaßen auch auf die Risale-i Nur und ihre Schüler bezieht. Es beziehen sich besonders die Verse in der Sure "Nur"(Licht), in denen das Wort "Nur"(Licht) vorkommt, auf die Risale-i Nur,während die Verse, die danach folgen und in denen das Wort "Finsternis" vorkommt, genau ihre Gegner treffen. Diese Verse messen der Risale-i Nur eine große Bedeutung bei, gewinnen sogar über ihre historische Bedeutung hinaus Allgemeingültigkeit. Dabei hatte ich das Empfinden, dass die Risale-i Nur und ihre Schüler in unserem Jahrhundert wieder ein Beispiel dafür sind.

In der Tat spricht (hitab)der Qur'an vor allem aufgrund der allumfassenden Bedeutung (maqam)dessen, der von Ewigkeit her spricht, dem Herrscher über alles Sein, des Weiteren aufgrund der allumfassenden Bedeutung dessen, der im Namen der Menschheit, ja sogar im Namen der ganzen Schöpfung angesprochen (muhatab)worden ist, des Weiteren aufgrund der allumfassenden Bedeutung der ganzen Menschheit, der Söhne Adams, die in allen Jahrhunderten der Rechtleitung bedürfen, des Weiteren aufgrund der Bedeutung der überaus erhabenen und alles umfassenden Auslegung der Gesetze des Schöpfers des Kosmos und Seiner Herrschaft zur Erhaltung dieser und jener Welt, der Erde und der Himmel und aller Ewigkeiten und zur Erhaltung aller Geschöpfe. Aufgrund dieser allumfassenden, allumspannenden, erhabenen Bedeutung spricht (hitab)(der Qur'an) in der ganzen Höhe, der Tiefe und der Weite seines Wunders.

(Der Qur'an) schließt mit seiner konkreten und allgemein verständlichen Ausdrucksweise, die dem gewöhnlichen Verständnis der einfachen Volksschichten entgegenkommt, welche die Mehrheit der Angeredeten bilden, in seiner Unterweisung auch die höchsten Schichten mit ein. Und dies nicht um aus einer Erzählung nur eine Lehre zu ziehen, oder nur um anhand eines geschichtlichen Ereignisses ein Beispiel anführen zu wollen, sondern auch um (den Qur'an) gleichsam wieder neu zu offenbaren,

wobei er mit einem einzelnen Beispiel in jedem Jahrhundert jede Volksschicht anspricht, um ihr so ein allumfassendes Gesetz zu zeigen. Besonders aber lässt uns (der Qur'an), indem er stets drohend اَلظَّالِمِينَ ٭ اَلظَّالِمِينَ {"Die Tyrannen, die Tyrannen..."} wiederholt, und dabei all die Katastrophen, die vom Himmel herab die Menschen treffen, und die Unglücksfälle, die hier auf Erden geschehen, als Strafe für die Ungerechtigkeiten der Menschen nachdrücklich erklärt, und die Strafe, die über das Volk des Ad, des Thamud und des Pharao hereingebrochen waren, die beispiellosen Ungerechtigkeiten unseres Jahrhunderts betrachten und tröstet die Gläubigen, die unter diesen Ungerechtigkeiten leiden, durch die Errettung der Gottesgesandten wie Abraham und Mosis, mit denen der Friede sei.

Über die ganze vergangene Zeit, Jahrhunderte verstorbener Generationen, welche in den Augen derer, die Gott vergessen haben und in die Irre gegangen sind, in das öde und fürchterliche Land des Nichts und der Gräber, voll Schmerz und Zerstörung hinabgestiegen sind, unterweist in der Tat der Qur'an, der in seiner Verkündigung ein Wunder ist, die Menschen jedes Jahrhunderts und jeder Bildungsschicht und zeigt sie (die Zeit) ihnen in wunderbarer Weise gleichsam wie auf einer Leinwand als jeweils eine lebendige Seite mit Lehrbeispielen, als eine einzigartige Welt, durch und durch beseelt und lebendig, und als ein Land des Herrn, dem wir verbunden sind und versetzt uns so manchmal in diese Zeiten zurück und versetzt diese Zeiten manchmal in unsere Gegenwart. In gleicher wunderbarer Weise macht der hochehrenwerte Qur'an diesen Kosmos, der in den Augen der Irrenden seelenlos, unverständlich, tot, eine unendliche Öde ist und zwischen Trennung und Untergang hin und her schlingert, zu einem Buch des Einzigartigen (Samed),zu einer Stadt des Erbarmers und zu einem Ausstellungsort

der Kunstwerke des Herrn. Er macht diese leblosen Dinge lebendig. Er lässt jedes von ihnen als Seinen Beauftragten sich untereinander austauschen und einander zu Hilfe eilen. So unterrichtet er Menschen, Engel und Dschinnen in der Weisheit, wahrheitsgemäß, sehr einleuchtend und ganz und gar angenehm. Zu seinen erhabenen Besonderheiten gehört es, dass jeder seiner Buchstaben zehn, manchmal hundert, manchmal tausend, selbst viele Tausend Segnungen (sevab)bringt. Auch wenn alle Menschen und Dschinnen zusammenkämen, könnten sie nichts zu Stande bringen, was ihm gleichwertig wäre. Er spricht zu allen Adamssöhnen und der ganzen Welt mit Worten am rechten Ort und zur rechten Zeit.

Mit Freude werden sie zu allen Zeiten Millionen, die den ganzen Qur'an auswendig kennen und rezitieren können, ins Herz geschrieben. Viele Wiederholungen im Qur'an lassen keinerlei Überdruss (bei den Menschen) aufkommen, selbst dann nicht, wenn sie ihn stets wieder rezitieren. Auch in den empfindsamen Gehirnen und einfachen Vorstellungen der Kinder findet der Qur'an seinen Platz, trotz vieler Stellen und Sätze, die sie miteinander verwechseln könnten. Er klingt denen, die krank sind oder im Sterben liegen und sich schon von wenigen Worten gestört fühlen, angenehm in den Ohren und ist für sie wohltuend wie Zem-Zem (Wasser). Aus ihm gehen all diese Besonderheiten hervor und durch ihn gewinnen seine Schüler die Glückseligkeit in beiden Welten (Diesseits und Jenseits).

Es liegt in seinem Sinne, auf den volkhaften Bildungsgrad seines Dolmetschers (eines Analphabeten) Rücksicht zu nehmen, gar keine Gezwungenheit, keine Künstelei und keine Schauspielerei aufkommen zu lassen. In seiner Weisheit öffnen der natürliche Fluss und die Klarheit seiner Sprache, seine unmittelbare Herkunft aus dem Himmel und die Herabkunft seines Wortes, die dem grundlegenden Verständnis der einfachen Volksschichten schmeichelt, den Himmel und die Erde, jene klar und offensichtlichen und eindeutigen Seiten (im Buche der

Natur) und unterrichtet die einzigartigen Wundertaten der Macht Gottes, die hinter den Alltäglichkeiten verborgen sind, und lehrt Seine Weisheit in den sinnvollen Zeilen (des Buches der Natur) und zeigt damit die Gnade der Rechtleitung als ein schönes Wundwerk seiner Macht.

Auch in dem Sinne, dass er mitteilen möchte, dass er ein Buch des Gebets und der Einladung (zum Islam), des Gedenkens (dhikr)und der Einheit (Gottes) ist, weshalb Wiederholungen erforderlich sind; auch dass er mit guten und treffenden Wiederholungen in einem einzigen Satz und einer einzigen Geschichte viele völlig verschiedene Bedeutungen für die vielen völlig verschiedenen von ihm angesprochenen Bevölkerungsschichten verständlich macht; auch in dem Sinne, dass er mitteilen möchte, dass unter seinen barmherzigen Augen auch bei ganz persönlichen und ganz gewöhnlichen Ereignissen selbst noch die persönlichsten und unbedeutendsten Dinge seiner Leitung und seinem Willen unterstehen, genauso wie in der Entstehung des Islam, wie bei der Zusammenstellung der Scharia, auch die kleinsten Erlebnisse der Sahabis als wichtig betrachtet wurden; so findet sich (in ihm) ein abgeschlossenes Grundgesetz und darüber hinaus wirken solche kleinen Ereignisse gleich Saatkörnern, die recht bedeutende Früchte hervorbringen, bei der Entstehung des Islam und der Scheriah, die allgemeingültig ist; und auch in dieser Hinsicht zeigt er wiederum einen Aspekt seines Wunders.

So entstand denn immer wieder das Bedürfnis und wurde eine Wiederholung immer wieder notwendig, weil für sehr viele verschiedene Volksschichten innerhalb von zwanzig Jahren immer wieder eine Unterweisung als Antwort auf sehr viele wiederholt gestellte Fragen erfolgte und um eine so unbegrenzte und grenzenlose, allumfassende fürchterliche Umwandlung, die bewirkt, dass das riesige Universum in Stücke zerfällt, am Tage der Wiederauferstehung seine Gestalt verliert und die Welt (gleich einer Ausstellung) aufgehoben und an ihrer Stelle das gewaltige Jenseits aufgerichtet wird und die beweist,

dass alles, das Kleine wie das Große, von den Atomen bis zu den Sternen in der Hand und in der Macht des einen Herrn liegt, und den Zorn Gottes und die Wut des Herrn, um des Ergebnisses der Erschaffung des Universums willen zeigt, über die Grausamkeiten des Menschengeschlechts, weshalb auch das ganze Universum, die Erde, die Himmel und alle Elemente in Zorn und Wut geraten, einzuprägen, ist es kein Fehler, manche Sätze zu wiederholen, die in tausendfacher Hinsicht eine gewaltige Wirkung haben, einen Teil der Verse, welche das Ergebnis zahllos vieler Zeugnisse sind, vielmehr ein überaus machtvolles Wunder, eine hohe Kunst flüssiger Redeführung und eine Klarheit, die den Umständen genau entspricht und erforderlich ist.

Zum Beispiel:

Der Satz بِسْمِ اللَّهِ الرَّحْمَٰنِ الرَّحِيمِ {"Im Namen Allahs, des Erbarmers des Barmherzigen."} ein Vers, der im Qur'an einhundertvierzehnmal wiederholt wird, wie im "Vierzehnten Blitz" der Risale-i Nur erklärt wird, ist eine solche Wahrheit, dass sie den Thron Gottes mit der Erde verbindet und den Kosmos mit Licht erfüllt und jeder ihrer in jeder Minute bedarf. Hätte man ihn auch Millionen Male wiederholt, bedürfe man ihrer dennoch wieder nicht nur wie das tägliche Brot, vielmehr bedarf man ihrer wie der Luft und sehnt sich nach ihr in jeder Minute gleich wie nach dem Licht.

Und zum Beispiel:

In der Sure طٰسٓمٓ {"Ta Sin Mim."} wird die Ayah اِنَّ رَبَّكَ لَهُوَ الْعَزِيزُ الرَّحِيمُ {"Und siehe, dein Herr, wahrlich, Er ist der Mächtige, der Barmherzige." (Sure 26, 9)}

achtmal wiederholt. In dieser Sure wird erzählt, wie die Gottesgesandten errettet und ihre Völker bestraft werden. Um des Ergebnisses der Erschaffung des Kosmos willen und zu Gunsten der allgemeinen Herrschaft wird dieser Vers, der so machtvoll wie tausend Wahrheiten ist, wiederholt. Auch wenn er tausend Male wiederholt würde, um darüber zu belehren, dass die Würde des Herrn die Bestrafung jener grausamen Völker und zugleich auch die Barmherzigkeit Gottes die Errettung der Propheten erfordert, braucht man ihn und wünscht ihn sich. Es ist eine wunderbare, schöne und erhabene Kunst der Redeführung.

Und zum Beispiel:

In der Sure Rahman wird die Ayah

فَبِاَىِّ اٰلآَءِ رَبِّكُمَا تُكَذِّبَانِ

{"Und welche der Wohltaten eures Herrn wollt ihr wohl leugnen?" (Sure 55, 13)}

und in der Sure Murselat die Ayah

وَيْلٌ يَوْمَئِذٍ لِلْمُكَذِّبِينَ

{"Wehe an jenem Tag denen, die (die Botschaft) für Lüge erklären!" (Sure 77, 15)}

wiederholt. Diese beiden Ayat klagen Menschen und Dschinnen vor den Jahrhunderten, vor der Erde und den Himmeln mit lauten Drohungen wegen ihres Unglaubens, ihrer Undankbarkeit und Grausamkeit und ihrer Verletzung der Rechte aller Geschöpfe an. Darüber gerät der Kosmos in Wut, erzürnen sich Himmel und Erde, der Sinn der Erschaffung der Welt geht zu Grunde. Der Erhabenheit des Königreichs Gottes begegnen sie mit Verleugnung und Herabwürdigung. Auch wenn diese beiden Ayat in einem weltweiten Unterricht tausend Fragen mächtig über tausend Wahrheiten tausend Male wiederholt würden, bedarf es doch noch erneut einer Wiederholung. Dies ist ein Wunder der Redekunst in seiner Majestät, Schönheit und Kürze.

Zum Beispiel:

Eine Art wahres und vollständiges Bittgebet des Qur'an ist Djaushanu l-Kabir, das Gebet des Propheten, mit dem Friede und Segen sei. Es entstand aus dem Qur'an und ist eine Art Zusammenfassung. Dort wird der Satz

سُبْحَانَكَ يَا لاَ إِلٰهَ إِلاَّ اَنْتَ اْلاَمَانُ اْلاَمَانُ خَلِّصْنَا، وَاَجِرْنَا، وَنَجِّنَا مِنَ النَّارِ

{"Gepriesen seist Du, außer dem es keinen Gott gibt! Unser Schutz, unser Hort, errette, schütze und bewahre uns vor dem Feuer!"}

hundert Mal wiederholt. In seiner Wiederholung liegt die größte Wahrheit des Kosmos, die die Erkenntnis der Einheit Gottes ist; und die wichtigsten von drei gewaltigen Aufgaben aller Geschöpfe gegenüber der Herrschaft Gottes: Lobpreis, Dank und die Heiligung Gottes; und das furchtbarste Problem des Menschengeschlechtes: die Errettung vor der ewigen Qual; und das natürliche Erfordernis des Menschen sowohl in seinem Dienst vor Gott und Seiner Anbetung als auch in seiner Schwäche. Darum wäre es noch wenig, würde es auch tausendmal wiederholt.

So beziehen sich die Wiederholungen im Qur'an auf dergleichen Grundsätze. Die Wahrheit von der Einheit Gottes wird zuweilen sogar zwanzigmal auf einer Seite teils direkt teils indirekt zum Ausdruck gebracht, je nachdem wie es der Zusammenhang erfordert, wie es für das Verständnis notwendig ist und wie es der Schönheit der Verkündigung entspricht. Sie vermitteln nicht Überdruss, sondern Überzeugungskraft und Begeisterung. In der Risale-i Nur wurde schon mit Beweisen erklärt, wie sehr die Wiederholungen im Qur'an am Platz sind, wie angemessen und wie hochgeschätzt sie in der Rhetorik sind.

Geheimnis und Weisheit der Verschiedenheit zwischen den Suren im Qur'an, dessen Verkündigung ein Wunder ist, die in Mekka offenbart wurden, und den Suren, die in Medina offenbart wurden, hinsichtlich ihrer Rhetorik und in Anbetracht dieses Wunders, sowie dem Aspekt der Ausführlichkeit, bzw. der Zusammenfassung, sind wie folgt: Weil damals in Mekka die Götzendiener und die

Ungebildeten vom Stamme Quraisch die in erster Linie die Angeredeten bzw. Gegner waren und weil damals hinsichtlich der Rhetorik ein erhabener und gewaltiger Stil, eine wunderbare, überzeugende, sehr beredte Prägnanz, als auch Wiederholungen zur Befestigung notwendig waren, drücken die meisten mekkaner Suren die Glaubensgrundsätze und die Stufen der Einheit (Gottes) wiederholt mit einer überaus starken, erhabenen und wunderbaren Prägnanz aus und beweisen Ausgang und Rückkehr, Allah und das Jenseits, nicht nur auf einer Seite, mit einem Vers, mit einem Satz oder mit einem Wort, ja sogar mit nur einem Buchstaben, durch syntaktische Umstellung, Inversion, Determination, Gebrauch des Artikels, durch Ellipsen und Teilhinweise, so nachdrücklich, dass sich die Koryphäen der Wissenschaft, der Dichtkunst und der Redekunst dafür begeisterten.

In der Risale-i Nur und besonders im "Fünfundzwanzigsten Wort" mit dem gesamten Anhang, worin das vierzigfache Wunder des Qur'an bewiesen wurde, und in dem arabisch verfassten Kommentarbuch aus der Risale-i Nur "Zeichen der Wunderhaftigkeit" (Isharatu l-i'djaz),worin bewiesen wurde, wie wunderbar der Qur'an in seiner Ordnung (nazm)ist, wird anhand von Beispielen gezeigt, dass der dichterische Stil in den Suren und in den Versen, die in Mekka offenbart wurden, hocherhaben und ein Wunder an höchster Prägnanz ist.

Was nun aber die medinensischen Suren und Verse betrifft, waren die dort in erster Linie Angeredeten bzw. Gegner die Leute der Schrift, Juden wie Christen, welche die Existenz Gottes (arab. Allah)bestätigten und für welche die Erfordernisse der Dichtkunst, die Rechtleitung, Umstände und Zusammenhänge notwendig waren, weniger um den Leuten der Schrift die tiefen Wurzeln der Religion und die Grundpfeiler des Glaubens in einfachen Worten klar und ausführlich zu erklären, als vielmehr die Einzelheiten in der Gesetzgebung (Scharia)und den Rechtsbestimmungen und die Ursprünge und Gründe aller Einzelheiten und die allgemeinen Gesetze darzulegen,

worin der Grund ihrer Auseinandersetzung bestanden hatte. Bei den medinensischen Suren und Versen, wird meistens in einfachem Stil inmitten ausführlicher Erklärungen und Erläuterungen, in jener beispiellosen Ausdrucksweise, wie sie dem Qur'an zu Eigen ist, plötzlich mitten in einem Einzelfall, eine Aussage von hoher Prägnanz, ein Resümee, ein Schlusswort, ein Beweis, ein Satz angeführt, der die Einheit, den Glauben oder das Jenseits betrifft, der einen das Gesetz betreffenden Vorfall verallgemeinert und der durch den Glauben an Allah die Befolgung des Gesetzes zu Wege bringt. Dadurch wird der betreffende Zusammenhang in ein höheres und erhabeneres Licht gerückt. Die Risale-i Nur beweist, welch hohe Vortrags- und Redekunst, welche Eleganz und welch tiefe Bedeutung in den Schlussworten und Zusammenfassungen zu finden ist, die von der Einheit und vom Jenseits handeln, wie

إِنَّ اللَّهَ عَلٰى كُلِّ شَىْءٍ قَدِيرٌ ٭ اِنَّ اللَّهَ بِكُلِّ شَىْءٍ عَلِيمٌ ٭ وَهُوَ الْعَزِيزُ الْحَكِيمُ ٭ وَهُوَ الْعَزِيزُ الرَّحِيمُ

{"Gott hat zu allem die Macht." (Sure 2, 20) "Gott weiß über alles Bescheid." (Sure 58, 7) "Er ist der Mächtige und Weise." (Sure 14, 4) "Er ist der Mächtige und Barmherzige." (Sure 30, 5)}

die meistens als Abschluss eines Verses erscheinen. Besonders in dem "Zweiten Licht" der "Zweiten Flamme" des "Fünfundzwanzigsten Wortes" werden zehn Beispiele für sehr viele tiefe Bedeutungen und Besonderheiten dieser Schlussworte und Zusammenfassungen erklärt, wodurch auch noch den Verblendeten bewiesen wird, dass in derartigen Zusammenfassungen ein großes Wunder erkennbar wird.

In der Tat erhebt der Qur'an den Blick des Angeredeten von den Erklärungen über die Einzelheiten und über die Grundlagen der Gesellschaft plötzlich zu einem hohen und allgemeinen Betrachtungspunkt empor und während sich sein einfacher Stil in einen erhabenen Stil und seine Unterweisung im Gesetz verwandelt in die Unterweisung

in der Einheit, erweist sich der Qur'an als ein Gesetzbuch, ein Buch der Urteile und der Weisheit, als ein Buch des Bekenntnisses und des Glaubens, als ein Buch des Gottesgedenkens und des Nachsinnens (dhikr ve fikr)und als ein Buch des Gebetes und der Einladung (zum Islam). In jedem Zusammenhang unterweist der Qur'an über viele Ziele seiner Rechtleitung. Anders als die Schönheit der Ausdrucksweise Mekkaner Verse zeigen sich seine glänzenden und wunderbaren Redewendungen (in den medinensischen Versen).

Manchmal wird in zwei Worten, zum Beispiel in رَبُّ الْعَالَمِينَ {"Der Herr der Welten." (Sure 7, 54)} Und رَبُّكَ {"Dein Herr." (Sure 2, 30)} mit dem Ausdruck رَبُّكَ {"Dein Herr." (Sure 2, 30)} die Einheit im Wesen Gottes (Ahadiyet: die Erkenntnis der Einheit Gottes in der Beziehung des Einzelnen zu Ihm) und mit dem رَبُّ الْعَالَمِينَ {"Herr der Welten." (Sure 7, 54)} die Einheit in Seinen Eigenschaften (Vahidiyet:die Erkenntnis der Einheit Gottes in der Beziehung eines Kollektivs zu Ihm) kundgetan. So kommt die Einheit Gottes, die in der Beziehung aller Geschöpfe zu Ihm (Vahidiyet)erkannt wird, durch die Einheit Gottes, die in der persönlichen Beziehung des Menschen zu Ihm (Ahadiyet)liegt,

zum Ausdruck. Der Qur'an beschreibt in einem seiner Verse sogar die Atome in der Linse hinter der Pupille des Auges und setzt sie dort ein. Und in der gleichen Art setzt er im selben Vers die Sonne als Auge des Himmels ein. Zum Beispiel folgt dem Vers

خَلَقَ السَّمٰوَاتِ وَاْلاَرْضَ

{"Er ist es, der Himmel und Erde... geschaffen hat." (Sure 57, 5)}

der Vers

يُولِجُ الَّيْلَ فِى النَّهَارِ وَيُولِجُ النَّهَارَ فِى الَّيْلِ

{"Er lässt die Nacht dem Tage folgen, und lässt den Tag auf die Nacht folgen." (Sure 57, 6)}

der mit der Aussage

وَهُوَ عَلِيمٌ بِذَاتِ الصُّدُورِ

{"Und Er weiß, was im Innern der Brust ist." (Sure 57, 6)}

endet. Dies besagt: "Bei aller Majestät der Erschaffung der Erde und der Himmel kennt Er doch die feinsten Regungen des Herzens und wacht über sie." Dieses einfache und persönliche Gespräch (zwischen Gott und Seinem Propheten) auf der Stufe eines reinen und unverbildeten Verständnisses, unter Berücksichtigung der einfachen Leute, verwandelt sich durch diese Art Aussage in eine alles umfassende, fesselnde, lehrreiche und dennoch erhabene Konversation.

Frage:

Da eine grundlegende Wahrheit von oberflächlichen Betrachtern nicht bemerkt und der Zusammenhang mancher Stellen nicht ersichtlich ist, wie aufgrund eines kleinen, alltäglichen Vorfalls eine so hochgeschraubte Schlussfolgerung über die Einheit (Tauhid)gezogen werden, bzw. zum universellen Grundsatz erklärt werden kann, halten (oberflächliche Betrachter diese Schlussfolgerung) manchmal für einen Fehler.

Zum Beispiel:

Inmitten der Erzählung, worin der ägyptische Josef, mit dem Friede sei, die Abreise seines Bruders mit einer List verhinderte, um ihn bei sich zu behalten, wird die folgende große Schlussfolgerung:

وَفَوْقَ كُلِّ ذِى عِلْمٍ عَلِيمٌ

{"Und über jedem, der Wissen besitzt, steht Er, der mehr weiß." (12,76)}

gezogen. Ein Zusammenhang ist aber bei aller Kunst der Redeführung nicht ersichtlich. Was ist hier das Geheimnis und wo liegt hier die Weisheit?

Antwort:

Da der Qur'an in seinen langen und auch in den mittleren Suren, deren jede als ein Qur'an im Kleinen gilt, auf vielen Seiten und an vielen Stellen (maqam)nicht nur zwei, drei Ziele verfolgt, sondern seinem Wesen nach sowohl ein Buch des Gottesgedenkens, des Glaubens und des Nachsinnens (dhikr ve fikr),als auch ein Buch der Gesetzgebung, der Weisheit und der Rechtleitung ist und noch viele andere, ähnliche Bücher und Unterweisungen umfasst, um so die alles umspannende Herrschaft Gottes und das Aufscheinen Seiner Majestät zum Ausdruck zu bringen, der Qur'an also als eine Art Lesung aus dem großen Buch des Kosmos sicherlich an jeder Stelle (maqam),ja sogar auf jeder Seite vielen Zielen folgt, und in Anbetracht dessen, dass er verschiedene Stufen der Erkenntnis und der Einheit Gottes und der Wahrheiten des Glaubens unterweist, beginnt der Qur'an an einer anderen Stelle (maqam)zum Beispiel durch eine, zwar äußerlich nicht besonders deutliche, Überleitung eine neue Unterweisung und infolge dieser, wenn auch undeutlichen Überleitung, kommen neue um so klarere Zusammenhänge hinzu. Das aber entspricht ganz und gar dieser Stelle (maqam),und so wird der Grad seiner Ausdruckskraft und -kunst erhöht.

Zweite Frage:

Was ist der Sinn dessen, dass im Qur'an direkt oder indirekt oder durch ein Zeichen auf tausenderlei Weise das Jenseits, die Einheit Gottes, der Lohn und die Strafe für den Menschen bewiesen, ins Blickfeld gerückt und in jeder Sure, auf jeder Seite, ja in jedem Zusammenhang (maqam)darüber unterrichtet wird?

Antwort:

Es ist wiederum keine Verschwendung, wenn der Qur'an diese Dinge im Rahmen des Möglichen und was das Weltgeschehen betrifft, bezüglich der großen Umwälzungen und im Rahmen der Aufgabe, welche die Quelle der Qual oder ewiger Glückseligkeit des Menschen ist, der das große Pfand und den gewaltigen Auftrag auf Erden auf seine Schultern genommen hat, um über die gewaltigsten unter den bedeutendsten, größten und erschütterndsten Probleme zu unterrichten, zahllose Zweifel zu beseitigen, die hartnäckigsten und verbohrtesten Verdrehungen zu zerbrechen, mit dem Ziel, diese schrecklichen kommenden Umwälzungen zu bestätigen und zu bezeugen, dass diese Umwälzungen in ihrem Ausmaß gleich gewaltig sind, wie diese Probleme für den Menschen wichtig und bedeutend sind, nicht nur tausendmal, nein Millionen Mal zu betrachten gibt, wenn vielmehr der Qur'an diese Erzählungen Millionen Mal lesen und wiederholen lässt. Das verursacht keinen Überdruss, nimmt nicht das Bedürfnis (nach weiteren Wiederholungen) weg.

Zum Beispiel:

اِنَّ الَّذِينَ آمَنُوا وَعَمِلُوا الصَّالِحَاتِ لَهُمْ جَنَّاتٌ تَجْرِى مِنْ تَحْتِهَا اْلاَنْهَارُ خَالِدِينَ فِيهَا اَبَدًا

{"Diejenigen, die glauben und gute Werke tun, werden Wir in Gärten eingehen lassen, unter denen Bäche fließen; darin werden sie auf ewig verweilen." (Sure 4, 122)}

Da dieser Vers die Wahrheit der Ewigen Glückseligkeit als frohe Botschaft verkündet, indem er sagt: "Die Wahrheit des Todes, die sich einem armen Menschen in jeder Minute zeigt, rettet sowohl den Menschen selbst als auch seine Welt, als auch alle seine Lieben vor der Hinrichtung auf ewig und lässt ihn ein immerwährendes Königreich gewinnen", wäre es dennoch keine Verschwendung, auch wenn er Milliarden Male wiederholt und ihm

soviel Wert wie der ganzen Welt beigemessen würde, und verliert er nichts von seinem Wert. Der Qur'an, dessen Verkündigung ein Wunder ist, unterrichtet über zahllose, wertvolle Fakten solcher Art und versucht, den Menschen vom Anbruch der erschütternden Umwälzungen, die den Kosmos so leicht wie ein Haus umformen und seine ganze Erscheinung zerstören, zu überzeugen und sie ihm zu beweisen. Mit Sicherheit ist es keine Verschwendung, wenn er direkt und indirekt und mit Zeichen tausend Male die Aufmerksamkeit auf sie lenkt, vielmehr erneuert es jeweils die Gnadenerweise Gottes, die wir so lebensnotwendig brauchen wie Brot, wie alle Lebens- und Heilmittel, wie Luft und Licht.

Zum Beispiel:

Was die Weisheit betrifft, dass der Qur'an solche von Zorn erfüllte Verse wie

اِنَّ الظَّالِمِينَ لَهُمْ عَذَابٌ اَلِيمٌ ٭ وَالَّذِينَ كَفَرُوا لَهُمْ نَارُ جَهَنَّمَ

{"Bestimmt ist für die Ungläubigen die Pein des Feuers." (Sure 8, 14) "Für die, die Unrecht tun, ist eine schmerzhafte Pein bestimmt." (Sure 14, 22)}

äußerst heftig und zornig und mit besonderem Nachdruck, immer wieder erwähnt, so ist der Unglaube des Menschen - wie es schon in der Risale-i Nur unwiderlegbar bewiesen wurde - eine solche Verletzung der Rechte des Kosmos und der meisten Geschöpfe, dass sie die Himmel und die Erde in Zorn und die Elemente in Wut versetzt, sodass die Tyrannen mit sintflutartigen (Katastrophen) geschlagen werden.

اِذَآ اُلْقُوا فِيهَا سَمِعُوا لَهَا شَهِيقًا وَهِىَ تَفُورُ ٭ تَكَادُ تَمَيَّزُ مِنَ الْغَيْظِ

{"Wenn sie (d.h. die Ungläubigen) hinein geworfen werden, hören sie sie (d.h. die Hölle) laut aufheulen, während sie (gleichzeitig) in Wallung gerät und vor Wut beinahe birst." (Sure 67, 7-8)}

Den eindeutigen Aussagen dieser Verse entsprechend gerät die Hölle über die verlogenen Unterdrücker in eine solche Wut, dass sie in ihrer Wut, rasend vor Zorn, in eine solche Raserei gerät, dass sie beinahe platzt.

Wenn nun der König des Kosmos wegen eines solchen Verbrechens gegen alle und der grenzenlosen Überschreitungen, nicht etwa wegen der Winzigkeit und Bedeutungslosigkeit eines Menschen, sondern hinsichtlich des Umfangs seiner verbrecherischen Tyrannei und der schrecklichen Überschreitung durch seinen Unglauben in Seinem Erlass überaus zornig und wütend dieses Verbrechen und die Strafe dafür nicht nur tausendmal, sondern Millionen und Milliarden Male wiederholt hätte, um die Wichtigkeit der Rechte Seiner Untertanen und die grenzenlose Hässlichkeit des Unglaubens und der Tyrannei dieser Lügner und Leugner zu zeigen, ist dies wiederum keine Verschwendung und kein Fehler, weshalb Millionen von Menschen seit tausend Jahren jeden Tag das Bedürfnis haben, diese Verse mit einer tiefen inneren Anteilnahme zu lesen, ohne dass sie dabei ihrer überdrüssig würden.

Da nun jeden Tag, jeder Zeit, in der Tat für einen jeden eine Welt vergeht und sich ihm zugleich das Tor zu einer neuen Welt öffnet, wiederholt man, um jede der vorübergehenden Welten zu erleuchten, aus seiner Bedürftigkeit und Zuversicht heraus tausendmal den Satz لاَ إِلَٰهَ إِلاَّ اللَّهُ {"Es gibt keine Gottheit außer Allah."} und macht so jedes لاَ إِلَٰهَ إِلاَّ اللَّهُ {"Es gibt keine Gottheit außer Allah."} für jeden dieser wechselnden Theatervorhänge zu einer Theaterbeleuchtung. Genauso sind die Wiederholungen des Qur'an sehr sinnvoll, damit diese vielen, vorüber gleitenden Vorhänge und die sich ständig erneuernden, vorüber segelnden Welten, nicht im Dunkeln bleiben und damit die Bilder, die sich in dem Spiegel seines Lebens reflektieren, nicht hässlich werden und die Umstände, die seine Gäste waren und für ihn Zeugnis ablegen können,

nicht zu seinen Gegnern werden und (damit der Mensch), der den Qur'an liest, die Strafen für die Verbrechen und die nachdrücklichen Drohungen des urewigen Königs, den Trotz zu brechen, würdigt, indem er sich bemüht, sich vor der Aufsässigkeit der eigenen Seele zu retten, sodass selbst der Teufel davor zurückschreckt, diese mächtigen, nachdrücklichen, wiederholten Drohungen des Qur'an für unwahr zu halten, was zeigt, dass die Strafe der Hölle die wahre Gerechtigkeit für die Leugner ist, die nicht hören wollen.

Zum Beispiel:

Wenn der Qur'an die Geschichte Mosis, mit dem Friede sei, welche viele Weisheiten und Nutzanwendungen enthält, wie die des Stabes Mosis, und die Geschichten anderer Propheten, mit denen Friede sei, vielmals wiederholt, so will er das Prophetentum aller Gottesgesandten als einen Beweis für die Wahrhaftigkeit des Prophetentums Ahmeds, {Ahmed ist der Beiname von Mohammed (der Gepriesene) und bedeutet wörtlich der Ersehnte, der am meisten Gepriesene. (A.d.Ü.)} mit dem Friede und Segen sei, anführen. Wer dieses in seiner Gesamtheit nicht zurückzuweisen vermag, kann in Anbetracht dieser Tatsache auch das Prophetentum dieser Persönlichkeit (des Propheten) nicht in Abrede stellen. Da nicht jeder stets den ganzen Qur'an durchlesen will und kann, werden solche Geschichten, genauso wie die bedeutenden Pfeiler des Glaubens wiederholt, um jede lange und mittlere Sure wie einen Qur'an im Kleinen zu gestalten, was nicht eine Verschwendung sondern ein Erfordernis der Redekunst ist, und dazu dient, über die Geschichte Mohammeds, mit dem Friede und Segen sei, zu unterweisen, welche Begebenheit die größte der Kinder Adams und das gewaltigste Ereignis im Kosmos darstellt.

In der Tat wird die Aussage im Qur'an: لاَ إِلَٰهَ إِلاَّ اللَّهُ {"Es gibt keine Gottheit außer Allah."}

Mit مُّحَمَّدٌ رَّسُولُ اللَّهِ {"Mohammed ist der Gesandte Gottes."} dadurch in der Waage gehalten, dass (diese Aussage) vier Glaubenspfeiler enthält. Dadurch wird der Persönlichkeit Mohammeds, mit dem Friede und Segen sei, im Qur'an der höchste Rang (maqam)verliehen. Das Prophetentum Mohammeds, mit dem Friede und Segen sei, ist die größte Wahrheit in der Schöpfung und die Persönlichkeit Ahmeds, mit dem Friede und Segen sei, die würdigste unter allen Schöpfungen und seine geistige Persönlichkeit, mit ihrem allumfassenden Einfluss, und sein heiliger Rang (maqam),der als die Wahrheit Mohammeds, mit dem Friede und Segen sei, bekannt ist, die glänzendste Sonne beider Welten und dieses wunderbaren Ranges (maqam)würdig. Das ist anhand vieler Zeugnisse und Zeichen in der Risale-i Nur mit Sicherheit bewiesen. Ein Beweis unter Tausend ist der folgende: Nach dem Grundsatz von أَسَّبَبُ كَا لْفَاعِلِ {"Derjenige, der verursacht, ist gleich dem Täter."} werden so viele Segenspunkte (hasanat),wie die guten Taten seiner ganzen Gemeinde in allen Zeiten bringen, auch im Buch der guten Taten Mohammeds, mit dem Friede und Segen sei, gutgeschrieben. Mit dem Licht, das er brachte, erhellte er alle Gegebenheiten im ganzen Kosmos und wurde so nicht nur Dschinnen, Menschen, Engeln, sondern allen lebenden Wesen, ja dem Kosmos, Himmel und Erde ein Anlass zur Dankbarkeit. Die Gebete, welche die Pflanzen in ihren naturgemäßen Eigenschaften darbringen, und die Gebete, welche die Tiere in ihren jeweiligen Bedürfnissen darbringen, werden vor unseren Augen tatsächlich erhört. Dadurch rufen Millionen, ja sogar Milliarden Aufrichtige seiner Gemeinde, deren Gebete Gott erhört, nicht zurückweist, weil sie ihrer Natur

entsprechen, jeden Tag mit Gebeten des Friedens und des Segens Erbarmen über diese Persönlichkeit, mit der Frieden und Segen sei, herab. Sie schenken ihre geistigen Verdienste zuallererst dieser Persönlichkeit, mit der Friede und Segen sei. Jeder von den dreihunderttausend Buchstaben des Qur'an, den die ganze Gemeinde liest, bringt manchmal zehn Segenspunkte, manchmal hundert und manchmal tausend Segenspunkte (hasanat)und Früchte ein. Allein durch die Rezitation des Qur'an werden zahlreiche Lichter in das Buch seiner Taten eingetragen. Derjenige, der alle verborgenen Dinge kennt (Allamu l-ghuyub),hatte schon gewusst und gesehen, dass die Wahrheit Mohammeds, mit dem Friede und Segen sei, die die geistige Körperschaft seiner Persönlichkeit ist, in der Zukunft einem paradiesischen Tuba-Baum gleich werden wird. Diesem Zusammenhang entsprechend misst Er ihm eine so großartige Bedeutung in Seinem Qur'an bei und erklärt es in Seinem Erlass für die wichtigste Sache des Menschen, ihm zu folgen und durch die Einhaltung seiner gelobten Sitte (Sünnet-i seniye)ihn zu veranlassen, sein Fürsprecher zu sein. Sogar im Qur'an wird manchmal selbst seine Persönlichkeit als Mensch und seine Haltung als Mensch, welche zu Beginn (des Islam) steht, welcher der Kern zu jenem herrlichen Tuba-Baum ist, zum Thema der Betrachtung. Da die Wahrheiten, die im Qur'an wiederholt werden, diese Bedeutung haben, können Menschen von gesundem Verstand und Gemüt bezeugen, dass sich die Wiederholungen im Qur'an als ein überaus starkes und umfassendes spirituelles Wunder erweisen, es sei denn dass sie durch die Pest des Materialismus von der Krankheit im Herzen und im Gewissen befallen sind, was die folgende Aussage belegt:

قَدْ يُنْكِرُ الْمَرْءُ ضَوْءَ الشَّمْسِ مِنْ رَمَدٍ وَيُنْكِرُ الْفَمُ طَعْمَ الْمَآءِ مِنْ سَقَمٍ

{"Man bestreitet doch die Dinge, die man im Lichte der Sonne mit eigenen Augen sehen könnte, wenn die Augen entzündet sind, und der Mund erkennt nicht, den Geschmack des Wassers, wenn er krank ist."}

Zwei Anmerkungen zum Schluss dieser Zehnten Problemstellung

Erste Anmerkung:

Zwölf Jahre vor Abfassung dieser Risala hatte ich gehört, dass ein ganz schrecklicher und völlig verbohrter Ungläubiger begonnen habe, mit seiner Übersetzung ein Attentat auf den Qur'an zu unternehmen. Er soll gesagt haben: "Der Qur'an soll übersetzt werden, damit jeder erkennen kann, was er für einen Wert hat." Deshalb hat er einen fürchterlichen Plan geschmiedet, damit jeder seine unnötigen Wiederholungen sehen solle und seine Übersetzung anstelle seines Originaltextes rezitiert werde. Aber die unwiderlegbaren Beweise beseitigten alle Zweifel und stellten fest, dass eine wahre Übersetzung des Qur'an nicht möglich ist und anstelle der arabischen Sprache, die in der Satzbildung perfekt ist, eine andere Sprache die Besonderheiten des Qur'an und seine feinsinnigen Anmerkungen nicht bewahren kann. Die wunderbaren, umfassenden Aussagen der Worte des Qur'an, deren jedes zehn bis tausend Segenspunkte (sevab)bringt, können nicht durch die gewöhnlichen, doch nur bruchstückhaften Übersetzungen der Menschen ersetzt werden. Sie können nicht an Stelle (des Qur'an) in den Moscheen rezitiert werden. Doch durch die allseitige Verbreitung der Risale-i Nur blieb jene fürchterliche Intrige fruchtlos. Aber die Heuchler, die von jenem Ungläubigen Unterricht bekommen, versuchen dennoch zu Gunsten des Teufels töricht wie törichte Kinder die Sonne des Qur'an auszupusten. Ich denke, dass mir aus diesem Grund diese Zehnte Problemstellung trotz meiner knappen Zeit, meiner Bedrängnis und inneren Unruhe zu schreiben ermöglicht wurde. Ich habe keine Möglichkeit, mit den Leuten zu sprechen. Deswegen kenne ich die tatsächliche Sachlage nicht.

Zweite Anmerkung:

Nach unserer Entlassung aus dem Gefängnis in Denizli saß ich im obersten Stockwerk des berühmten Stadthotels. In den schönen Gärten vor

mir waren viele Pappeln. Es war so als bildeten sie Ketten zu einer Dhikr-Feier. Ihre Zweige und Blätter tanzten vom Winde bewegt anmutig und wie in Ekstase. Das berührte mich in meinem Herzen, da ich durch die Trennung von meinen Mitbrüdern und durch meine Einsamkeit traurig und kummervoll war. In dem Moment kamen mir Herbst und Winter in Erinnerung und es überkam mich eine Wehmut. Ich habe für diese anmutigen Pappeln und Lebewesen, die in vollkommener Freude miteinander kokettierten, ein solches Mittleid empfunden, dass sich meine Augen mit Tränen füllten. Sie erinnerten mich an die Vernichtung und ließen mich die Trennung spüren, die unter dem verzierten Schleier der Welt verborgen ist.

Da wurde ich unter all der Traurigkeit der ganzen Welt begraben, die aus Tod und Trennung erwächst. Auf einmal eilte mir das Licht, das die Wahrheit Mohammeds brachte, mit dem Friede und Segen sei, zur Hilfe. Es verwandelte all diese Traurigkeit und den Kummer in Frohsinn. Ich wurde sogar wegen der Hilfe und Tröstung dieses Lichtes, von dessen Fülle ich wie jedermann und jeder Gläubige in jenem Moment und in jenem Zustand ein Millionstel erhielt, der Persönlichkeit Mohammeds, mit dem Friede und Segen sei, für immer und ewig dankbar. Es ist dies wie folgt:

Jener gottvergessene Blick zeigte mir, dass diese segensreichen Anmutigen ohne Ziel und Auftrag waren. Sie zeigten sich in der einen Jahreszeit, doch kamen ihre Bewegungen nicht aus Fröhlichkeit, vielmehr zitterten sie vor der Vernichtung und dem Abschied, dann stürzten sie in das Nichts. Die Liebe für die Beständigkeit und die Liebe für das Schöne und Mitleid für die Mitmenschen und für das, was lebendig ist, die wie bei jedem Menschen auch bei mir vorhanden ist, hinterließen in mir einen so tiefen Eindruck, dass sich die Welt auf diese Weise in eine Art von Hölle und der Verstand in ein Werkzeug der Qual verwandelten. Während dessen hob das Licht, das Mohammed, mit dem Friede und Segen sei, für die Menschheit als Geschenk brachte, den Schleier auf.

Es zeigte mir an Stelle von Hinrichtung, Nichtsein, Nichtigkeit, Nutzlosigkeit, Sinnlosigkeit und Abschied ebenso viele Weisheiten und Bedeutungen, wie es an jeder Pappel Blätter gab, und ließ mich erkennen, dass sie Ergebnisse und Aufgaben haben, die in drei Gruppen geteilt sind, wie schon in der Risale-i Nur bewiesen wurde.

Erste Gruppe:

Sie bezieht sich auf die Namen des majestätischen Schöpfers.

Zum Beispiel:

Wenn ein Meister eine wunderbare Maschine baut, sagt jeder zu ihm "Maschaallah(so wie es Gott wollte), Barekallah(möge Gott segnen)" und beglückwünscht ihm. Genauso beglückwünscht auch diese Maschine ihren Meister auf die ihr eigene Art, indem sie die durch sie beabsichtigten Ergebnisse vollständig zu Stande bringt. Jedes Lebewesen und jedes Ding ist eine solche Maschine und gratuliert ihrem Meister mit Lobpreisungen.

Die Weisheiten, die die zweite Gruppe betreffen:

Sie beziehen sich auf die Betrachtung der Lebewesen und derer, die über ein Bewusstsein verfügen. Das wird für sie ein beliebter Lesesaal und jedes ein Buch der Erkenntnis. Sie lassen ihre Bedeutungen im Gedächtnis der Bewusstseintragenden und ihre Bilder im Erinnerungsvermögen und in den Tafeln der Bilderwelt und in den Büchern der unsichtbaren Welt, die zu dem Bereich des Seins gehören. Dann verlassen sie die Welt in der wir Zeugnis ablegen und ziehen sich in die unsichtbare Welt zurück. Das heißt, sie verlassen ihren sichtbaren Körper, gewinnen aber viele geistige, unsichtbare und als Wissen existierende Körper. Ja, in Anbetracht der Tatsache, dass es Allah gibt und Sein Wissen alles umfasst, sind das Nichtsein, die Hinrichtung, die Nichtigkeit, die Verlorenheit und das Vergehen in der Welt der Leute des Glaubens im wahren Sinne nicht vorhanden. Die Welt der Ungläubigen aber ist gefüllt mit Nichtigkeit und Nichtsein, mit Trennung und Vergänglichkeit. So unterweist das folgende Sprichwort, wie der Volksmund so oft sagt, diese Wahrheit: "Für wen es Gott gibt, für den gibt es alles und für wen es Ihn nicht gibt, für den gibt es nichts und alles ist für ihn nichts."

Zusammenfassung:

Wie der Glaube einen Menschen in der Todesstunde vor der ewigen Verlorenheit rettet, so rettet er auch jedem Menschen seine persönliche Welt vor der Verlorenheit und den Finsternissen des Nichtseins. Was aber den Unglauben (der Heiden) betrifft, besonders wenn es sich um den absoluten Unglauben (der Atheisten) handelt, verurteilt er sowohl den Menschen, als auch seine persönliche Welt mit dem Tod zur ewigen Verlorenheit und wirft ihn (schon im Diesseits) in die Finsternisse einer inneren Hölle hinein. Er verwandelt seinen Geschmack am Leben in bitteres Gift. Diejenigen, die das irdische Leben dem jenseitigen vorziehen, möge es in den Ohren klingen! Sie mögen kommen und hierfür entweder einen Ausweg finden oder zum Glauben übertreten. Mögen sie sich vor einem solch furchtbaren Schaden retten!

سُبْحَانَكَ لاَعِلْمَ لَنَآ اِلاَّ مَاعَلَّمْتَنَآ اِنَّكَ اَنْتَ الْعَلِيمُ الْحَكِيمُ

{"Gepriesen seist Du! Wir haben kein Wissen, außer dem, das Du uns gelehrt hast. Denn Du bist der Allwissende, der Allweise!" (Sure 2, 32)}

Euer Bruder, der sehr eueres Gebetes bedarf, und sich nach euch sehnt,

Said Nursi

Sechsundzwanzigstes Wort

Eine Abhandlung über die göttliche Vorherbestimmung (Qader)

بِسْمِ اللَّهِ الرَّحْمَنِ الرَّحِيمِ ٭ وَاِنْ مِنْ شَىْءٍ اِلاَّ عِنْدَناَ خَزَآئِنُهُ وَمَا نُنَزِّلُهُ اِلاَّ بِقَدَرٍ مَعْلوُمٍ ٭ وَكُلَّ شَىْءٍ اَحْصَيْنَاهُ فِى اِمَامٍ مُبِينٍ

{"Und es gibt kein Ding, das wir nicht bei uns in Vorrat hätten, aber wir senden davon nur herab, in bestimmten Maßen." (Sure 15, 21) "Und von allen Dingen haben wir berichtet in einer klaren Schrift." (Sure 36, 12)}

Die göttliche Vorherbestimmung und die Freiheit des menschlichen Willens sind zwei wichtige Fragen. Hier wollen wir versuchen, einige von den feinen Wahrheiten darüber, innerhalb von vier Abschnitten aufzuzeigen.

Erster Abschnitt:

Die göttliche Vorherbestimmung und die Freiheit des menschlichen Willens, wie sie auf der letzten Stufe die Grenzen der muslimischen Lehre und des islamischen Glaubens aufzeigen, sind der Sache nach und dem menschlichen Gewissen entsprechend Teilbereiche des Glaubens. Demgegenüber sind sie kein Teilbereich philosophischer oder persönlicher Betrachtungsweise. Denn wenn der Gläubige alles, sogar sein Tun und auch sich selbst immer Gott dem Gerechten anheim stellt, tritt ihm die Freiheit des menschlichen Willens entgegen, damit er sich letztendlich von Zuständigkeit und Verantwortung nicht entbinden kann. Sie sagt ihm: "Du bist zuständig und verantwortlich." Sodann kommt ihm die göttliche Vorherbestimmung entgegen, damit er auf die guten Taten und die Vollkommenheiten, die durch ihn erwachsen, nicht stolz wird. Sie sagt: "Bekenne deine Grenzen, du bist nicht der, welcher das tut." In der Tat stehen die göttliche Vorherbestimmung und die menschliche

Willensfreiheit auf der letzten Stufe des geistigen und des praktischen Islam. Die göttliche Vorherbestimmung, um die Seele vor Hochmut, und die menschliche Willensfreiheit, um die Seele vor der Verantwortungslosigkeit zu retten, gehören zu den Glaubensgrundsätzen. Sich von der Verantwortlichkeit der Bosheiten, die die triebverhaftete Seele in ihrer Eigenwilligkeit begeht, zu entbinden und an der göttlichen Vorherbestimmung festzuhalten und mit den Schönheiten, mit denen er begnadet wurde, stolz und hochmütig sein und sie auf seine persönliche Entscheidungsfreiheit zurückzuführen, widerspricht ganz und gar dem Sinn der Vorherbestimmung und der Weisheit der menschlichen Entscheidungsfreiheit. Es sind keine philosophischen Fragen, die eine solche Verhaltensweise rechtfertigen könnten.

In der Tat findet der Glaube an die Vorherbestimmung Gottes unter dem einfachen Volk, das geistig nicht fortgeschritten ist, immer Anwendung. Sie gilt aber für die vergangenen und unglücklichen Ereignisse und ist ein Heilmittel für die Verzweiflung und das Leid. Sie gilt nicht für die zukünftigen Ereignisse und Sünden, sodass sie ein Grund für Müßiggang und einen liederlichen Lebenswandel sein könnten. Das heißt, die Frage nach der göttlichen Vorherbestimmung ist nicht ein Bestandteil des Glaubens, um sich aus seiner misslichen Lage zu erretten und von seiner Verantwortung zu entbinden, sondern wurde Bestandteil des Glaubens, um sich vor Hochmut und Stolz bewahren zu können. Jener Bruchteil menschlicher Willensfreiheit wurde Bestandteil religiöser Überzeugung, um auf sie die menschliche Bosheit zurückführen zu können, nicht aber um sie als Quelle aller guten Werke angeben zu können und so einen pharaonengleichen Stolz zu nähren.

So ist denn, wie ja der Qur'an sagt, der Mensch für seine Bosheit voll und ganz verantwortlich, denn er ist es, der das Böse erstrebt. Da die Bosheit Zerstörungscharakter hat, vermag der Mensch durch ein wenig Bosheit viel Zerstörung anzurichten. Und dafür verdient er mit

Recht eine fürchterliche Strafe. - Vergleichbar einem Streichholz, das ein Haus in Brand zu stecken vermag. - Aber bei guten Werken hat er kein Recht darauf stolz zu sein. Dabei ist sein Anteil zu gering. Denn, der, der das Gute wünscht und fordert, ist die Barmherzigkeit Gottes und der es schafft, ist die Macht des Herrn. Wunsch nach dem Guten und Antwort dafür, Ruf danach und dessen Ursachen kommen beide von dem Gerechten. Der Mensch wird allein dazu ermächtigt durch Gebet, durch Glaube, durch Bewusstwerdung und Zustimmung.

Wer aber das Böse wünscht, ist die Begierde des Menschen (entweder durch seine Fähigkeit oder durch seine Entscheidung), so wie einige Dinge durch die schönen, weißen Strahlen der Sonne Schwärze und Fäulnis bekommen. Diese Schwärze ist aber auf ihre Eigenschaften zurückzuführen. Der jedoch das Schlechte durch göttliches Gesetz hervorruft, das so viele schöne Dinge zu Folge hat, ist wiederum der Gerechte. Die Ursache und der Wunsch nach dem Bösen entspringen aber aus der Begierde des Menschen, sodass sie die Verantwortung dafür trägt. Die Erschaffung und das ins Dasein bringen, die dem Gerechten gehören, sind schön und gut, weil sie noch weitere schöne Folgen und Früchte haben. So lautet denn das Geheimnis dahinter wie folgt:

Das Erwerben des Bösen ist böse. Das Erschaffen des Bösen ist nicht böse. So sollte denn ein fauler Mann, wenn er Schaden von dem Regen erleidet, der doch viele Segnungen in sich enthält, nicht sagen: "Regen ist kein Segen." Es liegt in der Tat in dem Erschaffen und Ins-Dasein-bringen von dem ein klein wenig Schlechten auch sehr viel Gutes. Wegen des ein klein wenig Schlechten sehr viel Gutes verlassen, heißt, sehr viel Schlechtes entstehen lassen. Darum wird dieses ein Teil Schlechte als Gutes gezählt. In dem, was Gott erschafft, gibt es nichts Schlechtes oder Hässliches. Vielmehr ist es auf die Einstellung des Dieners und auf seine Eigenschaften zurückzuführen. Denn so wie das göttliche Vorherwissen, so gilt auch hinsichtlich der Ziele und Früchte, dass sie

frei sind von allem, was schlecht oder hässlich wäre, desgleichen gilt auch hinsichtlich von Mittel und Grund, dass diese geheiligt sind und frei von Schuld und Sünde. Denn die göttliche Vorherbestimmung bezieht sich auf die eigentlichen Gründe und wird gerecht. Die Menschen errichten mit äußerlich sichtbaren Mitteln der Gerechtigkeit ein Gebäude und stürzen in die Ungerechtigkeit, wo die göttliche Vorherbestimmung gerecht ist.

Zum Beispiel:

Der Richter verurteilt dich wegen Diebstahls zu einer Haftstrafe. Du bist aber kein Dieb. Doch es gibt da einen heimlichen Mord, von dem niemand etwas weiß. So hat dich denn auch göttliche Vorsehung zu dieser Gefängnisstrafe verurteilt. Doch die göttliche Vorherbestimmung verurteilt dich aber aufgrund deines heimlichen Mordes und bewirkt Gerechtigkeit. Was den Richter betrifft, so hat er dir dadurch, dass er dich wegen Diebstahls zu Unrecht verurteilt hat, Gewalt angetan. Hier wird in zweierlei Hinsicht sichtbar, wie die göttliche Vorherbestimmung und das Erschaffen Gottes in ein und derselben Sache gerecht und das menschliche Tun ungerecht werden kann. Vergleiche andere Dinge damit. Das heißt also, dass die göttliche Vorherbestimmung und das Erschaffen hinsichtlich des Anfangs und des Endes, des Wesentlichen und der Einzelheiten, der Ursachen und deren Folgen frei von Bosheit und Fehlerhaftigkeit sind.

Wenn man sagt:

Wenn im Bereich menschlichen Willens keine Möglichkeit gegeben ist, etwas aus dem Nichts zu erschaffen und in der Hand des Menschen nichts anderes liegt, als eine schöpferische Vorstellung, wie kommt es dann, dass der Qur'an, dessen Verkündigung ein Wunder ist, dem Menschen den Zustand eines Rebellen und eines Feindes dem Schöpfer der Himmel und der Erde gegenüber zuschreibt? Der Schöpfer der Erde und der Himmel klagt ihn gewaltig an. Um dem gläubigen Diener gegen diesen rebellischen Menschen zu helfen, bietet Er sich selber und Seine Engel an. Er nimmt ihn als Feind überaus ernst.

Antwort:

Es ist dies so, weil Unglaube, Rebellion und Bosheit negativ und destruktiv sind. In Wirklichkeit können gewaltige Zerstörungen und endloses Fehlen auf eine Ursache zurückgeführt werden, die nur eingebildet ist und fehlt.

So wie ein riesiges Schiff untergeht, weil der Steuermann nicht seine Pflicht erfüllt hat, und damit die Anstrengungen aller Arbeiter und Angestellten zunichte gemacht hat, sind diese Zerstörungen auf einen einzigen Fehler zurückzuführen. So können auch Unglaube und Sünde, da sie von negativer und destruktiver Art sind, und der freie Wille des Menschen nur eine Annahme ist, Zerstörungen anrichten und die Ursache einer fürchterlichen Wirkung sein. Denn da der Unglaube, der eine einzige Sünde ist, eine Beleidigung des ganzen Weltalls mit Wertlosigkeit und Sinnlosigkeit, eine Anschuldigung der Lüge allen Seins, die die Beweise der Einheit Gottes aufzeigen und eine Verachtung aller Erscheinungen der Gottesnamen, ist es lautere Weisheit, wenn Gott der Gerechte anstelle des ganzen Weltalls, allen Seins und der göttlichen Namen den Ungläubigen heftig anklagt und ihn fürchterlich bedroht und es ist lautere Gerechtigkeit, wenn er ihn für ewig bestraft. Da der Mensch nun einmal durch Unglaube und Auflehnung in die Richtung der Zerstörung geht, kann er durch ein Wenig Aktivität sehr viele Dinge vollbringen. Darum brauchen die Leute des Glaubens gegen sie große Unterstützung von Gott dem Gerechten. Übernehmen auch zehn starke Männer die Überwachung und Instandhaltung eines Hauses und ein boshaftes Kind beschäftigt sich jedoch damit dieses Haus in Brand zu stecken, dann müsste man den Erziehungsberechtigten dieses Kindes, ja sogar den König selber ersuchen und sie ständig (um Hilfe) bitten. In gleicher Weise bedürfen auch die Gläubigen viel Beistand bei Gott dem Gerechten, um solchen sittenlosen Leuten der Auflehnung widerstehen zu können.

Zusammenfassung:

Wenn der Mann, der über das göttliche Vorherwissen und die Freiheit des menschlichen Willens spricht, in der göttlichen Gegenwart lebt und

einen vollkommenen Glauben besitzt, so führt er sich selbst und die Welt auf Gott den Gerechten zurück und weiß, dass sie Seiner Herrschaft unterstehen. Dann hat er auch das Recht, über das göttliche Vorherwissen und die menschliche Willensfreiheit zu sprechen. Da er nun einmal weiß, dass seine Seele und alle Dinge Gottes des Gerechten sind, kann er sich auch auf seinen freien Willen stützen und dafür die Verantwortung übernehmen. Er erkennt an, dass er der Ort ist, von dem das Böse ausgeht und erweist der Heiligkeit des Herrn die Ehre. Er verbleibt im Bereich der Anbetung und tut seine Schuldigkeit gegenüber dem göttlichen Anerbieten. So behält er denn auch das göttliche Vorherwissen im Blick, um nicht stolz zu werden auf die Vollkommenheiten und die Schönheiten, die durch ihn zum Ausdruck kommen, und anstatt überheblich zu werden, dankt er. Bricht ein Unglück über ihn herein, sieht er darin die göttliche Vorherbestimmung und fasst sich in Geduld.

Ist der Mensch, der über das göttliche Vorherwissen und die menschliche Willensfreiheit spricht, einer von den gottvergessenen Leuten, so hat er kein Recht über das göttliche Vorherwissen und die menschliche Willensfreiheit zu sprechen. Denn eine eigenwillige Seele, die durch ihre Irrtümer und durch ihre Gottvergessenheit auf Abwege geraten ist, und die Welt auf deren Ursachen zurückführt, teilt diesen zu, was Gott gehört und übereignet sogar sich selbst. Ihre Taten schreibt sie sich selbst und deren Ursachen zu. Ihre Verantwortlichkeit und ihre eigene Fehlerhaftigkeit überträgt sie dem Schicksal. Damit aber wird die Diskussion über den freien Willen als einer letzten Endes von Gott dem Gerechten verliehenen Fähigkeit sinnlos und damit zugleich auch die über das göttliche Vorherwissen, das letztendlich die Quelle unserer Betrachtungsweise sein sollte. Sie ist ganz und gar aller Weisheit entgegengesetzt und ein Betrug der Seele, um sich vor der eigenen Verantwortlichkeit zu retten.

Zweiter Abschnitt:

Den Leuten der Wissenschaft gewidmet ist sie eine Wissenschaft die feinfühlig und sorgfältig untersucht.

{(*): Dieser zweite Abschnitt beschäftigt sich um die tiefste und äußerst komplizierte Frage über das Geheimnis der göttlichen Vorherbestimmung. Es ist eine Frage über die theologischen Glaubensgrundsätze, die unter allen Forschern unter Gelehrten äußerst wichtig ist und diskutiert wird. In der Risale-i Nur ist sie völlig geklärt.}

Wenn du sagst:

"Wie lässt sich der Glaube an die göttliche Vorherbestimmung mit dem Glauben an den freien Willen des Menschen vereinbaren?"

Antwort:

Auf siebenfältige Weise...

Erstens:

So wie das All durch Ordnung und Ausgewogenheit eine Weisheit zum Ausdruck bringt und durch seine Gerechtigkeit Zeugnis ablegt für den Gerechten und Allweisen, so wurde dem Menschen mit Sicherheit auch ein uns in seinem Wesen unbekannter freier Wille gegeben, welcher ihm Quelle zu Lohn und Strafe ist. So wie wir sehr viele Weisheiten des Gerechten Allweisen nicht kennen, so ist unsere Unkenntnis kein Beweis dafür, dass sich die Freiheit des menschlichen Willens mit der göttlichen Vorherbestimmung nicht vereinbaren lassen.

Zweitens:

Notwendigerweise verspürt jeder in sich selbst einen Willen. Er weiß von innen heraus um das Vorhandensein eines solchen Willens. Das Wesen der Existenzen zu kennen ist die eine Sache, und ihre Erscheinungsform zu kennen ist eine andere Sache. Es gibt viele Dinge: Obwohl uns die Erscheinungsform offensichtlich ist, bleibt uns ihr Wesen dennoch unbekannt... So ist es auch mit dem freien Willen, den wir hier mit einreihen können. Es ist nicht alles begrenzt auf das Wissen, das wir davon haben. Unsere Unwissenheit beweist nicht, dass er nicht vorhanden ist.

Drittens:

Der Glaube an den freien Willen ist nicht unvereinbar mit dem Glauben an die göttliche Vorherbestimmung. Vielmehr bestätigt der Glaube an die göttliche Vorherbestimmung den Glauben an die Freiheit des menschlichen Willens. Denn die Vorherbestimmung ist

eine Art des göttlichen Wissens. Das göttliche Wissen kennt, was unser freier Wille entscheidet. Weil dies aber so ist, bestätigt der Glaube an die Vorherbestimmung Gottes, dass wir über einen freien Willen verfügen, er hebt ihn nicht auf.

Viertens:

Die Vorherbestimmung ist Wissen. Das Wissen ist aber von Kenntnissen abhängig. Das heißt, so wie etwas geschehen ist, so ist dementsprechend auch unsere Kenntnis davon. Die Kenntnisse sind aber nicht vom Wissen abhängig. Das heißt, die Grundlagen im Wissen sind nicht Hauptgründe, dem, was zu Stande kommen wird, einen sichtbaren Körper zu verleihen und ihn zu verwalten. Denn das, was zu Stande kommen wird, sein Wesen und sein sichtbarer Körper sind auf Wille und Macht angewiesen. Ferner ist die Urewigkeit nicht ein Ende der vergangenen Kettenreihe, sodass man sie für die Entstehung der Dinge als Ursprung hält und dementsprechend von einer Zwangsläufigkeit ausgeht, sondern, die Urewigkeit ist mit einem Spiegel vergleichbar, der von der Höhe herab schaut und die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft zugleich erfasst. Sich innerhalb der vergangenen Seite, die sich im Bereich des Möglichen erstreckt, ein Ende vorzustellen und es die Urewigkeit zu nennen und sich einzubilden, dass sich die Dinge in das Wissen des Urewigen einreihen, während wir selber außerhalb dessen stehen und dementsprechend zu urteilen, entspricht nicht der Wahrheit. Um dieses Geheimnis zu entschleiern, betrachte das folgende Beispiel:

In deiner Hand befinde sich ein Spiegel. Stell dir nun vor, nach der rechten Seite hin erstrecke sich die Vergangenheit und nach der linken Seite hin erstrecke sich die Zukunft. Der Spiegel aber erfasst nur das, was ihm gegenüber liegt. Des Weiteren erfasst er zu beiden Seiten eine gewisse Strecke. Den größten Teil jedoch erfasst er nicht. Je tiefer sich dieser Spiegel befindet, desto weniger vermag er zu sehen. Je mehr man ihn jedoch nach oben empor zieht, desto mehr erweitert sich die Reichweite dieses Spiegels. Allmählich erfasst er mehr

und mehr alle beiden Erstreckungen gleichzeitig und im selben Augenblick. Und darum kann man also nun nicht mehr sagen, dass der Spiegel in dieser Stellung durch seine Projektion bei dieser Entfernung die ablaufenden Zeiten einander vorausgehen, nachfolgen, einander entsprechen oder einander entgegengesetzt sind. Da die Vorherbestimmung zu dem Wissen des Urewigen gehört, erfasst das Wissen des Urewigen nach der Erklärung einer Hadith "aus einem hohen Blickwinkel heraus von Ewigkeit zu Ewigkeit alles, was geschah und was geschehen wird, in einem, und umfasst es von seinem hohen Standpunkt aus." Wir und unsere Beurteilung können nicht außerhalb dessen stehen, sodass es (das Wissen des Urewigen) einem Spiegel gleichen sollte, der auf Seiten der Vergangenheit steht.

Fünftens:

Die Vorherbestimmung steht mit Ursache und Wirkung gleichzeitig in Beziehung. Das heißt: diese Wirkung tritt mit dieser Ursache ein. Weil dies aber so ist, darf man nicht sagen: "Es war nun einmal diesem Mann bestimmt, zu dieser Zeit zu sterben. Was war die Schuld dessen, der aus freiem Willen geschossen hat. Und hätte dieser nicht geschossen, wäre jener dann dennoch gestorben."

Frage:

Warum darf man so nicht sagen?

Antwort:

Das ist so, weil sein Tod mit dem Schuss aus seinem Gewehr in göttlicher Vorherbestimmung im Zusammenhang steht. Stellst du dir vor, er hätte nicht geschossen, dann heißt das, dass du dir vorstellen musst, dass dieser Zusammenhang in der göttlichen Vorherbestimmung nicht existierte. Woraus willst du dann seinen Tod schließen? Du musst dir die göttliche Vorherbestimmung entweder nach Art der Schule Djebri vorstellen: Die Ursache ist das eine, die Wirkung etwas anderes; oder die göttliche Vorherbestimmung leugnen, wie dies die Schule der Mu'tezila tut, dich von "den Leuten der Sunnah und der Gemeinschaft" trennen und dich der Gruppe der Irregehenden anschließen. Weil dies so ist, sagen wir, die Leute der Wahrheit: "Wäre der Schuss nicht

abgefeuert worden, so bliebe auch der Tod des Mannes für uns unbestimmt." Die Schule Djebri sagt: "Hätte er nicht geschossen, wäre er dennoch gestorben." Die Schule Mu'tezile sagt: "Hätte dieser nicht geschossen, wäre jener nicht gestorben."

Sechstens:

{(*): Eine Wahrheit, bestimmt für Gelehrte, die sich besonders der Forschung widmen.}

Nach der Lehre Maturidis ist die Neigung (etwas zu tun), welche einer Willensentscheidung grundsätzlich vorausgeht, eine Vorstellung, die sich auf den Diener zurückführen lässt. (D.h. also: Eine Vorstellung, die sich der Mensch selbst macht, wird zur Neigung, etwas zu tun.) Jedoch nach der Lehre von Esh'ari wird (die Neigung etwas zu tun) nicht auf den Diener zurückgeführt, weil sie unter dem Blickwinkel von etwas bereits Gegebenem betrachtet wird. (Mit anderen Worten: Die Neigung, etwas zu tun, stammt von Gott.) Doch der Gebrauch, (den der Mensch von seiner ihm von Gott eingegebenen) Neigung macht, ist nach Esh'ari nur eine vorgestellte Sache (d.h. also eine menschliche Angelegenheit). Dann aber ist diese Neigung (nach Maturidi) oder dieser Gebrauch (also nach Esh'ari das, was der Mensch daraus macht) nur eine bedingte Sache. Sie haben in Wahrheit keine äußere Existenz (mit anderen Worten: Die Vorstellung, die sich der Mensch macht, und aus der dann die Neigung erwächst, etwas zu tun, bzw. das, was er aus seiner Neigung macht, sind menschlich vergängliche Dinge und keine konkreten, ewig göttlichen Werke).

Was eine vorgestellte Sache betrifft, so benötigt sie keine vollständige Ursache, sodass aus der Existenz der vollständigen Ursache die Notwendigkeit, die Zwangsläufigkeit und die Unerlässlichkeit in die Mitte kommt und die menschliche Willensfreiheit aufhebt. (D.h.: Wenn alle notwendigen Vorbedingungen eines Geschehens erfüllt sind, dann geschieht, was geschehen muss, zwangsläufig und ohne den Einfluss des menschlichen Willens.) Wenn jedoch die Ursache einer vorgestellten Sache eine Gestalt

annimmt, die den Grad einer Priorität hat, kann diese vorgestellte Sache sich als gesichert erweisen. Wenn aber dies nun einmal so ist, kann man sie zugleich auch wieder fallen lassen. Der Qur'an sagt dann in diesem Augenblick dazu: "Das ist schlecht, tu es nicht!" Wenn der Diener in der Tat als Schöpfer handeln könnte und die Fähigkeit etwas zu erschaffen besäße, wäre zugleich auch seine Willensfreiheit aufgehoben. (Mit anderen Worten: Wäre der Mensch ein Schöpfer, dann hätte sein Wunsch die Fähigkeit etwas zu erschaffen, ohne dass dazwischen noch ein Entscheidungsspielraum bliebe.) Denn nach dem Grundsatz der Quellenlehre (Qur'an, Tradition, Analog und Übereinstimmung) und der Weisheit (Auslegung der Lehren des Qur'an) heißt ein Grundsatz:

مَالَمْ يَجِبْ لَمْ يُوجَدْ

{"Was nicht notwendig ist, kommt nicht zu Stande."}

(D.h.: Wo die Voraussetzungen nicht gegeben sind, da entsteht auch nichts.) D.h. erst wenn die Ursachen vollständig sind, kann etwas ins Dasein treten. (D.h. erst wenn alle Bedingungen erfüllt sind, kann auch die Wirkung eintreten.) Was aber die vollständige Ursache betrifft, so erfordert sie die Wirkung mit Notwendigkeit und Zwangsläufigkeit. (D.h.: Wenn alle Voraussetzungen erfüllt sind, muss zwangsläufig auch die Wirkung eintreten.) Dann bleibt kein Wille. (D.h. Ursache und Wirkung lassen keinen Raum mehr für eine freie Entscheidung.)

Wenn du sagst:

Eine Vorrangigkeit ohne Vorrang ist unmöglich {(*): Überlegenheit ist die eine Sache, Bevorzugung eine andere Sache. Der Unterschied ist groß.} (d.h. wo kein Unterschied besteht, ist auch keine Wahl möglich), weil jener Anteil des Menschen, den wir eine vorgestellte Sache genannt haben, teils ausgeführt, teils nicht getan werden mag, wenn also kein notwendiger Vorrang gefunden wird, dann wird eine Wahl ohne Vorrang notwendig. (Mit anderen Worten:

Es ist dem Menschen gegeben, etwas tun oder lassen zu wollen, je nach seiner Vorstellung. Wo es jedoch weder Vorzüge noch Nachteile gibt, müsste er wählen, ohne eine Auswahl zu haben.) Wenn dies aber so ist, widerspricht das dann nicht dem wichtigsten Grundsatz der Lehre und Wurzel des Wortes (d.h. jener Wissenschaft, die sich mit der Auslegung des Qur'an befasst?)

Antwort:

Eine vorrangige Überlegenheit ohne Vorrang ist unmöglich. Denn ohne Grund und Vorrang ist eine Überlegenheit unmöglich. Andererseits ist eine Wahl ohne eine Bevorzugung möglich und geschieht auch. Wille ist eine Eigenschaft (d.h. es entspricht einer Fähigkeit des Menschen, etwas wollen zu können). Seine Wirkung ist es, eine solche Arbeit zu verrichten (d.h. der Wille ist dem Menschen gegeben, damit er eine Auswahl treffen kann.)

Wenn du sagst:

"Da nun einmal Gott der Gerechte den Mord erschafft, warum nennt man mich dann noch einen Mörder?"

Antwort:

Das ist so, weil nach den Grundregeln der Grammatik das Subjekt von einem Prädikat (also einem Verbum) abgeleitet wird, das auf ein Objekt bezogen bleibt und sich nicht auf ein Verbalnomen bezieht, dessen Objekt bereits feststeht. Prädikat ist das, was wir getan haben; und so bekommen wir auch den Titel eines Mörders. Das Verbalsubstantiv (das Morden) ist ein Geschöpf Gottes des Gerechten. Das, was eine Verantwortlichkeit erahnen lässt (also derjenige, welcher in seiner Menschlichkeit den Mord begeht) wird nicht von dem Verbalsubstantiv abgeleitet.

Siebentens:

Der menschliche Wille und die Freiheit seiner Entscheidungsfähigkeit ist zwar schwach und nur eine vorgestellte Sache, doch hat Gott der Gerechte in Seiner allumfassenden Weisheit diesen schwachen Bruchteil menschlicher Willensfreiheit zur allgemeinen Bedingung für die Verbundenheit mit Seinem allumfassenden göttlichen Willen gemacht. Denn Er sagt sinngemäß. "Oh mein Knecht! Welchen Weg auch immer dein Wille begehren möge, auf diesen Weg werde ich dich auch führen.

Doch wenn dies auch so ist, gehört dennoch die Verantwortung dir!" Wenn du also - um einmal einen wenn auch etwas unpassenden Vergleich zu gebrauchen - ein noch unmündiges Kind auf deine Schultern hebst und ihm die Wahl lässt: "Ich werde dich überall hintragen, wohin du möchtest." Und du bringst nun dieses Kind nach seinem Wunsch auf einen hohen Berg und das Kind erkältet sich dabei oder stürzt, so wirst du sicherlich sagen: "Du hast es ja so gewollt." Und ihm in seiner Verdrossenheit eine Ohrfeige geben. So betrachtet auch Gott der Gerechte und der Beste aller Richter den Willen Seines Dieners in seiner unendlichen Schwäche und macht ihn zur allgemeinen Bedingung für Seinen eigenen alles umfassenden Willen.

Zusammenfassung:

Oh Mensch! Du verfügst über einen sehr schwachen Willen, den man als deine freie Entscheidung bezeichnet, einen Willen, der zwar äußerst schwach ist und doch einerseits äußerst weitreichend, wenn es um das Böse geht und um die Zerstörung und andererseits noch dazu äußerst unzureichend, wenn es um das Gute geht. Lege in die eine Hand dieses Willens das Gebet, damit diese Hand sich nach dem Paradies ausstrecke, das eine Frucht am Ende der Kette des Guten ist, und die ewige Glückseligkeit pflücke, die dessen Blume ist. Lege in seine andere Hand die Bitte um Vergebung, damit diese Hand nicht das Böse erreiche und nicht die Frucht jenes verfluchten Baumes pflücke, des Zakkum-Baumes, der aus der Hölle erwächst. Das also heißt, dass Gebet und Gottvertrauen, welche mit großer Kraft die Neigung zum Guten verstärken, während zu gleicher Zeit die Bitte um Vergebung und die Reue die Neigung zum Bösen bricht und die Widerstände zerschlägt.

Dritter Abschnitt:

Der Glaube an die göttliche Vorherbestimmung gehört zu den Grundpfeilern des Glaubens. Das heißt: "Jede Sache besteht nach der Bestimmung (takdir)Gottes des Gerechten." Sichere Beweise für die göttliche Vorherbestimmung sind dermaßen viel, grenzenlos, unzählbar.

Mit einer einfachen und allgemein verständlichen Art wollen wir in der folgenden Einführung zeigen, wie stark und allgemeingültig dieser Glaubenspfeiler ist.

Einführung:

Sehr viele qur'anische Verse wie

وَلاَ رَطْبٍ وَلاَ يَابِسٍ اِلاَّ فِى كِتَابٍ مُبِينٍ

{"Nichts Feuchtes und nichts Trockenes, was nicht in einer deutlichen Schrift verzeichnet wäre." (Sure 6, 59)}

stellen fest, dass alles vor seiner Entstehung und nach seiner Existenz verzeichnet ist. Die Verse des großen Qur'an der Macht, der das Universum genannt wird, bestätigen auch diese qur'anische Feststellung durch seine Verse in der Schöpfung wie Anordnung, Ausgewogenheit, Wohlordnung, Gestaltung, Verzierung und Unterscheidung. In der Tat bezeugen Schriften dieses kosmischen Buches in Versmaß und seine gereimten Wunderzeichen, dass alles verzeichnet ist. Die Beweise dafür, dass alle Dinge vor ihrer Existenz bestimmt und verzeichnet waren, sind alle Prinzipien, Kerne, Mengen und Gestalten und sie sind Zeuge dafür. Denn jedes Samenkorn und jeder Kern ist ein feines Kästchen von der Werkbank "Kaf-Nun", {Diese beiden arabischen Buchstaben, gelesen Kaf-Nun, bilden das Wort "Kun", das heißt, "Sei!". Gott spricht diesen Befehl, wenn Er etwas erschaffen will. (Siehe: Sure 2, 117) (A.d.Ü.)} ein kleines Inhaltsverzeichnis, gezeichnet durch die göttliche Vorherbestimmung und gespeichert. Die Macht stellt die Atome nach der Zeichnung jener Vorherbestimmung in Dienst und baut auf jenen Samenkörnchen riesige Wunderwerke der Macht auf. Also gilt alles, was ein Baum erleben wird, mit all den dazugehörigen Ereignissen als in seinem Kern verzeichnet. Denn die Samenkörner sind von ihrem Stoff her homogen und gleich. Von ihrem Stoff her haben sie keinen Unterschied. Überdies zeigt die ausgewogene Menge jedes Dinges eindeutig die göttliche Vorherbestimmung. Egal, welches Lebewesen man zu betrachten vermag, so

sieht man eine Menge, eine Gestalt, als kämen sie aus einer überaus weisheitsvollen und künstlerischen Gussform heraus. Um diese Menge, diese Gestalt und dieses Aussehen zu bekommen, muss es entweder eine stoffliche Gussform sein, die wunderbar und äußerst krumm und schief sein soll, oder eine geistige Gussform, die nach der göttlichen Vorherbestimmung wohlausgewogen und wissensbezogen ist und die der Urewige mit Seiner Macht schneidert und mit diesem Aussehen überzieht.

Betrachte zum Beispiel diesen Baum oder dieses Tier aufmerksam; Atome, die leblos, taub, blind, bewusstlos und einander ähnlich sind, bewegen sich um sein Wachstum und Gedeihen. Sie stoppen sich an krummen und schiefen Grenzen, als würden sie wohl die Stellen der Früchte und Nutzbarkeiten kennen, sehen und wissen. Dann lenken sie zu einer anderen Stelle ab, als würden sie ein noch größeres Ziel verfolgen. Also bewegen sich die Atome nach der geistigen Bestimmung, die aus dem göttlichen Vorherwissen kommt, und auf den geistigen Befehl entsprechend dieser Menge. Da es nun einmal bei den materiellen und sichtbaren Dingen derartig große Erscheinungen der göttlichen Vorherbestimmung gibt, folgen mit Sicherheit auch die Formen, die die Dinge im Laufe der Zeit tragen, und die Zustände die durch deren Bewegungen zu Stande kommen, derartiger Wohlordnung der göttlichen Vorherbestimmung.

In der Tat werden durch einen Kern zweierlei Erscheinungen der göttlichen Vorherbestimmung sichtbar. Die eine ist offensichtlich und gibt von der "Klaren Schrift" (Kitab-i Mubin)als eine Bezeichnung für den Willen und die Seinsbefehle Kunde und setzt darauf Zeichen, und die andere ist theoretisch und berichtet von dem "Klaren Vorbild" (Imam-i Mubin)als eine Bezeichnung für den Befehl und das Wissen Gottes und weist darauf hin. Was offensichtliche Vorherbestimmung betrifft, so ist sie materielle Eigenschaften, Zustände und Glieder eines Baumes, den jener Kern beinhaltet und später zu betrachten ist. Was aber die theoretische betrifft, so ist sie die Umwandlungen, Zustände, Formen,

Bewegungen und Lobpreisungen eines Baumes, der aus jenem Kern erschaffen werden wird, welche er in der Zeitspanne seines Lebens erleben wird. Diese Formen, Zustände, Gestalten und Handlungen, die sich Zeit für Zeit verändern, nennt man den Lebenslauf. So gibt es je ein wohlgeordnetes Maß aus der göttlichen Vorherbestimmung für jenen Baum, für seine Äste und für seine Blätter usw. Da die gewöhnlichsten und einfachsten Dinge nun einmal den Erscheinungen der göttlichen Vorherbestimmung dermaßen stark ausgesetzt sind, so bringt das mit Sicherheit zum Ausdruck, dass alles Sein vor seiner Existenz verzeichnet war, was man durch ein wenig Aufmerksamkeit bemerkt.

Nun, was den Beweis betrifft, dass der Lebenslauf eines jeden Dinges nach seinem Ableben aufgeschrieben wird, so sind alle Früchte, die von der "Klaren Schrift" (Kitab-i Mubin)und dem "Klaren Vorbild" (Imam-i Mubin)in der Welt kundgeben, und das Gedächtnisvermögen aller Menschen, welches von der "Wohlverwahrten Tafel" (Lauh-i Mahfudh)berichtet und darauf hinweist, je ein Zeuge und ein Merkmal dafür. In der Tat, was eine jede Frucht betrifft, so wird in ihrem Kern, der ihr Herz ist, der ganze Baum mit seinem gesamten Leben aufgeschrieben. Der Lebenslauf eines Menschen und auch zum Teil vergangene Ereignisse der Welt wird in seinem Gedächtnisvermögen auf solch eine Art eingeschrieben, dass die Hand der Macht durch die Feder Seiner Vorherbestimmung in dieses winzig kleine Vermögen, das so wenig Platz einnimmt wie ein Senfkorn, eine kleine Urkunde von den Taten des Menschen ausstellt und in seine Hand gibt, in die Tasche seines Gedächtnisses steckt, damit der Mensch am Tage der Abrechnung dazu veranlasst wird, sich daran zu erinnern.

Des Weiteren soll der Mensch sich damit innerlich überzeugen können, dass es in all diesem Tohuwabohu der Vergänglichkeit und des Untergangs sehr viele Spiegeln gibt, die nach der Ewigkeit gerichtet sind, und in denen der Allmächtige und Allweise die Identitäten der Untergehenden zeichnet, ihnen Form, Gestalt und Ewigkeit verleiht.

Es gibt auch sehr viele Tafeln, die nach der Ewigkeit gerichtet sind, und auf denen der Allwissende Bewahrer und Erhalter den Sinn alles Vergänglichen aufzeichnet.

Zusammenfassung:

Da nun einmal das Leben der Pflanzen, welches die einfachste und die unterste Stufe des Lebens ist, in einem solchen Grade von der Ordnung göttlicher Voraussicht abhängig ist, ist mit Sicherheit auch das Leben der Menschen, welches die höchste Stufe des Lebens ist, in all seinen Einzelheiten der göttlichen Vorausschau entsprechend in all seinen Einzelheiten vorgezeichnet und von Seiner Feder niedergeschrieben. Und so geben dann in der Tat, so wie Regentropfen Kunde geben von den Wolken, Wassertropfen auf ihre Quelle verweisen, Urkunden, Ausweise Zeichen setzen von der Existenz eines Großen Melderegisters, so verweist auch die von uns wohlbekannte Ordnung an der materiellen Seite des Lebens, welche die Göttliche Planung sichtbar macht und die innerliche, lebendige Ordnung, welche allem Lebendigen unsichtbar zu Grunde liegt, die Früchte, Spermen, Samenkerne und -körner, Formen und Gestalten, die Tropfen, Urkunden und Ausweisen gleichen, ganz offensichtlich auf Willen und Befehl, wie sie sich im Buch des Lebens, welches wir die "Klare Schrift" (Kitab-i Mubin)nennen, und im Wissen Gottes und im Göttlichen Ratschluss, der "Wohlverwahrten Tafel" (Lauh-i Mahfudh),die wir das "Klare Vorbild" (Imam-i Mubin)nennen, vorfinden.

Kurzum:

Wir sehen nun deutlich, das alles was lebt, in der Zeit, da es wächst und sich entfaltet, seine Zellen bis an die äußersten Grenzen schickt, wo sie verharren. Dann ändern die Zellen ihre Richtung. An diesem äußersten Ende bringen sie dann den Ertrag ihrer Weisheit, ihren Gewinn, den Erfolg des Geschäfts. Und ganz offensichtlich sind die äußeren Abmessungen aller Dinge mit dem Stift Göttlicher Voraussicht entworfen und gezeichnet. So erweist es sich denn, dass es außer der bekannten, offensichtlichen göttlichen Voraussicht für die inneren Zustände lebender Wesen auch Trennlinien und

Endstellen gibt, gezeichnet mit dem Stift göttlicher Vorausschau, wo wohlgeordnet Früchte wachsen. Die Macht (Gottes) ist der Ausführer, Seine Vorherbestimmung ist der Plan. Die Macht Gottes tuscht dieses bedeutungsvolle Buch des Kosmos über diesem Plan. Wir haben nun ein für alle Mal verstanden, dass die Trennlinien, an denen die Früchte reifen und die Enden, dort wo die Göttliche Weisheit wirkt, im konkret physischen wie im abstrakt spirituellen Sinne mit dem Stift göttlicher Vorausschau entworfen und gestaltet worden sind. Mit Sicherheit sind auch alle Zustände und Verhaltensweisen, denen alles, was da lebt, in der Spanne seines Lebens unterworfen ist mit diesem Stift göttlicher Voraussicht entworfen und gestaltet.

Wenn du sagst:

"Die Vorherbestimmung hat uns in der Weise gebunden, dass sie unsere Freiheit aufhebt. Ist nicht der Glaube an die Vorherbestimmung eine Bürde und eine Einengung für das Herz und den Geist, die sich nach Ungebundenheit und Freizügigkeit sehnen?",

so lautet die Antwort:

Nie und nimmer! So wie es keineswegs eine Einengung bedeutet, vielmehr unendlich erleichtert, entspannt, erfreut und erfrischt, verleiht sie Sicherheit und Geborgenheit, Licht und Heiterkeit. Denn: Wenn ein Mensch nicht an die göttliche Vorherbestimmung glaubt, ist er gezwungen, im kleinen Kreise seines bisschen Freiheit, einer vorübergehenden Unabhängigkeit, ein Joch so schwer wie die Welt auf den armseligen Schultern seines Geistes zu tragen. Denn: Der Mensch ist mit dem ganzen Kosmos verbunden. Er hat grenzenlose Wünsche und Erwartungen. Weil seine Macht, sein Wille, seine Freiheit noch nicht einmal dem millionsten Teil von ihnen genügen können, lässt sich leicht verstehen, wie fürchterlich und entsetzlich der Druck der inneren Bedrängnis ist, unter der er leidet. So lässt ihn denn sein Glaube alles Schwere auf das Schiff der göttlichen Vorherbestimmung werfen und gibt ihm Raum, seine Reise in vollkommener Ruhe und in der vollendeten Freiheit des Geistes und

des Herzens zu unternehmen. Er nimmt nur der herrschsüchtigen Seele ihre kleinen Freiheiten, vernichtet ihr pharaonisches Wesen, beseitigt ihre Herrschaft und lässt sie nicht so einfach tun, was immer sie gerne möchte. Der Glaube an die göttliche Vorherbestimmung ist so köstlich und von einer solchen Glückseligkeit, wie man sie nicht beschreiben kann. Mit dem folgenden Gleichnis wollen wir auf diese Köstlichkeit, diese Glückseligkeit nur mit einem Beispiel verweisen.

Da ziehen also nun zwei Männer zu dem Regierungssitz eines großen Königs. Sie gelangen zu dem privaten Schloss dieses Königs, einem Ort voll eigenartiger Dinge. Der eine kennt den großen König nicht. Er möchte an diesem Ort sich niederlassen, um zu rauben und zu stehlen. Jedoch fühlt er sich gezwungen, die in Schloss und Garten erforderlichen Unterhalts- und Verwaltungsarbeiten zu verrichten, die notwendigen Maßnahmen zu ergreifen, die Einnahmen zu überwachen und für die Bedienung der Geräte zu sorgen. Er muss die seltenen Tiere versorgen und sieht sich noch vielen anderen, ähnlichen Mühen und Anstrengungen ausgesetzt, die ihm beständige Mühen und Sorgen bereiten. Dieser paradiesesgleiche Garten wird für ihn selbst zu einer Hölle. Er bedauert alles. Er kann die Dinge nicht führen. Seine Zeit verbringt er im Bedauern. Und schließlich wird dieser ungezogene Dieb zur Strafe ins Gefängnis geworfen.

Der andere Mann aber kennt den König und er weiß, dass er ein Gast des Königs ist. Er ist davon überzeugt, dass alles, was in diesem Schloss und diesem Park geschieht, dem Gesetz entsprechend geordnet vonstatten geht und dass alles planmäßig, in vollkommener Weise und ohne alle Schwierigkeiten bewerkstelligt wird. Er überlässt alle Mühen und Sorgen dem Gesetz des Königs und zieht in ganzer, unbeschwerter Heiterkeit Nutzen aus all den Köstlichkeiten dieses paradiesesgleichen Gartens. Gestützt auf die Güte des Königs und die Schönheit Seiner Verwaltungsvorschriften betrachtet er alle Dinge als angenehm und verbringt sein Leben in vollendeter

Köstlichkeit und Glückseligkeit. So verstehe denn nun dieses Geheimnis

مَنْ اٰمَنَ بِالْقَدَرِ اَمِنَ مِنَ الْكَدَرِ

{"Wer an die göttliche Vorherbestimmung glaubt und vertraut, ist geborgen und frei von allen Sorgen."}

Vierter Abschnitt:

Wenn du sagst: "Im ersten Abschnitt hast du bewiesen, dass alle Dinge der göttlichen Vorherbestimmung schön und gut sind. Selbst das Böse, das aus ihm erwächst, ist gut. Auch das Hässliche ist schön. Doch im Hause dieser Welt widerlegen Katastrophen und Heimsuchungen diesen Urteilsspruch.",

so lautet die Antwort:

Oh meine Seele! Du mein Freund, der du aus einem starken Mitgefühl einen heftigen Schmerz empfindest! Alles Dasein ist reine Güte und Nicht-Sein reine Bosheit. Beweis dafür ist, dass alle Güte und jegliche Vollkommenheit (Grund und Basis in ihrem Da- und) Vorhandensein haben, alle Sünden, alles Leid und alle Unvollkommenheiten hingegen ihren Grund in einem Mangel haben.

Denn Mangel und Nichtsein ist nun einmal das reine Böse. Zustände, die auf ein Nichtsein hinauslaufen, oder das Gefühl eines Mangels hinterlassen, haben gleichfalls das Böse zu ihrem Inhalt. Darum findet das Leben, jenes strahlendste Licht des Daseins, kreisend in den verschiedenen Umständen, seine Kraft. Es tritt in unterschiedliche Zustände ein, wird gereinigt, nimmt zahlreiche Eigenschaften an, bringt die ersehnten Früchte, nimmt zahlreiche Stufen ein und zeigt auf schöne Weise die Ornamente der Namen (Gottes), des Spenders des Lebens. So ist es denn diese Tatsache, dass einige Zustände sich unerwartet einstellen und die Lebewesen mit Schmerzen, Leiden, Mühen und Heimsuchungen überfallen, wobei in ihrem Leben die Lichter des Daseins erneuert werden, die Finsternis des Nichtseins sich absondert und das Leben gereinigt wird. Denn: Stillstand, Ruhe und Schweigen, Trägheit und Müßiggang, Ruhepausen, Eintönigkeit

und Langeweile sind ihrer Beschaffenheit nach und entsprechend ihrem Zustand eine Art von Negation, Mangel oder Abwesenheit. Sogar das größte Vergnügen wird durch Eintönigkeit wieder zunichte.

Zusammenfassung:

Da das Leben nun einmal die Ornamente der Schönen Namen (Gottes) aufweist, sind auch alle Dinge, die im Leben geschehen können, schön und gut. Z.B.: Da kleidet eine Persönlichkeit, die außerordentlich reich, in unendlichem Maße geschickt und in vielen Künsten erfahren ist, einen ganz gewöhnlichen armen Menschen, der ihm als Modell dienen soll, für eine Stunde und gegen Bezahlung mit einem juwelengeschmückten, künstlerisch gestalteten Gewand, das er verfertigt hat, um sein Kunstwerk vorzuführen und zugleich auch seine beachtliche Wohlhabenheit darzustellen. Er bearbeitet es an ihm, modelliert und verändert es. Auch schneidet, verändert, verlängert, verkürzt er daran, um jegliche Art seiner Kunstfertigkeit zum Ausdruck zu bringen. Wird nun aber etwa jener arme Tagelöhner zu dieser Persönlichkeit sagen: "Sie belästigen mich. Sie lassen mich verschiedene Haltungen annehmen, mich auf und nieder beugen. Du schneidest an meinem Gewand herum, das mich schmückt, verkürzt es und verdirbst mir meine Schönheit!"? Kann man (einem solchen Menschen) recht geben? Darf er denn sagen: "Du handelst unbarmherzig und ungerecht."? So verändert denn gleich ihm auch der Schöpfer in Seiner Herrlichkeit, der Erschaffer ohne Gleichen unter vielen Umständen das Gewand unserer Existenz, mit dem Er die Lebewesen bekleidet, geschmückt mit Augen, Ohren, Herz und Verstand, mit seinen äußerlichen Sinnen und innerlichen Feinheiten, um so die Ornamente Seiner Schönen Namen vorzuführen. Er verändert sie unter vielen verschiedenen Umständen. In den Vorfällen von Schmerz und Leid finden sich, um die starke Auswirkung einiger Seiner Namen aufzuzeigen, Strahlen Göttlicher Barmherzigkeit in diesem Blitz Göttlicher Weisheit und in diesen Strahlen Göttlicher Barmherzigkeit feine innere Schönheiten.

Schlusswort

Es sind fünf Abschnitte, die die eigensinnige, hochmütige, selbstgefällige, scheinheilige Begierde des Alten Said zum Schweigen bringen und zur Ergebenheit in Gottes Willen zwingen.

Erster Abschnitt:

Da die Dinge nun einmal vorhanden sind und kunstvoll erscheinen, haben sie mit Sicherheit ihren Meister. Bereits im Zweiundzwanzigsten Wort wurde unwiderlegbar bewiesen: Wenn nicht alle Dinge dem Einen gehören und von Ihm erschaffen sein sollten, dann würde die Entstehung jedes einzelnen Dinges so kompliziert und schwer sein wie die Entstehung aller Dinge. Wenn alle Dinge dem Einen gehören und von Ihm erschaffen sein sollten, dann wird die Entstehung aller Dinge dermaßen einfach und leicht sein wie die Entstehung jedes einzelnen Dinges. Da jemand die Erde und den Himmel geschaffen und aufgebaut hat, wird dieser äußerst weisheitsvolle und kunstfertige Jemand sicherlich nicht zulassen, dass die Lebewesen, die die Früchte, die Ergebnisse und die Ziele der Erde und des Himmels sind, anderen gehören, und er wird somit das ganze Konzept nicht durcheinander bringen. Er wird sie nicht in die Hände anderer übergeben, und somit alle Seine weisheitsvollen Taten nicht für sinnlos erklären, sie gering achten und entwerten. Er wird nicht zulassen, dass sie ihre Dankbarkeit und ihre Anbetung anderen erweisen.

Zweiter Abschnitt:

Oh, du meine stolze Seele! Du gleichst einem Weinstock. Rühme dich nicht, Weintrauben hat dieser Stock sich nicht selbst aufgehängt. Ein anderer hat sie an ihn gehängt.

Dritter Abschnitt:

Oh, du meine scheinheilige Seele! Sei nicht stolz, indem du sagst: "Ich habe dem Glauben gedient."

اِنَّ اللَّهَ لَيُؤَيِّدُ هٰذَا الدِّينَ بِالرَّجُلِ الْفَاجِرِ

{"Wahrlich, Gott vermag diesen Glauben auch durch einen schuldbeladenen Mann zu verstärken."}

Gemäß diesem Geheimnis sollst du dich als jenen schuldbeladenen Mann sehen, weil deine Seele nicht gereinigt ist. Deinen Dienst und deine Anbetung sieh als einen Dank für die vorher erhaltenen Gaben, als deine naturgegebene Aufgabe, als deine Verpflichtung der Schöpfung gegenüber und als eine Frucht göttlichen Schaffens und Wirkens an. So hüte dich auf diese Weise vor Hochmut und Scheinheiligkeit.

Vierter Abschnitt:

Wenn du dir das Wissen über die Wahrheit und die wahrhaftige Bedeutung der Wahrheit wünschst, so strenge dich an, die Erkenntnis Gottes des Gerechten zu erwerben. Alle Wahrheiten der Existenzen sind Lichter des Gottesnamens "der Wahre", Erscheinungen der Gottesnamen und Ausstrahlungen Seiner Eigenschaften. Die Wahrheit eines jeden Dinges, ob es körperlich oder geistig, essentiell oder akzidentiell existiert, und die Wahrheit eines jeden Menschen stützt sich auf das Licht eines jeden Gottesnamens und dessen Wahrheit. Anderenfalls sind die Dinge und die Menschen wahrheitslose und bedeutungslose Gestalten.

Am Schluss des "Zwanzigsten Wortes" wurde dieses Geheimnis ein wenig behandelt. Oh Seele! Wenn du dieses irdische Leben so sehr liebst und dich vor dem Tod versteckst, wisse mit Sicherheit: Das, was du dir als Leben vorstellst, besteht nur aus einer einzigen Minute, in der du dich befindest! Deine ganze Zeit vor dieser Minute und alle weltlichen Dinge, die in diesem Zeitabschnitt vorhanden waren, sind in dieser Minute tot und leblos. Deine ganze Zeit nach dieser Minute und alles, was darin sein wird, ist abwesend und nichtig. Materielles Leben, auf das du dich verlässt, besteht nur aus einer einzigen Minute. Ein Teil der Forscher hat sogar gesagt: "Es besteht nur aus einer einzigen Sekunde, ja vielmehr aus einem einzigen Augenzwinkern." Aus diesem Geheimnis heraus haben manche Gottesfreunde (Heilige) ihr Urteil über die Welt gesprochen, dass die Welt hinsichtlich ihres irdischen Daseins nicht existent ist. Lass daher das materielle Leben der Begierde hinter dir, schwinge dich

auf die Lebensstufe des Herzens, des Geistes und der meditativen Wahrnehmung empor und betrachte, wie umfassend ihr Lebensbereich ist. Die Vergangenheit und die Zukunft, die für dich tot sind, bedeuten für sie "das Leben", sind lebendig und existent.

Oh, du meine Seele! Da es nun einmal so ist, weine auch du wie es mein Herz tut und schreie und sage:

"Ich bin ein Vergänglicher und mag nicht das Vergängliche. Ich bin schwach und mag nicht das Schwache. Ich übergab meinen Geist dem Gnädigen, sonstiges mag ich nicht. Doch ich mag etwas, was ich aber mag, ist ein bleibender Geliebter. Zwar bin ich ein Stäubchen, ich mag aber eine immerwährende Sonne. Ich bin ja ein Nichts in Nichts. Ich mag aber die ganze Schöpfung im Ganzen."

Fünfter Abschnitt:

Dieser Abschnitt wurde mir arabisch eingegeben und so ist er auch hier arabisch angeführt. Ferner ist dieser arabische Abschnitt ein Hinweis auf eine einzige Stufe von dreiunddreißig Stufen, die im Gedenken von "Allahu Ekber" (Gott ist groß) zum Nachdenken anregen.

اَللَّهُ اَكْبَرُ اِذْ هُوَ الْقَدِيرُ الْعَلِيمُ الْحَكِيمُ الْكَرِيمُ الرَّحِيمُ الْجَمِيلُ النَّقَّاشُ اْلاَزَلِىُّ الَّذِى مَاحَقِيقَةُ هٰذِهِ الْكَآئِنَاتِ كُلاًّ وَجُزْءاً وَصَحَآئِفَ وَطَبَقَاتٍ، وَمَا حَقَآئِقُ هٰذِهِ الْمَوْجُودَاتِ كُلِّيّاً وَجُزْئِيّاً وَوُجوُدًا وَبَقَآءً اِلاَّ خُطُوطُ قَلَمِ قَضَآئِهِ وَقَدَرِهِ، وَتنْظِيمِهِ وَتقْدِيرِهِ بِعِلْمٍ وَحِكْمَةٍ، وَنُقُوشُ پَرْكَارِ عِلْمِهِ وَحِكْمَتِهِ وَتصْوِيرِهِ وَتدْبِيرِهِ بِصُنْعٍ وَعِنَايَةٍ وَتزْيِينَاتُ يَدِ بَيْضَآءِ صُنْعِهِ وَعِنَايَتِهِ وَتَزْيِينِهِ وَتَنْوِيرِهِ بِلُطْفٍ وَكَرَمٍ، وَاَزَاهِيرُ لَطَآئِفِ لُطْفِهِ وَكَرَمِهِ وَتَوَدُّدِهِ وَتَعَرُّفِهِ بِرَحْمَةٍ وَنِعْمَةٍ، وَثَمَرَاتُ فَيَّاضِ رَحْمَتِهِ وَنِعْمَتِهِ وَتَرَحُّمِهِ وَتَحَنُّنِهِ بِجَمَالٍ وَكَمَالٍ وَلَمَعَاتُ وَتَجَلِّيَاتُ جَمَالِهِ وَكَمَالِهِ بِشَهَادَاتِ تَفَانِيَةِ الْمَرَايَا وَسَيَّالِيَةِ الْمَظَاهِرِ مَعَ بَقَاءِ الْجَمَالِ الْمُجَرَّدِ السَّرْمَدِىِّ الدَّآئِمِ التَّجَلِّى وَالظُّهُورِ عَلٰى مَرِّ الْفُصُولِ وَالْعُصُورِ وَالدُّهُورِ وَدَآئِمِ

اْلاَنَامِ وَاْلاَيَّامِ وَاْلاَعْوَامِ نَعَمْ فَاْلاَثَرُ الْمُكَمَّلُ يَدُلُّ ذَا عَقْلٍ عَلَى الْفِعْلِ الْمُكَمَّلِ ثُمَّ الْفِعْلُ الْمُكَمَّلُ يَدُلُّ ذَا فَهْمٍ عَلَى اْلاِسْمِ الْمُكَمَّلِ ثُمَّ اْلاِسْمُ الْمُكَمَّلُ يَدُلُّ بِالْبَدَاهَةِ عَلَى الْوَصْفِ الْمُكَمَّلِ، ثُمَّ الْوَصْفُ الْمُكَمَّلُ يَدُلُّ بِالضَّرُورَةِ عَلَى الشَّأْنِ الْمُكَمَّلِ ثُمَّ الشَّأْنُ الْمُكَمَّلُ يَدُلُّ بِالْيَقِينِ عَلٰى كَمَالِ الذَّاتِ بِمَا يَلِيقُ بِالذَّاتِ وَهُوَ الْحَقُّ الْيَقِينِ نَعَمْ تَفَانِى الْمِرْاٰةِ زَوَالُ الْمَوْجُودَاتِ مَعَ التَّجَلِّى الدَّآئِمِ مَعَ الْفَيْضِ الْمُلاَزِمِ مِنْ اَظْهَرِ الظَّوَاهِرِ اَنَّ الْجَمَالَ الظَّاهِرَ لَيْسَ مُلْكُ الْمَظَاهِرِ مِنْ اَفْصَحِ تِبْيَانٍ مِنْ اَوْضَحِ بُرْهَانٍ لِلْجَمَالِ الْمُجَرَّدِ ِلـْلاِحْسَانِ الْمُجَدَّدِ لِلْوَاجِبِ الْوُجُودِ لِلْباَقِى الْوَدُودِ ٭ اَللّٰهُمَّ صَلِّ عَلٰى سَيِّدِنَا مُحَمَّدٍ مِنَ اْلاَزَلِ اِلَى اْلاَبَدِ عَدَدَ مَافِى عِلْمِ اللَّهِ وَعَلٰٓى اٰلِهِ وَصَحْبِهِ وَسَلِّمْ

{"Gott ist groß! Er ist der Allmächtige, der Allwissende, der Allweise, der Freigebige, der Barmherzige, der Gütige, der Designer, der Ewige. Was ist das Universum in Wirklichkeit, als eine Ganzheit und in seinen Teilen, (dieses kosmische Buch mit seinen) Seiten, seinen Abschnitten, was ist das Sein als Ganzes und in seinen Teilen, in seiner zeitlichen und ewigen Existenz anderes, denn der Pinselstrich Seiner Vorausschau, Seiner Anordnungen und Bestimmungen und deren Erfüllung in Allwissenheit und Weisheit, ein fehlerfreier Entwurf entsprechend Seiner Allwissenheit und Weisheit, Gestaltung und Verwaltung entsprechend Seiner Kunstfertigkeit und Seiner Güte, das Design der goldenen Hände Seiner Kunstfertigkeit und Seiner Güte, das Design von Seiner Erleuchtung, (die Er schenkt) in Güte und Freigiebigkeit; und die Blumen (anderes, denn ein Ausdruck) der Feinsinnigkeit Seiner Güte und Freigiebigkeit, (Sein Wunsch), sich bekannt zu machen und geliebt zu werden nach Seinem Erbarmen und Seiner Gnade; und die Früchte (anderes, denn ein Ausdruck) der Fülle Seines Erbarmens und Seiner Gnade, Seines Mitleids und Seines Erbarmens nach Seiner Schönheit, Vollkommenheit, Funken und Erscheinungsweisen Seiner Schönheit und Vollkommenheit durch das Zeugnis der Vergänglichkeit (allen Seins als) Spiegel im Dahinschwinden aller Orte und Erscheinungen, die Beständigkeit dieser transzendenten ewigen Schönheit, ihre beständige Manifestation, ihr Aufscheinen im Wechsel der Jahreszeiten, der Jahrhunderte, der Äonen, der fortdauernde Gnadenerweis, während die Geschöpfe und ihre Tage und alle Völker dahinschwinden?" "In der Tat verweist dieses vollkommene Werk einen jeden Verständigen auf eine präzise Arbeit und diese verweist einen jeden, der vernünftig ist, auf dessen rechten Namen (und Titel) und diese verweisen auf die Vollkommenheit Seiner Eigenschaften, und diese verweisen auf die Vollkommenheit Seiner inneren Haltung, und diese verweist mit absoluter Sicherheit auf die Vollkommenheit Seiner Selbst, so wie es Seinem Wesen entspricht; und das ist die absolute Wahrheit." "Die Vergänglichkeit des Spiegels (was das Universum ist) und der (letztendliche) Untergang allen Seins, während (das Urbild) sich ständig wieder neu manifestiert und damit notwendigerweise den Spiegel (immer wieder neu) widerspiegelt ist in der Tat der eindeutigste Beweis, dass die offensichtliche Schönheit (der Schöpfung) nicht Bestandteil ihres Erscheinungsortes sein kann. Dies ist die beredteste Aussage und der klarste Beweis einer transzendenten Schönheit und sich stets erneuernden Güte, (ein Beweis) für den Notwendig Seienden, den Beständigen, den (Ewigen) Freund." "Oh Gott, schenke Deinen Frieden unserem Herrn Mohammed von Ewigkeit zu Ewigkeit nach der Zahl der Dinge, welche die göttliche Allwissenheit umfasst, Ihm, Seiner Familie und Seinen Gefährten und segne sie!"}

Anhang

بِسْمِ اللَّهِ الرَّحْمَنِ الرَّحِيمِ

{"Im Namen Gottes, des Erbarmers, des Barmherzigen."}

Dieser kleine Anhang ist von großer Bedeutung. Jeder kann daraus seinen Nutzen ziehen.

Es gibt viele Wege, die zu Gott dem Gerechten führen. Alle wahrhaftigen Wege sind aus dem Qur'an entnommen. Aber manche dieser Wege sind kürzer als andere, noch sicherer, noch umfassender. Hier handelt es sich um den Weg "Schwäche, Armseligkeit, selbstlose Liebe und Nachdenken", den ich neben anderen durch meinen Verstand in meiner Wenigkeit aus dem Qur'an herausgefunden habe. Ja, die Schwäche ist auch ein Weg wie die Liebe (ashk),ja sogar ist sie noch sicherer: Dank des Weges des Gottesdienstes führt sie hin, bis man Geliebter Gottes wird. Die Armseligkeit führt auch zu dem Namen Gottes "der Erbarmer (Rahman)".Ferner ist die selbstlose Liebe ein Weg wie die Liebe (ashk),ja sogar noch schärfer und noch umfassender. Er führt zu dem Namen Gottes "der Barmherzige (Rahim)".Ferner ist das Nachdenken auch ein Weg wie die Liebe (ashk),ja sogar noch reicher, noch glänzender und noch umfassender. Er führt zu dem Namen Gottes "der Weise (Hakim)".Dieser Weg besteht nicht aus zehn Schritten, die man auf dem esoterischen Weg als "Zehn Feinheiten" nennt, oder nicht Schritte auf sieben Stufen, die man auf dem exoterischen Weg als "Sieben Seelen" bezeichnet, sondern vielmehr besteht er aus "vier Schritten". Er ist mehr als Mystik, er ist die Erkenntnis der Wahrheit. Er ist die Scharia, der Weg der Gebote Gottes. Man soll nicht falsch verstehen: Das heißt, dass man seine Schwäche, Armseligkeit und Fehler Gott dem Gerechten gegenüber erkennt.

Das heißt nicht, dass man sie vorführt oder den Leuten zur Schau stellt. Die Gebete (evrad)dieses kurzen Weges sind: Dem Vorbild des Propheten folgen, die Pflichtgebote einhalten, die großen Sünden verlassen und besonders die Pflichtgebete vorschriftgetreu (ta'dil-i erkan)verrichten und an deren Ende die besonderen Rezitationen (tesbihat)vollziehen.

Auf den ersten Schritt weist die Ayah

فَلاَ تُزَكُّوٓا اَنْفُسَكُمْ

{"Erklärt euch nicht selbst für rein!" (Sure 53, 32)}

hin. Auf den zweiten Schritt weist die Ayah

وَلاَ تَكُونُوا كَالَّذِينَ نَسُوا اللَّهَ فَاَنْسٰيهُمْ اَنْفُسَهُمْ

{"Und seid nicht wie diejenigen, die Gott vergessen haben, worauf Er sie sich selber vergessen ließ." (Sure 59, 19)}

hin. Auf den dritten Schritt weist die Ayah:

مَآ اَصَابَكَ مِنْ حَسَنَةٍ فَمِنَ اللَّهِ وَمَآ اَصَابَكَ مِنْ سَيِّئَةٍ فَمِنْ نَفْسِكَ

{"Was dich an Gutem trifft, kommt von Gott, was dich an Schlimmen trifft, von dir selbst." (Sure 4, 79)}

hin. Auf den vierten Schritt weist die Ayah

كُلُّ شَىْءٍ هَاِلكٌ اِلاَّ وَجْهَهُ

{"Alles ist dem Untergang geweiht, nur Er (wörtlich: Sein Antlitz) nicht." (Sure 28, 88)}

hin. Eine kurze Erläuterung zu diesen vier Schritten ist folgende:

Erster Schritt:

Man soll sich nicht für geläutert halten, wie die Ayah

فَلاَ تُزَكُّوٓا اَنْفُسَكُمْ

{"Erklärt euch nicht selbst für rein!" (Sure 53, 32)}

hinweist.

Denn der Mensch liebt von seinem Wesen und seiner Veranlagung her sich selbst. Ja vielmehr liebt er an erster Stelle und direkt sein Wesen. Er opfert alles andere seinem Selbst. Er lobt sich selbst auf einer Art, wie es dem Angebeteten gebührt. Er erklärt sich selbst von schändlichen Handlungen frei und spricht sich frei, wie dies dem Angebeteten zukommt. Soweit wie möglich hält er sich nicht als geeignet für Fehler und er nimmt sie nicht an. Er verteidigt sich heftig in der Art einer Selbstverehrung. Sogar verwendet er die Anlagen und Fähigkeiten, die seinem Wesen anvertraut sind und ihm dazu verliehen wurden, um den wahren Angebeteten zu loben und zu preisen, für sich selbst. So erfährt er das Geheimnis von

مَنِ اتَّخَذَ اِلٰهَهُ هَوٰيهُ

{"Einem, der seine persönliche Neigung sich zu seinem Gott gemacht hat." (Sure 25, 43)}

Er sieht sich selbst, er vertraut auf sich selbst, er gefällt sich selbst. So ist auf dieser Stufe und in diesem Schritt die Läuterung und Reinigung der Seele, dass man sich nicht für geläutert und gereinigt hält.

Zweiter Schritt:

Wie die Ayah

وَلاَ تَكُونُوا كَالَّذِينَ نَسُوا اللَّهَ فَاَنْسٰيهُمْ اَنْفُسَهُمْ

{"Und seid nicht wie diejenigen, die Gott vergessen haben, worauf Er sie sich selber vergessen ließ." (Sure 59, 19)}

diesen Unterricht erteilt: Er hat sich selbst vergessen, er hat keine Ahnung von sich selbst. Denkt er an den Tod, so gibt er ihn den anderen. Sieht er das Vergehen und den Untergang, so will er sie nicht auf sich beziehen. Wo es um Mühe und Dienst geht, so vergisst er sich, aber wo es um die Belohnung und um die Freude geht, denkt er an sich selbst und bezieht es sehr stark auf sich. Das ist charakteristisch für eine eigenwillige Seele. An dieser Stelle wird sie geläutert, gereinigt und wohlerzogen durch

das Gegenteil dieser Haltung. Das heißt, wo die Seele sich vergessen will, soll man sie nicht vergessen. Das heißt, man soll sich vergessen, wo es um Freude und Wünsche geht, und an sich denken, wenn es sich um Tod und Dienst (hizmet)handelt.

Dritter Schritt:

Wie die Ayah

مَآ اَصَابَكَ مِنْ حَسَنَةٍ فَمِنَ اللَّهِ وَمَآ اَصَابَكَ مِنْ سَيِّئَةٍ فَمِنْ نَفْسِكَ

{"Was dich an Gutem trifft, kommt von Gott, was dich an Schlimmen trifft, von dir selber." (Sure 4, 79)}

diesen Unterricht erteilt: Die Besonderheit der Seele ist es, das Gute sich selbst zu vermachen und darauf stolz und hochmütig zu sein. In diesem Schritt soll man bei seiner Seele nur Fehler, Mängel, Schwäche und Armseligkeit erkennen und verstehen, dass alle Schönheiten und Vollkommenheiten Geschenke sind, die von dem majestätischen Schöpfer gegeben wurden. Man soll an der Stelle von Stolz Gott danken (shukr)und an der Stelle von Selbstruhm Gott loben (hamd).Auf dieser Stufe ist ihre Läuterung nach dem Geheimnis

قَدْ اَفْلَحَ مَنْ زَكّٰيهَا

{"Wohl ergeht es dem, der sie von sich aus rein hält." (Sure 91, 9)}

folgendes: Man soll seine Vollkommenheit in seiner Unvollkommenheit, seine Macht in seiner Schwäche, und sein Reichtum in seiner Armseligkeit wissen.

Vierter Schritt:

Wie die Ayah

كُلُّ شَىْءٍ هَاِلكٌ اِلاَّ وَجْهَهُ

{"Alles ist dem Untergang geweiht, nur Er (wörtlich: Sein Antlitz) nicht." (Sure 28, 88)}

diesen Unterricht erteilt: Die Seele hält sich für frei und selbständig und unabhängig existent. Daher beansprucht sie eine Art Herrschaft. Sie ist ihrem Angebeteten gegenüber feindselig und aufständisch gesinnt.

Sie kann sich so davor retten, indem sie diese folgende Wahrheit begreift. Die Wahrheit ist folgendermaßen: Jedes Ding ist in seinem Wesen, wenn man es aus sich selbst heraus sinnvoll betrachtet, vergänglich, nicht vorhanden, eine Eingebung und nicht existent. Aber wenn man es wie ein Verhältniswort in der Grammatik betrachtet und dass es als ein Spiegel für die Namen des majestätischen Schöpfers dient und beauftragt ist, so ist es ein Zeuge, ein Bezeugter, es hat einen Körper und es existiert. An dieser Stelle ist ihre Läuterung und Reinigung folgendermaßen: In ihrer Anwesenheit (vudjud)ist sie abwesend (adem)und in ihrer Abwesenheit (adem)ist die anwesend (vudjud).Das heißt: Wenn sie sich für etwas hält und denkt, sie würde selbständig existieren, so sitzt sie in einer dermaßen großen Finsternis der Abwesenheit im Umfang des ganzen Kosmos. Das heißt, wenn sie auf ihre persönliche Existenz vertraut und Denjenigen, der sie in Wahrheit ins Dasein brachte, vergisst, so liegt sie wie ein Leuchtkäfer mit einem persönlichen Licht im Körper in grenzenloser Finsternis der Abwesenheit und der Trennungen. So ertrinkt sie. Wenn sie aber den Egoismus verlässt und einsieht, dass sie persönlich nichts ist und nur ein Spiegelbild dessen, der alles in Wahrheit erschafft, da gewinnt sie die ganze Schöpfung und einen grenzenlosen Körper. Denn derjenige, der den Herrn, den Notwendigseienden findet, dessen Namen in allen Schöpfungen in Erscheinung treten, findet alles.

Schlusswort

Die Erklärung dieser vier Schritte von dem Weg "der Erkenntnis der eigenen Schwäche (adjz),Armseligkeit (fakr),selbstlosen Liebe (shefqat)und des Nachdenkens (tefekkur)"findet sich in den sechsundzwanzig Worten, die für das Erkennen der Wahrheit, für die Wahrheit der Scharia, des Weges der Gesetzgebung, und über die Weisheit des Qur'an verfasst wurden. Hier wollen wir auf ein, zwei Punkte nur kurz hinweisen. Es ist dies wie folgt:

In der Tat ist dieser Weg noch kürzer. Denn er besteht aus vier Schritten. Wenn die Schwäche (adjz)die Hand der Begierde von der Seele wegnimmt, schreibt die Seele alles unmittelbar auf Gott den Allmächtigen, den Majestätischen (Qadir-i Dhu l-Djelal)zu. Stattdessen lässt die Liebe (ashk),die als wirksamer Weg betrachtet wird, die Hand der Begierde von der Seele wegziehen, so hält sich die Seele dennoch an einer irdischen Geliebten (mashuk-u medjazi)fest. Nachdem sie ihren Untergang erfahren hat, richtet sie sich nach dem wahren Geliebten (Mahbub-u Haqiqi).Ferner ist dieser Weg noch sicherer. Denn auf diesem Weg kann die Seele nicht in einen geistigen Rausch verfallen und keine überheblichen Ansprüche erheben. Denn man sieht in der eigenen Seele nichts anderes als Schwäche, Armseligkeit und Fehler, sodass man überheblich werden könnte. Ferner ist dieser Weg noch umfassender und eine große Straße (djadd-i kubra).Denn, auf diesem Weg wird nicht gedacht, dass die Welt zum Nichtsein verurteilt ist, wie die Leute "der Einheitslehre des Seins (ehl-i vahdet-ul vudjud)"tun, um ständig mit der Gegenwart Gottes zu leben, und muss nicht urteilen: "La maudjuda illa hu(Es gibt nichts Existentes außer Ihm.)" Oder man muss sich nicht wie die Leute der "Einheitslehre der Bezeugten (ehl-i vahdet-us shuhud)"vorstellen, dass die Welt in die Haft der absoluten Vergessenheit verurteilt ist, und sagen "La mashhuda illa hu(Es gibt nichts Bezeugtes außer Ihm.)", um ständig mit der Gegenwart Gottes leben zu können. Vielmehr, da der Qur'an der Welt ganz eindeutig ihr Nichtsein und ihre Haft erlässt, richtet sich unser Weg auch dementsprechend.

Er entbindet alle Existenzen vom Dienst auf eigene Rechnung und stellt sie auf die Rechnung des majestätischen Schöpfers (Fatir-i Dhu l-Djelal)in Dienst. Dieser Weg setzt die Existenzen ein, im Auftrag als Erscheinungsort und Spiegel für die Schönen Namen Gottes zu dienen, und er betrachtet sie wie ein Verhältniswort zu seinem Substantiv, dem Schöpfer. Auf diesem Weg kann man sich vor der absoluten Gottvergessenheit retten, in die ständige Gegenwart Gottes eintreten und in jedem Ding einen Weg zu Gott dem Gerechten finden.

Zusammenfassung:

Hier handelt es sich darum, die Dinge vom Dienst auf die eigene Rechnung zu entbinden und sie nicht von sich aus als sinnvoll zu betrachten.

Siebenundzwanzigstes Wort

Eine Abhandlung über "Persönliche Meinungsfindung (Idjtihad)"

{Idjtihad: Anstrengung; das Ergebnis einer Bemühung eines Rechtsgelehrten unter Heranziehen der Rechtsquellen, die Lösung einer Rechtsfrage herbeizuführen. (A.d.Ü.)}

(Eine Frage, die ich vor fünf, sechs Jahren in einer Abhandlung auf arabisch über Idjtihad verfasst hatte, wurde hier auf Wunsch zweier meiner Mitbrüder geschrieben. Diese Frage über Idjtihad soll denjenigen, der seine Grenzen überschreitet, auf seine Grenzen verweisen.)

بِسْمِ اللَّهِ الرَّحْمَنِ الرَّحِيمِ ٭ وَلَوْ رَدُّوهُ اِلَى الرَّسُولِ وَاِلٰٓى اُولِى اْلاَمْرِ مِنْهُمْ لَعَلِمَهُ الَّذِينَ يَسْتَنْبِطُونَهُ مِنْهُمْ

{"Im Namen Allahs, des Erbarmers, des Barmherzigen. Wenn sie es jedoch vor den Gesandten und vor diejenigen von ihnen bringen würden, die zu befehlen haben, würden diejenigen von ihnen es wissen, die der Sache wirklich nachgehen können." (Sure 4, 83)}

Das Tor der Idjtihad ist zwar offen, aber es gibt in dieser Zeit"sechs Hindernisse"um hindurch zu gehen.

Erstens:

So wie im Winter, einer Zeit heftiger Stürme, auch die kleinsten Löcher abgedichtet werden, wäre es keineswegs vernünftig, neue Tore zu öffnen. Ferner bestünde die Gefahr, zu ertrinken, schlüge man Löcher in die Wände, während draußen eine gewaltige Sturmflut wütet, um sie zu reparieren. Genauso ist es ein Verbrechen am Islam, in dieser Zeit, wo die Verbote Gottes unbeachtet bleiben, in der Ära, wo unislamische Gebräuche eindringen,

in der Periode, wo abzulehnende Erneuerungen im Übermaß auftreten und Irrlehren Zerstörungen anrichten, unter der Bezeichnung "Idjtihad"aus dem Schloss "Islam"heraus neue Tore nach draußen zu öffnen, und in seine Wände Löcher zu schlagen, die den Zerstörern Einlass gewähren.

Zweitens:

Was die beiden unabänderlichen Rechtsquellen (Qur'an und Sunna)im Glauben betrifft, so kann die Idjtihad sie nicht berühren. Denn sie sind endgültig und festgesetzt. Ferner sind diese Grundlagen lebensnotwendig wie Nahrungsmittel und Nährstoffe. Sie bleiben heute unbeachtet und werden erschüttert. Man soll heute die ganze Begeisterung und Anstrengung für deren Aufrichtung und Belebung aufwenden. Darüber hinaus sind die Lehrmeinungen aus den beiden anderen Rechtsquellen

{idjma und qiyas : Übereinstimmung der islamischen Gemeinde und Analogieschluss der Rechtsgelehrten. (A.d.Ü.)}

des Islam bekannt, die die vorherigen Rechtsgelehrten durch ihre reine und aufrichtige Idjtihad erstellt hatten und die für die Bedürfnisse jeder Zeit nicht begrenzt sind. Sie zu übersehen und sich nach Lust und Laune neue Idjtihadzu bilden, ist ein ketzerisches (bid'a)Verbrechen.

Drittens:

Je nach Jahreszeit ist auf dem Markt das Verlangen nach einer bestimmten Sache groß. Von Zeit zu Zeit wird je eine Ware marktgängig. Genauso findet in dem Ausstellungsort der Welt, auf dem Markt des gesellschaftlichen Lebens und der Zivilisation der Menschen in jedem Jahrhundert je eine Sache ihren Anklang. Auf den Straßen, das heißt, auf den Märkten werden diese Dinge ausgestellt und das Interesse daran geweckt. Die Augen wenden sich ihnen zu und die Gedanken beschäftigen sich mit ihnen. Zum Beispiel stehen in dieser Zeit politische Dinge, die Absicherung des weltlichen Lebens und das Interesse für Naturwissenschaft und Philosophie im Vordergrund. In dem vorausgegangenen Zeitalter der "Reinen" (selef-i salihin= die erste und zweite Schülergeneration)

und auf dem Markt jener Zeit war die beliebteste Sache das, womit der Schöpfer der Himmel und der Erde mit uns zufrieden wird, und was Er von uns verlangt, aus Seinen Worten herauszufinden und die Mittel zu beschaffen, die die ewige Glückseligkeit in der jenseitigen Welt erwerben lassen, welche durch das Licht des Prophetentums und des Qur'an dermaßen weit geöffnet wurden, um sie niemals mehr wieder zu schließen.

Da in jener Zeit die Gedanken, Herzen und Gemüter mit all ihrer Kraft daraufhin ausgerichtet waren, Wünsche des Herrn der Erde und des Himmels zu erkennen, waren auch die Unterhaltungen, Gespräche, Geschehnisse und Zustände im Alltagsleben der Menschen dementsprechend. Und da alle Dinge in dieser Richtung ihren Lauf nahmen, konnte jeder, der dafür empfänglich war, auf schönste Weise in seinem Herzen und seiner Natur entsprechend von jedem Ding unbewusst eine Lehre, die ihm Erkenntnis brachte, empfangen. Er bildete sich durch die Zustände, Ereignisse und Gespräche, die in jener Zeit abliefen. Als wäre jedes Ding ein Lehrer für ihn, dient alles durch seine Beschaffenheit und seine Natur als Vorbereitung für seine Idjtihad. Dieser natürliche Unterricht war sogar ein solches Licht, dass jeder fast ohne Anstrengung die Fähigkeit zu seiner Idjtihad besaß, gleich einem Licht, das sich beinahe wie von selbst entzündete.

So erlebte, wer dafür empfänglich war und auf diese Weise einen natürlichen Unterricht empfangen hatte, das Geheimnis des "Licht über Licht" und konnte schnell und in kurzer Zeit einen eigenen Kommentar finden, sobald er begann, sich seine Idjtihad zu erarbeiten, da seine Fähigkeit schon gleichsam der Bereitschaft eines Streichholzes entsprach.

In dieser Zeit sind aber infolge der Vorherrschaft der europäischen Kultur, ihrer Naturwissenschaften mit ihrer Aufdringlichkeit und die erschwerten Lebensbedingungen auf Erden die Herzen und Gedanken (der Menschen) zerstreut, ihre Opferbereitschaft und Güte gespalten. Der spirituelle Bereich (maneviyat)ist in ihrer Gedankenwelt zu einem Fremdkörper geworden.

Aus diesem Grund braucht jemand in unserer Zeit zehnfach mehr Zeit, um zu seiner Idjtihad zu gelangen, als zum Beispiel Sufyan ibn Uyaina,ein Exeget, der schon in seinem vierten Lebensjahr den ganzen Qur'an auswendig konnte und mit Gelehrten wissenschaftliche Dispute führte, und das selbst bei einer in etwa vergleichbaren Intelligenz! Benötigte also Sufyan noch zehn Jahre, um zu seiner Idjtihad zu gelangen, so benötigt dieser Mann nun hundert Jahre, um (die gleiche innere Reife) zu erlangen. Denn für Sufyan begann der Prozess der Selbstfindung ganz natürlich bereits im frühesten Alter der Selbstentdeckung. Allmählich entwickelten sich seine Fähigkeiten, entfaltete sich ein inneres Licht, begann er von all überall seine Lehren zu empfangen und (in der steten Bereitschaft und Entflammbarkeit seines Geistes) einem Streichholz gleich zu werden.

Was aber seinen Vetter in heutiger Zeit betrifft, so ertrinken seine Gedanken in der Philosophie, verliert sich sein Verstand in der Politik, berauscht sich sein Herz im irdischen Leben und er verliert die natürliche Fähigkeit zur Idjtihad. Er hat im Grade seiner intensiven Beschäftigung mit den modernen Wissenschaften mit Sicherheit die Fähigkeit zu der Idjtihad,Gesetze (aus dem Qur'an ableiten zu können) verloren und bleibt im Grade seiner vielseitigen Bildung in den weltlichen Wissenschaften hinter der Annahme der Idjtihad(eines aus dem Qur'an abgeleiteten Gesetzes) zurück. Deswegen kann er nicht sagen: "Ich bin genauso klug wie er. Warum sollte ich ihm nicht gleich sein." Er hat kein Recht so zu sagen und er kann ihm auch nicht gleich kommen.

Viertens:

Jedem Ding wohnt eine Tendenz inne, sich zu entfalten, damit es wachsen und gedeihen kann. Diese Tendenz, sich zu entfalten, dient, da sie von innen heraus wächst, der Vervollkommnung dieses Dinges und seiner Anlagen. Wenn aber diese Tendenz, sich zu entfalten, von außen angreifen würde, so hieße das, die Haut des Körpers zu zerreißen und zu zerstören und

wäre dies keine Entfaltung. Ebenso entspricht es der Vervollkommnung, ist es Vollkommenheit, wenn solche, die, wie die Selef-i Salihin durch die Türe der vollkommenen Gottesfurcht und auf dem Weg der Befolgung Pflichten des Glaubens in das Gebäude des Islam eingetreten sind, die Neigung in sich verspüren, sich zu entfalten und den Willen zur Idjtihad haben.

Wenn aber anderenfalls dieses Bedürfnis, sich zu entfalten und dieser Wille, seinen eigenen Platz (im Leben) zu finden, von Leuten kommt, die aufgegeben haben, ihren Verpflichtungen nachzukommen, die das irdische Leben dem jenseitigen Leben vorziehen und von der materialistischen Philosophie besudelt sind, so heißt das, den Islamkörper zu zerstören und ist ein Mittel, die Kette des Gesetzes von ihrem Hals zu streifen.

Fünftens:

Die drei (nachstehenden) Standpunkte verkehren die Idjtihad in heutiger Zeit ins Irdische, lösen sie aus ihrer himmlischen (Verankerung) heraus. Es ist aber die Scharia vom Himmel (herabgekommen) und auch die Idjtihad des Gesetzes ist im Himmel (verankert), da sie die verborgenen Gesetze des Himmels entschleiert.

Erstens:

Die Weisheit hinter einer Bestimmung ist das eine, ihre Begründung das andere. Was die Weisheit und Zweckmäßigkeit betrifft, so begründen sie die Prioritäten, sind aber nicht der eigentliche Anlass zu einem Tun oder einem Unterlassen. Was aber die Begründung betrifft, so ist sie der eigentliche Anlass zu der Inkraftsetzung dieser Prioritäten. Zum Beispiel wird das Gebet auf Reisen gekürzt und werden nur zwei Rekat verrichtet. Die Begründung für diese Erlaubnis im Gesetz ist die Reise, die Weisheit dahinter aber liegt in den Anstrengungen (der Reise). Wird eine Reise unternommen und ist diese mit gar keiner Anstrengung verbunden, wird trotzdem das Gebet verkürzt. Denn die Begründung dafür ist gegeben. Wird jedoch keine Reise unternommen, sind aber hunderterlei Anstrengungen gegeben, fehlt eine Begründung für die Verkürzung des Gebetes. Nun stellt die Betrachtungsweise dieser Zeit aber, im Gegensatz zu dieser Tatsache,

Zweckmäßigkeit und Weisheit an die Stelle einer (stichhaltigen) Begründung und bestimmt dementsprechend. Eine solche Idjtihadentspringt mit Sicherheit einer diesseitigen (weltlichen Gesinnung) und ist nicht jenseitig (himmlisch begründet).

Zweitens:

Das Auge unserer Zeit ist hauptsächlich und vor allem auf irdisches Glück gerichtet. Auf dieses hin sind die Gesetze (unserer Zeit) ausgerichtet. Was hingegen das Auge der Scharia betrifft, so ist es hauptsächlich und vor allem auf das jenseitigen Glück gerichtet. Erst in zweiter Linie betrachtet es das irdische Glück und zwar als Mittel zum jenseitigen Glück. Das heißt, dass der Geist der Scharia dem Auge dieser Zeit fremd ist. Weil dies aber so ist, kann (sein Blick) nicht im Namen der Scharia zu einer Idjtihad hin führen.

Drittens:

Es ist der Grundsatz اِنَّ الضَّرُورَاتِ تُبِيحُ الْمَحْظُورَاتِ das heißt: "Eine Zwangslage hebt, was haram ist, auf die Stufe des helal."Dieser Grundsatz ist aber nicht allgemeingültig. Wenn eine Zwangslage nicht durch einen verbotenen (haram)Weg zu Stande gekommen ist, so kann sie der Grund dazu sein, helal etwas zu machen, was haram ist. Wenn eine Zwangslage aber durch den Missbrauch der Handlungsfreiheit, durch (islamisch)illegale Gründe zu Stande gekommen ist, kann sie, was haram ist, nicht helal machen. Sie kann nicht zum Anlass dafür dienen, etwas rechtlich zu genehmigen, eine Entschuldigung darzustellen. Wenn zum Beispiel ein Mann seine Handlungsfreiheit missbraucht und sich in verbotener (haram)Weise betrinkt, so wird ihm alles Schlechte, das er in diesem Zustand begeht, nach (Meinung) der islamischen Rechtsgelehrten zur Last gelegt. Er wird nicht entschuldigt. Wenn er sich (in diesem Zustand) scheidet, gilt diese Scheidung und wenn er ein Verbrechen begeht, so wird er bestraft.

Aber wenn sein Rauschzustand nicht durch den Missbrauch seiner Handlungsfreiheit zu Stande gekommen ist, so wird die Scheidung nicht rechtskräftig, bzw. er wird nicht bestraft.

Zum Beispielkann einer, der von der Trunksucht befallen ist, nicht sagen "Es ist eine Zwangslage, es ist mir gebilligt," auch wenn er im Grade einer Zwangslage davon abhängig ist. So gibt es denn in heutiger Zeit viele Situationen, die bereits den Grad einer Zwangslage erreicht zu haben scheinen, in der die Menschen gefangen sind und ihnen wie ein allgemeines Unglück vorkommen. Da diese durch den Missbrauch der Entscheidungsfreiheit aus (im Islam) nicht erlaubten Neigungen und aus verbotenen (haram)Handlungen herrühren, können sie kein Anlass zur Billigung (der Ausnahmezustände im islamischen Gesetz) sein und das Verbotene (haram)nicht als Erlaubtes (helal)geltend machen. Weil aber dahingegen die Leute (ehl-i Idjtihad)ihre Zwangslage zur Basis (ihrer Auslegung) der islamischen Gesetze machen, ist ihre Idjtihad erdgebunden, willkürlich, philosophisch, kann nicht himmlischen (Ursprungs) sein und entspricht nicht dem islamischen Recht. Indessen handelt es sich in Wirklichkeit um die Verfügung über die Gesetze Gottes, des Schöpfers der Himmel und der Erde und um eine Einmischung in Glaube und Gottesdienst Seiner Anbeter. Dergleichen Verfügungen und Einmischungen sind abzulehnen, insoweit es dazu keine vom Schöpfer autorisierte Erlaubnis gibt.

Aus zwei Gründen halten es manche Gottvergessenen für schön, wenn einige Kennzeichen des Islam (sheair-i Islamiye),wie die Freitagspredigt (Hutbe)vom Arabischen gelöst und in der Sprache jedes Volkes gehalten wird.

Erster Grund:

"Durch diese Weise soll die heutige Politik auch dem muslimischen Volk verständlich gemacht werden." Was aber die heutige Politik betrifft, so ist in sie so viel Lug und Trug und Teufelswerk hineingeraten, dass sie bereits als Einflüsterung des Teufels gelten kann. Weil jedoch die Kanzel (minber)in der Tat ein Platz (maqam)ist, welcher der Verkündigung der göttlichen

Offenbarungen (: Qur'an)geweiht ist, haben jene Einflüsterungen der Politiker kein Recht, zu diesen hohen Maqam emporzusteigen.

Zweiter Grund:

"Die Freitagspredigt (Hutbe)ist dazu da, aus einigen qur'anischen Suren Rat zu geben und auszulegen." Wenn das islamische Volk in der Tat die Pflichten, die allgemein bekannten Gesetze und Gebote des Islam in Mehrheit befolgt und in die Praxis umgesetzt hätte, dann könnte man vielleicht die Hutbe in der geläufigen Sprache halten und die Übersetzungen der qur'anischen Suren (wenn es möglich wäre)

{(*): Das Fünfundzwanzigste Wort, eine Abhandlung über das Wunder des Qur'an, zeigt, dass eine wahre (d.h. den Geist des Qur'an reflektierende) Übersetzung unmöglich ist.}

gutheißen, sodass die Theorien in der islamischen Gesetzgebung und die feinsinnigen Themen und verborgenen Ratschläge (noch besser) verstanden würden.

Aber heutzutage werden Pflichten, wie das Gebet (namaz),die Almosensteuer (zekat),und das Fasten (orudj)und Verbote wie Mord, Unzucht und Alkohol, die allbekannten feststehenden Gesetze des Islam, vernachlässigt. Das einfache Volk braucht keinen Unterrichtet über die Gebote und Verbote (Gottes). Es braucht vielmehr die Ermunterung und Ermahnung, die sie an diese heiligen Gesetze wieder erinnert. Die Menschen haben eine Ader für den Islam und ein Gefühl für den Glauben und bedürfen der Anregung, der Erinnerung und der Ermunterung zu ihrer Beobachtung. Ein ungebildeter Mensch kann, wie unwissend er auch sein mag, aus dem Qur'an und der arabisch gehaltenen Predigt folgende kurze Bedeutung entnehmen. "Der Prediger und der Hafis (Qur'anrezitator) gemahnt an die Pfeiler des Glaubens und die Grundlagen des Islam, welche allen und so auch mir bekannt sind, unterrichtet sie uns und trägt sie uns vor." So sagt er und es entsteht in seinem Herzen eine Begeisterung für sie. Welche Worte gibt es etwa im Kosmos, die den wunderbaren und allgemeinverständlichen Ermahnungen,

Wiederholungen und Ermunterungen des Weisen Qur'an, der von dem gewaltigen Thron Gottes herabgekommen ist, gleichwertig sein könnten?

Sechstens:

Die großen Exegeten unter den Selef-i Salihin lebten noch kurz nach dem Zeitalter der Gefährten des Propheten Mohammed, dem Zeitalter des Lichtes und dem Zeitalter der Wahrheit, konnten reines Licht empfangen und sich in Aufrichtigkeit ihre Idjtihad bilden. Was die Leute (ehl-i Idjtihad)heutiger Zeit betrifft, so schauen sie hinter dermaßen vielen Schleiern und aus einer weiten Entfernung in das Buch der Wahrheit, sodass sie selbst noch den am deutlichsten (sichtbaren) Buchstaben kaum mehr erkennen können.

Wenn du sagst:

Die Sahabis sind auch nur Menschen und können nicht frei von Fehlern und Gegensätzen sein. Die Quelle ihrer Idjtihad und der Urteile über die islamischen Gesetze sind die Rechtschaffenheit und Aufrichtigkeit der Gefährten des Propheten, sodass die Umma (islamische Gemeinde) übereinstimmend sagt: "Die Sahabis sind in allen Dingen rechtschaffen und sprechen die Wahrheit."

Antwort:

In der Tat liebten die Sahabis in vollkommener Übereinstimmung das Recht, verlangten nach Aufrichtigkeit und sehnten sich nach Gerechtigkeit. Denn die Hässlichkeit allen Luges und Truges wurde in all ihrer Hässlichkeit und die Schönheit der Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit in all ihrer Schönheit so deutlich gezeigt, dass die Entfernung zwischen ihnen so groß war wie die zwischen dem Thron Gottes und der Erde. Zwischen ihnen erkannte man einen so großen Unterschied wie den, welcher zwischen der Stufe eines Müseylime Kezzab (: des Lügners), jener alleruntersten Stufe (Esfel-i Safilin)und der Stufe der Aufrichtigkeit des verehrten Propheten, mit dem Friede und Segen sei, jener höchsten Stufe besteht. In der Tat war das, was Müseylime zum Niedrigsten aller Niedrigen hinabstürzen ließ, die Lüge, wohingegen die Aufrichtigkeit und Ehrlichkeit Mohammeds den Vertrauten, mit dem Friede und Segen sei, zum Ehrenwertesten aller Ehrenwerten emporsteigen ließ.

So ist es denn sicher und gewiss, zwangsläufig und ohne Zweifel, dass die Sahabis in der Erhabenheit ihrer Gefühle und ihrer Hochachtung ethischer Schönheit, erleuchtet durch die lichtvolle Unterhaltung mit der Sonne des Prophetentums, ihre Hände bewusst nicht nach dem Müllhandel mit der Lüge und Müseylimes Täuschung ausstreckten, welche so hässlich und der Grund zu seinem Sturz war. Sie schreckten vor der Lüge, einem Freund des Unglaubens, zurück, so wie sie vor dem Unglauben zurückschreckten und verlangten mit Bestimmtheit nach Ehrlichkeit, Aufrichtigkeit und Rechtmäßigkeit, die so schön sind, (ein Grundstein) für Stolz und Ruhm und eine Leiter, um darauf emporzusteigen, fortzuschreiten, und die unter den hohen Schätzen, die der Stolz des Prophetentums sind, am meisten gefragt sind und durch den Glanz ihrer Schönheit dem menschlichen Zusammenleben ihr Licht verleihen, insbesondere bei der Überlieferung und Verkündigung der Bestimmungen der islamischen Gesetzgebung. Daran hielten sie sich von ganzem Herzen. Im Gegensatz dazu hat sich der Abstand zwischen Lüge und Recht in dieser Zeit so sehr verkürzt, dass sie nun sozusagen Schulter an Schulter stehen. Man geht ganz leicht von der Wahrheit zur Unwahrheit hinüber. Selbst in der Politik gibt man einer verlogenen Propaganda vor der Aufrichtigkeit den Vorzug. Wenn also nun in einem Laden minderwertige Ware zusammen mit erlesenstem Schmuck zum selben Preis verkauft wird, so wird sicherlich der Brillant der Aufrichtigkeit und Rechtmäßigkeit, ein Juwel der Wahrheit von sehr hohem Wert, im Vertrauen auf die Kenntnis und das Wort des Verkäufers blindlings nicht gekauft.

Schlusswort

Entsprechend den Jahrhunderten ändern sich die Gesetze. Es können sogar in einem Jahrhundert verschiedene Gesetze und Propheten für verschiedene Völker kommen und sind sie auch gekommen. Nach dem Siegel der Propheten waren unterschiedliche Gesetze nicht mehr nötig, da die große Gesetzgebung, die er brachte, in jedem Jahrhundert für jedes Volk ausreichte. Aber in Einzelheiten waren in gewissem Grade verschiedene Schulen nötig. Mit der Änderung der Jahreszeiten ändert sich auch die Kleidung. Je nach Temperament ändern sich ja die Medikamente. Genauso ändern sich die Gesetze je nach Zeitalter. Je nach den Fähigkeiten der Völker verändern sich die Anwendungen ihrer Gesetze. Denn in den Einzelheiten richten sich die Anwendungen der Gesetze nach den Haltungen der Menschen. Dementsprechend kommen sie und werden zu Heilmitteln. In den Zeiten der vorausgegangenen Propheten waren die Schichten der Menschen voneinander weit entfernt und ihre Art in gewissem Grade grob und ungestüm. Von ihren Vorstellungen her waren sie primitiv und standen dem Nomadenleben nahe. Daher kamen in ihrer Zeit unterschiedliche Gesetze, die ihrer Haltung entsprachen. Wir hören sogar, dass sich auf einem Festland in demselben Zeitalter verschiedene Propheten und Gesetze befanden. Mit der Ankunft des Propheten der Endzeit waren verschiedene Gesetze nicht mehr nötig, da die Menschen von der Stufe einer Grundschule zu der Stufe eines Gymnasiums fortgeschritten waren. Durch viele Umwälzungen und Vermischungen gelangten die Völker der Menschheit zu einer Reife, in der sie einen einzigen Unterricht bekommen, auf einen einzigen Lehrer hören und mit einer einzigen Gesetzgebung leben konnten. Danach wurden auch verschiedene Lehrer nicht für nötig gehalten. Da sie aber ein gleiches Niveau nicht vollständig erreichten und sich nicht eine gleiche gesellschaftliche Lebensweise übergestreift hatten, kamen verschiedene Rechtsschulen hervor.

Wenn die absolute Mehrheit der Menschen, wie die Studenten einer Hochschule, die selbe gesellschaftliche Lebensweise überziehen könnten, ein gleiches Niveau erreichten, dann könnte man die Rechtsschulen vereinen. Aber da der Umstand der Welt diesen Zustand nicht zulässt, können auch die Rechtsschulen nicht eins werden.

Wenn du sagst:

Es kann nur eins richtig sein. Wie können verschiedene Bestimmungen solcher vier, sogar zwölf Rechtsschulen richtig sein?

Antwort:

Ein und dasselbe Wasser bekommt fünf Bestimmungen für fünf verschiedene Kranke. Es ist dies folgendermaßen:

Für den einen ist das Wasser ein Medikament je nach Art der Krankheit. Medizinisch ist es Vadjib(Pflicht). Für einen anderen aber ist es wegen seiner Krankheit so schädlich wie Gift. Medizinisch ist es für ihn Haram(verboten). Für einen anderen schadet es aber wenig. Medizinisch ist das Wasser für ihn Mekruh(unerwünscht). Für einen anderen nutzt es ohne Schaden. Medizinisch ist es für ihn Sunnah(Nachfolge des Propheten). Für einen anderen ist das Wasser weder schädlich noch nützlich. Er mag es mit Genuss trinken. Für ihn ist es Mubah(wünschenswert). Das Richtige hat sich hier ausgebreitet. Alle fünf Fälle sind recht. Kannst du sagen, dass das Wasser nur ein Heilmittel ist, nur Vadjib(Pflicht) ist und keine andere Bestimmung hat?

Genauso wie dieses erscheinen die Gesetze Gottes in den Rechtsschulen entsprechend denjenigen, die sie befolgen, durch die Leitung der göttlichen Weisheit anders. Alle diese verschiedenen Variationen sind recht und richtig. Jede Variation wird auch richtig und passt der Sache. Zum Beispiel steht durch die Billigung der Weisheit Gottes die Mehrheit derjenigen, die Imam Shafi'i folgen, im Vergleich zu den Hanefiten den Dorfbewohnern und den Nomaden näher. Bei ihnen fehlt das gesellschaftliche Leben, das die Gemeinschaft zu einem einzigen Körper macht. Daher betet jeder die Sure Fatiha im Gebet hinter dem Vorbeter (flüsternd) für sich mit,

damit jeder für sich vor der Schwelle dessen, der alle Bedürfnisse befriedigt, seine Angelegenheit gesagt und seine persönlichen Wünsche geäußert hat.

So ist es gerecht und entspricht der lauteren Weisheit, was diejenigen, die Imam A'zam folgen, betrifft, so stehen sie in Anbetracht der absoluten Mehrheit dem kulturellen Leben, den Stadtbewohnern, noch näher und sind für ein gesellschaftliches Leben fähig, da die meisten islamischen Regierungen diese Rechtsschule bevorzugten. Eine Gemeinschaft verkörpert sich in einer einzelnen Person und ein einziger Mann spricht im Namen aller. Die Allgemeinheit bestätigt ihn innerlich und knüpft mit ihm eine herzliche Verbindung und es gilt sein Wort als das Wort der Allgemeinheit. Daher wird nach Hanefitischer Rechtsschule hinter dem Vorbeter keine Fatiha(flüsternd) mit gebetet. Nicht mitzusprechen ist vollkommen richtig und entspricht der lauteren Weisheit.

Noch ein Beispiel:

Da die Scharia, die islamische Gesetzgebung, nun einmal die eigenwillige Seele erzieht, errichtet sie vor den Überschreitungen der Temperamente eine Sperrmauer. Mit Sicherheit wird nach der shafi'itischen Rechtsschule, deren überwiegende Gefolgschaft Bauern und Halbnomaden und einfache Arbeiter sind, "durch die Berührung einer Frau deren Abdest(rituelle Waschung) ungültig. Schon ein wenig Unreinheit ist schädlich." Nach der Hanefitischen Rechtsschule, der die Menschen folgen, die in der Überzahl ein gesellschaftliches Leben führen und eine halbzivilisierte Form zeigen, "macht die Berührung einer Frau den Abdest(rituelle Waschung) nicht ungültig. Ein wenig Unreinheit wird gebilligt."

Nun wollen wir einen einfachen Arbeiter mit einem Herrn vergleichen. Ein Arbeiter kann wegen der Art, in der er sich seinen Lebensunterhalt verdient, mit fremden Frauen Umgang haben, und mit ihnen in Berührung kommen, sich um einen Herd zusammensetzen und schmutzige Arbeit verrichten. Dabei kann in seinem Berufsleben und (im Erwerb) seines Lebensunterhaltes sein Temperament

und seine herrschsüchtige Seele eine freie Bahn erspähen und ihre Grenzen überschreiten. Darum lässt die Scharia in seinem inneren Ohr ein Echo vom Himmel klingen, um gegen seine Überschreitung eine Sperrmauer zu errichten, in dem sie über ihn bestimmt: "Der Abdest(rituelle Waschung) wird ungültig, meide den Berührungskontakt! Mach dich nicht schmutzig, es macht dein Gebet ungültig!" Was aber einen Herrn betrifft, der ehrenhaft sein soll, so braucht er wegen der gesellschaftlichen Sitten und im Namen der allgemeinen Moral mit fremden Frauen keinen Umgang zu haben. Aus der Verpflichtung zur Sauberkeit als ein Zivilisierter muss er nicht in diesem Grade schmutzige Arbeiten verrichten. Darum verhält sich die Scharia durch die Hanefitische Rechtsschule ihm gegenüber nicht heftig und streng. Sie zeigt ihm die Richtung der Billigung und macht es ihm leichter. "Wenn deine Hand mit einer Frau in Berührung gekommen ist, wird dein Abdest nicht ungültig. Es ist dir nicht nachteilig, wenn du dich nach einer Schmutzarbeit vor den Menschen schämst und dich nicht wäschst. Ein wenig Unreinheit wird gebilligt." So sagt sie ihm und rettet ihn vor dem Zweifel.

Hier sind als Beispiel für dich zwei Tropfen aus dem Meer... Vergleiche diese mit anderen. Mit (Hilfe des Buches) "Scharanis Waage" kannst du die Maße der Scharia auf diese Weise messen, wenn du dazu imstande bist.

سُبْحَانَكَ لاَعِلْمَ لَنآَ اِلاَّ مَاعَلَّمْتَنَآ اِنَّكَ اَنْتَ الْعَلِيمُ الْحَكِيمُ

{"Gepriesen seist Du! Wir haben kein Wissen, außerdem, was Du uns gelehrt hast. Denn Du bist der Allwissende, der Allweise." (Sure 2, 32)}

اَللّٰهُمَّ صَلِّ وَسَلِّمْ عَلٰى مَنْ تَمَثَّلَ فِيهِ اَنْوَارُ مَحَبَّتِكَ لِجَمَالِ صِفَاتِكَ وَاَسْمَآئِكَ بِكَوْنِهِ مِرْاٰةً جَامِعَةً لِتَجَلِّيَاتِ اَسْمَآئِكَ الْحُسْنٰى، وَمَنْ تَمَرْكَزَ فِيهِ شُعَاعَاتُ مَحَبَّتِكَ لِصَنْعَتِكَ فِى مَصْنُوعَاتِكَ بِكَوْنِهِ اَكْمَلَ وَاَبْدَعَ مَصْنُوعَاتِكَ، وَصَيْرُورَتِهِ اَنْمُوذَجَ

كَمَالاَتِ صَنْعَتِكَ، وَفِهْرِسْتَةَ مَحَاسِنِ نُقُوشِكَ وَمَنْ تَظَاهَرَ فِيهِ لَطَآئِفُ مَحَبَّتِكَ وَرَغْبَتِكَ ِلاِسْتِحْسَانِ صَنْعَتِكَ بِكَوْنِهِ اَعْلٰى دَلاَّلِى مَحَاسِنِ صَنْعَتِكَ وَاَرْفَعَ الْمُسْتَحْسِنِينَ صَوْتاً فِى اِعْلاَنِ حُسْنِ نُقُوشِكَ وَاَبْدَعَهُمْ نَعْتًا لِكَمَالاَتِ صَنْعَتِكَ وَمَنْ تَجَمَّعَ فِيهِ اَقْسَامُ مَحَبَّتِكَ وَاِسْتِحْسَانِكَ لِمَحَاسِنِ اَخْلاَقِ مَخْلُوقَاتِكَ وَلطَآئِفِ اَوْصَافِ مَصْنوُعَاتِكَ بِكَوْنِهِ جَامِعًا لِمَحَاسِنِ اْلاَخْلاَقِ كَافَّةً بِاِحْسَانِكَ وَلطَآئِفِ اْلاَوْصَافِ قَاطِبَةً بِفَضْلِكَ. وَمَنْ صَارَ مِصْدَاقًا صَادِقًا وَمِقْياَسًا فَائِقًا لِجَمِيعِ مَنْ ذَكَرْتَ فِى فُرْقاَنِكَ اِنَّكَ تُحِبُّهُمْ مِنَ الْمُحْسِنِينَ وَالصَّابِرِينَ وَالْمُؤْمِنِينَ وَالْمُتَّقِينَ وَالتَّوَّابِينَ وَاْلاَوَّابِينَ وَجَمِيعِ اْلاَصْناَفِ الَّذِينَ اَحْبَبْتَهُمْ وَشَرَّفْتَهُمْ بِمَحَبَّتِكَ فِى فُرْقَانِكَ حَتَّى صَارَ اِمَامَ الْحَبِيبِينَ لَكَ وَسَيِّدَ الْمَحْبوُبِينَ لَكَ وَرَئِيسَ اَوِدَّائِكَ وَعَلٰٓى اٰلِهِ وَاَصْحَابِهِ وَاِخْوَانِهِ اَجْمَعِينَ اٰمِينَ بِرَحْمَتِكَ يَا اَرْحَمَ الرَّاحِمِينَ

{"Oh Gott schenke Frieden und Segen dem, der in sich ein umfassender Spiegel der Erscheinung Deiner Schönen Namen ist und in dem so die Lichter Deiner Liebe zur Schönheit Deiner Eigenschaften und Deiner Namen erschienen sind. Da er das vollkommenste und wunderbarste unter Deinen Geschöpfen ist, so ist er auch der, in dem sich die Lichter Deiner Liebe zu der Kunstfertigkeit konzentrieren, die in Deinen Kunstwerken zum Ausdruck kommen. Er ist das Inhaltsverzeichnis der Schönheiten Deiner Ornamente und ein Musterbeispiel Deiner vollkommenen Kunstwerke. Da er durch seine Eigenschaften der wunderbarste in der Vollkommenheit Deiner Werke ist und der mit lauter Stimme die Schönheit Deiner Ornamente bekannt gibt und sie bewundert und als öffentlicher Ausrufer der Schönheit dient, die Du in Deinen Geschöpfen zeigst, kommen in ihm die Feinheiten Deiner Liebe zu Deinen Kunstwerken zum Ausdruck. Er besitzt mit Deinem Segen (fadl) alle anmutigen Eigenschaften und durch deine Gastfreundschaft (ikram) alle guten Sitten. In ihm vereinigen sich daher alle Arten Deiner Güte (ihsan) und Deiner Liebe. Er wurde ein hohes, ein treffendes Beispiel und ein Vorbild für alle Guten, Geduldigen, Gläubigen, Gottesfürchtigen, Reumütigen und Bekehrten, die Du im Qur'an erwähnst und die Du liebst, und alle Arten des Seins, die gelebt haben und die Du durch Deine Liebe geehrt hast. Er wurde sogar zum Bannerträger (imam) all derer, die Dich lieben und zu einem Meister aller von Dir Geliebten und das Oberhaupt Deiner Freunde. Ihm, seiner Familie, seiner Gefährten und allen Propheten, die seine Brüder sind, tausendmal Friede und Segen! Amen. Oh Barmherziger aller Barmherzigen!"}

Anhang zum Siebenundzwanzigsten Wort

Dieser Anhang handelt von den Sahabis (Gefährten des Propheten)

Ich sage wie auch Maulana Djami gesagt hat:

يَا رَسُولَ اللَّهَ چِه بَاشَدْ چُونْ سَگِ اَصْحَابِ كَهْف دَاخِلِ جَنّتْ شَوَمْ دَرْ زُمْرَهءِ اَصْحَابِ تُو اُو رَوَدْ دَرْجَنَّتْ مَنْ دَرْ جَهَنَّمَ كَىْ رَوَاسْت اُو سَگِ اَصْحَابِ كَهْف مَنْ سَگِ اَصْحاَبْ تُو

{"Wie könnte es denn sein, dass ich nicht ins Paradies gehen sollte, so wie auch der Hund der Ashab-i Kehf (: die Siebenschläfer) mit der Schar Deiner Ashab (: die Sahabis). Wie könnte das sein? Sollte denn er ins Paradies kommen, ich aber zur Hölle fahren? Er war der Hund der Ashab-i Kehf. Ich aber bin der Hund Deiner Ashab."}

بِاسْمِهِ سُبْحَانَهُ ٭ وَاِنْ مِنْ شَىْءٍ اِلاَّ يُسَبِّحُ بِحَمْدِهِ ٭ بِسْمِ اللَّهِ الرَّحْمَنِ الرَّحِيمِ ٭ مُحَمَّدٌ رَسُولُ اللَّهِ وَالَّذِينَ مَعَهُ اَشِدَّآءُ عَلَى الْكُفَّارِ رُحَمَآءُ بَيْنَهُمْ

{"Im Namen des Gepriesenen. Und fürwahr, es gibt kein Ding, das nicht lobend Ihn preist." "Im Namen Allahs, des Erbarmes, des Barmherzigen. Mohammed ist der Gesandte Gottes, und diejenigen, die mit ihm gläubig sind, sind den Ungläubigen gegenüber heftig, unter sich aber mitfühlend. Und so weiter bis zum Ende der Ayah." (Sure 48, 29)}

Eine Frage, die ihr stellt:

In manchen Überlieferungen heißt es: "In einer Zeit, in der ketzerische Erneuerungen Anklang finden, kann ein Teil der Reinen (: Heiligen) unter den Gläubigen und Gottesfürchtigen auf der Stufe der Gefährten des Propheten stehen oder selbst noch auf einer höheren." Es gibt solche Überlieferungen. Sind diese Überlieferungen echt? Wenn sie aber echt sind, welche Wahrheit steht dann dahinter?

Antwort:

Nach den Gesandten Gottes sind die Sahabis die edelsten des menschlichen Geschlechtes. Dafür ist die Übereinstimmung der Schule derer, die dem Vorbild des Propheten und seiner Gemeinde folgen, ein sicheres Zeugnis. Die echten unter diesen Überlieferungen handeln von den persönlichen Vorzügen. Denn einer, dem ein anderer (wegen seiner inneren Haltung) vorgezogen wird, kann wegen seiner besonderen Fähigkeiten oder hinsichtlich einer persönlichen Vollkommenheit bevorzugt werden. In Wirklichkeit können die Sahabis, die besonders hervorgehoben werden, weil der Herr sie am Ende der Sure al-Fathlobend erwähnt, und die das Lob und den Preis der Thora, des Evangeliums und des Qur'an erfuhren, hinsichtlich ihrer grundlegenden Vorzüge nicht erreicht werden. Unter sehr vielen Gründen und Weisheiten dieser Wahrheit wollen wir hier nur drei Weisheiten erklären, die drei Gründe beinhalten.

Erstens, Eine Weisheit:

Das Gespräch mit dem Propheten war ein solches Elixier, dass einer, der es nur eine einzige Minute genoss, zu den Lichtern der Wahrheit gelangte, statt jahrelang auf dem geistigen Wege voranzuschreiten. Denn im Gespräch (sohbet)fand eine Angleichung, eine Widerspiegelung statt. Es ist ja bekannt, dass man durch Widerspiegelung und Befolgung dieses Großen Lichtes des Prophetentums auf eine Stufe von so gewaltiger Höhe emporsteigen kann. Ebenso kann der Diener eines Kaisers in seinem Dienst zu einer solch hohen Stellung emporsteigen, wie sie ein (Stammes) König nicht erreichen kann.

Es ist aufgrund dieses Geheimnisses, dass auch die bedeutendsten Gottesfreunde nicht den Rang eines Sahabis erlangen können. Selbst Gottesfreunde wie Djelale d-din al-Suyuti, der im wachen Zustand vielmals das Gespräch mit dem Propheten genossen hatte, konnten trotzdem nicht den Sahabis gleich kommen, auch wenn sie mit dem ehrenwerten Gesandten, mit dem Friede und Segen sei, in wachem Zustand zusammengetroffen waren und in dieser Welt durch ein Gespräch mit ihm geehrt worden waren.

Denn das Gespräch, das die Sahabis erlebten, hatte im Lichte des Prophetentums Mohammeds stattgefunden, mit dem Friede und Segen sei. Das heißt: sie hatten sich mit ihm als dem Gesandten Gottes unterhalten.

Was die Gottesfreunde betrifft, so erlebten sie ein Gespräch im Lichte der Gottesfreundschaft Ahmeds (Mohammeds), mit dem Friede und Segen sei, wenn sie den ehrwürdigen Gesandten, mit dem Friede und Segen sei, nach seinem Tod getroffen hatten. Wenn also der ehrwürdige Gesandte, mit dem Friede und Segen sei, vor ihren Augen Gestalt angenommen hatte, ihnen erschienen war, so geschah das unter dem Aspekt der Gottesfreundschaft Ahmeds (Mohammeds), mit dem Friede und Segen sei, nicht aber im Lichte seines Prophetentums. In Anbetracht dieser Tatsache ergibt es sich, dass sich diese beiden Gespräche so voneinander unterschieden, wie die Höhe der Stufe eines Gottesgesandten von der Stufe eines Gottesfreundes.

Was für ein lichtausstrahlendes Elixier das Gespräch mit dem Propheten war, wird verständlich, wenn ein Beduine, der so brutal und hartherzig war, dass er seine Tochter lebendig begraben konnte, zu dem Propheten kam und dieser ihn mit einem einstündigen Gespräch beehrte und dadurch eine so barmherzige Liebe empfing, dass er noch nicht einmal mit seinem Fuß auf eine Ameise treten konnte. Des Weiteren nahm ein unwissender wilder Mann einen ganzen Tag an dem Gespräch mit dem Propheten teil; dann ging er in Länder wie China oder Indien und diente dortigen kultivierten Völkern als Lehrer der Wahrheit und Wegweiser zur Vollkommenheit.

Zweitens, Ein Grund:

Wie in dem Kapitel über Idjtihad aus dem "Siebenundzwanzigsten Wort" erklärt und bewiesen wurde, stehen die Sahabis(Gefährten des Propheten) in absoluter Mehrheit auf der höchsten Stufe der menschlichen Vollendung.

Denn in jener Zeit, in der die gewaltige Umwandlung durch den Islam zu Stande kam, wurden das Gute und das Wahre mit all ihren Schönheiten und das Böse und das Wahnhafte mit all seinen Hässlichkeiten erkannt und greifbar empfunden. Zwischen dem Bösen und dem Guten war eine so große Trennung und zwischen der Lüge und der Wahrhaftigkeit eine solch weite Entfernung zu Stande gekommen, wie zwischen dem Unglauben und dem Glauben, ja beide Seiten waren soweit entfernt wie die Hölle und das Paradies. Der öffentliche Ausrufer der Lüge, der Bosheit und des Irrtums war Müseylime, der Lügner, und seine Worte waren die eines Clowns. Mit Sicherheit haben die Sahabis, die von ihrem Wesen her erhabene Gefühle trugen, sich für eine Moral begeisterten und auf Ehre und Ruf großen Wert legten, nicht willentlich ihre Hände nach der Lüge und Bosheit ausgestreckt, um nicht auf die Stufe von Müseylime hinab zu stürzen.

Die Charakterzüge der Gefährten des Propheten verlangten danach, die höchsten Höhen der Vollkommenheit des Gottesgeliebten, mit dem Friede und Segen sei, der der öffentliche Ausrufer und ein Vorbild für Richtigkeit, Wohltat und Wahrheit war, zu betrachten und mit all ihrer Kraft und Begeisterung in diese Richtung zu laufen. Zum Beispiel geschieht es manchmal, dass die Menschen manche Dinge, die auf dem Markt der Kultur der Menschheit und in den Geschäften des gesellschaftlichen Lebens der Menschen fürchterliche Folgen und hässliche Spuren hinterlassen und wie ein tödliches Gift wirken, nicht kaufen, sondern sich sogar davor ekeln und mit aller Kraft davor weglaufen. Manche Gegenstände und geistige Dinge haben schöne Wirkungen und gute Werke

zur Folge, die wie ein erquickender Heiltrank und wie ein Brillant die interessierten Blicke aller Menschen auf sich ziehen. Jeder will sie kaufen, soweit es ihm möglich ist. Genauso brachten Dinge, wie Lüge, Bosheit und Unglaube auf dem Markt des gesellschaftlichen Lebens der Menschen im Zeitalter der Glückseligkeit Ergebnisse, wie ewige Qual und gemeine Maskeraden, wie bei Müseylime, dem Lügner, zu Stande.

Daher ist es klar, dass die Sahabis, die sich für edle Eigenschaften und hohe Werte begeisterten, davor wie vor einem tödlichen Gift davonliefen und sie hassten. Es war unausbleiblich, dass es unter den Gefährten des Propheten, die von ihrem Wesen her rein und deren Charaktereigenschaften erhaben waren, aus ihrem ganzen Herzen, aus ganzer Seele und allen ihren Kräften eine große Nachfrage und ein heftiges Verlangen nach der Wahrheit und Wahrhaftigkeit und dem Glauben gab, was Ergebnisse, wie ewige Glückseligkeit hervor brachte und leuchtende Früchte, wie den ehrenwerten Gottesgesandten, mit dem Friede und Segen sei.

Nach jener Zeit verkürzte sich aber allmählich und immer mehr die Entfernung zwischen Wahrheit und Lüge, bis sie Schulter an Schulter standen. Es begann damit, dass beide im selben Geschäft verkauft wurden und auch die gesellschaftliche Ethik zerstört wurde. In der politischen Propaganda wurde die Lüge gut gehegt. Ja wie könnte es sich denn in einer Zeit, in der die abscheuliche Hässlichkeit der Lüge getarnt bleibt und in der die prächtige Schönheit der Wahrheit nicht zum Vorschein kommt, einer zutrauen, die Kraft, die Standhaftigkeit und die Gottesfurcht der Gefährten des Propheten in ihrer Gerechtigkeit, in ihrer Ehrlichkeit, in ihrer Erhabenheit und Wahrhaftigkeit erreichen zu wollen oder gar diese Stufe noch zu übersteigen. Hier möchte ich etwas erklären, was ich erlebt habe und was die oben erwähnte Angelegenheit gewissermaßen einigermaßen erhellt. Es ist dies wie folgt:

Da kam mir einmal der Gedanke, wie kommt es eigentlich, dass eine so außerordentliche Persönlichkeit wie Muhyi d-din al-Arabi die Sahabis nicht erreichen konnte? Später, während ich im Gebet سُبْحَانَ رَبِّىَ اْلاَعْلٰى {"Gepriesen sei der höchste Herr."} rezitierte, enthüllte sich mir die Bedeutung dieses Wortes. Es zeigte sich mir nicht in des Wortes wörtlichster Bedeutung, aber einen Hauch dieser Wahrheit habe ich doch verspürt. Und ich sagte mir im Stillen: Ach könnte mir nur ein einziges Gebet, wie bei diesem einen Wort gelingen, es wäre besser als ein ganzes Jahr der Anbetung (ibadet).Nach dem Gebet (namaz)verstand ich, dass diese Erinnerung und dieses Erlebnis mir eine Lehre war, dass man die Stufe der Gefährten des Propheten im Gebet nicht erreichen kann. In jener gewaltigen, gesellschaftlichen Umwandlung, die durch die Lichter des weisen Qur'an zu Stande gekommen war, trennten sich diese Gegensätze in der Tat und entfernten sich immer mehr von einander. Die Bosheit mit all dem, was ihr anhaftete, mit all ihrer Finsternis und in all ihren Erscheinungsformen und das Gute und Vollkommene, mit all seinem Lichte und allem, was es bewirkt, gerieten in Gegensatz zueinander. In dieser Situation und in einer derart aufregenden Zeit brachte jedes Wort des Gedenkens und der Lobpreisung jede Schicht seines vollständigen Sinngehaltes jung und frisch zum Ausdruck. Alle Empfindungen und geistigen Feinheiten der Menschen wurden unter dem Getöse jener gewaltigen Umwandlung wachgerufen, sogar die Sinne wie Vorstellung, Traum und meditative Wahrnehmung konnten die unterschiedlichen Bedeutungen aus den Rezitationen zum Gottesgedenken und den Lobpreisungen in ihrem wachen Zustand nach ihrem Empfindungsvermögen empfangen und aufnehmen. So war es denn diese Weisheit, in der die Sahabis, deren Empfindungen und Sinne voll erwacht waren, diese gesegneten Worte sagten, welche Lichter des Glaubens und Gottesgedenkens beinhalten. Aus ihr erhielten sie ihre Bedeutung, sobald sie sie aussprachen und all ihre

Sinne bekamen aus ihr ihren Anteil. Jedoch schliefen nach den großen Umwandlungen und revolutionären (Ereignissen jener Zeit) allmählich die Feinheiten ein und der Sinn für die Wahrheit versank in der Vergessenheit. Diese gesegneten Worte wurden so, gleich Früchten, allmählich vom Schleier der Gewohnheit überdeckt und verloren ihre Schönheit und Frische. An der Luft oberflächlicher Betrachtung trocknen sie beinahe aus, bis auf einen unbedeutenden Rest von Feuchtigkeit, sodass man den vorherigen Zustand nur noch dadurch wieder zurück gewinnen kann, dass man sie einer intensiven Behandlung durch tiefes Nachsinnen unterzieht. So geschieht es denn aus diesem Grunde, dass andere zu der Tugend und einem Rang (Maqam),

{Die individuelle Art und geistige Beschaffenheit Gottes und Seiner Geschöpfe, stufenweise übereinander angeordnet. Der Mensch steigt auf diesen Stufen empor. Jede Stufe entspricht einem besonderen Bewusstseinszustand bzw. Einweihungsrad.}

welchen ein Gefährte des Propheten in vierzig Minuten erreichte, erst in 40 Tagen, ja sogar erst in 40 Jahren gelangen kann.

Drittens, der dritte Grund:

Wie im "Zwölften", "Vierundzwanzigsten" und "Fünfundzwanzigsten Wort" bewiesen wurde, ist das Verhältnis des Prophetentums zur Gottesfreundschaft vergleichbar mit dem Verhältnis eines Spiegelbildes der Sonne zur Sonne selbst. Nun, so hoch der Geist des Prophetentums über dem Geist der Gottesfreundschaft steht, so hoch stehen notwendigerweise die Sahabis, welche Diener im Geiste des Prophetentums und die Planeten jener Sonne waren, über den Heiligen (Salih)aus dem Geiste der Gottesfreundschaft.

Was aber die größte Gottesfreundschaft betrifft, welche auf dem Erbe des Prophetentums und der Treue zu ihm beruht, welche die Gottesfreundschaft der Sahabis war, so kann sie, auch wenn ein Veli(: ein Sufi) sie erwirbt, dennoch nicht gleichwertig mit dem Maqam der Sahabis sein, welche die erste Reihe bilden. Wir wollen hier nun drei der verschiedenen Aspekten erklären, die diesen dritten Grund betreffen.

Erster Aspekt:

Was die Idjtihad betrifft, das heißt, seine Meinung an Hand des Gesetzes herauszukristallisieren (istinbat-i ahkam),das heißt das Wohlwollen Gottes des Gerechten von seinem Wort her zu verstehen, so kann man heute den Gefährten des Propheten nicht gleich werden. Denn in der damaligen großen Umwandlung des Gottesbegriffes, drehte sich alles darum, den Willen des Herrn und die Gesetze Gottes zu verstehen. Alle Gedanken waren auf diese istinbat-i ahkam hin ausgerichtet. Die Herzen aller fragten sich interessiert: "Was ist es, was unser Herr von uns verlangt?"

Die Umstände jener Zeit brachten es mit sich, dass diese Gegebenheiten förmlich zu riechen und zu spüren waren. Alle Gespräche kreisten um dieses Thema als ihrem Inhalt. Da nun alles und jedes, Gespräche, Unterhaltungen und Erzählungen damals in der Weise verliefen, dass sie all diese Bedeutungen gewissermaßen unterrichteten, vervollkommneten sich deshalb die Fähigkeiten der Sahabis und ihre Gedanken wurden erleuchtet. Ihre Fähigkeit zu Idjtihad und Istinbat waren wie ein Streichholz (aufzuflammen) bereit und zu leuchten. Die Stufe seiner Istinbat und Idjtihad, die ein Sahabi damals an einem Tag oder in einem Jahr erworben hatte, kann daher ein Mann, der genauso klug und begabt wie diese Sahabis sein könnte, in heutiger Zeit in zehn ja sogar in hundert Jahren nicht erwerben.

Denn: Heute steht statt der Ewigen Glückseligkeit das irdische Glück im Mittelpunkt aller Betrachtungen. Die Aufmerksamkeit der Menschen ist auf andere Ziele gerichtet. Unterhaltssorgen aus Mangel an Gottvertrauen vernebeln den Geist, die materialistisch-naturalistische Philosophie schlägt den Verstand mit Blindheit. Gleich wie das soziale Umfeld des Menschen seinem Verständnis und seiner Begabung keine Kraft zur Idjtihad verleiht, so lässt sie diese vielmehr sich versprengen und zerstreuen. In dem Kapitel des "Siebenundzwanzigsten Wortes" über Idjtihad, wo Sufyan ibn Uyaina mit einem anderen,

kongenialen Geist verglichen wurde, hatten wir bewiesen: Das, was Sufyan in 10 Jahren erworben hatte, kann ein anderer auch in hundert Jahren nicht erwerben.

Zweiter Aspekt:

Den Maqam der Sahabis hinsichtlich ihrer Nähe zu Gott kann man auf dem Wege der Gottesfreundschaft nicht erreichen. Denn Gott der Gerechte steht uns am nächsten und ist uns näher als alle Dinge (dieser Welt). Wir dagegen sind unendlich weit entfernt von Ihm. In Seine Nähe zu gelangen, ist auf zwei Arten möglich:

Erstens:

Durch die Entfaltung des (Bewusstseins) göttlicher Nähe. Das Prophetentum ist auf eine solche Nähe ausgerichtet. Die Sahabis haben dieses Geheimnis durch das Erbe des Prophetentums und ihre Gespräche (sohbet)darüber in sich erfahren.

Zweitens:

Dadurch, dass wir davon ausgehen, dass wir weit (von Gott) entfernt sind, und so die Stufenleiter (zu Ihm) emporsteigen, um endlich in gewissem Grade mit Seiner Nähe geehrt zu werden. Gewöhnlich fahren und segeln die meisten Reisenden, möge ihr Weg nun von innen nach außen (enfusi)oder von außen nach innen (afaqi)zur Gottesfreundschaft hinführen, in dieser Weise.

Die erste Art ist reine Gottesgabe und kein menschliches Verdienst, alles geschieht durch die Anziehungskraft Gottes und Sein Erbarmen, (ist eine Umwandlung in den) Geliebten Gottes (Mahbub).Dieser Weg ist kurz und bestimmt (metin),sehr hoch, sehr rein und ohne Schatten. Die andere ist eine menschliche Leistung, langwierig und umdüstert. Auch wenn es dabei viel Wunderbares und Erstaunliches zu erleben gibt, kann diese (zweite Art) von ihrem Wert her die erste nicht erreichen.

Es gibt zum Beispiel zwei Wege, von heute ausgehend den gestrigen Tag zu erreichen.

Erstens:

Sich von dem Lauf der Zeit unabhängig machen, mit einer heiligen Kraft über die Zeit hinaus steigen und den gestrigen Tag so gegenwärtig erleben wie den heutigen.

Zweitens:

Diese Entfernung von einem Jahr durchreisen und am Ende zum Gestern gelangen. Doch wiederum lässt sich das Gestern nicht festhalten. Es verlässt (den Reisenden) und zieht weiter.

Genauso gibt es auch zwei Möglichkeiten, wie man vom äußerlichen Anschein zur Wahrheit hinüber gelangen kann.

Erstens:

Indem man sich unmittelbar von der Ausstrahlungskraft der Wahrheit anziehen lässt, um die Wahrheit unmittelbar innerhalb des äußeren Scheins zu entdecken, ohne erst das Zwischenreich (berzah)des mystischen Weges (tariqat)zu betreten.

Zweitens:

Indem man über viele Stufen des geistigen Weges emporsteigt. Den Leuten der Gottesfreundschaft (Mystiker) gelingt es zwar, ihre Begierden auszulöschen und ihr eigenwillige Seele zu töten, doch können sie wiederum den Sahabis nicht gleich kommen, denn die Seelen der Gefährten des Propheten waren geläutert und gereinigt. Daher erfuhren sie durch viele natürliche Anlagen, die im Wesen ihrer Seelen liegen, die verschiedenen Möglichkeiten der Anbetung Gottes und die unterschiedlichen Arten des Dankes und der Lobpreisung. Nach der Vernichtung der Begierde gehen diese Methoden der Anbetung der Gottesfreunde (Mystiker) in Routine über.

Dritter Aspekt:

Hinsichtlich der vorzüglichen Taten und der verdienstreichen Handlungen (sevab)und hinsichtlich der besonderen Eigenschaften (fazilet),die das jenseitige Leben betreffen, kann man die Sahabis nicht erreichen. Denn wie ein Soldat unter besonderen Umständen durch eine Stunde Wache stehen, unter Einsatz seines Lebens auf wichtigem Posten, soviel Segen erwerben kann wie durch ein Jahr Anbetung, so kann er auch, wenn ihn eine Kugel trifft, in einer Minute auf eine Stufe (maqam)wie die eines Gottesfreundes emporsteigen, die man sie sonst erst nach mindestens 40 Tagen erreichen kann.

Genauso waren die Verdienste der Sahabis in ihrem Aufbau des Islam, in der Verbreitung der Gesetze des Qur'an, in ihrer Bereitschaft, um des Islam Willen, einer ganzen Welt Widerstand zu leisten, so hoch, dass andere (die Verdienste einer einzigen) Minute nicht einmal in einem Jahr erwerben können. Man kann sogar sagen, dass alle ihre Minuten in diesem heiligen Dienst jener Minute gleichen, in der der Soldat den Märtyrertod erlitt. Alle ihre Stunden sind wie der Wachdienst eines opferbereiten Soldaten, der unter Lebensgefahr eine Stunde Wache hält. Die Mühe ist nur gering, ihr Lohn aber groß und ihr Wert erhaben. In der Tat stehen ja die Sahabis bei dem Aufbau des Islam und bei der Verbreitung der Lichter des Qur'an in der ersten Reihe. Daher wird ihnen von den (Verdiensten der) guten Taten der ganzen Gemeinde nach dem Grundsatz أَسَّبَبُ كَا لْفَا عِلِ {"Derjenige, der veranlasst, wird genauso bewertet, wie derjenige der ausführt."} ein Anteil zugeschlagen. Das Gebet, das die ganze islamische Gemeinde spricht,

اَللّٰهُمَّ صَلِّ عَلٰى سَيِّدِنَا مُحَمَّدٍ وَعَلٰٓى اٰلِهِ وَاَصْحَابِهِ

{"O Gott, gib Segen unserem Haupt Mohammed und seiner Familie und seinen Gefährten!"}

zeigt, dass die Sahabis an den guten Taten der ganzen Gemeinde Anteil haben. Ferner wächst eine kleine Besonderheit, von der Wurzel eines Baumes ausgehend, in seinen Ästen mächtig heran und wird selbst noch größer als ein großer Ast. Ferner führt auch eine kleine Steigung am Anfang (eines Weges) mit der Zeit zu einer beträchtlichen Höhe. Überdies wächst sich manchmal eine Nadelspitze, in die Nähe einer Lichtquelle gebracht, in der Peripherie zu einem Schattenwurf von einem Meter Länge aus. Genau wie in diesen vier Beispielen sind die Sahabis die Wurzeln und Grundlagen des Lichtbaumes des Islam;

des Weiteren stehen sie im Gebäude des Islams ganz in der Nähe der Quelle des Lichtes; des Weiteren gehören sie zu den Vorbildern in der islamischen Gemeinde und standen in der ersten Reihe ihrer Imame. Des Weiteren standen sie in der Nähe des Zentrums der Sonne des Prophetentums und der Leuchte der Wahrheit. Daher gilt bei ihnen auch eine geringe Mühe als viel, ein kleiner Dienst als groß. Um ihnen gleichen zu können, müsste man ein echter Sahabi werden können!

اَللّٰهُمَّ صَلِّ عَلٰى سَيِّدِنَا مُحَمَّدٍ الَّذِى قَالَ "اَصْحَابِى كَالنُّجُومِ بِاَيِّهِمْ اِقْتَدَيْتُمْ اِهْتَدَيْتُمْ. وَ خَيْرُ الْقُرُونِ قَرْنِى" وَعَلٰٓى اٰلِهِ وَصَحْبِهِ وَسَلِّمْ ٭ سُبْحَانَكَ لاَعِلْمَ لَنَآ اِلاَّ مَاعَلَّمْتَنَآ اِنَّكَ اَنْتَ الْعَلِيمُ الْحَكِيمُ

{"Friede und Segen sei mit unserem Propheten, der sagte: Meine Gefährten sind wie die Sterne: wem ihr auch folgt, ihr werdet die rechte Leitung finden. Mein Zeitalter ist unter den Zeitaltern das segensreichste." "Gepriesen seist Du! Wir haben kein Wissen, außer dem, was Du uns gelehrt hast. Denn Du bist der Allwissende, der Allweise." (2, 32)}

Frage:

Man sagt: Die Sahabis haben den ehrenwerten Gesandten persönlich gesehen und dann ein Bekenntnis ausgesprochen. Aber wir haben ohne ihn zu sehen das Bekenntnis ausgesprochen. Daher ist unser Glaube noch stärker. Zudem gibt es Überlieferungen, die die Stärke unseres Glaubens beweisen.

Antwort:

Damals, als die öffentliche Meinung gegen die Wahrheiten des Islam war und sich gegen sie stellte, sahen die Sahabis den ehrenwerten Gesandten, mit dem Friede und Segen sei, nur in seiner menschlichen Gestalt und gelangten manchmal ohne Wunder zu solch einem Glauben, dass die ganze öffentliche Meinung der Welt ihren Glauben nicht erschüttern konnte. Nicht einmal den Schatten eines Zweifels konnten sie auf ihn werfen, oder ein kleines bisschen Argwohn in ihnen wecken. Ihr aber wollt die Stärke eures eigenen Glaubens gegen die Glaubensstärke der Sahabis in die Waagschale werfen. Obwohl die öffentliche Meinung aller Muslime euch Kraft

und Zeugnis für euren Glauben gibt, und obwohl ihr den ehrenwerten Gesandten, mit dem Friede und Segen sei, nicht als einen Menschen leiblich vor euch gesehen habt, ihn, welcher der Kern des Tuba-Baumes seines prophetischen Auftrags war, sondern seine großartige geistige Persönlichkeit, erleuchtet mit allen Lichtern des Islam und mit allen Wahrheiten des Qur'an, umgeben von tausend Wundern, mit eurem Verstand betrachtet, beginnt auf das Wort eines einzigen europäischen Philosophen zu zweifeln und euer Argwohn ist geweckt! Wo bleibt da nun die Stärke eures Glaubens? Und was ist demgegenüber die Stärke des Glaubens der Sahabis, welcher durch die Angriffe einer ganzen Welt von Ungläubigen, Christen, Juden und Philosophen nicht zu erschüttern war? Und was ist dem gegenüber die Stärke der Gottesfurcht und die Vollkommenheit der Reinheit der Sahabis, die beweist, wie stark sie im Glauben waren und die ein Destillat ihres Glaubens waren! Oh du Kritikaster! Wo bleibt hier nun dein trüber Glaube, wenn er in seiner extremen Schwäche noch nicht einmal seine Pflichten (fard)vollständig zu erfüllen vermag!

Was aber die Überlieferung betrifft, in der gesagt wird: "So jemand in der Endzeit, auch ohne mich gesehen zu haben, zum Glauben gelangt, so wird er deswegen noch mehr geschätzt," so betrifft dies die besonderen Vorzüge (hususi fazilet).Dies wird über einige besondere Persönlichkeiten gesagt. Hier handelt es sich aber um allgemeine Vorzüge der Mehrheit.

Zweite Frage:

Man sagt: Die Leute der Gottesfreundschaft und die Gefährten der Vollkommenheit haben die Welt verlassen. Es heißt sogar in einer Überlieferung (Hadith):Weltliebe ist der Anfang aller Fehler. Die Sahabis waren aber sehr in ihre weltlichen Angelegenheiten verwickelt. Sie haben der Welt nicht entsagt; und doch war ein Teil der Sahabis sogar noch weiter vorangeschritten als die zivilisierten Leute damaliger Zeit.

Wie kommt es dann, dass Sie sagen, noch der einfachste Sahabi sei so bedeutsam gewesen wie die größten unter den Gottesfreunden (Mystiker)?

Antwort:

Im zweiten Kapitel des "Zweiunddreißigsten Wortes" wurde vollkommen eindeutig bewiesen: Das Antlitz der Welt zu lieben, wenn es auf das Jenseits ausgerichtet ist und Gottes Namen sich gegenübergestellt hat, ist keine Ursache zur Fehlerhaftigkeit, sondern ein Quell der Vollkommenheit und wie weit man auch in diesen beiden Aspekten fortzuschreiten mag, so weit schreitet man auch im Dienst und in der Anbetung Gottes fort. Was also die Welt der Sahabis betrifft, so findet sie sich in diesen beiden Aspekten wieder. Sie haben die Welt als einen Acker für das Jenseits betrachtet; sie haben ihn bestellt und haben geerntet. Sie haben alles Sein als einen Spiegel der Namen Gottes angesehen, in Begeisterung hinein geschaut und sie darin betrachtet. Die Schlechtigkeit dieser Welt aber ist ihr vergängliches Gesicht, das auf die Lust und Laune der Menschen hingerichtet ist.

Dritte Frage:

Die Orden sind Wege zur Wahrheit. Über den Naqshibandi Orden, den man als die berühmteste, höchste und größte unter den Ordensstraßen bezeichnet, haben manche von den Helden und Imamen dieses Ordens, dessen Grundsatz wie folgt beschrieben und gesagt:

دَرْ طَرِيقِ نَقْشِبَنْدِى لاَزِمْ اٰمَدْ چَارِ تَرْك تَرْكِ دُنْيَا تَرْكِ عُقْبىٰ تَرْكِ هَسْتِى تَرْكِ تَركْ

{"Man muss im Naqshibandi-Orden vier Dinge aufgeben: Das Diesseits, das Jenseits, seinen Platz in dieser Welt, und die Aufgabe all dieser Dinge."}

Das heißt, im Naqshibandi-Orden ist es notwendig, vier Dinge aufzugeben: der Begierde (nefs)wegen weder die Welt, noch das Jenseits zum eigentlichen Zweck machen, seinen Platz in dieser Welt zu vergessen, um (am Ende) das Aufgeben selbst zu vergessen, um sich nicht der eigenen Taten zu rühmen und stolz zu werden. Hieße das, wahre Gotteserkenntnis und menschliche Vollendung seien nur dadurch möglich, dass man alle Dinge aufgibt außer Ihm?

Antwort:

Bestünde der Mensch nur aus seinem Herzen, dann sollte er alles aufgeben, außer Ihm, auch die Namen und Eigenschaften (Gottes) hinter sich lassen und die "Bindung des Herzens" nur mit dem Wesen Gottes des Gerechten vollziehen. Aber das menschliche Wesen umfasst (in sich sehr viele) dienstbereite (Geister), subtile Eigenschaften und Fähigkeiten wie Verstand, Geist, meditative Wahrnehmung und Gemüt (nefs).Der vollkommene Mensch (insan-i kamil)ist derjenige, der alle inneren Feinheiten (seines Wesens) auf den verschiedenen, ihnen eigenen Wegen des Dienstes und der Anbetung in Richtung auf die Wahrheit hin leitet und wie ein Sahabi in weitem Umfang, in vielfältiger Form, unter dem Kommando seines Herzens, umgeben von allen Subtilitäten, seinen Soldaten, wie ein Held zum Ziel schreitet. Wenn das Herz, um sich selbst zu retten, seine Soldaten verlässt und ganz alleine weiter geht, ist das kein Anlass, um stolz zu werden, sondern nur die Folge einer Notlage.

Vierte Frage:

Woher resultiert die Behauptung einer Überlegenheit gegenüber den Sahabis? Wer bringt dergleichen heraus? Warum ist dies in heutiger Zeit überhaupt ein Gesprächsthema? Woher resultiert dieser Anspruch auf Gleichheit mit den großen Exegeten?

Antwort:

Es gibt zwei Gruppen, welche diese Frage diskutieren. Die eine Gruppe sind die aufrichtigen Leute des Glaubens und die Gelehrten, die so manche Hadith gelesen haben und nun in heutiger Zeit die Gottesfürchtigen und Frommen mit dergleichen Themen für Gespräche interessieren und begeistern. Gegen diese Gruppe haben wir nichts einzuwenden. Aber dies sind nur einige wenige und sie kommen schnell zur Besinnung. Die andere Gruppe aber sind äußerst bösartige, selbstgefällige Menschen, die (ihre Gesinnung) unter dem Anspruch auf Gleichheit mit den großen Exegeten ohne jede Rechtsschule verbreiten und ihre Glaubenslosigkeit unter der Behauptung der Gleichheit mit den Sahabis praktizieren wollen. Denn:

Zum ersten:

Diese Irrgläubigen sind ihren Ausschweifungen verfallen. Sie sind von ihren Ausschweifungen abhängig geworden. Sie können diese Auflagen des islamischen Gesetzes nicht erfüllen, die sie in ihren Ausschweifungen behindern. Um eine Ausrede zu finden, sagen sie: "Diese Fragen sind Idjtihad. In diesen Fragen widersprechen die verschiedenen Rechtsschulen einander. Außerdem sind sie Menschen wie wir und können Fehler machen. So können also auch wir ihnen gleich uns unseren eigenen Idjtihad machen, unseren Gottesdienst nach unseren Wünschen machen. Warum sollten wir dazu gezwungen sein, (einem Mezheb)zu folgen?"

So entziehen sich diese Unglückseligen durch diese Einflüsterung des Teufels den Bindungen einer Rechtsschule. Im "Siebenundzwanzigsten Wort" wurde bereits in aller Deutlichkeit aufgezeigt, dass ihre Behauptungen unhaltbar sind. Daher weisen wir hier nur darauf hin.

Zum zweiten:

Jene Art Leute des Irrweges haben erkannt, dass die Angelegenheit nicht mit den Exegeten (Mudjtehidin)beendet ist. Was auf deren Schultern ruht, ist nur die Auslegung (der Vorschriften) des Glaubens. Im Grunde genommen wollen diese Art Leute des Irrweges gerade diese Glaubensvorschriften (fard)aufgeben oder ändern. Wenn sie sagten: "Wir sind noch besser als (die Exegeten)", wird die Sache dadurch für sie nicht erledigt. Denn die Exegeten dürfen sich nur mit der Auslegung (der Glaubensvorschriften) und solchen Einzelheiten beschäftigen, die nicht festgelegt sind. Dagegen wollen sich diese Leute des Irrweges, die keiner der Rechtsschulen folgen, mit ihren Gedankengängen bis in die Grundlagen des Glaubens (fard)eindringen, die unveränderlichen Vorschriften verändern und den festen Grundpfeilern des Islam entgegenarbeiten. Daher werden sie mit Sicherheit versuchen die Sahabis anzugreifen, die die Träger und Säulen der Grundlagen des Glaubens sind. Oho, nicht einmal solche Tiere in Menschengestalt, selbst nicht die

wahrhaftigen Menschen und die Großen unter den Gottesfreunden, die vollkommensten unter den wahren Menschen, können diesen Anspruch der Gleichheit selbst nicht gegenüber den kleinen unter den Sahabis erwerben. Das wurde unwiderlegbar im "Siebenundzwanzigsten Wort" bewiesen.

اَللّٰهُمَّ صَلِّ وَسَلِّمْ عَلٰى رَسُولِكَ الَّذِى قَالَ "لاَ تَسُبُّوا اَصْحَابِى لَوْ اَنْفَقَ اَحَدُكُمْ مِثْلَ اُحُدٍ ذَهَباً مَابَلَغَ نِصْفَ مُدٍّ مِنْ اَصْحَابِى " "صَدَقَ رَسُولُ اللَّهِ" ٭ سُبْحَانَكَ لاَعِلْمَ لَنَآ اِلاَّ مَاعَلَّمْتَنَآ اِنَّكَ اَنْتَ الْعَلِيمُ الْحَكِيمُ

{"Friede und Segen sei mit Deinem Gesandten, der sagte: Beschimpft nicht meine Gefährten. Selbst einer von euch, der so viel Gold spendet (die Menge wie) den Berg Uhud, kann nicht so viel Segen (für sich erwerben, wie) einer meiner Gefährten, der auch nur eine Handvoll spendet. Der Prophet Gottes spricht die Wahrheit." "Wir haben kein Wissen, außer dem, was Du uns gelehrt hast. Denn Du bist der Allwissende, der Allweise." (2, 32)}

Achtundzwanzigstes Wort

Dieses Wort handelt vom Paradies. Dieses Wort besteht aus zwei Kapiteln. Das erste Kapitel weist auf einige Besonderheiten (Latife)des Paradieses hin. Hier geht es aber nicht um die Beweise für die Existenz des Paradieses. Diese sind schon mit zwölf sicheren Wahrheiten in ganz klarer Form angeführt. Das zweite Kapitel dieses Wortes bildet auch eine Zusammenfassung und die Grundlage zum "Zehnten Wort". Darin wurde mit einem sicheren, in arabischer Sprache abgefassten, lückenlosen und durchaus zuverlässigen Zeugnis die Existenz des Paradieses in glänzender Weise bewiesen. Hier geht es lediglich um einige Gegebenheiten im Paradies, die Anlass geworden sind zu Fragen, Antworten und Kritiken.

بِسْمِ اللَّهِ الرَّحْمَنِ الرَّحِيمِ ٭ وَبَشِّرِ الَّذِينَ اٰمَنُو وَعَمِلُوا الصَّالِحَاتِ اَنَّ لَهُمْ جَنَّاتٍ تَجْرِى مِنْ تَحْتِهَا اْلاَنْهَارُ كُلَّمَا رُزِقُوا مِنْهَا مِنْ ثَمَرَةٍ رِزْقاً قَالُوا هٰذَا الَّذِى رُزِقْناَ مِنْ قَبْلُ وَاُتُوا بِهِ مُتَشَابِهًا وَلَهُمْ فِيهَآ اَزْوَاجٌ مُطَهَّرَةٌ وَهُمْ فِيهَا خَالِدُونَ

{"Im Namen Allahs, des Erbarmers, des Barmherzigen. Und verkündige denen, die glauben und gute Werke tun, dass ihrer das Paradies sein wird, in dem Bäche dahin strömen werden. Wann immer ihnen eine Frucht zu ihrer Versorgung dargeboten wird, sagen sie, das ist das, desgleichen uns bereits zuvor gegeben wurde. Und reine Gatten gibt es dort. Ewig werden sie dort sein." (Sure 2, 25)}

Es sind kurze Antworten auf einige Fragen über das Paradies, das nicht vergeht.

Die Worte der qur'anischen Verse, die schöner als das Paradies, anmutiger als die paradiesischen Frauen, süßer

als das Wasser im Paradies sind, haben über das Paradies nichts unausgesprochen gelassen, sodass man darüber noch mehr sagen könnte. Um aber jene glänzenden, ewig und allzeit erhabenen und schönen Verse dem Verständnis näher zu bringen, wollen wir hier einige grundsätzliche Anmerkungen gleichsam als Beispiele für einige Blumen aus diesem qur'anischen Paradies vortragen. Mit fünf Fragen und Antworten wollen wir hier für diese Geheimnisse ein Zeichen setzen. So wie in der Tat das Paradies ein Ort aller geistigen Genüsse ist, so ist es auch ein Ort aller leiblichen Genüsse.

Frage:

Was hat ein Körper, der allen Fehlern, Mängeln, Veränderungen, der Unbeständigkeit und dem Leiden ausgesetzt ist, mit der Ewigkeit und dem Paradies zu tun? Wenn es doch für den Geist erhabene Genüsse zur Genüge gibt, wozu wird dann um der körperlichen Genüsse willen eine körperliche Auferstehung notwendig?

Antwort:

Dies ist so, weil die Erde zwar im Vergleich zum Wasser, der Luft und dem Licht dicht und dunkel ist. Doch weil sie die Basis für die Entstehung aller Arten von Kunstwerken Gottes ist, übersteigt sie in ihrer Bedeutung alle anderen Elemente. Des Weiteren übersteigt die Begierde (nefs)des Menschen aufgrund des Geheimnisses ihrer Vielfältigkeit unter der Bedingung innerlicher Läuterung, alle feinstofflichen, innerlichen Organe (Latife)des Menschen. Genauso ist der Körper ein äußerst vielfältiger, umfassender und reicher Spiegel der Erscheinungen der Namen Gottes. Die Werkzeuge, die dazu dienen, alles, was sich in den Schatzkammern vorfindet, zu messen und zu wiegen, finden sich im Körper.

Wenn zum Beispiel der Geschmackssinn der Zunge hinsichtlich des Genusses bei der Ernährung nicht das Beet für so viele Messgeräte wäre, wie ihm die Zahl der Arten von Speisen entspricht, könnte sie eine jede von ihnen für sich speziell nicht spüren, nicht kennen, nicht genießen und wiegen. Des Weiteren liegen die Geräte, um die Erscheinungen der Namen Gottes zu verspüren und zu kennen, zu erleben und zu erkennen wiederum im Körper.

Des Weiteren liegen Fähigkeiten, um überaus verschiedene und unendlich voneinander unterschiedliche Geschmacksarten zu empfinden wiederum im Körper.

Außerdem wird es aus dem Verlauf des Kosmos und von der Vielseitigkeit des Menschen her, wie es im "Elften Wort" bewiesen wurde, klar verständlich, dass der Meister dieses Kosmos durch diesen Kosmos alle Schätze Seiner Barmherzigkeit zu erkennen geben, alle Erscheinungen Seiner Namen verkünden und alle Arten seiner Gnadengaben schmecken lassen will. Mit Sicherheit wird der Ort der Glückseligkeit, welcher das größte Sammelbecken des Flusses dieses Kosmos, der gewaltigste Ausstellungsort für das Produkt aus der Werkbank dieses Kosmos und der ewige Speicher für den Acker dieser Welt ist, diesem Kosmos gewissermaßen ähnlich sein. Er wird alle dessen körperlichen wie geistigen Grundlagen aufbewahren. Und dieser Meister, der Allweise und dieser Gerechte, der Barmherzige, wird mit Sicherheit diesen Organen des Körpers als einen Lohn für ihre Arbeit Genüsse geben, wie es ihnen entspricht, als eine Belohnung für ihre Dienste und als Segen ihrer jeweiligen gottesdienstlichen Tätigkeiten. Das Gegenteil widerspricht Seiner Weisheit, Seiner Gerechtigkeit und Seiner Barmherzigkeit, was in keiner Hinsicht der Schönheit Seiner Barmherzigkeit und der Vollkommenheit Seiner Gerechtigkeit entspräche und sich nicht mit ihnen vereinbaren ließe.

Frage:

(Ausgehend von der Vorstellung, dass) unser Leib wieder lebendig wird, so werden auch die Zellen des Körpers ständig wieder aufgebaut und abgebaut, sind dem Untergang geweiht und können so nicht für die Ewigkeit geeignet sein. Was Essen und Trinken, das Fortbestehen der Art und damit den Vollzug (der Ehe) betrifft, so sind sie um der Erhaltung des Menschengeschlechtes willen zu Grundlagen in der diesseitigen Welt geworden. In der ewigen Welt, der jenseitigen Welt sind sie nicht notwendig. Warum aber werden sie dann geheimnisvoller Weise im Paradies zu den größten Genüssen gezählt?

Antwort:

Erstens liegt der Grund dessen, dass der Körper eines Lebewesens in dieser Welt dem Untergang und dem Tod nicht entgehen kann, im Ungleichgewicht zwischen Aufbau und Abbau im Stoffwechsel. Von der Kindheit bis zum Ende der Reifezeit steht der Aufbauprozess im Vordergrund, danach überwiegt der Abbauprozess, wodurch das Gleichgewicht verloren geht und (der Körper) stirbt. Was aber die ewige Welt betrifft, so bleiben die Körperzellen bestehen. Sie sind dem Aufbau und dem Abbau nicht ausgesetzt oder aber das Gleichgewicht (aller Zellen) bleibt konstant. Der Aufbau und Abbau bleiben im Gleichgewicht.

{(*): In dieser Welt gleichen menschliche und tierische Körper für die Atome einem Gasthaus, einer Kaserne oder Schule. Die Atome (aus denen unsere Nahrung besteht, und die in sich selbst leblos sind) treten (in dieses Haus, das unser Körper ist) ein, qualifizieren sich (in ihm für eine Zeitlang) als Atome einer ewigen, einer lebendigen Welt, und verlassen (dann den Körper wieder). Im Jenseits aber ist das Licht des Lebens nach dem Geheimnis von

إِنَّ الدَّارَ الْآخِرَةَ لَهِيَ الْحَيَوَانُ

("Siehe das Haus des Jenseits ist fürwahr ein lebendiges." (Sure 29, 64))

umfassend. Um erleuchtet zu werden brauchen sie jenen Fremdenverkehr (im Gasthaus), jene Rekrutenausbildung (in der Kaserne), jene Schulausbildung nicht. Die Atome können als Inventar (des Hauses, das der Körper im Jenseits ist) bleiben.}

Wie ein Betriebskapital, das ständig in Bewegung ist, wird die Werkbank des körperlichen Lebens zu frohem Genießen in Betrieb gesetzt und so bleibt der lebendige Körper für ewig. Essen und Trinken, sowie der Vollzug der Ehe entsprechen zwar in dieser Welt einem Bedürfnis und dienen der (Erfüllung) einer Aufgabe. Als ein für diese Aufgabe schon im voraus bezahlter Lohn sind so viele verschiedene Arten frohen Genießens darin enthalten, dass sie anderen Genüssen vorgezogen werden. An diesem Ort des Leidens findet sich die Quelle solch einzigartiger und zugleich so verschiedenartiger Genüsse in der Hochzeit

und im Mahl, sodass diese Genüsse, an dem Ort dieser Genüsse und der Glückseligkeit, im Paradies mit Sicherheit dementsprechend erhabenere Formen annehmen werden. Der jenseitige Lohn für die weltlichen Dienste der Organe wird zu den Genüssen hinzugefügt und auch das Verlangen in dieser Welt wird in Form einer dem Jenseits entsprechenden wohltuenden Sehnsucht auftreten. Das wird zu einer Genussquelle, wie sie des Paradieses würdig und der Ewigkeit angemessen ist. Nach dem Geheimnis von

وَمَا هَٰذِهِ الْحَيَاةُ الدُّنْيَا إِلَّا لَهْوٌ وَلَعِبٌ وَإِنَّ الدَّارَ الْآخِرَةَ لَهِيَ الْحَيَوَانُ

{"Doch was ist das Leben in dieser Welt anderes als Spiel und Zeitvertreib. Siehe, das Haus des Jenseits ist fürwahr ein lebendiges." (Sure 29, 64)}

sind tote, unbewusste, unbelebte Dinge des Hauses dieser Welt dort lebendige Träger des Bewusstseins. Wie die Menschen hier, so verstehen auch die Bäume dort, wie die Tiere hier, so verstehen auch die Steine dort die Befehle und befolgen sie. Wenn du einem Baum sagst: "Bringe mir diese Frucht.", so bringt er sie. Sagst du einem Stein: "Komm!", so kommt er. Wenn also schon Steine und Bäume zu so einem erhabenen Seinszustand mutieren, so wird es mit Sicherheit erforderlich, dass Essen, Trinken und Sich-Verheiraten sich gleichfalls zu einem dementsprechend höheren Seinszustand umwandeln. In dem Grade wie vergleichsweise das Paradies über der Erde steht, in dem gleichen Grade werden auch diese Dinge einen entsprechend höheren Seinszustand über ihren irdischen Abbildern einnehmen und doch dabei ihre leiblichen Entsprechungen beibehalten.

Frage:

Nach dem Geheimnis von اَلْمَرْءُ مَعَ مَنْ اَحَبَّ {"Der Mann mit dem, den er liebt..."} "wird sich der Freund mit seinem Freund im Paradies zusammen finden." Denn ein einfacher Beduine schließt

während eines Gespräches (sohbet)von einer Minute in der Liebe zu Gott Freundschaft mit dem Gottesgesandten. In dieser Freundschaft müsste er bei dem Propheten, mit dem Friede und Segen sei, im Paradiese sein.

Wie aber lässt sich der Segen des ehrenwerten Gesandten, mit dem Friede und Segen sei und über dem die Fülle allen Segens ausgegossen wird, mit dem Segen eines einfachen Beduinen vereinbaren?

Antwort:

Wir wollen auf diese hohe Wahrheit mit einem Gleichnis hinweisen. Zum Beispiel gibt ein wohlhabender und hoch kultivierter Herr in einem sehr schönen und prachtvollen Park ein überaus großes Gastmahl, den er überdies auch noch als einen kunstvoll gestalteten Ausflugsort vorbereitet hat. Was es auch an verschiedenen Speisen und unterschiedlichen Geschmacksrichtungen gibt, die unser Geschmackssinn zu erspüren vermag, alle Schönheiten, die das Auge als schön und angenehm befriedigen, alle die einzigartigen Dinge, welche unsere Phantasie zu erfreuen vermögen, kurz alles, was nur allen den äußerlichen und innerlichen Sinnen des Menschen zu schmeicheln vermag, finden sich hier vor.

Nun gab es da einmal zwei Freunde. Sie gehen zusammen zu diesem Gastmahl. In einer Nische setzen sie sich zusammen um einen Tisch. Aber da der Geschmackssinn des einen sehr schwach ist, hat er nur wenig Freude. Auch seine Augen sehen nur wenig. Er hat keinen Geruchsinn. Er versteht auch nichts von den einzigartigen Kunstwerken. Auch weiß er nichts von Staunen erregenden Dingen. Entsprechend seinen geringen Fähigkeiten macht er nur von einem Tausendstel, ja sogar nur einem Millionstel alles dessen, was es da zu genießen gilt, Gebrauch. Was den anderen betrifft, so sind seine äußerlichen und innerlichen Sinne, Verstand, Herz, alle die einfachen und subtilen Empfindungen so vollkommen und in einem solchen Grade entwickelt, dass er alle Einzelheiten, Schönheiten, Feinheiten und Einzigartigkeiten all dessen, was es zu genießen gilt, in all ihrer Verschiedenartigkeit verspürt und genießt. Dabei steht er mit seinem Freund Schulter an Schulter.

Da es aber in dieser von Leid und Unruhe heimgesuchten, so engbegrenzten Welt nun einmal so ist, dass der Kleinste mit dem Größten zusammen ist, besteht zwischen ihnen ein Unterschied wie zwischen der Erde und dem Siebengestirn. Mit Sicherheit bekommt jeder von beiden von dem Tisch des gnädigen Erbarmers seinen Anlagen entsprechend (in dieser Welt) seinen Anteil, während im Paradies, dem Ort der Glückseligkeit in der Ewigkeit, diejenigen zusammen sein werden die einander in Freundschaft verbunden sind. Auch wenn der Paradieseshimmel, in dem sie sich befinden, verschiedenartig ist, bildet dies kein Hindernis für ihr Zusammensein. Denn: Obwohl die acht Schichten des Paradieses übereinander liegen, ist doch das gemeinsame Dach aller, der gewaltige, große Thron Gottes. Es gibt dort z.B. gemauerte Ringe um einen Bergkegel, die in sich geschlossen sind und vom Boden bis zum Gipfel übereinander verlaufen. Diese Ringe stehen zwar übereinander, doch hindert keiner von ihnen, die Sonne zu sehen (die über ihnen allen scheint). Sie können einander durchdringen und einer kann zu dem anderen hinüber schauen. Genauso weisen verschiedene Überlieferungen der Hadithe darauf hin, dass die Paradiese in ihren verschiedenen Formen einander ähneln.

Frage:

In den Hadithen heißt es: "Obwohl die Huris siebzig Kleider übereinander tragen, kann man dennoch bis auf das Knochenmark ihrer Beine hindurch blicken." Was soll das heißen? Was bedeutet es? Welche Art von Schönheit ist damit verbunden?

Antwort:

Die Bedeutung dessen ist von großer Schönheit und diese Schönheit ist besonders lieblich. Das ist folgendermaßen (zu verstehen): In dieser hässlichen, toten, starren und zum größten Teil aus äußeren Schalen bestehenden Welt gilt etwas bereits als schön, wenn es in unseren Augen als schön erscheint und nichts weiter daran zu finden ist, was ungewöhnlich wäre. In dem Paradies aber, das schön, lebendig, glänzend, nur Mark

ohne Gehäuse und Kern ohne Schale ist, wollen alle Sinnesorgane, wie die Augen und alle diese subtilen Wahrnehmungsorgane des Menschen, die der lieblichen Huris und die der Frauen aller Welt im Paradies, die den Huris ähneln und noch schöner als sie aus dieser Welt dahin gegangen sind, im Paradies jedes ihren Anteil an den verschiedenen Genüssen und allen Geschmacksarten erhalten. Das heißt, diese Hadithe weisen darauf hin, dass jeder Sinn, jede Feinheit in allem, angefangen von der Schönheit des obersten Kleides bis zum Knochenmark eine Quelle des Genusses findet. In der Tat weist dieses heilige Hadith mit dem Ausdruck: "dass die Huris siebzig Kleider tragen und dennoch das Knochenmark ihrer Beine zu sehen ist" darauf hin; für so viele Empfindungen, Sinne, Anlagen und subtile Wahrnehmungen, die ein Mensch haben kann, welche die Schönheiten lieben, genusssüchtig und verrückt nach Verzierungen sind, die Herrlichkeit begehren, um alle zufrieden zu stellen und zu sättigen und jede einzelne zu streicheln und glücklich zu machen, besitzen die Huris körperlich wie geistig jede Art von Schmuck, Schönheit und Herrlichkeit. Das heißt; so wie die Huris siebzig Arten Schmuck von der Vielfalt des Schmuckes des Paradieses in dieser Weise tragen, ohne dass sie einander überdecken, weil dieser Schmuck höchst unterschiedlicher Art ist, zeigen die Huris durch ihre eigene Existenz und die ihrer Körper und ihrer Seelen vielleicht mehr als siebzig Stufen verschiedener Schönheit und Herrlichkeit. Sie zeigen die Wahrheit des Hinweises von

وَفِيهَا مَا تَشْتَهِيهِ اْلاَنْفُسُ وَتلَذُّ اْلاَعْيُنُ

{"Und es gibt darin, was das Herz (nefs) begehrt, und woran sich das Auge erfreut." (Sure 43, 71)}

Des Weiteren erklärt eine heilige Hadith, dass die Leute des Paradieses nach dem Essen und Trinken keine Ausscheidungen haben, weil es im Paradies keine unnötigen und überflüssigen Dinge oder Dinge mit Schalen gibt. Wenn die Bäume, die in dieser niederen Welt die einfachsten

Lebewesen sind, ohne Ausscheidungen auskommen, obwohl sie viel Nahrung zu sich nehmen, warum sollen dann die Leute des Paradieses, die doch auf der höchsten Stufe des Lebens stehen, nicht ohne Ausscheidungen bestehen können?

Frage:

In heiligen Hadithen heißt es: "Manchen Leuten des Paradieses wird ein Platz so groß wie die Erde gegeben, hunderttausende von Schlössern, hunderttausende Huris geschenkt." Was braucht ein einziger Mann so viele Dinge? Hat er das nötig? Wie kann das sein? Und was soll das heißen?

Antwort:

Wenn der Mensch nur aus einem leblosen Körper bestünde, oder ein rein pflanzliches Geschöpf wäre, das nur aus seinem Magen besteht, oder nur ein abhängiges, kompaktes und doch vergängliches, einfaches leibbehaftetes Wesen wäre und nur aus einem Tierkörper bestünde, würde er nicht so viele Schlösser und so viele Huris verdienen und über sie herrschen können. Aber der Mensch ist ein so komplexes Wunder der Macht, dass manche seiner subtilen Eigenschaften, noch gar nicht voll entfaltet sind, ja ihre Bedürfnisse vielleicht seiner Gier wegen in dieser vergänglichen Welt und in diesem so kurzen Leben gar nicht befriedigt werden können, auch wenn man ihm das Königreich über die ganze Körperwelt, alles Vermögen und alle Freuden geben würde. Es ist mit Sicherheit sinnvoll, gerecht und wahr, wenn der Mensch, der am Ort der Ewigen Glückseligkeit über unendliche Fähigkeiten verfügt, in der Sprache seiner unendlichen Bedürfnisse, mit der Hand seiner unendlichen Wünsche an das Tor der unendlichen Barmherzigkeit klopft, auch die Geschenke Gottes, wie in den Überlieferungen verkündet, empfängt. Diese erhabene Wahrheit wollen wir nun durch das Fernrohr eines Gleichnisses betrachten. Es ist dies wie folgt: Obwohl alle kleinen und großen Gärten in Barla, wie dieser Garten {(*): Es handelt sich hier um Süleyman, der mir Armen acht Jahre lang in vollkommener Treue gedient hat und in dessen Garten diese Abhandlung in ein, zwei Stunden niedergeschrieben worden ist.} am Bach, alle

verschiedene Besitzer haben, könnte doch jeder Vogel, jeder Sperling und jede Biene, welche in Barla zu ihrer Ernährung nur eine Handvoll Futter beanspruchen, sagen: "Alle Äcker und Gärten in Barla sind mein Erholungs- und Ausflugsort." Jeder schließt Barla in seinen Besitz ein. Die Beteiligung der anderen kann dieses Urteil eines jeden nicht beeinträchtigen.

Des Weiteren kann ein Mensch, der ein wahrer Mensch ist, sagen: "Mein Schöpfer machte mir diese Welt zu einer Wohnstatt. Die Sonne ist mir wie eine Lampe. Die Sterne sind mir gleich elektrischen Beleuchtungen. Das Erdenrund ist meine Wiege, die mit bunten Blumenteppichen ausgelegt ist." Er dankt Allah. Die Beteiligung anderer Geschöpfe kann dieses sein Urteil nicht außer Kraft setzen. Statt dessen verzieren die Geschöpfe seine Wohnstatt. Sie bleiben darinnen als Schmuck.

Wenn ein Mensch in dieser sehr engen Welt von seiner Menschlichkeit her, und sogar wenn ein Vogel eine Art Verfügung über einen dermaßen gewaltigen Umfang beansprucht und eine riesig große Gnade empfängt, wie könnte es etwa für unvorstellbar gehalten werden, dass dem Menschen in einem breiten und ewigen Ort der Glückseligkeit ein Besitztum geschenkt wird, das zu durchmessen er fünfhundert Jahre benötigt. Und so wie sich die Sonne in sehr vielen verschiedenen Spiegeln dieser kompakten, finsteren und engen Welt gleichzeitig wiederfinden kann, genauso kann eine lichtstrahlende Persönlichkeit sich, wie schon im "Sechzehnten Wort" bewiesen wurde, an verschiedenen Orten gleichzeitig befinden. Der Erzengel Gabriel, mit dem Friede sei, findet sich z.B. auf tausend Sternen gleichzeitig, d.h. sowohl vor dem Throne Gottes, als auch vor dem Propheten und zugleich auch in der Audienz Gottes. Des Weiteren wird der Gottesgesandte, mit dem Friede und Segen sei, sich am Tag der Wiederauferstehung mit den meisten Gottesfürchtigen

aus seiner Gemeinde zugleich treffen, sowie er auch in dieser Welt gleichzeitig an zahllosen Orten erscheint. Die Ebdals, eine besondere Art unter den Gottesfreunden, zeigen sich zu gleicher Zeit an verschiedenen Orten. Und die einfachen Leute vollbringen in einer Minute im Traum so viele Arbeiten wie im ganzen Jahr und erleben das auch so. Und jeder steht mit Herz und Verstand und auch in seiner Vorstellung zu gleicher Zeit mit vielen verschiedenen Orten in Beziehung und zeigt sein Interesse für sie. Dies ist allgemein bekannt und bezeugt. Im lichtvollen, weiten, ewigen, von keinerlei Bedingungen eingeschränkten Paradies werden die Leute des Paradieses mit ihren Körpern von der Unvergänglichkeit der Seele und der Leichtigkeit des Geistes mit der Geschwindigkeit unserer Phantasie reisen und mit Sicherheit zu gleicher Zeit an hunderttausend Orten anwesend sein und sich mit hunderttausend Huris unterhalten (sohbet),auf hunderttausenderlei Arten verschiedene Genüsse empfinden, so wie es ja in jenem ewigen (bestehenden) Paradies und der unendlichen Barmherzigkeit gebührend ist. Und dies ist recht und wahr, so wie es der wahre Berichterstatter, mit dem Friede und Segen sei, verkündet hat. Darüber hinaus können diese gewaltigen Wahrheiten nicht mit der Waage dieses unseres so winzig kleinen Verstandes gewogen werden.

Doch unser so winzig kleiner Verstand ist nicht dazu geeignet, diese hohen Dinge, diese erhabenen Ideen zu begreifen.

Denn unser Prüfgerät ist mit einer derart hohen Spannung überlastet.

سُبْحَانَكَ لاَعِلْمَ لَنَآ اِلاَّ مَاعَلَّمْتَنَآ اِنَّكَ اَنْتَ الْعَلِيمُ الْحَكِيمُ ٭ رَبَّنَا لاَ تُاٰخِذْنَآ اِنْ نَسِينَآ اَوْ اَخْطَاْنَا

{"Gepriesen seiest Du! Wir haben kein Wissen, außer dem, das Du uns gelehrt hast. Denn Du bist der Allwissende, der Allweise." (Sure 2, 23) "Herr, belange uns nicht, wenn wir vergesslich waren, oder uns versehen haben!" (Sure 2, 286)}

اَللّٰهُمَّ صَلِّ عَلٰى حَبِيبِكَ الَّذِى فَتَحَ اَبْوَابَ الْجَنَّةِ بِحَبِيبِيَّتِهِ وَبِصَلاَتِهِ وَاَيَّدَتْهُ اُمَّتُهُ عَلٰى فَتْحِهَا بِصَلَوَاتِهِمْ عَلَيْهِ، عَلَيْهِ الصَّلاَةُ وَالسَّلاَمُ. اَللّٰهُمَّ ادْخِلْنَا الْجَنَّةَ مَعَ اْلاَبْرَارِ بِشَفَاعَةِ حَبِيبِكَ الْمُخْتَارِ اٰمِينَ

{"Oh Gott segne Deinen Geliebten, der in seiner Liebe durch seine Gebete und seine Segnungen die Tore des Paradieses geöffnet hat, schenke ihm Frieden und Segen! Oh Gott, führe uns in das Paradies mit Deinen Heiligen, den Reinen (ebrar), durch die Fürsprache Deines Geliebten, den Du auserwählt hast! Amin."}

Ein kleiner Anhang zum Wort über das Paradies

Eine Anmerkung über die Hölle.

Wie bereits im "Zweiten" und "Achten Wort" bewiesen wurde, trägt der Glaube den Kern eines geistigen Paradieses in sich. Der Unglaube birgt aber den Samen einer geistigen Hölle. So wie der Unglaube ein Kern der Hölle ist, so ist die Hölle dessen Frucht. Wie der Unglaube eine Ursache zur Höllenfahrt ist, so ist er auch die Ursache der Existenz und der Erschaffung der Hölle. Denn, sagte ein Sittenloser in seinem Rausch zu einem kleinen Herrscher, mit ein wenig Würde, ein wenig Eifer und ein ganz klein wenig Majestät: "Du wirst und kannst mich nicht zurechtweisen", so wird dieser auf jeden Fall, auch gäbe es in diesem Land kein Gefängnis, für diesen einen Sittenlosen ein Gefängnis errichten und ihn hinein werfen lassen. Dabei verleugnet ein Ungläubiger, indem er (die Existenz) der Hölle bestreitet, den Herrn, der unendliche Würde, unermüdlichen Eifer und grenzenlose Majestät besitzt, einen großen (Herrscher), grenzenlos in Seiner Allmacht, und bezichtigt ihn der Verlogenheit und Schwäche. Er beschuldigt Ihn als Lügner und Schwächling. Er greift seine Würde aufs Äußerste an. Er berührt Ihn und tastet Ihn in Seinem unermüdlichen Eifer an. Als ein Rebell belästigt er Ihn in Seiner Majestät. Nehmen wir einmal den unmöglichen Fall an, dass es für die Existenz der Hölle kein Grund vorhanden wäre, so würde dennoch wegen seines Unglaubens, der Seine Autorität bestreitet und Ihn als einen Lügner und als einen Schwächling bezichtigt mit Sicherheit jenen Ungläubigen in die Hölle zu werfen, diese für ihn erschaffen werden.

رَبَّنَا مَاخَلَقْتَ هٰذَا بَاطِلاً سُبْحَانَكَ فَقِنَا عَذَابَ النَّارِ

{"Herr, Du hast das alles nicht umsonst erschaffen. Gepriesen seist Du! Bewahre uns vor der Strafe des Höllenfeuers." (Sure 3, 191)}

Neunundzwanzigstes Wort

Eine Abhandlung über die Unsterblichkeit des Geistes, über die Engel und über die leibliche Wiederauferstehung.

اَعوُذُ بِاللَّهِ مِنَ الشَّيْطَانِ الرَّجِيمِ ٭ بِسْمِ اللَّهِ الرَّحْمٰنِ الرَّحِيمِ ٭ تَنَزَّلُ الْمَلٰٓئِكَةُ وَالرُّوحُ فِيهَا بِاِذْنِ رَبِّهِمْ ٭ قُلِ الرُّوحُ مِنْ اَمْرِ رَبِّى

{"Ich nehme meine Zuflucht vor dem gesteinigten Teufel. Im Namen Allahs, des Erbarmers, des Barmherzigen. Die Engel und der Geist kommen in ihr (der Nacht der Bestimmung) mit der Erlaubnis ihres Herrn herab." (Sure 97, 4) "Sag, der Geist kommt durch den Befehl meines Herrn." (Sure 17, 85)}

Diese Abhandlung besteht aus zwei "Kapiteln", die in "Grundsätzen" unterteilt sind, und aus einer Einleitung.

Einleitung

Man kann sagen, dass die Existenz der Engel und die der Geister so sicher wie die Existenz der Menschen und der Tiere ist. Wie auf der ersten Stufe des "Fünfzehnten Wortes" bereits erklärt wurde, erfordert die Wahrheit mit Sicherheit und verlangt die Weisheit mit Gewissheit, dass die Himmel genauso ihre Bewohner haben, wie sie auch die Erde hat. Und diese Bewohner sollen über ein Bewusstsein verfügen und diese Bewohner sollen für den Himmel geeignet sein. In der Sprache des Qur'an werden diese sehr verschiedenen Arten von Bewohnern Engel und Geister genannt. Das ist in der Tat ein Erfordernis der Wahrheit. Denn diese unsere Erde wird trotz ihrer winzigen Kleinheit mit Geschöpfen bevölkert, die von Leben und Bewusstsein erfüllt sind, von Zeit zu Zeit wieder entleert und wieder neu mit bewusstseinstragenden Geschöpfen belebt, was darauf hinweist, oder vielmehr erklärt, dass auch die Himmel, welche zauberhaften Schlössern gleichen, ausgestattet mit prächtigen Türmen, mit Sicherheit von Lebewesen, die das Licht für das Licht

des Seins sind, und von Bewusstsein und Verstand besitzenden Geschöpfen erfüllt sind, die das Licht der Lebewesen sind. Auch die anderen Geschöpfe sind gleich Menschen und Dschinnen Besucher in diesem Schloss, das unsere Welt ist, Leser dieses Buches, das dieser Kosmos ist und Herolde dieses Königreiches, das Gottes Herrschaftsbereich ist. In ihrem alles und jeden umfassenden Dienst und durch ihre Anbetung repräsentieren sie alle Lobpreisungen allen Seins im All im Großen und Ganzen.

In der Tat zeigt die Beschaffenheit des Kosmos ihr Vorhandensein. Denn das Universum, das mit unzählbar vielen feinen kunstvollen Verzierungen, mit so sinnvollen Schönheiten und symbolträchtigen Ornamenten ausgestattet und geschmückt ist, bedarf dementsprechend ganz offensichtlich auch derer, die seine Schönheit sinnend betrachten und sie in staunender Bewunderung zu würdigen wissen, und erfordert ihre Anwesenheit. So verlangt Schönheit in der Tat nach einem, der sie liebt. Und was die Mahlzeit betrifft, so wird sie dem gereicht, der danach hungert. Also weist denn die Speise der Geister und die Grundnahrung der Herzen, die in so grenzenlos künstlerischer Schönheit enthalten ist, mit Sicherheit auf die Engel und Geister hin und zeigt auf sie hin. Derartige unendliche Verzierungen verlangen ja nach einer unendlichen Aufgabe des Nachsinnens, des Dienstes und der Anbetung. Die Menschen und Dschinnen können aber nur den Millionsten Teil dieser unendlich vielen Aufgaben, dieser weisheitsvollen Betrachtungen, dieser weltweiten Verpflichtungen, dieser umfassenden Anbetungen erfüllen. Das heißt also, dass für diese unendlich vielen verschiedenen Aufgaben und Dienste und für die Anbetung auch unendlich viele Arten von Engeln und Geistern notwendig sind, damit sie die große Moschee dieser Welt mit ihren Reihen füllen und beleben.

In der Tat findet sich je ein Volk von Geistern und Engeln überall im Kosmos, in einem jeden seiner Bereiche, beauftragt mit je einem besonderen gottesdienstlichen Auftrag.

Aufgrund der Hinweise mancher Überlieferungen der Hadithe und der Weisheit hinter der Ordnung der Welt lässt sich sagen: Ein Teil der Dinge und Gegenstände, die zwar ohne Leben aber doch beweglich sind, von den Planeten und Sternen angefangen bis zu den Regentropfen hin, wird von den Engeln als eine Art Segelschiff oder Reittier benutzt. Mit Gottes Erlaubnis besteigen die Engel diese Planeten, segeln auf ihnen durch die bezeugte Welt und führen die Lobpreisungen ihrer Reittiere aus.

Eine heilige Hadith sagt: "Die Geister der Leute des Paradieses treten in der Zwischenwelt in den Brustraum der Grünen Vögel ein und reisen im Paradies umher." Es lässt sich sagen, dass ein Teil der lebendigen Dinge, angefangen von den Vögeln des Paradieses, die طُيُورٌخُضْرٌ "Grüne Vögel" genannt werden, bis zu den Fliegen einigen Arten von Seelen als Flugzeug dienen. Sie schlüpfen auf Befehl Gottes des Gerechten in diese hinein, reisen mit ihnen durch die Körperwelt und schauen durch die Sinnesorgane dieser lebendigen Körper, wie Augen und Ohren, die Wunder der Schöpfung in der Körperwelt. Sie bringen die Lobpreisungen, die ihnen Eigen sind, dar. So wie es denn die (Erkenntnis der) Wahrheit erfordert, genauso erfordert es auch die Weisheit (des Verstandes). Denn so wie der Allweise Schöpfer ständig, unermüdlich tätig, anmutiges Leben und lichtvolle, vernunftbegabte Wesen aus dieser dunklen Erde erschafft, die mit dem Geist kaum vergleichbar ist, und aus schlammigem Wasser, das mit dem Licht des Lebens sehr wenig in Beziehung steht, so gibt es vor Ihm auch eine Art bewusstseinstragender Geschöpfe aus dem für Geist und Leben sicherlich mehr geeigneten Meer des Lichtes, sogar aus dem Ozean der Dunkelheit und aus verschiedenen feinen Stoffen wie aus der Luft und aus der Energie. Ja es gibt deren sogar sehr viele.

Erstes Kapitel

Die Bestätigung (des Glaubens an) die Existenz der Engel ist ein Grundpfeiler des Glaubens. Dieses "Kapitel" enthält vier "Grundsätze".

Erster Grundsatz

Alles Sein erfüllt und vollendet sich durch das Leben. Ja das Sein gelangt erst im Leben zu seinem wahren Sein. Das Leben ist das Licht allen Seins. Das Bewusstsein ist ein Strahl des Lebens. Das Leben ist Gipfel und Basis aller Dinge. Das Leben macht alle Dinge zum Besitz jenes lebendigen Wesens. Es macht einen Jeden zum Besitzer über alle Dinge. Durch das Leben kann ein jedes lebendige Ding sagen: "Alle diese Dinge sind in meinem Besitz. Die Welt ist mein Haus. Der Kosmos ist mein Besitztum, der mir von meinem Herrn gegeben ist." So wie das Licht die Ursache der Sichtbarkeit aller Dinge ist, und - wie manche meinen - der Grund für die Existenz der Farben, genauso ist auch das Leben das, womit wir alles Sein entdecken. Es ist der Grund für die Verwirklichung der Eigenschaften. Des Weiteren macht es einen kleinen Teil des Ganzen zu jenem (Teil des Ganzen), der das Ganze in sich umfasst. Es ist der Grund dafür, dass alle Teile eines Ganzen in einem kleinen Bruchteil (des Ganzen) ihren Platz finden. Indem es zahllose Dinge zusammenfügt und vereint, und so wie es sie zu einer Quelle der Einheit und dem Erscheinungsort ihres (gemeinsamen) Geistes macht, so ist es auch ein Grund für jegliche Vollkommenheit in der Körperwelt als Ganzes. Das Leben ist sogar eine Art Erscheinung der Einheit in den Schichten seiner Vielfältigkeit. Es ist ein Spiegel der Einheit (Ahadiyet)in der Vielfalt. Siehe, ein Ding ohne Leben, mag es auch ein riesiger Berg sein, ist ein Waise, ein Fremdling und allein. Er hat nur mit dem Platz, auf dem er sitzt, und mit den Dingen, die ihn berühren, Verbindung. Was es sonst noch im Kosmos gibt, ist für diesen Berg nicht vorhanden. Denn er hat weder Leben, sodass er durch dieses Leben Beziehungen aufnehmen könnte, noch hat er ein Bewusstsein, in dem er einen Zusammenhang herstellen könnte.

Nun betrachte einmal ein so kleines Wesen wie z.B. eine Honigbiene. In dem Moment, in dem das Leben in sie hineinschlüpft, nimmt sie mit dem ganzen Kosmos in der Weise eine Beziehung auf, dass sie mit dem ganzen Kosmos, besonders mit den Blumen, Blüten und Pflanzen des Erdbodens gewissermaßen ein Geschäft abschließt, sodass sie nun sagen kann: "Diese Erde ist mein Garten. Sie ist mein Geschäftshaus." So vermag diese Biene, zusammen mit den bekannten leiblichen und seelischen Sinnen und Empfindungen eines Lebewesens und mit all den unbewussten, sie in Begeisterung und in Bewegung versetzenden Empfindungen, die meisten (Pflanzen)arten der Welt wahrzunehmen, sich mit ihnen anzufreunden, auszutauschen und sie zu nutzen. Wenn also das Leben schon auf ein so kleines Lebewesen eine solche Wirkung ausübt, gedeiht es, entfaltet sich und erleuchtet es mit Sicherheit um so mehr, je höher es von Stufe zu Stufe bis zur obersten Sprosse, der Ebene des Menschen, welche die höchste Stufe ist, emporsteigt. Das menschliche Wesen aber durchwandert mit seinem eigenen Verstand die hohen, geistigen und körperlichen Welten, so wie ein Mensch mit Verstand und Bewusstsein, welche das Licht des Lebens sind, in den Zimmern seiner eigenen Wohnung wandelt. Das heißt, so wie dieser mit Leben und Bewusstsein begabte Mensch in seiner Vorstellung als Gast jene Welten durchstreift, so können auch diese Welten sich in der Seele dieses Bewusstseintragenden, in den sie projiziert werden, wie ein Gast hinein kommen und darin Gestalt annehmen.

Das Leben ist ein überaus glänzender Beweis für die Einheit und Gegenwart des Herrn in Seiner Majestät, eine äußerst große Quelle Seiner Gaben, eine äußerst anmutige Erscheinung Seiner Barmherzigkeit und ein rätselhaftes, unerforschliches und reines Ornament Seiner Kunst. Ja, es bleibt uns in der Tat ein Rätsel, ein Geheimnis.

Denn: das pflanzliche Leben, das das einfachste unter den Arten des Lebens ist, und das Erwachen des Lebensfunkens in einem Samenkern, der auf der ersten Stufe des pflanzlichen Lebens steht, d.h. wie er erwacht, sich entfaltet und gedeiht, geschieht offen sichtbar, in Vielfalt und in Fülle, und dennoch bleibt es, obwohl wir es gewohnt sind, seit Adams Zeiten selbst für die Augen der menschlichen Weisheit ein Rätsel. Doch was an ihm wahrhaftig und wesentlich ist, wurde durch die Vernunft des Menschen nicht entdeckt.

Überdies ist das Leben so vollkommen sauber und rein, dass seine beiden Seiten, das heißt, (die, die unsere Ursachenwelt betrifft) Mulkund (die, die Engelwelt) Melekutiyet,rein, sauber und durchsichtig sind. Die Hand der Macht legt keinen Schleier als Ursache vor (das Leben) und sie berührt (das Leben) direkt. Was aber die gewöhnlichen Vorfälle betrifft, offensichtliche Ereignissen und Dinge, die der Würde der Macht nicht entsprechen und die unrein sind, so macht Er deren augenscheinliche Ursachen, als deren eigentlichen Ursprung, zu Schleiern.

Zusammenfassung:

Man kann sagen, dass dort, wo kein Leben ist, das Dasein zum Nichtsein wird. Es unterscheidet sich nicht mehr von der Abwesenheit. Das Leben ist ein Strahl des Geistes (ruh).Das Bewusstsein (shu'ur)ist das Licht des Lebens.

Da also nun einmal Leben und Bewusstsein so wertvoll sind, und da, wie wir bezeugen können, nun einmal in dieser Welt eine so überaus vollendete Wohlordnung herrscht und da nun einmal in diesem Kosmos eine solch verlässliche Regelmäßigkeit und eine so beherrschende Gesetzmäßigkeit erkennbar ist, und da nun einmal unsere arme, durcheinander geratene Erdkugel, unser schlingernder Erdboden von so unzählbar vielen Wesen erfüllt ist, solchen, die Leben, solchen, die einen Geist und solchen, die Verstand besitzen, wird man gewiss mit sicherem Gespür und absoluter Gewissheit zu dem Urteil gelangen, dass diese Schlösser des Himmels und diese erhabenen Türme auch die ihnen entsprechenden,

mit Leben begabten und von Bewusstsein erfüllten Bewohner haben müssen. Wie die Fische im Wasser leben, so finden sich auch diese lichtvollen Bewohner im Feuer der Sonne. "Das Feuer verbrennt das Licht nicht", sondern das Feuer hilft dem Licht.

Der Urewige schafft nun einmal mit seiner Macht aus ganz gewöhnlichen Dingen, aus dichtesten Elementen zahllose Lebewesen und Geistwesen, wie wir bezeugen können. Er verwandelt die dichte Materie durch das Leben mit großem Bedacht in einen subtilen Stoff und sprengt das Licht des Lebens in großen Mengen über alle Dinge und vergoldet die meisten von ihnen mit dem Licht Seines Bewusstseins. Dieser allweise Allmächtige vernachlässigt mit Sicherheit nicht, mit Seiner makellosen Macht, mit Seiner fehlerlosen Weisheit die verschiedenen fließenden Stoffe wie Licht und Äther, die dem Geist näher stehen und ihm eher entsprechen. Er lässt sie nicht ohne Leben, starr und ohne Bewusstsein. Vielmehr erschafft Er aus dem Stoff des Lichtes, ja sogar aus der Finsternis, aus dem Stoff des Äthers, ja sogar aus Sinngebungen, selbst aus dem Gemüt, selbst aus einem Wort Lebewesen und Geistwesen in Fülle.

Wie die vielen sehr unterschiedlichen Arten der Tiere, erschafft Er auch viele sehr unterschiedliche Geistesgeschöpfe aus solchen feinstofflichen Energien. Ein Teil von ihnen sind Engel, ein anderer Teil Geistwesen und Dschinnen. Um nun zu sehen, wie wahr es ist, offensichtlich und dem Verstand entsprechend, anzunehmen, dass die Engel und die Geistwesen in großer Zahl existieren, wie der Qur'an es schildert, und wer es nicht so annimmt, in welchem Grade es ein der Wahrheit und der Weisheit zuwiderlaufender Aberglaube, Irrtum, Delirium und Wahnsinn ist, betrachte folgendes Gleichnis:

Zwei Männer, von denen einer ein unkultivierter Beduine ist, der andere aber ein zivilisierter Mensch, der seine fünf Sinne beisammen hat, haben sich miteinander befreundet und sind in eine große Stadt wie Istanbul gekommen. In einer weit entfernten Ecke dieser zivilisierten

großartigen Stadt fanden sie ein elendes, kleines, schmutziges Haus und eine Fabrik. Da sahen sie, dass dieses Haus von Arbeitern, die in Not und Elend lebten und armen Männern voll war. Sie arbeiten in einer merkwürdigen Fabrik. Auch die Umgebung dieses Hauses war von beseelten, lebendigen Wesen erfüllt. Diese lebten zwar unter besonderen Umständen, hatten aber ihren Lebensunterhalt. Ein Teil von ihnen war Vegetarier, ernährte sich nur von Pflanzen. Ein anderer Teil ernährte sich hingegen nur von Fischen. Er fraß also nichts, außer Fisch.

Die beiden Männer betrachteten diese Verhältnisse. Dann sahen sie sich um und erblickten in der Ferne Tausende geschmückter Schlösser und hochragender Burgen stehen. Zwischen diesen Schlössern sahen sie sich Marktplätze und Werkhallen erstrecken. Aufgrund der großen Entfernung - oder waren vielleicht ihre Augen zu schwach? oder hatten sich ihre Bewohner vielleicht vor ihnen versteckt? - konnten die beiden Männer aber die Bewohner des Schlosses nicht erblicken. Doch in den Schlössern fanden sich nicht die gleichen Lebensbedingungen wie in dem kleinen elenden Haus. Da sagt dieser unkultivierte Beduine, der noch nie eine Stadt gesehen hatte, weil er unter den gegebenen Umständen keine Bewohner erblicken konnte und weil er hier die dortigen Lebensbedingungen nicht vorfand: "In diesen Schlössern gibt es keine Bewohner, sie stehen leer. In ihnen gibt es keine lebende Seele." So macht er in seiner unzivilisierten Art eine der dümmsten Bemerkungen. Der andere Mann aber sagt:

"Oh du bedauernswerter Mensch! Du siehst nur dieses kleine elende Haus, das von beseelten, arbeitenden Wesen erfüllt ist. Es gibt jedoch bestimmt jemanden, der sie alle immer wieder austauscht und andere dafür in Seinen Dienst stellt. Schau! Es gibt in der Umgebung dieses Hauses keinen freien Platz. Es ist von Wesen erfüllt, die belebt und beseelt sind. Ja wäre es denn möglich, dass sich in dieser wohlgeordneten Stadt, die wir von Ferne sehen können, mit ihren in Weisheit gestalteten Villen und Gebäuden,

ihren kunstreichen Schlössern keine ihnen entsprechenden Bewohner haben sollten? Mit Sicherheit sind alle diese Schlösser (mit Leben) erfüllt und gibt es in ihnen entsprechend den Lebensbedingungen die sich in ihnen vorfinden auch die Bewohner, (für die diese Bedingungen geeignet sind). Es wäre in der Tat möglich, dass sie statt Gras, Pastete äßen oder statt Fisch vielleicht Baklava (Kuchen). Wenn sie wegen deiner Entfernung oder aufgrund deiner mangelnden Sehkraft, oder vielleicht, weil sie sich versteckt halten, für dich nicht sichtbar sind, so kann das keineswegs ein Beweis dafür sein, dass sie nicht existieren. "Es kann nicht etwas, weil man es nicht sehen kann, ein Beweis dafür sein, dass es etwa nicht vorhanden wäre."

Wenn also nun unsere Erde, die doch unter den erhabenen Himmelskörpern so klein und von kompakter Masse ist, wie im obigen Gleichnis dargestellt, so grenzenlos vielen mit Geist und Bewusstsein begabten Wesen als Heimat dient und auf der selbst noch Verrottetes und Verfaultes als Quelle neuen Lebens zu einem Versammlungsort von Mikroorganismen werden, zeigt und bezeugt sie und macht zwangsläufig, offensichtlich, auf einem vorzüglichen Wege, mit wahrhaftiger Eingebung und sicherer Gewissheit bekannt, dass auch dieses grenzenlose Weltall und dieser prächtige Himmel mit seinen Sternen und Türmen mit solchen Wesen belebt ist, die mit Geist und Bewusstsein begabt sind. Diese mit Geist und Bewusstsein begabten Lebewesen, die aus Licht und Glut, aus dem Feuer, seinem Schein, seinem Rauch, aus Luft, aus Ruf und Duft und Wort, aus Äther, ja sogar aus reiner Energie und noch vielen anderen fließenden feinstofflichen Elementen erschaffen wurden, bezeichnet das leuchtende Gesetz, das Mohammed, mit dem Friede und Segen sei, gebracht hat, und der Qur'an, der in seiner Verkündigung ein Wunder ist, als "Engel, Dschinnen und Geister".

Was aber die Engel betrifft, so gibt es unter ihnen ebenso verschiedene Arten, wie es verschiedene Arten von Dingen gibt. In der Tat ist mit Sicherheit der Engel, der für einen Regentropfen zuständig ist, nicht von der Art des Engels, der für die Sonne zuständig ist. Was aber die Dschinnen und Geister betrifft, so gibt es auch unter ihnen sehr viele durchaus verschiedene Arten.

Schlusswort dieser Anmerkung:

Erfahrungsgemäß ist die Materie nicht die Basis, der das Sein dienen müsste und von der es abhängig wäre. Vielmehr wird die Materie durch den Sinn, der hinter ihr steht, aufrecht erhalten. So ist denn dieser Sinn Leben und Geist. Zudem ist es offensichtlich nicht die Materie, der wir alle dienen und auf die alles zurückzuführen wäre. Vielmehr ist sie selbst eine Dienerin. Sie dient der Vervollkommnung der (Übermittlung) der Wahrheit. Diese Wahrheit ist das Leben. Die Basis der Wahrheit aber ist der Geist (ruh).

Offensichtlich ist die Materie nicht die, die herrscht, sodass man sich an sie wenden und die Vollkommenheit in ihr suchen sollte. Vielmehr ist sie gefangen, schaut aus nach der Basis, sie zu beurteilen, bewegt sich in den Bahnen, die sie ihr zeigt. So ist denn diese Basis das Leben, der Geist, das Bewusstsein. Des Weiteren ist die Materie, wie man zwangsläufig bestätigen muss, nicht das Innerste, nicht das Wesentliche, auch nicht beständig, sodass alles, was sich bewegt und was vollkommen ist, von ihr abhängig und auf ihr aufgebaut wäre, vielmehr gleicht sie der Rinde, der Schale, dem Schaum, der Form, dazu bestimmt, einmal zu platzen, zu zerbrechen, zu verfliegen, zu vergehen.

Sieht man denn nicht, was für scharfe Sinne so ein kleines Tier hat, dass man mit dem bloßen Auge nicht sehen kann, sondern nur mit dem Mikroskop. Es hat hochempfindliche und scharfe Sinne, mit denen es die Stimmen seiner Artgenossen hört und seine Nahrung sieht. Diese Tatsache zeigt, je kleiner und feiner die Materie wird, um so stärker prägt sich das Leben, um so schärfer wird das Licht des Geistes. Es ist, als ob die Materie sich an die Welt des Geistes, an die Welt des Lebens und an die Welt des Bewusstseins annähere,

je mehr sie sich verfeinert und von unserer Körperwelt entfernt, wobei die Glut des Geistes und das Licht des Lebens um so mächtiger erscheint. Wenn also durch den Schleier der Materie so viele Tropfen des Lebens, des Bewusstseins und des Geistes hindurch sickern, wie wäre es dann überhaupt möglich, dass die Welt des Innerlichen (alem-i batin),die hinter diesem Schleier liegt, nicht von beseelten und mit Bewusstsein begabten Wesen erfüllt sein sollte? Ja wäre es denn überhaupt möglich, dass diese zahllosen Tropfen, Funken, Früchte der Bedeutungen, des Geistes, des Lebens und der Wahrheit in der Körperwelt und in der bezeugten Welt ausschließlich in der Materie und im Stoffwechsel ihren Ursprung haben und auf ihn zurückgeführt und somit erklärt werden könnten? Nein, auf keinen Fall! Diese zahllosen Tropfen und Funken zeigen: was diese Körperwelt und die bezeugte Welt betrifft, so ist sie ein durchsichtiger Schleier der über die Welt der Engel und der Geister ausgebreitet ist.

Zweiter Grundsatz

Man kann sagen, dass die Leute, die sich auf den Verstand berufen, und die Leute, die sich auf die Offenbarungen berufen, wissentlich oder unwissentlich, in der Existenz der Engel und der Geistwesen miteinander übereinstimmen. Trotz ihrer unterschiedlichen Formulierungen sind sie sich in der Tatsache ihrer Existenz sinngemäß einig. Selbst die Peripatetiker unter den Philosophen der Ishraqiyyun, die im (Studium) der Materie am weitesten fortgeschritten waren, sagen, ohne die Bedeutung der Engel zu leugnen: "Jede Art hat ihr eigenes, unabhängiges geistiges Wesen." Dies ist ihre Art die Engel zu beschreiben. Auch die Ishraqiyyun in der alten Philosophie nahmen gezwungenermaßen dem Sinne nach Engel an, nannten sie aber fälschlicherweise die "Zehn Verstande" ('uqul-u 'ashere)und "Sachkundige der Arten" (erbabu l-enva').

Alle Religionsphilosophen nehmen ganz intuitiv und durch die Lehre der geoffenbarten Schriften an, dass (in dieser Welt eine jede) Erscheinungsform den ihr entsprechenden zuständigen Engel hat und bezeichnen letztere mit Namen wie "Bergengel, Meerengel, Regenengel." Selbst die Materialisten und die Naturalisten, denen der Verstand in die Augen gerutscht ist und gleichsam von der Stufe ihres Menschseins auf die Stufe der unbelebten (Materie) hinuntergefallen sind, konnten die Bedeutung der Engel auch nicht bestreiten und waren gezwungen, sie als "hindurchziehende Kräfte" (quva-yi sariye)

{(*): Sie fanden nicht die Kraft, die Engel in ihrer Bedeutung und die Geistwesen in ihrem tatsächlichen (Dasein) zu leugnen. Vielmehr waren sie durch eine falsche Beschreibung der Gesetze der Erschaffung gezwungen, in gewisser Hinsicht sie zu bestätigen, indem sie diese Gesetze als "hindurchfließende Kräfte" bezeichneten. Oh du, der du dich für klug hältst (du kommst am Ende doch zum gleichen Ergebnis)!}

gewissermaßen anzunehmen.

Oh du hilfloser Mann, der du unschlüssig bei der Annahme der Engel und der Geistwesen zauderst! Worauf stützt du dich? Auf welche Wahrheit verlässt du dich, so dass du, wissend oder unwissend, gegen die Feststellung der Wissenschaft aller Leute des Verstandes über die Bedeutung der Engel und gegen deren Übereinstimmung in der Wahrheit von den Geistwesen Widerstand entgegensetzt und sie nicht annimmst? Wie schon im "Ersten Grundsatz" bewiesen wurde, ist das Leben das, womit wir alles Sein entdecken, ja sogar dessen Ergebnis und gleichsam dessen Konzentrat. Alle Leute des Verstandes sind sich dem Sinne nach über die Annahme der Bedeutung der Engel einig. Diese unsere Erde ist mit so vielen mit Geist und Leben begabten Wesen bevölkert.

Ja wäre es denn unter diesen Umständen überhaupt möglich, dass dieses weite Universum unbewohnt und leer, diese weiten feinstofflichen Himmelsräume unbesiedelt wären? Man soll nicht daraus schließen, dass die in der Schöpfung gültigen Gesetze und Vorschriften ausreichten, den Kosmos mit Leben zu erfüllen.

Denn diese bestehenden, geltenden Gesetze sind Befehle, die nur nach außen hin von praktischer Bedeutung sind, Vorschriften, die nur in der Vorstellung bestehen und so betrachtet werden, als gäbe es sie gar nicht, wenn nicht Diener Gottes, die Engel genannt werden, da wären, welche diese Gesetze vollzögen, sie bekannt machten, die Zügel in der Hand hielten. Sonst könnten sich diese Gesetze, diese Vorschriften als unwirksam herausstellen. Sie könnten nicht realisiert werden. Sie können keine nach außen hin erkennbare Tatsache sein. Denn das Leben ist eine offensichtliche Tatsache. Eine nach außen hin wahrnehmbare Sache kann nicht durch eine bloß vorgestellte Angelegenheit verursacht sein.

Zusammenfassung:

Die Leute der Weisheit und der Religion, diejenigen, die sich auf ihren Verstand berufen und die sich auf die Offenbarungen berufen, stimmen darin überein, dass das Sein nicht auf diese unsere bezeugte Welt beschränkt ist. Des Weiteren ist die bezeugte Welt, die in Erscheinung tritt, mit so vielen beseelten (Wesen) geschmückt, obwohl sie leblos und für die Entstehung der Geister (ervah)ungeeignet erscheint. Mit Sicherheit ist das Sein nicht auf (diese unsere bezeugte Welt) beschränkt. Vielmehr gibt es noch viele weitere Stufen des Seins, im Verhältnis zu denen die von uns bezeugte Welt nur ein Schleier ist, mit dem sie sich schmückt. Des Weiteren müssen, so wie das Meer sich auf die Fische bezieht, die unsichtbare Welt und die Welt der Bedeutungen (: des Geistes), welche für die Geister geeignet sind, auch von diesen Geistern erfüllt sein. Des Weiteren bringen nun einmal alle Dinge Zeugnis für die Existenz der Engel dar, wie immer man diese nun auch bezeichnen mag.

Mit Sicherheit und ohne allen Zweifel findet sich die schönste Darstellung der Existenz der Engel und der Tatsache (des Daseins) der Geistwesen und die verständlichste Erklärung dazu, so wie sie für den gesunden Menschenverstand angenehm und annehmbar erscheint, (in der Art) wie der Qur'an sie erläutert und erklärt. Der Qur'an, dessen Verkündigung ein Wunder ist, sagt:

"Die Engel sind ehrenwerte Diener. Sie widersprechen dem Befehl nicht. Was befohlen wird, tun sie. Die Engel sind lichtvolle feinsinnige Wesen. Es gibt ihrer verschiedene Arten." Wie die Menschheit in der Tat eine Gemeinde ist und Träger, Repräsentanten und Beispiele für die Gesetze Gottes, die von der Eigenschaft Gottes "das Wort" (kelam)aus gehen, genauso sind auch die Engel eine machtvolle Gemeinde, von denen ein Teil, der die Arbeiten verrichtet, Träger, Repräsentant und ein Beispiel der Gesetze im Sein ist, die von der Eigenschaft Gottes "das Wollen" (irade)ausgehen. Sie sind eine Art Diener und Anbeter, die die Befehle des Schöpfers in Seiner Macht und des Urewigen in Seinem Willen, der in Wahrheit der Wirkende ist, folgen. Für sie gleicht jeder einzelne der erhabenen Himmelskörper einer Moschee, einem Tempel.

Dritter Grundsatz

Die Angelegenheit der Engel und der Geister gehört zu den Dingen, wo sich aus der Existenz eines Einzelexemplars auf die Gesamtheit aller ersehen lässt. Durch den Anblick eines einzelnen Exemplars wird bekannt, dass die ganze Art existiert. Denn, wer es leugnet, leugnet sie insgesamt. Wer (die Existenz) eines einzelnen von ihnen annimmt, muss (die Existenz) der ganzen Art annehmen. Weil dies aber so ist, so komm nun einmal: Ja siehst du und hörst du denn nicht, dass sich die Religionsphilosophen aller Jahrhunderte, von Adams Zeiten bis heute über die Existenz der Engel und die Tatsache der Geistwesen einig waren. Sie stimmten darin überein, Gespräche mit Engeln geführt zu haben, (ihr Dasein) bezeugt und überliefert zu haben, so wie (verschiedene) Gruppen von Menschen einander erzählen, berichten und miteinander Gespräche führen. Wenn man gar keinen Engel eindeutig gesehen und nicht mit Sicherheit beobachtet hätte, oder von einem oder mehreren von ihnen nichts wüsste und wenn man von ihrem Dasein eindeutig und unter Zeugen nichts wahrgenommen hätte, wie wäre es

dann überhaupt möglich, dass eine solche Gemeinsamkeit, eine solche Übereinstimmung tradiert werden konnte und dass sich diese Übereinstimmung über eine solche positiven, die Existenz betreffende Angelegenheit und in der auf Bezeugung stützenden Form, ununterbrochen als allgemein verbreitete, sichere Kenntnis fortsetzen konnte?

Und wäre es überhaupt möglich, dass die ursprünglichen Voraussetzungen dieser allgemeinen Überzeugung nicht überall bekannt gewesen wären und keine allgemein (verbreitete) Angelegenheiten waren? Und wäre es denn überhaupt möglich, dass eine irrige Vorstellung durch alle Umwälzungen der Menschheit(sgeschichte) und durch alle Überzeugungen der Menschheit hindurch auf Dauer bestehen konnte? Und wäre es denn überhaupt möglich, dass der Beweis jenes gewaltig großen Konsenses aller Religionsphilosophen, auf keiner sicheren Eingebung, nicht auf einer augenscheinlichen Gewissheit beruhen sollte? Und wäre es denn überhaupt möglich, dass jene sichere Eingebung und jene augenscheinliche Gewissheit nicht auf zahllosen Zeichen und jene Zeichen auf zahllosen Ereignissen, die beobachtet wurden, und diese beobachteten Ereignisse ohne allen Zweifel am Anfang auf vertrauten Erfahrungen beruhen sollte? Der Grund und der Nachweis dieser allgemeinen Überzeugung bei den Religionsphilosophen rührt daher, dass die vertrauten Erfahrungen und die zuverlässigen Grundlagen aus sehr vielen wiederholten Erlebnissen mit Engeln und Begegnungen mit Geistwesen gewonnen wurden.

Und wäre es denn überhaupt möglich, überhaupt verständlich, überhaupt annehmbar, und könnte es einen Zweifel hervorrufen und Anlass sein, einen Verdacht hervorzurufen, dass die Engel und die Geister existieren und auch beobachtet wurden, was die Propheten und Gottesfreunde, welche Sonnen, Sterne und Monde am Himmel des gesellschaftlichen Lebens der Menschheit sind, anhand des Allgemeinwissens (tevatur)und kraft Übereinstimmung und bezeugen und sinngemäßen (Überlieferung) berichten.

Vor allem aber sind sie in dieser Frage Fachleute. Es ist ja bekannt, dass zwei Leute vom Fach Tausend anderen vorgezogen werden. Außerdem sind sie in dieser Frage diejenigen, die Beweise bringen. Es ist ja bekannt, dass die Aussagen zweier Leute, die Beweise bringen, Tausenden, die verneinen und bestreiten, vorgezogen werden. Und wäre es denn überhaupt möglich, dass die Berichte des Qur'an, dessen Verkündigung ein Wunder ist, der die Sonne der Sonnen der Welt der Wahrheit ist, die am Himmel des Kosmos immer scheint und niemals untergeht, und das Zeugnis und die Erklärung Ahmeds, mit dem Friede und Segen sei, der die Sonne des Prophetentums ist, einem Zweifel unterliegen kann. Wenn die Existenz eines einzigen Geistwesens sich schon einmal bewahrheitete, so zeigt dies, dass es sie auch insgesamt gibt. Die schönste, verständlichste und hochgeschätzteste Form der Schilderung der Tatsache ihrer Existenz ist die, wie das islamische Gesetz (Scharia)sie erklärt, wie der Qur'an sie schildert und wie der sie erfuhr, der die Himmelfahrt unternommen hat.

Vierter Grundsatz:

Wenn man alle die Dinge, die es in unserer Schöpfung gibt, aufmerksam betrachtet, so erkennt man, dass, ihre Gesamtheit genauso wie jedes einzelne Exemplar, einer Persönlichkeit im Sinne einer Körperschaft gleich ist und eine umfassende Aufgabe versieht. Darin erblicken wir einen Dienst an der Allgemeinheit.

Zum Beispiel:

So wie eine Blume einen ihr entsprechenden kunstvollen Schmuck zeigt und in der Sprache ihres Zustandes der Namen ihres Schöpfers gedenkt, so ist auch der Garten unserer Erde wie eine Blume. Sie hat eine überaus umfangreiche Aufgabe, die sie in beständigem Gedenken (tesbih)versieht. So wie eine Frucht ihr immerwährendes Gedenken (tesbih)bekannt macht und zum Ausdruck bringt, genauso hat auch ein riesiger Baum als Ganzes eine beständige, ganz natürliche Aufgabe und vollzieht so in ihr seinen Gottesdienst. So wie ein Baum mit den Worten seiner Blätter, Früchte und Blüten eine Lobpreisung darbringt,

genauso gedenkt (tesbih)auch das riesige Meer des Himmels des Schöpfers in seiner Majestät und lobpreist mit den Worten all der Sonnen, Sterne und Monde (darin) den Meister in seiner Majestät, und dgl. Jedes einzelne nach außen hin sichtbare Ding, auch wenn es uns als ohne Leben und Bewusstsein erscheint, hat eine Aufgabe, wie man sie von lebendigen und bewussten Wesen erwarten darf, und bringt seinen eigenen Lobpreis (tesbih)dar.

So wie sie alle in der Engelwelt (Melekut)von den Engeln repräsentiert und ihre Lobpreisungen (tesbih)von letzteren dargebracht werden, so gelten sie auch mit Sicherheit in der Welt der Herrschaft (mulk,d.h. also das Diesseits) und in der von uns bezeugten Welt als Sinnbilder, Wohnstätten und Gebetsräume für jene Engel. Die erste Art der vier verschiedenen Arten von Arbeitern, die der majestätische Erbauer dieses Weltenschlosses, wie im vierten Ast des "Vierundzwanzigsten Wortes" bereits erklärt wurde, in diesem Schloss in den Dienst gestellt hat, sind die Engel und Geister.

Da nun einmal die Pflanzen und die leblosen Dinge, ohne es zu wissen, mit dem Auftrag eines Wissenden ohne Lohn in einem besonders wichtigen Dienste stehen, während die Tiere gegen geringen Lohn unwissend allumfassenden Zwecken dienen, stehen die Menschen gegen zweierlei Lohn in Dienst, nämlich einen sofort ausbezahlten und einen gutgeschriebenen, wobei sie sich ihrer Kenntnis der Absichten dieses majestätischen Bauherren entsprechend verhalten, auch aus jeder Sache ihren eigenen (nefs)Anteil herausholen und über die anderen Arbeiter Aufsicht führen, so wie wir das ja auch sicherlich beobachten können. Sicherlich lassen sich auch noch Diener und Arbeiter finden, die den vierten Teil, also den wohl bedeutendsten Teil bilden. Diese müssen einerseits den Menschen ähnlich sein, weil sie die umfassenden Absichten des majestätischen Bauherren kennen und sich in ihrem Dienst (ibada)entsprechend verhalten, während sie andererseits im Gegensatz zum Menschen frei sind

von jeglicher Erwartung persönlicher (nefs)Befriedigung oder Entlohnung und sich damit begnügen, nur unter dem alleinigen Anblick des majestätischen Erbauers, Seinem Befehl, Seiner Zusicht, Seinem Auftrag, ja in Seiner Nähe mit ganzer und aufrichtiger Hingabe zu arbeiten, wobei aus dem Gefühl ihrer Zugehörigkeit zu Ihm ihre Freude, ihre Vollkommenheit (kemal),ihr Genuss und ihre Glückseligkeit erwächst. Entsprechend ihrer Art und entsprechend der Arten der geschaffenen Dinge sind ihre Aufgaben (vazife-i 'ibada)unterschiedlich.

Und so wie sich die verschiedenen Beauftragten einer Regierung in den verschiedenen Ämtern voneinander unterscheiden, genauso unterscheiden sie sich im Herrschaftsbereich Gottes durch ihren Gottesdienst und Lobpreis. Zum Beispiel ist der Erzengel Michael wie ein Minister, der durch die Macht Gottes des Gerechten und in Seiner Kraft, in Seinem Namen und auf Seinen Befehl die Aufsicht über (die Pflanzen) führt, Gottes Kunstwerke, die Er auf der Erde als ihrem Acker ausgesät hat. Wenn man so sagen darf, ist er das Oberhaupt aller Engel, die man mit den Landarbeitern vergleichen kann. Mit der Erlaubnis, dem Befehl, der Kraft und der Weisheit des majestätischen Schöpfers haben auch die geistigen Hirten aller Tiere als Oberhaupt einen hochrangigen, für sie zuständigen Engel. Da also nun jedes einzelne dieser sichtbaren Dinge einen Engel haben muss, der für sie zuständig ist, damit er ihre gottesdienstlichen Aufgaben, ihren Dienst als Lobpreisung in der Engelwelt repräsentiere und vor der Schwelle Gottes wissend anbiete, sind mit Sicherheit die Beschreibungen, wie sie der getreue Berichterstatter überliefert, so weit es dabei um die Engel geht, vollkommen der Wahrheit entsprechend und klar verständlich. So heißt es zum Beispiel in einer Verlautbarung (ferman):

"Es gibt einige Engel mit vierzig Häuptern oder vierzigtausend Häuptern. Jedes Haupt hat vierzigtausend Münder. Mit vierzigtausend Zungen in jedem Mund bringen sie vierzigtausend Lobpreisungen (tesbihat)dar."

Die Wahrheit, die diese Hadith zum Ausdruck bringt, hat ihre Bedeutung und es entspricht ihr auch ein Bild. Ihre Bedeutung aber ist wie folgt: Dienst und Anbetung der Engel sind sowohl aufs Beste geordnet und aufs Höchste vollkommen, als auch weit und breit alles umfassend. Und was das dieser Wahrheit entsprechende Bild betrifft, so ist dies folgendes:

Es gibt einige Körper von gewaltigen Ausmaßen, die vierzigtausend Häupter haben und auf vierzigtausend verschiedene Arten ihre gottesdienstlichen Aufgaben erfüllen. Zum Beispiel lobpreist der Himmel Gott mit seinen Sonnen und Sternen. Die Erde, die eine Schöpfung als Ganzes ist, verrichtet ihre gottesdienstliche Aufgabe und bringt dem Herrn Lobpreisungen (tesbih)mit hunderttausend Häuptern, mit hunderttausend Mündern eines jeden Hauptes dar, und mit hunderttausend Zungen in jedem Mund. So muss denn auch der für die Erde zuständige Engel ein vergleichbares Aussehen in der Engelwelt haben, damit er Sinn und Inhalt ihrer Werke übermitteln kann.

So habe auch ich einen mittelgroßen Mandelbaum gesehen, der etwa vierzig dicke Äste, ähnlich seinen Häuptern, hatte. Dann betrachtete ich einen Ast, der etwa vierzig Zweige, seinen Zungen vergleichbar, hatte. Danach betrachtete ich eine dieser Zungen, einen solchen Zweig, der öffnete vierzig Blüten. Ich habe diese Blüten aufmerksam betrachtet. In jeder einzelnen Blüte habe ich etwa vierzig sehr feine, harmonisch angeordnete, farblich abgestimmte, kunstvoll gestaltete Kelche gesehen, deren jeder einzelne eine besondere Erscheinung der Namen des majestätischen Schöpfers (als Grundton im Allgemeinen) und einen Namen (im besonderen) herauslesen ließ. Ja wäre es denn überhaupt möglich, dass der majestätische Schöpfer dieses Mandelbaumes, der Allweise in Seiner Schönheit, der diesem hölzernen Baum so viele Aufgaben auflädt, nicht einen für ihn bestimmten und für ihn zuständigen Engel in ihm sitzen ließe, um als sein Geist, welcher seine Bedeutung kennt und auszudrücken weiß, sie dem ganzen Kosmos bekannt zu machen und vor der Schwelle Gottes zu präsentieren?

Oh mein Freund! Unsere Erklärungen waren bis hierher eine Einleitung, um das Herz aufnahmebereit zu machen, die Seele (nefs)zur Ergebung (teslim)zu bewegen und dem Verstand Gewissheit zu verschaffen. Wenn du diese Einleitung bis zu einem gewissen Grade verstanden hast und wünschst, einem Engel zu begegnen, bereite dich darauf vor! Zugleich reinige dich von den Vorstellungen des Bösen. So stehen denn die Tore der Welt des Qur'an offen. So wartet denn das Paradies des Qur'an مُفَتَّحَةُ اْلاَبْوَابُ "mit geöffneten Toren" tritt ein und sieh dich um! Siehe die Engel in diesem qur'anischen Paradies in ihrer schönen Gestalt. Jeder herabgesandte Vers ist (für die Engel wie) eine Wohnstatt. So betrachte denn ihre Wohnstätten:

وَالْمُرْسَلاَتِ عُرْفًا ٭ فَالْعَاصِفَاتِ عَصْفًا ٭ وَالنَّاشِرَاتِ نَشْرًا ٭ فَالْفَارِقَاتِ فَرْقًا ٭ فَالْمُلْقِيَاتِ ذِكْرًا ٭ وَالنَّازِعَاتِ غَرْقًا ٭ وَالنَّاشِطَاتِ نَشْطًا ٭ وَالسَّابِحَاتِ سَبْحًا ٭ فَالسَّابِقَاتِ سَبْقًا ٭ فَالْمُدَبِّرَاتِ اَمْرًا ٭ تَنَزَّلُ الْمَلٰٓئِكَةُ وَالرُّوحُ فِيهَا بِاِذْنِ رَبِّهِمْ ٭ عَلَيْهَا مَلٰٓئِكَةٌ غِلاَظٌ شِدَادٌ لاَ يَعْصُونَ اللَّهَ مَآ اَمَرَهُمْ وَيَفْعَلُونَ مَا يُؤْمَرُونَ

{"Bei denen, die nacheinander ausgesandt werden, in Windeseile daher brausen, die Wolken verbreiten, zwischen den Verschiedenheiten unterscheiden, an die Mahnungen erinnern." (Sure 77, 1-5) "Bei denen, die mit Ungestüm reißen; bei denen, die mit Sanftmut herausziehen; bei denen, die rasch dahin schweben, schwimmen; allen vorauseilen; die ihre Aufträge zu erledigen verstehen." (Sure 79, 1-5) "Es steigen die Engel und Geister in ihr herab mit der Erlaubnis ihres Herrn." (Sure 97, 4) "Über sie sind harte und strenge Engel gesetzt, die sich nicht auflehnen gegen das, was Gott ihnen befohlen hat, sondern ausführen, was ihnen befohlen wurde." (Sure 66, 6)}

Und weiter höre:

سُبْحَانَهُ بَلْ عِبَادٌ مُكْرَمُونَ ٭ لاَ يَسْبِقُونَهُ بِالْقَوْلِ وَهُمْ بِاَمْرِهِ يَعْمَلُونَ

{"Gepriesen sei Er! Doch es sind nur ehrenwerte Diener. Sie kommen Ihm nicht zuvor in Seiner Rede, sondern handeln nur auf Sein Geheiß." (Sure 21, 26-27)}

Höre ihre Lobpreisungen. Wenn du dich mit den Dschinnen treffen willst, tritt mit der Schutzsure:

قُلْ اُوحِىَ اِلَىَّ اَنَّهُ اسْتَمَعَ نَفَرٌ مِنَ الْجِنِّ

{"Sage, mir wurde geoffenbart, dass eine Schar von Dschinnen lauschte..." (Sure 72, 1)}

ein, betrachte sie und höre, was sie sagen. Ziehe daraus eine Lehre: Siehe, sie sagen:

اِنَّا سَمِعْنَا قُرْاٰنًا عَجَبًا ٭ يَهْدِىٓ اِلَى الرُّشْدِ فَاٰمَنَّابِهِ وَلَنْ نُشْرِكَ بِرَبِّنَآ اَحَدًا

{"Wir haben in der Tat ein wunderbares Buch (Qur'an) gehört. Er leitet auf den rechten Weg. An ihn glauben wir und niemals stellen wir unserem Herrn einen Partner (sherik) an die Seite." (Sure 72, 1-2)}

Zweites Kapitel

Es behandelt die Wiederauferstehung, den Untergang der Erde und das Leben im Jenseits. Dieses Kapitel beinhaltet vier Grundsätze und eine Einführung mit einem Gleichnis.

Einführung

Würde jemand z.B. bezüglich eines Schlosses oder einer Stadt behaupten; "Dieses Schloss oder diese Stadt würde nach ihrer Zerstörung wieder neu konkret aufgebaut und neu erstellt werden." Mit Sicherheit ließen sich gegen diese Behauptung sechs verschiedene Fragen stellen.

Erstens:

Warum sollte es zerstört werden? Gäbe es dafür einen Grund oder gar eine Notwendigkeit? Falls man dann beweisen würde "Ja es gibt einen Grund dafür.", taucht

eine zweite Frage auf: "Ist der Bauherr, der es zerstören und wieder neu aufbauen soll, dazu in der Lage? Kann er das zu Wege bringen? Falls man beweisen würde "Ja, das kann er in der Tat.",

so stellt sich dieFrage:"Wäre die Zerstörung möglich? Und wird es tatsächlich zerstört werden?" Falls man mit Beweisen die Möglichkeit einer Zerstörung, sogar eine tatsächliche Zerstörung bejahen würde, folgen anschließend zwei weitere Fragen:

"Wäre etwa die Wiedererbauung dieses einzigartigen Schlosses oder dieser wunderbaren Stadt möglich? Angenommen, sie sei möglich: Wird es dann trotzdem wieder erbaut werden?" Falls man mit Beweisen auch dies bejahen kann, dann bleibt in dieser Frage in gar keiner Hinsicht mehr (auch nicht vielleicht irgendwo) in einer Ecke ein Loch, eine Lücke, durch die sich noch ein Zweifel, ein Argwohn, ein Verdacht einschleichen könnte.

So gibt es denn, dem obigen Beispiel entsprechend, für die Zerstörung und den Wiederaufbau dieses Weltenschlosses und dieser kosmischen Stadt eine Notwendigkeit. Der Unternehmer, der Bauherr ist dazu in der Lage. Die Zerstörung ist also möglich und sie wird geschehen. Auch der Wiederaufbau ist möglich und auch das wird geschehen. So werden denn diese Fragen nach dem "Ersten Grundsatz" bewiesen werden.

Erster Grundsatz

Der Geist (ruh)ist mit absoluter Sicherheit ewig. Fast alle, bereits im ersten Kapitel angeführten Beweise für die Existenz der Engel und Geister gelten, was hier unser Thema ist, zugleich auch als Beweise für das Fortbestehen des Geistes. Für mich ist diese Angelegenheit so klar, dass weitere Erklärungen sinnlos wären. In der Tat ist der Schleier, der uns von den Scharen der ungezählten ewigen Geister trennt, die in dieser Zwischenwelt, der Geisterwelt, verweilen und auf die Reise in die andere Welt warten, nur so hauchzart und dünn, dass keine Notwendigkeit mehr besteht, (die Welt der Geister) auch noch zu beweisen. Dass Zahllose geistige Entdecker und Leute der inneren Schau mit (Geistern) Kontakt aufnehmen, ja sogar Leute der Entdecker der Grabeswelt sie anschauen können, ein Teil mancher einfacher Menschen sogar Nachrichten von ihnen erhalten und alle Leute in ihren Träumen mit ihnen (in echtem Erleben!) Umgang pflegen, gelten als allgemein bekannte Kenntnisse und Überlieferungen der Menschheit. Da aber in dieser Zeit die materialistische Gesinnung alle berauscht hat, flößt sie den Gedanken auch in einer offensichtlich ganz klaren Angelegenheit ihre Zweifel ein. So möchte ich denn hier auf vier Quellen, unter vielen anderen Quellen, der Eingebung des Herzens und der Gewissheit des Verstandes, mit einer Einführung hinweisen, um solche Zweifel zu beseitigen.

Einführung

Wie in der vierten Wahrheit des "Zehnten Wortes" bereits bewiesen wurde, verlangt eine ewige, unsterbliche, einzigartige Schönheit mit Sicherheit danach, dass die, welche sich für sie begeistern und in denen sie sich

widerspiegeln kann, für immer und ewig bleiben mögen. Zudem verlangt ein makelloses, ewig vollendetes Kunstwerk nach dem Fortbestehen eines verständigen Verkünders. Zudem will grenzenlose Barmherzigkeit und Güte, dass die Bedürftigen in ihrer Dankbarkeit weiter beschenkt werden. So ist denn gerade der menschliche Geist, der sich begeistert, als ein Spiegel dient, der Verständige, der Verkünder, der Bedürftige in seiner Dankbarkeit. Weil dies aber so ist, wird er diese Schönheit, diese Vollkommenheit und diese Barmherzigkeit auf dem Weg in die Ewigkeit der Ewigkeiten begleiten und selbst für ewig bestehen bleiben.

Und wiederum wurde, wie bereits in der sechsten Wahrheit des "Zehnten Wortes" bewiesen wurde, nicht nur der menschliche Geist, sondern alles Sein selbst noch auf seiner untersten Stufe nicht für die Vergänglichkeit erschaffen. Auch sie gelangen zu einer Art von Ewigkeit. Selbst noch eine völlig unbedeutende Blume ohne Verstand, wenn sie ihr äußerliches Sein verlässt, besitzt in tausendfacher Hinsicht eine Art von Ewigkeit. Denn, ihre Gestalt bleibt in ungezählten Erinnerungen erhalten. Das Gesetz ihrer Entstehung bleibt in hunderten winziger Samenkörnchen aufbewahrt und setzt sich in ihnen fort. Zudem wird das Gesetz der Entstehung dieser Blume, das ein Stückweit dem Geist vergleichbar ist, und ihre sinnbildliche Gestalt nun einmal vom Allweisen-Erhalter (Hafiz-i Hakiem)verewigt. Es wird trotz aller Umwälzungen und Umwandlungen in ihren Samen wie Stäubchen in vollkommener Wohlordnung bewahrt und bleibt so erhalten.

Wenn du nicht verstehst, mit welcher Sicherheit der menschliche Geist, der in seinem Wesen überaus vielseitig und hoch qualifiziert ist und einen individuellen sichtbaren Körper trägt, der Bewusstsein und Leben besitzt und ein lichtvolles, auf den Befehl Gottes bezogenes Gesetz ist, die Ewigkeit verdient, mit der Unsterblichkeit verbunden ist und eine Bindung zu seinem immerwährenden Sein hat, wie kannst du da noch sagen: "Ich bin ein mit Bewusstsein begabter Mensch."?

Ja könnte man denn in der Tat über den Herrn, den majestätischen Allweisen, den Erhalter (Hafiz),für den es Niedergang und Verfall nicht gibt, der das Programm eines riesigen Baumes, das in gewissem Grade dem Geist ähnlich ist, und das Gesetz seines Aufbaus noch in seinem kleinsten Kern, so klein wie ein Punkt, speichert und bewahrt, sagen: "Wie kann Er die Seelen (ruh)der Verstorbenen bewahren (bis zum jüngsten Tag)?"

Die erste Quelle kommt von innen heraus.

Das heißt: jeder, der sich (nefs)und sein Leben aufmerksam betrachtet, versteht in ihm den Geist, der bleibt und besteht. In der Tat bleibt die Seele (eines jeden Menschen = ruh),obwohl sie so viele Körper gewechselt, wie sie Jahre gelebt hatte, ganz offensichtlich weiter so bestehen so wie sie war. Weil dies aber nun einmal so ist und der Körper kommt und geht, hat selbst der Tod, der ihn nackt und bloß werden lässt, keinen Einfluss auf das Fortbestehen der Seele und zerstört sie in ihrem Wesen nicht. Sie wechselt nur während der Spanne ihres Lebens ihr Kleid, ihren Körper schrittweise aus. Dies geschieht im Tode jedoch (nicht schrittweise sondern) plötzlich. Durch überaus sichere Eingebung, ja sogar Beobachtung steht fest, dass der Leib durch die Seele besteht. Weil dies aber so ist, besteht nicht die Seele durch ihn, vielmehr besteht der Geist (ruh)frei und unabhängig aus sich (nefs)selbst. Mag nun der Körper (durch den Stoffwechsel) abgebaut oder wieder aufgebaut werden, es belastet dies nicht die Unabhängigkeit (der Seele), vielmehr ist der Leib ein Haus und Nest für die Seele, aber nicht ihr Kleid. Vielmehr ist das Kleid der Seele eine feine Hülle, ein Spiegelleib, welcher einerseits über eine gewisse Festigkeit verfügt, andererseits aber in seiner Feinheit der Seele entspricht. Daher kommt es, dass (die Seele) im Tode nicht vollständig nackt ist, sie entfliegt vielmehr ihrem Nest aus und schlüpft in ihren Spiegelleib.

Die zweite Quelle kommt von außen, das heißt:

Es ist dies eine Art Urteil, das sich aus Erfahrung, aus wiederholten Feststellungen, infolge verschiedener Vorkommnisse

und wiederholter Erfahrungen gebildet hat. Ist es erst einmal klar geworden, dass auch nur eine einzige Seele nach dem Tod fortbesteht, so erfordert dies, dass alle Seelen fortbestehen. Denn nach den Lehren der Logik steht fest: von einer essentiellen Eigenschaft, die bei dem einen Exemplar bezeugt wurde, schließt man auch bei allen anderen Exemplaren auf die Existenz dieser Eigenschaft. Denn, sie ist essentiell und das, was essentiell ist, findet sich in allem Einzelnen.

In Wirklichkeit gibt es nicht nur einzelne Spuren, vielmehr gibt es deren so viele, die sich aus so unbegrenzt vielen Beobachtungen ergeben, Zeichen, die das Fortbestehen der Seelen zeigen, und es gibt sie mit der gleichen Sicherheit, wie es für uns die Neue Welt, das heißt Amerika, gibt und die Menschen, die dort leben. Es kommt in uns kein Zweifel an der Existenz der Menschen auf, die dort leben. Genauso ist ohne Zweifel anzunehmen, dass es in der Welt der Engel und der Geister eine große Anzahl von Seelen verstorbener Menschen gibt und sie mit uns in Verbindung stehen. Sie empfangen von uns Geschenke aus unserem spirituellen Leben. Auch von ihnen kommt lichtvoller Segen zu uns.

Des Weiteren verspürt man aus sicherer Eingebung in seinem Inneren, dass ein wesentlicher Aspekt weiter besteht, nachdem der Mensch gestorben ist. Dieses Wesentliche ist ja seine Seele. Seine Seele aber ist nicht der Zerstörung und der Verwesung ausgesetzt. Denn sie ist in sich nicht strukturiert, sondern bildet vielmehr eine Einheit. Zerstörung, Auflösung und Verwesung sind die Eigenschaften der Dinge, die aus einer Vielzahl von Unterteilen zusammengesetzt und aufgebaut sind. Wie wir bereits oben erklärt haben, schafft und formt das Leben aus der Vielheit eine Einheit und ist die Ursache für das leibliche Fortbestehen. Das heißt, die Einheit und das Fortbestehen sind Wesensmerkmal der Seele, sodass (die Einheit aus der Seele heraus) zur Vielheit anwächst. Die Seele kann entweder nur zu Grunde (fena)gehen durch Verfall und Verwesung, oder aber durch Vernichtung.

Was aber Verfall und Verwesung betrifft, so lässt die Einheit (der Seele) es nicht zu, dass dies eintreten könnte, weil sie ja keine Struktur besitzt, die zerfallen könnte. Was aber die Vernichtung (der Seele) betrifft, so lässt die grenzenlose Barmherzigkeit des absolut Freigiebigen es nicht zu, der menschlichen Seele ihr Dasein, das Er ihr als Geschenk gegeben hatte, welche doch so sehr nach diesem ihr verliehenen, eigenen und für sie besonders passenden Dasein verlangt hatte, wieder zu entziehen, erlaubt Seine unendliche Freigiebigkeit nicht.

Dritte Quelle:

Der Geist (ruh)ist das von Gott befohlene Gesetz, das Licht, Leben und Bewusstsein besitzt, nach außen mit einem Dasein bekleidet, alles umfassend und real, und dazu befähigt, alles erfüllen zu können. Und zudem besitzen selbst noch die schwächsten von Gott befohlenen Gesetze Dauer und Bestand. Wenn man nämlich aufmerksam genug ist, (sieht man), dass in allen Dingen, die der Verwandlung unterworfen sind, eine Art unveränderlicher Charakter enthalten ist, der bei allen Umwandlungs- und Veränderungsprozessen und in allen Formen des Lebens tätig ist und ihr Aussehen verändert. Ohne zu sterben, lebt er und besteht er weiter. So gilt denn jeder einzelne Mensch durch die Vielseitigkeit seines Wesens, sein ganzheitliches Bewusstsein und seine umfangreiche Vorstellung als eine Art für sich, obwohl er doch nur eine einzelne Person ist. Das Gesetz, das für eine Art gilt und für sie in Kraft tritt, tritt auch für jeden einzelnen Menschen in Kraft.

Der majestätische Schöpfer hat den Menschen nun einmal als einen alles umfassenden Spiegel erschaffen, ihm einen stets gegenwärtigen Auftrag zu Dienst und Anbetung erteilt und ihn mit einem erhabenen Wesen begnadet. Wenn auch diese innere Wahrheit in jedem einzelnen Hunderttausendmal die Form verändert, wird sie doch mit der Erlaubnis ihres Herrn nicht sterben, sondern weiterleben und gehen, wie sie gekommen ist. Da dies nun einmal so ist, bleibt die Seele (ruh),welche der Träger des Lebens und des Bewusstseins jeder menschlichen Persönlichkeit ist, durch den Befehl Allahs, verewigt mit Seiner Erlaubnis, für immer und allzeit bestehen.

Vierte Quelle:

Wenn man die Prinzipien und die Gesetze mit Aufmerksamkeit betrachtet und beobachtet, die in ihrer Art dem Geist ähnlich sind und, angesichts ihres Ursprungs, dem Geist in gewissem Grade entsprechen, weil sie beide aus der Welt des Befehls und des Willens Gottes kommen, sieht man, dass sie nur über die Arten herrschen, die keine fühlenden Wesen sind. Wenn diese von Gott befohlenen Gesetze sich mit einem nach außen hin sichtbaren Dasein bekleidet hätten, so würden sie für die jeweiligen Arten zu deren Geist werden. Das Gesetz bleibt jedoch für immer bestehen. Es ist stets konstant und unveränderlich. Umwandlungen und Veränderungen haben auf die Einheit dieser Gesetze überhaupt keinen Einfluss und können sie nicht zerstören.

Zum Beispiel:

Wenn ein Feigenbaum stirbt und (sein Holz) morsch wird und vermodert, so bleibt doch das Gesetz, das ihm seine Gestalt verliehen und als die Seele (dieses Baumes; ruh)gilt, in den (winzig kleinen) Kernen seiner Samenkörner weiter bestehen ohne zu sterben. Da nun einmal selbst die einfachsten und schwächsten befohlenen Gesetze in ihrem Fortbestand an ihre Beständigkeit gebunden sind, muss der menschliche Geist in jedem Fall nicht nur an eine Beständigkeit, sondern vielmehr an die Ewigkeit gebunden sein. Denn: Auch der Geist ist ein bewusstseinstragendes und lebendiges Gesetz, das, nach dem Gesetz des Qur'an und nach seinem majestätischen Erlass:

قُلِ الرُّوحُ مِنْ اَمْرِ رَبِّى

{"Sprich: der Geist ist aus dem Befehl meines Herrn." (Sure 17, 85)}

aus der Welt des Befehls Gottes kommt und dem die Macht des Urewigen ein äußerlich sichtbares Kleid angezogen hat. Das heißt also, wie die Gesetze, die kein Bewusstsein haben, aus dem Willen (Gottes) und aus der Welt Seiner Befehle kommen, immer oder meistens bestehen bleiben, so ist es für den Geist, der für sie eine Art

Bruder ist, weil auch durch ihn der Wille (Gottes) in Erscheinung tritt und aus der Welt Seiner Befehle kommt, ein Fortbestand von noch größerer Bedeutung und es entspricht ihm dies noch weit mehr. Denn er verfügt über ein eigenes Dasein und ist Herr einer nach außen hin sichtbaren Wirklichkeit. Zudem ist (der Geist) noch mächtiger und erhabener als (die Gesetze), weil er über ein Bewusstsein verfügt. Zudem ist er langlebiger und kostbarer als (alle Gesetze), denn er verfügt über das Leben.

Zweiter Grundsatz

Es gibt eine Notwendigkeit für die ewige Glückseligkeit und der Majestätische, der uns diese Glückseligkeit schenken will, ist auch dazu in der Lage. Des Weiteren ist die Zerstörung des Kosmos und der Tod der Erde möglich. Und so wird es geschehen. Die Welt wieder neu zu beleben und die Wiederversammlung nach dem Tod herbeizuführen, ist möglich. Und so wird es auch geschehen. Nun wollen wir kurz und bündig diese sechs Fragen eine nach der anderen in der Weise erklären, dass sich der Verstand davon überzeugen lässt. Im "Zehnten Wort" wurden bereits Beweise auf einer Stufe angeführt, die das Herz auf die Stufe des vollkommenen Glaubens (iman-i kamil)emporsteigen ließen. Hier wollen wir sie aber in der Weise erklären, wie sie der Alte Said in seiner Abhandlung "Punkte" (Nokta)behandelt hat, um wenigstens den Verstand zu überzeugen und dessen Widerspruch zum Schweigen zu bringen. Es ist die ewige Glückseligkeit in der Tat eine Notwendigkeit. Ein sicherer Beweis, der aufzeigt, dass diese Notwendigkeit tatsächlich gegeben, ist eine Eingebung, die aus den folgenden "Zehn Punkten" zusammengefasst wurde.

Erster Punkt:

Wenn man diesen ganzen Kosmos aufmerksam betrachtet, (sieht man), dass sich in ihm ein harmonisches Regelmaß und die Absicht einer Ordnung erkennen lässt. In jeder Hinsicht wird das Filtrat eines freien Willens, wird der Funke einer Absicht darin deutlich. Ja einem aufmerksamen Blick fallen sogar durch das Zeugnis ihrer Früchte in jedem Ding das Licht einer Absicht,

in jeder Sache der Strahl einer Willenskraft, in jeder Bewegung der Blitzstrahl eines freien Willens und in jedem Gebilde Flammen der Weisheit auf. Wenn es nun keine ewige Glückseligkeit gäbe, dann bliebe diese solide Ordnung nur auf eine zerbrechliche, innerlich hohle Form gestützt. Sie wird zu einer Ordnung, die trügerisch und wesenlos ist. Die Bedeutung und Verbundenheit und die Zusammenhänge, welche der Geist von Regelmaß und Wohlordnung sind, werden zunichte und gehen zu Grunde. Das heißt, was Wohlordnung erst zu einer Wohlordnung macht, ist die ewige Glückseligkeit. Weil dies aber nun so ist, setzt die Wohlordnung in dieser Welt ein Zeichen für die ewige Glückseligkeit.

Zweiter Punkt:

In der Schöpfung der Welt wird eine vollkommene Weisheit erkennbar. In der Tat macht die Göttliche Weisheit, die eine Darstellung der Güte des Urewigen ist, in der Sprache all der Dinge, die der ganzen Welt förderlich sind und denen Beachtung geschenkt wird und (der Sprache) der Weisheiten, die ihrem Zweck dienlich sind, die ewige Glückseligkeit bekannt. Denn gäbe es keine ewige Glückseligkeit, dann müsste man in Selbstüberhebung alles, was in dieser Welt offensichtlich weise und nützlich ist, bestreiten. Da die zehnte Wahrheit des "Zehnten Wortes" diese Wahrheit bereits sonnenklar gezeigt hat, begnügen wir uns damit.

Dritter Punkt:

Dass es bei der Erschaffung der Dinge nichts Sinnloses und keine Verschwendung gibt, was nach dem Verstand, der Weisheit intuitiver Schlussfolgerung und Erfahrung feststeht, setzt ein Zeichen für die ewige Glückseligkeit. Der Beweis dafür, dass es bei der Erschaffung keine Verschwendung und nichts Sinnloses in der Schöpfung gibt, ist, dass der majestätische Schöpfer bei der Erschaffung jedes Dinges den kürzesten Weg, die naheliegendste Methode, die leichteste Art und die beste Qualität wählt und sich dafür entscheidet, und dass Er manchmal ein einzelnes Ding mit hunderten Aufgaben beauftragt und an ein dünnes, feines Ding tausend Früchte anhängt und als deren Ergebnis aus ihm hervorbringt.

Da es nun einmal keine Verschwendung gibt und nichts Sinnloses geschieht, so wird es mit Sicherheit die ewige Glückseligkeit geben. Denn: Zunichte zu werden, ohne Wiederkehr, macht alles sinnlos und alles wird zu Verschwendung. Dass es in der ganzen Schöpfung, z.B. im Menschen keine Verschwendung gibt, wie dies nach dem Zeugnis der Physiologie feststeht, zeigt, dass auch die zahllosen angeborenen geistigen Veranlagungen, grenzenlosen Hoffnungen, Vorstellungen und Zuneigungen im Menschen nicht verschwendet werden. Daher zeigt diese im Menschen grundlegende Neigung zur Vervollkommnung die Existenz dieser Vollkommenheit und die Neigung zur Glückseligkeit macht mit Sicherheit deutlich, dass er ein Kandidat für die ewige Glückseligkeit ist.

Sollte es nicht so sein, dann treten diese grundlegenden geistigen Veranlagungen, welche das wahre Wesen des Menschen bilden, diese erhabenen Hoffnungen, in Gegensatz zu den weisheitsvollen Daseinsformen. Sie werden sinnlose Verschwendung, verkümmern und werden zunichte. Da diese Wahrheit in der elften Wahrheit des "Zehnten Wortes" bereits bewiesen wurde, können wir uns hier kurz fassen.

Vierter Punkt:

Eine Art Untergang und Auferstehung in den vielen Arten (von Tieren und Pflanzen), sogar im Wechsel von Nacht und Tag, von Winter und Frühling, im Wechsel von Wetter und Witterungslage, ja sogar im Menschen selbst, in seinem Körper, den er ein Leben lang stets wieder erneuert und im Schlaf, der seinem Tod ähnelt und der ein Gleichnis der Wiederauferstehung und der Offenlegung am jüngsten Tag ist, lassen uns den großen Weltuntergang und die große Wiederauferstehung schon voraus empfinden und geben uns in diesen Indizien davon eine Nachricht. In der Tat gleichen zum Beispiel die Uhr, deren Zeiger Sekunden, Minuten und Stunden zählen, der großen Uhr, die wir Gottes Welt nennen, mit ihren Tagen, Wochen, Jahren und der Lebenszeit des Menschen und den Epochen seiner Geschichte, deren eine den Anfang der anderen bildet, die einander

berichten und einander beständig in Gang halten. So wie der Nacht ein (neuer) Morgen, dem Winter der Frühling folgt, sind sie uns ein Zeichen und berichten sie uns davon, dass dem Räderwerk unserer großen Uhr entsprechend, nach dem Tod der Morgen der Wiederauferstehung anbrechen wird.

Jeder Mensch erlebt während seines eigenen Lebens mehrere verschiedene Formen der Wiederauferstehung. So wie ein Mensch, der in jeder Nacht gleichsam "stirbt" und an jedem Morgen gleichsam wieder "aufersteht", also die Zeichen der Wiederversammlung nach dem Tod erlebt, so werden - nach allgemeiner Auffassung - auch alle seine Zellen in fünf, sechs Jahren ausgetauscht, erlebt (der Mensch) in jedem Jahr zweimal stufenweise eine Art Kopie der Auferstehung und Wiederversammlung. Außerdem sieht er in den Arten der Tiere und der Pflanzen in jedem Frühling mehr als dreihunderttausend Wiederversammlungen, Verbreitungen und Auferstehungen ihrer Arten.

So weisen so viele Indizien auf die Wiederversammlung und so viele Merkmale und Zeichen, die sich auf die Offenlegung (des Lebensbuches) beziehen, mit Sicherheit als eine Art Filtrat der großen Wiederversammlung auf jenen jüngsten Tag hin. Durch einen allweisen Meister, der solche Art Auferstehung der Arten, das heißt, alle Wurzeln der Pflanzen und einen Teil der Tiere im Frühling (aus ihrem Winterschlaf) wieder ins Leben zurückruft und Blätter, Blüten und Früchte und einige andere Dinge nicht gewissermaßen auferweckt, sondern sie gleichsam als eine Kopie wieder zurückbringt, wobei Er eine Art Wiederversammlung und Offenlegung (allen Lebens) vollbringt, kann ein Beweis für eine persönliche Wiederversammlung jedes einzelnen Menschen innerhalb der allgemeinen Wiederauferstehung sein. Denn jeder einzelne Mensch gilt so viel wie bei den anderen Lebewesen ihre ganze Art zusammengenommen. Denn das Licht des menschlichen Vorstellungsvermögens hat ihm in seinem Hoffen und Denken eine so große Breite gegeben,

dass sie Vergangenheit und Zukunft umfasst. Es kann nicht gesättigt werden, selbst könnte es die ganze Welt in sich aufnehmen.

Bei anderen Arten ist das Wesen des Einzelnen nur ein Bruchstück (des Ganzen). Der Wert des Einzelnen gilt nur für (dieses eine Lebewesen) selbst. Sein Blick ist begrenzt. Seine Vollendung (bleibt auf einen Teil) begrenzt. Auch seine Freude und sein Leid sind an den Augenblick gebunden. Was aber den Menschen betrifft, so ist er in seinem Wesen erhaben, in seinem Wert reichhaltig und vielschichtig, in seiner Sichtweise alles umfassend, die (Möglichkeiten zu seiner) Vervollkommnung sind unbegrenzt und seine innere Freude wie auch sein Leid sind es auch, oder doch zum Teil. Daher geben eine Art Wiederauferstehung und Wiederversammlung, die sich bei den anderen Arten wiederholen, wie wir bezeugen, Zeichen darauf und Kunde davon, dass jeder einzelne Mensch in dieser großen allgemeinen Wiederauferstehung auch original wieder zurückgegeben wird und wiederversammelt wird. Da das in der neunten Wahrheit des "Zehnten Wortes" so sicher, wie zwei mal zwei vier macht, bewiesen wurde, fassen wir uns hier kurz und schließen hiermit ab.

Fünfter Punkt:

Die unbegrenzten natürlichen Veranlagungen, die im Wesen des menschlichen Geistes und die unbegrenzten Fähigkeiten, die in diesen natürlichen Veranlagungen enthalten sind, und das Verlangen nach so vielen Dingen, das aus dieser Veranlagung entsteht, unendliche Hoffnungen, die aus diesem Verlangen erwachsen, unendliche Gedanken und Vorstellungen des Menschen, die aus diesen unendlichen Hoffnungen empor keimen, strecken ihre Hände zur ewigen Glückseligkeit aus, wie sie in dieser von uns bezeugten Welt erworben wird, verschlingen sie mit ihren Augen und kehren sich in ihre Richtung, so wie die Erforscher (des islamischen) Geistes(lebens) es gesehen haben. So gibt denn die Natur (fitrat),die nie lügt, und das Verlangen nach der ewigen Glückseligkeit, das in dieser Natur liegt und allgemein

menschlich ist, gewaltig und unerschütterlich dem Herzen (vidjdan)jene intuitive innere Sicherheit, wie sie der Verwirklichung der ewigen Glückseligkeit dient. Und da nun die elfte Wahrheit des "Zehnten Wortes" diese Wahrheit so klar zeigt wie der lichte Tag, können wir uns hier kurz fassen.

Sechster Punkt:

Der, welcher der allbarmherzige Allerbarmer ist, der Meister allen Seins in all Seiner (vollkommenen Harmonie und) Schönheit, erweist uns in Seiner Barmherzigkeit die ewige Glückseligkeit. In der Tat ist das, was ein Geschenk erst zu einem Geschenk macht, was ein Geschenk davor bewahrt, zu einem bloßen Folterwerkzeug zu werden und was alles Sein vor dem Wehgeschrei über eine ewige Trennung errettet, die ewige Glückseligkeit, von der wir in Seiner Barmherzigkeit erwarten dürfen, dass sie dem Menschen nicht vorenthalten werden wird. Denn: Wenn die ewige Glückseligkeit, die Anfang und Ende, Ziel aller guten Gaben und ihr Resultat ist, (den Menschen) nicht (zum Geschenk) geboten wird, wenn die Welt nach ihrem Tod nicht in der Gestalt des Jenseits wieder aufersteht, verwandeln sich alle Gaben in bloße Folterwerkzeuge.

Was aber eine solche Umwandlung betrifft, so macht sie es offensichtlich und zwangsläufig notwendig, die Existenz der Barmherzigkeit Gottes abzustreiten, die doch nach dem Zeugnis des ganzen Kosmos sicher ist und von ihm bezeugt wird. In Wirklichkeit zeigt sich die Barmherzigkeit (Gottes) noch glänzender als die Sonne als eine feststehende Tatsache. So achte denn einmal auf den Glanz und die Schönheit der Werke der (göttlichen) Barmherzigkeit, zu denen solche Gaben wie die Selbstlosigkeit gehören, (die Fähigkeit) zu lieben und zu verstehen. Wenn du dir einmal vorstellst, wie (der Schmerz über) die ewige Trennung und nicht enden wollende Trauer das Leben eines Menschen immer mehr ausfüllt, so siehst du, dass eine tiefe und innige Liebe (am Ende doch) zum größten Unglück wird. Süße Zärtlichkeit wird zur tödlichen Krankheit. Selbst noch der klare Verstand

(denkt den Menschen am Ende in) die schlimmste Katastrophe hinein. Das heißt, Barmherzigkeit (wenn sie echte Barmherzigkeit sein will) kann nicht dulden, dass wahrhaftige Liebe in ewiger Trennung endigt. Da diese Wahrheit bereits sehr schön in der zweiten Wahrheit des "Zehnten Wortes" dargelegt worden ist, haben wir hier nur noch kurz zusammengefasst.

Siebter Punkt:

Alle Feinheiten, alle Schönheiten, alles, was vollkommen ist, alles, was anziehend ist, alles, was begeistert, alles Mitleid, welches in diesem Kosmos sichtbar und erkennbar ist, sind jeweils eine Bedeutung, eine Sinngebung, ein Wort von Gewicht, das dem Herzen zwangsläufig und ganz offensichtlich die Erscheinung der Güte und der Barmherzigkeit des majestätischen Schöpfers dieses Kosmos und die Manifestationen Seiner Gaben und Seine Freigiebigkeit zeigt und dem Verstand vor Augen rückt. Da es nun einmal in dieser Welt eine Wahrheit gibt, so gibt es offensichtlich auch eine wahre Barmherzigkeit. Da es nun einmal eine wahre Barmherzigkeit gibt, so gibt es auch eine ewige Glückseligkeit. Die vierte und die fünfte Wahrheit des "Zehnten Wortes" haben gemeinsam diese Wahrheit so deutlich gemacht wie der lichte Tag.

Achter Punkt:

Das Herz (vidjdan)des Menschen, das seiner mit Bewusstsein begabten Natur (fitrat)entspricht, ist auf die ewige Glückseligkeit hin ausgerichtet und weist auf sie hin. In der Tat vernimmt jeder, der wachen (Herzens) auf sein Gewissen (vidjdan)hört, den Ruf zur "Ewigkeit! Ewigkeit!" Auch könnte man dem (menschlichen) Herzen die ganze Welt zum Geschenk machen, könnte dies doch nicht den Platz für sein Bedürfnis nach Ewigkeit ausfüllen. Das heißt, dieses Herz und diese Ewigkeit sind füreinander geschaffen. Und das heißt weiter, dass dieses Gefühl, sich in seinem Herzen (von Gott) angezogen zu fühlen und (diese Einladung Gottes auch in ekstatischer Bereitschaft) anzunehmen nur in der Anziehungskraft eines wirklichen Zieles und der Wirklichkeit, die (auch tatsächlich) anziehend wirkt, möglich sein kann. Der Schluss der elften Wahrheit des "Zehnten Wortes" hat diese Wahrheit aufgezeigt.

Neunter Punkt:

Es handelt sich um die Benachrichtigung Mohammeds, des Arabers, mit dem Friede und Segen sei, der wahrhaftig ist und dem seine Wahrhaftigkeit bestätigt wurde. In der Tat haben die Worte dieser Persönlichkeit, mit dem Friede und Segen sei, die Tore zur Ewigen Glückseligkeit geöffnet und seine Aussagen sind Fenster zur Ewigen Glückseligkeit. Er hält ja den Konsens aller Gottesgesandten, mit denen Friede und Segen sei, und die Übereinstimmung aller Gottesfreunde (der Heiligen) in der Hand. Ihre gesamte Botschaft (Da'va)kreist mit allem Nachdruck zunächst um die Einheit Gottes und sodann um das Thema von der Wiederauferstehung nach dem Tod und der Ewigen Glückseligkeit. Gibt es vielleicht etwas, das diese Kraft erschüttern könnte? Die zwölfte Wahrheit des Zehnten Wortes hat diese Wahrheit in einer sehr klaren und deutlichen Weise aufgezeigt.

Zehnter Punkt:

Hier handelt es sich um die sichere Nachricht aus dem Qur'an, der in seiner Verkündigung ein Wunder ist, und der in dreizehn Jahrhunderten in siebenfacher Hinsicht als ein Wunder bewahrt geblieben ist und dieses Wunder anhand von vierzig Beispielen, die im "Fünfundzwanzigsten Wort" angeführt worden sind, auch als Wunder erweist. In der Tat ist die Nachricht des Qur'an selbst, der Eröffner der leiblichen Wiederauferstehung nach dem Tod und der Schlüssel zur verschlossenen Wahrheit unserer Welt und die Chiffre zur Weisheit des Kosmos. Überdies gibt es Tausende unwiderlegbarer, sicherer, vernünftiger Beweise, die sich im Qur'an, der in seiner Verkündigung ein Wunder ist, finden lassen, die er uns immer wieder vor Augen hält und uns anregen will über sie nachzudenken.

Zum Beispiel:

قُلْ يُحْيِيهَا الَّذِىٓ اَنْشَاَهَآ اَوَّلَ مَرَّةٍ

{"Sprich, es wird sie der wieder beleben, der sie auch das erste Mal geschaffen hat." (Sure 36, 79)}

Und قَدْ خَلَقَكُمْ اَطْوَارًا {"Wo Er euch doch stufenweise erschaffen hat." (Sure 71, 14)} und وَمَا رَبُّكَ بِظَلاَّمٍ لِلْعَبِيدِ {"Und dein Herr ist nicht ungerecht gegenüber Seinen Dienern." (Sure 41, 46)} Mit sehr vielen solchen Versen, welche auf einen Beweis für Seine Gerechtigkeit hinweisen, gibt er dem aufmerksamen Blick des Menschen sehr viele Fernrohre an die Hand, um ihnen die Ewige Glückseligkeit leiblicher Wiederauferstehung nahe zu bringen. Eine kurze Zusammenfassung des Gleichnisses, das mit den Versen وَقَدْ خَلَقَكُمْ اَطْوَارًا {"Wo Er euch doch stufenweise erschaffen hat." (Sure 71, 14)} und قُلْ يُحْيِيهَا الَّذِىٓ اَنْشَاَهَآ اَوَّلَ مَرَّةٍ {"Sprich, es wird sie der wieder beleben, der sie auch das erste Mal geschaffen hat." (Sure 36, 79)} angeführt wurde und das der Qur'an mit verschiedenen Versen erklärt, haben wir bereits in der Abhandlung "Punkte" (Nokta)folgendermaßen erklärt:

Während das menschliche Dasein von einem (Entwicklungs)Zustand in den anderen übergeht, durchläuft es zugleich einige einzigartige, bestens geordnete Verwandlungen. Vom Spermatropfen (nutfa)zur Morula (alaqa),von der Morula zum Embryo (mudgha),vom Embryo zu einem (Wesen aus) Fleisch und Bein, von Fleisch und Bein bis hin zu einem neuen Geschöpf von menschlicher Gestalt folgen alle diese Verwandlungen minutiösen, ganz genauen Gesetzen.

Jeder von diesen Zuständen hat solche besondere Regeln, solche bestimmte Grundsätze und solche genau geregelte Bewegungsabläufe, dass sie die Erscheinungen einer Absicht, eines Willens, einer Entscheidung und einer Weisheit glasklar deutlich werden lassen.

So ist es denn der allweise Schöpfer, der auf diese Art den Körper bildet und der diesen Körper jedes Jahr wieder aufs Neue formt, so wie man ein Kleid wechselt. Was die Erneuerung und den Fortbestand eines Körpers anbelangt, so ist der Aufbau neuer Zellen notwendig, die an die Stelle der abgebauten Zellen treten und deren Arbeit übernehmen. Diese Zellen werden nach einem allgemeinen Gesetz Gottes abgebaut und nach einem anderen, ebenso allgemeinen Gesetz des Herrn, wieder aufgebaut. Dazu ist nur die allerfeinste Materie als Nahrung geeignet, welche der wahre Versorger (Rezzaq),den unterschiedlichen Bedürfnissen entsprechend nach einem bestimmten Gesetz an die einzelnen Organe und Glieder des Körpers verteilt.

Betrachte nun, wie sich diese allerfeinsten Materieteilchen verhalten, die der allweise Versorger schickt; du wirst sehen, dass die Atome dieser Materie, die in kleinen Gruppen im Luftraum, der Erde und dem Wasser verteilt sind, sich in einer Art und Weise versammeln, hinter der eine Absicht spürbar wird, eine Aktivität, als hätten sie plötzlich einen Marschbefehl bekommen. Sie kommen überaus wohlgeordnet zueinander, jedes Atom wie ein Beamter, beauftragt mit einer Aufgabe und bereit nach einem bestimmten Ort zu gehen. Überdies wird aus dem Gang der Entwicklung ersichtlich, dass sie nach einem bestimmten Gesetz dessen, der mit Seiner freien Entscheidung handelt, geführt werden. Sie treten aus der Welt der leblosen in die drei Naturreiche (Mineralien, Pflanzen, Tiere), das heißt, in die Welt der Lebewesen ein. Dann treten sie nach bestimmten Anordnungen mit bestimmten Bewegungen und nach spezifischen Prinzipien als Nahrung in einen Körper ein. Nachdem sie in diesem Körper in vier Küchen gekocht worden sind,

vier einzigartige Umwandlungen durchgemacht haben und durch vier Siebe gesiebt worden sind, verbreiten sie sich in allen Ecken des Körpers und werden durch die Gnade und allgemein gültige Gesetze des wahren Versorgers, dem unterschiedlichen Grad ihrer jeweiligen Bedürfnisse entsprechend, an alle die bedürftigen Organe und Glieder verteilt. Welches Atom du also nun auch immer mit den Augen der Weisheit betrachtest: Du wirst erkennen, dass ein rein zufälliges Zusammentreffen blinder Atome, ein Zufall ohne jedes Gesetz, die bloße Natur, oder Ursachen, taub und ohne Bewusstsein, sich in die Steuerung eines Atoms, das von einem Sehenden, Ordnungsliebenden, Hörenden und Wissenden geführt wird, nicht einmischen kann. Denn an welchem Ort jedes (Atom) sich auch befindet, angefangen von den Elementen (der unbelebten Natur) bis hin zu den Körperzellen: es betätigt sich entsprechend den jeweils festgesetzten örtlichen Regeln, so als wäre es mit ihnen vertraut und bekannt. Es tritt der Ordnung entsprechend ein. In welchem Verband es auch reist, unternimmt es stets geordnete Schritte, die offensichtlich zeigen, dass es sich nach dem Befehl des allweisen Lenkers und Leiters bewegt.

So geht es wohlgeordnet von einer Gruppe zur anderen, von einem Verband zum anderen, ohne sein Ziel und seinen Zweck zu verfehlen, bis es seinen Ort, den ihm entsprechenden Platz erreicht hat, geht zum Beispiel im Auftrag seines Herrn zum Auge von Taufik(Name von N.N.), tritt ein, setzt sich nieder und beginnt zu arbeiten.

So ergibt sich denn aus den gegebenen Umständen, das heißt, es zeigt sich, dass die Herrschaft, die z.B. in unserer Ernährung sichtbar wird, die Atome von Anfang an beauftragt und ihre Plätze bestimmt hat. Diese Ordnung besteht, als stünde auf der Stirn und im Gesicht jedes einzelnen Atoms geschrieben "Das wird die Nahrung für diese und jene Zelle", weist darauf hin, dass auf der Stirn jedes Menschen mit der Feder der Vorherbestimmung Gottes seine Nahrung geschrieben und auf seiner Nahrung sein Name geschrieben steht.

Ja wäre es denn etwa möglich, dass der majestätische Schöpfer, der mit einer solch grenzenlosen Macht und umfassenden Weisheit herrscht und alles Sein, angefangen von den Atomen bis zu den Planeten lenkt und leitet und in Händen hält und im wohlgeordneten und wohlausgewogenen Rahmen kreisen lässt, "eine zweite Entstehung" (nesh'ei uhra)nicht zu Stande bringen sollte oder könnte? So stellt denn der Qur'an in vielen Versen diese weisheitsvolle "Erste Entstehung" dem Menschen vor Augen. Indem er die "Zweite Entstehung" am Jüngsten Tag, dem Tag der Wiederversammlung und der Wiederauferstehung auf sie bezieht, weist er die Behauptung zurück, dass dies unvorstellbar sei. Er sagt:

قُلْ يُحْيِيهَا الَّذِىٓ اَنْشَاَهَآ اَوَّلَ مَرَّةٍ

{"Sprich, es wird sie der wieder beleben, der sie auch das erste Mal geschaffen hat." (Sure 36, 79)}

Das heißt: "Der, welcher euch in solch weisheitsvoller Form aus Nichts gemacht hat, ist es, der euch im Jenseits wieder lebendig machen wird." Außerdem sagt er:

وَهُوَ الَّذِى يَبْدَؤُا الْخَلْقَ ثُمَّ يُعِيدُهُ وَهُوَ اَهْوَنُ عَلَيْهِ

{"Der, welcher die Schöpfung begonnen hat, wird sie auch wiederholen. Und dies ist Ihm leichter" (Sure 30, 27)}

Das heißt: "Eure Wiedereinsetzung und Auferstehung am Tage der Wiederversammlung ist viel leichter und einfacher als eure Erschaffung in dieser Welt." Es ist viel leichter und einfacher, die Soldaten eines Bataillons, die sich in einer Ruhepause zerstreut haben, auf das Signal einer Trompete hin wieder unter der Fahne ihres Bataillons zu versammeln, als ein neues Bataillon aufzustellen. Und ist es ja doch für den Verstand viel leichter als die "Erste Erschaffung" als möglich anzunehmen, dass die Zellen, die gewissermaßen eine Stammmannschaft bilden und sich im Körper bereits an einander angepasst, mit einander Bekanntschaft oder Freundschaft geschlossen haben, auf den Befehl des majestätischen Schöpfers,

welcher durch die Posaune des Erzengels Israfil, mit dem Friede sei, erteilt wird, mit "Hier sind wir!" entgegenkommen und sich versammeln. Außerdem müssen vielleicht nicht alle Zellen zueinander gebracht werden. Die grundlegenden Teile und die wesentlichen Zellen, welche wie Keime und Samen sind und in einer Hadith als عَجْبُ الذَّنَبْ {"Steißbein."} bezeichnet werden, bilden eine ausreichende Substanz und Basis für eine "Zweite Entstehung". Der allweise Schöpfer baut den menschlichen Körper auf ihnen auf. Eine Zusammenfassung des Gleichnisses von der Gerechtigkeit, auf das die Ayat hinweisen, wie die dritte Ayah وَمَا رَبُّكَ بِظَلاَّمٍ لِلْعَبِيدِ {"Und dein Herr ist nicht ungerecht gegen Seine Diener." (Sure 41, 46)} ist die folgende: In der Welt sehen wir häufig, dass die ungerechten, ehebrecherischen und grausamen Menschen sehr bequem und angenehm und die unterdrückten und die gläubigen Menschen nur mühevoll und elend ihr Leben verbringen. Dann kommt der Tod und macht sie alle gleich. Wenn diese Gleichheit aller ohne Ende fortbestünde, nie zu einem Ende käme, so müsste man darin eine Ungerechtigkeit erblicken. Tatsächlich lassen Gottes Gerechtigkeit und Weisheit, welche durch das Zeugnis des ganzen Kosmos feststehen und frei sind von jeglichem Makel, eine solche Ungerechtigkeit niemals zu. Das verlangt offensichtlich nach einem anderen Versammlungsort, sodass erstere ihre Strafe und letztere ihre Belohnung erhalten, damit diese Menschheit, die in Unordnung und Elend lebt, entsprechend ihrer Begabung Strafe oder Lohn erfahren und zu einem Gegenstand, um den sich die lautere Gerechtigkeit dreht, und zu einem Objekt, wo die Weisheit des Herrn in Erscheinung tritt, und ein großer Bruder allen weisheitsvollen Seins dieser

Welt werden kann. In der Tat ist dieses Weltenhaus für das Wachsen und Gedeihen zahlloser Begabungen, die im menschlichen Geist enthalten sind, nicht geeignet. Das heißt also, er wird in eine andere Welt gesandt werden. In der Tat ist der Mensch in seinem Kern ein Juwel. Daher ist er ein Kandidat für die Ewigkeit. Er ist erhaben in seinem Wesen. Daher ist auch sein Verbrechen gewaltig groß. Er ist allem, was da ist, nicht gleich. Auch ist die (göttliche) Ordnung für ihn von Bedeutung. Er kann nicht ohne (diese göttliche) Ordnung sein, nicht unbeachtet bleiben, nicht ohne einen Sinn bestehen, nicht zur völligen Auflösung verurteilt sein, nicht ins bloße Nichts entfliehen. Auf ihn wartet die Hölle mit offenem Rachen. Was jedoch das Paradies betrifft, so sieht es ihm mit offenen Armen entgegen. Da die dritte Wahrheit des "Zehnten Wortes" dieses zweite Beispiel bereits außerordentlich schön dargelegt hat, wollen wir hiermit schließen.

So vergleiche und studiere auch andere Ayat, die wie diese beiden verehrungswürdigen Ayat, die wir hier als Beispiel angeführt haben, sehr viele feinsinnige Beweise für den Verstand beinhalten. So geben die zehn "Punkte" ein Gefühl der Sicherheit und ein zuverlässiges Zeugnis. So wie diese tiefe grundlegende Empfindung, dieses besonders kräftige Zeugnis zeigt, dass eine durchaus begründete Notwendigkeit für die Wiederversammlung und die Wiederauferstehung besteht, machen die meisten Schönen Namen des majestätischen Schöpfers, wie der Allweise, der Barmherzige, der Bewahrer (Hafiz),der Gerechte - wie im "Zehnten Wort" unwiderlegbar bewiesen wurde - es notwendig, dass (der Tag) der Wiederversammlung und der Wiederauferstehung kommt, sich die ewige Glückseligkeit als gegeben erweist, dass eine Ewige Glückseligkeit sich klar und deutlich bewahrheitet.

Das heißt also: die Notwendigkeit für eine Auferstehung und Wiederversammlung ist so stark, dass es dagegen keinen Grund für einen Zweifel oder Verdacht geben kann.

Dritter Grundsatz

Es gibt einen, der vollbringt (Fa'il),der dazu mächtig ist. So wie denn zweifelsfrei und tatsächlich eine Notwendigkeit der Wiederversammlung besteht, so ist auch derjenige, welcher dereinst die Wiederversammlung bewirken wird, von Seiner höchsten Stufe aus dazu mächtig. Seine Macht kennt keine Einschränkungen. Vor Ihm und für Ihn sind alle großen und kleinen Dinge eins. Die Schaffung des Frühlings ist für Ihn ebenso leicht wie die Erschaffung einer Blume. Er ist in der Tat der Allmächtige, für dessen Größe und Macht der gesamte Kosmos mit unendlichen Zungen, mit all seinen Sonnen, Sternen, Planeten, Organismen, Zellverbänden und Atomen Zeugnis ablegt. Wäre da überhaupt noch ein Verdacht oder Zweifel an der leiblichen Wiederauferstehung berechtigt, der bei einer solchen Macht nicht auszuräumen wäre?

In der Tat ist Er der majestätische Allmächtige, der auf dieser Erde in jedem Jahrhundert eine neue und wohlgeordnete Welt erschafft, sogar in jedem Jahr ein neues reisendes, wohlgeordnetes Universum ins Dasein ruft, sogar an jedem Tag eine wohlgeordnete Welt macht. Könnte man von diesem Herrn, der ständig an diesem Himmel und auf dem Antlitz der Erde Welten und Universen, die nacheinander vergehen, in vollkommener Weisheit erschafft und wechselt und der so viele wohlgeordnete Welten wie es Jahrhunderte, Jahre, sogar Tage gibt, mit dem Seil der Zeit verknüpft und damit die Größe Seiner Macht zeigt, der den riesigen Frühling, den Er mit hunderttausend Ornamenten der Wiederauferstehung verziert, der Erde wie eine einzige Blume ins Haar steckt und damit die Vollkommenheit Seiner Weisheit und die Schönheit Seiner Kunstfertigkeit zeigt, ja könnte man denn von diesem Herrn sagen: "Wie kann Er die Wiederauferstehung zu Stande bringen und wie könnte Er das Diesseits der Welt in ein Jenseits umwandeln?" Die Vollkommenheit der Macht dieses Allmächtigen, dem überhaupt nichts schwer fällt, für dessen Macht die größte Sache nicht schwieriger ist als die kleinste Sache,

dessen Macht unendlich viele einzelne Dinge so leicht fallen wie ein einziges Ding, (diese Macht) verkündet die folgende ehrwürdige Ayah:

مَا خَلْقُكُمْ وَلاَبَعْثُكُمْ اِلاَّ كَنَفْسٍ وَاحِدَةٍ

{"Eure Erschaffung wie eure Auferstehung sind nicht anders als die einer einzigen Seele."}

Die Wahrheit dieses Verses hatten wir im Nachwort des "Zehnten Wortes" schon einmal kurz und in der Abhandlung "Punkte" (Nokta)und im "Zwanzigsten Brief" dann eingehend erklärt. In diesem Zusammenhang wollen wir hier noch eine weitere kurze Erklärung in Form von drei Problemstellungen anfügen.

Was also nun die Macht Gottes betrifft, so gehört sie zu Seinem Wesen (Dhat).Daher kann sie von keiner Schwäche zersetzt werden. Außerdem bezieht sie sich auf das innere Antlitz (melekutiyet)der Dinge. Daher können Hindernisse nicht in sie eindringen. Außerdem ist ihr Verhältnis zu ihnen wie ein Gesetz. Daher entspricht ein Teil der Gesamtheit aller und zugleich gestaltet sich ein Teil entsprechend dem Ganzen. Nun wollen wir diese drei Thesen beweisen.

Erste These:

Die Macht des Urewigen, Gottes des allheiligen Herrn, ist eine zwangsläufige Notwendigkeit Seines Wesens. Das heißt, sie gehört notwendigerweise als ein Attribut zu Seinem Wesen. Sie kann in keiner Weise irgendeine Schwäche haben. Daher kann irgendeine Schwäche, die der Gegensatz zur Macht ist, dieses Wesen, dem diese Macht notwendigerweise gehört, nicht befallen. Denn dann müsste es ja eine Gemeinsamkeit der Gegensätze geben. Da Schwäche diese Macht nun einmal nicht beeinträchtigen kann, so kann es offensichtlich in dieser wesensgemäßen Macht keine Zersetzungen geben. Da nun einmal eine Schwäche in (Gottes All)-macht nicht eindringen kann, kann es offensichtlich auch im Wesen dieser Macht keine Abstufungen geben. Denn Abstufungen innerhalb eines jeden Dinges kommen durch

Einwirkungen der Gegensätze auf jedes Ding zu Stande. So entstehen zum Beispiel die verschiedenen Hitzegrade unter der Einwirkung der Kälte. Die verschiedenen Abstufungen der Schönheit entstehen unter der Einwirkung von Hässlichkeit, und dergleichen andere Beispiele mehr. Da es aber im Bereich des Möglichen keine wahre und natürliche, wesensgemäße Notwendigkeit gibt, können die Gegensätze im Bereich des Möglichen ineinander einfließen. Durch die Entstehung der unterschiedlichen Abstufungen kommen Konflikte und Veränderungen in der Welt zu Stande. Da es nun einmal in der Macht Gottes keine Abstufung gibt, kann der Einsatz dieser Macht zwangsläufig auch nicht verhältnismäßig sein. (Er ist unabhängig davon, ob es sich dabei um) große oder kleine (Dinge handelt). Die Atome sind dabei den Sternen gleich. Die ganze Menschheit wieder aufzuerwecken und zu versammeln, ist für diese Macht so leicht wie eine einzelne Seele ins Leben zurückzurufen, die Erschaffung eines Frühlings wie die einer einzelnen Blume. Wollte man sie aber den Ursachen zuschreiben, dann würde die Erschaffung einer Blume genauso schwierig wie die des Frühlings.

In der Anmerkung des letzten Teils der "Vierten Stufe" von "Allahu Ekber" (Gott ist groß) im "Zweiten Kapitel" dieses Wortes und im "Zweiundzwanzigsten Wort" und im Zwanzigsten Brief und im Anhang dazu wurde bewiesen, dass die Erschaffung aller Dinge so leicht ist wie die eines einzigen Dinges, wenn man sie dem, der in Seinem Wesen und Seiner Herrschaft ein Einziger ist (Vahid-i Ahad),zuschreibt. Wollte man sie aber den Ursachen zuschreiben, dann wird die Erschaffung eines einzigen Dinges ebenso mühsam und schwierig wie die aller Dinge.

Zweite These:

Die Macht bezieht sich auf das Innerste (melekutiyet)der Dinge. In der Tat hat die Schöpfung wie ein Spiegel ihre zwei Seiten. Die eine Seite ist die, die sich auf diese Welt bezieht (mulk).Sie gleicht der farbigen Seite eines Spiegels. Die andere ist die Seite, die sich auf die Engelwelt (melekut)bezieht.

Sie gleicht der glänzenden Seite eines Spiegels. Die Seite, die sich auf diese Welt bezieht, ist der Raum, in dem sich die Gegensätze wie Schönheit und Hässlichkeit, Gutes und Böses, klein und groß, schwer und leicht umeinander drehen. Aus diesem Grund machte der majestätische Schöpfer die äußeren Ursachen zu einem Schleier, damit die Hand der göttlichen Allmacht in ihrer direkten Beziehung zu den Dingen, die rein mit dem Verstand und nur von außen betrachtet als hässlich und würdelos erscheinen könnten, in der Wirksamkeit durch Seine Macht (hinter diesem Schleier) verborgen bleibt. Denn Seine Größe und Würde (azamet ve izzet)erfordern dies. Er hat hingegen jenen Fahrzeugen und Ursachen keine tatsächliche Wirkung verliehen, denn Seine Allgegenwart und Einheit (vahdet-i ahadiyet)erfordern dies. Jener Aspekt der Dinge, welcher der Engelwelt zugewandt, ist in allen Dingen klar und rein. Die Farben, welche die einzelnen Dinge (annehmen) und der Abfall (der aus ihnen entsteht) können (diesen Aspekt) nicht beeinflussen. Er bezieht sich unmittelbar auf den Schöpfer. Dort gibt es keine Kettenfolge von Ursachen und keine Reihe von Wirkungen. Dort entstehen keine Ursachen und keine Folgen. Dort gibt es nichts, was krumm wäre, noch schief. Irgendwelche störenden Hindernisse gibt es dort nicht. Das Atom wird zur Schwester der Sonne.

Zusammenfassung:

Diese Macht (als Eigenschaft Gottes) ist sowohl ursprünglich, als auch unendlich, als auch Ihm wesentlich. Der Ort der Allmacht Gottes ist Sein unmittelbares, fleckenloses unwidersprochenes (Wirken). Daher kann das Große im Wirkungsbereich dieser Macht einem Kleinen gegenüber nicht hochmütig sein. Selbst die ganze Gemeinschaft kann gegenüber einem Einzelnen keinen Vorzug haben. Selbst die Ganzheit kann sich so wenig wie ein Bruchteil gegenüber der Macht Gottes noch länger zieren.

Dritte These:

Die Beziehung der Macht zu den Dingen ist eine gesetzliche, das heißt, sie betrachtet viel oder wenig, groß oder klein als gleich. Wir wollen einmal versuchen, dieses schwer verständliche Verhältnis dem Verstand

anhand einiger Gleichnisse nahe zu bringen. Es ist nämlich so, dass im Universum "Lichtausstrahlung, Spiegelung, Gleichgewicht, Ordnung, Abstraktion und Gehorsam" wie Befehle (emir)sind, vor denen viel oder wenig, groß oder klein wie gleich behandelt werden.

Erstes Gleichnis: zeigt die tiefe Wahrheit von der "Lichtausstrahlung" (der Sonne).

Zum Beispiel:

Der Segen der Sonne, welcher sich in ihren Spiegelungen und Reflexionen äußert, zeigt im Spiegel des (ganzen, großen) Meeres wie im Spiegel eines jeden Wassertropfens stets dieselbe Charakteristik. Wenn die Erdkugel, unverschleiert (d.h. ohne ihre Atmosphäre) gegenüber der Sonne, aus verschiedenen Glasstückchen bestünde, würde die Reflexion der Sonne in jedem Teilchen sowie auf der ganzen Erdkugel mühelos, ungeteilt und ungemindert überall stets die gleiche sein. Wollten wir einmal annehmen, die Sonne hätte einen Willen zur freien Entscheidung und könnte den Segen ihrer Strahlen, deren Reflexion, ja selbst ihr Spiegelbild nach eigenem freien Willen aussenden, dann könnte ihr der Segen, den sie der ganzen Erdkugel spendet, nicht schwerer fallen als der Segen, den sie auch nur einem Stäubchen sendet.

Zweites Gleichnis: ist das Geheimnis der "Spiegelung" (der Sonnenstrahlung).

Zum Beispiel

stellen wir uns einmal einen großen Kreis vor, den lebendige Einzelwesen, nämlich Menschen bilden. Einer steht im Mittelpunkt und hält in der Hand eine brennende Kerze. Diejenigen, die den Kreis bilden, halten mit ihrer Hand einen Spiegel hoch. Der Segen (die Strahlen des Lichtes), die von diesem Mittelpunkt ausgehen, reflektieren sich mühelos, ungeteilt und unvermindert in den einzelnen Spiegeln, und ihre Beziehung ist (zu jedem einzelnen Spiegel) die gleiche.

Drittes Gleichnis: ist die tiefe Wahrheit vom "Gleichgewicht".

Stellen wir uns einmal eine Waage vor, die präzise geeicht, hochempfindlich und riesig groß ist.

Egal, was auch in ihren beiden Schalen sein mag, ob zwei Sonnen oder zwei Sterne oder zwei Berge oder zwei Eier oder zwei Atome: es kann die eine Schale dieser hochempfindlichen, gewaltig großen Waage durch die gleiche Kraft in den Himmel steigen, durch welche die andere zu Boden sinkt.

Viertes Gleichnis: Die tiefe Wahrheit von der "Ordnung".

Zum Beispiel:

Selbst das größte Schiff ist genau so wie das kleinste Spielzeugschiffchen steuerbar.

Fünftes Gleichnis: Die tiefe Wahrheit von der "Abstraktion".

Zum Beispiel:

Ein Wesen, seiner konkreten Form entkleidet, ist allen einzelnen Mitgliedern (einer bestimmten Gattung) eigen, von den kleinsten bis zu den größten (Exemplaren), ohne sich zu vermindern, ohne sich zu teilen, gleich (für sie alle und sie alle) umfassend. Charakteristische äußere Kennzeichen irgendeiner konkreten Form können (das Wesen einer Art) nicht beeinflussen und verfälschen. Sie können den Charakter dieses abstrakten Wesens nicht verändern. Zum Beispiel besitzt ein Fisch, so klein wie eine Nadel, das gleiche abstrakte Wesen wie ein Walfisch. Auch noch das winzigste Tierchen ist seinem Wesen entsprechend (genau so ein Tier) wie ein Nashorn.

Sechstes Gleichnis: zeigt die tiefe Wahrheit von dem "Gehorsam".

So wie ein einzelner Soldat sich auf den Marschbefehl eines Kommandanten in Bewegung setzt, genauso setzt sich auch ein riesiges Heer auf das selbe Kommando in Bewegung. Die Wahrheit dieses Gleichnisses von dem tiefen Sinn des Gehorsams ist folgende: Im Kosmos hat jedes Ding - experimentell - einen Punkt seiner höchsten Vollendung. Jedes Ding hat eine Tendenz zu diesem Punkt hin. Eine verstärkte Tendenz wird zu einem Bedürfnis. Ein verstärktes Bedürfnis wird zur Begeisterung. Eine verstärkte Begeisterung wird zur Anziehung. Anziehung, Begeisterung, Bedürfnis und die Tendenz sind Kerne und Keime, die im Wesen der Dinge liegen für die Befolgung der Seinsbefehle Gottes des Gerechten. Die absolute Vollkommenheit des Wesens der

Dinge im Bereich des Möglichen ist sein Dasein als Programm. Die ihnen eigene Vollkommenheit liegt in ihrem spezifischen Dasein, aus dem heraus sich ihre natürlichen Veranlagungen verwirklichen. So entspricht der Gehorsam des ganzen Kosmos gegenüber dem Befehl "Sei!" dem Gehorsam eines einzelnen Atoms, das einem einzelnen Soldaten gleicht. In dem Gehorsam und der Befolgung der Dinge im Bereich des Möglichen gegenüber dem Befehl des Urewigen "Sei!", der aus dem Willen des Urewigen kommt, sind eine Tendenz, sowie Bedürfnis, Begeisterung und Anziehung, die wiederum Erscheinungen des Willens sind, gleichzeitig und gemeinsam enthalten. Geschmeidiges Wasser, das Eisen sprengt, wenn es den Befehl zu Gefrieren bekommt, zeigt in seiner empfindsamen Art die Kraft der tiefen Wahrheit des Gehorsams.

Wenn man an Hand dieser sechs Gleichnisse, die Handlungen und ihre Auswirkungen im Bereich des Möglichen, in ihrer ganzen Mangelhaftigkeit, Begrenztheit und Schwäche betrachtet und sieht, dass sie gar nichts tatsächlich bewirken können, so sind mit Sicherheit alle Dinge vor der Macht des Urewigen, die grenzenlos seit Urewigkeit in Ewigkeit fortbesteht und die den ganzen Kosmos aus dem puren Nichtsein ins Dasein ruft, und die alle Verständigen in Erstaunen versetzt, (vor der Macht) die in ihren gewaltigen Werken erscheint, zweifelsohne einander gleich. Überhaupt nichts ist für sie schwer. Man soll nicht außer Acht lassen, dass diese sechs Gleichnisse nicht (dazu geeignet) sind, die Macht (Gottes) wie mit einer kleinen Waage zu wiegen (und uns auch nicht als Maßstab dazu dienen können, sie mit irgend etwas) zu vergleichen. Sie werden nur erwähnt, um (die Macht Gottes) dem Verstand nahe zu bringen und aus dem Wege zu räumen, was unsere Vorstellungskraft hindert.

Zusammenfassung und Ergebnis des dritten Grundsatzes:

Da nun einmal die Macht des Urewigen grenzenlos ist, die sich des Weiteren als notwendiges Attribut des allheiligen Herrn (ergibt), der des Weiteren das

unbefleckte, unverschleierte Wesen aller Dinge zugewandt ist und sich ihr öffnet, die des Weiteren hinsichtlich der gegebenen Möglichkeiten, aus denen sich der Ausgleich der beiden Seiten von Sein oder Nichtsein ergibt, die Waage hält, die des Weiteren der Ordnung der Schöpfung und den Gesetzen der Gewohnheit Gottes, welche das Große Gesetz der Schöpfung sind, gehorsam ist, und da nun des Weiteren einmal das Wesen der Dinge (melekutiyet),(wie ein Spiegel) ungehindert (alles in sich auf nimmt und doch innerlich aller Dinge) und ihren unterschiedlichen Eigenschaften frei und ledig bleibt, ziert sich mit Sicherheit selbst noch das größte Ding dieser Macht gegenüber genau so wenig wie das kleinste Ding und widersetzt sich ihr nicht. Daher kann die Belebung aller beseelten Wesen am Tage der Wiederauferstehung für diese Macht nicht schwerer sein, als die Belebung einer einzigen Mücke im Frühling. Daher ist also der Erlass

مَا خَلْقُكُمْ وَلاَبَعْثُكُمْ اِلاَّ كَنَفْسٍ وَاحِدَةٍ

{"Nicht ist eure Erschaffung noch eure Auferstehung anders als die einer einzigen Seele." (Sure 31, 28)}

keineswegs übertrieben, sondern genau richtig und tatsächlich wahr. Daher hat sich also sicherlich auch bewahrheitet, was wir bereits als Behauptung aufgestellt hatten, dass nämlich "derjenige, der etwas vollbringen will, auch dazu imstande ist. Was dies betrifft, so gibt es für Ihn kein Hindernis".

Vierter Grundsatz

Wie es für den Weltuntergang und auch für die Wiederauferstehung eine Notwendigkeit gibt, und so wie derjenige, der die Wiederauferstehung bewirken will, auch dazu im Stande ist, so gibt es in dieser Welt auch eine Möglichkeit für ihren Untergang und für ihre Wiederauferstehung. Hier sind also nun anlässlich unserer Behauptung "Der fragliche Platz ist dazu geeignet" vier Fragestellungen zu besprechen.

Erstens:

Ist diese unsere irdische Welt in der Lage zu sterben?

Zweitens:

Dieses (Geschehen ist) der Vorgang des Todes.

Drittens:

Ist die Wiederherstellung und die Wiederbelebung dieser zerstörten und abgestorbenen Erde in einer jenseitigen Form möglich?

Viertens:

Dieses (Geschehen ist) der Vorgang der Wiederherstellung und der Wiederbelebung.

Erste Problemstellung:

Der Tod dieses Universums ist möglich. Denn, wenn etwas im Gesetz der Vervollkommnung mit eingeschlossen ist, findet in ihm auf alle Fälle Wachstum und Gedeihen statt. Wo es aber Wachstum und Gedeihen gibt, dort gibt es in jedem Fall auch eine natürliche Lebensspanne. Wo es aber eine natürliche Lebensspanne gibt, da ist (diesem Leben) in jedem Fall auch eine natürliche Frist gesetzt. Es steht aber aufgrund zahlloser Studien, Erforschungen, Betrachtungen, Erfahrungen und Schlussfolgerungen fest, dass (nach Ablauf dieser Frist) sich nichts und niemand mehr vor den Pranken des Todes retten kann. Auch der Mensch ist ja eine Welt im Kleinen, die sich nicht vor der Zerstörung retten kann. Auch die Welt ist wie ein Mensch im Großen, der sich nicht vor den Pranken des Todes retten kann. Auch sie wird sterben und wieder auferstehen, (wie ein Mensch, der) sich hinlegt (und stirbt) und im Anbruch des Jüngsten Tages seine Augen wieder öffnet.

Und so wie sich ja des Weiteren ein lebendiger Baum, welcher ein verkleinertes Beispiel für den Kosmos ist, nicht vor der Zerstörung und dem Zerfall retten kann, genauso wenig können auch die Abläufe im Kosmos, welche vom Baum der Schöpfung ihren Ausgang nehmen, (den kosmischen Baum) vor dem Zerfall nicht retten, wonach dann (der Kosmos) erneuert und wiederhergestellt werden wird. Wenn der Welt nicht noch vor ihrem natürlichen Tod mit der Erlaubnis des Urewigen Willens (Irade),ein Übel von Außen oder ein vernichtendes Ereignis zustößt, und wenn auch ihr allweiser Erbauer sie nicht noch

vor ihrem natürlichen Tod zerstört, wird auf jeden Fall, ja sogar anhand einer naturwissenschaftlichen Berechnung, ein Tag kommen, an dem die Bedeutung und das Geheimnis von

اِذَا الشَّمْسُ كُوِّرَتْ ٭ وَاِذَا النُّجُومُ انْكَدَرَتْ ٭ وَاِذَا الْجِبَالُ سُيِّرَتْ ٭اِذَا السَّمَٓاءُ انْفَطَرَتْ ٭ وَاِذَا الْكَوَاكِبُ انْتَثَرَتْ ٭ وَاِذَا الْبِحَارُ فُجِّرَتْ

{"Wenn die Sonne umwickelt werden wird und die Sterne ihren Glanz verlieren werden, und wenn die Berge in Bewegung geraten werden." (Sure 81, 1-3) "Wenn der Himmel sich spalten und die Sterne sich zerstreuen und die Meere übersprudeln werden." (Sure 82, 1-3)}

mit Erlaubnis des Urewigen Allmächtigen emporkommen wird. Dann wird dieser Große Mensch, der unsere Welt ist, in die Agonie fallen, seine fürchterliche Stimme wird mit dem seltsamen Ton seines Röchelns das Weltall erfüllen und er wird brüllend sterben. Danach aber wird er auf Gottes Befehl wieder auferstehen.

Eine Anmerkung von feinsinniger Hermetik:

So wie das Wasser zu seinem eigenen Schaden gefriert, das Eis sich zu seinem eigenen Nachteil verflüssigt, der Kern zum Schaden seiner Schale an Kraft gewinnt, das gesprochene Wort sich zum Nachteil seiner Bedeutung in die Länge erstreckt, die Seele zu Gunsten des Leibes schwächer wird, der Leib zu Gunsten der Seele schwindet, genauso wird auch die Erde, die Welt einer massiven Materie, zu Gunsten des Jenseits, der Welt einer feinstofflichen Energie, mit dem Ablauf des Lebensmechanismus, durchsichtiger und feiner.

Der Schöpfer streut in Seiner Macht mit überaus Staunen erregenden Taten den Funken des Lebens in die kompakten, starren, erloschenen, erstorbenen Teilchen, als ein Zeichen des Allmächtigen, zu Gunsten einer feinstofflichen Welt, schmilzt diese Welt kompakter Materie im Lichte des Lebens, verbrennt und erleuchtet sie und bestärkt sie in ihrer Wahrheit. In der Tat stirbt die Wahrheit nicht, wie schwach sie auch sein mag, geht nicht mit der Schale zu Grunde.

Vielmehr unternimmt sie durch die Körper, durch die Schalen eine Reise. So wächst die Wahrheit allmählich heran, wird größer, entwickelt, entfaltet sich, gedeiht. Doch die Schale, die äußere Hülle altert, wird dünn, zerfällt. Um einer gefestigten, größeren Wahrheit Gestalt verleihen zu können, erneuert sich (ihre Form), wird schöner als zuvor. Von einem Standpunkt des Mehr-oder-weniger betrachtet, verhalten sich die Wahrheit und ihre Form zueinander reziprok. Das heißt: Wird die Schale dicker, wird die Wahrheit in ihr um so schwächer. Wird die Schale dünner, gewinnt die Wahrheit in ihr an Kraft. So gilt denn dieses Gesetz in allen Dingen, die in das Gesetz der Vervollkommnung eingeschlossen sind.

Das heißt, es wird auf jeden Fall eine Zeit kommen, in der die von uns bezeugte Welt, die Schale und Form der gewaltigen, kosmischen Wahrheit ist, mit Erlaubnis des majestätischen Schöpfers zerbröckelt. Danach wird sie in einer noch schöneren Form erneuert werden. Der tiefe Sinn von

يَوْمَ تُبَدَّلُ اْلاَرْضُ غَيْرَ اْلاَرْضِ

{"An jenem Tage wird die Erde gegen eine andere Erde eingetauscht werden." (Sure 14, 48)}

wird sich bewahrheiten.

Kurzum:

Der Tod der Welt ist möglich, ja, es besteht gar kein Zweifel daran, dass er möglich ist.

Zweite Problemstellung:

Der Tod der Welt wird geschehen. Der Beweis für dieses Geschehnis ist der Konsens aller vom Himmel geoffenbarten Religionen, das Zeugnis der Leute von reinem Gemüt, der Hinweis aller Veränderungen, Verwerfungen, Verwandlungen in diesem Kosmos. Des Weiteren legen eine ebenso große Anzahl lebendiger Welten, ja ganzer, in ständiger Umwandlung begriffener Universen durch ihren Tod in diesem Weltengasthaus dafür Zeugnis ab, wie es Jahre in den Epochen (ihrer Geschichte) gibt, dass auch diese unsere reale Welt genauso sterben wird wie sie.

Wenn du dir von dem Todeskampf dieser Welt entsprechend dem Hinweis der Ayat eine Vorstellung machen willst, so bedenke, dass die Bestandteile unseres Kosmos durch eine äußerst genaue und erhabene Ordnung miteinander verbunden sind. Sie sind durch eine unsichtbare, hochempfindliche, feinstoffliche Schnur miteinander verbunden und (diese Verbindung) befindet sich in einer so sensiblen inneren Ordnung, dass diese Welt bereits in Todeswehen gerät, wenn auch nur ein einziger Himmelskörper aus der (Zahl der) Gestirne am hohen (Himmel über uns) den Befehl "Kun"(Sei!) oder "Verlasse deine Bahn!" erhält. Die Sterne werden zusammenstoßen, die Gestirne werden in Wallung geraten. In dem unendlich großen Weltall wird sich dann ein großes Wehgeschrei erheben, wie das fürchterliche Getöse von Millionen Kanonen, deren Kugeln Himmelskörpern gleichen. Sie werden aneinander stoßen und Funken sprühen. Die Berge werden sich in die Luft erheben, die Meere brennen, die Erde eingeebnet. So wirbelt denn der Urewige Allmächtige in diesem Sterben, in diesem Todeskampf den Kosmos durcheinander. Die Hölle und das, was in ihr ist, ziehen sich auf die eine Seite, das Paradies und das, was zu ihm gehört, auf die andere Seite zurück. (In dieser ihrer neuen, doppelten Gestalt) zeigt sich uns die jenseitige Welt.

Dritte Problemstellung:

Die Auferstehung dieser Welt, die sterben wird, ist möglich.

Denn wie schon im Zweiten Grundsatz bewiesen wurde, gibt es für die Macht Gottes keinen Mangel. Die uns gegebene Notwendigkeit aber ist sehr stark. Und unser Problem hier gehört (in den Bereich) der möglichen Dinge. Wenn für eine Sache, die möglich ist, eine besonders starke Notwendigkeit besteht, und für die Macht dessen, der es tun soll, keine Mangelhaftigkeit gegeben ist, dann kann man (diese Sache) nicht einmal mehr als nur möglich, man muss sie schon als bereits geschehen betrachten.

Eine hermeneutische Bemerkung:

Betrachtet man diesen Kosmos aufmerksam, so sieht man, dass es in ihm zwei Elemente gibt, die in alle Richtungen sich ausdehnen, ihre Wurzeln schlagen: Gut und böse, schön und hässlich, nützlich und schädlich, vollkommen und mangelhaft, Licht und Finsternis, Rechtleitung und Irrtum, (himmlisches) Licht und (höllisches) Feuer, Glaube und Unglaube, Gehorsam und Ungehorsam, Angst und Liebe. Mit den ihnen vergleichbaren Früchten und Auswirkungen stoßen sie in diesem Kosmos aufeinander. Ständig sind sie Veränderungen und Umformungen ausgesetzt. Ihre Zahnräder drehen sich in einer Werkbank, deren Erzeugnisse einer anderen Welt gehören.

Mit Sicherheit werden die einander entgegengesetzten Zweige und Früchte dieser beiden Elemente in die Ewigkeit hinüber gehen und sich dort voneinander getrennt versammeln. Dann werden sie in den Formen des Paradieses und der Hölle in Erscheinung treten. Da die ewige (beqa)Welt nun einmal aus dieser vergänglichen Welt hervorgehen wird, werden ihre grundlegenden Elemente mit Sicherheit in die Beständigkeit, in die Ewigkeit hinüber gehen. Der Himmel und die Hölle sind zwei Früchte an dem Ast, der von dem Schöpfungsbaum abstammt, sich bis in die Ewigkeit hinein erstreckt und dort in einem Bogen (dem wir nicht mehr mit unseren Blicken folgen können) weiter wächst. Sie bilden zwei Lager im Strom der Aktivitäten. Sie sind zwei Teiche der in die Ewigkeit hinüber fließenden, auf und ab wogenden Formen des Daseins. Sie sind die zwei Orte, wo (Gottes) Güte und Zorn in Erscheinung treten. Wenn die Hand des Allmächtigen den Kosmos mit einer heftigen Bewegung durcheinander wirbelt, werden diese beiden Teiche mit den für sie bestimmten Dingen (wie z.B. Güte und Zorn) gefüllt.

Der Sinn dieser feinen Anmerkung ist folgendermaßen:

Der Urewige Allweise hat diese Welt, wie es Seine immerwährende Güte und Seine urewige Weisheit erfordert, erschaffen, damit sie zu einem Ort der Erfahrungen, zu einem Platz der Prüfung, zu einem Spiegel Seiner Schönen Namen (Esma-i Husna)und zu einer Seite

für die Feder Seiner Vorhersehung (Qader)und Seiner Macht wird. Was aber die Erfahrung und die Prüfung betrifft, so bewirken sie Wachstum und Gedeihen. Was aber dieses Wachstum und Gedeihen betrifft, so bewirken sie die Entwicklung der Fähigkeiten. Was aber diese Entwicklung betrifft, so bewirkt sie, dass sich die Fähigkeiten herausbilden. Das Herausbilden der Fähigkeiten bewirkt das Erscheinen der relativen Wahrheiten. Das Erscheinen der relativen Wahrheiten bewirkt, dass der majestätischen Schöpfer die Ornamente der Erscheinungen Seiner Schönen Namen zeigt, und dass Er den Kosmos zu Briefen des Einzigartigen (Samad)macht. Also ist es das Geheimnis dieser Prüfung und das Geheimnis Seines Auftrags, dass (der Mensch) die diamantengleichen Juwelen der hohen Geister (in sich) von den kohlegleichen Stoffen der niederen Geister reinigt und trennt.

Da also denn die Welt in der vorgegebenen Form nicht nur um der oben erwähnten Geheimnisse, sondern auch noch anderer, uns unbekannter sehr feinsinniger und erhabener Weisheiten willen so beabsichtigt ist, so ist auch um derselben Weisheiten willen die Veränderung und der Wandel dieser Welt (von Gott) gewollt. Um der Veränderung und des Wandels willen vermischte Er die Gegensätze in Weisheit und setzte sie gegeneinander. Er mischte den Schaden unter den Nutzen, führte Bosheiten in das Gute ein, brachte, was hässlich ist mit dem, was schön ist zusammen, knetete es wie einen Teig und unterwarf so den Kosmos dem Gesetz der Veränderung und des Wandels und stellte ihn unter das Prinzip der Verwandlung und der Vervollkommnung.

Wenn aber die Versammlung zur Prüfung beendet sein wird, dann wird auch unsere Zeit Erfahrungen (zu sammeln) abgeschlossen sein. (Gottes) Schöne Namen haben sich ihre Geltung verschafft. Die Feder der Vorherbestimmung (Gottes) hat Ihre Briefe vollendet. Die Macht (Gottes) hat Ihr Werk abgeschlossen und Ihre Kunst vollendet. Alles Sein hat seine Arbeit abgegeben. Alle Geschöpfe haben ihren Dienst beendet. Alles und jedes hat

zum Ausdruck gebracht, was für eine Bedeutung es gehabt hatte. Die Welt hat ihre Setzlinge für das Jenseits sprießen lassen. Die Welt hat alle Wunderwerke der Macht des allmächtigen Meisters, alle Seine wunderbaren Kunstwerke ausgestellt und gezeigt. Diese vergängliche Welt hat die Tafeln (gleich Filmrollen), die die immerwährenden Anblicke (gleich Zeitdokumenten) darstellen, in der schon abgespulten Zeit fest geschrieben.

Die Ergebnisse dieser Prüfung, dieser Erfahrungen, die Wahrheiten der Erscheinungen dieser Schönen Namen (Gottes), die Wahrheiten der Briefe aus der Feder der Vorhersehung (Qader),die Originale der als Beispiel angeführten Werke Seiner Kunst, der Nutzen und das Ziel dieser Aufgaben allen Seins, der Lohn für den Dienst der Geschöpfe, die wahre Bedeutung, die diese Worte des kosmischen Buches ausdrücken, die Früchte, die aus den Kernen der natürlichen Veranlagungen heranreifen, die Eröffnung eines großen Gerichtshofes, die Vorführung der (Filmrollen, die) von dieser Welt aufgenommen worden sind, das Zerreißen des Schleiers der äußeren Ursachen und die unmittelbare Übergabe (aller Dinge) an den majestätischen Schöpfer und dergleichen andere Wahrheiten mehr erfordern die immerwährende Weisheit und die ewige Güte des majestätischen Schöpfers. Da Seine Weisheit diese obenerwähnten Wahrheiten erfordert, wollte Er, um den Kosmos vor dem Wirrwarr aller Veränderungen und des Vergehens, des Wandels und des Untergangs zu retten und ihn zu verewigen, die Reinigung der Gegensätze und die Ursachen der Veränderungen und die Dinge voneinander trennen, die Streitigkeiten hervorrufen. Mit Sicherheit wird Er den Weltuntergang ausbrechen lassen und wegen dieser Ergebnisse reinigen. Als Ergebnis dieser Reinigung nimmt die Hölle eine ewige und fürchterliche Form an und für ihre Scharen wird sich die Bedrohung von

وَامْتَازُوا الْيَوْمَ اَيُّهَا الْمُجْرِمُونَ

{"Geht fort und sondert euch ab, ihr Sünder!" (Sure 36, 59)}

offenbaren. Das Paradies bekommt seine ewige, prachtvolle Gestalt und es wird sich für die Leute (des Paradieses) und (alle seine künftigen) Bewohner die Anrede

سَلاَمٌ عَلَيْكُمْ طِبْتُمْ فَادْخُلُوهَا خَالِدِينَ

{"Friede mit euch, ihr Guten! Tretet ein für immer!" (Sure 39, 73)}

offenbaren. Wie in der zweiten Frage des ersten Kapitels im "Achtundzwanzigsten Wort" bewiesen wurde, verleiht der Urewige Allweise den Bewohnern dieser beiden Wohnstätten durch die Macht Seiner Vollkommenheit einen ewigen, festen Bestand, der nicht (den Prozessen) der Auflösung, der Veränderung, des Alterns und des Zerfalls ausgesetzt ist. Denn es finden sich dort nicht die Ursachen aller Veränderungen, die zur Auflösung und zum Zerfall führen.

Vierte Problemstellung:

Dieses (ist nicht nur) möglich, (sondern wird auch) tatsächlich geschehen. Nach der Zerstörung dieser Welt wird derjenige, der diese Welt gemacht hat, sie in einer noch schöneren Form wiederaufbauen und zu einer Wohnstatt im Jenseits machen. Beweis dafür ist vor allem der ehrwürdige Qur'an mit all seinen Versen, die Tausende vernunftgemäße Beweise enthalten. Sowie alle vom Himmel geoffenbarten Bücher darin übereinstimmen, beweisen auch alle Eigenschaften des majestätischen Herrn, welche Seine Größe (Djelal)und Seine Schönheit (Djemal)offenbaren, und Seine Schönen Namen (Esma-i Husna),dass dies sicher geschehen wird. Er versprach durch alle vom Himmel den Propheten geoffenbarten Erlasse das Anbrechen des Jüngsten Tages und der Wiederauferstehung. Da Er es nun einmal versprochen hat, wird Er es mit Sicherheit auch tun. Schlage die achte Wahrheit im "Zehnten Wort" nach! Darüber hinaus sind sich alle Propheten und Gesandten, vor allem Mohammed, der Araber, mit dem Friede und Segen sei, kraft seiner tausend Wunder, alle Gottesfreunde (Heiligen) und Getreuen über dieses Ereignis einig und berichten uns darüber. Genauso gibt dieser Kosmos mit all seinen Wunderzeichen (ayat-i tekviniye)Kunde von diesem Ereignis.

Zusammenfassung:

Das "Zehnte Wort" zeigt mit all seinen "Wahrheiten" und das Achtundzwanzigste Wort mit all seinen Beweisen in den Abschnitten im "Zweiten Kapitel", die mit "besonders" beginnen, mit einer Sicherheit im Grade der Sonne, die (am Abend) unter und am Morgen wieder aufgehen wird, dass die Sonne der Wahrheit nach dem Untergang des irdischen Lebens in Form des jenseitigen Lebens wieder aufgehen wird.

Was unsere Erklärungen vom Anfang bis hierher anbetreffen, so haben wir "vier Grundlagen" erklärt, indem wir uns bei dem Namen "der Allweise" Hilfe erbaten und aus der Fülle des Qur'an unseren Nutzen zogen, um das Herz für die Annahme, die Seele für die Ergebung und den Verstand für die Überzeugung vorzubereiten. Was aber sind wir, sodass wir darüber etwas sagen könnten. Letztendlich sollten wir hören, was der Eigentümer dieser Welt, der Schöpfer dieses Kosmos und der Eigentümer allen Seins darüber sagt... Was stünde es denn auch allen anderen zu, während der Eigentümer des Eigentums spricht, sich da in völlig überflüssiger Weise einzumischen!?

So wollen wir denn in der urewigen Predigt (Hutbe),die der allweise Meister allen Völkergruppen hält, welche in der Moschee der Welt und der Schule der Erde in allen Jahrhunderten in Reihen hintereinander sitzen, von dem Eigentümer des Eigentums und dem Besitzer der Welt und des Jenseits Tausende Erlasse (ferman)hören, die den Kosmos erbeben lassen, wie

اِذَا زُلْزِلَتِ اْلاَرْضُ زِلْزَالَهَا ٭ وَاَخْرَجَتِ اْلاَرْضُ اَثْقَالَهَا ٭ وَقَالَ اْلاِنْسَانُ مَالَهَا ٭ يَوْمَئِذٍ تُحَدِّثُ اَخْبَارَهَا ٭ بِاَنَّ رَبَّكَ اَوْحٰى لَهَا ٭ يَوْمَئِذٍ يَصْدُرُ النَّاسُ اَشْتَاتًا لِيُرَوْا اَعْمَالَهُمْ ٭ فَمَنْ يَعْمَلْ مِثْقَالَ ذَرَّةٍ خَيْرًا يَرَهُ ٭ وَمَنْ يَعْمَلْ مِثْقَالَ ذَرَّةٍ شَرًّا يَرَهُ

{"Wenn die Erde in Beben erbebt, und wenn die Erde ihre Lasten wieder herausgibt, und wenn der Mensch sagt: was ist mit ihr? An jenem Tag wird sie aussagen, was sie zu berichten hat, da dein Herr es ihr eingegeben hat. An jenem Tag werden die Menschen aus der Zerstreuung herbei kommen, um ihre Taten zu sehen. Und wer Gutes auch nur im Gewicht eines Stäubchens getan hat, wird es sehen. Und wer Böses auch nur im Gewicht eines Stäubchens getan hat, wird es sehen." (Sure 99)}

Und alle Schöpfung erfreut und versetzt in Begeisterung:

وَبَشِّرِ الَّذِينَ اٰمَنُوا وَعَمِلُوا الصَّالِحَاتِ اَنَّ لَهُمْ جَنَّاتٍ تَجْرِى مِنْ تَحْتِهَا اْلاَنْهَارُ كُلَّمَا رُزِقُوا مِنْهَا مِنْ ثَمَرَةٍ رِزْقًا قَالُوا هٰذَا الَّذِى رُزِقْنَا مِنْ قَبْلُ وَاُتُوا بِهِ مُتَشَابِهًا وَلَهُمْ فِيهَآ اَزْوَاجٌ مُطَهَّرَةٌ وَهُمْ فِيهَاخَالِدُونَ

{"Und verkündige denen, die glauben und das Gute tun, dass für sie Gärten sein werden, durch die Bäche fließen. Jedes Mal, wenn sie dort mit einer Frucht gespeist werden, sagen sie: Das ist es, was wir vorher zu essen bekamen. Und es wird ihnen gegeben als ein Gleichnis dessen. Und es gibt dort für sie reine Gattinnen. Ewig werden sie dort verweilen." (Sure 2, 25)}

So müssen wir denn sagen: "Wir glauben und bestätigen es."

سُبْحَانَكَ لاَعِلْمَ لَنَآ اِلاَّ مَاعَلَّمْتَنَآ اِنَّكَ اَنْتَ الْعَلِيمُ الْحَكِيمُ ٭ رَبَّنَا لاَ تُاٰخِذْنَآ اِنْ نَسِينَآ اَوْ اَخْطَاْنَا ٭ اَللّٰهُمَّ صَلِّ عَلٰى سَيِّدِنَا مُحَمَّدٍ وَعَلٰٓى اٰلِ سَيِّدِنَا مُحَمَّدٍ كَمَا صَلّيْتَ عَلٰى سَيِّدِنَآ اِبْرٰهِيمَ وَعَلٰٓى اٰلِ سَيِّدِنَا اِبْرٰهِيمَ اِنَّكَ حَمِيدٌ مَجِيدٌ

{"Gepriesen seist Du! Wir haben kein Wissen, außer dem, was Du uns gelehrt hast. Denn Du bist der Allwissende, der Allweise." (Sure 2, 32) "Herr, strafe uns nicht, wenn wir vergesslich sind oder gefehlt haben!" (Sure 2, 286) "Oh Gott, segne unseren Herrn Mohammed und die Familie unseres Herrn Mohammed, wie Du unseren Herrn Abraham und die Familie unseres Herrn Abraham gesegnet hast. Denn Du bist allen Lobes uns Preises würdig, der Vollkommene, der Erhabene."}

Das dreißigste Wort,

welches das Rätsel des Kosmos entschleiert und ein bedeutendes Geheimnis des weisen Qur'an löst, ist ein Elif (senkrechter Strich) und ein Punkt, welche aus dem Ego (Ene) und dem Atom (Dherre) bestehen.

Es besteht aus zwei Kapiteln. Das erste Kapitel dient dazu, das Wesen und die Folgen des Ego zu behandeln, das zweite Kapitel der Bewegung und der Aufgabe des Atoms.

Erstes Kapitel

بِسْمِ اللَّهِ الرَّحْمَنِ الرَّحِيمِ ٭ اِنَّا عَرَضْنَا اْلاَمَانَةَ عَلَى السَّمٰوَاتِ وَاْلاَرْضِ وَالْجِبَالِ فَاَبَيْنَ اَنْ يَحْمِلْنَهَا وَاَشْفَقْنَ مِنْهَا وَحَمَلَهَا اْلاِنْسَانُ اِنَّهُ كَانَ ظَلُومًا جَهُولاً

{"Im Namen Allahs, des Erbarmers, des Barmherzigen. Wahrlich, wir boten das Vertrauenspfand den Himmeln und der Erde und den Bergen an, doch sie weigerten sich, es zu tragen, und schreckten davor zurück. Aber der Mensch nahm es auf sich. Fürwahr, er ist sehr ungerecht und unwissend." (Sure 33, 72)}

Wir wollen auf einen einzigen Edelstein aus der großartigen Schatzkammer dieser Ayah hinweisen. Es ist wie folgt:

Ein Objekt, ein Aspekt unter verschiedenen Aspekten des Vertrauenspfandes, das zu tragen sich Himmel, Erde und Berge weigerten und vor dem sie zurückschreckten, ist das Ego. In der Tat ist das Ego der Kern eines leuchtenden paradiesischen Baumes (Tuba-Baum) und eines schrecklichen höllischen Baumes (Zakkum-Baum), welcher von der Zeit Adams her bis heute in alle Richtungen der Welt der Menschheit Äste und Zweige treibt. Bevor wir mit dieser gewaltigen Wahrheit beginnen, möchte ich eine Einführung bringen, die dem Verstehen dieser Wahrheit dienen soll. Es ist wie folgt:

Das Ego ist der Schlüssel zu den Namen Gottes, die verborgene Schätze sind. So ist es auch der Schlüssel zu dem verschlossenen tiefen Sinn dieses Kosmos. Dabei ist es selber ein Rätsel, (dessen Lösung) alle Schwierigkeiten beseitigt, und eine tiefe Wahrheit, welche unsere Verwunderung weckt. Durch das Erkennen des Wesens des Ego öffnet sich dieses Ego, dieses einzigartige Rätsel, diese eigenartige verschlossene tiefe Wahrheit und öffnet auch den verborgenen tiefen Sinn des Kosmos und die Schatzkammern der Welt des Notwendig-Seienden (Alem-i Vudjub= Gottes Welt). Über dieses Thema habe ich in einer Abhandlung auf Arabisch mit dem Titel "Shemme"(Schimmer) folgendes geschrieben: Der Schlüssel der Welt liegt in den Händen des Menschen und ist an seine Seele {Nefs (Seele) lässt sich auf Deutsch etwa mit Seele, Wunsch, Begierde oder auch "das Tier in uns" übersetzen. (A.d.Ü.)} angeheftet. Während die Tore des Kosmos äußerlich geöffnet erscheinen, sind sie in Wahrheit verschlossen. Gott der Gerechte hat dem Menschen als Vertrauenspfand einen solchen Schlüssel, mit dem wir das Ego meinen, gegeben, womit er alle Tore der Welt öffnet, und einen solchen rätselhaften Egoismus (enaniyet),{Das Wort "enaniyet" lässt sich im Deutschen nicht eindeutig wiedergeben. Wir haben es in seiner negativen Bedeutung mit Egoismus übersetzt. In seinem positiven Aspekt bezeichnet es jedoch jenen Urgrund menschlichen Wesens, in dem sich das Bild seines Schöpfers widerspiegelt. (A.d.Ü.)} wodurch er die verborgenen Schätze des Schöpfers des Kosmos entdeckt. Das Ego ist selbst auch äußerst kompliziert und rätselhaft. Es ist eine verschlossene tiefe Wahrheit, welche schwer zu öffnen ist. Wenn man aber sein wahres Wesen und den Sinn seiner Erschaffung erkennt, öffnet es sich nicht nur selbst, sondern gleichzeitig auch der Kosmos. Es ist dies wie folgt:

Der allweise Meister hat in die Hände des Menschen als Vertrauenspfand das Ego gelegt, welches Hinweise und Beispiele beinhaltet, um die Wahrheit der Eigenschaften Gottes und der Taten Seiner Herrschaft zu zeigen und vorzustellen. Dieses Ego soll als eine Art Messlatte dem Vergleich dienen, wodurch die Eigenschaften der Herrschaft Gottes und Seine Taten erkannt werden sollen. Aber diese Vergleichsgröße benötigt keine reale Existenz, ist vielmehr eine angenommene Vorstellung wie die angenommenen Linien in der Technik. Feststellbar durch Wissenschaft und Forschung muss sie nicht sein.

Frage:

Warum ist die Erkenntnis der Eigenschaften und Namen Gottes des Gerechten vom "Egoismus (enaniyet)"abhängig?

Antwort:

Da etwas, das absolut und allumfassend ist, keine Grenzen und kein Ende hat, kann man ihm keine Gestalt geben und über ihn nicht urteilen, von ihm nichts feststellen und sich von ihm nichts vorstellen. Was sein Wesen ist, kann man nicht erkennen.

Zum Beispiel:

Ein beständiges Licht kann man ohne Dunkel nicht erkennen und nicht bemerken. Wenn in ihm aber eine Linie aus einem tatsächlichen oder imaginären Dunkel gezogen wird, dann wird es erkennbar. Da also die Eigenschaften und Namen Gottes des Gerechten wie Wissen und Macht, Allweisheit und der Allbarmherzigkeit, allumfassend, ohne Grenzen und ohne Gegensätze sind, kann man über sie nicht urteilen, nicht erkennen, was sie sind, und sie nicht bemerken. Da sie kein tatsächliches Ende und keine Grenzen haben, benötigt man dazu eine angenommene, eine imaginäre Linie. Diese aber zieht der Egoismus (enaniyet).Er ist selbst die Vorstellung von einer Herrschaft, von Besitz und Eigentum, von Macht und Wissen und zieht (auf diese Weise) eine Linie. Dadurch setzt er den allumfassenden Eigenschaften (Gottes) eine imaginäre Schranke. "Bis hierher ist mein, ab dort ist Sein." sagt er und macht so eine Teilung. Mit den winzig kleinen Maßstäben seiner Vorstellungen beginnt er ganz langsam ihr Wesen zu erkennen.

Zum Beispiel:

Durch die vorgestellte Herrschaft in seinem Eigentumsbereich

kennt (das Ego) die Herrschaft seines Schöpfers im Kosmos, im Bereich des Möglichen. Durch seine Vorstellung von Besitz und Eigentum versteht es das wahre Besitzrecht Seines Eigentümers und seines Schöpfers. "Wie ich der Eigentümer dieses Hauses bin, so ist der Schöpfer auch der Eigentümer dieses Kosmos." sagt das Ego und es versteht so in seinem wenn auch nur bruchstückhaften Wissen Sein Wissen und durch seine erworbene Kunstfertigkeit das Schaffen des glorreichen Meisters.

Zum Beispiel:

"Wie ich dieses Haus aufgebaut und geordnet habe, so hat einer dieses Weltenhaus aufgebaut und geordnet." sagt es. Usw.... Tausende geheimnisvolle Zustände, Eigenschaften und Gefühle, um alle Eigenschaften und Durchführungen Gottes in gewissem Maße zu erkennen, wohnen dem Ego inne.

Das heißt, dass das Ego mit einem Spiegel vergleichbar ist. Es ist eine Einheit, die dem Vergleich dient, ein Fahrzeug für die Entfaltung (des Menschen) und wie ein Buchstabe, der in sich keinen Sinn hat, sondern dazu da ist, um die Bedeutung eines anderen zu zeigen. Es ist ein bewusstseinstragender Faden aus dem dicken Seil des Menschenkörpers und ein feines Haar aus der Hülle des Menschenwesens und ein Strich aus dem Buch der Identität Adams. Dieser Strich hat zwei Gesichter. Das eine schaut nach Gutem und wahrem Sein. Nur in dieser Hinsicht ist es für (den Empfang) der Gnade (Gottes) fähig. Es nimmt den an, der gibt, und kann selber nichts erschaffen. In dieser Hinsicht ist es nicht aktiv und seine Hand greift zu kurz. Das andere Gesicht schaut nach Bösem und führt in das Nichts. In dieser Hinsicht ist es tätig und Herr seiner Taten.

Außerdem bekleidet sein Wesen die Rolle eines (arabischen) Buchstabens, der (als eine arabische Präposition) auf ein Nomen hinweist. Seine Herrschaft besteht in seiner Vorstellung. Seine Existenz ist aber so schwach und dünn, dass es nichts für sich alleine auf sich nehmen, schultern kann. Ja vielmehr gleicht es einem Thermometer oder Barometer, welches die Stufen und Mengen der

Dinge feststellt, ein Messgerät, um die absoluten, allumfassenden und unbegrenzten Eigenschaften des Notwendig-Seienden zu erkennen.

Derjenige also, der sein Wesen in dieser Weise kennt und von ihm überzeugt ist und sich dementsprechend verhält, tritt in die frohe Botschaft von

قَدْ اَفْلَحَ مَنْ زَكّٰيهَا

{"Selig ist, wer es (von sich aus) rein hält;..." (Sure 91, 9)}

ein. Er geht mit dem Vertrauenspfand richtig um. Er sieht durch das Fernrohr des Ego, was der Kosmos ist, und seinen Zweck. Wenn Kenntnisse aus der Umwelt kommen, erfahren sie in seinem Ego eine Bestätigung. Dieses Wissen bleibt als Erleuchtung und Weisheit. Es verwandelt sich nicht in Finsternis und Absurdität. Wenn das Ego seinen Zweck in dieser Weise erfüllt, gibt es seine vorgestellte Herrschaft und seine imaginäre Vorstellung, Eigentümer und Besitzer zu sein, auf, welche nur ein Vergleichsmaßstab ist.

لَهُ الْمُلْكُ وَلَهُ الْحَمْدُ وَلَهُ الْحُكْمُ وَاِلَيْهِ تُرْجَعُونَ

{"Ihm gehört das Eigentum. Ihm gehört der Lobpreis. Ihm gehört die Macht. Und zu Ihm kehren wir zurück."}

sagt es und es nimmt seinen eigentlichen Auftrag an, Gott zu dienen und Ihn anzubeten. Es steigt zu dem Wert eines "Ahsen-i Taqvim"(Besten in der Schöpfung) auf.

Wenn dieses Ego den Sinn seiner Erschaffung vergisst, seine eigentliche Aufgabe aufgibt, seinen Sinn in sich selbst gefunden zu haben glaubt und sich selbst für den Eigentümer hält, dann verrät es somit das (ihm von Gott anvertraute) Pfand. Es gerät unter das Wort

وَقَدْ خَابَ مَنْ دَسّٰيهَا

{"Aber enttäuscht wird (in seinen Hoffnungen), wer es verkommen lässt." (Sure 91, 10)}

Also entsteht denn alles, was Abgötterei, Bosheit und Irrglaube hervorbringen, aus diesem Aspekt des Egoismus (enaniyet),wovor "Himmel und Erde und die Berge" (Sure 33, 72) zurückschreckten und sich vor der Möglichkeit der Abgötterei fürchteten. Das Ego ist tatsächlich nur ein feiner Strich (Elif),ein dünner Draht, eine nur vorgestellte Linie. Wenn sein Wesen nicht erkannt wird, gedeiht es unter dem Deckmantel der Erde, nimmt allmählich an Umfang zu, verbreitet sich überall im menschlichen Körper, verschluckt (schließlich den ganzen) Körper des Menschen wie ein ungeheuerlicher Drache. So wird (am Ende) der ganze Mensch bis in seine feinsten (Verästelungen hinein) zu einem (bloßen) Ego. Danach gibt dann ein Rassenegoismus (enaniyet)angesichts einer rassistischen und nationalistischen Gesinnung diesem Ego (enaniyet)Kraft. So stützt es sich auf diesen rassistischen Egoismus (enaniyet)und beginnt wie der Teufel gegen die Gebote des majestätischen Schöpfers anzukämpfen. Wie man sich im Geist (nefs)an die Stelle der anderen versetzt, so versetzt (das Ego) sich dann in seiner Vorstellung (nefs)an die Stelle eines jeden, ja selbst aller Dinge und beginnt das Eigentum Gottes des Gerechten unter ihnen und den Ursachen zu verteilen. Es verfällt in eine gewaltige Vielgötterei und entspricht somit inhaltlich dem

اِنَّ الشِّرْكَ لَظُلْمٌ عَظِيمٌ

{"Siehe, Vielgötterei ist ein gewaltiger Frevel!" (Sure 31, 13)}

So wie ein Mann, der aus dem staatlichen Vermögen vierzig Para gestohlen hat, in der Tat nur dann gelassen bleiben kann, wenn er annehmen darf, dass alle seine gegenwärtigen Freunde auch einen Dirhem genommen haben, so muss derjenige, der sagt: "Ich gehöre mir." notwendiger Weise der Überzeugung Ausdruck geben: "Alles gehört nur sich selbst".

Also befindet sich das Ego infolge dieser seiner verräterischen Haltung in einer absoluten Ignoranz. Auch kennte es Tausende von Wissenschaften, haftet an ihm dennoch die noch gesteigerte Unwissenheit der Unwissenheiten, die sich noch dazu für gebildet hält. Denn da seine Gedanken und Gefühle, die das Licht der Erkenntnis aus dem Kosmos empfangen, in seiner Seele keinen Stoff finden, sie zu bestätigen, zu erleuchten und fortzusetzen, verlöschen sie wieder. Alles, was (aus dem Kosmos auf ihn) zukommt, wird mit den Farben aus seiner Seele gefärbt. Wäre es selbst die lautere Weisheit, erschiene sie ihm doch in seiner Seele als völlige Absurdität. Denn infolge seiner Haltung entspricht die Farbe des Ego der Vielgötterei, der Versandung, der Verleugnung Gottes. Wäre der ganze Kosmos von leuchtenden Wunderzeichen (Ayat)erfüllt, würden sie durch einen finsteren Punkt in diesem Ego als völlig unbedeutend ausgelöscht, sodass sie nicht mehr in Erscheinung träten.

Im "Elften Wort" wurde bereits mit äußerster Gewissheit ausführlich erklärt, was das Wesen des Menschen ist, und was für ein empfindliches Messgerät, welch ein zuverlässiger Maßstab, welch ein umfangreiches Inhaltsverzeichnis, welch eine genaue Landkarte, welch ein umfassender Spiegel und was für ein wundervolles Kalenderblatt (in der Geschichte des) Kosmos die Essenz (enaniyet)des menschlichen Wesens - hinsichtlich ihrer Funktion als Buchstabe (bzw. Präposition) - ist. Dort kann man also nachschlagen! Wir begnügen uns mit dieser ausführlichen Erklärung zu diesem Wort, wollen uns hier kurz fassen und diese Einführung damit abschließen. Hast du also diese Einführung verstanden, dann lass uns nun zum eigentlichen Hauptstück unserer Abhandlung kommen!

Siehe: Zwei gewaltige Strömungen, zwei Wogen (silsile)der Lehren verzweigen sich weit in der Welt der Menschheit, zwei gewaltigen Bäumen gleich in alle Richtungen und unter allen Schichten der Menschen seit Adams Zeiten bis zum heutigen Tage... Die eine ist die Woge des Prophetentums und der Frömmigkeit (diyanet);die andere ist die der Philosophie und der Weisheit... Sie sind gekommen und setzen sich fort.

Wann auch immer diese beiden Wogen einander in Einklang und Verständnis fanden, das heißt, wann immer die Woge der Philosophie sich mit der Woge der Theologie vereinigte, ihr gehorchte, ihr diente, erlebte die Menschheit eine glanzvolle Zeit der Blüte, des Glücks und des gesellschaftlichen Lebens. Wann immer sie aber voneinander getrennt gingen, versammelten sich alles Gute und Leuchtende um die Woge des Prophetentums und der Frömmigkeit und scharten sich Bosheit und Irrglaube um die Woge der Philosophie. Nun müssen wir die Ursprünge und Grundlagen dieser beiden Wogen finden.

Siehe: Die Woge der Philosophie, die sich der Woge der Theologie nicht unterwirft, nimmt die Gestalt eines Höllenbaumes (Zakkum)an und verbreitet um sich die Finsternis der Abgötterei und des Irrglaubens. Ja dieser Baum des Denkvermögens trug sogar die Früchte des Atheismus, Materialismus und Naturalismus und überreichte diese dem menschlichen Verstand. (Aus diesem Baum der Philosophie wuchs) der Ast der zornigen Eigenschaften des Menschen (heraus und) brachte Menschen hervor, die tyrannisch wie Nimrod, stolz wie Pharao, hartherzig wie Scheddad (König von Ad) waren, und die Menschheit ins Unglück stürzten.

{(*): So wie es in der Tat die alten Philosophien waren, die sich entweder zur gleichen Stufe mit der Zauberei erhoben hatten oder doch in ihrer Umgebung für Zauberei gehalten wurden, weil sie nur für Eingeweihte galten, die im alten Ägypten und Babylon Nimrod und die Pharaonen erzogen und sie wie eine Ziehmutter gesäugt hatten, genauso war es der Sumpf der Naturphilosophie, der den alten Griechen die Götter in den Kopf pflanzte und ihre Götzen gebar. Tatsächlich schreibt ein Mensch, der das Licht Gottes hinter dem Schleier der Natur nicht sehen kann, jedem Ding eine eigene Gottheit zu, die er sich dann in seinen Kopf setzt.}

Und (aus einem anderen) Ast (wuchsen) die Kräfte wollüstiger, tierischer Begierden des Menschen (hervor), brachten Götter und Göttinnen und (andere Wesen), die göttliche Attribute für sich beanspruchen, als ihre Früchte hervor und reiften heran.

Die Wurzel dieses Zakkum-baumes und der Ursprung der Woge des Prophetentums - welche der Tubabaum des Dienstes und der Anbetung Gottes ist, dessen segensreiche Äste im Garten der Erde, am Ast der Denkfähigkeit Früchte wie Propheten, Gesandte, Gottesfreunde und Getreue heranreifen lässt, und an dem Ast des Rechtempfindens Früchte wie gerechte Richter und Engel gleichen Herrscher trägt, und an dem Ast des Schönheitsempfindens Früchte wie edle Gesinnung, vornehmes Äußere, gütige und großmütige Menschen hervorbringt, und zeigt, was für eine vollkommene Frucht des Kosmos dieser Mensch ist - sind die beiden Aspekte des Ego. Nun wollen wir diese beiden Seiten des Ego als den gemeinsamen Samen erklären, welcher Keim und Ursprung dieser beiden Bäume ist. Dies ist nun folgendermaßen:

Der eine Aspekt des Ego bewegt sich in Richtung auf das Prophetentum (die Theologie), der andere Aspekt kommt aus der Richtung der Philosophie.

Der erste Aspekt (des Egos) ist der theologische Aspekt.

Sein Ursprung liegt in seinem lauteren Dienst und der Anbetung Gottes. Das heißt; das Ego kennt sich selbst als einen Diener Gottes. Es versteht sich selbst über seinen Dienst an einem anderen. Sein Wesen (entspricht der Funktion) eines Buchstabens (d.h. einer Präposition). Das heißt; es ist sich dessen bewusst, dass es dazu da ist, (Träger der) Bedeutung eines anderen zu sein. Seine eigene Existenz ist daneben zweitrangig. Das heißt, es ist fest davon überzeugt, dass es sein Dasein der Existenz eines anderen verdankt, dessen Erschaffung ihm Bestand verleiht. Sein Eigentumsanspruch ist lediglich eine Annahme. Das heißt; es weiß, dass es sich nur aufgrund der Erlaubnis seines Eigentümers einen scheinbaren, vorübergehenden Eigentumsanspruch vorstellen kann. Seine Wahrheit ist nur schattenhaft. Das heißt, es ist ein armseliger, kaum wahrnehmbarer Schatten, der das Aufscheinen einer notwendigerweise gegebenen Wahrheit anzeigt.

Was aber seinen Auftrag betrifft, so dient es dem (menschlichen) Selbstbewusstsein als Maßstab oder Messgerät für die Eigenschaften und Taten seines Schöpfers.

Also betrachteten die Propheten, Theologen und Heiligen, die auf der Woge (silsile)der Propheten mit schwammen, das Ego, sahen sie und verstanden die Wahrheit in dieser Hinsicht. Das ganze Eigentum haben sie dem wahren Eigentümer (Malik-ul-Mulk)überlassen und sind zu der festen Überzeugung gelangt, dass dieser majestätische Eigentümer weder in Seinem Eigentum noch in Seiner Herrschaft noch in seiner Gottheit einen Teilhaber oder Mitregenten hat. Er bedarf weder eines Helfers noch eines Ministers. Der Schlüssel aller Dinge liegt in Seiner Hand. Er ist der Allmächtige über allen Dingen. Die äußeren Ursachen verhüllen Ihn wie einen Schleier. Die Natur folgt den Gesetzen ihrer Erschaffung, dem Kodex Seiner Erlasse und der Lineatur Seiner Macht. So wurde denn dieser strahlende, lichterfüllte, wunderschöne Aspekt (der menschlichen Seele) zu jenem lebendigen, verheißungsvollen Samen, aus dem der glorreiche Schöpfer den paradiesischen Tuba-Baum Seines Dienstes und Seiner Anbetung erschuf, dessen segensreiche Äste die Welt der Menschen überall mit leuchtenden Früchten verziert. (Dieser Aspekt, dieser Seelenfunke) vertreibt die Finsternis aller vergangenen Zeiten und zeigt, dass diese längst vergangene Zeit kein riesiges Grabmal ist, so wie das die Philosophie sehen möchte, sondern dass er eine Lichtquelle und eine Leiter ist, die mit vielen Sprossen in die Zukunft der Erleuchtung und der Ewigen Glückseligkeit empor führt, in ein lichtvolles Lichtreich (Nuristan),einen Garten für die Seelen (ruh),wo sie endlich ihre schweren Lasten abladen und frei werden, nachdem sie von der Erde dahingeschieden sind.

Was aber den zweiten Aspekt betrifft, so folgt er der philosophischen Richtung.

Was nun die Philosophie betrifft, so betrachtet das Ego sich darin als Nomen (und nicht als eine Präposition). Das heißt; die Philosophie sagt, dass das Ego auf sich selbst verweist (und nicht auf Gott).

Seine Bedeutung findet sich in ihm selbst. Es arbeitet und urteilt für sich selbst und seine eigenen Belange. Es behauptet, sein Dasein verdanke Ursprung und Wesen sich selbst, das heißt, das Wesen seiner Existenz läge in ihm selbst. Es nimmt an, es gäbe da einen Anspruch auf sein Leben und es habe die tatsächliche Verfügungsgewalt in seinem Herrschaftsbereich. Es hält sich für eine konkrete Gegebenheit. Es betrachtet seinen Auftrag als eine Art von Selbstverwirklichung, die nur aus der Liebe zu sich selbst erwächst usw.... Auf vielen solchen oder ähnlichen brüchigen Grundsätzen haben die Philosophen ihre Lehre aufgebaut.

Es ist aber bereits in anderen Abhandlungen, besonders im Band "Worte (Sözler)",insbesondere im "Zwölften" und "Fünfundzwanzigsten Wort" unwiderlegbar bewiesen worden, wie grundlos und wie faul diese Grundsätze sind. Selbst Männer wie Platon und Aristoteles, Avicenna und Al-Farabi, die edelsten und größten in der Reihe der Philosophen, wahre Koryphäen auf ihrem Gebiet, (bekannten): "Das Ziel aller Ziele wahren Menschseins ist es, ein Abbild des Notwendig-Seienden zu werden. Das heißt, zum Imago des Notwendig-Seienden zu werden." So haben sie in ihrem Pharaonenstolz gelehrt, ihren Egoismus hochgepeitscht, ihn in den Tälern der Abgötterei frei umher laufen lassen und so den verschiedenen Arten der Abgötterei, wie der Anbetung der Ursachen, der Anbetung der Götzen, der Anbetung der Natur, der Anbetung der Sterne den Weg geebnet. Während sie die Türen der Ohnmacht und Schwäche, der Armseligkeit und Bedürftigkeit, der Fehlerhaftigkeit und des Mangels, welche im Innern des Menschen wohnen, zuschlossen, versperrten sie den Weg des Dienstes und der Anbetung (Gottes). Sie verrannten sich in den Naturalismus, konnten sich nicht vollständig vor der Abgötterei retten und das große Tor zur Dankbarkeit nicht finden.

Was aber das Prophetentum betrifft, so lehrten die Propheten, dass das Ziel der Menschheit und der Auftrag des Menschen darin besteht, sich die gottgegebene Sitte

und Moral und einen guten Charakter zu Eigen zu machen, seine eigene Ohnmacht zu erkennen, bei der Macht Gottes seine Zuflucht zu suchen, seine eigenen Schwächen zu kennen und sich auf die Kraft Gottes zu stützen, seine eigene Armseligkeit zu begreifen, auf die Barmherzigkeit Gottes zu vertrauen und von dem Reichtum Gottes Hilfe zu erbitten, seine eigenen Fehler wahrzunehmen und von Gott, dem Verzeihenden, Vergebung zu erbitten, den eigenen Mängeln gegenüber die Vollkommenheit Gottes zu loben und zu preisen, wie es einem Diener (Gottes) gebührt.

Da also nun die Philosophie, in ihrem Ungehorsam gegenüber dem Glauben (diyanet),auf diese Weise vom rechten Weg abgeirrt ist, nimmt das Ego nun die Zügel selbst in die Hand und läuft jeder Art von Irrglauben nach. So wächst denn nun unter diesem Aspekt über dem Kopf des Ego ein höllischer Zakkum-Baum heran, der mehr als die halbe Welt mit ihren Menschen überschattet.

So sind denn die Früchte dieses Baumes, die an dem Ast der Macht tierischer, wollüstiger Begierde des Menschen in sein Blickfeld kommen, seine Götter und Göttinnen. Denn in der Grundlage der Philosophie wird die Macht gutgeheißen. Ja, einer ihrer Grundsätze lautet sogar: "Das Recht ist auf Seiten des Stärkeren." Sie sagt: "Der Überlegene ist der Stärkere. Der Stärkere hat Recht." {(*): Der Grundsatz des Prophetentums lautet dagegen: "Die Kraft erwächst aus dem Recht, nicht das Recht aus der Macht." So setzt das Prophetentum ein Ende der Ungerechtigkeit und sichert die Gerechtigkeit.} Sie jubelt gewissermaßen der Ungerechtigkeit zu, ermutigt die Tyrannen und führt den Gewaltverbrecher dazu, sich wie ein Gott zu fühlen. Des Weiteren schreibt sie die Schönheit eines Kunstwerkes und seine hohe Qualität dem Kunstwerk selbst und seiner künstlerischen Gestaltung zu und misst sie nicht der Persönlichkeit des Künstlers und Seiner Gestaltungskraft und der Wahrnehmung Seiner abstrakten, reinen, vollkommenen

Erscheinung bei, sondern sagt statt dessen: "Wie schön ist es!" anstatt zu sagen: "Wie schön wurde es gestaltet!" Sie macht es einem Götzen ähnlich, als wäre es der Verehrung würdig. Da sie des Weiteren eine trügerisch glänzende Schönheit gutheißt, die sich selbstgefällig zur Schau stellt und scheinheilig allen zum Kauf anbietet, jubelt sie diesen Heuchlern auch noch zu und baut Tempel für die Anbeter ihrer Idole. {(*): Das heißt, diese Idole nehmen ihren Verehrern gegenüber selbst heuchlerisch eine anbetungsvolle Haltung ein, um sich ihren Leidenschaften gegenüber als entgegenkommend zu erweisen und ihren Beifall zu gewinnen.} An dem Ast mit den zornigen Eigenschaften dieses Baumes erwuchsen diesen hilflosen Menschen über ihren Häuptern Früchte wie kleine und große Nimrods, Pharaonen und Scheddade. An dem Ast des Denkvermögens erwuchsen dem Geist der Menschen Früchte wie der Atheismus, Materialismus, Naturalismus und zersplitterte den Verstand der Menschen in tausenderlei Sektoren...

Nun wollen wir, um diese Wahrheit deutlich herauszustellen, drei, vier Beispiele unter tausenderlei Vergleichen für die Folgen aufführen, die aus den falschen Grundsätzen der Philosophie entstehen, verglichen mit den Folgen, welche sich aus den richtigen Grundsätzen entsprechend der Reihe (silsile)

der Propheten ergeben.

Erstes Beispiel:

Vergleichen wir einmal den Grundsatz:

تَخَلَّقُوا بِاَخْلاَقِ اللَّهِ

{"Rüstet euch aus mit der Sittenlehre Gottes!"}

ein Prinzip des Prophetentums, welches das persönliche Leben der Menschen betrifft, mit dem selbstgefälligen Grundsatz der Philosophie: "Werdet zum Ebenbild des Notwendig-Seienden!" ist die höchste Vollendung des Menschseins. "Ihr sollt danach streben, dem Notwendig-Seienden ähnlich zu werden!" Was ist in der Tat das

Wesen des Menschen, geschaffen in seiner unendlichen Ohnmacht, Schwäche, Armseligkeit und Bedürftigkeit, verglichen mit dem Wesen des Notwendig-Seienden, in Seiner unendlichen Allmacht und Stärke, Seinem Reichtum und Seiner Unabhängigkeit!...

Zweites Beispiel:

Vergleichen wir einmal den Grundsatz der gegenseitigen Hilfeleistung, das Prinzip der Güte, das Gesetz der ehrenvollen Aufnahme, eines von den Folgen der Grundsätze des Prophetentums im gesellschaftlichen Leben, wo es gilt, angefangen von der Sonne und dem Mond, bis zu den Pflanzen, die den Tieren zu Hilfe eilen, und den Tieren, die den Menschen zu Hilfe eilen, ja sogar Nährstoffen, die den Körperzellen zu Hilfe und ihrer Unterstützung eilen, mit dem Kampfprinzip, das eines der Prinzipien der Philosophie im gesellschaftlichen Leben ist und das nur aus dem Missbrauch der natürlichen Fähigkeiten mancher brutaler Gewaltmenschen und der Raubtiere entsteht! In der Tat halten die Philosophen das Kampfprinzip für so grundlegend und umfassend, dass sie törichterweise urteilen: "Das Leben ist ein Kampf."

Drittes Beispiel:

Vergleichen wir einmal jenen Grundsatz der Einheit Gottes (Tauhid),jenes hocherhabene Ergebnis, jenen kostbaren Grundsatz des Prophetentums, der zur Einheit hinführt, der da lautet:

اَلْوَاحِدُ لاَ يَصْدُرُ اِلاَّ عَنِ الْوَاحِدِ

Das heißt; "Alles, was eine Einheit bildet, kann nur aus dem Einen hervorgehen." Und: "Da sich nun einmal jedem einzelnen Ding (die Einheit des gemeinsamen Ursprungs innewohnt) und alle Dinge in ihrer Gemeinsamkeit (miteinander verbunden sind), ist dies das Werk eines einzigen Wesens (Dhat)."mit einem der Glaubensgrundsätze der alten Philosophie:

اَلْوَاحِدُ لاَ يَصْدُرُ عَنْهُ اِلاَّ الْوَاحِدُ

{"Aus dem Einen kann nur das Eine entstehen."}

Das heißt: "Aus einem Einzigen kann nur ein Einziges direkt hervorgehen. Aus ihm können andere Dinge nur durch Vermittlung eines Mittlers entstehen." Da sie den absolut Reichen und Allmächtigen so darstellen, als ob Er eines ohnmächtigen Mittlers bedürfe, schreiben sie allen Ursachen und Mittlern in der Herrschaft Gottes eine Art Teilhaberschaft zu und dem majestätischen Schöpfer ein Geschöpf namens "Urverstand (einen Logos oder Demiurgen)", so als würden sie das, was von Seinem Herrschaftsbereich noch übrig geblieben ist, unter den Ursachen und den Mittlern verteilen, und öffnen so den Weg zu einer gewaltigen Teilhaberschaft mit ihrer durch Vielgötterei besudelten und vom rechten Weg abgeirrten Grundsätzen dieser Philosophie!.. Wenn schon die Gnostiker (und ihre Nachfolger in Orient und Okzident!), welche die am weitesten fortgeschrittenen unter den Philosophen waren, so etwas anrichten konnten, so kannst du damit vergleichen, was nun erst die unteren Ränge (der Philosophen) wie Materialisten und Naturalisten noch alles anrichten werden!

Viertes Beispiel:

Nach dem Geheimnis von

وَاِنْ مِنْ شَىْءٍ اِلاَّ يُسَبِّحُ بِحَمْدِهِ

{"Und es gibt kein Ding, das Ihn nicht lobt und preist." (Sure 17, 44)}

lautet eines von den weisen Prinzipien des Prophetentums: "Wenn das Ergebnis und der Zweck (hikmet)jedes Dinges, jedes Lebewesens, das sich selbst gehört, nur eines ist, so sind die Ergebnisse, die seinem Meister zukommen, die Absichten (hikmet),die sich auf seinen Schöpfer zurückführen lassen, Tausende. Jedes Ding, sogar jede Frucht hat so viele Bestimmungen (hikmet)und so viele Ergebnisse, wie die Zahl der Früchte an einem Baum." Vergleiche nun aber einmal diesen weisen Grundsatz, der die lautere Wahrheit ist, mit der (Behauptung) der Philosophen, die sagen: "Der Zweck eines jeden Lebewesens richtet sich allein nach ihm selbst oder

nach seinem Nutzen für den Menschen." und mit den Grundsätzen einer trügerisch glänzenden Philosophie ohne jede Weisheit, die in allem nur noch eine völlige Sinnlosigkeit erkennen kann, als ob man einem Baum, riesig wie ein Berg, nur eine Frucht, ein Ergebnis von der Größe eines Senfkorns zusprechen würde?

Da diese Wahrheit schon in der zehnten Wahrheit des "Zehnten Wortes" bis zu einem gewissen Grade erkennbar wurde, haben wir sie hier nur kurz zusammengefasst. So kannst du diesen vier Beispielen noch Tausend weitere Beispiele anreihen. In einer Abhandlung namens "Lemeat (Stichpunkte mit Erklärung)" haben wir schon auf einen Teil von ihnen hingewiesen.

Und so ist es denn eine Folge solcher falscher philosophischer Grundsätze und irrigen Vorstellungen, dass selbst noch Koryphäen islamischer Philosophie, wie Avicenna und Al-Farabi, hingerissen von äußerlichem Prunk und Pracht, überwältigt von ihrem Ruhm und Ruf, einen Weg eingeschlagen haben, auf dem sie nur die Stufe eines unerfahrenen Gläubigen erlangen konnten. Selbst ein Huddjatu l-Islam (ein Zeuge islamischer Wahrheit) wie Imam Ghazzali, konnte ihnen noch nicht einmal diese Stufe zugestehen.

Da auch die Vorsteher der Schule der "Mu'tazila(Sektierer)", Gelehrte unter den Theologen mit ozeangleichem Wissensumfang, von der äußerlichen Pracht der Philosophie hingerissen waren und auf diesem Weg (meslek)ernst zu nehmende Beziehungen (zu anderen Schulen) pflegten und den menschlichen Verstand zur obersten Richtschnur annahmen, konnten sie nur die Stufe eines sündigen, unerfahrenen Gläubigen erlangen. Des Weiteren haben unter den berühmten islamischen Dichtern (Männer) wie Abu l-'Ala-i Ma'arri,der wegen seines Pessimismus bekannt wurde, und Omar Hayyammit seinen Wehklagen eines Verwaisten, von den Kennern der Wahrheit und den Vollendeten scharfen Tadel und die Beschuldigung der Gottlosigkeit hinnehmen müssen, weil sie die Freude an ihren eigenen Lehren (meslek)genossen,

die ihrer rebellischen Seele schmeichelten, und haben von ihnen vernichtende Kritik und moralische Ohrfeigen einstecken müssen, wobei sie zu hören bekamen: "Ihr begeht Schamlosigkeiten, seid dem Unglauben verfallen und erzieht zu ihm hin."

Des Weiteren folgt aus den falschen Grundsätzen des philosophischen Weges (meslek)dass das Ego durch diese unselige Betrachtungsweise der Philosophie und weil es diese aus eigenem Antrieb für sinnvoll hält, obwohl es eigentlich doch von nur schwacher Natur ist wie die Luft, ein Ego, das - wenn man es mit dem Dampf vergleicht - flüssig wird, sich schließlich durch die Macht der Gewohnheit und wegen seiner intensiven Beschäftigung mit materiellen Dingen verhärtet, wonach dann dieser Egoismus in seiner Gottvergessenheit und Verleugnung kristallisiert. Sodann wird er in seiner Rebellion gegen Gott trübe und verliert seine Klarheit. Sodann schwillt er allmählich an und verschluckt (am Ende) seinen Träger (ruh,der Geist, erstickt). In der (allgemein gängigen) Meinung des Menschengeschlechts bläht er sich auf. Sodann vergleicht er die anderen Menschen, ja sogar die Ursachen mit sich selbst und seinen Begierden (nefs)und verleiht jeder von ihnen die Stellung eines Pharao, obwohl diese sie nicht annehmen wollen, sie zurückweisen. So ist es denn dieser Zustand, in dem er gegenüber den Befehlen des glorreichen Schöpfers eine Kampfposition einnimmt.

مَنْ يُحْىِ الْعِظَامَ وَهِىَ رَمِيمٌ

{"Wer wird diese Knochen wieder lebendig machen, nachdem sie bereits morsch geworden sind." (Sure 36, 78)}

sagt er und beschuldigt den Allmächtigen der Ohnmacht und fordert Ihn damit heraus. Ja er greift sogar die Eigenschaften des glorreichen Schöpfers an. Solche, die ihm unpassend erscheinen oder dem Pharaonenstolz seiner herrischen Seele nicht gefallen, weist er entweder zurück, leugnet sie, oder verfälscht sie.

Zum Beispiel:

Eine Gruppe der Philosophen bezeichnet Gott den Gerechten als "Mudjib-i bizzat(eine wesensgemäße Zwanghaftigkeit)" und verneint so Seine freie Willensentscheidung. Sie bezichtigen die so unendlich vielen Zeugnisse der ganzen Schöpfung, welche die Freiheit Seiner Willensentscheidung beweisen, der Lüge. Oh, gepriesen sei Gott! Obwohl von einem Stäubchen bis zur Sonne alle Gegebenheiten des Seins im Universum, so wohl bestimmt und wohlgeordnet sind, so voll Weisheit und Wohlausgewogenheit und (auf diese Weise) die freie Willensentscheidung ihres Schöpfers beweisen, sieht dieses verblendete Auge der Philosophen es nicht. Des Weiteren verneint ein anderer Teil der Philosophen den gewaltigen Umfang des Wissens Gottes, indem er sagt: "Mit Kleinigkeiten beschäftigt sich Gottes Allwissenheit nicht." und weisen die glaubhaften Zeugnisse allen Seins zurück.

Des Weiteren schreibt die Philosophie den Ursachen eine Wirkung zu und spricht der Natur eine Schöpfungskraft zu. Das glänzende Siegel in allen Dingen, das allein dem Schöpfer aller Dinge gehört, wie im "Zweiundzwanzigsten Wort" mit einer absoluten Gewissheit bewiesen wurde, erkennt sie nicht an und nimmt die Natur, welche ohnmächtig, leblos, unbewusst und blind ist und deren beide Hände in der Hand zweier Blinder wie Zufall und Kraft liegen, als Quelle an. Sie schreibt der Natur einen Teil des Seins zu, welches Tausende erhabener Weisheiten in sich enthält, wo doch alles im Dasein und jedes einzelne für sich als ein Brief des Einzigartigen (Samed)gilt.

Des Weiteren konnten die Philosophen das Tor zur Wiederauferstehung und zum Leben nach dem Tode nicht finden, welches, wie bereits im "Zehnten Wort" bewiesen wurde, Gott der Gerechte mit all Seinen Namen, der Kosmos mit allen Gegebenheiten (haqq),die Reihe der Propheten mit all ihren kritischen Forschungen (tahqiqat)und die himmlischen Bücher mit all ihren Versen aufzeigen. (Die Philosophen der Antike) bestritten die Wiederauferstehung nach dem Tode und schrieben den Geistern (ruh)eine Urewigkeit zu. So magst du nun diese

(Art törichten) Aberglaubens mit noch anderen Hypothesen vergleichen. In der Tat (bedient sich) der Satan der Schnäbel und Klauen des Egos, um diese atheistischen Philosophen bei ihrem Verstand (zu packen), in die Luft zu heben und sie in die Bäche der Irrtümer hinunter zu werfen, wo sie dann völlig durcheinander geraten. In ihrer kleinen Welt ist das Ego (den Philosophen) zum Götzen (taghut)geworden, so wie es die Natur in ihrer großen Welt ist.

فَمَنْ يَكْفُرْ بِالطَّاغُوتِ وَيُؤْمِنْ بِاللَّهِ فَقَدِ اسْتَمْسَكَ بِالْعُرْوَةِ الْوُثْقٰى لاَ انْفِصَامَ لَهَا وَاللَّهُ سَمِيعٌ عَلِيمٌ

{"Wer nun an die Götzen nicht glaubt, aber an Gott glaubt, der hält sich fest an dem Seil, bei dem es kein Reißen gibt. Und Gott ist der Allhörende und der Allwissende." (Sure 2, 256)}

In diesem Zusammenhang möchte ich hier kurz zusammengefasst eine innere Schau erwähnen, über die ich im "Lemeat

(Stichpunkte mit Erklärung)" in gereimter Prosa schrieb, welche die oben angeführten Wahrheiten näher beleuchten soll. Es ist dies wie folgt:

Acht Jahre vor der Abfassung dieser Abhandlung hatte ich in Istanbul im heiligen Monat Ramadan eine visionäre Schau, ein Erlebnis wie im Traum, während der alte Said, der sich noch mit philosophischen Fragen (meslek)beschäftigte und schon im Begriff war, sich in den neuen Said zu verwandeln und über die drei Wege (meslek)nachdachte, auf die am Ende der ersten Sure "Die Eröffnung (Fatiha Scherif)"mit folgenden Worten

صِرَاطَ الَّذِينَ اَنْعَمْتَ عَلَيْهِمْ غَيْرِ الْمَغْضُوبِ عَلَيْهِمْ وَلاَ الضَّآلِّينَ

{"Den Weg derer, denen Du Gnade erwiesen hast, nicht den Weg derer, die Deinem Zorn verfallen sind und die in die Irre gehen!" (Sure 1, 7)}

hingewiesen wird:

Ich sah mich in einer großen Wüste. Die ganze Erdoberfläche war mit finsteren, beklemmenden und erstickenden Wolken überzogen. Es gab weder einen Lufthauch, noch Licht, auch kein lebendiges Wasser...

Nichts dergleichen ward dort zu finden. Ich hatte die Vorstellung, als gäbe es überall Wölfe, so als wäre (die ganze Gegend) voller wilder und reißender Tiere. Da tauchte in meinem Herzen (der Gedanke) auf: Es gibt auf der anderen Seite der Welt Licht, Luft und lebendiges Wasser. Dahin muss man gehen. Ich bemerkte, wie ich ohne meinen Willen geführt wurde. Ich wurde in eine Höhle unter der Erde, wie in einen Tunnel hineingebracht. Schritt für Schritt reiste ich durch die Erde. Ich bemerkte, dass schon vor mir viele Menschen diesen unterirdischen Weg gegangen waren. Sie waren überall erstickt und liegen geblieben. Ich erkannte ihre Fußspuren. Eine Weile noch vernahm ich die Stimmen einiger von ihnen. Dann aber verstummten diese Stimmen.

Oh mein Freund, der du dich in deiner Vorstellung an meiner visionären Reise beteiligst! Diese Erde ist die Natur und die naturalistische Philosophie. Was aber den Tunnel betrifft, so ist er die Berufung derer, die mit den Meinungen der Philosophen zur Wahrheit einen Weg zu öffnen versuchen. Die Fußspuren, die ich sah, sind die solch berühmter (Männer) wie Platon und Aristoteles.

{(*): Wenn du sagst: "Wer bist du denn eigentlich, dass du solche berühmten (Leute) herausfordern könntest? Obwohl du doch nur so klein wie eine Mücke bist, bekümmerst du dich dennoch um den Flug des Adlers." Doch ich entgegnete dem: "Da ich den Qur'an als meinen urewigen Lehrmeister habe, brauche ich diesen Adlern, welche nur die Adepten einer Philosophie des Irrtums, begabt mit einem nur eingebildeten Verstand, sind, auf dem Weg zu Wahrheit und Erkenntnis noch nicht einmal so viel Wert beizumessen wie dem Flügel einer Mücke. Wenngleich ich auch tief unter ihnen stehen mag, so steht doch ihr Lehrmeister tausendfach unter meinem Lehrmeister. Durch den Beistand meines Lehrmeisters konnte die Materie, worin sie ertranken, noch nicht einmal meine Füße benetzen. In der Tat kann ein kleiner Soldat, der die Gesetze seines großen Kaisers befolgt und dessen Befehle weitergibt, noch größere Dinge vollbringen als der große Marschall eines kleinen Königs."}

Die Stimmen, die ich hörte, sind die solch genialer (Menschen) wie Avicenna und Al-Farabi. Tatsächlich bemerkte ich an einigen Plätzen noch manchmal Worte und Grundsätze von Avicenna. Doch dann hörte dies alles ganz und gar auf. Er hatte nicht weitergehen können, was heißt, dass er erstickt war. Wie dem auch immer sei: Ich habe dir einen Zipfel der Wahrheit meiner Vision gezeigt, um dich vor deiner Neugierde zu retten. Nun komme ich wieder auf meinen Reisebericht zurück.

Im Weiterschreiten bemerkte ich, dass jemand mir zwei Dinge in die Hand gab. Zum einen war es eine Taschenlampe, die die Finsternis dieser unterirdischen Natur vertrieb. Zum anderen war es ein Werkzeug, mit dem riesige Steine und gewaltige Felsbrocken, groß wie Berge zertrümmert werden konnten, um mir den Weg zu ebnen. Und man sagte mir ins Ohr: "Diese Lampe und dieses Werkzeug wurde dir aus der Schatzkammer des Qur'an gegeben." Wie dem auch sei, ich bin längere Zeit (mit diesen beiden Dingen) weiter gegangen. Plötzlich erkannte ich, dass ich das andere Ende (des Tunnels) erreicht hatte. Ich fand mich zu wunderschöner Frühlingszeit, an einem wolkenlosen Sonnentag, in einem die Seele erquickenden Lufthauch, an lebendigem, köstlichem Wasser, in einer Welt voll Frohsinn wieder. Da sagte ich: Elhamdulillah(Alles Lob gebührt Gott!). Dann bemerkte ich, dass ich nicht über mich selbst verfüge. Es gibt einen, der mich prüft. Und wieder sah ich mich in jener vorigen Situation, in der gewaltigen Wüste, unter den erstickenden Wolken. Eine Kraft trieb mich und führte mich wieder einen anderen Weg. Diesmal reiste ich nicht unter der Erde, sondern fuhr und segelte über die Erde dahin und ich fuhr weiter, um auf die andere Seite zu gelangen.

Auf dieser meiner Reise sah ich derart erstaunliche und merkwürdige Dinge, wie man sie gar nicht beschreiben kann. Das Meer wütete gegen mich. Der Sturm bedrohte mich. Alles bereitete mir Schwierigkeiten. Doch mit einem Fahrzeug, welches mir wieder aus dem Qur'an gegeben wurde, überwand ich alle diese Schwierigkeiten und

setzte meine Reise fort. Im Weiterfahren sah ich: überall fand ich Leichen von Reisenden. Es war nur einer unter tausend, der seine Reise vollenden konnte. Wie dem auch immer sei... Ich konnte mich vor diesen Wolken retten und gelangte zur anderen Seite der Erde und begegnete wieder dem schönen Sonnenschein. Ich atmete wieder die Luft und (spürte) den Hauch, der meine Seele erfrischte und sagte, Elhamdulillah(Alles Lob gebührt Gott!). Dann begann Ich mich in dieser paradiesesgleichen Welt umzuschauen. Sodann bemerkte ich: es gab dort einen, der mich dort nicht lassen wollte. Als wollte er mir noch einen anderen Weg vorstellen, brachte er mich in einem einzigen Augenblick wieder in jene fürchterliche Wüste zurück. Von oben kommend sah ich Dinge in unterschiedlichen Formen, die Fahrstühlen glichen und von denen manche wie Flugzeuge, andere wie Autos, einige wie Gondeln aussahen. Je nach Kraft und Begabung konnte man auf diese Fahrzeuge aufspringen und wurde dann von ihnen nach oben gezogen. Ich sprang auch in eines hinein und ließ mich von ihm in einer Minute bis über die Wolken hinauf tragen. Es trug mich über wunderschöne Berge in ihrem grünen Schmuck empor. Die Wolkenschicht (unter mir) reichte kaum bis zur halben Höhe des Berges. Ich bemerkte, dass in allen Richtungen die Luft überaus milde, das Wasser überaus köstlich und das Licht überaus liebliches war. Ich bemerkte, dass es überall lichterfüllte Wohnstätten gab, die diesen Fahrstühlen glichen. Zwar hatte ich sie schon während meiner beiden vorigen Reisen auf der anderen Seite der Erde wahrgenommen, es aber damals nicht verstehen können. Nun begriff ich, dass dies Erscheinungen der Wunderzeichen (Ayat)des weisen Qur'an waren.

Der erste Weg, auf den mit dem Ausdruck وَلاَ الضَّآلِّينَ {"...derer, die in die Irre gehen."}

hingewiesen wird, ist der Weg (meslek)derer, die in die Naturphilosophie hineingeraten sind und die Meinung der Naturalisten vertreten. Sie werden aber schon verspürt haben, welche Schwierigkeiten damit verbunden sind, (auf dem Wege der Philosophen) zur Wahrheit und ins Licht zu gelangen. Der zweite Weg, auf den mit dem Ausdruck غَيْرِ الْمَغْضُوبِ {"...derer, über die Du zürnst."} hingewiesen wird, ist der Weg derer, die die Ursachen anbeten und den Vermittlern Schöpfungsmacht und Einfluss zuschreiben, wie die atheistischen Philosophen, die nur mit Vernunft und Verstand einen Weg zur Wahrheit aller Wahrheiten und zur Erkenntnis des Notwendig-Seienden bahnen wollen. Der dritte Weg aber, auf den mit dem Ausdruck اَلَّذِينَ اَنْعَمْتَ عَلَيْهِمْ {"den Weg derer, denen du Gnade erwiesen hast."} hingewiesen wird, ist die leuchtende Straße der Leute des Qur'an, die die Leute des geraden Weges sind, welcher der kürzeste, angenehmste, sicherste und für jeden zugängliche, himmlische, barmherzige und leuchtende Weg ist.

Zweites Kapitel

(Die Umwandlung der kleinsten Teilchen)

Dieses Kapitel verweist auf ein Teilchen (dherre) aus dem Schatz der folgenden Ayah.

بِسْمِ اللَّهِ الرَّحْمَنِ الرَّحِيمِ ٭ وَقَالَ الَّذِينَ كَفَرُوا لاَ تَاْتِينَا السَّاعَةُ قُلْ بَلٰى وَرَبِّى لَتَاْتِيَنَّكُمْ عَالِمِ الْغَيْبِ لاَ يَعْزُبُ عَنْهُ مِثْقَالُ ذَرَّةٍ فِى السَّمٰوَاتِ وَلاَ فِى اْلاَرْضِ وَلآَ اَصْغَرُ مِنْ ذٰلِكَ وَلآَ اَكْبَرُ اِلاَّ فِى كِتَابٍ مُبِينٍ

{"Im Namen Gottes, des Erbarmers, des Barmherzigen. Und diejenigen, die ungläubig sind, sagen: Die Stunde des Gerichts wird nicht über uns kommen. Sag: Doch, bei meinem Herrn, der das Verborgene kennt, sie wird bestimmt über euch kommen. Ihm entgeht auch nicht das unwägbar kleinste Teilchen, weder in den Himmeln noch auf der Erde. Und es gibt nichts, was kleiner ist als dies, und nichts, was größer ist, das nicht in einer deutlichen Schrift verzeichnet wäre." (Sure 34, 3)}

(Dieses Kapitel behandelt aus dem riesigen Schatz dieser Ayah das unwägbar kleinste Teilchen, das heißt, den Juwel aus der Schatulle dieses kleinsten Teilchens, und befasst sich ein wenig mit der Bewegung und dem Auftrag eines Atoms. Dieses Kapitel besteht aus einer Einführung und umfasst drei Punkte.)

Einführung

Die Umwandlungen der Teilchen kommen durch Schwingungen und Frequenzen zu Stande, die entstehen, wenn der urewige Designer mit der Feder Seiner Macht die Verse des Seins in das Buch des Kosmos schreibt. Es ist jedoch nicht so, wie die Materialisten und Naturalisten sich das vorstellen, dass diese Bewegungen (der Teilchen)

ein Spiel des Zufalls, ein sinnloses Durcheinander wären. Denn das ganze Sein in allen seinen Teilchen und jedes einzelne Teilchen für sich spricht zu Beginn seiner Bewegung: Bismillah(Im Namen Gottes). Denn es trägt unendlich schwere Lasten, die seine Kräfte übersteigen; z.B. nimmt ein Same, (klein wie) ein Weizenkörnchen, die ganze Last eines riesigen Tannenbaumes auf seine Schultern. Nach der Erfüllung seines Auftrags sagt es: Elhamdulillah(Alles Lob gebührt Gott!). Denn es zeigt ein Werk, das in seiner Weisheit und Schönheit alle (Menschen) von Verstand in Begeisterung versetzt, ein zweckmäßiges und schönes Kunstwerk eines glorreichen Meisters, das einem Lobgesang (Kasside)auf Gott gleicht. Betrachte einmal als (weitere) Beispiele einen Granatapfel oder einen Maiskolben!

Die Umwandlung der einzelnen Teilchen

{(*): Diese Anmerkung bezieht sich auf den obigen langen Satz, indem die Umwandlung der kleinen Teilchen beschrieben wird.

In dem weisen Qur'an wird mehrmals von "einem Klaren Vorbild (Imam-i Mubin, Sure 36, 12)" und von "einer Klaren Schrift (Kitab-i Mubin, Sure 6, 59)" gesprochen. Ein Teil der Kommentatoren meint: "Beide bedeuten das gleiche.", ein anderer Teil hingegen: "Sie sind völlig verschieden." Ihre Aussagen über deren Bedeutung sind also verschieden. Kurz gesagt meinen sie jedoch: "Es sind Bezeichnungen für das Wissen Gottes." Mit den Segen des Qur'an kam ich zu der Überzeugung, dass mit dem Klaren Vorbild eine Art Wissen (ilm) und ein Befehl (emr) Gottes bezeichnet werden soll und sich mehr auf die unsichtbare Welt (alem-i ghaib) als auf die sichtbare Welt (alem-i schehadet) bezieht, d.h. mehr auf die Vergangenheit und die Zukunft als auf die Gegenwart. (Dieser Ausdruck) bezieht sich mehr auf die Ursprünge, die Wurzeln, die Samen und Früchte und die Nachkommen als auf die äußerliche Erscheinungsform der Dinge, bezeichnet ein Buch Seiner Vorherbestimmung. Die Existenz dieses Buches wurde bereits im 26. Wort und in einer Anmerkung des 10. Wortes bewiesen. So ist das Klare Vorbild (Imam-i Mubin) in der Tat eine Bezeichnung für eine Art Wissen und Befehl Gottes. Da die Anfänge aller Dinge, ihre Wurzeln und ihre Ursprünge alles mit einer solchen Meisterschaft und in so vollkommener Ordnung zu Ende führen, beweist auf jeden Fall, dass sie aufgrund der Prinzipien göttlichen Wissens und nach Seinem Plan bestimmt worden sind. Und da die Ergebnisse aller Dinge, die Samen und Früchte (der Pflanzen) und die Nachkommen (der Tiere) die Programme, Verzeichnisse allen künftigen Seins in sich tragen, lässt uns begreifen, dass sie Katalogen der Befehle Gottes gleichen. Man kann sagen, dass zum Beispiel ein Kern, der die Programme und Inhaltsverzeichnisse für das Wachstum eines ganzen Baumes und die Befehle des Seins (: die Naturgesetze) enthält, welche diese Inhaltsverzeichnisse und Programme bestimmen, deren winzig kleine Verkörperung ist.

Zusammenfassung:

Imam-i Mubin (das Klare Vorbild) gleicht einem Programm oder Inhaltsverzeichnis des Schöpfungsbaumes, der seine Äste und Zweige in die Vergangenheit und die Zukunft und in alle Richtungen der unsichtbaren Welt hinein ausbreitet. In diesem Sinne ist das Klare Vorbild ein Buch, eine Sammlung der Prinzipien der Vorherbestimmung Gottes. Nach der Aufzeichnung dieser Prinzipien und nach ihren Bestimmungen werden die kleinen Teilchen in den Körpern der Dinge in Dienst gestellt und ihren Funktionen zugeführt.

Was aber die Klare Schrift (Kitab-i Mubin) betrifft, so bezieht sie sich mehr auf die sichtbare als auf die unsichtbare Welt. Sie ist mehr auf die gegenwärtige Zeit, als auf die Vergangenheit oder Zukunft gerichtet. Sie ist mehr ein Heft, ein Buch, eine Bezeichnung für die Macht (qudret) und die Entscheidungsgewalt (irade) Gottes als für Sein Wissen (ilim) und Seinen Befehl (emr). Wie das Klare Vorbild (Imam-i Mubin) das Buch der Vorherbestimmung Gottes ist, so ist die Klare Schrift (Kitab-i Mubin) das Buch Seiner Macht (qudret). Das Wesen, die Eigenschaften und Begabungen im Körper eines jeden Dinges sind vollkommen kunstvoll und wohlgeordnet. Das zeigt uns, dass jedes Ding nach den Prinzipien einer vollkommenen Macht und nach den Gesetzen eines einflussreichen Entscheidungswillens mit seiner Form bekleidet wird. Seine Gestalt wird bestimmt und festgelegt. Sie bekommt ein bestimmtes Maß und eine individuelle Form. Also hat diese Macht und dieser Entscheidungswille eine umfassende, allgemeine Gesetzessammlung, ein Hauptbuch, nach dem eine geeignete Form für jedes Ding und ein ihm eigenes Aussehen zugeschnitten, geschneidert und ihm angezogen wird. Die Existenz dieses Buches ist bei der Abhandlung über das Vorherwissen (Qader) und die Entscheidungsfreiheit (djüz-i ihtiyari) wie auch die des Klaren Vorbildes (Imam-i Mubin) bewiesen. Siehe die Torheit der Gottvergessenen und der Leute des Irrweges und der Philosophen, wie sie die "Wohlverwahrte Tafel" (Lauh-i Mahfudh) der Macht des Schöpfers und die Erscheinungen, Reflexionen und Nachbildungen dieses Buches der Weisheit und des Entscheidungswillen des Herrn in den Dingen verspürten und - Gott bewahre! - mit "Natur" bezeichneten und aus dem Blickfeld gerückt haben. Also schreibt die Macht Gottes mit der Aufzeichnung des Klaren Vorbildes (Imam-i Mubin), d.h. mit der Geltung und dem Gesetz des Vorherwissens (Qader) bei der Erschaffung der Dinge die Wogen allen Seins, deren jede ein klares Zeichen ist, auf die Seite der Zeit, die die Tafel vom Aufbau und der Zerstörung (Lauh-i Mahv-Isbat) genannt wird. Sie erschafft und bringt die kleinsten Teilchen in Bewegung. Also ist die Umwandlung der kleinsten Teilchen eine Schwingung, eine Bewegung, die während dieser Aufzeichnung, dieser Niederschrift entsteht, und alles Sein geht aus der Welt des Unsichtbaren in die bezeugte Welt und aus dem Wissen (Gottes) in Seine Macht hinüber. Was die Tafel vom Aufbau und der Zerstörung (Lauh-i Mahv-Isbat) betrifft, so dient sie der verwahrten Tafel von gewaltiger Größe (Lauh-i Mahfudh-u A'zam), die beständig und fortdauernd ist, als ein Buch, eine Tafel im Bereich der Möglichkeiten, d.h. in den Dingen, die dem Tod und dem Leben, dem Dasein und dem Vergehen ständig ausgesetzt sind, was ja auch der Sinn der Zeit ist. Wie jedes Ding seine eigene Wahrheit hat, so gilt auch die Wahrheit des gewaltigen Flusses im Kosmos, den wir Zeit nennen, als Blatt und Tinte für die Niederschrift der Macht auf der Tafel vom Aufbau und der Zerstörung (Lauh-i Mahv-Isbat).

لاَ يَعْلَمُ الْغَيْبَ اِلاَّ اللَّهُ

("Niemand kennt das Verborgene außer Gott!")}

geschieht in

der Tat durch eine Bewegung, eine Schwingung, die ihre besondere Bedeutung hat und die unter den Prinzipien und der Orthographie des Klaren Vorbildes (Imam-i Mubin),das eine Bezeichnung für das Wissen (ilm)und den Befehl (emir)Gottes ist und die Quelle der Wohlordnung aller Dinge in vergangenen wie künftigen Zeiten und kommenden Geschlechtern, und aus der Klaren Schrift (Kitab-i Mubin)erwächst, die eine Bezeichnung für die Macht (qudret)und den Willen (irade)Gottes ist und sich auf die gegenwärtige Zeit und die bezeugte Welt bezieht und die Quelle für die Erschaffung aller Dinge ist, und auf der Tafel vom Aufbau und der Zerstörung (Lauh-i Mahv-Isbat),welche die Leinwand

ist, auf der die Wahrheit über den Fluss der Zeit zur Darstellung gelangt, auf der die Worte der Macht geschrieben und gezeichnet werden.

Erster Punkt:

zwei Abschnitte

Erster Abschnitt:

Bei jedem kleinsten Teilchen, sowohl bei seinen Bewegungen als auch bei seinem Stillstehen lassen zwei sonnengleiche Strahlen die Einheit (Gottes) erkennen. Denn: wenn jedes kleinste Teilchen kein Beamter Gottes wäre und sich nicht mit Seiner Erlaubnis, Lenkung und Leitung bewegte und nicht mit Seinem Wissen und Seiner Macht umwandelte,

dann müsste jedes kleinste Teilchen über ein unendliches Wissen, eine unbegrenzte Macht, ein alles sehendes Auge, ein nach allem schauendes Gesicht und über ein alles bewirkendes Wort verfügen, wie es schon im ersten Hinweis des "Zehnten Wortes" zusammengefasst und im "Zweiundzwanzigsten Wort" ausführlich bewiesen wurde. Denn: jedes kleinste Teilchen der Elemente kann im Körper eines Lebewesens perfekt arbeiten und tut das auch. Die einzelnen Dinge unterscheiden sich je nach ihrer Funktion und den Grundlagen ihres Aufbaus voneinander. Kennt man ihre Funktionsweise nicht, kann man auch nicht mit ihnen arbeiten. Arbeitet man mit ihnen, kann man es jedoch nicht fehlerfrei tun. Und doch geschieht alles fehlerfrei. Also sind diese kleinen Teilchen, die im Dienst stehen, entweder mit der Erlaubnis, auf Befehl, mit dem Wissen und der Entscheidungsgewalt dessen tätig, der über ein allumfassendes Wissen verfügt, oder aber sie müssen selbst ein allumfassendes Wissen und Macht besitzen. Und es kann in der Tat ein jedes Luftmolekül in den Körper jedes einzelnen Lebewesens,

in die Frucht jeder einzelnen Blüte, in den Bau eines jeden Blattes eintreten und dort tätig werden. Ihre Systeme sind aber voneinander verschieden und haben eine unterschiedliche Ordnung. Wenn also, angenommen, eine Fabrik, in der die Früchte eines Feigenbaumes hergestellt werden, wie eine Webmaschine aussehen würde, so sollte auch die Fabrik, in der die Früchte eines Granatapfelbaums produziert werden, wie eine Fabrik, in der Zucker hergestellt wird, aussehen, usw.... Die Programme ihres Aufbaus, ihres Körpers sind voneinander verschieden.

Jetzt tritt also ein Luftmolekül in alle diese Dinge ein, oder kann in sie eintreten, nimmt seinen Platz ein und wird mit großer Weisheit und Meisterschaft tätig. (Es arbeitet) einwandfrei und nachdem es seine Aufgabe beendet hat, steht es auf und geht wieder. So müssen also die beweglichen Moleküle der beweglichen Luft entweder alle Formen, mit der die Pflanzen und Tiere, ja sogar deren Früchte und Blüten bekleidet werden, und die Maße, kennen, nach denen sie gebildet und zugeschnitten werden... oder sie müssen Beamte sein, die unter dem Befehl und dem Willen eines Wissenden arbeiten.

Genauso ist die sesshafte Erde und sind ihre kleinsten Teilchen, die auch sesshaft sind, fähig, den Samen aller blühenden Pflanzen und der früchtetragenden Bäume als Grund und Quelle zu dienen. Welcher Same auch kommen mag: er findet in diesem Teilchen, sozusagen in einer Handvoll Erde, welche wegen ihrer Ähnlichkeit als die gleichen Teilchen gelten, eine Fabrik, die ihm gehört, und alle Geräte, die für alle seine Bedürfnisse und Bauvorhaben notwendig sind. In diesem kleinsten Teilchen und in dieser einen Handvoll Erde, die sein kleines Häuschen ist, müssen so viele wohlgeordnete, unsichtbare Maschinen und Fabriken vorhanden sein, wie es Arten von Bäumen und Pflanzen und Blüten und Früchten gibt, oder aber muss diese eine Handvoll Erde über eine wunderbare Macht, die alles aus dem Nichts zu erschaffen vermag, und über ein Wissen verfügen, das von allen Dingen

alles und jedes und alle ihre Seiten kennt. Oder aber diese Aufgaben werden auf den Befehl und mit der Erlaubnis, aus der Macht und Kraft eines absolut Allmächtigen und Allwissenden erfüllt.

Da geht ein ganz gewöhnlicher, blinder, unerfahrener und ungebildeter Mann nach Europa. Er betritt alle Fabriken und Werkstätten und arbeitet in jedem Gebäude und in allen Berufen meisterhaft und einwandfrei. Er vollbringt Werke, die in unendlichem Grade zweckmäßig und kunstvoll sind, und versetzt damit jeden in Erstaunen. Wer auch nur ein Fünkchen Verstand hat, weiß, dass dieser Mann nicht selbständig arbeitet. Vielmehr unterrichtet ihn ein Meister des gesamten Betriebes und setzt ihn an die Arbeit. Und da ist auch noch ein Mann, der blind und hilflos ist und sich nicht von seinem Platz erheben kann. Der sitzt in seiner einfachen Hütte. Und doch sehen wir, wie in diese Hütte ein kleines Steinchen oder ein Knochen oder bisschen Baumwolle und dergleichen andere Dinge hineingebracht werden, während aus dieser Hütte zentnerweise Zucker, Stoffe in Ballen, Tausende von Edelsteinen, äußerst kunstvoll zugeschnittene, geschmackvoll verzierte Kleidung und auch delikate Speisen heraus gebracht werden. Sagt dann nicht jeder, der ein bisschen Verstand besitzt: "Dieser Mann, der selber nichts hat, ist der Pförtner in einer Fabrik, die für einen wunderwirkenden Herrn den Export Seiner Wunderwerke bedient."

Genauso bewegen sich die kleinsten Teilchen der Luft und dienen in den Bäumen und in allen Pflanzen, in ihren Blüten und Früchten, welche Briefe des Einzigartigen (Samad),kostbare Kunstwerke des Herrn, Wunderwerke der Macht und einzigartige Stücke der Weisheit sind, mit dem Befehl und dem Entscheidungswillen eines Meisters, des glorreichen Herrschers, des Schöpfers, des vollkommenen Freigiebigen. Und auch die kleinsten Teilchen der Erde dienen als Beet und Pflanzgrund für die winzigen Samenkörner und Kerne der Ähren wie der Bäume, deren jede eine Maschine, ein Webstuhl, ein Drucker,

eine Schatzkammer, ein kostbares Kunstwerk und eine Bekanntmachung der Namen des glorreichen Meisters und ein Lobgedicht ist, welches Seine Vollkommenheit in verschiedenen Farben und Formen verkündet. Es ist so klar, wie zwei mal zwei vier ist, dass dies nur mit dem Befehl, der Erlaubnis, der Entscheidung und aus der Kraft eines glorreichen Meisters sein kann, der über den Befehl "Sei! Und es ist!" verfügt und dessen Befehl alle Dinge gehorchen. Daran glauben wir (Amenna)!

Zweiter Abschnitt:

Ein kurzer Hinweis auf die Aufgaben und Weisheiten, die in den Bewegungen der kleinsten Teilchen liegen.

Tatsächlich sehen die Materialisten, denen der Verstand in die Augen gerutscht ist, mit ihrer weisheitslosen Lehre, in Anbetracht ihrer Philosophie, die auf der Grundlage der Absurdität beruht, die Umwandlungen der kleinsten Teilchen als nur vom Zufall abhängig, den sie für das Grundprinzip all ihrer Gedankengänge halten und als den Ursprung aller Kunstwerke Gottes erklären. Was für ein Unverstand es ist, die Kunstwerke, geschmückt mit unendlich vielen Weisheiten, einem Wirrwarr von einem Etwas ohne Weisheit und Bedeutung zuzuschreiben, weiß ein jeder, der auch nur ein Fünkchen Verstand besitzt.

Vom Blickpunkt der Weisheit des weisen Qur'an findet sich in der Umwandlung der kleinen Teilchen ihre Aufgabe und liegt darin sehr viel von ihrem Sinn und Zweck und ihrer Bedeutung. Er weist mit vielen Versen wie

وَاِنْ مِنْ شَىْءٍ اِلاَّ يُسَبِّحُ بِحَمْدِهِ

{"Und kein Ding ist, das Ihn nicht in Dankbarkeit lobpreist." (Sure 17,44)}

darauf hin, dass (in den Dingen) eine Weisheit (liegt) und sie ihre Aufgabe (haben). Hier wollen wir nur auf einige von ihnen als Beispiele hinweisen.

Erstens:

Der Herr, der Notwendig-Seiende macht jede einzelne Seele wie ein Modell, an dem in Erscheinung tritt, was Er aus dem Nichts erschafft und immer wieder erneuert. Er, der glorreiche Schöpfer setzt mit Seiner Macht die kleinsten Teilchen in Bewegung und beauftragt sie damit, jedes Jahr den Wunderwerken Seiner Macht einen neuen Körper anzuziehen, aus jedem einzelnen Buch tausend verschiedene Bücher Seiner Weisheit abzuschreiben, eine einzige Wahrheit in vielen verschiedenen Formen zu zeigen, für die Schöpfungen, Welten und alles Dasein, die Schar um Schar hintereinander kommen, Platz zu machen und den Boden für sie vorzubereiten.

Zweitens:

Der glorreiche Herrscher über allen Besitz erschuf diese Welt, besonders den Acker dieser Erde als Sein Besitztum. Das heißt, Er gab ihr die Fähigkeit, eine Pflanzenwelt wachsen zu lassen und immer wieder frisch und neu Ernten hervorzubringen, um so (auf Seiner Erde) unendlich viele Wunderwerke Seiner Macht säen und ernten zu können. So bringt Er denn in Seinem Acker auf dieser Erde die kleinsten Teilchen mit Weisheit in Bewegung, lässt sie nach Seiner Ordnung arbeiten und führt immer wieder neue Welten in jedem Jahrhundert, in jeder Jahreszeit, in jedem Monat, ja sogar an jedem Tag, ja sogar in jeder Stunde als Wunderwerk Seiner Macht vor und lässt den Garten der Erde ganz verschiedene Ernten hervorbringen. Er bringt Geschenke aus der Schatzkammer Seiner unendlichen Barmherzigkeit und Musterstücke Seiner unendlichen Macht durch die Umwandlungen dieser kleinsten Teilchen in Erscheinung.

Drittens:

Während Er die Ornamente der Erscheinungen Seiner göttlichen Namen vorführt, um den Erscheinungen dieser Namen Ausdruck zu verleihen, werden auf der begrenzten Erde grenzenlos viele Ornamente gezeigt. Um auf ein kleines Blatt unendlich viele Verse zu schreiben, um unbegrenzte Bedeutungen auszudrücken, bringt der urewige Designer die kleinsten Teilchen mit vollkommener Weisheit in Bewegung und lässt sie wohlgeordnet arbeiten.

In der Tat ist die Ernte des vergangenen Jahres von ihrem Wesen her gleich mit der dieses Jahres, doch ist ihre Bedeutung verschieden. Wenn sich der unsichtbare Tatbestand ändert, ändert sich auch ihre Bedeutung und entfaltet sich. Obwohl sich der unsichtbare Tatbestand und der vorübergehend sichtbar werdende Körper (z.B. das Laub) verändert und äußerlich vergänglich ist, wird doch die Bedeutung ihrer Schönheit gespeichert, bleibt sie unveränderlich und beständig. Eines Baumes Blätter, Blüten und Früchte vom vergangenen Frühling, die keine Seele (ruh)haben, sind ihren Nachbildungen dieses Frühlings wirklich gleich. Nur in ihrer unsichtbaren Form (in unserer Erinnerung) unterscheiden sie sich voneinander. Was aber diese unsichtbare Form betrifft, so ist in diesem Frühling eine neue Form an ihre Stelle getreten, um den Bedeutungen der Eigenschaften der göttlichen Namen Ausdruck zu verleihen, deren Erscheinungen sich jedes Mal (im Frühling) wieder zu erneuern.

Viertens:

Um für die unendlich weiten Welten der Engel und für die wie unsere Traumwelt unbegrenzten anderen jenseitigen Welten Ernten, Schmuck und Werkzeuge und dergleichen dort geeigneten Dinge zu erzeugen, setzt der glorreiche Herrscher in diesem schmalen Acker der Erde, an der Werkbank und dem Feld der Erdoberfläche die kleinen Teilchen in Bewegung. Er macht die ganze Welt zu einem Ozean und lässt alles Sein wie Fahrzeuge über ihn dahin ziehen. So zieht Er auch auf dieser kleinen Erde für jene unendlich großen (jenseitigen) Welten sehr viele unsichtbare Dinge heran. Aus der unendlichen Schatzkammer Seiner Macht lässt Er einen grenzenlosen Fluss aus der Erde quellen und in die Welt des Verborgenen und einen Teil auch in die jenseitigen Welten strömen.

Fünftens:

Um die unendliche Vollkommenheit Seiner Gottheit, grenzenlose Erscheinungen Seiner Schönheit, unendlich viele Erscheinungen Seiner Größe (djelal)und zahllose Lobpreisungen Seiner Herrschaft in dieser kleinen, begrenzten Erde, in einer begrenzten und knappen Zeit zu zeigen, bringt Er die kleinen Teilchen durch Seine

Macht in vollkommener Zweckmäßigkeit in Bewegung und lässt sie wohlgeordnet arbeiten. So lässt Er in einer begrenzten Zeit auf einer begrenzten Erde einen unbegrenzten Gottesdienst (tesbihat)veranstalten. Er zeigt die grenzenlosen Erscheinungen Seiner Schönheit (Djemal),Größe (Djelal)und Vollkommenheit (Kemal).So bringt Er viele Wahrheiten aus dem Verborgenen, viele Früchte des Jenseits, sehr viele Stickereien und bedeutungsvolle Webmuster der ewigen Urbilder und Formen für die vergängliche Welt ins Dasein. Das heißt also, dass derjenige, der die kleinen Teilchen in Bewegung setzt, der Herr ist, der diese gewaltigen Ziele verwirklicht und dabei diese großen Weisheiten zum Ausdruck bringt. Sonst müsste sich in einem jedem kleinsten Teilchen ein Gehirn (von der Ausstrahlungskraft) der Sonne befinden.

So werden denn die kleinen Teilchen, diesen fünf Beispielen entsprechend in Weisheit, ja vielleicht fünftausend Weisheiten, in Bewegung gesetzt, welche jedoch jene unverständigen Philosophen gar nicht für weise halten, vielmehr fälschlicherweise annehmen, diese kleinen Teilchen würden ganz für sich alleine wie Betrunkene umher torkeln, wo sie sich doch in Wirklichkeit wie ein Mevlevi-Dervish ekstatisch im Tanze drehen und Gottes gedenken (dhikr)und Ihn lobpreisen (tesbih).

So versteht sich denn aus dem oben gesagten, dass ihre Kenntnisse keine wahren Erkenntnisse sind, sondern Unvernunft, und ihre Weisheit Unverstand.

(In dem folgenden dritten Punkt werden wir noch eine "sechste Weisheit" erwähnen, die jedoch etwas umfangreicher ist.)

Zweiter Punkt:

In jedem kleinsten Teilchen finden sich zwei zuverlässige Zeugnisse für die Existenz und Einheit des Notwendig-Seienden. In der Tat legt ein kleines Teilchen für die Existenz des Notwendig-Seienden dadurch Zeugnis ab, dass es große Lasten emporhebt und große Aufgaben erfüllt, als hätte es ein Bewusstsein, obwohl es doch nur (ein Stückchen) tote Materie ist, genauso wie es auch für die Allgegenwart des Notwendig-Seienden Zeugnis ablegt,

für die Einheit des Herrn, der über das Reich aller sichtbaren und aller unsichtbaren Dinge herrscht, indem es sich bei seinen Bewegungen der allgemeinen Ordnung entsprechend verhält und an jedem Ort, wo es eintrifft, auf die jeweiligen dortigen Anordnungen achtet und sich an jedem Platz niederlässt, als wäre er seine Heimat. Das heißt, wem dieses kleine Teilchen gehört, dem gehören auch alle Gebiete, die dieses kleine Teilchen durchwandert. Da eines dieser kleinen Teilchen schwach, seine Last aber unendlich schwer ist und seine Aufgaben unendlich viele sind, macht es uns also klar, dass es im Namen und Auftrag des absolut Mächtigen einen Rückhalt hat und sich in Ihm bewegt. Des Weiteren hält es die allgemeine Anordnung im Kosmos ein, als hätte es sie schon zuvor gekannt, und tritt überall ungehindert ein. Das zeigt, dass es durch die Macht und Weisheit des einen absoluten Wissenden tätig ist.

So wie ein Soldat mit seinem Zug, seiner Kompanie, seinem Bataillon, seiner Division, seiner Armee, seinem Heer usw. in Verbindung steht, so hat er in der Tat entsprechend seiner Verbindung auch eine Funktion in allen Heeresgruppen und insoweit er diese Verbindungen und Aufgaben kennt, kann er sich auch entsprechend verhalten, wenn er in den militärischen Anordnungen geübt ist und darin ausgebildet wurde, wobei er sich den Befehlen und Anordnungen eines einzigen Oberkommandierenden unterwirft, der über alle diese Heeresgruppen das Kommando führt.

Genauso hat auch jedes kleinste Teilchen in den ineinander verschachtelten Zusammensetzungen seinen ihm entsprechenden Platz, seine unterschiedlichen, zweckmäßigen Verbindungen, seine ganz verschieden angeordneten Aufgaben mit unterschiedlichen Folgen und einer ebenso unterschiedlichen, weisen Zweckmäßigkeit. Diese Teilchen in einer solchen Zusammensetzung in der Weise zu platzieren, dass es den Umständen entsprechend seine Aufgaben erledigt, ohne dabei das Ergebnis und seine Weisheit zu stören, ist mit Sicherheit einem

Herrn zuzuschreiben, der den ganzen Kosmos unter der Macht Seiner Lenkung und Leitung führt. Ein kleines Teilchen, das zum Beispiel im Augapfel von Tevfik {(*): Er war der erste Schreiber unter den Nur-Schülern.} seinen Platz hat, fügt sich entsprechend den Reflex- und Gefühlsnerven und den Adern, wie Venen und Arterien ein. Es hat sein Verhältnis, zuerst zum Gesicht, dann zum ganzen Kopf und zum Rumpf, und schließlich zum ganzen Leib des Menschen. Es steht mit allen Körperteilen in Verbindung und hat in Beziehung zu allen und in vollkommener Zweckmäßigkeit seine Aufgabe und seinen Nutzen. Das zeigt uns, dass nur derjenige, der alle Glieder dieses Körpers ins Dasein brachte, dieses kleine Teilchen an seinem richtigen Platz einsetzen kann. Besonders jene kleinen Teilchen, die mit der Nahrung zur Versorgung gekommen sind, diese Teilchen, die mit der Schar der Nahrungsmittel segeln und reisen, segeln und reisen in einer ganz erstaunlichen Wohlordnung, sie kommen und gehen mit einer Zielstrebigkeit und in ihrer Liebe zur Ordnung in einer solchen Haltung, tun ihre Schritte bewusst, ohne sich zu irren und gelangen so an ihren Platz. Sie werden im Körper eines Lebewesens durch vier Siebe gesiebt und auf die roten Blutkörperchen aufgeladen und eilen den bedürftigen Organen und Zellen nach dem Gesetz der Freigebigkeit zu Hilfe. Daraus wird ganz offensichtlich verständlich, dass derjenige, der diese kleinen Teilchen an Tausende verschiedener Wohnstätten führt und leitet, mit aller Sicherheit derjenige ist, der der freigiebige Versorger, der barmherzige Schöpfer ist, vor Dessen Macht diese kleinen Teilchen wie die (größten) Sterne als Gleiche Schulter an Schulter stehen.

Des Weiteren arbeitet jedes einzelne kleine Teilchen in einem solch kunstvollen Ornament, dass es entweder dazu in der Lage ist, mit allen Teilchen in Verbindung zu stehen und über jedes einzelne von ihnen und alle gemeinsam sowohl zu herrschen, als auch von ihnen beherrscht zu werden und dass es dieses erstaunlich kunstvolle

Ornament und dieses zweckmäßig ausgestaltete Kunstwerk kennt und ins Dasein ruft, was aber tausendfach unmöglich ist, oder aber: es ist ein Punkt, der aus der Feder der Macht des allweisen Meisters hervor tritt und sich im Auftrag und nach dem Gesetz Seiner Bestimmung bewegt.

Zum Beispiel:

Wenn die Steine der Kuppel der Hagia Sophia nicht dem Befehl und der Baukunst eines Baumeisters unterständen, dann müssten sie selber, wie der Architekt Sinan, hochbegabte Baumeister sein und von den anderen Steinen sowohl beherrscht werden, als auch über sie herrschen, also gewissermaßen befehlen können, indem sie sagen: "Kommt, wollen wir uns Kopf an Kopf aneinander legen, damit wir nicht hinunterfallen!" Genauso müsste man auch jedem kleinen Teilchen eines Kunstwerkes, welches noch tausendfach kunstvoller, erstaunlicher und zweckmäßiger ist als die Kuppel der Hagia Sophia, so es denn nicht den Befehlen des Baumeisters dieses Kosmos folgen sollte, so viele vollkommene Eigenschaften zuschreiben, wie sie der Baumeister des Kosmos hat.

Gepriesen seist Du, oh Gott! Da die verbohrten Materialisten den einen Notwendig-Seienden nicht annehmen wollen, müssen sie ihrer Schule (mesheb)entsprechend so viele falsche Götter annehmen, wie es solche kleinen Teilchen gibt. In dieser Hinsicht befindet sich also ein Ungläubiger, der als Philosoph doch ein gebildeter (Mensch) sein sollte, in unendlichem Grade in einer gewaltigen, tiefen Torheit und ist ein vollkommener Tor.

Dritter Punkt:

Dieser Abschnitt ist nun der Hinweis auf die sechste große Weisheit, den ich bereits am Ende des ersten Punktes versprochen hatte. Es ist dies wie folgt:

In der Anmerkung zur Antwort auf die zweite Frage des "Achtundzwanzigsten Wortes" wurde gesagt: Es ist eine unter Tausenden von Weisheiten, die in den Umwandlungen der kleinsten Teilchen und in ihren Bewegungen in den lebendigen Körpern liegen, diesen kleinen Teilchen Leuchtkraft zu verleihen, sie zu verlebendigen und ihnen einen Sinn zu geben, damit sie sich als Bauelemente für den Aufbau der jenseitigen Welt qualifizieren können.

Es ist, als wären die Körper der Menschen und Tiere, ja sogar die der Pflanzen ein Gasthaus, eine Kaserne, eine Schule für diejenigen, die kommen, um eine Ausbildung zu erhalten, sodass diese leblosen kleinen Teilchen in sie eintreten und Leuchtkraft erlangen können. Sie erhalten Unterricht, werden unterwiesen in Kultur und Bildung. Jedes einzelne Teilchen versieht seine Aufgabe und qualifiziert sich, ein Teilchen in der ewigen Welt zu werden, der jenseitigen Welt, die in allen ihren Teilchen lebendig ist.

Frage:

Woran erkennt man diese Weisheit, die wir in den Bewegungen dieser kleinen Teilchen finden?

Antwort:

Erstens:

Man erkennt sie an der Weisheit des Schöpfers, die der Wohlordnung und Zweckmäßigkeit der ganzen Schöpfung zu Grunde liegt. Denn die Weisheit, die so ein kleines Teilchen als Ganzes erfüllt, lässt die Bewegungen solcher kleinen Teilchen nicht ohne jene Weisheit allein, die im Strom der Schöpfung eine überaus große Aktivität entfalten und die Quelle all ihres sinnreichen Schmuckes sind. Eine Weisheit, eine Herrschaft (hikmet ve hakimiyyet),die auch das kleinste Geschöpf nicht ohne seinen Lohn, ohne Gehalt, ohne Würde lässt, lässt auch die große Zahl ihrer angestammten Beamten und Diener nicht ohne Licht und Führung.

Zweitens:

Wenn der allweise Schöpfer die (vier Ur)-Elemente in Bewegung versetzt, ihnen ihre Aufgabe gibt und (ihnen als Lohn entsprechend ihrer Würde) auf die Stufe der Mineralwelt erhebt und sie in Gebeten unterweist, wie sie den Mineralien zu Eigen sind, und wenn Er dann die Mineralien in Bewegung versetzt, ihnen ihre Aufgabe gibt, sie in den Rang (maqam)der Pflanzenwelt, auf die Stufe des Lebendigen erhebt und wenn Er dann die Pflanzen als Nahrungsmittel in Bewegung versetzt, ihnen ihre Aufgabe gibt und sie so in der Tierwelt mit der Stufe eines fühlenden (Wesens) beschenkt, und wenn Er dann den Zellen, den Molekülen (dherrat)der Tiere ihre Aufgabe gibt und sie auf dem Wege der Versorgung auf

die Stufe der Menschenwelt emporhebt, und wenn Er dann diese Zellen, diese Moleküle im menschlichen Körper reinigt und verfeinert, sie immer wieder sichtet und siebt, bis Er endlich ihnen in dem so äußerst empfindsamen und feinfühligen Gehirn und im Herzen ihren Platz anweist, so erkennt man daraus, dass die Bewegungen der kleinsten Teilchen (der Zellen, Moleküle, Atome) nicht sinnlos sind, dass sie vielmehr so einer Art Vervollkommnung entgegen geführt werden, wie sie ihnen entspricht.

Drittens:

Unter den kleinsten Teilchen lebendiger Körper erreichen einige, (die Gene) in den Samenkernen und Körnern eine solch geistige Ausstrahlung, eine Erlesenheit, eine quantitative Besonderheit, dass sie als der Geist für einen riesig großen Baum und König über alle anderen Teilchen gelten können. Da nun einige Gene unter den kleinen Teilchen eines riesigen Baumes nur dadurch zu dieser Stufe empor gelangen können, dass sie in den verschiedenen Lebensabschnitten dieses Baumes viele Phasen durchlaufen und dabei die diffizilsten Aufgaben versehen, zeigt sich uns also, dass sie auf Befehl des allweisen Meisters (einerseits und zugleich) im Auftrag und zur Ehre der Namen (Gottes), die (nun andererseits) in ihrem von Natur aus gegebenen Aufgaben der Art der Bewegung dieser Teilchen entsprechend in Erscheinung treten, ihre geistige Feinheit, ein geistiges Licht, einen gewissen Rang (maqam)und geistige Unterweisung erhalten.

Zusammenfassung:

Da nun einmal der allweise Meister für jedes Ding einen Gipfel der ihm entsprechenden Vervollkommnung und die ihm gebührende Freude in seiner Daseinsstufe bestimmt und ihm die Fähigkeit gibt, sich anzustrengen, zu diesem Gipfel der Vervollkommnung empor zu gelangen, führt Er es in diese Richtung. Dieses Gesetz der Göttlichen Herrschaft (Rububiyyet)hat bei allen Pflanzen und Tieren seine Gültigkeit, ja sogar in der unbelebten Natur, sodass Er ganz gewöhnlichen Sand auf die Stufe eines Edelsteines, eines kostbaren Juwels emporhebt. In dieser Tatsache können wir den Leitfaden des Gesetzes allgewaltiger Göttlicher Herrschaft erblicken.

Des Weiteren gibt der freigiebige Schöpfer (Haliq-i Kerim)den Tieren, die Er unter das allgewaltige Gesetz der Vermehrung gestellt hat, als Lohn einen ihm eigenen Genuss. Er schenkt Tieren, wie Biene oder Nachtigall, als Lohn für ihre Dienste (im Auftrage ihres) Herrn Vollkommenheit als Lohn. Er verleiht ihnen ihren Rang (maqam)als Quellgrund zu ihrem Genuss für ihre Begeisterung und darin erscheint der Leitfaden zum Gesetz einer allumfassenden Freigiebigkeit.

Was nun das Wesen (haqiqat)jedes einzelnen Dinges betrifft, so handelt es sich dabei um die Erscheinung eines Namens Gottes des Gerechten, ist an ihn gebunden und dient ihm als Spiegel. Welch schöne Form auch immer dieses Ding annehmen mag: es dient damit der Ehre des Namens Gottes und so will es dieser Name. Ob dieses Ding sich nun dessen bewusst sein mag oder nicht, so ist doch in Wahrheit diese seine schöne Form erwünscht und dieser Wahrheit entsprechend wird hier der Leitfaden zum Gesetz einer allumfassenden Schönheit und Vollkommenheit sichtbar.

Des Weiteren nimmt der freigiebige Schöpfer einen Rang (maqam)oder eine Vollendung, die Er einem Ding als ein Erfordernis des Gesetzes Seiner Freigiebigkeit verliehen hat, nachdem dessen Lebenszeit abgelaufen, beendigt ist, nicht wieder zurück. Vielmehr verleiht Er den Früchten, den Ergebnissen, den Merkmalen, der Bedeutung des Trägers der Vollkommenheit, und insoweit es sich dabei um ein beseeltes Wesen handelt, seinem Geist (ruh)die Beständigkeit. So verleiht Er z.B. dem, (was in seinem Leben von) Bedeutung war, seinen Früchten, seiner Reife (kemalat),die er erlangt hat, Beständigkeit. Ja, Er lässt sogar eine vergängliche Frucht, die ein dankbarer Gläubiger gegessen hat, wegen dessen Danksagungen und Lobpreisungen sich als Frucht im Paradies wieder verkörpern und schenkt sie ihm aufs Neue. Und in dieser Wahrheit wird der Leitfaden zum Gesetz einer allumfassenden Barmherzigekeit sichtbar.

Des Weiteren verschwendet der einzigartige Schöpfer nichts und nichts, was er tut, ist sinnlos. Ja selbst für die stofflichen Überreste Seiner Geschöpfe, die im Herbst ihre Aufgaben beendet haben, hat Er für Seine Kunstwerke im Frühling wieder Verwendung. Er setzt sie in deren Gebilde wieder ein. Dem tiefen Sinn von

يَوْمَ تُبَدَّلُ اْلاَرْضُ غَيْرَ اْلاَرْضِ

{"Am Tag, da die Welt gegen eine andere Welt eingetauscht wird,..." (Sure 14, 48)}

und entsprechend dem Hinweis von

وَاِنَّ الدَّارَ اْلاٰخِرَةَ لَهِىَ الْحَيَوَانُ

{"Und es ist in der Tat das Haus des Jenseits von Leben erfüllt." (Sure 29, 64)}

ist es mit Sicherheit ein Erfordernis der Weisheit, dass die kleinsten Teilchen der Erde, welche in dieser Welt ohne Leben und Bewusstsein sind und dennoch wichtige Aufgaben versehen, in einem Teil der Gebilde im Jenseits, in dem Steine, Bäume und alles, was es da gibt, von Leben und Bewusstsein erfüllt sind, wieder eingesetzt und verwendet werden. Denn die nach der Zerstörung der Welt übrig gebliebenen Atome in dieser Welt zurück zu lassen oder in der Vernichtung anheim zu geben, wäre Verschwendung. Und in dieser Wahrheit wird der Leitfaden des Gesetzes einer allumfassenden Weisheit sichtbar.

Des Weiteren werden sehr viele Kunstwerke und geistige Werte, Früchte dieser Welt und Gewebe aus guten Werke verantwortungsbewusster Menschen und Dschinnen und die Logbücher ihrer Handlungen, ihre Leiber und Seelen auf den Markt des Jenseits gesandt. Sicherlich haben die Atome dieser Welt ihren Früchten und dem, was sie bedeuten, gedient und sie auf ihrem Weg begleitet. Nachdem diese kleinsten Teilchen sich hinsichtlich

ihrer Aufgaben ihrem Wesen entsprechend vervollkommnet haben, d.h. nachdem sie dem Licht des Lebens vielmals gedient und es ausgestrahlt haben und ein Brunnen der Lobpreisungen alles Lebendigen gewesen waren, ist es ein Erfordernis der Gerechtigkeit und der Weisheit, sie aus den Ruinen unserer zerstörten Erde herauszulösen und für den Aufbau einer (neuen), jenseitigen Welt wieder einzusetzen. In dieser Wahrheit wird der Leitfaden zum Gesetz einer allumfassenden Gerechtigkeit sichtbar.

Des Weiteren herrscht der Geist über den Körper und so herrschen auch die Seinsbefehle (die Naturgesetze), die durch Qader(Gottes Vorherbestimmung) der leblosen Materie eingeschrieben sind, über die Materie. Diese Materie kann nur nach der verborgenen Schrift der Vorherbestimmung Gottes ihren ordnungsgemäßen Platz einnehmen. Zum Beispiel nehmen (die Moleküle) in den verschiedenen Sorten von Eiern, Spermien, Kernen und Körnern entsprechend den Naturgesetzen, die die Vorherbestimmung Gottes für jedes (von ihnen) im besonderen vorgezeichnet hat, einen eigenen Platz ein, für den sie wie ein Licht (qualifiziert) sind. Diese Moleküle, deren Struktur

{(*): Alle diese Dinge bestehen in der Tat aus vier Elementen. Sie setzen sich aus Wasserstoff, Sauerstoff, Stickstoff, Kohlenstoff und dergleichen anderen Elementen zusammen. Sie ähneln einander in ihrer molekularen Struktur und atomaren Zusammensetzung, unterscheiden sich aber von einander durch die in ihnen verborgene Schrift der Vorherbestimmung Gottes.}

materiell gesehen gleich ist, dienen als Quelle zahlloser verschiedener Daseinsformen. Jedes von ihnen nimmt seinen eigenen Rang (maqam)ein und ist in sich Träger eines (eigenen verborgenen) Lichts. Sicherlich stehen auf der Stirn eines Atoms (dherre),das vielmals im Dienst der Lebewesen und den Lobpreisungen des Herrn des Lebens beteiligt war und gedient hatte, unsichtbar die Weisheiten mit der Feder der Vorherbestimmung Gottes aufgezeichnet, die nichts verloren gehen lässt, so wie es Sein allumfassendes Wissens erfordert. Und darin erkennt man den Leitfaden zum Gesetz eines allumfassenden und überstrahlenden Wissens.

Demnach sind also diese kleinsten Teilchen

{(*): Dieser Satz verweist als eine Antwort auf die sieben "madem" (des Weiteren...) zu Beginn eines jeden der vorangegangenen Absätze.}

nicht führerlos sich selbst überlassen.

Ein Wort zum Schluss:

Hinter jedem dieser nun sichtbar gewordenen Leitfäden zu sehr vielen allumfassenden Gesetzen, nämlich den oben erwähnten sieben Gesetzen, d.h. dem Gesetz der Herrschaft (Gottes), dem Gesetz der Freigiebigkeit, dem Gesetz der Schönheit und Vollkommenheit, dem Gesetz der Barmherzigkeit, dem Gesetz der Weisheit, dem Gesetz der Gerechtigkeit, dem Gesetz des allumfassenden Wissens, erscheint ein Gewaltiger Name und die Gewaltige Erscheinung dieses Gewaltigen Namens. Durch diese Erscheinung wird es verständlich, dass sich auch die kleinsten Teilchen in dieser Welt (in der ständigen Bewegung) ihrer Umwandlungen genauso wie alle anderen Daseinsformen entlang der Schiene, die die Vorherbestimmung einer überaus hohen Weisheit vorgegeben hat, den Befehlen des Seins entsprechend, die die Macht erteilt, und entsprechend der hochempfindlichen Waage Seines Wissens bewegen. Es ist, als ob sie sich darauf vorbereiteten, in eine andere, höhere Welt hinüber zu gehen.

{(*): Denn: Wir bezeugen die Tätigkeit eines überaus Freigiebigen, wie Er über diese Welt einer dichten, niederen (Materie) überall das Licht des Lebens ausgießt und entzündet, ja sogar in den primitivsten Dingen und aus den übelriechenden Körpern überall das Licht eines neuen Lebens entflammt, wie Er (alle diese) Dinge aus einer dichten, niederen Materie im Lichte des Lebens hell und klar erscheinen lässt, was geradezu offensichtlich darauf hinweist, dass Er um einer anderen überaus anmutigen, hohen, reinen und lebendigen Welt willen die Welt dieser dichten, unbelebten (Materie) durch die Bewegungen ihrer Atome im Lichte des Lebens hell und klar erscheinen lässt und (in ihm) verschönt. Es ist, als wolle Er sie schmücken, um sie in eine (andere), feinstoffliche Welt zu transferieren. Wenn also diese Männer in ihrem begrenzten Vorstellungsvermögen die Wiederauferstehung des Menschen für völlig unverständlich erachten, im Lichte des Qur'an schauen könnten, dann würden sie wahrnehmen, wie sich ihnen das Gesetz der Beständigkeit zeigt, welches so umfassend ist, dass es alle Atome einem Heer gleich wieder auferstehen lassen kann und unter dem (Allah) sie lenkt und leitet, so wie auch wir das selbst bezeugen können.}

Demnach ist also jeder lebendige Körper für diese wandernden kleinsten Teilchen wie eine Schule, ein Kasernenhof oder ein Haus, wo sie ihre Erziehung genießen. Und dass dies so ist, lässt sich mit einer zuverlässigen innerlichen Wahrnehmung erkennen

Zusammenfassung:

Wie bereits im "Ersten Wort" gesagt und bewiesen wurde, spricht alles ein Bismillah (Im Namen Gottes). So bringt denn alles Sein, wie jedes Atom, jedes Molekül und jedes Organ unausgesprochen schon durch sein bloßes Dasein (hal)ein Bismillah (Im Namen Gottes) zum Ausdruck, agiert und reagiert demgemäß. In der Tat sagt jedes Atom entsprechend dem Geheimnis der oben angeführten drei Punkte zu Beginn einer jeden Reaktion durch sein Dasein unausgesprochen

بِسْمِ اللَّهِ الرَّحْمَنِ الرَّحِيمِ

{"Im Namen Gottes, des Erbarmers, des Barmherzigen."}

Das heißt: "Ich agiere und reagiere im Namen Gottes, in Seinem Auftrag, zu Seiner Ehre, mit Seiner Erlaubnis und durch Seine Macht." Später bringt gleich jedem Kunstwerk auch ein jedes Atom, jedes Molekül sowie ein jedes Kunstwerk am Ende eines solchen Prozesses mit seinem Dasein unausgesprochen zum Ausdruck:

اَلْحَمْدُ ِللَّهِ رَبِّ الْعَالَمِينَ

{"Alles Lob, Dank und Preis gebührt dem Herrn der Welten!"}

sodass es sich im Schmuck eines kunstvoll gestalteten Geschöpfes, welches einer Kasside (einem Lobgedicht)

gleicht, als eine winzig kleine Federspitze (in der Hand) der Macht (Gottes) erweist, oder auch jedes von ihnen wie die Nadelspitze eines großartigen Plattenspielers des Herrn. Dieser Plattenspieler hat zahllose Tonarme, die sich über Seinen Kunstwerken drehen, von denen jedes einer Schallplatte gleicht, und bringt diese Kunstwerke zum Sprechen, indem er Lobgedichte und Gesänge zu Gottes Preis vorträgt.

دَعْوٰيهُمْ فِيهَا سُبْحَانَكَ اللّٰهُمَّ وَتَحِيَّتُهُمْ فِيهَا سَلاَمٌ وَاٰخِرُ دَعْوٰيهُمْ اَنِ الْحَمْدُ ِللَّهِ رَبِّ الْعَالَمِينَ

{"Sie rufen, wenn sie darin eintreten, aus: Gepriesen seist Du, oh Gott! Und werden mit "Friede" begrüßt. Und sie schließen ihrerseits mit dem Ausruf: Lob sei Gott dem Herrn aller Welten!" (Sure 10, 10)}

سُبْحَانَكَ لاَعِلْمَ لَنآَ اِلاَّ مَاعَلَّمْتَنَآ اِنَّكَ اَنْتَ الْعَلِيمُ الْحَكِيمُ

{"Gepriesen seist Du! Wir haben kein Wissen, außer dem, das Du uns gelehrt hast. Denn Du bist der Allwissende, der Allweise." (Sure 2, 32)}

رَبَنَّا لاَ تُزِغْ قُلُوبَنَا بَعْدَ اِذْ هَدَيْتَنَا وَهَبْ لَنَا مِنْ لَدُنْكَ رَحْمَةً اِنَّكَ اَنْتَ الْوَهَّابُ

{"Oh Herr, lass unser Herz nicht mehr irren, nachdem Du uns auf den rechten Weg geleitet hast und schenke uns Deine Barmherzigkeit, denn Du bist ja der Gnadenspender." (Sure 3, 8)}

اَللّٰهُمَّ صَلِّ عَلٰى سَيِّدِنَا مُحَمَّدٍ صَلاَةً تَكُونُ لَكَ رِضَآءً وَلِحَقِّهِ اَدَاءً وَعَلٰٓى اٰلِهِ وَصَحْبِهِ وَاِخْوَانِهِ وَسَلِّمْ ٭ وَسَلِّمْنَا وَسَلِّمْ دِينَنَا، اٰمِينَ يَا رَبَّ الْعَالَمِينَ

{"Oh Gott, schenke Friede und Segen unseren Herrn Mohammed! Möge Dir sein Gebet wohlgefällig sein, das er Dir in Aufrichtigkeit darbringt! Segne ihn, seine Familie, seine Gefährten, seine Mitbrüder! Segne uns und segne ihn und unseren Glauben! Amen. Oh Herr der Welten!"}

Einunddreißigstes Wort

Es ist dies eine Abhandlung über die Himmelfahrt (Mi'radj) des Propheten, mit dem Friede und Segen sei.

Anmerkung:

Der Glaube an die Himmelfahrt ist das Resultat, das sich ergibt, nachdem man sich über die Glaubenspfeiler vergewissert hat und ist ein Licht, das von den Lichtern der Glaubenspfeiler her Hilfe erhält. Den bewusst Ungläubigen kann sicherlich nicht mit Gewissheit bewiesen werden. Mit Leuten, die von Gott nichts wissen, den Propheten nicht kennen und auch die Engel nicht anerkennen, welche nicht an die Himmel glauben, kann man nicht über die Himmelfahrt sprechen. Man muss ihnen zuerst diese Grundpfeiler beweisen. Deshalb wollen wir uns hierzu einen Gläubigen, der sich die Himmelfahrt nicht vorstellen kann und über sie in Zweifel gerät, als Gesprächspartner vorstellen und an ihn unsere Erläuterungen richten. Dabei wollen wir ab und zu auch einen Ungläubigen, der dabei zuhört, mit in Betracht ziehen und auch ihn dabei ansprechen. In einigen Abhandlungen (Sözler)wurden bereits einige Tatsachen über die Himmelfahrt kurz gestreift und beleuchtet (Lem'alar).Aufgrund dringender Bitten meiner Mitbrüder haben wir Gott um Seine Gnade gebeten, diese verschiedenen Lichter (Lem'alar)mit dem Urgrund der Wahrheit zusammenzuführen und sie uns zu einem Spiegel zu machen, worin man die Schönheit der Vollkommenheit Ahmeds (: Mohammeds, mit dem Friede und Segen sei) mit einem Blick erfassen kann.

بِسْمِ اللَّهِ الرَّحْمَنِ الرَّحِيمِ ٭ سُبْحَانَ الَّذِىٓ اَسْرٰى بِعَبْدِهِ لَيْلاً مِنَ الْمَسْجِدِ الْحَرَامِ اِلَى الْمَسْجِدِ اْلاَقْصَا الَّذِى بَارَكْنَا حَوْ لَهُ لِنُرِيَهُ مِنْ اٰيَاتِنَآ اِنَّهُ هُوَ السَّمِيعُ الْبَصِيرُ ٭ اِنْ هُوَ اِلاَّ وَحْىٌ يُوحٰى ٭ عَلَّمَهُ شَدِيدُ الْقُوٰى ٭ ذُومِرَّةٍ فَاسْتَوٰى ٭ وَهُوَ بِاْلاُفُقِ اْلاَعْلٰى ٭ ثُمَّ دَنَا فَتَدَلّٰى ٭ فَكَانَ قَابَ قَوْسَيْنِ اَوْ اَدْنى ٭ فَاَوْحٰٓى اِلٰى عَبْدِهِ مَٓا اَوْحٰى ٭ مَا كَذَبَ الْفُؤَادُ مَارَاٰى ٭ اَفَتُمَارُونَهُ عَلٰى مَا يَرٰى ٭ وَلَقَدْ رَاٰهُ نَزْ لَةً اُخْرٰى ٭ عِنْدَ سِدْرَةِ الْمُنْتَهٰى ٭ عِنْدَهَا جَنَّةُ الْمَاْوٰي ٭ اِذْ يَغْشَى السِّدْرَةَ مَا يَغْشٰى ٭ مَا زَاغَ الْبَصَرُ وَمَا طَغٰى ٭ لَقَدْ رَاٰي مِنْ اٰيَاتِ رَبِّهِ الْكُبْرٰى

{"Im Namen Gottes, des Erbarmens, des Barmherzigen. Gepriesen sei der, der seinen Diener nachts von der innersten Moschee zur äußersten reisen ließ, deren Land wir gesegnet haben, um ihn etwas von unseren Zeichen sehen zu lassen. Denn siehe, Er ist es, der alles hört und sieht." (Sure 17, 1) "Er ist nichts anderes als eine inspirierte Offenbarung. Belehrt hat ihn einer, der über große Macht verfügt und Herr über sie ist. Der stand hoch aufgerichtet und befand sich ganz oben am Horizont. Dann näherte er sich und stieg herab, bis er schließlich bis auf zwei Bogenlängen herangekommen war, oder noch näher. Und er brachte Seinem Diener Seine Offenbarung. Nicht leugnete sein Herz, was er sah. Wollt ihr etwa mit ihm streiten, über das, was er sah? Hatte er ihn doch schon ein andermal bei dem Lotusbaum gesehen, dort wo der Garten der Einkehr ist, damals als der Lotusbaum verhüllt wurde. Nicht wandte er den Blick ab, noch überschritt er seine Grenzen. So sah er das Große Zeichen seines Herrn." (Sure 53, 4-18)}

Da zwei Hinweise, die sich auf einen Grundsatz der Redekunst stützen und selbst nur in dem Pronomen اِنَّهُ {"Er ist wahrlich..."} aus der gewaltigen Schatzkammer der ersten obenerwähnten gewaltigen Ayah zu finden sind, mit unserem Thema im Zusammenhang stehen, wollen wir hier das, war wir bereits in dem Kapitel über Wunder (des Qur'an) erklärt haben, noch einmal anführen.

Nachdem der Weise Qur'an die Nachtreise des Ehrenwerten Geliebten (Gottes), mit dem der vollkommenste Friede und der höchste Segen sei, von der innersten Moschee (Mesdjid-i Haram)zur äußersten (Mesdjid-i Aqsa),die der Anfang seiner Himmelfahrt (Mi'radj)war, erwähnt hatte, sagt er

اِنَّهُ هُوَ السَّمِيعُ الْبَصِيرُ

{"Wahrlich, Er ist der, der alles hört und alles sieht." (Sure 17, 1)}

Das Pronomen "hu", das in dem اِنَّهُ {"Wahrlich, Er ist..."} enthalten ist und mit welchem Wort auf das Ende seiner Himmelfahrt verwiesen wird, die in der Sure وَالنَّجْمِ اِذَا هَوٰى {"Bei dem Komet!" (Sure 53, 1)} erzählt wird, bezieht sich entweder auf Gott den Gerechten oder auf den Propheten, mit dem Friede und Segen sei. Sollte es sich auf den Propheten beziehen, so drückt die Ayah nach der Regel der Redekunst, Zusammenhang und Kontext entsprechend folgendes aus: Er besagt: "Die Reise dieser Persönlichkeit ist eine Reise stellvertretend für alle und ein Aufstieg über alle Stufen, sodass er die Zeichen des Herrn und die einzigartigen Kunstwerke Gottes gehört und gesehen hat, welche seine Augen und Ohren bei seiner Reise über alle Stufen der Gottesnamen bis hin zum Lotusbaum (Sidretu l-Munteha),ja bis auf Zwei-Bogenlängen-Nähe zu Gott (Qab-i Qauseyn)angetroffen haben." Diese Ayah schildert jene persönliche Reise des Propheten als Schlüssel zu einer Reise mit einer einzigartigen Versammlung und zu einer Reise, die stellvertretend für alle ist.

Wenn sich das Pronomen auf Gott den Gerechten beziehen sollte, dann besagt die Ayah folgendes: "Einen Seiner Diener lud Er zu einer Reise in Seine Gegenwart ein, um ihn mit einer Aufgabe zu betrauen. Er sandte ihn von der innersten Moschee (zu Mekka)zur äußersten (in Jerusalem),wo sich alle Propheten versammelten, ließ ihn mit den Propheten zusammentreffen, und nachdem Er gezeigt hatte, dass er der absolute Erbe der Wurzeln der Religionen aller Propheten ist, ließ Er ihn in Seinem ganzen Reiche, in der Körperwelt (Mulk)wie in der Engelwelt (Melekut),bis zum Lotusbaum (Sidretu l-Munteha),bis auf Zwei-Bogenlängen-Nähe zu Gott (Qab-i Qauseyn)reisen."

So ist er denn zwar ein Diener und diese Reise ist die Himmelfahrt, die zwar er als Individuum erlebt, aber bei ihm als Diener ist ein Pfand, das ihn mit dem ganzen Sein verbindet. Überdies ist ein Licht mit ihm, das die Farbe unseres Daseins zu verwandeln vermag. Überdies ist ein Schlüssel bei ihm, der das Tor zur Ewigen Glückseligkeit zu öffnen vermag. Darum stellt sich Gott der Gerechte in Seinen Eigenschaften als der vor, der alles hört und alles sieht, sodass Er die universellen, allumfassenden, für den ganzen Kosmos geltenden und alle Geschöpfe einschließenden Werte und Bedeutungen dieses Pfandes, dieses Lichtes und dieses Schlüssels zeigt.

Dieses gewaltige Geheimnis hat vier Grundlagen.

Erstens:

Worin liegt der Sinn, der diese Himmelfahrt notwendig machte?

Zweitens:

Was ist die Wahrheit hinter dieser Himmelfahrt?

Drittens:

Was ist die Weisheit bei dieser Himmelfahrt?

Viertens:

Was sind die Früchte und was ist der Nutzen der Himmelfahrt?

Erste Grundlage

Der Sinn, der diese Himmelfahrt notwendig machte:

Man sagt zum Beispiel:

Gott der Gerechte ist

اَقْرَبُ اِلَيْهِ مِنْ حَبْلِ الْوَرِيدِ

{"Er ist ihm näher als seine Halsader." (Sure 50, 16)}

Er ist allen Dingen näher als alle Dinge. Er ist unabhängig von einem Körper, einem Raum. Jeder Gottesfreund kann sich in seinem Herzen mit Ihm treffen. Warum gelingt die Gottesfreundschaft Ahmeds, mit dem der Friede und Segen sei, erst nac4h dem Ende einer so langen Reise wie der Himmelfahrt, wo doch einem jeden Gottesfreund ein Bittgebet in seinem Herzen gelingt?

Antwort:

Dieses feinsinnige Geheimnis wollen wir unserem Verständnis durch zwei Gleichnisse näher bringen. Höre die beiden folgenden Gleichnisse des "Zwölften Wortes" über das Geheimnis, das in dem Wunder des Qur'an liegt, und über das Geheimnis der Himmelfahrt:

Erstes Gleichnis:

Ein König verfügt über zwei Arten der Redeweise, der Unterhaltung und Begegnung. Er hat zwei verschiedene Möglichkeiten, jemanden anzusprechen oder ihm entgegenzukommen. Die eine besteht im vertrauten Gespräch (sohbet)mit einem einfachen Untertanen über eine private Angelegenheit, über seine persönlichen Nöte, oder einfach in einem Telefongespräch. Die andere aber besteht darin, als König und Herr seines gewaltigen Reiches, als ein großer Sultan und Kalif, als der Herrscher über sein Volk Befehle zu erteilen und Erlasse zu veröffentlichen, sich mit einem Botschafter, den er beauftragen will, oder mit einem hohen Beamten, der für bestimmte Angelegenheiten zuständig ist, zu bereden und zu besprechen und so seiner königlichen Würde entsprechend aufzutreten.

وَ ِللَّهِ الْمَثَلُ اْلاَعْلٰى

{"Bei Gott sind die erhabensten Gleichnisse." (Sure 16, 60)}

Wie in diesem Gleichnis verfügt der Schöpfer dieses Kosmos, Herr über Körperwelt und Engelwelt und der König von Ewigkeit zu Ewigkeit über zwei Arten der Redeweise,

der Ausdrucksmöglichkeiten und des Entgegenkommens. Die eine ist, die das Persönliche und das Private betrifft, und die andere, die die Allgemeinheit und die Gesamtheit betrifft. So ist die Himmelfahrt eine Ausdrucksweise der Gottesfreundschaft (Velayet)Ahmeds, mit dem Friede und Segen sei, die nach Umfang und Hoheit über der Velayet aller anderen steht und mit der er vor Gott dem Gerechten, als dem Herrn des ganzen Kosmos und Schöpfer allen Seins, durch seine Begegnung (sohbet)und sein Bittgebet beehrt wurde.

Zweites Gleichnis:

Ein Mann hält mit seiner Hand einen Spiegel in die Sonne. Dieser Spiegel empfängt, seiner Fähigkeit entsprechend, Licht von der Sonne und eine Widerspiegelung, einen Strahl (von ihr), der sieben Farben (in sich) enthält. Dementsprechend tritt dieser Mann mit der Sonne in Beziehung und kommuniziert (sohbet)so mit ihr. Richtet er diesen sonnenerfüllten Spiegel auf sein dunkles Haus oder auf seinen eigenen, im Schatten liegenden, kleinen Garten, so kann er den Nutzen nicht von der Sonne selbst, sondern nur entsprechend der Kapazität seines Spiegels empfangen. Ein anderer jedoch verwendet keinen Spiegel, sondern begegnet der Sonne, erkennt ihre Majestät und begreift unmittelbar ihre Macht. Dann besteigt er einen sehr hohen Berg, sieht die Pracht des überaus weiten Königreiches der Sonne und begegnet ihr unverhüllt und in eigener Person. Dann kehrt er heim, öffnet die breiten Dachfenster seines Hauses und Gartens und bereitet so der Sonne am Himmel einen Weg, hat so eine Unterhaltung, einen vertrauten Umgang (sohbet)mit dem immerwährenden Licht der wahren Sonne, kann auf diese Weise in Dankbarkeit seinen Umgang mit ihr pflegen und sagen:

"Oh du liebliche Sonne, die du die schönste der Welt und Liebling des Himmels bist und die du die ganze Welt mit deinem Lichte vergoldest und die du auf das Gesicht der Erde und das Antlitz aller Blumen ein Lächeln zauberst, so wie du auch mein eigenes kleines Häuschen und meinen Garten erwärmst und erleuchtest,

wie du ja auch die ganze Welt erleuchtest und das Antlitz der Erde erwärmst!" Ersterer jedoch kann nicht so mit seinem Spiegel reden, denn entsprechend den Gegebenheiten des Spiegels ist der Widerschein der Sonne in seinen Auswirkungen eingeschränkt und von diesen Gegebenheiten abhängig.

So begegnet denn die Erscheinung des Herrn, des Einen (Ahad)und Einzigartigen (Samed),des Königs über die Sonne von Ewigkeit zu Ewigkeit, dem Wesen des Menschen auf zweierlei Weisen mit unendlich vielen Abstufungen.

Erstens:

Es ist dies eine Begegnung, die durch die Beziehung des Herrn zu Stande kommt und sich bis zum Spiegel des menschlichen Herzens erstreckt: Jeder erfährt entsprechend seiner Fähigkeit das Licht der urewigen Sonne, den vertrauten Umgang mit ihr und das Bittgebet (das er an sie richtet) in stärkerem oder geringerem Maße, wenn er die Sprossenleiter seines Weges emporsteigt, entsprechend der Erscheinungsweise der Namen und Eigenschaften (Gottes). Die verschiedenen Stufen, die im Schatten der meisten Namen und Eigenschaften (Gottes) zur Freundschaft (Velayet)mit Ihm empor führen, entstehen auf diese Weise.

Zweitens:

Da der Mensch (in seinem Wesen alles) umfasst und die glanzvollste Frucht am Baum des Kosmos ist, kann er die Schönen Namen Gottes, deren Erscheinungen im ganzen Kosmos auftreten, gleichzeitig auch im Spiegel seines Geistes reflektieren. Sodann tritt Gott der Gerechte mit Seinem Wesen und mit Seinen Schönen Namen auf Seiner gewaltigen Stufe einem, der in der Gattung der Menschen hinsichtlich seines Geistes der Größte ist, in Seiner gewaltigen Erscheinung entgegen. Dieses Entgegentreten und diese Erscheinung sind das Geheimnis der Himmelfahrt Ahmeds, mit dem Friede und Segen sei, sodass der höchste Punkt der seiner Gottesfreundschaft (Velayet)der Anbeginn seines Prophetentums wurde. Der (Weg der) Gottesfreundschaft, führt durch (das Tal der) Schatten und gleicht somit dem ersten

Mann vom zweiten Gleichnis (d.h. dem Mann mit dem Spiegel!). Auf dem Weg der Propheten gibt es keinen Schatten. Er bezieht sich unmittelbar auf das Einssein (Ahadiyet)dessen, der Majestät besitzt, gleicht dem zweiten Mann vom zweiten Gleichnis. Was aber die Himmelfahrt betrifft, so ist sie das größte Wunder und die höchste Stufe der Gottesfreundschaft Ahmeds, mit dem Friede und Segen sei. Darum wurde die Velayet in die Stufe des Prophetentums umgewandelt.

Das Innere (verborgene Geheimnis) der Himmelfahrt ist die Gottesfreundschaft. Sie führte vom (Zustand) des Geschöpfes zu (Gott) dem Gerechten. Das Äußere der Himmelfahrt ist das Prophetentum und führt von (Gott) dem Gerechten zu den Geschöpfen. Die Gottesfreundschaft ist der Weg über die Stufen der Annäherung zu Gott (qurbiyet).Sie erfordert ein Emporsteigen über viele Stufen und ebensoviel Zeit. Was aber das Prophetentum betrifft, die ein gewaltiges Licht ist, so bezieht es sich auf das Geheimnis, dass sich die Nähe Gottes (aqrabiyet)in uns entfaltet, für das auch nur ein Augenblick schon genügt. Darum wird in einer Hadith gesagt: "Er wandte sich und kehrte zurück in einem Augenblick."

Nun sagen wir zu dem Ungläubigen, der sich in der Position eines Zuhörers befindet: Da dieser Kosmos nun einmal einem überaus wohlgeordneten Land, einer überaus prächtigen Stadt, oder einem herrlichen Schloss gleicht, muss es mit Sicherheit einen Herrscher, einen Besitzer, einen Meister haben. Und da es nun einmal einen solchen Besitzer über aller Majestät, einen solchen Herrscher über aller Vollkommenheit, einen solchen Meister über aller Schönheit gibt... da es nun einmal diesen Menschen gibt, der sich dem Ganzen dieser Welt, dieses Landes, dieser Stadt, dieses Schlosses verbunden weiß und der sich ihnen mit all seinen Sinnen und Empfindungen zugehörig fühlt und dessen Betrachtungsweise allumfassend ist, so wird mit Sicherheit auch dieser Meister in all Seiner Majestät eine erhabene, eine gewaltige Beziehung zu diesem Menschen haben, der eine umfassende

Sichtweise hat und dessen Bewusstsein eins ist, ihn ansprechen in Heiligkeit und ihn Seiner allerhöchsten Zuwendung würdigen. Und da nun einmal seit Adam, mit dem Friede sei, bis heute unter denjenigen, die diese Beziehung erfuhren, Mohammed der Araber, mit dem Friede und Segen sei, derjenige war, der nach dem Zeugnis seiner Werke - will heißen, dass die Hälfte der Erde und ein Fünftel der Menschheit sein Einflussbereich wurde - das geistige Bild der Schöpfung umwandelte und sie mit Licht erfüllte, diese Beziehung (zu Gott) auf seiner mächtigsten Stufe zeigte, ist er es auch, dem die Himmelfahrt, welche die gewaltigsten Stufe dieser Beziehung darstellt, am meisten gebührt und entspricht.

Zweite Grundlage

Was ist die Wahrheit über die Himmelfahrt?

Antwort:

Sie besteht aus der Fahrt, der Reise der Persönlichkeit Ahmeds, mit dem Friede und Segen sei, zu den Stufen der Vollkommenheit. Das heißt: Indem Gott der Gerechte diesem Seinem besonderen Diener nacheinander alle Seine verschiedenen Namen und Titel zeigte, die in der Wohlgeordnetheit der Schöpfung in Erscheinung treten, die Bereiche Seiner Verwaltung und die (Akte) Seiner Schöpfung, die Er in dem Königreich Seiner Herrschaft errichtet hat, und jeweils einen Thron Seiner Herrschaft in diesen Bereichen und die Werke Seiner Herrschaft in den Schichten des Himmels, die Anlass für die Zentren Seiner Verfügungen sind, um in ihm alle menschlichen Vollkommenheiten zu vereinigen, und ihn zu dem zu machen, in dem alle Manifestationen Gottes in Erscheinung treten, und ihn zu einem Minister aller Schichten der Schöpfung und öffentlichen Ausrufer des Königreiches Seiner Herrschaft und zu einem Verkünder des Willens Gottes und Entdecker des tiefen Sinnes des Kosmos zu machen, ließ Er ihn auf den Buraq steigen, die Himmel blitzschnell durchreisen, die Stufenleiter (maqam)emporsteigen, gleich dem Mond von einer Station zur nächsten Station, von einem Bereich zum nächsten

Bereich den gesamten Herrschaftsbereich Gottes besichtigen. Er stellte ihm alle Propheten, die in den Himmeln dieser Bereiche ihren Sitz haben und seine Brüder sind, nacheinander vor, erhob ihn schließlich zu dem Rang (maqam)von "Zwei-Bogenlängen-Nähe" (Qab-i Qauseyn)und ehrte ihn durch Sein Wort und die Anschauung (Gottes) in Seinem Einssein (Ahadiyet).Diese hohe Wahrheit möge man nun durch das Fernrohr zweier Gleichnisse betrachten!

Erstes Gleichnis:

Wie im "Vierundzwanzigsten Wort" erklärt ist, hat ein König verschiedene Titel in den Ämtern seiner Regierung, unterschiedliche Bezeichnungen und Eigenschaften in den verschiedenen Gruppen seiner Untertanen und besondere Namen und Titel auf den Stufen seiner Königsherrschaft.

Zum Beispiel:

Im Amt für Justiz heißt er der gerechte Richter, beim Katasteramt der König, beim Militär der Oberkommandant, beim Ministerium für geistliche Angelegenheiten der Kalif, und besitzt daneben noch andere ähnliche Namen und Titel. In jedem Amt nimmt er einen Rang (maqam)ein, hat er seinen Sitz inne, dem die Bedeutung eines Thrones entspricht. So können einem einzelnen König in den Ämtern seines Königreiches und in den verschiedenen Rängen (maqam)seiner Regierung über tausend verschiedene Namen und Titel entsprechen. Er kann über tausend einander übergeordnete Throne in seinem Königreich verfügen.

Es ist, als wäre dieser König durch die Macht seiner Persönlichkeit, ja selbst noch per Telefon überall anwesend, gegenwärtig und unterrichtet. Und auf jeder Stufe zeigt er sich durch sein Gesetz, durch seine Anordnungen, durch seine Stellvertreter und sieht alles und wird überall gesehen. Auf jeder Stufe lenkt und leitet er unsichtbar als der (oberste) Sachwalter durch seinen Erlass, durch seine Kenntnis, durch seine Macht und durch seine Fürsorge. Jede Behörde hat ihren eigenen Amtssitz, ihr Hauptquartier. Sie unterscheiden sich voneinander in ihren Verwaltungsbestimmungen. Die Bereiche ihrer Verwaltung sind voneinander verschieden.

So lässt denn nun ein solcher König jemanden, den er erwählt hat, all jene Ämter besichtigen, um ihm eigens in jedem Amt seine königliche Herrschaft und den dazu gehörigen Verwaltungsbereich zu zeigen, ihn von dem einen Amt zu einem anderen Amt, von einer Ebene zur nächst höheren Ebene zu führen und ihn schließlich so in seine Audienz zu geleiten. Dann betraut er ihn bezüglich all dieser Ämter mit einigen umfangreichen und allgemeingültigen Befehlen, und sendet ihn dann aus (mit seinem Auftrag).

So hat denn, wie in diesem Beispiel, der König von Ewigkeit zu Ewigkeit, welcher der Herr aller Welten ist, in den Ämtern Seiner Herrschaft unterschiedliche aber zueinander in Beziehung stehende Eigenschaften und Titel. In den Bereichen, in denen Seine Gottheit erkennbar ist, hat Er verschiedene aber ineinander ergänzende Namen und Titel. In Seinen ruhmreichen Taten erweist sich eine unterschiedliche aber doch ähnliche Ausdrucks- und Erscheinungsweise. In dem Gebrauch Seiner Macht zeigen sich seine unterschiedlichen aber doch aufeinander verweisenden Titel. Im Aufscheinen Seiner Eigenschaften treten verschiedene, gemeinsam auf Seine Heiligkeit hindeutende Erscheinungen hervor. Im Sichtbarwerden Seiner Taten erkennt man in Verschiedenheit und doch einander ergänzend seine weisheitsvolle Lenkung und Leitung. In Seinen verschiedenen vielfarbigen Kunstwerken betrachtet sich Seine majestätische Herrschaft.

So hat Er denn nun den Kosmos aufgrund dieses gewaltig großen Geheimnisses in einer einzigartigen, Staunen erregenden Anordnung zusammengestellt. Von den Atomen, die zur Mikroebene der Schöpfung gehören, bis hin zu den Himmeln, und von der ersten Ebene des Himmels bis zum gewaltigen Thron Gottes ('arsh-i a'zam)gibt es verschiedene übereinander liegende Formationen. Jeder Himmel ist das Dach einer bestimmten Welt und ein Thron für die Herrschaft Gottes und gleichen einem Zentrum für Gottes Lenkung und Leitung. In all diesen Ämtern und auf all diesen Ebenen finden sich eigentlich alle Namen (Gottes) angesichts Seiner Einheit (ausgedrückt) in

jedem Einzelnen (Ahadiyet).Er wird durch alle Seine Titel sichtbar. Aber so wie im Justizministerium sein Titel "der gerechte Richter" der ursprüngliche ist und vorherrscht, so richten sich dort die übrigen Titel nach ihm aus und ordnen sich ihm unter. Genauso herrscht auf jeder Ebene der Geschöpfe, in jedem Himmel ein bestimmter Name, ein bestimmter Titel Gottes vor und die übrigen Titel stehen in dessen Schatten.

Zum Beispiel:

Bei Hazret-i Isa(Jesus), mit dem Friede sei, offenbarte sich der Name "der Allmächtige" (Qadir).In dem Himmel, in dem der Prophet, mit dem der Friede und Segen sei, Jesus, mit dem Friede sei, getroffen hat, erscheint Gott selbst, der Gerechte, unter seinem Titel "der Allmächtige" (Qadir).

Ein Beispiel:

In dem Himmelsbereich, in dem sich Hazret-i Musa(Mosis) befindet, mit dem Friede sei, herrscht am stärksten der Titel, "der Sprechende" (Mutekellim),der sich bei Mosis, mit dem Friede sei, offenbart, und so weiter... Was also die Person Ahmeds betrifft, mit dem Friede und Segen sei, so steht er mit Sicherheit mit allen Bereichen der Herrschaft Gottes im Verbindung, da sich in ihm "der gewaltige Name" (Ism-i A'zam)offenbart und sein Prophetentum allumfassend ist und alle Namen Gottes offenbaren. Mit Sicherheit erfordert die Wahrheit der Himmelfahrt (Mi'radj),dass er sich mit allen Propheten trifft, die sich in diesen Bereichen befinden, und durch alle diese Ebenen empor schreitet.

Zweites Gleichnis:

Unter den verschiedenen Titeln eines Königs zeigt sich sein Titel "der Oberkommandierende" in allen militärischen Bereichen, angefangen vom umfassenden und ausgedehnten Bereich des Verteidigungsministers bis zu dem kleinen und persönlichen Bereich eines Feldwebels und tritt durch ihn in Erscheinung. Ein einfacher Soldat sieht zum Beispiel ein Muster dieses obersten Titels der Kommandoführung in seinem Feldwebel, betrachtet ihn und erhält von ihm seine Befehle. Wird dieser einfache Soldat zu einem Feldwebel, erblickt er die Kommandoführung in seinem Leutnant und erkennt sie in ihm.

Wenn er aber Leutnant ist, dann sieht er das Beispiel für die Kommandoführung und ihre Verwirklichung in der Stellung eines Hauptmanns. In dieser Stellung gibt es einen Vorsitz, der dem Oberkommandierenden gehört. In jedem Bereich, ob dem eines Hauptmanns, oder eines Majors, eines Generals oder eines Marschalls, sieht er diesem Bereich entsprechend, ob klein oder groß, den Titel desselben Oberkommandos.

Nun aber wollte einmal dieser Oberkommandierende einen einfachen Soldaten mit einer Aufgabe, die sich auf alle militärischen Bereiche bezieht, beauftragen; er wollte ihn in einen Rang gleich dem eines Inspekteurs erheben, der alle Bereiche beaufsichtigt und geachtet ist in allen Bereichen. Dieser Oberkommandierende wird mit Sicherheit einen solchen Soldaten alle Bereiche nacheinander, angefangen von dem eines Gefreiten bis zum obersten Bereich besichtigen lassen, damit er sie wahrnehmen soll und auch von allen anderen wahrgenommen wird. Dann nimmt er ihn in seine Audienz, gewährt ihm ein vertrautes Gespräch (sohbet),ehrt ihn mit Orden und sendet ihn sodann mit seinem Auftrag (ferman)unmittelbar wieder an den Ort seiner Herkunft zurück.

In diesem Gleichnis soll ein Punkt bedacht werden:

Wenn ein König nicht schwach ist, auch wenn es nach außen hin so scheinen mag, sondern wirklich ein Mann von Geist und Autorität, dann braucht er Menschen wie einen Leutnant, einen General, einen Marschall nicht erst zu bevollmächtigen, sondern könnte selbst überall zugegen sein. Er erteilt, wie verborgen hinter einem Schleier, in Gestalt derer, die einen Rang (maqam)bekleiden, dennoch unmittelbar selbst seine Befehle. Es wird überliefert, dass einige Könige, als Vollendete, als Gottesfreunde, in vielen Ämtern in der Gestalt eines anderen ihre Anordnungen vollzogen.

Die Wahrheit, die wir in diesem Gleichnis betrachten, drückt aus:

Da in ihm keine Schwäche vorhanden ist, kommen Befehle und Beschlüsse in jedem Bereich unmittelbar von dem Oberkommandierenden. Sie werden durch seine Befehle, durch seinen Willen und durch seine Macht ausgeführt.

So ist denn nun, wie in diesem Gleichnis der Herrscher der Erde und der Himmel, mächtig, den Befehl "Kun fa yakun"(Sei! Und es ist.) zu erteilen, als König aller Ewigkeiten, der absolute Gebieter. Wir sehen die Ausführung Seiner Befehle und die Realisation Seiner Kommandoführung auf allen Ebenen Seiner Schöpfung wirksam und wie sie in vollkommenem Gehorsam und perfekter Ordnung befolgt werden. Auf allen Ebenen des Seins, angefangen von den Atomen bis zu den Planeten und von den Mücken bis zu den Himmeln, die alle voneinander verschieden und aufeinander bezogen, sind die Bereiche der Herrschaft und die verschiedenen Ebenen Seiner Autorität im kleinen und im großen, individuell wie allgemein zu erkennen. Wer aber nun die hohen Ziele des Kosmos verstehen und die großartigen Früchte des Universums und die unterschiedlichen gottesdienstlichen Aufgaben all seiner verschiedenen Ebenen sehen und dadurch das Königreich der Herrschaft des majestätischen Herrn und den Glanz Seiner Souveränität betrachten und den Willen Gottes erkennen und Seinem Königreich als öffentlicher Ausrufer dienen will, muss eine Reise durch alle Ebenen und Bereiche bis empor zu Seinen "gewaltigen Thron" ('arsh-i a'zam),was eine Bezeichnung für eine hohe und mächtige Ebene ist, unternehmen, die ihn bis zu "Zwei-Bogenlängen-Nähe", die Stelle zwischen Möglichem (imkan)und Notwendigem (vudjub)führt, welche mit Qab-i Qauseyn bezeichnet wird, wo er sich am Ende mit dem Herrn, dem Majestätischen in Seiner Schönheit, treffen wird. Und es ist diese Reise, welche das Wesen (haqiqat)der Himmelfahrt (Mi'rac)ist.

Wie jeder Mensch in seiner Vorstellung mit Gedankenschnelligkeit reist, wie jeder Gottesfreund (veli)in seinem Herzen blitzschnell fliegt, wie jeder Engel, als eine Lichtgestalt, mit der Geschwindigkeit des Geistes (ruh)vom Thron (Gottes) auf die Erde, von der Erde zum Thron (Gottes) empor steigt, wie die Menschen, als Bewohner

des Paradieses, mit der Geschwindigkeit des Buraq vom Versammlungsplatz der Wiederauferstehung in das mehr als fünfhundert Jahre entfernte Paradies reisen werden, wird sicherlich auch der Leib Mohammeds, mit dem Friede und Segen sei, der das Gefäß für zahllose Aufgaben des Geistes (ruh)Mohammeds ist, mit dem Friede und Segen sei, welcher ein Licht ist und die Eigenschaft des Lichtes hat, welches noch feiner als die Herzen der Gottesfreunde, noch leichter als die Seelen der Verstorbenen und als die Körper der Engel, noch zarter als der Schein eines Sterns oder eines Spiegelbildes ist, wird dieser Leib sicherlich als Werkzeug (des Geistes), seinen erhabenen Geist bis zum Throne (Gottes) begleiten.

Nun wenden wir uns zu dem Ungläubigen, der da als ein Zuhörer sitzt. Und es kommt uns der Gedanke, dass dieser Ungläubige in seinem Herzen sagen könnte: "Ich erkenne Gott nicht an, ich weiß nichts von einem Propheten: wie soll ich da an eine Himmelfahrt glauben?" Wir aber sagen:

Da es nun einmal dieses Universum gibt und alle Dinge in ihm ihr Dasein haben und alles in ihm sich ereignet und ins Leben gerufen wird, und da nun einmal eine ordnungsgemäße Handlungsweise nicht zu Stande kommen kann, ohne den, der sie veranlasst hat, ein sinnvolles Buch nicht ohne einen Verfasser und ein Kunstwerk nicht ohne einen Künstler sein kann, müssen sicherlich auch alle diese Handlungen voller Weisheit, die den ganzen Kosmos erfüllen, jemanden haben, der da handelt, (und gibt es für) die bewunderungswürdigen Kunstwerke und die sinnvollen Briefe, die sich von Jahreszeit zu Jahreszeit auf dem Antlitz der Erde erneuern, einen Verfasser und einen Künstler.

Und da nun weiterhin die Anwesenheit zweier Herrscher bei ein und derselben Arbeit den ordnungsgemäßen Ablauf einer Arbeit behindert, und da es nun einmal eine wunderbare Ordnung gibt, die von dem Flügel einer Mücke bis zu den Lampen am Himmel reicht, muss dieser Herrscher ein Einziger sein. (Wäre Er nicht ein Einziger)...

doch in jedem Ding findet sich eine so einzigartige Kunstfertigkeit und Weisheit, dass der Meister über die absolute Fähigkeit verfügen muss, die Macht über jedes Ding zu haben, wie er sie auch über alle Dinge hat und alles weiß und alles kann. Ist dies aber so, dann wäre es also notwendig... wäre er nicht ein Einziger, dass es so viele Götter gäbe, wie es Dinge im Dasein gibt. Außerdem müssten alle diese Götter sowohl einer das Gegenteil des anderen, als aber auch einander gleich sein. In diesem Fall wäre es hunderttausend mal unmöglich, dass diese einzigartige Ordnung nicht zu Grunde ginge.

Außerdem sehen wir, dass sich die verschiedenen Arten des Seins tausendfach besser geordnet unter einem Befehl bewegen als ein Heer (Soldaten). Angefangen von den wohlgeordneten Bewegungen der Sterne, der Sonne und des Mondes, bis zu den Mandelblüten hin zeigen sich alle Arten mit den Ehrenzeichen und Orden und in der schönen Kleidung, die der Allmächtige-Urewige ihnen geschenkt hat, und sie führen die ihnen vorgeschriebenen Bewegungen tausendfach besser geordnet und vollkommener aus als ein Heer (Soldaten). Da dies nun einmal so ist, hat dieser Kosmos hinter dem Schleier des Verborgenen einen absoluten Herrscher, von dessen Kommando alles was da ist im Universum abhängig ist und dessen Kommando alle Dinge folgen.

Des Weiteren ist dieser Herrscher nach dem Zeugnis alles dessen, was Er in Weisheit vollbringt und entsprechend den Werken Seiner Majestät, die Er uns vor Augen führt, ein König voll Majestät. Und weiter ist Er durch die Güte, die Er erweist, auch ein äußerst barmherziger Herr. Des Weiteren ist Er den schönen Kunstwerken zufolge, die Er ausstellt, ein Meister, der Seine Kunstwerke auch liebt. Des Weiteren ist Er den Schmuckstücken, die Er zeigt, und Seinen in Erstaunen versetzenden Kunstwerken entsprechend ein Herrscher und der Schöpfer, der die Begeisterung der mit Bewusstsein begabten Wesen auf Seine Werke richten will. Außerdem versteht man, dass Er durch die Weisheit Seiner Herrschaft den

mit Bewusstsein begabten Wesen mitteilen will, woher die Geschöpfe kommen und wohin sie gehen und was der Schmuck dieser Welt bedeutet, den Er bei der Erschaffung verwendet und der den Verstand in Bewunderung versetzt. Durch all dies möchte dieser allweise Herrscher, dieser allwissende Meister mit Sicherheit Seine Herrschaft darstellen. Des Weiteren möchte Er sich durch all die vielen Werke Seiner Güte und Seiner Barmherzigkeit und durch die einzigartigen Kunstwerke allen mit Bewusstsein begabten Wesen zu erkennen geben und von ihnen geliebt werden. Mit Sicherheit wird Er diesen mit Bewusstsein begabten Wesen durch einen Verkünder mitteilen, was er von ihnen erwartet und welcher Art, die Dinge sind, an denen Er Seinen Gefallen findet.

Zu diesem Zweck wird Er einen unter diesen mit Bewusstsein begabten Wesen damit beauftragen, Seine Herrschaft öffentlich zu verkünden. Um die Kunstwerke, die Ihm lieb sind, zu erklären, wird Er einen öffentlichen Ausrufer ernennen und ihm die Ehre erweisen, vor Seine Audienz zu treten und Er wird ihn zu Seinem Werkzeug machen, diesen Auftrag zu erfüllen. Um Seine Vollkommenheit zu offenbaren und um Seine erhabenen Ziele allen mit Bewusstsein begabten Wesen mitzuteilen, wird Er einen von ihnen zum Lehrer ernennen. In jedem Fall wird Er einen Wegführer ernennen, damit die tiefe Wahrheit, die Er im Kosmos angelegt hat, und der Sinn Seiner Herrschaft, der in allem Sein verborgen ist, nicht unentdeckt bleibe. Er wird einen Wegführer ernennen, der über Seine Absichten mit den schönen Kunstwerken unterrichten soll, die Er zeigt und den Augen der Betrachter darbietet, damit (Seine Absichten) nicht erfolglos und ohne Wirkung bleiben. Außerdem wird Er einem, der Seinen Willen den mit Bewusstsein begabten Wesen übermitteln soll, in eine hohe Stellung über all den mit Bewusstsein begabten Wesen versetzen, ihn über die Art unterweisen, wie sie Seinen Willen erfüllen können, und ihn dann zu ihnen senden.

Da sich nun einmal die Wahrheit und die Weisheit in dieser Weise herausstellt, ist es Mohammed, mit dem Friede und Segen sei, der für diese Aufgaben am besten geeignet ist. Denn tatsächlich hat er diese Aufgaben in bester Form erfüllt. Die islamische Welt, die er geformt hat, und das Licht des Islam, das er zeigte, ist ein berechtigtes und zuverlässiges Zeugnis dafür. Weil das so ist, ist es auch notwendig, dass diese Persönlichkeit unmittelbar über die ganze Schöpfung emporsteigt, das ganze Sein überschreitet und in einen Rang (maqam)erhoben wird, von wo aus er mit dem Schöpfer alles Geschaffenen ein allgemeines, erhabenes und allumfassendes Gespräch führen kann. So bringt denn Mi'radj(die Himmelfahrt) auch diese Wahrheit zum Ausdruck.

Zusammenfassung:

Da der Schöpfer nun einmal den gewaltigen Kosmos für viele, gewaltige Zwecke und viele, bedeutende Ziele, wie die oben erwähnten, in dieser Form erbaut, geordnet und verziert hat, und da es nun einmal mitten in allem Sein das Menschengeschlecht gibt, das diese allgemeine Herrschaft in all ihren Einzelheiten und dieses gewaltige Reich Gottes mit all seinen Gegebenheiten (haqiqat)erfahren kann, wird dieser Herrscher sicherlich auch mit den Menschen sprechen und ihnen Seine Ziele mitteilen.

Da sich aber nun einmal nicht jeder Mensch von seinen eigenen, kleinlichen, unbedeutenden, niederen Dingen befreien kann, um zu seinem höchsten Rang (maqam),einer universellen, überpersönlichen Ebene emporzusteigen und somit die Ansprache dieses Herrschers an alle nicht persönlich empfangen kann, werden mit Sicherheit einige besondere Persönlichkeiten unter den Menschen mit dieser Aufgabe (vazife)beauftragt, welche mit zwei Aspekten verbunden ist. Sie sollen einerseits Menschen sein, um Lehrer der Menschen sein zu können, als andererseits auch geistig besonders hochstehend sein, damit sie die Ansprache Gottes unmittelbar empfangen können. Darum ist also nun Mohammed, mit dem Friede und Segen sei, derjenige unter den Menschen, der die Ziele des Schöpfers dieser Welt auf vollkommener Weise erklärt,

die tiefe Wahrheit dieses Kosmos zeigt, das Rätsel dieser Schöpfung enthüllt und für die Schönheit der herrschaftlichen Durchführungen auf beste Weise als öffentlicher Ausrufer dient. Mit Sicherheit wird er unter all den einzelnen Menschen eine solche spirituelle Reise unternehmen und in dieser materiellen Welt eine solche Reise in Form einer leiblichen Himmelfahrt erleben. Er wird die Zwischenwelt der Namen (berzah-i esma),die Erscheinungen Seiner Eigenschaften und Taten und alle Stufen, welche die siebzigtausend Schleier genannt werden, durchschreiten, bis er alle Ebenen des Seins hinter sich gelassen hat. Das nun ist es, was die Himmelfahrt genannt wird.

Und wiederum erhebt sich in Gedanken der folgende Einwurf: Oh Zuhörer! Du fragst dich in deinem Herzen: "Wie kann ich das glauben? Was soll damit ausgesagt sein, dass sich jemand mit seinem Herrn trifft, der allen Dingen näher ist, als sie es sich selbst sind, nachdem er zuvor Tausende von Jahren durcheilt hat und siebzigtausend Schleier hinter sich gelassen hat?" Wir sagen aber:

Gott der Gerechte ist einem jeden Ding näher als alle anderen Dinge. Und doch sind alle Dinge unendlich weit von Ihm entfernt. Hätte die Sonne z.B. ein Bewusstsein und könnte sie sprechen, so könnte sie durch den Spiegel in deiner Hand mit dir reden. Sie könnte nach Gutdünken über dich verfügen. Obwohl sie sich in deinen Pupillen spiegelt und dir noch näher ist als dein Augapfel, bist du doch Viertausend Jahre von ihr entfernt und kannst dich ihr in keiner Weise nähern. Stiegest du auch, voranschreitend, bis zu den Höhen des Mondes empor und kämest an einen Punkt, wo du ihr unmittelbar gegenüber stündest, von dem aus du mit der Sonne direkt Kontakt aufnähmest, könntest du ihr gegenüber dennoch nicht mehr als eine Art Spiegel sein. Genauso sind alle Dinge, obwohl doch der Herr in Seiner Majestät, der die Sonne von Ewigkeit zu Ewigkeit ist und einem jeden Ding näher ist als alle anderen Dinge, von Ihm unendlich weit entfernt. Erst wenn man alles Sein beiseite lässt, alles,

was kleinlich und persönlich ist und über die Stufen des allgemein menschlichen überschreitend Tausende von Schleiern hinter sich lässt, bis man sich einem Seiner Namen nähert, der alles Sein mit einschließt, und danach noch viele weitere Stufen überwindet, kann man mit einer Art von Annäherung (qurbiyet)beehrt werden. So steht z.B. auch ein einfacher Soldat seinem Rang nach weit unter seinem Oberkommandierenden. Dieser Soldat betrachtet seinen Oberkommandierenden aus einer sehr weiten Entfernung in dem kleinen Musterbeispiel, das er in seinem Feldwebel erblickt, so als sähe er ihn hinter vielen unsichtbaren Schleiern. Um sich seiner tatsächlichen, abstrakten Persönlichkeit anzunähern, muss er sehr viele, allgemein übliche Stufen wie den Rang eines Leutnants, eines Hauptmanns, eines Majors emporsteigen. Dagegen steht der Oberkommandierende durch seinen Befehl, durch sein Gesetz, durch seine Kontrolle, durch seine Macht, durch seine Kenntnis - wenn er auch nach seiner äußerlichen Erscheinung und entsprechend seiner Persönlichkeit im spirituellen Bereich ein Kommandeur ist - als eine Führerpersönlichkeit durch sein Wesen bei diesem Soldaten und nimmt ihn (auf diese Weise) wahr. Da diese Wahrheit schon im "Sechzehnten Wort" ganz klar bewiesen wurde, können wir uns, indem wir uns hier kurz fassen, damit begnügen.

Und wiederum taucht hier der Gedanke auf: nun sagst du dir in deinem Herzen: "Ich bestreite die Existenz der Himmel und ich glaube auch nicht an die Engel. Wie kann ich also glauben, dass jemand durch die Himmel reist und dort die Engel trifft?"

Es ist in der Tat schwierig, Leuten, wie du, denen der Verstand in die Augen gerutscht ist und deren Augen eine Decke verhüllt, etwas klar zu machen und es ihnen aufzuzeigen. Da die Wahrheit aber so sehr glänzt, dass sie selbst die Blinden sehen können, sagen auch wir: Die Tiefe des Raumes ist, wie einstimmig bestätigt wird, von "Äther" erfüllt. Licht, elektrische Energie, Wärme und andere, ähnlich subtile Ströme durchfließen den Raum und

beweisen so die Existenz dieses (fünften) Elements. Wie die Früchte ganz offensichtlich von den Bäumen, die Blumen von den Wiesen, die Ähren von den Äckern und die Fische von den Meeren Kunde geben, führen auch die Sterne notwendigerweise dem Verstand den Ort ihrer Entstehung vor Augen, dem sie wie einem Acker, einem Meer, einer Wiese, ihre Existenz verdanken. Da es nun einmal in der Tiefe des Raumes verschiedene Formen gibt, weisen unterschiedliche Gegebenheiten auch auf unterschiedliche Bedingungen hin. Daher unterscheiden sich auch die Himmel, die der Ursprungsort dieser Auswirkungen sind, voneinander. Und auch der Mensch hat ja außer seiner leiblichen auch noch eine geistige Existenz mit Verstand, Herz, Seele (ruh),Vorstellungsvermögen und Gedächtnis. Mit Sicherheit gibt es in der Welt, die ein Mensch im großen ist, und im Universum, das der Baum ist, dessen Frucht wiederum der Mensch ist, noch andere Welten als diese unsere sichtbare Welt. Außerdem hat jede einzelne Welt, von dieser unserer Erde angefangen bis zur Welt des Paradieses, jeweils auch ihren eigenen Himmel.

Und was nun die Engel betrifft, so können wir sagen: Unsere Erde ist unter den Planeten mittelgroß und unter den Sternen klein und dunkel. Das Leben und das Bewusstsein, die in der Schöpfung den höchsten Wert und die höchste Lichtausstrahlung besitzen, finden sich auf ihr in zahllosen Formen. Mit Sicherheit sind die Sterne, im Vergleich zu denen die Erde einem dunklen Hause gleicht, prächtige Schlösser und herrliche Paläste, und das Meer der Himmel, über das die Sterne segeln, Wohnstätten für eine große, zahl- und artenreiche Schar von Engeln und Geistern, erfüllt von Leben und Bewusstsein. In meinem "Zeichen des Wunders" (Isharatu l-i'djaz)genannten Kommentar (tefsir)zur Ayah

ثُمَّ اسْتَوٰىٓ اِلَى السَّمَآءِ فَسَوّٰيهُنَّ سَبْعَ سَمٰوَاتٍ

{"Dann wandte Er sich dem Himmel zu und formte ihn zu sieben Himmeln aus." (Sure 2, 29)}

wurde bereits sowohl die Existenz als auch die Verschiedenheit der Himmel absolut klar bewiesen. Und auch im "Neunundzwanzigsten Wort", einer Abhandlung über die Engel, haben wir mit der gleichen Sicherheit, wie zwei mal zwei vier ist, die Existenz der Engel bewiesen. Darum können wir uns hier mit (diesem Hinweis) begnügen und fassen uns daher kurz.

Zusammenfassung:

Verstand und Vernunft erfordern, dass es einen Himmelsraum geben muss, der aus Äther gebildet ist, welcher der Quellgrund für einen Strom von Elektrizität, Licht, Wärme und Kraft ist, entsprechend der Hadith اَلسَّمَآءُ مَوْجٌ مَكْفُوفٌ {"Der Himmel gleicht einer stehenden Welle."} die Bewegungen der Planeten und der Sterne ermöglicht und von مَجَرَّةُ السَّمَاءِ was Milchstraße bedeutet, bis hin zu dem uns nächstgelegenen Planeten aus sieben Ebenen unterschiedlicher Form und Zusammensetzung besteht, wobei sich über einer jeden Ebene, von der Erde bis zur Zwischenwelt (berzah),von der Welt der Beispiele bis zur jenseitigen Welt, sich als Dach (wieder ein neuer Himmel findet).

Wiederum kommt uns der Gedanke: Oh du Ungläubiger! Du sagst: "Trotz tausend Schwierigkeiten kann man mit einem Flugzeug doch nur ein paar Kilometer Höhe erreichen. Wie könnte ein Mensch mit seinem Körper in ein paar Minuten eine Entfernung überwinden und wieder zurückkehren, (die normalerweise) Tausende von Jahren in Anspruch nehmen würde?

Dem können wir entgegnen: Eine Masse wie die Erde legt, wie eure Wissenschaftler sagen, während ihres jährlichen Umlaufs in einer Minute eine Entfernung von etwa 188 Stunden Fußmarsch zurück.

Das macht pro Jahr eine Entfernung von 25 tausend Jahren Fußmarsch. Könnte etwa der glorreiche Allmächtige, der sie sich so gut geregelt bewegen lässt und sie wie einen Stein in Seiner Schleuder herum wirbelt, nicht auch einen Menschen vor Seinen Thron bringen? Könnte etwa eine Weisheit, die mit einem Gesetz des Herrn die Erdenmasse sich um die Sonne wie ein Mevlevi Dervish drehen lässt, nicht auch den Körper eines Menschen kraft der Anziehung der Barmherzigkeit des Allerbarmers und kraft der Anziehung durch die Liebe Gottes, der Urewigen Sonne, nicht blitzschnell zum Thron Seiner Barmherzigkeit emporsteigen lassen?

Wiederum steigt in uns der Gedanke auf, du könntest sagen: "Na gut, vielleicht könnte er emporsteigen. Aber warum ist er denn emporgestiegen? Und wozu sollte er das? Hätte es nicht völlig genügt, wenn er, den Heiligen gleich, nur mit Geist und Herz aufgestiegen wäre?"

Dem können wir entgegnen: Da nun einmal der allmächtige Meister uns die einzigartigen Zeichen zeigen will, die sich sowohl in dem uns zugewandten (mulk= die Welt aus der Sicht der Menschen) Aspekt als auch in dem Seinen Engeln zugewandten (melekut= die Welt aus der Sicht der Engel) Aspekt unserer Welt finden und den Menschen die Werkbänke und den Urgrund unserer Welt sehen lassen will und welche Ergebnisse unsere Taten für das Jenseits haben werden, so sollte der Prophet auch mit Sicherheit sein Auge, das wie ein Schlüssel zur sichtbaren Welt ist, und sein Ohr, mit dem er die Wunderzeichen in der hörbaren Welt wahrnehmen kann, bis zum Thron Gottes mitnehmen. So ist es auch verständlich und sinnvoll, dass er seinen gesegneten Leib, der dem Geist wie eine Maschine mit verschiedenen Werkzeugen und Geräten für unzählige verschiedene Aufgaben dient, bis zum Throne mitnimmt. Im Paradies macht Gott dann in Seiner Weisheit den Körper zu seinem Begleiter seines Geistes. Denn es ist der Körper, der das Werkzeug für viele verschiedene Dienste und zur Anbetung Gottes ist und der zahllose Freuden und

Schmerzen empfindet. Dieser gesegnete Leib wird mit Sicherheit dem Geist als sein Begleiter gegeben werden. Da nun einmal der Körper mit dem Geist zusammen ins Paradies geht, entspricht es sicherlich der lauteren Weisheit, dass Er dem Geist Ahmeds, mit dem Friede und Segen sei, der zum Sidretu l-Munteha(Himmelslotus) empor stieg, welcher den Stamm der Wohnstatt bildet, die das Paradies ist, seinen gesegneten Leib als Reisegefährten mitgegeben hat.

Wiederum steigt in uns der Gedanke auf, du könntest vielleicht sagen:

"Ist es nicht unvorstellbar, eine Entfernung von Tausenden von Jahren Fußmarsch in ein paar Minuten zurücklegen zu können?"

Dem möchten wir entgegenhalten: Die verschiedenen Kunstwerke des majestätischen Meisters bewegen sich mit unendlich verschiedenen Geschwindigkeiten.

Zum Beispiel:

Es ist bekannt, wie sehr sich die Schallgeschwindigkeit, die Geschwindigkeit von Licht und Elektrizität, die Geschwindigkeit in unseren Träumen und Gedanken voneinander unterscheiden. Nach wissenschaftlichen Aussagen sind auch die Bewegungen der Planeten so sehr voneinander verschieden, dass sie den Verstand in Erstaunen versetzen. Wie also sollte es dann dem Verstand als unvorstellbar erscheinen, wenn sich sein feinstofflicher Körper im Auffahren seinem raschen erhabenen Geist unterwirft, sodass er ebenso rasch mit ihm mit reist!? Und ebenso kann es sein, dass man in einer Zeit von nur zehn Minuten Schlaf zuweilen ein ganzes Jahr erlebt. Ja, um zu erzählen, was man alles in nur einer einzigen Minute geträumt hat, die Worte, die man im Traum gehört hat, zu berichten und die man gesagt hat, wieder zusammenzulesen, in der Welt des Wachzustandes einen ganzen Tag, ja vielleicht noch länger benötigt. Das heißt also, dass in der gleichen Zeit, der einen von zwei Personen eine Periode wie ein Tag, der anderen wie ein Jahr erscheint.

Betrachten wir anhand eines Beispiels, worum es hierbei geht: Um verschiedene Geschwindigkeiten, angefangen von den Bewegungen eines Menschen, bis zur Geschwindigkeit einer Kanonenkugel, des Schalls, des Lichtes, der Elektrizität, des Geistes, des Traumes vergleichen zu können, stellen wir uns eine Uhr vor, die zehn verschiedene Zeiger hat. Der erste zeigt die Stunden. Ein anderer zählt die Minuten in einem sechzig mal größeren Kreis. Wieder ein anderer zeigt die Sekunden in einem abermals sechzig mal größeren Kreis. Ein vierter Zeiger ist sechzig mal schneller als der Sekundenzeiger und wandert durch einen wiederum sechzig mal größeren Kreis, usw. Ein fünfter, sechster, siebter, achter, neunter und zehnter Zeiger ist jedes Mal auch wieder sechzig mal schneller und wandert durch einen jeweils sechzig mal größeren Kreis als der vorhergehende. Angenommen, der Kreis des Stundenzeigers wäre so groß wie unsere Armbanduhr, so müsste der Kreis des zehnten Zeigers so groß wie die jährliche Umlaufbahn unserer Erde, ja vielleicht noch größer sein.

Nun stellen wir uns zwei Personen vor. Die eine sitzt auf dem Stundenzeiger und betrachtet seine Umgebung. Die andere sitzt auf dem zehnten Zeiger. Die Dinge, die diese beiden Personen in der selben Zeit betrachten, sind so unterschiedlich wie das Verhältnis unserer Armbanduhr zu der jährlichen Umlaufbahn unserer Erde.

Da Zeit Bewegung (und Veränderung bedeutet,) gleich einem Farb(wechsel), einem Faden (der gesponnen wird) oder einer Spule (die abläuft), so gilt das Gesetz der Bewegung gleichermaßen auch für die Zeit. Obwohl also nun für eine mit Bewusstsein begabte Person, wenn sie auf dem Stundenzeiger sitzt, das, was wir in einer Stunde beobachten, auch tatsächlich eine Stunde Lebenszeit bedeutet, so durcheilt doch der Ehrenwerte Botschafter, mit dem Friede und Segen sei, auf dem Buraq (Reittier) der Göttlichen Führung genauso wie die Person, die auf dem zehnten Zeiger sitzt, der die Sekundenbruchteile zählt, in der gleichen Zeit schnell wie der Blitz (berq)alle Bereiche des Möglichen (mumkinat)und erblickt allen staunenswerten

göttlichen Reichtum (mulk)und die ganze Welt göttlicher Herrschaft (melekut)und steigt in die Sphäre des notwendigerweise Seienden (vudjub)auf und erhält dort die Ehre, Gott in einem vertrauten Gespräch (sohbet)zu begegnen, erlebt die Freude, Gottes Schönheit anzuschauen. Sodann erhält er seinen Ferman (Erlass) und auch die Fähigkeit, mit seinem Auftrag wieder zurückkehren. Er kehrt (zur Erde) zurück. Und so geschah es.

Und wiederum taucht in uns der Gedanke auf, du könntest vielleicht sagen: "Nun gut, es könnte tatsächlich so geschehen sein. Das wäre möglich. Aber nicht alles, was möglich ist, geschieht auch tatsächlich, oder? Gibt es vielleicht etwas vergleichbares, sodass man es auch annehmen könnte? Wenn so etwas noch nicht vorgekommen sein sollte, wie könnte man dann, allein deshalb, weil es vielleicht möglich wäre, auch schon schlussfolgern, dass es auch tatsächlich stattgefunden hat?"

Dem würden wir jedoch entgegnen: Es gibt so viele vergleichbare Beispiele, dass man sie gar nicht zählen kann.

Zum Beispiel:

Ein jeder, der sehen kann, kann auch mit seinem Blick in einem Augenblick von der Erde bis zum Planeten Jupiter emporsteigen. Jeder, der über Wissen verfügt, kann in seinen Gedanken die Gesetze der Astronomie besteigen und in einer Minute bis jenseits der Sterne reisen. Jeder Mensch kann, vom Glauben erfüllt, in Gedanken den Bewegungen des Gebetes folgend diesen Grundpfeiler des Glaubens besteigen und in einer Art Himmelfahrt (Mi'radj)den Kosmos hinter sich lassend bis in die Gegenwart Gottes gelangen. Jeder Gottesfreund in seiner Vollendung vermag sein Herz in beide Hände zu nehmen und in einer spirituellen Reise den Thron und die Bereiche der Namen und Eigenschaften Gottes in vierzig Tagen zu durchreisen. Manche Persönlichkeiten wie Scheich Geylani und Imam Rabbani gelangten auf ihrer spirituellen Reise sogar in einer Minute, wie sie selbst uns zuverlässig berichtet haben, bis zum Throne Gottes empor. Auch die Engel, deren Körper Lichtcharakter haben, reisen aufgrund verschiedener Überlieferungen

in kurzer Zeit, zwischen dem Throne (Gottes) und der Erde auf und nieder. Die Leute, die am jüngsten Tag für das Paradies bestimmt sind, werden von dem Platz der Wiederversammlung in kurzer Zeit in die Gärten des Paradieses auffahren. Mit Sicherheit zeigen so viele Beispiele, dass es die lautere Weisheit und durchaus verständlich ist, dass der Sultan aller Heiligen, der Imam (Vorbeter) aller Gläubigen, der Führer aller Leute des Paradieses und der, den alle Engel preisen, dass der Herr Ahmed, mit dem Friede und Segen sei, als derjenige befunden wurde, dem die Himmelfahrt als ein Mittel zu seiner spirituellen Reise zuteil geworden ist, wie sie seinem Rang (maqam)entsprach, und an welcher es keinen Zweifel gibt...

Dritte Grundlage

Was ist die Weisheit der Himmelfahrt?

Antwort:

Die Weisheit der Himmelfahrt ist so erhaben, dass sie der Mensch in seinem Denken nicht erfassen kann. Sie ist so tief, dass er sie nicht erreichen kann. Sie ist derart subtil, so fein, dass der Verstand sie für sich alleine nicht erkennen kann. Aber auch wenn ihre Wahrheit nicht erfasst werden kann, so kann doch aufgrund einiger Hinweise etwas über ihre Existenz mitgeteilt werden. Es ist dies wie folgt:

Der Schöpfer dieses Kosmos hat, um auf allen Ebenen der Vielfalt das Licht Seiner Gegenwart (Vahdet)und das Aufscheinen Seiner Einheit (Ahadiyet)zu zeigen, durch eine Himmelfahrt (Mi'radj)von der äußersten Ebene der Vielfalt bis hin zum Anbeginn der Einheit (Vahdet)gleichsam in der Art eines Überbrückungskabels, eine auserwählte Person, stellvertretend für die ganze Schöpfung zu Seinem Gesprächspartner angenommen. Er machte ihn zum Stellvertreter aller mit Bewusstsein begabten Wesen, erklärte ihm die Absichten Seiner Gottheit und machte sie durch ihn bekannt. Er betrachtete die Schönheit Seiner Kunst und die Vollkommenheit Seiner Herrschaft in den Spiegeln Seiner Schöpfungen mit den Augen

seines Gesprächspartners und ließ (alle Seine Geschöpfe) auf diese Weise sie durch ihn betrachten. Des Weiteren ist dem Schöpfer der Welt nach dem Zeugnis all Seiner Werke eine unendliche Schönheit und Vollkommenheit zu Eigen.

Was diese Schönheit und Vollkommenheit betrifft, so werden sie beide als die "Geliebten um ihrer selbst willen" genannt. Das heißt, sie werden geliebt für das, was sie sind. Daher liebt derjenige, der diese Schönheit und Vollkommenheit besitzt, Seine Schönheit und Vollkommenheit mit unendlicher Liebe. Diese Seine unendliche Schönheit tritt in Seinen Kunstwerken auf vielerlei Arten in Erscheinung. Er liebt Seine Kunstwerke, denn Er sieht in Seinen Kunstwerken Seine eigene Schönheit und Seine Vollkommenheit. Unter Seinen Kunstwerken sind lebende Wesen die liebenswertesten und erhabensten. Unter denen, die das Leben empfangen haben, sind die, die Bewusstsein tragen, die liebenswertesten und die erhabensten. Unter den mit Bewusstsein begabten Wesen finden sich die Menschen, wegen ihrer Vielseitigkeit, als die Liebenswertesten. Der Liebenswerteste unter den Menschen aber ist derjenige, der die Beispiele der Vollkommenheit zeigt, wie sie in all Seinen Kunstwerken sichtbar werden, wodurch sich seine natürlichen Anlagen aufs schönste entwickelt haben.

Um alle Erscheinungsformen der Liebe, so wie sie sich in allen Gestalten des Seins zeigen, in einem Punkt gespiegelt zu sehen, und um alle Erscheinungsformen Seiner Schönheit im Geheimnis der Einheit (Gottes in jedem einzelnen Wesen = Ahadiyet)zu zeigen, hat der Schöpfer allen Seins eine Person, die als lichtausstrahlende Frucht am Baum der Schöpfung anzusehen ist, und deren Herz als der Kern gilt, der die Grundwahrheiten dieses Baumes in sich umfasst, durch eine Himmelfahrt (Mi'radj),ein Überbrückungskabel, das mit diesem Kern beginnt, von dem aller Anbeginn seinen Ausgang nimmt und mit der Frucht zu seinem Ende gelangt, in Seine Gegenwart gezogen und mit dem Anblick Seiner Schönheit beehrt.

Die Weisheit dieser Himmelfahrt liegt darin, zu zeigen, wie weit diese Person in Stellvertretung des ganzen Kosmos geliebt wird. Er hat ihr durch Seine Ansprache Seine Zuneigung erwiesen und mit Seinem Erlass beauftragt, damit der heilige Zustand dieser Person auf die anderen übertragen werde.

Nun wollen wir, um diese erhabene Weisheit zu betrachten, durch das Fernrohr "Zweier Gleichnisse" blicken.

Erstes Gleichnis:

Wie in der gleichnishaften Erzählung des "Elften Wortes" ausführlich erklärt wurde, hatte ein ruhmreicher König sehr viele Schatzkammern. In diesen Schatzkammern gab es viele Arten von Juwelen. Es waren da wundervolle Kunstwerke, die seine vielfältige Meisterschaft offenbarten. Und auch seine Kenntnisse umfassten alle die Staunen erregenden Wissenschaften. Darüber hinaus schloss sein Wissen auch noch unzählige schöne Künste mit ein. Es entspricht dem Geheimnis eines jeden Herrn in Schönheit und Vollkommenheit, dass er die eigene Schönheit in ihrer Vollkommenheit und die eigene Vollkommenheit in ihrer Schönheit betrachten möchte und möchte, dass sie von anderen betrachtet werde, weswegen auch dieser König aller Wissenschaft eine Messe eröffnete, um den Menschen den Glanz seines Reiches, seine kostbaren Schätze, die Wunderwerke seiner Kunst und die bewunderungswürdigen Resultate seiner Wissenschaften an den Ständen dort vor Augen zu führen. So wollte er von seiner zuvor noch unsichtbaren Schönheit und Vollkommenheit auf zweierlei Weise Zeugnis geben. In erster Hinsicht, damit er sie in eigener Person und mit den Augen des sachkundigen Fachmannes betrachte, zum zweiten, damit er sie mit den Augen der anderen sehe. Zu diesem Zweck begann er damit ein riesengroßes, prachtvolles Schloss zu bauen. Auf meisterhafte Weise unterteilte er es durch Höfe und Säle, schmückte diese mit den unterschiedlichsten Juwelen aus seiner Schatzkammer, stattete es mit den schönsten, feinsten Arbeiten seiner Kunst und seines Handwerkes aus, ordnete alles bis ins einzelne nach

Kenntnis der besonderen Gegebenheiten und Zusammenhänge. Er hat das ganze Schloss mit wunderbaren und Staunen erregenden Werken der schönen Künste ausgestattet und vollendet. Dann hat er besondere Tische für die einzelnen Gruppen aufgestellt, gedeckt mit den verschiedensten seiner Gnadengaben und mit den wohlschmeckendsten seiner Speisen. So hat er denn, um sich ihnen in seiner Vollkommenheit darzustellen, ein öffentliches Fest vorbereitet und seine Untertanen zu einem Ausflug und zu einem Gastmahl eingeladen.

Dann ernannte er einen zu seinem Ehrwürdigen Botschafter und lud ihn von den unteren Etagen und Sälen nach oben; ließ ihn Saal um Saal in den übereinander liegenden Etagen besichtigen. Indem er ihm die Maschinen und die Werkbänke dieser seiner einzigartigen Kunstwerke und die Vorratsspeicher für die Erträge, die von unten herauf kommen, eine nach dem anderen zeigte, geleitete er ihn schließlich in seine Privatgemächer. Er beehrte ihn damit, dass er ihm sein segensreiches Wesen, das die Quelle dieser seiner Vollkommenheiten ist, zeigte und ihn in seiner Audienz empfing. Er enthüllte ihm die wahre Natur seines Palastes und ließ ihn seine eigene Vollkommenheit schauen.

Dann ernannte er ihn zum Museumsführer für seine Besucher und sandte ihn danach wieder zurück. Er sollte den Leuten anhand der Einrichtung des Schlosses, anhand seiner Dekorationen und Einzigartigkeiten den Erbauer des Schlosses bekannt machen und seine Sinnbilder auslegen, sie dessen Piktographie lehren und worin die Harmonie seiner Ornamente und die Ausgewogenheit seiner Verzierungen besteht, in welcher Weise sie auf die Vollkommenheit und Meisterschaft des Schlossherrn hindeuten, und die Besucher des Schlosses solcher Art unterweisen und sie über die Besucherordnung und das Zeremoniell der Besichtigung informieren, sowie ihnen entsprechend dem Wohlgefallen des verborgenen Königs über allem Tun und Wissen, den Ablauf der Audienz schildern.

وَ ِللَّهِ الْمَثَلُ اْلاَعْلٰى

{"Und Gottes sind die erhabensten Gleichnisse."}

Genauso wollte auch der majestätische Schöpfer, der der König von Ewigkeit zu Ewigkeit ist, seine unendliche Vollkommenheit und Schönheit schauen und sie anderen zeigen. Er hat dieses Weltenschloss so erbaut, dass alles, was da ist, mit zahllosen Zungen Seine Vollkommenheit rezitiert und anhand so vieler Zeichen Seine Schönheit zeigt. Dieses Universum zeigt mit allem, was in ihm ist, wie viele verborgene geistige Schätze sich in jedem Seiner Schönen Namen (Esma-i Husna)finden und wie viel Subtiles in jeder Bezeichnung Seiner Heiligkeit verborgen ist. Es zeigt auf diese Weise, dass alle Wissenschaften mit all ihren Prinzipien dieses kosmische Buch seit Adams Zeiten studieren. In Wirklichkeit konnten sie jedoch noch nicht einmal ein Hundertstel der Bedeutungen entziffern, die dieses Buch über die Namen und die Vollkommenheiten Gottes enthüllt, und nicht die Zeichen (ayet),die es zeigt. Der in Seiner Majestät schön und in Seiner Schönheit majestätisch ist und der Erbauer, der Vollkommene, der ein solches Weltenschloss als eine Ausstellung eröffnete, um Seine eigene Vollkommenheit und Seine geistige Schönheit zu betrachten und zu zeigen, erfordert aber nun in Seiner Weisheit, die Bedeutungen der klaren Zeichen dieses Schlosses jemandem mitzuteilen, damit sie für die mit Bewusstsein begabten Wesen auf dieser irdischen Welt nicht absurd und nutzlos bleiben, und um ihn zu den Ursprüngen der Einzigartigkeiten in diesem Schloss und in die hohen Welten empor zu führen, welche die Speicherräume für die Ergebnisse (aus diesen Ursprüngen) sind. Er wird ihn über all diese Dinge empor heben und mit der Nähe Seiner Audienz beehren. Er wird ihn in den jenseitigen Welten umherschweifen lassen und ihn mit vielen Aufgaben beauftragen, als ein Lehrer all Seiner Diener, als ein öffentlicher Ausrufer des Königreiches Seiner Herrschaft, als ein Herold des Wohlwollens Gottes und als ein Kommentator

der Zeichen der Schöpfung in diesem Weltenschloss. Er wird (ausgezeichnet) durch seine Wunder (und durch sie gleichsam wie mit) Orden (geschmückt) seine hervorragende Stellung erweisen. Er wird durch den Qur'an als Seinem Erlass bekannt geben, dass diese Persönlichkeit das hervorragende und getreue Sprachrohr des majestätischen Herrn ist.

Durch das Fernglas dieses Gleichnisses haben wir ein, zwei von den sehr vielen Weisheiten der Himmelfahrt (Mi'radj)als Musterbeispiel gezeigt. Die anderen kannst du damit vergleichen.

Zweites Gleichnis:

Wenn ein Wissenschaftler z.B. ein wunderbares Buch verfasst und es niederschreibt, ein Buch, das auf jeder seiner Seiten die Wahrheiten von hundert Büchern enthielte, und das mit jeder Zeile die subtilen Bedeutungen von hundert Seiten enthielte, und das mit jedem seiner Worte so viele Wahrheiten wie hundert Zeilen enthielte, und das mit jedem seiner Buchstaben so viele Bedeutungen wie hundert Wörter enthielte, und wenn alle Bedeutungen und Wahrheiten dieses Buches die geistigen Vollkommenheiten dieses wunderbaren Schreibers betreffen und darauf hindeuten, wird er mit Sicherheit einen so unerschöpflichen Schatz nicht verschlossen halten und nutzlos lassen. Mit Sicherheit wird er dieses Buch (dazu verwenden, einige aus ihm) zu unterweisen, damit dieses kostbare Buch nicht sinn- und bedeutungslos liegen bleibt. Seine verborgene Vollkommenheit soll sich zeigen und zu ihrer Vollendung entfalten. Seine geistige Schönheit soll erkannt werden, worüber er sich freuen wird und die es mit sich bringt, dass man ihn liebt. Er wird sogar jemanden aus diesem einzigartigen Buch mit all seinen Bedeutungen und Wahrheiten unterweisen und jede einzelne Seite von der ersten bis zur letzten eingehend mit ihm durcharbeiten.

Genauso hat der urewige Designer diesen Kosmos in einer solchen Weise entworfen und gezeichnet, dass alles, was da ist, in vielerlei Hinsicht Seine unendliche Vollkommenheit, Seine Namen und Seine Eigenschaften bekannt

gibt und zum Ausdruck bringt, um Seine Vollkommenheit, Seine Schönheit und die Wahrheit Seiner Namen aufzuzeigen. Wenn die Bedeutung eines Buches nicht erkannt wird, versinkt es mit Sicherheit im Nichts. Aber ein Buch, dessen jeder Buchstabe Tausende von Bedeutungen in sich umfasst, ist unvergänglich und kann man auch nicht im Nichts versinken lassen.

Daher wird derjenige, der dieses Buch geschrieben hat, es auch bekannt machen und entsprechend der Begabung eines jeden Volkes veranlassen, dass ein Teil von ihm erklärt werde. Außerdem wird er eine einzelne Persönlichkeit, den, der das umfassendste Blickfeld, ein umfangreiches Bewusstsein und die erlesenste Begabung besitzt, über das gesamte Kompendium unterrichten.

Um das gesamte Kompendium eines so umfangreichen Buches und seine universale Wahrheit zu unterweisen, erfordert es die Weisheit, einen ganz außerordentlichen Höhenflug zu unternehmen. Das heißt, es ist notwendig, angefangen von den äußersten Enden der Ebenen der Vielheit, die seine ersten Seiten sind, bis in die Sphären der Einheit (Ahadiyet),die seine letzten Seiten sind, empor zu reisen. Nun kannst du durch dieses Gleichnis die hohe Weisheit der Himmelfahrt (Mi'radj)bis zu einem gewissem Umfang betrachten.

Nun wenden wir uns zu dem Ungläubigen, der da als Zuhörer sitzt, und wollen aus seinem Herzen hören, in welch einen Zustand es nun gelangt ist. Da kommt es uns nun in den Sinn, dass er sich in seinem Herzen sagt: "Ich habe begonnen zu glauben. Aber ich kann es noch nicht klar verstehen. Ich habe da noch drei bedeutende Schwierigkeiten.

Erstens:

Warum ist diese große Himmelfahrt (Mi'radj)ein Privileg Mohammeds, mit dem Friede und Segen sei?

Zweitens:

Wie kann diese Persönlichkeit der Keim des Kosmos sein? Sie sagen: "Der Kosmos wurde aus seinem Licht erschaffen. Außerdem ist er seine höchste und leuchtendste Frucht." Was bedeutet das?"

Drittens:

In den obigen Erklärungen sagen Sie: Er ist emporgestiegen, um in den hohen Welten die Maschinen, die Werkbänke und die Speicherkammern der Ergebnisse der Werke dieser irdischen Welt zu sehen. Was heißt das?

Antwort:

Zu ihrem ersten Problem:

Es wurde in den dreiunddreißig Abhandlungen der "Sözler(Worte)" ausführlich behandelt. Wir wollen hier aber noch einmal eine kurz zusammengefasste Liste der Vollkommenheiten der Persönlichkeit Mohammeds, mit dem Friede und Segen sei, und den Beweis für sein Prophetentum aufstellen und auch dafür, dass er für die große Himmelfahrt der würdigste ist.

Erstens:

Obwohl die Heiligen Schriften wie Torah, Psalmen und Evangelien sehr stark entstellt worden sind, hat ein Quellenforscher wie Husayin Djisri in unseren Tagen in seinem Werk "Risale-i Hamidiye"114 Botschaften in der Form von Zeichen, die das Prophetentum Mohammeds, mit dem Friede und Segen sei, betreffen, zusammengestellt. {In dem Sinne empfehlen wir unseren Lesern auch das Buch von Abdul-Ahad Davud (David Benjamin) "Mohammed in der Bibel" in deutscher Übersetzung. (A.d.Ü.)}

Zweitens:

Die Geschichte berichtet in zuverlässiger Weise, dass gleich zwei berühmten Wahrsagern wie Shik und Satih, viele Verkündigungen kurz vor Beginn der prophetischen Zeit Mohammeds, mit dem Friede und Segen sei, sein Prophetentum vorausgesagt haben und auch, dass er der Prophet der letzten Zeitepoche sein werde.

Drittens:

In der Nacht, in der Ahmed, mit dem Friede und Segen sei, geboren wurde, stürzten die Götzen in der Kaaba vom Sockel und auch die Säulenhalle des berühmten Palastes der Könige von Persien stürzte ein. Und noch hunderte anderer, Irhasat genannter Wunder wurden geschichtlich bekannt.

Viertens:

Er tränkte eine Armee mit dem Wasser, das

seinen Fingern entströmte. Ein trockener Baumstumpf weinte und stöhnte gleich einem Kamel vor einer gewaltigen Gemeinde in der Moschee über die Trennung von Ahmed, mit dem Friede und Segen sei, als dieser eine richtige Kanzel (Minber)erhalten hatte. Mehr als Tausende solcher Wunder, wie die Spaltung des Mondes entsprechend der Ayah وَانْشَقَّ الْقَمَر {"Als der Mond gespalten wurde..." (Sure 54, 1)} sind von den Quellenforschern untersucht und bestätigt worden und zeigen seine Erhabenheit und Größe in seiner eigenen wie in der allgemeinen Geschichte.

Fünftens:

Freund und Feind bestätigen gleichermaßen, dass sich bei ihm gute moralische Qualitäten in höchstem Grade finden. Sein gesamtes Verhalten bezeugt, dass er einen überragenden Charakter in der Erfüllung seines Auftrages und in seiner Lehrverkündigung im höchstem Grade besitzt. Seine moralischen Werte islamischen Glaubens bezeugen, dass unter seinem Gesetz Eigenschaften, preiswürdig in hohem Maße, im Grade höchster Vollkommenheit vorhanden sind. Leute von Recht, Billigkeit und Sorgfalt werden dies nicht zurückweisen.

Sechstens:

Wie wir im Zweiten Zeichen des "Zehnten Wortes" aufgezeigt haben, hat Ahmed, mit dem Friede und Segen sei, der in überragendem Grade eine Persönlichkeit war, jene göttliche Erhabenheit und Größe, die - und das ist ein Erfordernis ihrer Weisheit - sichtbar werden will, mit seinem Glauben in seiner dienenden Anbetung auf höchst glänzende Weise gezeigt.

Überdies erfordert es die Weisheit und Wahrheit des Schöpfers der Welten, Seine unendliche Schönheit und Vollkommenheit in einer geeigneten Weise zu offenbaren. Und wer sie in ihrer schönsten Gestalt aufzuzeigen und darzustellen vermag, das ist ganz ohne allen Zweifel diese Persönlichkeit.

Überdies möchte der Meister der Welten Sein unendlich schönes und vollkommenes Kunstwerk ausstellen und die aufmerksamen Blicke darauf lenken. Und wer es mit der lautesten Stimme öffentlich auszurufen vermag, das ist ganz offensichtlich diese Persönlichkeit.

Überdies möchte der Herr der Welten Seine Einheit (Vahdaniyet)der Vielzahl der Ebenen (Seiner Schöpfung) verkünden. Und wer diese Einheit (Tauhid)auf allen Stufen im äußersten Grade zu verkünden vermag, das ist wiederum mit Naturnotwendigkeit diese Persönlichkeit.

Überdies möchte der Besitzer der Welten im Zeichen Seiner im unendlichen Grade vollkommenen Werke Seine unendliche Schönheit in Seinen wesentlichen Eigenschaften, Seine Schönheit in Seinen besten Eigenschaften, Seine Schönheit in Seinen feinsten Eigenschaften, die in Wahrheit und Weisheit nach einem Spiegel verlangen, sehen und sehen lassen. Und wer sie (: die Schönheit) auf das allerprächtigste widerspiegelt und selbst wie ein Spiegel ist, sie liebt und andere dazu veranlasst, sie zu lieben, das ist wiederum offensichtlich diese Persönlichkeit.

Überdies möchte der Baumeister dieses Weltenschlosses Seine unsichtbaren Schatzkammern, die angefüllt sind mit außergewöhnlichen und einzigartigen Wunderwerken und kostbaren Juwelen, zeigen und ausstellen... in ihnen Seine Vollkommenheit wissen und erkennen lassen. Und wer sie in überragender Weise auszustellen, darzustellen und zu erklären vermag, das ist wiederum offensichtlich diese Persönlichkeit.

Überdies möchte der Baumeister des Kosmos, der diesen Kosmos erbaut und mit allerlei Besonderheiten und Ornamenten verziert hat... der Seine Geschöpfe mit Bewusstsein begabt und ihnen darin Wohnung gegeben hat, damit sie darin umher wandeln, umher schauen, anbeten und nachdenken sollen... diesen Geschöpfen, die Seine Werke und Kunstgegenstände sehen und darüber nachdenken, - wie es Seine Weisheit erfordert - ihren Sinn und Wert zu erkennen geben. Und wer in überragender

Weise Dschinnen und Menschen, ja sogar Engel und Geister mit Hilfe des Weisen Qur'an führt, das ist offensichtlich wieder diese Persönlichkeit.

Überdies möchte der Allweise König dieses Kosmos, dass das verschlossene Geheimnis von Ziel und Zweck aller Verwandlungen in diesem Kosmos... das Rätsel dieser drei schweren Fragen nach dem woher? und wohin? jeden Seins und was es überhaupt ist, durch einen Botschafter allen Bewusstsein tragenden Wesen enthüllen lassen. Und wer dieses Geheimnis enthüllt und dieses Rätsel mit der Wahrheit des Qur'an auf eine klare Weise und in alles überragendem Grade löst, das ist wiederum offensichtlich diese Persönlichkeit.

Überdies möchte der erhabene Baumeister dieser Welt sich selbst allen Bewusstsein tragenden Wesen in Seinen schönen Kunstwerken zu erkennen geben und von ihm für Seine kostbaren Geschenke geliebt werden. Deshalb möchte Er, dass allen Bewusstsein tragenden Wesen durch einen Botschafter Seine göttlichen Wünsche und auch das, womit sie Sein Wohlgefallen erlangen können, verkündet werden. Und wer durch den Qur'an in höchster und vollkommenster Weise zu erklären und zu übermitteln vermag, worin Sein Wunsch und Wohlgefallen besteht, das ist wiederum offensichtlich diese Persönlichkeit.

Überdies möchte der Herr der Welten, weil der Mensch, der die Frucht der Schöpfung ist und dem Er eine umfassende Begabung mitgegeben hat, welche die ganze Schöpfung umschließt, und den Er zu einem anbetenden Dienst stellvertretend für alle vorbereitet hat, der durch seine Seelenlage mit vielem verbunden ist, und weil er der Welt verhaftet ist, dass er mit Hilfe eines Seelenführers sein Antlitz von der Vielheit weg zur Einheit hin und vom Vergänglichen weg zum Beständigen hin wenden soll. Und wer in höchstem Grade und in der prägnantesten Form mit Hilfe des Qur'an auf das Beste zu führen vermag und seinen Auftrag als Prophet auf das Vollkommenste zu erfüllen weiß, das ist wiederum offensichtlich diese Persönlichkeit.

Nun aber ist das erhabenste unter allem Dasein das belebte, und unter allem, was lebt, ist das erhabenste das bewusste, und unter allem was bewusst ist, ist das erhabenste der wahre Mensch, und er, der unter den wahren Menschen die oben erwähnten Aufgaben in höchstem Grade und auf vollkommenste Weise erfüllt... sicherlich wird er bei einer Großen Himmelfahrt aufsteigen bis Qab-i Qauseyn, an die Pforten der Ewigen Glückseligkeit klopfen, die Schatzkammer der Barmherzigkeit öffnen, die unsichtbare Wahrheit des Glaubens schauen: das wird "er" sein.

Siebtens:

Wie wir beobachten können, ist dieses Kunstwerk besonders schön ausgestaltet und mit Verzierungen versehen, die es in unendlichem Maße veredeln. Offensichtlich zeigt diese Gestaltung und Veredelung, dass sein Meister eine große Macht besitzt und den starken Wunsch hat (= irade:der Wille Gottes und Seiner Bewusstsein tragenden Geschöpfe), auszugestalten und zu veredeln. Diese Macht und dieser Wunsch auszugestalten und zu veredeln zeigen aber mit Notwendigkeit ein starkes Interesse an Seiner Kunst und Seine (reine und) heilige Liebe zu ihr. Wer aber im Mittelpunkt dieses Kunstwerkes steht und alle Feinheiten dieses Kunstwerkes in sich zeigt, sie kennt und zur Kenntnis bringt und (seinen Nächsten) dazu bringt, Ihn zu lieben, und die Schönheiten in den übrigen Kunstwerken "Mashaallah" sagend, bewundernd preist, der wird in den Augen des Meisters, der ein Kunstverehrer ist und Seine eigenen Kunstwerke sehr liebt, offensichtlich in höchstem Grade der Geliebte sein.

Wer also die Himmel vor den mit Tugenden und Werten vergoldeten Kunstwerken, den Feinheiten und Vollkommenheiten, die alles Sein erleuchten, "Subhanallah! Mashaallah! Allahu Ekber!" sagend widerhallen lässt, das Weltall durch den Klang des Qur'an in Erregung versetzt und wer durch seinen Lobpreis und mit seiner Bewunderung, durch die Tiefe seiner Gedanken und Darlegungen,

durch das Gottesgedenken (dhikr)und die Vergegenwärtigung Seiner Einheit (tauhid)Land und See in Ekstase versetzt, das ist wiederum augenscheinlich diese Persönlichkeit. So ist es diese Persönlichkeit, die, entsprechend dem Geheimnis: اَلسَّبَبُ كَالْفَاعِلِ {"Der, welcher veranlasst, ist gleich dem, welcher ausführt."} ebenso viele gute Werke in seiner Waagschale vorfindet, wie die gesamte Gemeinde verrichtet hat... dessen innere Vollkommenheit durch die Gebete der gesamten Gemeinde noch wächst... der die Früchte seines Auftrages als Prophet gesehen hat und darüber hinaus mit dem geistigen Lohn auch den unendlichen Segen der Barmherzigkeit und göttlichen Liebe empfangen hat. Und es ist sicherlich volle Gerechtigkeit, Wahrheit in sich selbst und reine Weisheit, wenn diese Persönlichkeit auf der Leiter "Mi'radj(Himmelfahrt)" ins Paradies, bis zum "Sidratu l-Munteha(Himmelslotos)", zum Thron (Gottes), ja bis "Qab-i Qauseyn(= gleicht der Gegenwart Gottes)" emporsteigt.

Und nun zu deiner zweiten Schwierigkeit:

Oh du Mensch, der du da bist und uns zuhörst! Diese Wahrheit, die du als deine zweite Frage stellst, ist dermaßen tief und dermaßen hoch, dass der Verstand weder genügt, noch sich annähern kann. Es sei denn, sie wird durch das Licht des Glaubens ersichtlich. Aber anhand einiger Gleichnisse kann die Existenz dieser Wahrheit dem Verstand näher gebracht werden. Wenn das so ist, versuchen wir es ein bisschen näher zu bringen.

Wenn man diesen Kosmos mit dem Blick der Weisheit betrachtet, sieht man ihn in der geistigen Gestalt eines gewaltig großen Baumes. So wie ein Baum Äste, Blätter, Blüten und Früchte trägt, so sehen auch in der niederen Welt, welche ein Ast am Baum der Schöpfung ist, Elemente wie Äste, Pflanzen und Bäume wie Blätter, Tiere wie ihre Blüten und Menschen wie ihre Früchte aus.

Ein Gesetz des majestätischen Schöpfers, das für die Bäume gilt, muss mit Sicherheit auch für diesen gewaltig großen Baum gelten, was ein Erfordernis des Namens "der Allweise" ist. Daher erfordert die Weisheit, dass auch dieser Baum der Schöpfung aus einem Kern gemacht wird. Er soll sogar ein solcher Kern sein, dass er außer dieser materiellen sichtbaren Welt auch das Musterbeispiel und die Grundzüge der anderen Welt umfasst. Denn der ursprüngliche Kern und der Ursprung des Kosmos, der Tausende unterschiedlicher Welten in sich enthält, kann nicht einfach trockene Materie sein. Da es nun einmal vor diesem kosmischen Baum keinen anderen Baum gleicher Art gegeben hat, so ist es ein Erfordernis des Namens "der Allweise", dass der Bedeutung und dem Licht, welche sein Ursprung und Kern sind, mit Sicherheit an dem Baum des Kosmos ein Kleid angelegt werde, welches nun das Fruchtfleisch (rund um den Kern) ist. Denn ein Kern kann nicht immer unbedeckt bleiben. Da er nun einmal anfangs nicht mit Fruchtfleisch wie mit einem Kleid bedeckt war, wird er mit Sicherheit am Ende dieses Kleid tragen.

Da nun einmal diese Frucht der Mensch ist und unter den Menschen, wie oben bewiesen wurde, die berühmteste und die prächtigste Frucht, die Persönlichkeit Mohammeds ist, mit dem Friede und Segen sei, die die Aufmerksamkeit der Allgemeinheit auf sich zieht und den Blick der halben Welt und eines Fünftels der Menschheit auf sich lenkt und durch seine geistig-moralischen Qualitäten die Welt entweder mit Begeisterung oder mit Staunen auf sich blicken lässt, wird sich mit Sicherheit das Licht, das für das Entstehen des Kosmos der Kern war, als Persönlichkeit einen Körper anziehen, in ihm Gestalt annehmen und sich so als die letztendliche Frucht (der Menschheit) zeigen.

Nun also, oh Zuhörer! Halte es nicht für unvorstellbar, dass dieser einzigartige, gewaltig große Kosmos aus dem winzig kleinen Wesen eines Menschen erschaffen wurde. Wie sollte der majestätische Allmächtige, der einen riesigen Tannenbaum,

gleich einer Art Welt, aus einem Kern, der so groß wie ein Weizenkorn ist, erschafft, diesen Kosmos nicht aus dem "mohammedanischen Lichte" (Nur-u Muhammediye)erschaffen? Ja, warum sollte Er es denn nicht tun!

Da der Baum der Schöpfung dem paradiesischen Tuba-Baum gleicht, dessen Stamm und dessen Wurzeln oben sind und seine Äste unten, so gibt es auch eine lichtvolle, verbindende Linie von der Ebene der Früchte unten bis zu der Ebene des ursprünglichen Kernes oben. Also ist die Himmelfahrt die Hülle und die Gestalt dieser verbindenden Linie. Die Persönlichkeit Ahmeds, mit dem Friede und Segen sei, hat diesen Weg eröffnet, ist als ein Freund zu Gott emporgestiegen, als sein Gesandter (wieder zur Erde) zurückgekehrt und hat auch das Tor hinter sich offen gelassen. Die Gottesfreunde seiner Gemeinde, die ihm nachfolgen, fahren mit Herz und Sinn diese lichtvolle Straße unter dem Schatten der Himmelfahrt des Propheten und erheben sich entsprechend ihrer Begabung zu hohem Rang (maqam).

Darüber hinaus hat der Baumeister dieses Kosmos, wie oben bereits bewiesen, diesen Kosmos für die Ziele, die in der Behandlung der "ersten Schwierigkeit" erklärt wurden, in der Gestalt eines Schlosses erbaut und dementsprechend ausgestattet. Da der Angelpunkt dieser Ziele die Persönlichkeit Ahmeds ist, mit dem Friede und Segen sei, ist es notwendig, dass er schon vor der Erbauung des Universums von seinem Baumeister in Gnaden angesehen wurde und als erster Seine Erscheinung (Epiphanie) empfangen hat. Denn das Ergebnis, die Frucht eines Dinges, steht am Anfang der Betrachtung. Das heißt, dass er körperlich der letzte, geistig der erste ist. In Wirklichkeit ist die Persönlichkeit Ahmeds, mit dem Friede und Segen sei, sowohl die vollkommenste Frucht, als auch der Quellgrund, aus dem dann alle Ziele empor tauchen. Die allererste Erscheinung im göttlichen Schöpfungsakt musste daher dessen Licht sein.

Was deine dritte Schwierigkeit betrifft, so ist die Wahrheit ihrer Antwort dermaßen umfangreich, dass Menschen wie wir, die ein eng (begrenztes) Vorstellungsvermögen haben, sie nicht aufnehmen und begreifen können. Aber wir können sie doch von weitem betrachten. In der Tat finden sich die geistigen Werkbänke und die allgemeinen Gesetze der niederen Welt in den hohen Welten. Auch die Ergebnisse der Taten der grenzenlos vielen Geschöpfe der Erde, die ein Ausstellungsort der Kunstwerke ist, und die Früchte der Handlungen von Dschinnen und Menschen, nehmen in den hohen Welten Gestalt an.

Ja, Hinweise des weisen Qur'an zeigen, dass die guten Taten die Form und Gestalt der Früchte im Paradiese und die schlechten Taten die der Früchte des Zakkumbaumes in der Hölle annehmen, so wie dies auch sehr viele Überlieferungen (Hadith)und sehr viele Hinweise bezeugen und wie es die Weisheit (hikmet)des Kosmos und der Name Gottes "der Allweise (Hakiem)"erfordern. In der Tat ist die Vielfalt, die uns das Antlitz der Erde (zeigt), dermaßen ausgedehnt und die Schöpfung dermaßen reich gegliedert, dass sich viel mehr Arten Geschöpfe und Gattungen von Kunstwerken auf der Erdkugel finden, als sonst Kunstwerke im gesamten Kosmos verteilt sind, sie beständig verändernd, füllend und leerend.

So sind denn mit Sicherheit die Quellen und Minen aller Dinge und die Vielfalt aller Arten allgemeine Gesetze und allgemeine Erscheinungen der Namen Gottes. Es sind die Himmel, wo diese allgemeinen Gesetze, diese allgemeinen Erscheinungen und diese allumfassenden Namen erscheinen, die in gewissem Grade einfach und klar und deren jeder eine Decke, ein Thron und Zentrum der Lenkung und Leitung einer Welt ist. Eine von diesen Welten ist das Paradies "Me'va"(Heim) am "Sidretu l-Munteha"(Lotusbaum). Nach der Überlieferung des treuen Boten, mit dem Friede und Segen sei, steht fest, dass die Lobpreisungen und die Danksagungen auf Erden die Gestalt der paradiesischen Früchte annehmen. So zeigen denn diese drei Punkte (Hadith, hikmet, Hakiem),dass dort die Speicher der Ergebnisse und der Früchte von der Erde sind und die Erträge nach dort gehen.

Sage nicht: Wie kann mein "Elhamdulillah(Dank sie Gott)", ein Klangkörper, der nur aus Luft besteht, eine leibhaftige Frucht des Paradieses werden?

Denn: Manchmal isst du im Traum in der Form eines schönen Apfels ein gutes Wort, dass du am Tage mit wachen Sinnen ausgesprochen hast. Ein scharfes Wort am Tage schluckst du in der Nacht in Form eines scharfen Getränks. Eine üble Nachrede wirst du wie das Fleisch deines toten (Bruders) essen müssen. Daher wirst du die guten Worte, die du im Schlafe dieses Lebens auf der Erde sagst, und deine schlechten Worte in Form von Früchten in der jenseitigen Welt, die die Welt des Wachzustandes ist, speisen und du sollst diese Speise nicht für unmöglich halten.

Vierte Grundlage

Was sind die Früchte und die Wohltaten, welche die Himmelfahrt (mit sich bringt)?

Antwort:

Wir wollen nur fünf von den mehr als fünfhundert Früchten, welche diese Himmelfahrt gleich dem Tuba-Baum hervor bringt, als Beispiel erwähnen.

Erste Frucht:

Die Wahrheit der Grundpfeiler des Glaubens mit den eigenen Augen zu betrachten, die Engel, das Paradies, das Jenseits, ja sogar den majestätischen Herrn von Angesicht zu schauen, ist ein solcher Schatz, ein Licht von Ewigkeit zu Ewigkeit und ein ewiges Geschenk für das Universum und die Menschheit, dass es diesen Kosmos von aller Wirrnis und einem Zustand befreit, der nur als vergänglich vorzustellen wäre. In diesem Licht und mit dieser Frucht zeigt (die Himmelfahrt), dass dieser Kosmos in Wahrheit ein heiliger Brief des Einzigartigen und ein wunderbarer Spiegel der Schönheiten des einen Herrn (Ahad)ist. Sie erfreut den ganzen Kosmos und alle, die Bewusstsein tragen. Des Weiteren zeigt sie durch dieses Licht und diese Frucht den Menschen,

verwirrt, verstört, schwach, armselig, geplagt von zahllosen Bedürfnissen, umgeben von unendlich vielen Feinden, vergänglich und ohne Dauer in seinem ganzen Zustand der Verhaftung an den Irrtum, zeigt diesen Menschen durch diese heilige Frucht in seiner wahren Gestalt, als Gast des Einzigartigen, als ein Wunder Seiner Macht, als den vornehmsten der Schöpfung (Ahsen-i Taqvim)und als ein umfassendes Beispiel der Briefe des Einzigartigen und einen Gesprächspartner des Königs aller Ewigkeiten, Seinen persönlichen Diener, der von Seiner Vollkommenheit begeistert ist, Sein Freund, der (Ihn und) Seine Schönheit bewundert, Sein Geliebter und Sein Kandidat für ein ewig währendes Paradies. Alle Menschen, die wahrhafte Menschen sind, brachte sie eine grenzenlose Freude und versetzte sie in Begeisterung.

Zweite Frucht:

Sie brachte besonders das rituelle Gebet (namaz)- die Grundlagen des Islam, der die Gesamtheit dessen ist, woran der Herrscher aller Ewigkeiten, der Schöpfer allen Seins, der Eigentümer des Kosmos und der Herr der Welten Seinen Wohlgefallen hat, den Dschinnen (Geistwesen) und Menschen als Geschenk. (Der Wunsch), zu wissen, womit er seinen Herrn zufrieden stellen kann, weckt sein Interesse und verheißt ihm ein solches Glück, dass man es gar nicht beschreiben kann. Denn: Wie sehr wünscht jeder, die Wünsche eines großen Wohltäters oder wohltätigen Königs zu erfahren, wenn dieser so weit von ihm entfernt ist und wenn er sie erfährt, wie sehr freut er sich darüber. Er wünscht sich: "Gäbe es doch ein Nachrichtenmittel, sodass ich unmittelbar mit diesem Herrn sprechen könnte. Könnte ich doch erfahren, was er von mir will. Könnte ich doch wissen, was das ist, was er sich von mir wünscht und was ihm gefällt."

Du kannst nun verstehen, dass es ganz besonders notwendig ist, dass der Mensch danach verlangt, zu erfahren, was seine wahre Sehnsucht ist und zu wissen wünscht, worauf denn das Wohlgefallen dessen (ruht), der alles Sein in Seiner Hand hält und darüber verfügt

und im Verhältnis zu dessen Schönheit und Vollkommenheit die Schönheit und Vollkommenheit allen Seins nur ein schwacher Schatten ist, dessen der Mensch zu jeder Zeit auf eine grenzenlose Weise bedarf und dessen unendliche Güte er erfährt. So hat denn die Persönlichkeit Ahmeds, mit dem Friede und Segen sei, die Gesamtheit der Wünsche dieses Königs aller Ewigkeiten unmittelbar als die Frucht seiner Himmelfahrt (Mi'radj)mit selbsterlebter Gewissheit gehört, mitgebracht und dem Menschen geschenkt.

In der Tat interessiert sich der Mensch sehr, die Lage auf dem Mond zu erfahren. Würde jemand dahin fahren, zurückkehren und uns Nachricht geben, was wäre er nicht alles bereit, dafür zu opfern! Würde er etwas darüber erfahren, wie sehr würde es ihn doch in Erstaunen versetzen und seine Neugier erregen! Dabei ist es doch in Wirklichkeit so, dass der Mond im Lande dessen umherreist, welcher Herr über alles Eigentum ist: dieser Mond umkreist die Erde gleich einer Fliege. Die Erdkugel fliegt wie eine Motte um die Sonne. Die Sonne ist eine Lampe unter tausend Lampen und sie dient als Leuchte im Gästehaus dessen, der in Seiner Majestät der Herr allen Eigentums ist.

Die Persönlichkeit Ahmeds, mit dem Friede und Segen sei, sah das Wirken solch eines majestätischen Herrn und Seine einzigartigen Kunstwerke und die Schätze Seiner Barmherzigkeit in der ewigen Welt und kam zurück und benachrichtigte den Menschen. Also, kannst du verstehen, in wie weit sich der Mensch der Vernunft und aller Weisheit zuwider verhält, wenn er dieser Persönlichkeit nicht mit Interesse, Begeisterung und Liebe lauscht.

Dritte Frucht:

Er sah die Schatzkammer der Ewigen Glückseligkeit, nahm dessen Schlüssel mit sich und brachte ihn Dschinnen und Menschen als Geschenk. Er hat in der Tat bei seiner Himmelfahrt das Paradies mit eigenen Augen geschaut und in ihm die ewigen Spiegelungen der Barmherzigkeit des Erbarmens (leibhaftig) bezeugt und die Ewige Glückseligkeit mit absoluter Gewissheit

und aus eigenem, persönlichen Erleben erfahren und Dschinnen und Menschen die frohe Kunde, dass es eine Ewige Glückseligkeit gibt, als Geschenk überbracht. Es ist eine gute Nachricht in den Ohren aller sterblichen (fani)Dschinnen und Menschen, die in sich die herzzerreißende Vorstellung nähren, dass sie und alles Sein und Leben hilflos in einer unbeständigen Welt, in einem Erdbeben mit Untergang und Trennung im Fluss der Zeit in seine Bestandteile (dherrat)zerfällt und dem Meer der ewigen Abwesenheit und Trennung entgegen fließt, es ist für sie eine so beglückende Botschaft so unaussprechlich wertvoll und glückbringend, dass es sich gar nicht beschreiben lässt.

Welch ein Grund der Freude ist es für einen Mann, dem seine Hinrichtung im Moment des Vollzuges erlassen und ein Schloss in der Nähe des Königs gegeben wird. Fasse nun alle diese Freuden der Dschinnen und Menschen zusammen, dann wirst du den Wert dieser frohen Botschaft ermessen können.

Vierte Frucht:

So empfing er denn die Schau der Schönheit Gottes wie eine reife Frucht. Und so wie er sie selber empfangen hatte, brachte er sie Menschen und Dschinnen als ein Geschenk, damit es für einen jeden Gläubigen möglich sein sollte, diese Frucht zu erlangen und du nun im folgenden vergleichen kannst, wie wohlschmeckend, köstlich und schön diese Frucht ist. Denn wer immer ein Herz hat, der liebt Menschen, die voll Schönheit, Vollkommenheit und Güte (ihsan)sind. Diese Liebe wächst im Grade dieser Schönheit, Vollkommenheit und Güte, bis sie den Grad der Verehrung erreicht und gipfelt schließlich darin, dass man für sie sein Leben, ja, sie auch nur ein einziges Mal schauen zu können, die ganze Welt zu opfern bereit ist. Und doch entspricht der Vergleich der Schönheit, Vollkommenheit und Güte allen Seins und Lebens mit Seiner Schönheit, Vollkommenheit und Güte, noch nicht einmal dem Verhältnis eines einzigen, winzigen kleinen Fünkleins mit der Sonne. Das aber heißt, wenn du in Wahrheit ein Mensch bist, so kannst du

verstehen, wie glückbringend und welch ein Grund der Freude und was für eine angenehme und schöne Frucht es ist, den Herrn, der Majestät und Vollkommenheit besitzt, der einer grenzenlosen Liebe und Begeisterung würdig ist und es verdient, immer und ewig in grenzenloser Glückseligkeit betrachten zu dürfen.

Fünfte Frucht:

Durch die Himmelfahrt wurde nun verständlich, dass der Mensch die kostbare Frucht des Kosmos und der verzärtelte Liebling des Schöpfers ist, und durch sie wurde jetzt diese (fünfte) Frucht zu den Dschinnen und Menschen gebracht. Durch diese Frucht steigt der Mensch, als ein kleines Geschöpf, ein schwaches Lebewesen mit einem ohnmächtigen Bewusstsein, zu einer so hohen Stellung (maqam)auf, dass ihm im Universum die stolze Stellung über allem verliehen wird, was da ist. Sie verleiht ihm eine so große Freude und Glückseligkeit, wie sie sich gar nicht beschreiben lässt. Denn: Sagt man einem einfachen Soldaten: "Du bist zum General ernannt.", wie sehr wird er sich doch darüber freuen! Wenn einem hilflosen Menschen aber, einem vergänglichen, ohnmächtigen Lebewesen, einem denkenden und sprechenden Tier, ständigen Schicksalsschlägen, wie Trennung und Verderben ausgesetzt, plötzlich gesagt wird, dass er in ein für ewig bleibendes und beständiges Paradies gelangen kann, in dem er durch das Erbarmen des Barmherzigen und freigiebigen Allerbarmers alle Wünsche seines Herzens befriedigen und in Gedankenschnelligkeit, in der Weite seines Geistes (ruh),im Fluss seines Verstandes, nach Herzenslust durch mulk(die Welt aus der Sicht der Menschen) und melekut(die Welt aus der Sicht der Engel) wandern und reisen und noch dazu in der ewigen Glückseligkeit zur Anschauung der Schönheit Gottes gelangen wird, dann kannst du dir vorstellen, was für eine tiefe und ernsthafte Freude und welchen Frohsinn ein Mensch, dem seine Menschlichkeit nicht verlorengegangen ist, in seinem Herzen verspüren wird.

Nun sagen wir zu der Person, die hier als Zuhörer anwesend ist: Nimm das Hemd deines Unglaubens, zerreiße es und wirf es weg! Lege das Ohr eines Gläubigen an und setze die Augen eines Muslims auf. Ich will dir durch zwei kleine Gleichnisse zeigen, wie wertvoll ein oder zwei von diesen Früchten sind.

Zum Beispiel:

Wir befinden uns zusammen mit dir in einem gewissen Land. Wir sehen, dass dort alles gegen uns und untereinander feindselig eingestellt und uns fremd ist. Überall liegen grauenerregende Leichname. Die Geräusche, die zu uns dringen, rühren vom Weinen der Waisen und Wehgeschrei der Unterdrückten. Ginge nun jemand, während wir uns noch in dieser Lage befinden, zum König dieses Landes und brächte uns eine gute Nachricht von ihm und durch diese gute Nachricht verwandelten sich diejenigen, die uns bisher fremd waren, in Freunde, und diejenigen, die uns wie Feinde vorkamen, nähmen die Gestalt von Geschwistern an. Und diese furchtbaren Leichname erschienen uns als Gottes Diener und Anbeter, die sich in Demut und Ehrfurcht verbeugen, Gottes gedenken und Ihn lobpreisen. Das Weinen der Waisen wird zu dem Ruf: "Er lebe hoch!" Raub, Mord, Totschlag und Plünderung werden zu Entlassungen. Wenn wir nun zu unserer eigenen Freude noch die Freude aller hinzufügten, dann kannst du sicherlich verstehen, wie glückbringend diese Botschaft ist.

So war es denn, dass man, bevor das Licht des Glaubens erschien, das eine Frucht der Himmelfahrt Ahmeds ist, mit dem Friede und Segen sei, dieses Universum und alles in ihm mit den Augen des Irrglaubens betrachtete. (Alle Wesen und Dinge) sahen fremd, bedrohlich, beunruhigend, furchterregend und schrecklich aus und die Silhouetten der Berge erinnerten an schreckliche Leichen. Die Todesstunde schlug jedem den Kopf ab und warf ihn in den Pfuhl der ewigen Vernichtung. Alle Stimmen waren wie das Wehgeschrei ob all der Trennung und dem Zerfall. Während aber irrige Vorstellungen es so darstellen, zeigt dir die Wahrheit der Glaubenspfeiler, die die Früchte der Himmelfahrt sind, alles Sein und Leben

als deine Geschwister, Freunde und als solche, die des majestätischen Schöpfers gedenken und Ihn lobpreisen, Tod und Untergang aber als eine Art Entlassung und Befreiung von der Pflicht (vazife),und die Stimmen als Lobpreisung. Willst du diese Wahrheit in ihrem vollständigen Zusammenhang erkennen, dann lies das "Zweite" und "Achte Wort".

Zweites Gleichnis:

Wir befinden uns miteinander an einem Ort wie der großen Sahara. Wir sind im Sturm in diesem Sandmeer. Die Nacht ist so dunkel, dass wir nicht die Hand vor Augen sehen können. Wir haben niemanden, sind ohne Schutz, haben Hunger und Durst, sind verzweifelt und hoffnungslos. Käme in diesem Moment plötzlich jemand, der diesen Vorhang aus Dunkelheit durchschritte und uns erreichen könnte und brächte uns ein Auto zum Geschenk und hieße uns einsteigen und brächte uns plötzlich an einen paradiesähnlichen Ort, wo unsere Zukunft gesichert ist, wo wir einen überaus barmherzigen Beschützer finden und für uns Essen und Getränke bereitgestellt sind, du könntest dir nicht vorstellen, wie sehr wir uns darüber freuen würden.

So gleicht jene große Wüste dem Antlitz der Erde. Jenes Sandmeer ist alles Sein und Leben und der armselige Mensch, der in diesen Wechselfällen durch die Bewegungen der Atome und im Fluss der Zeit hin und her geworfen werden. Jeder Mensch, dem die Sorge um die Zukunft im Herzen tobt, sieht sich mit den Augen des Irrglaubens in tiefster Finsternis. Er kennt niemanden, dem er seine Schreie vernehmbar machen kann. Er ist unendlich hungrig und unendlich durstig. Wenn nun aber diese Welt (dunya)(im Gleichklang) mit dem Wohlgefallen Gottes, welches die Frucht der Himmelfahrt ist, als Gästehaus eines überaus freigiebigen Herrn und die Menschen als seine Gäste, als seine Beamten verstanden wird und die Zukunft schön wie das Paradies, wohltuend wie die Barmherzigkeit und glänzend wie die ewige Glückseligkeit, dann kannst du auch verstehen, was für eine wundervolle, außerordentliche, süße Frucht dies ist.

Da sagt nun derjenige, der sich auf dem Platz (maqam)des Zuhörers befindet: Hunderttausend Mal Dank sei Gott dem Gerechten, dass ich mich von dem Unglauben gerettet habe und mich nun zur Einheit Gottes (tauhid)bekenne. Ich bin nun vollständig davon überzeugt und habe den vollendeten Glauben erlangt.

So sagen denn auch wir: Oh Bruder, wir gratulieren dir. Gott der Gerechte möge uns dahin führen, dass der Ehrenwerte Gesandte, mit dem Friede und Segen sei, für uns Fürsprache einlegt! Amin.

اَللّٰهُمَّ صَلِّ عَلٰى مَنِ انْشَقَّ بِاِشَارَتِهِ الْقَمَرُ وَنَبَعَ مِنْ اَصَابِعِهِ الْمَآءُ كَالْكَوْثَرِ صَاحِبِ الْمِعْرَاجِ وَمَا زَاغَ الْبَصَرُ سَيِّدِنَا مُحَمَّدٍ وَعَلٰٓى اٰلِهِ وَاَصْحَابِهِ اَجْمَعِينَ مِنْ اَوَّلِ الدُّنْيَاآ اِلٰٓى اٰخِرِ الْمَحْشَرِ ٭

سُبْحَانَكَ لاَعِلْمَ لَنَآ اِلاَّ مَاعَلَّمْتَنَآ اِنَّكَ اَنْتَ الْعَلِيمُ الْحَكِيمُ ٭ رَبَّنَا تَقَبَّلْ مِنَّآ اِنَّكَ اَنْتَ السَّمِيعُ الْعَلِيمُ ٭ رَبَّنَا لاَ تُؤَاخِذْنَآ اِنْ نَسِينَآ اَوْ اَخْطَاْنَا ٭ رَبَّنَا لاَ تُزِغْ قُلُوبَنَا بَعْدَ اِذْ هَدَيْتَنَا ٭ رَبَّنَآ اَتْمِمْ لَنَا نُورَنَا وَاغْفِرْلَنَآ اِنَّكَ عَلٰى كُلِّ شَىْءٍ قَدِيرٌ ٭ وَ اٰخِرُ دَعْوٰيهُمْ اَنِ الْحَمْدُ ِللَّهِ رَبِّ الْعَالَمِينَ

{"Oh Gott, segne den, auf dessen Zeichen hin sich der Mond spaltete, aus dessen Fingern Wasser wie Kauthar (: paradiesisches Wasser) floss, den Herrn der Himmelfahrt, dessen Auge nicht abschweifte, unseren Herrn Mohammed und seine ganze Familie und alle seine Gefährten vom Anbeginn der Welt bis zum Ende der großen Wiederversammlung. Gepriesen seist Du! Wir haben kein Wissen, außer dem, was Du uns gelehrt hast. Denn Du bist der Allwissende, der Allweise." "Unser Herr, nimm (unser Gebet) von uns an! Denn Du bist der Allhörende, der Allwissende." "Unser Herr, ziehe uns nicht zur Rechenschaft für das, was wir unwissend getan oder unterlassen haben!" "Unser Herr, lass unsere Herzen nicht wieder von der Wahrheit abschweifen, nachdem Du uns recht geleitet hast!" "Unser Herr, vollende uns das Licht und vergib uns! Denn Du bist aller Dinge mächtig." "Und so endet ihr Ruf: Lob und Preis sei Gott, dem Herrn der Welten!"}

Das Wunder der Spaltung des Mondes

Anhang zum Neunzehnten und Einunddreißigsten Wort

بِسْمِ اللَّهِ الرَّحْمَنِ الرَّحِيمِ ٭ اِقْتَرَبَتِ السَّاعَةُ وَانْشَقَّ الْقَمَرُ وَاِنْ يَرَوْا اٰيَةً يُعْرِضُوا وَيَقُولُوا سِحْرٌ مُسْتَمِرٌّ

{"Im Namen Allahs, des Erbarmers, des Barmherzigen. Genaht hat sich die Stunde und gespalten der Mond. Doch wenn sie ein Zeichen sehen, wenden sie sich ab und sagen: fortgesetzte Magie." (Sure 54, 1)}

Die Philosophen, die ein Wunder Ahmeds, mit dem Friede und Segen sei, wie die Spaltung des Mondes, das doch so strahlend ist wie der Mond, mit ihren schlimmen Zwangsvorstellungen gerne in eine Mondfinsternis verwandeln möchten, und ihre verständnislosen Nachahmer sagen: "Hätte sich die Spaltung des Mondes wirklich ereignet, wäre sie in der ganzen Welt bekannt geworden und die Geschichte der ganzen Menschheit müsste darüber berichten!"

Antwort:

Die Spaltung des Mondes wurde vor Menschen, die sich versammelt, seinen Anspruch ein Prophet zu sein vernommen hatten und ihn leugneten, plötzlich - inmitten in der Nacht, während der Zeit des Schlafens - vorgeführt, um zu beweisen, dass dieser Anspruch zu Recht bestand. Es gibt Gründe, die verhindern, ein solches Ereignis zu sehen, wie unterschiedliche Aufgangszeiten, Nebel oder Wolken. Zudem wurden die Wissenschaften damals nicht so allgemein, sondern mehr privat betrieben, sodass Himmelsbeobachtungen selten stattfanden. Es ist deshalb sicherlich nicht notwendig, dass dieses Ereignis von allen Völkern überall in der Welt beobachtet und berichtet wurde. Vernimm nun "Fünf Punkte" unter vielen Punkten, die die Wolken solcher Zwangsvorstellungen angesichts der Spaltung des Mondes zerstreuen sollen.

Erster Punkt:

Obwohl es zu damaliger Zeit eine allgemein bekannte geschichtliche Tatsache war, dass die Uneinsichtigen in jener Gegend in einem solchen Ausmaße starrköpfig waren, öffneten sie ihren Mund nicht, als der Weise Qur'an mit dem Ausdruck:

وَانْشَقَّ الْقَمَرُ

{"als der Mond gespalten wurde." (Sure 54, 1)}

diesen Vorfall aller Welt verkündete. Niemand unter den Uneinsichtigen, die den Qur'an verleugneten, widersprach diesem Vers, das heißt, niemand bestritt diesen Vorfall, über den diese Nachricht kam. Wenn in jener Zeit dieser Vorfall für die Uneinsichtigen nicht tatsächlich ein unbestreitbarer Vorfall gewesen wäre, würden sie dieses Wort zum Anlass genommen haben mit aller Macht dagegen zu protestieren und einen Angriff gegen den Propheten vorzutragen, um seinen Anspruch für nichtig zu erklären. Jedoch haben weder Siyernoch Tarih(die allgemeine Geschichte und die Geschichte des Propheten im besonderen) von Seiten der Uneinsichtigen hinsichtlich einer Nichtigkeitserklärung bezüglich dieses Vorfalles irgendetwas vorgetragen. Was die Geschichte berichtet, ist lediglich das, was auch die Ayah erklärt:

وَيَقُولُوا سِحْرٌ مُسْتَمِرٌّ

{"Und sie sagten, es ist fortgesetzte Magie." (Sure 54, 2)}

nämlich: Die Uneinsichtigen nannten es "Magie" und sagten "Er hat einen magischen Zauber für uns angewendet. Wenn Handels- und Reisekarawanen auch anderen Orts dieses Ereignis gesehen haben, ist es eine Tatsache. Anderenfalls ist es Magie.", sagten sie. Am anderen Morgen aber kamen Karawanen aus dem Jemen und anderen Gegenden und berichteten: "Wir haben einen solchen Vorfall bemerkt." Nun sagten die Uneinsichtigen über den Stolz des Universums (Fahr-i Alem),mit dem Friede und Segen sei -man möge mir verzeihen!-: "Nun hat Abu Talibs Waisenjunge seine Magie sogar auf den Himmel ausgedehnt."

Zweiter Punkt:

Die meisten großen Lehrer der Wahrheit wie Sa'd Taftazani haben gesagt: "Die Spaltung des Mondes ist allgemeine übereinstimmende Überlieferung (tevatur)wie die Versorgung einer ganzen Armee mit Wasser, Wasser, das seinen Fingern entströmte; der vertrocknete Baumstumpf, der bei der Trennung von Ahmed, mit dem Friede und Segen sei, weinte, weil dieser sich bis dahin an ihn gelehnt hatte, wenn er in der Moschee Freitagspredigt (hutbe)hielt; ein Klagen, das die ganze Gemeinde vernahm. Dieses Geschehnis wurde so durch eine große Gemeinde von Generation zu Generation weitergegeben, weshalb es absolut undenkbar wäre, dass ihre Übereinstimmung auf einer Lüge beruhen sollte. Es ist allgemeine übereinstimmende Überlieferung, wie die berühmte Erscheinung eines Kometen vor tausend Jahren, etwa dem Halleyschen Kometen vergleichbar. So wie das Vorhandensein der Insel Ceylon (Sri Lanka),die wir nicht gesehen haben, für uns in der Realität gegeben ist, so ist auch die Spaltung des Mondes für uns in der Realität gegeben." In einer so sicheren und gut bezeugten Angelegenheit noch Verdächtigungen und Zweifel hervorzubringen, ist Unverstand. Es genügt bereits, wenn sie nicht unmöglich ist. Denn die Spaltung des Mondes ist ebenso gut möglich, wie die Spaltung eines Berges durch einen Vulkanausbruch.

Dritter Punkt:

Wunder ereignen sich, um den Anspruch auf das Prophetentum zu beweisen und die Ungläubigen zu überzeugen, aber nicht, um sie zu zwingen. Dementsprechend ist es notwendig, ein Wunder in dem Maße zu zeigen, das klar genug ist, denjenigen, die vom Anspruch auf das Prophetentum gehört haben, dies auch zu beweisen. Es auch in anderen Gegenden zu zeigen, oder es so offensichtlich darzustellen, dass es zwingend wäre, wäre der Weisheit des Erhabenen Allweisen entgegengesetzt und im Gegensatz zum Sinn der Prüfung. Denn der Sinn der Prüfung macht es notwendig: "Dem Verstand eine Türe zu öffnen, ohne den Willen aus der

Hand zu nehmen." Hätte der Allweise Schöpfer die Spaltung des Mondes nach dem Geschmack der Philosophen ein, zwei Stunden bestehen lassen, um sie aller Welt vorzuführen, dann wäre sie in die Geschichte der Menschheit eingegangen, einem astronomischen Ereignis gleich gewesen und kein Beweis für den Anspruch des Prophetentums, keine Besonderheit der Botschaft Ahmeds, mit dem Friede und Segen sei. Oder es wäre dies in einem solchen Grade offensichtlich ein Wunder gewesen, dass es den Verstand bezwungen hätte; es hätte dem Verstand die Wahl aus der Hand genommen, wäre - wolle es oder nicht - eine Bestätigung für das Prophetentum gewesen. Männer von einem Geist wie Kohle - gleich Ebu Djehil - oder Diamant - gleich Abu Baqri as-Siddiq - wären einander gleich geblieben und der Sinn der Prüfung wäre verlorengegangen. Dies also ist der Grund dafür, dass die Plötzlichkeit des Vorfalls, die Nacht, die Zeit, in der viele schliefen, die Unterschiede in den Aufgangszeiten, Nebel, Wolken und dergleichen Hindernisse zu einem Vorhang wurden und der Vorfall nicht aller Welt gezeigt werden und somit nicht in die Weltgeschichte eingehen konnte...

Vierter Punkt:

Dieser Vorfall ereignete sich plötzlich in der Nacht, während viele schliefen, sodass er sicherlich nicht von allen gesehen werden konnte und hätten es einige Leute gesehen, so hätten sie ihren Augen nicht getraut. Und hätten sie ihnen getraut, wäre ein solcher - wenn auch sicherlich bedeutender Vorfall - von einem einzelnen berichtet, nicht zum festen Bestandteil der Weltgeschichte geworden.

In einigen Büchern ist der Zusatz: "Der Mond ist, nachdem er sich entzwei geteilt hatte, auf die Erde hinabgestiegen." von den Forschern abgelehnt worden. Man sagt: "Wahrscheinlich habe ein Heuchler dies hinzugefügt, in der Absicht, dieses strahlende Wunder in seinem Wert herabzumindern."

Außerdem war zum Beispiel damals in England und Spanien, den Ländern unter dem Nebel der Unwissenheit,

gerade Abend, in Amerika Mittag, in China und Japan Morgen. Sicherlich wurde dieser Vorfall auch anderen Orts wegen anderer Hinderungsgründe nicht gesehen.

Nun schau einmal an, was dieser gedankenlose Kritiker sagt: "Die Geschichte der Völker in England, China, Japan und Amerika erzählt nichts davon. Also hat es auch nichts dergleichen gegeben." Tausendmal verflucht seien solche Schmeichler der Europäer!...

Fünfter Punkt:

Die Spaltung des Mondes erfolgte nicht von selbst aus irgendwelchen Gründen, ist kein zufälliges, natürliches Ereignis, das mit den normalen Gesetzen der Natur erklärt werden kann. Vielmehr hat der Allweise Schöpfer der Sonne und des Mondes dieses Ereignis in wunderbarer Weise bewirkt, um den Anspruch Seines Propheten auf das Prophetentum zu bestätigen und zu erleuchten. Das Geheimnis der Führung und das Geheimnis der Prüfung und die Weisheit des Prophetentums erfordern, dass den Menschen, die von der Weisheit der (Gottes)herrschaft ausersehen wurden, ein Zeugnis gebracht werde, vor dem sie verstummen müssen. Für diejenigen Menschen überall in der Welt, für die es das Geheimnis der Weisheit nicht erforderte und nicht verlangte und die von dem Prophetentum noch gar nicht gehört hatten, gab es eine Reihe von Hinderungsgründen wie Nebel oder Wolken oder Unterschiede in den Auf- und Untergangszeiten des Mondes. So war in verschiedenen Ländern der Mond noch nicht aufgegangen, in anderen die Sonne noch nicht untergegangen, in einigen Ländern war es schon Morgen und in anderen noch nicht Abend, sodass den Menschen dort dieses Ereignis nicht gezeigt werden konnte. Hätte man dieses Ereignis ihnen allen zeigen wollen, hätte man es ihnen als ein Zeichen Ahmeds, mit dem Friede und Segen sei, und ein Wunder seines Prophetentums vor Augen führen müssen. In diesem Falle wäre seine Stellung als Gesandter ganz klar hervorgetreten und jeder hätte sie bestätigen müssen. Der Verstand hätte keine Wahl mehr gehabt. Was aber den Glauben betrifft, so wird er vom Verstand frei erwählt.

Damit wäre der Sinn der Prüfung verlorengegangen. Wäre aber dieses Ereignis als ein rein astronomisches gezeigt worden, dann wäre dadurch der Zusammenhang mit dem Prophetentum Ahmeds, mit dem Friede und Segen sei, zerstört worden, es wäre nicht mehr als eine Besonderheit von ihm geblieben.

Zusammenfassung:

An der Möglichkeit einer Spaltung des Mondes besteht kein Zweifel mehr. Sie wurde ganz klar bewiesen. Wir weisen jetzt auf sechs unter vielen Zeugnissen hin, welche diesen Vorfall beweisen. {(*): Es gibt nämlich unter einer sechsfachen Bestätigung für dieses Ereignis sechs Beweise. Diese Textstelle ist leider kurz gefasst worden, obwohl sie eine viel längere Behandlung erforderte.}

Es sind die folgenden:

Die Übereinstimmung der Sahabis (Gefährten des Propheten), Ehl-i Adalet {Ehl-i Adalet: Leute, die ein Unrecht niemals dulden.} über diesen Vorfall...

Die Übereinstimmung aller Mufessirin,{Müfessir: Qur'an- oder Hadithkommentator} Ehl-i Tahqiq,{Ehl-i Tahqiq: Leute, die nach den Quellen suchen.} über die Auslegung dieser Ayah وَانْشَقَّ الْقَمَرُ {"als der Mond gespalten wurde." (Sure 54, 1)} in Bezug auf dieses Ereignis...

Die Erzählungen aller Muhaddisin,{Muhaddisin: Kenner, Sammler und Kommentatoren der Hadithe.} Ehl-i Rivayet-i Sadiqa,{Ehl-i Rivayet-i Sadiqa: Kenner der Quellen und Wege der Hadithe} die zuverlässige Berichte mit sehr vielen Belegen aus verschiedenen Quellen besitzen. Das Zeugnis aller Heiligen und Gerechten, Ehl-i Keshf{Ehl-i Keschf: Heilige und Gerechte mit der besonderen Begabung einer hellsichtig, klaren geistigen Schau.} ve Ilham{Ehl-i Ilham: Leute, welche die Botschaft Gottes in ihren Herzen empfangen.}

(Diese fünf genannte "Ehli"zusammen mit den "Mufessirin und Muhaddisin"garantieren für die Echtheit des vorgefallenen Ereignisses. - A.d.Ü.)

Die Bestätigung der - von ihrer Berufung her einander sehr weit fernstehenden - Imame und der ozeangleichen Gelehrten der Wissenschaft des Wortes (: Qur'an).

Des Weiteren dient als unwiderlegbarer Beweis (: anhand von Aussagen in Qur'an und Hadith), dass die Gemeinde Mohammeds, mit dem Friede und Segen sei, niemals in einem Irrtum übereinstimmt, dieses Ereignis aber bestätigt und angenommen hat. Dies alles beweist sonnenklar die Spaltung des Mondes.

Zusammenfassung:

Das bisher gesagte diente der Untersuchung des Vorfalls und der Widerlegung von Einwänden. Die folgenden Sätze sollen der Wahrheit und dem Glauben dienen. Bis hierhin also das, was unsere Untersuchungen ergaben. Nun also das, was aus dieser Wahrheit folgt:

Die Auserwählung und die Mahbubiyet(: Stufe der Heiligkeit, auf welcher Allah den Menschen in den Rang Seines Geliebten erhebt) des Siegels im Rate der Propheten, welcher der strahlende Mond am Himmel der Gesandten (Gottes) ist, wurde den Bewohnern des Himmels und denen in den erhabenen Welten als ein Mensch gezeigt, der in seinem irdischen Körper durch die Himmel reiste. Diese seine Himmelfahrt ist das Wunder seiner Heiligkeit, welche in seiner dienenden Anbetung zum Ausdruck kommt, durch welche er sich zur Mahbubiyet erhebt. Damit beweist er seine Heiligkeit. In gleicher Weise wurde der Mond, gebunden an die Erde, aufgehängt im Himmel, auf das Zeichen eines Irdischen hin entzwei geteilt und so den Bewohnern der Erde durch das Prophetentum dieses irdischen ein solches Wunder gezeigt, dass die Persönlichkeit Ahmeds, mit dem Friede und Segen sei, sich gleich den ausgebreiteten leuchtenden Flügeln des Mondes auf den beiden leuchtenden Flügeln seines Prophetentums und seiner Heiligkeit gleich wie mit zwei strahlenden Schwingen zu den höchsten Höhen

der Vollkommenheit erhob und bis Qab-i Qauseyn gelangte, ein Stolz sowohl für die Bewohner der Himmel als auch für die Bewohner der Erde...

عَلَيْهِ وَعَلٰٓى اٰلِهِ الصَّلاَةُ وَالتَّسْلِيمَاتُ مِْلأَ اْلاَرْضِ وَالسَّمٰوَاتِ ٭ سُبْحَانَكَ لاَعِلْمَ لَنَآ اِلاَّ مَاعَلَّمْتَنَآ اِنَّكَ اَنْتَ الْعَلِيمُ الْحَكِيمُ

{"Ihm und seiner Familie eine Erde und einen Himmel voll Frieden und Geborgenheit!" "Gepriesen seist Du! Wir haben kein Wissen, außer dem, das Du uns gelehrt hast. Denn Du bist der Allwissende, der Allweise!" (Sure 2, 32)}

اَللّٰهُمَّ بِحَقِّ مَنِ انْشَقَّ الْقَمَرُ بِاِشَارَتِهِ اجْعَلْ قَلْبِى وَقُلوُبَ طَلَبَةِ رَسَآئِلِ النُّورِ الصَّادِقِينَ كَالْقَمَرِ فِى مُقَابَلَةِ شَمْسِ الْقُرْاٰنِ اٰمِينَ اٰمِينَ

{"Oh Gott! Um dessen willen, auf dessen Zeichen sich der Mond spaltete, mache mein Herz und die Herzen aller treuen Schüler der Risale-i Nur gleich dem Mond im Angesicht der Sonne des Qur'an. Amen. Amen."}

Zweiunddreißigstes Wort

Diese Abhandlung besteht aus drei Kapiteln.

Dies ist eine Abhandlung, wo der Achte Strahl des "Zweiundzwanzigsten Wortes" erklärt wird. Es ist ein Kommentar zur ersten "Zunge" von den fünfundzwanzig "Zungen", womit alles Sein in dieser Welt Zeugnis für die Einheit Gottes (Vahdaniyet)ablegt und worauf auch schon in der Abhandlung "Qatre"(Tropfen) hingewiesen worden ist. Es ist ein Aspekt der Wahrheit, die hier in das Gewand eines Gleichnisses gehüllt wurde, unter vielen möglichen anderen Aspekten der Ayah

لَوْ كَانَ فِيهِمَآ اٰلِهَةٌ اِلاَّ اللَّهُ لَفَسَدَتَا

{"Wenn es in beiden (Himmel und Erde) außer Gott (Allah) noch Götter (alihat) gäbe, wären sie ja dem Unheil (preisgegeben)." (Sure 21, 22)}

Erstes Kapitel

بِسْمِ اللَّهِ الرَّحْمَنِ الرَّحِيمِ ٭ لَوْ كَانَ فِيهِمَآ اٰلِهَةٌ اِلاَّ اللَّهُ لَفَسَدَتَا ٭ لآَ اِلٰهَ اِلاَّ اللَّهُ وَحْدَهُ لاَ شَرِيكَ لَهُ لَهُ الْمُلْكُ وَلَهُ الْحَمْدُ يُحْيِى وَيُمِيتُ وَهُوَ حَىٌّ لاَ يَمُوتُ بِيَدِهِ الْخَيْرُ وَهُوَ عَلٰى كُلِّ شَىْءٍ قَدِيرٌ وَاِلَيْهِ الْمَصِيرُ

{"Im Namen Gottes, des Erbarmens, des Barmherzigen." "Wenn es in beiden (Himmel und Erde) außer Gott noch Götter gäbe, wären sie ja dem Unheil (preisgegeben)." (Sure 21, 22) "Es gibt keinen Gott außer Allah, dem Einzigen. Er hat keinen Partner. Ihm gebührt die Herrschaft und der Dank. Er schenkt das Leben und den Tod. Er ist das Leben, das nicht stirbt. In Seiner Hand ruht das Gute. Er ist aller Dinge mächtig und zu Ihm ist unsere Heimkehr." (Hadith)}

Einmal in einer Nacht im Ramadan hatte ich gesagt, dass jeder dieser elf Sätze über das Wort der Einheit Gottes (Tauhid)eine Stufe Seiner Einheit und eine Botschaft enthält, und von diesen Stufen nur die Bedeutung von لاَ شَرِيكَ لَهُ {"Er hat keinen Partner."} dem Verständnis der einfachen Leute entsprechend in einer Art Streitgespräch, in Form eines gespielten Dialogs, von der Sprache der Zeichen und Gebärden in Worte umgesetzt. Auf Wunsch und Bitte meiner ehrenwerten Brüder, die mir dienen, und der Freunde aus unserer kleinen Moschee schreibe ich dieses Gespräch nieder. Es ist wie folgt:

Stellvertretend für alle Götzen, die es in der Einbildung ihrer Diener, der Ungläubigen und Irrgläubigen aller Art, der Anbeter der Natur und ihrer Ursachen und aller Heiden gibt, stellen wir uns eine Person vor, die über irgendwelche Dinge dieser Welt Herr sein will und Anspruch erhebt, ihr wahrer Besitzer zu sein.

So trifft also derjenige, welcher diesen Anspruch erhebt (der Prätendent), zunächst einmal das Atom, welches das kleinste unter diesen Dingen ist. In der Sprache des Naturalismus und der Wissenschaft sagt er ihm, dass er sein Herr und wahrer Besitzer sei. Das Atom aber antwortet ihm in der Sprache der Wahrheit und mit dem Mund der Weisheit seines Herrn: "Ich versehe zahllose Aufgaben. Ich trete in jedes der verschiedensten Kunstwerke ein. Wenn du Wissen und Macht hast, mich zu veranlassen, alle diese Aufgaben zu verrichten;... darüber hinaus bewegen sich zahl- und grenzenlos viele Atome gleich mir, sind untereinander und miteinander tätig;

{(*): So wie alle Dinge, die sich bewegen, angefangen von den Atomen bis hin zu den Planeten, durch das Siegel des Einzigartigen (sikke-i samediyet), das sie tragen, in der Tat die Einheit (Vahdet) zeigen, genauso besetzen sie auch im Namen dieser Einheit durch ihre Bewegungen alle Orte, die sie bereisen. Sie nehmen sie für ihren Eigentümer in Besitz. Was die Kunstwerke betrifft, die sich nicht bewegen, so gelten sie angefangen von den Pflanzen bis hin zu den Fixsternen als Stempel der Einheit und zeigen, dass der Platz, an dem sie sich befinden, ein Brief ihres Meisters ist.

Kurzum:

Jedes Ding besitzt alle Dinge durch seine Bewegungen im Namen der Einheit. Das heißt also, dass derjenige, der nicht alle Sterne in den Händen hält, auch nicht Herr über ein einziges Atom sein kann.}

wenn du Herrschaft und Macht hast,

alle Atome gleich mir in deinen Dienst und unter deinen Befehl zu stellen; wenn du des Weiteren der wahre Eigentümer aller Dinge, in deren vollkommener Ordnung ich ein Teilchen bin, wie z.B. ein rotes Blutkörperchen, sein Lenker und sein Leiter sein kannst, dann kannst du den Anspruch erheben, auch mein Herr zu sein. Dann kannst du mich einem anderen außer Gott dem Gerechten für verbunden halten. Anderenfalls schweige! Wie du über mich nicht Herr sein kannst, so kannst du dich auch nicht mit meinen Aufgaben beschäftigen. Denn in unseren Tätigkeiten und in unseren Bewegungen herrscht eine so vollkommene Ordnung, dass niemand, der nicht ein Herr von grenzenloser Weisheit und umfassendem Wissen ist, seine Hände in unseren Aufgaben haben darf. Mischt er sich ein, bringt er alles durcheinander. Denn jemand, ohnmächtig, leblos und blind wie du, dessen Hände in den Händen zweier Blinder, dem Zufall und der Natur, liegen, kann uns auf gar keine Weise mit einem Finger anrühren."

Da sagte der Prätendent wie die Materialisten sagen: "Wenn das so ist, dann sei du also dein eigener Herr! Warum sagst du denn, dass du im Auftrag eines anderen arbeitest?" Das Atom erwiderte ihm: "Hätte ich einen Verstand gleich der Sonne, eine umfangreiche Kenntnis wie Sonnenlicht, eine umfassende Macht wie Sonnenenergie, alles umspannende Sinne gleich den sieben Farben des Regenbogens, Gesichter, die nach den Orten ausgerichtet sind, die ich bereise und nach den Dingen,

in denen ich tätig bin, Augen, die sie betrachten und könnte ein Machtwort sprechen, dann könnte ich vielleicht die gleiche Dummheit begehen wie du und behaupten, ich sei Herr über mich selbst. Auf, mach dich davon! Du kannst dir von mir keine Mitarbeit erwarten!"

Nachdem also der Advokat der Götzen nichts mehr von dem Atom zu erhoffen hatte, traf er im Blut einen Erythrozyten, weil er von diesem roten Blutkörperchen eine Mitarbeit erwartete. Er sprach zu ihm im Namen der Ursachen und des Naturalismus und in der Sprache der Wissenschaftler: "Ich bin dein Herr und dein Besitzer." Dieses rote Blutkörperchen, ein kugelförmiges rotes Ding, sagt ihm in der Sprache der Wahrheit und mit der Zunge der Göttlichen Weisheit: "Ich bin nicht alleine. Wenn du in der Armee des Blutes, in der wir alle das selbe Siegel, das selbe Amt und die selben Vorschriften haben, Herr über mich und alle meines Gleichen sein kannst und wenn du über eine feinsinnige Weisheit und über eine gewaltig große Macht verfügst, um alle Zellen des Körpers, den wir bereisen und in dessen Dienst wir in vollkommener Weisheit stehen, zu beherrschen, dann zeig uns das und wenn du uns das tatsächlich zeigen kannst, dann könnte deine Behauptung vielleicht einen Sinn haben. Statt dessen kann ein Verblendeter wie du, in der Hand einer tauben Natur und einer blinden Kraft, nicht einmal über mich Herr sein, ja mir noch nicht einmal um ein Stäubchen nahe kommen. Denn die Wohlordnung ist bei uns so vollkommen, dass nur derjenige, der alles sieht, hört, kennt und tut, uns beherrschen kann. Darum schweige! Mein Dienst ist so wichtig und die Wohlordnung ist so vollkommen, dass ich keine Zeit habe, um mich mit dir zu beschäftigen und deine wirren Worte zu beantworten." So sagt es und jagt ihn davon. Da geht der Prätendent weg, da er es nicht überzeugen konnte.

Er trifft die kleine Wohnstatt, die im Körper "Zelle" genannt wird. Er sagt ihr in der Sprache der Wissenschaften und des Naturalismus: "Ich konnte das Atom und das rote Blutkörperchen nicht dazu bringen, meinen Worten zuzustimmen;

aber vielleicht magst du ja meine Worte verstehen. Denn du bist wie eine ganz kleine Wohnung und aus verschiedenen Dingen zusammengesetzt. Daher kann ich dich machen. Du sollst mir mein Werk und mein wahrer Besitz sein.", sagt er zu ihr.

Die Zelle gibt ihm in der Sprache der Weisheit und Wahrheit zurAntwort:Ich bin zwar nur ein kleines Ding. Aber ich habe sehr große Aufgaben, sehr feine Beziehungen und Verbindungen mit allen Zellen des Körpers und dem ganzen Organismus.

Zum Beispiel:

Ich habe tiefe und vollkommene Aufgaben gegenüber den Venen und Arterien, Nerven und Muskeln, gegenüber den anziehenden und abwehrenden, hervorbringenden und formenden Sinnen. Hast du Macht und Wissen, um den ganzen Körper, alle Adern, Nerven und Sinnesorgane zu bilden, zu ordnen und in den Dienst zu stellen? und hast du eine Macht, die einzudringen vermag? und Weisheit, die umfassend ist, um über alle Körperzellen zu verfügen, die mir gleichen, und mir hinsichtlich der Kunstfertigkeit, der Gestaltung und der Qualität Geschwister sind, dann zeige sie uns, dann kannst du behaupten, dass du mich machen kannst. Sonst auf, mach dich davon! Die roten Blutkörperchen bringen mir Versorgung. Die weißen Blutkörperchen verteidigen mich vor den angreifenden Krankheiten. Ich habe meine Arbeit, halte mich also nicht auf. Darüber hinaus kann einer, schwach, taub, blind und leblos wie du, keineswegs versuchen, sich in unsere Aufgaben einzumischen. Denn bei uns herrscht eine so feine, empfindliche und vollkommene Ordnung, dass unsere Ordnung zu Grunde geht, unser System durcheinander gerät, wenn derjenige, der über uns herrscht, nicht absolut weise, nicht absolut allmächtig und nicht absolut allwissend ist.

{(*): Der allweise Schöpfer erschuf den menschlichen Organismus gleich einer überaus wohlgeordneten Stadt. Ein Teil der Nerven hat die Funktion von Telegrammen und Telefonen. Die Adern gleichen Leitungsrohren, die den Fluss des Blutes ermöglichen, das dem Wasser des Lebens gleicht. Was das Blut betrifft, so sind darin zwei Arten kugelförmiger Körperchen gebildet. Ein Teil von ihnen wird als rote Kügelchen bezeichnet. Sie verteilen Nahrung an die Zellen des Körpers und bringen nach göttlichem Gesetz Versorgung zu den Zellen (gleich den Kaufleuten und den Versorgungsbeamten). Der andere Teil sind die weißen Kügelchen. Sie sind im Verhältnis zu den Anderen in der Minderheit. Ihre Aufgaben bestehen gleich der von Soldaten in der Verteidigung gegen die Feinde, wie z.B. die Krankheiten. Wenn sie sich zur Verteidigung rüsten, stellen sie sich erstaunlich schnell zu Formationen in zwei kreisenden Bewegungen gleich Mevlevi Dervishen auf. Was das Blut als Ganzes betrifft, so hat es zwei umfassende Aufgaben. Eine davon besteht darin, die zerstörten Zellen zu reparieren. Die andere ist, den Abfall der Zellen zu sammeln und den Körper von ihm zu reinigen. Es gibt zweierlei Adern, die Arterien und Venen heißen. Die einen bringen und verteilen sauberes Blut. Sie sind die Leitungen des sauberen Blutes. Die anderen sind die Leitungen des trüben Blutes, das den Abfall sammelt. Diese zweite Leitung bringt das Blut zu der Stelle die "Lunge" genannt wird, wo die Atmung geschieht. Der allweise Schöpfer erschuf zwei Dinge, die in der Luft enthalten sind. Das eine ist der Stickstoff, das andere ist der Sauerstoff. Was den Sauerstoff anbetrifft, der durch das Einatmen das Blut berührt, so zieht er den Schmutz des Blutes, den Kohlenstoff, der eine dichte Masse ist, wie ein Bernstein zu sich an. Die beiden verbinden sich. Es verwandelt sich in das gasförmige Kohlendioxyd (eine giftige Luft). Gleichzeitig entsteht dadurch die natureigene Wärme und dabei wird auch das Blut gereinigt. Denn der allweise Schöpfer gab dem Sauerstoff und dem Kohlenstoff, deren Verbindung in der Alchemie auch die chemische Hochzeit genannt wird, eine starke Affinität. Wenn diese beiden Stoffe einander nahe kommen, verbinden sich diese beiden Stoffe dem bekannten Gesetz Gottes entsprechend, sodass bei dieser Verbindung Wärme entsteht, wie wissenschaftlich feststeht. Denn diese Verbindung ist ein Verbrennungsvorgang. Der Sinn dieses Geheimnisses ist folgender: Die Atome jedes dieser Stoffe haben ihre eigenen Bewegungen. In der Zeit ihrer Verbindung verbinden sich die Atome von beiden, d.h. ein Atom des einen mit dem Atom des anderen, und bewegen sich dann gemeinsam in gleicher Bewegung. Somit entfällt also eine der beiden Bewegungen. Denn vor der Verbindung waren zwei Bewegungen da. Nun aber haben sich zwei Atome (zu einem Molekül) miteinander verbunden. Beide Atome finden sich in einer einzigen Bewegung, so als wären sie nur ein Atom. Die andere Bewegung verwandelt sich einem Gesetz des allweisen Schöpfers entsprechend in Wärme. Es ist ja ein feststehendes Gesetz, dass die Bewegung Wärme zu Stande bringt. Aufgrund dieses Geheimnisses wird die natureigene Wärme im menschlichen Körper durch diese chemische Verbindung herbeigeführt, wobei auch das Blut sauber wird, weil der Kohlenstoff aus dem Blut entfernt wird. Wenn der Atem eintritt, reinigt er sowohl das Lebenswasser des Körpers, und speist auch das Lebensfeuer. Wenn er austritt, bringt er im Mund Früchte in Form von Worten hervor, welche Wunder der Macht Gottes sind.

فَسُبْحَانَ مَنْ تََحَيَّرَ فِي صُنْعِهِ الْعُقُولُ

("Gepriesen sei der, der den Verstand durch Seine Werke in Erstaunen versetzt.")}

Daraufhin wurde der Prätendent, auch über (die Zelle) verzweifelt. Er begegnete dem menschlichen Leib. Er sagte in der Sprache der blinden Natur und der verblendeten Wissenschaft so wie das die Naturalisten sagen:

"Du gehörst mir. Ich bin derjenige, der dich gemacht hat. Und ich habe Anspruch auf dich."

In der Sprache der Wahrheit und der Weisheit und mit dem Ausdruck seiner Wohlgeordnetheit gibt dieser Menschenkörper zurAntwort:"Wenn du Macht und Wissen besitzt,

um die Körper aller Menschen wahrhaft zu lenken und zu leiten, die mir gleichen und mit denen ich die gleiche Prägung der Macht und das gleiche Siegel der Erschaffung auf meinem Antlitz trage, und wenn du Reichtum und Herrschaft hast, um über die Speicher meiner Versorgung, angefangen beim Wasser, über die Luft bis hin zu Pflanzen und Tieren, zu verfügen; und wenn du eine grenzenlose Macht und eine unendliche Weisheit hast, um die geistigen Feinheiten wie Seele, Gemüt und Verstand, die überaus hoch und erhaben

sind, und denen ich als eine Hülle diene, in einem engen und gewöhnlichen Behälter, wie ich es bin, hinein zu packen und sie in vollkommener Weisheit in den Dienst zu stellen und Gott anbeten zu lassen, dann zeige uns das und dann sage: "Ich habe dich geschaffen." Anderenfalls schweig! Außerdem ist derjenige, der mich gemacht hat, durch das Zeugnis der vollkommenen Wohlordnung in mir und durch den Beweis des Siegels der Einheit auf meinem Antlitz derjenige, der aller Dinge mächtig ist, alles weiß, alles sieht und alles hört. Einer, der so verblendet und so ohnmächtig ist wie du, kann an Seinen Kunstwerken keinen Anteil nehmen. Er kann noch nicht einmal so viel Einfluss ausüben wie auch nur ein Stäubchen."

Der Anwalt dieser Abgötter konnte auch im Körper nirgends einen Platz finden, um seinen Einfluss geltend machen zu können und ging davon. Nun stieß er auf die Menschheit (als ganzes) und sagte zu sich selbst: "Wie sich der Teufel in die Handlungen des Einzelnen und der Gemeinschaft einmischt, so kann vielleicht auch ich in dieser innerlich wie äußerlich so zersplitterten Gemeinschaft einen Platz finden, wo ich mich an ihrem Existenzkampf und ihrem alltäglichen Leben beteiligen und darin einmischen kann. Und da kann ich dann einen Platz für mich finden und meinen Einfluss auf den Körper und seine Zellen, die mich vertrieben hatten, ausüben." So sprach er zu der Menschheit wieder mit dem Mund der tauben Natur und in seiner verblendeten Philosophie:

"Ihr gleicht einem völligen Wirrwarr. Ich bin euer Herr und Eigentümer, oder habe doch einen Anspruch auf euch." Darauf erwiderte die Menschheit mit der Zunge von Recht und Wahrheit und in der Sprache der Weisheit und Wohlordnung:

"Wenn du genug Macht und Weisheit hast, um das Gewand, mit dem das ganze Erdenrund bekleidet ist, das Hemd, das aus vielen hunderttausend Gattungen von Pflanzen und Tieren besteht und das, gleich unserer eigenen Gattung, aus sehr vielen bunten Fäden in

vollkommener Weisheit gewebt und geschneidert ist, und das Kleid, das über das Antlitz der Erde ausgebreitet und aus hunderttausend Lebewesen gleichsam gewebt und überaus kunstvoll erschaffen ist, selber herzustellen und es jeder Zeit in vollkommener Weisheit wieder zu erneuern; und wenn du außerdem umfassende Macht und eine alles umfassende Weisheit hast, über das Erdenrund, dessen Frucht wir sind, und über die Welt, deren Kern wir sind, zu verfügen und alle Dinge, die wir zum Leben brauchen, ausgewogen und voll Weisheit von den Enden der Erde zu uns zu senden; und wenn du das Vermögen hast, alle unsere vergangenen und kommenden Generationen, mit denen wir gemeinsam das selbe Siegel der Macht tragen, ins Dasein zu rufen, dann kannst du vielleicht Anspruch auf Herrschaft über uns erheben. Anderenfalls aber, schweige! Während du den Wirrwarr in meiner (menschlichen) Gattung betrachtest, sage nicht: "Ich kann mich hier doch einmischen." Denn die Ordnung ist vollkommen. Denn dieser Zustand, der dir wie Wirrwarr erscheint, ist in Wirklichkeit eine perfekte Kopie göttlichen Vorherwissens (Qader).Denn die vollkommene Wohlordnung aller Pflanzen und Tiere, die doch (entsprechend der Schöpfungsgeschichte) noch weit unter uns und unter unserer Aufsicht stehen, zeigt, dass das, was uns wie Wirrwarr (erscheint), (in Wirklichkeit) eine Art Abschrift ist.

Ja wäre es denn überhaupt möglich, dass derjenige, der die Webfäden, die so schön gleichmäßig über das ganze Kleid verteilt sind, auf so kunstvolle Weise darin befestigt, ein anderer sein könnte, als der Meister dieses Kleides selbst? Könnte derjenige, der eine Frucht wachsen lässt, ein anderer sein als derjenige, der den ganzen Baum wachsen ließ? Könnte derjenige, der einen Kern erschafft, ein anderer sein als der, welcher die Frucht erschuf, in der dieser Kern ruht?

So ist also dein Auge blind. Du siehst nicht an mir (der Menschheit) die Wunderwerke der Macht (Gottes) und erkennst nicht die Wunder unseres (der einzelnen Menschen) Wesens.

Könntest du sie sehen, so müsstest du erkennen, dass derjenige, der mich erschaffen hat, so ein Herr ist, dass nichts vor Ihm verborgen bleiben kann, dem niemand etwas zu verweigern und zu erschweren wagt. Sterne gelingen Ihm gleich mühelos wie Atome. Einen Frühling bringt er so leicht wie eine Blume ins Dasein. Er ist der Herr, der mir das Inhaltsverzeichnis des riesigen Kosmos in vollkommener Ordnung eingegeben hat. Kann einer, der so starr, ohnmächtig, blind und taub ist, wie du es bist, an Seinen Kunstwerken Anteil nehmen? Daher also, schweig! Geh nun und mach dich davon!" So sagt sie zu ihm und jagt ihn davon.

Danach geht der Prätendent zu dem weiten Gewand, das über die Erde ausgebreitet ist, diesem so schön geschmückten und verzierten Kleid, das die Erde trägt, und sagt zu ihm im Namen der Ursachen, mit dem Mund der Natur und der Sprache der Philosophie: "Ich kann über dich verfügen, ich bin dein Herr und Besitzer." So sagt und behauptet er. Daraufhin sagt dieses Gewand,

{(*): Dieses Kleid ist jedoch sowohl lebendig, als auch in genau geregelten Abständen auswechselbar. Jederzeit verändern sich seine Ornamente in vollkommener Weisheit und Wohlgeordnetheit, um mit den verschiedenen Erscheinungen die Namen ihres Designers in vielfältiger Weise zu zeigen.}

dieses Kleid im Namen von Recht und Wahrheit, mit der Zunge der Weisheit zu dem Prätendenten:

"Wenn du soviel Macht hast und Kunstfertigkeit besitzt, alle diese Kleider zu weben und zu Stande zu bringen, die so viele Male, wie es Jahre und Jahrhunderte gibt, der Erde angezogen und in bester Ordnung wieder ausgezogen und auf die Leine der Vergangenheit gehängt werden, und für sie die frischen Programme und Muster herstellen kannst, die in vollkommener Ordnung im Rahmen des Vorherwissens Gottes gezeichnet und festgelegt und auf die Leine der Zukunft gehängt werden und die so wohlgeordnet und voll Weisheit sind und voneinander verschiedene Verzierungen haben; und wenn du

gleichsam über zwei unsichtbare Hände verfügst, voll Weisheit und Macht, die von der Erschaffung der Erde bis zu ihrer Zerstörung, ja sogar von Ewigkeit bis zur Ewigkeit zu reichen vermögen; und wenn du eine Macht und Weisheit besitzt, alle meine Fäden zu verspinnen und zu verweben und so alles in vollkommener Ordnung und Weisheit zu Stande zu bringen, zu reparieren und neu wieder herzustellen; und wenn du die Erdkugel, die uns als Modell dient und sich mit uns bekleidet und uns als ihren Schleier für sich verwendet, in deinen Händen hältst und ihr Schöpfer sein kannst, dann erhebe einen Anspruch auf die Herrschaft über mich. Anderenfalls, auf und raus mit dir! Auf dieser Erde kannst du keinen Platz für dich finden! Des Weiteren tragen wir das Siegel der Einheit (Vahdet)und Einzigartigkeit (Ahadiyet),in der Weise, dass einer, der nicht auch die Verfügungsgewalt über den ganzen Kosmos hat, der nicht alle Angelegenheiten in all ihren Zusammenhängen gleichzeitig sieht und all die zahllosen Arbeiten nicht zu gleicher Zeit tun kann, der nicht immer und überall anwesend sein kann, der nicht frei und ungebunden ist, und der kein Herr ist, begabt mit grenzenloser Weisheit, Wissen und Macht, unser Herr nicht sein und keinen Einfluss auf unsere Angelegenheiten ausüben kann."

{(Zusammenfassung): Das Atom verwies ihn zu dem roten Blutkörperchen. Das rote Blutkörperchen verwies ihn zu der Zelle, die Zelle zu dem Menschenkörper, der Menschenkörper zu der Menschengattung, die Menschengattung verwies ihn aber zu dem aus den Arten der Lebewesen gewebten Kleid der Erde, das Kleid der Erde aber zu der Erdkugel, die Erdkugel zu der Sonne, die Sonne verwies ihn aber zu den Sternen. Jeder sagte: "Geh, wenn du den, der über mir steht, beherrschen kannst, dann komm und versuche mich zu beherrschen. Wenn du ihn nicht niederwerfen kannst, kannst du mich nicht in die Hand bekommen." Das heißt, dass derjenige, der nicht seine Worte allen Sternen gegenüber geltend machen kann, nicht in der Lage ist, seine Herrschaft auch nur einem einzigen Atom gegenüber geltend zu machen.}

Dann geht der Prätendent weg und sagt: "Vielleicht kann ich die Erdkugel überreden und dort einen Platz finden." Er geht zu der Erdkugel und sagt ihr wieder im Namen der Ursachen und mit dem Mund der Natur: "So wie du dich da herum treibst, zeigst du mir, dass du herrenlos bist. Wenn das so ist, könntest du mir gehören." Daraufhin erwidert ihm die Erdkugel mit Donnerstimme im Namen des Rechtes und mit dem Mund der Wahrheit:

"Rede nicht so albern daher. Wie kann ich denn ein herrenloser Vagabund sein? Findest du etwa auf meinem Kleid auch nur ein Pünktchen oder einen Faden in meinem Kleid außer Ordnung geraten, oder scheint es dir ohne Weisheit und ohne Kunstfertigkeit, sodass du mich herrenlos und einen Herumtreiber schiltst.

Wenn du der wahre Besitzer jenes gewaltig großen Zirkels bist, den ich in einem Jahre umkreise, eine Strecke von etwa Fünfundzwanzigtausend Jahren Fußmarsch

{(*): Wenn eine Kreisbahn etwa hundertachtzig Millionen Kilometer Radius hat, dann entspricht die Erdumlaufbahn einer Strecke von etwa Fünfundzwanzigtausend Jahren Fußmarsch.}

in einem Jahr und in vollkommener Wohlausgewogenheit und Weisheit meinen Dienst und meine Aufgabe versehe, und wenn du eine unendliche Weisheit und grenzenlose Macht hast, die zehn Planeten, die meine Geschwister sind und wie ich in dienstlichem Auftrag stehen, und die alle in ihren Bahnen kreisen, und die Sonne, die unser Vorsteher (Imam)ist und mit der wir verbunden sind, zu erschaffen, an ihren Platz zu stellen und mich und die anderen Planeten mit ihr zu verbinden und in vollkommener Ordnung und Weisheit wie einen Kieselstein (im Kreis herum) zu schleudern und in Dienst zu nehmen, dann kannst du einen Anspruch auf Herrschaft über mich erheben. Anderenfalls auf! und fahre zur Hölle! Und fort mit dir! Ich habe zu tun! Ich gehe zum Dienst! Majestätische Ordnung, (Sternen)Bewegungen von überwältigenden Ausmaßen und die weisheitsvolle Führung auf ihren Bahnen zeigen, dass unser Baumeister ein Herr ist,

dem das ganze Sein, angefangen von den Atomen bis hin zu den Sternen und den Sonnen, gleich dienstbereiten Soldaten Gehorsam leistet. Er ist der majestätische Allweise und absolute Herrscher, der, mit der gleichen Leichtigkeit, mit der Er die Früchte an einem Baum ordnet und ihn damit verziert, auch die Planeten um die Sonne ordnet."

Dann geht der Prätendent zur Sonne. Da spricht er in seinem Herzen: "Dies ist ein riesengroßes Objekt. Vielleicht finde ich in ihm irgendeine Öffnung, durch die ich mir einen Weg bahnen kann. Dann kann ich auch die Erde in meinen Dienst stellen." Er sagt der Sonne im Namen der Abgötterei und mit der Zunge der teuflisch gewordenen Philosophie so, wie die Parsen sagen: "Du bist eine Königin. Du bist die Herrin deiner Selbst. Was du willst, das tust du." Die Sonne aber sagt ihm im Namen des Rechts, mit dem Mund der Wahrheit und in der Sprache der Weisheit Gottes: "Gott bewahre, hunderttausendmal möge mich Gott davor bewahren, keineswegs! Ich bin ein im Dienst stehender, gehorsamer Beamter. Ich bin im Gasthaus meines Herrn der Oberkerzenmeister. Ich kann nicht Herr einer Mücke, ja noch nicht einmal über den Flügel einer Mücke sein. Denn im Körper einer Mücke gibt es solch unsichtbare Schätze und seltsame Kunstwerke, wie Augen und Ohren, die in meinem Geschäftsbereich nicht erhältlich sind. Sie liegen außerhalb des Bereiches, über den ich verfügen kann." So sagt sie und tadelt den Prätendenten.

Da wendet sich der Prätendent um und sagt wiederum mit der Zunge seiner pharaonengleichen Philosophie: "Da du nun einmal nicht dein eigener Herr und Meister bist, sondern nur ein Diener, darum gehörst du im Namen der Ursachen mir." Es erwidert ihm die Sonne im Namen von Recht und Wahrheit und in der Sprache dienender Anbetung: "Ich kann nur einem solchen Herrn gehören, der mich und meinesgleichen und all die hohen Sterne erschuf, ihnen an Seinem Himmel in vollkommener Weisheit ihren Platz angewiesen hat, sie als vollendet schöne Schmuckstücke in majestätischer Pracht ihre Bahnen ziehen lässt."

Da sagt der Prätendent in seinem Herzen: "Die Sterne erscheinen mir in Haufen und Spiralnebeln, wie chaotisch über den ganzen Himmel verteilt. Vielleicht kann ich bei ihnen etwas für meine Mandanten (und in deren Namen) gewinnen." So sagt er sich und tritt unter sie. Er sagt ihnen im Namen der Ursachen, im Auftrag seiner Götzen und in der Sprache der gegen Gott rebellierenden Philosophie und so wie die Sternenanbeter sagen: "Da ihr so weit verstreut seid, steht ihr unter der Herrschaft verschiedener Herrscher." Daraufhin sagt ein Stern anstelle aller Sterne:

"Wie verblendet, wie so ohne Verstand und so töricht bist du und hast gar keine Augen, sodass du das Siegel der Einheit und die Prägung der Einzigartigkeit auf unserem Antlitz nicht siehst und nicht wahrnimmst. Du kennst unsere Hohe Ordnung (nizam)und die Gesetze und Vorschriften unseres Dienstes nicht. Du denkst so, als seien wir ein ungeordneter Haufe. Doch wir sind Kunstwerke und Diener eines Herrn, der Ein-Einziger (Vahid-i Ahad)ist, und der über die Himmel, die für uns den Meeren gleich sind, und den Kosmos, der uns wie ein Baum ist (an dem wir die Früchte sind), und das Weltall, in dem wir uns ergehen, die Verfügungsgewalt hat. Wir sind wie die Lichter einer Flotte, leuchtende Zeugnisse für die Vollkommenheit Seiner Herrschaft. Wir sind lichtvolle Beweise und Bekanntmachungen Seiner königlichen Herrschaft. Jede unserer Gruppen ist ein Diener des Lichtes, der auf dem Territorium Seines Königreiches in den erhabenen, niederen, weltlichen, nachweltlichen und jenseitigen Wohnstätten die Pracht Seines Königreiches zeigt und sein Licht in sie hinein trägt.

In der Tat ist jeder von uns ein Wunder der Macht des Einen und Einzigartigen (Vahid-i Ahad),jeder eine wohlgeordnete Frucht am Baum der Schöpfung, jeder ein lichtausstrahlender Beweis der Gegenwart (Vahdaniyet),jeder eine Wohnstatt, jeder ein Flugzeug und jeder ein Gebetsraum der Engel, jeder eine Lampe,

jeder eine Sonne der hohen Welten, jeder ein Zeuge für das Königreich der Herrschaft (Gottes), jeder ein Schmuckstück, jeder ein Schloss, jeder eine Blume des Weltalls, jeder ein Leuchtfisch am Meere und jeder ein schönes Auge im Antlitz des Himmels.

{(*): Wir sind Zeichen, gesetzt, die einzigartigen Kunstwerke Gottes des Gerechten zu betrachten, sie anzuschauen und anschauen zu lassen. Es ist, als ob der Himmel die einzigartigen Kunstwerke Gottes auf Erden mit zahllosen Augen betrachte. Das heißt also, dass die Sterne die Erde gleich einer erstaunlichen und einzigartigen Messe betrachten und gleich den Engeln im Himmel alle bewusstseintragenden Wesen darauf aufmerksam machen.}

In der Gesamtheit unserer Sterne geht die Stille gepaart mit Frieden, Bewegung mit Weisheit, Schönheit in der Kunst mit Majestät und Schönheit in der Schöpfung mit Wohlgeordnetheit und vollendete Kunst mit Wohlausgewogenheit. Daher machen wir unseren majestätischen Schöpfer mit zahllosen Zungen, Seine Gegenwart, Seine Einheit, Seine Einzigartigkeit und Seine Attribute mit Seiner Schönheit, Seine Majestät und Seine Vollkommenheit, vor dem ganzen Kosmos bekannt. Da nun aber du, ein Diener wie wir, die wir überaus aufrichtig, rein, gehorsam und dienstbereit sind, uns beschuldigst in einem Chaos zu leben, ohne jede Ordnung, ja geradezu als herrenlose Vagabunden, hast du dir eine Ohrfeige verdient."

So sagt er in das Gesicht des Prätendenten, und so versetzt ihm denn dieser Stern eine Ohrfeige, einer Steinigung des Teufels gleich und wirft ihn von den Sternen herab bis hinunter in den Abgrund der Hölle. Und die Natur,

{(*): Nach dem Sturz bat die Natur aber um Verzeihung. Sie verstand, dass ihre wahre Aufgabe nicht darin besteht, wirksam und aktiv zu sein, sondern anzunehmen und passiv zu sein. Sie erkannte, dass sie eine Art Buch des Vorherwissens des Herrn ist, jedoch ein Buch, das die Fähigkeit besitzt, sich zu verändern und sich anders zu gestalten, und eine Art Programm der Macht des Herrn und eine Art Schöpfungsgesetz des majestätischen Allmächtigen und eine Art Sammlung Seiner Richtlinien. In vollkommener Ohnmacht und Gehorsam nahm sie im Auftrag Gottes ihren Dienst an und erhielt die Bezeichnung "Gottes Schöpfung und Kunstwerk des Herrn".}

die mit ihm ist, wirft er in die Bäche der Zweifel,

den Zufall in den Pfuhl des Nichtseins, alle Götzen in die Finsternis der Unmöglichkeit und der Unvorstellbarkeit und die Philosophie, die sich gegen den Glauben stellt, bis hinab in die Tiefen der Niedersten der Niedrigen. Mit allen Sternen zusammen trägt dieser Stern den heiligen Erlass vor.

لَوْ كَانَ فِيهِمَآ اٰلِهَةٌ اِلاَّ اللَّهُ لَفَسَدَتَا

{"Wenn es in beiden (Himmel und Erde) außer Gott (Allah) noch Götter gäbe, wären sie ja dem Unheil (preisgegeben)." (Sure 21, 22)}

Und sie machen bekannt, dass es, angefangen von den Flügeln einer Mücke bis zu den Leuchten des Himmels, keinen Platz, nicht einmal einen von der Größe des Flügels einer Mücke, für einen Abgott gibt, wo er seinen Einfluss geltend machen könnte.

سُبْحَانَكَ لاَعِلْمَ لَنَآ اِلاَّ مَاعَلَّمْتَنَآ اِنَّكَ اَنْتَ الْعَلِيمُ الْحَكِيمُ ٭ اَللّٰهُمَّ صَلِّ وَسَلِّمْ عَلٰى سَيِّدِنَا مُحَمَّدٍ سِرَاجِ وَحْدَتِكَ فِى كَثْرَةِ مَخْلُوقَاتِكَ وَدَلاَّلِ وَحْدَانِيَّتِكَ فِى مَشْهَرِ كَآئِنَاتِكَ وَعَلٰٓى اٰلِهِ وَصَحْبِهِ اَجْمَعِينَ

{"Gepriesen seist Du, oh Du, außer dem es keinen Gott gibt! Unser Schutz, unser Hort, bewahre uns vor dem Feuer!" "Oh Gott, gib Segen und Frieden unserem Herrn, Mohammed, der Leuchte Deiner Einheit in aller Vielfalt Deiner Geschöpfe und der Ausrufer Deiner Allgegenwart auf der Messe des Kosmos, und seiner Familie und allen seinen Gefährten!"}

* * *

بِسْمِ اللَّهِ الرَّحْمَنِ الرَّحِيمِ

Es sind arabische Sätze, die auf eine Blume aus dem urewigen Garten der Ayat

فَانْظُرْ اِلٰى اٰثَارِ رَحْمَتِ اللَّهِ كَيْفَ يُحْىِ اْلاَرْضَ بَعْدَ مَوْتِهَا

{"Betrachte die Male der Barmherzigkeit Gottes, wie Er die Erde nach ihrem Tode wieder belebt." (Sure 30, 50)}

hinweisen.

حَتّٰى كَاَنَّ الشَّجَرَةَ الْمُزَهَّرَةَ ٭ قَصِيدَةٌ مَنْظُومَةٌ مُحَرَّرَةٌ

وَتُنْشِدُ لِلْفَاطِرِ الْمَدَٓائِحَ الْمُبَهَّرَةَ ٭ اَوْ فَتَحَتْ بِكَثْرَةٍ عُيُونَهَا الْمُبَصَّرَةَ

لِتَنْظُرَ لِلصَّانِعِ الْعَجَٓائِبَ الْمُنَشَّرَةَ ٭ اَوْ زَيَّنَتْ لِعِيدِهَا اَعْضَٓائَهَا الْمُخَضَّرَةَ

لِيَشْهَدَ سُلْطَانُهَا اٰثَارَهُ الْمُنَوَّرَةَ ٭ وَتُشْهِرَ فِى الْمَحْضَرِ مُرَصَّعَاتِ الْجَوْهَرِ

وَتُعْلِنَ لِلْبَشَرِ حِكْمَةَ خَلْقِ الشَّجَرِ ٭ بِكَنْزِهَا الْمُدَخَّرِ مِنْ جُودِ رَبِّ الثَّمَرِ

سُبْحَانَهُ مَٓا اَحْسَنَ اِحْسَانَهُ ٭ مَٓا اَزْيَنَ بُرْهَانَهُ، مَٓا اَبْيَنَ تِبْيَانَهُ

خَيَالْ بِينَدْ اَزِينْ اَشْجَارْ مَلاَئِكْ رَا جَسَدْ آمَدْ سَمَاوِى بَا هَزَارَانْ نَىْ ٭ اَزِينْ نَيْهَا شُنِيدَتْ هُوشْ سِتَايِشْهَاىِ ذَاتِ حَىْ

وَرَقْهَارَا زَبَانْ دَارَنْدَ هَمَه هُو هُو ذِكْر آرَنْد بَدَرْ مَعْناَىِ حَىُّ حَىُّ.. چُو لاَ اِلٰهَ اِلاَّ هُو بَرَابَرْ مِيزَنَنْد هَرْ شَىْ ٭ دَمَا دَمْ جُويَدَنْد يَا حَقْ سَرَاسَرْ گُويَدَنْد يَا حَىْ بَرَابَرْ مِيزَنَنْداَللَّهْ

وَنَزَّلْنَا مِنَ السَّمَٓاءِ مَٓاءً مُبَارَكًا

{"Nach unserer Vorstellung können wir die Engel mit ihren Tausenden von Flöten in den Bäumen verkörpert sehen. Durch diese Flöten nimmt unser Verstand den Lobpreis des Lebendigen wahr. Ihre Blätter sind Zungen, deren jede immerwährend 'Er! Er!' rezitiert, was bedeutet: 'Oh Lebendiger! Oh Lebendiger!' Es ist, als ob alle Dinge gemeinsam sängen: 'Es gibt keinen Gott außer Ihm.' Sie rufen immerwährend: 'Oh Gerechter!' rufen mit ihrem ganzen Sein: 'Oh Lebendiger!' Sie singen gemeinsam: Oh Gott!"}

وَنَزَّلْنَا مِنَ السَّمَاءِ مَاءً مُّبَارَكًا

{"Und wir sandten vom Himmel herab segensreiches Wasser." (Sure 50, 9)}

Übersetzung des arabischen Teils:

Es ist, als glichen alle blühenden Bäume wunderschön gereimten Kassiden. Eine solche Kasside rezitiert das ozeangleiche Lob des majestätischen Schöpfers und bringt es in seinem Dasein dichterisch zum Ausdruck. Es ist, als hätte jeder blühende Baum Tausende Augen geöffnet, die schauen und betrachten lassen, sodass sie alle die einzigartigen Kunstwerke des majestätischen Meisters, die verbreitet und ausgestellt werden, nicht nur mit ein, zwei Augen, sondern vielmehr mit Tausenden von Augen betrachten, welche Aufmerksame dazu bringen, einmal genauer hinzuschauen. Es ist, als schmückte jeder blühende Baum sich seine Glieder zu seinem eigenen Frühlingsfest, das ein Fest für alle ist, wie für die Zeit einer Parade in seinem schönstem Schmuck, sodass sein majestätischer König, die Geschenke, die Feinheiten und die leuchtenden Kunstwerke betrachten könne, die er ihm verliehen hat. Darüber hinaus stellt er im Frühling auf Erden, auf der Messe der Kunstwerke Gottes, die mit Edelsteinen geschmückten Kunstwerke Seiner Erbarmung vor den Augen aller Leute aus. Er macht dem Menschen die Weisheit bekannt, die in der Erschaffung eines Baumes liegt. Während er zeigt, wie wertvolle Schätze seine ganz feinen Zweige tragen, und welch bedeutende Reichtümer in den Früchten, den Geschenken des Barmherzigen enthalten sind, führt er die Vollkommenheit der Macht Gottes vor.

Ein kleiner Anhang zum Ersten Kapitel

فَاسْتَمِعْ اَيَةَ

اَفَلَمْ يَنْظُرُوٓا اِلَى السَّمَآءِ فَوْقَهُمْ كَيْفَ بَنَيْنَاهَا وَزَيَّنَّاهَا اِلَى اَخِرِ اَيَةِ ثُمَّ انْظُرْ اِلٰى وَجْهِ السَّمَآءِ كَيْفَ تَرٰى سُكُوتًا فِى سُكُونَةٍ حَرَكَةً فِى حِكْمَةٍ تَلَئْلُئاً فِى حَشْمَةٍ تَبَسُّمًا فِى زِينَةٍ مَعَ اِنْتَظَامِ الْخِلْقَةِ مَعَ اِتِّزَانِ الصَّنْعَةِ تَشَعْشُعُ سِرَاجِهَا تَهَلْهُلُ مِصْبَاحِهَا تَلَئْلُؤُ نُجُومِهَا تُعْلِنُ ِلاَهْلِ النُّهٰى سَلْطَنَةً بِلآَ اِنْتِهَآءٍ اَفَلَمْ يَنْظُرُوٓا اِلَى السَّمَآءِ فَوْقَهُمْ كَيْفَ بَنَيْنَاهَا وَزَيَّنَّاهَا اِلَى اَخِرِ اَيَةِ

{"Höre die Ayah: Haben sie denn nicht zum Himmel über ihnen empor geschaut, wie wir ihn erbaut und geschmückt haben und wie makellos er ist?..." (Sure 50, 6) "Betrachte das Antlitz des Himmels, wie ruhig und friedlich es aussieht, sich in Weisheit bewegt, majestätisch funkelt und sich mit einem Lächeln schmückt. Durch die Wohlordnung seiner Erschaffung, die Ausgewogenheit seiner Kunst, die Pracht seiner Leuchte, den Glanz seiner Lampe, das Funkeln seiner Sterne gibt er den Leuten des Verstandes die grenzenlose Königsherrschaft (Gottes) bekannt."}

Eine Erklärung des arabischen Kommentars, der durch diese Ayah inspiriert wurde.

ثُمَّ انْظُرْ اِلٰى وَجْهِ السَّمَآءِ كَيْفَ تَرٰى سُكُوتًا فِى سُكُونَةٍ

{"Betrachte das Antlitz des Himmels, wie ruhig und friedlich es aussieht."}

Das heißt: Diese Ehrwürdige Ayah lenkt die Aufmerksamkeit auf das schön geschmückte Antlitz des Himmels hin. Durch das aufmerksame Betrachten soll der Mensch in dem Antlitz des Himmels eine Stille und außergewöhnliche Ruhe erkennen und verstehen, dass dieser sich unter dem Befehl und im Dienst des absoluten Allmächtigen in dieser Weise zeigt. Anderenfalls, wäre er frei, könnten diese überaus großen Kugeln mit ihren Bewegungen in

überaus großer Geschwindigkeit solch einen Lärm verursachen, dass sie das Ohr des Kosmos ertauben ließen. Es würde sogar durch ein vernichtendes Beben ein solches Tohuwabohu entstehen, dass der Kosmos darüber in Staub zerfiele. Es ist ja bekannt, wie viel Lärm und Tumult zwanzig Büffel hervorrufen können, wenn sie alle auf einmal durcheinander laufen. In Wirklichkeit sagt die Astronomie, dass es unter den Sternen solche gibt, die tausendfach größer als die Erdkugel sind und sich siebzigmal schneller als Kanonenkugeln bewegen. So verstehe also aufgrund der Stille der Himmelskörper, die sich in aller Ruhe bewegen, wie mächtig der majestätische Schöpfer und vollkommen Allmächtige ist, der sie in den Dienst stellt, und wie willig und gehorsam die Sterne Ihm gegenüber sind.

حَرَكَةً فِى حِكْمَةٍ

{"Bewegung in Weisheit."}

Außerdem befiehlt die Ayah dem Menschen, im Antlitz des Himmels eine Bewegung, die in Weisheit verläuft, zu betrachten. In der Tat verlaufen diese überaus einzigartigen und gewaltigen Bewegungen in überaus feinsinniger und umfassender Weisheit. Ein Handwerker, der Getriebe und Räder einer Maschine laufen lässt, zeigt den Grad seiner Meisterschaft und seines Talentes entsprechend der Größe und der Wohlordnung dieser Maschine. Genauso wird die Größe der Macht und der Weisheit des majestätischen Allmächtigen, der die Sonne mit den Planeten zusammen wie eine Maschine baute und diese gewaltig großen Kugeln wie Schleudersteine oder Räder einer Maschine um sie kreisen lässt, in diesem Vergleich dem Auge ersichtlich.

تَلَئْلُئاً فِى حَشْمَةٍ تَبَسُّمًا فِى زِينَةٍ

{"Er funkelt majestätisch und schmückt sich mit einem Lächeln."}

Das heißt: Das Antlitz des Himmels zeigt eine so prachtvolle Ausstrahlung und schmückt sich so mit einem Lächeln, dass es zeigt, welch ein gewaltig großes Königreich und welch ein schönes Kunstwerk des majestätischen Schöpfers es ist. An den Tagen einer Festbeleuchtung zeigen ja die Vielzahl der elektrischen Lampen die Größe eines Königs und wie fortschrittlich er ist. Genauso zeigt der riesige Himmel im Schmuck all seiner Sterne den aufmerksamen Blicken die Vollkommenheit des Königreiches Seines majestätischen Schöpfers und die Schönheit Seiner Kunstfertigkeit.

مَعَ اِنْتِظَامِ الْخِلْقَةِ مَعَ اِتِّزَانِ الصَّنْعَةِ

{"Durch die Wohlordnung seiner Erschaffung. Durch die Ausgewogenheit seiner Kunst."}

Außerdem sagt die Ayah: Siehe die Geschöpfe unter dem Antlitz des Himmels, wie sie wohlgeordnet gestaltet sind und die Kunstwerke, die in feinen Maßen stehen, wie sie wohl ausgewogen sind. So verstehe und wisse, wie mächtig und weisheitsvoll ihr Meister ist. In der Tat zeigt dieses alles dem aufmerksamen Betrachter, wie mächtig und weisheitsvoll der Herr ist, der verschieden große und kleine Dinge oder Tiere sich bewegen lässt und in Seinen Dienst stellt und jeden mit einem speziellen Maß auf einen bestimmten Weg führt, und wie willig und gehorsam die Dinge, die sich bewegen, Ihm gegenüber sind. Genauso zeigt dieser riesige Himmel in seiner gewaltigen Größe mit seinen unendlich vielen Sternen und diese Sterne, die so gewaltig groß sind und sich so machtvoll bewegen und dabei nicht einmal um ein Stäubchen oder eine Sekunde ihre Grenze überschreiten und nicht einmal ein Zehntel einer Minute von ihrer Diensterfüllung fern bleiben, mit welchem feinen speziellen Maße ihr majestätische Schöpfer über Seine Herrschaft verfügt. Das, worauf mit dem Gehorsam der Sonne, des Mondes und der Sterne, wie auch in diesem Vers und wie in der Sure 'Amme und in anderen Ayat hingewiesen wird, ist folgendes:

تَشَعْشُعُ سِرَاجِهَا تَهَلْهُلُ مِصْبَاحِهَا، تَلَئْلُؤُ نُجُومِهَا تُعْلِنُ ِلاَهْلِ النُّهٰى، سَلْطَنَةً بِلاَ اِنْتِهَآءٍ

{"Durch die Pracht seiner Leuchte, den Glanz seiner Lampe, das Funkeln seiner Sterne gibt er den Leuten des Verstandes die grenzenlose Königsherrschaft (Gottes) bekannt."}

Das heißt: An die verzierte Decke des Himmels eine Lampe wie die Sonne, die Licht spendet und wärmt, zu hängen; sie zu einem Tintenfass gefüllt mit Licht zu machen, um auf den Linien von Nacht und Tag, auf den Seiten von Winter und Sommer, die Briefe des Einzigartigen zu schreiben; wie die Zeiger der großen Uhren an hohen Minaretten oder Türmen den Mond an der Kuppel des Himmels an der großen Uhr, die Zeit, zu einem Zeiger zu machen, in Form von vielen verschiedenen Mondsicheln jeder Nacht ihre besondere Mondsichel zu bestimmen, dann sie alle wieder zusammenzufügen, ihn auf seinen Stationen in vollkommener Ausgewogenheit, feinen Berechnungen entsprechend zu bewegen; mit den Sternen, die an der Kuppel des Himmels leuchten und lächeln, das Gesicht des Himmels zu vergolden; sind mit Sicherheit Kennzeichen der Herrschaft eines unendlichen Königreiches. Dies sind für die Bewusstseintragenden Hinweise auf den Glanz Seiner Gottheit, die für sich selbst sprechen. Das lädt verständige Menschen ein, ihren Glauben und die Einheit Gottes zu bekennen.

Betrachte das Buch des Kosmos eine farbige Seite,

mit dem goldenen Stifte der Macht; siehe, wie schön sie gemalt ist!

Nicht blieb da noch ein dunkler Fleck für die Scharfsinnigen,

so als habe Gott Seine Wunderzeichen (: Verse) mit Licht darauf geschrieben.

Betrachte, welch ein Wunder der Weisheit die Schöpfung ist, in Bewunderung versetzt.

Betrachte, welch eine erhabene Vorführung das Weltall ist.

Lausche der Sterne Gesang, ihrer berauschenden Predigt (hutbe)!

Entnimm ihrer leuchtenden Schrift die Weisheit, die sie verkündet!

Gekommen sind sie und sagen alle gemeinsam einen Ausdruck der Wahrheit:

"Wir sind das strahlende Zeugnis des großartigen Königreiches einer allmächtigen Majestät.

Wir sind dafür Zeuge, dass es einen Meister gibt in Seiner Einheit und in Seiner Kraft...

Den Engeln gleich betrachten wir vom Himmel herab die Erde, schauen das Antlitz der Erde

voll tiefer und feinsinniger Wunder, halten stets das Paradies auch im Blick.

Des Himmels tausend aufmerksame Augen sind wir.

Es wuchs der Tuba-Baum der Schöpfung und seine Äste strecken sich durch einen Spalt der Himmel

und seine Zweige bilden die Milchstraße.

Schönheit und Majestät heißt die Hand der göttlichen Weisheit, die uns daran aufgehängt hat

als seine wundervollen Früchte.

Für die Bewohner des Himmels sind wir eine wandelnde Moschee,

ein Haus, das seine Kreise zieht und ein erhabenes Nest,

ein strahlender Leuchter, ein gewaltiges Schiff;

Flugzeugen gleich sind wir alle und ein jeder von uns.

Eines Allmächtigen in Seiner Vollkommenheit, eines Allweisen in Seiner Majestät

wunderbare Kraft und Staunen erregendes Kunstwerk Seiner Schöpfung,

ein Kleinod Seiner Weisheit und Ingenium Seiner Schöpfung,

eine Welt voller Licht sind wir, jeder von uns eine Welt aus Licht.

So zeigen wir mit hunderttausenden von Zungen hunderttausende Beweise

lassen sie vernehmlich werden dem Menschen, der Mensch ist.

Mit Blindheit geschlagen das Auge der Gottlosen, vermag es nicht mehr zu schauen unser Antlitz

und vernimmt er unsere Stimme nicht. Doch sind wir die Zeichen, die Wahrheit verkünden.

Eines ist unsere Prägung, einer unser Siegel.

Immerwährend wiederholen wir den Lobpreis unseres Herrn, wir seine Diener

gedenken Seines Namens, Ihn verehrend alle Zeit.

In Ihm versunken reihen wir uns ein als die Glieder in der Kette der endlosen Milchstraße."

Zweites Kapitel

بِسْمِ اللَّهِ الرَّحْمَنِ الرَّحِيمِ ٭ قُلْ هُوَ اللَّهُ اَحَدٌ ٭ اَللَّهُ الصَّمَدُ

{"Im Namen Gottes, des Erbarmens, des Barmherzigen. Sprich: Gott ist Einer. Gott ist einzigartig." (Sure 112, 1-2)}

Dieses Kapitel hat drei "Zwecke".

Erster Zweck

(Da der Anwalt der Leute der Abgötterei und des Irrweges, der von dem Stern eine Ohrfeige erhielt und zu Boden fiel, für seine Abgötterei nirgendwo zwischen den Atomen bis hin zu den Sternen einen Platz, auch nur so groß wie ein Stäubchen, finden konnte, verzichtete er auf Ansprüche solcher Art, versuchte aber doch gleich dem Teufel, durch seine Einflüsterungen mit "drei wichtigen Fragen" (Gottes) Einheit (Ahadiyet)und Seine Allgegenwart (Vahdet)bei den Monotheisten in Zweifel zu ziehen.)

Erste Frage:

Er sagt mit dem Mund des Unglaubens: Oh ihr Monotheisten! Ich konnte für meine Mandanten nichts finden, aus allem, was da ist und lebt nichts für sie herausholen, mein Amt nicht überzeugend vertreten. Aber womit beweist ihr den Einen, den Allgegenwärtigen, der eine unendliche Macht besitzt? Warum haltet ihr es nicht für möglich, dass sich in Seiner Macht auch andere noch ihre Hände waschen könnten?

Antwort:

Im "Zweiundzwanzigsten Wort" ist bereits mit Sicherheit bewiesen worden, dass alles, was da ist und lebt, jedes Atom und jeder Stern ein glänzendes Zeugnis ist für die Notwendigkeit der Existenz dessen, der notwendigerweise da sein muss, des Absoluten-Allmächtigen. Jede Kettenfolge im ganzen Kosmos ist je ein unwiderlegbarer Beweis für Seine Einheit und Gegenwart. Der Weise Qur'an bringt Beweise für Ihn mit zahllosen Zeugnissen.

Die Zeugnisse, die in den Augen der Allgemeinheit am deutlichsten sind, bringt er auch am häufigsten.

Zum Beispiel:

وَلَئِنْ سَئَلْتَهُمْ مَنْ خَلَقَ السَّمٰوَاتِ وَاْلاَرْضَ لَيَقُولُنَّ اللَّهُ ٭ وَمِنْ اٰيَاتِهِ خَلْقُ السَّمٰوَاتِ وَاْلاَرْضِ وَاخْتِلاَفُ اَلْسِنَتِكُمْ وَاَلْوَانِكُمْ

{"Und wenn du sie fragst, wer Himmel und Erde erschaffen hat, sagen sie: Gott!" (Sure 31, 25) "Und zu Seinen Zeichen gehört die Erschaffung der Himmel und der Erde und die Verschiedenheit eurer Sprachen und Farben." (Sure 30, 22)}

Mit sehr vielen Versen wie diesen zeigt der Weise Qur'an die Erschaffung der Erde und der Himmel als ein Zeugnis für die Einheit (Gottes) auf der Stufe einer Offensichtlichkeit, sodass jeder bewusste (und intelligente Mensch), gezwungenermaßen aufgrund der Erschaffung der Erde und der Himmel deren majestätischen Schöpfer bestätigen muss, so wie der Qur'an sagt:

لَيَقُولُنَّ اللَّهُ

{"Sie werden mit Sicherheit sagen: Gott!" (Sure 31, 25)}

In dem Ersten Kapitel hatten wir ja, von einem einzigen Atom angefangen bis zu den Sternen und den Himmeln, das Siegel der Einheit (Tauhid)gezeigt. Mit derartigen Versen weist der weise Qur'an die Vergötzung, angefangen von den Sternen und den Himmeln bis zu den Atomen, energisch zurück. Folgenderweise weist er darauf hin und spricht sinngemäß:

Der absolute Allmächtige, der die Himmel und die Erde so wohlgeordnet erschuf, hält mit Sicherheit durch Seine Lenkung und Leitung das Sonnensystem, das auf jeden Fall in den Bereich Seiner Kunstwerke gehört, in Seiner Hand. Da dieser absolute Allmächtige nun einmal die Sonne mit ihren Planeten in Seiner Hand hält, sie lenkt und leitet, sie geordnet hat, in den Dienst stellt und kreisen lässt, lenkt und leitet er mit Sicherheit auch die Erdkugel, die zu diesem Sonnensystem gehört und mit der Sonne verbunden ist, und hält sie fest in Seiner Hand.

Da Er nun einmal die Erdkugel mit fester und sicherer Hand lenkt und leitet, liegen auch die Kunstwerke, die in das Antlitz der Erde eingeschrieben, ins Dasein gebracht werden und als Früchte und Ziele der Erde gelten, in Seiner Hand, unterstehen Seiner Herrschaft und werden von Ihm versorgt. Da alle Kunstwerke, die auf der ganzen Erdoberfläche ausgebreitet und über sie hin verstreut sind und ihr Gesicht vergolden, es schmücken und sich jederzeit wieder erneuern, kommen und gehen und die Erde erfüllen und wieder leeren, nun einmal in der Hand Seiner Macht und Seines Wissens sind und mit dem Maß Seiner Gerechtigkeit und Seiner Weisheit gemessen und geordnet werden, liegen mit Sicherheit auch die wohlgeordneten und vollkommenen Bestandteile, die kleinen Musterbeispiele der Welt, die Bilanzen der Schöpfungsarten und alle ihre einzelnen Exemplare, die kleine Inhaltsverzeichnisse des Weltenbuches sind, ganz offensichtlich in Seiner Hand, von Ihm erschaffen, unter Seiner Herrschaft, Seiner Lenkung und Seiner Versorgung.

Da jedes Lebewesen in Seiner Hand ruht, unter Seiner Lenkung und Versorgung, unterliegen mit Sicherheit auch die Zellen, die Blutkörperchen, die Organe, die Nerven und Adern, aus welchen der Körper eines Lebewesens besteht, ganz offensichtlich Seinem Wissen und Seiner Macht. Da jedes Blutkörperchen und jede Zelle nun einmal unter Seinem Befehl steht und innerhalb Seines Verfügungsbereiches ist und sich nach Seinem Gesetz bewegt, sind sie der Grundstoff all dieser Dinge und auch die Atome, die wie Schiffchen beim Weben der Kunstwerke, die beim Sticken der Ornamente gleich einer Unruhe ständig in Bewegung sind, in der Hand Seiner Macht und Seinem Wissen. Sie bewegen sich wohlgeordnet auf Seinen Befehl, mit Seiner Erlaubnis und in Seiner Kraft und versehen korrekt ihre Dienste.

Da sich die Atome nun einmal nach Seinem Gesetz, mit Seiner Erlaubnis und auf Seinen Befehl bewegen und ihren Dienst versehen, ist es mit Sicherheit und ganz offensichtlich auch das Werk Seines Wissens und Seiner Weisheit,

dass die Gesichter Identitätsmerkmale sind, die jeder wie eine Maske trägt, die ihn von allen anderen unterscheidet, und so gibt es auch zwischen den einzelnen Stimmen und Sprachen die gleichen Unterschiede wie zwischen den Gesichtern. Nun betrachte wieder die Ayah, die Anfang und Ende dieser Reihenfolge erwähnt und so auf sie hinweist.

وَمِنْ اٰيَاتِهِ خَلْقُ السَّمٰوَاتِ وَاْلاَرْضِ وَاخْتِلاَفُ اَلْسِنَتِكُمْ وَاَلْوَانِكُمْ اِنَّ فِى ذٰلِكَ َلاٰياَتٍ لِلْعَالِمِينَ

{"Und unter Seinen Zeichen ist die Erschaffung der Himmel und der Erde, die Verschiedenartigkeit eurer Sprachen und Farben. Führwahr, darin sind Zeichen für die Wissenden." (Sure 30, 22)}

Darum sagen wir nun: Oh du Anwalt der Götzendiener! Hier beweisen solch starke Zeugnisse wie die Reihenfolge in der Schöpfung den Weg der Einheit (Tauhid).Sie zeigen uns einen absoluten Allmächtigen. Da die Erschaffung der Himmel und der Erde nun einmal einen allmächtigen Schöpfer und die unendliche Macht dieses allmächtigen Schöpfers zeigen, und da diese unendliche Macht in unendlicher Vollkommenheit besteht, so ist mit Sicherheit jegliche Teilhaberschaft absolut entbehrlich. Das heißt also, dass überhaupt keine Teilhaber notwendig sind. Wenn sie also vollkommen überflüssig sind, warum geht ihr dann diesen finsteren Weg? Was zwingt euch dazu ihn einzuschlagen? Wie Teilhaber nicht notwendig sind und der Kosmos ihrer überhaupt nicht bedarf, so sind Teilhaber an Seiner Gottheit und auch Teilhaber an Seiner Herrschaft und in Seiner Schöpfung unmöglich. Ihr Dasein ist unvorstellbar. Denn: Die Macht, die der Baumeister der Himmel und der Erde besitzt, ist sowohl unendlich vollkommen als auch erwiesenermaßen grenzenlos. Gäbe es Teilhaber, würde eine andere begrenzte Macht diese grenzenlose und überaus vollkommene Macht besiegen, einen Teilbereich von ihr besetzen, sie so begrenzen und sie so gewissermaßen schwächen, ihr, obwohl sie doch endlos ist, ein Ende setzen.

Es müsste dann etwas, das in sich begrenzt ist, ohne jede Notwendigkeit dem, der in sich Selbst grenzenlos ist, eine Grenze setzen und ihr ein Ende setzen. Das aber ist eine solche Unmöglichkeit, wie sie von unserer Vernunft am weitesten entfernt wäre und die vielfältigste aller Unvorstellbarkeiten.

Außerdem sind die Teilhaber von der Art derer, auf die man verzichtet (mustaghniatun 'anha)und die ihrem Wesen nach unmöglich sind (mumteniatun bizzat).Das heißt: Weil man sie überhaupt nicht braucht, wäre es pure Willkür, für sie Stellung zu beziehen, da ja ihre Existenz unmöglich ist. Das heißt: Da kein vernünftiger, verständlicher, logischer Grund gegeben ist, eine solche Behauptung aufzustellen, gelten dergleichen Reden als bedeutungslos. Es wird dies In der (theologischen) Wissenschaft vom Ursprung (ilm-i usul)als willkürlich bezeichnet. Das heißt: Es ist eine reine, bedeutungslose Behauptung. Eine der Grundprinzipien der Wissenschaft vom Wort und vom Ursprung (ilm-i kelam ve ilm-i usul)besagt:

لاَعِبْرَةَ لِلاِحْتِمَالِ الْغَيْرِ النَّاشِى عَنْ دَلِيلٍ وَلاَينُاَفِى اْلاِمْكَانُ الذَّاتِىُّ الْيَقِينَ الْعِلْمِىَّ

Eine Behauptung, die sich nicht aus einem Beweis ergibt und auf die kein Zeichen hinweist, ist ohne Bedeutung. Sie kann, wo ein sicheres Wissen besteht, keinen Zweifel hinzufügen. "Die Gewissheit, die sich auf eine Schlussfolgerung stützt, vermag sie nicht zu erschüttern."

Zum Beispiel:

Es wäre möglich, oder könnte doch sein, dass der See bei Barla (d.h. der EghridirSee) aus Traubensirup bestünde oder zu Öl umgewandelt würde. Da es aber für eine solche Möglichkeit oder Behauptung keinen Hinweis gibt, kann sie unser sicheres Wissen, dass er da ist und aus Wasser besteht, nicht beeinflussen, keinen Zweifel oder Verdacht in uns erregen.

Deshalb haben wir dementsprechend alles was da ist und lebt an allen Ecken und Kanten des Kosmos gefragt und, wie wir bereits im Ersten Kapitel gezeigt haben: Wen oder was auch immer, von den Atomen angefangen

bis zu den Sternen, und wie wir bereits im Zweiten Kapitel gesehen haben: Wen oder was auch immer wir über Himmel und Erde befragt haben, angefangen bei ihrer Erschaffung bis hin zu den persönlichen Kennzeichen und Merkmalen in den Gesichtern, legte in der Sprache seines jeweiligen Da- und So-Seins Zeugnis ab für Seine Allgegenwart (Vahdaniyet)und zeigte uns das Siegel Seiner Einheit (Tauhid).Auch du hast es gesehen... Da dies aber nun einmal so ist, gibt es nichts im Kosmos kein Zeichen, worauf man die Möglichkeit eines Abgottes aufbauen könnte. Das heißt: da die Behauptung, Gott etwas beizugesellen, rein willkürlich, eine sinnlose Aussage ist und nichts als nur eine Behauptung, ist Gott etwas beizugesellen pure Unwissenheit, ja geradezu Dummheit.

So blieb denn für den Anwalt der Leute des Irrweges nichts mehr, was er dem noch hätte entgegnen können und so sagt er denn nur noch: "Zeichen einer Partnerschaft ist die Verbundenheit der Ursachen innerhalb des Universums. So kommt es, dass jedes Ding von einer Ursache abhängig ist. Das aber heißt, dass die Ursachen einen tatsächlichen Einfluss haben. Wenn sie aber einen Einfluss haben, können sie auch Partner sein."

Antwort:

Da Gottes Wille und Weisheit es so erfordern und da viele Gottesnamen in Erscheinung treten wollen, sind die Ergebnisse mit den Ursachen verbunden. Jedes Ding ist mit einer Ursache verbunden. Wir haben es bereits an vielen Stellen und in verschiedenen "Worten (Sözler)"unerschütterlich bewiesen: "In den Ursachen findet sich kein wirklich schöpferischer Einfluss." An dieser Stelle wollen wir nur so viel sagen:

Unter den Ursachen besitzt der Mensch die höchste Würde und die größtmögliche Willensfreiheit, was (die Spanne) seiner Handlungen in ihrer ganzen Weite und Breite betrifft. Des Weiteren zählt zu den nach außen hin am deutlichsten wahrnehmbaren Handlungen des Menschen, die seinem freien Willen unterliegen, essen, sprechen und denken. Was aber dieses Essen, Sprechen und Denken betrifft, so gehört es zu einer ganzen Reihe

überaus wohlgeordneter, einzigartiger und zweckmäßiger (Abläufe von Prozessen). Was aber von den hundert Gliedern dieser Kette in der Hand des freien Willens des Menschen liegt, ist nur ein Hundertstel.

Zum Beispiel:

Innerhalb des Prozessablaufes bei der menschlichen Ernährung, von der Ernährung der Zellen im (menschlichen) Körper (am Ende betrachtet) bis zur Entstehung einer Frucht (vor dem Beginn des ganzen Prozesses) ist es dem freien Willen des Menschen lediglich überlassen, seinen Mund und die Zähne (in ihm) in Bewegung zu setzen und zu kauen. Und innerhalb des Prozessablaufes beim Sprechen ist es lediglich die Artikulation der Phoneme (also die Ausformung der Laute) im Ausstoßen der Luft. Denn im Mund gleicht jedes Wort einem Kern, der zu einem Baum wird. Es bringt in der Luft Millionen von Früchten des selben Wortes hervor. So geht es in die Ohren von Millionen Zuhörern ein. Zu dieser blauen Blume kann kaum der Arm menschlicher Phantasie gelangen. Wie kann sie der viel zu kurze Arm seines freien Willens erreichen?

Wenn dem Menschen, welcher unter den Ursachen die höchste Würde und den größten Spielraum seines freien Willens hat, die Hände zu wirklicher schöpferischer Tätigkeit so sehr gebunden sind, wie könnten dann tote Dinge, Tiere, Elemente und die Natur eine tatsächliche Verfügungsgewalt haben? Als Ursachen sind sie nur wie ein Behälter. Für die Kunstwerke des Herrn sind sie nur wie ein Mantel. Sie sind Träger der Geschenke des Erbarmers. Mit Sicherheit kann ein Gefäß für das Geschenk des Königs oder ein Tuch, mit dem das Geschenk eingepackt ist, oder ein einfacher Soldat, in dessen Hände dieses Geschenk gelegt ist, kein Teilhaber an der Herrschaft des Königs sein. Und derjenige, der sich (diese Dinge) als Teilhaber vorstellt, spricht sinnlos wie im Fieberwahn. Genauso können die äußerlichen Ursachen und die scheinbaren Mittler in keiner Hinsicht Teilhaber an der Herrschaft Gottes sein. Ihr Anteil besteht lediglich im Dienst und in der Anbetung.

Zweiter Zweck

Da der Vertreter der Abgötterei den Weg der Götzendiener (meslek-i shirk)keineswegs verteidigen konnte und deshalb über seiner Beweisführung verzweifelte, bemühte er sich den Weg derer, die dem Weg der göttlichen Einheit folgen, mit seinen Zweifeln und Verdächtigungen zu verderben. Darum stellte er die folgende zweiteFrage:

Oh ihr Monotheisten (ehl-i Tauhid)!Ihr sagt:

قُلْ هُوَ اللَّهُ ٭ اَحَدٌ اَللَّهُ الصَّمَدُ

{"Sprich: Gott ist Einer und Gott gleich ist keiner." (Sure 112, 1-2).}

Der Schöpfer der Welt ist ein Einziger. Er ist der Einzigartige, Unvergleichliche, der Schöpfer aller Dinge. Als dem Einzigartigen in Seinem Wesen liegen die Zügel aller Dinge unmittelbar in Seiner Hand; die Schlüssel aller Dinge liegen in Seiner Hand und Er hält alle Dinge "an ihrem Schopf - (Sure 96, 15)" gefasst. Die eine Tätigkeit behindert Ihn nicht bei einer anderen Tätigkeit. Er kann über alle Dinge in all ihren Erscheinungen zu gleicher Zeit verfügen." Wie kann man eine so merkwürdige Wahrheit glauben? Kann ein einziges Wesen an unendlich verschiedenen Stellen unendlich viele verschiedene Arbeiten mühelos verrichten?

Antwort:

Diese Frage kann durch die Erklärung einer sehr tiefen und feinsinnigen, erhabenen und umfassenden Wahrheit (sirr)über die Einheit (Ahadiyet)und Einzigartigkeit Gottes (Samediyet)beantwortet werden. Das menschliche Denkvermögen kann aber diese Wahrheit nur durch das Fernrohr eines Gleichnisses und das Teleskop eines Beispieles betrachten. Gott dem Gerechten kann man nichts an die Seite stellen, was Seinem Wesens und Seinen Eigenschaften vergleichbar wäre. Doch kann man Seine Taten wenigstens in Beispielen und Gleichnissen teilweise betrachten. So wollen also auch wir durch Vergleiche aus der materiellen Welt auf dieses Geheimnis (sirr)verweisen.

Erstes Beispiel:

Es ist dies wie folgt: Wie wir bereits im "Sechzehnten Wort" bewiesen haben, gewinnt ein einzelnes Wesen mit Hilfe verschiedener Spiegel eine größere Umfassendheit. Wenn auch tatsächlich nur eine Teilpersönlichkeit, gilt es doch als eine Art Gesamtpersönlichkeit, die viele Dinge verrichten kann.

So wie in der Tat Materialien wie Glas, Wasser u. dgl. zum Spiegel für andere materielle Dinge werden können und ein einziger Körper aus irgendeiner Materie in diesen Spiegeln eine Umfassendheit gewinnen kann, genauso werden für licht-ausstrahlende Dinge und für die Geistwesen auch die Luft, der Äther und manche Gestalten der (diesseitigen) Welt der Beispiele zu einem Empfangsspiegel und damit zu einem blitz- und gedankenschnellen Land- und Seefahrzeug. Diese lichtausstrahlenden Dinge und Geistwesen bewegen sich mit Gedankengeschwindigkeit in einen solchen klaren Spiegel hinein, verkörpern sich darinnen, nehmen Wohnung in diesem Körper, bewegen sich mit dieser ihrer feinstofflichen Wohnung. Sie können auch gleichzeitig Tausende von Orten besuchen. Da sie lichtausstrahlend sind, gleichen ihre Reflexionen ihnen selbst und besitzen ihre Eigenschaften. Im Gegensatz zu den materiellen, kompakten Dingen ist ihre Wirksamkeit also gleich so, als wären sie überall anwesend. Die Reflexionen und Spiegelbilder der Dinge aus fester Materie sind keine materiellen Dinge und entsprechen ihnen deshalb nicht. Sie sind nur virtuell vorhanden, besitzen also nicht deren reale Eigenschaften.

Zum Beispiel:

Obwohl die Sonne ein konkretes Ding ist, gewinnt sie dennoch durch alle reflektierenden Gegenstände an Umfassendheit. Sie schenkt allen reflektierenden Gegenständen auf der Erdoberfläche, ja sogar allen Tröpfchen und glänzenden Stäubchen ihren Widerschein, ihr Spiegelbild, entsprechend ihren Fähigkeiten. Die Wärme und das Licht der Sonne und die sieben Farben, die in ihren Strahlen enthalten sind, also eine Art Abbild ihrer selbst findet sich in jedem glänzenden Ding. Angenommen, die Sonne besäße Wissen und Bewusstsein, so würde jeder Spiegel für sie zu einer Art Wohnstatt,

Sitz oder Thronsessel werden und sie hielte so mit allen Dingen einen persönlichen Kontakt und könnte mit allen bewussten Wesen durch Spiegel in deren Händen, ja sogar durch deren Pupillen, wie durch eine Art von Fernverbindung Kontakt aufnehmen. Der eine (Kontakt) würde einen anderen nicht behindern. Ein Gespräch würde kein anderes Gespräch stören. Obwohl überall (auf Erden mit ihrem Licht und ihrer Wärme) anwesend, wäre sie selbst dennoch nirgendwo tatsächlich zugegen.

Wenn nun aber bereits die Sonne, die doch nur ein materieller, kleiner und unbelebter Spiegel des einen Namens "Nur"(Licht), der nur einer unter Tausendundeinem Namen des Herrn ist, auch in ihrer realen Erscheinungsform an allen Orten alle Arbeiten versieht, kann dann etwa dieser majestätische Herr nicht auch in der Einheit in Seinem Wesen (Ahadiyet)grenzenlos viele Arbeiten gleichzeitig verrichten?

· Worte ·

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