Aus dem Risale-i Nur Gesamtwerk
Worte
Kommentare zum Qur'an
Von Bediüzzaman Said Nursi
Said Nursi (1877-1960)
...erhielt vom Scheichu-l'Islam den Ehrentitel Bediüzzaman (sprich: Bedius-Saman), welcher besagt, dass er zu seiner Zeit seinesgleichen nicht hatte.
...Zeigte schon als Knabe erstaunliches, wissenschaftliches Interesse und lernte viele Bücher auswendig. Versuchte dem Niedergang der Türkei durch Besinnung auf die Werte des Islam entgegen zu wirken.
...Schrieb 130 Abhandlungen über den Qur'an, welche in viele Sprachen übersetzt wurde.
...Lehrte entsprechend dem islamischen Glauben, dass die Schöpfung selbst stets aufs Beste über ihren Schöpfer unterrichtet und somit sogar moderne Wissenschaften Kunde geben von Gott.
Titel der Originalausgabe:Sözler
Übersetzt von:Davut Korkmaz
Piccoloministraße 607
51067 Köln
http://www.lichtstr.de
Mitarbeiter: R. Wagner, U. Grünberg
(c) Alle Rechte vorbehalten Urheberrechtlich geschützt
Zum Geleit...
Dieses Buch wurde für die vielen Muslime deutscher Sprache übersetzt, die oft ihre ursprüngliche Muttersprache nur noch ungenügend beherrschen. Die Schreibweise der religiösen Begriffe sowie der arabischen Personen- und Ortsnamen folgt den unten angeführten Regeln, der Schreibweise und Aussprache. Für den Koran ist die Schreibweise Qur'an gewählt, die der Aussprache entspricht.
Korrektes Lesen arabischer Worte bzw. Texte ist eben nur durch Erlernen der arabischen Schrift möglich. Dies wird jedem Muslim dringend empfohlen - schon damit er seinen Qur'an lesen kann.
Regeln für die Schreibweise und Aussprache, die in diesem Buch verwendet werden:
Shentspricht der engl. Aussprache in she
Thentspricht der engl. Aussprache in thing
Dhentspricht der engl. Aussprache des th in the
Ghund r werden beide verschieden, aber als r ausgesprochen
Djentspricht der engl. Aussprache des j
Qund k werden verschieden, aber beide als k ausgesprochen.
Y:j wie in deutsch "ja"
S:wird scharf ausgesprochen wie ß
H:wird grundsätzlich ausgesprochen.
V:wird w ausgesprochen.
Z:wie deutsches S am Silbenanfang. Doppelkonsonanten werden separat ausgesprochen.
Die Verse im Qur'an (Einzahl: Ayah, Mehrzahl: Ayat) wurden nur in arabischer Schrift mit nachfolgender deutscher Übersetzung angeführt.
بِسْمِ اللَّهِ الرَّحْمَنِ الرَّحِيمِ ٭ وَ بِهِ نَسْتَعِينُ ٭
{"Im Namen Allahs, des Erbarmers, des Barmherzigen." "Im Namen Allahs, des Erbarmers, des Barmherzigen." "Und mit Seiner Hilfe."}
اَلْحَمْدُ لِلَّهِ رَبِّ الْعَالَمِينَ وَ الصَّلاَةُ وَ السَّلاَمُ عَلَى سَيِّدِنَا مُحَمَّدٍ وَ عَلَى اَلِهِ وَ صَحْبِهِ اَجْمَعِينَ
{"Lob, Preis und Dank sei Allah, dem Herrn (Rabb) der Welten, und Segen und Frieden über unseren Herrn (Seyyidina) Mohammed und über seiner Familie und über allen seinen Gefährten."}
Oh Bruder! Du möchtest von mir einige Ratschläge. Weil du aber ein Soldat bist, so höre denn acht kleine Geschichten aus dem militärischen Bereich, die ich meiner Seele (nefs)erzählen werde und entnimm ihnen einige Wahrheiten! Denn meine Seele ist es, die dieser guten Ratschläge vor allen anderen bedarf. Ich hatte schon einmal aus acht Ayat meinen Nutzen gezogen und auch etwas längere Worte zugesprochen. Nun möchte ich sie noch einmal in kurzen, allgemeinverständlichen Worten wiederholen. Wer es wünscht, möge mir dabei zuhören.
Erstes Wort
"Bismillah",{"Im Namen Allahs (Bismillah), des Erbarmers, des Barmherzigen" (A.d.Ü.)} das ist der Anbeginn alles Guten. Im Anbeginn steht auch für uns dieses Wort und so beginnen wir mit ihm. Wisse, oh du meine Seele! So wie dieses gesegnete Wort ein Zeichen des Islam ist, so ist es unausgesprochen
auch ein immerwährendes Gebet der gesamten Schöpfung.
"Bismillah!"Willst du verstehen, was für eine unerschöpfliche Kraft und welch ein nicht enden wollender Segen in diesem Wort enthalten ist, so komm und höre dieses Gleichnis. Es ist dies das folgende:
Wenn ein Beduine eine Reise durch die Sahara unternehmen will, so tut er gut daran, sich unter den Schutz eines Stammesfürsten zu begeben, und die Fahrt in dessen Namen zu beginnen, damit er vor den Nachstellungen der Räuber bewahrt seine Angelegenheiten regeln kann. Unternimmt er die Reise dagegen auf eigene Faust, so werden all seine Angelegenheiten angesichts unzähliger Feinde völlig durcheinander geraten.
Nun zogen einmal zwei Männer zu einer Reise in die Sahara hinaus. Der eine von ihnen war ein bescheidener Mann, der andere aber stolz... Der Bescheidene erbat den Schutz eines Fürsten und reiste unter dessen Namen, der Stolze aber nicht... Der Erste bewegte sich überall in Sicherheit. Begegnete ihm ein Wegelagerer, so sagte er nur: "Ich reise unter dem Namen des Fürsten von So-und-So." So lässt ihn der Räuber weiterziehen und geht. Trat er in ein Zelt ein, ward er unter diesem Namen in Ehren aufgenommen. Der andere aber in seinem Stolz geriet auf der ganzen Reise in solche Schwierigkeiten, wie man sie kaum beschreiben kann. Er lebte in beständiger Angst und Not, und musste um alles und jedes betteln. Dazu erfuhr er noch eine schlechte, ja unwürdige Behandlung.
Wohlan denn, du meine hochmütige Seele! Dieser Reisende bist du. Was aber diese Welt betrifft, so gleicht sie einer Wüste. Deine Schwäche und Armseligkeit sind grenzenlos. Deine Feinde sind zahllos und deine Bedürfnisse unendlich. Weil das aber so ist, unterstelle dich dem Namen dieses Königs von Ewigkeit zu Ewigkeit, welcher Besitzer und Herrscher dieser Wüste ist, damit du davor bewahrt bleibst, in aller Welt betteln zu müssen und vor jedem Ereignis zu zittern...
In der Tat ist dieses Wort "Bismillah"ein so gesegneter Schatz, dass es für dich eine Beziehung zur unendlichen Macht und Barmherzigkeit herstellt und deine grenzenlose Schwäche und Armseligkeit am Hofe des Allmächtigen und Allbarmherzigen zu einem hochachtbaren Fürsprecher werden lässt. Wer nach diesem Wort handelt, gleicht einem Mann, der sich als Soldat rekrutieren lässt. Er handelt im Namen des Staates. Er braucht niemanden zu fürchten. "Im Namen des Gesetzes, im Namen der Regierung", spricht er. Er erledigt jede Arbeit und überwindet jede Schwierigkeit.
Wir haben am Anfang gesagt: Die ganze Schöpfung spricht ohne Worte ein "Bismillah".Wie geschieht das?
Stellen wir uns also einmal vor: Da kommt ein Mann ganz allein daher. Er führt die ganze Bevölkerung einer Stadt gewaltsam an einen Ort, wo er sie zur Arbeit zwingt. Da weißt du mit Sicherheit: dieser Mann handelt nicht in eigenem Namen und nicht aufgrund seiner eigenen Macht. Er ist vielmehr ein Soldat. Er handelt im Namen der Regierung. Er stützt sich auf die Macht und das Ansehen eines Königs.
Genauso handeln alle Dinge im Namen Gottes des Gerechten, sodass Samenkerne und Körner, winzig klein wie Staubkörner, riesige Bäume auf ihrem Haupt tragen, Lasten gleich Berge emporheben. Das heißt also: Jeder Baum spricht "Bismillah",er füllt seine Hände aus der Schatzkammer des Allbarmherzigen mit Früchten, streckt sie uns entgegen, bietet sie uns an. Jeder Garten spricht "Bismillah",er wird zu einem Kessel in der Küche der Macht, worin die verschiedensten Arten köstlicher Speisen gleichzeitig zubereitet werden. All die Tiere (die Gott zum Segen der Menschheit geschaffen hat) wie Kuh und Kamel, Ziege und Schaf, sprechen "Bismillah".Aus der Fülle des Erbarmens entsteht ein Brunnen von Milch. Sie bieten uns im Namen des Versorgers die feinste und reinste Nahrung gleich dem Wasser des Lebens an. All die Pflanzen, Bäume und Kräuter sprechen mit ihren seidenweichen Wurzeln und Adern "Bismillah".Sie durchdringen
harte Steine und feste Erde. Sie sprechen "Im Namen Allahs, im Namen des Barmherzigen" und es unterwerfen sich ihnen alle Dinge.
In der Tat breiten sich ihre Äste in der Luft aus und tragen Früchte und ihre Wurzeln breiten sich mit der gleichen Leichtigkeit in der Erde aus, durchdringen den harten Stein und bringen unter der Erde ihren Ertrag hervor. Zudem bleiben ihre empfindlichen grünen Blätter auch noch in sengender Hitze monatelang frisch. Das alles ist den Materialisten wie ein Schlag ins Gesicht und bringt sie zum Verstummen, steckt ihnen den Finger zur Strafe in ihre verblendeten Augen und spricht zu ihnen: Auch die Härte und die Hitze, der du eine so große Macht zuschreibst, handeln unter (göttlichem) Auftrag, sodass diese seidenweichen Adern gleich dem Stab Mosis dem Befehl:
فَقُلْنَا اضْرِبْ بْبِعَصَاكَ الْحَجَرَ
{"Und wir haben gesagt: Schlage den Felsen mit deinem Stab!" (Sure 2, 60)}
gehorchen und die Felsen spalten. Und diese zarten Blätter, dünn wie Zigarettenpapier, gleichen jedes den Gliedern Abrahams, mit dem Friede sei, als der Befehl Gottes gegen die glühende, sengende Hitze erging
يَا نَارُ كُونِى بَرْدًا وَ سَلاَمًا
{"Oh Feuer, sei kühl und friedlich!" (Sure 21, 69)}
Da nun einmal jedes Ding dem Sinne nach "Bismillah"sagt und uns im Namen Allahs die Gnadengaben Gottes entgegenbringt und anbietet, müssen auch wir "Bismillah"sagen. Im Namen Allahs müssen wir geben. Im Namen Allahs müssen wir entgegennehmen. Wenn dies aber so ist, dürfen wir von gottvergessenen Menschen, die nicht im Namen Allahs geben, auch nichts annehmen.
Frage:
Wir bezahlen den Menschen, die uns ihre Waren anbieten, einen Preis. Doch welchen Preis verlangt
Allah von uns, der doch der wahre Eigentümer der Ware ist?
Antwort:
Es sind dies in der Tat drei Dinge, die der wahre Geber aller guten Gaben im Austausch für alle die kostbaren Gnadengaben und Güter als Preis von uns fordert.
Erstens: Dhikr(Gottesgedenken),
Zweitens: Shukr(Danksagung),
Drittens: Fikr(Nachsinnen).
Am Anfang steht das Gottesgedenken (dhikr)im "Bismillah".Am Ende steht die Danksagung (shukr)im "Elhamdulillah".Zwischen den beiden stehen Nachdenken und Begreifen, dass diese kostbaren Gnadengaben, die wunderbare Kunstwerke sind, Geschenke des Erbarmens, und Wunderwerke der Macht des Einen (Ahad)und Einzigartigen (Samed)
{Er, der nichts und niemanden braucht und dessen alle und jedes bedarf. (A.d.Ü.)}
sind, bedeutet Nachsinnen (fikr).
Jedoch einem Habenichts die Füße zu küssen, wenn er dir ein kostbares Geschenk eines Königs überbringt und dabei den Eigentümer des Geschenkes nicht zur Kenntnis zu nehmen, was für eine Dummheit wäre das! Genauso wäre es, die äußerlich sichtbaren Spender zu loben und zu lieben, den wahren Geber aber zu vergessen, noch tausendmal törichter als dies.
Oh du meine Seele! Wenn du nicht so töricht sein willst, dann gib im Namen Allahs, nimm im Namen Allahs. Im Namen Allahs fange an. Im Namen Allahs führe zu Ende. Und somit ist Frieden (Selam).
{Gruß und Wunsch beim Abschied. (A.d.Ü.)}
Vierzehnter Blitz
Zweites Kapitel
Von Tausenden tiefen Geheimnissen von "Bismillahi r-Rahmani r-Rahim"(Im Namen Gottes, des Erbarmers, des Barmherzigen) werden hier sechs Geheimnisse behandelt.
Hinweis:
In dem Punkt der Erbarmung erschien meinem unzulänglichen Verstand ein glänzendes Licht von "Besmele"{Besmele ist die Kurzform von "Bismillahi r-Rahmani r-Rahim". (A.d.Ü.)}von weitem her.
Ich wollte es für mich in Stichworten niederschreiben. Ich wünschte mit zwanzig-dreißig zu erreichenden Geheimnissen dieses Licht einzukreisen, es zu fangen und aufzunehmen. Aber bedauerlicherweise konnte ich diesmal diesen meinen Wunsch nicht ganz erfolgreich durchführen. Es sind von zwanzig, dreißig nur fünf, sechs geblieben.
Mit der Anrede "Oh du Mensch" meine ich meine eigene Seele. Diesen Unterricht, der gezielt für meine Seele ist, verweise ich auf die Zustimmung meiner feinsinnigen Mitbrüder im Zweiten Kapitel des "Vierzehnten Funken" mit der Absicht, dass er vielleicht für diejenigen, die geistig mit mir verbunden sind und ihre Seelen mehr erwacht sind als meine, ein Anlass zu ihrem Nutzen wird. Dieser Unterricht bezieht sich mehr auf das Herz als auf den Verstand, und blickt mehr auf den Sinn als auf den Beweis.
بِسْمِ اللّهِ الرَّحْمَنِ الرّحِيمِ
{"Im Namen Allahs, des Erbarmers, des Barmherzigen."}
In diesem Kapitel werden einige Geheimnisse aufgeführt.
Erstes Geheimnis:
Ich sah eine Erscheinung von "Bismillahi r-Rahmani r-Rahim"folgendermaßen: Am Gesicht des Kosmos, am Gesicht der Erde und am Gesicht des Menschen befinden sich drei Siegel des Herrn ineinander und zeigen voneinander ihre Nachbildungen.
Das Erste
ist das große Siegel der Gottheit, das aus der gegenseitigen Hilfeleistung, dem solidarischen Zusammengehen, dem Aufeinanderzugehen und der gegenseitigen Erwiderung für ihre Bedürfnisse im ganzen Kosmos sichtbar wird, worauf "Bismillah"blickt.
Das Zweite
ist das große Siegel der Erbarmung, das aus der Ähnlichkeit, dem richtigen Verhältnis, der Wohlordnung, der Folgerichtigkeit, der Gnade und der Barmherzigkeit in der Umsicht, der Versorgung, der Lenkung und Leitung der Pflanzen und der Tiere, an dem Gesicht der Erdkugel sichtbar ist, worauf "Bismillahi r-Rahmani r-Rahim"schaut.
Das Dritte
ist das hohe Siegel der Barmherzigkeit, das aus den Feinheiten der Güte, den Einzelheiten der selbstlosen Liebe und den Funken des Erbarmens Gottes an dem Gesicht des umfassenden Wesens des Menschen sichtbar wird, worauf "Al-Rahim" in dem "Bismillahi r-Rahmani r-Rahim"blickt. Das heißt also "Bismillahi r-Rahmani r-Rahim"ist eine heilige Bezeichnung für die drei Siegel der Einheit (Ahadiyet),die auf dem Blatt der Welt eine lichtvolle Zeile bildet. Und es ist ein starker Strang und eine glänzende Linie dessen. Das heißt: "Bismillahi r-Rahmani r-Rahim"von oben herabkommend berührt mit seinen Enden den Menschen, der die Frucht des Kosmos und eine kleine Nachbildung der Welt ist. Es verbindet die Erde mit dem Thron Gottes. Es wird zu einem Weg, den menschlichen Thron zu besteigen.
Zweites Geheimnis:
Der Qur'an, dessen Verkündigung ein Wunder ist, führt immer die Erscheinungen der Einheit Gottes im Einzelnen (Ahadiyet)vor Augen, wenn es um die Erkenntnis der Einheit Gottes in der Vielfalt und in dem großen Umfang (Vahidiyet)geht, damit der Verstand inmitten der Erscheinungen der Einheit in der unendlichen Vielfalt und Umfang (Vahidiyet)der Schöpfung nicht ertrinkt. Das heißt, z.B. die Sonne umfasst grenzenlose Dinge mit ihrem Licht. Um das Wesen der Sonne, das in ihrem ganzen Licht ist, erfassen zu können, ist eine überaus weitreichende Vorstellungskraft und ein umfassender Blick notwendig. Um die Sonne selbst nicht vergessen zu lassen, wird deshalb die Sonne selbst durch ihre Widerspieglung in jedem glänzenden Ding gezeigt. Und jedes glänzende Ding zeigt seinen Fähigkeiten entsprechend neben der Sonne mit ihrem Spiegelbild, ihre Eigenschaften wie ihr Licht und ihre Hitze. Und so wie jedes glänzende Ding, seinen Fähigkeiten entsprechend, die Sonne mit all ihren Eigenschaften zeigt, umfasst jede der Eigenschaften der Sonne wie Licht, Hitze und die sieben Farben in ihrem Licht auch alle Dinge, die ihr gegenüberliegen. Genauso auch:
وَ لِلَّهِ الْمَثَلُ اْلاَعْلٰى
{"Bei Gott sind die erhabensten Gleichnisse." (Sure 16, 60)}
Es möge kein Missverständnis durch dieses Gleichnis geben. So wie die Einheit (Ahadiyet)und die Einzigartigkeit (Samediyet)Gottes in allen Dingen, besonders in Lebewesen, besonders in dem Wesen des Menschen als Spiegel mit allen Seinen Namen, eine Erscheinung hat, umfassen auch aufgrund der Einheit und Allgegenwart jeder Seiner Namen, die mit den Existenzen verbunden sind, alle Existenzen. Der Qur'an führt immer das Siegel der Einheit Gottes in den einzelnen Existenzen innerhalb Seiner Allgegenwart vor Augen, sodass der Verstand inmitten der Einheit Gottes in Seiner Allgegenwart nicht erstickt und den allheiligen Herrn nicht vergisst. Was die
drei wichtigen Knoten dieser Prägung zeigen, ist "Bismillahi r-Rahmani r-Rahim".
Drittes Geheimnis:
Das, was diesen unendlichen Kosmos belebt, ist, wie wir augenscheinlich bezeugen können, Barmherzigkeit. Und das, was diese finsteren Existenzen erleuchtet, ist eindeutig wieder die Barmherzigkeit. Und das, was diese Geschöpfe, die sich in grenzenlosen Bedürfnissen herumwälzen, versorgt, ist wieder eindeutig die Barmherzigkeit. Was das ganze Universum, einem Baum gleich, der sich mit seiner Gesamtheit zu seiner Frucht hinwendet, zu dem Menschen hinwendet, ihn überall versorgen lässt und ihm alle Dinge zu Hilfe schickt, ist eindeutig die Barmherzigkeit. Und das, was diesen grenzenlosen Weltraum und den leeren und wüsten Kosmos füllt, erleuchtet und aufleben lässt, ist, wie wir augenscheinlich bezeugen können, die Barmherzigkeit. Und das, was diesen vergänglichen Menschen zum Anwärter für die Ewigkeit macht und dem Herrn aller Ewigkeit zu seinem Ansprechpartner und Freund macht, ist eindeutig die Barmherzigkeit.
Oh Mensch! Da die Barmherzigkeit nun einmal eine dermaßen starke, reizvolle, liebenswerte, hilfreiche, geliebte Wahrheit ist, sage "Bismillahi r-Rahmani r-Rahim",hafte dich an diese Wahrheit und errette dich vor absoluter Einsamkeit und vor den Plagen zahlloser Bedürfnisse! Und rücke an den Thron des Königs aller Ewigkeit heran und werde durch die Gnade und das Licht dieser Barmherzigkeit diesem König zu Seinem Ansprechpartner und Freund!
Dass die Arten des Kosmos sich um den Menschen in Weisheit versammeln und zu allen seinen Bedürfnissen in vollkommener Wohlordnung und Güte eilen, dafür kann es nur zwei Erklärungen geben. Entweder kennt jede Art im Kosmos von sich selber aus den Menschen, gehorcht ihm und eilt ihm zu Hilfe. Dies aber ist hundertfach vom vernünftigen Denken entfernt und hat viele Unmöglichkeiten zu Folge. Bei einem so hilflosen Wesen wie dem Menschen müsste sich dann die Macht eines mächtigen,
absoluten Königs finden lassen. Oder es erfolgt diese Unterstützung durch das Wissen des absoluten Mächtigen, hinter diesem Schleier des Kosmos. Also ist es nicht so, dass die Arten des Kosmos den Menschen kennen, sondern es sind klare Zeichen für das Kennen und Wissen eines Herrn, der von dem Menschen weiß, ihn kennt und sich seiner erbarmt.
Oh Mensch! Komm zur Besinnung! Ist es überhaupt möglich, dass der majestätische Herr, der alle Arten der Schöpfung zu dir hinwendend ihre helfenden Hände strecken und gegenüber deinen Bedürfnissen "Bitte schön!" sagen lässt, von dir nichts wissen, dich nicht kennen und nicht sehen sollte!? Da Er dich nun einmal kennt und durch Seine Barmherzigkeit bekannt gibt, dass Er dich kennt, sollst auch du Ihn kennen und in deiner Hochachtung bekannt geben, dass du Ihn kennst. Und wisse mit Sicherheit, einem absolut Schwachen, absolut Ohnmächtigen, absolut Armseligen, einem vergänglichen, kleinen Geschöpf wie dir, den riesigen Kosmos in den Dienst zu stellen und ihm zu Hilfe zu schicken, ist mit Sicherheit die Wahrheit der Barmherzigkeit, die Weisheit, Güte, Wissen und Macht beinhaltet. Gewiss verlangt eine solche Barmherzigkeit von dir nach einem umfassenden und aufrichtigen Dank und einem ernsthaften und unvermischten Respekt. Also, sage "Bismillahi r-Rahmani r-Rahim",welches das Sprachrohr und die Bezeichnung dieses aufrichtigen Dankes und dieses unvermischten Respekts ist! Mache es dir zu einem "Fahrzeug" um diese Barmherzigkeit zu erlangen und zu deinem Fürsprecher an der Schwelle der Barmherzigkeit!
In der Tat sind die Existenz und die Verwirklichung der Barmherzigkeit offensichtlich wie die Sonne. Denn so wie ein zentrales Ornament ja durch die Ordnung der Stellungen, der aus allen Richtungen kommenden Einschläge und der Fäden entsteht; genauso weben lichtvolle Einstiche, die sich von der Erscheinung der tausendundeinen Namen Gottes an dem großen Kreis dieses Kosmos erstrecken, an dem Gesicht des Kosmos an einer
solchen Prägung der Barmherzigkeit, ein Siegel des Erbarmens und ein Ornament des Mitleids und sticken einen solchen Stempel der Güte, dass sie sich dem Verstand noch glänzender als die Sonne zeigen. Der Barmherzige in Seiner Schönheit, der die Sonne, den Mond, die Elemente, die Erze, die Pflanzen und die Tiere mit den Strahlen Seiner tausendundeinen Namen, Fäden gleich, beim Einsticken eines gewaltig großen Ornamentes, wohlgeordnet, macht sie dem Leben dienstbar und äußert durch die überaus liebliche und opferbereite Liebe aller Mütter Seine Liebe. Er stellt die Lebewesen, Pflanzen und Tiere, dem menschlichen Leben in den Dienst. Er macht daraus einen überaus schönen und anmutigen, gewaltigen Schmuck Seiner Herrschaft, zeigt die Bedeutung des Menschen und Seine Gnade in glänzendster Form.
In der Tat macht dieser Barmherzige in Seiner Schönheit, seiner eigenen absoluten Erhabenheit gegenüber, Seine Barmherzigkeit zu einem angenommenen Fürsprecher für das Lebewesen und den Menschen, welche unbegrenzt bedürftig sind. Oh du Mensch, wenn du ein Mensch bist, sage "Bismillahi r-Rahmani r-Rahim"und finde diesen Fürsprecher! In der Tat, was auf der Erde vierhunderttausend verschiedene Arten Pflanzen und Tiere, ohne überhaupt eine zu vergessen, zu verwechseln, in der rechten Zeit in vollkommenster Ordnung, mit Weisheit und Güte versorgt, lenkt und leitet und auf das Gesicht der Erdkugel das Siegel Seiner Einheit im Einzelnen (Ahadiyet)prägt, ist eindeutig, wie wir sogar selber augenscheinlich bezeugen können, die Barmherzigkeit. Wie das Vorhandensein der Barmherzigkeit so sicher ist wie die Körper der Existenzen auf dem Gesicht dieser Erdkugel, so gibt es auch viele Beweise für ihre Wahrheit, wie die Anzahl der Existenzen selber. Ja, so wie sich an dem Antlitz der Erde ein solches Siegel der Barmherzigkeit und Prägung der Einheit Gottes im Einzelnen (Ahadiyet)findet, trägt auch der Mensch an dem Gesicht seines geistigen Wesens ein
solches Siegel der Barmherzigkeit, das nicht geringer als das Siegel der Barmherzigkeit an dem Gesicht der Erdkugel und als das große Siegel der Erbarmung an dem Gesicht des Kosmos ist. Es ist umfassend etwa in der Bedeutung eines Brennpunktes der Erscheinungen der tausendundeinen Namen Gottes.
Oh Mensch, ist es überhaupt möglich, dass der Herr, der dir ein solches Gesicht gegeben, und an diesem Gesicht so ein Siegel der Barmherzigkeit und so einen Stempel der Einheit im Einzelnen geprägt hat, dich dir selbst überlässt, dir keine Bedeutung beimisst!? Sollte Er nicht auf deine Handlungen aufmerksam sein!? Sollte Er die ganze Schöpfung, die dir zugewandt ist, für sinnlos erklären!? Sollte Er den Baum der Schöpfung zu einem wertlosen Baum machen, dessen Früchte faul und verdorben sind!? Sollte Er außerdem Seine Barmherzigkeit, über die in keinerlei Hinsicht ein Zweifel besteht, die überhaupt keinen Mangel hat und die wie die Sonne sichtbar ist, und Seine Weisheit, die wie das Licht erkennbar ist, leugnen lassen!? - Ganz und gar nicht!
Oh du Mensch! Wisse, es gibt eine Leiter, um zu dem Thron dieser Barmherzigkeit zu gelangen! Diese Leiter ist "Bismillahi r-Rahmani r-Rahim"(Im Namen des Erbarmers, des Barmherzigen). Willst du verstehen, wie wertvoll diese Leiter ist, dann betrachte den Anfang aller 114 Suren des Qur'an, dessen Worte ein Wunder sind, die einleitenden Worte aller segensreichen Bücher und den Anbeginn aller guten Taten. Der absolute Beweis für die Größe des Wertes dieses Satzes (Besmele)ist, dass sehr große Qur'anexegeten (mudjtahid)wie Imam Schafi (Gott möge mit ihm zufrieden sein) sagten: Obwohl dieser Satz "Besmele" ein einziger Vers ist, erscheint er im Qur'an 114-mal als von Gott herabgesandt.
Viertes Geheimnis:
Was die Erscheinung der Gegenwart Gottes (Vahidiyet)innerhalb grenzenloser Vielfalt betrifft, so reicht es nicht jedem aus, während er die Anrede von
إِيَّاكَ نَعْبُدُ {"zu Dir allein beten wir!"} ausspricht, sie zu erkennen. Der Gedanke verstreut sich. Hinter der Einheit der Vielfalt in der Gesamtheit, den Herrn, der in Seinem Wesen ein Einziger ist, betrachten und إِيَّاكَ نَعْبُدُ وَإِيَّاكَ نَسْتَعِينُ {"Zu Dir allein nehmen wir unsere Zuflucht und zu Dir allein beten wir!"} aussprechen zu können, muss sich ein Herz im Umfang der Erdkugel finden. Aus diesem Geheimnis stellt sich das Siegel der Einheit Gottes in jedem Einzelnen ganz klar heraus. Genauso zeigt es sich im Stempel Seiner Barmherzigkeit, damit dieses Siegel Seiner Einheit in jeder einzelnen Gattung erkennbar wird und die Leute den Herrn, der in Seinem Wesen ein Einziger ist, vorrangig in Betracht ziehen. Dadurch soll jeder auf jeder Stufe إِيَّاكَ نَعْبُدُ وَإِيَّاكَ نَسْتَعِينُ {"Zu Dir allein nehmen wir unsere Zuflucht und zu Dir allein beten wir!"} aussprechen und ohne Mühe unmittelbar den allheiligen Herrn ansprechen und sich Ihm zuwenden können.
Um diesem großartigen Geheimnis Ausdruck zu verleihen, spricht der weise Qur'an, wenn er die großen Peripherien des Kosmos, zum Beispiel die Erschaffung des Himmels und der Erde behandelt, auf einmal von einem kleineren Kreis und feineren Teil, um in einer offenkundigen Form den Stempel Seiner Einheit in den Einzelnen zu zeigen.
Zum Beispiel während der Erörterung der Himmel und der Erde wird ein Thema von der Erschaffung des Menschen, von der Stimme des Menschen und von den feinsinnigen Gaben und Weisheiten an seinem Gesicht besprochen, sodass der Gedanke nicht ausschweift, das
Herz nicht erdrückt wird und die Seele seinen Angebeteten unmittelbar findet.
Zum Beispiel:
Der Vers
وَمِنْ آيَاتِهِ خَلْقُ السَّمٰوَاتِ وَاْلاَرْضِ وَاخْتِلاَفُ اَلْسِنَتِكُمْ وَ اَلْوَانِكُمْ
{"Und zu Seinen Zeichen gehört die Erschaffung von Himmel und Erde und die Verschiedenheit eurer Sprachen und Farben."(Sure 30, 22)}
zeigt die oben erwähnte Wahrheit in wunderbarer Form. In der Tat ist die Einheit Gottes durch zahllose Geschöpfe und in grenzenloser Vielfalt geprägt. Ihre Siegel sind wie ineinander gelegte Kreise und erscheinen von dem äußersten Großen bis zu dem innersten Kleinen in verschiedenen Arten und Stufen. Was diese Einheit betrifft, so ist sie, in welchem Umfang sie auch erscheinen mag, eine Einheit in der Vielfalt. Sie kann aber die wahre Ansprache nicht herbeiführen. Deswegen muss sich hinter der Einheit in der Vielfalt das Siegel der Einheit im Einzelnen finden, sodass die Vielfalt nicht in Erinnerung kommt und für das Herz der Weg unmittelbar zu dem allheiligen Herrn offen wird. Des Weiteren, um die Blicke auf das Siegel der Einheit (im Einzelnen) zu lenken und die Herzen danach hinzuziehen, setzt Er auf dieses Siegel der Einheit (im Einzelnen) das Siegel Seiner Barmherzigkeit und den Stempel Seiner Gnade, welche überaus reizvolle Ornamente, überaus glänzendes Licht, ein überaus lieblicher Reiz, eine überaus liebliche Schönheit, eine überaus starke Wahrheit sind. In der Tat ist es die Kraft dieser Barmherzigkeit, die die Blicke der Bewusstseinstragenden zu sich lenkt, hinzieht und zu dem Siegel der Einheit (in Einzelnen) führt. Sie veranlasst, über den Herrn, der in Seinem Wesen ein Einziger ist, nachzudenken, und weiter führt sie mit der wahren Anrede in
إِيَّاكَ نَعْبُدُ وَإِيَّاكَ نَسْتَعِينُ
{"Zu Dir allein nehmen wir unsere Zuflucht und zu Dir allein beten wir!"}
"Bismillahi r-Rahmani r-Rahim"ist der Auszug der Sure "Die Eröffnung" (Fatiha)und eine kurze Zusammenfassung des Qur'an. Deswegen ist sie der Titel und das
Sprachrohr für dieses oben erwähnte große Geheimnis geworden. Wer diesen Titel ergreift, vermag auf den Stufen der Barmherzigkeit zu reisen. Wer dieses Sprachrohr zum Sprechen bringt, erfährt Geheimnisse der Barmherzigkeit und erlebt Lichter der Gnade und der selbstlosen Liebe.
Fünftes Geheimnis:
Eine heilige Hadith besagt:
اِنَّ اللّهَ خَلَقَ اْلاِنْسَانَ عَلَى صُورَةِ الرَّحْمَنِ
{"Wahrlich, Allah hat den Menschen nach der Art des Erbarmers erschaffen." (au kema-qal: Oder wie im Original gesagt.)}
Diese Hadith legte ein Teil der Ordensleute auf einer erstaunlichen Weise aus, wie sie den Glaubensgrundsätzen nicht entsprach. Sogar betrachtete ein Teil der Gottesverliebten unter ihnen, das geistige Gesicht des Menschen als eine Art Ebenbild des Erbarmers: Da die meisten der Gottesverliebten in Ekstase leben und bei ihnen Verwechslungen vorkommen, sind sie wegen ihrer der Wahrheit widersprechenden Auffassungen vielleicht entschuldigt. Aber diejenigen, die bei Besinnung sind, dürfen ihre Ausdeutungen, die den Glaubensgrundpfeilern widersprechen, nicht annehmen. Nehmen sie sie an, so begehen sie Fehler. So wie Gott, der allheilige Herr, der den ganzen Kosmos einem Schloss, einem Haus gleich wohlgeordnet regiert und der die Sterne, Atomen gleich, weisheitsvoll und leicht kreisen und reisen lässt, und der die Atome wohlgeordneten Beamten gleich in Dienst stellt, keinen Partner, kein Seines Gleichen, keinen Gegensatz und keinen Nebenbuhler hat, kann es auch für ihn nach dem Geheimnis von
لَيْسَ كَمِثْلِهِ شَىْءٌ وَهُوَ السَّمِيعُ الْبَصِيرُ
{"Nichts ist Ihm ebenbürtig und Er ist der Allhörende, der Allsehende!" (Sure 42, 11)}
kein Ebenbild, kein Entsprechendes, kein Beispiel und kein Vergleichbares geben. Aber in dem Geheimnis und
Gleichnis von
وَلَهُ اْلمَثَلُ اْلاَعْلَى فِى السَّمٰوَاتِ وَاْلاَرْضِ وَهُوَ الْعَزِيزُ الْحَكِيمُ
{"Ihm gebührt das höchste Gleichnis in den Himmeln und der Erde, und Er ist der unbesiegte Sieger, der Allweise." (Sure 30, 27)}
kann man Seine Taten, Eigenschaften und Namen betrachten. Das heißt, hinsichtlich der Taten Gottes gibt es Gleichnisse und Beispiele, die sinnbildlich ausgedrückt werden. Eine von vielen Zwecken dieser oben erwähnten heiligen Hadith ist folgendermaßen: Der Mensch ist in einer Form erschaffen, die den Namen Gottes "Erbarmer" vollständig erkennen lässt. Wie oben erklärt, wird am Gesicht des Kosmos der Gottesname "Erbarmer" erkennbar, der aus den Strahlen der tausendundeinen Namen in Erscheinung tritt. Am Gesicht der Erdoberfläche wird der Name Gottes, "Erbarmer" gezeigt, der in zahllosen Erscheinungen der absoluten Herrschaft Gottes ersichtlich ist. Die Überlieferung besagt, dass das umfassende Bild des Menschen wiederum die vollständige Erscheinung des Namens "Erbarmer", wie das Gesicht der Erde und des Kosmos, in einem kleinen Maße zeigt. Des Weiteren gibt sie einen Hinweis darauf, dass die Dinge wie Lebewesen und Menschen, welche als Zeugen und Spiegel für den gnädigen und barmherzigen Herrn dienen, den Herrn, dessen Existenz notwendig ist, dermaßen zuverlässig, offensichtlich und klar erkennen lassen. So wie, wenn man über einen klaren Spiegel, der das Spiegelbild und die Widerspiegelung der Sonne umfasst, hinweisend auf seine Klarheit und Deutlichkeit seiner Wiedergabe sagt: "Dieser Spiegel ist die Sonne", so wurde (in diesem Sinne) auch hinweisend auf die Deutlichkeit seiner Bezeugung und auf seine vollkommene Beziehung gesagt, und kann man sagen: "Bei dem Menschen ist die Art des Erbarmers erkennbar". Als eine Bezeichnung für diese Deutlichkeit der Bezeugung und für die Vollkommenheit dieser Beziehung sagte die gemäßigte Gruppe der Leute der Schule "Die Einheit im Sein" (Vahdetu l-Vudjud)auf Grund dieses Geheimnisses:
"La Maudjuda illa Hu!"(Es gibt keine Existenz außer Ihm).
اَللّهُمَّ يَا رَحْمنُ يَا رَحِيمُ بِحَقِّ بِسْمِ اللّهِ الرَّحْمَنِ الرَّحِيمِ اِرْحَمْنَا كَمَا يَلِيقُ بِرَحِيمِيَّتِكَ وَ فَهِّمْنَا اَسْرَارَ بِسْمِ اللّهِ الرَّحْمنَ الرَّحِيمِ كَمَا يَلِيقُ بِرَحْمَانِيَّتِكَ آمِينَ
{"Oh Allah, oh Erbarmer, oh Barmherziger. Um des 'Bismillahi r-Rahmani r-Rahim' willen, erbarme Dich unser wie es Deiner Barmherzigkeit entspricht und lass uns die Geheimnisse von 'Bismillahi r-Rahmani r-Rahim' verstehen wie es Deinem Erbarmen entspricht."}
Sechstes Geheimnis:
Oh du hilfloser Mensch, der du dich in grenzenloser Schwäche und unendlicher Armseligkeit wälzt! Was für ein wertvolles "Fahrzeug" und was für ein geschätzter Fürsprecher die Barmherzigkeit ist, verstehe damit, dass diese Barmherzigkeit zu einem solchen majestätischen König führt, in dessen Heer die Atome mit den Sternen zusammen in vollkommener Wohlgeordnetheit und Gehorsam im Dienst stehen. Und dieser majestätische Herr, König aller Ewigkeit, hat in Seinem Wesen eine Erhabenheit, die absolut nichts und niemanden bedarf.
Er ist der, dessen Reichtum unbegrenzt ist, der in keiner Hinsicht des Kosmos und der Existenzen bedürftig ist. Der ganze Kosmos steht unter Seinem Befehl, Seiner Regierung, Seiner Macht und Seiner Herrlichkeit, und ist in seinem unendlichen Gehorsam demütig gegenüber Seiner Majestät. Also, oh du Mensch, die Barmherzigkeit bringt dich in die Audienz dessen, der unbegrenzt reich ist und nichts und niemanden bedarf, des immerwährenden Königs und macht dich Ihm zum Freund! Sie macht dich Ihm zu Seinem Gesprächspartner und du bekommst die Stellung eines geliebten Dieners. Du kannst ja z.B. die Sonne nicht erreichen, bist von ihr weit entfernt, kannst dich ihr keineswegs nähern. Aber das Sonnenlicht gibt dir eine Reflexion, eine Erscheinung der Sonne durch deinen Spiegel in deiner Hand. Genauso sind wir von dem allheiligen Herrn, der Sonne aller Ewigkeiten zwar unendlich weit entfernt, und können uns Ihm nicht nähern; aber das Licht Seiner Barmherzigkeit bringt Ihn uns nahe.
Wohlan, oh du Mensch! Wer diese Barmherzigkeit findet, findet einen ewigen, unerschöpflichen Schatz!
Der Weg, diesen Schatz zu finden ist: Die Art und Weise (sunna)des Ehrenwerten Gesandten, mit dem Friede und Segen sei, der das glänzendste Beispiel und der Vertreter der Barmherzigkeit, der das prägnanteste Sprachrohr und der öffentliche Ausrufer dieser Barmherzigkeit ist, und der im Qur'an mit der Bezeichnung als "Die Barmherzigkeit für die Welten" (Rahmeten li l-'alemin)genannt wird. Ihm nachzufolgen, ist dieser Weg. Das Fahrzeug zu dieser sich verkörperten Barmherzigkeit, die "Rahmeten li l-'alemin"ist, sind die Segenswünsche für ihn (salavat).In der Tat ist die Bedeutung, die in den Segenswünschen liegt, die Barmherzigkeit. Die Segenswünsche, die Gebete für den Segen für diese lebendige, verkörperte Barmherzigkeit, sind ein Fahrzeug zu der Zusammenkunft mit dieser "Barmherzigkeit für die Welten". Dann allerdings mache dir den Segenswunsch zum Anlass für diese Rahmeten li l-'alemin und nimm dir diese Persönlichkeit als ein Fahrzeug zu der Barmherzigkeit des Erbarmers!
Dass die ganze Gemeinde über "die Barmherzigkeit für die Welten", mit dem Friede und Segen sei, unendlich viele Segenswünsche im Sinne der Barmherzigkeit spricht, beweist in glänzender Weise, was für ein wertvolles Geschenk Gottes die Barmherzigkeit ist, und was für einen umfangreichen Kreis sie hat.
Zusammenfassung:
So wie der wertvollste Brillant aus der Schatzkammer der Barmherzigkeit und ihr Torhüter der Gottesgesandte Hazret Ahmed, mit dem Friede und Segen sei, ist, so ist auch der allerbeste Schlüssel zu ihr "Bismillahi r-Rahmani r-Rahim".Der Schlüssel zu ihr, den man ganz leicht erreicht, sind auch die Segenswünsche für ihn (salavat).
اَللّهُمَّ بِحَقِّ اَسْرَارِ بِسْمِ اللّهِ الرَحْمنِ الرَّحِيمِ صَلِّ وَ سَلِّمْ عَلَى مَنْ اَرْسَلْتَهُ رَحْمَةً لِلْعَالَمِينَ كَمَا يَلِيقُ بِرَحْمَتِكَ وَ بِحُرْمَتِهِ وَ عَلَى الِهِ وَ اَصْحَابِهِ اَجْمَعِينَ
وَ ارْحَمْنَا رَحْمَةً تُغْنِينَا بِهَا عَنْ رَحْمَةِ مَنْ سِوَاكَ مِنْ خَلْقِكَ آمِينَ
سُبْحَانَكَ لاَ عِلْمَ لَنَآ اِلاَّ مَا عَلَّمْتَنَآ اِنَّكَ اَنْتَ الْعَلِيمُ الْحَكِيمُ
{"Oh Allah. Um des Geheimnisses von "Bismillahi r-Rahmani r-Rahim" willen sei Friede und Segen auf dem, den du als Barmherzigkeit für die Welten gesandt hast, wie es Deiner Barmherzigkeit und seiner Würde entspricht, und seiner Familie und allen seinen Gefährten. Und sei uns barmherzig, damit wir außer von Dir, von keinem Deiner Geschöpfe Barmherzigkeit zu erwarten brauchen. Amen." "Gepriesen seist Du! Wir haben kein Wissen, außer dem, das Du uns gelehrt hast. Denn Du bist der Allwissende, der Allweise!" (Sure 2, 32)}
Zweites Wort
بِسْمِ اللّهِ الرَّحْمَنِ الرّحِيمِ ٭ اَلَّذِينَ يُؤْمِنُونَ بِالْغَيْبِ
{"Im Namen Allahs, des Erbarmers, des Barmherzigen; Die da glauben an das Verborgene." (Sure 2, 3)}
Möchtest du verstehen, welch große Glückseligkeit, welch eine Gnadengabe, was für ein Wohlgeschmack und was für eine Beruhigung im Glauben liegt, dann schaue und höre das folgende Gleichnis:
Es begaben sich einmal zwei Männer auf eine Urlaubsreise, auf der sie auch ihre Geschäfte machen wollten. Der eine lebt glücklos und ichbezogen und schlägt seinen Weg in der einen, der andere lebt glücklich und gottbezogen und schlägt seinen Weg in der anderen Richtung ein. Der Ichbezogene, weil er nur an sich selbst denkt und nur um sich selbst besorgt ist, findet als Strafe dafür, dass er immer und überall nur schwarz sieht, ein Land vor, das in seinen Augen ganz schlecht ist. Er schaut sich um: Überall schreien die schwachen und hilflosen Menschen unter den Händen der fürchterlichen Gewaltmenschen und den Zerstörungen, welche diese anrichten, Ach und Weh. Wohin er auch kommt, erlebt er diesen beklagenswerten, bedrückenden Zustand. Das ganze Land hat die Gestalt eines öffentlichen Trauerhauses angenommen. Um selbst nicht diesen quälenden und finsteren Zustand wahrnehmen zu müssen, flüchtet er in die Trunkenheit als einzigen Ausweg. Denn für ihn sieht alles fremdartig aus und jeder erscheint ihm feindselig. In aller Öffentlichkeit erblickt er entsetzliche Leichen und verzweifelt weinende Waisen. Das Leid ist ihm eine unerträgliche Last.
Der zweite Reisende, der mit Gott verbunden lebt, sich an Ihn hält, Ihn anbetet und über die Wahrheit nachsinnt, ist ein hochanständiger Mensch; und er findet ein Land vor, das nach seiner Sicht sehr schön ist. So gerät denn dieser Mann in dem Lande, das er betritt, in ein großes,
allgemeines Volksfest. Freude herrscht überall im Lande. Es werden Feste und Feiern veranstaltet. In den Häusern, in denen man Gottes gedenkt, leuchtet ekstatische Glückseligkeit... Ein jeder begegnet ihm als Freund und Verwandter. Überall im Lande erlebt er Volksfeste und Entlassungsfeiern, erfüllt von Dankbarkeit. Hochrufe werden laut. Und es gibt auch fröhliche Rekrutierungsfeiern mit dem Ruf: "Allahu Ekber"(Gott ist am größten) und "La ilahe illallah"(Es gibt keinen Gott außer Allah), begleitet von Trommelwirbeln und Fanfarenklang.
Während der erste Reisende sowohl unter dem eigenen Kummer als auch unter dem Schmerz des Volkes leidet, erfreut sich jener Glückliche sowohl des eigenen Frohsinns als auch der allgemeinen Fröhlichkeit des Volkes. Zudem gelingt es ihm auch noch, ein gutes Geschäft abzuschließen. So dankt er Allah.
Danach kehrt er zurück und begegnet dem anderen Reisenden und begreift sofort dessen Zustand. Er sagt zu ihm: "Bei Gott (Ya Hu)!Du bist ja wahnsinnig geworden. Alle Hässlichkeiten deines Inneren haben sich nach außen gespiegelt, sodass du in der Vorstellung lebst, dass da weinen, die da lachen und dass da beraubt und geplündert, die da ausgerüstet werden. Komm zur Besinnung! Reinige dein Herz, damit dieser unglückselige Schleier von deinem Blickfeld beseitigt werde! Dann wirst du die Wirklichkeit erkennen. Denn dieses Land eines Königs, der in so hohem Grade gerecht und barmherzig ist, der seine Untertanen so sehr liebt, der so mächtig und zugleich auch so voll Güte ist, der sein Land mit so überragenden Fähigkeiten regiert und in Ordnung hält, ein Land, das derart offenkundige Merkmale des Aufstiegs und der Vervollkommnung aufweist, kann gar nicht so sein, wie es dir in deiner Einbildung vorschwebt." Da kommt dieser Unglückselige nun zur Besinnung. Er bereut und sagt: "Ja, Trunkenheit und Rausch hatten mich tatsächlich schon bis zum Delirium getrieben. Möge Allah dir vergelten, dass du mich aus der Hölle meines Deliriums errettet hast."
Oh du meine Seele! Wisse: Der erste Mann ist ein Ungläubiger (kafir),ein sündiger (fasik),gottvergessener (gafil)Mensch. In seinen Augen gleicht diese Welt einem öffentlichen Trauerhaus. Für ihn sind alle Lebewesen Waisenkinder, die unter den Schlägen der Trennung und des Verfalls weinen. Mensch und Tier aber sind unversorgt und sich selbst überlassen und werden von der Todespranke in Stücke gerissen. Die Berge und die Meere und alle die anderen großen Erd- und Himmelskörper gleichen abscheulichen, seelenlosen Leichen. Und noch viele andere schmerzliche, bedrückende, furchterregende Wahnvorstellungen, die aus seinem Un- und Irrglauben entstanden sind, quälen ihn seelisch.
Der zweite Mann aber ist ein gläubiger Mensch (mu'min).Er weiß, bekennt und bezeugt, dass Allah sein Herr und sein Schöpfer ist. In seinen Augen ist diese Welt eine Stätte der Besinnung auf den Allerbarmer, ein Übungsgelände für Mensch und Tier und ein Ort der Prüfung für Menschen und Dschinnen. Was aber den Tod aller Menschen und Tiere betrifft, so ist er eine Entlassung. Haben sie die Aufgabe ihres Lebens beendet, ziehen sie aus diesem vergänglichen Haus voll innerer Freude ohne allzuviel Aufhebens in eine andere Welt hinüber. Dadurch sollen sie nur für die Neuankömmlinge Platz machen, die kommen, um ihre Aufgabe zu übernehmen und zu erfüllen.
Was aber die Geburt der Tiere und Menschen betrifft, so gleicht sie der Rekrutierung von Soldaten, welche unter die Waffen treten und ihre Pflicht auf sich nehmen. Jedes einzelne Lebewesen ist beauftragt wie ein munterer Soldat oder ein rechtschaffener, zufriedener Beamter. Was aber all diese Stimmen betrifft, so rühren sie teils aus dem Gedenken (dhikr)und Lobpreis Gottes (tesbih)zu Beginn der Arbeit, teils aus der Danksagung und der frohen Stimmung nach ihrer Beendigung, teils sind es Melodien, die aus der Freude über die Arbeit entstehen. In den Augen jedes Gläubigen ist jedes einzelne Geschöpf ein vertrauter Diener seines freigiebigen Herrn
und Barmherzigen Königs (Malik-i Rahim),Sein befreundeter Diener, Sein kostbares Buch. Und dergleichen noch sehr viel mehr feinsinnige, erhabene, geschmackvolle und köstliche Wahrheiten erwachsen ihm aus seinem Glauben, offenbaren sich ihm. Das heißt, dass der Glaube unsichtbar den Samen des paradiesischen Tuba-Baumes in sich trägt. Was aber den Unglauben betrifft, so birgt er unsichtbar ein Korn des höllischen Zakkum-Baumes in sich.
Das heißt also, dass es Frieden und Sicherheit nur im Islam und im Glauben gibt. Weil dies aber so ist, müssen wir immer sagen:
اَلْحَمْدُ ِللّهِ عَلَى دِينِ اْلاِسْلاَمِ وَ كَمَالِ اْلاِيمَانِ
{"Dank sei Gott für die Religion des Islam und die Vollkommenheit des Glaubens."}
Drittes Wort
بِسْمِ اللّهِ الرَّحْمَنِ الرّحِيمِ ٭ يَآ اَيُّهَا النَّاسُ اعْبُدُوا
{"Im Namen Allahs, des Erbarmers, des Barmherzigen; Oh Ihr Menschen, betet (Gott) an und dienet (Ihm)!" (Sure 2, 19)}
Möchtest du verstehen, was Anbetung und Gottesdienst bedeutet, welche Glückseligkeit in ihm liegt und welch großartiger Handel mit ihm verbunden ist, was für ein großer Verlust und welch ein Unglück dagegen Sünde und Ausschweifungen nach sich ziehen, dann betrachte und höre das folgende Gleichnis!...
Eines Tages erhielten zwei Soldaten den Befehl, eine weit entfernte Stadt aufzusuchen. Sie machten sich miteinander auf den Weg, bis sie an eine Gabelung kamen. Dort weilte ein Mann, der zu ihnen sprach: "Wer den rechten Weg einschlägt, wird keinen Schaden erleiden. Neun von zehn Reisenden erlangen auf diesem Weg Nutzen und Bequemlichkeit. Was aber den linken Weg betrifft, so führt er zu keinem Gewinn und neun von zehn, die auf ihm reisen, tragen Schaden davon. Doch keiner von den beiden Wegen ist länger oder kürzer als der andere. Es gibt zwischen ihnen nur den einen Unterschied; der linke Weg ist unbewacht und wird nicht instand gehalten. Wer diesen Weg wählt, reist ohne Gepäck und Waffen. Darin liegt eine Erleichterung und trügerische Bequemlichkeit. Was aber den Reisenden betrifft, der unter militärischem Schutz auf dem rechten Weg reist, so muss er vier Okka (etwa 5 kg) Gepäck, bestehend aus einer eisernen Ration und eine zwei Okka schwere Wunderwaffe aus dem Zeughaus mit sich tragen, die jeden Feind zu besiegen und zu überwinden vermag."
Nachdem die beiden Soldaten des Mannes Weisung vernommen hatten, entschied sich der eine von den beiden zu seinem Glück für den rechten Weg. Er verteilte seine sechs Okka (: 1 Batman) Gepäck auf Rücken und
Schultern. Aber Geist und Seele blieben ihm vor tausenden Batman geschuldetem Dank (für Dienstleistungen), und vor ebenso vielen Ängsten bewahrt.
Der andere aber unterließ es zu seinem Unglück, in den Dienst zu treten. Er wollte sich nicht an die Vorschriften halten. Er schlug den linken Weg ein. So verschonte er zwar seinen Körper vor einem Batman Gepäck, doch sein Herz wurde mit tausenden Batman Dankesverpflichtungen belastet und seine Seele (ruh)von unzähligen Ängsten bedrückt. Er musste bei jedermann betteln gehen; jedes Ding versetzte ihn in Angst und jedes Ereignis ließ ihn erzittern. Endlich gelangte er an den Ort seiner Bestimmung. Dort bekam er seine Strafe als ein Rebell und Fahnenflüchtiger.
Was den Soldaten betraf, der seine Anordnungen freudig erfüllte, auf sein Gepäck und seine Waffe Acht gab und den rechten Weg eingeschlagen hatte, so marschierte er mit ruhigem Gewissen und leichtem Sinn, ohne jemandem Dank zu schulden und ohne sich vor jemandem zu fürchten. Endlich gelangte er an den befohlenen Ort. Dort erhielt er als ein Soldat, der seinen Auftrag bestens ausgeführt hatte, seinen verdienten Lohn.
Oh du selbstsüchtige Seele! Wisse: der eine der beiden Reisenden steht für die Menschen, die dem göttlichen Gesetz gehorchen, der andere aber für diejenigen, welche dagegen rebellieren und nur ihren Gelüsten folgen. Was aber den Weg betrifft, so ist er das Leben, das aus der Welt der Seelen heraus durch das Grab ins Jenseits führt. Gepäck und Waffe sind Anbetung, Gottesdienst und Rechtschaffenheit. {Wachsamkeit gegenüber den Sünden. (A.d.Ü.)} Wenn auch der Gottesdienst {Die Einhaltung der fünf täglichen Gebetszeiten usw. (A.d.Ü.)} zunächst äußerlich einige Schwierigkeiten bereitet, so bringt er doch in seiner tieferen Bedeutung eine unbeschreibliche Befriedigung und Erleichterung. Darum spricht der Diener Gottes in seinem Gebet:
اَشْهَدُ اَنْ لآَ اِلَهَ اِلاَّ اللّهُ
{"Ich bezeuge, dass es keine Gottheit gibt außer Allah."}
Das heißt: "Er ist der Schöpfer und Erhalter, neben dem es keinen anderen gibt. Verlust und Gewinn, Schaden und Nutzen liegen in Seiner Hand. Außerdem ist Er der Allweise. Etwas Unsinniges tut Er nicht. Zudem ist Er der Allerbarmer. Sein sind Güte und Erbarmen in Fülle." Wer so spricht und in dieser Weise glaubt, erkennt in einem jeden Ding das Tor zur Schatzkammer des Erbarmens. Er pocht daran mit dem Gebet. Und noch weiter sieht er alle Dinge im Dienste seines Herrn. So nimmt er Zuflucht zu seinem Herrn. Sein Vertrauen auf Gott ist ihm eine Stütze. Bei Ihm findet er gegen ein jedes Übel eine feste Burg. Sein Glaube verleiht ihm eine völlige Sicherheit.
In Wahrheit ist die Quelle jedes wirklich guten Werkes wie auch des Mutes, der Glaube und die Gottverbundenheit; wie auch aller Bosheit und jeder Feigheit Quelle die Verirrung ist!
In der Tat; es ist möglich, dass ein Diener Gottes mit erleuchtetem Herzen sich nicht fürchtet, sollte auch die Welt selbst zu einer Bombe werden, die explodiert. Ja, er wird sogar die wunderbare Macht des Einzigartigen, Unvergleichlichen mit freudigem Erstaunen bewundern. Ein berühmter Philosoph aber, ein Freidenker ohne Herz und Gemüt, den man noch dazu eine Leuchte der Vernunft nennt, beginnt schon hier auf der Erde zu zittern, wenn droben am Himmel ein Komet erscheint. "Wird dieser Irrstern etwa mit unserer Erde zusammenstoßen?" so fragt er, und gerät in Panik. (So zitterte Amerika einmal vor einem Kometen. Viele verließen zur Nachtzeit ihre Häuser.)
Tatsächlich benötigt der Mensch unendlich viele verschiedene Dinge. Doch sein Vermögen gleicht einem Nichts... Zudem wird er noch von unzähligen Übeln geplagt. Doch ist auch hier sein Vermögen so gut wie gar keines... Der Rahmen seines Vermögens und das Umfeld seines Könnens reicht so weit wie sein ausgestreckter
Arm. Was aber seine Hoffnungen und Sehnsüchte, Schmerzen und Leiden betrifft, so ist ihr Umfeld so weit wie das Auge reicht und wächst mit seinen Träumen noch darüber hinaus. Des Menschen Seele (ruh),die doch in einem solchen Grade schwach, armselig und hilfsbedürftig ist, bedarf der Gottesanbetung (ibadet),des Gottvertrauens (tevekkül),der göttlichen Einheit (tauhid)und der Ergebenheit (teslim).Wer nicht gerade mit Blindheit geschlagen ist, sieht und begreift, welch gewaltiger Gewinn, welche Glückseligkeit und was für eine Gnade darin enthalten ist. Es ist ja bekannt, dass ein ungefährlicher Weg einem gefährlichen Weg auch dann vorgezogen wird, wenn die Möglichkeit einer Gefährdung dabei eins zu zehn beträgt. Und dabei ist der hier zur Diskussion stehende Weg der Gottverbundenheit nicht nur ungefährlich, sondern führt noch dazu in neun von zehn Fällen zur Schatzkammer der ewigen Seligkeit. Was dagegen den Weg der Missachtung, der Auflehnung und der Ausschweifung betrifft, so ist er sogar nach dem Eingeständnis der Sünder (fasik)ein Weg ohne Gewinn, der auch noch in neun von zehn Fällen in das Verderben einer ewigen Qual führt. Dies steht nach allgemeiner Übereinstimmung fest, aufgrund unwiderlegbarer Beweise und der Zeugnisse der Gelehrten und Gebildeten, der Theologen und Geistlichen und all derer, die einen Sinn für die Wahrheit haben und sie zu schauen vermögen.
Kurz gesagt: Ein glückliches Leben in dieser wie in jener Welt liegt darin, Allah ein Verehrer und ein Diener zu sein und sich zum Streiter Gottes zu machen. Weil dies aber so ist, müssen wir uns immer zu Ihm bekennen
اَلْحَمْدُلِلّٰهِ عَلَى الطَّاعَةِ وَالتَّوْفِيقِ
{"Lobpreis und Dank sei Allah für Durchführung, Erfüllung und Erfolg."}
und dafür danken, dass wir Muslime (Gläubige) sind.
Viertes Wort
بِسْمِ اللّهِ الرَّحْمَنِ الرّحِيمِ ٭ اَلصَّلاَةُ عِمَادُ الدِّينِ
{"Im Namen Allahs, des Erbarmers, des Barmherzigen; Das Gebet ist die (tragende) Säule des Glaubens (din)."}
Möchtest du verstehen, wie wertvoll und wichtig das Gebet ist, mit welch kleiner Mühe und mit wie wenig Aufwand man es verrichten kann und mit jener absoluten Sicherheit, nach der zwei mal zwei vier ist, begreifen, wie wahnwitzig zudem ein Mensch ist, der nicht betet und welchen Schaden er davonträgt, dann komm und vernimm das folgende Gleichnis!...
Eines Tages schickte ein großer Herrscher zwei seiner Diener - einen jeden mit vierundzwanzig Goldstücken versehen - auf ein zwei Monate weit entferntes und sehr schön gelegenes prächtiges Landgut, dort ihren Aufenthalt zu nehmen. Und er befahl ihnen: "Mit diesem Geld bestreitet die Kosten eurer Wanderschaft und bezahlt damit auch danach eure Überfahrt. Außerdem besorgt euch noch einige Dinge, die ihr in euren dortigen Wohnungen benötigen werdet. Eine Tagesreise von hier gelangt ihr an den Ort, von wo aus man entweder ein Taxi, ein Schiff, einen Zug oder ein Flugzeug nehmen kann. Das hängt ganz von den Geldmitteln ab."
So belehrt, reisen die beiden Diener ab. Der eine von ihnen hat zu seinem Glück bis zur Überfahrt nur wenig Ausgaben. Doch mit diesen geringen Ausgaben gelingt es ihm zur Zufriedenheit seines Herrn ein so gutes Geschäft abzuschließen, dass sich sein Kapital vertausendfacht.
Der andere Diener, unglücklich und unstet, gibt bis zu seiner Überfahrt dreiundzwanzig Goldstücke aus. Er verschleudert sie im Spiel. Ein einziges Goldstück bleibt ihm übrig. Sein Weggefährte sagt zu ihm: "Bei Gott (Ya Hu)!Kaufe dir für dieses eine Goldstück eine Karte für die Überfahrt, damit du nicht diese weite Strecke zu Fuß zurücklegen und Hunger leiden musst. Außerdem ist unser
Herr großmütig. Vielleicht erbarmt er sich deiner und verzeiht dir, was du falsch gemacht hast. Vielleicht darfst du sogar ein Flugzeug nehmen. So können wir noch am selben Tag unseren Bestimmungsort erreichen. Anderenfalls müsstest du zwei Monate lang hungrig und allein durch die Wüste wandern." Sollte dieser Mensch etwa so verstockt sein und dieses eine, einzige Goldstück nicht für eine Flugkarte ausgeben, die doch für ihn der Schlüssel zu einer Schatzkammer ist. Wollte er es stattdessen etwa um eines zeitweiligen Vergnügens willen für Spiel und Tanz verschwenden, müsste dann nicht auch der vernünftigste Mensch begreifen, wie außerordentlich unvernünftig eine solche Handlungsweise wäre, welchen Schaden und welches Unglück sie nach sich ziehen würde.
Nun denn, oh du Mensch ohne Gebet (namaz)!Und du meine Seele (nefs),die du über die Verpflichtung zum Gebet (namaz)nicht besonders begeistert bist!
Dieser Herrscher (Hakim)ist unser Schöpfer (Haliq)und Herr (Rabb).Von den beiden reisenden Dienern ist der eine dem Glauben ergeben (mütedeyyin)und verrichtet das Gebet mit Freuden, während hingegen der andere in Gottvergessenheit dahinlebt und sich nicht um das Gebet kümmert. Die vierundzwanzig Goldstücke sind die vierundzwanzig Stunden des Tages. Das prächtige Landgut ist das Paradies. Die Überfahrt dorthin beginnt am Grab. Sie ist des Menschen Reise vom Grabe zur Auferstehung und darüber hinaus ins ewige Leben. Je nach seiner Handlungsweise (amel)und entsprechend seiner Rechtschaffenheit (taqva)verläuft diese Reise auf verschiedene Arten. Ein Teil der rechtschaffenen Leute legt eine Reisestrecke von tausend Jahren blitzschnell an einem einzigen Tag zurück. Ein anderer Teil von ihnen bewältigt eine Entfernung von fünfzigtausend Jahren gedankenschnell an einem einzigen Tag. Der ruhmreiche Qur'an weist auf diese Tatsache in zwei Ayat hin. Die Fahrkarte aber ist das Gebet. Dabei genügt schon eine einzige Stunde, um alle fünf Gebete zu verrichten und die dazu gehörigen Waschungen zu vollziehen.
Ja handelt denn der, welcher dreiundzwanzig Stunden für dieses kurze irdische Leben verwendet, für jenes ganze lange Leben drüben in der Ewigkeit aber nicht eine einzige Stunde erübrigen kann, etwa nicht zum Schaden seiner selbst? Handelt er etwa nicht grausam gegenüber seiner Seele (nefs)?Handelt er etwa nicht entgegen jeder Vernunft? Denn wie kann man es als vernünftig ansehen, die Hälfte des Vermögens im Lotteriespiel auszugeben, wo man doch weiß, dass die Wahrscheinlichkeit zu gewinnen, nur eins zu tausend beträgt, und danach aber nicht einmal den vierundzwanzigsten Teil des Vermögens für eine 99-prozentige Gewinnchance ausgibt - obwohl der Gewinn die Schatzkammern der Ewigkeit sind? Verstößt das nicht gegen den gesunden Menschenverstand und alle Vernunft? Kann denn ein Mensch, der sich selbst für vernünftig hält, etwa nicht begreifen, wie weit ein solches Verhalten davon entfernt ist, vernünftig zu sein?
Fürwahr; das Gebet verleiht eine tiefe Ruhe für Herz, Sinn und Verstand. Es erfordert keine große körperliche Anstrengung. Zudem erlangen alle die übrigen ansonsten indifferenten weltlichen Handlungen eines betenden Menschen durch dessen gute Einstellung (niyet)die Bedeutung eines Gottesdienstes (ibadet).Der Mensch kann auf diese Weise das Kapital seines ganzen irdischen Lebens dem (Konto seines Lebens im) Jenseits gutschreiben. So verewigt er damit sein vergängliches Leben.
Fünftes Wort
بِسْمِ اللّهِ الرَّحْمَنِ الرّحِيمِبِ ٭ اِنَّ اللّهَ مَعَ الَّذِينَ اتَّقَوْا وَالَّذِينَ هُمْ مُحْسِنُوَن
{"Im Namen Allahs, des Erbarmers, des Barmherzigen; Fürwahr (*), Allah ist mit denen, die rechtschaffen sind und das Gute tun" (Sure 16, 18)
(*) Diese Ayah bezieht sich entsprechend einer Hadith auf solche unter den ehlu t-taqva, denen Allah so nahe ist, dass sie Ihn im Gebete schauen können. (A.d.Ü.)}
Wenn du sehen möchtest, welch große und wahrhafte Menschenpflicht die Verrichtung des Gebetes und die Vermeidung der schweren Sünden ist und wie sehr beides als Ergebnis seines Menschseins und Frucht seiner Erschaffung, der menschlichen Natur entspricht, dann schaue und höre das folgende Gleichnis!...
Während einer Mobilmachung gab es einmal in einem Regiment zwei Soldaten. Der eine von ihnen war erfahren und pflichtbewusst, der andere aber noch unerfahren und nur auf sich selbst bedacht. Der pflichtbewusste Soldat nahm an den Manövern und an den Gefechten teil und dachte dabei nicht an Vorrat und Proviant. Denn er wusste sehr wohl, dass es Aufgabe des Staates war, ihn zu ernähren und auszurüsten und bei Krankheit zu pflegen, und ja im Notfall ihn sogar künstlich am Leben zu erhalten. Als seine vornehmste Pflicht betrachtete er deshalb seinen Einsatz bei den Manövern und Gefechten. Doch verrichtete er auch manchmal seinen Dienst in Küche und Zeughaus. Er kochte das Essen in den großen Feldkesseln, teilte es aus und machte danach alles wieder sauber. Fragte man ihn aber: "Was machst du da?",
dann antwortete er: "Ich erledige die unvermeidlichen Nebenaufgaben des Staates." Er sagte nicht: "Ich arbeite für meinen Lebensunterhalt."
Der andere Soldat aber war unerfahren und dachte immer nur an seinen Bauch. Um Manöver und Krieg kümmerte er sich nicht. "Das ist Aufgabe des Staates. Was geht's mich an?" sagte er. Ständig war er damit beschäftigt, sich um sein leibliches Wohl zu bemühen. So verließ er sein Regiment, ging auf den Markt und trieb Handel. Eines Tages sagte sein erfahrener Kamerad zu ihm: "Bruder, deine vornehmste Pflicht heißt Manöver und Gefecht. Dazu hat man dich hierher befohlen. Vertraue auf den König. Er lässt dich nicht Hunger leiden. Es ist seine Aufgabe für dich zu sorgen. Denn du bist hilflos und arm und kannst nicht überall selbst für dich sorgen. Außerdem ist Krieg und wir haben Mobilmachung. Man wird dich noch einen Aufständischen nennen und dich bestrafen.
In der Tat haben wir zwei Aufgaben zu erfüllen, die vor uns liegen.
Erstens:
Die Aufgabe des Königs. Diese überträgt er manchmal auf uns. So haben wir manchmal die Pflicht für uns selbst zu sorgen.
Zweitens:
Unsere eigene Aufgabe. Sie wird uns durch die Hilfe des Königs erleichtert. Das ist unsere Teilnahme an den Manövern und Gefechten."
Wird etwa dieser pflichtvergessene Soldat diesem erfahrenen Krieger nicht sein Ohr leihen? In welche Gefahr er sich damit begeben würde, das kannst du dir vorstellen!
Wohlan denn, du meine faule Seele! Dieses Schlachtfeld, auf dem der Kampf hin und her wogt, ist dieses unser wildbewegtes irdisches Leben. Das in Regimenter eingeteilte Heer ist die Menschheit. Das Regiment in unserem Gleichnis ist die islamische Welt in unserer Zeit. Von den beiden Soldaten ist der eine derjenige, der die Gebote des Glaubens kennt und danach lebt, ein aufrechter Muslim, der gegen sich selbst (nefs)und gegen den Teufel ankämpft, um nicht in schwere Sünde zu fallen
und sich von den täglichen Verfehlungen frei zu halten. Der zweite klagt Gott, seinen wahrhaftigen Versorger, an, weil er tief in seine Sorgen um den Lebensunterhalt verstrickt ist. Er hält sich nicht an die Gebote Gottes. Er fällt in alle die Sünden, die ihm im täglichen Kampf ums Dasein begegnen und wird zu einem verlorenen Sünder. Was aber die Manöverübungen betrifft, so sind sie - und allen voran das Gebet, der Gottesdienst und all seine Regeln. Der Kampf aber richtet sich gegen Ichsucht (nefs)und Leidenschaft, der Streit geht gegen die Teufel unter Menschen und Dschinnen, um Geist und Gemüt vor Unmoral und Sünde zu bewahren und vor dem ewigen Verderben zu erretten. Von den beiden Aufgaben heißt die eine, das Leben zu schenken und es zu erhalten. Die andere Aufgabe besteht darin, den Spender und Erhalter des Lebens in demütigem Bitten und Flehen anzubeten, Ihm zu vertrauen und sich ganz auf Ihn zu verlassen.
In der Tat ist Er der Herr, der das Leben, jenes glänzendste Wunder einzigartiger göttlicher Kunstfertigkeit und wunderbarer Weisheit, erschafft und es schenkt; und Er ist es auch, der für alles sorgt, was da lebt und es mit Nahrung am Leben erhält. Es kann keinen anderen geben außer Ihm. Möchtest du einen Beweis dafür?
Das schwächste, unverständigste Tier wird am besten versorgt! {Z.B. Würmer und Fische. (A.d.Ü.)} Das schwächste und empfindlichste Geschöpf lebt dank Seiner ganz vorzüglichen Versorgung. {Z.B. die Kinder und die Jungtiere. (A.d.Ü.)} Zu begreifen, dass die von Gott erlaubte (helal)Nahrung und Versorgung nicht aus dem Wollen und Vermögen kommt, vielmehr aus der Schwäche und Bedürftigkeit, genügt es in der Tat, Fische und Füchse, Jungtiere und Raubtiere, ja Bäume und Tiere miteinander zu vergleichen. Das heißt also, dass der, welcher es aus Sorge um seinen Lebensunterhalt unterlässt, zu beten, jenem Soldaten gleicht, der nicht an Manövern teilnimmt, oder
aber, der seinen Unterstand verlässt, um auf dem Marktplatz betteln zu gehen. Doch nachdem er das Gebet verrichtet hat, in der Küche Gottes, des Versorgers, des Freigiebigen, von Gottes Barmherzigkeit einen Anteil zu seiner Versorgung zu suchen, um anderen Menschen nicht zur Last zu fallen, dazu sich selbst zu bemühen, ist schön und mannhaft und auch eine Art Gottesdienst.
Überdies ist der Mensch zu Anbetung und Gottesdienst erschaffen. Dies zeigt seine Natur (fitrat)und seine geistige Anlage. Denn in Anbetracht dessen, was der Mensch für sein irdisches Leben bedarf, reicht seine Arbeit und sein Vermögen noch nicht einmal an die Fähigkeiten eines unscheinbaren Spatzen heran... Betrachtet man statt dessen seine Fähigkeit zu Anbetung und Gottesdienst, zu flehentlichem Gebet, in all seiner Armseligkeit und sein Wissen über das er verfügt und das er für sein geistiges und jenseitiges Leben benötigt, so gleicht er einem König, einem Oberbefehlshaber über allen Tieren.
Das aber heißt, oh du meine Seele, stellst du dieses irdische Leben in den Mittelpunkt deines Strebens und bemühst dich fortwährend darum, gleichst du einem einzelnen unscheinbaren Spatzenvogel. Stellst du hingegen das jenseitige Leben in den Mittelpunkt deines Strebens und benutzt dieses irdische Leben wie ein Fahrzeug oder bestellst es gleich einem Acker und arbeitest in diesem Sinne, dann gleichst du einem Oberkommandanten über das Tierreich und wirst in dieser Welt ein Anbeter Gottes des Gerechten, ein Diener, den sein Herr umsorgt und in Ehren hält und ihn nicht überfährt, einem Gast, den sein (Gast)herr voll Hochachtung mit (Gast)geschenken bei sich aufnimmt.
Dies also sind die beiden Wege, die vor dir liegen!... Wähle nun einen nach deinem Wunsch. Erbitte aber dabei aus dem Erbarmen des Barmherzigen rechte Leitung (hidayet)und den Erfolg!...
Sechstes Wort
بِسْمِ اللّهِ الرَّحْمَنِ الرّحِيمِ ٭ اِنَّ اللّهَ اشْتَرَى مِنَ اْلمُؤْمِنِينَ اَنْفُسَهُمْ وَاَمْوَالَهُمْ بِاَنَّ لَهُمُ الْجَنَّةَ
{"Im Namen Allahs, des Erbarmers, des Barmherzigen; Fürwahr, Allah hat den Gläubigen ihre Seelen und ihr Eigentum abgekauft, damit ihrer sei das Paradies..." (Sure 9, 111)}
Wenn du verstehen möchtest, wie der Verkauf von Seele und Eigentum an Gott den Gerechten, und Ihm ein Diener und Anbeter und für Ihn ein Streiter zu sein, ein besonders vorteilhafter Handel ist, und welch einen ehrenvollen Rang man dadurch erhält, dann höre das folgende Gleichnis:
Es war einmal ein König, der hatte zwei Untertanen. Jedem von ihnen gab er ein Landgut zum Lehen. Dieses war mit Fabriken, Maschinen, Pferden, Waffen und allen notwendigen Dingen ausgestattet. Die Zeiten aber waren stürmisch. Im Land herrschte Krieg und nichts hatte mehr Bestand. Alles wurde entweder zerstört oder umgewandelt, oder es zerfiel. Da sandte der König in seiner vollkommenen Barmherzigkeit den beiden Gutsherren einen hochehrenwerten Botschafter und ließ ihnen voller Erbarmen in einem Erlass (ferman)mitteilen:
"Verkauft mir das Lehen, das ich euch anvertraut habe. Ich will es für euch erhalten. Es soll nicht sinnlos verfallen. Wenn dann der Krieg beendet ist, werde ich es euch in einem noch schöneren Zustand wieder zurückgeben. Ich biete euch für mein Lehen einen sehr hohen Preis an, so als ob es euer Eigentum wäre. Des Weiteren sollen die Maschinen und Geräte in der Fabrik in meinem Namen und für meinen Auftrag arbeiten. Ihr Wert und der mit ihnen erzielte Gewinn wird sich von eins auf tausend erhöhen.
Den ganzen Gewinn will ich euch überschreiben. Ihr seid ja mittellos und hilfsbedürftig. Ihr könnt die Unkosten für diesen riesigen Aufwand selber nicht decken. Ich werde alle Ausgaben bestreiten. Ich werde alle Anschaffungen übernehmen. All das, was ihr herstellen werdet, gehört euch, und auch den Gewinn, den ihr damit erzielt, werde ich euch geben. Ich überlasse auch ihn euren Händen bis zu der Zeit, da ich euch abberufen werde. Somit werdet ihr also fünffach Gewinn über Gewinn erhalten! Wollt ihr mir aber mein Lehen nicht verkaufen, so seht ihr ja, dass es niemand mit eigener Hand erhalten kann. So wie einem jeden Anderen, so wird auch euch euer Besitz aus den Händen gleiten. Auch euer Besitztum wird sinnlos verfallen und zudem werdet ihr noch eines hohen Lohnes verlustig gehen. Des Weiteren werden die so empfindlichen und kostbaren Werkzeuge und Messinstrumente, weil diese herrlichen Rohstoffe ausbleiben und es keine Arbeit mehr gibt, ganz und gar ihren Wert verlieren. Zudem lastet dann auch noch die Sorge und Mühe der Verwaltung und Erhaltung der Güter auf euren Schultern. Am Ende werdet ihr auch noch eurer Strafe nicht entgehen, weil ihr an meinem Lehen Verrat verübt habt!... So heißt denn, an mich zu verkaufen, zugleich auch mein Soldat werden und in meinem Namen zu handeln. So werdet ihr nicht in Gefangenschaft geraten, ihr werdet nicht fliehen müssen oder vertrieben werden. Statt dessen werdet ihr des großen Königs auserwählte, freie und hochgeachtete Soldaten sein."
Nachdem die beiden Lehnsherrn den Erlass (ferman)des Königs vernommen hatten, beantwortete der eine von ihnen, der, welcher seine Sinne wohl beisammen hatte, dieses Entgegenkommen seines Herrn mit den Worten:
"Majestät, ich stehe zu Eurer Verfügung! Ich verkaufe gerne. Und ich bin Euch tausendmal dafür zu Dank verpflichtet."
Der andere aber war eingebildet und selbstsüchtig. Seine Seele glich den Pharaonen in ihrer Hochmut. Er lebte wie im Rausch, glaubte, er könne ewig auf seinem
Landgut bleiben und tat so, als hätte er von den Ereignissen, welche die Welt erschüttern und die Menschheit beunruhigen, keine Nachricht erhalten. So sagte er denn:
"Nein!... Wer ist denn dieser König? Ich werde meinen Besitz nicht verkaufen. Ich lasse mir meine gute Laune nicht verderben."
Einige Zeit später hatte der erste Mann eine sehr hohe Stellung erlangt. Jedermann beglückwünschte ihn dazu und versuchte in edlem Wettstreit, es ihm gleich zu tun. Der König verlieh ihm seine Gunst. So lebte er glücklich in des Königs Schloss. Der andere aber verwickelte sich dermaßen in Schwierigkeiten, dass ein jeder ihn deswegen nur bemitleiden konnte. Doch sie empfanden auch, dass es sein verdientes Schicksal war. Denn einen Fehler hatte er begangen und in der Folge Glück und Gut verloren und sich so eine Strafe zugezogen, unter der er nun leiden musste.
Schau also, oh du meine leidenschaftliche Seele! Betrachte das Antlitz der Wahrheit durch das Fernrohr dieses Gleichnisses! Der König ist dein Schöpfer und Herr, der da herrscht von Ewigkeit zu Ewigkeit. Das Landgut aber mit seinen Maschinen, Geräten und Messwerkzeugen ist das Gut, das dir in diesem Leben anvertraut wurde. Ein solches Gut sind Leib und Seele, Geist und Gemüt und in ihnen und mit ihnen alle die innerlichen und äußerlichen Sinnesorgane wie Gesicht und Geschmack, die Fähigkeit zu Vorstellung und Verständnis. Was aber den hochehrenwerten Botschafter betrifft, so ist damit unser Prophet (Resul-i Kerim),mit dem Friede und Segen sei, gemeint. Des Königs Erlass (ferman-i ahkem),den er verkündigt, ist der weise Qur'an, der diesen großartigen Handel (in unserem Gleichnis) mit folgender Ayah bekannt gibt:
اِنَّ اللّهَ اشْتَرَى مِنَ اْلمُؤْمِنِينَ اَنْفُسَهُمْ وَاَمْوَالَهُمْ بِاَنَّ لَهُمُ الْجَنَّةَ
{"Fürwahr, Allah hat den Gläubigen ihre Seelen und ihr Eigentum abgekauft, damit ihrer sei das Paradies..." (Sure 9, 111)}
Was dieses wildwogende Schlachtfeld betrifft, so ist es das Antlitz dieser wildbewegten Welt, wo nichts besteht, alles sich wandelt und verfällt und so jedem Menschen den Gedanken eingibt:
"Wenn uns auch alles zwischen den Fingern zerrinnt, vergeht, zerfällt, gibt es da nicht dennoch einen Ausweg, eine Möglichkeit, das Vergängliche in ein Ewiges zu verwandeln, ihm bleibenden Bestand zu verleihen?"
Während der Mensch so spricht und noch darüber nachdenkt, vernimmt er plötzlich vom Himmel herab die Stimme des Qur'an, die zu ihm spricht:
"Es gibt ihn tatsächlich. Es gibt einen schönen und einfachen Ausweg, der noch dazu in fünf Stufen ansteigend Gewinn bringt."
Frage:
Welchen?
Die Antwort:
Das anvertraute Gut seinem wahren Besitzer zu verkaufen... Siehe, in diesem Handel liegt auf fünf Stufen Gewinn über Gewinn.
Erster Gewinn:
Vergängliches Gut erhält Bestand. Denn dieses vergängliche Leben verwandelt sich, sobald man es dem Herrn in Seiner Majestät anvertraut, Ihm, der ewig bleibt und besteht, bei dem es weder Wandel noch Veränderung gibt. Es verwandelt sich in ein ewiges (baqi)Leben und es zeitigt unvergängliche (baqi)Früchte, wenn es auf Seinen Wegen verbracht wird. Es erscheint zwar noch, als ob die Minuten des Lebens, Samenkörnern gleich, äußerlich vermodern und vergehen, doch drüben in einer Welt, die ewig besteht, öffnen sich die Knospen zu Blüten der Glückseligkeit und reifen die Kornfelder heran. Und im Zwischenreich (alem-i berzah)bietet sich ein lichtvoller und freundlicher Anblick.
Zweiter Gewinn:
Man erhält das Paradies zum Lohn.
Dritter Gewinn:
Der Wert aller Organe und Empfindungen steigt von eins auf tausend.
Zum Beispiel:
Unseren Verstand können wir gebrauchen wie ein Werkzeug. Verkaufst du ihn nicht Gott dem Gerechten, lässt du ihn vielmehr auf deine eigene (nefs)Rechnung arbeiten, so
wird er zu solch einem unheilbringenden, aufdringlichen und lästigen Gerät, dass alles Leid und alle Traurigkeit vergangener Zeiten und all die furchteinflößenden Ereignisse der Zukunft sich in deinem bedauernswerten Kopf anhäuft, dich damit belastet, und dir somit zu einem Gerät wird, das dir Unglück und Schaden bringt und damit seinen Wert für dich verliert. Das ist auch der Grund dafür, dass der sündige Mensch, um sich vor seinem lästigen und aufdringlichen Verstand zu retten, so häufig der Trunksucht und dem Spiel verfällt, sich geradezu in sie hinein flüchtet.
Verkaufst du ihn aber seinem wahren Besitzer und lässt ihn auf dessen Rechnung arbeiten, so wird dir dein Verstand zu einem Schlüssel, der dir die tiefen Wahrheiten, die Schatzkammern der grenzenlosen Barmherzigkeit und die Gewölbe verborgener Weisheit öffnet. So erhebt er sich auf die Stufe eines Wegweisers (murshid)des Herrn, der seinen Besitzer zur ewigen Glückseligkeit führt.
Beispiel: Das Auge ist ein Sinnesorgan, durch das die Seele (ruh)
die Welt wie durch ein Fenster betrachtet. Verkaufst du es nicht Gott dem Gerechten, lässt du es vielmehr auf eigene (nefs)Rechnung arbeiten, so sinkt sein Wert auf die Stufe eines schamlosen Betrachters (also eines Voyeurs) herab, der im Dienste seiner eigenen (nefs)Launen und Gelüste mit seinen Blicken an ein paar unbeständigen, vergänglichen Schönheiten haftet. Verkaufst du aber das Auge dem allsehenden (Basir)Meister des Auges und lässt es auf Seine Rechnung und im erlaubten Rahmen arbeiten, so wird dieses Auge von nun an zum Rang eines Lesers des großen Buches der Schöpfung und eines Betrachters der wunderbaren Kunstwerke des Herrn in dieser Welt aufsteigen, einer Biene gleich, die im Garten dieser Welt mit den Blumen Seiner Barmherzigkeit gesegnet wird.
Beispiel: Wenn du die Geschmacksorgane, die du auf deiner Zunge trägst, nicht an deinen weisen Schöpfer verkaufst, sie vielmehr auf eigene (nefs)
Rechnung arbeiten
lässt, im Namen deines Bauches, so sinkt und stürzt ihr Wert auf die Stufe eines Mundschenks deines Magens herab und wird zum Pförtner am Tore seiner Fabrik. Verkaufst du sie aber deinem freigiebigen Versorger (Rezzaq),so wird der Geschmackssinn deiner Zunge von nun an zum Rang eines besonders befähigten Verwalters der Schatzkammer göttlichen Erbarmens und zum zufriedenen Küchenchef der unerschöpflichen göttlichen Allmacht (Qudret-i Samedaniye).
Wohlan denn, oh du mein Verstand! Merke auf! Wo ist der Apparat, der das Unheil anrichtet? Wo liegt der Schlüssel zum Weltall? Und du mein Auge! Schau genau hin! Wo ist hier der schamlose Betrachter? Wo ist der akademisch gebildete Verwalter der göttlichen Bibliothek? Und du meine Zunge! Probiere den Geschmack und koste ihn wohl! Wo ist hier der Mundschenk und der Torhüter der Fabrik? Wo der Haushofmeister der königlichen Schatzkammer Seiner Barmherzigkeit?
Wenn du den oben angeführten Beispielen entsprechend die übrigen Werkzeuge und Organe vergleichst, dann wirst du begreifen, dass der Gläubige in seinem Wesen wahrhaftig für das Paradies bestimmt, der Ungläubige von der Hölle geprägt wird. Der Grund dafür, dass der eine einen solchen Wert erlangt, liegt darin, dass der Gläubige im Glauben das ihm von seinem Schöpfer anvertraute Pfand in Gottes Namen und im Rahmen des Erlaubten verwendet, während der andere, der Ungläubige, hingegen es veruntreut und es auf Rechnung seiner selbstsüchtigen Seele (nefs-i emmare)arbeiten lässt.
Vierter Gewinn:
Der Mensch ist hilflos und zahlreichen Unglücksfällen ausgeliefert. Er ist bedürftig und seine Bedürfnisse sind grenzenlos. Er ist schwach und die Last des Lebens drückt ihn schwer. Wenn er nicht den Allmächtigen in Seiner Majestät für sich zur Stütze erwählt und nicht zu Ihm seine Zuflucht nimmt und sich Ihm nicht voller Zuversicht unterwirft (teslim),wird er von ständigen Gewissensbissen geplagt. Fruchtlose Bemühungen, der Schmerz und das Bedauern würgen ihn, berauben ihn seiner Sinne oder machen ihn wild.
Fünfter Gewinn:
Alle diese Sinne und Fähigkeiten, diese Organe und Werkzeuge stehen im Dienste Gottes, verehren und verherrlichen Ihn. Der große Verdienst von ihnen wird uns in Form von Paradiesesfrüchten zur Zeit unserer größten Bedürftigkeit dargeboten. Hierüber sind sich alle Gelehrten und Gebildeten, die Theologen und Geistlichen und all diejenigen, die einen Sinn für die Wahrheit haben, einig.
Doch wenn du nun dieses Geschäft mit seinem fünffachen Gewinn ablehnst, bleibst du nicht nur ohne einen Anteil daran, sondern du wirst statt dessen fünffach Verlust über Verlust erleiden.
Erster Verlust:
Dein Besitz und deine Kinder, die du so sehr liebst, deine Neigungen und Leidenschaften, die du alle so gerne befriedigen möchtest, die Jugend und das Leben, in die du so vernarrt bist, das alles vergeht, zerrinnt und verliert seinen Wert. Am Ende bleiben deine Hände leer. Was dir bleibt, ist die Sünde und das Leid, das wie ein Joch auf deinen Schultern lastet.
Zweiter Verlust:
Für den Verrat an dem dir anvertrauten Pfand wirst du dir eine Strafe zuziehen. Denn die wertvollsten Geräte hast du für wertloseste Dinge gebraucht und so deiner Seele (nefs)Unrecht und Gewalt angetan.
Dritter Verlust:
All deine so wertvollen Eigenschaften und Fähigkeiten (wie sie den Menschen über das Tier erheben - A.d.Ü.) hast du bis auf eine Stufe unterhalb der Tiere herabgewürdigt und so die göttliche Weisheit geschmäht und vergewaltigt.
Vierter Verlust:
Deiner Schwäche und Armseligkeit nicht bewusst, wirst du die schwere Last des Lebens auf deine schwachen Schultern laden und ständig unter den Schlägen des Verfalls und der Trennung "Ach" und "Weh" schreien.
Fünfter Verlust:
Um die Grundlagen des ewigen Lebens und jenseitiger Glückseligkeit zu erwerben, wurde
dir mit deinem Verstand und mit deinem Herzen, mit Auge und Zunge, das nötige Rüstzeug als wundervolles Geschenk des Erbarmers verliehen, doch du verwendest sie in so abscheulicher Weise, dass sie dir die Pforten der Hölle öffnen werden.
Wollen wir uns nun den Handel einmal näher ansehen! Ist er wirklich eine so schwere Angelegenheit, dass so viele vor dem Verkauf zurückschrecken? Nein!... Ganz und gar nicht! Es gibt keine solche Schwierigkeit. Denn der Bereich des Erlaubten ist weit genug gespannt, jeglichem menschlichen Wohlbefinden zu entsprechen. Es ist überhaupt nicht notwendig, sich auf unerlaubte Dinge einzulassen. Denn es gibt nur wenige Gebote Gottes und sie sind leicht zu erfüllen.
Gottes Anbeter, Diener und Streiter zu sein, ist eine so große Freude und eine solche Ehre, dass es sich gar nicht beschreiben lässt. Unsere Aufgabe besteht lediglich darin, gleich einem Streiter Gottes in Seinem Namen zu handeln, mit Ihm zu beginnen... in Seinem Auftrag auszugeben und nach Seiner Weisung anzunehmen... sich mit Seiner Einwilligung und im Rahmen Seiner Gesetze zu bewegen, in Seiner göttlichen Gegenwart stille zu werden... Und wenn wir einmal einen Fehler begangen haben, sollen wir mit den Worten um Vergebung bitten und inständig zu Ihm flehen:
"Oh Herr! Vergib uns unsere Fehler... Nimm uns als Deine Diener an. Bis zu der Zeit, da Du das uns anvertraute Pfand wieder aus unseren Händen nimmst, lass uns Dein Lehen treu verwalten, Amen."
Siebentes Wort
بِسْمِ اللَّهِ الرَّحْمَنِ الرَّحِيمِ
{"Im Namen Allahs, des Erbarmers, des Barmherzigen."}
Das tiefe, hermetisch verschlossene, kosmische Geheimnis (tilsim)wird enträtselt.
آمَنْتُ بِاللّهِ وَبِالْيَوْمِ اْلآخِرِ
{"Ich glaube an Gott und ich glaube an den Jüngsten Tag."}
öffnet dem menschlichen Geist die Pforten zur ewigen Seligkeit. Möchtest du verstehen, wie wertvoll die beiden Schlüssel zu diesem tiefen Geheimnis (tilsim)sind; vertrauensvoll und in Geduld zu deinem Schöpfer deine Zuflucht nehmen; dich voll Dankbarkeit in Bitten und Gebeten dem zuwenden, der dich versorgt; begreifen, wie stark die heilende Wirkung dieser beiden Mittel ist; wie wichtig es ist, den Qur'an zu hören, seinen Ratschlüssen zu folgen, das Gebet zu verrichten, und die Sünden zu vermeiden, was auf der Reise in die Unendlichkeit der Ewigkeit eine unentbehrliche, unbezahlbare und allüberall gültige Fahrkarte darstellt, unsere "Speise" im Jenseits, und unser Licht in der Finsternis des Grabes ist, dann schaue und höre das folgende Gleichnis:
Eines Tages geriet ein Soldat auf dem Kampfplatz, dem Prüfungsfeld, in einer Zeit von Gewinn und Verlust, in eine äußerst beklemmende Lage. Es war diese wie folgt:
Er hatte eine tiefe Wunde an seiner rechten Seite, und auch seine linke Seite war fürchterlich verletzt. Hinter ihm verharrte geduckt und sprungbereit ein gewaltiger Löwe. Vor seinen Augen war ein Galgen aufgerichtet, an dem alle seine Freunde durch den Strang hingerichtet wurden. Er wartete auch auf ihn. Und er stand noch dazu mitten
auf einem langen Weg in die Verbannung. Während dieser Ärmste aber nun noch verzweifelt über seine schreckliche Lage nachgrübelte, tauchte zu seiner Rechten plötzlich eine machtvolle und lichterfüllte Gestalt auf, die ihn gleich Chidr {Der Grüne, gemeint ist der Prophet Elias. (A.d.Ü.)}
mit seinem Wohlwollen einhüllte und zu ihm sprach:
"Sei nicht verzweifelt! Ich werde dir zwei Tilsim{Gemeint ist die Annahme und Vertiefung des Glaubens. (A.d.Ü.)} geben und erklären. Machst du den rechten Gebrauch davon, wird dieser Löwe für dich zu einem gehorsamen Pferd. Selbst der Galgen verwandelt sich für dich zu einer kosmischen Schaukel für eine angenehme Flugreise. Außerdem werde ich dir auch noch zwei Heilmittel geben. Wenn du sie recht verwendest, werden durch sie deine beiden schmerzvollen Wunden umgewandelt werden und du wirst an ihrer Statt zwei zarte Blumen tragen, welche den wundervollen Duft der Rosen Mohammeds, mit dem Friede und Segen sei, verströmen. Ich werde dir auch noch eine Fahrkarte geben. Damit kannst du eine Fußwanderung von einem Jahr verkürzen und so die Strecke in einem Tag überfliegen. Probiere die Dinge nur aus, wenn du mir nicht glaubst. Versuche es nur und du wirst sehen, dass ich die Wahrheit gesagt habe."
Da machte er tatsächlich einen Versuch und so auch die Erfahrung, dass es damit seine Richtigkeit hatte. Dies bekundete und bestätigte er. Und in der Tat kann auch ich, d.h. dieser arme Said, dies bestätigen. Denn ich habe es ein wenig ausprobiert und es als völlig richtig erkannt.
Nun erblickte dieser Soldat plötzlich zu seiner Linken einen Saufbruder, einen hinterlistigen Betrüger, der aussah wie der Teufel, der mit allerlei Schmuck und Tand, mit verschiedenen bunten Bildchen und noch anderem nutzlosem Kram, aber auch mit Getränken auf ihn zukam, vor ihm stehen blieb und sagte:
"Hallo Kumpel! Komm her! Wir wollen miteinander zechen und guter Dinge sein! Lass uns doch die Bilder dieser hübschen Mädchen betrachten! Wir wollen flotte Musik hören und genüsslich miteinander schmausen."
Frage:
"Ha, ha, ha... Was murmelst du denn da so heimlich vor dich hin?"
Antwort:
"Es ist ein Tilsim (: Geheimnis des Glaubens)."
- "Lass den Unsinn fahren!... Wir wollen uns doch nicht die gute Laune verderben lassen!"
- "Hah! Was hast du denn da in deinen Händen?"
- "Ein Heilmittel."
- "Wirf es weg! Du bist doch gesund! Was fehlt dir denn? Nun komm schon! Es ist Zeit."
- "Hah! Was ist denn das mit den fünf Stempeln da für ein Papier?"
- "Ein Reisevertrag mit Leistungsgutscheinen."
- "Zerreiße ihn. Was brauchen wir denn in dieser schönen Frühlingszeit noch eine Reise zu unternehmen..."
So redete der Teufel auf ihn ein und versuchte mit allen Listen ihn zu überzeugen. Und fast schon hätte er ihn auf seine Seite gezogen. In der Tat neigt der Mensch dazu, dem Betrüger auf den Leim zu gehen. Auch ich bin einmal auf einen Betrüger hereingefallen.
Da hörte der Soldat zu seiner Rechten plötzlich eine Donnerstimme, die ihm zurief: "Pass auf und lass dich nicht täuschen! Sage diesem Betrüger:
Wenn du den Löwen hinter mir töten, den Galgen zum Verschwinden bringen, die Wunden in meiner rechten und linken Seite wieder schließen kannst und zudem noch eine Möglichkeit weißt, meinen Weg in die Verbannung zu beenden, dann tu's doch und zeig mir, was du kannst! Danach magst du dann sagen: Komm, wir wollen uns vergnügen! Sonst aber schweige, du Verblendeter!... Dann will ich auf das hören, was diese Al-Chidr-gleiche Erscheinung des Himmels zu mir spricht..."
Wohlan denn, du meine Seele, die du gelacht hast, als ich noch jung war, und die du jetzt weinst, weil du darüber gelacht hast! Wisse nun... Dieser armselige Soldat, das bist du, das ist der Mensch. Und der Löwe, das ist die Sterbestunde. Was aber den Galgen betrifft, so ist er Tod, Zerfall und Trennung; im Wechsel von Tag und Nacht sagt ein jeder seinem Freund "Lebe wohl!" und verschwindet. Von den beiden Wunden ist die eine die unendliche, unerträgliche menschliche Schwäche, die andere aber die grenzenlose menschliche Armseligkeit. Betrachten wir nun die Reise in die Verbannung, so führt sie heraus aus der Welt der Geister (ruh),heraus aus dem Mutterschoß, hindurch durch Kindheit und Greisenalter, durchs irdische Leben, Grab und Zwischenwelt (berzah)zur Wiederauferstehung hinüber über die Brücke von "Sirat":eine lange Fahrt der Prüfung. Die beiden Tilsim (Geheimnisse) aber sind der Glaube an Gott den Gerechten und der Glaube an das Jenseits. In der Tat nimmt der Tod, wenn ein gläubiger Mensch diese beiden Tilsim (Zaubermittel) gebraucht, die Gestalt von Buraq{Jenes geheimnisvolle Reittier unseres Propheten (A.d.Ü.)} an, eines Pferdes, das ihn willig aus diesem irdischen Kerker heraus in die himmlischen Gärten hinüber und zur Gegenwart Gottes des Allbarmherzigen trägt. Deshalb lieben die Vollendeten (kamil insanlar),da sie die Wahrheit hinter dem Tod schauen, den Tod. Noch bevor der Tod kommt, verlangen sie zu sterben.
Zudem werden uns Verfall und Trennung und der Galgen, welche den Ablauf der Zeit darstellen, mit dem Tilsim(Geheimnis) des Glaubens zu Geräten, die uns die wundervollen Kunststickereien des königlichen Meisters, wie sie gleichsam noch feucht, überaus bunt, vielfarbig und vielgestaltig sind, frisch aus Seiner Werkstatt kommen, die Wunder Seiner Allmacht und die Manifestationen Seines Erbarmens als einen vollkommenen Genuss vor unser betrachtendes Auge bringen. In der Tat werden nur die Spiegel, welche das Licht (nur)und die Farben
der Sonne zurückstrahlen, ausgewechselt und durch neue ersetzt. Die Szene auf der Leinwand wechselt und der Anblick gestaltet sich noch besser und noch schöner.
Wenn wir nun auf die beiden Heilmittel zu sprechen kommen, so ist das eine davon die Geduld und das Gottvertrauen, sich auf die Macht des Schöpfers zu stützen und sich in Seiner Allweisheit geborgen zu fühlen. Ist das nicht so? Es ist wirklich so! Ein Mensch, der sich aufgrund der Urkunde seiner eigenen Schwäche auf den Herrn der Welt stützt, der da herrscht mit dem Befehl: كُنْ فَيَكُونُ {"Sei! Und es ist!" (Sure 36, 82)} was braucht er zu fürchten? Denn im Anblick eines fürchterlichen Unglücks sagt er:
اِنَّا لِلّٰهِ وَاِنَّآ اِلَيْهِ رَاجِعُونَ
{"Allah gehören wir, und zu Ihm kehren wir zurück." (Sure 2, 151)}
und vertraut sich mit ganzem Herzen der Barmherzigkeit seines Herrn an. In der Tat erwächst dem Gotteskenner, dem Theologen, der Sinn für die Freude aus seiner Hilflosigkeit und Gottesfurcht. In der Tat nähren sich Sinn und Gemüt aus der Furcht. Fragte man ein einjähriges Kind: "Was ist es, was dich deines Wohlbefindens ganze Köstlichkeit verspüren lässt?" und hätte das Kind Verstand genug, diese Frage zu beantworten, so würde es sicherlich sagen: "Wenn ich in dem Bewusstsein meiner Schwäche und Armseligkeit, vor dem zärtlichen Klaps meiner Mutter schüchtern erneut an meine Mutter Brust flüchtend wieder ihre Liebe verspüre." Denn, aller Mütter Liebe und Zärtlichkeit gleicht nur dem Aufleuchten eines Blitzstrahls der Allerbarmung. Deshalb ist es auch, dass die Vollendeten (kamil insanlar)in ihrer Schwäche und in der Gottesfurcht so viel Sinn und Zufriedenheit erfahren, dass sie auf ihre eigenen Fähigkeiten und Möglichkeiten verzichten und in ihrer Schwäche zu Allah ihre
Zuflucht nehmen. Sie haben ihre Schwäche und ihre Furcht zu ihrem Fürsprecher gemacht.
Was nun aber das andere Heilmittel betrifft, so besteht es aus der Dankbarkeit und der Zufriedenheit, in der sich der Gläubige mit Bitten und Beten auf das Erbarmen des allbarmherzigen Versorgers (Rezzaq)stützt. Ist das nicht so? Es ist wirklich so! Denn wie kann in der Tat einem Gast des freigiebigen Gastgebers (Djevvad-i Kerim),der die ganze Erde wie einen Tisch bereitet, den Frühling wie einen Blumenstrauß erschaffen und Seine Blumen über diesen Tisch hinausgestreut hat, seine Armseligkeit und Bedürftigkeit noch länger ein Schmerz und eine Last sein? Vielmehr nimmt seine Armseligkeit und Bedürftigkeit gleich dem Hunger die Gestalt eines Koches an. Ja, um dieses Hungers willen, bemüht er sich sogar noch darum, seine Armseligkeit zu steigern. Aus diesem Grund sind vollkommene Menschen geradezu stolz auf ihre Armut. (Hüte dich, dies nicht falsch zu verstehen! Gegenüber Gott seine Armseligkeit zu empfinden, heißt, zu Ihm zu flehen. Es heißt nicht, seine Armut vor den Leuten zur Schau zu stellen und damit hausieren zu gehen.)
Wenn wir uns nun noch dem Reisevertrag mit seinen Gutscheinen zuwenden, so ist dies die Erfüllung der göttlichen Gebote, allen voran aber die Verrichtung des Gebetes und die Vermeidung der schweren Sünden. Ist das nicht so? Es ist wirklich so. In der Tat kann in Übereinstimmung aller Gelehrten und Gebildeten, der Theologen und Geistlichen und all derer, die einen Sinn für die Wahrheit haben, auf diesem langen und dunklen Weg in die Unendlichkeit der Ewigkeiten nur derjenige Wegzehrung und alles, für die Reise notwendige, ein Licht und ein Reittier (Buraq)erhalten, der die Gebote des Qur'an hält und seine Verbote beachtet. Wenn aber nicht, so sind seine natur- oder sprachwissenschaftliche Schulbildung, alle Kunstfertigkeit und Gelehrsamkeit keine fünf Pfennige mehr wert. Denn der Lichtstrahl der Leuchte der Wissenschaft reicht nur bis an die Pforte des Grabes.
Wohlan denn, oh du meine faule Seele (nefs)!Fünfmal
am Tag das Gebet zu verrichten und sich der Sünden (kebair)zu enthalten, wie wenig und einfach und leicht ist das doch! Wie reichlich sind dagegen Gewinn, Frucht und Nutzen, und wie groß und wertvoll sind sie! Das kannst du begreifen, wenn du Verstand hast, und wenn du ihn noch nicht verloren hast. Sage also dem Teufel, zu diesem Mann, der dich zur Sünde verführen, zu seinen Ausschweifungen mitreißen will:
"Gibt es eine Möglichkeit, den Tod zu töten, sodass nun der Verfall der Welt entfällt, menschliche Schwäche und Armseligkeit aufgehoben und die Pforte des Grabes verschlossen werden, dann sage es mir; ich höre. Wenn nicht, dann schweig!... In der großen Moschee des Kosmos erklärt der Qur'an den Kosmos. Lauschen wir ihm! Lassen wir uns von seinem Licht erleuchten! Handeln wir nach seiner Rechtleitung (hidayet).Er sei unser immerwährendes Gebet! In der Tat ist er das Wort und als solches wird er bezeichnet. Er ist die Wahrheit. Er spricht die Wahrheit. Er zeigt die Tatsachen auf und strahlt das Licht seiner Weisheit aus..."
اَللّهُمَّ نَوِّرْ قُلُوبَنَا بِنُورِ اْلاِيمَانِ وَ الْقُرْآنِ ٭ اَللّهُمَّ اَغْنِنَا بِاْلاِفْتِقَارِ اِلَيْكَ وَ لاَ تَفْقُرْنَا بِاْلاِسْتِغْنَآءِ عَنْكَ تَبَرَّاْنَا اِلَيْكَ مِنْ حَوْلِنَا وَ قُوَّتِنَا وَ الْتَجَئْنَآ اِلَى حَوْلِكَ وَ قُوَّتِكَ فَاجْعَلْنَا مِنَ الْمُتَوَكِّلِينَ عَلَيْكَ وَ لاَتَكِلْنَآ اِلَى اَنْفُسِنَا وَاحْفَظْنَا بِحِفْظِكَ وَارْحَمْنَا وَ ارْحَمِ الْمُؤْمِنِينَ وَ الْمُؤْمِنَاتِ وَ صَلِّ وَ سَلِّمْ عَلَى سَيِّدِنَا مُحَمّدٍ عَبْدِكَ وَ نَبِيِّكَ وَ صَفِيِّكَ وَ خَلِيلِكَ وَ جَمَالِ مُلْكِكَ وَ مَلِيكِ صُنْعِكَ وَ عَيْنِ عِنَايَتِكَ وَ شَمْسِ هِدَايَتِكَ وَ لِسَانِ حُجَّتِكَ وَ مِثَالِ رَحْمَتِكَ وَ نُورِ خَلْقِكَ وَ شَرَفِ مَوْجُودَاتِكَ وَ سِرَاجِ وَحْدَتِكَ فِى كَثْرَةِ مَخْلُوقَاتِكَ وَ كَاشِفِ طِلْسِمِ كَآئِنَاتِكَ وَ دَلاََّلِ سَلْطَنَةِ رُبُوبِيَّتِكَ وَ مُبَلِّغِ مَرْضِيَّاتِكَ وَ مُعَرِّفِ كُنُوزِ اَسْمَآئِكَ وَ مُعَلِّمِ عِبَادِكَ وَ تَرْجُمَانِ آيَاتِكَ وَمِرْآتِ جَمَالِ رُبُوبِيّتِكَ وَ مَدَارِ شُهُودِكَ وَ اِشْهَادِكَ وَ حَبِيبِكَ وَ رَسُولِكَ الَّذِى اَرْسَلْتَهُ رَحْمَةً لِلْعَالَمِينَ وَ عَلَى اَلِهِ وَ صَحْبِهِ اَجْمَعِينَ وَ عَلَى اِخْوَانِهِ مِنَ النَّبِيِّنَ
وَ الْمُرْسَلِينَ وَ عَلَى مَلٓئِكَتِكَ الْمُقَرَّبِينَ وَ عَلَى عِبَادِكَ الصَّالِحِينَ آمِين
{"Oh Gott, erleuchte unsere Herzen mit dem Lichte des Glaubens und des Qur'an. Oh Gott, mache uns in unserer Armseligkeit reich durch unser Bedürfnis nach Dir und überlass uns nicht unserer Armut durch unseren Mangel an Bedürfnis nach Dir. Befreie uns von unserer Macht und Stärke und lass uns zu Deiner Macht und Stärke Zuflucht nehmen. Lass uns zu denen gehören, die ihr Vertrauen in Dich gesetzt haben und nicht zu denen, die sich selbst vertrauen. Beschütze uns mit Deinem Schutz. Erbarme Dich unser und aller gläubigen Männer und Frauen. Segne mit Deinem Frieden und mit Deinem Segen unseren Herrn Mohammed, Deinen Diener und Propheten, Deinen Freund und Geliebten, die Schönheit Deines Reiches, den Herrn über Deine Kunstwerke, die Essenz Deiner Gnade, die Sonne Deiner Rechtleitung, die Zunge, welche Deine Beweise verlautbart, ein Beispiel Deiner Barmherzigkeit, das Licht Deiner Schöpfung und der Ruhm Deiner Geschöpfe, die Leuchte Deiner Einheit in der Vielheit Deiner Geschöpfe, den Entdecker aller Geheimnisse Deines Universums, den Herold des Königreiches Deiner Herrschaft, den Verkünder Deines Wohlgefallens, den Kenner aller Schätze Deiner Namen und Lehrer Deiner Diener, den Dolmetscher Deiner Zeichen und Spiegel der Schönheit Deiner Herrschaft, den Angelpunkt allen Zeugnisses von Dir und gegenüber Dir, Deinen Geliebten und Propheten, den Du gesandt hast als eine Barmherzigkeit aller Welten, Ihn und Seine Familie, all seine Gefährten, alle Brüder unter den Gesandten und Propheten, die Engel und Erzengel und all Deine aufrichtigen Diener. Amen"}
Achtes Wort
بِسْمِ الَلّهِ الرَّحْمَنِ الرّحِيمِ ٭ اَللّٰهُ لاَ اِلهَ اِلاَّ هُوَ اْلحَىُّ الْقَيُّومُ ٭ اِنَّ اِنَّ الدِّينَ عِنْدَ اللّٰهِ اْلاِسْلاَمُ
{"Im Namen Allahs, des Erbarmers, des Barmherzigen; Allah ist und außer Ihm gibt es keinen Gott, Er, der Lebendige, der Beständige." (Sure 2, 255) "Fürwahr, Glaube (din) ist bei Allah die Ergebung (Islam)"(Sure 3, 19)}
Möchtest du Wesen und Wert des Glaubens für den Menschen und des menschlichen Geistes für die Welt und die Welt selbst begreifen? Und weißt du, dass die Welt zu einem Gefängnis würde, gäbe es keinen wahren Glauben, und dass ein unreligiöser Mensch das unglückseligste unter allen Geschöpfen ist? Und weißt du, dass das tiefe Geheimnis (tilsim)dieser Welt durch den Ruf يَآ اَللّٰهُ {"Oh Gott."} und das Zeugnis لآَ اِلهَ اِلاَّ اللّٰهُ {"Es gibt keinen Gott außer Allah."} erschlossen wird, wodurch auch des Menschen Seele (ruh)aus der Finsternis errettet wird, dann betrachte und höre das folgende Gleichnis:
In alter Zeit begaben sich einmal zwei Brüder gemeinsam auf eine lange Reise. Sie gingen und gingen immer weiter und kamen schließlich an eine Weggablung. Genau dort aber, wo der Weg sich teilte, erblickten sie einen Landeskundigen, der ihnen Vertrauen einflößte. Ihn befragten
sie: "Welches ist der bessere Weg?" Da entgegnete ihnen dieser: "Wählt ihr den rechten Weg, dann müsst ihr euch an Recht und Gesetz halten. Doch für diese Mühe werdet ihr in Sicherheit reisen und glücklich sein. Was aber den linken Weg betrifft, so bringt er für euch Freiheit und Ungebundenheit. Doch bringt diese Freiheit Gefahren und diese Ungebundenheit Ruhelosigkeit mit sich. Nun aber entscheidet euch und trefft eure Wahl."
Nachdem sie diese Worte vernommen hatten, sagte der eine von den beiden Brüdern, der gutwillig und wohlgesonnen war: تَوَكَّلْتُ عَلَى اللّهِ {"Ich vertraue auf Gott."} schlug den rechten Weg ein und machte sich auf die Reise. Und dabei unterwarf er sich den Anordnungen von Recht und Gesetz. Der andere Bruder aber, weil er bösgesinnt und verblendet war, zog es vor, den linken Weg zu wählen. Begleiten wir zuerst in unseren Gedanken diesen Mann. Er hatte nun äußerlich eine leichte, doch innerlich eine schwere Bürde zu tragen. Da wanderte nun dieser Mann die Berge und Täler hinauf und hinunter und ging und ging immer weiter, bis er sich am Ende in einer menschenleeren Wüste befand. Dort vernahm er plötzlich ein fürchterliches Gebrüll. Sich umschauend erblickte er einen schrecklichen Löwen, der hinter einem Gebüsch hervor zum Sprung ansetzte. Rasch floh der Mann vor dem Löwen, fand eine sechzig Ellen tiefe, ausgetrocknete Zisterne und stürzte sich in seiner Angst hinein. Als er schon halb hinuntergefallen war, fand er einen Halt an einem Baum, der dadurch seinen Sturz auffing. Dieser Baum klammerte sich mit zwei schon morsch gewordenen Wurzeln in der Wand der Zisterne fest. In diese hatten sich zwei Mäuse verbissen, die eine weiß, die andere schwarz, und zernagten sie. Als der Mann seinen Blick nach oben wandte, sah er dort den Löwen einem Wächter
gleich auf der Mauer sitzend warten. Nach unten blickend gewahrte er in der Tiefe einen abscheulichen Drachen. Er hatte das Haupt gegen ihn erhoben und reckte den Hals nach seinen Füßen, die dreißig Ellen über dem Abgrund baumelten. Sein Rachen war ebenso groß wie der Schacht der Zisterne selbst. Und auch als er die Schachtwand betrachtete, erblickte er rings umher allerlei Schmarotzer und eine Menge Ungeziefer. Nun wandte er seine Aufmerksamkeit der Krone des Baumes zu und sah, dass es ein Feigenbaum war. Doch - oh Wunder - der Baum trug sehr viele verschiedene Früchte, Nüsse und Granatäpfel hingen in seiner Krone.
Doch all das betrachtete dieser Mann in seinem Unverstand völlig falsch. Er erkannte nicht, dass es sich dabei um keine gewöhnlichen Dinge handeln konnte. Es konnte nicht Werk des Zufalls sein. In all diesen seltsamen Dingen verbargen sich besondere Geheimnisse. Doch er konnte ihnen nicht entnehmen, dass hinter allen der Allwirkende steht. So begann er denn von den Früchten dieses Baumes zu essen, ungerührt von dem verborgenen Aufschrei über seine leidvolle Lage und der Klage in seinem Sinn, Herz und Verstand, weil seine eigenwillige Seele (nefs-i emmare),so als sei dies alles nicht vorhanden, sich über dem Weinen seines Herzens und seiner Seele mit den Fingern die Ohren verstopfte, und indem sie sich selbst betrog, so tat, als befände sie sich inmitten eines Gartens. Doch einige dieser Früchte waren gar nicht gesund, ja sogar giftig. In einer Hadith-i Qudsi{Der Prophet verkündet das Wort Gottes mit seinen eigenen Worten. (A.d.Ü.)} hat uns Gott der Gerechte geoffenbart:
اَنَا عِنْدَ ظَنِّ عَبْدِى بِى
Das heißt: "Ich behandle meinen Diener so, wie ich von ihm erkannt bin." So hielt denn dieser unglückselige Mensch, was er erblickte und in seinem Unverstand
fälschlich beurteilte, für eine einfache und offensichtliche Tatsache. Und in dieser Weise erlebte er auch das Geschehnis, er erlebt es noch und wird es auch weiterhin so erfahren... So konnte er weder sterben, sodass er von seinem Leiden hätte befreit werden können, noch war es ihm möglich zu leben. So litt er unter seiner Qual. Wir aber wollen, während wir diesen Unglückseligen seiner Strafe überlassen, zurückkehren und wollen sehen, wie es dem anderen Bruder inzwischen ergangen ist.
Siehe, wie dieser Mann in seiner guten Gesinnung daher kommt! Im Gegensatz zu seinem Bruder gerät er nicht in Bedrängnis. Denn dank der guten Erziehung, die er genossen hat, beschäftigt er sich nur mit dem, was gut ist und träumt nur von den schönen Dingen. Er spricht sich selbst Mut zu. Er braucht auch nicht wie sein Bruder unter Mühsal und Anstrengungen zu leiden. Denn er kennt seine Anordnungen und unterwirft sich ihnen. Ihm öffnen sich alle Türen. Als ein freier Mann bewegt er sich in geordneten und gesicherten Verhältnissen. So gelangt er zu einem Garten. Darin gibt es aber nicht nur schöne Blumen und herrliche Früchte, sondern auch übelerregende Dinge. Denn niemand hegt und pflegt ihn. Auch sein Bruder war schon in einen solchen Garten eingetreten. Doch er hatte den übelerregenden Dingen seine Aufmerksamkeit geschenkt, ja, sich mit ihnen beschäftigt und es wurde ihm davon schlecht. So verließ er den Garten wieder und ging weg, ohne dass er darin Erholung gefunden hätte. Sein Bruder hingegen hält sich an den Grundsatz: "Sieh in allem das Gute!" Er übersieht die schlimmen Dinge. Er macht von den guten Dingen einen guten Gebrauch. Aufs beste erholt verlässt er den Garten, und setzt seinen Weg fort.
Er geht nun immer weiter und weiter und gelangt wie zuvor sein Bruder zu einer gewaltigen Wüste. Plötzlich hört er das Gebrüll des Löwen, der sich auf ihn stürzen will. Er fürchtet sich. Doch seine Furcht ist nicht so stark wie die seines Bruders. Doch weil er stets nur denkt und annimmt, was gut und schön war, tröstet er sich mit dem
Gedanken: "Diese Wüste hat ihren Herrn. Es wäre möglich, dass dieser Löwe ein Diener unter dem Befehl seines Herrn ist."
Dennoch flieht er und gelangt zu einer sechzig Ellen tiefen, ausgetrockneten Zisterne und springt hinein. So wie sein Bruder kann er sich in deren Mitte mit seinen Händen an einem Baum festhalten. An ihm festgeklammert bleibt er mitten in der Luft hängen. Er sieht die beiden Tiere, welche die beiden Wurzeln des Baumes benagen. Er blickt nach oben und sieht den Löwen. Er blickt nach unten und sieht einen Drachen. Gleich seinem Bruder erfährt er sich in einer seltsamen Lage. Auch ihn packt die Angst. Doch seine Angst ist tausendmal kleiner als die seines Bruders... Seine gute Erziehung gibt ihm auch hier wieder gute Gedanken ein. Und was diese guten Gedanken betrifft, so zeigen sie ihm alle Dinge im schönsten Licht. So denkt er denn aus diesem Grunde:
"All diese seltsamen Ereignisse stehen miteinander in einem Zusammenhang. Es sieht so aus, als folgten sie alle einem höheren Befehl. Wenn das aber so ist, dann ist in allen Dingen ein tieferes Geheimnis (tilsim)verborgen. In der Tat geschieht alles auf Befehl eines verborgenen Herrschers. Wenn das aber so ist, dann bin ich nicht allein. Der verborgene Herrscher kümmert sich um mich. Er stellt mich auf die Probe. Er hat mich aus einem bestimmten Grunde hierher geführt und gerufen."
Aus einer solchen Furcht und der mit ihr verbundenen Ahnung und allen guten Gedanken heraus, erwächst in ihm die erstaunte Frage:
"Wer mag das wohl sein, der mich in dieser Weise prüft und sich mir darin zu erkennen geben will und mich auf diesem seltsamen Weg ans Ziel führt?"
Aus dieser Neugierde und dem damit verbundenen Bedürfnis, den Herrn dieses Geheimnisses (tilsim)kennen zu lernen, erwächst nun die Liebe zu ihm. Aus dieser Liebe heraus aber keimt in ihm der Wunsch, dieses Geheimnis zu entschleiern. Aus diesem Wunsch aber erwächst in ihm der Wille (irade),sich nun auch so gut und
schön und richtig zu verhalten, dass es dem Herrn dieses Geheimnisses wohlgefällt und Er mit ihm zufrieden ist.
Nun blickt er zur Krone des Baumes hinauf und sieht: Es ist ein Feigenbaum. Doch in dieser Krone wachsen Früchte von tausenderlei Bäumen. In diesem Augenblick verschwand aus ihm jede Furcht. Denn nun begriff er mit Sicherheit: Dieser Feigenbaum ist wie eine Speisekarte, ein Inhaltsverzeichnis, eine Ausstellung!
Dieser verborgene Herrscher muss die Früchte in Seinen Weinbergen und Gärten in die Bäume gehängt haben, damit sie Muster, Geheimnis und Wunderzeichen sein sollen und Er muss diesen Baum mit ihnen geschmückt haben, damit sie für Seine Gäste ein Zeichen sein sollen für die Speisen, die Er ihnen vorbereitet hat. Könnte denn anders ein einzelner Baum die Früchte tausender Bäume hervorbringen?
Nun begann er zu beten und zu flehen, dass ihm der Schlüssel dieses Geheimnisses (tilsim)zum Erlebnis würde, und er rief: "Oh Du, der Du der Beherrscher dieser Stätten bist! Mein Schicksal ruht in Deiner Hand. Zu Dir nehme ich meine Zuflucht und stelle mich in Deinen Dienst. Ich strebe danach, Dein Wohlgefallen zu erlangen. Ich suche Dich."
Über diesem flehentlichen Gebet öffnete sich plötzlich der Schacht der Zisterne, die Schachtwand spaltete sich und eine Pforte zu einem überaus schönen, sauberen und gepflegten Garten tat sich auf. Oder es war vielmehr das Maul des Drachens, das sich in ein solches Tor verwandelte. Löwe und Drache nahmen die Gestalt zweier Diener an. Sie baten ihn, einzutreten und Gast zu sein. Ja, nunmehr nahm der Löwe für ihn sogar die Gestalt eines lammfrommen Pferdes an.
Wohlan denn nun, du meine faule Seele (nefs)!Und du mein Freund, der du mir jetzt in meiner Vorstellung gegenüber sitzt!
Kommt (ihr beiden : die Seele und der Freund)! Wägen und vergleichen wir die Lage dieser beiden Brüder! Wollen wir nun schauen und begreifen, wie das Gute wieder
Gutes und das Böse wieder Böses hervorbringt!
Seht: Jener Unglückselige, der zu seiner Reise den linken Weg eingeschlagen hat, muss sich ständig bewusst sein, in den Schlund eines Drachens hinabzustürzen und zittert davor. Was aber jenen Glücklichen betrifft, so ist er zu einem Garten eingeladen, der mit vielfältigen Früchten und jeder Art Annehmlichkeit gesegnet ist. Zudem wird das Herz dieses Unglückseligen von schmerzlicher Furcht und einer schrecklichen Angst zerrissen.
Was aber jenen Glücklichen betrifft, so schaut und betrachtet er all jene seltsamen Dinge wie lehrreiche und anregende Beispiele, als ein schreckliches Abenteuer, dessen guter (schlechter) Ausgang von zukünftiger Heilsgewissheit gemildert wird oder als eine Erfahrung, welche ihn die Liebe lehrt. Und weiter noch wird dieser Unglückselige von Einsamkeit, Verzweiflung und Verlassenheit gequält. Der Glückliche hingegen genießt den vertrauten Umgang, er liebt in froher Hoffnung und sehnsüchtigem Verlangen.
Überdies betrachtet dieser Unglückselige sich selbst als einen Gefangenen, bedroht durch die Angriffe wütender Ungeheuer. Doch der Glückliche ist ein hochgeschätzter Gast, der mit den sonderbaren Dienern seines freigiebigen Gastherrn, bei dem er zu Gast ist, vertrauten Umgang pflegt und durch die er Freude und Erholung findet. Und außerdem beschleunigt dieser Unglückselige noch seine Strafe durch den Genuss von Speisen, die zwar äußerlich wohlschmeckend erscheinen, in ihrer Wirkung aber innerlich giftig sind. Denn diese Früchte sind lediglich Muster. Man darf zwar von ihnen kosten, sodass man nach deren Originalen Sehnsucht bekommt und sie erwerben möchte; sie aber gleich einem Tier zu verschlingen, ist nicht erlaubt. Der Glückliche jedoch kostet sie, begreift, worum es sich handelt und verschiebt ihren Genuss auf später. Das Warten darauf wird ihm durch die Vorfreude versüßt. Dagegen ist dieser Unglückselige auch noch ungerecht zu sich selbst. Eine Wahrheit, schön wie der lichte Tag und seine eigene Lage, die
wie ein strahlender Tag ist, überführt er in seiner Uneinsichtigkeit selbst in einen finsteren und grausamen Argwohn, der die Gestalt der Hölle annimmt. So widerfährt ihm nur Gerechtigkeit, wenn die Liebe Gottes (shefqat)ihn nicht anrührt und er hat auch kein Recht, irgend jemanden zu beschuldigen.
Dafür ein Beispiel: Wenn sich ein Mann zur Sommerzeit in einem schönen Garten inmitten seiner Freunde nicht damit begnügt, an einem geselligen Mahl teilzunehmen, es sich gemütlich zu machen und zu genießen, stattdessen seine Sinne mit unreinem Rauschtrank vernebelt und nun in der Vorstellung lebt, er befände sich mitten im Winter hungrig und nackt unter Wölfen und nun zu schreien und zu weinen beginnt, so versteht es sich von selbst, dass er kein Mitleid (shefqat)verdient. Er tut sich selbst Unrecht. Er sieht Wölfe in seinen Freunden und beleidigt sie. So ist also die Lage dieses Unglückseligen genauso wie im obigen Beispiel. Was aber den Glücklichen betrifft, so sieht er die Wirklichkeit. Die Wirklichkeit ist aber schön. Indem er die Wirklichkeit der Wahrheit gemäß als schön erkennt, gibt er jener Vollendung (kemal)die Ehre, welche dem Herrn (sahib)über alle Wahrheit zu eigen ist. So ist er auch würdig Seines Erbarmens. So offenbart sich hier der Sinn des Lehrsatzes aus dem Qur'an: "Wisse, dass das Böse aus dir selbst, das Gute aber von Allah kommt."
Ziehst du nun weitere, ähnliche Unterschiede zum Vergleich heran, so wirst du verstehen, dass die eigenwillige Seele (nefs-i emmare)des ersteren, ihm innerlich (manevi)Höllenqualen bereitet. Für den anderen aber manifestieren sich durch dessen gute Absicht (niyet),seine gute Vorstellungsweise, seinen guten Charakter und seine guten Gedanken (fikr)eine große Güte, eine Glückseligkeit, ein persönliches Charisma und Gottes reichster Segen (feyz).
Oh du meine Seele (nefs)!Und du, oh Mensch, der du gemeinsam mit meiner Seele dieser Erzählung zuhörst! Wenn du kein unglückseliger Bruder werden willst,
vielmehr ein glücklicher Bruder werden möchtest, dann höre auf den Qur'an und folge seiner Weisung! Halte dich fest an ihm! Beachte seine Leitlinien und setze sie in die Praxis um!
Wenn du dir über die Wahrheit, die in diesen Gleichnissen enthalten ist, klar geworden bist, wirst du auch der Bedeutung der Religion, dem Sinn des Lebens, dem Wert des Menschen und der Bedeutung des Glaubens im Alltag zum Durchbruch verhelfen. Das Wichtigste darüber will ich dir hier sagen. Die Feinheiten magst du dir dann selbst ausmalen!
So siehe denn nun! Was die beiden Brüder betrifft, so wird durch den einen von ihnen die Seele (ruh)eines Gläubigen (mu'min)und das Herz eines rechtschaffenen Menschen (salih),durch den anderen die Seele eines Ungläubigen (kafir)und das Herz eines sündigen Menschen (fasik)dargestellt. Von den beiden Wegen führt der rechte den Weg des Qur'an und des Glaubens, der linke aber den Weg der Auflehnung und des Unglaubens (kufr).Der Garten, durch den diese Wege führen, ist dieses vergängliche menschliche Gemeinschaftsleben innerhalb der menschlichen Gesellschaft, ihren sozialen Strukturen, ihrer Kultur und Zivilisation, in dem sich Schönes und Schlechtes, Gutes und Böses, Lauteres und Unsauberes beieinander finden. Der Verständige handelt nach dem Grundsatz:
خُذْ مَا صَفَا دَعْ مَا كَدَرْ
{"Nimm das, was dich freudig stimmt und lass das, was dir Sorge bereitet!"}
und geht im Herzen wohlbehalten (selamet).
Die Wüste ist die Erde und das irdische Leben. Der Löwe bedeutet den Tod und seine Stunde. Die Zisterne bezeichnet den menschlichen Körper und seine Lebensspanne. Und ihre Tiefe von sechzig Ellen ist ein Hinweis auf die sechzig Jahre einer durchschnittlichen Lebensspanne und allgemeinen Lebenserwartung. Was aber den Baum darinnen betrifft, so verkörpert er das menschliche
Leben nach seiner Länge und in seiner Substanz. Die beiden Tiere, ein weißes und ein schwarzes, sind der Tag und die Nacht. Der Schlund des Drachens bedeutet das Grab als das Tor zum Zwischenreich (berzah)und den Weg ins Jenseits. Doch für den Gläubigen ist dies der Rachen, der die Pforten des Kerkers aufreißt und hinausführt in die Gärten Edens. Das Ungeziefer stellt die alltäglichen Widerwärtigkeiten dar. Doch auf den Gläubigen wirken sie wie der wohlwollend gemeinte Hinweis Gottes und jene Zuwendung des Allbarmherzigen, die ihn davor bewahrt, in den Schlaf der Gottvergessenheit zu verfallen. Was nun die Früchte an dem Baum betrifft, so sind sie die irdischen Gnadengaben, die Gott in Seiner vollkommenen Freigiebigkeit gleichsam als eine Speisekarte der jenseitigen Gnadengaben, als Erinnerungsstücke, als Musterbeispiele in der Form von Nachbildungen der Paradiesesfrüchte geschaffen hat, so, als wollte Er Seine "Kunden" damit zum Kauf anregen. Und obwohl es sich dabei nur um einen einzigen Baum handelt, trägt dieser doch die verschiedensten Früchte.
Dies ist ein Hinweis auf die Prägung der einzigartigen Allmacht, den Stempel der göttlichen Herrschaft und den Siegel des Königreiches der Gottheit. Denn: "Aus einem einzigen Ding alle Dinge hervorzubringen", d.h. aus der gleichen Erde alle Pflanzen und ihre Früchte sprießen zu lassen, aus dem gleichen Wasser alle Tiere zu erschaffen und zugleich "aus allen Dingen ein einziges Ding hervorzubringen". Das heißt, dass die so verschiedenen Arten von Nahrungsmitteln, welche die einzelnen Tiere in sich aufnehmen, in die jeweils spezifischen Gewebe dieser Tiere umgewandelt wird. Er strickt Seinen Tieren unabhängig von der Verschiedenheit ihrer Nahrung stets einheitlich die gleiche Haut. Diese und andere ähnliche Werke Seiner Kunst zeigen das persönliche Siegel jener Einen und Einzigartigen (Ahad-i Samed)Persönlichkeit, welche König ist von Ewigkeit zu Ewigkeit. Es ist der Ihm eigene Stempel.
So trägt ein jedes Ding Seine unnachahmliche Prägung.
In der Tat ist diese Fähigkeit, aus einem Ding alle Dinge und aus allen Dingen ein einziges Ding hervorzubringen, das persönliche Kennzeichen des Schöpfers aller Dinge; und Wunder (ayat)ausschließlich dessen, der über alle Dinge allmächtig ist. Was aber die Offenbarung des Schlüssels (tilsim)betrifft, so ist er das Geheimnis des Glaubens, der das Geheimnis hinter der Weisheit der Schöpfung erschließt. Dieser Schlüssel heißt:
يَا اَللّٰهُ ٭ لآَ اِلهَ اِلاَّ اللّهْ ٭ اَللّٰهُ لآَ اِلهَ اِلاَّ هُوَ اْلحَىُّ الْقَيُّومُ
{"Oh Gott! Es gibt keinen Gott außer Allah. Allah ist und außer Ihm gibt es keinen Gott, Er, der Lebendige, der Beständige." (Sure 2, 256)}
Wenn sich nun aber der Schlund des Drachens in ein Tor zu einem Garten verwandelt, so bedeutet dies:
Während sich für die Leute des Irrweges und der Auflehnung das Tor zu einer Friedhofswelt öffnet, eng wie der Bauch eines Drachenungeheuers, und vergleichbar einem Kerker inmitten der Einöde einer vergessenen Welt, öffnet sich für die Leute des Qur'an und des Glaubens das Tor aus dem Gefängnis dieser Welt hinaus zu den ewigen Gärten und heraus aus diesem Prüffeld zu den Gärten Edens, heraus aus der Mühsal des Lebens zum Erbarmen des Barmherzigen. Und wenn dieser wilde Löwe zu einem vertrauten Diener wird, bzw. sich in ein lammfrommes Pferd verwandelt, so bedeutet dies, dass das Tor für die Leute des Irrweges eine ewige, schmerzliche Trennung von all ihren Lieben (mahbub),noch dazu eine Vertreibung aus ihrem eigenen, imaginären irdischen Paradies, eine Einschließung in den Kerker, das Gefängnis des Grabes inmitten ihrer Einsamkeit und Verlassenheit ist, für die Leute der Rechtleitung und des Qur'an hingegen ein Fahrzeug, um ihren alten Freunden und all den Lieben, welche in die andere Welt hinübergegangen sind, wieder zu begegnen. Außerdem ist es das Mittel, um in die wahre Heimat und zum Sitz der ewigen Glückseligkeit zu gelangen. Und weiter ist es eine Einladung in die Gärten Edens, heraus aus dem Kerker dieser Welt. Darüber hinaus ist der Tod auch der Augenblick, in
dem wir von der Gnade des allbarmherzigen Erbarmers den Lohn für die Dienste, die wir Ihm geleistet haben, in Empfang nehmen. Und schließlich ist er die Befreiung von einer lebenslangen Verpflichtung, sich zu mühen und zu plagen. Und endlich bringt er den Feierabend, nachdem der Dienst abgeleistet, die Prüfungen bestanden, die Übungen beendet und alle Vorschriften erfüllt worden sind.
Zusammenfassung:
Wer auch immer sein Hauptaugenmerk nur auf dieses vergängliche Leben gerichtet hält, der mag äußerlich betrachtet in einem Paradies leben, innerlich ist es die Hölle. Und wer auch immer sich ernsthaft um ein ewiges Leben bemüht, dessen Leben wird glücklich in beiden Welten, in dieser und in jener Welt. Wie schlimm auch immer seine Welt sein mag und wie sehr sie ihn auch bedrückt, so betrachtet er sie dennoch guten Mutes und frohen Sinnes, weil er in ihr einen Wartesaal und einen Vorraum des Paradieses sieht, erträgt sie auf diese Weise und geduldet sich in Dankbarkeit.
اَللّهُمَّ اجْعَلْنَا مِنْ اَهْلِ السَّعَادَةِ وَ السَّلاَمَةِ وَ الْقُرْاَنِ وَ اْلاِيمَانِ آمِينْ ٭ اَللّهُمَّ صَلِّ وَ سَلِّمْ عَلَى سَيِّدِنَا مُحَمَّدٍ وَ عَلَى آلِهِ وَ صَحْبِهِ بِعَدَدِ جَمِيعِ الْحُرُوفَاتِ الْمُتَشَكِّلَةِ فِى جَمِيعِ الْكَلِمَاتِ الْمُتَمَثِّلَةِ بِاِذْنِ الرَّحْمنِ فِى مَرَايَا تَمَوُّجَاتِ الْهَوَآءِ عِنْدَ قِرَآئَةِ كُلِّ كَلِمَةٍ مِنَ الْقُرْاَنِ مِنْ كُلِّ قَارِءٍ مِنْ اَوَّلِ النُّزُولِ اِلَى اَخِرِ الزَّمَانِ ٭ وَ ارْحَمْنَا وَ وَالِدَيْنَا وَارْحَمِ الْمُؤْمِنِينَ وَالْمُؤْمِنَاتِ بِعَدَدِهَا بِرَحْمَتِكَ يَآ اَرْحَمَ الرَّاحِمِينَ آمِينَ ٭ وَالْحَمْدُ لِلّٰهِ رَبِّ الْعَالَمِينَ
{"Oh Gott, mache uns zu Leuten der Glückseligkeit und des Friedens, zu Leuten, die den Qur'an und den Glauben (in ihren Herzen) tragen. Amen. Oh Gott, schenke Deinen Segen und Deinen Frieden unserem Herrn Mohammed und seiner Familie, seinen Gefährten, nach der Anzahl aller Buchstaben des Qur'an, wie sich in all seinen Worten formen und sich mit der Erlaubnis des Allerbarmers in den Wellen der Luft widerspiegeln, wenn sie von seinen Rezitatoren seit den Zeiten ihrer ersten Offenbarung bis zum Ende aller Zeiten vorgetragen werden, erbarme Dich unser und unserer Eltern und erbarme Dich aller gläubigen Männer und Frauen in gleicher Zahl nach Deinem Erbarmen, oh Barmherzigster aller Barmherzigen. Amen." "Lob und Preis sei Gott, dem Herrn der Welten!"}
Neuntes Wort
بِسْمِ اللّهِ الرَّحْمَنِ الرّحِيمِ ٭ فَسُبْحَانَ اللّهِ حِينَ تُمْسُونَ وَحِينَ تُصْبِحُونَ ٭ وَلَهُ اْلحَمْدُ فِى السَّمٰوَاتِ وَاْلاَرْضِ وَعَشِيًّا وَحِينَ تُظْهِرُونَ
{"Im Namen Allahs, des Erbarmers, des Barmherzigen; Und lobpreiset Allah, wenn es Abendzeit ist und wenn es Morgenzeit ist. Und Ihm sei Lob und Dank in den Himmeln und auf Erden, wenn Tag und Nacht sich neigen am Abend und zur Mittagszeit!" (Sure 30, 16-18)}
Oh Bruder! Du fragst mich nach der Weisheit, die in der Aufteilung der Gebete auf fünf festgesetzte Zeiten liegt. Darin liegt sehr viel Weisheit. Doch wollen wir uns hier mit einem einzigen Hinweis begnügen.
Wie nun in der Tat jede Gebetszeit der Beginn einer bedeutenden Wende ist, ein Spiegel jener großartigen göttlichen Lenkung der Welt und all die göttlichen Gnadengaben (ihsanat)reflektiert, die in dieser Lenkung zum Ausdruck kommen, so wurde aus diesem Grunde dem Menschen befohlen, den Allmächtigen in Seiner Majestät noch intensiver zu loben, zu preisen, Ihn zu verehren und Ihn anzubeten, um Ihm für alle diese grenzenlosen Gnadengaben (nimet)zu danken, die wir zwischen zwei Gebetszeiten empfangen. Um das in seiner tieferen Bedeutung genauer erkennen und besser verstehen zu können, müssen wir gemeinsam mit meiner Seele die folgenden fünf Anmerkungen hören.
Erste Anmerkung:
Die Bedeutung des Gebetes liegt im Lobpreis (tesbih),der Verehrung (ta'zim)und der Dankbarkeit (shukr)gegenüber Gott dem Gerechten. Das heißt, wir erklären vor der Majestät (Djelal)Seine Reinheit und Heiligkeit, indem wir uns im Gebet vor Ihm beugen
und niederwerfen und damit zum Ausdruck bringen und sagen: "Subhanallah"(Gepriesen sei Allah!)... Wir erklären vor der Vollkommenheit (Kemal)Seine Herrlichkeit und Ehre, indem wir mit unserem Gebet zum Ausdruck bringen und dabei sprechen: "Allahu Ekber"(Allah ist groß!)... Wir erstatten vor der Schönheit (Djemal)unsere Dankbarkeit, indem wir äußerlich (in der Sprache unseres Körpers) und innerlich (mit dem Munde unseres Herzens) zum Ausdruck bringen: "Elhamdulillah"(Dank sei Gott!). Das heißt also, dass Lobpreis, Verehrung und Dankbarkeit den Kern des Gebetes (namaz)darstellen. Das ist der Grund dafür, dass diese drei Dinge immer wieder in den Bewegungen und Anrufungen des Gebetes vorkommen. Und das ist auch der Grund dafür, dass wir diese gesegneten Worte nach dem Gebet noch dreiunddreißigmal wiederholen, um den Sinn des Gebetes noch besonders hervorzuheben und seinen Wert zu erhöhen. Der Sinn und Wert des Gebetes wird durch diese kurzen Kernsätze vertieft...
Zweite Anmerkung:
Die Bedeutung des Dienstes und der Anbetung (ibadet)liegt darin, dass ein Diener in seiner Verehrung an der Schwelle (des Hauses) Gottes seine eigenen Fehler und Schwächen, und seine Armseligkeit erkennt und sich in Bewunderung vor der Vollkommenheit (göttlicher) Herrschaft und der Macht des Einzigartigen (Samed)und Seiner göttlichen Barmherzigkeit liebend vor Ihm niederwirft (sedjde).Das heißt, so wie die Autorität der Herrschaft Gottes Dienst und Gehorsam erfordert, so erfordert auch die Heiligkeit und Reinheit Seiner Herrschaft, dass ein Diener in seiner Verehrung seine Fehler erkennt und sie bereut, und bekennt, dass sein Herr unbefleckt und rein von jeglichem Makel ist und frei und hocherhaben über die Nichtigkeit aller Vorstellung der Leute des Irrweges und rein und heilig über alle Mangelhaftigkeit der Welt, indem er Ihn lobpreisend und verehrend (tesbih) "Subhanallah",(Gepriesen sei Gott) sagt.
Und weiter noch erfordert die Vollkommenheit (Kemal)der Macht Seiner Herrschaft auch, dass ein Diener in seiner
Verehrung seine eigene Schwäche und die Unzulänglichkeit alles Geschaffenen erkennt, und dabei vor der gewaltigen Größe der Werke und Taten, welche die Macht des Einzigartigen (Samed)vollbringt, in Begeisterung und Bewunderung "Allahu Ekber"(Allah ist groß über alles) sagt, sich in Demut vor Ihm neigt und vertrauensvoll bei Ihm seine Zuflucht sucht.
Und überdies erfordert der unendliche Schatz der Erbarmungen Seiner Herrschaft, dass ein Diener in seiner Verehrung seine eigene Bedürftigkeit und die Armseligkeit und Bedürftigkeit alles Geschaffenen mit Ausdrücken der Bitte und des Gebetes (dua)darlegt und die Gnade (nimet)und Güte seines Herrn mit Lobpreis und Dank, indem er "Elhamdulillah"sagt, verkündet. Das heißt, dass die Worte und Bewegungen beim Gebet (namaz)die oben angeführten Bedeutungen in sich enthalten und aus diesen Gründen von Gott vorgeschrieben sind.
Dritte Anmerkung:
So wie der Mensch von dieser Welt im Großen, ein Abbild im Kleinen ist und die ehrwürdige Suratu l-Fatiha(: die Eröffnende, die erste Sure im Qur'an) der strahlende Abglanz und wie das leuchtende Lichtbündel aus dem glorreichen Qur'an, so ist auch das Gebet (namaz)ein glanzvoller Katalog, der alle Arten der Anbetung (ibadet)in sich vereinigt, eine heilige Landkarte wie der Lichtkegel eines Leuchtturms, der auf alle Farben und Schattierungen der Anbetung in der gesamten belebten wie unbelebten Natur sein Zeichen wirft.
Vierte Anmerkung:
So wie in einer Uhr mit Tagesanzeige der Sekundenzeiger, der Minutenzeiger, der Stundenzeiger und die Tagesanzeige miteinander verbunden und voneinander abhängig sind, wie das Aussehen des einen Zeigers an das Aussehen des anderen Zeigers erinnert, und die Funktionsweise des einen Zeigers beispielhaft für die Funktionsweise eines anderen Zeigers ist, so sind auf der großen Uhr Gottes des Gerechten, welche diese Welt ist, und wo der Wechsel von Tag und Nacht gleich den Sekunden, der Wechsel der Jahre gleich den Minuten, der Wechsel der Generationen gleich
den Stunden und die Epochen der Menschheitsgeschichte gleich den Tagen (unserer Armbanduhr) sind, die einzelnen Zeiger miteinander verbunden und voneinander abhängig, gemahnen in ihrer Erscheinungsform einer an den anderen, sind in ihrer unktionsweise einer das Beispiel des anderen und rufen einander in Erinnerung.
Zum Beispiel:
Die Zeit der Morgendämmerung (fadjr):
Sie geht bis Sonnenaufgang und gleicht der Frühlingszeit, die zudem an die Zeit erinnert, da der Mensch noch im Mutterleib ruhte, und sie ruft auch die Zeit des ersten der sechs Schöpfungstage, da Himmel und Erde gemacht wurden, wieder in Erinnerung, und gemahnt so an das Wirken Gottes zu allen diesen Zeiten.
Die Mittagszeit (zuhr):
Sie gleicht der Zeit der Sommersonnenwende, der Zeit der reifen Jahre und auch dem Abschnitt der Schöpfung, da der Mensch erschaffen wurde; weist darauf hin, gemahnt an die Manifestation des Erbarmens Gottes, Seinen Segen und die Gnaden, die Er zu all diesen Zeiten erwiesen hat.
Die Nachmittagszeit (asr):
Sie gleicht dem Spätsommer, der Zeit der späten Jahre und auch der "Glücklichen Zeit" (asr-i saadet)des Propheten, mit dem Friede und Segen sei, der letzten Epoche und erinnert an das Wirken Gottes und die Gnadenerweise des Erbarmers zu allen diesen Zeiten.
Die Abendzeit (maghrib):
Sie gleicht der Zeit des Spätherbstes, erinnert daran, dass so viele Geschöpfe nun Abschied nehmen müssen (z.B. Störche, Igel, Mücken usw. - A.d.Ü.) und auch an den Tod des Menschen und den Untergang der Welt und lässt so das Aufstrahlen der Majestät Gottes verstehen und erweckt so den Menschen aus dem Schlaf der Gottvergessenheit (gaflet)...warnt ihn...
Die Nachtzeit (i'sha):
Es ist eine dunkle Welt, die alle Spuren der Welt des Tages mit einem schwarzen Leichentuch überdeckt. So deckt auch des Winters weißes
Leichentuch das Antlitz der erstorbenen Erde zu. So folgen auch nach dem Tode des Menschen seine letzten Spuren ihm in den Tod nach und verschwinden unter der Decke des Vergessens. So wird auch diese Welt, die ein Ort der Prüfung ist, ganz und gar abgeschlossen werden. An all dies erinnert die Nachtzeit und verkündet so die Majestät Gottes und die Allgewalt Seiner Herrschaft in all Ihrer Majestät und Ihrem ganzen göttlichen Zorn.
Die Mitternacht (gedje):
Sie erweckt das Verstehen für den Winter, das Grab und die Zwischenwelt, und erinnert den Menschen daran, wie sehr des Menschen Seele (ruh)der Barmherzigkeit des Allerbarmers bedarf.
Das in dieser Zeit verrichtete Gebet (teheddjüd)vermittelt einen Begriff davon, was es für ein wichtiges Licht in der Nacht des Grabes und in der Dunkelheit des Zwischenreiches ist, und lenkt die Aufmerksamkeit darauf. Es ruft die unzähligen Gnadengaben Gottes des wahren Gebers aller guten Gaben, wie sie in allen diesen Umwandlungen genannt sind,
{Gemeint sind all die oben angeführten Zeiten. (A.d.Ü.)}
in Erinnerung und verkündet so, in welchem Grade Er allen Lobpreises und Dankes würdig ist.
Was nun aber den Morgen des nächsten Tages betrifft, so erinnert er an die Wiederauferstehung (Auferstehung). Denn so logisch, notwendig und absolut sicher, wie dieser Nacht ihr Morgen und diesem Winter sein Frühling folgt, so folgt auch mit der gleichen Sicherheit der Morgen der Wiederversammlung und die lichte Welt des Frühlings auf das dunkle Reich der Schatten.
Das heißt, dass jede dieser fünf (Gebets)zeiten wie sie am Anbeginn einer jeweils bedeutsamen Wende stehen und an den großen Wendepunkt erinnern, auch Zeichen der täglichen gewaltigen Lenkung und Leitung durch die Macht des Einzigartigen (Samed)sind und an die Wunder der Macht über dem Wechsel der Jahre, der Generationen der Menschheit und der Epochen der Geschichte und die Gnadengaben des Allbarmherzigen erinnern.
Das heißt, dass die Pflichtgebete als die eigentliche und naturgemäße Aufgabe des Menschen, der ihm wesensgemäße Gottesdienst und seine unabdingbare Schuld sind, welche zu diesen Zeiten einzuteilen recht und billig und dem Menschen angemessen sind.
Fünfte Anmerkung:
Der Mensch ist von Natur aus sehr schwach. Darum stört ihn alles und jedes, bedrückt ihn, schmerzt ihn. Dazu ist er auch noch äußerst unbeholfen. So sind seine Plagen und seine Feinde äußerst zahlreich. Und weiter ist er auch noch ein ganz armseliges Geschöpf. Dagegen sind seine Bedürfnisse mehr als genug. Und überdies ist er auch noch faul und völlig unbegabt. Doch die Verantwortlichkeiten des Lebens lasten schwer auf ihm. Dazu ist er auch noch durch sein Menschsein mit aller Welt verbunden. Doch alles, was ihm lieb und vertraut geworden ist, wird ihm durch Tod und Trennung ständig wieder entrissen, was ihn zutiefst schmerzt. Und weiter noch zeigt ihm sein Verstand hohe Ziele und bleibenden Gewinn. Doch sein Arm ist kurz, sein Vermögen ist wenig, seine Geduld ist gering.
So wird es denn nun klar verständlich, wie notwendig es für eine Seele (ruh)
in einer solchen Lage ist, sich zur Zeit des Morgengebetes an der Schwelle des Allmächtigen in Seiner Majestät, des Erbarmers in Seiner Vollkommenheit (Djemal)in flehentlichem Gebet einzustellen, Ihm ihre Wünsche offen zu legen, von Ihm Hilfe und Erfolg zu erbitten und wie dringend sie eines solchen Rückhaltes im Gebet bedarf, um für den folgenden Tag ihre Aufgaben in dieser Welt wieder auf sich zu nehmen, die auf sie zukommen werden, und die Last des Tages wieder auf ihre Schultern zu laden.
Die Zeit des Mittagsgebets ist der Höhepunkt des Tages, die Zeit, da der Tag sich wieder dem Untergang neigt. Die Arbeit des Tages geht ihrer Vollendung entgegen. Es ist die Zeit einer kurzen Erholung von der Mühe der Arbeit, eine Zeit, da die Seele (ruh),
von schwerer Arbeit und ihren vergänglichen Werken in einer flüchtigen Welt betäubt, und in Gottvergessenheit versunken, einer
Atempause bedarf, und sich die göttlichen Gnadengaben zeigen. Des Menschen Geist (ruh)befreit sich vom Druck, entwindet sich seiner Gottvergessenheit, lässt die sinnlosen, vergänglichen Dinge hinter sich, um mit (zum Gebet) verschränkten Armen an der Schwelle des wahren Gebers aller guten Gaben Ihm, dem Unwandelbar-Beständigen (Qayyum-u Baqi),Lobpreis und Dank zu sagen für alle Seine Gnadengaben, Ihn um Hilfe zu bitten, sich im Bewusstsein seiner Schwäche vor der allgewaltigen Größe Seiner Majestät zu verneigen, sich vor dieser im Zenit stehenden Vollkommenheit und Ihrer unvergleichlichen Schönheit niederzuwerfen und so seine Bewunderung, seine Liebe und Verehrung und zugleich auch die eigene Nichtigkeit zum Ausdruck zu bringen. Dies alles ist in der Verrichtung des Mittagsgebetes enthalten. Wer nicht versteht, wie schön und willkommen, wie notwendig, recht und angemessen das ist, wie könnte er noch ein Mensch genannt werden!
Die Zeit des Nachmittagsgebets ist eine Zeit, welche die Melancholie des Herbstes ahnen lässt, die Trübsal des Alters, die schmerzliche Epoche der Endzeit, und welche an sie alle erinnert. Nun zeitigt die Arbeit des Tages ihre Ergebnisse. Zudem ist es die Zeit, da die Gnadengaben Gottes, die an diesem Tage sichtbar geworden sind, wie Gesundheit, Sicherheit und gute Arbeit sich zu einer gewaltigen Summe angehäuft haben. Und schließlich ist es die Zeit, da diese große und gewaltige Sonne {Sie ist das mächtigste Gestirn an unserem Himmel. (A.d.Ü.)} sich dem Untergang neigt und damit das Zeichen setzt und verkündet, dass der Mensch als Beamter Gottes Gast ist und alle Dinge unbeständig und vergänglich sind.
Nun steht der Mensch, der sich in seinem Geist (ruh)nach der Ewigkeit sehnt und für die Ewigkeit geschaffen wurde, der Gott um Seiner Güte willen seine Verehrung erweist und unter der Trennung von Ihm leidet, auf, nimmt Abdest (d.h. er vollzieht die heiligen Waschungen), um in dieser Nachmittagszeit das Gebet (asr, ikindi)zu verrichten
und bringt an der Schwelle des Einzigartigen (Samed),dessen, der ohne Anfang (Qadim)und ohne Ende (Baqi),Unwandelbar (Qayyum)und Unsterblich (Sermedi)ist, sein Gebet dar, und nimmt seine Zuflucht zur Güte und Barmherzigkeit Gottes, die unendlich und unvergänglich ist, lobt und preist Gott und dankt Ihm für Seine Gnadengaben, die er stets ohne Anrechnung erhält, verneigt sich demütig vor Gottes Ehrerbietung erheischenden Herrschaft (Rububiyet),wirft sich im Bewusstsein seiner Nichtigkeit vor der Unsterblichkeit Seiner Gottheit (Uluhiyet)nieder. So findet er eine wahrhaftige Tröstung und Ruhe für seine Seele. Wer so mit verschränkten Armen in Dienst und Anbetung vor der Größe Seiner Gegenwart das Gebet verrichtet, der versteht, welch hohe Aufgabe das ist, ein wie angemessener Dienst, welch eine Erstattung naturgemäßer Schuld es am rechten Platz ist, ja sogar das Erlangen einer Seligkeit, die ihm höchstes Glück seines Menschseins bedeutet.
Die Zeit des Abendgebetes ist die Zeit, die zu Beginn des Winters in der Melancholie des Abschieds an das Dahinscheiden all der schönen Geschöpfe des Sommers aus der Welt einer vergangenen Jahreszeit gemahnt. Zudem ist es die Zeit, die daran erinnert, dass sich der Mensch mit seinem Tod von all seinen Geliebten in einem leidvollen Abschied trennen und in das Grab hinabsteigen muss. Und weiter ist es die Zeit, die daran gemahnt, dass alle Bewohner dieser Erde, wenn die Welt im Tode erbebend in ihren letzten Zügen liegt, in andere Welten umziehen werden, und erinnert daran, dass dereinst auch über diesem Haus der Prüfungen die Lichter erlöschen werden.
Es ist eine Zeit zur nachdrücklichen Warnung all derer, welche all diejenigen als ihre Geliebten verehren, die alle absteigen und untergehen müssen. So wendet denn der Mensch, dessen Seele von Natur aus ein Spiegel ist, der sich nach Gottes immerwährender Schönheit sehnt, sein Antlitz zu dem gewaltigen Thron dessen, der nicht Anfang noch Untergang kennt, der all diese gewaltigen Taten
vollbracht hat und diese ganze, große Welt lenkt und leitet, spricht über dieser vergänglichen Welt: "Allahu Ekber"(Gott ist am größten), zieht seine Hände von ihr zurück, verschränkt sie in seinen Armen zum Gottesdienst vor seinem Herrn (Maula),stellt sich in die Gegenwart des Immerwährenden (Baqi),und spricht: "Elhamdulillah"(Lobpreis und Dank sei Gott), preist Seine makellose Vollkommenheit, verehrt Seine beispiellose Schönheit, verherrlicht Seine unendliche Barmherzigkeit, und sagt:
اِيّاكَ نَعْبُدُ وَ اِيّاكَ نَسْتَعِين
{"Dich allein beten wir an und nur von Dir erbitten wir Hilfe!" (Sure 1, 5)}
bieten Ihm um Seiner Regierung (Rububiyet)ohne Beamte, Seiner Gottheit (Uluhiyet)ohne Teilhaber, Seiner Königsherrschaft ohne Minister willen seine Dienste dar und bittet Ihn um Seine Hilfe, verneigt sich vor Seiner unendlichen Größe und grenzenlosen Macht und Seiner Würde, die keine Schwäche kennt, bekennt in Vereinigung mit dem gesamten All seine Schwäche und Hilflosigkeit, seine Armseligkeit und Verwirrung, und sagt:
سُبْحَانَ رَبّىَ الْعَظِيمِ
{"Gepriesen seist Du, allgewaltiger Herr!",}
lobt die Allgewalt seines Herrn, wirft sich sodann nieder vor dem, dessen Wesen höchste Schönheit ist, die sich niemals neigt, dessen heilige Attribute unvergänglich sind, dessen unsterbliche Vollkommenheit (kemal)keine Veränderung kennt, bringt in Bewunderung seine Liebe (muhabbet)zum Ausdruck, verlässt alles Ungöttliche im Bewusstsein eigener Nichtigkeit und tut seine Bereitschaft zu Dienst und Anbetung (ubudiyet)kund. Zudem findet er im Austausch gegen alles Vergängliche (fani)bleibende Schönheit (Djemil-i Baqi)und unsterbliches Erbarmen (Rahim-i Sermedi).Während er sodann:
سُبْحَانَرَبِّىَاْلاَعْلَى
{"Gepriesen seist Du, erhabener Herr!"}
sagt, heiligt er seinen erhabenen Herrn, der ohne Makel ist, nicht Schwinden noch Schwanken kennt... Während er sich nun zur Shahada niedergesetzt hat, bietet er alle Segnungen und Gebete und guten Gaben des ganzen Lebens aller Schöpfung Gott in der Unvergänglichkeit Seiner Schönheit und Majestät, deren Thron niemals untergeht, zum Geschenk an, und, indem er Seinen ehrenwerten Botschafter {Gemeint: Mohammed, mit dem Friede und Segen sei. (A.d.Ü.)} grüßt, seinen Bund mit Ihm erneuert und Seinen Befehlen gegenüber Gehorsam bezeigt, seinen Glauben erneuert und bestärkt und die Ordnung und Weisheit jenes kosmischen Schlosses betrachtet - bezeugt er die Einheit (Vahdaniyet)seines majestätischen Baumeisters, bezeugt auch die Sendung Mohammeds aus Arabien, mit dem Friede und Segen sei, der die Königsherrschaft Gottes (Rububiyet)ausgerufen, den Weg zum Erlangen Seines Wohlgefallens verkündet und die Zeichen aus dem Buch des Alls erklärt hat.
Dies alles beinhaltet die Verrichtung des Abendgebetes. Wer nicht versteht, was für eine feinsinnige und lautere Aufgabe, was für ein ehrenvoller und angenehmer Dienst, wie schön und willkommen eine solche Anbetung, welch gewichtige Wahrheit in ihr enthalten, welch ewiges Gastmahl in dieser vergänglichen Herberge es ist, und welch immerwährende Glückseligkeit, wie könnte der noch ein Mensch genannt werden!...
Die Zeit des Nachtgebets ist die Zeit, da auch die letzten noch verbliebenen Spuren des Tages am Horizont verschwinden und sich die Welt der Nacht an seiner Stelle ausbreitet. Sie erinnert an die Lenkung und Leitung des Herrn, wenn Er in Seiner Majestät Tag und Nacht aufeinander folgen lässt, wenn Er ein weißes Blatt in ein schwarzes verwandelt und Sein vollkommenes Walten
über Sonne und Mond verfügt, der die grünen Seiten mit den herrlichen bunten Blumen des Sommers in die weißen Seiten mit den kalten Eisblumen des Winters verwandelt.
Überdies lässt sie, wie im Laufe der Zeit auch noch die letzten Spuren der Bewohner des Grabes aus dem Lande der Lebenden getilgt werden und sie ganz und für immer in eine andere Welt hinübergehen, darin das göttliche Wirken des Schöpfers ahnen, der ins Land der Lebendigen beruft und in das Land der Toten abberuft. Sie ist zudem die Zeit, die an das Walten der Majestät Gottes (Djelal),des Schöpfers der Himmel und der Erde und die Manifestation Seiner Schönheit (Djemal)gemahnt, wenn nach dem vollkommenen Zerfall dieser engen, vergänglichen, winzigen Welt, die in einem gewaltigen Todeskampf liegt, sich eine weite, bleibende, gewaltige jenseitige Welt entfaltet und die an dieses Wirken Gottes erinnert.
Und weiter noch ist sie jene Spanne, da bewiesen wird, dass nur derjenige der wahre König und Lenker der Welt, der wahre Angebetete (Ma'bud)und Geliebte (Mahbub)sein kann, welcher als der Vollkommen-Allmächtige (Qadir-i Mutlaq)die Blätter, welche Tag und Nacht, Sommer und Winter, Diesseits und Jenseits bedeuten, so leicht wie die Blätter eines Buches umwendet, auf ihnen schreibt und darin wieder streicht und ändert und über all dies urteilt und herrscht.
So ist denn der Mensch in seiner Seele so unendlich hilflos und schwach, so unendlich armselig und hilfsbedürftig und darüber hinaus auch noch so unendlich tief in das Dunkel der Zukunft eingetaucht, von den Ereignissen ohne ein Ende hin und her geworfen, dass er in diesem Sinne zur Nachtzeit das Gebet verrichtet, und wie Abraham, mit dem der Friede sei, spricht:
لآَ اُحِبُّ اْلآفِلِين
{"Ich liebe nicht die, welche untergehen!" (Sure 6, 76)}
und an der Schwelle des Angebeteten ohne Anfang (Ma'bud-u Lemyezel)
und des Geliebten ohne Ende (Mahbub-u Layezal)Zuflucht nimmt und in dieser vergänglichen Welt, in diesem vergänglichen Leben und in dem Dunkel dieser Welt und in dem Dunkel einer solchen Zukunft den Ewig-Bleibenden (Baqi-i Sermedi)flehentlich anruft und die barmherzige Zuneigung des Erbarmers, des Barmherzigen und das Licht Seiner Führung erahnt und ersehnt, welche ihm zu einem Stückchen eines ewigen Gastmahls (sohbet-i baqiye)wird, einen Lichtschimmer über seine Welt ausbreitet, ihm darin für einige Minuten ewiges Leben aufleuchten lässt, ihm seine Zukunft erhellt, ihm die Wunden, welche der Tod seiner Freunde und alles Lebendigen und die Trennung von allem, was da ist, geschlagen haben, mit Balsam bestreicht. So vergisst denn auch er diese Welt, die ihn vorübergehend vergessen hat und sich vor ihm verbirgt, gießt im Weinen seines Herzens seinen Kummer an der Schwelle des Allbarmherzigen aus.
So tritt er denn, was immer auch kommen mag, zu einem letzten Dienst und einer letzten Pflichterfüllung, bevor er sich zum Schlaf niederlegt, welcher der Bruder des Todes ist, zum Gebet (vor seinen Herrn und Gott) hin, um das Tagebuch seiner Werke mit einer guten Eintragung abzuschließen.
Das heißt also, dass er, im Austausch für alle die vergänglichen Dinge und Wesen, die ihm lieb und teuer sind, in die Gegenwart (huzur)des Ewig-Angebeteten und Geliebten (Ma'bud ve Mahbub-u Baqi),an Stelle all der Hilflosen, bei denen er betteln gegangen ist, in die Gegenwart des freigiebigen Allmächtigen (Qadir-i Kerim),und um sich vor all den Übeln zu retten, die ihm Schaden bringen und vor denen er zittert, in die Gegenwart des barmherzigen Behüters (Hafiz-i Rahim)eintritt... Dies ist es, weshalb er mit der "Fatiha"beginnt. Das heißt, anstatt armseligen Dingen und Geschöpfen, welche ihm nicht helfen können, die nicht mehr an ihrem Platz sind (wie ein untergegangener Stern - A.d.Ü.), Lob und Dank darzubringen, lobt und preist er den Herrn der Welten,
den Allbarmherzigen, Freigiebigen, welcher in jeder Hinsicht absolut vollkommen ist, dessen Reichtum alles umfasst. Sein Gebet wechselt mit der Anrede: اِيّاكَ نَعْبُدُ {"Zu Dir allein beten wir!" (Sure 1, 5)} von der dritten zur zweiten Person über. Das heißt, er, der niemanden hat, wendet sich in all seiner Kleinheit und Nichtigkeit dem König von Ewigkeit zu Ewigkeit zu, welcher der Herr über die Tage unserer Verantwortung (maliki yaumi d-din)ist, und erlangt die Stufe eines bevorzugten Gastes und hohen Beauftragten in dieser Welt. Mit den Worten: اِيّاكَ نَعْبُدُ وَ اِيّاكَ نَسْتَعِينُ {"Dich allein beten wir an und nur von Dir erbitten wir Hilfe!" (Sure 1, 5)} bringt er im Namen der ganzen Schöpfung seine Anbetungen für die große Gemeinde der Schöpfung, für diese ganze gewaltige Versammlung dar und schickt seine Hilferufe (zu Allah).Sodann spricht er: اِهْدِنَا الصِّرَاطَ اْلمُسْتَقِيمَ {"Führe uns den rechten Weg!" (Sure 1, 6)} und erbittet Rechtleitung (hidayet)auf dem geraden Weg (sirat-i mustaqim),welcher der lichtvolle Pfad ist, der im Dunkel der Zukunft zur ewigen Glückseligkeit führt. Während nun alle Pflanzen und alle Tiere schlafen gehen, und auch die Sonne sich versteckt, und die Sterne Soldaten gleich erwachen, die einem Befehl gehorchen, in dem Gasthaus dieser Welt ihre Lampen anzünden und ihren Dienst antreten, gedenkt er der Größe des Herrn und Seiner Majestät, verneigt sich und spricht: "Allahu Ekber"(Gott ist groß).
Schließlich denkt er an die große Niederwerfung (sedjde)
der gesamten Schöpfung. Wie die Geschöpfe, welche sich in dieser Nacht niederlegen, werfen sich ebenso alle Arten der Schöpfung, Generation für Generation, ja selbst unsere Erde, ja sogar der gesamte Kosmos einem gehorsamen Heer gleich, ja sogar einem einzelnen gehorsamen Soldaten gleich, in größter Ordnung am Horizont auf dem Gebetsteppich (seddjade)des Untergangs mit dem Ruf: "Allahu Ekber"(Gott ist am größten) (anbetend) nieder, wenn sie in jedem Jahr von ihren gottesdienstlichen Aufgaben, die sie unter dem Befehl:
كُنْ فَيَكُونُ {"Sei! und es ist." (Sure 36, 82)} im Diesseits angetreten hatten, wieder entlassen und in die unsichtbare Welt (alem-i gayb)hinübergesandt werden. Dann im Frühling, wenn sich wieder, dem belebenden Posaunenstoß gleich, mit dem Befehl: كُنْ فَيَكُونُ {"Sei! und es ist." (Sure 36, 82)} die Welt neu belebt und die einen in der gleichen, die anderen in einer ähnlichen Gestalt versammelt werden und wie mit zum Gebet verschränkten Armen zum Dienst an ihrem Herrn (Maula)auferstehen, spricht auch dieses kleine Menschenkind, sie nachahmend, in der Gegenwart (huzur)des königlichen Hofes, der Vollkommenheit Seines Erbarmens (Rahman-i Dhu l-Kemal),des Barmherzigen in Seiner Schönheit (Rahim-i Dhu l-Djemal): "Allahu Ekber"(Gott ist am größten) und wirft sich in einer Liebe, die Begeisterung in ihm erweckt, im Bewusstsein der eigenen Nichtigkeit, welche Beständigkeit (beqa)in ihm erweckt, in einer Erniedrigung, die ihm zur Ehre gereicht, (vor Allah)nieder; das heißt, das Nachtgebet zu verrichten ist der Himmelfahrt (des Propheten Mohammed) vergleichbar. Du hast nun sicherlich verstanden, was für eine willkommene, was für eine gute, was für eine schöne,
was für eine erhabene, was für eine edle und zugleich köstliche, was für eine angemessene und zugleich verstandesgemäße Aufgabe und welch ein Dienst dies ist, welch eine Anbetung sich in ihm vollzieht und was für eine ernste und schwerwiegende Wahrheit darin ihren Ausdruck findet.
Damit ist nun gesagt, dass diese fünf Zeiten (des Tages und des Gebetes) jede einzelne für sich Zeichen einer gewaltigen Umgestaltung, Ausdruck der Großtaten des Herrn, Male all der Gnadengaben Gottes sind. Es ist unsere Schuld und Verpflichtung, diese gebotenen Gebete zu den vorgeschriebenen Zeiten zu verrichten. So liegt in dieser Anordnung dieser Gebete zu diesen Zeiten eine unendliche Weisheit...
سُبْحَانَكَ لاَ عِلْمَ لَنَآ اِلاَّ مَا عَلَّمْتَنَآ اِنَّكَ اَنْتَ الْعَلِيمُ الْحَكِيمُ ٭ اَللّهُمَّ صَلِّ وَ سَلِّمْ عَلَى مَنْ اَرْسَلْتَهُ مُعَلِّمًا لِعِبَادِكَ لِيُعَلِّمَهُمْ كَيْفِيَّةَ مَعْرِفَتِكَ وَ الْعُبُودِيَّةَ لَكَ وَ مُعَرِّفًا لِكُنُوزِ اَسْمَآئِكَ وَ تَرْجُمَانًا ِلآيَاتِ كِتَابِ كَآئِنَاتِكَ وَ مِرْآتاً بِعُبُودِيَّتِهِ لِجَمَالِ رُبُوبِيَّتِكَ وَ عَلَى اَلِهِ وَ صَحْبِهِ اَجْمَعِينَ ٭ وَ ارْحَمْنَا وَ ارْحَمِ الْمُؤْمِنِينَ وَ الْمُؤْمِنَاتِ آمِينَ بِرَحْمَتِكَ يَآ اَرْحَمَ الرَّاحِمِينَ
{"Gepriesen seist Du! Wir haben kein Wissen, außer dem, das Du uns gelehrt hast. Denn Du bist der Allwissende, der Allweise!" (Sure 2, 32) "Oh Gott gewähre Frieden und Segen, dem, den Du als Lehrer für Deine Diener gesandt hast, damit er ihnen lehrt, Dich zu erkennen, den Dienst vor Dir und die Anbetung und ihnen die Schätze Deiner Namen aufzeige. Er ist der Übersetzer Deiner Wunderzeichen (ayat) im Buche der Schöpfung, er ist in seiner Anbetung ein Spiegel, der die Schönheit (Djemal) Deiner Herrschaft (Rububiyet) widerspiegelt. Gewähre Segen und Frieden auch seiner ganzen Familie und all seinen Gefährten! Erbarme Dich unser! Erbarme Dich aller gläubigen Männer und Frauen, amen, in Deiner Barmherzigkeit, oh Barmherzigster der Barmherzigen."}
Zehntes Wort
Die Auferstehung
Vorbemerkung
Der Grund dafür, dass ich die Vergleiche und Beispiele in diesen Abhandlungen in Form von Erzählungen niedergeschrieben habe, ist der, damit einerseits einem besseren Verständnis zu dienen und andererseits aufzuzeigen, wie sehr die Wahrheiten des Islam der Logik des Verstandes entsprechen, einander ergänzen und stützen und wie wohl sie begründet sind. Der Sinn der Erzählungen ist die Wahrheit, die sich an ihrem Ende herausstellt. So dienen die Vergleiche lediglich als ein Hinweis auf diese Wahrheit. Sie sind keine bloßen Phantasiegeschichten, sondern tatsächliche Wahrheiten.
Erstes Kapitel
بِسْمِ اللّهِ الرَّحْمَنِ الرّحِيمِ ٭ فَانْظُرْ اِلَى آثَارِ رَحْمَةِ اللّهِ كَيْفَ يُحْيِى اْلاَرْضَ بَعْدَ مَوْتِهَآ اِنَّ ذَلِكَ َ لمُحْيِى اْلمَوْتَى وَهُوَ عَلَى كُلِّ شَيْءٍ قَدِيرٌ
{"Siehe die Male der Barmherzigkeit Allahs; wie Er die Erde nach ihrem Tode wieder lebendig macht! Fürwahr, Er ist es, der die Toten wieder belebt; und Er hat Macht über alle Dinge." (Sure 30, 50)}
Bruder, wenn du eine Auslegung von Auferstehung und Jenseits in einfacher Sprache und allgemein verständlicher Form möchtest, dann lausche den nun folgenden kleinen Beispielerzählungen. Betrachte sie so, wie auch meine Seele es tut! Es kommen zwei Männer in ein Land, das so schön ist wie das Paradies (womit wir diese Welt bezeichnen wollen).
Sie schauen sich um und sehen, dass jeder der Bewohner Tür und Tor von Haus und Hof offen stehen lässt und gar nicht daran denkt, seinen Laden zu bewachen. Somit sind Geld und Gut jedermann zugänglich. Der eine der beiden Männer streckt seine Hand nach allem aus, was er sich wünscht, stiehlt es, rafft es an sich. So folgt er seinen Gelüsten, tut Unrecht und kennt kein Maß. Die Bewohner kümmern sich wenig darum. Der andere aber sagt zu ihm: "Was machst du da? Man wird dich bestrafen. Und mich wirst du mit in dein Unglück hineinziehen. All dies hier ist Staatseigentum. Diese Bewohner leisten Militärdienst mit all ihren Familien, dienen als Beamte und verrichten ihren Dienst in Zivil. Deswegen kümmern sie sich so wenig um dich. Aber das Gesetz ist streng. Des Königs Telefone und seine Beamten finden sich überall. Geh schnell und entschuldige dich!"
Doch der Strolch bleibt verstockt und sagt: "Nein, das ist gar kein Staatseigentum! Wahrscheinlich ist es volkseigen und gehört eigentlich niemandem. Jeder kann sich davon nehmen, was er will. Ich sehe gar keinen Grund dafür, warum ich mir den Gebrauch dieser schönen Dinge versagen sollte. Wenn ich das nicht mit eigenen Augen sehe, werde ich es nicht glauben." So fährt er fort, sich in seine Spitzfindigkeiten hinein zu philosophieren. Zwischen den beiden beginnt nun ein ernsthaftes Streitgespräch. Zuerst sagt dieser in seiner Verblendung: "Wer ist der König? Ich kenne ihn nicht..."
Sein Gefährte gibt ihm zurAntwort:"Es gibt kein Dorf ohne einen Bürgermeister, keine Nadel ohne ihren Meister; sie kann nicht ohne einen Besitzer sein. Es gibt keinen Buchstaben ohne seinen Schreiber; das weißt du. Wie wäre es also möglich, dass dieses so wohlgeordnete Land ohne einen Herrscher wäre? Woher sollte all der Reichtum an kunst- und wertvollen Gütern kommen, so, als käme jede Stunde ein Zug {(*): Der Zug bedeutet den Jahreskreis. Ja, der Frühling ist wie ein Waggon Lebensmittel, der aus dem Unsichtbaren kommt.} aus dem Unsichtbaren?
Hier wird er ausgeladen und fährt wieder weiter. Wie sollte er keinen Herrn haben? Und die Veröffentlichungen und Bekanntmachungen, die überall zu sehen sind, die Siegel, Stempel und Plomben, die an allen Waren zu sehen sind, die Fahnen, die an allen Ecken flattern, wie sollten sie ohne Besitzer sein? Ich meine, du hättest ein wenig fremde Sprachen studiert. Doch diese islamischen Schriften kannst du nicht lesen? Ja, du fragst nicht einmal den, der sie kennt. Also komm nun, ich werde dir des Königs obersten Erlass verlesen!"
Doch jener in seiner Verblendung wendet sich ab und sagt: "Also nehmen wir einmal an, dass es einen König gibt! Aber was schadet ihm das bisschen, das ich mir nehme? Verliert dadurch sein Schatz an Wert? Zudem gibt es hier nicht Haft noch Kerker. Eine Strafe ist nicht zu erkennen."
Sein Gefährte gibt ihm zurAntwort:"Mein Gott, das Land, das du hier siehst, ist doch ein Übungsgelände. Zudem ist es ein Museum der wunderbarsten Kunstwerke des Sultans. Es gleicht einer Wanderherberge ohne Basis. Siehst du denn nicht, wie jeden Tag eine Schar kommt, eine andere geht und entschwindet. Es füllt sich und entleert sich ständig. Noch kurze Zeit und dieses Land wird umgestaltet werden. Diese Bewohner werden in ein anderes, ewiges Königreich verpflanzt werden. Dort wird jeder seinem Verdienst entsprechend Strafe oder Lohn empfangen."
Doch wiederum lehnt sich der Treulose in seiner Verblendung dagegen auf und sagt: "Das glaube ich nicht. Ist es denn überhaupt möglich, dass dieses Land zerstört werden sollte?... und alle in ein anderes Land hinüberwandern sollten." Dem antwortet sein getreuer Gefährte:
Da du nun einmal so verstockt und verbohrt bist, komm und lass dir in "Zwölf Bilder" zeigen, welche Beweise ohne Zahl und Grenze es dafür gibt, dass es einen obersten Gerichtshof gibt, ein Haus der Gnade und Belohnung und ein Haus der Gefangenschaft und Strafe, und dass dieses Land, so wie es sich jeden Tag ein wenig leert,
eines kommenden Tages auch völlig entleert und zerstört werden wird.
Erstes Bild:
Wäre es überhaupt möglich, dass in einem Königreich - und besonders in einem Königreich von solchem Glanz, die Untertanen für gute Dienstleistungen keinen Lohn und die Aufständischen keine Strafe empfingen? Es scheint, als gäbe es hier dergleichen nicht. Das heißt, es muss an einem anderen Ort einen Obersten Gerichtshof geben.
Zweites Bild:
Betrachte einmal den Handel und Verkehr! Wie jedermann, auch der Ärmste und Schwächste unter ihnen so gut und so vollkommen versorgt wird! Selbst die Kranken, die niemanden haben, werden bestens versorgt. Zudem gibt es kostbare und erlesene Speisen, wertvolles Geschirr, edelsteingeschmückte Orden und Ehrenzeichen, die schönsten Festtagskleider und königliche Gastmähler. Sieh einmal, wie sehr ein jeder, ausgenommen so Verblendete wie du, seinen Pflichten die höchste Aufmerksamkeit schenkt! Niemand überschreitet auch nur um einen Zoll seine Grenzen. Die größte Persönlichkeit verrichtet ihren Dienst in Demut, Gehorsam und Bescheidenheit und in aller Ehrfurcht. So besitzt also der Herr dieses Königreichs höchste Freigiebigkeit und allumfassendes Erbarmen, wie auch größte Würde, höchste Majestät, Ehre und Ansehen. Freigiebigkeit aber erfordert es, Huld zu erweisen. Erbarmen kann ohne die Güte nicht sein. Zudem ist es notwendig, zu tun, was der Würde entspricht und die Selbstachtung erfordert. Ehre und Ansehen erfordern es, dass die Ehr- und Würdelosen bestraft werden. Aber in diesem Land wird kaum ein tausendstel dessen erfüllt, was der Barmherzigkeit und Würde entspricht. Der Unterdrücker verharrt in seinem Stolz und der Beleidigte in seiner Erniedrigung; sie ziehen von dannen, scheiden von hinnen. Das heißt, alles bleibt einem Obersten Gerichtshof überlassen.
Drittes Bild:
Siehe, mit welch erhabener Weisheit und Wohlgeordnetheit alles ausgeführt wird! Und auch mit welch wahrhafter Gerechtigkeit und Ausgewogenheit alles
Nötige erledigt wird! So erfordert es die Weisheit der Staatsführung, dass die Flüchtlinge, die unter königlichem Schutz Zuflucht gesucht haben, mit Wohlwollen aufgenommen werden. Und die Gerechtigkeit erfordert, dass die Untertanen in ihren Rechten geachtet werden, damit das Ansehen des Staates und seine königliche Majestät gewahrt bleiben.
Aber in diesen Breiten wird kaum ein tausendstel dessen erfüllt, was einer solchen Weisheit und Gerechtigkeit entspricht. Doch gleich dir ziehen die meisten verblendet, ohne ihre Strafe erlangt zu haben, von dannen. Das heißt, alles bleibt einem Obersten Gerichtshof überlassen.
Viertes Bild:
Betrachte diese unvergleichlichen Juwelen in Ausstellungen ohne Zahl und Grenze, diese einzigartigen Speisen auf den Tischen: sie zeigen die grenzenlose Freigiebigkeit des Königs dieser Stätten und seine Kammern voll unschätzbarer Reichtümer. Aber eine solche Freigiebigkeit und solche unerschöpflichen Reichtümer erfordern eine beständige Einrichtung, in der die Gäste stets all das vorfinden, was sie sich nur wünschen.
Und weiter ist es wünschenswert, dass diejenigen, welche in den Genuss dieses Gastmahles gelangt sind, daran auch weiterhin teilnehmen können, damit weder Tod noch Trennung noch Trauer seien, denn wie am Ende der Schmerzen die Freude steht, so ist auch das Ende der Freude ein Schmerz. Betrachte diese Ausstellungen! Schaue jene Bekanntmachungen an! Leihe dein Ohr diesen Ausrufern! Sie stellen die Kunstschätze eines wundertätigen Königs dar und zeigen sie. Sie künden seine Vollkommenheit. Sie sind ein Zeugnis seiner unvergleichlichen geistigen Vollendung. Sie erzählen von der Tiefe seiner verborgenen Schönheit. Das heißt also, dass seine innere Schönheit und Vollendung über die Maße staunenswert ist. Eine solche verborgene, makellose Vollendung aber erfordert jemanden, der sie zu würdigen weiß, sich für sie zu begeistern vermag, "Mashaallah(so wie es Gott wollte!)", der sie zu erkennen und für andere darzustellen
versteht. Diese verborgene Schönheit ohne gleichen verlangt zu sehen und gesehen zu werden, nämlich die eigene Schönheit auf zweierlei Weise anzuerkennen... erstens, sich selbst in verschiedenen Spiegeln zu betrachten, zum anderen, sich in dem Verlangen der Betrachter und der Begeisterung der Bewunderer zu erkennen, selbst sowohl zu sehen als auch geschaut zu werden, ständig zu bezeugen und immerwährender Zeuge zu sein. Auch verlangt diese immerwährende Schönheit die beständige Anwesenheit derer, welche sie sehnsüchtig betrachten und sich für sie begeistern. Denn eine immerwährende Schönheit kann sich nicht mit einem sterblichen Bewunderer zufrieden geben. Denn ein Betrachter, der unwiderruflich zum Tode verurteilt ist, dessen Liebe verwandelt sich angesichts des Todes in Feindschaft. Seine Begeisterung und Verehrung verwandelt sich in Beschimpfung. Denn der Mensch ist ein Feind dessen, was er nicht kennt und nicht zu erreichen vermag. Denn jeder scheidet rasch aus diesen Herbergen und zieht von dannen. Er sieht das Licht dieser Schönheit und Vollkommenheit oder auch nur einen Schatten davon für einen Augenblick und geht wieder davon, ohne sich satt gesehen zu haben. Das heißt, er geht hinüber in ewige Gärten.
Fünftes Bild:
Siehe, wie in allen diesen Werken sichtbar wird, welch große Liebe diese unvergleichliche Persönlichkeit hat! Denn er schickt seine Hilfe jedem, der von einem Unglück betroffen ist. Er gibt eine Antwort auf jedes Ansinnen und Verlangen. Ja, siehe, er befriedigt sogar liebevoll das allereinfachste Bedürfnis eines seiner niedersten Untertanen. Hat sich das Schaf eines Hirten den Fuß verstaucht, schickt er entweder eine Salbe oder einen Arzt.
Auf! Gehen wir zu dieser Insel dort hinüber, wo gerade eine große Versammlung stattfindet. Alle Edlen des ganzen Landes haben sich dort versammelt. Schau, einer der höchsten Botschafter, geschmückt mit höchsten Auszeichnungen, hält eine Rede. Er erbittet etwas von seinem
liebevollen König. Alle Einwohner sagen: "Ja, oh ja, das ist es, was wir wünschen." Sie unterstützen und bestätigen ihn. Höre nun, was der sagt, auf dem das Wohlgefallen des Königs ruht: "Oh du unser Sultan, der du uns mit deinen Gnadengaben nährst! Zeige uns die Ursprünge und Quellen dessen, was du uns durch Beispiele oder nur schattenhaft vor Augen geführt hast. Lenke unsere Schritte zum Sitz deiner Königsherrschaft! Lass uns nicht in diesen Wüsten zu Grunde gehen! Rufe uns in deine Gegenwart! Erbarme dich unser! Speise uns dort mit den wohlschmeckenden Gaben, von denen du uns hier bereits einen Vorgeschmack gegeben hast! Bestrafe uns nicht mit Tod und Verbannung! Lass deine gehorsamen Untertanen, die nach dir verlangen und die dir Dank sagen, nicht als Waisen zurück, damit sie nicht zugrunde gehen!" So spricht er und fleht inständig. Und auch du kannst ihn hören.
Ja, wäre es denn möglich, dass ein so liebevoller und mächtiger König, der auch den einfachsten Wunsch auch eines ganz einfachen Mannes ernst nimmt und erfüllt, dem vornehmsten Verlangen eines seiner edelsten Botschafter nicht mit Wohlwollen entspräche? Denn das Verlangen dieses Edlen ist zugleich auch das Verlangen aller. Zudem fordert dies auch der Wunsch des Königs und auch seine Barmherzigkeit und Gerechtigkeit. Und es fällt ihm auch leicht, nicht schwer. Es ist ihm dies weniger schwer, als diese zeitweiligen Rastplätze in den Ausflugsorten für die Gäste zu schaffen. Er, der, um uns ein Musterbeispiel vor Augen zu führen, für einen Rastplatz von fünf, sechs Tagen solche Kosten aufwendet und dieses Land aufgebaut hat, wird sicherlich auch, um seine wahren Schatzkammern, seine Vollkommenheiten und Kunstfertigkeiten am Sitz seines Königtums darzustellen, auch Rast- und Ruheplätze schaffen und unsere Sinne in Erstaunen versetzen.
Das heißt, dass wir an diesem Ort der Prüfungen nicht uns selbst überlassen bleiben, sondern die Schlösser der Glückseligkeit oder die Kerker auf uns warten.
Sechstes Bild:
Also nun komm und sieh! All diese gewaltigen Flugzeuge, Maschinen- und Werkzeugparks, Bahndepots und Lagerhallen, Messen, Ausstellungen und Kongresse zeigen, dass es ein glanzvolles Königreich
{(*): Ein Beispiel. Ein riesiges Heer, das auf einem Truppenübungsplatz während einer Gefechtsübung den Befehl erhält: "Zu den Waffen! Pflanzt die Bajonette auf!", gleicht einem Wald, der mit dichtem, dornübersäten Unterholz bewachsen ist. In gleicher Weise ähnelt ein Truppenübungsplatz, wenn an Feiertagen zur Parade der Befehl ausgegeben wird: "Es ist Uniform anzuziehen und die Orden sind anzulegen!", einem Garten, der ganz und gar mit bunten Blumen aller Arten geschmückt ist. So auch erhalten die bewusstseinslosen Arten der Pflanzen unter den zahllosen Arten der Heere des urewigen Sultans wie Engel, Dschinnen, Menschen und Tiere auf dem Weltenrund im Kampf ums Dasein den Befehl:
كُنْ فَيَكُونُ
("Sei! Und es ist.")
Wenn sie diesen Befehl erhalten, gleich dem Befehl: "Nehmt Waffen und Feldzeug auf, um euch zu verteidigen!", pflanzen alle die dorntragenden Sträucher ihre winzigen Bajonette auf und ähneln so einem gewaltigen Heerlager aufgepflanzter Bajonette... So ist auch jeder einzelne Frühlingstag, jede einzelne Woche wie ein Feiertag für eine bestimmte Pflanzenart. Und jede Pflanzenart stellt sich so dar, als ob sie die schönen Geschenke, die ihr der urewige König verliehen hat, zur Schau stellt und die Auszeichnungen, mit denen er sie geschmückt hat, in einer Art Parade, den betrachtenden Blicken des Sultans vorführen wollte. Es ist, als hörten alle die großen und kleinen Pflanzen den Befehl des Herrn: "Schmückt euch mit den edelsteinbesetzten Kunstwerken des Herrn und legt eure Auszeichnungen der göttlichen Schöpfernatur, wie man die Blüten und Früchte nennen möchte, an! Und alle Knospen sollen sich öffnen!" Die Erdoberfläche gleicht einem Heerlager, das an einem großartigen Festtage bei einer königlichen Parade im Schmuck seiner farbenprächtigen Uniformen und edelsteinbesetzten Orden strahlt. Eine in solchem Grade weise und wohlgeordnete Ausstattung und all dieser Schmuck zeigen sicherlich jedem, der nicht blind ist, dass dies auf Befehl eines Königs geschieht, der grenzenlos mächtig ist und ein Herrscher von unbegrenzter Weisheit.}
gibt,
das gleichsam hinter dieser Kulisse regiert.
Ein solches Königreich erfordert Untertanen, die dessen würdig sind. Du siehst aber, dass sich alle Untertanen in dieser Herberge versammelt haben. Diese Herberge aber füllt und leert sich täglich. Außerdem haben sich alle Untertanen zu Übungen auf dem Prüfungsgelände eingefunden. Dieses Gelände jedoch wird jede Stunde verändert. Und alle Untertanen bleiben nur ein paar Minuten auf diesem Messegelände, um die Muster wertvoller Geschenke und wunderbarer antiker Kunstwerke des Königs in den Hallen zu betrachten. Dieses Messegelände jedoch verwandelt sich in jeder Minute. Wer gegangen ist, kommt nicht mehr wieder; wer gekommen ist, geht wieder. So zeigen also diese Situation und ihre Veränderungen unfehlbar, dass es hinter dieser Herberge, dem Übungsgelände und dem Messegelände immerwährende Schlösser, bleibende Wohnungen, Weinberge und Schatzhäuser, angefüllt mit reinen und hohen Originalen dieser Muster und Bilder gibt.
Das heißt, hier wird gearbeitet und dort empfangen. Er gibt hier die Arbeit und dort den Lohn. Es empfängt dort jeder Glückseligkeit entsprechend seiner Fähigkeit.
Siebentes Bild:
Komm und lass uns ein wenig spazieren gehen, wir wollen einmal sehen, was diese zivilisierten Leute so alles besitzen! Schau, überall und in jeder Ecke sind Fotoapparate
{(*): Ein Teil der Bedeutungen, auf die dieses Bild hinweist, wurden bereits in der "Siebenten Wahrheit" erklärt. Wir wollen hier nur die Bedeutung des großen Apparates erklären, der dem König selbst gehört und "Lauh-i mahfudh (wohlverwahrte Tafel)" genannt wird. Die Tatsache der "Lauh-i mahfudh" wurde im "Sechsundzwanzigsten Wort" folgendermaßen bewiesen: So wie einige Personalausweise einzelner Personen auf ein großes Meldeamt hinweisen, einige Urkunden die Existenz eines großen Registeramtes vermuten lassen oder ein paar Wassertropfen auf das Vorhandensein einer Quelle schließen lassen, so auch lässt das Gedächtnis der Menschenkinder, lassen die Früchte der Bäume, die Samenkerne und -körner der Früchte, die den Ausweisen der einzelnen Personen gleichen und auch den Charakter einzelner kleiner "Lauh-i mahfudh" haben, lassen einzelne Punkte, herausgetropft aus der Feder, welche die große "Lauh-i mahfudh" beschreibt, sicherlich ein großes Gedächtnis, ein großes Register, eine große "Lauh-i mahfudh" erahnen. In der Tat weisen sie darauf hin, beweisen sie es, ja, sie stellen es klar heraus für den scharfen Verstand.}
aufgestellt, um Bilder aufzunehmen.
Und siehe! Überall sitzen Schreiber, die sich etwas notieren. Sie schreiben sich alles auf und berichten auch noch über den unwichtigsten Dienst und das allerkleinste Ereignis. Siehe, auf diesem hohen Berg dort ist ein riesiger Photoapparat aufgestellt, der dem König selbst gehört und Bilder aufnimmt von dem, was überall in der Welt geschieht.
Das heißt also, das diese Persönlichkeit befohlen hat, alles, was sich in seinem Eigentum ereignet, alle Amtshandlungen und alle Arbeiten aufzuzeichnen. Das bedeutet also, dass diese gewaltige Persönlichkeit alle Vorkommnisse registriert und Bilder davon macht. So ist also diese genaue Aufzeichnung und Registrierung sicherlich für eine Abrechnung vorgesehen. Wäre es nunmehr überhaupt möglich, dass ein König, der alles bewahrt, nicht die bedeutendsten Taten seiner bedeutendsten Untertanen wahrnehmen, nicht mit ihnen abrechnen, ihnen nicht Lohn oder Strafe geben sollte, wo er doch die unbedeutendsten Handlungen seiner geringsten Untertanen nicht vernachlässigt? Aber es werden Taten gerade von den Bedeutendsten begangen, die eine Beleidigung für Ansehen und Würde dieser Persönlichkeit sind, und die mit Seiner Barmherzigkeit unvereinbar sind. Hier werden sie nicht dafür bestraft. Das heißt also, das bleibt einem Obersten Gerichtshof überlassen.
Achtes Bild:
Komm, ich werde dir die Erlasse, die von ihm kommen, vorlesen. Siehe, er verspricht immer wieder, und droht streng: "Ich werde euch von hier wegführen, zum Sitz meines Königreiches bringen, die Gehorsamen
glücklich machen und die Widerstrebenden in den Kerker werfen. Ich werde diese vergängliche Stätte zerstören und ein anderes Reich mit ewigen Schlössern und Kerkern aufbauen." Und er kann sogar sehr leicht erfüllen, was er versprochen hat und was für seine Untertanen von großer Bedeutung ist. Würde er sein Versprechen nicht halten, wäre dies unvereinbar mit der Würde Seiner Regierungsgewalt. Nun siehe also, du Verblendeter! Du bestätigst das, was dir deine Einbildung vorlügt, was dir dein Verstand vorgaukelt, und was sich deine Seele vormacht. Du bezeichnest eine Persönlichkeit als Lügner, die in keiner Weise zu Wortbruch und Widerspruch gezwungen sein kann, die in keiner Hinsicht mit Widersprüchlichkeit vereinbar ist, und deren alle offensichtlichen Werke für ihre Aufrichtigkeit Zeugnis geben. Gewiss verdienst du eine große Strafe. Du gleichst einem Reisenden, der seine Augen vor dem Licht der Sonne verschließt und statt dessen seine Phantasieprodukte betrachtet. In seiner Arroganz versucht er, einem Leuchtkäfer gleich, mit dem Schein der Leuchte seines Verstandes seinen fürchterlichen Weg zu erhellen. Da der König es aber nun schon einmal versprochen hat, wird er es auch halten. Zudem ist die Erfüllung sehr leicht für ihn, für uns wie ihn selbst, und sein Reich äußerst notwendig.
Das heißt, es gibt einen Obersten Gerichtshof, eine höchste Glückseligkeit.
Neuntes Bild:
Komm jetzt! Betrachte die führenden Persönlichkeiten
{(*): Die Auslegungen, welche dieses Bild verdeutlichen sollen, kann man in der "Achten Wahrheit" finden.
Zum Beispiel:
Mit den führenden Persönlichkeiten in unserem Beispiel meinen wir die Propheten und die Heiligen. Was aber das Telefon betrifft, so ist es eine Verbindung mit dem Herrn, die vom Herzen ausgeht. Dabei ist das Herz ein Spiegel der Offenbarung und das Empfangsorgan der Eingebungen. Das Herz ist Muschel und Hörer des Telefons.}
dieser Ämter und Gemeinden. Jeder von ihnen hat sein eigenes Telefon, über das er persönlich mit dem König sprechen kann. Ja, manchmal treten
sie sogar direkt in Seine Gegenwart. Höre, was sie sagen: Sie alle berichten übereinstimmend, dass seine Persönlichkeit einen überwältigenden und fürchterlichen Ort zu Lohn und Strafe vorbereitet hat. Seine Versprechungen sind unumstößlich und seine Warnungen schrecklich. Zudem dulden sein Ruhm und seine Majestät in gar keiner Weise die Erniedrigung durch ein gebrochenes Versprechen. Sie sind jeder Beleidigung unzugänglich. Und weiter berichten alle Kundschafter übereinstimmend im Grade eines "Tevatur", d.h. mit der Überzeugungskraft der ganzen Gemeinde, dass Quelle und Sitz dieses gewaltigen Reiches aus den Spuren hier bereits sichtbar werden, in einem anderen Land weit entfernt von hier liegen, und dass die Gebäude hier, in diesem Land der Prüfung, nur vorübergehend sind. Diese Stätten werden verwandelt und später in bleibende Schlösser umgestaltet werden.
Denn dieses großartige Reich, das keinen Untergang kennt und dessen Größe wir aus seinen Spuren zu erahnen vermögen, kann nicht auf solch unvollkommenen Werken aufgebaut sein und bleiben, die vergänglich, unbeständig, schwankend und wertlos sind, die sich ständig wandeln und niemals fortbestehen.
Das heißt also, es besteht fort auf großartigen vollendeten und bleibenden Werken, die seiner würdig, beständig, dauerhaft und fest verankert sind und keinen Untergang kennen. Das heißt, es gibt noch ein anderes Land, in das wir mitten hinein reisen werden.
Zehntes Bild:
Komm, heute ist das königliche Nauruzfest.
{(*): Man kann die Auslegung dieses Bildes in der "Neunten Wahrheit" finden. Der Nauruztag bezeichnet z.B. die Frühlingszeit. Eine grüne und blühende Wüste, das ist die Erde im Frühling. Der Wandel der Szenen und Schauspiele ist ein Hinweis auf die verschiedenen Arten von Pflanzen und Tieren, die der allmächtige, ruhmvolle Meister, der König und Schöpfer voll Schönheit vom Beginn des Frühlings bis zum Ende des Sommers in vollständiger Ordnung verwandelt und in völligem Erbarmen erneuert. Er schickt die verschiedenen Arten von Pflanzen und Tieren des Frühlings und des Sommers, von denen einige dem Mensch und dem Tier als Nahrung dienen.}
Eine Verwandlung wird stattfinden und einzigartige
Dinge sich ereignen. An diesem schönen Tag in diesem Frühling machen wir einen Ausflug in dieser grünen Wüste mit ihren schönen Blumen. Schau einmal! Auch andere Leute kommen hierher. Siehe, es geschieht Zauberei, alle Gebäude werden zerstört und nehmen neue Gestalt an. Schau, es geschieht ein Wunder. Die zerstörten Gebäude werden hier plötzlich wiederaufgebaut, und somit ist diese öde Wüste geradezu eine belebte Stadt geworden. Sie zeigt - gleich einer Kinoleinwand - jede Stunde eine andere Welt und nimmt eine andere Gestalt an. Achte darauf, welch vollkommene Ordnung bei all diesem komplizierten, schnellen, häufigen, tatsächlichen Szenenwechsel herrscht, sodass ein jedes Ding an seinen eigenen Platz kommt. Die Szenenwechsel auf der Leinwand könnten auch nicht perfekter arrangiert sein. Millionen erfahrener Zauberer könnten dieses Kunststück nicht zustande bringen. Das heißt, der König, den wir nicht sehen können, vollbringt gewiss sehr große Wunder. Oh du Verblendeter! Du fragst: "Wie kann dieses Riesenreich zerstört und an anderer Stätte wieder errichtet werden?"
Nun, du siehst hier, dass in jeder Stunde Umwälzungen und Verwandlungen gleich der Verwandlung des Landesgeschehen, die dein Verstand nicht akzeptiert. Aus diesem Zueinanderkommen und Sich-voneinander-trennen und all diesen Ereignissen lässt sich verstehen, dass mit all diesem raschen Zueinander kommen und Sich-voneinander-trennen, Sich-bilden und Wieder-zerstört-werden ein anderer Zweck erstrebt wird. Für ein Beisammensein von einer Stunde wird ein Aufwand von zehn Jahren gemacht. Das heißt also: Diese Formen können nicht Selbstzweck sein. Sie sind ein Beispiel, ein Muster. Diese Persönlichkeit macht sie als ein Wunder, sodass ihre Bilder aufgenommen, zusammengestellt und die Ergebnisse
aufbewahrt und aufgezeichnet werden, wie ja schon auf dem Übungs- und Prüfungsgelände alle Dinge aufgezeichnet und aufgeschrieben wurden. Das heißt also, auf dem Großen Versammlungsplatz werden die Handlungen darauf aufgebaut und fortgesetzt. Zudem werden sie ständig auf einer riesigen Messe ausgestellt. Das heißt also, diese vergänglichen, unbeständigen Formen bringen beständige Bilder und bleibende Früchte hervor. Das bedeutet, dass diese Vorführungen und Veranstaltungen einer höchsten Glückseligkeit, einem Obersten Gerichtshof und erhabenen Zwecken dienen, die wir nicht kennen...
Elftes Bild:
Nun komm, mein hartnäckiger Freund! Steigen wir in ein Flugzeug, das nach Osten oder Westen fliegt, d.h. sich in die Vergangenheit oder die Zukunft bewegt. Sehen wir, welche Wunder diese wunderwirkende Persönlichkeit an anderen Orten vollbringt. Siehe also, wie sich die gleichen Merkwürdigkeiten, die wir in den Wohnungen, Plätzen und auf den Messen gesehen haben, überall finden. Sie unterscheiden sich von einander lediglich in ihrer künstlerischen Gestaltung. Doch beachte wohl, welch tiefe Weisheit sich in der Ordnung, welch offensichtliche Zeichen von Mitleid, welche Zeichen einer hohen Stufe der Gerechtigkeit, welche Früchte einer derart umfassenden Barmherzigkeit in diesen vorübergehenden Wohnungen, den vergänglichen Stätten, den unbeständigen Messen sichtbar wird. Jedermann, der nicht ohne Einsicht ist, wird gewiss verstehen, dass eine vollkommenere Weisheit als die seine, ein Mitleid, wunderbarer als das seine, eine umfassendere Barmherzigkeit als die seine, eine Gerechtigkeit noch ruhmreicher als die seine nicht sein kann und nicht vorstellbar ist. Nehmen wir einmal an, es gäbe - wie du dir einbildest - im Lande seines Königtums keine dauerhaften Unterkünfte, keine erhabenen Stätten, keine festen Aufenthaltsorte, keine bleibenden Wohnungen, keine sesshaften Bewohner, keine glücklichen Untertanen, dann ist klar, dass dieses unbeständige Reich nicht eine solche Weisheit, ein solches
Mitleid und Erbarmen, eine solche Gerechtigkeit zeigen könnte. Um diese Realitäten aufzuzeigen, müsste ein anderer Platz gefunden werden, da man sonst die vor unseren Augen liegende Weisheit leugnen, das Mitleid, das wir doch bezeugen, leugnen, diese Barmherzigkeit, die wir doch sehen, leugnen, diese Gerechtigkeit, deren so kräftige Spuren und Zeichen doch offensichtlich sind, leugnen müsste. Das aber wäre, als wollten wir am helllichten Tage die Sonne leugnen, deren Strahlen wir doch sehen. Zudem müssten wir dann den Herrn all dessen, was er in Weisheit getan, in Freigiebigkeit geschaffen, in Barmherzigkeit geschenkt hat - möge Gott uns davor bewahren und behüten! - als einen primitiven Spieler oder grausamen Tyrannen ansehen. Das aber wäre eine Umkehr der Realität in ihr Gegenteil.
Denn die Verkehrung der Wahrheit ist nach der Übereinstimmung aller Leute von Verstand unmöglich und unvorstellbar, ausgenommen für Sophisten, die in ihrer Torheit alle Dinge leugnen. Das heißt also, es gibt noch einen anderen als diesen Ort. Es muss dort einen Obersten Gerichtshof, einen Ort höchster Gerechtigkeit und zugleich überwältigender Großzügigkeit geben, sodass diese Barmherzigkeit, Weisheit, das Mitleid und die Gerechtigkeit vollendet in Erscheinung treten können.
Zwölftes Bild:
Komm, wir kehren jetzt zurück! Wir wollen mit den Präsidenten und Offizieren darüber sprechen und ihre Ausrüstungen untersuchen, ob diese Ausrüstungen ihnen nur für eine sehr kurze Dauer, um an diesem Ort auszuharren, gegeben wurden. Oder wurde sie ihnen gegeben, um sich damit ein langes, glückseliges Leben an einem anderen Ort zu erwerben? Lasst uns einmal sehen! Wir können nicht jedermann und seine Ausrüstung untersuchen. Aber wir wollen eine Stichprobe machen, und den Ausweis und das Soldbuch dieses Offiziers betrachten. In seinem Soldbuch sind sein Rang und Sold, seine Aufgabe, sein Kontostand und die Anweisungen für sein Verhalten eingetragen. Sein Rang kann ihm nicht nur für ein paar Tage, sondern muss ihm für eine
sehr lange Zeit verliehen worden sein. Außerdem steht noch geschrieben: "Sie werden Ihren Sold an einem bestimmten Tag aus der königlichen Privatschatulle ausbezahlt bekommen."
Aber dieser Tag wird erst nach langer Zeit und erst nach Verlassen des Ortes kommen. Was seine Aufgabe betrifft, so wurde sie ihm sicherlich nicht nur um dieses vergänglichen Ortes willen übertragen, sondern um dadurch eine immerwährende Glückseligkeit in der Nähe des Königs zu erwerben. Und auch sein Konto wurde ihm nicht eröffnet, um ein paar Tage in dieser Herberge zu verbringen, vielmehr nur um eines langen, glückseligen Lebens willen. Auch aus seinen Anweisungen geht klar und einwandfrei hervor, dass der Inhaber dieses Soldbuches für einen anderen Ort vorgesehen ist, für eine andere Welt arbeitet. Sieh dir Ausweis und Soldbuch an! In ihnen sind Gebrauchsanweisungen und seine Verantwortung für Waffen und Ausrüstung eingetragen. Gäbe es also nicht noch eine andere, erhabene, bleibende Stätte, als nur diesen Ort hier, dann wäre ein solch definitiver Ausweis und ein solch unanfechtbares Soldbuch ganz und gar ohne Sinn. Zudem würde dieser ehrenwerte Offizier, dieser geachtete Kommandant, dieser angesehene Präsident tiefer sinken als alle Bewohner, unglücklicher werden als sie alle, elender, armseliger, würdeloser, erbärmlicher und beklagenswerter als ein jeder von ihnen. Vergleiche dies mit den übrigen Gegebenheiten! Was immer du betrachten mögest, das alles bezeugt, dass es nach diesem Vergänglichen (fani)ein Ewiges (baqi)gibt.
Oh mein Freund! Dieses vergängliche Reich gleicht einem Acker. Es ist ein Übungsgelände, ein Marktplatz. Dem folgt sicherlich ein oberster Gerichtshof, eine höchste Glückseligkeit. Wenn du das leugnest, dann bist du gezwungen, auch alle Ausweise, Soldbücher, Ausrüstungen, Anweisungen, ja, sogar die ganze Ordnung in diesem Lande, ja, die Regierung selbst zu leugnen, und es wird notwendig, zu bestreiten, dass alle diese Maßnahmen tatsächlich durchgeführt worden sind. Dann aber
wird man dich nicht mehr länger einen Menschen nennen können, der über ein Bewusstsein verfügt. Du wirst noch weniger Verstand besitzen als die Sophisten...
Du darfst nicht denken, dass die Beweise für die Verwandlung des Reiches auf diese "Zwölf Bilder" beschränkt seien. Im Gegenteil, es gibt unbegrenzt viele, unzählige Anzeichen, ja, Beweise dafür, dass dieses unbeständige, sich ständig verändernde Reich in ein Reich umgewandelt werden wird, das keinen Untergang und keinen Wechsel kennt. Zudem gibt es unbegrenzt viele, zahllose Hinweise und Anzeichen dafür, dass diese Einwohner aus diesen Behelfsunterkünften hinweggenommen und zum Sitz des immerwährenden Königreiches hingebracht werden.
Komm nun, ich werde dir noch ein besonders beweiskräftiges Zeugnis dafür zeigen, eines, das noch überzeugender ist, als diese "Zwölf Bilder"!
Komm also nun und sieh! Inmitten seiner gewaltigen Gemeinde, die wir von Weitem sehen können, hält jener höchste Botschafter, den wir schon zuvor - geschmückt mit einem großen Orden - auf der Insel gesehen hatten, eine Ansprache. Gehen wir hin und hören wir ihm zu! Siehe, dieser glanzvolle, oberste Botschafter verkündet den Bewohnern einen höchsten königlichen Erlass. Du siehst ihn dort oben aufgehängt. Er sagt unter anderem etwa folgendes: "Seid bereit! Ihr werdet in ein anderes, ein bleibendes Reich hinübergehen, in ein Land, im Vergleich zu dem dieses Land hier wie ein Gefängnis ist. Ihr werdet zum Sitz des Reiches unseres Königs gehen, seine Barmherzigkeit und all seine Güte erfahren, wenn ihr diesen Erlass hört und ihn bestens befolgt... Rebelliert ihr aber dagegen und wollt ihr nicht hören, dann werdet ihr in furchtbare Kerker geworfen." Du siehst auch, dass in diesem großen Erlass ein Siegel von solch einer Vollendung angebracht ist, dass es auf gar keine Weise möglich ist, es nachzuahmen. Jedermann, außer so einem Verblendeten wie du, weiß mit Sicherheit, dass dieser Erlass der Erlass des Königs ist, und jedermann,
außer einem Blinden wie du, erkennt ganz klar, dass dieser glanzvolle, oberste Botschafter, der solche Auszeichnungen trägt, des Königs oberster Befehlshaber ist.
Jetzt also, mein Freund, bist du an der Reihe, zu reden! Sage nun, was du zu sagen hast! "Was kann ich denn sagen? Kann man dagegen denn noch etwas einwenden? Kann man denn am helllichten Tage noch ein Wort gegen die Sonne richten? Ich kann nur noch sagen: Elhamdulillah! Dank sei hunderttausendmal dafür, dass ich aus der Knechtschaft meiner Träume und Neigungen, von Lust und Laune errettet wurde, vor ewigem Gefängnis und Kerker bewahrt blieb.
Ich bin zu dem Glauben gelangt, dass es über dieses Tohuwabohu von Notunterkünften hinaus einen Ort der Glückseligkeit in königlicher Nähe gibt, für den wir vorherbestimmt sind."
Siehe, nun ist dieses Gleichnis, welches beinhaltet und anspielt auf eine letzte Versammlung und die Auferstehung, vollendet. Nun wollen wir zu der erhabenen Wahrheit hinüberschreiten. Allah verleihe uns dazu Erfolg! Jetzt werden wir den vorangegangenen "Zwölf Bildern" entsprechend "Zwölf einander stützende Wahrheiten" behandeln. Wir beginnen mit einer Einführung.
Zweites Kapitel
Einführung
Wir beziehen uns hier auf einige Bemerkungen, die wir bereits an anderen Stellen erklärt haben, nämlich im "Zweiundzwanzigsten", "Neunzehnten" und "Sechsundzwanzigsten Wort".
Erste Anmerkung:
Der Verblendete in unserem vorigen Gleichnis und sein vertrauenswürdiger Gefährte entsprechen in der Realität den drei folgenden Paaren:
Erstens:
meiner eigensinnigen Seele (nefs-i emmare)und meinem Herzen
Zweitens:
einem Adepten der Philosophie und einem Jünger des Weisen Qur'an
Drittens:
der Gemeinschaft des Islam und den Leuten des Unglaubens
Der furchtbare Irrtum der Adepten der Philosophie, der Leute des Unglaubens und der triebverhafteten Seele besteht darin, dass sie Gott den Gerechten nicht anerkennen wollen. So wie in dem Gleichnis der vertrauenswürdige Mann gesagt hat: "Ein Buchstabe kann nicht sein, ohne den, der ihn schreibt, und ein Gesetz kann nicht sein, ohne den, der es durchführt.", so sagen auch wir:
So wie ein Buch, besonders solch ein Buch, in dem eine winzige Feder in jedes Wort ein Buch hineingeschrieben hat, ein feiner Stift in jeden Buchstaben eine vollendete Kasside (Dichtung) hineingeschrieben hat, ohne Schreiber ganz und gar unmöglich wäre, so ist es auch eine unvorstellbare Unmöglichkeit, dass diese Schöpfung ohne Designer sein sollte. Denn dieser Kosmos ist ein solches Buch, das auf jeder Seite viele Bücher in sich enthält, ja, sogar jedes Wort umfasst ein Buch, jeder Buchstabe enthält eine Kasside. Das Antlitz der Erde ist eine Seite. Wie viele Bücher umfasst es! Ein Baum ist ein Wort. Wie viele Seiten enthält es! Eine Frucht ist ein Buchstabe. Ein Kern ist ein Punkt. Dieser Punkt umfasst
das Programm, das Inhaltsverzeichnis für einen riesigen Baum. Nun aber kann ein solches Buch nur ein Ornament sein, das mit dem Pinsel der göttlichen Allmacht gemalt wurde, von einer Majestät, die Schönheit, unendliche Macht und Weisheit besitzt. Das heißt, dass man glauben muss, nachdem man die Welt betrachtet und verstanden hat, es sei denn, dass man vom Irrtum berauscht sei...
In ähnlicher Weise kann kein Haus ohne Baumeister entstanden sein, besonders ein Haus, das mit solch wunderbaren Kunstwerken, staunenswerten Ornamenten, einzigartigen Verzierungen ausgestattet wurde, und besonders dann, wenn in jedem Stein so viel Kunstfertigkeit enthalten ist wie in einem ganzen Schloss. Kein vernünftiger Mensch kann akzeptieren, dass es ohne Baumeister entstanden sein sollte. Es erfordert einen sehr geschickten Künstler. Mehr noch: In diesem Schloss werden jede Stunde, wie auf der Leinwand eines Kinos, in schönster Ordnung wahrhafte Wohnstätten gebildet und wieder ausgewechselt, so wie man ein Kleid wechselt, ja, sogar innerhalb jeder Szene dieser Wirklichkeit werden zahllose winzige Wohnstätten ins Dasein gerufen.
Genauso erfordert auch dieses Universum einen allwissenden, allweisen und allmächtigen Baumeister. Denn dieses grandiose Universum ist ein solches Schloss, in dem Sonne und Mond die Lampen, die Sterne die Kerzen sind, die Zeit aber ein Seil oder eine Spule, durch die der königliche Baumeister in jedem Jahr eine andere Welt zur Aufführung bringt. In dieser so vorgeführten Welt erneuert Er die Bilder wohlgeordnet auf dreihundertsechzig Arten. In schönster Ordnung und Weisheit wechselt Er sie. Er hat das Antlitz der Erde zu einem Gabentisch gemacht, den Er in jedem Frühling mit dreihunderttausend Arten Seiner Geschöpfe deckt. Er überhäuft ihn mit Gnadengaben ohne Zahl und Maß. Dies geschieht in der Weise, dass sie sich, obwohl voll und ganz, untereinander und miteinander vermischt, doch wieder bis hin zur allerletzten Stufe voneinander trennen. Zieht man nun
auch noch andere Gesichtspunkte zum Vergleich heran, wie kann man dann noch den Baumeister eines solchen Schlosses unbeachtet lassen?
Was wäre das zudem für ein höchst sonderbares und törichtes Geschwätz, wollte man mitten an einem wolkenlosen Tage die Sonne leugnen, während sich doch der Sonnenschein im Meer spiegelt, und man in jedem Tropfen seine Reflektierungen beobachten kann? Denn wollte man diese eine einzige Sonne leugnen und ihre Existenz bestreiten, dann müsste man entsprechend der Fülle der Tropfen, der Menge der Bläschen, der Zahl der Teilchen eben so viele kleine reale und originäre Sonnen annehmen. Wollte man aber von der Notwendigkeit ausgehen, anzunehmen, dass sich eine Riesensonne real in einem Stäubchen (in dem doch nicht mehr als ein Stäubchen Platz hat!) zusammengequetscht befände, so wäre das ebenso, als wollte man angesichts dieser Ordnung in der Natur, die sich ständig mit den Jahreszeiten in Weisheit verwandelt und reibungslos erneuert, nicht bestätigen, dass da ein Schöpfer ist, dessen Attribute Majestät und Vollkommenheit sind. Das wäre eine noch üblere Torheit von einem Irrtum und das Geschwätz eines Wahnsinnigen. Denn dann müsste man ja in jedem Ding, ja, in jedem Stäubchen eine absolute Gottheit anerkennen.
Denn es ist z.B. möglich, dass ein Atom aus der Luft in jede Blume, jede Frucht, jedes Blatt eintreten und dort wirken kann. Wäre also dieses Atom nicht beauftragt worden, dann müsste es selbst Ablauf, Form und Aufbau all der Arten kennen, in die es eintreten will, um dort zu wirken. Um aber so wirken zu können, müsste es über ein umfassendes Wissen verfügen und Macht besitzen.
So ist z.B. auch noch das kleinste Stückchen Erde dazu in der Lage, den verschiedensten Samenkernen und -körnern Wiege und Ursprung zu sein. Wäre es nicht dazu beauftragt, dann müsste es so viele Werkzeuge und Maschinen in sich enthalten, wie es Gräser und Bäume gibt. Oder aber man müsste ihm die Macht geben, den gesamten Ablauf zu kennen, zu gestalten und
die Kunstfertigkeit, um alle die Formen zu wissen, mit denen sie bekleidet werden, und diese zu weben.
Man mag diese Gleichnisse auch noch auf andere Daseinsbereiche anwenden! Am Ende wirst du verstehen, dass in jedem Ding ganz offensichtlich viele Beweise für die Einheit Gottes (Vahdaniyet)enthalten sind. Ja, es ist dies ein Werk, das dem Schöpfer aller Dinge eigen ist: Aus allen Dingen ein einziges zu machen und aus einem einzigen Ding alle zu machen. Beachte den berühmten königlichen Ausspruch:
وَاِنْ مِنْ شَيْءٍ اِلاّ َيُسَبِّحُ بِحَمْدِهِ
{"Es gibt kein Ding, das Ihn nicht mit Lob und Dank preist und rühmt."}
Das heißt: Wer nicht dazu bereit ist, die Einheit und Einzigartigkeit Gottes (Vahid-i Ahad)anzuerkennen, muss notwendiger Weise so viele Götter anerkennen, wie es Geschöpfe gibt.
Zweite Anmerkung:
In unserem Gleichnis war von einem höchsten Botschafter die Rede, und es wurde gesagt, dass jeder, der nicht gerade blind ist und seine Auszeichnungen gesehen hat, verstehen wird, dass diese Persönlichkeit auf Befehl des Königs handelt, und von diesem persönlich beauftragt ist. Dieser höchste Botschafter ist nun der höchst ehrenwerte Gesandte (Gottes), mit dem Friede und Segen sei. Ja, in diesem so herrlich geschmückten Universum ist ein höchst ehrenwerter Gesandter des heiligen Baumeisters in gleicher Weise überaus notwendig wie die Sonne, die, damit wir leben können, notwendigerweise Licht und Wärme ausstrahlt. Denn so wie es der Sonne unmöglich ist, keine Strahlen auszusenden, ebenso ist es der Gottheit unmöglich, sich zu offenbaren, ohne Gesandte auszusenden.
Ja, wäre es überhaupt möglich, dass eine Schönheit von solcher Vollendung nicht den Wunsch hätte, sich durch einen Mittler, der Ihn vorstellt und beschreibt, zu offenbaren?
Ja, wäre es überhaupt möglich, dass eine so vollendete Kunstfertigkeit von einer derartigen Schönheit nicht durch einen Ausrufer, der die Blicke aller darauf lenkt, nach einer Ausstellung verlangt?
Oder wäre es überhaupt möglich, dass ein allgemeines Königtum mit einem universalen Herrschaftsbereich nicht das Bestreben hätte, Seine Einheit und Unabhängigkeit auf allen Ebenen, im Großen wie im Kleinen, durch einen zweiflügeligen Abgeordneten bekannt zu machen? Denn so wie diese Persönlichkeit hinsichtlich ihrer universellen Anbetung und ihres allumfassenden Dienstes der Vertreter aller Ebenen vor dem Thron Gottes ist, so ist er auch der Beauftragte am Thron Gottes aufgrund seiner Nähe und seiner Sendung für alle Ebenen.
Ja, wäre es überhaupt möglich, dass eine Persönlichkeit von einer derartigen essentiellen Schönheit nicht darum bemüht wäre, die Werte und Feinheiten Seiner Schönheit in allen Spiegeln durch Seinen geliebten Propheten zu sehen und zeigen zu lassen? Er ist dadurch sowohl liebenswert, dass er sich Seine Liebe durch den Dienst und die Anbetung erwirbt und Ihm als Spiegel dient, als auch zugleich Sein Prophet zu sein, welcher bewirkt, dass Ihn die Geschöpfe lieben, denen er die Schönheit (Djemal)Seiner Namen aufzeigt.
Ja, wäre es überhaupt möglich, dass der Besitzer der Schatzkammern, gefüllt mit erstaunlichen Wunderwerken von einzigartigem Wert und großer Seltenheit, etwa nicht wünschte und wollte, dass deren verborgene Vollkommenheit durch einen kundigen Juwelenhändler, der ihren Wert kennt und zu beschreiben vermag, dem Volk zugänglich gemacht und über ihren Häuptern gezeigt werde?
Oder wäre es überhaupt möglich, dass der, welcher den Kosmos mit Geschöpfen ausgestattet hat, welche die Vollkommenheit all Seiner Namen zum Ausdruck bringen, ihn gleich einem Schloss mit seltenen, fein gearbeiteten Kunstwerken geschmückt hat, keinen Führer und Lehrer dafür ernannt haben sollte?
Ja, wäre es überhaupt möglich, dass der Herr des Alls
die tiefe, verborgene Wahrheit hinter der Frage, was Sinn und Zweck dieses sich ständig wandelnden Universums sei und das Rätsel der drei schwierigen Fragen nach dem "Woher? Wohin? und Was bist du?" nicht durch einen Botschafter lösen sollte?
Wäre es denn überhaupt möglich, dass dieser Baumeister in Seiner göttlichen Majestät, der sich den bewusstseinstragenden Geschöpfen in Seinen schönen Kunstwerken zu erkennen gibt und möchte, dass sie Ihn für Seine kostbaren Gnadengaben in Dankbarkeit lieben, Seinen Wunsch und Willen nicht durch einen Botschafter Seinen bewusstseinstragenden Geschöpfen mitteilen sollte?
Ja, wäre es überhaupt möglich, dass Er, der das Menschengeschlecht so erschaffen hat, dass es in das Bewusstsein einer Vielheit verfallen, aber auch mit der Fähigkeit ausgestattet ist, stellvertretend für die ganze Schöpfung Gott zu dienen und Ihn anzubeten, es nicht gewollt haben sollte, dass es unter der Führung eines Lehrers sein Antlitz von der Vielheit zur Einheit wende?
Es gibt noch viele andere Aufgaben des Prophetentums, deren jede einzelne ein absolut sicherer Beweis dafür ist, dass die Gottheit nicht ohne das Amt des Propheten sein kann. Ist aber nun in der Welt außer Mohammed aus Arabien, dem Gesegneten, mit dem Friede und Segen sei, etwa noch ein anderer erschienen, der den oben erwähnten Eigenschaften und Aufgaben besser entsprochen und sie mehr als er in sich vereinigt hätte? Hat etwa die Zeit je einen hervorgebracht, der für das Amt des Propheten und seinen Auftrag, zu verkündigen, würdiger und geeigneter gewesen wäre? Nein, ganz gewiss nicht!
Ja, er ist sogar das Haupt aller Gesandten (Gottes), der Imam aller Propheten, der erste Kenner aller Wahrheit (Asfiya),der Nächste aller Nahen, der Vornehmste unter allen Geschöpfen und König der Lehrer. Unter den nahezu tausend Wundern, welche Forscher bestätigt haben; z.B. die Spaltung des Mondes oder das Wasser, das aus
seinen Fingern hervorströmte, Beweise seines Prophtentums ohne Zahl und Grenze, genügt der ruhmreiche Qur'an, als ein Ozean der Wahrheit und ein Wunder in vierzigfacher Hinsicht, das größte aller Wunder, um sein Prophetentum sonnenklar aufzuzeigen. Weil wir aber schon in anderen Abhandlungen, besonders im "Fünfundzwanzigsten Wort" die etwa vierzig Aspekte des Qur'an als eines Wunders besprochen haben, können wir uns hier kurz fassen.
Dritte Anmerkung:
Man soll nicht denken, dieser winzig kleine Mensch sei zu unbedeutend, als dass diese gewaltige Welt um der Abrechnung für seine Handlungen willen geschlossen werde. Sollte ein anderer Bereich eröffnet werden? Denn dieser winzig kleine Mensch hat eine große Bedeutung, weil er aufgrund seiner umfassenden Naturanlagen Meister allen Seins ist, der öffentliche Ausrufer des Gottesreiches und stellvertretend für die ganze Schöpfung als Diener und Anbeter (Gottes) in Erscheinung tritt. Zudem sollte man auch nicht denken, wie kann er in diesem so kurzen Leben eine ewige Strafe verdienen? Denn der Unglaube setzt das Universum, das in seinem Grad und Wert dem Brief seines Souveräns gleicht, auf die Stufe einer Sinn- und Zwecklosigkeit herab, ist eine Beleidigung des ganzen Universums, verleugnet alle die Heiligen Namen Gottes, deren Erscheinungen als der Schmuck allen Seins angesehen werden können, und weist sie zurück, ist eine Lüge gegenüber allen Belegen, welche die Wahrhaftigkeit und Aufrichtigkeit Gottes des Gerechten aufzeigen, und ist deshalb ein grenzenloses Verbrechen. Ein grenzenloses Verbrechen erfordert aber eine grenzenlose Strafe.
Vierte Anmerkung:
So wie wir anhand unseres Gleichnisses in "Zwölf Bildern" gesehen haben, dass es keineswegs unmöglich ist, dass dieser König, der so ein Reich besitzt, welches eher einer Notunterkunft gleicht, noch ein anderes Reich besitzt, das beständig ist, Seiner Majestät entspricht und die Basis Seines gewaltigen Reiches darstellt, so ist es auch keineswegs unmöglich, dass der
Schöpfer, der bleibt (baqi)und eine Welt geschaffen hat, die vergeht (fani),nicht auch eine Welt schaffen sollte, die ewig ist. Zudem ist es nicht möglich, dass dieser Ewige Schöpfer eines so einzigartigen und doch vergänglichen Universums, dieses erschaffen hat und ein anderes, beständiges und ewiges Universum nicht schaffen sollte. Zudem ist es unmöglich, dass der Schöpfer, der allweise, allmächtig und allbarmherzig ist und das Diesseits (dunya)wie ein Messegelände, einen Prüfungsort, ein Ackerfeld geschaffen hat, nicht ein Jenseits (dar-i ahiret)erschaffen hat, in dem sich alle Seine Ziele manifestieren. Man gelangt zu dieser Wahrheit durch "Zwölf Tore". In den nun folgenden "Zwölf Wahrheiten" werden diese zwölf Tore geöffnet. Wir beginnen mit der kürzesten und einfachsten von ihnen:
Erste Wahrheit:
Das Tor zum Königreich und Seiner königlichen Herrschaft ist die Manifestation Seines Namens "Herr" (Rabb).
Ja, wäre es denn überhaupt möglich, dass die Herrschaft Gottes, die sich in ihrer tatsächlichen Erscheinung und ihrem Reich manifestiert, die, um ihre Vollendung zu zeigen, eine solche Welt zu höchst erhabenen Zielen und Zwecken für die Gläubigen, die ihren Zielen und Zwecken im Glauben, im Dienst und in der Anbetung entsprechen, geschaffen hat, keine Belohnung bereit hielte? Und sollte Er jene Irregeleiteten, die Seine Zielsetzungen ablehnen und gering schätzen, nicht dafür bestrafen?
Zweite Wahrheit:
Das Tor zu Freigiebigkeit und Barmherzigkeit ist die Manifestation Seiner Namen "Freigiebiger" (Kerim)und "Barmherziger" (Rahim).
Wäre es denn überhaupt möglich, dass der Herr dieser Welt, der sich in Seinen Werken als der, welcher "ohne Maß" Freigiebigkeit und Barmherzigkeit, unendliche Ehre und grenzenlosen Ruhm besitzt, keine Belohnung bereit hielte, die Seiner Freigiebigkeit und Barmherzigkeit würdig ist, und keine Bestrafung, die Seinem Ruhm und Seiner Ehre entspricht? Ja, wenn man den Lauf der Welt betrachtet, dann sieht man, dass allen Lebewesen, von
den schwächsten und ärmsten angefangen bis zu den stärksten, die Versorgung gegeben wird, die ihnen entspricht.
{(*): Der erlaubte Unterhalt wird nicht aufgrund einer Befähigung erworben, sondern aufgrund einer Bedürftigkeit gegeben. Der absolut sichere Beweis dafür besteht darin, dass Säuglinge in ihrer Unfähigkeit bestens versorgt werden, während Wölfe trotz ihrer Zahl und Stärke um ihren Unterhalt leiden, ja, sogar die Fische in ihrem Mangel an Intelligenz fett werden, während der schlaue und listige Fuchs und der Affe in ihrer Sorge um des Leibes Nahrung mager bleiben. Das heißt also, dass sich Unterhalt einerseits, Befähigung und Handlungsfreiheit andererseits zueinander reziprok verhalten. Je mehr einer auf seine Fähigkeit und seine Freiheit zu handeln vertraut, um so mehr Sorge um seinen Unterhalt wird er haben...}
Die Schwächsten und Ärmsten werden bestens versorgt. Jeder Leidtragende erfährt von unerwarteter Seite Heilung. Ihm wird mit so erhabener Freigiebigkeit der Tisch bereitet und Gastfreundschaft erwiesen, dass darin ganz offensichtlich eine Hand von grenzenloser Freigiebigkeit sichtbar wird.
So sind zum Beispiel alle Bäume im Frühling, den Paradies-Jungfrauen gleich, wie in Seidenbrokat gekleidet, mit ihren Blumen und Früchten wie mit Juwelen geschmückt, und dienen uns mit ihren Zweigen gleich feinen Händen. Sie bieten uns verschiedenartige wohlschmeckende Früchte gleich Kunstwerken an. Zudem empfangen wir aus der Hand der Biene mit ihrem giftigen Stachel einen gesunden und wohlschmeckenden Honig. Wir werden in die schönsten und seidenweichsten Kleider gehüllt aus der Hand eines Insekts, das keine Hände hat. Und auch eine große Schatzkammer des Erbarmens ist in einem winzigen Kern für uns aufbewahrt. Es versteht sich von selbst, welch eine Freigiebigkeit in Schönheit und welch ein einfühlsames Erbarmen in diesen Werken zum Ausdruck kommt. Zudem erfüllen - den Menschen und manche wilde Tiere ausgenommen - die Sonne, der Mond, die Erde und so auch alle Geschöpfe bis hin zu den kleinsten ihre Pflicht mit ganzer Aufmerksamkeit,
überschreiten ihre Grenzen nicht einen Fingerbreit und handeln so in einem sie alle umfassenden Gehorsam gegenüber einer gewaltigen Autorität. Dies zeigt, dass sie auf Befehl eines Herrn (Sahib)von hoher Majestät und Würde tätig werden.
Es ist ebenso offensichtlich, dass die Art, in der alle Mütter in ihrer erbarmenden Zärtlichkeit sowohl in der Pflanzen- und in der Tier- als auch Menschenwelt ihre schwachen kleinen Kinder mit einer so wohlausgewogenen Nahrung, wie z.B. der Milch, aufziehen, eine Manifestation jenes Erbarmens ist, wie sie in ihrer ganzen Weite und Breite zur Auswirkung kommt.
{(*): Die Tatsache, dass ein hungriger Löwe sein schwaches Junges vor sich selbst bevorzugt und das Stück Fleisch, das er hat, nicht selbst frisst, sondern es seinem Jungen gibt, dass ein furchtsames Huhn einen Hund oder Löwen angreifen wird, um seine Küken zu verteidigen, dass ein Feigenbaum, der sich selbst vom Schlamm ernährt, seinen Früchten, die seine Jungen sind, reine Milch gibt, zeigt offensichtlich jedem, der nicht blind ist, dass sie dies im Namen einer Persönlichkeit tun, die unendlich barmherzig, freigiebig und voll zärtlicher Liebe ist. Und weiter zeigt die Tatsache, dass Geschöpfe ohne ein klares Bewusstsein, wie Pflanzen und Tiere in einem solchen Grade bewusst und weise handeln, dass es unbedingt jemanden geben muss, der sie - allwissend und allweise - dazu bewegt und in dessen Namen sie tätig werden...}
Dieser Weltenlenker verfügt also, wie wir oben gesehen haben, über eine Freigiebigkeit ohne Grenzen und ebenso über ein Erbarmen ohne Maß, und Seine Majestät und Ehre sind in hohem Grade erhaben. Eine so hohe und erhabene Majestät und Ehre aber erfordert, dass die Unbotmäßigen bestraft werden. Eine Freigiebigkeit (kerem)ohne alle Grenzen aber verlangt danach, sich in einer Gastfreundschaft (ikram)ohne Maß zum Ausdruck zu bringen. Grenzenloses Erbarmen aber verlangt danach, sich in Wohltaten zu äußern und einer Güte, die dessen würdig ist. Doch in dieser vergänglichen Welt und in dieser kurzen Lebenszeit kann - gleich einem Tropfen aus
dem Meer - nur eine Winzigkeit unter Millionen Winzigkeiten dessen Ausdruck finden und sich manifestieren. Das heißt also, dass es einen Ort der Glückseligkeit geben muss, der dieser Freigiebigkeit würdig ist und dieser Barmherzigkeit entspricht. Man müsste sonst die Existenz dieser Barmherzigkeit, die wir erfahren haben, leugnen. Das aber wäre so, als wollte man die Existenz der Sonne leugnen, die den Tag mit ihrem Licht erfüllt. Denn Tod ohne Wiederkehr verwandelt Liebe in Leid, Mitgefühl in Hass, ein Gnadengeschenk in einen Racheakt, macht den Verstand zu einem Werkzeug des Unheils und verkehrt Wohlgefallen in Qual, sodass (göttliches) Erbarmen aufhören müsste, Realität zu sein.
Außerdem muss es einen Ort der Strafe geben, welcher der Majestät und Würde (Gottes) entspricht. Denn meistens verharrt der Unterdrücker in seiner Würde und der Unterdrückte in seiner Erniedrigung, verlässt (diese Welt) und geht hinüber. (Ihre Angelegenheiten) bleiben also einem obersten Gerichtshof überlassen, werden vertagt, jedoch keineswegs übersehen. Dennoch kommt die Strafe manchmal auch schon in dieser Welt. Die Strafen, welche in den vergangenen Jahrhunderten die aufständischen und verstockten Völker getroffen haben, zeigen, dass der Mensch sich nicht selbst überlassen bleibt. Die Ehre und Majestät (Gottes) kann ihn jederzeit mit einer Ohrfeige treffen.
Ist es denn überhaupt möglich, dass der Mensch, nachdem er inmitten allen Seins mit einem wichtigen Auftrag betraut, einer bedeutenden Fähigkeit ausgestattet worden ist, und der Herr des Menschen sich ihm in so wohlgeordneten Kunstwerken zu erkennen gegeben hat, um für die wunderschönen Früchte Seines Erbarmens geliebt zu werden, der Mensch Ihn aber im Glauben nicht anerkennt und nicht in Dienst und Anbetung danach strebt, von Ihm geliebt zu werden? Wäre es dann möglich, dass er ungestraft bliebe? Wenn Er (der Herr) nun weiter in verschiedensten Gnadenerweisen Seine Liebe und Sein Erbarmen zeigt, der Mensch aber im Gegenteil Ihm nicht
durch Dank und Lobpreis die Ehre erweist... wäre es denn überhaupt möglich, dass er dafür unbestraft bliebe? sich selbst überlassen bliebe? Sollte der Herr des Ruhmes und der Ehre, diese Persönlichkeit voll Majestät etwa keinen Ort der Strafe bereitet haben? Wäre es denn möglich, dass Er, der sich nach der Überfülle Seiner Erbarmungen zu erkennen gegeben hat und geliebt werden möchte, denen, die Ihn im Glauben anerkennen, Ihn dienend und anbetend lieben und danach streben, von Ihm geliebt zu werden, dass Er in Seinem Erbarmen denen, die Ihm in Dankbarkeit die Ehre erweisen, Seinen Gläubigen, nicht eine Stätte ewiger Glückseligkeit schenken sollte?
Dritte Wahrheit:
Das Tor der Weisheit und Gerechtigkeit ist die Manifestation Seines Namens "Allweiser (Hakim)"und "Allgerechter (Adil)."
Ja, ist es denn überhaupt möglich,
{(*): "Ja, ist es denn überhaupt möglich?" Diese Frage wird sehr oft wiederholt, denn sie berührt ein bedeutsames Geheimnis. Dieses besteht darin, dass Unglaube und Irrtum aus etwas für unmöglich und unvorstellbar Gehaltenem kommt, und man es deshalb leugnet. Darum haben wir in unserer Abhandlung über die Auferstehung unwiderlegbar klar gestellt, dass es auf dem Wege des Unglaubens und dem Pfade des Irrtums liegt, die Tatsachen für unmöglich, die Wahrheit für unvorstellbar, unverständlich, schwer zugänglich, ja, bis zur Unzumutbarkeit schwierig zu halten, während es auf dem Wege des Glaubens und dem Pfade des Islam liegt, die Tatsachen als möglich, die Wahrheit als verstandesgemäß, leicht zugänglich und so offensichtlich zu erkennen, dass sie zur zwingenden Wahrheit wird. Kurzum, die Philosophen halten etwas für unmöglich und kommen so dazu, es zu leugnen. Im "Zehnten Wort" haben wir mit diesem Ausdruck aufgezeigt, auf wessen Seite die Unmöglichkeit liegt. Es hat ihnen die Sprache verschlagen.}
dass eine Persönlichkeit von solcher Majestät, die das Reich Ihrer Herrschaft in allen Dingen von den Atomen bis zu den Sonnen in Weisheit und Ordnung, Gerechtigkeit und Ausgeglichenheit zeigt, Ihren Gläubigen, die unter Ihren Flügeln Zuflucht suchen und glaubend, anbetend und dienend
zur Übereinstimmung mit der Weisheit und Gerechtigkeit gelangen, nicht gastfreundlich entgegenkommen sollte? Und die Unbotmäßigen, die in ihrem Unglauben und in ihrer Maßlosigkeit aufstehen gegen Weisheit und Gerechtigkeit, nicht bestrafen sollte? Denn in dieser vergänglichen Welt wird unter den Menschen auch nicht der tausendste Teil dessen geübt, was der Weisheit und Gerechtigkeit entspräche. Dies wird vielmehr verschoben. Viele von denen, die auf Irrwegen gehen, erhalten nicht ihre Strafe und viele derer, die rechtgeleitet sind, sehen ihren Lohn nicht und gehen von dannen. Das heißt also, es erwartet sie ein oberster Gerichtshof, eine höchste Glückseligkeit.
Ja, es ist offensichtlich so, dass die Persönlichkeit, welche diese Welt beherrscht, diese Tätigkeit mit einer grenzenlosen Weisheit versieht. Er verfolgt einen Sinn und Zweck in allen Dingen. Möchtest du einen Beweis dafür haben? Siehst du nicht, dass in allen Gliedern, Knochen, Adern, ja, selbst in allen Zellen des menschlichen Körpers, überall und in jedem kleinsten Teilchen Zweckmäßigkeit und Weisheit angestrebt wird, dass Weisheit und Zweckmäßigkeit in manchen Organen so zahlreich wie die Früchte eines Baumes aufgezeigt werden und die Hand einer grenzenlosen Weisheit in ihnen tätig ist? Außerdem zeigt die Kunstfertigkeit in jedem Ding, dass sich in ihm ein unendliches Maß an Ordnung findet. Man sieht, wie in ihm eine unendliche Weisheit am Werke ist.
In der Tat zeigt das in das winzige Samenkorn einer schönen Blume sorgfältig eingearbeitete Programm, der Arbeitsplan, die Lebensgeschichte, die Liste der Ausrüstungsgegenstände eines großen Baumes, eingeschrieben mit dem unsichtbaren Stifte der göttlichen Vorsehung (qader)in einem winzigen Samenkern, die Spur einer Feder voll unendlicher Weisheit.
In der Tat zeigen Kunst und Schönheit, wie sie sich in so hohem Grade bei der Erschaffung eines jeden Dinges finden, in welchem Maß der weise Baumeister es damit ausgeschmückt hat. Und tatsächlich findet man in diesem
so winzig kleinen Körper eines Menschen das Inhaltsverzeichnis des ganzen Universums, die Schlüssel zu den Schatzkammern der Barmherzigkeit und die Spiegel aller göttlichen Namen, was zeigt, wie grenzenlos diese Weisheit ist, der wir in Seinen schönen Künsten begegnen.
Ist es also nun überhaupt möglich, dass diese hochherrschaftliche Weisheit, die auf diese Art regiert, denjenigen, die im Glauben und im Gehorsam unter den Flügeln ihrer Herrschaft Zuflucht suchen, nicht gastfreundlich entgegenkäme, sie nicht ewig gastfrei aufnehmen würde?
Und willst du noch einen Beweis dafür, dass alle Dinge in Gerechtigkeit und Ausgeglichenheit durchgeführt werden? Nun, die genaue Ausgewogenheit, das ihnen eigene Maß, nach dem jeder Körper aufgebaut wird, und das allen Dingen Gestalt verleiht, alles an seinen besonderen Platz stellt, zeigt, mit welch unendlicher Gerechtigkeit und Ausgewogenheit alle Werke ausgeführt werden.
In ähnlicher Weise zeigt die Tatsache, dass jeder, der dazu berechtigt ist, entsprechend seinen Fähigkeiten erhält, was er benötigt, d.h., dass all das, was er in seinem Sein braucht, ihm in der besten für ihn passenden Form gegeben wird, und auch das, was zur Erhaltung seines Daseins notwendig ist, die Hand einer grenzenlosen Gerechtigkeit. Und wiederum zeigt die Tatsache, dass der, welcher danach fragt und darum eine Bitte äußert, sei es, dass sie sich in seinen Fähigkeiten oder in der Bedürftigkeit seiner Natur äußert oder in seiner Notlage zum Ausdruck kommt, stets eine Antwort erhält, in grenzenlosem Maße Weisheit und Gerechtigkeit.
Ist es denn nun überhaupt möglich, dass die Weisheit und Gerechtigkeit, die auch dem kleinsten Geschöpf auch noch in seinem geringsten Bedürfnis zu Hilfe eilt, den Menschen als das größte unter allen Geschöpfen, in seinem Verlangen nach Ewigkeit, welches sein größtes Bedürfnis ist, unerfüllt lassen? Seinen Notschrei um Hilfe und seine wichtigste Frage ohne Antwort lassen? Sollte diese Gerechtigkeit, um die Majestät ihrer Herrschaft zu schützen, das Recht ihrer Diener und Anbeter nicht verteidigen?
Denn der Mensch, der in dieser vergänglichen Welt ein kurzes Leben verbringt, erfährt die Realität einer solchen Gerechtigkeit nicht, und kann sie auch gar nicht erfahren. Sie muss vielmehr einem obersten Gerichtshof überlassen bleiben. Denn die wahre Gerechtigkeit erfordert, dass dieser winzig kleine Mensch nicht entsprechend seiner Winzigkeit, sondern nach der Größe seines Verbrechens, der Bedeutung seines Daseins und seiner gewaltigen Aufgabe Lohn und Strafe empfange. Denn in dieser vergänglichen, vorübergehenden Welt ist der Mensch, der für die Ewigkeit geschaffen ist, sehr weit davon entfernt, eine solche Gerechtigkeit und Weisheit zu erfahren. In jedem Fall wird der Herr, dessen Schönheit sich voll Majestät in Seiner Gerechtigkeit manifestiert, der Herr, dessen Majestät sich manifestiert voll Schönheit in Seiner Weisheit, eine immerwährende Hölle und ein ewiges Paradies haben.
Vierte Wahrheit:
Das Tor zu unerschöpflicher Freigiebigkeit und Schönheit ist die Manifestation Seiner Namen "Freigiebiger in Vollkommenheit (Djevvad)"und "Vollkommener in Schönheit (Djemil)".
Ist es denn überhaupt möglich, dass eine unerschöpfliche Freigiebigkeit und Offenheit, unauslotbarer Reichtum, endlose Schatzkammern, unsterbliche Schönheit ohne Beispiel, makellose immerwährende Vollkommenheit nicht nach solchen verlangte, die in ihrer Not dankbar sind und sich danach sehnen, in einem Haus der Glückseligkeit ewig an einem Gastmahl teilnehmen zu dürfen und all dem Spiegel und staunender Betrachter zu sein?
In der Tat zeigt das Antlitz der Erde, geschmückt und ausgestattet mit so vielen Kunstwerken, dem Mond und der Sonne als Lampen darin, einem Tisch voller Gnadengaben, gedeckt mit den verschiedensten Speisen, Obstbäumen, deren jeder einer geöffneten Schale gleicht, die zu jeder Jahreszeit mehrmals nachgefüllt wird, eine unerschöpfliche Gastfreundschaft und Freigiebigkeit... Eine solche unerschöpfliche Gastfreundschaft und Freigiebigkeit, diese endlosen Schatzkammern und eine solche
Barmherzigkeit erfordern ein Gastmahl in einem Haus der Glückseligkeit, das nicht nur ewig fortdauern sollte, sondern bei dem sich auch alles findet, was das Herz begehrt.
Zudem erfordert es mit Bestimmtheit, dass diejenigen, die es genießen, an diesem Ort der Glückseligkeit ewig bleiben und verweilen dürfen, wo weder Tod noch Trennung noch Trauer sein werden. Denn wie am Ende der Schmerzen die Freude steht, so ist auch das Ende der Freude ein Schmerz. Eine solche Gastfreundschaft duldet keinen Schmerz. Das heißt, sie verlangt ein ewiges Paradies und darinnen diejenigen, die ewig ihrer bedürfen. Denn unendliche Gastfreundschaft und Freigiebigkeit erfordern es, mit unendlichen Wohltaten zu beschenken. Mit unendlichen Wohltaten zu beschenken aber erfordert es, sie mit unendlicher Dankbarkeit in Empfang zu nehmen. Das wiederum verlangt nach dem fortdauernden Dasein der Person, welcher die Wohltaten erwiesen werden. So sollte das beständige Nehmen des Einen, Dankesschuld und Verbundenheit für das beständige Geben des Anderen hervorrufen. Im anderen Fall wäre es mit einer solchen Freigiebigkeit und Gastfreundschaft unvereinbar, würden sie sich auf den vorübergehenden durch sein Entschwinden bitter gewordenen Genuss eines ganz kurzen Augenblicks beschränken. Sieh dich zudem noch überall in der Welt um, wo Gottes Kunstwerke wie auf Messen ausgestellt sind! Achte auf die königlichen Bekanntmachungen, welche die Pflanzen und Tiere auf dem ganzen Erdball in Händen halten.
{(*): An der Spitze eines knochentrockenen Baumes ein Stiel, dünn und fein wie ein Draht, eine Blume gleich einem Juwel oder eine Frucht, schön wie ein Schmuckstück: Das ist sicherlich eine Bekanntmachung, aus der alle bewusstseintragenden Wesen die künstlerischen Schönheiten eines Meisters, eines Kunstverehrers, eines Wundertäters und Weisen ablesen können. Und das, was für die Pflanzen gilt, lässt sich in ähnlicher Weise auch auf die Tiere anwenden.}
Und neige dein Ohr den Verkündigungen der Propheten und Heiligen
über die Schönheiten der göttlichen Herrschaft, wie sie einstimmig die makellose Vollkommenheit des Künstlers in Seiner Majestät durch die Ausstellung Seiner wunderbaren Kunstwerke aufzeigen und verkündigen, und so die Blicke aller darauf lenken! Daraus ergibt sich, dass der Baumeister dieser Welt von einer sehr bedeutsamen, Staunen erregenden, verborgenen Vollkommenheit ist. Er möchte sie in diesen wunderbaren Kunstwerken zeigen.
Denn diese geheime, makellose Vollkommenheit verlangt danach, sich vor denen zu manifestieren, die sie zu schätzen wissen und sich für sie begeistern können, und die "Mashaallah" sagen, wenn sie sie schauen. Das Fortbestehen der Vollkommenheit aber verlangt danach, sich auch ständig zu manifestieren. Dies wiederum verlangt nach dem Fortleben derer, die das zu schätzen wissen und sich dafür begeistern können. In den Augen derer, für die es eine Begeisterung, aber kein Fortleben gibt, erlischt auch der Wert der Vollkommenheit.
{(*): Dafür gibt es ein Beispiel von sprichwörtlicher Bedeutung: Eine gefeierte Schönheit verwies einmal einen einfachen Mann, der sich in sie verliebt hatte, aus ihrer Gegenwart. Dieser sagte, um sich darüber hinwegzutrösten: "Puh, ist die aber hässlich!" Er verleugnete so ihre Schönheit.}
Und wiederum künden auch die Geschöpfe, die das Weltall bevölkern, in ihrer wunderbaren Vollendung und ihrem strahlenden künstlerischen Schmuck, gleich wie das Licht von der Sonne kündet, den hohen Wert einer beispiellosen inneren Vollkommenheit, rufen die Tiefe einer unvergleichlichen, verborgenen Schönheit aus.
{(*): Obwohl alles das, was erschaffen wurde, einem Spiegel gleich ist, wieder zerfällt und vergeht, finden wir dennoch an allem, was danach erschaffen wird, und im Antlitz aller Geschöpfe wieder die Manifestation derselben Schönheit (Djemal) und Vollkommenheit, was zeigt, dass diese Schönheit nicht die ihre ist, dass sie vielmehr Zeichen (ayat) und Spur einer edlen Schönheit und Heiligen Vollkommenheit (Djemal) sind.}
Sie sind ein Hinweis auf die vielen verborgenen Schätze, die eine Manifestation
dieser edlen Schönheit und heiligen Vollkommenheit (Djemal)sind und sich in den Namen (Gottes), ja, in jedem einzelnen von ihnen finden.
Wie aber nun eine in solchem Grade hohe, beispiellose verborgene Schönheit (Djemal)ihren eigenen erhabenen Wert wie in einem Spiegel zu schauen und die Stufen ihrer Schönheit, die Wertung ihrer Vollkommenheit (Djemal)in einer bewussten, sehnsuchtsvollen Reflexion zu betrachten verlangt, so verlangt sie auch danach, sich zu manifestieren, um ihre liebenswerte Schönheit (Djemal)mit den Augen der anderen aufs Neue zu sehen. Das heißt, sie betrachtet ihre eigene Schönheit auf zweierlei Weise. Zum einen sieht sie sich selbst in jedem einzelnen Spiegel in einer anderen Farbe wieder, zum anderen möchte sie sich in der Sehnsucht der Betrachter und in der Begeisterung ihrer Bewunderer sehen. Das heißt, die Schönheit und Vollkommenheit (Djemal)möchte sehen und gesehen werden. Sehen und Gesehen-Werden aber verlangt nach einem sehnsüchtigen Betrachter, nach begeisterten Bewunderern. Eine unsterbliche Schönheit und ewige Vollkommenheit (Djemal)aber verlangt nach der beständigen Anwesenheit derer, die sie sehnsüchtig betrachten. Denn eine immerwährende Schönheit kann sich nicht mit einem sterblichen Bewunderer zufrieden geben. Denn ein Betrachter, der unwiderruflich zum Tode verurteilt ist, dessen Liebe verwandelt sich angesichts des Todes in Feindschaft. Seine Begeisterung verwandelt sich in Verachtung, seine Verehrung in Beschimpfung. Denn so wie ein egoistischer Mensch Feind dessen ist, was er nicht kennt, so ist er auch ein Gegner dessen, was er nicht zu erreichen vermag. Denn eine unendliche Zuneigung verkehrt sich gegenüber einer Schönheit, die doch grenzenloser Liebe und Bewunderung würdig wäre, in eine versteckte Abneigung, ja, Hass und Zurückweisung. So begreift man das Geheimnis des Ungläubigen, der ein Feind Allahs geworden ist.
In der Tat verlangt also diese unendliche Gastfreundschaft und Freigiebigkeit, diese beispiellose Schönheit
und Vollkommenheit (Djemal),diese makellose Vollendung (Kemal),nach ewig dankbaren, sehnsüchtigen Bewunderern. Doch in der Herberge dieser Welt sehen wir, dass jeder rasch davon geht und entschwindet. Er hat von den Gaben dieser Gastfreundschaft kaum ein wenig gekostet. Sein Appetit wurde angeregt. Doch er geht ohne recht gegessen zu haben. Er sieht nur einen Schimmer des Lichtes von dieser Schönheit und Vollkommenheit (Djemal ve Kemal),ja, nur einen schwachen Schatten davon für einen Augenblick, und geht wieder davon, ohne sich satt gesehen zu haben. Das heißt er geht hinüber in ewige Gärten. Kurzum, so wie diese Welt mit allem, was da ist, unfehlbar auf die Majestät des Schöpfers hinweist, so weisen auch die Attribute und Namen dieser Majestät des Schöpfers auf eine Heimstatt im Jenseits hin, bezeichnen sie und verlangen nach ihr.
Fünfte Wahrheit:
Das Tor der selbstlosen Liebe, und der Dienst und die Gottesanbetung, die Mohammed, mit dem Friede und Segen sei, verrichtete, ist die Manifestation Seiner Namen "Der Bewirkende (Mudjib)"und "Der Erbarmende (Rahim)".
Ja, wäre es denn überhaupt möglich, dass ein Herr, der unendliche Liebe und Barmherzigkeit besitzt und auch das primitivste Bedürfnis Seines niedersten Geschöpfes sieht, es auf unerwartete Art und Weise in vollkommener Liebe befriedigt, der auch noch die leiseste Stimme eines Seiner verborgensten Geschöpfe hört und ihm Hilfe schickt, und der auf alle die Bitten, ausgesprochene wie unausgesprochene, hört, die größte Not Seines größten Dieners und Verehrers,
{(*): In der Tat ist diese Persönlichkeit, deren Untertanen in einem Reiche, das bereits seit tausenddreihundert Jahren besteht, und deren Reich noch weiter fortbesteht - mit mehr als dreihundertfünfzig Millionen Untertanen, die ihm täglich alle ihren Bund erneuern, seine Vollendung bezeugen, sich gehorsam seinen Weisungen beugen - jemand, welcher der Hälfte des Erdkreises und einem Fünftel des Menschengeschlechtes seine charakteristische Farbe verliehen hat, der Geliebte ihrer Herzen und Gestalter ihrer Seelen ist, mit Sicherheit der allerhöchste Diener und Verehrer des Herrn, der das Universum lenkt. Wenn nun die meisten Geschöpfe dieser Welt ein Ausdruck der Wundergaben dieser Persönlichkeit geworden sind, und so Amt und Auftrag freudig begrüßt haben, dann ist sicherlich diese Persönlichkeit das geliebteste Geschöpf des Schöpfers dieser Welt. Zudem ist ein Bedürfnis, das zu befriedigen die ganze Menschheit mit allen ihren Kräften anstrebt, gleich dem Bedürfnis nach Beständigkeit, jenes Bedürfnis, das den Menschen vom niedrigsten der Niedrigen zu den Höhen von Illiyyun (des Paradieses) emporzieht. Dieses Bedürfnis ist sicherlich das größte aller Bedürfnisse, und der höchste Diener und Anbeter wird es im Namen der Allgemeinheit vor Den bringen, der in aller Not versorgt.}
Seines geliebtesten Geschöpfes
nicht sehen und ihr kein Ende bereiten, sein höchstes Gebet nicht hören und nicht annehmen sollte?... In der Tat wird uns am Beispiel der Ernährung und Aufzucht hilfloser Jungtiere eine Gastfreundschaft und Unterstützung gezeigt, wie der Herr der Welt in grenzenloser Barmherzigkeit regiert. Ja, wäre es denn überhaupt möglich, dass der, welcher mit einer Liebe von solcher Erbarmung regiert, das schönste Gebet Seines würdigsten Geschöpfes nicht annehmen sollte?... Diese Wahrheit haben wir zwar bereits im "Neunzehnten Wort" erläutert, wollen sie aber hier noch einmal darlegen.
Oh du mein Gefährte, der du mir gleich meiner Seele zuhörst! In unserer Erzählung haben wir folgendes Bild gebraucht: Auf einer Insel findet eine Versammlung statt... Ein oberster Botschafter hält dort eine Ansprache. Die Wahrheit, die er auslegt, ist wie folgt: Komm! Wir wollen uns von unserer jetzigen Zeit zurückziehen und in unserer Vorstellung in das glückliche Zeitalter auf die Halbinsel Arabien gehen, um den ehrwürdigen Propheten, mit dem Friede und Segen sei, zu besuchen und ihn bei der Erfüllung seiner Pflichten, in Gebet und Gottesdienst zu beobachten.
Siehe! So wie diese Persönlichkeit durch Prophetentum und Rechtleitung (hidayet)Ursache für die Schaffung ewiger Glückseligkeit und das Mittel ist, diese zu erlangen,
so ist sie auch durch Gebet und Gottesdienst der Grund für das Fortbestehen dieser Glückseligkeit und das Fahrzeug zum Paradies.
Nun siehe! Diese Persönlichkeit betet mit einer so großen Hingabe, in so erhabener Anbetung um die ewige Glückseligkeit, als wäre die ganze Insel, ja der ganze Erdball in seinem Flehen, in einer einzigen, gewaltigen Feier des Gebetes mit ihm vereinigt. Denn in dem Gottesdienst, den er feiert, ist der Gottesdienst der gesamten Gemeinde (umma),die sich ihm unterstellt hat, mitenthalten, gleich wie das Geheimnis dieses Gottesdienstes auch in geheimnisvoller Übereinstimmung alle Propheten umfasst. Er betet und fleht mit einer solchen Hingabe in so gewaltiger Gemeinschaft, als sprächen alle erleuchteten und vollendeten Menschen unter den Kindern Adams, angefangen von den Zeiten Adams bis zu unserer Zeit, ja, sogar bis zum Jüngsten Tage ihr "Amen"zu seinem Gebet, sich in seiner Nachfolge ihm unterwerfend.
{(*): In der Tat sind alle Gebete und Segenswünsche der ganzen Gemeinde (umma) von den Gebeten Ahmeds, mit dem Friede und Segen sei, angefangen bis in unsere Zeit ein ununterbrochenes "Amen" und eine gemeinschaftliche Teilnahme an seinem Gebet. Ja, sogar jeder Segenswunsch, der ihm entgegengebracht wird, ist ein Amen zu seinem Gebet. Alle Segens- und Friedenswünsche, die ihm während des Gebetes von jedem Einzelnen aus seiner Gemeinde dargebracht werden und das Dua-Gebet, das die Shafi'is vor dem Fard-Gebet für ihn verrichten, ist ein machtvolles, allgemeines "Amen" zu seinem Gebet um die Ewige Glückseligkeit. Die Persönlichkeit Ahmeds, mit dem Friede und Segen sei, bittet und betet, so wie alle Menschen in ihrer menschlichen Natur unausgesprochen, doch mit ganzer Kraft, nach Beständigkeit und ewiger Glückseligkeit verlangen, im Namen des Menschengeschlechtes, und die Erleuchteten der Menschheit hinter ihm sagen "Amen". Ja, wäre es denn überhaupt möglich, dass dieses Gebet (von Gott) nicht angenommen werden sollte?}
Siehe, er betet in einer so allgemeinen Not, z.B. um Ewigkeit und Beständigkeit, dass nicht nur alle Bewohner der Erde, nein, auch die Bewohner der Himmel, ja, alle Wesen
daran teilnehmen, unausgesprochen bitten und beten:
"Ja, unser Herr! Gewähre es ihm! Nimm sein Gebet an! Darum bitten auch wir!"
Und siehe nun, er bittet darum so herzergreifend, so liebevoll, so sehnsuchtsvoll, so flehentlich um beständige Glückseligkeit, dass er das ganze Weltall zu rühren und zur Anteilnahme an seinem Gebet zu bewegen vermag.
Siehe, er betet noch dazu um eine Glückseligkeit, deren Ziel und Zweck es ist, den Menschen und alle Geschöpfe aus dem Zustand eines niedrigsten aller niedrigen, dem Sturz in die absolute Negation, Wertlosigkeit, Nutzlosigkeit, Sinnlosigkeit zu den Höhen von Illiyyun(des Paradieses), zu Wert, Beständigkeit, hoher Verantwortlichkeit und einem Brief des Unwandelbaren zu erheben.
Siehe, er ruft seine Bitte mit einem so lauten Schrei hinaus, bittet und fleht so rührend, im tiefsten Inneren bewegt, als wollte er die ganze Schöpfung, die Himmel und den Thron Gottes dazu bringen, ihm zuzuhören, in einem ekstatischen Gebet "Amin, Allahumma amin"zu sagen.
{(*): Es ist in der Tat auf gar keine Weise möglich, dass der Lenker dieser Welt, der doch alle Seine Handlungen offensichtlich klar, bewusst, wissentlich und weise ausführt, sich der Handlungen des auserwähltesten Mannes unter Seinen Geschöpfen nicht bewusst wäre und sie nicht kennen würde... Auch ist es in gar keiner Weise möglich, dass dieser allweise Lenker gegenüber den Handlungen dieses erwählten Mannes und seinen Gebeten gleichgültig bliebe, wo Er doch um sie weiß, und ihnen keinen Wert beimessen würde. Und wiederum ist es in gar keiner Weise möglich, dass dieser allmächtige und barmherzige Lenker, wenn Er doch dessen Gebeten gegenüber nicht gleichgültig bleibt, sie nicht annehmen würde. Ja, im Lichte der Persönlichkeit Ahmeds, mit dem Friede und Segen sei, hat sich die Gestalt der Welt verändert. Das wahre Wesen des Menschen und des gesamten Kosmos hat sich erst in diesem Licht, in diesen Strahlen entfaltet, und es hat sich gezeigt, dass unter allem, was da ist in diesem Kosmos, jedes einzelne Sein ein Brief des Unwandelbaren ist, in dem die Göttlichen Namen zu lesen sind, und jedes ein zuständiger Beamter, und jedes hat Beständigkeit erlangt, ist wert- und sinnvolles Sein geworden. Wäre da nicht dieses Licht, bliebe alles Sein zu absoluter Negation verurteilt, wertlos, bedeutungslos, nutz-, sinn-, zwecklos und wirr, ein Spielzeug des Zufalls im Dunkel der Illusionen. Es ist um dieses Geheimnisses willen, dass nicht nur die Menschen zu dem Gebet Ahmeds, mit dem Friede und Segen sei, ihr Amen sagen, vielmehr ist alles Sein im Himmel und auf Erden stolz auf sein Licht und bezeigen ihre Verbundenheit mit ihm. Schon der Geist, aus dem der Gottesdienst Ahmeds, mit dem Friede und Segen sei, erwächst, ist Gebet. Sogar alle die Bewegungen und Funktionen im All sind eine Art von Gebet. So ist z.B. die Tätigkeit, die ein Samenkorn entfaltet, ein Gebet zu seinem Schöpfer, um ein Baum zu werden...}
Und siehe, er erbittet von diesem Allmächtigen, dem Freigiebigen, der alles hört, dem Allwissenden, dem Erbarmer, der alles sieht, Glückseligkeit und Beständigkeit. Wie wir es mit eigenen Augen sehen können, sieht und hört Er den verborgensten Wunsch auch noch des verborgensten Wesens, sein leisestes Flehen, nimmt es an, erbarmt sich seiner und beantwortet es, wenn auch unausgesprochen. Er beantwortet es mit soviel Weisheit, Klarsicht und Erbarmen, dass kein Zweifel daran bleibt, dass alles, was zu Unterhalt und Versorgung geschieht, von dem kommt, der alles hört und sieht, dem Freigiebigkeit und Barmherzigkeit zu Eigen ist...
Wollen wir nun hören, was der Stolz des Menschengeschlechtes, dieser Einzigartige in Raum und Zeit, die Ehre des Universums erbittet, er, hinter dem alle Kinder Adams stehen, der, weilend auf der Erde, seine Hände zum Throne des Allgewaltigen erhebt, und der in seinem Gebet, dem wahren Gottesdienst Ahmeds, mit dem Friede und Segen sei, die Essenz des Gottesdienstes der Menschheit umfasst. Siehe, er erbittet für sich und seine Gemeinde (umma)die ewige Glückseligkeit. Er bittet um Beständigkeit, um das Paradies. Er bittet zugleich darum, dass sich dort alle die Heiligen Namen Gottes offenbaren, die ihre Schönheit (Djemal)in den Spiegeln allen Seins zeigen. Du siehst ihn, wie er nach der Offenbarung dieser Namen verlangt. Gäbe es nicht diese zahllosen Gründe,
die nach der Existenz eines Jenseits verlangen, und gäbe es nicht die Beweise für sein Vorhandensein, schon ein einziges Gebet dieser Persönlichkeit genügte, jenes Paradies zu erbauen. Der Macht des allbarmherzigen Schöpfers wäre dies ebenso ein Leichtes, wie unseren Frühling zu Stande zu bringen...
{(*): In der Tat ist der Erdball im Vergleich mit dem Jenseits nur wie eine sehr knappe Seite, welche als Beispiel der Versammlung am Tage der Auferstehung die grenzenlos zahlreichen, wunderbaren Nachbildungen zeigt. Auf dieser einen einzigen Seite sind die Arten der Schöpfung in vollkommener Ordnung wohlgeordnet aufgeschrieben, eingesetzt gleich dreihunderttausend Büchern. Dies ist sicherlich schwieriger als in der weiten Welt des Jenseits ein feinstoffliches und wohlgefügtes Paradies zu erbauen und ins Dasein zu rufen. Ja, man kann sogar sagen, dass die Erschaffung der Gärten des Frühlings im gleichen Maße schwieriger und wunderlicher ist als die des Paradieses, wie ja das Paradies über die Gärten erhaben ist.}
Ja, wie könnte für den, der in jedem Frühling den Erdball einem Versammlungsort gleich werden lässt und dort hunderttausend Nachbildungen einer solchen Versammlung hervorbringt, die Schaffung des Paradieses schwierig sein? Das heißt, sein Prophetentum veranlasste, dass diese Stätte der Prüfung eingerichtet wurde, wie es das Geheimnis des folgenden heiligen Hadith bestätigt:
لَوْلاَكَ لَوْلاَكَ لَمَا خَلَقْتُ اْلاَفْلاَكَ
{"Wenn nicht für dich, wenn nicht für dich, ja nicht erschaffen hätte ich das All."}
Desgleichen veranlasste auch sein Gottesdienst, dass eine andere, jenseitige Stätte der Glückseligkeit eingerichtet wurde... Ja, wäre es denn überhaupt möglich, dass eine solche, alle Verstande in Erstaunen versetzende Ordnung in dieser Welt und eine solche makellose künstlerische Schönheit in so breiter Fülle und eine so beispiellose Vollkommenheit (Djemal)in der Herrschaft (Gottes) sein Gebet unbeantwortet lassen sollte? Nein, solch eine Hässlichkeit, eine solche Unbarmherzigkeit, eine
solche Unordentlichkeit wäre damit unvereinbar. Denn wer die kleinsten, unbedeutendsten Wünsche, den leisesten Ruf hört, erhört und entspricht, sollte der die wichtigsten, notwendigsten Wünsche für unwichtig ansehen, sie nicht hören, erhören und nicht verstehen? Nein, und abermals und hunderttausendmal Nein! Da sei Gott vor! Eine solche Schönheit ist mit einer derartigen Hässlichkeit unvereinbar und kann niemals hässlich werden.
{(*): Tatsächlich ist die Umkehrung von Wahrheiten nach allgemeiner Übereinstimmung unmöglich. Was an dieser Umkehrung der Wahrheiten das Unmögliche des Unmöglichen darstellt, was an der Verkehrung des Gegenteils in sein eigenes Gegenteil offensichtlich tausendmal unmöglich ist, ist folgendes: Ein Gegenteil kann nicht seine Beschaffenheit beibehalten und dabei gleichzeitig sein eigenes Gegenteil sein. Zum Beispiel: Eine unendliche Schönheit kann nicht wirklich hässlich sein, während sie in Wirklichkeit schön ist. Also kann, wie wir aus diesem Beispiel ersehen können, die Herrschaft (Gottes) in Ihrer Schönheit und Vollkommenheit nicht gleichzeitig hässlich sein und dabei gleichzeitig Ihren Charakter einer vollkommenen Herrschaft beibehalten. Das wäre in dieser Welt unter allen unmöglichen und abwegigen Beispielen das seltsamste...}
Das heißt also, dass der ehrenwerte Botschafter, mit dem Friede und Segen sei, in seiner Eigenschaft als Gesandter Gottes die Pforten zur Welt geöffnet hat, und so auch in gleicher Weise als Sein Diener und Verehrer die Pforten des Jenseits öffnet...
عَلَيْهِ صَلَوَاتُ الرَّحْمَنِ مِلْءَ الدُّنْيَا وَ دَارِ الْجِنَانِ اَللّهُمَّ صَلِّ وَ سَلِّمْ عَلَى عَبْدِكَ وَ رَسُولِكَ َذَٰلِكَ الْحَبِيبُ الَّذِى هُوَ سَيِّدُ الْكَوْنَيْنِ وَ فَخْرُ الْعَالَمَيْنِ وَ حَيَاتُ الدَّارَيْنِ وَ وَسِيلَةُ السَّعَادَتَيْنِ وَ ذُو الْجَنَاحَيْنِ وَ رَسُولُ الثَّقَلَيْنِ وَ عَلَى اَلِهِ وَ صَحْبِهِ اَجْمَعِينَ وَ عَلَى اِخْوَانِهِ مِنَ النَّبِيِّنَ وَ الْمُرْسَلِينَ آمِينَ
{"Oh Allah, segne Deinen geliebten Diener, der Dich anbetet (abd, habib) und den Du gesandt hast (Rasul), ihn, der der Herr ist in beiden Welten (qaun), der Stolz beider Welten (alem), die Quelle des Lebens hier und dort, der Weg (vasila) zur Glückseligkeit hier und dort, der Herr beider Flügel und der Botschafter (Rasul) für die Menschen und die Geister (Dschinn), ihn und seine Familie und seine Gefährten (Ashab) insgesamt und seine Brüder unter den Propheten (Nabi) und Gesandten (Rasul), Amin."}
Sechste Wahrheit:
Das Tor zu Glanz und Unsterblichkeit ist die Manifestation Seiner Namen "Der Majestätische (Djelil)"und "Der Beständige (Baqi)"
Ja, wäre es denn überhaupt möglich, dass sich der Glanz Seiner Herrschaft, die sich alles Sein, die Sonnen und auch die Bäume bis hin zu den Atomen gleich gehorsamen Soldaten unterworfen hat und es lenkt, auf verlorene, vergängliche Menschen stützen sollte, die in der Herberge dieser Welt ein flüchtiges Leben verbringen, und er sich nicht eine unsterbliche, bleibende Stätte Seiner Majestät und einen ewigen, erhabenen Sitz Seiner Herrschaft errichten sollte?
In der Tat zeigen diese königlichen Maßnahmen, wie der Wechsel der Jahreszeiten, den wir in dieser Welt beobachten, gewaltige Vorgänge, wie die Bewegungen der Planeten, die Flugzeugen gleichen, eine furchterregende Befehlsgewalt, wie sie die Erde dem Menschen zur Wiege und die Sonne ihm zur Leuchte bestimmt hat, umfassende Verwandlungen, gleich der Wiederbelebung der toten, vertrockneten Erde und ihre Ausschmückung, dass es hinter den Kulissen eine große und gewaltige Herrschaft gibt, die in königlichem Glanze herrscht. Eine solche Königsherrschaft verlangt nach Untertanen, die ihrer würdig sind und einem passenden Ort der Manifestation. Stattdessen aber sieht man, dass die bedeutendsten und kompetentesten Seiner Untertanen sich in der Herberge dieser Welt nur vorübergehend zu einer provisorischen Versammlung eingefunden haben. Diese Herberge jedoch füllt und lehrt sich täglich. Zudem versammeln sich alle Untertanen nur vorübergehend an diesem Orte der Prüfung, um ihre Dienstfähigkeit zu erproben. Der Platz aber verwandelt sich stündlich. Zudem bleiben alle Untertanen nur wenige Minuten auf diesem Ausstellungsgelände, um die Nachbildungen jener kostbaren Gnadengaben
des königlichen Künstlers und Seine wunderbaren antiken Kunstwerke auf den Ständen des Jahrmarkts dieser Welt wie mit den Augen eines Händlers zu betrachten und dann wieder zu entschwinden. Dieses Messegelände aber verändert sich in jeder Minute. Wer gegangen ist, kommt nicht mehr wieder; wer gekommen ist, wird wieder gehen. Also zeigen uns diese Umstände und Verhältnisse mit Sicherheit, dass sich hinter dieser Herberge, diesem Gelände, diesen Hallen ewige Schlösser und beständige Wohnstätten befinden, in denen der Sitz eines ewigen Königreiches zum Ausdruck kommt, und die angefüllt sind mit den makellosen, erhabenen Originalen der Nachbildungen und Abbildungen, die wir in dieser Welt gesehen haben, dazu noch Weinberge und Schatzkammern.
Das heißt, was wir hier erstreben, werden wir dort erhalten. Hier wird gearbeitet, dort der Lohn gegeben. Soweit er sie nicht verloren hat, empfängt jeder dort Glückseligkeit nach seiner Fähigkeit. Es ist tatsächlich unmöglich, dass sich ein solches unvergängliches Königreich auf so vergängliche, verlorene, sterbliche Seelen stützen sollte.
Betrachte nun diese Wahrheit durch das Fernrohr des folgenden Gleichnisses! Du bist, beispielsweise, unterwegs. Da siehst du an deinem Wege eine Herberge liegen. Ein großer Herr hat sie denen erbaut, die als Gäste zu ihm kommen. Damit seine Gäste sich dort eine Nacht lang aufhalten und einen Eindruck gewinnen können, gibt er für die Ausstattung seiner Herberge Millionen Taler aus. Aber es gibt unter den Gästen nur sehr wenige, welche die Ausstattung des Hauses einige Augenblicke betrachten, für kurze Zeit ein wenig von den dargebotenen Wohltaten genießen, während die meisten ungesättigt von dannen gehen. Jedoch fotografiert ein jeder Gast die Dinge in dieser Herberge mit seiner eigenen Kamera und nimmt die Bilder mit sich. Und auch die Diener dieses Großen Herrn machen sich sehr sorgfältig ein Bild von den Handlungen Seiner Gäste und bewahren es auf. Außerdem siehst du, dass dieser Herr täglich einen großen Teil Seiner wertvollen Ausstattung zerstört, um für die neu ankommenden
Gäste das Haus wieder neu einzurichten. Ja, bleibt denn noch, nachdem du dies gesehen hast, ein Zweifel daran, dass der Herr, der diese Herberge am Wege erbaut hat, ewige, erhabene Wohnstätten und dazu noch unerschöpfliche, sehr wertvolle Schätze besitzt und dabei noch von einer beständigen, sehr großen Freigiebigkeit ist? Mit der Gastfreundschaft, die Er in dieser Herberge bezeigt, möchte Er in Seinen Gästen einen Hunger nach den Dingen wecken, die Er besitzt. Dadurch weckt Er in ihnen das Verlangen nach den Geschenken, die Er für sie bereit hält.
Nach all dem Gesagten wirst du nun aus den Geschehnissen in jener diesseitigen Herberge die folgenden neun Grundsätze verstehen können, wenn du nicht trunken, sondern aufmerksam bist.
Erster Grundsatz:
Du verstehst, dass diese Welt, die einer Herberge gleicht, nicht für sich selbst da ist... Es ist auch unmöglich, dass sie sich selbst diese Form gegeben hat. Sie ist vielmehr ein Gasthaus, das mit Weisheit geschaffen wurde, damit die Scharen der Geschöpfe dorthin kommen und sich darin aufhalten können, bevor sie wieder weiterziehen.
Zweiter Grundsatz:
Du verstehst auch, dass die Bewohner dieser Herberge Gäste sind. Ihr freigiebiger Herr lädt sie von dort in das Haus des Friedens ein.
Dritter Grundsatz:
Du verstehst auch, dass der Schmuck, mit dem diese Welt ausgestattet ist, nicht nur dem Vergnügen und dem Zeitvertreib dient. Denn diente er nur eine Zeitlang dem Genuss, so verursachte doch seine Aufgabe einen Schmerz für lange Zeit. Er gleicht einer Kostprobe, die den Appetit anregt, ohne ihn zu befriedigen. Denn entweder ist er selbst nur von kurzem Bestand oder aber dein eigenes Leben dauert nur kurze Zeit. Es reicht nicht zur Befriedigung. Das heißt, sein Wert ist zwar hoch, aber nur von kurzer Dauer. Dieser Schmuck dient zur Belehrung, verlangt unsere Dankbarkeit. Er dient der Nachfrage nach den beständigen Originalen.
Er dient anderen, hocherhabenen Zielen...
{(*): In der Tat ist der Wert aller Dinge und ihrer künstlerischen Verarbeitung sehr hoch. Doch der Dinge Schönheit hat kaum Bestand und ihre Lebensspanne ist kurz. Das heißt also, dass diese Dinge nur Nachbildungen sind. Sie gleichen den Bildern von anderen Dingen. Sie sehen nun einmal so aus, als sollten sie die Blicke der Kunden auf deren Originale lenken. Man kann also sagen, dass ein derartiger Schmuck in dieser Welt Nachbildungen der Gnadengaben des Paradieses darstellt, die der barmherzige Erbarmer in Seiner Barmherzigkeit für Seine geliebten Diener und Anbeter vorbereitet hat; man muss es sagen, und es ist auch so.}
Vierter Grundsatz:
Du verstehst, dass der Schmuck dieser Welt den Nachbildungen und Abbildungen der Gnadengaben gleicht, die durch das Erbarmen des Barmherzigen für die Gläubigen im Paradies aufbewahrt werden.
{(*): In der Tat hat die Existenz jedes Dinges zahlreiche Zwecke und sein Leben zahlreiche Ergebnisse. Die Ziele der Dinge in der Welt sind nicht auf sich selbst beschränkt, wie sich das diejenigen einbilden, die auf Irrwegen gehen, sodass Sinnlosigkeit und ein Mangel an Weisheit eintreten würde. Vielmehr sind die Ziele der Existenz eines jeden Dinges und die Ergebnisse seines Lebens die folgenden drei:
Erstens:
Das erhabenste bezieht sich auf den Schöpfer. Es besteht daraus, die wundervollen Kunstwerke, mit denen Er die Dinge geschmückt hat, wie bei einer Parade den Blicken des urewigen Zeugen zu präsentieren. Für diesen Anblick einen einzigen flüchtigen Augenblick zu leben, genügt. Ja, es genügt schon seine Fähigkeit, die eine unausgesprochene Absicht darstellt, selbst dann, wenn sie nicht Gestalt annimmt. So erreichen die rasch vergänglichen, empfindlichen Kunstwerke, auch wenn sie nicht ins Dasein treten, und die wundervollen Kunstwerke der Samenkörner und -kerne, auch wenn sie nicht zu keimen beginnen, dieses Ziel vollständig. Sinn- und Nutzlosigkeit berührt sie nicht. Das heißt, das erste Ziel jeden Dinges besteht darin, in seinem Leben und Dasein die wunderwirkende Kraft und die Kunstwerke seines Meisters darzustellen und den Blicken der Majestät des Königs zu präsentieren...
Zweitens:
Der Zweck des Daseins und das Ziel des Lebens besteht darin, mit Bewusstsein betrachtet zu werden. Denn jedes Ding ist wie ein Brief des königlichen Meisters, der die Wahrheiten aufzeigt, eine Kasside, die seine Schönheit besingt, ein Wort der Weisheit, das sich danach sehnt, von Engeln, Dschinnen, Tieren und Menschen betrachtet zu werden und zu einem Studium einlädt, d.h. ein Gegenstand, der für alles, was Bewusstsein trägt, Lehrstoff und Studienmaterial sein möchte.
Drittens:
Der Zweck des Daseins und das Ziel des Lebens besteht darin, sich auf sich selbst zu beziehen. Es handelt sich dabei um so persönliche Ziele, wie Genuss, Vergnügen, Beständigkeit und Wohlergehen.
Zum Beispiel:
Ein hundertstel der Tätigkeiten, die ein Steuermann auf einem riesigen Schiff des Königs verrichtet, dient ihm selbst und zu seiner Entlohnung, neunundneunzig von Hundert sind für den König. In gleicher Weise erfüllt jedes Ding seinen Zweck zu einem Prozent für sich selbst und die diesseitige Welt; neunundneunzig Prozent gehören dem Schöpfer. So erklärt sich also das Geheimnis des Zusammenwirkens der verschiedenen Ziele, die einander so entgegengesetzt und widersprechend erscheinen, wie die Zweckmäßigkeit und Sparsamkeit der Freigiebigkeit und Gastfreundschaft, besonders, wenn diese unbegrenzt ist. Aus dem einen Blickwinkel betrachtet, herrschen Freigiebigkeit und Gastfreundschaft. So manifestiert sich der Name "Freigiebiger (Djevvad)". Aus diesem Blickwinkel und allein mit diesem Ziel betrachtet gibt es Obst und Getreide ohne Maß. Sie zeigen grenzenlose Freigiebigkeit. Aber vom universellen Standpunkt aus betrachtet herrscht die Weisheit. Der Name "Allweiser" manifestiert sich. Jede Frucht hat so viele Ziele, wie es Früchte an einem Baum gibt. Wie wir oben erklärt haben, lassen sie sich in drei Arten unterteilen. Diese universellen Ziele zeigen eine grenzenlose Weisheit und Sparsamkeit. Die so einander entgegengesetzten Ziele einer grenzenlosen Weisheit, umfassenden Zweckmäßigkeit und einer grenzenlosen Freigiebigkeit verbinden sich so miteinander. So ist zum Beispiel eine Aufgabe des Militärs die Ruhe und Ordnung im Land. Für diese Aufgabe gibt es so viele Soldaten, wie du willst, ja, mehr als genug. Aber für andere Aufgaben wie den Schutz der Grenzen und den Kampf gegen die Feinde ist ihre Anzahl gerade noch ausreichend. Es herrscht ein Gleichgewicht in vollkommener Weisheit und Zweckmäßigkeit. So verbindet sich die Weisheit eines Staates mit seiner Macht. Und so lässt sich sagen, dass es in dieser Armee kein Übermaß gibt.}
Fünfter Grundsatz:
Man versteht auch, dass diese vergänglichen Kunstwerke nicht für die Vergänglichkeit erschaffen wurden, um sich ein bisschen zu zeigen und danach vernichtet zu werden, sondern um sich in diesem Dasein für eine kurze Zeit zu versammeln, ihre vorbestimmte Form anzunehmen, damit ihre Bilder festgehalten, ihre Nachbildungen aufbewahrt werden können, damit man ihren Sinn zu verstehen, ihren Zweck zu verzeichnen vermag. So sollen sie z.B. für die Bewohner der Ewigkeit zu einer bleibenden Ansicht gewebt sein. Auch sollen sie in der bleibenden Welt noch anderen Zwecken dienen. Die Dinge wurden für die Dauer erschaffen, nicht um zu vergehen; ja, selbst wenn sie äußerlich vergehen... ihre Aufgabe
erfüllt haben und sie entlassen werden, so versteht man auf diese Weise, dass ein vergängliches Ding zwar in der einen Hinsicht seiner Vernichtung entgegengeht, in vielerlei Hinsicht aber bestehen bleibt. Betrachte zum Beispiel diese Blume, welche ein Wort der Allmacht Gottes ist. Diese Blume schaut und lächelt uns für eine kurze Zeit an. Danach verbirgt sie sich hinter dem Schleier des Nicht-mehr-Seins. Aber sie geht so wie ein Wort, das deinen Mund verlassen hat, und hinterlässt in den Ohren tausende Seinesgleichen. In dem Verstand derer, die es verstehen, verbleiben ihrer Anzahl entsprechend ebenso viele Bedeutungen. Denn nachdem es seine Bedeutung zum Ausdruck gebracht und damit seine Aufgabe erfüllt hat, vergeht und entschwindet es selbst. Auch die Blume entschwindet, nachdem sie allen, die sie wahrgenommen haben, ihre Gestalt ins Gedächtnis eingeprägt, und in jedem ihrer Samenkörner das Wesen ihres Seins zurückgelassen hat. Es ist, als gleiche jedes Gedächtnis und jedes Samenkorn einer Kamera, ihren Schmuck aufzubewahren, und einer Wohnung zu ihrer bleibenden Fortdauer. Verhält es sich aber mit den Geschöpfen auf der untersten Sprosse des Lebens auf diese Weise, dann mag man verstehen, wie sehr der Mensch auf der höchsten Ebene des Lebens als Besitzer einer ewigen Seele
der Ewigkeit verbunden ist. Geht man nun wiederum davon aus, dass die Strukturgesetze selbst riesiger blüten- und früchtetragender Pflanzen, deren jedes ein wenig der Seele gleicht, mit vollständiger Ordnung als Miniaturausgaben in den winzigen Samen unter stürmischen Wandlungen bewahrt und weitergegeben werden, so kann man verstehen, wie sehr die Seele des Menschen, vielseitig begabt und ausgestattet durch ihr erhabenes Wesen, bekleidet mit einer äußeren Gestalt, ein bewusstseinstragender, erleuchteter Befehl Gottes, mit der Beständigkeit verknüpft und verbunden ist...
Sechster Grundsatz:
Man versteht des Weiteren auch, dass es dem Menschen nicht überlassen bleibt, mit einer Leine um den Hals zu grasen, wo er will, vielmehr dass alle seine Taten aufgenommen, aufgeschrieben, und die Ergebnisse aller seiner Handlungen für den Tag der Abrechnung aufbewahrt werden.
Siebter Grundsatz:
Man versteht des Weiteren auch, dass die Zerstörung im Herbst all des Schönen, das im Sommer, im Frühling zuvor erschaffen worden war, nicht einer Vernichtung gleichkommt, sondern einer Entlassung der Geschöpfe, die ihre Aufgabe erfüllt haben.
{(*): Und wirklich müssen die Früchte, Blumen und Blätter, die wir an den Spitzen und Enden der Bäume finden und ihre Versorgung aus dieser Schatzkammer des Erbarmens erhalten haben, vergehen, wenn sie ihre Aufgabe erfüllt haben und alt geworden sind, damit das Tor für die nach ihnen in beständigem Strom kommenden sich nicht schließt. Es würde sonst eine Barriere errichtet gegenüber der Fülle der Barmherzigkeit und dem Dienst der übrigen Brüder. Mehr noch würden sie mit dem Vergehen ihrer Jugend auch die Würde und Ordnung ihres Lebens verlieren. So gleicht auch der Frühling einem Obstbaum, der uns die Auferstehung zeigt. Zudem gleicht die Welt des Menschen in jedem Jahrhundert einem mahnenden Beispiel vom Baum der Lehre. Und auch die Erde gleicht einem mächtigen Baum, der ein Beispiel wunderbarer Auferstehung ist. Sogar das diesseitige irdische Leben gleicht einem Staunen erregenden Baum, der seine Früchte auf den Markt des Jenseits schickt.}
Diese Entlassung bedeutet zudem, dass Platz geschaffen und frei gemacht wird für die neuen Geschöpfe, die im Frühling kommen werden, dass der Platz vorbereitet, und Raum geschaffen wird für diejenigen, die neu eintreffen und ihre Pflichten übernehmen werden, für die Geschöpfe, die nun ihren Auftrag erhalten.
Schließlich ist es auch eine Mahnung des Hochgelobten an alle Seine bewussten Geschöpfe, nicht in Gottvergessenheit und Pflichtvergessenheit zu verfallen, nicht wie im Rausch ihre Dankespflicht zu vernachlässigen.
Achter Grundsatz:
Man versteht des Weiteren auch, dass der ewige Meister dieser vergänglichen Welt noch eine andere, ewige Welt für sich hat, in die zu gelangen Er Seine Diener und Anbeter anführt und anspornt...
Neunter Grundsatz:
Man versteht des Weiteren auch, dass dieser Allerbarmer in einer solchen Welt für Seine getreuen Diener und Anbeter derartige Gastgeschenke bereit halten wird, wie sie noch kein Auge gesehen, von denen noch kein Ohr etwas gehört hat, und über die noch in keines Menschen Herz etwas eingedrungen ist. Wir glauben...
Siebente Wahrheit:
Das Tor des Schutzes und der Beschützung ist die Manifestation der Namen "Beschützer (Hafiz)"und "Wächter (Raqib)".
Ja, wäre es denn überhaupt möglich, dass ein Schutz, der in vollkommener Ordnung und Ausgewogenheit alle Dinge im Himmel und auf Erden, zu Wasser und zu Lande, seien sie nun nass oder trocken, groß oder klein, hoch oder niedrig, überwacht und das, was sie bewirken, siebt und sichtet, und die Taten und Handlungen des Menschen, die sich auf die allgemeine Herrschaft (Gottes) beziehen, nicht überwachte? Und zwar die Taten des Menschen, der diesen hohen Vorzug besitzt, ein Mensch sein zu dürfen, den Rang eines Groß-Kalifen zu bekleiden, betraut mit der großen Aufgabe, ein hohes Pfand zu verwalten. Sollte Er seine Taten und Handlungen nicht mit dem Sieb Seiner Abrechnung sichten, mit der Waage der Gerechtigkeit wägen, ihm nicht eine entsprechende
Belohnung oder Bestrafung zumessen? Nein, es ist keineswegs möglich...
Tatsächlich überwacht diese Persönlichkeit, die das Universum lenkt und leitet, alle Dinge in Ordnung und Ausgewogenheit. Ordnung und Ausgewogenheit aber sind eine Erscheinungsweise angewandter Wissenschaft und eines machtvollen Willens. Denn wir sehen, dass alle Dinge in bester Ordnung und Ausgewogenheit geschaffen und gestaltet wurden. Und obwohl sie ihre Gestalt im Verlaufe ihres Lebens verändern, verharrt doch jedes von ihnen in einem Zustande der Ordnung und dieser gesamte Ablauf bleibt auch unter dem Gesetz der Ordnung. Wir sehen, dass der majestätische Beschützer von allen Dingen, deren Leben nach der Erfüllung ihrer Aufgaben zu Ende gegangen ist und die diese bezeugte Welt scheidend verlassen haben, von ihnen mancherlei Bilder in Gedächtnissen, die wohlgehüteten Tafeln gleichen, in Form ihrer Urbilder schützt, und den größten Teil ihres Lebenslaufes in ihren Kernen und in ihren Früchten einstickt und einschreibt. So verleiht Er ihnen in den inneren und äußeren Spiegeln Beständigkeit.
Das Gedächtnis des Menschen, die Frucht eines Baumes, der Kern einer Frucht, der Samen einer Blume zeigen zum Beispiel den ungeheuren Geltungsbereich dieses Gesetzes der Konservierung. Siehst du nicht, dass alle blüten- und früchtetragenden Gewächse eines ungeheuren Frühlings und das Verzeichnis ihrer Taten in der ihnen gemäßen Form, die Gesetze ihres Wachstums und die Urbilder ihrer Form dadurch erhalten werden, dass Er sie in dem engbegrenzten Raum eines Samenkorns einschreibt? In einem zweiten Frühling gibt Er die Liste ihrer Taten aufgrund einer ihnen entsprechenden Abrechnung heraus, gestaltet in vollkommener Ordnung und Weisheit eine neue ungeheure Welt des Frühlings und zeigt so, in welch einem gewaltigen Umfang die Beschützung und Bewahrung zur Auswirkung kommt. Wenn also nun bei so vergänglichen, wertlosen, unbeständigen und bedeutungslosen Dingen eine solche Bewahrung zu beobachten
ist, wäre es denn dann überhaupt noch möglich, dass die Taten des Menschen, die in der Welt des Unsichtbaren, der jenseitigen Welt, in der Welt der Seelen und der Geister, unter dem Aspekt der universalen Herrschaft Gottes bedeutende Früchte bringen, nicht als bedeutungsvoll verbucht würden? Nein, durchaus nicht!
In der Tat wird aus der Art, wie sich diese Beschützung und Bewahrung manifestiert, verständlich, dass der Herr (Malik)allen Seins mit großer Sorgfalt auf die Verbuchung aller Abläufe in Seinem Reiche achtet. Außerdem schenkt Er den Pflichten Seiner Herrschaft eine unendlich große Aufmerksamkeit. Und Er verwendet auch eine sehr große Sorgfalt auf die Aufgaben Seiner königlichen Regierung.
Er lässt auch das kleinste Ereignis, auch noch den unbedeutendsten Dienst mit einer großen Sorgfalt aufzeichnen und aufschreiben. Über alle Abläufe in Seinem Reich bewahrt Er die Abbildungen aller Gegenstände in den verschiedenen Dingen auf. Diese Verwahrung ist ein Zeichen dafür, dass einmal ein bedeutendes Abrechnungsbuch der Taten eröffnet, und besonders die großen Taten und wichtigen Handlungen des Menschen, der essentiell der größte, würdigste und vornehmste unter allen Geschöpfen ist, einer genauen Prüfung und Wägung unterzogen werden. Dann wird das Archiv seiner Handlungen geöffnet.
Ja, wäre es denn überhaupt möglich, dass der Mensch, mit dem Kalifat und einem Unterpfand (seiner Seele) betraut sein sollte, zu einem Befehlshaber und Zeugen aufgestiegen, der die Universalität der Herrschaft Gottes bezeugt und die Einheit Gottes (Vahdaniyet)im Reich der Vielheit verkündet, der einen großen Teil der Schöpfung in Anbetung und Gottesdienst behindert,
{Der Mensch stört das Gleichgewicht der Natur einerseits, behindert die Gottesanbetung aller Geschöpfe andererseits, indem er seiner Verpflichtung gegenüber Gott nicht nachkommt. (A.d.Ü.)}
ins Grab hinabsteigen, dort ruhig schlafen und nicht wieder auferweckt werden sollte? Sollte er nicht nach all seinen kleinen
und großen Taten gefragt werden? Sollte er nicht zum Versammlungsort der Auferstehung gerufen und vor einen obersten Gerichtshof gestellt werden? Nein, durchaus nicht!...
Oder wie könnte wohl der Mensch ins Nichtsein hinübergehen und entfliehen, in die Erde hinabsteigen und sich verstecken vor der Majestätischen Allmacht, wo doch die Geschehnisse aller vergangenen Zeiten
{(*): Tatsächlich besteht die gesamte Vergangenheit, von der Jetztzeit angefangen rückwärst bis zum Beginn der Erschaffung der Welt, aus Ereignissen, die wirklich stattgefunden haben. Jeder Tag, jedes Jahr, jedes Zeitalter, welches ins Dasein trat, ist eine Zeile, eine Seite, ein Buch, von der Feder des Qader (göttliches Vorherwissen) illustriert, und verfasst von der Hand der Macht, die darin ihre Wunderzeichen (ayat) in vollkommener Weisheit und Ordnung niedergeschrieben hat.
Von der Jetztzeit an bis zum Tage der Auferstehung, des Paradieses, der Ewigkeit liegt die gesamte zukünftige Zeit im Bereich des Möglichen. Das heißt, die Vergangenheit liegt im Bereich des Tatsächlichen, die Zukunft im Bereich des Möglichen. Stellt man also diese zwei Folgen der beiden Zeiten einander gegenüber, dann erkennt man ohne jeden Zweifel, dass der Herr, der den gestrigen Tag geschaffen hat und alles, was darinnen zu ihm gehört, auch mächtig ist, den morgigen Tag mit allem, was darinnen sein wird, ins Dasein zu rufen. Desgleichen besteht kein Zweifel daran, dass alles, was in vergangener Zeit ins Dasein gerufen wurde mit allen seinen Einzigartigkeiten an dieser Stätte Staunen erregender Dinge, Wunder einer majestätischen Allmacht ist. Es bezeugt mit völliger Sicherheit, dass dieser Allmächtige dazu imstande ist, alle Zukunft und den gesamten Bereich der Möglichkeiten zu erschaffen und dessen Einzigartigkeiten zu manifestieren.
Tatsächlich muss derjenige, welcher einen Apfel schaffen kann, sicherlich auch dazu in der Lage sein, alle Äpfel in der Welt zu erschaffen und einen großen und weiten Frühling ins Land zu rufen. Wer nicht den Frühling machen kann, der kann auch keinen Apfel erschaffen. Denn der Apfel ist auf der selben Werkbank verfertigt. Wer einen Apfel erschaffen kann, vermag auch den Frühling ins Dasein zu bringen. Ein Apfel ist ein kleines Beispiel für einen Baum, ja, einen Garten, ja, sogar für den ganzen Kosmos. Betrachtet man vom künstlerischen Standpunkt aus einen Apfelkern, der in sich die gesamte Lebensgeschichte eines riesigen Baumes enthält, dann ist dieser Kern ein solches Kunstwerk, dass der, welcher ihn so erschuf, sich vor keinem Ding mehr als ohnmächtig erzeigen kann. In gleicher Weise ist der, welcher den heutigen Tag erschuf, auch dazu imstande, den Tag der Auferstehung auszurufen; und er kann nur dann den Frühling erschaffen, wenn er zugleich auch der Herr ist, mächtig, die Versammlung (der Toten) zustande zu bringen. Derjenige, welcher alle Welten der Vergangenheit mit vollkommener Weisheit und Ordnung wie auf einem Filmstreifen aufgenommen hat und vorführen kann, ist sicherlich auch dazu imstande, auch noch andere Welten, aufgenommen auf dem Film der Zukunft, zu zeigen; und er wird sie vorführen. In vielen Abhandlungen ("Sözler"), besonders aber in der Sechsundzwanzigsten Abhandlung haben wir mit völliger Gewissheit bewiesen, dass "derjenige, welcher nicht alles erschaffen kann, gar nichts erschaffen kann und derjenige, der ein einziges Ding erschaffen kann, alle Dinge erschaffen kann. Schreibt man zudem die Erschaffung der Dinge einem einzigen Wesen zu, werden alle Dinge so einfach wie ein einziges Ding. So wird alles einfach und leicht. Schreibt man sie aber verschiedenen Ursachen zu, stützt sich auf deren Vielzahl, dann wird die Erschaffung eines einzigen Dinges so schwer, wie die Erschaffung aller Dinge, und es entsteht eine Schwierigkeit, die einer Unmöglichkeit gleichkommt..."}
die Wunder
Seiner Allmacht bezeugen, dass Er auch für alle künftigen Zeiten der Allmächtige im Bereich alles Möglichen ist, und Winter und Frühling, die dem Untergang der Welt und der Auferstehung gleichen, offensichtlich zu jeder Zeit schafft? Da aber nun einmal in dieser Welt keine entsprechende Abrechnung gehalten und ein Urteil nicht gefällt wird, wird der Mensch sicherlich vor einen obersten Gerichtshof gestellt werden und einer höchsten Glückseligkeit entgegengehen...
Achte Wahrheit:
Das Tor der Verheißung von Lohn und Strafe ist die Manifestation Seiner Namen "Djemil(Schönheit)" und "Djelil(großartig und gewaltig)".
Ja, wäre es denn überhaupt möglich, dass der Meister dieser Kunstwerke in Seiner Allwissenheit und Allmacht Seine stets wiederholte Verheißung von Lohn und Strafe, welche alle Propheten übereinstimmend verkündet haben und alle Getreuen (Siddiq)und Freunde Gottes (Auliya)einstimmig bezeugt haben, nicht wahr machen und sich so - Gott bewahre! - als schwach und unwissend erweisen sollte? Denn alles, was Er als Lohn und Strafe verheißen hat, ist für Seine Allmacht keineswegs schwer zu erfüllen. Es ist sehr einfach und leicht... so leicht, wie die zahllosen Geschöpfe des vergangenen Frühlings teils wieder zu beleben, teils neu hervorzubringen. {(*): Wie die Wurzeln der Bäume und Gräser und wie die Blätter und Früchte.} Es ist aber sowohl für uns als auch für alle Dinge und auch für Ihn selbst und Seine Königsherrschaft außerordentlich notwendig, dass Er den verheißenen Lohn auch zugesteht. Seine Verheißung nicht zu erfüllen aber wäre sowohl dem Ansehen Seiner (göttlichen) Macht entgegengesetzt als auch ein Widerspruch zu der Weite Seiner Allwissenheit. Denn ein Bruch Seines Versprechens könnte entweder nur aus Unwissenheit oder nur aus Schwäche erwachsen.
Oh du Leugner! Weißt du, was für ein Verbrechen du in deiner Dummheit mit deinem Unglauben und deiner Verleugnung begehst? Du bestätigst das, was dir deine Einbildung vorlügt, was dir dein Verstand vorgaukelt, und was sich deine Seele vormacht, und leugnest so einen Herrn, der keineswegs dazu gezwungen sein kann, Lug und Trug zu begehen, zu dessen Ruhm und Ansehen keineswegs eine Lüge passt und dessen Aufrichtigkeit und Wahrhaftigkeit alle sichtbaren Dinge und Geschehnisse bezeugen. In deiner unendlichen Kleinheit begehst du ein unendlich großes Verbrechen! Sicherlich verdienst du dafür eine große und ewige Strafe. Man berichtet, dass ein Zahn bei manchen Bewohnern der Hölle so groß wie ein Berg sei. Dies möge als Maßstab für die Größe seines
Verbrechens dienen. Du bist mit einem Reisenden zu vergleichen, der seine Augen vor dem Sonnenlicht verschließt und die Traumbilder betrachtet, die er im Kopf hat. Seine Einbildung möchte ihm seinen schrecklichen Weg einem Leuchtkäfer gleich erhellen, als habe er einen Scheinwerfer auf seinem Kopf. Was aber Gott der Gerechte einmal versprochen hat, dessen Schöpfung Sein zuverlässiges Wort ist, das recht spricht und dessen Wunderzeichen (ayat)die Geschehnisse im Kosmos sind, die die Wahrheit verkünden, das wird Er sicherlich auch halten. Er wird einen höchsten Gerichtshof abhalten und höchste Glückseligkeit verleihen.
Neunte Wahrheit:
Das Tor zu Leben und Tod ist eine Manifestation Seiner Namen "der Lebendige (Hayy)"und "der Unwandelbare (Qayyum)","Lebensspender (Muhyi)"und "Todbringender (Mumit)".
Ja, wäre es denn überhaupt möglich, dass ein Allmächtiger, Allbarmherziger, Allwissender und Allweiser, der die tote, dürre, weite Erde wiedererweckt und wiederbelebt, der Seine Macht dadurch erweist, dass Er unter dieser Seiner Belebung mehr als dreihunderttausend Schöpfungsarten wieder hervorruft und verbreitet, deren jede einzelne hervorzubringen so wunderbar ist wie einen Menschen aufzuerwecken und der Sein allumfassendes Wissen dadurch erweist, dass Er diesen Unterschieden letzte Feinheit und Vorzüge zumisst, während Er sie hervorruft und verbreitet, obwohl sie doch so sehr untereinander vermischt sind, und der die Blicke aller Seiner Diener und Anbeter auf die ewige Glückseligkeit hinlenkt, indem Er den Menschen mit all Seinen himmlischen Erlassen die Auferstehung verspricht, und der Seine gewaltige Herrschaft dadurch erweist, dass Er alle Seine Geschöpfe dazu veranlasst, Kopf an Kopf, Schulter an Schulter und Hand in Hand miteinander zusammenzuwirken, sich im Kreise Seines Willens und Befehls zu bewegen, einander Hilfe zu leisten und sich Ihm zu unterwerfen und der dadurch erweist, welchen Wert Er dem Menschen beimisst, dass Er den Menschen als die vielseitigste, zarteste,
empfindsamste, anspruchsvollste und sonnenhungrigste Pflanze am Baume der Schöpfung geschaffen, ihn als Seinen Partner im Dialog angenommen und ihm alles unterworfen hat, die Auferstehung nicht zu Stande bringen sollte? den jüngsten Tag nicht heraufführen sollte oder könnte? die Menschheit nicht auferwecken sollte oder könnte? einen höchsten Gerichtshof nicht abhalten könnte? Himmel und Hölle nicht schaffen könnte? Nein, das alles ist durchaus unmöglich!...
Tatsächlich schafft der glorreiche Lenker dieser Welten in jedem Zeitalter, in jedem Jahr, an jedem Tag auf diesem engen vergänglichen Erdball viele, zahlreiche Beispiele, Zeichen und Gleichnisse der Großen Versammlung und des Platzes der Auferstehung.
Kurzum:
Bei der Versammlung im Frühling sehen wir, wie Er innerhalb von fünf, sechs Tagen mehr als dreihunderttausend Arten kleiner und großer Tiere und Pflanzen hervorbringt und verteilt. Er belebt die Wurzeln aller Bäume und Gräser und schenkt ihnen und auch einem Teil der Tiere neues Leben. Die übrigen erschafft Er in einer der Gleichheit entsprechenden Ähnlichkeit wieder neu. Den Samenkörnchen aber, die sich in ihrer Zusammensetzung doch kaum voneinander unterscheiden und noch dazu miteinander vermischt sind, werden innerhalb von sechs Tagen oder sechs Wochen ihre Vorzüge und ihre Unterschiede zugemessen und sie werden trotz dieser Schnelligkeit, Verbreitung und Leichtigkeit dennoch in vollkommener Ordnung und Ausgewogenheit wieder belebt. Wäre es denn überhaupt möglich, dass dem Herrn, der diese Handlungen vollbringt, irgendetwas schwer werden könnte? dass Er Himmel und Erde nicht innerhalb von sechs Tagen erschaffen könnte? oder die Menschen nicht auf einen Posaunenstoß hin versammeln könnte? Bewahre!...
Nehmen wir einmal an, es gäbe einen mit einer wunderbaren Fähigkeit begabten Dichter, der innerhalb einer einzigen Stunde dreihunderttausend Bücher, deren Buchstaben teils halb verwischt, teils gänzlich unleserlich geworden sind, zu gleicher Zeit auf einem einzigen Blatt
wunderschön und fehlerfrei niederschreiben könnte, ohne die Buchstaben zu verwechseln, ohne sich zu irren, ohne einen auszulassen oder zu vergessen. Käme dir dann jemand, der behauptete, dass der Dichter dein Buch, das er verfasst hat, und das ins Wasser gefallen ist, in einer Minute aus dem Gedächtnis neu schreiben könne, würdest du dann sagen, er kann es nicht, ich glaube das nicht?...
Oder ein wundertätiger König würde, um seine Macht zu zeigen, oder eine Lehre zu erteilen oder eine Vorführung zu veranstalten mit einem Fingerzeig Berge aufheben und Länder umgestalten, und du könntest sehen, dass Er das Meer in Land verwandelt hat. Wenn du dann einen großen Stein siehst, der in einen Bach gerollt ist und den Gästen, die der König zu seinem Gastmahl eingeladen hat, den Weg versperrt, sodass sie nicht weiter gehen können, und es käme dir jemand und sagte, dass der König diesen Stein, und sei er auch noch so groß, mit einem Fingerzeig aufheben oder zum Verschwinden bringen könnte, er werde seine Gäste nicht auf ihrem Wege allein lassen, würdest du ihm dann entgegnen, er werde sich nicht darum kümmern oder sei nicht dazu in der Lage?
Oder ein Herr würde an einem Tage ein Heer neu aufstellen, und es käme dir jemand und sagte, dieser Herr werde seine Bataillone, dessen Soldaten sich zu einer Ruhepause verstreut haben, mit einem Posaunenstoß wieder versammeln, und die Bataillone würden sich wieder geordnet formieren, würdest du ihm dann zur Antwort geben "Ich glaube es nicht"? Verstehst du nun, wie töricht du dich verhältst?...
Wenn du also jetzt diese drei Gleichnisse verstanden hast, dann betrachte einmal, wie der ewige Designer das weiße Blatt des Winters vor unseren Augen umwendet, das grüne Blatt des Frühlings und des Sommers offen legt und mit der Feder Seiner Macht und Seines göttlichen Wissens (qader)in schönster Form mehr als dreihunderttausend Schöpfungsarten über das Antlitz der Erde hin wie auf ein Blatt aufzeichnet. Sie beeinträchtigen
einander nicht und geraten nicht durcheinander. Er zeichnet sie alle gleichzeitig auf, und doch stören sie einander nicht. Sie bleiben nach Form und Inhalt voneinander getrennt und vermischen sich nicht. Seine Zeichnung ist ohne einen Fehler. Ja, darf man denn da noch fragen, wie dieser allweise und allerhaltende Herr, der das Programm auch des größten Baumes gleich seiner Seele wie einen Punkt, selbst in den kleinsten Kern hineinsetzt und bewahrt, die Seelen der Verstorbenen bewahren kann? Ja, darf man denn da noch fragen, wie der Allmächtige, der den Erdball wie in einer Schleuder herumwirbeln lässt, diese Erde Seinen Gästen aus ihrem Weg ins Jenseits räumen oder beseitigen kann? Ja, darf man denn da noch fragen, wie der Herr in Seiner Majestät, der die Heerscharen alles Lebendigen aus dem Nichts heraus wieder neu schafft, und in vollkommener Ordnung die Zellen in den Bataillonen aller Körper mit dem Befehl: كُنْ فَيَكُونُ {"Sei! Und es ist."} aushebt und einberuft und so die Heere aufstellt, mit einem Posaunenstoß die Grundbestandteile und Wesenselemente versammeln könne, die sich ja einander bereits kennen gelernt hatten, als sie sich unter dem Kommando des Bataillons, dem der Körper gleicht, zusammengefunden hatten?
Überdies kannst du mit eigenen Augen betrachten, welch reichen Schmuck Er als Muster, als Entwurf, als Skizze der Auferstehung in jeder Kulturepoche, in jedem Zeitalter, ja, sogar im Wechsel von Tag und Nacht, ja selbst in der Bildung und Wiederauflösung der Wolken schafft, welcher der Wiederversammlung im Frühling gleich ist. Ja, wenn du dich in deiner Phantasie tausend Jahre zurückversetzt und dann Vergangenheit und Zukunft, welche die beiden Flügel der Zeit sind, einander gegenüber stellst, kannst du so viele Beispiele der Wiederversammlung und Vorbilder der Wiederauferstehung betrachten, wie der Zahl der Zeitalter und Tage entspricht.
Wenn du dann noch, trotz so vieler Beispiele und Vorbilder, die du betrachtet hast, die leibliche Auferstehung für unverständlich und unvorstellbar halten und deshalb leugnen wolltest, so begreifst du nun, was für ein Irrsinn das wäre... Siehe nun, was der Große Königliche Erlass (ferman-i a'zam,der Qur'an) über die Wahrheit sagt, die wir besprochen haben:
فَانْظُرْ اِلَى آثَارِ رَحْمَةِ اللّهِ كَيْفَ يُحْيِى اْلاَرْضَ بَعْدَ مَوْتِهَآ اِنَّ َذَٰلِكَ َلمُحْيِى اْلمَوْتَى وَهُوَ عَلَى كُلِّ شَيْءٍ قَدِيرٌ
{"Siehe die Male der Barmherzigkeit Allahs; wie Er die Erde nach ihrem Tode wieder lebendig macht! Fürwahr, Er ist es, der die Toten wieder belebt; Er hat Macht über alle Dinge." (Sure 30, 50)}
Kurzum:
Es gibt nichts, was die Wiederauferstehung unmöglich macht. Für das, was sie notwendig erscheinen lässt, spricht aber alles. Die glorreiche und ewige Herrschaft, die allmächtige und allumfassende Macht desjenigen, der dieser weiten Erde als Ort der Wiederversammlung einem einzelnen Tier gleich das Leben und den Tod schenkt, und sie für Mensch und Tier zu einer schönen Wiege oder einem prächtigen Schiff gemacht hat, die Sonne zu einer Licht und Wärme spendenden Lampe in der Herberge dieser Welt und die Planeten den Engeln zu Flugzeugen, kann sich unmöglich nur auf die vergänglichen, brüchigen, unsteten, bedeutungslosen, veränderlichen, unbeständigen, mangelhaften und unvollkommenen Angelegenheiten dieser Welt stützen oder auf sie beschränkt bleiben. Anders gesagt: Es gibt noch einen anderen Ihm würdigen, dauerhaften und beständigen Ort voll Majestät, der nicht dem Verfall unterworfen ist. Bei Ihm gibt es noch ein anderes, beständiges Reich, und um dieses sollen wir uns bemühen. Dorthin lädt Er uns ein. Alle Menschen erleuchteten Geistes, alle geistigen Pole (qutub)einer inneren Ausstrahlung, alle Menschen, die einen klaren Verstand besitzen und mit der Nähe Seiner Gegenwart geehrt wurden, bezeugen, dass Er uns dort hinüberholen wird, berichten einstimmig, dass Er
Lohn und Strafe dort für uns bereit hält, teilen uns mit, dass Er uns wiederholt sehr starke Verheißungen gegeben und sehr ernsthafte Warnungen ausgesprochen hat.
Sein Versprechen nicht einzulösen aber wäre sowohl eine Erniedrigung als auch eine Entwürdigung. Das wäre in keiner Weise mit der Erhabenheit Seiner Heiligkeit zu vereinbaren. Eine Drohung nicht wahr zu machen, wäre in gleicher Weise ein Zeichen der Verzeihung oder der Schwäche. Unglaube aber ist ein unendliches Verbrechen.
{(*): Tatsächlich setzt der Unglaube den Wert des Seins herab und unterstellt ihm Bedeutungslosigkeit. Er ist eine Geringschätzung gegenüber dem ganzen Kosmos und eine Verleugnung der Manifestation der Gottesnamen in den Spiegeln des Seins, eine Verspottung aller Gottesnamen und weist das Zeugnis allen Seins von der Einheit Gottes (Vahdaniyet) zurück. Er erklärt die Erschaffung der Welt als Lüge. Er verdirbt die Fähigkeiten des Menschen in der Weise, dass dieser unwürdig wird, Frieden und Wohltaten zu empfangen. Zudem ist er ein so gewaltiges Unrecht, weil er eine Verletzung des Rechtes der ganzen Schöpfung und aller Gottesnamen darstellt. So also erfordert die Wahrung des Rechtes in Anbetracht dessen, dass die Seele des Ungläubigen nicht mehr dazu in der Lage ist, das Gute anzunehmen, dass dem Unglauben nicht mehr vergeben werden kann.
اِنَّالشِّرْكَ لَظُلْمٌ عَظِيمٌ
("Fürwahr ist Götzendienst ein gewaltiges Unrecht." (Sure 31, 31))
bringt das Gesagte zum Ausdruck.}
Ihn zu entschuldigen ist nicht möglich... Hinzu kommt noch, dass der Allmächtige von jeglicher Schwäche frei und unberührt ist. Dessen sind sich alle Zeugen und Verkündiger, obwohl sie sich in ihren Wegen, Veranlagungen und Rechtsschulen unterscheiden, im Grundsatz dieser Frage unbestritten einig. Aufgrund ihrer Vielzahl erreichen sie den Grad allgemeiner Übereinstimmung (tevatur),und ihre Stimme hat das Gewicht einer ganzen Gemeinschaft. Jeder von ihnen bekleidet den Rang eines
Sternes der Menschheit, ist das Auge einer ganzen Gemeinschaft und eine heiligmäßige Persönlichkeit in einem gläubigen Volk. Ihrer Bedeutung entsprechend sind sie in dieser Frage Fachleute, deren Aussage sowohl sachkundig als auch beweiskräftig ist. Dabei werden auf wissenschaftlichem oder künstlerischem Gebiet die Aussagen zweier Fachleute denen von tausend anderen Leuten vorgezogen, und die Nachricht zweier Zeugen wiegt schwerer als tausend Dementis. So macht z.B. die Nachricht zweier Männer, welche zu Beginn des Monats Ramadan die Mondsichel (hilal)gesehen haben, das Dementi von tausend Dissidenten zunichte.
Kurzum:
Es kann in der Welt keine Botschaft geben, die richtiger, keine Verkündigung, die zuverlässiger, keine Wahrheit, die offensichtlicher wäre als diese. Das heißt, die Welt ist zweifelsohne ein Acker. Die Wiederversammlung ist die Zeit, die Ernte zu dreschen. Himmel und Hölle aber sind wie je eine Scheune.
Zehnte Wahrheit:
Das Tor der Weisheit (hikmet),der Gnade (inayet),der Barmherzigkeit (rahmet)und der Gerechtigkeit (adalet)ist die Manifestation Seiner Namen "Allweiser (Hakim),Freigiebiger (Kerim),Gerechter (Adil)und Barmherziger (Rahim)".
Ja, wäre es denn überhaupt möglich, dass sich im ganzen Umkreis des Reiches der Königsherrschaft über Himmel (melekut)und Erde (mulk)dessen, der in Seiner Majestät (Djelal)Eigentümer des Reiches (Maliku l-Mulk)ist, und dessen Werke in dieser unbeständigen Herberge, an diesem vergänglichen Ort der Prüfung, auf diesem vorläufigen Ausstellungsgelände dieser Erde eine solche offensichtliche Weisheit (hikmet),eine so offenkundige Gnade (inayet),eine so bezwingende Gerechtigkeit (adalet)und eine so umfassende Barmherzigkeit (merhamet)zeigen, keine dauerhaften Heime, keine ewigen Bewohner, keine bleibenden Wohnstätten und keine unsterblichen Geschöpfe finden ließen, und die Tatsache dieser offensichtlichen Weisheit, Gnade, Gerechtigkeit und Barmherzigkeit zunichte werden sollte?
Ja, wäre es denn überhaupt möglich, dass dieser Allweise Herr, der sich den Menschen aus der Mitte Seiner Schöpfung heraus zum Sprecher aller und zu Seinem universalen Spiegel gemacht hat, und ihm all das, was die Kammern Seiner Schätze und Vorräte enthalten, zu verkosten und zu bemessen, zu untersuchen und zu erwägen und darüber hinaus auch sich Selbst in all Seinen Namen zu erkennen gegeben hat, der ihn liebt und sich von ihm lieben lässt... danach diesen armseligen Menschen nicht Sein ewiges Reich zuteil werden lassen sollte? ihn nicht zu diesem Ort ewiger Glückseligkeit einladen und dort glücklich machen sollte?
Wäre es noch dazu überhaupt verständlich, dass Er jeglichem Sein - und sei es auch so klein wie ein Samenkorn - die Last einer Pflicht von der Größe eines Baumes auflasten, es mit Zielen so zahlreich wie seine Blüten befrachten, es mit Nützlichkeiten so zahlreich wie seine Früchte bestücken sollte und doch an das Ende all dieser Pflichten, dieser Ziele, dieser Nützlichkeiten nur ein Samenkorn voll irdischer Zweckmäßigkeiten gesetzt hätte? dass Er etwas, das ungefähr den Wert eines Senfkorns hat, zum Ziel irdischer Beständigkeit gesetzt haben sollte? dass Er nicht alles Sein zum Samenkorn für die Welt der Bedeutungen und zu einem Acker für die jenseitige Welt bestimmt haben sollte?
{Alem-i Shehadet: Das Diesseits, die Welt, in der wir Zeugnis ablegen;
Alem-i Mana: Das Jenseits, die Welt, in der uns die Dinge ihre Bedeutung enthüllen. (A.d.Ü.)}
dass Er es zulassen sollte, dass es wahre und ihm angemessene Früchte hervorbringe und dabei doch alle Verschiedenheiten von Bedeutung und Wichtigkeit ohne Ziel, hohl und sinnlos bleiben sollten? Sollte Er nicht das Antlitz des Seins der Welt der Bedeutungen, der jenseitigen Welt zukehren? sodass es sein wahres Ziel und seine ihm entsprechenden Früchte hervorbringe?
Ja, wäre es denn tatsächlich möglich, dass Er diese Dinge im Gegensatz zur Realität geschaffen haben
sollte, sodass Er - und möge Er dem vor sein und es verhüten! - sich mit den Gegensätzen Seiner wirklichen Attribute "der Weise, der Freigiebige, der Gerechte, der Barmherzige" bezeichnete und so die Realität des ganzen Kosmos leugnete, die Seine Weisheit und Freigiebigkeit, Gerechtigkeit und Barmherzigkeit zeigt? Sollte Er das Zeugnis allen Seins zurückweisen? die Beweise all Seiner Werke ungültig machen?
Und würde es der Verstand überhaupt annehmen, dass Er auf das Haupt des Menschen und seine inneren Empfindungen so viele Aufgaben auflasten sollte wie es Haare gibt und ihm doch nur eines Haares Wert weltlichen Lohn dafür geben sollte? Und sollte er im Gegensatz zur wahren Gerechtigkeit und im Widerspruch zur wahren Weisheit eine sinnlose Arbeit tun?
Wäre es zudem überhaupt möglich, dass Er jedem Lebewesen, ja, sogar jedem Organ, wie z.B. der Zunge, ja, überhaupt allen Seinen Kunstwerken so viel Weisheit und Nützlichkeit verliehen hätte, der Anzahl der Früchte und Nützlichkeiten gleich, die Er einem Baum verliehen hat und so unter Beweis gestellt hätte, dass Er der Allweise ist, danach aber die Beständigkeit, die Vereinigung mit Ihm (liqa)und die ewige Seligkeit, alles das, was die höchste Weisheit, das wichtigste aller Erfordernisse und das unabdingbarste aller Ergebnisse ist, und die Weisheit zur Weisheit, die Gnade zur Gnade und die Barmherzigkeit zur Barmherzigkeit macht, und was die Quelle und das Ziel all Seiner Weisheit, all Seiner Gnadengaben, all Seiner Barmherzigkeit und all Seiner notwendigen Wohltaten ist, nicht geben, sondern aufgeben und all Seine Werke bis zur untersten Stufe der Sinnlosigkeit herabsinken lassen sollte? Damit würde Er jemandem gleichen, der ein Schloss baute, darinnen jeder Stein auf tausenderlei Arten verziert, dessen jede Seite auf tausenderlei Arten geschmückt, in dem jeder Saal mit tausenderlei wertvollen Geräten und Einrichtungsgegenständen ausgestattet wäre und dieses danach ohne ein Dach beließe? damit alles verrotten und nutzlos verfallen sollte?
Nein, keineswegs! Aus dem absolut Guten kommt die Güte. Und aus dem absolut Schönen (Djemil)kommt Schönheit. Aus dem absolut Weisen kann Nutzlosigkeit nicht kommen. Ja, wer immer in seiner Vorstellung in die Geschichte einsteigt und in Richtung Vergangenheit fährt, wird so viele abgeschiedene Wohnungen, Plätze, Messen und Welten sehen, wie es Jahre gab. Jede von ihnen gleicht der Wohnung dieser Welt, einer Stätte der Prüfung, einer Ausstellung von Gegenständen so wie wir sie in jetziger Zeit erblicken. Obwohl sie nach Form und Qualität voneinander verschieden sind, gleichen sie doch einander in der Ordnung und Einzigartigkeit, die in ihnen erkennbar, und in der Macht und Weisheit des Baumeisters, die in ihnen sichtbar wird.
Auch wird der Mensch in diesen unbeständigen Wohnstätten, auf diesen vergänglichen Plätzen, in diesen vorübergehenden Messen die Ordnung einer so offensichtlichen Weisheit (hikmet),die Zeichen einer so offenkundigen Gnade (inayet),die Werke einer so bezwingenden Gerechtigkeit (adalet)und die Früchte einer so umfassenden Barmherzigkeit (merhamet)erblicken. In soweit er nicht seinen Scharfsinn verloren hat, wird er mit Sicherheit erkennen, dass es eine Weisheit von noch höherer Vollkommenheit (kemal)als diese Weisheit nicht geben kann, dass eine Gnade von noch höherer Schönheit (djemal)als die Gnade, deren Spuren wir sehen, nicht möglich ist, dass eine Gerechtigkeit von noch höherer Majestät als die Gerechtigkeit, deren Werke wir sehen, nicht sein kann, dass eine Barmherzigkeit, noch umfassender als diese Barmherzigkeit, deren Früchte wir sehen, nicht vorstellbar ist.
Wollten wir einmal den unmöglichen Fall annehmen, dass sich in dem Herrschaftsbereich des Ewigen Königs, der alle diese Maßnahmen verfügt und alle diese Herbergen und ihre Gäste austauscht, keine beständigen Wohnungen, keine dauerhaften Heime, keine erhabenen Wohnstätten und keine bleibenden Häuser, keine sesshaften Bewohner, keine glücklichen Diener fänden, dann
müsste man die Realität der (göttlichen) Weisheit, Gerechtigkeit, Gnade und Barmherzigkeit leugnen, diese vier geistigen Grundelemente, deren Tragfähigkeit und Weite, Feuer, Wasser, Luft und Erde entspricht, und deren Existenz abstreiten, obwohl sie ebenso offensichtlich sind wie die äußeren Elemente. Denn es ist ja bekannt, dass diese vergängliche Welt, und was in ihr ist, keine vollkommene Manifestation ihres wahren Wesens sein kann. Gäbe es nicht noch irgendwo anders einen Ort, wo es sich vollkommen manifestieren kann, dann müsste man wie ein Wahnsinniger die Existenz der Sonne leugnen, obwohl man doch sehen kann, wie ihr Licht den Tag erfüllt, die Weisheit leugnen, die vor unseren Augen alle Dinge erfüllt, die Gnade leugnen, die wir jederzeit in unseren Seelen und in den meisten Dingen bezeugen können, die Gerechtigkeit leugnen, deren Werke so mächtig sichtbar werden, die Barmherzigkeit leugnen, die wir überall sehen können. Desgleichen müssten wir dann annehmen, dass der Herr dieser weisheitsvollen Ausführungen, dieser gastfreien Behandlung, dieser Gastgeschenke Seiner Barmherzigkeit, die wir im ganzen Universum sehen können - möge Er es verhüten! - ein gemeiner Schauspieler und ein erbarmungsloser Tyrann wäre. Das aber ist eine grenzenlos unmögliche Verkehrung der Wahrheit! Sogar die törichten Sophisten, die die Existenz allen Seins und ihrer selbst leugnen, wären nicht so leicht dazu bereit, derartige Betrachtungen anzustellen...
{(*): Es gibt zwei Arten der Gerechtigkeit.
Die eine davon ist positiv, die andere negativ. Was die positive Art betrifft, so besteht sie darin, dem Berechtigten sein Recht zu geben. Diese Art von Gerechtigkeit gibt es in dieser Welt in einem solchen Ausmaß, dass sie bereits offensichtlich ist. Denn wie wir in der Dritten Wahrheit bewiesen haben, gibt der Schöpfer in Seiner Majestät offensichtlich allem, was da ist, ausgewogen und abgemessen, das, was es entsprechend seiner Veranlagung, seiner Bedürfnisse und den Notwendigkeiten erstrebt und erbittet, und was es gerechtermaßen für Leben und Dasein benötigt, in eigener und jeweils ausgewogener und gesondert abgemessener Weise. Das heißt, es gibt diese Art der Gerechtigkeit gleichermaßen mit Sicherheit wie das Leben und das Dasein selbst.
Die zweite Art der Gerechtigkeit ist negativ und besteht darin, die Ungerechten zur Rechenschaft zu ziehen. Das heißt, das Recht der Ungerechten ist ihre Züchtigung und Strafe, die sie erhalten. Diese Art zeigt sich zwar nicht vollkommen in dieser Welt, es gibt jedoch zahllose Zeichen und Hinweise, welche die Realität dieser Tatsache wahrnehmbar machen. Kurz gesagt: Alle Schläge und Strafen, Züchtigungen und Leiden, welche seit den Zeiten des Volkes von Ad und Themud bis heute über die widerspenstigen Völker gekommen sind, zeigen mit unfehlbarer Sicherheit, wie eine hohe und erhabene Gerechtigkeit regiert....}
Zusammenfassung:
Betrachten wir die völlige Ungleichheit zwischen den verschiedenen Handlungsabläufen, wie einerseits das Leben weltweit vereinigt wird und der Tod es rasch wieder trennt, die prunkvollen Versammlungen und eiligen Auflösungen, die gewaltigen Leichenbegräbnisse und die großen Manifestationen, und wie wir andererseits in dieser vergänglichen Welt mit all dem nur für eine kurze Zeit winzige Früchte ernten und nur unbedeutende Zwischenziele erreichen, so ist dies, als wollten wir einem kleinen Stein Sinn und Weisheit eines großen Berges zuschreiben, den Sinn eines großen Berges aber dem eines kleinen Steines gleich erachten. Dies kann aber niemals der Vernunft und Weisheit entsprechend sein.
Mit anderen Worten: Ein derartiger Mangel an Verhältnismäßigkeit zwischen allem Sein in dieser Welt und den darin ablaufenden Prozessen und deren auf sie beschränkten Ergebnissen bezeugt mit Sicherheit, dass das Antlitz allen Seins der Welt der Bedeutungen zugewandt ist. Dort wird es seine ihm entsprechenden Früchte ernten und dort werden seine Augen die Heiligen Namen (Gottes) betrachten. Sein Ziel schaut nach jener Welt hin. Während sein Wesen unter dem Boden dieser Erde liegt, entfalten sich seine Urbilder in der Welt der Entsprechungen (alem-i misal).Der Mensch sät hier seinen Fähigkeiten entsprechend aus und er wird gleich einem Samenkorn
ausgesät. Im Jenseits bringt er die Ernte ein. Ja, betrachtet man das Antlitz der Dinge, das auf die Namen Gottes und auf die jenseitige Welt hin ausgerichtet ist, dann sieht man, dass jedes einzelne Samenkorn ein Wunder der Macht ist, und ebenso viele Bestimmungen hat wie ein Baum. Jede einzelne Blüte, die ein Wort der Weisheit ist, hat den gleichen Sinn wie alle Blüten des Baumes, und jede einzelne Frucht, die ein Wunderwerk ist und ein Gedicht der Barmherzigkeit, enthält so viel Weisheit wie alle Früchte des Baumes. Sie dient uns zur Nahrung, was unter tausenden von Weisheiten nur eine einzige Weisheit ist, vollendet ihre Aufgabe, erfüllt ihren Sinn, stirbt und wird in unserem Magen begraben.
{(*): Frage: Wollte jemand sagen: "Warum führst du so oft Blüten und Samen und Früchte als Beispiele an?"
Antwort: Einerseits, weil sie unter den Kunstwerken der Macht die wertvollsten, wunderbarsten und einzigartigsten sind, andererseits weil die Naturwissenschaftler und Philosophen, alle diejenigen, die in die Irre gehen, den feinen Schriftzug, den die Feder der Bestimmung (qalem-i qader) und die Macht hinterlassen hat, nicht lesen konnten und darin erstickt sind. Sie stürzten in den Sumpf des Naturalismus...}
Weil nun aber diese vergänglichen Dinge an einem anderen Ort bleibende Früchte hervorbringen, immerwährende Urbilder hinterlassen und in anderer Hinsicht eine ewige Bedeutung zum Ausdruck bringen (die Namen Gottes verkörpern), rezitieren sie beständig den Lobpreis Gottes (tesbihat).Der Mensch aber, der ihr Antlitz betrachtet, das auf diesen Aspekt hin ausgerichtet ist, wird dadurch zum Menschen. So findet er in der Vergänglichkeit den Weg zur Ewigkeit.
Mit anderen Worten: Hinter allem Sein, das zwischen Leben und Tod hin- und hergetrieben, eingesammelt und wieder ausgestreut wird, verbirgt sich ein anderer Sinn. Dieser Vergleich hinkt nicht. Die Vorbilder gleichen den Nachbildungen, die von ihnen angefertigt, und ihre Abläufe den Vorführungen, die ihnen gemäß veranstaltet werden. Es werden zu hohen Kosten kurze Versammlungen
einberufen und wieder aufgelöst, nur um Bilder aufzunehmen und zusammenzustellen, die ständig auf einer Leinwand gezeigt werden. Genauso liegt einer der Gründe, dass in dieser Welt für kurze Zeit ein individuelles Leben und ein soziales Leben geführt wird, darin, Bilder aufzunehmen und zusammenzustellen, die Ergebnisse unserer Taten zu verbuchen und einzuspeichern, damit sie am Tage der Großen Versammlung ihrer Abrechnung zugeführt und auf einer gewaltigen Messe-Veranstaltung gezeigt werden können, um die Fähigkeit (des Menschen) zu höchster Glückseligkeit offen zu legen. In der ehrwürdigen Überlieferung (Hadith)wird diese Tatsache mit folgenden Worten zum Ausdruck gebracht: "Das Diesseits ist der Acker für das Jenseits."
Weil es also nun einmal diese Welt gibt und es in dieser Welt offensichtlich Weisheit, Gnade (inayet),Barmherzigkeit und Gerechtigkeit gibt, gibt es mit Sicherheit auch das Jenseits, und zwar mit der gleichen Sicherheit wie das Diesseits. Da nun einmal alles in dieser Welt in gewisser Hinsicht jener Welt zugewandt ist, bedeutet dies, dass alles nach dorthin strebt. Das Jenseits zu leugnen, heißt, das Diesseits mit allem, was darinnen ist, zu leugnen. So wie also Tod und Grab auf den Menschen warten, so beobachten und erwarten auch Himmel und Hölle den Menschen.
Elfte Wahrheit:
Das Tor der Menschlichkeit ist die Manifestation Seiner Namen "Wahrhaftiger und Gerechter (Haqq)"
Wäre es denn überhaupt möglich, dass Gott der Gerechte und Herr der Wahrheit (Djenab-i Haqq)und der zu Recht Angebetete in der Wahrheit (Ma'bud-u bi l-Haqq)den Menschen innerhalb des Kosmos als Seinen Diener und Anbeter erschaffen haben sollte, der hinsichtlich der Vollkommenheit Seiner Göttlichen Herrschaft und vor aller Welt in Anbetracht Seiner universellen Herrschaft der Bedeutendste ist, dass Er ihn zu jenem Gesprächspartner gemacht hätte, welcher der tiefsinnigste Denker unter den Angeredeten des Hochgelobten ist, zu einem allumfassenden
Spiegel der Manifestationen Seiner Namen, ihm den höchsten Wert (ahsen-i taqvim)verliehen hätte, um an ihm den Rang der Erscheinung Seines Gewaltigen Namens (Ism-i A'zam)zu offenbaren, der sich in allen Seinen Namen wiederfindet, damit er, als das schönste Wunder Seiner Macht, die Schatzkammern Seiner Barmherzigkeit erwägen und ermessen solle, ihn zu einem Forscher gemacht hätte, der mehr als alle anderen die Waage und die Werkzeuge besitzt, welcher unendlicher Gnade mehr als alle anderen bedürftig ist, welcher unter der Vergänglichkeit mehr als alle anderen leidet, und sich mehr als alle anderen nach Beständigkeit sehnt, der unter allen Lebewesen am meisten mit Feinempfinden ausgestattet ist, das empfindlichste, ärmste und bedürftigste unter ihnen, derjenige, welcher im irdischen Leben am meisten leidet und darüber am unglücklichsten ist, er, der erhabenste und größte nach Form und Wesen, und ihn nicht in das Haus der Ewigkeit entsenden sollte, wofür er würdig und geeignet ist, und wonach er sich sehnt, und so die Menschenrechte aufheben könnte, Seine eigene Wahrhaftigkeit und Gerechtigkeit ganz und gar in ihr Gegenteil verkehren, und das Antlitz von Recht und Wahrheit ungerecht und abscheulich machen könnte?
Wäre es zudem überhaupt möglich, dass der Allgerechte in Seiner Weisheit, der Allbarmherzige in Seiner Vollkommenheit, dem Menschen die Fähigkeit verliehen hätte, das Große Pfand auf sich zu nehmen, welches zu tragen Himmel, Erde und Berge nicht wagten, nämlich mit seinen winzig-kleinen Maßstäben und an Hand winziger Kunstwerke die allumfassenden Attribute, die universalen Taten und die unendlichen Manifestationen des Schöpfers zu ermessen und zu erkennen, dass Er ihn zudem auf dieser Erde als äußerst fein und zart, empfindlich, arm und schwach erschaffen, ihn jedoch als eine Art Ordnungshüter über alle tierischen und pflanzlichen Geschöpfe gesetzt und dazu beauftragt hätte, an ihrem Lobpreis und Gottesdienst gestaltend mitzuwirken, ihm gezeigt hätte, ein Beispiel im Kleinen zu sein für das göttliche
Geschehen im All, im Universum ein Verkünder der Herrschaft des Hochgelobten im Wort und in der Tat zu sein, dass Er ihn vor den Engeln bevorzugt und ihm den Rang eines Kalifen verliehen hätte und ihm dennoch nicht die Ewige Glückseligkeit als Ergebnis, Ziel und Frucht all seiner Aufgaben geben sollte? dass Er ihn auf die Stufe eines unglücklichsten, hilflosesten, leidgeprüftesten, beklagenswertesten und würdelosesten aller Geschöpfe hinabstoßen und seinen Verstand, dieses so überaus gesegnete, lichtvolle Werkzeug zur Glückseligkeit und Geschenk der Weisheit für diesen Hilflosen, in ein ebenso unheilvolles, finsteres Werkzeug zur Qual verwandeln und so eine Unbarmherzigkeit so gänzlich entgegengesetzt zu Seiner Allweisheit und im Widerspruch zu Seiner Allbarmherzigkeit begehen sollte? Nein, keineswegs!...
Zusammenfassung:
Wir haben in unserem Gleichnis bereits Pass und Soldbuch eines Offiziers betrachtet und gesehen, dass uns sowohl sein Rang als auch seine Aufgabe, sein Sold, seine Dienstanweisung und seine Ausrüstung zeigen, dass dieser Offizier nicht für dieses vergängliche Feld da ist, sondern in ein bleibendes Reich geht und demgemäß arbeitet. So stimmen auch die Entdecker und Erforscher (des Landes der Wahrheit und Gerechtigkeit) darin überein, dass die wahre Bildung, eingetragen im Pass seines Herzens, die Qualitäten, eingetragen im Soldbuch seines Verstandes, die Ausrüstung, eingeschrieben in seiner Veranlagung, vollkommen harmonisch auf die Ewige Glückseligkeit hin ausgerichtet sind und ihm dementsprechend verliehen wurden, und er somit dementsprechend ausgerüstet ist.
Mit einem Satz: Zum Beispiel sagte ein Diener und Darsteller jener Vorstellungskraft, die wir den Verstand nennen: Ich werde dir eine Million Lebensjahre und das Königreich der Welt geben, doch im Jenseits wirst du mit Sicherheit nicht mehr existieren. Falls die Einbildung nicht trügt und seine Begierde (nefs)nicht stärker ist, wird er "ach" statt "oh" sagen und bedauern. Das heißt, dass auch nicht das größte Stück Vergänglichkeit Herz, Sinn
und Verstand des Menschen auch nur ein ganz kleines bisschen zu sättigen vermag. Es entspricht also der Veranlagung des Menschen, dass seine Hoffnungen, die sich nach der Ewigkeit ausstrecken, seine Gedanken, die das All umspannen, und seine Wünsche, die sich auf die Ewige Seligkeit hin öffnen, darauf hinweisen, dass dieser Mensch für die Ewigkeit geschaffen wurde und in die Ewigkeit eingehen wird. Das Diesseits ist für ihn eine Herberge und ein Wartesaal für das Jenseits...
Zwölfte Wahrheit:
Sie ist das Tor des Prophetentums und der Offenbarung, durch das sich "Bismillahi r-Rahmani r-Rahim(Im Namen Allahs, des Erbarmers, des Barmherzigen)" manifestiert.
Ja, wäre es denn überhaupt möglich, dass Wahnideen und Täuschungen, in denen sich kaum die Kraft eines Mückenflügels befindet, in der Lage wären, den Weg ins Jenseits und das Tor zum Paradies zu versperren, das der Ehrwürdige Gesandte (Gottes), mit dem Friede und Segen sei, so entschieden mit ganzer Macht geöffnet hat, gestützt auf die Kraft der tausend Wunder, die er gewirkt hat, gestützt auf tausende maßgeblicher Verse (ayat)des Weisen Qur'an, der selbst wiederum in vierzigfacher Hinsicht ein Wunder ist. Sein Wort wird bekräftigt durch alle Propheten (enbiya),die sich auch wieder auf ihre Wunder stützen. Sein Ruf (da'va)wird bestätigt durch alle Heiligen (auliya),die sich ihrerseits wieder auf Erkenntnisse und Wundergaben stützen. Seine Wahrhaftigkeit wird bezeugt durch alle die weitblickenden und klarsichtigen Wissenschaftler (asfiya),die sich auf ihre Forschungen stützen... Aufgrund der oben aufgeführten Wahrheiten ist es nun offensichtlich geworden, dass die Wiederversammlung eine so fest verwurzelte Wahrheit ist, dass noch nicht einmal eine Kraft, die im Stande wäre, den Globus aus den Angeln zu heben, zu zerstören und fortzuschleudern, diese Wahrheit erschüttern könnte. Denn diese Wahrheit hat Gott der Gerechte selbst fest verankert, wie es alle Seine Namen und Eigenschaften beweisen. Der Ehrwürdige Prophet bestätigt sie mit allen seinen Wundern und Zeugnissen.
Der Weise Qur'an beweist sie mit seiner ganzen Wahrheit und in all seinen Versen. Das Weltall bezeugt sie mit all den Zeichen (ayat)seiner Natur und in der Weisheit all dessen, was darinnen geschieht.
Ja, wäre es denn überhaupt möglich, dass der Notwendig-Seiende (Vadjibu l-Vudjud)in der Frage der Wiederversammlung mit all dem, was da ist, nicht übereinstimmen sollte (die Ungläubigen davon ausgenommen) und Zweifel, die nicht die Kraft eines Haares besitzen, satanische Einflüsterungen, diese bergesgleich feste und hohe Wahrheit erschüttern und von der Stelle heben sollte? Nein, keineswegs!... Nun darf man aber keineswegs annehmen, dass die Beweise für die Wiederversammlung auf die besprochenen zwölf Wahrheiten beschränkt sind. Keineswegs, vielmehr weist uns allein der Weise Qur'an noch auf tausend weitere Aspekte gleich den oben erwähnten zwölf Wahrheiten hin, über die er uns bereits unterrichtet hat. Jeder von diesen Aspekten ist ein starker Hinweis dafür, dass unser Schöpfer uns aus dieser vergänglichen Heimstatt in eine bleibende Heimstatt versetzen wird.
Man darf auch keineswegs annehmen, dass es sich bei den göttlichen Namen, welche eine Wiederversammlung erheischen, lediglich um diejenigen handelt, welche wir besprochen haben (Hakiem, Kerim, Rahim, Adil, Hafiz).Keineswegs, vielmehr erfordern alle Göttlichen Namen, die sich bei der Lenkung und Leitung des Alls manifestieren, ein Jenseits, ja, erzwingen es geradezu.
Und weiter darf man auch nicht annehmen, dass die Wunderzeichen (ayat)in der Natur auf dieser Welt beschränkt sind, auf diejenigen, welche wir bereits besprochen haben. Keineswegs, vielmehr können wir in Allem Sein meistenteils Ansichten und Eigenschaften betrachten, die sich wie zwei Vorhänge nach rechts und links öffnen. Es (das Sein) legt einerseits ein Zeugnis für seinen Baumeister ab und ist andererseits ein Hinweis auf die Wiederversammlung.
Zum Beispiel:
Der Mensch weist in all der Schönheit seiner Erschaffung und dem
hohen Wert, den er in ihr hat, auf seinen Meister hin, während zu gleicher Zeit die Tatsache, dass er bei all der Vielseitigkeit seiner Fähigkeiten und dem hohen Wert, den er verkörpert, dennoch in kurzer Zeit wieder verfällt, auf seine Wiederversammlung verweist. Betrachtet man zuweilen einen Aspekt hinsichtlich zweier verschiedener Gesichtspunkte, so verweisen diese sowohl auf den Meister als auch auf die Wiederversammlung. Betrachtet man zum Beispiel die weisheitsvolle Ordnung, die gnadenvolle Ausschmückung, die rechtliche Ausgewogenheit, das erbarmungsvolle Entgegenkommen, welches in dem Wesen der meisten Dinge sichtbar wird, so erkennt man, dass sie aus der Hand der Macht des Meisters hervorgehen, dessen Name "Hakiem, Kerim, Adil, Rahim" ist.
Des Weiteren tut sich vor uns das Jenseits auf, betrachtet man wie unbedeutend und kurzlebig das vergängliche Dasein als Manifestation der Namen von Unendlichkeit und Macht ist. Jedes Ding verkündet in seiner Art unausgesprochen:
آمَنْتُ بِاللَّهِ وَ بِالْيَوْمِ اْلاَخِرِ
{"Ich glaube an Gott und den Jüngsten Tag."}
und dies lässt sich aus jedem Ding herauslesen.
Erster Teil des Anhangs
Nachwort
Die vorausgehend behandelten zwölf Wahrheiten bestätigen einander, ergänzen einander, bekräftigen einander. Sie alle vereinigen sich miteinander und führen zu ein und demselben Ergebnis. Gibt es etwa eine wahnwitzige Vorstellung, die dazu in der Lage wäre, diese zwölf festen Mauern, hart wie Eisen, ja, sogar hart wie Diamant, zu durchbrechen oder zu durchschreiten? so, dass der Glaube an die Wiederversammlung in seiner sicheren Kasematte erschüttert werden könnte?
Die ehrwürdige Ayah: مَا خَلْقُكُمْ وَ لاَ بَعْثُكُمْ اِلاَّ كَنَفْسٍ وَاحِدَةٍ {"Euer aller Erschaffung und Wiederversammlung ist nur wie die einer einzelnen Seele." (Sure 31, 28)} bringt zum Ausdruck, dass die Erschaffung und Wiederversammlung aller Menschen für die Göttliche Macht ebenso leicht ist, wie die Erschaffung und Wiederversammlung (aller Quantitäten und Qualitäten) eines einzelnen Menschen. Und so ist es tatsächlich. In einer Abhandlung über die Wiederversammlung, "Nokta"(der Punkt) genannt, habe ich die Wahrheit, die in dieser Ayah zum Ausdruck gebracht wird, ausführlich beschrieben. Darauf wollen wir hier in einigen Parabeln nur kurz zusammenfassend hinweisen. Wer will, mag darin nachschlagen.
Zum Beispiel:
وَلِلَّهِ الْمَثَلُ اْلأَعْلَىٰ
{"Bei Gott sind die erhabensten Gleichnisse." (Sure 16, 60)}
Wenn wir einmal davon ausgehen, die Sonne könne die tiefe Wahrheit ihrer Lichtausstrahlung nach eigenem freien Willen offenbaren, dann könnte sie sich mit Leichtigkeit einem jeden Stäubchen offenbaren und sich mit der gleichen Leichtigkeit den unendlich vielen glänzenden Gegenständen zuwenden.
Ebenso gilt die tiefe Wahrheit von der Spiegelung der Sonnenstrahlung für ein winzig kleines Stäubchen Glas in gleicher Weise wie für das weite Antlitz des Meeresspiegels.
Ebenso gilt die tiefe Wahrheit von der Ordnung, für den Finger eines Kindes, das ein Spielzeugschiff lenkt, in gleicher Weise wie für die Steuerung eines riesigen Schlachtschiffes.
Ebenso gilt die tiefe Wahrheit von dem Gehorsam gegenüber einem Marschbefehl in gleicher Weise für einen einzelnen Soldaten, den ein Kommando in Bewegung setzt, wie für ein riesiges Heer, welches sich auf das gleiche Kommando hin in Bewegung setzt.
Ebenso gilt die tiefe Wahrheit vom Gleichgewicht auch für eine Waage, die wir uns im All vorstellen, und die gleichzeitig so hoch empfindlich und so riesig groß sein soll, dass sie schon auf zwei Nüsse reagiert, die man in ihre Schalen legt, als auch zwei Sonnen in ihnen Platz finden, sie zu wiegen. Die gleiche Kraft, welche die eine von den beiden Nüssen, die sich in den zwei Schalen befinden, zu den Wolken empor, die andere zum Boden hin bewegt, ließe auch von zwei Sonnen, wenn sie sich darin befänden, die eine zum Himmel emporsteigen, die andere aber zur Erde hinabsinken.
Also gilt die tiefe Wahrheit von der Lichtausstrahlung, der Spiegelung, der Ordnung, dem Gehorsam und dem Gleichgewicht in dieser gewöhnlichen, unvollkommenen und vergänglichen Welt sowohl für die größten Dinge als auch in gleicher Weise für die kleinsten. Unendlich viele und zahlreiche Dinge sind als einem einzigen Ding gleich anzusehen. Die Kraft des Allmächtigen in ihrer Ursprünglichkeit und Grenzenlosigkeit und in ihrer unendlichen Vollkommenheit offenbart sich in ihrer lichtvollen Strahlung, das innere Antlitz der Dinge in ihrer Spiegelhaftigkeit, {Das ist, die in ihnen enthaltene tiefe Wahrheit (sirr), Spiegel des Allmächtigen zu sein. (A.d.Ü.)} Wissen und Weisheit in der Ordnung, die vollkommene
Unterwerfung der Dinge in den Naturgesetzen, die Ausgewogenheit innerhalb der Möglichkeiten in der Gleichberechtigung der Fähigkeit, zu sein oder nicht zu sein. Wie aufgrund dieser tiefen Weisheit viel oder wenig, groß oder klein einander gleich sind, so vermag Er auch alle Menschen (in all ihren Quantitäten und Qualitäten) auf einen Posaunenstoß hin gleich einem einzigen Menschen zusammenzurufen.
Des Weiteren kommen die verschiedenen Stufen der Stärke und der Schwäche in einem Ding durch die Einwirkung der Gegensätze in diesem Ding zu Stande. So entstehen zum Beispiel die verschiedenen Hitzegrade unter der Einwirkung der Kälte. Die verschiedenen Abstufungen von Schönheit entstehen unter der Einwirkung von Hässlichkeit. Die Stufen des Lichtes entstehen unter der Einwirkung der Finsternis. Wenn aber ein Ding essentiell und nicht akzidentiell ist, so können in ihm keine Gegensätze auftreten, denn dann müssten ja die Gegensätze gleichzeitig auftreten. Das aber ist unmöglich. Das heißt also, dass es in einem ursprünglichen und essentiellen Ding keine Abstufungen geben kann.
Nun aber ist die Kraft des Allmächtigen eine essentielle. Sie ist nicht akzidentiell wie in der Welt der Möglichkeiten, sondern vollendete Vollkommenheit. Was aber die Schwäche betrifft, welche ihr Gegenteil darstellt, so ist es unmöglich, dass sie darauf einwirken kann. Das heißt also, dass für den Herrn in Seiner Majestät die Erschaffung des Frühlings genauso leicht ist, wie die einer einzelnen Blume. Wollte man sie aber den Ursachen zuschreiben, dann würde die Erschaffung einer Blume genauso schwierig werden wie die des Frühlings. So ist es also genauso leicht, die ganze Menschheit wieder aufzuerwecken und zu versammeln, wie eine einzelne Seele ins Leben zurückzurufen.
Unsere Erklärungen, welche wir von Anfang an bis hierher über die Frage um die Wiederversammlung in unseren Bildern und Wahrheiten in Form von Gleichnissen dargelegt haben, beruhen auf dem Segen des weisen
Qur'an. Sie bereiten die Seele darauf vor, sich zu unterwerfen und das Herz darauf, anzunehmen. Das Grundwort aber gebührt dem Qur'an. Denn er ist das Wort, und das Wort gehört ihm. Hören wir also:
فَلِلَّهِ اْلحُجَّةُ الْبَالِغَةُ ٭ فَانْظُرْ اِلَى آثَارِ رَحْمَةِ اللّهِ كَيْفَ يُحْيِى اْلاَرْضَ بَعْدَ مَوْتِهَا اِنَّ ذلِكَ َلمُحْيِى اْلمَوْتَى وَهُوَ عَلَى كُلِّ شَيْءٍ قَدِيرٌ ٭ قَالَ مَنْ يُحْيِى اْلعِظَامَ وَهِىَ رَمِيمٌ ٭ قُلْ يُحْيِيهَا الّذِى اَنْشَاَهَا اَوَّلَ مَرَّةٍ وَهُوَ بِكُلِّ خَلْقٍ عَلِيمٌ ٭ يَآ اَيُّهَا النَّاسُ اتَّقُوا رَبَّكُمْ اِنَّ زَلْزَلَةَ السَّاعَةِ شَيْءٌ عَظِيمٌ ٭ يَوْمَ تَرَوْنَهَا تَذْهَلُ كُلُّ مُرْضِعَةٍ عَمَّا اَرْضَعَتْ وَتَضَعُ كُلُّ ذَاتِ حَمْلٍ حَمْلَهَا وَتَرَى النَّاسَ سُكَارَى وَمَا هُمْ بِسُكَارَى وَلكِنَّ عَذَابَ اللّهِ شَدِيدٌ ٭ اَللّهُ لآَ اِلهَ اِلاَّ هُوَ لَيَجْمَعَنَّكُمْ اِلَى يَوْمِ الْقِيَامَةِ لاَ رَيْبَ فِيهِ وَمَنْ اَصْدَقُ مِنَ اللَّهِ حَدِيثًا ٭ اِنَّ اْلاَبْرَارِ لَفِى نَعِيمٍ ٭ وَاِنَّ الْفُجَّارَ لَفِى جَحِيمٍ ٭ اِذَا زُلْزِلَتِ اْلاَرْضُ زِلْزَالَهَا ٭ وَاَخْرَجَتِ اْلاَرْضُ اَثْقَالَهَا ٭ وَ قَالَ اْلاِنْسَانُ مَالَهَا ٭ يَوْمَئِذٍ تُحَدِّثُ اَخْبَارَهَا ٭ بِاَنَّ رَبَّكَ اَوْحَى لَهَا ٭ يَوْمَئِذٍ يَصْدُرُ النَّاسُ اَشْتَاتًا ٭ لِيُرَوْا اَعْمَالَهُمْ ٭ فَمَنْ يَعْمَلْ مِثْقَالَ ذَرّةٍ خَيْرًا يَرَهُ ٭ وَمَنْ يَعْمَلْ مِثْقَالَ ذَرَّةٍ شَرًّا يَرَهُ ٭ اَلْقَارِعَةُ ٭ مَا الْقَارِعَةُ ٭ وَمَآ اَدْرَيكَ مَا الْقَارِعَةُ ٭ يَوْمَ يَكُونُ النَّاسُ كَالْفَرَاشِ الْمَبْثُوثِ ٭ وَ تَكُونُ الْجِبَالُ كَالْعِهْنِ الْمَنْفُوشِ ٭ فَاَمَّا مَنْ ثَقُلَتْ مَوَازِينُهُ فَهُوَ فِى عِيشَةٍ رَاضِيَةٍ ٭ وَ اَمَّا مَنْ خَفَّتْ مَوَازِينُهُ فَامُّهُ هَاوِيَةٌ ٭ وَمَا اَدْرَيكَ مَاهِيَهْ ٭ نَارٌ حَامِيَةٌ ٭ وَلِلّهِ غَيْبُ السَّموَاتِ وَاْلاَرْضِ ٭ وَمَا اَمْرُ السَّاعَةِ اِلاَّ كَلَمْحِ الْبَصَرِ اَوْ هُوَ اَقْرَبُ ٭ اِنَّ اللّهَ عَلَى كُلِّ شَيْءٍ قَدِيرٌ
{"Siehe die Male der Barmherzigkeit Allahs: wie Er die Erde nach ihrem Tode wieder lebendig macht! Fürwahr, Er ist es, der die Toten wieder belebt und Er hat Macht über alle Dinge." (Sure 30, 49) "Es sagt (der Mensch): Wer belebt die Gebeine wieder, wenn sie vermodert sind? Sprich: Leben wird ihnen der geben, welcher sie zum ersten Mal er schuf, denn Er weiß um jegliche Schöpfung." (Sure 36, 78-79) "Oh ihr Menschen, fürchtet euren Herrn! Siehe das Erdbeben der ,Stunde' ist eine gewaltige Sache. An diesem Tage werdet ihr sehen, wie jede Stillende ihres Säuglings vergessen und jede Schwangere ihre Last ablegen wird. Und du wirst die Menschen wie trunkene sehen, obwohl sie nicht trunken sind. Fürwahr: Allah ist streng im Bestrafen!" (Sure 22, 1-2) "Allah! Es gibt keinen Gott außer Ihm. Wahrlich, Er wird auch versammeln zum Tag der Auferstehung! Kein Zweifel ist daran; und wessen Wort ist zuverlässiger als Allahs?" (Sure 4, 87) "Siehe, die Rechtschaffenen, wahrlich, im Wonne und die Sünder in der Hölle."(Sure 82, 13-14) "Wenn die Erde erbebt und wenn die Erde wieder herausgibt, was sie belastet und der Mensch fragt: "Was ist mit ihr?", an jenem Tage wird sie ihre Kunde geben, weil dein Herr es ihr so eingegeben hat. An jenem Tage werden die Menschen in Scharen hervorkommen, um ihre Werke zu schauen und wer auch nur um eines Dattelkernhäutchens Gutes getan hat, wird es sehen. Und wer auch nur um das Gewicht eines Staubkorns Böses getan hat, wird es sehen." (Sure 99) "Die Klopfende! Aber was ist das: die Klopfende? Und was lehrt dich erfahren, was die Klopfende ist? An jenem Tage werden die Menschen wie die Motten umherflattern und die Berge werden zerflockter Wolle gleich sein. Wessen Waagschale dann schwer sein wird, der wird im seligen Leben sein. Wessen Waagschale aber leicht sein wird, dem wird die Grube zur Mutter werden. Und was lehrt dich erfahren, was das ist? Es ist ein heiß-loderndes Feuer!" (Sure 101) "Und bei Allah ist das Verborgene der Himmel und der Erde. Doch der Auftrag der Stunde ist wie ein Augenzwinkern oder noch weniger. Denn Allah ist aller Dinge mächtig. " (Sure 16, 77)}
Hören wir noch andere klare Verse des Qur'an und sagen wir:
آمَنْتُ بِاللَّهِ وَ مَلَـٰٓئِكَتِهِ وَ كُتُبِهِ وَ رُسُلِهِ وَ الْيَوْمِ اْلاَخِرِ وَ بِالْقَدَرِ خَيْرِهِ وَ شَرِّهِ مِنَ اللَّهِ تَعَالَى وَ الْبَعْثُ بَعْدَ الْمَوْتِ حَقٌّ وَ اَنَّ الْجَنَّةَ حَقٌّ وَ النَّارَ حَقٌّ وَ اَنَّ الشَّفَاعَةَ حَقٌّ وَ اَنَّ مُنْكَرًا وَ نَكِيرًا حَقٌّ وَ اَنَّ اللَّهَ يَبْعَثُ مَنْ فِى الْقُبُورِ ٭ اَشْهَدُ اَنْ لآَ اِلهَ اِلاَّ اللَّهُ وَ اَشْهَدُ اَنَّ مُحَمَّدًا رَسُولُ اللَّهِ ٭ اَللّهُمَّ صَلِّ عَلَى اَلْطَفِ وَ اَشْرَفِ وَ اَكْمَلِ وَ اَجْمَلِ ثَمَرَاتِ طُوبَآءِ رَحْمَتِكَ الَّذِى اَرْسَلْتَهُ رَحْمَةً لِلْعَالَمِينَ وَ وَسِيلَةً لِوُصُولِنَا اِلَى اَزْيَنِ وَ اَحْسَنِ وَ اَجْلَى وَ اَعْلَى ثَمَرَاتِ تِلْكَ طُوبَآءِ الْمُتَدَلِّيَةِ عَلَى دَارِ اْلاَخِرَةِ آىِ الْجَنَّةِ ٭ اَللَّهُمَّ اَجِرْنَا وَ اَجِرْ وَالِدَيْنَا مِنَ النَّارِ وَ اَدْخِلْنَا وَ اَدْخِلْ وَالِدَيْنَا الْجَنَّةَ مَعَ اْلاَبْرَارِ بِجَاهِ نَبِيِّكَ الْمُخْتَارِ آمِينَ
{"Wir glauben es und stimmen dem zu... Ich glaube an Allah und Seine Engel und Seine Bücher und Seine Gesandten und an den Jüngsten Tag und die Macht (qader) des Guten und des Bösen von Allah dem Erhabenen und daran, dass die Wiederversammlung nach dem Tode wahr ist, dass das Paradies wahr ist, dass das Feuer wahr ist, dass die Fürsprache wahr ist, dass es wahrhaftig Munker und Nekir (die Grabesengel) gibt, dass Allah wiederversammeln wird, die in den Gräbern sind. Ich bezeuge, dass es keinen Gott gibt außer Allah und ich bezeuge, dass Mohammed der Gesandte Allahs ist. Oh Allah, segne die willkommenste, edelste, vollkommenste, schönste Frucht am Tuba-Baum mit dem Erbarmen, mit dem Du ihn gesandt hast als eine Barmherzigkeit für alle Welten, als ein Fahrzeug, damit wir unser Ziel erreichen, die schönste, beste, reinste und erhabenste Frucht dieses Tuba-Baumes, dessen Äste über dem Jenseits und über dem Paradies ausgebreitet sind. Oh Allah bewahre uns und unsere Eltern vor dem Feuer, führe uns und unsere Eltern mit den Gerechten (ebrar) in das Paradies, auf die Fürsprache deines Propheten, den Du Dir erwählt hast. Amen."}
Oh mein Bruder, der du diese Lehre mit innerer Anteilnahme studierst! Sage nicht: "Warum kann ich dieses "Zehnte Wort" nicht sogleich vollkommen verstehen?" Sei deswegen nicht bedrückt! Denn sogar Ibn-i Sina (Avicenna), einer der Großen im Reich des Geistes und der Weisheit, sagte:
اَلْحَشْرُ لَيْسَ عَلَى مَقَايِيسَ عَقْلِيَّةٍ
{"Die Wiederversammlung ist nicht mit dem Verstand zu ermessen."}
"Wir glauben daran. Aber der Verstand kann uns auf diesem Wege nicht weiterhelfen," so urteilte er. Ähnlich urteilten alle islamischen Gelehrten übereinstimmend: "Die Wiederversammlung ist eine Frage der Offenbarung. Die Offenbarung ist der Beweis dafür. Mit dem Verstand kann man sich ihr nicht nähern." Aus diesem Grund kann natürlich eine so tiefschürfende Frage, ein solcher Saumpfad des Geistes nicht plötzlich zur öffentlichen Straße der Vernunft werden. In einer Zeit zerbrochener Traditionen und einer zerstörten religiösen Hingabe (teslim)müssen wir tausendmal dafür Dank sagen, dass der Schöpfer uns mit dem Segen (feyz)des Weisen Qur'an und nach der Überfülle Seiner Erbarmungen begnadet (ihsan)und uns diesen Weg gleich einer Klamm oder einem Saumpfad geebnet hat. Denn dadurch hat Er uns in unserem Glauben Rettung und Befriedigung gebracht. Zufrieden
mit der Menge des Verstandenen müssen wir uns darum bemühen, diese Menge durch wiederholtes Studium zu vergrößern. Ein Grund dafür, dass es unmöglich ist, die Wiederversammlung mit dem Verstand zu erfassen, liegt darin, dass die Gewaltige Versammlung (Hashr-i A'zam)eine Manifestation des Gewaltigen Namens (Ism-i A'zam)ist. Die gewaltigen Taten Gottes des Gerechten werden durch die Manifestation Seines Gewaltigen Namens und all Seiner Namen auf deren höchsten Stufe offenbart. Die Gewaltige Versammlung kann nur der ebenso leicht wie den Frühling beweisen und auch andere dahin führen, mit der gleichen Sicherheit, Gewissheit und Überzeugung an sie zu glauben, der diese gewaltigen Taten (Gottes) selbst gesehen hat und sie auch anderen zu zeigen vermag. In diesem "Zehnten Wort" sieht man dies mit dem Segen (feyz)des Qur'an und so wird es auch gezeigt. Anderenfalls wäre die Vernunft nicht dazu in der Lage, bliebe sie ihren eigenen engen und beschränkten Grundsätzen überlassen, und wäre zu einer bloßen Übernahme gezwungen...
Erster Teil eines Briefes zum "Zehnten Wort" - ein wichtiger Anhang.
بِسْمِ اللّٰهِ الرَّحْمَنِ الرَّحِيمِ ٭ فَسُبْحَانَ اللّٰهِ حِينَ تُمْسُونَ وَحِينَ تُصْبِحُونَ ٭ وَلَهُ الْحَمْدُ فِى السَّمٰوَاتِ وَاْلأَرْضِ وَعَشِيًّا وَحِينَ تُظْهِرُونَ ٭ يُخْرِجُ الْحَىَّ مِنَ الْمَيِّتِ وَيُخْرِجُ الْمَيِّتَ مِنَ الْحَىِّ وَيُحْيِى اْلأَرْضَ بَعْدَ مَوْتِهَا وَكَذٰلِكَ تُخْرَجُونَ ٭ وَمِنْ اٰيَاتِهِٓ أَنْ خَلَقَكُمْ مِنْ تُرَابٍ ثُمَّ اِذَآ أَنْتُمْ بَشَرٌ تَنْتَشِرُونَ ٭ وَمِنْ اٰيَاتِهِٓ أَنْ خَلَقَ لَكُمْ مِنْ أَنْفُسِكُمْ أَزْوَاجًا لِتَسْكُنُوٓا إِلَيْهَا وَجَعَلَ بَيْنَكُمْ مَوَدَّةً وَرَحْمَةً إِنَّ فِى ذٰلِكَ َلاٰيَاتٍ لِقَوْمٍ يَتَفَكَّرُونَ ٭ وَمِنْ اٰيَاتِهِ خَلْقُ السَّمٰوَاتِ وَاْلاَرْضِ وَاخْتِلاَفُ أَلْسِنَتِكُمْ وَأَلْوَانِكُمْ اِنَّ فِى ذٰلِكَ َلاٰيَاتٍ لِلْعَالِمِينَ ٭ وَمِنْ اٰيَاتِهِ مَنَامُكُمْ بِالَّيْلِ وَالنَّهَارِ وَابْتِغَآؤُكُمْ مِنْ فَضْلِهِ اِنَّ فِى ذٰلِكَ َلاٰيَاتٍ لِقَوْمٍ يَسْمَعُونَ ٭ وَمِنْ اٰيَاتِهِ يُرِيكُمُ الْبَرْقَ خَوْفًا وَطَمَعًا وَيُنَزِّلُ مِنَ السَّمَآءِ مَآءً فَيُحْيِى بِهِ اْلأَرْضَ بَعْدَ مَوْتِهَا اِنَّ فِى ذٰلِكَ َلاٰيَاتٍ لِقَوْمٍ يَعْقِلُونَ ٭ وَمِنْ اٰيَاتِهِٓ اَنْ تَقُومَ السَّمَآءُ وَاْلأَرْضُ بِأَمْرِهِ ثُمَّ اِذَا دَعَاكُمْ دَعْوَةً مِنَ اْلأَرْضِ اِذَآ أَنْتُمْ تَخْرُجُونَ ٭ وَلَهُ مَنْ فِى السَّمٰوَاتِ وَاْلأَرْضِ كُلٌّ لَهُ قَانِتُونَ ٭ وَهُوَ الَّذِى يَبْدَؤُا الْخَلْقَ ثُمَّ يُعِيدُهُ وَهُوَ أَهْوَنُ عَلَيْهِ وَلَهُ الْمَثَلُ اْلأَعْلٰى فِى السَّمٰوَاتِ وَاْلأَرْضِ وَهُوَ الْعَزِيزُ الْحَكِيمُ
{"Im Namen Allahs, des Erbarmers, des Barmherzigen; Lob, Preis und Dank sei Allah, wenn es für Euch Abendzeit und Morgenzeit geworden ist und Lob Ihm in den Himmeln und auf Erden zur Mittagsstunde und wenn der Tag sich neigt. Er bringt das Lebendige aus dem Toten hervor und lässt das Tote entstehen aus dem Lebendigen. Er schenkt der Erde wieder das Leben nach ihrem Tode und so werdet auch Ihr wieder hervorgerufen werden. Und zu Seinen Zeichen gehört es, dass Er Euch aus dem Staube erschaffen hat. Siehe da wurdet Ihr zu Menschen, die sich ausbreiteten! Und zu Seinen Zeichen (ayat) gehört es, dass Er für Euch Gefährten erschaffen hat aus Euch selbst, dass Ihr ihnen beiwohnet. Und Er hat Liebe und Erbarmen unter Euch gesetzt. Wahrlich, darin finden sich ja Zeichen für solche, die nachdenken. Und zu Seinen Zeichen gehört die Erschaffung der Himmel und der Erde und die Verschiedenartigkeit Eurer Zungen (: Sprachen) und (Haut)farben. Wahrlich darin finden sich ja Zeichen für die Wissenden. Und zu Seinen Zeichen gehört Euer Schlaf in der Nacht und am Tage und Euer Trachten nach Seiner Huld (fadl). Wahrlich, darin finden sich ja Zeichen für solche, die hören. Und zu Seinen Zeichen gehört es, dass Er Euch den Blitz zeigt zur Furcht und zur Hoffnung und Wasser herabsendet vom Himmel und damit die Erde vom Tode erweckt. Wahrlich, darin finden sich ja Zeichen für Leute von Verstand. Und zu Seinen Zeichen gehört es, dass Himmel und Erde fest stehen auf Sein Geheiß. Wenn Er Euch dann wieder aus der Erde hervorruft, so ersteht Ihr neu. Sein ist, was in den Himmeln und auf Erden ist und alles gehorcht Ihm. Er ist es, der die Schöpfung hervorbringt und sie sodann wieder erneuert, was für Ihn leichter ist. Und bei Ihm ist das höchste Gleichnis in den Himmeln und auf der Erde und Er ist der Mächtige, der Weise." (Sure 30, 17-27)}
In dem nun folgenden "Neunten Strahl" (Shu'a)wird ein besonders wichtiger Punkt dieser großen himmlischen Ayat erklärt, die einen Pol des Glaubens darstellen und eines von den gewaltigen Zeugnissen für die Wiederversammlung erläutern. Es war ein feinsinniges Gnadengeschenk des Herrn, als der Alte Said vor dreißig Jahren sein Werk mit dem Titel "Urteile" (Muhakemat)als Einführung zu seinem Kommentar beendete. Damals schrieb er:
Zweite Abhandlung.
Hier werden zwei Verse über die Wiederversammlung aus dem Qur'an kommentiert und erklärt.
نَخُو بِسْمِ اللَّهِ الرَّحْمَنِ الرَّحِيمِ
{"Im Namen Allahs, des Erbarmers, des Barmherzigen."}
Hier wurde er aber unterbrochen und konnte nicht mehr weiterschreiben. Lobpreis und Dank sei meinem Barmherzigen Schöpfer so viele Male wie es Beweise und Zeichen der Wiederversammlung gibt, dafür dass Er dreißig Jahre später in Seiner Güte (ihsan)den Erfolg gewährt hat.
Tatsächlich verlieh Er vor zehn Jahren durch diese eine von den beiden Ayat:
فَانْظُرْ اِلَى اَثَارِ رَحْمَةِ اللَّهِ كَيْفَ يُحْيِى اْلاَرْضَ بَعْدَ مَوْتِهَا اِنَّ ذَلِكَ َلمُحْيِى اْلمَوْتَى وَهُوَ عَلَى كُلِّ شَيْءٍ قَدِيرٌ
{"Siehe die Male der Barmherzigkeit Allahs wie Er die Erde nach ihrem Tode wieder lebendig macht. Für wahr Er ist es, der die Toten wieder belebt und Er hat Macht über alle Dinge." (Sure 30, 50)}
das Zehnte als dem einen und das Neunundzwanzigste Wort, als einen weiteren glänzenden und sehr starken Beweis und Kommentar zu diesem göttlichen Erlass. Sie haben die Leugner zum Schweigen gebracht. Er hat in dieser Abhandlung (Risale)den Kommentar zu den oben erwähnten großen Versen, die gleich zwei uneinnehmbaren Festungen des Glaubens an die Wiederversammlung sind, neun, zehn Jahre später zum Geschenk gemacht. So besteht also der folgende Neunte Strahl aus "neun erhabenen Stufen", auf die mit den oben erwähnten berühmten Versen hingewiesen wurde und einer bedeutsamen Einführung dazu.
Einführung
Zwei Punkte, mit denen die lebenswichtigen Folgen und sehr viel geistiger Nutzen des Glaubens an die Wiederversammlung zu einem einzigen Ergebnis zusammengefasst, und in denen aufgezeigt wird, in welchem Grade dieser Glaube für das menschliche Leben und besonders für das Gemeinschaftsleben erforderlich, ja, sogar zwingend notwendig ist, und in denen der Glaube an die Wiederversammlung mit einem einzigen universellen bündigen Zeugnis unter vielen Zeugnissen dargestellt, und gleichzeitig zum Ausdruck gebracht wird, in welchem Grade der Glaube an die Wiederversammlung offensichtlich und ganz ohne allen Zweifel ist.
Erster Punkt:
Für das Dogma von der Auferstehung, welches das Grundprinzip des sozialen wie des individuellen Lebens ist und die Grundlage zur Glückseligkeit und zur Vervollkommnung des Menschen, wollen wir hier unter hunderten von Beweisen lediglich vier Beispiele anführen:
Erster Beweis:
Kinder, welche etwa die Hälfte der Menschheit ausmachen, können nur im Gedanken an das Paradies den Tod und die Trennung ertragen, die ihnen Furcht und Schrecken einjagt, sodass sie weinen. Nur so können sie in ihrer Empfindsamkeit und vergleichsweise Schwäche die geistige Kraft für ihr Dasein aufbringen und bei ihrer so wenig widerstandsfähigen Gemütsverfassung, wo sie doch so leicht zum Weinen neigen, mit der Hoffnung auf das Paradies in Freude leben. Zum Beispiel sagt ein Kind im Gedanken an das Paradies: "Mein kleiner Bruder oder Freund ist gestorben. Nun ist er ein Vogel im Paradies geworden. Dort hat er es nun gut. Er fliegt im Paradies umher und lebt jetzt noch schöner als wir."
Wäre das nicht so, fielen diesen hilflosen, schwachen und ängstlichen Kindern die Toten ins Auge, Große und auch Kleine in ihrem Alter, die immer und überall ringsum sie gestorben sind, vernichteten ganz und gar die Kraft ihres Widerstandes und die Stärke ihrer Seele, brächten
nicht nur ihre Augen, nein, Herz, Sinn und Verstand, ihr ganzes Gemüt zum Weinen, zerstörten es gar, und die Kinder würden so verstörten, unglückseligen Tieren gleich.
Zweiter Beweis:
Die Alten aber, welche die andere Hälfte der Menschheit ausmachen, können sich nur mit dem Jenseits über die Nähe ihres Grabes hinwegtrösten. Nur so können sie sich in Anbetracht ihres eigenen Lebens im Besonderen, mit dem sie eng verbunden sind, und das doch so bald erlöschen wird, und das in Anbetracht dieses schönen Lebens allgemein, zu dem sich so bald die Türe schließen wird, noch weiter aufrecht erhalten. In ihrem Geist und Gemüt, das dem der Kinder ähnelt, können sie dem Schmerz und der Hoffnungslosigkeit, die aus dem Tod und Verfall erwächst, nur die Hoffnung auf ein bleibendes Leben entgegensetzen. Sonst würden alle diese sorgenvollen Väter und Mütter, würdig der Liebe (shefqat)und Verehrung, und bedürftig der Ruhe für ihre Seelen und des Friedens für ihre Herzen, ein solches Weh des Geistes und eine derartige Verwirrung des Herzens erleiden, dass ihnen die Welt wie ein finsterer Kerker und das Leben einer peinvollen Strafe gleich wäre.
Dritter Beweis:
Die jungen Leute, welche die Ausgangsbasis des menschlichen Gesellschaftslebens bilden, diese Jugendlichen in ihrer doch so heißblütigen Art, im Überschwang ihrer Gefühle und Leidenschaften, können sich nicht anders vor Ausschreitungen, Gewalttätigkeiten und Zerstörung zurückhalten und einen angenehmen Ablauf des gesellschaftlichen Lebens sicherstellen als nur in dem Gedanken an die Hölle. Anderenfalls, wenn die Furcht vor der Hölle nicht wäre, würden diese jungen Menschen in ihrem Rausch nach dem Motto: "Das Recht ist auf Seiten des Stärkeren" den Hilflosen, Schwachen und Armen je nach Lust und Laune das Leben zur Hölle machen, und die hohe Menschlichkeit in eine ganz gemeine Bestialität umwandeln.
Vierter Beweis:
Im irdischen Leben des Menschengeschlechtes ist der universale Mittelpunkt, der Lebensnerv,
ein Paradies irdischer Glückseligkeit, ein Zufluchtsort und eine Burg das Familienleben, das Zuhause ist für jedermann seine kleine Welt. Was aber in dieses Zuhause und sein Familienleben Leben und Glück hineinbringt, ist nur in inniger, ernster und treuer Verehrung, in aufrechtem, liebevollem und opferbereitem Mitleid möglich, und diese wahrhaftige Verehrung, das herzliche Erbarmen kann nur in dem Gedanken und auf dem Glaubensgrundsatz einer ewigen Freundschaft und einer ewigen Partnerschaft und einem immerwährenden Beieinandersein möglich sein in der Idee, sich für eine grenzenlose Zeit und ein unbegrenztes Leben in väterlicher, kindlicher, brüderlicher und freundschaftlicher Verbundenheit zusammenzufinden. So sagt ein Menschzum Beispiel:
"Diese meine Frau wird in einer ewigen Welt, einem ewigen Leben meine immerwährende Gefährtin sein. Es macht nichts, wenn sie jetzt alt und hässlich geworden ist. Denn ihr ist eine ewige Schönheit zu Eigen, die wiederkehren wird. Und ich bin dazu bereit, für eine solch immerwährende Kameradschaft jedes Opfer zu bringen und ihr Barmherzigkeit zu erweisen."
So kann er seiner altgewordenen Frau mit der gleichen Liebe (muhabbet),Zärtlichkeit (shefqat)und Barmherzigkeit begegnen, wie einer Paradiesesjungfrau (huri).Anderenfalls würde eine Kameradschaft, die nach einem kurzen, ein-, zweistündigen, äußerlichen Beisammensein durch einen Abschied und eine Trennung auf ewig wieder gelöst wird, sicherlich nur eine Art von sehr oberflächlicher und nur vorübergehender emotionaler Bindung ohne jede Wurzel sein, worin Erbarmen nur ein Wort und Ehrerbietung nur gekünstelt bleibt. So wie im Tierreich würden arteigene Interessen und andere dominierende Eigenschaften über Ehrerbietung und Barmherzigkeit siegen und dieses irdische Paradies in eine Hölle verwandeln.
So betrifft also eine unter hundert Folgen des Glaubens an die Wiederversammlung das gesellschaftliche Leben der Menschen. Und diese eine einzige Folge hat aber hunderte von Möglichkeiten, sie zu betrachten und anzuwenden.
Vergleicht man diese vier oben erwähnten Beweise mit den anderen (noch möglichen), dann wird es verständlich, dass die Wiederversammlung sich als ein tatsächliches Ereignis bewahrheiten wird, und dies mit der Gewissheit der Existenz der Menschheit und ihrer gemeinsamen Bedürfnisse.
Ja, die Existenz eines Bedürfnisses im menschlichen Magen ist sogar ein offensichtlicher Beweis und ein klares Zeugnis für die Existenz der Nahrung. Ja, sie teilt diese Tatsache sogar noch viel deutlicher mit. Das aber beweist: Nimmt man der Menschheit die Schlussfolgerung, die sich aus der Tatsache der Wiederversammlung ergibt, weg, dann fällt dieses so wichtige, erhabene und lebendige Wesen der Menschheit, seine Seele, auf die Stufe eines Kadavers herab, der als Abfall nur noch den Mikroben dient und ungenießbar (murdar,unrein) ist.
Diejenigen, welche sich so intensiv mit der Regierung, den Sitten und den gesellschaftlichen Beziehungen unter den Menschen beschäftigen, die Politiker, Moralisten und Soziologen sollen einmal die Ohren spitzen! Sollen sie doch endlich einmal sagen, wie sie diese Leere ausfüllen, und womit sie diese tiefe Wunde heilen wollen?
Zweiter Punkt:
Für die Tatsache der Wiederversammlung gibt es zahlreiche Beweise. Wir wollen hier nun einen dieser Beweise in sehr kurzer Form darlegen. Er wurde aus Zeugnissen zusammengestellt, die auf noch anderen Fundamenten des Glaubens beruhen. Es ist dies der folgende:
Alle Wunder, die das Gesandtentum Mohammeds, mit dem Friede und Segen sei, beweisen, und all die Beweise seines Prophetentums und seiner Wahrhaftigkeit beweisen und bezeugen zusammen, dass sich die Wiederversammlung tatsächlich bewahrheiten wird. Denn alles, was diese Persönlichkeit lehrte, konzentriert sich zunächst auf die Lehre von der Einheit (Vahdaniyet),danach aber auf die Wiederversammlung. In der Tat bezeugen alle seine Wunder und Beweise, die sämtliche Propheten zu ihrer Bestätigung gewirkt haben, und durch die
sie als Propheten bestätigt worden sind, eben diese eine Wahrheit. In gleicher Weise führt وَبِرُسُلِهِ {"und an Seine Propheten."} das Bekenntnis des Glaubens an die Propheten (von Adam bis Mohammed, mit dem Friede und Segen sei), welches وَبِكُتُبِهِ {"und an Seine Schriften."} das Bekenntnis des Glaubens an die heiligen Schriften in seiner Klarheit noch steigert, zum Bekenntnis des Glaubens an eben diese eine Wahrheit. Dies ist wie folgt:
Vor allem führen sämtliche Wunder, Beweise und Tatsachen, welche die Wahrheit des Qur'an (als Gottes Wort), der ja offensichtlich selbst ein Wunder ist, belegen, insgesamt zu dem Bekenntnis des Glaubens, dass die Wiederversammlung sich als ein tatsächliches Ereignis bewahrheiten wird. Denn fast ein Drittel des Qur'an handelt von der Wiederversammlung, und die meisten kurzen Suren beginnen mit sehr starken Versen über die Wiederversammlung. Er berichtet in tausenden von Versen ausdrücklich oder inbegriffen von eben dieser einen Wahrheit, beweist sie, weist auf sie hin.
Zum Beispiel:
اِذَا الشَّمْسُ كُوِّرَتْ ٭ يَآ اَيُّهَا النَّاسُ اتَّقُوا رَبَّكُمْ اِنَّ زَلْزَلَةَ السَّاعَةِ شَيْءٌ عَظِيمٌ ٭ اِذَا زُلْزِلَتِ اْلاَرْضُ زِلْزَالَهَا ٭ اِذَا السَّمَآءُ انْفَطَرَتْ ٭ اِذَا السَّمَآءُ انْشَقَّتْ ٭ عَمَّ يَتَسَآءَلُونَ ٭ هَلْ اَتَيكَ حَدِيثُ الْغَاشِيَةِ
{"Wenn die Sonne zusammengefaltet wird,..." (Sure 81, 1) "Oh Ihr Menschen, fürchtet Euren Herrn. Siehe, das Beben der 'Stunde' ist ein gewaltig Ding." (Sure 22, 1) "Wenn die Erde gewaltig erbebt,..." (Sure 99, 1) "Wenn der Himmel sich spaltet,..." (Sure 82, 1) "Wenn der Himmel zerreißt," (Sure 84, 1) "Wonach fragen sie einander," (Sure 78, 1) "Ist die Kunde von dem gewaltigen Ereignis zu dir gedrungen?" (Sure 88, 1)}
In dieser oder ähnlicher Weise zeigt der Qur'an am Anfang
von dreißig, vierzig Suren mit völliger Gewissheit, dass die Tatsache der Wiederversammlung die bedeutendste Tatsache und die notwendigste (vadjib)in der Schöpfung ist. Und auch noch andere Ayat erklären diese Tatsache mit den verschiedensten Beweisen überzeugend.
Ja, wäre es denn überhaupt möglich, dass der Glaube an die Wiederversammlung, der doch aus dem Zeugnis und der Lehre des Buches, das doch mit einem einzigen Zeichen eines einzigen Verses im Bereich der verschiedenen naturwissenschaftlichen und philosophischen islamischen Wissenschaften vor unseren Augen wissenschaftliche Tatsachen sonnenklar als Frucht hervorbringt, nicht wahr sein sollte? Wäre das nicht hundertmal unmöglich und irrig, als wollte man die Existenz der Sonne bestreiten und das Weltall als nicht vorhanden erklären? Ja, wäre es denn überhaupt möglich, dass sich tausende von Aussagen, Versprechungen und Warnungen eines so ehrenwerten und vertrauenswürdigen Königs als Unwahrheit und Lüge herausstellen sollten, obwohl sich doch zuweilen ein Heer auf einen einzigen Wink seines Königs in Marsch setzt, um zu kämpfen? Ja, wäre es denn für einen Menschen, der in seiner Ignoranz diese Wahrheit nicht annehmen will, obwohl doch dieser ruhmreiche, unsichtbare König, für den ein bloßer Wink genügt, um eine solche Tatsache zu beweisen, der seit dreizehn Jahrhunderten ununterbrochen über zahllose Geister, Intelligenzen, Herzen und Seelen Seines Reiches in Recht und Gerechtigkeit herrscht, sie unterweist und lenkt und leitet, die Tatsache der Wiederversammlung mit tausenden von Erklärungen erläutert und bewiesen hat, nicht notwendig, ihn mit der Hölle zu bestrafen, und wäre das nicht für ihn die wahre Gerechtigkeit?
In dieser oder ähnlicher Weise bestätigen, auch alle die himmlischen Bücher und heiligen Schriften, deren jedes in seinem Zeitalter und in seiner Kulturepoche maßgeblich war, jene Wahrheit von der Wiederversammlung, die der Qur'an, welcher für alle Zukunft und für eine jegliche Kulturepoche maßgeblich ist, ausführlich, mit Erläuterungen
und Wiederholungen erklärt. Sie alle nehmen diese Wahrheit ihrem Zeitalter und ihrer Kulturepoche entsprechend als unumstößlich an, erklären sie kurz und bündig, behaupten und beweisen sie nachdrücklich, wenn auch die Bilder dabei manchmal etwas undeutlich bleiben. Sie alle unterstreichen und bestätigen diese Lehre des Qur'an wie mit tausenden von Unterschriften.
Hier noch das Ende eines Bittgebet (Risale-i Munadja'at),in dem dieses Thema behandelt wird: Es wird darin ein Grundpfeiler des "Glaubens an den Jüngsten Tag" im Zusammenhang mit noch anderen Grundpfeilern des Glaubens, besonders dem, welcher das Bekenntnis des Glaubens (shahada)an die Propheten und die heiligen Bücher betrifft, in Form eines Bittgebetes (munadja'at)als ein kurz und bündig zusammengefasster Beleg für die Wiederversammlung angeführt, der sehr stark ist und jeglichen Zweifel auszuräumen vermag. Es ist dies ein Bittgebet, in dem es folgendermaßen heißt:
Oh mein barmherziger Herr! Unterrichtet durch Deinen höchst ehrenwerten Gesandten und gelehrt durch den weisen Qur'an, habe ich verstanden: Vor allem der Qur'an und Dein hochehrwürdiger Gesandter, aber auch alle heiligen Bücher und Propheten bezeugen und beweisen übereinstimmend und weisen darauf hin, dass die Manifestationen Deiner glorreichen und anmutigen (Djelal ve Djemal)Namen, deren Abbilder wir hier in dieser Welt allüberall betrachten können, sich noch glanzvoller in der Ewigkeit der Ewigkeiten fortsetzen werden und dass Deine Gnadengaben, deren Manifestationen und Abbildungen in Deiner Barmherzigkeit dieser Welt zum Zeugnis gegeben werden, noch majestätischer an der Stätte der Glückseligkeit für immer und ewig erscheinen werden, und dass diejenigen, die sie in diesem kurzen irdischen Leben voll Freude und Sehnsucht genossen haben, und die ihnen bis in die Ewigkeit hinüber Begleiter waren, ihnen auch dort noch Begleiter sein werden, wo es keine Trennung gibt.
Zudem verkünden auch, allen voran der hochehrwürdige
Gesandte und Dein weiser Qur'an, so dann alle die Propheten erleuchteten Geistes, die Heiligen (auliya),welche die Pole (qutub)aller lichtvollen Herzen, die Getreuen (siddiq),welche die Quelle allen lichten und scharfen Denkens sind, gestützt auf Deine tausenden von Verheißungen und Warnungen, die sich in allen himmlischen Büchern und heiligen Schriften so oft wiederholen, und auch im Vertrauen auf Deine heiligen Namen und Eigenschaften: Allmacht, Barmherzigkeit, Gnade (Inayet),Weisheit, Majestät (Djelal)und Schönheit (Djemal),welche nach einem Jenseits verlangen, im Vertrauen auf die Würde Deiner Majestät und das Königreich Deiner Herrschaft, auch bauend auf ihre zahllosen (spirituellen) Entdeckungen und Erfahrungen (mushahade),welche sie uns übermitteln gleich Abbildern aus dem Jenseits und Tropfsteinen, (welche, von einer himmlischen Nährlösung gespeist, von dem Boden der diesseitigen Welt empor und von ihrer Decke herabwachsen) und im Vertrauen auf ihre Überzeugungen und ihren Glauben, welcher die Sicherheit der Wissenschaft und persönlicher Wahrnehmung (ilme l-yaqin ve ayne l-yaqin)besitzt, (verkünden sie mit einer solchen Sicherheit) den Menschen die ewige Seligkeit. Die verkünden und erklären, dass für die Leute des Irrweges (dalalet)die Hölle und für die Leute der Rechtleitung (hidayet)das Paradies da ist. Daran glauben sie fest und bezeugen es...
Oh allmächtiger König! (Ey Qadir-i Hakim!)Oh barmherziger Erbarmer! (Ey Rahman-i Rahim!)Oh Freigiebiger und Getreuer in Deinen Versprechungen! (Ey Sadiqu l-Va'di l-Kerim!)Oh gewaltiger und majestätischer Herr der Ehren, dem keiner zu wiederstehen vermag!... (Ey Izzet ve A'zamet ve Djelal sahibi Qahhar-i Dhu l-Djelal). Gepriesen bist Du hunderttausendmal, grenzenlos rein und so hoch erhaben darüber, dass Du so viele Deiner treuen Freunde zu Lügnern stempeln solltest!... und dass sich so viele Deiner Versprechungen, Attribute und Taten als verlogen herausstellen sollten!... und dass Du die absoluten Erfordernisse des Königreiches Deiner Herrschaft
verleugnen und ihnen nicht entsprechen solltest!... und dass Du die zahllosen Bitten und Gebete Deiner zahllosen Diener und Anbeter, die Du angenommen hast und liebst und die Deine Liebe dadurch erstreben, dass sie an Dich glauben (tasdiq)und Dir gehorchen, zurückweisen und nicht erhören solltest!... und dass Du die, welche auf Irrwegen (ehl-i dalalet)gehen, und die Ungläubigen, welche Deine gewaltige Größe angreifen, indem sie Dich in Deinem Versprechen der Auferstehung in ihrem Unglauben und ihrer Auflehnung zum Lügner stempeln wollen, welche Dich in der Ehre Deiner Majestät und in der Würde Deiner Göttlichkeit und in der Barmherzigkeit Deiner Herrschaft beleidigen wollen, in ihrer Verleugnung der Wiederversammlung bestätigen solltest!
Über aller grenzenlosen Ungerechtigkeit und über aller grenzenlosen Abscheulichkeit sei über alles geheiligt Deine grenzenlose Gerechtigkeit, Deine grenzenlose Schönheit (Djemal)und Deine unbegrenzte Barmherzigkeit!
Wir glauben mit aller Macht, dass die Zeugnisse der Propheten, der Gelehrten (asfiya)und der Heiligen (auliya),die die hunderttausend getreuen Botschafter und grenzenlos aufrechten Ausrufer Deines Königreiches bilden und die jenseitigen Schatzkammern Deiner Barmherzigkeit, die Tresore Deiner Gnadengaben (ihsan)in der ewigen (baqi)Welt und die Manifestationen Deiner wunderbaren schönen Namen, die sich im Hause der Glückseligkeit vollständig offenbaren, werden mit wahrhaftiger Sicherheit, mit augenscheinlicher Sicherheit, mit wissenschaftlicher Sicherheit (haqqa l-yaqin, ayne l-yaqin, ilme l-yaqin)bestätigen, richtig und wahrhaftig sind. Ihre Beschreibungen sind zutreffend und stimmen miteinander überein. Was sie verkündigen ist zutreffend, entspricht den Tatsachen. Sie glauben, dass der größte Strahl Deines Namens, auf den alle Tatsachen hinauslaufen, der ihre Sonne und ihr Beschützer ist, "der Wahre" (Haqq)heißt, und dass er die gewaltige Tatsache der Auferstehung ist, und unterrichten dieser Wahrheit entsprechend in Deinem Auftrag Deine Diener und Anbeter. Sie belehren
darüber, was die Wahrheit selbst ist.
Oh Herr! Um der Wahrheit dieses ihres Unterrichtes und der Ehrenhaftigkeit ihrer Belehrungen willen, schenke den Schülern der Risale-i Nur einen vollkommenen Glauben und ein gutes Ende! Gewähre uns, ihrer Fürsprache teilhaftig zu werden! Amen... So wie aber nun einerseits alle Hinweise und Belege, welche die Wahrhaftigkeit des Qur'an, ja, sogar aller heiligen Schriften, beweisen, andererseits auch alle die Wundertaten und Zeugnisse des Prophetentums des Geliebten Gottes (Habibullah),ja, sogar aller Gesandten bestätigen, so beweisen sie alle auch die große Lehre vom Jenseits als einer Realität. In ähnlicher Weise bestätigen auch die meisten Hinweise und Belege, indem sie das Sein und die Einheit des Notwendig-Seienden bestätigen, gleichzeitig auch die Eröffnung des Hauses der Glückseligkeit, das die hauptsächliche Quelle und der Angelpunkt göttlicher Herrschaft, Seiner Erhabenheit und die Existenz einer beständigen Welt ist. Wie noch in den folgenden Abschnitten zu erläutern und zu beweisen sein wird, verlangen sowohl das Sein des Notwendig-Seienden als auch alle seine Eigenschaften, die meisten Seiner Namen und auch Seine Attribute wie Herrschaft (Rububiyet),Erhabenheit (Uluhiyet),Barmherzigkeit (Rahmet),Gnade (Inayet),Weisheit (Hikmet)und Gerechtigkeit (Adalet)mit der ihr eigenen Notwendigkeit nach einem Jenseits, fordern mit zwingender Notwendigkeit nach einer beständigen Welt, rufen mit Dringlichkeit nach einer Auferstehung und Wiederversammlung, dort zu belohnen und zu bestrafen.
Da es nun einmal einen Gott gibt von Ewigkeit zu Ewigkeit, wird es mit Sicherheit auch ein Jenseits geben, das der unvergängliche Sitz Seines Königreiches in Erhabenheit ist. Und da es nun einmal in diesem Universum und über allen Lebendigen eine vollkommene Herrschaft in außerordentlicher Majestät, Weisheit und Liebe gibt und sichtbar ist, wird sich mit Sicherheit auch ein Haus Ewiger Glückseligkeit finden, das die Majestät Seiner Herrschaft vor einem Umsturz, Seine Weisheit vor der
Sinnlosigkeit und Seine Liebe (shefqat)vor der Grausamkeit bewahrt, und in das man eintreten wird.
Nun aber weisen zahllose sinnenfällig sichtbare Gnadengaben (nimet)und Geschenke (ihsan),für jeden, dessen Verstand noch nicht erloschen und dessen Herz noch nicht erstorben ist, Huld- (lutuf)und Gnadenerweise (kerem),Bezeigungen der Gunst (inayet)und Barmherzigkeit (rahmet)darauf hin, dass es wie hinter einem unsichtbaren Schleier in der Überfülle Seiner Erbarmungen einen verborgenen Herrn geben muss. Und es gibt und wird mit Sicherheit auch ein immerwährendes Leben in einer beständigen Welt geben, wo die Gnade vor dem Spott, die Güte vor dem Hohn, die Huld vor der Feindschaft, die Barmherzigkeit vor der Qual, die Gunst und die Güte vor dem Verrat bewahrt bleiben, wo die Güte zur Güte und die Gnade zur Gnade wird.
Überdies ist in jedem Frühling eine Feder des Allmächtigen damit beschäftigt, vor unseren Augen diese knappe Seite, welche unsere Erde darstellt, mit hunderttausend Büchern zu beschreiben und eines in das andere fehlerfrei hineinzukomponieren. Und der Besitzer dieser Feder hat hunderttausendmal geschworen und versprochen:
"Ich werde an einem noch größeren Ort ein schönes unsterbliches Buch schreiben. Es wird dies noch leichter sein, als auf diesem begrenzten Platz das Buch des Frühlings, das so verwickelt und ineinander verschrieben ist. Das werde ich euch zu lesen geben." sagt Er und erwähnt dieses Buch in allen Seinen Erlassen. Sicher und gewiss ist das Original dieses Buches schon geschrieben, und auch die Anmerkungen dazu werden noch am Tage der Auferstehung und Wiederversammlung niedergeschrieben werden. Und auch das Berichtsheft mit den Taten und Werken aller wird sich darin aufgezeichnet finden. Nun aber ist die Erde in Anbetracht der Vielzahl alles Geschaffenen und als Wohnstätte, Ursprung, Fabrik, Messegelände und Versammlungsort hunderttausender äußerst verschiedener, ständig wechselnder belebter und beseelter Arten des Lebens das Herz, Zentrum,
Mittelpunkt, Frucht und Ursache der Schöpfung des Alls, und hat als solche eine sehr große Bedeutung; sie ist trotz ihrer Kleinheit den unendlich weiten Himmelsräumen gleichgestellt. Deshalb ist in den himmlischen Erlassen immer vom
رَبُّ السَّمٰوَاتِ وَ اْلاَرْضِ
{"Herr der Himmel und der Erde"}
die Rede. Nun aber kommt dem Geschlecht der Kinder Adams eine große Bedeutung zu. Sie herrschen allüberall auf der Erde, verfügen über die Mehrzahl alles Geschaffenen, ordnen sich die Mehrzahl aller Geschöpfe unter und sammeln sie um sich, ordnen die Mehrzahl alles Geschaffenen nach eigenen Neigungen, Vorstellungen, Plänen, Bedürfnissen, Grundsätzen auf das schönste, stellen sie aus, schmücken und verzieren sie, und sammeln sie entsprechend einer Liste ihrer kostbarsten Arten an einzelnen Orten, sodass sie sich nicht nur die Blicke der Menschen und Dschinnen, nein, sogar die aufmerksamen Blicke und das Wohlwollen aller Bewohner der Himmel und des ganzen Universums auf sich ziehen, den bewundernden Blick des Herrn des Alls auf sich lenken, was ihnen einen großen Wert und eine hohe Bedeutung verleiht. Sie zeigen mit ihren Künsten und Wissenschaften, dass sie die Weisheit in der Schöpfung des Alls, deren großen Sinn, ihre wertvolle Frucht und den Kalifen der Erde darstellen. Sie stellen ja die wunderbaren Kunstwerke des Meisters der Welt auf dem Antlitz der Erde so wunderschön aus und ordnen sie an. Trotz ihrer Auflehnung und ihres Unglaubens wurden sie auf der Erde belassen und ihre Strafe wurde ausgesetzt. Um dieses Dienstes willen wurde ihnen eine Frist gewährt und eine Möglichkeit gegeben, erfolgreich zu sein.
Es liegt aber nun einmal in dem, was die Natur der Kinder Adams ausmacht, dass sie in Anbetracht ihrer Beschaffenheit und Veranlagung außerordentlich schwach und hinfällig sind, weshalb ihnen ein ebenso mächtiger,
weiser und liebevoller Herrscher in all ihrer Schwäche und Armseligkeit, ihrer grenzenlosen Bedürftigkeit und Not, dieses gewaltige Erdenrund zu einer Lagerstätte für jede Art Erz, entsprechend den Erfordernissen des Menschengeschlechtes, ein Lagerhaus für jede Art Nahrung, einen Laden verschiedenster Güter, wie sie dem Menschengeschlecht wohlgefallen, bereitgestellt hat, und der sich auf diese Weise um das Menschengeschlecht kümmert, es ernährt und dessen Wünsche befriedigt.
Es gibt nun einmal einen Herrn, der dieser Tatsache entspricht, der den Menschen sowohl liebt als auch von den Menschen geliebt werden möchte, der sowohl ewig besteht, als auch über ewig bestehende Welten verfügt, der sowohl jedes Werk in Gerechtigkeit verrichtet, als auch jedes Ding in Weisheit schafft. Nun hat aber das Königreich des Urewigen Herrschers in Seiner Majestät, und die Unsterblichkeit Seiner Herrschaft in diesem kurzen irdischen Leben, in dieser allzu kurzen Spanne menschlichen Daseins, auf dieser zeitlich und räumlich so begrenzten Welt keinen Platz. Und all das, was sich unter den Menschen und ihrer Welt entgegen der Ordnung, Gerechtigkeit, Ausgewogenheit und vollkommenen Schönheit ereignet, diese so große Unterdrückung und Auflehnung, die dem widerspricht, der Verrat, die Verleugnung, der Unglaube gegenüber dem Freund und Wohltäter des Menschen, der ihn so liebevoll versorgt, bleibt im Diesseits unbestraft. Die grausamen Unterdrücker verbringen ihr Leben in Bequemlichkeit, während die Unterdrückten und Armen geschunden werden. Das Wesen vollkommener Gerechtigkeit aber, dessen Spuren wir im ganzen Weltall beobachten können, kann nicht dulden, noch erlauben, dass diese grausamen Unterdrücker und die hoffnungslos Unterdrückten einander im Tode gleichgestellt sein und nicht wiederauferstehen sollten. Dies stünde ganz und gar im Widerspruch dazu.
Gleich wie aber nun der Herr des Alls die Erde im All und das Menschengeschlecht von der Erde auserwählt hat, ihm einen so hohen Rang und ihm eine solche Bedeutung
verliehen hat, so hat Er auch die Propheten, die Heiligen und Gelehrten, die mit den Zielen Seiner Herrschaft übereinstimmen, jene wahren Menschen, die in Glaube und Hingabe Sein Wohlgefallen erstreben, unter den Menschen auserwählt, sie sich zu Freunden und Ansprechpartnern gemacht, sie mit Wundertaten und Erfolgen ausgezeichnet und ihre Feinde mit außernatürlichen Katastrophen geschlagen.
Unter Seinen kostbaren und geliebten Freunden hat Er Mohammed, mit dem Friede und Segen sei, ihnen als Leuchte des Glaubens erwählt, mit dessen Licht Er seit vielen Jahrhunderten eine bedeutende Hälfte des Erdenrundes und ein bedeutendes Fünftel der Menschheit erleuchtet... es scheint, als sei das Universum seinetwillen erschaffen worden, weil dessen Ziele sämtlich in ihm, in seinem Glauben und im Qur'an ihren Ausdruck finden. Er, der doch würdig und geeignet gewesen wäre, als Lohn Seiner grenzenlosen, so außerordentlich wertvollen Verdienste, die zu erwerben eine Million Jahre erforderlich gewesen wären, erhielt dafür nur jene kurze Lebensspanne von dreiundsechzig Jahren, erfüllt von Mühen und Kämpfen. Ja, wäre es denn in irgendeiner Hinsicht möglich, wahrscheinlich oder vorstellbar, dass diese Persönlichkeit nicht mit all seinen ihm gleichrangigen Freunden und Gefährten wieder auferweckt werden sollte? Ja, sollte er nicht hier und heute im Geiste vital und lebendig sein? Ja, sollten sie auf ewig verurteilt und vernichtet sein? Nein, keineswegs - Gott bewahre! - und tausendmal nein!...
Tatsächlich verlangt das ganze All, erfordern die Realitäten dieser Welt seine Auferstehung. Nun aber haben im "Ayetu l-Kubra"(Das Große Zeichen) genannten "Siebenten Strahl" dreiunddreißig überwältigend einstimmige Beweise, ein jeder einzelne so stark wie ein Berg, ergeben, dass dieses ganze Universum aus einer einzigen Hand hervorgegangen, und das Eigentum eines einzigen Herrschers ist. Sie zeigen, dass die Einheit Gottes und Seine Allgegenwart (Vahdet ve Ahadiyet)die Quelle Seiner göttlichen Vollkommenheit ist. Unter dieser zweifachen
Einheit wurde das ganze Weltall gleich gehorsamen Soldaten und dienstfertigen Beamten diesem einen Herrn unterstellt. Unter der Betrachtung des Kommens eines solchen Jenseits bleibt Seine Vollkommenheit vor dem Sturz, Seine absolute Gerechtigkeit vor grenzenlos gnadenlosem Spott, Seine universale Weisheit vor Torheit und Ausschweifung, Seine alles umfassende Barmherzigkeit vor lasterhaften Spielen und grausamen Vergnügungen, die Würde Seiner Allmacht vor würdeloser Schwäche bewahrt, rein erhalten und geheiligt. Sicherlich und gewiss wird der Jüngste Tag, wie wir aus hundert Anmerkungen über den Glauben an Allah (Iman-i billah)und aus den sechs vorangegangenen "madem(überdies, nun, aber, zudem)"-Abschnitten den Schluss ziehen müssen, in jedem Falle hereinbrechen. Die Wiederauferstehung und Wiederversammlung wird stattfinden. Es wird ein Haus der Bestrafung und der Belohnung eröffnet werden... sodass die obenerwähnte Bedeutung der Erde, ihre zentrale Lage und die Bedeutung der Menschheit und ihr Wert sich bewahrheiten. Dann wird sich die obenerwähnte Gerechtigkeit, Weisheit, Barmherzigkeit und Herrschaft des weisen Schöpfers und Herrn, des Lenkers und Leiters der Erde und ihrer Menschheit fest verankern und die obenerwähnten wahrhaftigen Freunde und alle, die sich nach Ihm sehnen, vor der ewigen Vernichtung bewahrt bleiben und er der größte und kostbarste unter diesen Freunden, der mit seinem heiligen Dienst das ganze Weltall glücklich und dankbar gemacht hat, seine Belohnung erhalten. So wird die Vollkommenheit des ewigen Königs vor Fehlern und Mängeln, Seine Macht vor Ohnmacht, Seine Weisheit vor Sinnlosigkeit und Seine Gerechtigkeit vor Ungerechtigkeit bewahrt, rein und geheiligt sein.
Kurzum:
Da es nun einmal Allah gibt, gibt es mit Sicherheit auch ein Jenseits...
So wie aber nun die obenerwähnten drei Grundpfeiler des Glaubens (erkan-i imaniye: Allah, die Propheten und die heiligen Schriften) mit all den Zeugnissen, die ihnen zum Beweis dienen, zugleich auch Zeugnis und Beweis
sind für die Wiederversammlung, so erfordern zugleich auch die anderen beiden Grundpfeiler des Glaubens in einer nachdrücklichen Weise diese Wiederversammlung und bezeugen und beweisen eine bleibende Welt:
وَ بِمَلَـٰٓئِكَتِهِ وَ بِالْقَدَرِ خَيْرِهِ وَ شَرِّهِ مِنَ اللَّهِ تَعَالَى
{"Der Glaube an die Engel und die Macht (qader) des Guten und des Bösen von Allah dem Erhabenen."}
Es ist dies wie folgt: Alle Beweise, die zahllosen Zeugnisse und Dialoge, welche die Existenz der Engel, ihren Dienst vor Gott und die Anbetung, mit der sie beauftragt sind, bezeugen, bestätigen indirekt auch die Existenz der Welt der reinen Geister, die unsichtbare Welt, die beständige Welt, die Welt des Jenseits, jenes Haus der Glückseligkeit, das dereinst Dschinnen und Menschen beleben werden, das Dasein von Himmel und Hölle. Denn die Engel dürfen diese Welten mit göttlicher Erlaubnis schauen und besuchen, und alle die Engel vor Gottes Thron (melaike-i muqarrebin),die wie der Erzengel Gabriel vertrauten Umgang mit den Menschen pflegten, berichten übereinstimmend über die Existenz der obenerwähnten Welten, und dass sie selbst darinnen verweilen. So wie wir von der Existenz des amerikanischen Kontinents auch dann wissen, wenn wir nicht selbst dort gewesen sind, und zwar aufgrund der Nachrichten derer, die von dort herübergekommen sind, so müssen wir auch aufgrund der Kunde der Engel an die Existenz einer beständigen Welt, eines "Hauses des Jenseits", an Himmel und Hölle mit absoluter Sicherheit glauben, denn sie hat die hundertfache Kraft einstimmiger Überlieferung (tevatur).Und deshalb glauben wir daran.
Des Weiteren weisen auch alle die Zeugnisse, welche im "Sechsundzwanzigsten Wort", "Risale-i Qader"(Abhandlung über das göttliche Vorherwissen) genannt, den Glaubensgrundsatz des Glaubens an "Qader"bestätigen, indirekt auch auf die Wiederversammlung, die Offenlegung der persönlichen Auszeichnung (suhuf)und das Abwägen
der Taten auf der Großen Waage hin. Denn die Konsequenz (qader)aller Dinge ist vor unseren Augen auf den Tafeln der Ordnung und Ausgewogenheit aufgezeichnet, der Lebenslauf alles Lebendigen ist aufgespeichert in seinem Erinnerungsvermögen, in den Samenkörnern und anderen, einer Tafel vergleichbaren Dingen, die Taten aller geistbegabten Wesen, insbesondere aber der Menschen sind eingetragen und festgehalten auf den Wohlverwahrten Tafeln (elvah-i mahfudha).Mit Sicherheit kann eine so umfangreiche Konsequenz (qader),eine Weisheit von solcher Folgerichtigkeit, eine so sorgfältige Aufzeichnung, diese schriftliche Aufbewahrung nur dem Zweck einer öffentlichen Verhandlung vor einem obersten Gerichtshof dienen, um eine ewige Belohnung oder Bestrafung auszusprechen. Anderenfalls bliebe diese umfangreiche und bis in die kleinsten Feinheiten hineinreichende Aufzeichnung und Aufbewahrung ganz und gar ohne Sinn und Wert. Sie würde der Weisheit und Wahrhaftigkeit widersprechen. Ja, mehr noch, würde eine Wiederversammlung nicht stattfinden, würde auch der ganze Sinn eines solchen universalen Buches, geschrieben mit der Feder folgerichtiger Bestimmtheit (qader),nichtig werden. Das aber kommt unmöglich in Betracht, wäre unvorstellbar, einer Leugnung des Universums vergleichbar, nicht mehr als ein Fieberwahn...
Zusammenfassung:
Die fünf Glaubensgrundsätze mit all ihren Beweisen zeigen uns die Belege für Tatsache und Ereignis der Auferstehung und Wiederversammlung, für Dasein und Eröffnung einer jenseitigen Wohnstatt und fordern uns dazu auf, dafür Zeugnis abzulegen. Da es nun aber für die Tatsache der Wiederversammlung solche ihrer Wichtigkeit völlig entsprechende, unerschütterliche und starke Stützen und Zeugnisse gibt, befasst sich ungefähr ein Drittel des Qur'an, der in seiner Verkündigung ein Wunder ist, mit der Wiederversammlung und dem Jenseits, macht sie zum Grundstein und baut alles auf diesem fundamentalen Prinzip jeglicher Wahrheit auf...
(damit schließt diese Einführung)
Zweiter Teil
eines Briefes zum "Zehnten Wort" - ein wichtiger Anhang.
Am Anfang des ersten Kapitels von neun Kapiteln, welche die neun Arten von Zeugnissen für die Wiederversammlung behandeln, finden sich die folgenden Ayat als ein wunderbarer Hinweis:
فَسُبْحَانَ اللَّهِ حِينَ تُمْسُونَ وَحِينَ تُصْبِحُونَ وَلَهُ الْحَمْدُ فِي السَّمَاوَاتِ وَالْأَرْضِ وَعَشِيًّا وَحِينَ تُظْهِرُونَ يُخْرِجُ الْحَيَّ مِنَ الْمَيِّتِ وَيُخْرِجُ الْمَيِّتَ مِنَ الْحَيِّ وَيُحْيِي الْأَرْضَ بَعْدَ مَوْتِهَا ۚ وَكَذَٰلِكَ تُخْرَجُونَ
{"Lob sei Allah, wenn für Euch die Abendzeit gekommen ist und die Morgenstunde und Preis sei Ihm in den Himmeln und auf der Erde zur Mittagsstunde und wenn der Tag sich neigt. Er schenkt der Erde wieder das Leben nach ihrem Tode und so werdet auch ihr wieder hervorgerufen werden." (Sure 30, 17-19)}
Wir wollen hier einen unumstößlichen Beweis und ein offensichtliches Zeugnis anführen, das sich aus dem Erlass über die Wiederversammlung ergibt, und es inshaallah (so Gott will!), erklären und erläutern.
{(*): Ein entsprechendes Kapitel darüber wurde noch nicht abgefasst. Doch wurde die Frage nach dem Leben im Zusammenhang mit der Auferstehung hier bereits eingefügt. Am Ende (dieser Abhandlung über das Leben) folgt ein Hinweis auf den Glaubensgrundsatz von der göttlichen Vorausschau auf das Leben (qader), der besonders feinsinnig und tiefgründig ist.}
Im Zusammenhang mit der achtundzwanzigsten Eigenart des Lebens wurde erklärt, dass das Leben nach den sechs Grundpfeilern (erkan)des Glaubens ausgerichtet und deren Beweis ist. Es enthält die Hinweise auf deren Existenz (bzw. Wahrheit). Ja, es ist in der Tat das Leben das bedeutendste Ergebnis, das Ferment und die Weisheit in der Schöpfung des Alls. Sicherlich ist diese erhabene Wahrheit nicht auf dieses vergängliche, kurze, fehlerhafte und schmerzvolle, irdische Leben beschränkt.
Vielmehr ist das Ziel, das Ergebnis und die Frucht am Baume des Lebens, die dessen gewaltiger Größe würdig ist, das Ewige Leben, das jenseitige Leben, das Leben im "Haus der Glückseligkeit", wo Steine, Bäume und Boden von Leben erfüllt sind. Anderenfalls wäre es die notwendige Konsequenz, dass der Baum des Lebens, der so zahlreiche bedeutsame Organe hervorgebracht hat, ohne Frucht, ohne Nutzen, ohne seine Verwirklichung für alle mit Bewusstsein Begabten, besonders für den Menschen, bliebe und der Mensch, der doch von seinen Anlagen und Fähigkeiten her zwanzigmal wertvoller ist als z.B. ein Sperling, und das Wichtigste, Erhabenste und Bedeutendste unter allem, was da lebt unter den Himmeln, hinsichtlich seines Lebensglückes zwanzigmal tiefer fiele als ein Sperling und zum unglücklichsten und würdelosesten unter den Armen werden würde.
In ähnlicher Weise würde ihm auch der Verstand, diese wertvollste unter allen Gnadengaben, sein Herz mit Gedanken der Trauer über die Vergangenheit und der Furcht vor der Zukunft wund reiben, ihm in einen Tropfen Freude neun Körnchen Schmerz untermischen und ihm so zur Katastrophe gereichen. Dergleichen aber wäre in hundertfacher Weise unsinnig. Also beweist das irdische Leben mit absoluter Sicherheit den Grundsatz vom Glauben an das Jenseits und stellt uns in jedem Frühling mehr als dreihunderttausend Musterbeispiele der Auferstehung vor Augen. Ja, wäre es denn überhaupt möglich, dass der allmächtige Lenker und Leiter, der in deinem Körper, deinem Garten, deiner Heimat alle für dein Leben notwendigen und geeigneten Werkzeuge und Geräte in Weisheit, Gnade und Barmherzigkeit vorbereitet hat und zu seiner Zeit bereitstellt, ja, sogar um deinen Magen weiß und ihn hört, wenn er in seinem Wunsch nach Leben und Beständigkeit mit einem so ganz privaten Gebet um Nahrung fleht, und mit zahllosen wohlschmeckenden Speisen zeigt, dass Er dieses Gebet auch annimmt und den Magen zufrieden stellt, nicht um dich wüsste, dich nicht sähe, die notwendigen Grundlagen für ein ewiges Leben,
welches das höchste Ziel des Menschengeschlechtes ist, nicht vorbereiten sollte? das höchste, wichtigste, würdigste, umfassendste Gebet um das immerwährende Leben des Menschengeschlechtes nicht annehmen, ein jenseitiges Leben nicht einrichten und das Paradies nicht erbauen sollte? dem bedeutendsten Geschöpf im All, ja, König der Welt ein so umfassendes und so starkes Gebet, das um der Bedürfnisse des Menschengeschlechtes willen in Himmel und Erde wiederhallt, nicht erhören sollte, wo Er doch dem Gebet des kleinen Magens eine Bedeutung zumisst und ihn zufrieden stellt? Sollte Er ihn dahin führen, die Vollkommenheit Seiner Weisheit und Seine unendliche Barmherzigkeit zu leugnen? Keineswegs und hunderttausendmal nein!...
Und wäre es des Weiteren auch noch möglich, dass der, welcher auch noch die ganz und gar verborgene Stimme selbst des kleinsten Lebewesens hört und dessen Schmerz wahrnimmt, ihm Heilung schenkt, seine Bedürfnisse befriedigt, sich in ganzer Liebe und Sorge um es kümmert und dafür sorgt, dass es mit Aufmerksamkeit bedient wird, ihm alle Schöpfung dienstbar macht, danach aber die einem Donner vergleichbar laute Stimme des größten und wertvollsten, beständigen und geliebten Lebens nicht vernehmen sollte!? sein so wichtiges Gebet um Beständigkeit, sein Verlangen und sein Flehen nicht beachten sollte? Das wäre so, als wollte Er einen einzelnen Soldaten mit vollendeter Sorgfalt ausrüsten und versorgen, ein ganzes, großes, stehendes Heer aber vernachlässigen, als könnte Er ein Stäubchen sehen, die Sonne aber nicht sehen! als könne Er das Sirren einer Mücke hören, das Grollen des Donners aber nicht hören! Keineswegs und hunderttausendmal nein!...
Ja, könnte es denn der Verstand überhaupt annehmen, dass der allmächtige und allweise Herr (Dhat-i Qadir-i Hakiem),in Seiner grenzenlosen Barmherzigkeit, in Seiner Liebe (muhabbet)und in Seinem unendlichen Mitgefühl (shefqat),der Seine eigenen Kunstwerke doch so sehr liebt, sie dazu hinführt, Ihn zu lieben und diejenigen,
welche Ihn lieben noch mehr liebt, das Leben, das Ihn über alles liebt, geliebt wird und liebenswert ist, und seinen Meister von Natur aus anbetet, und die Seele (ruh),die Essenz und das Juwel des Lebens, zu ewigem Tode verurteilen und so bewirken könnte, dass der, welcher Sein eigener Liebender und liebevoller Geliebter ist, sich im Zorn für immer und ewig von Ihm abwendet, Ihm grollt, zutiefst gekränkt ist, selbst die tiefe Wahrheit Seines Erbarmens und das Licht Seiner Liebe (muhabbet)verleugnete und ihre Verleugnung verursachte? Keineswegs, hunderttausendmal nein und niemals!
Eine solche vollkommene Schönheit (Djemal),die das All mit Ihrer (eigenen) Manifestation verschönt und eine solch vollkommene Barmherzigkeit (rahmet),welche alles Geschaffene in Freude taucht, ist sicherlich in unendlichem Grade heilig, unbefleckt und rein von einer solchen grenzenlosen Abscheulichkeit, totalen Schändlichkeit und totalen Ungerechtigkeit und Erbarmungslosigkeit.
Schlussfolgerung: Da nun einmal in der Welt Leben ist, werden diejenigen Menschen, welche die tiefe Wahrheit des Lebens erfasst und dieses Leben nicht missbraucht haben, an einem ewigen Ort, in einem ewigen Paradies ein ewiges Leben erlangen. "Amenna"(wir glauben)...
So wie aber nun auf dem Antlitz der Erde die glänzenden Dinge ihren Glanz in den Stahlen der Sonne entfalten, auf dem Antlitz der Meere das Licht in den Wassertropfen aufstrahlt und wieder verlischt, während nach ihnen schon wieder andere Tropfen gleich den vergangenen zu Lichtquellen winzig kleiner imaginärer Sonnen werden und damit offensichtlich zeigen, dass dieser ganze Sprühregen aus Fünkchen und Tröpfchen die spiegelgleiche Verkörperung einer einzigen großen Sonne bildet, und mit verschiedenen Zungen die Existenz der Sonne ins Bewusstsein ruft, und mit seinen Lichtfingern auf sie hinweist, ebenso erglänzt auch alles, was auf dem Antlitz der Erde und im Meere lebt als eine gewaltige Manifestation des Namens des Herrn, des lebendigen und beständigen und Leben spendenden durch göttliche Allmacht,
spricht "Ya Hayy"(Leben), und verschwindet hinter dem Vorhang des Unsichtbaren, um anderen, die nach ihm kommen, Platz zu machen, und legt so Zeugnis ab für das Leben und dafür, dass es notwendigerweise einen Herrn des Lebens (Hayy)und der Ewigkeit (Qayyum)geben muss, der das ewige Leben ist, und weist darauf hin. Alle Beweise, die ein Zeugnis göttlichen Wissens sind, dessen Spuren in der Ordnung alles Geschaffenen sichtbar werden, alle Belege, welche die Macht beweisen, die im All herrscht, alle Zeugnisse, welche auf einen Wunsch und Willen hinweisen, welcher über alle Ordnung und Anordnung verfügt, alle Kennzeichen, welche das Prophetentum beweisen, welches Mittler des Wortes des Herrn und der göttlichen Ordnung ist, alle diese Wunder und dergleichen (sie alle zugleich und gemeinsam)... alle Beweise, welche für die sieben göttlichen Attribute ein Zeugnis sind, bezeugen, bestätigen und verweisen übereinstimmend darauf, dass der Herr des Lebens und der Ewigkeit der Lebendige ist.
Denn, wenn ein Ding Sehvermögen besitzt, so muss auch Leben in ihm sein. Ist Hörvermögen vorhanden, so ist dieses eines der Kennzeichen des Lebens. Ist Sprechvermögen vorhanden, so ist auch dieses eines der Kennzeichen für das Vorhandensein von Leben. Wo Handlungs- und Entscheidungsfreiheit gegeben sind, kommt darin Leben zum Ausdruck.
In ähnlicher Weise legen auch solche Attribute wie "der Allmächtige", "der über alles Entscheidende" und "der Allwissende", deren Vorhandensein an ihren Auswirkungen ganz klar und ohne alle Zweifel erkannt werden kann, mit allen ihren Nachweisen dafür Zeugnis ab, dass der Herr des Lebens und der Ewigkeit der Lebendige ist und der notwendigerweise Seiende, und sie legen auch für ein ewiges Leben Zeugnis ab, von dem schon eine einzige Projektion einem Licht gleicht, welches das Weltall erleuchtet, und von dem schon eine einzige Manifestation genügt, das gesamte Haus des Jenseits bis in alle Teilchen hinein mit Leben zu erfüllen.
So steht das Leben auch im Zusammenhang mit dem Grundsatz des Glaubens an die Engel, weist zeichenhaft auf ihn hin. Denn da nun einmal das bedeutendste Ziel im Kosmos das Leben ist, und die Lebewesen darin am weitesten verbreitet sind, und wegen ihres Wertes vielfach wieder aufgelegt werden, und das Gästehaus dieser Erde mit ihrem Kommen und Gehen in Scharen mit Leben erfüllen, und da nun einmal das Erdenrund mit so vielen Arten von Lebewesen erfüllt ist, sich ständig in Weisheit füllt und wieder leert, um so die verschiedenen Arten von Lebewesen jeder Zeit wieder zu erneuern und neu wieder aufzulegen, und eine Vielzahl von Lebewesen selbst noch aus den wertlosesten und verdorbensten Dingen erschaffen werden, sodass diese zu einem Versammlungsort von Mikroben werden, werden also Bewusstsein und Vernunft, welche das reinste Konzentrat dessen sind, was aus dem Leben extrahiert wurde, und die Seele (ruh),die ein feinstofflicher und unwandelbarer Juwel ist, auf diesem Erdenrund in aller Vielfalt erschaffen.
Es ist so, als werde die Erde durch das Leben, die Vernunft, das Bewusstsein und die Seele belebt und mit Leben erfüllt. Es liegt sicherlich nicht im Bereich der Möglichkeiten, dass die Himmelskörper, welche feinstofflicher, lichtvoller, größer und bedeutender als die Erde sind, tot und starr sein sollten, ohne Leben und Bewusstsein. Es muss also geeignete, mit Bewusstsein begabte, himmlische Lebewesen geben, um die Himmel, die Sonnen und die Sterne zu bewohnen, zu beleben und mit Leben zu erfüllen, um das Ziel der Erschaffung der Himmel zu verwirklichen und als Partner im Dialog mit dem Hochgelobten zu erscheinen. So erfordert es also das Geheimnis des Lebens, dass es auch die Engel gibt...
In ähnlicher Art weist das innerste Geheimnis des Lebens indirekt auch auf den Grundsatz des Glaubens an die Propheten hin und beweist ihn. Denn in der Tat wurde der Kosmos erschaffen um des Lebens willen, und auch das Leben ist eine einzige gewaltige Manifestation des Urewigen, des Lebendigen (Hayy)und Beständigen (Qayyum).
Es ist eines Seiner vollkommensten Schmuckstücke. Es ist eines Seiner schönsten Kunstwerke. Und weiter enthüllt sich das ewige Leben durch die Sendung der Propheten und die Offenbarung der Schriften. Tatsächlich wüssten wir nichts vom ewigen Leben, gäbe es nicht die Bücher und die Propheten. So wie wir erkennen, dass ein Mensch noch körperlich existiert und noch geistig lebendig ist, wenn er redet, so gibt es auch die Propheten und die offenbarten Schriften, um das Wort des Herrn, der hinter der Welt des Unsichtbaren, unter dem Schleier dieses Kosmos verborgen redet und spricht, Befehle erteilt und Verbote erlässt, bekannt zu machen und Seine Ansprachen zu verbreiten.
So wie dieses irdische Leben mit absoluter Sicherheit ein zuverlässiges Zeugnis dafür ablegt, dass der Lebendige von Ewigkeit her da ist und da sein muss, so beweist es indirekt auch die Grundsätze des Glaubens an die Propheten, welche uns gesandt, und die Schriften, welche uns offenbart wurden, und welche die Strahlen und Manifestationen des urewigen Lebens verkörpern und uns mit ihm verbinden. Besonders weil das Prophetentum Mohammeds, mit dem Friede und Segen sei, und die Offenbarung des Qur'an der Seele und dem Verstand des Lebens gleichen, kann man sagen, dass beide eine Realität darstellen, die ebenso sicher ist wie die Existenz des Lebens selbst.
So wie also das Leben tatsächlich ein Konzentrat ist, das aus dem Kosmos extrahiert wurde, Bewusstsein und Gefühl aber konzentriertes Leben, aus dem Leben extrahiert, Vernunft aber ein Konzentrat des Bewusstseins, extrahiert aus Bewusstsein und Gefühl, der Geist (ruh)aber ein echtes und reines Juwel und die unwandelbare und unabhängige Essenz des Lebens, so ist auch das leibliche und seelische Leben Mohammeds, mit dem Friede und Segen sei, das konzentrierte Konzentrat, das aus dem Leben und dem Geist des Kosmos extrahiert wurde. Das Prophetentum Mohammeds, mit dem Friede und Segen sei, aber ist das reinste Konzentrat, das aus dem
Gefühl, dem Bewusstsein und der Vernunft des Kosmos extrahiert wurde. Ja, sogar das leibliche und seelische Leben Mohammeds, mit dem Friede und Segen sei, ist - wie seine Werke bezeugen - das Leben des kosmischen Lebens, und das Prophetentum Mohammeds, mit dem Friede und Segen sei, ist das Bewusstsein und das Licht des kosmischen Bewusstseins, und die Offenbarung des Qur'an - Zeugnis lebendiger Wahrheit! - ist der Geist des kosmischen Lebens und die Vernunft des kosmischen Bewusstseins. Ja, fürwahr, so ist das in der Tat!...
Verließe das Prophetentum Mohammeds, mit dem Friede und Segen sei, das All, schiede aus ihm sein Licht, so stürbe das All. Entschwände uns (die Botschaft) des Qur'an, verlöre das Erdenrund Kopf und Verstand, und das All würde verrückt werden. Vielleicht stieße dann sein willenlos gewordener Kopf gegen einen Planeten und der Jüngste Tag bräche herein...
Leben steht ferner in Beziehung zu dem Grundsatz des Glaubens an Qader(Vorauswissen Gottes, Konsequenz im Leben) und ist der indirekte Beweis dafür. Weil aber das Leben aus dieser Erde, die wir hier bezeugen, hervorsprießt (wie das Licht aus der Sonne) und alles erfüllt und die Frucht und das Ziel des Daseins, ja, einen Brennspiegel darstellt für den Schöpfer des Alls, ein vollkommenes Abbild der Taten des Herrn und sie alle beinhaltet und als deren Programm (wenn dieser Vergleich gestattet ist) angesehen werden darf, erfordert das Geheimnis des Lebens sicherlich, dass die abwesende Welt (alem-i gayb),nämlich die Vergangenheit und die Zukunft, sich in einem Zustand der Bereitschaft zu Regelmaß, System und Bekanntheit {malumiyet: Die Naturgesetze sind bekannt. Sie wurden in der Vergangenheit beobachtet und werden auch für die Zukunft als bekannt vorausgesetzt. (A.d.Ü.)} befindet, bezeugt, determiniert und den Naturgesetzen unterworfen, so wie es dem inneren Leben (hayat-i maneviye)der Geschöpfe entspricht. Im Pflanzkorn eines Baumes, in dessen Wurzeln und Zweigen, wie
in den Samenkörnern seiner Früchte, offenbart sich gleich wie in dem Baum selbst in seiner jeweils ihm eigenen Art stets wieder das gleiche Leben. Ja, die Samenkörner tragen die Gesetze des Lebens sogar in einer noch verfeinerteren Form in sich als wie der ganze große Baum. In ähnlicher Weise tragen die Samenkörner und Wurzeln, die der Herbst vor dem gegenwärtigen Frühling zurückgelassen hat, und die Samenkörner und Wurzeln, die der kommende Frühling, der folgt, nachdem dieser Frühling vergangen ist, zurücklassen wird, alle das selbe Antlitz des Lebens und folgen denselben Lebensgesetzen.
In gleicher Weise haben auch alle die Äste und Zweige am Weltenbaum ihre eigene Zukunft und ihre eigene Vergangenheit. Sie haben eine Kette, die gebildet wird aus der Haltung und dem Verhalten in Vergangenheit und Zukunft. Jede Art und jedes Teilchen findet sich mit all seinen verschiedenen Formen im Wissen Gottes, unterscheidet sich in der Art seiner Existenz, und bildet in diesem Wissen eine Kette seiner Existenz, und auch das, was in diesem Wissen existiert (vudjud-u ilmi),zeigt sich als eine Offenbarung des Geistes (manevi)und des universellen Lebens in gleicher Weise wie das, was bereits sichtbar existiert (vudjud-u haridji).Es erhält die Bestimmung seines Lebens (muqadderat-i hayatiye)von diesen mit Geist und Leben erfüllten Tafeln der Bestimmung (elvah-i qaderiye).
Die Tatsache, dass die Welt der Geister, welche einen Teil der unsichtbaren Welt (alem-i gayb)darstellt, erfüllt ist von Geistern, die das eigentliche Leben und den Stoff des Lebens bilden und lebendige Wesen und Juwelen sind, verlangt und erfordert mit Sicherheit, dass auch die andere Art der abwesenden Welt (alem-i gayb),die wir Vergangenheit und Zukunft nennen und ihr zweiter Teil ist, zur Verwirklichung der Manifestation des Lebens gelangen soll. Zudem zeigt auch die vollendete Ordnung, die bedeutsame Stellung, die lebendige Frucht und das Verhalten eines Dinges, so wie wir sie im Bereich des Wissens (vudjud-u ilmi)vorfinden, eine Art Manifestation
geistigen (manevi)Lebens. Tatsächlich kann diese Art einer Manifestation des Lebens, die ein Strahl der Sonne des urewigen Lebens ist, sicherlich nicht allein auf diese bezeugte Welt, diese gegenwärtige Zeit und diese äußerliche Existenz beschränkt sein. Vielmehr empfängt jede einzelne Welt ihrer Fähigkeit entsprechend eine Manifestation dieses Lichtes, und das All ist voll Licht und Leben durch diese Manifestation in allen seinen Welten. Wenn dies nicht so wäre, dann wäre jede einzelne Welt, so wie dies in den Augen der Irregeleiteten erscheint, ein großer und furchtbarer Leichnam, eine von Finsternis und Zerfall erfüllte Welt inmitten eines vergänglichen und nur äußerlichen Lebens.
So wird in diesem Geheimnis des Lebens auch ein breiter und grundsätzlicher Aspekt des Glaubens an die göttliche Vorherbestimmung und ihre Erfüllung (qader ve qaza)verständlich und dadurch erhärtet. Denn gerade so wie die bezeugte Welt und die gegenwärtig vorhandenen Dinge in der Art ihrer Entstehung und in dem, was sie hervorbringen, das Leben bezeigen, das in ihnen ist, genauso haben auch die Geschöpfe der vergangenen und künftigen Zeiten, die der abwesenden Welt (alem-i gayb)zugerechnet werden, eine, inneres Leben tragende, geistige Existenz (vudjud-u manevi)und ihre geistige Gewissheit in Seinem Wissen, was sich im Namen Zukunft und durch die Vermittlung der Tafeln von der göttlichen Vorherbestimmung und deren Erfüllung (lauh-i qader ve qaza)in den Werken dieses geistigen Lebens (manevi hayat)zeigt und in ihnen offensichtlich wird...
Dritter Teil eines Briefes zum "Zehnten Wort" - ein wichtiger Anhang.
Eine Problemstellung in Bezug auf die Wiederversammlung: Im Qur'an zeigen die oftmals wiederholten Erlasse (ferman):
اِنْ كَانَتْ اِلاَّ صَيْحَةً وَاحِدَةً
{"Es wird aber sein wie ein einziger Schrei." (Sure 36, 29)}
oder auch:
وَمَآ اَمْرُ السَّاعَةِ اِلاَّ كَلَمْحِ الْبَصَرِ
{"Die Angelegenheit der 'Stunde' wird nur ein Augenblick sein." (16, 77)}
dass die gewaltige Wiederversammlung in einem zeitlosen Augenblick zu Stande kommen wird. Doch unser begrenzter Verstand verlangt nach einem augenfälligen Beispiel, um diese so über alle Grenzen wunderbare und beispiellose Angelegenheit mit innerer Sicherheit annehmen zu können.
Die Lösung:
Bei der Wiederversammlung werden die Seelen zu ihren Körpern zurückkehren. Sodann findet die Wiederbelebung dieser Körper statt. Dann werden die Körper wiedererbaut werden. Daraus ergeben sich folgende drei Problemstellungen.
Erste Problemstellung:
Ein Beispiel für die Rückkehr der Seelen zu ihren Körpern: Die einzelnen Soldaten eines wohldisziplinierten Heeres, die sich zu einer Ruhepause nach allen Seiten hin zerstreut haben, werden durch einen lauten Posaunenstoß wieder versammelt. Ja, so wie die "Sur", die Posaune des Erzengels Israfil, sicherlich nicht weniger mächtig erschallt als die Posaune des Heeres, so werden sicherlich auch die Seelen, welche sich noch in den Ewigkeiten und der Welt der Atome befanden, als die Frage an sie erging:
اَلَسْتُ بِرَبِّكُمْ {"Bin ich nicht euer Herr?"} und sie قَالُوا بَلَى {"Sie sagten: ja."} zur Antwort gaben, tausendmal folgsamer, gehorsamer, disziplinierter sein als die einzelnen Soldaten dieses Heeres. Außerdem wurde schon im "Dreißigsten Wort" durch unwiderlegbare Zeugnisse bewiesen, dass nicht nur die Seelen, sondern sogar alle Zellen einem Heer des Hochgelobten und seinen gehorsamen Soldaten vergleichbar sind.
Zweite Problemstellung:
Ein Beispiel für die Wiederbelebung der Körper: So, wie in einer sehr großen Stadt in einer festlichen Nacht von einem einzigen Kraftwerk aus hunderttausend elektrische Lampen in einem einzigen Augenblick mit Licht und Leben erfüllt werden könnten, so wäre es auch möglich, von einem einzigen Kraftwerk aus über das Antlitz des ganzen Erdenrundes hinweg hundert Millionen Lampen aufleuchten zu lassen. Wenn also eine Schöpfung Gottes des Gerechten wie z.B. die Elektrizität als ein Diener und ein Leuchter in Seinem Gasthaus durch die Ausbildung, die er von seinem Schöpfer empfangen hat und im Gehorsam Ihm gegenüber, eine solche Fähigkeit erzeigen kann, dann kann sicherlich auch die Gewaltige Wiederversammlung in einem einzigen Augenblick stattfinden im Rahmen der regulären Gesetze der göttlichen Weisheit, welche tausende Seiner erleuchteten Diener darstellen, wie z.B. die Elektrizität.
Dritte Problemstellung:
Ein Beispiel für die plötzliche Wiedererbauung der Körper: Zur Frühlingszeit werden innerhalb weniger Tage alle Blätter sämtlicher Bäume, die doch tausendmal zahlreicher sind als das ganze Menschengeschlecht, plötzlich und in vollkommener Weise
und genau so wie im vergangenen Frühling wieder aufgebaut. Auch alle Blüten, Blätter und Früchte sämtlicher Bäume werden wie im vergangenen Frühling und zur Erntezeit im vergangenen Herbst blitzschnell wieder zu Stande gebracht. Auch die zahllosen Samenkörnchen, Kerne und Wurzeln werden zu Beginn des Frühlings plötzlich alle zusammen auferweckt, entfaltet und wiederbelebt. Auch die Skelette all der Bäume, die den aufrecht stehenden Gebeinen der Verstorbenen gleichen, offenbaren plötzlich den Befehl zur بَعْثُ بَعْدَ الْمَوْتِ {"ba'thu ba'da l-maut" - "Auferstehung nach dem Tod"} und entfalten sich wieder. Auch unzählige kleine Tierchen verschiedenster Art werden in überaus kunstvoller Weise wieder ins Leben berufen.
Auch besonders die Fliegen in ihren verschiedenen Stämmen, die uns doch beständig an Abdest und Reinheit erinnern, wenn sie immer wieder ihr Gesicht, ihre Augen, ihre Flügel putzen, werden wieder auferweckt. Ihre Zahl in ihren Stämmen ist in jedem Jahr noch zahlreicher als die Zahl der Kinder Adams, von Adams Zeiten an gerechnet. In jedem Frühling werden sie zusammen mit anderen Arten in ein paar Tagen auferbaut, wiederbelebt und wiederversammelt. Sicherlich gibt es für die Wiedererbauung der menschlichen Leiber am Jüngsten Tage nicht nur ein solches Beispiel, sondern tausende von Beispielen.
Tatsächlich ist unsere diesseitige Welt ein Haus der Weisheit, die jenseitige aber das Haus der Macht. Darum erfordern die vielen Namen (Gottes), wie Hakim(Allweiser), Murattib(Ordner, Setzer), Mudabbir(Ordner, Leiter), Murabbi(Versorger, Lehrer), dass sich die Dinge in dieser Welt stufenweise und mit der Zeit entfalten. So wurde dies ein Erfordernis der Weisheit des Herrn. Aber da nun einmal Macht und Barmherzigkeit im Jenseits stärker in Erscheinung treten als Weisheit, werden die Dinge auf einmal erbaut, ohne eine Materie, Zeitraum, Zeitpunkt oder Zeitablauf zu benötigen. Als Hinweis darauf, dass die Dinge, die hier einen Tag oder ein Jahr benötigen, im
Jenseits plötzlich, in einem Augenblick erbaut werden, ergeht im Qur'an, dessen Verkündigung ein Wunder ist, der Erlass (ferman):
وَ مَآ اَمْرُ السَّاعَةِ اِلاَّ كَلَمْحِ الْبَصَرِ اَوْ هُوَ اَقْرَبُ
{"Es ist aber die Angelegenheit der 'Stunde' nur ein Augenblick oder noch weniger." (Sure 16, 77)}
Wer mit der Sicherheit des kommenden Frühlings an die künftige Auferstehung glauben möchte, der siehe einmal im zehnten und im "Neunundzwanzigsten Wort" nach und lese es aufmerksam! Glaubst du dann immer noch nicht mit der Sicherheit des kommenden Frühlings, dann magst du mich tadeln, wenn du das Gegenteil beweisen kannst!
Vierte Problemstellung:
Der Untergang der Welt und der Anbruch des Jüngsten Tages: Würde einmal ein Planet oder ein Komet auf Befehl seines Herrn mit der Erdkugel, die unsere Herberge ist, zusammenstoßen, so könnte diese unsere Herberge zerstört werden. Ebenso könnte ein Schloss, das in zehn Jahren erbaut wurde, in einer einzigen Minute wieder zerstört werden.
Vierter Teil eines Briefes zum "Zehnten Wort" - ein wichtiger Anhang.
قَالَ مَنْ يُحْيِ الْعِظَامَ وَهِىَ رَمِيمٌ ٭ قُلْ يُحْيِيهَا الَّذِ اَنْشَاَهَآ اَوَّلَ مَرَّةٍ وَهُوَ بِكُلِّ خَلْقٍ عَلِيمٌ
{"Er sagte: Wer wird die Gebeine wieder beleben, nachdem sie bereits vermodert sind? Sprich: Wiederbeleben wird sie der, welcher sie das erste Maler baute; denn Er weiß um jegliche Schöpfung." (Sure 36, 78-79)}
Das bedeutet: Der Mensch sagt: "Wer wird die vermoderten Gebeine wiederbeleben?" Sage nun du: "Der, welcher sie am Anfang erbaut und ihnen Leben verliehen hat, der wird sie auch wiederbeleben."
Wie wir im dritten Gleichnis der Neunten Wahrheit im "Zehnten Wort" dargelegt haben, könnte jemand, nachdem eine Persönlichkeit an einem einzigen Tage vor den Augen ein ganz neues Heer aufgestellt hatte, sagen: "Diese Persönlichkeit kann ein Bataillon, dessen einzelne Soldaten sich in einer Pause zerstreut hatten, mit einem Posaunenstoß wieder versammeln und sie wieder zur Ordnung eines Bataillons zurückrufen." Sagtest du, oh Mensch, dann: "Ich kann das nicht glauben.", dann weißt du sehr wohl, wie wahnwitzig dein Leugnen ist. In ähnlicher Weise könnte man fragen, wie der Herr in Seiner Allmacht und Allwissenheit, Er, der aus dem Nichts alle Tiere und all die anderen Lebewesen gleich einem neu erstellten Heer, alle die Bestandteile und alle die Fähigkeiten des Körpers, Bataillonen gleich, in vollkommener Ordnung und ausgewogener Weisheit aushebt und ihnen mit Seinem Wort: كُنْ فَيَكُونُ {"Sei! Und es ist."} den Stellungsbefehl erteilt, und der so in jedem Menschenalter, {Qarn: etwa sechzig Jahre (A.d.Ü.)} ja, sogar in jedem Frühling über die Erde hin
hunderttausende Arten und Gruppen von Lebewesen gleich Heeren aufstellt, mit einem einzigen Posaunenstoß aus Israfils Sur alle die kleinen, aber notwendigen Zellen sowie alle die wesentlichen Organe, die ja mit dem Körper bereits Bekanntschaft geschlossen und in ihm wie unter der Ordnung eines Bataillons gedient hatten, wiederversammeln könne. Darf man überhaupt so fragen und das für unmöglich halten? Es wäre dies doch ein wahnwitziger Irrsinn.
Überdies geschieht es zuweilen, dass der Qur'an Staunen erregende Taten erwähnt, die Gott der Gerechte in dieser Welt vollbringt, um den Menschen auf Seine wunderbaren Taten im Jenseits vorzubereiten, damit dieser sie in seinem Herzen annehme und mit seinem Verstande bestätige. Oder es werden darin die Staunen erregenden Taten erwähnt, die Er in der Zukunft (d.h. beim Weltuntergang) und im Jenseits (d.h. beim Weltgericht) vollbringen wird, damit wir durch die Beobachtung vergleichbarer Ereignisse davon überzeugt werden.
Zum Beispiel:
اَوَلَمْ يَرَالاِنْسَانُ اَنَّا خَلَقْنَاهُ مِنْ نُطْفَةٍ فَاِذَا هُوَ خَصِيمٌ مُبِينٌ
{"Sieht der Mensch etwa nicht, dass Wir ihn aus einem Samentropfen erschaffen haben. Doch er ist uns ein offener Kritiker geworden." (16, 4)}
usw. bis zum Ende dieser Sure... So also beweist der Weise Qur'an in der Frage der Wiederversammlung die Auferstehung auf sieben, acht Arten, in verschiedener Form.
Zunächst stellt er uns unsere erste Entstehung (nesh'ei 'ula)vor Augen. Er sagt: von einem Samentropfen (nutfa)zu einem Blutstropfen (alaqa),von einem Blutklumpen zu einem Klumpen Fleisch (mudgha)könnt ihr die Erschaffung des Menschen bis zu seiner Vollendung beobachten... Wie also nun könnt ihr eure zweite Entstehung (nesh'e-i uhra)noch leugnen? Sie gleicht doch der ersten, und ist vielleicht sogar noch einfacher als diese. Zudem weist Gott der Gerechte auch auf die gewaltigen
Gnadengaben hin, die Er dem Menschen verliehen hat, indem Er sagt:
اَلَّذِى جَعَلَ لَكُمْ مِنَ الشَّجَرِ الاَخْضَرِ نَارًا
{"Er, welcher aus grünen Bäumen Feuer für euch gemacht hat." (36,83)}
Wird nun Er, der euch solche Gnadengaben verliehen hat, danach euch ganz und gar selbst überlassen, damit ihr euch am Ende ins Grab hinablegen und nicht wiederauferstehen solltet? Zudem sagt er (der Qur'an) indirekt auch: Ihr seht doch, wie tote Bäume von neuem wieder grün und lebendig werden. Könnt ihr nicht aus der Wiederbelebung knochentrockenen Holzes eure Schlussfolgerungen ziehen, und wollt dies für völlig unverständlich ansehen? Ja, sollte denn der, welcher Himmel und Erde erschaffen hat, über Leben und Tod des Menschen, der doch die Frucht der Himmel und Erden ist, keine Macht besitzen? Ja, sollte denn der, welcher diesen riesigen Baum gepflegt hat, der Frucht dieses Baumes keinen Wert mehr beimessen, und sie einem anderen überlassen? Ja, könntet ihr euch vielleicht vorstellen, dass der, welcher den Baum der Schöpfung geformt und mit all seinen Teilen in Weisheit gebildet hat, ihn nun nutz- und sinnlos werden ließe, und all dem, was er hervorbringt, keine Beachtung mehr schenkte? Und weiter heißt es im Qur'an: Der, welcher euch zu der Wiederversammlung auferwecken wird, ist jener Herr (Dhat),vor dem der gesamte Kosmos einem befehlsbereiten Soldaten gleicht. Vor Seinem Befehl: كُنْ فَيَكُونَ {"Sei und es ist."} beugt er sich in vollkommenem Gehorsam. Einen Frühling zu erschaffen, ist für Ihn ebenso leicht wie die Erschaffung einer Blume. Die gesamte Tierwelt ins Dasein zu rufen, ist für Ihn in Seiner Macht genau so leicht als handele es sich dabei bloß um eine Mücke. Man darf Ihn
nicht herausfordern und Seine Macht geringschätzend zu Ihm sagen:
مَنْ يُحْيِ الْعِظَامَ
{"Wer wird diese Gebeine wieder beleben?" (Sure 36, 78)}
Sodann wird mit der Ayah:
فَسُبْحَانَ الَّذِى بِيَدِهِ مَلَكُوتُ كُلِّ شَىْءٍ
{"Lob und Preis sei Ihm, in dessen Händen die Herrschaft (melekut) aller Dinge ruht." (Sure 36, 83)}
zum Ausdruck gebracht, dass der, welcher der Allmächtige ist in Seiner Majestät, die Zügel aller Dinge in Seinen Händen hält und die Schlüssel zu allen Dingen besitzt, und dass Er Tag und Nacht, Sommer und Winter so leicht umblättert wie die Seiten eines Buches. Diesseits und Jenseits gleichen zwei Wohnstätten, deren eine Er öffnet und deren andere Er schließt.
Da dies nun einmal so ist, so zeigt es sich als Schlussfolgerung aller Beweisführung: وَاِلَيْهِ تُرْجَعُونَ {"Und zu Ihm werdet ihr zurückkehren." (Sure 36, 83)} d.h. Er wird euch aus dem Grabe heraus wieder zum Leben zurück und zur Wiederversammlung führen. In Seiner Gegenwart und Größe wird Er euch eure Rechnung vorlegen.
Diese Ayat haben also den Verstand darauf vorbereitet, den Glauben an die Wiederversammlung zu bestätigen. Sie haben auch das Herz bereit gemacht. Denn sie haben auch am Beispiel irdischer Geschehnisse deren Abbilder aufgezeigt. Zudem geschieht es manchmal, dass er (der Qur'an) Seine künftigen Taten in der Weise erwähnt, dass deren irdische Entsprechungen dadurch in uns wachgerufen werden, sodass sie für unmöglich zu halten oder zu leugnen, kein Raum mehr bleibt.
Z.B: اِذَا الشَّمْسُ كُوِّرَتْ usw.; اِذَا السَّمَآءُ انْفَطَرَتْ usw.; اِذَا السَّمآءُ انْشَقَّتْ usw.
{"Wenn die Sonne zusammengefaltet wird,..." (Sure 81, 1) "Wenn der Himmel sich spaltet,..." (Sure 82, 1) "Wenn der Himmel zerreißt,..." (Sure 84, 1)}
In solchen Suren werden die gewaltigen Umwälzungen und all das, was Seine Herrschaft bei der Auferstehung und Wiederversammlung verfügt, in der Weise erwähnt, dass der Mensch diese Umwälzungen, die dem Herzen Furcht einflößen und den Verstand überwältigen, leicht anzunehmen vermag, weil er ihre Entsprechungen in der Welt, z.B. im Herbst und im Frühling sehen kann. Auch nur ein zusammenfassender Hinweis auf den Inhalt dieser drei Suren würde hier zu weit führen. Wir wollen deshalb hier nur eine einzige Ayah als Beispiel anführen.
Mit den Worten: اِذَا الصُّحُفُ نُشِرَتْ {"Wenn die Blätter ausgebreitet werden,..." (Sure 81, 10)} wird zum Ausdruck gebracht, dass bei der Wiederversammlung alle Taten jedes Menschen, wie auf einer einzigen Seite zusammengetragen, ausgebreitet werden. Dieses Problem für sich allein betrachtet erscheint uns recht eigenartig und dem Verstand unzugänglich. Aber so wie diese Sure darauf hinweist, findet die Ausbreitung der Blätter ganz offensichtlich ebenso ihre Entsprechung in der Wiederversammlung des Frühlings wie auch anderer vergleichbarer Geschehnisse. Denn jeder fruchttragende Baum und jede blühende Pflanze hat ihre Pflichten und Aufgaben, ihre Aktivitäten und Funktionen und ihre Prädikate. Je nach ihrer Form, in der sie die Namen Gottes zeigen, zelebrieren sie lobend und preisend den Dienst an ihrem Herrn. So ist die Funktion,
die Lebens- und Wachstumsgeschichte einer jeden Pflanze allen ihren Samenkernen und Körnern eingegeben, wenn diese in einem neuen Frühling und an einem anderen Ort wieder aus dem Boden hervorkommen werden. Mit der Form und Gestalt, in der sie sich uns zeigen, wird ganz klar ersichtlich, wie sie Ursprung und Herkunft ihrer Taten und Aufgaben gedenken und ihre Äste und Zweige, ihre Blätter und Blüten ausbreiten und ihre Früchte hervorbringen, und so auch die Blätter ihrer Taten und Aufgaben ausbreiten. In der Tat vollbringt der Gleiche voll Weisheit und als ein Verständiger (Hakim),voll Achtsamkeit und als ein Beschützer (Hafis),voll Umsicht und als ein Führer (Mudabbir),voll Fürsorge und als ein Lehrer (Murabbi),ja, voll Zärtlichkeit und als ein Vollender (Latif)alle diese Werke, der gesagt hat:
اِذَا الصُّحُفُ نُشِرَتْ
{"Wenn die Blätter ausgebreitet werden,..." (Sure 81, 10)}
Man möge nun ähnliche Qur'anstellen zum Vergleich heranziehen! Und Möglichkeiten ausdeuten! Um eine Hilfestellung zu geben, wollen wir noch hinzufügen, dass die Ayah: اِذَا الشَّمْسُ كُوِّرَتْ {"Wenn die Sonne zusammengefaltet wird." (Sure 81, 1)} mit dem Ausdruck Zusammenfalten, Umhüllung (tekvir)auf das folgende glänzende Beispiel hinweist, und auf dessen Entsprechung anspielt.
Erstens:
In der Tat hat Gott der Gerechte die Schleier des Nicht-Seins, des Äthers und des Himmels geöffnet, um die Sonne, einer diamantenen Lampe gleich, aus der Schatzkammer seiner Barmherzigkeit zur Erleuchtung der Welt hervorzuholen und der Welt zu zeigen. Nachdem diese Welt geschlossen worden ist, wird Er dieses Juwel wieder in seine Schleier einhüllen und zurückbringen.
Zweitens:
Man kann die Sonne auch als eine Art Beamten betrachten, der damit beauftragt ist, die guten Eigenschaften des Lichtes auszuteilen und dafür Sorge zu tragen, dass es sich hier auf Erden mit der Finsternis abwechselt. Zwar sammelt nun dieser Beamte jeden Abend sein Gut ein und verbirgt sich; es kann aber auch sein, dass sein Geschäft durch den Schleier einer Wolke vermindert wird oder es kann sein, dass der Mond zu einem Schleier vor seinem Antlitz wird und ihn in seinem Dienst zum Teil behindert. So wie er nun seine Güter und das Buch seiner Taten einsammelt, so wird er sicherlich auch einmal von seinen Pflichten entbunden werden. Und sollte es auch keinen Grund für seine Entlassung geben, so finden sich doch zwei Flecken in seinem Gesicht, die sich vergrößern, die zwar jetzt noch klein sind, doch wachsend sein Gesicht bedecken werden. Dann wird die Sonne auf den Befehl des Herrn das Licht, das sie jetzt um das Haupt der Erde geschlungen hat, mit göttlicher Erlaubnis um den eigenen Kopf winden. Und es wird zu ihr gesagt werden: "Auf! Fahre nun zur Hölle hinab und verbrenne dort diejenigen, die dich angebetet haben, und so mit ihrer Treulosigkeit eine gehorsame Dienerin wie dich verspottet haben!" So trägt sie mit ihrem schwarzbefleckten Gesicht den Erlass (ferman)vor:
اِذَا الشَّمْسُ كُوِّرَتْ
{"Wenn die Sonne zusammengefaltet wird." (Sure 81, 1)}
Fünfter Teil eines Briefes zum "Zehnten Wort" - ein wichtiger Anhang.
In der Tat haben alle die hundertvierundzwanzigtausend Propheten, welche nach allgemeiner Überlieferung (Nass-i Hadith)den edelsten Teil der Menschheit verkörpern, gemeinsam und übereinstimmend (tevatur)verkündet, und zwar gestützt teils auf ihre eigene Zeugenschaft (shuhud),teils auf die Gewissheit ihrer Wahrhaftigkeit (haqqa l-yaqin),dass über die Existenz eines Jenseits Einmütigkeit besteht und alle Menschen dorthin verbracht werden, so wie es der Schöpfer des Alls fest versprochen hat, sie in das Jenseits hinüberzuführen. In ähnlicher Weise bezeugen auch die hundertvierundzwanzig Millionen Heiligen (auliya),welche die Berichte (der Propheten) mit ihren Beobachtungen, Entdeckungen (keshif)und Zeugnissen (shuhud)als gesichertes Wissen ('ilme l-yaqin)bestätigen, dass es ein Jenseits gibt. Auch alle Namen des weisen Baumeisters des Alls, deren Manifestationen in dieser Welt sichtbar werden, erfordern ganz offensichtlich eine beständige Welt und bezeugen wiederum die Existenz des Jenseits. Jedes Jahr im Frühling empfangen alle diese unzählbar vielen, wie tot auf ihren Beinen stehenden Skelette der Bäume, auf dem ganzen Erdenrund von der grenzenlos Urewigen Macht (qudret-i edhel)auf den Befehl: كُن ْفَيَكُونَ {"Sei und es ist."} ein neues Leben, offenbaren بَعْثُ بَعْدَ الْمَوْتِ {"Auferstehung nach dem Tode."} werden die dreihunderttausend Pflanzenarten und Tiergattungen auferweckt und wiederversammelt, bilden hunderttausende Entsprechungen der Auferstehung und Wiederversammlung. So ist auch die ewige Weisheit (hikmet-i ebed)niemals kleinlich berechnend (hesabsiz)und dennoch niemals großzügig verschwendend (israfsiz).
So erfordert auch die Beständige Barmherzigkeit (rahmet-i baqiye)und das immerwährende Gnadengeschenk (inayet-i da'ima),das alles, was da lebt und der Nahrung bedarf, in vollkommener Liebe (kemal-i shefqat)auf wunderbare Weise ernährt und jeden Frühling in kurzer Zeit Arten von Schönheit und Wert ohne Zahl und Grenze hervorbringt, ganz offensichtlich die Existenz eines Jenseits. Schließlich gibt es da noch diese starke, unerschütterliche und immerwährende Liebe zur Beständigkeit, Begeisterung für die Ewigkeit und Hoffnung auf Unsterblichkeit im Menschen, der die vollkommenste Frucht der Schöpfung, das bevorzugte Kunstwerk des Meisters der Schöpfung ist, und mit allem, was da ist und lebt, in dieser Schöpfung am stärksten verbunden ist, die ganz offensichtlich ein Zeichen und Beweis dafür ist, dass wir nach dem Ende dieser vergänglichen Welt eine beständige Welt, eine jenseitige Wohnstatt und einen Ort der Glückseligkeit vorfinden werden. Und dieser Beweis trägt in sich eine so absolute Sicherheit, dass man die Existenz des Jenseits genau so klar und offen annehmen muss, wie die Existenz des Diesseits.
{(*): In der Tat ersieht man aus dem folgenden Beispiel, wie leicht es ist, eine Nachricht positiv aufzunehmen, und wie außerordentlich schwierig es ist, sie zu bestreiten oder zu widerlegen. Sagt also jemand: "Es gibt auf dieser Welt einen gar seltsamen und wunderbaren Garten, wo Milch in Dosen wächst.", und ein anderer wollte sagen: "So etwas gibt es nicht.", so könnte der erstere seine Behauptung ganz leicht dadurch beweisen, dass er uns diesen Garten zeigt oder einige Früchte aus ihm herbei bringt. Der andere aber, welcher das bestreitet und diese Behauptung widerlegen wollte, müsste zum Beweis dafür die ganze Welt vorführen und besichtigen. Wenn wir einmal davon absehen, dass diejenigen, die uns Nachricht bringen über das Paradies, uns hunderttausende von Absonderungen, Früchten und Spuren dessen gezeigt haben, so genügen in gleicher Weise bereits die Zeugnisse, die dies aufgrund zweier zuverlässiger Zeugen fest belegen. Wer dies aber abstreiten will, muss das ganze grenzenlose All und die ganze unbegrenzte Zeit betrachten und besichtigen, und - nachdem er alles durchsiebt hat - den Gegenbeweis antreten, und so diese Nicht-Existenz vor Augen führen. So, oh ihr meine alten Brüder (dieser Anhang entstammt einer Abhandlung für alte Leute), könnt ihr nun verstehen, wie stark der Glaube an das Jenseits ist...}
Da aber nun einmal der wichtigste Unterricht, den uns der Weise Qur'an erteilt, der Glaube an das Jenseits ist, ist dieser Glaube so stark, und liegen in diesem Glauben eine solche Hoffnung und eine solche Tröstung, dass die Tröstung, die aus diesem Glauben hervorgeht, dazu im Stande ist, dem Alter, das den Menschen befällt, hunderttausendfach Widerpart zu bieten. Wir alten Leute sollten
اَلْحَمْدُ لِلَّهِ عَلَى كَمَالِ اْلاِيمَانِ
{"Lobpreis und Dank sei Allah für die Vollkommenheit des Glaubens!"}
sagen und uns unseres Alters erfreuen.
Elftes Wort
بِسْمِ اللَّهِ الرَّحْمَنِ الرَّحِيمِ ٭ وَالشَّمْسِ وَضُحَيهَا ٭ وَالْقَمَرِ اِذَا تَلَيهَا ٭ وَالنَّهَارِ اِذَا جَلَّيهَا ٭ وَ الَّيْلِ اِذَا يَغْشَيهَا ٭ وَ نَفْسٍ وَمَا سَوَّيهَا ٭ وَ اْلاَرْضِ وَمَا طَحَيهَا ٭ وَ السَّمَآءِ وَمَا بَنَيهَا
{"Im Namen Allahs, des Erbarmers, des Barmherzigen.
Bei der Sonne und ihrem Strahlenglanz
und bei dem Mond, welcher ihr folgt,
und bei dem Tage, wenn er sie in ihrer Pracht zeigt,
und bei der Nacht, die sie bedeckt,
und bei dem Himmel und dem, welcher ihn baute,
und bei der Erde und dem, welcher sie ausbreitete,
bei der Seele und dem, welcher sie bildete
und ihr die Neigung zu Schlechtigkeit und Geradheit eingegeben hat,
wohl dem, der sie läutert;
Elend aber der, welcher sie unter Sünden begräbt!" (Sure 91, 1-10)}
Oh Bruder! Wenn du die verborgenen Geheimnisse und Mysterien der Erschaffung des Kosmos und des Menschen schauen, Sinn und Weisheit des Gebetes begreifen willst, betrachte gemeinsam mit meiner Seele die folgende gleichnishafte Erzählung:
Es war einmal ein König. Seine Reichtümer füllten viele Schatzkammern. In diesen Schatzkammern gab es alle Arten von Juwelen, Diamanten und Smaragden. Einzigartige Schätze gab es da, die noch verborgen waren. Und es waren da wundervolle Kunstwerke, die Seine vielfältige Meisterschaft und Vollkommenheit offenbarten. Und auch Seine Kenntnisse umfassten alle die Staunen erregenden Wissenschaften. Darüber hinaus schloss Sein Wissen auch noch unzählige schöne Künste mit ein. Es entspricht dem Geheimnis eines jeden Herrn in
Schönheit und Vollkommenheit, dass er die Schönheit in seiner Vollkommenheit und die Vollkommenheit in seiner Schönheit betrachten möchte und möchte, dass sie von anderen betrachtet werde. Deshalb wollte auch dieser ruhmreiche König eine Messe eröffnen, um den Menschen den Glanz Seines Reiches, Seine kostbaren Schätze, die Wunderwerke Seiner Kunst und die bewunderungswürdigen Resultate Seiner Wissenschaften an den Ständen dort vor Augen zu führen. So wollte Er von Seiner zuvor noch unsichtbaren Schönheit und Vollkommenheit auf zweierlei Weise Zeugnis geben:
In erster Hinsicht, damit Er sie in eigener Person und mit den Augen des sachkundigen Fachmannes betrachte,
Zum zweiten, damit Er sie mit den Augen der anderen sehe.
Zu diesem Zweck begann Er damit ein riesengroßes, prachtvolles Schloss zu bauen. Auf meisterhafte Weise unterteilte Er es durch Höfe und Säle, schmückte diese mit den unterschiedlichsten Juwelen aus Seiner Schatzkammer, stattete es mit den schönsten, feinsten Arbeiten der Kunst und des Handwerks aus, ordnete und gestaltete alles bis ins Einzelne nach Kenntnis der besonderen Gegebenheiten und Zusammenhänge. Nachdem Er das ganze Schloss mit wunderbaren und staunenswerten Werken der schönen Künste ausgestaltet und vollendet hatte, ließ Er darin Tische mit den verschiedensten, wohlschmeckenden Speisen aufstellen und verteilte so Seine Gnadengaben. In jeder Abteilung hatte Er für die einzelnen Gruppen einen besonderen Tisch vorbereitet. Ja, Er hatte ein öffentliches Fest mit einer derartigen Freigiebigkeit und einem solchen künstlerischen Einfallsreichtum vorbereitet und auf den Tischen viele kostbare Geschenke verteilt, als ob mit jedem von ihnen hundert erlesene Kunstwerke Gestalt angenommen hätten. Dann lud Er von allen Enden Seines Reiches die Bewohner und Untertanen zu einer Besichtigung, einem Ausflug, einem Gastmahl ein. Dann erklärte Er Seinem ehrwürdigen Botschafter den Sinn des Palastes und die Bedeutung seiner
Einrichtung und ernannte ihn zu Seinem Lehrer und Sprecher darin. Er sollte den Leuten anhand der Einrichtung des Schlosses den Erbauer des Schlosses nahe bringen, die Dekorationen des Schlosses erklären und seine Allegorien auslegen, sie dessen Piktographie lehren und was die Harmonie seiner Ornamente und die Ausgewogenheit seiner Verzierungen ist, in welcher Weise sie auf die Vollkommenheit und Meisterschaft des Schlossherrn hindeuten, und die Besucher des Schlosses solcher Art unterweisen und sie über die Besucherordnung und das Zeremoniell der Besichtigung informieren, sowie ihnen entsprechend dem Wohlgefallen des Königs, der ihnen verborgen blieb, den Ablauf der Audienz schildern.
Und siehe: Es findet sich da für den Lehrer und Meister in jedem Teil des Schlosses ein Stellvertreter und Gehilfe. Er selbst aber nimmt den höchsten Platz innerhalb seiner Schüler ein und unterrichtet alle Besucher folgendermaßen:
"Oh ihr Leute! Der König dieses Schlosses, welcher unser Herr ist, will sich euch dadurch bekannt machen, dass Er euch diese Dinge hier zeigt und dieses Schloss aufbaute. Auch ihr sollt euch darum bemühen, Ihn kennen zu lernen und Ihn richtig zu verstehen. Zudem möchte Er sich euch mit dieser Einrichtung hier liebenswert machen. Und auch ihr werdet dadurch, dass ihr Seine Kunstwerke hochschätzt und Seine Taten rühmt, verdienen, dass Er euch liebt. Und weiter hat Er euch schon durch diese Gnadengeschenke hier vor euren Augen Seine Zuneigung bewiesen. Dementsprechend sollt auch ihr Ihm durch euren Gehorsam eure Zuneigung erweisen. Und weiter hat Er euch durch diese vielen Gaben und Seine Gastfreundschaft Seine Liebe und Sein Erbarmen bewiesen. Dementsprechend sollt auch ihr Ihm durch eure Dankbarkeit eure Ehrerbietung erweisen. Und weiter möchte Er durch die Werke Seiner Vollkommenheit auf die Schönheit Seiner Namen hinweisen. Dementsprechend sollt auch ihr mit Sehnsucht danach verlangen, Ihn zu sehen und Sein Wohlwollen zu erwerben. Und weiter
möchte Er euch dadurch, dass Er allen diesen Kunstwerken und Ornamenten, die ihr hier vor euch seht, welchen Er jeweils mit Seinem eigenen Stempel und Seinem persönlichen Siegel eine unfälschbare Prägung verliehen hat, zeigen, dass alles Ihm zu eigen ist und dass dies alles das Werk Seiner Hand ist, und dass Er allein der Herr ist, der Alleinige, der Einzige. Dementsprechend sollt auch ihr Ihn als den Einen, den Einzigen und Alleinigen erkennen und anerkennen - Ihn, der nicht Seinesgleichen kennt." Solche Worte sprach er und auch noch andere, wie sie ihm und seinem Amt angemessen waren. Daraufhin teilten sich die Ankommenden in zwei Gruppen auf.
Erste Gruppe:
Diese Leute, weil sie sich selber kannten, Verstand im Kopf und das Herz auf dem rechten Fleck hatten, betrachteten die staunenswerten Werke in diesem Schlosse und sagten: "In ihnen muss etwas Großes verborgen sein." Und weiter verstanden sie, dass sie nicht ohne Zweck sind, dass sie nicht einfach ein Spielzeug sind. Darum erwachte ihr Interesse. "Was mag das hier wohl bedeuten, was verbirgt sich dahinter?" sagten sie. Während sie darüber nachdachten, hatten sie plötzlich die Rede des Lehrers und Meisters gehört und verstanden: Bei ihm liegen die Schlüssel zu allen Geheimnissen. Da gingen sie, wandten sich an ihn und sagten: "Friede sei mit dir, Meister! Ein solch prächtiges Schloss braucht wahrlich einen solchen aufrichtigen und klarsichtigen Verkünder wie dich. Ja, was unser Herr dir offenbart hat, sollst du uns lehren und erklären." Da erklärte der Botschafter ihnen die Ansprache, die er gehalten hatte. Sie hörten aufmerksam zu, nahmen auch alles an und zogen viele gute Lehren daraus.
So taten sie, was dem König wohlgefiel. Weil aber der König mit ihrem vorbildlichen Verhalten zufrieden war, lud Er sie noch in ein anderes, noch größeres, unbeschreiblich schönes Schloss ein und hieß sie darin willkommen. Dazu erwies Er ihnen alle Ehren, so wie es der Großmut eines solchen Königs geziemt und wie es solch gehorsamen Leuten entspricht und wie es sich für solche Gäste
gebührt und wie es der Größe eines solchen Schlosses entspricht... Und Er schenkte ihnen ewige Glückseligkeit.
Was aber die zweite Gruppe betrifft,
so waren sie in ihrer Gesinnung verdorben und hatten ihr Mitgefühl verloren. In den Fesseln ihrer Begierden hatten sie, als sie in das Schloss eintraten, für nichts anderes mehr Interesse als für die köstlichen Speisen.
Sie hatten vor all der Schönheit die Augen geschlossen und vor den Weisungen des Lehrers und den Ermahnungen seiner Schüler die Ohren verstopft. Sie schlugen sich den Bauch voll wie die Tiere und fielen in Schlaf. Sie tranken von dem Rauschtrank, der dort nicht zum Trinken, sondern für andere Zwecke bereit stand. Betrunken schrieen sie gewaltig und brachten alles durcheinander. Die Gäste und Besucher versetzten sie in große Unruhe und begingen Unverschämtheiten entgegen den Anweisungen des Schlossherrn. Da nahmen sie die Soldaten des Schlossherrn und warfen sie ins Gefängnis, wie es derart Sittenlosen gebührt.
Oh Freund, der du mit mir zusammen diese Geschichte gehört hast! Sicherlich hast du verstanden, dass dieser ruhmreiche König dieses Schloss mit der obenerwähnten Absicht erbaut hat. Die Durchführung seines Planes aber ist von zwei Dingen abhängig:
Erstens:
Es muss diesen Botschafter, den wir hier vor uns sehen und dessen Rede wir gehört haben, geben. Denn gäbe es ihn nicht, würden alle seine Pläne zunichte. Denn ein Buch, das man nicht versteht, bleibt - ohne Lehrer - nur Papier ohne Sinn.
Zweitens:
Die Menschen müssen die Worte des Botschafters annehmen und ihm gehorchen. Das heißt, das Kommen des Botschafters machte die Erbauung des Schlosses notwendig und die Menschen, welche ihm zuhören, sind die Bedingung für die Erhaltung des Schlosses. Wenn das aber so ist, kann man sagen: Gäbe es den Botschafter nicht, hätte dieser ruhmreiche König dieses Schloss nicht erbaut. Und weiter kann man sagen:
Wenn die Anweisungen des Botschafters von den Leuten nicht mehr befolgt werden, wird dieses Schloss sicherlich umgebaut und umgewandelt werden.
Oh mein Freund! Diese Geschichte ist hier zu Ende. Nachdem du gehört hast, worauf dieses Gleichnis hinweisen möchte, komm nun und betrachte die Ausdeutung seiner Bilder.
Da ist nun also das Schloss, diese Welt hier, dessen Dach der Himmel bildet, von dem die Sterne hernieder strahlen und ihn mit ihrem Lächeln erleuchten. Sein Grund und Boden aber ist das Antlitz der Erde, im Osten wie im Westen über und über mit Blumen geschmückt.
Der König aber ist der Herr der Heiligkeit, der Sultan von Ewigkeit zu Ewigkeit, den die Sieben Himmel und die Erde und alles, was zwischen ihnen ist, jede in der ihnen eigenen Sprache lobpreisen. Und weiter ist Er der allmächtige König, der die Himmel und die Erde in sechs Tagen erschaffen hat. Vom Throne Seiner Herrschaft lässt Er den Tag und die Nacht gleich einem schwarzen und einem weißen Faden einander folgen, schreibt Seine Wunder und Zeichen auf die Seiten des Alls und Er ist der Herr, der sich in Seiner Allmacht und Majestät die Sonne, den Mond und die Sterne dienstbar gemacht hat. Die Säle des Schlosses aber sind die achtzehn tausend Welten, die Er jede für sich auf ihre Art geschmückt und gestaltet hat.
Die einzigartigen Kunstwerke aber, die wir in dem Schloss gesehen haben, sind die Wunderwerke der Allmacht des Allwissenden, so wie wir sie in dieser Welt sehen können, und das Gastmahl, das uns in dem Schloss erwartet hat, ist ein Zeichen für die wunderbaren Früchte der göttlichen Allmacht, wie wir sie in dieser Welt besonders zur Sommerzeit und besonders in den Gärten von Barla vorfinden.
Die Schlossküche aber und der Herd darin, das ist unsere Erde und das Feuer in ihrem Inneren. Die verborgenen Reichtümer und Juwelen aber, die wir in unserem Gleichnis
gesehen haben, sind ein Beispiel in Übereinstimmung mit den Manifestationen der Heiligen Namen Gottes.
Die Ornamente und Allegorien, die wir gesehen haben, aber sind die Kunstwerke, mit denen unsere Welt wohlausgewogen geschmückt ist und das harmonische Design aus der Feder der Allmacht, das auf die Namen des Allmächtigen in Seiner Glorie hinweist.
Der Botschafter ist aber unser Herr Mohammed, mit dem Friede und Segen sei. Was aber seine Helfer betrifft, so sind es die Propheten, mit denen der Friede sei, und ihre Schüler die Heiligen und die Gelehrten.
Des Weiteren sind die Diener des Herrschers in dieser Welt ein Beispiel für die Engel, mit denen der Friede sei. Die Besucher und die geladenen Gäste aber in unserem Gleichnis sind ein Beispiel für die Dschinnen und die Menschen und die Tiere, welche im Gasthaus dieser Welt die Diener des Menschen sind.
Was aber die beiden Gruppen betrifft, so ist die eine die der Gläubigen, der Schüler des Weisen Qur'an, der die Wunderzeichen des Buches der Schöpfung kommentiert. Die andere Gruppe ist die der Ungläubigen und der Aufsässigen, die nur dieses irdische Leben kennen und ihren Begierden und dem Teufel folgen. Den Tieren gleich, ja vielleicht noch niederer als sie, sind sie, stumm und taub, die Gruppe derer, die in die Irre gehen.
Die erste Schar bilden die Frommen und diejenigen, die Gottes Wohlgefallen erlangt haben. Sie haben auf den Botschafter gehört, dessen Wirkungsbereich zweiseitig ist. Dieser Botschafter ist zugleich auch Diener und Verehrer Gottes. Als Sein Diener und Verehrer stellt er seinen Herrn vor, beschreibt und erklärt Ihn in Seinen Attributen, damit er seiner Gemeinde an der Schwelle Gottes des Gerechten zugleich auch dessen Anwalt sei. Andererseits ist er auch der Botschafter, der den Menschen und Dschinnen als ein Gesandter die Gesetze seines Herrn, den Qur'an verkündet.
Diese glückliche Gemeinde hat ihren Botschafter angehört.
Sie haben ihr Ohr der Verkündigung des Qur'an geöffnet. Sie haben verstanden, dass sie nun durch das Gebet, welches alle Arten der Anbetung umfasst, mit der vornehmsten Aufgabe innerhalb vieler hoher Verpflichtungen bekleidet worden sind. In der Tat haben sie die Aufgaben und Verpflichtungen, auf die das Gebet durch seine verschiedenen Worte und Handlungen hinweist, genau verstanden. Es sind die folgenden:
Erstens:
Sie haben Seine Werke gesehen und die Herrschaft des verborgenen Königs in Seinen Großtaten erschaut. Sie haben darin ihren Auftrag als Betrachter Seiner Schönheit verstanden und in ihrer Berufung "Allah-u Ekber" gesagt, um Seine Größe anzuerkennen und zu preisen.
Zweitens:
Sie haben die Schönheiten und den Glanz Seiner Werke gesehen, welche die Manifestationen der heiligen Namen Gottes sind, und ihren Auftrag als deren Verkündiger erkannt. Sie haben "Subhanallahi velhamdulillah" gesagt und so ihrer Berufung zur Heiligung und Danksagung entsprochen.
Drittens:
Sie haben die Gnadengaben Gottes, die in den Schatzkammern der göttlichen Barmherzigkeit gespeichert sind, mit allen inneren und äußeren Sinnen verkostet. So erkannten sie ihren Auftrag und folgten sogleich ihrer Berufung zu Danksagung und Lobpreisung.
Viertens:
Sie haben die Juwelen in den Schatzkammern der göttlichen Namen abzuwägen und ihren Auftrag verstanden. Sie folgten sogleich ihrer Berufung, Ihn in Seiner Reinheit und Heiligkeit zu rühmen.
Fünftens:
Sie haben die Urkunden ihres Herrn gelesen, welche Er auf den Zeilen Seiner Vorausplanung mit der Feder Seiner unendlichen Macht geschrieben hat. Aus diesem Auftrag erwuchs ihnen ihre Berufung, darüber nachzusinnen und dem Herrn ihre Bewunderung entgegenzubringen.
Sechstens:
Sie haben in der Erschaffung der Dinge beobachtet, wie diese so fein und schön gefertigt und wie
künstlerisch sie gestaltet worden sind. Mit diesem Auftrag, den Namen Gottes zu heiligen, haben sie ihre Berufung auf sich genommen, den Schöpfer in Seiner Majestät und Meister in Seiner Vollkommenheit zu lieben und in Sehnsucht nach Ihm zu verlangen.
Mit anderen Worten: Sie haben die Schöpfung mit all ihren Kunstwerken betrachtet; und nachdem sie die obenerwähnten Aufgaben als Diener und Anbeter des Verborgenen erfüllt hatten und ihrer obigen Berufung gefolgt waren, stiegen sie zu einer Stufe auf, von wo sie auch die Handlungen und Taten des Allweisen Baumeisters beobachten konnten. Sie sagten ihrerseits voll Staunen und in der Erkenntnis des Glorreichen Schöpfers, der sich seinen bewusstseinstragenden Wesen Seinerseits in den Wunderwerken Seiner Kunst zu erkennen gegeben hatte, indem sie Ihn in Seiner Gegenwart zunächst folgendermaßen ansprachen:
سُبْحَانَكَ مَا عَرَفْنَاكَ حَقَّ مَعْرِفَتِكَ
{"Gepriesen seist Du! Nicht konnten wir Dich erkennen, wie Du mit Recht erkannt werden solltest!"}
"Das, was Dich erkennen lässt, sind die Wunderwerke all überall in Deiner Schöpfung". Danach haben sie Ihm, der sie mit den schönsten Früchten Seiner Barmherzigkeit dazu geführt hatte, Ihn zu lieben, in aller Liebe und Verehrung entgegnet:
اِيّاكَ نَعْبُدُ وَاِيّاكَ نَسْتَعِينُ
{"Dich allein beten wir an und nur von Dir erbitten wir Hilfe".}
Danach haben sie ihrem wahrhaftigen Geber, der ihnen mit Seinen köstlichen Gaben Güte und Erbarmen erwiesen hatte, mit Dank und Lobpreis entgegnet und gesagt:
سُبْحَانَكَ وَبِحَمْدِكَ
{"Gepriesen seist Du und hochgelobt."}
"Wie können wir Dir würdig und recht unseren Dank erweisen. Du bist es, der unseres Dankes in einer solchen Weise würdig ist, dass alle Deine Gnadengeschenke all überall in der Welt mit ihrem Dasein ganz offensichtlich ihren Dank und Lobpreis zum Ausdruck bringen. Des Weiteren machen alle Deine Gnadengaben, so wie sie auf dem Markt dieser Welt aufgereiht und über das Antlitz der Erde verbreitet sind weithin ihren Dank und Lobpreis bekannt. Zudem bezeugen alle die aufs Beste dargestellten Früchte Deiner Barmherzigkeit und Deine aufs Schönste angeordneten Gnadenwerke Deine Freigiebigkeit und Gastfreundschaft und statten so vor den Augen Deiner Schöpfung ihren Dank ab."
Danach haben sie Ihm, der Seine Schönheit, Majestät, Vollkommenheit und Größe im Spiegel der über das Antlitz der Erde wandernden Existenzen aufscheinen lässt, اَللَّهُ اَكْبَرُ {"Gott ist groß!"} entgegnet, sich in ihrer Schwäche voll Hochachtung verneigt und sich in Liebe und Verehrung vor Ihm niedergeworfen. Danach haben sie Ihm, der in Seinem vollkommenen Reichtum die Fülle Seines Vermögens und die Weite Seiner Barmherzigkeit geoffenbart hat, وَاِيَّاكَ نَسْتَعِينُ {"Und nur von Dir erbitten wir Hilfe."} entgegnet, ihre Armut und Bedürftigkeit vor Ihm offengelegt und so ihre Wünsche und Gebete dargebracht.
Danach haben sie Ihm, dem glorreichen Schöpfer, der Seine köstlichen, wunderbaren, fein und schön gefertigten Kunstwerke an den öffentlichen Ständen Seiner Ausstellung ausgebreitet hat, mit den Worten
مَاشَاءَ اللَّهُ {"Es ist so, wie es Allah wollte!"} entgegnet. So würdigten sie Ihn und Seine Werke und sagten voll Bewunderung: "Wie schön sind sie gemacht!".
Sie betrachteten sie und wurden zu Zeugen und sagten: بَارَكَ اللَّهُ {"Du hast sie gesegnet, Oh Gott und gesegnet seist Du!"} und legten Zeugnis ab mit den Worten: آمَنَّا {"Wir glauben!".}
"Kommt und seht!" sagten sie und riefen alle voller Freude zur Zeugenschaft auf:
حَىَّ عَلَى الْفَلاَحْ
{"Kommt zu eurem Heil!"}
Zudem haben sie Ihm, dem König von Ewigkeit zu Ewigkeit, der die Herrschaft Seines Königreiches überall im ganzen Kosmos bekannt gemacht und Seine Einheit geoffenbart hat, Gehorsam und Ergebung entgegen gebracht, Ihn in Seiner Einheit bestätigt. Sie sagen:
سَمِعْنَا وَ اَطَعْنَا
{"Wir hören und gehorchen!" (Sure 2, 285)}
Danach haben sie Ihm, dem Herrn der Welten, der Seine Göttlichkeit aufscheinen lässt, mit ihrer Anbetung, die darin besteht, dass sie ihre Hilflosigkeit in ihrer Schwäche und ihre Armseligkeit in ihrer Bedürftigkeit zum Ausdruck bringen, und mit dem Ihm schuldigen Gebet, das eine Zusammenfassung des Dienstes und der Anbetung ist, entgegnet. Auch haben sie in dieser großen Moschee, als die wir unsere irdische Behausung bezeichnen, noch dergleichen andere Aufgaben der Anbetung verrichtet,
die sie ganz und gar erfassen und welche die Verpflichtung ihres Lebens und Aufgabe ihres Daseins darstellen und so jene Gestalt erlangt, die in der Schöpfung den höchsten Rang und Wert einnimmt. Sie sind zu einer Stufe über allen Geschöpfen aufgestiegen, wodurch sie das Amt eines vertrauten Kalifen der Erde erlangten, ausgerüstet mit Glaubensstärke, Vertrauen und Sicherheit. Nach diesem Ort der Bewährung, diesem Prüfstand hat ihnen ihr freigiebiger Herr den Sold der ewigen Glückseligkeit für ihren Glauben verliehen und sie als Lohn für ihre Ergebenheit in das Haus des Friedens eingeladen. Dort hat Er sie dann in Seiner Barmherzigkeit so reichlich beschenkt, wie es noch kein Auge gesehen und wovon noch kein Ohr gehört hat und was noch in keines Menschenherz gedrungen ist. Er hat ihnen Ewigkeit und Unsterblichkeit gegeben. Denn der Betrachter einer ewigen und unsterblichen Schönheit, nach der er sich sehnt und in der er sich spiegelt, wird mit Sicherheit ewig bestehen bleiben und in die Unsterblichkeit eingehen. Das also ist der erwartete Anteil der Jünger des Qur'an. Gott der Gerechte möge uns ihnen zuzählen. Amen!...
Aber, was die andere Gruppe betrifft, die das Böse tut und öffentlich Sünde begeht, so hat sie, als sie mit ihrem Heranreifen in dieses Weltschloss eintrat, allen Beweismitteln für die Allgegenwart des Einen Unglaube entgegengebracht und allen Gnadengeschenken Gottes Undankbarkeit entgegengebracht und indem sie alles Sein verleumderisch als wertlos betrachtet, hat sie es geringgeschätzt und allen Manifestationen der Gottesnamen Zurückweisung entgegengebracht und Gott verleugnet. So hat sie in einer kurzen Zeit ein unendliches Verbrechen begangen und eine unendliche Strafe verdient. Dementgegen aber wurden dem Menschen das Lebenskapital, die menschlichen Organe und Funktionen für die oben beschriebenen sechs Aufgaben übertragen.
Oh meine verblendete Seele und mein leidenschaftlicher Freund! Glaubt ihr etwa, dass die Aufgabe eures Lebens darin bestünde, dem Beispiel der heutigen sogenannten
Zivilisation folgend, nur der Deckung des eigenen Bedarfs zu leben und - mit Verlaub zu sagen - nur darauf beschränkt ist, dem Bauch und der Begierde zu dienen. Oder glaubt ihr, dass diese Sinne und Empfindungen, welche die Triebkraft eures Lebens sind, dem Antrieb einer Maschine vergleichbar, und diese empfindlichen Organe und Werkzeuge, diese so harmonisch aufeinander abgestimmten Anlagen und Fähigkeiten, sowie die Fähigkeit zu kritischem Denken und Betrachten einzig dem Zweck dienen, sie in diesem vergänglichen Leben für die Befriedigung primitiver Begierden und niederer Gelüste zu verwenden? Nein, Gott bewahre! Vielmehr gibt es zwei Gründe dafür, dass all diese Dinge für euer Dasein erschaffen wurden und wesensgemäß in euch angelegt worden sind und ihr Zweck ist der folgende:
Zum Ersten: Gott, der wahre Geber möchte, dass alle Arten Seiner guten Gaben in Dankbarkeit wahrgenommen werden. Auch ihr sollt euch dieser bewusst werden und Ihm dafür dankbar sein, Ihn anbeten und Ihm dienen.
Zum Zweiten möchte Er euch auch alle Erscheinungen der heiligen Namen Gottes, von denen ein Großteil in der Welt erschienen ist, mit Hilfe der oben angeführten Qualitäten nach und nach verstehen lassen und euch zu erfahren, ja gleichsam zu kosten geben. Auch ihr sollt in diesem Kosten und Erfahren Ihn erkennen und zum Glauben an Ihn gelangen.
Demgemäß kann sich die menschliche Vollkommenheit aus diesen beiden Wurzeln heraus entfalten und so wird der Mensch zum Menschen.
Seine Qualitäten wurden ihm nicht gegeben, ein Leben zu gewinnen, das dem gleicht, wie ein Tier sein Leben lebt. Betrachten wir diese tiefe Weisheit in folgendem Gleichnis:
Es habe zum Beispiel ein Herr seinem Diener zwanzig Goldstücke gegeben, damit er sich von einem bestimmten Stoffe einen Anzug kaufen solle. Dieser Diener ging und kaufte einen wunderbaren Anzug vom besten Stoff
und bekleidete sich damit.
Nun sehen wir im nächsten Bild: Es habe dieser Herr einem anderen Diener tausend Goldstücke gegeben, ihm auf einem Stück Papier einige Dinge aufgeschrieben, ihm in seine Tasche gesteckt und ihn damit zu einem Handel gesandt. Nun wird jeder, der Verstand im Kopf hat, wissen, dass dieses Kapital nicht dazu da ist, einen Anzug zu kaufen. Denn der erste Diener hatte mit den zwanzig Goldstücken einen Anzug von bestem Stoff gekauft. So sollten diese tausend Goldstücke sicherlich nicht für einen Anzug ausgegeben werden. Wenn aber nun dieser zweite Diener den Zettel in seiner Tasche nicht lesen würde, sondern dem ersten Diener folgend das ganze Geld einem Kaufmann für einen Anzug gäbe, dafür aber den schäbigsten Anzug erhielte, der noch dazu fünfzigmal schlechter wäre als der Anzug seines Kollegen, so würde dieser Diener sicherlich für die grenzenlose Dummheit, die er begangen hätte, mit aller Strenge zur Rechenschaft gezogen und schwer bestraft werden.
Oh meine Seele und du mein Freund! Sammelt euren Verstand! Verausgabt nicht euer Lebenskapital und die Talente eures Lebens wie ein Tier, ja in einem Grade, der noch weit unter dem eines Tieres liegt, nur für dieses vergängliche Leben und seine irdischen Genüsse. Anderenfalls werdet ihr, obwohl doch euer Leben von seiner Qualität her fünfzigmal über dem höchstentwickeltsten Tier steht, noch fünfzigmal tiefer als das niederste unter ihnen fallen.
Oh meine sorglose Seele! Wenn du auch nur in geringem Maße das Ziel deines Lebens erkennen, sein Wesen erfassen, seine Gestalt begreifen, seine tiefe Wahrheit erschauen, seine vollkommene Glückseligkeit erfahren möchtest, so siehe: Alle Ziele deines Lebens liegen in den folgenden neun Anweisungen beschlossen.
Erstens:
Mit der Waage der in deinem Körper angelegten Sinne die Gnadengaben, die in den Schatzkammern der Barmherzigkeit Gottes aufbewahrt sind, zu wägen und für sie alle deine Dankbarkeit zu erweisen.
Zweitens:
Mit den Schlüsseln der in dir wesensgemäß angelegten Qualitäten die verborgenen Schatzkammern der heiligen Namen Gottes zu öffnen und den Herrn der Heiligkeit durch diese Namen zu erkennen.
Drittens:
Die einzigartigen Kunstwerke und feinsinnigen Manifestationen der Namen Gottes in den Ausstellungen dieser Welt vor den Augen der Geschöpfe bewusst in deinem Leben darzulegen und vorzustellen.
Viertens:
An der Schwelle zur Herrschaft deines Schöpfers deinen Dienst und deine Anbetung mit Wort und Tat und in deiner ganzen Haltung zum Ausdruck zu bringen.
Fünftens:
Wie ein Soldat die verschiedenen Orden, die ihm sein König verliehen hat, an offiziellen Tagen anlegt und so die Auszeichnungen seiner Huld dadurch zeigt, dass er mit ihnen vor den Augen seiner Majestät erscheint, sollst auch du dich bewusst mit deinen menschlichen Qualitäten, die die Manifestationen der Gottesnamen dir verliehen haben, schmücken und so vor den Augen des Ewigen Zeugen erscheinen, vor Ihm, der alles bezeugt und sie alle zu Zeugen aufruft.
Sechstens:
Alles, was Leben in sich enthält, bringt seinem Schöpfer seine Früchte, die eine Erscheinungsform des Lebens sind, als lebendige Geschenke dar, lobpreist in diesen Zeichen des Lebens seinen Meister in der Erscheinung seines Lebens, möchte mit diesen Produkten und Resultaten dem Spender des Lebens dienen und Ihn anbeten. Dies alles sollst du im Bewusstsein betrachten, im Schauen darüber nachdenken und im Vorstellen bezeugen.
Siebtens:
Dein eigenes Wissen, deine Fähigkeiten, deinen Willen und dergleichen kleine Abbildungen der Attribute und Eigenschaften Gottes, die dir für dein Leben gegeben worden sind, als Maßeinheit anzunehmen, und die absoluten Eigenschaften und Heiligen Attribute des Glorreichen Schöpfers mit Hilfe dieser Maßstäbe zu erkennen. Wenn du zum Beispiel mit deiner eigenen Kraft und deinem eigenen Wissen und mit deinem eigenen
Willen dieses Haus wohlgeordnet gebaut hast, sollst du in dem Vergleich zwischen dem Weltenschloss zu deinem eigenen Häuschen den Baumeister dieser Welt anhand dieses Verhältnisses als den Allmächtigen, Allweisen, Allwissenden, Lenker und Leiter erkennen.
Achtens:
Ihrem jeweils eigenen Ausdruck entsprechend die Bedeutung der Worte der Existenzen in dieser Welt über die Allgegenwart eines einzigen Schöpfers und Seine Königsherrschaft zu verstehen.
Neuntens:
Mit deiner Hilflosigkeit und Schwäche, deiner Armseligkeit und Bedürftigkeit als Maßstab die verschiedenen Abstufungen in den Manifestationen der göttlichen Macht und des Reichtums deines Herrn zu begreifen. Wie man zum Beispiel je nach der Stärke des Hungers und je nach der Verschiedenheit der Bedürfnisse den Geschmack des Essens in seinen verschiedenen Arten und Abstufungen zu unterscheiden versteht, genauso sollst auch du in deiner grenzenlosen Schwäche und Armseligkeit, die grenzenlose Macht und den Reichtum Gottes in seinen verschiedenen Abstufungen erkennen und verstehen.
Dieses also und noch andere ähnliche Anweisungen sind kurz gefasst die Ziele deines Lebens.
Betrachte nun das Wesen deines eigenen Lebens, dessen einzelne Blickpunkte sich folgendermaßen aufzählen lassen:
Es ist eine Liste einzigartiger Werke, hervorgebracht durch die Manifestationen Gottes... und weiter ist es die Elle, an der die Attribute und Taten Gottes gemessen werden können... und weiter ist es eine Waage aller Welten... und weiter ist es ein Inhaltsverzeichnis dieser unserer Welt... und weiter ist es eine Landkarte des Kosmos... und weiter ist es ein Auszug aus dem Großen Buch... und weiter ist es ein Schlüsselbund, der alle verborgenen Schatzkammern der Macht öffnet... und weiter ist es eine vollkommene Symphonie, deren Harmonien über die ganze Schöpfung verteilt und mit allen Zeiten
verknüpft ist. Dergleichen sind die Blickpunkte in dem Wesen deines Lebens.
Es ist also nun der Gestaltung deines Lebens und der Art deiner Aufgabe entsprechend das Leben gleich einem Wort der Schrift. Es gleicht einem mit der Feder der Macht geschriebenen Wort der Weisheit. Sichtbar gemacht und hörbar geworden ist es ein Beweis für Gottes Schönste Namen. Auf diese Weise ist also die Gestaltung deines Lebens ein Auftrag und eine Entsprechung zu dem oben gesagten.
Es verhält sich nun aber mit dem Geheimnis deines Lebens so: Es gleicht einem Spiegel der Erscheinungen der Einheit und der Einzigartigkeit Gottes. Das heißt, es gleicht einem Spiegel des einen und einzigartigen Herrn in dessen Brennpunkt Seine Namen, wie sie sich in der ganzen Welt zeigen, vollständig in Erscheinung treten.
Was aber nun das vollkommene Glück in deinem Leben betrifft, so besteht es darin, die ganze Lichtfülle der Urewigen Sonne mit dem Spiegel deines Lebens einzufangen, in dich aufzunehmen und zu lieben, in diesem Bewusstsein deine Sehnsucht nach Ihm zum Ausdruck zu bringen, dich in dieser Liebe zu Ihm zu verlieren und dem Widerschein dieses Lichtes in der Tiefe deines Herzens eine Heimstatt zu bereiten. In diesem Sinne führt dich ein Ehrwürdiges außerqur'anisches Wort Gottes zu höchsten Höhen.
Es lautet (persisch) kurz
مَنْ نَه كُنْجَمْ دَرْ سَموَات ُو زَمِين اَزْ عَجَبْ كُنْجَمْ بَقَلْبِ مُؤْمِنِين
{"Ich habe für mich weder in den Himmeln noch auf der Erde einen Platz gefunden; doch habe ich meinen Platz gefunden im Herzen meines Gläubigen."}
Oh meine Seele! Da also Dein Leben auf solche erhabene Ziele gerichtet ist und solche wertvollen Schätze in sich enthält, ist es dann etwa sinnvoll und einsichtig, wenn du es für vergängliche, egoistische Vergnügungen
und für vorübergehende irdische Genüsse ausgibst und es so verlierst? Wenn du es nicht verlieren möchtest, so überdenke die in dem vorigen Gleichnis aufgezeigten Wahrheiten und den Schwur zu Anfang der folgenden Sure, der das beschwörende Gegenstück dazu ist und handle danach.
وَالشَّمْسِ وَضُحَاهَا ٭ وَالْقَمَرِ إِذَا تَلَاهَا ٭ وَالنَّهَارِإِذَا جَلَّاهَا ٭ وَاللَّيْلِ إِذَا يَغْشَاهَا ٭ وَالسَّمَاءِ وَمَا بَنَاهَا ٭ وَالْأَرْضِ وَمَا طَحَاهَا ٭ وَنَفْسٍ وَمَا سَوَّاهَا ٭ فَأَلْهَمَهَا فُجُورَهَا وَتَقْوَاهَا ٭ قَدْ أَفْلَحَ مَن زَكَّاهَا ٭ وَقَدْ خَابَ مَن دَسَّاهَا
{"Bei der Sonne und ihrem Strahlenglanz
und bei dem Mond, welcher ihr folgt,
und bei dem Tage, wenn er sie in ihrer Pracht zeigt,
und bei der Nacht, die sie bedeckt,
und bei dem Himmel und dem, welcher ihn baute,
und bei der Erde und dem, welcher sie ausbreitete,
bei der Seele und dem, welcher sie bildete
und ihr die Neigung zu Schlechtigkeit und Geradheit eingegeben hat,
wohl dem, der sie läutert;
Elend aber der, welcher sie unter Sünden begräbt!" (Sure 91, 1-10)}
اَللّهُمَّ صَلِّ وَ سَلِّمْ عَلَى شَمْسِ سَمَآءِ الرِّسَالَةِ وَ قَمَرِ بُرْجِ النُّبُوَّةِ وَ عَلَى اَلِهِ وَ اَصْحَابِهِ نُجُومِ الْهِدَايَةِ وَ ارْحَمْنَا وَ ارْحَمِ الْمُؤْمِنِينَ وَ الْمُؤْمِنَاتِ اَمِينَ اَمِينَ اَمِينَ
{"Oh Gott gieße Deinen Frieden und Segen aus über der Sonne am Himmel Deiner Botschaften und dem Mond im Sternenkreis der Propheten und über seine Familie und seine Jünger, welche die Sterne der Rechtleitung sind. Erbarme Dich unser und erbarme Dich aller gläubigen Männer und Frauen. Amin! Amin! Amin!"}
Zwölftes Wort
بِسْمِ اللَّهِ الرَّحْمَنِ الرَّحِيمِ ٭ وَمَنْ يُؤْتَ اْلحِكْمَةَ فَقَدْ اُوتِىَ خَيْرًا كَثِيرًا
{"Im Namen Allahs, des Erbarmers, des Barmherzigen; Und wem da Weisheit gegeben wurde, dem wurde in der Tat ein Gut anvertraut und viel gegeben." (Sure 2, 269)}
Die folgende Abhandlung ist ein kurzer Vergleich zwischen der heiligen Weisheit des Weisen Qur'an und der Weisheit, die die Philosophie lehrt... Zudem ist sie eine sehr kurze Zusammenfassung der Unterweisung, welche die qur'anische Weisheit für die Bildung der Menschheit im persönlichen Leben und im gesellschaftlichen Leben gibt... Außerdem ist sie ein Hinweis darauf, in welcher Hinsicht der Qur'an vor jedem anderen Wort Gottes und allen Worten den Vorzug hat. Also enthält dieses "Zwölfte Wort" vier Grundsätze.
Erster Grundsatz:
Betrachte den Unterschied zwischen der Weisheit des Qur'an und der Weisheit der Wissenschaft durch das Fernglas dieses folgenden Gleichnisses:
Es war da einmal ein Ehrenwerter König, der war nicht nur tief religiös, sondern auch besonders künstlerisch veranlagt. Er wollte den Weisen Qur'an der Würde und Heiligkeit, die sich ihm im Wunder seines Wortes mitteilte, entsprechend kaligraphisch gestalten. Es sollte diese von Wundern erfüllte Erscheinung auch mit einem entsprechend wunderbaren Gewand bekleidet werden. So hat denn dieser König und Herr zugleich auch als ein Designer den Qur'an auf eine höchst bewundernswerte Weise geschrieben. Alle Seine kostbaren Juwelen hat Er in dieser Schrift verwendet. Um auf die verschiedenen
Erscheinungsformen der Wahrheit hinzuweisen, hat Er einige besonders kunstvolle Buchstaben mit Diamanten und Smaragden... und einen Teil von ihnen mit Perlen und Achaten... und einige Wörter mit Brillianten und Korallen... und manche Sätze in Gold und Silber geschrieben. Außerdem hat Er ihn in einer solchen Weise geschmückt und verziert, dass jeder, der ihn betrachtet, ob er nun lesen kann oder nicht, von Bewunderung und Begeisterung erfüllt wurde. Besonders aber hat dieses Werk in den Augen der Kenner der Wahrheit, schon durch die Schönheit seiner äußeren Gestaltung, welche durch den Glanz ihrer Schönheit und dessen erlesenen Schmuck, seine Bedeutung noch unterstreicht, seinen unvergleichlichen Wert und seine unvergängliche Schönheit erhalten.
Danach hat der König, diesen kunstreichen, mit Edelsteinen verzierten Qur'an, einem fremden Philosophen und einem muslimischen Gelehrten gezeigt, einerseits um sie zu prüfen, als auch andererseits um sie zu belohnen und ihnen befohlen: "Jeder von euch soll über dessen Weisheit ein Werk schreiben." So hat denn zuerst jener Philosoph und nach ihm der Gelehrte je ein Buch über ihn verfasst.
Aber das Buch des Philosophen enthält lediglich eine Beschreibung der einzelnen Buchstaben und handelt nur von ihren Verzierungen und ihren Verbindungen, ihrer Gestaltung und den Eigenschaften der Juwelen. Es berührt überhaupt nicht dessen Inhalt. Denn jener Fremde kann die arabische Schrift gar nicht lesen. Ja vielleicht weiß er noch nicht einmal, dass jener kunstvoll verzierte Qur'an ein Buch ist und eine Schrift, die einen Sinn wiedergibt. Vielleicht betrachtet er ihn mit den Augen eines Künstlers. Denn er kann ja kein Arabisch. Aber er ist ein sehr guter Ingenieur. Er kann gut beobachten und beschreiben. Er ist ein geschickter Chemiker. Er ist ein Goldschmied und ein Juwelier. So hat dieser Mann seine Arbeit entsprechend seinem Handwerk verfasst.
Es hat aber nun der islamische Gelehrte bei seiner Betrachtung sogleich verstanden: "Das ist die Deutliche
Schrift, der Weise Qur'an." So hat diese Gott wohlgefällige Persönlichkeit weder auf die äußere Verzierung Wert gelegt, noch sich mit der künstlerischen Gestaltung der einzelnen Buchstaben beschäftigt. Vielmehr hat er sich mit den Dingen beschäftigt, die millionenfach höher und wertvoller, verdienstlicher und umfassender sind, geistig weit höher stehend und ehrwürdiger als die Dinge, mit denen sein Kollege sich beschäftigt hatte. Denn er hat von seinen heiligen Wahrheiten und von den Lichtern seiner Geheimnisse, die durch seine Ornamente verschleiert worden sind, Kunde gegeben und so eine sehr schöne und ehrwürdige Auslegung verfasst.
Danach haben sie beide ihre Werke dem Ehrenwerten König überbracht und Ihm dargeboten. Der König hat zuerst das Werk des Philosophen zur Hand genommen, es betrachtet und festgestellt: Dieser selbstgefällige Naturanbeter ist sehr fleißig gewesen, doch über den wahren Sinn hat er nichts geschrieben. Von seiner Bedeutung hat er nichts verstanden. Er hat ihn vielmehr entstellt. Er hat sich ihm gegenüber unehrerbietig, ja sogar verächtlich verhalten. Denn er hat den Qur'an, der die Quelle aller Wahrheit ist, als ein Schmuckstück ohne Bedeutung angesehen und ihn, in seiner Bedeutung als wertlos unterschätzt. So hat ihm jener Weise Herrscher mit seinem Werk auf den Kopf geschlagen. Er hat ihn aus seiner Gegenwart verstoßen.
Dann hat er das Werk des anderen, gottgefälligen Gelehrten, der sorgfältig forschte, betrachtet und festgestellt, dass es ein sehr schöner, verdienstvoller Kommentar war und eine Auslegung voll Weisheit, die auf den rechten Weg führt. Da sagte er: "Ausgezeichnet, Barekallah, Gott segne dein Werk. Es ist dies die Weisheit, deren Urheber man nur als einen Weisen und Gelehrten bezeichnen kann." Was aber seinen Kollegen betrifft, so ist er ein Handwerksmeister, der seine Grenze überschritten hat. Darauf hat Er Befehl erlassen: "Man gebe zehn Goldstücke!" aus Seiner unerschöpflichen Schatzkammer dem Gelehrten für jeden Buchstaben als Belohnung für
dessen Werk.
Wenn du das Gleichnis verstanden hast, komm und betrachte die Ausdeutung des obigen Bildes:
Es ist aber nun der kunstvoll verzierte Qur'an unser kunstvoll erschaffenes Weltall. Der Herrscher aber ist der Herrscher der Ewigkeiten. Was aber die beiden Männer betrifft, so stellt der Erste, der Fremde, die Philosophen und die philosophische Wissenschaft dar. Der Andere repräsentiert den Qur'an und seine Schüler.
In der Tat ist der weise Qur'an der über alles erhabene Kommentator des gewaltigen kosmischen Qur'an und sein über alles beredsamer Interpret. Er ist in der Tat die Offenbarungsschrift: Er erteilt den Dschinnen und Menschen Unterricht über die wunderbaren Zeichen des Weltalls, die mit der Feder der Macht auf den Blättern der Zeiten aufgezeichnet sind. Dabei betrachtet er jedes einzelne Geschöpf in seiner buchstäblichen Bedeutung unter dem Aspekt eines sinntragenden Buchstabens, das heißt; um seinen Meister zu erkennen. Er sagt: "Wie schön ist es erschaffen worden. Wie wunderbar bezeugt es die Schönheit seines Meisters." Er zeigt dadurch die wahre Schönheit des Kosmos auf.
Was aber die Philosophie betrifft, die als die Weisheitslehre bezeichnet wird, so hat sie sich nur in der Ausschmückung und den Kombinationen der Buchstaben der Schöpfung vertieft und berauscht, den Weg der Wahrheit verloren. Obwohl sie die Buchstaben dieses Großen Buches als sinntragende Buchstaben betrachten sollte, das heißt; um Allah zu erkennen, tut sie nicht dergleichen, sondern betrachtet sie als aus sich selbst heraus sinnvoll, das heißt; sie betrachtet die Schöpfung um der Schöpfung willen und behandelt sie in entsprechender Weise. Statt: "Wie schön ist sie erschaffen worden!" zu sagen, sagt sie: "Wie schön ist sie." und behandelt sie so in hässlicher Weise. Dadurch behandelt sie den Kosmos abschätzig und macht ihn so zu ihrem Ankläger. In der Tat ist die atheistische Philosophie eine sinnlose Spiegelfechterei und eine Herabwürdigung der Schöpfung...
Zweiter Grundsatz:
Ein Vergleich zwischen dem Weisen Qur'an, seiner Weisheit und seiner Sittenlehre für das persönliche Leben, und der Weisheit der Philosophen und ihren Lehren:
Ein aufrichtiger Schüler der Philosophie ist einem Pharao vergleichbar. Doch weil er um seines Vorteils willen auch den niedersten Dingen dient, ist er ein elender Pharao. Er erblickt in jedem gewinnbringenden Ding seinen Herrn. Zudem ist ein solcher glaubensloser Schüler eigensinnig und starrköpfig. Weil er um eines Vergnügens willen Erniedrigung in Kauf nimmt, ist er erbärmlich in seinem Eigensinn. Weil er um eines billigen Vorteils willen einem Teufel in Menschengestalt die Füße küsst und sich so entwürdigt, ist er ein schandbarer Starrkopf. Zudem ist ein solcher glaubensloser Schüler ein überheblicher Tyrann. Doch weil er in seinem Herzen nichts findet, worauf er sich stützen könnte, ist er im Eigentlichen ein ganz kleiner, armseliger, selbstgefälliger Tyrann. Zudem ist ein solcher Schüler eigensüchtig und nur um sich selbst besorgt: Das Ziel seiner Begeisterung ist die Befriedigung seiner Begierde, seines Bauches und seiner Wollust. Er ist ein abgefeimter Egoist, der unter verschiedenen völkischen Interessen seine persönlichen Interessen wahrzunehmen sucht.
Es ist aber nun der aufrichtige Schüler des Weisen Qur'an ein Diener und Anbeter (Gottes). Doch weil er sich auch nicht vor den ganz großen Dingen der Schöpfung dazu erniedrigt, sie anzubeten, auch nicht etwas so Gewaltiges wie das Paradies als Zweck seiner Anbetung annimmt, ist er ein ganz großer Diener und Anbeter (Gottes). Zudem ist ein solcher wahrhaftiger Schüler bescheiden, ruhig und tolerant. Doch erniedrigt er sich nicht ohne die Erlaubnis seines Schöpfers, bewusst etwas von einem anderen außer Ihm zu erbitten. Er ist zwar arm und schwach und weiß um seine Armut und Schwäche. Doch weil ihm durch seinen Freigiebigen Herrscher ein Vermögen im Jenseits aufgespart ist, ist er reich und weil er sich auf die grenzenlose Macht seines Herrn stützt, ist er
stark... Darüber hinaus bemüht er sich nur um Allahs willen, um das Wohlwollen Allahs zu gewinnen, ein vorzüglicher Diener zu sein.
So kann man die Bildung, welche die beiden Weisheitslehren vermitteln, anhand dieses Vergleichs der beiden Schüler verstehen.
Dritter Grundsatz:
Ein Vergleich zwischen der Bildung, die die Weisheit der Philosophie und die Weisheit des Qur'an für das gesellschaftliche Leben des Menschen vermittelt.
Es ist aber nun die Weisheit der Philosophie, grundsätzlich die Macht als den Eckpfeiler im gesellschaftlichen Leben anzunehmen. Als Ziel kennt sie den Gewinn. Als Lebensgrundsatz weiß sie den Kampf. Als Band der Gemeinschaft hält sie an Rassismus und Nationalismus fest. Was aber ihre Früchte betrifft, so sind es die Befriedigung der fleischlichen Gelüste und die Vermehrung der menschlichen Bedürfnisse.
In Wirklichkeit jedoch ist Angriff die Konsequenz aus dem Streben nach Macht. Konkurrenzkampf heißt die Konsequenz aus dem Streben nach Gewinn, weil dieser ja nicht ausreicht, um alle Wünsche zu befriedigen. Der Interessenkonflikt ist die Konsequenz aus dem Grundsatz des Kampfes. Aggressivität ist die Konsequenz des Rassismus, weil er dadurch gespeist wird, dass er andere verschlingt... Solcher Art ist also nun die Weisheit, durch die das Glück der Menschheit zerstört wurde.
Es ist aber nun die Weisheit des Qur'an, grundsätzlich an Stelle der Macht die Gerechtigkeit als den Eckpfeiler im gesellschaftlichen Leben anzunehmen. Sie setzt an Stelle des Gewinns grundsätzlich das, was vorzüglich ist und Gottes Wohlgefallen zu gewinnen vermag, als Ziel. Im Leben hält sie an Stelle des Grundsatzes vom Kampf den Grundsatz, Beistand zu leisten, als das Wesentliche fest. Als Band der Gemeinschaft bestimmt sie an Stelle von Rassismus und Nationalismus grundsätzlich die Liebe zum Glauben, zum Beruf und zur Heimat als das
einigende Band. Ihr Ziel ist es, Lüste und Launen einzudämmen, den Geist emporzuführen, die erhabenen Empfindungen zu nähren, hohe Lust zu stillen, den Menschen zu menschlicher Vollkommenheit hinzuleiten und so erst zu einem Menschen zu machen...
Einigkeit ist die Konsequenz der Gerechtigkeit. Gemeinschaftssinn ist die Konsequenz eines vorzüglichen Charakters. Einander zu Hilfe zu eilen ist die Konsequenz des Grundsatzes, Beistand zu leisten. Das Band der Brüderlichkeit und Zusammengehörigkeit ist die Konsequenz aus idealer Gesinnung und einer gläubigen Haltung. Glückseligkeit in beiden Welten heißt das Ergebnis für den, der zuerst seine Seele gebändigt, sodann den Geist zur Vollkommenheit emporgetrieben und so ihm die Freiheit geschenkt hat.
Vierter Grundsatz:
Wenn du verstehen willst, in welcher Hinsicht der Qur'an hoch und erhaben ist über jeglichem Gotteswort und allen Worten überlegen ist, so betrachte die beiden folgenden Gleichnisse:
Erstens:
Ein König verfügt über zwei Arten der Redeweise, über zwei verschiedene Ausdrucksmöglichkeiten. Die eine ist die mit einem einfachen Untertanen in einer persönlichen Angelegenheit, in dessen privaten Nöten zu reden oder über Telefon zu sprechen. Die andere ist die als König und Herr im Namen Seiner Oberherrschaft, als ein großer Sultan und Kalif sich in Form eines erhabenen Fermans (Erlass) zu äußern, in Anbetracht Seiner Macht über das Volk Befehle auszustellen und Erlasse zu verbreiten, sich mit Gesandten und hohen Beamten zu unterreden und so Seine königliche Würde zu vertreten.
Zweites Beispiel:
Ein Mann hält mit seiner Hand einen Spiegel gegen die Sonne. Er empfängt dadurch je nach der Größe seines Spiegels Licht und eine Strahlung, welche sieben Farben in sich enthält. Abhängig vom obigem Verhältnis ist die Beziehung, die er zur Sonne unterhält und der Umgang, den er mit ihr pflegt. Wenn er diesen von Licht erfüllten Spiegel nach dem von Dunkel erfülltem Hause oder einem überdachten Garten richtet, wird
sein Nutzen nicht dem Wert der Sonne, sondern der Kapazität des Spiegels entsprechen. Ein anderer jedoch baut große Fenster in das Dach seines Hauses oder Gartens. So öffnet er der Sonne am Himmel den Weg. Er pflegt Umgang mit dem immerwährenden Licht der wahren Sonne, spricht mit ihr, pflegt auf diese Weise durch die Dankbarkeit in seiner Haltung mit ihr Umgang. Er sagt: "Oh du wundersame Sonne, du Schönheitskönigin der Welt, Liebling des Himmels, die du die ganze Welt mit deinem Lichte vergoldest und das Antlitz aller Blumen zum Lächeln bringst! Du hast auch mein Häuschen und Gärtchen erwärmt und erleuchtet."
Jedoch der Mann mit dem Spiegel kann nicht so sprechen. Denn der Widerschein der Sonne ist unter den gegebenen Bedingungen in seinem Wirkungsbereich beschränkt. Er ist von ihnen abhängig.
So betrachte denn nun den Qur'an durch das Fernglas dieser beiden Beispiele, sodass du ihn als Wunder erkennen und in seiner Heiligkeit begreifen kannst.
In der Tat heißt es im Qur'an: "Wenn die Bäume auf der Erde Schreibstifte wären und die Meere Tinte und man mit ihnen alle Worte Gottes des Gerechten schreiben wollte, käme man doch nie zu einem Ende." Nun ist der Grund dafür, dass der höchste Rang unter allen diesen unendlich vielen Worten dem Qur'an verliehen wurde, der folgende: Der Qur'an ist durch Gottes höchsten Namen offenbart und durch alle Seine Namen auf deren höchster Stufe bestätigt worden. Zudem ist er das Wort Gottes als des Herrn aller Welten. Außerdem ist er der Erlass Gottes unter Seinem Namen als Gott allen Seins. Und weiter ist er eine Ansprache dessen, der Schöpfer der Himmel und der Erde ist. Überdies ist er ein Zwiegespräch von Seiten des Herrn aller Herrscher. Zudem ist er eine immerwährende Predigt im Namen des allumfassenden Reiches des Hochgepriesenen. Und weiter ist er ein Buch gnädigen Erbarmens aus der Überfülle des Allbarmherzigen. Überdies ist er eine Sammlung der Mitteilungen Gottes des Erhabenen voll Größe und Majestät,
an deren Anfängen manchmal Chiffren stehen. Zudem ist er ein heiliges Buch voll Weisheit, herabgesandt vom Hohen Thron im Namen des Allerhöchsten, das alles umfasst und überall seine Gültigkeit hat. So ist denn dies das Geheimnis dafür, dass dem Qur'an der Ehrentitel "Wort Gottes" in vollkommener Rechtmäßigkeit verliehen wurde.
Nun aber verhält es sich mit den Worten Gottes so, dass dem Menschen ein Teil von ihnen als ein Wort besonderer Wertschätzung, ein anderer wie ein verkleinertes Abbild einer persönlichen Bezeichnung oder eines eigenen Namens, ein anderer in der Gestalt seines persönlichen Herrn, ein anderer in der Form seines eigenen Reiches, ein anderer als das nur für ihn bestimmte Wort der Barmherzigkeit sichtbar wird. Sie haben hinsichtlich ihrer persönlichen und allgemeinen Gültigkeit verschieden abgestufte Grade. Auch die meisten Eingebungen sind von dieser Art. Nur sind die einzelnen Abstufungen sehr unterschiedlich. So findet sich zum Beispiel bei den Tieren eine Eingebung von nur geringer und noch sehr primitiver Art. Danach folgen die Eingebungen bei den einfachen Leuten. Auf sie folgen die Eingebungen bei den Engeln im allgemeinen. Nach ihnen kommen die Eingebungen bei den Heiligen. Dann folgen schließlich die Eingebungen bei den Erzengeln.
So ist es diesem Geheimnis zufolge, wenn ein Heiliger in seinem Herzen betend wie durch ein schnurloses Telefon spricht und sagt:
حَدَّثَنِى قَلْبِى عَنْ رَبِّى
Das heißt: "Mein Herz gibt Kunde von meinem Herrn." Er sagt nicht: "Vom Herrn der Welten berichtet es." Und weiter sagt er: "Mein Herz ist ein Spiegel, ein Thron für meinen Herrn." Er sagt nicht: "Es ist der Thron des Herrn der Welten." Denn er kann das Wort Gottes je nach seiner eigenen Fähigkeit empfangen und es nach Maßgabe der in etwa siebzigtausend hochgezogenen Schleier vernehmen.
So wie nun der Ferman aus der Feder eines Sultans in seiner königlichen Hoheit, hoch und erhaben ist über dem schlichten Wort, das er an einen einfachen Mann richtet, wie viel nützlicher und wirkungsvoller es ist, direkt den Segen der Sonne am Himmel zu empfangen, als dazu ihren Widerschein aus einem Spiegel zu verwenden, in gleichem Maße steht auch der Glorreiche Qur'an über allen Worten und sämtlichen Büchern.
Den zweiten Platz auf der Stufenleiter nehmen nach dem Qur'an die Heiligen Bücher und Himmlischen Schriften je nach dem Grad ihrer Vorzüglichkeit ein. Sie erhalten ihren Stellenwert entsprechend dem Geheimnis dieser ihrer Vorzüglichkeit. Fügten auch alle Dschinnen und Menschen alle schönen Worte, die sie nicht aus dem Qur'an entnommen haben, zusammen, könnten sie doch die Stufe der Heiligkeit des Qur'an nicht erreichen, ein Gleiches nicht schaffen. Willst du ein wenig verstehen, dass der Qur'an eine Offenbarung des Höchsten Namens und eine Bestätigung aller Seiner Namen auf deren höchster Stufe ist, so betrachte den Thronvers
اللَّهُ لَا إِلَٰهَ إِلَّا هُوَ الْحَيُّ الْقَيُّومُ ۚ لَا تَأْخُذُهُ سِنَةٌ وَلَا نَوْمٌ ۚ لَّهُ مَا فِي السَّمَاوَاتِ وَمَا فِي الْأَرْضِ ۗ مَن ذَا الَّذِي يَشْفَعُ عِندَهُ إِلَّا بِإِذْنِهِ ۚ يَعْلَمُ مَا بَيْنَ أَيْدِيهِمْ وَمَا خَلْفَهُمْ وَلَا يُحِيطُونَ بِشَيْءٍ مِّنْ عِلْمِهِ إِلَّا بِمَا شَاءَ ۚ وَسِعَ كُرْسِيُّهُ السَّمَاوَاتِ وَالْأَرْضَ وَلَا يَئُودُهُ حِفْظُهُمَا ۚ وَهُوَ الْعَلِيُّ الْعَظِيمُ
{"Allah! Es gibt keinen Gott außer Ihm, dem Lebendigen, dem Ewigen! Nicht ergreift Ihn Schlummer noch Schlaf. Sein ist, was in den Himmeln und was auf Erden ist. Wer ist's, der da Fürsprache einlegen könnte bei Ihm ohne Seine Erlaubnis? Er weiß, was zwischen ihren Händen ist und was hinter ihnen ist, und nicht begreifen sie etwas von Seinem Wissen, außer dem, was er will. Weit reicht Sein Thron über die Himmel und die Erde, und nicht schwer fällt Ihm ihre Hut. Denn Er ist der Hohe, der Gewaltige." (Thronvers, Sure 2, 255)}
und die Ayah
وَعِنْدَهُ مَفَاتِحُ الْغَيْبِ
{"Und bei Ihm sind die Schlüssel des Verborgenen;..." (Sure 6, 59)}
und die Ayah
قُلِ اللّٰهُمَّ مَالِكَ الْمُلْكِ
{"Sprich: Oh Allah, Herrscher des Königreichs,..." (Sure 3, 26)}
und die Ayah
يُغْشِى الَّيْلَ النَّهَارَ يَطْلُبُهُ حَثِيثاً وَالشَّمْسَ وَالْقَمَرَ وَالنُّجُومَ مُسَخَّرَاتٍ بِاَمْرِهِ
{"...Er lässt die Nacht über den Tag kommen und sie folgt ihm eilends nach und (Er schuf) die Sonne, den Mond und die Sterne und hat sie durch Seinen Befehl in Dienst gestellt..." (Sure 7, 54)}
und die Ayah
يَآ اَرْضُ ابْلَعِى مَآءَكِ وَيَا سَمَآءُ أَقْلِعِى
{"Erde, verschlinge dein Wasser, und Himmel, halt ein!..." (Sure 11, 44)}
und die Ayah
تُسَبِّحُ لَهُ السَّمٰوَاتُ السَّبْعُ وَاْلاَرْضُ وَمَنْ فِيهِنَّ
{"Es preisen Ihn die sieben Himmel und die Erde und was darinnen ist..." (Sure 17, 44)}
und die Ayah
مَا خَلْقُكُمْ وَلاَ بَعْثُكُمْ اِلاَّ كَنَفْسٍ وَاحِدَةٍ
{"Eure Erschaffung und Eure Auferweckung ist nur wie die einer einzigen Seele..." (Sure 31, 28)}
und die Ayah
اِنَّا عَرَضْنَا اْلاَمَانَةَ عَلَى السَّمٰوَاتِ وَاْلاَرْضِ وَالْجِبَالِ
{"Siehe, Wir trugen den Himmeln und der Erde und den Bergen das Gut des Glaubens an,..." (Sure 33, 72)}
und die Ayah
يَوْمَ نَطْوِى السَّمَآءَ كَطَىِّ السِّجِلِّ لِلْكُتُبِ
{"An jenem Tag werden Wir den Himmel zusammenrollen wie man einen Brief zusammenrollt..." (Sure 21,104)}
und die Ayah
وَمَا قَدَرُوا اللّٰهَ حَقَّ قَدْرِهِ وَاْلاَرْضُ جَمِيعًا قَبْضَتُهُ يَوْمَ الْقِيَامَةِ
{"Und nicht bewerten sie Allah nach Seinem wahren Wert. Die Erde wird Ihm nur eine Handvoll sein am Tag der Auferstehung,... (Gepriesen sei Er! Er ist erhaben über...)" (Sure 39, 67)}
und die Ayah
لَوْ اَنْزَلْناَ هٰذَا الْقُرْاٰنَ عَلٰى جَبَلٍ لَرَاَيْتَهُ
{"Hätten Wir diesen Qur'an auf einen Berg herabgesandt, du hättest gesehen, (dass er sich erniedrigt und sich aus Furcht vor Allah gespaltet hätte.)" (Sure 59, 21)}
und die umfassende, ganzheitliche, erhabene Bedeutung dieser und anderer Verse.
Und weiter beachte die Anfänge der Suren, die mit اَلْحَمْدُ لِلّٰهِ {"Dank sei Gott!"} oder mit سَبَّحَ {"Es preisen..."}
يُسَبِّحُ {"Ihn preisen..."} beginnen, sodass du das Licht dieses Geheimnisses sehen kannst.
Außerdem betrachte die Anfänge der Suren, die mit den Buchstaben الٓمٓ "Elif-Lam-Mim"und الٓر "Elif-Lam-Ra"und حمٓ "Ha-Mim"beginnen, so wirst du wissen, welche Bedeutung der Qur'an vor Gott dem Gerechten hat.
Wenn du das kostbare Geheimnis dieses vierten Grundsatzes erfasst hast, wirst du verstehen, dass die meisten Offenbarungen, die die Propheten empfangen haben, von Engeln überbracht wurden, während die meisten Eingebungen ganz unvermittelt kommen. Zudem kannst du verstehen, aus welchem Geheimnis auch der größte Heilige nicht auf die Stufe eines Propheten empor gelangen kann. Zudem kannst du die Größe des Qur'an, die Würde seiner Heiligkeit und das Geheimnis seiner wunderbaren Erhabenheit verstehen. Zudem kannst du auch das Geheimnis für die Notwendigkeit der Himmelfahrt verstehen, nämlich das Geheimnis der Reise bis zu den Himmeln, bis zum "Grenzbaum", ja bis auf "Zwei-Bogenlängen-Nähe" zu dem, welcher der Glorreiche Herr ist und
اَقْرَبُ اِلَيْهِ مِنْ حَبْلِ الْوَرِيدِ
{"uns doch näher ist, als unsere Halsschlagader." (Sure 50, 16)}
das Geheimnis des Bittgebetes vor Ihm und der Rückkehr in einem einzigen Augenblick. So wie die Spaltung des Mondes ein Wunder seiner Sendung war, durch das er den Dschinnen und Menschen sein Prophetentum bewiesen hat, so ist in der Tat auch die Himmelfahrt ein Wunder seiner Stellung als Anbeter Gottes und Sein Diener, durch das er vor Geistern und Engeln bewiesen hat,
dass er der Geliebte Gottes ist.
اَللَّهُمَّ صَلِّ وَسَلِّمْ عَلَيْهِ وَعَلَى اَلِهِ كَمَا يَلِيقُ بِرَحْمَتِكَ وَبِحُرْمَتِهِ آمِينَ
{"Oh Gott, gieße Deinen Frieden und Segen über ihn und seiner Familie aus, wie es die Vollkommenheit Deines Erbarmens erfordert und ihm nach der Vollkommenheit seiner (Gottes)verehrung gebührt. Amen."}
Dreizehntes Wort
بِسْمِ اللّهِ الرَّحْمَنِ الرّحِيمِ ٭ وَنُنَزِّلُ مِنَ الْقُرْآنِ مَا هُوَ شِفَآءٌ وَرَحْمَةٌ لِلْمُؤْمِنِينَ ٭ وَمَا عَلَّمْنَاهُ الشِّعْرَ وَمَا يَنْبَغِى لَهُ
{"Im Namen Allahs, des Erbarmers des Barmherzigen; und Wir senden hinab vom Qur'an, was eine Arznei ist und eine Barmherzigkeit für die Gläubigen;..." (Sure 17, 82) "Und nicht lehrten Wir ihn (den Propheten) Poesie, noch geziemte sie ihm..." (Sure 36, 69)}
Willst du den Weisen Qur'an und die Philosophie nach der Frucht ihrer Weisheit, der Lehre ihrer Wissenschaften und dem Grad ihrer Erkenntnisse miteinander vergleichen, dann merke auf die nun folgenden Worte:
Siehe, der Qur'an zerreißt durch das Wunder seiner Verkündigung mit eindringlichen Worten den Schleier einer gewohnheitsmäßigen Sicht- und Betrachtungsweise, der über der Schöpfung liegt, schärft das Bewusstsein der Menschen und Dschinnen für die Wunder in ihr und die Wahrheit, lenkt ihren Blick auf das, was sie lehrt und öffnet für alle Denkenden eine unerschöpfliche Schatzkammer der Erkenntnis.
Was aber die Weisheit der Philosophie betrifft, so wickelt sie alle wunderbaren Werke der Macht (Gottes) in den Schleier des Gewöhnlichen ein, betrachtet sie völlig indifferent oder geht wie die Beduinen der Vorzeit in Unwissenheit über sie hinweg. Sie präsentiert dem Bewusstsein nur solche seltenen Einzelexemplare, die aus dem Rahmen des Wunderbaren herausgefallen, aus der Ordnung der Schöpfung herausgetreten sind, ihre ihnen wesensgemäße Vollkommenheit verloren haben und stellt sie als Lehrbeispiel vor.
So betrachtet sie zum Beispiel in ihrer Indifferenz die
Erschaffung des Menschen, der das umfassendste Wunder göttlicher Allmacht ist, als etwas ganz Gewöhnliches. Jedoch einen Menschen außerhalb dessen, was in Vollkommenheit erschaffen wurde, mit drei Beinen oder zwei Köpfen stellt sie mit dem lauten Schrei der Verwunderung als ein Lehrbeispiel vor. So betrachtet sie zum Beispiel die wohlgeordnete Versorgung der Jungtiere, die eines der umfassendsten und tiefgreifendsten Wunder der göttlichen Barmherzigkeit ist, als etwas ganz Gewöhnliches und überzieht es mit dem Schleier des Unglaubens und der Undankbarkeit. Sobald sie jedoch einen Käfer sieht, der die gewohnte Ordnung verlassen hat, nun abgesondert von seinen Artgenossen ganz allein in der Fremde lebt und sich unter dem Meere von einem grünen Blatt ernährt, möchte sie die dortigen Fischer durch die so in Erscheinung getretene Güte und Freigiebigkeit zu Tränen rühren. {(*): Genau das geschah einmal in Amerika.} So siehe denn, welche Reichtümer und Güter dem Ehrwürdigen Qur'an für die Wissenschaft, zu Weisheit und Gotterkenntnis zur Verfügung stehen und wie arm und unfähig dahingegen die Philosophie ist hinsichtlich ihrer Wissenschaft, Lehre und Erkenntnis des Schöpfers, und nimm dir daran ein Beispiel!
So ist es denn aus dieser tiefen Wahrheit heraus, dass der Weise Qur'an, der alle die unendlichen, strahlenden, hohen Wahrheiten in sich umfasst, einer dichterischen Ausschmückung nicht bedarf. Ein anderer Grund dafür, dass der Qur'an, ein Wunder der Verkündigung, nicht erdichtet ist, besteht darin, dass er, obwohl er ein vollständiges Kompendium ist und eine Komposition, welche ans Wunderbare grenzen und so das Buch der Schöpfung in künstlerischer Ausgewogenheit kommentiert, sich dennoch nicht jede einzelne Ayah einem Versmaß unterwirft, sondern sich meistens wie die Sterne mit den anderen, sei es zu einer Art Zentrum oder auch Bruderschaft, zusammenschließt, um sie miteinander durch das Band
einer inneren Verbindung zu verknüpfen, und so mit jeder einzelnen Ayah in deren Umfeld eine Verbindungslinie bildet. Es ist, als habe jede freie Ayah ein Auge, das nach vielen anderen Ayat blickt, ein Gesicht, das sich ihnen zuwendet. So finden sich im Qur'an tausende Qur'ane, sodass jeder entsprechend seiner Berufung einen von ihnen erhält. Wie bereits im "Fünfundzwanzigsten Wort" erklärt wurde, finden sich in der Sure-i Ihlas insgesamt 36 Sure-i Ihlas, deren jede einzelne in der Vielseitigkeit ihrer Zusammenstellung aus sechs Sätzen eine Schatzkammer für die Lehre von der Einheit formt und umschließt.
So wie in der Tat das Bild der Sterne ohne jede Ordnung zu sein scheint und jeder einzelne Stern, sich in Anbetracht der Aufhebung einer Ordnung keiner Regel unterwirft, sondern jeder einzelne von ihnen mit vielen anderen Sternen eine Art Zentrum bildet, so ist er auch durch seine Einflusssphäre mit jedem einzelnen Stern seiner Umgebung verbunden, wodurch er einen Hinweis auf die wechselseitige Beeinflussung der Massen gibt. Es ist, als ob jeder einzelne Stern, genauso wie die Ayat, die den Sternen gleichen, ein Auge habe, das nach all den anderen Sternen blickt und ein Gesicht, das sich ihnen zuwendet. So siehe denn die vollkommene Ordnung hinter der scheinbaren Unordnung und nimm dir daran ein Beispiel!
Wisse auch das Geheimnis der Ayah
وَمَا عَلَّمْنَاهُ الشِّعْرَ وَمَا يَنْبَغِى لَهُ
{"Und nicht lehrten Wir ihn (den Propheten) Poesie, noch geziemte sie ihm..." (Sure 36, 69)}
Außerdem verstehe auch den Sinn dieses Wortes aus der Ayah وَمَا يَنْبَغِى لَهُ {"...noch geziemte sie ihm."}
Daraus sollst du ersehen: Die charakteristische Eigenschaft der Dichtung liegt darin, dass sie die kleinen und unbedeutenden Ereignisse phantasievoll ausschmückt, sie zu einer großen und glänzenden Erzählung ausgestalten möchte, sodass sie Gefallen findet. Die qur'anischen Wahrheiten jedoch sind so groß, erhaben, glänzend und schön, dass dagegen auch die größte und glänzendste Erzählung verglichen mit diesen Wahrheiten nur noch klein und unbedeutend erscheint.
Zum Beispiel:
يَوْمَ نَطْوِى السَّمَآءَ كَطَىِّ السِّجِلِّ لِلْكُتُبِ ٭ يُغْشِى اللَّيْلَ النَّهَارَ يَطْلُبُهُ حَثِيثًا ٭ اِنْ كَانَتْ اِلاَّ صَيْحَةً وَاحِدَةً فَاِذَاهُمْ جَمِيعٌ لَدَيْنَا مُحْضَرُونَ
{"An jenem Tag werden Wir den Himmel zusammenrollen wie man einen Brief zusammenrollt..." (Sure 21, 104) "Er lässt die Nacht über den Tag kommen und sie folgt ihm eilends nach..." (Sure 7, 54) "Es wird nur ein einziger Posaunenstoß sein, und siehe da, sie alle sind vor uns gebracht." (Sure 36, 53)}
Diese und zahllose andere ähnliche Wahrheiten sind ein Zeugnis dafür. Jede einzelne Ayah des Qur'an ist wie ein glänzender Stern.
Wenn du sehen und erleben willst, wie er die Erkenntnis der Wunder und das Licht der Rechtleitung verbreitet und dadurch die Finsternis des Unglaubens vertreibt, versetze dich zu jener Zeit der Unwissenheit in die Wüste der Beduinen, in jene Zeit, in der alles in der Finsternis der Unwissenheit und Gottvergessenheit wie in ein Tuch gewickelt erschien, dass nur noch leblose Dinge und eine seelenlose Natur übrig ließ. Dann komm und höre nun in der Sprache des Qur'an
يُسَبِّحُ لِلّٰهِ مَا فِى السَّمٰوَاتِ وَ مَا فِى اْلاَرْضِ اْلمَلِكِ لْقُدُّوسِ الْعَزِيزِ اْلحَكِيمِ
{"Es preist Allah, was in den Himmeln und was auf Erden ist, den König, den Heiligen, den Mächtigen, den Weisen." (Sure 62, 1)}
und ähnliche Ayat. So wirst du plötzlich sehen, wie diese leb- und seelenlos erscheinenden Dinge, diese scheinbar
toten oder schlafenden Wesen in der Welt, unter der Rezitation des: يُسَبِّحُِ {"Es preist (Ihn)..."} in der vom Glauben erfüllten Vorstellung der Zuhörer zum Leben erwachen, auferstehen und Gott preisen. Auch die Sterne am nachtdunklen Antlitz des Himmels zeigen sich jedes einem glühenden Stückchen Kohle gleich und die über die Erde verstreuten Geschöpfe erscheinen vor den Augen der Zuhörer unter der Rezitation des تُسَبِّحُ لَهُ السَّمٰوَاتُ السَّبْعُ وَاْلاَرْضُ {"Es preisen Ihn die sieben Himmel und die Erde." (Sure 17, 44)} wobei der Himmel dem Mund gleicht, von allen Sternen jedes ein Wort ist, das die Weisheit Gottes verkündet, ein Licht, das die Wahrheit ausstrahlt und die Erde das Haupt darstellt, dessen Länder und Meere wie deren Zunge reden und alle Tiere und Pflanzen ihre Worte sind, die die Heiligkeit Gottes verkünden.
Schaust du jedoch von heutiger Zeit in jene Zeit zurück, kannst du sicherlich die Feinheiten in den oben geschilderten Vorgängen nicht miterleben. Ja, betrachtest du sie in einer Welt, in der sich seit jener Zeit das Licht ausgebreitet hat und im Laufe der Zeit zu einem allgemeinen Leuchten geworden ist und die noch von anderen Lichtern des Islam überstrahlt wird und unter der Sonne des Qur'an die Farbe des Tages angenommen hat, oder wenn du durch deinen Schleier der Oberflächlichkeit und Gewohnheit blickst, dann kannst du sicher nicht recht erfahren, welch eine Finsternis eine jede Ayah mit welch einem so köstlich hellen, wundersamen Klang vertrieben und erleuchtet hat. So kannst du diese Art Wunder unter vielen anderen Arten von Wundern des Qur'an mit deinen Sinnen nicht erfassen. Wenn du das Wunder des Qur'an, der ein Wunder der Verkündigung ist, in seiner höchsten
Stufe betrachten willst, dann komm und höre das folgende Gleichnis. Es ist wie folgt:
Versuchen wir uns einmal einen sehr hohen und weit ausladenden, einen einzigartigen, Staunen erregenden Baum vorzustellen, der durch eine Art Tarnkappe verborgen und in ein großes Tuch eingewickelt sein soll. Nun ist ja bekannt, dass zwischen den Zweigen, Früchten, Blättern, Blüten und allem, was zu einem Baum gehört, ein Verhältnis, eine Proportionalität, ein Gleichgewicht bestehen muss, wie unter den Organen des Menschen. Jedes Teil erhält also nach der Art des Baumes seine Form, das ihm entsprechende Aussehen. Jetzt trete jemand auf, der von diesem noch nie gesehenen Baum (den man tatsächlich nicht sehen kann) auf einer Leinwand ein wohlproportioniertes Bild malen soll, mit allen seinen Teilen, von ihm einen Entwurf machen mit Stamm, Ästen, Zweigen, bis hin zu den Blättern und Früchten, eine wohlausgewogene Skizze anfertigen, eine stimmige Zeichnung entwerfen soll, wobei er während seiner Arbeit, mitten zwischen ihrem Anfang und ihrem noch unendlich weit entfernten Ende die einzelnen Teile entsprechend ihrer tatsächlichen Form und Gestalt darstellen müsste. Es bliebe dann mit Sicherheit kein Zweifel daran, dass dieser Maler diesen unsichtbaren Baum mit seinem Blick, der in das Unsichtbare sieht, erschaut und danach beschreibt.
Genauso erklärt auch der Qur'an, dessen Verkündigung ein Wunder ist, das Bild von der Welt der unerschaffenen Möglichkeiten. (Dies ist das Bild vom Baum der Schöpfung, der sich vom Anbeginn der Welt an bis in die Unendlichkeit der Ewigkeit und von der Erde bis zum Thron Gottes und vom Atom bis hin zur Sonne ausbreitet.) Diese Offenbarungsschrift hat bei der Beschreibung dieses Bildes die Proportionalität so weit im Auge behalten und jeden Teil und jede Frucht dieses Baumes dementsprechend ins Bild gesetzt, dass alle Kenner der Wahrheit, am Ende ihrer Forschung, in Anbetracht der Beschreibung des Qur'an "Mashaallah, Barekallah" gesagt haben
Zudem haben sie gesagt: "Oh du, weiser Qur'an, du bist der, der die tiefe Wahrheit des Kosmos und die verschiedenen Geheimnisse der Schöpfung aufgedeckt und enthüllt hat."
وَلِلَّهِ الْمَثَلُ اْلأَعْلَىٰ
{"Die erhabensten Gleichnisse erzählt uns Allah (im Qur'an)." (*)
(*) D.h. in Beispielen von Menschen soll man nicht nach Fehlern forschen. (A.d.Ü.)}
Wir stellen die Namen und Attribute Gottes, die Taten und Handlungen Seiner Herrschaft in Form eines Tuba-Baumes aus Licht dar. Die weit ausladenden Äste dieses lichtausstrahlenden Baumes strecken sich bis in alle Ewigkeiten aus. Seine Grenzen breiten und dehnen sich in den unendlichen Raum hinein und umfassen ihn. Die Grenze seiner Ausdehnung reicht von
يَحُولُ بَيْنَ اْلمَرْءِ وَقَلْبِهِ ٭ فَالِقُ اْلحَبِّ وَالنَّوَى ٭ هُوَ الَّذِى يُصَوِّرُكُمْ فِى اْلاَرْحَامِ كَيْفَ يَشَآءُ
{"Allah dringt zwischen des Menschen Inneres und sein Herz." (Sure 8, 24) "Allah lässt Körner und Kerne keimen." (Sure 6, 95) "Er ist es, der euch im Mutterleib gestaltet, wie Er will." (Sure 3, 6)}
bis zur Grenze von
وَالسَّمٰوَاتُ مَطْوِيَّاتٌ بِيَمِينِهِ ٭ خَلَقَ السَّمٰوَاتِ وَاْلاَرْضَ فِى سِتَّةِ اَيَّامٍ ٭ وَ سَخَّرَ الشَّمْسَ وَالْقَمَرَ
{"Und die Himmel werden zusammengerollt sein in Seiner Rechten." (Sure 39, 67) "Er schuf die Himmel und die Erde in sechs Tagen (Epochen)." (Sure 7, 35) "Und Er zwang Sonne und Mond in den Dienst." (Sure 13, 2)}
Der weise Qur'an hat diese leuchtende Wahrheit von den Namen, Attributen, Taten und Handlungen (Gottes) auf
eine solche Weise erklärt, dass die einzelnen Zweige und Äste mit ihren Früchten und allem, was der Baum an Nutzbarem hervorbringt, miteinander harmonieren, zueinander passen, einander entsprechen, ohne sich gegenseitig in ihrer Entfaltung zu behindern, einander in ihren Rechten zu beeinträchtigen und ohne einander in der Erfüllung ihrer Aufgaben allein zu lassen. Alle Erforscher und Kenner der Wahrheit, die Theologen und alle Leute von Weisheit und Bildung, die sich in der Welt der göttlichen Aspekte bewegen, haben über die Verkündigung der Errettung "Subhanallah" gesagt, und bestätigen sie mit den Worten: "Wie richtig und wie wahr, wie treffend und wie schön."
Beispiel:
Die sechs Grundpfeiler des Glaubens sind wie die Äste eines gewaltigen Baumes, die sich nach der Welt der bedingten Möglichkeiten und nach der Welt des unabdingbar notwendigen Seins erstrecken. Der Qur'an beschreibt bis zu den feinsten Früchten und Blüten hin alle Zweige und Äste dieser Grundpfeiler so treffend, schildert sie so wohlausgewogen und zeigt sie in einer so entsprechenden Weise, dass der menschliche Verstand zu schwach ist, ihm mit seiner Vorstellung zu folgen und vor dessen Schönheit in Staunen verharrt.
Zwischen den fünf Grundpfeilern des Islam, welche gemeinsam einen Zweig am Ast des Glaubens bilden, wird bis zu den feinsten Verästelungen seines Stammes, kleinsten Sitten, fernsten Zielen, tiefsten Weisheiten und winzigsten Früchten, vollkommene Proportionalität, vollkommene Beziehung und ein vollständiges Gleichgewicht aufrechterhalten. Dafür ist ein unwiderlegbarer, gerechter Zeuge und ein sicheres, zweifelsfreies Zeugnis, die vollkommene Ordnung, Gleichgewicht, vollkommene Ausgewogenheit und Autorität der Islamischen Großen Verfassung, die aus den klaren Darlegungen, Aspekten, Hinweisen und Chiffren des alles umfassenden Qur'an erwächst. Das bedeutet also, dass die Erklärung des Qur'an nicht auf der begrenzten Kenntnis eines Menschen, besonders auf dem Wissen eines Analphabeten, beruhen kann. Vielmehr
ist sie das allumfassende Wissen und das Wort des Herrn, der alle Dinge gleichzeitig überschaut und von Ewigkeit zu Ewigkeit in einem einzigen Augenblick aller Wahrheiten Zeuge ist. Auf diese Wahrheit hinweisend heißt es:
اْلحَمْدُ لِلّٰهِ الَّذِى اَنْزَلَ عَلَى عَبْدِهِ الْكِتَابَ وَلَمْ يَجْعَلْ لَهُ عِوَجًا
{"Gelobt sei Allah, der Seinem Diener das Buch herabgesandt hat, in dem nichts verbogen ist,..." (Sure 18, 1)}
اَللّهُمَّ يَا مُنْزِلَ الْقُرْآنِ بِحَقِّ الْقُرْآنِ وَ بِحَقِّ مَنْ اُنْزِلَ عَلَيْهِ الْقُرْاٰنُ نَوِّرْ قُلُوبَنَا وَ قُبُورَنَا بِنُورِاْلاِيمَانِ وَ الْقُرْآنِ آمِينَ يَا مُسْتَعَانُ
{"Gelobt seist Du oh Allah! Um des Qur'an Willen und um dessen Willen, dem Du den Qur'an herabgesandt hast, erleuchte unsere Herzen und erhelle das Tor unseres Grabes durch das Licht des Glaubens und des Qur'an. Amen. Oh Du unsere Hilfe!"}
Zweites Kapitel des Dreizehnten Wortes
بِسْمِ اللّٰهِ الرَّحْمَنِ الرّحِيمِ
{"Im Namen Allahs, des Erbarmers, des Barmherzigen."}
Dialog mit einigen jungen Leuten, die in einer Zeit vielfältiger Verlockungen dennoch ihren Verstand noch nicht verloren haben.
Von Seiten einiger junger Leute wurde unter dem Zwang zu gesellschaftlichen Lustbarkeiten und Grillen mit den Worten: "Auf welche Weise können wir unser Leben für das Jenseits retten?" um Hilfe aus der Risale-i Nur gebeten. Auch ich habe zu ihnen im Namen der Gemeinschaft um die Risale-i Nur gesagt:
Es gibt das Grab. Das kann niemand leugnen. Dorthin wird jeder gehen, ob er will oder nicht. Und um dorthin zu gelangen gibt es drei Reisemöglichkeiten. Außer diesen drei Wegen gibt es keine andere Möglichkeit.
Erster Weg:
Für die Leute des Glaubens ist das Grab ein Tor zu einer anderen Welt, die noch schöner ist als diese Welt.
Zweiter Weg:
Denjenigen, die zwar bestätigen, dass es ein Jenseits gibt, jedoch in Ausschweifungen leben und auf Irrwegen gehen, ist es ein Tor zu ewigem Kerker und einer Einzelhaft, in der sie von allen ihren Freunden getrennt und auf sich allein gestellt sind. Dieser Sichtweise entsprechend sehen sie auch einer solchen Behandlung entgegen, weil sie sich nicht ihrer Überzeugung und ihrem Glauben entsprechend verhalten haben.
Dritter Weg:
Für die Leute des Unglaubens und Irrweges, die an das Jenseits nicht glauben, ist es ein Tor zu Verlust und Verlorenheit auf ewig, es ist ein Galgen, an dem sowohl sie selbst als auch all ihre Geliebten
aufgehängt werden. Da sie es nur in dieser Weise kennen, werden sie es als Antwort genauso erleben, wie sie es angenommen und geglaubt haben.
Diese beiden letzten Möglichkeiten sind offensichtlich und bedürfen keines Beweises. Man kann sie mit bloßem Auge erkennen. Da nun einmal der Augenblick des Todes nicht bekannt ist, kann der Tod zu jeder Zeit kommen, um dir den Kopf abzuschlagen; und dabei macht er zwischen jung und alt keinen Unterschied. Mit Sicherheit ist für einen hilflosen Menschen, der einem so großen und fürchterlichen Problem gegenüber steht und es immer vor Augen hat, hier einen Ausweg zu suchen, um sich vor dieser immerwährenden Verlorenheit, dieser zutiefst unendlichen Einzelhaft zu retten und das Grabestor für sich in ein Tor umzuwandeln, das sich zu einer beständigen Welt, zu einer ewigen Glückseligkeit und Welt des Lichtes öffnet, ein Umwandlungsprozess, der für diesen Menschen ein Problem von weltweiten Ausmaßen ist.
So haben sich denn diese drei Möglichkeiten als eine unanfechtbare Tatsache herausgestellt. 124 tausend Seher, deren Prophetentum sich durch Zeichen und Wunder als wahr herausgestellt hat, haben berichtet, dass es aufgrund dieser obenerwähnten drei Tatsachen drei Wege gibt. 124 Millionen Heilige haben aufgrund ihrer geistigen Erfahrungen, Wahrnehmungen und Schauungen die Berichte der Propheten über diese selbe Tatsache anerkannt und bestätigt. Zahllose Forscher beweisen dieselben Berichte dieser Propheten und Heiligen, verständlich, mit sicheren Beweisen und mit wissenschaftlicher Sicherheit. {(*): Eine von ihnen ist die Risale-i Nur, die das für alle offen legt.} Alle berichteten gemeinsam, in Übereinstimmung, mit einer 99-prozentigen Sicherheit:
"Sich vor ewiger Kerkerhaft und Verlorenheit zu retten und diese Reisemöglichkeit in einen Weg zur ewigen Glückseligkeit umzuwandeln, ist nur im Glauben und im Gehorsam möglich..."
Wer nicht einen gefahrvollen Weg einschlagen will, wird auch dann das Wort eines einzigen Beobachters berücksichtigen, wenn dort die Wahrscheinlichkeit, zu Grunde zu gehen, nur ein Prozent beträgt. Ein Mann, der die Worte eines solchen Beobachters nicht ernst nimmt und trotzdem auf diesem Wege weiter geht, verliert dabei durch die innere Unruhe, die aus der Angst vor dem Verderben entsteht, selbst noch seinen Appetit am Essen. In gleicher Weise berichten hunderttausende als zuverlässig bestätigte Seher, dass Verirrungen und Ausschweifungen mit hundertprozentiger Bestimmtheit zur ausschlaggebenden Ursache dafür werden, das Grab vor Augen als einen Galgen und eine ewige Einzelhaft zu betrachten, Glaube, Gottesdienst und Anbetung aber mit hundertprozentiger Bestimmtheit diesen Galgen aus den Augen schafft, die Einzelhaft aufhebt, das Grab in ein Tor zu einer ewigen Schatzkammer, einem Schloss der Glückseligkeit umwandelt, und sie brachten dafür Beispiele und Hinweise. Vor diesem einzigartigen, erstaunlichen, gewaltigen und Schrecken erregenden Problem steht nun der hilflose Mensch und besonders ein Muslim. Dort wo aber Glaube, Anbetung und Gottesdienst fehlen, könnte da ein Mensch, auch würde ihm aller Reichtum und Genuss aller Welt gegeben, die ihm ständig vor Augen stehende Qual und Pein in der Erwartung, dass die Reihe an ihn kommt, abberufen zu werden, fortwischen? Das frage ich euch.
So wühlen denn Alter, Krankheit, Unglücks- und Todesfälle von allen Seiten diesen fürchterlichen Schmerz immer wieder auf und rufen ihn wach. Auch wenn die Leute des Irrweges und der Ausschweifungen das Leben hunderttausendfach genießen und sich vergnügen, lebt und brennt dennoch mit Sicherheit eine Hölle unsichtbar in ihren Herzen. Jedoch der Rausch ihrer so tiefen Gottvergessenheit lässt sie das vorübergehend nicht empfinden.
Für Menschen jedoch, die sich im Glauben und Tun auf Gott hin ausrichten, ist das Grab, das sie vor Augen sehen, ein Tor zu einer immerwährenden Schatzkammer, einer nie endenden Glückseligkeit. Auch wurde durch den
Glauben für sie aus der Lotterie jener Zukunft in der Ewigkeit ein Los gezogen, das Milliarden in Gold und Diamanten gewinnen lässt. Noch während sie ständig darauf warten, gerufen zu werden: "komm, empfange dein Los", wächst in ihnen ein tiefwurzelnder, wahrhaftiger Genuss und in ihrem Herzen die Freude. Es ist diese Freude, die, sobald sie Gestalt annimmt und der Kern zu einem Baum heranwächst, der für diese Leute zu ihrem persönlichen Paradies wird. Geben sie jedoch diesen Genuss und diese überwältigende Freude auf und wählen, durch ihre Jugend verführt, statt dessen einen unerlaubten, vergänglichen, nur aus einer augenblicklichen Laune und der Ausschweifung geborenen Genuss, der einem vergifteten Honig gleicht, gemischt mit zahllosen Schmerzen, so sinken sie noch hundertfach tiefer unter das Tier herab.
Doch können sie auch nicht den fremdländischen Atheisten gleich werden. Denn verleugnen sie auch unseren Propheten, werden sie doch andere Propheten anerkennen. Wissen sie nichts von den Propheten, werden sie doch Gott anerkennen. Wissen sie nichts von Gott, werden sich doch einige gute Charakterzüge bei ihnen finden, die zur Quelle der Vollendung werden.
Jedoch ein Muslim kennt sowohl die Propheten, als auch seinen Herrn und überdies alle Vollendung durch Mohammed, den Araber, mit dem Friede und Segen sei. Wer aber seine Erziehung vergisst und seine Hürde verlässt, kennt überhaupt keinen Propheten mehr und kann deshalb auch Gott nicht kennen. Auch kann er gar keine Grundsätze zu eigen haben, um sich seine Menschlichkeit und Würde in der Seele zu bewahren. Denn wer die Lehren des Letzten und Größten der Propheten, dessen Glaube, Unterweisung und Ruf, der sich an die ganze Menschheit richtet, und durch seine Wunder, seinen Glauben, seine Unterweisung über allen anderen steht, der die ganze Menschheit in allen Wahrheiten als ein Meister unterwiesen hat und das über vierzehn Jahrhunderte klar bewiesen hat, auf den die ganze Menschheit stolz ist, wer die Grundsätze dieser Erziehung durch eine solche
Persönlichkeit und die Wurzeln seines Glaubens vergisst, kann mit Sicherheit und auf gar keine Weise zum Licht, zur Vollendung gelangen. Er ist verurteilt und sein Sturz ist unaufhaltsam.
Wohlan denn, ihr Hilflosen, die ihr dem Genuss des irdischen Lebens verfallen seid und euch in eurer Sorge um die Zukunft darum bemüht, eure Zukunft und euer Leben zu sichern! Wenn ihr irdische Vergnügungen, Genuss, Freude, Glück und Bequemlichkeit wollt, sollt ihr euch mit dem Genuss im erlaubten Rahmen begnügen. Er ist für diesen Genuss ausreichend. Sicherlich habt ihr aus den vorhergegangenen Erklärungen entnommen, dass im Genuss außerhalb dieses Rahmens und im Bereich des Unerlaubten tausend Schmerzen liegen. Könnte man, so wie man heute das Vergangene, d.h. Ereignisse von Gestern durch eine Filmaufnahme in die Gegenwart versetzen kann, auch die Ereignisse der Zukunft, zum Beispiel die Lebensumstände in fünfzig Jahren durch eine Filmaufnahme zeigen, dann würden die Leute der Ausschweifung über das, worüber sie heute lachen, hunderttausendfach fluchen, es hassen und darüber weinen. Wer in dieser Welt und im Jenseits immer und ewige Freude möchte, soll sich die mohammedanische Erziehung, wie sie sich im Rahmen des Glaubens findet, zum Wegweiser nehmen.
Unterweisung
Eine Ermahnung, Erinnerung für einige allein gelassene Jugendliche
Eines Tages kamen einige Jugendliche zu mir. Sie wollten eine wirksame Ermahnung von mir empfangen, um sich vor den Gefahren zu schützen, die ihnen aus ihren jugendlichen Interessen und ihrer Lebensweise erwachsen. So habe auch ich ihnen das gesagt, was ich früher denjenigen gesagt habe, die um Hilfe aus der Risale-i Nur gebeten hatten:
Eure Jugendzeit wird mit Sicherheit vorübergehen. Wenn ihr nicht innerhalb des von Gott erlaubten Rahmens bleibt, wird diese Jugendzeit verloren gehen und euch nicht nur im Jenseits und im Grab, sondern auch schon in dieser Welt Unglück und Schmerzen bereiten, mehr als Genüsse. Wenn ihr aber dieses Geschenk eurer Jugendzeit der islamischen Erziehung entsprechend als eine Danksagung in Ehren, Redlichkeit und Gehorsam verbringt, wird diese Jugend euch innerlich ewig erhalten bleiben und euch dazu verhelfen, eine unsterbliche, ewige Jugend zu gewinnen.
Was das Leben betrifft, so bringt es, gäbe es den Glauben nicht, oder hätte dieser Glaube durch den Ungehorsam keine Wirkung, in Folge äußerlicher, sehr kurzer Genüsse und Vergnügungen, tausendfach mehr Leiden, Kummer und Sorgen. Denn da der Mensch Verstand und Denkvermögen hat, ist er von seinem Wesen her, im Gegensatz zum Tier, sowohl mit der gegenwärtigen als auch mit der vergangenen und der zukünftigen Zeit verbunden. Dabei kann er aus diesen Zeiten sowohl Schmerz als auch Freude schöpfen.
Was aber ein Tier betrifft, so werden seine vergangenen Schmerzen und seine Ängste vor der Zukunft seine gegenwärtige Freude nicht zerstören, weil es darüber nicht nachdenken kann.
Was aber den Menschen betrifft, welcher der Gottvergessenheit
und dem Irrtum verfallen ist, so verbittern und zerstören die Trauer über das Vergangene und die Sorge vor der Zukunft sein augenblickliches bisschen Freude völlig. Was insbesondere die unerlaubten Freuden betrifft, so gleichen sie ganz und gar dem vergifteten Honig. Das heißt also, dass der Mensch vom Standpunkt des Lebensgenusses aus hundertfach tiefer sinkt als ein Tier. Vielmehr gehört dem, der einem Irrweg folgt und gottvergessen lebt, sein Leben, ja seine ganze Existenz, ja sogar seine ganze Welt nur einen Tag lang. Alle vergangenen Jahreszeiten und Lebensalter und alles, was da war, ist von seinem irrigen Standpunkt aus betrachtet, nicht mehr vorhanden, gestorben. Sein verstandesgemäßes Denken malt ihm alles in Dunkelheit und Finsternis. Was aber die Zukunft betrifft, so ist sie für ihn aus seinem Mangel an Überzeugung wiederum nicht existent. Die durch diese Nichtexistenz verursachten beständigen Trennungen verfinstern ihm, infolge seiner Fähigkeit darüber nachzudenken, beständig das Leben.
Wenn aber der Glaube das Leben zum Leben erweckt, dann wird sowohl die vergangene als auch die künftige Zeit im Lichte des Glaubens erleuchtet und erhält ihre Gestalt. Gleich der gegenwärtigen Zeit verleiht dann das Leben dem Herzen und der Seele des Menschen, vom Standpunkt des Glaubens aus betrachtet, erhabene, geistige Genüsse und Lichter, unter denen es sich gestaltet. Diese Wahrheit ist in einer Abhandlung für die Alten, der Siebenten Hoffnung, erklärt worden. Dort kann man darüber nachlesen.
Siehe, so ist also nun das Leben. Verlangt es euch nach den Freuden und Genüssen des Lebens, so macht euer Leben lebendig durch ein Leben aus dem Glauben, schmückt es mit euren Pflichten gegenüber Gott und bewahrt es euch dadurch, dass ihr euch der Sünden enthaltet.
Was aber die ungeheuerliche Wahrheit vom Tode betrifft, die jeden Tag und überall und zu jeder Zeit die Dahinscheidenden erweisen, so möchte ich sie euch anhand eines Beispiels erläutern, wie ich das schon anderen jungen Leuten gegenüber getan habe:
Da ist zum Beispiel hier vor euren Augen ein Galgen aufgerichtet. Gleich daneben steht eine Los-Agentur, aber eine solche für die Vergabe der besonders hohen Gewinne. Nun werden also wir zehn, die wir hier sind, in jedem Fall, ob wir es wollen oder nicht, einen anderen Weg gibt es nicht, dorthin vorgeladen. Wir werden aufgerufen.
Und während wir noch darauf warten und weil die Zeit unserer Abberufung unbestimmt ist, vielmehr jeden Augenblick jemand: "Komm, nimm dein Verdammungslos und steige zum Galgen hinauf!" oder: "Komm, nimm dein Los, mit dem du Millionen Goldstücke gewonnen hast!" rufen kann, kommen plötzlich zwei Menschen zur Tür herein. Einer von ihnen ist eine verführerisch schöne, halbnackte Frau, die in ihrer Hand eine Schale mit Helva hält, die äußerlich zwar köstlich erscheint, in Wirklichkeit aber giftig ist und die sie als Speise anbietet. Der andere aber, ein ernster Mann, der nicht betrügt und sich nicht betrügen lässt, tritt hinter der Frau ein und sagt:
"Ich habe euch ein Losungswort, eine Anweisung mitgebracht. Wenn ihr dieses aussprecht und die Helva nicht esst, werdet ihr euch vor dem Galgen retten. Mit diesem Losungswort werdet ihr jenen einzigartigen, hohen Gewinn empfangen. Dort vor dem Galgen seht ihr ja bereits mit eigenen Augen, wie die Honigesser dahingehen und sich noch im Gehen von der vergifteten Helva in fürchterlichen Leibschmerzen krümmen, während ihr zwar nicht seht, wie diejenigen, welche das Große Los gezogen haben und die ihr offensichtlich auch zum Galgen hinaufsteigen seht, gar nicht aufgehängt werden, sondern von dort aus mit Leichtigkeit einen Schritt zur Los-Agentur hinüber tun und dort eintreten. Dafür gibt es Millionen Zeugen, die davon Nachricht geben. So schaut denn zum Fenster hinaus. Die obersten Beamten und die höchsten Persönlichkeiten, die sich damit beschäftigen, verkünden mit lauter Stimme und berichten: Diejenigen, welche zum Galgen hinaufsteigen, sind mit augenscheinlicher
Sicherheit genauso, wie ihr sie seht. Diejenigen aber, die das Große Los gezogen haben, das sind die Besitzer des Losungswortes. Das sollt ihr ganz ohne allen Zwiespalt und Zweifel mit der absoluten Sicherheit des Tages wissen."
So fällt denn der Mensch, äußerlich betrachtet, in das Unglück des Todes, der einer Hinrichtung am Galgen, und in das des Grabes, welches einem Tor in die ewige Finsternis gleicht, weil er durch die Ausschweifungen und die unerlaubten Vergnügungen in seiner Jugend, die dem vergifteten Honig in unserem Beispiel gleichen, den Glauben verloren hat, der die Eintrittskarte und der Ausweis für die Schatzkammer der Ewigkeit und eine endlose Glückseligkeit ist, und so kann denn der Henker-Tod, vor dem jung und alt gleich sind, weil die Todesstunde unbekannt ist, jederzeit kommen, um seinen Kopf abzuschlagen. Wenn der Mensch diese von Gott verbotenen Leidenschaften, die dem vergifteten Honig gleichen, aufgibt, zu seinem Glauben steht und seine Pflichten gegenüber Gott, die das Losungswort des Qur'an sind, auf sich nimmt, wird er das Los für die Schatzkammer zur ewigen Glückseligkeit aus der wunderbaren Lotterie der Zukunft, die dem Menschen bestimmt ist, gewinnen. Darüber berichten die 124 tausend Gesandten Gottes, mit denen der Friede sei, und so viele Heilige und Kenner der Wahrheit, dass man sie gar nicht mehr zählen kann, übereinstimmend... und sie zeigen die Anzeichen dafür auf.
Kurzum:
Die Jugendzeit wird vergehen. Wenn sie in Ausschweifung vergangen ist, wird sie sowohl in dieser Welt, als auch im Jenseits Tausende von Übeln und Schmerzen zur Folge haben.
Wollt ihr begreifen, wie solche jungen Leute meistens durch Krankheiten, die aus Missbrauch und Kraftvergeudung entstanden sind, die Krankenhäuser, durch Maßlosigkeit und Übergriffe, die Gefängnisse und Armenhäuser, durch Depressionen und seelischen Kummer die Kneipen überschwemmen, so fragt in den Krankenhäusern und in den Gefängnissen und auf den Friedhöfen nach.
Sicherlich werden die meisten Krankenhäuser euch in
ihrer eigenen Sprache, in ihrem Seufzen und Wehklagen von den Krankheiten berichten, die in der Verführung der Jugend durch Verschwendung und Missbrauch entstanden sind.
Auch aus den Gefängnissen werdet ihr von der Trauer so vieler unglücklicher junger Leute hören, welche in ihrem jugendlichen Überschwang für ihr ungesetzliches Verhalten Schläge bekommen haben.
Zudem werdet ihr wissen, dass in jenem Zwischenreich, in der Welt des Grabes, dessen Tore ständig vor den Eintretenden geöffnet und hinter ihnen wieder geschlossen werden, die meisten Qualen eine Folge des Missbrauchs in der Jugendzeit sind, wofür auch alle die Kenner der Grabeswelt Zeugnis ablegen und was auch alle Kenner der Wahrheit bestätigen und bezeugen.
Außerdem sollt ihr die Alten und Kranken fragen, die den größten Teil der Menschheit bilden. Weitaus die meisten von ihnen werden sicherlich in Trauer und Sehnsucht sagen: "Weh uns, wir haben unsere Jugendzeit umsonst verlebt, verloren und dafür bezahlen müssen. Hütet euch davor, dass ihr es nicht auch so macht, wie wir." Denn wer in seiner Jugendzeit fünf oder zehn Jahre mit unerlaubten Vergnügungen verbracht hat und deswegen in dieser Welt viele Jahre in Kummer und Sorge leben muss, im Zwischenreich Strafe und Schaden erleidet und im Jenseits die Qualen der Hölle und des Feuers zu verkosten bekommt, der verdient, trotzdem (obwohl) er sich in einem bedauernswerten Zustande befindet, nach dem Geheimnis:
اَلرَّاضِى بِالضَّرَرِ لاَ يُنْظَرُلَهُ
{"Wer mit dem Schaden einverstanden ist, den soll man nicht bedauern."}
gar kein Mitleid. Denn wer seinen Schaden absichtlich herbeiführt, dessen braucht man sich nicht zu erbarmen und er verdient es auch gar nicht. Gott der Gerechte möge uns und euch vor den Verführungen und Verlockungen dieser Zeit retten und bewahren. Amen.
Anmerkung zum zweiten Kapitel des "Dreizehnten Wortes" als einer der Vergleiche aus der Risale-i Nur
بِاسْمِهِ سُبْحَانَهُ
{"Im Namen Gottes, des Hochgelobten."}
Der wahre Trost aus der Risale-i Nur ist für die Gefangenen unbedingt notwendig. Insbesondere brauchen diejenigen, die der Schlag des Schicksals wegen ihres jugendlichen Leichtsinnes getroffen hat, und die nun den Lenz ihres Lebens im Gefängnis verbringen, die "Lichter" so sehr wie das Brot.
Das junge Blut hört in der Tat mehr auf seine Gefühle als auf den Verstand. Doch Wünsche und Gefühle sind blind. Sie sehen die Folgen nicht. Ihre Vorliebe gilt dem Dirhem (3g) voll Lust im Hier und Jetzt, nicht dem Batman (8kg) voll Lust im Dort und Danach. Sie töten voll Lust in einer Minute der Rache und erleiden sodann achtzigtausend Stunden Gefangenschaft. Und im Rausch einer Stunde zerstören Ausschweifungen dort, wo es um die Ehre geht, mit Tausenden von Tagen im Gefängnis, mit Kummer und Sorgen und der Angst vor den Feinden das Glück eines Lebens.
Angesichts alles dessen haben unerfahrene junge Leute so vielgestaltige Abgründe vor sich, welche alle Süßigkeit des Lebens in Bitterkeit und Bedauern verwandeln und besonders im Norden gibt es ein großes Land, das über die Jugend und ihre Leidenschaften bestimmt und mit seinen Stürmen unser Zeitalter erschüttert. Denn es sieht die sittenreinen Töchter und ehrenhaften Frauen der Menschen für junge Leute, die blind in ihren Gefühlen die Folgen nicht sehen, als erlaubt an. Ja dadurch, dass es den Männern und Frauen erlaubt, nackt zusammen ins Bad zu gehen, fördert es sogar noch diese Unzucht. Zudem betrachtet es das Gut der Reichen für Gauner und arme Leute als erlaubt, sodass alle Menschen vor einer
derartigen Katastrophe erzittern.
Also ist es in unserem Jahrhundert für die islamische Jugend allgemein und besonders für die türkische dringend notwendig, dass sie dieser Gefahr, die ihr von beiden Seiten droht, mutig und standhaft mit dem scharfen Schwert der Risale-i Nur, nämlich mit der Risale "Früchte" und "Wegweiser für die Jugend" entgegentritt. Anderenfalls wird diese Jugend in ihrer Unerfahrenheit ihre Zukunft sowohl in dieser Welt und das Glück ihres Lebens, als auch die jenseitige Glückseligkeit und das ewige Leben in Schmerzen und Qualen verwandeln und zu Grunde richten, sich durch Missbrauch und Ausschweifung ins Krankenhaus und durch Gesetzlosigkeit ins Gefängnis bringen. In ihrem Alter wird sie dann mit Seufzen und Wehklagen viel zu bedauern haben. Wenn sie sich jedoch durch die qur'anische Bildung und die lichtvolle Botschaft zu bewahren weiß, wird sie zu einer so starken und mutigen Jugend heranreifen, zu vollkommenen Menschen und glücklichen Muslimen werden, welche Königen gleichen über die Tiere und alles, was da lebt.
Wenn ein junger Mann nur eine einzige von vierundzwanzig Stunden seines Lebens täglich im Gefängnis für das fünfmalige Gebet aufwendet, und wenn er, da das Gefängnis ihn sehr häufig daran hindert, zu sündigen, auch den Fehler bereut, der ihn in dieses Unglück gestürzt hat, und sich von den übrigen Sünden zurückhält, die ihm Schaden und Leiden bringen, wird er daraus einen großen Nutzen sowohl für sein Leben, als auch für seine Zukunft, als auch für sein Land, als auch für sein Volk, als auch für seine Familie ziehen und sich in diesen zehn, fünfzehn vergänglichen Jahren seines jungen Lebens eine ewige strahlende Jugendzeit verdienen, so wie uns das vor allem der Qur'an, ein Wunder der Verkündigung, und alle die Heiligen Bücher und Offenbarungsschriften zuverlässig berichten und verkündigen.
Dankt er für seine Jugendzeit, dieses schöne Gnadengeschenk, in Geradlinigkeit und im Gehorsam, wird er durch sie in der Tat wachsen und reifen, sie wird ihm für
die Dauer und zur Freude sein. Anderenfalls wird sie ihm sowohl Unglück bringen, als auch in Schmerzen, Leiden und Alpträumen, die sie ihm verursacht, vergehen. Sie wird ihm zu einer Ursache, zu einem Haderlumpen werden, der sowohl seinen Verwandten, als auch seinem Volk und Land Schaden bringt.
Einem Gefangenen, der zu Unrecht eingesperrt wurde, vorausgesetzt, er verrichtet seine Gebete, wird jede Stunde zu einem Tag der Anbetung und das Gefängnis gilt ihm als Einkehrhaus, den Höhlen gleich, in die sich in alter Zeit die Einsiedler, denen gleich auch er zu den Frommen gezählt werden darf, zum Gebet zurückzogen.
Jemandem, der arm, alt und krank ist und sich an den Glaubenswahrheiten begeistert und dabei seine Gebete verrichtet und bereut, wird jede Stunde einer zwanzigstündigen Anbetung gleich und das Gefängnis gilt ihm als ein Erholungsheim, und seinen Freunden, die ihn mit Güte umgeben, als ein Haus, in dem man sich begegnet, ein Haus, in dem man Bildung erwirbt und ein Haus, in dem man Erfahrungen austauscht. Während seines Aufenthaltes im Gefängnis vermag er die Freiheit, frei von aller Verunsicherung und den Verlockungen der Sünde draußen, weit mehr zu genießen. Im Gefängnis vervollständigt sich seine Bildung. Zum Zeitpunkt seiner Entlassung wird er dann nicht mehr als ein Mörder, als ein Rächer hinausgehen, sondern als ein Mann, der bereut hat, der erfahren, gebildet und ein nützliches Mitglied der menschlichen Gesellschaft geworden ist.
Im Gefängnis in Denizli haben einige dort zuständige Persönlichkeiten, nachdem sie gesehen hatten, wie Menschen, welche aus den "Lichtern" die Unterweisung in gutem Benehmen auf wunderbare Weise in kurzer Zeit in sich aufgenommen haben, gesagt: "Anstatt sie fünfzehn Jahre zur Züchtigung ins Gefängnis zu werfen, hätte man sie besser fünfzehn Wochen lang in der Risale-i Nur unterweisen sollen. Das hätte sie viel mehr gebessert."
Der Tod stirbt nun einmal nicht und die Todesstunde ist unbekannt. Sie kann jederzeit kommen. Das Grab wird
nun einmal nicht verschlossen. Schar um Schar steigt hinab und entschwindet. Der Tod ist nun einmal für die Leute des Glaubens die Umwandlung einer Verurteilung, für ewig verloren zu sein, in den Bescheid ihrer Entlassung, wie dies nach der Lehre des Qur'an aufgezeigt wird, während er für die Leute des Irrweges und der Ausschweifung in deren Augen nichts als einen Verlust und Verlorenheit auf ewig bedeutet, eine ewige Trennung von Allem, was da war und lebte und ihnen teuer war. Es besteht bestimmt und ganz bestimmt kein Zweifel daran, dass der Glücklichste derjenige ist, der dankt in Geduld und die Zeit seiner Inhaftierung dazu nutzt, Unterricht in den "Lichtern" zu nehmen und sich im vorgegebenen Rahmen der Rechtmäßigkeit darum bemüht, dem Glauben und dem Qur'an zu dienen.
Oh Mensch, der du dem Vergnügen und dem Genuss verhaftet bist! Mir ist in meinem fünfundsiebzigsten Lebensjahr durch tausende von Erfahrungen, Zeugnisse und Erlebnisse mit augenscheinlicher Sicherheit klar geworden: Wahren Genuss, Freude ohne Schmerz, Lust ohne Leid und das Glück im Leben findet man nur, wenn man es im Glauben und im Lichte der Glaubenswahrheiten betrachtet; wenn nicht, hat ein irdischer Genuss viele Schmerzen zur Folge. Es ist, als ob man für eine Traube, die man isst, zehn Ohrfeigen erhielte, was einem den Genuss im Leben vergällt.
Oh ihr Armen, die ihr ins Unglück des Kerkers gestürzt worden seid! Da euch nun einmal die Welt weint und euch das Leben bitter geworden ist, müsst ihr euch nun darum bemühen, dass euch nicht auch noch das Jenseits weint, sondern euch ein ewiges Leben lächelt, es euch süß werde, und ihr so aus eurem Kerker einen Nutzen zieht. So wie angesichts des Feindes eine Stunde Wache unter schwierigen Umständen manchmal einem Jahr Anbetung gleich gewertet wird, genauso wird für euch unter diesen schwierigen Bedingungen jede Stunde, die ihr euch um das Gebet bemüht, vielen Stunden gleich und eure Mühen wenden sich in Erbarmen.
* * *
باِسْمِهِ سُبْحَانَهُ ٭ اَلسَّلاَمُ عَلَيْكُمْ وَرَحْمَةُ اللّهِ وَبَرَكَاتُهُ
{"Im Namen des Hochgelobten! Der Friede Allahs, Sein Erbarmen und Sein Segen mögen mit euch sein!"}
Meine lieben, treuen Brüder,
Den in das Elend des Kerkers Gestürzten und denen, die ihnen von Außen kommend in Güte und Treue Nahrung und Hilfe bringen, möchte ich "Drei Punkte" zu ihrem besonderen Trost erklären.
Erster Punkt:
Die im Kerker verbrachten Tage des Lebens können für den, der jeden Tag verdienstvoll zu gestalten vermag, je zu zehn Tagen Anbetung werden, und wer die vergänglichen Stunden umzuwandeln versteht, dem werden sie in ihren Früchten zu bleibenden Stunden für die Seele und er kann sich in diesen fünf oder zehn Jahren Strafe vor Millionen Jahren einer ewigen Kerkerhaft retten. So besteht denn die Bedingung dafür, diesen so großen und so wertvollen Gewinn zu erwerben darin, dass man das Gebet verrichtet, die Sünden bereut, welche die Ursache dieser Gefängnisstrafe waren, und in Geduld Dank sagt. Das Gefängnis ist ja schon ein Hindernis gegenüber so vielen Sünden und lässt eine Gelegenheit dazu nicht entstehen.
Zweiter Punkt:
Das Ende einer Freude ist ein Schmerz, so wie das Ende eines Schmerzes Freude ist. Jeder, der sich vergangener, froher und freudiger Tage erinnert, verspürt im Seufzen seiner Seele einen Schmerz über den Verlust und sagt: "Oh, weh!". Wenn er sich seiner vergangenen unglücklichen, leidvollen Tage erinnert, verspürt er über ihrem Entschwinden eine Freude in seiner Seele, sodass er sagt: "Elhamdulillah, dieses Unglück hat einen Verdienst mit sich gebracht und ist vorübergegangen." Freudig atmet er auf. Das heißt also, dass eine Stunde vorübergehender Schmerzen in der Seele eine geistige Freude hinterlässt und eine frohe Stunde im Gegenteil einen Schmerz zurücklässt.
Da dies nun einmal eine Tatsache ist und da nun einmal die Stunden eines vergangenen Unglücks zusammen mit ihren Schmerzen entschwunden und in Nichts zerronnen sind und die Tage künftigen Unheils ein Nichts und nicht vorhanden sind und es im Nichts keinen Schmerz gibt und ein Schmerz aus dem Nichtsein nicht kommen kann, so wäre es doch sicherlich ein Irrsinn, wenn zum Beispiel jemand, aus der Möglichkeit heraus in einigen Tagen Hunger und Durst zu leiden, heute schon in dieser Vorstellung fort und fort Brot äße und Wasser tränke, was doch sicherlich ein Irrsinn wäre, in gleicher Weise, wollte er jetzt schon an die Stunden vergangener und kommender Schmerzen, die nicht mehr oder noch nicht da sind, denken und sich ungeduldig zeigen, die Fehler seiner Seele außer Acht lassen, stattdessen aber "Ach und Weh!" seufzen, und Gott deswegen anklagen.
Verausgabt man nicht die Kraft seiner Geduld nach rechts und links, das heißt für Vergangenes und Zukünftiges, bewahrt sie stattdessen für die gegenwärtige Stunde und den heutigen Tag, so genügt das. Das Unbehagen geht von zehn auf eins zurück. Wenn ich mich auch keineswegs darüber beklagen will, so hat mir doch in dieser dritten Schule des ägyptischen Joseph, nach einigen Tagen im Unglück meiner körperlichen und geistigen Bedrängnis und Krankheit, besonders der Verzweiflung darüber, dass man mir den Dienst an der Risale-i Nur unmöglich gemacht hat, und der zermürbenden Unruhe in meinem Herzen und in meiner Seele die Gnade Gottes diese obige Wahrheit aufgezeigt. Auch ich bin in der Plage meiner Krankheit und meiner Gefangenschaft zufrieden, denn: "Für den, der so wie ich, hilflos an der Schwelle zum Grabe eine Stunde in Gottvergessenheit vorübergehen lassen könnte, ist es ein großer Gewinn, daraus zehn Stunden der Anbetung zu machen." habe ich gesagt und dafür gedankt.
Dritter Punkt:
Den Gefangenen in Liebe zu helfen und zu dienen, ihnen den notwendigen Lebensunterhalt zukommen zu lassen, die Wunden und Schmerzen ihrer Seele mit dem Balsam der Tröstung zu lindern, ist mit
wenig Mühe eine verdienstvolle Handlung und ihnen die Speisen zu reichen, die ihnen von außen gebracht werden, wird diesen Wächtern und denen, die innerhalb wie außerhalb mit den Wächtern zusammenarbeiten, einem Almosen gleich, in das Buch ihrer guten Werke eingetragen. Ist insbesondere der Unglückliche noch dazu alt oder krank oder arm oder ein Fremdling, so vermehrt sich noch beträchtlich der Lohn solcher wohltätigen, einem Almosen gleichenden Handlungen.
So ist die Bedingung für ein so hohes Verdienst die Verrichtung der vorgeschriebenen Gebete, damit dieser Dienst um Gottes Willen sein solle. Zudem ist es noch eine Bedingung, in Treue, mit Liebe und Freude, ohne einen Dank zu erwarten, zu einer solchen Hilfeleistung zu eilen.
* * *
بِاسْمِهِ سُبْحَانَهُ ٭ وَاِنْ مِنْ شَيْءٍ اِلاَّ يُسَبِّحُ بِحَمْدِهِ ٭ اَلسَّلاَمُ عَلَيْكُمْ وَ رَحْمَةُ اللّهِ وَ بَرَكَاتُهُ اَبَدًا دَائِمًا
{"Im Namen des Hochgelobten; und fürwahr; es gibt kein Ding, das nicht lobend Ihn preist; Der Friede Allahs, Sein Erbarmen und Sein Segen mögen mit ihnen sein, immer und ewig."}
Oh meine Mitgefangenen und Brüder im Glauben!
Um euch sowohl vor den Qualen in dieser Welt als auch vor den Qualen in jener zu erretten, ist mir in meinem Herzen eine Ermahnung zuteil geworden, euch die folgende Wahrheit zu erklären:
Beispiel: Es habe jemand eines anderen Bruder oder Verwandten getötet. Diese eine Minute der Befriedigung seiner Rachegelüste durch einen Mord zieht sowohl Millionen von Minuten in Herzensqualen als auch eine Gefängnisstrafe nach sich. Zudem sind die Verwandten des Ermordeten durch Rachegedanken und Vorstellungen, die ständig um ihre Feinde kreisen, um den Reiz des Daseins gebracht und haben ihre Freude am Leben
verloren. So leiden sie einerseits unter Furcht und andererseits quälen sie sich noch in ihrem Zorn. Dagegen gibt es nur ein Mittel und das heißt: Dem Befehl des Qur'an entsprechend und so wie es Gerechtigkeit und Wahrhaftigkeit, das Wohl und menschlich wie islamisch richtiges Verhalten empfiehlt und erfordert, Frieden zu schließen und sich zu versöhnen.
Wahrhaftigkeit und Wohlverhalten bedeuten in der Tat den Frieden. Denn es gibt nur eine Todesstunde und die verschiebt sich nicht. Jener Ermordete hätte in jedem Falle nicht länger als bis zum Eintritt seiner Todesstunde verweilen können. Was aber den Mörder betrifft, so ist er zu einem Werkzeug göttlicher Vorausschau geworden. Wo es keine Versöhnung gibt, leiden beide Seiten ständig unter der Geißel der Blutrache und der Furcht vor ihr. Darum befiehlt der islamische Glaube: "Mehr als drei Tage soll ein Gläubiger einem anderen Gläubigen nicht zürnen." Besonders aber dann, wenn dieser Mord nicht die Folge einer Feindschaft oder hasserfüllter Rachegedanken war, wenn jemand als ein Werkzeug der Zwietracht dazu aufgehetzt hatte, ist es dringend notwendig, sich rasch wieder zu versöhnen, sonst wird aus dem Unglück eines Einzelnen eine allgemeine Tragödie und setzt sich so fort. Schließt man aber miteinander Frieden und bereut der Mörder seine Tat und betet immer wieder für sein Opfer, dann werden beide Seiten ein hohes Verdienst erwerben und einander wie Brüder werden.
So gewinnt man im Glauben gleich mehrere Brüder anstelle des einen dahingeschiedenen. Dort wo man sich der göttlichen Vorausschau anvertraut, sich in das Geschehene und in den Willen Gottes ergibt, seinem Feinde verzeiht, dort wird man, da alle nun einmal die Lektionen aus der Risale-i Nur gehört haben, sicherlich auch jeglichen Groll untereinander aufgeben, was ja das Wohlverhalten des Einzelnen und die Befriedung aller, als auch die Brüderlichkeit nach der Lehre der "Lichter" erfordert.
Ebenso wie alle Gefangenen im Gefängnis von Denizli, die einander Feinde waren, durch die Unterweisungen der
"Lichter" einander Brüder geworden sind und dies auch zu einem Grund für unseren Freispruch geworden ist und dies alle (ja sogar die Gottlosen und die Schurken) dazu gebracht hat, angesichts der Gefangenen "Mashaallah, Barekallah" zu sagen und alle Gefangenen wieder aufatmen durften,
{Die miteinander verfeindeten Gefangenen hatten es bis dahin aus Angst und Misstrauen gegeneinander verhindert, miteinander in den Hof zu gehen. Der hier verwendete türkische Ausdruck bedeutet sowohl "aufatmen" als auch "Luft schöpfen, Pause machen". (A.d.Ü.)}
habe auch ich gesehen: Wegen eines einzigen Menschen mussten hundert Menschen leiden und konnten nicht miteinander zur Pause gehen. Sie wurden unter Druck gesetzt. Ein Gläubiger, der ein Mann ist und ein Gewissen hat, wird nicht wegen kleiner, persönlicher Misshelligkeiten oder Vorteile hundert andere leiden lassen. Hat er einen Fehler begangen, soll er schnell um Vergebung bitten.
* * *
بِاسْمِهِ سُبْحَانَهُ ٭ وَاِنْ مِنْ شَيْءٍ اِلاَّ يُسَبِّحُ بِحَمْدِهِ
{"Im Namen des Hochgelobten; und fürwahr; es gibt kein Ding, das nicht lobend Ihn preist."}
Meine lieben neu gewonnenen Brüder und seitherigen Mitgefangenen;
Ich bin zu der festen Überzeugung gelangt, dass ein wichtiger Grund für unsere Einlieferung hier gemäß der Gnade Gottes gerade ihr seid. Es geschieht dies nämlich, um euch durch die Tröstungen der "Lichter" und die Glaubenswahrheiten in der Bedrängnis durch das Unglück eurer Gefangenschaft und der Nutzlosigkeit eures Lebens, das euch aus den vielen schädlichen Einflüssen in dieser Welt mit ihrem Kummer und den vergeblichen Sorgen erwächst, seiner Sinnlosigkeit und Verlorenheit und vor einem solchen Weinen im Jenseits, wie es dem Weinen hier im Diesseits gleicht, zu retten und euch so eine
vollkommene Tröstung zu bringen. Unter den gegebenen Umständen solltet sicherlich auch ihr, wie die Gefangenen in Denizli und die Nur-Schüler, miteinander Brüder werden. Ihr seht ja: Um zu verhindern, dass ein Messer hereingebracht wird, mit dem ihr euch gegenseitig bedrohen könntet, werden alle Dinge, die von außen herein gebracht werden, das Essen, das Brot und die Suppe, untersucht. Die Wächter, die euch in Treue dienen, geben sich große Mühe. So solltet auch ihr, wenn ihr miteinander zur Pause geht, nicht wie Wölfe und wilde Tiere über einander herfallen.
So sollt ihr denn nun heute, ihr, in deren Adern das Blut derer rollt, die als tapfere Männer geboren wurden, als die neuen Kameraden, mit einer großen, inneren Standhaftigkeit zu euren Oberen sagen:
"Gäbe man in unsere Hände nicht nur ein Messer, nein, selbst ein Gewehr oder einen Revolver und gäbe man uns selbst den Befehl dazu, wir würden unseren armen Kameraden, die wie wir im Unglück sitzen, kein Haar krümmen. Auch hätten wir früher hunderterlei Arten von Hass und Feindschaft gegeneinander getragen, so sind wir doch nun entschlossen, unser Recht ihnen gegenüber zu löschen und uns darum zu bemühen, sie nicht zu kränken, wie es uns der Qur'an, der Glaube, die islamische Brüderlichkeit und unser Wohlverhalten befiehlt und lehrt." So wandelt denn nun dieses Gefängnis zu einer segensreichen Schule um.
Eine wichtige Anmerkung, die mir in der Nacht "Qadr" offenbar wurde.
Anhang zum zweiten Kapitel des "Dreizehnten Wortes"
In der Nacht "Qadr" ist mir eine Wahrheit lang und breit ins Herz gedrungen, die ich hier ganz kurz ausdeuten möchte. Es ist dies wie folgt:
Aufgrund der furchtbaren Ungerechtigkeiten und der furchtbaren Unterdrückung der Menschheit in diesem letzten Weltkrieg und seiner gnadenlosen Zerstörungen und der vielen hundert Unschuldigen, die wegen eines einzigen feindlichen Soldaten zu Grunde gerichtet wurden, und der schrecklichen Verzweiflung der Besiegten und der schrecklichen Panik der Sieger, weil sie ihren Herrschaftsbereich nicht verteidigen können, und ihrer schrecklichen Gewissensqualen, weil sie den großen Schaden nicht wieder gutmachen können, und der allgemeinen Einsicht in die totale und absolute Nichtigkeit und Vergänglichkeit des irdischen Lebens und in die Trug und Traumbilder der Zivilisation, und der allgemein verbreiteten schrecklichen Verwüstungen in den großartigen Anlagen und im Kern humanistischer Gesinnung auf dem Grunde menschlichen Wesens, und der Vertreibung von Gottvergessenheit, Irrglaube und tauber, unfruchtbarer Naturphilosophie mit dem diamantenen Schwerte des Qur'an, und der Erkenntnis des so hässlichen und so erbärmlichen wahren Gesichts der allgemein über die Erde verbreiteten Politik, deren trügerischer Schleier aus Gottvergessenheit und Irrtum alles überdeckt und erstickt, besteht sicher und gewiss kein Zweifel daran, dass die Menschheit, wie wir das im Norden, im Westen und in Amerika bereits in Spuren erkennen können, weil das irdische Leben, das ihre weltliche Geliebte ist, so abstoßend und vergänglich ist, auf ihrer Suche nach ihrem in Wahrheit geliebten Menschenwesen das ewige Leben mit ganzer Kraft suchen wird, und es besteht sicherlich
auch kein Zweifel daran, dass es der Qur'an, ein Wunder der Verkündigung, der seit 1360 Jahren mit seinen 350 Millionen Schülern in jedem Jahrhundert und Millionen Kennern der Wahrheit, die alle seine Verordnungen und Lehren mit ihrer Unterschrift bestätigen, der in den Herzen von Millionen seiner Rezitatoren wohnt, mit deren Zungen er in jeder Minute die Menschen unterrichtet, der in einer Weise, die keinem anderen Buche vergleichbar ist, der Menschheit die frohe Botschaft vom ewigen Leben und der ewigen Glückseligkeit verkündet, der die Wunden der ganzen Menschheit heilt, dass es dieser Qur'an ist, den, weil er mit tausenden von Ayat mächtig und kraftvoll immer wieder, ja sogar zehntausend Mal ausdrücklich oder hinweisend einlädt und berichtet und mit unerschütterlich sicheren Beweisen, mit zahllosen, unbezweifelbaren Zeugnissen die frohe Gewissheit vom ewigen Leben ausruft und die Lehre von der ewigen Glückseligkeit bringt, die Menschheit sicherlich, falls sie nicht ganz und gar den Verstand verloren hat, oder der Untergang der materiellen oder geistigen Welt über sie hereingebrochen ist, wie die berühmten Schriftsteller, die sich darum bemühen, dass in Schweden, Norwegen, Finnland und England der Qur'an angenommen werden möge, und wie die bedeutende Gruppe in Amerika, die den wahren Glauben sucht, ja große Länder und ganze Staatenbünde diesen Qur'an, dieses Wunder der Verkündigung, suchen, und nachdem sie seine Wahrheit verstanden hat, mit ganzem Herzen und ganzer Seele annehmen wird.
Denn vom Standpunkt der Wahrheit aus betrachtet, hat der Qur'an mit Sicherheit nicht Seinesgleichen und nichts kann den Platz dieses so großen Wunders einnehmen.
Die Risale-i Nur hat in der Hand des großen Wunders (d.h. des Qur'an) nicht nur als ein diamantenes Schwert gute Dienst erwiesen und ihre verstockten Feinde zur Aufgabe gezwungen, sondern vermag zudem auch das Herz, den Geist und auch die Gefühle vollständig zu erleuchten, ihnen Heilmittel zu bereiten und auf diese Weise die Schätze des Qur'an bekannt zu machen.
Die Risale-i Nur kennt außer ihm kein Quellen- oder Nachschlagewerk, widerspiegelt vielmehr seine Bedeutung vollkommen, hat alle Gegenpropaganda überstanden und die so starrsinnigen Atheisten vollständig besiegt. Sie hat die so feste und starke Burg der Naturphilosophen mit ihrer "Natur Risale" in Stücke geschlagen und die sich bis in weite Fernen ausdehnende Finsternis einer völlig undurchdringlichen, erstickenden Gottvergessenheit vertrieben, die sich so weit ausdehnenden Schleier der Naturwissenschaften mit der sechsten Problemstellung der "Frucht Risale" und mit dem ersten, zweiten, dritten und achten Zeugnis in dem Band "Stab Mosis" auf eine wirklich glänzende Weise zerrissen und das Licht der Einheit Gottes aufscheinen lassen.
Die sechste Problemstellung aus der "Frucht-Risale"
Den Erklärungen in den meisten Abschnitten der Risale-i Nur und dem Beweis durch zahllose unwiderlegbare Zeugnisse entsprechend wird hier nur ein Hinweis auf ein einziges Zeugnis unter tausenden allgemeingültigen für den Glauben an Allah angeführt.
Ein Teil der Schüler des Gymnasiums in Kastamonu besuchte mich. Sie sagten: "Unterrichte uns bitte über unseren Schöpfer. Unsere Lehrer in der Schule sprechen von Allah überhaupt nicht."
Ich sagte ihnen: Jede Wissenschaft, die euch in der Schule gelehrt wird, spricht ständig auf ihre eigene Art von Allah und unterrichtet über den Schöpfer. Wendet also eure Aufmerksamkeit dieser und nicht den Lehrern zu.
Zum Beispiel:
Eine vollkommen eingerichtete Apotheke, ausgestattet mit zahllosen Tuben und Gläsern, in denen sich lebensspendende Seren und Arzneimittel - zusammengestellt mit Hilfe einer hochempfindlichen Waage - befinden, weist ohne Zweifel auf einen hochgelehrten Chemiker, Arzt und Apotheker hin. Ebenso weisen auch die Seren und Arzneimittel in den Tuben und Gläsern, mit denen wir die 400 tausend verschiedenen Pflanzen- und Tierarten vergleichen können, die sich in der Apotheke unserer Erde finden, selbst noch blinde Augen darauf hin, in welchem Maße vollkommener und größer als diese Apotheke in unserer Straße die große Apotheke der Welt sein muss, und der Apotheker und Arzt in all Seiner Majestät in ihr, wenn ihr sie mit den Maßstäben der medizinischen Wissenschaft betrachtet, die ihr studiert.
Ein weiteres Beispiel:
Eine wundervolle Fabrik, die tausende verschiedener Stoffe aus einfachem Material webt, unterrichtet uns zweifelsfrei über ihren Fabrikanten und hochgelehrten Maschinenbauer.
Ebenso teilt uns auch diese rollende Produktionsanlage
des Herrn, die wir unsere Erde nennen, mit ihren hunderttausenden von Lieferungsausgängen und hunderttausenden vollständiger Fabriken an jedem einzelnen von ihnen, mit und unterrichtet uns darüber, in welchem Grade der Erbauer und Besitzer dieser Erdkugel, mit den Maßstäben der Maschinenbaukunde, die ihr studiert, größer und vollkommener ist, als diese Fabrik von Menschenhand.
Ein weiteres Beispiel:
Ein vollständig eingerichtetes Depot, ein Lebensmittellager, ein Laden, in dem tausend und noch eine verschiedener Güter von allen Seiten herangeholt geordnet und bereitgestellt liegen, lässt uns zweifelsfrei erkennen, wer es verwaltet und sein Herr und Besitzer ist. Ebenso lässt uns dieses Depot, dieser Laden des Herrn mit seinen tausend und noch einem verschiedenen Geräten, Gütern und Konservenpaketen, erkennen, in welchem Maße dieses Raumschiff des Hochgelobten, das ein Lebensmittellager des Allerbarmers ist und das wir unsere Erde nennen, die in einem Jahr ihre regelmäßige Reise in einem Kreis von 24 tausend Jahren Fußweg beschreibt, dabei noch hunderttausend Arten trägt, die der verschiedensten Speisen bedürfen, und das auf seiner Fahrt durch die Jahreszeiten reist, wobei der Frühling einem großen Waggon - gefüllt mit tausenden verschiedenster Speisen für die notleidenden Lebewesen - gleicht, die ihre Nahrung im Winter aufgezehrt haben, verglichen mit den Maßstäben der Wirtschaftswissenschaften, die ihr studiert habt und noch studieren werdet, größer und vollkommener ist als diese Anlagen und unterrichtet uns dementsprechend mit vollkommener Sicherheit über den Herrn, der dieses Depot lenkt, leitet und verwaltet, das unsere Erdkugel ist, und weckt unsere Begeisterung für Ihn.
Ein Heer, in dem sich 400 tausend Völker zusammenfinden, deren jedes nach seiner eigenen Verpflegung verlangt, seine eigenen Waffen benötigt, seine eigene Kleidung trägt, deren jedes nach eigener Anordnung übt und nach einem anderen Zeitraum entlassen wird, dieses Heer und sein Lager mit seinem Kommandanten, der einzig
und allein allen diesen verschiedenen Völkern ihre ganz unterschiedliche Verpflegung und völlig verschiedenen Waffen, ihre Kleidung und Ausrüstung gibt, ohne dabei etwas zu vergessen oder zu verwechseln, weist offensichtlich und ohne allen Zweifel auf eben diesen wunderbaren Kommandanten hin und weckt unsere Begeisterung für ihn. Ebenso lässt auch das Heerlager, das sich in jedem Frühling über das Antlitz der Erde erhebt und aufs Neue seine Waffen aufnimmt, ein neues Heer des Hochgelobten aus 400 tausend Tier- und Pflanzenvölkern, die ganz verschiedene Bekleidung, Verpflegung und Ausrüstung erhalten und denen ein einziger allmächtiger Oberbefehlshaber in vollendeter Ordnung ihre Stellungs- und Entlassungsbefehle erteilt, ohne irgendetwas zu vergessen oder zu verwechseln, für jeden, der seinen Verstand beisammen hat, erkennen, in welchem Maße dieses Heerlager der Erde im Frühling, verglichen mit den Maßstäben der Militärwissenschaft, die ihr studieren wollt, größer und vollkommener ist als das obenerwähnte menschliche Heer und Heerlager, und unterrichtet uns dementsprechend, Ihn mit Lobpreis und Bewunderung als unseren Herrn und Herrscher, der die Welt lenkt und befehligt in Heiligkeit anzunehmen, erweckt in uns Dank und Verehrung und ruft unsere Begeisterung für Ihn wach.
In einer wunderbaren Stadt mit Millionen von kreisenden elektrischen Lampen, die überall hin gelangen, lassen diese Lampen, die immer mit Brennstoff versorgt sind, und ihre Fabrikation offensichtlich und ganz ohne Zweifel ihren wunderwirkenden Meister und über alles fähigen Elektriker, der die Fabrik erbaut und die kreisenden Lampen erschaffen hat und sie mit Brennstoff versorgt, der auch die elektrischen Anlagen überwacht, voll Bewunderung erkennen, segnen und sich für ihn begeistern.
Ebenso stoßen auch die Sternenlampen an der Schlossdecke der Welt in dieser kosmischen Stadt, obwohl doch einige von ihnen - nach Aussage der Astronomen - tausendmal größer sind als unsere Erdkugel und sich siebzigmal schneller bewegen als eine Kanonenkugel, nicht
miteinander zusammen, erlöschen nicht und sind stets mit Brennstoff versorgt. Auch unsere Sonne, die, wie ihr gehört habt, nach Aussage der Astronomen millionenmal größer als unsere Erde ist und viele Millionen Jahre alt und eine Lampe und ein Ofen in diesem Gasthaus des Allbarmherzigen und für die täglich so viele Meere an Heizöl notwendig wären, wie die Ozeane der Erde, oder ganze Gebirge von Kohle oder Holzstöße, so groß wie tausend Erden, um sie nicht ausgehen zu lassen, und die erhabenen Sterne, die wie sie ohne Öl, ohne Holz und ohne Kohle brennen und nicht auslöschen und rasch miteinander dahineilen, ohne aneinander zu stoßen, weisen mit ihren Lichtfingern auf die allumfassende Gewalt und Herrschaft Gottes hin und zeigen uns, um wie vieles größer und in welchem Maße vollkommener als in diesem unserem Beispiel, die Lampen und Leuchten dieses Weltenschlosses in unserer wundersamen kosmischen Stadt sind.
Wenn ihr die Elektrotechnik dementsprechend studiert oder noch studieren werdet, wird sie uns in gleichem Maße über den König unterrichten, der dieses gewaltige Ausstellungsgelände des Kosmos eingerichtet hat und es verwaltet und dessen die leuchtenden Sterne Zeugen sind und deren Beleuchtungsmeister Er ist, und in Lobpreis und Verherrlichung unsere Begeisterung und Verehrung für Ihn wecken.
Gäbe es, um ein weiteres Beispiel anzuführen, ein Buch, in dessen einzelne Zeilen sehr klein ein ganzes Buch hineingeschrieben sei und in dessen einzelne Worte mit feinem Stift eine Sure des Qur'an hineingeschrieben sei, ein sehr bedeutungsvolles Buch, in dem sich alle Themen gegenseitig stützen und ergänzen, so zeigte dieser wunderbare Band die außerordentlichen Fähigkeiten und Begabungen seines Schreibers und Verfassers und ließe uns ohne Zweifel, klar wie der Tag, die Vollkommenheit seines Schreibers, seines Autors, erfahren und seine Kunstfertigkeit erkennen. Es würde uns dazu veranlassen, "Mashaallah, Barekallah!" zu sagen und unsere Verehrung
zum Ausdruck zu bringen. Ebenso lässt auch dieses große Buch der Schöpfung, in dem eine einzige Seite die Oberfläche unserer Erde ist und auf ihr ein einzelner Bogen der Frühling mit seinen 400 tausend Tier- und Pflanzenarten, die 400 tausend Büchern gleichen, und in dem, wie wir mit eigenen Augen sehen, ein Wort gleich einem Baum wie eine Kasside oder ein Kern gleich einem Punkt fehlerlos, makellos, ohne sich zu irren oder etwas zu verwechseln, vollkommen und wohlgeordnet eines im anderen das vollständige Verzeichnis eines Buches niedergeschrieben wurde, von einer Feder bewerkstelligt, dieser Sammelband des Alls erkennen, dass diese Verkörperung des Großen Qur'an der Welt, in dem sich so unendlich viele Bedeutungen und mit jedem Wort so viele Weisheiten finden, so viel größer, vollkommener und bedeutender ist, als unser Buch in dem obenerwähnten Beispiel und wie im gleichen Grade, betrachtet mit dem großen Maßstab und dem scharfen Blick der Physik, die ihr lernt, und durch die Lese- und Rechtschreibkunde, die ihr in der Schule praktisch übt, der Designer dieses kosmischen Buches und sein Schreiber so grenzenlos vollkommen ist.
Es macht Ihn durch das Wort "Allahu Ekber" bekannt, heiligt und erhebt Ihn mit "Subhanallah", lobpreist Ihn mit "Elhamdulillah" und weckt unsere Begeisterung für Ihn.
So ermöglicht also einem Menschen jede von Hunderten von Wissenschaften sowie die obenerwähnten Wissensbereiche mit ihren geeichten Maßstäben, ihrem eigenen Spiegel und mit ihrer weitsichtigen Optik eine Betrachtungsweise, durch die er den glorreichen Schöpfer dieses Kosmos in Seinen Namen erkennen, Ihn durch Seine Attribute und in Seiner Vollkommenheit schauen kann.
So ist es denn, um diesen obenerwähnten Beweis zu führen, der ein wunderbares und glänzendes Zeugnis der Einheit ist, dass der Qur'an, ein Wunder der Verkündigung, so häufig die folgenden Verse wiederholt:
رَبُّ السَّمٰوَاتِ وَاْلاَرْضِ ٭ خَلَقَ السَّمٰوَاتِ وَاْلاَرْضَ
{"Herr der Himmel und der Erde." - "Er schuf die Himmel und die Erde."}
Mit solchen Versen unterrichtet uns der Qur'an über unseren Schöpfer, habe ich den jungen Schülern gesagt. Sie haben auch alles so angenommen und zur Bestätigung gesagt: "Unendlicher Dank sei unserem Herrn dafür, dass wir eine so reine und wahrheitsgetreue Lektion erhalten haben. Möge Allah mit dir zufrieden sein!"
Da habe auch ich zu ihnen gesagt: "Der Mensch, der unter tausend verschiedenen Schmerzen leiden und tausend unterschiedliche Arten von Freuden genießen kann, ist als ein lebendiger Organismus, der über seine große Schwäche hinaus auch noch zahllose innere und äußere Feinde und über seine grenzenlose Armseligkeit hinaus auch noch von unendlich vielen äußeren und inneren Faktoren abhängig ist, ein armseliges Geschöpf, auf das unablässig die Schläge des Untergangs und der Trennung herabprasseln. Wenn er sich aber nun plötzlich dem König in Seiner Majestät voll Glaube und Anbetung verbindet und nun gegen alle seine Feinde einen Stützpunkt und in all seinen Bedürfnissen einen Quellgrund der Hilfe findet, so könnt ihr euch vorstellen, wie er, gleich jedem, der sich durch die Zugehörigkeit zu seinem Herrn geehrt fühlt und auf seinen Stand stolz ist, wenn er sich nur einem solchen allmächtigen und allbarmherzigen König gläubig verbindet, anbetend in Seinen Dienst tritt und sein ewiges Verbannungsurteil in eine Entlassungsurkunde umwandelt, in einer großen Zufriedenheit und Dankbarkeit und mit einer tiefen Ehrerbietung stolz sein kann."
Was ich damals den jungen Schülern gesagt habe, das sage ich noch einmal genauso meinen vom Unglück betroffenen Mitgefangenen: "Wer Ihn kennt und Ihm gehorcht, der ist ein Glückseliger, säße er auch in einem Gefängnis. Wer Ihn vergisst, und säße er auch in einem Schloss, der ist ein Unglückseliger."
Ja, es sagte einmal ein solcher Glückseliger, der zu
Unrecht verurteilt worden war, bei seiner Hinrichtung zu den unglückseligen Gewaltmenschen: "Ich werde nicht hingerichtet, vielmehr gehe ich mit einer Entlassungsurkunde in die ewige Seligkeit ein. Ich sehe euch aber zu ewiger Verbannung verurteilt und das ist für mich eine vollständige Genugtuung." لآَ اِلٰهَ اِلاَّ اللّٰهُ {"Es gibt keinen Gott außer Allah!"} sagte er und gab freudig seine Seele hin.
سُبْحَانَكَ لاَ عِلْمَ لَنَآ اِلاَّ مَا عَلَّمْتَنَآ اِنَّكَ اَنْتَ الْعَلِيمُ الْحَكِيمُ
{"Gepriesen seiest Du! Wir haben kein Wissen, außer dem, das Du uns gelehrt hast. Denn Du bist der Allwissende, der Allweise!" (Sure 2, 32)}
Anmerkung über "Hu!"
بِاسْمِهِ سُبْحَانَهُ ٭ وَاِنْ مِنْ شَيْءٍ اِلاَّ يُسَبِّحُ بِحَمْدِهِ ٭ اَلسَّلاَمُ عَلَيْكُمْ وَ رَحْمَةُ اللَّهِ وَ بَرَكَاتُهُ اَبَدًا دَائِمًا
{"Im Namen dessen, der gepriesen sei; und fürwahr; es gibt kein Ding, das nicht lobend Ihn preist; Der Friede (Selam) Allahs sei über euch und Sein Erbarmen und Sein Segen für immer und ewig"}
Meine sehr lieben und treuen Brüder,
Meine Brüder, ich habe bei den Worten لآَ اِلَهَ اِلاَّ هُوَ {"Es gibt keinen Gott außer Ihm."} und قُلْ هُوَ اللَّهُ {"sprich: Er ist Gott."} in dem هُوَ {"Er"} ein verborgenes Zeichen der Einheit Gottes erblickt, als ich in meiner Vorstellung eine Reise durch die Welt der Gedanken unternahm und dabei die Luft von ihrer rein materiellen Seite her betrachtete. So habe ich bemerkt, dass der Weg des Glaubens in unendlichem Grade einfach und im Grade der Notwendigkeit leicht beschreitbar ist und dass sich auf dem Weg der Abgötterei und des Irrglaubens in unendlichem Grade Schwierigkeiten und tausende von Unmöglichkeiten finden. Diese Erklärung in ihrer ganzen Länge und Breite will ich hier in einer kurzen Anmerkung zusammenfassen.
Es kann in der Tat eine Handvoll Erde der Reihe nach hunderten von Blumen als Beet dienen. Wollte man dies der Natur, den Ursachen zuschreiben, so müsste man entweder annehmen, dass in diesem Beet hunderte unsichtbarer Maschinen oder Fabriken, vielleicht ebenso viele wie Blumen, in entsprechend kleinem Maßstab vorhanden seien, oder aber, es müsste jedes kleine Stäubchen dieser Erde alle diese ganz verschiedenen Blumen mit ihren unterschiedlichen Eigenschaften und lebenden Organen herstellen können, als ob es über ein unbegrenztes göttliches Wissen und eine grenzenlose Macht verfügte.
Genauso müsste dann auch jedes Luftteilchen und ein jeder Windstoß, den der Wille und Befehl Gottes aussendet, ein Atemzug Luft, wie man ihn benötigt, um هُوَ {"Er"} zu sagen, oder so viel Luft wie unter unserem Nagel Platz hat, so viele Telefongespräche wie es in der Welt gibt, Telegrafengeräte, Radioapparate, so unendlich viele verschiedene Kommunikationszentren und Ämter, so viele Hör- und Sprechmuscheln enthalten, sodass es alle diese unendlich vielen verschiedenen Arbeiten gleichzeitig und in einem Augenblick bewerkstelligen kann, oder aber, es müsste ein Luftteilchen, in dem das Wort هُوَ {"Er"} schwingt oder jedes Atom eines Teilchens in der Atmosphäre so viele unsichtbare Persönlichkeiten und ihre Fähigkeiten in sich enthalten, wie es Telefongespräche und all die vielen anderen telegrafischen Nachrichten und Rundfunksendungen in der Welt gibt, alle ihre Sprachen kennen und gleichzeitig auch die übrigen Atome unterrichten und sich über sie verbreiten können, denn diese Funktion kann man tatsächlich zum Teil wahrnehmen und
diese Fähigkeit findet sich in allen Luftteilchen. Hier wird ganz klar sichtbar, dass sich auf dem Weg der Leute des Unglaubens, der Naturalisten und Materialisten nicht nur eine Unmöglichkeit, vielmehr so viele Unmöglichkeiten, Unvorstellbarkeiten und Schwierigkeiten befinden, wie es Atome in der Luft gibt.
Führt man aber all dies auf den Göttlichen Meister in Seiner Majestät zurück, dann wird die Luft mit all ihren Atomen zu einem Seiner gehorsamen Soldaten. Sie kann das mit Erlaubnis und durch die Macht ihres Schöpfers, durch ihre Verbundenheit mit Ihm und auf Ihn gestützt, im Aufscheinen der Kraft ihres Meisters, in einem einzigen Augenblick, blitzschnell, so leicht, wie man هُوَ {"Er"} sagt und dadurch die Luft in Bewegung setzt. Das heißt, das, was die Feder der Macht unermüdlich, wunderbar und wohlgeordnet aufzeichnet, wird zu einer Seite, wobei die Atome die Spitze dieser Feder bilden und die Funktion dieser Atome darin besteht, die Punkte aus der Feder der Göttlichen Vorausschau zu formen. Das alles geschieht mit der gleichen Leichtigkeit, mit der sich ein einzelnes Atom bewegt.
Während ich also die Worte sprach: لآَ اِلَهَ اِلاَّ هُوَ {"Es gibt keine Gottheit außer Ihm."} und قُلْ هُوَ اللَّهُ {"Sprich: Er ist Allah."} untersuchte ich auf meiner Reise durch die Welt der Gedanken das Reich der Lüfte und studierte es als ein Element und erkannte diese umfassende Wahrheit mit
augenscheinlicher Sicherheit in all ihren Einzelheiten und Zusammenhängen. So wie in dem Aussprechen des Wortes هُوَ {"Er"} und in der Luft, die man dazu benötigt, ein so glänzendes Zeugnis und ein Blitzstrahl der göttlichen Allgegenwart mit inbegriffen ist, so ist auch in seiner Bedeutung und in dem Hinweis, den es enthält, eine überaus lichtvolle Erscheinung der göttlichen Einheit in jedem Ding und ein sehr starker Beweis für die göttliche Einheit hinter allen Dingen enthalten und ein präziser Hinweis darauf, auf welche Person sich das Pronomen هُوَ {"Er"} in seinem offensichtlichen und verborgenen Sinne bezieht, woraus ich mit wissenschaftlicher Sicherheit erkannt habe, warum sowohl der Qur'an, ein Wunder der Verkündigung, als auch die Mystiker in ihrer Meditation über die Einheit dieses heilige Wort so oft wiederholen. Dafür ein Beispiel: Es ist ja doch so, dass man einen Punkt auf einem weißen Blatt mit zwei, drei anderen Punkten, die man daneben setzt, verwechselt und dass ein Mann, der viele verschiedene Aufgaben gleichzeitig erledigt, dabei durcheinander kommt, und dass ein kleines Lebewesen, dem viele Lasten aufgebürdet werden, darunter erdrückt wird, und dass eine Zunge und ein Ohr, die verschiedene Worte gleichzeitig aussprechen und aufnehmen, die Ordnung zerstören und Verwirrung anrichten. Dennoch habe ich, während ich mit dem Schlüssel und Kompass هُوَ {"Er"} durch das Reich der Gedanken reiste, mit augenscheinlicher Sicherheit gesehen, dass in jedes Luftteilchen, ja sogar in jedes einzelne Atom tausende verschiedener Punkte,
Buchstaben, Worte gesetzt sind, oder gesetzt werden könnten, und dass sie dennoch nicht durcheinander geraten und die Ordnung nicht zerstören und dennoch sehr viele ganz verschiedene Aufgaben erledigen, dass sie dennoch, ohne eine Verwirrung anzurichten, und obwohl jedes Teilchen und jedes Atom mit vielen sehr schweren Lasten beladen wird und dennoch sich nicht schwach zeigt, sie vielmehr ohne zurückzubleiben in vollkommener Ordnung trägt, ja obwohl tausende ganz verschiedener Worte, von unterschiedlichem Charakter und verschiedener Bedeutung in vollkommener Ordnung zwischen Ohr und Zunge ein- und ausgehen, etwas in diese kleinen Ohren hineintragen, ohne es zu verwechseln und zu verderben, von diesen winzigen Zungen ausgehen, und dass jedes Atom und Teilchen, während es seine bemerkenswerten Aufgaben wahrnimmt, in vollkommener Freiheit durch seinen ekstatischen Zustand, durch das Zeugnis und mit den Worten der obenerwähnten Wahrheit لآَ اِلَهَ اِلاَّ هُوَ {"Es gibt keine Gottheit außer Ihm."} und قُلْ هُوَ اللَّهُ {"Sprich: Er ist Allah."} sagt, sich hin und her bewegt und dass inmitten der Schallwellen, bei Sturm und Regen, Donner, Blitz und Ungewitter ihre Ordnung nicht gestört wird, sie ihre Aufgaben nicht verwechseln und mit keiner ihrer Tätigkeiten eine andere behindern... Dies habe ich mit augenscheinlicher Sicherheit beobachtet.
Das heißt also, es müsste jedes Atom und jedes Molekül über eine grenzenlose Weisheit, unendliches Wissen und Können, und über ein unermessliches Vermögen, Macht und solche Eigenschaften verfügen, wie sie ein absoluter Herr über alle Atome haben müsste, sodass es diese Aktivitäten durchführen könnte.
Das sind aber so viele Unmöglichkeiten und Irrigkeiten, wie es Atome gibt. Auf diesen Gedanken kann auch kein Teufel kommen. Also wird die Luft im Grade einer lebendigen, augenscheinlichen und wissenschaftlichen Gewissheit zu einer Seite für die Feder der göttlichen Macht und Vorausschau, die der Herr in Seiner Majestät mit grenzenlosem Wissen und mit unendlicher Weisheit beschreibt, zu Seiten, die Er ständig umblättert, und die einer "Wohlbewahrten Tafel" in einer veränderlichen Welt, einer Schreibtafel für Seine ewig neuen Taten gleichen und zu einer Tafel, die Er beschreibt und löscht und wieder neu beschreibt, Ihm zum Zeugnis.
So wie uns also die Luft schon als das Transportelement der Stimme in ihrer obenerwähnten Einzigartigkeit die obenerwähnte Manifestation der Einheit und Gegenwart Gottes aufzeigt und damit die zahllosen Unmöglichkeiten des Irrglaubens sichtbar macht, so versieht die Luft diese subtile Aufgabe, während zu gleicher Zeit unter anderen wichtigen Dingen die Wellen der Elektrizität und des Lichtes und die Kräfte der Anziehung und Abstoßung durch sie hindurch gehen, und während zu gleicher Zeit und in vollkommener Ordnung zu allen Pflanzen und Tieren der für ihre Atmung, Fortpflanzung und andere lebensnotwendige Dinge erforderliche Bedarf gelangt. Dies hat mich mit augenscheinlicher Sicherheit zu der Überzeugung gebracht, dass sie mit absoluter Sicherheit beweisen, ein Thron für den Willen und Befehl Gottes zu sein und es ist ganz unwahrscheinlich, ja sogar völlig unmöglich, dass diese blinden vom Wind des Zufalls umhergetriebenen Kräfte, eine taube Natur, wirre und ziellose Ursachen, tote, starre, unvernünftige Materie sich in die Aufgaben der Luft einmischen, eine Seite in ihrem Buch beschreiben könnten. Ich habe erfahren, dass jedes Atom und jedes Molekül durch seine Funktion ein لآَ اِلَهَ اِلاَّ هُوَ {"Es gibt keine Gottheit außer Ihm."}
und قُلْ هُوَ اللَّهُ {"Sprich: Er ist Allah."} sagt. Gleich wie mir dieses "Hu!" zu einem Schlüssel wurde, um alle diese wunderbaren Funktionen des materiellen Aspektes der Luft zu erkennen, so wurde mir auch die Luft selbst gleich diesem "Hu!" zu einem Schlüssel für die Welt der Bilder und zur Welt der Bedeutungen.
Tausende Selam allen!
Vierzehntes Wort
بِسْمِ اللَّهِ الرَّحْمَنِ الرَّحِيمِ ٭ آلرَ , كِتَابٌ اُحْكِمَتْ آيَاتُهُ ثُمَّ فُصِّلَتْ مِنْ لَدُنْ حَكِيمٍ خَبِيرٍ
{"Im Namen Allahs, des Erbarmers, des Barmherzigen; Alif-Lam-Ra. Dies ist eine Schrift, deren Verse eindeutig bestimmt und dann im einzelnen auseinander gesetzt sind und die von dem kommt, der Weise und über alles wohl unterrichtet ist." (Sure 11, 1)}
Zur Betrachtung einiger hoher und erhabener Wahrheiten des weisen Qur'an und der Hadithe, die ein wahrheitsgemäßer Kommentar des Qur'an sind, will ich hier als eine Hilfe für die Herzen, denen es an Ergebung und Gehorsam mangelt, auf einige Gleichnisse, wie Stufen zu diesen Wahrheiten hinweisen. Am Ende folgt dann noch die Erklärung zu einem Lehrbeispiel und zu dem Geheimnis eines Gnadenerweises. Da die Beispiele für die Wiederversammlung und die Auferstehung im "Zehnten Wort" und besonders in dessen "Neunten Wahrheit" schon besprochen wurden, brauchen wir diese hier nicht mehr zu wiederholen. Von den übrigen Wahrheiten wollen wir hier nur die "Fünf Problemstellungen" als Beispiele anführen.
Erste Problemstellung:
خَلَقَ السَّمٰوَاتِ وَاْلاَرْضَ فِى سِتَّةِ اَيَّامٍ
{"Er erschuf die Himmel und die Erde in sechs Tagen." (Sure 7, 54)}
Wenn hier gesagt wird: "Er hat die Himmel und die Erden in sechs Tagen erschaffen", oder vielmehr ein Hinweis darauf gegeben wird, dass die Welt der Menschen und das Tierreich, mit den Augen des Qur'an betrachtet, in sechs Tagen als einem Beispiel für einen langen Zeitraum von jeweils zehntausend oder fünfzigtausend Jahren
erschaffen worden ist, so wollen wir hier dem Beobachter, um ihn von dieser erhabenen Wahrheit zu überzeugen, vor Augen führen, dass der majestätische Schöpfer in jedem Jahrhundert, in jedem Jahr, an jedem Tage, der einem Schöpfungstage gleicht, einen ganzen Strom von Gestirnen, wirbelnden Universen und vergänglichen Welten erschafft. Ja, auch die Welten gleichen tatsächlich den Menschen, die wie Gäste sind. In jeder Jahreszeit füllt und leert sich die Welt auf Befehl des Herrn in Seiner Herrlichkeit.
Zweite Problemstellung:
وَلاَ رَطْبٍ وَلاَ يَابِسٍ اِلاَّ فِى كِتَابٍ مُبِينٍ ٭ وَكُلَّ شَيْءٍ اَحْصَيْنَاهُ فِى اِمَامٍ مُبِينٍ ٭ لاَ يَعْزُبُ عَنْهُ مِثْقَالُ ذَرَّةٍ فِى السَّمٰوَاتِ وَلاَ فِى اْلاَرْضِ وَلآَ اَصْغَرُ مِنْ َذَٰلِكَ وَلآَ اَكْبَرُ اِلاَّ فِى كِتَابٍ مُبِينٍ
{"...und nichts Grünes und nichts Dürres, das nicht in einer deutlichen Schrift verzeichnet wäre." (Sure 6, 59) "...und alle Dinge haben wir aufgezählt in einem deutlichen Buch." (Sure 36, 12) "...Ihm entgeht nicht das Gewicht eines Stäubchens in den Himmeln und auf Erden; noch gibt es etwas Kleineres oder Größeres als dieses, das nicht in einer deutlichen Schrift verzeichnet wäre." (Sure 34, 3)}
Wenn in diesen Ayat zum Ausdruck gebracht wird: "Alle Dinge werden in allen ihren Erscheinungsformen aufgezeichnet, noch bevor sie ins Dasein treten; stehen verzeichnet, solange sie im Dasein sind und sind eingetragen, auch nachdem sie es wieder verlassen haben.", so wollen wir hier dem Beobachter, um ihn von dieser erhabenen Wahrheit zu überzeugen, vor Augen führen, wie der glorreiche Designer in jeder Jahreszeit, besonders aber im Frühling auf jenen Blättern, welche die Oberfläche der Erde sind, das Inhaltsverzeichnis für den Körper, den Ablauf des Lebens und die Grundelemente der Tätigkeiten Seiner Geschöpfe in einer unbedingten, unbeschränkten Ordnung austauscht, das Er verschlüsselt in den Kernen, Körnern und Wurzeln einprogrammiert und gesichert und nach dem Zerfall auf gleiche Weise wieder
mit dem Stift Seiner Vorausplanung verschlüsselt in den Früchten und gewöhnlichen Körnern eingeschrieben hat, ja sogar in jedem Herbst die gesamte biochemische Substanz, alles, was da feucht oder trocken ist, in den knochentrockenen Samenkörnern, einer bestimmten Anzahl von Zellen, in gleichsam abgestorbenem Holz in vollkommener Ordnung bewahrt. Es ist, als ob jeder Frühling, einer Blume gleich, vollkommen geordnet und ausgewogen von der Hand des makellos Vollkommenen in all Seiner Herrlichkeit, in den Garten Erde eingepflanzt und wieder gepflückt, zur Ausstellung gebracht und wieder fortgeräumt werde.
Dies ist zwar die Wahrheit, doch ist der sonderbarste Irrtum der Menschheit der folgende: Was nur eine Wiederspiegelung der "Wohlbewahrten Tafel" ist, eines Blattes, das von der Feder der göttlichen Vorausplanung beschrieben wurde, ein Inhaltsverzeichnis der Kunstwerke des Herrn, bezeichnen die Gottvergessenen in ihrer Sprache als "Natur", welche doch die Schrift der Schöpfung ist, eine künstlerische Ausgestaltung, ein Werkzeug, eine Gebrauchsanweisung, ein Schnittmusterbogen der Weisheit, nennen es ein Werk der Natur und halten es für die Quelle und bewirkende Ursache.
اَيْنَ الثَّرَا مِنَ الثُّرَيَّا
{"Wo ist die Erde? Wo ist das Siebengestirn?" (*)
(*) Türkisches Sprichwort: Die Erde und die Wahrheit sind unser Ursprung und unsere Heimat. Der Himmel mit seinen Sternen und die Vorstellungen der Gottvergessenen sind uns fremd und weit von uns entfernt. Eine Verwechslung von Himmel und Erde, von Wahrheit und Mutmaßung ist nicht möglich. (A.d.Ü.)}
Wo ist die Wahrheit? Wo ist die Vorstellung der Gottvergessenen?
Dritte Problemstellung:
Der getreue Herold hat die Engel, die den Thron Gottes tragen und für Himmel und Erde zuständig
sind, und einen Teil der übrigen Engel folgendermaßen beschrieben:
Sie haben vierzigtausend Häupter und jedes Haupt spricht mit vierzigtausend Zungen und jede Zunge lobpreist Gott auf vierzigtausend verschiedene Arten und dient Ihm und betet Ihn in makelloser, alle Einzelheiten umgreifender und alle Zusammenhänge umfassender Weise an. Bei der Betrachtung dieser Wahrheit müssen wir beachten, dass der Herr in Seiner Herrlichkeit in solchen Ayat wie:
تُسَبِّحُ لَهُ السَّمٰوَاتُ السَّبْعُ وَاْلاَرْضُ وَمَنْ فِيهِنَّ ٭ وَ سَخَّرْنَا اْلجِبَالَ مَعَهُ ٭ اِنَّا عَرَضْنَا اْلاَمَانَةَ عَلَى السَّمَوَاتِ وَاْلاَرْضِ وَاْلجِبَالِ
{"Es preisen Ihn die sieben Himmel und die Erde und was darinnen ist." (Sure 17, 44) "Siehe, Wir zwangen die Berge, mit ihm (David) den Lobpreis anzustimmen,..." (Sure 38, 18) "Siehe, Wir boten den Himmeln und der Erde und den Bergen das Gut des Glaubens an,..." (Sure 33, 72)}
eindeutig klar ausdrückt, dass auch das größte und ausgedehnteste alles Erschaffenen zeigt, dass es Ihn auf eine Art lobpreist, die seiner Ausdehnung entspricht und seiner Mächtigkeit gemäß ist. Und genau das lässt sich auch erkennen.
Den Sonnen, den Monden und den Sternen gleich, welche die Worte der Preisungen des Himmels sind, der ein Ozean des Lobes ist, sind auch die Wälder, alle Pflanzen und alle Tiere wie Worte der Lobpreisung unserer Erde, die einem Vogel gleicht, der Gott lobt und Ihm dankt. So wie also jedem Baum und Stern sein besonderer Lobpreis zu Eigen ist, so gehört auch zu unsere Erde, zu jedem Kontinent unserer Erde, zu jedem Berg und Bach, zu Land und Meer, zu allen Galaxien und den vier Ecken des Himmels mit ihren Sternzeichen ein eigener, vollständiger Lobpreis.
Unsere Erde hat auf diese Art tausende Häupter und jedes Haupt hunderttausende von Zungen. Wie sie auf tausenderlei Art Blumen hervorbringt, die Gottes Lobpreis verkünden, und Früchte, mit denen sie Ihm dankt, so zeigt sich als ihr Dolmetscher in der Welt der Bilder und Gleichnisse mit Sicherheit auch ein ihr entsprechender, zuständiger Engel, der sie in der Welt der Geister vertritt und für sie spricht.
Wenn verschiedene Dinge miteinander ein gemeinsames Ganzes bilden, entsteht in der Tat auch eine geistige Einheit. Verschmilzt dieses Ganze miteinander zu einer harmonischen Ganzheit, so muss diese folglich auch einen zuständigen Engel haben, der diese geistige Einheit, diese Art von innerer Beseeltheit und ihren Auftrag zum Lobpreis wahrnimmt.
Betrachten wir also, um ein Beispiel zu wählen, diese Platane vor unserem Zimmer, die ein großes Wort in der Sprache dieses Berges ist, gesprochen von dem Mund dieses Dorfes Barla! Seht, wie viele Zweige, gleich Zungen, sie an ihren drei Ästen hat, die wie ihre Häupter sind. Seht, wie viele hunderte harmonisch gestalteter und angeordneter Wortfrüchte an jedem dieser Zungen hängen und achtet einmal darauf, wie viel hundert geflügelte Samenkornbuchstaben in jeder dieser Früchte sind. Ihr hört und seht, wie sie ihren Meister in Seiner Herrlichkeit, den Herrn des Befehls كُنْ فَيَكُونُ {"Sei! Und es ist."} auf eine so klare und beredte Art loben und preisen. Dementsprechend vertritt sie auch ihr zuständiger Engel und bringt diesen Lobpreis in der Welt der Bedeutungen und des Verstehens in vielen verschiedenen Zungen vor Ihm dar. So muss es verständlicher Weise auch sein.
Vierte Problemstellung
اِنَّمَآ اَمْرُهُ اِذَآ اَرَادَ شَيْئًا اَنْ يَقُولَ لَهُ كُنْ فَيَكُونُ
وَمَآ اَمْرُ السَّاعَةِ اِلاَّ كَلَمْحِ الْبَصَرِ ٭ وَ نَحْنُ اَقْرَبُ اِلَيْهِ مِنْ حَبْلِ الْوَرِيدِ ٭ تَعْرُجُ اْلمَلآئِكَةُ وَالرُّوحُ اِلَيْهِ فِى يَوْمٍ كَانَ مِقْدَارُهُ خَمْسِينَ اَلْفَ سَنَةٍ
{"Führwahr, die Sache Gottes ist dies: Wenn Er ein Ding will, sagt Er dazu nur: Sei!, dann ist es." (Sure 36, 82) "Und die Angelegenheit "der Stunde" ist nur wie ein Augenblick oder noch kürzer." (Sure 16, 77) "...denn Wir sind ihm näher als seine Halsader." (Sure 50, 16) "Die Engel und der Geist steigen einen Tag lang zu Ihm empor. Es ist dies ein Zeitraum von fünfzigtausend Jahren." (Sure 70, 4)}
Aus diesen und anderen ähnlichen Ayat, die diese erhabene Wahrheit zum Ausdruck bringen, ersieht und versteht man, wie der vollkommene Allmächtige alle Dinge derart leicht und schnell, in ununterbrochener Folge und ohne jede Berührung erschafft, ja dass Er sie mit einem bloßen Befehl ins Dasein ruft. Obwohl jener allmächtige Schöpfer doch Seinen Geschöpfen in unendlichem Grade nahe ist, sind seine Geschöpfe von Ihm unendlich weit entfernt. Außerdem vernachlässigt Er bei all Seiner unendlichen Hoheit nicht die ganz kleinen und gering geschätzten Dinge in ihrer Wohlgeordnetheit und künstlerischen Schönheit. So wie das vollkommen mühelose Walten jener absoluten Ordnung, die in der Schöpfung gegeben ist, bestätigt, dass die Lehre des Qur'an gegeben ist, so erklärt auch das folgende Gleichnis deren wahren Sinn.
Zum Beispiel:
وَلِلَّهِ الْمَثَلُ اْلأَعْلَىٰ
{"Bei Gott sind die erhabensten Gleichnisse." (Sure 16, 60)}
Einer der Schönen Namen des majestätischen Schöpfers ist "Nur"(Licht). Die Sonne, die eine schwache Spiegelung dieses Namens ist, und ihre Aufgaben, die sie im Auftrag des Herrn und in Seinem Dienst versieht, lassen uns diese Wahrheit besser verstehen. Es ist dies wie folgt:
Die Sonne steht trotz ihrer Entfernung mit allen reflexionsfähigen Objekten in unendlich naher Beziehung. Sie ist ihnen sogar noch näher als sie sich selbst. Obwohl sie
durch ihren Sonnenschein und die Reflexionen darauf die Objekte in mannigfacher Weise beeinflusst, ist sie dennoch viele Meilen weit von ihnen entfernt. Sie können die Sonne in keiner Weise beeinflussen oder sich ihr nähern.
Zudem können wir verstehen, dass die Sonne in jedem reflektierenden Stäubchen gleichsam gegenwärtig ist und alles bescheint, wo immer ihre Strahlen hingelangen und diese der Reflektionsfähigkeit der Objekte nach Innen und Außen entsprechend von ihnen reflektiert werden.
Außerdem wächst der Wirkungsbereich und der Einfluss der Sonne im Grade ihrer Leuchtintensität. Diese Leuchtintensität bewirkt, dass auch die kleinsten und entferntesten Dinge ihr nicht entfliehen und sich nicht vor ihr verbergen können. Das heißt also, dass diese geradezu majestätische Intensität der Sonne auch die kleinen und weit entfernten Dinge nicht aus dem Geheimnis ihrer Leuchtkraft ausschließt, sondern sie im Gegenteil in ihren Wirkungsbereich mit einschließt.
Nehmen wir nun einmal an, dass die Sonne, so wie wir sie sehen und sie sich uns zeigt, uns aus freiem Willen diente, wie sie mit Gottes Erlaubnis so ganz leicht und schnell, auf alle Stäubchen und Tröpfchen, über die Meere bis hin zu den Planeten umfassend wirkt, so können wir uns nun auch vorstellen, dass sie diese große Verfügungsmacht nur mit ihrer Befehlsgewalt ausübt. Vor dieser Befehlsgewalt sind alle Atome und Planeten gleich. Den Segen, welche sie den Meeren spendet, erteilt sie auch jedem Stäubchen entsprechend seiner Fähigkeit in vollkommener Harmonie.
Somit sehen wir, dass die Sonne, die doch nur ein trüber Spiegel gegenüber dem Aufscheinen des Gottesnamens "Nur"(Licht), eines Namens des vollkommenen Allmächtigen und auf der Oberfläche des Himmelsmeeres nicht mehr als ein schimmerndes Bläschen ist, offensichtlich ein Beispiel für drei Grundsätze dieser Wahrheit ist. Sicherlich ist es so, dass Licht und Wärme der Sonne im Vergleich mit dem Wissen und der Macht (Gottes) so trüb und undurchlässig wirkt wie Erde.
نُورَ النُّورِ ٭ مُنَوِّرَ النُّورِ ٭ مُقَدِّرَ النُّورِ
{"Er, der das Licht des Lichtes und der Erleuchter des Lichtes ist, der über das Licht und seinen Wert bestimmt."}
Er, der Herr, der Majestätische, ist mit Seinem Wissen und Seiner Macht allen Dingen unendlich nahe, in Allem gegenwärtig und überschaut alles; die Dinge aber bleiben von Ihm äußerst weit entfernt. Zudem vollzieht sich Sein Wirken ohne jede Anstrengung, in einer solchen Leichtigkeit, in ununterbrochener Folge und ohne die Dinge zu berühren. Daraus wird ersichtlich, dass sie so schnell und leicht entstehen, wie Er es nur befohlen hat. Somit glauben wir mit einem Glauben, welcher der Sicherheit eines Zeugen entspricht, dass es nichts gibt, sei es wenig oder viel, klein oder groß, was außerhalb Seiner Macht stünde oder was Seine Größe nicht einschlösse, und in dieser Weise zu glauben, ist notwendig und erforderlich.
Fünfte Problemstellung
وَمَا قَدَرُوا اللَّهَ حَقَّ قَدْرِهِ وَاْلاَرْضُ جَمِيعًا قَبْضَتُهُ يَوْمَ الْقِيَامَةِ وَالسَّمٰوَاتُ مَطْوِيَّاتٌ بِيَمِينِهِ
{"Die Ungläubigen bewerten die Macht Gottes nicht nach ihrem wahren Wert, denn die ganze Erde wird Ihm nur eine Handvoll sein am Tag der Auferstehung und die Himmel werden zusammengerollt sein in Seiner Rechten..." (Sure 39, 67)}
وَاعْلَمُوآ اَنَّ اللَّهَ يَحُولُ بَيْنَ اْلمَرْءِ وَقَلْبِهِ
{"...Und wisset, dass Allah in den Menschen eine Wandlung der Herzen bewirkt..." (Sure 8, 24)}
اَللَّهُ خَالِقُ كُلِّ شَيْءٍ وَهُوَ عَلَى كُلِّ شَيْءٍ وَكِيلٌ
{"Allah ist der Schöpfer aller Dinge und Er ist aller Dinge Schützer." (Sure 39, 62)}
يَعْلَمُ مَا يُسِرُّونَ وَمَا يُعْلِنُونَ
{"...Allah weiß, was sie verheimlichen und was sie bekannt machen." (Sure 2, 77)}
خَلَقَ السَّمٰوَاتِ وَاْلاَرْضَ
{"Er ist es, der die Himmel und die Erde erschuf."}
خَلَقَكُمْ وَمَا تَعْمَلُونَ
{"Allah erschuf euch und was ihr schafft."(Sure 37, 96)}
مَاشَآءَ اللَّهُ لاَ قُوَّةَ اِلاَّ بِاللَّهِ
{"Nur was Allah will, geschieht. Es gibt keine Macht, außer bei Allah." (Sure 18, 39)}
وَمَا تَشَآءُونَ إِلَّآ أَن يَشَآءَ اللَّهُ
{"Doch vermag es euer Wille nur, wenn dies Gottes Wille ist..." (Sure 76, 30)}
Der König von Ewigkeit zu Ewigkeit, dessen Grenzen Seiner gewaltigen Herrschaft und Größe Seiner Gottheit diese Ayat bezeichnen, macht den Söhnen Adams, die doch so hilflos und so unendlich schwach und so unendlich armselig und so unendlich hilfsbedürftig sind und nur mit einer winzig kleinen Entscheidungsfreiheit und einer nur schwachen schöpferischen Kraft ausgestattet sind, die doch keine Fähigkeit ist, etwas zu erschaffen, heftige Vorwürfe, schickt ihnen machtvolle Warnungen und Furcht erregende Drohungen. Was ist der Sinn dessen? Wie lässt sich das erklären? Wie vereinbart sich das? Betrachten wir, um zu der Überzeugung von dieser tiefen und erhabenen Wahrheit hinzuführen, die folgenden beiden Gleichnisse!
Erstes Gleichnis:
Da gab es zum Beispiel einen herrlichen Garten, indem sich zahllose Frucht und Blüten tragende Pflanzen befanden. Um ihn zu pflegen, waren sehr viele Diener beschäftigt. Einer dieser Diener hatte lediglich die Aufgabe den Hahn für die Bewässerung und das Trinkwasser zu öffnen. Doch das war ein fauler Diener. Er öffnete den Hahn nicht. So wurde das Wachstum der Pflanzen gestört. Einige vertrockneten. So hatten denn außer dem Schöpfer dieses hochherrschaftlichen Gartens, und dem königlichen Minister für Kultur und den Dienstbeauftragten für das Licht, die Luft und die Erde auch alle Diener das Recht, diesem pflichtvergessenen Diener die schwersten Vorwürfe zu machen. Denn er hatte es verschuldet, dass alle Aufträge ohne Ergebnis blieben oder ein Schaden entstand.
Zweites Gleichnis:
Vernachlässigt zum Beispiel an Bord eines königlichen Überseedampfers ein gewöhnlicher Mann seinen kleinen Aufgabenbereich, so kann ihm der Schiffseigentümer, weil alle Bediensteten dieses Schiffes ihre Aufträge nicht erfüllen konnten und einiges zu Grunde ging, im Namen aller dieser Bediensteten die schwersten Vorwürfe machen. Der Beschuldigte kann nicht sagen: "Ich bin nur ein einfacher Mann. Ich habe es nicht verdient, dass man mich wegen einer unbedeutenden Fahrlässigkeit so hart anfasst."
Denn wo etwas fehlt, entstehen zahllose Fehler. Wo aber etwas vorhanden ist, da entstehen auch die entsprechenden Produkte. Denn das Vorhandensein eines Dinges ist abhängig von dem Vorhandensein aller Voraussetzungen und Ursachen. Das Fehlen einer Ursache oder der Wegfall einer Voraussetzung macht durch die Folgen eines solchen Ausfalls oder winzig kleinen Fehlers das Ganze zunichte.
Aus diesem Grund ist es ein allgemein bekannter Leitsatz geworden: "Die Zerstörung ist sehr viel einfacher als eine Reparatur." Ja, in der Tat sind Unglaube und Irrweg, Auflehnung und Sünde im Grunde genommen Leugnung und Abfall, Aufgabe und Nichtannahme. Auch wenn sie äußerlich so aussehen, als hätten sie eine Existenz und man könnte sie nachweisen, sind sie in Wirklichkeit
ein Wegfall, ein Mangel. Weil dies so ist, sind sie ein Verbrechen, das sich fortpflanzt. So wie sie die Früchte der Bemühungen der übrigen Geschöpfe zunichte machen, so ziehen sie auch einen Schleier über die Erscheinung der Schönen Namen Gottes.
So ist es nur lautere Weisheit, wenn der König über die Schöpfung im Namen der Geschöpfe, die ein Recht zu unendlicher Klage haben, diesem aufbegehrenden Menschen schwerste Vorwürfe macht und sicherlich hat dieser Aufrührer auch machtvolle Warnungen nötig und braucht ohne Zweifel furchterregende Androhungen.
Schlusswort:
بِسْمِ اللَّهِ الرَّحْمَنِ الرَّحِيمِ ٭ وَمَا الْحَيَاةُ الدُّنْيَآ اِلاَّ مَتَاعُ الْغُرُورِ
{"Im Namen Allahs, des Erbarmers, des Barmherzigen. Denn dieses irdische Leben ist nichts als ein trügerischer Genuss." (Sure 3, 185)}
Ein Schlag ins Gesicht für die Gottvergessenen und eine Lektion zur Ermahnung.
Oh du meine unglückselige Seele, die du in der Gottvergessenheit versunken bist und dir dieses Leben süß erscheint, die du das Jenseits vergessen hast und dich nach dem Weltleben sehnst! Weißt du, wem du gleichst? Dem Vogel Strauß! Er sieht den Jäger und kann nicht fortfliegen. Er steckt den Kopf in den Sand, damit der Jäger ihn nicht sehen soll. Der ganze Körper aber bleibt draußen. Der Jäger sieht ihn. Er aber hat seine Augen im Sand vergraben und sieht nichts. Oh Seele, betrachte und sichte das folgende Gleichnis:
Wessen Blickwinkel sich auf diese Welt beschränkt, dessen hochgeschätzte Genüsse verwandeln sich in
Kummer und Gram. So finden sich z.B. hier in diesem Dorf (d.h. in Barla)zwei Männer. Neunundneunzig von hundert Freunden des einen sind nach Istanbul gegangen und fühlen sich dort wohl. Nur ein einziger von ihnen ist hier geblieben. Auch er wird dorthin gehen. Darum sehnt sich dieser Mann nach Istanbul, denkt daran, möchte zu seinen Freunden gelangen. Wann immer man zu ihm sagen wird: "Gehe dorthin!" wird er mit einem frohen Lächeln hinübergehen. Was aber den anderen Mann betrifft, so sind von hundert seiner Freunde neunundneunzig weggegangen. Ein Teil von ihnen ist zu Grunde gegangen. Ein anderer Teil von ihnen ist in unbekannten Gegenden untergetaucht und die Verbindung zu ihnen ist abgebrochen. Er hält sie alle für verschollen und denkt, dass sie ihr Ende gefunden haben. Dieser bedauernswerte Mann hält an Stelle all dieser die Freundschaft nur noch mit einem einzigen Gast aufrecht und versucht sich mit ihm zu trösten. Mit ihm versucht er den Kummer und Gram über die Trennung zu überdecken.
Oh Seele! Alle deine Freunde, ihnen allen voran der Geliebte Gottes, befinden sich auf der anderen Seite des Grabes. Die ein, zwei restlichen, die noch übrig geblieben sind, werden auch noch dahin gehen. Schrecke vor dem Tode nicht zurück, fürchte dich nicht vor dem Grab und wende dich nicht ab! Ermanne dich, siehe und höre, was das Grab von dir fordert! Lache dem Tod mannhaft ins Gesicht und siehe, was er wünscht! Hüte dich davor, dem zweiten Mann in seiner Gottvergessenheit zu gleichen!
Oh Seele! Sage nicht: "Die Zeit hat sich geändert, die heutigen Anschauungen sind ganz anders geworden. Jedermann ist den irdischen Dingen verhaftet. Ein jeder betet das Leben an, hat den Kopf voll von Sorgen um das tägliche Brot." Denn der Tod ändert sich nicht. Trennung verwandelt sich nicht in Beständigkeit und wird nicht ausgetauscht. Die Schwächen der Menschheit und die Armseligkeit der Erdenbürger wird nicht aufgehoben, vermehrt sich vielmehr noch. Die Reise des Menschen wird nicht abgebrochen, sondern beschleunigt.
Und sage nicht: "Ich bin genau wie alle anderen in der gleichen Lage." Denn jeder verleiht dir seine Kameradschaft nur bis ans Tor des Grabes. Der Trost, mit jedem im Unglück zusammen zu sein, hat jenseits des Grabes keinen Wert.
Glaube aber auch nicht, du wärest dir selbst überlassen! Denn wenn du das Gasthaus dieser Welt mit den Augen der Weisheit betrachtest, so wirst du sehen, dass nichts darin ohne einen Sinn und Zweck ist. Wie aber könnte dann dein Leben ohne Sinn und Zweck sein? Auch Ereignisse wie ein Erdbeben oder andere Naturkatastrophen sind nicht Spielzeug des Zufalls.
Zum Beispiel:
Die Erde ist mit den verschiedensten Arten von Pflanzen und Tieren wie mit wundersam geordneten und aufs schönste geschmückten, teils übereinander liegenden, teils ineinander verschlungenen Gewändern von Kopf bis Fuß bekleidet, die, wie man sieht, äußerst sinnvoll und besonders zweckmäßig angepasst und ausgestattet sind und sie dreht sich wie ein Mevlevi-Dervish, der ob der überaus hohen Ziele und der vollkommenen Ordnung in Ekstase geraten ist, wie man weiß, um sich selbst und im Kreise.
Betrachtet man ein so todbringendes Ereignis, welches zugleich ein Zeichen des Lebens der Erde ist, wie ein Beben,
{(*): Dies wurde hinsichtlich des Erdbebens in Izmir geschrieben.}
das einem Achselzucken der Erde gleicht, welche die unsichtbare Last der gottvergessenen Handlungen ihrer Adamssöhne und besonders der Gläubigen unter ihnen bedrückt, als völlig sinnlos und rein zufällig, wie ein Ungläubiger das behauptet hat, dann werden dadurch alle die vom Unglück betroffenen in ihrem leidvollen Verlust, den man ihnen als ein nutz- und sinnloses Opfer ohne jeden Gewinn dargestellt hat, in fürchterliche Verzweiflung gestürzt. Eine solche Behauptung ist nicht nur ein großer Fehler, sondern zugleich auch ein großes Unrecht. Sicherlich geschehen solche Ereignisse auf
Befehl eines Allweisen und Allbarmherzigen, sodass die Gläubigen ihr vergängliches Gut in Almosen verwandeln und ihm so Ewigkeitswert verleihen können.
{Allah quittiert gleichsam das bei einem Erdbeben verlorengegangene Hab und Gut so, als hätten es die Gläubigen als Spende gegeben. (A.d.Ü.)}
Es gilt zugleich als ein Sühneopfer für die Sünden, die aus der Undankbarkeit gegenüber den göttlichen Gnadengaben erwachsen sind. So wird auch einmal der Tag kommen, da unsere gute, brave Erde sieht, dass die Werke der Menschen, die der Schmuck ihres Antlitzes sind, durch Undankbarkeit und Abgötterei hässlich geworden sind. Dann wird sie auf Befehl ihres Schöpfers in einem einzigen großen Beben ihr Antlitz ganz und gar reinigen und abwischen. Auf Allahs Befehl kippt sie alle Leute der Abgötterei in die Hölle. Den Leuten der Dankbarkeit aber wird gesagt: "Auf! Tretet ein in das Paradies."
Anhang zum Vierzehnten Wort
بِسْمِ اللَّهِ الرَّحْمَنِ الرَّحِيمِ ٭ اِذَا زُلْزِلَتِ اْلاَرْضُ زِلْزَالَهَا ٭ وَاَخْرَجَتِ اْلاَرْضُ اَثْقَالَهَا ٭ وَ قَالَ اْلاِنْسَانُ مَالَهَا ٭ يَوْمَئِذٍ تُحَدِّثُ اَخْبَارَهَا ٭ بِاَنَّ رَبَّكَ اَوْحَى لَهَا... الخ
{"Im Namen Allahs, des Erbarmers, des Barmherzigen. Wenn die Erde erschüttert wird und ihre Lasten von sich gibt, und der Mensch sagt: Was ist los mit ihr? An jenem Tage wird sie aussagen, was sie zu berichten hat, weil dein Herr es ihr so eingegeben hat...usw" (Sure 99, 1-5)}
Diese Sure bringt mit Sicherheit zum Ausdruck, dass die Erde in ihrer Bewegung und wenn sie bebt, Offenbarungen und Eingebungen erhält, und dass sie durch einen Befehl erschüttert wird. Manchmal erzittert sie unter ihm.
Bezüglich des letzten Erdbebens sind mir von einer geistigen und wichtigen Seite sechs, sieben Fragen gestellt worden und die Antworten darauf mir gleichfalls innerlich in Form einer Ermahnung gekommen. Ich hatte oftmals die Absicht gefasst, ausführlich darüber zu schreiben. Doch wurde mir dazu nicht die Erlaubnis gegeben. Deshalb sei hier nur eine kurze und bündige Zusammenfassung wiedergegeben.
Erste Frage:
Woher kommt es, dass bei diesen großen Beben zu dem materiellen Unglück noch der Schmerz, als ein inneres Unglück in Form einer Furcht vor einem erneuten Beben und die Verzweiflung, die den meisten Leuten in diesen Ländern die Nachtruhe raubt, als eine fürchterliche Qual hinzugegeben wird?
Dazu wiederum die innere Antwort, die folgendermaßen spricht. Wenn im heiligen Monat Ramadan, während des Teravih-Gebetes
{Gebet mit der Gemeinde im Anschluss an das Nachtsgebet in dem Fastenmonat Ramadan. (A.d.Ü.)}
im Rausch der Freude und Ausgelassenheit
Gesänge voller Leidenschaft und manchmal die Stimmen der Mädchen in diesem gesegneten Zentrum des Islam in jeder Ecke aus dem Radio locken und überall zu Gehör gebracht werden, so hat dies die Strafe der Furcht zur Folge.
Zweite Frage:
Warum kommen in den Ländern der Ungläubigen diese Schläge von oben nicht auf deren Häupter herunter? Warum kommen sie über die bedauernswerten Muslime?
Antwort:
Während man schwere Vergehen und Verbrechen einer späteren Verhandlung überlässt in den großen Kreisstädten, die kleinen Vergehen aber in den kleinen Städten sofort verhandelt, so liegt auch eine bedeutende Weisheit darin, dass der größte Teil der Verbrechen der Leute des Unglaubens dem großen Gericht bei der Wiederversammlung überlassen wird, die Fehler der Leute des Glaubens aber zum Teil schon in dieser Welt bestraft werden.
{(*): Wenn Völker wie besonders die Russen eine Religion aufgeben, die schon entstellt und veraltert ist, so berührt dies nicht die Ehre Gottes in dem Grade wie der Verrat an der Religion, die wahr und ewig ist und niemals veraltern kann. Die Erde sieht über diese jetztlich hinweg, während sie über jene zürnt.}
Dritte Frage:
Was ist der Grund dafür, dass sich dieses Unglück bis zu einem gewissen Grade über ein ganzes, großes Gebiet verbreitet hat, während es doch die Schuld nur einiger weniger war?
Antwort:
In Anbetracht dessen, dass ein allgemeines Unglück aus den Fehlern der Mehrheit erwächst, weil die meisten Menschen an den Handlungen der Übeltäter entweder durch Mittun oder durch Begünstigung oder durch Stillschweigen Anteil genommen haben, verursachen sie ein allgemeines Unglück.
Vierte Frage:
Betrachtet man diese Katastrophe als eine Folge der begangenen Fehler und eine Buße für die Sünden, aus welchem Grund sind dann die Unschuldigen nicht
verschont worden? Wie kann die Gerechtigkeit Gottes so etwas zulassen?
Dazu wiederum die innere Antwort:
Da dieses Problem sich auf das Geheimnis der Vorausschau Gottes bezieht, verweisen wir auf die Abhandlung über die Vorausschau Gottes. Hier soll dazu nur so viel gesagt sein:
وَاتَّقُوا فِتْنَةً لاَ تُصِيبَنَّ الَّذِينَ ظَلَمُوا مِنْكُمْ خَآصَّةً
{"Und hütet euch vor einem Übel, das nicht ausschließlich die Frevler unter euch trifft." (Sure 8, 25)}
Das heißt: "Nehmt euch in Acht vor einer Katastrophe, die nicht auf die Frevler beschränkt bleiben wird, sobald das Unglück einmal da ist, sondern auch die Unschuldigen nicht verschont." Das Geheimnis dieser Ayah ist folgendes:
Diese Welt ist ein Ort der Erfahrung und Prüfung, ein Haus der gesellschaftlichen Forderungen und der sozialen Bemühungen. Prüfungen und Erfordernisse aber machen es notwendig, dass die Realität verschleiert bleibt, sodass Persönlichkeiten wie Abu Baqr durch Wettbewerb und Anstrengung zur höchsten Höhe emporsteigen und solche von der Art eines Abu Djehil in die tiefste Erniedrigung hinabsinken. Blieben die Unschuldigen in solchen Katastrophen unversehrt, so würden sich Leute wie Abu Djehil denen wie Abu Baqr gleich auf Gott verlassen, das Tor der Bemühungen und des geistigen Fortschritts bliebe verschlossen und der Sinn der Prüfung wäre verfehlt.
So erfordert es denn die Weisheit Gottes, dass die Unschuldigen zusammen mit den Frevlern ins Unglück stürzen. Was aber ist dann in Anbetracht Seiner Barmherzigkeit und Gerechtigkeit der Anteil dieser armen Unschuldigen?
Auf diese Frage wurde mir folgendeAntwortgegeben: Diejenigen, die unter den Zorn und die Wut dieses Übels geraten sind, empfangen auch ein Aufscheinen der Barmherzigkeit. Denn so wie die vergänglichen Güter dieser Unschuldigen für sie zu einer Spende und so zu einem ewigen
Gut werden, so gewinnen sie auch durch eine Art Märtyrertum anstelle ihres vergänglichen Lebens ein ewiges Leben. Dieses Erdbeben, dessen Zorn nur vorübergehend und verhältnismäßig klein ist, sie aber dabei einen großen und immerwährenden Gewinn erwerben lässt, ist für sie zugleich mit dem Zorn auch eine Barmherzigkeit.
Fünfte Frage:
Warum schickt der Gerechte und Barmherzige, Allmächtige und Allweise nicht den Einzelnen Seine Strafe für die Verbrechen der Einzelnen, sondern lässt die Gewalt der Elemente über ihnen herniedergehen? Wie lässt sich eine solche Erscheinung mit Seiner Barmherzigkeit und ihrer Schönheit und Seiner allumfassenden Macht in Einklang bringen?
Antwort:
Der glorreiche Allmächtige hat jedem Element viele Aufgaben gegeben und mit jeder Aufgabe verbindet Er viele Absichten. Auch wenn mit einer einzigen Aufgabe eines Elementes, eine einzige Absicht als scheußlich und übel und als ein Unglück daher kommt, lassen doch die anderen guten Absichten auch diese Absicht in einem schönen Gewand erscheinen. Wenn dieses Element, das gegen den Menschen zornig geworden ist, von seiner Aufgabe entbunden würde, sodass diese einzige hässliche Folge nicht hervorträte, dann fielen entsprechend der Zahl seiner guten Absichten ebenso viele Vorteile weg. Da es aber ein Übel ist, eine notwendige Wohltat nicht zu erweisen, würden der Anzahl der Wohltaten entsprechend ebenso viele Übeltaten begangen, um eine einzige Untat zu vermeiden. Das ist aber ein Fehler, der sehr hässlich und der Weisheit und der Wahrheit entgegengesetzt ist. Macht, Weisheit und Wahrheit sind aber von jeglichem Makel frei. Da es also nun einmal Verbrechen gibt, die gleich einem allgemeinen Aufruhr in verachtender Weise die Rechte der Geschöpfe derart verletzen, dass dadurch der Zorn der Erde und der Elemente heraufbeschworen wird, ist es sicher nur lautere Weisheit und Gerechtigkeit und für die Unschuldigen eine reine Barmherzigkeit, wenn Er der Gewalt eines
Elementes innerhalb der Gesamtheit seiner Aufgaben befielt: "Weise sie scharf zu Recht!", um die ganze Abscheulichkeit eines solchen Verbrechens aufzuzeigen.
Sechste Frage:
Ein Erdbeben sei die Folge einer materiellen Umwälzung innerhalb der Erde, verbreiten die Gottvergessenen und betrachten es so, als wäre es ein zufälliges und natürliches Ereignis ohne eine Absicht. Den geistigen Hintergrund dieses Ereignisses und seine Folgen, sodass sie zur Besinnung kämen, sehen sie nicht. Gibt es etwa hinter der materialistischen Betrachtungsweise, auf die sie sich stützen, eine innere Wahrheit?
Antwort:
Hinter ihrer Betrachtungsweise findet sich außer ihrem Irrtum keine innere Wahrheit. Denn: In jedem Jahr legt die Erde ihre mehr als fünfzig Millionen Gewänder ab und bekleidet sich mit reich verzierten, maßgeschneiderten Gewändern, welche aus tausenden Arten von Pflanzen und Tieren gebildet werden, wieder neu. Unter ihnen hat zum Beispiel die Mücke, um nur eine einzige Art unter zahllosen anderen zu nennen, jede einzelne ein Organismus, der aus verschiedenen Organsystemen zusammengesetzt ist. Betrachtet man auch nur ihren Bewegungsapparat, so sieht man, wie sich allein in ihren Flügeln Wille und Zielgerichtetheit, Zweckmäßigkeit und Weisheit zeigen, sodass diese nicht vernachlässigt worden sind oder sich selbst überlassen blieben. Die entscheidenden Ereignisse und Befindlichkeiten auf dieser großen Weltkugel, der Heimat, Wiege, Patronin und Mutter zahlloser Lebewesen, können nicht, ja nichts kann, ganz oder auch nur teilweise, außerhalb des Willens, der Zielgerichtetheit, Zweckmäßigkeit und Weisheit Gottes liegen.
Doch erfordert es die Weisheit des Allmächtigen, Vollkommenen die äußerlichen Ursachen gleichsam wie einen Vorhang über Seine Macht zu ziehen, mit der Er über sie verfügt. Wenn es in Seinem Willen liegt, dass die Erde erbeben soll, befiehlt Er, dass sich ihre Massen in Bewegung setzen und sie Feuer speit. Selbst einmal angenommen, es handle sich dabei um eine Umwälzung im
Innern der Erde, so geschieht dies dennoch auf Befehl und in der Weisheit Gottes; anders kann es nicht sein.
Hat zum Beispiel jemand einen anderen mit einem Gewehr erschossen und würde man nun den Schützen gar nicht beachten, sich vielmehr darauf beschränken, im Auge zu behalten, dass das Pulver Feuer gefangen hat, sodass der bedauernswerte Erschossene ganz und gar seiner Rechte beraubt wäre, was wäre das dann für eine Torheit und was für ein Wahnsinn?
In gleicher Weise ist es auch die abscheulichste Dummheit, den Auftrag des Herrn an die Erde, die doch ein gehorsamer Beamter des Allgewaltigen in Seiner Herrlichkeit oder vielmehr ein Schiff oder ein Flugzeug ist, um eine Bombe zu zünden, die in ihr eingelagert ist, mit der Absicht, die Leute der Gottvergessenheit und die Aufrührer wachzurütteln, zu ignorieren und in die Naturphilosophie abzubiegen.
Eine Ergänzung und Anmerkung zu dieser sechsten Frage:
Die Leute des Irrweges und des Unglaubens zeigen, wenn es darum geht, ihre Doktrin aufrechtzuerhalten, dem Erwachen der Gläubigen entgegenzutreten und ihm einen Widerstand entgegenzusetzen, eine so einzigartige Verbohrtheit und eine so erstaunliche Dummheit, dass der Mensch sich schämen muss, ein Mensch zu sein.
Es ist zum Beispiel in letzter Zeit der ganze Kosmos mit all seinen Elementen über den Aufruhr des Menschen, über seine Gewalttaten und über die Finsternis, die zum Teil schon eine allgemeine Verbreitung gewonnen hat, in Zorn geraten. So hat der Schöpfer der Himmel und der Erde, dessen Herrschaft nicht nur den Einzelnen umfasst, der vielmehr überall und an jedem Ort als der Herr und Lenker aller Welten und aller Universen Seine Herrschaft weit und breit über den ganzen Kosmos hin aufgebaut hat, dem Menschengeschlecht allgemeine, entsetzliche Katastrophen wie Erdbeben, Stürme und Weltkriege, verbunden mit beispiellosen, uferlosen Strömen von Wasser, Luft und Elektromagnetismus gewissermaßen
um die Ohren geschlagen, um es in Seinem gesamten Herrschaftsbereich wachzurütteln und dahin zu bringen, von seiner furchtbaren Auflehnung abzustehen und den König der Welt zu erkennen, den es nicht erkennen will, und um ihm Seine Weisheit, Allmacht, Gerechtigkeit, Unwandelbarkeit, Verfügungsgewalt und Herrschaft auf eine sehr deutliche Weise vor Augen zu führen. Aber dennoch entgegnet der Mensch, als habe er gleichsam die Gestalt eines unbelehrbaren Teufels angenommen, allen diesen Zeichen seines Herrn und all dieser göttlichen Züchtigung mit Dummheit und Starrsinn und spricht:
"Es ist die Natur, die Eruption eines Vulkans, ein Zufall. Die Hitze der Sonne ist mit der Elektrizität zusammengestoßen. Das hat in Amerika für fünf Stunden die Maschinen angehalten. In Kastamonu und Umgebung hat sich der Himmel gerötet. Das hat wie ein Brand ausgesehen."
Dergleichen reden sie wie im Delirium daher. In ihrer grenzenlosen Unwissenheit, die aus ihrem Irrtum erwächst, und in ihrem abscheulichen Starrsinn wissen sie nicht: Die Ursachen sind nur ein Scheingrund, dienen gleichsam als Schleier.
Er zeigt nur einen winzigen Samenkern statt hundert Fabriken und Werkstätten von der Größe eines Dorfes, um die Teile eines Tannenbaumes, groß wie ein Berg, gleichsam zu spinnen und zu weben: "Seht!" sagt er, "Daraus ist dieser Baum entstanden." Dabei führt er einige äußere Ursachen ins Feld, während er gleichzeitig tausend Wunder leugnet, die der Baumeister an dieser Tanne vorführt. Eine ganz große Tat Seiner Herrschaft, die der Schöpfer mit Seinem Wollen und in Seiner Weisheit vollbringt, macht so der Mensch zunichte. Manchmal bezeichnet der Mensch einen besonders schwierigen, unerforschlichen, höchst bedeutenden, in tausendfacher Hinsicht als sinnvoll erkannten Sachverhalt mit einem wissenschaftlichen Namen, als ob durch diese Bezeichnung das Wesentliche verständlich, gewöhnlich, sinnlos und bedeutungslos würde.
So komm denn! Siehe die unzähligen Abstufungen von
Verrücktheit und Torheit. Man bezeichnet einen schwierigen, weitläufigen und ungeklärten Sachverhalt, welcher nur dann vollständig zu erklären ist, wenn man ihn auf hunderten von Seiten abhandelt und seine Zweckmäßigkeit erläutert, mit einem Begriff und sagt, als handle es sich um eine bekannte Sache: "So ist das!"
Er sagt zum Beispiel, ein Teil der Sonnenmaterie hat eine elektrische Entladung ausgelöst. Außerdem erklärt er ein besonderes, zweckentsprechendes Phänomen der Herrschaft Gottes, das die allumfassende Macht oder den absolut freien Willen oder die Verfügungsgewalt über eine bestimmte Gattung zum Ausdruck bringt und als Gottes Gewohnheitsrecht bezeichnet wird, mit einem Naturgesetz.
So trennt er es von seiner Beziehung zum Willen und zur Macht Gottes, sodann schreibt er es dem Zufall und der Natur zu. Damit zeigt er eine Dummheit, welche die Abu Djehils noch um ein Vielfaches übertrifft. So wird er einem wahnwitzigen Aufständischen gleich, der den erfolgreichen Angriff eines Soldaten oder eines Bataillons, einer militärischen Anordnung oder dem Kriegsgesetz zuschreibt und so dessen Abhängigkeit von seinem Kommandanten, seinem König, seiner Regierung oder von einer geplanten Operation aufhebt.
Wenn überdies nun ein Mann, nachdem ein Meister und großer Wundertäter aus einem Holzstückchen von der Größe eines Fingernagels hundert Kilogramm verschiedener Speisen oder hundert Meter unterschiedlicher Stoffe hergestellt hat, ähnlich der Erschaffung eines Obstbaumes aus einem Kern, nun ein Stückchen Holz zeigen wollte und sagte: "Daraus sind diese Produkte natürlicher und zufälliger Weise entstanden." und die wunderbaren Kunstwerke und die Geschicklichkeit des Meisters als ein Nichts erklärte, was für eine Torheit wäre doch das? Desgleichen...
Siebente Frage:
Wie ist es zu erklären, dass sich dieses weltliche Ereignis auf die islamische Bevölkerung
dieses Landes bezieht und auf sie abzielt und warum trifft es gerade die Gegend um Erzincan und Izmir besonders hart?
Antwort:
Dieses Ereignis mitten im tiefsten Winter, mitten in finsterster Nacht, in grimmiger Kälte, beschränkte sich nur auf dieses Land, das die Würde des Ramadans nicht achtete. Nachdem es aber nun auch nach der Zerstörung noch nicht zur Besinnung gekommen ist, weist dieses Ereignis durch viele Anzeichen wie auch das Andauern der Beben darauf hin, dass es besonders auf die Gläubigen abzielt, sich gerade auf sie bezieht, um sie sanft aus ihrer Gottvergessenheit zu wecken, es schüttelt sie, um sie zu pflichtgemäßem und freiem Beten, Bitten und Flehen zu wecken und zittert in sich selbst fort.
Dafür aber, dass die Erde besonders in der Gegend der armen Bevölkerung um Erzincan bebt, gibt es zwei Gründe:
Erstens:
In Anbetracht ihres nur geringen Schuldkontos wurde die Sache rasch abgegolten, um sie zu bereinigen.
Zweitens:
Da es in diesen und ähnlichen Gegenden nur wenige, starke und aufrechte Wächter des Glaubens gibt und weil die Würdenträger der islamischen Religion den Leuten des Unglaubens fast oder ganz unterliegen mussten, sodass diese die Gelegenheit nutzten, dort den Versuch zu machen, ein Zentrum für ihre Aktivitäten aufzubauen, besteht die Vermutung, dass die Menschen gerade dort zuerst eine solche Ohrfeige erhalten haben.
لاَ يَعْلَمُ الْغَيْبَ اِلاَّ اللَّهُ
{"Niemand kennt das Unsichtbare außer Allah."}
سُبْحَانَكَ لاَ عِلْمَ لَنَآ اِلاَّ مَا عَلَّمْتَنَآ اِنَّكَ اَنْتَ الْعَلِيمُ الْحَكِيمُ
{"Gepriesen seist Du! Wir haben kein Wissen, außer dem, das Du uns gelehrt hast. Denn Du bist der Allwissende, der Allweise!" (Sure 2, 32)}
Fünfzehntes Wort
بِسْمِ اللَّهِ الرَّحْمَنِ الرَّحِيمِ ٭ وَلَقَدْ زَيَّنَّا السَّمَآءَ الدُّنْيَا بِمَصَابِيحَ وَجَعَلْنَاهَا رُجُومًا لِلشَّيَاطِينِ
{"Im Namen Allahs, des Erbarmers, des Barmherzigen; Und wahrlich, wir schmückten den untersten Himmel mit Lampen und bestimmten sie zu Wurfgeschossen für die Satane,..." (Sure 67, 5)}
Oh du gelehrter Herr, dem die seelenlose Problematik der Astronomie den Blickwinkel verengt und der Verstand die Sicht verschleiert hat und der du nun in dieser deiner beschränkten Sichtweise für das gewaltige Geheimnis dieser Ayah keinen Platz mehr finden kannst! Man kann in den Himmel dieser Ayah mit einer siebensprossigen Leiter emporsteigen. Komm, lass uns gemeinsam hinaufsteigen!
Erste Stufe:
Weisheit und Erkenntnis verlangen danach, dass sich so wie auf Erden auch in den Himmeln die ihnen entsprechenden Bewohner finden. In der Sprache des Qur'an werden diese verschiedenen Arten von Bewohnern Engel und Geister genannt. Dies ist in der Tat ein Erfordernis der Erkenntnis. Denn die Erde wird trotz ihrer winzigen Kleinheit mit leben- und bewusstseintragenden Geschöpfen gefüllt, von Zeit zu Zeit wieder geleert und neu wieder mit bewusstseinstragenden Geschöpfen belebt, was darauf hinweist, oder vielmehr erklärt, dass auch die Himmel, welche zauberhaften Schlössern gleichen, ausgestattet mit prächtigen Türmen,
{Gemeint sind die Sommer- und Wintersternbilder. (A.d.Ü.)}
von Geschöpfen erfüllt sind, die Verstand und Bewusstsein besitzen. Auch sie sind gleich Menschen und Dschinnen Besucher in diesem Schloss, das unsere Welt ist,
Leser dieses Buches, das dieser Kosmos ist, und Herolde dieses Königreiches, das Gottes Herrschaftsbereich ist. Denn das Universum, das mit grenzenlos kostbaren Ornamenten verziert, mit den schönsten und wertvollsten Kunstwerken geschmückt ist, bedarf ganz offensichtlich auch derer, die seine Schönheit sinnend betrachten und sie in staunender Bewunderung zu würdigen wissen. So verlangt Schönheit in der Tat nach einem, der in sie vernarrt ist, und das Mahl wird dem gereicht, der danach hungert. Aber die Menschen und Dschinnen können nur den millionsten Teil dieser unendlich vielen Aufgaben, dieser phantastischen Betrachtungen, dieser weltweiten Verpflichtungen, dieser umfassenden Anbetung erfüllen. Das heißt also, dass für diese unendlich vielen verschiedenen Aufgaben und Dienste und für die Anbetung auch unendlich viele Arten von Engeln und Geistern notwendig sind.
Aufgrund der Hinweise in manchen Überlieferungen und der Weisheit hinter der Ordnung der Welt lässt sich sagen: Ein Teil der Dinge und Gegenstände, die sich bewegen, von den Planeten bis hin zu den Wassertropfen, werden von den Engeln als eine Art Reittier benutzt. Mit Gottes Erlaubnis besteigen sie diese und segeln auf ihnen durch die bezeugte Welt. Zudem lässt sich sagen, dass manche Arten von Tieren, angefangen von den Vögeln des Paradieses, in einer Hadith "Grüne Vögel" genannt, bis zu den Fliegen einigen Arten von Seelen als Fahrzeug dienen. Sie schlüpfen auf Befehl Gottes des Gerechten in diese hinein, reisen mit ihnen durch die Körperwelt und legen durch die Fenster der Sinnesorgane hindurch von den materiellen Wundern der Schöpfung Zeugnis ab.
Erschafft der Schöpfer aus dunkler Erde und schlammigem Wasser ständig anmutiges Leben und lichtvolle, vernunftbegabte Wesen, so wird es vor Ihm auch eine Art bewusstseinstragender Geschöpfe aus dem sicherlich für Geist und Leben geeigneten Meer des Lichtes, ja sogar aus dem Ozean der Dunkelheit geben. Und das werden
sogar viele sein.
Über die Existenz der Engel und der Geister habe ich in einer Abhandlung, die "Punkte" heißt, und im "Neunundzwanzigsten Wort" geschrieben. Da ist ihre Existenz so sicher bewiesen, wie zwei mal zwei vier ist. Wer möchte, kann dort nachschlagen.
Zweite Stufe:
Himmel und Erde stehen miteinander in Verbindung wie zwei Provinzen eines Staates. Zwischen ihnen gibt es unsichtbare Kanäle und Handlungsweisen, die von Wichtigkeit und Bedeutung sind. Licht und Wärme, Fülle und Fruchtbarkeit, Dinge, wie sie der Erde notwendig sind, kommen vom Himmel herab, d.h. sie werden gesandt, und dies in Übereinstimmung mit allen Religionen des Himmels, die sich auf Offenbarungen stützen, und nach der Überlieferung der visionären Entdecker, die sich auf das gleiche Zeugnis stützen, dass die Engel vom Himmel zur Erde herabsteigen. Daraus erkennt man mit einer intuitiven Sicherheit, die an unmittelbare sinnliche Wahrnehmung grenzt, dass es für die Bewohner der Erde einen Weg gibt, der in den Himmel emporführt. In der Tat sind Verstand, Intuition und Blick eines jeden von ihnen jederzeit nach dem Himmel gerichtet. In gleicher Weise steigen auch die Seelen der Propheten und der Heiligen, die ihre schwere Last abgeworfen und die Seelen der Verstorbenen, die ihre Körper verlassen haben, mit Gottes Erlaubnis dahin empor. Da nun einmal alles, was leicht und fein ist, dahin emporsteigt, können sicherlich auch ein Teil der Bewohner der Erde und der Luft, wenn sie ihren Spiegelkörper angezogen haben und leicht und fein wie die Geister geworden sind, zum Himmel emporsteigen.
Dritte Stufe:
Die Ruhe, Stille, Ordnung, Harmonie und Weite des Himmels und sein Strahlenglanz zeigt uns, dass seine Bewohner den Bewohnern der Erde nicht gleich sind. Vielmehr sind alle seine Bewohner Geheißene und was ihnen geheißen wird, das tun sie. Einen Anlass, der Streit und Hader erheischen könnte, gibt es nicht. Denn das Land ist groß, die Natur ihrer Bewohner
ist unbefleckt und unverdorben und ihre Ämter sind beständig und ihre Ränge unwandelbar.
Die Gegensätze haben sich in der Tat auf der Erde versammelt. Die Bösen haben sich mit den Guten vermischt. Das hatte Uneinigkeit zur Folge. Aus diesem Grund verfielen sie der Zwietracht und der Sorge. Deshalb wurden ihnen Prüfungen auferlegt. Daraus erwuchs der Wettstreit. So entstanden Fortschritt und Rückschritt. Der Sinn dieser Umstände ist folgender:
Der Mensch ist als Frucht am Baum der Schöpfung gewissermaßen dessen Endprodukt. Es ist ja bekannt, dass in der Natur die Frucht das Endprodukt, das Konzentrat, das Schmuckstück, das bedeutendste Ergebnis ist. So ist denn nun die Erde, da der Mensch als Frucht des Kosmos ein einzigartiges, äußerst hilfloses und schwaches Wunder der Macht ist, das am tiefsten begnadet wurde und in dem sich alles vereinigt, Wiege und Wohnstatt, die trotz ihrer äußerlichen Winzigkeit im Verhältnis zum Himmel im übertragenen und künstlerischen Sinne das Herz und das Zentrum des ganzen Kosmos, eine Ausstellung für alle die wunderbaren Kunstwerke, ein Erscheinungsort und Brennpunkt für die Manifestation aller Namen Gottes, eine Bühne für alle die zahllosen Großtaten des Herrn und ihr Spiegel, ein Basar für den Überfluss an Geschöpfen und Mittelpunkt des göttlichen Schaffens, besonders der kleinen Tier- und Pflanzenarten, ein Ort für die kleinen Nachbildungen der Kunstwerke dieser so weiten, jenseitigen Welten, ein Webstuhl, an dem die Tuche für die Ewigkeit sehr schnell gewebt werden, eine Bühne, auf der die Szenen der Ewigkeit rasch wechseln, ein kleines, vorübergehendes Pflanzbeet, in dem die Samen für die ewigen Gärten rasch heranwachsen.
Das also ist der Grund dafür, dass der weise Qur'an die Erde
{(*): In der Tat kann sich die Erde trotz ihrer Winzigkeit gegenüber dem Himmel behaupten. Denn so wie man sagen kann: "Ein ständig fließender Brunnen ist größer als ein großer See ohne Zufluss." Und weiter noch: Ein Scheffel kann, nachdem das Getreide mit ihm gemessen, auf einen anderen Platz transportiert und es dadurch mit ihm gemessen wurde und es in diesen Scheffel eingefüllt und wieder ausgeleert worden ist, mit dem Berg Getreide, der äußerlich tausendmal größer ist, zum Vergleich antreten. Genauso hat auch Gott der Gerechte die Erde wie eine Messehalle für Seine Kunstwerke, einen Versammlungsort für Seine Geschöpfe, ein Zentrum Seiner Weisheit, einen Ort, an dem sich Seine Macht offenbart, einen Garten Seiner Barmherzigkeit, einen Acker für das Paradies, einen Scheffel für das grenzenlose Universum und die Welten Seiner Geschöpfe und einen Brunnen, der in die Meere der Vergangenheit und die unsichtbare Welt hinüberströmt, erschaffen. Halte dir alle diese sich erneuernden Welten, die in jedem Jahr ihre kunstvoll gewebten und in hunderttausend vielfältig gefalteten Schichten übereinander gelegten Gewänder wechseln, die oftmals gefüllt und in die verborgene Welt der Vergangenheit wieder entleert werden und so die verschiedenen Gewänder der Erde bilden, vor Augen; das heißt, vergegenwärtige dir die ganze Vergangenheit. Danach vergleiche sie mit den stets einförmigen und in gewissem Grade gleichförmigen Himmeln. Da wirst du sehen: Hat die Erde bei diesem Vergleich schon nichts gewonnen, so hat sie doch auch nichts verloren. So verstehe denn das Geheimnis der Ayah:
رَبُّ السَّمَوَاتِ وَ اْلاَرْضِ
("Herr der Himmel und der Erde.")}
die verglichen mit dem Himmel doch nur ähnlich
einer kleinen Frucht am großen Baum ist, aufgrund ihrer überragenden Bedeutung und ihres Kunstwertes allen Himmeln gleichstellt. Er legt sie auf die eine Waagschale und alle Himmel auf die andere Waagschale. Immer wieder heißt es da:
رَبُّ السَّمَوَاتِ وَ اْلاَرْضِ
{"Herr der Himmel und der Erde!"}
Außerdem erfordert der rasche Wechsel und die ständige Veränderung auf der Erde, die sich aus den oben erwähnten Gründen ereignen, dass auch bei ihren Bewohnern
eine dementsprechende Veränderung stattfinden muss. Da nun überdies auf dieser begrenzten Erde zahllose Wunderwerke der Macht in Erscheinung treten und auch den Begabungen der Menschen und Dschinnen, ihren bedeutendsten Bewohnern, nicht wie den übrigen Lebewesen von ihrer Natur eine Grenze gesetzt und durch ihre Kreatürlichkeit keine Fessel angelegt ist, tritt in ihnen ein grenzenloser Fortschritt und ein grenzenloser Rückschritt in Erscheinung. Von den Gesandten und Freunden Gottes bis zu den Nimrod-gleichen Personen, ja bis hin zum Teufel ist die Erde ein weites Prüfungsfeld. Weil dies aber so ist, werden die pharaonenstolzen Satane mit ihren grenzenlosen Übeltaten Steine nach dem Himmel und seinen Bewohnern werfen...
Vierte Stufe:
Der Herr und Lenker aller Welten und ihr Schöpfer in Seiner Majestät ist zugleich auch der Herr der "Schönen Namen", der Träger und Eigentümer sehr vieler Namen und Titel mit ganz verschiedenen Funktionen.
Zum Beispiel:
Die Namen und Titel, denen zufolge die Engel ausgesandt wurden, um an der Seite der Gefährten des Propheten gegen die Ungläubigen zu kämpfen; diesen Namen und Titeln zufolge gibt es auch einen Kampf zwischen Engeln und Teufeln, einen Streit zwischen den Guten im Himmel und den Bösen auf Erden.
In der Tat vernichtet der Allmächtige in Seiner Herrlichkeit, in dessen Macht die Seelen der Ungläubigen und ihr Atem ist, nicht durch einen Befehl oder Posaunenstoß. Er eröffnet unter dem Titel Seiner allumfassenden Herrschaft, in Seinem Namen als Beherrscher und Lenker eine Arena für Prüfungen und Wettkämpfe. Obwohl Vergleiche immer hinken, sehen wir dennoch, dass ein König hinsichtlich seines Regierungsamtes sehr viele ganz verschiedene Titel und Namen haben kann.
Zum Beispiel:
Das Justizministerium kennt ihn unter dem Namen "der gerechte Richter". Die Militärverwaltung nennt ihn mit dem Namen "Oberster Feldherr". Das Amt für religiöse Angelegenheiten erwähnt ihn unter dem Titel "Kalif". Das Innenministerium bezeichnet ihn mit dem Titel "Sultan".
Seine ergebenen Einwohner sagen zu ihm "barmherziger König". Die Rebellen sprechen über ihn als "dem zornigen Herrscher". Man könnte noch weitere Vergleiche finden.
So geschieht es denn manchmal, dass dieser erhabene König, in dessen Hand alle seine Einwohner sind, einen schwachen elenden Aufständigen nicht durch einen Befehl hinrichten lässt, sondern ihn in seinem Namen als der gerechte Herrscher vor ein Gericht stellt. Er weiß auch, wenn ein Beamter sowohl tüchtig als auch treu ergeben und einer Auszeichnung würdig ist. Er zeichnet ihn aber nicht aufgrund seines persönlichen Wissens, durch ein privates Telefongespräch aus, sondern schreibt unter dem Titel seiner königlichen Majestät einen Wettbewerb als Regierungsmaßnahme aus, um die Berechtigung einer solchen Belohnung unter Beweis zu stellen, gibt seinem Minister die notwendigen Anweisungen, lädt die Bevölkerung zu Zeugen und Zuschauern ein. Er gibt einen öffentlichen Empfang. Er belohnt ihn als Ergebnis einer erhabenen und prächtigen Prüfung vor einer hohen Versammlung. So lässt er ihm eine öffentliche Würdigung zuteil werden. Ziehe weitere Vergleiche in noch anderer Hinsicht!
وَلِلَّهِ اْلمَثَلُ اْلاَعْلَى
{"Bei Gott sind die erhabensten Gleichnissen!" (Sure 16, 60)}
So hat denn der König aller Ewigkeiten sehr viele Schöne Namen. Durch die Erscheinung Seiner Majestät und die Offenbarung Seiner Vollkommenheit werden auch sehr viele Seiner Eigenschaften und Attribute sichtbar. Die Namen, Titel und Attribute, welche die Existenz des Lichtes und der Finsternis, des Sommers und des Winters, des Himmels und der Hölle notwendig machen, verlangen auch bis zu einem gewissen Grade die Allgemeingültigkeit des Gesetzes sowohl von der Gegensätzlichkeit wie auch vieler anderer, allgemeiner Gesetze in der Schöpfung, zum Beispiel das Gesetz der Fortpflanzung,
das Wettbewerbsgesetz und das Subsidiaritätsgesetz. So erstreckt sich zum Beispiel der Gültigkeitsbereich des Gesetzes von der Gegensätzlichkeit von dem Streit zwischen Eingebung und Einflüsterung im Herzen angefangen bis zum Kampf zwischen Engeln und Teufeln an der Grenze des Himmels.
Fünfte Stufe:
Da es nun einmal ein Emporsteigen von der Erde zum Himmel und die Rückkehr danach gibt, so gibt es auch ein Herniedersteigen vom Himmel zur Erde und die Rückkehr dorthin. Die für den Bedarf der Erde notwendigen Güter werden von dort herabgesandt und da nun einmal die guten Seelen zum Himmel emporsteigen, werden sicherlich auch die bösen Geister versuchen, die guten nachzuahmen und in das Land der Himmel zu gelangen. Denn sie sind von ihrer Substanz her fein und leicht. Aber sie werden zweifellos wieder vertrieben und abgewiesen werden. Denn ihrem Wesen nach sind sie böse und voll Unheil.
Außerdem besteht überhaupt kein Zweifel daran, dass es in unserer bezeugten Welt einen Hinweis auf diese bedeutsamen Aktivitäten und diesen geistigen Kampf geben muss. Denn die Weisheit der Herrschaft Seines Königreiches erfordert, den mit Bewusstsein begabten Lebewesen einen Hinweis auf die Bedeutsamkeit der unsichtbaren Lenkung zu geben, besonders aber für den Menschen, dessen wichtigste Aufgabe in der Betrachtung, Bezeugung, Verkündigung und Beaufsichtigung besteht, ein Zeichen zu setzen. Gott hat ja nicht nur für die zahllosen Wundertaten des Frühlings den Regen
{In der Türkei kommt der Frühling nach dem ersten Regen im April. (A.d.Ü.)}
als Zeichen gesetzt und mit den äußerlichen Ursachen Seiner wunderbaren Kunstwerke einen Hinweis auf sie gegeben, damit die Leute der bezeugten Welt als Zeugen auftreten können. Vielmehr will Er durch sie die Aufmerksamkeit der ganzen Gemeinde des Himmels und aller Erdenbewohner auf diese einzigartige Veranstaltung hinlenken.
Das heißt, Er schildert diesen riesigen Kosmos als eine mit Türmen geschmückte Feste, in der ringsum Wächter aufgestellt sind, zeigt sie ihnen im Bild einer Stadt und veranlasst sie, über die Majestät Seiner Herrschaft nachzusinnen.
In Anbetracht der Tatsache, dass die Ausrufung dieses erhabenen Kampfes weise und notwendig ist, wird es sicherlich auch ein Zeichen dafür geben. Unter den Geschehnissen in der Atmosphäre und im Kosmos sieht man aber überhaupt kein Geschehnis, welches für diese Ausrufung geeignet sein sollte. Es gibt nichts passenderes als (folgende Ausdeutung der Ayaham Anfang dieses "Zwölften Wortes"). Denn es ist ganz klar verständlich, wie sehr dieses Geschehnis unter den Sternen, das Flammenwerfern und Leuchtkugeln gleicht, die von mächtigen Türmen und aus hohen Festungen herabgeschleudert werden, passend für die Steinigung des Teufels ist. In der Tat ist keine passendere Ausdeutung dieses Geschehnisses ersichtlich außer dieser Ausdeutung und dieser Sinngebung. Alle anderen Geschehnisse eignen sich dafür nicht. Überdies ist eine solche Weisheit seit Adams Zeiten bekannt und unter den Kennern der Wahrheit berühmt.
Sechste Stufe:
Da die Menschen und Dschinnen für grenzenlose Bosheit und Verderbtheit anfällig sind, überschreiten sie in ihrer Widersetzlichkeit alle Grenzen. Aus diesem Grunde also verbietet der Ehrwürdige Qur'an den Menschen und Dschinnen mit einer so wunderbaren Beredsamkeit und in einer so hoheitsvollen und klaren Ausdrucksweise und mit so lebendigen und offenkundigen Beispielen und Gleichnissen jeden Aufruhr und alle Widersetzlichkeit, dass das All davon erzittert.
Zum Beispiel:
Oh ihr Menschen und Dschinnen, wenn ihr meinen Befehlen nicht gehorcht, auf dann, verlasst mein Reich, wenn ihr das könnt! Beachtet die Ayah, welche mit mächtigen Warnungen, schrecklichen Drohungen und furchtbarer Gewalt auf dieses Beispiel hinweist:
يَا مَعْشَرَ اْلجِنِّ وَاْلاِنْسِ اِنِ اسْتَطَعْتُمْ اَنْ تَنْفُذُوا مِنْ اَقْطَارِ السَّمٰوَاتِ وَاْلاَرْضِ فَانْفُذُوا لاَ تَنْفُذُونَ اِلاَّ بِسُلْطَانٍ ٭ فَبِاَىِّ اَلآَءِ رَبِّكُمَا تُكَذِّبَانِ ٭ يُرْسَلُ عَلَيْكُمَا شُوَاظٌ مِنْ نَارٍ وَ نُحَاسٌ فَلاَ تَنْتَصِرَانِ
{"Oh versammelte Dschinnen und Menschen! Wenn ihr im Stande seid, die Grenzen der Himmel und der Erde zu überschreiten, so überschreitet sie doch, aber ihr könnt es nicht, außer mit Macht. Welche der Wohltaten eures Herrn wollt ihr beide wohl leugnen? Man wird gegen euch beide Rauch und flüssiges Feuer aussenden und ihr werdet euch nicht mehr helfen können." (Sure 55, 33-35)}
Mit welch wunderbarer Beredsamkeit bricht er doch den so stolzen Starrsinn der Menschen und Dschinnen! Er macht ihnen ihre Schwäche klar. Er zeigt ihnen, wie schwach und armselig sie sind im Vergleich zu der Weite und gewaltigen Größe des Königreiches Seiner Herrschaft. Es ist, als wollte er mit der obigen Ayah und mit folgender Ayah وَجَعَلْنَاهَا رُجُومًا لِلشَّيَاطِينِ {"...und Wir bestimmten sie zu Wurfgeschossen für die Satane,..." (Sure 67, 5)} folgendes zum Ausdruck bringen:
"Oh ihr Dschinnen und Menschen, die ihr in eurer Winzigkeit stolz und verbohrt und die ihr in eurer Schwäche und Armseligkeit verblendet und hartnäckig seid! Wie könnt ihr es wagen, euch in eurer Aufsässigkeit gegen die Befehle eines so ruhmreichen Königs zu stellen, dessen Befehlen Sterne, Monde und Sonnen wie gehorsame Soldaten gehorchen!? Überdies kämpft ihr in eurer Aufsässigkeit gegen einen Herrscher von solcher Majestät, der so gewaltig große, Ihm gehorsame Soldaten hat, dass eure Teufel, könnten sie gegen diese antreten, von ihnen mit Kugeln gleich Bergen gesteinigt würden. Zudem rebelliert ihr in eurer Undankbarkeit im Lande eines Königs von solcher Majestät, dass Seine Diener und
Soldaten von der Art sind, dass sie nicht nur auf euch winzige Geschöpfe, sondern selbst dann noch, wenn ihr, den unmöglichen Fall angenommen Feinde und Ungläubige so groß wie ein Berg oder die Erde wäret, Sterne und eiserne Feuerkugeln so groß wie ein Berg oder die Erde nach euch schleudern und mit flüssigem Metall euch davon jagen könnten. Außerdem brecht ihr ein Gesetz, das solcher Art ist, dass diejenigen, die an dieses Gesetz gebunden sind, solcher Art sind, dass sie euch, wenn es nötig würde, die Erde um eure Köpfe schlagen könnten. Sie könnten Kugeln, groß wie ein Globus, gleich Sternen über euch herabregnen lassen."
Im Qur'an werden einige nachdrückliche Hinweise in der Tat nicht etwa aufgrund der Macht der Feinde gegeben, sondern finden sich darin vielmehr in der Absicht, Seine Herrlichkeit zu zeigen und die Böswilligkeit des Feindes darzustellen. Dies geschieht zudem manchmal, um die vollendete Ordnung, die unbegrenzte Gerechtigkeit, die außerordentliche Mildtätigkeit und die Macht der Weisheit aufzuzeigen, nachdrücklich auf die größten und mächtigsten Ursachen selbst des kleinsten und schwächsten Dinges hinzuweisen. So hält der Qur'an seine Hand über den Bösgesinnten, verhindert ihre Überfälle und lässt sie nicht ihre Grenzen überschreiten. Betrachten wir hierzu folgendes Beispiel:
وَاِنْ تَظَاهَرَا عَلَيْهِ فَاِنَّ اللَّهَ هُوَ مَوْلاَهُ وَجِبْرِيلُ وَصَالِحُ اْلمُؤْمِنِينَ وَاْلمَلآئِكَةُ بَعْدَ ذَلِكَ ظَهِيرٌ
{"...wenn ihr euch jedoch gegen ihn zusammenhelft, siehe, so ist Allah sein Schutzherr und außerdem werden Gabriel, die rechtschaffenen Gläubigen und alle Engel seine Helfer sein." (Sure 66, 4)}
Welch ein Respekt vor dem Anspruch des Propheten und welche Barmherzigkeit in Hinsicht auf das Recht der Ehefrau! Dies ist ein wichtiger und nachdrücklicher Hinweis, einzig um die immense Hochachtung vor dem Propheten und die Wichtigkeit der Klagen zweier Schwacher und die Berücksichtigung ihrer Rechte mit aller Barmherzigkeit zum Ausdruck zu bringen.
Siebente Stufe:
Gleich Engeln und Fischen {Melekler ve semekler: türkisches Wortspiel; der Himmel wird hier mit einem Ozean verglichen. (A.d.Ü.)} gibt es auch Sterne unterschiedlichster Art. Ein Teil ist ziemlich klein, ein Teil ist sehr groß. Doch sie alle, wie sie aus der Tiefe des Himmels erstrahlen, nennen wir Gestirne. So gibt es denn auch unter diesen verschiedenen Sternen eine Art, die der Glorreiche Schöpfer, der Meister in Seiner vollendeten Schönheit wie Juwelen erschaffen hat, um das liebreizende Antlitz des Himmels damit zu schmücken, wie dessen glänzende Früchte an einem Baum oder gleich Fischen, die in seinen Tiefen wie in einem Meere Gott verherrlichen und die Er Seinen Engeln zu Ausflugsorten, Fahrzeugen und Wohnstätten gemacht hat und auch kleine sternartige Gebilde, die Er für die Steinigung der Teufel bestimmt hat. Nun aber können diese für die Steinigung der Teufel bestimmten Wurfgeschosse drei Bedeutungen haben:
Erstens:
Sie sind ein Zeichen und Hinweis darauf, dass das Gesetz vom Kampf der Gegensätze auch noch in den entferntesten Regionen seine Gültigkeit hat.
Zweitens:
Die Wächter des Himmels sind aufmerksam, seine Bewohner geruhsam. Sie mögen es nicht von den Übeltätern der Erde aufgesucht und ausgehorcht zu werden. Dafür ist die Existenz des Heeres Gottes Hinweis und Zeichen.
Drittens:
Sternschnuppen sind wie Flammenwerfer und Leuchtkugeln, die abgefeuert werden, um die teuflischen Agenten, welche in ihrer Boshaftigkeit Vertreter für allen Unrat der Welt sind, in Angst und Schrecken zu versetzen, sodass diese unverschämten Kundschafter den Himmel, der rein ist und ein Wohnort für die Reinen nicht beschmutzen können, und derartige Teufel durch die Zurückweisung und Vertreibung von den Eingängen des Himmels am Auskundschaften im Namen der bösen Seelen zu hindern.
Wohlan denn, oh du gelehrter Herr und Astronom, der du deiner einem Leuchtkäfer vergleichbaren Lampe an deinem Kopf vertraust und vor der Sonne des Qur'an deine Augen zukneifst! Betrachte diese Wahrheiten, auf welche wir in sieben Stufen hingewiesen haben! Öffne deine Augen, lass die Lampe an deinem Kopf und betrachte den Sinn dieser Ayah in dem taghellen Licht ihres Wunders! Nimm einen Stern wahrhaftiger Bedeutung aus dem Himmel dieser Ayah und wirf ihn nach dem Teufel in deinem Kopf! Steinige deinen eigenen Teufel! Auch wir müssen das tun und gemeinsam sagen:
رَبِّ اَعُوذُ بِكَ مِنْ هَمَزَاتِ الشَّيَاطِينِ
{"Oh Herr, ich nehme meine Zuflucht zu Dir vor den Einflüsterungen der Satane." (Sure 23, 97)}
فَلِلَّهِ اْلحُجَّةُ الْبَالِغَةُ وَ الْحِكْمَةُ الْقَاطِعَةُ
سُبْحَانَكَ لاَ عِلْمَ لَنَآ اِلاَّ مَا عَلَّمْتَنَآ اِنَّكَ اَنْتَ الْعَلِيمُ الْحَكِيمُ
{"Und bei Allah ist das klare Zeugnis und die absolute Weisheit. Gepriesen seist Du! Wir haben kein Wissen, außer dem, das Du uns gelehrt hast. Denn Du bist der Allwissende, der Allweise!"}
Anhang zum Fünfzehnten Wort
Erstes Kapitel des Sechsundzwanzigsten Briefes
بِاسْمِهِ سُبْحَانَهُ ٭ وَاِنْ مِنْ شَيْءٍ اِلاَّ يُسَبِّحُ بِحَمْدِهِ
{"Im Namen dessen, der gepriesen sei!" "Und kein Ding ist, das Ihn nicht in Dankbarkeit lobpreist." (Sure 17, 44)}
بِسْمِ اللَّهِ الرَّحْمَنِ الرَّحِيمِ ٭ وَاِمَّا يَنْزَغَنَّكَ مِنَ الشَّيْطَانِ نَزْغٌ فَاسْتَعِذْ بِاللَّهِ اِنَّهُ هُوَ السَّمِيعُ الْعَلِيمُ
{"Im Namen Allahs, des Erbarmers, des Barmherzigen; Und wenn du vom Satan angestachelt wirst, so nimm deine Zuflucht zu Allah! Siehe, Er ist der Allhörende, der Allwissende." (Sure 41, 36)}
Zeugnis des Qur'an gegen den Teufel und seinen Anhang, um Iblis zum Schweigen zu bringen, den Teufel zur Vernunft zu rufen und die Anhänger der Auflehnung verstummen zu lassen. Dieses Erste Kapitel betrifft ein Erlebnis, durch das entgültig jene fürchterliche Intrige des Teufels widerlegt wurde, welche sich in der Neutralität des Urteils findet. Vor zehn Jahren hatte ich bereits einen Extrakt dieses Erlebnisses in den "Lemeat(Blitze)" niedergeschrieben. Folgendermaßen:
Einmal, im Heiligen Monat Ramadan, elf Jahre vor der Abfassung dieser Abhandlung, lauschte ich in der ehrwürdigen Bayezid Moschee in Istanbul der Rezitation der Hafize. Plötzlich war mir, als hörte ich eine Stimme von jemand, den ich aber nicht sah. Sie lenkte meinen Geist auf sich. Innerlich hörte ich ihr zu. Da sprach sie zu mir:
"Du betrachtest den Qur'an als sehr hoch, als besonders glänzend. Denke neutral und betrachte ihn dann! Das heißt, stell dir vor, er sei das Wort eines Menschen. Siehst du etwa noch jene Besonderheiten und jenen Schmuck?"
Ich wurde tatsächlich in die Irre geführt, stellte ihn mir als Menschenwort vor und betrachtete ihn so. Da sah ich: Es war, als wäre in der Bayezid Moschee der Lichtschalter herumgedreht worden und alles in Dunkelheit versunken und ausgelöscht. Genauso begannen sich die glänzenden Strahlen des Qur'an bei dieser Annahme zu verbergen. Nun verstand ich, dass es der Teufel war, der mit mir sprach. Er versuchte mich in einen Abgrund zu stürzen. Da rief ich den Qur'an um Hilfe. Sofort drang Licht in mein Herz. Es gab mir die ganze Macht zur Verteidigung. Da nahm ich den Kampf gegen den Teufel auf, indem ich sagte:
"Oh Satan! Neutral zu denken bedeutet, einen Platz zwischen zwei Fronten einzunehmen, wohingegen aber das, was von dir und deinen Schülern unter den Menschen als neutral zu denken bezeichnet wird, eine Bevorzugung der Gegenseite ist. Es ist keine Neutralität. Eine solche zeitweilige Annahme ist Glaubenslosigkeit. Denn den Qur'an als Menschenwort zu bezeichnen und zu betrachten und in dieser Weise zu denken, heißt, die entgegengesetzte Möglichkeit als Grundlage anzunehmen. Es ist die falsche Seite. Es ist keine Neutralität im Denken, vielmehr eine Parteinahme für die falsche Seite." Der Teufel antwortete:
"Wenn das so ist, dann sage, es ist nicht Allahs Wort, nicht das eines Menschen. Stelle dir einmal die Mitte vor!" Ich entgegnete:
"Das ist auch unmöglich. Denn, wenn um ein Eigentum ein Rechtsstreit besteht und die beiden Kontrahenten nahe beieinander sind, eine örtliche Nachbarschaft besteht, dann wird dieses Eigentum in die Hand eines dritten gegeben oder an einen Ort verbracht, der beiden zugänglich ist. Wer den Beweis erbringt, der erhält es. Wenn aber die beiden Kontrahenten sehr weit voneinander entfernt sind, einer im Osten, einer im Westen ist, dann verbleibt es prinzipiell in der Hand dessen, der der augenblickliche Besitzer ist. Denn es in der Mitte zu lassen, ist nicht möglich.
Nun ist aber der Qur'an ein kostbarer Besitz. Die beiden Kontrahenten jedoch sind so weit voneinander entfernt, wie das Wort eines Menschen vom Worte Gottes des Gerechten, ja sie sind vielmehr unendlich weit voneinander entfernt. So ist es also nicht möglich, ihn in der Mitte zwischen den beiden, wie Himmel und Erde voneinander entfernten Seiten, zu lassen. Ja es gibt gar keine Mitte. Denn da sie zwei Gegensätze sind, wie Sein oder Nichtsein, oder zwei Gegenpole, gibt es zwischen ihnen keine Mitte. Wenn das aber so ist, dann ist der augenblickliche Besitzer des Qur'an auf der Seite Gottes. Wenn das aber so ist, dann wird sein Verbleib in dessen Hand akzeptiert und dies ist dann der Status quo für die Beweisaufnahme. Kann die Gegenseite alle Beweise dafür, dass er das Wort Allahs ist, nacheinander widerlegen, mag sie ihre Hand nach ihm ausstrecken. Anderenfalls darf sie es nicht.
Ohoh! Wer vermöchte diese tausenden unumstößlicher Beweise, mit denen gleich zwölfzölligen Nägeln dieser gewaltige, strahlende Diamant am Throne des Allgewaltigen befestigt ist, welche Hand vermöchte alle diese Nägel herauszureißen, seine Stützpfeiler abzusägen, um ihn herabzustürzen!?
Nun also, oh Teufel! Leute, die dir zum Trotz mit Herz und Verstand ein gerechtes Urteil zu fällen vermögen, werden auf diese Weise urteilen. Ja, bei dem geringsten Beweis verstärken sie noch ihren Glauben an den Qur'an. Was aber den Weg betrifft, den du und deine Schüler zeigen: Stellt man sich einmal den Qur'an als Menschenwort vor, das heißt, wenn jener herrliche Diamant, der mit dem Thron Gottes verbunden ist, zur Erde geworfen würde, so wäre anstelle all der Macht der Nägel und der Festigkeit vieler Beweise ein einziger Beweis dazu notwendig, ihn wieder von der Erde aufzuheben und am Throne des Geistes zu befestigen, um ihn aus der Finsternis des Unglaubens zu erretten und zu den Lichtern des Glaubens zu gelangen. Das zu erreichen ist jedoch sehr schwer. Deswegen verlieren in dieser Zeit durch
deine Einflüsterung unter der Vorstellung, neutral zu denken, viele ihren Glauben." Da wandte sich der Teufel wieder zu mir und sagte:
"Der Qur'an gleicht dem Wort der Menschen. Er ist nach Art menschlicher Redewendung. Also ist er Menschenwort. Wäre er Gotteswort, müsste er auch für Ihn schicklich sein, müsste in jeder Hinsicht einen außergewöhnlichen Stil haben. Geradeso wie Seine Kunst nicht der Kunst der Menschen ähnelt, so dürften auch Seine Worte ihnen nicht ähnlich sein." Ich antwortete ihm: "So wie unser Prophet, mit dem Friede und Segen sei, außer in seinen Wundern und Tugenden, doch Mensch blieb in seinen Handlungen, seinem Verhalten und in seinem Benehmen, so war er auch wie ein Mensch den alltäglichen Gesetzen Gottes und Seiner Schöpfung unterworfen und an sie gebunden. Auch er war der Kälte ausgesetzt, litt unter Schmerzen usw.... Er nahm in all seinem Verhalten und Benehmen keine Sonderstellung ein, sodass er seiner Gemeinde durch seine Handlungen ein Vorbild, durch seine Haltung ein Wegweiser, in seinem ganzen Umgang ein Lehrer hätte sein können. Wäre er in seinem ganzen Verhalten außergewöhnlich gewesen, hätte er nicht ganz persönlich und in jeder Hinsicht ein Vorbild sein können, nicht für jeden der vollkommene Lehrer sein können, nicht in seiner ganzen Haltung Segen und Erbarmen für die Welt sein können.
In gleicher Weise gilt: Auch der Höchstweise Qur'an ist ein Führer für alle bewusstseintragenden Wesen, ein Meister für alle Menschen und Dschinnen, ein Führer für die Vollendeten, ein Lehrer für die Leute der Wahrheit. Weil dies so ist, muss er notwendigerweise sicherlich von der gleichen Art sein wie die Ausdrucks- und Redeweise der Menschen. Denn Menschen und Dschinnen lernen von ihm zu bitten und zu beten, diskutieren ihre Probleme in seiner Sprache, gestalten ihm gemäß ihren sozialen Umgang usw.... Er ist die Autorität für alle. Wäre der Qur'an in der gleichen Weise das Wort Gottes, wie Mosis, mit dem Friede sei, es auf dem Berg Sinai hörte, die
Menschen hätten nicht ertragen, ihn anzuhören, ihm zu lauschen, ihn als Autorität anzunehmen. Ein so großer Prophet wie Mosis konnte es nicht ertragen, mehr als einige wenige Worte zu hören. Mosis, mit dem Friede sei, sagte:
اَهٰكَذَا كَلاَمُكَ ؟ قَالَ اللّٰهُ : لِى قُوَّةُ جَمِيعِ اْلاَلْسِنَةِ
{"Ist so Dein Wort? Gott sagte: Ich habe die Macht über alle Zungen."}
Der Satan wendete sich mir wiederum zu und sagte: "Solche Probleme, wie die im Qur'an angeführten, behandeln viele Leute, wenn sie über den Glauben sprechen. Ist es etwa nicht möglich, dass ein Mensch deswegen im Namen des Glaubens so etwas verfassen könnte?" Als Antwort erwiderte ich ihm im Lichte des Qur'an:
Erstens:
Ein religiöser Mensch sagt in seiner Liebe zum Glauben: 'Das ist richtig. Dies ist die Wahrheit. So lautet der Befehl Gottes.' Er wird aber nicht seine eigenen Worte Gott in den Mund legen. Er wird seine Grenzen nicht so grenzenlos weit überschreiten, selbst Gott zu spielen, an Seiner Statt zu sprechen.
مَنْ اَظْلَمُ مِمَّنْ كَذَبَ عَلَى اللَّهِ
{"Wer ist ungerechter als der, der über Gott Lügen erdichtet." (Sure 39, 32)}
Er wird vor diesem Gesetz und Urteil zittern!
Und Zweitens:
Es ist keineswegs möglich, ja sogar hundertfach unmöglich, dass ein Mensch ganz allein dergleichen zu Stande gebracht und dabei auch noch erfolgreich gewesen sein könnte. Denn nur zwei einander nahe stehende Persönlichkeiten können einander nachahmen. Wenn sie von gleicher Art sind, können sie einer in des anderen Rolle schlüpfen. Zwei einander im Rang nahe stehende können einander in ihrer Stellung nachahmen. Vorübergehend können sie die Menschen täuschen. Sie können sie jedoch nicht für immer täuschen. Denn den Blicken der Aufmerksamen wird sich der Betrug in jedem Fall durch ihr Gehabe und die gezwungene Art in ihrem
Verhalten und Benehmen zeigen. Ihre Täuschung wird sich nicht fortsetzen.
Hat ein Hochstapler nicht die geringste Ähnlichkeit mit dem, den er zu spielen versucht, zum Beispiel, ein gewöhnlicher Mensch, der versuchte ein Genie wie Avicenna in seinem Wissen nachzuahmen oder ein Schafhirte, der versuchte, in die Rolle eines Königs zu schlüpfen, wird er sicherlich niemanden täuschen können, sich vielmehr zum Gespött machen. Seine ganze Erscheinung schreit es hinaus: Er ist ein Hochstapler!
Wollte man sich also nun aber - Gott bewahre, das ist hunderttausendmal unmöglich! - den Qur'an als das Wort eines Menschen vorstellen: Wie könnte dann ein Glühwürmchen sich tausend Jahre lang einem Observator ganz ungezwungen wie ein richtiger Stern darstellen? Und weiter, wie eine Mücke sich ein Jahr lang vor den Zuschauern ganz ungekünstelt wie ein Pfau aufspielen? Und weiter, wie ein Betrüger als einfacher Soldat die Haltung eines berühmten, hohen Generals zur Schau tragen, seinen Rang einnehmen, diesen lange Zeit beibehalten, ohne dass sein Betrug deutlich würde? Und weiter, wie ein Betrüger, ein verlogener Ungläubiger sich sein ganzes Leben lang, ohne irgendeine Unruhe zu zeigen, vor den Augen seiner Kritiker stets in seiner Erscheinung nach innen und nach außen hin als der getreueste und gläubigste Mensch aufspielen, sein unechtes Gehabe vor den Augen der Intelligenz verbergen!? Das ist aber hundertmal unvorstellbar! Das kann kein vernünftiger Mensch für möglich halten. Dergleichen anzunehmen, ist zudem eine Wahnvorstellung wie die Annahme einer offensichtlichen Unmöglichkeit.
Desgleichen, wollte man sich den Qur'an als das Wort eines Menschen vorstellen, dann müsste das Wesen des 'Deutlichen Buches', das doch der so glänzende Stern der Gerechtigkeit am Himmel der islamischen Welt ist, der klar ersichtlich und immerwährend das Licht der Wahrheit ausstrahlt, oder vielmehr als die Sonne der Vollkommenheit verstanden wird - Gott bewahre! - die erfundene
und gefälschte Dichtung eines Betrügers in Gestalt eines Glühwürmchens sein, ohne dass diejenigen, die sich zunächst und eingehend mit ihr befassen, einen Unterschied bemerkt hätten, sie ihn vielmehr immer für einen hohen und erhabenen Stern und die Quelle der Wahrheit gehalten hätten. Das aber ist hundertmal unmöglich und du Satan könntest überdies, auch wenn du deine Teufeleien noch hundertfach weiter triebest, niemanden dazu bringen, das für möglich zu halten! Du kannst einen unverdorbenen Verstand nicht betrügen! Du kannst die Leute nur dadurch täuschen, dass du sie dazu bringst, die Dinge mit einem großen Abstand zu betrachten! So zeigst du ihnen einen Stern, der so klein geworden ist wie ein Glühwürmchen!
Drittens:
Wollte man außerdem den Qur'an als das Wort eines Menschen betrachten, so müsste diese für die Menschenwelt durch ihre Kultur, in ihrer Wirkung und in ihren Ergebnissen so geistvolle und lebensspendende, wie bezeugt, so konkrete, glückverheißende, so essentielle, wunderbare, mit so hohen Vorzügen so glänzend beschriebene, verborgene Wahrheit der 'Unterscheidung' - Gott bewahre! - die primitive Gedankenspielerei eines einzelnen unbeholfenen und ungebildeten Betrügers sein, ohne dass die ihm zunächst stehenden und ihn eingehend betrachtenden großen Gelehrten und die verehrungswürdigen Koryphäen der Wissenschaft seine Fälschungen und das Werk seines Betruges jemals auf irgendeine Weise bemerkt haben sollten! Sie haben jedoch immer Vertrauenswürdigkeit, Aufrichtigkeit und Wahrhaftigkeit an ihm gefunden!
In Anbetracht dessen, dass dies hundertfach unmöglich ist, wäre es, eine Persönlichkeit, die in ihrer ganzen Haltung, ihren Worten und Taten und in ihrem ganzen Leben Zuverlässigkeit, Glaube, Vertrauen, Wahrhaftigkeit, Aufrichtigkeit und Geradlinigkeit gezeigt und gelehrt, alle großen Persönlichkeiten darin unterrichtet hat, der selbst als der größte, strahlendste, erhabenste Charakter angesehen und betrachtet wird, als vollkommen unzuverlässig,
vollkommen unehrlich und vollkommen glaubenslos zu betrachten, so als hielte man eine zur Potenz erhobene Unmöglichkeit für eine Realität, was jedoch einem Fieberwahn des Unglaubens gleich kommt, dessen sich selbst noch der Teufel schämen würde. Denn bei diesem Problem gibt es keine mittlere Lösung. Denn einmal den unmöglichen Fall angenommen, der Qur'an wäre nicht Gotteswort, es wäre, als fiele er in seinem Werte wie vom Throne Gottes zur Erde herabgestürzt. Einen Mittelwert gäbe es nicht. Anstelle einer Sammlung von Wahrheiten wäre er eine Quelle des Aberglaubens und der Wert jener Persönlichkeit, welche diesen wunderbaren Ferman aufgezeigt hat, müsste, wenn es - Gott bewahre, es ist keineswegs so! - nicht der Prophet wäre, von den Höchsten Höhen zum Niedrigsten aller Niedrigen herabstürzen und von seinem Rang, Quelle der Vollkommenheit zu sein, auf die Stufe eines Brunnens der Hinterlist hinabsinken. Einen Mittelwert gäbe es nicht. Denn wer im Namen Gottes eine Falschaussage macht, eine Lüge ausspricht, der fällt bis zur niedrigsten Stufe hinunter.
Eine Mücke immer für einen Pfau anzusehen und in ihr ständig die Besonderheiten eines Pfaues zu erblicken, ist dermaßen unvorstellbar, dass auch ein solches Problem unvorstellbar wird. Es wäre dazu schon ein von Natur aus wahnsinniger, berauschter Dummkopf notwendig, der so etwas für möglich halten könnte.
Viertens:
Des Weiteren wäre es notwendig, wollte man sich den Qur'an als das Wort eines Menschen vorstellen, obwohl doch der heilige Kommandant der mohammedanischen Gemeinschaft, der größten und herrlichsten Armee unter den Söhnen Adams, der Qur'an, der mit den offensichtlich machtvollsten Gesetzen, grundlegendsten Vorschriften, wirksamsten Anordnungen dieser ganzen großen Armee eine Disziplin gegeben hat, die sie befähigt, beide Welten zu erobern, seiner Befehlsgewalt unterstellt hat, der sie innerlich wie äußerlich dafür gerüstet hat und ihnen allen, jedem Einzelnen seiner Stufe entsprechend, Erkenntnis gelehrt, ihnen Herzensbildung
gegeben, sich ihre Seelen dienstbar gemacht, ihr Gewissen gereinigt, ihre inneren und äußeren Organe, des Leibes und der Seele in den rechten Nutzen und Gebrauch genommen hat, dennoch die hundertfache Unmöglichkeit annehmen zu wollen, dass - Gott bewahre, möge Er es mir hunderttausendmal verzeihen! - der Qur'an eine kraftlose, bedeutungslose und jeder Grundlage entbehrende Erdichtung, eine Fälschung sein sollte; und weiter wäre es notwendig, sich eine Persönlichkeit, die in ihrem ganzen Leben durch ihre ernsthaften Bemühungen die Söhne Adams in den Gesetzen des Gerechten unterrichtet und durch ihr bescheidenes Verhalten den Menschen die Prinzipien der Wahrheit gelehrt hat und mit ihren klaren und vernünftigen Worten den Weg zur Geradlinigkeit und Glückseligkeit aufgezeigt und grundgelegt hat und die sich, wie die Geschichte ihres ganzen Lebens bezeugt, sehr vor der Strafe Gottes gefürchtet hat, Gott besser kannte und verkündete als jeder andere, die ein Fünftel der Menschheit über die halbe Erde hin seit 1350 Jahren ruhmreich befehligt hat, die eine Welt in Aufregung versetzt hat und auf die wegen ihrer ruhmreichen Taten mit Recht die ganze Menschheit, ja sogar die Welt stolz sein kann, sich dennoch - Gott bewahre, möge Er es mir hunderttausendmal verzeihen! - als einen Betrüger, der nicht an Gott glaubt und Ihn nicht fürchtet, keine Ehre kennt, auf der untersten Stufe der Menschheit vorzustellen und so hundert Unmöglichkeiten gleichzeitig als möglich anzunehmen. Denn bei diesem Problem gibt es keine mittlere Lösung.
Denn den unmöglichen Fall einmal angenommen, der Qur'an wäre nicht Gottes Wort, so fiele er von Seinem Thron, könnte nicht in der Mitte bleiben. Vielmehr müsste man zugeben, dass er auf Erden Besitz eines Lügners würde. Weil aber das so ist, du Satan, kannst du, wärest du auch hundertfach ein Doppelter Satan, einen unverdorbenen Verstand nicht betrügen, ein aufrechtes Herz nicht überzeugen." Wiederum sagte der Satan zu mir:
"Wie könnte ich nicht? Ich habe die meisten Menschen
getäuscht und viele berühmte Denker unter ihnen dazu gebracht, den Qur'an und auch Mohammed zu verleugnen."
Antwort:
"Erstens, betrachtet man etwas aus großer Entfernung, so sieht das größte Ding so aus wie das kleinste Ding. Einen Stern kann man eine bloße Kerze nennen.
Zweitens:
Betrachtet man etwas mit einem nur oberflächlichen und beiläufigen Blick, so erscheint ein ganz unmögliches Ding als möglich. So betrachtete einmal ein alter Mann im Ramadan den Himmel, um den Mond zu sehen. Da geriet ihm ein weißes Haar vor das Auge. Weil er jedoch ganz und gar damit beschäftigt war, nach dem Mond Ausschau zu halten und deswegen das Haar nur in der Folge, im Nachhinein, in zweiter Hinsicht wahrnahm, hielt er das Unmögliche für möglich.
Drittens:
Nichtannahme ist eine Sache und Verneinung eine andere. Nichtannahme ist eine Gleichgültigkeit, ein Augenschließen und eine Urteilsunfähigkeit aus Unwissenheit. Auf diese Weise bleibt ihm die Unmöglichkeit vieler Dinge verborgen. Sein Verstand beschäftigt sich nicht damit. Was aber seine Leugnung betrifft, so handelt es sich dabei nicht darum, zu bestreiten, dass etwas da ist, sondern um die Annahme, dass etwas nicht da ist. Es ist ein Urteil. Um dieses muss sich sein Verstand bemühen. In dieser Lage beraubt ihn solch ein Teufel wie du seines Verstandes. Danach flößt er ihm seine Leugnung ein. Wohlan denn, oh du Satan! Du hast durch Gottvergessenheit, Irrglaube, Spitzfindigkeit, Eigensinn, Missdeutung, Stolz, Betrug, Verfall der guten Sitten und noch andere teuflische Listen und Ränke, die Falschheit als Wahrheit, Unmöglichkeit als Möglichkeit erscheinen lassen, diesen Tieren in der Gestalt unglückseliger Menschen Leugnung und Unglaube, die viele Unmöglichkeiten zur Folge haben, eingeflößt.
Viertens:
Des Weiteren wäre es notwendig, wollte man sich den Qur'an als das Wort eines Menschen vorstellen, sich dieses Buch, das die Theologen, die Gelehrten und
die Pole unter den Heiligen, die in der Welt der Menschen glänzen wie die Sterne am Himmel, sich klarsichtig zu einer Art Führer erwählt haben, das offensichtlich und fortwährend alle vollendeten Persönlichkeiten mit ihren verschiedenen Charakteren Recht und Gerechtigkeit, Wahrheit und Wahrhaftigkeit, Sicherheit und Geborgenheit lehrt, durch das die Glückseligkeit in beiden Welten, wie sie auf den Grundpfeilern der Glaubenswahrheiten und den Pfeilern der Lehren des Islam ruht, vermittelt wird, das durch seine Wirkung, wie sie oben angeführt ist und bezeugt wurde, notwendigerweise Recht ist, reine und lautere Wahrheit ist, ganz und gar richtig und vollkommen zuverlässig, als Träger des Gegenteils seiner eigenen Eigenschaften, Wirkungen und lichtvollen Ausstrahlung vorstellen, als - Gott bewahre, es ist keineswegs so! - eine Erdichtung und Fälschung, eine Sammlung von Lügen betrachten, wovor sich selbst die Sophisten und die Teufel schämen und so etwas nicht wagen würden, und was zudem ein abscheulicher Fieberwahn des Unglaubens ist, und müsste sich zudem eine Persönlichkeit, die, wie der Glaube und das islamische Gesetz bezeigt und bezeugt, wie ihre außerordentliche Aufrichtigkeit nach der Übereinstimmung aller, ihre Reinheit und Lauterkeit in Dienst und Anbetung, die sie während ihres ganzen Lebens gezeigt hat, beweist, wie es die guten Sitten, die sie nach der Übereinstimmung aller gezeigt hat, erfordern, wie alle die Wahrhaftigen und die Vollendeten, die sie herangebildet hat, bestätigen, in höchstem Maße gläubig, standhaft, zuverlässig und getreu war, als - Gott bewahre, es ist keineswegs so! - ungläubig, in höchstem Maße unzuverlässig und ohne jede Furcht vor Gott vorstellen und damit eine Unmöglichkeit in ihrer allerhässlichsten und abscheulichsten Art begehen und einen Irrtum, der in seiner Weise finster und völlig ungerecht ist.
Zusammenfassung:
Wie bereits im Achtzehnten Zeichen des "Neunzehnten Briefes" erwähnt wurde, sagen Leute aus den unteren Bevölkerungsschichten über ihr
Verständnis jenes Wunders, das der Qur'an ist, den sie nur allein durch Zuhören kennen: 'Der Qur'an hat, mit allen anderen Büchern der Welt, von denen ich gehört habe, keine Ähnlichkeit und nicht eines von ihnen kommt ihm an Wert gleich. Dementsprechend liegt der Wert des Qur'an entweder unter ihnen allen oder über ihnen allen. Da nun aber der Fall, dass er unter ihnen allen läge, unmöglich ist, kann dies kein Feind, ja noch nicht einmal der Teufel selbst behaupten, dies nicht akzeptieren. Dementsprechend steht der Qur'an über allen anderen Büchern. Dementsprechend ist er ein Wunder.'
In gleicher Weise können dementsprechend auch wir mit absoluter Sicherheit, wie sie sich in der Methodologie und in der Logik aus der Grundlagenforschung und aus der Analyse ergibt, sagen:
Oh du Satan und ihr Satansschüler! Der Qur'an ist entweder Gottes Wort, das von Seinem gewaltigen Thron und Seinem gewaltigen Namen hergekommen ist, oder aber - Gott bewahre! Das ist keineswegs so! Möge Er es mir hunderttausendmal verzeihen! - die betrügerische Erdichtung und Erfindung eines glaubenslosen Menschen, der auf Erden Gott nicht kennt und Gott nicht fürchtet. Dies aber oh du Satan, konntest du wegen der obigen Beweise nicht sagen, kannst es nicht sagen und wirst es nicht sagen können. Da dies aber so ist, ist der Qur'an zwangsläufig und ohne allen Zweifel das Wort des Schöpfers aller Welten, denn ein Mittelding gibt es nicht, kann es nicht geben und ist auch unmöglich. Dies haben wir deutlich genug bewiesen. Das hast auch du gesehen und hast es gehört.
In gleicher Weise ist Mohammed, mit dem Friede und Segen sei, entweder der Gesandte Gottes, der vollkommenste unter allen Propheten und der gesegnetste unter allen Geschöpfen, oder aber man müsste ihn sich als einen Menschen vorstellen, der - Gott bewahre! Möge Er es mir hunderttausendmal verzeihen! - weil er Gott fälschlicher Weise bezichtigte, Ihn gar nicht kannte und nichts von Ihm wusste, an Seine Strafe nicht glaubte, als ein
Glaubensloser auf die Stufe eines Niedrigsten aller Niedrigen herabstürzte.
{(*): Da nun einmal der Weise Qur'an die Glaubenslosigkeiten der Ungläubigen und ihre grobschlächtigen Ausdrücke zitiert, um sie zu widerlegen, habe auch ich mich dazu gezwungen gesehen, zitternd diese Ausdrücke in Form einer unmöglichen Annahme zu verwenden, um die ganz und gar unmöglichen Gedanken der Ungläubigen und Irregeleiteten aufzuzeigen und darauf hinzuweisen, wie sie so ganz und gar hohl und wurmstichig sind.}
Und dies, oh Teufel und ihr Philosophen Europas und Heuchler Asiens, die ihr seine Vertrauten seid! Ihr könnt das nicht sagen, nie gesagt haben, werdet es nicht sagen und nie sagen können. Denn in dieser Welt gibt es niemanden, der von einem solchen Fall hören will und so etwas akzeptieren könnte. Deswegen sagen selbst die schärfsten Gegner, Kritiker, Leugner und Zyniker unter den Philosophen, auf die du vertraust: "Mohammed der Araber, mit dem der Friede sei, war ein überaus kluger Mensch. Er war von einer ganz besonderen, edlen Wesensart."
Da es nun bei diesem Problem nur zwei mögliche Lösungen gibt und da nun einmal die zweite Lösung nicht möglich ist und niemand für diese eintreten will, und da nun einmal der Beweis dafür schon mit unwiderlegbaren Zeugnissen erbracht worden ist, dass es eine Mittellösung nicht gibt, ist Mohammed der Araber, mit dem der Friede sei, zwangsläufig dir und deinen Teufelsgenossen zum Trotz ganz offensichtlich und mit der Sicherheit eigener Erfahrung der Botschafter Gottes und der edelste unter allen Seinen Gesandten. Er ist das vornehmste unter allen Seinen Geschöpfen.
عَلَيْهِ الصَّلاَةُ وَالسَّلاَمُ بِعَدَدِ الْمَلَكِ وَاْلاِنْسِ وَالْجَآنِّ
{"Mit ihm seien der Friede und so viele Segnungen wie es Engel, Menschen und Dschinnen gibt."}
Ein zweiter kleiner Einwand des Satans
مَا يَلْفِظُ مِنْ قَوْلٍ اِلاَّ لَدَيْهِ رَقِيبٌ عَتِيدٌ ٭ وَجَٓاءَتْ سَكْرَةُ الْمَوْتِ بِالْحَقِّ ذٰلِكَ مَا كُنْتَ مِنْهُ تَحِيدُ ٭ وَنُفِخَ فِى الصُّورِ ذٰلِكَ يَوْمُ الْوَعِيدِ ٭ وَجَٓاءَتْ كُلُّ نَفْسٍ مَعَهَا سَٓائِقٌ وَشَهِيدٌ ٭ لَقَدْ كُنْتَ فِى غَفْلَةٍ مِنْ هٰذَا فَكَشَفْنَا عَنْكَ غِطَٓاءَكَ فَبَصَرُكَ الْيَوْمَ حَدِيدٌ ٭ وَقَالَ قَرِينُهُ هٰذَا مَا لَدَىَّ عَتِيدٌ٭ اَلْقِيَا فِى جَهَنَّمَ كُلَّ كَفَّارٍ عَنِيدٍ
{"Kein Wort äußert er, ohne dass jemand die Aufsicht darüber führte. Doch die Stunde des Todes wird ihm die Wahrheit vor Augen führen. Das ist es, wovor du zeitlebens ausgewichen bist. Und die Trompete wird geblasen; das ist der angedrohte Tag. Und jede Seele wird kommen und mit ihr ein Fährmann und ein Zeuge. Du hast dich fürwahr nicht darum bekümmert. Doch nun haben wir dir die Binde abgenommen und nun siehst du heute scharf. Dann sagte sein Gefährte: "Hier ist nun das, was mir bereit gehalten ist!" Werft, werft in die Hölle jeden widerspenstigen Ungläubigen!" (Sure 50, 18-24)}
Während ich diese Ayat der Sura Qaf rezitierte, sagte der Satan: "Ihr glaubt, dass die allgemeine Verständlichkeit des Qur'an in seinem klaren und flüssigen Stil läge. Aber was springt er doch in dieser Ayah von einem Gegenstand zum anderen! Vom Todeskampf springt er zur Auferstehung über. Vom Ertönen der Posaune leitet er zum Ende des Verfahrens über. Danach erwähnt er die Einfahrt zur Hölle. Wo bleibt bei dieser sprunghaften Erzählweise noch die Flüssigkeit des Stils? Der Qur'an vereinigt an den meisten Stellen solche weit voneinander entfernt liegenden Themen. Wo bleibt bei einer solchen unzusammenhängenden Formgebung noch der klare und flüssige Stil?"
Antwort:
Unter den wichtigsten Wundern, wie sie für den Qur'an kennzeichnend sind, der in seiner Verkündigung selbst ein Wunder ist, findet sich seine Prägnanz und nach ihr seine Kürze. Kürze, das ist: Für das Wunder des Qur'an ein unumstößliches, unverwechselbares Kennzeichen von ganz besonderer Bedeutung. Dieses Wunder an Kürze ist im Weisen Qur'an so vielfältig und von einer solchen Schönheit, dass Wissenschaftler
und Forscher darüber in Erstaunen geraten.
Zum Beispiel:
وَقِيلَ يَٓا اَرْضُ ابْلَعِى مَٓاءَكِ وَيَا سَمَٓاءُ اَقْلِعِى وَغِيضَ الْمَٓاءُ وَقُضِىَ اْلاَمْرُ وَاسْتَوَتْ عَلَى الْجُودِىِّ وَقِيلَ بُعْدًا لِلْقَوْمِ الظَّالِمِينَ
{"Dann erging das Wort: Erde, verschlinge dein Wasser! Himmel, halt ein! Und das Wasser verschwand, und die Angelegenheit war zu Ende. Die Arche setzte am Berge Djudi auf. Es wurde gesagt: Die Ferne sei mit dem Volk der Frevler!" (Sure 11, 44)}
Hier wird die ganze, lange Geschichte der Flut und ihrer Auswirkungen in wenigen Sätzen so konzentriert und so wundervoll erzählt, dass sich viele Literaturkenner wegen einer solchen Kürze und Prägnanz in Verehrung niederwarfen.
Ein anderes Beispiel:
كَذَّبَتْ ثَمُودُ بِطَغْوَاهَا ٭ إِذِ انْبَعَثَ أَشْقَاهَا ٭ فَقَالَ لَهُمْ رَسُولُ اللَّهِ نَاقَةَ اللَّهِ وَسُقْيَاهَا ٭ فَكَذَّبُوهُ فَعَقَرُوهَا فَدَمْدَمَ عَلَيْهِمْ رَبُّهُم بِذَنبِهِمْ فَسَوَّاهَا ٭ وَلاَ يَخَافُ عُقْبَاهَا
{"Das Volk Thamud leugnete in seiner Widersetzlichkeit, als der Gemeine aufstand. Und es sagte zu ihnen der Gesandte Gottes: Die Kamelstute Gottes lasst trinken. Sie aber beschuldigten ihn und lähmten sie. Doch da kam ihr Herr in Seinem Zorn über sie und machte alles eben. Und Er fürchtete nicht die Folgen." (Sure 91, 11-15)}
Auf diese Weise also werden hier die bemerkenswerten und bedeutsamen Ereignisse, ihre Folgen und das böse Ende in wenigen Sätzen in wunderbarer Kürze klar und flüssig berichtet, ohne dass das Verständnis darunter leidet.
Noch ein weiteres Beispiel:
وَذَا النُّونِ اِذْ ذَهَبَ مُغَاضِبًا فَظَنَّ اَنْ لَنْ نَقْدِرَ عَلَيْهِ فَنَادَى فِى الظُّلُمَاتِ اَنْ لآَ اِلَهَ اِلآَّ اَنْتَ سُبْحَانَكَ اِنِّى كُنْتُ مِنَ الظَّاِلمِينَ
{"Und gedenke Dhulnuns (wörtl. Fischmann, gemeint ist der Prophet Jonas), wie er im Zorn wegging und meinte, Wir hätten keine Gewalt über ihn. Er aber schrie aus der Dunkelheit (Bauch des Wals). Es gibt keinen Gott außer dir. Gepriesen seiest Du. Ich war in der Tat einer der Übeltäter." (Sure 21, 87)}
Wie viele Sätze sind doch zwischen اَنْ لَنْ نَقْدِرَعَلَيْهِ {"...Wir hätten keine Gewalt über ihn."} und فَنَادَى فِى الظُّلُمَاتِ {"Er aber schrie aus der Dunkelheit."} ausgelassen worden! Was aber die nicht angeführten Sätze betrifft, so beeinträchtigen sie das Verständnis nicht. Sie schaden dem Ablauf nicht. In der Erzählung von Hazret Yunus sind die wichtigen und wesentlichen Dinge erwähnt. Alles Weitere bleibt der Phantasie überlassen.
In gleicher Weise sind einige sieben oder acht Sätze zwischen فَاَرْسِلُونِ {"Sende mich!" (Sure 12, 45)} und يُوسُفُ اَيُّهَا الصِّدِّيقُ {"Oh Yusuf, du Wahrhaftiger!" (Sure 12, 46)} in der Sura Yusuf um der Kürze willen übersprungen worden. Das Verständnis wurde dadurch in nichts beeinträchtigt. Dem Ablauf hat es nicht geschadet. Eine derart wunderbare Prägnanz findet sich im Qur'an sehr häufig. Sie ist auch sehr schön.
Was aber die Ayat in der Sura Qaf betrifft, so sind diese von einer einzigartigen und bezaubernden Prägnanz. Denn sie legen den Finger auf eine Zukunft, in der für die Ungläubigen ein Tag gleich fünfzigtausend ganz entsetzliche und furchtbar lange Jahre sein werden und nacheinander auf die bedeutenden, schmerzhaften Ereignisse, die in schrecklichen Revolutionen über den Häuptern
der Ungläubigen hereinbrechen werden. Sie lassen unsere Vorstellung blitzschnell über sie hinwegeilen. Sie führen uns diese so sehr lange Zeit, wie auf einem Bogen Papier gemalt, vor Augen. Die Ereignisse werden unter Nichterwähnung des der Phantasie überlassenen in einer hohen und flüssigen Ausdrucksweise erzählt
وَاِذَا قُرِئَ الْقُرْاٰنُ فَاسْتَمِعُوا لَهُ وَاَنْصِتُوا لَعَلَّكُمْ تُرْحَمُونَ
{"Wenn der Qur'an gelesen wird, höret ruhig und aufmerksam zu, sodass ihr Barmherzigkeit erlangen möget!" (Sure 7, 204)}
Wohlan nun, oh du Satan! Sprich, wenn du noch etwas zu sagen hast!
Und der Teufel sagte: "Ich kann nicht dagegen ankommen. Ich kann nichts mehr zu meiner Verteidigung anführen. Doch gibt es noch viele Dumme, die mir zuhören und viele Teufel in Menschengestalt, die mir helfen und viele Pharaonenstolze unter den Philosophen, die in diesen Fragen von mir Unterricht erhalten, der ihrer Ichsucht schmeichelt. Sie werden die Verbreitung von solchen Worten wie den deinen verhindern. Deshalb strecke ich vor dir nicht die Waffen."
Sechzehntes Wort
بِسْمِ اللَّهِ الرَّحْمَنِ الرَّحِيمِ ٭ اِنَّمَآ اَمْرُهُ اِذَآ اَرَادَ شَيْئًا اَنْ يَقُولَ لَهُ كُنْ فَيَكُونُ ٭ فَسُبْحَانَ الَّذِى بِيَدِهِ مَلَكُوتُ كُلِّ شَيْءٍ وَاِلَيْهِ تُرْجَعُونَ
{"Im Namen Allahs, des Erbarmers, des Barmherzigen; Sein Befehl ist nur, wenn Er ein Ding will, dass Er zu ihm spricht: Sei! und es ist. Und Preis dem, in dessen Hand die Herrschaft über alle Dinge ist und zu dem ihr dereinst zurückkehren werdet." (Sure 36, 82-83)}
Geschrieben, um meiner Seele Quelle des Glaubens zu sein, wurden hier vier Lichtstrahlen dieser Ayah aufgezeigt, um die Finsternis zu zerstreuen und meiner blinden Seele zur Einsicht zu verhelfen.
Erster Strahl:
Oh du meine einfältige Seele! Du sagst: "Die Einheit in der Gestalt Gottes im Zusammenhang mit Seiner allumfassenden Wirksamkeit; Seine persönliche Einheit im Zusammenhang mit der Ganzheit Seiner Herrschaft; die Einheitlichkeit in Seiner Autorität im Zusammenhang mit Seiner ungeteilten Verfügungsgewalt, die keinen Teilhaber kennt; Seine Unabhängigkeit vom Raum verbunden mit Seiner Gegenwart an jedem Ort; Seine unendliche Erhabenheit über allen Dingen verbunden mit Seiner Nähe zu ihnen; Seine Einzigkeit im Zusammenhang mit allen Dingen, die Er in Seiner Hand hält; sind Wahrheiten, die sich im Qur'an finden. Der Qur'an ist aber vernunftgemäß. Da er aber vernunftgemäß ist, lädt er dem Verstand nicht Dinge auf, die der Verstand nicht annehmen kann. Der Verstand jedoch sieht hier einen offensichtlichen Widerspruch. Ich möchte eine Erklärung, der sich der Verstand zu unterwerfen vermag."
Antwort:
Da dies nun einmal so ist, wollen auch wir, wenn du das um der Stärkung deines Glaubens willen wünschst, gestützt auf den Segen des Qur'an, sagen: Der Name "Nur(Licht)" hat viele unserer Schwierigkeiten aufgelöst. Er wird mit Gottes Hilfe auch diese lösen. Wir wollen dazu den Weg eines Gleichnisses wählen, um dem Verstand Klarheit und dem Herzen Erleuchtung zu bringen, und sagen so, gleich wie Imam Rabbani(Gottes Wohlgefallen sei mit ihm):
نَه شَبَمْ نَه شَبْ پَرَسْتَمْ مَنْ غُلاٰمِ شَمْسَمْ اَزْشَمْسِ مِى گُويَمْ خَبَرْ
{"Ich bin weder die Nacht, noch liebe ich die Nacht. Ich bin ein Verehrer der Sonne und bringe von der Sonne Kunde." (Orig. pers.)}
Da ein Gleichnis der klarste Spiegel für das Wunder des Qur'an ist, wollen auch wir dieses Geheimnis in einem Gleichnis betrachten. Es ist dies wie folgt:
Ein einzelnes Wesen oder Objekt erhält durch Reflexion eine Beziehung zu der Gesamtheit seiner Gegenobjekte. Obwohl es nur ein einzelnes konkretes Objekt ist, beherrscht es dennoch, einem Oberbegriff vergleichbar, alle anderen Objekte.
Zum Beispiel:
Obwohl die Sonne ein konkretes Objekt ist, nimmt sie dennoch auf alle reflektierenden Gegenstände einen solchen allgemeinen Einfluss, dass sie mit all ihren Erscheinungsweisen und Spiegelungen das Antlitz der Erde erfüllt. Ja die Erscheinungsformen sind so zahlreich wie die Tröpfchen und glänzenden Stäubchen. Dabei umfassen die Hitze, das Licht der Sonne und die sieben Farben, die in ihren Strahlen enthalten sind, ein jedes Ding, umgeben und umhüllen es und gleichzeitig nimmt jedes durchscheinende Ding mit dem Bild der Sonne auch deren Wärme, ihr Licht und ihre siebenfarbigen Strahlen in sich auf und hütet sie gleich einem Augapfel. In seinem klaren Herzen bereitet es ihr einen Thron. Das heißt, so wie die Sonne mit ihrer Gegenwart alle die Dinge umfasst, denen sie begegnet, so findet sich auch in jedem Ding mit all den vielen Eigenschaften der Sonne durch ihre wesensgemäße Einheit gewissermaßen eine Erscheinung ihrer selbst.
So sind wir denn über das Gleichnis von den Reflexionen zu deren Thematik vorgedrungen und wollen nun unter den vielen Arten der Reflexion auf jene drei Arten hinweisen, welche die Quelle zu diesen Beispielen sind.
Erstens:
Es sind Reflexionen der opaken, nicht glänzenden materiellen Dinge. Ihr Spiegelbild ist sowohl von ihnen verschieden, also nicht das Original, als auch leblos und tot. Es besitzt außer seiner eigenen Bildidentität keine originäre Eigenschaft. Wenn du {Bediüzzaman spricht zu seinem Ich. (A.d.Ü.)} zum Beispiel in ein Spiegelkabinett hineingehst, werden aus einem Said tausende Said. Doch du allein bist wirklich und richtig lebendig. Alle anderen sind es nicht wirklich und richtig. Die Eigenschaften alles Lebendigen sind in ihnen nicht.
Zweitens:
Es sind die Reflexionen der lichtausstrahlenden materiellen Dinge. Ihr Spiegelbild ist nicht das Original selbst, in seiner Art jedoch auch nicht von ihm unterschieden. Es umfasst nicht das Wesen, besitzt jedoch die meisten Eigenschaften der Lichter. Es wird wie diese zum wirklichen Dasein hinzugezählt.
Zum Beispiel:
Die Sonne scheint auf die Erde. Sie zeigt in jedem Spiegel ihr Bild. In jedem Spiegel finden sich das Licht und die sieben Farben ihrer Strahlen, wie sie für die Sonne typisch sind. Nehmen wir einmal den unmöglichen Fall an, dass die Sonne ein bewusstseintragendes Wesen wäre. Ihre Wärme wäre ihre Macht, ihr Licht wäre ihr Wissen und die sieben Farben ihre sieben Sinne. Diese eine und einzigartige Sonne findet sich in gleicher Zeit in jedem Spiegel wieder und könnte jeden Einzelnen zu ihrem Thron oder zu einer Art von Telefon machen. Es gäbe dann zwischen ihnen keine Störungen. Die Sonne könnte sich mit jedem von uns durch einen solchen Spiegel unterhalten. Während wir von ihr weit entfernt sind, würde sie zu uns kommen, näher als wir zu uns selbst kommen.
Drittens:
Es sind die Widerspieglungen der lichtvollen
Geister. Ihr Spiegelbild ist zugleich auch ihr Ebenbild und hat überdies auch ein eigenes Dasein. Da ihre Erscheinung aber von der Beschaffenheit der Spiegel abhängig ist, stimmt sie mit dem Wesen, das der Natur ihres Geistes zu Grunde liegt, nicht ganz überein.
Zum Beispiel:
Als der Erzengel Gabriel, mit dem der Friede sei, in der Gestalt von Dihye(: Name eines Jüngers des Propheten Mohammed) vor unserem Propheten stand, warf er sich gleichzeitig auch vor der Gegenwart Gottes am gewaltigen Thron mit seinen prächtigen Flügeln nieder. Überdies befand er sich währenddessen auch an zahllosen anderen Orten und verkündete die Gebote Gottes. Die eine Aufgabe behindert eine andere Aufgabe nicht. Es ist also aufgrund dieses Geheimnisses, dass der Ehrenwerte Prophet, mit dem Friede und Segen sei, der in seinem Wesen und der Ausstrahlung seiner Persönlichkeit nach Licht ist, alle die Segensgebete seiner Gemeinden in der ganzen Welt zu gleicher Zeit hören kann und bei der Auferstehung allen Heiligen im selben Augenblick begegnen wird. Dabei wird es keine Interferenzen geben.
Es gibt unter den Heiligen sogar eine Gruppe, die man "ebdal"(Ausgetauschte) nennt und deren Ausstrahlung sich so machtvoll zu entfalten vermag, dass man sie gleichzeitig an mehreren Orten wahrnehmen kann. Man sagt, dass dabei dieselbe Person ganz verschiedene Dienste versieht. So wie in der Tat ein Körper aus Glas, Wasser oder ähnlicher Materie zum Spiegel wird, genauso werden für die Geistwesen auch die Luft, der Äther und manche Gestalten der Traumwelt zu einem Empfangsspiegel und damit zu einem blitz- und gedankenschnellen Land- und Seefahrzeug. Diese Geistwesen bewegen sich mit Gedankengeschwindigkeit in einen solchen klaren Spiegel hinein, verkörpern sich darin, nehmen Wohnung in diesem Körper, bewegen sich mit dieser ihrer feinstofflichen Wohnung. Sie können sich auch an tausenden von Orten gleichzeitig einfinden.
Es können also Geschöpfe, die in ihrem Dienst derart abhängig und in ihren Fähigkeiten so begrenzt sind wie
die Sonne, und Wesen, die von materiellen Bedingungen abhängig sind und deren Licht nur geborgt ist, während sie in ihrer Lichtnatur an dem einen Ort lokalisiert sind, sich an sehr vielen anderen Orten einfinden. Sie sind zwar ein abhängiger Bestandteil der Schöpfung, können aber einen vollkommenen Einfluss auf eine Ganzheit ausüben. Zu gleicher Zeit können sie mit ihrem kleinen Anteil Entscheidungsfreiheit sehr viele Aufgaben erfüllen.
Ja, welches Ding vermöchte sich wohl der Zuwendung des Einen, in dessen Eigenschaften ein alles beherrschender Wille, vollkommene Macht und ein alles umfassendes Wissen aufscheinen und sich in Seinem Wirken offenbaren, dem Hochheiligen, der unabhängig ist von der Materie und erhaben über sie, der frei und ledig ist aller Fesseln der Begrenzung und der Undurchdringlichkeit der Finsternis, für den alle diese Lichter, die leuchtenden Dinge und erleuchteten Wesen nur einen dichten Schatten vor dem Lichtglanz Seiner heiligen Namen bilden, für den das ganze Sein und alles Leben, die Welt der Geister und die Welt der Träume nur ein zur Hälfte blinder Spiegel Seiner Herrlichkeit ist, dessen Eigenschaften allumfassend und dessen Wirken alldurchdringend ist, zu entziehen, welches Werk Ihm schwer werden, welches Ding sich vor Ihm verstecken, welche Einzelheit fern von Ihm bleiben, welcher Mensch sich Ihm nähern, ohne dabei ein Ganzes zu werden?
So ist dir denn die Sonne in der Tat durch ihr unbegrenztes Licht nahe, ja dir durch ihr immaterielles Spiegelbild näher verbunden als dein Augapfel, während du in deiner Begrenztheit weit von ihr entfernt bist. Um sich ihr zu nähern, musst du dich von vielen Bindungen lösen und noch viele Stufen zu deiner Ganzwerdung übersteigen. Du musst gleichsam innerlich zur Größe der Erde heranwachsen, dich bis zum Mond erheben. Erst dann kannst du der Sonne unmittelbar gegenübertreten, dich ihr im Grade ihrer ureigenen Stufe nähern und ihr ohne Schleier begegnen. Genauso ist dir auch der Schöne, der Glorreiche, der Herr der Herrlichkeit, der Herr aller
Vollkommenheit ganz nahe. Du bist von Ihm weit entfernt.
So du über die Kraft des Herzens und die Erhabenheit des Geistes verfügst, bemühe dich die einzelnen Absätze in unserem Gleichnis der Wahrheit entsprechend auszudeuten!
Zweiter Strahl:
Oh du unverständige Seele! Du sagst: Solche Ayat wie
اِنَّمَآ اَمْرُهُ اِذَآ اَرَادَ شَيْئًا اَنْ يَقُولَ لَهُ كُنْ فَيَكُونُ
{"Führwahr, die Sache Gottes ist dies: Wenn Er ein Ding will, sagt Er dazu nur: Sei!, dann ist es." (Sure 36, 82)}
und ferner:
اِنْ كَانَتْ اِلاَّ صَيْحَةً وَاحِدَةً فَاِذَاهُمْ جَمِيعٌ لَدَيْنَا مُحْضَرُونَ
{"Es wird nur ein einziger Posaunenstoß sein, und siehe da, sie alle sind vor uns gebracht." (Sure 36, 53)}
besagen, dass die Dinge einzig auf Seinen Befehl hin unmittelbar ins Dasein treten. Dagegen besagen aber solche Ayat wie
صُنْعَ اللَّهِ الَّذِي أَتْقَنَ كُلَّ شَيْءٍ
{"Das Werk Allahs, der alle Dinge ordnet!" (Sure 27, 88)}
und
اَحْسَنَ كُلَّ شَيْءٍ خَلَقَهُ
{"Er schuf alle Dinge in bester Form." (Sure 32, 7)}
dass die Dinge durch eine gewaltige Macht mit einer genauen Kenntnis und durch eine feinsinnige Kunstfertigkeit gepaart mit Weisheit stufenweise ins Dasein treten. Wie lassen sich diese beiden Gesichtspunkte miteinander vereinbaren?
Antwort:
Wir schöpfen aus dem Gnadenstrom des Qur'an und sagen:
Erstens, hier ist kein Widerspruch. Bei einem Teil ist es gleich einer Erschaffung aus dem Nichts. Bei einem anderen Teil ist es gleich einer Entfaltung entsprechend einem Vorbild.
Zweitens:
Die unendliche Wohlgeordnetheit, die große Zielgerichtetheit, die künstlerische Schönheit und Vollkommenheit, die wir in der Natur bezeugen, trotz aller mühelosen Schnelligkeit, Leichtigkeit, Vielfalt und weltweiten Verbreitung alles Lebendigen legen für die mit diesen beiden verschiedenen Arten von Ayat gegebene Wahrheit beredtes Zeugnis ab. Wenn dies aber so ist, dann erübrigt es sich, über ihre Bewahrheitung zu disputieren. Vielmehr lässt sich lediglich fragen: "Was ist die tiefere Weisheit?" Da dies aber so ist, wollen auch wir auf diese Weisheit mit einem vergleichenden Beispiel einen Hinweis geben.
Ein Handwerker, zum Beispiel ein Schneider, kreiert mit viel Fleiß und Geschick ein Meisterwerk und entwickelt es zu einem Musterexemplar. Danach kann er dann schnell und leicht weitere Modelle herstellen. Ja, diese Leichtigkeit entwickelt sich manchmal in einem solchen Maße, dass es scheint, als gehorchten ihm die Dinge und er erlangt auf diese Weise ein leistungsstarkes Gleichmaß. Es ist wie bei einer Uhr, die sich auf Knopfdruck einschaltet und läuft. Genauso auch hat der allweise Baumeister und allwissende Architekt dieses Weltenschloss mit allen seinen Ausstattungen in schönster Form aufgebaut und sodann für alle Dinge, kleine wie große, für ihre Teile wie für ihr Ganzes, in vorausschauender Ordnung ein Maß als Muster festgesetzt. Siehe, so erschafft denn dieser urewige Architekt ein jedes Jahrhundert gleich einem Modell, schmückt es mit den Wundern Seiner Macht und bekleidet es mit einer neuen Welt. Er nimmt jedes Jahr als ein Maß an und näht nach dessen Größe eine frische Welt, verziert sie mit den Wunderwerken Seiner Barmherzigkeit. Er macht jeden einzelnen Tag zu einer Zeile und schreibt darauf ganz neue Existenzen, geschmückt mit den Feinheiten Seiner Weisheit.
Der Allmächtige macht jedes Jahrhundert, jedes Jahr, jeden einzelnen Tag zu einem Modell und gestaltet zudem auch jeden einzelnen Berg, jede Wüste, die Obst und Gemüsegärten und jeden Baum auf Erden zu einem Modell. Von Zeit zu Zeit schafft Er ganz frische Schöpfungen auf dem Erdboden und bringt je eine neue Welt ins Dasein. Er nimmt je eine Welt weg und ersetzt sie durch eine andere wohlgestaltete Welt. In jeder Jahreszeit stellt Er in jedem Obst- und Gemüsegarten immer wieder ganz neue Wunderwerke Seiner Macht und Geschenke Seiner Barmherzigkeit aus. Er schreibt je ein weisheitsvolles Buch. Er schafft in Seinem Erbarmen immer wieder eine neue Küche. Er lässt immer ein neues kunstvolles Kleid anziehen. In jedem Frühling lässt Er jeden Baum mit einem Umhang aus Seidenbrokat frisch bekleiden. Er verziert ihn ganz neu mit Schmuckstücken, die Perlen gleichen. Er füllt ihm die Hände mit sternengleichen Geschenken Seiner Barmherzigkeit. Also ist derjenige, der diese Tätigkeiten in schönster Kunstfertigkeit und vollkommener Wohlgeordnetheit vollbringt, und der diese Wunderwelten, die durch das Seil der Zeit miteinander verbunden, einander ablösen, mit unendlicher Weisheit und Güte, mit vollkommener Macht und Kunstfertigkeit wechselt, mit Sicherheit allmächtig und allweise. Er ist es, der alles sieht, der Allwissende. Für den Zufall ist in Gottes Werken kein Platz. So ist denn Er allein der Herr der Herrlichkeit, der gesprochen hat:
اِنَّمَآ اَمْرُهُ اِذَآ اَرَادَ شَيْئًا اَنْ يَقُولَ لَهُ كُنْ فَيَكُونُ وَمَآ اَمْرُ السَّاعَةِ اِلاَّ كَلَمْحِ الْبَصَرِ اَوْ هُوَ اَقْرَبُ
{"Führwahr, die Sache Gottes ist dies: Wenn Er ein Ding will, sagt Er dazu nur: Sei!, dann ist es." (Sure 36, 82) "Und die Angelegenheit "der Stunde" ist nur wie ein Augenblick oder noch kürzer." (Sure 16, 77)}
So verkündet Er denn zugleich die Vollkommenheit Seiner Macht und erklärt zugleich, dass Auferstehung und Wiederversammlung im Verhältnis zu Seiner Macht ganz
leicht und ohne Mühe sind. Durch den Qur'an, dessen Verkündung ein Wunder ist, sagt Er, dass die Angelegenheiten auf einen bloßen Befehl hin zu Stande kommen. Damit will Er ausdrücken, dass Seine Tätigkeiten in der Schöpfung, die Macht und Entscheidungswille beinhalten, und dass alle Gegenstände Seinen Befehlen unterworfen und folgsam sind und dass Er alle Dinge in einer absoluten Leichtigkeit ins Dasein ruft, weil Er sie ohne Mühe und Anstrengung erschafft.
Schlusswort: Manche Ayat bringen die künstlerische Schönheit und vollkommene Weisheit in den Dingen, besonders am Anfang ihrer Erschaffung zum Ausdruck. Ein anderer Teil der Ayat erklärt im äußersten Grade die Leichtigkeit und Geschwindigkeit und außerordentliche Unterwerfung und Mühelosigkeit in den Dingen, besonders bei ihrer Wiedererschaffung und Wiederherstellung.
Dritter Strahl:
Oh du meine Seele, die du mit deinen Einwänden deine Grenzen überschreitest! Du sagst: Solche Ayat wie:
بِيَدِهِ مَلَكُوتُ كُلِّ شَيْءٍ ٭ مَا مِنْ دَآبَّةٍ اِلاَّ هُوَ اَخِذٌ بِنَاصِيَتِهَا ٭ وَ نَحْنُ اَقْرَبُ اِلَيْهِ مِنْ حَبْلِ الْوَرِيدِ
{"Und Preis dem, in dessen Hand die Herrschaft über alle Dinge ist!" (Sure 36, 83) "...Es gibt kein Tier auf Erden, das Er nicht an seinem Schopf hielte." (Sure 11, 56) "...denn Wir sind ihm (dem Menschen) näher als seine Halsschlagader." (Sure 50, 16)}
zeigen uns, in welch unendlichem Maße Gott uns nahe ist.
وَ اِلَيْهِ تُرْجَعُونَ ٭ تَعْرُجُ اْلمَلآئِكَةُ وَالرُّوحُ اِلَيْهِ فِى يَوْمٍ كَانَ مِقْدَارُهُ خَمْسِينَ اَلْفَ سَنَةٍ
{"...und zu Ihm werdet ihr zurückkehren!" (Sure 2, 245) "Zu Ihm steigen die Engel und der Geist empor an einem Tag, dessen Maß fünfzigtausend Jahre ist." (Sure 70, 4)}
Zu diesen Ayat wird außerdem noch in einer Hadith erwähnt: "Gott, der Gerechte, ist hinter siebzigtausend
Schleiern verborgen." Dergleichen Wahrheiten wie Mi'radj(: Himmelfahrt des Propheten Mohammad) zeigen, in welch unendlichem Maße wir von Gott entfernt sind. Ich möchte eine Erklärung geben, die dieses unzugängliche Geheimnis dem Verstand zugänglicher macht.
Antwort:
So höre denn:
Zum ersten:
Wir hatten im letzten Teil des Ersten Strahls gesagt: Während die Sonne dir durch ihr unbegrenztes Licht und in ihrem immateriellen Spiegelbild nahe ist, ja näher noch durch deine Augen, in denen sie sich spiegelt und die deiner Seele Fenster sind, bist du in deiner Begrenztheit und materiellen Verhaftung weit von ihr entfernt. Du kannst nur einen Teil ihres blendend hellen wie ihres schattenhaften Lichtes zu schauen trachten, nur mit einer Art ihrer Erscheinungen, einem Teil ihrer Manifestationen in Berührung kommen, nur in wenigen Farben, die ihre Eigenschaften sind, nur in einzelnen Strahlen, die ihren Namen gleichen, und nur in einem kleinen Teil dessen, was sie bescheint, ihr nahe kommen. Wenn du dich der Sonne auf ihrer ureigenen Stufe nähern und ihrer Persönlichkeit in deiner eigenen Persönlichkeit auf dem geraden Weg unmittelbar begegnen möchtest, musst du dich von vielen Bindungen lösen und noch viele Stufen zu deiner Ganzwerdung übersteigen. Du musst gleichsam durch diese innerliche Loslösung zur Größe der Erde heranwachsen, dich ähnlich der Luft ausdehnen, mit deinem Geiste in Raum und Zeit verbreiten und dich bis zum Mond emporschwingen, dem Mond gleich der Sonne gegenübertreten. Dann erst kannst du ihr selbst ohne Schleier begegnen, gewissermaßen den Anspruch erheben, ihr begegnet zu sein.
Genauso ist dieser Vollkommene in Seiner Majestät, dieser Herrliche ohnegleichen, Er, dessen Dasein eine Notwendigkeit ist, der alle Existenzen ins Dasein ruft, diese immerwährende Sonne, dieser Sultan von Ewigkeit zu Ewigkeit dir näher, als du es dir selbst bist. Du jedoch bist von Ihm unendlich entfernt. Besitzt du genügend Geistesstärke, bemühe dich unser Gleichnis in seinen
Einzelheiten auszudeuten.
Zweitens:
Zum Beispiel:
وَلِلَّهِ اْلمَثَلُ اْلاَعْلَى
{"Bei Gott sind die erhabensten Gleichnissen!" (Sure 16, 60)}
Ein König kann unter vielen verschiedenen Namen auftreten, zum Beispiel als Oberbefehlshaber in den vielen einander übergeordneten Rängen. Er hat Einfluss und Geltung vom obersten Befehlsbereich des Kriegsministers über den Marschall, den General, den Hauptmann bis zum Feldwebel hinunter in allen weiten und engen, großen und kleinen Bereichen. Demnach erkennt ein einfacher Soldat in dem kleinen Zuständigkeitsbereich, dem sein Feldwebel dem Range nach vorsteht, die für ihn maßgebliche Kommandostelle und tritt über diesen kleinen Geltungsbereich mit dem obersten Befehlshaber in Kontakt und Berührung. Wollte er mit dem Träger des ursprünglichen Namens in Kontakt treten, ihm unter dessen Namen gegenübertreten, müsste er die ganze Stufenleiter vom Feldwebel bis zum Kriegsminister emporklimmen.
Das heißt, dass der König diesem einfachen Soldaten im Namen des Königs, seiner Herrschaft, seines Gesetzes, Kraft seines Wissens, per Telefon, durch seine Maßnahmen, ja sollte dieser König ein Heiliger von der lichten Ausstrahlung eines Ebdal sein, in seiner persönlichen Gegenwart sehr nahe ist. Nichts kann ein Hindernis für ihn sein, einen Schirm gegen ihn bilden. Der einfache Soldat ist jedoch sehr fern von ihm. Tausende von Zwischenstufen trennen ihn von ihm, tausende von Schleiern scheiden sie voneinander. Manchmal jedoch erweist er ihm entgegen seiner Gewohnheit sein Erbarmen und ruft einen einfachen Soldaten in seine Gegenwart, erweist ihm seine Huld.
Genauso auch: Während der Herr, der Majestätische, der den Befehl
كُنْ فَيَكُونُ {"Sei! Und es ist." (Sure 2, 117)} erlässt, und dem gegenüber Sonnen und Sterne befehlsbereiten Soldaten gleichen, ihnen und allem noch näher ist, als sie es sich selbst sind, ist jedoch alles sehr fern von Ihm. Wer da vor Seine Gegenwart treten, Seine gewaltige Größe unverschleiert schauen wollte, der müsste siebzigmal tausende Schleier, die dunklen wie auch solche aus Licht, die der Schöpfung und ihrer vordergründigen Betrachtungsweise, auch die Seiner Namen und Attribute überwinden, mit jedem Namen tausende Stufen Seiner besonderen und allgemeinen Erscheinungsformen überschreiten, alle diese so hohen Stufen Seiner Attribute hinter sich lassen, bis er zu dem gewaltigen Thron emporsteigen könnte, in dem Sein gewaltiger Name sichtbar wird.
Wäre da nicht Er es, der ihn zu sich zieht und ihm Seine Huld erweist, er müsste sich tausende von Jahren darum bemühen und den geistigen Weg einschlagen. Wolltest du dich Ihm z.B. in Seinem Namen "Schöpfer" nähern, müsstest du zunächst mit Ihm als deinem persönlichen Schöpfer, sodann mit Ihm unter dem Aspekt des Schöpfers der ganzen Menschheit, sodann mit Ihm unter dem Namen des Schöpfers alles Lebendigen, sodann mit Ihm unter der Bezeichnung des Schöpfers alles Geschaffenen in Verbindung treten. Anderenfalls bleibt die Offenbarung, die dir zuteil wird, nur winzig und schattenhaft.
Vierter Strahl:
Oh meine faule Seele! Die Wahrheit über das Gebet, welches eine Art Himmelfahrt ist, besteht wie in dem obenerwähnten Gleichnis darin, dass du gleich einem einfachen Soldaten, der zum Erweis seiner lauteren Huld in die Audienz seines Königs gerufen wird, gleichfalls zum Erweis Seines Erbarmens zur Gegenwart des Herrn der Herrlichkeit und zur Anbetung des Herrn in Seiner vollkommenen Schönheit gerufen bist.
Es besteht darin, "Allahu Ekber"zu sagen, mit Herz
und Verstand oder doch in seiner Absicht die beiden Welten zu überschreiten, sich von den materiellen Bindungen freizumachen, zu einer Stufe ganzheitlicher Anbetung, oder doch zu einem Schatten oder Abbild der Ganzheit emporzusteigen und so gleichsam der Ehre Seiner Gegenwart teilhaftig zu werden. Und es ist ein überwältigendes Erlebnis, was jeder nach seiner Fähigkeit erfahren kann, wenn er Gott mit den Worten anspricht:
اِيَّاكَ نَعْبُدُ
{"Dich allein beten wir an!" (Sure 1, 5)}
Bei den Bewegungen während des Gebetes immer wieder "Allahu Ekber, Allahu Ekber"zu sagen, ist gewissermaßen ein Hinweis auf die Stufen, die man hinter sich lässt, auf den geistigen Fortschritt und darauf, dass man aus einem kleineren Bereich in einen allumfassenden Bereich hinüberschreitet und es ist eine Bezeichnung, in der Seine Größe in ihrer Vollkommenheit über all unser Begreifen hinaus zusammengefasst wird. Es ist gewissermaßen ein jedes "Allahu Ekber"ein Zeichen für die Stufen, die wir gleich einer Himmelfahrt hinter uns zurücklassen.
So bedeutet denn, einen Strahl dieser Wahrheit über das Gebet, dem Geist oder dem Sinne nach, in der Vorstellung oder im Traum auch nur schattenhaft zu erfahren, hohe Glückseligkeit. So ist es denn dieses Geheimnis, welches die Pilger während der Wallfahrt so oft "Allahu Ekber"ausrufen lässt. Denn die heilige Pilgerfahrt ist im Grunde genommen für jeden ein Dienst und seine Form der Anbetung auf einer alles umfassenden Stufe. Es ist, als ob ein Soldat an einem besonderen Tage, wie einem Festtag, genauso wie ein General mit dem ganzen Stab zum Fest des Königs geht und seine Huld empfängt. Genauso tritt auch der schlichteste Pilgersmann gleich einem Heiligen, der die letzte Stufe hinter sich gelassen hat, vor das Antlitz seines Herrn und Ihm unter
Seinem Titel "gewaltiger Herr aller Enden der Erde" gegenüber. Ihm wird die Ehre eines vollendeten Dienstes und einer allumfassenden Anbetung zuteil. Sicherlich wird das Feuer der Begeisterung darüber, dass sich ihm durch seine Wallfahrt die ganze Stufenleiter bis zum Throne der Herrschaft Gottes geöffnet hat, dass ihm die überwältigenden, alles umschließenden, göttlichen Horizonte gleichsam wie durch ein Fernglas erschaubar geworden sind, dass sich ihm in Herz und Sinn durch dieses Erkennungszeichen das Bewusstsein für den Umfang des Bereiches, in dem alles Gott dient und Ihn anbetet, allmählich erweitert, wird der heilige Schauer und die Ehrfurcht einflößende Majestät, die sich ihm vor den Stufen Seiner Größe und an den Horizonten Seiner Erscheinung enthüllt, mit dem Ausruf "Allahu Ekber! Allahu Ekber!"seinen befriedigenden Ausdruck finden und so wird der Pilger von dieser stufenweisen Enthüllung, die er innerlich bezeugt und erfahren hat, Kunde geben.
Dieser Sinn findet sich unterschiedlich abgestuft je nach Erhabenheit und Umfang zunächst bei der Pilgerfahrt, dann auf unterschiedlichen Stufen in den Festgebeten, in dem Gebet um den Regen, in den Gebeten zur Zeit einer Sonnen- und Mondfinsternis, und in den Gebeten, die man in der Gemeinschaft verrichtet. Aus diesem Geheimnis erhellt die Bedeutsamkeit der islamischen Erkennungszeichen, auch wenn sie als nur traditionell eingestuft werden.
سُبْحَانَ مَنْ جَعَلَ خَزَآئِنُهُ بَيْنَ الْكَافِ وَ النُّونِ ٭ فَسُبْحَانَ الَّذِى بِيَدِهِ مَلَكُوتُ كُلِّ شَيْءٍ وَاِلَيْهِ تُرْجَعُونَ ٭ سُبْحَانَكَ لاَ عِلْمَ لَنَآ اِلاَّ مَا عَلَّمْتَنَآ اِنَّكَ اَنْتَ الْعَلِيمُ الْحَكِيمُ ٭ رَبَّنَا لاَ تُؤَاخِذْنَآ اِنْ نَسِينَآ اَوْ اَخْطَاْنَا ٭ رَبَّنَا لاَ تُزِغْ قُلُوبَنَا بَعْدَ اِذْ هَدَيْتَنَا وَهَبْ لَنَا مِنْ لَدُنْكَ رَحْمَةً اِنَّكَ اَنْتَ الْوَهَّابُ
وَصَلِّ وَ سَلِّمْ عَلَى رَسُولِكَ اْلاَكْرَمِ مَظْهَرِ اِسْمِكَ اْلاَعْظَمِ وَ عَلَى اَلِهِ وَ اَصْحَابِهِ وَ اِخْوَانِهِ وَ اَتْبَاعِهِ آمِينَ يَا اَرْحَمَ الرَّاحِمِينَ
{"Preis dem, der zwischen Qaf und Nun Seine Schätze ausgebreitet hat." "Und Preis dem, in dessen Hand das Wesen aller Dinge ist! Und zu Ihm kehrt ihr zurück." (Sure 36, 83) "Gepriesen seist Du! Wir haben kein Wissen, außer dem, das Du uns gelehrt hast. Denn Du bist der Allwissende, der Allweise." (Sure 2, 32) "Unser Herr, ziehe uns nicht zur Rechenschaft wegen unserer Fehler und dem, was wir durch unsere Vergesslichkeit unterlassen haben." (Sure 2, 286) "Unser Herr, lass unsere Herzen nicht mehr irregehen, da Du uns geleitet hast, und gib uns Deine Barmherzigkeit! Fürwahr, Du bist der Geber." (Sure 3, 8) "Und Friede und Segen sei mit Deinem ehrwürdigen Botschafter, dem, der die Manifestationen Deiner gewaltigen Namen erfahren durfte, und mit seiner Familie und seinen Gefährten und (Glaubens)brüdern und seiner ganzen Gefolgschaft. Amin, Oh Du, der Barmherzigste aller Barmherzigen!"}
Ein kurzer Anhang
Der Allmächtige, der Allwissende, der Allweise, der Schöpfer, zeigt Seine Macht und Weisheit in der Regelmäßigkeit und Wohlgeordnetheit, welche in Seinen Gewohnheiten, den Naturgesetzen, Form angenommen hat, und äußert sich darin, dass in Seinen Werken niemals ein Zufall auftreten kann. Er zeigt auch in den Abweichungen von Seinen Gesetzen, in solchen wunderbaren Umgehungen Seiner Gewohnheiten, also der Naturgesetze, in den äußerlichen Veränderungen, in der Vielfalt der Gestaltung, im Wechsel der Gezeiten, von Aufgang und Untergang, von Aufstieg und Niedergang Seinen Willen, Seine Entscheidungsfreiheit, Seine Handlungsfreiheit, Seine Ermessensfreiheit, die an keine Bedingungen geknüpft ist. So zerreißt Er den Schleier des Gleichmaßes und verkündet, dass alles jederzeit, in allen Dingen und unter allen Umständen Seiner bedarf und Seiner Herrschaft unterworfen ist, um so aus der Gottvergessenheit wachzurütteln und die Blicke der Menschen und Dschinnen von den Ursachen weg auf Gott, den
Verursacher aller Ursachen, hinzulenken. Die Erklärung des Qur'an fußt auf dieser Grundlage.
Zum Beispiel:
In den meisten Gegenden bringt ein Teil der Obstbäume in dem einen Jahr Früchte hervor, das heißt, sie werden aus der Schatzkammer der Barmherzigkeit in die Hände der Bäume gegeben, sie uns zu geben. Im anderen Jahr bringt uns der selbe Baum keine Früchte, obwohl alle äußeren Ursachen die gleichen sind.
Ein weiteres Beispiel:
Im Gegensatz zu anderen wichtigen Ereignissen ist das Kommen des Regens so unbestimmt, dass man es zu den fünf unberechenbaren Dingen zählt. Denn in unserem Dasein stehen das Leben und seine Fülle an oberster Stelle. Was aber den Regen betrifft, so wird er sicherlich, weil er die Quelle des Lebens und dessen reinste Fülle ist, als Wasser des Lebens und Strom der Fülle nicht unter das Gesetz des Gleichmaßes eingeordnet werden, welches zu Gottvergessenheit führen und zu einem Vorhang werden könnte, vielmehr wird der Herr aller Gnaden, der Lebensspender, der Herr der Herrlichkeit ihn nach der Fülle Seines Erbarmens unmittelbar und unverborgen in Seiner Hand halten, damit die Pforten für Bitt- und Dankgebet alle Zeit geöffnet bleiben mögen.
Ein weiteres Beispiel:
Die Ausformung einer bestimmten Gestalt und die Versorgung mit allem Notwendigen, wie sie auf unerwartete Weise gleich einem unverdienten Gnadengeschenk geschieht, zeigen ganz besonders schön die Entscheidungs- und Handlungsfreiheit des Herrn. Vergleiche damit auch noch andere Taten Gottes, ähnlich denen, wie Er sich die Lüfte dienstbar macht und über die Wolken verfügt.
Siebzehntes Wort
بِسْمِ اللَّهِ الرَّحْمَنِ الرَّحِيمِ ٭ اِنَّا جَعَلْنَا مَا عَلَى اْلاَرْضِ زِينَةً لَهَا ِلنَبْلُوَهُمْ اَيُّهُمْ اَحْسَنُ عَمَلاً ٭ وَاِنَّاَ لَجَاعِلُونَ مَا عَلَيْهَا صَعِيدًا جُرُزًا ٭ وَمَا اْلحَيَاةُ الدُّنْيَآ اِلاَّ لَعِبٌ وَلَهْوٌ
{"Im Namen Allahs, des Erbarmers, des Barmherzigen. Fürwahr, Wir haben, was auf Erden ist, ihr zum Schmuck gemacht, um die Menschen zu prüfen, welche von ihnen am besten sind in ihren Handlungen. Führwahr, Wir werden, was auf Erden ist, wieder zu Staub werden lassen." (Sure 18, 7-8) "Doch was ist das Leben in dieser Welt anderes als Spiel und Zeitvertreib?" (Sure 6, 32)}
Dieses Wort besteht aus zwei erhabenen Kapiteln und einem glänzenden Anhang.
Erstes Kapitel
Der barmherzige Schöpfer, freigiebige Versorger und weise Baumeister hat diese Welt als ein Fest für die Welt der Seelen, Geister und Engel eingerichtet und sie mit dem einzigartigen Schmuck all Seiner Namen verziert. Er hat alles, was da lebt, sei es groß oder klein, hoch oder niedrig, mit einem für ihn geeigneten, mit Sinnesorganen ausgestatteten Körper bekleidet, der es ihm ermöglicht, auf diesem Festplatz alle die ungezählten verschiedenen Schönheiten und Gnadengaben zu genießen, ihm so ein körperhaftes Dasein gegeben, mit dem Er ihn einmalig auf diese Bühne sendet. Zudem hat Er dieses Fest, das hinsichtlich Zeit und Raum sehr weit ausgedehnt ist, in Epochen, Jahre und Jahreszeiten, ja sogar Tage und Tageszeiten eingeteilt und jede Epoche, jedes Jahr und seine Zeiten, ja sogar in gewisser Hinsicht jeden Tag und seine Zeiten, für alle mit Geist begabten und beseelten Geschöpfe und Seine Pflanzenkunstwerke nach Art eines Festumzuges zu einer hohen Messe gestaltet und besonders im Frühling und im Sommer ist das Antlitz der Erde für alle Arten Seiner kleinen Kunstwerke eine solche Reihe prächtiger Festveranstaltungen, dass die Engel und die Geister in den hohen Welten und die Bewohner
der Himmel davon angezogen werden, um diese Schaustücke zu betrachten. Für Leute, die nachdenken, aber ist sie ein so schöner Studiersaal, wie er sich kaum beschreiben lässt.
Aber bei diesem Gastmahl Gottes, an diesem Festtag des Herrn, tritt der Erscheinung des Namens "Erbarmer" und "Lebensspender" auch der Name "der Vernichter" und "der Todbringende" mit Trennung und Tod entgegen. In Anbetracht dessen scheint der Satz وَرَحْمَتِى وَسِعَتْ كُلَّ شَىْءٍ {"Die Weite Meines Erbarmens umfasst alle Dinge."} von der alles umfassenden Weite Seines Erbarmens äußerlich nicht zutreffend zu sein. In Wahrheit jedoch gibt es da einige übereinstimmende Gesichtspunkte. Einer dieser Gesichtspunkte ist folgender:
Der freigiebige Baumeister, der barmherzige Schöpfer erweckt in Seiner Barmherzigkeit bei den meisten einen Widerwillen gegen die Welt, sobald alle die Gruppen von Festzugsteilnehmern vorübergezogen sind und diese Teilnehmer am Festzug ihr vorgegebenes Ziel erreicht haben. Er vermacht ihnen den Wunsch nach Ruhe und die Sehnsucht in eine andere Welt umzuziehen als Geschenk und zu der Zeit, da sie von ihrer Lebensaufgabe entbunden werden, ruft Er in ihren Seelen ein Gefühl der Sehnsucht nach ihrer ursprünglichen Heimat wach. Zudem ist es nicht mehr weit weg von der grenzenlosen Barmherzigkeit des Allerbarmers, wenn dieser einem Soldaten, der sein Leben in Erfüllung seiner Pflicht während einer Kampfhandlung verloren hat, den Rang eines Märtyrers verleiht, oder wenn er einem Schaf, das zum Opfer geschlachtet wurde, im Jenseits für ewig leibliche Existenz schenkt und es damit belohnt, dass Er es für seinen Besitzer, dem Buraq gleich, auf die Stufe eines Reittiers über den Sirat erhebt. Desgleichen dürfte es nicht weit von der unerschöpflichen Schatzkammer der Barmherzigkeit zu finden sein, wenn auch die übrigen
Seelen und besonders die Tiere, die den ihnen entsprechenden natürlichen Dienst gegenüber ihrem Herrn verrichten und den Befehlen des Hochgelobten gegenüber Gehorsam leisten und die beseelten Wesen, die sich ganz besonders angestrengt haben, verschiedene für sie passende geistige Belohnungen erhalten und eine Art inneren Verdienst entsprechend ihren Anlagen. Sie sollten sich nicht so sehr gekränkt fühlen, wenn sie aus dieser Welt gehen müssen, sich vielmehr darüber freuen.
لاَ يَعْلَمُ الْغَيْبَ اِلاَّ اللَّهُ
{"Niemand kennt das Verborgene außer Gott!"}
Der Mensch jedoch, der unter allen beseelten Wesen der würdigste ist und aus diesen Veranstaltungen in qualitativer wie quantitativer Hinsicht den meisten Nutzen zu ziehen vermag, der in diese Welt so sehr vernarrt und in sie verliebt ist, wird als eine Gabe der Barmherzigkeit um eines Abscheues vor dieser Welt willen und um in die ewige Welt hinüber zu gehen, in einen Zustand der Sehnsucht versetzt. Wer nicht in einem menschlich nur allzu menschlichen Sumpf des Irrtums festsitzt, wird aus diesem Zustand sein Gutes gewinnen. Er wird in der Ruhe des Herzens hinübergehen. Wir wollen hier nun für Betrachtungsweisen, die diesen Zustand hervorrufen, fünf Beispiele anführen.
Erstens:
Im Herbst des Lebens zeigt Er auf allen schönen und anziehenden Dingen den Stempel der Vergänglichkeit und des Zerfalls und alle Bitterkeit des Lebens, lässt den Menschen vor dieser Welt zurückschrecken und bewegt ihn zur Suche nach den bleibenden Werten.
Zweitens:
In Anbetracht dessen, dass neunundneunzig von hundert Freunden, mit denen man sich verbunden fühlte, aus dieser Welt geschieden und in ein anderes Leben hinübergegangen sind, schenkt Er ihm dank seiner aufrichtigen Liebe eine Sehnsucht nach dem Ort, zu dem seine Freunde gegangen sind, seiner Todesstunde freudig entgegenzusehen.
Drittens:
Er lässt den Menschen durch manche Dinge seine unendliche Schwäche und Armut verspüren, gibt ihm zu verstehen, wie schwer die Bürde des Lebens und die Last des Daseins ist, flößt ihm den tiefen Wunsch nach Ruhe ein und schenkt ihm eine wahre Begeisterung, nach einem anderen Land zu gehen.
Viertens:
Einem gläubigen Menschen zeigt Er im Lichte des Glaubens, dass der Tod keine Hinrichtung sondern ein Ortswechsel ist. Was aber das Grab betrifft, so ist es nicht die Öffnung zu einer finsteren Grube, sondern das Tor zu lichtvollen Welten. Was aber diese Welt betrifft, so ist sie bei all ihrer Pracht verglichen mit dem Jenseits einem Kerker gleich. Das bedeutet mit Sicherheit, aus dem Kerker dieser Welt heraus in die Gärten des Paradieses zu gehen, heraus aus dem lärmenden Treiben des körperlichen Lebens in eine Welt der Ruhe, zu einem Platz für einen Seelenflug, sich aus dem betäubenden Getöse der Welt davon zu schleichen, um in die Gegenwart des Allbarmherzigen einzutreten; es ist eine Reise, wie man sie mit tausend Sinnen ersehnt; ja, es ist die Glückseligkeit.
Fünftens:
Einem Menschen, der auf den Qur'an hört, macht Er durch das Wissen um die qur'anische Wahrheit und durch das Licht der Wahrheit klar, dass es für den, der das Wesen dieser Welt kennt, ganz und gar sinnlos ist, die Welt zu lieben und ihr verfallen zu sein. Das heißt, er sagt dem Menschen und beweist ihm:
"Die Welt ist ein Buch des Einzigartigen. Seine Buchstaben und Worte sind nicht Beweis für sich selbst, sondern für die Person, die Merkmale und Attribute eines Anderen. Da dies aber nun einmal so ist, lerne ihre Bedeutung kennen und nimm sie an!... lass Ausschmückung und Gestaltung, dann geh!...
Zudem ist sie ein Acker!... säe, ernte, schütze!... wirf die Spreu fort!... nimm sie nicht wichtig!
Zudem ist sie wie ein Bildschirm, auf dem ständig Bilder einander ablösend erscheinen und wieder verschwinden. Weil dies aber so ist, so wisse, was sich auf ihm zeigt, betrachte die Lichter, verstehe die Erscheinung der
Namen, die auf ihm sichtbar werden, liebe Ihn, den sie nennen, und gib deine Bindung an die Glasstückchen auf, die zerbrechen werden und für den Kehricht bestimmt sind.
Zudem ist sie ein Marktflecken. Weil dies aber so ist, erledige deine Besorgungen!... komm und laufe nicht hinter den Karawanen her, die sich von dir entfernen und dir keine Beachtung schenken, müde und umsonst, bemühe dich nicht!
Zudem ist sie ein zeitweiliger Ausflugsort. Weil dies aber so ist, betrachte sie als ein warnendes Beispiel!... schenke deine Aufmerksamkeit nicht ihrem äußerlich hässlichen Gesicht, sondern wende sie ihrem verborgenen, schönen, auf die Ewige Schönheit gerichteten Antlitz zu!... mache einen angenehmen und zufriedenstellenden Ausflug, dann kehre um!... weine nicht wie ein unverständiges Kind, wenn auf der Bühne des Lebens nach all dem Schönen und Guten, das du gesehen hast, der Vorhang fällt!... beachte es nicht!
Zudem ist sie ein Gasthaus. Weil dies aber so ist, iss und trink mit der Erlaubnis des freigiebigen Gastherrn, der sie geschaffen hat, und danke Ihm!... handle und bewege dich im Rahmen der Gebote!... dann schaue nicht zurück!... brich auf und geh!... verliere dich nicht in ihr in unziemlicher und aufdringlicher Weise!... strebe nicht unvernünftig nach Dingen, die von dir fortstreben und dir nicht gehören!... ersticke nicht in vergänglichen Geschäften, gebunden an sie!"
Mit diesen und anderen ähnlichen Gegebenheiten zeigt er den Menschen die Geheimnisse hinter dem Gesicht dieser Welt, erleichtert ihnen so die Trennung von ihr, ja bewirkt, dass sie den Erwachten sogar erwünscht wird, und lässt sie so in allem, was da ist und geschieht, die Spuren Seiner Barmherzigkeit schauen. Wie also der Qur'an es durch diese fünf Aspekte gezeigt hat, weist er auch noch mit anderen qur'anischen Ayat auf dergleichen Aspekte hin.
Wehe denen, welche aus diesen fünf Aspekten nicht ihre Lehre ziehen!...
Zweites Kapitel
{(*): Die Sätze in diesem zweiten Kapitel sehen wie die Teile eines Gedichtes aus, aber sie sind kein Gedicht. Sie sind nicht absichtlich in gereimter Form geschrieben. Vielmehr nahmen sie wegen der vollkommenen Ordnung der Wahrheiten diese gereimte Gestalt an.}
Lass du Ärmster deine Klagen! Vertraue auf Gott vor dem Unglück!
Klage ist eine Plage, verstärkt noch die Plage, schließt einen Irrtum mit ein.
Wenn du Ihn findest, der die Plage gab, wisse: Die Plage ist Glück und Geschenk in der Plage.
Lass die Klagen, werde dankbar, siehe, wie sich alle Arten Rosen den Nachtigallen gleich aus ihrer guten Stimmung ständig freuen.
Wenn du Ihn nicht findest, wisse: Die ganze Welt ist eine Qual, ist Vernichtung in der Plage.
Warum klagst du über eine kleine Plage, wo doch der ganzen Hölle Qual dich bedroht!? Komm, vertraue auf Allah!
Im Vertrauen auf Gott lache der Plage ins Gesicht, sodass sie dich auch anlacht!
Je mehr die Plage dich anlacht, desto kleiner wird sie und dann wandelt sie sich um.
Oh du Ichbezogener, wisse: Das Glück in diesem Leben liegt in dem Verzicht auf diese Welt.
Wenn du mit Gott verbunden lebst, so genügt es dir. Auch wenn du auf sie verzichtest, stehen alle Dinge auf deiner Seite.
Wenn du dich nur selber siehst, ist das ein Untergang. Was du auch machst, alle Dinge stehen gegen dich.
In beiden Fällen ist also doch der Verzicht auf sie in diesem Leben notwendig.
Verzicht heißt, alles als Eigentum Gottes zu betrachten, mit Seiner Erlaubnis und in Seinem Namen.
Wünschst du dir einen Handel, liegt er in dem Tausch dieses vergänglichen Lebens mit dem beständigen.
Kümmerst du dich nur um deine Wünsche, so sind sie hohl und grundlos.
Wünschst du, was jenseits des Horizonts, so liegt das Siegel der Vergänglichkeit darauf.
Also lohnt es sich nicht, zu kaufen; es sind nur faule Dinge auf diesem Markt.
Also geh vorbei, die guten Dinge liegen dahinter!
Eine Frucht vom Maulbeerbaum.
In der Krone jenes segensreichen Maulbeerbaumes sprach der frühere Said nach Art des neuen Saids.
Der, den ich anspreche ist nicht Ziya Pascha; es sind die Verehrer Europas.
Der Sprechende bin nicht ich selbst; es ist mein Herz im Namen der Schüler des Qur'an.
Die sich anschließenden Worte sind wahre Erkenntnisse; hüte dich vor Verwirrung! Nimm dich in Acht, deine Grenzen nicht zu überschreiten!
Wende dich nicht fremdartigen Ansichten zu; es sind Irrtümer; leihe ihnen nicht dein Ohr; sie führen dich nur in die Reue.
Siehe, dass der Aufgeklärteste und Bannerträger der Gescheiten in seiner Verwirrung ständig sagt: "Oh weh! Über wen soll ich bei wem mich beklagen, denn auch ich bin verwirrt."
Der Qur'an heißt mich reden und ich rede, zögere auf keinen Fall.
Über das, was von Ihm (dem Schöpfer) kommt, beklage ich mich nur bei Ihm; dabei bin ich nicht verwirrt so wie du. Um mein Recht klage ich laut zu dem Gerechten; doch überschreite ich es nicht so wie du.
Von der Erde aus verfechte ich meinen Anspruch bis an die Himmel; ich fliehe nicht so wie du.
Denn im Qur'an reicht der Anspruch immer vom Licht zum Licht, darauf verzichte ich nicht so wie du.
Im Qur'an liegt die wahre Weisheit. Ich beweise es. Eine Philosophie, die ihr entgegengesetzt ist, schätze ich auch nicht für fünf Pfennige.
Im Qur'an, der das Wahre vom Falschen unterscheidet, liegt die diamantene Weisheit. Ich nehme sie in mein Herz und verkaufe sie nicht so wie du.
Von dem Geschaffenen her geht meine Fahrt zu dem Gerechten, segele ich nicht in die Irre so wie du.
Über dornigem Weg fliege ich dahin, trete nicht auf ihn so wie du.
Von der Erde her vor dem Throne Gottes erweise ich meinen Dank, versäume ihn nicht so wie du.
Den Tod und die Todesstunde betrachte ich als Freund. Ich fürchte ihn nicht so wie du.
In das Grab steige ich lächelnd hinab, schrecke nicht vor ihm zurück so wie du.
Als einen Drachenrachen oder ein Bett in der Einöde oder als einen Schlund der Nichtigkeit sehe ich es nicht so wie du.
Es führt mich zu meinen Freunden; nicht bin ich verärgert über das Grab. Ich bin nicht wütend deswegen so wie du.
Es ist das Tor der Barmherzigkeit, das Tor zum Licht, das Tor zur Wahrheit. Nicht fühle ich mich bedrängt dadurch, weiche nicht zurück davor.
Ich klopfe an, sage: "Bismillah" (im Namen Gottes), blicke nicht zurück und erschrecke nicht.
{(*): Ich laufe nicht vor ihm davon; sage nicht "Oh Weh" vor ihm.}
"Elhamdulillah" (Dank sei Gott) sage ich, werde mich niederlegen und Ruhe finden. Nicht mühe ich mich ab; nicht bleibe ich in der Einöde.
"Allahu Ekber" (Gott ist groß) sage ich und werde wieder auferstehen, wenn ich den Ruf zur Wiederversammlung höre.
{(*): Ich werde den Aufruf des Erzengels Israfil hören, wenn der Jüngste Tag herauf dämmert, "Allahu Ekber" (Gott ist groß) sagen und auferstehen. Ich halte mich dem großen Gebet nicht fern und scheue nicht vor der Großen Versammlung.}
Ich scheue mich nicht vor der Großen Versammlung und halte mich nicht fern der Gewaltigen Moschee.
Durch die Gnade Gottes, durch das Licht des Qur'an und durch den Segen des Glaubens werde ich niemals traurig sein.
Ich werde laufen, ohne anzuhalten. Bis zum Schatten des Thrones des Erbarmers werde ich mich emporschwingen. Inshaallah (So Gott will) werde ich nicht verwirrt sein so wie du.
Ein Bittgebet, welches in meinem Herzen aufgestiegen ist, in Persisch
هٰذِهِ اْلمُنَاجَاةُ تَخَطَّرَتْ فِى الْقَلْبِ هٰكَذَا بِالْبَيَانِ الْفَارِسِى
D.h.: Dieses Bittgebet, wie es in meinem Herz aufgestiegen ist, ist Persisch. Es war schon in die arabische Abhandlung "Hubab"(Körner) eingereiht.
يَا رَبْ بَه شَشْ جِهَتْ نَظَرْ مِى كَرْدَمْ دَرْدِ خُودْرَا دَرْمَانْ نَمِى دِيدَمْ
Oh Herr! Ohne Gottvertrauen, Gottvergessen, mich auf meine eigenen Fähigkeiten und auf meinen freien Willen stützend, ließ ich meinen Blick in alle sechs Richtungen schweifen, um für meinen inneren Schmerz ein Heilmittel zu finden. Bedauerlicherweise konnte ich kein Heilmittel für meinen inneren Schmerz finden. In meinem Inneren wurde zu mir gesagt: "Genügt dir der Schmerz als Heilmittel nicht?"
دَرْ رَاسْتْ مِى دِيدَمْ كِه دِى رُوزْ مَزَارِ پَدَرِ مَنْسْتْ
In der Tat blickte ich Gottvergessen in die vergangene Zeit, die zu meiner rechten Seite lag, um eine Tröstung zu finden. Aber ich sah: Der Tag von gestern erschien mir als das Grab meines Vaters und die vergangene Zeit als ein großes Grabmal meiner Ahnen. Anstelle des Trostes empfand ich nur Einsamkeit.
{(*): Der Glaube zeigt jenes große Grabmal in Einsamkeit als eine lichtvolle Versammlung in Freundschaft und ein Treffen der Freunde.}
وَدَرْ چَپْ دِيدَمْ كِه: فَرْدَا قَبْرِ مَنْسْتْ
Dann betrachtete ich die Zukunft, die zu meiner linken Seite lag. Ich fand kein Heilmittel. Vielmehr erschien mir
der Tag von morgen als mein Grab und die Zukunft als ein großes Grabmal meiner Altersgenossen und der Nachkommenschaft. Ich fand nirgendwo Vertrauen, nur Furcht in der Einsamkeit.
{(*): Der Glaube und die Geborgenheit im Glauben zeigen dieses fürchterlich große Grabmal als eine Einladung des Erbarmers zu den lieblichen Schlössern der Glückseligkeit.}
وَإ يمْرُوزْ تَابُوتِ جِسْمِ پُرْ اِضْطِرَابِ مَنْسْتْ
Da ich auf der linken Seite nichts Gutes sah, betrachtete ich den gegenwärtigen Tag. Es erschien mir, als wäre dieser Tag ein Sarg. Er trägt den Leichnam meines Körpers, der sich in einem fahrenden Schlachthaus befindet.
{(*): Der Glaube zeigt diesen Sarg als einen Ort für Handel und als ein prachtvolles Gästehaus.}
بَرْ سَرِ عُمُرْ جَنَازَءِ مَنْ اِيسْتَادَه اَسْتْ
Von dieser Seite fand ich auch kein Heilmittel. Dann hob ich meinen Kopf und betrachtete die Krone meines Lebensbaumes. Ich sah, dass die einzige Frucht dieses Baumes mein Leichnam war. Er hing dort und betrachtete mich.
{(*): Der Glaube zeigt, dass die Frucht jenes Baumes nicht mein Leichnam ist, sondern dass meine Seele, die für das ewige Leben bestimmt und ein Kandidat für die ewige Glückseligkeit ist, aus ihrem nun alt gewordenen Nest auszieht, um auf den Sternen zu wandeln.}
دَرْ قَدَمْ آبِ خَاكِ خِلْقَتِ مَنْ وَخَاكِسْتَرِ عِظَامِ مَنْ اَسْتْ
Ich war auch über diesen Anblick verzweifelt und beugte mein Kopf nach unten. Da sah ich, dass da unten unter meinen Füßen die Erde, zu der meine Knochen geworden waren, sich mit der Erde, aus der ich erschaffen worden war, vermischt hatte. Nicht ein Heilmittel bekam ich, sondern meinem Schmerz wurde noch ein Schmerz
hinzugefügt.
{(*): Der Glaube zeigt, dass diese Erde das Tor der Barmherzigkeit und der Vorhang zum Saal des Paradieses ist.}
چُونْ دَرْ پَسْ مِينِكَرَمْ بِينَمْ اِيْن دُنْيَاءِ بِى بُنْيَادْ هِيچْ دَرْ هِيچَسْتْ
Von dort wendete ich meinen Blick und schaute hinter mich. Ich sah eine bodenlose, vergängliche Welt, die in den Bächen des Nichts und in den Finsternissen der Abwesenheit herunter rollt. Das war für meinen Schmerz keine Salbe, sondern fügte mir die Bitternis der Einsamkeit und der Furcht hinzu.
{(*): Der Glaube zeigt diese Welt, die in Finsternis herunter rollt, als Briefe des Einzigartigen (Mektubat-i Samedaniye) und als Seiten, auf der die Ornamente des Hochgelobten dargestellt sind, welche ihre Bedeutung zum Ausdruck bringen und ihre Ergebnisse an deren Stelle hinterlassen.}
وَدَرْ پِيشْ اَنْدَازَءِ نَظَرْ مِيكُنَمْ دَرِ قَبِرْ كُشَادَه اَسْتْ ٭ وَرَاهِ اَبَدْ بَدُورِدِرَازْ بَدِيدَارسْتْ
Da ich aber auch von ihr nichts Gutes erfuhr, schickte ich meinen Blick nach der Seite, die vor mir lag, also nach vorne. Ich sah: Das Tor des Grabes zeigte sich auf meinem Weg und war offen. Die Straße, die durch das Tor in die Ewigkeit weiterging, fiel mir von weitem her in die Augen.
{(*): Der Glaube, da er dieses Tor des Grabes als die Pforte in die Welt des Lichtes und diesen Weg als den Weg in die Ewige Glückseligkeit zeigt, wird sowohl zu einem Heilmittel als auch zu einer Heilsalbe für meine Schmerzen.}
مَرَا جُزْ جُزْءِ اِخْتِيَارِى چِيزِى نِيسْتْ دَرْ دَسْتْ
Also empfing ich aus diesen sechs Richtungen keine Geborgenheit und keine Tröstung, sondern nur Entsetzen und Einsamkeit. Gegen sie hatte ich nichts in der
Hand, außer einem kleinen Stückchen Entscheidungsfreiheit, worauf ich mich stützte und mit der ich ihr entgegnen konnte.
{(*): Statt mich auf dieses kleine Stückchen Entscheidungsfreiheit, klein wie ein Stäubchen, zu stützen, gibt mir der Glaube einen Berechtigungsschein, um mich auf eine unendliche Macht zu stützen, ja vielmehr ist dieser Glaube selbst ein solcher Berechtigungsschein.}
كِه اوُجُزْءْ هَمْ عَاجِزْ هَمْ كُوتَاهُ وَهَمْ كَمْ عَيَارَاسْتْ
In Wirklichkeit ist jene menschliche Waffe, als die man dieses kleine Stückchen Entscheidungsfreiheit bezeichnet, sowohl schwach als auch kurz. Außerdem ist ihre Wirkung nur fehlerhaft. Sie vermag nichts zu bewirken. (Was schon zuvor erschaffen wurde,) kann sie nur noch entgegennehmen.
{(*): Der Glaube lässt uns dieses kleine Stückchen Entscheidungsfreiheit im Namen Allahs gebrauchen, was dann aber für alles Weitere ausreicht, gleich einem Soldaten, der tausend Mal mehr Aufgaben verrichten kann, wenn er sein kleines Stückchen Entscheidungsfreiheit im Namen seiner Regierung einsetzt.}
نَه دَرْ مَاضِى مَجَالِ حُلُولْ نَه دَرْ مُسْتَقْبَلْ مَدَارِ نُفُوذَاسْتْ
Weder die Vergangenheit kann diese Entscheidungsfreiheit betreten, noch vermag sie in die Zukunft vorzudringen. Sie hat keinen Nutzen für meine Hoffnungen und Ängste, die in die Vergangenheit und der Zukunft gehören.
{(*): Da der Glaube die Zügel der Entscheidungsfreiheit aus der Hand des animalischen Körpers wegnimmt und dem Herzen und dem Geist übergibt, kann sie in die vergangene und in die zukünftige Zeit eintreten. Denn der Lebensbereich des Herzens und des Geistes ist groß und weit.}
مَيْدَانِ أُو إِينْ زَمَانِ حَالْ وَيَكْ آنِ سَيَّالَسْتْ
Der Bereich, in dem sich dieses kleine Stückchen Entscheidungsfreiheit bewegt, ist nur diese so kurze Gegenwart und ein fliehender Augenblick.
بَا إِينَ هَمَه فَقْرَهَا وَضَعْفَهَا قَلَمِ قُدْرَتِ تُو آشِكَارَه ٭ نُوِشْتَه اَسْتْ دَرْ فِطْرَتِ مَا مَيْلِ اَبَدْ وَاَمَلِ سَرْمَدْ
Als ich so neben all meinen Bedürfnissen, meiner ganzen Schwäche, Armseligkeit und Ohnmacht auch noch durch das Entsetzen und die Einsamkeit in sechsfacher Hinsicht völlig verwirrt war, da waren schon meine Wünsche, die sich nach der Ewigkeit hin erstrecken, und die Hoffnungen, die sich bis in die Unsterblichkeit hin ausdehnen, mit dem Stift der Macht im Buche meiner Erschaffung (fitrat)eindeutig eingetragen und meinem Wesen eingegeben.
بَلْكِه هَرْچِه هَسْتْ هَسْتْ
Überdies liegen Musterbeispiele von allem, was es in der Welt gibt, in meiner Beschaffenheit (fitrat).Mit ihnen allen stehe ich in Verbindung. Um ihretwillen stehe ich in meinem Dienst und versehe ich meinen Dienst.
دَآئِرَءِ اِحْتِيَاجْ مَانَنْدِ دَآئِرَءِ مَدِّ نَظَرْ بُزُرْكِى دَارَسْتْ
Der Umfang meiner Bedürfnisse ist so groß und weit, wie das Auge reicht.
خَيَالْ كُدَامْ رَسَدْ اِحْتِيَاجْ نِيزْرَسَدْ ٭ دَرْ دَسْتْ هَرْچِه نِيسْتْ دَرْ اِحْتِيَاجْ هَسْتْ
Wohin auch immer meine Phantasie schweift, bis dahin wächst auch der Umfang meiner Bedürfnisse. Und auch
dort tauchen die Bedürfnisse wieder auf. Auch das, was man nicht in der Hand hat, liegt noch im Bereich der Bedürfnisse. Das aber, was man nicht in der Hand ist, ist ohne Ende.
دَآئِرَءِ اِقْتِدَارِ هَمْچُو دَآئِرَءِ دَسْتِ كُوتَاهِ كُوتَاهَسْتْ
In Wirklichkeit ist der Umfang meines Vermögens so klein und begrenzt wie die Reichweite meiner viel zu kurzen Hände.
پَسْ فَقْرُو حَاجَاتِ مَا بَقَدَرِ جِهَانَسْتْ
Das also heißt: meine Armseligkeit und meine Bedürfnisse sind so groß wie die Welt.
وَ سَرْمَايَهءِ مَا هَمْچُو جُزْءِ لاَ يَتَجَزّٰا اَسْتْ
Was aber mein Grundkapital betrifft, so ist es ein so winzig kleines Ding wie ein Atom.
اِينْ جُزْءِ كُدَامْ وَاِينْ كَآئِنَاتِ حَاجَاتِ كُدَامَسْتْ
Wo also bleibt diese Welt voller Bedürfnisse, die nur mit Milliarden gedeckt werden können? Und wo bleibt dieses fünf Pfennig kleine Stückchen Entscheidungsfreiheit? Damit kann man sie nicht decken. Und weil dies so ist, muss man nach einem anderen Ausweg suchen.
پَسْ دَرْرَاهِ تُو أَزْاِينْ جُزْءْ نِيزْ بَازْمِى كُذَشْتَنْ چَارَءِ مَنْ اَسْتْ
Was diesen Ausweg betrifft, so ist er folgendermaßen: Man soll ja auf diesen Bruchteil Entscheidungsfreiheit verzichten und seine Angelegenheiten dem Willen Gottes überlassen und zurückhaltend gegenüber der eigenen Macht und Kraft bei der Macht und Kraft Gottes des Gerechten Zuflucht suchen, wobei man in Wahrhaftigkeit an seinem Gottvertrauen festhält. Oh Herr! Da der Ausweg
meiner Rettung nun einmal so ist, verzichte ich um Deinetwillen auf diese meine persönliche Entscheidungsfreiheit und entsage meinem Egoismus,
تَا عِنَايَتِ تُو دَسْتَكِيرِ مَنْ شَوَدْ رَحْمَتِ بِى نِهَايَتِ تُوپَنَاهِ مَنْ اَسْتْ
damit in meiner Schwäche und Ohnmacht Deine Gnade meine Hände in ihrer Barmherzigkeit ergreife und sich zudem das Tor Deiner Barmherzigkeit meiner Armseligkeit und Bedürftigkeit voll Mitleid öffne und mir Halt werde.
آنْ كَسْ كِه بَحْرِ بِى نِهَايَتِ رَحْمَتْ يَافْتَ اسْتْ تَكْيَه ٭ نَه كُنَدْ بَرْاِينْ جُزْءِ اِخْتِيَارِى كِه يَكْ قَطْرَه سَرَابَسْتْ
Wer immer aber das unendliche Meer der Barmherzigkeit findet, vertraut mit Sicherheit nicht auf sein kleines Stückchen persönliche Entscheidungsfreiheit, die doch nur dem Hauch einer Fata Morgana gleicht. Er lässt die (Hand der göttlichen) Barmherzigkeit nicht los, um sich (seiner eigenen Entscheidungsfreiheit) zuzuwenden.
أَيْوَاهْ اِينْ زَنْدِكَانِى هَمْ چُو خَابَسْتْ ٭ وِينْ عُمْرِ بِى بُنْيَادْ هَمْ چوُ بَادَسْتْ
Oh weh! Wir haben uns getäuscht. Wir haben dieses Leben auf der Erde für beständig angesehen. In dieser Vorstellung haben wir es so voll und ganz sinnlos verloren. Der Ablauf unseres Lebens gleicht in der Tat dem Schlaf. Wie ein Traum ist es vorübergegangen. Die kurze Spanne unseres Lebens fliegt ohne Wurzeln gleich dem Winde dahin und vergeht.
اِنْسَانْ بَزَوَالْ دُنْيَا بَفَنَا اَسْتْ آمَالْ بِى بَقَا آلاَمْ بَبَقَااَسْتْ
Ein stolzer Mensch, der allein auf sich selbst vertraut und sich für ewig (und unsterblich) hält, ist zu seinem Verderben verurteilt.
Rasch eilt er ihm entgegen. Was die Welt betrifft, die das Haus des Menschen ist, so stürzt sie hinunter in die Finsternis des Nichtseins. Die Hoffnungen sind nicht immerwährend, die Leiden im Geist aber bleiben ewig.
بِيَا اَىْ نَفْسِ نَا فَرْجَامْ وُجُودِ فَانِى خُودْرَا فَدَا كُنْ ٭ خَالِقِ خُودْرَا كِه اِينْ هَسْتِى وَدِيعَه هَسْتْ
Da dies nun einmal tatsächlich so ist, komm also nun, oh du meine unglückselige Seele, die du so nach dem Leben begehrst, nach einem langen Leben verlangst, so sehr in diese Welt verliebt, von grenzenlosen Hoffnungen erfüllt und doch von so zahllosen Leiden betroffen bist! Wach auf und such deinen Verstand zusammen! Ein Leuchtkäfer vertraut auf seine eigene Leuchtkraft und bleibt in der grenzenlosen Finsternis der Nacht. Die Honigbiene, weil sie nicht allein auf sich selbst vertraut, findet den Tag und das Sonnenlicht. Sie bezeugt, wie alle Blumen, ihre Freundinnen, vom Lichte der Sonne vergoldet werden. Genauso wirst auch du, wenn du dich auf dich selbst, dein eigenes Dasein und dein Ego stützt, dem Leuchtkäfer gleich. Wenn du aber dein vergängliches Dasein dahin gibst, um des Schöpfers Willen, der dir dieses Dasein geliehen hat, gleichst du der Honigbiene. Du findest das grenzenlose Licht des Seins. Gib es dahin und opfere es auf! Denn dein Dasein ist ein Pfand, das dir anvertraut ist.
وَمُلْكِ اُو وَاُودَادَه فَنَا كُنْ تَا بَقَا يَابَدْ ٭ اَزْاَنْ سِرِّى كِه نَفْىِ النَفْى اِثْبَاتَ سْتْ
Es ist ja sowieso Sein Eigentum. Er hat es ja dir gegeben. Darum verzichte darauf und opfere es, ohne einen Anspruch darauf zu erheben und ohne zu zögern, damit es dir erhalten bleibe. Denn: Eine Verneinung zu verneinen gilt als Beweis. Das heißt: Wenn das, was es nicht
gibt, zunichte wird, dann gibt es das. Nachdem das, was es nicht gibt, zunichte geworden ist, gibt es dies.
خُدَاىِ پُرْ كَرَمْ خُودْ مُلْكِ خُودْرَا مِى خَرَدْ اَزْتُو ٭ بَهَاىِ بِى گِرَانْ دَادَه بَرَاىِ تُو نِگَاهْ دَارَاسْتْ
Der gastfreundliche Schöpfer kauft von dir Sein eigenes Gut. Er gibt dafür das Paradies als einen hohen Preis. Zudem bewahrt Er dieses Gut bestens für dich auf. Er lässt dessen Wert noch steigen. Und Er wird es dir (in einer neuen) Form wieder zurückgeben, die sowohl beständig als auch vollkommenen ist. Daher oh meine Seele, zögere keinen Augenblick! Schließe dieses Geschäft ab, das dir einen fünffachen Gewinn erbringt, so dass du dich vor einem fünffachen Verlust rettest und einen fünffachen Profit erlangst.
* * *
﴿بِسْمِ اللّٰهِ الرَّحْمٰنِ الرَّح۪يمِ﴾
﴿فَلَمَّٓا اَفَلَ قَالَ لآَ اُحِبُّ الْاٰفِل۪ينَ﴾
Das Leitmotiv ﴿لآَ اُحِبُّ الْاٰفِل۪ينَ﴾ {"Ich liebe nicht die, welche untergehen."} das von Abraham, mit dem Friede sei, stammt und den Untergang und den Tod des Alls verkündet, brachte mich zum Weinen.
فَصَبَّتْ عَيْنُ قَلْبِى قَطَرَاتٍ بَاكِيَاتٍ مِنْ شُؤُنِ اللّٰهِ
Darum weinte das Auge meines Herzens, vergoss es Tränen. So wie das Auge meines Herzens weinte, so wurde auch jede von mir vergossene Träne davon berührt. Sie wurde geweint, so als weinte sie selbst. Solche Tränen sind folgende persische Sätze:
لِتَفْسِيرِ كَلاَمٍ مِنْ حَكِيمٍ اَىْ نَبِىٍّ فِى كَلاَمِ اللّٰهِ
Also sind diese Tränen eine Art Kommentar (tefthir)zu Worten, die sich im Wort Gottes finden und die der Weise von Gott verkündet, als dessen Gesandter und Prophet.
نَمِى زِ يبَاسْتْ اُفُولْدَه گُمْ شُدَنْ مَحْبُوبْ
Es ist nicht gut, wenn der Geliebte untergeht und so verschwindet. Denn wer zum Untergang verurteilt ist, kann nicht der wahrhaft Gute sein. Mit einem Herzen, das geschaffen
wurde, den Ewigen zu lieben und ein Spiegel des Einzigartigen (Samed)zu sein, darf und kann man (ihn) nicht lieben.
نَمِى اَرْزَدْ غُرُوبْدَه غَيْبْ شُدَنْ مَطْلُوبْ
Ein Wunsch, der dazu verurteilt ist, unterzugehen und somit zu verschwinden, ist es nicht wert, dass man sein Herz an ihn hängt und seine Gedanken an ihn verschwendet und kann nicht sein, wohin sich unsere Hoffnung wendet, verdient es nicht, dass wir ihm mit Kummer und Sorge nachtrauern. Was wäre das denn für ein Herz, das ihn verehrte und mit ihm auf Dauer verbunden wäre?
نَمِى خَواهَمْ فَنَادَه مَحْوْ شُدَنْ مَقْصُودْ
Einen Wunsch, der ob seiner Vergänglichkeit zu Grunde geht, einen solchen Wunsch möchte ich nicht. Denn ich bin (selbst) vergänglich, und möchte nicht (noch), was (auch wiederum selbst) vergänglich ist. Was sollte ich auch damit?
نَمِى خَوانَمْ زَوَالْدَه دَفْنْ شُدَنْ مَعْبُودْ
Einen Angebeteten, dem sein Untergang zum Grab wird, rufe ich nicht an und nehme keine Zuflucht zu ihm. Denn ich bin grenzenlos bedürftig und schwach. Einer, der selbst schwach ist, kann für meine so großen Schmerzen kein Heilmittel finden. Er kann mir meine ewigen Wunden nicht verbinden. Wie kann einer, der sich vor dem ewigen Untergang selbst nicht zu retten vermag, der (wahre) Angebetete sein?
عَقْلْ فَرْيَادْ م۪ى دَارَدْ نِدَاءِ ﴿لآَ اُحِبُّ الْاٰفِل۪ينَ﴾م۪ى زَنَدْ رُوحَمْ
In der Tat erhebt der Verstand, der dem Äußerlichen verhaftet ist, ein verzweifeltes Wehgeschrei, wenn er in einer
Welt voller Wirrwarr den Untergang der Dinge erlebt, die er anbetet. Und die Seele, die nach dem Ewigen Geliebten sucht, verkündet لاَ اُحِبُّ اْلاٰفِلِينَ mit lautem Schrei.
نَمِى خٰواهَمْ نَمِى خٰوانَمْ نَمِى تَابَمْ فِرٰاقِى
Ich will sie nicht, ich verlange nicht nach ihr, nein, ich kann sie nicht ertragen, eine solche Trennung.
نَمِى اَرْزَدْ مَرَاقَه إِيْن زَوَالْ دَرْ پَسْ تَلاٰقِى
Eine Begegnung, die sich durch ihr plötzliches Ende in Bitternis verkehrt, ist das Bedauern und die Besorgtheit um sie nicht wert. Es lohnt sich nicht, sich nach ihr zu sehnen. Denn so wie das Ende der Freude der Schmerz ist, so ist schon die Vorstellung vom Ende der Freude ein Schmerz. Die Gedichtbände (Divan)aller profanen Liebenden, diese poetischen Schriften nämlich, die aus Liebesliedern bestehen, sind ein Wehgeschrei, das aus dem Schmerz über die Vorstellung von ihrem Ende erwächst. Wenn du den Geist aus jedem einzelnen dieser Diwane heraus filterst, tropft leidvolle Klage aus ihnen heraus.
اَزْ آنْ دَرْد۪ى گِر۪ينِ ﴿ لآَ اُحِبُّ الْاٰفِل۪ينَ ﴾ م۪ى زَنَدْ قَلْبَمْ
So sind es also die Sorgen und Übel jener Bindungen an all die Dinge, die schon vom Untergang gezeichnet sind, und jener leidvollen Liebe, um deretwillen mein Herz wie Abraham in Traurigkeit durch لآَ اُحِبُّ اْلاٰفِلِينَ weint und schreit.
دَرْ اِيْن فَانِى بَقَاخَازِى بَقَاخِيزَدْ فَنَادَنْ
Wenn du in dieser vergänglichen Welt Beständigkeit ersehnst, so erwächst Beständigkeit aus der Vergänglichkeit. So betrachte denn deine eigenwillige Seele, damit du vergehst und so Beständigkeit erlangst.
فَنَا شُدْ هَمْ فَدَا كُنْ هَمْ عَدَمْ بِِينْ كِه اَزْ دُنْيَا بَقَايَه رَاهْ فَنَادَنْ
Befreie dich von der schlechten Gesittung, welche die Grundlage der Weltverehrung ist! Vergehe! Bringe die Dinge, die du besitzt und über die du verfügst zum Opfer um des wahren Geliebten willen. Betrachte wie alles, was da ist, doch am Ende seiner Vernichtung entgegen geht. Denn der Weg, der aus dieser vergänglichen Welt in die beständige hinüber geleitet, führt durch die Vergänglichkeit hindurch.
فِكِرْ ف۪يزَارْ م۪ى دَارَدْ اَن۪ينِ ﴿ لآَ اُحِبُّ الْاٰفِل۪ينَ ﴾ م۪ى زَنَدْ وِجْدَانْ
Die Gedanken des Menschen, in Ursachen versunken, geraten im Staunen über den fortzitternden Untergang der Welt ins Stocken und erheben ihr Wehgeschrei. Der Mensch, der in seinem Wesen nach wahrem Sein verlangt, löst sich von den weltlichen Geliebten und von allem vergänglichen Sein, indem er wie Abraham seufzend لاَ اُحِبُّ اْلاٰفِلِينَ sagt, und bindet sich so an den wahrhaft Seienden und immerwährenden Geliebten.
بِدَانْ اَىْ نَفْسِ نَادَانَمْ كِه دَرْهَرْ فَرْد اَزْ فَانِى دُو رَاهْ هَسْتْ بَا بَاقِى دُو سِرِّ جَانْ جَانَانِى
Oh du meine törichte Seele! Wisse: Die Welt und alles Sein ist zwar vergänglich, doch kannst du in jedem
vergänglichen Ding zwei Wege finden, die dich zur Beständigkeit hinführen, und zwei Funken, zwei feinsinnige Wahrheiten in der Erscheinung der Schönheit unseres immerwährenden Geliebten, unserem Leben und unserer Seele, wenn du dich nur von den vergänglichen Erscheinungen und von dir selber zu lösen vermagst.
كِه دَرْ نَعْمَتْهَا إِنْعَامْ هَسْتْ وَپَسْ اٰثَارَهَا اَسْمَا بِكِيرْ مَغْزِى وَمِيزَنْ دَرْ فَنَا آنْ قِشْرِ بِى مَعْنَا
In der Tat wird in der Gabe das Geschenk sichtbar. Die Gunst des Erbarmers lässt sich erspüren. Sobald du von der Gabe zum Geschenk durchdringst, findest du deinen Geber. Und weiter gibt jedes Kunstwerk des Einzigartigen wie ein Brief die Namen des majestätischen Schöpfers kund. Wenn du vom Ornament zu seiner tiefen Bedeutung durchdringst, findest du über die Namen zu ihrem Träger. Sobald du das Wesen dieser vergänglichen Kunstwerke, ihren inneren Kern begriffen hast, halte ihn fest, und du kannst seine bedeutungslos gewordene Schale, seine Hülle, ohne alles Bedauern in den Strom der Vergänglichkeit werfen.
بَلِى آثَارَهَا گُويَنْدْ زِاَسْمَا لَفْظِ پُرْ مَعْنَا بِخَانْ مَعْنَا وَمِيزَنْ دَرْ هَوَا آنْ لَفْظِ بِى سَوْدَا
In der Tat gibt es unter allen Kunstwerken keine Schöpfung, welche nicht die Verkörperung eines Wortes voll tiefer Bedeutung wäre, aus dem sich alle die vielen Namen des majestätischen Herrn herauslesen lassen. Da also nun einmal diese Schöpfungen gleich Worten sind, Worte der Macht, so lies denn ihre Bedeutungen aus ihnen heraus und lege sie in dein Herz. Wirf die Worte, die danach ohne ihre Bedeutung zurückbleiben, ohne zu zögern, in den Wind der Vergänglichkeit. Schaue ihnen nicht interessiert hinterdrein und kümmere dich nicht
weiter um sie.
عَقْلْ فَرْيَادْ م۪ى دَارَدْ غِيَاثِ ﴿لآَ اُحِبُّ الْاٰفِل۪ينَ﴾ م۪يزَنْ اَىْ نَفْسَمْ
Nun erhebt der weltlich orientierte Verstand, der das Äußerliche anbetet und dessen Kapital aus den Kenntnissen besteht, die innerhalb seines Horizontes liegen, erstaunt, entsetzt, verzweifelt sein Wehgeschrei, da sich die Reihenfolge seiner Gedankengänge solcherart zu Nichts und Bedeutungslosigkeit gefriert. Er sucht nach dem richtigen Weg, der hin zur Wahrheit führt. Da sich also nun einmal der Geist vor denen, die untergehen und zerfallen, seine Hand zurückzieht, auch das Herz auf einen weltlichen Geliebten verzichtet und selbst noch das Innerste sich von den vergänglichen Dingen abwendet, sollst auch du, meine hilflose Seele abweisend wie Abraham rufen لآَ اُحِبُّ اْلاٰفِلِينَ und dich retten.
چِه خُوشْ گُويَدْ اُو شَيْدَا جَامِى عَشْقِ خُوىْ
Betrachte, wie Maulana Djami, trunken vom Becher der Liebe, so schön sagt, als wäre sein Wesen von dieser Liebe durchdrungen, um den Blick von der Vielheit (der Ursachen) zur Einheit (Gottes) zu wenden: Er sagt:
يَكِى خَواهْ يَكِى خَوانْ يَكِى جُوىْ يَكِى بِينْ يَكِى دَانْ يَكِى كُوىْ
{(*): Nur diese Zeile gehört zu dem Wort von Maulana Djami.}
1- Das heißt: Erwünsche dir nur den Einen, da die anderen des Wünschens nicht wert sind.
2- Rufe nur den Einen, da die Anderen nicht zu Hilfe kommen.
3- Verlange nur nach dem Einen, da die Anderen es nicht wert sind.
4- Betrachte nur den Einen, da die Anderen nicht alle Zeit sichtbar sind, sich vielmehr hinter dem Vorhang des Verfalls verborgen halten.
5- Kenne nur den Einen, da alles andere Wissen, das nicht der Erkenntnis dient, nutzlos ist.
6- Sprich nur von dem Einen, da die Worte, die keinen Bezug zu Ihm haben, für bedeutungslos erachtet werden müssen.
نَعَمْ صَدَقْتَ اَىْ جَامِى ٭ هُوَ الْمَطْلُوبُ ٭ هُوَ الْمَحْبُوبُ ٭ هُوَ الْمَقْصُودُ ٭ هُوَ الْمَعْبوُدُ
Ja Djami, das hast du in der Tat ganz richtig gesagt. Der wahre Geliebte, der wahre Ersehnte, das wahre Ziel, der wahre Angebetete ist Er nur allein.
كِه لآَ اِلٰهَ اِلاَّ هُو بَرَابَرْ مِيذَنَدْ عَالَمْ
Denn diese Welt rezitiert in verschiedenen Zungen durch alles Sein, mit verschiedenen Gesängen, in dem großen Kreis des Gottesgedenkens (dhikr)gemeinsam لآَ اِلٰهَ اِلاَّ هُو und bezeugt die Einheit Gottes in Seiner Herrschaft (Vahdaniyet).
Das trägt auf die Wunde, die لآَ اُحِبُّ اْلاٰفِلِينَ verursacht hatte, eine Salbe auf und demonstriert anstelle des irdischen Geliebten, zu dem man die Beziehung abgebrochen hatte, den einen Geliebten, der keinen Untergang kennt.
* * *
(Als ich mich vor fünfundzwanzig Jahren auf dem Yusha-Hügel am Bosporus bereits dazu entschlossen hatte, mich aus der Welt zurückzuziehen, kamen einige von meinen ehrenwerten Freunden zu mir, um mich wieder in die Welt, meines früheren Zustandes, zurückzuholen. Ich sagte: "Bitte, geben Sie mir bis morgen Bedenkzeit! Ich möchte beten und dann die Sache beschlafen (istihare)."
Am anderen Morgen standen jene zwei Tafeln vor mir in meinem Herzen. Wie ein Gedicht. Aber es war kein Gedicht. Um diese gesegnete Erinnerung in meinem Gedächtnis zu bewahren, habe ich sie nicht verändert. Ich habe sie so bewahrt, wie sie mir eingefallen sind. Ich habe sie am Ende des 23. Wortes angefügt, doch stehen sie hier im Zusammenhang mit dem 17. Wort.)
Erste Tafel
Es ist die Tafel, die die wahre Welt der Gottvergessenen beschreibt.
Rufe mich nicht in die Welt: ich bin in ihr gewesen und habe ihre Vergänglichkeit gesehen!
Ich habe immer den Schleier der Gottvergessenheit getragen und gesehen, dass das Licht der Wahrheit verborgen ist.
Alle Dinge im Dasein sind jedes für sich schädlich und vergänglich.
Wenn du über den Körper sprichst, den ich angezogen habe: er ist nichts und hat mir nur Unglück gebracht.
Wenn du von dem Leben sprichst, das ich genossen habe: es ist Qual über Qual.
Der Verstand ist für mich wie eine Folter, denn die Ewigkeit erschien mir wie ein Unglück.
Ich habe mich für dieses irdische Leben interessiert und Vollkommenheit für nutzlos angesehen.
Arbeit erschien mir wie eine Verstellung und die Hoffnung wie ein Betrübnis.
Die Vereinigung (der Liebenden) ist zu ihrem eigenen Untergang geworden.
Das Heil habe ich als eine Krankheit angesehen.
Die Lichter sind zur Finsternis geworden. Ich habe Freunde Waisen werden sehen.
Stimmen sind Todesschreie geworden. Lebende habe ich als Tote gesehen.
Wissenschaft verkehrte sich in Verdacht. In ihrer Weisheit habe ich tausend Fehler gesehen.
Freude wurde zur Trauer. Im Dasein habe ich tausend Nichtigkeiten gesehen.
Wenn du über den Geliebten sprichst: ich habe ihn gefunden!
Ach! In der Trennung (von ihm) habe ich großen Schmerz empfunden.
Zweite Tafel
Zeigt die wahre Welt derer, die rechtgeleitet und sich der göttlichen Gegenwart bewusst sind.
Die Gottvergessenheit ist für immer vorüber und ich habe das Licht der Wahrheit ganz klar gesehen.
Das Dasein wurde selbst zum Zeugnis (für den Herrn). Siehe das Leben als einen Spiegel der Wahrheit!
Der Verstand wurde zum Schlüssel der Schatzkammer. Siehe die Vergänglichkeit als die Pforte zur Ewigkeit.
Das Strohfeuer persönlicher Vollkommenheit ist erloschen. Siehe nun die Sonne der Schönheit!
Das Leben wurde Tat. Siehe, dass die Ewigkeit das wahre Leben ist!
Finsternis wurde zur Hülle der Strahlen (der Erleuchtung). Siehe im Tode das wahre Leben!
Alle Dinge sind Freunde geworden. Siehe, dass alle Stimmen eine Erinnerung (dhikr) sind.
Siehe, dass jedes Stäubchen Sein - jedes einzelne - (des Schöpfers) gedenkt (dhikr) und (Ihn) lobpreist.
Ich habe gefunden, dass Armut eine Schatzkammer des Reichtums ist. Siehe, welche Stärke in der Schwäche liegt! Wenn du Allah gefunden hast, dann siehe, dass alle Dinge dein sind!
Wenn du Eigentum des Eigentümers allen Eigentums bist, dann siehe, dass Sein Eigentum das deine ist!
Wenn du eingebildet und dein eigener Besitzer bist, dann siehe, dass das Übel zahllos ist!
Verkoste Qualen ohne Grenze und siehe, dass das Übel unerträglich ist.
Wenn du ein wahrer Anbeter Gottes bist, der ihn kennt, dann siehe, dass dies grenzenlos reine Glückseligkeit ist!
Verkoste eine Belohnung ohne Maß und Berechnung und gehe ein in die unendliche Freude!
(Vor fünfundzwanzig Jahren las ich im Fastenmonat Ramadan nach dem Nachmittagsgebet das Gedicht mit den Schönen Namen Gottes, welches Scheich Geylani
(Gott möge sein Geheimnis heiligen) schrieb. Darauf kam mir ein Wunsch, mit den Schönen Namen Gottes ein Bittgebet zu schreiben. Damals konnte ich nur bis hierhin schreiben. Ich versuchte dem segensreichen Bittgebet mit den Namen Gottes von diesem meinem heiligen Meister eine ähnliche Nachdichtung zu Stande zu bringen. Doch oh weh! Ich hatte keine Fähigkeit für ein solches Gedicht. Ich konnte es nicht zu Stande bringen, es blieb mangelhaft. Dieses Bittgebet war schon in der Abhandlung "Die Fenster", welche der 33. Brief des 33. Wortes ist, eingereiht. In diesem Zusammenhang wird es nun hier zitiert.)
هُوَ اْلبَاقِى
حَكِيمُ اْلقَضَايَا نَحْنُ فِى قَبْضِ حُكْمِهِ ٭ هُوَ الْحَكَمُ الْعَدْلُ لَهُ اْلاَرْضُ وَالسَّمَآءُ
عَلِيمُ الْخَفَايَا وَالْغُيُوبُ فِى مُلْكِهِ ٭ هُوَ الْقَادِرُ الْقَيُّومُ لَهُ الْعَرْشُ وَالثَّرَآءُ
لَطِيفُ الْمَزَاياَ وَالنُّقُوشِ فِى صُنْعِهِ ٭ هُوَ الْفاَطِرُ الْوَدُودُ لَهُ الْحُسْنُ وَالْبَهَآءُ
جَلِيلُ الْمَرَايَا وَالشُّؤُونُ فِى خَلْقِهِ ٭ هُوَ الْمَلِكُ الْقُدُّوسُ لَهُ الْعِزُّ وَالْكِبْرِيَآءُ
بَدِيعُ الْبَرَايَا نَحْنُ مِنْ نَقْشِ صُنْعِهِ ٭ هُوَ الدَّآئِمُ الْباَقِى لَهُ الْمُلْكُ وَالْبَقَآءُ
كَرِيمُ الْعَطَايَا نَحْنُ مِنْ رَكْبِ ضَيْفِهِ ٭ هُوَ الرَّزَّاقُ الْكَافِى لَهُ الْحَمْدُ وَالثَّنَآءُ
جَمِيلُ الْهَدَايَا نَحْنُ مِنْ نَسْجِ عِلْمِهِ ٭ هُوَ الْخَالِقُ الْوَافِى لَهُ الْجُودُ وَالْعَطَآءُ
سَمِيعُ الشَّكَايَا وَالدُّعَآءِ لِخَلْقِهِ ٭ هُوَ الرَّاحِمُ الشَّافِى لَهُ الشُّكْر ُوَالثَّنَآءُ
غَفُورُ الْخَطَايَا وَالذُّنُوبُ لِعَبْدِهِ ٭ هُوَ الْغَفَّارُ الرَّحِيمُ لَهُ الْعَفْوُ وَالرِّضَآءُ
{"Er ist der Beständige.
Er ist der allweise Richter über alle Dinge. Wir unterstehen Seinem Urteilsspruch.
Er ist der gerechte Richter. Ihm unterstehen die Himmel und die Erde.
Er kennt alle Geheimnisse und alles Verborgene in Seinem Reiche. Er ist der Allmächtige, Unwandelbare. Sein Thron ist über dem Erhabenen und über dem Niedrigen.
Alle Tiefe, Feinheit und Schönheit liegt in Seiner Kunst. Er ist der Schöpfer und der Freund. Sein ist alle Schönheit und aller Glanz.
Er ist der Ruhmreiche, dessen Eigenschaften sich in Seiner Schöpfung spiegeln. Er ist der König, der Heilige. Sein ist die Macht und alle Größe. Er ist der Einzigartige über allen Geschöpfen, wir der Schmuck Seines Herzens. Er ist der Ewige, der allzeit Beständige. Sein ist das Reich und die Ewigkeit.
Er ist der großmütige Geber aller guten Gaben und wir in der Karawane Seine Gäste. Er ist der Versorger, der allem genügt und Sein ist aller Lob und Preis.
Er ist der Geber voll Schönheit, wir das Gewebe Seiner Allwissenheit. Er ist der Schöpfer in reichen Maßen, der Schenker, der gibt, ohne zu berechnen.
Er ist der Allhörende aller Klagen und Gebete Seiner Geschöpfe. Er ist der Allbarmherzige und Allheilende. Ihm gebührt aller Lobpreis und Dank.
Er verzeiht die Fehler und Sünden Seiner Diener. Er ist der Verzeihende, der Vergebende, der Allerbarmer. Sein ist die Verzeihung und das Wohlgefallen."}
Oh meine Seele! Weine wie mein Herz, rufe aus und sage:
"Ich bin vergänglich und wünsche nicht den, der vergänglich ist. Ich bin schwach, und wünsche nicht den, der schwach ist. Meinen Geist habe ich dem Erbarmer (Rahman)übergeben, ich wünsche nichts anderes. Ich wünsche, doch wünsche ich einen ewig bleibenden Geliebten. Ich bin zwar nur ein Stäubchen, doch verlange ich nach einer immerwährenden Sonne. Ich bin zwar nichts im Nichts, doch wünsche ich dies alles, was da ist."
Früchte von Tannen und Lärchen, Wacholder und Pappel auf der Alm von Barla.
Das Kapitel wurde in bezug auf dieses Thema hier eingefügt. Es ist ein Teil des Ersten Briefes.
Einmal, als ich in meiner Gefangenschaft auf dem Berg staunend Bäume von gewaltig großem Wuchs, wie Tannen, Lärchen und Wacholder betrachtete, begann ein sehr feiner Wind zu wehen. Da wandelte sich dieses Bild in eine überaus schöne und prächtige Szene voll heiterer Tanzbewegungen und in ein Bild ekstatischer Lobpreisungen, und das vergnügliche Zuschauen in eine Betrachtung von einem Lehrbeispiel, in ein Hören mit Weisheit. Auf einmal fiel mir der folgende kurdische Satz von Ahmet Djizri ein.
هَرْكَسْ بِتَمَاشَاگَهِ حُسْنَاتَه زِهَرْ جَاىْ تَشْب۪يهِ نِگَارَانْ بِجَمَالاَتَه دِنَازِنْ
Um diesen Lehrbeispielen Ausdruck zu verleihen, klagte mir mein Herz so:
يَا رَبْ هَرْ حَىْ بِتَمَاشَاگَهِ صُنْعِ تُو زِهَرْجَاىْ بَتَاز۪ى ٭ زِنِش۪يبُ اَزْ فِرَاز۪ى مَانَنْدِ دَلاَّلاَنْ بِنِدَاءِ بِآوَاز۪ى ٭ دَمْ دَمْ زِجَمَالِ نَقْشِ تُو دَرْ رَقْصْ بَاز۪ى ٭ زِكَمَالِ صُنْعِ تُو خُوشْ خُوشْ بِگَاز۪ى ٭ زِش۪ير۪ين۪ى آوَازِ خُودْ هَىْ هَىْ دِنَاز۪ى ٭ اَزْوَىْ رَقْصَ آمَدْ جَذْبَه خَاز۪ى ٭ اَزْي۪نْ آثَارِ رَحْمَتْ يَافْتْ هَرْ حَىْ دَرْسِ تَسْب۪يحُ نَمَاز۪ى ٭ اِيسْتَادَسْتْ هَرْ يَك۪ى بَرْ سَنْگِ بَالاَ سَرْفِرَاز۪ى ٭ دِرَازْ كَرْدَسْتْ دَسْتْهَارَا بَدَرْگَاهِ اِلٰهِى هَمْ چُو شَهْبَازِى ٭ بِجُنْبِيدَسْتْ زُلْفْهَارَا بَشَوْقْ اَنْگِيزِ شَهْنَاز۪ى ٭ بَبَالاَ م۪يزَنَنْدْ اَزْ پَرْدَه هَاىِ هَاىِ هُوىِ عِشْقْ بَاز۪ى ٭ م۪يدِهَدْ هُوشَه گِر۪ينْهَاىِ دَرِينْهَاىِ زَوَال۪ى اَزْ حُبِّ مَجَاز۪ى ٭ بَرْ سَرِ مَحْمُودْهَا نَغْمَهَاىِ حُزْنْ اَنْگ۪يزِ اَيَاز۪ى
مُرْدَهَارَا نَغْمَهَاىِ اَزَل۪ى اَزْ حُزْنْ اَنْگ۪يزِ نَوَاز۪ى ٭ رُوحَه م۪ى آيَدْ اَزُو زَمْزَمَهءِ نَازُ نِيَاز۪ى ٭ قَلْبْ م۪يخَوانَدْ اَز۪ينْ آيَاتْهَا سِرِّ تَوْح۪يدْ زِعُلُوِّ نَظْمِ اِعْجَاز۪ى ٭ نَفْسْ م۪يخَواهَدْ دَرْ ا۪ينْ وَلْوَلَهَا زَلْزَلَهَا ذَوْقِ بَاق۪ى دَرْ فَنَاىِ دُنْيَا بَاز۪ى ٭ عَقْلْ م۪يب۪ينَدْ اَز۪ينْ زَمْزَمَهَا دَمْدَمَهَا نَظْمِ خِلْقَتْ نَقْشِ حِكْمَتْ كَنْزِ رَاز۪ى ٭ آرْزُو مِيدَارَدْ هَوَا اَز۪ينْ هَمْهَمَهَا هَوْهَوَهَا مَرْگِ خُودْ دَرْ تَرْكِ اَذْوَاقِ مَجَاز۪ى ٭ خَيَالْ ب۪ينَدْ اَز۪ينْ اَشْجَارْ مَلاَئِكْ رَا جَسَدْ آمَدْ سَمَاو۪ى بَاهَزَارَانْ نَىْ ٭ اَز۪ينْ نَيْهَا شُن۪يدَتْ هُوشْ سِتَايِشْهَاىِ ذَاتِ حَىْ ٭ وَرَقْهَارَا زَبَانْ دَارَنْدْ هَمَه هُو هُو ذِكْرْ آرَنْدْ بَدَرْ مَعْنَاىِ حَىُّ حَىْ ٭ چُو لآَ اِلٰهَ اِلاَّ هُو بَرَابَرْ م۪يزَنَدْ هَرْ شَىْ ٭ دَمَادَمْ جُويَدَنْدْ يَا حَقْ سَرَاسَرْ گُويَدَنْدْ يَا حَىْ بَرَابَرْ م۪يزَنَنْدْ اَللّٰهْ ٭ فَيَا حَىُّ يَا قَيُّومُ بِحَقِّ اِسْمِ حَىِّ قَيُّومِ ٭ حَيَات۪ى دِهْ بَاِينْ قَلْبِ پَر۪يشَانْ رَا اِسْتِقَامَتْ دِهْ بَا۪ينْ عَقْلِ مُشَوَّشْ رَا آمِينْ
Die Bedeutungen der auf persisch geschriebenen Verse über die Früchte von Tannen und Lärchen, Wacholder und Pappel auf der hügeligen Alm von Barla:
هَرْكَسْ بِتَمَاشَاگَهِ حُسْنَاتَه زِهَرْ جَاىْ تَشْب۪يهِ نِگَارَانْ بِجَمَالاَتَه دِنَازِنْ
kam mir in Erinnerung. Mein Herz klagte dabei, um diesen Lehrbeispielen Ausdruck zu verleihen, so:
Das heißt: Zu Deinem Schauspiel, Deiner Schönheit ist jeder von allen Orten herbei gelaufen. Um Deine Schönheit werben sie alle.
يَا رَبْ هَرْ حَىْ بِتَمَاشَاگَهِ صُنْعِ تُو زِهَرْجَاىْ بَتَاز۪ى
Alles, was lebt, tritt von allen Orten heraus und betrachtet.
Dein Schauspiel, das Antlitz der Erde, welches Dein Kunstwerk ist.
زِنِش۪يبُ اَزْ فِرَاز۪ى مَانَنْدِ دَلاَّلاَنْ بِنِدَاءِ بِآوَاز۪ى
Von unten, von oben kommen sie heraus und rufen laut gleich wie ein öffentlicher Ausrufer.
دَمْ دَمْ زِجَمَالِ نَقْشِ تُو ﴿نُسْخَه: زِهَوَاىِ شَوْقِ تُو﴾ دَرْ رَقْص بَاز۪ى
In der Schönheit ihres Schmuckes spielen die Bäume, diese öffentlichen Ausrufer, wie ausgelassen fröhlich.
زِكَمَالِ صُنْعِ تُو خُوشْ خُوشْ بِگَاز۪ى
Über die Vollkommenheit Deiner Kunstwerke freuen sie sich, rauschen in leisem Sang und brausen mit gewaltigem Klang.
زِش۪ير۪ين۪ى آوَازِ خُودْ هَىْ هَىْ دِنَاز۪ى
Es ist, als versetzte sie die Zartheit ihres Gesanges in Freude und schmückte sie in Anmut und Schönheit.
اَزْوَىْ رَقْصَه آمَدْ جَذْبَه خَاز۪ى
So ist es also, dass die Bäume zu tanzen beginnen und höchstes Entzücken ersehnen.
اَز۪ينْ آثَارِ رَحْمَتْ يَافْتْ هَرْ حَىْ دَرْسِ تَسْب۪يحُ نَمَاز۪ى
Es sind diese Kunstwerke göttlicher Barmherzigkeit, durch die ein jegliches Lebewesen seine ihm gemäße Unterweisung in Lobpreis und Anbetung empfängt.
اِيسْتَادَسْتْ هَرْ يَك۪ى بَرْ سَنْگِ بَالاَ سَرْفِرَاز۪ى
Nachdem sie ihre Unterweisung empfangen haben, stehen alle diese Bäume hoch über den Felsen, ihre Wipfel zum Throne (Gottes) erhoben.
دِرَازْ كَرْدَسْتْ دَسْتْهَارَا بَدَرْگَاهِ اِلٰه۪ى هَمْ چُو شَهْبَاز۪ى
Jeder Einzelne erhebt sich wie Shehbaz-i Qalender
{(*): Shehbaz-i Qalender ist ein berühmter Held, der sich durch die Unterweisung von Scheich Geylani zur Schwelle Gottes wandte und zur Stufe der Gottesfreundschaft gelangte.}
und reckt in prachtvoller Haltung seine viel hundert Hände an der Schwelle Gottes anbetend empor.
بِجُنْب۪يدَسْتْ زُلْفْهَارَا بَشَوْقْ اَنْگ۪يزِ شَهْنَاز۪ى
{(*): Shehbaz-i Tjelkezi ist eine Weltschönheit mit einem vierzig mal lang geflochtenem Zopf.}
Sie bewegen ihre kleinen Zweige, die ihre Locken sind, und zeigen damit den Zuschauern ihre große Begeisterung und hohe Freude.
بَبَالاَ م۪يزَنَنْدْ اَزْ پَرْدَه هَاىِ هَاىِ هُوىِ عِشْقْ بَاز۪ى
Sie bringen in den Szenen des Schauspiels Klänge der Liebe hervor, die bis zu den feinsten Seiten und Empfindungen reichen.
{(Zitat): Dieses Zitat betrifft die Wacholdersträucher auf dem Friedhof:
بَبَالاَ م۪يزَنَنْدْ اَزْ پَرْدَه هَاىِ هَاىِ هُوىِ چَرْخِ بَاز۪ى ٭ مُرْدَهَارَا نَغْمَهَاىِ اَزَل۪ى اَزْ حُزْنْ اَنْگ۪يزِ نَوَاز۪ى
}
م۪يدِهَدْ هُوشَه گِر۪ينْهَاىِ دَرِينْهَاىِ زَوَال۪ى اَزْ حُبِّ مَجَاز۪ى
Aus dieser Situation heraus kommt ein Gedanke mit folgender Bedeutung auf: Das Weinen, das aus dem Schmerz über das Ende aller diesseitigen Liebe her rührt, gemahnt an diese tiefsten Tiefen seines Jammers.
بَرْ سَرِ مَحْمُودْهَا نَغْمَهَاىِ حُزْنْ اَنْگ۪يزِ اَيَاز۪ى
Sie lassen den Klang eines Tones hören, wie dem trauriger Liebhaber über den Häuptern aller Liebenden, der Mahmuds, also derer, die - wie Sultan Mahmud - von ihren Geliebten getrennt leben.
مُرْدَهَارَا نَغْمَهَاىِ اَزَل۪ى اَزْ حُزْنْ اَنْگ۪يزِ نَوَاز۪ى
Es scheint, als hätten sie den Auftrag, den Verstorbenen, die abgeschnitten sind vom Hören weltlicher Klänge und Worte, mit ihren Trauer einflößenden Klängen die ewigen Melodien erneut wieder zu Gehör zu bringen.
رُوحَه م۪ى آيَدْ اَزُو زَمْزَمَهءِ نَازُ نِيَاز۪ى
Was aber (meine) Seele (ruh)betrifft, so hat sie auf Grund dieser Szene folgendes verstanden: Sie vernimmt in den Dingen (: den Wachholdersträuchern), das Gemurmel ihrer Bittgebete, mit denen sie auf die Erscheinungen der Namen des majestätischen Schöpfers mit Lobpreisungen entgegnen.
قَلْبْ م۪يخَوانَدْ اَز۪ينْ آيَاتْهَا سِرِّ تَوْح۪يدْ زِعُلُوِّ نَظْمِ اِعْجَاز۪ى
Was aber (mein) Herz betrifft, so liest es aus dem wunderbaren Anblick erhabener Wohlgestaltung der Bäume,
von denen jeder einzelne einem Vers gleicht, der Gestalt angenommen hat, das Geheimnis der Einheit Gottes heraus. Das heißt: Bei ihrer Erschaffung war eine so wunderbare Wohlordnung, eine solche Kunstfertigkeit und Weisheit am Werk, dass alle Ursachen der Welt, könnten sie nach eigener freier Entscheidung gemeinsam handeln, sie diese nicht nachahmen könnten.
نَفْسْ م۪يخَواهَدْ دَرْ ا۪ينْ وَلْوَلَهَا زَلْزَلَهَا ذَوْقِ بَاقِى دَرْ فَنَاىِ دُنْيَا بَاز۪ى
Was aber die Seele (nefs)betrifft, so sucht sie in Anbetracht dieser Szene nach einer ewigbleibenden Freude und es ist ihr, als würde die ganze Erde im Beben der Trennung unter lautem Wehgeschrei hin und her geschleudert. So enthüllt sich ihr der Sinn des Wortes: "Du wirst sie finden, wenn du aufhörst, diese Welt anzubeten."
عَقْلْ م۪يب۪ينَدْ اَز۪ينْ زَمْزَمَهَا دَمْدَمَهَا نَظْمِ خِلْقَتْ نَقْشِ حِكْمَتْ كَنْزِ رَاز۪ى
Was aber den Verstand betrifft, so findet er im Raunen der Tiere und im Rauschen der Bäume, in der Erwiderung durch die Pflanzen und durch die Luft die überaus sinnvolle Wohlgeordnetheit der Schöpfung, den Schmuck der Weisheit und die Schatzkammer feinsinniger Wahrheiten. Er versteht, wie in vielerlei Hinsicht alle Dinge die Majestät des Schöpfers lobpreisen.
آرْزُو م۪يدَارَدْ هَوَا اَز۪ينْ هَمْهَمَهَا هَوْهَوَهَا مَرْگِ خُودْ دَرْ تَرْكِ اَذْوَاقِ مَجَاز۪ى
Was aber die Seele in all ihrer Sinnenhaftigkeit (heva-yi nefs)betrifft, so wird sie durch das Säuseln des Windes und das Rauschen der Blätter mit einer Freude erfüllt, die sie alle weltlichen Vergnügen vergessen lässt. So gibt sie die irdischen Freuden auf, die das Sinnenleben der Seele darstellen, und möchte vor Freude an der Wahrheit schier vergehen.
خَيَالْ ب۪ينَدْ اَز۪ينْ اَشْجَارْ مَلاَئِكْ رَا جَسَدْ آمَدْ سَمَاو۪ى بَاهَزَارَانْ نَىْ
Was aber die Phantasie (hayal)betrifft, so erscheint es ihr, als ob in die Bäume deren Engel eingegangen und in ihnen Gestalt angenommen hätten, als wären die Bäume deren Kleider und Flöten die an ihren Ästen befestigten Zweige. Es ist, als habe der immerwährende König sie so bekleidet für eine prächtige Parade, mit dem Klang von tausend Flöten, so dass diese Bäume nicht ein lebloser, bewusstloser Körper sind, vielmehr in sich eine durchaus bewusste und sinnvolle Haltung zum Ausdruck bringen.
اَز۪ينْ نَيْهَا شُن۪يدَتْ هُوشْ سِتَايِشْهَاىِ ذَاتِ حَىْ
Siehe, so ertönen denn diese Flöten so rein und eindringlich, als gehörten sie zu einem erhabenen, himmlischen Orchester. (Meine) innere Wahrnehmung (fikir)vernimmt nicht im Klange der Flöten, gleich all den großen Liebenden, besonders aber Maulana Djelaleddin Rumi die leidvolle Klage der Trennung. Vielmehr vernimmt sie die Danksagungen, die dem Erbarmer gebühren, und die Lobpreisungen, die dem Herrn gehören, die dem Herrn, dem Lebendigen, dem Aus-sich-selbst-heraus-bestehenden dargeboten werden.
وَرَقْهَارَا زَبَانْ دَارَنْدْ هَمَه هُو هُو ذِكْرْ آرَنْدْ بَدَرْ مَعْنَاىِ حَىُّ حَىْ
Da also nun die Bäume alle jeweils ein Leib und alle ihre Blätter Zungen geworden sind, rezitieren sie wie mit tausend Zungen im Hauch des Windes: "Hu, Hu"(Er, Er), das Gottesgedenken (dhikr).In ihrem Gruß und Segenswünschen, die sie durch ihr Leben darbringen, machen sie bekannt, dass ihr Meister der Lebendige und der Aus-sich-selbst-heraus-bestehende ist.
چُو لآَ اِلٰهَ اِلاَّ هُو بَرَابَرْ م۪يزَنَدْ هَرْ شَىْ
Denn indem alle Dinge gemeinsam sagen:
لآَ اِلٰهَ اِلاَّ هُو
{"Es gibt keine Gottheit außer Ihm."}
sind sie in dem gewaltigen Kreis der Dhikrfeier des Kosmos tätig.
دَمَادَمْ جُويَدَنْدْ يَا حَقْ سَرَاسَرْ گُويَدَنْدْ يَا حَىْ بَرَابَرْ م۪يزَنَنْدْ اَللّٰهْ
Zu allen Zeiten wünschen sie sich der Sprache ihrer Begabungen entsprechend aus der Schatzkammer der Barmherzigkeit Gottes des Gerechten das Recht zu Leben, indem sie "Ya Haqq!"(Oh Gerechter!) ausrufen. Von oben bis unten von Leben erfüllt zu sein ist ihre Sprache, in der sie den Namen "Ya Hayy!"(Oh Lebendiger!) rezitieren.
فَيَا حَىُّ يَا قَيُّومُ بِحَقِّ اِسْمِ حَىِّ قَيُّومِ
حَيَات۪ى دِهْ بَاِينْ قَلْبِ پَر۪يشَانْ رَا اِسْتِقَامَتْ دِهْ بَا۪ينْ عَقْلِ مُشَوَّشْ رَا آمِينْ
{"Oh Lebendiger! Oh Unwandelbarer! Um der Ehre Deiner Namen, Lebendiger, Unwandelbarer willen schenke Leben dem Herzen dessen, der im Elend ist, und Rechtleitung dem Geiste dessen, der den Weg (zu Dir) verloren hat! Amen"}
(Einmal, betrachtete ich das Antlitz des Himmels von einer hohen Stelle auf dem Tannenberg bei Barla aus bei Nacht. Die folgenden Abschnitte sind mir plötzlich eingefallen. Sie sind geschrieben, als hörte ich die Worte der Sterne in der Sprache ihres Zustandes: Da ich für Poesie und Dichtung nicht begabt bin, reimen sie sich nicht. Sie sind so geschrieben, wie sie mir eingefallen sind. Von dem "Vierten Brief" und dem "Ersten Kapitel" des "32. Wortes" sind sie hierher gebracht.)
Lausche der Sterne Gesang, ihrer berauschenden Predigt (hutbe).
Entnimm ihrer leuchtenden Schrift die Weisheit, die sie verkündigt! Gekommen sind sie und sagen, alle gemeinsam ein Ausdruck der Wahrheit:
"Wir sind das strahlende Zeugnis des großartigen Königreiches einer allmächtigen Majestät.
Wir sind dafür Zeugen, dass es einen Meister gibt in Seiner Einheit und in Seiner Kraft.
Den Engeln gleich betrachten wir vom Himmel herab die Erde, schauen das Antlitz der Erde,
voll tiefer und feinsinniger Wunder, halten stets das Paradies auch im Blick.
Tausende aufmerksamer Augen sind wir des Himmels.
{(*): Das heißt: So wie die Engel in den himmlischen Welten diese staunenserregenden Wunder der Macht, diese Blumen des Paradieses in den Gärten und auf den Feldern unserer Erde betrachten, so betrachten auch die Sterne, welche am Himmel die Augen sind, den Engeln gleich, die feinsinnigen Kunstwerke hier auf Erden, schauen in die Welt des Paradieses und erblicken dort die wundervollen unvergänglichen Urbilder jener vergänglichen Abbilder. Sie betrachten zu gleicher Zeit Himmel und Erde; das heißt, sie haben den Blick beider Welten.}
Es wuchs der Tuba-Baum der Schöpfung und seine Äste strecken sich durch einen Spalt der Himmel und seine Zweige bilden die Milchstraße.
Schönheit und Majestät heißt die Hand der göttlichen Weisheit, die uns daran aufgehängt hat als seine wundervollen Früchte.
Für die Bewohner des Himmels sind wir eine wandelnde Moschee,
ein Haus, das seine Kreise zieht und ein erhabenes Nest,
ein strahlender Leuchter, ein gewaltiges Schiff;
Flugzeugen gleich sind wir alle und ein jeder von uns.
Eines Allmächtigen in Seiner Vollkommenheit, eines Allweisen in Seiner Majestät
wunderbare Kraft und staunenserregendes Kunstwerk Seiner Schöpfung,
ein Kleinod Seiner Weisheit und Ingenium Seiner Schöpfung,
eine Welt voller Licht sind wir, jeder von uns aus Licht eine Welt.
So zeigen wir mit hunderttausenden von Zungen hunderttausende Beweise,
lassen sie vernehmlich werden dem Menschen, der ein Mensch ist.
Mit Blindheit geschlagen das Auge der Gottlosen, vermag es nicht mehr zu schauen unser Antlitz
und vernimmt er unsere Stimme nicht. Doch sind wir die Zeichen, die Wahrheit verkünden.
Eines ist unsere Prägung, eines unser Siegel.
Immerwährend wiederholen wir den Lobpreis unseres Herrn, wir seine Diener
gedenken Seines Namens, Ihn verehrend alle Zeit.
In Ihm versunken reihen wir uns ein als die Glieder in der endlosen Milchstraße Band."
So habe ich sie in meiner Vorstellung gehört.
Achtzehntes Wort
Dieses Wort besteht aus zwei Kapiteln. (Das zweite Kapitel wurde noch nicht geschrieben. Das erste Kapitel besteht aus drei Punkten.)
Erster Punkt:
بِسْمِ اللَّهِ الرَّحْمَنِ الرَّحِيمِ ٭ لاَ تَحْسَبَنَّ الَّذِينَ يَفْرَحُونَ ِبمَآ اَتَوْا وَيُحِبُّونَ اَنْ يُحْمَدُوا بِمَا لَمْ يَفْعَلُوا فَلاَ تَحْسَبَنَّهُمْ بِمَفَازَةٍ مِنَ الْعَذَابِ وَلَهُمْ عَذَابٌ اَلِيمٌ
{"Im Namen Gottes, des Erbarmers, des Allbarmherzigen. Denke nicht, dass diejenigen, die sich über das freuen, was sie getan haben und gelobt werden möchten für das, was sie nicht getan haben, denke nicht, dass sie ihrer Strafe entgehen werden; denn ihrer ist eine schmerzhafte Strafe." (Sure 3, 188)}
Der Selbstsucht, die mich treibt (nefsu l-emmare)ein Schlag ins Gesicht:
Oh du meine Seele (nefs),die du dich für den Ruhm begeisterst, in dein Ansehen vernarrt, nach Lob süchtig und von deinem Hochmut so beispiellos betäubt bist! Wenn ein winziges Samenkörnchen, Ursprung eines Feigenbaumes, der Tausende von Früchten hervorbringt, und wenn ein schwarzer, vertrockneter Weinstock, an dem hundert Trauben hängen und der diese Beeren, diese Trauben als sein eigenes Kunstwerk betrachtet, nun berechtigter Weise die Forderung erhöbe, dass diejenigen, die aus ihnen ihren Nutzen ziehen, diesen Weinstock, dieses Samenkörnchen loben und verehren sollten, dann hättest auch du vielleicht das Recht, stolz zu sein auf die Geschenke (ni'met),die du zu tragen erhalten hast, und dich ihrer zu rühmen. Denn eigentlich hast du ja nichts als nur Tadel verdient. Denn du gleichst ja
nicht diesem Samenkörnchen, diesem Weinstock. Da du einen Bruchteil freien Willens hast, verringerst du die Werte dieser Gnadengeschenke durch deinen Stolz.
{D.h.: wenn du deine Leistung in Dankbarkeit als Gottes Gnade annimmst, behält sie ihren vollen göttlichen Wert. Erklärst du sie stolz als deine eigene Leistung, hat sie keinen Wert. (A.d.Ü.)}
Durch deinen Hochmut zerstörst du sie, durch deine Undankbarkeit machst du sie zunichte. Du raubst sie dadurch, dass du sie in Besitz nimmst. Es ist nicht deine Aufgabe, dich zu rühmen, sondern zu danken. Dir gemäß ist nicht Stolz, sondern Bescheidenheit und Demut. Du verdienst nicht Lob sondern Reue und Vergebung. Deine Vollendung liegt nicht darin, dich selbst in den Mittelpunkt zu stellen, sondern in Gottes Rechtleitung (huda)zu sehen.
Du, meine Seele, bist in meinem Körper eigentlich das, was die Natur im Kosmos ist (: die Seele des Weltalls). Ihr seid beide (: die eigene Seele und die des Alls) dazu geschaffen, das Gute (als Gnadengeschenk) anzunehmen und das Schlechte euch selbst zuzuschreiben. Das heißt: ihr seid nicht der Handelnde oder der Ursprung des Geschehens, sondern das Subjekt und der Ort an dem es sich vollzieht. Es hat da lediglich eine Einwirkung stattgefunden. Sogar das Gute, das aus dem vollendeten Guten entspringt, wird zur Ursache des Bösen, wenn ihr es nicht auf eine schöne Weise annehmt.
Des Weiteren seid ihr als je ein Schleier (vor dem Antlitz Gottes) erschaffen worden, damit die scheinbaren Unschönheiten, deren (wahre) Schönheit unsichtbar ist, euch zugeschrieben werden und Gott in Seiner Heiligkeit (muqaddes)vor Anklagen bewahrt bleibt. Denn die Form, mit der ihr euch bekleidet habt, befindet sich ganz und gar im Gegensatz zu eurer naturgemäßen Aufgabe. In eurer Unfähigkeit verwandelt ihr nicht nur Gutes in Böses, nein, ihr tut auch noch so, als wolltet ihr euch zum Teilhaber des Schöpfers machen. Das heißt: Wer sich selbst überhebt und wer die Natur anbetet, ist überaus
dumm und grenzenlos ungerecht (gegenüber seinem Schöpfer).
Des Weiteren sage nicht: "Ich bin wie eine Darstellung. Wo Schönheit sich darstellt, dort verschönert sie auch." Denn da du dich nicht verwandeln kannst (z.B. Ton in einen Topf, der seine Gestalt bewahrt), kannst du auch nichts darstellen. Du gleichst einem Kanal (der nur als Mittler dient und nichts behält).
Des Weiteren sage nicht: "Ich bin aus meinem Volk auserwählt. Ich bin es, der diese Früchte den Anderen zeigt. Das heißt: Ich genieße einen Vorzug vor den anderen." Nein, Gott bewahre! Vielmehr sind sie dir zuerst und vor allen Anderen gegeben worden. Da du mehr als alle Anderen arm, elend und bedürftig warst, sind sie dir zuerst in die Hände gegeben worden.
{(*): Ich habe mich in der Tat sehr darüber gefreut, dass der "Neue Said (Yeni Said)" in diesem Zwiegespräch seine Seele (nefs) in einem solchen Grade zum Schweigen und zum Verstummen gebracht hat und habe (zu ihm) "Gott segne dich tausend Mal!" gesagt.}
Zweiter Punkt:
اَحْسَنَ كُلَّ شَيْءٍ خَلَقَهُ
{"Er hat alles, was Er geschaffen hat, sehr gut (ahsan) gemacht." (32,7)}
Dieser Punkt dient zur Erklärung eines der Geheimnisse dieser Ayah. Es ist dies wie folgt:
Alle Dinge, sogar diejenigen Dinge, die besonders hässlich aussehen, haben dennoch einen Aspekt wahrer Schönheit. Alle Dinge, alle Ereignisse in der Welt sind in der Tat entweder an und für sich schön, es ist dies die ihnen eigene Schönheit, oder sie sind in Anbetracht ihres Zweckes gut, was man als äußerliche Schönheit bezeichnet. Es gibt einige Ereignisse, die äußerlich hässlich und verworren erscheinen. Hinter diesem äußerlichen Schleier verbirgt sich jedoch strahlende Schönheit und
schönste Ordnung.
Zum Beispiel:
Zur Frühlingszeit hält sich das Lächeln unendlich schöner Blumen und all der anderen bestens ausgestatteter Pflanzen unter Sturm und Regen, in Schlamm und Erde verborgen. Und zur Herbstzeit werden die so empfindlichen kleinen Tiere, die Freunde der lieblichen Blumen, um sie vor der Bedrängnis und der Qual durch die Geschehnisse des Winters zu bewahren, welcher ein düsterer Schleier der Trennung ist, hinter dem die Erscheinung der Herrlichkeit des Hochgepriesenen sichtbar wird, von ihrer Lebensaufgabe entbunden, wodurch sich die Strenge der Zerstörung hinter dem Schleier des Winters in die Stätte eines lieblichen und schönen neuen Frühlings umgestaltet. Hinter dem Schleier derartiger Ereignisse wie Sturm, Erdbeben und Seuchen verborgen, öffnen sich sehr viele Blumen eines geistlichen Lebens. Viele Begabungen, die bisher noch nicht zum Durchbruch gelangt waren, die wie Saatkörner noch ohne Wachstum und Gedeihen geblieben waren, setzen nun, angesichts solcher nach außen hin fürchterlich erscheinender Ereignisse, Ähren an und bringen ihre Frucht. Es ist, als wären alle diese Umwälzungen und allgemeinen Veränderungen im geistlichen Leben dem Regen vergleichbar.
Der Mensch jedoch, der in die Äußerlichkeiten (dieser Welt) vernarrt ist und sich selbst (als deren Mittelpunkt) betrachtet, sieht allein das Äußere und beurteilt es als hässlich. In seinem Egoismus beurteilt er ein Ergebnis nur insoweit es ihn selbst betrifft und hält es für schlecht. Bezieht sich aber eine Sache in einem einzigen ihrer Resultate auf den Menschen, so sind es deren tausend, die mit dem Namen des Meisters verbunden sind.
Zum Beispiel:
Der Mensch hält Dornsträucher und mit Stacheln bewehrte Bäume, die doch zu den großen Wundern der Allmacht des Schöpfers gehören, für schädlich, ja für sinnlos. Dabei sind sie doch die wohlausgerüsteten Ritter unter den Bäumen und all den anderen Pflanzen. Oderein anderes Beispiel:Der Sperber, der einen Sperling
angreift, scheint nicht in das Bild der göttlichen Barmherzigkeit hineinzupassen. Er bringt jedoch durch diesen Angriff die natürlichen Fähigkeiten des Sperlings zur Entfaltung. Oder: Ein Mensch hält den Schnee für eiskalt und ohne jeden Geschmack. Hinter dem Schleier einer solchen Kälte verbirgt sich jedoch eine Absicht von solcher Wärme (die Schneedecke ist ein Kälteschutz! - A.d.Ü.) und von solchem Wohlgeschmack, dass sie sich gar nicht beschreiben lässt.
Der Mensch in seinem Egoismus und seiner Verhaftung an das Äußerliche und in seiner Betrachtung aller Dinge als seien sie einzig auf ihn selbst bezogen, hält darüber hinaus auch noch alle die vielen Dinge, die ihm doch durchaus wohl anstehen, für unanständig.
Zum Beispiel:
In den Augen der Menschen gilt es als eine Verletzung des Schamgefühls, wenn man über die Zeugungsorgane des Menschen spricht. Solch ein Vorhang der Schamhaftigkeit (ein derartiger Schleier der Beschreibung) besteht jedoch lediglich auf Seiten menschlicher Betrachtungsweise. Von Seiten der Schöpfung, also der Kunst und der Absicht in der Natur betrachtet, sind solche Vorhänge (derartige Beschreibungen) jedoch, betrachtet man sie mit den Augen der Weisheit, durchaus in Einklang mit dem Schamgefühl. Anstand und Würde bleiben davon unberührt.
So sind also manche Darstellungen im Weisen Qur'an, aus deren Boden der wahre Anstand erwächst, hinsichtlich dieser Betrachtungsweise einem Einwegspiegel vergleichbar. Unter der äußerlichen Betrachtungsweise gibt es Aspekte, die uns hässliche Geschöpfe und abscheuliche Ereignisse vor Augen stellen und doch schöne Aspekte der Betrachtung sehr schöner und weisheitsvoller Schöpfungen und Kunstwerke sind, die auf ihren Meister ausgerichtet sind, und es gibt sehr schöne Schleier, unter denen Weisheiten verborgen sind, und es gibt sehr viele Dinge, die ohne jede Ordnung und ein völliger Wirrwarr zu sein scheinen und dennoch eine durchaus wohlgeordnete heilige Schrift sind.
Dritter Punkt:
اِنْ كُنْتُمْ تُحِبُّونَ اللَّهَ فَاتَّبِعُونِى يُحْبِبْكُمُ اللَّهُ
{"Wenn ihr Gott liebt, so folgt mir, damit Gott euch liebt!" (Sure 3, 31)}
Da es nun einmal im All ganz offensichtlich schöne Kunstwerke gibt und dies auch gewiss ist, so ist es auch erforderlich, dass das Prophetentum Ahmeds, mit dem Friede und Segen sei, mit einer Gewissheit feststeht, als habe man es bezeugt. Denn die Schönheit der Kunst und die schön geschmückten Formen aller Kunstwerke zeigen, dass ihr Meister den energischen Willen hat, den Dingen eine schöne Form zu geben und den nachdrücklichen Wunsch, sie zu verzieren. Und dieser Wunsch und Wille zeigt, dass diesen Meister eine hohe Liebe und eine heilige Begeisterung zur Vollendung Seiner Kunst beseelt, die in Seinen Kunstwerken sichtbar wird. Diese Liebe und Begeisterung verlangt aber danach, sich dem Menschen, welcher in Seiner Schöpfung als einziger die Fülle der Erleuchtung und Vollendung empfangen hat, mehr als allen Anderen zuzuwenden und sich in (seinem Herzen) zu konzentrieren. Jener Mensch aber ist die Frucht des Schöpfungsbaumes, welche mit Bewusstsein begabt ist. Und jene Frucht aber ist als dessen Teil derjenige, in dem sich (als dem Herzen die ganze Schöpfung) konzentriert, der am weitesten (vom Ursprung der Schöpfung) entfernt ist, dessen Blick (die ganze Schöpfung) umfasst und dessen Bewusstsein (mit der ganzen Schöpfung) verbunden ist. Jene Persönlichkeit aber, deren Blick allumfassend und deren Bewusstsein mit allen verbunden ist, kann nur jene eine hohe, erhabene, überaus strahlende, sein, welche von dem Meister jeglicher Kunst und Schönheit angesprochen wurde und mit Ihm geredet hat, die sich im Bewusstsein ihrer Allverbundenheit und mit ihrem Blick für die Gesamtheit in der vollkommenen Anbetung ihres Meisters, in der Begeisterung für Seine Kunstwerke und in der Dankbarkeit für Seine Gnadengaben gewidmet hat.
Nun sehen wir zwei Tafeln, zwei Bereiche. Die eine ist der überaus prächtige, wohlgeordnete Bereich der Herrschaft und die überaus kunstvoll gestaltete und ausgeschmückte Tafel der Kunst. Die andere ist der überaus glänzende, blumengeschmückte Bereich des Dienstes und der Anbetung und die so weit ausgedehnte, umfassende Tafel des Nachdenkens, der Begeisterung, der Dankbarkeit und des Glaubens. Der zweite Bereich bewegt sich mit ganzer Kraft im Namen des ersten Bereiches.
So wird es denn ganz offensichtlich klar, in welchem Grade der Fürst dieses Bereiches, der bei allen künstlerischen Absichten seinem Meister dient, mit diesem Meister verbunden ist und wie sehr er in dessen Augen geliebt und geschätzt ist.
Ja, wäre es denn etwa in irgend einer Weise zu verstehen, dass der Künstler dieser schönen Schöpfungen, der in einem solchen Grade ein Kunstliebhaber ist und der es liebt, zu schenken, ja der sogar auf all die verschiedenen Geschmacksempfindungen des Gaumens achtet, gegenüber Seinem schönsten Werk, dessen Rufe der Begeisterung und Bewunderung, von denen Himmel und Erde widerhallen, dessen Bekundungen der Dankbarkeit und des Lobpreises (tekbir)Land und Meer in einen Taumel der Begeisterung versetzen, und das Ihm sein Antlitz verehrend zuwendet, gleichgültig bleiben sollte, sich etwa nicht mit ihm unterreden wollte, ihn nicht voll Interesse zu Seinem Botschafter machen wollte und nicht wollte, dass dessen schöne Haltung auch von allen Anderen reflektiert werde? Nein! Das wäre es in gar keiner Weise! Es wäre unmöglich, dass Er sich etwa nicht mit ihm unterreden und ihn etwa nicht zu Seinem Gesandten machen sollte...
اِنَّ الدِّينَ عِنْدَ اللَّهِ اْلاِسْلاَمُ ٭ مُحَمَّدٌ رَسُولُ اللَّهِ وَالَّذِينَ مَعَهُ
{"Denn Glaube (din) ist bei Gott (Allah) die Ergebung (islam)." (Sure 3, 19) "Mohammed ist der Gesandte Gottes (rasulullah). Diejenigen aber, die mit ihm sind..." (Sure 48, 29)}
Es sind die Tränen eines Herzens, das in der Gefangenschaft voll von Heimweh während der Morgendämmerung über die Trennung weint.
In Morgenfrühen weht Wind der Erscheinung (Gottes).
Wacht auf meine Augen in dieser Zeit der Morgenfrühe!
Bitte an der Schwelle Gottes um Seine Gnade.
Die Morgenfrühe ist die Zeit, die den Leuten der Sünde bestimmt ist, um Vergebung zu bitten.
Wach auf, mein Herz, zur Zeit der Morgendämmerung.
Flehe um Vergebung, bitte an der Schwelle Gottes um Seine Verzeihung!
سَحَرْ حَشْرِيسْتْ دَرُو هُشْيَارْ دَرْ تَسْبِيحْ هَمَه شَىْ .. بَخَوابِ غَفْلَتْ سَرْسَمْ نَفْسَمْ حَتَى كَىْ .. عُمْرْ عَصْرِيسْتْ سَفَرْ بَاقَبِرْمِى بَايَدْ زِهَرْ حَىْ .. بِبَرْخِيزْ نَمَازِى ُونِيَازِى كُوبِكُنْ آوَازِى ُونْ نَىْ .. بَكُو يَا رَبْ يَشِيمَانَمْ خَجِيلَمْ شَرْمَسَارَمْ اَزْ كُنَاهِ بِى شُمَارَمْ رِيشَانَمْ ذَلِيلَمْ اَشْكْ بَارَمْ اَزْحَيَاتْ بِى قَرَارَمْ
غَرِيبَمْ بِى كَسَمْ ضَعِيفَمْ نَاتُوَانَمْ عَلِيلَمْ عَاجِزَمْ اِخْتِيَارَمْ بِى اِخْتِيَارَمْ اَلاَمَانْ كُويَمْ عَفُو جُويَمْ مَدَدْخَواهَمْ زِدَرْ كَاهَتْ اِلهِى
{"Die Morgenfrühe ist der Auferstehung, (wenn) alle Dinge erwachen und ihren Lobpreis rezitieren. Wie lange willst du noch in diesem Schlaf der Gottvergessenheit verweilen, oh du meine umherschweifende Seele? Der Nachmittag (deines Lebens) ist gekommen und die Reise zu deinem Grab beginnt, wo du dich von allem trennen musst, was lebt. Strenge dich an in Flehen und Gebet, dem Ruf der Ney gleich. Sage nun: 'Oh Herr, ich bereue, fühle mich schuldig, schäme mich. Meine zahllosen Sünden haben mich in Verwirrung gebracht. Ich lebe in Chaos und im Elend. Meine Augen füllen sich mit Tränen. Mein Leben verläuft ohne einen festen Halt in der Fremde. Ich habe niemanden. Schwach bin ich, ohnmächtig, krank, hilflos, alt und schon nicht mehr frei in meinen Entscheidungen. Oh hilf mir doch, sage ich. Ich suche Vergebung, Ich flehe um Hilfe an deiner Schwelle, oh Gott!'"}
Neunzehntes Wort
Über das Prophetentum Mohammeds (ASM)
{Abk. von Alaihis-Salatu Ves-Selam: Friede und Segen sei mit ihm. (A.d.Ü.)}
وَمَا مَدَحْتُ مُحَمَّداً بِمَقَالَتِى ٭ وَلٰكِنْ مَدَحْتُ مَقَالَتِى بِمُحَمَّدٍ عَلَيْهِ الصَّلاَةُ وَالسَّلاَمُ
{"Ich konnte mit meinen Worten Mohammed nicht preisen, doch wurden meine Worte durch Mohammed, mit dem Friede und Segen sei, gewürdigt, ihn zu preisen."}
Dieser Ausspruch ist in der Tat wunderbar. Doch das, was seine Schönheit bewirkt, ist die Schönheit dessen, dem die Schönheit mohammedanischer Eigenschaften gebührt.
Dies ist der Vierzehnte Blitz, eine Abhandlung aus vierzehn Teilen, Tropfen gleich.
Erster Tropfen:
Es gibt drei große universale Quellen, die uns Kunde geben von unserem Herrn:
Eine ist das Buch des Universums, über dessen Zeugnis wir in der dreizehnten Lektion des arabischen Gesamtwerkes (Nur Risalesi)zum Teil gehört haben, welches aus dreizehn "Blitzstrahlen" (Abschnitten) besteht.
Eine weitere ist der, mit dem der Friede und Segen sei, das Siegel der Propheten, das größte Zeichen in diesem Großen Buch, eine weitere, der hochehrwürdige Qur'an.
Zuerst müssen wir den kennenlernen und vernehmen, welchen wir hier an zweiter Stelle als beredtes Zeugnis aufgeführt haben, ihn, mit dem der Friede und Segen sei, das Siegel der Propheten.
Betrachten wir zuerst seine geistige Erscheinung. Mit der Erde als seiner Moschee, Mekka als seinem Mihrab(Gebetsnische) und Medina als seinem Minber(Kanzel) ist unser Prophet, mit dem der Friede und Segen sei - wie ein strahlendes Zeugnis - der Imam aller Gläubigen,
der Prediger vor allen Menschen, der Vorsteher aller Propheten, der Herr aller Heiligen, der Dhikr-Leiter im Kreise der Propheten und Heiligen, ein lichtvoller Baum, dessen lebensspendende Wurzeln die Propheten und dessen Früchte die Heiligen sind. Alle Propheten mit ihren Wundern, alle Heiligen mit ihren Gnadengaben bestätigen und unterstreichen seine Botschaft. Denn er verkündet:
لآ اِلَهَ اِلاَّ اللّهُ
{"Es gibt keinen Gott außer Allah!"}
und daran hält er fest. Das gleiche Wort wiederholen alle die erleuchteten Teilnehmer der Dhikr-Feier zur Rechten und zur Linken, nämlich die auf Seiten der Vergangenheit und der Zukunft in der Reihe stehend, vereinigen sich, sagen im Geiste: Du hast Wahrheit und Recht gesprochen. Was für eine hohle Behauptung ist es doch, ein solches Argument zu bestreiten, das durch solche zahllosen Zeugen bestätigt ist!...
Zweiter Tropfen:
Und gerade so wie dieses leuchtende Zeugnis der Einheit Gottes (Tauhid)durch die Übereinstimmung der beiden Flügel (der vergangenen und der künftigen Zeit) und ihre gemeinsame Kunde bestätigt ist, so bestätigen und versichern dies auch die hunderte von Zeichen in den von Gott offenbarten Büchern wie Torah und Evangelium, die tausenden von Hinweisen der Irhasat,Hinweise auf sein Prophetentum vor seiner Berufung, die berühmten Hatife, Dschinnen, die zu den Menschen reden, die übereinstimmende Kunde der Wahrsager, die Hinweise seiner tausenden von Wundern - wie die Spaltung des Mondes - die Gerechtigkeit der Scharia(das isl. Gesetz). Auf gleiche Weise wird die Wahrhaftigkeit seines Anspruches mit sonnenklarer Deutlichkeit bezeugt durch seine Persönlichkeit, seine hohe Vollendung, seinen allseits gepriesenen Charakter, die außergewöhnliche Schönheit seiner reichen Gesinnung in der Erfüllung seiner Aufgabe, seine absolute Zuverlässigkeit, die Stärke seines Glaubens, die große Zuversicht, die hohe Festigkeit, die sich in seiner außergewöhnlichen Gottesfurcht,
seiner außerordentlichen Ergebenheit, seinem besonderen Ernst und seiner großen Standhaftigkeit zeigen.
Dritter Tropfen:
Wenn du willst, dann komm: Wir gehen auf die arabische Halbinsel in die "Glückliche Zeit" (des Propheten)! Besuchen wir ihn in unserer Phantasie und beobachten wir ihn bei seiner Aufgabe! Siehe, da ist ein Mann, herausragend durch seine edle Gesinnung und seine vollkommene Gestalt, ein wunderweisendes Buch in seiner Hand, das Wissen um die Wahrheit auf seiner Zunge und in seiner Rede, wie er eine Hutbe(Predigt) von Ewigkeit her an alle Adamssöhne, ja Dschinnen, Menschen und Engel, ja sogar an alles Sein gerichtet hält. Er beschreibt das wundersame Rätsel um die Erschaffung der Welt und löst es. Er entdeckt den undurchdringlichen Zauber des kosmischen Geheimnisses und lichtet ihn. Auf die drei großen, schwierigen und beunruhigenden Fragen, die - von allem Sein gestellt - alle Vernunftbegabten mit Staunen beschäftigt haben: "Was bist du? Woher kommst du? Wohin gehst du?", auf diese Fragen gibt er einsichtige und zufriedenstellende Antworten.
Vierter Tropfen:
Siehe, er strahlt ein solches Licht der Wahrheit aus, dass du in Betrachtung des Weltalls außerhalb seines lichten Führungskreises der Wahrheit, das Weltall als ein allgemeines Trauerhaus ansehen wirst, in dem sich die einzelnen Wesen und Dinge einander fremd, ja sogar feindlich sind; die toten Dinge sind furchterregende Leichnahme; alles Lebendige weint als Waisen unter den Schlägen des Verfalls und der Trennung. Nun aber siehe: Durch das Licht, das von ihm ausstrahlt, wurde dieses allgemeine Haus der Trauer in ein Haus verwandelt, wo im Feuer der Begeisterung Dhikr gefeiert wird. Diese fremdartigen, einander feindlichen Wesen und Dinge haben die Gestalt von Freunden und Brüdern angenommen. Diese stummen und toten Objekte haben jede die Haltung von freundlichen Dienern und gefügigen Gehilfen angenommen. Und diese weinenden und klagenden, verlassenen Waisenkinder bekamen jedes den Ausdruck von Teilnehmern an einer Dhikr-Feier
in ihrem Lobpreis oder von Danksagenden am Feierabend nach der Arbeit.
Fünfter Tropfen:
So also wurden die Bewegungen, Variationen, Veränderungen, Umwandlungen im Weltall durch dieses Licht aus ihrer Inhaltslosigkeit, Fruchtlosigkeit und ihrem Zustand als Spielball des Zufalls herausgeführt und jede von ihnen auf die Stufe eines Briefes des Herrn, einer Seite voll Wunderzeichen des Seins, eines Spiegels der Gottesnamen heraufgeführt und mit ihnen die Welt in den Rang eines Buches einzigartiger Weisheit erhoben. Und so wie der Mensch durch seine grenzenlose Schwäche und Hilflosigkeit, Armseligkeit und Bedürftigkeit unter alle Tiere erniedrigt wurde und noch unglücklicher wurde als alle Tiere durch seinen Verstand, der ihm wie ein Übertragungsgerät zu Kummer, Sorge und Schmerz wurde, so wurde der Mensch - erleuchtet mit diesem Licht - über alle Tiere, ja über die gesamte Schöpfung emporgehoben. Erleuchtet in seiner Hilflosigkeit und Armut und auch in seinem Verstand, wird er zu einem hochempfindlichen Sultan, in seinem Flehen, zu einem Kalifen über die Erde, der in seinem Aufschrei alles erhellt, das heißt, gäbe es nicht dieses Licht, stiege auch das Weltall, auch der Mensch, ja alles, was ist, hinab in das Nichts. Ja, sicherlich ist in einem so einzigartigen Kosmos auch eine solche Persönlichkeit notwendig. Anderenfalls gäbe es den Kosmos mit all seinen Welten nicht.
Sechster Tropfen:
Dies also ist der Mann, welcher der Herold und Verkünder der Ewigen Seligkeit ist, der die unendliche Barmherzigkeit (Gottes) aufdeckt und bekannt macht, der Ausrufer der Schönheiten des Reiches Gottes und ihr Betrachter, der die Schätze der Gottesnamen offen legt und sie zeigt. Wenn du deine Aufmerksamkeit ihm zuwendest, seinem Dienst, seiner Anbetung, wirst du ihn als ein Beispiel der Liebe, eine Verkörperung der Barmherzigkeit sehen. In ihm siehst du die Ehre der Menschheit, eine leuchtende Frucht am Baume der Schöpfung. Wendest du deine Aufmerksamkeit abermals ihm zu, seinem Prophetentum, kannst du ihn als ein
Zeugnis für das Recht, eine Lampe für die Wahrheit, eine Sonne für die Rechtleitung, ein Fahrzeug zur Glückseligkeit sehen. Dies also ist er, dessen Ruf sich aus dem Unsichtbaren blitzschnell verbreitete und dessen Licht vom Osten nach Westen alles überstrahlte. Die halbe Welt - ein Fünftel der Menschheit - hat das Geschenk seiner Rechtleitung angenommen und wie ihren Augapfel gehütet. Was ist das nur mit unserer Seele und unserem Dämon, dass sie لآ اِلَهَ اِلاَّ اللّهُ {"Es gibt keinen Gott außer Allah!"} in all seinen Abstufungen nicht annehmen wollen, was doch der Wesenskern aller Lehre einer solchen Persönlichkeit ist.
Siebenter Tropfen:
Wie schnell hat er doch den verschiedenen Stämmen dieser weiten Halbinsel - so wild, starrköpfig und ihren Sitten verhaftet wie sie waren! - ihre rohen und grausamen Sitten und Gebräuche ohne alle Umschweife genommen und sie mit der Wurzel ausgerottet. Stattdessen hat er sie mit allen guten Sitten ausgestattet und sie in aller Welt zu Lehrern und zu Meistern über zivilisierte Nationen gemacht. Und siehe! Es war dies keine bloße Unterwerfung nach außen hin, er hat sich vielmehr Verstand, Geist, Herz und Gemüt erobert und erschlossen. So wurde er Geliebter der Herzen, Lehrer der Intelligenzen, Erzieher der Gemüter, Souverän der Geister.
Achter Tropfen:
Wenn man aber weiß, wie ein großer Herrscher mit großer Anstrengung kaum eine unbedeutende Gewohnheit - wie das Rauchen - selbst in einem kleinen Stamm für die Dauer aufzuheben vermag, dann betrachte man, wie diese Persönlichkeit viele und starke Gewohnheiten selbst bei diesen starrköpfigen, ihren Sitten verhafteten großen Stämmen, mit äußerlich nur geringer Macht, mit nur geringer Anstrengung in kurzer Zeit überwandt. An ihre Stelle pflanzte und befestigte er in ihnen höchste moralische Werte, welche ihnen bei weitem
in Fleisch und Blut übergegangen und verwachsen sind. Und noch sehr viel dergleichen Wunderbares bringt er zur Durchführung. Wer aber nun diese "Glückliche Zeit" (des Propheten) nicht sehen will, dem sei die Halbinsel Arabien vor Augen geführt! Möge er hunderte von Philosophen mit sich nehmen, dorthin gehen, hundert Jahre arbeiten. Könnte er auch nur ein Hundertstel dessen vollbringen, was diese Persönlichkeit unter den Umständen seiner Zeit in einem einzigen Jahr geschaffen hat?
Neunter Tropfen:
Wenn man zudem weiß, dass selbst ein kleiner Mann von wenig Ehrgefühl nicht während eines Streitgesprächs inmitten einer kleinen Gemeinschaft und auch nicht in einer unbedeutenden Angelegenheit eine Behauptung aufstellen und unverhüllt-unbekümmert eine kleine Lüge aussprechen kann, deren man sich schämen muss, ohne seinen Feinden neben sich seine Sorge und Beunruhigung zu zeigen und sie so die Täuschung verspüren zu lassen, dann betrachte man diese Persönlichkeit, betraut mit einer großen Aufgabe, ein großer Beauftragter mit einem großen Ehrgefühl, in einer Lage, wo er der Sicherheit so notwendig bedarf, inmitten einer sehr großen Gemeinschaft, angesichts einer sehr großen Feindschaft vor sehr bedeutenden Aufgaben, einer großen Mission spricht er mit sehr großem Freimut, ohne Angst, ohne Zweifel, Verlegenheit oder Unruhe zu zeigen, mit aufrichtiger Lauterkeit, mit einem großen Ernst, mit majestätischer Strenge, mit Worten, die seine Feinde in Wut versetzen. Vermag man darin wohl einen Widerspruch zu entdecken? Kann mit ihnen wohl eine Lüge vermengt sein? Keineswegs!
اِنْ هُوَ اِلاَّ وَحْىٌ يُوحَى
{"Es ist dies nichts Anderes als das, was als Offenbarung eingegeben wurde." (Sure 53, 4)}
Ja, die Wahrheit betrügt nicht und der die Wahrheit schaut, wird nicht betrogen. Und Wahrheit als Berufung ist frei von Betrug. Wie könnte vor seinen die Wahrheit
schauenden Augen eine Illusion als Realität (: Wahrheit) erschienen sein, ihn betrogen haben...
Zehnter Tropfen:
Wie spannend und mitreißend ist es doch, wenn er die Realitäten schildert; welch dringendem Bedürfnis entspricht doch die Wahrheit, die er bringt und welch großartige Dinge sind es, die er aufzeigt und für die er den Beweis erbringt. Man weiß ja, dass das stärkste Antriebsmotiv des Menschen die Neugierde ist. Sagte ihm jemand, er solle sein halbes Leben, sein halbes Vermögen hingeben; es werde jemand vom Mond oder vom Jupiter kommen; er werde berichten, wie es auf dem Mond oder auf dem Jupiter aussieht und was dort geschieht; er werde dir ganz genaue Kenntnisse darüber vermitteln, wie deine Zukunft aussehen wird und dir vollkommen richtig darüber Mitteilung machen, was mit dir geschehen wird: Wenn er neugierig ist, wird er es ihm geben.
In der Tat, dieser Mann bringt uns Kunde von einem König, in dessen Reich der Mond einer Fliege gleich um einen Falter kreist. Dieser Falter, der unsere Erde ist, umrundet eine Lampe und diese Lampe, die unsere Sonne darstellt, ist eine Lampe unter tausenden von Leuchtern in einer Herberge unter tausenden von Häusern dieses Königs. Und es ist dies eine so wundervolle Welt, von der er uns wahrheitsgetreu berichtet und eine solche Revolution, von der er berichtet, dass - wären auch tausende Erdbälle explodierende Bomben - dies nicht bewundernswert wäre. Und nun merke auf die Suren in seinem Munde wie:
اِذَا الشَّمْسُ كُوِّرَتْ ٭ اِذَا السَّمَاءُ انْفَطَرَتْ ٭ اَلْقَارِعَةُ
{"Wenn die Sonne zusammengefaltet wird..." (Sure 81, 1) "Wenn sich der Himmel spaltet..." (Sure 82, 2) "Das Poltern..." (Sure 101, 1 : eine Sure von Weltuntergang und -gericht.)}
Und er berichtet wahrheitsgemäß von einer derartigen Zukunft, dass unsere eigene Zukunft hier auf Erden daneben nur wie eine schwache Luftspieglung erscheint. Er berichtet in völligem Ernst von einer solchen Glückseligkeit,
dass daneben alles Glück der Welt einem flüchtigen Aufblitzen neben der Urewigkeit der Sonne gleicht.
Elfter Tropfen:
Unter dem äußeren Schleier dieses Kosmos voller Wunder und Rätsel erwarten uns ohne Zweifel mit Sicherheit ebensolche Wunder. Um uns von solchen Wundern Kunde zu bringen, ist auch eine solche geniale, außergewöhnliche, wunderwirkende Persönlichkeit notwendig. Aus dem Verhalten dieses Mannes erschauen wir, was er geschaut hat und noch schaut und über das Geschaute aussagt. Was der Herr dieser Himmel und der Erde, der uns mit Seinen Gnadengaben nährt, von uns verlangt und was Ihm wohlgefällig ist, darüber unterrichtet er uns äußerst zuverlässig. Was aber ist mit den meisten Menschen geschehen, dass sie statt um dieser Persönlichkeit willen, welche über dergleichen äußerst interessante und notwendige Wahrheiten unterrichtet, alles verlassen, zu ihm hinlaufen, ihm lauschen sollten, nun taub und blind, oder gar wahnsinnig geworden sind, sodass sie von dieser Wahrheit nichts sehen, über diese Tatsache nichts hören und nicht davon verstehen!...
Zwölfter Tropfen:
Siehe da ist eine Persönlichkeit, ein beredtes Zeugnis für die Einheit des Schöpfers allen Seins, nach dem Grade seiner eigenen Wahrhaftigkeit ein zuverlässiges Zeugnis und ein sicherer Beweis für die Auferstehung und die Ewige Seligkeit. Zudem ist diese Persönlichkeit - so wie sie selbst rechtgeleitet war - Grund zur Stiftung Ewiger Seligkeit und ihr Fahrzeug dorthin. In gleicher Weise ist er durch sein Gebet und seine Fürbitte die Verkörperung der Ursache der Glückseligkeit und die Veranlassung zu ihrer Schaffung. Wir wiederholen in diesem Zusammenhang das folgende Geheimnis, das wir schon im Zusammenhang mit der Auferstehung behandelt hatten.
Siehe: Er betet in einer so gewaltigen Gemeinschaft, dass es so aussieht, als ob alle erleuchteten vollkommenen Menschen unter den Söhnen Adams von Adams Zeiten bis in unsere Zeit und weiter bis zum Jüngsten Tag
mit ihm verbunden seien und ihm im Gebete folgend "Amen" sagten.
Und siehe weiter: Er betet so um das Wohl der Allgemeinheit, dass nicht nur die Bewohner der Erde, sondern auch die Bewohner des Himmels, ja sogar alles Sein sich seinem Gebet anschließt und spricht: "Ja, oh Herr! Verleihe es ihm, so wie auch wir es wünschen!" In seinem Gebet findet eine solche Anmut, eine solche Trauer, eine solche Liebe, eine solche Sehnsucht, ein solches Verlangen ihren Ausdruck, dass er die ganze Welt dazu bringt, mit ihm zu weinen und zu beten.
Siehe, er betet für ein solches Ziel, ein solches Ideal, dass er den Menschen und die Welt, ja sogar alles Geschaffene, aus niedrigsten Niederungen, der Gefallenheit, Wertlosigkeit, Nutzlosigkeit zu höchsten Höhen, d.h. zu Wert, Beständigkeit und erhabenem Dienst emporführt.
Siehe, er trägt seine Bitte mit solcher Inbrunst vor, fleht, stellt seine Hilfsbedürftigkeit dar, bringt seine Fürbitte so wohlgefällig und mit so viel Ehrerbietung dar, dass er alles Geschaffene, die Himmel und den Thron (Gottes) dazu bewegt, ihn anzuhören, erschüttert zu werden, "Amin, Allahumma, amin"zu beten.
Siehe, er betet zu dem Allhörenden, Freigiebigen, Allmächtigen, Allsehenden, Barmherzigen, Allwissenden (Semi', Kerim, Qadir, Basir, Rahim, Alim) in seiner Bedürftigkeit, dass Er - wie wir selbst sehen können - auch das verborgenste Lebewesen in seinem Bittgebet hört, sieht, es annimmt, sich seiner erbarmt. Er gibt ihm, worum er bittet, und sei es auch unausgesprochen. Er gibt ihm in der Weise, dass kein Zweifel an Seiner weisen, allsehenden und barmherzigen Art bleibt. Diese Umsicht und Fürsorge ist einzig dem Allhörenden und Allsehenden in Seiner Freigiebigkeit und Barmherzigkeit zu Eigen.
Dreizehnter Tropfen:
Worum aber betet nun der, der auf der Erde steht, die Hände im Gebet zum Throne des Gewaltigen (Gottes) erhoben, alle auserwählten Söhne Adams hinter sich, er, die Ehre des Menschengeschlechtes
und der beispiellos Einzige in Welt und Zeit und in Wahrheit der Stolz des Universums (Fahr-i Kainat)?...
Merke auf und höre: Er betet um die Ewige Glückseligkeit, er betet um Beständigkeit, er betet um da Paradies, er verlangt, das Antlitz seines Herrn zu sehen. Gleichzeitig bittet er um alle die Heiligen Gottesnamen, deren Widerpart und Schönheit im Spiegel alles Geschaffenen erscheint. Gäbe es nicht diese Barmherzigkeit, Gnadenhilfe, Weisheit, Gerechtigkeit und dergleichen zahllose Berechtigungen das Erwünschte zu erhalten, alleine das Gebet dieser Persönlichkeit hätte die Berechtigung, das Paradies zu erbauen, geschaffen, was mit gleicher Leichtigkeit in Seiner Macht steht, wie den Frühling hervorzubringen. Ja, so wie sein Prophetentum die Berechtigung dazu gab, dieses Haus der Prüfung zu eröffnen, so gibt auch sein anbetender Dienst die Berechtigung dazu, das andere Haus zu eröffnen.
Ja, wäre es denn überhaupt denkbar, dass diese unübertroffene Ordnung, welche man beobachten kann, und die Männer von Geist und Wissenschaft sagen lässt:
لَيْسَ فِى اْلاِمْكَانِ اَبْدَعُ مِمَّا كَانَ
{"Es ist nicht im Bereich des Möglichen, dass es etwas Besseres gäbe, als das, was ist."}
ja wäre es möglich, dass diese segensreich, fehlerlos schöne Kunst und die beispiellos vollkommene Herrschaft (Gottes) irgendeine Hässlichkeit, irgendeine Erbarmungslosigkeit, irgendeine Ordnungslosigkeit, dulden könnte. Es heißt dies, dem kleinsten, unbedeutendsten Wunsch und Geräusch Bedeutung, Gehör und Erfüllung zu schenken. Es hieße dies, der größten, schreienden Not keine Bedeutung beizumessen, sie nicht zu hören, nicht zu verstehen, nichts zu unternehmen. Um Gottes willen nein! Gott verhüte es hunderttausend Mal! Eine solche Vollkommenheit duldet keine solche Hässlichkeit, und kann nicht selbst hässlich werden.
Bei Ihm! Du mein imaginärer Freund! Es ist jetzt genug. Wir müssen zurückkehren, denn verweilten wir in dieser Zeit auch hundert Jahre auf dieser Halbinsel, wir könnten von den wunderbaren Taten und bemerkenswerten Diensten dieses Mannes auch nicht ein Hundertstel völlig begreifen, uns nicht daran satt sehen.
Komm jetzt! Wir wollen auf unserer Rückreise von oben jedes Jahrhundert einzeln betrachten. Siehe, wie sich in jedem Jahrhundert die Blumen unter dem Gnadensegen der Sonne und der Rechtleitung geöffnet haben. Sie haben Millionen von Früchten wie Abu Hanifa, Shafi'i, Bayezid-i Bistami, Scheich Geylani, Scheich Naqshibandi, Imam Ghazzali, Imam Rabbani usw. hervorgebracht. Wir müssen die Betrachtung der Einzelheiten auf ein andermal verschieben. Jetzt wollen wir ein Gebet darbringen für den, der Wunder wirkt und rechtleitet, und dabei einen Teil seiner absolut sicheren Wunder erwähnen.
عَلَى مَنْ اُنْزِلَ عَلَيْهِ الْفُرْقَانُ الْحَكِيمُ مِنَ الرَّحْمَنِ الرَّحِيمِ مِنَ الْعَرْشِ الْعَظِيمِ سَيِّدِنَا مُحَمَّدٍ اَلْفُ اَلْفِ صَلاَةٍ وَ اَلْفُ اَلْفِ سَلاَمٍ بِعَدَدِ حَسَنَاتِ اُمَّتِهِ عَلَى مَنْ بَشَّرَ بِرِسَالَتِهِ التَّوْرَيةُ وَ اْلاِنْجِيلُ وَ الزَّبُورُ وَ بَشَّرَ بِنُبُوَّتِهِ اْلاِرْهَاصَاتُ وَ هَوَاتِفُ الْجِنِّ وَ اَوْلِيَآءُ اْلاِنْسِ وَ كَوَاهِنُ الْبَشَرِ وَ انْشَقَّ بِاِشَارَتِهِ الْقَمَرُ سَيِّدِنَا مُحَمَّدٍ اَلْفُ اَلْفِ صَلاَةٍ وَ سَلاَمٍ بِعَدَدِ اَنْفَاسِ اُمَّتِهِ عَلَى مَنْ جَآئَتْ لِدَعْوَتِهِ الشَّجَرُ وَ نَزَلَ سُرْعَةً بِدُعَآئِهِ الْمَطَرُ وَ اَظَلَّتْهُ الْغَمَامَةُ مِنَ الْحَرِّ وَ شَبَعَ مِنْ صَاعٍ مِنْ طَعَامِهِ مِآءةٌ مِنَ الْبَشَرِ وَ نَبَعَ الْمَآءُ مِنْ بَيْنِ اَصَابِعِهِ ثَلاَثَ مَرَّاتٍ كَالْكَوْثَرِ وَ اَنْطَقَ اللَّهُ لَهُ الضَّبَّ وَ الظَّبْىَ وَ الْجِذْعَ وَ الذِّرَاعَ وَ الْجَمَلَ وَ الْجَبَلَ وَ الْحَجَرَ وَ الْمَدَرَ صَاحِبِ
الْمِعْرَاجِ وَ مَازَاغَ الْبَصَرُ سَيِّدِنَا وَ شَفِيعِنَا مُحَمَّدٍ اَلْفُ اَلْفِ صَلاَةٍ وَ سَلاَمٍ بِعَدَدِ كُلِّ الْحُرُوفِ الْمُتَشَكِّلَةِ فِى الْكَلِمَاتِ الْمُتَمَثِّلَةِ بِاِذْنِ الرَّحْمَنِ فِى مَرَايَا تَمَوُّجَاتِ الْهَوَآءِ عِنْدَ قِرَآئَةِ كُلِّ كَلِمَةٍ مِنَ الْقُرْاَنِ مِنْ كُلِّ قَارِءٍ مِنْ اَوَّلِ النُّزُولِ اِلَى اَخِرِ الزَّمَانِ وَاغْفِرْلَنَا وَارْحَمْنَا يَآ اِلَهَنَا بِكُلِّ صَلاَةٍ مِنْهَا آمِينَ
{"Dem, (*) welchem herabgesandt wurde die Weise Unterscheidung (der Qur'an) von dem Barmherzigen, dem Erbarmer, von dem Throne des Allgewaltigen: Unserem Herrn Mohammed tausend mal tausend Segen und tausend mal tausend Frieden so viel wie die schönen Taten seiner Gemeinschaft für ihn, dessen (prophetische) Botschaft vorherverkündigt wurde in der Torah, den Psalmen und den Evangelien und dessen Prophetentum vorherverkündigt wurde durch Irhasat (Hinweise vor seiner Berufung) und die Hatife (Stimmen) der Dschinnen und den Gottesfreunden (den Heiligen) und den Wahrsagern der Menschen, dem, auf dessen Wink der Mond gespalten wurde. Unserem Herrn Mohammed tausend mal tausend Frieden und Segen so viel wie Odem in seiner Gemeinschaft, dem, dessen Ruf die Bäume folgten, auf dessen Gebet plötzlich der Regen einsetzte, dem die Wolken vor der Hitze Schatten spendeten, dem, der mit einer Handvoll Speise tausend Mann sättigte, aus dessen Fingern drei Mal Wasser sprudelte wie der Strom von Kauthar (die Quelle des Überflusses im Paradies), dem, um dessentwillen Allah sprechen ließ die Eidechse, die Gazelle, den Baumstumpf, den Wasserschlauch, das Kamel, den Berg, den Stein, den Mist, ihm der mit der Himmelfahrt begnadet wurde (es war die Reise eines Augenblicks!), unserem Herrn und Fürsprecher Mohammed tausend Mal tausend Frieden und Segen so viel wie Buchstaben, die Worte bilden, die sich mit Erlaubnis des Barmherzigen (Gottes) in der Luft spiegeln, jedes Mal wenn jemand ein Wort aus dem Qur'an rezitiert, von Anbeginn der Offenbarung bis zum Ende der Zeit. Verzeihe uns und erbarme Dich unser - Oh Gott - in all unseren Gebeten. Amen."}
[In einer türkischen Abhandlung mit dem Titel: "Strahlen des Wissens über den Propheten" - kurz zusammengefasst im "Neunzehnten Brief" und in diesem "Neunzehnten Wort" - habe ich die Beweise für das Prophetentum Mohammeds, mit dem der Friede und Segen sei, erklärt. Darin wurden auch die Aspekte des Wunders, das der Weise Qur'an ist, kurz erwähnt. In einer anderen türkischen Abhandlung "Blitzstrahlen" (Lemaat) genannt und im "Fünfundzwanzigsten Wort" habe ich in vierzig Aspekten kurz erklärt, dass der Qur'an ein Wunder ist, und dieses Wunder, das der Qur'an ist, in vierzig Aspekten erläutert. Eines dieser vierzig Aspekte liegt schon alleine in seiner Prägnanz und dichterischen Schönheit, worüber ich einen vierzig Seiten langen arabischen Kommentar mit dem Titel "Kennzeichen des Wunders" (Isharatu l-i'djaz) verfasst habe. Wer ein Interesse daran hat, kann in diesen drei Büchern nachschlagen.]
Vierzehnter Tropfen:
Der Weise Qur'an, ein Schatzhaus an Wundern und selber das große Wunder, beweist in einem solchen Grade der Sicherheit das Prophetentum Ahmeds {Einer von den allgemein bekannten vier Namen des Propheten, nämlich: Ahmed, Mahmud, Mohammed, Mustafa, mit dem Friede und Segen sei. (A.d.Ü.)} und die Einheit Gottes, dass er die Notwendigkeit eines anderen Beweises nicht offen lässt. Auch wir wollen seine Lehrmethode und aus ein, zwei Funken dieses Wunders, das er ist, die Ansatzpunkte einer Kritik aufzeigen.
Das also ist nun der Weise Qur'an, der uns Kunde gibt von unserem Herrn, "eine urewige Übersetzung aus dem großen Buch des Kosmos... Er enthüllt uns die Schätze der Gottesnamen, verborgen in den Seiten des Himmels und der Erde... ein Schlüssel zur Wahrheit, versteckt zwischen den Zeilen der Ereignisse... in ihm spricht der Barmherzige von jener unsichtbaren Seite der Welt aus, die hinter dem Schleier der bezeugten (d.h. sichtbaren) Welt liegt - aufgespeichert in ihm eine urewige Predigt - Sonne, Fundament, und Bauplan der geistigen Welt des Islam und Landkarte der jenseitigen Welten... ein klärendes Wort und ein eindeutiger Kommentar zum Wesen Gottes, Seinen Eigenschaften und Taten, Sein beredtes Zeugnis und Sein einfühlsamer Übersetzer... in dieser Welt der Menschen der Herr und Lehrer, die Weisheit in der Wahrheit, ein geistiger Lehrer und Seelenführer... sowohl ein Buch der Weisheit und des Gesetzes, als
auch ein Buch für Gebet und Gottesdienst, ein Buch der Gebote und Ermahnungen, ein Buch Heiligen Gedenkens, der Erkenntnis, eine heilige Bibliothek, die für jede einzelne Geistesart einen geeigneten Titel bereit hält, für die Heiligen und Gerechten, für die Sucher, Bekenner und Lehrer der Wahrheit, kurzum für Menschen jeglicher Berufung und Geistesart."
Betrachten wir einen Funken jenes Wunders, das der Qur'an ist, und das sich in eben den Wiederholungen zeigt, welche man als eine Fehlerquelle entdeckt zu haben glaubt: Weil der Qur'an sowohl ein Buch Heiligen Gedenkens ist, als auch ein Gebetbuch und ein Buch zur Ermahnung, sind Wiederholungen geradezu schön, ja in höchstem Grade notwendig und einprägsam, im Gegensatz zu dem, was "die mit den Fehlern" annehmen... denn in der Tat führt Dhikr durch Wiederholung zur Erleuchtung, das Gebet wird in der Tat durch Wiederholung intensiviert, Gebote und Ermahnungen werden in der Tat durch Wiederholung bekräftigt... Es ist auch nicht jedermann jederzeit möglich, den ganzen Qur'an zu lesen, doch kann er meistens eine Sure lesen. Deswegen sind die wichtigsten Aussagen des Qur'an in den meisten langen Suren enthalten. Jede einzelne Sure gleicht einem kleinen Qur'an. Das heißt, manche Aussagen wie Einheit, Auferstehung oder die Geschichte Mosis, werden wiederholt, damit niemand ein "Außenstehender" werde.
Zudem sind die seelischen Nöte, genauso auch die leiblichen Bedürfnisse verschieden. Manches braucht der Mensch mit jedem Atemzug, wie der Körper die Luft, so braucht der Geist "Hu"(Er), manches jede Stunde, wie "Bismillah"(Im Namen Gottes) u. dgl.... Das heißt also: Die Wiederholung der Ayat entstand aus der Wiederholung des Bedürfnisses. Wenn der Qur'an auf ein solches Bedürfnis hinweisen will, erweckt und erregt er es, und wiederholt dies darüber hinaus, um die Sehnsucht und den Hunger danach hervorzurufen. Desgleichen legt der Qur'an die Elemente einer klar verständlichen Religion fest und begründet die Fundamente der Welt des Islam.
Er verändert das menschliche Gemeinschaftsleben und gibt so die Antwort auf die wiederholten Fragen aus ihren verschiedenen Schichten. Ein Fundament zu festigen, tut Wiederholung Not. Zur Befestigung ist Repetition notwendig. Zur Verankerung ist Rekapitulation notwendig. Zum Studium tut Wiederholung Not. Der Qur'an behandelt die großen Fragen einerseits, andererseits subtile Wahrheiten, sodass es notwendig ist, viel und oft in verschiedener Form zu wiederholen, um sie in die Herzen der Gemeinde einzusenken. Dies erscheint oberflächlich betrachtet als Wiederholung, doch dem Sinne nach hat jede Ayah viele Bedeutungen, viele Nutzanwendungen, viele Aspekte und Ebenen. Sie wird in jeder Textstelle mit einer anderen Bedeutung, Nutzanwendung oder Aussage erwähnt. Was aber die kurze Zusammenfassung mancher, weniger bedeutender Gegenstände des Seins betrifft, so ist sie ein Funke aus dem Wunder des Qur'an in der Rechtleitung. Das aber ist kein Ansatzpunkt für eine Kritik, wie die Ketzer meinen, und auch kein Grund, darin einen Fehler zu erblicken.
Wenn du fragst:
"Warum denn nur spricht der Weise Qur'an nicht über das Sein, so wie die Philosophie das tut? Er behandelt manche Gegenstände nur kurz. Andere behandelt er, wie um der allgemeinen Anschauung entgegenzukommen, die Gefühle der Öffentlichkeit nicht zu verletzen und die Gedanken des einfachen Mannes nicht länger zu belasten und zu beschweren?"
Als Antwort sagen wir:
Die Philosophie hat sich auf dem Pfade der Wahrheit verirrt, darum... Sicherlich hast du durch die vorigen Lektion und "Worte" verstanden, dass der Weise Qur'an über den Kosmos spricht, damit du Wesen, Eigenschaften und Namen Gottes kennenlernst. Das will sagen: Er betrachtet das Sein nicht um des Seins willen, sondern seines Meisters wegen... in diesem Sinne spricht er zur Allgemeinheit. Was aber das Wissen über die Weisheit (: die Philosophie) betrifft, betrachtet sie das Sein um des Seins willen... in diesem Sinne spricht sie insbesondere zu den Philosophen. Weil
aber nun der Weise Qur'an das Sein als einen Beweis gebraucht, als ein Zeugnis gebraucht, ist es notwendig, dass der Beweis einsichtig ist, damit er in den Augen der Allgemeinheit rasch verstanden werden kann. Da der Qur'an zudem auch ein Lehrer ist, der sich an alle Schichten der Bevölkerung wendet, unter denen die zahlenmäßig größte Schicht aber die Schicht der einfachen Leute ist, erfordert seine Führung sicherlich, weniger bedeutende Dinge kurz zusammenzufassen und die schwerer verständlichen Dinge mit Gleichnissen näher zu bringen. Um aber nicht in Spiegelfechterei zu verfallen, sollte man Dinge, die offensichtlich klar vor Augen stehen, nicht in einer unnötigen, ja vielleicht sogar schädlichen Weise uminterpretieren. Er sagt z.B. über die Sonne: "Sie ist eine kreisende Leuchte, eine Lampe." Denn er spricht von der Sonne nicht um der Sonne willen, ihrer Gegenständlichkeit willen, sondern er spricht von ihr, weil sie eine Art von Zahnrad in einem Regulator und der Mittelpunkt eines Systems ist, weil System und Regelmaß ein Spiegel zur Erkenntnis des Meisters sind. Ja er sagt:
اَلشَّمْسُ َتجْرِى
{"Die Sonne läuft..." (Sure 36, 38)}
das heißt, die Sonne dreht sich. Mit diesem Ausdruck "dreht sich" macht er die Größe des Meisters verständlich, der in dem Wechsel von Sommer und Winter, Tag und Nacht an Seine ordnungsgemäße Verfügungsgewalt gemahnt.
Was nun auch immer die Wahrheit dieser Bewegung sein mag, es ändert dies nichts an der Ordnung, von der hier die Rede ist und deren verknüpftes Muster man beobachten kann.
Weiter sagt er:
وَجَعَلَ الشَّمْسَ سِرَاجًا
{"Und Wir haben die Sonne zu einer Lampe gemacht." (Sure 71, 16)}
Mit dem Ausdruck "Siradj"(Lampe) erinnert er daran, dass die Welt wie ein Schloss ist, in dem aller Schmuck, die Nahrung und alle Dinge des täglichen Bedarfs für die Menschen und alles Leben bereitgestellt ist; dazu dient die Sonne als eine Leuchte. So macht er die Barmherzigkeit und Gnadengabe des Schöpfers verständlich.
Und nun sieh einmal: Was sagt diese benebelte und geschwätzige Philosophie? Schau, sie sagt: "Die Sonne ist eine gewaltige Masse aus flüssigem Feuer. Sie bewirkt, dass die Planeten, die aus ihr herausgeschleudert wurden, um sie kreisen. Ihre Größe ist so und so und ihre Eigenschaften sind diese und jene..." Außer entsetzlichem Schrecken und fürchterlicher Verwunderung, gibt dies dem Geiste nichts. Dieses Wissen dient nicht zur Vollkommenheit, es behandelt das Thema nicht, wie der Qur'an dies tut. Wenn du einen Vergleich ziehst, wirst du begreifen, welchen Wert die wissenschaftliche Fragestellung hat. Sie ist nach innen hohl und taub, nach außen großartig. Lass dich von diesem äußerlichen Glanz nicht verwirren und werde nicht respektlos gegenüber der wundergleichen Darlegung des Qur'an.
اَللّٰهُمَّ اجْعَلِ الْقُرْاٰنَ شِفَآءً لَنَا وَلِكَاتِبِهِ وَاَمْثاَلِهِ مِنْ كُلِّ دَآءٍ، وَمُونِساً لَنَا وَلَهُمْ فِى حَيَاتِنَا وَبَعْدَ مَمَاتِنَا، وَفِى الدُّنْياَ قَريِنًا، وَفِى الْقَبْرِ مُونِسًا، وَفِى الْقِيَامَةِ شَفِيعًا، وَعَلَى الصِّرَاطِ نُوراً، وَمِنَ النَّارِ سِتْراً وَحِجَاباً، وَفِى الْجَنَّةِ رَفِيقًا، وَاِلَى الْخَيْراَتِ كُلِّهاَ دَلِيلاً وَاِمَامًا، بِفَضْلِكَ وَجُودِكَ وَكَرَمِكَ وَرَحْمَتِكَ يَآ اَكْرَمَ اْلاَكْرَمِينَ وَيَآ اَرْحَمَ الرَّاحِمِينَ، اٰمِينَ ٭ اَللّٰهُمَّ صَلِّ وَسَلِّمْ عَلٰى مَنْ اُنْزِلَ عَلَيْهِ الْفُرْقاَنُ الْحَكِيمُ وَعَلٰٓى اٰلِهِ وَصَحْبِهِٓ اَجْمَعِينَ، اٰمِينَ
{"Oh Gott, manche den Qur'an ein Heilmittel für uns gegen alle Krankheiten, einen Vertrauten in unserem Leben und nach unserem Tode, einen Freund in dieser Welt und einen Vertrauten im Grabe, einen Fürsprecher am Tage der Auferstehung und ein Licht auf der Brücke von Sirat, einen Schutz und Schirm gegen das Feuer, einen Begleiter im Paradiese, einen Zeugen für alle guten Werke und einen Imam durch Deine Gnadenfülle, Deine Großmut, Deine Freigiebigkeit, Dein Erbarmen, oh Freigiebigster aller Freigiebigen, oh Barmherzigster aller Barmherzigen, Amen! Oh Gott, gib Frieden und Segen ihm, dem Du die Weise Unterscheidung (den Qur'an) herabgesandt hast; ihm und seiner Familie und seinen Gefolgsleuten insgesamt! Amen!"}
Anmerkung:
In der arabischen Ausgabe von Risale-i Nur gliedert sich der vierzehnte Tropfen in sechs Punkte. Der vierte Punkt gliedert sich in sechs Anmerkungen. Er erklärt fünfzehn von insgesamt vierzig verschiedenen Beweisen dafür, dass der Qur'an ein Wunder ist. Wir begnügen uns hier mit einer kurzen Fassung. Wer es wünscht, kann dort nachschlagen: er wird einen Schatz an Wundern finden...
Zwanzigstes Wort
(Besteht aus zwei Kapiteln)
Erstes Kapitel
بِسْمِ اللَّهِ الرَّحْمَنِ الرَّحِيمِ ٭ وَاِذْ قُلْنَا لِلْمَلٰٓئِكَةِ اسْجُدُوا ِلاٰدَمَ فَسَجَدُوٓا اِلآَّ اِبْلِيسَ ٭ اِنَّ اللهَ يَاْمُرُكُمْ اَنْ تَذْبَحُوا بَقَرَةً ٭ ثُمَّ قَسَتْ قُلُوبُكُمْ مِنْ بَعْدِ ذٰلِكَ فَهِىَ كَالْحِجَارَةِ اَوْ اَشَدُّ قَسْوَةً
{"Im Namen Gottes, des Erbarmers, des Barmherzigen. Und als Wir zu den Engeln sagten: 'Werft euch vor Adam nieder!' Da warfen sie sich (alle) nieder, außer Iblis." (Sure 2, 34) "Gott befiehlt euch, eine Kuh zu schlachten!" (Sure 2, 67) "Sodann verhärteten sich danach eure Herzen, so dass sie (schließlich) wie Steine wurden, oder noch härter." (Sure 2, 74)}
Als ich eines Tages diese Verse las, wurden mir gegen die Hetzreden des Iblis mit dem Segen des Weisen Qur'an folgende drei Anmerkungen eingegeben. Die Form seiner Einflüsterung war folgende:
Er sagte: "Ihr sagt: Der Qur'an ist ein Wunder. Auch seine Ausdrucksweise ist von unendlicher Prägnanz. Auch ist er für alle zu jeder Zeit eine Richtschnur. Doch was für einen Sinn sollte es haben, einige unbedeutende Ereignisse als geradezu historisch zu betonen und zu wiederholen? Eine Kuh zu schlachten, ist doch nur ein kleines Ereignis, wird aber als derart wichtig beschrieben, dass diese große Sure sogar als "Al-Baqara(die Kuh)" bezeichnet wird. Ist das denn überhaupt noch verhältnismäßig? Und weiter ist der Zwischenfall mit dem "Kotau vor Adam" doch nur ein Hinweis aus dem Unsichtbaren. Der Verstand findet dazu doch gar keinen Zugang. In einem starken Glauben sind Ergebung und Bestätigung möglich.
Doch der Qur'an unterrichtet alle, die Verstand haben. An vielen Stellen sagt er: اَفَلاَ يَعْقِلُونَ {"Haben sie denn keinen Verstand?" (Sure 36, 68)} und verweist so auf den Verstand. Welch eine Rechtleitung steckt dahinter, wenn der Erwähnung des natürlichen, rein zufälligen Aussehens von Steinen eine solche Wichtigkeit beigemessen wird?"
Die Anmerkungen, die ich empfangen habe, lauten folgendermaßen:
Erste Anmerkung:
Im Weisen Qur'an gibt es viele kleine Geschehnisse. Hinter jedem versteckt sich ein allgemein gültiges Prinzip und wird als Faden für ein allumfassendes Gesetz dargestellt.
Zum Beispiel:
عَلَّمَ اٰدَمَ اْلاَسْمَآءَ كُلَّهَا
{"Und Er lehrte Adam alle Namen." (Sure 2, 31)}
Das Wunder Adams, dass ihn alle Namen gelehrt wurden, wodurch sich seine Eignung für das Kalifat gegenüber den Engeln herausstellte, ist ein kleines Ereignis, das auf ein allumfassendes Gesetz hinweist. Es ist der Faden eines solchen allgemeingültigen Gesetzes:
Es beruht auf einem Bildungsstand, der zahllose Kenntnisse umfasst, die der Menschheit wegen ihrer vielseitigen Begabungen gelehrt wurden, der sich auf sehr viele Wissenschaften, die alle Arten der Schöpfung betreffen, bezieht und eine Vielzahl von Erfahrungen, die sich auf Taten und Eigenschaften des Schöpfers beziehen, beinhaltet. Diese Bildung hat der Menschheit eine Überlegenheit gegeben, die den Anspruch rechtfertigt, das Große Pfand auf sich zu nehmen, nicht nur Engeln gegenüber, sogar auch Himmel und Erde und den Bergen gegenüber. So wie der Qur'an verständlich macht, dass die
Menschheit in ihrer Gesamtheit ein geistiger Kalif auf Erden ist, bildet das kleine Geschehnis aus dem Unsichtbaren, das "als die Engel sich vor Adam niederwarfen, der Teufel sich aber nicht niederwarf", den Faden eines allumfassenden, allgemeingültigen, von uns bezeugten Gesetzes. So lässt der Qur'an eine sehr große Wahrheit erahnen. Es ist dies wie folgt:
Wenn der Qur'an erwähnt, dass die Engel Adam in seiner Person gehorsam leisteten und sich ihm unterwarfen, der Teufel aber dabei hochmütig wurde und sich weigerte, macht er damit verständlich, dass die meisten materiellen Arten, die geistigen Vertreter und die Zuständigen dieser Arten, der Menschheit gehorchen und sich für allerlei Arten Nutzen ihrer Fähigkeiten bereitstellen und unterwerfen.
Er gemahnt die Menschen daran, was für ein großes Hindernis die bösen Dinge, welche die Begabungen der Menschengattung verderben und auf falsche Wege führen, auf dem Weg zur Vollkommenheit sind. Und was für ein fürchterlicher Feind die Vertreter und bösartigen Bewohner böser Dinge, für die Menschheit sind. Und der Qur'an, dessen Verkündigung ein Wunder ist, führt mit dem ganzen Kosmos und mit der ganzen Menschheit ein erhabenes Gespräch, wobei er von Adam, mit dem Friede und Segen sei, einem einzigen (Menschen) berichtet und einer kleinen Begebenheit mit ihm.
Zweite Anmerkung:
Ägypten ist ein Teil der Großen Sahara, welche ein Sandland ist. Durch den Ertrag des segensreichen Nils ist dieses Land zu einem fruchtbaren Acker geworden. Da sich in der Nachbarschaft dieser höllenähnlichen Sahara ein solches paradiesähnliches segensreiches Gebiet findet, hatte dies zur Folge, dass bei seiner Bevölkerung Ackerbau und Viehzucht in hohem Ansehen standen. Sie waren im Wesen seiner Bewohner so tief verwurzelt, dass sie die Landwirtschaft für heilig erklärten und Stier und Rind, als deren Voraussetzung, verehrten, ja sie sogar in den kultischen Rang ihrer Anbetung erhoben. Die damalige Bevölkerung Ägyptens
hatte Stier und Rind für so heilig erklärt, dass sie sie anbeteten. Damals lebten auch die Söhne Israels in diesem Gebiet und wir erfahren aus dem Vorfall mit dem "(goldenen) Kalb", dass auch sie an diesen Sitten beteiligt waren.
Wenn der Weise Qur'an mitteilt, dass Mosis, mit dem Friede sei, eine Kuh schlachtete, so will er damit verständlich machen, dass er durch seine Sendung diese Sitte der Anbetung der Kühe, welche in die Gebräuche dieses Volkes eingegangen war und in seiner Kultur zum Ausdruck kam, vollständig ausrottete. Er erklärt also mit diesem kleinen Ereignis wie in einem erhabenen Wunder ein allgemein gültiges Prinzip und dies ist zugleich ein weiser Unterricht, den jeder in jeder Zeit braucht.
Dementsprechend erkenne, dass manch kleine Ereignisse, die im Weisen Qur'an in Form von Geschichtserzählungen erwähnt werden, Faden allgemeingültiger Gesetze sind. Ich hatte sogar als Beispiel für die Geschichte Mosis, welche in vielen Suren mit sieben bestimmten Sätzen wiederholt zitiert werden, in der Abhandlung "Lemeat(Funken)", wo der Qur'an als Wunder behandelt wird, erklärt, was für ein bedeutendes, allgemeingültiges Gesetz jeder Abschnitt dieser kleinen Sätze innehat. Dort kannst du diese Abhandlung nachschlagen, wenn du willst.
Dritte Anmerkung:
ثُمَّ قَسَتْ قُلُوبُكُمْ مِنْ بَعْدِ ذٰلِكَ فَهِىَ كَالْحِجَارَةِ اَوْ اَشَدُّ قَسْوَةً وَاِنَّ مِنَ اْلحِجَارَةِ لَمَا يَتَفَجَّرُ مِنْهُ اْلاَنْهَارُ وَاِنَّ مِنْهَا لَمَا يَشَّقَّقُ فَيَخْرُجُ مِنْهُ اْلمَآءُ وَاِنَّ مِنْهاَ لَمَا يَهْبِطُ مِنْ خَشْيَةِ اللّٰهِ وَمَا اللّٰهُ بِغَافِلٍ عَمَّا تَعْمَلوُنَ
{"Sodann aber verhärteten sich danach eure Herzen und wurden zu Stein oder noch härter; und siehe, es gibt Steine, aus denen Flüsse entströmen; andere spalten sich und es trat Wasser (: Quellen) aus ihnen hervor; andere wiederum fürwahr, welche aus Furcht vor Allah niederstürzten; und Allah ist nicht achtlos eures Tuns." (Sure 2, 74)}
Beim Lesen dieser Ayah sagte der Einflüsterer: "Welcher
Sinn liegt darin, gewöhnliche Steine, wie sie jedem bekannt sind, mit ihren natürlichen, selbstverständlichen Formen zur allerwichtigsten und größten Sache zu erklären und so zu behandeln? Ist das denn überhaupt noch verhältnismäßig? Und wozu sollte es denn dienen?"
Auf diese Einflüsterung wurde mir aus der Fülle des Qur'an die folgende Anmerkung eingegeben:
Es ist dies in der Tat verhältnisgemäß und die Erklärungen sind auch notwendig. Es gibt sogar eine so bedeutende Beziehung, einen so nachhaltigen Sinn und eine so mächtige und notwendige Einsicht, die nur die wunderbare Prägnanz des Qur'an und die Gnade seiner Rechtleitung in gewissem Grade vereinfachen und zusammenfassen konnte. Die Prägnanz, ein Kennzeichen der Wunderhaftigkeit des Qur'an, die Rechtleitung und die Schönheit der Erklärungen in seinen Unterweisungen erfordern, dass die allumfassenden Wahrheiten und profunden, allgemein gültigen Gesetze einfachen Leuten, die unter den Ansprechpartnern des Qur'an die Mehrheit bilden, in der ihnen vertrauten, einfachen Form gezeigt werden und dass die mächtigen Wahrheiten einfachen Leuten gerade über diese Schiene und in einfacher Darstellung nahegebracht werden. Darüber hinaus sollte auch auf Gottes wunderbares Walten, welches uns hinter dem Schleier des Alltäglichen und auch unter der Erde verborgen bleibt, deutlich hingewiesen werden. So ist es gerade dieses Geheimnis, worüber der Weise Qur'an in dieser Ayah folgendes sagt:
Oh ihr Söhne Israels und oh ihr Söhne Adams! Was ist mit euch geschehen, dass eure Herzen noch starrer und härter als diese Steine wurden. Seht ihr denn nicht, wie diese riesigen Steine (auch unter der Erde) Gottes Befehlen so gehorsam unterworfen und dem Walten ihres Herrn gegenüber so milde und in gleicher Weise dienstbereit sind, mit welch gleicher Leichtigkeit sich Gottes Walten bei der Gestaltung der Bäume im Luftraum (auch über der Erde) vollzieht. Genauso fließt auch das Wasser ungehindert durch Adern und Kanäle in diesen unterirdischen,
harten und tauben Gesteinen
{(*): Die drei wichtigsten Aufgaben zu erklären, die der majestätische Schöpfer den Gesteinsschichten zugeordnet hat, welche der Grundstein dieses unsere Erde genannten prächtigen, wandelnden Schlosses sind, gebührt in der Tat allein dem Qur'an.
Ihre erste Aufgabe: So wie die Erde durch die Macht des Herrn die Mutterschaft für die Pflanzen übernimmt und sie versorgt, genauso übernimmt der Stein durch die Macht Gottes seine Mutterschaft über die Erde und hält sie fest.
Ihre zweite Aufgabe: Sie dienen dazu, das Wasser wohlgeordnet fließen zu lassen, was im Körper der Erde dem Blutkreislauf gleicht.
Ihre dritte Aufgabe entspricht ihrer naturgemäßen Beschaffenheit: Sie sorgen als Schatzmeister und Verwalter dafür, dass Quellen und Bäche, Flüsse und Ströme in Ordnung und Ausgewogenheit heraustreten und fortbestehen. Die Steine prägen in der Tat die Beweise der Allgegenwart (des Einen Gottes) unter der Gestalt des lebendigen Wassers in das Gesicht der Erde ein, wenn sie es mit ihrer ganzen Kraft und vollem Munde ausspeien.}
mit der gleichen Leichtigkeit, der Ordnung und in vollkommener Weisheit so wie auch das Blut in seinen Adern.
Des Weiteren weist der Qur'an darauf hin, mit welcher Leichtigkeit sich die empfindlichen Wurzelhärchen auf Gottes Geheiß mühelos und planmäßig in den Steinen unter der Erde ausbreiten, genauso leicht wie sich auch die Äste der Bäume und anderer Pflanzen im Luftraum (über der Erde) ausdehnen. So unterrichtet er mit dieser Ayah eine umfassende Wahrheit, macht sie diesen harten Herzen verständlich und deutet damit auf das Folgende hin:
Oh ihr Söhne Israels und Söhne Adams! Was tragt ihr denn für ein Herz in euch, dass sich dieses Herz trotz eurer Schwäche und Ohnmacht gegen die Befehle eines solchen Herrn krampfhaft widersetzt. Demgegenüber erfüllen die gewaltigen Schichten dieser riesigen, harten Steine, den Befehlen dieses Herrn vollkommen unterworfen, im Dunkel ihre so sensiblen Aufgaben. Sie zeigen
keinerlei Ungehorsam. Vielmehr dienen diese Steine allen Lebewesen über der Erde derart als Schatzmeister, welcher ihnen das Wasser für ihr Leben und den übrigen Lebensunterhalt vermittelt, und in einer solchen Gerechtigkeit, in einer solchen Weisheit Verteilung gewährleistet, dass sie in der Hand der Macht des majestätischen Herrschers (Hakim-i Dhu l-Djelal)so weich sind wie Wachs, ja sogar wie die Luft, die keinen Widerstand bietet und sich niederwerfen vor der Größe Seiner Macht. Denn gleich diesen wohlgeordneten Kunstwerken, die wir auf der Erde bezeugen, entstehen dergleichen weise und gnadenvolle Werke Gottes auch unter der Erde. Ja vielmehr tritt dort die Weisheit und Gnade Gottes in einer noch einzigartigeren Weise in Erscheinung, betrachtet man, wie wunderbar doch ihre Weisheit und wie erstaunlich doch ihre Ordnung ist. Seht doch, wie diese riesigen Steine, so hart und gefühllos sie sind, sich doch entsprechend dem Gang der Dinge weich wie Wachs erweisen und den anmutigen Wassern und seidenweichen Wurzelhärchen, welche Beamte Gottes sind, ohne jeglichen Widerstand und Härte entgegentreten. Einem Liebenden vergleichbar, zerreißt sogar der Stein sich das Herz vor der Berührung dieser Anmutigen und Schönen und wird vor ihnen zu Staub.
Des Weiteren zeigt die Aussage
وَاِنَّ مِنْهاَ لَمَا يَهْبِطُ مِنْ خَشْيَةِ اللّٰهِ
{"Und fürwahr gibt es unter ihnen solche, welche aus Furcht vor Allah niederstürzen;" (Sure 2, 74)}
als einen Leitfaden für eine solch mächtige Wahrheit: Im Geschehnis von "Taleb-i Ru'yet (Wunsch Mosis Gott zu schauen)" wurde der berühmte Berg (Sinai) durch die Erscheinung (Gottes) zerspalten und die Felsen zerfielen. Desgleichen zerbrechen überall auf der Erde die Felsengipfel manch hoher Berge, die aussehen, als bestünden sie aus einem einzigen gewaltigen Block, der einmal Meeresschlamm oder glutflüssige Lava gewesen war und nun
erkaltet ist, bei einem Erdbeben und anderen Erdverwerfungen, majestätischen Erscheinungen, die Furcht einflößen; ein Teil von ihnen verwittert, zerfällt zu Staub und wird zu Erde für die Pflanzen.
Ein anderer Teil von ihnen bleibt Stein, rollt (die Berge) hinab, verteilt sich in den Bächen und über die Ebenen. Sie dienen den Erdenbewohnern zu vielerlei Zwecken, wie z.B. dem Bau ihrer Häuser. Sie werfen sich mit ihren in ihnen verborgenen praktischen Nutzanwendungsmöglichkeiten im Gehorsam vor der Macht und Weisheit Gottes nieder. So nehmen sie gegenüber den Grundsätzen der Weisheit des Hochgelobten eine dienstbereite Haltung ein. Mit Sicherheit verlassen sie ihre hohen Gipfel in Ehrfurcht und wählen bescheiden die niederen Plätze und werden so zu einer Quelle vieler wichtiger und nützlicher Dinge. Ein Beweis dafür, dass dies weder absurd, unbeabsichtigt, planlos oder zufällig ist, vielmehr sich dahinter in dem weisen Walten eines mächtigen Weisen (Hakiem-i Qadir)eine vollkommene Ordnung verbirgt, die äußerlich betrachtet als Unordnung erscheint, sind diese zahllosen Nutzanwendungsmöglichkeiten, die auf diesen Steinen beruhen. Die vollkommene Ordnung und wunderbare Kunstfertigkeit dieses Kleides, das mit Blumen und Früchten dekoriert und geschmückt ist und die Berge, von denen diese Steine rollen, gleich einem Leib bekleidet, legt sicher und zweifelsfrei ein zuverlässiges Zeugnis dafür ab.
Somit kann man sehen, wie bedeutend - aus dem Blickpunkt der Weisheit heraus betrachtet - diese drei Ayat sind. Nun seht einmal die Feinsinnigkeit des Qur'an in seiner Verkündung und das Wunder in seiner Wortkunst; wie er die Leitfäden dieser obenerwähnten großen, umfassenden und wichtigen Wahrheiten in drei Abschnitten und an Hand von drei bekannten und bezeugten Ereignissen aufzeigt und wie er seine Lehren auf eine feine Art übermittelt, während er an drei weitere Ereignisse als Lehrbeispiele erinnert; zugleich verbrennt und überwindet er alle Widerstände.
Zum Beispiel:
Er sagt im zweiten Abschnitt:
وَاِنَّ مِنْهَا لَمَا يَشَّقَّقُ فَيَخْرُجُ مِنْهُ اْلمَآء
{"Und siehe, unter ihnen sind solche, die sich spalten und es entströmt ihnen Wasser (: Quellen);" (Sure 2, 74)}
Da der Qur'an mit diesem Abschnitt auf den Stein hinweist, der sich vor dem Stab Mosis, mit dem Friede und Segen sei, in vollkommener Begeisterung gespalten hatte und aus dessen zwölf Öffnungen zwölf Quellen entströmten, lässt er einen solchen Sinn verstehen und sagt mit diesem Hinweis: "Oh ihr Söhne Israels! Vor einem einzigen Wunder Mosis, mit dem Friede und Segen sei, werden riesige Steine weich und spalten sich. Sie weinen, entweder aus Furcht oder vor Freude und vergießen eine Flut von Tränen. In was für einer Einstellung seid ihr vor allen Wundern Mosis, mit dem Friede und Segen sei, so verbohrt, dass ihr nicht weint; eure Augen sind tot und eure Herzen erstarrt."
Des Weiteren sagt er im dritten Abschnitt:
وَاِنَّ مِنْهاَ لَمَا يَهْبِطُ مِنْ خَشْيَةِ اللّٰهِ
{"Fürwahr unter ihnen sind solche, die aus Furcht vor Allah niederstürzen;" (Sure 2, 74)}
Mit diesem Abschnitt erinnert er uns an das Bittgebet Mosis, mit dem Friede und Segen sei, auf dem Berge Tur im Sinai, infolge dessen sich die majestätische Erscheinung (Gottes) zeigte. Aus der Furcht (vor dieser Erscheinung) brach der riesige Berg in Stücke und zerfiel. Aus dieser Furcht rollten die Steine in allen Richtungen hinunter. Durch die Erinnerung an dieses berühmte Geschehnis lehrt der Qur'an uns die folgende Bedeutung: Oh ihr vom Stamme Mosis, mit dem Friede und Segen sei, wie kann es sein, dass ihr euch nicht vor Allah fürchtet? Es werden Berge, die doch aus Stein bestehen, ganz bedrückt in Furcht vor Ihm und zerfallen. Obwohl ihr wisst und seht, dass Er wegen Seines Vertrages mit euch den Berg Tur über euch fernhält und dass der Berg im Geschehnis
von "Taleb-i Ru'yet(Wunsch Mosis, Gott zu schauen)" in Stücke zerfiel, mit welchem Mut zittert und fürchtet ihr euch nicht vor Ihm und haltet eure Herzen fest in Härte und Erstarrung.
Des Weiteren sagt er im ersten Abschnitt:
وَاِنَّ مِنَ اْلحِجَارَةِ لَمَا يَتَفَجَّرُ مِنْهُ اْلاَنْهَار
{"Und siehe, es gibt Steine, aus denen Flüsse entströmen." (Sure 2, 74)}
Mit diesem Abschnitt erinnert der Qur'an uns an Flüsse, wie den gesegneten Nil, den Tigris und den Euphrat, die aus Bergen entspringen. Damit lässt er uns verstehen, in welcher wunderbaren und außergewöhnlichen Weise sich die Steine dem Gang der Entwicklung des Seins gegenüber zeigen und ihm unterworfen sind. Und somit gibt er den erwachten Herzen den folgenden Sinn ein: Auf jeden Fall ist es nicht möglich, dass diese Berge die tatsächlichen Quellen solcher gewaltigen Ströme sein könnten. Denn: Angenommen, diese Berge bestünden vollständig aus Wasser und wären kegelförmige Gebilde: Es reichte dennoch nur für ein paar Monate! Doch trotzdem diese riesigen Ströme so schnell und so reichlich dahin fließen, verlieren sie nicht das Gleichgewicht. Dabei kann der Regen, der gewöhnlich nur bis zu einem Meter tief in die Erde einzudringen vermag, den reichlichen Wasserverlust nicht ausreichend abdecken. Das heißt also, dass das Hervorquellen dieser Ströme ein Vorkommnis ist, das man nicht für gewöhnlich, selbstverständlich oder zufällig erachten kann. Vielmehr lässt der majestätische Schöpfer (Fatir-i Dhu l-Djelal)seine Ströme in ganz besonders wunderbarer Weise ausschließlich aus der unsichtbaren Schatzkammer fließen.
Also, auf diese feine Wahrheit hinweisend, um dieser Tatsache Ausdruck zu verleihen, besagt eine Überlieferung: "Zu jedem von diesen drei Strömen tropft jederzeit ein Tropfen aus dem Paradies, wodurch sie stets gesegnet sind." Außerdem lautet eine andere Überlieferung: "Die Quellen dieser drei Ströme entspringen aus dem
Paradies." Der Sinn dieser Überlieferung ist folgender: Da nun einmal die sichtbaren Ursachen nicht ausreichend dafür sind, dass diese Ströme in einem solchen Ausmaß hervorquellen, entspringen ihre Quellen mit Sicherheit aus einer unsichtbaren Welt und kommen aus einer verborgenen Schatzkammer der Barmherzigkeit, sodass ihr Gleichgewicht zwischen den Einnahmen und Ausgaben bestehen bleibt.
So unterrichtet der Weise Qur'an, wenn er uns an diese Tatsache erinnert, wie folgt: Er sagt: Oh ihr Söhne Israels und Söhne Adams! Durch eure Herzensstarrheit und Gottvergessenheit zeigt ihr euch ungehorsam gegenüber den Befehlen eines solchen majestätischen Herrn und schließt eure Augen vor dem Strahl der Erkenntnis einer solchen immerwährenden Sonne. Er lässt riesige Ströme wie den gesegneten Nil, welcher euer Ägypten in ein Paradies verwandelt, aus dem Mund gewöhnlicher und lebloser Steine hervorquellen, verleiht damit Wunderwerke Seiner Macht und Zeugnisse Seiner Allgegenwart (Vahdaniyet)im Grade der Macht und der Erscheinung und der Fülle dieser riesigen Ströme der Erde, dem Herzen des Kosmos und ihrem Geist und lässt sie in die Herzen und den Verstand der Dschinnen und der Menschen eindringen. Obwohl manche Steine, die gefühllos, leblos sind und in so einer erstaunlichen Weise
{(*): Der segensreiche Nil entspringt aus einem Felsen, der Mondberg genannt wird, und der wichtigste Nebenstrom des Tigris quillt aus einer Felshöhle im Distrikt Van hervor. Ein wichtiger Nebenstrom des Euphrat entspringt am Fuß eines Berges in der Umgebung von Diyadin. Es steht wissenschaftlich fest, dass die Berge aus Gesteinsmassen hervorgegangen sind, welche bei ihrer Entstehung Meeresschlamm oder flüssige Lava gewesen waren und dann erstarrten.
سُبْحَانَ مَنْ بَسَطَ اْلاَرْضَ عَلٰى مَآءٍ جَمَدٍ
("Gepriesen sei Er, der die Erde auf einer Masse erstarrter Flüssigkeit ausbreitete!")
lautet eine Lobpreisung des Propheten und weist so mit aller Sicherheit darauf hin, dass die Erschaffung der Erde ursprünglich auf folgende Weise geschah: Eine Art Flüssigkeit erhärtete auf Gottes Geheiß und wurde zu Stein. Der Stein zerfiel mit Gottes Erlaubnis zu Staub. In der Lobpreisung ist das arabische Wort "Ard" die Bezeichnung für "Erde". Die Flüssigkeit war aber so dünn, dass man noch nicht darauf stehen konnte. Der Stein ist aber so hart, dass man ihn noch nicht nutzen kann. Darum breitete der barmherzige Allweise Erde über dem Gestein aus und schuf so einen Platz für die Lebewesen.}
die Wunderwerke des Allmächtigen zeigen, auf den majestätischen Schöpfer hinweisen, so wie das Licht der Sonne auf die Sonne hinweist, wie könnt ihr euch vor dem Licht der Erkenntnis (Gottes) blind stellen und es nicht sehen?
So siehe denn, was für eine Rhetorik und Stilistik (gleich einem Gewand) über diesen drei Tatsachen zurechtgeschneidert wurde! Und achte auf die Wortkunst in der qur'anischen Unterweisung! Gäbe es etwa irgendwelche Starrheit und Härte, die einer solch feurigen Rhetorik in der Unterweisung widerstehen könnte, ohne von ihr beeindruckt zu sein!...
Nun, wenn du dies von Anfang an bis hierher verstanden hast, so erkenne darin den Funken des Wunders, das die Rechtleitung des Weisen Qur'an ist, und danke Gott!..
سُبْحَانَكَ لاَعِلْمَ لَنَآ اِلاَّ مَاعَلَّمْتَنَآ اِنَّكَ اَنْتَ الْعَلِيمُ الْحَكِيمُ ٭ اَللّٰهُمَّ فَهِّمْنَا اَسْرَارَ الْقُرْاٰنِ كَمَا تُحِبُّ وَتَرْضٰى وَوَفِّقْناَ لِخِذْمَتِهِ اٰمِينَ بِرَحْمَتِكَ يَآ اَرْحَمَ الرَّاحِمِينَ ٭ اَللّٰهُمَّ صَلِّ وَسَلِّمْ عَلٰى مَنْ اُنْزِلَ عَلَيْهِ الْقُرْاٰنُ الْحَكِيمُ وَعَلٰٓى اٰلِهِ وَصَحْبِهِٓ اَجْمَعِينَ
{"Gepriesen seist Du! Wir haben kein Wissen, außer dem, das Du uns gelehrt hast. Denn Du bist der Allwissende, der Allweise!" "Oh Gott, mach uns die tiefen Wahrheiten des Qur'an so verständlich wie Du selbst es liebst und es Dir wohlgefällig ist und gewähre uns den Erfolg in seinem Dienst nach Deinem Erbarmen, amin." "Oh Du Barmherzigster aller Barmherzigen." "Oh Gott, gewähre Frieden und Segen dem, auf den Du den weisen Qur'an herabgesandt hast, seiner Familie und allen seinen Gefährten."}
Zweites Kapitel
Ein Funke aus dem Wunder des Qur'an, welcher im Antlitz der Wunder der Propheten erscheint.
Beachte die beiden Fragen und ihre Antworten im letzten Abschnitt!
بِسْمِ اللَّهِ الرَّحْمَنِ الرَّحِيمِ ٭ وَلاَ رَطْبٍ وَلاَ يَابِسٍ اِلاَّ فِى كِتَابٍ مُبِينٍ
{"Im Namen Allahs, des Erbarmers, des Barmherzigen. ...und nichts Grünes und nichts Dürres, das nicht in einer deutlichen Schrift verzeichnet wäre." (Sure 6, 59)}
Vor vierzehn Jahren (inzwischen sind es dreißig Jahre geworden) hatte ich in meinem Kommentarbuch ein Kapitel mit dem Titel "Isharatu l-i'djaz(Zeichen der Wunder des Qur'an)" über eine tiefe Wahrheit dieser Ayah in arabischer Sprache verfasst. Zwei Mitbrüder, deren Wünsche für mich bedeutsam sind, haben mich nun darum gebeten, ihnen einiges zu diesem Thema auf türkisch zu erklären. So vertraue ich denn auf die Führung Gottes des Gerechten, baue auf die Hilfe des Qur'an und sage:
Nach einer Überlieferung versteht man unter der deutlichen Schrift den Qur'an. Diese Ehrwürdige Ayah erklärt, dass sich alles Grüne oder Dürre in ihm findet. Ist das tatsächlich so? Ja, es findet sich in der Tat alles in ihm. Aber es kann nicht jeder alles in ihm erkennen, denn es findet sich auf verschiedenen Ebenen. Manchmal findet es sich als Kernsätze, manchmal als Saatgedanken, manchmal in Form einer Zusammenfassung, manchmal in Form von Grundsätzen, manchmal in Form von Merksätzen; entweder offensichtlich, oder hinweisend, oder symbolisch, oder unter einem Sammelbegriff, oder in Form einer
Ermahnung. Je nach dem Bedürfnis und dem Zweck des Qur'an entsprechend und in Bezug auf seinen Inhalt wird es in einer dieser Formen ausgedrückt.
Zum Beispiel:
Als wunderbare Kunstwerke und Einzigartigkeiten der Wissenschaften, welche Ergebnisse des menschlichen Fortschrittes sind, sind Flugzeuge, Elektrizität, Eisenbahn, Telegraf u. dgl. Dinge in Erscheinung getreten und haben im täglichen Leben der Menschen einen großen Platz eingenommen. Der Weise Qur'an, der zur ganzen Menschheit spricht, sollte doch diese Dinge auf gar keinen Fall unerwähnt gelassen haben. Und er hat sie in der Tat nicht unerwähnt gelassen. Er hat in zweierlei Art auf sie hingewiesen:
Erster Hinweis:
Durch die Wunder der Propheten...
Zweiter Hinweis:
Er weist durch manche Erzählungen aus der Geschichte auf sie hin.
Zum Beispiel:
قُتِلَ اَصْحاَبُ اْلاُخْدُودِ ٭ اَلنَّارِذَاتِ الْوَقُودِ ٭ اِذْ هُمْ عَلَيْهَا قُعُودٌ ٭ وَهُمْ عَلٰى مَا يَفْعَلُونَ بِالْمُؤْمِنِينَ شُهُودٌ ٭ وَمَا نَقَمُوا مِنْهُمْ اِلآَّ اَنْ يُؤْمِنوُا بِاللّٰهِ الْعَزِيزِ الْحَمِيدِ
{"Verflucht seien die Leute der Grube, des Feuers mit seinem Brennstoff, wenn sie an ihm sitzen und Zeugnis ablegen für das, was sie den Gläubigen angetan haben. Und sie rächten sich an ihnen allein deswegen, weil sie an den Einen Gott glaubten, der mächtig und des Lobes würdig ist..." (Sure 85, 4-8)}
{(*): Dieser Satz deutet klar darauf hin, dass es die Eisenbahn ist, welche die islamische Welt unter die Gefangenschaft gebracht hat. Durch sie haben die Ungläubigen die Muslime besiegt.}
Sowie:
فِى الْفُلْكِ اْلمَشْحُونِ ٭ وَخَلَقْناَ لَهُمْ مِنْ مِثْلِهِ مَايَرْكَبُونَ
{"Und ein Zeichen ist es ihnen, dass Wir ihre Nachkommenschaft) in dem vollbeladenen Schiff trugen und ihnen ähnliche Dinge verfertigten, die sie besteigen." (Sure 36, 41-42)}
weist der Qur'an mit vergleichbaren Ayat auf die Eisenbahn hin.
اَللّٰهُ نُورُ السَّمٰوَاتِ وَاْلاَرْضِ مَثَلُ نُورِهِ كَمِشْكٰوةٍ فِيهَا مِصْباَحٌ اَلْمِصْباَحُ فِى زُجَاجَةٍ اَلزُّجَاجَةُ كَاَنَّهَا كَوْكَبٌ دُرِّىٌّ يُوقَدُ مِنْ شَجَرَةٍ مُبَارَكَةٍ زَيْتُونَةٍ
لاَشَرْقِيَّةٍ وَلاَ غَرْبِيَّةٍ يَكَادُ زَيْتُهَا يُضِٓيئُ وَلَوْ لَمْ تَمْسَسْهُ نَارٌ نُورٌ عَلٰى نُورٍ يَهْدِى اللّٰهُ لِنُورِهِ مَنْ يَشَآءُ
{"Allah ist das Licht des Himmels und der Erde. Sein Licht ist mit einer Leuchte zu vergleichen, mit einer Lampe darin. Die Lampe ist in einem Glas. Es scheint wie ein funkelnder Stern. Es brennt von einem gesegneten Baum, einem Ölbaum, der weder im Osten noch im Westen ist, und dessen Öl Helligkeit gibt, ohne dass es vom Feuer berührt worden wäre - Licht über Licht. (*) Allah führt seinem Licht zu, wen Er will." (Sure 24, 35)
(*) Anmerkung:
يَكَادُ زَيْتُهَا يُضِٓئُ وَلَوْ لَمْ تَمْسَسْهُ نَارٌ نُورٌ عَلٰى نُورٍ
("...und dessen Öl Helligkeit gibt, ohne dass es vom Feuer berührt worden wäre - Licht über Licht.")
Dieser Satz bringt jenen Hinweis ans Licht.}
Diese Ayah weist auf viele verschiedene Lichter und Geheimnisse hin, wobei sie auch auf die Elektrizität hindeutet. Da sich mit diesem zweiten Aspekt viele Leute beschäftigen und er großer Aufmerksamkeit und eingehender Erklärung bedarf und umfangreich ist, möchte ich mich hier mit diesen Ayat, welche auf die Eisenbahn und auf die Elektrizität hinweisen, begnügen und diese Tür nicht öffnen. Erster Hinweis weist auf sie durch die Wunder der Propheten hin. Hier wollen wir einige Beispiele dieser Art zum Vergleich anführen.
Einführung:
Wie im Weisen Qur'an erwähnt wird, hat Gott der Gerechte die Propheten als jeweils einen Führer und Wegweiser für die Gemeinschaften der Menschen hinsichtlich ihrer geistigen Entwicklung gesandt und für die materielle Entwicklung der Menschen jedem dieser Propheten gewisse Wunder an die Hand gegeben und sie
zu Meistern und Lehrern gemacht. Er befiehlt uns, uns ihnen in jeder Hinsicht zu unterwerfen. Wenn der Qur'an von der geistigen Vollkommenheit der Propheten spricht, spornt er die Menschen dazu an, ihnen zu folgen; die Abhandlung über die Wunder aber lässt eine Ermunterung dazu verspüren, deren Nachahmung zu erreichen, ihnen nachzueifern. Man kann sogar sagen, dass es an Hand der Wunder geschah, dass der Menschheit erstmals geistige Vollkommenheit als auch materielle Vollkommenheit und Wunderwerke geschenkt wurden. So ist das Schiff, ein Wunder Noahs, und die Uhr, ein Wunder Josefs, das erstmals der Menschheit geschenkt wurde, aus der Hand der Wunder. Ein feinsinniger Hinweis auf diese Tatsache ist folgender:
Die meisten Handwerker nehmen in jedem Handwerk je einen Propheten als Meister an. Zum Beispiel nehmen die Schiffbauer Noah an, mit dem Friede sei, die Uhrmacher Josef, mit dem Friede sei, die Schneider Henoch, mit dem Friede sei...
Forscher und Leute der Dichtkunst sind sich ja darin einig, dass jede Ayah im Qur'an in verschiedener Hinsicht eine Lehre erteilt und auf den rechten Weg leitet. Die Ayat über die Wunder der Propheten, die prächtigsten im Qur'an, dessen Verkündigung ein Wunder ist, sind keine bloße Erzählung aus der Geschichte, sondern sie beinhalten verschiedene Bedeutungen, die auf den rechten Weg führen. Wenn der Qur'an die Wunder der Propheten bespricht, so zieht er die weiteste Grenze der Wissenschaft und Kunst der Menschen. Er legt den Finger auf ihre entferntesten Ziele. Er bestimmt ihr endgültiges Ziel. Zur Ermunterung klopft er dem Menschen auf seine Schultern und führt ihn zu diesem Ziel hin. So wie die vergangene Zeit eine Speicherkammer der Samen der zukünftigen Zeit und ein Spiegel ihrer Ereignisse ist, so ist auch die Zukunft ein Acker der Vergangenheit und ein Spiegel ihrer Geschehnisse. Jetzt wollen wir nur noch einige Beispiele aus dieser überaus umfangreichen Quelle erklären...
Zum Beispiel:
Die Ayah
وَلِسُلَيْمٰنَ الرِّيحَ غُدُوُّهَا شَهْرٌ وَرَوَاحُهَا شَهْرٌ
{"Und Salomon haben Wir den Wind dienstbar gemacht, sein Morgen war ein Monat und sein Abend ein Monat." (Sure 34, 12)}
welche als ein Wunder Salomons, mit dem Friede sei, die Unterwerfung der Luft ausdrückt, besagt: "Salomon hat an einem Tag eine Strecke von zwei Monaten in der Luft fliegend zurückgelegt." Darin weist der Qur'an darauf hin: Für die Menschen ist der Weg offen, in der Luft eine solche Strecke zurückzulegen. Wenn das so ist, oh Mensch, und für dich die Möglichkeit besteht, bemühe dich darum, diese Stufe zu erreichen! Gott der Gerechte bringt mit dieser Ayah sinngemäß zum Ausdruck: "Oh ihr Menschen! Da einer meiner Diener mit ganzer Seele kein Windbeutel mehr sein wollte, habe ich ihn auf dem Wind reiten lassen. Wenn auch ihr mit ganzer Seele kein Faulpelz mehr sein wollt und von manchen Gesetzen und Regeln meiner Gewohnheit den besten Gebrauch macht, könnt auch ihr auf ihm reiten!"
Diese Ayah,
فَقُلْناَ اضْرِبْ بِعَصَاكَ الْحَجَرَ فَانْفَجَرَتْ مِنْهُ اثْنَتَا عَشْرَةَ عَيْناً
{"Da sprachen Wir: Schlage mit deinem Stab auf den Felsen! Da brachen zwölf Quellen aus ihm hervor. usw...." (Sure 2, 60)}
welche ein Wunder Mosis, mit dem Friede sei, erklärt, weist darauf hin: Man kann Schätze der Barmherzigkeit, die unter der Erde verborgen sind, mit einfachen Werkzeugen herausholen. Man kann sogar an einem steinharten Ort mit einem Stab lebendiges Wasser zu Tage fördern. So sagt denn diese Ayah den Menschen sinngemäß: "Ihr könnt lebendiges Wasser, welches das anmutigste Geschenk der Barmherzigkeit ist, mit einem Stab finden. Also dann, auf, arbeitet nur und findet es!" Gott der Gerechte spricht mit den Worten dieser Ayah zu dem Geist des Menschen: "Oh Mensch! Einem meiner Diener,
der auf mich vertraut, gebe ich also einen solchen Stab in die Hand, womit er an jedem Platz, den er nur will, lebendiges Wasser hervorholen kann. Wenn du dich auf die Gesetze meiner Barmherzigkeit stützt, kannst auch du ein solches oder ein ähnliches Gerät in Gebrauch nehmen. Also tu das!" So ist eine unter den wichtigsten Entwicklungen der Menschheit die Entwicklung eines Gerätes, mit dem man in vielen Gebieten sondieren und Wasser hervorsprudeln lassen kann. Diese Ayah zeigt noch entfernter liegende Ziele solcher Entwicklungen, noch weit hinter unendlich fernen Grenzen auf. Desgleichen legt die obenerwähnte Ayah Punkte fest, die im Vergleich zu den bereits heute von den Flugzeugen erreichten in einer noch unendlich viel weiteren Ferne liegen.
Noch ein Beispiel: Die Ayah
وَ اُبْرِئُ اْلاَكْمَهَ وَاْلاَبْرَصَ وَاُحْيِى اْلمَوْتٰى بِاِذْنِ اللّٰهِ
{"Und ich werde mit Gottes Erlaubnis Blinde und Aussätzige heilen und Tote wieder lebendig machen." (Sure 3, 49)}
betrifft ein Wunder Jesu, mit dem Friede sei. Wie der Qur'an die Menschen zur hohen Gesittung Jesu, mit dem Friede sei, eindeutig anspornt, so regt er sie auch zu der hohen Kunst und der Medizin des Herrn indirekt an. So weist diese Ayah darauf hin: "Auch die langwierigsten Krankheiten sind heilbar. Also dann, oh Mensch und ihr von einem Unglück heimgesuchten Söhne Adams! Seid nicht verzweifelt! Alle Krankheiten - was es auch sei - sind heilbar. Wenn ihr sucht, findet ihr. Ja es ist sogar möglich, den Tod vorübergehend mit einer Farbe des Lebens zu bestreichen." Gott der Gerechte weist durch diese Ayah darauf hin: "Oh Mensch! Ich habe einem meiner Diener, der um meinetwillen die Welt aufgegeben hat, zwei Geschenke verliehen. Das eine ist die Heilung der Seele; das andere ist die Medizin für körperliche Krankheiten... Es werden tote Herzen durch das Licht der Rechtleitung wieder ins Leben gerufen. Kranke, die wie tot sind, finden Genesung durch seine Einhauchung und
seine Medizin. Auch du kannst für jede deiner Krankheiten Heilung aus der Apotheke meiner Weisheit finden. Arbeite! Finde! Suchst du, dann wirst du mit Sicherheit finden." So setzt diese Ayah die Grenze des Fortschrittes der Menschen in der Medizin viel weiter als den heutigen Stand, weist auf noch weit entfernte Ziele hin und spornt an.
Noch ein Beispiel: Die Ayah
وَاَلَنَّا لَهُ الْحَدِيدَ ٭ وَاٰتَيْناَهُ الْحِكْمَةَ وَفَصْلَ الْخِطَابِ
{"Und wir machten für ihn das Eisen weich." (Sure 34, 10) "Und wir gaben ihm Weisheit und entscheidende Rede." (Sure 38, 20)}
welche über David, mit dem Friede sei, sprechen, und die Ayah
وَ اَسَلْناَ لَهُ عَيْنَ الْقِطْرِ
{"Und wir ließen eine Quelle von geschmolzenem Metall für ihn fließen." (Sure 34, 12)}
welche über Salomo berichtet, weisen (alle drei) darauf hin, dass das Weichmachen des Eisens ein großes Geschenk Gottes ist, mit dem der Qur'an die Vorzüglichkeiten eines großen Propheten erwähnt. In der Tat ist Eisen weich wie Teig zu machen, Kupfer zu schmelzen, Metalle zu finden und heraufzuholen, Ursprung, Mutter, Grundlage und Quelle aller materialverarbeitenden Kunst- und Handwerksbetriebe der Menschen. So weist diese Ayah darauf hin: "Für einen großen Propheten, einen großen Kalifen der Erde ist es ein großes Wunder, ein großes Geschenk Eisen weich wie Teig zu machen und fein wie Draht zu ziehen und Kupfer zu schmelzen und somit Ursprung zu sein für die meisten allgemeinen Industriezweige." Da nun einmal Gott der Gerechte einem Propheten, der auch ein Kalif, d.h. zugleich geistiger als auch weltlicher Herrscher war, Weisheit der Zunge und praktische Begabung seiner Hand verliehen hat und uns mit klarer Aussage antreibt, auf die Weisheit seiner Zunge zu hören, so liegt darin mit Sicherheit auch ein Zeichen
zur Ermunterung, seine handwerkliche Meisterschaft nachzuahmen. Gott der Gerechte spricht durch diese Ayah: "Oh ihr Söhne Adams! Einem meiner Diener, der meinen Befehlen gehorcht, habe ich eine solche Weisheit in Herz und Zunge gelegt, dass er durch sie alles mit vollkommener Klarheit herausstellen und ihre Wahrheit zeigen kann, und auch seiner Hand eine solche handwerkliche Begabung gegeben, dass er das Eisen, als wäre es Wachs, in seiner Hand verformen kann. Dadurch erhielt er eine bedeutende Macht für sein Kalifat und sein Königtum. Da dies nun einmal möglich ist, einmal gegeben wurde und für euch wichtig ist und ihr dessen in eurem gesellschaftlichen Leben sehr bedürft, so kann auch euch diese handwerkliche Begabung gegeben werden, wenn ihr meinen Befehlen des Seins (den Gesetzen der Natur) folgt. Im Laufe der Zeit könnt ihr dem entgegen wachsen."
Wenn also nun die Menschen hinsichtlich ihrer handwerklichen Begabung so weit fortgeschritten sind und hinsichtlich ihrer physischen Kraft so bedeutende Kapazitäten erworben haben, so ist dies erst durch das Weichmachen des Eisens und das Schmelzen des Kupfers ermöglicht worden. In der Ayah wurde Kupfer als "kitr,قِطْرِ = flüssiges Metall" bezeichnet. Diese Ayat lenken die Aufmerksamkeit der ganzen Menschheit auf diese Wahrheit hin, ermahnten die Menschen alter Zeiten, die nicht zu schätzen wussten, wie bedeutend diese Wahrheit war, ermahnten auch alle Faulen heutiger Zeit...
Noch ein Beispiel:
Es ist die Ayah, welche auf das wunderbare Geschehnis hinweist, wo Salomo, mit dem Friede sei, einen seiner Minister, der über das nötige Wissen verfügte, weit entfernte Dinge herbei zu holen, dazu beauftragte, den Thron der Königin Belkis aus Saba, herbeizuholen. Er antwortete: "Ich kann ihren Thron in einem Augenblick hier bei euch zugegen sein lassen!"
قَالَ الَّذِى عِنْدَهُ عِلْمٌ مِنَ اْلكِتَابِ اَنَا اٰتِيكَ بِهِ قَبْلَ اَنْ يَرْتَدَّ اِلَيْكَ طَرْفُكَ فَلَمَّا رَاٰهُ مُسْتَقِرًّا عِنْدَهُ
{"Derjenige, der Wissen aus der Schrift besaß, sagte: 'Ich werde ihn dir in einem Augenblick bringen.' Als er ihn nun bei sich stehen sah,..." (Sure 27, 40)}
Diese Ayah weist darauf hin, dass es möglich ist, Dinge selbst oder ihre Abbildungen aus weiten Entfernungen gegenwärtig zu machen. Es ist ja geschehen.
Salomo, mit dem Friede sei, besaß neben der Ehre seines Prophetentums auch noch die seiner Königsherrschaft. Damit er sich untadelig und gerecht verhalten konnte, sollte er persönlich alle Ecken seines großen Reiches mühelos und ohne Anstrengung kennen, den Zustand seiner Untertanen sehen und ihre Sorgen hören. Dies hatte Gott der Gerechte ihm als ein Wunder geschenkt. Wenn also Salomo, mit dem Friede sei, auf Gott den Gerechten vertraute und so wie er in seiner untadeligen Art etwas von Ihm erbat, und insoweit wie auch der Mensch in der Sprache seiner Fähigkeit etwas von Gott dem Gerechten erbittet und sich dabei nach den Gesetzen Seiner Gewohnheit (: den Naturgesetzen) richtet und sich Seiner Gnade entsprechend verhält, insoweit wird ihm die ganze Welt wie nur eine Stadt vorkommen. Während der Thron der Königin Belkis von Saba, noch im Jemen war, wurde er selbst oder seine Abbildung als in Damaskus anwesend gesehen. Mit den Abbildungen der Männer um den Thron wurden mit Sicherheit auch ihre Stimmen gehört.
Damit weist diese Ayah majestätisch darauf hin, dass man Bilder und Stimmen aus weiter Entfernung gegenwärtig erscheinen lassen kann, und gibt in diesem Sinne folgendes zum Ausdruck: "Oh ihr Leute eines Königreiches! Wenn ihr lautere Gerechtigkeit ausüben wollt, sollt ihr euch darum bemühen, wie Salomo die Erde in ihrem ganzen Umfang zu sehen, zu erkennen und zu verstehen. Denn ein gerechter Herrscher, ein König, der seine Untertanen liebt, kann seiner geistigen Verantwortung nur insoweit gerecht werden und gerecht sein, in welchem
Grade er sich über alle Enden seines Reiches zu jeder Zeit und wann immer er will, in Kenntnis setzen kann." Gott der Gerechte sagt mit dieser Ayah folgendes:
"Oh ihr Söhne Adams! Ich gebe einem meiner Diener einen sich weithin erstreckenden Besitz. Ich gebe ihm direkte Kenntnis über den Zustand und die Ereignisse der Erde, damit er in diesem sich so weithin erstreckenden Besitz lautere Gerechtigkeit ausüben kann. Da ich nun einmal jedem Menschen, wie es seinem Wesen entspricht, die Begabung gegeben habe, Kalif (Verantwortlicher) auf Erden zu sein, so habe ich ihm mit Sicherheit, wie es meine Weisheit erfordert, gemäß dieser Begabung auch die Fähigkeit verliehen, die ganze Erde zu sehen, zu betrachten und zu verstehen. Wenn auch nicht jeder persönlich diesen Punkt erreichen kann, so kann ihn doch die menschliche Gattung als solche erreichen. Könnt ihr ihn nicht materiell erreichen, so könnt ihr ihn aber wie Gottesfreunde (ehl-i velayet)durch geistige Fähigkeiten erreichen. Weil dies aber so ist, könnt ihr aus diesem gewaltigen Geschenk euren Nutzen ziehen. Auf nun, und lasst einmal sehen, wie ihr arbeitet, ohne euren Auftrag, die Anbetung Gottes, zu vergessen! Verwandelt das Antlitz der Erde in einen Garten, indem ihr einander von allen Seiten betrachten und eure Stimmen an allen Ecken hören könnt.
هُوَ الَّذِى جَعَلَ لَكُمُ اْلاَرْضَ ذَلُولاً فَامْشُوا فِى مَنَاكِبِهَا وَكُلُوا مِنْ رِزْقِهِ وَاِلَيْهِ النُّشُورُ
{"Er ist es, der euch die Erde untertan gemacht hat. Geht auf ihrem Rücken umher und esst von dem, was Er euch beschert hat! Und zu Ihm ist dereinst eure Rückkehr." (Sure 67, 15)}
Ihr sollt auf den Erlass des Erbarmers, der durch diese Ayah zum Ausdruck kommt, hören." So zeigt also diese Ayah mit diesem Hinweis die entfernteste Grenze der feinen Kunst, Bilder und Stimmen von weither gegenwärtig erscheinen zu lassen und lässt eine Ermunterung dazu erahnen.
Noch ein Beispiel: Die folgende Ayah
مُقَرَّنِينَ فِى اْلاَصْفَادِ
{"Und die Satane machten wir ihm dienstbar,... und andere, in Fesseln aneinander gebunden." (Sure 38, 37-38)}
وَمِنَ الشَّيَاطِينِ مَنْ يَغُوصُونَ لَهُ وَيَعْمَلوُنَ عَمَلاً دُونَ ذٰلِكَ
{"Und Satane machten wir ihm dienstbar, solche, die für ihn ins Meer tauchten und noch andere Arbeiten ausführten..." (Sure 21, 82)}
welche mitteilen, dass Salomo, mit dem Friede sei, Dschinnen und Teufel und böse Geister unterworfen hat und sie für nützliche Dinge in den Dienst stellte, sich jedoch ihre bösen Taten verbat. Diese Ayat besagen: Auch Dschinnen, die als bewusstseinstragende Geschöpfe die wichtigsten Bewohner der Erde nach den Menschen sind, können den Menschen dienstbar werden. Mit ihnen kann Kontakt aufgenommen werden. Die Teufel können gezwungen werden, ihre Feindschaft aufzugeben und sie können, ob sie wollen oder nicht, dienen, wie Gott der Gerechte sie einmal einem seiner Diener, der Seinen Befehlen gehorsam war, folgsam gemacht hatte. Gott der Gerechte sagt durch diese Ayah:
"Oh Mensch! Einem meiner Diener, der sich mir unterworfen hat, ließ ich Dschinnen, Teufel und die Übeltäter unter den selben gehorsam sein. Wenn auch du dich meinen Befehlen unterwirfst, können dir viele Wesen, ja sogar Dschinnen und Teufel, gehorchen."
Also, Herbeirufen der Seelen Verstorbener und Kontaktaufnahme mit den Dschinnen u. dgl. mehr, wie der Spiritismus, der aus der Kunst und Wissenschaft der Menschen heraus destilliert ist und der aus ihrer körperlich und geistig außerordentlichen Empfindsamkeit entstand, setzt diese Ayah die weiteste Grenze und bestimmt ihre nutzbaren Formen und öffnet auch den Weg dazu. Man sollte jedoch nicht den Dschinnen, Teufeln und bösen Geistern, die sich manchmal wie die Seelen der Verstorbenen
verhalten, unterworfen sein, Maskerade und Spielzeug werden, wie in heutiger Zeit, sondern sie mit den feinen Wahrheiten aus dem Qur'an dienstbar machen, um sich vor ihren Übeltaten zu schützen.
Die Ayat, die auf das Herbeirufen, die Unterwerfung der Dämonen durch Salomo, mit dem Friede sei, und auf das Erscheinen der Seelen der Verstorbenen hinweisen, und andere Ayat wie die folgende
فَاَرْسَلْنَآ اِلَيْهَا رُوحَنَا فَتَمَثَّلَ لَهَا بَشَراً سَوِيّاً
{"Und Wir sandten ihr Unseren Geist. Der stellte sich ihr als ein wohlgestalteter Mensch dar." (Sure 19, 17)}
weisen auch auf das Erscheinen der Geistwesen und gleichzeitig auf das Herbeirufen der Seelen Verstorbener hin.
Was aber nun dieses Herbeirufen der guten Geister betrifft, worauf hier hingewiesen wird, so handelt es sich dabei nicht, wie bei manchen Vertretern heutiger Zivilisation, um verschiedene Spielereien in Form einer Belustigung. Diese rufen Seelen, die doch äußersten Respekt verdienen und in einer Welt leben, die zu respektieren ist, ohne Respekt zu sich, ja sogar zu Spielereien herbei.
Man darf sich jedoch nur mit Ernst und in ernsthafter Absicht, so wie es Persönlichkeiten wie Muhyiddin al-Arabi und manche unter den Gottesfreunden praktiziert haben, zu ihnen hin ziehen lassen, eine Beziehung zu ihnen aufbauen, an ihren Ort reisen und sich bis zu einem gewissem Grade ihrer Welt annähern und dabei von ihrer geistigen Ausstrahlung einen geistigen Nutzen empfangen. Dies ist es, worauf die Ayat eigentlich hinweisen und mit diesem Hinweis spornen sie uns dazu an und ziehen dabei gleichzeitig die äußerste Grenze derartig geheimnisvoller Kunst und Wissenschaft und zeigen uns ihre allerschönste Form...
Noch ein Beispiel:
Die Ayat, die über die Wunder Davids, mit dem Friede sei, berichten,
اِنَّا سَخَّرْناَ الْجِبَالَ مَعَهُ يُسَبِّحْنَ بِالْعَشِىِّ وَاْلاِشْراَقِ ٭ عُلِّمْنَا مَنْطِقَ الطَّيْرِ ٭ يَا جِبَالُ اَوِّبِى مَعَهُ وَالطَّيْرَ وَاَلَنَّا لَهُ الْحَدِيدَ
{"Wir machten im Verein mit ihm die Berge dienstbar, sodass sie (mit ihm zusammen uns) abends und bei Sonnenaufgang preisen." (Sure 38, 18) "(Salomo sagte:) Es wurde uns die Sprache der Vögel gelehrt," (Sure 27, 16) "Oh ihr Berge und ihr Vögel lobpreiset mit ihm! Und wir erweichten für ihn das Eisen." (Sure 34, 10)}
weisen darauf hin, dass Gott der Gerechte dem Lobgesang Davids, mit dem Friede sei, eine solche Kraft, einen so starken Klang und eine solch anmutige Ausdrucksform verliehen hatte, dass er die Berge in Ekstase versetzen konnte. Sie glichen gewaltigen Phonographen und bildeten, wie Menschen um einen Dhikrleiter, einen Kreis bis zum Horizont und lobten und priesen Gott. Ist so etwas denn möglich? Kann es denn wahr sein?
Ja, das ist tatsächlich die Wahrheit. Jeder Berg kann durch die Höhlen in seinem Inneren mit einem Menschen in der Sprache der Menschen wie ein Papagei sprechen. Denn: Wenn du vor einem Berg "Elhamdulillah(Lobpreis und Dank sei Gott!)" rufst, wird der Berg durch den Widerhall deiner Stimme genauso wie du "Elhamdulillah!"ausrufen. Da Gott der Gerechte diese Fähigkeit den Bergen gegeben hat, kann man diese Fähigkeit mit Sicherheit weiter entwickeln. Dieser Same kann Frucht bringen.
Gott der Gerechte hat David, mit dem Friede sei, mit dem Prophetentum beauftragt und ihm dabei noch in besonderer Weise das Kalifat (Herrschaft) über die Erde gegeben. Wie es seiner umfangreichen Sendung und diesem gewaltigen Herrschaftsbereich würdig war, ließ Gott der Gerechte den Samen dieser Fähigkeit sich gleich einem Wunder derart entfalten, dass riesige Berge sich David Soldaten, Schülern, Novizen gleich unterwarfen und in seiner Sprache entsprechend seinem Befehl
den majestätischen Schöpfer lobpreisen. Was auch David, mit dem Friede sei, rief, wiederholten sie. Ein großer Kommandant kann zum Beispiel durch viele, entwickelte Kommunikationsmittel und Nachrichtengeräte sein gewaltiges Heer, das sich über die Berge verstreut verschanzt hat, dazu bringen, gleichzeitig gemeinsam "Allahu Ekber(Gott ist groß!)" auszurufen. Und so lässt er riesige Berge sprechen, versetzt sie in Begeisterung. Wenn ein Kommandant der Menschen die Berge in der Sprache derer, die sich darauf befinden, wie im obigen Beispiel, zum Sprechen bringt, kann mit Sicherheit auch ein majestätischer Kommandant Gottes des Gerechten sie wahrhaftig zum Sprechen bringen und sie veranlassen, Gott zu lobpreisen. Darüber hinaus erklärten wir schon in vorherigen Abhandlungen, dass jeder Berg eine geistige Persönlichkeit besitzt und dementsprechend Gott lobpreist und Ihn anbetet. Das heißt, dass jeder Berg, so wie er durch Widerhall in der Sprache der Menschen Gott lobpreist, so lobpreist er auch in seiner eigenen Sprache den majestätischen Schöpfer.
وَالطَّيْرَ مَحْشُورَةً ٭ عُلِّمْنَا مَنْطِقَ الطَّيْرِ
{"Ebenso die Vögel in Scharen" (Sure 38, 19) "(Salomo sagte:) Es wurde uns die Sprache der Vögel gelehrt,..." (Sure 27, 16)}
Diese Sätze zeigen, dass David und Salomo, mit denen Friede sei, die Gabe, Sprachen der Vogelarten und den Ausdruck ihrer Begabungen, das heißt, wozu sie geeignet sind, zu verstehen, von Gott dem Gerechten geschenkt wurde. Und so ist das in der Tat. Das Antlitz der Erde ist eine Tafel des Erbarmens, gedeckt zu Ehren des Menschen. Wenn dies aber so ist, können die verschiedenen Tierarten und die meisten Vogelarten, die von dieser gedeckten Tafel ihren Nutzen ziehen, dem Menschen unterworfen und dienstbar sein. Der Mensch stellt Honigbienen und Seidenraupen, die kleinsten unter den Tierarten, in Dienst und ebnete sich so durch eine Eingebung Gottes den Weg zu einem gewaltigen Gewinn. Er nimmt die Tauben zu verschiedenen Aufgaben in seine Dienste.
Er bringt Vögeln wie dem Papagei das Sprechen bei. Dies alles trägt zur Schönheit der menschlichen Kultur bei. Es gibt viele Tier- und Vogelarten, die man für wichtige Aufgaben einsetzen kann, wenn man ihre Vorzüge kennt.
Zum Beispiel:
In welch nützlichem Dienst kann der Star, der Heuschrecken vernichtet, ohne sie zu fressen, gegen den Ansturm einer Heuschreckenplage ohne Aufwand eingesetzt werden, wenn man die Sprache des Stars versteht und sein Verhalten lenken kann.
Um sich die Vögel derart nutzbar zu machen, sie zu unterwerfen, leblose Dinge wie Telefon und Phonograph zum Sprechen zu bringen, ziehen diese Ayat die äußerste Grenze des Möglichen und setzen das am weitesten entfernte Ziel fest. Sie zeigen mit dem Finger darauf hin, wie man sie bestens gebrauchen kann und ermuntern uns in gewisser Weise dazu. In diesem Sinne sagt Gott der Gerechte durch diese Ayat folgendes:
"Oh ihr Menschen! Einem unter euren Mitmenschen, der sich mir als ein vollkommener Diener erweist, unterstelle ich die riesigen Geschöpfe meines Reiches und lasse sie mit ihm sprechen, damit dies ein Eckpfeiler der Unbescholtenheit seines Prophetentums und der lauteren Gerechtigkeit seiner Herrschaft sei. Die meisten meiner Soldaten und der Tierarten mache ich ihm dienstbar. Ich habe jedem von euch das große Pfand anvertraut, was zu tragen Himmel, Erde und Berge gezögert hatten. Ich habe jedem die Gabe verliehen, Verantwortlicher (Kalif) auf Erden zu sein. In wessen Hand die Zügel all dieser Geschöpfe liegen, dem sollt auch ihr euch unterwerfen, sodass auch euch die Geschöpfe Seines Reiches gehorchen können. Ihr könnt sie im Namen des Herrn, in dessen Hand ihre Zügel liegen, in Besitz nehmen und damit zu einer Stufe aufsteigen, die euren Fähigkeiten entspricht. Das also ist die Sachlage. Statt sinnloser Vergnügungen, wie den Fonografen spielen zu lassen, Tauben zu dressieren, oder sie als Briefboten abzurichten, Papageien zum Sprechen zu bringen, solltest du dich besser um ein äußerst angenehmes, hohes, erhabenes,
unschuldiges Vergnügen bemühen, damit die Berge dir wie David zu einem riesig großen Fonografen werden. Durch die Berührung eines leichten Windes soll der Klang des Gottesgedenkens von den Bäumen und allen Pflanzen auf dem Berg, wie von der Saite eines Instrumentes in deinen Ohren klingen. Dann erweist sich dir der Berg selbst als ein erstaunliches Geschöpf, das Gott mit tausend Zungen lobpreist und die meisten Vögel werden sich dir in zutrauliche Freunde, oder - wie Salomos Wiedehopf - in gehorsame Diener verwandeln. Sie sollen dich sowohl erfreuen, als auch zu der Vervollkommnung, für die du geeignet bist, mit Begeisterung hinführen und dich nicht, wie jener andere Zeitvertreib da, von der Stufe (maqam),die dein Mensch-sein erfordert, herabstürzen lassen."
Noch ein Beispiel: In der Ayah,
قُلْنَا يَا نَارُ كوُنِى بَرْداً وَسَلاَماً عَلٰٓى اِبْرهِيمَ
{"Oh Feuer! Sei kühl und friedlich zu Abraham!" (Sure 21, 69)}
welche über ein Wunder Abrahams, mit dem Friede sei, berichtet, gibt es drei feine Hinweise:
Erstens:
Genauso wie die anderen Ursachen in der Natur verhält sich auch das Feuer nicht nach seinem eigenen Geschmack, nach seiner Natur und blindlings wie von Sinnen. Vielmehr erfüllt es seine Aufgabe unter einem Befehl, sodass es Abraham, mit dem Friede sei, nicht brannte und es wurde ihm befohlen: "Brenne ihn nicht!"
Zweitens:
Es gibt eine Hitzestufe, die gleich der Kälte brennt. Das heißt, sie wirkt gleich wie ein Brand. Gott der Gerechte sagt der Kälte mit dem Wort سَلاَماً {"Sei friedlich!"}
{(*): Ein Kommentar sagt: Wenn Er nicht "selamen" (Sei friedlich!) gesagt hätte, würde (Abraham) durch Kälte verbrannt.}
"Du sollst nicht wie die Hitze durch deinen Frost brennen!" D.h. die Hitze zeigt sich auf dieser Stufe gleich der Kälte, wenn sie brennt. Sie ist zugleich Hitze als auch Kälte. Nach der naturwissenschaftlichen Weisheit gibt es tatsächlich eine Hitzestufe, welche der Zustand der Weißglut ist, wobei Hitze sich nicht ausbreitet, sondern Hitze herangezogen wird, wodurch eine Art Kälte flüssige Dinge wie Wasser um sich herum gefrieren lässt, d.h. dass die Kälte Brand bewirkt. So ist ein strenger Frost eine Art Feuer, das durch die Kälte brennt. Es muss also in der Hölle, die alle Stufen des Feuers und all dessen Arten umfasst, mit Sicherheit auch ein strenger Frost vorhanden sein.
Drittens:
So wie es einen geistigen Stoff wie den Glauben (iman)und Gottergebenheit (islamiyet)gleich wie ein Panzerhemd gibt, um die Wirkung des Höllenfeuers abzuweisen und davor zu schützen, so gibt es auch einen materiellen Stoff, der die Wirkung des irdischen Feuers abweist. Gott der Gerechte führt, als Erfordernis Seines Namens "der Allweise" einerseits und da andererseits diese Welt der Ort der Weisheit ist, Seine Handlungen hinter dem Schleier der Ursachen durch. So hatte das Feuer Abrahams Körper nicht, wie auch sein Hemd nicht verbrannt und ihm den Zustand verliehen, dem Feuer zu widerstehen. Wie es Abraham nicht verbrannte, so verbrannte es auch nicht sein Hemd. Mit diesem Hinweis sagt diese Ayah folgendes:
"Oh Volk Abrahams! Seit wie Abraham, so dass eure materiellen wie geistigen Hemden zu Panzerhemden werden, sowohl hier als auch drüben gegen das Feuer, das euer größter Feind ist. So wie ihr euren Geist sich mit dem Glauben zu bekleiden heißt und er euch wie ein Panzerhemd gegen das Höllenfeuer wird, so gibt es auch etliche Stoffe, welche Gott der Gerechte für euch in der Erde aufbewahrt und vorbereitet hat. Sie schützen euch vor dem Übel des Feuers. Sucht sie, holt sie heraus und (fertigt euch daraus Kleider, die ihr) anziehen könnt!" So ist eine der wichtigen Entwicklungen und Entdeckungen
des Menschen, einen Stoff gefunden zu haben, aus dem er nicht brennbare, feuerfeste Kleider herstellen und anziehen kann. Worauf sich aber diese Ayah bezieht, so siehe, wie erhaben, fein und ewig haltbar dem gegenüber jene Hülle ist, die auf der Werkbank von "Hanifan Musliman"{Die Art Abrahams, mit dem Friede sei; lautere Gottergebenheit. (A.d.Ü.)} gewebt wurde...
Noch ein Beispiel:
وَعَلَّمَ اٰدَمَ اْلاَسْمَآءَ كُلَّهَا
{"Er lehrte Adam alle (Seine) Namen (kennen)." (Sure 2, 31)}
Diese Ayah sagt: "Das große Wunder Adams, mit dem Friede sei, bezüglich seines Anspruchs auf die Ermächtigung (das große Pfand) {Gemeint: Entscheidungsfreiheit des Menschen. (A.d.Ü.)} (Hilafet-i kubra)ist, dass ihm gelehrt wurde, alle Namen zu kennen." So weisen denn die Wunder der übrigen Propheten, wie bereits oben geschildert, auf die Entdeckungen der Menschheit in bestimmten Bereichen hin. Das Wunder Adams, mit dem Friede sei, der der Vater aller Propheten und der Eröffner des Rates der Propheten ist, zeigt die fernsten Grenzen aller Vollkommenheit und jeglicher Entwicklung des Menschen und ihre weitesten Ziele fast eindeutig. Gott der Gerechte sagt durch diese Ayah: "Oh ihr Söhne Adams! Ich lehrte eurem Vater, in Bezug seines Anspruchs auf die Ermächtigung (Hilafet)den Engeln gegenüber als ein Zeugnis für seine Bevorzugung, alle (Meine) Namen kennen. Auch ihr seid seine Kinder und die Erben seiner Begabungen. Ihr sollt alle Namen kennen lernen und allen Geschöpfen gegenüber den Vorzug zeigen, dass ihr dazu berechtigt seid, das große Pfand auf euch zu nehmen. Denn im Kosmos ist für euch der Weg offen, die höchsten Sprossen (maqam)über allen Geschöpfen zu erklimmen und einen hohen Rang zu erreichen, dass euch riesige Geschöpfe gleich der Erde dienstbar werden...
Auf, stürmt vor, haltet je einen meiner Namen fest und steigt empor! Aber euer Vater war einmal vom Teufel betrogen worden und vorübergehend von seinem hohen Rang (maqam)herab und hinab auf die Erde gestürzt. Gebt acht, bei eurem Voranschreiten nicht dem Teufel zu folgen und einen Anlass zu geben, von den Himmeln der Weisheit Gottes herab und hinunter in den Irrtum des Naturalismus zu stürzen. Erhebet wieder und wieder eure Häupter und achtet auf Meine "Schönen Namen (Esma-i Husna)".Um in diese Himmel aufzusteigen, sollt ihr eure Wissenschaften und euren Fortschritt zu einer Leiter machen, auf der ihr zu Meinen Namen, d.h. den Namen eures Herrn, gelangen könnt, welche Quelle und Wahrheit eurer Wissenschaften und eurer Vollkommenheit sind. Betrachtet euren Herrn mit eurem Herzen durch das Fernrohr dieser Namen..."
Eine wichtige Anmerkung und ein bedeutendes Geheimnis:
Wie diese bewunderungswürdige Ayah auf Kenntnis beruhende Vollkommenheit, wissenschaftlichen Fortschritt und wunderbare Kunstwerke des Menschen, welche er durch die Vielseitigkeit seiner Begabungen erlangt hat, unter der Bezeichnung "Die Lehre der Namen (Talim-i Esma)"beinhaltet und in sich umfasst, so liegt hierin folgender feiner und erhabener Hinweis:
Jede Vollkommenheit, jede Erkenntnis, jeder Fortschritt, jede Wissenschaft hat eine erhabene Wahrheit, und es ist diese Wahrheit, auf der ein Name Gottes beruht. Diese Wissenschaften, diese Vollkommenheit, diese Künste führen dadurch zu ihrer Vollendung und zur Erkenntnis der Wahrheit, dass sie sich auf einen bestimmten Namen (Gottes) beziehen, der sich hinter sehr vielen Schleiern in unterschiedlichen Formen und auf verschiedenen Stufen findet. Anderenfalls sind sie nur ein unvollkommener, schwacher Schatten...
Zum Beispiel ist die Geometrie eine Wissenschaft. Ihre Wahrheit und ihr letztendliches Ziel ist es, zu den Namen Gottes des Gerechten "der Gerechte und der Bestimmer"
zu gelangen und in dem Spiegel der Geometrie die zweckmäßigen Erscheinungen dieser Namen in ihrem Umfang zu bezeugen.
Zum Beispiel ist die Medizin eine Wissenschaft und eine Kunst. Auch ihr eigentliches Ziel und ihre Wahrheit ist es, den Namen Gottes des Allweisen "der Heiler" zu erreichen. Indem man auf der Erde, die Seine gewaltige Apotheke ist, die barmherzigen Erscheinungen dieses Namens in den Heilmitteln sieht, kann die Medizin dadurch ihre Vollendung finden und so zur Erkenntnis der Wahrheit führen.
Zum Beispiel können die Naturwissenschaften, die sich mit den Gegebenheiten der Dinge befassen, dadurch zu einer Weisheit werden, dass man die umfassende Erscheinung des Namens Gottes des Gerechten "der Allweise" in der Lenkung und Leitung und in der Versorgung aller Dinge, ihrer Nutzanwendung und ihrer Bestimmung sieht und zu diesem Namen gelangt und sich auf ihn bezieht. Sonst verwandeln sie sich entweder in Aberglaube und Sinnlosigkeit oder öffnen einen Weg zur Irrlehre wie zur Naturphilosophie.
Hier sind drei Beispiele für dich... Vergleiche sie mit anderen Wissenschaften und Künsten!
Also ermuntert der Weise Qur'an den Menschen, ihm auf die Schulter klopfend, durch diese Ayah zu weitesten Zielen, entferntesten Grenzen und höchsten Stufen, hinter denen er in der derzeitigen Entwicklung sehr weit zurück geblieben ist, ihm diese Stufen mit dem Finger weisend, indem er sagt: "Auf und vorwärts marsch!"
Wir begnügen uns mit diesem Juwel aus der großartigen Schatzkammer dieser Ayah und machen hier diese Tür zu...
Noch ein Beispiel: Er, das Siegel im Rat der Propheten, das Oberhaupt der Propheten, für dessen Anspruch auf das Prophetentum die Wunder aller Propheten (in ihrer Übereinstimmung) als ein einziges Wunder gelten, und er, auf den dieser Kosmos stolz ist, und er, an dem sich
alle Namen mit allen ihren Abstufungen und mit allen ihren Einzelheiten zeigten, welche auch Adam, mit dem Friede sei, kurz zusammengefasst gelehrt wurden, er, mit dem Friede und Segen sei, spaltete den Mond, indem er seinen Finger majestätisch empor streckte, und indem er ihn hilfreich ausstreckte, entströmte seinen zehn Fingern Wasser wie aus der Quelle des Paradieses und er, der mit tausend Wundern bestätigt und unterstützt wurde, dessen größtes Wunder der weise Qur'an ist, war Mohammed, mit dem Friede und Segen sei. Zu den Aspekten, die den Qur'an als Wunder herausstellen, gehören die Flüssigkeit seiner Rede in der Verkündigung von Recht und Wahrheit, die Prägnanz in seiner Ausdrucksweise, die Vielseitigkeit seines Inhaltes, der Stil seiner erhabenen süßen Worte, was die folgende Ayah zum Ausdruck bringt:
قُلْ لَئِنِ اجْتَمَعَتِ اْلاِنْسُ وَالْجِنُّ عَلٰٓى اَنْ يَاْتوُا بِمِثْلِ هٰذَا الْقُرْاٰنِ لاَ يَاْتوُنَ بِمِثْلِهِ وَلَوْ كَانَ بَعْضُهُمْ لِبَعْضٍ ظَهِيراً
{"Sag: Auch täten Menschen und Dschinnen sich zusammen, um etwas herbeizubringen, was diesem Qur'an gleichwertig wäre, so werden sie das nicht herbeibringen können. Auch nicht, wenn sie sich gegenseitig dabei unterstützen sollten." (Sure 17, 88)}
Mit den gleichen Ayat lenkt er die Aufmerksamkeit der Menschen und der Dschinnen auf den obenerwähnten klarsten und glänzendsten Aspekt, neben vielen Aspekten, die dieses bleibende Wunder erkennbar machen. Er provoziert alle Menschen und Dschinnen. Er steigert die Begeisterung seiner Freunde und die Verbohrtheit seiner Feinde. Durch mächtige Ermunterung und mit kraftvoller Anfeuerung bringt er seine Freunde wie Feinde dazu, ihn nachzuahmen oder eine Nachdichtung abzufassen, das heißt, seine Worte zu imitieren oder etwas ähnliches zu Stande zu bringen. Ja er verhilft diesem Wunder sogar zu allgemeiner Beachtung, als bestünde der einzige Zweck des Menschen in diese Welt zu kommen darin, dieses Wunder als Ziel und Grundlage anzunehmen und in seiner Betrachtung sich bewusst auf das Ziel hin zu bewegen, welches in der Erschaffung des Menschen liegt.
Kurzum:
Die Wunder der anderen Propheten weisen jedes auf eines ihrer wunderbaren Künste hin. Das Wunder Adams aber, mit dem Friede sei, verweist neben den Grundsätzen allen Handwerks in kurz zusammengefasster Form auf ein Inhaltsverzeichnis der Kenntnisse und der Wissenschaften, der erstaunlichen und einzigartigen Dinge und alle Vollkommenheit des Menschen hin und ermuntert sie zugleich dazu. Was aber den Qur'an betrifft, dessen Verkündigung ein Wunder ist, das größte Wunder Ahmeds, mit dem Friede und Segen sei, so zeigt er eindeutig, dass sich in ihm die Wahrheit von dem, was Adam gelehrt wurde, nämlich alle Namen Gottes zu kennen, mit allen ihren Einzelheiten offenbart. Er zeigt die richtigen Ziele der Erkenntnisse und der Wissenschaften, die recht und wahr sind, und was die Vollendung und die Glückseligkeit in dieser und in jener Welt ist; zudem führt er die Menschen mit ganz besonderem Nachdruck dazu hin. Seine Führung und Anfeuerung lässt uns sogar folgendes verstehen:
"Oh Mensch! Das höchste Ziel dieser Schöpfung ist es, dem Aufscheinen der Herrschaft Gottes eine umfassende Anbetung Gottes entgegenzubringen, und das letztendliche Ziel des Menschen ist es, zu dieser Anbetung durch Erkenntnis und Vervollkommnung hin zu gelangen."
Er bringt das sogar in der Weise zum Ausdruck, dass er auf diese Weise folgenden Hinweis gibt: "Mit Sicherheit wird das Menschengeschlecht in der Endzeit zu Bildung und Wissenschaft hin strömen. Es wird alle seine Macht aus diesem Wissen schöpfen. Was Herrschaft und Macht betrifft, so werden sie an Kenntnis gebunden sein." Da der Qur'an, dessen Verkündigung ein Wunder ist, seine elegante, fließende Beredsamkeit immer wieder in den Vordergrund rückt, gibt er uns dadurch verstehen: "Bildung und Wissenschaft, deren höchster Glanz die Flüssigkeit der Rede und die Genauigkeit des Ausdrucks sind, werden in der Endzeit in all ihren Formen einen ganz besonderen Vorzug genießen. Die Menschen werden
sogar ihre schärfste Waffe aus der Korrektheit ihrer Aussage und ihre überwältigende Macht aus ihrer Art der Ausdrucksfähigkeit erhalten, um den anderen zur Annahme ihrer Meinung zu bewegen und um ihren jeweiligen, gegenseitigen Urteilen zur Geltung zu verhelfen."
Zusammenfassung:
Die meisten Ayat im Qur'an sind der Schlüssel zu einer Schatzkammer der Vollendung und öffnen den Zugang zu einer Fundgrube des Wissens. Wenn du willst, kannst du durch den Qur'an in die Himmel und durch seine Ayat empor zu den Sternen gelangen. Mögen dir dabei diese bisherigen zwanzig "Worte (Sözler)"zu einer Leiter mit zwanzig Sprossen {(*): Ja, 33 Abhandlungen "Worte (Sözler)", 33 "Briefe (Mektubat)", 31 "Blitze (Lem'alar)", 13 "Strahlen (Shu'alar)" bilden sogar eine Leiter mit 120 Sprossen.} werden, hinaufzusteigen. Siehe nun, was für eine glänzende Sonne der Qur'an ist. Er verströmt auch ein klares Licht über die Wahrheiten Gottes und gießt es nun als einen Strahl glänzenden (Lichtes) über die Wahrheiten im Bereich des Möglichen (die irdische Welt) aus!
Schlussfolgerung:
In Anbetracht dessen, dass die Ayat über die Propheten durch ihre Ausdrucksform auf die Einzigartigkeit der heutigen Entdeckungen des Menschen gleichsam hinweisen und ihre Grenzen noch weiter hinaussetzen, und in Anbetracht dessen, dass mit Bestimmtheit und sogar Übereinstimmung bestätigt ist, dass jede Ayah unterschiedlichste Bedeutungen haben kann, und in Anbetracht dessen, dass es eindeutige Gebote gibt, den Propheten zu folgen und sie uns zum Vorbild zu nehmen, kann man sagen, dass es in den oben erwähnten Ayat neben ihren offensichtlichen Bedeutungen noch verschlüsselte Hinweise auf die wichtigsten Künste und Wissenschaften des Menschen gibt, durch welche sie sogar (zur Beschäftigung mit ihnen) ermuntert werden.
Auf zwei wichtige Fragen zwei wichtige Antworten
Die erste:
Wenn du sagst: "Da der Qur'an nun einmal
für den Menschen herabgesandt wurde, weshalb erklärt er die Entdeckungen der Zivilisation nicht, welche in den Augen der Menschen das Allerwichtigste sind? Er begnügt sich nur mit einem verborgenen Indiz, mit einem geheimen Zeichen, mit einem leichten Hinweis, mit einer schwachen Erinnerung?"
Antwort:
Die wunderbaren Erfindungen der menschlichen Zivilisation können nur in soweit (einen Platz) beanspruchen, wie sie im Qur'an erwähnt werden. Denn die Hauptaufgabe des Qur'an besteht darin, (zum ersten) über das Reich Gottes, seine Vollkommenheit, seine Darstellung, (zum zweiten) die Verpflichtungen und die Gebote im Bereich des Dienstes und der Anbetung zu unterweisen. Also können die Erfindungen der Menschen in diesen beiden Bereichen nur so viel Platz beanspruchen, wie eine schwache Andeutung, ein leichter Hinweis. Denn wenn sie in dem Bereich der Herrschaft (Gottes) einen Platz beanspruchen, dann können sie nur einen kleinen Platz einnehmen.
Zum Beispiel hätte ein Flugzeug menschlicher Konstruktion {(*): Während ich dieses ernsthafte Thema darstelle, hat meine Feder ungewollt ihren Stil zu dieser feinen Anspielung geändert. Ich habe auch meiner Feder freien Lauf gelassen. Ich hoffe, dass diese Anspielung die Ernsthaftigkeit der Abhandlung nicht stört.} dem Qur'an gesagt: "Gib mir eine Stelle in deinen Worten. Miss mir in deinen Ayat einen Platz zu." Mit Sicherheit würden die Planeten, die Erde und der Mond, welche die Flugzeuge in diesem Herrschaftsbereich sind, anstelle des Qur'an erwidern: "Hier kannst du nur einen Platz deiner Größe entsprechend einnehmen." Wenn die U-Boote der Menschen in den Ayat des Qur'an einen Platz beansprucht hätten, würden ihnen die U-Boote dieses Bereiches, das heißt, die Erde und die Sterne, welche im Ozean des Himmels und im Meer des Äthers schwimmen, antworten: "Dein Platz ist neben uns verschwindend gering." Wenn die leuchtenden, sternengleichen
elektrischen Lampen eine Erwähnung beanspruchend in die Ayat Eingang finden wollten, würden die Blitze und die Sternschnuppen, welche die elektrischen Lampen dieses Bereiches sind, und die Sterne und die Sonnen, welche das Antlitz des Himmels schmücken, entgegnen: "Nur im Grade deiner Lichtstärke kannst du in diesem Thema und in der Verkündigung Eingang finden." Wenn die Erfindungen der Zivilisation aber hinsichtlich der künstlerischen Feinheit ihre Rechte beanspruchten und in den Ayat eine Stellung (maqam)forderten, dann würde eine Mücke ihnen sagen: "Schweigt! Ihr habt kaum soviel Recht wie einer meiner Flügel. Denn alle feinen Künste und die empfindlichsten Geräte in euch, welche durch die begrenzte Entscheidungsfreiheit des Menschen zu Stande kamen, können insgesamt nicht so einzigartig wie die feinen Künste und die empfindlichen Geräte in meinem winzigen Körper sein. Diese Ayah
اِنَّ الَّذِينَ تَدْعُونَ مِنْ دُونِ اللّٰهِ لَنْ يَخْلُقوُا ذُباَباً وَلَوِاجْتَمَعُوا لَهُ
{"Diejenigen, zu denen ihr betet, statt zu Gott, können nicht einmal eine Mücke erschaffen, auch wenn sie sich alle dafür zusammentun. usw." (Sure 22, 73)}
bringt euch zum Schweigen."
Wenn diese Erfindungen zu dem Bereich des Dienstes und der Anbetung (Gottes) gehen und in diesem Bereich ihren Platz beanspruchen, dann bekommen sie von diesem Bereich folgendeAntwort:"Eure Beziehungen mit uns sind sehr gering und ihr könnt in unseren Bereich nicht so einfach eintreten. Denn unser Programm ist folgendes: Die Welt ist ein Gasthaus. Der Mensch verweilt jedoch nur für eine kurze Dauer darin und er ist ein Gast, der mit vielen Pflichten betraut ist, und beauftragt in diesem kurzen Leben mit der Anschaffung der Notwendigkeiten für das ewige Leben. Die wichtigsten und notwendigsten Aufgaben werden (im Qur'an) vorgestellt. Dagegen scheint es bei euch so zu sein, als ob für die meisten von euch diese vergängliche Welt ein ewiger Sitz wäre: im Allgemeinen ein Bild, welches den Empfindungen derer,
welche die Welt hinter dem Schleier der Gottvergessenheit anbeten, entsprechend gemalt ist. Also habt ihr kaum einen Anteil in der Gottesanbetung, welche auf den Grundsätzen der Wahrheitsverehrung und des Denkens an das Jenseits errichtet ist. Wenn es sich aber darum handelt, allein für den Nutzen der Geschöpfe Gottes und für die allgemeinen Interessen und für das Wohl der Allgemeinheit und für die Vervollkommnung des alltäglichen Lebens zu dienen, was ein bedeutender Gottesdienst ist, so reicht dieses Zeichen des Qur'an für diese empfindlichen Menschen mit Recht aus, den verehrten Handwerkern und den inspirierten Erfindern, die bestimmt eine Minderheit unter euch sind und hinter euch stehen, zur Anstrengung zu ermuntern und ihnen zu ihren Kunstwerken zu gratulieren.
Eine Antwort auf die zweite Frage:
Wenn du sagst: "Nach dieser Erläuterung habe ich keine Zweifel mehr und bestätige: im Qur'an gibt es, neben anderen Wahrheiten, Hinweise und Zeichen auf Wunder heutiger Zivilisation und Technik, sogar noch auf weiter fortgeschrittene Erfindungen. Alles, was für den Menschen im Diesseits und im Jenseits notwendig ist, findet sich darin im Verhältnis seines Wertes. Aber warum erwähnt der Qur'an sie nicht eindeutig, sodass auch die verbohrten Ungläubigen dazu gezwungen sind, sie zu bestätigen, damit unser Herz beruhigt sei?"
Antwort:
Der Glaube ist eine Prüfung und unsere Pflichten gegenüber Gott sind eine Erfahrung, damit wir uns in der Arena des Wettbewerbs in die erhabenen Geister und die niederträchtigen Geister scheiden. Wie man z.B. Erz ins Feuer wirft, um Gold und Erde voneinander zu trennen, so nehmen auch die Befehle, die von Gott kommen, den Menschen an diesem Ort der Prüfung in die Pflicht, führen ihn zu einem Wettkampf, damit sich die kostbaren Edelsteine und die gewöhnlichen Schlacken unter dem Erz der menschlichen Begabungen voneinander trennen... Da der Qur'an an diesen Ort der Prüfung als eine Erfahrung und in die Arena dieses Wettkampfes
für die Vervollkommnung des Menschen herabgesandt worden ist, wird er mit Sicherheit auf solche weltlichen, noch im Schoß der Zukunft verborgenen Dinge, die einmal für jeden sichtbar werden, nur hinweisen und für den Verstand als Beweis zu seiner Bezeugung eine Tür öffnen. Hätte der Qur'an sie eindeutig erwähnt, so wäre der Sinn der Prüfung verlorengegangen. Es wäre so eindeutig, wie mit den Sternen am Himmel لآ اِلٰهَ اِلاَّ اللّٰهُ {"Es gibt keine Gottheit außer dem Einen Gott."} klar geschrieben steht. Das müsste dann jeder bestätigen, ob er wollte oder nicht. Dann käme kein Wettbewerb zu Stande. Es wäre keine Prüfung mehr. Ein Geist wie Kohle würde mit einem diamantengleichen Geist {(*): Abu Djahil, der Verfluchte, würde mit Abu Baqr, dem Getreuen auf der gleichen Stufe stehen. Der Sinn der Prüfung ginge damit verloren...} zusammen bleiben...
Kurzum:
Der "Weise Qur'an (Qur'an-i Hakim)"ist weise. Nach dem Wert jedes Dinges bestimmt er dessen Platz (maqam).So sieht der Qur'an vor dreizehn Jahrhunderten die Früchte und Entwicklungen der Menschen, die im Dunkel der Zukunft bedeckt und verborgen gewesen waren. Er zeigt sie uns in einer viel schöneren Form, wie wir gesehen haben und noch sehen werden. Das heißt, der Qur'an ist das Wort einer solchen Persönlichkeit, die alle Zeiten und alle Dinge in ihr im gleichen Moment sieht...
Hier ist also ein Licht aus dem Wunder des Qur'an, das uns aus dem Antlitz der Wundertaten der Propheten entgegen leuchtet...
اَللّٰهُمَّ فَهِّمْنَآ اَسْرَارَ الْقُرْاٰنِ وَوَفِّقْنَا لِخِذْمَتِهِ فِى كُلِّ اٰنٍ وَزَمَانٍ ٭سُبْحَانَكَ لاَعِلْمَ لَنَآ اِلاَّ مَاعَلَّمْتَنَآ اِنَّكَ اَنْتَ الْعَلِيمُ الْحَكِيمُ ٭ رَبَّنَا لاَ تُؤَاخِذْنَآ اِنْ نَسِينَآ اَوْ اَخْطَاْنَا ٭ اَللّٰهُمَّ صَلِّ وَسَلِّمْ وَبَارِكْ وَكَرِّمْ عَلٰى سَيِّدِنَا وَمَوْلٰينَا مُحَمَّدٍ عَبْدِكَ وَنَبِيِّكَ وَرَسُولِكَ النَّبِىِّ اْلاُمِّىِ وَعَلٰٓى اٰلِهِ وَاَصْحَابِهِ وَاَزْوَاجِهِ وَذُرِّيَّاتِهِ وَعَلَى النَّبِيِّينَ وَالْمُرْسَلِينَ وَعَلَى الْمَلٰٓئِكَةِ الْمُقَرَّبِينَ وَاْلاَوْلِيَآءِ وَالصَّالِحِينَ ٭ اَفْضَلَ صَلاَةٍ وَاَزْكٰى سَلاَمٍ وَاَنْمٰى بَرَكاَتٍ بِعَدَدِ سُوَرِ اْلقُرْاٰنِ وَاٰياَتِهِ وَحُرُوفِهِ وَكَلِمَاتِهِ وَمَعَانِيهِ وَاِشَارَاتِهِ وَرُمُوزِهِ وَدَلاَلاَتِهِ وَاغْفِرْ لَنَا وَارْحَمْنَا وَالْطُفْ بِنَا يَآ اِلٰهَنَا يَا خَالِقَنَا بِكُلِّ صَلاَةٍ مِنْهَا بِرَحْمَتِكَ يَآ اَرْحَمَ الرَّاحِمِينَ ٭ وَالْحَمْدُ لِلّٰهِ رَبِّ اْلعَالَمِينَ ٭ اٰمِينَ
{"Oh Gott, lass uns die Geheimnisse des Qur'an verstehen und mache uns in jedem Augenblick und zu jeder Zeit erfolgreich in seinem Dienst!" "Gepriesen seist Du! Wir haben kein Wissen, außer dem, was Du uns gelehrt hast. Denn Du bist der Allwissende und der Allweise." (Sure 2, 32) "Oh Herr, belange uns nicht, wenn wir vergesslich waren, oder uns versehen haben!" (Sure 2, 286) "Oh Gott, schenke Friede und Segen, Gnade und Güte unserem Herrn und Meister Mohammed, Deinem Diener, Deinem Gesandten, Deinem Propheten, dem ungelehrten Botschafter, seiner Familie, seinen Gefährten, seinen Nachkommen, allen Gesandten Gottes, den Engeln, die Dir nahe sind, den Freunden Gottes und den Aufrichtigen. Sende ihm Deine höchsten Segnungen, den lautersten Frieden und reiche Fülle nach der Zahl der Suren, Ayat, Buchstaben und Worte und ihrer Bedeutungen, der Hinweise, Anmerkungen und offensichtlichen Zeugnisse des Qur'an. Verzeihe uns, erbarme Dich unser, sei uns gnädig, oh Gott, unser Schöpfer, nach der Zahl Deiner Segnungen, durch Dein Erbarmen, oh Barmherzigster aller Barmherzigen! Und aller Lobpreis sei Gott, dem Herrn der Welten. Amen"}
Einundzwanzigstes Wort
Das erste von zwei Kapiteln
بِسْمِ اللَّهِ الرَّحْمَنِ الرَّحِيمِ ٭ اِنَّ الصَّلٰوةَ كَانَتْ عَلَى الْمُؤْمِنِينَ كِتَاباً مَوْقوُتاً
{"Im Namen Allahs, des Erbarmers, des Barmherzigen; Es ist den Gläubigen vorgeschrieben, das Gebet zur bestimmten Zeit zu verrichten." (Sure 4, 103)}
Eines Tages kam ein älterer Herr zu mir. Er war groß von Gestalt, bekleidete einen höheren Rang und sagte zu mir: "Das Gebet ist gut. Es aber Tag für Tag fünfmal zu verrichten, ist zu viel. Man kommt zu keinem Ende. Macht das nicht überdrüssig?"
Über diesem Wort war bereits geraume Zeit vergangen, da vernahm ich die Stimme meiner Seele (nefs).Ich vernahm, dass sie die gleichen Worte wiederholte. Bei näherer Betrachtung erkannte ich, dass es der Teufel war, der ihr die gleiche Lektion ins Ohr ihrer Faulheit flüsterte. Damals verstand ich, dass der Herr damals dieses Wort gleichsam im Namen aller eigenwilligen Seelen (nufus-u emmare)ausgesprochen hatte. Es war ihm gleichsam in den Mund gelegt worden. Damals hatte ich zu mir selbst gesagt: "Auch ich habe solch eine eigenwillige Seele. Wer sich aber in seiner eigenen Gesinnung (nefs)nicht zu bessern vermag, vermag auch andere nicht in ihrer Gesinnung zu wandeln. Wenn dies aber so ist, so will ich bei meiner eigenen Seele anfangen." Ich sagte zu mir: "Oh meine Seele!... Da sitzt du nun in der Tinte, als habest du die Weisheit getrunken, liegst auf dem Bett deiner Faulheit und schläfst den Schlaf deiner Gottvergessenheit. So lass dir denn durch mich die folgenden
fünf Ermahnungen entgegenhalten...
Erste Ermahnung:
Oh meine arme Seele! Ist dein Leben etwa ewig? Hast du etwa einen festen Vertrag dafür, dass du noch bis nächstes Jahr, ja auch nur bis morgen am Leben bleiben wirst? Was deinen Überdruss bewirkt, ist dein Traum von einem ewigen Leben. In deinem Übermut verbummelst du dein Leben, als könntest du ewig in dieser Welt bleiben. Könntest du verstehen, wie kurz dein Leben ist, ja in Unfruchtbarkeit dahingeht, sicherlich brächte dich das dazu, von vierundzwanzig Stunden eine für das wahre Leben und die ewige Glückseligkeit zu opfern, um einen schönen, angenehmen und leichten Dienst zu verrichten, der dir Barmherzigkeit (rahmet)bringt. Du würdest deine Langeweile überwinden. Es könnte dich dazu veranlassen, dich allen Ernstes nach einem solchen Dienst zu sehnen, ihn als willkommen anzusehen und Geschmack an ihm zu finden.
Zweite Ermahnung:
Oh meine Seele, die du dem Bauch dienst! Du isst Tag für Tag Brot, trinkst Wasser, atmest Luft ein. Macht das nicht überdrüssig? Sicherlich nicht; denn in dem ständig wiederkehrenden Bedürfnis danach bekommst du nicht Überdruss, sondern Appetit.
Wenn das aber so ist, dann kann auch das Gebet, das für die Freunde in deinem Hause, welche mein Körper ist, nämlich für mein Herz eine Labsal, für meinen Geist das Wasser des Lebens und für die Blumen des Herrn (: die feineren Sinnesorgane der Seele) gleich einer Liebkosung des Windes ist, der durch das Gebet angezogen, herbeigelockt wird, niemals zur Langeweile führen. In der Tat kann ein Herz, das von grenzenlosem Kummer und Schmerz heimgesucht und geplagt, zahllosen Genüssen verfallen und von unendlichen Hoffnungen umschmeichelt ist, nur dann mit der notwendigen Kraft und Ausdauer versorgt werden, wenn es in flehentlichem Gebet an die Pforte des Freigiebigen und Allbarmherzigen pocht, der da aller Dinge mächtig ist. Ja, in dieser vergänglichen Welt, durch die die Seele (ruh)so schnell hindurcheilt, Weh!-schreiend ob der Trennung von all den Dingen und
Geschöpfen, mit denen sie doch in Beziehung steht, kann der Durst nur mit dem Wasser des Lebens aus dem Brunnen der Barmherzigkeit gestillt werden, wenn sich die Seele im Gebet dem Ewig-Angebeteten (Ma'bud-u Baqi)und Immerdar-Geliebten (Mahbub-u Sermedi)zuwendet, der alle Dinge übertrifft. Ja, die bewusste meditative Wahrnehmung des Menschen (sirr-i insani)und die lichterfüllten Blumen des Herrn (latife-i Rabbaniye),die sich von Natur aus nach Ewigkeit sehnen und für die Ewigkeit erschaffen wurden, die ein Spiegel des Herrn von Ewigkeit zu Ewigkeit und so äußerst fein und empfindsam sind, bedürfen unter den kummervollen, zermürbenden, beklemmenden, vergänglichen, finsteren und bedrückenden Ereignissen dieses Lebens ganz besonders eines beständigen Atemholens und nur durch das Fenster des Gebetes vermögen sie eine solche Liebkosung zu empfangen.
Dritte Ermahnung:
Oh meine ungeduldige Seele! Du denkst noch heute darüber nach, wie du dich in vergangenen Tagen darum bemüht hast, Gott zu dienen (ibadet),wie du dich angestrengt hast, dein Gebet zu verrichten, wie du dich wegen deines Unglücks geplagt hast und du machst dir darüber Sorgen. Desgleichen stellst du dir die Aufgabe künftigen Gottesdienstes (ibadet),die Verpflichtung zum Gebet und das Leiden an einem kommenden Unglück schon heute vor und zeigst dich ungeduldig. Aber ist das denn überhaupt sinnvoll?
In deiner Ungeduld gleichst du einem Kommandanten, der sich in seiner Verwirrung so verhält, dass er seine eigene Kampfkraft in der Mitte schwächt, indem er eine starke Streitmacht zum rechten Flügel befiehlt, obwohl der rechte Flügel der feindlichen Streitmacht bereits zum rechten Flügel der eigenen Streitmacht übergelaufen ist. Obwohl also nun der linke Flügel des Feindes von Soldaten entblößt ist, schickt er eine starke Streitmacht dorthin, wo doch gar jemand angelangt ist und befiehlt: "Feuer!" So sind seine eigenen Streitkräfte aus der Mitte ganz und gar abgezogen. Der Feind erfasst die Lage, greift in der
Mitte an und stiftet dort heillose Verwirrung. Du gleichst ihm in der Tat. Denn die Anstrengungen der vergangenen Tage sind heute in Barmherzigkeit verwandelt worden. Schmerz ist vergangen; Freude ist geblieben. Plage hat mit (Gottes) Gnadengabe einen Bund geschlossen; Anstrengung verwandelte sich in Belohnung. Wenn das aber so ist, dann darfst du über all dem nicht Überdruss und Langeweile empfinden, vielmehr eine neue Begeisterung, eine wiedererwachte Freude in dir verspüren, die dich kräftig dazu anspornt, weiterzumachen. Was aber die künftigen Tage betrifft, so ruhen sie noch in der Zukunft Schoß. Schon heute darüber nachzudenken und dabei Langeweile und Überdruss zu empfinden ist die gleiche Torheit, wie schon heute über dem Gedanken an Hunger und Durst in Wehgeschrei und Tränen auszubrechen. In Anbetracht dieser Tatsache solltest du in dem Gedanken an Dienst und Anbetung nur beim Heute verweilen, wenn du verständig bist. Und sprich: "Ich opfere eine Stunde (des heutigen Tages) für einen willkommenen, schönen und erhabenen Dienst, der nur wenig Mühe kostet, aber reichen Lohn bringt." Dann wird sich dir die Bitternis jeglichen Überdrusses in die Süßigkeit jeglicher Begeisterung verwandeln.
So sind denn dir, meine ungeduldige Seele, drei Arten von Geduld auferlegt.
Eine ist die Geduld gegenüber Gott (in Dienst und Anbetung).
Eine andere ist die Geduld im Aufruhr (der eigenen Natur gegenüber Gott).
Eine weitere schließlich ist die Geduld im Unglück.
Wenn du verständig bist, dann nimm dir die Wahrheit, die in dem Beispiel zu dieser dritten Ermahnung sichtbar wird, als Richtschnur. Ermanne dich und rufe: "Ya Sabur!"(: Geduld, als einer der wundervollen Namen Allahs). Schultere diese drei Arten der Geduld. Die Kraft dieser Geduld, die Gott der Gerechte dir verliehen hat, wird dir, so du sie nicht auf einem falschen Weg verstreust, in
jeglicher Mühsal und Plage hinreichend sein... und auf diese Kraft stütze dich...
Vierte Ermahnung:
Oh meine verwirrte Seele! Ist denn Dienst und Anbetung eine Aufgabe, die zu keinem Ergebnis führt? Ist dir der Lohn dafür zu gering, sodass es dir nun leid wird? Denn wenn dir jemand etwas Geld gibt, oder du einfach dazu gezwungen bist, so arbeitest du für ihn bis zum Abend. Und du arbeitest, ohne dass es dir leid wird. Ja ist denn ein Gebet, das in dem Gasthaus dieser Welt Nahrung und Reichtum in der Not deines armen Herzens, Nahrung und Licht in dem Grab, das mit Sicherheit einmal deine Wohnstatt sein wird, Zeugnis und Freispruch auf dem Wiederversammlungsfeld, das in jedem Fall einmal dein Richtplatz sein wird, Licht und Reittier (buraq)auf der "Sirat"- Brücke, über die du einst gehen musst, ob du willst oder nicht, etwa wirkungslos und ohne Ergebnis? Oder ist es sein Lohn etwa zu wenig?
Gäbe dir jemand das Versprechen, dir ein großes Geldgeschenk zu machen, du würdest hundert Tage für ihn arbeiten. Es könnte sein, dass er sein Versprechen nicht einhält, du aber vertraust auf ihn und arbeitest für ihn, ohne zu murren. Wenn aber nun eine Persönlichkeit, für die es unmöglich ist, dass Sie Ihr Versprechen bräche, dir das Paradies zum Lohn und die ewige Glückseligkeit zum Geschenk versprechen wollte und dich dann für eine ganz kurze Zeit und für eine sehr schöne Aufgabe einstellte, und wenn du dann Ihr nicht dienen wolltest oder deinen Dienst nur widerwillig oder halbherzig verrichtetest oder nur deinem Herrn zu Spott oder Ärger, sodass du ihn beleidigst oder Sein Geschenk gering achtest, ja denkst du denn nicht, dass du eine schwere Strafe empfangen und furchtbare Qualen erleiden würdest? Wenn du in dieser Welt aus Angst vor dem Gefängnis ohne zu murren den schwersten Dienst verrichtest, spornt es dich denn dann nicht dazu an, aus Furcht vor der ewigen Gefängnisstrafe der Hölle einen leichten und angenehmen Dienst zu verrichten?
Fünfte Ermahnung:
Oh du meine Seele, die du die Welt anbetest! Rührt deine Abneigung gegen den Gottesdienst (ibadet)und deine Nachlässigkeit im Gebet etwa von einem Übermaß an weltlichen Beschäftigungen? Oder ist es deshalb, weil du in deiner Sorge um das tägliche Brot so beschäftigt bist, dass du darüber hinaus keine Zeit mehr findest? Oder bist du etwa nur für das Diesseits erschaffen worden, sodass du all deine Zeit dafür aufwendest? Du weißt, dass du hinsichtlich deiner Fähigkeiten über allen Tieren stehst, doch in der Beschaffung aller lebensnotwendigen Dinge für dieses irdische Leben vermagst du weniger als ein Sperling. Warum aber ziehst du dann daraus nicht die Schlussfolgerung, dass es nicht deine ureigentliche Aufgabe ist, dich abzuplagen wie ein Tier, vielmehr dich wie ein wahrer Mensch um das wahre und ewige Leben zu bemühen.
Außerdem ist das, was du eine weltliche Tätigkeit nennst, zumeist etwas, das dich nichts angeht. Es sind leerlaufende Beschäftigungen, mit denen du dich überflüssiger Weise einmischst und nur alles durcheinander bringst. Du unterlässt das Notwendigste und vertreibst dir die Zeit mit nutzlosen Informationen, als hättest du ein Leben von Jahrtausenden vor dir. Du fragstzum Beispiel:"Woraus bestehen die Ringe des Saturn?" oder: "Wie viele Rassen von Hühnern gibt es in Amerika?" und vertreibst dir mit dergleichen wertlosen Dingen deine wertvolle Zeit. Als ob du durch Astronomie und Geographie, durch die Wissenschaft und Statistik zur Vollkommenheit (kemal)gelangen könntest!...
Sagtest du: "Was mich von Gebet und Gottesdienst (namaz ve ibadet)abhält und eine Art von Lustlosigkeit und Verdrossenheit in mir aufkommen lässt, sind nicht dergleichen überflüssigen Dinge, es sind vielmehr alle jene unabdingbaren Verrichtungen, die mit der Sorge um das tägliche Brot verbunden sind." Wäre dies so, dann würde ich dir sagen: "Angenommen, du müsstest für hundert Kurush am Tag arbeiten. Dann käme jemand zu dir und sagte: Komm und schürfe hier für zehn Minuten,
dann wirst du Smaragde und Diamanten im Werte von hundert Lira finden! würdest du ihm dann entgegnen: Nein, ich komme nicht. Es würde meinen Tagelohn von hundert Kurush schmälern, würde mir am Lebensunterhalt fehlen... dann weißt du, was für eine törichte Ausrede das wäre." Denn genauso arbeitest auch du in diesem Weinberg für deinen Lebensunterhalt. Wenn du nämlich die vorgeschriebenen Gebete vernachlässigst, wird die ganze Frucht deiner Arbeit sich lediglich auf weltlichen, bedeutungslosen Lebensunterhalt beschränken und ohne Segen sein. Wenn du die Zeit für Ruhe und Erholung aber dazu verwendest, dem Atemholen deiner Seele (ruh)und der Ruhe deines Herzens zu dienen, wirst du dir zusätzlich zu einem segensreichen irdischen Lebensunterhalt auch noch einen himmlischen Lebensunterhalt verdienen, einen Vorrat für das jenseitige Leben ansammeln und einen wichtigen Brunnen entdecken, der aus zwei geistigen Quellen gespeist wird.
Erste Quelle:
Von allem, was du in deinem Garten {(*): Wenn an dieser Stelle ein Garten als Beispiel gewählt wurde, so geschah dies, um auf diese Weise eine ganz bestimmte Person anzusprechen.} pflanzt, seien es nun Obstbäume oder Blumen, von jeder Blume und von jedem Baum, der unablässig Gottes Lobpreis verkündet (tesbihat),wirst du in deiner guten Absicht (niyet)einen Anteil bekommen.
Zweite Quelle:
Darüber hinaus gilt noch: Wer auch immer von dem Ertrag dieses Gartens isst, sei es ein Tier oder ein Mensch, eine Ziege oder eine Fliege, ein Käufer oder Dieb, es wird dir als Sadaqa(Spende) angerechnet werden, allerdings unter der Bedingung, dass du darüber im Namen des wahren Versorgers (Rezzak-i Hakiki)und innerhalb der erlaubten Grenzen verfügst und dich selbst dabei wie einen Verwalter betrachtest, der von den Gütern seines Herrn und Gottes Wohltaten an Seine Geschöpfe austeilt.
Schau also, welch großen Verlust der erleidet, der das Gebet vernachlässigt und welch bedeutenden Reichtum er dadurch verliert. Von diesen beiden Ergebnissen, aus denen ihm Freude erwächst und von den beiden Quellen, aus denen er eine große geistige Kraft für seine Arbeit erhält, bleibt er ausgeschlossen und geht zu Grunde. Ja im Alter verliert er sogar die Freude an seiner Arbeit im Garten, wird ihrer überdrüssig. "Was geht es mich an?", sagt er... "Ich gehe ohnehin aus dieser Welt. Warum soll ich dann so viel Mühe darauf verwenden?" So verfällt er der Faulheit.
Doch der erste Mann sagt: "Ich werde mich in meinem Dienst für Gott noch mehr einsetzen und mich um die erlaubten Früchte der Arbeit bemühen, sodass ich noch mehr Licht in mein Grab senden werde. Ich werde für mein Leben im Jenseits einen noch größeren Vorrat anlegen."
Zusammenfassung:
Oh meine Seele! Wisse, dass der gestrige Tag deinen Händen entglitten ist. Was aber den morgigen betrifft, so hast du in deiner Hand keine Garantie dafür, dass er dir gehören wird. Wenn dies aber so ist, so wisse, dass dein wahres Leben in dem Tag zu finden ist, in dem du lebst. Darum verbringe auf jeden Fall wenigstens eine Stunde täglich in der Moschee oder auf deinem Gebetsteppich. Das wird für dich so sein, als habest du sie in eine Sparbüchse des Jenseits für deine wahre Zukunft gelegt. Und überdies wisse, dass jeder neue Tag ein Tor zu einer neuen Welt ist für dich und für jedermann. Wenn du das Gebet nicht verrichtest, wird deine Welt an jenem Tage in Finsternis und Verwirrung an dir vorbeigleiten. Dieser Tag wird in der Welt der Beispiele (alem-i misal)als ein Zeuge gegen dich auftreten. Denn ein jeder lebt täglich in einer eigenen Welt innerhalb dieser unserer Welt. Diese Welt gestaltet sich entsprechend dem Herzen und den Handlungen des Menschen. Denn ein königliches Schloss, das man in einem Spiegel betrachtet, nimmt die Farbe dieses Spiegels an. Ist dieser schwarz, sieht es auch schwarz aus. Ist er rot, sieht es auch rot aus. Außerdem ist das Aussehen des Schlosses
auch noch von der Form des Spiegels abhängig. Ist das Spiegelglas eben, wird es das Schloss gut abbilden. Ist es uneben, wird das Spiegelbild verzerrt sein. So wie sich dir die feinsten Dinge vergröbert zeigen, so kannst du deine eigene kleine Welt mit dem Herzen, mit dem Verstand, mit deiner Seele, durch deine Handlungen verändern und gestalten. Sie wird dann für dich oder gegen dich Zeugnis ablegen. Wenn du betest und dein Antlitz im Gebet dem Baumeister dieser Welt in Seiner Majestät (Sani-i Dhu l-Djelal)zuwendest, wirst du diese deine kleine Welt plötzlich erleuchtet finden. Es ist, als sei das Gebet eine elektrische Lampe und deine Absicht (niyet)zu beten wie die Bedienung ihres Schalters, so dass die Dunkelheit dieser Welt weichen muss. So zeigt es sich, dass die so chaotischen und so verwirrenden Zustände in dieser Welt, all die Bewegungen und Veränderungen in diesem Tohuwabohu in Wirklichkeit Ausdruck weisheitsvoller Ordnung sind, ein Schriftzug der Macht voll tiefer Bedeutung. So fällt aus dem Licht der Ayah: اَللّٰهُ نُورُ السَّمٰوَاتِ وَاْلاَرْضِ {"Allah ist das Licht der Himmel und der Erden." (Sure 24, 35)} ein Strahl in dein Herz. An jenem Tage wird deine kleine Welt von dem Reflex dieses Lichtes erhellt sein. In diesem Licht wird sie für dich Zeugnis ablegen.
Hüte dich also davor, jemals zu sagen: "Mein Gebet, was ist das schon?... und was ist dagegen ein wahrhaftiges Gebet?" Denn ein Dattelkern enthält wie ein Dattelbaum in sich selbst die Eigenschaften dieses Dattelbaumes. Der Unterschied besteht wie zwischen einer Kurzfassung und einer ausführlichen Darstellung lediglich darin, dass das Gebet gewöhnlicher Leute wie du und ich auch wenn wir es nicht spüren seinen Anteil am Licht eines großen Heiligen (veli)erhält, das Geheimnis seiner Wahrhaftigkeit empfängt - auch wenn du dir dessen nicht bewusst bist. Doch je nach der Entwicklungsstufe des Menschen entfaltet sich auch sein Gebet, unterscheiden
sich die verschiedenen Gebete nach ihrer (Licht) ausstrahlung. So wie es vom Dattelkern bis zur ausgewachsenen Palme viele verschiedene Stufen gibt, so finden sich auch zwischen den unterschiedlichen Graden des Gebetes noch mehr verschiedene Stufen. Doch auf all diesen Stufen treffen wir die Wesensmerkmale dieser wahrhaftigen lichten Ausstrahlung...
اَللّٰهُمَّ صَلِّ وَسَلِّمْ عَلٰى مَنْ قَالَ (اَلصَّلٰوةُ عِمَادُ الدِّينِ) وَعَلٰٓى اٰلِهِ وَصَحْبِهِٓ اَجْمَعِينَ
{"Oh Allah! Sende herab Deinen Frieden und gieße aus Deinen Segen auf den, der gesagt hat: "Das Gebet ist die Säule des Glaubens", und über seine Familie und alle seine Gefährten."}
Zweites Kapitel des Einundzwanzigsten Wortes
(Enthält fünf Salben für fünf Wunden des Herzens)
بِسْمِ اللَّهِ الرَّحْمَنِ الرَّحِيمِ ٭ رَبِّ اَعُوذُ بِكَ مِنْ هَمَزَاتِ الشَّيَاطِينِ وَاَعُوذُ بِكَ رَبِّ اَنْ يَحْضُرُونِ
{"Im Namen Gottes, des Erbarmers, des Barmherzigen. Oh Gott, ich nehme meine Zuflucht zu Dir vor den Einflüsterungen der Teufeln und ich fliehe zu Dir, oh mein Herr, dass sie sich mir nicht nähern." (Sure 23, 97-98)}
Oh du, der du von der Krankheit des Argwohns befallen bist! Weißt du, wem dein Argwohn gleicht? Er gleicht einem Übel. Beachtet man es, bläht es sich auf. Beachtet man es nicht, entweicht es. Betrachtet man es mit großen Augen, dann wächst es. Siehst du es als gering an, verringert es sich. Ängstigst du dich davor, wirst du krank. Wenn du dich nicht fürchtest, wird es leicht, verbirgt sich. Kennst du sein Wesen nicht, so besteht es weiter, setzt sich fest. Weißt du um sein Wesen, kennst du es, geht es. Weil dies aber so ist, will ich hier von den vielen Arten solch übler Einflüsterungen, wie sie am häufigsten vorkommen, insbesondere "Fünf Aspekte" erklären. Vielleicht kann es dir und mir zur Heilung dienen. Denn diese Einflüsterungen sind ein solches Ding, dass die Unwissenheit sie einlädt, Wissen aber sie vertreibt. Hast du dieses Wissen nicht, kommen sie, hast du es aber, dann gehen sie.
Erster Aspekt - erste Wunde:
Der Teufel wirft zunächst einen Verdacht in das Herz. Wenn das Herz ihn nicht bestätigt, verwandelt sich der Verdacht in eine Beleidigung um. In der Phantasie stellen sich manche unsaubere Gedanken und schamlos unsittlich schmutzige Bilder, einer Beleidigung ähnlich, vor die Seele. Dies bringt das Herz dazu, "Oh weh!" zu rufen. Es stürzt in Verzweiflung. So kommen denn dem Menschen seine
Zweifel und er argwöhnt, dass sich sein Herz vor seinem Herrn im Zustande der Lasterhaftigkeit befindet. Er empfindet eine schreckliche Aufregung, ja Panik... Um sich vor ihr zu retten, flieht er Gottes Gegenwart (huzur),möchte in Gottvergessenheit (gaflet)tauchen. Die Salbe für diese Wunde ist folgende:
Sieh einmal, du armer, von Zweifeln geplagter Mensch! Bleib ruhig! Denn was in deiner Vorstellung auftaucht, das ist gar keine Beleidigung, sondern reine Phantasie. So wie ein nur vorgestellter Unglaube kein Unglaube ist, so ist auch eine nur vorgestellte Beleidigung gar keine Beleidigung. Denn logischerweise ist eine bloße Vorstellung noch keine Verurteilung. Nur eine Beleidigung ist ein Urteil. Überdies aber sind diese Schimpfwörter nicht die Worte deines Herzens. Denn dein Herz ist über sie bekümmert, betrübt. Sie entstammen vielmehr jenem Teufelspunkt in der Nähe des Herzens. Der Schaden, den die Einflüsterung verursacht ist der Schaden der Phantasie, d.h. dadurch, dass man sich den Schaden in seiner Phantasie vorstellt, fügt man seinem Herzen einen Schaden zu. Denn man stellt sich eine Einbildung ohne Urteilskraft als eine Tatsache vor. Zudem macht man die Sache des Teufels zu seiner eigenen und schreibt sie seinem Herzen zu. Man meint, dass sein Wort von da käme. Man begreift den Schaden, verfällt dem Schaden. Das aber ist genau das, was der Teufel wollte.
Zweiter Aspekt ist folgender:
Gedanken, wenn sie im Herzen aufsteigen, werden von der Phantasie bekleidet, weil sie bildlos und nackt sind. Es liegt in der Natur der Phantasie, dass sie stets unter irgendeinem Vorwand irgendwelche Bilder webt. Dinge aber, denen man irgendeine Bedeutung beimisst, ziehen als Bildgestalten ihres Wegs dahin. Der Gedanke, der vorüberzieht, wird je nach Art entweder von der Phantasie bekleidet, oder aber sie hängt ihm nach, oder sie besudelt ihn, oder sie verschleiert ihn. Wenn die Gedanken rein und heilig sind, die Phantasiegestalten aber schamlos und schmutzig sind, so werden sie nicht (von der Phantasie) bekleidet, sondern
nur von ihr berührt. Ein skrupulöser Mensch aber verwechselt diese Berührung mit ihrer Gestaltung. "Oh weh!" sagt er. "Wie verdorben ist doch mein Herz! Diese elende, niedrige, gemeine Gesinnung meiner Seele jagt mich in die Flucht." Der Teufel zieht aus dieser Empfindsamkeit einen sehr großen Nutzen. Die Salbe für diese Wunde ist folgende:
Höre einmal, du Ärmster! Wie die äußerliche Reinheit das Fahrzeug zur kultischen Gesittung für dein Gebet darstellt, so schadet das Unreine, welches sich im Inneren deiner Eingeweide befindet ihr nicht und zerstört sie nicht. Ebenso gilt: der Heiligkeit der Gedanken schadet die Nachbarschaft zu unreinen Bildern und Gestalten nicht.
Zum Beispiel:
du denkst über die göttlichen Verse (ayat-i Ilahiye)nach. Plötzlich wirst du in deinen Empfindungen heftig von einer Krankheit oder dem Wunsch, ein Bedürfnis zu befriedigen oder deine Notdurft zu verrichten geplagt. Sicherlich wirst du in deiner Phantasie nach einer Medizin Ausschau halten, den Ort zu deiner Erleichterung aufsuchen. Sie wird dir die entsprechenden niederen Bilder weben und die aufsteigenden Gedanken werden durch sie hindurchziehen. Sie werden bei ihrem Durchgang nicht beschädigt, nicht befleckt, nicht gefährdet, nicht gemindert. Eine Gefahr besteht nur darin, seinen Blick auf diese Dinge einzuengen, zu meinen, ein Schaden sei durch sie entstanden.
Dritter Aspekt ist wie folgt:
Unter den Dingen finden sich manche verborgene Verbindungen (Assoziationen). Ja sogar unter denjenigen Dingen, mit denen dich keinerlei Erwartungen verbinden, finden sich solche Verbindungsfäden. Diese (Verbindungen) können entweder unmittelbar vorhanden sein, oder aber deine Phantasie spinnt diese Fäden je nach Art der Dinge, mit denen sie sich beschäftigt und verbindet sie so miteinander. Aus diesem Geheimnis gegenseitiger Verbundenheit erwächst es, dass manchmal der Anblick von etwas Reinem und Heiligem die Erinnerung an unreine Dinge hervorruft. So wird uns zum Beispiel in der Wortkunde erklärt, dass
"Gegensätze, die äußerlich Ursache einer gegenseitigen Entfernung sind, in der Phantasie zur Ursache ihrer eigenen Nähe werden." Das heißt: das Fahrzeug zur Vereinigung zweier entgegengesetzter Gestalten besteht in ihrer Assoziation durch die Phantasie. Die Erinnerung, welche eine solche Verbindung bewirkt, wird Gedankenverbindung genannt.
Zum Beispiel:
Während du dich in deinem pflichtgemäßen oder freien Gebet (namaz, munadja'at)gegenüber der Kaaba, in der göttlichen Gegenwart (huzur-u Ilahi)befindest und gerade über die Ayat nachdenkst, nimmt dich diese Gedanken-Assoziation und führt dich in die entferntesten Niederungen der Geschwätzigkeit. Wenn dein Kopf von einer solchen Gedankenverbindung ergriffen wird, so gib Acht, dass du dich nicht beunruhigst! Rufe dich vielmehr sofort zur Besinnung und kehre um! Sage nicht: "Ach, welchen Fehler habe ich doch da begangen!" und beschäftige dich nicht weiter mit Nachforschungen, damit dieser dünne Faden nicht noch durch deine Aufmerksamkeit an Stärke gewinnt. Denn sobald du dich selbst bedauerst und diesen Dingen deine Aufmerksamkeit schenkst, wird sich dieses schwache Band deiner Erinnerung nur noch verfestigen. Es entsteht eine eingebildete Krankheit. Doch fürchte dich nicht! Es ist keine Krankheit des Herzens. Diese Art von Erinnerung entsteht gewöhnlich ungewollt und tritt besonders bei empfindsamen Personen recht häufig auf. Der Teufel produziert diese Art Stoff, aus dem solche Einflüsterungen bestehen, ziemlich reichlich. Die Salbe für diese Wunde ist folgende:
Gedankenverbindungen stellen sich meist ungewollt ein. Du bist nicht für sie verantwortlich. Überdies stellt sich bei einer Gedankenverbindung lediglich eine Nachbarschaft ein, eine Berührung oder Vermischung findet nicht statt. Deshalb springt kein Gedanke auf einen anderen über, greift ihn nicht an, kann ihm nicht schaden. So wie der Teufel und die Eingebung eines Engels in der Gegend des Herzens einander benachbart sind, und auch die Nähe der Frommen und der Sünder und ihre
Wohnungen im selben Hause einander nicht schaden, so schaden auch schmutzige Vorstellungen, die ungewollt durch eine Gedankenverbindung entstehen und unter die reinen Gedanken treten, einander nicht, ausgenommen wenn es absichtlich geschieht, wenn du meinst, du hättest einen Schaden genommen und dich nun besonders mit ihnen beschäftigst. Außerdem wird das Herz manchmal müde. (d.h. unsere Fähigkeit, das Herz konzentriert zu Gott erhoben zu halten, lässt nach. - A.d.Ü.) Dann beginnen die Gedanken sich wahllos mit irgendwelchen Dingen zu beschäftigen, um sich zu amüsieren. Dann erblickt der Teufel eine Gelegenheit, verstreut um sich herum schmutzige Dinge und versucht, sie dir aufzuhängen.
Vierter Aspekt:
Eine Einflüsterung (des Teufels), die dadurch entsteht, dass man sein Bemühen, das Beste zu geben, durch die Vorstellung der Rechtschaffenheit vertieft und so diesen Zustand noch steigert. Ja er kommt dabei schließlich dahin, dass er der Sünde (haram)verfällt, während dieser Mensch seine Handlungsweise immer noch zu verbessern trachtet. Gelegentlich führt ihn sein Bemühen um die Wahrung der Tradition (sunna)dazu, sogar dazu seine Pflichten (vadjib)zu versäumen. "Habe ich diese Handlung auch wirklich vorschriftsmäßig durchgeführt?" fragt er und wiederholt sie noch einmal. Das geht so weiter und steigert sich bis zur Hypochondrie. Der Teufel zieht aus diesem seinem Zustand seinen Nutzen und verwundet ihn so. Es gibt aber für diese Wunde zwei Heilmittel:
Erstes Heilmittel:
Diese Art von Zweifel passt zu den Anhängern der I'tisal(eine Irrlehre). Denn sie sagen: "Die Handlungen und Dinge haben in ihrem Wesen in Anbetracht des Jenseits entweder Schönheit und Güte und wurden deshalb befohlen, oder aber sie sind hässlich und verwerflich und wurden deshalb schließlich verboten. Das heißt also, dass die Schönheit oder Schändlichkeit der Dinge vom Standpunkt des Jenseits und der Wahrheit aus betrachtet deren Wesensmerkmal und von diesem die göttlichen Ge- und Verbote abhängig sind." Entsprechend
dieser Schule (mezheb)kommt einem Menschen bei jeder seiner Handlungen, die er ausführt, der folgende Zweifel: "Habe ich diese Handlung dem Wesen der Angelegenheit (nefs-ul emir)entsprechend schön ausgeführt?"
Die Leute der Schule der Tradition und Gemeinschaft (Ehl-i Sünnet ve Djema'at),welche die rechte Schule ist, sagen hingegen: "Gott der Gerechte befiehlt etwas und daraufhin wird es schön und gut. Er verbietet etwas und daraufhin wird es schlecht und schändlich."
Das heißt: durch den Befehl wird die Schönheit, durch das Verbot seine Verwerflichkeit bestimmt. Schönheit oder Schändlichkeit entspricht der Einsicht dessen, der dafür verantwortlich ist und wird ihm gemäß entschieden. Diese Schönheit oder Schändlichkeit ist nicht das Gesicht, das auf das Äußerliche und die Welt blickt, sondern vielmehr das Gesicht, das nach dem Jenseits schaut.
Zum Beispiel:
Du hast das Gebet (namaz)verrichtet, bzw. Abdest genommen (d.h. dich zuvor gewaschen - A.d.Ü.). Es gab da jedoch einen Grund, der Namaz und Abdest ungültig werden lässt, was das Wesen der Angelegenheit (nefsu l-emir)betrifft. Diesen (Grund) hast du jedoch überhaupt nicht bemerkt. So sind denn Namaz und Abdest sowohl gültig (vor Gott), und du hast (deine Sache) auch schön und gut gemacht (d.h. ihre Legalität und Qualität wurden nicht berührt - A.d.Ü.).
Der Mu'tezile(Irrlehrer) sagt nun: "Es ist dies in Wirklichkeit unschön und verdorben. Jedoch wird es von dir angenommen. Denn du hast (deinen Fehler) nicht bemerkt, nicht erkannt und bist deshalb zu entschuldigen."
Was jedoch die Leute der traditionellen Schule (Ehl-i Sünnet)betrifft, so sollst du, nachdem du deine Sache nach eigener Überzeugung vorschriftsmäßig (Scharia)getan hast, nicht mehr daran zweifeln, indem du sagst: "Habe ich es denn richtig gemacht?" vielmehr sagen: "Ist es (das Gebet von Gott) angenommen worden?" Sei nicht stolz darauf und bewundere dich nicht selbst!
Zweites Heilmittel:
لاَحَرَجَ فِى الدِّينِ
{"Es gibt keinen Zwang im Glauben."}
Es gibt nun einmal vier richtige Wege (mezheb)und es ist vorzuziehen, dass ein Mensch, der sich selbst im Zweifel ist, seine Fehlerhaftigkeit eingesteht, was ihn zur Vergebung führt, statt seine Handlung als schön und gut anzusehen, was zu seinem Stolz führt. Das heißt, es ist für einen Menschen besser, der sich selbst im Zweifel ist, seine Handlung als mangelhaft zu betrachten und um Vergebung zu bitten, statt seine Handlung als schön und gut zu betrachten und dem Stolz zu verfallen. Da dies also nun einmal so ist, wirf deinen Zweifel von dir. Sage zu dem Teufel: "Dieser Zustand ist geradezu zwanghaft. Es ist ja schwierig zu wissen, was in dieser Lage das Richtige ist. Das widerspricht jedoch der Ungezwungenheit im Glauben. Es ist unvereinbar mit dem Grundsatz: اَلدِّينُ يُسْرٌ {"Der Glaube ist leicht (zu praktizieren)."} und لاَحَرَجَ فِى الدِّينِ {"Es gibt keinen Zwang im Glauben."} So entspricht meine Handlung (mit dieser Einstellung) sicherlich irgendeinem (dieser vier) richtigen Wege (mezheb).Und das ist für mich ausreichend. Und (diese Einstellung) ist zugleich ein Fahrzeug hin zu einem Gebet (niyaz)der (tief innerlichen Erschütterung und) Zerknirschung um Vergebung meiner Fehler und um Annahme meiner fehlerhaften Handlung, da ich wenigstens meine Schwäche eingestehe, das Gebet (ibadet)so zu verrichten, wie es sich gebührt und also in Reue und flehendlichem Gebet meine Zuflucht zur göttlichen Barmherzigkeit (merhamet)nehme."
Fünfter Aspekt:
Dies ist eine Einflüsterung in Glaubensdingen, welche die Gestalt eines Zweifels annimmt. Der arme, von einer solchen Einflüsterung geplagte Mensch verwechselt zuweilen eine flüchtige Idee mit einer festen Überzeugung, d.h. er meint, der Zweifel, der seine Phantasie erregt hatte, habe von seinem Verstand Besitz ergriffen und er sei dadurch in seinem Glauben schwach geworden. Er meint also, diese Annahme, mit der er sich gelegentlich in seiner Phantasie beschäftigt, sei ein Zweifel, der an seinem Glauben nagt. Er meint, dass dieser Zweifel, den er sich in seinem Inneren ausgemalt hatte, ein Zweifel sei, der bereits in seinem Verstand eine Bestätigung gefunden habe. Er meint schließlich, ein zeitweiliges Nachdenken über den Unglauben sei bereits Unglaube, d.h. er meint, wenn er seine Gedanken in der Form kreisen lasse, dass er versuche, die Gründe des Irrglaubens zu erfassen, zu analysieren und sie unparteiisch zu beurteilen, so stünde dies im Widerspruch zu seinem Glauben. So erschrickt er über diese Mutmaßungen, welche ein Werk des Teufels und seine Einflüsterung sind und er ruft: "Oh weh! Mein Herz ist verdorben. Ich habe Schaden genommen an meinem Glauben."
Da diese Zustände sich meistens ungewollt einstellen und durch einen willentlichen Entschluss nicht wieder zu beheben sind, verfällt er der Verzweiflung. Das Heilmittel für diese Wunde ist folgendes:
So wie die Idee des Unglaubens kein Unglaube ist, so ist auch ein lediglich vorgestellter Unglaube kein Unglaube. So wie ein Irrglaube, den man sich ausgemalt hat, kein Irrglaube ist, so ist auch das Nachdenken über den Irrglauben kein Irrglaube, denn Ideen, Vorstellungen, Bilder der Phantasie und Gedankengebilde sind das eine, die Bestätigung durch den Verstand und die Annahme des Herzens sind das andere, also voneinander verschieden. Sie agieren in gewissem Grade unabhängig. Sie hören nicht besonders auf den Entschluss und den Befehl des Willens. Man kann sie nur schlecht der religiösen Verantwortung unterziehen. Mit der Annahme und
der Bestätigung ist das aber anders. Sie sind der Waage verpflichtet (d.h. sie haben ihr Maß - A.d.Ü.).
So wie Ideen, Vorstellungen, Bilder und Gedanken nicht deren Annahme und noch keine Bestätigung sind, so werden sie auch nicht unter die Ungewissheiten und Zweifel gerechnet. Wenn sie jedoch durch beständige und immerwährende nutzlose Wiederholung zum Dauerzustand werden, so kann aus ihnen durchaus eine Art tatsächlicher Zweifel entstehen. Wer hingegen behauptet, er wolle ja nur unparteiisch urteilen, er denke nur, was recht und billig ist, und so immer wieder die Gegenseite unterstützt, der gleitet schließlich in jenen Zustand, wo er unfreiwillig die Gegenseite unterstützt. Er zerbricht die Verteidigung der Wahrheit, zu der er verpflichtet gewesen wäre. Somit gerät er zugleich auch in Gefahr. Wer sich zum selbsternannten Verteidiger der Gegenseite oder zum advocatus diaboli macht, in dessen Denkweise verfestigt sich dieser Zustand am Ende gar. Das Entscheidende bei dieser Art von Einflüsterung ist dieses: Der von einer solchen Einflüsterung geplagte Mensch verwechselt eine Möglichkeit, die an und für sich besteht (imkan-i dhati)mit einer Möglichkeit als gedankliche Vorstellung, d.h. er stellt sich das, was er an und für sich für möglich ansieht, auch in Gedanken als möglich vor (d.h. er stellt sich das, was theoretisch möglich wäre, auch als praktisch möglich vor - A.d.Ü.) und sein Verstand gerät darüber in Zweifel (ob es nicht vielleicht tatsächlich so wäre - A.d.Ü.). Als ein Grundsatz der Theologie gilt jedoch:
"Eine Möglichkeit an sich widerspricht nicht einer wissenschaftlichen Tatsache und steht nicht im Widerspruch zu einer gedanklichen Konsequenz." Zum Beispiel ist es an und für sich möglich, dass das Schwarze Meer in diesem Augenblick von der Erde verschluckt wird und als eine solche Möglichkeit an und für sich vorstellbar ist. Doch ist mit Sicherheit unser Urteil darüber, dass das Meer noch an seiner Stelle ist. Dies wissen wir ohne einen Zweifel und diese Möglichkeit an sich weckt nicht etwa einen Verdacht, lässt keinen Zweifel offen, vermag
unsere Sicherheit nicht zu erschüttern.
Oderein anderes Beispiel:Es wäre an und für sich möglich, dass die Sonne heute nicht unterginge oder morgen nicht wieder aufginge. Diese Möglichkeit kann unserer Gewissheit jedoch keinen Schaden zufügen, vermag sie nicht in Zweifel zu ziehen. So kann denn dementsprechend zum Beispiel der Untergang unseres irdischen Lebens und der Aufgang des Lebens im Jenseits, den Glaubenswahrheiten entsprechend, durch die Zweifel, die aus einer bloßen Möglichkeit (imkan-i dhati)erwachsen unserer Glaubensgewissheit keinen Schaden zufügen. Desgleichen gilt:
لاَعِبْرَةَ ِلِلْاِحْتِمَالِ الْغَيْرِ النَّاشِئِ عَنْ دَلِيلٍ
{"Eine Möglichkeit, die nicht bewiesener und begründetermaßen erwächst, ist ohne Bedeutung."}
Dieser berühmte Grundsatz ist die unverrückbare Basis sowohl der Theologie (usulu d-din)als auch der Rechtslehre (usulu l-fiqh).
Wenn du also sagst:
"Was ist der Sinn dessen, dass wir dermaßen durch solche Einflüsterungen, die doch für die Gläubigen so quälend und peinigend sind, geplagt werden?" so lautet die Antwort darauf: Die Einflüsterungen (des Bösen) sind im Grunde genommen, vorausgesetzt, dass sie nicht überhand nehmen, nicht den Sieg davontragen, ein Anlass zur Wachsamkeit, ein Ansporn zum Studium und ein Fahrzeug zur Ernsthaftigkeit. Sie vertreiben die Gleichgültigkeit und beseitigen den Müßiggang. Darum hat der Allweise in Seiner Vollkommenheit, um uns anzuspornen dem Teufel die Einflüsterungen als Peitsche an diesem Ort der Prüfung, dieser Wettkampfarena, in die Hand gegeben. Er schlägt damit dem Menschen auf den Kopf. Wenn er jedoch allzu lästig und beschwerlich wird, muss man es dem Allweisen Erbarmer klagen und
اَعوُذُ بِاللّٰهِ مِنَ الشَّيْطَانِ الرَّجِيمِ
{"Ich nehme meine Zuflucht zu Gott vor dem verfluchten Satan!"}
sagen.
Zweiundzwanzigstes Wort
(zwei Kapitel)
Erstes Kapitel
بِسْمِ اللَّهِ الرَّحْمَنِ الرَّحِيمِ ٭ وَيَضْرِبُ اللّٰهُ اْلاَمْثاَلَ لِلنَّاسِ لَعَلَّهُمْ يَتَذَكَّرُونَ ٭ وَتِلْكَ اْلاَمْثاَلُ نَضْرِبُهَا لِلنَّاسِ لَعَلَّهُمْ يَتَفَكَّرُونَ
{"Im Namen Gottes, des Erbarmers, des Allbarmherzigen. Gott stellt für die Menschen Gleichnisse auf, damit sie sich ermahnen lassen sollten." (Sure 14, 25) "Und so stellt Gott Gleichnisse für die Menschen auf, damit sie darüber nachdenken sollten." (Sure 59, 21)}
Einst wuschen sich zwei Männer in einem Teich. Da verloren sie wunderbarer Weise das Bewusstsein. Als sie ihre Augen wieder öffneten, sahen sie, dass sie in eine sonderbare Welt versetzt worden waren. Es war dies eine Welt, in der Anordnung und Einordnung an ein Königreich, ja eine Burg, ja sogar ein Schloss denken ließ. Voll Erstaunen blickten sie sich um. Sobald man sie in gewisser Weise betrachtete, schien sie eine riesengroße Welt zu sein. Betrachtete man sie in einer anderen Art, erschien sie ihnen wie ein wohlgeordnetes Königreich. Besahen sie sie in wieder einer anderen Art, glich sie einer vollendet schönen Burg. Und blickten sie abermals in einer anderen Weise auf sie, so kam sie ihnen wie ein Schloss vor, das eine weitere außerordentlich prächtige Welt in seinem Inneren beherbergte. Sie wanderten darin umher und betrachteten sie. Sie bemerkten, dass sie von Geschöpfen bewohnt war, die sich auf irgendeine Art miteinander verständigten. Doch verstanden sie deren Sprache nicht. Sie schlossen aber aus ihrem Verhalten, dass sie wichtige Aufgaben wahrnahmen und bedeutende Aufträge erfüllten.
Da sagte der eine der beiden Männer zu seinem Gefährten: "Dies ist eine wunderbare Welt, die sicherlich ihren Verwalter, ein wohlgeordnetes Königreich, das auch einen König, eine vollendet schöne Burg, die auch einen Burgherr, ein kunstvoll erbautes Schloss, das sicherlich auch seinen Baumeister hat. Wir sollten uns darum bemühen, ihn kennen zu lernen. Denn Er war es verständlicher Weise, der uns hierher gebracht hat. Wenn wir Ihn nicht kennen lernen, wer anders sollte uns dann helfen. Was können wir sonst schon von diesen armen Geschöpfen hier erwarten, deren Sprache wir nicht verstehen und die uns gar nicht beachten?
Außerdem wünscht der Herr, der diese riesengroße Welt in der Gestalt eines Königreiches, in der Form einer Burg, nach Art eines Schlosses gemacht und von seinem Anfang bis an sein Ende von wunderbaren Dingen erfüllt hat, es mit allen Arten von Ornamenten verziert und es mit eindruckerweckenden Wunderwerken ausgestattet hat, sicherlich etwas von uns und all denen, die hierher gekommen sind. Wir wollen Ihn kennen lernen. Zudem wäre es notwendig, zu erfahren, was Er von uns will."
Doch der andere entgegnete ihm: "Ich glaube nicht, dass es so einen Herrn, wie du sagst, überhaupt gibt und er diese ganze Welt hier völlig allein regiert." Sein Gefährte gab ihm zuAntwort:"Lernen wir Ihn nicht kennen und bleiben Ihm gegenüber gleichgültig, so ist der Vorteil, den wir dabei haben, gar keiner, der Nachteil, den das haben könnte, jedoch ein gewaltiger. Bemühen wir uns darum, Ihn kennen zu lernen, ist unser Einsatz nur ein geringer, der Gewinn, den wir erzielen könnten, jedoch ein gewaltiger. Ihm gegenüber gleichgültig zu bleiben ist also völlig sinnlos." Jener Verblendete erwiderte jedoch: "Ich erblicke all meine Ruhe und mein ganzes Wohlergehen gerade darin, gar nicht an Ihn zu denken. Außerdem beschäftige ich mich nicht mit Dingen, die mein Verstand nicht erfassen kann. Alle diese Dinge hier sind nur zufällig. Ich verstehe zwar nichts von diesen Dingen, doch läuft hier alles von selbst und geht mich nichts an." Sein
verständiger Gefährte meinte aber: "Deine Verbohrtheit kann auch mich, ja sogar noch viele andere ins Unglück stürzen. Es geschieht manchmal, dass wegen eines Menschen Sittenlosigkeit ein ganzes Königreich untergeht."
Wiederum wandte jener Verblendete ein: "Entweder beweist du mir unwiderleglich, dass dieses riesige Königreich einen einzigen König, einen einzigen Meister hat, oder aber du störst mich nicht länger!"
Nun machte ihm sein Gefährte folgenden Vorschlag: "Da also nun deine Verbohrtheit sich zum Irrsinn steigert, wirst du noch mit deiner Verbohrtheit den Zorn über uns und sogar das ganze Land heraufbeschwören. So werde ich dir also nun an Hand von zwölf Beweisen aufzeigen, dass diese Welt, die einem Schloss gleicht, dieses Königreich, das einer Burg gleicht, einen einzigen Meister hat und dass es einzig dieser Meister ist, der alles regiert. Bei Ihm gibt es weder Fehler noch Mängel. Dieser Meister, den wir nicht sehen können, sieht uns und alle Dinge, hört alle unsere Worte. Alle Seine Taten sind einzigartig und wunderbar. Alle diese Geschöpfe, die wir hier sehen, sind, auch wenn wir ihre Sprache nicht verstehen können, in Seinen Dienst gestellt."
Erster Beweis:
Komm her und schaue dich nach allen Richtungen um! Gib Acht auf alles! In allen diesen Dingen ist eine verborgene Hand am Werk. Denn siehe: ein Ding, das so klein ist wie ein Kern, der kaum soviel wiegt wie ein Dirhem (etwa 3g), vermag eine Last von tausenden Batman (etwa 8kg) zu tragen.
{(*): Anspielung auf die Samenkörner, welche Bäume auf ihrem Kopf tragen.}
Dinge, ohne auch nur ein Stäubchen von Verstand, versehen überaus weisheitsvolle Aufgaben.
{(*): Eine Anspielung auf so zarte Pflänzchen wie die Reben des Weinstocks, die sich selbst nicht erheben und ihre Früchte nicht selbst tragen können, strecken ihre kleinen Hände nach anderen Bäumen aus, umarmen sie und suchen an ihnen Halt.}
Das also heißt, dass sie nicht aus eigenem Antrieb arbeiten. Es ist da jemand im Verborgenen,
der ihr mächtiger Herr ist und sie ans Werk setzt. Würden sie dies von sich aus tun, dann müsste alles hier im Lande rings umher einem Wunder gleichen. Es müssten alles dies hier außerordentliche Dinge sein, die von einem Wundertäter bewirkt wurden. Das aber wäre jedoch absurd.
Zweiter Beweis:
Komm und achte einmal darauf, wie schön alle diese Felder und Wälder, die Straßen und Plätze, die Häuser und Wohnungen geschmückt sind! In ihnen allen gibt es etwas, das von diesem verborgenen Herrn Kunde gibt. Es ist so als trügen sie alle ein Siegel oder Wappen, dass von ihrem verborgenen Herrn Kunde gibt. Sieh doch einmal, was Er hier vor unseren Augen aus einem Dirhem Baumwolle schafft!
{(*): Anspielung auf ein Samenkorn, z.B.: der Samen des Schlafmohns, fein wie Staub; der Kern einer Aprikose, leicht wie ein Dirhem (3g); ein Melonenkern. Sie bringen aus der Schatzkammer der Barmherzigkeit (Gottes) Blätter hervor, die feiner gewebt sind als ein Tuch, weiße und gelbe Blumen, die klarer und schöner sind als Batist, und Früchte, die aromatischer sind als alle Süßigkeiten, wohlschmeckender als Köfte (eine Art türkische Klößchen, meistens mit Fleisch) und feiner als jegliche Packung Feinkost und bieten sie uns an.}
Siehe, wie viele Ballen Tücher aller Art wie Batist oder Batikstoffe u. dgl. Er daraus hervorbringt! Siehe, wie viele Arten Süßigkeiten, wohlschmeckende Bällchen Köfte hier hergestellt werden! Kämen auch tausende von Menschen wie wir, sich damit zu bekleiden oder davon zu essen, es würde für sie alle reichen! Und betrachte einmal weiter, wie Er das Eisen hier, die Erde, das Wasser, die Kohle, das Kupfer, Silber und Gold unsichtbar in Seine Hand nimmt (und sie formt und in Seiner Hand aus Erde) Fleisch wird.
{(*): Eine Anspielung auf die Erschaffung der (Körper der) Tiere aus den Elementen (der Erde) bzw. deren Samen.}
So komm also nun und siehe... Oh du unverständiger Mensch! Alle diese Werke sind jenem Herrn zu eigen, in dessen (Hand und) wunderbarer Macht das ganze Land ruht, mit allem, was zu ihm gehört. Alle entsprechen sie Seinen Wünschen.
Dritter Beweis:
Komm und siehe diese einzigartigen, beweglichen Kunstwerke!
{(*): Anspielung auf Tiere und Menschen. Denn ein Tier ist ein kleines Inhaltsverzeichnis dieser Welt und da auch der Mensch ein verkleinertes Abbild der Schöpfung (Körper, Seele, Geist) ist, kann man auch sagen, dass sich für alles, was es (im Himmel und auf Erden) gibt, im Menschen ein Beispiel (Körper, Rede, Wille, Träume, Phantasie) findet.}
Jedes von ihnen ist so gestaltet, dass es von diesem riesigen Schloss ein kleines Abbild (: eine Welt im Kleinen) ist. Alles, was es in diesem Schloss gibt, findet sich in diesem winzigen beweglichen Werk wieder. Ja wäre es den überhaupt möglich, dass ein anderer als der Baumeister dieses Schlosses kommen und dieses wunderbare Schloss in solch einem kleinen Werk konzentrieren könnte!? Und wäre es außerdem überhaupt möglich, dass sich in einem Werk von der Größe eines kleinen Kistchens, obwohl es doch einen in sich (vollendeten) Kosmos im Kleinen umfasst, etwas fände, dessen Gang nur zufällig oder aber sinnlos wäre!? Das aber heißt, dass, wie viele dieser einzigartigen Kunstwerke das Auge auch erblickt, sie doch alle (Gute wie Böse) das Siegel des verborgenen Meisters tragen. Ja sie gleichen sogar einem Boten, einem Ausrufer. Sie sagen unausgesprochen: "Wir sind die Kunstwerke jenes Herrn, der diese unsere ganze Welt ebenso leicht zu erschaffen vermochte, wie Er auch uns selbst ganz leicht geschaffen und ins Dasein gerufen hat."
Vierter Beweis:
Oh du eigensinniger Freund! Ich will dir etwas zeigen, was noch wunderbarer ist. Schau, in diesem Land hat sich jedes Werk, jedes Ding verändert und verändert sich weiterhin. Nichts verbleibt im selben Zustand. Gib Acht, alle diese toten Gegenstände, die wir hier sehen, diese Kästchen, die nichts zu empfinden scheinen, haben alle die Gestalt eines absoluten Herrschers angenommen. Es ist, als herrsche jedes Ding über alle anderen Dinge. Betrachte also einmal diese Maschine hier!
Es ist als erteile sie ihre Befehle.
{(*): Diese Maschine ist eine Anspielung auf die fruchttragenden Bäume. Denn es ist erstaunlich, wie sie ihre Blätter (gleich Tüchern) weben, sie mit Blumen schmücken, ihre Früchte zur Reife bringen und sie uns anbieten. Hunderte von Werkbänken und Fabriken scheinen sie dafür auf ihren dünnen Ästen zu tragen. Unterdessen bemühen sich so prächtige Bäume wie die Tanne und die Zeder weiterhin darum, ihre Werkbänke auf trockenem und steinigem Boden aufzustellen.}
So kommen denn alle Werkzeuge und Materialien, die sie für Schmuck und Werk benötigt, von weit entfernten Stätten herbeigelaufen. So siehe denn, wie auch dieses leblose Ding hier sich so, als ob es nur eines Winkes bedürfe, ein anderes riesengroßes Ding dienstbar macht und für sich arbeiten lässt.
{(*): Anspielung auf die Getreidekörner und die Eier der Insekten. Da hinterlässt z.B. eine Wespenart ihre Eier auf den Blättern einer Ulme. Da verwandelt diese riesige Ulme plötzlich ihre Blätter den Eiern in einen Mutterschoß, eine Wiege, einen Speicher, gefüllt mit Nahrungsvorräten gleich Honig. Es ist, als ob der Baum auf diese Weise an Stelle seiner Früchte nun selbst lebendige Früchte hervorbrächte.}
Ziehe hierzu auch noch andere Dinge zum Vergleich heran! Es ist, als ob ein jedes Ding alles in der Welt erschaffene in seinen Dienst stellte. Wolltest du also nun diesen verborgenen Herrn nicht anerkennen, dann müsstest du alle die Meisterschaft, die Kunstfertigkeiten, Vollkommenheiten, die wir in allem Geschaffenen, in den Steinen, in der Erde, den Tieren und den Menschen finden, (Stück für Stück) jedem einzelnen Ding zuschreiben. So müssten also an Stelle des allein wunderwirkenden Herrn, (an den zu glauben dir) weit davon entfernt (erscheint,) vernünftig zu sein, Milliarden von Wundertätern da sein, die gleich Ihm und zugleich einander entgegengesetzt und dennoch einander gleich und wiederum ineinander zu finden sein sollten, sodass diese Ordnung nicht zerstört werde und die Welt nicht in Unordnung gerate. Würden sich jedoch in diesem Riesenreich auch nur
zwei Finger (eines fremden Partners von außen) einmischen, (geriete alles) durcheinander. Denn wo zwei Schulzen in einem Dorf, zwei Meister auf einer Burg, zwei Könige in einem Reich wären, bringen sie alles durcheinander. Wie also wäre es denkbar oder möglich, dass es unzählige absolute Herrscher geben könnte!?
Fünfter Beweis:
Oh du argwöhnischer Freund! Komm nun und achte auf die Kunstwerke dieses Schlosses, alle die Schönheiten dieser Stadt, die ganze große Ordnung in diesem Reich und denke über alle die wundervollen Werke in dieser Welt nach! Wäre die Feder des verborgenen Herrn, der so wunderbar und meisterhaft ist, nicht am Werke und müsste man also die Kunstwerke anderen unbedachten Ursachen, blindem Zufall und den tauben Kräften der Natur zuschreiben, so wäre es auch notwendig, dass in diesem Reich selbst jeder Stein und jedes Kraut ein so wundervoller Schreiber, ein so außerordentlicher Kalligraph sein müsste, dass er in einen einzigen Buchstaben tausend Bücher hineinschreiben und in einem einzigen Ornament Millionen von Kunstwerken zusammenfassen könnte. Denn sieh einmal wie sich in jedem dieser Steine die Kunstwerke des ganzen Schlosses, die Gesetze zur Verwaltung einer ganzen Stadt, das Programm zur Gestaltung eines großen Reiches wiederfinden. Das aber heißt, dass die Verfertigung solcher Kunstwerke ebenso wunderbar ist wie die Gestaltung des großen Reiches. Wenn das aber so ist, dann ist auch jedes Schmuckstück, jedes Kunstwerk gleich einer Verkündigung oder einem Siegel dieses verborgenen Herrn.
{(*): Eine Anspielung auf den Menschen als die Frucht am Baume der Schöpfung und zugleich auch auf eine Frucht, die das Programm und Inhaltsverzeichnis dieses ihres Baumes in sich trägt. Denn was die Feder der Macht im großen Buche der Welt geschrieben hat, davon hat sie auch eine Zusammenfassung in den einzelnen Menschen hineingeschrieben. Was auch immer die Feder der Bestimmung in einen Baum, groß wie ein Berg, hineingeschrieben hat, das hat sie auch in seiner Frucht, nicht größer als ein Fingernagel, zusammengefasst...}
Da es aber nun einmal keinen Buchstaben geben kann, der nicht auf seinen Schreiber hinwiese, ein kunstvoll gestaltetes Schmuckstück, das nicht auch seinen Designer bekannt machte... wie könnte es dann sein, dass der Designer, der in einen einzigen Buchstaben ein ganzes großes Buch hineingeschrieben hat, in einem einzigen kunstvoll gestalteten Schmuckstück tausend Kunstwerke zusammengefasst hat, nicht durch Sein Buch und durch dieses Schmuckstück zu erkennen wäre...
Sechster Beweis:
Komm, wandern wir über diese weite Ebene!
{(*): Eine Anspielung auf das Antlitz der Erde im Frühling und im Sommer. Denn hunderttausende verschiedener Arten von Geschöpfen werden untereinander vermengt und vermischt, gleichzeitig erschaffen und auf der Erdoberfläche eingetragen. So werden sie ohne alle Mängel und Fehler in vollkommener Ordnung ausgetauscht. Tausende von Tafeln des Allbarmherzigen werden gedeckt und wieder aufgehoben, wieder und wieder neu gedeckt. Jeder Baum gleicht einem Kellner, jedes Beet einem Speisekessel.}
Siehe, da ist inmitten dieser Ebene ein hoher Berg. Da wollen wir hinaufsteigen, damit wir die ganze Umgebung betrachten können. Außerdem wollen wir gute Fernrohre mitnehmen, die uns alle Dinge in greifbare Nähe rücken. Denn in diesem wunderbaren Land geschehen wunderbare Dinge, ereignet sich in jeder Stunde, was die Vernunft übersteigt. Sieh nun! Es verwandeln sich plötzlich die Berge, die Ebenen und die Städte. Und wie sie sich verwandeln! Das geschieht auf folgende Weise: Millionen untereinander vermengter, vermischter Dinge werden in vollkommener Ordnung umgewandelt. Es findet da eine ganz erstaunliche Verwandlung statt. Es ist, als würden Millionen verschiedener Stoffe gleichzeitig am selben Ort gewebt werden. Siehe, jetzt sind alle die uns wie Blumen und Blüten lieb gewordenen und vertrauten Dinge verschwunden und an ihre Stelle sind in bester Ordnung andere, ihnen dem Wesen nach ähnliche, der Substanz nach aber verschiedene, neu gebildete getreten. Es ist, als glichen diese Berge und Ebenen
einer Seite, auf die hunderttausende verschiedener Bücher geschrieben würden. Ja sie werden sogar ohne Fehler und Mängel geschrieben. So ist es denn hundertfach unmöglich, dass diese Dinge aus sich selbst entstanden sein sollten. Ja es ist sogar tausendmal unmöglich, dass diese in so unendlichem Grade kunstvollen und mit so viel Aufmerksamkeit gestalteten Dinge aus sich selbst entstanden sein könnten. Stärker als ihre eigene (Existenz) beweisen sie die ihres Meisters. Zudem ist der, welcher dies alles vollbringt, der Herr, der allein Wunder tut und sie mühelos tut. Tausend Bücher zu schreiben ist für Ihn genau so leicht, wie einen einzigen Buchstaben zu schreiben. Darüber hinaus siehe auch wie Er alles mit einer solchen Weisheit an seinen rechten Platz stellt und so freigiebig allen Seine Güte erweist, wie es ihnen zukommt. Des Weiteren öffnet Er allen huldvoll Türen und Tore, ihnen allen ihre Wünsche befriedigend. Des Weiteren bereitet Er ihnen allen ihre Tische so freigiebig, dass alle Völker Seines Reiches und auch die Tiere ihren Tisch finden, jedes nach seiner Art und Gattung, ja sogar jeder einzelne aus Seiner Huld einen Tisch mit seinem eigenen Namen und Zeichen empfängt.
Könnte es also in dieser Welt etwas geben, was noch unvorstellbarer wäre, als dass unter diesen Dingen, die wir hier sehen, Dinge rein zufällig sein könnten, oder sinnlos oder nutzlos, oder dass sich verschiedene Hände (in ihre Verwaltung) einmischen könnten, dass ihr Meister nicht aller Dinge mächtig wäre, oder sie Ihm nicht dienstbar wären!? Nun denn, mein Freund! Wenn du nun noch dazu in der Lage bist, versuche doch noch einen Einwand dagegen vorzubringen!
Siebenter Beweis:
Nun komm, mein Freund! Lassen wir nun die Einzelheiten und wollen wir statt dessen das Verhältnis der einzelnen Bestandteile dieser wunderbaren Welt zueinander betrachten, welche die Gestalt eines Schlosses hat. Siehe nun: In dieser Welt geschehen alle Dinge, vollziehen sich die großen, allgemeinen Umwandlungen in einer Ordnung von so hohem Grade, dass alle
Steine, die Erde und die Bäume und alle Dinge, die wir in diesem Schloss (und in seinen Gärten) vorfinden, jede für sich wie selbständig handelnd, die ganze, umfassende Ordnung in dieser Welt beobachten und sich im Einklang mit ihr bewegen. Dinge, die am weitesten voneinander entfernt sind, eilen einander zu Hilfe. So siehe denn: Aus der unsichtbaren Welt kommt eine Karawane gezogen.
{(*): Hier werden die Bäume und all die übrigen Pflanzen mit Karawanen verglichen, die allen Tieren ihre Nahrung bringen.}
Ihre Tragtiere sind die Bäume und alle die übrigen Pflanzen, ja selbst die Berge, sie tragen ein Tablett mit Speisen auf ihren Köpfen. Siehe nun: Sie bringen den verschiedenen Tieren, die auf dieser Seite (: dem Diesseits) warten, ihre Nahrung. Und siehe weiter: Jene gewaltige elektrische Lampe in der Kuppel (des Schlosses) spendet ihnen Licht und kocht ihnen zugleich auch all ihre Speisen auf das Beste.
{(*): Jene gewaltige elektrische Lampe ist eine Anspielung auf die Sonne.}
Man braucht nur die Speisen, die wie von unsichtbarer Hand an einem Strick befestigt zu sein scheinen, zum Kochen vor sie zu halten.
{(*): Was den Strick und die daran befestigten Speisen betrifft, so sind dies die kleinen Zweige der Bäume, an denen die wohlschmeckenden Früchte hängen.}
Und siehe nun weiter, wie dort vor diesen armen, schwachen, kraftlosen und hilflosen Jungen (der Tiere) kleine mit köstlicher Nahrung gefüllte Säckchen herabhängen, Brunnen gleich, an denen sich diese kraftlosen Geschöpfe nur noch mit ihrer Schnauze festzusaugen brauchen.
{(*): Die Säckchen sind eine Anspielung auf die Zitzen der Muttertiere.}
Zusammenfassung:
Alle Dinge in dieser ganzen Welt helfen einander, als wären sie für einander bestimmt, reichen einander die Hand, als könnten sie einander erkennen und verstehen. Um sich einander zu vervollkommnen,
stehen sie zueinander Schulter an Schulter. Sie stärken einander den Rücken und arbeiten zusammen. Du kannst nun alle Dinge heranziehen, um sie damit zu vergleichen! Die Anzahl der Beispiele ist nicht zu zählen... So zeigen denn alle diese oben angeführten Beziehungen und Verhältnisse mit der gleichen Sicherheit, mit der zwei mal zwei vier ist, dass dem Meister dieses wunderbaren Schlosses, d.h. dem Herrn dieser einzigartigen Welt, alle Dinge dienstbar sind. Jedes Ding arbeitet nach Seinem Willen. Alle Dinge gleichen Soldaten, die bereit sind, Ihm zu dienen. Alle Dinge laufen (wie ein Geschäft, eine Maschine) durch Seine Kraft. Alle Dinge bewegen sich auf Seinen Befehl. Alle Dinge werden in Seiner Weisheit geordnet. Alle Dinge helfen einander mit Hilfe Seiner Freigiebigkeit (d.h. des Menschen Hilfe kommt von Gott). Alle Dinge eilen in Seiner Barmherzigkeit einander zu Hilfe, d.h. sie werden durch sie in Bewegung gesetzt. Nun denn, mein Freund, wenn du nun noch dazu in der Lage bist, versuche doch noch ein Wort dagegen vorzubringen!
Achter Beweis:
Komm, oh du mein unvernünftiger Freund, der du dich, gleich meiner Seele (nefs),selbst für klug hältst! Da willst du den Herrn dieses prächtigen Schlosses nicht anerkennen. Dabei weist doch jedes Ding auf Ihn hin, tut Ihn kund, legt für Ihn Zeugnis ab. Wie kannst du das Zeugnis all dieser Dinge leugnen! Doch in diesem Fall musst du auch dieses Schloss leugnen und sagen: "Die Welt gibt es gar nicht. Dieses Land gibt es nicht." und leugne dich selbst und dann löse dich selbst in Nichts auf! Oder aber komm zur Vernunft und höre mich an! So siehe denn: Es gibt in diesem Schloss einheitliche Elemente, Stoffe,
{(*): Die Elemente, Stoffe, die so zahlreiche Aufgaben in bester Ordnung erfüllen und mit Erlaubnis ihres Herrn allen Bedürftigen zu Hilfe eilen und auf göttlichen Befehl überall hineindringen, ihnen Unterstützung bringen, alles Lebensnotwendige herstellen und alle Lebewesen damit ernähren, welche Quelle, Mutter und Wiege der Gewebe und aller Muster göttlicher Kunstwerke sind, spielen auf die vier Elemente: Luft, Wasser, Licht und Erde an.}
die dieses Schloss und das ganze Land erfüllen und es zugleich umschließen.
Alle Dinge, die in diesem Lande hergestellt werden, sind offensichtlich aus diesen Stoffen gemacht. Das aber heißt, wem diese Stoffe gehören, dem gehören auch alle Dinge, die daraus verfertigt werden. Wem der Acker gehört, dem ist auch die Ernte. Wem das Meer gehört, dem ist auch alles, was darinnen ist. Und weiter siehe: alle diese gewebten Stoffe, diese mit kunstvollen Mustern angefertigten Tücher werden alle aus der gleichen Materie (z.B. aus Wollfäden) hergestellt. Derjenige, der das Ausgangsmaterial herbeischafft, es vorbereitet und sodann zu Fäden verspinnt, ist offensichtlich ein und derselbe. Denn diese Arbeit duldet keinen Partner. Da dies aber so ist, sind alle diese kunstvoll gewebten Stoffe Sein Eigentum.
Und weiter siehe: alle diese hier gewebten und verfertigten Stoffe aller Art finden sich überall im ganzen Land. Alle diese Kinder von der gleichen Art sind so verbreitet, dass sie alle gleichzeitig miteinander, nebeneinander, in gleicher Weise hervorgebracht werden. Das aber heißt, dass dies die Tätigkeit eines einzigen Herrn ist, auf einen einzigen Befehl in Gang gesetzt wird. Anderenfalls wäre es unmöglich, dass sie in ein und derselben Zeit auf gleiche Art, auf dieselbe Weise, übereinstimmend in Aufbau und Form miteinander harmonieren könnten. Da dies aber so ist, weisen alle diese kunstvoll gestalteten Dinge als eine Verkündigung jenes verborgenen Herrn auf Ihn allein hin.
Es ist, als sagte jeder einzelne dieser geblümten Stoffe, jede kunstvolle Maschine, jeder wohlschmeckende Bissen als Siegel dieses wundertätigen Herrn, Sein Stempelabdruck, Sein Kennzeichen, als das Mal Seiner Spur unausgesprochen: "Ich bin das Kunstwerk dessen, welcher auch der Eigentümer der Kisten und der Besitzer der Kaufläden ist, in denen ich mich befinde." Und ein jedes Muster spricht: "Ich bin ein Muster, eingewebt in das Tuch dessen, der das Tuch und sein Muster und den ganzen Ballen Stoff gewebt hat." Jeder wohlschmeckende Bissen spricht: "Der mich zubereitet hat, ist auch derjenige,
dem der Topf ist, in dem ich mich befinde." Jede Maschine spricht: "Der mich gebaut hat, ist auch derjenige, der im ganzen Lande alle die gebaut hat, die mir gleichen und der uns überall im ganzen Lande herstellt. Das heißt, Er ist auch der Eigentümer des Landes und der König dieses Reiches. Da dies aber so ist, kann nur der, dem das ganze Land gehört und welcher der Herr jenes Schlosses ist, unser Herr und Besitzer sein." Um z.B. ein einziges Koppelschloss oder einen einzigen Uniformknopf besitzen zu können, wäre es notwendig, alle Fabriken zu besitzen, die sie herstellen, um deren tatsächlicher Besitzer zu sein. Man würde (diese Dinge) sonst einem zivilen Angeber aus der Hand nehmen, ihm sagen, dass sie Militärgut sind, und ihn deswegen bestrafen.
Zusammenfassung:
Die Elemente dieses Landes sind Stoffe, die im ganzen Lande vorkommen. Auch ihr Besitzer kann nur ein Einziger sein, der Herr, dem auch das ganze Land gehört. So weisen denn die Kunstwerke, die im ganzen Reich verbreitet sind, da sie einander gleichen und dieselbe Prägung tragen, ja alles, was sich überall im ganzen Lande findet, darauf hin, dass sie Kunstwerke eines einziges Herrn sind, der über alle Dinge herrscht. Nun denn mein Freund! Es gibt nun einmal in diesem Lande, d.h. in jenem prächtigen Schloss, ein Merkmal der Einheit, ein einheitliches Siegel. Denn ein Teil der Dinge ist einfach und allumfassend. Ein anderer hingegen weist, obwohl sich (die Dinge einander) gleichen und sich überall finden, dennoch eine Einheit in seiner Art auf. Was diese Einheit betrifft, so weist sie immer auf den Einen hin. Das also heißt, dass sein Meister, sein Eigentümer, sein Herr, sein Erbauer ein und derselbe sein muss. Darüber hinaus achte nun auch darauf, wie hinter dem Schleier des Unsichtbaren ein Seil hervortritt.
{(*): Das Seil ist eine Anspielung auf einen fruchttragenden Baum. Die tausenden von Fäden auf seinen Ästen und Zweigen und die an ihnen hängenden Diamanten, Orden, Gaben und Geschenken spielen auf die verschiedenen Arten von Blumen und Sorten von Früchten an.}
Siehe, wie sodann tausende von Fäden aus ihm hervor wachsen. Betrachte die Enden der Fäden: An ihnen sind Diamanten, Orden, Gaben und Geschenke angebunden. Sie bieten jedem das ihm entsprechende Geschenk an. Ja weißt du denn nicht, was für ein törichtes Verhalten es ist, einen solchen Herrn, der hinter einem so einzigartigen Schleier vor dem Unsichtbaren so wunderbare Gaben und Geschenke für Seine Geschöpfe hervorbringt, nicht anzuerkennen und Ihm nicht zu danken. Wolltest du Ihn jedoch nicht anerkennen, so wärest du ja gezwungen zu sagen: "Diese Fäden bringen an ihren Enden von selbst Diamanten und andere Geschenke hervor und bieten sie uns an."
Dann aber müsste man auch einem jeden Faden die Bedeutung eines ganzen Königreiches zuschreiben. Dabei macht doch eine unsichtbare Hand vor unseren Augen diese Fäden und befestigt an ihnen die Geschenke. Das aber heißt, dass jedes Ding in diesem Schloss weit mehr auf jenen wundertätigen Herrn hinweist als auf sich selbst. Erkennst du Ihn nicht an, wirst du durch eine solche Leugnung all dieser Dinge hundertfach unter das Tier hinabsinken.
Neunter Beweis:
Komm nun, mein Freund, der du nicht recht zu urteilen weißt! Du glaubst nicht an den Herrn dieses Schlosses und willst auch gar nicht an Ihn glauben. Denn das liegt dir fern. Da Seine Kunstwerke und Seine Taten so wunderbar sind, dass sie die Vernunft übersteigen, verirrst du dich zu deren Leugnung. Doch das, was dir wirklich fern liegt und was eigentlich schwierig für dich ist, die wahren Probleme und all die fürchterliche Mühsal entsteht daraus, dass du nicht an Ihn glaubst. Denn wenn wir an Ihn glauben, wird alles, was mit diesem Schloss, dieser Welt zu tun hat, so leicht, als handele es sich dabei nur um eine einzige Sache, wird ganz einfach. Darin findet sich die Quelle dafür, dass alles auf dem Markt so billig und so reichlich vorhanden ist. Wenn wir nicht an Ihn glauben und es Ihn gar nicht gäbe, dann würde jede einzelne Angelegenheit
ebenso schwierig sein, wie sämtliche Angelegenheiten dieses ganzen Schlosses. Denn jedes einzelne Ding ist genauso kunstvoll wie das ganze Schloss. So bliebe dann nichts mehr, was noch billig und reichlich vorhanden wäre. Nichts mehr von den Dingen, die wir hier sehen, würde noch in unsere Hand, ja in niemandes Hände mehr gelangen. So betrachte denn nur einmal die hier an diesen Fäden hängenden Vorratspäckchen.
{(*): Diese Vorratspäckchen sind eine Anspielung auf die Geschenke der Barmherzigkeit (Gottes) wie Zucker- und Wassermelonen und die Granatäpfel, die Vorratsbehältern aus der Macht (Gottes) gleichen und die Kokosnüsse, welche natürliche Milchdosen sind.}
Kämen sie nicht aus der Küche Seiner verborgenen Wunder, könnten wir sie nicht sogar gegen ein ganzes Vermögen erwerben, obwohl sie doch jetzt für ein paar Münzen zu haben sind.
Alles, was uns so fern liegt, alle Schwierigkeiten, Probleme, ja Katastrophen und alles, was unmöglich ist, entsteht in der Tat daraus, dass wir nicht an Ihn glauben. So bekommt ein Baum seine Lebenskraft aus einer einzigen Wurzel, entsprechend einem einzigen Gesetz, aus ein und demselben Boden. Die Gestaltung tausender von Früchten geschieht demnach mit der gleichen Leichtigkeit wie die einer einzigen Frucht. Wenn die Früchte dieses Baumes mit jeweils einem anderen Platz, einer anderen Wurzel, einem jeweils unterschiedlichen Gesetz verbunden wären, würde die Gestaltung jeder einzelnen Frucht genauso schwierig werden, wie die des ganzen Baumes. Auch die Ausrüstung eines ganzen Heeres von einer einzigen Zentrale aus, einem einzigen Gesetz entsprechend und durch eine einzige Fabrik geschieht trotz einer großen Zahl (Soldaten) genauso leicht wie die Ausrüstung eines einzigen Soldaten. Erfolgte aber die Ausrüstung und Versorgung jedes einzelnen Soldaten an ganz verschiedenen Orten, so müssten für die Ausstattung jedes einzelnen Soldaten ebenso viele Fabriken vorhanden sein, wie man für die Ausrüstung eines ganzen Heeres benötigt.
Den beiden Beispielen entsprechend gilt: Es ist in diesem wohlverwalteten Schloss, in dieser vollkommenen Stadt, in diesem blühenden Land, in dieser prachtvollen Welt die Erschaffung all dieser Dinge, wenn man sie auf einen einzigen Herrn zurückführt, ebenso einfach, geschieht mit der selben Leichtigkeit, dass in ihr die Ursache dafür zu finden ist, dass (alles) so unendlich billig und reichlich und in solcher Fülle vorhanden ist. Anderenfalls wären alle Dinge mit so vielen Kosten und Schwierigkeiten verbunden, dass man nichts davon erhalten könnte, gäbe man auch die ganze Welt dafür.
Zehnter Beweis:
Komm nun, mein Freund, der du ein wenig zur Einsicht gelangt bist! Seit fünfzehn Tagen sind wir jetzt hier.
{(*): Die fünfzehn Tage sind eine Anspielung auf fünfzehn Lebensjahre und damit das Alter zur Eigenverantwortlichkeit im Glauben.}
Wenn wir die Anordnungen dieser Welt nicht kennen und ihren König nicht anerkennen, haben wir eine Strafe verdient. Es bleibt uns keine Entschuldigung mehr. Denn fünfzehn Tage lang ist man (als habe man uns eine Frist gesetzt) nicht an uns herangetreten. Doch sind wir sicherlich nicht ohne Auftrag hier. Inmitten dieser so empfindlichen, kunstvollen, schönen, harmonisch gestalteten und lehrreichen Kunstwerke können wir nicht wie Tiere umherlaufen und sie beschädigen und dürfen sie auch gar nicht beschädigen. Denn sicherlich ist auch die Strafe, die Seine Majestät, der König dieses Reiches verhängt, fürchterlich. Dass dieser Herr, welch mächtiger Herr Er in Seiner Majestät ist, mögt ihr schon daraus ersehen, dass Er diese riesengroße Welt lenkt und leitet, als sei sie ein Schloss und sie sich drehen lässt wie ein Schöpfrad. Er lenkt dieses große Reich so wie man einen Haushalt leitet, ohne dass dabei irgendwelche Mängel in Erscheinung treten. Siehe also, wie Er dieses Schloss, diese Stadt, dieses Land von Zeit zu Zeit in vollkommener Ordnung
füllt und in vollkommener Weisheit wieder leert, so wie man eine Schale füllt und sie wieder leert. So wie man eine Tafel deckt und sie wieder aufhebt, so bringt Er in Seinem Riesenreich landauf, landab mit verborgener Hand der Reihe nach die verschiedensten Speisen, deckt damit die unterschiedlichsten Tafeln, lädt dazu ein und hebt sie wieder auf.
{(*): Diese Tafeln sind eine Anspielung auf das Antlitz der Erde im Sommer, wenn hunderte von immer wieder frischen und immer wieder anderen Tafeln des Allbarmherzigen aus der Küche Seiner Erbarmung immer wieder neu gedeckt werden. Jedes Beet ist wie ein Kessel (in dieser Küche) und jeder Baum gleicht einem Diener (an einem dieser Tische)}
Er hebt die eine auf und deckt schon wieder die nächste. Auch du kannst das beobachten und wenn du Verstand hast, kannst du verstehen, welch großzügige Gastfreundschaft sich hinter Seiner furchtbaren Majestät verbirgt. Und weiter siehe, wie alle diese Dinge Zeugnis für das Königreich ihres verborgenen Herrn und Seine Einheit ablegen. In gleicher Weise legen auch alle diese Umwandlungen und Veränderungen, (die vor unseren Augen vorüberziehen,) so wie Karawane um Karawane (vor unseren Augen) herangezogen kommt und vorüberzieht und so wie uns in der Tat (Blüten, die zu Früchten heranreifen,) Tisch um Tisch decken und danach die Tafel wieder aufheben, (wonach sich dann im Frühjahr mit Samen und Knospen der Kreis) wieder schließt, für Dauerhaftigkeit, Beständigkeit und Ewigkeit des Herrn ein Zeugnis ab. Denn zugleich mit allen vergänglichen Dingen vergeht auch ihre Zeit und mit ihr alles, was sie hervorgebracht hat.
Nach ihnen entsteht jedoch all das, was wir ihnen zugeschrieben hatten, wiederum neu. Das also heißt, dass nicht (diese vergänglichen Dinge) jene Werke hervorgebracht haben, es vielmehr die Werke dessen sind, (dessen Stern niemals sinkt und) der keinen Untergang kennt. Wenn des Stromes Wellen vergehen, der Glanz auf den ihnen nachfolgenden Wellen jedoch der gleiche ist wie
der (Glanz der) ihnen vorangegangenen (Wellen), so wird daraus ersichtlich, dass (die Sonne), die ihnen Glanz verleiht, die (wahre) Herrin jenes hohen Lichtes ist, welches (das Wechselspiel aller Wellen) bescheint. So zeigt auch der rasche Wechsel aller Dinge und (der Umstand, dass) alle Dinge nach ihnen wieder die gleiche Farbe erhalten, dass dies eine Manifestation, ein Schmuck, ein Abbild, ein Kunstwerk des einen und ewigen Herrn ist, für den es nicht (Ende noch) Untergang gibt...
Elfter Beweis:
Komm oh Freund! Ich will dir nun noch einen Beweis vor Augen führen, einen, der die gleiche Überzeugungskraft hat wie alle zehn vorangegangenen. Komm! Dort drüben in der Ferne ist eine Halbinsel. Wir wollen an Bord eines Schiffes gehen und hinüberfahren!
{(*): Das Schiff ist die Geschichte und die Halbinsel das Glückliche Zeitalter des Propheten. An der dunklen Küste dieses Zeitalters legen wir diese einem mehr ärgerlichen als bürgerlichen Leben gemäße Kleidung ab und segeln an Bord des Schiffes der Geschichte über das Meer der Zeit zur Halbinsel des Glücklichen Zeitalters und gehen dort auf der Arabischen Halbinsel an Land, um den zu besuchen, auf den die ganze Welt stolz (Fahr-i Alem, mit dem Frieden und Segen sei) ist. Während wir ihn bei der Erfüllung seines prophetischen Auftrages betrachten, erkennen wir, welch strahlendes Zeugnis der Einheit Gottes er ist, sodass er das Erdenrund von einem Ende zum anderen und auch Vergangenheit und Zukunft, die beiden Gesichter der Zeit erhellt und die Finsternis des Unglaubens und des Irrweges vertreibt.}
Denn dort müssten die Schlüssel zu dieser verwunschenen Welt sein. Denn alle schauen nach dieser Halbinsel aus, richten auf sie ihre Erwartungen und erhalten von dort ihre Weisungen. Auf also, fahren wir hinüber! Wir sind also nun auf der Halbinsel angelangt. Siehe, dort findet eine mächtige Versammlung statt. Alle großen des Reiches scheinen sich da zu einer bedeutsamen Feier versammelt zu haben. Merke gut auf! Dort ist der Fürst, der Präsident dieser gewaltigen Versammlung. Komm, lass uns noch etwas näher herzutreten! Wir wollen diesen Fürsten kennen lernen! Sieh doch, welch
berühmte Auszeichnungen er hat, und die mehr als tausend Orden, die er trägt!
{(*): Die tausend Orden sind die Wunder des Propheten, mit dem Friede und Segen sei, deren Zahl nach Ansicht von Kennern und Forschern an die tausend erreicht.}
Und wie mächtig er im Wort ist! Und wie angenehm ist dennoch seine Gesellschaft und die Unterhaltung mit ihm! Ich habe in diesen fünfzehn Tagen ein wenig von dem erfahren, worüber er spricht. Nun magst auch du es von mir lernen. Siehe, er spricht von dem wundertätigen König dieses Landes. Er sagt: "Jener ruhmreiche König hat mich zu euch gesandt." Siehe, er wirkt solche Wunder, dass kein Zweifel mehr daran bleibt, dass er der auserwählte Diener und Gesandte des Königs ist. Beachte nun, dass nicht nur die Geschöpfe dieser Halbinsel seinem Wort lauschen, er vielmehr auf wunderbare Weise alle im Land dazu bringt, ihn zu vernehmen. Denn von nah und fern bemüht sich jeder seine Rede hier zu hören. Ihm hören nicht nur die Menschen zu, sondern auch die Tiere, ja siehe, sogar die Berge hören die Befehle, die er erteilt, und sie erbeben. Jene Bäume begeben sich an den ihnen angewiesenen Platz. Wo immer er es will, da bringt er Wasser hervor. Ja seine Finger spenden sogar wie eine Mutter und tränken gleich dem Kauthar(-strom des Paradieses). Aus ihm lässt er lebensspendendes Wasser trinken. Siehe, die große Leuchte
{(*): Die große Leuchte ist der Mond, welcher durch ein Zeichen von ihm in zwei Teile gespalten wurde. Das heißt, wie Maulana Djami (1415-96) sagt: Jener, des Schreibens unkundige, der niemals etwas geschrieben hatte, schrieb mit seinem Finger ein Elif (ein arab. Buchstabe, der die Form eines "I" hat) an den Himmel wie mit einer Feder auf ein Blatt und machte so aus einer "40" zwei "50". Das heißt, der Mond sah vor der Spaltung wie ein Mim (arab. Buchstabe "M"; seine Form ist rund und sein Zahlwert gleich "40") aus, nach der Spaltung waren zwei Sicheln entstanden wie zwei Nun (arab. Buchstabe "N"; sein Wert ist "50").}
dort oben an der hohen Kuppel des Schlosses, die doch ein Ganzes ist, spaltet sich auf ein Zeichen von ihm in zwei Hälften.
Das heißt, dass das ganze Land mit allem, was darinnen ist, seinen Weisungen nachkommt. Sie horchen und gehorchen ihm, als wüssten sie: er ist "der erwählte und wahrhaftige Wortführer des verborgenen und wunderwirkenden Herrn, der Herold Seines Reiches, der Erschließer Seiner tiefen Geheimnisse (tilsim)und ein vertrauenswürdiger Gesandter, der Seine Befehle verkündet." So sagen denn alle vernünftig denkenden an seiner Seite zu jedem Wort, das er spricht: "Ja, so ist es richtig und recht." und bestätigen ihn damit. Ja sogar die Berge und die Bäume im Lande und die große Lampe, die alle Länder erleuchtet, sprechen wie ihr Haupt seinen Winken und Befehlen neigend: "Ja, das ist in der Tat so."
{(*): Die große Lampe ist die Sonne. Einmal schlief der Prophet, mit dem Friede und Segen sei, und hatte dabei sein Haupt in den Schoß Imam Alis, mit dem Gott zufrieden sein möge, gebettet, der dadurch sein Nachmittagsgebet versäumte. Da drehte sich die Erde in der Gegenrichtung wieder zurück und brachte die Sonne wieder zum Vorschein. Durch dieses Wunder vermochte er sein Gebet noch in der Zeit zu verrichten.}
Nun denn, oh du verblendeter Freund! Wäre es denn überhaupt möglich, dass sich irgendeine Art von Falsch oder Verlogenheit in den Attributen seines wunderwirkenden Herrn fände, die er mit ganzem Nachdruck erwähnt, und in den Befehlen, die er übermittelt, da er eine so lichtvolle, würdevolle und durchaus ernstzunehmende Persönlichkeit ist, geschmückt mit tausend Orden aus des Königs eigener Schatulle und bestätigt von allen Würdenträgern im Lande? Sollte darin eine Unwahrheit möglich sein, so müsste man auch sowohl die Existenz als auch den Sinn dieses Schlosses, seiner Lichter und der dort versammelten (Würdenträger) bestreiten. Wenn du es also jetzt noch vermagst, dann strecke einmal den Finger deiner Einwendungen dagegen aus und siehe, wie dein Finger unter der Macht der Beweise zerbricht und sich dir ins eigene Auge bohrt...
Zwölfter Beweis:
Nun komm also mein Bruder, der du nun schon ein wenig zur Vernunft gekommen bist! Über die gesamte Kraft der oben angeführten elf Beweise hinaus will ich dir nun noch einen weiteren Beweis zeigen. So siehe denn hier diesen leuchtenden Erlass (ferman),der von oben herabgekommen ist und den jeder entweder mit Staunen oder mit Ehrfurcht, jedoch mit größter Aufmerksamkeit betrachtet.
{(*): Der leuchtende Ferman ist eine Anspielung auf den Qur'an und das Siegel darauf bestätigt ihn als ein Wunder.}
Diese mit tausend Orden ausgestattete Persönlichkeit hält des Sultans Ferman in seinen Händen und erklärt allem Volk seinen Sinn. Siehe, die Abfassung dieses Fermans ist so glanzvoll, dass er die bewunderungsvollen Blicke aller auf sich lenkt und er erwähnt so ernste und bedeutende Fragen, dass jeder ihm sein Ohr leihen muss. Denn er erklärt nacheinander alle die Werke und Taten, die Befehle und auch die Qualitäten seines Herrn, der über dieses ganze Land regiert, der dieses Schloss geschaffen hat und alle diese wunderbaren Dinge hier hervorbringt. Siehe, wie dem ganzen Werk dieses Fermans das große Siegel aufgeprägt ist, wie zugleich auch jede Zeile, jeder Satz ein solch unnachahmliches Siegel trägt! So ist auch in dem Sinn, den Wahrheiten, Weisungen und Weisheiten, denen er Ausdruck verleiht, je eine Ihm eigentümliche Gestaltung in Form eines geistigen Stempels zu sehen, so wie er nur Ihm allein entspricht.
Zusammenfassung:
Dieser Große Ferman weist klar wie die Sonne auf Seinen Großen Herrn hin, sodass ein jeder, der nicht gerade blind ist, das erkennen kann...
Wohlan denn mein Freund! Wenn du nun zur Einsicht gekommen bist, so sollte dir dies genügen... Solltest du aber noch etwas zu sagen haben, dann sage es nun. Da gab jener hartnäckige Mann zurAntwort:"Ich kann zu diesen deinen Beweisen nur sagen: Dank sei Gott, ich glaube! Und nun glaube ich mit dem strahlenden Glanz der Sonne und der Klarheit des lichten Tages: Der König (malik)
dieses Landes ist ein einziger in Seiner Vollkommenheit (Kemal).Der Herr (Sahib)dieser Welt ist ein einziger in Seiner Majestät (Djelal).Der Meister (sani'),der dieses Schloss erbaut hat, ist ein einziger in Seiner Vollendung (Djemal).(Dies) nehme ich (fest als meinen Glauben) an. Möge Gott mit dir zufrieden sein, weil du mich von meiner alten Verbohrtheit und von meinen Torheiten errettet hast. Jeder einzelne deiner Beweise hätte alleine schon ausgereicht, um diese Wahrheit aufzuzeigen. Ich wartete jedoch noch und hörte dir noch weiter zu, weil sich mit jedem Beweis, den du erbracht hast, die Schichten der Erkenntnis und die Blütenkelche des Wissens in noch größerem Wohlgeruch und immer reicherer Schönheit entfalteten und die Fenster zur göttlichen Liebe sich zu noch höherem Wohlgefallen, zur Fülle des Lichtes und der Güte geöffnet haben."
Dieses Gleichnis, das auf die Große Wahrheit der Einheit (tauhid)und den Glauben an Gott hinweist, ist hier zum Abschluss gekommen. Nun wollen wir mit dem Segen des Erbarmers, aus der Fülle des Qur'an und dem Lichte des Glaubens, aus der Sonne der wahren Einheit (tauhid)zwölf Strahlen (lem'a)und eine Einführung in Ergänzung dieser zwölf Beweise in Form des obigen Gleichnisses aufzeigen.
وَمِنَ اللّٰهِ التَّوْفِيقُ وَالْهِدَايَةُ
{"Und von Gott kommen aller Erfolg und die Rechtleitung."}
Zweites Kapitel
Einführung
بِسْمِ اللَّهِ الرَّحْمَنِ الرَّحِيمِ ٭ اَللّٰهُ خَالِقُ كُلِّ شَىْءٍ وَهُوَ عَلٰى كُلِّ شَىْءٍ وَكِيلٌ ٭ لَهُ مَقَالِيدُ السَّمٰوَاتِ وَاْلاَرْضِ ٭ فَسُبْحَانَ الَّذِى بِيَدِهِ مَلَكُوتُ كُلِّ شَىْءٍ وَاِلَيْهِ تُرْجَعُونَ ٭ وَاِنْ مِنْ شَىْءٍ اِلاَّ عِنْدَناَ خَزَآئِنُهُ وَمَا نُنَزِّلُهُ اِلاَّ بِقَدَرٍ مَعْلوُمٍ ٭ مَامِنْ دَآبَّةٍ اِلاَّ هُوَ اٰخِذٌ بِنَاصِيَتِهَا اِنَّ رَبِّى عَلٰى صِرَاطٍ مُسْتَقِيمٍ
{"Im Namen Allahs, des Erbarmers, des Allbarmherzigen. Gott ist der Schöpfer aller Dinge und Er ist aller Dinge Sachwalter. Sein sind die Schlüssel der Himmel und der Erde." (Sure 39, 62-63) "Gepriesen sei der, in dessen Hand die Herrschaft über alle Dinge (ruht) und zu Ihm werdet ihr (dereinst) zurückgebracht." (Sure 36, 83) Und nichts gibt es unter den Dingen, wovon Wir nicht einen Vorrat hätten. Davon senden Wir nur eine bestimmte Menge herab." (Sure 15, 21) "Es gibt kein Tier, dass Er nicht am Schopfe hielte. Wahrlich, mein Herr ist (im Gegensatz zum Menschen) auf dem geraden Weg." (Sure 11, 56)}
Einer der Hauptpole des Glaubens ist der Glaube an Gott. In der Abhandlung darüber (Katre Risalesi)hatte ich bereits kurz erklärt, dass ein jedes Ding in der Schöpfung mit fünfundfünfzig Zungen das seinsnotwendige Sein (Vudjub-u Vudjud)und die Einheit (vahdaniyet)Gottes, des Gerechten, beweist und bezeugt. Zugleich habe ich auch in einer Abhandlung ("Nokta"= der Punkt) vier der allgemeinen Beweise für die Seinsnotwendigkeit und die Einheit Gottes, des Gerechten erwähnt, deren jeder die Überzeugungskraft von tausend Beweisen hat. Da ich zudem in meinen zwölf arabischen Abhandlungen hunderte von unwiderlegbaren Beweisen für die Seinsnotwendigkeit und Einheit Gottes, des Gerechten erwähnt habe, möchte ich mich hier mit ihnen begnügen und nicht in eingehende Erörterungen darüber einsteigen. Ich möchte
mich hier nur darum bemühen, in diesem "Zweiundzwanzigsten Wort" der Risale-i Nur "Zwölf Strahlen (Lem'a)"aus der Sonne des Glaubens an Gott aufzuzeigen.
Erster Strahl:
Es gibt zwei Arten, um zum Glauben an die Einheit (tauhid)zu gelangen.
Zum Beispiel:
Kommen in einem Marktflecken oder einer kleinen Stadt für einen hohen Herrn verschiedene Güter an, so erkennt man auf zweierlei Weise, dass es seine Güter sind. Die erste ist kurz und einfach zu sagen: "Eine so gewaltige Menge an Gütern kann gar kein anderer besitzen als allein nur dieser Herr." Unter der Aufsicht eines einfachen Mannes sind jedoch mancherlei Diebstähle möglich. Auf die einzelnen Teile können sich viele als Eigentümer ausgeben. Die zweite Art ist die, dass man an jedem Bündel eine Karte liest, auf jedem Ballen ein Siegel erkennt und auf allen Frachtbriefen Sein Stempel sieht, der sagt "Alle Dinge gehören dem Herrn." So erkennt man denn in diesem Falle in jedem Ding indirekt seinen Herrn.
Genauso ist es mit der göttlichen Einheit (tauhid).Man gelangt zu ihr auf zweierlei Wegen.
Erstens:
Tauhid ist die ganz einfache und offensichtliche Erkenntnis: "Gott der Gerechte ist eins. Er hat weder einen Partner noch Seinesgleichen und Ihm gehört das All."
Zweitens:
Der wahre Glaube an die Einheit Gottes (tauhid)besteht darin, in allen Dingen das Siegel Seiner göttlichen Allmacht, den Stempel Seiner Herrschaft und eine Zeichnung aus Seiner Feder zu erkennen. Dadurch öffnet sich mit jedem Ding unmittelbar ein Fenster zu Seinem Licht. Seine Einheit wird bestätigt, und dass alles der Hand Seiner Macht entspringt und dass es in Seiner Göttlichkeit keinen Partner, in Seiner Herrschaft keinen Helfer gibt und Er aller Dinge Eigentümer ist. So gelangt man zum Glauben mit einer Gewissheit, die an wahrhaftige Gewissheit grenzt, und lebt in einer Art beständiger (göttlicher) Gegenwart.
So möchte denn auch ich in dieser Abhandlung die Strahlen der Wahrheit dieser reinen und erhabenen Einheit (tauhid)aufzeigen und darlegen.
Hinweis:
Oh du gottvergessener Anbeter der Ursachen! Die Ursachen sind nur ein Schleier. Denn die Würde und Majestät (Azamet)Gottes erfordern dies. Am Werk ist jedoch die Allmacht dessen, der nichts und niemandes bedarf und dessen aber alles und jedes bedarf (Samed).Denn die Einheit und Majestät (Djelal)Gottes erfordern es und verlangen Seine Souveränität. Die Beamten des Ewigen Sultans sind keine Mitwirkenden in Seiner Königlichen Herrschaft. Sie sind vielmehr die Ausrufer im Königreich Gottes und die ministeriellen Beobachter Seiner Herrschaft. Und diese Beamten, Seine Werkzeuge, dienen dazu, den Ruhm Seiner göttlichen Allmacht und die Majestät Seiner Herrschaft sichtbar werden zu lassen, sodass die schmutzigen Angelegenheiten nicht der Allmacht Gottes angelastet werden können. Gott gleicht nicht einem menschlichen König, der von Schwäche befallen und in der Not seiner Armseligkeit Beamte zu Partnern in seinem Königreich gemacht hat, weil er selbst so schwach und hilfsbedürftig ist. Das also heißt, dass die Ursachen den Zweck zu erfüllen haben, die Ehre Gottes und den Ruhm Seiner Allmacht vor der vordergründigen Betrachtungsweise des Verstandes zu schützen. Denn so wie die beiden Seiten eines Spiegels hat auch jedes Ding seine "königliche (mulk)"Seite, die der bemalten Rückseite des Spiegels vergleichbar ist. Sie kann verschiedene Farben und Formen haben.
Die andere (Seite eines Dinges aber) ist die Seite, die sich auf die Engel bezieht, (malakut= die Seite der Engelwelt), vergleichbar mit der Seite eines Spiegels, also seiner eigentlichen Spiegelseite. Die königliche und von uns sichtbare Seite kennt Zustände, welche dem Ruhm und der Vollkommenheit der Macht des Einzigartigen widersprechen. Ursachen dienen dem Zweck, derartige Zustände auf sie zurückzuführen, sich als deren Quelle angeben zu können. Auf der "Malakut"-Seite eines Dinges jedoch, an der Seite seiner Zweckbestimmung (oder Sinngebung)
also, ist alles klar, deutlich und schön. Diese (Seite) ist für die unmittelbare Einwirkung der Macht Gottes (ohne Vermittlung der Ursachen) geeignet. Sie steht nicht im Widerspruch zu (Gott und) Seiner Ehre. Deshalb sind die Ursachen lediglich vordergründig und nicht tatsächlich. Sie bilden nicht den eigentlichen Hintergrund (des Spiegels und aller Erscheinungen in ihm), haben keinen Einfluss auf der "Malakut"(-Seite der Dinge).
Zudem ist noch eine weitere Weisheit hinter den äußeren Ursachen die folgende: Es sollen ungerechtfertigte Anklagen und hohle Einwände nicht gegen den Vollkommen-Gerechten gerichtet werden. Darum werden Anklagen und Einwände auf Ursachen als deren Zielscheibe zurückgeführt. Denn so lässt sich ein Fehler auf sie (: seine Ursachen) zurückführen. Die Ursache ist somit irgendein Versagen. Um dieses Geheimnis in Form eines feinsinnigen Beispiels darstellen zu können, wird dieses Gleichnis aus der geistigen Welt angeführt: Hazret-i Azrail (der Todesengel), mit dem der Friede sei, sagte einmal zu Gott dem Gerechten: "Wegen meiner Aufgabe, die Geister abzuholen, werden sich Deine Diener und Verehrer bei mir beklagen, mir deswegen zürnen." Gott der Gerechte entgegnete ihm in der Sprache Seiner Weisheit: "Ich will, dass zwischen dir und meinen Dienern und Verehrern ein Schleier aus Unglücksfällen und Krankheiten sei, sodass sich ihre Klagen gegen ihn richten, dir aber nicht zürnen sollen."
So siehe denn, wie die Krankheiten zu einem Schleier geworden sind. Sie sind es, auf die man alle Bitternis, die man im Tode empfindet, schieben kann; doch liegt die Wahrheit über die Abberufung der Geister in der Weisheit und Schönheit, die mit der Aufgabe Azrails, mit dem der Friede sei, verbunden ist. Desgleichen gilt, dass auch Hazret-i Azrail selbst ein Schleier ist. Auch er dient dazu, Ursache mancher Umstände zu sein, die bei der Abberufung der Geister äußerlich gnadenlos und der vollendeten Barmherzigkeit Gottes nicht zu entsprechen scheinen. Er ist es, der dieses Amt wahrnimmt und somit der
göttlichen Allmacht als ein Schleier dient. Es erfordern die Würde und Majestät Gottes (izzet ve azamet)in der Tat, dass die Ursachen vor dem Auge der Vernunft als Schleier über der Hand der Allmacht Gottes liegen sollen... Die Einheit und Majestät Gottes (Tauhid ve Djelal)erfordert, dass die Ursachen ihre Hände aus dem eigentlichen Wirken Gottes heraushalten sollen...
Zweiter Strahl:
Betrachte den kosmischen Garten, das Blumenbeet dieser Erde und dieses wunderschöne, sternengeschmückte Antlitz des Himmels aufmerksam! So wirst du sehen, dass der Meister in Seiner Majestät, der Schöpfer in Seiner Vollkommenheit auf jedem einzelnen von Seinen Kunstwerken, die ausgestreut und ausgebreitet sind, ein Siegel, das dem Schöpfer aller Dinge zu Eigen ist, ein Stempel, der dem Meister aller Dinge angehört, und eine unnachahmliche, glänzende Prägung mit der Feder der Macht eingetragen hat, wie auf den Seiten der Nacht und des Tages, des Sommers und des Frühlings. Nun wollen wir hier einige von diesen Siegeln, Stempeln und Prägungen als Beispiele anführen.
Betrachte z.B. eines unter den zahllosen Siegeln, eines von denen, die dem Leben aufgeprägt sind. "Er (Gott) macht aus einem Dinge alles und aus allen Dingen ein einziges." Denn aus einem Tropfen Sperma und aus dem gewöhnlichen Trinkwasser erschafft Er zahllose Körperzellen und unzählige Tierarten. So ist also aus einem Ding alle Dinge zu machen mit Sicherheit das Werk des Vollkommen-Allmächtigen. In gleicher Weise verwandelt Er die zahllosen Speisen, mögen wir nun tierische oder pflanzliche Nahrung genossen haben, und macht aus den verschiedenen Inhaltsstoffen in vollendeter Ordnung die jeweiligen Körper, webt für jeden von ihnen seinen eigenen Pelz und gestaltet ihre Organe. Der dies alles bewirkt, ist mit Sicherheit der, welcher aller Dinge mächtig ist, der Vollkommene-Allwissende. Der Schöpfer des Lebens und des Todes lenkt in der Tat das Leben an der Werkbank dieser Welt in Weisheit mit derartigen wunderbaren Anordnungen Seines Gesetzes, dass Vollzug
und Durchführung dieses Gesetzes den Charakterzug jenes Herrn tragen, der die Zügel des Weltalls in Seinen Händen hält. Wenn also nun dein Verstand noch nicht erloschen und dein Herz noch nicht blind geworden ist, so wirst du verstehen, dass das, was in vollkommener Leichtigkeit und Wohlgeordnetheit alles aus einem Ding erschafft und in vollkommener Ausgewogenheit und Ordnung kunstfertig aus allen Dingen ein einziges hervorbringt, das Kennzeichen ist, das uns den Meister aller Dinge zeigt und dem Schöpfer aller Dinge zu Eigen ist.
Da macht z.B. jemand in Seiner Wunderkraft aus einem Dirhem einer watte-ähnlichen Substanz hundert Ballen Baumwoll- und Seidentuch, desgleichen Batist und noch verschiedene andere Stoffe. Und Er macht aus einem Dirhem dieser Substanz auch noch Helva(türk. Honig), Baklava(Kuchen) und viele andere Speisen. Und wenn du noch weiterhin siehst, wie jener Eisen und Steine, Honig und Butter, Erde und Wasser in Seine Hände nimmt und sich unter ihnen alles in reines Gold verwandelt, so wirst du sicherlich und ohne jeden Zweifel daraus schließen, dass Jenem eine solche Kunstfertigkeit zu Eigen ist, dass alle Elemente der Erde unter Seinen Befehl gestellt sind, und dass alles, was in der Erde und unter der Erde ist, sich seinem Urteilsspruch unterwirft. Die Erscheinung der Weisheit und Macht Gottes ist jedoch in der Tat noch tausendmal wunderbarer als hier in unserem Beispiel. So siehe denn darin ein einziges Siegel unter so vielen Siegeln Gottes, die das Leben als Sein Merkmal trägt.
Dritter Strahl:
Betrachten wir nun die Lebewesen unter all dem, was erschaffen ist und in diesem kosmischen Strom des Lebens kreist! Du wirst sehen, wie viele Stempel es gibt, die der Lebendige, der Ewige (al-Hayy al-Qayyum)jedem einzelnen unter all den Lebewesen aufgeprägt hat. Einer unter diesen Stempeln ist folgender: Ein Lebewesen, z.B. der Mensch, ist wie ein verkleinertes Beispiel dieses Kosmos, eine Frucht am Baume dieser Schöpfung und ein Samenkorn dieser Welt, da es die
meisten Prägungen der Arten dieser Welt in sich trägt. Es ist, als sei dieses Lebewesen ein Tropfen, mit äußerst empfindlichen Instrumenten, herausgefiltert aus dem gesamten Kosmos. Dieses Lebewesen zu erschaffen und es zu beherrschen, erfordert also die Fähigkeit, den ganzen Kosmos in Händen halten zu können.
Nun also, wenn dein Verstand noch nicht in deinen Vorstellungen ertrunken ist, so kannst du verstehen: Ein Wort der Macht (Gottes), wie es eine Biene ist, zu einer Art verkleinertem Inhaltsverzeichnis der meisten Dinge zu machen, und auf einer Seite (der Schöpfung), wie es der Mensch ist, die meisten Themen dieses Weltenbuches (der Schöpfung) einzutragen, und weiter in einem Punkt, wie es ein winzig kleiner Feigenkern ist, das gesamte Programm eines riesig großen Feigenbaumes einzugeben, und in einem Buchstaben, wie es des Menschen Herz ist, die Werke aller Namen (Gottes), die sich in den Abschnitten, Perioden, Äonen dieser großen Welt manifestieren und sie umfassen, aufzuzeigen und in dem Erinnerungsvermögen des Menschen, das so viel Platz wie eine Linse einnimmt, so viele Bücher aufzuschreiben, wie sie in einer großen Bibliothek zu finden sind, und das ausführliche Inhaltsverzeichnis aller Ereignisse der Welt in diesem winzig kleinen Flecken zu vermerken, ist sicher und gewiss ein Stempel, der dem Schöpfer aller Dinge zu Eigen ist und dem glorreichen Herrn der Welt angehört.
Nun also, wenn ein einziger Stempel unter so vielen Stempeln des Herrn auf den Lebewesen in dieser Weise sein Licht zeigt, und auf diese Weise dessen Zeichen und Wunder (Ayat)lesen lässt, wenn du also nun gleichzeitig alle diese Stempel sehen und betrachten könntest, müsstest du dann etwa nicht sagen:
سُبْحَانَ مَنِ اخْتَفٰى بِشِدَّةِ ظُهُورِهِ
{"Gepriesen sei der, welcher hinter solch machtvoller Erscheinung dennoch verborgen bleibt."}
Vierter Strahl:
Siehe all das, was über dem Ozean des
Himmels segelt und bunt über das Antlitz der Erde verstreut ist und beachte all diese verschiedenen Kunstwerke! Du wirst sehen, wie auf ihnen allen ein Münzsiegel der Urewigen Sonne aufgeprägt ist, das keine Fälschung erlaubt. Wir haben bereits ein, zweimal gesehen, wie auf allem, was Leben hat, Sein Stempel und auf dem Leben selbst Sein Siegel erscheint. Auch die Art und Weise, wie Er die Dinge ins Leben ruft, trägt eine solche Münzprägung. Da aber Beispiele dem Verstand die tiefen Bedeutungen näher bringen, wollen auch wir diese Wahrheit an Hand eines Beispieles aufzeigen.
So zeigt sich z.B. bei der Sonne eine solche Münzprägung in ihrem Spiegelbild, in ihrem Widerschein auf allen Planeten und bis hin zu den Wassertropfen, den kleinen Glasstückchen und den schimmernden Schneekristallen, ein leuchtendes Zeichen, wie es der Sonne entspricht. Nimmst du nicht an, dass all diese kleinen Sonnen, die in zahllosen kleinen Dingen sichtbar werden, ein Widerschein und Spiegelbild dieser (einen, großen) Sonne sind, dann musst du aber annehmen, dass in jedem Wassertropfen, in jeder Glasscherbe, die einen Strahl (der Sonne) empfangen hat und in jedem Staubkörnchen, das vom Licht (der Sonne) getroffen wurde, die eigentliche, ursprüngliche Sonne enthalten ist, was jedoch einer ganz außerordentlichen Torheit, einer grenzenlosen Dummheit zu verfallen hieße.
In gleicher Weise findet sich durch die Urewige Sonne in der Art, wie sie die Dinge ins Leben ruft, d.h. ihnen das Leben schenkt, was eine Erscheinungsweise ihrer Strahlenkraft ist, auf allem, was da lebt, ein solches Münzsiegel, dass - selbst wollten wir einmal annehmen, dass alle Ursachen sich miteinander versammeln könnten und jede von ihnen für sich selbst die Freiheit einer eigenen Entscheidung hätte - sie dennoch nicht jenes Münzsiegel imitieren können. Denn jedes einzelne Lebewesen, das ein Wunder der Macht ist, gleicht einem Brennpunkt der Namen Gottes, die die Strahlen der Urewigen Sonne sind. Wenn diese wunderbare, künstlerische Verzierung,
diese einzigartige Dichtung der Weisheit, diese Erscheinung des Geheimnis der Einheit (Ahadiyet),wie sie in einem Lebewesen zu betrachten ist, nicht dem Einen und Einzigartigen Herrn (Dhat-i Ahad-i Samed)zugeschrieben wird, dann müsste man annehmen, dass in jedem Lebewesen, selbst in einer Mücke und einer Blume eine grenzenlose Schöpferkraft verborgen ist; und dass in ihnen ein alles umfassendes Wissen und eine absolute Willenskraft (irade),die in der Lage ist, das Weltall zu lenken und zu leiten, zu finden ist, ja sogar müsste man annehmen, dass in ihnen die ewigen (baqi)Attribute dessen, der da notwendiger Weise sein muss (Vadjibu l-Vudjud),vorhanden sind. Selbst jeder einzelnen Zelle einer Blume und einer Mücke müsste man eine Gottheit zuschreiben, was jedoch hieße, dem törichtsten Irrweg zu verfallen, in den Abgrund des dümmsten Aberglaubens hinabzustürzen. Denn den einzelnen Zellen der Schöpfungen, insbesondere, wenn es sich dabei um Samenkörner handelt, wurde eine solche Aufbau gegeben, dass jede einzelne Zelle auf das Leben ausgerichtet ist, deren winzigstes Teilchen sie in der Schöpfung darstellt. Sie enthält einen Bauplan, der dem Aufbau (des Ganzen) entspricht.
Es ist sogar so, als hätte sie dabei ihre ganze Gattung vor Augen, sodass Samenkörner - manche von ihnen auch mit kleinen Flügelchen versehen - an allen Orten ausgesät werden, welche für die Fortpflanzung der Gattung geeignet sind, um dort das Fähnlein ihrer Gattung aufzurichten, wofür sie dann auch besondere Eigenschaften erhalten. Eine Zelle ist sogar in der Art konstruiert, dass das Lebewesen, von dem sie das winzigste Teil ist, seine Tätigkeit zu Gunsten aller Geschöpfe, mit denen es verbunden ist und die seiner bedürfen, seine lebensnotwendigen Beziehungen fortsetzen kann.
Wäre also nun diese Zelle nicht ein Beamter des Vollkommen-Allmächtigen, wäre ihre Verbindung zu dem Vollkommen-Allmächtigen abgebrochen, dann müsste man dieser Zelle ein allessehendes Auge und ein allesumfassendes Bewusstsein zuschreiben.
Zusammenfassung:
Wollte man die kleinen Sonnen und die vielen verschiedenen Farben in den Wassertropfen und Glasstückchen nicht auf eine Spiegelung, einen Widerschein der (einen, großen) Sonne zurückführen, so wäre es notwendig, dass man an Stelle dieser (einen, großen) Sonne zahllose (einzelne, kleine) Sonnen annimmt. Dies aber erfordert einen Aberglauben anzunehmen, der ganz und gar unvorstellbar ist. Genauso müsste man auch, wollte man nicht alles dem Einen, Vollkommen-Allmächtigen zuschreiben, an Stelle Gottes (des Einen, Einzigen) zahllose Götter annehmen, ebensoviel wie es Stäubchen im All gibt. Das aber hieße, eine Unmöglichkeit von einer hundertfachen Unmöglichkeit als Tatsache anzunehmen und damit dem Irrsinn eines Fieberwahns zu verfallen.
Mit einem Wort: Durch jedes einzelne Stäubchen öffnen sich uns drei Fenster zu dem einen Licht der Urewigen Sonne und zur Notwendigkeit Göttlichen Seins.
Erstes Fenster:
Jedes Stäubchen (Atom, Zelle, Samenkorn) gleicht einem Soldaten, der wie innerhalb militärischer Kreise in jeder Gruppe, Kompanie, Bataillon, Division, Armee, Heer seine Zugehörigkeit und dieser Zugehörigkeit entsprechend seine Aufgabe hat, der dieser Aufgabe entsprechend seine Anordnungen erhält und sich dementsprechend bewegt... So hat denn z.B. selbst eine Zelle in deiner Sehlinse ein bestimmtes Verhältnis und eine Aufgabe in deinem Auge, deinem Kopf, deinem Körper, in den Venen und Arterien, in den Nerv- und Lymphbahnen, welche dem Kreislauf, der Wahrnehmung, den Bewegungen dienen, und in deiner Spezies usw. mit ihrer Fähigkeit sich zu vermehren, etwas anzuziehen, abzuwehren oder auszuscheiden und sich für eine bestimmte Gestalt mit anderen Zellen zusammenzuschließen. Dadurch demonstriert sie vor jedem Auge, das nicht erblindet ist, dass sie ganz offensichtlich das Kunstwerk eines Urewigen-Allmächtigen und sein befähigter Beamter ist, Seiner göttlichen Führung untersteht.
Zweites Fenster:
Jedes Atom in der Luft kann jede
Blume, jede Frucht besuchen. Es kann so in jede Blume, jede Frucht eintreten und darin tätig werden. Wäre es nicht ein dienstbereiter Beamter des Vollkommen-Allmächtigen, der alles sieht und alles weiß, dann müsste dieses umherschweifende Atom Struktur und Aufbau jeder Frucht und jeder Blume und alle ihre verschiedenen Kunstarten und -formen, nämlich die Kunst des Schneiders, der jede von ihnen bekleidet und die Kunst eines vollendeten und universellen Modeschöpfers kennen und beherrschen. So macht ein solches Atom einen Strahl des Lichtes der Einheit (tauhid)sonnenklar sichtbar. Vergleiche nun auch das Licht mit der Luft und das Wasser mit der Erde!
Wie bekannt liegt der eigentliche Ursprung aller Dinge in den folgender vier Elementen: Nach neuerer naturwissenschaftlicher Lehre: Wasserstoff (bildet das Wasser), Sauerstoff (dient in der Luft zum Atmen), Kohlenstoff (dient der Verbrennung zur Gewinnung von Energie, Licht und Wärme) und Stickstoff (dient in der Stickstoffsynthese dem Aufbau der Pflanzen: Grundlage fast allen Lebens auf der Erde). Diese vier chemischen Elemente (H-O-C-N) entsprechen den vier Grundelementen (Wasser, Luft, Feuer, Erde) der Alten.
Drittes Fenster:
Nehmen wir eine handvoll Erde, die nichts ist als ein wenig Staub! Wenn wir nun einen Topf mit diesem Staub füllen, so wird er zur Grundlage für Wachstum und Gedeihen aller Arten blühender und fruchtbringender Pflanzen. Säen wir nun den Samen jeder Sorte blühender und fruchtbringender Pflanzen aller Welt in ihm aus, so bestehen diese Samenkörner aus keinen anderen Elementen als die Spermien der Tiere. Auch die Samenkörner bestehen ähnlich wie die flüssigen Spermien aus Kohlenstoff, Stickstoff, Sauerstoff und Wasserstoff, ähneln einander in ihrer Zusammensetzung und unterscheiden sich voneinander nur in ihren Eigenschaften. Nur die Feder (qalem)der göttlichen Vorausbestimmung (qader)überträgt auf sie geistig gesehen ihr Programm. Wir stecken also nun diese Samenkörner der Reihe nach
in den Topf. So erwartest du, dass aus jedem Samenkorn eine Pflanze Form und Gestalt annimmt, mit all ihren wunderbaren Bestandteilen, und glaubst daran, als sei dies bereits geschehen.
Wären diese Staubkörner nicht Beamte und dienstbereite Diener eines Herrn, der alle Dinge in all ihren Entwicklungsstadien und -formen kennt und der mächtig ist, allen Seinen Geschöpfen den ihnen entsprechenden Körper samt all ihren Organen zu verleihen und dessen Macht alle Dinge leicht und mühelos unterworfen sind, so müssten sich in jedem Staubkörnchen dieser Erde so viele unsichtbare Fabriken und Druckereien befinden, wie es blühende und fruchtbringende Pflanzen gibt, sodass sie der Ursprung all dieser verschiedenen Pflanzen sein könnten, deren Form und Gestalt so weit voneinander entfernt und voneinander verschieden ist. Oder aber man müsste ihnen ein alle Existenzen umfassendes Wissen und eine Macht verleihen, die alle ihre verschiedenen Formen erschaffen könnte, damit die Erde Ursprung all ihrer Formen sein könnte. Das aber heißt, dass man ebensoviel Götter annehmen müsste, wie es Staubkörnchen in der Erde gibt, wenn es diese Verbindung mit Gott dem Gerechten nicht geben sollte. Dies aber wäre ein Aberglaube, der tausendfach unmöglich ist. Sind sie jedoch Beamte, dann ist dies ganz einfach. Ein Soldat eines mächtigen Königs (Sultan)kann z.B. im Namen dieses Königs (Padischah)und (im Vollzug seiner königlichen) Gewalt ein Volk zur Auswanderung zwingen, zwei Meere miteinander vereinigen und sogar einen König (Schah)gefangen nehmen. In gleicher Weise kann sogar mit dem Befehl des Königs von Ewigkeit zu Ewigkeit eine Mücke Nimrod zu Boden werfen, eine Ameise das Schloss des Pharaos zerstören, vernichten, ein Feigenkorn einen Feigenbaum tragen, (der aus ihm emporwächst).
Überdies gibt es in jedem Staubkörnchen auch noch zwei wahre Zeugen für die Notwendigkeit und Einheit (Vahdet)
des Schöpfers. Der erste nimmt trotz seiner völligen Schwäche sehr große und sehr verschiedene Aufgaben
wahr, während der andere sich trotz seiner unbelebten Natur der allgemeinen Ordnung entsprechend so verhält, als liebte er die Ordnung und hätte ein umfassendes Bewusstsein. Das aber heißt, dass jedes Stäubchen mit seiner Schwäche für die Notwendige Existenz des Vollkommen-Allmächtigen und in der Beachtung der kosmischen Ordnung für die Einheit Gottes (Vahdet)Zeugnis ablegt.
كَمَآ اَنَّ فِى كُلِّ ذَرَّةٍ شَاهِدَيْنِ عَلٰٓى اَنَّهُ وَاجِبٌ وَاحِدٌ كَذٰلِكَ فِى كُلِّ حَىٍّ لَهُ اٰيَتَانِ عَلٰٓى اَنَّهُ اَحَدٌ صَمَدٌ
{"So wie für den, der notwendigerweise (Vadjib) da ist und der Einzige (Vahid), für den in jedem Stäubchen mit Sicherheit zwei Zeugen sind, gibt es auch in allem Lebendigen, zwei Wunderzeichen (Ayat) für den, welcher der Einzige (Ahad) und Unabhängige (Samed) ist."}
So findet sich denn in der Tat auf allem, was da lebt das Siegel Seiner Einheit (Ahadiyet)
und die Prägung seiner Unabhängigkeit. Denn ein jedes Lebewesen zeigt gleichsam wie ein Spiegel alle die Namen, deren Manifestationen sich in den meisten Schöpfungen offenbaren. Es ist so, als ob dieses Lebewesen einen Brennpunkt darstellt, in dem sich die Erscheinungen des gewaltigen Namens des Lebendigen und Beständigen (Hayy ve Qayyum)zeigt. So trägt es also den Stempel der Einheit (Ahadiyet),da es eine Art Schatten der Einheit des Herrn (Ahadiyet-i Dhatiye)ist, verborgen unter dem Schleier des Namens "al-Muhyi(der Lebensspender)". Überdies zeigt dieses Lebewesen, da es einem verkleinerten Abbild des Kosmos und einer Frucht am Baume der Schöpfung gleicht, die Prägung der Unabhängigkeit Gottes (Samediyet),dadurch dass alle seine weltumspannenden Bedürfnisse innerhalb seines winzig kleinen Lebensbereiches mit unerwarteter Leichtigkeit befriedigt werden. Durch diese Verhältnisse wird sichtbar, dass das Lebewesen einen Herrn hat, der sich ihm zuwendet, wie sonst keine anderen Seiner Schöpfungen und dessen (Gnaden)blick die Stelle aller geschaffenen Dinge ersetzt.
Alle Welt vermag nicht die Stelle der Zuwendung dieses Einen zu ersetzen.
نَعَمْ يَكْفِى لِكُلِّ شَىْءٍ شَىْءٌ عَنْ كُلِّ شَىْءٍ وَلاَ يَكْفِى عَنْهُ كُلُّ شَىْءٍ وَلَوْ لِشَىْءٍ وَاحِدٍ
{"Ja, in der Tat genügt für alle Einzelnen der Eine und Einzige an der Stelle von Allem und nicht genügen einem Alles, so nicht statt aller Einzelheiten der Eine (al-Vahid)."}
Desgleichen zeigen diese Verhältnisse, dass - so wie dieser sein Herr keines Dinges bedürftig ist - sich auch Seine Schätze um kein Ding verringern und in Seiner Macht kein Ding schwer ist. So ist denn dies eine Art Prägung, die einen Schatten Seiner Unabhängigkeit (Samedaniyet)offenbart. Das aber heißt, dass jedes Lebewesen einen Stempel Seiner Einheit (Ahadiyet)und eine Prägung Seiner Unabhängigkeit (Samediyet)trägt. In der Tat rezitiert ein jedes Lebewesen in der Sprache seines Lebens (d.h. durch sein Leben bringt es zum Ausdruck)
قُلْ هُوَ اللّٰهُ اَحَدٌ ٭ اَللّٰهُ الصَّمَدُ
{"Sprich: Er ist Gott, der Einzige (Ahad). Er ist Gott, der Unabhängige (Samed)" (Sure 112, 1-2)}
Außer diesen beiden Siegeln gibt es auch noch zwei wichtige Fenster. Da diese jedoch bereits an anderer Stelle ausführlich behandelt worden sind, haben wir sie hier nur kurz zusammengefasst.
Da nun einmal in dieser Welt ein jedes Stäubchen diese drei Fenster und diese beiden Luken öffnet, wie auch das Leben zwei Tore gleichsam hin zu dem Notwendig-Seienden, dem Einzigen öffnet, ist es dir jetzt möglich, die obigen Beispiele auf ein Stäubchen bis hin zur Sonne in Bezug auf alle Stufen der Schöpfung mit ihrer lichtvollen Ausstrahlung der Erkenntnis (ma'rifet)über den Herrn, in Seiner Majestät, anzuwenden.
So schreite durch die obigen Beispiele schrittweise in der Erkenntnis (ma'rifet)Gottes und in Seiner Gegenwart (huzur)geistig fort und ziehe deinen Nutzen aus ihnen...
Fünfter Strahl:
Um z.B. ein Buch zu schreiben oder
einen Brief abzufassen, genügt ein Schreibstift zu seiner Niederschrift. Dort aber, wo es um einen Buchdruck oder eine Drucksache geht, benötigt man dazu ebensoviel Schreibstifte, d.h. Drucktypen, wie das Buch Buchstaben hat, damit ein solches Buch gedruckt und herausgebracht werden kann. Sollte nun in einige Buchstaben des Buches ein Großteil von diesem Buches in sehr feiner Schrift hineingeschrieben werden - z.B. die ganze Sure Yasin in die beiden Buchstaben Ya und Sin hineingeschrieben werden - so benötigt man für diesen einen Buchstaben auch noch alle diese winzigen Buchstaben zusätzlich, damit es gedruckt werden kann.
Sagtest du in gleicher Weise, dass dieses Weltenbuch (das Buch der Schöpfung), die heilige Schrift, aus der Feder der Macht des Einzigartigen und ein Brief des Einen Herrn ist, schlägst du auf einen Weg ein, der geradezu notwendigerweise leicht und auch unbedingt verständlich ist.
Schreibst du es hingegen den Ursachen und der Natur zu, dann beschreitest du einen Weg, der sehr schwierig, unvorstellbar kompliziert und dermaßen abergläubig ist, den man noch nicht einmal im Traum annehmen könnte. Es müssten dann für die Natur in jeder Handvoll Erde, in jedem Tropfen Wasser, in jedem Lufthauch Milliarden metallener Druckereien, nicht zu zählende und unsichtbare Fabriken vorhanden sein, damit die Entstehung solcher zahllosen blühenden und fruchttragenden Kunstwerke zum Erfolg geführt werden können. Oder aber, man müsste in ihnen ein alles umfassendes Wissen annehmen, eine Macht, die zu all diesem die Kraft besitzt, um für diese Kunstwerke eine wahrhaftige Quelle zu sein. Denn für die Entstehung aller Pflanzen bedarf es einer bestimmten Menge Erde, Wasser und Luft. Denn alle blühenden und fruchttragenden Pflanzen sind so harmonisch und ausgewogen gestaltet und jede für sich eine auserwählte, in ihrer Art sehr unterschiedlich, sodass für jede wieder eine andere, nur für sie geeignete Fabrik bzw. ein spezielles Druckverfahren notwendig wäre. Das aber
heißt, dass - wollte man die Natur, statt lediglich wie eine Lineatur zu sein, zur Urquelle machen - man in jedem einzelnen Gegenstand einen Maschinenpark vorfinden müsste. Somit ist der Kern all dieser Naturanbeterei ein Aberglaube, für den sich alle Abergläubigen schämen sollten. Siehe, welch eine grenzenlos wahnwitzige Absurdität die Kinder des Irrtums da vertreten und sich noch selbst für klug halten. Ziehe deine Lehre daraus!
Zusammenfassung:
Jeder Buchstabe in einem Buch stellt z.B. als Buchstabe nicht mehr als sich selbst dar und bringt lediglich durch sein Aussehen seine eigene Existenz zum Ausdruck, während er über seinen Schreiber mit zehn Worten berichtet und ihn auf vielfältige Weise vorstellt.
Zum Beispiel:
"Mein Schreiber hat eine schöne Handschrift. Sein Stift ist rot. Er ist dieses, er ist jenes.", sagt er. Und genauso gilt: Ein jeder Buchstabe im großen Buch der Schöpfung stellt als ein Objekt (der Schöpfung) nicht mehr als sich selbst dar und zeigt nicht mehr als sein eigenes Aussehen. Als die Namen des urewigen Designers jedoch stellt er eine Kasside (ein Gedicht) dar und zeigt auf diese Namen mit so viel Zeigefingern hin, wie er Eigenschaften hat, bezeugt den Träger dieser Namen. Das aber heißt, dass selbst ein Sophist, ein Haarspalter, auch wenn er sowohl sich selbst als auch die ganze Welt leugnet, in seiner Torheit dennoch nicht so weit gehen darf, den Schöpfer in Seiner Majestät zu verleugnen!...
Sechster Strahl:
Der Schöpfer in Seiner Majestät hat jedem einzelnen Seiner Geschöpfe das Siegel Seiner Einheit (Ahadiyet)aufs Haupt und all Seinen Kunstwerken ins Antlitz geprägt (wovon wir in den obigen "Strahlen" einige gesehen haben). In gleicher Weise hat Er auch jeder Art (von Geschöpfen) viele Siegel Seiner Einheit (Ahadiyet),einer jeden Gruppe (von Arten) mannigfache Stempel Seiner Einheit (Vahidiyet),bis hin zu der Welt (mit all ihren Arten von Geschöpfen) die verschiedensten Prägungen Seiner Einheit (Vahdet)in einer über alles glänzenden Weise aufgedrückt. So wollen wir denn
hier nur ein Siegel, einen Stempel unter so vielen Siegeln, Stempeln, Prägungen, die im Frühling auf der Seite der Erdoberfläche aufgedrückt sind, aufzeigen. Es ist dies wie folgt:
Dass der Urewige Designer über das Antlitz der Erde hin im Sommer und im Frühling wenigstens dreihunderttausend Tier- und Pflanzenarten aus der grenzenlosen Vermischung und Vermengung (ihrer Samenkörner) heraus auswählt und voneinander trennt und in so hohem Grade wohlgeordnet und voneinander wohlgeschieden zum neuen Leben, Wachstum und Gedeihen erweckt, ist ein Siegel der Einheit Gottes (Tauhid),wie auch der Frühling in seiner Pracht so klar und deutlich ist. Wenn in der Tat zur Frühlingszeit in der Neubelebung der erstorbenen Erde dreihunderttausend Beispiele der Auferstehung in vollkommener Ordnung hervorgebracht und dreihundert verschiedene Arten bunt gemischt schließlich fehlerlos, makellos und ohne jede Verwechslung ausgewogen, harmonisch, überaus wohlgeordnet und in vollendeter Form (im Buch der Schöpfung) auf diese Seite eingetragen werden, die die Erde ist, sollte jeder, der auch nur ein Fünkchen Bewusstsein hat, verstehen können, dass dies ein persönliches Siegel des Herrn in Seiner Herrlichkeit (Dhat-i Dhu l-Djelal)ist, des Vollkommenen-Allmächtigen (Qadir-i Dhu l-Kemal)und des Vollkommenen-Allweisen (Hakim-i Dhu l-Djemal),der über eine unendliche Macht (qudret),ein alles umfassendes Wissen (ilm)und über eine den ganzen Kosmos lenkende Willenskraft (irade)verfügt. Der Weise Qur'an bestimmt (ferman)hierzu:
فَانْظُرْ اِلٰٓى اٰثاَرِ رَحْمَةِ اللَّهِ كَيْفَ يُحْيِى اْلاَرْضَ بَعْدَ مَوْتِهَا اِنَّ ذٰلِكَ لَمُحْيِى اْلمَوْتٰى وَهُوَ عَلٰى كُلِّ شَىْءٍ قَدِيرٌ
{"Siehe die Zeichen der Barmherzigkeit Allahs: wie Er die Erde nach ihrem Tode wieder lebendig macht! Fürwahr, Er ist es, der die Toten wiederbelebt, und Er hat Macht über alle Dinge." (Sure 30, 50)}
Mit Sicherheit ist für die Macht des Schöpfers, der bei der Wiederbelebung der Erde dreihunderttausend Beispiele
für die Auferstehung innerhalb einiger Tage erschafft, auch die Auferstehung des Menschen in der Tat dementsprechend leicht. Ja, könnte man etwa zu jenem wunderwirkenden Herrn, der zum Beispiel den Mohnblumenberg oder den Subhan-Berg (4434 m) mit einem Wink Seines Fingers aufzuheben vermag, sagen: "Könntest Du diesen riesigen Stein, der unseren Lebensweg den Bach hinunter versperrt, hinwegräumen?" Ja könnte man etwa in gleicher Weise den Allmächtigen-Allweisen (Qadir-i Hakiem),den Freigiebigen-Allbarmherzigen (Kerim-i Rahim),der Himmel und Berge und Erde in sechs Tagen erschaffen hat und sie zu allen Zeiten füllt und leert, fragen: "Könntest Du die Erde über uns, die uns den Weg zu Deinem Gastmahl in der Ewigkeit versperrend vor uns ausgebreitet ist, hinwegräumen? Würdest Du uns etwa aus dem Erdreich emporführen und könntest Du es dann aufs Neue unter uns ausbreiten?" Läge dies etwa fern aller Betrachtung?
Du hast nun das Siegel der Einheit (Tauhid)gesehen, welches das Antlitz der Erde im Sommer trägt. Nun siehe! Es zeigt sich da ganz offensichtlich der Stempel der Einheit Gottes (Vahidiyet),der im Frühling auf der gewaltigen Lenkung und Leitung der Erde durch den Allsehenden und Allweisen sichtbar wird. Denn diese Tätigkeit wird in ihrem absoluten Umfang, trotz ihrer unbegrenzten räumlichen Ausdehnung, zugleich auch in ihrer vollendeten zeitlichen Ausdehnung und trotz dieser Geschwindigkeit in absoluter Freigiebigkeit, in absoluter Ordnung und vollendeter Kunstfertigkeit und als eine vollkommene Schöpfung sichtbar. Sie ist ein Stempel, der nur jenem gehören kann, der ein grenzenloses Wissen und eine unendliche Macht besitzt.
Wir sehen in der Tat, dass sich Schöpfung, Lenkung, Leitung und Wirksamkeit Gottes über die ganze Erdoberfläche in unbegrenzter Ausdehnung erstreckt. Des Weiteren vollendet sich das Werk bei aller räumlichen Ausdehnung auch in der zeitlichen Ausdehnung (d.h. der Frühling erstreckt sich räumlich und zeitlich gleichzeitig über
die ganze Erde).
Zudem wird in dieser zeitlichen und räumlichen Ausdehnung auch eine vollendete Freigiebigkeit sichtbar. Diese Freigiebigkeit wird in ihrer räumlichen und zeitlichen Ausdehnung zugleich auch in ihrer vollendeten Leichtigkeit sichtbar. Des Weiteren ist diese Freigiebigkeit und unbeschwerte Leichtigkeit in ihrer räumlichen und zeitlichen Ausdehnung, diese in jeder Art, in jedem Einzelexemplar sichtbar werdende vollkommene Ordnung und so auserlesene und vollendete Kunstfertigkeit, diese absolute Verschiedenheit innerhalb einer grenzenlosen Durchmischung (d.h. in einem Gemisch von Samenkörnern reift dennoch jedes einzelne zu einer unverwechselbaren Pflanze heran), dieses so wertvolle Werk innerhalb einer so großen Fülle, diese völlige Übereinstimmung in einem so weiten Bereich (d.h. die Übereinstimmung von zwei gleichen Pflanzen trotz weltweiter Entfernung zwischen ihnen) und diese so besondere Kunstfertigkeit, dies alles mit solch unbeschwerter Leichtigkeit hervorzubringen, in einem einzigen Augenblick, an jedem Ort, in gleicher Weise, Sein wunderbares Kunstwerk in jedem einzelnen Exemplar als ein Werk Seines wundertätigen Wirkens hervorzubringen, ist sicherlich und ganz gewiss das Siegel jenes Herrn, der - obwohl doch an keinen Ort gebunden - dennoch an jedem Ort zugegen ist und alles sieht, vor dem nichts verborgen ist und dem nichts und kein Ding schwer wird. Sterne und Stäubchen sind vor Ihm in Seiner Macht gleich.
So habe ich z.B. die Reben gezählt, die an einem Rebstock hingen, der zwei Finger dick war und den ich als ein ganz kleines Exemplar für die Trauben des Wunders aus dem Garten der Freigiebigkeit jenes Gütigen-Allbarmherzigen (Rahim-i Dhu l-Djemal)angesehen habe. Ich kam bis einhundertfünfundfünfzig. Dann zählte ich die Trauben einer Rebe: es waren an die hundertundzwanzig. So dachte ich und sagte mir: Wäre dieser Rebstock gleich einem Wasserhahn, aus dem fortwährend Honignektar fließt, so würde dieser Nektar bei diesen hohen
Temperaturen in der Sonne dennoch ausreichen, damit all ihre vielen hundert Trauben gestillt werden, gleich winzigen Wasserschläuchen der göttlichen Barmherzigkeit. Dabei steht ihm doch manchmal nur ein geringe Menge Flüssigkeit zur Verfügung. Es muss also der, welcher dies bewirkt, jener sein, welcher aller Dinge mächtig ist.
سُبْحَانَ مَنْ تَحَيَّرَ فِى صُنْعِهِ الْعُقُولُ
{"Gepriesen sei der, welcher den Geist dessen in Erstaunen versetzt, der Seine Werke bewundert."}
Siebenter Strahl:
Beachte, wie du mit ein wenig Aufmerksamkeit die Stempel erkennen kannst, die der Eine und Einzigartige (Dhat-i Ahad-i Samed)auf die Fläche der Erde aufgeprägt hat. Erhebe deine Augen und betrachte einmal das große Buch der Schöpfung, so wirst du erkennen, wie über der Gesamtheit des ganzen Alls das Siegel der Einheit Gottes (Vahdet)mit jener Klarheit lesbar wird, die Seiner Größe entspricht. Denn die Geschöpfe dieser Fabrik, dieses Schlosses, dieser wohlgeordneten Stadt gleichen den Menschen und den Dingen, die einander stützend und ergänzend einander die Hände reichen und einander ihre Bedürfnisse mitteilend "Ich bin bereit. Ich stehe zu Diensten." sagen. Hand in Hand arbeiten sie in Harmonie und Ordnung miteinander. In gegenseitigem Austausch dienen sie allen Lebewesen. Schulter an Schulter richten sie sich gemeinsam auf ein Ziel aus und leisten ihrem Allweisen (Hakiem)Lenker und Leiter Gehorsam. Bei der Sonne und dem Mond angefangen, der Nacht und dem Tag, dem Winter und dem Sommer, bis hin zu den Pflanzen, die den bedürftigen und hungrigen Tieren gleichsam zu Hilfe kommen, von den Tieren, die den schwachen, ehrenwerten Menschen gleichsam zur Hilfe eilen, ja sogar bis hin zu den Nahrungsmitteln, die gleichsam zur Hilfe der feinen, zarten Nachkommenschaft der Pflanzen, Tiere und Menschen kommen und bis hin zu jenen Bestandteilen der Nahrung, die in die Zellen des Körpers hinüber wechseln
und sich so nach dem Grundsatz gegenseitiger Unterstützung verhalten, zeigt dies alles für den, der nicht gerade blind ist, dass sie sich in der Macht eines äußerst freigiebigen Koordinators befinden und auf den Befehl eines einzigen allweisen Direktors Folge leisten.
Während also nun diese gegenseitige Hilfeleistung, diese Solidarität, dieses Wechselspiel zwischen Frage und Antwort, dieses Ineinander-verflochten-sein, diese Dienstbereitschaft, Ordnung und Harmonie, wie sie im Weltall ihre Gültigkeit hat, mit Sicherheit bezeugen, dass sie durch die Anordnungen eines einzigen Direktors dirigiert und durch die Maßnahmen eines einzigen Koordinators gelenkt wird, ist die allen zuteil werdende Gnade in der umfassenden Weisheit, wie sie ganz offensichtlich in all den kunstvoll gestalteten Dingen sichtbar wird und das in dieser Gnade aufstrahlende weitreichende Erbarmen (Rahman)und die Versorgung, die über diesem Erbarmen ausgebreitet ist und der verteilte Unterhalt, um alles Lebendige mit dem zu versorgen, wessen es bedarf, ein so glänzender Stempel der Einheit (Tauhid),dass jeder Mensch, dessen Verstand noch nicht ganz und gar erloschen ist und der noch nicht erblindet ist, es verstehen und erkennen kann.
Dies ist in der Tat die Leinwand der Weisheit, auf dem die Absicht, das Bewusstsein und der Wille (irade),der die ganze Welt erfüllt, dargestellt sind. Vor dieser Leinwand der Weisheit ist die Leinwand der Gnade (inayet)heruntergelassen, auf der die Gastfreundschaft, die Zierde, die Schönheit und die Güte zu sehen sind. Vor dieser bemalten Leinwand der Gnade ist die Leinwand der Barmherzigkeit heruntergelassen, auf der die Schlaglichter der Gnade (in'am)und der Verehrung (ikram)sichtbar werden, die das All erfüllen und durch die Gott die Menschen dazu veranlassen möchte, Ihn zu lieben und Ihn zu erkennen. Vor dieser angeleuchteten Leinwand allgemeinen Erbarmens ist ein Tischtuch für die Versorgung aller ausgebreitet, auf dem das Mitleid, die Güte, die Verehrung (ikram),die vollkommene Liebe (kemal-i shefqat),
die hohe Bildung und die Gastfreundschaft des Herrn wahrzunehmen ist.
Alles Geschaffene, ob groß ob klein, von den Atomen angefangen bis hin zu den Sonnen, mögen es nun Einzelexemplare oder deren Gattungen sein, ist mit einem prächtigen Gewand aus dem Stoff der Weisheit bekleidet, das dessen Frucht trägt und mit seinem Ziel, Zweck und Nutzen geschmückt ist. Dieser Bekleidung seiner äußeren Gestalt, die der Weisheit entspricht, ist je nach seiner Größe ein Gewand der Gnade (inayet),verziert mit den Blumen der Gastfreundschaft und der Güte, übergestreift. Zu diesem so verzierten Kleid der Gnade (inayet)hat Gott Seinen Geschöpfen, die von den Funken der Liebe (Gottes in den Herzen Seiner Geschöpfe), der Verehrung (mit der Gott Seine Geschöpfe auszeichnet), des Mitleids und der Gnade (in'am= was Gott den Geschöpfen in Seinen Geschenken erweist) strahlende Orden Seiner Barmherzigkeit verliehen. Während Er ihnen diese glänzenden, mit Edelsteinen besetzten Auszeichnungen umhängt, breitet Er über die Erde für alle Arten von Lebewesen Tische zu ihrer aller Versorgung und für ihre Bedürfnisse. So weist denn dieses Tun mit der Klarheit der Sonne auf den Herrn in Seiner Herrlichkeit hin und zeigt Ihn, den Versorger, in Seiner grenzenlosen Weisheit, Freigebigkeit (kerim)und Barmherzigkeit. Ja, ist dies nicht so? Bedarf nicht alles Lebendige seiner Versorgung?
Wir sehen in der Tat, dass jeder Mensch des Unterhaltes und der ständigen Versorgung in seinem Leben bedarf. Alles, was es auf der Erde gibt und speziell die Lebewesen haben in ihrer Gesamtheit oder einzeln, ihre Körper oder ihre Körperteile, im Laufe ihres Lebens, ihrem Fortbestand und auf die Dauer ihres Lebens viele materielle Wünsche und geistige Bedürfnisse. Obwohl die Bedürfnisse und Nöte der Lebewesen so groß sind, dass sie sich selbst nicht das kleinste befriedigen können, ihre Kräfte zur Erfüllung selbst des kleinsten Wunsches nicht ausreichen, beobachten wir, dass alle ihre Wünsche, ihre geistige und materielle Versorgung rechtzeitig sehr gut
und unvermutet, in vollkommener Weisheit und مِنْ حَيْثُ لاَ يَحْتَسِبُ {"Von wo wir es nicht erwartet hatten." (Sure 65, 3)} erfüllt werden. Weisen etwa Not und Armut der Lebewesen, diese Art Hilfeleistung und Versorgung aus dem Unsichtbaren nicht sehr deutlich auf den Versorger in Seiner Weisheit und Majestät (Djelal),auf den Lenker und Leiter in Seiner Barmherzigkeit und Vollkommenheit (Djemal)hin?
Achter Strahl:
Es ist bekannt, dass eine Getreidesorte, die auf einem Acker ausgesät ist, zeigt, dass der Eigentümer dieses Getreides auf jeden Fall die Verfügungsgewalt über den Acker hat, und zeigt auch, dass das Getreide zur Verfügung des Besitzers dieses Ackers steht. Ebenso zeigen auch diese Äcker, welche die Elemente (Licht, Luft, Wasser und Erde) sind, aus denen alle Geschöpfe entstehen, in all ihrer Einheit, Einheitlichkeit und allgemeinen Wirksamkeit, ebenso die Pflanzen und Tiere, welche man als Gottes Geschöpfe bezeichnet und die eine Frucht Seiner Erbarmung, ein Wunder Seiner Allmacht und ein Wort Seiner Weisheit sind, in ihrer Gleichheit und in ihrer Ähnlichkeit, in ihrer Verbreitung an so vielen Stellen, in ihrem Auftreten und Heimischwerden an so vielen Orten, dass sie dem einen und einzigen wunderwirkenden Meister zur Verfügung stehen, in der Weise, dass jede einzelne Blume, jede einzelne Frucht, jedes einzelne Tier ein Siegel, ein Stempel, eine Prägung dieses Meisters ist. Wo immer sie sich finden, sagt ein jedes von ihnen unausgesprochen: "Ich bin das Siegel dessen, dessen Schöpfung auch dieser Ort hier ist. Ich bin ein Stempel dessen, dessen Schrift auch dieser Platz hier ist. Ich bin eine Prägung dessen, aus dessen Stoff auch mein Land hier gewebt ist." Das aber heißt, dass die Herrschaft über das einfachste Geschöpf in den Händen dessen ruht, der über alle Elemente verfügt. Er lenkt auch die Einzeller unter den Tieren und Pflanzen. Der Unterhalt
aller Tiere, die Versorgung aller Pflanzen und die Erhaltung der ganzen Schöpfung ist dem zu Eigen, der im Besitz der Herrschaft ist. Wer nicht blind ist, vermag dies zu erkennen. In der Tat spricht jedes einzelne Wesen in der Sprache seiner Gleichheit oder Ähnlichkeit mit all den anderen Wesen: "Nur der, der Eigentümer meiner Rasse ist, kann mein Besitzer sein. Ist er es nicht, dann kann er nicht mein Besitzer sein." Jede Art bringt dadurch, wie sie gemeinsam mit all den anderen Arten über die Erde hin verbreitet ist, zum Ausdruck: "Nur der, welcher auch der Eigentümer über die ganze Erde ist, kann mein Besitzer sein. Wenn er nicht der Eigentümer der ganzen Erde ist, dann kann er nicht mein Besitzer sein."
Die Erde sagt, als Mitträgerin der Gesetze des Himmels, im Ausdruck der Verbundenheit mit der Sonne zusammen mit den anderen Planeten: "Nur der, welcher auch der Eigentümer des ganzen Universums ist, kann mein Besitzer sein. Wenn er nicht der Eigentümer des ganzen Universums ist, dann kann er nicht mein Besitzer sein." Nehmen wir einmal den unmöglichen Fall an, jemand sagte zu einem mit Bewusstsein begabten Apfel: "Du bist mein Kunstwerk!", dann würde der Apfel ihm in der Sprache seines So-seins das Reden verbieten: "Wärest du dazu in der Lage, alle Äpfel auf Erden zu formen, würdest du über alle Früchte zu verfügen wissen, die über die ganze Erde verbreitet und mit mir völlig gleich sind, sogar über alle Geschenke des Allerbarmers, die mit einem Schiff aus der Schatzkammer der Barmherzigkeit kommen, so könntest du die Herrschaft über mich beanspruchen." So würde dieser Apfel zu ihm sprechen und dem Törichten ins Gesicht schlagen.
Neunter Strahl:
Wir haben bisher auf einige Siegel, Stempel und Prägungen hingewiesen, die auf den winzigsten Teilchen, den kleinsten Abschnitten (des Schöpfungsbuches), dem Ganzen (Buches), dem Kosmos in seiner Gesamtheit, dem Leben und allem Lebendigen und dem Schöpfungsakt selbst sichtbar werden. Wir wollen nun noch auf ein Siegel unter diesen zahllosen Siegeln, die den verschiedenen Arten aufgeprägt sind, hinweisen.
Es ist ja bekannt, dass die unendlich vielen Früchte eines fruchttragenden Baumes, alles was sie benötigen aus einer einzigen Hand, durch das selbe Gesetz, von einem einzigen Zentrum aus erhalten, wodurch alle Mühe, Anstrengung und Kosten so leicht werden, dass der Unterhalt für ihre Gesamtheit der Versorgung einer einzigen von ihnen gleich kommt. Das heißt also, für den Fall, dass es eine Anzahl von verschiedenen Zentren für jede Frucht gäbe, ein ganzer Baum an Mühe, Kosten und Einrichtungen notwendig wäre, sie heranreifen zu lassen. Sie alle unterscheiden sich jedoch (gleich den Früchten eines einzigen Baumes) lediglich in ihren Eigenschaften (und nicht grundsätzlich wie verschiedene Bäume) voneinander. Genauso sind für die militärische Ausrüstung eines einzigen Soldaten ebenso viele Fabriken erforderlich, wie für ein ganzes Heer. Das aber heißt, dass sich die Anstrengungen entsprechend der Anzahl der Einzelindividuen vervielfachen müssen, sobald man von der Einheit (vahdet)zur Vielzahl übergehen will. So ist denn die überwältigende Leichtigkeit, wie sie offensichtlich bei jeder Art sichtbar wird, mit Sicherheit das Werk der Leichtigkeit und Einfachheit, die aus der Einheit (Tauhid)erwächst.
Zusammenfassung:
Alle die verschiedenen Sorten gleicher Art, alle die verschiedenen Exemplare der selben Sorte beweisen durch ihre Übereinstimmung im Grundsätzlichen und ihre Ähnlichkeit, dass sie die Schöpfung eines einzigen Künstlers sind. Denn so erfordert es ihre Übereinstimmung (vahdet)in der Handschrift (des Künstlers) und die Gleichheit (ittihad)des Siegels. Desgleichen verlangt die vollendete Leichtigkeit und Mühelosigkeit, die wir bezeugen können, im Grade einer Notwendigkeit danach, dass sie die Werke eines einzigen (vahid)Künstlers sein müssen. Anderenfalls würde daraus eine Schwierigkeit entstehen, die sich bis zum Grade einer Unmöglichkeit steigert und das Ende (von der Gleichheit) der Art und die Zerstörung (der Gleichheit) der Sorte herbeiführt. Also noch einmal kurz gesagt: Sobald man alles auf Gott
den Gerechten zurückführt, wird (die Erschaffung) aller Dinge ebenso leicht wie die eines einzigen Dinges. Führt man aber alles auf die Ursachen zurück, wird (die Erschaffung) eines einzigen Dinges so schwer wie die aller Dinge insgesamt. Weil dies so ist, zeigt die überwältigende Leichtigkeit, wie man sie überall in der Welt bemerkt und die grenzenlose Fülle vor unseren Augen sonnenklar das Siegel der Einheit (vahdet).Wären diese Früchte, die in so reicher Zahl in unsere Hände gelangen, nicht Eigentum des All-Einzigen (Vahid-i Ahad),könnten wir auch nicht einen einzigen Granatapfel essen, selbst wenn wir die ganze Welt dafür hergeben wollten.
Zehnter Strahl:
Das Leben ist jene Erscheinung, die uns die Schönheit (der Namen Gottes) zeigt. Es ist einerseits Zeugnis für die Einheit (Ahadiyet)Gottes und darüber hinaus auch eine Erscheinung Seiner Gegenwart (vahdet).Dahingegen ist der Tod die Erscheinung, die uns Seine Majestät (Djelal)offenbart. Er ist auch ein Zeugnis für die Einheit Gottes und für Seine Allgegenwart (vahidiyet).Dafür ein Beispiel:
وَ لِلَّهِ الْمَثَلُ اْلاَعْلٰى
{"Bei Gott sind die erhabensten Gleichnisse." (Sure 16, 60)}
Es ist in der Tat so, dass die Wellen, die mit einem großen Strom mitziehen und vom Lichte der Sonne überstrahlt werden und die gesamte Oberfläche unserer Erde, wenn sie das Licht der Sonne reflektiert, auf diese Weise Zeugnis ablegen für die Sonne. Auch wenn die Wellen und Wassertropfen vergehen und wenn der Glanz der Erde dahinschwindet und wenn dann auf immer wieder neuen Wassertropfen und Wellenberge, wenn auf den glänzenden Flächen unserer Erde die Sonne wieder in all ihrer Pracht erstrahlt und ihr Strahlenglanz in makelloser Schönheit fortbesteht, legen sie mit absoluter Sicherheit dafür Zeugnis ab, dass die Strahlen und Lichter, wenn sie aufleuchten, sich verändern, sich wieder erneuern, aufstrahlen, erglänzen, Erscheinungsweisen jener einen,
immerwährenden (baqi),beständigen, erhabenen Sonne sind, die in ihrem Sonnenschein keine Vergänglichkeit kennt. Das aber heißt, dass, so wie diese Wellen in ihrem Entstehen (, wenn sie im Lichte der Sonne) erglänzen, die Existenz der Sonne aufzeigen, sie auch in ihrem Untergang und in ihrem Entschwinden, Dauer, Beständigkeit und Einheit der Sonne aufzeigen.
In gleicher Weise bezeugt all das, was mit dem Strome des Lebens dahin zieht durch sein Dasein und durch sein Leben notwendigerweise Einheit und Existenz dessen, der notwendigerweise da sein muss. Auf diese Weise bezeugt all das durch seinen Tod und Zerfall auch die notwendige Existenz Seiner Ewigkeit und Unsterblichkeit und Seine Einheit (Ahadiyet).In der Tat zeigen alle ansprechenden Kunstwerke und alles Geschaffene in seiner Schönheit, jeder Wechsel von Tag und Nacht, Sommer und Winter, Jahrhunderte und Jahrtausende hinaus mit Sicherheit Existenz, Dauer und Einheit (Vahdet)des Herrn in Seiner erhabenen, ewigen, sich fortwährend manifestierenden Schönheit (Djemal)auf. So weisen diese Kunstwerke, wenn sie mit allem, was ihre äußerlich sichtbaren Ursachen waren, sterben und vergehen auch auf die Nichtigkeit dieser Ursachen hin und darauf, dass dies nur ihr Kleid war. Dieser Umstand beweist mit Sicherheit, dass diese Kunstwerke, diese Ornamente in ihrer Erscheinung Kunstwerke des Herrn in Seiner Schönheit (Djemal)und Majestät (Djelal)sind, die sich immer wieder erneuern, Ornamente, die sich beständig verändern, Spiegelreflexe, die fortwährend in Bewegung sind, Siegel, die einander unablässig folgen, Prägungen, die in Weisheit einander ablösen, Kunstwerke eines Herrn, der in all Seinen Namen heilig und vollkommen (Djemil)ist...
Zusammenfassung:
Das Große Buch des Universums erteilt uns mit seinen kosmischen Versen (Ayat)Unterricht vom Dasein und von der Einheit (Vahdet)Gottes. In gleicher Weise bezeugt es alle die Attribute der Vollkommenheit (Kemal),Herrlichkeit (Djemal)und Majestät (Djelal)des Herrn der Herrlichkeit (Djelal)und beweist Seine
makellose, von allen stofflichen Fehlern und Mängeln freie Vollkommenheit (Kemal).Denn es ist ja allgemein bekannt, dass die Vollendung (Kemal)eines Werkes auf die vollendete Meisterschaft seines Schöpfers hinweist, die der Schaffung des Werkes zu Grunde liegt und ihr voraus geht. Was jedoch diese Meisterschaft (Kemal)betrifft, so ist sie ein Beweis für den Grad Seiner Meisterschaft (Kemal),d.h. für die Vollendung (Kemal)Seines Namens. Diese Vollendung (Kemal)Seines Namens aber ist ein Beweis für Seine vollendeten Fähigkeiten, d.h. für die Vollendung Seiner Attribute. Diese Vollendung (Kemal)Seiner Attribute aber ist ein Beweis für die Vollkommenheit Seiner nur Ihm eigenen Fähigkeiten, d.h. Seiner Vorzüge und Qualitäten. Dies aber ist Seine persönliche Vollkommenheit und sie ist ein Beweis Seines vollkommenen Seins und Wesens. Diese Kette der Beweise beginnt mit jener Ahnung, die in Anbetracht Seiner Schöpfung in uns aufsteigt und steigert sich mit einer gewissen Zwangsläufigkeit bis zu einer offensichtlichen Erkenntnis.
Zum Beispiel:
Die erlesenen Kunstwerke und die gesamte künstlerische Gestaltung eines Schlosses von vollendeter Schönheit weist auf jene Vollendung hin, die einem solchen Juwel zu Grunde liegt. Die Vollendung eines solchen Werkes aber weist auf einen hohen Grad der Meisterschaft hin, der wiederum auf Rang und Namen des Erbauers verweist. Sein hoher Rang und Name aber weist auf die vollendeten Fähigkeiten dieses Meisters hinsichtlich seines Kunstwerkes hin. Seine Begabung und seine vollendeten Fähigkeiten aber weisen auf Seine Vorzüge und Qualitäten hin... Genauso weisen auch die Werke dieser Welt, die wir als fehlerlos, als makellos bezeugen und worin das Geheimnis der Ayah هَلْ تَرٰى مِنْ فُطُورٍ {"Erblickst du einen Mangel darin?" (Sure 67, 3)} sichtbar wird, auf die Wohlgeordnetheit in der Schöpfung des Kosmos hin und legen ohne irgend einen Zweifel Zeugnis für die Vollendung in den Taten dessen ab, der
da die Macht hat, sie zu bewirken. Was aber diese Vollendung Seiner Taten betrifft, so bezeugt sie offensichtlich den hohen Rang und Namen dessen, der in Seiner Majestät der Urheber all dieser Taten ist. Was aber diesen hohen Rang und Namen betrifft, so bezeigt und bezeugt er notwendigerweise die vollendeten Fähigkeiten dessen, dem diese schönen Namen zu Eigen sind.
Was aber diese vollendeten Fähigkeiten betrifft, so bezeigen und bezeugen sie mit Gewissheit das Vollendete des Urgrundes dessen, der der Träger dieser vollendeten Fähigkeiten ist. Dieser Urgrund aber bezeugt in seiner Vollendung wiederum mit absoluter Gewissheit die Vollendung des Seins, welches das Wesen dieses Urgrundes ist, in der Weise, dass alles, was uns im ganzen Kosmos als vollkommen entgegentritt, im Vergleich mit dieser Seiner Vollkommenheit nur ein matter Abglanz, ein Hinweis (ayat)auf die Vollkommenheit (Kemal),eine Spur der Majestät (Djelal),ein Zeichen für die Schönheit (Djemal)des Herrn in Seiner Vollkommenheit ist.
Der elfte Strahl, so gewaltig wie die Sonne:
Er, den wir bereits im "Neunzehnten Wort" vorgestellt haben, er, der das gewaltige Zeichen im großen Buch der Schöpfung ist, der machtvolle Name im großen Qur'an, der Kern und die leuchtendste Frucht am Weltenbaum, die Sonne des Weltenschlosses, die leuchtende Scheibe des Mondes am Himmel der islamischen Welt, der königliche Herold göttlicher Herrschaft, er, der die Weisheit besitzt, die das Geheimnis (tilsim)der Schöpfung enthüllt, Mohammed al-Amin(: der Vertrauenswürdige), unser Oberhaupt, mit dem Friede und Segen sei, breitet seine Flügel aus und behütet unter den Flügeln seiner Sendung alle Propheten, beschützt zugleich unter den Flügeln des islamischen Glaubens die ganze islamische Welt, durchkreuzt so mit ihnen alle Schichten der Wahrheit, zeigt mit der ganzen Kraft aller Gesandten und Propheten, aller Heiligen und Getreuen, aller Theologen und Forschern (muhaqqiq),die hinter ihm stehen, die Einheit (Vahdaniyet)Gottes auf, erschloss ihnen den Weg zum Throne
des alleinigen Gottes (Ahadiyet),wies ihnen den Glauben an Gott und bewies ihnen die göttliche Einheit (Vahdaniyet).Ja bliebe denn da noch Raum für irgendeinen Zweifel oder Irrtum, der den Zugang (zu dieser Wahrheit) verschließen oder verhüllen könnte? Da wir aber nun schon einmal im "Neunzehnten Wort" mit vierzehn "Tropfen" aus dem Lebenswasser der Erkenntnis und auch im "Neunzehnten Brief" mit neunzehn "Hinweisen" auf die verschiedenen Arten der Wunder dieser wunderwirkenden Persönlichkeit dieses sichere Zeugnis (: Mohammed ASM) kurz zusammengefasst, beschrieben und erläutert haben, wollen wir uns hier mit diesem Hinweis begnügen und mit einem Segensgebet (salavat-i sherif)enden und dabei dieses sichere Zeugnis der Einheit nochmals bestätigen und auf die Grundlagen von dessen Richtigkeit hinweisen...
اَللّٰهُمَّ صَلِّ عَلٰى مَنْ دَلَّ عَلٰى وُجُوبِ وُجُودِكَ وَوَحْدَانِيَّتِكَ وَشَهِدَ عَلٰى اَوْصَافِ جَلاَلِكَ وَجَمَالِكَ وَكَمَالِكَ اَلشَّاهِدُ الصَّادِقُ الْمُصَدَّقُ وَالْبُرْهَانُ النَّاطِقُ الْمُحَقَّقُ، سَيِّدُ اْلاَنْبِيَآءِ وَالْمُرْسَلِينَ، اَلْحَامِلُ سِرَّ اِجْمَاعِهِمْ وَتَصْدِيقِهِمْ وَمُعْجِزَاتِهِم.. وَاِمَامُ اْلاَوْلِيَآءِ وَالصِّدِّيقِينَ، اَلْحَاوِى سِرَّ اِتِّفَاقِهِمْ وَتَحْقِيقِهِمْ وَكَرَامَاتِهِمْ.. ذُوالْمُعْجِزَاتِ اْلباَهِرَةِ وَالْخَوَارِقِ الظَّاهِرَةِ وَالدَّلاَئِلِ الْقَاطِعَةِ الْمُحَقَّقَةِ الْمُصَدَّقَةِ لَهُ.. ذُوالْخِصَالِ الْغَالِيَةِ فِى ذَاتِهِ، وَاْلاَخْلاَقِ الْعَالِيَةِ فِى وَظِيفَتِهِ، وَالسَّجَايَا السَّامِيَةِ فِى شَرِيعَتِهِ الْمُكَمَّلَةِ الْمُنَزَّهَةِ عَنِ الْخِلاَفِ، مَهْبِطُ الْوَحْىِ الرَّبَّانِىِّ بِاِجْمَاعِ الْمُنْزِلِ وَالْمُنْزَلِ وَالْمُنَزَّلِ عَلَيْه، سَيَّارُ عَالَمِ الْغَيْبِ وَالْمَلَكُوتِ، مُشَاهِدُ اْلاَرْوَاحِ وَمُصَاحِبُ الْمَلٰٓئِكَةِ، اَنْمُوذَجُ كَمَالِ الْكَآئِنَاتِ شَخْصاً وَنَوْعاً وَجِنْساً، اَنْوَرُ ثَمَرَاتِ شَجَرَةِ الْخِلْقَةِ، سِرَاجُ الْحَقِّ، بُرْهَانُ الْحَقِيقَةِ، تِمْثَالُ الرَّحْمَةِ، مِثَالُ الْمَحَبَّةِ، كَشَّافُ طِلْسِمِ الْكَآئِنَاتِ، دَلاَّلُ سَلْطَنَةِ الرُّبوُبِيَّةِ، الْمُرْمِزُ بِعُلْوِيَّةِ شَخْصِيَّتِهِ الْمَعْنَوِيَّةِ اِلٰٓى اَنَّهُ نَصْبُ عَيْنِ فَاطِرِ الْعَالَمِ فِى خَلْقِ الْكَآئِنَاتِ، ذُو الشَّرِيعَةِ الَّتِى هِىَ بِوُسْعَةِ دَسَاتِيرِهَا وَقُوَّتِهَا
تُشِيرُ اِلٰٓى اَنَّهَا نِظَامُ نَاظِمِ الْكَوْنِ وَوَضْعُ خَالِقِ الْكَآئِنَاتِ نَعَمْ، اِنَّ نَاظِمَ الْكَآئِنَاتِ بِهٰذَا النِّظاَمِ اْلاَتَمِّ اْلاَكْمَلِ هُوَ نَاظِمُ هٰذَا الدِّينِ بِهٰذاَ النِّظَامِ اْلاَحْسَنِ اْلاَجْمَلِ، سَيِّدُنَا نَحْنُ مَعَاشِرَ بَنِى اٰدَمَ وَمُهْدِينَا اِلَى اْلاِيمَانِ نَحْنُ مَعاَشِرَ اْلمُؤْمِنِينَ، مُحَمَّدٌ بْنُ عَبْدِ اللَّهِ بْنِ عَبْدِ الْمُطَّلِبِ عَلَيْهِ اَفْضَلُ الصَّلَوَاتِ وَاَتَمُّ التَّسْلِيمَاتِ مَادَامَتِ اْلاَرْضُ وَالسَّمٰوَاتُ. فَاِنَّ ذٰلِكَ الشَّاهِدَ الصَّادِقَ الْمُصَدَّقَ يَشْهَدُ عَلٰى رُؤُوسِ اْلاَشْهَادِ مُناَدِياً، وَمُعَلِّماً ِلاَجْيَالِ الْبَشَرِ خَلْفَ اْلاَعْصَارِ وَاْلاَقْطَارِ، نِداَءً عُلْوِياًّ بِجَمِيعِ قُوَّتِهِ وَبِغَايَةِ جِدِّيَّتِهِ وَبِنِهَايَةِ وُثُوقِهِ وَبِقُوَّةِ اِطْمِئْناَنِهِ وَبِكَمَالِ اِيمَانِهِ اَشْهَدُ اَنْ لآَ اِلٰهَ اِلاَّ اللَّهُ وَحْدَهُ لاَ شَرِيكَ لَهُ
{"Oh Gott segne den, der auf die Notwendigkeit Deines Seins, Deine Einheit (Vahdaniyet) hinweist, Deine Majestät (Djelal), Deine Schönheit (Djemal) und Deine Vollkommenheit (Kemal) bezeugt, den Zeugen, der in seiner Treue bestätigt wurde, einen Beweis, der in Zuverlässigkeit spricht, den Meister der Gesandten und Propheten, den Träger des Geheimnisses (sirr : Wahrheit, Lehre), in dem sich (alle Propheten) vereinigen und ihn bestätigen, den Wundertäter, den Vorsteher aller Heiligen und Getreuen im Geheimnis ihrer Eintracht, ihrer Erkenntnis (tahqiq) und ihrer Wunder (keramat), den, der eindeutig Wunder (mu'djisat) wirkt, offensichtlich Einzigartiges tut, der gesicherte, geprüfte, bestätigte Beweise erbringt, dessen Persönlichkeit an guten Charaktereigenschaften reich ist, an hoher Moral in der Erfüllung seiner Aufgaben, an erhabenen Vorzügen in der Vollkommenheit seines ihm geoffenbarten Gesetzes (Scharia), der überraschenderweise zum Empfänger der Offenbarung des Herrn wurde in dem Zusammentreffen dessen, der herabsendet durch den Überbringer (nml. den Erzengel Gabriel) des Herabgesandten (nml. den Qur'an) an seinen Empfänger (nml. Mohammed ASM), den Reisenden durch die Welt des Unsichtbaren (gayb) und Seiner Engel (malakut), der Zeugnis ablegt von den Geistern (ruh) und mit den Engeln vertrauten Umgang (sohbet) pflegt, das Musterbeispiel für die Vollendung des Kosmos in seinen einzelnen Wesen, in seinen Gattungen und Arten (den Früchten am Baum der Schöpfung, die wie Lichter sind), den Leuchter der Gerechtigkeit, den Zeugen für die Wahrheit, das Abbild der Barmherzigkeit, das Beispiel für die Liebe (muhabbet), ihn, der das Geheimnis (tilsim) des Kosmos entdeckte, den Herold des Königreiches seines Herrn, den, der in seiner hohen geistigen Persönlichkeit ein Zeichen dafür ist, dass er das alleinige Ziel des Schöpfers der Welt ist bei der Erschaffung des Kosmos, des Herrn über das Gesetz (Scharia), das in seiner alles umfassenden Weite gültig und wirksam ist, weil es über die Ordnung des Seins ausgebreitet ist und durch den Schöpfer der Welt eingesetzt wurde, denn es ist in der Tat das Prinzip der Ordnung im Kosmos, denn es ist die Ordnung, welche die Vollkommenheit vollendet, ihn, den Stifter des Gesetzes (Nazim; der Ordner) dieses Glaubens (din) in schönster und bester Ordnung, unser Oberhaupt, der uns, die Völker aus den Söhnen Adams, zum Glauben geführt hat, uns, die gläubige Gemeinde Mohammeds, des Sohnes Abdullahs, des Sohnes Abdu l-muttalibs, mit dem aller Segen sei und all unsere Gebete! Mit ihm sei die Fülle des Segens (teslimat) solange Himmel und Erde bestehen. Denn er ist der zuverlässige und vertrauenswürdige Zeuge. Er bezeugt auf den Häuptern derer, die zur Zeugenschaft aufrufen, und die lehren, den Generationen von Menschen aller Jahrhunderte und aller Länder und ruft mit lauter Stimme, mit aller Macht und großem Ernst, mit unendlicher Geduld (vuthuq), aus der Kraft seines Herzens und aus der Vollkommenheit seines Glaubens (iman): Ich bezeuge, dass es keine Gottheit (ilah) gibt außer Gott (Allah), dem Einen, der keinen Partner (sherik) hat."}
Der zwölfte Strahl, so gewaltig wie die Sonne:
Der zwölfte Strahl dieses "Zweiundzwanzigsten Wortes" ist ein Ozean der Wahrheit, sodass alle zweiundzwanzig "Worte" nur zweiundzwanzig Tropfen daraus sind und eine solche Quelle der Lichter, dass diese zweiundzwanzig "Worte" nur zweiundzwanzig Strahlen aus dieser Sonne sind. Jedes einzelne dieser zweiundzwanzig "Worte" ist in der Tat nur ein Strahl aus einer Ayah, die wie ein Stern am Himmel des Qur'an glänzt und ein einziger Tropfen aus einer Ayah, die gleich einem Strom aus dem Ozean des Qur'an (al-Furqan,hier gleich einem Scheidewasser) heraustritt und eine einzige Perle aus einer Ayah, die einem Schmuckkästchen gleicht, gefüllt mit Juwelen aus der gewaltigen Schatzkammer des Buches Gottes. So sagt denn dieses Buch Gottes, das wir im Vierzehnten Tropfen des "Neunzehnten Wortes" einigermaßen dargestellt haben, das von dem Gewaltigen Namen, von dem Gewaltigen Thron, von der Gewaltigen Erscheinung Seines Herrschaftsbereiches herabgesandt wurde, in der Weite und Hoheit, welche das Urewige Einst mit der künftigen Ewigkeit vereint, die Erde mit dem Thron (Gottes) verbindet, immer wieder in all Seine Macht und in aller Gewissheit: لآَ اِلَهَ اِلاَّ هُو {"Es gibt keinen Gott (ilah) außer Ihm."}
führt das All des Weltalls dafür zum Zeugen an und macht es zu einem Zeugnis für Ihn. Es rezitiert in der Tat der ganze Kosmos gemeinsam: لآَ اِلَهَ اِلاَّ هُو {"Es gibt keinen Gott (ilah) außer Ihm."}
Wenn du also den Qur'an mit dem Auge eines friedfertigen Herzens betrachtest, so wirst du in der Tat sehen, dass seine sechs Seiten (d.h. von welcher Seite auch immer du ihn betrachten magst - A.d.Ü.) so glänzen, so klarsichtig sind, dass keine Finsternis, kein Irrtum, kein Zweifel, nicht Lug noch Trug in ihn einzudringen vermögen und sich im Kleid seiner Ehre dafür keine Öffnung befindet und kein Riss entdecken lässt. Denn betrachtet man ihn von oben, so erkennt man ihn als das Wunder, welches das Gütesiegel auf ihm ist, von unten die Zeugnisse und Beweise (auf die er sich stützt), hinter ihm das lautere Wort, die Offenbarung des Herrn als seine Stütze, von der Seite erblickt man die beiden Seiten (: Diesseits und Jenseits), welche die Glückseligkeit in den Welten in sich enthalten, rechts befragt er den Verstand nach Gewissheit und Bestätigung, lässt links das Gewissen bekennen und seine Ergebenheit beteuern. In seinem Inneren findet sich die lautere Rechtleitung (hidayet)aus Barmherzigkeit. Die Oberseite ist wie bezeugt das reine Licht (nur)des Glaubens (iman).Seine Früchte sind die Theologen (asfiya)und Forscher (muhaqqiqin),die Gottesfreunde (auliya)und Getreuen (siddiq),die in offensichtlicher Gewissheit mit der Vollkommenheit (kemalat)als Mensch geschmückt sind. Wenn du dein Ohr fest an die Brust des Sprachrohrs des Unsichtbaren presst und lauschst, wie seine Stimme ganz tief drinnen in himmlischem Ton mit einer solchen Freundlichkeit und zugleich Bestimmtheit, mit einem so unendlichen Ernst und einer so grenzenlosen Erhabenheit zu dir spricht, so wirst du hören, dass der Qur'an mit einer solchen Bestimmtheit, ausgestattet mit einem Zeugnis, immer wieder zu dir sagt:
لآَ اِلَهَ اِلاَّ هُو {"Es gibt keinen Gott (ilah) außer Ihm."} Was er dir im Grade der Gewissheit einer Lebenserfahrung mitteilt, das empfängst du als die Verstandes- und Herzensbildung, gleich einer wissenschaftlichen Gewissheit von der Kraft einer augenscheinlichen Gewissheit...
Zusammenfassung:
Der Ehrenwerte Gesandte, mit dem Friede und Segen sei, und das unterscheidende Urteil (furqan-i ahkem)sind jede für sich einer Sonne gleich. Der eine ist der Mund der bezeugten Welt (alem-i shehadet)und zeigt uns mit allem Nachdruck die Wahrheit mit dem Finger des Islam und seiner Botschaft (risalet)inmitten von tausend Wundern, bestätigt von allen Propheten und Heiligen... Der andere ist der Mund der unsichtbaren Welt (alem-i gayb)und zeigt uns mit ganzem Ernst die selbe Wahrheit mit dem Finger der Wahrhaftigkeit und Rechtleitung (hidayet)inmitten von vierzig Aspekten seiner Wunderhaftigkeit, bestätigt von allen den wunderbaren Zeichen (ayat)des Seins... Ja wäre denn diese Wahrheit (haqiqat)etwa nicht heller als der lichte Tag und noch leuchtender als die Sonne?
Oh du armer Mensch, der du durch deine Verbohrtheit in den Irrtum verstrickt bist! {(*): Diese Anrede richtet sich gegen denjenigen, der sich darum bemühte, den Qur'an (seine Botschaft) zum Verstummen zu bringen und den Glauben an ihn auszulöschen.} Wie könntest du mit der Leuchte deines Verstandes, die doch noch matter ist als ein Glühwürmchen, gegen solche Sonnen (d.h. den Propheten und den Qur'an) angehen? als ob du sie gar nicht nötig hättest? Versuchst du etwa, sie auszublasen? Nein! Pfui doch, oh über deine Vernunft, die verneint, und deinen Verstand, der verleugnet! Wie könntest du denn das Wort und den Ruf (da'va)leugnen, der aus dem Munde der unsichtbaren und dem der bezeugten Welt im Namen des Herrn aller Welten und des ganzen Weltalls ergangen ist?
Oh du Armseliger, der du noch kleiner als eine Fliege und schwächer als eine Mücke bist! Wer bist du denn, dass du versuchst, den Herrn des Alls in Seiner Majestät (Djelal)als Lügner hinzustellen?
Nachwort
Oh du mein Freund, der du nun zu Herz und Verstand gelangt bist! Wenn du also dieses "Zweiundzwanzigste Wort" vom Anfang bis zum Ende verstanden hast, so halte nun zugleich auch die zwölf "Strahlen" fest in deiner Hand! Wenn du somit eine Leuchte der Wahrheit von der Stärke tausender elektrischer Lampen gefunden hast, so hefte dich nun an die Ayat aus dem Qur'an, die vom Gewaltigen Thron herabgesandt worden sind. Besteige den Buraq des Erfolgs (d.h. vertraue dich der göttlichen Führung an - A.d.Ü.), durcheile mit ihm die Himmel der Wahrheiten und tritt vor den Thron der Erkenntnis Gottes...
Sage:
اَشْهَدُ اَنْ لآَ اِلٰهَ اِلاَّ اَنْتَ وَحْدَكَ لاَ شَرِيكَ
{"Ich bezeuge, dass es keinen Gott (ilah) gibt außer Dir. Du bist der Einzige und kein Teilhaber ist an Deiner Seite."}
Und wenn du sodann sagst:
لآَ اِلٰهَ اِلاَّ اللَّهُ وَحْدَهُ لاَ شَرِيكَ لَهُ لَهُ اْلمُلْكُ وَلَهُ الْحَمْدُ يُحْيِى وَيُمِيتُ وَهُوَ حَىٌّ لاَ يَمُوتُ بِيَدِهِ الْخَيْرُ وَهُوَ عَلٰى كُلِّ شَىْءٍ قَدِيرٌ
{"Es gibt keine Gottheit (ilah) außer Gott (Allah). Der Einzige ist Er. Keinen Partner hat Er. Ihm gehört aller Besitz (mulk) und Ihm gebührt jeglicher Dank (hamd). Er schenkt das Leben und den Tod. Er ist das Leben. Nicht stirbt Er. In Seiner Hand liegt alles Gute und Er ist aller Dinge mächtig."}
so verkündige in der Großen Moschee des Kosmos Seine Einheit (Vahdaniyet)über den Häuptern alles Geschaffenen im All...
سُبْحَانَكَ لاَعِلْمَ لَنَآ اِلاَّ مَاعَلَّمْتَنَآ اِنَّكَ اَنْتَ الْعَلِيمُ الْحَكِيمُ ٭ رَبَّنَا لاَ تُؤاَخِذْنَآ اِنْ نَسِينَآ اَوْ اَخْطَاْناَ رَبَّناَ وَلاَ تَحْمِلْ عَلَيْنَآ اِصْراً كَمَا حَمَلْتَهُ عَلَى الَّذِينَ مِنْ قَبْلِناَ رَبَّناَ وَلاَ تُحَمِّلْناَ مَالاَ طَاقَةَ لَناَ بِهِ وَاعْفُ عَنَّا وَاغْفِرْ لَنَا وَارْحَمْنَآ اَنْتَ مَوْلٰينَا فَانْصُرْناَ عَلَى الْقَوْمِ الْكَافِرِينَ ٭ رَبَّناَ لاَ تُزِغْ قُلُوبَنَا بَعْدَ اِذْ هَدَيْتَنَا وَهَبْ لَنَا مِنْ لَدُنْكَ رَحْمَةً اِنَّكَ اَنْتَ الْوَهَّابُ ٭ رَبَّنَآ اِنَّكَ جَامِعُ النَّاسِ لِيَوْمٍ لاَ رَيْبَ فِيهِ اِنَّ اللَّهَ لاَ يُخْلِفُ الْمِيعَادَ ٭ اَللّٰهُمَّ صَلِّ وَسَلِّمْ عَلٰى مَنْ اَرْسَلْتَهُ رَحْمَةً لِلْعَالَمِينَ وَعَلٰٓى اٰلِهِ وَصَحْبِهِٓ اَجْمَعِينَ. وَارْحَمْناَ وَارْحَمْ اُمَّتَهُ بِرَحْمَتِكَ يَآ اَرْحَمَ الرَّاحِمِينَ ٭ وَ اٰخِرُ دَعْوٰيهُمْ اَنِ الْحَمْدُ ِللَّهِ رَبِّ الْعَالَمِينَ
{"Gepriesen seist Du. Wir haben kein Wissen, außer dem, das Du uns gelehrt hast. Du bist der Allwissende, der Allweise." (Sure 2, 32) "Oh Herr, zieh uns nicht zur Rechenschaft für das, was wir versäumt oder vergessen haben. Oh Herr, lade uns nicht die Lasten auf, die Du denen aufgebürdet hast, die vor uns waren. Oh Herr, belaste uns nicht mit dem, was wir nicht zu tragen vermögen. Vergib uns, verzeihe uns, erbarme Dich unser. Du bist unser Meister (Maulana). Hilf uns gegen das Volk der Ungläubigen!" (Sure 2, 286) "Oh Herr, lass unsere Herzen nicht in die Irre gehen, nachdem Du uns rechtgeleitet hast. Schenke uns von Dir die Fülle Deiner Erbarmungen. Denn Du bist der Geber aller Gaben (al-Vahhab). Oh Herr, du versammelst die Menschen an dem Tage, über den es keinen Zweifel gibt. Denn Gott bricht nicht, was Er versprochen hat." (Sure 3, 8-9) "Oh Gott, gieße Friede und Segen aus über den, den Du als Barmherzigkeit für die Welten gesandt hast, über ihn, seine Familie und seine Gefährten insgesamt! Erbarme Dich unser! Erbarme Dich Deiner Gemeinde (umma) in Deinem Erbarmen. Oh Du Barmherzigster aller Barmherzigen! Und am Ende (ihres Gebetes) rufen sie: Lobpreis und Dank sei Dir, dem Herrn der Welten!" (Sure 10, 10)}
Dreiundzwanzigstes Wort
Diese Abhandlung besteht aus zwei Kapiteln.
بِسْمِ اللَّهِ الرَّحْمَنِ الرَّحِيمِ ٭ لَقَدْ خَلَقْناَ اْلاِنْسَانَ فِىٓ اَحْسَنِ تَقْوِيمٍ ٭ ثُمَّ رَدَدْنَاهُ اَسْفَلَ سَافِلِينَ ٭ اِلاَّ الَّذِينَ اٰمَنُوا وَعَمِلُوا الصَّالِحَاتِ
{"Im Namen Allahs, des Erbarmers, des Barmherzigen. Wahrhaftig, Wir haben den Menschen erschaffen und ihm den höchsten Wert verliehen; dann erniedrigten Wir ihn zum Geringsten aller Geringen, ausgenommen diejenigen, die glauben und gute Werke tun." (Sure 95, 4-6)}
Erstes Kapitel
In den folgenden fünf Punkten werden wir nur fünf Werte des Glaubens unter tausenden erklären.
Erster Punkt:
Durch das Licht des Glaubens steigt der Mensch zur höchsten Höhe auf und erreicht einen Wert, der ihn für das Paradies qualifiziert. In der Dunkelheit des Unglaubens steigt er hinab zum Niedrigsten der Niedrigen und nimmt eine Form an, die ihn für die Hölle geeignet macht. Denn Glaube ist eine Beziehung, die den Menschen mit seinem erhabenen Meister verbindet. Der Wert des Menschen entsteht aus der göttlichen Kunst und den Ornamenten der Gottesnamen, die an ihm im Lichte des Glaubens beobachtet werden. Unglaube trennt diese Verbindung, sodass die Kunst des Herrn nicht mehr sichtbar ist und der Wert des Menschen reduziert wird auf den Preis seiner bloßen physischen Existenz, wobei diese physische Existenz des Menschen fast keinen Wert hat, denn sie besteht nur aus einem zeitlichen, vergänglichen und sterblichen tierischen Leben. Wir werden dies durch einen Vergleich erklären.
Auch bei den von Menschenhand geschaffenen Kunstwerken unterscheidet sich der Materialwert vom Kunstwert. Zuweilen können beide wie gleich erscheinen, zuweilen kann der Materialwert höher als der Kunstwert sein. Zuweilen geschieht es auch, dass man bei einem Materialwert von fünf Pfennig, zum Beispiel für Eisen, ein Kunstwerk im Werte von fünf Pfund entdeckt. Ja, zuweilen können Antiquitäten Millionen wert sein während ihr Materialwert kaum fünf Pfennig beträgt. Bringt man solch ein antikes Kunstwerk zu einer Antiquitätenmesse, kann es für eine Million verkauft werden, wenn man es als Werk eines alten Meisters ausstellt, wenn man dabei diesen begnadeten Künstler erwähnt, der es geschaffen hat. Andererseits, bringt man es zum Schrotthändler, so kann es zum Preis von fünf Pfennig als Eisen gekauft werden.
In gleicher Weise ist der Mensch ein einzigartiges Kunstwerk Gottes des Gerechten und das eleganteste, gnadenvolle Wunder Seiner Macht, da Er den Menschen wie eine Welt im kleinen erschuf und ihn zur Verkörperung der Erscheinungen und Ornamente all Seiner Namen machte.
Wenn das Licht des Glaubens in ihn einströmt, können all diese bedeutsamen Ornamente in ihm entziffert werden. Ein Gläubiger entziffert sie im Bewusstsein seines Verstandes. Und in dieser seiner Beziehung lässt er sie entziffern. Das heißt, die göttliche Kunst, die im Menschenwesen enthalten ist, manifestiert sich selbst durch solche Aussagen wie: "Ich bin das Werk des Erhabenen Meisters, Sein Geschöpf und die Verkörperung Seines Mitleides und Seiner Freigiebigkeit." Glaube besteht also in der Beziehung zum Meister, offenbart die gesamten Kunstwerke im Menschen. Insoweit die göttliche Kunst im Menschen sichtbar wird, bestimmt sie des Menschen Wert. Er entspricht dem Spiegelbild der Einzigartigkeit Gottes. So erhebt sich der Mensch aus seiner Bedeutungslosigkeit auf diese Weise über alle Geschöpfe zum Gesprächspartner Gottes und Gast des Herrn, würdig des Paradieses.
Wenn der Unglaube, der im Abbruch dieser Beziehung besteht, in den Menschen eingeht, sinken alle diese bedeutsamen Ornamente der Gottesnamen ins Dunkel, können nicht mehr entziffert werden. Denn wenn der Meister in Vergessenheit gerät, können auch die spirituellen Aspekte in ihrer Beziehung zum Meister nicht mehr verstanden werden. Es ist, als würde alles auf den Kopf gestellt. Viele bedeutsame und erhabene Künste und Ornamente des Geistes verbergen sich auf diese Weise. Ein Teil dessen, was übrig bleibt und mit den Augen wahrgenommen werden kann, wird geringfügigen Ursachen zugeschrieben, der Natur oder dem Zufall, verfällt schließlich. Obwohl jedes einzelne für sich ein funkelnder Diamant ist, erscheint es wie trübes Glas. Ihr Wert wird nur noch in der animalischen Substanz gesehen. Aber Ziel und Ergebnis dieser Substanz ist, wie gesagt, ein Leben von sehr kurzer Dauer zu führen, unerheblich, als das schwächste, hilfsbedürftigste und unglücklichste aller Tiere, und am Ende zu verfallen und zu verwesen. So ruiniert Unglaube das Wesen des Menschen und verwandelt einen Diamanten in Kohle.
Zweiter Punkt:
Der Glaube ist in gewisser Weise ein Licht. Er erleuchtet den Menschen, lässt alle die oben aufgeführten Ewigen Briefe lesbar werden. Genauso erleuchtet er auch das Universum. Vergangene und zukünftige Zeiten werden aus der Dunkelheit errettet. Dies Geheimnis erklären wir durch ein Gleichnis, das ich in einer geistigen Schau in Bezug auf ein Geheimnis der Ehrwürdigen Ayah
اَللَّهُ وَلِىُّ الَّذِينَ اٰمَنوُا يُخْرِجُهُمْ مِنَ الظُّلُمَاتِ اِلَى النُّورِ
{"Allah ist der Freund der Gläubigen und führt sie aus der Finsternis in das Licht." (Sure 2, 257)}
gesehen habe. Es war dies wie folgt:
In einer Schau, die ich erlebte, sah ich: Zwei hohe Berge standen sich gegenüber... zwischen ihnen war furchterregend eine Brücke gespannt. Unter der Brücke eine
tief eingeschnittene Klamm... ich befand mich auf dieser Brücke. Und die Welt lag in dichter Finsternis - Dunkel ringsumher. Ich schaute nach rechts. In unendlicher Finsternis erblickte ich ein großen Grabmal, d.h. es tauchte aus meiner Phantasie auf. Ich schaute nach links. Es war, als erblickte ich riesige Stürme inmitten fürchterlicher Wellen von Finsternis, Unruhen und heraufziehende Katastrophen. Ich schaute von der Brücke hinunter. Ich meinte, einen sehr tiefen Abgrund zu erblicken. Gegen diese schreckliche Finsternis hatte ich nur eine schwache Taschenlampe. Ich schaltete sie ein, schaute mich in ihrem Zwielicht um. Eine ganz fürchterliche Situation tauchte vor mir auf. Ja, sogar vor mir auf dem Brückenkopf und darum herum wurden schreckliche Drachen, Löwen und Wölfe sichtbar. "Hätte ich doch diese Taschenlampe nicht bei mir gehabt! Ich hätte diese Schrecken nicht gesehen!" sagte ich mir. Wann immer ich auch meine Lampe irgendwohin richtete, überliefen mich von dort diese Schrecken. "Oh Gott", sagte ich, "diese Lampe ist das Unglück über meinem Haupte!" Ich war auf sie böse. Ich schleuderte die Taschenlampe zu Boden, zerbrach sie. Als hätte ich mit ihrer Zerstörung den Schalter zur großen elektrischen Lampe der Beleuchtung der Welt bedient, wurde plötzlich die Finsternis vernichtet. Und alles wurde von dem Lichte dieses Scheinwerfers erfüllt. Die Wirklichkeit aller Dinge wurde mir gezeigt. Ich sah:
Die Brücke, welche ich erblickt hatte, war eine Straße durch eine Ebene in einer wohlgepflegten Gegend. Und ich bemerkte:
Das große Grabmal, das ich zu meiner Rechten gesehen hatte, war von Anfang an ein Versammlungsplatz für Anbetung, Gottesdienst, Gespräch und Gottesgedenken unter der Führung erleuchteter Menschen in einem schönen, grünen Garten gewesen. Und das, was ich zu meiner Linken für Bergesgipfel und Abgründe, erfüllt von Stürmen und Unruhen, gehalten hatte, erwies sich mir in meiner inneren Schau als ein gewaltiges Festmahl, ein schöner Park, ein erhabener Aufenthaltsort zur Erquickung
der Seelen hinter schönen, lieblichen, reizvollen Bergen. Und ich sah, dass jene Geschöpfe, die ich für fürchterliche Wölfe und Drachen gehalten hatte, friedliche Haustiere waren wie Kamele, Rinder, Schafe und Ziegen.
اَلَْحَمْدُ لِلَّهِ عَلَي نُورِ اْلاِيمَانِ
{"Aller Lobpreis und Dank sei Allah für das Licht des Glaubens."}
sagte ich, zitierte die Ayah:
للَّهُ وَلِىُّ الَّذِينَ اٰمَنُوا يُخْرِجُهُمْ مِنَ الظُّلُمَاتِ اِلَى النُّورِ
{"Allah ist der Freund der Gläubigen und führt sie aus der Finsternis in das Licht." (Sure 2, 257)}
Und so erwachte ich aus dem Gesicht, das ich erschaut hatte. So sind also diese beiden Berge Anfang und Ende des Lebens... d.h. die irdische Welt und die Schattenwelt. Was die Brücke betrifft, so ist sie der Weg des Lebens. Ihre rechte Seite aber Vergangenheit, ihre Linke die Zukunft. Die Taschenlampe ist das menschliche Ego, das in seiner Selbstgefälligkeit dem eigenen Wissen vertraut und nicht auf die Offenbarung des Himmels hört. Was mir wie Wölfe erschien, sind die staunenswerten Gebilde und Ereignisse in der Schöpfung. Der Mensch also, der auf sein Ego vertraut, in finstere Gottvergessenheit gestürzt und dem Dunkel seiner Irreleitung verfallen, gleicht meinem ersten Zustand in dieser Schau, sieht die Vergangenheit in seiner, einer Taschenlampe entsprechenden mangelhaften und irrigen Kenntnis in Form eines riesigen Grabmals und dem Dunkel des Nichtseins. Die Zukunft erscheint ihm als Einöde, von fürchterlichen Stürmen durchtobt, abhängig vom Zufall. Jedes einzelne Ereignis und Geschöpf, welches doch ein gehorsamer Diener Gottes, des Weisen und des Barmherzigen ist, erweist sich ihm als Wolf, der ihm schaden will. Er erfährt sich als Gegenstand der Ayah:
وَالَّذِينَ كَفَرُوٓا اَوْلِيَآئُهُمُ الطَّاغُوتُ يُخْرِجُونَهُمْ مِنَ النُّورِ اِلَى الظُّلُمَاتِ
{"Die Ungläubigen sind die Freunde derer, die sich widersetzen und ihn aus dem Licht in die Finsternis führen." (Sure 2, 257)}
Erreicht ihn die Führung Allahs, tritt der Glaube in sein Herz ein, wird das pharaonische Ego {Die Herrschaft des Pharao über das Volk Israel und sein Widerstand gegen die Befehle Gottes. (A.d.Ü.)} zerbrochen; hört er und gehorcht dem Buche Allahs, so gleicht er meinem zweiten Zustand in dieser Schau. So erhält die ganze Welt plötzlich die Farben des Tages, wird vom Lichte Gottes erfüllt. Die Welt vermag die Ayah
اَللَّهُ نُورُ السَّمٰوَاتِ وَاْلاَرْضِ
{"Allah ist das Licht der Himmel und der Erde." (Sure 24, 35)}
zu entziffern. Dann ist die Vergangenheit kein riesiges Grabmal mehr für ihn, vielmehr sieht er mit den Augen des Herzens, wie die Gemeinschaft der reinen Seelen, nachdem sie unter der Führung eines Propheten oder Gottesfreundes eines jeden Jahrhunderts ihre Geschöpfespflicht erfüllt und ihre Aufgaben im Leben beendet haben, mit den Worten "Allahu Ekber"(Allah ist unvergleichlich groß) sich zu den erhabenen Stufen aufschwingen und auf die Seite der Zukunft hinüberwechseln. Zur linken Seite hinüberblickend, bemerkt er von weitem im Lichte des Glaubens in den Weingärten des Paradieses das Gastmahl der Barmherzigkeit, das in den Schlössern der Glückseligkeit bereitet ist, hinter manchen bergesgleichen Umwälzungen der Schattenwelt und des Jenseits.
{Die Welt zwischen Tod und Auferstehung und die Welt nach dem Jüngsten Gericht. (A.d.Ü.)}
Und er erkennt, dass Ereignisse wie Stürme, Beben und Seuchen jede für sich ein gehorsamer Diener sind. Er sieht, dass Frühlingsstürme und Regengüsse äußerlich zwar rauh und hart sein mögen, in Wirklichkeit aber eine Quelle mildester Weisheit sind. Und sogar den
Tod sieht er als Beginn des ewigen Lebens, und das Grab als Tor zur Ewigen Seligkeit. Man mag sich die übrigen Aspekte selbst ausdeuten. Bringe die Wirklichkeit in Übereinstimmung mit dem Gleichnis!
Dritter Punkt:
Der Glaube ist sowohl Licht als auch Kraft. Ja, derjenige, der den wahren Glauben in Händen hält, vermag der ganzen Welt Widerstand zu leisten und sich je nach der Stärke seines Glaubens vom Druck aller Geschehnisse zu befreien. "Ich vertraue auf Allah.", sagt er und durchkreuzt mit dem Schiffe des Lebens in vollkommener Sicherheit die haushohen Wogen der Geschehnisse. Er vertraut all seine Last der mächtigen Hand der grenzenlosen Allmacht (Gottes), durchquert ruhig diese Welt, rastet im Zwischenreich. Danach vermag er sich in das Paradies aufzuschwingen, um in die Ewige Glückseligkeit einzugehen. Andererseits, wenn er die Last dieser Welt nicht Gott anvertraut, behindert sie nicht nur seinen Aufschwung, sondern zieht ihn zum Niedrigsten der Niedrigen herab. Das will besagen: Glaube (iman)führt zu Einheit (tauhid),Tauhid zu Hingabe (teslim),Teslim zu Vertrauen, Vertrauen zu Glückseligkeit in den beiden Welten (Diesseits und Jenseits). Das darf man jedoch nicht falsch verstehen! Vertrauen bedeutet nicht, die Ursachen vollständig außer Acht zu lassen. Es heißt vielmehr, die Ursachen hinter dem Schleier der Hand des Allmächtigen (Gottes) zu erkennen und anzuerkennen. Von den Ursachen auszugehen heißt, dies als eine Art tätigen Gebetes anzusehen, die Ergebnisse aber nur von Gott dem Gerechten zu erwarten, die Folgen als von Ihm kommend zu erkennen und Ihm dankbar zu sein. Als Beispiel für einen, der sich Gott anvertraut und einen, der dies nicht tut, steht folgendes Gleichnis:
Es waren einmal zwei Männer. Sie hatten sich Rücken und Kopf mit schweren Lasten beladen, eine Fahrkarte gelöst und ein großes Schiff bestiegen. Der eine stellt seine Last auf dem Schiff ab, sobald er es betreten hat und setzt sich darauf, um sie zu bewachen. Der andere, weil er sowohl dumm als auch stolz ist, stellt seine Last
nicht ab. Jemand sagt zu ihm: "Überlass deine schwere Last dem Schiff und mache es dir bequem!" Er antwortet: "Nein, das tue ich nicht. Vielleicht kommt sie zu Schaden. Ich bin stark. Ich werde meinen Besitz auf meinem Rücken und auf meinem Kopf bewahren." Noch einmal sagt jemand zu ihm: "Du bist auf diesem Schiff des Sultans in Sicherheit. Es ist stärker als du und trägt dich und uns. Es bewahrt noch besser, vielleicht wirst du, wenn dir schwindlig wird, mitsamt deiner Last ins Meer stürzen. Außerdem wird deine Stärke allmählich nachlassen. Dieser gebeugte Rücken, dieser Kopf ohne Verstand wird diese allmählich schwerer werdende Last nicht mehr tragen. Zudem wird der Kapitän, wenn er dich in diesem Zustand sieht, sagen, du seiest verrückt und dich vom Schiff weisen. Oder er wird sagen, du seist ein Verräter, der unser Schiff beleidigt und uns auslacht, und Befehl geben, dich einzusperren. Überdies hast du dich zum Narren gemacht. Du hast dich selbst zum Gespött gemacht mit deiner Eitelkeit, die dem Aufmerksamen deine Schwachheit offenbart, mit deinem Stolz, der deine Jämmerlichkeit zur Schau stellt, und mit deinem gekünstelten Verhalten, das deine Heuchelei und Nichtswürdigkeit entschleiert. Jeder lacht über dich." Nachdem ihm dies gesagt worden war, kam der arme Kerl zur Besinnung. Er stellte seine Last ab, setzte sich darauf und sagte: "Oh, möge Gott Wohlgefallen an dir haben! Ich bin vor Mühsal, Gefangenschaft und Gespött bewahrt worden."
Nun, oh Mensch, der du kein Vertrauen zu Gott hast! Komme auch du wie dieser Mann zur Besinnung! Vertraue auf Gott! Nur so wirst du vor der Bedrängnis in der Gefangenschaft des Diesseits bewahrt bleiben, davor, vor aller Welt ein Bettler zu sein, vor jedem Ereignis zu zittern, vor eitlem Ruhm und Spott, vor Qual im Jenseits.
Vierter Punkt:
Glaube macht den Menschen zum Menschen. Sogar den Menschen zum Sultan(König). Wenn das so ist, dann ist des Menschen ursprüngliche Aufgabe der Glaube und das Gebet. Unglaube macht den Menschen zu einem völlig kraftlosen wilden Tier.
Unter tausenden Beweisen in dieser Streitfrage gibt alleine der Unterschied, wie Menschen und Tiere zur Welt kommen, einen klaren Beweis und ein sicheres Zeugnis dafür. Ja, der Unterschied, wie Menschen und Tiere zur Welt kommen, zeigt, dass Menschlichkeit durch Glaube Menschlichkeit ist. Denn in dem Augenblick, in dem ein Tier zur Welt kommt, ist es seinen Anlagen entsprechend vollkommen, so, als habe man es aus einer anderen Welt bereits vervollkommnet gesendet. In zwei Stunden oder zwei Tagen oder zwei Monaten lernt es alle seine Lebensbedingungen, seine Beziehungen zur Umwelt und die Gesetze des Lebens kennen und seine Anlagen zu gebrauchen. Wenn der Mensch die Fähigkeit, sich seinen Lebensunterhalt zu verdienen und einen Beruf auszuüben, in zwanzig Jahren erwirbt, erlangt sie ein Tier wie der Spatz oder die Bienen in zwanzig Tagen; es wird ihm gleichsam eingegeben.
Das heißt, die Hauptaufgabe eines Tieres besteht nicht darin, sich durch Lernen zu vervollkommnen und durch den Erwerb von Kenntnissen zu entwickeln und in seiner offensichtlichen Schwäche um Hilfe zu bitten oder zu beten. Seine Aufgabe besteht vielmehr darin, seinen Anlagen entsprechend zu handeln, tätig zu sein, in aktivem Dienst und in der Anbetung. Was den Menschen betrifft, so muss er, wenn er zur Welt kommt, alles lernen, und unkundig der Gesetze des Lebens vermag er seine Lebensumstände noch nicht einmal in zwanzig Jahren zur Gänze zu lernen und zu begreifen. Vielmehr muss er bis zum Ende seines Lebens lernen und vermag ferner - in einer so bescheidenen und schwachen Gestalt zur Welt gesandt - erst im Alter von ein, zwei Jahren sich auf die eigenen Füße zu stellen. Erst mit fünfzehn Jahren unterscheidet er Schaden und Nutzen. Und erst mit Hilfe der Gesellschaft erlangt er Vorteile und vermeidet Nachteile.
Das heißt, die natürliche Aufgabe des Menschen besteht darin, sich durch Lernen zu vervollkommnen, durch Gebet zu dienen und anzubeten. Nämlich: "Durch wessen Barmherzigkeit werde ich mit solcher Weisheit geleitet?
Durch wessen Großmut werde ich mit solcher Güte erzogen? Wessen Wohlwollen ist es, durch das ich mit solch einem Feingefühl ernährt und versorgt werde?" Dies gilt es zu wissen, und der, welcher unter tausenden seiner Bedürfnisse nicht eines zu befriedigen vermag, sollte in der Sprache seiner Schwäche und Armut zu dem Herrn und Richter über seine Bedürfnisse zu flehen, zu Ihm bitten und beten, das heißt sich mit den Flügeln seiner Schwäche und Armut zu den höchsten Stufen des Dienens und der Anbetung emporschwingen.
Der Mensch ist in die Welt gekommen, um sich mit den Mitteln der Wissenschaft und des Gebetes zu vervollkommnen, entsprechend seinem Wesen und seinen Anlagen hängt alles von der Wissenschaft ab. Einer jeden wahren Wissenschaft Basis, Quelle, Licht und Geist ist die Erkenntnis Allahs und das Fundament dieser Basis ist der Glaube an Allah.
Da der Mensch in seiner grenzenlosen Schwäche grenzenlosen Plagen ausgesetzt und den Angriffen zahlloser Feinde ausgeliefert und bei seiner grenzenlosen Armut gleichzeitig in grenzenloser Not befangen ist und grenzenlose Wünsche zu befriedigen sucht, ist seine natürliche Hauptaufgabe nach dem Glauben das Gebet. Das Gebet ist aber die Grundlage von Dienst und Anbetung. Ein Kind, das einen Wunsch auf dem Herzen hat, den es nicht zu befriedigen vermag, sagt dies entweder oder weint, d.h. es äußert sich in der Sprache seiner Schwäche durch das Gebet seiner Handlungen oder in Worten. So verhilft es seinem Wunsch zum Erfolg. In gleicher Weise ist der Mensch unter allen Geschöpfen der Welt wie ein liebes, nettes und höfliches Kind. Entweder muss er vor dem Throne des Erbarmers, des Barmherzigen, in seiner Armseligkeit und Schwäche weinen, oder beten in seiner Armut und Not, damit ihm sein Wunsch erfüllt werde und er sich für die Erfüllung dankbar erweise. Anderenfalls ist er wie ein dummes und unartiges Kind, das sich vor einer Fliege fürchtet und sagt: "Ich unterwerfe diese nicht zu unterwerfenden seltsamen Dinge, die
tausendfach stärker sind, meiner Macht, mache sie mir nach meinen Vorstellungen und mit meiner Geschicklichkeit dienstbar." So verkehrt er in seiner Undankbarkeit die Grundnatur des Menschen ins Gegenteil und zieht sich selbst eine fürchterliche Strafe zu.
Fünfter Punkt:
Der Glaube erfordert das Gebet als unanfechtbares Fahrzeug, und die menschliche Natur verlangt es mit Macht. Auch erlässt Gott der Gerechte entsprechend der Frage die Verfügung: "Wenn ihr nicht betet, welchen Wert habt ihr dann noch?" und befiehlt:
قُلْ مَا يَعْبَؤُا بِكُمْ رَبِّى لَوْلاَ دُعَآؤُكُمْ
{"Sprich: Mein Herr würde sich nicht um dich kümmern, wäre es nicht um deines Gebetes willen." (Sure 25, 77)}
اُدْعُونِىٓ اَسْتَجِبْ لَكُم
{"Rufe mich an! Ich werde dir antworten." (Sure 40, 60)}
Wenn du sagst:
"Wir beten oft, aber unsere Gebete werden nicht angenommen. Die Ayah gilt jedoch allgemein und besagt, dass es für jedes Gebet eine Antwort gibt."
So lautet dieAntwort:Auf das Gebet zu antworten ist das eine, es anzunehmen das andere. Es gibt für jedes Gebet eine Antwort. Aber es anzunehmen und genau das Verlangte zu geben hängt von der Weisheit Gottes des Gerechten ab.
Zum Beispiel:
Ein krankes Kind ruft: "Herr Doktor, schauen Sie mal her!" Der Arzt: "Ja, bitte, was möchtest du?" Das Kind: "Geben Sie mir diese Medizin!" Der Arzt wird ihm entweder geben, was es verlangt hat, oder er wird ihm in diesem Falle etwas Besseres geben, oder er wird es ihm, wenn es zur Verschlimmerung der Krankheit führen würde, nicht geben. Darum beantwortet Gott der Gerechte, der vollkommene Allweise, der Allschauende, immer Gegenwärtige, das Gebet Seiner Diener und Anbeter. Er verwandelt die Schrecken der Einöde und Menschenleere durch Seine stete Bereitschaft
zu antworten in Vertrautheit. Aber Er gibt dem Menschen nicht, was dessen Lust und Laune gebietet, sondern so, wie es die Weisheit des Herrn erfordert: entweder, was er verlangt hat, oder etwas Besseres oder nichts.
Weiter ist das Gebet Dienst und Anbetung. Dienst und Anbetung aber trägt seine Frucht im Jenseits. Weltliche Gründe bestimmen die Zeit für eine Art des Gebetes und der Anbetung. Diese Gründe sind nicht dessen Ziel.
Zum Beispiel:
Das freie und das rituelle Gebet um den Regen ist eine Anbetung. Die Zeit der Dürre ist die Zeit dieser Anbetung. Andererseits sind Gebet und Anbetung nicht dazu da, den Regen herabzuziehen. Bestünde ihre Absicht allein darin, wäre das Gebet nicht rein und aufrichtig und verdiente es nicht, angenommen zu werden. So ist die Zeit des Sonnenunterganges die Zeit für das Abendgebet. So ist die Zeit der Sonnen- und Mondfinsternis bestimmt für zwei rituelle Gebete, "kusuf" und "husuf" genannt. Weil nämlich die Verfinsterungen des Tages- und Nachtgestirns auf eine Art die Größe Gottes sichtbar zu machen dienen, lädt Gott der Gerechte Seinen Diener zu dieser Zeit zu einer Art Anbetung ein. Andererseits dient das Gebet (namaz)nicht dazu, die Verfinsterung von Sonne und Mond aufzuheben, deren Beginn und Ende durch astronomische Berechnungen ermittelt werden kann. Das gleiche gilt auch während einer Dürreperiode für das Gebet um Regen.
Während eines Unglückszustandes oder drohender Gefahr ist die Zeit für einige besondere Gebete, weil der Mensch zu dieser Zeit seine Schwäche begreift und in Gebet und Fürbitte zum Throne des Grenzenlos-Allmächtigen Zuflucht nimmt. Wenn trotz aller Gebete ein Unglückszustand nicht enden will, darf man nicht sagen: "Das Gebet wurde nicht erhört." Vielmehr muss man sagen: "Die Zeit zu beten ist noch nicht vorüber." Wenn Gott der Gerechte in Seiner Gnade und Freigiebigkeit einen Unglückszustand beendet, Licht über Licht... dann ist die Zeit für das Gebet zum Ende gekommen, vorübergegangen. So ist das Gebet ein Geheimnis des Dienstes und der Anbetung.
Dienst und Anbetung dient aber allein dazu, "das Antlitz Allahs" zu schauen. Man muss vor Ihm allein seine Schwäche offen legen, zu Ihm allein seine Zuflucht nehmen. An Seiner Herrschaft soll der Mensch keinen Anteil zu nehmen versuchen. Ihm soll er die Vorsorge überlassen. Seiner Weisheit soll er vertrauen. An Seiner Barmherzigkeit darf er nicht zweifeln. Ja, es steht in der Tat durch die Klarlegung der "klaren Zeichen" fest: Von allen Wesen preist Ihn jedes in seiner Art, betet zu Ihm jedes auf seine Weise, hat jedes seine Form, sich vor Ihm niederzuwerfen; so ist alles, was von der ganzen Welt zum Throne Gottes aufsteigt, ein Gebet. Dies geschieht entweder als Ausdruck der Entwicklungsfähigkeit - wie die Gebete aller Pflanzen und Tiere, die - jede für sich - aus der grenzenlosen Fülle (Gottes) eine Gestalt erheischen, um als ein Ausdruck der Namen (Gottes) geoffenbart zu werden - oder in der Sprache der naturgegebenen Bedürfnisse [Die Gebete aller Lebewesen in ihren zwingenden Bedürfnissen, die zu befriedigen nicht in ihrer Macht steht, die - jedes für sich - in der Sprache ihrer naturgegebenen Bedürfnisse von der grenzenlosen Freigiebigkeit (Gottes) zur Erhaltung ihres Lebens etwas zu ihrer Versorgung erheischen] oder als Ausdruck einer Notlage. (Jedes beseelte Wesen betet in einer Notlage inständig und nimmt zu seinem unsichtbaren Schutzherrn Zuflucht... vielmehr wendet es sein Antlitz dem Herrn der Barmherzigkeit zu.) Diese drei Arten des Gebetes werden immer angenommen, wenn kein Hindernis dazwischen liegt.
Die vierte Art ist die bekannteste: unser Gebet. Es gibt zwei Arten. Die erste durch Tat und Verhalten, die zweite mit Herz und Mund.
Zum Beispiel:
Wenn man von den Ursachen ausgeht, ist es ein Gebet der Tat. Es genügt nicht, wenn bestimmte Umstände zusammentreffen, um das Ergebnis hervorzubringen; es handelt sich vielmehr darum, jene Haltung einzunehmen, mit der Gott der Gerechte
zufrieden ist, wenn man in der Sprache des Verhaltens ein Ergebnis wünscht. Zu pflügen bedeutet also, an die Pforte der Schatzkammer der Barmherzigkeit zu klopfen. Diese Art, durch die Tat zu beten, erreicht meistens ihre Annahme, weil sie sich an Name und Attribut des Grenzenlos-Freigiebigen (Gottes) richtet. Die zweite Art zu beten ist mit Herz und Mund; darum zu bitten, etwas zu erlangen, was die Hände nicht erreichen können. Davon ist der bedeutendste Gesichtspunkt, das schönste Ziel und die süßeste Frucht diese: "Ein Mensch, der betet, begreift, dass es jemanden gibt, der zu erlauschen vermag, was sein Herz bewegt, dessen Hand alles erreichen kann, der jeden seiner Wünsche zu erfüllen weiß... der Mitleid mit der Schwäche hat, ihm in seiner Armseligkeit zu Hilfe kommt."
Nun also, oh du schwacher Mensch! Du armseliges Geschöpf! Lass nicht deinen Händen entgleiten, was - wie das Gebet - der Schlüssel ist zur Schatzkammer der Barmherzigkeit und ein Angelpunkt grenzenloser Kraft. Ergreife ihn, steige auf zur höchsten Höhe der Menschlichkeit; wie ein König nimm die Gebete der ganzen Welt auf in dein eigenes Gebet. Sage wie ein universeller Diener, wie ein Generalvertreter:
اِيَّاكَ نَسْتَعِينُ
{"Dich allein bitten wir um Hilfe." (Sure 1, 4)}
Sei ein schönes Beispiel für die ganze Welt!
Zweites Kapitel
Hier werden fünf Anmerkungen behandelt über das Glück und Unglück des Menschen.
Als Allah den Menschen erschuf, verlieh Er ihm den höchsten Rang und Wert und gab ihm eine recht umfangreiche Veranlagung mit. Darum ist er in eine Stätte der Prüfung geworfen, wo er vom Geringsten aller Geringen zum Höchsten aller Hohen, von der Erde bis zum Himmel, von dem Atom bis zur Sonne der Reihe nach die Ränge und Stufen empor zu klimmen oder hinunterzustürzen vermag. Wie ein Wunder der Allmacht, als endgültiges Ergebnis der Schöpfung und ein Meisterwerk in diese Welt gesandt, öffnen sich vor ihm die beiden Wege, die zu grenzenloser Erniedrigung oder Erhöhung führen. Wir wollen nun das Geheimnis dieses erstaunlichen Fortschritts und Rückschritts des Menschen in "fünf Anmerkungen" erklären.
Erste Anmerkung:
Der Mensch ist auf die meisten Arten der Schöpfung angewiesen und steht in einer Beziehung zu ihnen. Seine Bedürfnisse erstrecken sich bis an aller Welt Enden, und seine Sehnsüchte reichen bis in die Ewigkeit. So wie er sich eine Blume wünscht, so wünscht er sich auch einen weltweiten Frühling. Und so wie er nach einem Garten verlangt, so verlangt er auch nach dem Paradies. So wie er sich danach sehnt, einem Freund zu begegnen, so sehnt er sich auch danach, der Schönheit und Größe (Gottes) zu begegnen. So wie der, welcher seine Geliebte in einer anderen Wohnung besuchen will, die Türe dieser Wohnung öffnen muss, so muss er, um seine Freunde zu besuchen, von denen neunundneunzig Prozent ins Zwischenreich übergesiedelt sind, um sich vor ewiger Trennung zu retten, seine Zuflucht nehmen zum Throne der unendlichen Allmacht (Gottes), welche die Pforte zur ungeheuren Welt schließt und das Tor zum Jenseits, das ein wundervoller Versammlungsort ist, öffnet, welche diese Welt aufheben und statt ihrer das Jenseits begründen und erbauen wird. Wer nun einem
Menschen in solcher Lage der in Wahrheit Angebetete sein kann - und das kann nur der Eine Allmächtige und Allgewaltige (Gott), der Eine, die Barmherzigkeit und Schönheit (Gottes), der Eine, die vollkommene Weisheit (Gottes) sein - der hält die Zügel aller Dinge in Seinen Händen, besitzt alle Schätze und den Blick für alle Dinge, ist an jedem Ort anwesend und von keinem Ort abhängig, von Fehlern und Schwächen frei und heilig, erhaben über allen Mangel. Denn nur der vermag die grenzenlosen Bedürfnisse des Menschen zu befriedigen, der grenzenlose Macht und umfassendes Wissen besitzt. So ist also nur Er allein der Anbetung würdig.
Nun denn, oh Mensch! Wenn du nur Ihn allein anbetest und Ihm allein dienst, wirst du einen Rang über allen Geschöpfen erwerben. Wenn du von dem Dienst und der Verehrung Abstand nimmst, wirst du ein verachtenswerter Sklave von schwachen Geschöpfen sein. Wenn du auf dich selbst und deine Fähigkeiten stolz bist, es aufgibst, auf Gott zu vertrauen und zu beten, dich in Stolz und Anmaßung verirrst, sinkst du auf eine Stufe unterhalb der Bienen und Ameisen in ihrer Nützlichkeit und Genialität, bist du schwächer als Spinnen und Fliegen. Hinsichtlich deiner bösen und unheilvollen Taten wirst du schwerer wiegen als ein Berg und schlimmer sein als eine Seuche.
Ja, oh Mensch! In dir sind zwei Grundzüge: der eine Grundzug ist Genialität, wahres Sein, Wohltätigkeit, Lebensbejahung, Handlungsfähigkeit. Der andere Grundzug ist Unheil, Verneinung, Übel, Lebensverneinung, Passivität. Hinsichtlich des ersten Grundzuges stehst du noch unter Biene und Sperling, bist du schwächer als Spinne und Fliege. Hinsichtlich des zweiten Grundzuges übertriffst du den Berg, die Erde, die Himmel. Du trägst eine Last, vor der sie den Mut verlieren, ihre Schwäche zeigen. Du wirkst in einem weiteren und größeren Bereich als sie. Denn wenn du tust, was gut und genial ist, kannst du nur innerhalb deiner Schwingungsweite und soweit deine Hand reicht, deine Kraft es vermag, genial und gut sein. Wenn du aber Übel und Unheil anrichtest, werden das Übel und das Unheil sich wie eine Seuche ausbreiten.
Zum Beispiel:
Unglaube ist ein Übel, ein Unheil, eine Verneinung. Aber diese eine einzige Schuld beinhaltet eine Beleidigung der ganzen Schöpfung, eine Geringschätzung aller Gottesnamen, eine Entwürdigung der ganzen Menschheit. Denn alles Geschaffene hat einen hohen Rang und eine wichtige Aufgabe. Denn es ist ein Brief des Herrn, ein Spiegel des Hochgelobten, beauftragt von Gott. Was aber den Unglauben betrifft, so bewirkt er, dass all dies seinen Rang der Spiegelgleichheit, des Auftrags und der Bedeutsamkeit verliert und dann die Stufenleiter der Sinnlosigkeit, zu einem Spielzeug des Zufalls und mit dem Unheil des Untergangs und der Trennung auf die Stufe der vergänglichen Dinge herabsinkt, die rasch zugrunde gehen und zerfallen, der Bedeutungslosigkeit, der Wertlosigkeit, der Nichtigkeit. Desgleichen schätzt er die Gottesnamen gering, deren Ornamente, Anmut und Schönheit in der gesamten Schöpfung und im Spiegelbild des Geschaffenen erscheinen, indem er sie leugnet. Und er wirft den Menschen, der den Rang eines Kalifen der Erde bekleidet - eine Kasside (Lobgesang) der Weisheit in Versen, welche die Erscheinung aller Gottesnamen wundervoll aufzeigt, ein Wunder der ozeangleichen Macht (Gottes), einem Samenkorn gleich, das die Anlage zu einem immerwährenden Baum in sich trägt - und der, weil er so große Verantwortung für das ihm anvertraute Gut übernimmt, über Himmel, Erde und Berge erhöht wird und dadurch einen Vorzug vor den Engeln erwirbt, auf eine Stufe herab, noch niedriger, schwächer, kraftloser und armseliger als ein niederes, vergängliches und verlorenes Tier. Und er lässt ihn auf die Stufe einer gewöhnlichen Tafel herabsinken, bedeckt mit Bedeutungslosem, Hingekritzeltem, Leicht-Vergänglichem.
Zusammenfassung:
Die eigenwillige Seele kann in ihrer übelwollenden, unheilvollen Art zahllose Verbrechen begehen, aber ihre Fähigkeit, genial und gut zu sein, ist sehr schwach und unbedeutend. Ja, sie vermag ein Haus an
einem Tag zu zerstören, aber nicht in hundert Tagen zu bauen. Wenn sie jedoch ihren Egoismus aufgibt, von Gott die Führung zum Guten und zum wahren Sein erbittet, sich von Übel, Unheil und Selbstüberhebung abwendet, um Vergebung bittet, ein vollkommener Diener und Verehrer (Gottes) wird, dann erlangt sie das Geheimnis: يُبَدِّلُ اللَّهُ سَيِّاٰتِهِمْ حَسَنَاتٍ {"Allah wird seine Schuld in Gutes verwandeln." (Sure 25, 70)} Ihre grenzenlose Fähigkeit zum Schlechten wandelt sich in eine grenzenlose Fähigkeit zum Guten. Sie nimmt den Wert eines "Ahsen-i Taqvim" (Schönsten in der Schöpfung) an und steigt zur höchsten Höhe auf. Nun denn, oh du unbedachter Mensch! Betrachte die Fülle und die Freigiebigkeit Gottes des Gerechten! Obwohl es billig und gerecht wäre, für eine einzige Schuld tausend zu schreiben und für eine gute Tat eine oder gar nichts zu schreiben, schreibt Er für eine Schuld nur eine, für eine gute Tat dagegen zehn, manchmal siebzig, manchmal siebenhundert, manchmal siebentausend. Ziehe also aus dieser Anmerkung den Schluss, dass in die furchtbare Hölle zu kommen billig und gerecht, der Lohn deiner Taten ist, ins Paradies einzugehen aber lautere Freigiebigkeit.