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Kommentare zum Qur'an

Von Bediüzzaman Said Nursi

Said Nursi (1877-1960)

...erhielt vom Scheichu-l'Islam den Ehrentitel Bediüzzaman (sprich: Bedius-Saman), welcher besagt, dass er zu seiner Zeit seinesgleichen nicht hatte.

...Zeigte schon als Knabe erstaunliches, wissenschaftliches Interesse und lernte viele Bücher auswendig. Versuchte dem Niedergang der Türkei durch Besinnung auf die Werte des Islam entgegen zu wirken.

...Schrieb 130 Abhandlungen über den Qur'an, welche in viele Sprachen übersetzt wurde.

...Lehrte entsprechend dem islamischen Glauben, dass die Schöpfung selbst stets aufs Beste über ihren Schöpfer unterrichtet und somit sogar moderne Wissenschaften Kunde geben von Gott.

Titel der Originalausgabe:Sözler

Übersetzt von:Davut Korkmaz

Piccoloministraße 607

51067 Köln

http://www.lichtstr.de

Mitarbeiter: R. Wagner, U. Grünberg

(c) Alle Rechte vorbehalten Urheberrechtlich geschützt

Zum Geleit...

Dieses Buch wurde für die vielen Muslime deutscher Sprache übersetzt, die oft ihre ursprüngliche Muttersprache nur noch ungenügend beherrschen. Die Schreibweise der religiösen Begriffe sowie der arabischen Personen- und Ortsnamen folgt den unten angeführten Regeln, der Schreibweise und Aussprache. Für den Koran ist die Schreibweise Qur'an gewählt, die der Aussprache entspricht.

Korrektes Lesen arabischer Worte bzw. Texte ist eben nur durch Erlernen der arabischen Schrift möglich. Dies wird jedem Muslim dringend empfohlen - schon damit er seinen Qur'an lesen kann.

Regeln für die Schreibweise und Aussprache, die in diesem Buch verwendet werden:

Shentspricht der engl. Aussprache in she

Thentspricht der engl. Aussprache in thing

Dhentspricht der engl. Aussprache des th in the

Ghund r werden beide verschieden, aber als r ausgesprochen

Djentspricht der engl. Aussprache des j

Qund k werden verschieden, aber beide als k ausgesprochen.

Y:j wie in deutsch "ja"

S:wird scharf ausgesprochen wie ß

H:wird grundsätzlich ausgesprochen.

V:wird w ausgesprochen.

Z:wie deutsches S am Silbenanfang. Doppelkonsonanten werden separat ausgesprochen.

Die Verse im Qur'an (Einzahl: Ayah, Mehrzahl: Ayat) wurden nur in arabischer Schrift mit nachfolgender deutscher Übersetzung angeführt.

بِسْمِ اللَّهِ الرَّحْمَنِ الرَّحِيمِ ٭ وَ بِهِ نَسْتَعِينُ ٭

{"Im Namen Allahs, des Erbarmers, des Barmherzigen." "Im Namen Allahs, des Erbarmers, des Barmherzigen." "Und mit Seiner Hilfe."}

اَلْحَمْدُ لِلَّهِ رَبِّ الْعَالَمِينَ وَ الصَّلاَةُ وَ السَّلاَمُ عَلَى سَيِّدِنَا مُحَمَّدٍ وَ عَلَى اَلِهِ وَ صَحْبِهِ اَجْمَعِينَ

{"Lob, Preis und Dank sei Allah, dem Herrn (Rabb) der Welten, und Segen und Frieden über unseren Herrn (Seyyidina) Mohammed und über seiner Familie und über allen seinen Gefährten."}

Oh Bruder! Du möchtest von mir einige Ratschläge. Weil du aber ein Soldat bist, so höre denn acht kleine Geschichten aus dem militärischen Bereich, die ich meiner Seele (nefs)erzählen werde und entnimm ihnen einige Wahrheiten! Denn meine Seele ist es, die dieser guten Ratschläge vor allen anderen bedarf. Ich hatte schon einmal aus acht Ayat meinen Nutzen gezogen und auch etwas längere Worte zugesprochen. Nun möchte ich sie noch einmal in kurzen, allgemeinverständlichen Worten wiederholen. Wer es wünscht, möge mir dabei zuhören.

Erstes Wort

"Bismillah",{"Im Namen Allahs (Bismillah), des Erbarmers, des Barmherzigen" (A.d.Ü.)} das ist der Anbeginn alles Guten. Im Anbeginn steht auch für uns dieses Wort und so beginnen wir mit ihm. Wisse, oh du meine Seele! So wie dieses gesegnete Wort ein Zeichen des Islam ist, so ist es unausgesprochen

auch ein immerwährendes Gebet der gesamten Schöpfung.

"Bismillah!"Willst du verstehen, was für eine unerschöpfliche Kraft und welch ein nicht enden wollender Segen in diesem Wort enthalten ist, so komm und höre dieses Gleichnis. Es ist dies das folgende:

Wenn ein Beduine eine Reise durch die Sahara unternehmen will, so tut er gut daran, sich unter den Schutz eines Stammesfürsten zu begeben, und die Fahrt in dessen Namen zu beginnen, damit er vor den Nachstellungen der Räuber bewahrt seine Angelegenheiten regeln kann. Unternimmt er die Reise dagegen auf eigene Faust, so werden all seine Angelegenheiten angesichts unzähliger Feinde völlig durcheinander geraten.

Nun zogen einmal zwei Männer zu einer Reise in die Sahara hinaus. Der eine von ihnen war ein bescheidener Mann, der andere aber stolz... Der Bescheidene erbat den Schutz eines Fürsten und reiste unter dessen Namen, der Stolze aber nicht... Der Erste bewegte sich überall in Sicherheit. Begegnete ihm ein Wegelagerer, so sagte er nur: "Ich reise unter dem Namen des Fürsten von So-und-So." So lässt ihn der Räuber weiterziehen und geht. Trat er in ein Zelt ein, ward er unter diesem Namen in Ehren aufgenommen. Der andere aber in seinem Stolz geriet auf der ganzen Reise in solche Schwierigkeiten, wie man sie kaum beschreiben kann. Er lebte in beständiger Angst und Not, und musste um alles und jedes betteln. Dazu erfuhr er noch eine schlechte, ja unwürdige Behandlung.

Wohlan denn, du meine hochmütige Seele! Dieser Reisende bist du. Was aber diese Welt betrifft, so gleicht sie einer Wüste. Deine Schwäche und Armseligkeit sind grenzenlos. Deine Feinde sind zahllos und deine Bedürfnisse unendlich. Weil das aber so ist, unterstelle dich dem Namen dieses Königs von Ewigkeit zu Ewigkeit, welcher Besitzer und Herrscher dieser Wüste ist, damit du davor bewahrt bleibst, in aller Welt betteln zu müssen und vor jedem Ereignis zu zittern...

In der Tat ist dieses Wort "Bismillah"ein so gesegneter Schatz, dass es für dich eine Beziehung zur unendlichen Macht und Barmherzigkeit herstellt und deine grenzenlose Schwäche und Armseligkeit am Hofe des Allmächtigen und Allbarmherzigen zu einem hochachtbaren Fürsprecher werden lässt. Wer nach diesem Wort handelt, gleicht einem Mann, der sich als Soldat rekrutieren lässt. Er handelt im Namen des Staates. Er braucht niemanden zu fürchten. "Im Namen des Gesetzes, im Namen der Regierung", spricht er. Er erledigt jede Arbeit und überwindet jede Schwierigkeit.

Wir haben am Anfang gesagt: Die ganze Schöpfung spricht ohne Worte ein "Bismillah".Wie geschieht das?

Stellen wir uns also einmal vor: Da kommt ein Mann ganz allein daher. Er führt die ganze Bevölkerung einer Stadt gewaltsam an einen Ort, wo er sie zur Arbeit zwingt. Da weißt du mit Sicherheit: dieser Mann handelt nicht in eigenem Namen und nicht aufgrund seiner eigenen Macht. Er ist vielmehr ein Soldat. Er handelt im Namen der Regierung. Er stützt sich auf die Macht und das Ansehen eines Königs.

Genauso handeln alle Dinge im Namen Gottes des Gerechten, sodass Samenkerne und Körner, winzig klein wie Staubkörner, riesige Bäume auf ihrem Haupt tragen, Lasten gleich Berge emporheben. Das heißt also: Jeder Baum spricht "Bismillah",er füllt seine Hände aus der Schatzkammer des Allbarmherzigen mit Früchten, streckt sie uns entgegen, bietet sie uns an. Jeder Garten spricht "Bismillah",er wird zu einem Kessel in der Küche der Macht, worin die verschiedensten Arten köstlicher Speisen gleichzeitig zubereitet werden. All die Tiere (die Gott zum Segen der Menschheit geschaffen hat) wie Kuh und Kamel, Ziege und Schaf, sprechen "Bismillah".Aus der Fülle des Erbarmens entsteht ein Brunnen von Milch. Sie bieten uns im Namen des Versorgers die feinste und reinste Nahrung gleich dem Wasser des Lebens an. All die Pflanzen, Bäume und Kräuter sprechen mit ihren seidenweichen Wurzeln und Adern "Bismillah".Sie durchdringen

harte Steine und feste Erde. Sie sprechen "Im Namen Allahs, im Namen des Barmherzigen" und es unterwerfen sich ihnen alle Dinge.

In der Tat breiten sich ihre Äste in der Luft aus und tragen Früchte und ihre Wurzeln breiten sich mit der gleichen Leichtigkeit in der Erde aus, durchdringen den harten Stein und bringen unter der Erde ihren Ertrag hervor. Zudem bleiben ihre empfindlichen grünen Blätter auch noch in sengender Hitze monatelang frisch. Das alles ist den Materialisten wie ein Schlag ins Gesicht und bringt sie zum Verstummen, steckt ihnen den Finger zur Strafe in ihre verblendeten Augen und spricht zu ihnen: Auch die Härte und die Hitze, der du eine so große Macht zuschreibst, handeln unter (göttlichem) Auftrag, sodass diese seidenweichen Adern gleich dem Stab Mosis dem Befehl:

فَقُلْنَا اضْرِبْ بْبِعَصَاكَ الْحَجَرَ

{"Und wir haben gesagt: Schlage den Felsen mit deinem Stab!" (Sure 2, 60)}

gehorchen und die Felsen spalten. Und diese zarten Blätter, dünn wie Zigarettenpapier, gleichen jedes den Gliedern Abrahams, mit dem Friede sei, als der Befehl Gottes gegen die glühende, sengende Hitze erging

يَا نَارُ كُونِى بَرْدًا وَ سَلاَمًا

{"Oh Feuer, sei kühl und friedlich!" (Sure 21, 69)}

Da nun einmal jedes Ding dem Sinne nach "Bismillah"sagt und uns im Namen Allahs die Gnadengaben Gottes entgegenbringt und anbietet, müssen auch wir "Bismillah"sagen. Im Namen Allahs müssen wir geben. Im Namen Allahs müssen wir entgegennehmen. Wenn dies aber so ist, dürfen wir von gottvergessenen Menschen, die nicht im Namen Allahs geben, auch nichts annehmen.

Frage:

Wir bezahlen den Menschen, die uns ihre Waren anbieten, einen Preis. Doch welchen Preis verlangt

Allah von uns, der doch der wahre Eigentümer der Ware ist?

Antwort:

Es sind dies in der Tat drei Dinge, die der wahre Geber aller guten Gaben im Austausch für alle die kostbaren Gnadengaben und Güter als Preis von uns fordert.

Erstens: Dhikr(Gottesgedenken),

Zweitens: Shukr(Danksagung),

Drittens: Fikr(Nachsinnen).

Am Anfang steht das Gottesgedenken (dhikr)im "Bismillah".Am Ende steht die Danksagung (shukr)im "Elhamdulillah".Zwischen den beiden stehen Nachdenken und Begreifen, dass diese kostbaren Gnadengaben, die wunderbare Kunstwerke sind, Geschenke des Erbarmens, und Wunderwerke der Macht des Einen (Ahad)und Einzigartigen (Samed)

{Er, der nichts und niemanden braucht und dessen alle und jedes bedarf. (A.d.Ü.)}

sind, bedeutet Nachsinnen (fikr).

Jedoch einem Habenichts die Füße zu küssen, wenn er dir ein kostbares Geschenk eines Königs überbringt und dabei den Eigentümer des Geschenkes nicht zur Kenntnis zu nehmen, was für eine Dummheit wäre das! Genauso wäre es, die äußerlich sichtbaren Spender zu loben und zu lieben, den wahren Geber aber zu vergessen, noch tausendmal törichter als dies.

Oh du meine Seele! Wenn du nicht so töricht sein willst, dann gib im Namen Allahs, nimm im Namen Allahs. Im Namen Allahs fange an. Im Namen Allahs führe zu Ende. Und somit ist Frieden (Selam).

{Gruß und Wunsch beim Abschied. (A.d.Ü.)}

Vierzehnter Blitz

Zweites Kapitel

Von Tausenden tiefen Geheimnissen von "Bismillahi r-Rahmani r-Rahim"(Im Namen Gottes, des Erbarmers, des Barmherzigen) werden hier sechs Geheimnisse behandelt.

Hinweis:

In dem Punkt der Erbarmung erschien meinem unzulänglichen Verstand ein glänzendes Licht von "Besmele"{Besmele ist die Kurzform von "Bismillahi r-Rahmani r-Rahim". (A.d.Ü.)}von weitem her.

Ich wollte es für mich in Stichworten niederschreiben. Ich wünschte mit zwanzig-dreißig zu erreichenden Geheimnissen dieses Licht einzukreisen, es zu fangen und aufzunehmen. Aber bedauerlicherweise konnte ich diesmal diesen meinen Wunsch nicht ganz erfolgreich durchführen. Es sind von zwanzig, dreißig nur fünf, sechs geblieben.

Mit der Anrede "Oh du Mensch" meine ich meine eigene Seele. Diesen Unterricht, der gezielt für meine Seele ist, verweise ich auf die Zustimmung meiner feinsinnigen Mitbrüder im Zweiten Kapitel des "Vierzehnten Funken" mit der Absicht, dass er vielleicht für diejenigen, die geistig mit mir verbunden sind und ihre Seelen mehr erwacht sind als meine, ein Anlass zu ihrem Nutzen wird. Dieser Unterricht bezieht sich mehr auf das Herz als auf den Verstand, und blickt mehr auf den Sinn als auf den Beweis.

بِسْمِ اللّهِ الرَّحْمَنِ الرّحِيمِ

{"Im Namen Allahs, des Erbarmers, des Barmherzigen."}

In diesem Kapitel werden einige Geheimnisse aufgeführt.

Erstes Geheimnis:

Ich sah eine Erscheinung von "Bismillahi r-Rahmani r-Rahim"folgendermaßen: Am Gesicht des Kosmos, am Gesicht der Erde und am Gesicht des Menschen befinden sich drei Siegel des Herrn ineinander und zeigen voneinander ihre Nachbildungen.

Das Erste

ist das große Siegel der Gottheit, das aus der gegenseitigen Hilfeleistung, dem solidarischen Zusammengehen, dem Aufeinanderzugehen und der gegenseitigen Erwiderung für ihre Bedürfnisse im ganzen Kosmos sichtbar wird, worauf "Bismillah"blickt.

Das Zweite

ist das große Siegel der Erbarmung, das aus der Ähnlichkeit, dem richtigen Verhältnis, der Wohlordnung, der Folgerichtigkeit, der Gnade und der Barmherzigkeit in der Umsicht, der Versorgung, der Lenkung und Leitung der Pflanzen und der Tiere, an dem Gesicht der Erdkugel sichtbar ist, worauf "Bismillahi r-Rahmani r-Rahim"schaut.

Das Dritte

ist das hohe Siegel der Barmherzigkeit, das aus den Feinheiten der Güte, den Einzelheiten der selbstlosen Liebe und den Funken des Erbarmens Gottes an dem Gesicht des umfassenden Wesens des Menschen sichtbar wird, worauf "Al-Rahim" in dem "Bismillahi r-Rahmani r-Rahim"blickt. Das heißt also "Bismillahi r-Rahmani r-Rahim"ist eine heilige Bezeichnung für die drei Siegel der Einheit (Ahadiyet),die auf dem Blatt der Welt eine lichtvolle Zeile bildet. Und es ist ein starker Strang und eine glänzende Linie dessen. Das heißt: "Bismillahi r-Rahmani r-Rahim"von oben herabkommend berührt mit seinen Enden den Menschen, der die Frucht des Kosmos und eine kleine Nachbildung der Welt ist. Es verbindet die Erde mit dem Thron Gottes. Es wird zu einem Weg, den menschlichen Thron zu besteigen.

Zweites Geheimnis:

Der Qur'an, dessen Verkündigung ein Wunder ist, führt immer die Erscheinungen der Einheit Gottes im Einzelnen (Ahadiyet)vor Augen, wenn es um die Erkenntnis der Einheit Gottes in der Vielfalt und in dem großen Umfang (Vahidiyet)geht, damit der Verstand inmitten der Erscheinungen der Einheit in der unendlichen Vielfalt und Umfang (Vahidiyet)der Schöpfung nicht ertrinkt. Das heißt, z.B. die Sonne umfasst grenzenlose Dinge mit ihrem Licht. Um das Wesen der Sonne, das in ihrem ganzen Licht ist, erfassen zu können, ist eine überaus weitreichende Vorstellungskraft und ein umfassender Blick notwendig. Um die Sonne selbst nicht vergessen zu lassen, wird deshalb die Sonne selbst durch ihre Widerspieglung in jedem glänzenden Ding gezeigt. Und jedes glänzende Ding zeigt seinen Fähigkeiten entsprechend neben der Sonne mit ihrem Spiegelbild, ihre Eigenschaften wie ihr Licht und ihre Hitze. Und so wie jedes glänzende Ding, seinen Fähigkeiten entsprechend, die Sonne mit all ihren Eigenschaften zeigt, umfasst jede der Eigenschaften der Sonne wie Licht, Hitze und die sieben Farben in ihrem Licht auch alle Dinge, die ihr gegenüberliegen. Genauso auch:

وَ لِلَّهِ الْمَثَلُ اْلاَعْلٰى

{"Bei Gott sind die erhabensten Gleichnisse." (Sure 16, 60)}

Es möge kein Missverständnis durch dieses Gleichnis geben. So wie die Einheit (Ahadiyet)und die Einzigartigkeit (Samediyet)Gottes in allen Dingen, besonders in Lebewesen, besonders in dem Wesen des Menschen als Spiegel mit allen Seinen Namen, eine Erscheinung hat, umfassen auch aufgrund der Einheit und Allgegenwart jeder Seiner Namen, die mit den Existenzen verbunden sind, alle Existenzen. Der Qur'an führt immer das Siegel der Einheit Gottes in den einzelnen Existenzen innerhalb Seiner Allgegenwart vor Augen, sodass der Verstand inmitten der Einheit Gottes in Seiner Allgegenwart nicht erstickt und den allheiligen Herrn nicht vergisst. Was die

drei wichtigen Knoten dieser Prägung zeigen, ist "Bismillahi r-Rahmani r-Rahim".

Drittes Geheimnis:

Das, was diesen unendlichen Kosmos belebt, ist, wie wir augenscheinlich bezeugen können, Barmherzigkeit. Und das, was diese finsteren Existenzen erleuchtet, ist eindeutig wieder die Barmherzigkeit. Und das, was diese Geschöpfe, die sich in grenzenlosen Bedürfnissen herumwälzen, versorgt, ist wieder eindeutig die Barmherzigkeit. Was das ganze Universum, einem Baum gleich, der sich mit seiner Gesamtheit zu seiner Frucht hinwendet, zu dem Menschen hinwendet, ihn überall versorgen lässt und ihm alle Dinge zu Hilfe schickt, ist eindeutig die Barmherzigkeit. Und das, was diesen grenzenlosen Weltraum und den leeren und wüsten Kosmos füllt, erleuchtet und aufleben lässt, ist, wie wir augenscheinlich bezeugen können, die Barmherzigkeit. Und das, was diesen vergänglichen Menschen zum Anwärter für die Ewigkeit macht und dem Herrn aller Ewigkeit zu seinem Ansprechpartner und Freund macht, ist eindeutig die Barmherzigkeit.

Oh Mensch! Da die Barmherzigkeit nun einmal eine dermaßen starke, reizvolle, liebenswerte, hilfreiche, geliebte Wahrheit ist, sage "Bismillahi r-Rahmani r-Rahim",hafte dich an diese Wahrheit und errette dich vor absoluter Einsamkeit und vor den Plagen zahlloser Bedürfnisse! Und rücke an den Thron des Königs aller Ewigkeit heran und werde durch die Gnade und das Licht dieser Barmherzigkeit diesem König zu Seinem Ansprechpartner und Freund!

Dass die Arten des Kosmos sich um den Menschen in Weisheit versammeln und zu allen seinen Bedürfnissen in vollkommener Wohlordnung und Güte eilen, dafür kann es nur zwei Erklärungen geben. Entweder kennt jede Art im Kosmos von sich selber aus den Menschen, gehorcht ihm und eilt ihm zu Hilfe. Dies aber ist hundertfach vom vernünftigen Denken entfernt und hat viele Unmöglichkeiten zu Folge. Bei einem so hilflosen Wesen wie dem Menschen müsste sich dann die Macht eines mächtigen,

absoluten Königs finden lassen. Oder es erfolgt diese Unterstützung durch das Wissen des absoluten Mächtigen, hinter diesem Schleier des Kosmos. Also ist es nicht so, dass die Arten des Kosmos den Menschen kennen, sondern es sind klare Zeichen für das Kennen und Wissen eines Herrn, der von dem Menschen weiß, ihn kennt und sich seiner erbarmt.

Oh Mensch! Komm zur Besinnung! Ist es überhaupt möglich, dass der majestätische Herr, der alle Arten der Schöpfung zu dir hinwendend ihre helfenden Hände strecken und gegenüber deinen Bedürfnissen "Bitte schön!" sagen lässt, von dir nichts wissen, dich nicht kennen und nicht sehen sollte!? Da Er dich nun einmal kennt und durch Seine Barmherzigkeit bekannt gibt, dass Er dich kennt, sollst auch du Ihn kennen und in deiner Hochachtung bekannt geben, dass du Ihn kennst. Und wisse mit Sicherheit, einem absolut Schwachen, absolut Ohnmächtigen, absolut Armseligen, einem vergänglichen, kleinen Geschöpf wie dir, den riesigen Kosmos in den Dienst zu stellen und ihm zu Hilfe zu schicken, ist mit Sicherheit die Wahrheit der Barmherzigkeit, die Weisheit, Güte, Wissen und Macht beinhaltet. Gewiss verlangt eine solche Barmherzigkeit von dir nach einem umfassenden und aufrichtigen Dank und einem ernsthaften und unvermischten Respekt. Also, sage "Bismillahi r-Rahmani r-Rahim",welches das Sprachrohr und die Bezeichnung dieses aufrichtigen Dankes und dieses unvermischten Respekts ist! Mache es dir zu einem "Fahrzeug" um diese Barmherzigkeit zu erlangen und zu deinem Fürsprecher an der Schwelle der Barmherzigkeit!

In der Tat sind die Existenz und die Verwirklichung der Barmherzigkeit offensichtlich wie die Sonne. Denn so wie ein zentrales Ornament ja durch die Ordnung der Stellungen, der aus allen Richtungen kommenden Einschläge und der Fäden entsteht; genauso weben lichtvolle Einstiche, die sich von der Erscheinung der tausendundeinen Namen Gottes an dem großen Kreis dieses Kosmos erstrecken, an dem Gesicht des Kosmos an einer

solchen Prägung der Barmherzigkeit, ein Siegel des Erbarmens und ein Ornament des Mitleids und sticken einen solchen Stempel der Güte, dass sie sich dem Verstand noch glänzender als die Sonne zeigen. Der Barmherzige in Seiner Schönheit, der die Sonne, den Mond, die Elemente, die Erze, die Pflanzen und die Tiere mit den Strahlen Seiner tausendundeinen Namen, Fäden gleich, beim Einsticken eines gewaltig großen Ornamentes, wohlgeordnet, macht sie dem Leben dienstbar und äußert durch die überaus liebliche und opferbereite Liebe aller Mütter Seine Liebe. Er stellt die Lebewesen, Pflanzen und Tiere, dem menschlichen Leben in den Dienst. Er macht daraus einen überaus schönen und anmutigen, gewaltigen Schmuck Seiner Herrschaft, zeigt die Bedeutung des Menschen und Seine Gnade in glänzendster Form.

In der Tat macht dieser Barmherzige in Seiner Schönheit, seiner eigenen absoluten Erhabenheit gegenüber, Seine Barmherzigkeit zu einem angenommenen Fürsprecher für das Lebewesen und den Menschen, welche unbegrenzt bedürftig sind. Oh du Mensch, wenn du ein Mensch bist, sage "Bismillahi r-Rahmani r-Rahim"und finde diesen Fürsprecher! In der Tat, was auf der Erde vierhunderttausend verschiedene Arten Pflanzen und Tiere, ohne überhaupt eine zu vergessen, zu verwechseln, in der rechten Zeit in vollkommenster Ordnung, mit Weisheit und Güte versorgt, lenkt und leitet und auf das Gesicht der Erdkugel das Siegel Seiner Einheit im Einzelnen (Ahadiyet)prägt, ist eindeutig, wie wir sogar selber augenscheinlich bezeugen können, die Barmherzigkeit. Wie das Vorhandensein der Barmherzigkeit so sicher ist wie die Körper der Existenzen auf dem Gesicht dieser Erdkugel, so gibt es auch viele Beweise für ihre Wahrheit, wie die Anzahl der Existenzen selber. Ja, so wie sich an dem Antlitz der Erde ein solches Siegel der Barmherzigkeit und Prägung der Einheit Gottes im Einzelnen (Ahadiyet)findet, trägt auch der Mensch an dem Gesicht seines geistigen Wesens ein

solches Siegel der Barmherzigkeit, das nicht geringer als das Siegel der Barmherzigkeit an dem Gesicht der Erdkugel und als das große Siegel der Erbarmung an dem Gesicht des Kosmos ist. Es ist umfassend etwa in der Bedeutung eines Brennpunktes der Erscheinungen der tausendundeinen Namen Gottes.

Oh Mensch, ist es überhaupt möglich, dass der Herr, der dir ein solches Gesicht gegeben, und an diesem Gesicht so ein Siegel der Barmherzigkeit und so einen Stempel der Einheit im Einzelnen geprägt hat, dich dir selbst überlässt, dir keine Bedeutung beimisst!? Sollte Er nicht auf deine Handlungen aufmerksam sein!? Sollte Er die ganze Schöpfung, die dir zugewandt ist, für sinnlos erklären!? Sollte Er den Baum der Schöpfung zu einem wertlosen Baum machen, dessen Früchte faul und verdorben sind!? Sollte Er außerdem Seine Barmherzigkeit, über die in keinerlei Hinsicht ein Zweifel besteht, die überhaupt keinen Mangel hat und die wie die Sonne sichtbar ist, und Seine Weisheit, die wie das Licht erkennbar ist, leugnen lassen!? - Ganz und gar nicht!

Oh du Mensch! Wisse, es gibt eine Leiter, um zu dem Thron dieser Barmherzigkeit zu gelangen! Diese Leiter ist "Bismillahi r-Rahmani r-Rahim"(Im Namen des Erbarmers, des Barmherzigen). Willst du verstehen, wie wertvoll diese Leiter ist, dann betrachte den Anfang aller 114 Suren des Qur'an, dessen Worte ein Wunder sind, die einleitenden Worte aller segensreichen Bücher und den Anbeginn aller guten Taten. Der absolute Beweis für die Größe des Wertes dieses Satzes (Besmele)ist, dass sehr große Qur'anexegeten (mudjtahid)wie Imam Schafi (Gott möge mit ihm zufrieden sein) sagten: Obwohl dieser Satz "Besmele" ein einziger Vers ist, erscheint er im Qur'an 114-mal als von Gott herabgesandt.

Viertes Geheimnis:

Was die Erscheinung der Gegenwart Gottes (Vahidiyet)innerhalb grenzenloser Vielfalt betrifft, so reicht es nicht jedem aus, während er die Anrede von

إِيَّاكَ نَعْبُدُ {"zu Dir allein beten wir!"} ausspricht, sie zu erkennen. Der Gedanke verstreut sich. Hinter der Einheit der Vielfalt in der Gesamtheit, den Herrn, der in Seinem Wesen ein Einziger ist, betrachten und إِيَّاكَ نَعْبُدُ وَإِيَّاكَ نَسْتَعِينُ {"Zu Dir allein nehmen wir unsere Zuflucht und zu Dir allein beten wir!"} aussprechen zu können, muss sich ein Herz im Umfang der Erdkugel finden. Aus diesem Geheimnis stellt sich das Siegel der Einheit Gottes in jedem Einzelnen ganz klar heraus. Genauso zeigt es sich im Stempel Seiner Barmherzigkeit, damit dieses Siegel Seiner Einheit in jeder einzelnen Gattung erkennbar wird und die Leute den Herrn, der in Seinem Wesen ein Einziger ist, vorrangig in Betracht ziehen. Dadurch soll jeder auf jeder Stufe إِيَّاكَ نَعْبُدُ وَإِيَّاكَ نَسْتَعِينُ {"Zu Dir allein nehmen wir unsere Zuflucht und zu Dir allein beten wir!"} aussprechen und ohne Mühe unmittelbar den allheiligen Herrn ansprechen und sich Ihm zuwenden können.

Um diesem großartigen Geheimnis Ausdruck zu verleihen, spricht der weise Qur'an, wenn er die großen Peripherien des Kosmos, zum Beispiel die Erschaffung des Himmels und der Erde behandelt, auf einmal von einem kleineren Kreis und feineren Teil, um in einer offenkundigen Form den Stempel Seiner Einheit in den Einzelnen zu zeigen.

Zum Beispiel während der Erörterung der Himmel und der Erde wird ein Thema von der Erschaffung des Menschen, von der Stimme des Menschen und von den feinsinnigen Gaben und Weisheiten an seinem Gesicht besprochen, sodass der Gedanke nicht ausschweift, das

Herz nicht erdrückt wird und die Seele seinen Angebeteten unmittelbar findet.

Zum Beispiel:

Der Vers

وَمِنْ آيَاتِهِ خَلْقُ السَّمٰوَاتِ وَاْلاَرْضِ وَاخْتِلاَفُ اَلْسِنَتِكُمْ وَ اَلْوَانِكُمْ

{"Und zu Seinen Zeichen gehört die Erschaffung von Himmel und Erde und die Verschiedenheit eurer Sprachen und Farben."(Sure 30, 22)}

zeigt die oben erwähnte Wahrheit in wunderbarer Form. In der Tat ist die Einheit Gottes durch zahllose Geschöpfe und in grenzenloser Vielfalt geprägt. Ihre Siegel sind wie ineinander gelegte Kreise und erscheinen von dem äußersten Großen bis zu dem innersten Kleinen in verschiedenen Arten und Stufen. Was diese Einheit betrifft, so ist sie, in welchem Umfang sie auch erscheinen mag, eine Einheit in der Vielfalt. Sie kann aber die wahre Ansprache nicht herbeiführen. Deswegen muss sich hinter der Einheit in der Vielfalt das Siegel der Einheit im Einzelnen finden, sodass die Vielfalt nicht in Erinnerung kommt und für das Herz der Weg unmittelbar zu dem allheiligen Herrn offen wird. Des Weiteren, um die Blicke auf das Siegel der Einheit (im Einzelnen) zu lenken und die Herzen danach hinzuziehen, setzt Er auf dieses Siegel der Einheit (im Einzelnen) das Siegel Seiner Barmherzigkeit und den Stempel Seiner Gnade, welche überaus reizvolle Ornamente, überaus glänzendes Licht, ein überaus lieblicher Reiz, eine überaus liebliche Schönheit, eine überaus starke Wahrheit sind. In der Tat ist es die Kraft dieser Barmherzigkeit, die die Blicke der Bewusstseinstragenden zu sich lenkt, hinzieht und zu dem Siegel der Einheit (in Einzelnen) führt. Sie veranlasst, über den Herrn, der in Seinem Wesen ein Einziger ist, nachzudenken, und weiter führt sie mit der wahren Anrede in

إِيَّاكَ نَعْبُدُ وَإِيَّاكَ نَسْتَعِينُ

{"Zu Dir allein nehmen wir unsere Zuflucht und zu Dir allein beten wir!"}

"Bismillahi r-Rahmani r-Rahim"ist der Auszug der Sure "Die Eröffnung" (Fatiha)und eine kurze Zusammenfassung des Qur'an. Deswegen ist sie der Titel und das

Sprachrohr für dieses oben erwähnte große Geheimnis geworden. Wer diesen Titel ergreift, vermag auf den Stufen der Barmherzigkeit zu reisen. Wer dieses Sprachrohr zum Sprechen bringt, erfährt Geheimnisse der Barmherzigkeit und erlebt Lichter der Gnade und der selbstlosen Liebe.

Fünftes Geheimnis:

Eine heilige Hadith besagt:

اِنَّ اللّهَ خَلَقَ اْلاِنْسَانَ عَلَى صُورَةِ الرَّحْمَنِ

{"Wahrlich, Allah hat den Menschen nach der Art des Erbarmers erschaffen." (au kema-qal: Oder wie im Original gesagt.)}

Diese Hadith legte ein Teil der Ordensleute auf einer erstaunlichen Weise aus, wie sie den Glaubensgrundsätzen nicht entsprach. Sogar betrachtete ein Teil der Gottesverliebten unter ihnen, das geistige Gesicht des Menschen als eine Art Ebenbild des Erbarmers: Da die meisten der Gottesverliebten in Ekstase leben und bei ihnen Verwechslungen vorkommen, sind sie wegen ihrer der Wahrheit widersprechenden Auffassungen vielleicht entschuldigt. Aber diejenigen, die bei Besinnung sind, dürfen ihre Ausdeutungen, die den Glaubensgrundpfeilern widersprechen, nicht annehmen. Nehmen sie sie an, so begehen sie Fehler. So wie Gott, der allheilige Herr, der den ganzen Kosmos einem Schloss, einem Haus gleich wohlgeordnet regiert und der die Sterne, Atomen gleich, weisheitsvoll und leicht kreisen und reisen lässt, und der die Atome wohlgeordneten Beamten gleich in Dienst stellt, keinen Partner, kein Seines Gleichen, keinen Gegensatz und keinen Nebenbuhler hat, kann es auch für ihn nach dem Geheimnis von

لَيْسَ كَمِثْلِهِ شَىْءٌ وَهُوَ السَّمِيعُ الْبَصِيرُ

{"Nichts ist Ihm ebenbürtig und Er ist der Allhörende, der Allsehende!" (Sure 42, 11)}

kein Ebenbild, kein Entsprechendes, kein Beispiel und kein Vergleichbares geben. Aber in dem Geheimnis und

Gleichnis von

وَلَهُ اْلمَثَلُ اْلاَعْلَى فِى السَّمٰوَاتِ وَاْلاَرْضِ وَهُوَ الْعَزِيزُ الْحَكِيمُ

{"Ihm gebührt das höchste Gleichnis in den Himmeln und der Erde, und Er ist der unbesiegte Sieger, der Allweise." (Sure 30, 27)}

kann man Seine Taten, Eigenschaften und Namen betrachten. Das heißt, hinsichtlich der Taten Gottes gibt es Gleichnisse und Beispiele, die sinnbildlich ausgedrückt werden. Eine von vielen Zwecken dieser oben erwähnten heiligen Hadith ist folgendermaßen: Der Mensch ist in einer Form erschaffen, die den Namen Gottes "Erbarmer" vollständig erkennen lässt. Wie oben erklärt, wird am Gesicht des Kosmos der Gottesname "Erbarmer" erkennbar, der aus den Strahlen der tausendundeinen Namen in Erscheinung tritt. Am Gesicht der Erdoberfläche wird der Name Gottes, "Erbarmer" gezeigt, der in zahllosen Erscheinungen der absoluten Herrschaft Gottes ersichtlich ist. Die Überlieferung besagt, dass das umfassende Bild des Menschen wiederum die vollständige Erscheinung des Namens "Erbarmer", wie das Gesicht der Erde und des Kosmos, in einem kleinen Maße zeigt. Des Weiteren gibt sie einen Hinweis darauf, dass die Dinge wie Lebewesen und Menschen, welche als Zeugen und Spiegel für den gnädigen und barmherzigen Herrn dienen, den Herrn, dessen Existenz notwendig ist, dermaßen zuverlässig, offensichtlich und klar erkennen lassen. So wie, wenn man über einen klaren Spiegel, der das Spiegelbild und die Widerspiegelung der Sonne umfasst, hinweisend auf seine Klarheit und Deutlichkeit seiner Wiedergabe sagt: "Dieser Spiegel ist die Sonne", so wurde (in diesem Sinne) auch hinweisend auf die Deutlichkeit seiner Bezeugung und auf seine vollkommene Beziehung gesagt, und kann man sagen: "Bei dem Menschen ist die Art des Erbarmers erkennbar". Als eine Bezeichnung für diese Deutlichkeit der Bezeugung und für die Vollkommenheit dieser Beziehung sagte die gemäßigte Gruppe der Leute der Schule "Die Einheit im Sein" (Vahdetu l-Vudjud)auf Grund dieses Geheimnisses:

"La Maudjuda illa Hu!"(Es gibt keine Existenz außer Ihm).

اَللّهُمَّ يَا رَحْمنُ يَا رَحِيمُ بِحَقِّ بِسْمِ اللّهِ الرَّحْمَنِ الرَّحِيمِ اِرْحَمْنَا كَمَا يَلِيقُ بِرَحِيمِيَّتِكَ وَ فَهِّمْنَا اَسْرَارَ بِسْمِ اللّهِ الرَّحْمنَ الرَّحِيمِ كَمَا يَلِيقُ بِرَحْمَانِيَّتِكَ آمِينَ

{"Oh Allah, oh Erbarmer, oh Barmherziger. Um des 'Bismillahi r-Rahmani r-Rahim' willen, erbarme Dich unser wie es Deiner Barmherzigkeit entspricht und lass uns die Geheimnisse von 'Bismillahi r-Rahmani r-Rahim' verstehen wie es Deinem Erbarmen entspricht."}

Sechstes Geheimnis:

Oh du hilfloser Mensch, der du dich in grenzenloser Schwäche und unendlicher Armseligkeit wälzt! Was für ein wertvolles "Fahrzeug" und was für ein geschätzter Fürsprecher die Barmherzigkeit ist, verstehe damit, dass diese Barmherzigkeit zu einem solchen majestätischen König führt, in dessen Heer die Atome mit den Sternen zusammen in vollkommener Wohlgeordnetheit und Gehorsam im Dienst stehen. Und dieser majestätische Herr, König aller Ewigkeit, hat in Seinem Wesen eine Erhabenheit, die absolut nichts und niemanden bedarf.

Er ist der, dessen Reichtum unbegrenzt ist, der in keiner Hinsicht des Kosmos und der Existenzen bedürftig ist. Der ganze Kosmos steht unter Seinem Befehl, Seiner Regierung, Seiner Macht und Seiner Herrlichkeit, und ist in seinem unendlichen Gehorsam demütig gegenüber Seiner Majestät. Also, oh du Mensch, die Barmherzigkeit bringt dich in die Audienz dessen, der unbegrenzt reich ist und nichts und niemanden bedarf, des immerwährenden Königs und macht dich Ihm zum Freund! Sie macht dich Ihm zu Seinem Gesprächspartner und du bekommst die Stellung eines geliebten Dieners. Du kannst ja z.B. die Sonne nicht erreichen, bist von ihr weit entfernt, kannst dich ihr keineswegs nähern. Aber das Sonnenlicht gibt dir eine Reflexion, eine Erscheinung der Sonne durch deinen Spiegel in deiner Hand. Genauso sind wir von dem allheiligen Herrn, der Sonne aller Ewigkeiten zwar unendlich weit entfernt, und können uns Ihm nicht nähern; aber das Licht Seiner Barmherzigkeit bringt Ihn uns nahe.

Wohlan, oh du Mensch! Wer diese Barmherzigkeit findet, findet einen ewigen, unerschöpflichen Schatz!

Der Weg, diesen Schatz zu finden ist: Die Art und Weise (sunna)des Ehrenwerten Gesandten, mit dem Friede und Segen sei, der das glänzendste Beispiel und der Vertreter der Barmherzigkeit, der das prägnanteste Sprachrohr und der öffentliche Ausrufer dieser Barmherzigkeit ist, und der im Qur'an mit der Bezeichnung als "Die Barmherzigkeit für die Welten" (Rahmeten li l-'alemin)genannt wird. Ihm nachzufolgen, ist dieser Weg. Das Fahrzeug zu dieser sich verkörperten Barmherzigkeit, die "Rahmeten li l-'alemin"ist, sind die Segenswünsche für ihn (salavat).In der Tat ist die Bedeutung, die in den Segenswünschen liegt, die Barmherzigkeit. Die Segenswünsche, die Gebete für den Segen für diese lebendige, verkörperte Barmherzigkeit, sind ein Fahrzeug zu der Zusammenkunft mit dieser "Barmherzigkeit für die Welten". Dann allerdings mache dir den Segenswunsch zum Anlass für diese Rahmeten li l-'alemin und nimm dir diese Persönlichkeit als ein Fahrzeug zu der Barmherzigkeit des Erbarmers!

Dass die ganze Gemeinde über "die Barmherzigkeit für die Welten", mit dem Friede und Segen sei, unendlich viele Segenswünsche im Sinne der Barmherzigkeit spricht, beweist in glänzender Weise, was für ein wertvolles Geschenk Gottes die Barmherzigkeit ist, und was für einen umfangreichen Kreis sie hat.

Zusammenfassung:

So wie der wertvollste Brillant aus der Schatzkammer der Barmherzigkeit und ihr Torhüter der Gottesgesandte Hazret Ahmed, mit dem Friede und Segen sei, ist, so ist auch der allerbeste Schlüssel zu ihr "Bismillahi r-Rahmani r-Rahim".Der Schlüssel zu ihr, den man ganz leicht erreicht, sind auch die Segenswünsche für ihn (salavat).

اَللّهُمَّ بِحَقِّ اَسْرَارِ بِسْمِ اللّهِ الرَحْمنِ الرَّحِيمِ صَلِّ وَ سَلِّمْ عَلَى مَنْ اَرْسَلْتَهُ رَحْمَةً لِلْعَالَمِينَ كَمَا يَلِيقُ بِرَحْمَتِكَ وَ بِحُرْمَتِهِ وَ عَلَى الِهِ وَ اَصْحَابِهِ اَجْمَعِينَ

وَ ارْحَمْنَا رَحْمَةً تُغْنِينَا بِهَا عَنْ رَحْمَةِ مَنْ سِوَاكَ مِنْ خَلْقِكَ آمِينَ

سُبْحَانَكَ لاَ عِلْمَ لَنَآ اِلاَّ مَا عَلَّمْتَنَآ اِنَّكَ اَنْتَ الْعَلِيمُ الْحَكِيمُ

{"Oh Allah. Um des Geheimnisses von "Bismillahi r-Rahmani r-Rahim" willen sei Friede und Segen auf dem, den du als Barmherzigkeit für die Welten gesandt hast, wie es Deiner Barmherzigkeit und seiner Würde entspricht, und seiner Familie und allen seinen Gefährten. Und sei uns barmherzig, damit wir außer von Dir, von keinem Deiner Geschöpfe Barmherzigkeit zu erwarten brauchen. Amen." "Gepriesen seist Du! Wir haben kein Wissen, außer dem, das Du uns gelehrt hast. Denn Du bist der Allwissende, der Allweise!" (Sure 2, 32)}

Zweites Wort

بِسْمِ اللّهِ الرَّحْمَنِ الرّحِيمِ ٭ اَلَّذِينَ يُؤْمِنُونَ بِالْغَيْبِ

{"Im Namen Allahs, des Erbarmers, des Barmherzigen; Die da glauben an das Verborgene." (Sure 2, 3)}

Möchtest du verstehen, welch große Glückseligkeit, welch eine Gnadengabe, was für ein Wohlgeschmack und was für eine Beruhigung im Glauben liegt, dann schaue und höre das folgende Gleichnis:

Es begaben sich einmal zwei Männer auf eine Urlaubsreise, auf der sie auch ihre Geschäfte machen wollten. Der eine lebt glücklos und ichbezogen und schlägt seinen Weg in der einen, der andere lebt glücklich und gottbezogen und schlägt seinen Weg in der anderen Richtung ein. Der Ichbezogene, weil er nur an sich selbst denkt und nur um sich selbst besorgt ist, findet als Strafe dafür, dass er immer und überall nur schwarz sieht, ein Land vor, das in seinen Augen ganz schlecht ist. Er schaut sich um: Überall schreien die schwachen und hilflosen Menschen unter den Händen der fürchterlichen Gewaltmenschen und den Zerstörungen, welche diese anrichten, Ach und Weh. Wohin er auch kommt, erlebt er diesen beklagenswerten, bedrückenden Zustand. Das ganze Land hat die Gestalt eines öffentlichen Trauerhauses angenommen. Um selbst nicht diesen quälenden und finsteren Zustand wahrnehmen zu müssen, flüchtet er in die Trunkenheit als einzigen Ausweg. Denn für ihn sieht alles fremdartig aus und jeder erscheint ihm feindselig. In aller Öffentlichkeit erblickt er entsetzliche Leichen und verzweifelt weinende Waisen. Das Leid ist ihm eine unerträgliche Last.

Der zweite Reisende, der mit Gott verbunden lebt, sich an Ihn hält, Ihn anbetet und über die Wahrheit nachsinnt, ist ein hochanständiger Mensch; und er findet ein Land vor, das nach seiner Sicht sehr schön ist. So gerät denn dieser Mann in dem Lande, das er betritt, in ein großes,

allgemeines Volksfest. Freude herrscht überall im Lande. Es werden Feste und Feiern veranstaltet. In den Häusern, in denen man Gottes gedenkt, leuchtet ekstatische Glückseligkeit... Ein jeder begegnet ihm als Freund und Verwandter. Überall im Lande erlebt er Volksfeste und Entlassungsfeiern, erfüllt von Dankbarkeit. Hochrufe werden laut. Und es gibt auch fröhliche Rekrutierungsfeiern mit dem Ruf: "Allahu Ekber"(Gott ist am größten) und "La ilahe illallah"(Es gibt keinen Gott außer Allah), begleitet von Trommelwirbeln und Fanfarenklang.

Während der erste Reisende sowohl unter dem eigenen Kummer als auch unter dem Schmerz des Volkes leidet, erfreut sich jener Glückliche sowohl des eigenen Frohsinns als auch der allgemeinen Fröhlichkeit des Volkes. Zudem gelingt es ihm auch noch, ein gutes Geschäft abzuschließen. So dankt er Allah.

Danach kehrt er zurück und begegnet dem anderen Reisenden und begreift sofort dessen Zustand. Er sagt zu ihm: "Bei Gott (Ya Hu)!Du bist ja wahnsinnig geworden. Alle Hässlichkeiten deines Inneren haben sich nach außen gespiegelt, sodass du in der Vorstellung lebst, dass da weinen, die da lachen und dass da beraubt und geplündert, die da ausgerüstet werden. Komm zur Besinnung! Reinige dein Herz, damit dieser unglückselige Schleier von deinem Blickfeld beseitigt werde! Dann wirst du die Wirklichkeit erkennen. Denn dieses Land eines Königs, der in so hohem Grade gerecht und barmherzig ist, der seine Untertanen so sehr liebt, der so mächtig und zugleich auch so voll Güte ist, der sein Land mit so überragenden Fähigkeiten regiert und in Ordnung hält, ein Land, das derart offenkundige Merkmale des Aufstiegs und der Vervollkommnung aufweist, kann gar nicht so sein, wie es dir in deiner Einbildung vorschwebt." Da kommt dieser Unglückselige nun zur Besinnung. Er bereut und sagt: "Ja, Trunkenheit und Rausch hatten mich tatsächlich schon bis zum Delirium getrieben. Möge Allah dir vergelten, dass du mich aus der Hölle meines Deliriums errettet hast."

Oh du meine Seele! Wisse: Der erste Mann ist ein Ungläubiger (kafir),ein sündiger (fasik),gottvergessener (gafil)Mensch. In seinen Augen gleicht diese Welt einem öffentlichen Trauerhaus. Für ihn sind alle Lebewesen Waisenkinder, die unter den Schlägen der Trennung und des Verfalls weinen. Mensch und Tier aber sind unversorgt und sich selbst überlassen und werden von der Todespranke in Stücke gerissen. Die Berge und die Meere und alle die anderen großen Erd- und Himmelskörper gleichen abscheulichen, seelenlosen Leichen. Und noch viele andere schmerzliche, bedrückende, furchterregende Wahnvorstellungen, die aus seinem Un- und Irrglauben entstanden sind, quälen ihn seelisch.

Der zweite Mann aber ist ein gläubiger Mensch (mu'min).Er weiß, bekennt und bezeugt, dass Allah sein Herr und sein Schöpfer ist. In seinen Augen ist diese Welt eine Stätte der Besinnung auf den Allerbarmer, ein Übungsgelände für Mensch und Tier und ein Ort der Prüfung für Menschen und Dschinnen. Was aber den Tod aller Menschen und Tiere betrifft, so ist er eine Entlassung. Haben sie die Aufgabe ihres Lebens beendet, ziehen sie aus diesem vergänglichen Haus voll innerer Freude ohne allzuviel Aufhebens in eine andere Welt hinüber. Dadurch sollen sie nur für die Neuankömmlinge Platz machen, die kommen, um ihre Aufgabe zu übernehmen und zu erfüllen.

Was aber die Geburt der Tiere und Menschen betrifft, so gleicht sie der Rekrutierung von Soldaten, welche unter die Waffen treten und ihre Pflicht auf sich nehmen. Jedes einzelne Lebewesen ist beauftragt wie ein munterer Soldat oder ein rechtschaffener, zufriedener Beamter. Was aber all diese Stimmen betrifft, so rühren sie teils aus dem Gedenken (dhikr)und Lobpreis Gottes (tesbih)zu Beginn der Arbeit, teils aus der Danksagung und der frohen Stimmung nach ihrer Beendigung, teils sind es Melodien, die aus der Freude über die Arbeit entstehen. In den Augen jedes Gläubigen ist jedes einzelne Geschöpf ein vertrauter Diener seines freigiebigen Herrn

und Barmherzigen Königs (Malik-i Rahim),Sein befreundeter Diener, Sein kostbares Buch. Und dergleichen noch sehr viel mehr feinsinnige, erhabene, geschmackvolle und köstliche Wahrheiten erwachsen ihm aus seinem Glauben, offenbaren sich ihm. Das heißt, dass der Glaube unsichtbar den Samen des paradiesischen Tuba-Baumes in sich trägt. Was aber den Unglauben betrifft, so birgt er unsichtbar ein Korn des höllischen Zakkum-Baumes in sich.

Das heißt also, dass es Frieden und Sicherheit nur im Islam und im Glauben gibt. Weil dies aber so ist, müssen wir immer sagen:

اَلْحَمْدُ ِللّهِ عَلَى دِينِ اْلاِسْلاَمِ وَ كَمَالِ اْلاِيمَانِ

{"Dank sei Gott für die Religion des Islam und die Vollkommenheit des Glaubens."}

Drittes Wort

بِسْمِ اللّهِ الرَّحْمَنِ الرّحِيمِ ٭ يَآ اَيُّهَا النَّاسُ اعْبُدُوا

{"Im Namen Allahs, des Erbarmers, des Barmherzigen; Oh Ihr Menschen, betet (Gott) an und dienet (Ihm)!" (Sure 2, 19)}

Möchtest du verstehen, was Anbetung und Gottesdienst bedeutet, welche Glückseligkeit in ihm liegt und welch großartiger Handel mit ihm verbunden ist, was für ein großer Verlust und welch ein Unglück dagegen Sünde und Ausschweifungen nach sich ziehen, dann betrachte und höre das folgende Gleichnis!...

Eines Tages erhielten zwei Soldaten den Befehl, eine weit entfernte Stadt aufzusuchen. Sie machten sich miteinander auf den Weg, bis sie an eine Gabelung kamen. Dort weilte ein Mann, der zu ihnen sprach: "Wer den rechten Weg einschlägt, wird keinen Schaden erleiden. Neun von zehn Reisenden erlangen auf diesem Weg Nutzen und Bequemlichkeit. Was aber den linken Weg betrifft, so führt er zu keinem Gewinn und neun von zehn, die auf ihm reisen, tragen Schaden davon. Doch keiner von den beiden Wegen ist länger oder kürzer als der andere. Es gibt zwischen ihnen nur den einen Unterschied; der linke Weg ist unbewacht und wird nicht instand gehalten. Wer diesen Weg wählt, reist ohne Gepäck und Waffen. Darin liegt eine Erleichterung und trügerische Bequemlichkeit. Was aber den Reisenden betrifft, der unter militärischem Schutz auf dem rechten Weg reist, so muss er vier Okka (etwa 5 kg) Gepäck, bestehend aus einer eisernen Ration und eine zwei Okka schwere Wunderwaffe aus dem Zeughaus mit sich tragen, die jeden Feind zu besiegen und zu überwinden vermag."

Nachdem die beiden Soldaten des Mannes Weisung vernommen hatten, entschied sich der eine von den beiden zu seinem Glück für den rechten Weg. Er verteilte seine sechs Okka (: 1 Batman) Gepäck auf Rücken und

Schultern. Aber Geist und Seele blieben ihm vor tausenden Batman geschuldetem Dank (für Dienstleistungen), und vor ebenso vielen Ängsten bewahrt.

Der andere aber unterließ es zu seinem Unglück, in den Dienst zu treten. Er wollte sich nicht an die Vorschriften halten. Er schlug den linken Weg ein. So verschonte er zwar seinen Körper vor einem Batman Gepäck, doch sein Herz wurde mit tausenden Batman Dankesverpflichtungen belastet und seine Seele (ruh)von unzähligen Ängsten bedrückt. Er musste bei jedermann betteln gehen; jedes Ding versetzte ihn in Angst und jedes Ereignis ließ ihn erzittern. Endlich gelangte er an den Ort seiner Bestimmung. Dort bekam er seine Strafe als ein Rebell und Fahnenflüchtiger.

Was den Soldaten betraf, der seine Anordnungen freudig erfüllte, auf sein Gepäck und seine Waffe Acht gab und den rechten Weg eingeschlagen hatte, so marschierte er mit ruhigem Gewissen und leichtem Sinn, ohne jemandem Dank zu schulden und ohne sich vor jemandem zu fürchten. Endlich gelangte er an den befohlenen Ort. Dort erhielt er als ein Soldat, der seinen Auftrag bestens ausgeführt hatte, seinen verdienten Lohn.

Oh du selbstsüchtige Seele! Wisse: der eine der beiden Reisenden steht für die Menschen, die dem göttlichen Gesetz gehorchen, der andere aber für diejenigen, welche dagegen rebellieren und nur ihren Gelüsten folgen. Was aber den Weg betrifft, so ist er das Leben, das aus der Welt der Seelen heraus durch das Grab ins Jenseits führt. Gepäck und Waffe sind Anbetung, Gottesdienst und Rechtschaffenheit. {Wachsamkeit gegenüber den Sünden. (A.d.Ü.)} Wenn auch der Gottesdienst {Die Einhaltung der fünf täglichen Gebetszeiten usw. (A.d.Ü.)} zunächst äußerlich einige Schwierigkeiten bereitet, so bringt er doch in seiner tieferen Bedeutung eine unbeschreibliche Befriedigung und Erleichterung. Darum spricht der Diener Gottes in seinem Gebet:

اَشْهَدُ اَنْ لآَ اِلَهَ اِلاَّ اللّهُ

{"Ich bezeuge, dass es keine Gottheit gibt außer Allah."}

Das heißt: "Er ist der Schöpfer und Erhalter, neben dem es keinen anderen gibt. Verlust und Gewinn, Schaden und Nutzen liegen in Seiner Hand. Außerdem ist Er der Allweise. Etwas Unsinniges tut Er nicht. Zudem ist Er der Allerbarmer. Sein sind Güte und Erbarmen in Fülle." Wer so spricht und in dieser Weise glaubt, erkennt in einem jeden Ding das Tor zur Schatzkammer des Erbarmens. Er pocht daran mit dem Gebet. Und noch weiter sieht er alle Dinge im Dienste seines Herrn. So nimmt er Zuflucht zu seinem Herrn. Sein Vertrauen auf Gott ist ihm eine Stütze. Bei Ihm findet er gegen ein jedes Übel eine feste Burg. Sein Glaube verleiht ihm eine völlige Sicherheit.

In Wahrheit ist die Quelle jedes wirklich guten Werkes wie auch des Mutes, der Glaube und die Gottverbundenheit; wie auch aller Bosheit und jeder Feigheit Quelle die Verirrung ist!

In der Tat; es ist möglich, dass ein Diener Gottes mit erleuchtetem Herzen sich nicht fürchtet, sollte auch die Welt selbst zu einer Bombe werden, die explodiert. Ja, er wird sogar die wunderbare Macht des Einzigartigen, Unvergleichlichen mit freudigem Erstaunen bewundern. Ein berühmter Philosoph aber, ein Freidenker ohne Herz und Gemüt, den man noch dazu eine Leuchte der Vernunft nennt, beginnt schon hier auf der Erde zu zittern, wenn droben am Himmel ein Komet erscheint. "Wird dieser Irrstern etwa mit unserer Erde zusammenstoßen?" so fragt er, und gerät in Panik. (So zitterte Amerika einmal vor einem Kometen. Viele verließen zur Nachtzeit ihre Häuser.)

Tatsächlich benötigt der Mensch unendlich viele verschiedene Dinge. Doch sein Vermögen gleicht einem Nichts... Zudem wird er noch von unzähligen Übeln geplagt. Doch ist auch hier sein Vermögen so gut wie gar keines... Der Rahmen seines Vermögens und das Umfeld seines Könnens reicht so weit wie sein ausgestreckter

Arm. Was aber seine Hoffnungen und Sehnsüchte, Schmerzen und Leiden betrifft, so ist ihr Umfeld so weit wie das Auge reicht und wächst mit seinen Träumen noch darüber hinaus. Des Menschen Seele (ruh),die doch in einem solchen Grade schwach, armselig und hilfsbedürftig ist, bedarf der Gottesanbetung (ibadet),des Gottvertrauens (tevekkül),der göttlichen Einheit (tauhid)und der Ergebenheit (teslim).Wer nicht gerade mit Blindheit geschlagen ist, sieht und begreift, welch gewaltiger Gewinn, welche Glückseligkeit und was für eine Gnade darin enthalten ist. Es ist ja bekannt, dass ein ungefährlicher Weg einem gefährlichen Weg auch dann vorgezogen wird, wenn die Möglichkeit einer Gefährdung dabei eins zu zehn beträgt. Und dabei ist der hier zur Diskussion stehende Weg der Gottverbundenheit nicht nur ungefährlich, sondern führt noch dazu in neun von zehn Fällen zur Schatzkammer der ewigen Seligkeit. Was dagegen den Weg der Missachtung, der Auflehnung und der Ausschweifung betrifft, so ist er sogar nach dem Eingeständnis der Sünder (fasik)ein Weg ohne Gewinn, der auch noch in neun von zehn Fällen in das Verderben einer ewigen Qual führt. Dies steht nach allgemeiner Übereinstimmung fest, aufgrund unwiderlegbarer Beweise und der Zeugnisse der Gelehrten und Gebildeten, der Theologen und Geistlichen und all derer, die einen Sinn für die Wahrheit haben und sie zu schauen vermögen.

Kurz gesagt: Ein glückliches Leben in dieser wie in jener Welt liegt darin, Allah ein Verehrer und ein Diener zu sein und sich zum Streiter Gottes zu machen. Weil dies aber so ist, müssen wir uns immer zu Ihm bekennen

اَلْحَمْدُلِلّٰهِ عَلَى الطَّاعَةِ وَالتَّوْفِيقِ

{"Lobpreis und Dank sei Allah für Durchführung, Erfüllung und Erfolg."}

und dafür danken, dass wir Muslime (Gläubige) sind.

Viertes Wort

بِسْمِ اللّهِ الرَّحْمَنِ الرّحِيمِ ٭ اَلصَّلاَةُ عِمَادُ الدِّينِ

{"Im Namen Allahs, des Erbarmers, des Barmherzigen; Das Gebet ist die (tragende) Säule des Glaubens (din)."}

Möchtest du verstehen, wie wertvoll und wichtig das Gebet ist, mit welch kleiner Mühe und mit wie wenig Aufwand man es verrichten kann und mit jener absoluten Sicherheit, nach der zwei mal zwei vier ist, begreifen, wie wahnwitzig zudem ein Mensch ist, der nicht betet und welchen Schaden er davonträgt, dann komm und vernimm das folgende Gleichnis!...

Eines Tages schickte ein großer Herrscher zwei seiner Diener - einen jeden mit vierundzwanzig Goldstücken versehen - auf ein zwei Monate weit entferntes und sehr schön gelegenes prächtiges Landgut, dort ihren Aufenthalt zu nehmen. Und er befahl ihnen: "Mit diesem Geld bestreitet die Kosten eurer Wanderschaft und bezahlt damit auch danach eure Überfahrt. Außerdem besorgt euch noch einige Dinge, die ihr in euren dortigen Wohnungen benötigen werdet. Eine Tagesreise von hier gelangt ihr an den Ort, von wo aus man entweder ein Taxi, ein Schiff, einen Zug oder ein Flugzeug nehmen kann. Das hängt ganz von den Geldmitteln ab."

So belehrt, reisen die beiden Diener ab. Der eine von ihnen hat zu seinem Glück bis zur Überfahrt nur wenig Ausgaben. Doch mit diesen geringen Ausgaben gelingt es ihm zur Zufriedenheit seines Herrn ein so gutes Geschäft abzuschließen, dass sich sein Kapital vertausendfacht.

Der andere Diener, unglücklich und unstet, gibt bis zu seiner Überfahrt dreiundzwanzig Goldstücke aus. Er verschleudert sie im Spiel. Ein einziges Goldstück bleibt ihm übrig. Sein Weggefährte sagt zu ihm: "Bei Gott (Ya Hu)!Kaufe dir für dieses eine Goldstück eine Karte für die Überfahrt, damit du nicht diese weite Strecke zu Fuß zurücklegen und Hunger leiden musst. Außerdem ist unser

Herr großmütig. Vielleicht erbarmt er sich deiner und verzeiht dir, was du falsch gemacht hast. Vielleicht darfst du sogar ein Flugzeug nehmen. So können wir noch am selben Tag unseren Bestimmungsort erreichen. Anderenfalls müsstest du zwei Monate lang hungrig und allein durch die Wüste wandern." Sollte dieser Mensch etwa so verstockt sein und dieses eine, einzige Goldstück nicht für eine Flugkarte ausgeben, die doch für ihn der Schlüssel zu einer Schatzkammer ist. Wollte er es stattdessen etwa um eines zeitweiligen Vergnügens willen für Spiel und Tanz verschwenden, müsste dann nicht auch der vernünftigste Mensch begreifen, wie außerordentlich unvernünftig eine solche Handlungsweise wäre, welchen Schaden und welches Unglück sie nach sich ziehen würde.

Nun denn, oh du Mensch ohne Gebet (namaz)!Und du meine Seele (nefs),die du über die Verpflichtung zum Gebet (namaz)nicht besonders begeistert bist!

Dieser Herrscher (Hakim)ist unser Schöpfer (Haliq)und Herr (Rabb).Von den beiden reisenden Dienern ist der eine dem Glauben ergeben (mütedeyyin)und verrichtet das Gebet mit Freuden, während hingegen der andere in Gottvergessenheit dahinlebt und sich nicht um das Gebet kümmert. Die vierundzwanzig Goldstücke sind die vierundzwanzig Stunden des Tages. Das prächtige Landgut ist das Paradies. Die Überfahrt dorthin beginnt am Grab. Sie ist des Menschen Reise vom Grabe zur Auferstehung und darüber hinaus ins ewige Leben. Je nach seiner Handlungsweise (amel)und entsprechend seiner Rechtschaffenheit (taqva)verläuft diese Reise auf verschiedene Arten. Ein Teil der rechtschaffenen Leute legt eine Reisestrecke von tausend Jahren blitzschnell an einem einzigen Tag zurück. Ein anderer Teil von ihnen bewältigt eine Entfernung von fünfzigtausend Jahren gedankenschnell an einem einzigen Tag. Der ruhmreiche Qur'an weist auf diese Tatsache in zwei Ayat hin. Die Fahrkarte aber ist das Gebet. Dabei genügt schon eine einzige Stunde, um alle fünf Gebete zu verrichten und die dazu gehörigen Waschungen zu vollziehen.

Ja handelt denn der, welcher dreiundzwanzig Stunden für dieses kurze irdische Leben verwendet, für jenes ganze lange Leben drüben in der Ewigkeit aber nicht eine einzige Stunde erübrigen kann, etwa nicht zum Schaden seiner selbst? Handelt er etwa nicht grausam gegenüber seiner Seele (nefs)?Handelt er etwa nicht entgegen jeder Vernunft? Denn wie kann man es als vernünftig ansehen, die Hälfte des Vermögens im Lotteriespiel auszugeben, wo man doch weiß, dass die Wahrscheinlichkeit zu gewinnen, nur eins zu tausend beträgt, und danach aber nicht einmal den vierundzwanzigsten Teil des Vermögens für eine 99-prozentige Gewinnchance ausgibt - obwohl der Gewinn die Schatzkammern der Ewigkeit sind? Verstößt das nicht gegen den gesunden Menschenverstand und alle Vernunft? Kann denn ein Mensch, der sich selbst für vernünftig hält, etwa nicht begreifen, wie weit ein solches Verhalten davon entfernt ist, vernünftig zu sein?

Fürwahr; das Gebet verleiht eine tiefe Ruhe für Herz, Sinn und Verstand. Es erfordert keine große körperliche Anstrengung. Zudem erlangen alle die übrigen ansonsten indifferenten weltlichen Handlungen eines betenden Menschen durch dessen gute Einstellung (niyet)die Bedeutung eines Gottesdienstes (ibadet).Der Mensch kann auf diese Weise das Kapital seines ganzen irdischen Lebens dem (Konto seines Lebens im) Jenseits gutschreiben. So verewigt er damit sein vergängliches Leben.

Fünftes Wort

بِسْمِ اللّهِ الرَّحْمَنِ الرّحِيمِبِ ٭ اِنَّ اللّهَ مَعَ الَّذِينَ اتَّقَوْا وَالَّذِينَ هُمْ مُحْسِنُوَن

{"Im Namen Allahs, des Erbarmers, des Barmherzigen; Fürwahr (*), Allah ist mit denen, die rechtschaffen sind und das Gute tun" (Sure 16, 18)

(*) Diese Ayah bezieht sich entsprechend einer Hadith auf solche unter den ehlu t-taqva, denen Allah so nahe ist, dass sie Ihn im Gebete schauen können. (A.d.Ü.)}

Wenn du sehen möchtest, welch große und wahrhafte Menschenpflicht die Verrichtung des Gebetes und die Vermeidung der schweren Sünden ist und wie sehr beides als Ergebnis seines Menschseins und Frucht seiner Erschaffung, der menschlichen Natur entspricht, dann schaue und höre das folgende Gleichnis!...

Während einer Mobilmachung gab es einmal in einem Regiment zwei Soldaten. Der eine von ihnen war erfahren und pflichtbewusst, der andere aber noch unerfahren und nur auf sich selbst bedacht. Der pflichtbewusste Soldat nahm an den Manövern und an den Gefechten teil und dachte dabei nicht an Vorrat und Proviant. Denn er wusste sehr wohl, dass es Aufgabe des Staates war, ihn zu ernähren und auszurüsten und bei Krankheit zu pflegen, und ja im Notfall ihn sogar künstlich am Leben zu erhalten. Als seine vornehmste Pflicht betrachtete er deshalb seinen Einsatz bei den Manövern und Gefechten. Doch verrichtete er auch manchmal seinen Dienst in Küche und Zeughaus. Er kochte das Essen in den großen Feldkesseln, teilte es aus und machte danach alles wieder sauber. Fragte man ihn aber: "Was machst du da?",

dann antwortete er: "Ich erledige die unvermeidlichen Nebenaufgaben des Staates." Er sagte nicht: "Ich arbeite für meinen Lebensunterhalt."

Der andere Soldat aber war unerfahren und dachte immer nur an seinen Bauch. Um Manöver und Krieg kümmerte er sich nicht. "Das ist Aufgabe des Staates. Was geht's mich an?" sagte er. Ständig war er damit beschäftigt, sich um sein leibliches Wohl zu bemühen. So verließ er sein Regiment, ging auf den Markt und trieb Handel. Eines Tages sagte sein erfahrener Kamerad zu ihm: "Bruder, deine vornehmste Pflicht heißt Manöver und Gefecht. Dazu hat man dich hierher befohlen. Vertraue auf den König. Er lässt dich nicht Hunger leiden. Es ist seine Aufgabe für dich zu sorgen. Denn du bist hilflos und arm und kannst nicht überall selbst für dich sorgen. Außerdem ist Krieg und wir haben Mobilmachung. Man wird dich noch einen Aufständischen nennen und dich bestrafen.

In der Tat haben wir zwei Aufgaben zu erfüllen, die vor uns liegen.

Erstens:

Die Aufgabe des Königs. Diese überträgt er manchmal auf uns. So haben wir manchmal die Pflicht für uns selbst zu sorgen.

Zweitens:

Unsere eigene Aufgabe. Sie wird uns durch die Hilfe des Königs erleichtert. Das ist unsere Teilnahme an den Manövern und Gefechten."

Wird etwa dieser pflichtvergessene Soldat diesem erfahrenen Krieger nicht sein Ohr leihen? In welche Gefahr er sich damit begeben würde, das kannst du dir vorstellen!

Wohlan denn, du meine faule Seele! Dieses Schlachtfeld, auf dem der Kampf hin und her wogt, ist dieses unser wildbewegtes irdisches Leben. Das in Regimenter eingeteilte Heer ist die Menschheit. Das Regiment in unserem Gleichnis ist die islamische Welt in unserer Zeit. Von den beiden Soldaten ist der eine derjenige, der die Gebote des Glaubens kennt und danach lebt, ein aufrechter Muslim, der gegen sich selbst (nefs)und gegen den Teufel ankämpft, um nicht in schwere Sünde zu fallen

und sich von den täglichen Verfehlungen frei zu halten. Der zweite klagt Gott, seinen wahrhaftigen Versorger, an, weil er tief in seine Sorgen um den Lebensunterhalt verstrickt ist. Er hält sich nicht an die Gebote Gottes. Er fällt in alle die Sünden, die ihm im täglichen Kampf ums Dasein begegnen und wird zu einem verlorenen Sünder. Was aber die Manöverübungen betrifft, so sind sie - und allen voran das Gebet, der Gottesdienst und all seine Regeln. Der Kampf aber richtet sich gegen Ichsucht (nefs)und Leidenschaft, der Streit geht gegen die Teufel unter Menschen und Dschinnen, um Geist und Gemüt vor Unmoral und Sünde zu bewahren und vor dem ewigen Verderben zu erretten. Von den beiden Aufgaben heißt die eine, das Leben zu schenken und es zu erhalten. Die andere Aufgabe besteht darin, den Spender und Erhalter des Lebens in demütigem Bitten und Flehen anzubeten, Ihm zu vertrauen und sich ganz auf Ihn zu verlassen.

In der Tat ist Er der Herr, der das Leben, jenes glänzendste Wunder einzigartiger göttlicher Kunstfertigkeit und wunderbarer Weisheit, erschafft und es schenkt; und Er ist es auch, der für alles sorgt, was da lebt und es mit Nahrung am Leben erhält. Es kann keinen anderen geben außer Ihm. Möchtest du einen Beweis dafür?

Das schwächste, unverständigste Tier wird am besten versorgt! {Z.B. Würmer und Fische. (A.d.Ü.)} Das schwächste und empfindlichste Geschöpf lebt dank Seiner ganz vorzüglichen Versorgung. {Z.B. die Kinder und die Jungtiere. (A.d.Ü.)} Zu begreifen, dass die von Gott erlaubte (helal)Nahrung und Versorgung nicht aus dem Wollen und Vermögen kommt, vielmehr aus der Schwäche und Bedürftigkeit, genügt es in der Tat, Fische und Füchse, Jungtiere und Raubtiere, ja Bäume und Tiere miteinander zu vergleichen. Das heißt also, dass der, welcher es aus Sorge um seinen Lebensunterhalt unterlässt, zu beten, jenem Soldaten gleicht, der nicht an Manövern teilnimmt, oder

aber, der seinen Unterstand verlässt, um auf dem Marktplatz betteln zu gehen. Doch nachdem er das Gebet verrichtet hat, in der Küche Gottes, des Versorgers, des Freigiebigen, von Gottes Barmherzigkeit einen Anteil zu seiner Versorgung zu suchen, um anderen Menschen nicht zur Last zu fallen, dazu sich selbst zu bemühen, ist schön und mannhaft und auch eine Art Gottesdienst.

Überdies ist der Mensch zu Anbetung und Gottesdienst erschaffen. Dies zeigt seine Natur (fitrat)und seine geistige Anlage. Denn in Anbetracht dessen, was der Mensch für sein irdisches Leben bedarf, reicht seine Arbeit und sein Vermögen noch nicht einmal an die Fähigkeiten eines unscheinbaren Spatzen heran... Betrachtet man statt dessen seine Fähigkeit zu Anbetung und Gottesdienst, zu flehentlichem Gebet, in all seiner Armseligkeit und sein Wissen über das er verfügt und das er für sein geistiges und jenseitiges Leben benötigt, so gleicht er einem König, einem Oberbefehlshaber über allen Tieren.

Das aber heißt, oh du meine Seele, stellst du dieses irdische Leben in den Mittelpunkt deines Strebens und bemühst dich fortwährend darum, gleichst du einem einzelnen unscheinbaren Spatzenvogel. Stellst du hingegen das jenseitige Leben in den Mittelpunkt deines Strebens und benutzt dieses irdische Leben wie ein Fahrzeug oder bestellst es gleich einem Acker und arbeitest in diesem Sinne, dann gleichst du einem Oberkommandanten über das Tierreich und wirst in dieser Welt ein Anbeter Gottes des Gerechten, ein Diener, den sein Herr umsorgt und in Ehren hält und ihn nicht überfährt, einem Gast, den sein (Gast)herr voll Hochachtung mit (Gast)geschenken bei sich aufnimmt.

Dies also sind die beiden Wege, die vor dir liegen!... Wähle nun einen nach deinem Wunsch. Erbitte aber dabei aus dem Erbarmen des Barmherzigen rechte Leitung (hidayet)und den Erfolg!...

Sechstes Wort

بِسْمِ اللّهِ الرَّحْمَنِ الرّحِيمِ ٭ اِنَّ اللّهَ اشْتَرَى مِنَ اْلمُؤْمِنِينَ اَنْفُسَهُمْ وَاَمْوَالَهُمْ بِاَنَّ لَهُمُ الْجَنَّةَ

{"Im Namen Allahs, des Erbarmers, des Barmherzigen; Fürwahr, Allah hat den Gläubigen ihre Seelen und ihr Eigentum abgekauft, damit ihrer sei das Paradies..." (Sure 9, 111)}

Wenn du verstehen möchtest, wie der Verkauf von Seele und Eigentum an Gott den Gerechten, und Ihm ein Diener und Anbeter und für Ihn ein Streiter zu sein, ein besonders vorteilhafter Handel ist, und welch einen ehrenvollen Rang man dadurch erhält, dann höre das folgende Gleichnis:

Es war einmal ein König, der hatte zwei Untertanen. Jedem von ihnen gab er ein Landgut zum Lehen. Dieses war mit Fabriken, Maschinen, Pferden, Waffen und allen notwendigen Dingen ausgestattet. Die Zeiten aber waren stürmisch. Im Land herrschte Krieg und nichts hatte mehr Bestand. Alles wurde entweder zerstört oder umgewandelt, oder es zerfiel. Da sandte der König in seiner vollkommenen Barmherzigkeit den beiden Gutsherren einen hochehrenwerten Botschafter und ließ ihnen voller Erbarmen in einem Erlass (ferman)mitteilen:

"Verkauft mir das Lehen, das ich euch anvertraut habe. Ich will es für euch erhalten. Es soll nicht sinnlos verfallen. Wenn dann der Krieg beendet ist, werde ich es euch in einem noch schöneren Zustand wieder zurückgeben. Ich biete euch für mein Lehen einen sehr hohen Preis an, so als ob es euer Eigentum wäre. Des Weiteren sollen die Maschinen und Geräte in der Fabrik in meinem Namen und für meinen Auftrag arbeiten. Ihr Wert und der mit ihnen erzielte Gewinn wird sich von eins auf tausend erhöhen.

Den ganzen Gewinn will ich euch überschreiben. Ihr seid ja mittellos und hilfsbedürftig. Ihr könnt die Unkosten für diesen riesigen Aufwand selber nicht decken. Ich werde alle Ausgaben bestreiten. Ich werde alle Anschaffungen übernehmen. All das, was ihr herstellen werdet, gehört euch, und auch den Gewinn, den ihr damit erzielt, werde ich euch geben. Ich überlasse auch ihn euren Händen bis zu der Zeit, da ich euch abberufen werde. Somit werdet ihr also fünffach Gewinn über Gewinn erhalten! Wollt ihr mir aber mein Lehen nicht verkaufen, so seht ihr ja, dass es niemand mit eigener Hand erhalten kann. So wie einem jeden Anderen, so wird auch euch euer Besitz aus den Händen gleiten. Auch euer Besitztum wird sinnlos verfallen und zudem werdet ihr noch eines hohen Lohnes verlustig gehen. Des Weiteren werden die so empfindlichen und kostbaren Werkzeuge und Messinstrumente, weil diese herrlichen Rohstoffe ausbleiben und es keine Arbeit mehr gibt, ganz und gar ihren Wert verlieren. Zudem lastet dann auch noch die Sorge und Mühe der Verwaltung und Erhaltung der Güter auf euren Schultern. Am Ende werdet ihr auch noch eurer Strafe nicht entgehen, weil ihr an meinem Lehen Verrat verübt habt!... So heißt denn, an mich zu verkaufen, zugleich auch mein Soldat werden und in meinem Namen zu handeln. So werdet ihr nicht in Gefangenschaft geraten, ihr werdet nicht fliehen müssen oder vertrieben werden. Statt dessen werdet ihr des großen Königs auserwählte, freie und hochgeachtete Soldaten sein."

Nachdem die beiden Lehnsherrn den Erlass (ferman)des Königs vernommen hatten, beantwortete der eine von ihnen, der, welcher seine Sinne wohl beisammen hatte, dieses Entgegenkommen seines Herrn mit den Worten:

"Majestät, ich stehe zu Eurer Verfügung! Ich verkaufe gerne. Und ich bin Euch tausendmal dafür zu Dank verpflichtet."

Der andere aber war eingebildet und selbstsüchtig. Seine Seele glich den Pharaonen in ihrer Hochmut. Er lebte wie im Rausch, glaubte, er könne ewig auf seinem

Landgut bleiben und tat so, als hätte er von den Ereignissen, welche die Welt erschüttern und die Menschheit beunruhigen, keine Nachricht erhalten. So sagte er denn:

"Nein!... Wer ist denn dieser König? Ich werde meinen Besitz nicht verkaufen. Ich lasse mir meine gute Laune nicht verderben."

Einige Zeit später hatte der erste Mann eine sehr hohe Stellung erlangt. Jedermann beglückwünschte ihn dazu und versuchte in edlem Wettstreit, es ihm gleich zu tun. Der König verlieh ihm seine Gunst. So lebte er glücklich in des Königs Schloss. Der andere aber verwickelte sich dermaßen in Schwierigkeiten, dass ein jeder ihn deswegen nur bemitleiden konnte. Doch sie empfanden auch, dass es sein verdientes Schicksal war. Denn einen Fehler hatte er begangen und in der Folge Glück und Gut verloren und sich so eine Strafe zugezogen, unter der er nun leiden musste.

Schau also, oh du meine leidenschaftliche Seele! Betrachte das Antlitz der Wahrheit durch das Fernrohr dieses Gleichnisses! Der König ist dein Schöpfer und Herr, der da herrscht von Ewigkeit zu Ewigkeit. Das Landgut aber mit seinen Maschinen, Geräten und Messwerkzeugen ist das Gut, das dir in diesem Leben anvertraut wurde. Ein solches Gut sind Leib und Seele, Geist und Gemüt und in ihnen und mit ihnen alle die innerlichen und äußerlichen Sinnesorgane wie Gesicht und Geschmack, die Fähigkeit zu Vorstellung und Verständnis. Was aber den hochehrenwerten Botschafter betrifft, so ist damit unser Prophet (Resul-i Kerim),mit dem Friede und Segen sei, gemeint. Des Königs Erlass (ferman-i ahkem),den er verkündigt, ist der weise Qur'an, der diesen großartigen Handel (in unserem Gleichnis) mit folgender Ayah bekannt gibt:

اِنَّ اللّهَ اشْتَرَى مِنَ اْلمُؤْمِنِينَ اَنْفُسَهُمْ وَاَمْوَالَهُمْ بِاَنَّ لَهُمُ الْجَنَّةَ

{"Fürwahr, Allah hat den Gläubigen ihre Seelen und ihr Eigentum abgekauft, damit ihrer sei das Paradies..." (Sure 9, 111)}

Was dieses wildwogende Schlachtfeld betrifft, so ist es das Antlitz dieser wildbewegten Welt, wo nichts besteht, alles sich wandelt und verfällt und so jedem Menschen den Gedanken eingibt:

"Wenn uns auch alles zwischen den Fingern zerrinnt, vergeht, zerfällt, gibt es da nicht dennoch einen Ausweg, eine Möglichkeit, das Vergängliche in ein Ewiges zu verwandeln, ihm bleibenden Bestand zu verleihen?"

Während der Mensch so spricht und noch darüber nachdenkt, vernimmt er plötzlich vom Himmel herab die Stimme des Qur'an, die zu ihm spricht:

"Es gibt ihn tatsächlich. Es gibt einen schönen und einfachen Ausweg, der noch dazu in fünf Stufen ansteigend Gewinn bringt."

Frage:

Welchen?

Die Antwort:

Das anvertraute Gut seinem wahren Besitzer zu verkaufen... Siehe, in diesem Handel liegt auf fünf Stufen Gewinn über Gewinn.

Erster Gewinn:

Vergängliches Gut erhält Bestand. Denn dieses vergängliche Leben verwandelt sich, sobald man es dem Herrn in Seiner Majestät anvertraut, Ihm, der ewig bleibt und besteht, bei dem es weder Wandel noch Veränderung gibt. Es verwandelt sich in ein ewiges (baqi)Leben und es zeitigt unvergängliche (baqi)Früchte, wenn es auf Seinen Wegen verbracht wird. Es erscheint zwar noch, als ob die Minuten des Lebens, Samenkörnern gleich, äußerlich vermodern und vergehen, doch drüben in einer Welt, die ewig besteht, öffnen sich die Knospen zu Blüten der Glückseligkeit und reifen die Kornfelder heran. Und im Zwischenreich (alem-i berzah)bietet sich ein lichtvoller und freundlicher Anblick.

Zweiter Gewinn:

Man erhält das Paradies zum Lohn.

Dritter Gewinn:

Der Wert aller Organe und Empfindungen steigt von eins auf tausend.

Zum Beispiel:

Unseren Verstand können wir gebrauchen wie ein Werkzeug. Verkaufst du ihn nicht Gott dem Gerechten, lässt du ihn vielmehr auf deine eigene (nefs)Rechnung arbeiten, so

wird er zu solch einem unheilbringenden, aufdringlichen und lästigen Gerät, dass alles Leid und alle Traurigkeit vergangener Zeiten und all die furchteinflößenden Ereignisse der Zukunft sich in deinem bedauernswerten Kopf anhäuft, dich damit belastet, und dir somit zu einem Gerät wird, das dir Unglück und Schaden bringt und damit seinen Wert für dich verliert. Das ist auch der Grund dafür, dass der sündige Mensch, um sich vor seinem lästigen und aufdringlichen Verstand zu retten, so häufig der Trunksucht und dem Spiel verfällt, sich geradezu in sie hinein flüchtet.

Verkaufst du ihn aber seinem wahren Besitzer und lässt ihn auf dessen Rechnung arbeiten, so wird dir dein Verstand zu einem Schlüssel, der dir die tiefen Wahrheiten, die Schatzkammern der grenzenlosen Barmherzigkeit und die Gewölbe verborgener Weisheit öffnet. So erhebt er sich auf die Stufe eines Wegweisers (murshid)des Herrn, der seinen Besitzer zur ewigen Glückseligkeit führt.

Beispiel: Das Auge ist ein Sinnesorgan, durch das die Seele (ruh)

die Welt wie durch ein Fenster betrachtet. Verkaufst du es nicht Gott dem Gerechten, lässt du es vielmehr auf eigene (nefs)Rechnung arbeiten, so sinkt sein Wert auf die Stufe eines schamlosen Betrachters (also eines Voyeurs) herab, der im Dienste seiner eigenen (nefs)Launen und Gelüste mit seinen Blicken an ein paar unbeständigen, vergänglichen Schönheiten haftet. Verkaufst du aber das Auge dem allsehenden (Basir)Meister des Auges und lässt es auf Seine Rechnung und im erlaubten Rahmen arbeiten, so wird dieses Auge von nun an zum Rang eines Lesers des großen Buches der Schöpfung und eines Betrachters der wunderbaren Kunstwerke des Herrn in dieser Welt aufsteigen, einer Biene gleich, die im Garten dieser Welt mit den Blumen Seiner Barmherzigkeit gesegnet wird.

Beispiel: Wenn du die Geschmacksorgane, die du auf deiner Zunge trägst, nicht an deinen weisen Schöpfer verkaufst, sie vielmehr auf eigene (nefs)

Rechnung arbeiten

lässt, im Namen deines Bauches, so sinkt und stürzt ihr Wert auf die Stufe eines Mundschenks deines Magens herab und wird zum Pförtner am Tore seiner Fabrik. Verkaufst du sie aber deinem freigiebigen Versorger (Rezzaq),so wird der Geschmackssinn deiner Zunge von nun an zum Rang eines besonders befähigten Verwalters der Schatzkammer göttlichen Erbarmens und zum zufriedenen Küchenchef der unerschöpflichen göttlichen Allmacht (Qudret-i Samedaniye).

Wohlan denn, oh du mein Verstand! Merke auf! Wo ist der Apparat, der das Unheil anrichtet? Wo liegt der Schlüssel zum Weltall? Und du mein Auge! Schau genau hin! Wo ist hier der schamlose Betrachter? Wo ist der akademisch gebildete Verwalter der göttlichen Bibliothek? Und du meine Zunge! Probiere den Geschmack und koste ihn wohl! Wo ist hier der Mundschenk und der Torhüter der Fabrik? Wo der Haushofmeister der königlichen Schatzkammer Seiner Barmherzigkeit?

Wenn du den oben angeführten Beispielen entsprechend die übrigen Werkzeuge und Organe vergleichst, dann wirst du begreifen, dass der Gläubige in seinem Wesen wahrhaftig für das Paradies bestimmt, der Ungläubige von der Hölle geprägt wird. Der Grund dafür, dass der eine einen solchen Wert erlangt, liegt darin, dass der Gläubige im Glauben das ihm von seinem Schöpfer anvertraute Pfand in Gottes Namen und im Rahmen des Erlaubten verwendet, während der andere, der Ungläubige, hingegen es veruntreut und es auf Rechnung seiner selbstsüchtigen Seele (nefs-i emmare)arbeiten lässt.

Vierter Gewinn:

Der Mensch ist hilflos und zahlreichen Unglücksfällen ausgeliefert. Er ist bedürftig und seine Bedürfnisse sind grenzenlos. Er ist schwach und die Last des Lebens drückt ihn schwer. Wenn er nicht den Allmächtigen in Seiner Majestät für sich zur Stütze erwählt und nicht zu Ihm seine Zuflucht nimmt und sich Ihm nicht voller Zuversicht unterwirft (teslim),wird er von ständigen Gewissensbissen geplagt. Fruchtlose Bemühungen, der Schmerz und das Bedauern würgen ihn, berauben ihn seiner Sinne oder machen ihn wild.

Fünfter Gewinn:

Alle diese Sinne und Fähigkeiten, diese Organe und Werkzeuge stehen im Dienste Gottes, verehren und verherrlichen Ihn. Der große Verdienst von ihnen wird uns in Form von Paradiesesfrüchten zur Zeit unserer größten Bedürftigkeit dargeboten. Hierüber sind sich alle Gelehrten und Gebildeten, die Theologen und Geistlichen und all diejenigen, die einen Sinn für die Wahrheit haben, einig.

Doch wenn du nun dieses Geschäft mit seinem fünffachen Gewinn ablehnst, bleibst du nicht nur ohne einen Anteil daran, sondern du wirst statt dessen fünffach Verlust über Verlust erleiden.

Erster Verlust:

Dein Besitz und deine Kinder, die du so sehr liebst, deine Neigungen und Leidenschaften, die du alle so gerne befriedigen möchtest, die Jugend und das Leben, in die du so vernarrt bist, das alles vergeht, zerrinnt und verliert seinen Wert. Am Ende bleiben deine Hände leer. Was dir bleibt, ist die Sünde und das Leid, das wie ein Joch auf deinen Schultern lastet.

Zweiter Verlust:

Für den Verrat an dem dir anvertrauten Pfand wirst du dir eine Strafe zuziehen. Denn die wertvollsten Geräte hast du für wertloseste Dinge gebraucht und so deiner Seele (nefs)Unrecht und Gewalt angetan.

Dritter Verlust:

All deine so wertvollen Eigenschaften und Fähigkeiten (wie sie den Menschen über das Tier erheben - A.d.Ü.) hast du bis auf eine Stufe unterhalb der Tiere herabgewürdigt und so die göttliche Weisheit geschmäht und vergewaltigt.

Vierter Verlust:

Deiner Schwäche und Armseligkeit nicht bewusst, wirst du die schwere Last des Lebens auf deine schwachen Schultern laden und ständig unter den Schlägen des Verfalls und der Trennung "Ach" und "Weh" schreien.

Fünfter Verlust:

Um die Grundlagen des ewigen Lebens und jenseitiger Glückseligkeit zu erwerben, wurde

dir mit deinem Verstand und mit deinem Herzen, mit Auge und Zunge, das nötige Rüstzeug als wundervolles Geschenk des Erbarmers verliehen, doch du verwendest sie in so abscheulicher Weise, dass sie dir die Pforten der Hölle öffnen werden.

Wollen wir uns nun den Handel einmal näher ansehen! Ist er wirklich eine so schwere Angelegenheit, dass so viele vor dem Verkauf zurückschrecken? Nein!... Ganz und gar nicht! Es gibt keine solche Schwierigkeit. Denn der Bereich des Erlaubten ist weit genug gespannt, jeglichem menschlichen Wohlbefinden zu entsprechen. Es ist überhaupt nicht notwendig, sich auf unerlaubte Dinge einzulassen. Denn es gibt nur wenige Gebote Gottes und sie sind leicht zu erfüllen.

Gottes Anbeter, Diener und Streiter zu sein, ist eine so große Freude und eine solche Ehre, dass es sich gar nicht beschreiben lässt. Unsere Aufgabe besteht lediglich darin, gleich einem Streiter Gottes in Seinem Namen zu handeln, mit Ihm zu beginnen... in Seinem Auftrag auszugeben und nach Seiner Weisung anzunehmen... sich mit Seiner Einwilligung und im Rahmen Seiner Gesetze zu bewegen, in Seiner göttlichen Gegenwart stille zu werden... Und wenn wir einmal einen Fehler begangen haben, sollen wir mit den Worten um Vergebung bitten und inständig zu Ihm flehen:

"Oh Herr! Vergib uns unsere Fehler... Nimm uns als Deine Diener an. Bis zu der Zeit, da Du das uns anvertraute Pfand wieder aus unseren Händen nimmst, lass uns Dein Lehen treu verwalten, Amen."

Siebentes Wort

بِسْمِ اللَّهِ الرَّحْمَنِ الرَّحِيمِ

{"Im Namen Allahs, des Erbarmers, des Barmherzigen."}

Das tiefe, hermetisch verschlossene, kosmische Geheimnis (tilsim)wird enträtselt.

آمَنْتُ بِاللّهِ وَبِالْيَوْمِ اْلآخِرِ

{"Ich glaube an Gott und ich glaube an den Jüngsten Tag."}

öffnet dem menschlichen Geist die Pforten zur ewigen Seligkeit. Möchtest du verstehen, wie wertvoll die beiden Schlüssel zu diesem tiefen Geheimnis (tilsim)sind; vertrauensvoll und in Geduld zu deinem Schöpfer deine Zuflucht nehmen; dich voll Dankbarkeit in Bitten und Gebeten dem zuwenden, der dich versorgt; begreifen, wie stark die heilende Wirkung dieser beiden Mittel ist; wie wichtig es ist, den Qur'an zu hören, seinen Ratschlüssen zu folgen, das Gebet zu verrichten, und die Sünden zu vermeiden, was auf der Reise in die Unendlichkeit der Ewigkeit eine unentbehrliche, unbezahlbare und allüberall gültige Fahrkarte darstellt, unsere "Speise" im Jenseits, und unser Licht in der Finsternis des Grabes ist, dann schaue und höre das folgende Gleichnis:

Eines Tages geriet ein Soldat auf dem Kampfplatz, dem Prüfungsfeld, in einer Zeit von Gewinn und Verlust, in eine äußerst beklemmende Lage. Es war diese wie folgt:

Er hatte eine tiefe Wunde an seiner rechten Seite, und auch seine linke Seite war fürchterlich verletzt. Hinter ihm verharrte geduckt und sprungbereit ein gewaltiger Löwe. Vor seinen Augen war ein Galgen aufgerichtet, an dem alle seine Freunde durch den Strang hingerichtet wurden. Er wartete auch auf ihn. Und er stand noch dazu mitten

auf einem langen Weg in die Verbannung. Während dieser Ärmste aber nun noch verzweifelt über seine schreckliche Lage nachgrübelte, tauchte zu seiner Rechten plötzlich eine machtvolle und lichterfüllte Gestalt auf, die ihn gleich Chidr {Der Grüne, gemeint ist der Prophet Elias. (A.d.Ü.)}

mit seinem Wohlwollen einhüllte und zu ihm sprach:

"Sei nicht verzweifelt! Ich werde dir zwei Tilsim{Gemeint ist die Annahme und Vertiefung des Glaubens. (A.d.Ü.)} geben und erklären. Machst du den rechten Gebrauch davon, wird dieser Löwe für dich zu einem gehorsamen Pferd. Selbst der Galgen verwandelt sich für dich zu einer kosmischen Schaukel für eine angenehme Flugreise. Außerdem werde ich dir auch noch zwei Heilmittel geben. Wenn du sie recht verwendest, werden durch sie deine beiden schmerzvollen Wunden umgewandelt werden und du wirst an ihrer Statt zwei zarte Blumen tragen, welche den wundervollen Duft der Rosen Mohammeds, mit dem Friede und Segen sei, verströmen. Ich werde dir auch noch eine Fahrkarte geben. Damit kannst du eine Fußwanderung von einem Jahr verkürzen und so die Strecke in einem Tag überfliegen. Probiere die Dinge nur aus, wenn du mir nicht glaubst. Versuche es nur und du wirst sehen, dass ich die Wahrheit gesagt habe."

Da machte er tatsächlich einen Versuch und so auch die Erfahrung, dass es damit seine Richtigkeit hatte. Dies bekundete und bestätigte er. Und in der Tat kann auch ich, d.h. dieser arme Said, dies bestätigen. Denn ich habe es ein wenig ausprobiert und es als völlig richtig erkannt.

Nun erblickte dieser Soldat plötzlich zu seiner Linken einen Saufbruder, einen hinterlistigen Betrüger, der aussah wie der Teufel, der mit allerlei Schmuck und Tand, mit verschiedenen bunten Bildchen und noch anderem nutzlosem Kram, aber auch mit Getränken auf ihn zukam, vor ihm stehen blieb und sagte:

"Hallo Kumpel! Komm her! Wir wollen miteinander zechen und guter Dinge sein! Lass uns doch die Bilder dieser hübschen Mädchen betrachten! Wir wollen flotte Musik hören und genüsslich miteinander schmausen."

Frage:

"Ha, ha, ha... Was murmelst du denn da so heimlich vor dich hin?"

Antwort:

"Es ist ein Tilsim (: Geheimnis des Glaubens)."

- "Lass den Unsinn fahren!... Wir wollen uns doch nicht die gute Laune verderben lassen!"

- "Hah! Was hast du denn da in deinen Händen?"

- "Ein Heilmittel."

- "Wirf es weg! Du bist doch gesund! Was fehlt dir denn? Nun komm schon! Es ist Zeit."

- "Hah! Was ist denn das mit den fünf Stempeln da für ein Papier?"

- "Ein Reisevertrag mit Leistungsgutscheinen."

- "Zerreiße ihn. Was brauchen wir denn in dieser schönen Frühlingszeit noch eine Reise zu unternehmen..."

So redete der Teufel auf ihn ein und versuchte mit allen Listen ihn zu überzeugen. Und fast schon hätte er ihn auf seine Seite gezogen. In der Tat neigt der Mensch dazu, dem Betrüger auf den Leim zu gehen. Auch ich bin einmal auf einen Betrüger hereingefallen.

Da hörte der Soldat zu seiner Rechten plötzlich eine Donnerstimme, die ihm zurief: "Pass auf und lass dich nicht täuschen! Sage diesem Betrüger:

Wenn du den Löwen hinter mir töten, den Galgen zum Verschwinden bringen, die Wunden in meiner rechten und linken Seite wieder schließen kannst und zudem noch eine Möglichkeit weißt, meinen Weg in die Verbannung zu beenden, dann tu's doch und zeig mir, was du kannst! Danach magst du dann sagen: Komm, wir wollen uns vergnügen! Sonst aber schweige, du Verblendeter!... Dann will ich auf das hören, was diese Al-Chidr-gleiche Erscheinung des Himmels zu mir spricht..."

Wohlan denn, du meine Seele, die du gelacht hast, als ich noch jung war, und die du jetzt weinst, weil du darüber gelacht hast! Wisse nun... Dieser armselige Soldat, das bist du, das ist der Mensch. Und der Löwe, das ist die Sterbestunde. Was aber den Galgen betrifft, so ist er Tod, Zerfall und Trennung; im Wechsel von Tag und Nacht sagt ein jeder seinem Freund "Lebe wohl!" und verschwindet. Von den beiden Wunden ist die eine die unendliche, unerträgliche menschliche Schwäche, die andere aber die grenzenlose menschliche Armseligkeit. Betrachten wir nun die Reise in die Verbannung, so führt sie heraus aus der Welt der Geister (ruh),heraus aus dem Mutterschoß, hindurch durch Kindheit und Greisenalter, durchs irdische Leben, Grab und Zwischenwelt (berzah)zur Wiederauferstehung hinüber über die Brücke von "Sirat":eine lange Fahrt der Prüfung. Die beiden Tilsim (Geheimnisse) aber sind der Glaube an Gott den Gerechten und der Glaube an das Jenseits. In der Tat nimmt der Tod, wenn ein gläubiger Mensch diese beiden Tilsim (Zaubermittel) gebraucht, die Gestalt von Buraq{Jenes geheimnisvolle Reittier unseres Propheten (A.d.Ü.)} an, eines Pferdes, das ihn willig aus diesem irdischen Kerker heraus in die himmlischen Gärten hinüber und zur Gegenwart Gottes des Allbarmherzigen trägt. Deshalb lieben die Vollendeten (kamil insanlar),da sie die Wahrheit hinter dem Tod schauen, den Tod. Noch bevor der Tod kommt, verlangen sie zu sterben.

Zudem werden uns Verfall und Trennung und der Galgen, welche den Ablauf der Zeit darstellen, mit dem Tilsim(Geheimnis) des Glaubens zu Geräten, die uns die wundervollen Kunststickereien des königlichen Meisters, wie sie gleichsam noch feucht, überaus bunt, vielfarbig und vielgestaltig sind, frisch aus Seiner Werkstatt kommen, die Wunder Seiner Allmacht und die Manifestationen Seines Erbarmens als einen vollkommenen Genuss vor unser betrachtendes Auge bringen. In der Tat werden nur die Spiegel, welche das Licht (nur)und die Farben

der Sonne zurückstrahlen, ausgewechselt und durch neue ersetzt. Die Szene auf der Leinwand wechselt und der Anblick gestaltet sich noch besser und noch schöner.

Wenn wir nun auf die beiden Heilmittel zu sprechen kommen, so ist das eine davon die Geduld und das Gottvertrauen, sich auf die Macht des Schöpfers zu stützen und sich in Seiner Allweisheit geborgen zu fühlen. Ist das nicht so? Es ist wirklich so! Ein Mensch, der sich aufgrund der Urkunde seiner eigenen Schwäche auf den Herrn der Welt stützt, der da herrscht mit dem Befehl: كُنْ فَيَكُونُ {"Sei! Und es ist!" (Sure 36, 82)} was braucht er zu fürchten? Denn im Anblick eines fürchterlichen Unglücks sagt er:

اِنَّا لِلّٰهِ وَاِنَّآ اِلَيْهِ رَاجِعُونَ

{"Allah gehören wir, und zu Ihm kehren wir zurück." (Sure 2, 151)}

und vertraut sich mit ganzem Herzen der Barmherzigkeit seines Herrn an. In der Tat erwächst dem Gotteskenner, dem Theologen, der Sinn für die Freude aus seiner Hilflosigkeit und Gottesfurcht. In der Tat nähren sich Sinn und Gemüt aus der Furcht. Fragte man ein einjähriges Kind: "Was ist es, was dich deines Wohlbefindens ganze Köstlichkeit verspüren lässt?" und hätte das Kind Verstand genug, diese Frage zu beantworten, so würde es sicherlich sagen: "Wenn ich in dem Bewusstsein meiner Schwäche und Armseligkeit, vor dem zärtlichen Klaps meiner Mutter schüchtern erneut an meine Mutter Brust flüchtend wieder ihre Liebe verspüre." Denn, aller Mütter Liebe und Zärtlichkeit gleicht nur dem Aufleuchten eines Blitzstrahls der Allerbarmung. Deshalb ist es auch, dass die Vollendeten (kamil insanlar)in ihrer Schwäche und in der Gottesfurcht so viel Sinn und Zufriedenheit erfahren, dass sie auf ihre eigenen Fähigkeiten und Möglichkeiten verzichten und in ihrer Schwäche zu Allah ihre

Zuflucht nehmen. Sie haben ihre Schwäche und ihre Furcht zu ihrem Fürsprecher gemacht.

Was nun aber das andere Heilmittel betrifft, so besteht es aus der Dankbarkeit und der Zufriedenheit, in der sich der Gläubige mit Bitten und Beten auf das Erbarmen des allbarmherzigen Versorgers (Rezzaq)stützt. Ist das nicht so? Es ist wirklich so! Denn wie kann in der Tat einem Gast des freigiebigen Gastgebers (Djevvad-i Kerim),der die ganze Erde wie einen Tisch bereitet, den Frühling wie einen Blumenstrauß erschaffen und Seine Blumen über diesen Tisch hinausgestreut hat, seine Armseligkeit und Bedürftigkeit noch länger ein Schmerz und eine Last sein? Vielmehr nimmt seine Armseligkeit und Bedürftigkeit gleich dem Hunger die Gestalt eines Koches an. Ja, um dieses Hungers willen, bemüht er sich sogar noch darum, seine Armseligkeit zu steigern. Aus diesem Grund sind vollkommene Menschen geradezu stolz auf ihre Armut. (Hüte dich, dies nicht falsch zu verstehen! Gegenüber Gott seine Armseligkeit zu empfinden, heißt, zu Ihm zu flehen. Es heißt nicht, seine Armut vor den Leuten zur Schau zu stellen und damit hausieren zu gehen.)

Wenn wir uns nun noch dem Reisevertrag mit seinen Gutscheinen zuwenden, so ist dies die Erfüllung der göttlichen Gebote, allen voran aber die Verrichtung des Gebetes und die Vermeidung der schweren Sünden. Ist das nicht so? Es ist wirklich so. In der Tat kann in Übereinstimmung aller Gelehrten und Gebildeten, der Theologen und Geistlichen und all derer, die einen Sinn für die Wahrheit haben, auf diesem langen und dunklen Weg in die Unendlichkeit der Ewigkeiten nur derjenige Wegzehrung und alles, für die Reise notwendige, ein Licht und ein Reittier (Buraq)erhalten, der die Gebote des Qur'an hält und seine Verbote beachtet. Wenn aber nicht, so sind seine natur- oder sprachwissenschaftliche Schulbildung, alle Kunstfertigkeit und Gelehrsamkeit keine fünf Pfennige mehr wert. Denn der Lichtstrahl der Leuchte der Wissenschaft reicht nur bis an die Pforte des Grabes.

Wohlan denn, oh du meine faule Seele (nefs)!Fünfmal

am Tag das Gebet zu verrichten und sich der Sünden (kebair)zu enthalten, wie wenig und einfach und leicht ist das doch! Wie reichlich sind dagegen Gewinn, Frucht und Nutzen, und wie groß und wertvoll sind sie! Das kannst du begreifen, wenn du Verstand hast, und wenn du ihn noch nicht verloren hast. Sage also dem Teufel, zu diesem Mann, der dich zur Sünde verführen, zu seinen Ausschweifungen mitreißen will:

"Gibt es eine Möglichkeit, den Tod zu töten, sodass nun der Verfall der Welt entfällt, menschliche Schwäche und Armseligkeit aufgehoben und die Pforte des Grabes verschlossen werden, dann sage es mir; ich höre. Wenn nicht, dann schweig!... In der großen Moschee des Kosmos erklärt der Qur'an den Kosmos. Lauschen wir ihm! Lassen wir uns von seinem Licht erleuchten! Handeln wir nach seiner Rechtleitung (hidayet).Er sei unser immerwährendes Gebet! In der Tat ist er das Wort und als solches wird er bezeichnet. Er ist die Wahrheit. Er spricht die Wahrheit. Er zeigt die Tatsachen auf und strahlt das Licht seiner Weisheit aus..."

اَللّهُمَّ نَوِّرْ قُلُوبَنَا بِنُورِ اْلاِيمَانِ وَ الْقُرْآنِ ٭ اَللّهُمَّ اَغْنِنَا بِاْلاِفْتِقَارِ اِلَيْكَ وَ لاَ تَفْقُرْنَا بِاْلاِسْتِغْنَآءِ عَنْكَ تَبَرَّاْنَا اِلَيْكَ مِنْ حَوْلِنَا وَ قُوَّتِنَا وَ الْتَجَئْنَآ اِلَى حَوْلِكَ وَ قُوَّتِكَ فَاجْعَلْنَا مِنَ الْمُتَوَكِّلِينَ عَلَيْكَ وَ لاَتَكِلْنَآ اِلَى اَنْفُسِنَا وَاحْفَظْنَا بِحِفْظِكَ وَارْحَمْنَا وَ ارْحَمِ الْمُؤْمِنِينَ وَ الْمُؤْمِنَاتِ وَ صَلِّ وَ سَلِّمْ عَلَى سَيِّدِنَا مُحَمّدٍ عَبْدِكَ وَ نَبِيِّكَ وَ صَفِيِّكَ وَ خَلِيلِكَ وَ جَمَالِ مُلْكِكَ وَ مَلِيكِ صُنْعِكَ وَ عَيْنِ عِنَايَتِكَ وَ شَمْسِ هِدَايَتِكَ وَ لِسَانِ حُجَّتِكَ وَ مِثَالِ رَحْمَتِكَ وَ نُورِ خَلْقِكَ وَ شَرَفِ مَوْجُودَاتِكَ وَ سِرَاجِ وَحْدَتِكَ فِى كَثْرَةِ مَخْلُوقَاتِكَ وَ كَاشِفِ طِلْسِمِ كَآئِنَاتِكَ وَ دَلاََّلِ سَلْطَنَةِ رُبُوبِيَّتِكَ وَ مُبَلِّغِ مَرْضِيَّاتِكَ وَ مُعَرِّفِ كُنُوزِ اَسْمَآئِكَ وَ مُعَلِّمِ عِبَادِكَ وَ تَرْجُمَانِ آيَاتِكَ وَمِرْآتِ جَمَالِ رُبُوبِيّتِكَ وَ مَدَارِ شُهُودِكَ وَ اِشْهَادِكَ وَ حَبِيبِكَ وَ رَسُولِكَ الَّذِى اَرْسَلْتَهُ رَحْمَةً لِلْعَالَمِينَ وَ عَلَى اَلِهِ وَ صَحْبِهِ اَجْمَعِينَ وَ عَلَى اِخْوَانِهِ مِنَ النَّبِيِّنَ

وَ الْمُرْسَلِينَ وَ عَلَى مَلٓئِكَتِكَ الْمُقَرَّبِينَ وَ عَلَى عِبَادِكَ الصَّالِحِينَ آمِين

{"Oh Gott, erleuchte unsere Herzen mit dem Lichte des Glaubens und des Qur'an. Oh Gott, mache uns in unserer Armseligkeit reich durch unser Bedürfnis nach Dir und überlass uns nicht unserer Armut durch unseren Mangel an Bedürfnis nach Dir. Befreie uns von unserer Macht und Stärke und lass uns zu Deiner Macht und Stärke Zuflucht nehmen. Lass uns zu denen gehören, die ihr Vertrauen in Dich gesetzt haben und nicht zu denen, die sich selbst vertrauen. Beschütze uns mit Deinem Schutz. Erbarme Dich unser und aller gläubigen Männer und Frauen. Segne mit Deinem Frieden und mit Deinem Segen unseren Herrn Mohammed, Deinen Diener und Propheten, Deinen Freund und Geliebten, die Schönheit Deines Reiches, den Herrn über Deine Kunstwerke, die Essenz Deiner Gnade, die Sonne Deiner Rechtleitung, die Zunge, welche Deine Beweise verlautbart, ein Beispiel Deiner Barmherzigkeit, das Licht Deiner Schöpfung und der Ruhm Deiner Geschöpfe, die Leuchte Deiner Einheit in der Vielheit Deiner Geschöpfe, den Entdecker aller Geheimnisse Deines Universums, den Herold des Königreiches Deiner Herrschaft, den Verkünder Deines Wohlgefallens, den Kenner aller Schätze Deiner Namen und Lehrer Deiner Diener, den Dolmetscher Deiner Zeichen und Spiegel der Schönheit Deiner Herrschaft, den Angelpunkt allen Zeugnisses von Dir und gegenüber Dir, Deinen Geliebten und Propheten, den Du gesandt hast als eine Barmherzigkeit aller Welten, Ihn und Seine Familie, all seine Gefährten, alle Brüder unter den Gesandten und Propheten, die Engel und Erzengel und all Deine aufrichtigen Diener. Amen"}

Achtes Wort

بِسْمِ الَلّهِ الرَّحْمَنِ الرّحِيمِ ٭ اَللّٰهُ لاَ اِلهَ اِلاَّ هُوَ اْلحَىُّ الْقَيُّومُ ٭ اِنَّ اِنَّ الدِّينَ عِنْدَ اللّٰهِ اْلاِسْلاَمُ

{"Im Namen Allahs, des Erbarmers, des Barmherzigen; Allah ist und außer Ihm gibt es keinen Gott, Er, der Lebendige, der Beständige." (Sure 2, 255) "Fürwahr, Glaube (din) ist bei Allah die Ergebung (Islam)"(Sure 3, 19)}

Möchtest du Wesen und Wert des Glaubens für den Menschen und des menschlichen Geistes für die Welt und die Welt selbst begreifen? Und weißt du, dass die Welt zu einem Gefängnis würde, gäbe es keinen wahren Glauben, und dass ein unreligiöser Mensch das unglückseligste unter allen Geschöpfen ist? Und weißt du, dass das tiefe Geheimnis (tilsim)dieser Welt durch den Ruf يَآ اَللّٰهُ {"Oh Gott."} und das Zeugnis لآَ اِلهَ اِلاَّ اللّٰهُ {"Es gibt keinen Gott außer Allah."} erschlossen wird, wodurch auch des Menschen Seele (ruh)aus der Finsternis errettet wird, dann betrachte und höre das folgende Gleichnis:

In alter Zeit begaben sich einmal zwei Brüder gemeinsam auf eine lange Reise. Sie gingen und gingen immer weiter und kamen schließlich an eine Weggablung. Genau dort aber, wo der Weg sich teilte, erblickten sie einen Landeskundigen, der ihnen Vertrauen einflößte. Ihn befragten

sie: "Welches ist der bessere Weg?" Da entgegnete ihnen dieser: "Wählt ihr den rechten Weg, dann müsst ihr euch an Recht und Gesetz halten. Doch für diese Mühe werdet ihr in Sicherheit reisen und glücklich sein. Was aber den linken Weg betrifft, so bringt er für euch Freiheit und Ungebundenheit. Doch bringt diese Freiheit Gefahren und diese Ungebundenheit Ruhelosigkeit mit sich. Nun aber entscheidet euch und trefft eure Wahl."

Nachdem sie diese Worte vernommen hatten, sagte der eine von den beiden Brüdern, der gutwillig und wohlgesonnen war: تَوَكَّلْتُ عَلَى اللّهِ {"Ich vertraue auf Gott."} schlug den rechten Weg ein und machte sich auf die Reise. Und dabei unterwarf er sich den Anordnungen von Recht und Gesetz. Der andere Bruder aber, weil er bösgesinnt und verblendet war, zog es vor, den linken Weg zu wählen. Begleiten wir zuerst in unseren Gedanken diesen Mann. Er hatte nun äußerlich eine leichte, doch innerlich eine schwere Bürde zu tragen. Da wanderte nun dieser Mann die Berge und Täler hinauf und hinunter und ging und ging immer weiter, bis er sich am Ende in einer menschenleeren Wüste befand. Dort vernahm er plötzlich ein fürchterliches Gebrüll. Sich umschauend erblickte er einen schrecklichen Löwen, der hinter einem Gebüsch hervor zum Sprung ansetzte. Rasch floh der Mann vor dem Löwen, fand eine sechzig Ellen tiefe, ausgetrocknete Zisterne und stürzte sich in seiner Angst hinein. Als er schon halb hinuntergefallen war, fand er einen Halt an einem Baum, der dadurch seinen Sturz auffing. Dieser Baum klammerte sich mit zwei schon morsch gewordenen Wurzeln in der Wand der Zisterne fest. In diese hatten sich zwei Mäuse verbissen, die eine weiß, die andere schwarz, und zernagten sie. Als der Mann seinen Blick nach oben wandte, sah er dort den Löwen einem Wächter

gleich auf der Mauer sitzend warten. Nach unten blickend gewahrte er in der Tiefe einen abscheulichen Drachen. Er hatte das Haupt gegen ihn erhoben und reckte den Hals nach seinen Füßen, die dreißig Ellen über dem Abgrund baumelten. Sein Rachen war ebenso groß wie der Schacht der Zisterne selbst. Und auch als er die Schachtwand betrachtete, erblickte er rings umher allerlei Schmarotzer und eine Menge Ungeziefer. Nun wandte er seine Aufmerksamkeit der Krone des Baumes zu und sah, dass es ein Feigenbaum war. Doch - oh Wunder - der Baum trug sehr viele verschiedene Früchte, Nüsse und Granatäpfel hingen in seiner Krone.

Doch all das betrachtete dieser Mann in seinem Unverstand völlig falsch. Er erkannte nicht, dass es sich dabei um keine gewöhnlichen Dinge handeln konnte. Es konnte nicht Werk des Zufalls sein. In all diesen seltsamen Dingen verbargen sich besondere Geheimnisse. Doch er konnte ihnen nicht entnehmen, dass hinter allen der Allwirkende steht. So begann er denn von den Früchten dieses Baumes zu essen, ungerührt von dem verborgenen Aufschrei über seine leidvolle Lage und der Klage in seinem Sinn, Herz und Verstand, weil seine eigenwillige Seele (nefs-i emmare),so als sei dies alles nicht vorhanden, sich über dem Weinen seines Herzens und seiner Seele mit den Fingern die Ohren verstopfte, und indem sie sich selbst betrog, so tat, als befände sie sich inmitten eines Gartens. Doch einige dieser Früchte waren gar nicht gesund, ja sogar giftig. In einer Hadith-i Qudsi{Der Prophet verkündet das Wort Gottes mit seinen eigenen Worten. (A.d.Ü.)} hat uns Gott der Gerechte geoffenbart:

اَنَا عِنْدَ ظَنِّ عَبْدِى بِى

Das heißt: "Ich behandle meinen Diener so, wie ich von ihm erkannt bin." So hielt denn dieser unglückselige Mensch, was er erblickte und in seinem Unverstand

fälschlich beurteilte, für eine einfache und offensichtliche Tatsache. Und in dieser Weise erlebte er auch das Geschehnis, er erlebt es noch und wird es auch weiterhin so erfahren... So konnte er weder sterben, sodass er von seinem Leiden hätte befreit werden können, noch war es ihm möglich zu leben. So litt er unter seiner Qual. Wir aber wollen, während wir diesen Unglückseligen seiner Strafe überlassen, zurückkehren und wollen sehen, wie es dem anderen Bruder inzwischen ergangen ist.

Siehe, wie dieser Mann in seiner guten Gesinnung daher kommt! Im Gegensatz zu seinem Bruder gerät er nicht in Bedrängnis. Denn dank der guten Erziehung, die er genossen hat, beschäftigt er sich nur mit dem, was gut ist und träumt nur von den schönen Dingen. Er spricht sich selbst Mut zu. Er braucht auch nicht wie sein Bruder unter Mühsal und Anstrengungen zu leiden. Denn er kennt seine Anordnungen und unterwirft sich ihnen. Ihm öffnen sich alle Türen. Als ein freier Mann bewegt er sich in geordneten und gesicherten Verhältnissen. So gelangt er zu einem Garten. Darin gibt es aber nicht nur schöne Blumen und herrliche Früchte, sondern auch übelerregende Dinge. Denn niemand hegt und pflegt ihn. Auch sein Bruder war schon in einen solchen Garten eingetreten. Doch er hatte den übelerregenden Dingen seine Aufmerksamkeit geschenkt, ja, sich mit ihnen beschäftigt und es wurde ihm davon schlecht. So verließ er den Garten wieder und ging weg, ohne dass er darin Erholung gefunden hätte. Sein Bruder hingegen hält sich an den Grundsatz: "Sieh in allem das Gute!" Er übersieht die schlimmen Dinge. Er macht von den guten Dingen einen guten Gebrauch. Aufs beste erholt verlässt er den Garten, und setzt seinen Weg fort.

Er geht nun immer weiter und weiter und gelangt wie zuvor sein Bruder zu einer gewaltigen Wüste. Plötzlich hört er das Gebrüll des Löwen, der sich auf ihn stürzen will. Er fürchtet sich. Doch seine Furcht ist nicht so stark wie die seines Bruders. Doch weil er stets nur denkt und annimmt, was gut und schön war, tröstet er sich mit dem

Gedanken: "Diese Wüste hat ihren Herrn. Es wäre möglich, dass dieser Löwe ein Diener unter dem Befehl seines Herrn ist."

Dennoch flieht er und gelangt zu einer sechzig Ellen tiefen, ausgetrockneten Zisterne und springt hinein. So wie sein Bruder kann er sich in deren Mitte mit seinen Händen an einem Baum festhalten. An ihm festgeklammert bleibt er mitten in der Luft hängen. Er sieht die beiden Tiere, welche die beiden Wurzeln des Baumes benagen. Er blickt nach oben und sieht den Löwen. Er blickt nach unten und sieht einen Drachen. Gleich seinem Bruder erfährt er sich in einer seltsamen Lage. Auch ihn packt die Angst. Doch seine Angst ist tausendmal kleiner als die seines Bruders... Seine gute Erziehung gibt ihm auch hier wieder gute Gedanken ein. Und was diese guten Gedanken betrifft, so zeigen sie ihm alle Dinge im schönsten Licht. So denkt er denn aus diesem Grunde:

"All diese seltsamen Ereignisse stehen miteinander in einem Zusammenhang. Es sieht so aus, als folgten sie alle einem höheren Befehl. Wenn das aber so ist, dann ist in allen Dingen ein tieferes Geheimnis (tilsim)verborgen. In der Tat geschieht alles auf Befehl eines verborgenen Herrschers. Wenn das aber so ist, dann bin ich nicht allein. Der verborgene Herrscher kümmert sich um mich. Er stellt mich auf die Probe. Er hat mich aus einem bestimmten Grunde hierher geführt und gerufen."

Aus einer solchen Furcht und der mit ihr verbundenen Ahnung und allen guten Gedanken heraus, erwächst in ihm die erstaunte Frage:

"Wer mag das wohl sein, der mich in dieser Weise prüft und sich mir darin zu erkennen geben will und mich auf diesem seltsamen Weg ans Ziel führt?"

Aus dieser Neugierde und dem damit verbundenen Bedürfnis, den Herrn dieses Geheimnisses (tilsim)kennen zu lernen, erwächst nun die Liebe zu ihm. Aus dieser Liebe heraus aber keimt in ihm der Wunsch, dieses Geheimnis zu entschleiern. Aus diesem Wunsch aber erwächst in ihm der Wille (irade),sich nun auch so gut und

schön und richtig zu verhalten, dass es dem Herrn dieses Geheimnisses wohlgefällt und Er mit ihm zufrieden ist.

Nun blickt er zur Krone des Baumes hinauf und sieht: Es ist ein Feigenbaum. Doch in dieser Krone wachsen Früchte von tausenderlei Bäumen. In diesem Augenblick verschwand aus ihm jede Furcht. Denn nun begriff er mit Sicherheit: Dieser Feigenbaum ist wie eine Speisekarte, ein Inhaltsverzeichnis, eine Ausstellung!

Dieser verborgene Herrscher muss die Früchte in Seinen Weinbergen und Gärten in die Bäume gehängt haben, damit sie Muster, Geheimnis und Wunderzeichen sein sollen und Er muss diesen Baum mit ihnen geschmückt haben, damit sie für Seine Gäste ein Zeichen sein sollen für die Speisen, die Er ihnen vorbereitet hat. Könnte denn anders ein einzelner Baum die Früchte tausender Bäume hervorbringen?

Nun begann er zu beten und zu flehen, dass ihm der Schlüssel dieses Geheimnisses (tilsim)zum Erlebnis würde, und er rief: "Oh Du, der Du der Beherrscher dieser Stätten bist! Mein Schicksal ruht in Deiner Hand. Zu Dir nehme ich meine Zuflucht und stelle mich in Deinen Dienst. Ich strebe danach, Dein Wohlgefallen zu erlangen. Ich suche Dich."

Über diesem flehentlichen Gebet öffnete sich plötzlich der Schacht der Zisterne, die Schachtwand spaltete sich und eine Pforte zu einem überaus schönen, sauberen und gepflegten Garten tat sich auf. Oder es war vielmehr das Maul des Drachens, das sich in ein solches Tor verwandelte. Löwe und Drache nahmen die Gestalt zweier Diener an. Sie baten ihn, einzutreten und Gast zu sein. Ja, nunmehr nahm der Löwe für ihn sogar die Gestalt eines lammfrommen Pferdes an.

Wohlan denn nun, du meine faule Seele (nefs)!Und du mein Freund, der du mir jetzt in meiner Vorstellung gegenüber sitzt!

Kommt (ihr beiden : die Seele und der Freund)! Wägen und vergleichen wir die Lage dieser beiden Brüder! Wollen wir nun schauen und begreifen, wie das Gute wieder

Gutes und das Böse wieder Böses hervorbringt!

Seht: Jener Unglückselige, der zu seiner Reise den linken Weg eingeschlagen hat, muss sich ständig bewusst sein, in den Schlund eines Drachens hinabzustürzen und zittert davor. Was aber jenen Glücklichen betrifft, so ist er zu einem Garten eingeladen, der mit vielfältigen Früchten und jeder Art Annehmlichkeit gesegnet ist. Zudem wird das Herz dieses Unglückseligen von schmerzlicher Furcht und einer schrecklichen Angst zerrissen.

Was aber jenen Glücklichen betrifft, so schaut und betrachtet er all jene seltsamen Dinge wie lehrreiche und anregende Beispiele, als ein schreckliches Abenteuer, dessen guter (schlechter) Ausgang von zukünftiger Heilsgewissheit gemildert wird oder als eine Erfahrung, welche ihn die Liebe lehrt. Und weiter noch wird dieser Unglückselige von Einsamkeit, Verzweiflung und Verlassenheit gequält. Der Glückliche hingegen genießt den vertrauten Umgang, er liebt in froher Hoffnung und sehnsüchtigem Verlangen.

Überdies betrachtet dieser Unglückselige sich selbst als einen Gefangenen, bedroht durch die Angriffe wütender Ungeheuer. Doch der Glückliche ist ein hochgeschätzter Gast, der mit den sonderbaren Dienern seines freigiebigen Gastherrn, bei dem er zu Gast ist, vertrauten Umgang pflegt und durch die er Freude und Erholung findet. Und außerdem beschleunigt dieser Unglückselige noch seine Strafe durch den Genuss von Speisen, die zwar äußerlich wohlschmeckend erscheinen, in ihrer Wirkung aber innerlich giftig sind. Denn diese Früchte sind lediglich Muster. Man darf zwar von ihnen kosten, sodass man nach deren Originalen Sehnsucht bekommt und sie erwerben möchte; sie aber gleich einem Tier zu verschlingen, ist nicht erlaubt. Der Glückliche jedoch kostet sie, begreift, worum es sich handelt und verschiebt ihren Genuss auf später. Das Warten darauf wird ihm durch die Vorfreude versüßt. Dagegen ist dieser Unglückselige auch noch ungerecht zu sich selbst. Eine Wahrheit, schön wie der lichte Tag und seine eigene Lage, die

wie ein strahlender Tag ist, überführt er in seiner Uneinsichtigkeit selbst in einen finsteren und grausamen Argwohn, der die Gestalt der Hölle annimmt. So widerfährt ihm nur Gerechtigkeit, wenn die Liebe Gottes (shefqat)ihn nicht anrührt und er hat auch kein Recht, irgend jemanden zu beschuldigen.

Dafür ein Beispiel: Wenn sich ein Mann zur Sommerzeit in einem schönen Garten inmitten seiner Freunde nicht damit begnügt, an einem geselligen Mahl teilzunehmen, es sich gemütlich zu machen und zu genießen, stattdessen seine Sinne mit unreinem Rauschtrank vernebelt und nun in der Vorstellung lebt, er befände sich mitten im Winter hungrig und nackt unter Wölfen und nun zu schreien und zu weinen beginnt, so versteht es sich von selbst, dass er kein Mitleid (shefqat)verdient. Er tut sich selbst Unrecht. Er sieht Wölfe in seinen Freunden und beleidigt sie. So ist also die Lage dieses Unglückseligen genauso wie im obigen Beispiel. Was aber den Glücklichen betrifft, so sieht er die Wirklichkeit. Die Wirklichkeit ist aber schön. Indem er die Wirklichkeit der Wahrheit gemäß als schön erkennt, gibt er jener Vollendung (kemal)die Ehre, welche dem Herrn (sahib)über alle Wahrheit zu eigen ist. So ist er auch würdig Seines Erbarmens. So offenbart sich hier der Sinn des Lehrsatzes aus dem Qur'an: "Wisse, dass das Böse aus dir selbst, das Gute aber von Allah kommt."

Ziehst du nun weitere, ähnliche Unterschiede zum Vergleich heran, so wirst du verstehen, dass die eigenwillige Seele (nefs-i emmare)des ersteren, ihm innerlich (manevi)Höllenqualen bereitet. Für den anderen aber manifestieren sich durch dessen gute Absicht (niyet),seine gute Vorstellungsweise, seinen guten Charakter und seine guten Gedanken (fikr)eine große Güte, eine Glückseligkeit, ein persönliches Charisma und Gottes reichster Segen (feyz).

Oh du meine Seele (nefs)!Und du, oh Mensch, der du gemeinsam mit meiner Seele dieser Erzählung zuhörst! Wenn du kein unglückseliger Bruder werden willst,

vielmehr ein glücklicher Bruder werden möchtest, dann höre auf den Qur'an und folge seiner Weisung! Halte dich fest an ihm! Beachte seine Leitlinien und setze sie in die Praxis um!

Wenn du dir über die Wahrheit, die in diesen Gleichnissen enthalten ist, klar geworden bist, wirst du auch der Bedeutung der Religion, dem Sinn des Lebens, dem Wert des Menschen und der Bedeutung des Glaubens im Alltag zum Durchbruch verhelfen. Das Wichtigste darüber will ich dir hier sagen. Die Feinheiten magst du dir dann selbst ausmalen!

So siehe denn nun! Was die beiden Brüder betrifft, so wird durch den einen von ihnen die Seele (ruh)eines Gläubigen (mu'min)und das Herz eines rechtschaffenen Menschen (salih),durch den anderen die Seele eines Ungläubigen (kafir)und das Herz eines sündigen Menschen (fasik)dargestellt. Von den beiden Wegen führt der rechte den Weg des Qur'an und des Glaubens, der linke aber den Weg der Auflehnung und des Unglaubens (kufr).Der Garten, durch den diese Wege führen, ist dieses vergängliche menschliche Gemeinschaftsleben innerhalb der menschlichen Gesellschaft, ihren sozialen Strukturen, ihrer Kultur und Zivilisation, in dem sich Schönes und Schlechtes, Gutes und Böses, Lauteres und Unsauberes beieinander finden. Der Verständige handelt nach dem Grundsatz:

خُذْ مَا صَفَا دَعْ مَا كَدَرْ

{"Nimm das, was dich freudig stimmt und lass das, was dir Sorge bereitet!"}

und geht im Herzen wohlbehalten (selamet).

Die Wüste ist die Erde und das irdische Leben. Der Löwe bedeutet den Tod und seine Stunde. Die Zisterne bezeichnet den menschlichen Körper und seine Lebensspanne. Und ihre Tiefe von sechzig Ellen ist ein Hinweis auf die sechzig Jahre einer durchschnittlichen Lebensspanne und allgemeinen Lebenserwartung. Was aber den Baum darinnen betrifft, so verkörpert er das menschliche

Leben nach seiner Länge und in seiner Substanz. Die beiden Tiere, ein weißes und ein schwarzes, sind der Tag und die Nacht. Der Schlund des Drachens bedeutet das Grab als das Tor zum Zwischenreich (berzah)und den Weg ins Jenseits. Doch für den Gläubigen ist dies der Rachen, der die Pforten des Kerkers aufreißt und hinausführt in die Gärten Edens. Das Ungeziefer stellt die alltäglichen Widerwärtigkeiten dar. Doch auf den Gläubigen wirken sie wie der wohlwollend gemeinte Hinweis Gottes und jene Zuwendung des Allbarmherzigen, die ihn davor bewahrt, in den Schlaf der Gottvergessenheit zu verfallen. Was nun die Früchte an dem Baum betrifft, so sind sie die irdischen Gnadengaben, die Gott in Seiner vollkommenen Freigiebigkeit gleichsam als eine Speisekarte der jenseitigen Gnadengaben, als Erinnerungsstücke, als Musterbeispiele in der Form von Nachbildungen der Paradiesesfrüchte geschaffen hat, so, als wollte Er Seine "Kunden" damit zum Kauf anregen. Und obwohl es sich dabei nur um einen einzigen Baum handelt, trägt dieser doch die verschiedensten Früchte.

Dies ist ein Hinweis auf die Prägung der einzigartigen Allmacht, den Stempel der göttlichen Herrschaft und den Siegel des Königreiches der Gottheit. Denn: "Aus einem einzigen Ding alle Dinge hervorzubringen", d.h. aus der gleichen Erde alle Pflanzen und ihre Früchte sprießen zu lassen, aus dem gleichen Wasser alle Tiere zu erschaffen und zugleich "aus allen Dingen ein einziges Ding hervorzubringen". Das heißt, dass die so verschiedenen Arten von Nahrungsmitteln, welche die einzelnen Tiere in sich aufnehmen, in die jeweils spezifischen Gewebe dieser Tiere umgewandelt wird. Er strickt Seinen Tieren unabhängig von der Verschiedenheit ihrer Nahrung stets einheitlich die gleiche Haut. Diese und andere ähnliche Werke Seiner Kunst zeigen das persönliche Siegel jener Einen und Einzigartigen (Ahad-i Samed)Persönlichkeit, welche König ist von Ewigkeit zu Ewigkeit. Es ist der Ihm eigene Stempel.

So trägt ein jedes Ding Seine unnachahmliche Prägung.

In der Tat ist diese Fähigkeit, aus einem Ding alle Dinge und aus allen Dingen ein einziges Ding hervorzubringen, das persönliche Kennzeichen des Schöpfers aller Dinge; und Wunder (ayat)ausschließlich dessen, der über alle Dinge allmächtig ist. Was aber die Offenbarung des Schlüssels (tilsim)betrifft, so ist er das Geheimnis des Glaubens, der das Geheimnis hinter der Weisheit der Schöpfung erschließt. Dieser Schlüssel heißt:

يَا اَللّٰهُ ٭ لآَ اِلهَ اِلاَّ اللّهْ ٭ اَللّٰهُ لآَ اِلهَ اِلاَّ هُوَ اْلحَىُّ الْقَيُّومُ

{"Oh Gott! Es gibt keinen Gott außer Allah. Allah ist und außer Ihm gibt es keinen Gott, Er, der Lebendige, der Beständige." (Sure 2, 256)}

Wenn sich nun aber der Schlund des Drachens in ein Tor zu einem Garten verwandelt, so bedeutet dies:

Während sich für die Leute des Irrweges und der Auflehnung das Tor zu einer Friedhofswelt öffnet, eng wie der Bauch eines Drachenungeheuers, und vergleichbar einem Kerker inmitten der Einöde einer vergessenen Welt, öffnet sich für die Leute des Qur'an und des Glaubens das Tor aus dem Gefängnis dieser Welt hinaus zu den ewigen Gärten und heraus aus diesem Prüffeld zu den Gärten Edens, heraus aus der Mühsal des Lebens zum Erbarmen des Barmherzigen. Und wenn dieser wilde Löwe zu einem vertrauten Diener wird, bzw. sich in ein lammfrommes Pferd verwandelt, so bedeutet dies, dass das Tor für die Leute des Irrweges eine ewige, schmerzliche Trennung von all ihren Lieben (mahbub),noch dazu eine Vertreibung aus ihrem eigenen, imaginären irdischen Paradies, eine Einschließung in den Kerker, das Gefängnis des Grabes inmitten ihrer Einsamkeit und Verlassenheit ist, für die Leute der Rechtleitung und des Qur'an hingegen ein Fahrzeug, um ihren alten Freunden und all den Lieben, welche in die andere Welt hinübergegangen sind, wieder zu begegnen. Außerdem ist es das Mittel, um in die wahre Heimat und zum Sitz der ewigen Glückseligkeit zu gelangen. Und weiter ist es eine Einladung in die Gärten Edens, heraus aus dem Kerker dieser Welt. Darüber hinaus ist der Tod auch der Augenblick, in

dem wir von der Gnade des allbarmherzigen Erbarmers den Lohn für die Dienste, die wir Ihm geleistet haben, in Empfang nehmen. Und schließlich ist er die Befreiung von einer lebenslangen Verpflichtung, sich zu mühen und zu plagen. Und endlich bringt er den Feierabend, nachdem der Dienst abgeleistet, die Prüfungen bestanden, die Übungen beendet und alle Vorschriften erfüllt worden sind.

Zusammenfassung:

Wer auch immer sein Hauptaugenmerk nur auf dieses vergängliche Leben gerichtet hält, der mag äußerlich betrachtet in einem Paradies leben, innerlich ist es die Hölle. Und wer auch immer sich ernsthaft um ein ewiges Leben bemüht, dessen Leben wird glücklich in beiden Welten, in dieser und in jener Welt. Wie schlimm auch immer seine Welt sein mag und wie sehr sie ihn auch bedrückt, so betrachtet er sie dennoch guten Mutes und frohen Sinnes, weil er in ihr einen Wartesaal und einen Vorraum des Paradieses sieht, erträgt sie auf diese Weise und geduldet sich in Dankbarkeit.

اَللّهُمَّ اجْعَلْنَا مِنْ اَهْلِ السَّعَادَةِ وَ السَّلاَمَةِ وَ الْقُرْاَنِ وَ اْلاِيمَانِ آمِينْ ٭ اَللّهُمَّ صَلِّ وَ سَلِّمْ عَلَى سَيِّدِنَا مُحَمَّدٍ وَ عَلَى آلِهِ وَ صَحْبِهِ بِعَدَدِ جَمِيعِ الْحُرُوفَاتِ الْمُتَشَكِّلَةِ فِى جَمِيعِ الْكَلِمَاتِ الْمُتَمَثِّلَةِ بِاِذْنِ الرَّحْمنِ فِى مَرَايَا تَمَوُّجَاتِ الْهَوَآءِ عِنْدَ قِرَآئَةِ كُلِّ كَلِمَةٍ مِنَ الْقُرْاَنِ مِنْ كُلِّ قَارِءٍ مِنْ اَوَّلِ النُّزُولِ اِلَى اَخِرِ الزَّمَانِ ٭ وَ ارْحَمْنَا وَ وَالِدَيْنَا وَارْحَمِ الْمُؤْمِنِينَ وَالْمُؤْمِنَاتِ بِعَدَدِهَا بِرَحْمَتِكَ يَآ اَرْحَمَ الرَّاحِمِينَ آمِينَ ٭ وَالْحَمْدُ لِلّٰهِ رَبِّ الْعَالَمِينَ

{"Oh Gott, mache uns zu Leuten der Glückseligkeit und des Friedens, zu Leuten, die den Qur'an und den Glauben (in ihren Herzen) tragen. Amen. Oh Gott, schenke Deinen Segen und Deinen Frieden unserem Herrn Mohammed und seiner Familie, seinen Gefährten, nach der Anzahl aller Buchstaben des Qur'an, wie sich in all seinen Worten formen und sich mit der Erlaubnis des Allerbarmers in den Wellen der Luft widerspiegeln, wenn sie von seinen Rezitatoren seit den Zeiten ihrer ersten Offenbarung bis zum Ende aller Zeiten vorgetragen werden, erbarme Dich unser und unserer Eltern und erbarme Dich aller gläubigen Männer und Frauen in gleicher Zahl nach Deinem Erbarmen, oh Barmherzigster aller Barmherzigen. Amen." "Lob und Preis sei Gott, dem Herrn der Welten!"}

Neuntes Wort

بِسْمِ اللّهِ الرَّحْمَنِ الرّحِيمِ ٭ فَسُبْحَانَ اللّهِ حِينَ تُمْسُونَ وَحِينَ تُصْبِحُونَ ٭ وَلَهُ اْلحَمْدُ فِى السَّمٰوَاتِ وَاْلاَرْضِ وَعَشِيًّا وَحِينَ تُظْهِرُونَ

{"Im Namen Allahs, des Erbarmers, des Barmherzigen; Und lobpreiset Allah, wenn es Abendzeit ist und wenn es Morgenzeit ist. Und Ihm sei Lob und Dank in den Himmeln und auf Erden, wenn Tag und Nacht sich neigen am Abend und zur Mittagszeit!" (Sure 30, 16-18)}

Oh Bruder! Du fragst mich nach der Weisheit, die in der Aufteilung der Gebete auf fünf festgesetzte Zeiten liegt. Darin liegt sehr viel Weisheit. Doch wollen wir uns hier mit einem einzigen Hinweis begnügen.

Wie nun in der Tat jede Gebetszeit der Beginn einer bedeutenden Wende ist, ein Spiegel jener großartigen göttlichen Lenkung der Welt und all die göttlichen Gnadengaben (ihsanat)reflektiert, die in dieser Lenkung zum Ausdruck kommen, so wurde aus diesem Grunde dem Menschen befohlen, den Allmächtigen in Seiner Majestät noch intensiver zu loben, zu preisen, Ihn zu verehren und Ihn anzubeten, um Ihm für alle diese grenzenlosen Gnadengaben (nimet)zu danken, die wir zwischen zwei Gebetszeiten empfangen. Um das in seiner tieferen Bedeutung genauer erkennen und besser verstehen zu können, müssen wir gemeinsam mit meiner Seele die folgenden fünf Anmerkungen hören.

Erste Anmerkung:

Die Bedeutung des Gebetes liegt im Lobpreis (tesbih),der Verehrung (ta'zim)und der Dankbarkeit (shukr)gegenüber Gott dem Gerechten. Das heißt, wir erklären vor der Majestät (Djelal)Seine Reinheit und Heiligkeit, indem wir uns im Gebet vor Ihm beugen

und niederwerfen und damit zum Ausdruck bringen und sagen: "Subhanallah"(Gepriesen sei Allah!)... Wir erklären vor der Vollkommenheit (Kemal)Seine Herrlichkeit und Ehre, indem wir mit unserem Gebet zum Ausdruck bringen und dabei sprechen: "Allahu Ekber"(Allah ist groß!)... Wir erstatten vor der Schönheit (Djemal)unsere Dankbarkeit, indem wir äußerlich (in der Sprache unseres Körpers) und innerlich (mit dem Munde unseres Herzens) zum Ausdruck bringen: "Elhamdulillah"(Dank sei Gott!). Das heißt also, dass Lobpreis, Verehrung und Dankbarkeit den Kern des Gebetes (namaz)darstellen. Das ist der Grund dafür, dass diese drei Dinge immer wieder in den Bewegungen und Anrufungen des Gebetes vorkommen. Und das ist auch der Grund dafür, dass wir diese gesegneten Worte nach dem Gebet noch dreiunddreißigmal wiederholen, um den Sinn des Gebetes noch besonders hervorzuheben und seinen Wert zu erhöhen. Der Sinn und Wert des Gebetes wird durch diese kurzen Kernsätze vertieft...

Zweite Anmerkung:

Die Bedeutung des Dienstes und der Anbetung (ibadet)liegt darin, dass ein Diener in seiner Verehrung an der Schwelle (des Hauses) Gottes seine eigenen Fehler und Schwächen, und seine Armseligkeit erkennt und sich in Bewunderung vor der Vollkommenheit (göttlicher) Herrschaft und der Macht des Einzigartigen (Samed)und Seiner göttlichen Barmherzigkeit liebend vor Ihm niederwirft (sedjde).Das heißt, so wie die Autorität der Herrschaft Gottes Dienst und Gehorsam erfordert, so erfordert auch die Heiligkeit und Reinheit Seiner Herrschaft, dass ein Diener in seiner Verehrung seine Fehler erkennt und sie bereut, und bekennt, dass sein Herr unbefleckt und rein von jeglichem Makel ist und frei und hocherhaben über die Nichtigkeit aller Vorstellung der Leute des Irrweges und rein und heilig über alle Mangelhaftigkeit der Welt, indem er Ihn lobpreisend und verehrend (tesbih) "Subhanallah",(Gepriesen sei Gott) sagt.

Und weiter noch erfordert die Vollkommenheit (Kemal)der Macht Seiner Herrschaft auch, dass ein Diener in seiner

Verehrung seine eigene Schwäche und die Unzulänglichkeit alles Geschaffenen erkennt, und dabei vor der gewaltigen Größe der Werke und Taten, welche die Macht des Einzigartigen (Samed)vollbringt, in Begeisterung und Bewunderung "Allahu Ekber"(Allah ist groß über alles) sagt, sich in Demut vor Ihm neigt und vertrauensvoll bei Ihm seine Zuflucht sucht.

Und überdies erfordert der unendliche Schatz der Erbarmungen Seiner Herrschaft, dass ein Diener in seiner Verehrung seine eigene Bedürftigkeit und die Armseligkeit und Bedürftigkeit alles Geschaffenen mit Ausdrücken der Bitte und des Gebetes (dua)darlegt und die Gnade (nimet)und Güte seines Herrn mit Lobpreis und Dank, indem er "Elhamdulillah"sagt, verkündet. Das heißt, dass die Worte und Bewegungen beim Gebet (namaz)die oben angeführten Bedeutungen in sich enthalten und aus diesen Gründen von Gott vorgeschrieben sind.

Dritte Anmerkung:

So wie der Mensch von dieser Welt im Großen, ein Abbild im Kleinen ist und die ehrwürdige Suratu l-Fatiha(: die Eröffnende, die erste Sure im Qur'an) der strahlende Abglanz und wie das leuchtende Lichtbündel aus dem glorreichen Qur'an, so ist auch das Gebet (namaz)ein glanzvoller Katalog, der alle Arten der Anbetung (ibadet)in sich vereinigt, eine heilige Landkarte wie der Lichtkegel eines Leuchtturms, der auf alle Farben und Schattierungen der Anbetung in der gesamten belebten wie unbelebten Natur sein Zeichen wirft.

Vierte Anmerkung:

So wie in einer Uhr mit Tagesanzeige der Sekundenzeiger, der Minutenzeiger, der Stundenzeiger und die Tagesanzeige miteinander verbunden und voneinander abhängig sind, wie das Aussehen des einen Zeigers an das Aussehen des anderen Zeigers erinnert, und die Funktionsweise des einen Zeigers beispielhaft für die Funktionsweise eines anderen Zeigers ist, so sind auf der großen Uhr Gottes des Gerechten, welche diese Welt ist, und wo der Wechsel von Tag und Nacht gleich den Sekunden, der Wechsel der Jahre gleich den Minuten, der Wechsel der Generationen gleich

den Stunden und die Epochen der Menschheitsgeschichte gleich den Tagen (unserer Armbanduhr) sind, die einzelnen Zeiger miteinander verbunden und voneinander abhängig, gemahnen in ihrer Erscheinungsform einer an den anderen, sind in ihrer unktionsweise einer das Beispiel des anderen und rufen einander in Erinnerung.

Zum Beispiel:

Die Zeit der Morgendämmerung (fadjr):

Sie geht bis Sonnenaufgang und gleicht der Frühlingszeit, die zudem an die Zeit erinnert, da der Mensch noch im Mutterleib ruhte, und sie ruft auch die Zeit des ersten der sechs Schöpfungstage, da Himmel und Erde gemacht wurden, wieder in Erinnerung, und gemahnt so an das Wirken Gottes zu allen diesen Zeiten.

Die Mittagszeit (zuhr):

Sie gleicht der Zeit der Sommersonnenwende, der Zeit der reifen Jahre und auch dem Abschnitt der Schöpfung, da der Mensch erschaffen wurde; weist darauf hin, gemahnt an die Manifestation des Erbarmens Gottes, Seinen Segen und die Gnaden, die Er zu all diesen Zeiten erwiesen hat.

Die Nachmittagszeit (asr):

Sie gleicht dem Spätsommer, der Zeit der späten Jahre und auch der "Glücklichen Zeit" (asr-i saadet)des Propheten, mit dem Friede und Segen sei, der letzten Epoche und erinnert an das Wirken Gottes und die Gnadenerweise des Erbarmers zu allen diesen Zeiten.

Die Abendzeit (maghrib):

Sie gleicht der Zeit des Spätherbstes, erinnert daran, dass so viele Geschöpfe nun Abschied nehmen müssen (z.B. Störche, Igel, Mücken usw. - A.d.Ü.) und auch an den Tod des Menschen und den Untergang der Welt und lässt so das Aufstrahlen der Majestät Gottes verstehen und erweckt so den Menschen aus dem Schlaf der Gottvergessenheit (gaflet)...warnt ihn...

Die Nachtzeit (i'sha):

Es ist eine dunkle Welt, die alle Spuren der Welt des Tages mit einem schwarzen Leichentuch überdeckt. So deckt auch des Winters weißes

Leichentuch das Antlitz der erstorbenen Erde zu. So folgen auch nach dem Tode des Menschen seine letzten Spuren ihm in den Tod nach und verschwinden unter der Decke des Vergessens. So wird auch diese Welt, die ein Ort der Prüfung ist, ganz und gar abgeschlossen werden. An all dies erinnert die Nachtzeit und verkündet so die Majestät Gottes und die Allgewalt Seiner Herrschaft in all Ihrer Majestät und Ihrem ganzen göttlichen Zorn.

Die Mitternacht (gedje):

Sie erweckt das Verstehen für den Winter, das Grab und die Zwischenwelt, und erinnert den Menschen daran, wie sehr des Menschen Seele (ruh)der Barmherzigkeit des Allerbarmers bedarf.

Das in dieser Zeit verrichtete Gebet (teheddjüd)vermittelt einen Begriff davon, was es für ein wichtiges Licht in der Nacht des Grabes und in der Dunkelheit des Zwischenreiches ist, und lenkt die Aufmerksamkeit darauf. Es ruft die unzähligen Gnadengaben Gottes des wahren Gebers aller guten Gaben, wie sie in allen diesen Umwandlungen genannt sind,

{Gemeint sind all die oben angeführten Zeiten. (A.d.Ü.)}

in Erinnerung und verkündet so, in welchem Grade Er allen Lobpreises und Dankes würdig ist.

Was nun aber den Morgen des nächsten Tages betrifft, so erinnert er an die Wiederauferstehung (Auferstehung). Denn so logisch, notwendig und absolut sicher, wie dieser Nacht ihr Morgen und diesem Winter sein Frühling folgt, so folgt auch mit der gleichen Sicherheit der Morgen der Wiederversammlung und die lichte Welt des Frühlings auf das dunkle Reich der Schatten.

Das heißt, dass jede dieser fünf (Gebets)zeiten wie sie am Anbeginn einer jeweils bedeutsamen Wende stehen und an den großen Wendepunkt erinnern, auch Zeichen der täglichen gewaltigen Lenkung und Leitung durch die Macht des Einzigartigen (Samed)sind und an die Wunder der Macht über dem Wechsel der Jahre, der Generationen der Menschheit und der Epochen der Geschichte und die Gnadengaben des Allbarmherzigen erinnern.

Das heißt, dass die Pflichtgebete als die eigentliche und naturgemäße Aufgabe des Menschen, der ihm wesensgemäße Gottesdienst und seine unabdingbare Schuld sind, welche zu diesen Zeiten einzuteilen recht und billig und dem Menschen angemessen sind.

Fünfte Anmerkung:

Der Mensch ist von Natur aus sehr schwach. Darum stört ihn alles und jedes, bedrückt ihn, schmerzt ihn. Dazu ist er auch noch äußerst unbeholfen. So sind seine Plagen und seine Feinde äußerst zahlreich. Und weiter ist er auch noch ein ganz armseliges Geschöpf. Dagegen sind seine Bedürfnisse mehr als genug. Und überdies ist er auch noch faul und völlig unbegabt. Doch die Verantwortlichkeiten des Lebens lasten schwer auf ihm. Dazu ist er auch noch durch sein Menschsein mit aller Welt verbunden. Doch alles, was ihm lieb und vertraut geworden ist, wird ihm durch Tod und Trennung ständig wieder entrissen, was ihn zutiefst schmerzt. Und weiter noch zeigt ihm sein Verstand hohe Ziele und bleibenden Gewinn. Doch sein Arm ist kurz, sein Vermögen ist wenig, seine Geduld ist gering.

So wird es denn nun klar verständlich, wie notwendig es für eine Seele (ruh)

in einer solchen Lage ist, sich zur Zeit des Morgengebetes an der Schwelle des Allmächtigen in Seiner Majestät, des Erbarmers in Seiner Vollkommenheit (Djemal)in flehentlichem Gebet einzustellen, Ihm ihre Wünsche offen zu legen, von Ihm Hilfe und Erfolg zu erbitten und wie dringend sie eines solchen Rückhaltes im Gebet bedarf, um für den folgenden Tag ihre Aufgaben in dieser Welt wieder auf sich zu nehmen, die auf sie zukommen werden, und die Last des Tages wieder auf ihre Schultern zu laden.

Die Zeit des Mittagsgebets ist der Höhepunkt des Tages, die Zeit, da der Tag sich wieder dem Untergang neigt. Die Arbeit des Tages geht ihrer Vollendung entgegen. Es ist die Zeit einer kurzen Erholung von der Mühe der Arbeit, eine Zeit, da die Seele (ruh),

von schwerer Arbeit und ihren vergänglichen Werken in einer flüchtigen Welt betäubt, und in Gottvergessenheit versunken, einer

Atempause bedarf, und sich die göttlichen Gnadengaben zeigen. Des Menschen Geist (ruh)befreit sich vom Druck, entwindet sich seiner Gottvergessenheit, lässt die sinnlosen, vergänglichen Dinge hinter sich, um mit (zum Gebet) verschränkten Armen an der Schwelle des wahren Gebers aller guten Gaben Ihm, dem Unwandelbar-Beständigen (Qayyum-u Baqi),Lobpreis und Dank zu sagen für alle Seine Gnadengaben, Ihn um Hilfe zu bitten, sich im Bewusstsein seiner Schwäche vor der allgewaltigen Größe Seiner Majestät zu verneigen, sich vor dieser im Zenit stehenden Vollkommenheit und Ihrer unvergleichlichen Schönheit niederzuwerfen und so seine Bewunderung, seine Liebe und Verehrung und zugleich auch die eigene Nichtigkeit zum Ausdruck zu bringen. Dies alles ist in der Verrichtung des Mittagsgebetes enthalten. Wer nicht versteht, wie schön und willkommen, wie notwendig, recht und angemessen das ist, wie könnte er noch ein Mensch genannt werden!

Die Zeit des Nachmittagsgebets ist eine Zeit, welche die Melancholie des Herbstes ahnen lässt, die Trübsal des Alters, die schmerzliche Epoche der Endzeit, und welche an sie alle erinnert. Nun zeitigt die Arbeit des Tages ihre Ergebnisse. Zudem ist es die Zeit, da die Gnadengaben Gottes, die an diesem Tage sichtbar geworden sind, wie Gesundheit, Sicherheit und gute Arbeit sich zu einer gewaltigen Summe angehäuft haben. Und schließlich ist es die Zeit, da diese große und gewaltige Sonne {Sie ist das mächtigste Gestirn an unserem Himmel. (A.d.Ü.)} sich dem Untergang neigt und damit das Zeichen setzt und verkündet, dass der Mensch als Beamter Gottes Gast ist und alle Dinge unbeständig und vergänglich sind.

Nun steht der Mensch, der sich in seinem Geist (ruh)nach der Ewigkeit sehnt und für die Ewigkeit geschaffen wurde, der Gott um Seiner Güte willen seine Verehrung erweist und unter der Trennung von Ihm leidet, auf, nimmt Abdest (d.h. er vollzieht die heiligen Waschungen), um in dieser Nachmittagszeit das Gebet (asr, ikindi)zu verrichten

und bringt an der Schwelle des Einzigartigen (Samed),dessen, der ohne Anfang (Qadim)und ohne Ende (Baqi),Unwandelbar (Qayyum)und Unsterblich (Sermedi)ist, sein Gebet dar, und nimmt seine Zuflucht zur Güte und Barmherzigkeit Gottes, die unendlich und unvergänglich ist, lobt und preist Gott und dankt Ihm für Seine Gnadengaben, die er stets ohne Anrechnung erhält, verneigt sich demütig vor Gottes Ehrerbietung erheischenden Herrschaft (Rububiyet),wirft sich im Bewusstsein seiner Nichtigkeit vor der Unsterblichkeit Seiner Gottheit (Uluhiyet)nieder. So findet er eine wahrhaftige Tröstung und Ruhe für seine Seele. Wer so mit verschränkten Armen in Dienst und Anbetung vor der Größe Seiner Gegenwart das Gebet verrichtet, der versteht, welch hohe Aufgabe das ist, ein wie angemessener Dienst, welch eine Erstattung naturgemäßer Schuld es am rechten Platz ist, ja sogar das Erlangen einer Seligkeit, die ihm höchstes Glück seines Menschseins bedeutet.

Die Zeit des Abendgebetes ist die Zeit, die zu Beginn des Winters in der Melancholie des Abschieds an das Dahinscheiden all der schönen Geschöpfe des Sommers aus der Welt einer vergangenen Jahreszeit gemahnt. Zudem ist es die Zeit, die daran erinnert, dass sich der Mensch mit seinem Tod von all seinen Geliebten in einem leidvollen Abschied trennen und in das Grab hinabsteigen muss. Und weiter ist es die Zeit, die daran gemahnt, dass alle Bewohner dieser Erde, wenn die Welt im Tode erbebend in ihren letzten Zügen liegt, in andere Welten umziehen werden, und erinnert daran, dass dereinst auch über diesem Haus der Prüfungen die Lichter erlöschen werden.

Es ist eine Zeit zur nachdrücklichen Warnung all derer, welche all diejenigen als ihre Geliebten verehren, die alle absteigen und untergehen müssen. So wendet denn der Mensch, dessen Seele von Natur aus ein Spiegel ist, der sich nach Gottes immerwährender Schönheit sehnt, sein Antlitz zu dem gewaltigen Thron dessen, der nicht Anfang noch Untergang kennt, der all diese gewaltigen Taten

vollbracht hat und diese ganze, große Welt lenkt und leitet, spricht über dieser vergänglichen Welt: "Allahu Ekber"(Gott ist am größten), zieht seine Hände von ihr zurück, verschränkt sie in seinen Armen zum Gottesdienst vor seinem Herrn (Maula),stellt sich in die Gegenwart des Immerwährenden (Baqi),und spricht: "Elhamdulillah"(Lobpreis und Dank sei Gott), preist Seine makellose Vollkommenheit, verehrt Seine beispiellose Schönheit, verherrlicht Seine unendliche Barmherzigkeit, und sagt:

اِيّاكَ نَعْبُدُ وَ اِيّاكَ نَسْتَعِين

{"Dich allein beten wir an und nur von Dir erbitten wir Hilfe!" (Sure 1, 5)}

bieten Ihm um Seiner Regierung (Rububiyet)ohne Beamte, Seiner Gottheit (Uluhiyet)ohne Teilhaber, Seiner Königsherrschaft ohne Minister willen seine Dienste dar und bittet Ihn um Seine Hilfe, verneigt sich vor Seiner unendlichen Größe und grenzenlosen Macht und Seiner Würde, die keine Schwäche kennt, bekennt in Vereinigung mit dem gesamten All seine Schwäche und Hilflosigkeit, seine Armseligkeit und Verwirrung, und sagt:

سُبْحَانَ رَبّىَ الْعَظِيمِ

{"Gepriesen seist Du, allgewaltiger Herr!",}

lobt die Allgewalt seines Herrn, wirft sich sodann nieder vor dem, dessen Wesen höchste Schönheit ist, die sich niemals neigt, dessen heilige Attribute unvergänglich sind, dessen unsterbliche Vollkommenheit (kemal)keine Veränderung kennt, bringt in Bewunderung seine Liebe (muhabbet)zum Ausdruck, verlässt alles Ungöttliche im Bewusstsein eigener Nichtigkeit und tut seine Bereitschaft zu Dienst und Anbetung (ubudiyet)kund. Zudem findet er im Austausch gegen alles Vergängliche (fani)bleibende Schönheit (Djemil-i Baqi)und unsterbliches Erbarmen (Rahim-i Sermedi).Während er sodann:

سُبْحَانَرَبِّىَاْلاَعْلَى

{"Gepriesen seist Du, erhabener Herr!"}

sagt, heiligt er seinen erhabenen Herrn, der ohne Makel ist, nicht Schwinden noch Schwanken kennt... Während er sich nun zur Shahada niedergesetzt hat, bietet er alle Segnungen und Gebete und guten Gaben des ganzen Lebens aller Schöpfung Gott in der Unvergänglichkeit Seiner Schönheit und Majestät, deren Thron niemals untergeht, zum Geschenk an, und, indem er Seinen ehrenwerten Botschafter {Gemeint: Mohammed, mit dem Friede und Segen sei. (A.d.Ü.)} grüßt, seinen Bund mit Ihm erneuert und Seinen Befehlen gegenüber Gehorsam bezeigt, seinen Glauben erneuert und bestärkt und die Ordnung und Weisheit jenes kosmischen Schlosses betrachtet - bezeugt er die Einheit (Vahdaniyet)seines majestätischen Baumeisters, bezeugt auch die Sendung Mohammeds aus Arabien, mit dem Friede und Segen sei, der die Königsherrschaft Gottes (Rububiyet)ausgerufen, den Weg zum Erlangen Seines Wohlgefallens verkündet und die Zeichen aus dem Buch des Alls erklärt hat.

Dies alles beinhaltet die Verrichtung des Abendgebetes. Wer nicht versteht, was für eine feinsinnige und lautere Aufgabe, was für ein ehrenvoller und angenehmer Dienst, wie schön und willkommen eine solche Anbetung, welch gewichtige Wahrheit in ihr enthalten, welch ewiges Gastmahl in dieser vergänglichen Herberge es ist, und welch immerwährende Glückseligkeit, wie könnte der noch ein Mensch genannt werden!...

Die Zeit des Nachtgebets ist die Zeit, da auch die letzten noch verbliebenen Spuren des Tages am Horizont verschwinden und sich die Welt der Nacht an seiner Stelle ausbreitet. Sie erinnert an die Lenkung und Leitung des Herrn, wenn Er in Seiner Majestät Tag und Nacht aufeinander folgen lässt, wenn Er ein weißes Blatt in ein schwarzes verwandelt und Sein vollkommenes Walten

über Sonne und Mond verfügt, der die grünen Seiten mit den herrlichen bunten Blumen des Sommers in die weißen Seiten mit den kalten Eisblumen des Winters verwandelt.

Überdies lässt sie, wie im Laufe der Zeit auch noch die letzten Spuren der Bewohner des Grabes aus dem Lande der Lebenden getilgt werden und sie ganz und für immer in eine andere Welt hinübergehen, darin das göttliche Wirken des Schöpfers ahnen, der ins Land der Lebendigen beruft und in das Land der Toten abberuft. Sie ist zudem die Zeit, die an das Walten der Majestät Gottes (Djelal),des Schöpfers der Himmel und der Erde und die Manifestation Seiner Schönheit (Djemal)gemahnt, wenn nach dem vollkommenen Zerfall dieser engen, vergänglichen, winzigen Welt, die in einem gewaltigen Todeskampf liegt, sich eine weite, bleibende, gewaltige jenseitige Welt entfaltet und die an dieses Wirken Gottes erinnert.

Und weiter noch ist sie jene Spanne, da bewiesen wird, dass nur derjenige der wahre König und Lenker der Welt, der wahre Angebetete (Ma'bud)und Geliebte (Mahbub)sein kann, welcher als der Vollkommen-Allmächtige (Qadir-i Mutlaq)die Blätter, welche Tag und Nacht, Sommer und Winter, Diesseits und Jenseits bedeuten, so leicht wie die Blätter eines Buches umwendet, auf ihnen schreibt und darin wieder streicht und ändert und über all dies urteilt und herrscht.

So ist denn der Mensch in seiner Seele so unendlich hilflos und schwach, so unendlich armselig und hilfsbedürftig und darüber hinaus auch noch so unendlich tief in das Dunkel der Zukunft eingetaucht, von den Ereignissen ohne ein Ende hin und her geworfen, dass er in diesem Sinne zur Nachtzeit das Gebet verrichtet, und wie Abraham, mit dem der Friede sei, spricht:

لآَ اُحِبُّ اْلآفِلِين

{"Ich liebe nicht die, welche untergehen!" (Sure 6, 76)}

und an der Schwelle des Angebeteten ohne Anfang (Ma'bud-u Lemyezel)

und des Geliebten ohne Ende (Mahbub-u Layezal)Zuflucht nimmt und in dieser vergänglichen Welt, in diesem vergänglichen Leben und in dem Dunkel dieser Welt und in dem Dunkel einer solchen Zukunft den Ewig-Bleibenden (Baqi-i Sermedi)flehentlich anruft und die barmherzige Zuneigung des Erbarmers, des Barmherzigen und das Licht Seiner Führung erahnt und ersehnt, welche ihm zu einem Stückchen eines ewigen Gastmahls (sohbet-i baqiye)wird, einen Lichtschimmer über seine Welt ausbreitet, ihm darin für einige Minuten ewiges Leben aufleuchten lässt, ihm seine Zukunft erhellt, ihm die Wunden, welche der Tod seiner Freunde und alles Lebendigen und die Trennung von allem, was da ist, geschlagen haben, mit Balsam bestreicht. So vergisst denn auch er diese Welt, die ihn vorübergehend vergessen hat und sich vor ihm verbirgt, gießt im Weinen seines Herzens seinen Kummer an der Schwelle des Allbarmherzigen aus.

So tritt er denn, was immer auch kommen mag, zu einem letzten Dienst und einer letzten Pflichterfüllung, bevor er sich zum Schlaf niederlegt, welcher der Bruder des Todes ist, zum Gebet (vor seinen Herrn und Gott) hin, um das Tagebuch seiner Werke mit einer guten Eintragung abzuschließen.

Das heißt also, dass er, im Austausch für alle die vergänglichen Dinge und Wesen, die ihm lieb und teuer sind, in die Gegenwart (huzur)des Ewig-Angebeteten und Geliebten (Ma'bud ve Mahbub-u Baqi),an Stelle all der Hilflosen, bei denen er betteln gegangen ist, in die Gegenwart des freigiebigen Allmächtigen (Qadir-i Kerim),und um sich vor all den Übeln zu retten, die ihm Schaden bringen und vor denen er zittert, in die Gegenwart des barmherzigen Behüters (Hafiz-i Rahim)eintritt... Dies ist es, weshalb er mit der "Fatiha"beginnt. Das heißt, anstatt armseligen Dingen und Geschöpfen, welche ihm nicht helfen können, die nicht mehr an ihrem Platz sind (wie ein untergegangener Stern - A.d.Ü.), Lob und Dank darzubringen, lobt und preist er den Herrn der Welten,

den Allbarmherzigen, Freigiebigen, welcher in jeder Hinsicht absolut vollkommen ist, dessen Reichtum alles umfasst. Sein Gebet wechselt mit der Anrede: اِيّاكَ نَعْبُدُ {"Zu Dir allein beten wir!" (Sure 1, 5)} von der dritten zur zweiten Person über. Das heißt, er, der niemanden hat, wendet sich in all seiner Kleinheit und Nichtigkeit dem König von Ewigkeit zu Ewigkeit zu, welcher der Herr über die Tage unserer Verantwortung (maliki yaumi d-din)ist, und erlangt die Stufe eines bevorzugten Gastes und hohen Beauftragten in dieser Welt. Mit den Worten: اِيّاكَ نَعْبُدُ وَ اِيّاكَ نَسْتَعِينُ {"Dich allein beten wir an und nur von Dir erbitten wir Hilfe!" (Sure 1, 5)} bringt er im Namen der ganzen Schöpfung seine Anbetungen für die große Gemeinde der Schöpfung, für diese ganze gewaltige Versammlung dar und schickt seine Hilferufe (zu Allah).Sodann spricht er: اِهْدِنَا الصِّرَاطَ اْلمُسْتَقِيمَ {"Führe uns den rechten Weg!" (Sure 1, 6)} und erbittet Rechtleitung (hidayet)auf dem geraden Weg (sirat-i mustaqim),welcher der lichtvolle Pfad ist, der im Dunkel der Zukunft zur ewigen Glückseligkeit führt. Während nun alle Pflanzen und alle Tiere schlafen gehen, und auch die Sonne sich versteckt, und die Sterne Soldaten gleich erwachen, die einem Befehl gehorchen, in dem Gasthaus dieser Welt ihre Lampen anzünden und ihren Dienst antreten, gedenkt er der Größe des Herrn und Seiner Majestät, verneigt sich und spricht: "Allahu Ekber"(Gott ist groß).

Schließlich denkt er an die große Niederwerfung (sedjde)

der gesamten Schöpfung. Wie die Geschöpfe, welche sich in dieser Nacht niederlegen, werfen sich ebenso alle Arten der Schöpfung, Generation für Generation, ja selbst unsere Erde, ja sogar der gesamte Kosmos einem gehorsamen Heer gleich, ja sogar einem einzelnen gehorsamen Soldaten gleich, in größter Ordnung am Horizont auf dem Gebetsteppich (seddjade)des Untergangs mit dem Ruf: "Allahu Ekber"(Gott ist am größten) (anbetend) nieder, wenn sie in jedem Jahr von ihren gottesdienstlichen Aufgaben, die sie unter dem Befehl:

كُنْ فَيَكُونُ {"Sei! und es ist." (Sure 36, 82)} im Diesseits angetreten hatten, wieder entlassen und in die unsichtbare Welt (alem-i gayb)hinübergesandt werden. Dann im Frühling, wenn sich wieder, dem belebenden Posaunenstoß gleich, mit dem Befehl: كُنْ فَيَكُونُ {"Sei! und es ist." (Sure 36, 82)} die Welt neu belebt und die einen in der gleichen, die anderen in einer ähnlichen Gestalt versammelt werden und wie mit zum Gebet verschränkten Armen zum Dienst an ihrem Herrn (Maula)auferstehen, spricht auch dieses kleine Menschenkind, sie nachahmend, in der Gegenwart (huzur)des königlichen Hofes, der Vollkommenheit Seines Erbarmens (Rahman-i Dhu l-Kemal),des Barmherzigen in Seiner Schönheit (Rahim-i Dhu l-Djemal): "Allahu Ekber"(Gott ist am größten) und wirft sich in einer Liebe, die Begeisterung in ihm erweckt, im Bewusstsein der eigenen Nichtigkeit, welche Beständigkeit (beqa)in ihm erweckt, in einer Erniedrigung, die ihm zur Ehre gereicht, (vor Allah)nieder; das heißt, das Nachtgebet zu verrichten ist der Himmelfahrt (des Propheten Mohammed) vergleichbar. Du hast nun sicherlich verstanden, was für eine willkommene, was für eine gute, was für eine schöne,

was für eine erhabene, was für eine edle und zugleich köstliche, was für eine angemessene und zugleich verstandesgemäße Aufgabe und welch ein Dienst dies ist, welch eine Anbetung sich in ihm vollzieht und was für eine ernste und schwerwiegende Wahrheit darin ihren Ausdruck findet.

Damit ist nun gesagt, dass diese fünf Zeiten (des Tages und des Gebetes) jede einzelne für sich Zeichen einer gewaltigen Umgestaltung, Ausdruck der Großtaten des Herrn, Male all der Gnadengaben Gottes sind. Es ist unsere Schuld und Verpflichtung, diese gebotenen Gebete zu den vorgeschriebenen Zeiten zu verrichten. So liegt in dieser Anordnung dieser Gebete zu diesen Zeiten eine unendliche Weisheit...

سُبْحَانَكَ لاَ عِلْمَ لَنَآ اِلاَّ مَا عَلَّمْتَنَآ اِنَّكَ اَنْتَ الْعَلِيمُ الْحَكِيمُ ٭ اَللّهُمَّ صَلِّ وَ سَلِّمْ عَلَى مَنْ اَرْسَلْتَهُ مُعَلِّمًا لِعِبَادِكَ لِيُعَلِّمَهُمْ كَيْفِيَّةَ مَعْرِفَتِكَ وَ الْعُبُودِيَّةَ لَكَ وَ مُعَرِّفًا لِكُنُوزِ اَسْمَآئِكَ وَ تَرْجُمَانًا ِلآيَاتِ كِتَابِ كَآئِنَاتِكَ وَ مِرْآتاً بِعُبُودِيَّتِهِ لِجَمَالِ رُبُوبِيَّتِكَ وَ عَلَى اَلِهِ وَ صَحْبِهِ اَجْمَعِينَ ٭ وَ ارْحَمْنَا وَ ارْحَمِ الْمُؤْمِنِينَ وَ الْمُؤْمِنَاتِ آمِينَ بِرَحْمَتِكَ يَآ اَرْحَمَ الرَّاحِمِينَ

{"Gepriesen seist Du! Wir haben kein Wissen, außer dem, das Du uns gelehrt hast. Denn Du bist der Allwissende, der Allweise!" (Sure 2, 32) "Oh Gott gewähre Frieden und Segen, dem, den Du als Lehrer für Deine Diener gesandt hast, damit er ihnen lehrt, Dich zu erkennen, den Dienst vor Dir und die Anbetung und ihnen die Schätze Deiner Namen aufzeige. Er ist der Übersetzer Deiner Wunderzeichen (ayat) im Buche der Schöpfung, er ist in seiner Anbetung ein Spiegel, der die Schönheit (Djemal) Deiner Herrschaft (Rububiyet) widerspiegelt. Gewähre Segen und Frieden auch seiner ganzen Familie und all seinen Gefährten! Erbarme Dich unser! Erbarme Dich aller gläubigen Männer und Frauen, amen, in Deiner Barmherzigkeit, oh Barmherzigster der Barmherzigen."}

Zehntes Wort

Die Auferstehung

Vorbemerkung

Der Grund dafür, dass ich die Vergleiche und Beispiele in diesen Abhandlungen in Form von Erzählungen niedergeschrieben habe, ist der, damit einerseits einem besseren Verständnis zu dienen und andererseits aufzuzeigen, wie sehr die Wahrheiten des Islam der Logik des Verstandes entsprechen, einander ergänzen und stützen und wie wohl sie begründet sind. Der Sinn der Erzählungen ist die Wahrheit, die sich an ihrem Ende herausstellt. So dienen die Vergleiche lediglich als ein Hinweis auf diese Wahrheit. Sie sind keine bloßen Phantasiegeschichten, sondern tatsächliche Wahrheiten.

Erstes Kapitel

بِسْمِ اللّهِ الرَّحْمَنِ الرّحِيمِ ٭ فَانْظُرْ اِلَى آثَارِ رَحْمَةِ اللّهِ كَيْفَ يُحْيِى اْلاَرْضَ بَعْدَ مَوْتِهَآ اِنَّ ذَلِكَ َ لمُحْيِى اْلمَوْتَى وَهُوَ عَلَى كُلِّ شَيْءٍ قَدِيرٌ

{"Siehe die Male der Barmherzigkeit Allahs; wie Er die Erde nach ihrem Tode wieder lebendig macht! Fürwahr, Er ist es, der die Toten wieder belebt; und Er hat Macht über alle Dinge." (Sure 30, 50)}

Bruder, wenn du eine Auslegung von Auferstehung und Jenseits in einfacher Sprache und allgemein verständlicher Form möchtest, dann lausche den nun folgenden kleinen Beispielerzählungen. Betrachte sie so, wie auch meine Seele es tut! Es kommen zwei Männer in ein Land, das so schön ist wie das Paradies (womit wir diese Welt bezeichnen wollen).

Sie schauen sich um und sehen, dass jeder der Bewohner Tür und Tor von Haus und Hof offen stehen lässt und gar nicht daran denkt, seinen Laden zu bewachen. Somit sind Geld und Gut jedermann zugänglich. Der eine der beiden Männer streckt seine Hand nach allem aus, was er sich wünscht, stiehlt es, rafft es an sich. So folgt er seinen Gelüsten, tut Unrecht und kennt kein Maß. Die Bewohner kümmern sich wenig darum. Der andere aber sagt zu ihm: "Was machst du da? Man wird dich bestrafen. Und mich wirst du mit in dein Unglück hineinziehen. All dies hier ist Staatseigentum. Diese Bewohner leisten Militärdienst mit all ihren Familien, dienen als Beamte und verrichten ihren Dienst in Zivil. Deswegen kümmern sie sich so wenig um dich. Aber das Gesetz ist streng. Des Königs Telefone und seine Beamten finden sich überall. Geh schnell und entschuldige dich!"

Doch der Strolch bleibt verstockt und sagt: "Nein, das ist gar kein Staatseigentum! Wahrscheinlich ist es volkseigen und gehört eigentlich niemandem. Jeder kann sich davon nehmen, was er will. Ich sehe gar keinen Grund dafür, warum ich mir den Gebrauch dieser schönen Dinge versagen sollte. Wenn ich das nicht mit eigenen Augen sehe, werde ich es nicht glauben." So fährt er fort, sich in seine Spitzfindigkeiten hinein zu philosophieren. Zwischen den beiden beginnt nun ein ernsthaftes Streitgespräch. Zuerst sagt dieser in seiner Verblendung: "Wer ist der König? Ich kenne ihn nicht..."

Sein Gefährte gibt ihm zurAntwort:"Es gibt kein Dorf ohne einen Bürgermeister, keine Nadel ohne ihren Meister; sie kann nicht ohne einen Besitzer sein. Es gibt keinen Buchstaben ohne seinen Schreiber; das weißt du. Wie wäre es also möglich, dass dieses so wohlgeordnete Land ohne einen Herrscher wäre? Woher sollte all der Reichtum an kunst- und wertvollen Gütern kommen, so, als käme jede Stunde ein Zug {(*): Der Zug bedeutet den Jahreskreis. Ja, der Frühling ist wie ein Waggon Lebensmittel, der aus dem Unsichtbaren kommt.} aus dem Unsichtbaren?

Hier wird er ausgeladen und fährt wieder weiter. Wie sollte er keinen Herrn haben? Und die Veröffentlichungen und Bekanntmachungen, die überall zu sehen sind, die Siegel, Stempel und Plomben, die an allen Waren zu sehen sind, die Fahnen, die an allen Ecken flattern, wie sollten sie ohne Besitzer sein? Ich meine, du hättest ein wenig fremde Sprachen studiert. Doch diese islamischen Schriften kannst du nicht lesen? Ja, du fragst nicht einmal den, der sie kennt. Also komm nun, ich werde dir des Königs obersten Erlass verlesen!"

Doch jener in seiner Verblendung wendet sich ab und sagt: "Also nehmen wir einmal an, dass es einen König gibt! Aber was schadet ihm das bisschen, das ich mir nehme? Verliert dadurch sein Schatz an Wert? Zudem gibt es hier nicht Haft noch Kerker. Eine Strafe ist nicht zu erkennen."

Sein Gefährte gibt ihm zurAntwort:"Mein Gott, das Land, das du hier siehst, ist doch ein Übungsgelände. Zudem ist es ein Museum der wunderbarsten Kunstwerke des Sultans. Es gleicht einer Wanderherberge ohne Basis. Siehst du denn nicht, wie jeden Tag eine Schar kommt, eine andere geht und entschwindet. Es füllt sich und entleert sich ständig. Noch kurze Zeit und dieses Land wird umgestaltet werden. Diese Bewohner werden in ein anderes, ewiges Königreich verpflanzt werden. Dort wird jeder seinem Verdienst entsprechend Strafe oder Lohn empfangen."

Doch wiederum lehnt sich der Treulose in seiner Verblendung dagegen auf und sagt: "Das glaube ich nicht. Ist es denn überhaupt möglich, dass dieses Land zerstört werden sollte?... und alle in ein anderes Land hinüberwandern sollten." Dem antwortet sein getreuer Gefährte:

Da du nun einmal so verstockt und verbohrt bist, komm und lass dir in "Zwölf Bilder" zeigen, welche Beweise ohne Zahl und Grenze es dafür gibt, dass es einen obersten Gerichtshof gibt, ein Haus der Gnade und Belohnung und ein Haus der Gefangenschaft und Strafe, und dass dieses Land, so wie es sich jeden Tag ein wenig leert,

eines kommenden Tages auch völlig entleert und zerstört werden wird.

Erstes Bild:

Wäre es überhaupt möglich, dass in einem Königreich - und besonders in einem Königreich von solchem Glanz, die Untertanen für gute Dienstleistungen keinen Lohn und die Aufständischen keine Strafe empfingen? Es scheint, als gäbe es hier dergleichen nicht. Das heißt, es muss an einem anderen Ort einen Obersten Gerichtshof geben.

Zweites Bild:

Betrachte einmal den Handel und Verkehr! Wie jedermann, auch der Ärmste und Schwächste unter ihnen so gut und so vollkommen versorgt wird! Selbst die Kranken, die niemanden haben, werden bestens versorgt. Zudem gibt es kostbare und erlesene Speisen, wertvolles Geschirr, edelsteingeschmückte Orden und Ehrenzeichen, die schönsten Festtagskleider und königliche Gastmähler. Sieh einmal, wie sehr ein jeder, ausgenommen so Verblendete wie du, seinen Pflichten die höchste Aufmerksamkeit schenkt! Niemand überschreitet auch nur um einen Zoll seine Grenzen. Die größte Persönlichkeit verrichtet ihren Dienst in Demut, Gehorsam und Bescheidenheit und in aller Ehrfurcht. So besitzt also der Herr dieses Königreichs höchste Freigiebigkeit und allumfassendes Erbarmen, wie auch größte Würde, höchste Majestät, Ehre und Ansehen. Freigiebigkeit aber erfordert es, Huld zu erweisen. Erbarmen kann ohne die Güte nicht sein. Zudem ist es notwendig, zu tun, was der Würde entspricht und die Selbstachtung erfordert. Ehre und Ansehen erfordern es, dass die Ehr- und Würdelosen bestraft werden. Aber in diesem Land wird kaum ein tausendstel dessen erfüllt, was der Barmherzigkeit und Würde entspricht. Der Unterdrücker verharrt in seinem Stolz und der Beleidigte in seiner Erniedrigung; sie ziehen von dannen, scheiden von hinnen. Das heißt, alles bleibt einem Obersten Gerichtshof überlassen.

Drittes Bild:

Siehe, mit welch erhabener Weisheit und Wohlgeordnetheit alles ausgeführt wird! Und auch mit welch wahrhafter Gerechtigkeit und Ausgewogenheit alles

Nötige erledigt wird! So erfordert es die Weisheit der Staatsführung, dass die Flüchtlinge, die unter königlichem Schutz Zuflucht gesucht haben, mit Wohlwollen aufgenommen werden. Und die Gerechtigkeit erfordert, dass die Untertanen in ihren Rechten geachtet werden, damit das Ansehen des Staates und seine königliche Majestät gewahrt bleiben.

Aber in diesen Breiten wird kaum ein tausendstel dessen erfüllt, was einer solchen Weisheit und Gerechtigkeit entspricht. Doch gleich dir ziehen die meisten verblendet, ohne ihre Strafe erlangt zu haben, von dannen. Das heißt, alles bleibt einem Obersten Gerichtshof überlassen.

Viertes Bild:

Betrachte diese unvergleichlichen Juwelen in Ausstellungen ohne Zahl und Grenze, diese einzigartigen Speisen auf den Tischen: sie zeigen die grenzenlose Freigiebigkeit des Königs dieser Stätten und seine Kammern voll unschätzbarer Reichtümer. Aber eine solche Freigiebigkeit und solche unerschöpflichen Reichtümer erfordern eine beständige Einrichtung, in der die Gäste stets all das vorfinden, was sie sich nur wünschen.

Und weiter ist es wünschenswert, dass diejenigen, welche in den Genuss dieses Gastmahles gelangt sind, daran auch weiterhin teilnehmen können, damit weder Tod noch Trennung noch Trauer seien, denn wie am Ende der Schmerzen die Freude steht, so ist auch das Ende der Freude ein Schmerz. Betrachte diese Ausstellungen! Schaue jene Bekanntmachungen an! Leihe dein Ohr diesen Ausrufern! Sie stellen die Kunstschätze eines wundertätigen Königs dar und zeigen sie. Sie künden seine Vollkommenheit. Sie sind ein Zeugnis seiner unvergleichlichen geistigen Vollendung. Sie erzählen von der Tiefe seiner verborgenen Schönheit. Das heißt also, dass seine innere Schönheit und Vollendung über die Maße staunenswert ist. Eine solche verborgene, makellose Vollendung aber erfordert jemanden, der sie zu würdigen weiß, sich für sie zu begeistern vermag, "Mashaallah(so wie es Gott wollte!)", der sie zu erkennen und für andere darzustellen

versteht. Diese verborgene Schönheit ohne gleichen verlangt zu sehen und gesehen zu werden, nämlich die eigene Schönheit auf zweierlei Weise anzuerkennen... erstens, sich selbst in verschiedenen Spiegeln zu betrachten, zum anderen, sich in dem Verlangen der Betrachter und der Begeisterung der Bewunderer zu erkennen, selbst sowohl zu sehen als auch geschaut zu werden, ständig zu bezeugen und immerwährender Zeuge zu sein. Auch verlangt diese immerwährende Schönheit die beständige Anwesenheit derer, welche sie sehnsüchtig betrachten und sich für sie begeistern. Denn eine immerwährende Schönheit kann sich nicht mit einem sterblichen Bewunderer zufrieden geben. Denn ein Betrachter, der unwiderruflich zum Tode verurteilt ist, dessen Liebe verwandelt sich angesichts des Todes in Feindschaft. Seine Begeisterung und Verehrung verwandelt sich in Beschimpfung. Denn der Mensch ist ein Feind dessen, was er nicht kennt und nicht zu erreichen vermag. Denn jeder scheidet rasch aus diesen Herbergen und zieht von dannen. Er sieht das Licht dieser Schönheit und Vollkommenheit oder auch nur einen Schatten davon für einen Augenblick und geht wieder davon, ohne sich satt gesehen zu haben. Das heißt, er geht hinüber in ewige Gärten.

Fünftes Bild:

Siehe, wie in allen diesen Werken sichtbar wird, welch große Liebe diese unvergleichliche Persönlichkeit hat! Denn er schickt seine Hilfe jedem, der von einem Unglück betroffen ist. Er gibt eine Antwort auf jedes Ansinnen und Verlangen. Ja, siehe, er befriedigt sogar liebevoll das allereinfachste Bedürfnis eines seiner niedersten Untertanen. Hat sich das Schaf eines Hirten den Fuß verstaucht, schickt er entweder eine Salbe oder einen Arzt.

Auf! Gehen wir zu dieser Insel dort hinüber, wo gerade eine große Versammlung stattfindet. Alle Edlen des ganzen Landes haben sich dort versammelt. Schau, einer der höchsten Botschafter, geschmückt mit höchsten Auszeichnungen, hält eine Rede. Er erbittet etwas von seinem

liebevollen König. Alle Einwohner sagen: "Ja, oh ja, das ist es, was wir wünschen." Sie unterstützen und bestätigen ihn. Höre nun, was der sagt, auf dem das Wohlgefallen des Königs ruht: "Oh du unser Sultan, der du uns mit deinen Gnadengaben nährst! Zeige uns die Ursprünge und Quellen dessen, was du uns durch Beispiele oder nur schattenhaft vor Augen geführt hast. Lenke unsere Schritte zum Sitz deiner Königsherrschaft! Lass uns nicht in diesen Wüsten zu Grunde gehen! Rufe uns in deine Gegenwart! Erbarme dich unser! Speise uns dort mit den wohlschmeckenden Gaben, von denen du uns hier bereits einen Vorgeschmack gegeben hast! Bestrafe uns nicht mit Tod und Verbannung! Lass deine gehorsamen Untertanen, die nach dir verlangen und die dir Dank sagen, nicht als Waisen zurück, damit sie nicht zugrunde gehen!" So spricht er und fleht inständig. Und auch du kannst ihn hören.

Ja, wäre es denn möglich, dass ein so liebevoller und mächtiger König, der auch den einfachsten Wunsch auch eines ganz einfachen Mannes ernst nimmt und erfüllt, dem vornehmsten Verlangen eines seiner edelsten Botschafter nicht mit Wohlwollen entspräche? Denn das Verlangen dieses Edlen ist zugleich auch das Verlangen aller. Zudem fordert dies auch der Wunsch des Königs und auch seine Barmherzigkeit und Gerechtigkeit. Und es fällt ihm auch leicht, nicht schwer. Es ist ihm dies weniger schwer, als diese zeitweiligen Rastplätze in den Ausflugsorten für die Gäste zu schaffen. Er, der, um uns ein Musterbeispiel vor Augen zu führen, für einen Rastplatz von fünf, sechs Tagen solche Kosten aufwendet und dieses Land aufgebaut hat, wird sicherlich auch, um seine wahren Schatzkammern, seine Vollkommenheiten und Kunstfertigkeiten am Sitz seines Königtums darzustellen, auch Rast- und Ruheplätze schaffen und unsere Sinne in Erstaunen versetzen.

Das heißt, dass wir an diesem Ort der Prüfungen nicht uns selbst überlassen bleiben, sondern die Schlösser der Glückseligkeit oder die Kerker auf uns warten.

Sechstes Bild:

Also nun komm und sieh! All diese gewaltigen Flugzeuge, Maschinen- und Werkzeugparks, Bahndepots und Lagerhallen, Messen, Ausstellungen und Kongresse zeigen, dass es ein glanzvolles Königreich

{(*): Ein Beispiel. Ein riesiges Heer, das auf einem Truppenübungsplatz während einer Gefechtsübung den Befehl erhält: "Zu den Waffen! Pflanzt die Bajonette auf!", gleicht einem Wald, der mit dichtem, dornübersäten Unterholz bewachsen ist. In gleicher Weise ähnelt ein Truppenübungsplatz, wenn an Feiertagen zur Parade der Befehl ausgegeben wird: "Es ist Uniform anzuziehen und die Orden sind anzulegen!", einem Garten, der ganz und gar mit bunten Blumen aller Arten geschmückt ist. So auch erhalten die bewusstseinslosen Arten der Pflanzen unter den zahllosen Arten der Heere des urewigen Sultans wie Engel, Dschinnen, Menschen und Tiere auf dem Weltenrund im Kampf ums Dasein den Befehl:

كُنْ فَيَكُونُ

("Sei! Und es ist.")

Wenn sie diesen Befehl erhalten, gleich dem Befehl: "Nehmt Waffen und Feldzeug auf, um euch zu verteidigen!", pflanzen alle die dorntragenden Sträucher ihre winzigen Bajonette auf und ähneln so einem gewaltigen Heerlager aufgepflanzter Bajonette... So ist auch jeder einzelne Frühlingstag, jede einzelne Woche wie ein Feiertag für eine bestimmte Pflanzenart. Und jede Pflanzenart stellt sich so dar, als ob sie die schönen Geschenke, die ihr der urewige König verliehen hat, zur Schau stellt und die Auszeichnungen, mit denen er sie geschmückt hat, in einer Art Parade, den betrachtenden Blicken des Sultans vorführen wollte. Es ist, als hörten alle die großen und kleinen Pflanzen den Befehl des Herrn: "Schmückt euch mit den edelsteinbesetzten Kunstwerken des Herrn und legt eure Auszeichnungen der göttlichen Schöpfernatur, wie man die Blüten und Früchte nennen möchte, an! Und alle Knospen sollen sich öffnen!" Die Erdoberfläche gleicht einem Heerlager, das an einem großartigen Festtage bei einer königlichen Parade im Schmuck seiner farbenprächtigen Uniformen und edelsteinbesetzten Orden strahlt. Eine in solchem Grade weise und wohlgeordnete Ausstattung und all dieser Schmuck zeigen sicherlich jedem, der nicht blind ist, dass dies auf Befehl eines Königs geschieht, der grenzenlos mächtig ist und ein Herrscher von unbegrenzter Weisheit.}

gibt,

das gleichsam hinter dieser Kulisse regiert.

Ein solches Königreich erfordert Untertanen, die dessen würdig sind. Du siehst aber, dass sich alle Untertanen in dieser Herberge versammelt haben. Diese Herberge aber füllt und leert sich täglich. Außerdem haben sich alle Untertanen zu Übungen auf dem Prüfungsgelände eingefunden. Dieses Gelände jedoch wird jede Stunde verändert. Und alle Untertanen bleiben nur ein paar Minuten auf diesem Messegelände, um die Muster wertvoller Geschenke und wunderbarer antiker Kunstwerke des Königs in den Hallen zu betrachten. Dieses Messegelände jedoch verwandelt sich in jeder Minute. Wer gegangen ist, kommt nicht mehr wieder; wer gekommen ist, geht wieder. So zeigen also diese Situation und ihre Veränderungen unfehlbar, dass es hinter dieser Herberge, dem Übungsgelände und dem Messegelände immerwährende Schlösser, bleibende Wohnungen, Weinberge und Schatzhäuser, angefüllt mit reinen und hohen Originalen dieser Muster und Bilder gibt.

Das heißt, hier wird gearbeitet und dort empfangen. Er gibt hier die Arbeit und dort den Lohn. Es empfängt dort jeder Glückseligkeit entsprechend seiner Fähigkeit.

Siebentes Bild:

Komm und lass uns ein wenig spazieren gehen, wir wollen einmal sehen, was diese zivilisierten Leute so alles besitzen! Schau, überall und in jeder Ecke sind Fotoapparate

{(*): Ein Teil der Bedeutungen, auf die dieses Bild hinweist, wurden bereits in der "Siebenten Wahrheit" erklärt. Wir wollen hier nur die Bedeutung des großen Apparates erklären, der dem König selbst gehört und "Lauh-i mahfudh (wohlverwahrte Tafel)" genannt wird. Die Tatsache der "Lauh-i mahfudh" wurde im "Sechsundzwanzigsten Wort" folgendermaßen bewiesen: So wie einige Personalausweise einzelner Personen auf ein großes Meldeamt hinweisen, einige Urkunden die Existenz eines großen Registeramtes vermuten lassen oder ein paar Wassertropfen auf das Vorhandensein einer Quelle schließen lassen, so auch lässt das Gedächtnis der Menschenkinder, lassen die Früchte der Bäume, die Samenkerne und -körner der Früchte, die den Ausweisen der einzelnen Personen gleichen und auch den Charakter einzelner kleiner "Lauh-i mahfudh" haben, lassen einzelne Punkte, herausgetropft aus der Feder, welche die große "Lauh-i mahfudh" beschreibt, sicherlich ein großes Gedächtnis, ein großes Register, eine große "Lauh-i mahfudh" erahnen. In der Tat weisen sie darauf hin, beweisen sie es, ja, sie stellen es klar heraus für den scharfen Verstand.}

aufgestellt, um Bilder aufzunehmen.

Und siehe! Überall sitzen Schreiber, die sich etwas notieren. Sie schreiben sich alles auf und berichten auch noch über den unwichtigsten Dienst und das allerkleinste Ereignis. Siehe, auf diesem hohen Berg dort ist ein riesiger Photoapparat aufgestellt, der dem König selbst gehört und Bilder aufnimmt von dem, was überall in der Welt geschieht.

Das heißt also, das diese Persönlichkeit befohlen hat, alles, was sich in seinem Eigentum ereignet, alle Amtshandlungen und alle Arbeiten aufzuzeichnen. Das bedeutet also, dass diese gewaltige Persönlichkeit alle Vorkommnisse registriert und Bilder davon macht. So ist also diese genaue Aufzeichnung und Registrierung sicherlich für eine Abrechnung vorgesehen. Wäre es nunmehr überhaupt möglich, dass ein König, der alles bewahrt, nicht die bedeutendsten Taten seiner bedeutendsten Untertanen wahrnehmen, nicht mit ihnen abrechnen, ihnen nicht Lohn oder Strafe geben sollte, wo er doch die unbedeutendsten Handlungen seiner geringsten Untertanen nicht vernachlässigt? Aber es werden Taten gerade von den Bedeutendsten begangen, die eine Beleidigung für Ansehen und Würde dieser Persönlichkeit sind, und die mit Seiner Barmherzigkeit unvereinbar sind. Hier werden sie nicht dafür bestraft. Das heißt also, das bleibt einem Obersten Gerichtshof überlassen.

Achtes Bild:

Komm, ich werde dir die Erlasse, die von ihm kommen, vorlesen. Siehe, er verspricht immer wieder, und droht streng: "Ich werde euch von hier wegführen, zum Sitz meines Königreiches bringen, die Gehorsamen

glücklich machen und die Widerstrebenden in den Kerker werfen. Ich werde diese vergängliche Stätte zerstören und ein anderes Reich mit ewigen Schlössern und Kerkern aufbauen." Und er kann sogar sehr leicht erfüllen, was er versprochen hat und was für seine Untertanen von großer Bedeutung ist. Würde er sein Versprechen nicht halten, wäre dies unvereinbar mit der Würde Seiner Regierungsgewalt. Nun siehe also, du Verblendeter! Du bestätigst das, was dir deine Einbildung vorlügt, was dir dein Verstand vorgaukelt, und was sich deine Seele vormacht. Du bezeichnest eine Persönlichkeit als Lügner, die in keiner Weise zu Wortbruch und Widerspruch gezwungen sein kann, die in keiner Hinsicht mit Widersprüchlichkeit vereinbar ist, und deren alle offensichtlichen Werke für ihre Aufrichtigkeit Zeugnis geben. Gewiss verdienst du eine große Strafe. Du gleichst einem Reisenden, der seine Augen vor dem Licht der Sonne verschließt und statt dessen seine Phantasieprodukte betrachtet. In seiner Arroganz versucht er, einem Leuchtkäfer gleich, mit dem Schein der Leuchte seines Verstandes seinen fürchterlichen Weg zu erhellen. Da der König es aber nun schon einmal versprochen hat, wird er es auch halten. Zudem ist die Erfüllung sehr leicht für ihn, für uns wie ihn selbst, und sein Reich äußerst notwendig.

Das heißt, es gibt einen Obersten Gerichtshof, eine höchste Glückseligkeit.

Neuntes Bild:

Komm jetzt! Betrachte die führenden Persönlichkeiten

{(*): Die Auslegungen, welche dieses Bild verdeutlichen sollen, kann man in der "Achten Wahrheit" finden.

Zum Beispiel:

Mit den führenden Persönlichkeiten in unserem Beispiel meinen wir die Propheten und die Heiligen. Was aber das Telefon betrifft, so ist es eine Verbindung mit dem Herrn, die vom Herzen ausgeht. Dabei ist das Herz ein Spiegel der Offenbarung und das Empfangsorgan der Eingebungen. Das Herz ist Muschel und Hörer des Telefons.}

dieser Ämter und Gemeinden. Jeder von ihnen hat sein eigenes Telefon, über das er persönlich mit dem König sprechen kann. Ja, manchmal treten

sie sogar direkt in Seine Gegenwart. Höre, was sie sagen: Sie alle berichten übereinstimmend, dass seine Persönlichkeit einen überwältigenden und fürchterlichen Ort zu Lohn und Strafe vorbereitet hat. Seine Versprechungen sind unumstößlich und seine Warnungen schrecklich. Zudem dulden sein Ruhm und seine Majestät in gar keiner Weise die Erniedrigung durch ein gebrochenes Versprechen. Sie sind jeder Beleidigung unzugänglich. Und weiter berichten alle Kundschafter übereinstimmend im Grade eines "Tevatur", d.h. mit der Überzeugungskraft der ganzen Gemeinde, dass Quelle und Sitz dieses gewaltigen Reiches aus den Spuren hier bereits sichtbar werden, in einem anderen Land weit entfernt von hier liegen, und dass die Gebäude hier, in diesem Land der Prüfung, nur vorübergehend sind. Diese Stätten werden verwandelt und später in bleibende Schlösser umgestaltet werden.

Denn dieses großartige Reich, das keinen Untergang kennt und dessen Größe wir aus seinen Spuren zu erahnen vermögen, kann nicht auf solch unvollkommenen Werken aufgebaut sein und bleiben, die vergänglich, unbeständig, schwankend und wertlos sind, die sich ständig wandeln und niemals fortbestehen.

Das heißt also, es besteht fort auf großartigen vollendeten und bleibenden Werken, die seiner würdig, beständig, dauerhaft und fest verankert sind und keinen Untergang kennen. Das heißt, es gibt noch ein anderes Land, in das wir mitten hinein reisen werden.

Zehntes Bild:

Komm, heute ist das königliche Nauruzfest.

{(*): Man kann die Auslegung dieses Bildes in der "Neunten Wahrheit" finden. Der Nauruztag bezeichnet z.B. die Frühlingszeit. Eine grüne und blühende Wüste, das ist die Erde im Frühling. Der Wandel der Szenen und Schauspiele ist ein Hinweis auf die verschiedenen Arten von Pflanzen und Tieren, die der allmächtige, ruhmvolle Meister, der König und Schöpfer voll Schönheit vom Beginn des Frühlings bis zum Ende des Sommers in vollständiger Ordnung verwandelt und in völligem Erbarmen erneuert. Er schickt die verschiedenen Arten von Pflanzen und Tieren des Frühlings und des Sommers, von denen einige dem Mensch und dem Tier als Nahrung dienen.}

Eine Verwandlung wird stattfinden und einzigartige

Dinge sich ereignen. An diesem schönen Tag in diesem Frühling machen wir einen Ausflug in dieser grünen Wüste mit ihren schönen Blumen. Schau einmal! Auch andere Leute kommen hierher. Siehe, es geschieht Zauberei, alle Gebäude werden zerstört und nehmen neue Gestalt an. Schau, es geschieht ein Wunder. Die zerstörten Gebäude werden hier plötzlich wiederaufgebaut, und somit ist diese öde Wüste geradezu eine belebte Stadt geworden. Sie zeigt - gleich einer Kinoleinwand - jede Stunde eine andere Welt und nimmt eine andere Gestalt an. Achte darauf, welch vollkommene Ordnung bei all diesem komplizierten, schnellen, häufigen, tatsächlichen Szenenwechsel herrscht, sodass ein jedes Ding an seinen eigenen Platz kommt. Die Szenenwechsel auf der Leinwand könnten auch nicht perfekter arrangiert sein. Millionen erfahrener Zauberer könnten dieses Kunststück nicht zustande bringen. Das heißt, der König, den wir nicht sehen können, vollbringt gewiss sehr große Wunder. Oh du Verblendeter! Du fragst: "Wie kann dieses Riesenreich zerstört und an anderer Stätte wieder errichtet werden?"

Nun, du siehst hier, dass in jeder Stunde Umwälzungen und Verwandlungen gleich der Verwandlung des Landesgeschehen, die dein Verstand nicht akzeptiert. Aus diesem Zueinanderkommen und Sich-voneinander-trennen und all diesen Ereignissen lässt sich verstehen, dass mit all diesem raschen Zueinander kommen und Sich-voneinander-trennen, Sich-bilden und Wieder-zerstört-werden ein anderer Zweck erstrebt wird. Für ein Beisammensein von einer Stunde wird ein Aufwand von zehn Jahren gemacht. Das heißt also: Diese Formen können nicht Selbstzweck sein. Sie sind ein Beispiel, ein Muster. Diese Persönlichkeit macht sie als ein Wunder, sodass ihre Bilder aufgenommen, zusammengestellt und die Ergebnisse

aufbewahrt und aufgezeichnet werden, wie ja schon auf dem Übungs- und Prüfungsgelände alle Dinge aufgezeichnet und aufgeschrieben wurden. Das heißt also, auf dem Großen Versammlungsplatz werden die Handlungen darauf aufgebaut und fortgesetzt. Zudem werden sie ständig auf einer riesigen Messe ausgestellt. Das heißt also, diese vergänglichen, unbeständigen Formen bringen beständige Bilder und bleibende Früchte hervor. Das bedeutet, dass diese Vorführungen und Veranstaltungen einer höchsten Glückseligkeit, einem Obersten Gerichtshof und erhabenen Zwecken dienen, die wir nicht kennen...

Elftes Bild:

Nun komm, mein hartnäckiger Freund! Steigen wir in ein Flugzeug, das nach Osten oder Westen fliegt, d.h. sich in die Vergangenheit oder die Zukunft bewegt. Sehen wir, welche Wunder diese wunderwirkende Persönlichkeit an anderen Orten vollbringt. Siehe also, wie sich die gleichen Merkwürdigkeiten, die wir in den Wohnungen, Plätzen und auf den Messen gesehen haben, überall finden. Sie unterscheiden sich von einander lediglich in ihrer künstlerischen Gestaltung. Doch beachte wohl, welch tiefe Weisheit sich in der Ordnung, welch offensichtliche Zeichen von Mitleid, welche Zeichen einer hohen Stufe der Gerechtigkeit, welche Früchte einer derart umfassenden Barmherzigkeit in diesen vorübergehenden Wohnungen, den vergänglichen Stätten, den unbeständigen Messen sichtbar wird. Jedermann, der nicht ohne Einsicht ist, wird gewiss verstehen, dass eine vollkommenere Weisheit als die seine, ein Mitleid, wunderbarer als das seine, eine umfassendere Barmherzigkeit als die seine, eine Gerechtigkeit noch ruhmreicher als die seine nicht sein kann und nicht vorstellbar ist. Nehmen wir einmal an, es gäbe - wie du dir einbildest - im Lande seines Königtums keine dauerhaften Unterkünfte, keine erhabenen Stätten, keine festen Aufenthaltsorte, keine bleibenden Wohnungen, keine sesshaften Bewohner, keine glücklichen Untertanen, dann ist klar, dass dieses unbeständige Reich nicht eine solche Weisheit, ein solches

Mitleid und Erbarmen, eine solche Gerechtigkeit zeigen könnte. Um diese Realitäten aufzuzeigen, müsste ein anderer Platz gefunden werden, da man sonst die vor unseren Augen liegende Weisheit leugnen, das Mitleid, das wir doch bezeugen, leugnen, diese Barmherzigkeit, die wir doch sehen, leugnen, diese Gerechtigkeit, deren so kräftige Spuren und Zeichen doch offensichtlich sind, leugnen müsste. Das aber wäre, als wollten wir am helllichten Tage die Sonne leugnen, deren Strahlen wir doch sehen. Zudem müssten wir dann den Herrn all dessen, was er in Weisheit getan, in Freigiebigkeit geschaffen, in Barmherzigkeit geschenkt hat - möge Gott uns davor bewahren und behüten! - als einen primitiven Spieler oder grausamen Tyrannen ansehen. Das aber wäre eine Umkehr der Realität in ihr Gegenteil.

Denn die Verkehrung der Wahrheit ist nach der Übereinstimmung aller Leute von Verstand unmöglich und unvorstellbar, ausgenommen für Sophisten, die in ihrer Torheit alle Dinge leugnen. Das heißt also, es gibt noch einen anderen als diesen Ort. Es muss dort einen Obersten Gerichtshof, einen Ort höchster Gerechtigkeit und zugleich überwältigender Großzügigkeit geben, sodass diese Barmherzigkeit, Weisheit, das Mitleid und die Gerechtigkeit vollendet in Erscheinung treten können.

Zwölftes Bild:

Komm, wir kehren jetzt zurück! Wir wollen mit den Präsidenten und Offizieren darüber sprechen und ihre Ausrüstungen untersuchen, ob diese Ausrüstungen ihnen nur für eine sehr kurze Dauer, um an diesem Ort auszuharren, gegeben wurden. Oder wurde sie ihnen gegeben, um sich damit ein langes, glückseliges Leben an einem anderen Ort zu erwerben? Lasst uns einmal sehen! Wir können nicht jedermann und seine Ausrüstung untersuchen. Aber wir wollen eine Stichprobe machen, und den Ausweis und das Soldbuch dieses Offiziers betrachten. In seinem Soldbuch sind sein Rang und Sold, seine Aufgabe, sein Kontostand und die Anweisungen für sein Verhalten eingetragen. Sein Rang kann ihm nicht nur für ein paar Tage, sondern muss ihm für eine

sehr lange Zeit verliehen worden sein. Außerdem steht noch geschrieben: "Sie werden Ihren Sold an einem bestimmten Tag aus der königlichen Privatschatulle ausbezahlt bekommen."

Aber dieser Tag wird erst nach langer Zeit und erst nach Verlassen des Ortes kommen. Was seine Aufgabe betrifft, so wurde sie ihm sicherlich nicht nur um dieses vergänglichen Ortes willen übertragen, sondern um dadurch eine immerwährende Glückseligkeit in der Nähe des Königs zu erwerben. Und auch sein Konto wurde ihm nicht eröffnet, um ein paar Tage in dieser Herberge zu verbringen, vielmehr nur um eines langen, glückseligen Lebens willen. Auch aus seinen Anweisungen geht klar und einwandfrei hervor, dass der Inhaber dieses Soldbuches für einen anderen Ort vorgesehen ist, für eine andere Welt arbeitet. Sieh dir Ausweis und Soldbuch an! In ihnen sind Gebrauchsanweisungen und seine Verantwortung für Waffen und Ausrüstung eingetragen. Gäbe es also nicht noch eine andere, erhabene, bleibende Stätte, als nur diesen Ort hier, dann wäre ein solch definitiver Ausweis und ein solch unanfechtbares Soldbuch ganz und gar ohne Sinn. Zudem würde dieser ehrenwerte Offizier, dieser geachtete Kommandant, dieser angesehene Präsident tiefer sinken als alle Bewohner, unglücklicher werden als sie alle, elender, armseliger, würdeloser, erbärmlicher und beklagenswerter als ein jeder von ihnen. Vergleiche dies mit den übrigen Gegebenheiten! Was immer du betrachten mögest, das alles bezeugt, dass es nach diesem Vergänglichen (fani)ein Ewiges (baqi)gibt.

Oh mein Freund! Dieses vergängliche Reich gleicht einem Acker. Es ist ein Übungsgelände, ein Marktplatz. Dem folgt sicherlich ein oberster Gerichtshof, eine höchste Glückseligkeit. Wenn du das leugnest, dann bist du gezwungen, auch alle Ausweise, Soldbücher, Ausrüstungen, Anweisungen, ja, sogar die ganze Ordnung in diesem Lande, ja, die Regierung selbst zu leugnen, und es wird notwendig, zu bestreiten, dass alle diese Maßnahmen tatsächlich durchgeführt worden sind. Dann aber

wird man dich nicht mehr länger einen Menschen nennen können, der über ein Bewusstsein verfügt. Du wirst noch weniger Verstand besitzen als die Sophisten...

Du darfst nicht denken, dass die Beweise für die Verwandlung des Reiches auf diese "Zwölf Bilder" beschränkt seien. Im Gegenteil, es gibt unbegrenzt viele, unzählige Anzeichen, ja, Beweise dafür, dass dieses unbeständige, sich ständig verändernde Reich in ein Reich umgewandelt werden wird, das keinen Untergang und keinen Wechsel kennt. Zudem gibt es unbegrenzt viele, zahllose Hinweise und Anzeichen dafür, dass diese Einwohner aus diesen Behelfsunterkünften hinweggenommen und zum Sitz des immerwährenden Königreiches hingebracht werden.

Komm nun, ich werde dir noch ein besonders beweiskräftiges Zeugnis dafür zeigen, eines, das noch überzeugender ist, als diese "Zwölf Bilder"!

Komm also nun und sieh! Inmitten seiner gewaltigen Gemeinde, die wir von Weitem sehen können, hält jener höchste Botschafter, den wir schon zuvor - geschmückt mit einem großen Orden - auf der Insel gesehen hatten, eine Ansprache. Gehen wir hin und hören wir ihm zu! Siehe, dieser glanzvolle, oberste Botschafter verkündet den Bewohnern einen höchsten königlichen Erlass. Du siehst ihn dort oben aufgehängt. Er sagt unter anderem etwa folgendes: "Seid bereit! Ihr werdet in ein anderes, ein bleibendes Reich hinübergehen, in ein Land, im Vergleich zu dem dieses Land hier wie ein Gefängnis ist. Ihr werdet zum Sitz des Reiches unseres Königs gehen, seine Barmherzigkeit und all seine Güte erfahren, wenn ihr diesen Erlass hört und ihn bestens befolgt... Rebelliert ihr aber dagegen und wollt ihr nicht hören, dann werdet ihr in furchtbare Kerker geworfen." Du siehst auch, dass in diesem großen Erlass ein Siegel von solch einer Vollendung angebracht ist, dass es auf gar keine Weise möglich ist, es nachzuahmen. Jedermann, außer so einem Verblendeten wie du, weiß mit Sicherheit, dass dieser Erlass der Erlass des Königs ist, und jedermann,

außer einem Blinden wie du, erkennt ganz klar, dass dieser glanzvolle, oberste Botschafter, der solche Auszeichnungen trägt, des Königs oberster Befehlshaber ist.

Jetzt also, mein Freund, bist du an der Reihe, zu reden! Sage nun, was du zu sagen hast! "Was kann ich denn sagen? Kann man dagegen denn noch etwas einwenden? Kann man denn am helllichten Tage noch ein Wort gegen die Sonne richten? Ich kann nur noch sagen: Elhamdulillah! Dank sei hunderttausendmal dafür, dass ich aus der Knechtschaft meiner Träume und Neigungen, von Lust und Laune errettet wurde, vor ewigem Gefängnis und Kerker bewahrt blieb.

Ich bin zu dem Glauben gelangt, dass es über dieses Tohuwabohu von Notunterkünften hinaus einen Ort der Glückseligkeit in königlicher Nähe gibt, für den wir vorherbestimmt sind."

Siehe, nun ist dieses Gleichnis, welches beinhaltet und anspielt auf eine letzte Versammlung und die Auferstehung, vollendet. Nun wollen wir zu der erhabenen Wahrheit hinüberschreiten. Allah verleihe uns dazu Erfolg! Jetzt werden wir den vorangegangenen "Zwölf Bildern" entsprechend "Zwölf einander stützende Wahrheiten" behandeln. Wir beginnen mit einer Einführung.

Zweites Kapitel

Einführung

Wir beziehen uns hier auf einige Bemerkungen, die wir bereits an anderen Stellen erklärt haben, nämlich im "Zweiundzwanzigsten", "Neunzehnten" und "Sechsundzwanzigsten Wort".

Erste Anmerkung:

Der Verblendete in unserem vorigen Gleichnis und sein vertrauenswürdiger Gefährte entsprechen in der Realität den drei folgenden Paaren:

Erstens:

meiner eigensinnigen Seele (nefs-i emmare)und meinem Herzen

Zweitens:

einem Adepten der Philosophie und einem Jünger des Weisen Qur'an

Drittens:

der Gemeinschaft des Islam und den Leuten des Unglaubens

Der furchtbare Irrtum der Adepten der Philosophie, der Leute des Unglaubens und der triebverhafteten Seele besteht darin, dass sie Gott den Gerechten nicht anerkennen wollen. So wie in dem Gleichnis der vertrauenswürdige Mann gesagt hat: "Ein Buchstabe kann nicht sein, ohne den, der ihn schreibt, und ein Gesetz kann nicht sein, ohne den, der es durchführt.", so sagen auch wir:

So wie ein Buch, besonders solch ein Buch, in dem eine winzige Feder in jedes Wort ein Buch hineingeschrieben hat, ein feiner Stift in jeden Buchstaben eine vollendete Kasside (Dichtung) hineingeschrieben hat, ohne Schreiber ganz und gar unmöglich wäre, so ist es auch eine unvorstellbare Unmöglichkeit, dass diese Schöpfung ohne Designer sein sollte. Denn dieser Kosmos ist ein solches Buch, das auf jeder Seite viele Bücher in sich enthält, ja, sogar jedes Wort umfasst ein Buch, jeder Buchstabe enthält eine Kasside. Das Antlitz der Erde ist eine Seite. Wie viele Bücher umfasst es! Ein Baum ist ein Wort. Wie viele Seiten enthält es! Eine Frucht ist ein Buchstabe. Ein Kern ist ein Punkt. Dieser Punkt umfasst

das Programm, das Inhaltsverzeichnis für einen riesigen Baum. Nun aber kann ein solches Buch nur ein Ornament sein, das mit dem Pinsel der göttlichen Allmacht gemalt wurde, von einer Majestät, die Schönheit, unendliche Macht und Weisheit besitzt. Das heißt, dass man glauben muss, nachdem man die Welt betrachtet und verstanden hat, es sei denn, dass man vom Irrtum berauscht sei...

In ähnlicher Weise kann kein Haus ohne Baumeister entstanden sein, besonders ein Haus, das mit solch wunderbaren Kunstwerken, staunenswerten Ornamenten, einzigartigen Verzierungen ausgestattet wurde, und besonders dann, wenn in jedem Stein so viel Kunstfertigkeit enthalten ist wie in einem ganzen Schloss. Kein vernünftiger Mensch kann akzeptieren, dass es ohne Baumeister entstanden sein sollte. Es erfordert einen sehr geschickten Künstler. Mehr noch: In diesem Schloss werden jede Stunde, wie auf der Leinwand eines Kinos, in schönster Ordnung wahrhafte Wohnstätten gebildet und wieder ausgewechselt, so wie man ein Kleid wechselt, ja, sogar innerhalb jeder Szene dieser Wirklichkeit werden zahllose winzige Wohnstätten ins Dasein gerufen.

Genauso erfordert auch dieses Universum einen allwissenden, allweisen und allmächtigen Baumeister. Denn dieses grandiose Universum ist ein solches Schloss, in dem Sonne und Mond die Lampen, die Sterne die Kerzen sind, die Zeit aber ein Seil oder eine Spule, durch die der königliche Baumeister in jedem Jahr eine andere Welt zur Aufführung bringt. In dieser so vorgeführten Welt erneuert Er die Bilder wohlgeordnet auf dreihundertsechzig Arten. In schönster Ordnung und Weisheit wechselt Er sie. Er hat das Antlitz der Erde zu einem Gabentisch gemacht, den Er in jedem Frühling mit dreihunderttausend Arten Seiner Geschöpfe deckt. Er überhäuft ihn mit Gnadengaben ohne Zahl und Maß. Dies geschieht in der Weise, dass sie sich, obwohl voll und ganz, untereinander und miteinander vermischt, doch wieder bis hin zur allerletzten Stufe voneinander trennen. Zieht man nun

auch noch andere Gesichtspunkte zum Vergleich heran, wie kann man dann noch den Baumeister eines solchen Schlosses unbeachtet lassen?

Was wäre das zudem für ein höchst sonderbares und törichtes Geschwätz, wollte man mitten an einem wolkenlosen Tage die Sonne leugnen, während sich doch der Sonnenschein im Meer spiegelt, und man in jedem Tropfen seine Reflektierungen beobachten kann? Denn wollte man diese eine einzige Sonne leugnen und ihre Existenz bestreiten, dann müsste man entsprechend der Fülle der Tropfen, der Menge der Bläschen, der Zahl der Teilchen eben so viele kleine reale und originäre Sonnen annehmen. Wollte man aber von der Notwendigkeit ausgehen, anzunehmen, dass sich eine Riesensonne real in einem Stäubchen (in dem doch nicht mehr als ein Stäubchen Platz hat!) zusammengequetscht befände, so wäre das ebenso, als wollte man angesichts dieser Ordnung in der Natur, die sich ständig mit den Jahreszeiten in Weisheit verwandelt und reibungslos erneuert, nicht bestätigen, dass da ein Schöpfer ist, dessen Attribute Majestät und Vollkommenheit sind. Das wäre eine noch üblere Torheit von einem Irrtum und das Geschwätz eines Wahnsinnigen. Denn dann müsste man ja in jedem Ding, ja, in jedem Stäubchen eine absolute Gottheit anerkennen.

Denn es ist z.B. möglich, dass ein Atom aus der Luft in jede Blume, jede Frucht, jedes Blatt eintreten und dort wirken kann. Wäre also dieses Atom nicht beauftragt worden, dann müsste es selbst Ablauf, Form und Aufbau all der Arten kennen, in die es eintreten will, um dort zu wirken. Um aber so wirken zu können, müsste es über ein umfassendes Wissen verfügen und Macht besitzen.

So ist z.B. auch noch das kleinste Stückchen Erde dazu in der Lage, den verschiedensten Samenkernen und -körnern Wiege und Ursprung zu sein. Wäre es nicht dazu beauftragt, dann müsste es so viele Werkzeuge und Maschinen in sich enthalten, wie es Gräser und Bäume gibt. Oder aber man müsste ihm die Macht geben, den gesamten Ablauf zu kennen, zu gestalten und

die Kunstfertigkeit, um alle die Formen zu wissen, mit denen sie bekleidet werden, und diese zu weben.

Man mag diese Gleichnisse auch noch auf andere Daseinsbereiche anwenden! Am Ende wirst du verstehen, dass in jedem Ding ganz offensichtlich viele Beweise für die Einheit Gottes (Vahdaniyet)enthalten sind. Ja, es ist dies ein Werk, das dem Schöpfer aller Dinge eigen ist: Aus allen Dingen ein einziges zu machen und aus einem einzigen Ding alle zu machen. Beachte den berühmten königlichen Ausspruch:

وَاِنْ مِنْ شَيْءٍ اِلاّ َيُسَبِّحُ بِحَمْدِهِ

{"Es gibt kein Ding, das Ihn nicht mit Lob und Dank preist und rühmt."}

Das heißt: Wer nicht dazu bereit ist, die Einheit und Einzigartigkeit Gottes (Vahid-i Ahad)anzuerkennen, muss notwendiger Weise so viele Götter anerkennen, wie es Geschöpfe gibt.

Zweite Anmerkung:

In unserem Gleichnis war von einem höchsten Botschafter die Rede, und es wurde gesagt, dass jeder, der nicht gerade blind ist und seine Auszeichnungen gesehen hat, verstehen wird, dass diese Persönlichkeit auf Befehl des Königs handelt, und von diesem persönlich beauftragt ist. Dieser höchste Botschafter ist nun der höchst ehrenwerte Gesandte (Gottes), mit dem Friede und Segen sei. Ja, in diesem so herrlich geschmückten Universum ist ein höchst ehrenwerter Gesandter des heiligen Baumeisters in gleicher Weise überaus notwendig wie die Sonne, die, damit wir leben können, notwendigerweise Licht und Wärme ausstrahlt. Denn so wie es der Sonne unmöglich ist, keine Strahlen auszusenden, ebenso ist es der Gottheit unmöglich, sich zu offenbaren, ohne Gesandte auszusenden.

Ja, wäre es überhaupt möglich, dass eine Schönheit von solcher Vollendung nicht den Wunsch hätte, sich durch einen Mittler, der Ihn vorstellt und beschreibt, zu offenbaren?

Ja, wäre es überhaupt möglich, dass eine so vollendete Kunstfertigkeit von einer derartigen Schönheit nicht durch einen Ausrufer, der die Blicke aller darauf lenkt, nach einer Ausstellung verlangt?

Oder wäre es überhaupt möglich, dass ein allgemeines Königtum mit einem universalen Herrschaftsbereich nicht das Bestreben hätte, Seine Einheit und Unabhängigkeit auf allen Ebenen, im Großen wie im Kleinen, durch einen zweiflügeligen Abgeordneten bekannt zu machen? Denn so wie diese Persönlichkeit hinsichtlich ihrer universellen Anbetung und ihres allumfassenden Dienstes der Vertreter aller Ebenen vor dem Thron Gottes ist, so ist er auch der Beauftragte am Thron Gottes aufgrund seiner Nähe und seiner Sendung für alle Ebenen.

Ja, wäre es überhaupt möglich, dass eine Persönlichkeit von einer derartigen essentiellen Schönheit nicht darum bemüht wäre, die Werte und Feinheiten Seiner Schönheit in allen Spiegeln durch Seinen geliebten Propheten zu sehen und zeigen zu lassen? Er ist dadurch sowohl liebenswert, dass er sich Seine Liebe durch den Dienst und die Anbetung erwirbt und Ihm als Spiegel dient, als auch zugleich Sein Prophet zu sein, welcher bewirkt, dass Ihn die Geschöpfe lieben, denen er die Schönheit (Djemal)Seiner Namen aufzeigt.

Ja, wäre es überhaupt möglich, dass der Besitzer der Schatzkammern, gefüllt mit erstaunlichen Wunderwerken von einzigartigem Wert und großer Seltenheit, etwa nicht wünschte und wollte, dass deren verborgene Vollkommenheit durch einen kundigen Juwelenhändler, der ihren Wert kennt und zu beschreiben vermag, dem Volk zugänglich gemacht und über ihren Häuptern gezeigt werde?

Oder wäre es überhaupt möglich, dass der, welcher den Kosmos mit Geschöpfen ausgestattet hat, welche die Vollkommenheit all Seiner Namen zum Ausdruck bringen, ihn gleich einem Schloss mit seltenen, fein gearbeiteten Kunstwerken geschmückt hat, keinen Führer und Lehrer dafür ernannt haben sollte?

Ja, wäre es überhaupt möglich, dass der Herr des Alls

die tiefe, verborgene Wahrheit hinter der Frage, was Sinn und Zweck dieses sich ständig wandelnden Universums sei und das Rätsel der drei schwierigen Fragen nach dem "Woher? Wohin? und Was bist du?" nicht durch einen Botschafter lösen sollte?

Wäre es denn überhaupt möglich, dass dieser Baumeister in Seiner göttlichen Majestät, der sich den bewusstseinstragenden Geschöpfen in Seinen schönen Kunstwerken zu erkennen gibt und möchte, dass sie Ihn für Seine kostbaren Gnadengaben in Dankbarkeit lieben, Seinen Wunsch und Willen nicht durch einen Botschafter Seinen bewusstseinstragenden Geschöpfen mitteilen sollte?

Ja, wäre es überhaupt möglich, dass Er, der das Menschengeschlecht so erschaffen hat, dass es in das Bewusstsein einer Vielheit verfallen, aber auch mit der Fähigkeit ausgestattet ist, stellvertretend für die ganze Schöpfung Gott zu dienen und Ihn anzubeten, es nicht gewollt haben sollte, dass es unter der Führung eines Lehrers sein Antlitz von der Vielheit zur Einheit wende?

Es gibt noch viele andere Aufgaben des Prophetentums, deren jede einzelne ein absolut sicherer Beweis dafür ist, dass die Gottheit nicht ohne das Amt des Propheten sein kann. Ist aber nun in der Welt außer Mohammed aus Arabien, dem Gesegneten, mit dem Friede und Segen sei, etwa noch ein anderer erschienen, der den oben erwähnten Eigenschaften und Aufgaben besser entsprochen und sie mehr als er in sich vereinigt hätte? Hat etwa die Zeit je einen hervorgebracht, der für das Amt des Propheten und seinen Auftrag, zu verkündigen, würdiger und geeigneter gewesen wäre? Nein, ganz gewiss nicht!

Ja, er ist sogar das Haupt aller Gesandten (Gottes), der Imam aller Propheten, der erste Kenner aller Wahrheit (Asfiya),der Nächste aller Nahen, der Vornehmste unter allen Geschöpfen und König der Lehrer. Unter den nahezu tausend Wundern, welche Forscher bestätigt haben; z.B. die Spaltung des Mondes oder das Wasser, das aus

seinen Fingern hervorströmte, Beweise seines Prophtentums ohne Zahl und Grenze, genügt der ruhmreiche Qur'an, als ein Ozean der Wahrheit und ein Wunder in vierzigfacher Hinsicht, das größte aller Wunder, um sein Prophetentum sonnenklar aufzuzeigen. Weil wir aber schon in anderen Abhandlungen, besonders im "Fünfundzwanzigsten Wort" die etwa vierzig Aspekte des Qur'an als eines Wunders besprochen haben, können wir uns hier kurz fassen.

Dritte Anmerkung:

Man soll nicht denken, dieser winzig kleine Mensch sei zu unbedeutend, als dass diese gewaltige Welt um der Abrechnung für seine Handlungen willen geschlossen werde. Sollte ein anderer Bereich eröffnet werden? Denn dieser winzig kleine Mensch hat eine große Bedeutung, weil er aufgrund seiner umfassenden Naturanlagen Meister allen Seins ist, der öffentliche Ausrufer des Gottesreiches und stellvertretend für die ganze Schöpfung als Diener und Anbeter (Gottes) in Erscheinung tritt. Zudem sollte man auch nicht denken, wie kann er in diesem so kurzen Leben eine ewige Strafe verdienen? Denn der Unglaube setzt das Universum, das in seinem Grad und Wert dem Brief seines Souveräns gleicht, auf die Stufe einer Sinn- und Zwecklosigkeit herab, ist eine Beleidigung des ganzen Universums, verleugnet alle die Heiligen Namen Gottes, deren Erscheinungen als der Schmuck allen Seins angesehen werden können, und weist sie zurück, ist eine Lüge gegenüber allen Belegen, welche die Wahrhaftigkeit und Aufrichtigkeit Gottes des Gerechten aufzeigen, und ist deshalb ein grenzenloses Verbrechen. Ein grenzenloses Verbrechen erfordert aber eine grenzenlose Strafe.

Vierte Anmerkung:

So wie wir anhand unseres Gleichnisses in "Zwölf Bildern" gesehen haben, dass es keineswegs unmöglich ist, dass dieser König, der so ein Reich besitzt, welches eher einer Notunterkunft gleicht, noch ein anderes Reich besitzt, das beständig ist, Seiner Majestät entspricht und die Basis Seines gewaltigen Reiches darstellt, so ist es auch keineswegs unmöglich, dass der

Schöpfer, der bleibt (baqi)und eine Welt geschaffen hat, die vergeht (fani),nicht auch eine Welt schaffen sollte, die ewig ist. Zudem ist es nicht möglich, dass dieser Ewige Schöpfer eines so einzigartigen und doch vergänglichen Universums, dieses erschaffen hat und ein anderes, beständiges und ewiges Universum nicht schaffen sollte. Zudem ist es unmöglich, dass der Schöpfer, der allweise, allmächtig und allbarmherzig ist und das Diesseits (dunya)wie ein Messegelände, einen Prüfungsort, ein Ackerfeld geschaffen hat, nicht ein Jenseits (dar-i ahiret)erschaffen hat, in dem sich alle Seine Ziele manifestieren. Man gelangt zu dieser Wahrheit durch "Zwölf Tore". In den nun folgenden "Zwölf Wahrheiten" werden diese zwölf Tore geöffnet. Wir beginnen mit der kürzesten und einfachsten von ihnen:

Erste Wahrheit:

Das Tor zum Königreich und Seiner königlichen Herrschaft ist die Manifestation Seines Namens "Herr" (Rabb).

Ja, wäre es denn überhaupt möglich, dass die Herrschaft Gottes, die sich in ihrer tatsächlichen Erscheinung und ihrem Reich manifestiert, die, um ihre Vollendung zu zeigen, eine solche Welt zu höchst erhabenen Zielen und Zwecken für die Gläubigen, die ihren Zielen und Zwecken im Glauben, im Dienst und in der Anbetung entsprechen, geschaffen hat, keine Belohnung bereit hielte? Und sollte Er jene Irregeleiteten, die Seine Zielsetzungen ablehnen und gering schätzen, nicht dafür bestrafen?

Zweite Wahrheit:

Das Tor zu Freigiebigkeit und Barmherzigkeit ist die Manifestation Seiner Namen "Freigiebiger" (Kerim)und "Barmherziger" (Rahim).

Wäre es denn überhaupt möglich, dass der Herr dieser Welt, der sich in Seinen Werken als der, welcher "ohne Maß" Freigiebigkeit und Barmherzigkeit, unendliche Ehre und grenzenlosen Ruhm besitzt, keine Belohnung bereit hielte, die Seiner Freigiebigkeit und Barmherzigkeit würdig ist, und keine Bestrafung, die Seinem Ruhm und Seiner Ehre entspricht? Ja, wenn man den Lauf der Welt betrachtet, dann sieht man, dass allen Lebewesen, von

den schwächsten und ärmsten angefangen bis zu den stärksten, die Versorgung gegeben wird, die ihnen entspricht.

{(*): Der erlaubte Unterhalt wird nicht aufgrund einer Befähigung erworben, sondern aufgrund einer Bedürftigkeit gegeben. Der absolut sichere Beweis dafür besteht darin, dass Säuglinge in ihrer Unfähigkeit bestens versorgt werden, während Wölfe trotz ihrer Zahl und Stärke um ihren Unterhalt leiden, ja, sogar die Fische in ihrem Mangel an Intelligenz fett werden, während der schlaue und listige Fuchs und der Affe in ihrer Sorge um des Leibes Nahrung mager bleiben. Das heißt also, dass sich Unterhalt einerseits, Befähigung und Handlungsfreiheit andererseits zueinander reziprok verhalten. Je mehr einer auf seine Fähigkeit und seine Freiheit zu handeln vertraut, um so mehr Sorge um seinen Unterhalt wird er haben...}

Die Schwächsten und Ärmsten werden bestens versorgt. Jeder Leidtragende erfährt von unerwarteter Seite Heilung. Ihm wird mit so erhabener Freigiebigkeit der Tisch bereitet und Gastfreundschaft erwiesen, dass darin ganz offensichtlich eine Hand von grenzenloser Freigiebigkeit sichtbar wird.

So sind zum Beispiel alle Bäume im Frühling, den Paradies-Jungfrauen gleich, wie in Seidenbrokat gekleidet, mit ihren Blumen und Früchten wie mit Juwelen geschmückt, und dienen uns mit ihren Zweigen gleich feinen Händen. Sie bieten uns verschiedenartige wohlschmeckende Früchte gleich Kunstwerken an. Zudem empfangen wir aus der Hand der Biene mit ihrem giftigen Stachel einen gesunden und wohlschmeckenden Honig. Wir werden in die schönsten und seidenweichsten Kleider gehüllt aus der Hand eines Insekts, das keine Hände hat. Und auch eine große Schatzkammer des Erbarmens ist in einem winzigen Kern für uns aufbewahrt. Es versteht sich von selbst, welch eine Freigiebigkeit in Schönheit und welch ein einfühlsames Erbarmen in diesen Werken zum Ausdruck kommt. Zudem erfüllen - den Menschen und manche wilde Tiere ausgenommen - die Sonne, der Mond, die Erde und so auch alle Geschöpfe bis hin zu den kleinsten ihre Pflicht mit ganzer Aufmerksamkeit,

überschreiten ihre Grenzen nicht einen Fingerbreit und handeln so in einem sie alle umfassenden Gehorsam gegenüber einer gewaltigen Autorität. Dies zeigt, dass sie auf Befehl eines Herrn (Sahib)von hoher Majestät und Würde tätig werden.

Es ist ebenso offensichtlich, dass die Art, in der alle Mütter in ihrer erbarmenden Zärtlichkeit sowohl in der Pflanzen- und in der Tier- als auch Menschenwelt ihre schwachen kleinen Kinder mit einer so wohlausgewogenen Nahrung, wie z.B. der Milch, aufziehen, eine Manifestation jenes Erbarmens ist, wie sie in ihrer ganzen Weite und Breite zur Auswirkung kommt.

{(*): Die Tatsache, dass ein hungriger Löwe sein schwaches Junges vor sich selbst bevorzugt und das Stück Fleisch, das er hat, nicht selbst frisst, sondern es seinem Jungen gibt, dass ein furchtsames Huhn einen Hund oder Löwen angreifen wird, um seine Küken zu verteidigen, dass ein Feigenbaum, der sich selbst vom Schlamm ernährt, seinen Früchten, die seine Jungen sind, reine Milch gibt, zeigt offensichtlich jedem, der nicht blind ist, dass sie dies im Namen einer Persönlichkeit tun, die unendlich barmherzig, freigiebig und voll zärtlicher Liebe ist. Und weiter zeigt die Tatsache, dass Geschöpfe ohne ein klares Bewusstsein, wie Pflanzen und Tiere in einem solchen Grade bewusst und weise handeln, dass es unbedingt jemanden geben muss, der sie - allwissend und allweise - dazu bewegt und in dessen Namen sie tätig werden...}

Dieser Weltenlenker verfügt also, wie wir oben gesehen haben, über eine Freigiebigkeit ohne Grenzen und ebenso über ein Erbarmen ohne Maß, und Seine Majestät und Ehre sind in hohem Grade erhaben. Eine so hohe und erhabene Majestät und Ehre aber erfordert, dass die Unbotmäßigen bestraft werden. Eine Freigiebigkeit (kerem)ohne alle Grenzen aber verlangt danach, sich in einer Gastfreundschaft (ikram)ohne Maß zum Ausdruck zu bringen. Grenzenloses Erbarmen aber verlangt danach, sich in Wohltaten zu äußern und einer Güte, die dessen würdig ist. Doch in dieser vergänglichen Welt und in dieser kurzen Lebenszeit kann - gleich einem Tropfen aus

dem Meer - nur eine Winzigkeit unter Millionen Winzigkeiten dessen Ausdruck finden und sich manifestieren. Das heißt also, dass es einen Ort der Glückseligkeit geben muss, der dieser Freigiebigkeit würdig ist und dieser Barmherzigkeit entspricht. Man müsste sonst die Existenz dieser Barmherzigkeit, die wir erfahren haben, leugnen. Das aber wäre so, als wollte man die Existenz der Sonne leugnen, die den Tag mit ihrem Licht erfüllt. Denn Tod ohne Wiederkehr verwandelt Liebe in Leid, Mitgefühl in Hass, ein Gnadengeschenk in einen Racheakt, macht den Verstand zu einem Werkzeug des Unheils und verkehrt Wohlgefallen in Qual, sodass (göttliches) Erbarmen aufhören müsste, Realität zu sein.

Außerdem muss es einen Ort der Strafe geben, welcher der Majestät und Würde (Gottes) entspricht. Denn meistens verharrt der Unterdrücker in seiner Würde und der Unterdrückte in seiner Erniedrigung, verlässt (diese Welt) und geht hinüber. (Ihre Angelegenheiten) bleiben also einem obersten Gerichtshof überlassen, werden vertagt, jedoch keineswegs übersehen. Dennoch kommt die Strafe manchmal auch schon in dieser Welt. Die Strafen, welche in den vergangenen Jahrhunderten die aufständischen und verstockten Völker getroffen haben, zeigen, dass der Mensch sich nicht selbst überlassen bleibt. Die Ehre und Majestät (Gottes) kann ihn jederzeit mit einer Ohrfeige treffen.

Ist es denn überhaupt möglich, dass der Mensch, nachdem er inmitten allen Seins mit einem wichtigen Auftrag betraut, einer bedeutenden Fähigkeit ausgestattet worden ist, und der Herr des Menschen sich ihm in so wohlgeordneten Kunstwerken zu erkennen gegeben hat, um für die wunderschönen Früchte Seines Erbarmens geliebt zu werden, der Mensch Ihn aber im Glauben nicht anerkennt und nicht in Dienst und Anbetung danach strebt, von Ihm geliebt zu werden? Wäre es dann möglich, dass er ungestraft bliebe? Wenn Er (der Herr) nun weiter in verschiedensten Gnadenerweisen Seine Liebe und Sein Erbarmen zeigt, der Mensch aber im Gegenteil Ihm nicht

durch Dank und Lobpreis die Ehre erweist... wäre es denn überhaupt möglich, dass er dafür unbestraft bliebe? sich selbst überlassen bliebe? Sollte der Herr des Ruhmes und der Ehre, diese Persönlichkeit voll Majestät etwa keinen Ort der Strafe bereitet haben? Wäre es denn möglich, dass Er, der sich nach der Überfülle Seiner Erbarmungen zu erkennen gegeben hat und geliebt werden möchte, denen, die Ihn im Glauben anerkennen, Ihn dienend und anbetend lieben und danach streben, von Ihm geliebt zu werden, dass Er in Seinem Erbarmen denen, die Ihm in Dankbarkeit die Ehre erweisen, Seinen Gläubigen, nicht eine Stätte ewiger Glückseligkeit schenken sollte?

Dritte Wahrheit:

Das Tor der Weisheit und Gerechtigkeit ist die Manifestation Seines Namens "Allweiser (Hakim)"und "Allgerechter (Adil)."

Ja, ist es denn überhaupt möglich,

{(*): "Ja, ist es denn überhaupt möglich?" Diese Frage wird sehr oft wiederholt, denn sie berührt ein bedeutsames Geheimnis. Dieses besteht darin, dass Unglaube und Irrtum aus etwas für unmöglich und unvorstellbar Gehaltenem kommt, und man es deshalb leugnet. Darum haben wir in unserer Abhandlung über die Auferstehung unwiderlegbar klar gestellt, dass es auf dem Wege des Unglaubens und dem Pfade des Irrtums liegt, die Tatsachen für unmöglich, die Wahrheit für unvorstellbar, unverständlich, schwer zugänglich, ja, bis zur Unzumutbarkeit schwierig zu halten, während es auf dem Wege des Glaubens und dem Pfade des Islam liegt, die Tatsachen als möglich, die Wahrheit als verstandesgemäß, leicht zugänglich und so offensichtlich zu erkennen, dass sie zur zwingenden Wahrheit wird. Kurzum, die Philosophen halten etwas für unmöglich und kommen so dazu, es zu leugnen. Im "Zehnten Wort" haben wir mit diesem Ausdruck aufgezeigt, auf wessen Seite die Unmöglichkeit liegt. Es hat ihnen die Sprache verschlagen.}

dass eine Persönlichkeit von solcher Majestät, die das Reich Ihrer Herrschaft in allen Dingen von den Atomen bis zu den Sonnen in Weisheit und Ordnung, Gerechtigkeit und Ausgeglichenheit zeigt, Ihren Gläubigen, die unter Ihren Flügeln Zuflucht suchen und glaubend, anbetend und dienend

zur Übereinstimmung mit der Weisheit und Gerechtigkeit gelangen, nicht gastfreundlich entgegenkommen sollte? Und die Unbotmäßigen, die in ihrem Unglauben und in ihrer Maßlosigkeit aufstehen gegen Weisheit und Gerechtigkeit, nicht bestrafen sollte? Denn in dieser vergänglichen Welt wird unter den Menschen auch nicht der tausendste Teil dessen geübt, was der Weisheit und Gerechtigkeit entspräche. Dies wird vielmehr verschoben. Viele von denen, die auf Irrwegen gehen, erhalten nicht ihre Strafe und viele derer, die rechtgeleitet sind, sehen ihren Lohn nicht und gehen von dannen. Das heißt also, es erwartet sie ein oberster Gerichtshof, eine höchste Glückseligkeit.

Ja, es ist offensichtlich so, dass die Persönlichkeit, welche diese Welt beherrscht, diese Tätigkeit mit einer grenzenlosen Weisheit versieht. Er verfolgt einen Sinn und Zweck in allen Dingen. Möchtest du einen Beweis dafür haben? Siehst du nicht, dass in allen Gliedern, Knochen, Adern, ja, selbst in allen Zellen des menschlichen Körpers, überall und in jedem kleinsten Teilchen Zweckmäßigkeit und Weisheit angestrebt wird, dass Weisheit und Zweckmäßigkeit in manchen Organen so zahlreich wie die Früchte eines Baumes aufgezeigt werden und die Hand einer grenzenlosen Weisheit in ihnen tätig ist? Außerdem zeigt die Kunstfertigkeit in jedem Ding, dass sich in ihm ein unendliches Maß an Ordnung findet. Man sieht, wie in ihm eine unendliche Weisheit am Werke ist.

In der Tat zeigt das in das winzige Samenkorn einer schönen Blume sorgfältig eingearbeitete Programm, der Arbeitsplan, die Lebensgeschichte, die Liste der Ausrüstungsgegenstände eines großen Baumes, eingeschrieben mit dem unsichtbaren Stifte der göttlichen Vorsehung (qader)in einem winzigen Samenkern, die Spur einer Feder voll unendlicher Weisheit.

In der Tat zeigen Kunst und Schönheit, wie sie sich in so hohem Grade bei der Erschaffung eines jeden Dinges finden, in welchem Maß der weise Baumeister es damit ausgeschmückt hat. Und tatsächlich findet man in diesem

so winzig kleinen Körper eines Menschen das Inhaltsverzeichnis des ganzen Universums, die Schlüssel zu den Schatzkammern der Barmherzigkeit und die Spiegel aller göttlichen Namen, was zeigt, wie grenzenlos diese Weisheit ist, der wir in Seinen schönen Künsten begegnen.

Ist es also nun überhaupt möglich, dass diese hochherrschaftliche Weisheit, die auf diese Art regiert, denjenigen, die im Glauben und im Gehorsam unter den Flügeln ihrer Herrschaft Zuflucht suchen, nicht gastfreundlich entgegenkäme, sie nicht ewig gastfrei aufnehmen würde?

Und willst du noch einen Beweis dafür, dass alle Dinge in Gerechtigkeit und Ausgeglichenheit durchgeführt werden? Nun, die genaue Ausgewogenheit, das ihnen eigene Maß, nach dem jeder Körper aufgebaut wird, und das allen Dingen Gestalt verleiht, alles an seinen besonderen Platz stellt, zeigt, mit welch unendlicher Gerechtigkeit und Ausgewogenheit alle Werke ausgeführt werden.

In ähnlicher Weise zeigt die Tatsache, dass jeder, der dazu berechtigt ist, entsprechend seinen Fähigkeiten erhält, was er benötigt, d.h., dass all das, was er in seinem Sein braucht, ihm in der besten für ihn passenden Form gegeben wird, und auch das, was zur Erhaltung seines Daseins notwendig ist, die Hand einer grenzenlosen Gerechtigkeit. Und wiederum zeigt die Tatsache, dass der, welcher danach fragt und darum eine Bitte äußert, sei es, dass sie sich in seinen Fähigkeiten oder in der Bedürftigkeit seiner Natur äußert oder in seiner Notlage zum Ausdruck kommt, stets eine Antwort erhält, in grenzenlosem Maße Weisheit und Gerechtigkeit.

Ist es denn nun überhaupt möglich, dass die Weisheit und Gerechtigkeit, die auch dem kleinsten Geschöpf auch noch in seinem geringsten Bedürfnis zu Hilfe eilt, den Menschen als das größte unter allen Geschöpfen, in seinem Verlangen nach Ewigkeit, welches sein größtes Bedürfnis ist, unerfüllt lassen? Seinen Notschrei um Hilfe und seine wichtigste Frage ohne Antwort lassen? Sollte diese Gerechtigkeit, um die Majestät ihrer Herrschaft zu schützen, das Recht ihrer Diener und Anbeter nicht verteidigen?

Denn der Mensch, der in dieser vergänglichen Welt ein kurzes Leben verbringt, erfährt die Realität einer solchen Gerechtigkeit nicht, und kann sie auch gar nicht erfahren. Sie muss vielmehr einem obersten Gerichtshof überlassen bleiben. Denn die wahre Gerechtigkeit erfordert, dass dieser winzig kleine Mensch nicht entsprechend seiner Winzigkeit, sondern nach der Größe seines Verbrechens, der Bedeutung seines Daseins und seiner gewaltigen Aufgabe Lohn und Strafe empfange. Denn in dieser vergänglichen, vorübergehenden Welt ist der Mensch, der für die Ewigkeit geschaffen ist, sehr weit davon entfernt, eine solche Gerechtigkeit und Weisheit zu erfahren. In jedem Fall wird der Herr, dessen Schönheit sich voll Majestät in Seiner Gerechtigkeit manifestiert, der Herr, dessen Majestät sich manifestiert voll Schönheit in Seiner Weisheit, eine immerwährende Hölle und ein ewiges Paradies haben.

Vierte Wahrheit:

Das Tor zu unerschöpflicher Freigiebigkeit und Schönheit ist die Manifestation Seiner Namen "Freigiebiger in Vollkommenheit (Djevvad)"und "Vollkommener in Schönheit (Djemil)".

Ist es denn überhaupt möglich, dass eine unerschöpfliche Freigiebigkeit und Offenheit, unauslotbarer Reichtum, endlose Schatzkammern, unsterbliche Schönheit ohne Beispiel, makellose immerwährende Vollkommenheit nicht nach solchen verlangte, die in ihrer Not dankbar sind und sich danach sehnen, in einem Haus der Glückseligkeit ewig an einem Gastmahl teilnehmen zu dürfen und all dem Spiegel und staunender Betrachter zu sein?

In der Tat zeigt das Antlitz der Erde, geschmückt und ausgestattet mit so vielen Kunstwerken, dem Mond und der Sonne als Lampen darin, einem Tisch voller Gnadengaben, gedeckt mit den verschiedensten Speisen, Obstbäumen, deren jeder einer geöffneten Schale gleicht, die zu jeder Jahreszeit mehrmals nachgefüllt wird, eine unerschöpfliche Gastfreundschaft und Freigiebigkeit... Eine solche unerschöpfliche Gastfreundschaft und Freigiebigkeit, diese endlosen Schatzkammern und eine solche

Barmherzigkeit erfordern ein Gastmahl in einem Haus der Glückseligkeit, das nicht nur ewig fortdauern sollte, sondern bei dem sich auch alles findet, was das Herz begehrt.

Zudem erfordert es mit Bestimmtheit, dass diejenigen, die es genießen, an diesem Ort der Glückseligkeit ewig bleiben und verweilen dürfen, wo weder Tod noch Trennung noch Trauer sein werden. Denn wie am Ende der Schmerzen die Freude steht, so ist auch das Ende der Freude ein Schmerz. Eine solche Gastfreundschaft duldet keinen Schmerz. Das heißt, sie verlangt ein ewiges Paradies und darinnen diejenigen, die ewig ihrer bedürfen. Denn unendliche Gastfreundschaft und Freigiebigkeit erfordern es, mit unendlichen Wohltaten zu beschenken. Mit unendlichen Wohltaten zu beschenken aber erfordert es, sie mit unendlicher Dankbarkeit in Empfang zu nehmen. Das wiederum verlangt nach dem fortdauernden Dasein der Person, welcher die Wohltaten erwiesen werden. So sollte das beständige Nehmen des Einen, Dankesschuld und Verbundenheit für das beständige Geben des Anderen hervorrufen. Im anderen Fall wäre es mit einer solchen Freigiebigkeit und Gastfreundschaft unvereinbar, würden sie sich auf den vorübergehenden durch sein Entschwinden bitter gewordenen Genuss eines ganz kurzen Augenblicks beschränken. Sieh dich zudem noch überall in der Welt um, wo Gottes Kunstwerke wie auf Messen ausgestellt sind! Achte auf die königlichen Bekanntmachungen, welche die Pflanzen und Tiere auf dem ganzen Erdball in Händen halten.

{(*): An der Spitze eines knochentrockenen Baumes ein Stiel, dünn und fein wie ein Draht, eine Blume gleich einem Juwel oder eine Frucht, schön wie ein Schmuckstück: Das ist sicherlich eine Bekanntmachung, aus der alle bewusstseintragenden Wesen die künstlerischen Schönheiten eines Meisters, eines Kunstverehrers, eines Wundertäters und Weisen ablesen können. Und das, was für die Pflanzen gilt, lässt sich in ähnlicher Weise auch auf die Tiere anwenden.}

Und neige dein Ohr den Verkündigungen der Propheten und Heiligen

über die Schönheiten der göttlichen Herrschaft, wie sie einstimmig die makellose Vollkommenheit des Künstlers in Seiner Majestät durch die Ausstellung Seiner wunderbaren Kunstwerke aufzeigen und verkündigen, und so die Blicke aller darauf lenken! Daraus ergibt sich, dass der Baumeister dieser Welt von einer sehr bedeutsamen, Staunen erregenden, verborgenen Vollkommenheit ist. Er möchte sie in diesen wunderbaren Kunstwerken zeigen.

Denn diese geheime, makellose Vollkommenheit verlangt danach, sich vor denen zu manifestieren, die sie zu schätzen wissen und sich für sie begeistern können, und die "Mashaallah" sagen, wenn sie sie schauen. Das Fortbestehen der Vollkommenheit aber verlangt danach, sich auch ständig zu manifestieren. Dies wiederum verlangt nach dem Fortleben derer, die das zu schätzen wissen und sich dafür begeistern können. In den Augen derer, für die es eine Begeisterung, aber kein Fortleben gibt, erlischt auch der Wert der Vollkommenheit.

{(*): Dafür gibt es ein Beispiel von sprichwörtlicher Bedeutung: Eine gefeierte Schönheit verwies einmal einen einfachen Mann, der sich in sie verliebt hatte, aus ihrer Gegenwart. Dieser sagte, um sich darüber hinwegzutrösten: "Puh, ist die aber hässlich!" Er verleugnete so ihre Schönheit.}

Und wiederum künden auch die Geschöpfe, die das Weltall bevölkern, in ihrer wunderbaren Vollendung und ihrem strahlenden künstlerischen Schmuck, gleich wie das Licht von der Sonne kündet, den hohen Wert einer beispiellosen inneren Vollkommenheit, rufen die Tiefe einer unvergleichlichen, verborgenen Schönheit aus.

{(*): Obwohl alles das, was erschaffen wurde, einem Spiegel gleich ist, wieder zerfällt und vergeht, finden wir dennoch an allem, was danach erschaffen wird, und im Antlitz aller Geschöpfe wieder die Manifestation derselben Schönheit (Djemal) und Vollkommenheit, was zeigt, dass diese Schönheit nicht die ihre ist, dass sie vielmehr Zeichen (ayat) und Spur einer edlen Schönheit und Heiligen Vollkommenheit (Djemal) sind.}

Sie sind ein Hinweis auf die vielen verborgenen Schätze, die eine Manifestation

dieser edlen Schönheit und heiligen Vollkommenheit (Djemal)sind und sich in den Namen (Gottes), ja, in jedem einzelnen von ihnen finden.

Wie aber nun eine in solchem Grade hohe, beispiellose verborgene Schönheit (Djemal)ihren eigenen erhabenen Wert wie in einem Spiegel zu schauen und die Stufen ihrer Schönheit, die Wertung ihrer Vollkommenheit (Djemal)in einer bewussten, sehnsuchtsvollen Reflexion zu betrachten verlangt, so verlangt sie auch danach, sich zu manifestieren, um ihre liebenswerte Schönheit (Djemal)mit den Augen der anderen aufs Neue zu sehen. Das heißt, sie betrachtet ihre eigene Schönheit auf zweierlei Weise. Zum einen sieht sie sich selbst in jedem einzelnen Spiegel in einer anderen Farbe wieder, zum anderen möchte sie sich in der Sehnsucht der Betrachter und in der Begeisterung ihrer Bewunderer sehen. Das heißt, die Schönheit und Vollkommenheit (Djemal)möchte sehen und gesehen werden. Sehen und Gesehen-Werden aber verlangt nach einem sehnsüchtigen Betrachter, nach begeisterten Bewunderern. Eine unsterbliche Schönheit und ewige Vollkommenheit (Djemal)aber verlangt nach der beständigen Anwesenheit derer, die sie sehnsüchtig betrachten. Denn eine immerwährende Schönheit kann sich nicht mit einem sterblichen Bewunderer zufrieden geben. Denn ein Betrachter, der unwiderruflich zum Tode verurteilt ist, dessen Liebe verwandelt sich angesichts des Todes in Feindschaft. Seine Begeisterung verwandelt sich in Verachtung, seine Verehrung in Beschimpfung. Denn so wie ein egoistischer Mensch Feind dessen ist, was er nicht kennt, so ist er auch ein Gegner dessen, was er nicht zu erreichen vermag. Denn eine unendliche Zuneigung verkehrt sich gegenüber einer Schönheit, die doch grenzenloser Liebe und Bewunderung würdig wäre, in eine versteckte Abneigung, ja, Hass und Zurückweisung. So begreift man das Geheimnis des Ungläubigen, der ein Feind Allahs geworden ist.

In der Tat verlangt also diese unendliche Gastfreundschaft und Freigiebigkeit, diese beispiellose Schönheit

und Vollkommenheit (Djemal),diese makellose Vollendung (Kemal),nach ewig dankbaren, sehnsüchtigen Bewunderern. Doch in der Herberge dieser Welt sehen wir, dass jeder rasch davon geht und entschwindet. Er hat von den Gaben dieser Gastfreundschaft kaum ein wenig gekostet. Sein Appetit wurde angeregt. Doch er geht ohne recht gegessen zu haben. Er sieht nur einen Schimmer des Lichtes von dieser Schönheit und Vollkommenheit (Djemal ve Kemal),ja, nur einen schwachen Schatten davon für einen Augenblick, und geht wieder davon, ohne sich satt gesehen zu haben. Das heißt er geht hinüber in ewige Gärten. Kurzum, so wie diese Welt mit allem, was da ist, unfehlbar auf die Majestät des Schöpfers hinweist, so weisen auch die Attribute und Namen dieser Majestät des Schöpfers auf eine Heimstatt im Jenseits hin, bezeichnen sie und verlangen nach ihr.

Fünfte Wahrheit:

Das Tor der selbstlosen Liebe, und der Dienst und die Gottesanbetung, die Mohammed, mit dem Friede und Segen sei, verrichtete, ist die Manifestation Seiner Namen "Der Bewirkende (Mudjib)"und "Der Erbarmende (Rahim)".

Ja, wäre es denn überhaupt möglich, dass ein Herr, der unendliche Liebe und Barmherzigkeit besitzt und auch das primitivste Bedürfnis Seines niedersten Geschöpfes sieht, es auf unerwartete Art und Weise in vollkommener Liebe befriedigt, der auch noch die leiseste Stimme eines Seiner verborgensten Geschöpfe hört und ihm Hilfe schickt, und der auf alle die Bitten, ausgesprochene wie unausgesprochene, hört, die größte Not Seines größten Dieners und Verehrers,

{(*): In der Tat ist diese Persönlichkeit, deren Untertanen in einem Reiche, das bereits seit tausenddreihundert Jahren besteht, und deren Reich noch weiter fortbesteht - mit mehr als dreihundertfünfzig Millionen Untertanen, die ihm täglich alle ihren Bund erneuern, seine Vollendung bezeugen, sich gehorsam seinen Weisungen beugen - jemand, welcher der Hälfte des Erdkreises und einem Fünftel des Menschengeschlechtes seine charakteristische Farbe verliehen hat, der Geliebte ihrer Herzen und Gestalter ihrer Seelen ist, mit Sicherheit der allerhöchste Diener und Verehrer des Herrn, der das Universum lenkt. Wenn nun die meisten Geschöpfe dieser Welt ein Ausdruck der Wundergaben dieser Persönlichkeit geworden sind, und so Amt und Auftrag freudig begrüßt haben, dann ist sicherlich diese Persönlichkeit das geliebteste Geschöpf des Schöpfers dieser Welt. Zudem ist ein Bedürfnis, das zu befriedigen die ganze Menschheit mit allen ihren Kräften anstrebt, gleich dem Bedürfnis nach Beständigkeit, jenes Bedürfnis, das den Menschen vom niedrigsten der Niedrigen zu den Höhen von Illiyyun (des Paradieses) emporzieht. Dieses Bedürfnis ist sicherlich das größte aller Bedürfnisse, und der höchste Diener und Anbeter wird es im Namen der Allgemeinheit vor Den bringen, der in aller Not versorgt.}

Seines geliebtesten Geschöpfes

nicht sehen und ihr kein Ende bereiten, sein höchstes Gebet nicht hören und nicht annehmen sollte?... In der Tat wird uns am Beispiel der Ernährung und Aufzucht hilfloser Jungtiere eine Gastfreundschaft und Unterstützung gezeigt, wie der Herr der Welt in grenzenloser Barmherzigkeit regiert. Ja, wäre es denn überhaupt möglich, dass der, welcher mit einer Liebe von solcher Erbarmung regiert, das schönste Gebet Seines würdigsten Geschöpfes nicht annehmen sollte?... Diese Wahrheit haben wir zwar bereits im "Neunzehnten Wort" erläutert, wollen sie aber hier noch einmal darlegen.

Oh du mein Gefährte, der du mir gleich meiner Seele zuhörst! In unserer Erzählung haben wir folgendes Bild gebraucht: Auf einer Insel findet eine Versammlung statt... Ein oberster Botschafter hält dort eine Ansprache. Die Wahrheit, die er auslegt, ist wie folgt: Komm! Wir wollen uns von unserer jetzigen Zeit zurückziehen und in unserer Vorstellung in das glückliche Zeitalter auf die Halbinsel Arabien gehen, um den ehrwürdigen Propheten, mit dem Friede und Segen sei, zu besuchen und ihn bei der Erfüllung seiner Pflichten, in Gebet und Gottesdienst zu beobachten.

Siehe! So wie diese Persönlichkeit durch Prophetentum und Rechtleitung (hidayet)Ursache für die Schaffung ewiger Glückseligkeit und das Mittel ist, diese zu erlangen,

so ist sie auch durch Gebet und Gottesdienst der Grund für das Fortbestehen dieser Glückseligkeit und das Fahrzeug zum Paradies.

Nun siehe! Diese Persönlichkeit betet mit einer so großen Hingabe, in so erhabener Anbetung um die ewige Glückseligkeit, als wäre die ganze Insel, ja der ganze Erdball in seinem Flehen, in einer einzigen, gewaltigen Feier des Gebetes mit ihm vereinigt. Denn in dem Gottesdienst, den er feiert, ist der Gottesdienst der gesamten Gemeinde (umma),die sich ihm unterstellt hat, mitenthalten, gleich wie das Geheimnis dieses Gottesdienstes auch in geheimnisvoller Übereinstimmung alle Propheten umfasst. Er betet und fleht mit einer solchen Hingabe in so gewaltiger Gemeinschaft, als sprächen alle erleuchteten und vollendeten Menschen unter den Kindern Adams, angefangen von den Zeiten Adams bis zu unserer Zeit, ja, sogar bis zum Jüngsten Tage ihr "Amen"zu seinem Gebet, sich in seiner Nachfolge ihm unterwerfend.

{(*): In der Tat sind alle Gebete und Segenswünsche der ganzen Gemeinde (umma) von den Gebeten Ahmeds, mit dem Friede und Segen sei, angefangen bis in unsere Zeit ein ununterbrochenes "Amen" und eine gemeinschaftliche Teilnahme an seinem Gebet. Ja, sogar jeder Segenswunsch, der ihm entgegengebracht wird, ist ein Amen zu seinem Gebet. Alle Segens- und Friedenswünsche, die ihm während des Gebetes von jedem Einzelnen aus seiner Gemeinde dargebracht werden und das Dua-Gebet, das die Shafi'is vor dem Fard-Gebet für ihn verrichten, ist ein machtvolles, allgemeines "Amen" zu seinem Gebet um die Ewige Glückseligkeit. Die Persönlichkeit Ahmeds, mit dem Friede und Segen sei, bittet und betet, so wie alle Menschen in ihrer menschlichen Natur unausgesprochen, doch mit ganzer Kraft, nach Beständigkeit und ewiger Glückseligkeit verlangen, im Namen des Menschengeschlechtes, und die Erleuchteten der Menschheit hinter ihm sagen "Amen". Ja, wäre es denn überhaupt möglich, dass dieses Gebet (von Gott) nicht angenommen werden sollte?}

Siehe, er betet in einer so allgemeinen Not, z.B. um Ewigkeit und Beständigkeit, dass nicht nur alle Bewohner der Erde, nein, auch die Bewohner der Himmel, ja, alle Wesen

daran teilnehmen, unausgesprochen bitten und beten:

"Ja, unser Herr! Gewähre es ihm! Nimm sein Gebet an! Darum bitten auch wir!"

Und siehe nun, er bittet darum so herzergreifend, so liebevoll, so sehnsuchtsvoll, so flehentlich um beständige Glückseligkeit, dass er das ganze Weltall zu rühren und zur Anteilnahme an seinem Gebet zu bewegen vermag.

Siehe, er betet noch dazu um eine Glückseligkeit, deren Ziel und Zweck es ist, den Menschen und alle Geschöpfe aus dem Zustand eines niedrigsten aller niedrigen, dem Sturz in die absolute Negation, Wertlosigkeit, Nutzlosigkeit, Sinnlosigkeit zu den Höhen von Illiyyun(des Paradieses), zu Wert, Beständigkeit, hoher Verantwortlichkeit und einem Brief des Unwandelbaren zu erheben.

Siehe, er ruft seine Bitte mit einem so lauten Schrei hinaus, bittet und fleht so rührend, im tiefsten Inneren bewegt, als wollte er die ganze Schöpfung, die Himmel und den Thron Gottes dazu bringen, ihm zuzuhören, in einem ekstatischen Gebet "Amin, Allahumma amin"zu sagen.

{(*): Es ist in der Tat auf gar keine Weise möglich, dass der Lenker dieser Welt, der doch alle Seine Handlungen offensichtlich klar, bewusst, wissentlich und weise ausführt, sich der Handlungen des auserwähltesten Mannes unter Seinen Geschöpfen nicht bewusst wäre und sie nicht kennen würde... Auch ist es in gar keiner Weise möglich, dass dieser allweise Lenker gegenüber den Handlungen dieses erwählten Mannes und seinen Gebeten gleichgültig bliebe, wo Er doch um sie weiß, und ihnen keinen Wert beimessen würde. Und wiederum ist es in gar keiner Weise möglich, dass dieser allmächtige und barmherzige Lenker, wenn Er doch dessen Gebeten gegenüber nicht gleichgültig bleibt, sie nicht annehmen würde. Ja, im Lichte der Persönlichkeit Ahmeds, mit dem Friede und Segen sei, hat sich die Gestalt der Welt verändert. Das wahre Wesen des Menschen und des gesamten Kosmos hat sich erst in diesem Licht, in diesen Strahlen entfaltet, und es hat sich gezeigt, dass unter allem, was da ist in diesem Kosmos, jedes einzelne Sein ein Brief des Unwandelbaren ist, in dem die Göttlichen Namen zu lesen sind, und jedes ein zuständiger Beamter, und jedes hat Beständigkeit erlangt, ist wert- und sinnvolles Sein geworden. Wäre da nicht dieses Licht, bliebe alles Sein zu absoluter Negation verurteilt, wertlos, bedeutungslos, nutz-, sinn-, zwecklos und wirr, ein Spielzeug des Zufalls im Dunkel der Illusionen. Es ist um dieses Geheimnisses willen, dass nicht nur die Menschen zu dem Gebet Ahmeds, mit dem Friede und Segen sei, ihr Amen sagen, vielmehr ist alles Sein im Himmel und auf Erden stolz auf sein Licht und bezeigen ihre Verbundenheit mit ihm. Schon der Geist, aus dem der Gottesdienst Ahmeds, mit dem Friede und Segen sei, erwächst, ist Gebet. Sogar alle die Bewegungen und Funktionen im All sind eine Art von Gebet. So ist z.B. die Tätigkeit, die ein Samenkorn entfaltet, ein Gebet zu seinem Schöpfer, um ein Baum zu werden...}

Und siehe, er erbittet von diesem Allmächtigen, dem Freigiebigen, der alles hört, dem Allwissenden, dem Erbarmer, der alles sieht, Glückseligkeit und Beständigkeit. Wie wir es mit eigenen Augen sehen können, sieht und hört Er den verborgensten Wunsch auch noch des verborgensten Wesens, sein leisestes Flehen, nimmt es an, erbarmt sich seiner und beantwortet es, wenn auch unausgesprochen. Er beantwortet es mit soviel Weisheit, Klarsicht und Erbarmen, dass kein Zweifel daran bleibt, dass alles, was zu Unterhalt und Versorgung geschieht, von dem kommt, der alles hört und sieht, dem Freigiebigkeit und Barmherzigkeit zu Eigen ist...

Wollen wir nun hören, was der Stolz des Menschengeschlechtes, dieser Einzigartige in Raum und Zeit, die Ehre des Universums erbittet, er, hinter dem alle Kinder Adams stehen, der, weilend auf der Erde, seine Hände zum Throne des Allgewaltigen erhebt, und der in seinem Gebet, dem wahren Gottesdienst Ahmeds, mit dem Friede und Segen sei, die Essenz des Gottesdienstes der Menschheit umfasst. Siehe, er erbittet für sich und seine Gemeinde (umma)die ewige Glückseligkeit. Er bittet um Beständigkeit, um das Paradies. Er bittet zugleich darum, dass sich dort alle die Heiligen Namen Gottes offenbaren, die ihre Schönheit (Djemal)in den Spiegeln allen Seins zeigen. Du siehst ihn, wie er nach der Offenbarung dieser Namen verlangt. Gäbe es nicht diese zahllosen Gründe,

die nach der Existenz eines Jenseits verlangen, und gäbe es nicht die Beweise für sein Vorhandensein, schon ein einziges Gebet dieser Persönlichkeit genügte, jenes Paradies zu erbauen. Der Macht des allbarmherzigen Schöpfers wäre dies ebenso ein Leichtes, wie unseren Frühling zu Stande zu bringen...

{(*): In der Tat ist der Erdball im Vergleich mit dem Jenseits nur wie eine sehr knappe Seite, welche als Beispiel der Versammlung am Tage der Auferstehung die grenzenlos zahlreichen, wunderbaren Nachbildungen zeigt. Auf dieser einen einzigen Seite sind die Arten der Schöpfung in vollkommener Ordnung wohlgeordnet aufgeschrieben, eingesetzt gleich dreihunderttausend Büchern. Dies ist sicherlich schwieriger als in der weiten Welt des Jenseits ein feinstoffliches und wohlgefügtes Paradies zu erbauen und ins Dasein zu rufen. Ja, man kann sogar sagen, dass die Erschaffung der Gärten des Frühlings im gleichen Maße schwieriger und wunderlicher ist als die des Paradieses, wie ja das Paradies über die Gärten erhaben ist.}

Ja, wie könnte für den, der in jedem Frühling den Erdball einem Versammlungsort gleich werden lässt und dort hunderttausend Nachbildungen einer solchen Versammlung hervorbringt, die Schaffung des Paradieses schwierig sein? Das heißt, sein Prophetentum veranlasste, dass diese Stätte der Prüfung eingerichtet wurde, wie es das Geheimnis des folgenden heiligen Hadith bestätigt:

لَوْلاَكَ لَوْلاَكَ لَمَا خَلَقْتُ اْلاَفْلاَكَ

{"Wenn nicht für dich, wenn nicht für dich, ja nicht erschaffen hätte ich das All."}

Desgleichen veranlasste auch sein Gottesdienst, dass eine andere, jenseitige Stätte der Glückseligkeit eingerichtet wurde... Ja, wäre es denn überhaupt möglich, dass eine solche, alle Verstande in Erstaunen versetzende Ordnung in dieser Welt und eine solche makellose künstlerische Schönheit in so breiter Fülle und eine so beispiellose Vollkommenheit (Djemal)in der Herrschaft (Gottes) sein Gebet unbeantwortet lassen sollte? Nein, solch eine Hässlichkeit, eine solche Unbarmherzigkeit, eine

solche Unordentlichkeit wäre damit unvereinbar. Denn wer die kleinsten, unbedeutendsten Wünsche, den leisesten Ruf hört, erhört und entspricht, sollte der die wichtigsten, notwendigsten Wünsche für unwichtig ansehen, sie nicht hören, erhören und nicht verstehen? Nein, und abermals und hunderttausendmal Nein! Da sei Gott vor! Eine solche Schönheit ist mit einer derartigen Hässlichkeit unvereinbar und kann niemals hässlich werden.

{(*): Tatsächlich ist die Umkehrung von Wahrheiten nach allgemeiner Übereinstimmung unmöglich. Was an dieser Umkehrung der Wahrheiten das Unmögliche des Unmöglichen darstellt, was an der Verkehrung des Gegenteils in sein eigenes Gegenteil offensichtlich tausendmal unmöglich ist, ist folgendes: Ein Gegenteil kann nicht seine Beschaffenheit beibehalten und dabei gleichzeitig sein eigenes Gegenteil sein. Zum Beispiel: Eine unendliche Schönheit kann nicht wirklich hässlich sein, während sie in Wirklichkeit schön ist. Also kann, wie wir aus diesem Beispiel ersehen können, die Herrschaft (Gottes) in Ihrer Schönheit und Vollkommenheit nicht gleichzeitig hässlich sein und dabei gleichzeitig Ihren Charakter einer vollkommenen Herrschaft beibehalten. Das wäre in dieser Welt unter allen unmöglichen und abwegigen Beispielen das seltsamste...}

Das heißt also, dass der ehrenwerte Botschafter, mit dem Friede und Segen sei, in seiner Eigenschaft als Gesandter Gottes die Pforten zur Welt geöffnet hat, und so auch in gleicher Weise als Sein Diener und Verehrer die Pforten des Jenseits öffnet...

عَلَيْهِ صَلَوَاتُ الرَّحْمَنِ مِلْءَ الدُّنْيَا وَ دَارِ الْجِنَانِ اَللّهُمَّ صَلِّ وَ سَلِّمْ عَلَى عَبْدِكَ وَ رَسُولِكَ َذَٰلِكَ الْحَبِيبُ الَّذِى هُوَ سَيِّدُ الْكَوْنَيْنِ وَ فَخْرُ الْعَالَمَيْنِ وَ حَيَاتُ الدَّارَيْنِ وَ وَسِيلَةُ السَّعَادَتَيْنِ وَ ذُو الْجَنَاحَيْنِ وَ رَسُولُ الثَّقَلَيْنِ وَ عَلَى اَلِهِ وَ صَحْبِهِ اَجْمَعِينَ وَ عَلَى اِخْوَانِهِ مِنَ النَّبِيِّنَ وَ الْمُرْسَلِينَ آمِينَ

{"Oh Allah, segne Deinen geliebten Diener, der Dich anbetet (abd, habib) und den Du gesandt hast (Rasul), ihn, der der Herr ist in beiden Welten (qaun), der Stolz beider Welten (alem), die Quelle des Lebens hier und dort, der Weg (vasila) zur Glückseligkeit hier und dort, der Herr beider Flügel und der Botschafter (Rasul) für die Menschen und die Geister (Dschinn), ihn und seine Familie und seine Gefährten (Ashab) insgesamt und seine Brüder unter den Propheten (Nabi) und Gesandten (Rasul), Amin."}

Sechste Wahrheit:

Das Tor zu Glanz und Unsterblichkeit ist die Manifestation Seiner Namen "Der Majestätische (Djelil)"und "Der Beständige (Baqi)"

Ja, wäre es denn überhaupt möglich, dass sich der Glanz Seiner Herrschaft, die sich alles Sein, die Sonnen und auch die Bäume bis hin zu den Atomen gleich gehorsamen Soldaten unterworfen hat und es lenkt, auf verlorene, vergängliche Menschen stützen sollte, die in der Herberge dieser Welt ein flüchtiges Leben verbringen, und er sich nicht eine unsterbliche, bleibende Stätte Seiner Majestät und einen ewigen, erhabenen Sitz Seiner Herrschaft errichten sollte?

In der Tat zeigen diese königlichen Maßnahmen, wie der Wechsel der Jahreszeiten, den wir in dieser Welt beobachten, gewaltige Vorgänge, wie die Bewegungen der Planeten, die Flugzeugen gleichen, eine furchterregende Befehlsgewalt, wie sie die Erde dem Menschen zur Wiege und die Sonne ihm zur Leuchte bestimmt hat, umfassende Verwandlungen, gleich der Wiederbelebung der toten, vertrockneten Erde und ihre Ausschmückung, dass es hinter den Kulissen eine große und gewaltige Herrschaft gibt, die in königlichem Glanze herrscht. Eine solche Königsherrschaft verlangt nach Untertanen, die ihrer würdig sind und einem passenden Ort der Manifestation. Stattdessen aber sieht man, dass die bedeutendsten und kompetentesten Seiner Untertanen sich in der Herberge dieser Welt nur vorübergehend zu einer provisorischen Versammlung eingefunden haben. Diese Herberge jedoch füllt und lehrt sich täglich. Zudem versammeln sich alle Untertanen nur vorübergehend an diesem Orte der Prüfung, um ihre Dienstfähigkeit zu erproben. Der Platz aber verwandelt sich stündlich. Zudem bleiben alle Untertanen nur wenige Minuten auf diesem Ausstellungsgelände, um die Nachbildungen jener kostbaren Gnadengaben

des königlichen Künstlers und Seine wunderbaren antiken Kunstwerke auf den Ständen des Jahrmarkts dieser Welt wie mit den Augen eines Händlers zu betrachten und dann wieder zu entschwinden. Dieses Messegelände aber verändert sich in jeder Minute. Wer gegangen ist, kommt nicht mehr wieder; wer gekommen ist, wird wieder gehen. Also zeigen uns diese Umstände und Verhältnisse mit Sicherheit, dass sich hinter dieser Herberge, diesem Gelände, diesen Hallen ewige Schlösser und beständige Wohnstätten befinden, in denen der Sitz eines ewigen Königreiches zum Ausdruck kommt, und die angefüllt sind mit den makellosen, erhabenen Originalen der Nachbildungen und Abbildungen, die wir in dieser Welt gesehen haben, dazu noch Weinberge und Schatzkammern.

Das heißt, was wir hier erstreben, werden wir dort erhalten. Hier wird gearbeitet, dort der Lohn gegeben. Soweit er sie nicht verloren hat, empfängt jeder dort Glückseligkeit nach seiner Fähigkeit. Es ist tatsächlich unmöglich, dass sich ein solches unvergängliches Königreich auf so vergängliche, verlorene, sterbliche Seelen stützen sollte.

Betrachte nun diese Wahrheit durch das Fernrohr des folgenden Gleichnisses! Du bist, beispielsweise, unterwegs. Da siehst du an deinem Wege eine Herberge liegen. Ein großer Herr hat sie denen erbaut, die als Gäste zu ihm kommen. Damit seine Gäste sich dort eine Nacht lang aufhalten und einen Eindruck gewinnen können, gibt er für die Ausstattung seiner Herberge Millionen Taler aus. Aber es gibt unter den Gästen nur sehr wenige, welche die Ausstattung des Hauses einige Augenblicke betrachten, für kurze Zeit ein wenig von den dargebotenen Wohltaten genießen, während die meisten ungesättigt von dannen gehen. Jedoch fotografiert ein jeder Gast die Dinge in dieser Herberge mit seiner eigenen Kamera und nimmt die Bilder mit sich. Und auch die Diener dieses Großen Herrn machen sich sehr sorgfältig ein Bild von den Handlungen Seiner Gäste und bewahren es auf. Außerdem siehst du, dass dieser Herr täglich einen großen Teil Seiner wertvollen Ausstattung zerstört, um für die neu ankommenden

Gäste das Haus wieder neu einzurichten. Ja, bleibt denn noch, nachdem du dies gesehen hast, ein Zweifel daran, dass der Herr, der diese Herberge am Wege erbaut hat, ewige, erhabene Wohnstätten und dazu noch unerschöpfliche, sehr wertvolle Schätze besitzt und dabei noch von einer beständigen, sehr großen Freigiebigkeit ist? Mit der Gastfreundschaft, die Er in dieser Herberge bezeigt, möchte Er in Seinen Gästen einen Hunger nach den Dingen wecken, die Er besitzt. Dadurch weckt Er in ihnen das Verlangen nach den Geschenken, die Er für sie bereit hält.

Nach all dem Gesagten wirst du nun aus den Geschehnissen in jener diesseitigen Herberge die folgenden neun Grundsätze verstehen können, wenn du nicht trunken, sondern aufmerksam bist.

Erster Grundsatz:

Du verstehst, dass diese Welt, die einer Herberge gleicht, nicht für sich selbst da ist... Es ist auch unmöglich, dass sie sich selbst diese Form gegeben hat. Sie ist vielmehr ein Gasthaus, das mit Weisheit geschaffen wurde, damit die Scharen der Geschöpfe dorthin kommen und sich darin aufhalten können, bevor sie wieder weiterziehen.

Zweiter Grundsatz:

Du verstehst auch, dass die Bewohner dieser Herberge Gäste sind. Ihr freigiebiger Herr lädt sie von dort in das Haus des Friedens ein.

Dritter Grundsatz:

Du verstehst auch, dass der Schmuck, mit dem diese Welt ausgestattet ist, nicht nur dem Vergnügen und dem Zeitvertreib dient. Denn diente er nur eine Zeitlang dem Genuss, so verursachte doch seine Aufgabe einen Schmerz für lange Zeit. Er gleicht einer Kostprobe, die den Appetit anregt, ohne ihn zu befriedigen. Denn entweder ist er selbst nur von kurzem Bestand oder aber dein eigenes Leben dauert nur kurze Zeit. Es reicht nicht zur Befriedigung. Das heißt, sein Wert ist zwar hoch, aber nur von kurzer Dauer. Dieser Schmuck dient zur Belehrung, verlangt unsere Dankbarkeit. Er dient der Nachfrage nach den beständigen Originalen.

Er dient anderen, hocherhabenen Zielen...

{(*): In der Tat ist der Wert aller Dinge und ihrer künstlerischen Verarbeitung sehr hoch. Doch der Dinge Schönheit hat kaum Bestand und ihre Lebensspanne ist kurz. Das heißt also, dass diese Dinge nur Nachbildungen sind. Sie gleichen den Bildern von anderen Dingen. Sie sehen nun einmal so aus, als sollten sie die Blicke der Kunden auf deren Originale lenken. Man kann also sagen, dass ein derartiger Schmuck in dieser Welt Nachbildungen der Gnadengaben des Paradieses darstellt, die der barmherzige Erbarmer in Seiner Barmherzigkeit für Seine geliebten Diener und Anbeter vorbereitet hat; man muss es sagen, und es ist auch so.}

Vierter Grundsatz:

Du verstehst, dass der Schmuck dieser Welt den Nachbildungen und Abbildungen der Gnadengaben gleicht, die durch das Erbarmen des Barmherzigen für die Gläubigen im Paradies aufbewahrt werden.

{(*): In der Tat hat die Existenz jedes Dinges zahlreiche Zwecke und sein Leben zahlreiche Ergebnisse. Die Ziele der Dinge in der Welt sind nicht auf sich selbst beschränkt, wie sich das diejenigen einbilden, die auf Irrwegen gehen, sodass Sinnlosigkeit und ein Mangel an Weisheit eintreten würde. Vielmehr sind die Ziele der Existenz eines jeden Dinges und die Ergebnisse seines Lebens die folgenden drei:

Erstens:

Das erhabenste bezieht sich auf den Schöpfer. Es besteht daraus, die wundervollen Kunstwerke, mit denen Er die Dinge geschmückt hat, wie bei einer Parade den Blicken des urewigen Zeugen zu präsentieren. Für diesen Anblick einen einzigen flüchtigen Augenblick zu leben, genügt. Ja, es genügt schon seine Fähigkeit, die eine unausgesprochene Absicht darstellt, selbst dann, wenn sie nicht Gestalt annimmt. So erreichen die rasch vergänglichen, empfindlichen Kunstwerke, auch wenn sie nicht ins Dasein treten, und die wundervollen Kunstwerke der Samenkörner und -kerne, auch wenn sie nicht zu keimen beginnen, dieses Ziel vollständig. Sinn- und Nutzlosigkeit berührt sie nicht. Das heißt, das erste Ziel jeden Dinges besteht darin, in seinem Leben und Dasein die wunderwirkende Kraft und die Kunstwerke seines Meisters darzustellen und den Blicken der Majestät des Königs zu präsentieren...

Zweitens:

Der Zweck des Daseins und das Ziel des Lebens besteht darin, mit Bewusstsein betrachtet zu werden. Denn jedes Ding ist wie ein Brief des königlichen Meisters, der die Wahrheiten aufzeigt, eine Kasside, die seine Schönheit besingt, ein Wort der Weisheit, das sich danach sehnt, von Engeln, Dschinnen, Tieren und Menschen betrachtet zu werden und zu einem Studium einlädt, d.h. ein Gegenstand, der für alles, was Bewusstsein trägt, Lehrstoff und Studienmaterial sein möchte.

Drittens:

Der Zweck des Daseins und das Ziel des Lebens besteht darin, sich auf sich selbst zu beziehen. Es handelt sich dabei um so persönliche Ziele, wie Genuss, Vergnügen, Beständigkeit und Wohlergehen.

Zum Beispiel:

Ein hundertstel der Tätigkeiten, die ein Steuermann auf einem riesigen Schiff des Königs verrichtet, dient ihm selbst und zu seiner Entlohnung, neunundneunzig von Hundert sind für den König. In gleicher Weise erfüllt jedes Ding seinen Zweck zu einem Prozent für sich selbst und die diesseitige Welt; neunundneunzig Prozent gehören dem Schöpfer. So erklärt sich also das Geheimnis des Zusammenwirkens der verschiedenen Ziele, die einander so entgegengesetzt und widersprechend erscheinen, wie die Zweckmäßigkeit und Sparsamkeit der Freigiebigkeit und Gastfreundschaft, besonders, wenn diese unbegrenzt ist. Aus dem einen Blickwinkel betrachtet, herrschen Freigiebigkeit und Gastfreundschaft. So manifestiert sich der Name "Freigiebiger (Djevvad)". Aus diesem Blickwinkel und allein mit diesem Ziel betrachtet gibt es Obst und Getreide ohne Maß. Sie zeigen grenzenlose Freigiebigkeit. Aber vom universellen Standpunkt aus betrachtet herrscht die Weisheit. Der Name "Allweiser" manifestiert sich. Jede Frucht hat so viele Ziele, wie es Früchte an einem Baum gibt. Wie wir oben erklärt haben, lassen sie sich in drei Arten unterteilen. Diese universellen Ziele zeigen eine grenzenlose Weisheit und Sparsamkeit. Die so einander entgegengesetzten Ziele einer grenzenlosen Weisheit, umfassenden Zweckmäßigkeit und einer grenzenlosen Freigiebigkeit verbinden sich so miteinander. So ist zum Beispiel eine Aufgabe des Militärs die Ruhe und Ordnung im Land. Für diese Aufgabe gibt es so viele Soldaten, wie du willst, ja, mehr als genug. Aber für andere Aufgaben wie den Schutz der Grenzen und den Kampf gegen die Feinde ist ihre Anzahl gerade noch ausreichend. Es herrscht ein Gleichgewicht in vollkommener Weisheit und Zweckmäßigkeit. So verbindet sich die Weisheit eines Staates mit seiner Macht. Und so lässt sich sagen, dass es in dieser Armee kein Übermaß gibt.}

Fünfter Grundsatz:

Man versteht auch, dass diese vergänglichen Kunstwerke nicht für die Vergänglichkeit erschaffen wurden, um sich ein bisschen zu zeigen und danach vernichtet zu werden, sondern um sich in diesem Dasein für eine kurze Zeit zu versammeln, ihre vorbestimmte Form anzunehmen, damit ihre Bilder festgehalten, ihre Nachbildungen aufbewahrt werden können, damit man ihren Sinn zu verstehen, ihren Zweck zu verzeichnen vermag. So sollen sie z.B. für die Bewohner der Ewigkeit zu einer bleibenden Ansicht gewebt sein. Auch sollen sie in der bleibenden Welt noch anderen Zwecken dienen. Die Dinge wurden für die Dauer erschaffen, nicht um zu vergehen; ja, selbst wenn sie äußerlich vergehen... ihre Aufgabe

erfüllt haben und sie entlassen werden, so versteht man auf diese Weise, dass ein vergängliches Ding zwar in der einen Hinsicht seiner Vernichtung entgegengeht, in vielerlei Hinsicht aber bestehen bleibt. Betrachte zum Beispiel diese Blume, welche ein Wort der Allmacht Gottes ist. Diese Blume schaut und lächelt uns für eine kurze Zeit an. Danach verbirgt sie sich hinter dem Schleier des Nicht-mehr-Seins. Aber sie geht so wie ein Wort, das deinen Mund verlassen hat, und hinterlässt in den Ohren tausende Seinesgleichen. In dem Verstand derer, die es verstehen, verbleiben ihrer Anzahl entsprechend ebenso viele Bedeutungen. Denn nachdem es seine Bedeutung zum Ausdruck gebracht und damit seine Aufgabe erfüllt hat, vergeht und entschwindet es selbst. Auch die Blume entschwindet, nachdem sie allen, die sie wahrgenommen haben, ihre Gestalt ins Gedächtnis eingeprägt, und in jedem ihrer Samenkörner das Wesen ihres Seins zurückgelassen hat. Es ist, als gleiche jedes Gedächtnis und jedes Samenkorn einer Kamera, ihren Schmuck aufzubewahren, und einer Wohnung zu ihrer bleibenden Fortdauer. Verhält es sich aber mit den Geschöpfen auf der untersten Sprosse des Lebens auf diese Weise, dann mag man verstehen, wie sehr der Mensch auf der höchsten Ebene des Lebens als Besitzer einer ewigen Seele

der Ewigkeit verbunden ist. Geht man nun wiederum davon aus, dass die Strukturgesetze selbst riesiger blüten- und früchtetragender Pflanzen, deren jedes ein wenig der Seele gleicht, mit vollständiger Ordnung als Miniaturausgaben in den winzigen Samen unter stürmischen Wandlungen bewahrt und weitergegeben werden, so kann man verstehen, wie sehr die Seele des Menschen, vielseitig begabt und ausgestattet durch ihr erhabenes Wesen, bekleidet mit einer äußeren Gestalt, ein bewusstseinstragender, erleuchteter Befehl Gottes, mit der Beständigkeit verknüpft und verbunden ist...

Sechster Grundsatz:

Man versteht des Weiteren auch, dass es dem Menschen nicht überlassen bleibt, mit einer Leine um den Hals zu grasen, wo er will, vielmehr dass alle seine Taten aufgenommen, aufgeschrieben, und die Ergebnisse aller seiner Handlungen für den Tag der Abrechnung aufbewahrt werden.

Siebter Grundsatz:

Man versteht des Weiteren auch, dass die Zerstörung im Herbst all des Schönen, das im Sommer, im Frühling zuvor erschaffen worden war, nicht einer Vernichtung gleichkommt, sondern einer Entlassung der Geschöpfe, die ihre Aufgabe erfüllt haben.

{(*): Und wirklich müssen die Früchte, Blumen und Blätter, die wir an den Spitzen und Enden der Bäume finden und ihre Versorgung aus dieser Schatzkammer des Erbarmens erhalten haben, vergehen, wenn sie ihre Aufgabe erfüllt haben und alt geworden sind, damit das Tor für die nach ihnen in beständigem Strom kommenden sich nicht schließt. Es würde sonst eine Barriere errichtet gegenüber der Fülle der Barmherzigkeit und dem Dienst der übrigen Brüder. Mehr noch würden sie mit dem Vergehen ihrer Jugend auch die Würde und Ordnung ihres Lebens verlieren. So gleicht auch der Frühling einem Obstbaum, der uns die Auferstehung zeigt. Zudem gleicht die Welt des Menschen in jedem Jahrhundert einem mahnenden Beispiel vom Baum der Lehre. Und auch die Erde gleicht einem mächtigen Baum, der ein Beispiel wunderbarer Auferstehung ist. Sogar das diesseitige irdische Leben gleicht einem Staunen erregenden Baum, der seine Früchte auf den Markt des Jenseits schickt.}

Diese Entlassung bedeutet zudem, dass Platz geschaffen und frei gemacht wird für die neuen Geschöpfe, die im Frühling kommen werden, dass der Platz vorbereitet, und Raum geschaffen wird für diejenigen, die neu eintreffen und ihre Pflichten übernehmen werden, für die Geschöpfe, die nun ihren Auftrag erhalten.

Schließlich ist es auch eine Mahnung des Hochgelobten an alle Seine bewussten Geschöpfe, nicht in Gottvergessenheit und Pflichtvergessenheit zu verfallen, nicht wie im Rausch ihre Dankespflicht zu vernachlässigen.

Achter Grundsatz:

Man versteht des Weiteren auch, dass der ewige Meister dieser vergänglichen Welt noch eine andere, ewige Welt für sich hat, in die zu gelangen Er Seine Diener und Anbeter anführt und anspornt...

Neunter Grundsatz:

Man versteht des Weiteren auch, dass dieser Allerbarmer in einer solchen Welt für Seine getreuen Diener und Anbeter derartige Gastgeschenke bereit halten wird, wie sie noch kein Auge gesehen, von denen noch kein Ohr etwas gehört hat, und über die noch in keines Menschen Herz etwas eingedrungen ist. Wir glauben...

Siebente Wahrheit:

Das Tor des Schutzes und der Beschützung ist die Manifestation der Namen "Beschützer (Hafiz)"und "Wächter (Raqib)".

Ja, wäre es denn überhaupt möglich, dass ein Schutz, der in vollkommener Ordnung und Ausgewogenheit alle Dinge im Himmel und auf Erden, zu Wasser und zu Lande, seien sie nun nass oder trocken, groß oder klein, hoch oder niedrig, überwacht und das, was sie bewirken, siebt und sichtet, und die Taten und Handlungen des Menschen, die sich auf die allgemeine Herrschaft (Gottes) beziehen, nicht überwachte? Und zwar die Taten des Menschen, der diesen hohen Vorzug besitzt, ein Mensch sein zu dürfen, den Rang eines Groß-Kalifen zu bekleiden, betraut mit der großen Aufgabe, ein hohes Pfand zu verwalten. Sollte Er seine Taten und Handlungen nicht mit dem Sieb Seiner Abrechnung sichten, mit der Waage der Gerechtigkeit wägen, ihm nicht eine entsprechende

Belohnung oder Bestrafung zumessen? Nein, es ist keineswegs möglich...

Tatsächlich überwacht diese Persönlichkeit, die das Universum lenkt und leitet, alle Dinge in Ordnung und Ausgewogenheit. Ordnung und Ausgewogenheit aber sind eine Erscheinungsweise angewandter Wissenschaft und eines machtvollen Willens. Denn wir sehen, dass alle Dinge in bester Ordnung und Ausgewogenheit geschaffen und gestaltet wurden. Und obwohl sie ihre Gestalt im Verlaufe ihres Lebens verändern, verharrt doch jedes von ihnen in einem Zustande der Ordnung und dieser gesamte Ablauf bleibt auch unter dem Gesetz der Ordnung. Wir sehen, dass der majestätische Beschützer von allen Dingen, deren Leben nach der Erfüllung ihrer Aufgaben zu Ende gegangen ist und die diese bezeugte Welt scheidend verlassen haben, von ihnen mancherlei Bilder in Gedächtnissen, die wohlgehüteten Tafeln gleichen, in Form ihrer Urbilder schützt, und den größten Teil ihres Lebenslaufes in ihren Kernen und in ihren Früchten einstickt und einschreibt. So verleiht Er ihnen in den inneren und äußeren Spiegeln Beständigkeit.

Das Gedächtnis des Menschen, die Frucht eines Baumes, der Kern einer Frucht, der Samen einer Blume zeigen zum Beispiel den ungeheuren Geltungsbereich dieses Gesetzes der Konservierung. Siehst du nicht, dass alle blüten- und früchtetragenden Gewächse eines ungeheuren Frühlings und das Verzeichnis ihrer Taten in der ihnen gemäßen Form, die Gesetze ihres Wachstums und die Urbilder ihrer Form dadurch erhalten werden, dass Er sie in dem engbegrenzten Raum eines Samenkorns einschreibt? In einem zweiten Frühling gibt Er die Liste ihrer Taten aufgrund einer ihnen entsprechenden Abrechnung heraus, gestaltet in vollkommener Ordnung und Weisheit eine neue ungeheure Welt des Frühlings und zeigt so, in welch einem gewaltigen Umfang die Beschützung und Bewahrung zur Auswirkung kommt. Wenn also nun bei so vergänglichen, wertlosen, unbeständigen und bedeutungslosen Dingen eine solche Bewahrung zu beobachten

ist, wäre es denn dann überhaupt noch möglich, dass die Taten des Menschen, die in der Welt des Unsichtbaren, der jenseitigen Welt, in der Welt der Seelen und der Geister, unter dem Aspekt der universalen Herrschaft Gottes bedeutende Früchte bringen, nicht als bedeutungsvoll verbucht würden? Nein, durchaus nicht!

In der Tat wird aus der Art, wie sich diese Beschützung und Bewahrung manifestiert, verständlich, dass der Herr (Malik)allen Seins mit großer Sorgfalt auf die Verbuchung aller Abläufe in Seinem Reiche achtet. Außerdem schenkt Er den Pflichten Seiner Herrschaft eine unendlich große Aufmerksamkeit. Und Er verwendet auch eine sehr große Sorgfalt auf die Aufgaben Seiner königlichen Regierung.

Er lässt auch das kleinste Ereignis, auch noch den unbedeutendsten Dienst mit einer großen Sorgfalt aufzeichnen und aufschreiben. Über alle Abläufe in Seinem Reich bewahrt Er die Abbildungen aller Gegenstände in den verschiedenen Dingen auf. Diese Verwahrung ist ein Zeichen dafür, dass einmal ein bedeutendes Abrechnungsbuch der Taten eröffnet, und besonders die großen Taten und wichtigen Handlungen des Menschen, der essentiell der größte, würdigste und vornehmste unter allen Geschöpfen ist, einer genauen Prüfung und Wägung unterzogen werden. Dann wird das Archiv seiner Handlungen geöffnet.

Ja, wäre es denn überhaupt möglich, dass der Mensch, mit dem Kalifat und einem Unterpfand (seiner Seele) betraut sein sollte, zu einem Befehlshaber und Zeugen aufgestiegen, der die Universalität der Herrschaft Gottes bezeugt und die Einheit Gottes (Vahdaniyet)im Reich der Vielheit verkündet, der einen großen Teil der Schöpfung in Anbetung und Gottesdienst behindert,

{Der Mensch stört das Gleichgewicht der Natur einerseits, behindert die Gottesanbetung aller Geschöpfe andererseits, indem er seiner Verpflichtung gegenüber Gott nicht nachkommt. (A.d.Ü.)}

ins Grab hinabsteigen, dort ruhig schlafen und nicht wieder auferweckt werden sollte? Sollte er nicht nach all seinen kleinen

und großen Taten gefragt werden? Sollte er nicht zum Versammlungsort der Auferstehung gerufen und vor einen obersten Gerichtshof gestellt werden? Nein, durchaus nicht!...

Oder wie könnte wohl der Mensch ins Nichtsein hinübergehen und entfliehen, in die Erde hinabsteigen und sich verstecken vor der Majestätischen Allmacht, wo doch die Geschehnisse aller vergangenen Zeiten

{(*): Tatsächlich besteht die gesamte Vergangenheit, von der Jetztzeit angefangen rückwärst bis zum Beginn der Erschaffung der Welt, aus Ereignissen, die wirklich stattgefunden haben. Jeder Tag, jedes Jahr, jedes Zeitalter, welches ins Dasein trat, ist eine Zeile, eine Seite, ein Buch, von der Feder des Qader (göttliches Vorherwissen) illustriert, und verfasst von der Hand der Macht, die darin ihre Wunderzeichen (ayat) in vollkommener Weisheit und Ordnung niedergeschrieben hat.

Von der Jetztzeit an bis zum Tage der Auferstehung, des Paradieses, der Ewigkeit liegt die gesamte zukünftige Zeit im Bereich des Möglichen. Das heißt, die Vergangenheit liegt im Bereich des Tatsächlichen, die Zukunft im Bereich des Möglichen. Stellt man also diese zwei Folgen der beiden Zeiten einander gegenüber, dann erkennt man ohne jeden Zweifel, dass der Herr, der den gestrigen Tag geschaffen hat und alles, was darinnen zu ihm gehört, auch mächtig ist, den morgigen Tag mit allem, was darinnen sein wird, ins Dasein zu rufen. Desgleichen besteht kein Zweifel daran, dass alles, was in vergangener Zeit ins Dasein gerufen wurde mit allen seinen Einzigartigkeiten an dieser Stätte Staunen erregender Dinge, Wunder einer majestätischen Allmacht ist. Es bezeugt mit völliger Sicherheit, dass dieser Allmächtige dazu imstande ist, alle Zukunft und den gesamten Bereich der Möglichkeiten zu erschaffen und dessen Einzigartigkeiten zu manifestieren.

Tatsächlich muss derjenige, welcher einen Apfel schaffen kann, sicherlich auch dazu in der Lage sein, alle Äpfel in der Welt zu erschaffen und einen großen und weiten Frühling ins Land zu rufen. Wer nicht den Frühling machen kann, der kann auch keinen Apfel erschaffen. Denn der Apfel ist auf der selben Werkbank verfertigt. Wer einen Apfel erschaffen kann, vermag auch den Frühling ins Dasein zu bringen. Ein Apfel ist ein kleines Beispiel für einen Baum, ja, einen Garten, ja, sogar für den ganzen Kosmos. Betrachtet man vom künstlerischen Standpunkt aus einen Apfelkern, der in sich die gesamte Lebensgeschichte eines riesigen Baumes enthält, dann ist dieser Kern ein solches Kunstwerk, dass der, welcher ihn so erschuf, sich vor keinem Ding mehr als ohnmächtig erzeigen kann. In gleicher Weise ist der, welcher den heutigen Tag erschuf, auch dazu imstande, den Tag der Auferstehung auszurufen; und er kann nur dann den Frühling erschaffen, wenn er zugleich auch der Herr ist, mächtig, die Versammlung (der Toten) zustande zu bringen. Derjenige, welcher alle Welten der Vergangenheit mit vollkommener Weisheit und Ordnung wie auf einem Filmstreifen aufgenommen hat und vorführen kann, ist sicherlich auch dazu imstande, auch noch andere Welten, aufgenommen auf dem Film der Zukunft, zu zeigen; und er wird sie vorführen. In vielen Abhandlungen ("Sözler"), besonders aber in der Sechsundzwanzigsten Abhandlung haben wir mit völliger Gewissheit bewiesen, dass "derjenige, welcher nicht alles erschaffen kann, gar nichts erschaffen kann und derjenige, der ein einziges Ding erschaffen kann, alle Dinge erschaffen kann. Schreibt man zudem die Erschaffung der Dinge einem einzigen Wesen zu, werden alle Dinge so einfach wie ein einziges Ding. So wird alles einfach und leicht. Schreibt man sie aber verschiedenen Ursachen zu, stützt sich auf deren Vielzahl, dann wird die Erschaffung eines einzigen Dinges so schwer, wie die Erschaffung aller Dinge, und es entsteht eine Schwierigkeit, die einer Unmöglichkeit gleichkommt..."}

die Wunder

Seiner Allmacht bezeugen, dass Er auch für alle künftigen Zeiten der Allmächtige im Bereich alles Möglichen ist, und Winter und Frühling, die dem Untergang der Welt und der Auferstehung gleichen, offensichtlich zu jeder Zeit schafft? Da aber nun einmal in dieser Welt keine entsprechende Abrechnung gehalten und ein Urteil nicht gefällt wird, wird der Mensch sicherlich vor einen obersten Gerichtshof gestellt werden und einer höchsten Glückseligkeit entgegengehen...

Achte Wahrheit:

Das Tor der Verheißung von Lohn und Strafe ist die Manifestation Seiner Namen "Djemil(Schönheit)" und "Djelil(großartig und gewaltig)".

Ja, wäre es denn überhaupt möglich, dass der Meister dieser Kunstwerke in Seiner Allwissenheit und Allmacht Seine stets wiederholte Verheißung von Lohn und Strafe, welche alle Propheten übereinstimmend verkündet haben und alle Getreuen (Siddiq)und Freunde Gottes (Auliya)einstimmig bezeugt haben, nicht wahr machen und sich so - Gott bewahre! - als schwach und unwissend erweisen sollte? Denn alles, was Er als Lohn und Strafe verheißen hat, ist für Seine Allmacht keineswegs schwer zu erfüllen. Es ist sehr einfach und leicht... so leicht, wie die zahllosen Geschöpfe des vergangenen Frühlings teils wieder zu beleben, teils neu hervorzubringen. {(*): Wie die Wurzeln der Bäume und Gräser und wie die Blätter und Früchte.} Es ist aber sowohl für uns als auch für alle Dinge und auch für Ihn selbst und Seine Königsherrschaft außerordentlich notwendig, dass Er den verheißenen Lohn auch zugesteht. Seine Verheißung nicht zu erfüllen aber wäre sowohl dem Ansehen Seiner (göttlichen) Macht entgegengesetzt als auch ein Widerspruch zu der Weite Seiner Allwissenheit. Denn ein Bruch Seines Versprechens könnte entweder nur aus Unwissenheit oder nur aus Schwäche erwachsen.

Oh du Leugner! Weißt du, was für ein Verbrechen du in deiner Dummheit mit deinem Unglauben und deiner Verleugnung begehst? Du bestätigst das, was dir deine Einbildung vorlügt, was dir dein Verstand vorgaukelt, und was sich deine Seele vormacht, und leugnest so einen Herrn, der keineswegs dazu gezwungen sein kann, Lug und Trug zu begehen, zu dessen Ruhm und Ansehen keineswegs eine Lüge passt und dessen Aufrichtigkeit und Wahrhaftigkeit alle sichtbaren Dinge und Geschehnisse bezeugen. In deiner unendlichen Kleinheit begehst du ein unendlich großes Verbrechen! Sicherlich verdienst du dafür eine große und ewige Strafe. Man berichtet, dass ein Zahn bei manchen Bewohnern der Hölle so groß wie ein Berg sei. Dies möge als Maßstab für die Größe seines

Verbrechens dienen. Du bist mit einem Reisenden zu vergleichen, der seine Augen vor dem Sonnenlicht verschließt und die Traumbilder betrachtet, die er im Kopf hat. Seine Einbildung möchte ihm seinen schrecklichen Weg einem Leuchtkäfer gleich erhellen, als habe er einen Scheinwerfer auf seinem Kopf. Was aber Gott der Gerechte einmal versprochen hat, dessen Schöpfung Sein zuverlässiges Wort ist, das recht spricht und dessen Wunderzeichen (ayat)die Geschehnisse im Kosmos sind, die die Wahrheit verkünden, das wird Er sicherlich auch halten. Er wird einen höchsten Gerichtshof abhalten und höchste Glückseligkeit verleihen.

Neunte Wahrheit:

Das Tor zu Leben und Tod ist eine Manifestation Seiner Namen "der Lebendige (Hayy)"und "der Unwandelbare (Qayyum)","Lebensspender (Muhyi)"und "Todbringender (Mumit)".

Ja, wäre es denn überhaupt möglich, dass ein Allmächtiger, Allbarmherziger, Allwissender und Allweiser, der die tote, dürre, weite Erde wiedererweckt und wiederbelebt, der Seine Macht dadurch erweist, dass Er unter dieser Seiner Belebung mehr als dreihunderttausend Schöpfungsarten wieder hervorruft und verbreitet, deren jede einzelne hervorzubringen so wunderbar ist wie einen Menschen aufzuerwecken und der Sein allumfassendes Wissen dadurch erweist, dass Er diesen Unterschieden letzte Feinheit und Vorzüge zumisst, während Er sie hervorruft und verbreitet, obwohl sie doch so sehr untereinander vermischt sind, und der die Blicke aller Seiner Diener und Anbeter auf die ewige Glückseligkeit hinlenkt, indem Er den Menschen mit all Seinen himmlischen Erlassen die Auferstehung verspricht, und der Seine gewaltige Herrschaft dadurch erweist, dass Er alle Seine Geschöpfe dazu veranlasst, Kopf an Kopf, Schulter an Schulter und Hand in Hand miteinander zusammenzuwirken, sich im Kreise Seines Willens und Befehls zu bewegen, einander Hilfe zu leisten und sich Ihm zu unterwerfen und der dadurch erweist, welchen Wert Er dem Menschen beimisst, dass Er den Menschen als die vielseitigste, zarteste,

empfindsamste, anspruchsvollste und sonnenhungrigste Pflanze am Baume der Schöpfung geschaffen, ihn als Seinen Partner im Dialog angenommen und ihm alles unterworfen hat, die Auferstehung nicht zu Stande bringen sollte? den jüngsten Tag nicht heraufführen sollte oder könnte? die Menschheit nicht auferwecken sollte oder könnte? einen höchsten Gerichtshof nicht abhalten könnte? Himmel und Hölle nicht schaffen könnte? Nein, das alles ist durchaus unmöglich!...

Tatsächlich schafft der glorreiche Lenker dieser Welten in jedem Zeitalter, in jedem Jahr, an jedem Tag auf diesem engen vergänglichen Erdball viele, zahlreiche Beispiele, Zeichen und Gleichnisse der Großen Versammlung und des Platzes der Auferstehung.

Kurzum:

Bei der Versammlung im Frühling sehen wir, wie Er innerhalb von fünf, sechs Tagen mehr als dreihunderttausend Arten kleiner und großer Tiere und Pflanzen hervorbringt und verteilt. Er belebt die Wurzeln aller Bäume und Gräser und schenkt ihnen und auch einem Teil der Tiere neues Leben. Die übrigen erschafft Er in einer der Gleichheit entsprechenden Ähnlichkeit wieder neu. Den Samenkörnchen aber, die sich in ihrer Zusammensetzung doch kaum voneinander unterscheiden und noch dazu miteinander vermischt sind, werden innerhalb von sechs Tagen oder sechs Wochen ihre Vorzüge und ihre Unterschiede zugemessen und sie werden trotz dieser Schnelligkeit, Verbreitung und Leichtigkeit dennoch in vollkommener Ordnung und Ausgewogenheit wieder belebt. Wäre es denn überhaupt möglich, dass dem Herrn, der diese Handlungen vollbringt, irgendetwas schwer werden könnte? dass Er Himmel und Erde nicht innerhalb von sechs Tagen erschaffen könnte? oder die Menschen nicht auf einen Posaunenstoß hin versammeln könnte? Bewahre!...

Nehmen wir einmal an, es gäbe einen mit einer wunderbaren Fähigkeit begabten Dichter, der innerhalb einer einzigen Stunde dreihunderttausend Bücher, deren Buchstaben teils halb verwischt, teils gänzlich unleserlich geworden sind, zu gleicher Zeit auf einem einzigen Blatt

wunderschön und fehlerfrei niederschreiben könnte, ohne die Buchstaben zu verwechseln, ohne sich zu irren, ohne einen auszulassen oder zu vergessen. Käme dir dann jemand, der behauptete, dass der Dichter dein Buch, das er verfasst hat, und das ins Wasser gefallen ist, in einer Minute aus dem Gedächtnis neu schreiben könne, würdest du dann sagen, er kann es nicht, ich glaube das nicht?...

Oder ein wundertätiger König würde, um seine Macht zu zeigen, oder eine Lehre zu erteilen oder eine Vorführung zu veranstalten mit einem Fingerzeig Berge aufheben und Länder umgestalten, und du könntest sehen, dass Er das Meer in Land verwandelt hat. Wenn du dann einen großen Stein siehst, der in einen Bach gerollt ist und den Gästen, die der König zu seinem Gastmahl eingeladen hat, den Weg versperrt, sodass sie nicht weiter gehen können, und es käme dir jemand und sagte, dass der König diesen Stein, und sei er auch noch so groß, mit einem Fingerzeig aufheben oder zum Verschwinden bringen könnte, er werde seine Gäste nicht auf ihrem Wege allein lassen, würdest du ihm dann entgegnen, er werde sich nicht darum kümmern oder sei nicht dazu in der Lage?

Oder ein Herr würde an einem Tage ein Heer neu aufstellen, und es käme dir jemand und sagte, dieser Herr werde seine Bataillone, dessen Soldaten sich zu einer Ruhepause verstreut haben, mit einem Posaunenstoß wieder versammeln, und die Bataillone würden sich wieder geordnet formieren, würdest du ihm dann zur Antwort geben "Ich glaube es nicht"? Verstehst du nun, wie töricht du dich verhältst?...

Wenn du also jetzt diese drei Gleichnisse verstanden hast, dann betrachte einmal, wie der ewige Designer das weiße Blatt des Winters vor unseren Augen umwendet, das grüne Blatt des Frühlings und des Sommers offen legt und mit der Feder Seiner Macht und Seines göttlichen Wissens (qader)in schönster Form mehr als dreihunderttausend Schöpfungsarten über das Antlitz der Erde hin wie auf ein Blatt aufzeichnet. Sie beeinträchtigen

einander nicht und geraten nicht durcheinander. Er zeichnet sie alle gleichzeitig auf, und doch stören sie einander nicht. Sie bleiben nach Form und Inhalt voneinander getrennt und vermischen sich nicht. Seine Zeichnung ist ohne einen Fehler. Ja, darf man denn da noch fragen, wie dieser allweise und allerhaltende Herr, der das Programm auch des größten Baumes gleich seiner Seele wie einen Punkt, selbst in den kleinsten Kern hineinsetzt und bewahrt, die Seelen der Verstorbenen bewahren kann? Ja, darf man denn da noch fragen, wie der Allmächtige, der den Erdball wie in einer Schleuder herumwirbeln lässt, diese Erde Seinen Gästen aus ihrem Weg ins Jenseits räumen oder beseitigen kann? Ja, darf man denn da noch fragen, wie der Herr in Seiner Majestät, der die Heerscharen alles Lebendigen aus dem Nichts heraus wieder neu schafft, und in vollkommener Ordnung die Zellen in den Bataillonen aller Körper mit dem Befehl: كُنْ فَيَكُونُ {"Sei! Und es ist."} aushebt und einberuft und so die Heere aufstellt, mit einem Posaunenstoß die Grundbestandteile und Wesenselemente versammeln könne, die sich ja einander bereits kennen gelernt hatten, als sie sich unter dem Kommando des Bataillons, dem der Körper gleicht, zusammengefunden hatten?

Überdies kannst du mit eigenen Augen betrachten, welch reichen Schmuck Er als Muster, als Entwurf, als Skizze der Auferstehung in jeder Kulturepoche, in jedem Zeitalter, ja, sogar im Wechsel von Tag und Nacht, ja selbst in der Bildung und Wiederauflösung der Wolken schafft, welcher der Wiederversammlung im Frühling gleich ist. Ja, wenn du dich in deiner Phantasie tausend Jahre zurückversetzt und dann Vergangenheit und Zukunft, welche die beiden Flügel der Zeit sind, einander gegenüber stellst, kannst du so viele Beispiele der Wiederversammlung und Vorbilder der Wiederauferstehung betrachten, wie der Zahl der Zeitalter und Tage entspricht.

Wenn du dann noch, trotz so vieler Beispiele und Vorbilder, die du betrachtet hast, die leibliche Auferstehung für unverständlich und unvorstellbar halten und deshalb leugnen wolltest, so begreifst du nun, was für ein Irrsinn das wäre... Siehe nun, was der Große Königliche Erlass (ferman-i a'zam,der Qur'an) über die Wahrheit sagt, die wir besprochen haben:

فَانْظُرْ اِلَى آثَارِ رَحْمَةِ اللّهِ كَيْفَ يُحْيِى اْلاَرْضَ بَعْدَ مَوْتِهَآ اِنَّ َذَٰلِكَ َلمُحْيِى اْلمَوْتَى وَهُوَ عَلَى كُلِّ شَيْءٍ قَدِيرٌ

{"Siehe die Male der Barmherzigkeit Allahs; wie Er die Erde nach ihrem Tode wieder lebendig macht! Fürwahr, Er ist es, der die Toten wieder belebt; Er hat Macht über alle Dinge." (Sure 30, 50)}

Kurzum:

Es gibt nichts, was die Wiederauferstehung unmöglich macht. Für das, was sie notwendig erscheinen lässt, spricht aber alles. Die glorreiche und ewige Herrschaft, die allmächtige und allumfassende Macht desjenigen, der dieser weiten Erde als Ort der Wiederversammlung einem einzelnen Tier gleich das Leben und den Tod schenkt, und sie für Mensch und Tier zu einer schönen Wiege oder einem prächtigen Schiff gemacht hat, die Sonne zu einer Licht und Wärme spendenden Lampe in der Herberge dieser Welt und die Planeten den Engeln zu Flugzeugen, kann sich unmöglich nur auf die vergänglichen, brüchigen, unsteten, bedeutungslosen, veränderlichen, unbeständigen, mangelhaften und unvollkommenen Angelegenheiten dieser Welt stützen oder auf sie beschränkt bleiben. Anders gesagt: Es gibt noch einen anderen Ihm würdigen, dauerhaften und beständigen Ort voll Majestät, der nicht dem Verfall unterworfen ist. Bei Ihm gibt es noch ein anderes, beständiges Reich, und um dieses sollen wir uns bemühen. Dorthin lädt Er uns ein. Alle Menschen erleuchteten Geistes, alle geistigen Pole (qutub)einer inneren Ausstrahlung, alle Menschen, die einen klaren Verstand besitzen und mit der Nähe Seiner Gegenwart geehrt wurden, bezeugen, dass Er uns dort hinüberholen wird, berichten einstimmig, dass Er

Lohn und Strafe dort für uns bereit hält, teilen uns mit, dass Er uns wiederholt sehr starke Verheißungen gegeben und sehr ernsthafte Warnungen ausgesprochen hat.

Sein Versprechen nicht einzulösen aber wäre sowohl eine Erniedrigung als auch eine Entwürdigung. Das wäre in keiner Weise mit der Erhabenheit Seiner Heiligkeit zu vereinbaren. Eine Drohung nicht wahr zu machen, wäre in gleicher Weise ein Zeichen der Verzeihung oder der Schwäche. Unglaube aber ist ein unendliches Verbrechen.

{(*): Tatsächlich setzt der Unglaube den Wert des Seins herab und unterstellt ihm Bedeutungslosigkeit. Er ist eine Geringschätzung gegenüber dem ganzen Kosmos und eine Verleugnung der Manifestation der Gottesnamen in den Spiegeln des Seins, eine Verspottung aller Gottesnamen und weist das Zeugnis allen Seins von der Einheit Gottes (Vahdaniyet) zurück. Er erklärt die Erschaffung der Welt als Lüge. Er verdirbt die Fähigkeiten des Menschen in der Weise, dass dieser unwürdig wird, Frieden und Wohltaten zu empfangen. Zudem ist er ein so gewaltiges Unrecht, weil er eine Verletzung des Rechtes der ganzen Schöpfung und aller Gottesnamen darstellt. So also erfordert die Wahrung des Rechtes in Anbetracht dessen, dass die Seele des Ungläubigen nicht mehr dazu in der Lage ist, das Gute anzunehmen, dass dem Unglauben nicht mehr vergeben werden kann.

اِنَّالشِّرْكَ لَظُلْمٌ عَظِيمٌ

("Fürwahr ist Götzendienst ein gewaltiges Unrecht." (Sure 31, 31))

bringt das Gesagte zum Ausdruck.}

Ihn zu entschuldigen ist nicht möglich... Hinzu kommt noch, dass der Allmächtige von jeglicher Schwäche frei und unberührt ist. Dessen sind sich alle Zeugen und Verkündiger, obwohl sie sich in ihren Wegen, Veranlagungen und Rechtsschulen unterscheiden, im Grundsatz dieser Frage unbestritten einig. Aufgrund ihrer Vielzahl erreichen sie den Grad allgemeiner Übereinstimmung (tevatur),und ihre Stimme hat das Gewicht einer ganzen Gemeinschaft. Jeder von ihnen bekleidet den Rang eines

Sternes der Menschheit, ist das Auge einer ganzen Gemeinschaft und eine heiligmäßige Persönlichkeit in einem gläubigen Volk. Ihrer Bedeutung entsprechend sind sie in dieser Frage Fachleute, deren Aussage sowohl sachkundig als auch beweiskräftig ist. Dabei werden auf wissenschaftlichem oder künstlerischem Gebiet die Aussagen zweier Fachleute denen von tausend anderen Leuten vorgezogen, und die Nachricht zweier Zeugen wiegt schwerer als tausend Dementis. So macht z.B. die Nachricht zweier Männer, welche zu Beginn des Monats Ramadan die Mondsichel (hilal)gesehen haben, das Dementi von tausend Dissidenten zunichte.

Kurzum:

Es kann in der Welt keine Botschaft geben, die richtiger, keine Verkündigung, die zuverlässiger, keine Wahrheit, die offensichtlicher wäre als diese. Das heißt, die Welt ist zweifelsohne ein Acker. Die Wiederversammlung ist die Zeit, die Ernte zu dreschen. Himmel und Hölle aber sind wie je eine Scheune.

Zehnte Wahrheit:

Das Tor der Weisheit (hikmet),der Gnade (inayet),der Barmherzigkeit (rahmet)und der Gerechtigkeit (adalet)ist die Manifestation Seiner Namen "Allweiser (Hakim),Freigiebiger (Kerim),Gerechter (Adil)und Barmherziger (Rahim)".

Ja, wäre es denn überhaupt möglich, dass sich im ganzen Umkreis des Reiches der Königsherrschaft über Himmel (melekut)und Erde (mulk)dessen, der in Seiner Majestät (Djelal)Eigentümer des Reiches (Maliku l-Mulk)ist, und dessen Werke in dieser unbeständigen Herberge, an diesem vergänglichen Ort der Prüfung, auf diesem vorläufigen Ausstellungsgelände dieser Erde eine solche offensichtliche Weisheit (hikmet),eine so offenkundige Gnade (inayet),eine so bezwingende Gerechtigkeit (adalet)und eine so umfassende Barmherzigkeit (merhamet)zeigen, keine dauerhaften Heime, keine ewigen Bewohner, keine bleibenden Wohnstätten und keine unsterblichen Geschöpfe finden ließen, und die Tatsache dieser offensichtlichen Weisheit, Gnade, Gerechtigkeit und Barmherzigkeit zunichte werden sollte?

Ja, wäre es denn überhaupt möglich, dass dieser Allweise Herr, der sich den Menschen aus der Mitte Seiner Schöpfung heraus zum Sprecher aller und zu Seinem universalen Spiegel gemacht hat, und ihm all das, was die Kammern Seiner Schätze und Vorräte enthalten, zu verkosten und zu bemessen, zu untersuchen und zu erwägen und darüber hinaus auch sich Selbst in all Seinen Namen zu erkennen gegeben hat, der ihn liebt und sich von ihm lieben lässt... danach diesen armseligen Menschen nicht Sein ewiges Reich zuteil werden lassen sollte? ihn nicht zu diesem Ort ewiger Glückseligkeit einladen und dort glücklich machen sollte?

Wäre es noch dazu überhaupt verständlich, dass Er jeglichem Sein - und sei es auch so klein wie ein Samenkorn - die Last einer Pflicht von der Größe eines Baumes auflasten, es mit Zielen so zahlreich wie seine Blüten befrachten, es mit Nützlichkeiten so zahlreich wie seine Früchte bestücken sollte und doch an das Ende all dieser Pflichten, dieser Ziele, dieser Nützlichkeiten nur ein Samenkorn voll irdischer Zweckmäßigkeiten gesetzt hätte? dass Er etwas, das ungefähr den Wert eines Senfkorns hat, zum Ziel irdischer Beständigkeit gesetzt haben sollte? dass Er nicht alles Sein zum Samenkorn für die Welt der Bedeutungen und zu einem Acker für die jenseitige Welt bestimmt haben sollte?

{Alem-i Shehadet: Das Diesseits, die Welt, in der wir Zeugnis ablegen;

Alem-i Mana: Das Jenseits, die Welt, in der uns die Dinge ihre Bedeutung enthüllen. (A.d.Ü.)}

dass Er es zulassen sollte, dass es wahre und ihm angemessene Früchte hervorbringe und dabei doch alle Verschiedenheiten von Bedeutung und Wichtigkeit ohne Ziel, hohl und sinnlos bleiben sollten? Sollte Er nicht das Antlitz des Seins der Welt der Bedeutungen, der jenseitigen Welt zukehren? sodass es sein wahres Ziel und seine ihm entsprechenden Früchte hervorbringe?

Ja, wäre es denn tatsächlich möglich, dass Er diese Dinge im Gegensatz zur Realität geschaffen haben

sollte, sodass Er - und möge Er dem vor sein und es verhüten! - sich mit den Gegensätzen Seiner wirklichen Attribute "der Weise, der Freigiebige, der Gerechte, der Barmherzige" bezeichnete und so die Realität des ganzen Kosmos leugnete, die Seine Weisheit und Freigiebigkeit, Gerechtigkeit und Barmherzigkeit zeigt? Sollte Er das Zeugnis allen Seins zurückweisen? die Beweise all Seiner Werke ungültig machen?

Und würde es der Verstand überhaupt annehmen, dass Er auf das Haupt des Menschen und seine inneren Empfindungen so viele Aufgaben auflasten sollte wie es Haare gibt und ihm doch nur eines Haares Wert weltlichen Lohn dafür geben sollte? Und sollte er im Gegensatz zur wahren Gerechtigkeit und im Widerspruch zur wahren Weisheit eine sinnlose Arbeit tun?

Wäre es zudem überhaupt möglich, dass Er jedem Lebewesen, ja, sogar jedem Organ, wie z.B. der Zunge, ja, überhaupt allen Seinen Kunstwerken so viel Weisheit und Nützlichkeit verliehen hätte, der Anzahl der Früchte und Nützlichkeiten gleich, die Er einem Baum verliehen hat und so unter Beweis gestellt hätte, dass Er der Allweise ist, danach aber die Beständigkeit, die Vereinigung mit Ihm (liqa)und die ewige Seligkeit, alles das, was die höchste Weisheit, das wichtigste aller Erfordernisse und das unabdingbarste aller Ergebnisse ist, und die Weisheit zur Weisheit, die Gnade zur Gnade und die Barmherzigkeit zur Barmherzigkeit macht, und was die Quelle und das Ziel all Seiner Weisheit, all Seiner Gnadengaben, all Seiner Barmherzigkeit und all Seiner notwendigen Wohltaten ist, nicht geben, sondern aufgeben und all Seine Werke bis zur untersten Stufe der Sinnlosigkeit herabsinken lassen sollte? Damit würde Er jemandem gleichen, der ein Schloss baute, darinnen jeder Stein auf tausenderlei Arten verziert, dessen jede Seite auf tausenderlei Arten geschmückt, in dem jeder Saal mit tausenderlei wertvollen Geräten und Einrichtungsgegenständen ausgestattet wäre und dieses danach ohne ein Dach beließe? damit alles verrotten und nutzlos verfallen sollte?

Nein, keineswegs! Aus dem absolut Guten kommt die Güte. Und aus dem absolut Schönen (Djemil)kommt Schönheit. Aus dem absolut Weisen kann Nutzlosigkeit nicht kommen. Ja, wer immer in seiner Vorstellung in die Geschichte einsteigt und in Richtung Vergangenheit fährt, wird so viele abgeschiedene Wohnungen, Plätze, Messen und Welten sehen, wie es Jahre gab. Jede von ihnen gleicht der Wohnung dieser Welt, einer Stätte der Prüfung, einer Ausstellung von Gegenständen so wie wir sie in jetziger Zeit erblicken. Obwohl sie nach Form und Qualität voneinander verschieden sind, gleichen sie doch einander in der Ordnung und Einzigartigkeit, die in ihnen erkennbar, und in der Macht und Weisheit des Baumeisters, die in ihnen sichtbar wird.

Auch wird der Mensch in diesen unbeständigen Wohnstätten, auf diesen vergänglichen Plätzen, in diesen vorübergehenden Messen die Ordnung einer so offensichtlichen Weisheit (hikmet),die Zeichen einer so offenkundigen Gnade (inayet),die Werke einer so bezwingenden Gerechtigkeit (adalet)und die Früchte einer so umfassenden Barmherzigkeit (merhamet)erblicken. In soweit er nicht seinen Scharfsinn verloren hat, wird er mit Sicherheit erkennen, dass es eine Weisheit von noch höherer Vollkommenheit (kemal)als diese Weisheit nicht geben kann, dass eine Gnade von noch höherer Schönheit (djemal)als die Gnade, deren Spuren wir sehen, nicht möglich ist, dass eine Gerechtigkeit von noch höherer Majestät als die Gerechtigkeit, deren Werke wir sehen, nicht sein kann, dass eine Barmherzigkeit, noch umfassender als diese Barmherzigkeit, deren Früchte wir sehen, nicht vorstellbar ist.

Wollten wir einmal den unmöglichen Fall annehmen, dass sich in dem Herrschaftsbereich des Ewigen Königs, der alle diese Maßnahmen verfügt und alle diese Herbergen und ihre Gäste austauscht, keine beständigen Wohnungen, keine dauerhaften Heime, keine erhabenen Wohnstätten und keine bleibenden Häuser, keine sesshaften Bewohner, keine glücklichen Diener fänden, dann

müsste man die Realität der (göttlichen) Weisheit, Gerechtigkeit, Gnade und Barmherzigkeit leugnen, diese vier geistigen Grundelemente, deren Tragfähigkeit und Weite, Feuer, Wasser, Luft und Erde entspricht, und deren Existenz abstreiten, obwohl sie ebenso offensichtlich sind wie die äußeren Elemente. Denn es ist ja bekannt, dass diese vergängliche Welt, und was in ihr ist, keine vollkommene Manifestation ihres wahren Wesens sein kann. Gäbe es nicht noch irgendwo anders einen Ort, wo es sich vollkommen manifestieren kann, dann müsste man wie ein Wahnsinniger die Existenz der Sonne leugnen, obwohl man doch sehen kann, wie ihr Licht den Tag erfüllt, die Weisheit leugnen, die vor unseren Augen alle Dinge erfüllt, die Gnade leugnen, die wir jederzeit in unseren Seelen und in den meisten Dingen bezeugen können, die Gerechtigkeit leugnen, deren Werke so mächtig sichtbar werden, die Barmherzigkeit leugnen, die wir überall sehen können. Desgleichen müssten wir dann annehmen, dass der Herr dieser weisheitsvollen Ausführungen, dieser gastfreien Behandlung, dieser Gastgeschenke Seiner Barmherzigkeit, die wir im ganzen Universum sehen können - möge Er es verhüten! - ein gemeiner Schauspieler und ein erbarmungsloser Tyrann wäre. Das aber ist eine grenzenlos unmögliche Verkehrung der Wahrheit! Sogar die törichten Sophisten, die die Existenz allen Seins und ihrer selbst leugnen, wären nicht so leicht dazu bereit, derartige Betrachtungen anzustellen...

{(*): Es gibt zwei Arten der Gerechtigkeit.

Die eine davon ist positiv, die andere negativ. Was die positive Art betrifft, so besteht sie darin, dem Berechtigten sein Recht zu geben. Diese Art von Gerechtigkeit gibt es in dieser Welt in einem solchen Ausmaß, dass sie bereits offensichtlich ist. Denn wie wir in der Dritten Wahrheit bewiesen haben, gibt der Schöpfer in Seiner Majestät offensichtlich allem, was da ist, ausgewogen und abgemessen, das, was es entsprechend seiner Veranlagung, seiner Bedürfnisse und den Notwendigkeiten erstrebt und erbittet, und was es gerechtermaßen für Leben und Dasein benötigt, in eigener und jeweils ausgewogener und gesondert abgemessener Weise. Das heißt, es gibt diese Art der Gerechtigkeit gleichermaßen mit Sicherheit wie das Leben und das Dasein selbst.

Die zweite Art der Gerechtigkeit ist negativ und besteht darin, die Ungerechten zur Rechenschaft zu ziehen. Das heißt, das Recht der Ungerechten ist ihre Züchtigung und Strafe, die sie erhalten. Diese Art zeigt sich zwar nicht vollkommen in dieser Welt, es gibt jedoch zahllose Zeichen und Hinweise, welche die Realität dieser Tatsache wahrnehmbar machen. Kurz gesagt: Alle Schläge und Strafen, Züchtigungen und Leiden, welche seit den Zeiten des Volkes von Ad und Themud bis heute über die widerspenstigen Völker gekommen sind, zeigen mit unfehlbarer Sicherheit, wie eine hohe und erhabene Gerechtigkeit regiert....}

Zusammenfassung:

Betrachten wir die völlige Ungleichheit zwischen den verschiedenen Handlungsabläufen, wie einerseits das Leben weltweit vereinigt wird und der Tod es rasch wieder trennt, die prunkvollen Versammlungen und eiligen Auflösungen, die gewaltigen Leichenbegräbnisse und die großen Manifestationen, und wie wir andererseits in dieser vergänglichen Welt mit all dem nur für eine kurze Zeit winzige Früchte ernten und nur unbedeutende Zwischenziele erreichen, so ist dies, als wollten wir einem kleinen Stein Sinn und Weisheit eines großen Berges zuschreiben, den Sinn eines großen Berges aber dem eines kleinen Steines gleich erachten. Dies kann aber niemals der Vernunft und Weisheit entsprechend sein.

Mit anderen Worten: Ein derartiger Mangel an Verhältnismäßigkeit zwischen allem Sein in dieser Welt und den darin ablaufenden Prozessen und deren auf sie beschränkten Ergebnissen bezeugt mit Sicherheit, dass das Antlitz allen Seins der Welt der Bedeutungen zugewandt ist. Dort wird es seine ihm entsprechenden Früchte ernten und dort werden seine Augen die Heiligen Namen (Gottes) betrachten. Sein Ziel schaut nach jener Welt hin. Während sein Wesen unter dem Boden dieser Erde liegt, entfalten sich seine Urbilder in der Welt der Entsprechungen (alem-i misal).Der Mensch sät hier seinen Fähigkeiten entsprechend aus und er wird gleich einem Samenkorn

ausgesät. Im Jenseits bringt er die Ernte ein. Ja, betrachtet man das Antlitz der Dinge, das auf die Namen Gottes und auf die jenseitige Welt hin ausgerichtet ist, dann sieht man, dass jedes einzelne Samenkorn ein Wunder der Macht ist, und ebenso viele Bestimmungen hat wie ein Baum. Jede einzelne Blüte, die ein Wort der Weisheit ist, hat den gleichen Sinn wie alle Blüten des Baumes, und jede einzelne Frucht, die ein Wunderwerk ist und ein Gedicht der Barmherzigkeit, enthält so viel Weisheit wie alle Früchte des Baumes. Sie dient uns zur Nahrung, was unter tausenden von Weisheiten nur eine einzige Weisheit ist, vollendet ihre Aufgabe, erfüllt ihren Sinn, stirbt und wird in unserem Magen begraben.

{(*): Frage: Wollte jemand sagen: "Warum führst du so oft Blüten und Samen und Früchte als Beispiele an?"

Antwort: Einerseits, weil sie unter den Kunstwerken der Macht die wertvollsten, wunderbarsten und einzigartigsten sind, andererseits weil die Naturwissenschaftler und Philosophen, alle diejenigen, die in die Irre gehen, den feinen Schriftzug, den die Feder der Bestimmung (qalem-i qader) und die Macht hinterlassen hat, nicht lesen konnten und darin erstickt sind. Sie stürzten in den Sumpf des Naturalismus...}

Weil nun aber diese vergänglichen Dinge an einem anderen Ort bleibende Früchte hervorbringen, immerwährende Urbilder hinterlassen und in anderer Hinsicht eine ewige Bedeutung zum Ausdruck bringen (die Namen Gottes verkörpern), rezitieren sie beständig den Lobpreis Gottes (tesbihat).Der Mensch aber, der ihr Antlitz betrachtet, das auf diesen Aspekt hin ausgerichtet ist, wird dadurch zum Menschen. So findet er in der Vergänglichkeit den Weg zur Ewigkeit.

Mit anderen Worten: Hinter allem Sein, das zwischen Leben und Tod hin- und hergetrieben, eingesammelt und wieder ausgestreut wird, verbirgt sich ein anderer Sinn. Dieser Vergleich hinkt nicht. Die Vorbilder gleichen den Nachbildungen, die von ihnen angefertigt, und ihre Abläufe den Vorführungen, die ihnen gemäß veranstaltet werden. Es werden zu hohen Kosten kurze Versammlungen

einberufen und wieder aufgelöst, nur um Bilder aufzunehmen und zusammenzustellen, die ständig auf einer Leinwand gezeigt werden. Genauso liegt einer der Gründe, dass in dieser Welt für kurze Zeit ein individuelles Leben und ein soziales Leben geführt wird, darin, Bilder aufzunehmen und zusammenzustellen, die Ergebnisse unserer Taten zu verbuchen und einzuspeichern, damit sie am Tage der Großen Versammlung ihrer Abrechnung zugeführt und auf einer gewaltigen Messe-Veranstaltung gezeigt werden können, um die Fähigkeit (des Menschen) zu höchster Glückseligkeit offen zu legen. In der ehrwürdigen Überlieferung (Hadith)wird diese Tatsache mit folgenden Worten zum Ausdruck gebracht: "Das Diesseits ist der Acker für das Jenseits."

Weil es also nun einmal diese Welt gibt und es in dieser Welt offensichtlich Weisheit, Gnade (inayet),Barmherzigkeit und Gerechtigkeit gibt, gibt es mit Sicherheit auch das Jenseits, und zwar mit der gleichen Sicherheit wie das Diesseits. Da nun einmal alles in dieser Welt in gewisser Hinsicht jener Welt zugewandt ist, bedeutet dies, dass alles nach dorthin strebt. Das Jenseits zu leugnen, heißt, das Diesseits mit allem, was darinnen ist, zu leugnen. So wie also Tod und Grab auf den Menschen warten, so beobachten und erwarten auch Himmel und Hölle den Menschen.

Elfte Wahrheit:

Das Tor der Menschlichkeit ist die Manifestation Seiner Namen "Wahrhaftiger und Gerechter (Haqq)"

Wäre es denn überhaupt möglich, dass Gott der Gerechte und Herr der Wahrheit (Djenab-i Haqq)und der zu Recht Angebetete in der Wahrheit (Ma'bud-u bi l-Haqq)den Menschen innerhalb des Kosmos als Seinen Diener und Anbeter erschaffen haben sollte, der hinsichtlich der Vollkommenheit Seiner Göttlichen Herrschaft und vor aller Welt in Anbetracht Seiner universellen Herrschaft der Bedeutendste ist, dass Er ihn zu jenem Gesprächspartner gemacht hätte, welcher der tiefsinnigste Denker unter den Angeredeten des Hochgelobten ist, zu einem allumfassenden

Spiegel der Manifestationen Seiner Namen, ihm den höchsten Wert (ahsen-i taqvim)verliehen hätte, um an ihm den Rang der Erscheinung Seines Gewaltigen Namens (Ism-i A'zam)zu offenbaren, der sich in allen Seinen Namen wiederfindet, damit er, als das schönste Wunder Seiner Macht, die Schatzkammern Seiner Barmherzigkeit erwägen und ermessen solle, ihn zu einem Forscher gemacht hätte, der mehr als alle anderen die Waage und die Werkzeuge besitzt, welcher unendlicher Gnade mehr als alle anderen bedürftig ist, welcher unter der Vergänglichkeit mehr als alle anderen leidet, und sich mehr als alle anderen nach Beständigkeit sehnt, der unter allen Lebewesen am meisten mit Feinempfinden ausgestattet ist, das empfindlichste, ärmste und bedürftigste unter ihnen, derjenige, welcher im irdischen Leben am meisten leidet und darüber am unglücklichsten ist, er, der erhabenste und größte nach Form und Wesen, und ihn nicht in das Haus der Ewigkeit entsenden sollte, wofür er würdig und geeignet ist, und wonach er sich sehnt, und so die Menschenrechte aufheben könnte, Seine eigene Wahrhaftigkeit und Gerechtigkeit ganz und gar in ihr Gegenteil verkehren, und das Antlitz von Recht und Wahrheit ungerecht und abscheulich machen könnte?

Wäre es zudem überhaupt möglich, dass der Allgerechte in Seiner Weisheit, der Allbarmherzige in Seiner Vollkommenheit, dem Menschen die Fähigkeit verliehen hätte, das Große Pfand auf sich zu nehmen, welches zu tragen Himmel, Erde und Berge nicht wagten, nämlich mit seinen winzig-kleinen Maßstäben und an Hand winziger Kunstwerke die allumfassenden Attribute, die universalen Taten und die unendlichen Manifestationen des Schöpfers zu ermessen und zu erkennen, dass Er ihn zudem auf dieser Erde als äußerst fein und zart, empfindlich, arm und schwach erschaffen, ihn jedoch als eine Art Ordnungshüter über alle tierischen und pflanzlichen Geschöpfe gesetzt und dazu beauftragt hätte, an ihrem Lobpreis und Gottesdienst gestaltend mitzuwirken, ihm gezeigt hätte, ein Beispiel im Kleinen zu sein für das göttliche

Geschehen im All, im Universum ein Verkünder der Herrschaft des Hochgelobten im Wort und in der Tat zu sein, dass Er ihn vor den Engeln bevorzugt und ihm den Rang eines Kalifen verliehen hätte und ihm dennoch nicht die Ewige Glückseligkeit als Ergebnis, Ziel und Frucht all seiner Aufgaben geben sollte? dass Er ihn auf die Stufe eines unglücklichsten, hilflosesten, leidgeprüftesten, beklagenswertesten und würdelosesten aller Geschöpfe hinabstoßen und seinen Verstand, dieses so überaus gesegnete, lichtvolle Werkzeug zur Glückseligkeit und Geschenk der Weisheit für diesen Hilflosen, in ein ebenso unheilvolles, finsteres Werkzeug zur Qual verwandeln und so eine Unbarmherzigkeit so gänzlich entgegengesetzt zu Seiner Allweisheit und im Widerspruch zu Seiner Allbarmherzigkeit begehen sollte? Nein, keineswegs!...

Zusammenfassung:

Wir haben in unserem Gleichnis bereits Pass und Soldbuch eines Offiziers betrachtet und gesehen, dass uns sowohl sein Rang als auch seine Aufgabe, sein Sold, seine Dienstanweisung und seine Ausrüstung zeigen, dass dieser Offizier nicht für dieses vergängliche Feld da ist, sondern in ein bleibendes Reich geht und demgemäß arbeitet. So stimmen auch die Entdecker und Erforscher (des Landes der Wahrheit und Gerechtigkeit) darin überein, dass die wahre Bildung, eingetragen im Pass seines Herzens, die Qualitäten, eingetragen im Soldbuch seines Verstandes, die Ausrüstung, eingeschrieben in seiner Veranlagung, vollkommen harmonisch auf die Ewige Glückseligkeit hin ausgerichtet sind und ihm dementsprechend verliehen wurden, und er somit dementsprechend ausgerüstet ist.

Mit einem Satz: Zum Beispiel sagte ein Diener und Darsteller jener Vorstellungskraft, die wir den Verstand nennen: Ich werde dir eine Million Lebensjahre und das Königreich der Welt geben, doch im Jenseits wirst du mit Sicherheit nicht mehr existieren. Falls die Einbildung nicht trügt und seine Begierde (nefs)nicht stärker ist, wird er "ach" statt "oh" sagen und bedauern. Das heißt, dass auch nicht das größte Stück Vergänglichkeit Herz, Sinn

und Verstand des Menschen auch nur ein ganz kleines bisschen zu sättigen vermag. Es entspricht also der Veranlagung des Menschen, dass seine Hoffnungen, die sich nach der Ewigkeit ausstrecken, seine Gedanken, die das All umspannen, und seine Wünsche, die sich auf die Ewige Seligkeit hin öffnen, darauf hinweisen, dass dieser Mensch für die Ewigkeit geschaffen wurde und in die Ewigkeit eingehen wird. Das Diesseits ist für ihn eine Herberge und ein Wartesaal für das Jenseits...

Zwölfte Wahrheit:

Sie ist das Tor des Prophetentums und der Offenbarung, durch das sich "Bismillahi r-Rahmani r-Rahim(Im Namen Allahs, des Erbarmers, des Barmherzigen)" manifestiert.

Ja, wäre es denn überhaupt möglich, dass Wahnideen und Täuschungen, in denen sich kaum die Kraft eines Mückenflügels befindet, in der Lage wären, den Weg ins Jenseits und das Tor zum Paradies zu versperren, das der Ehrwürdige Gesandte (Gottes), mit dem Friede und Segen sei, so entschieden mit ganzer Macht geöffnet hat, gestützt auf die Kraft der tausend Wunder, die er gewirkt hat, gestützt auf tausende maßgeblicher Verse (ayat)des Weisen Qur'an, der selbst wiederum in vierzigfacher Hinsicht ein Wunder ist. Sein Wort wird bekräftigt durch alle Propheten (enbiya),die sich auch wieder auf ihre Wunder stützen. Sein Ruf (da'va)wird bestätigt durch alle Heiligen (auliya),die sich ihrerseits wieder auf Erkenntnisse und Wundergaben stützen. Seine Wahrhaftigkeit wird bezeugt durch alle die weitblickenden und klarsichtigen Wissenschaftler (asfiya),die sich auf ihre Forschungen stützen... Aufgrund der oben aufgeführten Wahrheiten ist es nun offensichtlich geworden, dass die Wiederversammlung eine so fest verwurzelte Wahrheit ist, dass noch nicht einmal eine Kraft, die im Stande wäre, den Globus aus den Angeln zu heben, zu zerstören und fortzuschleudern, diese Wahrheit erschüttern könnte. Denn diese Wahrheit hat Gott der Gerechte selbst fest verankert, wie es alle Seine Namen und Eigenschaften beweisen. Der Ehrwürdige Prophet bestätigt sie mit allen seinen Wundern und Zeugnissen.

Der Weise Qur'an beweist sie mit seiner ganzen Wahrheit und in all seinen Versen. Das Weltall bezeugt sie mit all den Zeichen (ayat)seiner Natur und in der Weisheit all dessen, was darinnen geschieht.

Ja, wäre es denn überhaupt möglich, dass der Notwendig-Seiende (Vadjibu l-Vudjud)in der Frage der Wiederversammlung mit all dem, was da ist, nicht übereinstimmen sollte (die Ungläubigen davon ausgenommen) und Zweifel, die nicht die Kraft eines Haares besitzen, satanische Einflüsterungen, diese bergesgleich feste und hohe Wahrheit erschüttern und von der Stelle heben sollte? Nein, keineswegs!... Nun darf man aber keineswegs annehmen, dass die Beweise für die Wiederversammlung auf die besprochenen zwölf Wahrheiten beschränkt sind. Keineswegs, vielmehr weist uns allein der Weise Qur'an noch auf tausend weitere Aspekte gleich den oben erwähnten zwölf Wahrheiten hin, über die er uns bereits unterrichtet hat. Jeder von diesen Aspekten ist ein starker Hinweis dafür, dass unser Schöpfer uns aus dieser vergänglichen Heimstatt in eine bleibende Heimstatt versetzen wird.

Man darf auch keineswegs annehmen, dass es sich bei den göttlichen Namen, welche eine Wiederversammlung erheischen, lediglich um diejenigen handelt, welche wir besprochen haben (Hakiem, Kerim, Rahim, Adil, Hafiz).Keineswegs, vielmehr erfordern alle Göttlichen Namen, die sich bei der Lenkung und Leitung des Alls manifestieren, ein Jenseits, ja, erzwingen es geradezu.

Und weiter darf man auch nicht annehmen, dass die Wunderzeichen (ayat)in der Natur auf dieser Welt beschränkt sind, auf diejenigen, welche wir bereits besprochen haben. Keineswegs, vielmehr können wir in Allem Sein meistenteils Ansichten und Eigenschaften betrachten, die sich wie zwei Vorhänge nach rechts und links öffnen. Es (das Sein) legt einerseits ein Zeugnis für seinen Baumeister ab und ist andererseits ein Hinweis auf die Wiederversammlung.

Zum Beispiel:

Der Mensch weist in all der Schönheit seiner Erschaffung und dem

hohen Wert, den er in ihr hat, auf seinen Meister hin, während zu gleicher Zeit die Tatsache, dass er bei all der Vielseitigkeit seiner Fähigkeiten und dem hohen Wert, den er verkörpert, dennoch in kurzer Zeit wieder verfällt, auf seine Wiederversammlung verweist. Betrachtet man zuweilen einen Aspekt hinsichtlich zweier verschiedener Gesichtspunkte, so verweisen diese sowohl auf den Meister als auch auf die Wiederversammlung. Betrachtet man zum Beispiel die weisheitsvolle Ordnung, die gnadenvolle Ausschmückung, die rechtliche Ausgewogenheit, das erbarmungsvolle Entgegenkommen, welches in dem Wesen der meisten Dinge sichtbar wird, so erkennt man, dass sie aus der Hand der Macht des Meisters hervorgehen, dessen Name "Hakiem, Kerim, Adil, Rahim" ist.

Des Weiteren tut sich vor uns das Jenseits auf, betrachtet man wie unbedeutend und kurzlebig das vergängliche Dasein als Manifestation der Namen von Unendlichkeit und Macht ist. Jedes Ding verkündet in seiner Art unausgesprochen:

آمَنْتُ بِاللَّهِ وَ بِالْيَوْمِ اْلاَخِرِ

{"Ich glaube an Gott und den Jüngsten Tag."}

und dies lässt sich aus jedem Ding herauslesen.

Erster Teil des Anhangs

Nachwort

Die vorausgehend behandelten zwölf Wahrheiten bestätigen einander, ergänzen einander, bekräftigen einander. Sie alle vereinigen sich miteinander und führen zu ein und demselben Ergebnis. Gibt es etwa eine wahnwitzige Vorstellung, die dazu in der Lage wäre, diese zwölf festen Mauern, hart wie Eisen, ja, sogar hart wie Diamant, zu durchbrechen oder zu durchschreiten? so, dass der Glaube an die Wiederversammlung in seiner sicheren Kasematte erschüttert werden könnte?

Die ehrwürdige Ayah: مَا خَلْقُكُمْ وَ لاَ بَعْثُكُمْ اِلاَّ كَنَفْسٍ وَاحِدَةٍ {"Euer aller Erschaffung und Wiederversammlung ist nur wie die einer einzelnen Seele." (Sure 31, 28)} bringt zum Ausdruck, dass die Erschaffung und Wiederversammlung aller Menschen für die Göttliche Macht ebenso leicht ist, wie die Erschaffung und Wiederversammlung (aller Quantitäten und Qualitäten) eines einzelnen Menschen. Und so ist es tatsächlich. In einer Abhandlung über die Wiederversammlung, "Nokta"(der Punkt) genannt, habe ich die Wahrheit, die in dieser Ayah zum Ausdruck gebracht wird, ausführlich beschrieben. Darauf wollen wir hier in einigen Parabeln nur kurz zusammenfassend hinweisen. Wer will, mag darin nachschlagen.

Zum Beispiel:

وَلِلَّهِ الْمَثَلُ اْلأَعْلَىٰ

{"Bei Gott sind die erhabensten Gleichnisse." (Sure 16, 60)}

Wenn wir einmal davon ausgehen, die Sonne könne die tiefe Wahrheit ihrer Lichtausstrahlung nach eigenem freien Willen offenbaren, dann könnte sie sich mit Leichtigkeit einem jeden Stäubchen offenbaren und sich mit der gleichen Leichtigkeit den unendlich vielen glänzenden Gegenständen zuwenden.

Ebenso gilt die tiefe Wahrheit von der Spiegelung der Sonnenstrahlung für ein winzig kleines Stäubchen Glas in gleicher Weise wie für das weite Antlitz des Meeresspiegels.

Ebenso gilt die tiefe Wahrheit von der Ordnung, für den Finger eines Kindes, das ein Spielzeugschiff lenkt, in gleicher Weise wie für die Steuerung eines riesigen Schlachtschiffes.

Ebenso gilt die tiefe Wahrheit von dem Gehorsam gegenüber einem Marschbefehl in gleicher Weise für einen einzelnen Soldaten, den ein Kommando in Bewegung setzt, wie für ein riesiges Heer, welches sich auf das gleiche Kommando hin in Bewegung setzt.

Ebenso gilt die tiefe Wahrheit vom Gleichgewicht auch für eine Waage, die wir uns im All vorstellen, und die gleichzeitig so hoch empfindlich und so riesig groß sein soll, dass sie schon auf zwei Nüsse reagiert, die man in ihre Schalen legt, als auch zwei Sonnen in ihnen Platz finden, sie zu wiegen. Die gleiche Kraft, welche die eine von den beiden Nüssen, die sich in den zwei Schalen befinden, zu den Wolken empor, die andere zum Boden hin bewegt, ließe auch von zwei Sonnen, wenn sie sich darin befänden, die eine zum Himmel emporsteigen, die andere aber zur Erde hinabsinken.

Also gilt die tiefe Wahrheit von der Lichtausstrahlung, der Spiegelung, der Ordnung, dem Gehorsam und dem Gleichgewicht in dieser gewöhnlichen, unvollkommenen und vergänglichen Welt sowohl für die größten Dinge als auch in gleicher Weise für die kleinsten. Unendlich viele und zahlreiche Dinge sind als einem einzigen Ding gleich anzusehen. Die Kraft des Allmächtigen in ihrer Ursprünglichkeit und Grenzenlosigkeit und in ihrer unendlichen Vollkommenheit offenbart sich in ihrer lichtvollen Strahlung, das innere Antlitz der Dinge in ihrer Spiegelhaftigkeit, {Das ist, die in ihnen enthaltene tiefe Wahrheit (sirr), Spiegel des Allmächtigen zu sein. (A.d.Ü.)} Wissen und Weisheit in der Ordnung, die vollkommene

Unterwerfung der Dinge in den Naturgesetzen, die Ausgewogenheit innerhalb der Möglichkeiten in der Gleichberechtigung der Fähigkeit, zu sein oder nicht zu sein. Wie aufgrund dieser tiefen Weisheit viel oder wenig, groß oder klein einander gleich sind, so vermag Er auch alle Menschen (in all ihren Quantitäten und Qualitäten) auf einen Posaunenstoß hin gleich einem einzigen Menschen zusammenzurufen.

Des Weiteren kommen die verschiedenen Stufen der Stärke und der Schwäche in einem Ding durch die Einwirkung der Gegensätze in diesem Ding zu Stande. So entstehen zum Beispiel die verschiedenen Hitzegrade unter der Einwirkung der Kälte. Die verschiedenen Abstufungen von Schönheit entstehen unter der Einwirkung von Hässlichkeit. Die Stufen des Lichtes entstehen unter der Einwirkung der Finsternis. Wenn aber ein Ding essentiell und nicht akzidentiell ist, so können in ihm keine Gegensätze auftreten, denn dann müssten ja die Gegensätze gleichzeitig auftreten. Das aber ist unmöglich. Das heißt also, dass es in einem ursprünglichen und essentiellen Ding keine Abstufungen geben kann.

Nun aber ist die Kraft des Allmächtigen eine essentielle. Sie ist nicht akzidentiell wie in der Welt der Möglichkeiten, sondern vollendete Vollkommenheit. Was aber die Schwäche betrifft, welche ihr Gegenteil darstellt, so ist es unmöglich, dass sie darauf einwirken kann. Das heißt also, dass für den Herrn in Seiner Majestät die Erschaffung des Frühlings genauso leicht ist, wie die einer einzelnen Blume. Wollte man sie aber den Ursachen zuschreiben, dann würde die Erschaffung einer Blume genauso schwierig werden wie die des Frühlings. So ist es also genauso leicht, die ganze Menschheit wieder aufzuerwecken und zu versammeln, wie eine einzelne Seele ins Leben zurückzurufen.

Unsere Erklärungen, welche wir von Anfang an bis hierher über die Frage um die Wiederversammlung in unseren Bildern und Wahrheiten in Form von Gleichnissen dargelegt haben, beruhen auf dem Segen des weisen

Qur'an. Sie bereiten die Seele darauf vor, sich zu unterwerfen und das Herz darauf, anzunehmen. Das Grundwort aber gebührt dem Qur'an. Denn er ist das Wort, und das Wort gehört ihm. Hören wir also:

فَلِلَّهِ اْلحُجَّةُ الْبَالِغَةُ ٭ فَانْظُرْ اِلَى آثَارِ رَحْمَةِ اللّهِ كَيْفَ يُحْيِى اْلاَرْضَ بَعْدَ مَوْتِهَا اِنَّ ذلِكَ َلمُحْيِى اْلمَوْتَى وَهُوَ عَلَى كُلِّ شَيْءٍ قَدِيرٌ ٭ قَالَ مَنْ يُحْيِى اْلعِظَامَ وَهِىَ رَمِيمٌ ٭ قُلْ يُحْيِيهَا الّذِى اَنْشَاَهَا اَوَّلَ مَرَّةٍ وَهُوَ بِكُلِّ خَلْقٍ عَلِيمٌ ٭ يَآ اَيُّهَا النَّاسُ اتَّقُوا رَبَّكُمْ اِنَّ زَلْزَلَةَ السَّاعَةِ شَيْءٌ عَظِيمٌ ٭ يَوْمَ تَرَوْنَهَا تَذْهَلُ كُلُّ مُرْضِعَةٍ عَمَّا اَرْضَعَتْ وَتَضَعُ كُلُّ ذَاتِ حَمْلٍ حَمْلَهَا وَتَرَى النَّاسَ سُكَارَى وَمَا هُمْ بِسُكَارَى وَلكِنَّ عَذَابَ اللّهِ شَدِيدٌ ٭ اَللّهُ لآَ اِلهَ اِلاَّ هُوَ لَيَجْمَعَنَّكُمْ اِلَى يَوْمِ الْقِيَامَةِ لاَ رَيْبَ فِيهِ وَمَنْ اَصْدَقُ مِنَ اللَّهِ حَدِيثًا ٭ اِنَّ اْلاَبْرَارِ لَفِى نَعِيمٍ ٭ وَاِنَّ الْفُجَّارَ لَفِى جَحِيمٍ ٭ اِذَا زُلْزِلَتِ اْلاَرْضُ زِلْزَالَهَا ٭ وَاَخْرَجَتِ اْلاَرْضُ اَثْقَالَهَا ٭ وَ قَالَ اْلاِنْسَانُ مَالَهَا ٭ يَوْمَئِذٍ تُحَدِّثُ اَخْبَارَهَا ٭ بِاَنَّ رَبَّكَ اَوْحَى لَهَا ٭ يَوْمَئِذٍ يَصْدُرُ النَّاسُ اَشْتَاتًا ٭ لِيُرَوْا اَعْمَالَهُمْ ٭ فَمَنْ يَعْمَلْ مِثْقَالَ ذَرّةٍ خَيْرًا يَرَهُ ٭ وَمَنْ يَعْمَلْ مِثْقَالَ ذَرَّةٍ شَرًّا يَرَهُ ٭ اَلْقَارِعَةُ ٭ مَا الْقَارِعَةُ ٭ وَمَآ اَدْرَيكَ مَا الْقَارِعَةُ ٭ يَوْمَ يَكُونُ النَّاسُ كَالْفَرَاشِ الْمَبْثُوثِ ٭ وَ تَكُونُ الْجِبَالُ كَالْعِهْنِ الْمَنْفُوشِ ٭ فَاَمَّا مَنْ ثَقُلَتْ مَوَازِينُهُ فَهُوَ فِى عِيشَةٍ رَاضِيَةٍ ٭ وَ اَمَّا مَنْ خَفَّتْ مَوَازِينُهُ فَامُّهُ هَاوِيَةٌ ٭ وَمَا اَدْرَيكَ مَاهِيَهْ ٭ نَارٌ حَامِيَةٌ ٭ وَلِلّهِ غَيْبُ السَّموَاتِ وَاْلاَرْضِ ٭ وَمَا اَمْرُ السَّاعَةِ اِلاَّ كَلَمْحِ الْبَصَرِ اَوْ هُوَ اَقْرَبُ ٭ اِنَّ اللّهَ عَلَى كُلِّ شَيْءٍ قَدِيرٌ

{"Siehe die Male der Barmherzigkeit Allahs: wie Er die Erde nach ihrem Tode wieder lebendig macht! Fürwahr, Er ist es, der die Toten wieder belebt und Er hat Macht über alle Dinge." (Sure 30, 49) "Es sagt (der Mensch): Wer belebt die Gebeine wieder, wenn sie vermodert sind? Sprich: Leben wird ihnen der geben, welcher sie zum ersten Mal er schuf, denn Er weiß um jegliche Schöpfung." (Sure 36, 78-79) "Oh ihr Menschen, fürchtet euren Herrn! Siehe das Erdbeben der ,Stunde' ist eine gewaltige Sache. An diesem Tage werdet ihr sehen, wie jede Stillende ihres Säuglings vergessen und jede Schwangere ihre Last ablegen wird. Und du wirst die Menschen wie trunkene sehen, obwohl sie nicht trunken sind. Fürwahr: Allah ist streng im Bestrafen!" (Sure 22, 1-2) "Allah! Es gibt keinen Gott außer Ihm. Wahrlich, Er wird auch versammeln zum Tag der Auferstehung! Kein Zweifel ist daran; und wessen Wort ist zuverlässiger als Allahs?" (Sure 4, 87) "Siehe, die Rechtschaffenen, wahrlich, im Wonne und die Sünder in der Hölle."(Sure 82, 13-14) "Wenn die Erde erbebt und wenn die Erde wieder herausgibt, was sie belastet und der Mensch fragt: "Was ist mit ihr?", an jenem Tage wird sie ihre Kunde geben, weil dein Herr es ihr so eingegeben hat. An jenem Tage werden die Menschen in Scharen hervorkommen, um ihre Werke zu schauen und wer auch nur um eines Dattelkernhäutchens Gutes getan hat, wird es sehen. Und wer auch nur um das Gewicht eines Staubkorns Böses getan hat, wird es sehen." (Sure 99) "Die Klopfende! Aber was ist das: die Klopfende? Und was lehrt dich erfahren, was die Klopfende ist? An jenem Tage werden die Menschen wie die Motten umherflattern und die Berge werden zerflockter Wolle gleich sein. Wessen Waagschale dann schwer sein wird, der wird im seligen Leben sein. Wessen Waagschale aber leicht sein wird, dem wird die Grube zur Mutter werden. Und was lehrt dich erfahren, was das ist? Es ist ein heiß-loderndes Feuer!" (Sure 101) "Und bei Allah ist das Verborgene der Himmel und der Erde. Doch der Auftrag der Stunde ist wie ein Augenzwinkern oder noch weniger. Denn Allah ist aller Dinge mächtig. " (Sure 16, 77)}

Hören wir noch andere klare Verse des Qur'an und sagen wir:

آمَنْتُ بِاللَّهِ وَ مَلَـٰٓئِكَتِهِ وَ كُتُبِهِ وَ رُسُلِهِ وَ الْيَوْمِ اْلاَخِرِ وَ بِالْقَدَرِ خَيْرِهِ وَ شَرِّهِ مِنَ اللَّهِ تَعَالَى وَ الْبَعْثُ بَعْدَ الْمَوْتِ حَقٌّ وَ اَنَّ الْجَنَّةَ حَقٌّ وَ النَّارَ حَقٌّ وَ اَنَّ الشَّفَاعَةَ حَقٌّ وَ اَنَّ مُنْكَرًا وَ نَكِيرًا حَقٌّ وَ اَنَّ اللَّهَ يَبْعَثُ مَنْ فِى الْقُبُورِ ٭ اَشْهَدُ اَنْ لآَ اِلهَ اِلاَّ اللَّهُ وَ اَشْهَدُ اَنَّ مُحَمَّدًا رَسُولُ اللَّهِ ٭ اَللّهُمَّ صَلِّ عَلَى اَلْطَفِ وَ اَشْرَفِ وَ اَكْمَلِ وَ اَجْمَلِ ثَمَرَاتِ طُوبَآءِ رَحْمَتِكَ الَّذِى اَرْسَلْتَهُ رَحْمَةً لِلْعَالَمِينَ وَ وَسِيلَةً لِوُصُولِنَا اِلَى اَزْيَنِ وَ اَحْسَنِ وَ اَجْلَى وَ اَعْلَى ثَمَرَاتِ تِلْكَ طُوبَآءِ الْمُتَدَلِّيَةِ عَلَى دَارِ اْلاَخِرَةِ آىِ الْجَنَّةِ ٭ اَللَّهُمَّ اَجِرْنَا وَ اَجِرْ وَالِدَيْنَا مِنَ النَّارِ وَ اَدْخِلْنَا وَ اَدْخِلْ وَالِدَيْنَا الْجَنَّةَ مَعَ اْلاَبْرَارِ بِجَاهِ نَبِيِّكَ الْمُخْتَارِ آمِينَ

{"Wir glauben es und stimmen dem zu... Ich glaube an Allah und Seine Engel und Seine Bücher und Seine Gesandten und an den Jüngsten Tag und die Macht (qader) des Guten und des Bösen von Allah dem Erhabenen und daran, dass die Wiederversammlung nach dem Tode wahr ist, dass das Paradies wahr ist, dass das Feuer wahr ist, dass die Fürsprache wahr ist, dass es wahrhaftig Munker und Nekir (die Grabesengel) gibt, dass Allah wiederversammeln wird, die in den Gräbern sind. Ich bezeuge, dass es keinen Gott gibt außer Allah und ich bezeuge, dass Mohammed der Gesandte Allahs ist. Oh Allah, segne die willkommenste, edelste, vollkommenste, schönste Frucht am Tuba-Baum mit dem Erbarmen, mit dem Du ihn gesandt hast als eine Barmherzigkeit für alle Welten, als ein Fahrzeug, damit wir unser Ziel erreichen, die schönste, beste, reinste und erhabenste Frucht dieses Tuba-Baumes, dessen Äste über dem Jenseits und über dem Paradies ausgebreitet sind. Oh Allah bewahre uns und unsere Eltern vor dem Feuer, führe uns und unsere Eltern mit den Gerechten (ebrar) in das Paradies, auf die Fürsprache deines Propheten, den Du Dir erwählt hast. Amen."}

Oh mein Bruder, der du diese Lehre mit innerer Anteilnahme studierst! Sage nicht: "Warum kann ich dieses "Zehnte Wort" nicht sogleich vollkommen verstehen?" Sei deswegen nicht bedrückt! Denn sogar Ibn-i Sina (Avicenna), einer der Großen im Reich des Geistes und der Weisheit, sagte:

اَلْحَشْرُ لَيْسَ عَلَى مَقَايِيسَ عَقْلِيَّةٍ

{"Die Wiederversammlung ist nicht mit dem Verstand zu ermessen."}

"Wir glauben daran. Aber der Verstand kann uns auf diesem Wege nicht weiterhelfen," so urteilte er. Ähnlich urteilten alle islamischen Gelehrten übereinstimmend: "Die Wiederversammlung ist eine Frage der Offenbarung. Die Offenbarung ist der Beweis dafür. Mit dem Verstand kann man sich ihr nicht nähern." Aus diesem Grund kann natürlich eine so tiefschürfende Frage, ein solcher Saumpfad des Geistes nicht plötzlich zur öffentlichen Straße der Vernunft werden. In einer Zeit zerbrochener Traditionen und einer zerstörten religiösen Hingabe (teslim)müssen wir tausendmal dafür Dank sagen, dass der Schöpfer uns mit dem Segen (feyz)des Weisen Qur'an und nach der Überfülle Seiner Erbarmungen begnadet (ihsan)und uns diesen Weg gleich einer Klamm oder einem Saumpfad geebnet hat. Denn dadurch hat Er uns in unserem Glauben Rettung und Befriedigung gebracht. Zufrieden

mit der Menge des Verstandenen müssen wir uns darum bemühen, diese Menge durch wiederholtes Studium zu vergrößern. Ein Grund dafür, dass es unmöglich ist, die Wiederversammlung mit dem Verstand zu erfassen, liegt darin, dass die Gewaltige Versammlung (Hashr-i A'zam)eine Manifestation des Gewaltigen Namens (Ism-i A'zam)ist. Die gewaltigen Taten Gottes des Gerechten werden durch die Manifestation Seines Gewaltigen Namens und all Seiner Namen auf deren höchsten Stufe offenbart. Die Gewaltige Versammlung kann nur der ebenso leicht wie den Frühling beweisen und auch andere dahin führen, mit der gleichen Sicherheit, Gewissheit und Überzeugung an sie zu glauben, der diese gewaltigen Taten (Gottes) selbst gesehen hat und sie auch anderen zu zeigen vermag. In diesem "Zehnten Wort" sieht man dies mit dem Segen (feyz)des Qur'an und so wird es auch gezeigt. Anderenfalls wäre die Vernunft nicht dazu in der Lage, bliebe sie ihren eigenen engen und beschränkten Grundsätzen überlassen, und wäre zu einer bloßen Übernahme gezwungen...

Erster Teil eines Briefes zum "Zehnten Wort" - ein wichtiger Anhang.

بِسْمِ اللّٰهِ الرَّحْمَنِ الرَّحِيمِ ٭ فَسُبْحَانَ اللّٰهِ حِينَ تُمْسُونَ وَحِينَ تُصْبِحُونَ ٭ وَلَهُ الْحَمْدُ فِى السَّمٰوَاتِ وَاْلأَرْضِ وَعَشِيًّا وَحِينَ تُظْهِرُونَ ٭ يُخْرِجُ الْحَىَّ مِنَ الْمَيِّتِ وَيُخْرِجُ الْمَيِّتَ مِنَ الْحَىِّ وَيُحْيِى اْلأَرْضَ بَعْدَ مَوْتِهَا وَكَذٰلِكَ تُخْرَجُونَ ٭ وَمِنْ اٰيَاتِهِٓ أَنْ خَلَقَكُمْ مِنْ تُرَابٍ ثُمَّ اِذَآ أَنْتُمْ بَشَرٌ تَنْتَشِرُونَ ٭ وَمِنْ اٰيَاتِهِٓ أَنْ خَلَقَ لَكُمْ مِنْ أَنْفُسِكُمْ أَزْوَاجًا لِتَسْكُنُوٓا إِلَيْهَا وَجَعَلَ بَيْنَكُمْ مَوَدَّةً وَرَحْمَةً إِنَّ فِى ذٰلِكَ َلاٰيَاتٍ لِقَوْمٍ يَتَفَكَّرُونَ ٭ وَمِنْ اٰيَاتِهِ خَلْقُ السَّمٰوَاتِ وَاْلاَرْضِ وَاخْتِلاَفُ أَلْسِنَتِكُمْ وَأَلْوَانِكُمْ اِنَّ فِى ذٰلِكَ َلاٰيَاتٍ لِلْعَالِمِينَ ٭ وَمِنْ اٰيَاتِهِ مَنَامُكُمْ بِالَّيْلِ وَالنَّهَارِ وَابْتِغَآؤُكُمْ مِنْ فَضْلِهِ اِنَّ فِى ذٰلِكَ َلاٰيَاتٍ لِقَوْمٍ يَسْمَعُونَ ٭ وَمِنْ اٰيَاتِهِ يُرِيكُمُ الْبَرْقَ خَوْفًا وَطَمَعًا وَيُنَزِّلُ مِنَ السَّمَآءِ مَآءً فَيُحْيِى بِهِ اْلأَرْضَ بَعْدَ مَوْتِهَا اِنَّ فِى ذٰلِكَ َلاٰيَاتٍ لِقَوْمٍ يَعْقِلُونَ ٭ وَمِنْ اٰيَاتِهِٓ اَنْ تَقُومَ السَّمَآءُ وَاْلأَرْضُ بِأَمْرِهِ ثُمَّ اِذَا دَعَاكُمْ دَعْوَةً مِنَ اْلأَرْضِ اِذَآ أَنْتُمْ تَخْرُجُونَ ٭ وَلَهُ مَنْ فِى السَّمٰوَاتِ وَاْلأَرْضِ كُلٌّ لَهُ قَانِتُونَ ٭ وَهُوَ الَّذِى يَبْدَؤُا الْخَلْقَ ثُمَّ يُعِيدُهُ وَهُوَ أَهْوَنُ عَلَيْهِ وَلَهُ الْمَثَلُ اْلأَعْلٰى فِى السَّمٰوَاتِ وَاْلأَرْضِ وَهُوَ الْعَزِيزُ الْحَكِيمُ

{"Im Namen Allahs, des Erbarmers, des Barmherzigen; Lob, Preis und Dank sei Allah, wenn es für Euch Abendzeit und Morgenzeit geworden ist und Lob Ihm in den Himmeln und auf Erden zur Mittagsstunde und wenn der Tag sich neigt. Er bringt das Lebendige aus dem Toten hervor und lässt das Tote entstehen aus dem Lebendigen. Er schenkt der Erde wieder das Leben nach ihrem Tode und so werdet auch Ihr wieder hervorgerufen werden. Und zu Seinen Zeichen gehört es, dass Er Euch aus dem Staube erschaffen hat. Siehe da wurdet Ihr zu Menschen, die sich ausbreiteten! Und zu Seinen Zeichen (ayat) gehört es, dass Er für Euch Gefährten erschaffen hat aus Euch selbst, dass Ihr ihnen beiwohnet. Und Er hat Liebe und Erbarmen unter Euch gesetzt. Wahrlich, darin finden sich ja Zeichen für solche, die nachdenken. Und zu Seinen Zeichen gehört die Erschaffung der Himmel und der Erde und die Verschiedenartigkeit Eurer Zungen (: Sprachen) und (Haut)farben. Wahrlich darin finden sich ja Zeichen für die Wissenden. Und zu Seinen Zeichen gehört Euer Schlaf in der Nacht und am Tage und Euer Trachten nach Seiner Huld (fadl). Wahrlich, darin finden sich ja Zeichen für solche, die hören. Und zu Seinen Zeichen gehört es, dass Er Euch den Blitz zeigt zur Furcht und zur Hoffnung und Wasser herabsendet vom Himmel und damit die Erde vom Tode erweckt. Wahrlich, darin finden sich ja Zeichen für Leute von Verstand. Und zu Seinen Zeichen gehört es, dass Himmel und Erde fest stehen auf Sein Geheiß. Wenn Er Euch dann wieder aus der Erde hervorruft, so ersteht Ihr neu. Sein ist, was in den Himmeln und auf Erden ist und alles gehorcht Ihm. Er ist es, der die Schöpfung hervorbringt und sie sodann wieder erneuert, was für Ihn leichter ist. Und bei Ihm ist das höchste Gleichnis in den Himmeln und auf der Erde und Er ist der Mächtige, der Weise." (Sure 30, 17-27)}

In dem nun folgenden "Neunten Strahl" (Shu'a)wird ein besonders wichtiger Punkt dieser großen himmlischen Ayat erklärt, die einen Pol des Glaubens darstellen und eines von den gewaltigen Zeugnissen für die Wiederversammlung erläutern. Es war ein feinsinniges Gnadengeschenk des Herrn, als der Alte Said vor dreißig Jahren sein Werk mit dem Titel "Urteile" (Muhakemat)als Einführung zu seinem Kommentar beendete. Damals schrieb er:

Zweite Abhandlung.

Hier werden zwei Verse über die Wiederversammlung aus dem Qur'an kommentiert und erklärt.

نَخُو بِسْمِ اللَّهِ الرَّحْمَنِ الرَّحِيمِ

{"Im Namen Allahs, des Erbarmers, des Barmherzigen."}

Hier wurde er aber unterbrochen und konnte nicht mehr weiterschreiben. Lobpreis und Dank sei meinem Barmherzigen Schöpfer so viele Male wie es Beweise und Zeichen der Wiederversammlung gibt, dafür dass Er dreißig Jahre später in Seiner Güte (ihsan)den Erfolg gewährt hat.

Tatsächlich verlieh Er vor zehn Jahren durch diese eine von den beiden Ayat:

فَانْظُرْ اِلَى اَثَارِ رَحْمَةِ اللَّهِ كَيْفَ يُحْيِى اْلاَرْضَ بَعْدَ مَوْتِهَا اِنَّ ذَلِكَ َلمُحْيِى اْلمَوْتَى وَهُوَ عَلَى كُلِّ شَيْءٍ قَدِيرٌ

{"Siehe die Male der Barmherzigkeit Allahs wie Er die Erde nach ihrem Tode wieder lebendig macht. Für wahr Er ist es, der die Toten wieder belebt und Er hat Macht über alle Dinge." (Sure 30, 50)}

das Zehnte als dem einen und das Neunundzwanzigste Wort, als einen weiteren glänzenden und sehr starken Beweis und Kommentar zu diesem göttlichen Erlass. Sie haben die Leugner zum Schweigen gebracht. Er hat in dieser Abhandlung (Risale)den Kommentar zu den oben erwähnten großen Versen, die gleich zwei uneinnehmbaren Festungen des Glaubens an die Wiederversammlung sind, neun, zehn Jahre später zum Geschenk gemacht. So besteht also der folgende Neunte Strahl aus "neun erhabenen Stufen", auf die mit den oben erwähnten berühmten Versen hingewiesen wurde und einer bedeutsamen Einführung dazu.

Einführung

Zwei Punkte, mit denen die lebenswichtigen Folgen und sehr viel geistiger Nutzen des Glaubens an die Wiederversammlung zu einem einzigen Ergebnis zusammengefasst, und in denen aufgezeigt wird, in welchem Grade dieser Glaube für das menschliche Leben und besonders für das Gemeinschaftsleben erforderlich, ja, sogar zwingend notwendig ist, und in denen der Glaube an die Wiederversammlung mit einem einzigen universellen bündigen Zeugnis unter vielen Zeugnissen dargestellt, und gleichzeitig zum Ausdruck gebracht wird, in welchem Grade der Glaube an die Wiederversammlung offensichtlich und ganz ohne allen Zweifel ist.

Erster Punkt:

Für das Dogma von der Auferstehung, welches das Grundprinzip des sozialen wie des individuellen Lebens ist und die Grundlage zur Glückseligkeit und zur Vervollkommnung des Menschen, wollen wir hier unter hunderten von Beweisen lediglich vier Beispiele anführen:

Erster Beweis:

Kinder, welche etwa die Hälfte der Menschheit ausmachen, können nur im Gedanken an das Paradies den Tod und die Trennung ertragen, die ihnen Furcht und Schrecken einjagt, sodass sie weinen. Nur so können sie in ihrer Empfindsamkeit und vergleichsweise Schwäche die geistige Kraft für ihr Dasein aufbringen und bei ihrer so wenig widerstandsfähigen Gemütsverfassung, wo sie doch so leicht zum Weinen neigen, mit der Hoffnung auf das Paradies in Freude leben. Zum Beispiel sagt ein Kind im Gedanken an das Paradies: "Mein kleiner Bruder oder Freund ist gestorben. Nun ist er ein Vogel im Paradies geworden. Dort hat er es nun gut. Er fliegt im Paradies umher und lebt jetzt noch schöner als wir."

Wäre das nicht so, fielen diesen hilflosen, schwachen und ängstlichen Kindern die Toten ins Auge, Große und auch Kleine in ihrem Alter, die immer und überall ringsum sie gestorben sind, vernichteten ganz und gar die Kraft ihres Widerstandes und die Stärke ihrer Seele, brächten

nicht nur ihre Augen, nein, Herz, Sinn und Verstand, ihr ganzes Gemüt zum Weinen, zerstörten es gar, und die Kinder würden so verstörten, unglückseligen Tieren gleich.

Zweiter Beweis:

Die Alten aber, welche die andere Hälfte der Menschheit ausmachen, können sich nur mit dem Jenseits über die Nähe ihres Grabes hinwegtrösten. Nur so können sie sich in Anbetracht ihres eigenen Lebens im Besonderen, mit dem sie eng verbunden sind, und das doch so bald erlöschen wird, und das in Anbetracht dieses schönen Lebens allgemein, zu dem sich so bald die Türe schließen wird, noch weiter aufrecht erhalten. In ihrem Geist und Gemüt, das dem der Kinder ähnelt, können sie dem Schmerz und der Hoffnungslosigkeit, die aus dem Tod und Verfall erwächst, nur die Hoffnung auf ein bleibendes Leben entgegensetzen. Sonst würden alle diese sorgenvollen Väter und Mütter, würdig der Liebe (shefqat)und Verehrung, und bedürftig der Ruhe für ihre Seelen und des Friedens für ihre Herzen, ein solches Weh des Geistes und eine derartige Verwirrung des Herzens erleiden, dass ihnen die Welt wie ein finsterer Kerker und das Leben einer peinvollen Strafe gleich wäre.

Dritter Beweis:

Die jungen Leute, welche die Ausgangsbasis des menschlichen Gesellschaftslebens bilden, diese Jugendlichen in ihrer doch so heißblütigen Art, im Überschwang ihrer Gefühle und Leidenschaften, können sich nicht anders vor Ausschreitungen, Gewalttätigkeiten und Zerstörung zurückhalten und einen angenehmen Ablauf des gesellschaftlichen Lebens sicherstellen als nur in dem Gedanken an die Hölle. Anderenfalls, wenn die Furcht vor der Hölle nicht wäre, würden diese jungen Menschen in ihrem Rausch nach dem Motto: "Das Recht ist auf Seiten des Stärkeren" den Hilflosen, Schwachen und Armen je nach Lust und Laune das Leben zur Hölle machen, und die hohe Menschlichkeit in eine ganz gemeine Bestialität umwandeln.

Vierter Beweis:

Im irdischen Leben des Menschengeschlechtes ist der universale Mittelpunkt, der Lebensnerv,

ein Paradies irdischer Glückseligkeit, ein Zufluchtsort und eine Burg das Familienleben, das Zuhause ist für jedermann seine kleine Welt. Was aber in dieses Zuhause und sein Familienleben Leben und Glück hineinbringt, ist nur in inniger, ernster und treuer Verehrung, in aufrechtem, liebevollem und opferbereitem Mitleid möglich, und diese wahrhaftige Verehrung, das herzliche Erbarmen kann nur in dem Gedanken und auf dem Glaubensgrundsatz einer ewigen Freundschaft und einer ewigen Partnerschaft und einem immerwährenden Beieinandersein möglich sein in der Idee, sich für eine grenzenlose Zeit und ein unbegrenztes Leben in väterlicher, kindlicher, brüderlicher und freundschaftlicher Verbundenheit zusammenzufinden. So sagt ein Menschzum Beispiel:

"Diese meine Frau wird in einer ewigen Welt, einem ewigen Leben meine immerwährende Gefährtin sein. Es macht nichts, wenn sie jetzt alt und hässlich geworden ist. Denn ihr ist eine ewige Schönheit zu Eigen, die wiederkehren wird. Und ich bin dazu bereit, für eine solch immerwährende Kameradschaft jedes Opfer zu bringen und ihr Barmherzigkeit zu erweisen."

So kann er seiner altgewordenen Frau mit der gleichen Liebe (muhabbet),Zärtlichkeit (shefqat)und Barmherzigkeit begegnen, wie einer Paradiesesjungfrau (huri).Anderenfalls würde eine Kameradschaft, die nach einem kurzen, ein-, zweistündigen, äußerlichen Beisammensein durch einen Abschied und eine Trennung auf ewig wieder gelöst wird, sicherlich nur eine Art von sehr oberflächlicher und nur vorübergehender emotionaler Bindung ohne jede Wurzel sein, worin Erbarmen nur ein Wort und Ehrerbietung nur gekünstelt bleibt. So wie im Tierreich würden arteigene Interessen und andere dominierende Eigenschaften über Ehrerbietung und Barmherzigkeit siegen und dieses irdische Paradies in eine Hölle verwandeln.

So betrifft also eine unter hundert Folgen des Glaubens an die Wiederversammlung das gesellschaftliche Leben der Menschen. Und diese eine einzige Folge hat aber hunderte von Möglichkeiten, sie zu betrachten und anzuwenden.

Vergleicht man diese vier oben erwähnten Beweise mit den anderen (noch möglichen), dann wird es verständlich, dass die Wiederversammlung sich als ein tatsächliches Ereignis bewahrheiten wird, und dies mit der Gewissheit der Existenz der Menschheit und ihrer gemeinsamen Bedürfnisse.

Ja, die Existenz eines Bedürfnisses im menschlichen Magen ist sogar ein offensichtlicher Beweis und ein klares Zeugnis für die Existenz der Nahrung. Ja, sie teilt diese Tatsache sogar noch viel deutlicher mit. Das aber beweist: Nimmt man der Menschheit die Schlussfolgerung, die sich aus der Tatsache der Wiederversammlung ergibt, weg, dann fällt dieses so wichtige, erhabene und lebendige Wesen der Menschheit, seine Seele, auf die Stufe eines Kadavers herab, der als Abfall nur noch den Mikroben dient und ungenießbar (murdar,unrein) ist.

Diejenigen, welche sich so intensiv mit der Regierung, den Sitten und den gesellschaftlichen Beziehungen unter den Menschen beschäftigen, die Politiker, Moralisten und Soziologen sollen einmal die Ohren spitzen! Sollen sie doch endlich einmal sagen, wie sie diese Leere ausfüllen, und womit sie diese tiefe Wunde heilen wollen?

Zweiter Punkt:

Für die Tatsache der Wiederversammlung gibt es zahlreiche Beweise. Wir wollen hier nun einen dieser Beweise in sehr kurzer Form darlegen. Er wurde aus Zeugnissen zusammengestellt, die auf noch anderen Fundamenten des Glaubens beruhen. Es ist dies der folgende:

Alle Wunder, die das Gesandtentum Mohammeds, mit dem Friede und Segen sei, beweisen, und all die Beweise seines Prophetentums und seiner Wahrhaftigkeit beweisen und bezeugen zusammen, dass sich die Wiederversammlung tatsächlich bewahrheiten wird. Denn alles, was diese Persönlichkeit lehrte, konzentriert sich zunächst auf die Lehre von der Einheit (Vahdaniyet),danach aber auf die Wiederversammlung. In der Tat bezeugen alle seine Wunder und Beweise, die sämtliche Propheten zu ihrer Bestätigung gewirkt haben, und durch die

sie als Propheten bestätigt worden sind, eben diese eine Wahrheit. In gleicher Weise führt وَبِرُسُلِهِ {"und an Seine Propheten."} das Bekenntnis des Glaubens an die Propheten (von Adam bis Mohammed, mit dem Friede und Segen sei), welches وَبِكُتُبِهِ {"und an Seine Schriften."} das Bekenntnis des Glaubens an die heiligen Schriften in seiner Klarheit noch steigert, zum Bekenntnis des Glaubens an eben diese eine Wahrheit. Dies ist wie folgt:

Vor allem führen sämtliche Wunder, Beweise und Tatsachen, welche die Wahrheit des Qur'an (als Gottes Wort), der ja offensichtlich selbst ein Wunder ist, belegen, insgesamt zu dem Bekenntnis des Glaubens, dass die Wiederversammlung sich als ein tatsächliches Ereignis bewahrheiten wird. Denn fast ein Drittel des Qur'an handelt von der Wiederversammlung, und die meisten kurzen Suren beginnen mit sehr starken Versen über die Wiederversammlung. Er berichtet in tausenden von Versen ausdrücklich oder inbegriffen von eben dieser einen Wahrheit, beweist sie, weist auf sie hin.

Zum Beispiel:

اِذَا الشَّمْسُ كُوِّرَتْ ٭ يَآ اَيُّهَا النَّاسُ اتَّقُوا رَبَّكُمْ اِنَّ زَلْزَلَةَ السَّاعَةِ شَيْءٌ عَظِيمٌ ٭ اِذَا زُلْزِلَتِ اْلاَرْضُ زِلْزَالَهَا ٭ اِذَا السَّمَآءُ انْفَطَرَتْ ٭ اِذَا السَّمَآءُ انْشَقَّتْ ٭ عَمَّ يَتَسَآءَلُونَ ٭ هَلْ اَتَيكَ حَدِيثُ الْغَاشِيَةِ

{"Wenn die Sonne zusammengefaltet wird,..." (Sure 81, 1) "Oh Ihr Menschen, fürchtet Euren Herrn. Siehe, das Beben der 'Stunde' ist ein gewaltig Ding." (Sure 22, 1) "Wenn die Erde gewaltig erbebt,..." (Sure 99, 1) "Wenn der Himmel sich spaltet,..." (Sure 82, 1) "Wenn der Himmel zerreißt," (Sure 84, 1) "Wonach fragen sie einander," (Sure 78, 1) "Ist die Kunde von dem gewaltigen Ereignis zu dir gedrungen?" (Sure 88, 1)}

In dieser oder ähnlicher Weise zeigt der Qur'an am Anfang

von dreißig, vierzig Suren mit völliger Gewissheit, dass die Tatsache der Wiederversammlung die bedeutendste Tatsache und die notwendigste (vadjib)in der Schöpfung ist. Und auch noch andere Ayat erklären diese Tatsache mit den verschiedensten Beweisen überzeugend.

Ja, wäre es denn überhaupt möglich, dass der Glaube an die Wiederversammlung, der doch aus dem Zeugnis und der Lehre des Buches, das doch mit einem einzigen Zeichen eines einzigen Verses im Bereich der verschiedenen naturwissenschaftlichen und philosophischen islamischen Wissenschaften vor unseren Augen wissenschaftliche Tatsachen sonnenklar als Frucht hervorbringt, nicht wahr sein sollte? Wäre das nicht hundertmal unmöglich und irrig, als wollte man die Existenz der Sonne bestreiten und das Weltall als nicht vorhanden erklären? Ja, wäre es denn überhaupt möglich, dass sich tausende von Aussagen, Versprechungen und Warnungen eines so ehrenwerten und vertrauenswürdigen Königs als Unwahrheit und Lüge herausstellen sollten, obwohl sich doch zuweilen ein Heer auf einen einzigen Wink seines Königs in Marsch setzt, um zu kämpfen? Ja, wäre es denn für einen Menschen, der in seiner Ignoranz diese Wahrheit nicht annehmen will, obwohl doch dieser ruhmreiche, unsichtbare König, für den ein bloßer Wink genügt, um eine solche Tatsache zu beweisen, der seit dreizehn Jahrhunderten ununterbrochen über zahllose Geister, Intelligenzen, Herzen und Seelen Seines Reiches in Recht und Gerechtigkeit herrscht, sie unterweist und lenkt und leitet, die Tatsache der Wiederversammlung mit tausenden von Erklärungen erläutert und bewiesen hat, nicht notwendig, ihn mit der Hölle zu bestrafen, und wäre das nicht für ihn die wahre Gerechtigkeit?

In dieser oder ähnlicher Weise bestätigen, auch alle die himmlischen Bücher und heiligen Schriften, deren jedes in seinem Zeitalter und in seiner Kulturepoche maßgeblich war, jene Wahrheit von der Wiederversammlung, die der Qur'an, welcher für alle Zukunft und für eine jegliche Kulturepoche maßgeblich ist, ausführlich, mit Erläuterungen

und Wiederholungen erklärt. Sie alle nehmen diese Wahrheit ihrem Zeitalter und ihrer Kulturepoche entsprechend als unumstößlich an, erklären sie kurz und bündig, behaupten und beweisen sie nachdrücklich, wenn auch die Bilder dabei manchmal etwas undeutlich bleiben. Sie alle unterstreichen und bestätigen diese Lehre des Qur'an wie mit tausenden von Unterschriften.

Hier noch das Ende eines Bittgebet (Risale-i Munadja'at),in dem dieses Thema behandelt wird: Es wird darin ein Grundpfeiler des "Glaubens an den Jüngsten Tag" im Zusammenhang mit noch anderen Grundpfeilern des Glaubens, besonders dem, welcher das Bekenntnis des Glaubens (shahada)an die Propheten und die heiligen Bücher betrifft, in Form eines Bittgebetes (munadja'at)als ein kurz und bündig zusammengefasster Beleg für die Wiederversammlung angeführt, der sehr stark ist und jeglichen Zweifel auszuräumen vermag. Es ist dies ein Bittgebet, in dem es folgendermaßen heißt:

Oh mein barmherziger Herr! Unterrichtet durch Deinen höchst ehrenwerten Gesandten und gelehrt durch den weisen Qur'an, habe ich verstanden: Vor allem der Qur'an und Dein hochehrwürdiger Gesandter, aber auch alle heiligen Bücher und Propheten bezeugen und beweisen übereinstimmend und weisen darauf hin, dass die Manifestationen Deiner glorreichen und anmutigen (Djelal ve Djemal)Namen, deren Abbilder wir hier in dieser Welt allüberall betrachten können, sich noch glanzvoller in der Ewigkeit der Ewigkeiten fortsetzen werden und dass Deine Gnadengaben, deren Manifestationen und Abbildungen in Deiner Barmherzigkeit dieser Welt zum Zeugnis gegeben werden, noch majestätischer an der Stätte der Glückseligkeit für immer und ewig erscheinen werden, und dass diejenigen, die sie in diesem kurzen irdischen Leben voll Freude und Sehnsucht genossen haben, und die ihnen bis in die Ewigkeit hinüber Begleiter waren, ihnen auch dort noch Begleiter sein werden, wo es keine Trennung gibt.

Zudem verkünden auch, allen voran der hochehrwürdige

Gesandte und Dein weiser Qur'an, so dann alle die Propheten erleuchteten Geistes, die Heiligen (auliya),welche die Pole (qutub)aller lichtvollen Herzen, die Getreuen (siddiq),welche die Quelle allen lichten und scharfen Denkens sind, gestützt auf Deine tausenden von Verheißungen und Warnungen, die sich in allen himmlischen Büchern und heiligen Schriften so oft wiederholen, und auch im Vertrauen auf Deine heiligen Namen und Eigenschaften: Allmacht, Barmherzigkeit, Gnade (Inayet),Weisheit, Majestät (Djelal)und Schönheit (Djemal),welche nach einem Jenseits verlangen, im Vertrauen auf die Würde Deiner Majestät und das Königreich Deiner Herrschaft, auch bauend auf ihre zahllosen (spirituellen) Entdeckungen und Erfahrungen (mushahade),welche sie uns übermitteln gleich Abbildern aus dem Jenseits und Tropfsteinen, (welche, von einer himmlischen Nährlösung gespeist, von dem Boden der diesseitigen Welt empor und von ihrer Decke herabwachsen) und im Vertrauen auf ihre Überzeugungen und ihren Glauben, welcher die Sicherheit der Wissenschaft und persönlicher Wahrnehmung (ilme l-yaqin ve ayne l-yaqin)besitzt, (verkünden sie mit einer solchen Sicherheit) den Menschen die ewige Seligkeit. Die verkünden und erklären, dass für die Leute des Irrweges (dalalet)die Hölle und für die Leute der Rechtleitung (hidayet)das Paradies da ist. Daran glauben sie fest und bezeugen es...

Oh allmächtiger König! (Ey Qadir-i Hakim!)Oh barmherziger Erbarmer! (Ey Rahman-i Rahim!)Oh Freigiebiger und Getreuer in Deinen Versprechungen! (Ey Sadiqu l-Va'di l-Kerim!)Oh gewaltiger und majestätischer Herr der Ehren, dem keiner zu wiederstehen vermag!... (Ey Izzet ve A'zamet ve Djelal sahibi Qahhar-i Dhu l-Djelal). Gepriesen bist Du hunderttausendmal, grenzenlos rein und so hoch erhaben darüber, dass Du so viele Deiner treuen Freunde zu Lügnern stempeln solltest!... und dass sich so viele Deiner Versprechungen, Attribute und Taten als verlogen herausstellen sollten!... und dass Du die absoluten Erfordernisse des Königreiches Deiner Herrschaft

verleugnen und ihnen nicht entsprechen solltest!... und dass Du die zahllosen Bitten und Gebete Deiner zahllosen Diener und Anbeter, die Du angenommen hast und liebst und die Deine Liebe dadurch erstreben, dass sie an Dich glauben (tasdiq)und Dir gehorchen, zurückweisen und nicht erhören solltest!... und dass Du die, welche auf Irrwegen (ehl-i dalalet)gehen, und die Ungläubigen, welche Deine gewaltige Größe angreifen, indem sie Dich in Deinem Versprechen der Auferstehung in ihrem Unglauben und ihrer Auflehnung zum Lügner stempeln wollen, welche Dich in der Ehre Deiner Majestät und in der Würde Deiner Göttlichkeit und in der Barmherzigkeit Deiner Herrschaft beleidigen wollen, in ihrer Verleugnung der Wiederversammlung bestätigen solltest!

Über aller grenzenlosen Ungerechtigkeit und über aller grenzenlosen Abscheulichkeit sei über alles geheiligt Deine grenzenlose Gerechtigkeit, Deine grenzenlose Schönheit (Djemal)und Deine unbegrenzte Barmherzigkeit!

Wir glauben mit aller Macht, dass die Zeugnisse der Propheten, der Gelehrten (asfiya)und der Heiligen (auliya),die die hunderttausend getreuen Botschafter und grenzenlos aufrechten Ausrufer Deines Königreiches bilden und die jenseitigen Schatzkammern Deiner Barmherzigkeit, die Tresore Deiner Gnadengaben (ihsan)in der ewigen (baqi)Welt und die Manifestationen Deiner wunderbaren schönen Namen, die sich im Hause der Glückseligkeit vollständig offenbaren, werden mit wahrhaftiger Sicherheit, mit augenscheinlicher Sicherheit, mit wissenschaftlicher Sicherheit (haqqa l-yaqin, ayne l-yaqin, ilme l-yaqin)bestätigen, richtig und wahrhaftig sind. Ihre Beschreibungen sind zutreffend und stimmen miteinander überein. Was sie verkündigen ist zutreffend, entspricht den Tatsachen. Sie glauben, dass der größte Strahl Deines Namens, auf den alle Tatsachen hinauslaufen, der ihre Sonne und ihr Beschützer ist, "der Wahre" (Haqq)heißt, und dass er die gewaltige Tatsache der Auferstehung ist, und unterrichten dieser Wahrheit entsprechend in Deinem Auftrag Deine Diener und Anbeter. Sie belehren

darüber, was die Wahrheit selbst ist.

Oh Herr! Um der Wahrheit dieses ihres Unterrichtes und der Ehrenhaftigkeit ihrer Belehrungen willen, schenke den Schülern der Risale-i Nur einen vollkommenen Glauben und ein gutes Ende! Gewähre uns, ihrer Fürsprache teilhaftig zu werden! Amen... So wie aber nun einerseits alle Hinweise und Belege, welche die Wahrhaftigkeit des Qur'an, ja, sogar aller heiligen Schriften, beweisen, andererseits auch alle die Wundertaten und Zeugnisse des Prophetentums des Geliebten Gottes (Habibullah),ja, sogar aller Gesandten bestätigen, so beweisen sie alle auch die große Lehre vom Jenseits als einer Realität. In ähnlicher Weise bestätigen auch die meisten Hinweise und Belege, indem sie das Sein und die Einheit des Notwendig-Seienden bestätigen, gleichzeitig auch die Eröffnung des Hauses der Glückseligkeit, das die hauptsächliche Quelle und der Angelpunkt göttlicher Herrschaft, Seiner Erhabenheit und die Existenz einer beständigen Welt ist. Wie noch in den folgenden Abschnitten zu erläutern und zu beweisen sein wird, verlangen sowohl das Sein des Notwendig-Seienden als auch alle seine Eigenschaften, die meisten Seiner Namen und auch Seine Attribute wie Herrschaft (Rububiyet),Erhabenheit (Uluhiyet),Barmherzigkeit (Rahmet),Gnade (Inayet),Weisheit (Hikmet)und Gerechtigkeit (Adalet)mit der ihr eigenen Notwendigkeit nach einem Jenseits, fordern mit zwingender Notwendigkeit nach einer beständigen Welt, rufen mit Dringlichkeit nach einer Auferstehung und Wiederversammlung, dort zu belohnen und zu bestrafen.

Da es nun einmal einen Gott gibt von Ewigkeit zu Ewigkeit, wird es mit Sicherheit auch ein Jenseits geben, das der unvergängliche Sitz Seines Königreiches in Erhabenheit ist. Und da es nun einmal in diesem Universum und über allen Lebendigen eine vollkommene Herrschaft in außerordentlicher Majestät, Weisheit und Liebe gibt und sichtbar ist, wird sich mit Sicherheit auch ein Haus Ewiger Glückseligkeit finden, das die Majestät Seiner Herrschaft vor einem Umsturz, Seine Weisheit vor der

Sinnlosigkeit und Seine Liebe (shefqat)vor der Grausamkeit bewahrt, und in das man eintreten wird.

Nun aber weisen zahllose sinnenfällig sichtbare Gnadengaben (nimet)und Geschenke (ihsan),für jeden, dessen Verstand noch nicht erloschen und dessen Herz noch nicht erstorben ist, Huld- (lutuf)und Gnadenerweise (kerem),Bezeigungen der Gunst (inayet)und Barmherzigkeit (rahmet)darauf hin, dass es wie hinter einem unsichtbaren Schleier in der Überfülle Seiner Erbarmungen einen verborgenen Herrn geben muss. Und es gibt und wird mit Sicherheit auch ein immerwährendes Leben in einer beständigen Welt geben, wo die Gnade vor dem Spott, die Güte vor dem Hohn, die Huld vor der Feindschaft, die Barmherzigkeit vor der Qual, die Gunst und die Güte vor dem Verrat bewahrt bleiben, wo die Güte zur Güte und die Gnade zur Gnade wird.

Überdies ist in jedem Frühling eine Feder des Allmächtigen damit beschäftigt, vor unseren Augen diese knappe Seite, welche unsere Erde darstellt, mit hunderttausend Büchern zu beschreiben und eines in das andere fehlerfrei hineinzukomponieren. Und der Besitzer dieser Feder hat hunderttausendmal geschworen und versprochen:

"Ich werde an einem noch größeren Ort ein schönes unsterbliches Buch schreiben. Es wird dies noch leichter sein, als auf diesem begrenzten Platz das Buch des Frühlings, das so verwickelt und ineinander verschrieben ist. Das werde ich euch zu lesen geben." sagt Er und erwähnt dieses Buch in allen Seinen Erlassen. Sicher und gewiss ist das Original dieses Buches schon geschrieben, und auch die Anmerkungen dazu werden noch am Tage der Auferstehung und Wiederversammlung niedergeschrieben werden. Und auch das Berichtsheft mit den Taten und Werken aller wird sich darin aufgezeichnet finden. Nun aber ist die Erde in Anbetracht der Vielzahl alles Geschaffenen und als Wohnstätte, Ursprung, Fabrik, Messegelände und Versammlungsort hunderttausender äußerst verschiedener, ständig wechselnder belebter und beseelter Arten des Lebens das Herz, Zentrum,

Mittelpunkt, Frucht und Ursache der Schöpfung des Alls, und hat als solche eine sehr große Bedeutung; sie ist trotz ihrer Kleinheit den unendlich weiten Himmelsräumen gleichgestellt. Deshalb ist in den himmlischen Erlassen immer vom

رَبُّ السَّمٰوَاتِ وَ اْلاَرْضِ

{"Herr der Himmel und der Erde"}

die Rede. Nun aber kommt dem Geschlecht der Kinder Adams eine große Bedeutung zu. Sie herrschen allüberall auf der Erde, verfügen über die Mehrzahl alles Geschaffenen, ordnen sich die Mehrzahl aller Geschöpfe unter und sammeln sie um sich, ordnen die Mehrzahl alles Geschaffenen nach eigenen Neigungen, Vorstellungen, Plänen, Bedürfnissen, Grundsätzen auf das schönste, stellen sie aus, schmücken und verzieren sie, und sammeln sie entsprechend einer Liste ihrer kostbarsten Arten an einzelnen Orten, sodass sie sich nicht nur die Blicke der Menschen und Dschinnen, nein, sogar die aufmerksamen Blicke und das Wohlwollen aller Bewohner der Himmel und des ganzen Universums auf sich ziehen, den bewundernden Blick des Herrn des Alls auf sich lenken, was ihnen einen großen Wert und eine hohe Bedeutung verleiht. Sie zeigen mit ihren Künsten und Wissenschaften, dass sie die Weisheit in der Schöpfung des Alls, deren großen Sinn, ihre wertvolle Frucht und den Kalifen der Erde darstellen. Sie stellen ja die wunderbaren Kunstwerke des Meisters der Welt auf dem Antlitz der Erde so wunderschön aus und ordnen sie an. Trotz ihrer Auflehnung und ihres Unglaubens wurden sie auf der Erde belassen und ihre Strafe wurde ausgesetzt. Um dieses Dienstes willen wurde ihnen eine Frist gewährt und eine Möglichkeit gegeben, erfolgreich zu sein.

Es liegt aber nun einmal in dem, was die Natur der Kinder Adams ausmacht, dass sie in Anbetracht ihrer Beschaffenheit und Veranlagung außerordentlich schwach und hinfällig sind, weshalb ihnen ein ebenso mächtiger,

weiser und liebevoller Herrscher in all ihrer Schwäche und Armseligkeit, ihrer grenzenlosen Bedürftigkeit und Not, dieses gewaltige Erdenrund zu einer Lagerstätte für jede Art Erz, entsprechend den Erfordernissen des Menschengeschlechtes, ein Lagerhaus für jede Art Nahrung, einen Laden verschiedenster Güter, wie sie dem Menschengeschlecht wohlgefallen, bereitgestellt hat, und der sich auf diese Weise um das Menschengeschlecht kümmert, es ernährt und dessen Wünsche befriedigt.

Es gibt nun einmal einen Herrn, der dieser Tatsache entspricht, der den Menschen sowohl liebt als auch von den Menschen geliebt werden möchte, der sowohl ewig besteht, als auch über ewig bestehende Welten verfügt, der sowohl jedes Werk in Gerechtigkeit verrichtet, als auch jedes Ding in Weisheit schafft. Nun hat aber das Königreich des Urewigen Herrschers in Seiner Majestät, und die Unsterblichkeit Seiner Herrschaft in diesem kurzen irdischen Leben, in dieser allzu kurzen Spanne menschlichen Daseins, auf dieser zeitlich und räumlich so begrenzten Welt keinen Platz. Und all das, was sich unter den Menschen und ihrer Welt entgegen der Ordnung, Gerechtigkeit, Ausgewogenheit und vollkommenen Schönheit ereignet, diese so große Unterdrückung und Auflehnung, die dem widerspricht, der Verrat, die Verleugnung, der Unglaube gegenüber dem Freund und Wohltäter des Menschen, der ihn so liebevoll versorgt, bleibt im Diesseits unbestraft. Die grausamen Unterdrücker verbringen ihr Leben in Bequemlichkeit, während die Unterdrückten und Armen geschunden werden. Das Wesen vollkommener Gerechtigkeit aber, dessen Spuren wir im ganzen Weltall beobachten können, kann nicht dulden, noch erlauben, dass diese grausamen Unterdrücker und die hoffnungslos Unterdrückten einander im Tode gleichgestellt sein und nicht wiederauferstehen sollten. Dies stünde ganz und gar im Widerspruch dazu.

Gleich wie aber nun der Herr des Alls die Erde im All und das Menschengeschlecht von der Erde auserwählt hat, ihm einen so hohen Rang und ihm eine solche Bedeutung

verliehen hat, so hat Er auch die Propheten, die Heiligen und Gelehrten, die mit den Zielen Seiner Herrschaft übereinstimmen, jene wahren Menschen, die in Glaube und Hingabe Sein Wohlgefallen erstreben, unter den Menschen auserwählt, sie sich zu Freunden und Ansprechpartnern gemacht, sie mit Wundertaten und Erfolgen ausgezeichnet und ihre Feinde mit außernatürlichen Katastrophen geschlagen.

Unter Seinen kostbaren und geliebten Freunden hat Er Mohammed, mit dem Friede und Segen sei, ihnen als Leuchte des Glaubens erwählt, mit dessen Licht Er seit vielen Jahrhunderten eine bedeutende Hälfte des Erdenrundes und ein bedeutendes Fünftel der Menschheit erleuchtet... es scheint, als sei das Universum seinetwillen erschaffen worden, weil dessen Ziele sämtlich in ihm, in seinem Glauben und im Qur'an ihren Ausdruck finden. Er, der doch würdig und geeignet gewesen wäre, als Lohn Seiner grenzenlosen, so außerordentlich wertvollen Verdienste, die zu erwerben eine Million Jahre erforderlich gewesen wären, erhielt dafür nur jene kurze Lebensspanne von dreiundsechzig Jahren, erfüllt von Mühen und Kämpfen. Ja, wäre es denn in irgendeiner Hinsicht möglich, wahrscheinlich oder vorstellbar, dass diese Persönlichkeit nicht mit all seinen ihm gleichrangigen Freunden und Gefährten wieder auferweckt werden sollte? Ja, sollte er nicht hier und heute im Geiste vital und lebendig sein? Ja, sollten sie auf ewig verurteilt und vernichtet sein? Nein, keineswegs - Gott bewahre! - und tausendmal nein!...

Tatsächlich verlangt das ganze All, erfordern die Realitäten dieser Welt seine Auferstehung. Nun aber haben im "Ayetu l-Kubra"(Das Große Zeichen) genannten "Siebenten Strahl" dreiunddreißig überwältigend einstimmige Beweise, ein jeder einzelne so stark wie ein Berg, ergeben, dass dieses ganze Universum aus einer einzigen Hand hervorgegangen, und das Eigentum eines einzigen Herrschers ist. Sie zeigen, dass die Einheit Gottes und Seine Allgegenwart (Vahdet ve Ahadiyet)die Quelle Seiner göttlichen Vollkommenheit ist. Unter dieser zweifachen

Einheit wurde das ganze Weltall gleich gehorsamen Soldaten und dienstfertigen Beamten diesem einen Herrn unterstellt. Unter der Betrachtung des Kommens eines solchen Jenseits bleibt Seine Vollkommenheit vor dem Sturz, Seine absolute Gerechtigkeit vor grenzenlos gnadenlosem Spott, Seine universale Weisheit vor Torheit und Ausschweifung, Seine alles umfassende Barmherzigkeit vor lasterhaften Spielen und grausamen Vergnügungen, die Würde Seiner Allmacht vor würdeloser Schwäche bewahrt, rein erhalten und geheiligt. Sicherlich und gewiss wird der Jüngste Tag, wie wir aus hundert Anmerkungen über den Glauben an Allah (Iman-i billah)und aus den sechs vorangegangenen "madem(überdies, nun, aber, zudem)"-Abschnitten den Schluss ziehen müssen, in jedem Falle hereinbrechen. Die Wiederauferstehung und Wiederversammlung wird stattfinden. Es wird ein Haus der Bestrafung und der Belohnung eröffnet werden... sodass die obenerwähnte Bedeutung der Erde, ihre zentrale Lage und die Bedeutung der Menschheit und ihr Wert sich bewahrheiten. Dann wird sich die obenerwähnte Gerechtigkeit, Weisheit, Barmherzigkeit und Herrschaft des weisen Schöpfers und Herrn, des Lenkers und Leiters der Erde und ihrer Menschheit fest verankern und die obenerwähnten wahrhaftigen Freunde und alle, die sich nach Ihm sehnen, vor der ewigen Vernichtung bewahrt bleiben und er der größte und kostbarste unter diesen Freunden, der mit seinem heiligen Dienst das ganze Weltall glücklich und dankbar gemacht hat, seine Belohnung erhalten. So wird die Vollkommenheit des ewigen Königs vor Fehlern und Mängeln, Seine Macht vor Ohnmacht, Seine Weisheit vor Sinnlosigkeit und Seine Gerechtigkeit vor Ungerechtigkeit bewahrt, rein und geheiligt sein.

Kurzum:

Da es nun einmal Allah gibt, gibt es mit Sicherheit auch ein Jenseits...

So wie aber nun die obenerwähnten drei Grundpfeiler des Glaubens (erkan-i imaniye: Allah, die Propheten und die heiligen Schriften) mit all den Zeugnissen, die ihnen zum Beweis dienen, zugleich auch Zeugnis und Beweis

sind für die Wiederversammlung, so erfordern zugleich auch die anderen beiden Grundpfeiler des Glaubens in einer nachdrücklichen Weise diese Wiederversammlung und bezeugen und beweisen eine bleibende Welt:

وَ بِمَلَـٰٓئِكَتِهِ وَ بِالْقَدَرِ خَيْرِهِ وَ شَرِّهِ مِنَ اللَّهِ تَعَالَى

{"Der Glaube an die Engel und die Macht (qader) des Guten und des Bösen von Allah dem Erhabenen."}

Es ist dies wie folgt: Alle Beweise, die zahllosen Zeugnisse und Dialoge, welche die Existenz der Engel, ihren Dienst vor Gott und die Anbetung, mit der sie beauftragt sind, bezeugen, bestätigen indirekt auch die Existenz der Welt der reinen Geister, die unsichtbare Welt, die beständige Welt, die Welt des Jenseits, jenes Haus der Glückseligkeit, das dereinst Dschinnen und Menschen beleben werden, das Dasein von Himmel und Hölle. Denn die Engel dürfen diese Welten mit göttlicher Erlaubnis schauen und besuchen, und alle die Engel vor Gottes Thron (melaike-i muqarrebin),die wie der Erzengel Gabriel vertrauten Umgang mit den Menschen pflegten, berichten übereinstimmend über die Existenz der obenerwähnten Welten, und dass sie selbst darinnen verweilen. So wie wir von der Existenz des amerikanischen Kontinents auch dann wissen, wenn wir nicht selbst dort gewesen sind, und zwar aufgrund der Nachrichten derer, die von dort herübergekommen sind, so müssen wir auch aufgrund der Kunde der Engel an die Existenz einer beständigen Welt, eines "Hauses des Jenseits", an Himmel und Hölle mit absoluter Sicherheit glauben, denn sie hat die hundertfache Kraft einstimmiger Überlieferung (tevatur).Und deshalb glauben wir daran.

Des Weiteren weisen auch alle die Zeugnisse, welche im "Sechsundzwanzigsten Wort", "Risale-i Qader"(Abhandlung über das göttliche Vorherwissen) genannt, den Glaubensgrundsatz des Glaubens an "Qader"bestätigen, indirekt auch auf die Wiederversammlung, die Offenlegung der persönlichen Auszeichnung (suhuf)und das Abwägen

der Taten auf der Großen Waage hin. Denn die Konsequenz (qader)aller Dinge ist vor unseren Augen auf den Tafeln der Ordnung und Ausgewogenheit aufgezeichnet, der Lebenslauf alles Lebendigen ist aufgespeichert in seinem Erinnerungsvermögen, in den Samenkörnern und anderen, einer Tafel vergleichbaren Dingen, die Taten aller geistbegabten Wesen, insbesondere aber der Menschen sind eingetragen und festgehalten auf den Wohlverwahrten Tafeln (elvah-i mahfudha).Mit Sicherheit kann eine so umfangreiche Konsequenz (qader),eine Weisheit von solcher Folgerichtigkeit, eine so sorgfältige Aufzeichnung, diese schriftliche Aufbewahrung nur dem Zweck einer öffentlichen Verhandlung vor einem obersten Gerichtshof dienen, um eine ewige Belohnung oder Bestrafung auszusprechen. Anderenfalls bliebe diese umfangreiche und bis in die kleinsten Feinheiten hineinreichende Aufzeichnung und Aufbewahrung ganz und gar ohne Sinn und Wert. Sie würde der Weisheit und Wahrhaftigkeit widersprechen. Ja, mehr noch, würde eine Wiederversammlung nicht stattfinden, würde auch der ganze Sinn eines solchen universalen Buches, geschrieben mit der Feder folgerichtiger Bestimmtheit (qader),nichtig werden. Das aber kommt unmöglich in Betracht, wäre unvorstellbar, einer Leugnung des Universums vergleichbar, nicht mehr als ein Fieberwahn...

Zusammenfassung:

Die fünf Glaubensgrundsätze mit all ihren Beweisen zeigen uns die Belege für Tatsache und Ereignis der Auferstehung und Wiederversammlung, für Dasein und Eröffnung einer jenseitigen Wohnstatt und fordern uns dazu auf, dafür Zeugnis abzulegen. Da es nun aber für die Tatsache der Wiederversammlung solche ihrer Wichtigkeit völlig entsprechende, unerschütterliche und starke Stützen und Zeugnisse gibt, befasst sich ungefähr ein Drittel des Qur'an, der in seiner Verkündigung ein Wunder ist, mit der Wiederversammlung und dem Jenseits, macht sie zum Grundstein und baut alles auf diesem fundamentalen Prinzip jeglicher Wahrheit auf...

(damit schließt diese Einführung)

Zweiter Teil

eines Briefes zum "Zehnten Wort" - ein wichtiger Anhang.

Am Anfang des ersten Kapitels von neun Kapiteln, welche die neun Arten von Zeugnissen für die Wiederversammlung behandeln, finden sich die folgenden Ayat als ein wunderbarer Hinweis:

فَسُبْحَانَ اللَّهِ حِينَ تُمْسُونَ وَحِينَ تُصْبِحُونَ وَلَهُ الْحَمْدُ فِي السَّمَاوَاتِ وَالْأَرْضِ وَعَشِيًّا وَحِينَ تُظْهِرُونَ يُخْرِجُ الْحَيَّ مِنَ الْمَيِّتِ وَيُخْرِجُ الْمَيِّتَ مِنَ الْحَيِّ وَيُحْيِي الْأَرْضَ بَعْدَ مَوْتِهَا ۚ وَكَذَٰلِكَ تُخْرَجُونَ

{"Lob sei Allah, wenn für Euch die Abendzeit gekommen ist und die Morgenstunde und Preis sei Ihm in den Himmeln und auf der Erde zur Mittagsstunde und wenn der Tag sich neigt. Er schenkt der Erde wieder das Leben nach ihrem Tode und so werdet auch ihr wieder hervorgerufen werden." (Sure 30, 17-19)}

Wir wollen hier einen unumstößlichen Beweis und ein offensichtliches Zeugnis anführen, das sich aus dem Erlass über die Wiederversammlung ergibt, und es inshaallah (so Gott will!), erklären und erläutern.

{(*): Ein entsprechendes Kapitel darüber wurde noch nicht abgefasst. Doch wurde die Frage nach dem Leben im Zusammenhang mit der Auferstehung hier bereits eingefügt. Am Ende (dieser Abhandlung über das Leben) folgt ein Hinweis auf den Glaubensgrundsatz von der göttlichen Vorausschau auf das Leben (qader), der besonders feinsinnig und tiefgründig ist.}

Im Zusammenhang mit der achtundzwanzigsten Eigenart des Lebens wurde erklärt, dass das Leben nach den sechs Grundpfeilern (erkan)des Glaubens ausgerichtet und deren Beweis ist. Es enthält die Hinweise auf deren Existenz (bzw. Wahrheit). Ja, es ist in der Tat das Leben das bedeutendste Ergebnis, das Ferment und die Weisheit in der Schöpfung des Alls. Sicherlich ist diese erhabene Wahrheit nicht auf dieses vergängliche, kurze, fehlerhafte und schmerzvolle, irdische Leben beschränkt.

Vielmehr ist das Ziel, das Ergebnis und die Frucht am Baume des Lebens, die dessen gewaltiger Größe würdig ist, das Ewige Leben, das jenseitige Leben, das Leben im "Haus der Glückseligkeit", wo Steine, Bäume und Boden von Leben erfüllt sind. Anderenfalls wäre es die notwendige Konsequenz, dass der Baum des Lebens, der so zahlreiche bedeutsame Organe hervorgebracht hat, ohne Frucht, ohne Nutzen, ohne seine Verwirklichung für alle mit Bewusstsein Begabten, besonders für den Menschen, bliebe und der Mensch, der doch von seinen Anlagen und Fähigkeiten her zwanzigmal wertvoller ist als z.B. ein Sperling, und das Wichtigste, Erhabenste und Bedeutendste unter allem, was da lebt unter den Himmeln, hinsichtlich seines Lebensglückes zwanzigmal tiefer fiele als ein Sperling und zum unglücklichsten und würdelosesten unter den Armen werden würde.

In ähnlicher Weise würde ihm auch der Verstand, diese wertvollste unter allen Gnadengaben, sein Herz mit Gedanken der Trauer über die Vergangenheit und der Furcht vor der Zukunft wund reiben, ihm in einen Tropfen Freude neun Körnchen Schmerz untermischen und ihm so zur Katastrophe gereichen. Dergleichen aber wäre in hundertfacher Weise unsinnig. Also beweist das irdische Leben mit absoluter Sicherheit den Grundsatz vom Glauben an das Jenseits und stellt uns in jedem Frühling mehr als dreihunderttausend Musterbeispiele der Auferstehung vor Augen. Ja, wäre es denn überhaupt möglich, dass der allmächtige Lenker und Leiter, der in deinem Körper, deinem Garten, deiner Heimat alle für dein Leben notwendigen und geeigneten Werkzeuge und Geräte in Weisheit, Gnade und Barmherzigkeit vorbereitet hat und zu seiner Zeit bereitstellt, ja, sogar um deinen Magen weiß und ihn hört, wenn er in seinem Wunsch nach Leben und Beständigkeit mit einem so ganz privaten Gebet um Nahrung fleht, und mit zahllosen wohlschmeckenden Speisen zeigt, dass Er dieses Gebet auch annimmt und den Magen zufrieden stellt, nicht um dich wüsste, dich nicht sähe, die notwendigen Grundlagen für ein ewiges Leben,

welches das höchste Ziel des Menschengeschlechtes ist, nicht vorbereiten sollte? das höchste, wichtigste, würdigste, umfassendste Gebet um das immerwährende Leben des Menschengeschlechtes nicht annehmen, ein jenseitiges Leben nicht einrichten und das Paradies nicht erbauen sollte? dem bedeutendsten Geschöpf im All, ja, König der Welt ein so umfassendes und so starkes Gebet, das um der Bedürfnisse des Menschengeschlechtes willen in Himmel und Erde wiederhallt, nicht erhören sollte, wo Er doch dem Gebet des kleinen Magens eine Bedeutung zumisst und ihn zufrieden stellt? Sollte Er ihn dahin führen, die Vollkommenheit Seiner Weisheit und Seine unendliche Barmherzigkeit zu leugnen? Keineswegs und hunderttausendmal nein!...

Und wäre es des Weiteren auch noch möglich, dass der, welcher auch noch die ganz und gar verborgene Stimme selbst des kleinsten Lebewesens hört und dessen Schmerz wahrnimmt, ihm Heilung schenkt, seine Bedürfnisse befriedigt, sich in ganzer Liebe und Sorge um es kümmert und dafür sorgt, dass es mit Aufmerksamkeit bedient wird, ihm alle Schöpfung dienstbar macht, danach aber die einem Donner vergleichbar laute Stimme des größten und wertvollsten, beständigen und geliebten Lebens nicht vernehmen sollte!? sein so wichtiges Gebet um Beständigkeit, sein Verlangen und sein Flehen nicht beachten sollte? Das wäre so, als wollte Er einen einzelnen Soldaten mit vollendeter Sorgfalt ausrüsten und versorgen, ein ganzes, großes, stehendes Heer aber vernachlässigen, als könnte Er ein Stäubchen sehen, die Sonne aber nicht sehen! als könne Er das Sirren einer Mücke hören, das Grollen des Donners aber nicht hören! Keineswegs und hunderttausendmal nein!...

Ja, könnte es denn der Verstand überhaupt annehmen, dass der allmächtige und allweise Herr (Dhat-i Qadir-i Hakiem),in Seiner grenzenlosen Barmherzigkeit, in Seiner Liebe (muhabbet)und in Seinem unendlichen Mitgefühl (shefqat),der Seine eigenen Kunstwerke doch so sehr liebt, sie dazu hinführt, Ihn zu lieben und diejenigen,

welche Ihn lieben noch mehr liebt, das Leben, das Ihn über alles liebt, geliebt wird und liebenswert ist, und seinen Meister von Natur aus anbetet, und die Seele (ruh),die Essenz und das Juwel des Lebens, zu ewigem Tode verurteilen und so bewirken könnte, dass der, welcher Sein eigener Liebender und liebevoller Geliebter ist, sich im Zorn für immer und ewig von Ihm abwendet, Ihm grollt, zutiefst gekränkt ist, selbst die tiefe Wahrheit Seines Erbarmens und das Licht Seiner Liebe (muhabbet)verleugnete und ihre Verleugnung verursachte? Keineswegs, hunderttausendmal nein und niemals!

Eine solche vollkommene Schönheit (Djemal),die das All mit Ihrer (eigenen) Manifestation verschönt und eine solch vollkommene Barmherzigkeit (rahmet),welche alles Geschaffene in Freude taucht, ist sicherlich in unendlichem Grade heilig, unbefleckt und rein von einer solchen grenzenlosen Abscheulichkeit, totalen Schändlichkeit und totalen Ungerechtigkeit und Erbarmungslosigkeit.

Schlussfolgerung: Da nun einmal in der Welt Leben ist, werden diejenigen Menschen, welche die tiefe Wahrheit des Lebens erfasst und dieses Leben nicht missbraucht haben, an einem ewigen Ort, in einem ewigen Paradies ein ewiges Leben erlangen. "Amenna"(wir glauben)...

So wie aber nun auf dem Antlitz der Erde die glänzenden Dinge ihren Glanz in den Stahlen der Sonne entfalten, auf dem Antlitz der Meere das Licht in den Wassertropfen aufstrahlt und wieder verlischt, während nach ihnen schon wieder andere Tropfen gleich den vergangenen zu Lichtquellen winzig kleiner imaginärer Sonnen werden und damit offensichtlich zeigen, dass dieser ganze Sprühregen aus Fünkchen und Tröpfchen die spiegelgleiche Verkörperung einer einzigen großen Sonne bildet, und mit verschiedenen Zungen die Existenz der Sonne ins Bewusstsein ruft, und mit seinen Lichtfingern auf sie hinweist, ebenso erglänzt auch alles, was auf dem Antlitz der Erde und im Meere lebt als eine gewaltige Manifestation des Namens des Herrn, des lebendigen und beständigen und Leben spendenden durch göttliche Allmacht,

spricht "Ya Hayy"(Leben), und verschwindet hinter dem Vorhang des Unsichtbaren, um anderen, die nach ihm kommen, Platz zu machen, und legt so Zeugnis ab für das Leben und dafür, dass es notwendigerweise einen Herrn des Lebens (Hayy)und der Ewigkeit (Qayyum)geben muss, der das ewige Leben ist, und weist darauf hin. Alle Beweise, die ein Zeugnis göttlichen Wissens sind, dessen Spuren in der Ordnung alles Geschaffenen sichtbar werden, alle Belege, welche die Macht beweisen, die im All herrscht, alle Zeugnisse, welche auf einen Wunsch und Willen hinweisen, welcher über alle Ordnung und Anordnung verfügt, alle Kennzeichen, welche das Prophetentum beweisen, welches Mittler des Wortes des Herrn und der göttlichen Ordnung ist, alle diese Wunder und dergleichen (sie alle zugleich und gemeinsam)... alle Beweise, welche für die sieben göttlichen Attribute ein Zeugnis sind, bezeugen, bestätigen und verweisen übereinstimmend darauf, dass der Herr des Lebens und der Ewigkeit der Lebendige ist.

Denn, wenn ein Ding Sehvermögen besitzt, so muss auch Leben in ihm sein. Ist Hörvermögen vorhanden, so ist dieses eines der Kennzeichen des Lebens. Ist Sprechvermögen vorhanden, so ist auch dieses eines der Kennzeichen für das Vorhandensein von Leben. Wo Handlungs- und Entscheidungsfreiheit gegeben sind, kommt darin Leben zum Ausdruck.

In ähnlicher Weise legen auch solche Attribute wie "der Allmächtige", "der über alles Entscheidende" und "der Allwissende", deren Vorhandensein an ihren Auswirkungen ganz klar und ohne alle Zweifel erkannt werden kann, mit allen ihren Nachweisen dafür Zeugnis ab, dass der Herr des Lebens und der Ewigkeit der Lebendige ist und der notwendigerweise Seiende, und sie legen auch für ein ewiges Leben Zeugnis ab, von dem schon eine einzige Projektion einem Licht gleicht, welches das Weltall erleuchtet, und von dem schon eine einzige Manifestation genügt, das gesamte Haus des Jenseits bis in alle Teilchen hinein mit Leben zu erfüllen.

So steht das Leben auch im Zusammenhang mit dem Grundsatz des Glaubens an die Engel, weist zeichenhaft auf ihn hin. Denn da nun einmal das bedeutendste Ziel im Kosmos das Leben ist, und die Lebewesen darin am weitesten verbreitet sind, und wegen ihres Wertes vielfach wieder aufgelegt werden, und das Gästehaus dieser Erde mit ihrem Kommen und Gehen in Scharen mit Leben erfüllen, und da nun einmal das Erdenrund mit so vielen Arten von Lebewesen erfüllt ist, sich ständig in Weisheit füllt und wieder leert, um so die verschiedenen Arten von Lebewesen jeder Zeit wieder zu erneuern und neu wieder aufzulegen, und eine Vielzahl von Lebewesen selbst noch aus den wertlosesten und verdorbensten Dingen erschaffen werden, sodass diese zu einem Versammlungsort von Mikroben werden, werden also Bewusstsein und Vernunft, welche das reinste Konzentrat dessen sind, was aus dem Leben extrahiert wurde, und die Seele (ruh),die ein feinstofflicher und unwandelbarer Juwel ist, auf diesem Erdenrund in aller Vielfalt erschaffen.

Es ist so, als werde die Erde durch das Leben, die Vernunft, das Bewusstsein und die Seele belebt und mit Leben erfüllt. Es liegt sicherlich nicht im Bereich der Möglichkeiten, dass die Himmelskörper, welche feinstofflicher, lichtvoller, größer und bedeutender als die Erde sind, tot und starr sein sollten, ohne Leben und Bewusstsein. Es muss also geeignete, mit Bewusstsein begabte, himmlische Lebewesen geben, um die Himmel, die Sonnen und die Sterne zu bewohnen, zu beleben und mit Leben zu erfüllen, um das Ziel der Erschaffung der Himmel zu verwirklichen und als Partner im Dialog mit dem Hochgelobten zu erscheinen. So erfordert es also das Geheimnis des Lebens, dass es auch die Engel gibt...

In ähnlicher Art weist das innerste Geheimnis des Lebens indirekt auch auf den Grundsatz des Glaubens an die Propheten hin und beweist ihn. Denn in der Tat wurde der Kosmos erschaffen um des Lebens willen, und auch das Leben ist eine einzige gewaltige Manifestation des Urewigen, des Lebendigen (Hayy)und Beständigen (Qayyum).

Es ist eines Seiner vollkommensten Schmuckstücke. Es ist eines Seiner schönsten Kunstwerke. Und weiter enthüllt sich das ewige Leben durch die Sendung der Propheten und die Offenbarung der Schriften. Tatsächlich wüssten wir nichts vom ewigen Leben, gäbe es nicht die Bücher und die Propheten. So wie wir erkennen, dass ein Mensch noch körperlich existiert und noch geistig lebendig ist, wenn er redet, so gibt es auch die Propheten und die offenbarten Schriften, um das Wort des Herrn, der hinter der Welt des Unsichtbaren, unter dem Schleier dieses Kosmos verborgen redet und spricht, Befehle erteilt und Verbote erlässt, bekannt zu machen und Seine Ansprachen zu verbreiten.

So wie dieses irdische Leben mit absoluter Sicherheit ein zuverlässiges Zeugnis dafür ablegt, dass der Lebendige von Ewigkeit her da ist und da sein muss, so beweist es indirekt auch die Grundsätze des Glaubens an die Propheten, welche uns gesandt, und die Schriften, welche uns offenbart wurden, und welche die Strahlen und Manifestationen des urewigen Lebens verkörpern und uns mit ihm verbinden. Besonders weil das Prophetentum Mohammeds, mit dem Friede und Segen sei, und die Offenbarung des Qur'an der Seele und dem Verstand des Lebens gleichen, kann man sagen, dass beide eine Realität darstellen, die ebenso sicher ist wie die Existenz des Lebens selbst.

So wie also das Leben tatsächlich ein Konzentrat ist, das aus dem Kosmos extrahiert wurde, Bewusstsein und Gefühl aber konzentriertes Leben, aus dem Leben extrahiert, Vernunft aber ein Konzentrat des Bewusstseins, extrahiert aus Bewusstsein und Gefühl, der Geist (ruh)aber ein echtes und reines Juwel und die unwandelbare und unabhängige Essenz des Lebens, so ist auch das leibliche und seelische Leben Mohammeds, mit dem Friede und Segen sei, das konzentrierte Konzentrat, das aus dem Leben und dem Geist des Kosmos extrahiert wurde. Das Prophetentum Mohammeds, mit dem Friede und Segen sei, aber ist das reinste Konzentrat, das aus dem

Gefühl, dem Bewusstsein und der Vernunft des Kosmos extrahiert wurde. Ja, sogar das leibliche und seelische Leben Mohammeds, mit dem Friede und Segen sei, ist - wie seine Werke bezeugen - das Leben des kosmischen Lebens, und das Prophetentum Mohammeds, mit dem Friede und Segen sei, ist das Bewusstsein und das Licht des kosmischen Bewusstseins, und die Offenbarung des Qur'an - Zeugnis lebendiger Wahrheit! - ist der Geist des kosmischen Lebens und die Vernunft des kosmischen Bewusstseins. Ja, fürwahr, so ist das in der Tat!...

Verließe das Prophetentum Mohammeds, mit dem Friede und Segen sei, das All, schiede aus ihm sein Licht, so stürbe das All. Entschwände uns (die Botschaft) des Qur'an, verlöre das Erdenrund Kopf und Verstand, und das All würde verrückt werden. Vielleicht stieße dann sein willenlos gewordener Kopf gegen einen Planeten und der Jüngste Tag bräche herein...

Leben steht ferner in Beziehung zu dem Grundsatz des Glaubens an Qader(Vorauswissen Gottes, Konsequenz im Leben) und ist der indirekte Beweis dafür. Weil aber das Leben aus dieser Erde, die wir hier bezeugen, hervorsprießt (wie das Licht aus der Sonne) und alles erfüllt und die Frucht und das Ziel des Daseins, ja, einen Brennspiegel darstellt für den Schöpfer des Alls, ein vollkommenes Abbild der Taten des Herrn und sie alle beinhaltet und als deren Programm (wenn dieser Vergleich gestattet ist) angesehen werden darf, erfordert das Geheimnis des Lebens sicherlich, dass die abwesende Welt (alem-i gayb),nämlich die Vergangenheit und die Zukunft, sich in einem Zustand der Bereitschaft zu Regelmaß, System und Bekanntheit {malumiyet: Die Naturgesetze sind bekannt. Sie wurden in der Vergangenheit beobachtet und werden auch für die Zukunft als bekannt vorausgesetzt. (A.d.Ü.)} befindet, bezeugt, determiniert und den Naturgesetzen unterworfen, so wie es dem inneren Leben (hayat-i maneviye)der Geschöpfe entspricht. Im Pflanzkorn eines Baumes, in dessen Wurzeln und Zweigen, wie

in den Samenkörnern seiner Früchte, offenbart sich gleich wie in dem Baum selbst in seiner jeweils ihm eigenen Art stets wieder das gleiche Leben. Ja, die Samenkörner tragen die Gesetze des Lebens sogar in einer noch verfeinerteren Form in sich als wie der ganze große Baum. In ähnlicher Weise tragen die Samenkörner und Wurzeln, die der Herbst vor dem gegenwärtigen Frühling zurückgelassen hat, und die Samenkörner und Wurzeln, die der kommende Frühling, der folgt, nachdem dieser Frühling vergangen ist, zurücklassen wird, alle das selbe Antlitz des Lebens und folgen denselben Lebensgesetzen.

In gleicher Weise haben auch alle die Äste und Zweige am Weltenbaum ihre eigene Zukunft und ihre eigene Vergangenheit. Sie haben eine Kette, die gebildet wird aus der Haltung und dem Verhalten in Vergangenheit und Zukunft. Jede Art und jedes Teilchen findet sich mit all seinen verschiedenen Formen im Wissen Gottes, unterscheidet sich in der Art seiner Existenz, und bildet in diesem Wissen eine Kette seiner Existenz, und auch das, was in diesem Wissen existiert (vudjud-u ilmi),zeigt sich als eine Offenbarung des Geistes (manevi)und des universellen Lebens in gleicher Weise wie das, was bereits sichtbar existiert (vudjud-u haridji).Es erhält die Bestimmung seines Lebens (muqadderat-i hayatiye)von diesen mit Geist und Leben erfüllten Tafeln der Bestimmung (elvah-i qaderiye).

Die Tatsache, dass die Welt der Geister, welche einen Teil der unsichtbaren Welt (alem-i gayb)darstellt, erfüllt ist von Geistern, die das eigentliche Leben und den Stoff des Lebens bilden und lebendige Wesen und Juwelen sind, verlangt und erfordert mit Sicherheit, dass auch die andere Art der abwesenden Welt (alem-i gayb),die wir Vergangenheit und Zukunft nennen und ihr zweiter Teil ist, zur Verwirklichung der Manifestation des Lebens gelangen soll. Zudem zeigt auch die vollendete Ordnung, die bedeutsame Stellung, die lebendige Frucht und das Verhalten eines Dinges, so wie wir sie im Bereich des Wissens (vudjud-u ilmi)vorfinden, eine Art Manifestation

geistigen (manevi)Lebens. Tatsächlich kann diese Art einer Manifestation des Lebens, die ein Strahl der Sonne des urewigen Lebens ist, sicherlich nicht allein auf diese bezeugte Welt, diese gegenwärtige Zeit und diese äußerliche Existenz beschränkt sein. Vielmehr empfängt jede einzelne Welt ihrer Fähigkeit entsprechend eine Manifestation dieses Lichtes, und das All ist voll Licht und Leben durch diese Manifestation in allen seinen Welten. Wenn dies nicht so wäre, dann wäre jede einzelne Welt, so wie dies in den Augen der Irregeleiteten erscheint, ein großer und furchtbarer Leichnam, eine von Finsternis und Zerfall erfüllte Welt inmitten eines vergänglichen und nur äußerlichen Lebens.

So wird in diesem Geheimnis des Lebens auch ein breiter und grundsätzlicher Aspekt des Glaubens an die göttliche Vorherbestimmung und ihre Erfüllung (qader ve qaza)verständlich und dadurch erhärtet. Denn gerade so wie die bezeugte Welt und die gegenwärtig vorhandenen Dinge in der Art ihrer Entstehung und in dem, was sie hervorbringen, das Leben bezeigen, das in ihnen ist, genauso haben auch die Geschöpfe der vergangenen und künftigen Zeiten, die der abwesenden Welt (alem-i gayb)zugerechnet werden, eine, inneres Leben tragende, geistige Existenz (vudjud-u manevi)und ihre geistige Gewissheit in Seinem Wissen, was sich im Namen Zukunft und durch die Vermittlung der Tafeln von der göttlichen Vorherbestimmung und deren Erfüllung (lauh-i qader ve qaza)in den Werken dieses geistigen Lebens (manevi hayat)zeigt und in ihnen offensichtlich wird...

Dritter Teil eines Briefes zum "Zehnten Wort" - ein wichtiger Anhang.

Eine Problemstellung in Bezug auf die Wiederversammlung: Im Qur'an zeigen die oftmals wiederholten Erlasse (ferman):

اِنْ كَانَتْ اِلاَّ صَيْحَةً وَاحِدَةً

{"Es wird aber sein wie ein einziger Schrei." (Sure 36, 29)}

oder auch:

وَمَآ اَمْرُ السَّاعَةِ اِلاَّ كَلَمْحِ الْبَصَرِ

{"Die Angelegenheit der 'Stunde' wird nur ein Augenblick sein." (16, 77)}

dass die gewaltige Wiederversammlung in einem zeitlosen Augenblick zu Stande kommen wird. Doch unser begrenzter Verstand verlangt nach einem augenfälligen Beispiel, um diese so über alle Grenzen wunderbare und beispiellose Angelegenheit mit innerer Sicherheit annehmen zu können.

Die Lösung:

Bei der Wiederversammlung werden die Seelen zu ihren Körpern zurückkehren. Sodann findet die Wiederbelebung dieser Körper statt. Dann werden die Körper wiedererbaut werden. Daraus ergeben sich folgende drei Problemstellungen.

Erste Problemstellung:

Ein Beispiel für die Rückkehr der Seelen zu ihren Körpern: Die einzelnen Soldaten eines wohldisziplinierten Heeres, die sich zu einer Ruhepause nach allen Seiten hin zerstreut haben, werden durch einen lauten Posaunenstoß wieder versammelt. Ja, so wie die "Sur", die Posaune des Erzengels Israfil, sicherlich nicht weniger mächtig erschallt als die Posaune des Heeres, so werden sicherlich auch die Seelen, welche sich noch in den Ewigkeiten und der Welt der Atome befanden, als die Frage an sie erging:

اَلَسْتُ بِرَبِّكُمْ {"Bin ich nicht euer Herr?"} und sie قَالُوا بَلَى {"Sie sagten: ja."} zur Antwort gaben, tausendmal folgsamer, gehorsamer, disziplinierter sein als die einzelnen Soldaten dieses Heeres. Außerdem wurde schon im "Dreißigsten Wort" durch unwiderlegbare Zeugnisse bewiesen, dass nicht nur die Seelen, sondern sogar alle Zellen einem Heer des Hochgelobten und seinen gehorsamen Soldaten vergleichbar sind.

Zweite Problemstellung:

Ein Beispiel für die Wiederbelebung der Körper: So, wie in einer sehr großen Stadt in einer festlichen Nacht von einem einzigen Kraftwerk aus hunderttausend elektrische Lampen in einem einzigen Augenblick mit Licht und Leben erfüllt werden könnten, so wäre es auch möglich, von einem einzigen Kraftwerk aus über das Antlitz des ganzen Erdenrundes hinweg hundert Millionen Lampen aufleuchten zu lassen. Wenn also eine Schöpfung Gottes des Gerechten wie z.B. die Elektrizität als ein Diener und ein Leuchter in Seinem Gasthaus durch die Ausbildung, die er von seinem Schöpfer empfangen hat und im Gehorsam Ihm gegenüber, eine solche Fähigkeit erzeigen kann, dann kann sicherlich auch die Gewaltige Wiederversammlung in einem einzigen Augenblick stattfinden im Rahmen der regulären Gesetze der göttlichen Weisheit, welche tausende Seiner erleuchteten Diener darstellen, wie z.B. die Elektrizität.

Dritte Problemstellung:

Ein Beispiel für die plötzliche Wiedererbauung der Körper: Zur Frühlingszeit werden innerhalb weniger Tage alle Blätter sämtlicher Bäume, die doch tausendmal zahlreicher sind als das ganze Menschengeschlecht, plötzlich und in vollkommener Weise

und genau so wie im vergangenen Frühling wieder aufgebaut. Auch alle Blüten, Blätter und Früchte sämtlicher Bäume werden wie im vergangenen Frühling und zur Erntezeit im vergangenen Herbst blitzschnell wieder zu Stande gebracht. Auch die zahllosen Samenkörnchen, Kerne und Wurzeln werden zu Beginn des Frühlings plötzlich alle zusammen auferweckt, entfaltet und wiederbelebt. Auch die Skelette all der Bäume, die den aufrecht stehenden Gebeinen der Verstorbenen gleichen, offenbaren plötzlich den Befehl zur بَعْثُ بَعْدَ الْمَوْتِ {"ba'thu ba'da l-maut" - "Auferstehung nach dem Tod"} und entfalten sich wieder. Auch unzählige kleine Tierchen verschiedenster Art werden in überaus kunstvoller Weise wieder ins Leben berufen.

Auch besonders die Fliegen in ihren verschiedenen Stämmen, die uns doch beständig an Abdest und Reinheit erinnern, wenn sie immer wieder ihr Gesicht, ihre Augen, ihre Flügel putzen, werden wieder auferweckt. Ihre Zahl in ihren Stämmen ist in jedem Jahr noch zahlreicher als die Zahl der Kinder Adams, von Adams Zeiten an gerechnet. In jedem Frühling werden sie zusammen mit anderen Arten in ein paar Tagen auferbaut, wiederbelebt und wiederversammelt. Sicherlich gibt es für die Wiedererbauung der menschlichen Leiber am Jüngsten Tage nicht nur ein solches Beispiel, sondern tausende von Beispielen.

Tatsächlich ist unsere diesseitige Welt ein Haus der Weisheit, die jenseitige aber das Haus der Macht. Darum erfordern die vielen Namen (Gottes), wie Hakim(Allweiser), Murattib(Ordner, Setzer), Mudabbir(Ordner, Leiter), Murabbi(Versorger, Lehrer), dass sich die Dinge in dieser Welt stufenweise und mit der Zeit entfalten. So wurde dies ein Erfordernis der Weisheit des Herrn. Aber da nun einmal Macht und Barmherzigkeit im Jenseits stärker in Erscheinung treten als Weisheit, werden die Dinge auf einmal erbaut, ohne eine Materie, Zeitraum, Zeitpunkt oder Zeitablauf zu benötigen. Als Hinweis darauf, dass die Dinge, die hier einen Tag oder ein Jahr benötigen, im

Jenseits plötzlich, in einem Augenblick erbaut werden, ergeht im Qur'an, dessen Verkündigung ein Wunder ist, der Erlass (ferman):

وَ مَآ اَمْرُ السَّاعَةِ اِلاَّ كَلَمْحِ الْبَصَرِ اَوْ هُوَ اَقْرَبُ

{"Es ist aber die Angelegenheit der 'Stunde' nur ein Augenblick oder noch weniger." (Sure 16, 77)}

Wer mit der Sicherheit des kommenden Frühlings an die künftige Auferstehung glauben möchte, der siehe einmal im zehnten und im "Neunundzwanzigsten Wort" nach und lese es aufmerksam! Glaubst du dann immer noch nicht mit der Sicherheit des kommenden Frühlings, dann magst du mich tadeln, wenn du das Gegenteil beweisen kannst!

Vierte Problemstellung:

Der Untergang der Welt und der Anbruch des Jüngsten Tages: Würde einmal ein Planet oder ein Komet auf Befehl seines Herrn mit der Erdkugel, die unsere Herberge ist, zusammenstoßen, so könnte diese unsere Herberge zerstört werden. Ebenso könnte ein Schloss, das in zehn Jahren erbaut wurde, in einer einzigen Minute wieder zerstört werden.

Vierter Teil eines Briefes zum "Zehnten Wort" - ein wichtiger Anhang.

قَالَ مَنْ يُحْيِ الْعِظَامَ وَهِىَ رَمِيمٌ ٭ قُلْ يُحْيِيهَا الَّذِ اَنْشَاَهَآ اَوَّلَ مَرَّةٍ وَهُوَ بِكُلِّ خَلْقٍ عَلِيمٌ

{"Er sagte: Wer wird die Gebeine wieder beleben, nachdem sie bereits vermodert sind? Sprich: Wiederbeleben wird sie der, welcher sie das erste Maler baute; denn Er weiß um jegliche Schöpfung." (Sure 36, 78-79)}

Das bedeutet: Der Mensch sagt: "Wer wird die vermoderten Gebeine wiederbeleben?" Sage nun du: "Der, welcher sie am Anfang erbaut und ihnen Leben verliehen hat, der wird sie auch wiederbeleben."

Wie wir im dritten Gleichnis der Neunten Wahrheit im "Zehnten Wort" dargelegt haben, könnte jemand, nachdem eine Persönlichkeit an einem einzigen Tage vor den Augen ein ganz neues Heer aufgestellt hatte, sagen: "Diese Persönlichkeit kann ein Bataillon, dessen einzelne Soldaten sich in einer Pause zerstreut hatten, mit einem Posaunenstoß wieder versammeln und sie wieder zur Ordnung eines Bataillons zurückrufen." Sagtest du, oh Mensch, dann: "Ich kann das nicht glauben.", dann weißt du sehr wohl, wie wahnwitzig dein Leugnen ist. In ähnlicher Weise könnte man fragen, wie der Herr in Seiner Allmacht und Allwissenheit, Er, der aus dem Nichts alle Tiere und all die anderen Lebewesen gleich einem neu erstellten Heer, alle die Bestandteile und alle die Fähigkeiten des Körpers, Bataillonen gleich, in vollkommener Ordnung und ausgewogener Weisheit aushebt und ihnen mit Seinem Wort: كُنْ فَيَكُونُ {"Sei! Und es ist."} den Stellungsbefehl erteilt, und der so in jedem Menschenalter, {Qarn: etwa sechzig Jahre (A.d.Ü.)} ja, sogar in jedem Frühling über die Erde hin

hunderttausende Arten und Gruppen von Lebewesen gleich Heeren aufstellt, mit einem einzigen Posaunenstoß aus Israfils Sur alle die kleinen, aber notwendigen Zellen sowie alle die wesentlichen Organe, die ja mit dem Körper bereits Bekanntschaft geschlossen und in ihm wie unter der Ordnung eines Bataillons gedient hatten, wiederversammeln könne. Darf man überhaupt so fragen und das für unmöglich halten? Es wäre dies doch ein wahnwitziger Irrsinn.

Überdies geschieht es zuweilen, dass der Qur'an Staunen erregende Taten erwähnt, die Gott der Gerechte in dieser Welt vollbringt, um den Menschen auf Seine wunderbaren Taten im Jenseits vorzubereiten, damit dieser sie in seinem Herzen annehme und mit seinem Verstande bestätige. Oder es werden darin die Staunen erregenden Taten erwähnt, die Er in der Zukunft (d.h. beim Weltuntergang) und im Jenseits (d.h. beim Weltgericht) vollbringen wird, damit wir durch die Beobachtung vergleichbarer Ereignisse davon überzeugt werden.

Zum Beispiel:

اَوَلَمْ يَرَالاِنْسَانُ اَنَّا خَلَقْنَاهُ مِنْ نُطْفَةٍ فَاِذَا هُوَ خَصِيمٌ مُبِينٌ

{"Sieht der Mensch etwa nicht, dass Wir ihn aus einem Samentropfen erschaffen haben. Doch er ist uns ein offener Kritiker geworden." (16, 4)}

usw. bis zum Ende dieser Sure... So also beweist der Weise Qur'an in der Frage der Wiederversammlung die Auferstehung auf sieben, acht Arten, in verschiedener Form.

Zunächst stellt er uns unsere erste Entstehung (nesh'ei 'ula)vor Augen. Er sagt: von einem Samentropfen (nutfa)zu einem Blutstropfen (alaqa),von einem Blutklumpen zu einem Klumpen Fleisch (mudgha)könnt ihr die Erschaffung des Menschen bis zu seiner Vollendung beobachten... Wie also nun könnt ihr eure zweite Entstehung (nesh'e-i uhra)noch leugnen? Sie gleicht doch der ersten, und ist vielleicht sogar noch einfacher als diese. Zudem weist Gott der Gerechte auch auf die gewaltigen

Gnadengaben hin, die Er dem Menschen verliehen hat, indem Er sagt:

اَلَّذِى جَعَلَ لَكُمْ مِنَ الشَّجَرِ الاَخْضَرِ نَارًا

{"Er, welcher aus grünen Bäumen Feuer für euch gemacht hat." (36,83)}

Wird nun Er, der euch solche Gnadengaben verliehen hat, danach euch ganz und gar selbst überlassen, damit ihr euch am Ende ins Grab hinablegen und nicht wiederauferstehen solltet? Zudem sagt er (der Qur'an) indirekt auch: Ihr seht doch, wie tote Bäume von neuem wieder grün und lebendig werden. Könnt ihr nicht aus der Wiederbelebung knochentrockenen Holzes eure Schlussfolgerungen ziehen, und wollt dies für völlig unverständlich ansehen? Ja, sollte denn der, welcher Himmel und Erde erschaffen hat, über Leben und Tod des Menschen, der doch die Frucht der Himmel und Erden ist, keine Macht besitzen? Ja, sollte denn der, welcher diesen riesigen Baum gepflegt hat, der Frucht dieses Baumes keinen Wert mehr beimessen, und sie einem anderen überlassen? Ja, könntet ihr euch vielleicht vorstellen, dass der, welcher den Baum der Schöpfung geformt und mit all seinen Teilen in Weisheit gebildet hat, ihn nun nutz- und sinnlos werden ließe, und all dem, was er hervorbringt, keine Beachtung mehr schenkte? Und weiter heißt es im Qur'an: Der, welcher euch zu der Wiederversammlung auferwecken wird, ist jener Herr (Dhat),vor dem der gesamte Kosmos einem befehlsbereiten Soldaten gleicht. Vor Seinem Befehl: كُنْ فَيَكُونَ {"Sei und es ist."} beugt er sich in vollkommenem Gehorsam. Einen Frühling zu erschaffen, ist für Ihn ebenso leicht wie die Erschaffung einer Blume. Die gesamte Tierwelt ins Dasein zu rufen, ist für Ihn in Seiner Macht genau so leicht als handele es sich dabei bloß um eine Mücke. Man darf Ihn

nicht herausfordern und Seine Macht geringschätzend zu Ihm sagen:

مَنْ يُحْيِ الْعِظَامَ

{"Wer wird diese Gebeine wieder beleben?" (Sure 36, 78)}

Sodann wird mit der Ayah:

فَسُبْحَانَ الَّذِى بِيَدِهِ مَلَكُوتُ كُلِّ شَىْءٍ

{"Lob und Preis sei Ihm, in dessen Händen die Herrschaft (melekut) aller Dinge ruht." (Sure 36, 83)}

zum Ausdruck gebracht, dass der, welcher der Allmächtige ist in Seiner Majestät, die Zügel aller Dinge in Seinen Händen hält und die Schlüssel zu allen Dingen besitzt, und dass Er Tag und Nacht, Sommer und Winter so leicht umblättert wie die Seiten eines Buches. Diesseits und Jenseits gleichen zwei Wohnstätten, deren eine Er öffnet und deren andere Er schließt.

Da dies nun einmal so ist, so zeigt es sich als Schlussfolgerung aller Beweisführung: وَاِلَيْهِ تُرْجَعُونَ {"Und zu Ihm werdet ihr zurückkehren." (Sure 36, 83)} d.h. Er wird euch aus dem Grabe heraus wieder zum Leben zurück und zur Wiederversammlung führen. In Seiner Gegenwart und Größe wird Er euch eure Rechnung vorlegen.

Diese Ayat haben also den Verstand darauf vorbereitet, den Glauben an die Wiederversammlung zu bestätigen. Sie haben auch das Herz bereit gemacht. Denn sie haben auch am Beispiel irdischer Geschehnisse deren Abbilder aufgezeigt. Zudem geschieht es manchmal, dass er (der Qur'an) Seine künftigen Taten in der Weise erwähnt, dass deren irdische Entsprechungen dadurch in uns wachgerufen werden, sodass sie für unmöglich zu halten oder zu leugnen, kein Raum mehr bleibt.

Z.B: اِذَا الشَّمْسُ كُوِّرَتْ usw.; اِذَا السَّمَآءُ انْفَطَرَتْ usw.; اِذَا السَّمآءُ انْشَقَّتْ usw.

{"Wenn die Sonne zusammengefaltet wird,..." (Sure 81, 1) "Wenn der Himmel sich spaltet,..." (Sure 82, 1) "Wenn der Himmel zerreißt,..." (Sure 84, 1)}

In solchen Suren werden die gewaltigen Umwälzungen und all das, was Seine Herrschaft bei der Auferstehung und Wiederversammlung verfügt, in der Weise erwähnt, dass der Mensch diese Umwälzungen, die dem Herzen Furcht einflößen und den Verstand überwältigen, leicht anzunehmen vermag, weil er ihre Entsprechungen in der Welt, z.B. im Herbst und im Frühling sehen kann. Auch nur ein zusammenfassender Hinweis auf den Inhalt dieser drei Suren würde hier zu weit führen. Wir wollen deshalb hier nur eine einzige Ayah als Beispiel anführen.

Mit den Worten: اِذَا الصُّحُفُ نُشِرَتْ {"Wenn die Blätter ausgebreitet werden,..." (Sure 81, 10)} wird zum Ausdruck gebracht, dass bei der Wiederversammlung alle Taten jedes Menschen, wie auf einer einzigen Seite zusammengetragen, ausgebreitet werden. Dieses Problem für sich allein betrachtet erscheint uns recht eigenartig und dem Verstand unzugänglich. Aber so wie diese Sure darauf hinweist, findet die Ausbreitung der Blätter ganz offensichtlich ebenso ihre Entsprechung in der Wiederversammlung des Frühlings wie auch anderer vergleichbarer Geschehnisse. Denn jeder fruchttragende Baum und jede blühende Pflanze hat ihre Pflichten und Aufgaben, ihre Aktivitäten und Funktionen und ihre Prädikate. Je nach ihrer Form, in der sie die Namen Gottes zeigen, zelebrieren sie lobend und preisend den Dienst an ihrem Herrn. So ist die Funktion,

die Lebens- und Wachstumsgeschichte einer jeden Pflanze allen ihren Samenkernen und Körnern eingegeben, wenn diese in einem neuen Frühling und an einem anderen Ort wieder aus dem Boden hervorkommen werden. Mit der Form und Gestalt, in der sie sich uns zeigen, wird ganz klar ersichtlich, wie sie Ursprung und Herkunft ihrer Taten und Aufgaben gedenken und ihre Äste und Zweige, ihre Blätter und Blüten ausbreiten und ihre Früchte hervorbringen, und so auch die Blätter ihrer Taten und Aufgaben ausbreiten. In der Tat vollbringt der Gleiche voll Weisheit und als ein Verständiger (Hakim),voll Achtsamkeit und als ein Beschützer (Hafis),voll Umsicht und als ein Führer (Mudabbir),voll Fürsorge und als ein Lehrer (Murabbi),ja, voll Zärtlichkeit und als ein Vollender (Latif)alle diese Werke, der gesagt hat:

اِذَا الصُّحُفُ نُشِرَتْ

{"Wenn die Blätter ausgebreitet werden,..." (Sure 81, 10)}

Man möge nun ähnliche Qur'anstellen zum Vergleich heranziehen! Und Möglichkeiten ausdeuten! Um eine Hilfestellung zu geben, wollen wir noch hinzufügen, dass die Ayah: اِذَا الشَّمْسُ كُوِّرَتْ {"Wenn die Sonne zusammengefaltet wird." (Sure 81, 1)} mit dem Ausdruck Zusammenfalten, Umhüllung (tekvir)auf das folgende glänzende Beispiel hinweist, und auf dessen Entsprechung anspielt.

Erstens:

In der Tat hat Gott der Gerechte die Schleier des Nicht-Seins, des Äthers und des Himmels geöffnet, um die Sonne, einer diamantenen Lampe gleich, aus der Schatzkammer seiner Barmherzigkeit zur Erleuchtung der Welt hervorzuholen und der Welt zu zeigen. Nachdem diese Welt geschlossen worden ist, wird Er dieses Juwel wieder in seine Schleier einhüllen und zurückbringen.

Zweitens:

Man kann die Sonne auch als eine Art Beamten betrachten, der damit beauftragt ist, die guten Eigenschaften des Lichtes auszuteilen und dafür Sorge zu tragen, dass es sich hier auf Erden mit der Finsternis abwechselt. Zwar sammelt nun dieser Beamte jeden Abend sein Gut ein und verbirgt sich; es kann aber auch sein, dass sein Geschäft durch den Schleier einer Wolke vermindert wird oder es kann sein, dass der Mond zu einem Schleier vor seinem Antlitz wird und ihn in seinem Dienst zum Teil behindert. So wie er nun seine Güter und das Buch seiner Taten einsammelt, so wird er sicherlich auch einmal von seinen Pflichten entbunden werden. Und sollte es auch keinen Grund für seine Entlassung geben, so finden sich doch zwei Flecken in seinem Gesicht, die sich vergrößern, die zwar jetzt noch klein sind, doch wachsend sein Gesicht bedecken werden. Dann wird die Sonne auf den Befehl des Herrn das Licht, das sie jetzt um das Haupt der Erde geschlungen hat, mit göttlicher Erlaubnis um den eigenen Kopf winden. Und es wird zu ihr gesagt werden: "Auf! Fahre nun zur Hölle hinab und verbrenne dort diejenigen, die dich angebetet haben, und so mit ihrer Treulosigkeit eine gehorsame Dienerin wie dich verspottet haben!" So trägt sie mit ihrem schwarzbefleckten Gesicht den Erlass (ferman)vor:

اِذَا الشَّمْسُ كُوِّرَتْ

{"Wenn die Sonne zusammengefaltet wird." (Sure 81, 1)}

Fünfter Teil eines Briefes zum "Zehnten Wort" - ein wichtiger Anhang.

In der Tat haben alle die hundertvierundzwanzigtausend Propheten, welche nach allgemeiner Überlieferung (Nass-i Hadith)den edelsten Teil der Menschheit verkörpern, gemeinsam und übereinstimmend (tevatur)verkündet, und zwar gestützt teils auf ihre eigene Zeugenschaft (shuhud),teils auf die Gewissheit ihrer Wahrhaftigkeit (haqqa l-yaqin),dass über die Existenz eines Jenseits Einmütigkeit besteht und alle Menschen dorthin verbracht werden, so wie es der Schöpfer des Alls fest versprochen hat, sie in das Jenseits hinüberzuführen. In ähnlicher Weise bezeugen auch die hundertvierundzwanzig Millionen Heiligen (auliya),welche die Berichte (der Propheten) mit ihren Beobachtungen, Entdeckungen (keshif)und Zeugnissen (shuhud)als gesichertes Wissen ('ilme l-yaqin)bestätigen, dass es ein Jenseits gibt. Auch alle Namen des weisen Baumeisters des Alls, deren Manifestationen in dieser Welt sichtbar werden, erfordern ganz offensichtlich eine beständige Welt und bezeugen wiederum die Existenz des Jenseits. Jedes Jahr im Frühling empfangen alle diese unzählbar vielen, wie tot auf ihren Beinen stehenden Skelette der Bäume, auf dem ganzen Erdenrund von der grenzenlos Urewigen Macht (qudret-i edhel)auf den Befehl: كُن ْفَيَكُونَ {"Sei und es ist."} ein neues Leben, offenbaren بَعْثُ بَعْدَ الْمَوْتِ {"Auferstehung nach dem Tode."} werden die dreihunderttausend Pflanzenarten und Tiergattungen auferweckt und wiederversammelt, bilden hunderttausende Entsprechungen der Auferstehung und Wiederversammlung. So ist auch die ewige Weisheit (hikmet-i ebed)niemals kleinlich berechnend (hesabsiz)und dennoch niemals großzügig verschwendend (israfsiz).

So erfordert auch die Beständige Barmherzigkeit (rahmet-i baqiye)und das immerwährende Gnadengeschenk (inayet-i da'ima),das alles, was da lebt und der Nahrung bedarf, in vollkommener Liebe (kemal-i shefqat)auf wunderbare Weise ernährt und jeden Frühling in kurzer Zeit Arten von Schönheit und Wert ohne Zahl und Grenze hervorbringt, ganz offensichtlich die Existenz eines Jenseits. Schließlich gibt es da noch diese starke, unerschütterliche und immerwährende Liebe zur Beständigkeit, Begeisterung für die Ewigkeit und Hoffnung auf Unsterblichkeit im Menschen, der die vollkommenste Frucht der Schöpfung, das bevorzugte Kunstwerk des Meisters der Schöpfung ist, und mit allem, was da ist und lebt, in dieser Schöpfung am stärksten verbunden ist, die ganz offensichtlich ein Zeichen und Beweis dafür ist, dass wir nach dem Ende dieser vergänglichen Welt eine beständige Welt, eine jenseitige Wohnstatt und einen Ort der Glückseligkeit vorfinden werden. Und dieser Beweis trägt in sich eine so absolute Sicherheit, dass man die Existenz des Jenseits genau so klar und offen annehmen muss, wie die Existenz des Diesseits.

{(*): In der Tat ersieht man aus dem folgenden Beispiel, wie leicht es ist, eine Nachricht positiv aufzunehmen, und wie außerordentlich schwierig es ist, sie zu bestreiten oder zu widerlegen. Sagt also jemand: "Es gibt auf dieser Welt einen gar seltsamen und wunderbaren Garten, wo Milch in Dosen wächst.", und ein anderer wollte sagen: "So etwas gibt es nicht.", so könnte der erstere seine Behauptung ganz leicht dadurch beweisen, dass er uns diesen Garten zeigt oder einige Früchte aus ihm herbei bringt. Der andere aber, welcher das bestreitet und diese Behauptung widerlegen wollte, müsste zum Beweis dafür die ganze Welt vorführen und besichtigen. Wenn wir einmal davon absehen, dass diejenigen, die uns Nachricht bringen über das Paradies, uns hunderttausende von Absonderungen, Früchten und Spuren dessen gezeigt haben, so genügen in gleicher Weise bereits die Zeugnisse, die dies aufgrund zweier zuverlässiger Zeugen fest belegen. Wer dies aber abstreiten will, muss das ganze grenzenlose All und die ganze unbegrenzte Zeit betrachten und besichtigen, und - nachdem er alles durchsiebt hat - den Gegenbeweis antreten, und so diese Nicht-Existenz vor Augen führen. So, oh ihr meine alten Brüder (dieser Anhang entstammt einer Abhandlung für alte Leute), könnt ihr nun verstehen, wie stark der Glaube an das Jenseits ist...}

Da aber nun einmal der wichtigste Unterricht, den uns der Weise Qur'an erteilt, der Glaube an das Jenseits ist, ist dieser Glaube so stark, und liegen in diesem Glauben eine solche Hoffnung und eine solche Tröstung, dass die Tröstung, die aus diesem Glauben hervorgeht, dazu im Stande ist, dem Alter, das den Menschen befällt, hunderttausendfach Widerpart zu bieten. Wir alten Leute sollten

اَلْحَمْدُ لِلَّهِ عَلَى كَمَالِ اْلاِيمَانِ

{"Lobpreis und Dank sei Allah für die Vollkommenheit des Glaubens!"}

sagen und uns unseres Alters erfreuen.

Elftes Wort

بِسْمِ اللَّهِ الرَّحْمَنِ الرَّحِيمِ ٭ وَالشَّمْسِ وَضُحَيهَا ٭ وَالْقَمَرِ اِذَا تَلَيهَا ٭ وَالنَّهَارِ اِذَا جَلَّيهَا ٭ وَ الَّيْلِ اِذَا يَغْشَيهَا ٭ وَ نَفْسٍ وَمَا سَوَّيهَا ٭ وَ اْلاَرْضِ وَمَا طَحَيهَا ٭ وَ السَّمَآءِ وَمَا بَنَيهَا

{"Im Namen Allahs, des Erbarmers, des Barmherzigen.

Bei der Sonne und ihrem Strahlenglanz

und bei dem Mond, welcher ihr folgt,

und bei dem Tage, wenn er sie in ihrer Pracht zeigt,

und bei der Nacht, die sie bedeckt,

und bei dem Himmel und dem, welcher ihn baute,

und bei der Erde und dem, welcher sie ausbreitete,

bei der Seele und dem, welcher sie bildete

und ihr die Neigung zu Schlechtigkeit und Geradheit eingegeben hat,

wohl dem, der sie läutert;

Elend aber der, welcher sie unter Sünden begräbt!" (Sure 91, 1-10)}

Oh Bruder! Wenn du die verborgenen Geheimnisse und Mysterien der Erschaffung des Kosmos und des Menschen schauen, Sinn und Weisheit des Gebetes begreifen willst, betrachte gemeinsam mit meiner Seele die folgende gleichnishafte Erzählung:

Es war einmal ein König. Seine Reichtümer füllten viele Schatzkammern. In diesen Schatzkammern gab es alle Arten von Juwelen, Diamanten und Smaragden. Einzigartige Schätze gab es da, die noch verborgen waren. Und es waren da wundervolle Kunstwerke, die Seine vielfältige Meisterschaft und Vollkommenheit offenbarten. Und auch Seine Kenntnisse umfassten alle die Staunen erregenden Wissenschaften. Darüber hinaus schloss Sein Wissen auch noch unzählige schöne Künste mit ein. Es entspricht dem Geheimnis eines jeden Herrn in

Schönheit und Vollkommenheit, dass er die Schönheit in seiner Vollkommenheit und die Vollkommenheit in seiner Schönheit betrachten möchte und möchte, dass sie von anderen betrachtet werde. Deshalb wollte auch dieser ruhmreiche König eine Messe eröffnen, um den Menschen den Glanz Seines Reiches, Seine kostbaren Schätze, die Wunderwerke Seiner Kunst und die bewunderungswürdigen Resultate Seiner Wissenschaften an den Ständen dort vor Augen zu führen. So wollte Er von Seiner zuvor noch unsichtbaren Schönheit und Vollkommenheit auf zweierlei Weise Zeugnis geben:

In erster Hinsicht, damit Er sie in eigener Person und mit den Augen des sachkundigen Fachmannes betrachte,

Zum zweiten, damit Er sie mit den Augen der anderen sehe.

Zu diesem Zweck begann Er damit ein riesengroßes, prachtvolles Schloss zu bauen. Auf meisterhafte Weise unterteilte Er es durch Höfe und Säle, schmückte diese mit den unterschiedlichsten Juwelen aus Seiner Schatzkammer, stattete es mit den schönsten, feinsten Arbeiten der Kunst und des Handwerks aus, ordnete und gestaltete alles bis ins Einzelne nach Kenntnis der besonderen Gegebenheiten und Zusammenhänge. Nachdem Er das ganze Schloss mit wunderbaren und staunenswerten Werken der schönen Künste ausgestaltet und vollendet hatte, ließ Er darin Tische mit den verschiedensten, wohlschmeckenden Speisen aufstellen und verteilte so Seine Gnadengaben. In jeder Abteilung hatte Er für die einzelnen Gruppen einen besonderen Tisch vorbereitet. Ja, Er hatte ein öffentliches Fest mit einer derartigen Freigiebigkeit und einem solchen künstlerischen Einfallsreichtum vorbereitet und auf den Tischen viele kostbare Geschenke verteilt, als ob mit jedem von ihnen hundert erlesene Kunstwerke Gestalt angenommen hätten. Dann lud Er von allen Enden Seines Reiches die Bewohner und Untertanen zu einer Besichtigung, einem Ausflug, einem Gastmahl ein. Dann erklärte Er Seinem ehrwürdigen Botschafter den Sinn des Palastes und die Bedeutung seiner

Einrichtung und ernannte ihn zu Seinem Lehrer und Sprecher darin. Er sollte den Leuten anhand der Einrichtung des Schlosses den Erbauer des Schlosses nahe bringen, die Dekorationen des Schlosses erklären und seine Allegorien auslegen, sie dessen Piktographie lehren und was die Harmonie seiner Ornamente und die Ausgewogenheit seiner Verzierungen ist, in welcher Weise sie auf die Vollkommenheit und Meisterschaft des Schlossherrn hindeuten, und die Besucher des Schlosses solcher Art unterweisen und sie über die Besucherordnung und das Zeremoniell der Besichtigung informieren, sowie ihnen entsprechend dem Wohlgefallen des Königs, der ihnen verborgen blieb, den Ablauf der Audienz schildern.

Und siehe: Es findet sich da für den Lehrer und Meister in jedem Teil des Schlosses ein Stellvertreter und Gehilfe. Er selbst aber nimmt den höchsten Platz innerhalb seiner Schüler ein und unterrichtet alle Besucher folgendermaßen:

"Oh ihr Leute! Der König dieses Schlosses, welcher unser Herr ist, will sich euch dadurch bekannt machen, dass Er euch diese Dinge hier zeigt und dieses Schloss aufbaute. Auch ihr sollt euch darum bemühen, Ihn kennen zu lernen und Ihn richtig zu verstehen. Zudem möchte Er sich euch mit dieser Einrichtung hier liebenswert machen. Und auch ihr werdet dadurch, dass ihr Seine Kunstwerke hochschätzt und Seine Taten rühmt, verdienen, dass Er euch liebt. Und weiter hat Er euch schon durch diese Gnadengeschenke hier vor euren Augen Seine Zuneigung bewiesen. Dementsprechend sollt auch ihr Ihm durch euren Gehorsam eure Zuneigung erweisen. Und weiter hat Er euch durch diese vielen Gaben und Seine Gastfreundschaft Seine Liebe und Sein Erbarmen bewiesen. Dementsprechend sollt auch ihr Ihm durch eure Dankbarkeit eure Ehrerbietung erweisen. Und weiter möchte Er durch die Werke Seiner Vollkommenheit auf die Schönheit Seiner Namen hinweisen. Dementsprechend sollt auch ihr mit Sehnsucht danach verlangen, Ihn zu sehen und Sein Wohlwollen zu erwerben. Und weiter

möchte Er euch dadurch, dass Er allen diesen Kunstwerken und Ornamenten, die ihr hier vor euch seht, welchen Er jeweils mit Seinem eigenen Stempel und Seinem persönlichen Siegel eine unfälschbare Prägung verliehen hat, zeigen, dass alles Ihm zu eigen ist und dass dies alles das Werk Seiner Hand ist, und dass Er allein der Herr ist, der Alleinige, der Einzige. Dementsprechend sollt auch ihr Ihn als den Einen, den Einzigen und Alleinigen erkennen und anerkennen - Ihn, der nicht Seinesgleichen kennt." Solche Worte sprach er und auch noch andere, wie sie ihm und seinem Amt angemessen waren. Daraufhin teilten sich die Ankommenden in zwei Gruppen auf.

Erste Gruppe:

Diese Leute, weil sie sich selber kannten, Verstand im Kopf und das Herz auf dem rechten Fleck hatten, betrachteten die staunenswerten Werke in diesem Schlosse und sagten: "In ihnen muss etwas Großes verborgen sein." Und weiter verstanden sie, dass sie nicht ohne Zweck sind, dass sie nicht einfach ein Spielzeug sind. Darum erwachte ihr Interesse. "Was mag das hier wohl bedeuten, was verbirgt sich dahinter?" sagten sie. Während sie darüber nachdachten, hatten sie plötzlich die Rede des Lehrers und Meisters gehört und verstanden: Bei ihm liegen die Schlüssel zu allen Geheimnissen. Da gingen sie, wandten sich an ihn und sagten: "Friede sei mit dir, Meister! Ein solch prächtiges Schloss braucht wahrlich einen solchen aufrichtigen und klarsichtigen Verkünder wie dich. Ja, was unser Herr dir offenbart hat, sollst du uns lehren und erklären." Da erklärte der Botschafter ihnen die Ansprache, die er gehalten hatte. Sie hörten aufmerksam zu, nahmen auch alles an und zogen viele gute Lehren daraus.

So taten sie, was dem König wohlgefiel. Weil aber der König mit ihrem vorbildlichen Verhalten zufrieden war, lud Er sie noch in ein anderes, noch größeres, unbeschreiblich schönes Schloss ein und hieß sie darin willkommen. Dazu erwies Er ihnen alle Ehren, so wie es der Großmut eines solchen Königs geziemt und wie es solch gehorsamen Leuten entspricht und wie es sich für solche Gäste

gebührt und wie es der Größe eines solchen Schlosses entspricht... Und Er schenkte ihnen ewige Glückseligkeit.

Was aber die zweite Gruppe betrifft,

so waren sie in ihrer Gesinnung verdorben und hatten ihr Mitgefühl verloren. In den Fesseln ihrer Begierden hatten sie, als sie in das Schloss eintraten, für nichts anderes mehr Interesse als für die köstlichen Speisen.

Sie hatten vor all der Schönheit die Augen geschlossen und vor den Weisungen des Lehrers und den Ermahnungen seiner Schüler die Ohren verstopft. Sie schlugen sich den Bauch voll wie die Tiere und fielen in Schlaf. Sie tranken von dem Rauschtrank, der dort nicht zum Trinken, sondern für andere Zwecke bereit stand. Betrunken schrieen sie gewaltig und brachten alles durcheinander. Die Gäste und Besucher versetzten sie in große Unruhe und begingen Unverschämtheiten entgegen den Anweisungen des Schlossherrn. Da nahmen sie die Soldaten des Schlossherrn und warfen sie ins Gefängnis, wie es derart Sittenlosen gebührt.

Oh Freund, der du mit mir zusammen diese Geschichte gehört hast! Sicherlich hast du verstanden, dass dieser ruhmreiche König dieses Schloss mit der obenerwähnten Absicht erbaut hat. Die Durchführung seines Planes aber ist von zwei Dingen abhängig:

Erstens:

Es muss diesen Botschafter, den wir hier vor uns sehen und dessen Rede wir gehört haben, geben. Denn gäbe es ihn nicht, würden alle seine Pläne zunichte. Denn ein Buch, das man nicht versteht, bleibt - ohne Lehrer - nur Papier ohne Sinn.

Zweitens:

Die Menschen müssen die Worte des Botschafters annehmen und ihm gehorchen. Das heißt, das Kommen des Botschafters machte die Erbauung des Schlosses notwendig und die Menschen, welche ihm zuhören, sind die Bedingung für die Erhaltung des Schlosses. Wenn das aber so ist, kann man sagen: Gäbe es den Botschafter nicht, hätte dieser ruhmreiche König dieses Schloss nicht erbaut. Und weiter kann man sagen:

Wenn die Anweisungen des Botschafters von den Leuten nicht mehr befolgt werden, wird dieses Schloss sicherlich umgebaut und umgewandelt werden.

Oh mein Freund! Diese Geschichte ist hier zu Ende. Nachdem du gehört hast, worauf dieses Gleichnis hinweisen möchte, komm nun und betrachte die Ausdeutung seiner Bilder.

Da ist nun also das Schloss, diese Welt hier, dessen Dach der Himmel bildet, von dem die Sterne hernieder strahlen und ihn mit ihrem Lächeln erleuchten. Sein Grund und Boden aber ist das Antlitz der Erde, im Osten wie im Westen über und über mit Blumen geschmückt.

Der König aber ist der Herr der Heiligkeit, der Sultan von Ewigkeit zu Ewigkeit, den die Sieben Himmel und die Erde und alles, was zwischen ihnen ist, jede in der ihnen eigenen Sprache lobpreisen. Und weiter ist Er der allmächtige König, der die Himmel und die Erde in sechs Tagen erschaffen hat. Vom Throne Seiner Herrschaft lässt Er den Tag und die Nacht gleich einem schwarzen und einem weißen Faden einander folgen, schreibt Seine Wunder und Zeichen auf die Seiten des Alls und Er ist der Herr, der sich in Seiner Allmacht und Majestät die Sonne, den Mond und die Sterne dienstbar gemacht hat. Die Säle des Schlosses aber sind die achtzehn tausend Welten, die Er jede für sich auf ihre Art geschmückt und gestaltet hat.

Die einzigartigen Kunstwerke aber, die wir in dem Schloss gesehen haben, sind die Wunderwerke der Allmacht des Allwissenden, so wie wir sie in dieser Welt sehen können, und das Gastmahl, das uns in dem Schloss erwartet hat, ist ein Zeichen für die wunderbaren Früchte der göttlichen Allmacht, wie wir sie in dieser Welt besonders zur Sommerzeit und besonders in den Gärten von Barla vorfinden.

Die Schlossküche aber und der Herd darin, das ist unsere Erde und das Feuer in ihrem Inneren. Die verborgenen Reichtümer und Juwelen aber, die wir in unserem Gleichnis

gesehen haben, sind ein Beispiel in Übereinstimmung mit den Manifestationen der Heiligen Namen Gottes.

Die Ornamente und Allegorien, die wir gesehen haben, aber sind die Kunstwerke, mit denen unsere Welt wohlausgewogen geschmückt ist und das harmonische Design aus der Feder der Allmacht, das auf die Namen des Allmächtigen in Seiner Glorie hinweist.

Der Botschafter ist aber unser Herr Mohammed, mit dem Friede und Segen sei. Was aber seine Helfer betrifft, so sind es die Propheten, mit denen der Friede sei, und ihre Schüler die Heiligen und die Gelehrten.

Des Weiteren sind die Diener des Herrschers in dieser Welt ein Beispiel für die Engel, mit denen der Friede sei. Die Besucher und die geladenen Gäste aber in unserem Gleichnis sind ein Beispiel für die Dschinnen und die Menschen und die Tiere, welche im Gasthaus dieser Welt die Diener des Menschen sind.

Was aber die beiden Gruppen betrifft, so ist die eine die der Gläubigen, der Schüler des Weisen Qur'an, der die Wunderzeichen des Buches der Schöpfung kommentiert. Die andere Gruppe ist die der Ungläubigen und der Aufsässigen, die nur dieses irdische Leben kennen und ihren Begierden und dem Teufel folgen. Den Tieren gleich, ja vielleicht noch niederer als sie, sind sie, stumm und taub, die Gruppe derer, die in die Irre gehen.

Die erste Schar bilden die Frommen und diejenigen, die Gottes Wohlgefallen erlangt haben. Sie haben auf den Botschafter gehört, dessen Wirkungsbereich zweiseitig ist. Dieser Botschafter ist zugleich auch Diener und Verehrer Gottes. Als Sein Diener und Verehrer stellt er seinen Herrn vor, beschreibt und erklärt Ihn in Seinen Attributen, damit er seiner Gemeinde an der Schwelle Gottes des Gerechten zugleich auch dessen Anwalt sei. Andererseits ist er auch der Botschafter, der den Menschen und Dschinnen als ein Gesandter die Gesetze seines Herrn, den Qur'an verkündet.

Diese glückliche Gemeinde hat ihren Botschafter angehört.

Sie haben ihr Ohr der Verkündigung des Qur'an geöffnet. Sie haben verstanden, dass sie nun durch das Gebet, welches alle Arten der Anbetung umfasst, mit der vornehmsten Aufgabe innerhalb vieler hoher Verpflichtungen bekleidet worden sind. In der Tat haben sie die Aufgaben und Verpflichtungen, auf die das Gebet durch seine verschiedenen Worte und Handlungen hinweist, genau verstanden. Es sind die folgenden:

Erstens:

Sie haben Seine Werke gesehen und die Herrschaft des verborgenen Königs in Seinen Großtaten erschaut. Sie haben darin ihren Auftrag als Betrachter Seiner Schönheit verstanden und in ihrer Berufung "Allah-u Ekber" gesagt, um Seine Größe anzuerkennen und zu preisen.

Zweitens:

Sie haben die Schönheiten und den Glanz Seiner Werke gesehen, welche die Manifestationen der heiligen Namen Gottes sind, und ihren Auftrag als deren Verkündiger erkannt. Sie haben "Subhanallahi velhamdulillah" gesagt und so ihrer Berufung zur Heiligung und Danksagung entsprochen.

Drittens:

Sie haben die Gnadengaben Gottes, die in den Schatzkammern der göttlichen Barmherzigkeit gespeichert sind, mit allen inneren und äußeren Sinnen verkostet. So erkannten sie ihren Auftrag und folgten sogleich ihrer Berufung zu Danksagung und Lobpreisung.

Viertens:

Sie haben die Juwelen in den Schatzkammern der göttlichen Namen abzuwägen und ihren Auftrag verstanden. Sie folgten sogleich ihrer Berufung, Ihn in Seiner Reinheit und Heiligkeit zu rühmen.

Fünftens:

Sie haben die Urkunden ihres Herrn gelesen, welche Er auf den Zeilen Seiner Vorausplanung mit der Feder Seiner unendlichen Macht geschrieben hat. Aus diesem Auftrag erwuchs ihnen ihre Berufung, darüber nachzusinnen und dem Herrn ihre Bewunderung entgegenzubringen.

Sechstens:

Sie haben in der Erschaffung der Dinge beobachtet, wie diese so fein und schön gefertigt und wie

künstlerisch sie gestaltet worden sind. Mit diesem Auftrag, den Namen Gottes zu heiligen, haben sie ihre Berufung auf sich genommen, den Schöpfer in Seiner Majestät und Meister in Seiner Vollkommenheit zu lieben und in Sehnsucht nach Ihm zu verlangen.

Mit anderen Worten: Sie haben die Schöpfung mit all ihren Kunstwerken betrachtet; und nachdem sie die obenerwähnten Aufgaben als Diener und Anbeter des Verborgenen erfüllt hatten und ihrer obigen Berufung gefolgt waren, stiegen sie zu einer Stufe auf, von wo sie auch die Handlungen und Taten des Allweisen Baumeisters beobachten konnten. Sie sagten ihrerseits voll Staunen und in der Erkenntnis des Glorreichen Schöpfers, der sich seinen bewusstseinstragenden Wesen Seinerseits in den Wunderwerken Seiner Kunst zu erkennen gegeben hatte, indem sie Ihn in Seiner Gegenwart zunächst folgendermaßen ansprachen:

سُبْحَانَكَ مَا عَرَفْنَاكَ حَقَّ مَعْرِفَتِكَ

{"Gepriesen seist Du! Nicht konnten wir Dich erkennen, wie Du mit Recht erkannt werden solltest!"}

"Das, was Dich erkennen lässt, sind die Wunderwerke all überall in Deiner Schöpfung". Danach haben sie Ihm, der sie mit den schönsten Früchten Seiner Barmherzigkeit dazu geführt hatte, Ihn zu lieben, in aller Liebe und Verehrung entgegnet:

اِيّاكَ نَعْبُدُ وَاِيّاكَ نَسْتَعِينُ

{"Dich allein beten wir an und nur von Dir erbitten wir Hilfe".}

Danach haben sie ihrem wahrhaftigen Geber, der ihnen mit Seinen köstlichen Gaben Güte und Erbarmen erwiesen hatte, mit Dank und Lobpreis entgegnet und gesagt:

سُبْحَانَكَ وَبِحَمْدِكَ

{"Gepriesen seist Du und hochgelobt."}

"Wie können wir Dir würdig und recht unseren Dank erweisen. Du bist es, der unseres Dankes in einer solchen Weise würdig ist, dass alle Deine Gnadengeschenke all überall in der Welt mit ihrem Dasein ganz offensichtlich ihren Dank und Lobpreis zum Ausdruck bringen. Des Weiteren machen alle Deine Gnadengaben, so wie sie auf dem Markt dieser Welt aufgereiht und über das Antlitz der Erde verbreitet sind weithin ihren Dank und Lobpreis bekannt. Zudem bezeugen alle die aufs Beste dargestellten Früchte Deiner Barmherzigkeit und Deine aufs Schönste angeordneten Gnadenwerke Deine Freigiebigkeit und Gastfreundschaft und statten so vor den Augen Deiner Schöpfung ihren Dank ab."

Danach haben sie Ihm, der Seine Schönheit, Majestät, Vollkommenheit und Größe im Spiegel der über das Antlitz der Erde wandernden Existenzen aufscheinen lässt, اَللَّهُ اَكْبَرُ {"Gott ist groß!"} entgegnet, sich in ihrer Schwäche voll Hochachtung verneigt und sich in Liebe und Verehrung vor Ihm niedergeworfen. Danach haben sie Ihm, der in Seinem vollkommenen Reichtum die Fülle Seines Vermögens und die Weite Seiner Barmherzigkeit geoffenbart hat, وَاِيَّاكَ نَسْتَعِينُ {"Und nur von Dir erbitten wir Hilfe."} entgegnet, ihre Armut und Bedürftigkeit vor Ihm offengelegt und so ihre Wünsche und Gebete dargebracht.

Danach haben sie Ihm, dem glorreichen Schöpfer, der Seine köstlichen, wunderbaren, fein und schön gefertigten Kunstwerke an den öffentlichen Ständen Seiner Ausstellung ausgebreitet hat, mit den Worten

مَاشَاءَ اللَّهُ {"Es ist so, wie es Allah wollte!"} entgegnet. So würdigten sie Ihn und Seine Werke und sagten voll Bewunderung: "Wie schön sind sie gemacht!".

Sie betrachteten sie und wurden zu Zeugen und sagten: بَارَكَ اللَّهُ {"Du hast sie gesegnet, Oh Gott und gesegnet seist Du!"} und legten Zeugnis ab mit den Worten: آمَنَّا {"Wir glauben!".}

"Kommt und seht!" sagten sie und riefen alle voller Freude zur Zeugenschaft auf:

حَىَّ عَلَى الْفَلاَحْ

{"Kommt zu eurem Heil!"}

Zudem haben sie Ihm, dem König von Ewigkeit zu Ewigkeit, der die Herrschaft Seines Königreiches überall im ganzen Kosmos bekannt gemacht und Seine Einheit geoffenbart hat, Gehorsam und Ergebung entgegen gebracht, Ihn in Seiner Einheit bestätigt. Sie sagen:

سَمِعْنَا وَ اَطَعْنَا

{"Wir hören und gehorchen!" (Sure 2, 285)}

Danach haben sie Ihm, dem Herrn der Welten, der Seine Göttlichkeit aufscheinen lässt, mit ihrer Anbetung, die darin besteht, dass sie ihre Hilflosigkeit in ihrer Schwäche und ihre Armseligkeit in ihrer Bedürftigkeit zum Ausdruck bringen, und mit dem Ihm schuldigen Gebet, das eine Zusammenfassung des Dienstes und der Anbetung ist, entgegnet. Auch haben sie in dieser großen Moschee, als die wir unsere irdische Behausung bezeichnen, noch dergleichen andere Aufgaben der Anbetung verrichtet,

die sie ganz und gar erfassen und welche die Verpflichtung ihres Lebens und Aufgabe ihres Daseins darstellen und so jene Gestalt erlangt, die in der Schöpfung den höchsten Rang und Wert einnimmt. Sie sind zu einer Stufe über allen Geschöpfen aufgestiegen, wodurch sie das Amt eines vertrauten Kalifen der Erde erlangten, ausgerüstet mit Glaubensstärke, Vertrauen und Sicherheit. Nach diesem Ort der Bewährung, diesem Prüfstand hat ihnen ihr freigiebiger Herr den Sold der ewigen Glückseligkeit für ihren Glauben verliehen und sie als Lohn für ihre Ergebenheit in das Haus des Friedens eingeladen. Dort hat Er sie dann in Seiner Barmherzigkeit so reichlich beschenkt, wie es noch kein Auge gesehen und wovon noch kein Ohr gehört hat und was noch in keines Menschenherz gedrungen ist. Er hat ihnen Ewigkeit und Unsterblichkeit gegeben. Denn der Betrachter einer ewigen und unsterblichen Schönheit, nach der er sich sehnt und in der er sich spiegelt, wird mit Sicherheit ewig bestehen bleiben und in die Unsterblichkeit eingehen. Das also ist der erwartete Anteil der Jünger des Qur'an. Gott der Gerechte möge uns ihnen zuzählen. Amen!...

Aber, was die andere Gruppe betrifft, die das Böse tut und öffentlich Sünde begeht, so hat sie, als sie mit ihrem Heranreifen in dieses Weltschloss eintrat, allen Beweismitteln für die Allgegenwart des Einen Unglaube entgegengebracht und allen Gnadengeschenken Gottes Undankbarkeit entgegengebracht und indem sie alles Sein verleumderisch als wertlos betrachtet, hat sie es geringgeschätzt und allen Manifestationen der Gottesnamen Zurückweisung entgegengebracht und Gott verleugnet. So hat sie in einer kurzen Zeit ein unendliches Verbrechen begangen und eine unendliche Strafe verdient. Dementgegen aber wurden dem Menschen das Lebenskapital, die menschlichen Organe und Funktionen für die oben beschriebenen sechs Aufgaben übertragen.

Oh meine verblendete Seele und mein leidenschaftlicher Freund! Glaubt ihr etwa, dass die Aufgabe eures Lebens darin bestünde, dem Beispiel der heutigen sogenannten

Zivilisation folgend, nur der Deckung des eigenen Bedarfs zu leben und - mit Verlaub zu sagen - nur darauf beschränkt ist, dem Bauch und der Begierde zu dienen. Oder glaubt ihr, dass diese Sinne und Empfindungen, welche die Triebkraft eures Lebens sind, dem Antrieb einer Maschine vergleichbar, und diese empfindlichen Organe und Werkzeuge, diese so harmonisch aufeinander abgestimmten Anlagen und Fähigkeiten, sowie die Fähigkeit zu kritischem Denken und Betrachten einzig dem Zweck dienen, sie in diesem vergänglichen Leben für die Befriedigung primitiver Begierden und niederer Gelüste zu verwenden? Nein, Gott bewahre! Vielmehr gibt es zwei Gründe dafür, dass all diese Dinge für euer Dasein erschaffen wurden und wesensgemäß in euch angelegt worden sind und ihr Zweck ist der folgende:

Zum Ersten: Gott, der wahre Geber möchte, dass alle Arten Seiner guten Gaben in Dankbarkeit wahrgenommen werden. Auch ihr sollt euch dieser bewusst werden und Ihm dafür dankbar sein, Ihn anbeten und Ihm dienen.

Zum Zweiten möchte Er euch auch alle Erscheinungen der heiligen Namen Gottes, von denen ein Großteil in der Welt erschienen ist, mit Hilfe der oben angeführten Qualitäten nach und nach verstehen lassen und euch zu erfahren, ja gleichsam zu kosten geben. Auch ihr sollt in diesem Kosten und Erfahren Ihn erkennen und zum Glauben an Ihn gelangen.

Demgemäß kann sich die menschliche Vollkommenheit aus diesen beiden Wurzeln heraus entfalten und so wird der Mensch zum Menschen.

Seine Qualitäten wurden ihm nicht gegeben, ein Leben zu gewinnen, das dem gleicht, wie ein Tier sein Leben lebt. Betrachten wir diese tiefe Weisheit in folgendem Gleichnis:

Es habe zum Beispiel ein Herr seinem Diener zwanzig Goldstücke gegeben, damit er sich von einem bestimmten Stoffe einen Anzug kaufen solle. Dieser Diener ging und kaufte einen wunderbaren Anzug vom besten Stoff

und bekleidete sich damit.

Nun sehen wir im nächsten Bild: Es habe dieser Herr einem anderen Diener tausend Goldstücke gegeben, ihm auf einem Stück Papier einige Dinge aufgeschrieben, ihm in seine Tasche gesteckt und ihn damit zu einem Handel gesandt. Nun wird jeder, der Verstand im Kopf hat, wissen, dass dieses Kapital nicht dazu da ist, einen Anzug zu kaufen. Denn der erste Diener hatte mit den zwanzig Goldstücken einen Anzug von bestem Stoff gekauft. So sollten diese tausend Goldstücke sicherlich nicht für einen Anzug ausgegeben werden. Wenn aber nun dieser zweite Diener den Zettel in seiner Tasche nicht lesen würde, sondern dem ersten Diener folgend das ganze Geld einem Kaufmann für einen Anzug gäbe, dafür aber den schäbigsten Anzug erhielte, der noch dazu fünfzigmal schlechter wäre als der Anzug seines Kollegen, so würde dieser Diener sicherlich für die grenzenlose Dummheit, die er begangen hätte, mit aller Strenge zur Rechenschaft gezogen und schwer bestraft werden.

Oh meine Seele und du mein Freund! Sammelt euren Verstand! Verausgabt nicht euer Lebenskapital und die Talente eures Lebens wie ein Tier, ja in einem Grade, der noch weit unter dem eines Tieres liegt, nur für dieses vergängliche Leben und seine irdischen Genüsse. Anderenfalls werdet ihr, obwohl doch euer Leben von seiner Qualität her fünfzigmal über dem höchstentwickeltsten Tier steht, noch fünfzigmal tiefer als das niederste unter ihnen fallen.

Oh meine sorglose Seele! Wenn du auch nur in geringem Maße das Ziel deines Lebens erkennen, sein Wesen erfassen, seine Gestalt begreifen, seine tiefe Wahrheit erschauen, seine vollkommene Glückseligkeit erfahren möchtest, so siehe: Alle Ziele deines Lebens liegen in den folgenden neun Anweisungen beschlossen.

Erstens:

Mit der Waage der in deinem Körper angelegten Sinne die Gnadengaben, die in den Schatzkammern der Barmherzigkeit Gottes aufbewahrt sind, zu wägen und für sie alle deine Dankbarkeit zu erweisen.

Zweitens:

Mit den Schlüsseln der in dir wesensgemäß angelegten Qualitäten die verborgenen Schatzkammern der heiligen Namen Gottes zu öffnen und den Herrn der Heiligkeit durch diese Namen zu erkennen.

Drittens:

Die einzigartigen Kunstwerke und feinsinnigen Manifestationen der Namen Gottes in den Ausstellungen dieser Welt vor den Augen der Geschöpfe bewusst in deinem Leben darzulegen und vorzustellen.

Viertens:

An der Schwelle zur Herrschaft deines Schöpfers deinen Dienst und deine Anbetung mit Wort und Tat und in deiner ganzen Haltung zum Ausdruck zu bringen.

Fünftens:

Wie ein Soldat die verschiedenen Orden, die ihm sein König verliehen hat, an offiziellen Tagen anlegt und so die Auszeichnungen seiner Huld dadurch zeigt, dass er mit ihnen vor den Augen seiner Majestät erscheint, sollst auch du dich bewusst mit deinen menschlichen Qualitäten, die die Manifestationen der Gottesnamen dir verliehen haben, schmücken und so vor den Augen des Ewigen Zeugen erscheinen, vor Ihm, der alles bezeugt und sie alle zu Zeugen aufruft.

Sechstens:

Alles, was Leben in sich enthält, bringt seinem Schöpfer seine Früchte, die eine Erscheinungsform des Lebens sind, als lebendige Geschenke dar, lobpreist in diesen Zeichen des Lebens seinen Meister in der Erscheinung seines Lebens, möchte mit diesen Produkten und Resultaten dem Spender des Lebens dienen und Ihn anbeten. Dies alles sollst du im Bewusstsein betrachten, im Schauen darüber nachdenken und im Vorstellen bezeugen.

Siebtens:

Dein eigenes Wissen, deine Fähigkeiten, deinen Willen und dergleichen kleine Abbildungen der Attribute und Eigenschaften Gottes, die dir für dein Leben gegeben worden sind, als Maßeinheit anzunehmen, und die absoluten Eigenschaften und Heiligen Attribute des Glorreichen Schöpfers mit Hilfe dieser Maßstäbe zu erkennen. Wenn du zum Beispiel mit deiner eigenen Kraft und deinem eigenen Wissen und mit deinem eigenen

Willen dieses Haus wohlgeordnet gebaut hast, sollst du in dem Vergleich zwischen dem Weltenschloss zu deinem eigenen Häuschen den Baumeister dieser Welt anhand dieses Verhältnisses als den Allmächtigen, Allweisen, Allwissenden, Lenker und Leiter erkennen.

Achtens:

Ihrem jeweils eigenen Ausdruck entsprechend die Bedeutung der Worte der Existenzen in dieser Welt über die Allgegenwart eines einzigen Schöpfers und Seine Königsherrschaft zu verstehen.

Neuntens:

Mit deiner Hilflosigkeit und Schwäche, deiner Armseligkeit und Bedürftigkeit als Maßstab die verschiedenen Abstufungen in den Manifestationen der göttlichen Macht und des Reichtums deines Herrn zu begreifen. Wie man zum Beispiel je nach der Stärke des Hungers und je nach der Verschiedenheit der Bedürfnisse den Geschmack des Essens in seinen verschiedenen Arten und Abstufungen zu unterscheiden versteht, genauso sollst auch du in deiner grenzenlosen Schwäche und Armseligkeit, die grenzenlose Macht und den Reichtum Gottes in seinen verschiedenen Abstufungen erkennen und verstehen.

Dieses also und noch andere ähnliche Anweisungen sind kurz gefasst die Ziele deines Lebens.

Betrachte nun das Wesen deines eigenen Lebens, dessen einzelne Blickpunkte sich folgendermaßen aufzählen lassen:

Es ist eine Liste einzigartiger Werke, hervorgebracht durch die Manifestationen Gottes... und weiter ist es die Elle, an der die Attribute und Taten Gottes gemessen werden können... und weiter ist es eine Waage aller Welten... und weiter ist es ein Inhaltsverzeichnis dieser unserer Welt... und weiter ist es eine Landkarte des Kosmos... und weiter ist es ein Auszug aus dem Großen Buch... und weiter ist es ein Schlüsselbund, der alle verborgenen Schatzkammern der Macht öffnet... und weiter ist es eine vollkommene Symphonie, deren Harmonien über die ganze Schöpfung verteilt und mit allen Zeiten

verknüpft ist. Dergleichen sind die Blickpunkte in dem Wesen deines Lebens.

Es ist also nun der Gestaltung deines Lebens und der Art deiner Aufgabe entsprechend das Leben gleich einem Wort der Schrift. Es gleicht einem mit der Feder der Macht geschriebenen Wort der Weisheit. Sichtbar gemacht und hörbar geworden ist es ein Beweis für Gottes Schönste Namen. Auf diese Weise ist also die Gestaltung deines Lebens ein Auftrag und eine Entsprechung zu dem oben gesagten.

Es verhält sich nun aber mit dem Geheimnis deines Lebens so: Es gleicht einem Spiegel der Erscheinungen der Einheit und der Einzigartigkeit Gottes. Das heißt, es gleicht einem Spiegel des einen und einzigartigen Herrn in dessen Brennpunkt Seine Namen, wie sie sich in der ganzen Welt zeigen, vollständig in Erscheinung treten.

Was aber nun das vollkommene Glück in deinem Leben betrifft, so besteht es darin, die ganze Lichtfülle der Urewigen Sonne mit dem Spiegel deines Lebens einzufangen, in dich aufzunehmen und zu lieben, in diesem Bewusstsein deine Sehnsucht nach Ihm zum Ausdruck zu bringen, dich in dieser Liebe zu Ihm zu verlieren und dem Widerschein dieses Lichtes in der Tiefe deines Herzens eine Heimstatt zu bereiten. In diesem Sinne führt dich ein Ehrwürdiges außerqur'anisches Wort Gottes zu höchsten Höhen.

Es lautet (persisch) kurz

مَنْ نَه كُنْجَمْ دَرْ سَموَات ُو زَمِين اَزْ عَجَبْ كُنْجَمْ بَقَلْبِ مُؤْمِنِين

{"Ich habe für mich weder in den Himmeln noch auf der Erde einen Platz gefunden; doch habe ich meinen Platz gefunden im Herzen meines Gläubigen."}

Oh meine Seele! Da also Dein Leben auf solche erhabene Ziele gerichtet ist und solche wertvollen Schätze in sich enthält, ist es dann etwa sinnvoll und einsichtig, wenn du es für vergängliche, egoistische Vergnügungen

und für vorübergehende irdische Genüsse ausgibst und es so verlierst? Wenn du es nicht verlieren möchtest, so überdenke die in dem vorigen Gleichnis aufgezeigten Wahrheiten und den Schwur zu Anfang der folgenden Sure, der das beschwörende Gegenstück dazu ist und handle danach.

وَالشَّمْسِ وَضُحَاهَا ٭ وَالْقَمَرِ إِذَا تَلَاهَا ٭ وَالنَّهَارِإِذَا جَلَّاهَا ٭ وَاللَّيْلِ إِذَا يَغْشَاهَا ٭ وَالسَّمَاءِ وَمَا بَنَاهَا ٭ وَالْأَرْضِ وَمَا طَحَاهَا ٭ وَنَفْسٍ وَمَا سَوَّاهَا ٭ فَأَلْهَمَهَا فُجُورَهَا وَتَقْوَاهَا ٭ قَدْ أَفْلَحَ مَن زَكَّاهَا ٭ وَقَدْ خَابَ مَن دَسَّاهَا

{"Bei der Sonne und ihrem Strahlenglanz

und bei dem Mond, welcher ihr folgt,

und bei dem Tage, wenn er sie in ihrer Pracht zeigt,

und bei der Nacht, die sie bedeckt,

und bei dem Himmel und dem, welcher ihn baute,

und bei der Erde und dem, welcher sie ausbreitete,

bei der Seele und dem, welcher sie bildete

und ihr die Neigung zu Schlechtigkeit und Geradheit eingegeben hat,

wohl dem, der sie läutert;

Elend aber der, welcher sie unter Sünden begräbt!" (Sure 91, 1-10)}

اَللّهُمَّ صَلِّ وَ سَلِّمْ عَلَى شَمْسِ سَمَآءِ الرِّسَالَةِ وَ قَمَرِ بُرْجِ النُّبُوَّةِ وَ عَلَى اَلِهِ وَ اَصْحَابِهِ نُجُومِ الْهِدَايَةِ وَ ارْحَمْنَا وَ ارْحَمِ الْمُؤْمِنِينَ وَ الْمُؤْمِنَاتِ اَمِينَ اَمِينَ اَمِينَ

{"Oh Gott gieße Deinen Frieden und Segen aus über der Sonne am Himmel Deiner Botschaften und dem Mond im Sternenkreis der Propheten und über seine Familie und seine Jünger, welche die Sterne der Rechtleitung sind. Erbarme Dich unser und erbarme Dich aller gläubigen Männer und Frauen. Amin! Amin! Amin!"}

Zwölftes Wort

بِسْمِ اللَّهِ الرَّحْمَنِ الرَّحِيمِ ٭ وَمَنْ يُؤْتَ اْلحِكْمَةَ فَقَدْ اُوتِىَ خَيْرًا كَثِيرًا

{"Im Namen Allahs, des Erbarmers, des Barmherzigen; Und wem da Weisheit gegeben wurde, dem wurde in der Tat ein Gut anvertraut und viel gegeben." (Sure 2, 269)}

Die folgende Abhandlung ist ein kurzer Vergleich zwischen der heiligen Weisheit des Weisen Qur'an und der Weisheit, die die Philosophie lehrt... Zudem ist sie eine sehr kurze Zusammenfassung der Unterweisung, welche die qur'anische Weisheit für die Bildung der Menschheit im persönlichen Leben und im gesellschaftlichen Leben gibt... Außerdem ist sie ein Hinweis darauf, in welcher Hinsicht der Qur'an vor jedem anderen Wort Gottes und allen Worten den Vorzug hat. Also enthält dieses "Zwölfte Wort" vier Grundsätze.

Erster Grundsatz:

Betrachte den Unterschied zwischen der Weisheit des Qur'an und der Weisheit der Wissenschaft durch das Fernglas dieses folgenden Gleichnisses:

Es war da einmal ein Ehrenwerter König, der war nicht nur tief religiös, sondern auch besonders künstlerisch veranlagt. Er wollte den Weisen Qur'an der Würde und Heiligkeit, die sich ihm im Wunder seines Wortes mitteilte, entsprechend kaligraphisch gestalten. Es sollte diese von Wundern erfüllte Erscheinung auch mit einem entsprechend wunderbaren Gewand bekleidet werden. So hat denn dieser König und Herr zugleich auch als ein Designer den Qur'an auf eine höchst bewundernswerte Weise geschrieben. Alle Seine kostbaren Juwelen hat Er in dieser Schrift verwendet. Um auf die verschiedenen

Erscheinungsformen der Wahrheit hinzuweisen, hat Er einige besonders kunstvolle Buchstaben mit Diamanten und Smaragden... und einen Teil von ihnen mit Perlen und Achaten... und einige Wörter mit Brillianten und Korallen... und manche Sätze in Gold und Silber geschrieben. Außerdem hat Er ihn in einer solchen Weise geschmückt und verziert, dass jeder, der ihn betrachtet, ob er nun lesen kann oder nicht, von Bewunderung und Begeisterung erfüllt wurde. Besonders aber hat dieses Werk in den Augen der Kenner der Wahrheit, schon durch die Schönheit seiner äußeren Gestaltung, welche durch den Glanz ihrer Schönheit und dessen erlesenen Schmuck, seine Bedeutung noch unterstreicht, seinen unvergleichlichen Wert und seine unvergängliche Schönheit erhalten.

Danach hat der König, diesen kunstreichen, mit Edelsteinen verzierten Qur'an, einem fremden Philosophen und einem muslimischen Gelehrten gezeigt, einerseits um sie zu prüfen, als auch andererseits um sie zu belohnen und ihnen befohlen: "Jeder von euch soll über dessen Weisheit ein Werk schreiben." So hat denn zuerst jener Philosoph und nach ihm der Gelehrte je ein Buch über ihn verfasst.

Aber das Buch des Philosophen enthält lediglich eine Beschreibung der einzelnen Buchstaben und handelt nur von ihren Verzierungen und ihren Verbindungen, ihrer Gestaltung und den Eigenschaften der Juwelen. Es berührt überhaupt nicht dessen Inhalt. Denn jener Fremde kann die arabische Schrift gar nicht lesen. Ja vielleicht weiß er noch nicht einmal, dass jener kunstvoll verzierte Qur'an ein Buch ist und eine Schrift, die einen Sinn wiedergibt. Vielleicht betrachtet er ihn mit den Augen eines Künstlers. Denn er kann ja kein Arabisch. Aber er ist ein sehr guter Ingenieur. Er kann gut beobachten und beschreiben. Er ist ein geschickter Chemiker. Er ist ein Goldschmied und ein Juwelier. So hat dieser Mann seine Arbeit entsprechend seinem Handwerk verfasst.

Es hat aber nun der islamische Gelehrte bei seiner Betrachtung sogleich verstanden: "Das ist die Deutliche

Schrift, der Weise Qur'an." So hat diese Gott wohlgefällige Persönlichkeit weder auf die äußere Verzierung Wert gelegt, noch sich mit der künstlerischen Gestaltung der einzelnen Buchstaben beschäftigt. Vielmehr hat er sich mit den Dingen beschäftigt, die millionenfach höher und wertvoller, verdienstlicher und umfassender sind, geistig weit höher stehend und ehrwürdiger als die Dinge, mit denen sein Kollege sich beschäftigt hatte. Denn er hat von seinen heiligen Wahrheiten und von den Lichtern seiner Geheimnisse, die durch seine Ornamente verschleiert worden sind, Kunde gegeben und so eine sehr schöne und ehrwürdige Auslegung verfasst.

Danach haben sie beide ihre Werke dem Ehrenwerten König überbracht und Ihm dargeboten. Der König hat zuerst das Werk des Philosophen zur Hand genommen, es betrachtet und festgestellt: Dieser selbstgefällige Naturanbeter ist sehr fleißig gewesen, doch über den wahren Sinn hat er nichts geschrieben. Von seiner Bedeutung hat er nichts verstanden. Er hat ihn vielmehr entstellt. Er hat sich ihm gegenüber unehrerbietig, ja sogar verächtlich verhalten. Denn er hat den Qur'an, der die Quelle aller Wahrheit ist, als ein Schmuckstück ohne Bedeutung angesehen und ihn, in seiner Bedeutung als wertlos unterschätzt. So hat ihm jener Weise Herrscher mit seinem Werk auf den Kopf geschlagen. Er hat ihn aus seiner Gegenwart verstoßen.

Dann hat er das Werk des anderen, gottgefälligen Gelehrten, der sorgfältig forschte, betrachtet und festgestellt, dass es ein sehr schöner, verdienstvoller Kommentar war und eine Auslegung voll Weisheit, die auf den rechten Weg führt. Da sagte er: "Ausgezeichnet, Barekallah, Gott segne dein Werk. Es ist dies die Weisheit, deren Urheber man nur als einen Weisen und Gelehrten bezeichnen kann." Was aber seinen Kollegen betrifft, so ist er ein Handwerksmeister, der seine Grenze überschritten hat. Darauf hat Er Befehl erlassen: "Man gebe zehn Goldstücke!" aus Seiner unerschöpflichen Schatzkammer dem Gelehrten für jeden Buchstaben als Belohnung für

dessen Werk.

Wenn du das Gleichnis verstanden hast, komm und betrachte die Ausdeutung des obigen Bildes:

Es ist aber nun der kunstvoll verzierte Qur'an unser kunstvoll erschaffenes Weltall. Der Herrscher aber ist der Herrscher der Ewigkeiten. Was aber die beiden Männer betrifft, so stellt der Erste, der Fremde, die Philosophen und die philosophische Wissenschaft dar. Der Andere repräsentiert den Qur'an und seine Schüler.

In der Tat ist der weise Qur'an der über alles erhabene Kommentator des gewaltigen kosmischen Qur'an und sein über alles beredsamer Interpret. Er ist in der Tat die Offenbarungsschrift: Er erteilt den Dschinnen und Menschen Unterricht über die wunderbaren Zeichen des Weltalls, die mit der Feder der Macht auf den Blättern der Zeiten aufgezeichnet sind. Dabei betrachtet er jedes einzelne Geschöpf in seiner buchstäblichen Bedeutung unter dem Aspekt eines sinntragenden Buchstabens, das heißt; um seinen Meister zu erkennen. Er sagt: "Wie schön ist es erschaffen worden. Wie wunderbar bezeugt es die Schönheit seines Meisters." Er zeigt dadurch die wahre Schönheit des Kosmos auf.

Was aber die Philosophie betrifft, die als die Weisheitslehre bezeichnet wird, so hat sie sich nur in der Ausschmückung und den Kombinationen der Buchstaben der Schöpfung vertieft und berauscht, den Weg der Wahrheit verloren. Obwohl sie die Buchstaben dieses Großen Buches als sinntragende Buchstaben betrachten sollte, das heißt; um Allah zu erkennen, tut sie nicht dergleichen, sondern betrachtet sie als aus sich selbst heraus sinnvoll, das heißt; sie betrachtet die Schöpfung um der Schöpfung willen und behandelt sie in entsprechender Weise. Statt: "Wie schön ist sie erschaffen worden!" zu sagen, sagt sie: "Wie schön ist sie." und behandelt sie so in hässlicher Weise. Dadurch behandelt sie den Kosmos abschätzig und macht ihn so zu ihrem Ankläger. In der Tat ist die atheistische Philosophie eine sinnlose Spiegelfechterei und eine Herabwürdigung der Schöpfung...

Zweiter Grundsatz:

Ein Vergleich zwischen dem Weisen Qur'an, seiner Weisheit und seiner Sittenlehre für das persönliche Leben, und der Weisheit der Philosophen und ihren Lehren:

Ein aufrichtiger Schüler der Philosophie ist einem Pharao vergleichbar. Doch weil er um seines Vorteils willen auch den niedersten Dingen dient, ist er ein elender Pharao. Er erblickt in jedem gewinnbringenden Ding seinen Herrn. Zudem ist ein solcher glaubensloser Schüler eigensinnig und starrköpfig. Weil er um eines Vergnügens willen Erniedrigung in Kauf nimmt, ist er erbärmlich in seinem Eigensinn. Weil er um eines billigen Vorteils willen einem Teufel in Menschengestalt die Füße küsst und sich so entwürdigt, ist er ein schandbarer Starrkopf. Zudem ist ein solcher glaubensloser Schüler ein überheblicher Tyrann. Doch weil er in seinem Herzen nichts findet, worauf er sich stützen könnte, ist er im Eigentlichen ein ganz kleiner, armseliger, selbstgefälliger Tyrann. Zudem ist ein solcher Schüler eigensüchtig und nur um sich selbst besorgt: Das Ziel seiner Begeisterung ist die Befriedigung seiner Begierde, seines Bauches und seiner Wollust. Er ist ein abgefeimter Egoist, der unter verschiedenen völkischen Interessen seine persönlichen Interessen wahrzunehmen sucht.

Es ist aber nun der aufrichtige Schüler des Weisen Qur'an ein Diener und Anbeter (Gottes). Doch weil er sich auch nicht vor den ganz großen Dingen der Schöpfung dazu erniedrigt, sie anzubeten, auch nicht etwas so Gewaltiges wie das Paradies als Zweck seiner Anbetung annimmt, ist er ein ganz großer Diener und Anbeter (Gottes). Zudem ist ein solcher wahrhaftiger Schüler bescheiden, ruhig und tolerant. Doch erniedrigt er sich nicht ohne die Erlaubnis seines Schöpfers, bewusst etwas von einem anderen außer Ihm zu erbitten. Er ist zwar arm und schwach und weiß um seine Armut und Schwäche. Doch weil ihm durch seinen Freigiebigen Herrscher ein Vermögen im Jenseits aufgespart ist, ist er reich und weil er sich auf die grenzenlose Macht seines Herrn stützt, ist er

stark... Darüber hinaus bemüht er sich nur um Allahs willen, um das Wohlwollen Allahs zu gewinnen, ein vorzüglicher Diener zu sein.

So kann man die Bildung, welche die beiden Weisheitslehren vermitteln, anhand dieses Vergleichs der beiden Schüler verstehen.

Dritter Grundsatz:

Ein Vergleich zwischen der Bildung, die die Weisheit der Philosophie und die Weisheit des Qur'an für das gesellschaftliche Leben des Menschen vermittelt.

Es ist aber nun die Weisheit der Philosophie, grundsätzlich die Macht als den Eckpfeiler im gesellschaftlichen Leben anzunehmen. Als Ziel kennt sie den Gewinn. Als Lebensgrundsatz weiß sie den Kampf. Als Band der Gemeinschaft hält sie an Rassismus und Nationalismus fest. Was aber ihre Früchte betrifft, so sind es die Befriedigung der fleischlichen Gelüste und die Vermehrung der menschlichen Bedürfnisse.

In Wirklichkeit jedoch ist Angriff die Konsequenz aus dem Streben nach Macht. Konkurrenzkampf heißt die Konsequenz aus dem Streben nach Gewinn, weil dieser ja nicht ausreicht, um alle Wünsche zu befriedigen. Der Interessenkonflikt ist die Konsequenz aus dem Grundsatz des Kampfes. Aggressivität ist die Konsequenz des Rassismus, weil er dadurch gespeist wird, dass er andere verschlingt... Solcher Art ist also nun die Weisheit, durch die das Glück der Menschheit zerstört wurde.

Es ist aber nun die Weisheit des Qur'an, grundsätzlich an Stelle der Macht die Gerechtigkeit als den Eckpfeiler im gesellschaftlichen Leben anzunehmen. Sie setzt an Stelle des Gewinns grundsätzlich das, was vorzüglich ist und Gottes Wohlgefallen zu gewinnen vermag, als Ziel. Im Leben hält sie an Stelle des Grundsatzes vom Kampf den Grundsatz, Beistand zu leisten, als das Wesentliche fest. Als Band der Gemeinschaft bestimmt sie an Stelle von Rassismus und Nationalismus grundsätzlich die Liebe zum Glauben, zum Beruf und zur Heimat als das

einigende Band. Ihr Ziel ist es, Lüste und Launen einzudämmen, den Geist emporzuführen, die erhabenen Empfindungen zu nähren, hohe Lust zu stillen, den Menschen zu menschlicher Vollkommenheit hinzuleiten und so erst zu einem Menschen zu machen...

Einigkeit ist die Konsequenz der Gerechtigkeit. Gemeinschaftssinn ist die Konsequenz eines vorzüglichen Charakters. Einander zu Hilfe zu eilen ist die Konsequenz des Grundsatzes, Beistand zu leisten. Das Band der Brüderlichkeit und Zusammengehörigkeit ist die Konsequenz aus idealer Gesinnung und einer gläubigen Haltung. Glückseligkeit in beiden Welten heißt das Ergebnis für den, der zuerst seine Seele gebändigt, sodann den Geist zur Vollkommenheit emporgetrieben und so ihm die Freiheit geschenkt hat.

Vierter Grundsatz:

Wenn du verstehen willst, in welcher Hinsicht der Qur'an hoch und erhaben ist über jeglichem Gotteswort und allen Worten überlegen ist, so betrachte die beiden folgenden Gleichnisse:

Erstens:

Ein König verfügt über zwei Arten der Redeweise, über zwei verschiedene Ausdrucksmöglichkeiten. Die eine ist die mit einem einfachen Untertanen in einer persönlichen Angelegenheit, in dessen privaten Nöten zu reden oder über Telefon zu sprechen. Die andere ist die als König und Herr im Namen Seiner Oberherrschaft, als ein großer Sultan und Kalif sich in Form eines erhabenen Fermans (Erlass) zu äußern, in Anbetracht Seiner Macht über das Volk Befehle auszustellen und Erlasse zu verbreiten, sich mit Gesandten und hohen Beamten zu unterreden und so Seine königliche Würde zu vertreten.

Zweites Beispiel:

Ein Mann hält mit seiner Hand einen Spiegel gegen die Sonne. Er empfängt dadurch je nach der Größe seines Spiegels Licht und eine Strahlung, welche sieben Farben in sich enthält. Abhängig vom obigem Verhältnis ist die Beziehung, die er zur Sonne unterhält und der Umgang, den er mit ihr pflegt. Wenn er diesen von Licht erfüllten Spiegel nach dem von Dunkel erfülltem Hause oder einem überdachten Garten richtet, wird

sein Nutzen nicht dem Wert der Sonne, sondern der Kapazität des Spiegels entsprechen. Ein anderer jedoch baut große Fenster in das Dach seines Hauses oder Gartens. So öffnet er der Sonne am Himmel den Weg. Er pflegt Umgang mit dem immerwährenden Licht der wahren Sonne, spricht mit ihr, pflegt auf diese Weise durch die Dankbarkeit in seiner Haltung mit ihr Umgang. Er sagt: "Oh du wundersame Sonne, du Schönheitskönigin der Welt, Liebling des Himmels, die du die ganze Welt mit deinem Lichte vergoldest und das Antlitz aller Blumen zum Lächeln bringst! Du hast auch mein Häuschen und Gärtchen erwärmt und erleuchtet."

Jedoch der Mann mit dem Spiegel kann nicht so sprechen. Denn der Widerschein der Sonne ist unter den gegebenen Bedingungen in seinem Wirkungsbereich beschränkt. Er ist von ihnen abhängig.

So betrachte denn nun den Qur'an durch das Fernglas dieser beiden Beispiele, sodass du ihn als Wunder erkennen und in seiner Heiligkeit begreifen kannst.

In der Tat heißt es im Qur'an: "Wenn die Bäume auf der Erde Schreibstifte wären und die Meere Tinte und man mit ihnen alle Worte Gottes des Gerechten schreiben wollte, käme man doch nie zu einem Ende." Nun ist der Grund dafür, dass der höchste Rang unter allen diesen unendlich vielen Worten dem Qur'an verliehen wurde, der folgende: Der Qur'an ist durch Gottes höchsten Namen offenbart und durch alle Seine Namen auf deren höchster Stufe bestätigt worden. Zudem ist er das Wort Gottes als des Herrn aller Welten. Außerdem ist er der Erlass Gottes unter Seinem Namen als Gott allen Seins. Und weiter ist er eine Ansprache dessen, der Schöpfer der Himmel und der Erde ist. Überdies ist er ein Zwiegespräch von Seiten des Herrn aller Herrscher. Zudem ist er eine immerwährende Predigt im Namen des allumfassenden Reiches des Hochgepriesenen. Und weiter ist er ein Buch gnädigen Erbarmens aus der Überfülle des Allbarmherzigen. Überdies ist er eine Sammlung der Mitteilungen Gottes des Erhabenen voll Größe und Majestät,

an deren Anfängen manchmal Chiffren stehen. Zudem ist er ein heiliges Buch voll Weisheit, herabgesandt vom Hohen Thron im Namen des Allerhöchsten, das alles umfasst und überall seine Gültigkeit hat. So ist denn dies das Geheimnis dafür, dass dem Qur'an der Ehrentitel "Wort Gottes" in vollkommener Rechtmäßigkeit verliehen wurde.

Nun aber verhält es sich mit den Worten Gottes so, dass dem Menschen ein Teil von ihnen als ein Wort besonderer Wertschätzung, ein anderer wie ein verkleinertes Abbild einer persönlichen Bezeichnung oder eines eigenen Namens, ein anderer in der Gestalt seines persönlichen Herrn, ein anderer in der Form seines eigenen Reiches, ein anderer als das nur für ihn bestimmte Wort der Barmherzigkeit sichtbar wird. Sie haben hinsichtlich ihrer persönlichen und allgemeinen Gültigkeit verschieden abgestufte Grade. Auch die meisten Eingebungen sind von dieser Art. Nur sind die einzelnen Abstufungen sehr unterschiedlich. So findet sich zum Beispiel bei den Tieren eine Eingebung von nur geringer und noch sehr primitiver Art. Danach folgen die Eingebungen bei den einfachen Leuten. Auf sie folgen die Eingebungen bei den Engeln im allgemeinen. Nach ihnen kommen die Eingebungen bei den Heiligen. Dann folgen schließlich die Eingebungen bei den Erzengeln.

So ist es diesem Geheimnis zufolge, wenn ein Heiliger in seinem Herzen betend wie durch ein schnurloses Telefon spricht und sagt:

حَدَّثَنِى قَلْبِى عَنْ رَبِّى

Das heißt: "Mein Herz gibt Kunde von meinem Herrn." Er sagt nicht: "Vom Herrn der Welten berichtet es." Und weiter sagt er: "Mein Herz ist ein Spiegel, ein Thron für meinen Herrn." Er sagt nicht: "Es ist der Thron des Herrn der Welten." Denn er kann das Wort Gottes je nach seiner eigenen Fähigkeit empfangen und es nach Maßgabe der in etwa siebzigtausend hochgezogenen Schleier vernehmen.

So wie nun der Ferman aus der Feder eines Sultans in seiner königlichen Hoheit, hoch und erhaben ist über dem schlichten Wort, das er an einen einfachen Mann richtet, wie viel nützlicher und wirkungsvoller es ist, direkt den Segen der Sonne am Himmel zu empfangen, als dazu ihren Widerschein aus einem Spiegel zu verwenden, in gleichem Maße steht auch der Glorreiche Qur'an über allen Worten und sämtlichen Büchern.

Den zweiten Platz auf der Stufenleiter nehmen nach dem Qur'an die Heiligen Bücher und Himmlischen Schriften je nach dem Grad ihrer Vorzüglichkeit ein. Sie erhalten ihren Stellenwert entsprechend dem Geheimnis dieser ihrer Vorzüglichkeit. Fügten auch alle Dschinnen und Menschen alle schönen Worte, die sie nicht aus dem Qur'an entnommen haben, zusammen, könnten sie doch die Stufe der Heiligkeit des Qur'an nicht erreichen, ein Gleiches nicht schaffen. Willst du ein wenig verstehen, dass der Qur'an eine Offenbarung des Höchsten Namens und eine Bestätigung aller Seiner Namen auf deren höchster Stufe ist, so betrachte den Thronvers

اللَّهُ لَا إِلَٰهَ إِلَّا هُوَ الْحَيُّ الْقَيُّومُ ۚ لَا تَأْخُذُهُ سِنَةٌ وَلَا نَوْمٌ ۚ لَّهُ مَا فِي السَّمَاوَاتِ وَمَا فِي الْأَرْضِ ۗ مَن ذَا الَّذِي يَشْفَعُ عِندَهُ إِلَّا بِإِذْنِهِ ۚ يَعْلَمُ مَا بَيْنَ أَيْدِيهِمْ وَمَا خَلْفَهُمْ وَلَا يُحِيطُونَ بِشَيْءٍ مِّنْ عِلْمِهِ إِلَّا بِمَا شَاءَ ۚ وَسِعَ كُرْسِيُّهُ السَّمَاوَاتِ وَالْأَرْضَ وَلَا يَئُودُهُ حِفْظُهُمَا ۚ وَهُوَ الْعَلِيُّ الْعَظِيمُ

{"Allah! Es gibt keinen Gott außer Ihm, dem Lebendigen, dem Ewigen! Nicht ergreift Ihn Schlummer noch Schlaf. Sein ist, was in den Himmeln und was auf Erden ist. Wer ist's, der da Fürsprache einlegen könnte bei Ihm ohne Seine Erlaubnis? Er weiß, was zwischen ihren Händen ist und was hinter ihnen ist, und nicht begreifen sie etwas von Seinem Wissen, außer dem, was er will. Weit reicht Sein Thron über die Himmel und die Erde, und nicht schwer fällt Ihm ihre Hut. Denn Er ist der Hohe, der Gewaltige." (Thronvers, Sure 2, 255)}

und die Ayah

وَعِنْدَهُ مَفَاتِحُ الْغَيْبِ

{"Und bei Ihm sind die Schlüssel des Verborgenen;..." (Sure 6, 59)}

und die Ayah

قُلِ اللّٰهُمَّ مَالِكَ الْمُلْكِ

{"Sprich: Oh Allah, Herrscher des Königreichs,..." (Sure 3, 26)}

und die Ayah

يُغْشِى الَّيْلَ النَّهَارَ يَطْلُبُهُ حَثِيثاً وَالشَّمْسَ وَالْقَمَرَ وَالنُّجُومَ مُسَخَّرَاتٍ بِاَمْرِهِ

{"...Er lässt die Nacht über den Tag kommen und sie folgt ihm eilends nach und (Er schuf) die Sonne, den Mond und die Sterne und hat sie durch Seinen Befehl in Dienst gestellt..." (Sure 7, 54)}

und die Ayah

يَآ اَرْضُ ابْلَعِى مَآءَكِ وَيَا سَمَآءُ أَقْلِعِى

{"Erde, verschlinge dein Wasser, und Himmel, halt ein!..." (Sure 11, 44)}

und die Ayah

تُسَبِّحُ لَهُ السَّمٰوَاتُ السَّبْعُ وَاْلاَرْضُ وَمَنْ فِيهِنَّ

{"Es preisen Ihn die sieben Himmel und die Erde und was darinnen ist..." (Sure 17, 44)}

und die Ayah

مَا خَلْقُكُمْ وَلاَ بَعْثُكُمْ اِلاَّ كَنَفْسٍ وَاحِدَةٍ

{"Eure Erschaffung und Eure Auferweckung ist nur wie die einer einzigen Seele..." (Sure 31, 28)}

und die Ayah

اِنَّا عَرَضْنَا اْلاَمَانَةَ عَلَى السَّمٰوَاتِ وَاْلاَرْضِ وَالْجِبَالِ

{"Siehe, Wir trugen den Himmeln und der Erde und den Bergen das Gut des Glaubens an,..." (Sure 33, 72)}

und die Ayah

يَوْمَ نَطْوِى السَّمَآءَ كَطَىِّ السِّجِلِّ لِلْكُتُبِ

{"An jenem Tag werden Wir den Himmel zusammenrollen wie man einen Brief zusammenrollt..." (Sure 21,104)}

und die Ayah

وَمَا قَدَرُوا اللّٰهَ حَقَّ قَدْرِهِ وَاْلاَرْضُ جَمِيعًا قَبْضَتُهُ يَوْمَ الْقِيَامَةِ

{"Und nicht bewerten sie Allah nach Seinem wahren Wert. Die Erde wird Ihm nur eine Handvoll sein am Tag der Auferstehung,... (Gepriesen sei Er! Er ist erhaben über...)" (Sure 39, 67)}

und die Ayah

لَوْ اَنْزَلْناَ هٰذَا الْقُرْاٰنَ عَلٰى جَبَلٍ لَرَاَيْتَهُ

{"Hätten Wir diesen Qur'an auf einen Berg herabgesandt, du hättest gesehen, (dass er sich erniedrigt und sich aus Furcht vor Allah gespaltet hätte.)" (Sure 59, 21)}

und die umfassende, ganzheitliche, erhabene Bedeutung dieser und anderer Verse.

Und weiter beachte die Anfänge der Suren, die mit اَلْحَمْدُ لِلّٰهِ {"Dank sei Gott!"} oder mit سَبَّحَ {"Es preisen..."}

يُسَبِّحُ {"Ihn preisen..."} beginnen, sodass du das Licht dieses Geheimnisses sehen kannst.

Außerdem betrachte die Anfänge der Suren, die mit den Buchstaben الٓمٓ "Elif-Lam-Mim"und الٓر‌ "Elif-Lam-Ra"und حمٓ "Ha-Mim"beginnen, so wirst du wissen, welche Bedeutung der Qur'an vor Gott dem Gerechten hat.

Wenn du das kostbare Geheimnis dieses vierten Grundsatzes erfasst hast, wirst du verstehen, dass die meisten Offenbarungen, die die Propheten empfangen haben, von Engeln überbracht wurden, während die meisten Eingebungen ganz unvermittelt kommen. Zudem kannst du verstehen, aus welchem Geheimnis auch der größte Heilige nicht auf die Stufe eines Propheten empor gelangen kann. Zudem kannst du die Größe des Qur'an, die Würde seiner Heiligkeit und das Geheimnis seiner wunderbaren Erhabenheit verstehen. Zudem kannst du auch das Geheimnis für die Notwendigkeit der Himmelfahrt verstehen, nämlich das Geheimnis der Reise bis zu den Himmeln, bis zum "Grenzbaum", ja bis auf "Zwei-Bogenlängen-Nähe" zu dem, welcher der Glorreiche Herr ist und

اَقْرَبُ اِلَيْهِ مِنْ حَبْلِ الْوَرِيدِ

{"uns doch näher ist, als unsere Halsschlagader." (Sure 50, 16)}

das Geheimnis des Bittgebetes vor Ihm und der Rückkehr in einem einzigen Augenblick. So wie die Spaltung des Mondes ein Wunder seiner Sendung war, durch das er den Dschinnen und Menschen sein Prophetentum bewiesen hat, so ist in der Tat auch die Himmelfahrt ein Wunder seiner Stellung als Anbeter Gottes und Sein Diener, durch das er vor Geistern und Engeln bewiesen hat,

dass er der Geliebte Gottes ist.

اَللَّهُمَّ صَلِّ وَسَلِّمْ عَلَيْهِ وَعَلَى اَلِهِ كَمَا يَلِيقُ بِرَحْمَتِكَ وَبِحُرْمَتِهِ آمِينَ

{"Oh Gott, gieße Deinen Frieden und Segen über ihn und seiner Familie aus, wie es die Vollkommenheit Deines Erbarmens erfordert und ihm nach der Vollkommenheit seiner (Gottes)verehrung gebührt. Amen."}

Dreizehntes Wort

بِسْمِ اللّهِ الرَّحْمَنِ الرّحِيمِ ٭ وَنُنَزِّلُ مِنَ الْقُرْآنِ مَا هُوَ شِفَآءٌ وَرَحْمَةٌ لِلْمُؤْمِنِينَ ٭ وَمَا عَلَّمْنَاهُ الشِّعْرَ وَمَا يَنْبَغِى لَهُ

{"Im Namen Allahs, des Erbarmers des Barmherzigen; und Wir senden hinab vom Qur'an, was eine Arznei ist und eine Barmherzigkeit für die Gläubigen;..." (Sure 17, 82) "Und nicht lehrten Wir ihn (den Propheten) Poesie, noch geziemte sie ihm..." (Sure 36, 69)}

Willst du den Weisen Qur'an und die Philosophie nach der Frucht ihrer Weisheit, der Lehre ihrer Wissenschaften und dem Grad ihrer Erkenntnisse miteinander vergleichen, dann merke auf die nun folgenden Worte:

Siehe, der Qur'an zerreißt durch das Wunder seiner Verkündigung mit eindringlichen Worten den Schleier einer gewohnheitsmäßigen Sicht- und Betrachtungsweise, der über der Schöpfung liegt, schärft das Bewusstsein der Menschen und Dschinnen für die Wunder in ihr und die Wahrheit, lenkt ihren Blick auf das, was sie lehrt und öffnet für alle Denkenden eine unerschöpfliche Schatzkammer der Erkenntnis.

Was aber die Weisheit der Philosophie betrifft, so wickelt sie alle wunderbaren Werke der Macht (Gottes) in den Schleier des Gewöhnlichen ein, betrachtet sie völlig indifferent oder geht wie die Beduinen der Vorzeit in Unwissenheit über sie hinweg. Sie präsentiert dem Bewusstsein nur solche seltenen Einzelexemplare, die aus dem Rahmen des Wunderbaren herausgefallen, aus der Ordnung der Schöpfung herausgetreten sind, ihre ihnen wesensgemäße Vollkommenheit verloren haben und stellt sie als Lehrbeispiel vor.

So betrachtet sie zum Beispiel in ihrer Indifferenz die

Erschaffung des Menschen, der das umfassendste Wunder göttlicher Allmacht ist, als etwas ganz Gewöhnliches. Jedoch einen Menschen außerhalb dessen, was in Vollkommenheit erschaffen wurde, mit drei Beinen oder zwei Köpfen stellt sie mit dem lauten Schrei der Verwunderung als ein Lehrbeispiel vor. So betrachtet sie zum Beispiel die wohlgeordnete Versorgung der Jungtiere, die eines der umfassendsten und tiefgreifendsten Wunder der göttlichen Barmherzigkeit ist, als etwas ganz Gewöhnliches und überzieht es mit dem Schleier des Unglaubens und der Undankbarkeit. Sobald sie jedoch einen Käfer sieht, der die gewohnte Ordnung verlassen hat, nun abgesondert von seinen Artgenossen ganz allein in der Fremde lebt und sich unter dem Meere von einem grünen Blatt ernährt, möchte sie die dortigen Fischer durch die so in Erscheinung getretene Güte und Freigiebigkeit zu Tränen rühren. {(*): Genau das geschah einmal in Amerika.} So siehe denn, welche Reichtümer und Güter dem Ehrwürdigen Qur'an für die Wissenschaft, zu Weisheit und Gotterkenntnis zur Verfügung stehen und wie arm und unfähig dahingegen die Philosophie ist hinsichtlich ihrer Wissenschaft, Lehre und Erkenntnis des Schöpfers, und nimm dir daran ein Beispiel!

So ist es denn aus dieser tiefen Wahrheit heraus, dass der Weise Qur'an, der alle die unendlichen, strahlenden, hohen Wahrheiten in sich umfasst, einer dichterischen Ausschmückung nicht bedarf. Ein anderer Grund dafür, dass der Qur'an, ein Wunder der Verkündigung, nicht erdichtet ist, besteht darin, dass er, obwohl er ein vollständiges Kompendium ist und eine Komposition, welche ans Wunderbare grenzen und so das Buch der Schöpfung in künstlerischer Ausgewogenheit kommentiert, sich dennoch nicht jede einzelne Ayah einem Versmaß unterwirft, sondern sich meistens wie die Sterne mit den anderen, sei es zu einer Art Zentrum oder auch Bruderschaft, zusammenschließt, um sie miteinander durch das Band

einer inneren Verbindung zu verknüpfen, und so mit jeder einzelnen Ayah in deren Umfeld eine Verbindungslinie bildet. Es ist, als habe jede freie Ayah ein Auge, das nach vielen anderen Ayat blickt, ein Gesicht, das sich ihnen zuwendet. So finden sich im Qur'an tausende Qur'ane, sodass jeder entsprechend seiner Berufung einen von ihnen erhält. Wie bereits im "Fünfundzwanzigsten Wort" erklärt wurde, finden sich in der Sure-i Ihlas insgesamt 36 Sure-i Ihlas, deren jede einzelne in der Vielseitigkeit ihrer Zusammenstellung aus sechs Sätzen eine Schatzkammer für die Lehre von der Einheit formt und umschließt.

So wie in der Tat das Bild der Sterne ohne jede Ordnung zu sein scheint und jeder einzelne Stern, sich in Anbetracht der Aufhebung einer Ordnung keiner Regel unterwirft, sondern jeder einzelne von ihnen mit vielen anderen Sternen eine Art Zentrum bildet, so ist er auch durch seine Einflusssphäre mit jedem einzelnen Stern seiner Umgebung verbunden, wodurch er einen Hinweis auf die wechselseitige Beeinflussung der Massen gibt. Es ist, als ob jeder einzelne Stern, genauso wie die Ayat, die den Sternen gleichen, ein Auge habe, das nach all den anderen Sternen blickt und ein Gesicht, das sich ihnen zuwendet. So siehe denn die vollkommene Ordnung hinter der scheinbaren Unordnung und nimm dir daran ein Beispiel!

Wisse auch das Geheimnis der Ayah

وَمَا عَلَّمْنَاهُ الشِّعْرَ وَمَا يَنْبَغِى لَهُ

{"Und nicht lehrten Wir ihn (den Propheten) Poesie, noch geziemte sie ihm..." (Sure 36, 69)}

Außerdem verstehe auch den Sinn dieses Wortes aus der Ayah وَمَا يَنْبَغِى لَهُ {"...noch geziemte sie ihm."}

Daraus sollst du ersehen: Die charakteristische Eigenschaft der Dichtung liegt darin, dass sie die kleinen und unbedeutenden Ereignisse phantasievoll ausschmückt, sie zu einer großen und glänzenden Erzählung ausgestalten möchte, sodass sie Gefallen findet. Die qur'anischen Wahrheiten jedoch sind so groß, erhaben, glänzend und schön, dass dagegen auch die größte und glänzendste Erzählung verglichen mit diesen Wahrheiten nur noch klein und unbedeutend erscheint.

Zum Beispiel:

يَوْمَ نَطْوِى السَّمَآءَ كَطَىِّ السِّجِلِّ لِلْكُتُبِ ٭ يُغْشِى اللَّيْلَ النَّهَارَ يَطْلُبُهُ حَثِيثًا ٭ اِنْ كَانَتْ اِلاَّ صَيْحَةً وَاحِدَةً فَاِذَاهُمْ جَمِيعٌ لَدَيْنَا مُحْضَرُونَ

{"An jenem Tag werden Wir den Himmel zusammenrollen wie man einen Brief zusammenrollt..." (Sure 21, 104) "Er lässt die Nacht über den Tag kommen und sie folgt ihm eilends nach..." (Sure 7, 54) "Es wird nur ein einziger Posaunenstoß sein, und siehe da, sie alle sind vor uns gebracht." (Sure 36, 53)}

Diese und zahllose andere ähnliche Wahrheiten sind ein Zeugnis dafür. Jede einzelne Ayah des Qur'an ist wie ein glänzender Stern.

Wenn du sehen und erleben willst, wie er die Erkenntnis der Wunder und das Licht der Rechtleitung verbreitet und dadurch die Finsternis des Unglaubens vertreibt, versetze dich zu jener Zeit der Unwissenheit in die Wüste der Beduinen, in jene Zeit, in der alles in der Finsternis der Unwissenheit und Gottvergessenheit wie in ein Tuch gewickelt erschien, dass nur noch leblose Dinge und eine seelenlose Natur übrig ließ. Dann komm und höre nun in der Sprache des Qur'an

يُسَبِّحُ لِلّٰهِ مَا فِى السَّمٰوَاتِ وَ مَا فِى اْلاَرْضِ اْلمَلِكِ لْقُدُّوسِ الْعَزِيزِ اْلحَكِيمِ

{"Es preist Allah, was in den Himmeln und was auf Erden ist, den König, den Heiligen, den Mächtigen, den Weisen." (Sure 62, 1)}

und ähnliche Ayat. So wirst du plötzlich sehen, wie diese leb- und seelenlos erscheinenden Dinge, diese scheinbar

toten oder schlafenden Wesen in der Welt, unter der Rezitation des: يُسَبِّحُِ {"Es preist (Ihn)..."} in der vom Glauben erfüllten Vorstellung der Zuhörer zum Leben erwachen, auferstehen und Gott preisen. Auch die Sterne am nachtdunklen Antlitz des Himmels zeigen sich jedes einem glühenden Stückchen Kohle gleich und die über die Erde verstreuten Geschöpfe erscheinen vor den Augen der Zuhörer unter der Rezitation des تُسَبِّحُ لَهُ السَّمٰوَاتُ السَّبْعُ وَاْلاَرْضُ {"Es preisen Ihn die sieben Himmel und die Erde." (Sure 17, 44)} wobei der Himmel dem Mund gleicht, von allen Sternen jedes ein Wort ist, das die Weisheit Gottes verkündet, ein Licht, das die Wahrheit ausstrahlt und die Erde das Haupt darstellt, dessen Länder und Meere wie deren Zunge reden und alle Tiere und Pflanzen ihre Worte sind, die die Heiligkeit Gottes verkünden.

Schaust du jedoch von heutiger Zeit in jene Zeit zurück, kannst du sicherlich die Feinheiten in den oben geschilderten Vorgängen nicht miterleben. Ja, betrachtest du sie in einer Welt, in der sich seit jener Zeit das Licht ausgebreitet hat und im Laufe der Zeit zu einem allgemeinen Leuchten geworden ist und die noch von anderen Lichtern des Islam überstrahlt wird und unter der Sonne des Qur'an die Farbe des Tages angenommen hat, oder wenn du durch deinen Schleier der Oberflächlichkeit und Gewohnheit blickst, dann kannst du sicher nicht recht erfahren, welch eine Finsternis eine jede Ayah mit welch einem so köstlich hellen, wundersamen Klang vertrieben und erleuchtet hat. So kannst du diese Art Wunder unter vielen anderen Arten von Wundern des Qur'an mit deinen Sinnen nicht erfassen. Wenn du das Wunder des Qur'an, der ein Wunder der Verkündigung ist, in seiner höchsten

Stufe betrachten willst, dann komm und höre das folgende Gleichnis. Es ist wie folgt:

Versuchen wir uns einmal einen sehr hohen und weit ausladenden, einen einzigartigen, Staunen erregenden Baum vorzustellen, der durch eine Art Tarnkappe verborgen und in ein großes Tuch eingewickelt sein soll. Nun ist ja bekannt, dass zwischen den Zweigen, Früchten, Blättern, Blüten und allem, was zu einem Baum gehört, ein Verhältnis, eine Proportionalität, ein Gleichgewicht bestehen muss, wie unter den Organen des Menschen. Jedes Teil erhält also nach der Art des Baumes seine Form, das ihm entsprechende Aussehen. Jetzt trete jemand auf, der von diesem noch nie gesehenen Baum (den man tatsächlich nicht sehen kann) auf einer Leinwand ein wohlproportioniertes Bild malen soll, mit allen seinen Teilen, von ihm einen Entwurf machen mit Stamm, Ästen, Zweigen, bis hin zu den Blättern und Früchten, eine wohlausgewogene Skizze anfertigen, eine stimmige Zeichnung entwerfen soll, wobei er während seiner Arbeit, mitten zwischen ihrem Anfang und ihrem noch unendlich weit entfernten Ende die einzelnen Teile entsprechend ihrer tatsächlichen Form und Gestalt darstellen müsste. Es bliebe dann mit Sicherheit kein Zweifel daran, dass dieser Maler diesen unsichtbaren Baum mit seinem Blick, der in das Unsichtbare sieht, erschaut und danach beschreibt.

Genauso erklärt auch der Qur'an, dessen Verkündigung ein Wunder ist, das Bild von der Welt der unerschaffenen Möglichkeiten. (Dies ist das Bild vom Baum der Schöpfung, der sich vom Anbeginn der Welt an bis in die Unendlichkeit der Ewigkeit und von der Erde bis zum Thron Gottes und vom Atom bis hin zur Sonne ausbreitet.) Diese Offenbarungsschrift hat bei der Beschreibung dieses Bildes die Proportionalität so weit im Auge behalten und jeden Teil und jede Frucht dieses Baumes dementsprechend ins Bild gesetzt, dass alle Kenner der Wahrheit, am Ende ihrer Forschung, in Anbetracht der Beschreibung des Qur'an "Mashaallah, Barekallah" gesagt haben

Zudem haben sie gesagt: "Oh du, weiser Qur'an, du bist der, der die tiefe Wahrheit des Kosmos und die verschiedenen Geheimnisse der Schöpfung aufgedeckt und enthüllt hat."

وَلِلَّهِ الْمَثَلُ اْلأَعْلَىٰ

{"Die erhabensten Gleichnisse erzählt uns Allah (im Qur'an)." (*)

(*) D.h. in Beispielen von Menschen soll man nicht nach Fehlern forschen. (A.d.Ü.)}

Wir stellen die Namen und Attribute Gottes, die Taten und Handlungen Seiner Herrschaft in Form eines Tuba-Baumes aus Licht dar. Die weit ausladenden Äste dieses lichtausstrahlenden Baumes strecken sich bis in alle Ewigkeiten aus. Seine Grenzen breiten und dehnen sich in den unendlichen Raum hinein und umfassen ihn. Die Grenze seiner Ausdehnung reicht von

يَحُولُ بَيْنَ اْلمَرْءِ وَقَلْبِهِ ٭ فَالِقُ اْلحَبِّ وَالنَّوَى ٭ هُوَ الَّذِى يُصَوِّرُكُمْ فِى اْلاَرْحَامِ كَيْفَ يَشَآءُ

{"Allah dringt zwischen des Menschen Inneres und sein Herz." (Sure 8, 24) "Allah lässt Körner und Kerne keimen." (Sure 6, 95) "Er ist es, der euch im Mutterleib gestaltet, wie Er will." (Sure 3, 6)}

bis zur Grenze von

وَالسَّمٰوَاتُ مَطْوِيَّاتٌ بِيَمِينِهِ ٭ خَلَقَ السَّمٰوَاتِ وَاْلاَرْضَ فِى سِتَّةِ اَيَّامٍ ٭ وَ سَخَّرَ الشَّمْسَ وَالْقَمَرَ

{"Und die Himmel werden zusammengerollt sein in Seiner Rechten." (Sure 39, 67) "Er schuf die Himmel und die Erde in sechs Tagen (Epochen)." (Sure 7, 35) "Und Er zwang Sonne und Mond in den Dienst." (Sure 13, 2)}

Der weise Qur'an hat diese leuchtende Wahrheit von den Namen, Attributen, Taten und Handlungen (Gottes) auf

eine solche Weise erklärt, dass die einzelnen Zweige und Äste mit ihren Früchten und allem, was der Baum an Nutzbarem hervorbringt, miteinander harmonieren, zueinander passen, einander entsprechen, ohne sich gegenseitig in ihrer Entfaltung zu behindern, einander in ihren Rechten zu beeinträchtigen und ohne einander in der Erfüllung ihrer Aufgaben allein zu lassen. Alle Erforscher und Kenner der Wahrheit, die Theologen und alle Leute von Weisheit und Bildung, die sich in der Welt der göttlichen Aspekte bewegen, haben über die Verkündigung der Errettung "Subhanallah" gesagt, und bestätigen sie mit den Worten: "Wie richtig und wie wahr, wie treffend und wie schön."

Beispiel:

Die sechs Grundpfeiler des Glaubens sind wie die Äste eines gewaltigen Baumes, die sich nach der Welt der bedingten Möglichkeiten und nach der Welt des unabdingbar notwendigen Seins erstrecken. Der Qur'an beschreibt bis zu den feinsten Früchten und Blüten hin alle Zweige und Äste dieser Grundpfeiler so treffend, schildert sie so wohlausgewogen und zeigt sie in einer so entsprechenden Weise, dass der menschliche Verstand zu schwach ist, ihm mit seiner Vorstellung zu folgen und vor dessen Schönheit in Staunen verharrt.

Zwischen den fünf Grundpfeilern des Islam, welche gemeinsam einen Zweig am Ast des Glaubens bilden, wird bis zu den feinsten Verästelungen seines Stammes, kleinsten Sitten, fernsten Zielen, tiefsten Weisheiten und winzigsten Früchten, vollkommene Proportionalität, vollkommene Beziehung und ein vollständiges Gleichgewicht aufrechterhalten. Dafür ist ein unwiderlegbarer, gerechter Zeuge und ein sicheres, zweifelsfreies Zeugnis, die vollkommene Ordnung, Gleichgewicht, vollkommene Ausgewogenheit und Autorität der Islamischen Großen Verfassung, die aus den klaren Darlegungen, Aspekten, Hinweisen und Chiffren des alles umfassenden Qur'an erwächst. Das bedeutet also, dass die Erklärung des Qur'an nicht auf der begrenzten Kenntnis eines Menschen, besonders auf dem Wissen eines Analphabeten, beruhen kann. Vielmehr

ist sie das allumfassende Wissen und das Wort des Herrn, der alle Dinge gleichzeitig überschaut und von Ewigkeit zu Ewigkeit in einem einzigen Augenblick aller Wahrheiten Zeuge ist. Auf diese Wahrheit hinweisend heißt es:

اْلحَمْدُ لِلّٰهِ الَّذِى اَنْزَلَ عَلَى عَبْدِهِ الْكِتَابَ وَلَمْ يَجْعَلْ لَهُ عِوَجًا

{"Gelobt sei Allah, der Seinem Diener das Buch herabgesandt hat, in dem nichts verbogen ist,..." (Sure 18, 1)}

اَللّهُمَّ يَا مُنْزِلَ الْقُرْآنِ بِحَقِّ الْقُرْآنِ وَ بِحَقِّ مَنْ اُنْزِلَ عَلَيْهِ الْقُرْاٰنُ نَوِّرْ قُلُوبَنَا وَ قُبُورَنَا بِنُورِاْلاِيمَانِ وَ الْقُرْآنِ آمِينَ يَا مُسْتَعَانُ

{"Gelobt seist Du oh Allah! Um des Qur'an Willen und um dessen Willen, dem Du den Qur'an herabgesandt hast, erleuchte unsere Herzen und erhelle das Tor unseres Grabes durch das Licht des Glaubens und des Qur'an. Amen. Oh Du unsere Hilfe!"}

Zweites Kapitel des Dreizehnten Wortes

بِسْمِ اللّٰهِ الرَّحْمَنِ الرّحِيمِ

{"Im Namen Allahs, des Erbarmers, des Barmherzigen."}

Dialog mit einigen jungen Leuten, die in einer Zeit vielfältiger Verlockungen dennoch ihren Verstand noch nicht verloren haben.

Von Seiten einiger junger Leute wurde unter dem Zwang zu gesellschaftlichen Lustbarkeiten und Grillen mit den Worten: "Auf welche Weise können wir unser Leben für das Jenseits retten?" um Hilfe aus der Risale-i Nur gebeten. Auch ich habe zu ihnen im Namen der Gemeinschaft um die Risale-i Nur gesagt:

Es gibt das Grab. Das kann niemand leugnen. Dorthin wird jeder gehen, ob er will oder nicht. Und um dorthin zu gelangen gibt es drei Reisemöglichkeiten. Außer diesen drei Wegen gibt es keine andere Möglichkeit.

Erster Weg:

Für die Leute des Glaubens ist das Grab ein Tor zu einer anderen Welt, die noch schöner ist als diese Welt.

Zweiter Weg:

Denjenigen, die zwar bestätigen, dass es ein Jenseits gibt, jedoch in Ausschweifungen leben und auf Irrwegen gehen, ist es ein Tor zu ewigem Kerker und einer Einzelhaft, in der sie von allen ihren Freunden getrennt und auf sich allein gestellt sind. Dieser Sichtweise entsprechend sehen sie auch einer solchen Behandlung entgegen, weil sie sich nicht ihrer Überzeugung und ihrem Glauben entsprechend verhalten haben.

Dritter Weg:

Für die Leute des Unglaubens und Irrweges, die an das Jenseits nicht glauben, ist es ein Tor zu Verlust und Verlorenheit auf ewig, es ist ein Galgen, an dem sowohl sie selbst als auch all ihre Geliebten

aufgehängt werden. Da sie es nur in dieser Weise kennen, werden sie es als Antwort genauso erleben, wie sie es angenommen und geglaubt haben.

Diese beiden letzten Möglichkeiten sind offensichtlich und bedürfen keines Beweises. Man kann sie mit bloßem Auge erkennen. Da nun einmal der Augenblick des Todes nicht bekannt ist, kann der Tod zu jeder Zeit kommen, um dir den Kopf abzuschlagen; und dabei macht er zwischen jung und alt keinen Unterschied. Mit Sicherheit ist für einen hilflosen Menschen, der einem so großen und fürchterlichen Problem gegenüber steht und es immer vor Augen hat, hier einen Ausweg zu suchen, um sich vor dieser immerwährenden Verlorenheit, dieser zutiefst unendlichen Einzelhaft zu retten und das Grabestor für sich in ein Tor umzuwandeln, das sich zu einer beständigen Welt, zu einer ewigen Glückseligkeit und Welt des Lichtes öffnet, ein Umwandlungsprozess, der für diesen Menschen ein Problem von weltweiten Ausmaßen ist.

So haben sich denn diese drei Möglichkeiten als eine unanfechtbare Tatsache herausgestellt. 124 tausend Seher, deren Prophetentum sich durch Zeichen und Wunder als wahr herausgestellt hat, haben berichtet, dass es aufgrund dieser obenerwähnten drei Tatsachen drei Wege gibt. 124 Millionen Heilige haben aufgrund ihrer geistigen Erfahrungen, Wahrnehmungen und Schauungen die Berichte der Propheten über diese selbe Tatsache anerkannt und bestätigt. Zahllose Forscher beweisen dieselben Berichte dieser Propheten und Heiligen, verständlich, mit sicheren Beweisen und mit wissenschaftlicher Sicherheit. {(*): Eine von ihnen ist die Risale-i Nur, die das für alle offen legt.} Alle berichteten gemeinsam, in Übereinstimmung, mit einer 99-prozentigen Sicherheit:

"Sich vor ewiger Kerkerhaft und Verlorenheit zu retten und diese Reisemöglichkeit in einen Weg zur ewigen Glückseligkeit umzuwandeln, ist nur im Glauben und im Gehorsam möglich..."

Wer nicht einen gefahrvollen Weg einschlagen will, wird auch dann das Wort eines einzigen Beobachters berücksichtigen, wenn dort die Wahrscheinlichkeit, zu Grunde zu gehen, nur ein Prozent beträgt. Ein Mann, der die Worte eines solchen Beobachters nicht ernst nimmt und trotzdem auf diesem Wege weiter geht, verliert dabei durch die innere Unruhe, die aus der Angst vor dem Verderben entsteht, selbst noch seinen Appetit am Essen. In gleicher Weise berichten hunderttausende als zuverlässig bestätigte Seher, dass Verirrungen und Ausschweifungen mit hundertprozentiger Bestimmtheit zur ausschlaggebenden Ursache dafür werden, das Grab vor Augen als einen Galgen und eine ewige Einzelhaft zu betrachten, Glaube, Gottesdienst und Anbetung aber mit hundertprozentiger Bestimmtheit diesen Galgen aus den Augen schafft, die Einzelhaft aufhebt, das Grab in ein Tor zu einer ewigen Schatzkammer, einem Schloss der Glückseligkeit umwandelt, und sie brachten dafür Beispiele und Hinweise. Vor diesem einzigartigen, erstaunlichen, gewaltigen und Schrecken erregenden Problem steht nun der hilflose Mensch und besonders ein Muslim. Dort wo aber Glaube, Anbetung und Gottesdienst fehlen, könnte da ein Mensch, auch würde ihm aller Reichtum und Genuss aller Welt gegeben, die ihm ständig vor Augen stehende Qual und Pein in der Erwartung, dass die Reihe an ihn kommt, abberufen zu werden, fortwischen? Das frage ich euch.

So wühlen denn Alter, Krankheit, Unglücks- und Todesfälle von allen Seiten diesen fürchterlichen Schmerz immer wieder auf und rufen ihn wach. Auch wenn die Leute des Irrweges und der Ausschweifungen das Leben hunderttausendfach genießen und sich vergnügen, lebt und brennt dennoch mit Sicherheit eine Hölle unsichtbar in ihren Herzen. Jedoch der Rausch ihrer so tiefen Gottvergessenheit lässt sie das vorübergehend nicht empfinden.

Für Menschen jedoch, die sich im Glauben und Tun auf Gott hin ausrichten, ist das Grab, das sie vor Augen sehen, ein Tor zu einer immerwährenden Schatzkammer, einer nie endenden Glückseligkeit. Auch wurde durch den

Glauben für sie aus der Lotterie jener Zukunft in der Ewigkeit ein Los gezogen, das Milliarden in Gold und Diamanten gewinnen lässt. Noch während sie ständig darauf warten, gerufen zu werden: "komm, empfange dein Los", wächst in ihnen ein tiefwurzelnder, wahrhaftiger Genuss und in ihrem Herzen die Freude. Es ist diese Freude, die, sobald sie Gestalt annimmt und der Kern zu einem Baum heranwächst, der für diese Leute zu ihrem persönlichen Paradies wird. Geben sie jedoch diesen Genuss und diese überwältigende Freude auf und wählen, durch ihre Jugend verführt, statt dessen einen unerlaubten, vergänglichen, nur aus einer augenblicklichen Laune und der Ausschweifung geborenen Genuss, der einem vergifteten Honig gleicht, gemischt mit zahllosen Schmerzen, so sinken sie noch hundertfach tiefer unter das Tier herab.

Doch können sie auch nicht den fremdländischen Atheisten gleich werden. Denn verleugnen sie auch unseren Propheten, werden sie doch andere Propheten anerkennen. Wissen sie nichts von den Propheten, werden sie doch Gott anerkennen. Wissen sie nichts von Gott, werden sich doch einige gute Charakterzüge bei ihnen finden, die zur Quelle der Vollendung werden.

Jedoch ein Muslim kennt sowohl die Propheten, als auch seinen Herrn und überdies alle Vollendung durch Mohammed, den Araber, mit dem Friede und Segen sei. Wer aber seine Erziehung vergisst und seine Hürde verlässt, kennt überhaupt keinen Propheten mehr und kann deshalb auch Gott nicht kennen. Auch kann er gar keine Grundsätze zu eigen haben, um sich seine Menschlichkeit und Würde in der Seele zu bewahren. Denn wer die Lehren des Letzten und Größten der Propheten, dessen Glaube, Unterweisung und Ruf, der sich an die ganze Menschheit richtet, und durch seine Wunder, seinen Glauben, seine Unterweisung über allen anderen steht, der die ganze Menschheit in allen Wahrheiten als ein Meister unterwiesen hat und das über vierzehn Jahrhunderte klar bewiesen hat, auf den die ganze Menschheit stolz ist, wer die Grundsätze dieser Erziehung durch eine solche

Persönlichkeit und die Wurzeln seines Glaubens vergisst, kann mit Sicherheit und auf gar keine Weise zum Licht, zur Vollendung gelangen. Er ist verurteilt und sein Sturz ist unaufhaltsam.

Wohlan denn, ihr Hilflosen, die ihr dem Genuss des irdischen Lebens verfallen seid und euch in eurer Sorge um die Zukunft darum bemüht, eure Zukunft und euer Leben zu sichern! Wenn ihr irdische Vergnügungen, Genuss, Freude, Glück und Bequemlichkeit wollt, sollt ihr euch mit dem Genuss im erlaubten Rahmen begnügen. Er ist für diesen Genuss ausreichend. Sicherlich habt ihr aus den vorhergegangenen Erklärungen entnommen, dass im Genuss außerhalb dieses Rahmens und im Bereich des Unerlaubten tausend Schmerzen liegen. Könnte man, so wie man heute das Vergangene, d.h. Ereignisse von Gestern durch eine Filmaufnahme in die Gegenwart versetzen kann, auch die Ereignisse der Zukunft, zum Beispiel die Lebensumstände in fünfzig Jahren durch eine Filmaufnahme zeigen, dann würden die Leute der Ausschweifung über das, worüber sie heute lachen, hunderttausendfach fluchen, es hassen und darüber weinen. Wer in dieser Welt und im Jenseits immer und ewige Freude möchte, soll sich die mohammedanische Erziehung, wie sie sich im Rahmen des Glaubens findet, zum Wegweiser nehmen.

Unterweisung

Eine Ermahnung, Erinnerung für einige allein gelassene Jugendliche

Eines Tages kamen einige Jugendliche zu mir. Sie wollten eine wirksame Ermahnung von mir empfangen, um sich vor den Gefahren zu schützen, die ihnen aus ihren jugendlichen Interessen und ihrer Lebensweise erwachsen. So habe auch ich ihnen das gesagt, was ich früher denjenigen gesagt habe, die um Hilfe aus der Risale-i Nur gebeten hatten:

Eure Jugendzeit wird mit Sicherheit vorübergehen. Wenn ihr nicht innerhalb des von Gott erlaubten Rahmens bleibt, wird diese Jugendzeit verloren gehen und euch nicht nur im Jenseits und im Grab, sondern auch schon in dieser Welt Unglück und Schmerzen bereiten, mehr als Genüsse. Wenn ihr aber dieses Geschenk eurer Jugendzeit der islamischen Erziehung entsprechend als eine Danksagung in Ehren, Redlichkeit und Gehorsam verbringt, wird diese Jugend euch innerlich ewig erhalten bleiben und euch dazu verhelfen, eine unsterbliche, ewige Jugend zu gewinnen.

Was das Leben betrifft, so bringt es, gäbe es den Glauben nicht, oder hätte dieser Glaube durch den Ungehorsam keine Wirkung, in Folge äußerlicher, sehr kurzer Genüsse und Vergnügungen, tausendfach mehr Leiden, Kummer und Sorgen. Denn da der Mensch Verstand und Denkvermögen hat, ist er von seinem Wesen her, im Gegensatz zum Tier, sowohl mit der gegenwärtigen als auch mit der vergangenen und der zukünftigen Zeit verbunden. Dabei kann er aus diesen Zeiten sowohl Schmerz als auch Freude schöpfen.

Was aber ein Tier betrifft, so werden seine vergangenen Schmerzen und seine Ängste vor der Zukunft seine gegenwärtige Freude nicht zerstören, weil es darüber nicht nachdenken kann.

Was aber den Menschen betrifft, welcher der Gottvergessenheit

und dem Irrtum verfallen ist, so verbittern und zerstören die Trauer über das Vergangene und die Sorge vor der Zukunft sein augenblickliches bisschen Freude völlig. Was insbesondere die unerlaubten Freuden betrifft, so gleichen sie ganz und gar dem vergifteten Honig. Das heißt also, dass der Mensch vom Standpunkt des Lebensgenusses aus hundertfach tiefer sinkt als ein Tier. Vielmehr gehört dem, der einem Irrweg folgt und gottvergessen lebt, sein Leben, ja seine ganze Existenz, ja sogar seine ganze Welt nur einen Tag lang. Alle vergangenen Jahreszeiten und Lebensalter und alles, was da war, ist von seinem irrigen Standpunkt aus betrachtet, nicht mehr vorhanden, gestorben. Sein verstandesgemäßes Denken malt ihm alles in Dunkelheit und Finsternis. Was aber die Zukunft betrifft, so ist sie für ihn aus seinem Mangel an Überzeugung wiederum nicht existent. Die durch diese Nichtexistenz verursachten beständigen Trennungen verfinstern ihm, infolge seiner Fähigkeit darüber nachzudenken, beständig das Leben.

Wenn aber der Glaube das Leben zum Leben erweckt, dann wird sowohl die vergangene als auch die künftige Zeit im Lichte des Glaubens erleuchtet und erhält ihre Gestalt. Gleich der gegenwärtigen Zeit verleiht dann das Leben dem Herzen und der Seele des Menschen, vom Standpunkt des Glaubens aus betrachtet, erhabene, geistige Genüsse und Lichter, unter denen es sich gestaltet. Diese Wahrheit ist in einer Abhandlung für die Alten, der Siebenten Hoffnung, erklärt worden. Dort kann man darüber nachlesen.

Siehe, so ist also nun das Leben. Verlangt es euch nach den Freuden und Genüssen des Lebens, so macht euer Leben lebendig durch ein Leben aus dem Glauben, schmückt es mit euren Pflichten gegenüber Gott und bewahrt es euch dadurch, dass ihr euch der Sünden enthaltet.

Was aber die ungeheuerliche Wahrheit vom Tode betrifft, die jeden Tag und überall und zu jeder Zeit die Dahinscheidenden erweisen, so möchte ich sie euch anhand eines Beispiels erläutern, wie ich das schon anderen jungen Leuten gegenüber getan habe:

Da ist zum Beispiel hier vor euren Augen ein Galgen aufgerichtet. Gleich daneben steht eine Los-Agentur, aber eine solche für die Vergabe der besonders hohen Gewinne. Nun werden also wir zehn, die wir hier sind, in jedem Fall, ob wir es wollen oder nicht, einen anderen Weg gibt es nicht, dorthin vorgeladen. Wir werden aufgerufen.

Und während wir noch darauf warten und weil die Zeit unserer Abberufung unbestimmt ist, vielmehr jeden Augenblick jemand: "Komm, nimm dein Verdammungslos und steige zum Galgen hinauf!" oder: "Komm, nimm dein Los, mit dem du Millionen Goldstücke gewonnen hast!" rufen kann, kommen plötzlich zwei Menschen zur Tür herein. Einer von ihnen ist eine verführerisch schöne, halbnackte Frau, die in ihrer Hand eine Schale mit Helva hält, die äußerlich zwar köstlich erscheint, in Wirklichkeit aber giftig ist und die sie als Speise anbietet. Der andere aber, ein ernster Mann, der nicht betrügt und sich nicht betrügen lässt, tritt hinter der Frau ein und sagt:

"Ich habe euch ein Losungswort, eine Anweisung mitgebracht. Wenn ihr dieses aussprecht und die Helva nicht esst, werdet ihr euch vor dem Galgen retten. Mit diesem Losungswort werdet ihr jenen einzigartigen, hohen Gewinn empfangen. Dort vor dem Galgen seht ihr ja bereits mit eigenen Augen, wie die Honigesser dahingehen und sich noch im Gehen von der vergifteten Helva in fürchterlichen Leibschmerzen krümmen, während ihr zwar nicht seht, wie diejenigen, welche das Große Los gezogen haben und die ihr offensichtlich auch zum Galgen hinaufsteigen seht, gar nicht aufgehängt werden, sondern von dort aus mit Leichtigkeit einen Schritt zur Los-Agentur hinüber tun und dort eintreten. Dafür gibt es Millionen Zeugen, die davon Nachricht geben. So schaut denn zum Fenster hinaus. Die obersten Beamten und die höchsten Persönlichkeiten, die sich damit beschäftigen, verkünden mit lauter Stimme und berichten: Diejenigen, welche zum Galgen hinaufsteigen, sind mit augenscheinlicher

Sicherheit genauso, wie ihr sie seht. Diejenigen aber, die das Große Los gezogen haben, das sind die Besitzer des Losungswortes. Das sollt ihr ganz ohne allen Zwiespalt und Zweifel mit der absoluten Sicherheit des Tages wissen."

So fällt denn der Mensch, äußerlich betrachtet, in das Unglück des Todes, der einer Hinrichtung am Galgen, und in das des Grabes, welches einem Tor in die ewige Finsternis gleicht, weil er durch die Ausschweifungen und die unerlaubten Vergnügungen in seiner Jugend, die dem vergifteten Honig in unserem Beispiel gleichen, den Glauben verloren hat, der die Eintrittskarte und der Ausweis für die Schatzkammer der Ewigkeit und eine endlose Glückseligkeit ist, und so kann denn der Henker-Tod, vor dem jung und alt gleich sind, weil die Todesstunde unbekannt ist, jederzeit kommen, um seinen Kopf abzuschlagen. Wenn der Mensch diese von Gott verbotenen Leidenschaften, die dem vergifteten Honig gleichen, aufgibt, zu seinem Glauben steht und seine Pflichten gegenüber Gott, die das Losungswort des Qur'an sind, auf sich nimmt, wird er das Los für die Schatzkammer zur ewigen Glückseligkeit aus der wunderbaren Lotterie der Zukunft, die dem Menschen bestimmt ist, gewinnen. Darüber berichten die 124 tausend Gesandten Gottes, mit denen der Friede sei, und so viele Heilige und Kenner der Wahrheit, dass man sie gar nicht mehr zählen kann, übereinstimmend... und sie zeigen die Anzeichen dafür auf.

Kurzum:

Die Jugendzeit wird vergehen. Wenn sie in Ausschweifung vergangen ist, wird sie sowohl in dieser Welt, als auch im Jenseits Tausende von Übeln und Schmerzen zur Folge haben.

Wollt ihr begreifen, wie solche jungen Leute meistens durch Krankheiten, die aus Missbrauch und Kraftvergeudung entstanden sind, die Krankenhäuser, durch Maßlosigkeit und Übergriffe, die Gefängnisse und Armenhäuser, durch Depressionen und seelischen Kummer die Kneipen überschwemmen, so fragt in den Krankenhäusern und in den Gefängnissen und auf den Friedhöfen nach.

Sicherlich werden die meisten Krankenhäuser euch in

ihrer eigenen Sprache, in ihrem Seufzen und Wehklagen von den Krankheiten berichten, die in der Verführung der Jugend durch Verschwendung und Missbrauch entstanden sind.

Auch aus den Gefängnissen werdet ihr von der Trauer so vieler unglücklicher junger Leute hören, welche in ihrem jugendlichen Überschwang für ihr ungesetzliches Verhalten Schläge bekommen haben.

Zudem werdet ihr wissen, dass in jenem Zwischenreich, in der Welt des Grabes, dessen Tore ständig vor den Eintretenden geöffnet und hinter ihnen wieder geschlossen werden, die meisten Qualen eine Folge des Missbrauchs in der Jugendzeit sind, wofür auch alle die Kenner der Grabeswelt Zeugnis ablegen und was auch alle Kenner der Wahrheit bestätigen und bezeugen.

Außerdem sollt ihr die Alten und Kranken fragen, die den größten Teil der Menschheit bilden. Weitaus die meisten von ihnen werden sicherlich in Trauer und Sehnsucht sagen: "Weh uns, wir haben unsere Jugendzeit umsonst verlebt, verloren und dafür bezahlen müssen. Hütet euch davor, dass ihr es nicht auch so macht, wie wir." Denn wer in seiner Jugendzeit fünf oder zehn Jahre mit unerlaubten Vergnügungen verbracht hat und deswegen in dieser Welt viele Jahre in Kummer und Sorge leben muss, im Zwischenreich Strafe und Schaden erleidet und im Jenseits die Qualen der Hölle und des Feuers zu verkosten bekommt, der verdient, trotzdem (obwohl) er sich in einem bedauernswerten Zustande befindet, nach dem Geheimnis:

اَلرَّاضِى بِالضَّرَرِ لاَ يُنْظَرُلَهُ

{"Wer mit dem Schaden einverstanden ist, den soll man nicht bedauern."}

gar kein Mitleid. Denn wer seinen Schaden absichtlich herbeiführt, dessen braucht man sich nicht zu erbarmen und er verdient es auch gar nicht. Gott der Gerechte möge uns und euch vor den Verführungen und Verlockungen dieser Zeit retten und bewahren. Amen.

Anmerkung zum zweiten Kapitel des "Dreizehnten Wortes" als einer der Vergleiche aus der Risale-i Nur

بِاسْمِهِ سُبْحَانَهُ

{"Im Namen Gottes, des Hochgelobten."}

Der wahre Trost aus der Risale-i Nur ist für die Gefangenen unbedingt notwendig. Insbesondere brauchen diejenigen, die der Schlag des Schicksals wegen ihres jugendlichen Leichtsinnes getroffen hat, und die nun den Lenz ihres Lebens im Gefängnis verbringen, die "Lichter" so sehr wie das Brot.

Das junge Blut hört in der Tat mehr auf seine Gefühle als auf den Verstand. Doch Wünsche und Gefühle sind blind. Sie sehen die Folgen nicht. Ihre Vorliebe gilt dem Dirhem (3g) voll Lust im Hier und Jetzt, nicht dem Batman (8kg) voll Lust im Dort und Danach. Sie töten voll Lust in einer Minute der Rache und erleiden sodann achtzigtausend Stunden Gefangenschaft. Und im Rausch einer Stunde zerstören Ausschweifungen dort, wo es um die Ehre geht, mit Tausenden von Tagen im Gefängnis, mit Kummer und Sorgen und der Angst vor den Feinden das Glück eines Lebens.

Angesichts alles dessen haben unerfahrene junge Leute so vielgestaltige Abgründe vor sich, welche alle Süßigkeit des Lebens in Bitterkeit und Bedauern verwandeln und besonders im Norden gibt es ein großes Land, das über die Jugend und ihre Leidenschaften bestimmt und mit seinen Stürmen unser Zeitalter erschüttert. Denn es sieht die sittenreinen Töchter und ehrenhaften Frauen der Menschen für junge Leute, die blind in ihren Gefühlen die Folgen nicht sehen, als erlaubt an. Ja dadurch, dass es den Männern und Frauen erlaubt, nackt zusammen ins Bad zu gehen, fördert es sogar noch diese Unzucht. Zudem betrachtet es das Gut der Reichen für Gauner und arme Leute als erlaubt, sodass alle Menschen vor einer

derartigen Katastrophe erzittern.

Also ist es in unserem Jahrhundert für die islamische Jugend allgemein und besonders für die türkische dringend notwendig, dass sie dieser Gefahr, die ihr von beiden Seiten droht, mutig und standhaft mit dem scharfen Schwert der Risale-i Nur, nämlich mit der Risale "Früchte" und "Wegweiser für die Jugend" entgegentritt. Anderenfalls wird diese Jugend in ihrer Unerfahrenheit ihre Zukunft sowohl in dieser Welt und das Glück ihres Lebens, als auch die jenseitige Glückseligkeit und das ewige Leben in Schmerzen und Qualen verwandeln und zu Grunde richten, sich durch Missbrauch und Ausschweifung ins Krankenhaus und durch Gesetzlosigkeit ins Gefängnis bringen. In ihrem Alter wird sie dann mit Seufzen und Wehklagen viel zu bedauern haben. Wenn sie sich jedoch durch die qur'anische Bildung und die lichtvolle Botschaft zu bewahren weiß, wird sie zu einer so starken und mutigen Jugend heranreifen, zu vollkommenen Menschen und glücklichen Muslimen werden, welche Königen gleichen über die Tiere und alles, was da lebt.

Wenn ein junger Mann nur eine einzige von vierundzwanzig Stunden seines Lebens täglich im Gefängnis für das fünfmalige Gebet aufwendet, und wenn er, da das Gefängnis ihn sehr häufig daran hindert, zu sündigen, auch den Fehler bereut, der ihn in dieses Unglück gestürzt hat, und sich von den übrigen Sünden zurückhält, die ihm Schaden und Leiden bringen, wird er daraus einen großen Nutzen sowohl für sein Leben, als auch für seine Zukunft, als auch für sein Land, als auch für sein Volk, als auch für seine Familie ziehen und sich in diesen zehn, fünfzehn vergänglichen Jahren seines jungen Lebens eine ewige strahlende Jugendzeit verdienen, so wie uns das vor allem der Qur'an, ein Wunder der Verkündigung, und alle die Heiligen Bücher und Offenbarungsschriften zuverlässig berichten und verkündigen.

Dankt er für seine Jugendzeit, dieses schöne Gnadengeschenk, in Geradlinigkeit und im Gehorsam, wird er durch sie in der Tat wachsen und reifen, sie wird ihm für

die Dauer und zur Freude sein. Anderenfalls wird sie ihm sowohl Unglück bringen, als auch in Schmerzen, Leiden und Alpträumen, die sie ihm verursacht, vergehen. Sie wird ihm zu einer Ursache, zu einem Haderlumpen werden, der sowohl seinen Verwandten, als auch seinem Volk und Land Schaden bringt.

Einem Gefangenen, der zu Unrecht eingesperrt wurde, vorausgesetzt, er verrichtet seine Gebete, wird jede Stunde zu einem Tag der Anbetung und das Gefängnis gilt ihm als Einkehrhaus, den Höhlen gleich, in die sich in alter Zeit die Einsiedler, denen gleich auch er zu den Frommen gezählt werden darf, zum Gebet zurückzogen.

Jemandem, der arm, alt und krank ist und sich an den Glaubenswahrheiten begeistert und dabei seine Gebete verrichtet und bereut, wird jede Stunde einer zwanzigstündigen Anbetung gleich und das Gefängnis gilt ihm als ein Erholungsheim, und seinen Freunden, die ihn mit Güte umgeben, als ein Haus, in dem man sich begegnet, ein Haus, in dem man Bildung erwirbt und ein Haus, in dem man Erfahrungen austauscht. Während seines Aufenthaltes im Gefängnis vermag er die Freiheit, frei von aller Verunsicherung und den Verlockungen der Sünde draußen, weit mehr zu genießen. Im Gefängnis vervollständigt sich seine Bildung. Zum Zeitpunkt seiner Entlassung wird er dann nicht mehr als ein Mörder, als ein Rächer hinausgehen, sondern als ein Mann, der bereut hat, der erfahren, gebildet und ein nützliches Mitglied der menschlichen Gesellschaft geworden ist.

Im Gefängnis in Denizli haben einige dort zuständige Persönlichkeiten, nachdem sie gesehen hatten, wie Menschen, welche aus den "Lichtern" die Unterweisung in gutem Benehmen auf wunderbare Weise in kurzer Zeit in sich aufgenommen haben, gesagt: "Anstatt sie fünfzehn Jahre zur Züchtigung ins Gefängnis zu werfen, hätte man sie besser fünfzehn Wochen lang in der Risale-i Nur unterweisen sollen. Das hätte sie viel mehr gebessert."

Der Tod stirbt nun einmal nicht und die Todesstunde ist unbekannt. Sie kann jederzeit kommen. Das Grab wird

nun einmal nicht verschlossen. Schar um Schar steigt hinab und entschwindet. Der Tod ist nun einmal für die Leute des Glaubens die Umwandlung einer Verurteilung, für ewig verloren zu sein, in den Bescheid ihrer Entlassung, wie dies nach der Lehre des Qur'an aufgezeigt wird, während er für die Leute des Irrweges und der Ausschweifung in deren Augen nichts als einen Verlust und Verlorenheit auf ewig bedeutet, eine ewige Trennung von Allem, was da war und lebte und ihnen teuer war. Es besteht bestimmt und ganz bestimmt kein Zweifel daran, dass der Glücklichste derjenige ist, der dankt in Geduld und die Zeit seiner Inhaftierung dazu nutzt, Unterricht in den "Lichtern" zu nehmen und sich im vorgegebenen Rahmen der Rechtmäßigkeit darum bemüht, dem Glauben und dem Qur'an zu dienen.

Oh Mensch, der du dem Vergnügen und dem Genuss verhaftet bist! Mir ist in meinem fünfundsiebzigsten Lebensjahr durch tausende von Erfahrungen, Zeugnisse und Erlebnisse mit augenscheinlicher Sicherheit klar geworden: Wahren Genuss, Freude ohne Schmerz, Lust ohne Leid und das Glück im Leben findet man nur, wenn man es im Glauben und im Lichte der Glaubenswahrheiten betrachtet; wenn nicht, hat ein irdischer Genuss viele Schmerzen zur Folge. Es ist, als ob man für eine Traube, die man isst, zehn Ohrfeigen erhielte, was einem den Genuss im Leben vergällt.

Oh ihr Armen, die ihr ins Unglück des Kerkers gestürzt worden seid! Da euch nun einmal die Welt weint und euch das Leben bitter geworden ist, müsst ihr euch nun darum bemühen, dass euch nicht auch noch das Jenseits weint, sondern euch ein ewiges Leben lächelt, es euch süß werde, und ihr so aus eurem Kerker einen Nutzen zieht. So wie angesichts des Feindes eine Stunde Wache unter schwierigen Umständen manchmal einem Jahr Anbetung gleich gewertet wird, genauso wird für euch unter diesen schwierigen Bedingungen jede Stunde, die ihr euch um das Gebet bemüht, vielen Stunden gleich und eure Mühen wenden sich in Erbarmen.

* * *

باِسْمِهِ سُبْحَانَهُ ٭ اَلسَّلاَمُ عَلَيْكُمْ وَرَحْمَةُ اللّهِ وَبَرَكَاتُهُ

{"Im Namen des Hochgelobten! Der Friede Allahs, Sein Erbarmen und Sein Segen mögen mit euch sein!"}

Meine lieben, treuen Brüder,

Den in das Elend des Kerkers Gestürzten und denen, die ihnen von Außen kommend in Güte und Treue Nahrung und Hilfe bringen, möchte ich "Drei Punkte" zu ihrem besonderen Trost erklären.

Erster Punkt:

Die im Kerker verbrachten Tage des Lebens können für den, der jeden Tag verdienstvoll zu gestalten vermag, je zu zehn Tagen Anbetung werden, und wer die vergänglichen Stunden umzuwandeln versteht, dem werden sie in ihren Früchten zu bleibenden Stunden für die Seele und er kann sich in diesen fünf oder zehn Jahren Strafe vor Millionen Jahren einer ewigen Kerkerhaft retten. So besteht denn die Bedingung dafür, diesen so großen und so wertvollen Gewinn zu erwerben darin, dass man das Gebet verrichtet, die Sünden bereut, welche die Ursache dieser Gefängnisstrafe waren, und in Geduld Dank sagt. Das Gefängnis ist ja schon ein Hindernis gegenüber so vielen Sünden und lässt eine Gelegenheit dazu nicht entstehen.

Zweiter Punkt:

Das Ende einer Freude ist ein Schmerz, so wie das Ende eines Schmerzes Freude ist. Jeder, der sich vergangener, froher und freudiger Tage erinnert, verspürt im Seufzen seiner Seele einen Schmerz über den Verlust und sagt: "Oh, weh!". Wenn er sich seiner vergangenen unglücklichen, leidvollen Tage erinnert, verspürt er über ihrem Entschwinden eine Freude in seiner Seele, sodass er sagt: "Elhamdulillah, dieses Unglück hat einen Verdienst mit sich gebracht und ist vorübergegangen." Freudig atmet er auf. Das heißt also, dass eine Stunde vorübergehender Schmerzen in der Seele eine geistige Freude hinterlässt und eine frohe Stunde im Gegenteil einen Schmerz zurücklässt.

Da dies nun einmal eine Tatsache ist und da nun einmal die Stunden eines vergangenen Unglücks zusammen mit ihren Schmerzen entschwunden und in Nichts zerronnen sind und die Tage künftigen Unheils ein Nichts und nicht vorhanden sind und es im Nichts keinen Schmerz gibt und ein Schmerz aus dem Nichtsein nicht kommen kann, so wäre es doch sicherlich ein Irrsinn, wenn zum Beispiel jemand, aus der Möglichkeit heraus in einigen Tagen Hunger und Durst zu leiden, heute schon in dieser Vorstellung fort und fort Brot äße und Wasser tränke, was doch sicherlich ein Irrsinn wäre, in gleicher Weise, wollte er jetzt schon an die Stunden vergangener und kommender Schmerzen, die nicht mehr oder noch nicht da sind, denken und sich ungeduldig zeigen, die Fehler seiner Seele außer Acht lassen, stattdessen aber "Ach und Weh!" seufzen, und Gott deswegen anklagen.

Verausgabt man nicht die Kraft seiner Geduld nach rechts und links, das heißt für Vergangenes und Zukünftiges, bewahrt sie stattdessen für die gegenwärtige Stunde und den heutigen Tag, so genügt das. Das Unbehagen geht von zehn auf eins zurück. Wenn ich mich auch keineswegs darüber beklagen will, so hat mir doch in dieser dritten Schule des ägyptischen Joseph, nach einigen Tagen im Unglück meiner körperlichen und geistigen Bedrängnis und Krankheit, besonders der Verzweiflung darüber, dass man mir den Dienst an der Risale-i Nur unmöglich gemacht hat, und der zermürbenden Unruhe in meinem Herzen und in meiner Seele die Gnade Gottes diese obige Wahrheit aufgezeigt. Auch ich bin in der Plage meiner Krankheit und meiner Gefangenschaft zufrieden, denn: "Für den, der so wie ich, hilflos an der Schwelle zum Grabe eine Stunde in Gottvergessenheit vorübergehen lassen könnte, ist es ein großer Gewinn, daraus zehn Stunden der Anbetung zu machen." habe ich gesagt und dafür gedankt.

Dritter Punkt:

Den Gefangenen in Liebe zu helfen und zu dienen, ihnen den notwendigen Lebensunterhalt zukommen zu lassen, die Wunden und Schmerzen ihrer Seele mit dem Balsam der Tröstung zu lindern, ist mit

wenig Mühe eine verdienstvolle Handlung und ihnen die Speisen zu reichen, die ihnen von außen gebracht werden, wird diesen Wächtern und denen, die innerhalb wie außerhalb mit den Wächtern zusammenarbeiten, einem Almosen gleich, in das Buch ihrer guten Werke eingetragen. Ist insbesondere der Unglückliche noch dazu alt oder krank oder arm oder ein Fremdling, so vermehrt sich noch beträchtlich der Lohn solcher wohltätigen, einem Almosen gleichenden Handlungen.

So ist die Bedingung für ein so hohes Verdienst die Verrichtung der vorgeschriebenen Gebete, damit dieser Dienst um Gottes Willen sein solle. Zudem ist es noch eine Bedingung, in Treue, mit Liebe und Freude, ohne einen Dank zu erwarten, zu einer solchen Hilfeleistung zu eilen.

* * *

بِاسْمِهِ سُبْحَانَهُ ٭ وَاِنْ مِنْ شَيْءٍ اِلاَّ يُسَبِّحُ بِحَمْدِهِ ٭ اَلسَّلاَمُ عَلَيْكُمْ وَ رَحْمَةُ اللّهِ وَ بَرَكَاتُهُ اَبَدًا دَائِمًا

{"Im Namen des Hochgelobten; und fürwahr; es gibt kein Ding, das nicht lobend Ihn preist; Der Friede Allahs, Sein Erbarmen und Sein Segen mögen mit ihnen sein, immer und ewig."}

Oh meine Mitgefangenen und Brüder im Glauben!

Um euch sowohl vor den Qualen in dieser Welt als auch vor den Qualen in jener zu erretten, ist mir in meinem Herzen eine Ermahnung zuteil geworden, euch die folgende Wahrheit zu erklären:

Beispiel: Es habe jemand eines anderen Bruder oder Verwandten getötet. Diese eine Minute der Befriedigung seiner Rachegelüste durch einen Mord zieht sowohl Millionen von Minuten in Herzensqualen als auch eine Gefängnisstrafe nach sich. Zudem sind die Verwandten des Ermordeten durch Rachegedanken und Vorstellungen, die ständig um ihre Feinde kreisen, um den Reiz des Daseins gebracht und haben ihre Freude am Leben

verloren. So leiden sie einerseits unter Furcht und andererseits quälen sie sich noch in ihrem Zorn. Dagegen gibt es nur ein Mittel und das heißt: Dem Befehl des Qur'an entsprechend und so wie es Gerechtigkeit und Wahrhaftigkeit, das Wohl und menschlich wie islamisch richtiges Verhalten empfiehlt und erfordert, Frieden zu schließen und sich zu versöhnen.

Wahrhaftigkeit und Wohlverhalten bedeuten in der Tat den Frieden. Denn es gibt nur eine Todesstunde und die verschiebt sich nicht. Jener Ermordete hätte in jedem Falle nicht länger als bis zum Eintritt seiner Todesstunde verweilen können. Was aber den Mörder betrifft, so ist er zu einem Werkzeug göttlicher Vorausschau geworden. Wo es keine Versöhnung gibt, leiden beide Seiten ständig unter der Geißel der Blutrache und der Furcht vor ihr. Darum befiehlt der islamische Glaube: "Mehr als drei Tage soll ein Gläubiger einem anderen Gläubigen nicht zürnen." Besonders aber dann, wenn dieser Mord nicht die Folge einer Feindschaft oder hasserfüllter Rachegedanken war, wenn jemand als ein Werkzeug der Zwietracht dazu aufgehetzt hatte, ist es dringend notwendig, sich rasch wieder zu versöhnen, sonst wird aus dem Unglück eines Einzelnen eine allgemeine Tragödie und setzt sich so fort. Schließt man aber miteinander Frieden und bereut der Mörder seine Tat und betet immer wieder für sein Opfer, dann werden beide Seiten ein hohes Verdienst erwerben und einander wie Brüder werden.

So gewinnt man im Glauben gleich mehrere Brüder anstelle des einen dahingeschiedenen. Dort wo man sich der göttlichen Vorausschau anvertraut, sich in das Geschehene und in den Willen Gottes ergibt, seinem Feinde verzeiht, dort wird man, da alle nun einmal die Lektionen aus der Risale-i Nur gehört haben, sicherlich auch jeglichen Groll untereinander aufgeben, was ja das Wohlverhalten des Einzelnen und die Befriedung aller, als auch die Brüderlichkeit nach der Lehre der "Lichter" erfordert.

Ebenso wie alle Gefangenen im Gefängnis von Denizli, die einander Feinde waren, durch die Unterweisungen der

"Lichter" einander Brüder geworden sind und dies auch zu einem Grund für unseren Freispruch geworden ist und dies alle (ja sogar die Gottlosen und die Schurken) dazu gebracht hat, angesichts der Gefangenen "Mashaallah, Barekallah" zu sagen und alle Gefangenen wieder aufatmen durften,

{Die miteinander verfeindeten Gefangenen hatten es bis dahin aus Angst und Misstrauen gegeneinander verhindert, miteinander in den Hof zu gehen. Der hier verwendete türkische Ausdruck bedeutet sowohl "aufatmen" als auch "Luft schöpfen, Pause machen". (A.d.Ü.)}

habe auch ich gesehen: Wegen eines einzigen Menschen mussten hundert Menschen leiden und konnten nicht miteinander zur Pause gehen. Sie wurden unter Druck gesetzt. Ein Gläubiger, der ein Mann ist und ein Gewissen hat, wird nicht wegen kleiner, persönlicher Misshelligkeiten oder Vorteile hundert andere leiden lassen. Hat er einen Fehler begangen, soll er schnell um Vergebung bitten.

* * *

بِاسْمِهِ سُبْحَانَهُ ٭ وَاِنْ مِنْ شَيْءٍ اِلاَّ يُسَبِّحُ بِحَمْدِهِ

{"Im Namen des Hochgelobten; und fürwahr; es gibt kein Ding, das nicht lobend Ihn preist."}

Meine lieben neu gewonnenen Brüder und seitherigen Mitgefangenen;

Ich bin zu der festen Überzeugung gelangt, dass ein wichtiger Grund für unsere Einlieferung hier gemäß der Gnade Gottes gerade ihr seid. Es geschieht dies nämlich, um euch durch die Tröstungen der "Lichter" und die Glaubenswahrheiten in der Bedrängnis durch das Unglück eurer Gefangenschaft und der Nutzlosigkeit eures Lebens, das euch aus den vielen schädlichen Einflüssen in dieser Welt mit ihrem Kummer und den vergeblichen Sorgen erwächst, seiner Sinnlosigkeit und Verlorenheit und vor einem solchen Weinen im Jenseits, wie es dem Weinen hier im Diesseits gleicht, zu retten und euch so eine

vollkommene Tröstung zu bringen. Unter den gegebenen Umständen solltet sicherlich auch ihr, wie die Gefangenen in Denizli und die Nur-Schüler, miteinander Brüder werden. Ihr seht ja: Um zu verhindern, dass ein Messer hereingebracht wird, mit dem ihr euch gegenseitig bedrohen könntet, werden alle Dinge, die von außen herein gebracht werden, das Essen, das Brot und die Suppe, untersucht. Die Wächter, die euch in Treue dienen, geben sich große Mühe. So solltet auch ihr, wenn ihr miteinander zur Pause geht, nicht wie Wölfe und wilde Tiere über einander herfallen.

So sollt ihr denn nun heute, ihr, in deren Adern das Blut derer rollt, die als tapfere Männer geboren wurden, als die neuen Kameraden, mit einer großen, inneren Standhaftigkeit zu euren Oberen sagen:

"Gäbe man in unsere Hände nicht nur ein Messer, nein, selbst ein Gewehr oder einen Revolver und gäbe man uns selbst den Befehl dazu, wir würden unseren armen Kameraden, die wie wir im Unglück sitzen, kein Haar krümmen. Auch hätten wir früher hunderterlei Arten von Hass und Feindschaft gegeneinander getragen, so sind wir doch nun entschlossen, unser Recht ihnen gegenüber zu löschen und uns darum zu bemühen, sie nicht zu kränken, wie es uns der Qur'an, der Glaube, die islamische Brüderlichkeit und unser Wohlverhalten befiehlt und lehrt." So wandelt denn nun dieses Gefängnis zu einer segensreichen Schule um.

Eine wichtige Anmerkung, die mir in der Nacht "Qadr" offenbar wurde.

Anhang zum zweiten Kapitel des "Dreizehnten Wortes"

In der Nacht "Qadr" ist mir eine Wahrheit lang und breit ins Herz gedrungen, die ich hier ganz kurz ausdeuten möchte. Es ist dies wie folgt:

Aufgrund der furchtbaren Ungerechtigkeiten und der furchtbaren Unterdrückung der Menschheit in diesem letzten Weltkrieg und seiner gnadenlosen Zerstörungen und der vielen hundert Unschuldigen, die wegen eines einzigen feindlichen Soldaten zu Grunde gerichtet wurden, und der schrecklichen Verzweiflung der Besiegten und der schrecklichen Panik der Sieger, weil sie ihren Herrschaftsbereich nicht verteidigen können, und ihrer schrecklichen Gewissensqualen, weil sie den großen Schaden nicht wieder gutmachen können, und der allgemeinen Einsicht in die totale und absolute Nichtigkeit und Vergänglichkeit des irdischen Lebens und in die Trug und Traumbilder der Zivilisation, und der allgemein verbreiteten schrecklichen Verwüstungen in den großartigen Anlagen und im Kern humanistischer Gesinnung auf dem Grunde menschlichen Wesens, und der Vertreibung von Gottvergessenheit, Irrglaube und tauber, unfruchtbarer Naturphilosophie mit dem diamantenen Schwerte des Qur'an, und der Erkenntnis des so hässlichen und so erbärmlichen wahren Gesichts der allgemein über die Erde verbreiteten Politik, deren trügerischer Schleier aus Gottvergessenheit und Irrtum alles überdeckt und erstickt, besteht sicher und gewiss kein Zweifel daran, dass die Menschheit, wie wir das im Norden, im Westen und in Amerika bereits in Spuren erkennen können, weil das irdische Leben, das ihre weltliche Geliebte ist, so abstoßend und vergänglich ist, auf ihrer Suche nach ihrem in Wahrheit geliebten Menschenwesen das ewige Leben mit ganzer Kraft suchen wird, und es besteht sicherlich

auch kein Zweifel daran, dass es der Qur'an, ein Wunder der Verkündigung, der seit 1360 Jahren mit seinen 350 Millionen Schülern in jedem Jahrhundert und Millionen Kennern der Wahrheit, die alle seine Verordnungen und Lehren mit ihrer Unterschrift bestätigen, der in den Herzen von Millionen seiner Rezitatoren wohnt, mit deren Zungen er in jeder Minute die Menschen unterrichtet, der in einer Weise, die keinem anderen Buche vergleichbar ist, der Menschheit die frohe Botschaft vom ewigen Leben und der ewigen Glückseligkeit verkündet, der die Wunden der ganzen Menschheit heilt, dass es dieser Qur'an ist, den, weil er mit tausenden von Ayat mächtig und kraftvoll immer wieder, ja sogar zehntausend Mal ausdrücklich oder hinweisend einlädt und berichtet und mit unerschütterlich sicheren Beweisen, mit zahllosen, unbezweifelbaren Zeugnissen die frohe Gewissheit vom ewigen Leben ausruft und die Lehre von der ewigen Glückseligkeit bringt, die Menschheit sicherlich, falls sie nicht ganz und gar den Verstand verloren hat, oder der Untergang der materiellen oder geistigen Welt über sie hereingebrochen ist, wie die berühmten Schriftsteller, die sich darum bemühen, dass in Schweden, Norwegen, Finnland und England der Qur'an angenommen werden möge, und wie die bedeutende Gruppe in Amerika, die den wahren Glauben sucht, ja große Länder und ganze Staatenbünde diesen Qur'an, dieses Wunder der Verkündigung, suchen, und nachdem sie seine Wahrheit verstanden hat, mit ganzem Herzen und ganzer Seele annehmen wird.

Denn vom Standpunkt der Wahrheit aus betrachtet, hat der Qur'an mit Sicherheit nicht Seinesgleichen und nichts kann den Platz dieses so großen Wunders einnehmen.

Die Risale-i Nur hat in der Hand des großen Wunders (d.h. des Qur'an) nicht nur als ein diamantenes Schwert gute Dienst erwiesen und ihre verstockten Feinde zur Aufgabe gezwungen, sondern vermag zudem auch das Herz, den Geist und auch die Gefühle vollständig zu erleuchten, ihnen Heilmittel zu bereiten und auf diese Weise die Schätze des Qur'an bekannt zu machen.

Die Risale-i Nur kennt außer ihm kein Quellen- oder Nachschlagewerk, widerspiegelt vielmehr seine Bedeutung vollkommen, hat alle Gegenpropaganda überstanden und die so starrsinnigen Atheisten vollständig besiegt. Sie hat die so feste und starke Burg der Naturphilosophen mit ihrer "Natur Risale" in Stücke geschlagen und die sich bis in weite Fernen ausdehnende Finsternis einer völlig undurchdringlichen, erstickenden Gottvergessenheit vertrieben, die sich so weit ausdehnenden Schleier der Naturwissenschaften mit der sechsten Problemstellung der "Frucht Risale" und mit dem ersten, zweiten, dritten und achten Zeugnis in dem Band "Stab Mosis" auf eine wirklich glänzende Weise zerrissen und das Licht der Einheit Gottes aufscheinen lassen.

Die sechste Problemstellung aus der "Frucht-Risale"

Den Erklärungen in den meisten Abschnitten der Risale-i Nur und dem Beweis durch zahllose unwiderlegbare Zeugnisse entsprechend wird hier nur ein Hinweis auf ein einziges Zeugnis unter tausenden allgemeingültigen für den Glauben an Allah angeführt.

Ein Teil der Schüler des Gymnasiums in Kastamonu besuchte mich. Sie sagten: "Unterrichte uns bitte über unseren Schöpfer. Unsere Lehrer in der Schule sprechen von Allah überhaupt nicht."

Ich sagte ihnen: Jede Wissenschaft, die euch in der Schule gelehrt wird, spricht ständig auf ihre eigene Art von Allah und unterrichtet über den Schöpfer. Wendet also eure Aufmerksamkeit dieser und nicht den Lehrern zu.

Zum Beispiel:

Eine vollkommen eingerichtete Apotheke, ausgestattet mit zahllosen Tuben und Gläsern, in denen sich lebensspendende Seren und Arzneimittel - zusammengestellt mit Hilfe einer hochempfindlichen Waage - befinden, weist ohne Zweifel auf einen hochgelehrten Chemiker, Arzt und Apotheker hin. Ebenso weisen auch die Seren und Arzneimittel in den Tuben und Gläsern, mit denen wir die 400 tausend verschiedenen Pflanzen- und Tierarten vergleichen können, die sich in der Apotheke unserer Erde finden, selbst noch blinde Augen darauf hin, in welchem Maße vollkommener und größer als diese Apotheke in unserer Straße die große Apotheke der Welt sein muss, und der Apotheker und Arzt in all Seiner Majestät in ihr, wenn ihr sie mit den Maßstäben der medizinischen Wissenschaft betrachtet, die ihr studiert.

Ein weiteres Beispiel:

Eine wundervolle Fabrik, die tausende verschiedener Stoffe aus einfachem Material webt, unterrichtet uns zweifelsfrei über ihren Fabrikanten und hochgelehrten Maschinenbauer.

Ebenso teilt uns auch diese rollende Produktionsanlage

des Herrn, die wir unsere Erde nennen, mit ihren hunderttausenden von Lieferungsausgängen und hunderttausenden vollständiger Fabriken an jedem einzelnen von ihnen, mit und unterrichtet uns darüber, in welchem Grade der Erbauer und Besitzer dieser Erdkugel, mit den Maßstäben der Maschinenbaukunde, die ihr studiert, größer und vollkommener ist, als diese Fabrik von Menschenhand.

Ein weiteres Beispiel:

Ein vollständig eingerichtetes Depot, ein Lebensmittellager, ein Laden, in dem tausend und noch eine verschiedener Güter von allen Seiten herangeholt geordnet und bereitgestellt liegen, lässt uns zweifelsfrei erkennen, wer es verwaltet und sein Herr und Besitzer ist. Ebenso lässt uns dieses Depot, dieser Laden des Herrn mit seinen tausend und noch einem verschiedenen Geräten, Gütern und Konservenpaketen, erkennen, in welchem Maße dieses Raumschiff des Hochgelobten, das ein Lebensmittellager des Allerbarmers ist und das wir unsere Erde nennen, die in einem Jahr ihre regelmäßige Reise in einem Kreis von 24 tausend Jahren Fußweg beschreibt, dabei noch hunderttausend Arten trägt, die der verschiedensten Speisen bedürfen, und das auf seiner Fahrt durch die Jahreszeiten reist, wobei der Frühling einem großen Waggon - gefüllt mit tausenden verschiedenster Speisen für die notleidenden Lebewesen - gleicht, die ihre Nahrung im Winter aufgezehrt haben, verglichen mit den Maßstäben der Wirtschaftswissenschaften, die ihr studiert habt und noch studieren werdet, größer und vollkommener ist als diese Anlagen und unterrichtet uns dementsprechend mit vollkommener Sicherheit über den Herrn, der dieses Depot lenkt, leitet und verwaltet, das unsere Erdkugel ist, und weckt unsere Begeisterung für Ihn.

Ein Heer, in dem sich 400 tausend Völker zusammenfinden, deren jedes nach seiner eigenen Verpflegung verlangt, seine eigenen Waffen benötigt, seine eigene Kleidung trägt, deren jedes nach eigener Anordnung übt und nach einem anderen Zeitraum entlassen wird, dieses Heer und sein Lager mit seinem Kommandanten, der einzig

und allein allen diesen verschiedenen Völkern ihre ganz unterschiedliche Verpflegung und völlig verschiedenen Waffen, ihre Kleidung und Ausrüstung gibt, ohne dabei etwas zu vergessen oder zu verwechseln, weist offensichtlich und ohne allen Zweifel auf eben diesen wunderbaren Kommandanten hin und weckt unsere Begeisterung für ihn. Ebenso lässt auch das Heerlager, das sich in jedem Frühling über das Antlitz der Erde erhebt und aufs Neue seine Waffen aufnimmt, ein neues Heer des Hochgelobten aus 400 tausend Tier- und Pflanzenvölkern, die ganz verschiedene Bekleidung, Verpflegung und Ausrüstung erhalten und denen ein einziger allmächtiger Oberbefehlshaber in vollendeter Ordnung ihre Stellungs- und Entlassungsbefehle erteilt, ohne irgendetwas zu vergessen oder zu verwechseln, für jeden, der seinen Verstand beisammen hat, erkennen, in welchem Maße dieses Heerlager der Erde im Frühling, verglichen mit den Maßstäben der Militärwissenschaft, die ihr studieren wollt, größer und vollkommener ist als das obenerwähnte menschliche Heer und Heerlager, und unterrichtet uns dementsprechend, Ihn mit Lobpreis und Bewunderung als unseren Herrn und Herrscher, der die Welt lenkt und befehligt in Heiligkeit anzunehmen, erweckt in uns Dank und Verehrung und ruft unsere Begeisterung für Ihn wach.

In einer wunderbaren Stadt mit Millionen von kreisenden elektrischen Lampen, die überall hin gelangen, lassen diese Lampen, die immer mit Brennstoff versorgt sind, und ihre Fabrikation offensichtlich und ganz ohne Zweifel ihren wunderwirkenden Meister und über alles fähigen Elektriker, der die Fabrik erbaut und die kreisenden Lampen erschaffen hat und sie mit Brennstoff versorgt, der auch die elektrischen Anlagen überwacht, voll Bewunderung erkennen, segnen und sich für ihn begeistern.

Ebenso stoßen auch die Sternenlampen an der Schlossdecke der Welt in dieser kosmischen Stadt, obwohl doch einige von ihnen - nach Aussage der Astronomen - tausendmal größer sind als unsere Erdkugel und sich siebzigmal schneller bewegen als eine Kanonenkugel, nicht

miteinander zusammen, erlöschen nicht und sind stets mit Brennstoff versorgt. Auch unsere Sonne, die, wie ihr gehört habt, nach Aussage der Astronomen millionenmal größer als unsere Erde ist und viele Millionen Jahre alt und eine Lampe und ein Ofen in diesem Gasthaus des Allbarmherzigen und für die täglich so viele Meere an Heizöl notwendig wären, wie die Ozeane der Erde, oder ganze Gebirge von Kohle oder Holzstöße, so groß wie tausend Erden, um sie nicht ausgehen zu lassen, und die erhabenen Sterne, die wie sie ohne Öl, ohne Holz und ohne Kohle brennen und nicht auslöschen und rasch miteinander dahineilen, ohne aneinander zu stoßen, weisen mit ihren Lichtfingern auf die allumfassende Gewalt und Herrschaft Gottes hin und zeigen uns, um wie vieles größer und in welchem Maße vollkommener als in diesem unserem Beispiel, die Lampen und Leuchten dieses Weltenschlosses in unserer wundersamen kosmischen Stadt sind.

Wenn ihr die Elektrotechnik dementsprechend studiert oder noch studieren werdet, wird sie uns in gleichem Maße über den König unterrichten, der dieses gewaltige Ausstellungsgelände des Kosmos eingerichtet hat und es verwaltet und dessen die leuchtenden Sterne Zeugen sind und deren Beleuchtungsmeister Er ist, und in Lobpreis und Verherrlichung unsere Begeisterung und Verehrung für Ihn wecken.

Gäbe es, um ein weiteres Beispiel anzuführen, ein Buch, in dessen einzelne Zeilen sehr klein ein ganzes Buch hineingeschrieben sei und in dessen einzelne Worte mit feinem Stift eine Sure des Qur'an hineingeschrieben sei, ein sehr bedeutungsvolles Buch, in dem sich alle Themen gegenseitig stützen und ergänzen, so zeigte dieser wunderbare Band die außerordentlichen Fähigkeiten und Begabungen seines Schreibers und Verfassers und ließe uns ohne Zweifel, klar wie der Tag, die Vollkommenheit seines Schreibers, seines Autors, erfahren und seine Kunstfertigkeit erkennen. Es würde uns dazu veranlassen, "Mashaallah, Barekallah!" zu sagen und unsere Verehrung

zum Ausdruck zu bringen. Ebenso lässt auch dieses große Buch der Schöpfung, in dem eine einzige Seite die Oberfläche unserer Erde ist und auf ihr ein einzelner Bogen der Frühling mit seinen 400 tausend Tier- und Pflanzenarten, die 400 tausend Büchern gleichen, und in dem, wie wir mit eigenen Augen sehen, ein Wort gleich einem Baum wie eine Kasside oder ein Kern gleich einem Punkt fehlerlos, makellos, ohne sich zu irren oder etwas zu verwechseln, vollkommen und wohlgeordnet eines im anderen das vollständige Verzeichnis eines Buches niedergeschrieben wurde, von einer Feder bewerkstelligt, dieser Sammelband des Alls erkennen, dass diese Verkörperung des Großen Qur'an der Welt, in dem sich so unendlich viele Bedeutungen und mit jedem Wort so viele Weisheiten finden, so viel größer, vollkommener und bedeutender ist, als unser Buch in dem obenerwähnten Beispiel und wie im gleichen Grade, betrachtet mit dem großen Maßstab und dem scharfen Blick der Physik, die ihr lernt, und durch die Lese- und Rechtschreibkunde, die ihr in der Schule praktisch übt, der Designer dieses kosmischen Buches und sein Schreiber so grenzenlos vollkommen ist.

Es macht Ihn durch das Wort "Allahu Ekber" bekannt, heiligt und erhebt Ihn mit "Subhanallah", lobpreist Ihn mit "Elhamdulillah" und weckt unsere Begeisterung für Ihn.

So ermöglicht also einem Menschen jede von Hunderten von Wissenschaften sowie die obenerwähnten Wissensbereiche mit ihren geeichten Maßstäben, ihrem eigenen Spiegel und mit ihrer weitsichtigen Optik eine Betrachtungsweise, durch die er den glorreichen Schöpfer dieses Kosmos in Seinen Namen erkennen, Ihn durch Seine Attribute und in Seiner Vollkommenheit schauen kann.

So ist es denn, um diesen obenerwähnten Beweis zu führen, der ein wunderbares und glänzendes Zeugnis der Einheit ist, dass der Qur'an, ein Wunder der Verkündigung, so häufig die folgenden Verse wiederholt:

رَبُّ السَّمٰوَاتِ وَاْلاَرْضِ ٭ خَلَقَ السَّمٰوَاتِ وَاْلاَرْضَ

{"Herr der Himmel und der Erde." - "Er schuf die Himmel und die Erde."}

Mit solchen Versen unterrichtet uns der Qur'an über unseren Schöpfer, habe ich den jungen Schülern gesagt. Sie haben auch alles so angenommen und zur Bestätigung gesagt: "Unendlicher Dank sei unserem Herrn dafür, dass wir eine so reine und wahrheitsgetreue Lektion erhalten haben. Möge Allah mit dir zufrieden sein!"

Da habe auch ich zu ihnen gesagt: "Der Mensch, der unter tausend verschiedenen Schmerzen leiden und tausend unterschiedliche Arten von Freuden genießen kann, ist als ein lebendiger Organismus, der über seine große Schwäche hinaus auch noch zahllose innere und äußere Feinde und über seine grenzenlose Armseligkeit hinaus auch noch von unendlich vielen äußeren und inneren Faktoren abhängig ist, ein armseliges Geschöpf, auf das unablässig die Schläge des Untergangs und der Trennung herabprasseln. Wenn er sich aber nun plötzlich dem König in Seiner Majestät voll Glaube und Anbetung verbindet und nun gegen alle seine Feinde einen Stützpunkt und in all seinen Bedürfnissen einen Quellgrund der Hilfe findet, so könnt ihr euch vorstellen, wie er, gleich jedem, der sich durch die Zugehörigkeit zu seinem Herrn geehrt fühlt und auf seinen Stand stolz ist, wenn er sich nur einem solchen allmächtigen und allbarmherzigen König gläubig verbindet, anbetend in Seinen Dienst tritt und sein ewiges Verbannungsurteil in eine Entlassungsurkunde umwandelt, in einer großen Zufriedenheit und Dankbarkeit und mit einer tiefen Ehrerbietung stolz sein kann."

Was ich damals den jungen Schülern gesagt habe, das sage ich noch einmal genauso meinen vom Unglück betroffenen Mitgefangenen: "Wer Ihn kennt und Ihm gehorcht, der ist ein Glückseliger, säße er auch in einem Gefängnis. Wer Ihn vergisst, und säße er auch in einem Schloss, der ist ein Unglückseliger."

Ja, es sagte einmal ein solcher Glückseliger, der zu

Unrecht verurteilt worden war, bei seiner Hinrichtung zu den unglückseligen Gewaltmenschen: "Ich werde nicht hingerichtet, vielmehr gehe ich mit einer Entlassungsurkunde in die ewige Seligkeit ein. Ich sehe euch aber zu ewiger Verbannung verurteilt und das ist für mich eine vollständige Genugtuung." لآَ اِلٰهَ اِلاَّ اللّٰهُ {"Es gibt keinen Gott außer Allah!"} sagte er und gab freudig seine Seele hin.

سُبْحَانَكَ لاَ عِلْمَ لَنَآ اِلاَّ مَا عَلَّمْتَنَآ اِنَّكَ اَنْتَ الْعَلِيمُ الْحَكِيمُ

{"Gepriesen seiest Du! Wir haben kein Wissen, außer dem, das Du uns gelehrt hast. Denn Du bist der Allwissende, der Allweise!" (Sure 2, 32)}

Anmerkung über "Hu!"

بِاسْمِهِ سُبْحَانَهُ ٭ وَاِنْ مِنْ شَيْءٍ اِلاَّ يُسَبِّحُ بِحَمْدِهِ ٭ اَلسَّلاَمُ عَلَيْكُمْ وَ رَحْمَةُ اللَّهِ وَ بَرَكَاتُهُ اَبَدًا دَائِمًا

{"Im Namen dessen, der gepriesen sei; und fürwahr; es gibt kein Ding, das nicht lobend Ihn preist; Der Friede (Selam) Allahs sei über euch und Sein Erbarmen und Sein Segen für immer und ewig"}

Meine sehr lieben und treuen Brüder,

Meine Brüder, ich habe bei den Worten لآَ اِلَهَ اِلاَّ هُوَ {"Es gibt keinen Gott außer Ihm."} und قُلْ هُوَ اللَّهُ {"sprich: Er ist Gott."} in dem هُوَ {"Er"} ein verborgenes Zeichen der Einheit Gottes erblickt, als ich in meiner Vorstellung eine Reise durch die Welt der Gedanken unternahm und dabei die Luft von ihrer rein materiellen Seite her betrachtete. So habe ich bemerkt, dass der Weg des Glaubens in unendlichem Grade einfach und im Grade der Notwendigkeit leicht beschreitbar ist und dass sich auf dem Weg der Abgötterei und des Irrglaubens in unendlichem Grade Schwierigkeiten und tausende von Unmöglichkeiten finden. Diese Erklärung in ihrer ganzen Länge und Breite will ich hier in einer kurzen Anmerkung zusammenfassen.

Es kann in der Tat eine Handvoll Erde der Reihe nach hunderten von Blumen als Beet dienen. Wollte man dies der Natur, den Ursachen zuschreiben, so müsste man entweder annehmen, dass in diesem Beet hunderte unsichtbarer Maschinen oder Fabriken, vielleicht ebenso viele wie Blumen, in entsprechend kleinem Maßstab vorhanden seien, oder aber, es müsste jedes kleine Stäubchen dieser Erde alle diese ganz verschiedenen Blumen mit ihren unterschiedlichen Eigenschaften und lebenden Organen herstellen können, als ob es über ein unbegrenztes göttliches Wissen und eine grenzenlose Macht verfügte.

Genauso müsste dann auch jedes Luftteilchen und ein jeder Windstoß, den der Wille und Befehl Gottes aussendet, ein Atemzug Luft, wie man ihn benötigt, um هُوَ {"Er"} zu sagen, oder so viel Luft wie unter unserem Nagel Platz hat, so viele Telefongespräche wie es in der Welt gibt, Telegrafengeräte, Radioapparate, so unendlich viele verschiedene Kommunikationszentren und Ämter, so viele Hör- und Sprechmuscheln enthalten, sodass es alle diese unendlich vielen verschiedenen Arbeiten gleichzeitig und in einem Augenblick bewerkstelligen kann, oder aber, es müsste ein Luftteilchen, in dem das Wort هُوَ {"Er"} schwingt oder jedes Atom eines Teilchens in der Atmosphäre so viele unsichtbare Persönlichkeiten und ihre Fähigkeiten in sich enthalten, wie es Telefongespräche und all die vielen anderen telegrafischen Nachrichten und Rundfunksendungen in der Welt gibt, alle ihre Sprachen kennen und gleichzeitig auch die übrigen Atome unterrichten und sich über sie verbreiten können, denn diese Funktion kann man tatsächlich zum Teil wahrnehmen und

diese Fähigkeit findet sich in allen Luftteilchen. Hier wird ganz klar sichtbar, dass sich auf dem Weg der Leute des Unglaubens, der Naturalisten und Materialisten nicht nur eine Unmöglichkeit, vielmehr so viele Unmöglichkeiten, Unvorstellbarkeiten und Schwierigkeiten befinden, wie es Atome in der Luft gibt.

Führt man aber all dies auf den Göttlichen Meister in Seiner Majestät zurück, dann wird die Luft mit all ihren Atomen zu einem Seiner gehorsamen Soldaten. Sie kann das mit Erlaubnis und durch die Macht ihres Schöpfers, durch ihre Verbundenheit mit Ihm und auf Ihn gestützt, im Aufscheinen der Kraft ihres Meisters, in einem einzigen Augenblick, blitzschnell, so leicht, wie man هُوَ {"Er"} sagt und dadurch die Luft in Bewegung setzt. Das heißt, das, was die Feder der Macht unermüdlich, wunderbar und wohlgeordnet aufzeichnet, wird zu einer Seite, wobei die Atome die Spitze dieser Feder bilden und die Funktion dieser Atome darin besteht, die Punkte aus der Feder der Göttlichen Vorausschau zu formen. Das alles geschieht mit der gleichen Leichtigkeit, mit der sich ein einzelnes Atom bewegt.

Während ich also die Worte sprach: لآَ اِلَهَ اِلاَّ هُوَ {"Es gibt keine Gottheit außer Ihm."} und قُلْ هُوَ اللَّهُ {"Sprich: Er ist Allah."} untersuchte ich auf meiner Reise durch die Welt der Gedanken das Reich der Lüfte und studierte es als ein Element und erkannte diese umfassende Wahrheit mit

augenscheinlicher Sicherheit in all ihren Einzelheiten und Zusammenhängen. So wie in dem Aussprechen des Wortes هُوَ {"Er"} und in der Luft, die man dazu benötigt, ein so glänzendes Zeugnis und ein Blitzstrahl der göttlichen Allgegenwart mit inbegriffen ist, so ist auch in seiner Bedeutung und in dem Hinweis, den es enthält, eine überaus lichtvolle Erscheinung der göttlichen Einheit in jedem Ding und ein sehr starker Beweis für die göttliche Einheit hinter allen Dingen enthalten und ein präziser Hinweis darauf, auf welche Person sich das Pronomen هُوَ {"Er"} in seinem offensichtlichen und verborgenen Sinne bezieht, woraus ich mit wissenschaftlicher Sicherheit erkannt habe, warum sowohl der Qur'an, ein Wunder der Verkündigung, als auch die Mystiker in ihrer Meditation über die Einheit dieses heilige Wort so oft wiederholen. Dafür ein Beispiel: Es ist ja doch so, dass man einen Punkt auf einem weißen Blatt mit zwei, drei anderen Punkten, die man daneben setzt, verwechselt und dass ein Mann, der viele verschiedene Aufgaben gleichzeitig erledigt, dabei durcheinander kommt, und dass ein kleines Lebewesen, dem viele Lasten aufgebürdet werden, darunter erdrückt wird, und dass eine Zunge und ein Ohr, die verschiedene Worte gleichzeitig aussprechen und aufnehmen, die Ordnung zerstören und Verwirrung anrichten. Dennoch habe ich, während ich mit dem Schlüssel und Kompass هُوَ {"Er"} durch das Reich der Gedanken reiste, mit augenscheinlicher Sicherheit gesehen, dass in jedes Luftteilchen, ja sogar in jedes einzelne Atom tausende verschiedener Punkte,

Buchstaben, Worte gesetzt sind, oder gesetzt werden könnten, und dass sie dennoch nicht durcheinander geraten und die Ordnung nicht zerstören und dennoch sehr viele ganz verschiedene Aufgaben erledigen, dass sie dennoch, ohne eine Verwirrung anzurichten, und obwohl jedes Teilchen und jedes Atom mit vielen sehr schweren Lasten beladen wird und dennoch sich nicht schwach zeigt, sie vielmehr ohne zurückzubleiben in vollkommener Ordnung trägt, ja obwohl tausende ganz verschiedener Worte, von unterschiedlichem Charakter und verschiedener Bedeutung in vollkommener Ordnung zwischen Ohr und Zunge ein- und ausgehen, etwas in diese kleinen Ohren hineintragen, ohne es zu verwechseln und zu verderben, von diesen winzigen Zungen ausgehen, und dass jedes Atom und Teilchen, während es seine bemerkenswerten Aufgaben wahrnimmt, in vollkommener Freiheit durch seinen ekstatischen Zustand, durch das Zeugnis und mit den Worten der obenerwähnten Wahrheit لآَ اِلَهَ اِلاَّ هُوَ {"Es gibt keine Gottheit außer Ihm."} und قُلْ هُوَ اللَّهُ {"Sprich: Er ist Allah."} sagt, sich hin und her bewegt und dass inmitten der Schallwellen, bei Sturm und Regen, Donner, Blitz und Ungewitter ihre Ordnung nicht gestört wird, sie ihre Aufgaben nicht verwechseln und mit keiner ihrer Tätigkeiten eine andere behindern... Dies habe ich mit augenscheinlicher Sicherheit beobachtet.

Das heißt also, es müsste jedes Atom und jedes Molekül über eine grenzenlose Weisheit, unendliches Wissen und Können, und über ein unermessliches Vermögen, Macht und solche Eigenschaften verfügen, wie sie ein absoluter Herr über alle Atome haben müsste, sodass es diese Aktivitäten durchführen könnte.

Das sind aber so viele Unmöglichkeiten und Irrigkeiten, wie es Atome gibt. Auf diesen Gedanken kann auch kein Teufel kommen. Also wird die Luft im Grade einer lebendigen, augenscheinlichen und wissenschaftlichen Gewissheit zu einer Seite für die Feder der göttlichen Macht und Vorausschau, die der Herr in Seiner Majestät mit grenzenlosem Wissen und mit unendlicher Weisheit beschreibt, zu Seiten, die Er ständig umblättert, und die einer "Wohlbewahrten Tafel" in einer veränderlichen Welt, einer Schreibtafel für Seine ewig neuen Taten gleichen und zu einer Tafel, die Er beschreibt und löscht und wieder neu beschreibt, Ihm zum Zeugnis.

So wie uns also die Luft schon als das Transportelement der Stimme in ihrer obenerwähnten Einzigartigkeit die obenerwähnte Manifestation der Einheit und Gegenwart Gottes aufzeigt und damit die zahllosen Unmöglichkeiten des Irrglaubens sichtbar macht, so versieht die Luft diese subtile Aufgabe, während zu gleicher Zeit unter anderen wichtigen Dingen die Wellen der Elektrizität und des Lichtes und die Kräfte der Anziehung und Abstoßung durch sie hindurch gehen, und während zu gleicher Zeit und in vollkommener Ordnung zu allen Pflanzen und Tieren der für ihre Atmung, Fortpflanzung und andere lebensnotwendige Dinge erforderliche Bedarf gelangt. Dies hat mich mit augenscheinlicher Sicherheit zu der Überzeugung gebracht, dass sie mit absoluter Sicherheit beweisen, ein Thron für den Willen und Befehl Gottes zu sein und es ist ganz unwahrscheinlich, ja sogar völlig unmöglich, dass diese blinden vom Wind des Zufalls umhergetriebenen Kräfte, eine taube Natur, wirre und ziellose Ursachen, tote, starre, unvernünftige Materie sich in die Aufgaben der Luft einmischen, eine Seite in ihrem Buch beschreiben könnten. Ich habe erfahren, dass jedes Atom und jedes Molekül durch seine Funktion ein لآَ اِلَهَ اِلاَّ هُوَ {"Es gibt keine Gottheit außer Ihm."}

und قُلْ هُوَ اللَّهُ {"Sprich: Er ist Allah."} sagt. Gleich wie mir dieses "Hu!" zu einem Schlüssel wurde, um alle diese wunderbaren Funktionen des materiellen Aspektes der Luft zu erkennen, so wurde mir auch die Luft selbst gleich diesem "Hu!" zu einem Schlüssel für die Welt der Bilder und zur Welt der Bedeutungen.

Tausende Selam allen!

Vierzehntes Wort

بِسْمِ اللَّهِ الرَّحْمَنِ الرَّحِيمِ ٭ آلرَ , كِتَابٌ اُحْكِمَتْ آيَاتُهُ ثُمَّ فُصِّلَتْ مِنْ لَدُنْ حَكِيمٍ خَبِيرٍ

{"Im Namen Allahs, des Erbarmers, des Barmherzigen; Alif-Lam-Ra. Dies ist eine Schrift, deren Verse eindeutig bestimmt und dann im einzelnen auseinander gesetzt sind und die von dem kommt, der Weise und über alles wohl unterrichtet ist." (Sure 11, 1)}

Zur Betrachtung einiger hoher und erhabener Wahrheiten des weisen Qur'an und der Hadithe, die ein wahrheitsgemäßer Kommentar des Qur'an sind, will ich hier als eine Hilfe für die Herzen, denen es an Ergebung und Gehorsam mangelt, auf einige Gleichnisse, wie Stufen zu diesen Wahrheiten hinweisen. Am Ende folgt dann noch die Erklärung zu einem Lehrbeispiel und zu dem Geheimnis eines Gnadenerweises. Da die Beispiele für die Wiederversammlung und die Auferstehung im "Zehnten Wort" und besonders in dessen "Neunten Wahrheit" schon besprochen wurden, brauchen wir diese hier nicht mehr zu wiederholen. Von den übrigen Wahrheiten wollen wir hier nur die "Fünf Problemstellungen" als Beispiele anführen.

Erste Problemstellung:

خَلَقَ السَّمٰوَاتِ وَاْلاَرْضَ فِى سِتَّةِ اَيَّامٍ

{"Er erschuf die Himmel und die Erde in sechs Tagen." (Sure 7, 54)}

Wenn hier gesagt wird: "Er hat die Himmel und die Erden in sechs Tagen erschaffen", oder vielmehr ein Hinweis darauf gegeben wird, dass die Welt der Menschen und das Tierreich, mit den Augen des Qur'an betrachtet, in sechs Tagen als einem Beispiel für einen langen Zeitraum von jeweils zehntausend oder fünfzigtausend Jahren

erschaffen worden ist, so wollen wir hier dem Beobachter, um ihn von dieser erhabenen Wahrheit zu überzeugen, vor Augen führen, dass der majestätische Schöpfer in jedem Jahrhundert, in jedem Jahr, an jedem Tage, der einem Schöpfungstage gleicht, einen ganzen Strom von Gestirnen, wirbelnden Universen und vergänglichen Welten erschafft. Ja, auch die Welten gleichen tatsächlich den Menschen, die wie Gäste sind. In jeder Jahreszeit füllt und leert sich die Welt auf Befehl des Herrn in Seiner Herrlichkeit.

Zweite Problemstellung:

وَلاَ رَطْبٍ وَلاَ يَابِسٍ اِلاَّ فِى كِتَابٍ مُبِينٍ ٭ وَكُلَّ شَيْءٍ اَحْصَيْنَاهُ فِى اِمَامٍ مُبِينٍ ٭ لاَ يَعْزُبُ عَنْهُ مِثْقَالُ ذَرَّةٍ فِى السَّمٰوَاتِ وَلاَ فِى اْلاَرْضِ وَلآَ اَصْغَرُ مِنْ َذَٰلِكَ وَلآَ اَكْبَرُ اِلاَّ فِى كِتَابٍ مُبِينٍ

{"...und nichts Grünes und nichts Dürres, das nicht in einer deutlichen Schrift verzeichnet wäre." (Sure 6, 59) "...und alle Dinge haben wir aufgezählt in einem deutlichen Buch." (Sure 36, 12) "...Ihm entgeht nicht das Gewicht eines Stäubchens in den Himmeln und auf Erden; noch gibt es etwas Kleineres oder Größeres als dieses, das nicht in einer deutlichen Schrift verzeichnet wäre." (Sure 34, 3)}

Wenn in diesen Ayat zum Ausdruck gebracht wird: "Alle Dinge werden in allen ihren Erscheinungsformen aufgezeichnet, noch bevor sie ins Dasein treten; stehen verzeichnet, solange sie im Dasein sind und sind eingetragen, auch nachdem sie es wieder verlassen haben.", so wollen wir hier dem Beobachter, um ihn von dieser erhabenen Wahrheit zu überzeugen, vor Augen führen, wie der glorreiche Designer in jeder Jahreszeit, besonders aber im Frühling auf jenen Blättern, welche die Oberfläche der Erde sind, das Inhaltsverzeichnis für den Körper, den Ablauf des Lebens und die Grundelemente der Tätigkeiten Seiner Geschöpfe in einer unbedingten, unbeschränkten Ordnung austauscht, das Er verschlüsselt in den Kernen, Körnern und Wurzeln einprogrammiert und gesichert und nach dem Zerfall auf gleiche Weise wieder

mit dem Stift Seiner Vorausplanung verschlüsselt in den Früchten und gewöhnlichen Körnern eingeschrieben hat, ja sogar in jedem Herbst die gesamte biochemische Substanz, alles, was da feucht oder trocken ist, in den knochentrockenen Samenkörnern, einer bestimmten Anzahl von Zellen, in gleichsam abgestorbenem Holz in vollkommener Ordnung bewahrt. Es ist, als ob jeder Frühling, einer Blume gleich, vollkommen geordnet und ausgewogen von der Hand des makellos Vollkommenen in all Seiner Herrlichkeit, in den Garten Erde eingepflanzt und wieder gepflückt, zur Ausstellung gebracht und wieder fortgeräumt werde.

Dies ist zwar die Wahrheit, doch ist der sonderbarste Irrtum der Menschheit der folgende: Was nur eine Wiederspiegelung der "Wohlbewahrten Tafel" ist, eines Blattes, das von der Feder der göttlichen Vorausplanung beschrieben wurde, ein Inhaltsverzeichnis der Kunstwerke des Herrn, bezeichnen die Gottvergessenen in ihrer Sprache als "Natur", welche doch die Schrift der Schöpfung ist, eine künstlerische Ausgestaltung, ein Werkzeug, eine Gebrauchsanweisung, ein Schnittmusterbogen der Weisheit, nennen es ein Werk der Natur und halten es für die Quelle und bewirkende Ursache.

اَيْنَ الثَّرَا مِنَ الثُّرَيَّا

{"Wo ist die Erde? Wo ist das Siebengestirn?" (*)

(*) Türkisches Sprichwort: Die Erde und die Wahrheit sind unser Ursprung und unsere Heimat. Der Himmel mit seinen Sternen und die Vorstellungen der Gottvergessenen sind uns fremd und weit von uns entfernt. Eine Verwechslung von Himmel und Erde, von Wahrheit und Mutmaßung ist nicht möglich. (A.d.Ü.)}

Wo ist die Wahrheit? Wo ist die Vorstellung der Gottvergessenen?

Dritte Problemstellung:

Der getreue Herold hat die Engel, die den Thron Gottes tragen und für Himmel und Erde zuständig

sind, und einen Teil der übrigen Engel folgendermaßen beschrieben:

Sie haben vierzigtausend Häupter und jedes Haupt spricht mit vierzigtausend Zungen und jede Zunge lobpreist Gott auf vierzigtausend verschiedene Arten und dient Ihm und betet Ihn in makelloser, alle Einzelheiten umgreifender und alle Zusammenhänge umfassender Weise an. Bei der Betrachtung dieser Wahrheit müssen wir beachten, dass der Herr in Seiner Herrlichkeit in solchen Ayat wie:

تُسَبِّحُ لَهُ السَّمٰوَاتُ السَّبْعُ وَاْلاَرْضُ وَمَنْ فِيهِنَّ ٭ وَ سَخَّرْنَا اْلجِبَالَ مَعَهُ ٭ اِنَّا عَرَضْنَا اْلاَمَانَةَ عَلَى السَّمَوَاتِ وَاْلاَرْضِ وَاْلجِبَالِ

{"Es preisen Ihn die sieben Himmel und die Erde und was darinnen ist." (Sure 17, 44) "Siehe, Wir zwangen die Berge, mit ihm (David) den Lobpreis anzustimmen,..." (Sure 38, 18) "Siehe, Wir boten den Himmeln und der Erde und den Bergen das Gut des Glaubens an,..." (Sure 33, 72)}

eindeutig klar ausdrückt, dass auch das größte und ausgedehnteste alles Erschaffenen zeigt, dass es Ihn auf eine Art lobpreist, die seiner Ausdehnung entspricht und seiner Mächtigkeit gemäß ist. Und genau das lässt sich auch erkennen.

Den Sonnen, den Monden und den Sternen gleich, welche die Worte der Preisungen des Himmels sind, der ein Ozean des Lobes ist, sind auch die Wälder, alle Pflanzen und alle Tiere wie Worte der Lobpreisung unserer Erde, die einem Vogel gleicht, der Gott lobt und Ihm dankt. So wie also jedem Baum und Stern sein besonderer Lobpreis zu Eigen ist, so gehört auch zu unsere Erde, zu jedem Kontinent unserer Erde, zu jedem Berg und Bach, zu Land und Meer, zu allen Galaxien und den vier Ecken des Himmels mit ihren Sternzeichen ein eigener, vollständiger Lobpreis.

Unsere Erde hat auf diese Art tausende Häupter und jedes Haupt hunderttausende von Zungen. Wie sie auf tausenderlei Art Blumen hervorbringt, die Gottes Lobpreis verkünden, und Früchte, mit denen sie Ihm dankt, so zeigt sich als ihr Dolmetscher in der Welt der Bilder und Gleichnisse mit Sicherheit auch ein ihr entsprechender, zuständiger Engel, der sie in der Welt der Geister vertritt und für sie spricht.

Wenn verschiedene Dinge miteinander ein gemeinsames Ganzes bilden, entsteht in der Tat auch eine geistige Einheit. Verschmilzt dieses Ganze miteinander zu einer harmonischen Ganzheit, so muss diese folglich auch einen zuständigen Engel haben, der diese geistige Einheit, diese Art von innerer Beseeltheit und ihren Auftrag zum Lobpreis wahrnimmt.

Betrachten wir also, um ein Beispiel zu wählen, diese Platane vor unserem Zimmer, die ein großes Wort in der Sprache dieses Berges ist, gesprochen von dem Mund dieses Dorfes Barla! Seht, wie viele Zweige, gleich Zungen, sie an ihren drei Ästen hat, die wie ihre Häupter sind. Seht, wie viele hunderte harmonisch gestalteter und angeordneter Wortfrüchte an jedem dieser Zungen hängen und achtet einmal darauf, wie viel hundert geflügelte Samenkornbuchstaben in jeder dieser Früchte sind. Ihr hört und seht, wie sie ihren Meister in Seiner Herrlichkeit, den Herrn des Befehls كُنْ فَيَكُونُ {"Sei! Und es ist."} auf eine so klare und beredte Art loben und preisen. Dementsprechend vertritt sie auch ihr zuständiger Engel und bringt diesen Lobpreis in der Welt der Bedeutungen und des Verstehens in vielen verschiedenen Zungen vor Ihm dar. So muss es verständlicher Weise auch sein.

Vierte Problemstellung

اِنَّمَآ اَمْرُهُ اِذَآ اَرَادَ شَيْئًا اَنْ يَقُولَ لَهُ كُنْ فَيَكُونُ

وَمَآ اَمْرُ السَّاعَةِ اِلاَّ كَلَمْحِ الْبَصَرِ ٭ وَ نَحْنُ اَقْرَبُ اِلَيْهِ مِنْ حَبْلِ الْوَرِيدِ ٭ تَعْرُجُ اْلمَلآئِكَةُ وَالرُّوحُ اِلَيْهِ فِى يَوْمٍ كَانَ مِقْدَارُهُ خَمْسِينَ اَلْفَ سَنَةٍ

{"Führwahr, die Sache Gottes ist dies: Wenn Er ein Ding will, sagt Er dazu nur: Sei!, dann ist es." (Sure 36, 82) "Und die Angelegenheit "der Stunde" ist nur wie ein Augenblick oder noch kürzer." (Sure 16, 77) "...denn Wir sind ihm näher als seine Halsader." (Sure 50, 16) "Die Engel und der Geist steigen einen Tag lang zu Ihm empor. Es ist dies ein Zeitraum von fünfzigtausend Jahren." (Sure 70, 4)}

Aus diesen und anderen ähnlichen Ayat, die diese erhabene Wahrheit zum Ausdruck bringen, ersieht und versteht man, wie der vollkommene Allmächtige alle Dinge derart leicht und schnell, in ununterbrochener Folge und ohne jede Berührung erschafft, ja dass Er sie mit einem bloßen Befehl ins Dasein ruft. Obwohl jener allmächtige Schöpfer doch Seinen Geschöpfen in unendlichem Grade nahe ist, sind seine Geschöpfe von Ihm unendlich weit entfernt. Außerdem vernachlässigt Er bei all Seiner unendlichen Hoheit nicht die ganz kleinen und gering geschätzten Dinge in ihrer Wohlgeordnetheit und künstlerischen Schönheit. So wie das vollkommen mühelose Walten jener absoluten Ordnung, die in der Schöpfung gegeben ist, bestätigt, dass die Lehre des Qur'an gegeben ist, so erklärt auch das folgende Gleichnis deren wahren Sinn.

Zum Beispiel:

وَلِلَّهِ الْمَثَلُ اْلأَعْلَىٰ

{"Bei Gott sind die erhabensten Gleichnisse." (Sure 16, 60)}

Einer der Schönen Namen des majestätischen Schöpfers ist "Nur"(Licht). Die Sonne, die eine schwache Spiegelung dieses Namens ist, und ihre Aufgaben, die sie im Auftrag des Herrn und in Seinem Dienst versieht, lassen uns diese Wahrheit besser verstehen. Es ist dies wie folgt:

Die Sonne steht trotz ihrer Entfernung mit allen reflexionsfähigen Objekten in unendlich naher Beziehung. Sie ist ihnen sogar noch näher als sie sich selbst. Obwohl sie

durch ihren Sonnenschein und die Reflexionen darauf die Objekte in mannigfacher Weise beeinflusst, ist sie dennoch viele Meilen weit von ihnen entfernt. Sie können die Sonne in keiner Weise beeinflussen oder sich ihr nähern.

Zudem können wir verstehen, dass die Sonne in jedem reflektierenden Stäubchen gleichsam gegenwärtig ist und alles bescheint, wo immer ihre Strahlen hingelangen und diese der Reflektionsfähigkeit der Objekte nach Innen und Außen entsprechend von ihnen reflektiert werden.

Außerdem wächst der Wirkungsbereich und der Einfluss der Sonne im Grade ihrer Leuchtintensität. Diese Leuchtintensität bewirkt, dass auch die kleinsten und entferntesten Dinge ihr nicht entfliehen und sich nicht vor ihr verbergen können. Das heißt also, dass diese geradezu majestätische Intensität der Sonne auch die kleinen und weit entfernten Dinge nicht aus dem Geheimnis ihrer Leuchtkraft ausschließt, sondern sie im Gegenteil in ihren Wirkungsbereich mit einschließt.

Nehmen wir nun einmal an, dass die Sonne, so wie wir sie sehen und sie sich uns zeigt, uns aus freiem Willen diente, wie sie mit Gottes Erlaubnis so ganz leicht und schnell, auf alle Stäubchen und Tröpfchen, über die Meere bis hin zu den Planeten umfassend wirkt, so können wir uns nun auch vorstellen, dass sie diese große Verfügungsmacht nur mit ihrer Befehlsgewalt ausübt. Vor dieser Befehlsgewalt sind alle Atome und Planeten gleich. Den Segen, welche sie den Meeren spendet, erteilt sie auch jedem Stäubchen entsprechend seiner Fähigkeit in vollkommener Harmonie.

Somit sehen wir, dass die Sonne, die doch nur ein trüber Spiegel gegenüber dem Aufscheinen des Gottesnamens "Nur"(Licht), eines Namens des vollkommenen Allmächtigen und auf der Oberfläche des Himmelsmeeres nicht mehr als ein schimmerndes Bläschen ist, offensichtlich ein Beispiel für drei Grundsätze dieser Wahrheit ist. Sicherlich ist es so, dass Licht und Wärme der Sonne im Vergleich mit dem Wissen und der Macht (Gottes) so trüb und undurchlässig wirkt wie Erde.

نُورَ النُّورِ ٭ مُنَوِّرَ النُّورِ ٭ مُقَدِّرَ النُّورِ

{"Er, der das Licht des Lichtes und der Erleuchter des Lichtes ist, der über das Licht und seinen Wert bestimmt."}

Er, der Herr, der Majestätische, ist mit Seinem Wissen und Seiner Macht allen Dingen unendlich nahe, in Allem gegenwärtig und überschaut alles; die Dinge aber bleiben von Ihm äußerst weit entfernt. Zudem vollzieht sich Sein Wirken ohne jede Anstrengung, in einer solchen Leichtigkeit, in ununterbrochener Folge und ohne die Dinge zu berühren. Daraus wird ersichtlich, dass sie so schnell und leicht entstehen, wie Er es nur befohlen hat. Somit glauben wir mit einem Glauben, welcher der Sicherheit eines Zeugen entspricht, dass es nichts gibt, sei es wenig oder viel, klein oder groß, was außerhalb Seiner Macht stünde oder was Seine Größe nicht einschlösse, und in dieser Weise zu glauben, ist notwendig und erforderlich.

Fünfte Problemstellung

وَمَا قَدَرُوا اللَّهَ حَقَّ قَدْرِهِ وَاْلاَرْضُ جَمِيعًا قَبْضَتُهُ يَوْمَ الْقِيَامَةِ وَالسَّمٰوَاتُ مَطْوِيَّاتٌ بِيَمِينِهِ

{"Die Ungläubigen bewerten die Macht Gottes nicht nach ihrem wahren Wert, denn die ganze Erde wird Ihm nur eine Handvoll sein am Tag der Auferstehung und die Himmel werden zusammengerollt sein in Seiner Rechten..." (Sure 39, 67)}

وَاعْلَمُوآ اَنَّ اللَّهَ يَحُولُ بَيْنَ اْلمَرْءِ وَقَلْبِهِ

{"...Und wisset, dass Allah in den Menschen eine Wandlung der Herzen bewirkt..." (Sure 8, 24)}

اَللَّهُ خَالِقُ كُلِّ شَيْءٍ وَهُوَ عَلَى كُلِّ شَيْءٍ وَكِيلٌ

{"Allah ist der Schöpfer aller Dinge und Er ist aller Dinge Schützer." (Sure 39, 62)}

يَعْلَمُ مَا يُسِرُّونَ وَمَا يُعْلِنُونَ

{"...Allah weiß, was sie verheimlichen und was sie bekannt machen." (Sure 2, 77)}

خَلَقَ السَّمٰوَاتِ وَاْلاَرْضَ

{"Er ist es, der die Himmel und die Erde erschuf."}

خَلَقَكُمْ وَمَا تَعْمَلُونَ

{"Allah erschuf euch und was ihr schafft."(Sure 37, 96)}

مَاشَآءَ اللَّهُ لاَ قُوَّةَ اِلاَّ بِاللَّهِ

{"Nur was Allah will, geschieht. Es gibt keine Macht, außer bei Allah." (Sure 18, 39)}

وَمَا تَشَآءُونَ إِلَّآ أَن يَشَآءَ اللَّهُ

{"Doch vermag es euer Wille nur, wenn dies Gottes Wille ist..." (Sure 76, 30)}

Der König von Ewigkeit zu Ewigkeit, dessen Grenzen Seiner gewaltigen Herrschaft und Größe Seiner Gottheit diese Ayat bezeichnen, macht den Söhnen Adams, die doch so hilflos und so unendlich schwach und so unendlich armselig und so unendlich hilfsbedürftig sind und nur mit einer winzig kleinen Entscheidungsfreiheit und einer nur schwachen schöpferischen Kraft ausgestattet sind, die doch keine Fähigkeit ist, etwas zu erschaffen, heftige Vorwürfe, schickt ihnen machtvolle Warnungen und Furcht erregende Drohungen. Was ist der Sinn dessen? Wie lässt sich das erklären? Wie vereinbart sich das? Betrachten wir, um zu der Überzeugung von dieser tiefen und erhabenen Wahrheit hinzuführen, die folgenden beiden Gleichnisse!

Erstes Gleichnis:

Da gab es zum Beispiel einen herrlichen Garten, indem sich zahllose Frucht und Blüten tragende Pflanzen befanden. Um ihn zu pflegen, waren sehr viele Diener beschäftigt. Einer dieser Diener hatte lediglich die Aufgabe den Hahn für die Bewässerung und das Trinkwasser zu öffnen. Doch das war ein fauler Diener. Er öffnete den Hahn nicht. So wurde das Wachstum der Pflanzen gestört. Einige vertrockneten. So hatten denn außer dem Schöpfer dieses hochherrschaftlichen Gartens, und dem königlichen Minister für Kultur und den Dienstbeauftragten für das Licht, die Luft und die Erde auch alle Diener das Recht, diesem pflichtvergessenen Diener die schwersten Vorwürfe zu machen. Denn er hatte es verschuldet, dass alle Aufträge ohne Ergebnis blieben oder ein Schaden entstand.

Zweites Gleichnis:

Vernachlässigt zum Beispiel an Bord eines königlichen Überseedampfers ein gewöhnlicher Mann seinen kleinen Aufgabenbereich, so kann ihm der Schiffseigentümer, weil alle Bediensteten dieses Schiffes ihre Aufträge nicht erfüllen konnten und einiges zu Grunde ging, im Namen aller dieser Bediensteten die schwersten Vorwürfe machen. Der Beschuldigte kann nicht sagen: "Ich bin nur ein einfacher Mann. Ich habe es nicht verdient, dass man mich wegen einer unbedeutenden Fahrlässigkeit so hart anfasst."

Denn wo etwas fehlt, entstehen zahllose Fehler. Wo aber etwas vorhanden ist, da entstehen auch die entsprechenden Produkte. Denn das Vorhandensein eines Dinges ist abhängig von dem Vorhandensein aller Voraussetzungen und Ursachen. Das Fehlen einer Ursache oder der Wegfall einer Voraussetzung macht durch die Folgen eines solchen Ausfalls oder winzig kleinen Fehlers das Ganze zunichte.

Aus diesem Grund ist es ein allgemein bekannter Leitsatz geworden: "Die Zerstörung ist sehr viel einfacher als eine Reparatur." Ja, in der Tat sind Unglaube und Irrweg, Auflehnung und Sünde im Grunde genommen Leugnung und Abfall, Aufgabe und Nichtannahme. Auch wenn sie äußerlich so aussehen, als hätten sie eine Existenz und man könnte sie nachweisen, sind sie in Wirklichkeit

ein Wegfall, ein Mangel. Weil dies so ist, sind sie ein Verbrechen, das sich fortpflanzt. So wie sie die Früchte der Bemühungen der übrigen Geschöpfe zunichte machen, so ziehen sie auch einen Schleier über die Erscheinung der Schönen Namen Gottes.

So ist es nur lautere Weisheit, wenn der König über die Schöpfung im Namen der Geschöpfe, die ein Recht zu unendlicher Klage haben, diesem aufbegehrenden Menschen schwerste Vorwürfe macht und sicherlich hat dieser Aufrührer auch machtvolle Warnungen nötig und braucht ohne Zweifel furchterregende Androhungen.

Schlusswort:

بِسْمِ اللَّهِ الرَّحْمَنِ الرَّحِيمِ ٭ وَمَا الْحَيَاةُ الدُّنْيَآ اِلاَّ مَتَاعُ الْغُرُورِ

{"Im Namen Allahs, des Erbarmers, des Barmherzigen. Denn dieses irdische Leben ist nichts als ein trügerischer Genuss." (Sure 3, 185)}

Ein Schlag ins Gesicht für die Gottvergessenen und eine Lektion zur Ermahnung.

Oh du meine unglückselige Seele, die du in der Gottvergessenheit versunken bist und dir dieses Leben süß erscheint, die du das Jenseits vergessen hast und dich nach dem Weltleben sehnst! Weißt du, wem du gleichst? Dem Vogel Strauß! Er sieht den Jäger und kann nicht fortfliegen. Er steckt den Kopf in den Sand, damit der Jäger ihn nicht sehen soll. Der ganze Körper aber bleibt draußen. Der Jäger sieht ihn. Er aber hat seine Augen im Sand vergraben und sieht nichts. Oh Seele, betrachte und sichte das folgende Gleichnis:

Wessen Blickwinkel sich auf diese Welt beschränkt, dessen hochgeschätzte Genüsse verwandeln sich in

Kummer und Gram. So finden sich z.B. hier in diesem Dorf (d.h. in Barla)zwei Männer. Neunundneunzig von hundert Freunden des einen sind nach Istanbul gegangen und fühlen sich dort wohl. Nur ein einziger von ihnen ist hier geblieben. Auch er wird dorthin gehen. Darum sehnt sich dieser Mann nach Istanbul, denkt daran, möchte zu seinen Freunden gelangen. Wann immer man zu ihm sagen wird: "Gehe dorthin!" wird er mit einem frohen Lächeln hinübergehen. Was aber den anderen Mann betrifft, so sind von hundert seiner Freunde neunundneunzig weggegangen. Ein Teil von ihnen ist zu Grunde gegangen. Ein anderer Teil von ihnen ist in unbekannten Gegenden untergetaucht und die Verbindung zu ihnen ist abgebrochen. Er hält sie alle für verschollen und denkt, dass sie ihr Ende gefunden haben. Dieser bedauernswerte Mann hält an Stelle all dieser die Freundschaft nur noch mit einem einzigen Gast aufrecht und versucht sich mit ihm zu trösten. Mit ihm versucht er den Kummer und Gram über die Trennung zu überdecken.

Oh Seele! Alle deine Freunde, ihnen allen voran der Geliebte Gottes, befinden sich auf der anderen Seite des Grabes. Die ein, zwei restlichen, die noch übrig geblieben sind, werden auch noch dahin gehen. Schrecke vor dem Tode nicht zurück, fürchte dich nicht vor dem Grab und wende dich nicht ab! Ermanne dich, siehe und höre, was das Grab von dir fordert! Lache dem Tod mannhaft ins Gesicht und siehe, was er wünscht! Hüte dich davor, dem zweiten Mann in seiner Gottvergessenheit zu gleichen!

Oh Seele! Sage nicht: "Die Zeit hat sich geändert, die heutigen Anschauungen sind ganz anders geworden. Jedermann ist den irdischen Dingen verhaftet. Ein jeder betet das Leben an, hat den Kopf voll von Sorgen um das tägliche Brot." Denn der Tod ändert sich nicht. Trennung verwandelt sich nicht in Beständigkeit und wird nicht ausgetauscht. Die Schwächen der Menschheit und die Armseligkeit der Erdenbürger wird nicht aufgehoben, vermehrt sich vielmehr noch. Die Reise des Menschen wird nicht abgebrochen, sondern beschleunigt.

Und sage nicht: "Ich bin genau wie alle anderen in der gleichen Lage." Denn jeder verleiht dir seine Kameradschaft nur bis ans Tor des Grabes. Der Trost, mit jedem im Unglück zusammen zu sein, hat jenseits des Grabes keinen Wert.

Glaube aber auch nicht, du wärest dir selbst überlassen! Denn wenn du das Gasthaus dieser Welt mit den Augen der Weisheit betrachtest, so wirst du sehen, dass nichts darin ohne einen Sinn und Zweck ist. Wie aber könnte dann dein Leben ohne Sinn und Zweck sein? Auch Ereignisse wie ein Erdbeben oder andere Naturkatastrophen sind nicht Spielzeug des Zufalls.

Zum Beispiel:

Die Erde ist mit den verschiedensten Arten von Pflanzen und Tieren wie mit wundersam geordneten und aufs schönste geschmückten, teils übereinander liegenden, teils ineinander verschlungenen Gewändern von Kopf bis Fuß bekleidet, die, wie man sieht, äußerst sinnvoll und besonders zweckmäßig angepasst und ausgestattet sind und sie dreht sich wie ein Mevlevi-Dervish, der ob der überaus hohen Ziele und der vollkommenen Ordnung in Ekstase geraten ist, wie man weiß, um sich selbst und im Kreise.

Betrachtet man ein so todbringendes Ereignis, welches zugleich ein Zeichen des Lebens der Erde ist, wie ein Beben,

{(*): Dies wurde hinsichtlich des Erdbebens in Izmir geschrieben.}

das einem Achselzucken der Erde gleicht, welche die unsichtbare Last der gottvergessenen Handlungen ihrer Adamssöhne und besonders der Gläubigen unter ihnen bedrückt, als völlig sinnlos und rein zufällig, wie ein Ungläubiger das behauptet hat, dann werden dadurch alle die vom Unglück betroffenen in ihrem leidvollen Verlust, den man ihnen als ein nutz- und sinnloses Opfer ohne jeden Gewinn dargestellt hat, in fürchterliche Verzweiflung gestürzt. Eine solche Behauptung ist nicht nur ein großer Fehler, sondern zugleich auch ein großes Unrecht. Sicherlich geschehen solche Ereignisse auf

Befehl eines Allweisen und Allbarmherzigen, sodass die Gläubigen ihr vergängliches Gut in Almosen verwandeln und ihm so Ewigkeitswert verleihen können.

{Allah quittiert gleichsam das bei einem Erdbeben verlorengegangene Hab und Gut so, als hätten es die Gläubigen als Spende gegeben. (A.d.Ü.)}

Es gilt zugleich als ein Sühneopfer für die Sünden, die aus der Undankbarkeit gegenüber den göttlichen Gnadengaben erwachsen sind. So wird auch einmal der Tag kommen, da unsere gute, brave Erde sieht, dass die Werke der Menschen, die der Schmuck ihres Antlitzes sind, durch Undankbarkeit und Abgötterei hässlich geworden sind. Dann wird sie auf Befehl ihres Schöpfers in einem einzigen großen Beben ihr Antlitz ganz und gar reinigen und abwischen. Auf Allahs Befehl kippt sie alle Leute der Abgötterei in die Hölle. Den Leuten der Dankbarkeit aber wird gesagt: "Auf! Tretet ein in das Paradies."

Anhang zum Vierzehnten Wort

بِسْمِ اللَّهِ الرَّحْمَنِ الرَّحِيمِ ٭ اِذَا زُلْزِلَتِ اْلاَرْضُ زِلْزَالَهَا ٭ وَاَخْرَجَتِ اْلاَرْضُ اَثْقَالَهَا ٭ وَ قَالَ اْلاِنْسَانُ مَالَهَا ٭ يَوْمَئِذٍ تُحَدِّثُ اَخْبَارَهَا ٭ بِاَنَّ رَبَّكَ اَوْحَى لَهَا... الخ

{"Im Namen Allahs, des Erbarmers, des Barmherzigen. Wenn die Erde erschüttert wird und ihre Lasten von sich gibt, und der Mensch sagt: Was ist los mit ihr? An jenem Tage wird sie aussagen, was sie zu berichten hat, weil dein Herr es ihr so eingegeben hat...usw" (Sure 99, 1-5)}

Diese Sure bringt mit Sicherheit zum Ausdruck, dass die Erde in ihrer Bewegung und wenn sie bebt, Offenbarungen und Eingebungen erhält, und dass sie durch einen Befehl erschüttert wird. Manchmal erzittert sie unter ihm.

Bezüglich des letzten Erdbebens sind mir von einer geistigen und wichtigen Seite sechs, sieben Fragen gestellt worden und die Antworten darauf mir gleichfalls innerlich in Form einer Ermahnung gekommen. Ich hatte oftmals die Absicht gefasst, ausführlich darüber zu schreiben. Doch wurde mir dazu nicht die Erlaubnis gegeben. Deshalb sei hier nur eine kurze und bündige Zusammenfassung wiedergegeben.

Erste Frage:

Woher kommt es, dass bei diesen großen Beben zu dem materiellen Unglück noch der Schmerz, als ein inneres Unglück in Form einer Furcht vor einem erneuten Beben und die Verzweiflung, die den meisten Leuten in diesen Ländern die Nachtruhe raubt, als eine fürchterliche Qual hinzugegeben wird?

Dazu wiederum die innere Antwort, die folgendermaßen spricht. Wenn im heiligen Monat Ramadan, während des Teravih-Gebetes

{Gebet mit der Gemeinde im Anschluss an das Nachtsgebet in dem Fastenmonat Ramadan. (A.d.Ü.)}

im Rausch der Freude und Ausgelassenheit

Gesänge voller Leidenschaft und manchmal die Stimmen der Mädchen in diesem gesegneten Zentrum des Islam in jeder Ecke aus dem Radio locken und überall zu Gehör gebracht werden, so hat dies die Strafe der Furcht zur Folge.

Zweite Frage:

Warum kommen in den Ländern der Ungläubigen diese Schläge von oben nicht auf deren Häupter herunter? Warum kommen sie über die bedauernswerten Muslime?

Antwort:

Während man schwere Vergehen und Verbrechen einer späteren Verhandlung überlässt in den großen Kreisstädten, die kleinen Vergehen aber in den kleinen Städten sofort verhandelt, so liegt auch eine bedeutende Weisheit darin, dass der größte Teil der Verbrechen der Leute des Unglaubens dem großen Gericht bei der Wiederversammlung überlassen wird, die Fehler der Leute des Glaubens aber zum Teil schon in dieser Welt bestraft werden.

{(*): Wenn Völker wie besonders die Russen eine Religion aufgeben, die schon entstellt und veraltert ist, so berührt dies nicht die Ehre Gottes in dem Grade wie der Verrat an der Religion, die wahr und ewig ist und niemals veraltern kann. Die Erde sieht über diese jetztlich hinweg, während sie über jene zürnt.}

Dritte Frage:

Was ist der Grund dafür, dass sich dieses Unglück bis zu einem gewissen Grade über ein ganzes, großes Gebiet verbreitet hat, während es doch die Schuld nur einiger weniger war?

Antwort:

In Anbetracht dessen, dass ein allgemeines Unglück aus den Fehlern der Mehrheit erwächst, weil die meisten Menschen an den Handlungen der Übeltäter entweder durch Mittun oder durch Begünstigung oder durch Stillschweigen Anteil genommen haben, verursachen sie ein allgemeines Unglück.

Vierte Frage:

Betrachtet man diese Katastrophe als eine Folge der begangenen Fehler und eine Buße für die Sünden, aus welchem Grund sind dann die Unschuldigen nicht

verschont worden? Wie kann die Gerechtigkeit Gottes so etwas zulassen?

Dazu wiederum die innere Antwort:

Da dieses Problem sich auf das Geheimnis der Vorausschau Gottes bezieht, verweisen wir auf die Abhandlung über die Vorausschau Gottes. Hier soll dazu nur so viel gesagt sein:

وَاتَّقُوا فِتْنَةً لاَ تُصِيبَنَّ الَّذِينَ ظَلَمُوا مِنْكُمْ خَآصَّةً

{"Und hütet euch vor einem Übel, das nicht ausschließlich die Frevler unter euch trifft." (Sure 8, 25)}

Das heißt: "Nehmt euch in Acht vor einer Katastrophe, die nicht auf die Frevler beschränkt bleiben wird, sobald das Unglück einmal da ist, sondern auch die Unschuldigen nicht verschont." Das Geheimnis dieser Ayah ist folgendes:

Diese Welt ist ein Ort der Erfahrung und Prüfung, ein Haus der gesellschaftlichen Forderungen und der sozialen Bemühungen. Prüfungen und Erfordernisse aber machen es notwendig, dass die Realität verschleiert bleibt, sodass Persönlichkeiten wie Abu Baqr durch Wettbewerb und Anstrengung zur höchsten Höhe emporsteigen und solche von der Art eines Abu Djehil in die tiefste Erniedrigung hinabsinken. Blieben die Unschuldigen in solchen Katastrophen unversehrt, so würden sich Leute wie Abu Djehil denen wie Abu Baqr gleich auf Gott verlassen, das Tor der Bemühungen und des geistigen Fortschritts bliebe verschlossen und der Sinn der Prüfung wäre verfehlt.

So erfordert es denn die Weisheit Gottes, dass die Unschuldigen zusammen mit den Frevlern ins Unglück stürzen. Was aber ist dann in Anbetracht Seiner Barmherzigkeit und Gerechtigkeit der Anteil dieser armen Unschuldigen?

Auf diese Frage wurde mir folgendeAntwortgegeben: Diejenigen, die unter den Zorn und die Wut dieses Übels geraten sind, empfangen auch ein Aufscheinen der Barmherzigkeit. Denn so wie die vergänglichen Güter dieser Unschuldigen für sie zu einer Spende und so zu einem ewigen

Gut werden, so gewinnen sie auch durch eine Art Märtyrertum anstelle ihres vergänglichen Lebens ein ewiges Leben. Dieses Erdbeben, dessen Zorn nur vorübergehend und verhältnismäßig klein ist, sie aber dabei einen großen und immerwährenden Gewinn erwerben lässt, ist für sie zugleich mit dem Zorn auch eine Barmherzigkeit.

Fünfte Frage:

Warum schickt der Gerechte und Barmherzige, Allmächtige und Allweise nicht den Einzelnen Seine Strafe für die Verbrechen der Einzelnen, sondern lässt die Gewalt der Elemente über ihnen herniedergehen? Wie lässt sich eine solche Erscheinung mit Seiner Barmherzigkeit und ihrer Schönheit und Seiner allumfassenden Macht in Einklang bringen?

Antwort:

Der glorreiche Allmächtige hat jedem Element viele Aufgaben gegeben und mit jeder Aufgabe verbindet Er viele Absichten. Auch wenn mit einer einzigen Aufgabe eines Elementes, eine einzige Absicht als scheußlich und übel und als ein Unglück daher kommt, lassen doch die anderen guten Absichten auch diese Absicht in einem schönen Gewand erscheinen. Wenn dieses Element, das gegen den Menschen zornig geworden ist, von seiner Aufgabe entbunden würde, sodass diese einzige hässliche Folge nicht hervorträte, dann fielen entsprechend der Zahl seiner guten Absichten ebenso viele Vorteile weg. Da es aber ein Übel ist, eine notwendige Wohltat nicht zu erweisen, würden der Anzahl der Wohltaten entsprechend ebenso viele Übeltaten begangen, um eine einzige Untat zu vermeiden. Das ist aber ein Fehler, der sehr hässlich und der Weisheit und der Wahrheit entgegengesetzt ist. Macht, Weisheit und Wahrheit sind aber von jeglichem Makel frei. Da es also nun einmal Verbrechen gibt, die gleich einem allgemeinen Aufruhr in verachtender Weise die Rechte der Geschöpfe derart verletzen, dass dadurch der Zorn der Erde und der Elemente heraufbeschworen wird, ist es sicher nur lautere Weisheit und Gerechtigkeit und für die Unschuldigen eine reine Barmherzigkeit, wenn Er der Gewalt eines

Elementes innerhalb der Gesamtheit seiner Aufgaben befielt: "Weise sie scharf zu Recht!", um die ganze Abscheulichkeit eines solchen Verbrechens aufzuzeigen.

Sechste Frage:

Ein Erdbeben sei die Folge einer materiellen Umwälzung innerhalb der Erde, verbreiten die Gottvergessenen und betrachten es so, als wäre es ein zufälliges und natürliches Ereignis ohne eine Absicht. Den geistigen Hintergrund dieses Ereignisses und seine Folgen, sodass sie zur Besinnung kämen, sehen sie nicht. Gibt es etwa hinter der materialistischen Betrachtungsweise, auf die sie sich stützen, eine innere Wahrheit?

Antwort:

Hinter ihrer Betrachtungsweise findet sich außer ihrem Irrtum keine innere Wahrheit. Denn: In jedem Jahr legt die Erde ihre mehr als fünfzig Millionen Gewänder ab und bekleidet sich mit reich verzierten, maßgeschneiderten Gewändern, welche aus tausenden Arten von Pflanzen und Tieren gebildet werden, wieder neu. Unter ihnen hat zum Beispiel die Mücke, um nur eine einzige Art unter zahllosen anderen zu nennen, jede einzelne ein Organismus, der aus verschiedenen Organsystemen zusammengesetzt ist. Betrachtet man auch nur ihren Bewegungsapparat, so sieht man, wie sich allein in ihren Flügeln Wille und Zielgerichtetheit, Zweckmäßigkeit und Weisheit zeigen, sodass diese nicht vernachlässigt worden sind oder sich selbst überlassen blieben. Die entscheidenden Ereignisse und Befindlichkeiten auf dieser großen Weltkugel, der Heimat, Wiege, Patronin und Mutter zahlloser Lebewesen, können nicht, ja nichts kann, ganz oder auch nur teilweise, außerhalb des Willens, der Zielgerichtetheit, Zweckmäßigkeit und Weisheit Gottes liegen.

Doch erfordert es die Weisheit des Allmächtigen, Vollkommenen die äußerlichen Ursachen gleichsam wie einen Vorhang über Seine Macht zu ziehen, mit der Er über sie verfügt. Wenn es in Seinem Willen liegt, dass die Erde erbeben soll, befiehlt Er, dass sich ihre Massen in Bewegung setzen und sie Feuer speit. Selbst einmal angenommen, es handle sich dabei um eine Umwälzung im

Innern der Erde, so geschieht dies dennoch auf Befehl und in der Weisheit Gottes; anders kann es nicht sein.

Hat zum Beispiel jemand einen anderen mit einem Gewehr erschossen und würde man nun den Schützen gar nicht beachten, sich vielmehr darauf beschränken, im Auge zu behalten, dass das Pulver Feuer gefangen hat, sodass der bedauernswerte Erschossene ganz und gar seiner Rechte beraubt wäre, was wäre das dann für eine Torheit und was für ein Wahnsinn?

In gleicher Weise ist es auch die abscheulichste Dummheit, den Auftrag des Herrn an die Erde, die doch ein gehorsamer Beamter des Allgewaltigen in Seiner Herrlichkeit oder vielmehr ein Schiff oder ein Flugzeug ist, um eine Bombe zu zünden, die in ihr eingelagert ist, mit der Absicht, die Leute der Gottvergessenheit und die Aufrührer wachzurütteln, zu ignorieren und in die Naturphilosophie abzubiegen.

Eine Ergänzung und Anmerkung zu dieser sechsten Frage:

Die Leute des Irrweges und des Unglaubens zeigen, wenn es darum geht, ihre Doktrin aufrechtzuerhalten, dem Erwachen der Gläubigen entgegenzutreten und ihm einen Widerstand entgegenzusetzen, eine so einzigartige Verbohrtheit und eine so erstaunliche Dummheit, dass der Mensch sich schämen muss, ein Mensch zu sein.

Es ist zum Beispiel in letzter Zeit der ganze Kosmos mit all seinen Elementen über den Aufruhr des Menschen, über seine Gewalttaten und über die Finsternis, die zum Teil schon eine allgemeine Verbreitung gewonnen hat, in Zorn geraten. So hat der Schöpfer der Himmel und der Erde, dessen Herrschaft nicht nur den Einzelnen umfasst, der vielmehr überall und an jedem Ort als der Herr und Lenker aller Welten und aller Universen Seine Herrschaft weit und breit über den ganzen Kosmos hin aufgebaut hat, dem Menschengeschlecht allgemeine, entsetzliche Katastrophen wie Erdbeben, Stürme und Weltkriege, verbunden mit beispiellosen, uferlosen Strömen von Wasser, Luft und Elektromagnetismus gewissermaßen

um die Ohren geschlagen, um es in Seinem gesamten Herrschaftsbereich wachzurütteln und dahin zu bringen, von seiner furchtbaren Auflehnung abzustehen und den König der Welt zu erkennen, den es nicht erkennen will, und um ihm Seine Weisheit, Allmacht, Gerechtigkeit, Unwandelbarkeit, Verfügungsgewalt und Herrschaft auf eine sehr deutliche Weise vor Augen zu führen. Aber dennoch entgegnet der Mensch, als habe er gleichsam die Gestalt eines unbelehrbaren Teufels angenommen, allen diesen Zeichen seines Herrn und all dieser göttlichen Züchtigung mit Dummheit und Starrsinn und spricht:

"Es ist die Natur, die Eruption eines Vulkans, ein Zufall. Die Hitze der Sonne ist mit der Elektrizität zusammengestoßen. Das hat in Amerika für fünf Stunden die Maschinen angehalten. In Kastamonu und Umgebung hat sich der Himmel gerötet. Das hat wie ein Brand ausgesehen."

Dergleichen reden sie wie im Delirium daher. In ihrer grenzenlosen Unwissenheit, die aus ihrem Irrtum erwächst, und in ihrem abscheulichen Starrsinn wissen sie nicht: Die Ursachen sind nur ein Scheingrund, dienen gleichsam als Schleier.

Er zeigt nur einen winzigen Samenkern statt hundert Fabriken und Werkstätten von der Größe eines Dorfes, um die Teile eines Tannenbaumes, groß wie ein Berg, gleichsam zu spinnen und zu weben: "Seht!" sagt er, "Daraus ist dieser Baum entstanden." Dabei führt er einige äußere Ursachen ins Feld, während er gleichzeitig tausend Wunder leugnet, die der Baumeister an dieser Tanne vorführt. Eine ganz große Tat Seiner Herrschaft, die der Schöpfer mit Seinem Wollen und in Seiner Weisheit vollbringt, macht so der Mensch zunichte. Manchmal bezeichnet der Mensch einen besonders schwierigen, unerforschlichen, höchst bedeutenden, in tausendfacher Hinsicht als sinnvoll erkannten Sachverhalt mit einem wissenschaftlichen Namen, als ob durch diese Bezeichnung das Wesentliche verständlich, gewöhnlich, sinnlos und bedeutungslos würde.

So komm denn! Siehe die unzähligen Abstufungen von

Verrücktheit und Torheit. Man bezeichnet einen schwierigen, weitläufigen und ungeklärten Sachverhalt, welcher nur dann vollständig zu erklären ist, wenn man ihn auf hunderten von Seiten abhandelt und seine Zweckmäßigkeit erläutert, mit einem Begriff und sagt, als handle es sich um eine bekannte Sache: "So ist das!"

Er sagt zum Beispiel, ein Teil der Sonnenmaterie hat eine elektrische Entladung ausgelöst. Außerdem erklärt er ein besonderes, zweckentsprechendes Phänomen der Herrschaft Gottes, das die allumfassende Macht oder den absolut freien Willen oder die Verfügungsgewalt über eine bestimmte Gattung zum Ausdruck bringt und als Gottes Gewohnheitsrecht bezeichnet wird, mit einem Naturgesetz.

So trennt er es von seiner Beziehung zum Willen und zur Macht Gottes, sodann schreibt er es dem Zufall und der Natur zu. Damit zeigt er eine Dummheit, welche die Abu Djehils noch um ein Vielfaches übertrifft. So wird er einem wahnwitzigen Aufständischen gleich, der den erfolgreichen Angriff eines Soldaten oder eines Bataillons, einer militärischen Anordnung oder dem Kriegsgesetz zuschreibt und so dessen Abhängigkeit von seinem Kommandanten, seinem König, seiner Regierung oder von einer geplanten Operation aufhebt.

Wenn überdies nun ein Mann, nachdem ein Meister und großer Wundertäter aus einem Holzstückchen von der Größe eines Fingernagels hundert Kilogramm verschiedener Speisen oder hundert Meter unterschiedlicher Stoffe hergestellt hat, ähnlich der Erschaffung eines Obstbaumes aus einem Kern, nun ein Stückchen Holz zeigen wollte und sagte: "Daraus sind diese Produkte natürlicher und zufälliger Weise entstanden." und die wunderbaren Kunstwerke und die Geschicklichkeit des Meisters als ein Nichts erklärte, was für eine Torheit wäre doch das? Desgleichen...

Siebente Frage:

Wie ist es zu erklären, dass sich dieses weltliche Ereignis auf die islamische Bevölkerung

dieses Landes bezieht und auf sie abzielt und warum trifft es gerade die Gegend um Erzincan und Izmir besonders hart?

Antwort:

Dieses Ereignis mitten im tiefsten Winter, mitten in finsterster Nacht, in grimmiger Kälte, beschränkte sich nur auf dieses Land, das die Würde des Ramadans nicht achtete. Nachdem es aber nun auch nach der Zerstörung noch nicht zur Besinnung gekommen ist, weist dieses Ereignis durch viele Anzeichen wie auch das Andauern der Beben darauf hin, dass es besonders auf die Gläubigen abzielt, sich gerade auf sie bezieht, um sie sanft aus ihrer Gottvergessenheit zu wecken, es schüttelt sie, um sie zu pflichtgemäßem und freiem Beten, Bitten und Flehen zu wecken und zittert in sich selbst fort.

Dafür aber, dass die Erde besonders in der Gegend der armen Bevölkerung um Erzincan bebt, gibt es zwei Gründe:

Erstens:

In Anbetracht ihres nur geringen Schuldkontos wurde die Sache rasch abgegolten, um sie zu bereinigen.

Zweitens:

Da es in diesen und ähnlichen Gegenden nur wenige, starke und aufrechte Wächter des Glaubens gibt und weil die Würdenträger der islamischen Religion den Leuten des Unglaubens fast oder ganz unterliegen mussten, sodass diese die Gelegenheit nutzten, dort den Versuch zu machen, ein Zentrum für ihre Aktivitäten aufzubauen, besteht die Vermutung, dass die Menschen gerade dort zuerst eine solche Ohrfeige erhalten haben.

لاَ يَعْلَمُ الْغَيْبَ اِلاَّ اللَّهُ

{"Niemand kennt das Unsichtbare außer Allah."}

سُبْحَانَكَ لاَ عِلْمَ لَنَآ اِلاَّ مَا عَلَّمْتَنَآ اِنَّكَ اَنْتَ الْعَلِيمُ الْحَكِيمُ

{"Gepriesen seist Du! Wir haben kein Wissen, außer dem, das Du uns gelehrt hast. Denn Du bist der Allwissende, der Allweise!" (Sure 2, 32)}

Fünfzehntes Wort

بِسْمِ اللَّهِ الرَّحْمَنِ الرَّحِيمِ ٭ وَلَقَدْ زَيَّنَّا السَّمَآءَ الدُّنْيَا بِمَصَابِيحَ وَجَعَلْنَاهَا رُجُومًا لِلشَّيَاطِينِ

{"Im Namen Allahs, des Erbarmers, des Barmherzigen; Und wahrlich, wir schmückten den untersten Himmel mit Lampen und bestimmten sie zu Wurfgeschossen für die Satane,..." (Sure 67, 5)}

Oh du gelehrter Herr, dem die seelenlose Problematik der Astronomie den Blickwinkel verengt und der Verstand die Sicht verschleiert hat und der du nun in dieser deiner beschränkten Sichtweise für das gewaltige Geheimnis dieser Ayah keinen Platz mehr finden kannst! Man kann in den Himmel dieser Ayah mit einer siebensprossigen Leiter emporsteigen. Komm, lass uns gemeinsam hinaufsteigen!

Erste Stufe:

Weisheit und Erkenntnis verlangen danach, dass sich so wie auf Erden auch in den Himmeln die ihnen entsprechenden Bewohner finden. In der Sprache des Qur'an werden diese verschiedenen Arten von Bewohnern Engel und Geister genannt. Dies ist in der Tat ein Erfordernis der Erkenntnis. Denn die Erde wird trotz ihrer winzigen Kleinheit mit leben- und bewusstseintragenden Geschöpfen gefüllt, von Zeit zu Zeit wieder geleert und neu wieder mit bewusstseinstragenden Geschöpfen belebt, was darauf hinweist, oder vielmehr erklärt, dass auch die Himmel, welche zauberhaften Schlössern gleichen, ausgestattet mit prächtigen Türmen,

{Gemeint sind die Sommer- und Wintersternbilder. (A.d.Ü.)}

von Geschöpfen erfüllt sind, die Verstand und Bewusstsein besitzen. Auch sie sind gleich Menschen und Dschinnen Besucher in diesem Schloss, das unsere Welt ist,

Leser dieses Buches, das dieser Kosmos ist, und Herolde dieses Königreiches, das Gottes Herrschaftsbereich ist. Denn das Universum, das mit grenzenlos kostbaren Ornamenten verziert, mit den schönsten und wertvollsten Kunstwerken geschmückt ist, bedarf ganz offensichtlich auch derer, die seine Schönheit sinnend betrachten und sie in staunender Bewunderung zu würdigen wissen. So verlangt Schönheit in der Tat nach einem, der in sie vernarrt ist, und das Mahl wird dem gereicht, der danach hungert. Aber die Menschen und Dschinnen können nur den millionsten Teil dieser unendlich vielen Aufgaben, dieser phantastischen Betrachtungen, dieser weltweiten Verpflichtungen, dieser umfassenden Anbetung erfüllen. Das heißt also, dass für diese unendlich vielen verschiedenen Aufgaben und Dienste und für die Anbetung auch unendlich viele Arten von Engeln und Geistern notwendig sind.

Aufgrund der Hinweise in manchen Überlieferungen und der Weisheit hinter der Ordnung der Welt lässt sich sagen: Ein Teil der Dinge und Gegenstände, die sich bewegen, von den Planeten bis hin zu den Wassertropfen, werden von den Engeln als eine Art Reittier benutzt. Mit Gottes Erlaubnis besteigen sie diese und segeln auf ihnen durch die bezeugte Welt. Zudem lässt sich sagen, dass manche Arten von Tieren, angefangen von den Vögeln des Paradieses, in einer Hadith "Grüne Vögel" genannt, bis zu den Fliegen einigen Arten von Seelen als Fahrzeug dienen. Sie schlüpfen auf Befehl Gottes des Gerechten in diese hinein, reisen mit ihnen durch die Körperwelt und legen durch die Fenster der Sinnesorgane hindurch von den materiellen Wundern der Schöpfung Zeugnis ab.

Erschafft der Schöpfer aus dunkler Erde und schlammigem Wasser ständig anmutiges Leben und lichtvolle, vernunftbegabte Wesen, so wird es vor Ihm auch eine Art bewusstseinstragender Geschöpfe aus dem sicherlich für Geist und Leben geeigneten Meer des Lichtes, ja sogar aus dem Ozean der Dunkelheit geben. Und das werden

sogar viele sein.

Über die Existenz der Engel und der Geister habe ich in einer Abhandlung, die "Punkte" heißt, und im "Neunundzwanzigsten Wort" geschrieben. Da ist ihre Existenz so sicher bewiesen, wie zwei mal zwei vier ist. Wer möchte, kann dort nachschlagen.

Zweite Stufe:

Himmel und Erde stehen miteinander in Verbindung wie zwei Provinzen eines Staates. Zwischen ihnen gibt es unsichtbare Kanäle und Handlungsweisen, die von Wichtigkeit und Bedeutung sind. Licht und Wärme, Fülle und Fruchtbarkeit, Dinge, wie sie der Erde notwendig sind, kommen vom Himmel herab, d.h. sie werden gesandt, und dies in Übereinstimmung mit allen Religionen des Himmels, die sich auf Offenbarungen stützen, und nach der Überlieferung der visionären Entdecker, die sich auf das gleiche Zeugnis stützen, dass die Engel vom Himmel zur Erde herabsteigen. Daraus erkennt man mit einer intuitiven Sicherheit, die an unmittelbare sinnliche Wahrnehmung grenzt, dass es für die Bewohner der Erde einen Weg gibt, der in den Himmel emporführt. In der Tat sind Verstand, Intuition und Blick eines jeden von ihnen jederzeit nach dem Himmel gerichtet. In gleicher Weise steigen auch die Seelen der Propheten und der Heiligen, die ihre schwere Last abgeworfen und die Seelen der Verstorbenen, die ihre Körper verlassen haben, mit Gottes Erlaubnis dahin empor. Da nun einmal alles, was leicht und fein ist, dahin emporsteigt, können sicherlich auch ein Teil der Bewohner der Erde und der Luft, wenn sie ihren Spiegelkörper angezogen haben und leicht und fein wie die Geister geworden sind, zum Himmel emporsteigen.

Dritte Stufe:

Die Ruhe, Stille, Ordnung, Harmonie und Weite des Himmels und sein Strahlenglanz zeigt uns, dass seine Bewohner den Bewohnern der Erde nicht gleich sind. Vielmehr sind alle seine Bewohner Geheißene und was ihnen geheißen wird, das tun sie. Einen Anlass, der Streit und Hader erheischen könnte, gibt es nicht. Denn das Land ist groß, die Natur ihrer Bewohner

ist unbefleckt und unverdorben und ihre Ämter sind beständig und ihre Ränge unwandelbar.

Die Gegensätze haben sich in der Tat auf der Erde versammelt. Die Bösen haben sich mit den Guten vermischt. Das hatte Uneinigkeit zur Folge. Aus diesem Grund verfielen sie der Zwietracht und der Sorge. Deshalb wurden ihnen Prüfungen auferlegt. Daraus erwuchs der Wettstreit. So entstanden Fortschritt und Rückschritt. Der Sinn dieser Umstände ist folgender:

Der Mensch ist als Frucht am Baum der Schöpfung gewissermaßen dessen Endprodukt. Es ist ja bekannt, dass in der Natur die Frucht das Endprodukt, das Konzentrat, das Schmuckstück, das bedeutendste Ergebnis ist. So ist denn nun die Erde, da der Mensch als Frucht des Kosmos ein einzigartiges, äußerst hilfloses und schwaches Wunder der Macht ist, das am tiefsten begnadet wurde und in dem sich alles vereinigt, Wiege und Wohnstatt, die trotz ihrer äußerlichen Winzigkeit im Verhältnis zum Himmel im übertragenen und künstlerischen Sinne das Herz und das Zentrum des ganzen Kosmos, eine Ausstellung für alle die wunderbaren Kunstwerke, ein Erscheinungsort und Brennpunkt für die Manifestation aller Namen Gottes, eine Bühne für alle die zahllosen Großtaten des Herrn und ihr Spiegel, ein Basar für den Überfluss an Geschöpfen und Mittelpunkt des göttlichen Schaffens, besonders der kleinen Tier- und Pflanzenarten, ein Ort für die kleinen Nachbildungen der Kunstwerke dieser so weiten, jenseitigen Welten, ein Webstuhl, an dem die Tuche für die Ewigkeit sehr schnell gewebt werden, eine Bühne, auf der die Szenen der Ewigkeit rasch wechseln, ein kleines, vorübergehendes Pflanzbeet, in dem die Samen für die ewigen Gärten rasch heranwachsen.

Das also ist der Grund dafür, dass der weise Qur'an die Erde

{(*): In der Tat kann sich die Erde trotz ihrer Winzigkeit gegenüber dem Himmel behaupten. Denn so wie man sagen kann: "Ein ständig fließender Brunnen ist größer als ein großer See ohne Zufluss." Und weiter noch: Ein Scheffel kann, nachdem das Getreide mit ihm gemessen, auf einen anderen Platz transportiert und es dadurch mit ihm gemessen wurde und es in diesen Scheffel eingefüllt und wieder ausgeleert worden ist, mit dem Berg Getreide, der äußerlich tausendmal größer ist, zum Vergleich antreten. Genauso hat auch Gott der Gerechte die Erde wie eine Messehalle für Seine Kunstwerke, einen Versammlungsort für Seine Geschöpfe, ein Zentrum Seiner Weisheit, einen Ort, an dem sich Seine Macht offenbart, einen Garten Seiner Barmherzigkeit, einen Acker für das Paradies, einen Scheffel für das grenzenlose Universum und die Welten Seiner Geschöpfe und einen Brunnen, der in die Meere der Vergangenheit und die unsichtbare Welt hinüberströmt, erschaffen. Halte dir alle diese sich erneuernden Welten, die in jedem Jahr ihre kunstvoll gewebten und in hunderttausend vielfältig gefalteten Schichten übereinander gelegten Gewänder wechseln, die oftmals gefüllt und in die verborgene Welt der Vergangenheit wieder entleert werden und so die verschiedenen Gewänder der Erde bilden, vor Augen; das heißt, vergegenwärtige dir die ganze Vergangenheit. Danach vergleiche sie mit den stets einförmigen und in gewissem Grade gleichförmigen Himmeln. Da wirst du sehen: Hat die Erde bei diesem Vergleich schon nichts gewonnen, so hat sie doch auch nichts verloren. So verstehe denn das Geheimnis der Ayah:

رَبُّ السَّمَوَاتِ وَ اْلاَرْضِ

("Herr der Himmel und der Erde.")}

die verglichen mit dem Himmel doch nur ähnlich

einer kleinen Frucht am großen Baum ist, aufgrund ihrer überragenden Bedeutung und ihres Kunstwertes allen Himmeln gleichstellt. Er legt sie auf die eine Waagschale und alle Himmel auf die andere Waagschale. Immer wieder heißt es da:

رَبُّ السَّمَوَاتِ وَ اْلاَرْضِ

{"Herr der Himmel und der Erde!"}

Außerdem erfordert der rasche Wechsel und die ständige Veränderung auf der Erde, die sich aus den oben erwähnten Gründen ereignen, dass auch bei ihren Bewohnern

eine dementsprechende Veränderung stattfinden muss. Da nun überdies auf dieser begrenzten Erde zahllose Wunderwerke der Macht in Erscheinung treten und auch den Begabungen der Menschen und Dschinnen, ihren bedeutendsten Bewohnern, nicht wie den übrigen Lebewesen von ihrer Natur eine Grenze gesetzt und durch ihre Kreatürlichkeit keine Fessel angelegt ist, tritt in ihnen ein grenzenloser Fortschritt und ein grenzenloser Rückschritt in Erscheinung. Von den Gesandten und Freunden Gottes bis zu den Nimrod-gleichen Personen, ja bis hin zum Teufel ist die Erde ein weites Prüfungsfeld. Weil dies aber so ist, werden die pharaonenstolzen Satane mit ihren grenzenlosen Übeltaten Steine nach dem Himmel und seinen Bewohnern werfen...

Vierte Stufe:

Der Herr und Lenker aller Welten und ihr Schöpfer in Seiner Majestät ist zugleich auch der Herr der "Schönen Namen", der Träger und Eigentümer sehr vieler Namen und Titel mit ganz verschiedenen Funktionen.

Zum Beispiel:

Die Namen und Titel, denen zufolge die Engel ausgesandt wurden, um an der Seite der Gefährten des Propheten gegen die Ungläubigen zu kämpfen; diesen Namen und Titeln zufolge gibt es auch einen Kampf zwischen Engeln und Teufeln, einen Streit zwischen den Guten im Himmel und den Bösen auf Erden.

In der Tat vernichtet der Allmächtige in Seiner Herrlichkeit, in dessen Macht die Seelen der Ungläubigen und ihr Atem ist, nicht durch einen Befehl oder Posaunenstoß. Er eröffnet unter dem Titel Seiner allumfassenden Herrschaft, in Seinem Namen als Beherrscher und Lenker eine Arena für Prüfungen und Wettkämpfe. Obwohl Vergleiche immer hinken, sehen wir dennoch, dass ein König hinsichtlich seines Regierungsamtes sehr viele ganz verschiedene Titel und Namen haben kann.

Zum Beispiel:

Das Justizministerium kennt ihn unter dem Namen "der gerechte Richter". Die Militärverwaltung nennt ihn mit dem Namen "Oberster Feldherr". Das Amt für religiöse Angelegenheiten erwähnt ihn unter dem Titel "Kalif". Das Innenministerium bezeichnet ihn mit dem Titel "Sultan".

Seine ergebenen Einwohner sagen zu ihm "barmherziger König". Die Rebellen sprechen über ihn als "dem zornigen Herrscher". Man könnte noch weitere Vergleiche finden.

So geschieht es denn manchmal, dass dieser erhabene König, in dessen Hand alle seine Einwohner sind, einen schwachen elenden Aufständigen nicht durch einen Befehl hinrichten lässt, sondern ihn in seinem Namen als der gerechte Herrscher vor ein Gericht stellt. Er weiß auch, wenn ein Beamter sowohl tüchtig als auch treu ergeben und einer Auszeichnung würdig ist. Er zeichnet ihn aber nicht aufgrund seines persönlichen Wissens, durch ein privates Telefongespräch aus, sondern schreibt unter dem Titel seiner königlichen Majestät einen Wettbewerb als Regierungsmaßnahme aus, um die Berechtigung einer solchen Belohnung unter Beweis zu stellen, gibt seinem Minister die notwendigen Anweisungen, lädt die Bevölkerung zu Zeugen und Zuschauern ein. Er gibt einen öffentlichen Empfang. Er belohnt ihn als Ergebnis einer erhabenen und prächtigen Prüfung vor einer hohen Versammlung. So lässt er ihm eine öffentliche Würdigung zuteil werden. Ziehe weitere Vergleiche in noch anderer Hinsicht!

وَلِلَّهِ اْلمَثَلُ اْلاَعْلَى

{"Bei Gott sind die erhabensten Gleichnissen!" (Sure 16, 60)}

So hat denn der König aller Ewigkeiten sehr viele Schöne Namen. Durch die Erscheinung Seiner Majestät und die Offenbarung Seiner Vollkommenheit werden auch sehr viele Seiner Eigenschaften und Attribute sichtbar. Die Namen, Titel und Attribute, welche die Existenz des Lichtes und der Finsternis, des Sommers und des Winters, des Himmels und der Hölle notwendig machen, verlangen auch bis zu einem gewissen Grade die Allgemeingültigkeit des Gesetzes sowohl von der Gegensätzlichkeit wie auch vieler anderer, allgemeiner Gesetze in der Schöpfung, zum Beispiel das Gesetz der Fortpflanzung,

das Wettbewerbsgesetz und das Subsidiaritätsgesetz. So erstreckt sich zum Beispiel der Gültigkeitsbereich des Gesetzes von der Gegensätzlichkeit von dem Streit zwischen Eingebung und Einflüsterung im Herzen angefangen bis zum Kampf zwischen Engeln und Teufeln an der Grenze des Himmels.

Fünfte Stufe:

Da es nun einmal ein Emporsteigen von der Erde zum Himmel und die Rückkehr danach gibt, so gibt es auch ein Herniedersteigen vom Himmel zur Erde und die Rückkehr dorthin. Die für den Bedarf der Erde notwendigen Güter werden von dort herabgesandt und da nun einmal die guten Seelen zum Himmel emporsteigen, werden sicherlich auch die bösen Geister versuchen, die guten nachzuahmen und in das Land der Himmel zu gelangen. Denn sie sind von ihrer Substanz her fein und leicht. Aber sie werden zweifellos wieder vertrieben und abgewiesen werden. Denn ihrem Wesen nach sind sie böse und voll Unheil.

Außerdem besteht überhaupt kein Zweifel daran, dass es in unserer bezeugten Welt einen Hinweis auf diese bedeutsamen Aktivitäten und diesen geistigen Kampf geben muss. Denn die Weisheit der Herrschaft Seines Königreiches erfordert, den mit Bewusstsein begabten Lebewesen einen Hinweis auf die Bedeutsamkeit der unsichtbaren Lenkung zu geben, besonders aber für den Menschen, dessen wichtigste Aufgabe in der Betrachtung, Bezeugung, Verkündigung und Beaufsichtigung besteht, ein Zeichen zu setzen. Gott hat ja nicht nur für die zahllosen Wundertaten des Frühlings den Regen

{In der Türkei kommt der Frühling nach dem ersten Regen im April. (A.d.Ü.)}

als Zeichen gesetzt und mit den äußerlichen Ursachen Seiner wunderbaren Kunstwerke einen Hinweis auf sie gegeben, damit die Leute der bezeugten Welt als Zeugen auftreten können. Vielmehr will Er durch sie die Aufmerksamkeit der ganzen Gemeinde des Himmels und aller Erdenbewohner auf diese einzigartige Veranstaltung hinlenken.

Das heißt, Er schildert diesen riesigen Kosmos als eine mit Türmen geschmückte Feste, in der ringsum Wächter aufgestellt sind, zeigt sie ihnen im Bild einer Stadt und veranlasst sie, über die Majestät Seiner Herrschaft nachzusinnen.

In Anbetracht der Tatsache, dass die Ausrufung dieses erhabenen Kampfes weise und notwendig ist, wird es sicherlich auch ein Zeichen dafür geben. Unter den Geschehnissen in der Atmosphäre und im Kosmos sieht man aber überhaupt kein Geschehnis, welches für diese Ausrufung geeignet sein sollte. Es gibt nichts passenderes als (folgende Ausdeutung der Ayaham Anfang dieses "Zwölften Wortes"). Denn es ist ganz klar verständlich, wie sehr dieses Geschehnis unter den Sternen, das Flammenwerfern und Leuchtkugeln gleicht, die von mächtigen Türmen und aus hohen Festungen herabgeschleudert werden, passend für die Steinigung des Teufels ist. In der Tat ist keine passendere Ausdeutung dieses Geschehnisses ersichtlich außer dieser Ausdeutung und dieser Sinngebung. Alle anderen Geschehnisse eignen sich dafür nicht. Überdies ist eine solche Weisheit seit Adams Zeiten bekannt und unter den Kennern der Wahrheit berühmt.

Sechste Stufe:

Da die Menschen und Dschinnen für grenzenlose Bosheit und Verderbtheit anfällig sind, überschreiten sie in ihrer Widersetzlichkeit alle Grenzen. Aus diesem Grunde also verbietet der Ehrwürdige Qur'an den Menschen und Dschinnen mit einer so wunderbaren Beredsamkeit und in einer so hoheitsvollen und klaren Ausdrucksweise und mit so lebendigen und offenkundigen Beispielen und Gleichnissen jeden Aufruhr und alle Widersetzlichkeit, dass das All davon erzittert.

Zum Beispiel:

Oh ihr Menschen und Dschinnen, wenn ihr meinen Befehlen nicht gehorcht, auf dann, verlasst mein Reich, wenn ihr das könnt! Beachtet die Ayah, welche mit mächtigen Warnungen, schrecklichen Drohungen und furchtbarer Gewalt auf dieses Beispiel hinweist:

يَا مَعْشَرَ اْلجِنِّ وَاْلاِنْسِ اِنِ اسْتَطَعْتُمْ اَنْ تَنْفُذُوا مِنْ اَقْطَارِ السَّمٰوَاتِ وَاْلاَرْضِ فَانْفُذُوا لاَ تَنْفُذُونَ اِلاَّ بِسُلْطَانٍ ٭ فَبِاَىِّ اَلآَءِ رَبِّكُمَا تُكَذِّبَانِ ٭ يُرْسَلُ عَلَيْكُمَا شُوَاظٌ مِنْ نَارٍ وَ نُحَاسٌ فَلاَ تَنْتَصِرَانِ

{"Oh versammelte Dschinnen und Menschen! Wenn ihr im Stande seid, die Grenzen der Himmel und der Erde zu überschreiten, so überschreitet sie doch, aber ihr könnt es nicht, außer mit Macht. Welche der Wohltaten eures Herrn wollt ihr beide wohl leugnen? Man wird gegen euch beide Rauch und flüssiges Feuer aussenden und ihr werdet euch nicht mehr helfen können." (Sure 55, 33-35)}

Mit welch wunderbarer Beredsamkeit bricht er doch den so stolzen Starrsinn der Menschen und Dschinnen! Er macht ihnen ihre Schwäche klar. Er zeigt ihnen, wie schwach und armselig sie sind im Vergleich zu der Weite und gewaltigen Größe des Königreiches Seiner Herrschaft. Es ist, als wollte er mit der obigen Ayah und mit folgender Ayah وَجَعَلْنَاهَا رُجُومًا لِلشَّيَاطِينِ {"...und Wir bestimmten sie zu Wurfgeschossen für die Satane,..." (Sure 67, 5)} folgendes zum Ausdruck bringen:

"Oh ihr Dschinnen und Menschen, die ihr in eurer Winzigkeit stolz und verbohrt und die ihr in eurer Schwäche und Armseligkeit verblendet und hartnäckig seid! Wie könnt ihr es wagen, euch in eurer Aufsässigkeit gegen die Befehle eines so ruhmreichen Königs zu stellen, dessen Befehlen Sterne, Monde und Sonnen wie gehorsame Soldaten gehorchen!? Überdies kämpft ihr in eurer Aufsässigkeit gegen einen Herrscher von solcher Majestät, der so gewaltig große, Ihm gehorsame Soldaten hat, dass eure Teufel, könnten sie gegen diese antreten, von ihnen mit Kugeln gleich Bergen gesteinigt würden. Zudem rebelliert ihr in eurer Undankbarkeit im Lande eines Königs von solcher Majestät, dass Seine Diener und

Soldaten von der Art sind, dass sie nicht nur auf euch winzige Geschöpfe, sondern selbst dann noch, wenn ihr, den unmöglichen Fall angenommen Feinde und Ungläubige so groß wie ein Berg oder die Erde wäret, Sterne und eiserne Feuerkugeln so groß wie ein Berg oder die Erde nach euch schleudern und mit flüssigem Metall euch davon jagen könnten. Außerdem brecht ihr ein Gesetz, das solcher Art ist, dass diejenigen, die an dieses Gesetz gebunden sind, solcher Art sind, dass sie euch, wenn es nötig würde, die Erde um eure Köpfe schlagen könnten. Sie könnten Kugeln, groß wie ein Globus, gleich Sternen über euch herabregnen lassen."

Im Qur'an werden einige nachdrückliche Hinweise in der Tat nicht etwa aufgrund der Macht der Feinde gegeben, sondern finden sich darin vielmehr in der Absicht, Seine Herrlichkeit zu zeigen und die Böswilligkeit des Feindes darzustellen. Dies geschieht zudem manchmal, um die vollendete Ordnung, die unbegrenzte Gerechtigkeit, die außerordentliche Mildtätigkeit und die Macht der Weisheit aufzuzeigen, nachdrücklich auf die größten und mächtigsten Ursachen selbst des kleinsten und schwächsten Dinges hinzuweisen. So hält der Qur'an seine Hand über den Bösgesinnten, verhindert ihre Überfälle und lässt sie nicht ihre Grenzen überschreiten. Betrachten wir hierzu folgendes Beispiel:

وَاِنْ تَظَاهَرَا عَلَيْهِ فَاِنَّ اللَّهَ هُوَ مَوْلاَهُ وَجِبْرِيلُ وَصَالِحُ اْلمُؤْمِنِينَ وَاْلمَلآئِكَةُ بَعْدَ ذَلِكَ ظَهِيرٌ

{"...wenn ihr euch jedoch gegen ihn zusammenhelft, siehe, so ist Allah sein Schutzherr und außerdem werden Gabriel, die rechtschaffenen Gläubigen und alle Engel seine Helfer sein." (Sure 66, 4)}

Welch ein Respekt vor dem Anspruch des Propheten und welche Barmherzigkeit in Hinsicht auf das Recht der Ehefrau! Dies ist ein wichtiger und nachdrücklicher Hinweis, einzig um die immense Hochachtung vor dem Propheten und die Wichtigkeit der Klagen zweier Schwacher und die Berücksichtigung ihrer Rechte mit aller Barmherzigkeit zum Ausdruck zu bringen.

Siebente Stufe:

Gleich Engeln und Fischen {Melekler ve semekler: türkisches Wortspiel; der Himmel wird hier mit einem Ozean verglichen. (A.d.Ü.)} gibt es auch Sterne unterschiedlichster Art. Ein Teil ist ziemlich klein, ein Teil ist sehr groß. Doch sie alle, wie sie aus der Tiefe des Himmels erstrahlen, nennen wir Gestirne. So gibt es denn auch unter diesen verschiedenen Sternen eine Art, die der Glorreiche Schöpfer, der Meister in Seiner vollendeten Schönheit wie Juwelen erschaffen hat, um das liebreizende Antlitz des Himmels damit zu schmücken, wie dessen glänzende Früchte an einem Baum oder gleich Fischen, die in seinen Tiefen wie in einem Meere Gott verherrlichen und die Er Seinen Engeln zu Ausflugsorten, Fahrzeugen und Wohnstätten gemacht hat und auch kleine sternartige Gebilde, die Er für die Steinigung der Teufel bestimmt hat. Nun aber können diese für die Steinigung der Teufel bestimmten Wurfgeschosse drei Bedeutungen haben:

Erstens:

Sie sind ein Zeichen und Hinweis darauf, dass das Gesetz vom Kampf der Gegensätze auch noch in den entferntesten Regionen seine Gültigkeit hat.

Zweitens:

Die Wächter des Himmels sind aufmerksam, seine Bewohner geruhsam. Sie mögen es nicht von den Übeltätern der Erde aufgesucht und ausgehorcht zu werden. Dafür ist die Existenz des Heeres Gottes Hinweis und Zeichen.

Drittens:

Sternschnuppen sind wie Flammenwerfer und Leuchtkugeln, die abgefeuert werden, um die teuflischen Agenten, welche in ihrer Boshaftigkeit Vertreter für allen Unrat der Welt sind, in Angst und Schrecken zu versetzen, sodass diese unverschämten Kundschafter den Himmel, der rein ist und ein Wohnort für die Reinen nicht beschmutzen können, und derartige Teufel durch die Zurückweisung und Vertreibung von den Eingängen des Himmels am Auskundschaften im Namen der bösen Seelen zu hindern.

Wohlan denn, oh du gelehrter Herr und Astronom, der du deiner einem Leuchtkäfer vergleichbaren Lampe an deinem Kopf vertraust und vor der Sonne des Qur'an deine Augen zukneifst! Betrachte diese Wahrheiten, auf welche wir in sieben Stufen hingewiesen haben! Öffne deine Augen, lass die Lampe an deinem Kopf und betrachte den Sinn dieser Ayah in dem taghellen Licht ihres Wunders! Nimm einen Stern wahrhaftiger Bedeutung aus dem Himmel dieser Ayah und wirf ihn nach dem Teufel in deinem Kopf! Steinige deinen eigenen Teufel! Auch wir müssen das tun und gemeinsam sagen:

رَبِّ اَعُوذُ بِكَ مِنْ هَمَزَاتِ الشَّيَاطِينِ

{"Oh Herr, ich nehme meine Zuflucht zu Dir vor den Einflüsterungen der Satane." (Sure 23, 97)}

فَلِلَّهِ اْلحُجَّةُ الْبَالِغَةُ وَ الْحِكْمَةُ الْقَاطِعَةُ

سُبْحَانَكَ لاَ عِلْمَ لَنَآ اِلاَّ مَا عَلَّمْتَنَآ اِنَّكَ اَنْتَ الْعَلِيمُ الْحَكِيمُ

{"Und bei Allah ist das klare Zeugnis und die absolute Weisheit. Gepriesen seist Du! Wir haben kein Wissen, außer dem, das Du uns gelehrt hast. Denn Du bist der Allwissende, der Allweise!"}

Anhang zum Fünfzehnten Wort

Erstes Kapitel des Sechsundzwanzigsten Briefes

بِاسْمِهِ سُبْحَانَهُ ٭ وَاِنْ مِنْ شَيْءٍ اِلاَّ يُسَبِّحُ بِحَمْدِهِ

{"Im Namen dessen, der gepriesen sei!" "Und kein Ding ist, das Ihn nicht in Dankbarkeit lobpreist." (Sure 17, 44)}

بِسْمِ اللَّهِ الرَّحْمَنِ الرَّحِيمِ ٭ وَاِمَّا يَنْزَغَنَّكَ مِنَ الشَّيْطَانِ نَزْغٌ فَاسْتَعِذْ بِاللَّهِ اِنَّهُ هُوَ السَّمِيعُ الْعَلِيمُ

{"Im Namen Allahs, des Erbarmers, des Barmherzigen; Und wenn du vom Satan angestachelt wirst, so nimm deine Zuflucht zu Allah! Siehe, Er ist der Allhörende, der Allwissende." (Sure 41, 36)}

Zeugnis des Qur'an gegen den Teufel und seinen Anhang, um Iblis zum Schweigen zu bringen, den Teufel zur Vernunft zu rufen und die Anhänger der Auflehnung verstummen zu lassen. Dieses Erste Kapitel betrifft ein Erlebnis, durch das entgültig jene fürchterliche Intrige des Teufels widerlegt wurde, welche sich in der Neutralität des Urteils findet. Vor zehn Jahren hatte ich bereits einen Extrakt dieses Erlebnisses in den "Lemeat(Blitze)" niedergeschrieben. Folgendermaßen:

Einmal, im Heiligen Monat Ramadan, elf Jahre vor der Abfassung dieser Abhandlung, lauschte ich in der ehrwürdigen Bayezid Moschee in Istanbul der Rezitation der Hafize. Plötzlich war mir, als hörte ich eine Stimme von jemand, den ich aber nicht sah. Sie lenkte meinen Geist auf sich. Innerlich hörte ich ihr zu. Da sprach sie zu mir:

"Du betrachtest den Qur'an als sehr hoch, als besonders glänzend. Denke neutral und betrachte ihn dann! Das heißt, stell dir vor, er sei das Wort eines Menschen. Siehst du etwa noch jene Besonderheiten und jenen Schmuck?"

Ich wurde tatsächlich in die Irre geführt, stellte ihn mir als Menschenwort vor und betrachtete ihn so. Da sah ich: Es war, als wäre in der Bayezid Moschee der Lichtschalter herumgedreht worden und alles in Dunkelheit versunken und ausgelöscht. Genauso begannen sich die glänzenden Strahlen des Qur'an bei dieser Annahme zu verbergen. Nun verstand ich, dass es der Teufel war, der mit mir sprach. Er versuchte mich in einen Abgrund zu stürzen. Da rief ich den Qur'an um Hilfe. Sofort drang Licht in mein Herz. Es gab mir die ganze Macht zur Verteidigung. Da nahm ich den Kampf gegen den Teufel auf, indem ich sagte:

"Oh Satan! Neutral zu denken bedeutet, einen Platz zwischen zwei Fronten einzunehmen, wohingegen aber das, was von dir und deinen Schülern unter den Menschen als neutral zu denken bezeichnet wird, eine Bevorzugung der Gegenseite ist. Es ist keine Neutralität. Eine solche zeitweilige Annahme ist Glaubenslosigkeit. Denn den Qur'an als Menschenwort zu bezeichnen und zu betrachten und in dieser Weise zu denken, heißt, die entgegengesetzte Möglichkeit als Grundlage anzunehmen. Es ist die falsche Seite. Es ist keine Neutralität im Denken, vielmehr eine Parteinahme für die falsche Seite." Der Teufel antwortete:

"Wenn das so ist, dann sage, es ist nicht Allahs Wort, nicht das eines Menschen. Stelle dir einmal die Mitte vor!" Ich entgegnete:

"Das ist auch unmöglich. Denn, wenn um ein Eigentum ein Rechtsstreit besteht und die beiden Kontrahenten nahe beieinander sind, eine örtliche Nachbarschaft besteht, dann wird dieses Eigentum in die Hand eines dritten gegeben oder an einen Ort verbracht, der beiden zugänglich ist. Wer den Beweis erbringt, der erhält es. Wenn aber die beiden Kontrahenten sehr weit voneinander entfernt sind, einer im Osten, einer im Westen ist, dann verbleibt es prinzipiell in der Hand dessen, der der augenblickliche Besitzer ist. Denn es in der Mitte zu lassen, ist nicht möglich.

Nun ist aber der Qur'an ein kostbarer Besitz. Die beiden Kontrahenten jedoch sind so weit voneinander entfernt, wie das Wort eines Menschen vom Worte Gottes des Gerechten, ja sie sind vielmehr unendlich weit voneinander entfernt. So ist es also nicht möglich, ihn in der Mitte zwischen den beiden, wie Himmel und Erde voneinander entfernten Seiten, zu lassen. Ja es gibt gar keine Mitte. Denn da sie zwei Gegensätze sind, wie Sein oder Nichtsein, oder zwei Gegenpole, gibt es zwischen ihnen keine Mitte. Wenn das aber so ist, dann ist der augenblickliche Besitzer des Qur'an auf der Seite Gottes. Wenn das aber so ist, dann wird sein Verbleib in dessen Hand akzeptiert und dies ist dann der Status quo für die Beweisaufnahme. Kann die Gegenseite alle Beweise dafür, dass er das Wort Allahs ist, nacheinander widerlegen, mag sie ihre Hand nach ihm ausstrecken. Anderenfalls darf sie es nicht.

Ohoh! Wer vermöchte diese tausenden unumstößlicher Beweise, mit denen gleich zwölfzölligen Nägeln dieser gewaltige, strahlende Diamant am Throne des Allgewaltigen befestigt ist, welche Hand vermöchte alle diese Nägel herauszureißen, seine Stützpfeiler abzusägen, um ihn herabzustürzen!?

Nun also, oh Teufel! Leute, die dir zum Trotz mit Herz und Verstand ein gerechtes Urteil zu fällen vermögen, werden auf diese Weise urteilen. Ja, bei dem geringsten Beweis verstärken sie noch ihren Glauben an den Qur'an. Was aber den Weg betrifft, den du und deine Schüler zeigen: Stellt man sich einmal den Qur'an als Menschenwort vor, das heißt, wenn jener herrliche Diamant, der mit dem Thron Gottes verbunden ist, zur Erde geworfen würde, so wäre anstelle all der Macht der Nägel und der Festigkeit vieler Beweise ein einziger Beweis dazu notwendig, ihn wieder von der Erde aufzuheben und am Throne des Geistes zu befestigen, um ihn aus der Finsternis des Unglaubens zu erretten und zu den Lichtern des Glaubens zu gelangen. Das zu erreichen ist jedoch sehr schwer. Deswegen verlieren in dieser Zeit durch

deine Einflüsterung unter der Vorstellung, neutral zu denken, viele ihren Glauben." Da wandte sich der Teufel wieder zu mir und sagte:

"Der Qur'an gleicht dem Wort der Menschen. Er ist nach Art menschlicher Redewendung. Also ist er Menschenwort. Wäre er Gotteswort, müsste er auch für Ihn schicklich sein, müsste in jeder Hinsicht einen außergewöhnlichen Stil haben. Geradeso wie Seine Kunst nicht der Kunst der Menschen ähnelt, so dürften auch Seine Worte ihnen nicht ähnlich sein." Ich antwortete ihm: "So wie unser Prophet, mit dem Friede und Segen sei, außer in seinen Wundern und Tugenden, doch Mensch blieb in seinen Handlungen, seinem Verhalten und in seinem Benehmen, so war er auch wie ein Mensch den alltäglichen Gesetzen Gottes und Seiner Schöpfung unterworfen und an sie gebunden. Auch er war der Kälte ausgesetzt, litt unter Schmerzen usw.... Er nahm in all seinem Verhalten und Benehmen keine Sonderstellung ein, sodass er seiner Gemeinde durch seine Handlungen ein Vorbild, durch seine Haltung ein Wegweiser, in seinem ganzen Umgang ein Lehrer hätte sein können. Wäre er in seinem ganzen Verhalten außergewöhnlich gewesen, hätte er nicht ganz persönlich und in jeder Hinsicht ein Vorbild sein können, nicht für jeden der vollkommene Lehrer sein können, nicht in seiner ganzen Haltung Segen und Erbarmen für die Welt sein können.

In gleicher Weise gilt: Auch der Höchstweise Qur'an ist ein Führer für alle bewusstseintragenden Wesen, ein Meister für alle Menschen und Dschinnen, ein Führer für die Vollendeten, ein Lehrer für die Leute der Wahrheit. Weil dies so ist, muss er notwendigerweise sicherlich von der gleichen Art sein wie die Ausdrucks- und Redeweise der Menschen. Denn Menschen und Dschinnen lernen von ihm zu bitten und zu beten, diskutieren ihre Probleme in seiner Sprache, gestalten ihm gemäß ihren sozialen Umgang usw.... Er ist die Autorität für alle. Wäre der Qur'an in der gleichen Weise das Wort Gottes, wie Mosis, mit dem Friede sei, es auf dem Berg Sinai hörte, die

Menschen hätten nicht ertragen, ihn anzuhören, ihm zu lauschen, ihn als Autorität anzunehmen. Ein so großer Prophet wie Mosis konnte es nicht ertragen, mehr als einige wenige Worte zu hören. Mosis, mit dem Friede sei, sagte:

اَهٰكَذَا كَلاَمُكَ ؟ قَالَ اللّٰهُ : لِى قُوَّةُ جَمِيعِ اْلاَلْسِنَةِ

{"Ist so Dein Wort? Gott sagte: Ich habe die Macht über alle Zungen."}

Der Satan wendete sich mir wiederum zu und sagte: "Solche Probleme, wie die im Qur'an angeführten, behandeln viele Leute, wenn sie über den Glauben sprechen. Ist es etwa nicht möglich, dass ein Mensch deswegen im Namen des Glaubens so etwas verfassen könnte?" Als Antwort erwiderte ich ihm im Lichte des Qur'an:

Erstens:

Ein religiöser Mensch sagt in seiner Liebe zum Glauben: 'Das ist richtig. Dies ist die Wahrheit. So lautet der Befehl Gottes.' Er wird aber nicht seine eigenen Worte Gott in den Mund legen. Er wird seine Grenzen nicht so grenzenlos weit überschreiten, selbst Gott zu spielen, an Seiner Statt zu sprechen.

مَنْ اَظْلَمُ مِمَّنْ كَذَبَ عَلَى اللَّهِ

{"Wer ist ungerechter als der, der über Gott Lügen erdichtet." (Sure 39, 32)}

Er wird vor diesem Gesetz und Urteil zittern!

Und Zweitens:

Es ist keineswegs möglich, ja sogar hundertfach unmöglich, dass ein Mensch ganz allein dergleichen zu Stande gebracht und dabei auch noch erfolgreich gewesen sein könnte. Denn nur zwei einander nahe stehende Persönlichkeiten können einander nachahmen. Wenn sie von gleicher Art sind, können sie einer in des anderen Rolle schlüpfen. Zwei einander im Rang nahe stehende können einander in ihrer Stellung nachahmen. Vorübergehend können sie die Menschen täuschen. Sie können sie jedoch nicht für immer täuschen. Denn den Blicken der Aufmerksamen wird sich der Betrug in jedem Fall durch ihr Gehabe und die gezwungene Art in ihrem

Verhalten und Benehmen zeigen. Ihre Täuschung wird sich nicht fortsetzen.

Hat ein Hochstapler nicht die geringste Ähnlichkeit mit dem, den er zu spielen versucht, zum Beispiel, ein gewöhnlicher Mensch, der versuchte ein Genie wie Avicenna in seinem Wissen nachzuahmen oder ein Schafhirte, der versuchte, in die Rolle eines Königs zu schlüpfen, wird er sicherlich niemanden täuschen können, sich vielmehr zum Gespött machen. Seine ganze Erscheinung schreit es hinaus: Er ist ein Hochstapler!

Wollte man sich also nun aber - Gott bewahre, das ist hunderttausendmal unmöglich! - den Qur'an als das Wort eines Menschen vorstellen: Wie könnte dann ein Glühwürmchen sich tausend Jahre lang einem Observator ganz ungezwungen wie ein richtiger Stern darstellen? Und weiter, wie eine Mücke sich ein Jahr lang vor den Zuschauern ganz ungekünstelt wie ein Pfau aufspielen? Und weiter, wie ein Betrüger als einfacher Soldat die Haltung eines berühmten, hohen Generals zur Schau tragen, seinen Rang einnehmen, diesen lange Zeit beibehalten, ohne dass sein Betrug deutlich würde? Und weiter, wie ein Betrüger, ein verlogener Ungläubiger sich sein ganzes Leben lang, ohne irgendeine Unruhe zu zeigen, vor den Augen seiner Kritiker stets in seiner Erscheinung nach innen und nach außen hin als der getreueste und gläubigste Mensch aufspielen, sein unechtes Gehabe vor den Augen der Intelligenz verbergen!? Das ist aber hundertmal unvorstellbar! Das kann kein vernünftiger Mensch für möglich halten. Dergleichen anzunehmen, ist zudem eine Wahnvorstellung wie die Annahme einer offensichtlichen Unmöglichkeit.

Desgleichen, wollte man sich den Qur'an als das Wort eines Menschen vorstellen, dann müsste das Wesen des 'Deutlichen Buches', das doch der so glänzende Stern der Gerechtigkeit am Himmel der islamischen Welt ist, der klar ersichtlich und immerwährend das Licht der Wahrheit ausstrahlt, oder vielmehr als die Sonne der Vollkommenheit verstanden wird - Gott bewahre! - die erfundene

und gefälschte Dichtung eines Betrügers in Gestalt eines Glühwürmchens sein, ohne dass diejenigen, die sich zunächst und eingehend mit ihr befassen, einen Unterschied bemerkt hätten, sie ihn vielmehr immer für einen hohen und erhabenen Stern und die Quelle der Wahrheit gehalten hätten. Das aber ist hundertmal unmöglich und du Satan könntest überdies, auch wenn du deine Teufeleien noch hundertfach weiter triebest, niemanden dazu bringen, das für möglich zu halten! Du kannst einen unverdorbenen Verstand nicht betrügen! Du kannst die Leute nur dadurch täuschen, dass du sie dazu bringst, die Dinge mit einem großen Abstand zu betrachten! So zeigst du ihnen einen Stern, der so klein geworden ist wie ein Glühwürmchen!

Drittens:

Wollte man außerdem den Qur'an als das Wort eines Menschen betrachten, so müsste diese für die Menschenwelt durch ihre Kultur, in ihrer Wirkung und in ihren Ergebnissen so geistvolle und lebensspendende, wie bezeugt, so konkrete, glückverheißende, so essentielle, wunderbare, mit so hohen Vorzügen so glänzend beschriebene, verborgene Wahrheit der 'Unterscheidung' - Gott bewahre! - die primitive Gedankenspielerei eines einzelnen unbeholfenen und ungebildeten Betrügers sein, ohne dass die ihm zunächst stehenden und ihn eingehend betrachtenden großen Gelehrten und die verehrungswürdigen Koryphäen der Wissenschaft seine Fälschungen und das Werk seines Betruges jemals auf irgendeine Weise bemerkt haben sollten! Sie haben jedoch immer Vertrauenswürdigkeit, Aufrichtigkeit und Wahrhaftigkeit an ihm gefunden!

In Anbetracht dessen, dass dies hundertfach unmöglich ist, wäre es, eine Persönlichkeit, die in ihrer ganzen Haltung, ihren Worten und Taten und in ihrem ganzen Leben Zuverlässigkeit, Glaube, Vertrauen, Wahrhaftigkeit, Aufrichtigkeit und Geradlinigkeit gezeigt und gelehrt, alle großen Persönlichkeiten darin unterrichtet hat, der selbst als der größte, strahlendste, erhabenste Charakter angesehen und betrachtet wird, als vollkommen unzuverlässig,

vollkommen unehrlich und vollkommen glaubenslos zu betrachten, so als hielte man eine zur Potenz erhobene Unmöglichkeit für eine Realität, was jedoch einem Fieberwahn des Unglaubens gleich kommt, dessen sich selbst noch der Teufel schämen würde. Denn bei diesem Problem gibt es keine mittlere Lösung. Denn einmal den unmöglichen Fall angenommen, der Qur'an wäre nicht Gotteswort, es wäre, als fiele er in seinem Werte wie vom Throne Gottes zur Erde herabgestürzt. Einen Mittelwert gäbe es nicht. Anstelle einer Sammlung von Wahrheiten wäre er eine Quelle des Aberglaubens und der Wert jener Persönlichkeit, welche diesen wunderbaren Ferman aufgezeigt hat, müsste, wenn es - Gott bewahre, es ist keineswegs so! - nicht der Prophet wäre, von den Höchsten Höhen zum Niedrigsten aller Niedrigen herabstürzen und von seinem Rang, Quelle der Vollkommenheit zu sein, auf die Stufe eines Brunnens der Hinterlist hinabsinken. Einen Mittelwert gäbe es nicht. Denn wer im Namen Gottes eine Falschaussage macht, eine Lüge ausspricht, der fällt bis zur niedrigsten Stufe hinunter.

Eine Mücke immer für einen Pfau anzusehen und in ihr ständig die Besonderheiten eines Pfaues zu erblicken, ist dermaßen unvorstellbar, dass auch ein solches Problem unvorstellbar wird. Es wäre dazu schon ein von Natur aus wahnsinniger, berauschter Dummkopf notwendig, der so etwas für möglich halten könnte.

Viertens:

Des Weiteren wäre es notwendig, wollte man sich den Qur'an als das Wort eines Menschen vorstellen, obwohl doch der heilige Kommandant der mohammedanischen Gemeinschaft, der größten und herrlichsten Armee unter den Söhnen Adams, der Qur'an, der mit den offensichtlich machtvollsten Gesetzen, grundlegendsten Vorschriften, wirksamsten Anordnungen dieser ganzen großen Armee eine Disziplin gegeben hat, die sie befähigt, beide Welten zu erobern, seiner Befehlsgewalt unterstellt hat, der sie innerlich wie äußerlich dafür gerüstet hat und ihnen allen, jedem Einzelnen seiner Stufe entsprechend, Erkenntnis gelehrt, ihnen Herzensbildung

gegeben, sich ihre Seelen dienstbar gemacht, ihr Gewissen gereinigt, ihre inneren und äußeren Organe, des Leibes und der Seele in den rechten Nutzen und Gebrauch genommen hat, dennoch die hundertfache Unmöglichkeit annehmen zu wollen, dass - Gott bewahre, möge Er es mir hunderttausendmal verzeihen! - der Qur'an eine kraftlose, bedeutungslose und jeder Grundlage entbehrende Erdichtung, eine Fälschung sein sollte; und weiter wäre es notwendig, sich eine Persönlichkeit, die in ihrem ganzen Leben durch ihre ernsthaften Bemühungen die Söhne Adams in den Gesetzen des Gerechten unterrichtet und durch ihr bescheidenes Verhalten den Menschen die Prinzipien der Wahrheit gelehrt hat und mit ihren klaren und vernünftigen Worten den Weg zur Geradlinigkeit und Glückseligkeit aufgezeigt und grundgelegt hat und die sich, wie die Geschichte ihres ganzen Lebens bezeugt, sehr vor der Strafe Gottes gefürchtet hat, Gott besser kannte und verkündete als jeder andere, die ein Fünftel der Menschheit über die halbe Erde hin seit 1350 Jahren ruhmreich befehligt hat, die eine Welt in Aufregung versetzt hat und auf die wegen ihrer ruhmreichen Taten mit Recht die ganze Menschheit, ja sogar die Welt stolz sein kann, sich dennoch - Gott bewahre, möge Er es mir hunderttausendmal verzeihen! - als einen Betrüger, der nicht an Gott glaubt und Ihn nicht fürchtet, keine Ehre kennt, auf der untersten Stufe der Menschheit vorzustellen und so hundert Unmöglichkeiten gleichzeitig als möglich anzunehmen. Denn bei diesem Problem gibt es keine mittlere Lösung.

Denn den unmöglichen Fall einmal angenommen, der Qur'an wäre nicht Gottes Wort, so fiele er von Seinem Thron, könnte nicht in der Mitte bleiben. Vielmehr müsste man zugeben, dass er auf Erden Besitz eines Lügners würde. Weil aber das so ist, du Satan, kannst du, wärest du auch hundertfach ein Doppelter Satan, einen unverdorbenen Verstand nicht betrügen, ein aufrechtes Herz nicht überzeugen." Wiederum sagte der Satan zu mir:

"Wie könnte ich nicht? Ich habe die meisten Menschen

getäuscht und viele berühmte Denker unter ihnen dazu gebracht, den Qur'an und auch Mohammed zu verleugnen."

Antwort:

"Erstens, betrachtet man etwas aus großer Entfernung, so sieht das größte Ding so aus wie das kleinste Ding. Einen Stern kann man eine bloße Kerze nennen.

Zweitens:

Betrachtet man etwas mit einem nur oberflächlichen und beiläufigen Blick, so erscheint ein ganz unmögliches Ding als möglich. So betrachtete einmal ein alter Mann im Ramadan den Himmel, um den Mond zu sehen. Da geriet ihm ein weißes Haar vor das Auge. Weil er jedoch ganz und gar damit beschäftigt war, nach dem Mond Ausschau zu halten und deswegen das Haar nur in der Folge, im Nachhinein, in zweiter Hinsicht wahrnahm, hielt er das Unmögliche für möglich.

Drittens:

Nichtannahme ist eine Sache und Verneinung eine andere. Nichtannahme ist eine Gleichgültigkeit, ein Augenschließen und eine Urteilsunfähigkeit aus Unwissenheit. Auf diese Weise bleibt ihm die Unmöglichkeit vieler Dinge verborgen. Sein Verstand beschäftigt sich nicht damit. Was aber seine Leugnung betrifft, so handelt es sich dabei nicht darum, zu bestreiten, dass etwas da ist, sondern um die Annahme, dass etwas nicht da ist. Es ist ein Urteil. Um dieses muss sich sein Verstand bemühen. In dieser Lage beraubt ihn solch ein Teufel wie du seines Verstandes. Danach flößt er ihm seine Leugnung ein. Wohlan denn, oh du Satan! Du hast durch Gottvergessenheit, Irrglaube, Spitzfindigkeit, Eigensinn, Missdeutung, Stolz, Betrug, Verfall der guten Sitten und noch andere teuflische Listen und Ränke, die Falschheit als Wahrheit, Unmöglichkeit als Möglichkeit erscheinen lassen, diesen Tieren in der Gestalt unglückseliger Menschen Leugnung und Unglaube, die viele Unmöglichkeiten zur Folge haben, eingeflößt.

Viertens:

Des Weiteren wäre es notwendig, wollte man sich den Qur'an als das Wort eines Menschen vorstellen, sich dieses Buch, das die Theologen, die Gelehrten und

die Pole unter den Heiligen, die in der Welt der Menschen glänzen wie die Sterne am Himmel, sich klarsichtig zu einer Art Führer erwählt haben, das offensichtlich und fortwährend alle vollendeten Persönlichkeiten mit ihren verschiedenen Charakteren Recht und Gerechtigkeit, Wahrheit und Wahrhaftigkeit, Sicherheit und Geborgenheit lehrt, durch das die Glückseligkeit in beiden Welten, wie sie auf den Grundpfeilern der Glaubenswahrheiten und den Pfeilern der Lehren des Islam ruht, vermittelt wird, das durch seine Wirkung, wie sie oben angeführt ist und bezeugt wurde, notwendigerweise Recht ist, reine und lautere Wahrheit ist, ganz und gar richtig und vollkommen zuverlässig, als Träger des Gegenteils seiner eigenen Eigenschaften, Wirkungen und lichtvollen Ausstrahlung vorstellen, als - Gott bewahre, es ist keineswegs so! - eine Erdichtung und Fälschung, eine Sammlung von Lügen betrachten, wovor sich selbst die Sophisten und die Teufel schämen und so etwas nicht wagen würden, und was zudem ein abscheulicher Fieberwahn des Unglaubens ist, und müsste sich zudem eine Persönlichkeit, die, wie der Glaube und das islamische Gesetz bezeigt und bezeugt, wie ihre außerordentliche Aufrichtigkeit nach der Übereinstimmung aller, ihre Reinheit und Lauterkeit in Dienst und Anbetung, die sie während ihres ganzen Lebens gezeigt hat, beweist, wie es die guten Sitten, die sie nach der Übereinstimmung aller gezeigt hat, erfordern, wie alle die Wahrhaftigen und die Vollendeten, die sie herangebildet hat, bestätigen, in höchstem Maße gläubig, standhaft, zuverlässig und getreu war, als - Gott bewahre, es ist keineswegs so! - ungläubig, in höchstem Maße unzuverlässig und ohne jede Furcht vor Gott vorstellen und damit eine Unmöglichkeit in ihrer allerhässlichsten und abscheulichsten Art begehen und einen Irrtum, der in seiner Weise finster und völlig ungerecht ist.

Zusammenfassung:

Wie bereits im Achtzehnten Zeichen des "Neunzehnten Briefes" erwähnt wurde, sagen Leute aus den unteren Bevölkerungsschichten über ihr

Verständnis jenes Wunders, das der Qur'an ist, den sie nur allein durch Zuhören kennen: 'Der Qur'an hat, mit allen anderen Büchern der Welt, von denen ich gehört habe, keine Ähnlichkeit und nicht eines von ihnen kommt ihm an Wert gleich. Dementsprechend liegt der Wert des Qur'an entweder unter ihnen allen oder über ihnen allen. Da nun aber der Fall, dass er unter ihnen allen läge, unmöglich ist, kann dies kein Feind, ja noch nicht einmal der Teufel selbst behaupten, dies nicht akzeptieren. Dementsprechend steht der Qur'an über allen anderen Büchern. Dementsprechend ist er ein Wunder.'

In gleicher Weise können dementsprechend auch wir mit absoluter Sicherheit, wie sie sich in der Methodologie und in der Logik aus der Grundlagenforschung und aus der Analyse ergibt, sagen:

Oh du Satan und ihr Satansschüler! Der Qur'an ist entweder Gottes Wort, das von Seinem gewaltigen Thron und Seinem gewaltigen Namen hergekommen ist, oder aber - Gott bewahre! Das ist keineswegs so! Möge Er es mir hunderttausendmal verzeihen! - die betrügerische Erdichtung und Erfindung eines glaubenslosen Menschen, der auf Erden Gott nicht kennt und Gott nicht fürchtet. Dies aber oh du Satan, konntest du wegen der obigen Beweise nicht sagen, kannst es nicht sagen und wirst es nicht sagen können. Da dies aber so ist, ist der Qur'an zwangsläufig und ohne allen Zweifel das Wort des Schöpfers aller Welten, denn ein Mittelding gibt es nicht, kann es nicht geben und ist auch unmöglich. Dies haben wir deutlich genug bewiesen. Das hast auch du gesehen und hast es gehört.

In gleicher Weise ist Mohammed, mit dem Friede und Segen sei, entweder der Gesandte Gottes, der vollkommenste unter allen Propheten und der gesegnetste unter allen Geschöpfen, oder aber man müsste ihn sich als einen Menschen vorstellen, der - Gott bewahre! Möge Er es mir hunderttausendmal verzeihen! - weil er Gott fälschlicher Weise bezichtigte, Ihn gar nicht kannte und nichts von Ihm wusste, an Seine Strafe nicht glaubte, als ein

Glaubensloser auf die Stufe eines Niedrigsten aller Niedrigen herabstürzte.

{(*): Da nun einmal der Weise Qur'an die Glaubenslosigkeiten der Ungläubigen und ihre grobschlächtigen Ausdrücke zitiert, um sie zu widerlegen, habe auch ich mich dazu gezwungen gesehen, zitternd diese Ausdrücke in Form einer unmöglichen Annahme zu verwenden, um die ganz und gar unmöglichen Gedanken der Ungläubigen und Irregeleiteten aufzuzeigen und darauf hinzuweisen, wie sie so ganz und gar hohl und wurmstichig sind.}

Und dies, oh Teufel und ihr Philosophen Europas und Heuchler Asiens, die ihr seine Vertrauten seid! Ihr könnt das nicht sagen, nie gesagt haben, werdet es nicht sagen und nie sagen können. Denn in dieser Welt gibt es niemanden, der von einem solchen Fall hören will und so etwas akzeptieren könnte. Deswegen sagen selbst die schärfsten Gegner, Kritiker, Leugner und Zyniker unter den Philosophen, auf die du vertraust: "Mohammed der Araber, mit dem der Friede sei, war ein überaus kluger Mensch. Er war von einer ganz besonderen, edlen Wesensart."

Da es nun bei diesem Problem nur zwei mögliche Lösungen gibt und da nun einmal die zweite Lösung nicht möglich ist und niemand für diese eintreten will, und da nun einmal der Beweis dafür schon mit unwiderlegbaren Zeugnissen erbracht worden ist, dass es eine Mittellösung nicht gibt, ist Mohammed der Araber, mit dem der Friede sei, zwangsläufig dir und deinen Teufelsgenossen zum Trotz ganz offensichtlich und mit der Sicherheit eigener Erfahrung der Botschafter Gottes und der edelste unter allen Seinen Gesandten. Er ist das vornehmste unter allen Seinen Geschöpfen.

عَلَيْهِ الصَّلاَةُ وَالسَّلاَمُ بِعَدَدِ الْمَلَكِ وَاْلاِنْسِ وَالْجَآنِّ

{"Mit ihm seien der Friede und so viele Segnungen wie es Engel, Menschen und Dschinnen gibt."}

Ein zweiter kleiner Einwand des Satans

مَا يَلْفِظُ مِنْ قَوْلٍ اِلاَّ لَدَيْهِ رَقِيبٌ عَتِيدٌ ٭ وَجَٓاءَتْ سَكْرَةُ الْمَوْتِ بِالْحَقِّ ذٰلِكَ مَا كُنْتَ مِنْهُ تَحِيدُ ٭ وَنُفِخَ فِى الصُّورِ ذٰلِكَ يَوْمُ الْوَعِيدِ ٭ وَجَٓاءَتْ كُلُّ نَفْسٍ مَعَهَا سَٓائِقٌ وَشَهِيدٌ ٭ لَقَدْ كُنْتَ فِى غَفْلَةٍ مِنْ هٰذَا فَكَشَفْنَا عَنْكَ غِطَٓاءَكَ فَبَصَرُكَ الْيَوْمَ حَدِيدٌ ٭ وَقَالَ قَرِينُهُ هٰذَا مَا لَدَىَّ عَتِيدٌ٭ اَلْقِيَا فِى جَهَنَّمَ كُلَّ كَفَّارٍ عَنِيدٍ

{"Kein Wort äußert er, ohne dass jemand die Aufsicht darüber führte. Doch die Stunde des Todes wird ihm die Wahrheit vor Augen führen. Das ist es, wovor du zeitlebens ausgewichen bist. Und die Trompete wird geblasen; das ist der angedrohte Tag. Und jede Seele wird kommen und mit ihr ein Fährmann und ein Zeuge. Du hast dich fürwahr nicht darum bekümmert. Doch nun haben wir dir die Binde abgenommen und nun siehst du heute scharf. Dann sagte sein Gefährte: "Hier ist nun das, was mir bereit gehalten ist!" Werft, werft in die Hölle jeden widerspenstigen Ungläubigen!" (Sure 50, 18-24)}

Während ich diese Ayat der Sura Qaf rezitierte, sagte der Satan: "Ihr glaubt, dass die allgemeine Verständlichkeit des Qur'an in seinem klaren und flüssigen Stil läge. Aber was springt er doch in dieser Ayah von einem Gegenstand zum anderen! Vom Todeskampf springt er zur Auferstehung über. Vom Ertönen der Posaune leitet er zum Ende des Verfahrens über. Danach erwähnt er die Einfahrt zur Hölle. Wo bleibt bei dieser sprunghaften Erzählweise noch die Flüssigkeit des Stils? Der Qur'an vereinigt an den meisten Stellen solche weit voneinander entfernt liegenden Themen. Wo bleibt bei einer solchen unzusammenhängenden Formgebung noch der klare und flüssige Stil?"

Antwort:

Unter den wichtigsten Wundern, wie sie für den Qur'an kennzeichnend sind, der in seiner Verkündigung selbst ein Wunder ist, findet sich seine Prägnanz und nach ihr seine Kürze. Kürze, das ist: Für das Wunder des Qur'an ein unumstößliches, unverwechselbares Kennzeichen von ganz besonderer Bedeutung. Dieses Wunder an Kürze ist im Weisen Qur'an so vielfältig und von einer solchen Schönheit, dass Wissenschaftler

und Forscher darüber in Erstaunen geraten.

Zum Beispiel:

وَقِيلَ يَٓا اَرْضُ ابْلَعِى مَٓاءَكِ وَيَا سَمَٓاءُ اَقْلِعِى وَغِيضَ الْمَٓاءُ وَقُضِىَ اْلاَمْرُ وَاسْتَوَتْ عَلَى الْجُودِىِّ وَقِيلَ بُعْدًا لِلْقَوْمِ الظَّالِمِينَ

{"Dann erging das Wort: Erde, verschlinge dein Wasser! Himmel, halt ein! Und das Wasser verschwand, und die Angelegenheit war zu Ende. Die Arche setzte am Berge Djudi auf. Es wurde gesagt: Die Ferne sei mit dem Volk der Frevler!" (Sure 11, 44)}

Hier wird die ganze, lange Geschichte der Flut und ihrer Auswirkungen in wenigen Sätzen so konzentriert und so wundervoll erzählt, dass sich viele Literaturkenner wegen einer solchen Kürze und Prägnanz in Verehrung niederwarfen.

Ein anderes Beispiel:

كَذَّبَتْ ثَمُودُ بِطَغْوَاهَا ٭ إِذِ انْبَعَثَ أَشْقَاهَا ٭ فَقَالَ لَهُمْ رَسُولُ اللَّهِ نَاقَةَ اللَّهِ وَسُقْيَاهَا ٭ فَكَذَّبُوهُ فَعَقَرُوهَا فَدَمْدَمَ عَلَيْهِمْ رَبُّهُم بِذَنبِهِمْ فَسَوَّاهَا ٭ وَلاَ يَخَافُ عُقْبَاهَا

{"Das Volk Thamud leugnete in seiner Widersetzlichkeit, als der Gemeine aufstand. Und es sagte zu ihnen der Gesandte Gottes: Die Kamelstute Gottes lasst trinken. Sie aber beschuldigten ihn und lähmten sie. Doch da kam ihr Herr in Seinem Zorn über sie und machte alles eben. Und Er fürchtete nicht die Folgen." (Sure 91, 11-15)}

Auf diese Weise also werden hier die bemerkenswerten und bedeutsamen Ereignisse, ihre Folgen und das böse Ende in wenigen Sätzen in wunderbarer Kürze klar und flüssig berichtet, ohne dass das Verständnis darunter leidet.

Noch ein weiteres Beispiel:

وَذَا النُّونِ اِذْ ذَهَبَ مُغَاضِبًا فَظَنَّ اَنْ لَنْ نَقْدِرَ عَلَيْهِ فَنَادَى فِى الظُّلُمَاتِ اَنْ لآَ اِلَهَ اِلآَّ اَنْتَ سُبْحَانَكَ اِنِّى كُنْتُ مِنَ الظَّاِلمِينَ

{"Und gedenke Dhulnuns (wörtl. Fischmann, gemeint ist der Prophet Jonas), wie er im Zorn wegging und meinte, Wir hätten keine Gewalt über ihn. Er aber schrie aus der Dunkelheit (Bauch des Wals). Es gibt keinen Gott außer dir. Gepriesen seiest Du. Ich war in der Tat einer der Übeltäter." (Sure 21, 87)}

Wie viele Sätze sind doch zwischen اَنْ لَنْ نَقْدِرَعَلَيْهِ {"...Wir hätten keine Gewalt über ihn."} und فَنَادَى فِى الظُّلُمَاتِ {"Er aber schrie aus der Dunkelheit."} ausgelassen worden! Was aber die nicht angeführten Sätze betrifft, so beeinträchtigen sie das Verständnis nicht. Sie schaden dem Ablauf nicht. In der Erzählung von Hazret Yunus sind die wichtigen und wesentlichen Dinge erwähnt. Alles Weitere bleibt der Phantasie überlassen.

In gleicher Weise sind einige sieben oder acht Sätze zwischen فَاَرْسِلُونِ {"Sende mich!" (Sure 12, 45)} und يُوسُفُ اَيُّهَا الصِّدِّيقُ {"Oh Yusuf, du Wahrhaftiger!" (Sure 12, 46)} in der Sura Yusuf um der Kürze willen übersprungen worden. Das Verständnis wurde dadurch in nichts beeinträchtigt. Dem Ablauf hat es nicht geschadet. Eine derart wunderbare Prägnanz findet sich im Qur'an sehr häufig. Sie ist auch sehr schön.

Was aber die Ayat in der Sura Qaf betrifft, so sind diese von einer einzigartigen und bezaubernden Prägnanz. Denn sie legen den Finger auf eine Zukunft, in der für die Ungläubigen ein Tag gleich fünfzigtausend ganz entsetzliche und furchtbar lange Jahre sein werden und nacheinander auf die bedeutenden, schmerzhaften Ereignisse, die in schrecklichen Revolutionen über den Häuptern

der Ungläubigen hereinbrechen werden. Sie lassen unsere Vorstellung blitzschnell über sie hinwegeilen. Sie führen uns diese so sehr lange Zeit, wie auf einem Bogen Papier gemalt, vor Augen. Die Ereignisse werden unter Nichterwähnung des der Phantasie überlassenen in einer hohen und flüssigen Ausdrucksweise erzählt

وَاِذَا قُرِئَ الْقُرْاٰنُ فَاسْتَمِعُوا لَهُ وَاَنْصِتُوا لَعَلَّكُمْ تُرْحَمُونَ

{"Wenn der Qur'an gelesen wird, höret ruhig und aufmerksam zu, sodass ihr Barmherzigkeit erlangen möget!" (Sure 7, 204)}

Wohlan nun, oh du Satan! Sprich, wenn du noch etwas zu sagen hast!

Und der Teufel sagte: "Ich kann nicht dagegen ankommen. Ich kann nichts mehr zu meiner Verteidigung anführen. Doch gibt es noch viele Dumme, die mir zuhören und viele Teufel in Menschengestalt, die mir helfen und viele Pharaonenstolze unter den Philosophen, die in diesen Fragen von mir Unterricht erhalten, der ihrer Ichsucht schmeichelt. Sie werden die Verbreitung von solchen Worten wie den deinen verhindern. Deshalb strecke ich vor dir nicht die Waffen."

Sechzehntes Wort

بِسْمِ اللَّهِ الرَّحْمَنِ الرَّحِيمِ ٭ اِنَّمَآ اَمْرُهُ اِذَآ اَرَادَ شَيْئًا اَنْ يَقُولَ لَهُ كُنْ فَيَكُونُ ٭ فَسُبْحَانَ الَّذِى بِيَدِهِ مَلَكُوتُ كُلِّ شَيْءٍ وَاِلَيْهِ تُرْجَعُونَ

{"Im Namen Allahs, des Erbarmers, des Barmherzigen; Sein Befehl ist nur, wenn Er ein Ding will, dass Er zu ihm spricht: Sei! und es ist. Und Preis dem, in dessen Hand die Herrschaft über alle Dinge ist und zu dem ihr dereinst zurückkehren werdet." (Sure 36, 82-83)}

Geschrieben, um meiner Seele Quelle des Glaubens zu sein, wurden hier vier Lichtstrahlen dieser Ayah aufgezeigt, um die Finsternis zu zerstreuen und meiner blinden Seele zur Einsicht zu verhelfen.

Erster Strahl:

Oh du meine einfältige Seele! Du sagst: "Die Einheit in der Gestalt Gottes im Zusammenhang mit Seiner allumfassenden Wirksamkeit; Seine persönliche Einheit im Zusammenhang mit der Ganzheit Seiner Herrschaft; die Einheitlichkeit in Seiner Autorität im Zusammenhang mit Seiner ungeteilten Verfügungsgewalt, die keinen Teilhaber kennt; Seine Unabhängigkeit vom Raum verbunden mit Seiner Gegenwart an jedem Ort; Seine unendliche Erhabenheit über allen Dingen verbunden mit Seiner Nähe zu ihnen; Seine Einzigkeit im Zusammenhang mit allen Dingen, die Er in Seiner Hand hält; sind Wahrheiten, die sich im Qur'an finden. Der Qur'an ist aber vernunftgemäß. Da er aber vernunftgemäß ist, lädt er dem Verstand nicht Dinge auf, die der Verstand nicht annehmen kann. Der Verstand jedoch sieht hier einen offensichtlichen Widerspruch. Ich möchte eine Erklärung, der sich der Verstand zu unterwerfen vermag."

Antwort:

Da dies nun einmal so ist, wollen auch wir, wenn du das um der Stärkung deines Glaubens willen wünschst, gestützt auf den Segen des Qur'an, sagen: Der Name "Nur(Licht)" hat viele unserer Schwierigkeiten aufgelöst. Er wird mit Gottes Hilfe auch diese lösen. Wir wollen dazu den Weg eines Gleichnisses wählen, um dem Verstand Klarheit und dem Herzen Erleuchtung zu bringen, und sagen so, gleich wie Imam Rabbani(Gottes Wohlgefallen sei mit ihm):

نَه شَبَمْ نَه شَبْ پَرَسْتَمْ مَنْ غُلاٰمِ شَمْسَمْ اَزْشَمْسِ مِى گُويَمْ خَبَرْ

{"Ich bin weder die Nacht, noch liebe ich die Nacht. Ich bin ein Verehrer der Sonne und bringe von der Sonne Kunde." (Orig. pers.)}

Da ein Gleichnis der klarste Spiegel für das Wunder des Qur'an ist, wollen auch wir dieses Geheimnis in einem Gleichnis betrachten. Es ist dies wie folgt:

Ein einzelnes Wesen oder Objekt erhält durch Reflexion eine Beziehung zu der Gesamtheit seiner Gegenobjekte. Obwohl es nur ein einzelnes konkretes Objekt ist, beherrscht es dennoch, einem Oberbegriff vergleichbar, alle anderen Objekte.

Zum Beispiel:

Obwohl die Sonne ein konkretes Objekt ist, nimmt sie dennoch auf alle reflektierenden Gegenstände einen solchen allgemeinen Einfluss, dass sie mit all ihren Erscheinungsweisen und Spiegelungen das Antlitz der Erde erfüllt. Ja die Erscheinungsformen sind so zahlreich wie die Tröpfchen und glänzenden Stäubchen. Dabei umfassen die Hitze, das Licht der Sonne und die sieben Farben, die in ihren Strahlen enthalten sind, ein jedes Ding, umgeben und umhüllen es und gleichzeitig nimmt jedes durchscheinende Ding mit dem Bild der Sonne auch deren Wärme, ihr Licht und ihre siebenfarbigen Strahlen in sich auf und hütet sie gleich einem Augapfel. In seinem klaren Herzen bereitet es ihr einen Thron. Das heißt, so wie die Sonne mit ihrer Gegenwart alle die Dinge umfasst, denen sie begegnet, so findet sich auch in jedem Ding mit all den vielen Eigenschaften der Sonne durch ihre wesensgemäße Einheit gewissermaßen eine Erscheinung ihrer selbst.

So sind wir denn über das Gleichnis von den Reflexionen zu deren Thematik vorgedrungen und wollen nun unter den vielen Arten der Reflexion auf jene drei Arten hinweisen, welche die Quelle zu diesen Beispielen sind.

Erstens:

Es sind Reflexionen der opaken, nicht glänzenden materiellen Dinge. Ihr Spiegelbild ist sowohl von ihnen verschieden, also nicht das Original, als auch leblos und tot. Es besitzt außer seiner eigenen Bildidentität keine originäre Eigenschaft. Wenn du {Bediüzzaman spricht zu seinem Ich. (A.d.Ü.)} zum Beispiel in ein Spiegelkabinett hineingehst, werden aus einem Said tausende Said. Doch du allein bist wirklich und richtig lebendig. Alle anderen sind es nicht wirklich und richtig. Die Eigenschaften alles Lebendigen sind in ihnen nicht.

Zweitens:

Es sind die Reflexionen der lichtausstrahlenden materiellen Dinge. Ihr Spiegelbild ist nicht das Original selbst, in seiner Art jedoch auch nicht von ihm unterschieden. Es umfasst nicht das Wesen, besitzt jedoch die meisten Eigenschaften der Lichter. Es wird wie diese zum wirklichen Dasein hinzugezählt.

Zum Beispiel:

Die Sonne scheint auf die Erde. Sie zeigt in jedem Spiegel ihr Bild. In jedem Spiegel finden sich das Licht und die sieben Farben ihrer Strahlen, wie sie für die Sonne typisch sind. Nehmen wir einmal den unmöglichen Fall an, dass die Sonne ein bewusstseintragendes Wesen wäre. Ihre Wärme wäre ihre Macht, ihr Licht wäre ihr Wissen und die sieben Farben ihre sieben Sinne. Diese eine und einzigartige Sonne findet sich in gleicher Zeit in jedem Spiegel wieder und könnte jeden Einzelnen zu ihrem Thron oder zu einer Art von Telefon machen. Es gäbe dann zwischen ihnen keine Störungen. Die Sonne könnte sich mit jedem von uns durch einen solchen Spiegel unterhalten. Während wir von ihr weit entfernt sind, würde sie zu uns kommen, näher als wir zu uns selbst kommen.

Drittens:

Es sind die Widerspieglungen der lichtvollen

Geister. Ihr Spiegelbild ist zugleich auch ihr Ebenbild und hat überdies auch ein eigenes Dasein. Da ihre Erscheinung aber von der Beschaffenheit der Spiegel abhängig ist, stimmt sie mit dem Wesen, das der Natur ihres Geistes zu Grunde liegt, nicht ganz überein.

Zum Beispiel:

Als der Erzengel Gabriel, mit dem der Friede sei, in der Gestalt von Dihye(: Name eines Jüngers des Propheten Mohammed) vor unserem Propheten stand, warf er sich gleichzeitig auch vor der Gegenwart Gottes am gewaltigen Thron mit seinen prächtigen Flügeln nieder. Überdies befand er sich währenddessen auch an zahllosen anderen Orten und verkündete die Gebote Gottes. Die eine Aufgabe behindert eine andere Aufgabe nicht. Es ist also aufgrund dieses Geheimnisses, dass der Ehrenwerte Prophet, mit dem Friede und Segen sei, der in seinem Wesen und der Ausstrahlung seiner Persönlichkeit nach Licht ist, alle die Segensgebete seiner Gemeinden in der ganzen Welt zu gleicher Zeit hören kann und bei der Auferstehung allen Heiligen im selben Augenblick begegnen wird. Dabei wird es keine Interferenzen geben.

Es gibt unter den Heiligen sogar eine Gruppe, die man "ebdal"(Ausgetauschte) nennt und deren Ausstrahlung sich so machtvoll zu entfalten vermag, dass man sie gleichzeitig an mehreren Orten wahrnehmen kann. Man sagt, dass dabei dieselbe Person ganz verschiedene Dienste versieht. So wie in der Tat ein Körper aus Glas, Wasser oder ähnlicher Materie zum Spiegel wird, genauso werden für die Geistwesen auch die Luft, der Äther und manche Gestalten der Traumwelt zu einem Empfangsspiegel und damit zu einem blitz- und gedankenschnellen Land- und Seefahrzeug. Diese Geistwesen bewegen sich mit Gedankengeschwindigkeit in einen solchen klaren Spiegel hinein, verkörpern sich darin, nehmen Wohnung in diesem Körper, bewegen sich mit dieser ihrer feinstofflichen Wohnung. Sie können sich auch an tausenden von Orten gleichzeitig einfinden.

Es können also Geschöpfe, die in ihrem Dienst derart abhängig und in ihren Fähigkeiten so begrenzt sind wie

die Sonne, und Wesen, die von materiellen Bedingungen abhängig sind und deren Licht nur geborgt ist, während sie in ihrer Lichtnatur an dem einen Ort lokalisiert sind, sich an sehr vielen anderen Orten einfinden. Sie sind zwar ein abhängiger Bestandteil der Schöpfung, können aber einen vollkommenen Einfluss auf eine Ganzheit ausüben. Zu gleicher Zeit können sie mit ihrem kleinen Anteil Entscheidungsfreiheit sehr viele Aufgaben erfüllen.

Ja, welches Ding vermöchte sich wohl der Zuwendung des Einen, in dessen Eigenschaften ein alles beherrschender Wille, vollkommene Macht und ein alles umfassendes Wissen aufscheinen und sich in Seinem Wirken offenbaren, dem Hochheiligen, der unabhängig ist von der Materie und erhaben über sie, der frei und ledig ist aller Fesseln der Begrenzung und der Undurchdringlichkeit der Finsternis, für den alle diese Lichter, die leuchtenden Dinge und erleuchteten Wesen nur einen dichten Schatten vor dem Lichtglanz Seiner heiligen Namen bilden, für den das ganze Sein und alles Leben, die Welt der Geister und die Welt der Träume nur ein zur Hälfte blinder Spiegel Seiner Herrlichkeit ist, dessen Eigenschaften allumfassend und dessen Wirken alldurchdringend ist, zu entziehen, welches Werk Ihm schwer werden, welches Ding sich vor Ihm verstecken, welche Einzelheit fern von Ihm bleiben, welcher Mensch sich Ihm nähern, ohne dabei ein Ganzes zu werden?

So ist dir denn die Sonne in der Tat durch ihr unbegrenztes Licht nahe, ja dir durch ihr immaterielles Spiegelbild näher verbunden als dein Augapfel, während du in deiner Begrenztheit weit von ihr entfernt bist. Um sich ihr zu nähern, musst du dich von vielen Bindungen lösen und noch viele Stufen zu deiner Ganzwerdung übersteigen. Du musst gleichsam innerlich zur Größe der Erde heranwachsen, dich bis zum Mond erheben. Erst dann kannst du der Sonne unmittelbar gegenübertreten, dich ihr im Grade ihrer ureigenen Stufe nähern und ihr ohne Schleier begegnen. Genauso ist dir auch der Schöne, der Glorreiche, der Herr der Herrlichkeit, der Herr aller

Vollkommenheit ganz nahe. Du bist von Ihm weit entfernt.

So du über die Kraft des Herzens und die Erhabenheit des Geistes verfügst, bemühe dich die einzelnen Absätze in unserem Gleichnis der Wahrheit entsprechend auszudeuten!

Zweiter Strahl:

Oh du unverständige Seele! Du sagst: Solche Ayat wie

اِنَّمَآ اَمْرُهُ اِذَآ اَرَادَ شَيْئًا اَنْ يَقُولَ لَهُ كُنْ فَيَكُونُ

{"Führwahr, die Sache Gottes ist dies: Wenn Er ein Ding will, sagt Er dazu nur: Sei!, dann ist es." (Sure 36, 82)}

und ferner:

اِنْ كَانَتْ اِلاَّ صَيْحَةً وَاحِدَةً فَاِذَاهُمْ جَمِيعٌ لَدَيْنَا مُحْضَرُونَ

{"Es wird nur ein einziger Posaunenstoß sein, und siehe da, sie alle sind vor uns gebracht." (Sure 36, 53)}

besagen, dass die Dinge einzig auf Seinen Befehl hin unmittelbar ins Dasein treten. Dagegen besagen aber solche Ayat wie

صُنْعَ اللَّهِ الَّذِي أَتْقَنَ كُلَّ شَيْءٍ

{"Das Werk Allahs, der alle Dinge ordnet!" (Sure 27, 88)}

und

اَحْسَنَ كُلَّ شَيْءٍ خَلَقَهُ

{"Er schuf alle Dinge in bester Form." (Sure 32, 7)}

dass die Dinge durch eine gewaltige Macht mit einer genauen Kenntnis und durch eine feinsinnige Kunstfertigkeit gepaart mit Weisheit stufenweise ins Dasein treten. Wie lassen sich diese beiden Gesichtspunkte miteinander vereinbaren?

Antwort:

Wir schöpfen aus dem Gnadenstrom des Qur'an und sagen:

Erstens, hier ist kein Widerspruch. Bei einem Teil ist es gleich einer Erschaffung aus dem Nichts. Bei einem anderen Teil ist es gleich einer Entfaltung entsprechend einem Vorbild.

Zweitens:

Die unendliche Wohlgeordnetheit, die große Zielgerichtetheit, die künstlerische Schönheit und Vollkommenheit, die wir in der Natur bezeugen, trotz aller mühelosen Schnelligkeit, Leichtigkeit, Vielfalt und weltweiten Verbreitung alles Lebendigen legen für die mit diesen beiden verschiedenen Arten von Ayat gegebene Wahrheit beredtes Zeugnis ab. Wenn dies aber so ist, dann erübrigt es sich, über ihre Bewahrheitung zu disputieren. Vielmehr lässt sich lediglich fragen: "Was ist die tiefere Weisheit?" Da dies aber so ist, wollen auch wir auf diese Weisheit mit einem vergleichenden Beispiel einen Hinweis geben.

Ein Handwerker, zum Beispiel ein Schneider, kreiert mit viel Fleiß und Geschick ein Meisterwerk und entwickelt es zu einem Musterexemplar. Danach kann er dann schnell und leicht weitere Modelle herstellen. Ja, diese Leichtigkeit entwickelt sich manchmal in einem solchen Maße, dass es scheint, als gehorchten ihm die Dinge und er erlangt auf diese Weise ein leistungsstarkes Gleichmaß. Es ist wie bei einer Uhr, die sich auf Knopfdruck einschaltet und läuft. Genauso auch hat der allweise Baumeister und allwissende Architekt dieses Weltenschloss mit allen seinen Ausstattungen in schönster Form aufgebaut und sodann für alle Dinge, kleine wie große, für ihre Teile wie für ihr Ganzes, in vorausschauender Ordnung ein Maß als Muster festgesetzt. Siehe, so erschafft denn dieser urewige Architekt ein jedes Jahrhundert gleich einem Modell, schmückt es mit den Wundern Seiner Macht und bekleidet es mit einer neuen Welt. Er nimmt jedes Jahr als ein Maß an und näht nach dessen Größe eine frische Welt, verziert sie mit den Wunderwerken Seiner Barmherzigkeit. Er macht jeden einzelnen Tag zu einer Zeile und schreibt darauf ganz neue Existenzen, geschmückt mit den Feinheiten Seiner Weisheit.

Der Allmächtige macht jedes Jahrhundert, jedes Jahr, jeden einzelnen Tag zu einem Modell und gestaltet zudem auch jeden einzelnen Berg, jede Wüste, die Obst und Gemüsegärten und jeden Baum auf Erden zu einem Modell. Von Zeit zu Zeit schafft Er ganz frische Schöpfungen auf dem Erdboden und bringt je eine neue Welt ins Dasein. Er nimmt je eine Welt weg und ersetzt sie durch eine andere wohlgestaltete Welt. In jeder Jahreszeit stellt Er in jedem Obst- und Gemüsegarten immer wieder ganz neue Wunderwerke Seiner Macht und Geschenke Seiner Barmherzigkeit aus. Er schreibt je ein weisheitsvolles Buch. Er schafft in Seinem Erbarmen immer wieder eine neue Küche. Er lässt immer ein neues kunstvolles Kleid anziehen. In jedem Frühling lässt Er jeden Baum mit einem Umhang aus Seidenbrokat frisch bekleiden. Er verziert ihn ganz neu mit Schmuckstücken, die Perlen gleichen. Er füllt ihm die Hände mit sternengleichen Geschenken Seiner Barmherzigkeit. Also ist derjenige, der diese Tätigkeiten in schönster Kunstfertigkeit und vollkommener Wohlgeordnetheit vollbringt, und der diese Wunderwelten, die durch das Seil der Zeit miteinander verbunden, einander ablösen, mit unendlicher Weisheit und Güte, mit vollkommener Macht und Kunstfertigkeit wechselt, mit Sicherheit allmächtig und allweise. Er ist es, der alles sieht, der Allwissende. Für den Zufall ist in Gottes Werken kein Platz. So ist denn Er allein der Herr der Herrlichkeit, der gesprochen hat:

اِنَّمَآ اَمْرُهُ اِذَآ اَرَادَ شَيْئًا اَنْ يَقُولَ لَهُ كُنْ فَيَكُونُ وَمَآ اَمْرُ السَّاعَةِ اِلاَّ كَلَمْحِ الْبَصَرِ اَوْ هُوَ اَقْرَبُ

{"Führwahr, die Sache Gottes ist dies: Wenn Er ein Ding will, sagt Er dazu nur: Sei!, dann ist es." (Sure 36, 82) "Und die Angelegenheit "der Stunde" ist nur wie ein Augenblick oder noch kürzer." (Sure 16, 77)}

So verkündet Er denn zugleich die Vollkommenheit Seiner Macht und erklärt zugleich, dass Auferstehung und Wiederversammlung im Verhältnis zu Seiner Macht ganz

leicht und ohne Mühe sind. Durch den Qur'an, dessen Verkündung ein Wunder ist, sagt Er, dass die Angelegenheiten auf einen bloßen Befehl hin zu Stande kommen. Damit will Er ausdrücken, dass Seine Tätigkeiten in der Schöpfung, die Macht und Entscheidungswille beinhalten, und dass alle Gegenstände Seinen Befehlen unterworfen und folgsam sind und dass Er alle Dinge in einer absoluten Leichtigkeit ins Dasein ruft, weil Er sie ohne Mühe und Anstrengung erschafft.

Schlusswort: Manche Ayat bringen die künstlerische Schönheit und vollkommene Weisheit in den Dingen, besonders am Anfang ihrer Erschaffung zum Ausdruck. Ein anderer Teil der Ayat erklärt im äußersten Grade die Leichtigkeit und Geschwindigkeit und außerordentliche Unterwerfung und Mühelosigkeit in den Dingen, besonders bei ihrer Wiedererschaffung und Wiederherstellung.

Dritter Strahl:

Oh du meine Seele, die du mit deinen Einwänden deine Grenzen überschreitest! Du sagst: Solche Ayat wie:

بِيَدِهِ مَلَكُوتُ كُلِّ شَيْءٍ ٭ مَا مِنْ دَآبَّةٍ اِلاَّ هُوَ اَخِذٌ بِنَاصِيَتِهَا ٭ وَ نَحْنُ اَقْرَبُ اِلَيْهِ مِنْ حَبْلِ الْوَرِيدِ

{"Und Preis dem, in dessen Hand die Herrschaft über alle Dinge ist!" (Sure 36, 83) "...Es gibt kein Tier auf Erden, das Er nicht an seinem Schopf hielte." (Sure 11, 56) "...denn Wir sind ihm (dem Menschen) näher als seine Halsschlagader." (Sure 50, 16)}

zeigen uns, in welch unendlichem Maße Gott uns nahe ist.

وَ اِلَيْهِ تُرْجَعُونَ ٭ تَعْرُجُ اْلمَلآئِكَةُ وَالرُّوحُ اِلَيْهِ فِى يَوْمٍ كَانَ مِقْدَارُهُ خَمْسِينَ اَلْفَ سَنَةٍ

{"...und zu Ihm werdet ihr zurückkehren!" (Sure 2, 245) "Zu Ihm steigen die Engel und der Geist empor an einem Tag, dessen Maß fünfzigtausend Jahre ist." (Sure 70, 4)}

Zu diesen Ayat wird außerdem noch in einer Hadith erwähnt: "Gott, der Gerechte, ist hinter siebzigtausend

Schleiern verborgen." Dergleichen Wahrheiten wie Mi'radj(: Himmelfahrt des Propheten Mohammad) zeigen, in welch unendlichem Maße wir von Gott entfernt sind. Ich möchte eine Erklärung geben, die dieses unzugängliche Geheimnis dem Verstand zugänglicher macht.

Antwort:

So höre denn:

Zum ersten:

Wir hatten im letzten Teil des Ersten Strahls gesagt: Während die Sonne dir durch ihr unbegrenztes Licht und in ihrem immateriellen Spiegelbild nahe ist, ja näher noch durch deine Augen, in denen sie sich spiegelt und die deiner Seele Fenster sind, bist du in deiner Begrenztheit und materiellen Verhaftung weit von ihr entfernt. Du kannst nur einen Teil ihres blendend hellen wie ihres schattenhaften Lichtes zu schauen trachten, nur mit einer Art ihrer Erscheinungen, einem Teil ihrer Manifestationen in Berührung kommen, nur in wenigen Farben, die ihre Eigenschaften sind, nur in einzelnen Strahlen, die ihren Namen gleichen, und nur in einem kleinen Teil dessen, was sie bescheint, ihr nahe kommen. Wenn du dich der Sonne auf ihrer ureigenen Stufe nähern und ihrer Persönlichkeit in deiner eigenen Persönlichkeit auf dem geraden Weg unmittelbar begegnen möchtest, musst du dich von vielen Bindungen lösen und noch viele Stufen zu deiner Ganzwerdung übersteigen. Du musst gleichsam durch diese innerliche Loslösung zur Größe der Erde heranwachsen, dich ähnlich der Luft ausdehnen, mit deinem Geiste in Raum und Zeit verbreiten und dich bis zum Mond emporschwingen, dem Mond gleich der Sonne gegenübertreten. Dann erst kannst du ihr selbst ohne Schleier begegnen, gewissermaßen den Anspruch erheben, ihr begegnet zu sein.

Genauso ist dieser Vollkommene in Seiner Majestät, dieser Herrliche ohnegleichen, Er, dessen Dasein eine Notwendigkeit ist, der alle Existenzen ins Dasein ruft, diese immerwährende Sonne, dieser Sultan von Ewigkeit zu Ewigkeit dir näher, als du es dir selbst bist. Du jedoch bist von Ihm unendlich entfernt. Besitzt du genügend Geistesstärke, bemühe dich unser Gleichnis in seinen

Einzelheiten auszudeuten.

Zweitens:

Zum Beispiel:

وَلِلَّهِ اْلمَثَلُ اْلاَعْلَى

{"Bei Gott sind die erhabensten Gleichnissen!" (Sure 16, 60)}

Ein König kann unter vielen verschiedenen Namen auftreten, zum Beispiel als Oberbefehlshaber in den vielen einander übergeordneten Rängen. Er hat Einfluss und Geltung vom obersten Befehlsbereich des Kriegsministers über den Marschall, den General, den Hauptmann bis zum Feldwebel hinunter in allen weiten und engen, großen und kleinen Bereichen. Demnach erkennt ein einfacher Soldat in dem kleinen Zuständigkeitsbereich, dem sein Feldwebel dem Range nach vorsteht, die für ihn maßgebliche Kommandostelle und tritt über diesen kleinen Geltungsbereich mit dem obersten Befehlshaber in Kontakt und Berührung. Wollte er mit dem Träger des ursprünglichen Namens in Kontakt treten, ihm unter dessen Namen gegenübertreten, müsste er die ganze Stufenleiter vom Feldwebel bis zum Kriegsminister emporklimmen.

Das heißt, dass der König diesem einfachen Soldaten im Namen des Königs, seiner Herrschaft, seines Gesetzes, Kraft seines Wissens, per Telefon, durch seine Maßnahmen, ja sollte dieser König ein Heiliger von der lichten Ausstrahlung eines Ebdal sein, in seiner persönlichen Gegenwart sehr nahe ist. Nichts kann ein Hindernis für ihn sein, einen Schirm gegen ihn bilden. Der einfache Soldat ist jedoch sehr fern von ihm. Tausende von Zwischenstufen trennen ihn von ihm, tausende von Schleiern scheiden sie voneinander. Manchmal jedoch erweist er ihm entgegen seiner Gewohnheit sein Erbarmen und ruft einen einfachen Soldaten in seine Gegenwart, erweist ihm seine Huld.

Genauso auch: Während der Herr, der Majestätische, der den Befehl

كُنْ فَيَكُونُ {"Sei! Und es ist." (Sure 2, 117)} erlässt, und dem gegenüber Sonnen und Sterne befehlsbereiten Soldaten gleichen, ihnen und allem noch näher ist, als sie es sich selbst sind, ist jedoch alles sehr fern von Ihm. Wer da vor Seine Gegenwart treten, Seine gewaltige Größe unverschleiert schauen wollte, der müsste siebzigmal tausende Schleier, die dunklen wie auch solche aus Licht, die der Schöpfung und ihrer vordergründigen Betrachtungsweise, auch die Seiner Namen und Attribute überwinden, mit jedem Namen tausende Stufen Seiner besonderen und allgemeinen Erscheinungsformen überschreiten, alle diese so hohen Stufen Seiner Attribute hinter sich lassen, bis er zu dem gewaltigen Thron emporsteigen könnte, in dem Sein gewaltiger Name sichtbar wird.

Wäre da nicht Er es, der ihn zu sich zieht und ihm Seine Huld erweist, er müsste sich tausende von Jahren darum bemühen und den geistigen Weg einschlagen. Wolltest du dich Ihm z.B. in Seinem Namen "Schöpfer" nähern, müsstest du zunächst mit Ihm als deinem persönlichen Schöpfer, sodann mit Ihm unter dem Aspekt des Schöpfers der ganzen Menschheit, sodann mit Ihm unter dem Namen des Schöpfers alles Lebendigen, sodann mit Ihm unter der Bezeichnung des Schöpfers alles Geschaffenen in Verbindung treten. Anderenfalls bleibt die Offenbarung, die dir zuteil wird, nur winzig und schattenhaft.

Vierter Strahl:

Oh meine faule Seele! Die Wahrheit über das Gebet, welches eine Art Himmelfahrt ist, besteht wie in dem obenerwähnten Gleichnis darin, dass du gleich einem einfachen Soldaten, der zum Erweis seiner lauteren Huld in die Audienz seines Königs gerufen wird, gleichfalls zum Erweis Seines Erbarmens zur Gegenwart des Herrn der Herrlichkeit und zur Anbetung des Herrn in Seiner vollkommenen Schönheit gerufen bist.

Es besteht darin, "Allahu Ekber"zu sagen, mit Herz

und Verstand oder doch in seiner Absicht die beiden Welten zu überschreiten, sich von den materiellen Bindungen freizumachen, zu einer Stufe ganzheitlicher Anbetung, oder doch zu einem Schatten oder Abbild der Ganzheit emporzusteigen und so gleichsam der Ehre Seiner Gegenwart teilhaftig zu werden. Und es ist ein überwältigendes Erlebnis, was jeder nach seiner Fähigkeit erfahren kann, wenn er Gott mit den Worten anspricht:

اِيَّاكَ نَعْبُدُ

{"Dich allein beten wir an!" (Sure 1, 5)}

Bei den Bewegungen während des Gebetes immer wieder "Allahu Ekber, Allahu Ekber"zu sagen, ist gewissermaßen ein Hinweis auf die Stufen, die man hinter sich lässt, auf den geistigen Fortschritt und darauf, dass man aus einem kleineren Bereich in einen allumfassenden Bereich hinüberschreitet und es ist eine Bezeichnung, in der Seine Größe in ihrer Vollkommenheit über all unser Begreifen hinaus zusammengefasst wird. Es ist gewissermaßen ein jedes "Allahu Ekber"ein Zeichen für die Stufen, die wir gleich einer Himmelfahrt hinter uns zurücklassen.

So bedeutet denn, einen Strahl dieser Wahrheit über das Gebet, dem Geist oder dem Sinne nach, in der Vorstellung oder im Traum auch nur schattenhaft zu erfahren, hohe Glückseligkeit. So ist es denn dieses Geheimnis, welches die Pilger während der Wallfahrt so oft "Allahu Ekber"ausrufen lässt. Denn die heilige Pilgerfahrt ist im Grunde genommen für jeden ein Dienst und seine Form der Anbetung auf einer alles umfassenden Stufe. Es ist, als ob ein Soldat an einem besonderen Tage, wie einem Festtag, genauso wie ein General mit dem ganzen Stab zum Fest des Königs geht und seine Huld empfängt. Genauso tritt auch der schlichteste Pilgersmann gleich einem Heiligen, der die letzte Stufe hinter sich gelassen hat, vor das Antlitz seines Herrn und Ihm unter

Seinem Titel "gewaltiger Herr aller Enden der Erde" gegenüber. Ihm wird die Ehre eines vollendeten Dienstes und einer allumfassenden Anbetung zuteil. Sicherlich wird das Feuer der Begeisterung darüber, dass sich ihm durch seine Wallfahrt die ganze Stufenleiter bis zum Throne der Herrschaft Gottes geöffnet hat, dass ihm die überwältigenden, alles umschließenden, göttlichen Horizonte gleichsam wie durch ein Fernglas erschaubar geworden sind, dass sich ihm in Herz und Sinn durch dieses Erkennungszeichen das Bewusstsein für den Umfang des Bereiches, in dem alles Gott dient und Ihn anbetet, allmählich erweitert, wird der heilige Schauer und die Ehrfurcht einflößende Majestät, die sich ihm vor den Stufen Seiner Größe und an den Horizonten Seiner Erscheinung enthüllt, mit dem Ausruf "Allahu Ekber! Allahu Ekber!"seinen befriedigenden Ausdruck finden und so wird der Pilger von dieser stufenweisen Enthüllung, die er innerlich bezeugt und erfahren hat, Kunde geben.

Dieser Sinn findet sich unterschiedlich abgestuft je nach Erhabenheit und Umfang zunächst bei der Pilgerfahrt, dann auf unterschiedlichen Stufen in den Festgebeten, in dem Gebet um den Regen, in den Gebeten zur Zeit einer Sonnen- und Mondfinsternis, und in den Gebeten, die man in der Gemeinschaft verrichtet. Aus diesem Geheimnis erhellt die Bedeutsamkeit der islamischen Erkennungszeichen, auch wenn sie als nur traditionell eingestuft werden.

سُبْحَانَ مَنْ جَعَلَ خَزَآئِنُهُ بَيْنَ الْكَافِ وَ النُّونِ ٭ فَسُبْحَانَ الَّذِى بِيَدِهِ مَلَكُوتُ كُلِّ شَيْءٍ وَاِلَيْهِ تُرْجَعُونَ ٭ سُبْحَانَكَ لاَ عِلْمَ لَنَآ اِلاَّ مَا عَلَّمْتَنَآ اِنَّكَ اَنْتَ الْعَلِيمُ الْحَكِيمُ ٭ رَبَّنَا لاَ تُؤَاخِذْنَآ اِنْ نَسِينَآ اَوْ اَخْطَاْنَا ٭ رَبَّنَا لاَ تُزِغْ قُلُوبَنَا بَعْدَ اِذْ هَدَيْتَنَا وَهَبْ لَنَا مِنْ لَدُنْكَ رَحْمَةً اِنَّكَ اَنْتَ الْوَهَّابُ

وَصَلِّ وَ سَلِّمْ عَلَى رَسُولِكَ اْلاَكْرَمِ مَظْهَرِ اِسْمِكَ اْلاَعْظَمِ وَ عَلَى اَلِهِ وَ اَصْحَابِهِ وَ اِخْوَانِهِ وَ اَتْبَاعِهِ آمِينَ يَا اَرْحَمَ الرَّاحِمِينَ

{"Preis dem, der zwischen Qaf und Nun Seine Schätze ausgebreitet hat." "Und Preis dem, in dessen Hand das Wesen aller Dinge ist! Und zu Ihm kehrt ihr zurück." (Sure 36, 83) "Gepriesen seist Du! Wir haben kein Wissen, außer dem, das Du uns gelehrt hast. Denn Du bist der Allwissende, der Allweise." (Sure 2, 32) "Unser Herr, ziehe uns nicht zur Rechenschaft wegen unserer Fehler und dem, was wir durch unsere Vergesslichkeit unterlassen haben." (Sure 2, 286) "Unser Herr, lass unsere Herzen nicht mehr irregehen, da Du uns geleitet hast, und gib uns Deine Barmherzigkeit! Fürwahr, Du bist der Geber." (Sure 3, 8) "Und Friede und Segen sei mit Deinem ehrwürdigen Botschafter, dem, der die Manifestationen Deiner gewaltigen Namen erfahren durfte, und mit seiner Familie und seinen Gefährten und (Glaubens)brüdern und seiner ganzen Gefolgschaft. Amin, Oh Du, der Barmherzigste aller Barmherzigen!"}

Ein kurzer Anhang

Der Allmächtige, der Allwissende, der Allweise, der Schöpfer, zeigt Seine Macht und Weisheit in der Regelmäßigkeit und Wohlgeordnetheit, welche in Seinen Gewohnheiten, den Naturgesetzen, Form angenommen hat, und äußert sich darin, dass in Seinen Werken niemals ein Zufall auftreten kann. Er zeigt auch in den Abweichungen von Seinen Gesetzen, in solchen wunderbaren Umgehungen Seiner Gewohnheiten, also der Naturgesetze, in den äußerlichen Veränderungen, in der Vielfalt der Gestaltung, im Wechsel der Gezeiten, von Aufgang und Untergang, von Aufstieg und Niedergang Seinen Willen, Seine Entscheidungsfreiheit, Seine Handlungsfreiheit, Seine Ermessensfreiheit, die an keine Bedingungen geknüpft ist. So zerreißt Er den Schleier des Gleichmaßes und verkündet, dass alles jederzeit, in allen Dingen und unter allen Umständen Seiner bedarf und Seiner Herrschaft unterworfen ist, um so aus der Gottvergessenheit wachzurütteln und die Blicke der Menschen und Dschinnen von den Ursachen weg auf Gott, den

Verursacher aller Ursachen, hinzulenken. Die Erklärung des Qur'an fußt auf dieser Grundlage.

Zum Beispiel:

In den meisten Gegenden bringt ein Teil der Obstbäume in dem einen Jahr Früchte hervor, das heißt, sie werden aus der Schatzkammer der Barmherzigkeit in die Hände der Bäume gegeben, sie uns zu geben. Im anderen Jahr bringt uns der selbe Baum keine Früchte, obwohl alle äußeren Ursachen die gleichen sind.

Ein weiteres Beispiel:

Im Gegensatz zu anderen wichtigen Ereignissen ist das Kommen des Regens so unbestimmt, dass man es zu den fünf unberechenbaren Dingen zählt. Denn in unserem Dasein stehen das Leben und seine Fülle an oberster Stelle. Was aber den Regen betrifft, so wird er sicherlich, weil er die Quelle des Lebens und dessen reinste Fülle ist, als Wasser des Lebens und Strom der Fülle nicht unter das Gesetz des Gleichmaßes eingeordnet werden, welches zu Gottvergessenheit führen und zu einem Vorhang werden könnte, vielmehr wird der Herr aller Gnaden, der Lebensspender, der Herr der Herrlichkeit ihn nach der Fülle Seines Erbarmens unmittelbar und unverborgen in Seiner Hand halten, damit die Pforten für Bitt- und Dankgebet alle Zeit geöffnet bleiben mögen.

Ein weiteres Beispiel:

Die Ausformung einer bestimmten Gestalt und die Versorgung mit allem Notwendigen, wie sie auf unerwartete Weise gleich einem unverdienten Gnadengeschenk geschieht, zeigen ganz besonders schön die Entscheidungs- und Handlungsfreiheit des Herrn. Vergleiche damit auch noch andere Taten Gottes, ähnlich denen, wie Er sich die Lüfte dienstbar macht und über die Wolken verfügt.

Siebzehntes Wort

بِسْمِ اللَّهِ الرَّحْمَنِ الرَّحِيمِ ٭ اِنَّا جَعَلْنَا مَا عَلَى اْلاَرْضِ زِينَةً لَهَا ِلنَبْلُوَهُمْ اَيُّهُمْ اَحْسَنُ عَمَلاً ٭ وَاِنَّاَ لَجَاعِلُونَ مَا عَلَيْهَا صَعِيدًا جُرُزًا ٭ وَمَا اْلحَيَاةُ الدُّنْيَآ اِلاَّ لَعِبٌ وَلَهْوٌ

{"Im Namen Allahs, des Erbarmers, des Barmherzigen. Fürwahr, Wir haben, was auf Erden ist, ihr zum Schmuck gemacht, um die Menschen zu prüfen, welche von ihnen am besten sind in ihren Handlungen. Führwahr, Wir werden, was auf Erden ist, wieder zu Staub werden lassen." (Sure 18, 7-8) "Doch was ist das Leben in dieser Welt anderes als Spiel und Zeitvertreib?" (Sure 6, 32)}

Dieses Wort besteht aus zwei erhabenen Kapiteln und einem glänzenden Anhang.

Erstes Kapitel

Der barmherzige Schöpfer, freigiebige Versorger und weise Baumeister hat diese Welt als ein Fest für die Welt der Seelen, Geister und Engel eingerichtet und sie mit dem einzigartigen Schmuck all Seiner Namen verziert. Er hat alles, was da lebt, sei es groß oder klein, hoch oder niedrig, mit einem für ihn geeigneten, mit Sinnesorganen ausgestatteten Körper bekleidet, der es ihm ermöglicht, auf diesem Festplatz alle die ungezählten verschiedenen Schönheiten und Gnadengaben zu genießen, ihm so ein körperhaftes Dasein gegeben, mit dem Er ihn einmalig auf diese Bühne sendet. Zudem hat Er dieses Fest, das hinsichtlich Zeit und Raum sehr weit ausgedehnt ist, in Epochen, Jahre und Jahreszeiten, ja sogar Tage und Tageszeiten eingeteilt und jede Epoche, jedes Jahr und seine Zeiten, ja sogar in gewisser Hinsicht jeden Tag und seine Zeiten, für alle mit Geist begabten und beseelten Geschöpfe und Seine Pflanzenkunstwerke nach Art eines Festumzuges zu einer hohen Messe gestaltet und besonders im Frühling und im Sommer ist das Antlitz der Erde für alle Arten Seiner kleinen Kunstwerke eine solche Reihe prächtiger Festveranstaltungen, dass die Engel und die Geister in den hohen Welten und die Bewohner

der Himmel davon angezogen werden, um diese Schaustücke zu betrachten. Für Leute, die nachdenken, aber ist sie ein so schöner Studiersaal, wie er sich kaum beschreiben lässt.

Aber bei diesem Gastmahl Gottes, an diesem Festtag des Herrn, tritt der Erscheinung des Namens "Erbarmer" und "Lebensspender" auch der Name "der Vernichter" und "der Todbringende" mit Trennung und Tod entgegen. In Anbetracht dessen scheint der Satz وَرَحْمَتِى وَسِعَتْ كُلَّ شَىْءٍ {"Die Weite Meines Erbarmens umfasst alle Dinge."} von der alles umfassenden Weite Seines Erbarmens äußerlich nicht zutreffend zu sein. In Wahrheit jedoch gibt es da einige übereinstimmende Gesichtspunkte. Einer dieser Gesichtspunkte ist folgender:

Der freigiebige Baumeister, der barmherzige Schöpfer erweckt in Seiner Barmherzigkeit bei den meisten einen Widerwillen gegen die Welt, sobald alle die Gruppen von Festzugsteilnehmern vorübergezogen sind und diese Teilnehmer am Festzug ihr vorgegebenes Ziel erreicht haben. Er vermacht ihnen den Wunsch nach Ruhe und die Sehnsucht in eine andere Welt umzuziehen als Geschenk und zu der Zeit, da sie von ihrer Lebensaufgabe entbunden werden, ruft Er in ihren Seelen ein Gefühl der Sehnsucht nach ihrer ursprünglichen Heimat wach. Zudem ist es nicht mehr weit weg von der grenzenlosen Barmherzigkeit des Allerbarmers, wenn dieser einem Soldaten, der sein Leben in Erfüllung seiner Pflicht während einer Kampfhandlung verloren hat, den Rang eines Märtyrers verleiht, oder wenn er einem Schaf, das zum Opfer geschlachtet wurde, im Jenseits für ewig leibliche Existenz schenkt und es damit belohnt, dass Er es für seinen Besitzer, dem Buraq gleich, auf die Stufe eines Reittiers über den Sirat erhebt. Desgleichen dürfte es nicht weit von der unerschöpflichen Schatzkammer der Barmherzigkeit zu finden sein, wenn auch die übrigen

Seelen und besonders die Tiere, die den ihnen entsprechenden natürlichen Dienst gegenüber ihrem Herrn verrichten und den Befehlen des Hochgelobten gegenüber Gehorsam leisten und die beseelten Wesen, die sich ganz besonders angestrengt haben, verschiedene für sie passende geistige Belohnungen erhalten und eine Art inneren Verdienst entsprechend ihren Anlagen. Sie sollten sich nicht so sehr gekränkt fühlen, wenn sie aus dieser Welt gehen müssen, sich vielmehr darüber freuen.

لاَ يَعْلَمُ الْغَيْبَ اِلاَّ اللَّهُ

{"Niemand kennt das Verborgene außer Gott!"}

Der Mensch jedoch, der unter allen beseelten Wesen der würdigste ist und aus diesen Veranstaltungen in qualitativer wie quantitativer Hinsicht den meisten Nutzen zu ziehen vermag, der in diese Welt so sehr vernarrt und in sie verliebt ist, wird als eine Gabe der Barmherzigkeit um eines Abscheues vor dieser Welt willen und um in die ewige Welt hinüber zu gehen, in einen Zustand der Sehnsucht versetzt. Wer nicht in einem menschlich nur allzu menschlichen Sumpf des Irrtums festsitzt, wird aus diesem Zustand sein Gutes gewinnen. Er wird in der Ruhe des Herzens hinübergehen. Wir wollen hier nun für Betrachtungsweisen, die diesen Zustand hervorrufen, fünf Beispiele anführen.

Erstens:

Im Herbst des Lebens zeigt Er auf allen schönen und anziehenden Dingen den Stempel der Vergänglichkeit und des Zerfalls und alle Bitterkeit des Lebens, lässt den Menschen vor dieser Welt zurückschrecken und bewegt ihn zur Suche nach den bleibenden Werten.

Zweitens:

In Anbetracht dessen, dass neunundneunzig von hundert Freunden, mit denen man sich verbunden fühlte, aus dieser Welt geschieden und in ein anderes Leben hinübergegangen sind, schenkt Er ihm dank seiner aufrichtigen Liebe eine Sehnsucht nach dem Ort, zu dem seine Freunde gegangen sind, seiner Todesstunde freudig entgegenzusehen.

Drittens:

Er lässt den Menschen durch manche Dinge seine unendliche Schwäche und Armut verspüren, gibt ihm zu verstehen, wie schwer die Bürde des Lebens und die Last des Daseins ist, flößt ihm den tiefen Wunsch nach Ruhe ein und schenkt ihm eine wahre Begeisterung, nach einem anderen Land zu gehen.

Viertens:

Einem gläubigen Menschen zeigt Er im Lichte des Glaubens, dass der Tod keine Hinrichtung sondern ein Ortswechsel ist. Was aber das Grab betrifft, so ist es nicht die Öffnung zu einer finsteren Grube, sondern das Tor zu lichtvollen Welten. Was aber diese Welt betrifft, so ist sie bei all ihrer Pracht verglichen mit dem Jenseits einem Kerker gleich. Das bedeutet mit Sicherheit, aus dem Kerker dieser Welt heraus in die Gärten des Paradieses zu gehen, heraus aus dem lärmenden Treiben des körperlichen Lebens in eine Welt der Ruhe, zu einem Platz für einen Seelenflug, sich aus dem betäubenden Getöse der Welt davon zu schleichen, um in die Gegenwart des Allbarmherzigen einzutreten; es ist eine Reise, wie man sie mit tausend Sinnen ersehnt; ja, es ist die Glückseligkeit.

Fünftens:

Einem Menschen, der auf den Qur'an hört, macht Er durch das Wissen um die qur'anische Wahrheit und durch das Licht der Wahrheit klar, dass es für den, der das Wesen dieser Welt kennt, ganz und gar sinnlos ist, die Welt zu lieben und ihr verfallen zu sein. Das heißt, er sagt dem Menschen und beweist ihm:

"Die Welt ist ein Buch des Einzigartigen. Seine Buchstaben und Worte sind nicht Beweis für sich selbst, sondern für die Person, die Merkmale und Attribute eines Anderen. Da dies aber nun einmal so ist, lerne ihre Bedeutung kennen und nimm sie an!... lass Ausschmückung und Gestaltung, dann geh!...

Zudem ist sie ein Acker!... säe, ernte, schütze!... wirf die Spreu fort!... nimm sie nicht wichtig!

Zudem ist sie wie ein Bildschirm, auf dem ständig Bilder einander ablösend erscheinen und wieder verschwinden. Weil dies aber so ist, so wisse, was sich auf ihm zeigt, betrachte die Lichter, verstehe die Erscheinung der

Namen, die auf ihm sichtbar werden, liebe Ihn, den sie nennen, und gib deine Bindung an die Glasstückchen auf, die zerbrechen werden und für den Kehricht bestimmt sind.

Zudem ist sie ein Marktflecken. Weil dies aber so ist, erledige deine Besorgungen!... komm und laufe nicht hinter den Karawanen her, die sich von dir entfernen und dir keine Beachtung schenken, müde und umsonst, bemühe dich nicht!

Zudem ist sie ein zeitweiliger Ausflugsort. Weil dies aber so ist, betrachte sie als ein warnendes Beispiel!... schenke deine Aufmerksamkeit nicht ihrem äußerlich hässlichen Gesicht, sondern wende sie ihrem verborgenen, schönen, auf die Ewige Schönheit gerichteten Antlitz zu!... mache einen angenehmen und zufriedenstellenden Ausflug, dann kehre um!... weine nicht wie ein unverständiges Kind, wenn auf der Bühne des Lebens nach all dem Schönen und Guten, das du gesehen hast, der Vorhang fällt!... beachte es nicht!

Zudem ist sie ein Gasthaus. Weil dies aber so ist, iss und trink mit der Erlaubnis des freigiebigen Gastherrn, der sie geschaffen hat, und danke Ihm!... handle und bewege dich im Rahmen der Gebote!... dann schaue nicht zurück!... brich auf und geh!... verliere dich nicht in ihr in unziemlicher und aufdringlicher Weise!... strebe nicht unvernünftig nach Dingen, die von dir fortstreben und dir nicht gehören!... ersticke nicht in vergänglichen Geschäften, gebunden an sie!"

Mit diesen und anderen ähnlichen Gegebenheiten zeigt er den Menschen die Geheimnisse hinter dem Gesicht dieser Welt, erleichtert ihnen so die Trennung von ihr, ja bewirkt, dass sie den Erwachten sogar erwünscht wird, und lässt sie so in allem, was da ist und geschieht, die Spuren Seiner Barmherzigkeit schauen. Wie also der Qur'an es durch diese fünf Aspekte gezeigt hat, weist er auch noch mit anderen qur'anischen Ayat auf dergleichen Aspekte hin.

Wehe denen, welche aus diesen fünf Aspekten nicht ihre Lehre ziehen!...

Zweites Kapitel

{(*): Die Sätze in diesem zweiten Kapitel sehen wie die Teile eines Gedichtes aus, aber sie sind kein Gedicht. Sie sind nicht absichtlich in gereimter Form geschrieben. Vielmehr nahmen sie wegen der vollkommenen Ordnung der Wahrheiten diese gereimte Gestalt an.}

Lass du Ärmster deine Klagen! Vertraue auf Gott vor dem Unglück!

Klage ist eine Plage, verstärkt noch die Plage, schließt einen Irrtum mit ein.

Wenn du Ihn findest, der die Plage gab, wisse: Die Plage ist Glück und Geschenk in der Plage.

Lass die Klagen, werde dankbar, siehe, wie sich alle Arten Rosen den Nachtigallen gleich aus ihrer guten Stimmung ständig freuen.

Wenn du Ihn nicht findest, wisse: Die ganze Welt ist eine Qual, ist Vernichtung in der Plage.

Warum klagst du über eine kleine Plage, wo doch der ganzen Hölle Qual dich bedroht!? Komm, vertraue auf Allah!

Im Vertrauen auf Gott lache der Plage ins Gesicht, sodass sie dich auch anlacht!

Je mehr die Plage dich anlacht, desto kleiner wird sie und dann wandelt sie sich um.

Oh du Ichbezogener, wisse: Das Glück in diesem Leben liegt in dem Verzicht auf diese Welt.

Wenn du mit Gott verbunden lebst, so genügt es dir. Auch wenn du auf sie verzichtest, stehen alle Dinge auf deiner Seite.

Wenn du dich nur selber siehst, ist das ein Untergang. Was du auch machst, alle Dinge stehen gegen dich.

In beiden Fällen ist also doch der Verzicht auf sie in diesem Leben notwendig.

Verzicht heißt, alles als Eigentum Gottes zu betrachten, mit Seiner Erlaubnis und in Seinem Namen.

Wünschst du dir einen Handel, liegt er in dem Tausch dieses vergänglichen Lebens mit dem beständigen.

Kümmerst du dich nur um deine Wünsche, so sind sie hohl und grundlos.

Wünschst du, was jenseits des Horizonts, so liegt das Siegel der Vergänglichkeit darauf.

Also lohnt es sich nicht, zu kaufen; es sind nur faule Dinge auf diesem Markt.

Also geh vorbei, die guten Dinge liegen dahinter!

Eine Frucht vom Maulbeerbaum.

In der Krone jenes segensreichen Maulbeerbaumes sprach der frühere Said nach Art des neuen Saids.

Der, den ich anspreche ist nicht Ziya Pascha; es sind die Verehrer Europas.

Der Sprechende bin nicht ich selbst; es ist mein Herz im Namen der Schüler des Qur'an.

Die sich anschließenden Worte sind wahre Erkenntnisse; hüte dich vor Verwirrung! Nimm dich in Acht, deine Grenzen nicht zu überschreiten!

Wende dich nicht fremdartigen Ansichten zu; es sind Irrtümer; leihe ihnen nicht dein Ohr; sie führen dich nur in die Reue.

Siehe, dass der Aufgeklärteste und Bannerträger der Gescheiten in seiner Verwirrung ständig sagt: "Oh weh! Über wen soll ich bei wem mich beklagen, denn auch ich bin verwirrt."

Der Qur'an heißt mich reden und ich rede, zögere auf keinen Fall.

Über das, was von Ihm (dem Schöpfer) kommt, beklage ich mich nur bei Ihm; dabei bin ich nicht verwirrt so wie du. Um mein Recht klage ich laut zu dem Gerechten; doch überschreite ich es nicht so wie du.

Von der Erde aus verfechte ich meinen Anspruch bis an die Himmel; ich fliehe nicht so wie du.

Denn im Qur'an reicht der Anspruch immer vom Licht zum Licht, darauf verzichte ich nicht so wie du.

Im Qur'an liegt die wahre Weisheit. Ich beweise es. Eine Philosophie, die ihr entgegengesetzt ist, schätze ich auch nicht für fünf Pfennige.

Im Qur'an, der das Wahre vom Falschen unterscheidet, liegt die diamantene Weisheit. Ich nehme sie in mein Herz und verkaufe sie nicht so wie du.

Von dem Geschaffenen her geht meine Fahrt zu dem Gerechten, segele ich nicht in die Irre so wie du.

Über dornigem Weg fliege ich dahin, trete nicht auf ihn so wie du.

Von der Erde her vor dem Throne Gottes erweise ich meinen Dank, versäume ihn nicht so wie du.

Den Tod und die Todesstunde betrachte ich als Freund. Ich fürchte ihn nicht so wie du.

In das Grab steige ich lächelnd hinab, schrecke nicht vor ihm zurück so wie du.

Als einen Drachenrachen oder ein Bett in der Einöde oder als einen Schlund der Nichtigkeit sehe ich es nicht so wie du.

Es führt mich zu meinen Freunden; nicht bin ich verärgert über das Grab. Ich bin nicht wütend deswegen so wie du.

Es ist das Tor der Barmherzigkeit, das Tor zum Licht, das Tor zur Wahrheit. Nicht fühle ich mich bedrängt dadurch, weiche nicht zurück davor.

Ich klopfe an, sage: "Bismillah" (im Namen Gottes), blicke nicht zurück und erschrecke nicht.

{(*): Ich laufe nicht vor ihm davon; sage nicht "Oh Weh" vor ihm.}

"Elhamdulillah" (Dank sei Gott) sage ich, werde mich niederlegen und Ruhe finden. Nicht mühe ich mich ab; nicht bleibe ich in der Einöde.

"Allahu Ekber" (Gott ist groß) sage ich und werde wieder auferstehen, wenn ich den Ruf zur Wiederversammlung höre.

{(*): Ich werde den Aufruf des Erzengels Israfil hören, wenn der Jüngste Tag herauf dämmert, "Allahu Ekber" (Gott ist groß) sagen und auferstehen. Ich halte mich dem großen Gebet nicht fern und scheue nicht vor der Großen Versammlung.}

Ich scheue mich nicht vor der Großen Versammlung und halte mich nicht fern der Gewaltigen Moschee.

Durch die Gnade Gottes, durch das Licht des Qur'an und durch den Segen des Glaubens werde ich niemals traurig sein.

Ich werde laufen, ohne anzuhalten. Bis zum Schatten des Thrones des Erbarmers werde ich mich emporschwingen. Inshaallah (So Gott will) werde ich nicht verwirrt sein so wie du.

Ein Bittgebet, welches in meinem Herzen aufgestiegen ist, in Persisch

هٰذِهِ اْلمُنَاجَاةُ تَخَطَّرَتْ فِى الْقَلْبِ هٰكَذَا بِالْبَيَانِ الْفَارِسِى

D.h.: Dieses Bittgebet, wie es in meinem Herz aufgestiegen ist, ist Persisch. Es war schon in die arabische Abhandlung "Hubab"(Körner) eingereiht.

يَا رَبْ بَه شَشْ جِهَتْ نَظَرْ مِى كَرْدَمْ دَرْدِ خُودْرَا دَرْمَانْ نَمِى دِيدَمْ

Oh Herr! Ohne Gottvertrauen, Gottvergessen, mich auf meine eigenen Fähigkeiten und auf meinen freien Willen stützend, ließ ich meinen Blick in alle sechs Richtungen schweifen, um für meinen inneren Schmerz ein Heilmittel zu finden. Bedauerlicherweise konnte ich kein Heilmittel für meinen inneren Schmerz finden. In meinem Inneren wurde zu mir gesagt: "Genügt dir der Schmerz als Heilmittel nicht?"

دَرْ رَاسْتْ مِى دِيدَمْ كِه دِى رُوزْ مَزَارِ پَدَرِ مَنْسْتْ

In der Tat blickte ich Gottvergessen in die vergangene Zeit, die zu meiner rechten Seite lag, um eine Tröstung zu finden. Aber ich sah: Der Tag von gestern erschien mir als das Grab meines Vaters und die vergangene Zeit als ein großes Grabmal meiner Ahnen. Anstelle des Trostes empfand ich nur Einsamkeit.

{(*): Der Glaube zeigt jenes große Grabmal in Einsamkeit als eine lichtvolle Versammlung in Freundschaft und ein Treffen der Freunde.}

وَدَرْ چَپْ دِيدَمْ كِه: فَرْدَا قَبْرِ مَنْسْتْ

Dann betrachtete ich die Zukunft, die zu meiner linken Seite lag. Ich fand kein Heilmittel. Vielmehr erschien mir

der Tag von morgen als mein Grab und die Zukunft als ein großes Grabmal meiner Altersgenossen und der Nachkommenschaft. Ich fand nirgendwo Vertrauen, nur Furcht in der Einsamkeit.

{(*): Der Glaube und die Geborgenheit im Glauben zeigen dieses fürchterlich große Grabmal als eine Einladung des Erbarmers zu den lieblichen Schlössern der Glückseligkeit.}

وَإ يمْرُوزْ تَابُوتِ جِسْمِ پُرْ اِضْطِرَابِ مَنْسْتْ

Da ich auf der linken Seite nichts Gutes sah, betrachtete ich den gegenwärtigen Tag. Es erschien mir, als wäre dieser Tag ein Sarg. Er trägt den Leichnam meines Körpers, der sich in einem fahrenden Schlachthaus befindet.

{(*): Der Glaube zeigt diesen Sarg als einen Ort für Handel und als ein prachtvolles Gästehaus.}

بَرْ سَرِ عُمُرْ جَنَازَءِ مَنْ اِيسْتَادَه اَسْتْ

Von dieser Seite fand ich auch kein Heilmittel. Dann hob ich meinen Kopf und betrachtete die Krone meines Lebensbaumes. Ich sah, dass die einzige Frucht dieses Baumes mein Leichnam war. Er hing dort und betrachtete mich.

{(*): Der Glaube zeigt, dass die Frucht jenes Baumes nicht mein Leichnam ist, sondern dass meine Seele, die für das ewige Leben bestimmt und ein Kandidat für die ewige Glückseligkeit ist, aus ihrem nun alt gewordenen Nest auszieht, um auf den Sternen zu wandeln.}

دَرْ قَدَمْ آبِ خَاكِ خِلْقَتِ مَنْ وَخَاكِسْتَرِ عِظَامِ مَنْ اَسْتْ

Ich war auch über diesen Anblick verzweifelt und beugte mein Kopf nach unten. Da sah ich, dass da unten unter meinen Füßen die Erde, zu der meine Knochen geworden waren, sich mit der Erde, aus der ich erschaffen worden war, vermischt hatte. Nicht ein Heilmittel bekam ich, sondern meinem Schmerz wurde noch ein Schmerz

hinzugefügt.

{(*): Der Glaube zeigt, dass diese Erde das Tor der Barmherzigkeit und der Vorhang zum Saal des Paradieses ist.}

چُونْ دَرْ پَسْ مِينِكَرَمْ بِينَمْ اِيْن دُنْيَاءِ بِى بُنْيَادْ هِيچْ دَرْ هِيچَسْتْ

Von dort wendete ich meinen Blick und schaute hinter mich. Ich sah eine bodenlose, vergängliche Welt, die in den Bächen des Nichts und in den Finsternissen der Abwesenheit herunter rollt. Das war für meinen Schmerz keine Salbe, sondern fügte mir die Bitternis der Einsamkeit und der Furcht hinzu.

{(*): Der Glaube zeigt diese Welt, die in Finsternis herunter rollt, als Briefe des Einzigartigen (Mektubat-i Samedaniye) und als Seiten, auf der die Ornamente des Hochgelobten dargestellt sind, welche ihre Bedeutung zum Ausdruck bringen und ihre Ergebnisse an deren Stelle hinterlassen.}

وَدَرْ پِيشْ اَنْدَازَءِ نَظَرْ مِيكُنَمْ دَرِ قَبِرْ كُشَادَه اَسْتْ ٭ وَرَاهِ اَبَدْ بَدُورِدِرَازْ بَدِيدَارسْتْ

Da ich aber auch von ihr nichts Gutes erfuhr, schickte ich meinen Blick nach der Seite, die vor mir lag, also nach vorne. Ich sah: Das Tor des Grabes zeigte sich auf meinem Weg und war offen. Die Straße, die durch das Tor in die Ewigkeit weiterging, fiel mir von weitem her in die Augen.

{(*): Der Glaube, da er dieses Tor des Grabes als die Pforte in die Welt des Lichtes und diesen Weg als den Weg in die Ewige Glückseligkeit zeigt, wird sowohl zu einem Heilmittel als auch zu einer Heilsalbe für meine Schmerzen.}

مَرَا جُزْ جُزْءِ اِخْتِيَارِى چِيزِى نِيسْتْ دَرْ دَسْتْ

Also empfing ich aus diesen sechs Richtungen keine Geborgenheit und keine Tröstung, sondern nur Entsetzen und Einsamkeit. Gegen sie hatte ich nichts in der

Hand, außer einem kleinen Stückchen Entscheidungsfreiheit, worauf ich mich stützte und mit der ich ihr entgegnen konnte.

{(*): Statt mich auf dieses kleine Stückchen Entscheidungsfreiheit, klein wie ein Stäubchen, zu stützen, gibt mir der Glaube einen Berechtigungsschein, um mich auf eine unendliche Macht zu stützen, ja vielmehr ist dieser Glaube selbst ein solcher Berechtigungsschein.}

كِه اوُجُزْءْ هَمْ عَاجِزْ هَمْ كُوتَاهُ وَهَمْ كَمْ عَيَارَاسْتْ

In Wirklichkeit ist jene menschliche Waffe, als die man dieses kleine Stückchen Entscheidungsfreiheit bezeichnet, sowohl schwach als auch kurz. Außerdem ist ihre Wirkung nur fehlerhaft. Sie vermag nichts zu bewirken. (Was schon zuvor erschaffen wurde,) kann sie nur noch entgegennehmen.

{(*): Der Glaube lässt uns dieses kleine Stückchen Entscheidungsfreiheit im Namen Allahs gebrauchen, was dann aber für alles Weitere ausreicht, gleich einem Soldaten, der tausend Mal mehr Aufgaben verrichten kann, wenn er sein kleines Stückchen Entscheidungsfreiheit im Namen seiner Regierung einsetzt.}

نَه دَرْ مَاضِى مَجَالِ حُلُولْ نَه دَرْ مُسْتَقْبَلْ مَدَارِ نُفُوذَاسْتْ

Weder die Vergangenheit kann diese Entscheidungsfreiheit betreten, noch vermag sie in die Zukunft vorzudringen. Sie hat keinen Nutzen für meine Hoffnungen und Ängste, die in die Vergangenheit und der Zukunft gehören.

{(*): Da der Glaube die Zügel der Entscheidungsfreiheit aus der Hand des animalischen Körpers wegnimmt und dem Herzen und dem Geist übergibt, kann sie in die vergangene und in die zukünftige Zeit eintreten. Denn der Lebensbereich des Herzens und des Geistes ist groß und weit.}

مَيْدَانِ أُو إِينْ زَمَانِ حَالْ وَيَكْ آنِ سَيَّالَسْتْ

Der Bereich, in dem sich dieses kleine Stückchen Entscheidungsfreiheit bewegt, ist nur diese so kurze Gegenwart und ein fliehender Augenblick.

بَا إِينَ هَمَه فَقْرَهَا وَضَعْفَهَا قَلَمِ قُدْرَتِ تُو آشِكَارَه ٭ نُوِشْتَه اَسْتْ دَرْ فِطْرَتِ مَا مَيْلِ اَبَدْ وَاَمَلِ سَرْمَدْ

Als ich so neben all meinen Bedürfnissen, meiner ganzen Schwäche, Armseligkeit und Ohnmacht auch noch durch das Entsetzen und die Einsamkeit in sechsfacher Hinsicht völlig verwirrt war, da waren schon meine Wünsche, die sich nach der Ewigkeit hin erstrecken, und die Hoffnungen, die sich bis in die Unsterblichkeit hin ausdehnen, mit dem Stift der Macht im Buche meiner Erschaffung (fitrat)eindeutig eingetragen und meinem Wesen eingegeben.

بَلْكِه هَرْچِه هَسْتْ هَسْتْ

Überdies liegen Musterbeispiele von allem, was es in der Welt gibt, in meiner Beschaffenheit (fitrat).Mit ihnen allen stehe ich in Verbindung. Um ihretwillen stehe ich in meinem Dienst und versehe ich meinen Dienst.

دَآئِرَءِ اِحْتِيَاجْ مَانَنْدِ دَآئِرَءِ مَدِّ نَظَرْ بُزُرْكِى دَارَسْتْ

Der Umfang meiner Bedürfnisse ist so groß und weit, wie das Auge reicht.

خَيَالْ كُدَامْ رَسَدْ اِحْتِيَاجْ نِيزْرَسَدْ ٭ دَرْ دَسْتْ هَرْچِه نِيسْتْ دَرْ اِحْتِيَاجْ هَسْتْ

Wohin auch immer meine Phantasie schweift, bis dahin wächst auch der Umfang meiner Bedürfnisse. Und auch

dort tauchen die Bedürfnisse wieder auf. Auch das, was man nicht in der Hand hat, liegt noch im Bereich der Bedürfnisse. Das aber, was man nicht in der Hand ist, ist ohne Ende.

دَآئِرَءِ اِقْتِدَارِ هَمْچُو دَآئِرَءِ دَسْتِ كُوتَاهِ كُوتَاهَسْتْ

In Wirklichkeit ist der Umfang meines Vermögens so klein und begrenzt wie die Reichweite meiner viel zu kurzen Hände.

پَسْ فَقْرُو حَاجَاتِ مَا بَقَدَرِ جِهَانَسْتْ

Das also heißt: meine Armseligkeit und meine Bedürfnisse sind so groß wie die Welt.

وَ سَرْمَايَهءِ مَا هَمْچُو جُزْءِ لاَ يَتَجَزّٰا اَسْتْ

Was aber mein Grundkapital betrifft, so ist es ein so winzig kleines Ding wie ein Atom.

اِينْ جُزْءِ كُدَامْ وَاِينْ كَآئِنَاتِ حَاجَاتِ كُدَامَسْتْ

Wo also bleibt diese Welt voller Bedürfnisse, die nur mit Milliarden gedeckt werden können? Und wo bleibt dieses fünf Pfennig kleine Stückchen Entscheidungsfreiheit? Damit kann man sie nicht decken. Und weil dies so ist, muss man nach einem anderen Ausweg suchen.

پَسْ دَرْرَاهِ تُو أَزْاِينْ جُزْءْ نِيزْ بَازْمِى كُذَشْتَنْ چَارَءِ مَنْ اَسْتْ

Was diesen Ausweg betrifft, so ist er folgendermaßen: Man soll ja auf diesen Bruchteil Entscheidungsfreiheit verzichten und seine Angelegenheiten dem Willen Gottes überlassen und zurückhaltend gegenüber der eigenen Macht und Kraft bei der Macht und Kraft Gottes des Gerechten Zuflucht suchen, wobei man in Wahrhaftigkeit an seinem Gottvertrauen festhält. Oh Herr! Da der Ausweg

meiner Rettung nun einmal so ist, verzichte ich um Deinetwillen auf diese meine persönliche Entscheidungsfreiheit und entsage meinem Egoismus,

تَا عِنَايَتِ تُو دَسْتَكِيرِ مَنْ شَوَدْ رَحْمَتِ بِى نِهَايَتِ تُوپَنَاهِ مَنْ اَسْتْ

damit in meiner Schwäche und Ohnmacht Deine Gnade meine Hände in ihrer Barmherzigkeit ergreife und sich zudem das Tor Deiner Barmherzigkeit meiner Armseligkeit und Bedürftigkeit voll Mitleid öffne und mir Halt werde.

آنْ كَسْ كِه بَحْرِ بِى نِهَايَتِ رَحْمَتْ يَافْتَ اسْتْ تَكْيَه ٭ نَه كُنَدْ بَرْاِينْ جُزْءِ اِخْتِيَارِى كِه يَكْ قَطْرَه سَرَابَسْتْ

Wer immer aber das unendliche Meer der Barmherzigkeit findet, vertraut mit Sicherheit nicht auf sein kleines Stückchen persönliche Entscheidungsfreiheit, die doch nur dem Hauch einer Fata Morgana gleicht. Er lässt die (Hand der göttlichen) Barmherzigkeit nicht los, um sich (seiner eigenen Entscheidungsfreiheit) zuzuwenden.

أَيْوَاهْ اِينْ زَنْدِكَانِى هَمْ چُو خَابَسْتْ ٭ وِينْ عُمْرِ بِى بُنْيَادْ هَمْ چوُ بَادَسْتْ

Oh weh! Wir haben uns getäuscht. Wir haben dieses Leben auf der Erde für beständig angesehen. In dieser Vorstellung haben wir es so voll und ganz sinnlos verloren. Der Ablauf unseres Lebens gleicht in der Tat dem Schlaf. Wie ein Traum ist es vorübergegangen. Die kurze Spanne unseres Lebens fliegt ohne Wurzeln gleich dem Winde dahin und vergeht.

اِنْسَانْ بَزَوَالْ دُنْيَا بَفَنَا اَسْتْ آمَالْ بِى بَقَا آلاَمْ بَبَقَااَسْتْ

Ein stolzer Mensch, der allein auf sich selbst vertraut und sich für ewig (und unsterblich) hält, ist zu seinem Verderben verurteilt.

Rasch eilt er ihm entgegen. Was die Welt betrifft, die das Haus des Menschen ist, so stürzt sie hinunter in die Finsternis des Nichtseins. Die Hoffnungen sind nicht immerwährend, die Leiden im Geist aber bleiben ewig.

بِيَا اَىْ نَفْسِ نَا فَرْجَامْ وُجُودِ فَانِى خُودْرَا فَدَا كُنْ ٭ خَالِقِ خُودْرَا كِه اِينْ هَسْتِى وَدِيعَه هَسْتْ

Da dies nun einmal tatsächlich so ist, komm also nun, oh du meine unglückselige Seele, die du so nach dem Leben begehrst, nach einem langen Leben verlangst, so sehr in diese Welt verliebt, von grenzenlosen Hoffnungen erfüllt und doch von so zahllosen Leiden betroffen bist! Wach auf und such deinen Verstand zusammen! Ein Leuchtkäfer vertraut auf seine eigene Leuchtkraft und bleibt in der grenzenlosen Finsternis der Nacht. Die Honigbiene, weil sie nicht allein auf sich selbst vertraut, findet den Tag und das Sonnenlicht. Sie bezeugt, wie alle Blumen, ihre Freundinnen, vom Lichte der Sonne vergoldet werden. Genauso wirst auch du, wenn du dich auf dich selbst, dein eigenes Dasein und dein Ego stützt, dem Leuchtkäfer gleich. Wenn du aber dein vergängliches Dasein dahin gibst, um des Schöpfers Willen, der dir dieses Dasein geliehen hat, gleichst du der Honigbiene. Du findest das grenzenlose Licht des Seins. Gib es dahin und opfere es auf! Denn dein Dasein ist ein Pfand, das dir anvertraut ist.

وَمُلْكِ اُو وَاُودَادَه فَنَا كُنْ تَا بَقَا يَابَدْ ٭ اَزْاَنْ سِرِّى كِه نَفْىِ النَفْى اِثْبَاتَ سْتْ

Es ist ja sowieso Sein Eigentum. Er hat es ja dir gegeben. Darum verzichte darauf und opfere es, ohne einen Anspruch darauf zu erheben und ohne zu zögern, damit es dir erhalten bleibe. Denn: Eine Verneinung zu verneinen gilt als Beweis. Das heißt: Wenn das, was es nicht

gibt, zunichte wird, dann gibt es das. Nachdem das, was es nicht gibt, zunichte geworden ist, gibt es dies.

خُدَاىِ پُرْ كَرَمْ خُودْ مُلْكِ خُودْرَا مِى خَرَدْ اَزْتُو ٭ بَهَاىِ بِى گِرَانْ دَادَه بَرَاىِ تُو نِگَاهْ دَارَاسْتْ

Der gastfreundliche Schöpfer kauft von dir Sein eigenes Gut. Er gibt dafür das Paradies als einen hohen Preis. Zudem bewahrt Er dieses Gut bestens für dich auf. Er lässt dessen Wert noch steigen. Und Er wird es dir (in einer neuen) Form wieder zurückgeben, die sowohl beständig als auch vollkommenen ist. Daher oh meine Seele, zögere keinen Augenblick! Schließe dieses Geschäft ab, das dir einen fünffachen Gewinn erbringt, so dass du dich vor einem fünffachen Verlust rettest und einen fünffachen Profit erlangst.

* * *

﴿بِسْمِ اللّٰهِ الرَّحْمٰنِ الرَّح۪يمِ﴾

﴿فَلَمَّٓا اَفَلَ قَالَ لآَ اُحِبُّ الْاٰفِل۪ينَ﴾

Das Leitmotiv ﴿لآَ اُحِبُّ الْاٰفِل۪ينَ﴾ {"Ich liebe nicht die, welche untergehen."} das von Abraham, mit dem Friede sei, stammt und den Untergang und den Tod des Alls verkündet, brachte mich zum Weinen.

فَصَبَّتْ عَيْنُ قَلْبِى قَطَرَاتٍ بَاكِيَاتٍ مِنْ شُؤُنِ اللّٰهِ

Darum weinte das Auge meines Herzens, vergoss es Tränen. So wie das Auge meines Herzens weinte, so wurde auch jede von mir vergossene Träne davon berührt. Sie wurde geweint, so als weinte sie selbst. Solche Tränen sind folgende persische Sätze:

لِتَفْسِيرِ كَلاَمٍ مِنْ حَكِيمٍ اَىْ نَبِىٍّ فِى كَلاَمِ اللّٰهِ

Also sind diese Tränen eine Art Kommentar (tefthir)zu Worten, die sich im Wort Gottes finden und die der Weise von Gott verkündet, als dessen Gesandter und Prophet.

نَمِى زِ يبَاسْتْ اُفُولْدَه گُمْ شُدَنْ مَحْبُوبْ

Es ist nicht gut, wenn der Geliebte untergeht und so verschwindet. Denn wer zum Untergang verurteilt ist, kann nicht der wahrhaft Gute sein. Mit einem Herzen, das geschaffen

wurde, den Ewigen zu lieben und ein Spiegel des Einzigartigen (Samed)zu sein, darf und kann man (ihn) nicht lieben.

نَمِى اَرْزَدْ غُرُوبْدَه غَيْبْ شُدَنْ مَطْلُوبْ

Ein Wunsch, der dazu verurteilt ist, unterzugehen und somit zu verschwinden, ist es nicht wert, dass man sein Herz an ihn hängt und seine Gedanken an ihn verschwendet und kann nicht sein, wohin sich unsere Hoffnung wendet, verdient es nicht, dass wir ihm mit Kummer und Sorge nachtrauern. Was wäre das denn für ein Herz, das ihn verehrte und mit ihm auf Dauer verbunden wäre?

نَمِى خَواهَمْ فَنَادَه مَحْوْ شُدَنْ مَقْصُودْ

Einen Wunsch, der ob seiner Vergänglichkeit zu Grunde geht, einen solchen Wunsch möchte ich nicht. Denn ich bin (selbst) vergänglich, und möchte nicht (noch), was (auch wiederum selbst) vergänglich ist. Was sollte ich auch damit?

نَمِى خَوانَمْ زَوَالْدَه دَفْنْ شُدَنْ مَعْبُودْ

Einen Angebeteten, dem sein Untergang zum Grab wird, rufe ich nicht an und nehme keine Zuflucht zu ihm. Denn ich bin grenzenlos bedürftig und schwach. Einer, der selbst schwach ist, kann für meine so großen Schmerzen kein Heilmittel finden. Er kann mir meine ewigen Wunden nicht verbinden. Wie kann einer, der sich vor dem ewigen Untergang selbst nicht zu retten vermag, der (wahre) Angebetete sein?

عَقْلْ فَرْيَادْ م۪ى دَارَدْ نِدَاءِ ﴿لآَ اُحِبُّ الْاٰفِل۪ينَ﴾م۪ى زَنَدْ رُوحَمْ

In der Tat erhebt der Verstand, der dem Äußerlichen verhaftet ist, ein verzweifeltes Wehgeschrei, wenn er in einer

Welt voller Wirrwarr den Untergang der Dinge erlebt, die er anbetet. Und die Seele, die nach dem Ewigen Geliebten sucht, verkündet لاَ اُحِبُّ اْلاٰفِلِينَ mit lautem Schrei.

نَمِى خٰواهَمْ نَمِى خٰوانَمْ نَمِى تَابَمْ فِرٰاقِى

Ich will sie nicht, ich verlange nicht nach ihr, nein, ich kann sie nicht ertragen, eine solche Trennung.

نَمِى اَرْزَدْ مَرَاقَه إِيْن زَوَالْ دَرْ پَسْ تَلاٰقِى

Eine Begegnung, die sich durch ihr plötzliches Ende in Bitternis verkehrt, ist das Bedauern und die Besorgtheit um sie nicht wert. Es lohnt sich nicht, sich nach ihr zu sehnen. Denn so wie das Ende der Freude der Schmerz ist, so ist schon die Vorstellung vom Ende der Freude ein Schmerz. Die Gedichtbände (Divan)aller profanen Liebenden, diese poetischen Schriften nämlich, die aus Liebesliedern bestehen, sind ein Wehgeschrei, das aus dem Schmerz über die Vorstellung von ihrem Ende erwächst. Wenn du den Geist aus jedem einzelnen dieser Diwane heraus filterst, tropft leidvolle Klage aus ihnen heraus.

اَزْ آنْ دَرْد۪ى گِر۪ينِ ﴿ لآَ اُحِبُّ الْاٰفِل۪ينَ ﴾ م۪ى زَنَدْ قَلْبَمْ

So sind es also die Sorgen und Übel jener Bindungen an all die Dinge, die schon vom Untergang gezeichnet sind, und jener leidvollen Liebe, um deretwillen mein Herz wie Abraham in Traurigkeit durch لآَ اُحِبُّ اْلاٰفِلِينَ weint und schreit.

دَرْ اِيْن فَانِى بَقَاخَازِى بَقَاخِيزَدْ فَنَادَنْ

Wenn du in dieser vergänglichen Welt Beständigkeit ersehnst, so erwächst Beständigkeit aus der Vergänglichkeit. So betrachte denn deine eigenwillige Seele, damit du vergehst und so Beständigkeit erlangst.

فَنَا شُدْ هَمْ فَدَا كُنْ هَمْ عَدَمْ بِِينْ كِه اَزْ دُنْيَا بَقَايَه رَاهْ فَنَادَنْ

Befreie dich von der schlechten Gesittung, welche die Grundlage der Weltverehrung ist! Vergehe! Bringe die Dinge, die du besitzt und über die du verfügst zum Opfer um des wahren Geliebten willen. Betrachte wie alles, was da ist, doch am Ende seiner Vernichtung entgegen geht. Denn der Weg, der aus dieser vergänglichen Welt in die beständige hinüber geleitet, führt durch die Vergänglichkeit hindurch.

فِكِرْ ف۪يزَارْ م۪ى دَارَدْ اَن۪ينِ ﴿ لآَ اُحِبُّ الْاٰفِل۪ينَ ﴾ م۪ى زَنَدْ وِجْدَانْ

Die Gedanken des Menschen, in Ursachen versunken, geraten im Staunen über den fortzitternden Untergang der Welt ins Stocken und erheben ihr Wehgeschrei. Der Mensch, der in seinem Wesen nach wahrem Sein verlangt, löst sich von den weltlichen Geliebten und von allem vergänglichen Sein, indem er wie Abraham seufzend لاَ اُحِبُّ اْلاٰفِلِينَ sagt, und bindet sich so an den wahrhaft Seienden und immerwährenden Geliebten.

بِدَانْ اَىْ نَفْسِ نَادَانَمْ كِه دَرْهَرْ فَرْد اَزْ فَانِى دُو رَاهْ هَسْتْ بَا بَاقِى دُو سِرِّ جَانْ جَانَانِى

Oh du meine törichte Seele! Wisse: Die Welt und alles Sein ist zwar vergänglich, doch kannst du in jedem

vergänglichen Ding zwei Wege finden, die dich zur Beständigkeit hinführen, und zwei Funken, zwei feinsinnige Wahrheiten in der Erscheinung der Schönheit unseres immerwährenden Geliebten, unserem Leben und unserer Seele, wenn du dich nur von den vergänglichen Erscheinungen und von dir selber zu lösen vermagst.

كِه دَرْ نَعْمَتْهَا إِنْعَامْ هَسْتْ وَپَسْ اٰثَارَهَا اَسْمَا بِكِيرْ مَغْزِى وَمِيزَنْ دَرْ فَنَا آنْ قِشْرِ بِى مَعْنَا

In der Tat wird in der Gabe das Geschenk sichtbar. Die Gunst des Erbarmers lässt sich erspüren. Sobald du von der Gabe zum Geschenk durchdringst, findest du deinen Geber. Und weiter gibt jedes Kunstwerk des Einzigartigen wie ein Brief die Namen des majestätischen Schöpfers kund. Wenn du vom Ornament zu seiner tiefen Bedeutung durchdringst, findest du über die Namen zu ihrem Träger. Sobald du das Wesen dieser vergänglichen Kunstwerke, ihren inneren Kern begriffen hast, halte ihn fest, und du kannst seine bedeutungslos gewordene Schale, seine Hülle, ohne alles Bedauern in den Strom der Vergänglichkeit werfen.

بَلِى آثَارَهَا گُويَنْدْ زِاَسْمَا لَفْظِ پُرْ مَعْنَا بِخَانْ مَعْنَا وَمِيزَنْ دَرْ هَوَا آنْ لَفْظِ بِى سَوْدَا

In der Tat gibt es unter allen Kunstwerken keine Schöpfung, welche nicht die Verkörperung eines Wortes voll tiefer Bedeutung wäre, aus dem sich alle die vielen Namen des majestätischen Herrn herauslesen lassen. Da also nun einmal diese Schöpfungen gleich Worten sind, Worte der Macht, so lies denn ihre Bedeutungen aus ihnen heraus und lege sie in dein Herz. Wirf die Worte, die danach ohne ihre Bedeutung zurückbleiben, ohne zu zögern, in den Wind der Vergänglichkeit. Schaue ihnen nicht interessiert hinterdrein und kümmere dich nicht

weiter um sie.

عَقْلْ فَرْيَادْ م۪ى دَارَدْ غِيَاثِ ﴿لآَ اُحِبُّ الْاٰفِل۪ينَ﴾ م۪يزَنْ اَىْ نَفْسَمْ

Nun erhebt der weltlich orientierte Verstand, der das Äußerliche anbetet und dessen Kapital aus den Kenntnissen besteht, die innerhalb seines Horizontes liegen, erstaunt, entsetzt, verzweifelt sein Wehgeschrei, da sich die Reihenfolge seiner Gedankengänge solcherart zu Nichts und Bedeutungslosigkeit gefriert. Er sucht nach dem richtigen Weg, der hin zur Wahrheit führt. Da sich also nun einmal der Geist vor denen, die untergehen und zerfallen, seine Hand zurückzieht, auch das Herz auf einen weltlichen Geliebten verzichtet und selbst noch das Innerste sich von den vergänglichen Dingen abwendet, sollst auch du, meine hilflose Seele abweisend wie Abraham rufen لآَ اُحِبُّ اْلاٰفِلِينَ und dich retten.

چِه خُوشْ گُويَدْ اُو شَيْدَا جَامِى عَشْقِ خُوىْ

Betrachte, wie Maulana Djami, trunken vom Becher der Liebe, so schön sagt, als wäre sein Wesen von dieser Liebe durchdrungen, um den Blick von der Vielheit (der Ursachen) zur Einheit (Gottes) zu wenden: Er sagt:

يَكِى خَواهْ يَكِى خَوانْ يَكِى جُوىْ يَكِى بِينْ يَكِى دَانْ يَكِى كُوىْ

{(*): Nur diese Zeile gehört zu dem Wort von Maulana Djami.}

1- Das heißt: Erwünsche dir nur den Einen, da die anderen des Wünschens nicht wert sind.

2- Rufe nur den Einen, da die Anderen nicht zu Hilfe kommen.

3- Verlange nur nach dem Einen, da die Anderen es nicht wert sind.

4- Betrachte nur den Einen, da die Anderen nicht alle Zeit sichtbar sind, sich vielmehr hinter dem Vorhang des Verfalls verborgen halten.

5- Kenne nur den Einen, da alles andere Wissen, das nicht der Erkenntnis dient, nutzlos ist.

6- Sprich nur von dem Einen, da die Worte, die keinen Bezug zu Ihm haben, für bedeutungslos erachtet werden müssen.

نَعَمْ صَدَقْتَ اَىْ جَامِى ٭ هُوَ الْمَطْلُوبُ ٭ هُوَ الْمَحْبُوبُ ٭ هُوَ الْمَقْصُودُ ٭ هُوَ الْمَعْبوُدُ

Ja Djami, das hast du in der Tat ganz richtig gesagt. Der wahre Geliebte, der wahre Ersehnte, das wahre Ziel, der wahre Angebetete ist Er nur allein.

كِه لآَ اِلٰهَ اِلاَّ هُو بَرَابَرْ مِيذَنَدْ عَالَمْ

Denn diese Welt rezitiert in verschiedenen Zungen durch alles Sein, mit verschiedenen Gesängen, in dem großen Kreis des Gottesgedenkens (dhikr)gemeinsam لآَ اِلٰهَ اِلاَّ هُو und bezeugt die Einheit Gottes in Seiner Herrschaft (Vahdaniyet).

Das trägt auf die Wunde, die لآَ اُحِبُّ اْلاٰفِلِينَ verursacht hatte, eine Salbe auf und demonstriert anstelle des irdischen Geliebten, zu dem man die Beziehung abgebrochen hatte, den einen Geliebten, der keinen Untergang kennt.

* * *

(Als ich mich vor fünfundzwanzig Jahren auf dem Yusha-Hügel am Bosporus bereits dazu entschlossen hatte, mich aus der Welt zurückzuziehen, kamen einige von meinen ehrenwerten Freunden zu mir, um mich wieder in die Welt, meines früheren Zustandes, zurückzuholen. Ich sagte: "Bitte, geben Sie mir bis morgen Bedenkzeit! Ich möchte beten und dann die Sache beschlafen (istihare)."

Am anderen Morgen standen jene zwei Tafeln vor mir in meinem Herzen. Wie ein Gedicht. Aber es war kein Gedicht. Um diese gesegnete Erinnerung in meinem Gedächtnis zu bewahren, habe ich sie nicht verändert. Ich habe sie so bewahrt, wie sie mir eingefallen sind. Ich habe sie am Ende des 23. Wortes angefügt, doch stehen sie hier im Zusammenhang mit dem 17. Wort.)

Erste Tafel

Es ist die Tafel, die die wahre Welt der Gottvergessenen beschreibt.

Rufe mich nicht in die Welt: ich bin in ihr gewesen und habe ihre Vergänglichkeit gesehen!

Ich habe immer den Schleier der Gottvergessenheit getragen und gesehen, dass das Licht der Wahrheit verborgen ist.

Alle Dinge im Dasein sind jedes für sich schädlich und vergänglich.

Wenn du über den Körper sprichst, den ich angezogen habe: er ist nichts und hat mir nur Unglück gebracht.

Wenn du von dem Leben sprichst, das ich genossen habe: es ist Qual über Qual.

Der Verstand ist für mich wie eine Folter, denn die Ewigkeit erschien mir wie ein Unglück.

Ich habe mich für dieses irdische Leben interessiert und Vollkommenheit für nutzlos angesehen.

Arbeit erschien mir wie eine Verstellung und die Hoffnung wie ein Betrübnis.

Die Vereinigung (der Liebenden) ist zu ihrem eigenen Untergang geworden.

Das Heil habe ich als eine Krankheit angesehen.

Die Lichter sind zur Finsternis geworden. Ich habe Freunde Waisen werden sehen.

Stimmen sind Todesschreie geworden. Lebende habe ich als Tote gesehen.

Wissenschaft verkehrte sich in Verdacht. In ihrer Weisheit habe ich tausend Fehler gesehen.

Freude wurde zur Trauer. Im Dasein habe ich tausend Nichtigkeiten gesehen.

Wenn du über den Geliebten sprichst: ich habe ihn gefunden!

Ach! In der Trennung (von ihm) habe ich großen Schmerz empfunden.

Zweite Tafel

Zeigt die wahre Welt derer, die rechtgeleitet und sich der göttlichen Gegenwart bewusst sind.

Die Gottvergessenheit ist für immer vorüber und ich habe das Licht der Wahrheit ganz klar gesehen.

Das Dasein wurde selbst zum Zeugnis (für den Herrn). Siehe das Leben als einen Spiegel der Wahrheit!

Der Verstand wurde zum Schlüssel der Schatzkammer. Siehe die Vergänglichkeit als die Pforte zur Ewigkeit.

Das Strohfeuer persönlicher Vollkommenheit ist erloschen. Siehe nun die Sonne der Schönheit!

Das Leben wurde Tat. Siehe, dass die Ewigkeit das wahre Leben ist!

Finsternis wurde zur Hülle der Strahlen (der Erleuchtung). Siehe im Tode das wahre Leben!

Alle Dinge sind Freunde geworden. Siehe, dass alle Stimmen eine Erinnerung (dhikr) sind.

Siehe, dass jedes Stäubchen Sein - jedes einzelne - (des Schöpfers) gedenkt (dhikr) und (Ihn) lobpreist.

Ich habe gefunden, dass Armut eine Schatzkammer des Reichtums ist. Siehe, welche Stärke in der Schwäche liegt! Wenn du Allah gefunden hast, dann siehe, dass alle Dinge dein sind!

Wenn du Eigentum des Eigentümers allen Eigentums bist, dann siehe, dass Sein Eigentum das deine ist!

Wenn du eingebildet und dein eigener Besitzer bist, dann siehe, dass das Übel zahllos ist!

Verkoste Qualen ohne Grenze und siehe, dass das Übel unerträglich ist.

Wenn du ein wahrer Anbeter Gottes bist, der ihn kennt, dann siehe, dass dies grenzenlos reine Glückseligkeit ist!

Verkoste eine Belohnung ohne Maß und Berechnung und gehe ein in die unendliche Freude!

(Vor fünfundzwanzig Jahren las ich im Fastenmonat Ramadan nach dem Nachmittagsgebet das Gedicht mit den Schönen Namen Gottes, welches Scheich Geylani

(Gott möge sein Geheimnis heiligen) schrieb. Darauf kam mir ein Wunsch, mit den Schönen Namen Gottes ein Bittgebet zu schreiben. Damals konnte ich nur bis hierhin schreiben. Ich versuchte dem segensreichen Bittgebet mit den Namen Gottes von diesem meinem heiligen Meister eine ähnliche Nachdichtung zu Stande zu bringen. Doch oh weh! Ich hatte keine Fähigkeit für ein solches Gedicht. Ich konnte es nicht zu Stande bringen, es blieb mangelhaft. Dieses Bittgebet war schon in der Abhandlung "Die Fenster", welche der 33. Brief des 33. Wortes ist, eingereiht. In diesem Zusammenhang wird es nun hier zitiert.)

هُوَ اْلبَاقِى

حَكِيمُ اْلقَضَايَا نَحْنُ فِى قَبْضِ حُكْمِهِ ٭ هُوَ الْحَكَمُ الْعَدْلُ لَهُ اْلاَرْضُ وَالسَّمَآءُ

عَلِيمُ الْخَفَايَا وَالْغُيُوبُ فِى مُلْكِهِ ٭ هُوَ الْقَادِرُ الْقَيُّومُ لَهُ الْعَرْشُ وَالثَّرَآءُ

لَطِيفُ الْمَزَاياَ وَالنُّقُوشِ فِى صُنْعِهِ ٭ هُوَ الْفاَطِرُ الْوَدُودُ لَهُ الْحُسْنُ وَالْبَهَآءُ

جَلِيلُ الْمَرَايَا وَالشُّؤُونُ فِى خَلْقِهِ ٭ هُوَ الْمَلِكُ الْقُدُّوسُ لَهُ الْعِزُّ وَالْكِبْرِيَآءُ

بَدِيعُ الْبَرَايَا نَحْنُ مِنْ نَقْشِ صُنْعِهِ ٭ هُوَ الدَّآئِمُ الْباَقِى لَهُ الْمُلْكُ وَالْبَقَآءُ

كَرِيمُ الْعَطَايَا نَحْنُ مِنْ رَكْبِ ضَيْفِهِ ٭ هُوَ الرَّزَّاقُ الْكَافِى لَهُ الْحَمْدُ وَالثَّنَآءُ

جَمِيلُ الْهَدَايَا نَحْنُ مِنْ نَسْجِ عِلْمِهِ ٭ هُوَ الْخَالِقُ الْوَافِى لَهُ الْجُودُ وَالْعَطَآءُ

سَمِيعُ الشَّكَايَا وَالدُّعَآءِ لِخَلْقِهِ ٭ هُوَ الرَّاحِمُ الشَّافِى لَهُ الشُّكْر ُوَالثَّنَآءُ

غَفُورُ الْخَطَايَا وَالذُّنُوبُ لِعَبْدِهِ ٭ هُوَ الْغَفَّارُ الرَّحِيمُ لَهُ الْعَفْوُ وَالرِّضَآءُ

{"Er ist der Beständige.

Er ist der allweise Richter über alle Dinge. Wir unterstehen Seinem Urteilsspruch.

Er ist der gerechte Richter. Ihm unterstehen die Himmel und die Erde.

Er kennt alle Geheimnisse und alles Verborgene in Seinem Reiche. Er ist der Allmächtige, Unwandelbare. Sein Thron ist über dem Erhabenen und über dem Niedrigen.

Alle Tiefe, Feinheit und Schönheit liegt in Seiner Kunst. Er ist der Schöpfer und der Freund. Sein ist alle Schönheit und aller Glanz.

Er ist der Ruhmreiche, dessen Eigenschaften sich in Seiner Schöpfung spiegeln. Er ist der König, der Heilige. Sein ist die Macht und alle Größe. Er ist der Einzigartige über allen Geschöpfen, wir der Schmuck Seines Herzens. Er ist der Ewige, der allzeit Beständige. Sein ist das Reich und die Ewigkeit.

Er ist der großmütige Geber aller guten Gaben und wir in der Karawane Seine Gäste. Er ist der Versorger, der allem genügt und Sein ist aller Lob und Preis.

Er ist der Geber voll Schönheit, wir das Gewebe Seiner Allwissenheit. Er ist der Schöpfer in reichen Maßen, der Schenker, der gibt, ohne zu berechnen.

Er ist der Allhörende aller Klagen und Gebete Seiner Geschöpfe. Er ist der Allbarmherzige und Allheilende. Ihm gebührt aller Lobpreis und Dank.

Er verzeiht die Fehler und Sünden Seiner Diener. Er ist der Verzeihende, der Vergebende, der Allerbarmer. Sein ist die Verzeihung und das Wohlgefallen."}

Oh meine Seele! Weine wie mein Herz, rufe aus und sage:

"Ich bin vergänglich und wünsche nicht den, der vergänglich ist. Ich bin schwach, und wünsche nicht den, der schwach ist. Meinen Geist habe ich dem Erbarmer (Rahman)übergeben, ich wünsche nichts anderes. Ich wünsche, doch wünsche ich einen ewig bleibenden Geliebten. Ich bin zwar nur ein Stäubchen, doch verlange ich nach einer immerwährenden Sonne. Ich bin zwar nichts im Nichts, doch wünsche ich dies alles, was da ist."

Früchte von Tannen und Lärchen, Wacholder und Pappel auf der Alm von Barla.

Das Kapitel wurde in bezug auf dieses Thema hier eingefügt. Es ist ein Teil des Ersten Briefes.

Einmal, als ich in meiner Gefangenschaft auf dem Berg staunend Bäume von gewaltig großem Wuchs, wie Tannen, Lärchen und Wacholder betrachtete, begann ein sehr feiner Wind zu wehen. Da wandelte sich dieses Bild in eine überaus schöne und prächtige Szene voll heiterer Tanzbewegungen und in ein Bild ekstatischer Lobpreisungen, und das vergnügliche Zuschauen in eine Betrachtung von einem Lehrbeispiel, in ein Hören mit Weisheit. Auf einmal fiel mir der folgende kurdische Satz von Ahmet Djizri ein.

هَرْكَسْ بِتَمَاشَاگَهِ حُسْنَاتَه زِهَرْ جَاىْ تَشْب۪يهِ نِگَارَانْ بِجَمَالاَتَه دِنَازِنْ

Um diesen Lehrbeispielen Ausdruck zu verleihen, klagte mir mein Herz so:

يَا رَبْ هَرْ حَىْ بِتَمَاشَاگَهِ صُنْعِ تُو زِهَرْجَاىْ بَتَاز۪ى ٭ زِنِش۪يبُ اَزْ فِرَاز۪ى مَانَنْدِ دَلاَّلاَنْ بِنِدَاءِ بِآوَاز۪ى ٭ دَمْ دَمْ زِجَمَالِ نَقْشِ تُو دَرْ رَقْصْ بَاز۪ى ٭ زِكَمَالِ صُنْعِ تُو خُوشْ خُوشْ بِگَاز۪ى ٭ زِش۪ير۪ين۪ى آوَازِ خُودْ هَىْ هَىْ دِنَاز۪ى ٭ اَزْوَىْ رَقْصَ آمَدْ جَذْبَه خَاز۪ى ٭ اَزْي۪نْ آثَارِ رَحْمَتْ يَافْتْ هَرْ حَىْ دَرْسِ تَسْب۪يحُ نَمَاز۪ى ٭ اِيسْتَادَسْتْ هَرْ يَك۪ى بَرْ سَنْگِ بَالاَ سَرْفِرَاز۪ى ٭ دِرَازْ كَرْدَسْتْ دَسْتْهَارَا بَدَرْگَاهِ اِلٰهِى هَمْ چُو شَهْبَازِى ٭ بِجُنْبِيدَسْتْ زُلْفْهَارَا بَشَوْقْ اَنْگِيزِ شَهْنَاز۪ى ٭ بَبَالاَ م۪يزَنَنْدْ اَزْ پَرْدَه هَاىِ هَاىِ هُوىِ عِشْقْ بَاز۪ى ٭ م۪يدِهَدْ هُوشَه گِر۪ينْهَاىِ دَرِينْهَاىِ زَوَال۪ى اَزْ حُبِّ مَجَاز۪ى ٭ بَرْ سَرِ مَحْمُودْهَا نَغْمَهَاىِ حُزْنْ اَنْگ۪يزِ اَيَاز۪ى

مُرْدَهَارَا نَغْمَهَاىِ اَزَل۪ى اَزْ حُزْنْ اَنْگ۪يزِ نَوَاز۪ى ٭ رُوحَه م۪ى آيَدْ اَزُو زَمْزَمَهءِ نَازُ نِيَاز۪ى ٭ قَلْبْ م۪يخَوانَدْ اَز۪ينْ آيَاتْهَا سِرِّ تَوْح۪يدْ زِعُلُوِّ نَظْمِ اِعْجَاز۪ى ٭ نَفْسْ م۪يخَواهَدْ دَرْ ا۪ينْ وَلْوَلَهَا زَلْزَلَهَا ذَوْقِ بَاق۪ى دَرْ فَنَاىِ دُنْيَا بَاز۪ى ٭ عَقْلْ م۪يب۪ينَدْ اَز۪ينْ زَمْزَمَهَا دَمْدَمَهَا نَظْمِ خِلْقَتْ نَقْشِ حِكْمَتْ كَنْزِ رَاز۪ى ٭ آرْزُو مِيدَارَدْ هَوَا اَز۪ينْ هَمْهَمَهَا هَوْهَوَهَا مَرْگِ خُودْ دَرْ تَرْكِ اَذْوَاقِ مَجَاز۪ى ٭ خَيَالْ ب۪ينَدْ اَز۪ينْ اَشْجَارْ مَلاَئِكْ رَا جَسَدْ آمَدْ سَمَاو۪ى بَاهَزَارَانْ نَىْ ٭ اَز۪ينْ نَيْهَا شُن۪يدَتْ هُوشْ سِتَايِشْهَاىِ ذَاتِ حَىْ ٭ وَرَقْهَارَا زَبَانْ دَارَنْدْ هَمَه هُو هُو ذِكْرْ آرَنْدْ بَدَرْ مَعْنَاىِ حَىُّ حَىْ ٭ چُو لآَ اِلٰهَ اِلاَّ هُو بَرَابَرْ م۪يزَنَدْ هَرْ شَىْ ٭ دَمَادَمْ جُويَدَنْدْ يَا حَقْ سَرَاسَرْ گُويَدَنْدْ يَا حَىْ بَرَابَرْ م۪يزَنَنْدْ اَللّٰهْ ٭ فَيَا حَىُّ يَا قَيُّومُ بِحَقِّ اِسْمِ حَىِّ قَيُّومِ ٭ حَيَات۪ى دِهْ بَاِينْ قَلْبِ پَر۪يشَانْ رَا اِسْتِقَامَتْ دِهْ بَا۪ينْ عَقْلِ مُشَوَّشْ رَا آمِينْ

Die Bedeutungen der auf persisch geschriebenen Verse über die Früchte von Tannen und Lärchen, Wacholder und Pappel auf der hügeligen Alm von Barla:

هَرْكَسْ بِتَمَاشَاگَهِ حُسْنَاتَه زِهَرْ جَاىْ تَشْب۪يهِ نِگَارَانْ بِجَمَالاَتَه دِنَازِنْ

kam mir in Erinnerung. Mein Herz klagte dabei, um diesen Lehrbeispielen Ausdruck zu verleihen, so:

Das heißt: Zu Deinem Schauspiel, Deiner Schönheit ist jeder von allen Orten herbei gelaufen. Um Deine Schönheit werben sie alle.

يَا رَبْ هَرْ حَىْ بِتَمَاشَاگَهِ صُنْعِ تُو زِهَرْجَاىْ بَتَاز۪ى

Alles, was lebt, tritt von allen Orten heraus und betrachtet.

Dein Schauspiel, das Antlitz der Erde, welches Dein Kunstwerk ist.

زِنِش۪يبُ اَزْ فِرَاز۪ى مَانَنْدِ دَلاَّلاَنْ بِنِدَاءِ بِآوَاز۪ى

Von unten, von oben kommen sie heraus und rufen laut gleich wie ein öffentlicher Ausrufer.

دَمْ دَمْ زِجَمَالِ نَقْشِ تُو ﴿نُسْخَه: زِهَوَاىِ شَوْقِ تُو﴾ دَرْ رَقْص بَاز۪ى

In der Schönheit ihres Schmuckes spielen die Bäume, diese öffentlichen Ausrufer, wie ausgelassen fröhlich.

زِكَمَالِ صُنْعِ تُو خُوشْ خُوشْ بِگَاز۪ى

Über die Vollkommenheit Deiner Kunstwerke freuen sie sich, rauschen in leisem Sang und brausen mit gewaltigem Klang.

زِش۪ير۪ين۪ى آوَازِ خُودْ هَىْ هَىْ دِنَاز۪ى

Es ist, als versetzte sie die Zartheit ihres Gesanges in Freude und schmückte sie in Anmut und Schönheit.

اَزْوَىْ رَقْصَه آمَدْ جَذْبَه خَاز۪ى

So ist es also, dass die Bäume zu tanzen beginnen und höchstes Entzücken ersehnen.

اَز۪ينْ آثَارِ رَحْمَتْ يَافْتْ هَرْ حَىْ دَرْسِ تَسْب۪يحُ نَمَاز۪ى

Es sind diese Kunstwerke göttlicher Barmherzigkeit, durch die ein jegliches Lebewesen seine ihm gemäße Unterweisung in Lobpreis und Anbetung empfängt.

اِيسْتَادَسْتْ هَرْ يَك۪ى بَرْ سَنْگِ بَالاَ سَرْفِرَاز۪ى

Nachdem sie ihre Unterweisung empfangen haben, stehen alle diese Bäume hoch über den Felsen, ihre Wipfel zum Throne (Gottes) erhoben.

دِرَازْ كَرْدَسْتْ دَسْتْهَارَا بَدَرْگَاهِ اِلٰه۪ى هَمْ چُو شَهْبَاز۪ى

Jeder Einzelne erhebt sich wie Shehbaz-i Qalender

{(*): Shehbaz-i Qalender ist ein berühmter Held, der sich durch die Unterweisung von Scheich Geylani zur Schwelle Gottes wandte und zur Stufe der Gottesfreundschaft gelangte.}

und reckt in prachtvoller Haltung seine viel hundert Hände an der Schwelle Gottes anbetend empor.

بِجُنْب۪يدَسْتْ زُلْفْهَارَا بَشَوْقْ اَنْگ۪يزِ شَهْنَاز۪ى

{(*): Shehbaz-i Tjelkezi ist eine Weltschönheit mit einem vierzig mal lang geflochtenem Zopf.}

Sie bewegen ihre kleinen Zweige, die ihre Locken sind, und zeigen damit den Zuschauern ihre große Begeisterung und hohe Freude.

بَبَالاَ م۪يزَنَنْدْ اَزْ پَرْدَه هَاىِ هَاىِ هُوىِ عِشْقْ بَاز۪ى

Sie bringen in den Szenen des Schauspiels Klänge der Liebe hervor, die bis zu den feinsten Seiten und Empfindungen reichen.

{(Zitat): Dieses Zitat betrifft die Wacholdersträucher auf dem Friedhof:

بَبَالاَ م۪يزَنَنْدْ اَزْ پَرْدَه هَاىِ هَاىِ هُوىِ چَرْخِ بَاز۪ى ٭ مُرْدَهَارَا نَغْمَهَاىِ اَزَل۪ى اَزْ حُزْنْ اَنْگ۪يزِ نَوَاز۪ى

}

م۪يدِهَدْ هُوشَه گِر۪ينْهَاىِ دَرِينْهَاىِ زَوَال۪ى اَزْ حُبِّ مَجَاز۪ى

Aus dieser Situation heraus kommt ein Gedanke mit folgender Bedeutung auf: Das Weinen, das aus dem Schmerz über das Ende aller diesseitigen Liebe her rührt, gemahnt an diese tiefsten Tiefen seines Jammers.

بَرْ سَرِ مَحْمُودْهَا نَغْمَهَاىِ حُزْنْ اَنْگ۪يزِ اَيَاز۪ى

Sie lassen den Klang eines Tones hören, wie dem trauriger Liebhaber über den Häuptern aller Liebenden, der Mahmuds, also derer, die - wie Sultan Mahmud - von ihren Geliebten getrennt leben.

مُرْدَهَارَا نَغْمَهَاىِ اَزَل۪ى اَزْ حُزْنْ اَنْگ۪يزِ نَوَاز۪ى

Es scheint, als hätten sie den Auftrag, den Verstorbenen, die abgeschnitten sind vom Hören weltlicher Klänge und Worte, mit ihren Trauer einflößenden Klängen die ewigen Melodien erneut wieder zu Gehör zu bringen.

رُوحَه م۪ى آيَدْ اَزُو زَمْزَمَهءِ نَازُ نِيَاز۪ى

Was aber (meine) Seele (ruh)betrifft, so hat sie auf Grund dieser Szene folgendes verstanden: Sie vernimmt in den Dingen (: den Wachholdersträuchern), das Gemurmel ihrer Bittgebete, mit denen sie auf die Erscheinungen der Namen des majestätischen Schöpfers mit Lobpreisungen entgegnen.

قَلْبْ م۪يخَوانَدْ اَز۪ينْ آيَاتْهَا سِرِّ تَوْح۪يدْ زِعُلُوِّ نَظْمِ اِعْجَاز۪ى

Was aber (mein) Herz betrifft, so liest es aus dem wunderbaren Anblick erhabener Wohlgestaltung der Bäume,

von denen jeder einzelne einem Vers gleicht, der Gestalt angenommen hat, das Geheimnis der Einheit Gottes heraus. Das heißt: Bei ihrer Erschaffung war eine so wunderbare Wohlordnung, eine solche Kunstfertigkeit und Weisheit am Werk, dass alle Ursachen der Welt, könnten sie nach eigener freier Entscheidung gemeinsam handeln, sie diese nicht nachahmen könnten.

نَفْسْ م۪يخَواهَدْ دَرْ ا۪ينْ وَلْوَلَهَا زَلْزَلَهَا ذَوْقِ بَاقِى دَرْ فَنَاىِ دُنْيَا بَاز۪ى

Was aber die Seele (nefs)betrifft, so sucht sie in Anbetracht dieser Szene nach einer ewigbleibenden Freude und es ist ihr, als würde die ganze Erde im Beben der Trennung unter lautem Wehgeschrei hin und her geschleudert. So enthüllt sich ihr der Sinn des Wortes: "Du wirst sie finden, wenn du aufhörst, diese Welt anzubeten."

عَقْلْ م۪يب۪ينَدْ اَز۪ينْ زَمْزَمَهَا دَمْدَمَهَا نَظْمِ خِلْقَتْ نَقْشِ حِكْمَتْ كَنْزِ رَاز۪ى

Was aber den Verstand betrifft, so findet er im Raunen der Tiere und im Rauschen der Bäume, in der Erwiderung durch die Pflanzen und durch die Luft die überaus sinnvolle Wohlgeordnetheit der Schöpfung, den Schmuck der Weisheit und die Schatzkammer feinsinniger Wahrheiten. Er versteht, wie in vielerlei Hinsicht alle Dinge die Majestät des Schöpfers lobpreisen.

آرْزُو م۪يدَارَدْ هَوَا اَز۪ينْ هَمْهَمَهَا هَوْهَوَهَا مَرْگِ خُودْ دَرْ تَرْكِ اَذْوَاقِ مَجَاز۪ى

Was aber die Seele in all ihrer Sinnenhaftigkeit (heva-yi nefs)betrifft, so wird sie durch das Säuseln des Windes und das Rauschen der Blätter mit einer Freude erfüllt, die sie alle weltlichen Vergnügen vergessen lässt. So gibt sie die irdischen Freuden auf, die das Sinnenleben der Seele darstellen, und möchte vor Freude an der Wahrheit schier vergehen.

خَيَالْ ب۪ينَدْ اَز۪ينْ اَشْجَارْ مَلاَئِكْ رَا جَسَدْ آمَدْ سَمَاو۪ى بَاهَزَارَانْ نَىْ

Was aber die Phantasie (hayal)betrifft, so erscheint es ihr, als ob in die Bäume deren Engel eingegangen und in ihnen Gestalt angenommen hätten, als wären die Bäume deren Kleider und Flöten die an ihren Ästen befestigten Zweige. Es ist, als habe der immerwährende König sie so bekleidet für eine prächtige Parade, mit dem Klang von tausend Flöten, so dass diese Bäume nicht ein lebloser, bewusstloser Körper sind, vielmehr in sich eine durchaus bewusste und sinnvolle Haltung zum Ausdruck bringen.

اَز۪ينْ نَيْهَا شُن۪يدَتْ هُوشْ سِتَايِشْهَاىِ ذَاتِ حَىْ

Siehe, so ertönen denn diese Flöten so rein und eindringlich, als gehörten sie zu einem erhabenen, himmlischen Orchester. (Meine) innere Wahrnehmung (fikir)vernimmt nicht im Klange der Flöten, gleich all den großen Liebenden, besonders aber Maulana Djelaleddin Rumi die leidvolle Klage der Trennung. Vielmehr vernimmt sie die Danksagungen, die dem Erbarmer gebühren, und die Lobpreisungen, die dem Herrn gehören, die dem Herrn, dem Lebendigen, dem Aus-sich-selbst-heraus-bestehenden dargeboten werden.

وَرَقْهَارَا زَبَانْ دَارَنْدْ هَمَه هُو هُو ذِكْرْ آرَنْدْ بَدَرْ مَعْنَاىِ حَىُّ حَىْ

Da also nun die Bäume alle jeweils ein Leib und alle ihre Blätter Zungen geworden sind, rezitieren sie wie mit tausend Zungen im Hauch des Windes: "Hu, Hu"(Er, Er), das Gottesgedenken (dhikr).In ihrem Gruß und Segenswünschen, die sie durch ihr Leben darbringen, machen sie bekannt, dass ihr Meister der Lebendige und der Aus-sich-selbst-heraus-bestehende ist.

چُو لآَ اِلٰهَ اِلاَّ هُو بَرَابَرْ م۪يزَنَدْ هَرْ شَىْ

Denn indem alle Dinge gemeinsam sagen:

لآَ اِلٰهَ اِلاَّ هُو

{"Es gibt keine Gottheit außer Ihm."}

sind sie in dem gewaltigen Kreis der Dhikrfeier des Kosmos tätig.

دَمَادَمْ جُويَدَنْدْ يَا حَقْ سَرَاسَرْ گُويَدَنْدْ يَا حَىْ بَرَابَرْ م۪يزَنَنْدْ اَللّٰهْ

Zu allen Zeiten wünschen sie sich der Sprache ihrer Begabungen entsprechend aus der Schatzkammer der Barmherzigkeit Gottes des Gerechten das Recht zu Leben, indem sie "Ya Haqq!"(Oh Gerechter!) ausrufen. Von oben bis unten von Leben erfüllt zu sein ist ihre Sprache, in der sie den Namen "Ya Hayy!"(Oh Lebendiger!) rezitieren.

فَيَا حَىُّ يَا قَيُّومُ بِحَقِّ اِسْمِ حَىِّ قَيُّومِ

حَيَات۪ى دِهْ بَاِينْ قَلْبِ پَر۪يشَانْ رَا اِسْتِقَامَتْ دِهْ بَا۪ينْ عَقْلِ مُشَوَّشْ رَا آمِينْ

{"Oh Lebendiger! Oh Unwandelbarer! Um der Ehre Deiner Namen, Lebendiger, Unwandelbarer willen schenke Leben dem Herzen dessen, der im Elend ist, und Rechtleitung dem Geiste dessen, der den Weg (zu Dir) verloren hat! Amen"}

(Einmal, betrachtete ich das Antlitz des Himmels von einer hohen Stelle auf dem Tannenberg bei Barla aus bei Nacht. Die folgenden Abschnitte sind mir plötzlich eingefallen. Sie sind geschrieben, als hörte ich die Worte der Sterne in der Sprache ihres Zustandes: Da ich für Poesie und Dichtung nicht begabt bin, reimen sie sich nicht. Sie sind so geschrieben, wie sie mir eingefallen sind. Von dem "Vierten Brief" und dem "Ersten Kapitel" des "32. Wortes" sind sie hierher gebracht.)

Lausche der Sterne Gesang, ihrer berauschenden Predigt (hutbe).

Entnimm ihrer leuchtenden Schrift die Weisheit, die sie verkündigt! Gekommen sind sie und sagen, alle gemeinsam ein Ausdruck der Wahrheit:

"Wir sind das strahlende Zeugnis des großartigen Königreiches einer allmächtigen Majestät.

Wir sind dafür Zeugen, dass es einen Meister gibt in Seiner Einheit und in Seiner Kraft.

Den Engeln gleich betrachten wir vom Himmel herab die Erde, schauen das Antlitz der Erde,

voll tiefer und feinsinniger Wunder, halten stets das Paradies auch im Blick.

Tausende aufmerksamer Augen sind wir des Himmels.

{(*): Das heißt: So wie die Engel in den himmlischen Welten diese staunenserregenden Wunder der Macht, diese Blumen des Paradieses in den Gärten und auf den Feldern unserer Erde betrachten, so betrachten auch die Sterne, welche am Himmel die Augen sind, den Engeln gleich, die feinsinnigen Kunstwerke hier auf Erden, schauen in die Welt des Paradieses und erblicken dort die wundervollen unvergänglichen Urbilder jener vergänglichen Abbilder. Sie betrachten zu gleicher Zeit Himmel und Erde; das heißt, sie haben den Blick beider Welten.}

Es wuchs der Tuba-Baum der Schöpfung und seine Äste strecken sich durch einen Spalt der Himmel und seine Zweige bilden die Milchstraße.

Schönheit und Majestät heißt die Hand der göttlichen Weisheit, die uns daran aufgehängt hat als seine wundervollen Früchte.

Für die Bewohner des Himmels sind wir eine wandelnde Moschee,

ein Haus, das seine Kreise zieht und ein erhabenes Nest,

ein strahlender Leuchter, ein gewaltiges Schiff;

Flugzeugen gleich sind wir alle und ein jeder von uns.

Eines Allmächtigen in Seiner Vollkommenheit, eines Allweisen in Seiner Majestät

wunderbare Kraft und staunenserregendes Kunstwerk Seiner Schöpfung,

ein Kleinod Seiner Weisheit und Ingenium Seiner Schöpfung,

eine Welt voller Licht sind wir, jeder von uns aus Licht eine Welt.

So zeigen wir mit hunderttausenden von Zungen hunderttausende Beweise,

lassen sie vernehmlich werden dem Menschen, der ein Mensch ist.

Mit Blindheit geschlagen das Auge der Gottlosen, vermag es nicht mehr zu schauen unser Antlitz

und vernimmt er unsere Stimme nicht. Doch sind wir die Zeichen, die Wahrheit verkünden.

Eines ist unsere Prägung, eines unser Siegel.

Immerwährend wiederholen wir den Lobpreis unseres Herrn, wir seine Diener

gedenken Seines Namens, Ihn verehrend alle Zeit.

In Ihm versunken reihen wir uns ein als die Glieder in der endlosen Milchstraße Band."

So habe ich sie in meiner Vorstellung gehört.

Achtzehntes Wort

Dieses Wort besteht aus zwei Kapiteln. (Das zweite Kapitel wurde noch nicht geschrieben. Das erste Kapitel besteht aus drei Punkten.)

Erster Punkt:

بِسْمِ اللَّهِ الرَّحْمَنِ الرَّحِيمِ ٭ لاَ تَحْسَبَنَّ الَّذِينَ يَفْرَحُونَ ِبمَآ اَتَوْا وَيُحِبُّونَ اَنْ يُحْمَدُوا بِمَا لَمْ يَفْعَلُوا فَلاَ تَحْسَبَنَّهُمْ بِمَفَازَةٍ مِنَ الْعَذَابِ وَلَهُمْ عَذَابٌ اَلِيمٌ

{"Im Namen Gottes, des Erbarmers, des Allbarmherzigen. Denke nicht, dass diejenigen, die sich über das freuen, was sie getan haben und gelobt werden möchten für das, was sie nicht getan haben, denke nicht, dass sie ihrer Strafe entgehen werden; denn ihrer ist eine schmerzhafte Strafe." (Sure 3, 188)}

Der Selbstsucht, die mich treibt (nefsu l-emmare)ein Schlag ins Gesicht:

Oh du meine Seele (nefs),die du dich für den Ruhm begeisterst, in dein Ansehen vernarrt, nach Lob süchtig und von deinem Hochmut so beispiellos betäubt bist! Wenn ein winziges Samenkörnchen, Ursprung eines Feigenbaumes, der Tausende von Früchten hervorbringt, und wenn ein schwarzer, vertrockneter Weinstock, an dem hundert Trauben hängen und der diese Beeren, diese Trauben als sein eigenes Kunstwerk betrachtet, nun berechtigter Weise die Forderung erhöbe, dass diejenigen, die aus ihnen ihren Nutzen ziehen, diesen Weinstock, dieses Samenkörnchen loben und verehren sollten, dann hättest auch du vielleicht das Recht, stolz zu sein auf die Geschenke (ni'met),die du zu tragen erhalten hast, und dich ihrer zu rühmen. Denn eigentlich hast du ja nichts als nur Tadel verdient. Denn du gleichst ja

nicht diesem Samenkörnchen, diesem Weinstock. Da du einen Bruchteil freien Willens hast, verringerst du die Werte dieser Gnadengeschenke durch deinen Stolz.

{D.h.: wenn du deine Leistung in Dankbarkeit als Gottes Gnade annimmst, behält sie ihren vollen göttlichen Wert. Erklärst du sie stolz als deine eigene Leistung, hat sie keinen Wert. (A.d.Ü.)}

Durch deinen Hochmut zerstörst du sie, durch deine Undankbarkeit machst du sie zunichte. Du raubst sie dadurch, dass du sie in Besitz nimmst. Es ist nicht deine Aufgabe, dich zu rühmen, sondern zu danken. Dir gemäß ist nicht Stolz, sondern Bescheidenheit und Demut. Du verdienst nicht Lob sondern Reue und Vergebung. Deine Vollendung liegt nicht darin, dich selbst in den Mittelpunkt zu stellen, sondern in Gottes Rechtleitung (huda)zu sehen.

Du, meine Seele, bist in meinem Körper eigentlich das, was die Natur im Kosmos ist (: die Seele des Weltalls). Ihr seid beide (: die eigene Seele und die des Alls) dazu geschaffen, das Gute (als Gnadengeschenk) anzunehmen und das Schlechte euch selbst zuzuschreiben. Das heißt: ihr seid nicht der Handelnde oder der Ursprung des Geschehens, sondern das Subjekt und der Ort an dem es sich vollzieht. Es hat da lediglich eine Einwirkung stattgefunden. Sogar das Gute, das aus dem vollendeten Guten entspringt, wird zur Ursache des Bösen, wenn ihr es nicht auf eine schöne Weise annehmt.

Des Weiteren seid ihr als je ein Schleier (vor dem Antlitz Gottes) erschaffen worden, damit die scheinbaren Unschönheiten, deren (wahre) Schönheit unsichtbar ist, euch zugeschrieben werden und Gott in Seiner Heiligkeit (muqaddes)vor Anklagen bewahrt bleibt. Denn die Form, mit der ihr euch bekleidet habt, befindet sich ganz und gar im Gegensatz zu eurer naturgemäßen Aufgabe. In eurer Unfähigkeit verwandelt ihr nicht nur Gutes in Böses, nein, ihr tut auch noch so, als wolltet ihr euch zum Teilhaber des Schöpfers machen. Das heißt: Wer sich selbst überhebt und wer die Natur anbetet, ist überaus

dumm und grenzenlos ungerecht (gegenüber seinem Schöpfer).

Des Weiteren sage nicht: "Ich bin wie eine Darstellung. Wo Schönheit sich darstellt, dort verschönert sie auch." Denn da du dich nicht verwandeln kannst (z.B. Ton in einen Topf, der seine Gestalt bewahrt), kannst du auch nichts darstellen. Du gleichst einem Kanal (der nur als Mittler dient und nichts behält).

Des Weiteren sage nicht: "Ich bin aus meinem Volk auserwählt. Ich bin es, der diese Früchte den Anderen zeigt. Das heißt: Ich genieße einen Vorzug vor den anderen." Nein, Gott bewahre! Vielmehr sind sie dir zuerst und vor allen Anderen gegeben worden. Da du mehr als alle Anderen arm, elend und bedürftig warst, sind sie dir zuerst in die Hände gegeben worden.

{(*): Ich habe mich in der Tat sehr darüber gefreut, dass der "Neue Said (Yeni Said)" in diesem Zwiegespräch seine Seele (nefs) in einem solchen Grade zum Schweigen und zum Verstummen gebracht hat und habe (zu ihm) "Gott segne dich tausend Mal!" gesagt.}

Zweiter Punkt:

اَحْسَنَ كُلَّ شَيْءٍ خَلَقَهُ

{"Er hat alles, was Er geschaffen hat, sehr gut (ahsan) gemacht." (32,7)}

Dieser Punkt dient zur Erklärung eines der Geheimnisse dieser Ayah. Es ist dies wie folgt:

Alle Dinge, sogar diejenigen Dinge, die besonders hässlich aussehen, haben dennoch einen Aspekt wahrer Schönheit. Alle Dinge, alle Ereignisse in der Welt sind in der Tat entweder an und für sich schön, es ist dies die ihnen eigene Schönheit, oder sie sind in Anbetracht ihres Zweckes gut, was man als äußerliche Schönheit bezeichnet. Es gibt einige Ereignisse, die äußerlich hässlich und verworren erscheinen. Hinter diesem äußerlichen Schleier verbirgt sich jedoch strahlende Schönheit und

schönste Ordnung.

Zum Beispiel:

Zur Frühlingszeit hält sich das Lächeln unendlich schöner Blumen und all der anderen bestens ausgestatteter Pflanzen unter Sturm und Regen, in Schlamm und Erde verborgen. Und zur Herbstzeit werden die so empfindlichen kleinen Tiere, die Freunde der lieblichen Blumen, um sie vor der Bedrängnis und der Qual durch die Geschehnisse des Winters zu bewahren, welcher ein düsterer Schleier der Trennung ist, hinter dem die Erscheinung der Herrlichkeit des Hochgepriesenen sichtbar wird, von ihrer Lebensaufgabe entbunden, wodurch sich die Strenge der Zerstörung hinter dem Schleier des Winters in die Stätte eines lieblichen und schönen neuen Frühlings umgestaltet. Hinter dem Schleier derartiger Ereignisse wie Sturm, Erdbeben und Seuchen verborgen, öffnen sich sehr viele Blumen eines geistlichen Lebens. Viele Begabungen, die bisher noch nicht zum Durchbruch gelangt waren, die wie Saatkörner noch ohne Wachstum und Gedeihen geblieben waren, setzen nun, angesichts solcher nach außen hin fürchterlich erscheinender Ereignisse, Ähren an und bringen ihre Frucht. Es ist, als wären alle diese Umwälzungen und allgemeinen Veränderungen im geistlichen Leben dem Regen vergleichbar.

Der Mensch jedoch, der in die Äußerlichkeiten (dieser Welt) vernarrt ist und sich selbst (als deren Mittelpunkt) betrachtet, sieht allein das Äußere und beurteilt es als hässlich. In seinem Egoismus beurteilt er ein Ergebnis nur insoweit es ihn selbst betrifft und hält es für schlecht. Bezieht sich aber eine Sache in einem einzigen ihrer Resultate auf den Menschen, so sind es deren tausend, die mit dem Namen des Meisters verbunden sind.

Zum Beispiel:

Der Mensch hält Dornsträucher und mit Stacheln bewehrte Bäume, die doch zu den großen Wundern der Allmacht des Schöpfers gehören, für schädlich, ja für sinnlos. Dabei sind sie doch die wohlausgerüsteten Ritter unter den Bäumen und all den anderen Pflanzen. Oderein anderes Beispiel:Der Sperber, der einen Sperling

angreift, scheint nicht in das Bild der göttlichen Barmherzigkeit hineinzupassen. Er bringt jedoch durch diesen Angriff die natürlichen Fähigkeiten des Sperlings zur Entfaltung. Oder: Ein Mensch hält den Schnee für eiskalt und ohne jeden Geschmack. Hinter dem Schleier einer solchen Kälte verbirgt sich jedoch eine Absicht von solcher Wärme (die Schneedecke ist ein Kälteschutz! - A.d.Ü.) und von solchem Wohlgeschmack, dass sie sich gar nicht beschreiben lässt.

Der Mensch in seinem Egoismus und seiner Verhaftung an das Äußerliche und in seiner Betrachtung aller Dinge als seien sie einzig auf ihn selbst bezogen, hält darüber hinaus auch noch alle die vielen Dinge, die ihm doch durchaus wohl anstehen, für unanständig.

Zum Beispiel:

In den Augen der Menschen gilt es als eine Verletzung des Schamgefühls, wenn man über die Zeugungsorgane des Menschen spricht. Solch ein Vorhang der Schamhaftigkeit (ein derartiger Schleier der Beschreibung) besteht jedoch lediglich auf Seiten menschlicher Betrachtungsweise. Von Seiten der Schöpfung, also der Kunst und der Absicht in der Natur betrachtet, sind solche Vorhänge (derartige Beschreibungen) jedoch, betrachtet man sie mit den Augen der Weisheit, durchaus in Einklang mit dem Schamgefühl. Anstand und Würde bleiben davon unberührt.

So sind also manche Darstellungen im Weisen Qur'an, aus deren Boden der wahre Anstand erwächst, hinsichtlich dieser Betrachtungsweise einem Einwegspiegel vergleichbar. Unter der äußerlichen Betrachtungsweise gibt es Aspekte, die uns hässliche Geschöpfe und abscheuliche Ereignisse vor Augen stellen und doch schöne Aspekte der Betrachtung sehr schöner und weisheitsvoller Schöpfungen und Kunstwerke sind, die auf ihren Meister ausgerichtet sind, und es gibt sehr schöne Schleier, unter denen Weisheiten verborgen sind, und es gibt sehr viele Dinge, die ohne jede Ordnung und ein völliger Wirrwarr zu sein scheinen und dennoch eine durchaus wohlgeordnete heilige Schrift sind.

Dritter Punkt:

اِنْ كُنْتُمْ تُحِبُّونَ اللَّهَ فَاتَّبِعُونِى يُحْبِبْكُمُ اللَّهُ

{"Wenn ihr Gott liebt, so folgt mir, damit Gott euch liebt!" (Sure 3, 31)}

Da es nun einmal im All ganz offensichtlich schöne Kunstwerke gibt und dies auch gewiss ist, so ist es auch erforderlich, dass das Prophetentum Ahmeds, mit dem Friede und Segen sei, mit einer Gewissheit feststeht, als habe man es bezeugt. Denn die Schönheit der Kunst und die schön geschmückten Formen aller Kunstwerke zeigen, dass ihr Meister den energischen Willen hat, den Dingen eine schöne Form zu geben und den nachdrücklichen Wunsch, sie zu verzieren. Und dieser Wunsch und Wille zeigt, dass diesen Meister eine hohe Liebe und eine heilige Begeisterung zur Vollendung Seiner Kunst beseelt, die in Seinen Kunstwerken sichtbar wird. Diese Liebe und Begeisterung verlangt aber danach, sich dem Menschen, welcher in Seiner Schöpfung als einziger die Fülle der Erleuchtung und Vollendung empfangen hat, mehr als allen Anderen zuzuwenden und sich in (seinem Herzen) zu konzentrieren. Jener Mensch aber ist die Frucht des Schöpfungsbaumes, welche mit Bewusstsein begabt ist. Und jene Frucht aber ist als dessen Teil derjenige, in dem sich (als dem Herzen die ganze Schöpfung) konzentriert, der am weitesten (vom Ursprung der Schöpfung) entfernt ist, dessen Blick (die ganze Schöpfung) umfasst und dessen Bewusstsein (mit der ganzen Schöpfung) verbunden ist. Jene Persönlichkeit aber, deren Blick allumfassend und deren Bewusstsein mit allen verbunden ist, kann nur jene eine hohe, erhabene, überaus strahlende, sein, welche von dem Meister jeglicher Kunst und Schönheit angesprochen wurde und mit Ihm geredet hat, die sich im Bewusstsein ihrer Allverbundenheit und mit ihrem Blick für die Gesamtheit in der vollkommenen Anbetung ihres Meisters, in der Begeisterung für Seine Kunstwerke und in der Dankbarkeit für Seine Gnadengaben gewidmet hat.

Nun sehen wir zwei Tafeln, zwei Bereiche. Die eine ist der überaus prächtige, wohlgeordnete Bereich der Herrschaft und die überaus kunstvoll gestaltete und ausgeschmückte Tafel der Kunst. Die andere ist der überaus glänzende, blumengeschmückte Bereich des Dienstes und der Anbetung und die so weit ausgedehnte, umfassende Tafel des Nachdenkens, der Begeisterung, der Dankbarkeit und des Glaubens. Der zweite Bereich bewegt sich mit ganzer Kraft im Namen des ersten Bereiches.

So wird es denn ganz offensichtlich klar, in welchem Grade der Fürst dieses Bereiches, der bei allen künstlerischen Absichten seinem Meister dient, mit diesem Meister verbunden ist und wie sehr er in dessen Augen geliebt und geschätzt ist.

Ja, wäre es denn etwa in irgend einer Weise zu verstehen, dass der Künstler dieser schönen Schöpfungen, der in einem solchen Grade ein Kunstliebhaber ist und der es liebt, zu schenken, ja der sogar auf all die verschiedenen Geschmacksempfindungen des Gaumens achtet, gegenüber Seinem schönsten Werk, dessen Rufe der Begeisterung und Bewunderung, von denen Himmel und Erde widerhallen, dessen Bekundungen der Dankbarkeit und des Lobpreises (tekbir)Land und Meer in einen Taumel der Begeisterung versetzen, und das Ihm sein Antlitz verehrend zuwendet, gleichgültig bleiben sollte, sich etwa nicht mit ihm unterreden wollte, ihn nicht voll Interesse zu Seinem Botschafter machen wollte und nicht wollte, dass dessen schöne Haltung auch von allen Anderen reflektiert werde? Nein! Das wäre es in gar keiner Weise! Es wäre unmöglich, dass Er sich etwa nicht mit ihm unterreden und ihn etwa nicht zu Seinem Gesandten machen sollte...

اِنَّ الدِّينَ عِنْدَ اللَّهِ اْلاِسْلاَمُ ٭ مُحَمَّدٌ رَسُولُ اللَّهِ وَالَّذِينَ مَعَهُ

{"Denn Glaube (din) ist bei Gott (Allah) die Ergebung (islam)." (Sure 3, 19) "Mohammed ist der Gesandte Gottes (rasulullah). Diejenigen aber, die mit ihm sind..." (Sure 48, 29)}

Es sind die Tränen eines Herzens, das in der Gefangenschaft voll von Heimweh während der Morgendämmerung über die Trennung weint.

In Morgenfrühen weht Wind der Erscheinung (Gottes).

Wacht auf meine Augen in dieser Zeit der Morgenfrühe!

Bitte an der Schwelle Gottes um Seine Gnade.

Die Morgenfrühe ist die Zeit, die den Leuten der Sünde bestimmt ist, um Vergebung zu bitten.

Wach auf, mein Herz, zur Zeit der Morgendämmerung.

Flehe um Vergebung, bitte an der Schwelle Gottes um Seine Verzeihung!

سَحَرْ حَشْرِيسْتْ دَرُو هُشْيَارْ دَرْ تَسْبِيحْ هَمَه شَىْ .. بَخَوابِ غَفْلَتْ سَرْسَمْ نَفْسَمْ حَتَى كَىْ .. عُمْرْ عَصْرِيسْتْ سَفَرْ بَاقَبِرْمِى بَايَدْ زِهَرْ حَىْ .. بِبَرْخِيزْ نَمَازِى ُونِيَازِى كُوبِكُنْ آوَازِى ُونْ نَىْ .. بَكُو يَا رَبْ يَشِيمَانَمْ خَجِيلَمْ شَرْمَسَارَمْ اَزْ كُنَاهِ بِى شُمَارَمْ رِيشَانَمْ ذَلِيلَمْ اَشْكْ بَارَمْ اَزْحَيَاتْ بِى قَرَارَمْ

غَرِيبَمْ بِى كَسَمْ ضَعِيفَمْ نَاتُوَانَمْ عَلِيلَمْ عَاجِزَمْ اِخْتِيَارَمْ بِى اِخْتِيَارَمْ اَلاَمَانْ كُويَمْ عَفُو جُويَمْ مَدَدْخَواهَمْ زِدَرْ كَاهَتْ اِلهِى

{"Die Morgenfrühe ist der Auferstehung, (wenn) alle Dinge erwachen und ihren Lobpreis rezitieren. Wie lange willst du noch in diesem Schlaf der Gottvergessenheit verweilen, oh du meine umherschweifende Seele? Der Nachmittag (deines Lebens) ist gekommen und die Reise zu deinem Grab beginnt, wo du dich von allem trennen musst, was lebt. Strenge dich an in Flehen und Gebet, dem Ruf der Ney gleich. Sage nun: 'Oh Herr, ich bereue, fühle mich schuldig, schäme mich. Meine zahllosen Sünden haben mich in Verwirrung gebracht. Ich lebe in Chaos und im Elend. Meine Augen füllen sich mit Tränen. Mein Leben verläuft ohne einen festen Halt in der Fremde. Ich habe niemanden. Schwach bin ich, ohnmächtig, krank, hilflos, alt und schon nicht mehr frei in meinen Entscheidungen. Oh hilf mir doch, sage ich. Ich suche Vergebung, Ich flehe um Hilfe an deiner Schwelle, oh Gott!'"}

Neunzehntes Wort

Über das Prophetentum Mohammeds (ASM)

{Abk. von Alaihis-Salatu Ves-Selam: Friede und Segen sei mit ihm. (A.d.Ü.)}

وَمَا مَدَحْتُ مُحَمَّداً بِمَقَالَتِى ٭ وَلٰكِنْ مَدَحْتُ مَقَالَتِى بِمُحَمَّدٍ عَلَيْهِ الصَّلاَةُ وَالسَّلاَمُ

{"Ich konnte mit meinen Worten Mohammed nicht preisen, doch wurden meine Worte durch Mohammed, mit dem Friede und Segen sei, gewürdigt, ihn zu preisen."}

Dieser Ausspruch ist in der Tat wunderbar. Doch das, was seine Schönheit bewirkt, ist die Schönheit dessen, dem die Schönheit mohammedanischer Eigenschaften gebührt.

Dies ist der Vierzehnte Blitz, eine Abhandlung aus vierzehn Teilen, Tropfen gleich.

Erster Tropfen:

Es gibt drei große universale Quellen, die uns Kunde geben von unserem Herrn:

Eine ist das Buch des Universums, über dessen Zeugnis wir in der dreizehnten Lektion des arabischen Gesamtwerkes (Nur Risalesi)zum Teil gehört haben, welches aus dreizehn "Blitzstrahlen" (Abschnitten) besteht.

Eine weitere ist der, mit dem der Friede und Segen sei, das Siegel der Propheten, das größte Zeichen in diesem Großen Buch, eine weitere, der hochehrwürdige Qur'an.

Zuerst müssen wir den kennenlernen und vernehmen, welchen wir hier an zweiter Stelle als beredtes Zeugnis aufgeführt haben, ihn, mit dem der Friede und Segen sei, das Siegel der Propheten.

Betrachten wir zuerst seine geistige Erscheinung. Mit der Erde als seiner Moschee, Mekka als seinem Mihrab(Gebetsnische) und Medina als seinem Minber(Kanzel) ist unser Prophet, mit dem der Friede und Segen sei - wie ein strahlendes Zeugnis - der Imam aller Gläubigen,

der Prediger vor allen Menschen, der Vorsteher aller Propheten, der Herr aller Heiligen, der Dhikr-Leiter im Kreise der Propheten und Heiligen, ein lichtvoller Baum, dessen lebensspendende Wurzeln die Propheten und dessen Früchte die Heiligen sind. Alle Propheten mit ihren Wundern, alle Heiligen mit ihren Gnadengaben bestätigen und unterstreichen seine Botschaft. Denn er verkündet:

لآ اِلَهَ اِلاَّ اللّهُ

{"Es gibt keinen Gott außer Allah!"}

und daran hält er fest. Das gleiche Wort wiederholen alle die erleuchteten Teilnehmer der Dhikr-Feier zur Rechten und zur Linken, nämlich die auf Seiten der Vergangenheit und der Zukunft in der Reihe stehend, vereinigen sich, sagen im Geiste: Du hast Wahrheit und Recht gesprochen. Was für eine hohle Behauptung ist es doch, ein solches Argument zu bestreiten, das durch solche zahllosen Zeugen bestätigt ist!...

Zweiter Tropfen:

Und gerade so wie dieses leuchtende Zeugnis der Einheit Gottes (Tauhid)durch die Übereinstimmung der beiden Flügel (der vergangenen und der künftigen Zeit) und ihre gemeinsame Kunde bestätigt ist, so bestätigen und versichern dies auch die hunderte von Zeichen in den von Gott offenbarten Büchern wie Torah und Evangelium, die tausenden von Hinweisen der Irhasat,Hinweise auf sein Prophetentum vor seiner Berufung, die berühmten Hatife, Dschinnen, die zu den Menschen reden, die übereinstimmende Kunde der Wahrsager, die Hinweise seiner tausenden von Wundern - wie die Spaltung des Mondes - die Gerechtigkeit der Scharia(das isl. Gesetz). Auf gleiche Weise wird die Wahrhaftigkeit seines Anspruches mit sonnenklarer Deutlichkeit bezeugt durch seine Persönlichkeit, seine hohe Vollendung, seinen allseits gepriesenen Charakter, die außergewöhnliche Schönheit seiner reichen Gesinnung in der Erfüllung seiner Aufgabe, seine absolute Zuverlässigkeit, die Stärke seines Glaubens, die große Zuversicht, die hohe Festigkeit, die sich in seiner außergewöhnlichen Gottesfurcht,

seiner außerordentlichen Ergebenheit, seinem besonderen Ernst und seiner großen Standhaftigkeit zeigen.

Dritter Tropfen:

Wenn du willst, dann komm: Wir gehen auf die arabische Halbinsel in die "Glückliche Zeit" (des Propheten)! Besuchen wir ihn in unserer Phantasie und beobachten wir ihn bei seiner Aufgabe! Siehe, da ist ein Mann, herausragend durch seine edle Gesinnung und seine vollkommene Gestalt, ein wunderweisendes Buch in seiner Hand, das Wissen um die Wahrheit auf seiner Zunge und in seiner Rede, wie er eine Hutbe(Predigt) von Ewigkeit her an alle Adamssöhne, ja Dschinnen, Menschen und Engel, ja sogar an alles Sein gerichtet hält. Er beschreibt das wundersame Rätsel um die Erschaffung der Welt und löst es. Er entdeckt den undurchdringlichen Zauber des kosmischen Geheimnisses und lichtet ihn. Auf die drei großen, schwierigen und beunruhigenden Fragen, die - von allem Sein gestellt - alle Vernunftbegabten mit Staunen beschäftigt haben: "Was bist du? Woher kommst du? Wohin gehst du?", auf diese Fragen gibt er einsichtige und zufriedenstellende Antworten.

Vierter Tropfen:

Siehe, er strahlt ein solches Licht der Wahrheit aus, dass du in Betrachtung des Weltalls außerhalb seines lichten Führungskreises der Wahrheit, das Weltall als ein allgemeines Trauerhaus ansehen wirst, in dem sich die einzelnen Wesen und Dinge einander fremd, ja sogar feindlich sind; die toten Dinge sind furchterregende Leichnahme; alles Lebendige weint als Waisen unter den Schlägen des Verfalls und der Trennung. Nun aber siehe: Durch das Licht, das von ihm ausstrahlt, wurde dieses allgemeine Haus der Trauer in ein Haus verwandelt, wo im Feuer der Begeisterung Dhikr gefeiert wird. Diese fremdartigen, einander feindlichen Wesen und Dinge haben die Gestalt von Freunden und Brüdern angenommen. Diese stummen und toten Objekte haben jede die Haltung von freundlichen Dienern und gefügigen Gehilfen angenommen. Und diese weinenden und klagenden, verlassenen Waisenkinder bekamen jedes den Ausdruck von Teilnehmern an einer Dhikr-Feier

in ihrem Lobpreis oder von Danksagenden am Feierabend nach der Arbeit.

Fünfter Tropfen:

So also wurden die Bewegungen, Variationen, Veränderungen, Umwandlungen im Weltall durch dieses Licht aus ihrer Inhaltslosigkeit, Fruchtlosigkeit und ihrem Zustand als Spielball des Zufalls herausgeführt und jede von ihnen auf die Stufe eines Briefes des Herrn, einer Seite voll Wunderzeichen des Seins, eines Spiegels der Gottesnamen heraufgeführt und mit ihnen die Welt in den Rang eines Buches einzigartiger Weisheit erhoben. Und so wie der Mensch durch seine grenzenlose Schwäche und Hilflosigkeit, Armseligkeit und Bedürftigkeit unter alle Tiere erniedrigt wurde und noch unglücklicher wurde als alle Tiere durch seinen Verstand, der ihm wie ein Übertragungsgerät zu Kummer, Sorge und Schmerz wurde, so wurde der Mensch - erleuchtet mit diesem Licht - über alle Tiere, ja über die gesamte Schöpfung emporgehoben. Erleuchtet in seiner Hilflosigkeit und Armut und auch in seinem Verstand, wird er zu einem hochempfindlichen Sultan, in seinem Flehen, zu einem Kalifen über die Erde, der in seinem Aufschrei alles erhellt, das heißt, gäbe es nicht dieses Licht, stiege auch das Weltall, auch der Mensch, ja alles, was ist, hinab in das Nichts. Ja, sicherlich ist in einem so einzigartigen Kosmos auch eine solche Persönlichkeit notwendig. Anderenfalls gäbe es den Kosmos mit all seinen Welten nicht.

Sechster Tropfen:

Dies also ist der Mann, welcher der Herold und Verkünder der Ewigen Seligkeit ist, der die unendliche Barmherzigkeit (Gottes) aufdeckt und bekannt macht, der Ausrufer der Schönheiten des Reiches Gottes und ihr Betrachter, der die Schätze der Gottesnamen offen legt und sie zeigt. Wenn du deine Aufmerksamkeit ihm zuwendest, seinem Dienst, seiner Anbetung, wirst du ihn als ein Beispiel der Liebe, eine Verkörperung der Barmherzigkeit sehen. In ihm siehst du die Ehre der Menschheit, eine leuchtende Frucht am Baume der Schöpfung. Wendest du deine Aufmerksamkeit abermals ihm zu, seinem Prophetentum, kannst du ihn als ein

Zeugnis für das Recht, eine Lampe für die Wahrheit, eine Sonne für die Rechtleitung, ein Fahrzeug zur Glückseligkeit sehen. Dies also ist er, dessen Ruf sich aus dem Unsichtbaren blitzschnell verbreitete und dessen Licht vom Osten nach Westen alles überstrahlte. Die halbe Welt - ein Fünftel der Menschheit - hat das Geschenk seiner Rechtleitung angenommen und wie ihren Augapfel gehütet. Was ist das nur mit unserer Seele und unserem Dämon, dass sie لآ اِلَهَ اِلاَّ اللّهُ {"Es gibt keinen Gott außer Allah!"} in all seinen Abstufungen nicht annehmen wollen, was doch der Wesenskern aller Lehre einer solchen Persönlichkeit ist.

Siebenter Tropfen:

Wie schnell hat er doch den verschiedenen Stämmen dieser weiten Halbinsel - so wild, starrköpfig und ihren Sitten verhaftet wie sie waren! - ihre rohen und grausamen Sitten und Gebräuche ohne alle Umschweife genommen und sie mit der Wurzel ausgerottet. Stattdessen hat er sie mit allen guten Sitten ausgestattet und sie in aller Welt zu Lehrern und zu Meistern über zivilisierte Nationen gemacht. Und siehe! Es war dies keine bloße Unterwerfung nach außen hin, er hat sich vielmehr Verstand, Geist, Herz und Gemüt erobert und erschlossen. So wurde er Geliebter der Herzen, Lehrer der Intelligenzen, Erzieher der Gemüter, Souverän der Geister.

Achter Tropfen:

Wenn man aber weiß, wie ein großer Herrscher mit großer Anstrengung kaum eine unbedeutende Gewohnheit - wie das Rauchen - selbst in einem kleinen Stamm für die Dauer aufzuheben vermag, dann betrachte man, wie diese Persönlichkeit viele und starke Gewohnheiten selbst bei diesen starrköpfigen, ihren Sitten verhafteten großen Stämmen, mit äußerlich nur geringer Macht, mit nur geringer Anstrengung in kurzer Zeit überwandt. An ihre Stelle pflanzte und befestigte er in ihnen höchste moralische Werte, welche ihnen bei weitem

in Fleisch und Blut übergegangen und verwachsen sind. Und noch sehr viel dergleichen Wunderbares bringt er zur Durchführung. Wer aber nun diese "Glückliche Zeit" (des Propheten) nicht sehen will, dem sei die Halbinsel Arabien vor Augen geführt! Möge er hunderte von Philosophen mit sich nehmen, dorthin gehen, hundert Jahre arbeiten. Könnte er auch nur ein Hundertstel dessen vollbringen, was diese Persönlichkeit unter den Umständen seiner Zeit in einem einzigen Jahr geschaffen hat?

Neunter Tropfen:

Wenn man zudem weiß, dass selbst ein kleiner Mann von wenig Ehrgefühl nicht während eines Streitgesprächs inmitten einer kleinen Gemeinschaft und auch nicht in einer unbedeutenden Angelegenheit eine Behauptung aufstellen und unverhüllt-unbekümmert eine kleine Lüge aussprechen kann, deren man sich schämen muss, ohne seinen Feinden neben sich seine Sorge und Beunruhigung zu zeigen und sie so die Täuschung verspüren zu lassen, dann betrachte man diese Persönlichkeit, betraut mit einer großen Aufgabe, ein großer Beauftragter mit einem großen Ehrgefühl, in einer Lage, wo er der Sicherheit so notwendig bedarf, inmitten einer sehr großen Gemeinschaft, angesichts einer sehr großen Feindschaft vor sehr bedeutenden Aufgaben, einer großen Mission spricht er mit sehr großem Freimut, ohne Angst, ohne Zweifel, Verlegenheit oder Unruhe zu zeigen, mit aufrichtiger Lauterkeit, mit einem großen Ernst, mit majestätischer Strenge, mit Worten, die seine Feinde in Wut versetzen. Vermag man darin wohl einen Widerspruch zu entdecken? Kann mit ihnen wohl eine Lüge vermengt sein? Keineswegs!

اِنْ هُوَ اِلاَّ وَحْىٌ يُوحَى

{"Es ist dies nichts Anderes als das, was als Offenbarung eingegeben wurde." (Sure 53, 4)}

Ja, die Wahrheit betrügt nicht und der die Wahrheit schaut, wird nicht betrogen. Und Wahrheit als Berufung ist frei von Betrug. Wie könnte vor seinen die Wahrheit

schauenden Augen eine Illusion als Realität (: Wahrheit) erschienen sein, ihn betrogen haben...

Zehnter Tropfen:

Wie spannend und mitreißend ist es doch, wenn er die Realitäten schildert; welch dringendem Bedürfnis entspricht doch die Wahrheit, die er bringt und welch großartige Dinge sind es, die er aufzeigt und für die er den Beweis erbringt. Man weiß ja, dass das stärkste Antriebsmotiv des Menschen die Neugierde ist. Sagte ihm jemand, er solle sein halbes Leben, sein halbes Vermögen hingeben; es werde jemand vom Mond oder vom Jupiter kommen; er werde berichten, wie es auf dem Mond oder auf dem Jupiter aussieht und was dort geschieht; er werde dir ganz genaue Kenntnisse darüber vermitteln, wie deine Zukunft aussehen wird und dir vollkommen richtig darüber Mitteilung machen, was mit dir geschehen wird: Wenn er neugierig ist, wird er es ihm geben.

In der Tat, dieser Mann bringt uns Kunde von einem König, in dessen Reich der Mond einer Fliege gleich um einen Falter kreist. Dieser Falter, der unsere Erde ist, umrundet eine Lampe und diese Lampe, die unsere Sonne darstellt, ist eine Lampe unter tausenden von Leuchtern in einer Herberge unter tausenden von Häusern dieses Königs. Und es ist dies eine so wundervolle Welt, von der er uns wahrheitsgetreu berichtet und eine solche Revolution, von der er berichtet, dass - wären auch tausende Erdbälle explodierende Bomben - dies nicht bewundernswert wäre. Und nun merke auf die Suren in seinem Munde wie:

اِذَا الشَّمْسُ كُوِّرَتْ ٭ اِذَا السَّمَاءُ انْفَطَرَتْ ٭ اَلْقَارِعَةُ

{"Wenn die Sonne zusammengefaltet wird..." (Sure 81, 1) "Wenn sich der Himmel spaltet..." (Sure 82, 2) "Das Poltern..." (Sure 101, 1 : eine Sure von Weltuntergang und -gericht.)}

Und er berichtet wahrheitsgemäß von einer derartigen Zukunft, dass unsere eigene Zukunft hier auf Erden daneben nur wie eine schwache Luftspieglung erscheint. Er berichtet in völligem Ernst von einer solchen Glückseligkeit,

dass daneben alles Glück der Welt einem flüchtigen Aufblitzen neben der Urewigkeit der Sonne gleicht.

Elfter Tropfen:

Unter dem äußeren Schleier dieses Kosmos voller Wunder und Rätsel erwarten uns ohne Zweifel mit Sicherheit ebensolche Wunder. Um uns von solchen Wundern Kunde zu bringen, ist auch eine solche geniale, außergewöhnliche, wunderwirkende Persönlichkeit notwendig. Aus dem Verhalten dieses Mannes erschauen wir, was er geschaut hat und noch schaut und über das Geschaute aussagt. Was der Herr dieser Himmel und der Erde, der uns mit Seinen Gnadengaben nährt, von uns verlangt und was Ihm wohlgefällig ist, darüber unterrichtet er uns äußerst zuverlässig. Was aber ist mit den meisten Menschen geschehen, dass sie statt um dieser Persönlichkeit willen, welche über dergleichen äußerst interessante und notwendige Wahrheiten unterrichtet, alles verlassen, zu ihm hinlaufen, ihm lauschen sollten, nun taub und blind, oder gar wahnsinnig geworden sind, sodass sie von dieser Wahrheit nichts sehen, über diese Tatsache nichts hören und nicht davon verstehen!...

Zwölfter Tropfen:

Siehe da ist eine Persönlichkeit, ein beredtes Zeugnis für die Einheit des Schöpfers allen Seins, nach dem Grade seiner eigenen Wahrhaftigkeit ein zuverlässiges Zeugnis und ein sicherer Beweis für die Auferstehung und die Ewige Seligkeit. Zudem ist diese Persönlichkeit - so wie sie selbst rechtgeleitet war - Grund zur Stiftung Ewiger Seligkeit und ihr Fahrzeug dorthin. In gleicher Weise ist er durch sein Gebet und seine Fürbitte die Verkörperung der Ursache der Glückseligkeit und die Veranlassung zu ihrer Schaffung. Wir wiederholen in diesem Zusammenhang das folgende Geheimnis, das wir schon im Zusammenhang mit der Auferstehung behandelt hatten.

Siehe: Er betet in einer so gewaltigen Gemeinschaft, dass es so aussieht, als ob alle erleuchteten vollkommenen Menschen unter den Söhnen Adams von Adams Zeiten bis in unsere Zeit und weiter bis zum Jüngsten Tag

mit ihm verbunden seien und ihm im Gebete folgend "Amen" sagten.

Und siehe weiter: Er betet so um das Wohl der Allgemeinheit, dass nicht nur die Bewohner der Erde, sondern auch die Bewohner des Himmels, ja sogar alles Sein sich seinem Gebet anschließt und spricht: "Ja, oh Herr! Verleihe es ihm, so wie auch wir es wünschen!" In seinem Gebet findet eine solche Anmut, eine solche Trauer, eine solche Liebe, eine solche Sehnsucht, ein solches Verlangen ihren Ausdruck, dass er die ganze Welt dazu bringt, mit ihm zu weinen und zu beten.

Siehe, er betet für ein solches Ziel, ein solches Ideal, dass er den Menschen und die Welt, ja sogar alles Geschaffene, aus niedrigsten Niederungen, der Gefallenheit, Wertlosigkeit, Nutzlosigkeit zu höchsten Höhen, d.h. zu Wert, Beständigkeit und erhabenem Dienst emporführt.

Siehe, er trägt seine Bitte mit solcher Inbrunst vor, fleht, stellt seine Hilfsbedürftigkeit dar, bringt seine Fürbitte so wohlgefällig und mit so viel Ehrerbietung dar, dass er alles Geschaffene, die Himmel und den Thron (Gottes) dazu bewegt, ihn anzuhören, erschüttert zu werden, "Amin, Allahumma, amin"zu beten.

Siehe, er betet zu dem Allhörenden, Freigiebigen, Allmächtigen, Allsehenden, Barmherzigen, Allwissenden (Semi', Kerim, Qadir, Basir, Rahim, Alim) in seiner Bedürftigkeit, dass Er - wie wir selbst sehen können - auch das verborgenste Lebewesen in seinem Bittgebet hört, sieht, es annimmt, sich seiner erbarmt. Er gibt ihm, worum er bittet, und sei es auch unausgesprochen. Er gibt ihm in der Weise, dass kein Zweifel an Seiner weisen, allsehenden und barmherzigen Art bleibt. Diese Umsicht und Fürsorge ist einzig dem Allhörenden und Allsehenden in Seiner Freigiebigkeit und Barmherzigkeit zu Eigen.

Dreizehnter Tropfen:

Worum aber betet nun der, der auf der Erde steht, die Hände im Gebet zum Throne des Gewaltigen (Gottes) erhoben, alle auserwählten Söhne Adams hinter sich, er, die Ehre des Menschengeschlechtes

und der beispiellos Einzige in Welt und Zeit und in Wahrheit der Stolz des Universums (Fahr-i Kainat)?...

Merke auf und höre: Er betet um die Ewige Glückseligkeit, er betet um Beständigkeit, er betet um da Paradies, er verlangt, das Antlitz seines Herrn zu sehen. Gleichzeitig bittet er um alle die Heiligen Gottesnamen, deren Widerpart und Schönheit im Spiegel alles Geschaffenen erscheint. Gäbe es nicht diese Barmherzigkeit, Gnadenhilfe, Weisheit, Gerechtigkeit und dergleichen zahllose Berechtigungen das Erwünschte zu erhalten, alleine das Gebet dieser Persönlichkeit hätte die Berechtigung, das Paradies zu erbauen, geschaffen, was mit gleicher Leichtigkeit in Seiner Macht steht, wie den Frühling hervorzubringen. Ja, so wie sein Prophetentum die Berechtigung dazu gab, dieses Haus der Prüfung zu eröffnen, so gibt auch sein anbetender Dienst die Berechtigung dazu, das andere Haus zu eröffnen.

Ja, wäre es denn überhaupt denkbar, dass diese unübertroffene Ordnung, welche man beobachten kann, und die Männer von Geist und Wissenschaft sagen lässt:

لَيْسَ فِى اْلاِمْكَانِ اَبْدَعُ مِمَّا كَانَ

{"Es ist nicht im Bereich des Möglichen, dass es etwas Besseres gäbe, als das, was ist."}

ja wäre es möglich, dass diese segensreich, fehlerlos schöne Kunst und die beispiellos vollkommene Herrschaft (Gottes) irgendeine Hässlichkeit, irgendeine Erbarmungslosigkeit, irgendeine Ordnungslosigkeit, dulden könnte. Es heißt dies, dem kleinsten, unbedeutendsten Wunsch und Geräusch Bedeutung, Gehör und Erfüllung zu schenken. Es hieße dies, der größten, schreienden Not keine Bedeutung beizumessen, sie nicht zu hören, nicht zu verstehen, nichts zu unternehmen. Um Gottes willen nein! Gott verhüte es hunderttausend Mal! Eine solche Vollkommenheit duldet keine solche Hässlichkeit, und kann nicht selbst hässlich werden.

Bei Ihm! Du mein imaginärer Freund! Es ist jetzt genug. Wir müssen zurückkehren, denn verweilten wir in dieser Zeit auch hundert Jahre auf dieser Halbinsel, wir könnten von den wunderbaren Taten und bemerkenswerten Diensten dieses Mannes auch nicht ein Hundertstel völlig begreifen, uns nicht daran satt sehen.

Komm jetzt! Wir wollen auf unserer Rückreise von oben jedes Jahrhundert einzeln betrachten. Siehe, wie sich in jedem Jahrhundert die Blumen unter dem Gnadensegen der Sonne und der Rechtleitung geöffnet haben. Sie haben Millionen von Früchten wie Abu Hanifa, Shafi'i, Bayezid-i Bistami, Scheich Geylani, Scheich Naqshibandi, Imam Ghazzali, Imam Rabbani usw. hervorgebracht. Wir müssen die Betrachtung der Einzelheiten auf ein andermal verschieben. Jetzt wollen wir ein Gebet darbringen für den, der Wunder wirkt und rechtleitet, und dabei einen Teil seiner absolut sicheren Wunder erwähnen.

عَلَى مَنْ اُنْزِلَ عَلَيْهِ الْفُرْقَانُ الْحَكِيمُ مِنَ الرَّحْمَنِ الرَّحِيمِ مِنَ الْعَرْشِ الْعَظِيمِ سَيِّدِنَا مُحَمَّدٍ اَلْفُ اَلْفِ صَلاَةٍ وَ اَلْفُ اَلْفِ سَلاَمٍ بِعَدَدِ حَسَنَاتِ اُمَّتِهِ عَلَى مَنْ بَشَّرَ بِرِسَالَتِهِ التَّوْرَيةُ وَ اْلاِنْجِيلُ وَ الزَّبُورُ وَ بَشَّرَ بِنُبُوَّتِهِ اْلاِرْهَاصَاتُ وَ هَوَاتِفُ الْجِنِّ وَ اَوْلِيَآءُ اْلاِنْسِ وَ كَوَاهِنُ الْبَشَرِ وَ انْشَقَّ بِاِشَارَتِهِ الْقَمَرُ سَيِّدِنَا مُحَمَّدٍ اَلْفُ اَلْفِ صَلاَةٍ وَ سَلاَمٍ بِعَدَدِ اَنْفَاسِ اُمَّتِهِ عَلَى مَنْ جَآئَتْ لِدَعْوَتِهِ الشَّجَرُ وَ نَزَلَ سُرْعَةً بِدُعَآئِهِ الْمَطَرُ وَ اَظَلَّتْهُ الْغَمَامَةُ مِنَ الْحَرِّ وَ شَبَعَ مِنْ صَاعٍ مِنْ طَعَامِهِ مِآءةٌ مِنَ الْبَشَرِ وَ نَبَعَ الْمَآءُ مِنْ بَيْنِ اَصَابِعِهِ ثَلاَثَ مَرَّاتٍ كَالْكَوْثَرِ وَ اَنْطَقَ اللَّهُ لَهُ الضَّبَّ وَ الظَّبْىَ وَ الْجِذْعَ وَ الذِّرَاعَ وَ الْجَمَلَ وَ الْجَبَلَ وَ الْحَجَرَ وَ الْمَدَرَ صَاحِبِ

الْمِعْرَاجِ وَ مَازَاغَ الْبَصَرُ سَيِّدِنَا وَ شَفِيعِنَا مُحَمَّدٍ اَلْفُ اَلْفِ صَلاَةٍ وَ سَلاَمٍ بِعَدَدِ كُلِّ الْحُرُوفِ الْمُتَشَكِّلَةِ فِى الْكَلِمَاتِ الْمُتَمَثِّلَةِ بِاِذْنِ الرَّحْمَنِ فِى مَرَايَا تَمَوُّجَاتِ الْهَوَآءِ عِنْدَ قِرَآئَةِ كُلِّ كَلِمَةٍ مِنَ الْقُرْاَنِ مِنْ كُلِّ قَارِءٍ مِنْ اَوَّلِ النُّزُولِ اِلَى اَخِرِ الزَّمَانِ وَاغْفِرْلَنَا وَارْحَمْنَا يَآ اِلَهَنَا بِكُلِّ صَلاَةٍ مِنْهَا آمِينَ

{"Dem, (*) welchem herabgesandt wurde die Weise Unterscheidung (der Qur'an) von dem Barmherzigen, dem Erbarmer, von dem Throne des Allgewaltigen: Unserem Herrn Mohammed tausend mal tausend Segen und tausend mal tausend Frieden so viel wie die schönen Taten seiner Gemeinschaft für ihn, dessen (prophetische) Botschaft vorherverkündigt wurde in der Torah, den Psalmen und den Evangelien und dessen Prophetentum vorherverkündigt wurde durch Irhasat (Hinweise vor seiner Berufung) und die Hatife (Stimmen) der Dschinnen und den Gottesfreunden (den Heiligen) und den Wahrsagern der Menschen, dem, auf dessen Wink der Mond gespalten wurde. Unserem Herrn Mohammed tausend mal tausend Frieden und Segen so viel wie Odem in seiner Gemeinschaft, dem, dessen Ruf die Bäume folgten, auf dessen Gebet plötzlich der Regen einsetzte, dem die Wolken vor der Hitze Schatten spendeten, dem, der mit einer Handvoll Speise tausend Mann sättigte, aus dessen Fingern drei Mal Wasser sprudelte wie der Strom von Kauthar (die Quelle des Überflusses im Paradies), dem, um dessentwillen Allah sprechen ließ die Eidechse, die Gazelle, den Baumstumpf, den Wasserschlauch, das Kamel, den Berg, den Stein, den Mist, ihm der mit der Himmelfahrt begnadet wurde (es war die Reise eines Augenblicks!), unserem Herrn und Fürsprecher Mohammed tausend Mal tausend Frieden und Segen so viel wie Buchstaben, die Worte bilden, die sich mit Erlaubnis des Barmherzigen (Gottes) in der Luft spiegeln, jedes Mal wenn jemand ein Wort aus dem Qur'an rezitiert, von Anbeginn der Offenbarung bis zum Ende der Zeit. Verzeihe uns und erbarme Dich unser - Oh Gott - in all unseren Gebeten. Amen."}

[In einer türkischen Abhandlung mit dem Titel: "Strahlen des Wissens über den Propheten" - kurz zusammengefasst im "Neunzehnten Brief" und in diesem "Neunzehnten Wort" - habe ich die Beweise für das Prophetentum Mohammeds, mit dem der Friede und Segen sei, erklärt. Darin wurden auch die Aspekte des Wunders, das der Weise Qur'an ist, kurz erwähnt. In einer anderen türkischen Abhandlung "Blitzstrahlen" (Lemaat) genannt und im "Fünfundzwanzigsten Wort" habe ich in vierzig Aspekten kurz erklärt, dass der Qur'an ein Wunder ist, und dieses Wunder, das der Qur'an ist, in vierzig Aspekten erläutert. Eines dieser vierzig Aspekte liegt schon alleine in seiner Prägnanz und dichterischen Schönheit, worüber ich einen vierzig Seiten langen arabischen Kommentar mit dem Titel "Kennzeichen des Wunders" (Isharatu l-i'djaz) verfasst habe. Wer ein Interesse daran hat, kann in diesen drei Büchern nachschlagen.]

Vierzehnter Tropfen:

Der Weise Qur'an, ein Schatzhaus an Wundern und selber das große Wunder, beweist in einem solchen Grade der Sicherheit das Prophetentum Ahmeds {Einer von den allgemein bekannten vier Namen des Propheten, nämlich: Ahmed, Mahmud, Mohammed, Mustafa, mit dem Friede und Segen sei. (A.d.Ü.)} und die Einheit Gottes, dass er die Notwendigkeit eines anderen Beweises nicht offen lässt. Auch wir wollen seine Lehrmethode und aus ein, zwei Funken dieses Wunders, das er ist, die Ansatzpunkte einer Kritik aufzeigen.

Das also ist nun der Weise Qur'an, der uns Kunde gibt von unserem Herrn, "eine urewige Übersetzung aus dem großen Buch des Kosmos... Er enthüllt uns die Schätze der Gottesnamen, verborgen in den Seiten des Himmels und der Erde... ein Schlüssel zur Wahrheit, versteckt zwischen den Zeilen der Ereignisse... in ihm spricht der Barmherzige von jener unsichtbaren Seite der Welt aus, die hinter dem Schleier der bezeugten (d.h. sichtbaren) Welt liegt - aufgespeichert in ihm eine urewige Predigt - Sonne, Fundament, und Bauplan der geistigen Welt des Islam und Landkarte der jenseitigen Welten... ein klärendes Wort und ein eindeutiger Kommentar zum Wesen Gottes, Seinen Eigenschaften und Taten, Sein beredtes Zeugnis und Sein einfühlsamer Übersetzer... in dieser Welt der Menschen der Herr und Lehrer, die Weisheit in der Wahrheit, ein geistiger Lehrer und Seelenführer... sowohl ein Buch der Weisheit und des Gesetzes, als

auch ein Buch für Gebet und Gottesdienst, ein Buch der Gebote und Ermahnungen, ein Buch Heiligen Gedenkens, der Erkenntnis, eine heilige Bibliothek, die für jede einzelne Geistesart einen geeigneten Titel bereit hält, für die Heiligen und Gerechten, für die Sucher, Bekenner und Lehrer der Wahrheit, kurzum für Menschen jeglicher Berufung und Geistesart."

Betrachten wir einen Funken jenes Wunders, das der Qur'an ist, und das sich in eben den Wiederholungen zeigt, welche man als eine Fehlerquelle entdeckt zu haben glaubt: Weil der Qur'an sowohl ein Buch Heiligen Gedenkens ist, als auch ein Gebetbuch und ein Buch zur Ermahnung, sind Wiederholungen geradezu schön, ja in höchstem Grade notwendig und einprägsam, im Gegensatz zu dem, was "die mit den Fehlern" annehmen... denn in der Tat führt Dhikr durch Wiederholung zur Erleuchtung, das Gebet wird in der Tat durch Wiederholung intensiviert, Gebote und Ermahnungen werden in der Tat durch Wiederholung bekräftigt... Es ist auch nicht jedermann jederzeit möglich, den ganzen Qur'an zu lesen, doch kann er meistens eine Sure lesen. Deswegen sind die wichtigsten Aussagen des Qur'an in den meisten langen Suren enthalten. Jede einzelne Sure gleicht einem kleinen Qur'an. Das heißt, manche Aussagen wie Einheit, Auferstehung oder die Geschichte Mosis, werden wiederholt, damit niemand ein "Außenstehender" werde.

Zudem sind die seelischen Nöte, genauso auch die leiblichen Bedürfnisse verschieden. Manches braucht der Mensch mit jedem Atemzug, wie der Körper die Luft, so braucht der Geist "Hu"(Er), manches jede Stunde, wie "Bismillah"(Im Namen Gottes) u. dgl.... Das heißt also: Die Wiederholung der Ayat entstand aus der Wiederholung des Bedürfnisses. Wenn der Qur'an auf ein solches Bedürfnis hinweisen will, erweckt und erregt er es, und wiederholt dies darüber hinaus, um die Sehnsucht und den Hunger danach hervorzurufen. Desgleichen legt der Qur'an die Elemente einer klar verständlichen Religion fest und begründet die Fundamente der Welt des Islam.

Er verändert das menschliche Gemeinschaftsleben und gibt so die Antwort auf die wiederholten Fragen aus ihren verschiedenen Schichten. Ein Fundament zu festigen, tut Wiederholung Not. Zur Befestigung ist Repetition notwendig. Zur Verankerung ist Rekapitulation notwendig. Zum Studium tut Wiederholung Not. Der Qur'an behandelt die großen Fragen einerseits, andererseits subtile Wahrheiten, sodass es notwendig ist, viel und oft in verschiedener Form zu wiederholen, um sie in die Herzen der Gemeinde einzusenken. Dies erscheint oberflächlich betrachtet als Wiederholung, doch dem Sinne nach hat jede Ayah viele Bedeutungen, viele Nutzanwendungen, viele Aspekte und Ebenen. Sie wird in jeder Textstelle mit einer anderen Bedeutung, Nutzanwendung oder Aussage erwähnt. Was aber die kurze Zusammenfassung mancher, weniger bedeutender Gegenstände des Seins betrifft, so ist sie ein Funke aus dem Wunder des Qur'an in der Rechtleitung. Das aber ist kein Ansatzpunkt für eine Kritik, wie die Ketzer meinen, und auch kein Grund, darin einen Fehler zu erblicken.

Wenn du fragst:

"Warum denn nur spricht der Weise Qur'an nicht über das Sein, so wie die Philosophie das tut? Er behandelt manche Gegenstände nur kurz. Andere behandelt er, wie um der allgemeinen Anschauung entgegenzukommen, die Gefühle der Öffentlichkeit nicht zu verletzen und die Gedanken des einfachen Mannes nicht länger zu belasten und zu beschweren?"

Als Antwort sagen wir:

Die Philosophie hat sich auf dem Pfade der Wahrheit verirrt, darum... Sicherlich hast du durch die vorigen Lektion und "Worte" verstanden, dass der Weise Qur'an über den Kosmos spricht, damit du Wesen, Eigenschaften und Namen Gottes kennenlernst. Das will sagen: Er betrachtet das Sein nicht um des Seins willen, sondern seines Meisters wegen... in diesem Sinne spricht er zur Allgemeinheit. Was aber das Wissen über die Weisheit (: die Philosophie) betrifft, betrachtet sie das Sein um des Seins willen... in diesem Sinne spricht sie insbesondere zu den Philosophen. Weil

aber nun der Weise Qur'an das Sein als einen Beweis gebraucht, als ein Zeugnis gebraucht, ist es notwendig, dass der Beweis einsichtig ist, damit er in den Augen der Allgemeinheit rasch verstanden werden kann. Da der Qur'an zudem auch ein Lehrer ist, der sich an alle Schichten der Bevölkerung wendet, unter denen die zahlenmäßig größte Schicht aber die Schicht der einfachen Leute ist, erfordert seine Führung sicherlich, weniger bedeutende Dinge kurz zusammenzufassen und die schwerer verständlichen Dinge mit Gleichnissen näher zu bringen. Um aber nicht in Spiegelfechterei zu verfallen, sollte man Dinge, die offensichtlich klar vor Augen stehen, nicht in einer unnötigen, ja vielleicht sogar schädlichen Weise uminterpretieren. Er sagt z.B. über die Sonne: "Sie ist eine kreisende Leuchte, eine Lampe." Denn er spricht von der Sonne nicht um der Sonne willen, ihrer Gegenständlichkeit willen, sondern er spricht von ihr, weil sie eine Art von Zahnrad in einem Regulator und der Mittelpunkt eines Systems ist, weil System und Regelmaß ein Spiegel zur Erkenntnis des Meisters sind. Ja er sagt:

اَلشَّمْسُ َتجْرِى

{"Die Sonne läuft..." (Sure 36, 38)}

das heißt, die Sonne dreht sich. Mit diesem Ausdruck "dreht sich" macht er die Größe des Meisters verständlich, der in dem Wechsel von Sommer und Winter, Tag und Nacht an Seine ordnungsgemäße Verfügungsgewalt gemahnt.

Was nun auch immer die Wahrheit dieser Bewegung sein mag, es ändert dies nichts an der Ordnung, von der hier die Rede ist und deren verknüpftes Muster man beobachten kann.

Weiter sagt er:

وَجَعَلَ الشَّمْسَ سِرَاجًا

{"Und Wir haben die Sonne zu einer Lampe gemacht." (Sure 71, 16)}

Mit dem Ausdruck "Siradj"(Lampe) erinnert er daran, dass die Welt wie ein Schloss ist, in dem aller Schmuck, die Nahrung und alle Dinge des täglichen Bedarfs für die Menschen und alles Leben bereitgestellt ist; dazu dient die Sonne als eine Leuchte. So macht er die Barmherzigkeit und Gnadengabe des Schöpfers verständlich.

Und nun sieh einmal: Was sagt diese benebelte und geschwätzige Philosophie? Schau, sie sagt: "Die Sonne ist eine gewaltige Masse aus flüssigem Feuer. Sie bewirkt, dass die Planeten, die aus ihr herausgeschleudert wurden, um sie kreisen. Ihre Größe ist so und so und ihre Eigenschaften sind diese und jene..." Außer entsetzlichem Schrecken und fürchterlicher Verwunderung, gibt dies dem Geiste nichts. Dieses Wissen dient nicht zur Vollkommenheit, es behandelt das Thema nicht, wie der Qur'an dies tut. Wenn du einen Vergleich ziehst, wirst du begreifen, welchen Wert die wissenschaftliche Fragestellung hat. Sie ist nach innen hohl und taub, nach außen großartig. Lass dich von diesem äußerlichen Glanz nicht verwirren und werde nicht respektlos gegenüber der wundergleichen Darlegung des Qur'an.

اَللّٰهُمَّ اجْعَلِ الْقُرْاٰنَ شِفَآءً لَنَا وَلِكَاتِبِهِ وَاَمْثاَلِهِ مِنْ كُلِّ دَآءٍ، وَمُونِساً لَنَا وَلَهُمْ فِى حَيَاتِنَا وَبَعْدَ مَمَاتِنَا، وَفِى الدُّنْياَ قَريِنًا، وَفِى الْقَبْرِ مُونِسًا، وَفِى الْقِيَامَةِ شَفِيعًا، وَعَلَى الصِّرَاطِ نُوراً، وَمِنَ النَّارِ سِتْراً وَحِجَاباً، وَفِى الْجَنَّةِ رَفِيقًا، وَاِلَى الْخَيْراَتِ كُلِّهاَ دَلِيلاً وَاِمَامًا، بِفَضْلِكَ وَجُودِكَ وَكَرَمِكَ وَرَحْمَتِكَ يَآ اَكْرَمَ اْلاَكْرَمِينَ وَيَآ اَرْحَمَ الرَّاحِمِينَ، اٰمِينَ ٭ اَللّٰهُمَّ صَلِّ وَسَلِّمْ عَلٰى مَنْ اُنْزِلَ عَلَيْهِ الْفُرْقاَنُ الْحَكِيمُ وَعَلٰٓى اٰلِهِ وَصَحْبِهِٓ اَجْمَعِينَ، اٰمِينَ

{"Oh Gott, manche den Qur'an ein Heilmittel für uns gegen alle Krankheiten, einen Vertrauten in unserem Leben und nach unserem Tode, einen Freund in dieser Welt und einen Vertrauten im Grabe, einen Fürsprecher am Tage der Auferstehung und ein Licht auf der Brücke von Sirat, einen Schutz und Schirm gegen das Feuer, einen Begleiter im Paradiese, einen Zeugen für alle guten Werke und einen Imam durch Deine Gnadenfülle, Deine Großmut, Deine Freigiebigkeit, Dein Erbarmen, oh Freigiebigster aller Freigiebigen, oh Barmherzigster aller Barmherzigen, Amen! Oh Gott, gib Frieden und Segen ihm, dem Du die Weise Unterscheidung (den Qur'an) herabgesandt hast; ihm und seiner Familie und seinen Gefolgsleuten insgesamt! Amen!"}

Anmerkung:

In der arabischen Ausgabe von Risale-i Nur gliedert sich der vierzehnte Tropfen in sechs Punkte. Der vierte Punkt gliedert sich in sechs Anmerkungen. Er erklärt fünfzehn von insgesamt vierzig verschiedenen Beweisen dafür, dass der Qur'an ein Wunder ist. Wir begnügen uns hier mit einer kurzen Fassung. Wer es wünscht, kann dort nachschlagen: er wird einen Schatz an Wundern finden...

Zwanzigstes Wort

(Besteht aus zwei Kapiteln)

Erstes Kapitel

بِسْمِ اللَّهِ الرَّحْمَنِ الرَّحِيمِ ٭ وَاِذْ قُلْنَا لِلْمَلٰٓئِكَةِ اسْجُدُوا ِلاٰدَمَ فَسَجَدُوٓا اِلآَّ اِبْلِيسَ ٭ اِنَّ اللهَ يَاْمُرُكُمْ اَنْ تَذْبَحُوا بَقَرَةً ٭ ثُمَّ قَسَتْ قُلُوبُكُمْ مِنْ بَعْدِ ذٰلِكَ فَهِىَ كَالْحِجَارَةِ اَوْ اَشَدُّ قَسْوَةً

{"Im Namen Gottes, des Erbarmers, des Barmherzigen. Und als Wir zu den Engeln sagten: 'Werft euch vor Adam nieder!' Da warfen sie sich (alle) nieder, außer Iblis." (Sure 2, 34) "Gott befiehlt euch, eine Kuh zu schlachten!" (Sure 2, 67) "Sodann verhärteten sich danach eure Herzen, so dass sie (schließlich) wie Steine wurden, oder noch härter." (Sure 2, 74)}

Als ich eines Tages diese Verse las, wurden mir gegen die Hetzreden des Iblis mit dem Segen des Weisen Qur'an folgende drei Anmerkungen eingegeben. Die Form seiner Einflüsterung war folgende:

Er sagte: "Ihr sagt: Der Qur'an ist ein Wunder. Auch seine Ausdrucksweise ist von unendlicher Prägnanz. Auch ist er für alle zu jeder Zeit eine Richtschnur. Doch was für einen Sinn sollte es haben, einige unbedeutende Ereignisse als geradezu historisch zu betonen und zu wiederholen? Eine Kuh zu schlachten, ist doch nur ein kleines Ereignis, wird aber als derart wichtig beschrieben, dass diese große Sure sogar als "Al-Baqara(die Kuh)" bezeichnet wird. Ist das denn überhaupt noch verhältnismäßig? Und weiter ist der Zwischenfall mit dem "Kotau vor Adam" doch nur ein Hinweis aus dem Unsichtbaren. Der Verstand findet dazu doch gar keinen Zugang. In einem starken Glauben sind Ergebung und Bestätigung möglich.

Doch der Qur'an unterrichtet alle, die Verstand haben. An vielen Stellen sagt er: اَفَلاَ يَعْقِلُونَ {"Haben sie denn keinen Verstand?" (Sure 36, 68)} und verweist so auf den Verstand. Welch eine Rechtleitung steckt dahinter, wenn der Erwähnung des natürlichen, rein zufälligen Aussehens von Steinen eine solche Wichtigkeit beigemessen wird?"

Die Anmerkungen, die ich empfangen habe, lauten folgendermaßen:

Erste Anmerkung:

Im Weisen Qur'an gibt es viele kleine Geschehnisse. Hinter jedem versteckt sich ein allgemein gültiges Prinzip und wird als Faden für ein allumfassendes Gesetz dargestellt.

Zum Beispiel:

عَلَّمَ اٰدَمَ اْلاَسْمَآءَ كُلَّهَا

{"Und Er lehrte Adam alle Namen." (Sure 2, 31)}

Das Wunder Adams, dass ihn alle Namen gelehrt wurden, wodurch sich seine Eignung für das Kalifat gegenüber den Engeln herausstellte, ist ein kleines Ereignis, das auf ein allumfassendes Gesetz hinweist. Es ist der Faden eines solchen allgemeingültigen Gesetzes:

Es beruht auf einem Bildungsstand, der zahllose Kenntnisse umfasst, die der Menschheit wegen ihrer vielseitigen Begabungen gelehrt wurden, der sich auf sehr viele Wissenschaften, die alle Arten der Schöpfung betreffen, bezieht und eine Vielzahl von Erfahrungen, die sich auf Taten und Eigenschaften des Schöpfers beziehen, beinhaltet. Diese Bildung hat der Menschheit eine Überlegenheit gegeben, die den Anspruch rechtfertigt, das Große Pfand auf sich zu nehmen, nicht nur Engeln gegenüber, sogar auch Himmel und Erde und den Bergen gegenüber. So wie der Qur'an verständlich macht, dass die

Menschheit in ihrer Gesamtheit ein geistiger Kalif auf Erden ist, bildet das kleine Geschehnis aus dem Unsichtbaren, das "als die Engel sich vor Adam niederwarfen, der Teufel sich aber nicht niederwarf", den Faden eines allumfassenden, allgemeingültigen, von uns bezeugten Gesetzes. So lässt der Qur'an eine sehr große Wahrheit erahnen. Es ist dies wie folgt:

Wenn der Qur'an erwähnt, dass die Engel Adam in seiner Person gehorsam leisteten und sich ihm unterwarfen, der Teufel aber dabei hochmütig wurde und sich weigerte, macht er damit verständlich, dass die meisten materiellen Arten, die geistigen Vertreter und die Zuständigen dieser Arten, der Menschheit gehorchen und sich für allerlei Arten Nutzen ihrer Fähigkeiten bereitstellen und unterwerfen.

Er gemahnt die Menschen daran, was für ein großes Hindernis die bösen Dinge, welche die Begabungen der Menschengattung verderben und auf falsche Wege führen, auf dem Weg zur Vollkommenheit sind. Und was für ein fürchterlicher Feind die Vertreter und bösartigen Bewohner böser Dinge, für die Menschheit sind. Und der Qur'an, dessen Verkündigung ein Wunder ist, führt mit dem ganzen Kosmos und mit der ganzen Menschheit ein erhabenes Gespräch, wobei er von Adam, mit dem Friede und Segen sei, einem einzigen (Menschen) berichtet und einer kleinen Begebenheit mit ihm.

Zweite Anmerkung:

Ägypten ist ein Teil der Großen Sahara, welche ein Sandland ist. Durch den Ertrag des segensreichen Nils ist dieses Land zu einem fruchtbaren Acker geworden. Da sich in der Nachbarschaft dieser höllenähnlichen Sahara ein solches paradiesähnliches segensreiches Gebiet findet, hatte dies zur Folge, dass bei seiner Bevölkerung Ackerbau und Viehzucht in hohem Ansehen standen. Sie waren im Wesen seiner Bewohner so tief verwurzelt, dass sie die Landwirtschaft für heilig erklärten und Stier und Rind, als deren Voraussetzung, verehrten, ja sie sogar in den kultischen Rang ihrer Anbetung erhoben. Die damalige Bevölkerung Ägyptens

hatte Stier und Rind für so heilig erklärt, dass sie sie anbeteten. Damals lebten auch die Söhne Israels in diesem Gebiet und wir erfahren aus dem Vorfall mit dem "(goldenen) Kalb", dass auch sie an diesen Sitten beteiligt waren.

Wenn der Weise Qur'an mitteilt, dass Mosis, mit dem Friede sei, eine Kuh schlachtete, so will er damit verständlich machen, dass er durch seine Sendung diese Sitte der Anbetung der Kühe, welche in die Gebräuche dieses Volkes eingegangen war und in seiner Kultur zum Ausdruck kam, vollständig ausrottete. Er erklärt also mit diesem kleinen Ereignis wie in einem erhabenen Wunder ein allgemein gültiges Prinzip und dies ist zugleich ein weiser Unterricht, den jeder in jeder Zeit braucht.

Dementsprechend erkenne, dass manch kleine Ereignisse, die im Weisen Qur'an in Form von Geschichtserzählungen erwähnt werden, Faden allgemeingültiger Gesetze sind. Ich hatte sogar als Beispiel für die Geschichte Mosis, welche in vielen Suren mit sieben bestimmten Sätzen wiederholt zitiert werden, in der Abhandlung "Lemeat(Funken)", wo der Qur'an als Wunder behandelt wird, erklärt, was für ein bedeutendes, allgemeingültiges Gesetz jeder Abschnitt dieser kleinen Sätze innehat. Dort kannst du diese Abhandlung nachschlagen, wenn du willst.

Dritte Anmerkung:

ثُمَّ قَسَتْ قُلُوبُكُمْ مِنْ بَعْدِ ذٰلِكَ فَهِىَ كَالْحِجَارَةِ اَوْ اَشَدُّ قَسْوَةً وَاِنَّ مِنَ اْلحِجَارَةِ لَمَا يَتَفَجَّرُ مِنْهُ اْلاَنْهَارُ وَاِنَّ مِنْهَا لَمَا يَشَّقَّقُ فَيَخْرُجُ مِنْهُ اْلمَآءُ وَاِنَّ مِنْهاَ لَمَا يَهْبِطُ مِنْ خَشْيَةِ اللّٰهِ وَمَا اللّٰهُ بِغَافِلٍ عَمَّا تَعْمَلوُنَ

{"Sodann aber verhärteten sich danach eure Herzen und wurden zu Stein oder noch härter; und siehe, es gibt Steine, aus denen Flüsse entströmen; andere spalten sich und es trat Wasser (: Quellen) aus ihnen hervor; andere wiederum fürwahr, welche aus Furcht vor Allah niederstürzten; und Allah ist nicht achtlos eures Tuns." (Sure 2, 74)}

Beim Lesen dieser Ayah sagte der Einflüsterer: "Welcher

Sinn liegt darin, gewöhnliche Steine, wie sie jedem bekannt sind, mit ihren natürlichen, selbstverständlichen Formen zur allerwichtigsten und größten Sache zu erklären und so zu behandeln? Ist das denn überhaupt noch verhältnismäßig? Und wozu sollte es denn dienen?"

Auf diese Einflüsterung wurde mir aus der Fülle des Qur'an die folgende Anmerkung eingegeben:

Es ist dies in der Tat verhältnisgemäß und die Erklärungen sind auch notwendig. Es gibt sogar eine so bedeutende Beziehung, einen so nachhaltigen Sinn und eine so mächtige und notwendige Einsicht, die nur die wunderbare Prägnanz des Qur'an und die Gnade seiner Rechtleitung in gewissem Grade vereinfachen und zusammenfassen konnte. Die Prägnanz, ein Kennzeichen der Wunderhaftigkeit des Qur'an, die Rechtleitung und die Schönheit der Erklärungen in seinen Unterweisungen erfordern, dass die allumfassenden Wahrheiten und profunden, allgemein gültigen Gesetze einfachen Leuten, die unter den Ansprechpartnern des Qur'an die Mehrheit bilden, in der ihnen vertrauten, einfachen Form gezeigt werden und dass die mächtigen Wahrheiten einfachen Leuten gerade über diese Schiene und in einfacher Darstellung nahegebracht werden. Darüber hinaus sollte auch auf Gottes wunderbares Walten, welches uns hinter dem Schleier des Alltäglichen und auch unter der Erde verborgen bleibt, deutlich hingewiesen werden. So ist es gerade dieses Geheimnis, worüber der Weise Qur'an in dieser Ayah folgendes sagt:

Oh ihr Söhne Israels und oh ihr Söhne Adams! Was ist mit euch geschehen, dass eure Herzen noch starrer und härter als diese Steine wurden. Seht ihr denn nicht, wie diese riesigen Steine (auch unter der Erde) Gottes Befehlen so gehorsam unterworfen und dem Walten ihres Herrn gegenüber so milde und in gleicher Weise dienstbereit sind, mit welch gleicher Leichtigkeit sich Gottes Walten bei der Gestaltung der Bäume im Luftraum (auch über der Erde) vollzieht. Genauso fließt auch das Wasser ungehindert durch Adern und Kanäle in diesen unterirdischen,

harten und tauben Gesteinen

{(*): Die drei wichtigsten Aufgaben zu erklären, die der majestätische Schöpfer den Gesteinsschichten zugeordnet hat, welche der Grundstein dieses unsere Erde genannten prächtigen, wandelnden Schlosses sind, gebührt in der Tat allein dem Qur'an.

Ihre erste Aufgabe: So wie die Erde durch die Macht des Herrn die Mutterschaft für die Pflanzen übernimmt und sie versorgt, genauso übernimmt der Stein durch die Macht Gottes seine Mutterschaft über die Erde und hält sie fest.

Ihre zweite Aufgabe: Sie dienen dazu, das Wasser wohlgeordnet fließen zu lassen, was im Körper der Erde dem Blutkreislauf gleicht.

Ihre dritte Aufgabe entspricht ihrer naturgemäßen Beschaffenheit: Sie sorgen als Schatzmeister und Verwalter dafür, dass Quellen und Bäche, Flüsse und Ströme in Ordnung und Ausgewogenheit heraustreten und fortbestehen. Die Steine prägen in der Tat die Beweise der Allgegenwart (des Einen Gottes) unter der Gestalt des lebendigen Wassers in das Gesicht der Erde ein, wenn sie es mit ihrer ganzen Kraft und vollem Munde ausspeien.}

mit der gleichen Leichtigkeit, der Ordnung und in vollkommener Weisheit so wie auch das Blut in seinen Adern.

Des Weiteren weist der Qur'an darauf hin, mit welcher Leichtigkeit sich die empfindlichen Wurzelhärchen auf Gottes Geheiß mühelos und planmäßig in den Steinen unter der Erde ausbreiten, genauso leicht wie sich auch die Äste der Bäume und anderer Pflanzen im Luftraum (über der Erde) ausdehnen. So unterrichtet er mit dieser Ayah eine umfassende Wahrheit, macht sie diesen harten Herzen verständlich und deutet damit auf das Folgende hin:

Oh ihr Söhne Israels und Söhne Adams! Was tragt ihr denn für ein Herz in euch, dass sich dieses Herz trotz eurer Schwäche und Ohnmacht gegen die Befehle eines solchen Herrn krampfhaft widersetzt. Demgegenüber erfüllen die gewaltigen Schichten dieser riesigen, harten Steine, den Befehlen dieses Herrn vollkommen unterworfen, im Dunkel ihre so sensiblen Aufgaben. Sie zeigen

keinerlei Ungehorsam. Vielmehr dienen diese Steine allen Lebewesen über der Erde derart als Schatzmeister, welcher ihnen das Wasser für ihr Leben und den übrigen Lebensunterhalt vermittelt, und in einer solchen Gerechtigkeit, in einer solchen Weisheit Verteilung gewährleistet, dass sie in der Hand der Macht des majestätischen Herrschers (Hakim-i Dhu l-Djelal)so weich sind wie Wachs, ja sogar wie die Luft, die keinen Widerstand bietet und sich niederwerfen vor der Größe Seiner Macht. Denn gleich diesen wohlgeordneten Kunstwerken, die wir auf der Erde bezeugen, entstehen dergleichen weise und gnadenvolle Werke Gottes auch unter der Erde. Ja vielmehr tritt dort die Weisheit und Gnade Gottes in einer noch einzigartigeren Weise in Erscheinung, betrachtet man, wie wunderbar doch ihre Weisheit und wie erstaunlich doch ihre Ordnung ist. Seht doch, wie diese riesigen Steine, so hart und gefühllos sie sind, sich doch entsprechend dem Gang der Dinge weich wie Wachs erweisen und den anmutigen Wassern und seidenweichen Wurzelhärchen, welche Beamte Gottes sind, ohne jeglichen Widerstand und Härte entgegentreten. Einem Liebenden vergleichbar, zerreißt sogar der Stein sich das Herz vor der Berührung dieser Anmutigen und Schönen und wird vor ihnen zu Staub.

Des Weiteren zeigt die Aussage

وَاِنَّ مِنْهاَ لَمَا يَهْبِطُ مِنْ خَشْيَةِ اللّٰهِ

{"Und fürwahr gibt es unter ihnen solche, welche aus Furcht vor Allah niederstürzen;" (Sure 2, 74)}

als einen Leitfaden für eine solch mächtige Wahrheit: Im Geschehnis von "Taleb-i Ru'yet (Wunsch Mosis Gott zu schauen)" wurde der berühmte Berg (Sinai) durch die Erscheinung (Gottes) zerspalten und die Felsen zerfielen. Desgleichen zerbrechen überall auf der Erde die Felsengipfel manch hoher Berge, die aussehen, als bestünden sie aus einem einzigen gewaltigen Block, der einmal Meeresschlamm oder glutflüssige Lava gewesen war und nun

erkaltet ist, bei einem Erdbeben und anderen Erdverwerfungen, majestätischen Erscheinungen, die Furcht einflößen; ein Teil von ihnen verwittert, zerfällt zu Staub und wird zu Erde für die Pflanzen.

Ein anderer Teil von ihnen bleibt Stein, rollt (die Berge) hinab, verteilt sich in den Bächen und über die Ebenen. Sie dienen den Erdenbewohnern zu vielerlei Zwecken, wie z.B. dem Bau ihrer Häuser. Sie werfen sich mit ihren in ihnen verborgenen praktischen Nutzanwendungsmöglichkeiten im Gehorsam vor der Macht und Weisheit Gottes nieder. So nehmen sie gegenüber den Grundsätzen der Weisheit des Hochgelobten eine dienstbereite Haltung ein. Mit Sicherheit verlassen sie ihre hohen Gipfel in Ehrfurcht und wählen bescheiden die niederen Plätze und werden so zu einer Quelle vieler wichtiger und nützlicher Dinge. Ein Beweis dafür, dass dies weder absurd, unbeabsichtigt, planlos oder zufällig ist, vielmehr sich dahinter in dem weisen Walten eines mächtigen Weisen (Hakiem-i Qadir)eine vollkommene Ordnung verbirgt, die äußerlich betrachtet als Unordnung erscheint, sind diese zahllosen Nutzanwendungsmöglichkeiten, die auf diesen Steinen beruhen. Die vollkommene Ordnung und wunderbare Kunstfertigkeit dieses Kleides, das mit Blumen und Früchten dekoriert und geschmückt ist und die Berge, von denen diese Steine rollen, gleich einem Leib bekleidet, legt sicher und zweifelsfrei ein zuverlässiges Zeugnis dafür ab.

Somit kann man sehen, wie bedeutend - aus dem Blickpunkt der Weisheit heraus betrachtet - diese drei Ayat sind. Nun seht einmal die Feinsinnigkeit des Qur'an in seiner Verkündung und das Wunder in seiner Wortkunst; wie er die Leitfäden dieser obenerwähnten großen, umfassenden und wichtigen Wahrheiten in drei Abschnitten und an Hand von drei bekannten und bezeugten Ereignissen aufzeigt und wie er seine Lehren auf eine feine Art übermittelt, während er an drei weitere Ereignisse als Lehrbeispiele erinnert; zugleich verbrennt und überwindet er alle Widerstände.

Zum Beispiel:

Er sagt im zweiten Abschnitt:

وَاِنَّ مِنْهَا لَمَا يَشَّقَّقُ فَيَخْرُجُ مِنْهُ اْلمَآء

{"Und siehe, unter ihnen sind solche, die sich spalten und es entströmt ihnen Wasser (: Quellen);" (Sure 2, 74)}

Da der Qur'an mit diesem Abschnitt auf den Stein hinweist, der sich vor dem Stab Mosis, mit dem Friede und Segen sei, in vollkommener Begeisterung gespalten hatte und aus dessen zwölf Öffnungen zwölf Quellen entströmten, lässt er einen solchen Sinn verstehen und sagt mit diesem Hinweis: "Oh ihr Söhne Israels! Vor einem einzigen Wunder Mosis, mit dem Friede und Segen sei, werden riesige Steine weich und spalten sich. Sie weinen, entweder aus Furcht oder vor Freude und vergießen eine Flut von Tränen. In was für einer Einstellung seid ihr vor allen Wundern Mosis, mit dem Friede und Segen sei, so verbohrt, dass ihr nicht weint; eure Augen sind tot und eure Herzen erstarrt."

Des Weiteren sagt er im dritten Abschnitt:

وَاِنَّ مِنْهاَ لَمَا يَهْبِطُ مِنْ خَشْيَةِ اللّٰهِ

{"Fürwahr unter ihnen sind solche, die aus Furcht vor Allah niederstürzen;" (Sure 2, 74)}

Mit diesem Abschnitt erinnert er uns an das Bittgebet Mosis, mit dem Friede und Segen sei, auf dem Berge Tur im Sinai, infolge dessen sich die majestätische Erscheinung (Gottes) zeigte. Aus der Furcht (vor dieser Erscheinung) brach der riesige Berg in Stücke und zerfiel. Aus dieser Furcht rollten die Steine in allen Richtungen hinunter. Durch die Erinnerung an dieses berühmte Geschehnis lehrt der Qur'an uns die folgende Bedeutung: Oh ihr vom Stamme Mosis, mit dem Friede und Segen sei, wie kann es sein, dass ihr euch nicht vor Allah fürchtet? Es werden Berge, die doch aus Stein bestehen, ganz bedrückt in Furcht vor Ihm und zerfallen. Obwohl ihr wisst und seht, dass Er wegen Seines Vertrages mit euch den Berg Tur über euch fernhält und dass der Berg im Geschehnis

von "Taleb-i Ru'yet(Wunsch Mosis, Gott zu schauen)" in Stücke zerfiel, mit welchem Mut zittert und fürchtet ihr euch nicht vor Ihm und haltet eure Herzen fest in Härte und Erstarrung.

Des Weiteren sagt er im ersten Abschnitt:

وَاِنَّ مِنَ اْلحِجَارَةِ لَمَا يَتَفَجَّرُ مِنْهُ اْلاَنْهَار

{"Und siehe, es gibt Steine, aus denen Flüsse entströmen." (Sure 2, 74)}

Mit diesem Abschnitt erinnert der Qur'an uns an Flüsse, wie den gesegneten Nil, den Tigris und den Euphrat, die aus Bergen entspringen. Damit lässt er uns verstehen, in welcher wunderbaren und außergewöhnlichen Weise sich die Steine dem Gang der Entwicklung des Seins gegenüber zeigen und ihm unterworfen sind. Und somit gibt er den erwachten Herzen den folgenden Sinn ein: Auf jeden Fall ist es nicht möglich, dass diese Berge die tatsächlichen Quellen solcher gewaltigen Ströme sein könnten. Denn: Angenommen, diese Berge bestünden vollständig aus Wasser und wären kegelförmige Gebilde: Es reichte dennoch nur für ein paar Monate! Doch trotzdem diese riesigen Ströme so schnell und so reichlich dahin fließen, verlieren sie nicht das Gleichgewicht. Dabei kann der Regen, der gewöhnlich nur bis zu einem Meter tief in die Erde einzudringen vermag, den reichlichen Wasserverlust nicht ausreichend abdecken. Das heißt also, dass das Hervorquellen dieser Ströme ein Vorkommnis ist, das man nicht für gewöhnlich, selbstverständlich oder zufällig erachten kann. Vielmehr lässt der majestätische Schöpfer (Fatir-i Dhu l-Djelal)seine Ströme in ganz besonders wunderbarer Weise ausschließlich aus der unsichtbaren Schatzkammer fließen.

Also, auf diese feine Wahrheit hinweisend, um dieser Tatsache Ausdruck zu verleihen, besagt eine Überlieferung: "Zu jedem von diesen drei Strömen tropft jederzeit ein Tropfen aus dem Paradies, wodurch sie stets gesegnet sind." Außerdem lautet eine andere Überlieferung: "Die Quellen dieser drei Ströme entspringen aus dem

Paradies." Der Sinn dieser Überlieferung ist folgender: Da nun einmal die sichtbaren Ursachen nicht ausreichend dafür sind, dass diese Ströme in einem solchen Ausmaß hervorquellen, entspringen ihre Quellen mit Sicherheit aus einer unsichtbaren Welt und kommen aus einer verborgenen Schatzkammer der Barmherzigkeit, sodass ihr Gleichgewicht zwischen den Einnahmen und Ausgaben bestehen bleibt.

So unterrichtet der Weise Qur'an, wenn er uns an diese Tatsache erinnert, wie folgt: Er sagt: Oh ihr Söhne Israels und Söhne Adams! Durch eure Herzensstarrheit und Gottvergessenheit zeigt ihr euch ungehorsam gegenüber den Befehlen eines solchen majestätischen Herrn und schließt eure Augen vor dem Strahl der Erkenntnis einer solchen immerwährenden Sonne. Er lässt riesige Ströme wie den gesegneten Nil, welcher euer Ägypten in ein Paradies verwandelt, aus dem Mund gewöhnlicher und lebloser Steine hervorquellen, verleiht damit Wunderwerke Seiner Macht und Zeugnisse Seiner Allgegenwart (Vahdaniyet)im Grade der Macht und der Erscheinung und der Fülle dieser riesigen Ströme der Erde, dem Herzen des Kosmos und ihrem Geist und lässt sie in die Herzen und den Verstand der Dschinnen und der Menschen eindringen. Obwohl manche Steine, die gefühllos, leblos sind und in so einer erstaunlichen Weise

{(*): Der segensreiche Nil entspringt aus einem Felsen, der Mondberg genannt wird, und der wichtigste Nebenstrom des Tigris quillt aus einer Felshöhle im Distrikt Van hervor. Ein wichtiger Nebenstrom des Euphrat entspringt am Fuß eines Berges in der Umgebung von Diyadin. Es steht wissenschaftlich fest, dass die Berge aus Gesteinsmassen hervorgegangen sind, welche bei ihrer Entstehung Meeresschlamm oder flüssige Lava gewesen waren und dann erstarrten.

سُبْحَانَ مَنْ بَسَطَ اْلاَرْضَ عَلٰى مَآءٍ جَمَدٍ

("Gepriesen sei Er, der die Erde auf einer Masse erstarrter Flüssigkeit ausbreitete!")

lautet eine Lobpreisung des Propheten und weist so mit aller Sicherheit darauf hin, dass die Erschaffung der Erde ursprünglich auf folgende Weise geschah: Eine Art Flüssigkeit erhärtete auf Gottes Geheiß und wurde zu Stein. Der Stein zerfiel mit Gottes Erlaubnis zu Staub. In der Lobpreisung ist das arabische Wort "Ard" die Bezeichnung für "Erde". Die Flüssigkeit war aber so dünn, dass man noch nicht darauf stehen konnte. Der Stein ist aber so hart, dass man ihn noch nicht nutzen kann. Darum breitete der barmherzige Allweise Erde über dem Gestein aus und schuf so einen Platz für die Lebewesen.}

die Wunderwerke des Allmächtigen zeigen, auf den majestätischen Schöpfer hinweisen, so wie das Licht der Sonne auf die Sonne hinweist, wie könnt ihr euch vor dem Licht der Erkenntnis (Gottes) blind stellen und es nicht sehen?

So siehe denn, was für eine Rhetorik und Stilistik (gleich einem Gewand) über diesen drei Tatsachen zurechtgeschneidert wurde! Und achte auf die Wortkunst in der qur'anischen Unterweisung! Gäbe es etwa irgendwelche Starrheit und Härte, die einer solch feurigen Rhetorik in der Unterweisung widerstehen könnte, ohne von ihr beeindruckt zu sein!...

Nun, wenn du dies von Anfang an bis hierher verstanden hast, so erkenne darin den Funken des Wunders, das die Rechtleitung des Weisen Qur'an ist, und danke Gott!..

سُبْحَانَكَ لاَعِلْمَ لَنَآ اِلاَّ مَاعَلَّمْتَنَآ اِنَّكَ اَنْتَ الْعَلِيمُ الْحَكِيمُ ٭ اَللّٰهُمَّ فَهِّمْنَا اَسْرَارَ الْقُرْاٰنِ كَمَا تُحِبُّ وَتَرْضٰى وَوَفِّقْناَ لِخِذْمَتِهِ اٰمِينَ بِرَحْمَتِكَ يَآ اَرْحَمَ الرَّاحِمِينَ ٭ اَللّٰهُمَّ صَلِّ وَسَلِّمْ عَلٰى مَنْ اُنْزِلَ عَلَيْهِ الْقُرْاٰنُ الْحَكِيمُ وَعَلٰٓى اٰلِهِ وَصَحْبِهِٓ اَجْمَعِينَ

{"Gepriesen seist Du! Wir haben kein Wissen, außer dem, das Du uns gelehrt hast. Denn Du bist der Allwissende, der Allweise!" "Oh Gott, mach uns die tiefen Wahrheiten des Qur'an so verständlich wie Du selbst es liebst und es Dir wohlgefällig ist und gewähre uns den Erfolg in seinem Dienst nach Deinem Erbarmen, amin." "Oh Du Barmherzigster aller Barmherzigen." "Oh Gott, gewähre Frieden und Segen dem, auf den Du den weisen Qur'an herabgesandt hast, seiner Familie und allen seinen Gefährten."}

Zweites Kapitel

Ein Funke aus dem Wunder des Qur'an, welcher im Antlitz der Wunder der Propheten erscheint.

Beachte die beiden Fragen und ihre Antworten im letzten Abschnitt!

بِسْمِ اللَّهِ الرَّحْمَنِ الرَّحِيمِ ٭ وَلاَ رَطْبٍ وَلاَ يَابِسٍ اِلاَّ فِى كِتَابٍ مُبِينٍ

{"Im Namen Allahs, des Erbarmers, des Barmherzigen. ...und nichts Grünes und nichts Dürres, das nicht in einer deutlichen Schrift verzeichnet wäre." (Sure 6, 59)}

Vor vierzehn Jahren (inzwischen sind es dreißig Jahre geworden) hatte ich in meinem Kommentarbuch ein Kapitel mit dem Titel "Isharatu l-i'djaz(Zeichen der Wunder des Qur'an)" über eine tiefe Wahrheit dieser Ayah in arabischer Sprache verfasst. Zwei Mitbrüder, deren Wünsche für mich bedeutsam sind, haben mich nun darum gebeten, ihnen einiges zu diesem Thema auf türkisch zu erklären. So vertraue ich denn auf die Führung Gottes des Gerechten, baue auf die Hilfe des Qur'an und sage:

Nach einer Überlieferung versteht man unter der deutlichen Schrift den Qur'an. Diese Ehrwürdige Ayah erklärt, dass sich alles Grüne oder Dürre in ihm findet. Ist das tatsächlich so? Ja, es findet sich in der Tat alles in ihm. Aber es kann nicht jeder alles in ihm erkennen, denn es findet sich auf verschiedenen Ebenen. Manchmal findet es sich als Kernsätze, manchmal als Saatgedanken, manchmal in Form einer Zusammenfassung, manchmal in Form von Grundsätzen, manchmal in Form von Merksätzen; entweder offensichtlich, oder hinweisend, oder symbolisch, oder unter einem Sammelbegriff, oder in Form einer

Ermahnung. Je nach dem Bedürfnis und dem Zweck des Qur'an entsprechend und in Bezug auf seinen Inhalt wird es in einer dieser Formen ausgedrückt.

Zum Beispiel:

Als wunderbare Kunstwerke und Einzigartigkeiten der Wissenschaften, welche Ergebnisse des menschlichen Fortschrittes sind, sind Flugzeuge, Elektrizität, Eisenbahn, Telegraf u. dgl. Dinge in Erscheinung getreten und haben im täglichen Leben der Menschen einen großen Platz eingenommen. Der Weise Qur'an, der zur ganzen Menschheit spricht, sollte doch diese Dinge auf gar keinen Fall unerwähnt gelassen haben. Und er hat sie in der Tat nicht unerwähnt gelassen. Er hat in zweierlei Art auf sie hingewiesen:

Erster Hinweis:

Durch die Wunder der Propheten...

Zweiter Hinweis:

Er weist durch manche Erzählungen aus der Geschichte auf sie hin.

Zum Beispiel:

قُتِلَ اَصْحاَبُ اْلاُخْدُودِ ٭ اَلنَّارِذَاتِ الْوَقُودِ ٭ اِذْ هُمْ عَلَيْهَا قُعُودٌ ٭ وَهُمْ عَلٰى مَا يَفْعَلُونَ بِالْمُؤْمِنِينَ شُهُودٌ ٭ وَمَا نَقَمُوا مِنْهُمْ اِلآَّ اَنْ يُؤْمِنوُا بِاللّٰهِ الْعَزِيزِ الْحَمِيدِ

{"Verflucht seien die Leute der Grube, des Feuers mit seinem Brennstoff, wenn sie an ihm sitzen und Zeugnis ablegen für das, was sie den Gläubigen angetan haben. Und sie rächten sich an ihnen allein deswegen, weil sie an den Einen Gott glaubten, der mächtig und des Lobes würdig ist..." (Sure 85, 4-8)}

{(*): Dieser Satz deutet klar darauf hin, dass es die Eisenbahn ist, welche die islamische Welt unter die Gefangenschaft gebracht hat. Durch sie haben die Ungläubigen die Muslime besiegt.}

Sowie:

فِى الْفُلْكِ اْلمَشْحُونِ ٭ وَخَلَقْناَ لَهُمْ مِنْ مِثْلِهِ مَايَرْكَبُونَ

{"Und ein Zeichen ist es ihnen, dass Wir ihre Nachkommenschaft) in dem vollbeladenen Schiff trugen und ihnen ähnliche Dinge verfertigten, die sie besteigen." (Sure 36, 41-42)}

weist der Qur'an mit vergleichbaren Ayat auf die Eisenbahn hin.

اَللّٰهُ نُورُ السَّمٰوَاتِ وَاْلاَرْضِ مَثَلُ نُورِهِ كَمِشْكٰوةٍ فِيهَا مِصْباَحٌ اَلْمِصْباَحُ فِى زُجَاجَةٍ اَلزُّجَاجَةُ كَاَنَّهَا كَوْكَبٌ دُرِّىٌّ يُوقَدُ مِنْ شَجَرَةٍ مُبَارَكَةٍ زَيْتُونَةٍ

لاَشَرْقِيَّةٍ وَلاَ غَرْبِيَّةٍ يَكَادُ زَيْتُهَا يُضِٓيئُ وَلَوْ لَمْ تَمْسَسْهُ نَارٌ نُورٌ عَلٰى نُورٍ يَهْدِى اللّٰهُ لِنُورِهِ مَنْ يَشَآءُ

{"Allah ist das Licht des Himmels und der Erde. Sein Licht ist mit einer Leuchte zu vergleichen, mit einer Lampe darin. Die Lampe ist in einem Glas. Es scheint wie ein funkelnder Stern. Es brennt von einem gesegneten Baum, einem Ölbaum, der weder im Osten noch im Westen ist, und dessen Öl Helligkeit gibt, ohne dass es vom Feuer berührt worden wäre - Licht über Licht. (*) Allah führt seinem Licht zu, wen Er will." (Sure 24, 35)

(*) Anmerkung:

يَكَادُ زَيْتُهَا يُضِٓئُ وَلَوْ لَمْ تَمْسَسْهُ نَارٌ نُورٌ عَلٰى نُورٍ

("...und dessen Öl Helligkeit gibt, ohne dass es vom Feuer berührt worden wäre - Licht über Licht.")

Dieser Satz bringt jenen Hinweis ans Licht.}

Diese Ayah weist auf viele verschiedene Lichter und Geheimnisse hin, wobei sie auch auf die Elektrizität hindeutet. Da sich mit diesem zweiten Aspekt viele Leute beschäftigen und er großer Aufmerksamkeit und eingehender Erklärung bedarf und umfangreich ist, möchte ich mich hier mit diesen Ayat, welche auf die Eisenbahn und auf die Elektrizität hinweisen, begnügen und diese Tür nicht öffnen. Erster Hinweis weist auf sie durch die Wunder der Propheten hin. Hier wollen wir einige Beispiele dieser Art zum Vergleich anführen.

Einführung:

Wie im Weisen Qur'an erwähnt wird, hat Gott der Gerechte die Propheten als jeweils einen Führer und Wegweiser für die Gemeinschaften der Menschen hinsichtlich ihrer geistigen Entwicklung gesandt und für die materielle Entwicklung der Menschen jedem dieser Propheten gewisse Wunder an die Hand gegeben und sie

zu Meistern und Lehrern gemacht. Er befiehlt uns, uns ihnen in jeder Hinsicht zu unterwerfen. Wenn der Qur'an von der geistigen Vollkommenheit der Propheten spricht, spornt er die Menschen dazu an, ihnen zu folgen; die Abhandlung über die Wunder aber lässt eine Ermunterung dazu verspüren, deren Nachahmung zu erreichen, ihnen nachzueifern. Man kann sogar sagen, dass es an Hand der Wunder geschah, dass der Menschheit erstmals geistige Vollkommenheit als auch materielle Vollkommenheit und Wunderwerke geschenkt wurden. So ist das Schiff, ein Wunder Noahs, und die Uhr, ein Wunder Josefs, das erstmals der Menschheit geschenkt wurde, aus der Hand der Wunder. Ein feinsinniger Hinweis auf diese Tatsache ist folgender:

Die meisten Handwerker nehmen in jedem Handwerk je einen Propheten als Meister an. Zum Beispiel nehmen die Schiffbauer Noah an, mit dem Friede sei, die Uhrmacher Josef, mit dem Friede sei, die Schneider Henoch, mit dem Friede sei...

Forscher und Leute der Dichtkunst sind sich ja darin einig, dass jede Ayah im Qur'an in verschiedener Hinsicht eine Lehre erteilt und auf den rechten Weg leitet. Die Ayat über die Wunder der Propheten, die prächtigsten im Qur'an, dessen Verkündigung ein Wunder ist, sind keine bloße Erzählung aus der Geschichte, sondern sie beinhalten verschiedene Bedeutungen, die auf den rechten Weg führen. Wenn der Qur'an die Wunder der Propheten bespricht, so zieht er die weiteste Grenze der Wissenschaft und Kunst der Menschen. Er legt den Finger auf ihre entferntesten Ziele. Er bestimmt ihr endgültiges Ziel. Zur Ermunterung klopft er dem Menschen auf seine Schultern und führt ihn zu diesem Ziel hin. So wie die vergangene Zeit eine Speicherkammer der Samen der zukünftigen Zeit und ein Spiegel ihrer Ereignisse ist, so ist auch die Zukunft ein Acker der Vergangenheit und ein Spiegel ihrer Geschehnisse. Jetzt wollen wir nur noch einige Beispiele aus dieser überaus umfangreichen Quelle erklären...

Zum Beispiel:

Die Ayah

وَلِسُلَيْمٰنَ الرِّيحَ غُدُوُّهَا شَهْرٌ وَرَوَاحُهَا شَهْرٌ

{"Und Salomon haben Wir den Wind dienstbar gemacht, sein Morgen war ein Monat und sein Abend ein Monat." (Sure 34, 12)}

welche als ein Wunder Salomons, mit dem Friede sei, die Unterwerfung der Luft ausdrückt, besagt: "Salomon hat an einem Tag eine Strecke von zwei Monaten in der Luft fliegend zurückgelegt." Darin weist der Qur'an darauf hin: Für die Menschen ist der Weg offen, in der Luft eine solche Strecke zurückzulegen. Wenn das so ist, oh Mensch, und für dich die Möglichkeit besteht, bemühe dich darum, diese Stufe zu erreichen! Gott der Gerechte bringt mit dieser Ayah sinngemäß zum Ausdruck: "Oh ihr Menschen! Da einer meiner Diener mit ganzer Seele kein Windbeutel mehr sein wollte, habe ich ihn auf dem Wind reiten lassen. Wenn auch ihr mit ganzer Seele kein Faulpelz mehr sein wollt und von manchen Gesetzen und Regeln meiner Gewohnheit den besten Gebrauch macht, könnt auch ihr auf ihm reiten!"

Diese Ayah,

فَقُلْناَ اضْرِبْ بِعَصَاكَ الْحَجَرَ فَانْفَجَرَتْ مِنْهُ اثْنَتَا عَشْرَةَ عَيْناً

{"Da sprachen Wir: Schlage mit deinem Stab auf den Felsen! Da brachen zwölf Quellen aus ihm hervor. usw...." (Sure 2, 60)}

welche ein Wunder Mosis, mit dem Friede sei, erklärt, weist darauf hin: Man kann Schätze der Barmherzigkeit, die unter der Erde verborgen sind, mit einfachen Werkzeugen herausholen. Man kann sogar an einem steinharten Ort mit einem Stab lebendiges Wasser zu Tage fördern. So sagt denn diese Ayah den Menschen sinngemäß: "Ihr könnt lebendiges Wasser, welches das anmutigste Geschenk der Barmherzigkeit ist, mit einem Stab finden. Also dann, auf, arbeitet nur und findet es!" Gott der Gerechte spricht mit den Worten dieser Ayah zu dem Geist des Menschen: "Oh Mensch! Einem meiner Diener,

der auf mich vertraut, gebe ich also einen solchen Stab in die Hand, womit er an jedem Platz, den er nur will, lebendiges Wasser hervorholen kann. Wenn du dich auf die Gesetze meiner Barmherzigkeit stützt, kannst auch du ein solches oder ein ähnliches Gerät in Gebrauch nehmen. Also tu das!" So ist eine unter den wichtigsten Entwicklungen der Menschheit die Entwicklung eines Gerätes, mit dem man in vielen Gebieten sondieren und Wasser hervorsprudeln lassen kann. Diese Ayah zeigt noch entfernter liegende Ziele solcher Entwicklungen, noch weit hinter unendlich fernen Grenzen auf. Desgleichen legt die obenerwähnte Ayah Punkte fest, die im Vergleich zu den bereits heute von den Flugzeugen erreichten in einer noch unendlich viel weiteren Ferne liegen.

Noch ein Beispiel: Die Ayah

وَ اُبْرِئُ اْلاَكْمَهَ وَاْلاَبْرَصَ وَاُحْيِى اْلمَوْتٰى بِاِذْنِ اللّٰهِ

{"Und ich werde mit Gottes Erlaubnis Blinde und Aussätzige heilen und Tote wieder lebendig machen." (Sure 3, 49)}

betrifft ein Wunder Jesu, mit dem Friede sei. Wie der Qur'an die Menschen zur hohen Gesittung Jesu, mit dem Friede sei, eindeutig anspornt, so regt er sie auch zu der hohen Kunst und der Medizin des Herrn indirekt an. So weist diese Ayah darauf hin: "Auch die langwierigsten Krankheiten sind heilbar. Also dann, oh Mensch und ihr von einem Unglück heimgesuchten Söhne Adams! Seid nicht verzweifelt! Alle Krankheiten - was es auch sei - sind heilbar. Wenn ihr sucht, findet ihr. Ja es ist sogar möglich, den Tod vorübergehend mit einer Farbe des Lebens zu bestreichen." Gott der Gerechte weist durch diese Ayah darauf hin: "Oh Mensch! Ich habe einem meiner Diener, der um meinetwillen die Welt aufgegeben hat, zwei Geschenke verliehen. Das eine ist die Heilung der Seele; das andere ist die Medizin für körperliche Krankheiten... Es werden tote Herzen durch das Licht der Rechtleitung wieder ins Leben gerufen. Kranke, die wie tot sind, finden Genesung durch seine Einhauchung und

seine Medizin. Auch du kannst für jede deiner Krankheiten Heilung aus der Apotheke meiner Weisheit finden. Arbeite! Finde! Suchst du, dann wirst du mit Sicherheit finden." So setzt diese Ayah die Grenze des Fortschrittes der Menschen in der Medizin viel weiter als den heutigen Stand, weist auf noch weit entfernte Ziele hin und spornt an.

Noch ein Beispiel: Die Ayah

وَاَلَنَّا لَهُ الْحَدِيدَ ٭ وَاٰتَيْناَهُ الْحِكْمَةَ وَفَصْلَ الْخِطَابِ

{"Und wir machten für ihn das Eisen weich." (Sure 34, 10) "Und wir gaben ihm Weisheit und entscheidende Rede." (Sure 38, 20)}

welche über David, mit dem Friede sei, sprechen, und die Ayah

وَ اَسَلْناَ لَهُ عَيْنَ الْقِطْرِ

{"Und wir ließen eine Quelle von geschmolzenem Metall für ihn fließen." (Sure 34, 12)}

welche über Salomo berichtet, weisen (alle drei) darauf hin, dass das Weichmachen des Eisens ein großes Geschenk Gottes ist, mit dem der Qur'an die Vorzüglichkeiten eines großen Propheten erwähnt. In der Tat ist Eisen weich wie Teig zu machen, Kupfer zu schmelzen, Metalle zu finden und heraufzuholen, Ursprung, Mutter, Grundlage und Quelle aller materialverarbeitenden Kunst- und Handwerksbetriebe der Menschen. So weist diese Ayah darauf hin: "Für einen großen Propheten, einen großen Kalifen der Erde ist es ein großes Wunder, ein großes Geschenk Eisen weich wie Teig zu machen und fein wie Draht zu ziehen und Kupfer zu schmelzen und somit Ursprung zu sein für die meisten allgemeinen Industriezweige." Da nun einmal Gott der Gerechte einem Propheten, der auch ein Kalif, d.h. zugleich geistiger als auch weltlicher Herrscher war, Weisheit der Zunge und praktische Begabung seiner Hand verliehen hat und uns mit klarer Aussage antreibt, auf die Weisheit seiner Zunge zu hören, so liegt darin mit Sicherheit auch ein Zeichen

zur Ermunterung, seine handwerkliche Meisterschaft nachzuahmen. Gott der Gerechte spricht durch diese Ayah: "Oh ihr Söhne Adams! Einem meiner Diener, der meinen Befehlen gehorcht, habe ich eine solche Weisheit in Herz und Zunge gelegt, dass er durch sie alles mit vollkommener Klarheit herausstellen und ihre Wahrheit zeigen kann, und auch seiner Hand eine solche handwerkliche Begabung gegeben, dass er das Eisen, als wäre es Wachs, in seiner Hand verformen kann. Dadurch erhielt er eine bedeutende Macht für sein Kalifat und sein Königtum. Da dies nun einmal möglich ist, einmal gegeben wurde und für euch wichtig ist und ihr dessen in eurem gesellschaftlichen Leben sehr bedürft, so kann auch euch diese handwerkliche Begabung gegeben werden, wenn ihr meinen Befehlen des Seins (den Gesetzen der Natur) folgt. Im Laufe der Zeit könnt ihr dem entgegen wachsen."

Wenn also nun die Menschen hinsichtlich ihrer handwerklichen Begabung so weit fortgeschritten sind und hinsichtlich ihrer physischen Kraft so bedeutende Kapazitäten erworben haben, so ist dies erst durch das Weichmachen des Eisens und das Schmelzen des Kupfers ermöglicht worden. In der Ayah wurde Kupfer als "kitr,قِطْرِ = flüssiges Metall" bezeichnet. Diese Ayat lenken die Aufmerksamkeit der ganzen Menschheit auf diese Wahrheit hin, ermahnten die Menschen alter Zeiten, die nicht zu schätzen wussten, wie bedeutend diese Wahrheit war, ermahnten auch alle Faulen heutiger Zeit...

Noch ein Beispiel:

Es ist die Ayah, welche auf das wunderbare Geschehnis hinweist, wo Salomo, mit dem Friede sei, einen seiner Minister, der über das nötige Wissen verfügte, weit entfernte Dinge herbei zu holen, dazu beauftragte, den Thron der Königin Belkis aus Saba, herbeizuholen. Er antwortete: "Ich kann ihren Thron in einem Augenblick hier bei euch zugegen sein lassen!"

قَالَ الَّذِى عِنْدَهُ عِلْمٌ مِنَ اْلكِتَابِ اَنَا اٰتِيكَ بِهِ قَبْلَ اَنْ يَرْتَدَّ اِلَيْكَ طَرْفُكَ فَلَمَّا رَاٰهُ مُسْتَقِرًّا عِنْدَهُ

{"Derjenige, der Wissen aus der Schrift besaß, sagte: 'Ich werde ihn dir in einem Augenblick bringen.' Als er ihn nun bei sich stehen sah,..." (Sure 27, 40)}

Diese Ayah weist darauf hin, dass es möglich ist, Dinge selbst oder ihre Abbildungen aus weiten Entfernungen gegenwärtig zu machen. Es ist ja geschehen.

Salomo, mit dem Friede sei, besaß neben der Ehre seines Prophetentums auch noch die seiner Königsherrschaft. Damit er sich untadelig und gerecht verhalten konnte, sollte er persönlich alle Ecken seines großen Reiches mühelos und ohne Anstrengung kennen, den Zustand seiner Untertanen sehen und ihre Sorgen hören. Dies hatte Gott der Gerechte ihm als ein Wunder geschenkt. Wenn also Salomo, mit dem Friede sei, auf Gott den Gerechten vertraute und so wie er in seiner untadeligen Art etwas von Ihm erbat, und insoweit wie auch der Mensch in der Sprache seiner Fähigkeit etwas von Gott dem Gerechten erbittet und sich dabei nach den Gesetzen Seiner Gewohnheit (: den Naturgesetzen) richtet und sich Seiner Gnade entsprechend verhält, insoweit wird ihm die ganze Welt wie nur eine Stadt vorkommen. Während der Thron der Königin Belkis von Saba, noch im Jemen war, wurde er selbst oder seine Abbildung als in Damaskus anwesend gesehen. Mit den Abbildungen der Männer um den Thron wurden mit Sicherheit auch ihre Stimmen gehört.

Damit weist diese Ayah majestätisch darauf hin, dass man Bilder und Stimmen aus weiter Entfernung gegenwärtig erscheinen lassen kann, und gibt in diesem Sinne folgendes zum Ausdruck: "Oh ihr Leute eines Königreiches! Wenn ihr lautere Gerechtigkeit ausüben wollt, sollt ihr euch darum bemühen, wie Salomo die Erde in ihrem ganzen Umfang zu sehen, zu erkennen und zu verstehen. Denn ein gerechter Herrscher, ein König, der seine Untertanen liebt, kann seiner geistigen Verantwortung nur insoweit gerecht werden und gerecht sein, in welchem

Grade er sich über alle Enden seines Reiches zu jeder Zeit und wann immer er will, in Kenntnis setzen kann." Gott der Gerechte sagt mit dieser Ayah folgendes:

"Oh ihr Söhne Adams! Ich gebe einem meiner Diener einen sich weithin erstreckenden Besitz. Ich gebe ihm direkte Kenntnis über den Zustand und die Ereignisse der Erde, damit er in diesem sich so weithin erstreckenden Besitz lautere Gerechtigkeit ausüben kann. Da ich nun einmal jedem Menschen, wie es seinem Wesen entspricht, die Begabung gegeben habe, Kalif (Verantwortlicher) auf Erden zu sein, so habe ich ihm mit Sicherheit, wie es meine Weisheit erfordert, gemäß dieser Begabung auch die Fähigkeit verliehen, die ganze Erde zu sehen, zu betrachten und zu verstehen. Wenn auch nicht jeder persönlich diesen Punkt erreichen kann, so kann ihn doch die menschliche Gattung als solche erreichen. Könnt ihr ihn nicht materiell erreichen, so könnt ihr ihn aber wie Gottesfreunde (ehl-i velayet)durch geistige Fähigkeiten erreichen. Weil dies aber so ist, könnt ihr aus diesem gewaltigen Geschenk euren Nutzen ziehen. Auf nun, und lasst einmal sehen, wie ihr arbeitet, ohne euren Auftrag, die Anbetung Gottes, zu vergessen! Verwandelt das Antlitz der Erde in einen Garten, indem ihr einander von allen Seiten betrachten und eure Stimmen an allen Ecken hören könnt.

هُوَ الَّذِى جَعَلَ لَكُمُ اْلاَرْضَ ذَلُولاً فَامْشُوا فِى مَنَاكِبِهَا وَكُلُوا مِنْ رِزْقِهِ وَاِلَيْهِ النُّشُورُ

{"Er ist es, der euch die Erde untertan gemacht hat. Geht auf ihrem Rücken umher und esst von dem, was Er euch beschert hat! Und zu Ihm ist dereinst eure Rückkehr." (Sure 67, 15)}

Ihr sollt auf den Erlass des Erbarmers, der durch diese Ayah zum Ausdruck kommt, hören." So zeigt also diese Ayah mit diesem Hinweis die entfernteste Grenze der feinen Kunst, Bilder und Stimmen von weither gegenwärtig erscheinen zu lassen und lässt eine Ermunterung dazu erahnen.

Noch ein Beispiel: Die folgende Ayah

مُقَرَّنِينَ فِى اْلاَصْفَادِ

{"Und die Satane machten wir ihm dienstbar,... und andere, in Fesseln aneinander gebunden." (Sure 38, 37-38)}

وَمِنَ الشَّيَاطِينِ مَنْ يَغُوصُونَ لَهُ وَيَعْمَلوُنَ عَمَلاً دُونَ ذٰلِكَ

{"Und Satane machten wir ihm dienstbar, solche, die für ihn ins Meer tauchten und noch andere Arbeiten ausführten..." (Sure 21, 82)}

welche mitteilen, dass Salomo, mit dem Friede sei, Dschinnen und Teufel und böse Geister unterworfen hat und sie für nützliche Dinge in den Dienst stellte, sich jedoch ihre bösen Taten verbat. Diese Ayat besagen: Auch Dschinnen, die als bewusstseinstragende Geschöpfe die wichtigsten Bewohner der Erde nach den Menschen sind, können den Menschen dienstbar werden. Mit ihnen kann Kontakt aufgenommen werden. Die Teufel können gezwungen werden, ihre Feindschaft aufzugeben und sie können, ob sie wollen oder nicht, dienen, wie Gott der Gerechte sie einmal einem seiner Diener, der Seinen Befehlen gehorsam war, folgsam gemacht hatte. Gott der Gerechte sagt durch diese Ayah:

"Oh Mensch! Einem meiner Diener, der sich mir unterworfen hat, ließ ich Dschinnen, Teufel und die Übeltäter unter den selben gehorsam sein. Wenn auch du dich meinen Befehlen unterwirfst, können dir viele Wesen, ja sogar Dschinnen und Teufel, gehorchen."

Also, Herbeirufen der Seelen Verstorbener und Kontaktaufnahme mit den Dschinnen u. dgl. mehr, wie der Spiritismus, der aus der Kunst und Wissenschaft der Menschen heraus destilliert ist und der aus ihrer körperlich und geistig außerordentlichen Empfindsamkeit entstand, setzt diese Ayah die weiteste Grenze und bestimmt ihre nutzbaren Formen und öffnet auch den Weg dazu. Man sollte jedoch nicht den Dschinnen, Teufeln und bösen Geistern, die sich manchmal wie die Seelen der Verstorbenen

verhalten, unterworfen sein, Maskerade und Spielzeug werden, wie in heutiger Zeit, sondern sie mit den feinen Wahrheiten aus dem Qur'an dienstbar machen, um sich vor ihren Übeltaten zu schützen.

Die Ayat, die auf das Herbeirufen, die Unterwerfung der Dämonen durch Salomo, mit dem Friede sei, und auf das Erscheinen der Seelen der Verstorbenen hinweisen, und andere Ayat wie die folgende

فَاَرْسَلْنَآ اِلَيْهَا رُوحَنَا فَتَمَثَّلَ لَهَا بَشَراً سَوِيّاً

{"Und Wir sandten ihr Unseren Geist. Der stellte sich ihr als ein wohlgestalteter Mensch dar." (Sure 19, 17)}

weisen auch auf das Erscheinen der Geistwesen und gleichzeitig auf das Herbeirufen der Seelen Verstorbener hin.

Was aber nun dieses Herbeirufen der guten Geister betrifft, worauf hier hingewiesen wird, so handelt es sich dabei nicht, wie bei manchen Vertretern heutiger Zivilisation, um verschiedene Spielereien in Form einer Belustigung. Diese rufen Seelen, die doch äußersten Respekt verdienen und in einer Welt leben, die zu respektieren ist, ohne Respekt zu sich, ja sogar zu Spielereien herbei.

Man darf sich jedoch nur mit Ernst und in ernsthafter Absicht, so wie es Persönlichkeiten wie Muhyiddin al-Arabi und manche unter den Gottesfreunden praktiziert haben, zu ihnen hin ziehen lassen, eine Beziehung zu ihnen aufbauen, an ihren Ort reisen und sich bis zu einem gewissem Grade ihrer Welt annähern und dabei von ihrer geistigen Ausstrahlung einen geistigen Nutzen empfangen. Dies ist es, worauf die Ayat eigentlich hinweisen und mit diesem Hinweis spornen sie uns dazu an und ziehen dabei gleichzeitig die äußerste Grenze derartig geheimnisvoller Kunst und Wissenschaft und zeigen uns ihre allerschönste Form...

Noch ein Beispiel:

Die Ayat, die über die Wunder Davids, mit dem Friede sei, berichten,

اِنَّا سَخَّرْناَ الْجِبَالَ مَعَهُ يُسَبِّحْنَ بِالْعَشِىِّ وَاْلاِشْراَقِ ٭ عُلِّمْنَا مَنْطِقَ الطَّيْرِ ٭ يَا جِبَالُ اَوِّبِى مَعَهُ وَالطَّيْرَ وَاَلَنَّا لَهُ الْحَدِيدَ

{"Wir machten im Verein mit ihm die Berge dienstbar, sodass sie (mit ihm zusammen uns) abends und bei Sonnenaufgang preisen." (Sure 38, 18) "(Salomo sagte:) Es wurde uns die Sprache der Vögel gelehrt," (Sure 27, 16) "Oh ihr Berge und ihr Vögel lobpreiset mit ihm! Und wir erweichten für ihn das Eisen." (Sure 34, 10)}

weisen darauf hin, dass Gott der Gerechte dem Lobgesang Davids, mit dem Friede sei, eine solche Kraft, einen so starken Klang und eine solch anmutige Ausdrucksform verliehen hatte, dass er die Berge in Ekstase versetzen konnte. Sie glichen gewaltigen Phonographen und bildeten, wie Menschen um einen Dhikrleiter, einen Kreis bis zum Horizont und lobten und priesen Gott. Ist so etwas denn möglich? Kann es denn wahr sein?

Ja, das ist tatsächlich die Wahrheit. Jeder Berg kann durch die Höhlen in seinem Inneren mit einem Menschen in der Sprache der Menschen wie ein Papagei sprechen. Denn: Wenn du vor einem Berg "Elhamdulillah(Lobpreis und Dank sei Gott!)" rufst, wird der Berg durch den Widerhall deiner Stimme genauso wie du "Elhamdulillah!"ausrufen. Da Gott der Gerechte diese Fähigkeit den Bergen gegeben hat, kann man diese Fähigkeit mit Sicherheit weiter entwickeln. Dieser Same kann Frucht bringen.

Gott der Gerechte hat David, mit dem Friede sei, mit dem Prophetentum beauftragt und ihm dabei noch in besonderer Weise das Kalifat (Herrschaft) über die Erde gegeben. Wie es seiner umfangreichen Sendung und diesem gewaltigen Herrschaftsbereich würdig war, ließ Gott der Gerechte den Samen dieser Fähigkeit sich gleich einem Wunder derart entfalten, dass riesige Berge sich David Soldaten, Schülern, Novizen gleich unterwarfen und in seiner Sprache entsprechend seinem Befehl

den majestätischen Schöpfer lobpreisen. Was auch David, mit dem Friede sei, rief, wiederholten sie. Ein großer Kommandant kann zum Beispiel durch viele, entwickelte Kommunikationsmittel und Nachrichtengeräte sein gewaltiges Heer, das sich über die Berge verstreut verschanzt hat, dazu bringen, gleichzeitig gemeinsam "Allahu Ekber(Gott ist groß!)" auszurufen. Und so lässt er riesige Berge sprechen, versetzt sie in Begeisterung. Wenn ein Kommandant der Menschen die Berge in der Sprache derer, die sich darauf befinden, wie im obigen Beispiel, zum Sprechen bringt, kann mit Sicherheit auch ein majestätischer Kommandant Gottes des Gerechten sie wahrhaftig zum Sprechen bringen und sie veranlassen, Gott zu lobpreisen. Darüber hinaus erklärten wir schon in vorherigen Abhandlungen, dass jeder Berg eine geistige Persönlichkeit besitzt und dementsprechend Gott lobpreist und Ihn anbetet. Das heißt, dass jeder Berg, so wie er durch Widerhall in der Sprache der Menschen Gott lobpreist, so lobpreist er auch in seiner eigenen Sprache den majestätischen Schöpfer.

وَالطَّيْرَ مَحْشُورَةً ٭ عُلِّمْنَا مَنْطِقَ الطَّيْرِ

{"Ebenso die Vögel in Scharen" (Sure 38, 19) "(Salomo sagte:) Es wurde uns die Sprache der Vögel gelehrt,..." (Sure 27, 16)}

Diese Sätze zeigen, dass David und Salomo, mit denen Friede sei, die Gabe, Sprachen der Vogelarten und den Ausdruck ihrer Begabungen, das heißt, wozu sie geeignet sind, zu verstehen, von Gott dem Gerechten geschenkt wurde. Und so ist das in der Tat. Das Antlitz der Erde ist eine Tafel des Erbarmens, gedeckt zu Ehren des Menschen. Wenn dies aber so ist, können die verschiedenen Tierarten und die meisten Vogelarten, die von dieser gedeckten Tafel ihren Nutzen ziehen, dem Menschen unterworfen und dienstbar sein. Der Mensch stellt Honigbienen und Seidenraupen, die kleinsten unter den Tierarten, in Dienst und ebnete sich so durch eine Eingebung Gottes den Weg zu einem gewaltigen Gewinn. Er nimmt die Tauben zu verschiedenen Aufgaben in seine Dienste.

Er bringt Vögeln wie dem Papagei das Sprechen bei. Dies alles trägt zur Schönheit der menschlichen Kultur bei. Es gibt viele Tier- und Vogelarten, die man für wichtige Aufgaben einsetzen kann, wenn man ihre Vorzüge kennt.

Zum Beispiel:

In welch nützlichem Dienst kann der Star, der Heuschrecken vernichtet, ohne sie zu fressen, gegen den Ansturm einer Heuschreckenplage ohne Aufwand eingesetzt werden, wenn man die Sprache des Stars versteht und sein Verhalten lenken kann.

Um sich die Vögel derart nutzbar zu machen, sie zu unterwerfen, leblose Dinge wie Telefon und Phonograph zum Sprechen zu bringen, ziehen diese Ayat die äußerste Grenze des Möglichen und setzen das am weitesten entfernte Ziel fest. Sie zeigen mit dem Finger darauf hin, wie man sie bestens gebrauchen kann und ermuntern uns in gewisser Weise dazu. In diesem Sinne sagt Gott der Gerechte durch diese Ayat folgendes:

"Oh ihr Menschen! Einem unter euren Mitmenschen, der sich mir als ein vollkommener Diener erweist, unterstelle ich die riesigen Geschöpfe meines Reiches und lasse sie mit ihm sprechen, damit dies ein Eckpfeiler der Unbescholtenheit seines Prophetentums und der lauteren Gerechtigkeit seiner Herrschaft sei. Die meisten meiner Soldaten und der Tierarten mache ich ihm dienstbar. Ich habe jedem von euch das große Pfand anvertraut, was zu tragen Himmel, Erde und Berge gezögert hatten. Ich habe jedem die Gabe verliehen, Verantwortlicher (Kalif) auf Erden zu sein. In wessen Hand die Zügel all dieser Geschöpfe liegen, dem sollt auch ihr euch unterwerfen, sodass auch euch die Geschöpfe Seines Reiches gehorchen können. Ihr könnt sie im Namen des Herrn, in dessen Hand ihre Zügel liegen, in Besitz nehmen und damit zu einer Stufe aufsteigen, die euren Fähigkeiten entspricht. Das also ist die Sachlage. Statt sinnloser Vergnügungen, wie den Fonografen spielen zu lassen, Tauben zu dressieren, oder sie als Briefboten abzurichten, Papageien zum Sprechen zu bringen, solltest du dich besser um ein äußerst angenehmes, hohes, erhabenes,

unschuldiges Vergnügen bemühen, damit die Berge dir wie David zu einem riesig großen Fonografen werden. Durch die Berührung eines leichten Windes soll der Klang des Gottesgedenkens von den Bäumen und allen Pflanzen auf dem Berg, wie von der Saite eines Instrumentes in deinen Ohren klingen. Dann erweist sich dir der Berg selbst als ein erstaunliches Geschöpf, das Gott mit tausend Zungen lobpreist und die meisten Vögel werden sich dir in zutrauliche Freunde, oder - wie Salomos Wiedehopf - in gehorsame Diener verwandeln. Sie sollen dich sowohl erfreuen, als auch zu der Vervollkommnung, für die du geeignet bist, mit Begeisterung hinführen und dich nicht, wie jener andere Zeitvertreib da, von der Stufe (maqam),die dein Mensch-sein erfordert, herabstürzen lassen."

Noch ein Beispiel: In der Ayah,

قُلْنَا يَا نَارُ كوُنِى بَرْداً وَسَلاَماً عَلٰٓى اِبْرهِيمَ

{"Oh Feuer! Sei kühl und friedlich zu Abraham!" (Sure 21, 69)}

welche über ein Wunder Abrahams, mit dem Friede sei, berichtet, gibt es drei feine Hinweise:

Erstens:

Genauso wie die anderen Ursachen in der Natur verhält sich auch das Feuer nicht nach seinem eigenen Geschmack, nach seiner Natur und blindlings wie von Sinnen. Vielmehr erfüllt es seine Aufgabe unter einem Befehl, sodass es Abraham, mit dem Friede sei, nicht brannte und es wurde ihm befohlen: "Brenne ihn nicht!"

Zweitens:

Es gibt eine Hitzestufe, die gleich der Kälte brennt. Das heißt, sie wirkt gleich wie ein Brand. Gott der Gerechte sagt der Kälte mit dem Wort سَلاَماً {"Sei friedlich!"}

{(*): Ein Kommentar sagt: Wenn Er nicht "selamen" (Sei friedlich!) gesagt hätte, würde (Abraham) durch Kälte verbrannt.}

"Du sollst nicht wie die Hitze durch deinen Frost brennen!" D.h. die Hitze zeigt sich auf dieser Stufe gleich der Kälte, wenn sie brennt. Sie ist zugleich Hitze als auch Kälte. Nach der naturwissenschaftlichen Weisheit gibt es tatsächlich eine Hitzestufe, welche der Zustand der Weißglut ist, wobei Hitze sich nicht ausbreitet, sondern Hitze herangezogen wird, wodurch eine Art Kälte flüssige Dinge wie Wasser um sich herum gefrieren lässt, d.h. dass die Kälte Brand bewirkt. So ist ein strenger Frost eine Art Feuer, das durch die Kälte brennt. Es muss also in der Hölle, die alle Stufen des Feuers und all dessen Arten umfasst, mit Sicherheit auch ein strenger Frost vorhanden sein.

Drittens:

So wie es einen geistigen Stoff wie den Glauben (iman)und Gottergebenheit (islamiyet)gleich wie ein Panzerhemd gibt, um die Wirkung des Höllenfeuers abzuweisen und davor zu schützen, so gibt es auch einen materiellen Stoff, der die Wirkung des irdischen Feuers abweist. Gott der Gerechte führt, als Erfordernis Seines Namens "der Allweise" einerseits und da andererseits diese Welt der Ort der Weisheit ist, Seine Handlungen hinter dem Schleier der Ursachen durch. So hatte das Feuer Abrahams Körper nicht, wie auch sein Hemd nicht verbrannt und ihm den Zustand verliehen, dem Feuer zu widerstehen. Wie es Abraham nicht verbrannte, so verbrannte es auch nicht sein Hemd. Mit diesem Hinweis sagt diese Ayah folgendes:

"Oh Volk Abrahams! Seit wie Abraham, so dass eure materiellen wie geistigen Hemden zu Panzerhemden werden, sowohl hier als auch drüben gegen das Feuer, das euer größter Feind ist. So wie ihr euren Geist sich mit dem Glauben zu bekleiden heißt und er euch wie ein Panzerhemd gegen das Höllenfeuer wird, so gibt es auch etliche Stoffe, welche Gott der Gerechte für euch in der Erde aufbewahrt und vorbereitet hat. Sie schützen euch vor dem Übel des Feuers. Sucht sie, holt sie heraus und (fertigt euch daraus Kleider, die ihr) anziehen könnt!" So ist eine der wichtigen Entwicklungen und Entdeckungen

des Menschen, einen Stoff gefunden zu haben, aus dem er nicht brennbare, feuerfeste Kleider herstellen und anziehen kann. Worauf sich aber diese Ayah bezieht, so siehe, wie erhaben, fein und ewig haltbar dem gegenüber jene Hülle ist, die auf der Werkbank von "Hanifan Musliman"{Die Art Abrahams, mit dem Friede sei; lautere Gottergebenheit. (A.d.Ü.)} gewebt wurde...

Noch ein Beispiel:

وَعَلَّمَ اٰدَمَ اْلاَسْمَآءَ كُلَّهَا

{"Er lehrte Adam alle (Seine) Namen (kennen)." (Sure 2, 31)}

Diese Ayah sagt: "Das große Wunder Adams, mit dem Friede sei, bezüglich seines Anspruchs auf die Ermächtigung (das große Pfand) {Gemeint: Entscheidungsfreiheit des Menschen. (A.d.Ü.)} (Hilafet-i kubra)ist, dass ihm gelehrt wurde, alle Namen zu kennen." So weisen denn die Wunder der übrigen Propheten, wie bereits oben geschildert, auf die Entdeckungen der Menschheit in bestimmten Bereichen hin. Das Wunder Adams, mit dem Friede sei, der der Vater aller Propheten und der Eröffner des Rates der Propheten ist, zeigt die fernsten Grenzen aller Vollkommenheit und jeglicher Entwicklung des Menschen und ihre weitesten Ziele fast eindeutig. Gott der Gerechte sagt durch diese Ayah: "Oh ihr Söhne Adams! Ich lehrte eurem Vater, in Bezug seines Anspruchs auf die Ermächtigung (Hilafet)den Engeln gegenüber als ein Zeugnis für seine Bevorzugung, alle (Meine) Namen kennen. Auch ihr seid seine Kinder und die Erben seiner Begabungen. Ihr sollt alle Namen kennen lernen und allen Geschöpfen gegenüber den Vorzug zeigen, dass ihr dazu berechtigt seid, das große Pfand auf euch zu nehmen. Denn im Kosmos ist für euch der Weg offen, die höchsten Sprossen (maqam)über allen Geschöpfen zu erklimmen und einen hohen Rang zu erreichen, dass euch riesige Geschöpfe gleich der Erde dienstbar werden...

Auf, stürmt vor, haltet je einen meiner Namen fest und steigt empor! Aber euer Vater war einmal vom Teufel betrogen worden und vorübergehend von seinem hohen Rang (maqam)herab und hinab auf die Erde gestürzt. Gebt acht, bei eurem Voranschreiten nicht dem Teufel zu folgen und einen Anlass zu geben, von den Himmeln der Weisheit Gottes herab und hinunter in den Irrtum des Naturalismus zu stürzen. Erhebet wieder und wieder eure Häupter und achtet auf Meine "Schönen Namen (Esma-i Husna)".Um in diese Himmel aufzusteigen, sollt ihr eure Wissenschaften und euren Fortschritt zu einer Leiter machen, auf der ihr zu Meinen Namen, d.h. den Namen eures Herrn, gelangen könnt, welche Quelle und Wahrheit eurer Wissenschaften und eurer Vollkommenheit sind. Betrachtet euren Herrn mit eurem Herzen durch das Fernrohr dieser Namen..."

Eine wichtige Anmerkung und ein bedeutendes Geheimnis:

Wie diese bewunderungswürdige Ayah auf Kenntnis beruhende Vollkommenheit, wissenschaftlichen Fortschritt und wunderbare Kunstwerke des Menschen, welche er durch die Vielseitigkeit seiner Begabungen erlangt hat, unter der Bezeichnung "Die Lehre der Namen (Talim-i Esma)"beinhaltet und in sich umfasst, so liegt hierin folgender feiner und erhabener Hinweis:

Jede Vollkommenheit, jede Erkenntnis, jeder Fortschritt, jede Wissenschaft hat eine erhabene Wahrheit, und es ist diese Wahrheit, auf der ein Name Gottes beruht. Diese Wissenschaften, diese Vollkommenheit, diese Künste führen dadurch zu ihrer Vollendung und zur Erkenntnis der Wahrheit, dass sie sich auf einen bestimmten Namen (Gottes) beziehen, der sich hinter sehr vielen Schleiern in unterschiedlichen Formen und auf verschiedenen Stufen findet. Anderenfalls sind sie nur ein unvollkommener, schwacher Schatten...

Zum Beispiel ist die Geometrie eine Wissenschaft. Ihre Wahrheit und ihr letztendliches Ziel ist es, zu den Namen Gottes des Gerechten "der Gerechte und der Bestimmer"

zu gelangen und in dem Spiegel der Geometrie die zweckmäßigen Erscheinungen dieser Namen in ihrem Umfang zu bezeugen.

Zum Beispiel ist die Medizin eine Wissenschaft und eine Kunst. Auch ihr eigentliches Ziel und ihre Wahrheit ist es, den Namen Gottes des Allweisen "der Heiler" zu erreichen. Indem man auf der Erde, die Seine gewaltige Apotheke ist, die barmherzigen Erscheinungen dieses Namens in den Heilmitteln sieht, kann die Medizin dadurch ihre Vollendung finden und so zur Erkenntnis der Wahrheit führen.

Zum Beispiel können die Naturwissenschaften, die sich mit den Gegebenheiten der Dinge befassen, dadurch zu einer Weisheit werden, dass man die umfassende Erscheinung des Namens Gottes des Gerechten "der Allweise" in der Lenkung und Leitung und in der Versorgung aller Dinge, ihrer Nutzanwendung und ihrer Bestimmung sieht und zu diesem Namen gelangt und sich auf ihn bezieht. Sonst verwandeln sie sich entweder in Aberglaube und Sinnlosigkeit oder öffnen einen Weg zur Irrlehre wie zur Naturphilosophie.

Hier sind drei Beispiele für dich... Vergleiche sie mit anderen Wissenschaften und Künsten!

Also ermuntert der Weise Qur'an den Menschen, ihm auf die Schulter klopfend, durch diese Ayah zu weitesten Zielen, entferntesten Grenzen und höchsten Stufen, hinter denen er in der derzeitigen Entwicklung sehr weit zurück geblieben ist, ihm diese Stufen mit dem Finger weisend, indem er sagt: "Auf und vorwärts marsch!"

Wir begnügen uns mit diesem Juwel aus der großartigen Schatzkammer dieser Ayah und machen hier diese Tür zu...

Noch ein Beispiel: Er, das Siegel im Rat der Propheten, das Oberhaupt der Propheten, für dessen Anspruch auf das Prophetentum die Wunder aller Propheten (in ihrer Übereinstimmung) als ein einziges Wunder gelten, und er, auf den dieser Kosmos stolz ist, und er, an dem sich

alle Namen mit allen ihren Abstufungen und mit allen ihren Einzelheiten zeigten, welche auch Adam, mit dem Friede sei, kurz zusammengefasst gelehrt wurden, er, mit dem Friede und Segen sei, spaltete den Mond, indem er seinen Finger majestätisch empor streckte, und indem er ihn hilfreich ausstreckte, entströmte seinen zehn Fingern Wasser wie aus der Quelle des Paradieses und er, der mit tausend Wundern bestätigt und unterstützt wurde, dessen größtes Wunder der weise Qur'an ist, war Mohammed, mit dem Friede und Segen sei. Zu den Aspekten, die den Qur'an als Wunder herausstellen, gehören die Flüssigkeit seiner Rede in der Verkündigung von Recht und Wahrheit, die Prägnanz in seiner Ausdrucksweise, die Vielseitigkeit seines Inhaltes, der Stil seiner erhabenen süßen Worte, was die folgende Ayah zum Ausdruck bringt:

قُلْ لَئِنِ اجْتَمَعَتِ اْلاِنْسُ وَالْجِنُّ عَلٰٓى اَنْ يَاْتوُا بِمِثْلِ هٰذَا الْقُرْاٰنِ لاَ يَاْتوُنَ بِمِثْلِهِ وَلَوْ كَانَ بَعْضُهُمْ لِبَعْضٍ ظَهِيراً

{"Sag: Auch täten Menschen und Dschinnen sich zusammen, um etwas herbeizubringen, was diesem Qur'an gleichwertig wäre, so werden sie das nicht herbeibringen können. Auch nicht, wenn sie sich gegenseitig dabei unterstützen sollten." (Sure 17, 88)}

Mit den gleichen Ayat lenkt er die Aufmerksamkeit der Menschen und der Dschinnen auf den obenerwähnten klarsten und glänzendsten Aspekt, neben vielen Aspekten, die dieses bleibende Wunder erkennbar machen. Er provoziert alle Menschen und Dschinnen. Er steigert die Begeisterung seiner Freunde und die Verbohrtheit seiner Feinde. Durch mächtige Ermunterung und mit kraftvoller Anfeuerung bringt er seine Freunde wie Feinde dazu, ihn nachzuahmen oder eine Nachdichtung abzufassen, das heißt, seine Worte zu imitieren oder etwas ähnliches zu Stande zu bringen. Ja er verhilft diesem Wunder sogar zu allgemeiner Beachtung, als bestünde der einzige Zweck des Menschen in diese Welt zu kommen darin, dieses Wunder als Ziel und Grundlage anzunehmen und in seiner Betrachtung sich bewusst auf das Ziel hin zu bewegen, welches in der Erschaffung des Menschen liegt.

Kurzum:

Die Wunder der anderen Propheten weisen jedes auf eines ihrer wunderbaren Künste hin. Das Wunder Adams aber, mit dem Friede sei, verweist neben den Grundsätzen allen Handwerks in kurz zusammengefasster Form auf ein Inhaltsverzeichnis der Kenntnisse und der Wissenschaften, der erstaunlichen und einzigartigen Dinge und alle Vollkommenheit des Menschen hin und ermuntert sie zugleich dazu. Was aber den Qur'an betrifft, dessen Verkündigung ein Wunder ist, das größte Wunder Ahmeds, mit dem Friede und Segen sei, so zeigt er eindeutig, dass sich in ihm die Wahrheit von dem, was Adam gelehrt wurde, nämlich alle Namen Gottes zu kennen, mit allen ihren Einzelheiten offenbart. Er zeigt die richtigen Ziele der Erkenntnisse und der Wissenschaften, die recht und wahr sind, und was die Vollendung und die Glückseligkeit in dieser und in jener Welt ist; zudem führt er die Menschen mit ganz besonderem Nachdruck dazu hin. Seine Führung und Anfeuerung lässt uns sogar folgendes verstehen:

"Oh Mensch! Das höchste Ziel dieser Schöpfung ist es, dem Aufscheinen der Herrschaft Gottes eine umfassende Anbetung Gottes entgegenzubringen, und das letztendliche Ziel des Menschen ist es, zu dieser Anbetung durch Erkenntnis und Vervollkommnung hin zu gelangen."

Er bringt das sogar in der Weise zum Ausdruck, dass er auf diese Weise folgenden Hinweis gibt: "Mit Sicherheit wird das Menschengeschlecht in der Endzeit zu Bildung und Wissenschaft hin strömen. Es wird alle seine Macht aus diesem Wissen schöpfen. Was Herrschaft und Macht betrifft, so werden sie an Kenntnis gebunden sein." Da der Qur'an, dessen Verkündigung ein Wunder ist, seine elegante, fließende Beredsamkeit immer wieder in den Vordergrund rückt, gibt er uns dadurch verstehen: "Bildung und Wissenschaft, deren höchster Glanz die Flüssigkeit der Rede und die Genauigkeit des Ausdrucks sind, werden in der Endzeit in all ihren Formen einen ganz besonderen Vorzug genießen. Die Menschen werden

sogar ihre schärfste Waffe aus der Korrektheit ihrer Aussage und ihre überwältigende Macht aus ihrer Art der Ausdrucksfähigkeit erhalten, um den anderen zur Annahme ihrer Meinung zu bewegen und um ihren jeweiligen, gegenseitigen Urteilen zur Geltung zu verhelfen."

Zusammenfassung:

Die meisten Ayat im Qur'an sind der Schlüssel zu einer Schatzkammer der Vollendung und öffnen den Zugang zu einer Fundgrube des Wissens. Wenn du willst, kannst du durch den Qur'an in die Himmel und durch seine Ayat empor zu den Sternen gelangen. Mögen dir dabei diese bisherigen zwanzig "Worte (Sözler)"zu einer Leiter mit zwanzig Sprossen {(*): Ja, 33 Abhandlungen "Worte (Sözler)", 33 "Briefe (Mektubat)", 31 "Blitze (Lem'alar)", 13 "Strahlen (Shu'alar)" bilden sogar eine Leiter mit 120 Sprossen.} werden, hinaufzusteigen. Siehe nun, was für eine glänzende Sonne der Qur'an ist. Er verströmt auch ein klares Licht über die Wahrheiten Gottes und gießt es nun als einen Strahl glänzenden (Lichtes) über die Wahrheiten im Bereich des Möglichen (die irdische Welt) aus!

Schlussfolgerung:

In Anbetracht dessen, dass die Ayat über die Propheten durch ihre Ausdrucksform auf die Einzigartigkeit der heutigen Entdeckungen des Menschen gleichsam hinweisen und ihre Grenzen noch weiter hinaussetzen, und in Anbetracht dessen, dass mit Bestimmtheit und sogar Übereinstimmung bestätigt ist, dass jede Ayah unterschiedlichste Bedeutungen haben kann, und in Anbetracht dessen, dass es eindeutige Gebote gibt, den Propheten zu folgen und sie uns zum Vorbild zu nehmen, kann man sagen, dass es in den oben erwähnten Ayat neben ihren offensichtlichen Bedeutungen noch verschlüsselte Hinweise auf die wichtigsten Künste und Wissenschaften des Menschen gibt, durch welche sie sogar (zur Beschäftigung mit ihnen) ermuntert werden.

Auf zwei wichtige Fragen zwei wichtige Antworten

Die erste:

Wenn du sagst: "Da der Qur'an nun einmal

für den Menschen herabgesandt wurde, weshalb erklärt er die Entdeckungen der Zivilisation nicht, welche in den Augen der Menschen das Allerwichtigste sind? Er begnügt sich nur mit einem verborgenen Indiz, mit einem geheimen Zeichen, mit einem leichten Hinweis, mit einer schwachen Erinnerung?"

Antwort:

Die wunderbaren Erfindungen der menschlichen Zivilisation können nur in soweit (einen Platz) beanspruchen, wie sie im Qur'an erwähnt werden. Denn die Hauptaufgabe des Qur'an besteht darin, (zum ersten) über das Reich Gottes, seine Vollkommenheit, seine Darstellung, (zum zweiten) die Verpflichtungen und die Gebote im Bereich des Dienstes und der Anbetung zu unterweisen. Also können die Erfindungen der Menschen in diesen beiden Bereichen nur so viel Platz beanspruchen, wie eine schwache Andeutung, ein leichter Hinweis. Denn wenn sie in dem Bereich der Herrschaft (Gottes) einen Platz beanspruchen, dann können sie nur einen kleinen Platz einnehmen.

Zum Beispiel hätte ein Flugzeug menschlicher Konstruktion {(*): Während ich dieses ernsthafte Thema darstelle, hat meine Feder ungewollt ihren Stil zu dieser feinen Anspielung geändert. Ich habe auch meiner Feder freien Lauf gelassen. Ich hoffe, dass diese Anspielung die Ernsthaftigkeit der Abhandlung nicht stört.} dem Qur'an gesagt: "Gib mir eine Stelle in deinen Worten. Miss mir in deinen Ayat einen Platz zu." Mit Sicherheit würden die Planeten, die Erde und der Mond, welche die Flugzeuge in diesem Herrschaftsbereich sind, anstelle des Qur'an erwidern: "Hier kannst du nur einen Platz deiner Größe entsprechend einnehmen." Wenn die U-Boote der Menschen in den Ayat des Qur'an einen Platz beansprucht hätten, würden ihnen die U-Boote dieses Bereiches, das heißt, die Erde und die Sterne, welche im Ozean des Himmels und im Meer des Äthers schwimmen, antworten: "Dein Platz ist neben uns verschwindend gering." Wenn die leuchtenden, sternengleichen

elektrischen Lampen eine Erwähnung beanspruchend in die Ayat Eingang finden wollten, würden die Blitze und die Sternschnuppen, welche die elektrischen Lampen dieses Bereiches sind, und die Sterne und die Sonnen, welche das Antlitz des Himmels schmücken, entgegnen: "Nur im Grade deiner Lichtstärke kannst du in diesem Thema und in der Verkündigung Eingang finden." Wenn die Erfindungen der Zivilisation aber hinsichtlich der künstlerischen Feinheit ihre Rechte beanspruchten und in den Ayat eine Stellung (maqam)forderten, dann würde eine Mücke ihnen sagen: "Schweigt! Ihr habt kaum soviel Recht wie einer meiner Flügel. Denn alle feinen Künste und die empfindlichsten Geräte in euch, welche durch die begrenzte Entscheidungsfreiheit des Menschen zu Stande kamen, können insgesamt nicht so einzigartig wie die feinen Künste und die empfindlichen Geräte in meinem winzigen Körper sein. Diese Ayah

اِنَّ الَّذِينَ تَدْعُونَ مِنْ دُونِ اللّٰهِ لَنْ يَخْلُقوُا ذُباَباً وَلَوِاجْتَمَعُوا لَهُ

{"Diejenigen, zu denen ihr betet, statt zu Gott, können nicht einmal eine Mücke erschaffen, auch wenn sie sich alle dafür zusammentun. usw." (Sure 22, 73)}

bringt euch zum Schweigen."

Wenn diese Erfindungen zu dem Bereich des Dienstes und der Anbetung (Gottes) gehen und in diesem Bereich ihren Platz beanspruchen, dann bekommen sie von diesem Bereich folgendeAntwort:"Eure Beziehungen mit uns sind sehr gering und ihr könnt in unseren Bereich nicht so einfach eintreten. Denn unser Programm ist folgendes: Die Welt ist ein Gasthaus. Der Mensch verweilt jedoch nur für eine kurze Dauer darin und er ist ein Gast, der mit vielen Pflichten betraut ist, und beauftragt in diesem kurzen Leben mit der Anschaffung der Notwendigkeiten für das ewige Leben. Die wichtigsten und notwendigsten Aufgaben werden (im Qur'an) vorgestellt. Dagegen scheint es bei euch so zu sein, als ob für die meisten von euch diese vergängliche Welt ein ewiger Sitz wäre: im Allgemeinen ein Bild, welches den Empfindungen derer,

welche die Welt hinter dem Schleier der Gottvergessenheit anbeten, entsprechend gemalt ist. Also habt ihr kaum einen Anteil in der Gottesanbetung, welche auf den Grundsätzen der Wahrheitsverehrung und des Denkens an das Jenseits errichtet ist. Wenn es sich aber darum handelt, allein für den Nutzen der Geschöpfe Gottes und für die allgemeinen Interessen und für das Wohl der Allgemeinheit und für die Vervollkommnung des alltäglichen Lebens zu dienen, was ein bedeutender Gottesdienst ist, so reicht dieses Zeichen des Qur'an für diese empfindlichen Menschen mit Recht aus, den verehrten Handwerkern und den inspirierten Erfindern, die bestimmt eine Minderheit unter euch sind und hinter euch stehen, zur Anstrengung zu ermuntern und ihnen zu ihren Kunstwerken zu gratulieren.

Eine Antwort auf die zweite Frage:

Wenn du sagst: "Nach dieser Erläuterung habe ich keine Zweifel mehr und bestätige: im Qur'an gibt es, neben anderen Wahrheiten, Hinweise und Zeichen auf Wunder heutiger Zivilisation und Technik, sogar noch auf weiter fortgeschrittene Erfindungen. Alles, was für den Menschen im Diesseits und im Jenseits notwendig ist, findet sich darin im Verhältnis seines Wertes. Aber warum erwähnt der Qur'an sie nicht eindeutig, sodass auch die verbohrten Ungläubigen dazu gezwungen sind, sie zu bestätigen, damit unser Herz beruhigt sei?"

Antwort:

Der Glaube ist eine Prüfung und unsere Pflichten gegenüber Gott sind eine Erfahrung, damit wir uns in der Arena des Wettbewerbs in die erhabenen Geister und die niederträchtigen Geister scheiden. Wie man z.B. Erz ins Feuer wirft, um Gold und Erde voneinander zu trennen, so nehmen auch die Befehle, die von Gott kommen, den Menschen an diesem Ort der Prüfung in die Pflicht, führen ihn zu einem Wettkampf, damit sich die kostbaren Edelsteine und die gewöhnlichen Schlacken unter dem Erz der menschlichen Begabungen voneinander trennen... Da der Qur'an an diesen Ort der Prüfung als eine Erfahrung und in die Arena dieses Wettkampfes

für die Vervollkommnung des Menschen herabgesandt worden ist, wird er mit Sicherheit auf solche weltlichen, noch im Schoß der Zukunft verborgenen Dinge, die einmal für jeden sichtbar werden, nur hinweisen und für den Verstand als Beweis zu seiner Bezeugung eine Tür öffnen. Hätte der Qur'an sie eindeutig erwähnt, so wäre der Sinn der Prüfung verlorengegangen. Es wäre so eindeutig, wie mit den Sternen am Himmel لآ اِلٰهَ اِلاَّ اللّٰهُ {"Es gibt keine Gottheit außer dem Einen Gott."} klar geschrieben steht. Das müsste dann jeder bestätigen, ob er wollte oder nicht. Dann käme kein Wettbewerb zu Stande. Es wäre keine Prüfung mehr. Ein Geist wie Kohle würde mit einem diamantengleichen Geist {(*): Abu Djahil, der Verfluchte, würde mit Abu Baqr, dem Getreuen auf der gleichen Stufe stehen. Der Sinn der Prüfung ginge damit verloren...} zusammen bleiben...

Kurzum:

Der "Weise Qur'an (Qur'an-i Hakim)"ist weise. Nach dem Wert jedes Dinges bestimmt er dessen Platz (maqam).So sieht der Qur'an vor dreizehn Jahrhunderten die Früchte und Entwicklungen der Menschen, die im Dunkel der Zukunft bedeckt und verborgen gewesen waren. Er zeigt sie uns in einer viel schöneren Form, wie wir gesehen haben und noch sehen werden. Das heißt, der Qur'an ist das Wort einer solchen Persönlichkeit, die alle Zeiten und alle Dinge in ihr im gleichen Moment sieht...

Hier ist also ein Licht aus dem Wunder des Qur'an, das uns aus dem Antlitz der Wundertaten der Propheten entgegen leuchtet...

اَللّٰهُمَّ فَهِّمْنَآ اَسْرَارَ الْقُرْاٰنِ وَوَفِّقْنَا لِخِذْمَتِهِ فِى كُلِّ اٰنٍ وَزَمَانٍ ٭سُبْحَانَكَ لاَعِلْمَ لَنَآ اِلاَّ مَاعَلَّمْتَنَآ اِنَّكَ اَنْتَ الْعَلِيمُ الْحَكِيمُ ٭ رَبَّنَا لاَ تُؤَاخِذْنَآ اِنْ نَسِينَآ اَوْ اَخْطَاْنَا ٭ اَللّٰهُمَّ صَلِّ وَسَلِّمْ وَبَارِكْ وَكَرِّمْ عَلٰى سَيِّدِنَا وَمَوْلٰينَا مُحَمَّدٍ عَبْدِكَ وَنَبِيِّكَ وَرَسُولِكَ النَّبِىِّ اْلاُمِّىِ وَعَلٰٓى اٰلِهِ وَاَصْحَابِهِ وَاَزْوَاجِهِ وَذُرِّيَّاتِهِ وَعَلَى النَّبِيِّينَ وَالْمُرْسَلِينَ وَعَلَى الْمَلٰٓئِكَةِ الْمُقَرَّبِينَ وَاْلاَوْلِيَآءِ وَالصَّالِحِينَ ٭ اَفْضَلَ صَلاَةٍ وَاَزْكٰى سَلاَمٍ وَاَنْمٰى بَرَكاَتٍ بِعَدَدِ سُوَرِ اْلقُرْاٰنِ وَاٰياَتِهِ وَحُرُوفِهِ وَكَلِمَاتِهِ وَمَعَانِيهِ وَاِشَارَاتِهِ وَرُمُوزِهِ وَدَلاَلاَتِهِ وَاغْفِرْ لَنَا وَارْحَمْنَا وَالْطُفْ بِنَا يَآ اِلٰهَنَا يَا خَالِقَنَا بِكُلِّ صَلاَةٍ مِنْهَا بِرَحْمَتِكَ يَآ اَرْحَمَ الرَّاحِمِينَ ٭ وَالْحَمْدُ لِلّٰهِ رَبِّ اْلعَالَمِينَ ٭ اٰمِينَ

{"Oh Gott, lass uns die Geheimnisse des Qur'an verstehen und mache uns in jedem Augenblick und zu jeder Zeit erfolgreich in seinem Dienst!" "Gepriesen seist Du! Wir haben kein Wissen, außer dem, was Du uns gelehrt hast. Denn Du bist der Allwissende und der Allweise." (Sure 2, 32) "Oh Herr, belange uns nicht, wenn wir vergesslich waren, oder uns versehen haben!" (Sure 2, 286) "Oh Gott, schenke Friede und Segen, Gnade und Güte unserem Herrn und Meister Mohammed, Deinem Diener, Deinem Gesandten, Deinem Propheten, dem ungelehrten Botschafter, seiner Familie, seinen Gefährten, seinen Nachkommen, allen Gesandten Gottes, den Engeln, die Dir nahe sind, den Freunden Gottes und den Aufrichtigen. Sende ihm Deine höchsten Segnungen, den lautersten Frieden und reiche Fülle nach der Zahl der Suren, Ayat, Buchstaben und Worte und ihrer Bedeutungen, der Hinweise, Anmerkungen und offensichtlichen Zeugnisse des Qur'an. Verzeihe uns, erbarme Dich unser, sei uns gnädig, oh Gott, unser Schöpfer, nach der Zahl Deiner Segnungen, durch Dein Erbarmen, oh Barmherzigster aller Barmherzigen! Und aller Lobpreis sei Gott, dem Herrn der Welten. Amen"}

Einundzwanzigstes Wort

Das erste von zwei Kapiteln

بِسْمِ اللَّهِ الرَّحْمَنِ الرَّحِيمِ ٭ اِنَّ الصَّلٰوةَ كَانَتْ عَلَى الْمُؤْمِنِينَ كِتَاباً مَوْقوُتاً

{"Im Namen Allahs, des Erbarmers, des Barmherzigen; Es ist den Gläubigen vorgeschrieben, das Gebet zur bestimmten Zeit zu verrichten." (Sure 4, 103)}

Eines Tages kam ein älterer Herr zu mir. Er war groß von Gestalt, bekleidete einen höheren Rang und sagte zu mir: "Das Gebet ist gut. Es aber Tag für Tag fünfmal zu verrichten, ist zu viel. Man kommt zu keinem Ende. Macht das nicht überdrüssig?"

Über diesem Wort war bereits geraume Zeit vergangen, da vernahm ich die Stimme meiner Seele (nefs).Ich vernahm, dass sie die gleichen Worte wiederholte. Bei näherer Betrachtung erkannte ich, dass es der Teufel war, der ihr die gleiche Lektion ins Ohr ihrer Faulheit flüsterte. Damals verstand ich, dass der Herr damals dieses Wort gleichsam im Namen aller eigenwilligen Seelen (nufus-u emmare)ausgesprochen hatte. Es war ihm gleichsam in den Mund gelegt worden. Damals hatte ich zu mir selbst gesagt: "Auch ich habe solch eine eigenwillige Seele. Wer sich aber in seiner eigenen Gesinnung (nefs)nicht zu bessern vermag, vermag auch andere nicht in ihrer Gesinnung zu wandeln. Wenn dies aber so ist, so will ich bei meiner eigenen Seele anfangen." Ich sagte zu mir: "Oh meine Seele!... Da sitzt du nun in der Tinte, als habest du die Weisheit getrunken, liegst auf dem Bett deiner Faulheit und schläfst den Schlaf deiner Gottvergessenheit. So lass dir denn durch mich die folgenden

fünf Ermahnungen entgegenhalten...

Erste Ermahnung:

Oh meine arme Seele! Ist dein Leben etwa ewig? Hast du etwa einen festen Vertrag dafür, dass du noch bis nächstes Jahr, ja auch nur bis morgen am Leben bleiben wirst? Was deinen Überdruss bewirkt, ist dein Traum von einem ewigen Leben. In deinem Übermut verbummelst du dein Leben, als könntest du ewig in dieser Welt bleiben. Könntest du verstehen, wie kurz dein Leben ist, ja in Unfruchtbarkeit dahingeht, sicherlich brächte dich das dazu, von vierundzwanzig Stunden eine für das wahre Leben und die ewige Glückseligkeit zu opfern, um einen schönen, angenehmen und leichten Dienst zu verrichten, der dir Barmherzigkeit (rahmet)bringt. Du würdest deine Langeweile überwinden. Es könnte dich dazu veranlassen, dich allen Ernstes nach einem solchen Dienst zu sehnen, ihn als willkommen anzusehen und Geschmack an ihm zu finden.

Zweite Ermahnung:

Oh meine Seele, die du dem Bauch dienst! Du isst Tag für Tag Brot, trinkst Wasser, atmest Luft ein. Macht das nicht überdrüssig? Sicherlich nicht; denn in dem ständig wiederkehrenden Bedürfnis danach bekommst du nicht Überdruss, sondern Appetit.

Wenn das aber so ist, dann kann auch das Gebet, das für die Freunde in deinem Hause, welche mein Körper ist, nämlich für mein Herz eine Labsal, für meinen Geist das Wasser des Lebens und für die Blumen des Herrn (: die feineren Sinnesorgane der Seele) gleich einer Liebkosung des Windes ist, der durch das Gebet angezogen, herbeigelockt wird, niemals zur Langeweile führen. In der Tat kann ein Herz, das von grenzenlosem Kummer und Schmerz heimgesucht und geplagt, zahllosen Genüssen verfallen und von unendlichen Hoffnungen umschmeichelt ist, nur dann mit der notwendigen Kraft und Ausdauer versorgt werden, wenn es in flehentlichem Gebet an die Pforte des Freigiebigen und Allbarmherzigen pocht, der da aller Dinge mächtig ist. Ja, in dieser vergänglichen Welt, durch die die Seele (ruh)so schnell hindurcheilt, Weh!-schreiend ob der Trennung von all den Dingen und

Geschöpfen, mit denen sie doch in Beziehung steht, kann der Durst nur mit dem Wasser des Lebens aus dem Brunnen der Barmherzigkeit gestillt werden, wenn sich die Seele im Gebet dem Ewig-Angebeteten (Ma'bud-u Baqi)und Immerdar-Geliebten (Mahbub-u Sermedi)zuwendet, der alle Dinge übertrifft. Ja, die bewusste meditative Wahrnehmung des Menschen (sirr-i insani)und die lichterfüllten Blumen des Herrn (latife-i Rabbaniye),die sich von Natur aus nach Ewigkeit sehnen und für die Ewigkeit erschaffen wurden, die ein Spiegel des Herrn von Ewigkeit zu Ewigkeit und so äußerst fein und empfindsam sind, bedürfen unter den kummervollen, zermürbenden, beklemmenden, vergänglichen, finsteren und bedrückenden Ereignissen dieses Lebens ganz besonders eines beständigen Atemholens und nur durch das Fenster des Gebetes vermögen sie eine solche Liebkosung zu empfangen.

Dritte Ermahnung:

Oh meine ungeduldige Seele! Du denkst noch heute darüber nach, wie du dich in vergangenen Tagen darum bemüht hast, Gott zu dienen (ibadet),wie du dich angestrengt hast, dein Gebet zu verrichten, wie du dich wegen deines Unglücks geplagt hast und du machst dir darüber Sorgen. Desgleichen stellst du dir die Aufgabe künftigen Gottesdienstes (ibadet),die Verpflichtung zum Gebet und das Leiden an einem kommenden Unglück schon heute vor und zeigst dich ungeduldig. Aber ist das denn überhaupt sinnvoll?

In deiner Ungeduld gleichst du einem Kommandanten, der sich in seiner Verwirrung so verhält, dass er seine eigene Kampfkraft in der Mitte schwächt, indem er eine starke Streitmacht zum rechten Flügel befiehlt, obwohl der rechte Flügel der feindlichen Streitmacht bereits zum rechten Flügel der eigenen Streitmacht übergelaufen ist. Obwohl also nun der linke Flügel des Feindes von Soldaten entblößt ist, schickt er eine starke Streitmacht dorthin, wo doch gar jemand angelangt ist und befiehlt: "Feuer!" So sind seine eigenen Streitkräfte aus der Mitte ganz und gar abgezogen. Der Feind erfasst die Lage, greift in der

Mitte an und stiftet dort heillose Verwirrung. Du gleichst ihm in der Tat. Denn die Anstrengungen der vergangenen Tage sind heute in Barmherzigkeit verwandelt worden. Schmerz ist vergangen; Freude ist geblieben. Plage hat mit (Gottes) Gnadengabe einen Bund geschlossen; Anstrengung verwandelte sich in Belohnung. Wenn das aber so ist, dann darfst du über all dem nicht Überdruss und Langeweile empfinden, vielmehr eine neue Begeisterung, eine wiedererwachte Freude in dir verspüren, die dich kräftig dazu anspornt, weiterzumachen. Was aber die künftigen Tage betrifft, so ruhen sie noch in der Zukunft Schoß. Schon heute darüber nachzudenken und dabei Langeweile und Überdruss zu empfinden ist die gleiche Torheit, wie schon heute über dem Gedanken an Hunger und Durst in Wehgeschrei und Tränen auszubrechen. In Anbetracht dieser Tatsache solltest du in dem Gedanken an Dienst und Anbetung nur beim Heute verweilen, wenn du verständig bist. Und sprich: "Ich opfere eine Stunde (des heutigen Tages) für einen willkommenen, schönen und erhabenen Dienst, der nur wenig Mühe kostet, aber reichen Lohn bringt." Dann wird sich dir die Bitternis jeglichen Überdrusses in die Süßigkeit jeglicher Begeisterung verwandeln.

So sind denn dir, meine ungeduldige Seele, drei Arten von Geduld auferlegt.

Eine ist die Geduld gegenüber Gott (in Dienst und Anbetung).

Eine andere ist die Geduld im Aufruhr (der eigenen Natur gegenüber Gott).

Eine weitere schließlich ist die Geduld im Unglück.

Wenn du verständig bist, dann nimm dir die Wahrheit, die in dem Beispiel zu dieser dritten Ermahnung sichtbar wird, als Richtschnur. Ermanne dich und rufe: "Ya Sabur!"(: Geduld, als einer der wundervollen Namen Allahs). Schultere diese drei Arten der Geduld. Die Kraft dieser Geduld, die Gott der Gerechte dir verliehen hat, wird dir, so du sie nicht auf einem falschen Weg verstreust, in

jeglicher Mühsal und Plage hinreichend sein... und auf diese Kraft stütze dich...

Vierte Ermahnung:

Oh meine verwirrte Seele! Ist denn Dienst und Anbetung eine Aufgabe, die zu keinem Ergebnis führt? Ist dir der Lohn dafür zu gering, sodass es dir nun leid wird? Denn wenn dir jemand etwas Geld gibt, oder du einfach dazu gezwungen bist, so arbeitest du für ihn bis zum Abend. Und du arbeitest, ohne dass es dir leid wird. Ja ist denn ein Gebet, das in dem Gasthaus dieser Welt Nahrung und Reichtum in der Not deines armen Herzens, Nahrung und Licht in dem Grab, das mit Sicherheit einmal deine Wohnstatt sein wird, Zeugnis und Freispruch auf dem Wiederversammlungsfeld, das in jedem Fall einmal dein Richtplatz sein wird, Licht und Reittier (buraq)auf der "Sirat"- Brücke, über die du einst gehen musst, ob du willst oder nicht, etwa wirkungslos und ohne Ergebnis? Oder ist es sein Lohn etwa zu wenig?

Gäbe dir jemand das Versprechen, dir ein großes Geldgeschenk zu machen, du würdest hundert Tage für ihn arbeiten. Es könnte sein, dass er sein Versprechen nicht einhält, du aber vertraust auf ihn und arbeitest für ihn, ohne zu murren. Wenn aber nun eine Persönlichkeit, für die es unmöglich ist, dass Sie Ihr Versprechen bräche, dir das Paradies zum Lohn und die ewige Glückseligkeit zum Geschenk versprechen wollte und dich dann für eine ganz kurze Zeit und für eine sehr schöne Aufgabe einstellte, und wenn du dann Ihr nicht dienen wolltest oder deinen Dienst nur widerwillig oder halbherzig verrichtetest oder nur deinem Herrn zu Spott oder Ärger, sodass du ihn beleidigst oder Sein Geschenk gering achtest, ja denkst du denn nicht, dass du eine schwere Strafe empfangen und furchtbare Qualen erleiden würdest? Wenn du in dieser Welt aus Angst vor dem Gefängnis ohne zu murren den schwersten Dienst verrichtest, spornt es dich denn dann nicht dazu an, aus Furcht vor der ewigen Gefängnisstrafe der Hölle einen leichten und angenehmen Dienst zu verrichten?

Fünfte Ermahnung:

Oh du meine Seele, die du die Welt anbetest! Rührt deine Abneigung gegen den Gottesdienst (ibadet)und deine Nachlässigkeit im Gebet etwa von einem Übermaß an weltlichen Beschäftigungen? Oder ist es deshalb, weil du in deiner Sorge um das tägliche Brot so beschäftigt bist, dass du darüber hinaus keine Zeit mehr findest? Oder bist du etwa nur für das Diesseits erschaffen worden, sodass du all deine Zeit dafür aufwendest? Du weißt, dass du hinsichtlich deiner Fähigkeiten über allen Tieren stehst, doch in der Beschaffung aller lebensnotwendigen Dinge für dieses irdische Leben vermagst du weniger als ein Sperling. Warum aber ziehst du dann daraus nicht die Schlussfolgerung, dass es nicht deine ureigentliche Aufgabe ist, dich abzuplagen wie ein Tier, vielmehr dich wie ein wahrer Mensch um das wahre und ewige Leben zu bemühen.

Außerdem ist das, was du eine weltliche Tätigkeit nennst, zumeist etwas, das dich nichts angeht. Es sind leerlaufende Beschäftigungen, mit denen du dich überflüssiger Weise einmischst und nur alles durcheinander bringst. Du unterlässt das Notwendigste und vertreibst dir die Zeit mit nutzlosen Informationen, als hättest du ein Leben von Jahrtausenden vor dir. Du fragstzum Beispiel:"Woraus bestehen die Ringe des Saturn?" oder: "Wie viele Rassen von Hühnern gibt es in Amerika?" und vertreibst dir mit dergleichen wertlosen Dingen deine wertvolle Zeit. Als ob du durch Astronomie und Geographie, durch die Wissenschaft und Statistik zur Vollkommenheit (kemal)gelangen könntest!...

Sagtest du: "Was mich von Gebet und Gottesdienst (namaz ve ibadet)abhält und eine Art von Lustlosigkeit und Verdrossenheit in mir aufkommen lässt, sind nicht dergleichen überflüssigen Dinge, es sind vielmehr alle jene unabdingbaren Verrichtungen, die mit der Sorge um das tägliche Brot verbunden sind." Wäre dies so, dann würde ich dir sagen: "Angenommen, du müsstest für hundert Kurush am Tag arbeiten. Dann käme jemand zu dir und sagte: Komm und schürfe hier für zehn Minuten,

dann wirst du Smaragde und Diamanten im Werte von hundert Lira finden! würdest du ihm dann entgegnen: Nein, ich komme nicht. Es würde meinen Tagelohn von hundert Kurush schmälern, würde mir am Lebensunterhalt fehlen... dann weißt du, was für eine törichte Ausrede das wäre." Denn genauso arbeitest auch du in diesem Weinberg für deinen Lebensunterhalt. Wenn du nämlich die vorgeschriebenen Gebete vernachlässigst, wird die ganze Frucht deiner Arbeit sich lediglich auf weltlichen, bedeutungslosen Lebensunterhalt beschränken und ohne Segen sein. Wenn du die Zeit für Ruhe und Erholung aber dazu verwendest, dem Atemholen deiner Seele (ruh)und der Ruhe deines Herzens zu dienen, wirst du dir zusätzlich zu einem segensreichen irdischen Lebensunterhalt auch noch einen himmlischen Lebensunterhalt verdienen, einen Vorrat für das jenseitige Leben ansammeln und einen wichtigen Brunnen entdecken, der aus zwei geistigen Quellen gespeist wird.

Erste Quelle:

Von allem, was du in deinem Garten {(*): Wenn an dieser Stelle ein Garten als Beispiel gewählt wurde, so geschah dies, um auf diese Weise eine ganz bestimmte Person anzusprechen.} pflanzt, seien es nun Obstbäume oder Blumen, von jeder Blume und von jedem Baum, der unablässig Gottes Lobpreis verkündet (tesbihat),wirst du in deiner guten Absicht (niyet)einen Anteil bekommen.

Zweite Quelle:

Darüber hinaus gilt noch: Wer auch immer von dem Ertrag dieses Gartens isst, sei es ein Tier oder ein Mensch, eine Ziege oder eine Fliege, ein Käufer oder Dieb, es wird dir als Sadaqa(Spende) angerechnet werden, allerdings unter der Bedingung, dass du darüber im Namen des wahren Versorgers (Rezzak-i Hakiki)und innerhalb der erlaubten Grenzen verfügst und dich selbst dabei wie einen Verwalter betrachtest, der von den Gütern seines Herrn und Gottes Wohltaten an Seine Geschöpfe austeilt.

Schau also, welch großen Verlust der erleidet, der das Gebet vernachlässigt und welch bedeutenden Reichtum er dadurch verliert. Von diesen beiden Ergebnissen, aus denen ihm Freude erwächst und von den beiden Quellen, aus denen er eine große geistige Kraft für seine Arbeit erhält, bleibt er ausgeschlossen und geht zu Grunde. Ja im Alter verliert er sogar die Freude an seiner Arbeit im Garten, wird ihrer überdrüssig. "Was geht es mich an?", sagt er... "Ich gehe ohnehin aus dieser Welt. Warum soll ich dann so viel Mühe darauf verwenden?" So verfällt er der Faulheit.

Doch der erste Mann sagt: "Ich werde mich in meinem Dienst für Gott noch mehr einsetzen und mich um die erlaubten Früchte der Arbeit bemühen, sodass ich noch mehr Licht in mein Grab senden werde. Ich werde für mein Leben im Jenseits einen noch größeren Vorrat anlegen."

Zusammenfassung:

Oh meine Seele! Wisse, dass der gestrige Tag deinen Händen entglitten ist. Was aber den morgigen betrifft, so hast du in deiner Hand keine Garantie dafür, dass er dir gehören wird. Wenn dies aber so ist, so wisse, dass dein wahres Leben in dem Tag zu finden ist, in dem du lebst. Darum verbringe auf jeden Fall wenigstens eine Stunde täglich in der Moschee oder auf deinem Gebetsteppich. Das wird für dich so sein, als habest du sie in eine Sparbüchse des Jenseits für deine wahre Zukunft gelegt. Und überdies wisse, dass jeder neue Tag ein Tor zu einer neuen Welt ist für dich und für jedermann. Wenn du das Gebet nicht verrichtest, wird deine Welt an jenem Tage in Finsternis und Verwirrung an dir vorbeigleiten. Dieser Tag wird in der Welt der Beispiele (alem-i misal)als ein Zeuge gegen dich auftreten. Denn ein jeder lebt täglich in einer eigenen Welt innerhalb dieser unserer Welt. Diese Welt gestaltet sich entsprechend dem Herzen und den Handlungen des Menschen. Denn ein königliches Schloss, das man in einem Spiegel betrachtet, nimmt die Farbe dieses Spiegels an. Ist dieser schwarz, sieht es auch schwarz aus. Ist er rot, sieht es auch rot aus. Außerdem ist das Aussehen des Schlosses

auch noch von der Form des Spiegels abhängig. Ist das Spiegelglas eben, wird es das Schloss gut abbilden. Ist es uneben, wird das Spiegelbild verzerrt sein. So wie sich dir die feinsten Dinge vergröbert zeigen, so kannst du deine eigene kleine Welt mit dem Herzen, mit dem Verstand, mit deiner Seele, durch deine Handlungen verändern und gestalten. Sie wird dann für dich oder gegen dich Zeugnis ablegen. Wenn du betest und dein Antlitz im Gebet dem Baumeister dieser Welt in Seiner Majestät (Sani-i Dhu l-Djelal)zuwendest, wirst du diese deine kleine Welt plötzlich erleuchtet finden. Es ist, als sei das Gebet eine elektrische Lampe und deine Absicht (niyet)zu beten wie die Bedienung ihres Schalters, so dass die Dunkelheit dieser Welt weichen muss. So zeigt es sich, dass die so chaotischen und so verwirrenden Zustände in dieser Welt, all die Bewegungen und Veränderungen in diesem Tohuwabohu in Wirklichkeit Ausdruck weisheitsvoller Ordnung sind, ein Schriftzug der Macht voll tiefer Bedeutung. So fällt aus dem Licht der Ayah: اَللّٰهُ نُورُ السَّمٰوَاتِ وَاْلاَرْضِ {"Allah ist das Licht der Himmel und der Erden." (Sure 24, 35)} ein Strahl in dein Herz. An jenem Tage wird deine kleine Welt von dem Reflex dieses Lichtes erhellt sein. In diesem Licht wird sie für dich Zeugnis ablegen.

Hüte dich also davor, jemals zu sagen: "Mein Gebet, was ist das schon?... und was ist dagegen ein wahrhaftiges Gebet?" Denn ein Dattelkern enthält wie ein Dattelbaum in sich selbst die Eigenschaften dieses Dattelbaumes. Der Unterschied besteht wie zwischen einer Kurzfassung und einer ausführlichen Darstellung lediglich darin, dass das Gebet gewöhnlicher Leute wie du und ich auch wenn wir es nicht spüren seinen Anteil am Licht eines großen Heiligen (veli)erhält, das Geheimnis seiner Wahrhaftigkeit empfängt - auch wenn du dir dessen nicht bewusst bist. Doch je nach der Entwicklungsstufe des Menschen entfaltet sich auch sein Gebet, unterscheiden

sich die verschiedenen Gebete nach ihrer (Licht) ausstrahlung. So wie es vom Dattelkern bis zur ausgewachsenen Palme viele verschiedene Stufen gibt, so finden sich auch zwischen den unterschiedlichen Graden des Gebetes noch mehr verschiedene Stufen. Doch auf all diesen Stufen treffen wir die Wesensmerkmale dieser wahrhaftigen lichten Ausstrahlung...

اَللّٰهُمَّ صَلِّ وَسَلِّمْ عَلٰى مَنْ قَالَ (اَلصَّلٰوةُ عِمَادُ الدِّينِ) وَعَلٰٓى اٰلِهِ وَصَحْبِهِٓ اَجْمَعِينَ

{"Oh Allah! Sende herab Deinen Frieden und gieße aus Deinen Segen auf den, der gesagt hat: "Das Gebet ist die Säule des Glaubens", und über seine Familie und alle seine Gefährten."}

Zweites Kapitel des Einundzwanzigsten Wortes

(Enthält fünf Salben für fünf Wunden des Herzens)

بِسْمِ اللَّهِ الرَّحْمَنِ الرَّحِيمِ ٭ رَبِّ اَعُوذُ بِكَ مِنْ هَمَزَاتِ الشَّيَاطِينِ وَاَعُوذُ بِكَ رَبِّ اَنْ يَحْضُرُونِ

{"Im Namen Gottes, des Erbarmers, des Barmherzigen. Oh Gott, ich nehme meine Zuflucht zu Dir vor den Einflüsterungen der Teufeln und ich fliehe zu Dir, oh mein Herr, dass sie sich mir nicht nähern." (Sure 23, 97-98)}

Oh du, der du von der Krankheit des Argwohns befallen bist! Weißt du, wem dein Argwohn gleicht? Er gleicht einem Übel. Beachtet man es, bläht es sich auf. Beachtet man es nicht, entweicht es. Betrachtet man es mit großen Augen, dann wächst es. Siehst du es als gering an, verringert es sich. Ängstigst du dich davor, wirst du krank. Wenn du dich nicht fürchtest, wird es leicht, verbirgt sich. Kennst du sein Wesen nicht, so besteht es weiter, setzt sich fest. Weißt du um sein Wesen, kennst du es, geht es. Weil dies aber so ist, will ich hier von den vielen Arten solch übler Einflüsterungen, wie sie am häufigsten vorkommen, insbesondere "Fünf Aspekte" erklären. Vielleicht kann es dir und mir zur Heilung dienen. Denn diese Einflüsterungen sind ein solches Ding, dass die Unwissenheit sie einlädt, Wissen aber sie vertreibt. Hast du dieses Wissen nicht, kommen sie, hast du es aber, dann gehen sie.

Erster Aspekt - erste Wunde:

Der Teufel wirft zunächst einen Verdacht in das Herz. Wenn das Herz ihn nicht bestätigt, verwandelt sich der Verdacht in eine Beleidigung um. In der Phantasie stellen sich manche unsaubere Gedanken und schamlos unsittlich schmutzige Bilder, einer Beleidigung ähnlich, vor die Seele. Dies bringt das Herz dazu, "Oh weh!" zu rufen. Es stürzt in Verzweiflung. So kommen denn dem Menschen seine

Zweifel und er argwöhnt, dass sich sein Herz vor seinem Herrn im Zustande der Lasterhaftigkeit befindet. Er empfindet eine schreckliche Aufregung, ja Panik... Um sich vor ihr zu retten, flieht er Gottes Gegenwart (huzur),möchte in Gottvergessenheit (gaflet)tauchen. Die Salbe für diese Wunde ist folgende:

Sieh einmal, du armer, von Zweifeln geplagter Mensch! Bleib ruhig! Denn was in deiner Vorstellung auftaucht, das ist gar keine Beleidigung, sondern reine Phantasie. So wie ein nur vorgestellter Unglaube kein Unglaube ist, so ist auch eine nur vorgestellte Beleidigung gar keine Beleidigung. Denn logischerweise ist eine bloße Vorstellung noch keine Verurteilung. Nur eine Beleidigung ist ein Urteil. Überdies aber sind diese Schimpfwörter nicht die Worte deines Herzens. Denn dein Herz ist über sie bekümmert, betrübt. Sie entstammen vielmehr jenem Teufelspunkt in der Nähe des Herzens. Der Schaden, den die Einflüsterung verursacht ist der Schaden der Phantasie, d.h. dadurch, dass man sich den Schaden in seiner Phantasie vorstellt, fügt man seinem Herzen einen Schaden zu. Denn man stellt sich eine Einbildung ohne Urteilskraft als eine Tatsache vor. Zudem macht man die Sache des Teufels zu seiner eigenen und schreibt sie seinem Herzen zu. Man meint, dass sein Wort von da käme. Man begreift den Schaden, verfällt dem Schaden. Das aber ist genau das, was der Teufel wollte.

Zweiter Aspekt ist folgender:

Gedanken, wenn sie im Herzen aufsteigen, werden von der Phantasie bekleidet, weil sie bildlos und nackt sind. Es liegt in der Natur der Phantasie, dass sie stets unter irgendeinem Vorwand irgendwelche Bilder webt. Dinge aber, denen man irgendeine Bedeutung beimisst, ziehen als Bildgestalten ihres Wegs dahin. Der Gedanke, der vorüberzieht, wird je nach Art entweder von der Phantasie bekleidet, oder aber sie hängt ihm nach, oder sie besudelt ihn, oder sie verschleiert ihn. Wenn die Gedanken rein und heilig sind, die Phantasiegestalten aber schamlos und schmutzig sind, so werden sie nicht (von der Phantasie) bekleidet, sondern

nur von ihr berührt. Ein skrupulöser Mensch aber verwechselt diese Berührung mit ihrer Gestaltung. "Oh weh!" sagt er. "Wie verdorben ist doch mein Herz! Diese elende, niedrige, gemeine Gesinnung meiner Seele jagt mich in die Flucht." Der Teufel zieht aus dieser Empfindsamkeit einen sehr großen Nutzen. Die Salbe für diese Wunde ist folgende:

Höre einmal, du Ärmster! Wie die äußerliche Reinheit das Fahrzeug zur kultischen Gesittung für dein Gebet darstellt, so schadet das Unreine, welches sich im Inneren deiner Eingeweide befindet ihr nicht und zerstört sie nicht. Ebenso gilt: der Heiligkeit der Gedanken schadet die Nachbarschaft zu unreinen Bildern und Gestalten nicht.

Zum Beispiel:

du denkst über die göttlichen Verse (ayat-i Ilahiye)nach. Plötzlich wirst du in deinen Empfindungen heftig von einer Krankheit oder dem Wunsch, ein Bedürfnis zu befriedigen oder deine Notdurft zu verrichten geplagt. Sicherlich wirst du in deiner Phantasie nach einer Medizin Ausschau halten, den Ort zu deiner Erleichterung aufsuchen. Sie wird dir die entsprechenden niederen Bilder weben und die aufsteigenden Gedanken werden durch sie hindurchziehen. Sie werden bei ihrem Durchgang nicht beschädigt, nicht befleckt, nicht gefährdet, nicht gemindert. Eine Gefahr besteht nur darin, seinen Blick auf diese Dinge einzuengen, zu meinen, ein Schaden sei durch sie entstanden.

Dritter Aspekt ist wie folgt:

Unter den Dingen finden sich manche verborgene Verbindungen (Assoziationen). Ja sogar unter denjenigen Dingen, mit denen dich keinerlei Erwartungen verbinden, finden sich solche Verbindungsfäden. Diese (Verbindungen) können entweder unmittelbar vorhanden sein, oder aber deine Phantasie spinnt diese Fäden je nach Art der Dinge, mit denen sie sich beschäftigt und verbindet sie so miteinander. Aus diesem Geheimnis gegenseitiger Verbundenheit erwächst es, dass manchmal der Anblick von etwas Reinem und Heiligem die Erinnerung an unreine Dinge hervorruft. So wird uns zum Beispiel in der Wortkunde erklärt, dass

"Gegensätze, die äußerlich Ursache einer gegenseitigen Entfernung sind, in der Phantasie zur Ursache ihrer eigenen Nähe werden." Das heißt: das Fahrzeug zur Vereinigung zweier entgegengesetzter Gestalten besteht in ihrer Assoziation durch die Phantasie. Die Erinnerung, welche eine solche Verbindung bewirkt, wird Gedankenverbindung genannt.

Zum Beispiel:

Während du dich in deinem pflichtgemäßen oder freien Gebet (namaz, munadja'at)gegenüber der Kaaba, in der göttlichen Gegenwart (huzur-u Ilahi)befindest und gerade über die Ayat nachdenkst, nimmt dich diese Gedanken-Assoziation und führt dich in die entferntesten Niederungen der Geschwätzigkeit. Wenn dein Kopf von einer solchen Gedankenverbindung ergriffen wird, so gib Acht, dass du dich nicht beunruhigst! Rufe dich vielmehr sofort zur Besinnung und kehre um! Sage nicht: "Ach, welchen Fehler habe ich doch da begangen!" und beschäftige dich nicht weiter mit Nachforschungen, damit dieser dünne Faden nicht noch durch deine Aufmerksamkeit an Stärke gewinnt. Denn sobald du dich selbst bedauerst und diesen Dingen deine Aufmerksamkeit schenkst, wird sich dieses schwache Band deiner Erinnerung nur noch verfestigen. Es entsteht eine eingebildete Krankheit. Doch fürchte dich nicht! Es ist keine Krankheit des Herzens. Diese Art von Erinnerung entsteht gewöhnlich ungewollt und tritt besonders bei empfindsamen Personen recht häufig auf. Der Teufel produziert diese Art Stoff, aus dem solche Einflüsterungen bestehen, ziemlich reichlich. Die Salbe für diese Wunde ist folgende:

Gedankenverbindungen stellen sich meist ungewollt ein. Du bist nicht für sie verantwortlich. Überdies stellt sich bei einer Gedankenverbindung lediglich eine Nachbarschaft ein, eine Berührung oder Vermischung findet nicht statt. Deshalb springt kein Gedanke auf einen anderen über, greift ihn nicht an, kann ihm nicht schaden. So wie der Teufel und die Eingebung eines Engels in der Gegend des Herzens einander benachbart sind, und auch die Nähe der Frommen und der Sünder und ihre

Wohnungen im selben Hause einander nicht schaden, so schaden auch schmutzige Vorstellungen, die ungewollt durch eine Gedankenverbindung entstehen und unter die reinen Gedanken treten, einander nicht, ausgenommen wenn es absichtlich geschieht, wenn du meinst, du hättest einen Schaden genommen und dich nun besonders mit ihnen beschäftigst. Außerdem wird das Herz manchmal müde. (d.h. unsere Fähigkeit, das Herz konzentriert zu Gott erhoben zu halten, lässt nach. - A.d.Ü.) Dann beginnen die Gedanken sich wahllos mit irgendwelchen Dingen zu beschäftigen, um sich zu amüsieren. Dann erblickt der Teufel eine Gelegenheit, verstreut um sich herum schmutzige Dinge und versucht, sie dir aufzuhängen.

Vierter Aspekt:

Eine Einflüsterung (des Teufels), die dadurch entsteht, dass man sein Bemühen, das Beste zu geben, durch die Vorstellung der Rechtschaffenheit vertieft und so diesen Zustand noch steigert. Ja er kommt dabei schließlich dahin, dass er der Sünde (haram)verfällt, während dieser Mensch seine Handlungsweise immer noch zu verbessern trachtet. Gelegentlich führt ihn sein Bemühen um die Wahrung der Tradition (sunna)dazu, sogar dazu seine Pflichten (vadjib)zu versäumen. "Habe ich diese Handlung auch wirklich vorschriftsmäßig durchgeführt?" fragt er und wiederholt sie noch einmal. Das geht so weiter und steigert sich bis zur Hypochondrie. Der Teufel zieht aus diesem seinem Zustand seinen Nutzen und verwundet ihn so. Es gibt aber für diese Wunde zwei Heilmittel:

Erstes Heilmittel:

Diese Art von Zweifel passt zu den Anhängern der I'tisal(eine Irrlehre). Denn sie sagen: "Die Handlungen und Dinge haben in ihrem Wesen in Anbetracht des Jenseits entweder Schönheit und Güte und wurden deshalb befohlen, oder aber sie sind hässlich und verwerflich und wurden deshalb schließlich verboten. Das heißt also, dass die Schönheit oder Schändlichkeit der Dinge vom Standpunkt des Jenseits und der Wahrheit aus betrachtet deren Wesensmerkmal und von diesem die göttlichen Ge- und Verbote abhängig sind." Entsprechend

dieser Schule (mezheb)kommt einem Menschen bei jeder seiner Handlungen, die er ausführt, der folgende Zweifel: "Habe ich diese Handlung dem Wesen der Angelegenheit (nefs-ul emir)entsprechend schön ausgeführt?"

Die Leute der Schule der Tradition und Gemeinschaft (Ehl-i Sünnet ve Djema'at),welche die rechte Schule ist, sagen hingegen: "Gott der Gerechte befiehlt etwas und daraufhin wird es schön und gut. Er verbietet etwas und daraufhin wird es schlecht und schändlich."

Das heißt: durch den Befehl wird die Schönheit, durch das Verbot seine Verwerflichkeit bestimmt. Schönheit oder Schändlichkeit entspricht der Einsicht dessen, der dafür verantwortlich ist und wird ihm gemäß entschieden. Diese Schönheit oder Schändlichkeit ist nicht das Gesicht, das auf das Äußerliche und die Welt blickt, sondern vielmehr das Gesicht, das nach dem Jenseits schaut.

Zum Beispiel:

Du hast das Gebet (namaz)verrichtet, bzw. Abdest genommen (d.h. dich zuvor gewaschen - A.d.Ü.). Es gab da jedoch einen Grund, der Namaz und Abdest ungültig werden lässt, was das Wesen der Angelegenheit (nefsu l-emir)betrifft. Diesen (Grund) hast du jedoch überhaupt nicht bemerkt. So sind denn Namaz und Abdest sowohl gültig (vor Gott), und du hast (deine Sache) auch schön und gut gemacht (d.h. ihre Legalität und Qualität wurden nicht berührt - A.d.Ü.).

Der Mu'tezile(Irrlehrer) sagt nun: "Es ist dies in Wirklichkeit unschön und verdorben. Jedoch wird es von dir angenommen. Denn du hast (deinen Fehler) nicht bemerkt, nicht erkannt und bist deshalb zu entschuldigen."

Was jedoch die Leute der traditionellen Schule (Ehl-i Sünnet)betrifft, so sollst du, nachdem du deine Sache nach eigener Überzeugung vorschriftsmäßig (Scharia)getan hast, nicht mehr daran zweifeln, indem du sagst: "Habe ich es denn richtig gemacht?" vielmehr sagen: "Ist es (das Gebet von Gott) angenommen worden?" Sei nicht stolz darauf und bewundere dich nicht selbst!

Zweites Heilmittel:

لاَحَرَجَ فِى الدِّينِ

{"Es gibt keinen Zwang im Glauben."}

Es gibt nun einmal vier richtige Wege (mezheb)und es ist vorzuziehen, dass ein Mensch, der sich selbst im Zweifel ist, seine Fehlerhaftigkeit eingesteht, was ihn zur Vergebung führt, statt seine Handlung als schön und gut anzusehen, was zu seinem Stolz führt. Das heißt, es ist für einen Menschen besser, der sich selbst im Zweifel ist, seine Handlung als mangelhaft zu betrachten und um Vergebung zu bitten, statt seine Handlung als schön und gut zu betrachten und dem Stolz zu verfallen. Da dies also nun einmal so ist, wirf deinen Zweifel von dir. Sage zu dem Teufel: "Dieser Zustand ist geradezu zwanghaft. Es ist ja schwierig zu wissen, was in dieser Lage das Richtige ist. Das widerspricht jedoch der Ungezwungenheit im Glauben. Es ist unvereinbar mit dem Grundsatz: اَلدِّينُ يُسْرٌ {"Der Glaube ist leicht (zu praktizieren)."} und لاَحَرَجَ فِى الدِّينِ {"Es gibt keinen Zwang im Glauben."} So entspricht meine Handlung (mit dieser Einstellung) sicherlich irgendeinem (dieser vier) richtigen Wege (mezheb).Und das ist für mich ausreichend. Und (diese Einstellung) ist zugleich ein Fahrzeug hin zu einem Gebet (niyaz)der (tief innerlichen Erschütterung und) Zerknirschung um Vergebung meiner Fehler und um Annahme meiner fehlerhaften Handlung, da ich wenigstens meine Schwäche eingestehe, das Gebet (ibadet)so zu verrichten, wie es sich gebührt und also in Reue und flehendlichem Gebet meine Zuflucht zur göttlichen Barmherzigkeit (merhamet)nehme."

Fünfter Aspekt:

Dies ist eine Einflüsterung in Glaubensdingen, welche die Gestalt eines Zweifels annimmt. Der arme, von einer solchen Einflüsterung geplagte Mensch verwechselt zuweilen eine flüchtige Idee mit einer festen Überzeugung, d.h. er meint, der Zweifel, der seine Phantasie erregt hatte, habe von seinem Verstand Besitz ergriffen und er sei dadurch in seinem Glauben schwach geworden. Er meint also, diese Annahme, mit der er sich gelegentlich in seiner Phantasie beschäftigt, sei ein Zweifel, der an seinem Glauben nagt. Er meint, dass dieser Zweifel, den er sich in seinem Inneren ausgemalt hatte, ein Zweifel sei, der bereits in seinem Verstand eine Bestätigung gefunden habe. Er meint schließlich, ein zeitweiliges Nachdenken über den Unglauben sei bereits Unglaube, d.h. er meint, wenn er seine Gedanken in der Form kreisen lasse, dass er versuche, die Gründe des Irrglaubens zu erfassen, zu analysieren und sie unparteiisch zu beurteilen, so stünde dies im Widerspruch zu seinem Glauben. So erschrickt er über diese Mutmaßungen, welche ein Werk des Teufels und seine Einflüsterung sind und er ruft: "Oh weh! Mein Herz ist verdorben. Ich habe Schaden genommen an meinem Glauben."

Da diese Zustände sich meistens ungewollt einstellen und durch einen willentlichen Entschluss nicht wieder zu beheben sind, verfällt er der Verzweiflung. Das Heilmittel für diese Wunde ist folgendes:

So wie die Idee des Unglaubens kein Unglaube ist, so ist auch ein lediglich vorgestellter Unglaube kein Unglaube. So wie ein Irrglaube, den man sich ausgemalt hat, kein Irrglaube ist, so ist auch das Nachdenken über den Irrglauben kein Irrglaube, denn Ideen, Vorstellungen, Bilder der Phantasie und Gedankengebilde sind das eine, die Bestätigung durch den Verstand und die Annahme des Herzens sind das andere, also voneinander verschieden. Sie agieren in gewissem Grade unabhängig. Sie hören nicht besonders auf den Entschluss und den Befehl des Willens. Man kann sie nur schlecht der religiösen Verantwortung unterziehen. Mit der Annahme und

der Bestätigung ist das aber anders. Sie sind der Waage verpflichtet (d.h. sie haben ihr Maß - A.d.Ü.).

So wie Ideen, Vorstellungen, Bilder und Gedanken nicht deren Annahme und noch keine Bestätigung sind, so werden sie auch nicht unter die Ungewissheiten und Zweifel gerechnet. Wenn sie jedoch durch beständige und immerwährende nutzlose Wiederholung zum Dauerzustand werden, so kann aus ihnen durchaus eine Art tatsächlicher Zweifel entstehen. Wer hingegen behauptet, er wolle ja nur unparteiisch urteilen, er denke nur, was recht und billig ist, und so immer wieder die Gegenseite unterstützt, der gleitet schließlich in jenen Zustand, wo er unfreiwillig die Gegenseite unterstützt. Er zerbricht die Verteidigung der Wahrheit, zu der er verpflichtet gewesen wäre. Somit gerät er zugleich auch in Gefahr. Wer sich zum selbsternannten Verteidiger der Gegenseite oder zum advocatus diaboli macht, in dessen Denkweise verfestigt sich dieser Zustand am Ende gar. Das Entscheidende bei dieser Art von Einflüsterung ist dieses: Der von einer solchen Einflüsterung geplagte Mensch verwechselt eine Möglichkeit, die an und für sich besteht (imkan-i dhati)mit einer Möglichkeit als gedankliche Vorstellung, d.h. er stellt sich das, was er an und für sich für möglich ansieht, auch in Gedanken als möglich vor (d.h. er stellt sich das, was theoretisch möglich wäre, auch als praktisch möglich vor - A.d.Ü.) und sein Verstand gerät darüber in Zweifel (ob es nicht vielleicht tatsächlich so wäre - A.d.Ü.). Als ein Grundsatz der Theologie gilt jedoch:

"Eine Möglichkeit an sich widerspricht nicht einer wissenschaftlichen Tatsache und steht nicht im Widerspruch zu einer gedanklichen Konsequenz." Zum Beispiel ist es an und für sich möglich, dass das Schwarze Meer in diesem Augenblick von der Erde verschluckt wird und als eine solche Möglichkeit an und für sich vorstellbar ist. Doch ist mit Sicherheit unser Urteil darüber, dass das Meer noch an seiner Stelle ist. Dies wissen wir ohne einen Zweifel und diese Möglichkeit an sich weckt nicht etwa einen Verdacht, lässt keinen Zweifel offen, vermag

unsere Sicherheit nicht zu erschüttern.

Oderein anderes Beispiel:Es wäre an und für sich möglich, dass die Sonne heute nicht unterginge oder morgen nicht wieder aufginge. Diese Möglichkeit kann unserer Gewissheit jedoch keinen Schaden zufügen, vermag sie nicht in Zweifel zu ziehen. So kann denn dementsprechend zum Beispiel der Untergang unseres irdischen Lebens und der Aufgang des Lebens im Jenseits, den Glaubenswahrheiten entsprechend, durch die Zweifel, die aus einer bloßen Möglichkeit (imkan-i dhati)erwachsen unserer Glaubensgewissheit keinen Schaden zufügen. Desgleichen gilt:

لاَعِبْرَةَ ِلِلْاِحْتِمَالِ الْغَيْرِ النَّاشِئِ عَنْ دَلِيلٍ

{"Eine Möglichkeit, die nicht bewiesener und begründetermaßen erwächst, ist ohne Bedeutung."}

Dieser berühmte Grundsatz ist die unverrückbare Basis sowohl der Theologie (usulu d-din)als auch der Rechtslehre (usulu l-fiqh).

Wenn du also sagst:

"Was ist der Sinn dessen, dass wir dermaßen durch solche Einflüsterungen, die doch für die Gläubigen so quälend und peinigend sind, geplagt werden?" so lautet die Antwort darauf: Die Einflüsterungen (des Bösen) sind im Grunde genommen, vorausgesetzt, dass sie nicht überhand nehmen, nicht den Sieg davontragen, ein Anlass zur Wachsamkeit, ein Ansporn zum Studium und ein Fahrzeug zur Ernsthaftigkeit. Sie vertreiben die Gleichgültigkeit und beseitigen den Müßiggang. Darum hat der Allweise in Seiner Vollkommenheit, um uns anzuspornen dem Teufel die Einflüsterungen als Peitsche an diesem Ort der Prüfung, dieser Wettkampfarena, in die Hand gegeben. Er schlägt damit dem Menschen auf den Kopf. Wenn er jedoch allzu lästig und beschwerlich wird, muss man es dem Allweisen Erbarmer klagen und

اَعوُذُ بِاللّٰهِ مِنَ الشَّيْطَانِ الرَّجِيمِ

{"Ich nehme meine Zuflucht zu Gott vor dem verfluchten Satan!"}

sagen.

Zweiundzwanzigstes Wort

(zwei Kapitel)

Erstes Kapitel

بِسْمِ اللَّهِ الرَّحْمَنِ الرَّحِيمِ ٭ وَيَضْرِبُ اللّٰهُ اْلاَمْثاَلَ لِلنَّاسِ لَعَلَّهُمْ يَتَذَكَّرُونَ ٭ وَتِلْكَ اْلاَمْثاَلُ نَضْرِبُهَا لِلنَّاسِ لَعَلَّهُمْ يَتَفَكَّرُونَ

{"Im Namen Gottes, des Erbarmers, des Allbarmherzigen. Gott stellt für die Menschen Gleichnisse auf, damit sie sich ermahnen lassen sollten." (Sure 14, 25) "Und so stellt Gott Gleichnisse für die Menschen auf, damit sie darüber nachdenken sollten." (Sure 59, 21)}

Einst wuschen sich zwei Männer in einem Teich. Da verloren sie wunderbarer Weise das Bewusstsein. Als sie ihre Augen wieder öffneten, sahen sie, dass sie in eine sonderbare Welt versetzt worden waren. Es war dies eine Welt, in der Anordnung und Einordnung an ein Königreich, ja eine Burg, ja sogar ein Schloss denken ließ. Voll Erstaunen blickten sie sich um. Sobald man sie in gewisser Weise betrachtete, schien sie eine riesengroße Welt zu sein. Betrachtete man sie in einer anderen Art, erschien sie ihnen wie ein wohlgeordnetes Königreich. Besahen sie sie in wieder einer anderen Art, glich sie einer vollendet schönen Burg. Und blickten sie abermals in einer anderen Weise auf sie, so kam sie ihnen wie ein Schloss vor, das eine weitere außerordentlich prächtige Welt in seinem Inneren beherbergte. Sie wanderten darin umher und betrachteten sie. Sie bemerkten, dass sie von Geschöpfen bewohnt war, die sich auf irgendeine Art miteinander verständigten. Doch verstanden sie deren Sprache nicht. Sie schlossen aber aus ihrem Verhalten, dass sie wichtige Aufgaben wahrnahmen und bedeutende Aufträge erfüllten.

Da sagte der eine der beiden Männer zu seinem Gefährten: "Dies ist eine wunderbare Welt, die sicherlich ihren Verwalter, ein wohlgeordnetes Königreich, das auch einen König, eine vollendet schöne Burg, die auch einen Burgherr, ein kunstvoll erbautes Schloss, das sicherlich auch seinen Baumeister hat. Wir sollten uns darum bemühen, ihn kennen zu lernen. Denn Er war es verständlicher Weise, der uns hierher gebracht hat. Wenn wir Ihn nicht kennen lernen, wer anders sollte uns dann helfen. Was können wir sonst schon von diesen armen Geschöpfen hier erwarten, deren Sprache wir nicht verstehen und die uns gar nicht beachten?

Außerdem wünscht der Herr, der diese riesengroße Welt in der Gestalt eines Königreiches, in der Form einer Burg, nach Art eines Schlosses gemacht und von seinem Anfang bis an sein Ende von wunderbaren Dingen erfüllt hat, es mit allen Arten von Ornamenten verziert und es mit eindruckerweckenden Wunderwerken ausgestattet hat, sicherlich etwas von uns und all denen, die hierher gekommen sind. Wir wollen Ihn kennen lernen. Zudem wäre es notwendig, zu erfahren, was Er von uns will."

Doch der andere entgegnete ihm: "Ich glaube nicht, dass es so einen Herrn, wie du sagst, überhaupt gibt und er diese ganze Welt hier völlig allein regiert." Sein Gefährte gab ihm zuAntwort:"Lernen wir Ihn nicht kennen und bleiben Ihm gegenüber gleichgültig, so ist der Vorteil, den wir dabei haben, gar keiner, der Nachteil, den das haben könnte, jedoch ein gewaltiger. Bemühen wir uns darum, Ihn kennen zu lernen, ist unser Einsatz nur ein geringer, der Gewinn, den wir erzielen könnten, jedoch ein gewaltiger. Ihm gegenüber gleichgültig zu bleiben ist also völlig sinnlos." Jener Verblendete erwiderte jedoch: "Ich erblicke all meine Ruhe und mein ganzes Wohlergehen gerade darin, gar nicht an Ihn zu denken. Außerdem beschäftige ich mich nicht mit Dingen, die mein Verstand nicht erfassen kann. Alle diese Dinge hier sind nur zufällig. Ich verstehe zwar nichts von diesen Dingen, doch läuft hier alles von selbst und geht mich nichts an." Sein

verständiger Gefährte meinte aber: "Deine Verbohrtheit kann auch mich, ja sogar noch viele andere ins Unglück stürzen. Es geschieht manchmal, dass wegen eines Menschen Sittenlosigkeit ein ganzes Königreich untergeht."

Wiederum wandte jener Verblendete ein: "Entweder beweist du mir unwiderleglich, dass dieses riesige Königreich einen einzigen König, einen einzigen Meister hat, oder aber du störst mich nicht länger!"

Nun machte ihm sein Gefährte folgenden Vorschlag: "Da also nun deine Verbohrtheit sich zum Irrsinn steigert, wirst du noch mit deiner Verbohrtheit den Zorn über uns und sogar das ganze Land heraufbeschwören. So werde ich dir also nun an Hand von zwölf Beweisen aufzeigen, dass diese Welt, die einem Schloss gleicht, dieses Königreich, das einer Burg gleicht, einen einzigen Meister hat und dass es einzig dieser Meister ist, der alles regiert. Bei Ihm gibt es weder Fehler noch Mängel. Dieser Meister, den wir nicht sehen können, sieht uns und alle Dinge, hört alle unsere Worte. Alle Seine Taten sind einzigartig und wunderbar. Alle diese Geschöpfe, die wir hier sehen, sind, auch wenn wir ihre Sprache nicht verstehen können, in Seinen Dienst gestellt."

Erster Beweis:

Komm her und schaue dich nach allen Richtungen um! Gib Acht auf alles! In allen diesen Dingen ist eine verborgene Hand am Werk. Denn siehe: ein Ding, das so klein ist wie ein Kern, der kaum soviel wiegt wie ein Dirhem (etwa 3g), vermag eine Last von tausenden Batman (etwa 8kg) zu tragen.

{(*): Anspielung auf die Samenkörner, welche Bäume auf ihrem Kopf tragen.}

Dinge, ohne auch nur ein Stäubchen von Verstand, versehen überaus weisheitsvolle Aufgaben.

{(*): Eine Anspielung auf so zarte Pflänzchen wie die Reben des Weinstocks, die sich selbst nicht erheben und ihre Früchte nicht selbst tragen können, strecken ihre kleinen Hände nach anderen Bäumen aus, umarmen sie und suchen an ihnen Halt.}

Das also heißt, dass sie nicht aus eigenem Antrieb arbeiten. Es ist da jemand im Verborgenen,

der ihr mächtiger Herr ist und sie ans Werk setzt. Würden sie dies von sich aus tun, dann müsste alles hier im Lande rings umher einem Wunder gleichen. Es müssten alles dies hier außerordentliche Dinge sein, die von einem Wundertäter bewirkt wurden. Das aber wäre jedoch absurd.

Zweiter Beweis:

Komm und achte einmal darauf, wie schön alle diese Felder und Wälder, die Straßen und Plätze, die Häuser und Wohnungen geschmückt sind! In ihnen allen gibt es etwas, das von diesem verborgenen Herrn Kunde gibt. Es ist so als trügen sie alle ein Siegel oder Wappen, dass von ihrem verborgenen Herrn Kunde gibt. Sieh doch einmal, was Er hier vor unseren Augen aus einem Dirhem Baumwolle schafft!

{(*): Anspielung auf ein Samenkorn, z.B.: der Samen des Schlafmohns, fein wie Staub; der Kern einer Aprikose, leicht wie ein Dirhem (3g); ein Melonenkern. Sie bringen aus der Schatzkammer der Barmherzigkeit (Gottes) Blätter hervor, die feiner gewebt sind als ein Tuch, weiße und gelbe Blumen, die klarer und schöner sind als Batist, und Früchte, die aromatischer sind als alle Süßigkeiten, wohlschmeckender als Köfte (eine Art türkische Klößchen, meistens mit Fleisch) und feiner als jegliche Packung Feinkost und bieten sie uns an.}

Siehe, wie viele Ballen Tücher aller Art wie Batist oder Batikstoffe u. dgl. Er daraus hervorbringt! Siehe, wie viele Arten Süßigkeiten, wohlschmeckende Bällchen Köfte hier hergestellt werden! Kämen auch tausende von Menschen wie wir, sich damit zu bekleiden oder davon zu essen, es würde für sie alle reichen! Und betrachte einmal weiter, wie Er das Eisen hier, die Erde, das Wasser, die Kohle, das Kupfer, Silber und Gold unsichtbar in Seine Hand nimmt (und sie formt und in Seiner Hand aus Erde) Fleisch wird.

{(*): Eine Anspielung auf die Erschaffung der (Körper der) Tiere aus den Elementen (der Erde) bzw. deren Samen.}

So komm also nun und siehe... Oh du unverständiger Mensch! Alle diese Werke sind jenem Herrn zu eigen, in dessen (Hand und) wunderbarer Macht das ganze Land ruht, mit allem, was zu ihm gehört. Alle entsprechen sie Seinen Wünschen.

Dritter Beweis:

Komm und siehe diese einzigartigen, beweglichen Kunstwerke!

{(*): Anspielung auf Tiere und Menschen. Denn ein Tier ist ein kleines Inhaltsverzeichnis dieser Welt und da auch der Mensch ein verkleinertes Abbild der Schöpfung (Körper, Seele, Geist) ist, kann man auch sagen, dass sich für alles, was es (im Himmel und auf Erden) gibt, im Menschen ein Beispiel (Körper, Rede, Wille, Träume, Phantasie) findet.}

Jedes von ihnen ist so gestaltet, dass es von diesem riesigen Schloss ein kleines Abbild (: eine Welt im Kleinen) ist. Alles, was es in diesem Schloss gibt, findet sich in diesem winzigen beweglichen Werk wieder. Ja wäre es den überhaupt möglich, dass ein anderer als der Baumeister dieses Schlosses kommen und dieses wunderbare Schloss in solch einem kleinen Werk konzentrieren könnte!? Und wäre es außerdem überhaupt möglich, dass sich in einem Werk von der Größe eines kleinen Kistchens, obwohl es doch einen in sich (vollendeten) Kosmos im Kleinen umfasst, etwas fände, dessen Gang nur zufällig oder aber sinnlos wäre!? Das aber heißt, dass, wie viele dieser einzigartigen Kunstwerke das Auge auch erblickt, sie doch alle (Gute wie Böse) das Siegel des verborgenen Meisters tragen. Ja sie gleichen sogar einem Boten, einem Ausrufer. Sie sagen unausgesprochen: "Wir sind die Kunstwerke jenes Herrn, der diese unsere ganze Welt ebenso leicht zu erschaffen vermochte, wie Er auch uns selbst ganz leicht geschaffen und ins Dasein gerufen hat."

Vierter Beweis:

Oh du eigensinniger Freund! Ich will dir etwas zeigen, was noch wunderbarer ist. Schau, in diesem Land hat sich jedes Werk, jedes Ding verändert und verändert sich weiterhin. Nichts verbleibt im selben Zustand. Gib Acht, alle diese toten Gegenstände, die wir hier sehen, diese Kästchen, die nichts zu empfinden scheinen, haben alle die Gestalt eines absoluten Herrschers angenommen. Es ist, als herrsche jedes Ding über alle anderen Dinge. Betrachte also einmal diese Maschine hier!

Es ist als erteile sie ihre Befehle.

{(*): Diese Maschine ist eine Anspielung auf die fruchttragenden Bäume. Denn es ist erstaunlich, wie sie ihre Blätter (gleich Tüchern) weben, sie mit Blumen schmücken, ihre Früchte zur Reife bringen und sie uns anbieten. Hunderte von Werkbänken und Fabriken scheinen sie dafür auf ihren dünnen Ästen zu tragen. Unterdessen bemühen sich so prächtige Bäume wie die Tanne und die Zeder weiterhin darum, ihre Werkbänke auf trockenem und steinigem Boden aufzustellen.}

So kommen denn alle Werkzeuge und Materialien, die sie für Schmuck und Werk benötigt, von weit entfernten Stätten herbeigelaufen. So siehe denn, wie auch dieses leblose Ding hier sich so, als ob es nur eines Winkes bedürfe, ein anderes riesengroßes Ding dienstbar macht und für sich arbeiten lässt.

{(*): Anspielung auf die Getreidekörner und die Eier der Insekten. Da hinterlässt z.B. eine Wespenart ihre Eier auf den Blättern einer Ulme. Da verwandelt diese riesige Ulme plötzlich ihre Blätter den Eiern in einen Mutterschoß, eine Wiege, einen Speicher, gefüllt mit Nahrungsvorräten gleich Honig. Es ist, als ob der Baum auf diese Weise an Stelle seiner Früchte nun selbst lebendige Früchte hervorbrächte.}

Ziehe hierzu auch noch andere Dinge zum Vergleich heran! Es ist, als ob ein jedes Ding alles in der Welt erschaffene in seinen Dienst stellte. Wolltest du also nun diesen verborgenen Herrn nicht anerkennen, dann müsstest du alle die Meisterschaft, die Kunstfertigkeiten, Vollkommenheiten, die wir in allem Geschaffenen, in den Steinen, in der Erde, den Tieren und den Menschen finden, (Stück für Stück) jedem einzelnen Ding zuschreiben. So müssten also an Stelle des allein wunderwirkenden Herrn, (an den zu glauben dir) weit davon entfernt (erscheint,) vernünftig zu sein, Milliarden von Wundertätern da sein, die gleich Ihm und zugleich einander entgegengesetzt und dennoch einander gleich und wiederum ineinander zu finden sein sollten, sodass diese Ordnung nicht zerstört werde und die Welt nicht in Unordnung gerate. Würden sich jedoch in diesem Riesenreich auch nur

zwei Finger (eines fremden Partners von außen) einmischen, (geriete alles) durcheinander. Denn wo zwei Schulzen in einem Dorf, zwei Meister auf einer Burg, zwei Könige in einem Reich wären, bringen sie alles durcheinander. Wie also wäre es denkbar oder möglich, dass es unzählige absolute Herrscher geben könnte!?

Fünfter Beweis:

Oh du argwöhnischer Freund! Komm nun und achte auf die Kunstwerke dieses Schlosses, alle die Schönheiten dieser Stadt, die ganze große Ordnung in diesem Reich und denke über alle die wundervollen Werke in dieser Welt nach! Wäre die Feder des verborgenen Herrn, der so wunderbar und meisterhaft ist, nicht am Werke und müsste man also die Kunstwerke anderen unbedachten Ursachen, blindem Zufall und den tauben Kräften der Natur zuschreiben, so wäre es auch notwendig, dass in diesem Reich selbst jeder Stein und jedes Kraut ein so wundervoller Schreiber, ein so außerordentlicher Kalligraph sein müsste, dass er in einen einzigen Buchstaben tausend Bücher hineinschreiben und in einem einzigen Ornament Millionen von Kunstwerken zusammenfassen könnte. Denn sieh einmal wie sich in jedem dieser Steine die Kunstwerke des ganzen Schlosses, die Gesetze zur Verwaltung einer ganzen Stadt, das Programm zur Gestaltung eines großen Reiches wiederfinden. Das aber heißt, dass die Verfertigung solcher Kunstwerke ebenso wunderbar ist wie die Gestaltung des großen Reiches. Wenn das aber so ist, dann ist auch jedes Schmuckstück, jedes Kunstwerk gleich einer Verkündigung oder einem Siegel dieses verborgenen Herrn.

{(*): Eine Anspielung auf den Menschen als die Frucht am Baume der Schöpfung und zugleich auch auf eine Frucht, die das Programm und Inhaltsverzeichnis dieses ihres Baumes in sich trägt. Denn was die Feder der Macht im großen Buche der Welt geschrieben hat, davon hat sie auch eine Zusammenfassung in den einzelnen Menschen hineingeschrieben. Was auch immer die Feder der Bestimmung in einen Baum, groß wie ein Berg, hineingeschrieben hat, das hat sie auch in seiner Frucht, nicht größer als ein Fingernagel, zusammengefasst...}

Da es aber nun einmal keinen Buchstaben geben kann, der nicht auf seinen Schreiber hinwiese, ein kunstvoll gestaltetes Schmuckstück, das nicht auch seinen Designer bekannt machte... wie könnte es dann sein, dass der Designer, der in einen einzigen Buchstaben ein ganzes großes Buch hineingeschrieben hat, in einem einzigen kunstvoll gestalteten Schmuckstück tausend Kunstwerke zusammengefasst hat, nicht durch Sein Buch und durch dieses Schmuckstück zu erkennen wäre...

Sechster Beweis:

Komm, wandern wir über diese weite Ebene!

{(*): Eine Anspielung auf das Antlitz der Erde im Frühling und im Sommer. Denn hunderttausende verschiedener Arten von Geschöpfen werden untereinander vermengt und vermischt, gleichzeitig erschaffen und auf der Erdoberfläche eingetragen. So werden sie ohne alle Mängel und Fehler in vollkommener Ordnung ausgetauscht. Tausende von Tafeln des Allbarmherzigen werden gedeckt und wieder aufgehoben, wieder und wieder neu gedeckt. Jeder Baum gleicht einem Kellner, jedes Beet einem Speisekessel.}

Siehe, da ist inmitten dieser Ebene ein hoher Berg. Da wollen wir hinaufsteigen, damit wir die ganze Umgebung betrachten können. Außerdem wollen wir gute Fernrohre mitnehmen, die uns alle Dinge in greifbare Nähe rücken. Denn in diesem wunderbaren Land geschehen wunderbare Dinge, ereignet sich in jeder Stunde, was die Vernunft übersteigt. Sieh nun! Es verwandeln sich plötzlich die Berge, die Ebenen und die Städte. Und wie sie sich verwandeln! Das geschieht auf folgende Weise: Millionen untereinander vermengter, vermischter Dinge werden in vollkommener Ordnung umgewandelt. Es findet da eine ganz erstaunliche Verwandlung statt. Es ist, als würden Millionen verschiedener Stoffe gleichzeitig am selben Ort gewebt werden. Siehe, jetzt sind alle die uns wie Blumen und Blüten lieb gewordenen und vertrauten Dinge verschwunden und an ihre Stelle sind in bester Ordnung andere, ihnen dem Wesen nach ähnliche, der Substanz nach aber verschiedene, neu gebildete getreten. Es ist, als glichen diese Berge und Ebenen

einer Seite, auf die hunderttausende verschiedener Bücher geschrieben würden. Ja sie werden sogar ohne Fehler und Mängel geschrieben. So ist es denn hundertfach unmöglich, dass diese Dinge aus sich selbst entstanden sein sollten. Ja es ist sogar tausendmal unmöglich, dass diese in so unendlichem Grade kunstvollen und mit so viel Aufmerksamkeit gestalteten Dinge aus sich selbst entstanden sein könnten. Stärker als ihre eigene (Existenz) beweisen sie die ihres Meisters. Zudem ist der, welcher dies alles vollbringt, der Herr, der allein Wunder tut und sie mühelos tut. Tausend Bücher zu schreiben ist für Ihn genau so leicht, wie einen einzigen Buchstaben zu schreiben. Darüber hinaus siehe auch wie Er alles mit einer solchen Weisheit an seinen rechten Platz stellt und so freigiebig allen Seine Güte erweist, wie es ihnen zukommt. Des Weiteren öffnet Er allen huldvoll Türen und Tore, ihnen allen ihre Wünsche befriedigend. Des Weiteren bereitet Er ihnen allen ihre Tische so freigiebig, dass alle Völker Seines Reiches und auch die Tiere ihren Tisch finden, jedes nach seiner Art und Gattung, ja sogar jeder einzelne aus Seiner Huld einen Tisch mit seinem eigenen Namen und Zeichen empfängt.

Könnte es also in dieser Welt etwas geben, was noch unvorstellbarer wäre, als dass unter diesen Dingen, die wir hier sehen, Dinge rein zufällig sein könnten, oder sinnlos oder nutzlos, oder dass sich verschiedene Hände (in ihre Verwaltung) einmischen könnten, dass ihr Meister nicht aller Dinge mächtig wäre, oder sie Ihm nicht dienstbar wären!? Nun denn, mein Freund! Wenn du nun noch dazu in der Lage bist, versuche doch noch einen Einwand dagegen vorzubringen!

Siebenter Beweis:

Nun komm, mein Freund! Lassen wir nun die Einzelheiten und wollen wir statt dessen das Verhältnis der einzelnen Bestandteile dieser wunderbaren Welt zueinander betrachten, welche die Gestalt eines Schlosses hat. Siehe nun: In dieser Welt geschehen alle Dinge, vollziehen sich die großen, allgemeinen Umwandlungen in einer Ordnung von so hohem Grade, dass alle

Steine, die Erde und die Bäume und alle Dinge, die wir in diesem Schloss (und in seinen Gärten) vorfinden, jede für sich wie selbständig handelnd, die ganze, umfassende Ordnung in dieser Welt beobachten und sich im Einklang mit ihr bewegen. Dinge, die am weitesten voneinander entfernt sind, eilen einander zu Hilfe. So siehe denn: Aus der unsichtbaren Welt kommt eine Karawane gezogen.

{(*): Hier werden die Bäume und all die übrigen Pflanzen mit Karawanen verglichen, die allen Tieren ihre Nahrung bringen.}

Ihre Tragtiere sind die Bäume und alle die übrigen Pflanzen, ja selbst die Berge, sie tragen ein Tablett mit Speisen auf ihren Köpfen. Siehe nun: Sie bringen den verschiedenen Tieren, die auf dieser Seite (: dem Diesseits) warten, ihre Nahrung. Und siehe weiter: Jene gewaltige elektrische Lampe in der Kuppel (des Schlosses) spendet ihnen Licht und kocht ihnen zugleich auch all ihre Speisen auf das Beste.

{(*): Jene gewaltige elektrische Lampe ist eine Anspielung auf die Sonne.}

Man braucht nur die Speisen, die wie von unsichtbarer Hand an einem Strick befestigt zu sein scheinen, zum Kochen vor sie zu halten.

{(*): Was den Strick und die daran befestigten Speisen betrifft, so sind dies die kleinen Zweige der Bäume, an denen die wohlschmeckenden Früchte hängen.}

Und siehe nun weiter, wie dort vor diesen armen, schwachen, kraftlosen und hilflosen Jungen (der Tiere) kleine mit köstlicher Nahrung gefüllte Säckchen herabhängen, Brunnen gleich, an denen sich diese kraftlosen Geschöpfe nur noch mit ihrer Schnauze festzusaugen brauchen.

{(*): Die Säckchen sind eine Anspielung auf die Zitzen der Muttertiere.}

Zusammenfassung:

Alle Dinge in dieser ganzen Welt helfen einander, als wären sie für einander bestimmt, reichen einander die Hand, als könnten sie einander erkennen und verstehen. Um sich einander zu vervollkommnen,

stehen sie zueinander Schulter an Schulter. Sie stärken einander den Rücken und arbeiten zusammen. Du kannst nun alle Dinge heranziehen, um sie damit zu vergleichen! Die Anzahl der Beispiele ist nicht zu zählen... So zeigen denn alle diese oben angeführten Beziehungen und Verhältnisse mit der gleichen Sicherheit, mit der zwei mal zwei vier ist, dass dem Meister dieses wunderbaren Schlosses, d.h. dem Herrn dieser einzigartigen Welt, alle Dinge dienstbar sind. Jedes Ding arbeitet nach Seinem Willen. Alle Dinge gleichen Soldaten, die bereit sind, Ihm zu dienen. Alle Dinge laufen (wie ein Geschäft, eine Maschine) durch Seine Kraft. Alle Dinge bewegen sich auf Seinen Befehl. Alle Dinge werden in Seiner Weisheit geordnet. Alle Dinge helfen einander mit Hilfe Seiner Freigiebigkeit (d.h. des Menschen Hilfe kommt von Gott). Alle Dinge eilen in Seiner Barmherzigkeit einander zu Hilfe, d.h. sie werden durch sie in Bewegung gesetzt. Nun denn, mein Freund, wenn du nun noch dazu in der Lage bist, versuche doch noch ein Wort dagegen vorzubringen!

Achter Beweis:

Komm, oh du mein unvernünftiger Freund, der du dich, gleich meiner Seele (nefs),selbst für klug hältst! Da willst du den Herrn dieses prächtigen Schlosses nicht anerkennen. Dabei weist doch jedes Ding auf Ihn hin, tut Ihn kund, legt für Ihn Zeugnis ab. Wie kannst du das Zeugnis all dieser Dinge leugnen! Doch in diesem Fall musst du auch dieses Schloss leugnen und sagen: "Die Welt gibt es gar nicht. Dieses Land gibt es nicht." und leugne dich selbst und dann löse dich selbst in Nichts auf! Oder aber komm zur Vernunft und höre mich an! So siehe denn: Es gibt in diesem Schloss einheitliche Elemente, Stoffe,

{(*): Die Elemente, Stoffe, die so zahlreiche Aufgaben in bester Ordnung erfüllen und mit Erlaubnis ihres Herrn allen Bedürftigen zu Hilfe eilen und auf göttlichen Befehl überall hineindringen, ihnen Unterstützung bringen, alles Lebensnotwendige herstellen und alle Lebewesen damit ernähren, welche Quelle, Mutter und Wiege der Gewebe und aller Muster göttlicher Kunstwerke sind, spielen auf die vier Elemente: Luft, Wasser, Licht und Erde an.}

die dieses Schloss und das ganze Land erfüllen und es zugleich umschließen.

Alle Dinge, die in diesem Lande hergestellt werden, sind offensichtlich aus diesen Stoffen gemacht. Das aber heißt, wem diese Stoffe gehören, dem gehören auch alle Dinge, die daraus verfertigt werden. Wem der Acker gehört, dem ist auch die Ernte. Wem das Meer gehört, dem ist auch alles, was darinnen ist. Und weiter siehe: alle diese gewebten Stoffe, diese mit kunstvollen Mustern angefertigten Tücher werden alle aus der gleichen Materie (z.B. aus Wollfäden) hergestellt. Derjenige, der das Ausgangsmaterial herbeischafft, es vorbereitet und sodann zu Fäden verspinnt, ist offensichtlich ein und derselbe. Denn diese Arbeit duldet keinen Partner. Da dies aber so ist, sind alle diese kunstvoll gewebten Stoffe Sein Eigentum.

Und weiter siehe: alle diese hier gewebten und verfertigten Stoffe aller Art finden sich überall im ganzen Land. Alle diese Kinder von der gleichen Art sind so verbreitet, dass sie alle gleichzeitig miteinander, nebeneinander, in gleicher Weise hervorgebracht werden. Das aber heißt, dass dies die Tätigkeit eines einzigen Herrn ist, auf einen einzigen Befehl in Gang gesetzt wird. Anderenfalls wäre es unmöglich, dass sie in ein und derselben Zeit auf gleiche Art, auf dieselbe Weise, übereinstimmend in Aufbau und Form miteinander harmonieren könnten. Da dies aber so ist, weisen alle diese kunstvoll gestalteten Dinge als eine Verkündigung jenes verborgenen Herrn auf Ihn allein hin.

Es ist, als sagte jeder einzelne dieser geblümten Stoffe, jede kunstvolle Maschine, jeder wohlschmeckende Bissen als Siegel dieses wundertätigen Herrn, Sein Stempelabdruck, Sein Kennzeichen, als das Mal Seiner Spur unausgesprochen: "Ich bin das Kunstwerk dessen, welcher auch der Eigentümer der Kisten und der Besitzer der Kaufläden ist, in denen ich mich befinde." Und ein jedes Muster spricht: "Ich bin ein Muster, eingewebt in das Tuch dessen, der das Tuch und sein Muster und den ganzen Ballen Stoff gewebt hat." Jeder wohlschmeckende Bissen spricht: "Der mich zubereitet hat, ist auch derjenige,

dem der Topf ist, in dem ich mich befinde." Jede Maschine spricht: "Der mich gebaut hat, ist auch derjenige, der im ganzen Lande alle die gebaut hat, die mir gleichen und der uns überall im ganzen Lande herstellt. Das heißt, Er ist auch der Eigentümer des Landes und der König dieses Reiches. Da dies aber so ist, kann nur der, dem das ganze Land gehört und welcher der Herr jenes Schlosses ist, unser Herr und Besitzer sein." Um z.B. ein einziges Koppelschloss oder einen einzigen Uniformknopf besitzen zu können, wäre es notwendig, alle Fabriken zu besitzen, die sie herstellen, um deren tatsächlicher Besitzer zu sein. Man würde (diese Dinge) sonst einem zivilen Angeber aus der Hand nehmen, ihm sagen, dass sie Militärgut sind, und ihn deswegen bestrafen.

Zusammenfassung:

Die Elemente dieses Landes sind Stoffe, die im ganzen Lande vorkommen. Auch ihr Besitzer kann nur ein Einziger sein, der Herr, dem auch das ganze Land gehört. So weisen denn die Kunstwerke, die im ganzen Reich verbreitet sind, da sie einander gleichen und dieselbe Prägung tragen, ja alles, was sich überall im ganzen Lande findet, darauf hin, dass sie Kunstwerke eines einziges Herrn sind, der über alle Dinge herrscht. Nun denn mein Freund! Es gibt nun einmal in diesem Lande, d.h. in jenem prächtigen Schloss, ein Merkmal der Einheit, ein einheitliches Siegel. Denn ein Teil der Dinge ist einfach und allumfassend. Ein anderer hingegen weist, obwohl sich (die Dinge einander) gleichen und sich überall finden, dennoch eine Einheit in seiner Art auf. Was diese Einheit betrifft, so weist sie immer auf den Einen hin. Das also heißt, dass sein Meister, sein Eigentümer, sein Herr, sein Erbauer ein und derselbe sein muss. Darüber hinaus achte nun auch darauf, wie hinter dem Schleier des Unsichtbaren ein Seil hervortritt.

{(*): Das Seil ist eine Anspielung auf einen fruchttragenden Baum. Die tausenden von Fäden auf seinen Ästen und Zweigen und die an ihnen hängenden Diamanten, Orden, Gaben und Geschenken spielen auf die verschiedenen Arten von Blumen und Sorten von Früchten an.}

Siehe, wie sodann tausende von Fäden aus ihm hervor wachsen. Betrachte die Enden der Fäden: An ihnen sind Diamanten, Orden, Gaben und Geschenke angebunden. Sie bieten jedem das ihm entsprechende Geschenk an. Ja weißt du denn nicht, was für ein törichtes Verhalten es ist, einen solchen Herrn, der hinter einem so einzigartigen Schleier vor dem Unsichtbaren so wunderbare Gaben und Geschenke für Seine Geschöpfe hervorbringt, nicht anzuerkennen und Ihm nicht zu danken. Wolltest du Ihn jedoch nicht anerkennen, so wärest du ja gezwungen zu sagen: "Diese Fäden bringen an ihren Enden von selbst Diamanten und andere Geschenke hervor und bieten sie uns an."

Dann aber müsste man auch einem jeden Faden die Bedeutung eines ganzen Königreiches zuschreiben. Dabei macht doch eine unsichtbare Hand vor unseren Augen diese Fäden und befestigt an ihnen die Geschenke. Das aber heißt, dass jedes Ding in diesem Schloss weit mehr auf jenen wundertätigen Herrn hinweist als auf sich selbst. Erkennst du Ihn nicht an, wirst du durch eine solche Leugnung all dieser Dinge hundertfach unter das Tier hinabsinken.

Neunter Beweis:

Komm nun, mein Freund, der du nicht recht zu urteilen weißt! Du glaubst nicht an den Herrn dieses Schlosses und willst auch gar nicht an Ihn glauben. Denn das liegt dir fern. Da Seine Kunstwerke und Seine Taten so wunderbar sind, dass sie die Vernunft übersteigen, verirrst du dich zu deren Leugnung. Doch das, was dir wirklich fern liegt und was eigentlich schwierig für dich ist, die wahren Probleme und all die fürchterliche Mühsal entsteht daraus, dass du nicht an Ihn glaubst. Denn wenn wir an Ihn glauben, wird alles, was mit diesem Schloss, dieser Welt zu tun hat, so leicht, als handele es sich dabei nur um eine einzige Sache, wird ganz einfach. Darin findet sich die Quelle dafür, dass alles auf dem Markt so billig und so reichlich vorhanden ist. Wenn wir nicht an Ihn glauben und es Ihn gar nicht gäbe, dann würde jede einzelne Angelegenheit

ebenso schwierig sein, wie sämtliche Angelegenheiten dieses ganzen Schlosses. Denn jedes einzelne Ding ist genauso kunstvoll wie das ganze Schloss. So bliebe dann nichts mehr, was noch billig und reichlich vorhanden wäre. Nichts mehr von den Dingen, die wir hier sehen, würde noch in unsere Hand, ja in niemandes Hände mehr gelangen. So betrachte denn nur einmal die hier an diesen Fäden hängenden Vorratspäckchen.

{(*): Diese Vorratspäckchen sind eine Anspielung auf die Geschenke der Barmherzigkeit (Gottes) wie Zucker- und Wassermelonen und die Granatäpfel, die Vorratsbehältern aus der Macht (Gottes) gleichen und die Kokosnüsse, welche natürliche Milchdosen sind.}

Kämen sie nicht aus der Küche Seiner verborgenen Wunder, könnten wir sie nicht sogar gegen ein ganzes Vermögen erwerben, obwohl sie doch jetzt für ein paar Münzen zu haben sind.

Alles, was uns so fern liegt, alle Schwierigkeiten, Probleme, ja Katastrophen und alles, was unmöglich ist, entsteht in der Tat daraus, dass wir nicht an Ihn glauben. So bekommt ein Baum seine Lebenskraft aus einer einzigen Wurzel, entsprechend einem einzigen Gesetz, aus ein und demselben Boden. Die Gestaltung tausender von Früchten geschieht demnach mit der gleichen Leichtigkeit wie die einer einzigen Frucht. Wenn die Früchte dieses Baumes mit jeweils einem anderen Platz, einer anderen Wurzel, einem jeweils unterschiedlichen Gesetz verbunden wären, würde die Gestaltung jeder einzelnen Frucht genauso schwierig werden, wie die des ganzen Baumes. Auch die Ausrüstung eines ganzen Heeres von einer einzigen Zentrale aus, einem einzigen Gesetz entsprechend und durch eine einzige Fabrik geschieht trotz einer großen Zahl (Soldaten) genauso leicht wie die Ausrüstung eines einzigen Soldaten. Erfolgte aber die Ausrüstung und Versorgung jedes einzelnen Soldaten an ganz verschiedenen Orten, so müssten für die Ausstattung jedes einzelnen Soldaten ebenso viele Fabriken vorhanden sein, wie man für die Ausrüstung eines ganzen Heeres benötigt.

Den beiden Beispielen entsprechend gilt: Es ist in diesem wohlverwalteten Schloss, in dieser vollkommenen Stadt, in diesem blühenden Land, in dieser prachtvollen Welt die Erschaffung all dieser Dinge, wenn man sie auf einen einzigen Herrn zurückführt, ebenso einfach, geschieht mit der selben Leichtigkeit, dass in ihr die Ursache dafür zu finden ist, dass (alles) so unendlich billig und reichlich und in solcher Fülle vorhanden ist. Anderenfalls wären alle Dinge mit so vielen Kosten und Schwierigkeiten verbunden, dass man nichts davon erhalten könnte, gäbe man auch die ganze Welt dafür.

Zehnter Beweis:

Komm nun, mein Freund, der du ein wenig zur Einsicht gelangt bist! Seit fünfzehn Tagen sind wir jetzt hier.

{(*): Die fünfzehn Tage sind eine Anspielung auf fünfzehn Lebensjahre und damit das Alter zur Eigenverantwortlichkeit im Glauben.}

Wenn wir die Anordnungen dieser Welt nicht kennen und ihren König nicht anerkennen, haben wir eine Strafe verdient. Es bleibt uns keine Entschuldigung mehr. Denn fünfzehn Tage lang ist man (als habe man uns eine Frist gesetzt) nicht an uns herangetreten. Doch sind wir sicherlich nicht ohne Auftrag hier. Inmitten dieser so empfindlichen, kunstvollen, schönen, harmonisch gestalteten und lehrreichen Kunstwerke können wir nicht wie Tiere umherlaufen und sie beschädigen und dürfen sie auch gar nicht beschädigen. Denn sicherlich ist auch die Strafe, die Seine Majestät, der König dieses Reiches verhängt, fürchterlich. Dass dieser Herr, welch mächtiger Herr Er in Seiner Majestät ist, mögt ihr schon daraus ersehen, dass Er diese riesengroße Welt lenkt und leitet, als sei sie ein Schloss und sie sich drehen lässt wie ein Schöpfrad. Er lenkt dieses große Reich so wie man einen Haushalt leitet, ohne dass dabei irgendwelche Mängel in Erscheinung treten. Siehe also, wie Er dieses Schloss, diese Stadt, dieses Land von Zeit zu Zeit in vollkommener Ordnung

füllt und in vollkommener Weisheit wieder leert, so wie man eine Schale füllt und sie wieder leert. So wie man eine Tafel deckt und sie wieder aufhebt, so bringt Er in Seinem Riesenreich landauf, landab mit verborgener Hand der Reihe nach die verschiedensten Speisen, deckt damit die unterschiedlichsten Tafeln, lädt dazu ein und hebt sie wieder auf.

{(*): Diese Tafeln sind eine Anspielung auf das Antlitz der Erde im Sommer, wenn hunderte von immer wieder frischen und immer wieder anderen Tafeln des Allbarmherzigen aus der Küche Seiner Erbarmung immer wieder neu gedeckt werden. Jedes Beet ist wie ein Kessel (in dieser Küche) und jeder Baum gleicht einem Diener (an einem dieser Tische)}

Er hebt die eine auf und deckt schon wieder die nächste. Auch du kannst das beobachten und wenn du Verstand hast, kannst du verstehen, welch großzügige Gastfreundschaft sich hinter Seiner furchtbaren Majestät verbirgt. Und weiter siehe, wie alle diese Dinge Zeugnis für das Königreich ihres verborgenen Herrn und Seine Einheit ablegen. In gleicher Weise legen auch alle diese Umwandlungen und Veränderungen, (die vor unseren Augen vorüberziehen,) so wie Karawane um Karawane (vor unseren Augen) herangezogen kommt und vorüberzieht und so wie uns in der Tat (Blüten, die zu Früchten heranreifen,) Tisch um Tisch decken und danach die Tafel wieder aufheben, (wonach sich dann im Frühjahr mit Samen und Knospen der Kreis) wieder schließt, für Dauerhaftigkeit, Beständigkeit und Ewigkeit des Herrn ein Zeugnis ab. Denn zugleich mit allen vergänglichen Dingen vergeht auch ihre Zeit und mit ihr alles, was sie hervorgebracht hat.

Nach ihnen entsteht jedoch all das, was wir ihnen zugeschrieben hatten, wiederum neu. Das also heißt, dass nicht (diese vergänglichen Dinge) jene Werke hervorgebracht haben, es vielmehr die Werke dessen sind, (dessen Stern niemals sinkt und) der keinen Untergang kennt. Wenn des Stromes Wellen vergehen, der Glanz auf den ihnen nachfolgenden Wellen jedoch der gleiche ist wie

der (Glanz der) ihnen vorangegangenen (Wellen), so wird daraus ersichtlich, dass (die Sonne), die ihnen Glanz verleiht, die (wahre) Herrin jenes hohen Lichtes ist, welches (das Wechselspiel aller Wellen) bescheint. So zeigt auch der rasche Wechsel aller Dinge und (der Umstand, dass) alle Dinge nach ihnen wieder die gleiche Farbe erhalten, dass dies eine Manifestation, ein Schmuck, ein Abbild, ein Kunstwerk des einen und ewigen Herrn ist, für den es nicht (Ende noch) Untergang gibt...

Elfter Beweis:

Komm oh Freund! Ich will dir nun noch einen Beweis vor Augen führen, einen, der die gleiche Überzeugungskraft hat wie alle zehn vorangegangenen. Komm! Dort drüben in der Ferne ist eine Halbinsel. Wir wollen an Bord eines Schiffes gehen und hinüberfahren!

{(*): Das Schiff ist die Geschichte und die Halbinsel das Glückliche Zeitalter des Propheten. An der dunklen Küste dieses Zeitalters legen wir diese einem mehr ärgerlichen als bürgerlichen Leben gemäße Kleidung ab und segeln an Bord des Schiffes der Geschichte über das Meer der Zeit zur Halbinsel des Glücklichen Zeitalters und gehen dort auf der Arabischen Halbinsel an Land, um den zu besuchen, auf den die ganze Welt stolz (Fahr-i Alem, mit dem Frieden und Segen sei) ist. Während wir ihn bei der Erfüllung seines prophetischen Auftrages betrachten, erkennen wir, welch strahlendes Zeugnis der Einheit Gottes er ist, sodass er das Erdenrund von einem Ende zum anderen und auch Vergangenheit und Zukunft, die beiden Gesichter der Zeit erhellt und die Finsternis des Unglaubens und des Irrweges vertreibt.}

Denn dort müssten die Schlüssel zu dieser verwunschenen Welt sein. Denn alle schauen nach dieser Halbinsel aus, richten auf sie ihre Erwartungen und erhalten von dort ihre Weisungen. Auf also, fahren wir hinüber! Wir sind also nun auf der Halbinsel angelangt. Siehe, dort findet eine mächtige Versammlung statt. Alle großen des Reiches scheinen sich da zu einer bedeutsamen Feier versammelt zu haben. Merke gut auf! Dort ist der Fürst, der Präsident dieser gewaltigen Versammlung. Komm, lass uns noch etwas näher herzutreten! Wir wollen diesen Fürsten kennen lernen! Sieh doch, welch

berühmte Auszeichnungen er hat, und die mehr als tausend Orden, die er trägt!

{(*): Die tausend Orden sind die Wunder des Propheten, mit dem Friede und Segen sei, deren Zahl nach Ansicht von Kennern und Forschern an die tausend erreicht.}

Und wie mächtig er im Wort ist! Und wie angenehm ist dennoch seine Gesellschaft und die Unterhaltung mit ihm! Ich habe in diesen fünfzehn Tagen ein wenig von dem erfahren, worüber er spricht. Nun magst auch du es von mir lernen. Siehe, er spricht von dem wundertätigen König dieses Landes. Er sagt: "Jener ruhmreiche König hat mich zu euch gesandt." Siehe, er wirkt solche Wunder, dass kein Zweifel mehr daran bleibt, dass er der auserwählte Diener und Gesandte des Königs ist. Beachte nun, dass nicht nur die Geschöpfe dieser Halbinsel seinem Wort lauschen, er vielmehr auf wunderbare Weise alle im Land dazu bringt, ihn zu vernehmen. Denn von nah und fern bemüht sich jeder seine Rede hier zu hören. Ihm hören nicht nur die Menschen zu, sondern auch die Tiere, ja siehe, sogar die Berge hören die Befehle, die er erteilt, und sie erbeben. Jene Bäume begeben sich an den ihnen angewiesenen Platz. Wo immer er es will, da bringt er Wasser hervor. Ja seine Finger spenden sogar wie eine Mutter und tränken gleich dem Kauthar(-strom des Paradieses). Aus ihm lässt er lebensspendendes Wasser trinken. Siehe, die große Leuchte

{(*): Die große Leuchte ist der Mond, welcher durch ein Zeichen von ihm in zwei Teile gespalten wurde. Das heißt, wie Maulana Djami (1415-96) sagt: Jener, des Schreibens unkundige, der niemals etwas geschrieben hatte, schrieb mit seinem Finger ein Elif (ein arab. Buchstabe, der die Form eines "I" hat) an den Himmel wie mit einer Feder auf ein Blatt und machte so aus einer "40" zwei "50". Das heißt, der Mond sah vor der Spaltung wie ein Mim (arab. Buchstabe "M"; seine Form ist rund und sein Zahlwert gleich "40") aus, nach der Spaltung waren zwei Sicheln entstanden wie zwei Nun (arab. Buchstabe "N"; sein Wert ist "50").}

dort oben an der hohen Kuppel des Schlosses, die doch ein Ganzes ist, spaltet sich auf ein Zeichen von ihm in zwei Hälften.

Das heißt, dass das ganze Land mit allem, was darinnen ist, seinen Weisungen nachkommt. Sie horchen und gehorchen ihm, als wüssten sie: er ist "der erwählte und wahrhaftige Wortführer des verborgenen und wunderwirkenden Herrn, der Herold Seines Reiches, der Erschließer Seiner tiefen Geheimnisse (tilsim)und ein vertrauenswürdiger Gesandter, der Seine Befehle verkündet." So sagen denn alle vernünftig denkenden an seiner Seite zu jedem Wort, das er spricht: "Ja, so ist es richtig und recht." und bestätigen ihn damit. Ja sogar die Berge und die Bäume im Lande und die große Lampe, die alle Länder erleuchtet, sprechen wie ihr Haupt seinen Winken und Befehlen neigend: "Ja, das ist in der Tat so."

{(*): Die große Lampe ist die Sonne. Einmal schlief der Prophet, mit dem Friede und Segen sei, und hatte dabei sein Haupt in den Schoß Imam Alis, mit dem Gott zufrieden sein möge, gebettet, der dadurch sein Nachmittagsgebet versäumte. Da drehte sich die Erde in der Gegenrichtung wieder zurück und brachte die Sonne wieder zum Vorschein. Durch dieses Wunder vermochte er sein Gebet noch in der Zeit zu verrichten.}

Nun denn, oh du verblendeter Freund! Wäre es denn überhaupt möglich, dass sich irgendeine Art von Falsch oder Verlogenheit in den Attributen seines wunderwirkenden Herrn fände, die er mit ganzem Nachdruck erwähnt, und in den Befehlen, die er übermittelt, da er eine so lichtvolle, würdevolle und durchaus ernstzunehmende Persönlichkeit ist, geschmückt mit tausend Orden aus des Königs eigener Schatulle und bestätigt von allen Würdenträgern im Lande? Sollte darin eine Unwahrheit möglich sein, so müsste man auch sowohl die Existenz als auch den Sinn dieses Schlosses, seiner Lichter und der dort versammelten (Würdenträger) bestreiten. Wenn du es also jetzt noch vermagst, dann strecke einmal den Finger deiner Einwendungen dagegen aus und siehe, wie dein Finger unter der Macht der Beweise zerbricht und sich dir ins eigene Auge bohrt...

Zwölfter Beweis:

Nun komm also mein Bruder, der du nun schon ein wenig zur Vernunft gekommen bist! Über die gesamte Kraft der oben angeführten elf Beweise hinaus will ich dir nun noch einen weiteren Beweis zeigen. So siehe denn hier diesen leuchtenden Erlass (ferman),der von oben herabgekommen ist und den jeder entweder mit Staunen oder mit Ehrfurcht, jedoch mit größter Aufmerksamkeit betrachtet.

{(*): Der leuchtende Ferman ist eine Anspielung auf den Qur'an und das Siegel darauf bestätigt ihn als ein Wunder.}

Diese mit tausend Orden ausgestattete Persönlichkeit hält des Sultans Ferman in seinen Händen und erklärt allem Volk seinen Sinn. Siehe, die Abfassung dieses Fermans ist so glanzvoll, dass er die bewunderungsvollen Blicke aller auf sich lenkt und er erwähnt so ernste und bedeutende Fragen, dass jeder ihm sein Ohr leihen muss. Denn er erklärt nacheinander alle die Werke und Taten, die Befehle und auch die Qualitäten seines Herrn, der über dieses ganze Land regiert, der dieses Schloss geschaffen hat und alle diese wunderbaren Dinge hier hervorbringt. Siehe, wie dem ganzen Werk dieses Fermans das große Siegel aufgeprägt ist, wie zugleich auch jede Zeile, jeder Satz ein solch unnachahmliches Siegel trägt! So ist auch in dem Sinn, den Wahrheiten, Weisungen und Weisheiten, denen er Ausdruck verleiht, je eine Ihm eigentümliche Gestaltung in Form eines geistigen Stempels zu sehen, so wie er nur Ihm allein entspricht.

Zusammenfassung:

Dieser Große Ferman weist klar wie die Sonne auf Seinen Großen Herrn hin, sodass ein jeder, der nicht gerade blind ist, das erkennen kann...

Wohlan denn mein Freund! Wenn du nun zur Einsicht gekommen bist, so sollte dir dies genügen... Solltest du aber noch etwas zu sagen haben, dann sage es nun. Da gab jener hartnäckige Mann zurAntwort:"Ich kann zu diesen deinen Beweisen nur sagen: Dank sei Gott, ich glaube! Und nun glaube ich mit dem strahlenden Glanz der Sonne und der Klarheit des lichten Tages: Der König (malik)

dieses Landes ist ein einziger in Seiner Vollkommenheit (Kemal).Der Herr (Sahib)dieser Welt ist ein einziger in Seiner Majestät (Djelal).Der Meister (sani'),der dieses Schloss erbaut hat, ist ein einziger in Seiner Vollendung (Djemal).(Dies) nehme ich (fest als meinen Glauben) an. Möge Gott mit dir zufrieden sein, weil du mich von meiner alten Verbohrtheit und von meinen Torheiten errettet hast. Jeder einzelne deiner Beweise hätte alleine schon ausgereicht, um diese Wahrheit aufzuzeigen. Ich wartete jedoch noch und hörte dir noch weiter zu, weil sich mit jedem Beweis, den du erbracht hast, die Schichten der Erkenntnis und die Blütenkelche des Wissens in noch größerem Wohlgeruch und immer reicherer Schönheit entfalteten und die Fenster zur göttlichen Liebe sich zu noch höherem Wohlgefallen, zur Fülle des Lichtes und der Güte geöffnet haben."

Dieses Gleichnis, das auf die Große Wahrheit der Einheit (tauhid)und den Glauben an Gott hinweist, ist hier zum Abschluss gekommen. Nun wollen wir mit dem Segen des Erbarmers, aus der Fülle des Qur'an und dem Lichte des Glaubens, aus der Sonne der wahren Einheit (tauhid)zwölf Strahlen (lem'a)und eine Einführung in Ergänzung dieser zwölf Beweise in Form des obigen Gleichnisses aufzeigen.

وَمِنَ اللّٰهِ التَّوْفِيقُ وَالْهِدَايَةُ

{"Und von Gott kommen aller Erfolg und die Rechtleitung."}

Zweites Kapitel

Einführung

بِسْمِ اللَّهِ الرَّحْمَنِ الرَّحِيمِ ٭ اَللّٰهُ خَالِقُ كُلِّ شَىْءٍ وَهُوَ عَلٰى كُلِّ شَىْءٍ وَكِيلٌ ٭ لَهُ مَقَالِيدُ السَّمٰوَاتِ وَاْلاَرْضِ ٭ فَسُبْحَانَ الَّذِى بِيَدِهِ مَلَكُوتُ كُلِّ شَىْءٍ وَاِلَيْهِ تُرْجَعُونَ ٭ وَاِنْ مِنْ شَىْءٍ اِلاَّ عِنْدَناَ خَزَآئِنُهُ وَمَا نُنَزِّلُهُ اِلاَّ بِقَدَرٍ مَعْلوُمٍ ٭ مَامِنْ دَآبَّةٍ اِلاَّ هُوَ اٰخِذٌ بِنَاصِيَتِهَا اِنَّ رَبِّى عَلٰى صِرَاطٍ مُسْتَقِيمٍ

{"Im Namen Allahs, des Erbarmers, des Allbarmherzigen. Gott ist der Schöpfer aller Dinge und Er ist aller Dinge Sachwalter. Sein sind die Schlüssel der Himmel und der Erde." (Sure 39, 62-63) "Gepriesen sei der, in dessen Hand die Herrschaft über alle Dinge (ruht) und zu Ihm werdet ihr (dereinst) zurückgebracht." (Sure 36, 83) Und nichts gibt es unter den Dingen, wovon Wir nicht einen Vorrat hätten. Davon senden Wir nur eine bestimmte Menge herab." (Sure 15, 21) "Es gibt kein Tier, dass Er nicht am Schopfe hielte. Wahrlich, mein Herr ist (im Gegensatz zum Menschen) auf dem geraden Weg." (Sure 11, 56)}

Einer der Hauptpole des Glaubens ist der Glaube an Gott. In der Abhandlung darüber (Katre Risalesi)hatte ich bereits kurz erklärt, dass ein jedes Ding in der Schöpfung mit fünfundfünfzig Zungen das seinsnotwendige Sein (Vudjub-u Vudjud)und die Einheit (vahdaniyet)Gottes, des Gerechten, beweist und bezeugt. Zugleich habe ich auch in einer Abhandlung ("Nokta"= der Punkt) vier der allgemeinen Beweise für die Seinsnotwendigkeit und die Einheit Gottes, des Gerechten erwähnt, deren jeder die Überzeugungskraft von tausend Beweisen hat. Da ich zudem in meinen zwölf arabischen Abhandlungen hunderte von unwiderlegbaren Beweisen für die Seinsnotwendigkeit und Einheit Gottes, des Gerechten erwähnt habe, möchte ich mich hier mit ihnen begnügen und nicht in eingehende Erörterungen darüber einsteigen. Ich möchte

mich hier nur darum bemühen, in diesem "Zweiundzwanzigsten Wort" der Risale-i Nur "Zwölf Strahlen (Lem'a)"aus der Sonne des Glaubens an Gott aufzuzeigen.

Erster Strahl:

Es gibt zwei Arten, um zum Glauben an die Einheit (tauhid)zu gelangen.

Zum Beispiel:

Kommen in einem Marktflecken oder einer kleinen Stadt für einen hohen Herrn verschiedene Güter an, so erkennt man auf zweierlei Weise, dass es seine Güter sind. Die erste ist kurz und einfach zu sagen: "Eine so gewaltige Menge an Gütern kann gar kein anderer besitzen als allein nur dieser Herr." Unter der Aufsicht eines einfachen Mannes sind jedoch mancherlei Diebstähle möglich. Auf die einzelnen Teile können sich viele als Eigentümer ausgeben. Die zweite Art ist die, dass man an jedem Bündel eine Karte liest, auf jedem Ballen ein Siegel erkennt und auf allen Frachtbriefen Sein Stempel sieht, der sagt "Alle Dinge gehören dem Herrn." So erkennt man denn in diesem Falle in jedem Ding indirekt seinen Herrn.

Genauso ist es mit der göttlichen Einheit (tauhid).Man gelangt zu ihr auf zweierlei Wegen.

Erstens:

Tauhid ist die ganz einfache und offensichtliche Erkenntnis: "Gott der Gerechte ist eins. Er hat weder einen Partner noch Seinesgleichen und Ihm gehört das All."

Zweitens:

Der wahre Glaube an die Einheit Gottes (tauhid)besteht darin, in allen Dingen das Siegel Seiner göttlichen Allmacht, den Stempel Seiner Herrschaft und eine Zeichnung aus Seiner Feder zu erkennen. Dadurch öffnet sich mit jedem Ding unmittelbar ein Fenster zu Seinem Licht. Seine Einheit wird bestätigt, und dass alles der Hand Seiner Macht entspringt und dass es in Seiner Göttlichkeit keinen Partner, in Seiner Herrschaft keinen Helfer gibt und Er aller Dinge Eigentümer ist. So gelangt man zum Glauben mit einer Gewissheit, die an wahrhaftige Gewissheit grenzt, und lebt in einer Art beständiger (göttlicher) Gegenwart.

So möchte denn auch ich in dieser Abhandlung die Strahlen der Wahrheit dieser reinen und erhabenen Einheit (tauhid)aufzeigen und darlegen.

Hinweis:

Oh du gottvergessener Anbeter der Ursachen! Die Ursachen sind nur ein Schleier. Denn die Würde und Majestät (Azamet)Gottes erfordern dies. Am Werk ist jedoch die Allmacht dessen, der nichts und niemandes bedarf und dessen aber alles und jedes bedarf (Samed).Denn die Einheit und Majestät (Djelal)Gottes erfordern es und verlangen Seine Souveränität. Die Beamten des Ewigen Sultans sind keine Mitwirkenden in Seiner Königlichen Herrschaft. Sie sind vielmehr die Ausrufer im Königreich Gottes und die ministeriellen Beobachter Seiner Herrschaft. Und diese Beamten, Seine Werkzeuge, dienen dazu, den Ruhm Seiner göttlichen Allmacht und die Majestät Seiner Herrschaft sichtbar werden zu lassen, sodass die schmutzigen Angelegenheiten nicht der Allmacht Gottes angelastet werden können. Gott gleicht nicht einem menschlichen König, der von Schwäche befallen und in der Not seiner Armseligkeit Beamte zu Partnern in seinem Königreich gemacht hat, weil er selbst so schwach und hilfsbedürftig ist. Das also heißt, dass die Ursachen den Zweck zu erfüllen haben, die Ehre Gottes und den Ruhm Seiner Allmacht vor der vordergründigen Betrachtungsweise des Verstandes zu schützen. Denn so wie die beiden Seiten eines Spiegels hat auch jedes Ding seine "königliche (mulk)"Seite, die der bemalten Rückseite des Spiegels vergleichbar ist. Sie kann verschiedene Farben und Formen haben.

Die andere (Seite eines Dinges aber) ist die Seite, die sich auf die Engel bezieht, (malakut= die Seite der Engelwelt), vergleichbar mit der Seite eines Spiegels, also seiner eigentlichen Spiegelseite. Die königliche und von uns sichtbare Seite kennt Zustände, welche dem Ruhm und der Vollkommenheit der Macht des Einzigartigen widersprechen. Ursachen dienen dem Zweck, derartige Zustände auf sie zurückzuführen, sich als deren Quelle angeben zu können. Auf der "Malakut"-Seite eines Dinges jedoch, an der Seite seiner Zweckbestimmung (oder Sinngebung)

also, ist alles klar, deutlich und schön. Diese (Seite) ist für die unmittelbare Einwirkung der Macht Gottes (ohne Vermittlung der Ursachen) geeignet. Sie steht nicht im Widerspruch zu (Gott und) Seiner Ehre. Deshalb sind die Ursachen lediglich vordergründig und nicht tatsächlich. Sie bilden nicht den eigentlichen Hintergrund (des Spiegels und aller Erscheinungen in ihm), haben keinen Einfluss auf der "Malakut"(-Seite der Dinge).

Zudem ist noch eine weitere Weisheit hinter den äußeren Ursachen die folgende: Es sollen ungerechtfertigte Anklagen und hohle Einwände nicht gegen den Vollkommen-Gerechten gerichtet werden. Darum werden Anklagen und Einwände auf Ursachen als deren Zielscheibe zurückgeführt. Denn so lässt sich ein Fehler auf sie (: seine Ursachen) zurückführen. Die Ursache ist somit irgendein Versagen. Um dieses Geheimnis in Form eines feinsinnigen Beispiels darstellen zu können, wird dieses Gleichnis aus der geistigen Welt angeführt: Hazret-i Azrail (der Todesengel), mit dem der Friede sei, sagte einmal zu Gott dem Gerechten: "Wegen meiner Aufgabe, die Geister abzuholen, werden sich Deine Diener und Verehrer bei mir beklagen, mir deswegen zürnen." Gott der Gerechte entgegnete ihm in der Sprache Seiner Weisheit: "Ich will, dass zwischen dir und meinen Dienern und Verehrern ein Schleier aus Unglücksfällen und Krankheiten sei, sodass sich ihre Klagen gegen ihn richten, dir aber nicht zürnen sollen."

So siehe denn, wie die Krankheiten zu einem Schleier geworden sind. Sie sind es, auf die man alle Bitternis, die man im Tode empfindet, schieben kann; doch liegt die Wahrheit über die Abberufung der Geister in der Weisheit und Schönheit, die mit der Aufgabe Azrails, mit dem der Friede sei, verbunden ist. Desgleichen gilt, dass auch Hazret-i Azrail selbst ein Schleier ist. Auch er dient dazu, Ursache mancher Umstände zu sein, die bei der Abberufung der Geister äußerlich gnadenlos und der vollendeten Barmherzigkeit Gottes nicht zu entsprechen scheinen. Er ist es, der dieses Amt wahrnimmt und somit der

göttlichen Allmacht als ein Schleier dient. Es erfordern die Würde und Majestät Gottes (izzet ve azamet)in der Tat, dass die Ursachen vor dem Auge der Vernunft als Schleier über der Hand der Allmacht Gottes liegen sollen... Die Einheit und Majestät Gottes (Tauhid ve Djelal)erfordert, dass die Ursachen ihre Hände aus dem eigentlichen Wirken Gottes heraushalten sollen...

Zweiter Strahl:

Betrachte den kosmischen Garten, das Blumenbeet dieser Erde und dieses wunderschöne, sternengeschmückte Antlitz des Himmels aufmerksam! So wirst du sehen, dass der Meister in Seiner Majestät, der Schöpfer in Seiner Vollkommenheit auf jedem einzelnen von Seinen Kunstwerken, die ausgestreut und ausgebreitet sind, ein Siegel, das dem Schöpfer aller Dinge zu Eigen ist, ein Stempel, der dem Meister aller Dinge angehört, und eine unnachahmliche, glänzende Prägung mit der Feder der Macht eingetragen hat, wie auf den Seiten der Nacht und des Tages, des Sommers und des Frühlings. Nun wollen wir hier einige von diesen Siegeln, Stempeln und Prägungen als Beispiele anführen.

Betrachte z.B. eines unter den zahllosen Siegeln, eines von denen, die dem Leben aufgeprägt sind. "Er (Gott) macht aus einem Dinge alles und aus allen Dingen ein einziges." Denn aus einem Tropfen Sperma und aus dem gewöhnlichen Trinkwasser erschafft Er zahllose Körperzellen und unzählige Tierarten. So ist also aus einem Ding alle Dinge zu machen mit Sicherheit das Werk des Vollkommen-Allmächtigen. In gleicher Weise verwandelt Er die zahllosen Speisen, mögen wir nun tierische oder pflanzliche Nahrung genossen haben, und macht aus den verschiedenen Inhaltsstoffen in vollendeter Ordnung die jeweiligen Körper, webt für jeden von ihnen seinen eigenen Pelz und gestaltet ihre Organe. Der dies alles bewirkt, ist mit Sicherheit der, welcher aller Dinge mächtig ist, der Vollkommene-Allwissende. Der Schöpfer des Lebens und des Todes lenkt in der Tat das Leben an der Werkbank dieser Welt in Weisheit mit derartigen wunderbaren Anordnungen Seines Gesetzes, dass Vollzug

und Durchführung dieses Gesetzes den Charakterzug jenes Herrn tragen, der die Zügel des Weltalls in Seinen Händen hält. Wenn also nun dein Verstand noch nicht erloschen und dein Herz noch nicht blind geworden ist, so wirst du verstehen, dass das, was in vollkommener Leichtigkeit und Wohlgeordnetheit alles aus einem Ding erschafft und in vollkommener Ausgewogenheit und Ordnung kunstfertig aus allen Dingen ein einziges hervorbringt, das Kennzeichen ist, das uns den Meister aller Dinge zeigt und dem Schöpfer aller Dinge zu Eigen ist.

Da macht z.B. jemand in Seiner Wunderkraft aus einem Dirhem einer watte-ähnlichen Substanz hundert Ballen Baumwoll- und Seidentuch, desgleichen Batist und noch verschiedene andere Stoffe. Und Er macht aus einem Dirhem dieser Substanz auch noch Helva(türk. Honig), Baklava(Kuchen) und viele andere Speisen. Und wenn du noch weiterhin siehst, wie jener Eisen und Steine, Honig und Butter, Erde und Wasser in Seine Hände nimmt und sich unter ihnen alles in reines Gold verwandelt, so wirst du sicherlich und ohne jeden Zweifel daraus schließen, dass Jenem eine solche Kunstfertigkeit zu Eigen ist, dass alle Elemente der Erde unter Seinen Befehl gestellt sind, und dass alles, was in der Erde und unter der Erde ist, sich seinem Urteilsspruch unterwirft. Die Erscheinung der Weisheit und Macht Gottes ist jedoch in der Tat noch tausendmal wunderbarer als hier in unserem Beispiel. So siehe denn darin ein einziges Siegel unter so vielen Siegeln Gottes, die das Leben als Sein Merkmal trägt.

Dritter Strahl:

Betrachten wir nun die Lebewesen unter all dem, was erschaffen ist und in diesem kosmischen Strom des Lebens kreist! Du wirst sehen, wie viele Stempel es gibt, die der Lebendige, der Ewige (al-Hayy al-Qayyum)jedem einzelnen unter all den Lebewesen aufgeprägt hat. Einer unter diesen Stempeln ist folgender: Ein Lebewesen, z.B. der Mensch, ist wie ein verkleinertes Beispiel dieses Kosmos, eine Frucht am Baume dieser Schöpfung und ein Samenkorn dieser Welt, da es die

meisten Prägungen der Arten dieser Welt in sich trägt. Es ist, als sei dieses Lebewesen ein Tropfen, mit äußerst empfindlichen Instrumenten, herausgefiltert aus dem gesamten Kosmos. Dieses Lebewesen zu erschaffen und es zu beherrschen, erfordert also die Fähigkeit, den ganzen Kosmos in Händen halten zu können.

Nun also, wenn dein Verstand noch nicht in deinen Vorstellungen ertrunken ist, so kannst du verstehen: Ein Wort der Macht (Gottes), wie es eine Biene ist, zu einer Art verkleinertem Inhaltsverzeichnis der meisten Dinge zu machen, und auf einer Seite (der Schöpfung), wie es der Mensch ist, die meisten Themen dieses Weltenbuches (der Schöpfung) einzutragen, und weiter in einem Punkt, wie es ein winzig kleiner Feigenkern ist, das gesamte Programm eines riesig großen Feigenbaumes einzugeben, und in einem Buchstaben, wie es des Menschen Herz ist, die Werke aller Namen (Gottes), die sich in den Abschnitten, Perioden, Äonen dieser großen Welt manifestieren und sie umfassen, aufzuzeigen und in dem Erinnerungsvermögen des Menschen, das so viel Platz wie eine Linse einnimmt, so viele Bücher aufzuschreiben, wie sie in einer großen Bibliothek zu finden sind, und das ausführliche Inhaltsverzeichnis aller Ereignisse der Welt in diesem winzig kleinen Flecken zu vermerken, ist sicher und gewiss ein Stempel, der dem Schöpfer aller Dinge zu Eigen ist und dem glorreichen Herrn der Welt angehört.

Nun also, wenn ein einziger Stempel unter so vielen Stempeln des Herrn auf den Lebewesen in dieser Weise sein Licht zeigt, und auf diese Weise dessen Zeichen und Wunder (Ayat)lesen lässt, wenn du also nun gleichzeitig alle diese Stempel sehen und betrachten könntest, müsstest du dann etwa nicht sagen:

سُبْحَانَ مَنِ اخْتَفٰى بِشِدَّةِ ظُهُورِهِ

{"Gepriesen sei der, welcher hinter solch machtvoller Erscheinung dennoch verborgen bleibt."}

Vierter Strahl:

Siehe all das, was über dem Ozean des

Himmels segelt und bunt über das Antlitz der Erde verstreut ist und beachte all diese verschiedenen Kunstwerke! Du wirst sehen, wie auf ihnen allen ein Münzsiegel der Urewigen Sonne aufgeprägt ist, das keine Fälschung erlaubt. Wir haben bereits ein, zweimal gesehen, wie auf allem, was Leben hat, Sein Stempel und auf dem Leben selbst Sein Siegel erscheint. Auch die Art und Weise, wie Er die Dinge ins Leben ruft, trägt eine solche Münzprägung. Da aber Beispiele dem Verstand die tiefen Bedeutungen näher bringen, wollen auch wir diese Wahrheit an Hand eines Beispieles aufzeigen.

So zeigt sich z.B. bei der Sonne eine solche Münzprägung in ihrem Spiegelbild, in ihrem Widerschein auf allen Planeten und bis hin zu den Wassertropfen, den kleinen Glasstückchen und den schimmernden Schneekristallen, ein leuchtendes Zeichen, wie es der Sonne entspricht. Nimmst du nicht an, dass all diese kleinen Sonnen, die in zahllosen kleinen Dingen sichtbar werden, ein Widerschein und Spiegelbild dieser (einen, großen) Sonne sind, dann musst du aber annehmen, dass in jedem Wassertropfen, in jeder Glasscherbe, die einen Strahl (der Sonne) empfangen hat und in jedem Staubkörnchen, das vom Licht (der Sonne) getroffen wurde, die eigentliche, ursprüngliche Sonne enthalten ist, was jedoch einer ganz außerordentlichen Torheit, einer grenzenlosen Dummheit zu verfallen hieße.

In gleicher Weise findet sich durch die Urewige Sonne in der Art, wie sie die Dinge ins Leben ruft, d.h. ihnen das Leben schenkt, was eine Erscheinungsweise ihrer Strahlenkraft ist, auf allem, was da lebt, ein solches Münzsiegel, dass - selbst wollten wir einmal annehmen, dass alle Ursachen sich miteinander versammeln könnten und jede von ihnen für sich selbst die Freiheit einer eigenen Entscheidung hätte - sie dennoch nicht jenes Münzsiegel imitieren können. Denn jedes einzelne Lebewesen, das ein Wunder der Macht ist, gleicht einem Brennpunkt der Namen Gottes, die die Strahlen der Urewigen Sonne sind. Wenn diese wunderbare, künstlerische Verzierung,

diese einzigartige Dichtung der Weisheit, diese Erscheinung des Geheimnis der Einheit (Ahadiyet),wie sie in einem Lebewesen zu betrachten ist, nicht dem Einen und Einzigartigen Herrn (Dhat-i Ahad-i Samed)zugeschrieben wird, dann müsste man annehmen, dass in jedem Lebewesen, selbst in einer Mücke und einer Blume eine grenzenlose Schöpferkraft verborgen ist; und dass in ihnen ein alles umfassendes Wissen und eine absolute Willenskraft (irade),die in der Lage ist, das Weltall zu lenken und zu leiten, zu finden ist, ja sogar müsste man annehmen, dass in ihnen die ewigen (baqi)Attribute dessen, der da notwendiger Weise sein muss (Vadjibu l-Vudjud),vorhanden sind. Selbst jeder einzelnen Zelle einer Blume und einer Mücke müsste man eine Gottheit zuschreiben, was jedoch hieße, dem törichtsten Irrweg zu verfallen, in den Abgrund des dümmsten Aberglaubens hinabzustürzen. Denn den einzelnen Zellen der Schöpfungen, insbesondere, wenn es sich dabei um Samenkörner handelt, wurde eine solche Aufbau gegeben, dass jede einzelne Zelle auf das Leben ausgerichtet ist, deren winzigstes Teilchen sie in der Schöpfung darstellt. Sie enthält einen Bauplan, der dem Aufbau (des Ganzen) entspricht.

Es ist sogar so, als hätte sie dabei ihre ganze Gattung vor Augen, sodass Samenkörner - manche von ihnen auch mit kleinen Flügelchen versehen - an allen Orten ausgesät werden, welche für die Fortpflanzung der Gattung geeignet sind, um dort das Fähnlein ihrer Gattung aufzurichten, wofür sie dann auch besondere Eigenschaften erhalten. Eine Zelle ist sogar in der Art konstruiert, dass das Lebewesen, von dem sie das winzigste Teil ist, seine Tätigkeit zu Gunsten aller Geschöpfe, mit denen es verbunden ist und die seiner bedürfen, seine lebensnotwendigen Beziehungen fortsetzen kann.

Wäre also nun diese Zelle nicht ein Beamter des Vollkommen-Allmächtigen, wäre ihre Verbindung zu dem Vollkommen-Allmächtigen abgebrochen, dann müsste man dieser Zelle ein allessehendes Auge und ein allesumfassendes Bewusstsein zuschreiben.

Zusammenfassung:

Wollte man die kleinen Sonnen und die vielen verschiedenen Farben in den Wassertropfen und Glasstückchen nicht auf eine Spiegelung, einen Widerschein der (einen, großen) Sonne zurückführen, so wäre es notwendig, dass man an Stelle dieser (einen, großen) Sonne zahllose (einzelne, kleine) Sonnen annimmt. Dies aber erfordert einen Aberglauben anzunehmen, der ganz und gar unvorstellbar ist. Genauso müsste man auch, wollte man nicht alles dem Einen, Vollkommen-Allmächtigen zuschreiben, an Stelle Gottes (des Einen, Einzigen) zahllose Götter annehmen, ebensoviel wie es Stäubchen im All gibt. Das aber hieße, eine Unmöglichkeit von einer hundertfachen Unmöglichkeit als Tatsache anzunehmen und damit dem Irrsinn eines Fieberwahns zu verfallen.

Mit einem Wort: Durch jedes einzelne Stäubchen öffnen sich uns drei Fenster zu dem einen Licht der Urewigen Sonne und zur Notwendigkeit Göttlichen Seins.

Erstes Fenster:

Jedes Stäubchen (Atom, Zelle, Samenkorn) gleicht einem Soldaten, der wie innerhalb militärischer Kreise in jeder Gruppe, Kompanie, Bataillon, Division, Armee, Heer seine Zugehörigkeit und dieser Zugehörigkeit entsprechend seine Aufgabe hat, der dieser Aufgabe entsprechend seine Anordnungen erhält und sich dementsprechend bewegt... So hat denn z.B. selbst eine Zelle in deiner Sehlinse ein bestimmtes Verhältnis und eine Aufgabe in deinem Auge, deinem Kopf, deinem Körper, in den Venen und Arterien, in den Nerv- und Lymphbahnen, welche dem Kreislauf, der Wahrnehmung, den Bewegungen dienen, und in deiner Spezies usw. mit ihrer Fähigkeit sich zu vermehren, etwas anzuziehen, abzuwehren oder auszuscheiden und sich für eine bestimmte Gestalt mit anderen Zellen zusammenzuschließen. Dadurch demonstriert sie vor jedem Auge, das nicht erblindet ist, dass sie ganz offensichtlich das Kunstwerk eines Urewigen-Allmächtigen und sein befähigter Beamter ist, Seiner göttlichen Führung untersteht.

Zweites Fenster:

Jedes Atom in der Luft kann jede

Blume, jede Frucht besuchen. Es kann so in jede Blume, jede Frucht eintreten und darin tätig werden. Wäre es nicht ein dienstbereiter Beamter des Vollkommen-Allmächtigen, der alles sieht und alles weiß, dann müsste dieses umherschweifende Atom Struktur und Aufbau jeder Frucht und jeder Blume und alle ihre verschiedenen Kunstarten und -formen, nämlich die Kunst des Schneiders, der jede von ihnen bekleidet und die Kunst eines vollendeten und universellen Modeschöpfers kennen und beherrschen. So macht ein solches Atom einen Strahl des Lichtes der Einheit (tauhid)sonnenklar sichtbar. Vergleiche nun auch das Licht mit der Luft und das Wasser mit der Erde!

Wie bekannt liegt der eigentliche Ursprung aller Dinge in den folgender vier Elementen: Nach neuerer naturwissenschaftlicher Lehre: Wasserstoff (bildet das Wasser), Sauerstoff (dient in der Luft zum Atmen), Kohlenstoff (dient der Verbrennung zur Gewinnung von Energie, Licht und Wärme) und Stickstoff (dient in der Stickstoffsynthese dem Aufbau der Pflanzen: Grundlage fast allen Lebens auf der Erde). Diese vier chemischen Elemente (H-O-C-N) entsprechen den vier Grundelementen (Wasser, Luft, Feuer, Erde) der Alten.

Drittes Fenster:

Nehmen wir eine handvoll Erde, die nichts ist als ein wenig Staub! Wenn wir nun einen Topf mit diesem Staub füllen, so wird er zur Grundlage für Wachstum und Gedeihen aller Arten blühender und fruchtbringender Pflanzen. Säen wir nun den Samen jeder Sorte blühender und fruchtbringender Pflanzen aller Welt in ihm aus, so bestehen diese Samenkörner aus keinen anderen Elementen als die Spermien der Tiere. Auch die Samenkörner bestehen ähnlich wie die flüssigen Spermien aus Kohlenstoff, Stickstoff, Sauerstoff und Wasserstoff, ähneln einander in ihrer Zusammensetzung und unterscheiden sich voneinander nur in ihren Eigenschaften. Nur die Feder (qalem)der göttlichen Vorausbestimmung (qader)überträgt auf sie geistig gesehen ihr Programm. Wir stecken also nun diese Samenkörner der Reihe nach

in den Topf. So erwartest du, dass aus jedem Samenkorn eine Pflanze Form und Gestalt annimmt, mit all ihren wunderbaren Bestandteilen, und glaubst daran, als sei dies bereits geschehen.

Wären diese Staubkörner nicht Beamte und dienstbereite Diener eines Herrn, der alle Dinge in all ihren Entwicklungsstadien und -formen kennt und der mächtig ist, allen Seinen Geschöpfen den ihnen entsprechenden Körper samt all ihren Organen zu verleihen und dessen Macht alle Dinge leicht und mühelos unterworfen sind, so müssten sich in jedem Staubkörnchen dieser Erde so viele unsichtbare Fabriken und Druckereien befinden, wie es blühende und fruchtbringende Pflanzen gibt, sodass sie der Ursprung all dieser verschiedenen Pflanzen sein könnten, deren Form und Gestalt so weit voneinander entfernt und voneinander verschieden ist. Oder aber man müsste ihnen ein alle Existenzen umfassendes Wissen und eine Macht verleihen, die alle ihre verschiedenen Formen erschaffen könnte, damit die Erde Ursprung all ihrer Formen sein könnte. Das aber heißt, dass man ebensoviel Götter annehmen müsste, wie es Staubkörnchen in der Erde gibt, wenn es diese Verbindung mit Gott dem Gerechten nicht geben sollte. Dies aber wäre ein Aberglaube, der tausendfach unmöglich ist. Sind sie jedoch Beamte, dann ist dies ganz einfach. Ein Soldat eines mächtigen Königs (Sultan)kann z.B. im Namen dieses Königs (Padischah)und (im Vollzug seiner königlichen) Gewalt ein Volk zur Auswanderung zwingen, zwei Meere miteinander vereinigen und sogar einen König (Schah)gefangen nehmen. In gleicher Weise kann sogar mit dem Befehl des Königs von Ewigkeit zu Ewigkeit eine Mücke Nimrod zu Boden werfen, eine Ameise das Schloss des Pharaos zerstören, vernichten, ein Feigenkorn einen Feigenbaum tragen, (der aus ihm emporwächst).

Überdies gibt es in jedem Staubkörnchen auch noch zwei wahre Zeugen für die Notwendigkeit und Einheit (Vahdet)

des Schöpfers. Der erste nimmt trotz seiner völligen Schwäche sehr große und sehr verschiedene Aufgaben

wahr, während der andere sich trotz seiner unbelebten Natur der allgemeinen Ordnung entsprechend so verhält, als liebte er die Ordnung und hätte ein umfassendes Bewusstsein. Das aber heißt, dass jedes Stäubchen mit seiner Schwäche für die Notwendige Existenz des Vollkommen-Allmächtigen und in der Beachtung der kosmischen Ordnung für die Einheit Gottes (Vahdet)Zeugnis ablegt.

كَمَآ اَنَّ فِى كُلِّ ذَرَّةٍ شَاهِدَيْنِ عَلٰٓى اَنَّهُ وَاجِبٌ وَاحِدٌ كَذٰلِكَ فِى كُلِّ حَىٍّ لَهُ اٰيَتَانِ عَلٰٓى اَنَّهُ اَحَدٌ صَمَدٌ

{"So wie für den, der notwendigerweise (Vadjib) da ist und der Einzige (Vahid), für den in jedem Stäubchen mit Sicherheit zwei Zeugen sind, gibt es auch in allem Lebendigen, zwei Wunderzeichen (Ayat) für den, welcher der Einzige (Ahad) und Unabhängige (Samed) ist."}

So findet sich denn in der Tat auf allem, was da lebt das Siegel Seiner Einheit (Ahadiyet)

und die Prägung seiner Unabhängigkeit. Denn ein jedes Lebewesen zeigt gleichsam wie ein Spiegel alle die Namen, deren Manifestationen sich in den meisten Schöpfungen offenbaren. Es ist so, als ob dieses Lebewesen einen Brennpunkt darstellt, in dem sich die Erscheinungen des gewaltigen Namens des Lebendigen und Beständigen (Hayy ve Qayyum)zeigt. So trägt es also den Stempel der Einheit (Ahadiyet),da es eine Art Schatten der Einheit des Herrn (Ahadiyet-i Dhatiye)ist, verborgen unter dem Schleier des Namens "al-Muhyi(der Lebensspender)". Überdies zeigt dieses Lebewesen, da es einem verkleinerten Abbild des Kosmos und einer Frucht am Baume der Schöpfung gleicht, die Prägung der Unabhängigkeit Gottes (Samediyet),dadurch dass alle seine weltumspannenden Bedürfnisse innerhalb seines winzig kleinen Lebensbereiches mit unerwarteter Leichtigkeit befriedigt werden. Durch diese Verhältnisse wird sichtbar, dass das Lebewesen einen Herrn hat, der sich ihm zuwendet, wie sonst keine anderen Seiner Schöpfungen und dessen (Gnaden)blick die Stelle aller geschaffenen Dinge ersetzt.

Alle Welt vermag nicht die Stelle der Zuwendung dieses Einen zu ersetzen.

نَعَمْ يَكْفِى لِكُلِّ شَىْءٍ شَىْءٌ عَنْ كُلِّ شَىْءٍ وَلاَ يَكْفِى عَنْهُ كُلُّ شَىْءٍ وَلَوْ لِشَىْءٍ وَاحِدٍ

{"Ja, in der Tat genügt für alle Einzelnen der Eine und Einzige an der Stelle von Allem und nicht genügen einem Alles, so nicht statt aller Einzelheiten der Eine (al-Vahid)."}

Desgleichen zeigen diese Verhältnisse, dass - so wie dieser sein Herr keines Dinges bedürftig ist - sich auch Seine Schätze um kein Ding verringern und in Seiner Macht kein Ding schwer ist. So ist denn dies eine Art Prägung, die einen Schatten Seiner Unabhängigkeit (Samedaniyet)offenbart. Das aber heißt, dass jedes Lebewesen einen Stempel Seiner Einheit (Ahadiyet)und eine Prägung Seiner Unabhängigkeit (Samediyet)trägt. In der Tat rezitiert ein jedes Lebewesen in der Sprache seines Lebens (d.h. durch sein Leben bringt es zum Ausdruck)

قُلْ هُوَ اللّٰهُ اَحَدٌ ٭ اَللّٰهُ الصَّمَدُ

{"Sprich: Er ist Gott, der Einzige (Ahad). Er ist Gott, der Unabhängige (Samed)" (Sure 112, 1-2)}

Außer diesen beiden Siegeln gibt es auch noch zwei wichtige Fenster. Da diese jedoch bereits an anderer Stelle ausführlich behandelt worden sind, haben wir sie hier nur kurz zusammengefasst.

Da nun einmal in dieser Welt ein jedes Stäubchen diese drei Fenster und diese beiden Luken öffnet, wie auch das Leben zwei Tore gleichsam hin zu dem Notwendig-Seienden, dem Einzigen öffnet, ist es dir jetzt möglich, die obigen Beispiele auf ein Stäubchen bis hin zur Sonne in Bezug auf alle Stufen der Schöpfung mit ihrer lichtvollen Ausstrahlung der Erkenntnis (ma'rifet)über den Herrn, in Seiner Majestät, anzuwenden.

So schreite durch die obigen Beispiele schrittweise in der Erkenntnis (ma'rifet)Gottes und in Seiner Gegenwart (huzur)geistig fort und ziehe deinen Nutzen aus ihnen...

Fünfter Strahl:

Um z.B. ein Buch zu schreiben oder

einen Brief abzufassen, genügt ein Schreibstift zu seiner Niederschrift. Dort aber, wo es um einen Buchdruck oder eine Drucksache geht, benötigt man dazu ebensoviel Schreibstifte, d.h. Drucktypen, wie das Buch Buchstaben hat, damit ein solches Buch gedruckt und herausgebracht werden kann. Sollte nun in einige Buchstaben des Buches ein Großteil von diesem Buches in sehr feiner Schrift hineingeschrieben werden - z.B. die ganze Sure Yasin in die beiden Buchstaben Ya und Sin hineingeschrieben werden - so benötigt man für diesen einen Buchstaben auch noch alle diese winzigen Buchstaben zusätzlich, damit es gedruckt werden kann.

Sagtest du in gleicher Weise, dass dieses Weltenbuch (das Buch der Schöpfung), die heilige Schrift, aus der Feder der Macht des Einzigartigen und ein Brief des Einen Herrn ist, schlägst du auf einen Weg ein, der geradezu notwendigerweise leicht und auch unbedingt verständlich ist.

Schreibst du es hingegen den Ursachen und der Natur zu, dann beschreitest du einen Weg, der sehr schwierig, unvorstellbar kompliziert und dermaßen abergläubig ist, den man noch nicht einmal im Traum annehmen könnte. Es müssten dann für die Natur in jeder Handvoll Erde, in jedem Tropfen Wasser, in jedem Lufthauch Milliarden metallener Druckereien, nicht zu zählende und unsichtbare Fabriken vorhanden sein, damit die Entstehung solcher zahllosen blühenden und fruchttragenden Kunstwerke zum Erfolg geführt werden können. Oder aber, man müsste in ihnen ein alles umfassendes Wissen annehmen, eine Macht, die zu all diesem die Kraft besitzt, um für diese Kunstwerke eine wahrhaftige Quelle zu sein. Denn für die Entstehung aller Pflanzen bedarf es einer bestimmten Menge Erde, Wasser und Luft. Denn alle blühenden und fruchttragenden Pflanzen sind so harmonisch und ausgewogen gestaltet und jede für sich eine auserwählte, in ihrer Art sehr unterschiedlich, sodass für jede wieder eine andere, nur für sie geeignete Fabrik bzw. ein spezielles Druckverfahren notwendig wäre. Das aber

heißt, dass - wollte man die Natur, statt lediglich wie eine Lineatur zu sein, zur Urquelle machen - man in jedem einzelnen Gegenstand einen Maschinenpark vorfinden müsste. Somit ist der Kern all dieser Naturanbeterei ein Aberglaube, für den sich alle Abergläubigen schämen sollten. Siehe, welch eine grenzenlos wahnwitzige Absurdität die Kinder des Irrtums da vertreten und sich noch selbst für klug halten. Ziehe deine Lehre daraus!

Zusammenfassung:

Jeder Buchstabe in einem Buch stellt z.B. als Buchstabe nicht mehr als sich selbst dar und bringt lediglich durch sein Aussehen seine eigene Existenz zum Ausdruck, während er über seinen Schreiber mit zehn Worten berichtet und ihn auf vielfältige Weise vorstellt.

Zum Beispiel:

"Mein Schreiber hat eine schöne Handschrift. Sein Stift ist rot. Er ist dieses, er ist jenes.", sagt er. Und genauso gilt: Ein jeder Buchstabe im großen Buch der Schöpfung stellt als ein Objekt (der Schöpfung) nicht mehr als sich selbst dar und zeigt nicht mehr als sein eigenes Aussehen. Als die Namen des urewigen Designers jedoch stellt er eine Kasside (ein Gedicht) dar und zeigt auf diese Namen mit so viel Zeigefingern hin, wie er Eigenschaften hat, bezeugt den Träger dieser Namen. Das aber heißt, dass selbst ein Sophist, ein Haarspalter, auch wenn er sowohl sich selbst als auch die ganze Welt leugnet, in seiner Torheit dennoch nicht so weit gehen darf, den Schöpfer in Seiner Majestät zu verleugnen!...

Sechster Strahl:

Der Schöpfer in Seiner Majestät hat jedem einzelnen Seiner Geschöpfe das Siegel Seiner Einheit (Ahadiyet)aufs Haupt und all Seinen Kunstwerken ins Antlitz geprägt (wovon wir in den obigen "Strahlen" einige gesehen haben). In gleicher Weise hat Er auch jeder Art (von Geschöpfen) viele Siegel Seiner Einheit (Ahadiyet),einer jeden Gruppe (von Arten) mannigfache Stempel Seiner Einheit (Vahidiyet),bis hin zu der Welt (mit all ihren Arten von Geschöpfen) die verschiedensten Prägungen Seiner Einheit (Vahdet)in einer über alles glänzenden Weise aufgedrückt. So wollen wir denn

hier nur ein Siegel, einen Stempel unter so vielen Siegeln, Stempeln, Prägungen, die im Frühling auf der Seite der Erdoberfläche aufgedrückt sind, aufzeigen. Es ist dies wie folgt:

Dass der Urewige Designer über das Antlitz der Erde hin im Sommer und im Frühling wenigstens dreihunderttausend Tier- und Pflanzenarten aus der grenzenlosen Vermischung und Vermengung (ihrer Samenkörner) heraus auswählt und voneinander trennt und in so hohem Grade wohlgeordnet und voneinander wohlgeschieden zum neuen Leben, Wachstum und Gedeihen erweckt, ist ein Siegel der Einheit Gottes (Tauhid),wie auch der Frühling in seiner Pracht so klar und deutlich ist. Wenn in der Tat zur Frühlingszeit in der Neubelebung der erstorbenen Erde dreihunderttausend Beispiele der Auferstehung in vollkommener Ordnung hervorgebracht und dreihundert verschiedene Arten bunt gemischt schließlich fehlerlos, makellos und ohne jede Verwechslung ausgewogen, harmonisch, überaus wohlgeordnet und in vollendeter Form (im Buch der Schöpfung) auf diese Seite eingetragen werden, die die Erde ist, sollte jeder, der auch nur ein Fünkchen Bewusstsein hat, verstehen können, dass dies ein persönliches Siegel des Herrn in Seiner Herrlichkeit (Dhat-i Dhu l-Djelal)ist, des Vollkommenen-Allmächtigen (Qadir-i Dhu l-Kemal)und des Vollkommenen-Allweisen (Hakim-i Dhu l-Djemal),der über eine unendliche Macht (qudret),ein alles umfassendes Wissen (ilm)und über eine den ganzen Kosmos lenkende Willenskraft (irade)verfügt. Der Weise Qur'an bestimmt (ferman)hierzu:

فَانْظُرْ اِلٰٓى اٰثاَرِ رَحْمَةِ اللَّهِ كَيْفَ يُحْيِى اْلاَرْضَ بَعْدَ مَوْتِهَا اِنَّ ذٰلِكَ لَمُحْيِى اْلمَوْتٰى وَهُوَ عَلٰى كُلِّ شَىْءٍ قَدِيرٌ

{"Siehe die Zeichen der Barmherzigkeit Allahs: wie Er die Erde nach ihrem Tode wieder lebendig macht! Fürwahr, Er ist es, der die Toten wiederbelebt, und Er hat Macht über alle Dinge." (Sure 30, 50)}

Mit Sicherheit ist für die Macht des Schöpfers, der bei der Wiederbelebung der Erde dreihunderttausend Beispiele

für die Auferstehung innerhalb einiger Tage erschafft, auch die Auferstehung des Menschen in der Tat dementsprechend leicht. Ja, könnte man etwa zu jenem wunderwirkenden Herrn, der zum Beispiel den Mohnblumenberg oder den Subhan-Berg (4434 m) mit einem Wink Seines Fingers aufzuheben vermag, sagen: "Könntest Du diesen riesigen Stein, der unseren Lebensweg den Bach hinunter versperrt, hinwegräumen?" Ja könnte man etwa in gleicher Weise den Allmächtigen-Allweisen (Qadir-i Hakiem),den Freigiebigen-Allbarmherzigen (Kerim-i Rahim),der Himmel und Berge und Erde in sechs Tagen erschaffen hat und sie zu allen Zeiten füllt und leert, fragen: "Könntest Du die Erde über uns, die uns den Weg zu Deinem Gastmahl in der Ewigkeit versperrend vor uns ausgebreitet ist, hinwegräumen? Würdest Du uns etwa aus dem Erdreich emporführen und könntest Du es dann aufs Neue unter uns ausbreiten?" Läge dies etwa fern aller Betrachtung?

Du hast nun das Siegel der Einheit (Tauhid)gesehen, welches das Antlitz der Erde im Sommer trägt. Nun siehe! Es zeigt sich da ganz offensichtlich der Stempel der Einheit Gottes (Vahidiyet),der im Frühling auf der gewaltigen Lenkung und Leitung der Erde durch den Allsehenden und Allweisen sichtbar wird. Denn diese Tätigkeit wird in ihrem absoluten Umfang, trotz ihrer unbegrenzten räumlichen Ausdehnung, zugleich auch in ihrer vollendeten zeitlichen Ausdehnung und trotz dieser Geschwindigkeit in absoluter Freigiebigkeit, in absoluter Ordnung und vollendeter Kunstfertigkeit und als eine vollkommene Schöpfung sichtbar. Sie ist ein Stempel, der nur jenem gehören kann, der ein grenzenloses Wissen und eine unendliche Macht besitzt.

Wir sehen in der Tat, dass sich Schöpfung, Lenkung, Leitung und Wirksamkeit Gottes über die ganze Erdoberfläche in unbegrenzter Ausdehnung erstreckt. Des Weiteren vollendet sich das Werk bei aller räumlichen Ausdehnung auch in der zeitlichen Ausdehnung (d.h. der Frühling erstreckt sich räumlich und zeitlich gleichzeitig über

die ganze Erde).

Zudem wird in dieser zeitlichen und räumlichen Ausdehnung auch eine vollendete Freigiebigkeit sichtbar. Diese Freigiebigkeit wird in ihrer räumlichen und zeitlichen Ausdehnung zugleich auch in ihrer vollendeten Leichtigkeit sichtbar. Des Weiteren ist diese Freigiebigkeit und unbeschwerte Leichtigkeit in ihrer räumlichen und zeitlichen Ausdehnung, diese in jeder Art, in jedem Einzelexemplar sichtbar werdende vollkommene Ordnung und so auserlesene und vollendete Kunstfertigkeit, diese absolute Verschiedenheit innerhalb einer grenzenlosen Durchmischung (d.h. in einem Gemisch von Samenkörnern reift dennoch jedes einzelne zu einer unverwechselbaren Pflanze heran), dieses so wertvolle Werk innerhalb einer so großen Fülle, diese völlige Übereinstimmung in einem so weiten Bereich (d.h. die Übereinstimmung von zwei gleichen Pflanzen trotz weltweiter Entfernung zwischen ihnen) und diese so besondere Kunstfertigkeit, dies alles mit solch unbeschwerter Leichtigkeit hervorzubringen, in einem einzigen Augenblick, an jedem Ort, in gleicher Weise, Sein wunderbares Kunstwerk in jedem einzelnen Exemplar als ein Werk Seines wundertätigen Wirkens hervorzubringen, ist sicherlich und ganz gewiss das Siegel jenes Herrn, der - obwohl doch an keinen Ort gebunden - dennoch an jedem Ort zugegen ist und alles sieht, vor dem nichts verborgen ist und dem nichts und kein Ding schwer wird. Sterne und Stäubchen sind vor Ihm in Seiner Macht gleich.

So habe ich z.B. die Reben gezählt, die an einem Rebstock hingen, der zwei Finger dick war und den ich als ein ganz kleines Exemplar für die Trauben des Wunders aus dem Garten der Freigiebigkeit jenes Gütigen-Allbarmherzigen (Rahim-i Dhu l-Djemal)angesehen habe. Ich kam bis einhundertfünfundfünfzig. Dann zählte ich die Trauben einer Rebe: es waren an die hundertundzwanzig. So dachte ich und sagte mir: Wäre dieser Rebstock gleich einem Wasserhahn, aus dem fortwährend Honignektar fließt, so würde dieser Nektar bei diesen hohen

Temperaturen in der Sonne dennoch ausreichen, damit all ihre vielen hundert Trauben gestillt werden, gleich winzigen Wasserschläuchen der göttlichen Barmherzigkeit. Dabei steht ihm doch manchmal nur ein geringe Menge Flüssigkeit zur Verfügung. Es muss also der, welcher dies bewirkt, jener sein, welcher aller Dinge mächtig ist.

سُبْحَانَ مَنْ تَحَيَّرَ فِى صُنْعِهِ الْعُقُولُ

{"Gepriesen sei der, welcher den Geist dessen in Erstaunen versetzt, der Seine Werke bewundert."}

Siebenter Strahl:

Beachte, wie du mit ein wenig Aufmerksamkeit die Stempel erkennen kannst, die der Eine und Einzigartige (Dhat-i Ahad-i Samed)auf die Fläche der Erde aufgeprägt hat. Erhebe deine Augen und betrachte einmal das große Buch der Schöpfung, so wirst du erkennen, wie über der Gesamtheit des ganzen Alls das Siegel der Einheit Gottes (Vahdet)mit jener Klarheit lesbar wird, die Seiner Größe entspricht. Denn die Geschöpfe dieser Fabrik, dieses Schlosses, dieser wohlgeordneten Stadt gleichen den Menschen und den Dingen, die einander stützend und ergänzend einander die Hände reichen und einander ihre Bedürfnisse mitteilend "Ich bin bereit. Ich stehe zu Diensten." sagen. Hand in Hand arbeiten sie in Harmonie und Ordnung miteinander. In gegenseitigem Austausch dienen sie allen Lebewesen. Schulter an Schulter richten sie sich gemeinsam auf ein Ziel aus und leisten ihrem Allweisen (Hakiem)Lenker und Leiter Gehorsam. Bei der Sonne und dem Mond angefangen, der Nacht und dem Tag, dem Winter und dem Sommer, bis hin zu den Pflanzen, die den bedürftigen und hungrigen Tieren gleichsam zu Hilfe kommen, von den Tieren, die den schwachen, ehrenwerten Menschen gleichsam zur Hilfe eilen, ja sogar bis hin zu den Nahrungsmitteln, die gleichsam zur Hilfe der feinen, zarten Nachkommenschaft der Pflanzen, Tiere und Menschen kommen und bis hin zu jenen Bestandteilen der Nahrung, die in die Zellen des Körpers hinüber wechseln

und sich so nach dem Grundsatz gegenseitiger Unterstützung verhalten, zeigt dies alles für den, der nicht gerade blind ist, dass sie sich in der Macht eines äußerst freigiebigen Koordinators befinden und auf den Befehl eines einzigen allweisen Direktors Folge leisten.

Während also nun diese gegenseitige Hilfeleistung, diese Solidarität, dieses Wechselspiel zwischen Frage und Antwort, dieses Ineinander-verflochten-sein, diese Dienstbereitschaft, Ordnung und Harmonie, wie sie im Weltall ihre Gültigkeit hat, mit Sicherheit bezeugen, dass sie durch die Anordnungen eines einzigen Direktors dirigiert und durch die Maßnahmen eines einzigen Koordinators gelenkt wird, ist die allen zuteil werdende Gnade in der umfassenden Weisheit, wie sie ganz offensichtlich in all den kunstvoll gestalteten Dingen sichtbar wird und das in dieser Gnade aufstrahlende weitreichende Erbarmen (Rahman)und die Versorgung, die über diesem Erbarmen ausgebreitet ist und der verteilte Unterhalt, um alles Lebendige mit dem zu versorgen, wessen es bedarf, ein so glänzender Stempel der Einheit (Tauhid),dass jeder Mensch, dessen Verstand noch nicht ganz und gar erloschen ist und der noch nicht erblindet ist, es verstehen und erkennen kann.

Dies ist in der Tat die Leinwand der Weisheit, auf dem die Absicht, das Bewusstsein und der Wille (irade),der die ganze Welt erfüllt, dargestellt sind. Vor dieser Leinwand der Weisheit ist die Leinwand der Gnade (inayet)heruntergelassen, auf der die Gastfreundschaft, die Zierde, die Schönheit und die Güte zu sehen sind. Vor dieser bemalten Leinwand der Gnade ist die Leinwand der Barmherzigkeit heruntergelassen, auf der die Schlaglichter der Gnade (in'am)und der Verehrung (ikram)sichtbar werden, die das All erfüllen und durch die Gott die Menschen dazu veranlassen möchte, Ihn zu lieben und Ihn zu erkennen. Vor dieser angeleuchteten Leinwand allgemeinen Erbarmens ist ein Tischtuch für die Versorgung aller ausgebreitet, auf dem das Mitleid, die Güte, die Verehrung (ikram),die vollkommene Liebe (kemal-i shefqat),

die hohe Bildung und die Gastfreundschaft des Herrn wahrzunehmen ist.

Alles Geschaffene, ob groß ob klein, von den Atomen angefangen bis hin zu den Sonnen, mögen es nun Einzelexemplare oder deren Gattungen sein, ist mit einem prächtigen Gewand aus dem Stoff der Weisheit bekleidet, das dessen Frucht trägt und mit seinem Ziel, Zweck und Nutzen geschmückt ist. Dieser Bekleidung seiner äußeren Gestalt, die der Weisheit entspricht, ist je nach seiner Größe ein Gewand der Gnade (inayet),verziert mit den Blumen der Gastfreundschaft und der Güte, übergestreift. Zu diesem so verzierten Kleid der Gnade (inayet)hat Gott Seinen Geschöpfen, die von den Funken der Liebe (Gottes in den Herzen Seiner Geschöpfe), der Verehrung (mit der Gott Seine Geschöpfe auszeichnet), des Mitleids und der Gnade (in'am= was Gott den Geschöpfen in Seinen Geschenken erweist) strahlende Orden Seiner Barmherzigkeit verliehen. Während Er ihnen diese glänzenden, mit Edelsteinen besetzten Auszeichnungen umhängt, breitet Er über die Erde für alle Arten von Lebewesen Tische zu ihrer aller Versorgung und für ihre Bedürfnisse. So weist denn dieses Tun mit der Klarheit der Sonne auf den Herrn in Seiner Herrlichkeit hin und zeigt Ihn, den Versorger, in Seiner grenzenlosen Weisheit, Freigebigkeit (kerim)und Barmherzigkeit. Ja, ist dies nicht so? Bedarf nicht alles Lebendige seiner Versorgung?

Wir sehen in der Tat, dass jeder Mensch des Unterhaltes und der ständigen Versorgung in seinem Leben bedarf. Alles, was es auf der Erde gibt und speziell die Lebewesen haben in ihrer Gesamtheit oder einzeln, ihre Körper oder ihre Körperteile, im Laufe ihres Lebens, ihrem Fortbestand und auf die Dauer ihres Lebens viele materielle Wünsche und geistige Bedürfnisse. Obwohl die Bedürfnisse und Nöte der Lebewesen so groß sind, dass sie sich selbst nicht das kleinste befriedigen können, ihre Kräfte zur Erfüllung selbst des kleinsten Wunsches nicht ausreichen, beobachten wir, dass alle ihre Wünsche, ihre geistige und materielle Versorgung rechtzeitig sehr gut

und unvermutet, in vollkommener Weisheit und مِنْ حَيْثُ لاَ يَحْتَسِبُ {"Von wo wir es nicht erwartet hatten." (Sure 65, 3)} erfüllt werden. Weisen etwa Not und Armut der Lebewesen, diese Art Hilfeleistung und Versorgung aus dem Unsichtbaren nicht sehr deutlich auf den Versorger in Seiner Weisheit und Majestät (Djelal),auf den Lenker und Leiter in Seiner Barmherzigkeit und Vollkommenheit (Djemal)hin?

Achter Strahl:

Es ist bekannt, dass eine Getreidesorte, die auf einem Acker ausgesät ist, zeigt, dass der Eigentümer dieses Getreides auf jeden Fall die Verfügungsgewalt über den Acker hat, und zeigt auch, dass das Getreide zur Verfügung des Besitzers dieses Ackers steht. Ebenso zeigen auch diese Äcker, welche die Elemente (Licht, Luft, Wasser und Erde) sind, aus denen alle Geschöpfe entstehen, in all ihrer Einheit, Einheitlichkeit und allgemeinen Wirksamkeit, ebenso die Pflanzen und Tiere, welche man als Gottes Geschöpfe bezeichnet und die eine Frucht Seiner Erbarmung, ein Wunder Seiner Allmacht und ein Wort Seiner Weisheit sind, in ihrer Gleichheit und in ihrer Ähnlichkeit, in ihrer Verbreitung an so vielen Stellen, in ihrem Auftreten und Heimischwerden an so vielen Orten, dass sie dem einen und einzigen wunderwirkenden Meister zur Verfügung stehen, in der Weise, dass jede einzelne Blume, jede einzelne Frucht, jedes einzelne Tier ein Siegel, ein Stempel, eine Prägung dieses Meisters ist. Wo immer sie sich finden, sagt ein jedes von ihnen unausgesprochen: "Ich bin das Siegel dessen, dessen Schöpfung auch dieser Ort hier ist. Ich bin ein Stempel dessen, dessen Schrift auch dieser Platz hier ist. Ich bin eine Prägung dessen, aus dessen Stoff auch mein Land hier gewebt ist." Das aber heißt, dass die Herrschaft über das einfachste Geschöpf in den Händen dessen ruht, der über alle Elemente verfügt. Er lenkt auch die Einzeller unter den Tieren und Pflanzen. Der Unterhalt

aller Tiere, die Versorgung aller Pflanzen und die Erhaltung der ganzen Schöpfung ist dem zu Eigen, der im Besitz der Herrschaft ist. Wer nicht blind ist, vermag dies zu erkennen. In der Tat spricht jedes einzelne Wesen in der Sprache seiner Gleichheit oder Ähnlichkeit mit all den anderen Wesen: "Nur der, der Eigentümer meiner Rasse ist, kann mein Besitzer sein. Ist er es nicht, dann kann er nicht mein Besitzer sein." Jede Art bringt dadurch, wie sie gemeinsam mit all den anderen Arten über die Erde hin verbreitet ist, zum Ausdruck: "Nur der, welcher auch der Eigentümer über die ganze Erde ist, kann mein Besitzer sein. Wenn er nicht der Eigentümer der ganzen Erde ist, dann kann er nicht mein Besitzer sein."

Die Erde sagt, als Mitträgerin der Gesetze des Himmels, im Ausdruck der Verbundenheit mit der Sonne zusammen mit den anderen Planeten: "Nur der, welcher auch der Eigentümer des ganzen Universums ist, kann mein Besitzer sein. Wenn er nicht der Eigentümer des ganzen Universums ist, dann kann er nicht mein Besitzer sein." Nehmen wir einmal den unmöglichen Fall an, jemand sagte zu einem mit Bewusstsein begabten Apfel: "Du bist mein Kunstwerk!", dann würde der Apfel ihm in der Sprache seines So-seins das Reden verbieten: "Wärest du dazu in der Lage, alle Äpfel auf Erden zu formen, würdest du über alle Früchte zu verfügen wissen, die über die ganze Erde verbreitet und mit mir völlig gleich sind, sogar über alle Geschenke des Allerbarmers, die mit einem Schiff aus der Schatzkammer der Barmherzigkeit kommen, so könntest du die Herrschaft über mich beanspruchen." So würde dieser Apfel zu ihm sprechen und dem Törichten ins Gesicht schlagen.

Neunter Strahl:

Wir haben bisher auf einige Siegel, Stempel und Prägungen hingewiesen, die auf den winzigsten Teilchen, den kleinsten Abschnitten (des Schöpfungsbuches), dem Ganzen (Buches), dem Kosmos in seiner Gesamtheit, dem Leben und allem Lebendigen und dem Schöpfungsakt selbst sichtbar werden. Wir wollen nun noch auf ein Siegel unter diesen zahllosen Siegeln, die den verschiedenen Arten aufgeprägt sind, hinweisen.

Es ist ja bekannt, dass die unendlich vielen Früchte eines fruchttragenden Baumes, alles was sie benötigen aus einer einzigen Hand, durch das selbe Gesetz, von einem einzigen Zentrum aus erhalten, wodurch alle Mühe, Anstrengung und Kosten so leicht werden, dass der Unterhalt für ihre Gesamtheit der Versorgung einer einzigen von ihnen gleich kommt. Das heißt also, für den Fall, dass es eine Anzahl von verschiedenen Zentren für jede Frucht gäbe, ein ganzer Baum an Mühe, Kosten und Einrichtungen notwendig wäre, sie heranreifen zu lassen. Sie alle unterscheiden sich jedoch (gleich den Früchten eines einzigen Baumes) lediglich in ihren Eigenschaften (und nicht grundsätzlich wie verschiedene Bäume) voneinander. Genauso sind für die militärische Ausrüstung eines einzigen Soldaten ebenso viele Fabriken erforderlich, wie für ein ganzes Heer. Das aber heißt, dass sich die Anstrengungen entsprechend der Anzahl der Einzelindividuen vervielfachen müssen, sobald man von der Einheit (vahdet)zur Vielzahl übergehen will. So ist denn die überwältigende Leichtigkeit, wie sie offensichtlich bei jeder Art sichtbar wird, mit Sicherheit das Werk der Leichtigkeit und Einfachheit, die aus der Einheit (Tauhid)erwächst.

Zusammenfassung:

Alle die verschiedenen Sorten gleicher Art, alle die verschiedenen Exemplare der selben Sorte beweisen durch ihre Übereinstimmung im Grundsätzlichen und ihre Ähnlichkeit, dass sie die Schöpfung eines einzigen Künstlers sind. Denn so erfordert es ihre Übereinstimmung (vahdet)in der Handschrift (des Künstlers) und die Gleichheit (ittihad)des Siegels. Desgleichen verlangt die vollendete Leichtigkeit und Mühelosigkeit, die wir bezeugen können, im Grade einer Notwendigkeit danach, dass sie die Werke eines einzigen (vahid)Künstlers sein müssen. Anderenfalls würde daraus eine Schwierigkeit entstehen, die sich bis zum Grade einer Unmöglichkeit steigert und das Ende (von der Gleichheit) der Art und die Zerstörung (der Gleichheit) der Sorte herbeiführt. Also noch einmal kurz gesagt: Sobald man alles auf Gott

den Gerechten zurückführt, wird (die Erschaffung) aller Dinge ebenso leicht wie die eines einzigen Dinges. Führt man aber alles auf die Ursachen zurück, wird (die Erschaffung) eines einzigen Dinges so schwer wie die aller Dinge insgesamt. Weil dies so ist, zeigt die überwältigende Leichtigkeit, wie man sie überall in der Welt bemerkt und die grenzenlose Fülle vor unseren Augen sonnenklar das Siegel der Einheit (vahdet).Wären diese Früchte, die in so reicher Zahl in unsere Hände gelangen, nicht Eigentum des All-Einzigen (Vahid-i Ahad),könnten wir auch nicht einen einzigen Granatapfel essen, selbst wenn wir die ganze Welt dafür hergeben wollten.

Zehnter Strahl:

Das Leben ist jene Erscheinung, die uns die Schönheit (der Namen Gottes) zeigt. Es ist einerseits Zeugnis für die Einheit (Ahadiyet)Gottes und darüber hinaus auch eine Erscheinung Seiner Gegenwart (vahdet).Dahingegen ist der Tod die Erscheinung, die uns Seine Majestät (Djelal)offenbart. Er ist auch ein Zeugnis für die Einheit Gottes und für Seine Allgegenwart (vahidiyet).Dafür ein Beispiel:

وَ لِلَّهِ الْمَثَلُ اْلاَعْلٰى

{"Bei Gott sind die erhabensten Gleichnisse." (Sure 16, 60)}

Es ist in der Tat so, dass die Wellen, die mit einem großen Strom mitziehen und vom Lichte der Sonne überstrahlt werden und die gesamte Oberfläche unserer Erde, wenn sie das Licht der Sonne reflektiert, auf diese Weise Zeugnis ablegen für die Sonne. Auch wenn die Wellen und Wassertropfen vergehen und wenn der Glanz der Erde dahinschwindet und wenn dann auf immer wieder neuen Wassertropfen und Wellenberge, wenn auf den glänzenden Flächen unserer Erde die Sonne wieder in all ihrer Pracht erstrahlt und ihr Strahlenglanz in makelloser Schönheit fortbesteht, legen sie mit absoluter Sicherheit dafür Zeugnis ab, dass die Strahlen und Lichter, wenn sie aufleuchten, sich verändern, sich wieder erneuern, aufstrahlen, erglänzen, Erscheinungsweisen jener einen,

immerwährenden (baqi),beständigen, erhabenen Sonne sind, die in ihrem Sonnenschein keine Vergänglichkeit kennt. Das aber heißt, dass, so wie diese Wellen in ihrem Entstehen (, wenn sie im Lichte der Sonne) erglänzen, die Existenz der Sonne aufzeigen, sie auch in ihrem Untergang und in ihrem Entschwinden, Dauer, Beständigkeit und Einheit der Sonne aufzeigen.

In gleicher Weise bezeugt all das, was mit dem Strome des Lebens dahin zieht durch sein Dasein und durch sein Leben notwendigerweise Einheit und Existenz dessen, der notwendigerweise da sein muss. Auf diese Weise bezeugt all das durch seinen Tod und Zerfall auch die notwendige Existenz Seiner Ewigkeit und Unsterblichkeit und Seine Einheit (Ahadiyet).In der Tat zeigen alle ansprechenden Kunstwerke und alles Geschaffene in seiner Schönheit, jeder Wechsel von Tag und Nacht, Sommer und Winter, Jahrhunderte und Jahrtausende hinaus mit Sicherheit Existenz, Dauer und Einheit (Vahdet)des Herrn in Seiner erhabenen, ewigen, sich fortwährend manifestierenden Schönheit (Djemal)auf. So weisen diese Kunstwerke, wenn sie mit allem, was ihre äußerlich sichtbaren Ursachen waren, sterben und vergehen auch auf die Nichtigkeit dieser Ursachen hin und darauf, dass dies nur ihr Kleid war. Dieser Umstand beweist mit Sicherheit, dass diese Kunstwerke, diese Ornamente in ihrer Erscheinung Kunstwerke des Herrn in Seiner Schönheit (Djemal)und Majestät (Djelal)sind, die sich immer wieder erneuern, Ornamente, die sich beständig verändern, Spiegelreflexe, die fortwährend in Bewegung sind, Siegel, die einander unablässig folgen, Prägungen, die in Weisheit einander ablösen, Kunstwerke eines Herrn, der in all Seinen Namen heilig und vollkommen (Djemil)ist...

Zusammenfassung:

Das Große Buch des Universums erteilt uns mit seinen kosmischen Versen (Ayat)Unterricht vom Dasein und von der Einheit (Vahdet)Gottes. In gleicher Weise bezeugt es alle die Attribute der Vollkommenheit (Kemal),Herrlichkeit (Djemal)und Majestät (Djelal)des Herrn der Herrlichkeit (Djelal)und beweist Seine

makellose, von allen stofflichen Fehlern und Mängeln freie Vollkommenheit (Kemal).Denn es ist ja allgemein bekannt, dass die Vollendung (Kemal)eines Werkes auf die vollendete Meisterschaft seines Schöpfers hinweist, die der Schaffung des Werkes zu Grunde liegt und ihr voraus geht. Was jedoch diese Meisterschaft (Kemal)betrifft, so ist sie ein Beweis für den Grad Seiner Meisterschaft (Kemal),d.h. für die Vollendung (Kemal)Seines Namens. Diese Vollendung (Kemal)Seines Namens aber ist ein Beweis für Seine vollendeten Fähigkeiten, d.h. für die Vollendung Seiner Attribute. Diese Vollendung (Kemal)Seiner Attribute aber ist ein Beweis für die Vollkommenheit Seiner nur Ihm eigenen Fähigkeiten, d.h. Seiner Vorzüge und Qualitäten. Dies aber ist Seine persönliche Vollkommenheit und sie ist ein Beweis Seines vollkommenen Seins und Wesens. Diese Kette der Beweise beginnt mit jener Ahnung, die in Anbetracht Seiner Schöpfung in uns aufsteigt und steigert sich mit einer gewissen Zwangsläufigkeit bis zu einer offensichtlichen Erkenntnis.

Zum Beispiel:

Die erlesenen Kunstwerke und die gesamte künstlerische Gestaltung eines Schlosses von vollendeter Schönheit weist auf jene Vollendung hin, die einem solchen Juwel zu Grunde liegt. Die Vollendung eines solchen Werkes aber weist auf einen hohen Grad der Meisterschaft hin, der wiederum auf Rang und Namen des Erbauers verweist. Sein hoher Rang und Name aber weist auf die vollendeten Fähigkeiten dieses Meisters hinsichtlich seines Kunstwerkes hin. Seine Begabung und seine vollendeten Fähigkeiten aber weisen auf Seine Vorzüge und Qualitäten hin... Genauso weisen auch die Werke dieser Welt, die wir als fehlerlos, als makellos bezeugen und worin das Geheimnis der Ayah هَلْ تَرٰى مِنْ فُطُورٍ {"Erblickst du einen Mangel darin?" (Sure 67, 3)} sichtbar wird, auf die Wohlgeordnetheit in der Schöpfung des Kosmos hin und legen ohne irgend einen Zweifel Zeugnis für die Vollendung in den Taten dessen ab, der

da die Macht hat, sie zu bewirken. Was aber diese Vollendung Seiner Taten betrifft, so bezeugt sie offensichtlich den hohen Rang und Namen dessen, der in Seiner Majestät der Urheber all dieser Taten ist. Was aber diesen hohen Rang und Namen betrifft, so bezeigt und bezeugt er notwendigerweise die vollendeten Fähigkeiten dessen, dem diese schönen Namen zu Eigen sind.

Was aber diese vollendeten Fähigkeiten betrifft, so bezeigen und bezeugen sie mit Gewissheit das Vollendete des Urgrundes dessen, der der Träger dieser vollendeten Fähigkeiten ist. Dieser Urgrund aber bezeugt in seiner Vollendung wiederum mit absoluter Gewissheit die Vollendung des Seins, welches das Wesen dieses Urgrundes ist, in der Weise, dass alles, was uns im ganzen Kosmos als vollkommen entgegentritt, im Vergleich mit dieser Seiner Vollkommenheit nur ein matter Abglanz, ein Hinweis (ayat)auf die Vollkommenheit (Kemal),eine Spur der Majestät (Djelal),ein Zeichen für die Schönheit (Djemal)des Herrn in Seiner Vollkommenheit ist.

Der elfte Strahl, so gewaltig wie die Sonne:

Er, den wir bereits im "Neunzehnten Wort" vorgestellt haben, er, der das gewaltige Zeichen im großen Buch der Schöpfung ist, der machtvolle Name im großen Qur'an, der Kern und die leuchtendste Frucht am Weltenbaum, die Sonne des Weltenschlosses, die leuchtende Scheibe des Mondes am Himmel der islamischen Welt, der königliche Herold göttlicher Herrschaft, er, der die Weisheit besitzt, die das Geheimnis (tilsim)der Schöpfung enthüllt, Mohammed al-Amin(: der Vertrauenswürdige), unser Oberhaupt, mit dem Friede und Segen sei, breitet seine Flügel aus und behütet unter den Flügeln seiner Sendung alle Propheten, beschützt zugleich unter den Flügeln des islamischen Glaubens die ganze islamische Welt, durchkreuzt so mit ihnen alle Schichten der Wahrheit, zeigt mit der ganzen Kraft aller Gesandten und Propheten, aller Heiligen und Getreuen, aller Theologen und Forschern (muhaqqiq),die hinter ihm stehen, die Einheit (Vahdaniyet)Gottes auf, erschloss ihnen den Weg zum Throne

des alleinigen Gottes (Ahadiyet),wies ihnen den Glauben an Gott und bewies ihnen die göttliche Einheit (Vahdaniyet).Ja bliebe denn da noch Raum für irgendeinen Zweifel oder Irrtum, der den Zugang (zu dieser Wahrheit) verschließen oder verhüllen könnte? Da wir aber nun schon einmal im "Neunzehnten Wort" mit vierzehn "Tropfen" aus dem Lebenswasser der Erkenntnis und auch im "Neunzehnten Brief" mit neunzehn "Hinweisen" auf die verschiedenen Arten der Wunder dieser wunderwirkenden Persönlichkeit dieses sichere Zeugnis (: Mohammed ASM) kurz zusammengefasst, beschrieben und erläutert haben, wollen wir uns hier mit diesem Hinweis begnügen und mit einem Segensgebet (salavat-i sherif)enden und dabei dieses sichere Zeugnis der Einheit nochmals bestätigen und auf die Grundlagen von dessen Richtigkeit hinweisen...

اَللّٰهُمَّ صَلِّ عَلٰى مَنْ دَلَّ عَلٰى وُجُوبِ وُجُودِكَ وَوَحْدَانِيَّتِكَ وَشَهِدَ عَلٰى اَوْصَافِ جَلاَلِكَ وَجَمَالِكَ وَكَمَالِكَ اَلشَّاهِدُ الصَّادِقُ الْمُصَدَّقُ وَالْبُرْهَانُ النَّاطِقُ الْمُحَقَّقُ، سَيِّدُ اْلاَنْبِيَآءِ وَالْمُرْسَلِينَ، اَلْحَامِلُ سِرَّ اِجْمَاعِهِمْ وَتَصْدِيقِهِمْ وَمُعْجِزَاتِهِم.. وَاِمَامُ اْلاَوْلِيَآءِ وَالصِّدِّيقِينَ، اَلْحَاوِى سِرَّ اِتِّفَاقِهِمْ وَتَحْقِيقِهِمْ وَكَرَامَاتِهِمْ.. ذُوالْمُعْجِزَاتِ اْلباَهِرَةِ وَالْخَوَارِقِ الظَّاهِرَةِ وَالدَّلاَئِلِ الْقَاطِعَةِ الْمُحَقَّقَةِ الْمُصَدَّقَةِ لَهُ.. ذُوالْخِصَالِ الْغَالِيَةِ فِى ذَاتِهِ، وَاْلاَخْلاَقِ الْعَالِيَةِ فِى وَظِيفَتِهِ، وَالسَّجَايَا السَّامِيَةِ فِى شَرِيعَتِهِ الْمُكَمَّلَةِ الْمُنَزَّهَةِ عَنِ الْخِلاَفِ، مَهْبِطُ الْوَحْىِ الرَّبَّانِىِّ بِاِجْمَاعِ الْمُنْزِلِ وَالْمُنْزَلِ وَالْمُنَزَّلِ عَلَيْه، سَيَّارُ عَالَمِ الْغَيْبِ وَالْمَلَكُوتِ، مُشَاهِدُ اْلاَرْوَاحِ وَمُصَاحِبُ الْمَلٰٓئِكَةِ، اَنْمُوذَجُ كَمَالِ الْكَآئِنَاتِ شَخْصاً وَنَوْعاً وَجِنْساً، اَنْوَرُ ثَمَرَاتِ شَجَرَةِ الْخِلْقَةِ، سِرَاجُ الْحَقِّ، بُرْهَانُ الْحَقِيقَةِ، تِمْثَالُ الرَّحْمَةِ، مِثَالُ الْمَحَبَّةِ، كَشَّافُ طِلْسِمِ الْكَآئِنَاتِ، دَلاَّلُ سَلْطَنَةِ الرُّبوُبِيَّةِ، الْمُرْمِزُ بِعُلْوِيَّةِ شَخْصِيَّتِهِ الْمَعْنَوِيَّةِ اِلٰٓى اَنَّهُ نَصْبُ عَيْنِ فَاطِرِ الْعَالَمِ فِى خَلْقِ الْكَآئِنَاتِ، ذُو الشَّرِيعَةِ الَّتِى هِىَ بِوُسْعَةِ دَسَاتِيرِهَا وَقُوَّتِهَا

تُشِيرُ اِلٰٓى اَنَّهَا نِظَامُ نَاظِمِ الْكَوْنِ وَوَضْعُ خَالِقِ الْكَآئِنَاتِ نَعَمْ، اِنَّ نَاظِمَ الْكَآئِنَاتِ بِهٰذَا النِّظاَمِ اْلاَتَمِّ اْلاَكْمَلِ هُوَ نَاظِمُ هٰذَا الدِّينِ بِهٰذاَ النِّظَامِ اْلاَحْسَنِ اْلاَجْمَلِ، سَيِّدُنَا نَحْنُ مَعَاشِرَ بَنِى اٰدَمَ وَمُهْدِينَا اِلَى اْلاِيمَانِ نَحْنُ مَعاَشِرَ اْلمُؤْمِنِينَ، مُحَمَّدٌ بْنُ عَبْدِ اللَّهِ بْنِ عَبْدِ الْمُطَّلِبِ عَلَيْهِ اَفْضَلُ الصَّلَوَاتِ وَاَتَمُّ التَّسْلِيمَاتِ مَادَامَتِ اْلاَرْضُ وَالسَّمٰوَاتُ. فَاِنَّ ذٰلِكَ الشَّاهِدَ الصَّادِقَ الْمُصَدَّقَ يَشْهَدُ عَلٰى رُؤُوسِ اْلاَشْهَادِ مُناَدِياً، وَمُعَلِّماً ِلاَجْيَالِ الْبَشَرِ خَلْفَ اْلاَعْصَارِ وَاْلاَقْطَارِ، نِداَءً عُلْوِياًّ بِجَمِيعِ قُوَّتِهِ وَبِغَايَةِ جِدِّيَّتِهِ وَبِنِهَايَةِ وُثُوقِهِ وَبِقُوَّةِ اِطْمِئْناَنِهِ وَبِكَمَالِ اِيمَانِهِ اَشْهَدُ اَنْ لآَ اِلٰهَ اِلاَّ اللَّهُ وَحْدَهُ لاَ شَرِيكَ لَهُ

{"Oh Gott segne den, der auf die Notwendigkeit Deines Seins, Deine Einheit (Vahdaniyet) hinweist, Deine Majestät (Djelal), Deine Schönheit (Djemal) und Deine Vollkommenheit (Kemal) bezeugt, den Zeugen, der in seiner Treue bestätigt wurde, einen Beweis, der in Zuverlässigkeit spricht, den Meister der Gesandten und Propheten, den Träger des Geheimnisses (sirr : Wahrheit, Lehre), in dem sich (alle Propheten) vereinigen und ihn bestätigen, den Wundertäter, den Vorsteher aller Heiligen und Getreuen im Geheimnis ihrer Eintracht, ihrer Erkenntnis (tahqiq) und ihrer Wunder (keramat), den, der eindeutig Wunder (mu'djisat) wirkt, offensichtlich Einzigartiges tut, der gesicherte, geprüfte, bestätigte Beweise erbringt, dessen Persönlichkeit an guten Charaktereigenschaften reich ist, an hoher Moral in der Erfüllung seiner Aufgaben, an erhabenen Vorzügen in der Vollkommenheit seines ihm geoffenbarten Gesetzes (Scharia), der überraschenderweise zum Empfänger der Offenbarung des Herrn wurde in dem Zusammentreffen dessen, der herabsendet durch den Überbringer (nml. den Erzengel Gabriel) des Herabgesandten (nml. den Qur'an) an seinen Empfänger (nml. Mohammed ASM), den Reisenden durch die Welt des Unsichtbaren (gayb) und Seiner Engel (malakut), der Zeugnis ablegt von den Geistern (ruh) und mit den Engeln vertrauten Umgang (sohbet) pflegt, das Musterbeispiel für die Vollendung des Kosmos in seinen einzelnen Wesen, in seinen Gattungen und Arten (den Früchten am Baum der Schöpfung, die wie Lichter sind), den Leuchter der Gerechtigkeit, den Zeugen für die Wahrheit, das Abbild der Barmherzigkeit, das Beispiel für die Liebe (muhabbet), ihn, der das Geheimnis (tilsim) des Kosmos entdeckte, den Herold des Königreiches seines Herrn, den, der in seiner hohen geistigen Persönlichkeit ein Zeichen dafür ist, dass er das alleinige Ziel des Schöpfers der Welt ist bei der Erschaffung des Kosmos, des Herrn über das Gesetz (Scharia), das in seiner alles umfassenden Weite gültig und wirksam ist, weil es über die Ordnung des Seins ausgebreitet ist und durch den Schöpfer der Welt eingesetzt wurde, denn es ist in der Tat das Prinzip der Ordnung im Kosmos, denn es ist die Ordnung, welche die Vollkommenheit vollendet, ihn, den Stifter des Gesetzes (Nazim; der Ordner) dieses Glaubens (din) in schönster und bester Ordnung, unser Oberhaupt, der uns, die Völker aus den Söhnen Adams, zum Glauben geführt hat, uns, die gläubige Gemeinde Mohammeds, des Sohnes Abdullahs, des Sohnes Abdu l-muttalibs, mit dem aller Segen sei und all unsere Gebete! Mit ihm sei die Fülle des Segens (teslimat) solange Himmel und Erde bestehen. Denn er ist der zuverlässige und vertrauenswürdige Zeuge. Er bezeugt auf den Häuptern derer, die zur Zeugenschaft aufrufen, und die lehren, den Generationen von Menschen aller Jahrhunderte und aller Länder und ruft mit lauter Stimme, mit aller Macht und großem Ernst, mit unendlicher Geduld (vuthuq), aus der Kraft seines Herzens und aus der Vollkommenheit seines Glaubens (iman): Ich bezeuge, dass es keine Gottheit (ilah) gibt außer Gott (Allah), dem Einen, der keinen Partner (sherik) hat."}

Der zwölfte Strahl, so gewaltig wie die Sonne:

Der zwölfte Strahl dieses "Zweiundzwanzigsten Wortes" ist ein Ozean der Wahrheit, sodass alle zweiundzwanzig "Worte" nur zweiundzwanzig Tropfen daraus sind und eine solche Quelle der Lichter, dass diese zweiundzwanzig "Worte" nur zweiundzwanzig Strahlen aus dieser Sonne sind. Jedes einzelne dieser zweiundzwanzig "Worte" ist in der Tat nur ein Strahl aus einer Ayah, die wie ein Stern am Himmel des Qur'an glänzt und ein einziger Tropfen aus einer Ayah, die gleich einem Strom aus dem Ozean des Qur'an (al-Furqan,hier gleich einem Scheidewasser) heraustritt und eine einzige Perle aus einer Ayah, die einem Schmuckkästchen gleicht, gefüllt mit Juwelen aus der gewaltigen Schatzkammer des Buches Gottes. So sagt denn dieses Buch Gottes, das wir im Vierzehnten Tropfen des "Neunzehnten Wortes" einigermaßen dargestellt haben, das von dem Gewaltigen Namen, von dem Gewaltigen Thron, von der Gewaltigen Erscheinung Seines Herrschaftsbereiches herabgesandt wurde, in der Weite und Hoheit, welche das Urewige Einst mit der künftigen Ewigkeit vereint, die Erde mit dem Thron (Gottes) verbindet, immer wieder in all Seine Macht und in aller Gewissheit: لآَ اِلَهَ اِلاَّ هُو {"Es gibt keinen Gott (ilah) außer Ihm."}

führt das All des Weltalls dafür zum Zeugen an und macht es zu einem Zeugnis für Ihn. Es rezitiert in der Tat der ganze Kosmos gemeinsam: لآَ اِلَهَ اِلاَّ هُو {"Es gibt keinen Gott (ilah) außer Ihm."}

Wenn du also den Qur'an mit dem Auge eines friedfertigen Herzens betrachtest, so wirst du in der Tat sehen, dass seine sechs Seiten (d.h. von welcher Seite auch immer du ihn betrachten magst - A.d.Ü.) so glänzen, so klarsichtig sind, dass keine Finsternis, kein Irrtum, kein Zweifel, nicht Lug noch Trug in ihn einzudringen vermögen und sich im Kleid seiner Ehre dafür keine Öffnung befindet und kein Riss entdecken lässt. Denn betrachtet man ihn von oben, so erkennt man ihn als das Wunder, welches das Gütesiegel auf ihm ist, von unten die Zeugnisse und Beweise (auf die er sich stützt), hinter ihm das lautere Wort, die Offenbarung des Herrn als seine Stütze, von der Seite erblickt man die beiden Seiten (: Diesseits und Jenseits), welche die Glückseligkeit in den Welten in sich enthalten, rechts befragt er den Verstand nach Gewissheit und Bestätigung, lässt links das Gewissen bekennen und seine Ergebenheit beteuern. In seinem Inneren findet sich die lautere Rechtleitung (hidayet)aus Barmherzigkeit. Die Oberseite ist wie bezeugt das reine Licht (nur)des Glaubens (iman).Seine Früchte sind die Theologen (asfiya)und Forscher (muhaqqiqin),die Gottesfreunde (auliya)und Getreuen (siddiq),die in offensichtlicher Gewissheit mit der Vollkommenheit (kemalat)als Mensch geschmückt sind. Wenn du dein Ohr fest an die Brust des Sprachrohrs des Unsichtbaren presst und lauschst, wie seine Stimme ganz tief drinnen in himmlischem Ton mit einer solchen Freundlichkeit und zugleich Bestimmtheit, mit einem so unendlichen Ernst und einer so grenzenlosen Erhabenheit zu dir spricht, so wirst du hören, dass der Qur'an mit einer solchen Bestimmtheit, ausgestattet mit einem Zeugnis, immer wieder zu dir sagt:

لآَ اِلَهَ اِلاَّ هُو {"Es gibt keinen Gott (ilah) außer Ihm."} Was er dir im Grade der Gewissheit einer Lebenserfahrung mitteilt, das empfängst du als die Verstandes- und Herzensbildung, gleich einer wissenschaftlichen Gewissheit von der Kraft einer augenscheinlichen Gewissheit...

Zusammenfassung:

Der Ehrenwerte Gesandte, mit dem Friede und Segen sei, und das unterscheidende Urteil (furqan-i ahkem)sind jede für sich einer Sonne gleich. Der eine ist der Mund der bezeugten Welt (alem-i shehadet)und zeigt uns mit allem Nachdruck die Wahrheit mit dem Finger des Islam und seiner Botschaft (risalet)inmitten von tausend Wundern, bestätigt von allen Propheten und Heiligen... Der andere ist der Mund der unsichtbaren Welt (alem-i gayb)und zeigt uns mit ganzem Ernst die selbe Wahrheit mit dem Finger der Wahrhaftigkeit und Rechtleitung (hidayet)inmitten von vierzig Aspekten seiner Wunderhaftigkeit, bestätigt von allen den wunderbaren Zeichen (ayat)des Seins... Ja wäre denn diese Wahrheit (haqiqat)etwa nicht heller als der lichte Tag und noch leuchtender als die Sonne?

Oh du armer Mensch, der du durch deine Verbohrtheit in den Irrtum verstrickt bist! {(*): Diese Anrede richtet sich gegen denjenigen, der sich darum bemühte, den Qur'an (seine Botschaft) zum Verstummen zu bringen und den Glauben an ihn auszulöschen.} Wie könntest du mit der Leuchte deines Verstandes, die doch noch matter ist als ein Glühwürmchen, gegen solche Sonnen (d.h. den Propheten und den Qur'an) angehen? als ob du sie gar nicht nötig hättest? Versuchst du etwa, sie auszublasen? Nein! Pfui doch, oh über deine Vernunft, die verneint, und deinen Verstand, der verleugnet! Wie könntest du denn das Wort und den Ruf (da'va)leugnen, der aus dem Munde der unsichtbaren und dem der bezeugten Welt im Namen des Herrn aller Welten und des ganzen Weltalls ergangen ist?

Oh du Armseliger, der du noch kleiner als eine Fliege und schwächer als eine Mücke bist! Wer bist du denn, dass du versuchst, den Herrn des Alls in Seiner Majestät (Djelal)als Lügner hinzustellen?

Nachwort

Oh du mein Freund, der du nun zu Herz und Verstand gelangt bist! Wenn du also dieses "Zweiundzwanzigste Wort" vom Anfang bis zum Ende verstanden hast, so halte nun zugleich auch die zwölf "Strahlen" fest in deiner Hand! Wenn du somit eine Leuchte der Wahrheit von der Stärke tausender elektrischer Lampen gefunden hast, so hefte dich nun an die Ayat aus dem Qur'an, die vom Gewaltigen Thron herabgesandt worden sind. Besteige den Buraq des Erfolgs (d.h. vertraue dich der göttlichen Führung an - A.d.Ü.), durcheile mit ihm die Himmel der Wahrheiten und tritt vor den Thron der Erkenntnis Gottes...

Sage:

اَشْهَدُ اَنْ لآَ اِلٰهَ اِلاَّ اَنْتَ وَحْدَكَ لاَ شَرِيكَ

{"Ich bezeuge, dass es keinen Gott (ilah) gibt außer Dir. Du bist der Einzige und kein Teilhaber ist an Deiner Seite."}

Und wenn du sodann sagst:

لآَ اِلٰهَ اِلاَّ اللَّهُ وَحْدَهُ لاَ شَرِيكَ لَهُ لَهُ اْلمُلْكُ وَلَهُ الْحَمْدُ يُحْيِى وَيُمِيتُ وَهُوَ حَىٌّ لاَ يَمُوتُ بِيَدِهِ الْخَيْرُ وَهُوَ عَلٰى كُلِّ شَىْءٍ قَدِيرٌ

{"Es gibt keine Gottheit (ilah) außer Gott (Allah). Der Einzige ist Er. Keinen Partner hat Er. Ihm gehört aller Besitz (mulk) und Ihm gebührt jeglicher Dank (hamd). Er schenkt das Leben und den Tod. Er ist das Leben. Nicht stirbt Er. In Seiner Hand liegt alles Gute und Er ist aller Dinge mächtig."}

so verkündige in der Großen Moschee des Kosmos Seine Einheit (Vahdaniyet)über den Häuptern alles Geschaffenen im All...

سُبْحَانَكَ لاَعِلْمَ لَنَآ اِلاَّ مَاعَلَّمْتَنَآ اِنَّكَ اَنْتَ الْعَلِيمُ الْحَكِيمُ ٭ رَبَّنَا لاَ تُؤاَخِذْنَآ اِنْ نَسِينَآ اَوْ اَخْطَاْناَ رَبَّناَ وَلاَ تَحْمِلْ عَلَيْنَآ اِصْراً كَمَا حَمَلْتَهُ عَلَى الَّذِينَ مِنْ قَبْلِناَ رَبَّناَ وَلاَ تُحَمِّلْناَ مَالاَ طَاقَةَ لَناَ بِهِ وَاعْفُ عَنَّا وَاغْفِرْ لَنَا وَارْحَمْنَآ اَنْتَ مَوْلٰينَا فَانْصُرْناَ عَلَى الْقَوْمِ الْكَافِرِينَ ٭ رَبَّناَ لاَ تُزِغْ قُلُوبَنَا بَعْدَ اِذْ هَدَيْتَنَا وَهَبْ لَنَا مِنْ لَدُنْكَ رَحْمَةً اِنَّكَ اَنْتَ الْوَهَّابُ ٭ رَبَّنَآ اِنَّكَ جَامِعُ النَّاسِ لِيَوْمٍ لاَ رَيْبَ فِيهِ اِنَّ اللَّهَ لاَ يُخْلِفُ الْمِيعَادَ ٭ اَللّٰهُمَّ صَلِّ وَسَلِّمْ عَلٰى مَنْ اَرْسَلْتَهُ رَحْمَةً لِلْعَالَمِينَ وَعَلٰٓى اٰلِهِ وَصَحْبِهِٓ اَجْمَعِينَ. وَارْحَمْناَ وَارْحَمْ اُمَّتَهُ بِرَحْمَتِكَ يَآ اَرْحَمَ الرَّاحِمِينَ ٭ وَ اٰخِرُ دَعْوٰيهُمْ اَنِ الْحَمْدُ ِللَّهِ رَبِّ الْعَالَمِينَ

{"Gepriesen seist Du. Wir haben kein Wissen, außer dem, das Du uns gelehrt hast. Du bist der Allwissende, der Allweise." (Sure 2, 32) "Oh Herr, zieh uns nicht zur Rechenschaft für das, was wir versäumt oder vergessen haben. Oh Herr, lade uns nicht die Lasten auf, die Du denen aufgebürdet hast, die vor uns waren. Oh Herr, belaste uns nicht mit dem, was wir nicht zu tragen vermögen. Vergib uns, verzeihe uns, erbarme Dich unser. Du bist unser Meister (Maulana). Hilf uns gegen das Volk der Ungläubigen!" (Sure 2, 286) "Oh Herr, lass unsere Herzen nicht in die Irre gehen, nachdem Du uns rechtgeleitet hast. Schenke uns von Dir die Fülle Deiner Erbarmungen. Denn Du bist der Geber aller Gaben (al-Vahhab). Oh Herr, du versammelst die Menschen an dem Tage, über den es keinen Zweifel gibt. Denn Gott bricht nicht, was Er versprochen hat." (Sure 3, 8-9) "Oh Gott, gieße Friede und Segen aus über den, den Du als Barmherzigkeit für die Welten gesandt hast, über ihn, seine Familie und seine Gefährten insgesamt! Erbarme Dich unser! Erbarme Dich Deiner Gemeinde (umma) in Deinem Erbarmen. Oh Du Barmherzigster aller Barmherzigen! Und am Ende (ihres Gebetes) rufen sie: Lobpreis und Dank sei Dir, dem Herrn der Welten!" (Sure 10, 10)}

Dreiundzwanzigstes Wort

Diese Abhandlung besteht aus zwei Kapiteln.

بِسْمِ اللَّهِ الرَّحْمَنِ الرَّحِيمِ ٭ لَقَدْ خَلَقْناَ اْلاِنْسَانَ فِىٓ اَحْسَنِ تَقْوِيمٍ ٭ ثُمَّ رَدَدْنَاهُ اَسْفَلَ سَافِلِينَ ٭ اِلاَّ الَّذِينَ اٰمَنُوا وَعَمِلُوا الصَّالِحَاتِ

{"Im Namen Allahs, des Erbarmers, des Barmherzigen. Wahrhaftig, Wir haben den Menschen erschaffen und ihm den höchsten Wert verliehen; dann erniedrigten Wir ihn zum Geringsten aller Geringen, ausgenommen diejenigen, die glauben und gute Werke tun." (Sure 95, 4-6)}

Erstes Kapitel

In den folgenden fünf Punkten werden wir nur fünf Werte des Glaubens unter tausenden erklären.

Erster Punkt:

Durch das Licht des Glaubens steigt der Mensch zur höchsten Höhe auf und erreicht einen Wert, der ihn für das Paradies qualifiziert. In der Dunkelheit des Unglaubens steigt er hinab zum Niedrigsten der Niedrigen und nimmt eine Form an, die ihn für die Hölle geeignet macht. Denn Glaube ist eine Beziehung, die den Menschen mit seinem erhabenen Meister verbindet. Der Wert des Menschen entsteht aus der göttlichen Kunst und den Ornamenten der Gottesnamen, die an ihm im Lichte des Glaubens beobachtet werden. Unglaube trennt diese Verbindung, sodass die Kunst des Herrn nicht mehr sichtbar ist und der Wert des Menschen reduziert wird auf den Preis seiner bloßen physischen Existenz, wobei diese physische Existenz des Menschen fast keinen Wert hat, denn sie besteht nur aus einem zeitlichen, vergänglichen und sterblichen tierischen Leben. Wir werden dies durch einen Vergleich erklären.

Auch bei den von Menschenhand geschaffenen Kunstwerken unterscheidet sich der Materialwert vom Kunstwert. Zuweilen können beide wie gleich erscheinen, zuweilen kann der Materialwert höher als der Kunstwert sein. Zuweilen geschieht es auch, dass man bei einem Materialwert von fünf Pfennig, zum Beispiel für Eisen, ein Kunstwerk im Werte von fünf Pfund entdeckt. Ja, zuweilen können Antiquitäten Millionen wert sein während ihr Materialwert kaum fünf Pfennig beträgt. Bringt man solch ein antikes Kunstwerk zu einer Antiquitätenmesse, kann es für eine Million verkauft werden, wenn man es als Werk eines alten Meisters ausstellt, wenn man dabei diesen begnadeten Künstler erwähnt, der es geschaffen hat. Andererseits, bringt man es zum Schrotthändler, so kann es zum Preis von fünf Pfennig als Eisen gekauft werden.

In gleicher Weise ist der Mensch ein einzigartiges Kunstwerk Gottes des Gerechten und das eleganteste, gnadenvolle Wunder Seiner Macht, da Er den Menschen wie eine Welt im kleinen erschuf und ihn zur Verkörperung der Erscheinungen und Ornamente all Seiner Namen machte.

Wenn das Licht des Glaubens in ihn einströmt, können all diese bedeutsamen Ornamente in ihm entziffert werden. Ein Gläubiger entziffert sie im Bewusstsein seines Verstandes. Und in dieser seiner Beziehung lässt er sie entziffern. Das heißt, die göttliche Kunst, die im Menschenwesen enthalten ist, manifestiert sich selbst durch solche Aussagen wie: "Ich bin das Werk des Erhabenen Meisters, Sein Geschöpf und die Verkörperung Seines Mitleides und Seiner Freigiebigkeit." Glaube besteht also in der Beziehung zum Meister, offenbart die gesamten Kunstwerke im Menschen. Insoweit die göttliche Kunst im Menschen sichtbar wird, bestimmt sie des Menschen Wert. Er entspricht dem Spiegelbild der Einzigartigkeit Gottes. So erhebt sich der Mensch aus seiner Bedeutungslosigkeit auf diese Weise über alle Geschöpfe zum Gesprächspartner Gottes und Gast des Herrn, würdig des Paradieses.

Wenn der Unglaube, der im Abbruch dieser Beziehung besteht, in den Menschen eingeht, sinken alle diese bedeutsamen Ornamente der Gottesnamen ins Dunkel, können nicht mehr entziffert werden. Denn wenn der Meister in Vergessenheit gerät, können auch die spirituellen Aspekte in ihrer Beziehung zum Meister nicht mehr verstanden werden. Es ist, als würde alles auf den Kopf gestellt. Viele bedeutsame und erhabene Künste und Ornamente des Geistes verbergen sich auf diese Weise. Ein Teil dessen, was übrig bleibt und mit den Augen wahrgenommen werden kann, wird geringfügigen Ursachen zugeschrieben, der Natur oder dem Zufall, verfällt schließlich. Obwohl jedes einzelne für sich ein funkelnder Diamant ist, erscheint es wie trübes Glas. Ihr Wert wird nur noch in der animalischen Substanz gesehen. Aber Ziel und Ergebnis dieser Substanz ist, wie gesagt, ein Leben von sehr kurzer Dauer zu führen, unerheblich, als das schwächste, hilfsbedürftigste und unglücklichste aller Tiere, und am Ende zu verfallen und zu verwesen. So ruiniert Unglaube das Wesen des Menschen und verwandelt einen Diamanten in Kohle.

Zweiter Punkt:

Der Glaube ist in gewisser Weise ein Licht. Er erleuchtet den Menschen, lässt alle die oben aufgeführten Ewigen Briefe lesbar werden. Genauso erleuchtet er auch das Universum. Vergangene und zukünftige Zeiten werden aus der Dunkelheit errettet. Dies Geheimnis erklären wir durch ein Gleichnis, das ich in einer geistigen Schau in Bezug auf ein Geheimnis der Ehrwürdigen Ayah

اَللَّهُ وَلِىُّ الَّذِينَ اٰمَنوُا يُخْرِجُهُمْ مِنَ الظُّلُمَاتِ اِلَى النُّورِ

{"Allah ist der Freund der Gläubigen und führt sie aus der Finsternis in das Licht." (Sure 2, 257)}

gesehen habe. Es war dies wie folgt:

In einer Schau, die ich erlebte, sah ich: Zwei hohe Berge standen sich gegenüber... zwischen ihnen war furchterregend eine Brücke gespannt. Unter der Brücke eine

tief eingeschnittene Klamm... ich befand mich auf dieser Brücke. Und die Welt lag in dichter Finsternis - Dunkel ringsumher. Ich schaute nach rechts. In unendlicher Finsternis erblickte ich ein großen Grabmal, d.h. es tauchte aus meiner Phantasie auf. Ich schaute nach links. Es war, als erblickte ich riesige Stürme inmitten fürchterlicher Wellen von Finsternis, Unruhen und heraufziehende Katastrophen. Ich schaute von der Brücke hinunter. Ich meinte, einen sehr tiefen Abgrund zu erblicken. Gegen diese schreckliche Finsternis hatte ich nur eine schwache Taschenlampe. Ich schaltete sie ein, schaute mich in ihrem Zwielicht um. Eine ganz fürchterliche Situation tauchte vor mir auf. Ja, sogar vor mir auf dem Brückenkopf und darum herum wurden schreckliche Drachen, Löwen und Wölfe sichtbar. "Hätte ich doch diese Taschenlampe nicht bei mir gehabt! Ich hätte diese Schrecken nicht gesehen!" sagte ich mir. Wann immer ich auch meine Lampe irgendwohin richtete, überliefen mich von dort diese Schrecken. "Oh Gott", sagte ich, "diese Lampe ist das Unglück über meinem Haupte!" Ich war auf sie böse. Ich schleuderte die Taschenlampe zu Boden, zerbrach sie. Als hätte ich mit ihrer Zerstörung den Schalter zur großen elektrischen Lampe der Beleuchtung der Welt bedient, wurde plötzlich die Finsternis vernichtet. Und alles wurde von dem Lichte dieses Scheinwerfers erfüllt. Die Wirklichkeit aller Dinge wurde mir gezeigt. Ich sah:

Die Brücke, welche ich erblickt hatte, war eine Straße durch eine Ebene in einer wohlgepflegten Gegend. Und ich bemerkte:

Das große Grabmal, das ich zu meiner Rechten gesehen hatte, war von Anfang an ein Versammlungsplatz für Anbetung, Gottesdienst, Gespräch und Gottesgedenken unter der Führung erleuchteter Menschen in einem schönen, grünen Garten gewesen. Und das, was ich zu meiner Linken für Bergesgipfel und Abgründe, erfüllt von Stürmen und Unruhen, gehalten hatte, erwies sich mir in meiner inneren Schau als ein gewaltiges Festmahl, ein schöner Park, ein erhabener Aufenthaltsort zur Erquickung

der Seelen hinter schönen, lieblichen, reizvollen Bergen. Und ich sah, dass jene Geschöpfe, die ich für fürchterliche Wölfe und Drachen gehalten hatte, friedliche Haustiere waren wie Kamele, Rinder, Schafe und Ziegen.

اَلَْحَمْدُ لِلَّهِ عَلَي نُورِ اْلاِيمَانِ

{"Aller Lobpreis und Dank sei Allah für das Licht des Glaubens."}

sagte ich, zitierte die Ayah:

للَّهُ وَلِىُّ الَّذِينَ اٰمَنُوا يُخْرِجُهُمْ مِنَ الظُّلُمَاتِ اِلَى النُّورِ

{"Allah ist der Freund der Gläubigen und führt sie aus der Finsternis in das Licht." (Sure 2, 257)}

Und so erwachte ich aus dem Gesicht, das ich erschaut hatte. So sind also diese beiden Berge Anfang und Ende des Lebens... d.h. die irdische Welt und die Schattenwelt. Was die Brücke betrifft, so ist sie der Weg des Lebens. Ihre rechte Seite aber Vergangenheit, ihre Linke die Zukunft. Die Taschenlampe ist das menschliche Ego, das in seiner Selbstgefälligkeit dem eigenen Wissen vertraut und nicht auf die Offenbarung des Himmels hört. Was mir wie Wölfe erschien, sind die staunenswerten Gebilde und Ereignisse in der Schöpfung. Der Mensch also, der auf sein Ego vertraut, in finstere Gottvergessenheit gestürzt und dem Dunkel seiner Irreleitung verfallen, gleicht meinem ersten Zustand in dieser Schau, sieht die Vergangenheit in seiner, einer Taschenlampe entsprechenden mangelhaften und irrigen Kenntnis in Form eines riesigen Grabmals und dem Dunkel des Nichtseins. Die Zukunft erscheint ihm als Einöde, von fürchterlichen Stürmen durchtobt, abhängig vom Zufall. Jedes einzelne Ereignis und Geschöpf, welches doch ein gehorsamer Diener Gottes, des Weisen und des Barmherzigen ist, erweist sich ihm als Wolf, der ihm schaden will. Er erfährt sich als Gegenstand der Ayah:

وَالَّذِينَ كَفَرُوٓا اَوْلِيَآئُهُمُ الطَّاغُوتُ يُخْرِجُونَهُمْ مِنَ النُّورِ اِلَى الظُّلُمَاتِ

{"Die Ungläubigen sind die Freunde derer, die sich widersetzen und ihn aus dem Licht in die Finsternis führen." (Sure 2, 257)}

Erreicht ihn die Führung Allahs, tritt der Glaube in sein Herz ein, wird das pharaonische Ego {Die Herrschaft des Pharao über das Volk Israel und sein Widerstand gegen die Befehle Gottes. (A.d.Ü.)} zerbrochen; hört er und gehorcht dem Buche Allahs, so gleicht er meinem zweiten Zustand in dieser Schau. So erhält die ganze Welt plötzlich die Farben des Tages, wird vom Lichte Gottes erfüllt. Die Welt vermag die Ayah

اَللَّهُ نُورُ السَّمٰوَاتِ وَاْلاَرْضِ

{"Allah ist das Licht der Himmel und der Erde." (Sure 24, 35)}

zu entziffern. Dann ist die Vergangenheit kein riesiges Grabmal mehr für ihn, vielmehr sieht er mit den Augen des Herzens, wie die Gemeinschaft der reinen Seelen, nachdem sie unter der Führung eines Propheten oder Gottesfreundes eines jeden Jahrhunderts ihre Geschöpfespflicht erfüllt und ihre Aufgaben im Leben beendet haben, mit den Worten "Allahu Ekber"(Allah ist unvergleichlich groß) sich zu den erhabenen Stufen aufschwingen und auf die Seite der Zukunft hinüberwechseln. Zur linken Seite hinüberblickend, bemerkt er von weitem im Lichte des Glaubens in den Weingärten des Paradieses das Gastmahl der Barmherzigkeit, das in den Schlössern der Glückseligkeit bereitet ist, hinter manchen bergesgleichen Umwälzungen der Schattenwelt und des Jenseits.

{Die Welt zwischen Tod und Auferstehung und die Welt nach dem Jüngsten Gericht. (A.d.Ü.)}

Und er erkennt, dass Ereignisse wie Stürme, Beben und Seuchen jede für sich ein gehorsamer Diener sind. Er sieht, dass Frühlingsstürme und Regengüsse äußerlich zwar rauh und hart sein mögen, in Wirklichkeit aber eine Quelle mildester Weisheit sind. Und sogar den

Tod sieht er als Beginn des ewigen Lebens, und das Grab als Tor zur Ewigen Seligkeit. Man mag sich die übrigen Aspekte selbst ausdeuten. Bringe die Wirklichkeit in Übereinstimmung mit dem Gleichnis!

Dritter Punkt:

Der Glaube ist sowohl Licht als auch Kraft. Ja, derjenige, der den wahren Glauben in Händen hält, vermag der ganzen Welt Widerstand zu leisten und sich je nach der Stärke seines Glaubens vom Druck aller Geschehnisse zu befreien. "Ich vertraue auf Allah.", sagt er und durchkreuzt mit dem Schiffe des Lebens in vollkommener Sicherheit die haushohen Wogen der Geschehnisse. Er vertraut all seine Last der mächtigen Hand der grenzenlosen Allmacht (Gottes), durchquert ruhig diese Welt, rastet im Zwischenreich. Danach vermag er sich in das Paradies aufzuschwingen, um in die Ewige Glückseligkeit einzugehen. Andererseits, wenn er die Last dieser Welt nicht Gott anvertraut, behindert sie nicht nur seinen Aufschwung, sondern zieht ihn zum Niedrigsten der Niedrigen herab. Das will besagen: Glaube (iman)führt zu Einheit (tauhid),Tauhid zu Hingabe (teslim),Teslim zu Vertrauen, Vertrauen zu Glückseligkeit in den beiden Welten (Diesseits und Jenseits). Das darf man jedoch nicht falsch verstehen! Vertrauen bedeutet nicht, die Ursachen vollständig außer Acht zu lassen. Es heißt vielmehr, die Ursachen hinter dem Schleier der Hand des Allmächtigen (Gottes) zu erkennen und anzuerkennen. Von den Ursachen auszugehen heißt, dies als eine Art tätigen Gebetes anzusehen, die Ergebnisse aber nur von Gott dem Gerechten zu erwarten, die Folgen als von Ihm kommend zu erkennen und Ihm dankbar zu sein. Als Beispiel für einen, der sich Gott anvertraut und einen, der dies nicht tut, steht folgendes Gleichnis:

Es waren einmal zwei Männer. Sie hatten sich Rücken und Kopf mit schweren Lasten beladen, eine Fahrkarte gelöst und ein großes Schiff bestiegen. Der eine stellt seine Last auf dem Schiff ab, sobald er es betreten hat und setzt sich darauf, um sie zu bewachen. Der andere, weil er sowohl dumm als auch stolz ist, stellt seine Last

nicht ab. Jemand sagt zu ihm: "Überlass deine schwere Last dem Schiff und mache es dir bequem!" Er antwortet: "Nein, das tue ich nicht. Vielleicht kommt sie zu Schaden. Ich bin stark. Ich werde meinen Besitz auf meinem Rücken und auf meinem Kopf bewahren." Noch einmal sagt jemand zu ihm: "Du bist auf diesem Schiff des Sultans in Sicherheit. Es ist stärker als du und trägt dich und uns. Es bewahrt noch besser, vielleicht wirst du, wenn dir schwindlig wird, mitsamt deiner Last ins Meer stürzen. Außerdem wird deine Stärke allmählich nachlassen. Dieser gebeugte Rücken, dieser Kopf ohne Verstand wird diese allmählich schwerer werdende Last nicht mehr tragen. Zudem wird der Kapitän, wenn er dich in diesem Zustand sieht, sagen, du seiest verrückt und dich vom Schiff weisen. Oder er wird sagen, du seist ein Verräter, der unser Schiff beleidigt und uns auslacht, und Befehl geben, dich einzusperren. Überdies hast du dich zum Narren gemacht. Du hast dich selbst zum Gespött gemacht mit deiner Eitelkeit, die dem Aufmerksamen deine Schwachheit offenbart, mit deinem Stolz, der deine Jämmerlichkeit zur Schau stellt, und mit deinem gekünstelten Verhalten, das deine Heuchelei und Nichtswürdigkeit entschleiert. Jeder lacht über dich." Nachdem ihm dies gesagt worden war, kam der arme Kerl zur Besinnung. Er stellte seine Last ab, setzte sich darauf und sagte: "Oh, möge Gott Wohlgefallen an dir haben! Ich bin vor Mühsal, Gefangenschaft und Gespött bewahrt worden."

Nun, oh Mensch, der du kein Vertrauen zu Gott hast! Komme auch du wie dieser Mann zur Besinnung! Vertraue auf Gott! Nur so wirst du vor der Bedrängnis in der Gefangenschaft des Diesseits bewahrt bleiben, davor, vor aller Welt ein Bettler zu sein, vor jedem Ereignis zu zittern, vor eitlem Ruhm und Spott, vor Qual im Jenseits.

Vierter Punkt:

Glaube macht den Menschen zum Menschen. Sogar den Menschen zum Sultan(König). Wenn das so ist, dann ist des Menschen ursprüngliche Aufgabe der Glaube und das Gebet. Unglaube macht den Menschen zu einem völlig kraftlosen wilden Tier.

Unter tausenden Beweisen in dieser Streitfrage gibt alleine der Unterschied, wie Menschen und Tiere zur Welt kommen, einen klaren Beweis und ein sicheres Zeugnis dafür. Ja, der Unterschied, wie Menschen und Tiere zur Welt kommen, zeigt, dass Menschlichkeit durch Glaube Menschlichkeit ist. Denn in dem Augenblick, in dem ein Tier zur Welt kommt, ist es seinen Anlagen entsprechend vollkommen, so, als habe man es aus einer anderen Welt bereits vervollkommnet gesendet. In zwei Stunden oder zwei Tagen oder zwei Monaten lernt es alle seine Lebensbedingungen, seine Beziehungen zur Umwelt und die Gesetze des Lebens kennen und seine Anlagen zu gebrauchen. Wenn der Mensch die Fähigkeit, sich seinen Lebensunterhalt zu verdienen und einen Beruf auszuüben, in zwanzig Jahren erwirbt, erlangt sie ein Tier wie der Spatz oder die Bienen in zwanzig Tagen; es wird ihm gleichsam eingegeben.

Das heißt, die Hauptaufgabe eines Tieres besteht nicht darin, sich durch Lernen zu vervollkommnen und durch den Erwerb von Kenntnissen zu entwickeln und in seiner offensichtlichen Schwäche um Hilfe zu bitten oder zu beten. Seine Aufgabe besteht vielmehr darin, seinen Anlagen entsprechend zu handeln, tätig zu sein, in aktivem Dienst und in der Anbetung. Was den Menschen betrifft, so muss er, wenn er zur Welt kommt, alles lernen, und unkundig der Gesetze des Lebens vermag er seine Lebensumstände noch nicht einmal in zwanzig Jahren zur Gänze zu lernen und zu begreifen. Vielmehr muss er bis zum Ende seines Lebens lernen und vermag ferner - in einer so bescheidenen und schwachen Gestalt zur Welt gesandt - erst im Alter von ein, zwei Jahren sich auf die eigenen Füße zu stellen. Erst mit fünfzehn Jahren unterscheidet er Schaden und Nutzen. Und erst mit Hilfe der Gesellschaft erlangt er Vorteile und vermeidet Nachteile.

Das heißt, die natürliche Aufgabe des Menschen besteht darin, sich durch Lernen zu vervollkommnen, durch Gebet zu dienen und anzubeten. Nämlich: "Durch wessen Barmherzigkeit werde ich mit solcher Weisheit geleitet?

Durch wessen Großmut werde ich mit solcher Güte erzogen? Wessen Wohlwollen ist es, durch das ich mit solch einem Feingefühl ernährt und versorgt werde?" Dies gilt es zu wissen, und der, welcher unter tausenden seiner Bedürfnisse nicht eines zu befriedigen vermag, sollte in der Sprache seiner Schwäche und Armut zu dem Herrn und Richter über seine Bedürfnisse zu flehen, zu Ihm bitten und beten, das heißt sich mit den Flügeln seiner Schwäche und Armut zu den höchsten Stufen des Dienens und der Anbetung emporschwingen.

Der Mensch ist in die Welt gekommen, um sich mit den Mitteln der Wissenschaft und des Gebetes zu vervollkommnen, entsprechend seinem Wesen und seinen Anlagen hängt alles von der Wissenschaft ab. Einer jeden wahren Wissenschaft Basis, Quelle, Licht und Geist ist die Erkenntnis Allahs und das Fundament dieser Basis ist der Glaube an Allah.

Da der Mensch in seiner grenzenlosen Schwäche grenzenlosen Plagen ausgesetzt und den Angriffen zahlloser Feinde ausgeliefert und bei seiner grenzenlosen Armut gleichzeitig in grenzenloser Not befangen ist und grenzenlose Wünsche zu befriedigen sucht, ist seine natürliche Hauptaufgabe nach dem Glauben das Gebet. Das Gebet ist aber die Grundlage von Dienst und Anbetung. Ein Kind, das einen Wunsch auf dem Herzen hat, den es nicht zu befriedigen vermag, sagt dies entweder oder weint, d.h. es äußert sich in der Sprache seiner Schwäche durch das Gebet seiner Handlungen oder in Worten. So verhilft es seinem Wunsch zum Erfolg. In gleicher Weise ist der Mensch unter allen Geschöpfen der Welt wie ein liebes, nettes und höfliches Kind. Entweder muss er vor dem Throne des Erbarmers, des Barmherzigen, in seiner Armseligkeit und Schwäche weinen, oder beten in seiner Armut und Not, damit ihm sein Wunsch erfüllt werde und er sich für die Erfüllung dankbar erweise. Anderenfalls ist er wie ein dummes und unartiges Kind, das sich vor einer Fliege fürchtet und sagt: "Ich unterwerfe diese nicht zu unterwerfenden seltsamen Dinge, die

tausendfach stärker sind, meiner Macht, mache sie mir nach meinen Vorstellungen und mit meiner Geschicklichkeit dienstbar." So verkehrt er in seiner Undankbarkeit die Grundnatur des Menschen ins Gegenteil und zieht sich selbst eine fürchterliche Strafe zu.

Fünfter Punkt:

Der Glaube erfordert das Gebet als unanfechtbares Fahrzeug, und die menschliche Natur verlangt es mit Macht. Auch erlässt Gott der Gerechte entsprechend der Frage die Verfügung: "Wenn ihr nicht betet, welchen Wert habt ihr dann noch?" und befiehlt:

قُلْ مَا يَعْبَؤُا بِكُمْ رَبِّى لَوْلاَ دُعَآؤُكُمْ

{"Sprich: Mein Herr würde sich nicht um dich kümmern, wäre es nicht um deines Gebetes willen." (Sure 25, 77)}

اُدْعُونِىٓ اَسْتَجِبْ لَكُم

{"Rufe mich an! Ich werde dir antworten." (Sure 40, 60)}

Wenn du sagst:

"Wir beten oft, aber unsere Gebete werden nicht angenommen. Die Ayah gilt jedoch allgemein und besagt, dass es für jedes Gebet eine Antwort gibt."

So lautet dieAntwort:Auf das Gebet zu antworten ist das eine, es anzunehmen das andere. Es gibt für jedes Gebet eine Antwort. Aber es anzunehmen und genau das Verlangte zu geben hängt von der Weisheit Gottes des Gerechten ab.

Zum Beispiel:

Ein krankes Kind ruft: "Herr Doktor, schauen Sie mal her!" Der Arzt: "Ja, bitte, was möchtest du?" Das Kind: "Geben Sie mir diese Medizin!" Der Arzt wird ihm entweder geben, was es verlangt hat, oder er wird ihm in diesem Falle etwas Besseres geben, oder er wird es ihm, wenn es zur Verschlimmerung der Krankheit führen würde, nicht geben. Darum beantwortet Gott der Gerechte, der vollkommene Allweise, der Allschauende, immer Gegenwärtige, das Gebet Seiner Diener und Anbeter. Er verwandelt die Schrecken der Einöde und Menschenleere durch Seine stete Bereitschaft

zu antworten in Vertrautheit. Aber Er gibt dem Menschen nicht, was dessen Lust und Laune gebietet, sondern so, wie es die Weisheit des Herrn erfordert: entweder, was er verlangt hat, oder etwas Besseres oder nichts.

Weiter ist das Gebet Dienst und Anbetung. Dienst und Anbetung aber trägt seine Frucht im Jenseits. Weltliche Gründe bestimmen die Zeit für eine Art des Gebetes und der Anbetung. Diese Gründe sind nicht dessen Ziel.

Zum Beispiel:

Das freie und das rituelle Gebet um den Regen ist eine Anbetung. Die Zeit der Dürre ist die Zeit dieser Anbetung. Andererseits sind Gebet und Anbetung nicht dazu da, den Regen herabzuziehen. Bestünde ihre Absicht allein darin, wäre das Gebet nicht rein und aufrichtig und verdiente es nicht, angenommen zu werden. So ist die Zeit des Sonnenunterganges die Zeit für das Abendgebet. So ist die Zeit der Sonnen- und Mondfinsternis bestimmt für zwei rituelle Gebete, "kusuf" und "husuf" genannt. Weil nämlich die Verfinsterungen des Tages- und Nachtgestirns auf eine Art die Größe Gottes sichtbar zu machen dienen, lädt Gott der Gerechte Seinen Diener zu dieser Zeit zu einer Art Anbetung ein. Andererseits dient das Gebet (namaz)nicht dazu, die Verfinsterung von Sonne und Mond aufzuheben, deren Beginn und Ende durch astronomische Berechnungen ermittelt werden kann. Das gleiche gilt auch während einer Dürreperiode für das Gebet um Regen.

Während eines Unglückszustandes oder drohender Gefahr ist die Zeit für einige besondere Gebete, weil der Mensch zu dieser Zeit seine Schwäche begreift und in Gebet und Fürbitte zum Throne des Grenzenlos-Allmächtigen Zuflucht nimmt. Wenn trotz aller Gebete ein Unglückszustand nicht enden will, darf man nicht sagen: "Das Gebet wurde nicht erhört." Vielmehr muss man sagen: "Die Zeit zu beten ist noch nicht vorüber." Wenn Gott der Gerechte in Seiner Gnade und Freigiebigkeit einen Unglückszustand beendet, Licht über Licht... dann ist die Zeit für das Gebet zum Ende gekommen, vorübergegangen. So ist das Gebet ein Geheimnis des Dienstes und der Anbetung.

Dienst und Anbetung dient aber allein dazu, "das Antlitz Allahs" zu schauen. Man muss vor Ihm allein seine Schwäche offen legen, zu Ihm allein seine Zuflucht nehmen. An Seiner Herrschaft soll der Mensch keinen Anteil zu nehmen versuchen. Ihm soll er die Vorsorge überlassen. Seiner Weisheit soll er vertrauen. An Seiner Barmherzigkeit darf er nicht zweifeln. Ja, es steht in der Tat durch die Klarlegung der "klaren Zeichen" fest: Von allen Wesen preist Ihn jedes in seiner Art, betet zu Ihm jedes auf seine Weise, hat jedes seine Form, sich vor Ihm niederzuwerfen; so ist alles, was von der ganzen Welt zum Throne Gottes aufsteigt, ein Gebet. Dies geschieht entweder als Ausdruck der Entwicklungsfähigkeit - wie die Gebete aller Pflanzen und Tiere, die - jede für sich - aus der grenzenlosen Fülle (Gottes) eine Gestalt erheischen, um als ein Ausdruck der Namen (Gottes) geoffenbart zu werden - oder in der Sprache der naturgegebenen Bedürfnisse [Die Gebete aller Lebewesen in ihren zwingenden Bedürfnissen, die zu befriedigen nicht in ihrer Macht steht, die - jedes für sich - in der Sprache ihrer naturgegebenen Bedürfnisse von der grenzenlosen Freigiebigkeit (Gottes) zur Erhaltung ihres Lebens etwas zu ihrer Versorgung erheischen] oder als Ausdruck einer Notlage. (Jedes beseelte Wesen betet in einer Notlage inständig und nimmt zu seinem unsichtbaren Schutzherrn Zuflucht... vielmehr wendet es sein Antlitz dem Herrn der Barmherzigkeit zu.) Diese drei Arten des Gebetes werden immer angenommen, wenn kein Hindernis dazwischen liegt.

Die vierte Art ist die bekannteste: unser Gebet. Es gibt zwei Arten. Die erste durch Tat und Verhalten, die zweite mit Herz und Mund.

Zum Beispiel:

Wenn man von den Ursachen ausgeht, ist es ein Gebet der Tat. Es genügt nicht, wenn bestimmte Umstände zusammentreffen, um das Ergebnis hervorzubringen; es handelt sich vielmehr darum, jene Haltung einzunehmen, mit der Gott der Gerechte

zufrieden ist, wenn man in der Sprache des Verhaltens ein Ergebnis wünscht. Zu pflügen bedeutet also, an die Pforte der Schatzkammer der Barmherzigkeit zu klopfen. Diese Art, durch die Tat zu beten, erreicht meistens ihre Annahme, weil sie sich an Name und Attribut des Grenzenlos-Freigiebigen (Gottes) richtet. Die zweite Art zu beten ist mit Herz und Mund; darum zu bitten, etwas zu erlangen, was die Hände nicht erreichen können. Davon ist der bedeutendste Gesichtspunkt, das schönste Ziel und die süßeste Frucht diese: "Ein Mensch, der betet, begreift, dass es jemanden gibt, der zu erlauschen vermag, was sein Herz bewegt, dessen Hand alles erreichen kann, der jeden seiner Wünsche zu erfüllen weiß... der Mitleid mit der Schwäche hat, ihm in seiner Armseligkeit zu Hilfe kommt."

Nun also, oh du schwacher Mensch! Du armseliges Geschöpf! Lass nicht deinen Händen entgleiten, was - wie das Gebet - der Schlüssel ist zur Schatzkammer der Barmherzigkeit und ein Angelpunkt grenzenloser Kraft. Ergreife ihn, steige auf zur höchsten Höhe der Menschlichkeit; wie ein König nimm die Gebete der ganzen Welt auf in dein eigenes Gebet. Sage wie ein universeller Diener, wie ein Generalvertreter:

اِيَّاكَ نَسْتَعِينُ

{"Dich allein bitten wir um Hilfe." (Sure 1, 4)}

Sei ein schönes Beispiel für die ganze Welt!

Zweites Kapitel

Hier werden fünf Anmerkungen behandelt über das Glück und Unglück des Menschen.

Als Allah den Menschen erschuf, verlieh Er ihm den höchsten Rang und Wert und gab ihm eine recht umfangreiche Veranlagung mit. Darum ist er in eine Stätte der Prüfung geworfen, wo er vom Geringsten aller Geringen zum Höchsten aller Hohen, von der Erde bis zum Himmel, von dem Atom bis zur Sonne der Reihe nach die Ränge und Stufen empor zu klimmen oder hinunterzustürzen vermag. Wie ein Wunder der Allmacht, als endgültiges Ergebnis der Schöpfung und ein Meisterwerk in diese Welt gesandt, öffnen sich vor ihm die beiden Wege, die zu grenzenloser Erniedrigung oder Erhöhung führen. Wir wollen nun das Geheimnis dieses erstaunlichen Fortschritts und Rückschritts des Menschen in "fünf Anmerkungen" erklären.

Erste Anmerkung:

Der Mensch ist auf die meisten Arten der Schöpfung angewiesen und steht in einer Beziehung zu ihnen. Seine Bedürfnisse erstrecken sich bis an aller Welt Enden, und seine Sehnsüchte reichen bis in die Ewigkeit. So wie er sich eine Blume wünscht, so wünscht er sich auch einen weltweiten Frühling. Und so wie er nach einem Garten verlangt, so verlangt er auch nach dem Paradies. So wie er sich danach sehnt, einem Freund zu begegnen, so sehnt er sich auch danach, der Schönheit und Größe (Gottes) zu begegnen. So wie der, welcher seine Geliebte in einer anderen Wohnung besuchen will, die Türe dieser Wohnung öffnen muss, so muss er, um seine Freunde zu besuchen, von denen neunundneunzig Prozent ins Zwischenreich übergesiedelt sind, um sich vor ewiger Trennung zu retten, seine Zuflucht nehmen zum Throne der unendlichen Allmacht (Gottes), welche die Pforte zur ungeheuren Welt schließt und das Tor zum Jenseits, das ein wundervoller Versammlungsort ist, öffnet, welche diese Welt aufheben und statt ihrer das Jenseits begründen und erbauen wird. Wer nun einem

Menschen in solcher Lage der in Wahrheit Angebetete sein kann - und das kann nur der Eine Allmächtige und Allgewaltige (Gott), der Eine, die Barmherzigkeit und Schönheit (Gottes), der Eine, die vollkommene Weisheit (Gottes) sein - der hält die Zügel aller Dinge in Seinen Händen, besitzt alle Schätze und den Blick für alle Dinge, ist an jedem Ort anwesend und von keinem Ort abhängig, von Fehlern und Schwächen frei und heilig, erhaben über allen Mangel. Denn nur der vermag die grenzenlosen Bedürfnisse des Menschen zu befriedigen, der grenzenlose Macht und umfassendes Wissen besitzt. So ist also nur Er allein der Anbetung würdig.

Nun denn, oh Mensch! Wenn du nur Ihn allein anbetest und Ihm allein dienst, wirst du einen Rang über allen Geschöpfen erwerben. Wenn du von dem Dienst und der Verehrung Abstand nimmst, wirst du ein verachtenswerter Sklave von schwachen Geschöpfen sein. Wenn du auf dich selbst und deine Fähigkeiten stolz bist, es aufgibst, auf Gott zu vertrauen und zu beten, dich in Stolz und Anmaßung verirrst, sinkst du auf eine Stufe unterhalb der Bienen und Ameisen in ihrer Nützlichkeit und Genialität, bist du schwächer als Spinnen und Fliegen. Hinsichtlich deiner bösen und unheilvollen Taten wirst du schwerer wiegen als ein Berg und schlimmer sein als eine Seuche.

Ja, oh Mensch! In dir sind zwei Grundzüge: der eine Grundzug ist Genialität, wahres Sein, Wohltätigkeit, Lebensbejahung, Handlungsfähigkeit. Der andere Grundzug ist Unheil, Verneinung, Übel, Lebensverneinung, Passivität. Hinsichtlich des ersten Grundzuges stehst du noch unter Biene und Sperling, bist du schwächer als Spinne und Fliege. Hinsichtlich des zweiten Grundzuges übertriffst du den Berg, die Erde, die Himmel. Du trägst eine Last, vor der sie den Mut verlieren, ihre Schwäche zeigen. Du wirkst in einem weiteren und größeren Bereich als sie. Denn wenn du tust, was gut und genial ist, kannst du nur innerhalb deiner Schwingungsweite und soweit deine Hand reicht, deine Kraft es vermag, genial und gut sein. Wenn du aber Übel und Unheil anrichtest, werden das Übel und das Unheil sich wie eine Seuche ausbreiten.

Zum Beispiel:

Unglaube ist ein Übel, ein Unheil, eine Verneinung. Aber diese eine einzige Schuld beinhaltet eine Beleidigung der ganzen Schöpfung, eine Geringschätzung aller Gottesnamen, eine Entwürdigung der ganzen Menschheit. Denn alles Geschaffene hat einen hohen Rang und eine wichtige Aufgabe. Denn es ist ein Brief des Herrn, ein Spiegel des Hochgelobten, beauftragt von Gott. Was aber den Unglauben betrifft, so bewirkt er, dass all dies seinen Rang der Spiegelgleichheit, des Auftrags und der Bedeutsamkeit verliert und dann die Stufenleiter der Sinnlosigkeit, zu einem Spielzeug des Zufalls und mit dem Unheil des Untergangs und der Trennung auf die Stufe der vergänglichen Dinge herabsinkt, die rasch zugrunde gehen und zerfallen, der Bedeutungslosigkeit, der Wertlosigkeit, der Nichtigkeit. Desgleichen schätzt er die Gottesnamen gering, deren Ornamente, Anmut und Schönheit in der gesamten Schöpfung und im Spiegelbild des Geschaffenen erscheinen, indem er sie leugnet. Und er wirft den Menschen, der den Rang eines Kalifen der Erde bekleidet - eine Kasside (Lobgesang) der Weisheit in Versen, welche die Erscheinung aller Gottesnamen wundervoll aufzeigt, ein Wunder der ozeangleichen Macht (Gottes), einem Samenkorn gleich, das die Anlage zu einem immerwährenden Baum in sich trägt - und der, weil er so große Verantwortung für das ihm anvertraute Gut übernimmt, über Himmel, Erde und Berge erhöht wird und dadurch einen Vorzug vor den Engeln erwirbt, auf eine Stufe herab, noch niedriger, schwächer, kraftloser und armseliger als ein niederes, vergängliches und verlorenes Tier. Und er lässt ihn auf die Stufe einer gewöhnlichen Tafel herabsinken, bedeckt mit Bedeutungslosem, Hingekritzeltem, Leicht-Vergänglichem.

Zusammenfassung:

Die eigenwillige Seele kann in ihrer übelwollenden, unheilvollen Art zahllose Verbrechen begehen, aber ihre Fähigkeit, genial und gut zu sein, ist sehr schwach und unbedeutend. Ja, sie vermag ein Haus an

einem Tag zu zerstören, aber nicht in hundert Tagen zu bauen. Wenn sie jedoch ihren Egoismus aufgibt, von Gott die Führung zum Guten und zum wahren Sein erbittet, sich von Übel, Unheil und Selbstüberhebung abwendet, um Vergebung bittet, ein vollkommener Diener und Verehrer (Gottes) wird, dann erlangt sie das Geheimnis: يُبَدِّلُ اللَّهُ سَيِّاٰتِهِمْ حَسَنَاتٍ {"Allah wird seine Schuld in Gutes verwandeln." (Sure 25, 70)} Ihre grenzenlose Fähigkeit zum Schlechten wandelt sich in eine grenzenlose Fähigkeit zum Guten. Sie nimmt den Wert eines "Ahsen-i Taqvim" (Schönsten in der Schöpfung) an und steigt zur höchsten Höhe auf. Nun denn, oh du unbedachter Mensch! Betrachte die Fülle und die Freigiebigkeit Gottes des Gerechten! Obwohl es billig und gerecht wäre, für eine einzige Schuld tausend zu schreiben und für eine gute Tat eine oder gar nichts zu schreiben, schreibt Er für eine Schuld nur eine, für eine gute Tat dagegen zehn, manchmal siebzig, manchmal siebenhundert, manchmal siebentausend. Ziehe also aus dieser Anmerkung den Schluss, dass in die furchtbare Hölle zu kommen billig und gerecht, der Lohn deiner Taten ist, ins Paradies einzugehen aber lautere Freigiebigkeit.

Zweite Anmerkung:

Der Mensch hat zwei Gesichter. Das eine betrifft sein Ego und ist dem weltlichen Leben zugewandt. Das andere betrifft den Dienst und die Anbetung und blickt auf das Ewige Leben. Hinsichtlich des ersten Gesichtes ist er ein so hilfloses Geschöpf, dass sein Grundkapital nur ein bedeutungslos schwacher Wille - ein Wille, dünn wie ein Haar - ein geringes Vermögen Macht, eine schnell verlöschende Flamme Vitalität, eine schnell vergehende Spanne Leben und ein rasch verfallendes Stückchen Dasein ist. Zugleich befindet er sich in diesem Zustand als ein empfindliches und schwaches Exemplar unter ungezählten anderen Exemplaren innerhalb der unendlich großen Familie, die über alle Schichten der ganzen Welt verstreut ist.

Hinsichtlich des zweiten Gesichtes und besonders, was seine Schwäche und Armseligkeit betrifft, die auf Dienst und Anbetung ausgerichtet ist, verfügt er über eine besonders große Schwingungsweite. Und er besitzt eine besonders große Bedeutung. Denn: Der weise Schöpfer hat den Menschen in der Geistigkeit seines So-Seins mit einer unendlich großen Schwäche und einer grenzenlos weiten Armseligkeit ausgestattet. So sei er wie ein universeller Spiegel des Barmherzigen in Seiner grenzenlosen Macht und des Herrn allen Reichtums und aller Freigiebigkeit in Seinem grenzenlosen Reichtum, ein universeller Spiegel, der die zahllosen Erscheinungen des Allmächtigen sammelt. Ja, der Mensch ähnelt einem Samenkorn. Gleich ihm sind dem Samenkorn von der Macht (Gottes) bedeutende geistige Anlagen und von der Bestimmung (Gottes) ein fein abgestimmtes und kostbares Programm mitgegeben worden. So soll es unter der Erde arbeiten, aus dieser engen Welt emporwachsen, in die weite, luftige Welt hineinwachsen und von seinem Schöpfer in seiner Fähigkeit unausgesprochen erbitten, ein Baum zu werden, jene Vollkommenheit zu erreichen, die ihm gebührt. Wenn dieses Korn aufgrund seiner schlechten Anlage die ihm gegebenen innerlichen Funktionen dazu missbraucht, einige unter der Erde liegende Giftstoffe an sich zu ziehen, wird es nach kurzer Zeit an diesem engen Orte fruchtlos vergehen und verderben. Wenn dieses Korn seinen innerlichen Funktionen, gemäß dem Befehl (Gottes)

فَالِقُ الْحَبِّ وَالنَّوَىٰ

{"Er lässt das Weizenkorn und den Dattelkern keimen." (Sure 6, 95)}

entspricht und sie richtig anwendet, wird es aus dieser engen Welt emporwachsen, ein großer, fruchtbarer Baum werden, und sein kleines Stückchen Wahrheit, sein geistiges Antlitz, wird die Gestalt einer großen und ganzen Wahrheit annehmen.

In gleicher Weise sind nun auch den menschlichen Wesen von der Macht (Gottes) wichtige Funktionen und von der Bestimmung (Gottes) ein kostbares Programm anvertraut worden. Wenn der Mensch auf dieser engen irdischen Welt, gleichsam wie unter der Erde des diesseitigen Lebens, seine geistigen Anlagen nach seinen egoistischen Launen missbraucht, wird er - gleich wie das verdorbene Korn - nach einem kurzen Leben für einen bedeutungslosen Genuss an einem engen Ort unter mühevollen Umständen vergehen und verderben. Nachdem er moralische Schuld auf seine unglückliche Seele geladen hat, wird er von der diesseitigen Welt Abschied nehmend heimkehren.

Wenn er dieses Korn der Begabung mit dem Wasser des Islam und dem Lichte des Glaubens in der Erde des Dienstes und der Anbetung aufzieht, seine geistigen Anlagen im Gehorsam gegenüber dem Auftrag des Qur'an auf die wahren Ziele ausrichtet, wird er ein Korn sein, das die Anlagen zu einem ewigen Baum und einer immerwährenden Wirklichkeit in sich trägt sowie dazu, unendliche Gnade und Vollkommenheit im Paradies zu erlangen und ein hervorragendes Werkzeug und eine gesegnete und erleuchtete Frucht am Baume der Welt zu werden.

Ja, der Fortschritt besteht in Wirklichkeit darin, das Gesicht der dem Menschen verliehenen Sinne wie Herz, meditative Wahrnehmung, Geist, Verstand, ja sogar Traumvorstellung und andere dem Ewigen Leben zuzuwenden, damit jeder von ihnen mit der ihm eigenen Aufgabe des Dienstes und der Anbetung betraut werde. Andererseits, was diejenigen, die sich im Irrtum befinden, als ihren Fortschritt ansehen, nämlich: sich in alle Verästelungen des irdischen Lebens zu verstricken, jede Art von Vergnügungen, bis hin zu den größten Ausschweifungen, zu genießen und dabei alle feineren Empfindungen, Herz und Verstand als Gehilfen ihrer selbstsüchtigen Seele in den Dienst zu nehmen, ist nicht Fortschritt, sondern Rückschritt. Diese Wahrheit habe ich in einer geistigen Schau unter folgendem Gleichnis beobachtet:

Ich kam in eine Großstadt. Ich sah, dass es in dieser Stadt große Schlösser gab. Ich betrachtete die Tore mancher Schlösser. Ein Fest wie eine glanzvolle Theatervorstellung lenkte die Aufmerksamkeit auf sich. Es war eine große Vergnügung und alle amüsierten sich. Ich wurde darauf aufmerksam, dass der Schlossherr ans Tor gekommen war, mit einem Hund spielte und sich an dessen Spiel beteiligte. Die Damen plauderten charmant mit einfachen jungen Leuten. Die Töchter des Hauses aber leiteten die Spiele der Kinder. Und der Pförtner tat wie ein Schauspieler, der sie alle kommandierte. Da sah ich, dass das Innere dieses riesigen Schlosses gähnend leer war. Alle bedeutsamen Aufgaben waren vernachlässigt worden. Die Moral der Leute war so verfallen, dass sich vor der Pforte dieses Bild ergab.

Dann ging ich weiter, traf ein anderes großes Schloss. Ich sah, dass sich vor dem Tor ein treuer Hund ausgestreckt hatte. Es gab dort einen ernsten, rauhen, verschlossenen Pförtner. Die Lage war ruhig. Ich wurde neugierig. Warum ist dies so? Jenes so? Ich trat ein. Ich sah, dass es innen sehr festlich war.

Die Bewohner des Schlosses in den verschiedenen Stockwerken waren mit verschiedenen bedeutsamen Aufgaben beschäftigt. Die Männer im ersten Geschoss verwalteten das Schloss und trafen ihre Anordnungen. Ein Stockwerk höher wurden die Knaben und Mädchen unterrichtet. Darüber beschäftigten sich die Frauen mit allen schönen Künsten und Handfertigkeiten. Ganz oben sah ich, wie des Schlosses Herr mit dem König Verkehr pflegte und sich mit persönlichen wie erhabenen Aufgaben beschäftigte, um die Ruhe des Volkes zu sichern und seine eigene Entwicklung und Vervollkommnung zu fördern. Weil sie mich nicht sehen konnten, verbot mir niemand die Besichtigung. Dann ging ich hinaus und sah mich um. Überall in der Stadt gab es diese zwei Arten von Schlössern. Als ich danach fragte, sagte man mir: "Die Schlösser, deren Tore festlich und deren Inneres leer ist, gehören den Vorstehern der Ungläubigen und

denen, die sich im Irrtum befinden. Die anderen den aufrichtigen Großen unter den Muslimen." Dann fand ich in einer Ecke noch ein Schloss. Ich erblickte darüber den Namen "Said". Ich wurde neugierig. Als ich es genauer in Augenschein nahm, schien es mir, als erblickte ich meine Gestalt darauf. Ich war so überrascht, dass ich aufschrie, meine Sinne wiederfand und erwachte. Ich werde nun diese geistige Schau ausdeuten. Möge es Allah wohlgefällig sein!

Was also diese Stadt betrifft, so bedeutet sie das gesellschaftliche Zusammenleben der Menschen und den Ort ihrer Zivilisation. Jedes einzelne dieser Schlösser ist ein Mensch. Die Schlossbewohner aber sind die Sinne des Menschen wie Auge, Ohr, Herz, meditative Wahrnehmung, Geist und Verstand und Erscheinungen wie Lust, Laune, Liebe und Zorn. In jedem Menschen hat jede Empfindung eine andere Aufgabe, zu dienen und anzubeten. Jede hat ihre eigene Lust und ihren Schmerz. Lust, Liebe, Laune und Zorn sind wie der Pförtner und sein Hund. So heißt denn diese hohen Empfindungen der Lust und Laune unterwerfen und ihre eigentlichen Aufgaben in Vergessenheit geraten lassen sicherlich Rückschritt und nicht Fortschritt. Die anderen Aspekte kann man sich selber ausdeuten.

Dritte Anmerkung:

Hinsichtlich seiner Handlungen, Taten und körperlichen Leistungen ist der Mensch nicht mehr als ein schwaches Tier und ein hilfloses Geschöpf. Hinsichtlich dessen, was er besitzt und worüber er verfügen kann, ist sein Rahmen so eng gesteckt, dass er ihn mit einer Hand zu umspannen vermag. Und sogar bei den Haustieren, die sich der Mensch gezähmt hat und von denen ein jedes seinen Anteil an der Schwäche, Hilflosigkeit und Faulheit des Menschen erhalten hat, bemerken wir im Vergleich mit den ihnen entsprechenden wild lebenden Tieren einen gewaltigen Unterschied (z.B. Ziegen und Ochsen, die als Haustiere oder in freier Wildbahn leben). Aber der Mensch ist als ein ehrenwerter Pilger in der Herberge dieser Welt in einer solchen Lage,

dass er bitten, fragen und annehmen muss, ohne selbst etwas dazu beitragen zu können. So wurde er ein Gast des Freigiebigen (Gottes), der ihm Seine Schatzkammer unendlichen Erbarmens geöffnet hat. Und Er hat ihm zahllose einzigartige Geschöpfe als seine Diener zur Verfügung gestellt. Und Er hat diesem Gast zu seiner Erholung, zu seinem Vergnügen und zu seinem Nutzen einen so großen Lebensraum geschaffen und bereitgestellt, einen Kreis, der sich vom Zentrum bis zur Peripherie erstreckt, so weit das Auge reicht, ja darüber hinaus so weit und breit, wie er es sich nur zu erträumen vermag.

Wenn also der Mensch auf sein Ego vertraut, nur im weltlichen Leben sein Ideal sieht, sich nur um seinen Unterhalt sorgt und nur für einige vergängliche Vergnügungen arbeitet, wird er in einem sehr engen Lebenskreis untergehen. Alle ihm verliehenen Anlagen, Sinne und Fähigkeiten werden ihn vor der Versammlung (am Tage des Gerichtes) anklagen und als Zeugen gegen ihn auftreten. Sie werden seine (Prozess)gegner sein. Wenn er sich aber als ein Gast weiß, als Gast des freigiebigen Herrn, im erlaubten Rahmen das Kapital seines Lebens ausgibt, arbeitet er innerhalb eines so weiten Rahmens gut für ein langes ewiges Leben. Dort kann er aufatmen und sich ausruhen. Und sodann bis zu den höchsten Höhen aufsteigen.

Und auch alle ihm verliehenen Anlagen und Fähigkeiten werden mit ihm zufrieden im Jenseits seine Zeugen sein. Ja alle dem Menschen verliehenen außerordentlichen Anlagen sind ihm nicht für dieses wertlose diesseitige Leben, sondern für ein sehr wertvolles bleibendes Leben verliehen worden. Denn wenn wir den Menschen mit dem Tier vergleichen, sehen wir, dass der Mensch hinsichtlich seiner Anlagen und Fähigkeiten sehr reich ist. Hundertfach reicher als das Tier. Genießt er das diesseitige animalische Leben, fällt er hundertfach tiefer; denn jeder Genuss, den er durchlebt, trägt die Spur tausender Schmerzen. Der Schmerz gegenüber der Vergangenheit, die Angst vor der Zukunft und auch der Schmerz nach

jedem Genuss, nimmt ihm den Reiz, hinterlässt eine Spur in seinem Genuss. Nicht so das Tier! Es genießt ohne Schmerz, noch beängstigt es die Angst vor der Zukunft. Es lebt und schläft in Ruhe, dankt seinem Schöpfer.

Das heißt also, dass der Mensch, der als ein Musterbeispiel der Schöpfung erschaffen wurde, noch hundertfach unter ein Tier wie den Sperling herabsinkt, obwohl er doch von seiner Substanz her dem Tier hundertfach überlegen wäre, wenn er sich in seinem Denken auf das rein Irdische beschränkt. Ich hatte diesen Tatbestand bereits weiter oben in einem Gleichnis erklärt. Ich möchte in diesem Zusammenhang dieses Gleichnis noch einmal anführen. Es war dies wie folgt:

Ein Herr gibt seinem Diener zehn Goldstücke und befielt ihm: "Lassen Sie sich einen Anzug aus einem Stoff von guter Qualität schneidern!" Einem zweiten gibt er tausend Goldstücke, steckt ihm einen Zettel in die Tasche, auf dem verschiedene Dinge aufgeschrieben stehen und schickt ihn zum Basar. Der erste Diener kauft für zehn Goldstücke einen vollendeten Anzug aus bestem Stoff. Der zweite Diener in seiner Verrücktheit schaut dem ersten Diener hinterdrein, gibt einem Kaufmann die tausend Goldstücke und verlangt, ohne den Zettel zu lesen, der in seiner Tasche steckt, einen Anzug. Aber der gewissenlose Kaufmann gibt ihm einen Anzug aus einem alten, schäbigen Stoff. Der unglückselige Diener tritt vor seinen Herrn hin. Er wird zornig zur Rede gestellt und streng bestraft. Wer also ein bisschen Verstand besitzt, begreift, dass dem zweiten Diener die tausend Goldstücke nicht gegeben wurden, um damit einen Anzug zu kaufen, sondern um damit ein bedeutendes Geschäft abzuschließen.

Desgleichen gilt: Der Mensch verfügt über geistige Anlagen und menschliche Sinne, deren jeder im Vergleich mit einem Tier hundertfach weiter ausgebildet ist. Wozu gebraucht der Mensch seine Anlagen und Fähigkeiten, wie zum Beispiel das Auge, welches alle Schattierungen der Schönheit zu unterscheiden vermag, oder die Geschmacksempfindungen

seiner Zunge, welche alle die verschiedenen Geschmacksrichtungen einer Mahlzeit gesondert wahrzunehmen vermag, oder den Verstand, welcher in alle Feinheiten der Wahrheit eindringt, oder das Herz, welches sich nach jeder Art Vollkommenheit sehnt? Wozu gebraucht das Tier seine weit weniger, vielleicht nur ein, zwei Stufen entwickelten Fähigkeiten? Der Unterschied besteht nur darin, dass das Tier eine Fähigkeit für seinen eigenen Gebrauch besonders entwickelt hat. Doch diese Entwicklung ist für es eine spezifische. Der Reichtum des Menschen an Fähigkeiten erhellt aus folgendem Geheimnis:

Die Sinne und Empfindungen des Menschen wurden durch seinen Verstand und seine Vorstellungskraft weit entwickelt und ihr Bereich ausgedehnt. In seiner Notlage entstanden ihm zahlreiche verschiedene Empfindungen. Und seine Empfindsamkeit hat sich in verschiedenster Hinsicht entfaltet. Die Zusammengesetztheit seiner Natur hat dazu beigetragen, seine Wünsche auf sehr viele Ziele zu richten. Und weil er sehr viele natürliche Aufgaben vorfand, haben sich seine Anlagen und Fähigkeiten gewaltig ausgebildet. Und weil er seiner Natur nach zu jeder Art Anbetung geschaffen war, wurde ihm jene Fähigkeit verliehen, welche den Samen zu jeglicher Vollkommenheit in sich enthält. Doch wurde ihm ein so großes Kapital und ein solcher Reichtum an Fähigkeiten sicherlich nicht dazu verliehen, um lediglich dieses bedeutungslose, vergängliche irdische Leben kennen zu lernen.

Vielmehr besteht die Grundaufgabe des Menschen darin, seine auf zahllose verschiedene Ziele gerichteten Verpflichtungen wahrzunehmen, seine Schwäche, Armseligkeit und Fehlerhaftigkeit in Dienst und Anbetung zum Ausdruck zu bringen, in seiner Weitsichtigkeit den Lobpreis allen Seins zu betrachten und zu bezeugen, in allen Gaben die Hilfe der Barmherzigkeit (Gottes) zu erkennen, dafür zu danken, die Wunder der Allmacht des Herrn in Seinen Werken zu schauen und aus diesem Anblick die Lehre zu ziehen und darüber nachzudenken.

Oh du unbedachter Mensch, der du die Welt anbetest, das irdische Leben liebst und das Geheimnis um deinen Rang und Wert in Seiner Schöpfung vernachlässigst! "Der alte Said" hat die Wirklichkeit dieses Lebens in einer geistigen Schau gesehen. Höre das Gleichnis der Schau, das ihn in einen "neuen Said" verwandelt hat:

Ich schaute: Ich bin ein Reisender. Ich gehe einen langen Weg, d.h. ich bin ihn gesandt. Seine Exzellenz hatte mir von den für mich bestimmten sechzig Goldstücken von Zeit zu Zeit eine kleine Summe Geldes zur Verfügung gestellt. Während ich noch davon lebte, gelangte ich zu einer Herberge. Es war eine Vergnügungsstätte, in der ich während einer Nacht zehn Goldstücke zum einen für Spiel und Spaß verschwendete, zum anderen, um mir damit einen Namen zu machen. Am Morgen hatte ich kein Geld mehr in meiner Hand. Ein Geschäft hatte ich nicht abgeschlossen. Ich hatte nichts erworben, was ich am Ziel meiner Reise hätte verwenden können. Von dem Geld, für das ich mir Schmerzen, Sünden und Vergnügungen erworben hatte, blieben mir nur Wunden, blaue Flecken und Kummer übrig. Plötzlich, während ich mich noch in diesem traurigen Zustand befand, tauchte ein Mann vor mir auf. Er sagte zu mir: "Du hast dein ganzes Vermögen verloren. Schläge hättest du verdient. Bankrott wirst du ans Ziel gelangen! Du gehst mit leeren Händen. Aber wenn du Verstand hast, steht dir die Tür zur Verzeihung offen. Bewahre dir von den fünfzehn Goldstücken, die du noch bekommst, jedes Mal nach Erhalt die Hälfte als Rücklage auf. Kaufe dir davon einige Dinge, die du benötigen wirst, wenn du am Ziel bist." Ich sah, dass meine Seele nicht damit einverstanden war. "Ein Drittel", sagte er. Auch dem leistete meine Seele nicht Folge. Danach sagte er: "Ein Viertel!" Ich sah, dass meine Seele ihre liebgewordene Gewohnheit nicht aufgeben wollte. Da wandte sich der Mann ärgerlich ab und ging.

Plötzlich änderte sich die Szene. Ich erblickte mich in einem Zug, der mit Fallgeschwindigkeit durch einen Tunnel raste. Ich befand mich in Panikstimmung. Es gab keinen Ausweg.

Man konnte nirgendwohin fliehen. Das Seltsame aber war, dass sich zu beiden Seiten des Zuges zauberhaft schöne Blumen und wohlschmeckende Früchte zeigten. Ich sah sie an wie ein unerfahrener Rekrut und streckte meine Hand nach ihnen aus. Ich versuchte, die Blumen zu pflücken, griff nach den Früchten. Aber die Blumen und Früchte waren mit Disteln und Dornen bedeckt und stachen mir die Hände blutig, wenn ich sie berühren wollte. Der Zug entriss sie mir im Vorbeifahren, und sie zerschnitten mir die Hände. Es kam mir sehr teuer zu stehen. Plötzlich sagte ein Bahnarbeiter zu mir: "Gib mir fünf Kurush! Du kriegst so viele Blumen und Früchte, wie du willst. Du wirst dir mit deinen zerschnittenen Händen statt für fünf Kurush für hundert Kurush Schaden antun. Außerdem bekommst du noch eine Strafe. Du darfst sie nicht ohne Erlaubnis pflücken."

In meiner Bedrängnis streckte ich den Kopf hinaus und blickte nach vorne, um zu sehen, wann der Tunnel zu Ende sei. Aber an Stelle der Tunnelausfahrt erblickte ich viele Löcher. Leute wurden aus dem langen Zug in diese Löcher hineingeworfen. Ich sah ein Loch vor mir. Zu seinen beiden Seiten waren ein Paar Grabtafeln aufgestellt. Ich schaute neugierig hin. Ich sah, dass darauf mit großen Buchstaben der Name "SAID" geschrieben stand. "Ach", seufzte ich traurig und betroffen. Plötzlich hörte ich die Stimme des Herrn, der mir vor der Tür jener Herberge einen Rat erteilt hatte, sagen: "Bist du nun zu Verstand gekommen?"

"Ja", sagte ich, "Aber ich habe keine Kraft mehr. Es gibt keinen Ausweg."

"Bitte um Verzeihung", sagte er, "und vertraue (dich Gott an)!"

"Das habe ich bereits getan."

Ich erwachte... Da war "der alte Said" verschwunden. Ich fand mich als "neuer Said" wieder.

Ich werde von dieser geistigen Schau ein, zwei Teile ausdeuten. Möge es Allah wohlgefällig sein. Die übrigen

Aspekte mag man selber deuten.

Was die Reise betrifft, so ist sie eine Reise, die aus der Welt der Seele, dem Schoß der Mutter, durch Jugend und Alter, Grab und Zwischenreich, Auferstehung und Brücke in die Ewigkeit führt. Was aber die sechzig Goldstücke betrifft, so bedeuten sie die sechzig Jahre Lebenszeit. Als ich dieses Gesicht schaute, war ich schätzungsweise fünfundvierzig Jahre alt. Ein Zeugnis darüber habe ich nicht. Aber die verbliebenen fünfzehn Jahre für die Ewigkeit zu wirken, dazu hat mir ein aufrichtiger Schüler des weisen Qur'an Anleitung gegeben. Die Herberge ist für mich wohl Istanbul. Der Zug aber ist die Zeit. Jedes einzelne Jahr ist ein Wagen. Der Tunnel ist das irdische Leben. Die dornigen Blumen und Früchte sind die verbotenen Genüsse. Die verbotenen Vergnügungen bereiten bei der Vorstellung ihres Endes Schmerzen, während man sich ihnen hingibt, und lassen das Herz bluten, zerreißen es, wenn man Abschied nehmen muss. Zudem folgt ihnen die Strafe. Der Bahnarbeiter hatte gesagt: "Gib fünf Kurush. Dafür gebe ich dir soviel wie du willst." Die Bedeutung dessen ist: Was man durch legale Arbeit im erlaubten Rahmen an Genuss und Vergnügen erhält, genügt für das Wohlbefinden. Es ist nicht notwendig, etwas Unerlaubtes zu tun. Die übrigen Teile kann man sich selber ausdeuten.

Vierte Anmerkung:

Der Mensch gleicht in dieser ganzen Welt einem zarten und zierlichen Kindlein. Dabei besitzt er in seiner Schwäche eine große Kraft und in seiner Hilflosigkeit eine große Macht. Denn es ist die Kraft in seiner Schwäche und die Macht in seiner Hilflosigkeit, die ihm alles Sein dienstbar macht. Wenn der Mensch seine Schwäche begreift, mit seinen Worten, Taten und durch sein Verhalten betet und im Bewusstsein seiner Hilflosigkeit um Hilfe bittet, erweist er zur rechten Zeit seine Dankbarkeit für diesen Dienst und erlangt zu gleicher Zeit die Erfüllung seiner Wünsche; seine Ziele werden ihm erreichbar; und das alles in einer Weise, wie er es aus eigener Kraft nicht zu einem Hundertstel vermocht hätte.

Aber manchmal schreibt er fälschlicherweise die Erfüllung eines Wunsches nach einem Gebet der Tat seiner eigenen Kraft zu. So lässt zum Beispiel die Stärke in der Schwäche eines Kükens eine Henne einen Löwen angreifen, und ein gerade zur Welt gekommenes Löwenjunges macht diesen reißenden, hungrigen Löwen sich selbst dienstbar und lässt ihn hungern, um selbst satt zu werden. Ist diese Stärke in der Schwäche nicht bemerkenswert und das Aufscheinen der Barmherzigkeit (Gottes) nicht einer Betrachtung wert?...

In gleicher Weise, wie ein verwöhntes Kind seinen Wünschen mit Weinen oder Betteln oder einem traurigen Gesicht zum Erfolg verhilft und sich so die Starken unterwirft, so vermöchte es mit tausendfacher Stärke jedoch nicht einen unter tausend Wünschen zu erfüllen. Weil also seine Schwäche und Hilflosigkeit zu Liebe und Fürsorge bewegt, so kann es sich mit seinem kleinen Finger selbst große und starke Leute dienstbar machen. Wollte aber nun ein solches Kind diese Liebe verleugnen und die Fürsorge zurückweisen und in törichtem Stolze sagen: "Ich unterwerfe diese Leute meiner Macht!", so würde es sicherlich eine Ohrfeige bekommen. In gleicher Weise zieht sich auch der Mensch, der die Barmherzigkeit seines Schöpfers verleugnet und dessen Weisheit verwirft und wie Qarun (Er revoltierte gegen Mosis. - A.d.Ü.) undankbar gegenüber der Gabe (Gottes) sagt: اِنَّمَآ اُوتِيتُهُ عَلٰى عِلْمٍ {"Ich habe das durch mein eigenes Wissen und meine eigene Macht erhalten." (Sure 28, 78)} sicherlich selbst auch eine solche "Ohrfeige" zu. Wie wir also gesehen haben, wurden ihm solche Werte wie menschliche Königsherrschaft, persönliches Wachstum und kulturelle Vollkommenheit nicht als sein Verdienst, nicht infolge eines Sieges, nicht durch Kampf gegeben, sondern das alles wurde ihm aufgrund seiner Schwäche unterworfen; ihm wurde aufgrund seiner Hilflosigkeit geholfen;

es wurde ihm aufgrund seiner Armut als Wohltat erwiesen, aufgrund seiner Unwissenheit eingegeben, aufgrund seiner Bedürftigkeit als Gastgeschenk verehrt. Und der Grund seiner Königsherrschaft ist nicht Macht und wissenschaftliches Können, es ist vielmehr die Güte und das Erbarmen des Herrn, die Barmherzigkeit und Weisheit Gottes, die ihm alle Dinge dienstbar gemacht hat. Ja, was den Menschen, den solches Ungeziefer wie ein Skorpion ohne Augen oder eine Schlange ohne Beine zu besiegen vermag, sich in die Seide einer kleinen Raupe kleiden und den Honig eines giftigen Insektes essen lässt, ist nicht seine Macht, es ist vielmehr die Unterwerfung des Herrn als Folge menschlicher Schwäche und ein Gastgeschenk der Barmherzigkeit (Gottes).

Oh Mensch! Da dies nun einmal die Wahrheit ist, gib deinen Stolz und deine Selbstgefälligkeit auf! Bringe vor dem Throne Gottes deine Schwäche und Hilflosigkeit um Hilfe bittend, deine Armseligkeit und Bedürftigkeit flehend und betend zum Ausdruck und erweise dich als Anbeter und Diener! Sage: حَسْبُنَا اللَّهُ وَنِعْمَ الْوَكِيلُ {"Allah ist unser Genügen und unser bester Anwalt." (Sure 3, 173)} und schwinge dich empor!

Sage aber nicht: "Ich bin nichts. Welchen Wert hätte ich denn, dass der Allweise mir diese ganze Welt dienstbar machen wollte und von mir für all dies einen Dank erwartete?"

Tatsächlich giltst du ja nichts, wenn man deine Gestalt und deine Seele betrachtet. Aber hinsichtlich deines Auftrages und deines Ranges bist du ein Besucher in dieser ganzen großartigen Welt und ihr aufmerksamer Beobachter, ein sprachgewandter und beredter Sprecher dieses geheimnisvollen Daseins, ein verständnisvoller Leser im Buche der Welt, ein staunender Betrachter der lobpreisenden Schöpfung und ein achtungsgebietender Werkmeister der anbetenden Werke (Gottes).

Ja, oh Mensch! Du bist im Hinblick auf das Leben der Pflanzen und deines Körpers und in Anbetracht deiner tierischen Seele ein winzig kleiner Bruchteil, ein armseliges Geschöpf, wie ein schwaches Tier, das inmitten der Wellen des ganzen fürchterlichen Daseinsstromes hin und her geworfen wird. Wenn du dich aber, erleuchtet vom Lichte des Glaubens, das die Strahlen der Liebe Gottes in sich enthält, durch islamisches Verhalten vervollkommnest, wirst du als Mensch, Diener und Anbeter wie ein König sein, als ein Teilchen wie ein Ganzes, trotz deiner Kleinheit eine Welt, trotz deiner Geringfügigkeit von hohem Rang, ein Stellvertreter in einem großen und weiten Bereich sein, der sagen kann: "Der Barmherzige, mein Herr hat mir die Welt zur Heimstatt bereitet. In diesem Heim machte Er Sonne und Mond zur Leuchte, den Frühling zu einem Rosenstrauß, den Sommer zu einem Gastgeschenk bei Tisch und die Tiere zu Dienern. Und Er gab mir die Pflanzen als Schmuck und Versorgung in meinem Haus."

Nachsatz: Wenn du auf dein Ego horchst und auf den Teufel, sinkst du zum Niedrigsten der Niedrigen herab. Wenn du auf die Wahrheit und den Qur'an horchst, steigst du zum Höchsten der Hohen auf und wirst der ganzen Welt ein Musterbeispiel sein.

Fünfte Anmerkung:

Der Mensch wurde in diese Welt gesandt als ein Gast und ein Beauftragter, und ihm wurden sehr wichtige Fähigkeiten mitgegeben. Und diesen Fähigkeiten entsprechend wurden ihm auch sehr wichtige Aufgaben anvertraut. Damit aber der Mensch sein Ziel erreiche und seine Aufgabe erfülle, wurden ihm nachhaltige Anregungen erteilt und furchtbare Drohungen ausgesprochen. Wir werden hier die Grundsätze über die Aufgaben des Menschen, seinen Dienst und seine Anbetung, die wir an anderer Stelle bereits erklärt haben, noch einmal zusammenfassen, um das Geheimnis des Menschen um seinen höchsten Rang und Wert verstehen zu können.

So hat der Mensch - nachdem er in diese Welt gekommen ist - in zweifacher Hinsicht Dienst und Anbetung zu verrichten. In erster Hinsicht ist es Dienst und Anbetung in der "dritten Person", ein Nachsinnen. In der zweiten ist es Dienst und Anbetung in der Gegenwart, der "zweiten Person", eine Hingebung.

Erste Hinsicht,

die Königsherrschaft (Gottes) über das Universum zu sehen, im Gehorsam zu bekräftigen und zu Seiner Vollkommenheit und Schönheit bewundernd aufzublicken.

Danach zeigen sich die Menschen, um einander zu belehren, die einzigartigen Kunstwerke, bestehend aus den Ornamenten der heiligen Namen Gottes, machen sie bekannt, rufen sie aus.

Danach wägen sie die Juwelen der Gottesnamen, von denen jeder einzelne eine verborgene Schatzkammer des Geistes ist, mit der Waage der Einsicht und schätzen lobpreisend ihren Wert mit dem Herzen als Schatzmeister der Werte.

Danach lesen sie die Seiten von Himmel und Erde aus dem Buch des Seins, Briefe (der Schöpfung), geschrieben mit der Feder der Macht (Gottes), und sinnen bewundernd darüber nach.

Und während sie die Verzierungen und Feinheiten an den Kunstwerken des Seins bewundern und preisen, sehnen sie sich danach, ihren Schöpfer kennen zu lernen, der alle Schönheit besitzt, und verlangen danach, in die Gegenwart ihres vollkommenen Meisters einzugehen und Seine Liebe und Freundlichkeit zu erlangen.

Zweite Hinsicht:

Hier geht es um die Gegenwart (Gottes) und das Gespräch (des Menschen mit Gott). Der Weg führt vom Werkstück zum Meister. Man sieht: Ein erhabener Meister möchte sich selbst durch Seine wunderbaren Kunstwerke mitteilen und zu erkennen geben. Glaube und Erkenntnis kommen ihm als Antwort entgegen.

Danach sieht man: Ein barmherziger Herr möchte ob der schönen Früchte Seiner Barmherzigkeit selbst geliebt werden. Wenn man seine Liebe auf Ihn allein beschränkt

und seine Anbetung Ihm allein zueignet, um Ihm allein zu dienen, wird man auch selbst von Ihm geliebt.

Danach sieht man: Er, der freigiebig die Geschenke Seiner Gnade erteilt, umhegt den Menschen mit geschmackvollen Geschenken für Leib und Seele. Dieser bringt Ihm in seinen Taten, seiner Handlung, seinen Worten, ja wenn es ihm möglich wäre mit allen seinen Empfindungen und Fähigkeiten Lob, Preis und Dank entgegen.

Danach sieht man: Er, der Gewaltige in Seiner vollkommenen Schönheit zeigt Seine Größe, Vollkommenheit, Erhabenheit und Schönheit im Spiegel des Daseins, in ihm die Blicke des aufmerksamen Betrachters einfangend. Dieser begegnet Ihm demütig bewundernd mit den Worten: "Allahu Ekber!"(Allah ist unvergleichlich groß!) "Subhanallah!"(Allah sei gepriesen!) und wirft sich in liebender Anbetung nieder.

Danach sieht er: Er, der Vollkommen-Reiche zeigt in vollendeter Freigiebigkeit die Schatzkammern Seines unendlichen Vermögens. Der Mensch entgegnet Ihm rühmend und verehrend, erbittet und erfragt von Ihm in völliger Armseligkeit.

Danach sieht er: Der erhabene Schöpfer hat die Erde einer Ausstellung gleich erschaffen. Dort hat Er die ganzen antiken Kunstwerke ausgestellt. Der Mensch entgegnet Ihm voll Staunen und Hochachtung: "Mashaallah!"(so hat es Allah gewollt!), "Barekallah!"(Allah hat gesegnet!); "Allahu Ekber!"(Allah ist unvergleichlich groß!), und Seine vollkommene Güte preisend kommt er Ihm antwortend entgegen.

Danach sieht er: Der Eine {Vahid-i Ahad: Eins über allen Geschöpfen, eins in jedem einzelnen Geschöpf. (A.d.Ü.)} prägt im Schlosse des Universums mit Seinem unnachahmlichen Münzsiegel, Seinem nur Ihm eigenen Siegel der Propheten, Seinem nur Ihm zubestimmten königlichen Siegel, kraft königlichen Privilegs allem Sein den Stempel Seiner Einheit (Vahdet)auf.

Und Er malt und stickt die Wunderzeichen Seiner Einheit (Tauhid)und richtet an den Enden des Weltenhimmels die Fahne Seiner Einheit (Vahdaniyet)auf und verkündet Seine Herrschaft. Der Mensch begegnet Ihm mit einer Affirmation, im Glauben, in der Einheit (Tauhid),in der Einsicht, mit dem Zeugnis, seinem Dienst und seiner Anbetung und kommt Ihm so antwortend entgegen.

So also wird er durch diese verschiedenen Arten der Anbetung und des Nachsinnens zum wahren Menschen, und er zeigt, dass er "Musterbeispiel der Schöpfung" geworden ist. Ausgestattet mit der Kraft und dem Segen des Glaubens wird dem Menschen eine Seele anvertraut als ein Gut, und er wird so ein treuer Kalif der Erde.

Oh du unbesonnener Mensch, der du mit dem höchsten Grad und Wert der Schöpfung erschaffen wurdest und in deiner Böswilligkeit auf die Seite der Niedrigsten der Niedrigen hinübergehst! Höre mich! Auch ich habe so wie du in der Trunkenheit meiner Jugend und in meiner Gottvergessenheit die Welt für schön und angenehm gehalten. In dem Augenblick, da ich an der Schwelle des Alters aus der Trunkenheit meiner Jugend erwachte, erkannte ich, wie hässlich jenes Antlitz der Erde war, das dem Jenseits abgewandt ist und das ich für schön gehalten hatte, und wie schön ihr wahres Antlitz ist, welches in das Jenseits hinüberschaut.

Betrachte nun die beiden Tafeln der Wahrheit, die ich im zweiten Kapitel des "Siebzehnten Wortes" beschrieben habe, und siehe selbst:

Erste Tafel:

Beschreibt die Wirklichkeit der Welt der Gottvergessenen, so als ginge ich selbst auf Irrwegen und so wie ich sie durch den Schleier der Gottvergessenheit gesehen habe, jedoch ohne betrunken zu sein.

Zweite Tafel:

Zeigt die wahre Welt derer, die recht geleitet und sich der göttlichen Gegenwart bewusst sind.

Ich habe sie so gelassen, wie ich sie damals beschrieben habe. Sie sehen wie ein Gedicht aus, sind aber kein Gedicht...

سُبْحَانَكَ لاَعِلْمَ لَنَآ اِلاَّ مَاعَلَّمْتَنَآ اِنَّكَ اَنْتَ الْعَلِيمُ الْحَكِيمُ ٭ رَبِّ اشْرَحْ لِى صَدْرِى ٭ وَيَسِّرْ لِىٓ اَمْرِى ٭ وَاحْلُلْ عُقْدَةً مِنْ لِسَانِى ٭ يَفْقَهُوا قَوْلِى ٭ اَللّٰهُمَّ صَلِّ عَلَى الذَّاتِ الْمُحَمَّدِيَّةِ اللَّطِيفَةِ اْلاَحَدِيَّةِ شَمْسِ سَمَآءِ اْلاَسْرَارِ وَمَظْهَرِ اْلاَنْوَارِ وَمَرْكَزِ مَدَارِ الْجَلاَلِ وَقُطْبِ فَلَكِ الْجَمَالِ ٭ اَللّٰهُمَّ بِسِرِّهِ لَدَيْكَ وَبِسَيْرِهِٓ اِلَيْكَ اٰمِنْ خَوْفِى وَاَقِلْ عُثْرَتِى وَاذْهِبْ حُزْنِى وَحِرْصِى وَكُنْ لِى وَخُذْنِى اِلَيْكَ مِنِّى وَارْزُقْنِى الْفَنَآءَ عَنِّى وَلاََتَجْعَلْنِى مَفْتوُناً بِنَفْسِى مَحْجُوباً بِحِسِّى وَاكْشِفْ لِى عَنْ كُلِّ سِرِّ مَكْتُومٍ ٭ يَاحَىُّ يَاقَيُّومُ ٭ يَاحَىُّ يَاقَيُّومُ ٭ يَاحَىُّ يَاقَيُّومُ ٭ وَارْحَمْنِى وَارْحَمْ رُفَقَآئِى وَارْحَمْ اَهْلَ اْلاِيمَانِ وَالْقُرْاٰنِ اٰمِينَ يَآ اَرْحَمَ الرَّاحِمِينَ وَيَآ اَكْرَمَ اْلاَكْرَمِينَ ٭ وَاٰخِرُ دَعْوٰيهُمْ اَنِ الْحَمْدُ ِللَّهِ رَبِّ الْعَالَمِينَ

{"Gepriesen seist Du! Wir haben kein Wissen, außer dem, das Du uns gelehrt hast. Denn du bist der Allwissende, der Allweise!" (Sure 2, 32) "Herr! Mache mir die Brust weit und meine Angelegenheiten leicht! Löse das Band meiner Zunge, damit sie meine Worte verstehen! Oh Allah! Gib Deinen Frieden und gieße aus Deinen Segen über Mohammed, der Sonne im Himmel der Geheimnisse, der Verkörperung der Lichter, dem Brennpunkt der Erhabenheit, dem Polarstern am Firmament der Schönheit. Oh Allah, bei Deinem Geheimnis, bei Deiner Gegenwart, bei seiner Himmelfahrt: gib mir Sicherheit in meiner Furcht, entwurzele mich, wenn ich zögere, vertreibe meine Sorge und meine Gier! Sei mit mir! Nimm mich von mir weg hin zu Dir! Gewähre mir, mich von mir selber zu lösen und lass nicht zu, dass ich in mich selbst vernarrt werde, beschämt werde durch meine Sinne! Entschleiere mir jedes verborgene Geheimnis! Oh Lebendiger! Oh Beständiger! (Ya Hayy! Ya Qayyum!) Erbarme Dich meiner! Erbarme Dich meiner Freunde! Erbarme Dich Deiner Gläubigen und derer, denen Du den Qur'an herabgesandt hast! Amen - Oh Erbarmer der Barmherzigen! Oh Großzügigster der Großzügigen!" Und der Schluss unseres Gebetes sei: "Aller Lobpreis und Dank gebührt Allah, dem Herrn der Welten!"}

Vierundzwanzigstes Wort

(Dieses Wort besteht aus "fünf Ästen". Beachte den vierten Ast, fasse den fünften Ast, klettere hinauf, pflücke die Früchte dort und nimm sie dir!)

بِسْمِ اللَّه الرَّحْمَنِ الرَّحِيمِ ٭ اَللَّه لآَ اِلٰهَ اِلاَّ هُوَ لَهُ اْلاَسْمَآءُ الْحُسْنٰى

{"Im Namen Gottes, des Erbarmers, des Barmherzigen. Gott ist einer allein. Es gibt keinen Gott außer Ihm. Ihm stehen all die schönen Namen zu." (Sure 20, 8)}

Hier wollen wir auf fünf Äste des Lichtbaumes dieser großartigen Ayah hinweisen, aus dem sie eine Wahrheit unter vielen anderen Wahrheiten bilden.

Erster Ast:

Ein König trägt in den Ämtern seiner Regierung verschiedene Titel, unterschiedliche Bezeichnungen und Eigenschaften bei den Schichten seiner Untertanen und besondere Namen und Orden in den Stufen seiner Königsherrschaft.

Zum Beispiel:

Bei dem Amt für Justiz heißt er der gerechte Richter, am Katasteramt der König, bei dem Militär der Marschall, im Ministerium für geistliche Angelegenheiten der Kalif und so weiter... Wenn du nun auch noch mehr von seinen Namen und Titeln kennst, dann verstehst du, dass ein einziger König in den Ämtern seines Königreiches und auf der Stufenleiter seiner Regierung tausend Namen und Titel besitzen kann. Dieser König ist in jedem Amt dank der Ausstrahlung seiner Persönlichkeit, kraft seiner Anordnungen und durch seine Nachrichtenverbindungen anwesend und gewissermaßen gegenwärtig. Er befindet sich dort und erfährt (alles). Und auf jeder Sprosse (seiner Beamtenleiter) wird er durch sein Gesetz, durch seine Anordnungen, in seinem

Stellvertreter gleichsam sichtlich zum Zeugen. Auf diese Weise sieht er alles und wird selbst sichtbar. Auf jeder Stufe sieht er durch seine Verwalter, durch seine Erlasse, durch seine Macht, durch sein Wissen, Kenntnisse, Kunde. Er lenkt und leitet und beobachtet.

Ebenso hat der König aller Ewigkeiten, welcher der Herr aller Welten ist, in den Ämtern Seiner Herrschaft unterschiedliche aber zueinander in Beziehung stehende Eigenschaften und Titel. In den Bereichen, in denen Seine Gottheit erkennbar ist, hat Er verschiedene aber ineinander erscheinende Namen und Orden, bei der Durchführung (der Anordnungen) Seiner Majestät verschiedene aber einander ähnelnde Erscheinungen, in Anwendung und Gebrauch Seiner Macht unterschiedliche aber aufeinander hinweisende Titel. Wenn Seine Eigenschaften aufstrahlen, tritt seine Heiligkeit auf verschiedene, jedoch gemeinsam auf sie hin deutende Weise hervor. In den Spuren Seiner Taten erkennt man Seine weisheitsvolle Lenkung und Leitung auf verschiedene, einander ergänzende Weise. In Seinen vielfarbigen, vielfältigen Kunstwerken erscheint Seine majestätische Herrschaft auf ganz unterschiedliche, doch zu einander geordnete Weise. Darüber hinaus treten die verschiedenen Schattierungen eines Seiner schönen Namen (Esma-i Husna)in jeder Art und Gattung und in allen Universen des Kosmos in Erscheinung. Dieser Name ist in diesem Bereich vorherrschend. Seine übrigen Namen stehen dem untergeordnet, finden sich vielmehr in dessen Schatten.

Außerdem tritt Er bei allen Arten Seiner Geschöpfe unter dem Blickwinkel eines bestimmten Namens und einem bestimmten Aspekt Seiner Herrschaft, in einer beschränkten oder reichlichen Anzahl, in kleinem oder großen Umfang, im individuellen oder allgemeinen Rahmen in Erscheinung. Das heißt: obwohl dieser Name alles umfasst und allgemein gültig ist, erkennt man, dass er sich einem Ding mit einer solchen Absicht und Wichtigkeit zuwendet, als wäre dieser Name nur diesem einen Ding bestimmt. Darüber hinaus verbirgt sich der majestätische

Schöpfer, obwohl Er allen Dingen nah ist, hinter siebzigtausend Lichtschleiern.

Zum Beispiel:

Mit Seinem Namen "der Schöpfer", der dir gegenüber in Erscheinung tritt, kannst du vergleichen, wie viele Schleier vorhanden sind, angefangen von der kleinen Stufe deiner Erschaffung bis zu der großen Stufe und dem gewaltigen Titel als Schöpfer des ganzen Kosmos.

Das heißt, du kannst erst dann durch das Tor deiner Erschaffung zu den unendlichen Grenzen des Namens "der Schöpfer" schreiten und dich dem Bereich dieser Eigenschaft nähern, wenn du den ganzen Kosmos hinter dir lassen kannst. Da sich aber in den einzelnen Schleiern Öffnungen befinden, die hintereinander liegen und die Namen ineinander erscheinen und die Eigenschaften in Beziehung zueinander stehen und deren Schattierungen ineinander verwoben sind und die einzelnen Abstufungen miteinander assoziiert sind und einander wach rufen und die Manifestationen einander gleichen und die Ausführungen einander helfen und ergänzen und die verschiedensten Arten der Aufzucht und Ausbildung in Seiner Herrschaft sich einander helfen und unterstützen, ist es doch notwendig, während man Gott den Gerechten mit einem Seiner Namen oder Seiner Titel und Würden oder Seiner Herrschaftsbereiche kennt, dass man Seine übrigen Titel, Herrschaftsbereiche oder Eigenschaften dabei nicht leugnet. Vielmehr kommt der zu Schaden, welcher von der Erscheinung eines Namens nicht zu den anderen Namen hinüber gelangen kann.

Zum Beispiel:

Sieht man die Werke der Namen "der Allmächtige und der Schöpfer" und kennt aber den Namen "der Allwissende" nicht, kann man in den Irrtum der Gottvergessenheit und des Naturalismus verfallen. Vielmehr ist es notwendig, dass sein Blick ständig vor sich lesen und sehen kann:

هُوَ، هُوَاللَّهُ

{"Er, Er ist der eine Gott."}

Sein Ohr soll bei allen Dingen hören können:

قُلْ هُوَ اللَّهُ اَحَدٌ

{"Sprich: Er ist der eine einzige Gott!"}

Seine Zunge soll sagen und bekannt geben können:

لآَ اِلٰهَ اِلاَّ هُو بََرَابَرْ مِينَ نَدْ عَا لَمْ

{"Die ganze Welt rezitiert gemeinsam, dass es keinen Gott gibt außer Ihm."}

اَللَّهُ لآَ اِلٰهَ اِلاَّ هُوَ لَهُ اْلاَسْمَآءُ الْحُسْنٰى

{"Gott ist einer allein. Es gibt keinen Gott außer Ihm. Ihm stehen all die schönen Namen zu." (Sure 20, 8)}

Mit diesem Erlass weist der offenkundige Qur'an auf die aufgezählten Wahrheiten hin.

Willst du diese hohe Wahrheit aus der Nähe betrachten, geh und frag das stürmische Meer, die bebende Erde danach. Frag sie: "Was sagt ihr dazu?" Du wirst doch hören, dass sie rufen: "Oh Majestät, oh Euer Majestät, oh Würdevoller, oh Zwingender!" Dann frage alle kleinen Tiere, frage die Jungtiere, welche im Meer oder auf dem Land barmherzig und liebevoll versorgt werden: "Was sagt ihr dazu?" Auch sie werden doch sagen: "Oh Gütiger, oh Vollkommener, oh Erbarmer, oh Barmherziger!"

{(*): Ich betrachtete sogar einmal die Katzen. Sie aßen ihre Speisen, spielten und schliefen. Ich dachte: "Wie kann man diese kleinen Raubtiere, die keine Pflichten haben, für gesegnet halten?" Später, in der Nacht legte ich mich hin, um zu schlafen. Ich merkte, eine von diesen Katzen kam und schmiegte sich an mein Kissen an. Sie legte ihren Kopf nahe an mein Ohr. Eindeutig rief sie "oh Barmherziger, oh Barmherziger, oh Barmherziger, oh Barmherziger", als wiese sie den Einspruch und die Herabschätzung in meinen Gedanken im Namen ihrer Gattung zurück und hielte sie mir vor. Ich fragte mich, ob dieser Ausruf nur dieser einen Katze zu eigen war oder ihrer ganzen Gattung im Allgemeinen, und ob ihn zu hören, nur mir, der ich ungerecht urteilte, möglich war, oder ob jeder andere, der ein wenig darauf achtete, gewissermaßen dasselbe hören könne? Später, am Morgen hörte ich die anderen Katzen. Nicht so klar wie diese eine in der Nacht, doch auch sie wiederholten denselben Ausruf mit unterschiedlicher Deutlichkeit. Anfänglich hörte man ihr Schnurren, erst dann bemerkte man den Ausruf "oh Barmherziger (ya Rahim)". Allmählich wurde ihr Murren und Schnurren ein "ya Rahim". Es wurde eine melancholische Rezitation, leise, gleichsam flüsternd, aber dennoch verständlich. Sie schlossen ihr Maul und rezitierten auf Schönste "ya Rahim". Ich erzählte das den Mitbrüdern, die mich besuchten. Auch sie achteten darauf und sagten: "In gewissem Grade hören wir es." Dann kam es mir in das Herz: "Woran liegt es, dass sie nur diesen Namen ausrufen? Warum rezitieren sie mit menschlicher Zunge und nicht in der Sprache der Tiere?" Mir kam ins Herz: Diese Tiere sind wie Kinder verpäppelt und verwöhnt und ein Freund des Menschen, der mit ihm zusammen lebt. Deswegen bedürfen sie besonders der Liebe und Barmherzigkeit. Sie freuen sich, wenn sie gestreichelt werden. Als Dank für diese Zuwendung lassen sie, anders als die Hunde, die Ursachen außer Acht und machen die Barmherzigkeit ihres barmherzigen Schöpfers in ihrer Welt bekannt. Dadurch ermahnen sie die Menschen, die im Schlaf der Gottvergessenheit sind, und sie erinnern die Ursachenanbeter mit dem Ausruf "oh Barmherziger", von wem die Hilfe kommt und von wem man Barmherzigkeit erwarten soll.}

Höre die Stimme der Atmosphäre, wie sie ruft: "Oh Du majestätischer Herr aller Schönheit!" Und leihe dein Ohr der Erde, wie sie ruft: "Oh Herr der Herrlichkeiten!" Und achte auf die Tiere, wie sie rufen: "Oh Erbarmer, oh Versorger!" Frage den Frühling. Siehe, wie du von ihm viele Namen hören wirst wie "Oh Gütiger, oh Erbarmer, oh Barmherziger, oh Freigiebiger, oh Gastfreundlicher, oh Mitleidiger, oh Du, der Du alle Dinge schmückst und gestaltest, der Du alles und jeden erleuchtest und ihm spendest!" Und frage einen Menschen, der wirklich ein Mensch ist. Siehe, wie er alle schönen Namen Gottes vorträgt und sie ihm ins Gesicht geschrieben stehen. Und wenn auch du darauf achtest, kannst du sie lesen. Der ganze Kosmos gleicht einer gewaltigen Musikkapelle, die Gottes gedenkt. Der winzigste Klang mischt sich mit den stärksten Klängen und bringt eine gewaltige Harmonie hervor.

Und so kannst du noch weitere Vergleiche ziehen. Doch insoweit der Mensch auch alle Namen Gottes offenbart, verursachen die verschiedene Namen Gottes, welche die unterschiedlichen Arten im Kosmos und die unterschiedlichen Dienste und Anbetungen der Engel zur Folge haben, gewissermaßen auch die Verschiedenheit der Menschen. Die unterschiedlichen Gesetze der Propheten, die unterschiedlichen Wege der Gottesfreunde (Heiligen) und die unterschiedlichen Methoden der Reinen (Theologen) entstehen aus diesem Geheimnis.

Zum Beispiel:

In Jesus, mit dem Friede und Segen sei, dominierte der Name "der Allmächtige" über alle die anderen Namen. Bei den Leuten, die in der Liebe Gottes leben, herrscht der Name "der Freund" und bei den Leuten, die im Nachsinnen über Gott leben, der Name "der Allweise" vor.

Wäre ein Mann sowohl ein Lehrer, als auch ein Offizier und auch ein Justizbeamter und auch ein Inspektor beim Katasteramt, würde er eine Beziehung zu jedem seiner Ämter, einen Auftrag, einen Dienst, ein Gehalt, eine Verpflichtung, eine Karriere und einen Feind und Konkurrenten haben, der eine Ursache für seine Erfolglosigkeit sein könnte. Dem König gegenüber tritt er mit seinen verschiedenen Titeln auf und kennt auch den König diesen Titeln entsprechend. Er bittet ihn mit verschiedenen Ansprachen um Hilfe. Er wendet sich an seinen Chef unter vielen verschiedenen Namen. Und um sich vor den Bosheiten seiner Feinde zu retten, bittet er in verschiedener Weise um seine Hilfeleistung.

Genauso wiederholt ein Mensch, in dem sich verschiedene Namen (Gottes) offenbaren, der mit verschiedenen Aufgaben betraut ist, von verschiedenen Feinden bedroht ist, verschiedene Namen, wenn er zu Gott betet und bei Ihm Zuflucht sucht. Ebenso bringt auch Mohammed, der Araber, mit dem Friede und Segen sei, auf den das Menschengeschlecht stolz ist, der wahrhaftig und mit Recht ein vollkommener Mensch ist, sein Bittgebet namens Djaushenu l-Kebir(das mächtige Panzerhemd) mit

tausendundeinem Namen dar und sucht bei Ihm vor dem Feuer Zuflucht. In der 114. Sure, 1-4

قُلْ اَعُوذُ بِرَبِّ النَّاسِ ٭ مَلِكِ النَّاسِ ٭ اِلٰهِ النَّاسِ ٭ مِنْ شَرِّ الْوَسْوَاسِ الْخَنَّاسِ

{"Sprich: Ich nehme meine Zuflucht zum Herrn der Menschen, dem König der Menschen, dem Gott der Menschen, vor dem Übel des Einflüsterers, dem Heimtückischen."}

befiehlt Gott der Gerechte uns in diesem Geheimnis, bei Ihm unter diesen drei Titeln Zuflucht zu suchen und durch

بِسْمِ اللَّهِ الرَّحْمَنِ الرَّحِيمِ

{"Im Namen Gottes des Erbarmers des Barmherzigen."}

weist Er uns darauf hin, Ihn mit drei Namen um Hilfe zu bitten.

Zweiter Ast:

Hier werden zwei Geheimnisse erklärt, welche die Schlüssel vieler weiterer Geheimnisse enthalten.

Erstes Geheimnis:

"Weshalb sind die Gottesfreunde in ihren geistigen Beobachtungen und Entdeckungen so widersprüchlich, obwohl sie sich doch in den Prinzipien des Glaubens einig sind? Wie kommt es, dass ihre geistigen Entdeckungen, die sie visionär erleben, manchmal nicht den Tatsachen entsprechen, der Wahrheit widersprechen? Und weiter: warum sehen und zeigen Denker und Theoretiker jeder seiner eigenen Meinung entsprechend, die er aufgrund unwiderlegbarer Beweise für wahr hält, die Wahrheit in einander widersprechender Weise? Wie kann die eine Wahrheit in verschiedenen Farben erscheinen?"

Zweites Geheimnis:

"Warum haben die vorausgegangenen Propheten einige Pfeiler des Glaubens wie die leibliche Wiederauferstehung nach dem Tode nur kurz erwähnt und nicht wie der Qur'an detaillierte Angaben gemacht? Später ist ein Teil ihrer Gemeinden so weit gegangen, diese kurz zusammengefassten Pfeiler des Glaubens zu leugnen. Warum ist ein Teil der Gottesfreunde (Heiligen), die wahrhaftige Gotteskenner waren, nur in

der Einheit Gottes fortgeschritten? Sie sind darin sogar bis zum Grade der selbst erlebten Gewissheit gelangt. Trotzdem sieht man aber einen Teil der Glaubenspfeiler in ihrer Art sehr wenig und nur kurz erwähnt. Deswegen haben ihre Gefolgschaften später sogar diesen Glaubenspfeilern nicht mehr die notwendige Bedeutung beigemessen. Einige von ihnen sind sogar irregegangen. In der Tat gelangt man aber durch die Entwicklung aller Glaubenspfeiler zur wahrhaftigen Vollendung. Warum sind die Kenner der Wahrheit in manchem weit fortgeschritten und in manchem weit zurückgeblieben? Es machen doch der Ehrenwerte Gesandte, mit dem Friede und Segen sei, bei dem alle Namen Gottes in stärkstem Umfang in Erscheinung treten und der der Bannerträger aller Propheten ist, und der weise Qur'an, der der strahlende Fürst unter allen heiligen Büchern ist, über alle Glaubenspfeiler in aller Klarheit mit besonders nachdrücklicher Betonung und in einem dementsprechend absichtsvollen Stil detaillierte Angaben."

Es ist denn in der Tat die wahrhaftige, vollendete Vollkommenheit genau eben diese. Die Weisheit dieser Geheimnisse ist folgende:

In einem Menschen offenbaren sich zwar alle Namen Gottes und er ist auch zu aller Vollkommenheit fähig. Jedoch seine Kraft ist aber nur ein Bruchteil, seine Entscheidungsfreiheit nur ein Bruchteil, seine Begabungen sind unterschiedlich, seine Wünsche weichen voneinander ab. In diesem Zustand sucht er zwischen Tausenden Schleiern und Übergängen nach der Wahrheit. Aus diesem Grunde tauchen bei der Entdeckung der Wirklichkeit und bei der Schau der Wahrheit Übergänge auf. Manche können diese Übergänge nicht passieren. Die Begabungen sind sehr unterschiedlich. Die Begabung mancher mag für die Entdeckung mancher Glaubenspfeiler nicht dienlich sein. Darüber hinaus sind die Farben der Erscheinungen der Namen entsprechend dem, der sie empfängt, verschiedenartig. Sie zeigen sich verschiedenartig. Manchmal kann ein Empfänger die vollständige Erscheinung

eines Namens nicht ganz erfassen. Außerdem nehmen die Erscheinungen der Namen unterschiedliche Formen an, je nachdem, ob sie allumfassend oder persönlich und schattenhaft oder ursprünglich erscheinen. Die Begabung mancher kann nicht über eine bruchstückhafte Erscheinung hinaus schauen und nicht aus ihrem Schatten heraustreten. Je nach der Begabung herrscht manchmal nur ein bestimmter Name, der allein seine eigene Wirkung ausübt. Hier wollen wir auf dieses tiefe Geheimnis, diese umfangreiche Weisheit mit einem umfangreichen Gleichnis einige Hinweise geben, in dem bis zu einem gewissen Grade die Wahrheit bereits erkennbar wird.

Nehmen wir zum Beispiel einmal an, da wäre eine prachtvolle Blume, die wir Iris nennen wollen, einen kristallklaren Tautropfen, in dem sich die Sonne spiegelt, einen Tropfen lebendigen Wassers, der in den Mond verliebt ist, der sich in ihm spiegelt. Jeder von ihnen hat ein eigenes Bewusstsein und kann sich vervollkommnen, wonach auch jeder ein brennendes Verlangen hat. Mit diesen drei Dingen wird auf viele Wahrheiten hingewiesen, wobei sie auch auf die Vervollkommnung der Seele, des Verstandes und des Herzens hinweisen. Und es ist auch ein Beispiel für drei Schichten der Leute der Wahrheit.

{(*): In jeder Schicht gibt es drei Gruppen. Die drei Spieler in unserem Gleichnis stellen je drei Gruppen jeder Schicht dar, also insgesamt neun Gruppen.}

Erstens:

Es ist ein Hinweis auf die Denker, die Geistlichen und die Gottesgesandten.

Zweitens:

Es ist ein Beispiel für die Leute, die hin zur Wahrheit voranschreiten, indem sie sich mit ihren materiellen Möglichkeiten um Vollkommenheit bemühen;

und für die Leute, die hin zur Wahrheit voranschreiten, indem sie sich darum bemühen, ihre Seele zu läutern und ihren Geist dienstbar zu machen;

und für die Leute, die durch Läuterung ihres Herzens, durch Glauben und durch Ergebenheit hin zur Wahrheit voranschreiten.

Drittens:

Es ist ein Beispiel, das auf den Sinn der Unterschiede der drei Gruppen mit unterschiedlichen Begabungen hinweist. Zum einen für diejenigen, die ihren Egoismus nicht aufgeben, die in ihren Werken aufgehen und allein durch ihre eigenen Schlussfolgerungen hin zur Wahrheit voranschreiten;

und für diejenigen, die sich mit Wissen und Weisheit, mit Verstand und Erkenntnis auf die Suche nach der Wahrheit machen;

und für diejenigen, die mit dem Glauben und dem Qur'an, in Armut, mit ihrem Dienst und in der Anbetung rasch zur Wahrheit hin voranschreiten.

Nun wollen wir das Geheimnis und die umfangreiche Weisheit, die in dem Voranschreiten dieser drei Schichten liegt, bis zu einem gewissen Grade in einem Spiel unter den Bezeichnungen "die Iris", "der Wassertropfen", "der Tautropfen" darstellen.

Zum Beispiel:

Die Sonne hat mit der Erlaubnis und mit dem Befehl ihres Schöpfers drei Arten von Erscheinungen, Widerspiegelungen und Ausstrahlungen. Es sind verschiedenartige Widerspiegelungen, nämlich erstens in den Blumen, zweitens im Mond und in den Planeten und drittens in glänzenden Dingen wie Glas oder Wasser.

Die erste ist auf drei Arten:

Eine ist ihre ganzheitliche und umfassende Erscheinung und Widerspiegelung, eine Ausstrahlung, die sich über alle Blumen gleichzeitig ergießt.

Eine andere ist ihre spezielle Erscheinung, die sich in jeder Art gesondert widerspiegelt.

Die dritte ist ihre gewissermaßen individuelle Erscheinung, die auf die besondere Eigenart jeder einzelnen Blume ausstrahlt. Wir wollen nun unser Spiel mit der Aussage beginnen, dass die bunten Farben der Blumen aus der Umwandlung der sieben Farben in den Widerspiegelungen des Sonnenlichtes entstehen. Dieser Aussage

entsprechend sind auch die Blumen eine Art Spiegel der Sonne.

Zweitens:

Es ist das Licht und die Kraft, die die Sonne mit der Erlaubnis des allweisen Schöpfers dem Mond und den Planeten spendet. Diese ganzheitliche und umfassende Kraft und dieses Licht von der Sonne, das bei uns als Widerspiegelung jenes Lichtes gilt, gebraucht der Mond als ein Ganzes. Dann gibt er es in einer besonderen Form den Meeren, der Luft, glänzenden Erdschichten, in winzig kleinen Portionen den Wassertropfen der Meere, den glänzenden Steinen und Kristallen der Erde und den Atomen der Luft zu Nutz und Segen weiter.

Drittens:

Die Sonne macht mit dem Befehl Gottes die Atmosphäre und die Oberfläche der Meere zu Spiegeln und hat in ihnen eine klare, ganzheitliche und direkte Widerspiegelung. Dann schenkt die Sonne den Wasserbläschen des Meeres, den Tropfen des Wassers, den Regentropfen in der Luft und den Schneeflocken je eines ihrer winzigen Spiegelbilder.

Also wendet sich die Sonne jeder Blume und dem Mond, jedem Wassertropfen und jedem Tautropfen in den oben erwähnten drei Hinsichten auf zwei Arten zu und spendet ihnen Kraft.

Die erste Art

geschieht ursprünglich, unmittelbar, ohne einen Vermittler oder einen Schleier. Diese Weise stellt das Beispiel des Prophetentums dar.

Bei derzweiten Art

gibt es Mittler. Die Eigenart derer, die als Spiegel oder Linse dienen, fügen den Erscheinungen der Sonne ihre jeweilige Färbung bei. Diese Art stellt den Weg der Gottesfreunde (Heiligen) dar.

Nach der ersten Art kann jeder von ihnen, "die Iris", "der Wassertropfen", "der Tautropfen" sagen: "Ich bin ein Spiegel der Sonne, die über der ganzen Welt scheint!" Nach der zweiten Art können sie aber nicht so sagen. Vielmehr sagen sie dann: "Ich bin der Spiegel meiner Sonne!", oder "Ich bin der Spiegel der Sonne, die über meiner Art scheint!" Denn sie kennen die Sonne nur auf

ihre Art und können die Sonne nicht kennen, wie sie über der ganzen Erde scheint. Dagegen erscheint ihnen ihre Sonne, die Sonne ihrer Art oder Gattung nur durch Vermittler und nur mit Einschränkungen. Sie vermögen die Werke der uneingeschränkten, ohne einen Mittler scheinenden und alles umfassenden Sonne nicht ihrer eigenen, beschränkten Sonne zuzuschreiben. Denn die ganze Erde zu erwärmen, zu erleuchten, das Leben der Tiere und aller Pflanzen zu erwecken, die Planeten um sich kreisen zu lassen und dergleichen großartige Werke können sie nicht aus der Überzeugung ihres Herzens der Sonne zuschreiben, die sie unter jenen eingeschränkten Bedingungen und durch die Begrenzung eines Mittlers sehen.

Wenn diese drei Dinge, die wir als Bewusstseinsträger angenommen haben, diese einzigartigen Werke ihrer eigenen Sonne, die sie unter jener Einschränkung betrachten, zuschreiben wollen, können sie sie ihr erst dann zuschreiben, wenn sie rein logisch denkend zu dem festen Glauben gelangt sind, dass diese vermeintlichen Beschränkungen der Vollkommenheit gleich kommen. Aber diese Schlussfolgerungen von "der Iris", "dem Wassertropfen" und "dem Tautropfen", die wir Menschen uns als vernünftig vorstellen, das heißt, dass sie diese überaus riesigen Werke ihrer Sonne zuschreiben, beruhen auf Vernunft, nicht auf eigener Erfahrung. Manchmal geraten ihre Schlussfolgerungen durch den Glauben mit ihren Beobachtungen der Gegebenheiten in Widerspruch. Dann können sie nur schwer glauben.

So müssen wir denn nun, da für die Wahrheit nur wenig Raum geboten ist und wo von der Wahrheit nur mehr in manchen Ecken Teile sichtbar und vielmehr mit der Wahrheit vermischt sind, alle drei in unser Spiel mit einbeziehen. Wir stellen sie alle drei als "die Iris", "den Wassertropfen" und "den Tautropfen" vor. Da das Bewusstsein, das ihnen zugesprochen wurde, nicht ausreicht, müssen wir ihnen auch noch den Verstand zur Hilfe geben. Das heißt, sie müssen verstehen, dass sie von ihrer materiellen Sonne genauso viel Segen empfangen,

wie wir von unserer geistigen Sonne.

Oh mein Freund mit deiner der Finsternis verfallenen Seele, der du die Welt nicht vergisst und dich statt dessen mit materiellen Dingen beschäftigst! Du sollst "die Iris" sein. Diese "Iris" bekommt eine Farbe, die durch das Sonnenlicht ausgelöst wird. Sie löst das Spiegelbild der Sonne in dieser einen Farbe auf und bekleidet und schmückt sich damit. Denn auch deine Begabung gleicht der ihren.

Des Weiteren soll der Philosoph mit westlicher Bildung, der sich wie "der Alte Said" in den Ursachen verloren hat, "der Wassertropfen" sein, der in den Mond verliebt ist. Ihm gibt der Mond den Reflex des Lichtes, das er von der Sonne empfängt, schenkt seiner Pupille ein Licht. Er glänzt auch in diesem Licht. In diesem Licht sieht der "Wassertropfen" aber nur den Mond. Er kann nicht die Sonne sehen. Er kann sie nur in seinem Glauben betrachten.

Des Weiteren soll dieser arme Mann, der alles unmittelbar von Gott dem Gerechten weiß und die Ursachen als einen Schleier versteht, "der Tautropfen" sein. Er ist als ein "Tautropfen" arm in sich selbst. Er hat überhaupt nichts, worauf er sich stützen kann und womit er wie "die Iris" auf sich selbst vertrauen könnte. Er hat keine Farbe, mit der er sich zeigen könnte. Er kennt auch keine anderen Dinge, zu denen er sich wenden könnte. Er hat eine lautere Reinheit, sodass er das Spiegelbild der Sonne unmittelbar in seiner Pupille bewahrt.

Da wir nun einmal die Rolle dieser drei angenommen haben, müssen wir nun uns selbst betrachten. Was haben wir? Was sollen wir machen?

So sehen wir denn hier, dass uns ein freigiebiger Herr mit seiner Güte überaus gut ausstattet, belehrt und erzieht. Was aber den Menschen betrifft, so verehrt er den, der ihm gegenüber gütig ist. Er will sich dem, dem die Verehrung gebührt, nähern und ihn sehen. Unseren Begabungen entsprechend wird sich jeder von uns durch

die Anziehungskraft dieser Liebe auf den Weg machen.

Oh du, welcher du der "Iris" gleichst! Du gehst, aber geh in der Gestalt einer Blume! In dieser Gestalt bist du gegangen. Durch ständiges Voranschreiten bist du zu einer Stufe gelangt, die allen gemeinsam ist. So als geltest du (als Beispiel) für alle Blumen. Eine "Iris" ist aber ein trüber Spiegel. Bei ihr werden die sieben Farben des Lichtes gebrochen und (alle bis auf das Blau der Iris) aufgesogen. Sie verbirgt das Spiegelbild der Sonne. Dir wird es nicht gelingen, das Antlitz der Sonne zu betrachten, die du liebst. Denn die vorgegebenen Farben und Besonderheiten lösen sie auf, ziehen einen Schleier davor, können sie nicht zeigen. Du kannst dich in diesem Zustand von der Trennung nicht befreien, die durch das Dazwischentreten der Formen und der Mittler entsteht. Nur unter dieser einen Bedingung kannst du dich befreien: dass du deinen Kopf, der in die Liebe zu dir selbst eingetaucht ist, aufhebst und deinen Blick, der sich mit den Schönheiten deiner selbst vergnügt und sich ihrer rühmt, abziehst und dem Auge der Sonne im Antlitz des Himmels zuwendest. Zudem sollst du dein Gesicht, das um des Lebensunterhalts willen erdwärts schaut, zur Sonne dort droben hin wenden. Denn du bist ja ihr Spiegel. Deine Aufgabe besteht gerade darin, ein Spiegel zu sein. Ob du es weißt oder nicht, wird dein Lebensunterhalt von Seiten der Erde kommen, die das Tor der Schatzkammer der Barmherzigkeit ist. Tatsächlich ist eine Blume ein winzig kleiner Spiegel der Sonne. Auch die riesige Sonne ist nur ein Spiegel, gleicht einem Tropfen im Meer des Himmels für den Glanz, der durch den Namen der Urewigen-Sonne "Licht (Nur)"erscheint.

Oh du Menschenherz! Wisse, welch einer Sonne Spiegel du bist! Nachdem du diese Bedingung erfüllt hast, kannst du deine Vollendung finden. Du kannst aber die Sonne nicht so betrachten, wie sie in Wirklichkeit ist. Diese Wirklichkeit kannst du nicht nackt begreifen. Vielmehr geben ihr die Farben deiner Eigenschaften eine Farbe und gibt dein trübes Fernglas ihr eine Form und deine

begrenzte Begabung setzt ihr eine Grenze.

Nun auch du, weiser Philosoph, der du in den Wassertropfen hineingegangen bist! Durch das Fernglas deiner Bildung von der Größe eines Wassertropfens und durch die Leiter deiner Wissenschaft bist du bis zum Mond emporgestiegen. Du bist auf dem Mond gelandet. Siehe, der Mond ist in seinem Wesen dicht und finster. Er hat weder Licht noch Leben. Deine Mühe ist nutzlos, dein Wissen ist ohne Nutzen. Du kannst dich vor der Finsternis der Verzweiflung und vor der Wildnis deines Nichts-und-Niemand-Seins und vor der Beunruhigung durch die bösen Geister und vor der Grausamkeit dieser Einsamkeit nur unter einer einzigen Bedingung retten, wenn du die Nacht der Naturphilosophie verlässt und dich zu der Sonne der Wahrheit wendest und mit Gewissheit glaubst, dass diese Lichter der Nacht die Spiegelung der Lichter der Sonne am Tage sind. Erst nachdem du diese Bedingung erfüllt hast, kannst du deine Vollendung finden. An Stelle des armen, dunklen Mondes findest du die majestätische Sonne. Du kannst aber auch nicht, wie dein anderer Freund, die Sonne ungeschützt betrachten. Du kannst sie vielmehr nur hinter den Schleiern betrachten, mit denen dein Verstand und deine Philosophie vertraut und verbunden sind, und hinter den Vorhängen, die dein Wissen und deine Weisheit dir gewebt haben, und in einer Farbe, die deine Fähigkeiten dir (von Natur aus) gegeben haben.

Hier ist nun der dritte Freund, der dem "Tautropfen" gleicht, welcher sowohl arm, als auch farblos ist. Durch die Hitze der Sonne verdampft er rasch, verlässt sein Ego, besteigt den Dampf und erhebt sich in die Lüfte. Sein irdisches Kleid fängt durch den Funken der Liebe Feuer und Licht. Er klammert sich an einen Strahl der Erscheinungen dieses Lichtes und nähert sich ihm. Oh du, der du dem "Tautropfen" gleichst! Da du nun einmal der Sonne unmittelbar als Spiegel dienst, wirst du stets, auf welcher Stufe du dich auch immer befinden magst, ein Loch, ein Fenster finden, durch das du die Sonne selbst im Grade augenscheinlicher Sicherheit unverstellt betrachten kannst.

Zudem wirst du mit keinen Schwierigkeiten zu kämpfen haben, die einzigartigen Werke der Sonne ihr selbst zuzuschreiben. Du kannst ihr die ihr gebührenden majestätischen Eigenschaften ohne Zweifel zuschreiben. Während du ihr die großartigen Spuren des Königreiches ihres Wesens zuschreibst, kann nichts deine Hände fesseln und davon abbringen. Weder eine Einengung durch Mittler, noch eine Beschränkung (deines Vertrauens in Gott durch dein Vertrauen auf deine eigenen) Fähigkeiten, noch die Kleinheit der Spiegel(reflexionen) können dich täuschen und dazu führen, dass du entgegen der Wahrheit läufst. Denn da du sie klar, unverstellt, unmittelbar betrachtet hast, hast du auch verstanden, dass keine von denen, die in den Objekten erscheinen und in den Spiegeln zu sehen sind, die wahre Sonne ist, sondern dass sie eine Art ihrer Erscheinungen und eine Art ihrer bunten Widerspiegelungen sind. Zwar sind diese Widerspiegelungen ihre Titel, aber sie können alle Werke ihrer majestätischen Größe nicht zeigen.

So führen denn diese drei so verschiedenen Wege unseres Spiels, das zur Darstellung der Wahrheit dienen soll, zur Vollendung. Sie unterscheiden sich in den Besonderheiten der Vollendung und in den Einzelheiten der Stufen geistiger Schau. Sie stimmen aber in dem Ergebnis und in der Gewissheit des Rechtes und in der Bestätigung der Wahrheit überein.

Ein Mann, ein Nachtwandler, der niemals die Sonne gesehen hat, kennt nur ihren Widerschein im Spiegel des Mondes. Er kann sich die majestätische Ausstrahlung, die unglaublich großartige Anziehung, die der Sonne Eigen ist, nicht vorstellen. Vielmehr schließt er sich denjenigen, die sie gesehen haben, an und ahmt sie nach. Genauso kann derjenige, der durch das Erbe Ahmeds(: gemeint ist die Lehre und die Tradition Mohammeds, mit dem Friede und Segen sei) die gewaltige Stufe der Namen, wie des Allmächtigen und des Lebensspendenden, nicht erkennt, die gewaltige Wiederversammlung und die Große Wiederauferstehung nur traditionell annehmen.

Er sagt: "Sie ist keine Frage des Verstandes." Denn die Wahrheit der Wiederversammlung und der Wiederauferstehung ist eine Offenbarung des gewaltigen Namens und mancher Namen auf ihrer gewaltigsten Stufe. Wessen Blick nicht bis dorthin gelangen kann, der kann dies nur (im Glauben) annehmen. Wer aber mit seinen Überlegungen bereits soweit vorangeschritten ist, der hält die Wiederversammlung und die Wiederauferstehung für so leicht wie den Wechsel von Nacht und Tag, Winter und Frühling, und nimmt in der Zufriedenheit des Herzens (den Glauben) an.

Aus diesem Geheimnis erklärt also der Qur'an die Wiederversammlung und die Wiederauferstehung in der gewaltigsten Stufe mit ausführlichen Einzelheiten und der Gesandte Gottes, mit dem Friede und Segen sei, dem der gewaltigste Name offenbart wurde, unterrichtet uns darüber. Was aber die vorherigen Propheten betrifft, so hatten sie ihren Gemeinden, die verhältnismäßig einfach und ursprünglich waren, als Erfordernis der Weisheit der Rechtleitung die Wiederversammlung noch nicht in ihrem gesamten Umfang und in allen Einzelheiten gelehrt. Es geschah auch aus dieser tiefen Weisheit, dass ein Teil der Gottesfreunde manche Grundpfeiler des Glaubens nicht in ihrer gewaltigen Stufe erkennen oder aufzeigen konnten. Aus diesem Geheimnis zeigen die Stufen der Kenner in der Gotteserkenntnis große Unterschiede. Noch dergleichen weitere Geheimnisse entfalten sich aufgrund dieser Wahrheit. Da dieses Gleichnis die Wahrheit in gewissem Grade erahnen lässt und da die Wahrheit sehr umfangreich und sehr tief ist, begnügen auch wir uns hier mit diesem Gleichnis. Wir werden uns nicht mit den Geheimnissen befassen, welche über unsere Grenzen und unsere Kraft hinaus gehen.

Dritter Ast:

Da die ehrwürdigen Überlieferungen, die von den Zeichen des Weltuntergangs und von den Ereignissen der Endzeit und von den Vorzügen und den Verdiensten mancher guter Taten handeln, nicht genau verstanden werden, halten ein Teil der Wissenschaftler

sie für schwach (d.h. nicht nachweisbar) oder für widerlegt. Ein Teil von ihnen, dessen Glaube schwach und dessen Ego stark ist, ist bis zur Leugnung gegangen. Hier wollen wir uns nicht mit den ausführlichen Einzelheiten befassen und nur "zwölf Pfeiler" erklären.

Erster Pfeiler:

Es ist die Frage, die schon bezüglich der Frage und der Antwort am Ende des "Zwanzigsten Wortes" besprochen wurde. Eine Zusammenfassung davon lautet wie folgt: Der Glaube ist eine Prüfung, eine Erfahrung. Er unterscheidet erhabene Geister von niederen. Darum soll er von den Ereignissen, die in der Zukunft für jeden augenscheinlich sichtbar werden, in der Weise berichten, dass sie weder ganz und gar unbekannt bleiben, noch eindeutig erkennbar werden, wodurch sie jeder gewollt oder ungewollt hätte bestätigen müssen. Er öffnet dem Verstand das Tor, nimmt ihm aber die Entscheidungsfreiheit nicht aus den Händen. Wenn ein Zeichen des Weltuntergangs völlig eindeutig erkennbar wäre und es ein jeder bestätigen müsste, dann würde eine Einstellung (so gewöhnlich) wie Kohle mit einer Einstellung (so erlesen wie) Diamanten vermischt bleiben. Der Sinn des Angebotes und die Folge der Prüfung gingen verloren. Deswegen kamen viele Meinungsverschiedenheiten bezüglich der vielen Fragen, wie der Fragen über Mehdi und Sufyan zu Stande. Darüber hinaus sind die Überlieferungen auch sehr unterschiedlich, und dadurch entstanden voneinander entgegengesetzte Auffassungen.

Zweiter Pfeiler:

Islamische Fragen gibt es auf verschiedenen Stufen. Verlangt eine nach einem sicheren Beweis (für den hinterfragten Gegenstand), begnügt sich eine andere damit, dass man (das Gefragte) für äußerst wahrscheinlich hält. Noch eine andere erfordert nur, dass man (mit der gegebenen Antwort) einverstanden ist und (sie) nicht ablehnt. Deswegen soll man bei jeder Frage, die nicht die (allgemeinen) Glaubensgrundsätze betrifft und die zu den Einzelheiten gehört (über die man verschiedener Meinung sein kann), und bei jedem Ereignis, welches über die Zeichen der Zeit vorausgesagt wurde,

nicht nach einem sicheren Beweis verlangen. Vielmehr soll man sich damit begnügen, etwas nicht zu bestreiten, sondern für möglich zu halten.

Dritter Pfeiler:

In der Zeit der Gefährten Mohammeds (Friede und Segen sei mit ihm) bekehrten sich viele von den Gelehrten unter den Söhnen Israels und unter den Christen zum Islam. Auch ihre alten Kenntnisse (vergangener Dinge) wurden mit ihnen zusammen islamisch. Manche ihrer vorherigen Kenntnisse, die den tatsächlichen Geschehnissen zuwider liefen, wurden gleichfalls für Eigentum des Islam gehalten.

Vierter Pfeiler:

Manche Aussagen der Überbringer der ehrwürdigen Ahadith oder deren Ausdeutungen hielt man für den Text der Ahadith. Da der Mensch nicht frei von Fehlern ist, wurden manche ihrer der Wahrheit zuwiderlaufende Ausdeutungen oder Worte für Hadith gehalten, jedoch für schwach erklärt.

Fünfter Pfeiler:

Dem Sinn der folgenden Überlieferung entsprechend

مُلْهَمُونَ: اِنَّ فِى اُمَّتِى مُحَدَّثوُنَ

{"Wahrlich finden sich in meiner Gemeinde solche, die Inspirationen erhalten, d.h. diejenigen, die Eingebungen haben."}

entstanden manche Aussagen, die man für Hadith hielt, durch die Inspirationen einiger Hadithgelehrter, Männern einer inneren, geistigen Schau, die Inspirationen empfingen, die Gottesfreunde waren. Es können in den Inspirationen der Gottesfreunde - bei Ungenauigkeiten - Mängel erscheinen. Auf diese Art kann also ein Teil der Überlieferungen der Wahrheit zuwiderlaufen.

Sechster Pfeiler:

Es gibt manche Erzählungen, die unter den Menschen berühmt wurden. Sie gelten als (Erzählungen), die Beispiele geprägt haben. Man soll sie nicht für bare Münze nehmen, sondern für das betrachten, wozu sie geprägt worden sind. So erwähnte der ehrenwerte Gesandte, mit dem Friede und Segen sei, manche

Gleichnisse und Erzählungen dieser Art, welche unter den Menschen bekannt waren, als Lehrbeispiele oder als eine Art Andeutung. Wenn die wörtlichen Aussagen in solchen Fällen fehlerhaft erscheinen, sollte man sie zu den Traditionen und menschlichen Gewohnheiten rechnen, zu dem, was man so ganz allgemein vom Hörensagen her kennt.

Siebter Pfeiler:

Es gibt sehr viele Vergleiche und Beispiele, die mit der Zeit oder durch den Wechsel aus der Hand des Wissens in die Hände des Unwissens nun wörtlich verstanden wurden. So kommt man zu Fehlern.

Zum Beispiel:

Zwei Engel Gottes, die "Sevr(Stier)" und "Hut(Fisch)" genannt werden, und in der Welt der Beispiele und Gleichnisse als Stier und Fisch erscheinen und die Tiere auf dem Land und in den Meeren beobachten, stellte man sich irrigerweise als einen riesigen Stier und einen leibhaftigen Fisch vor und versuchte diese Überlieferung zu kritisieren.

Ein weiteres Beispiel:

Einmal hörte man in Gegenwart des Propheten ein dumpfes Geräusch. Der ehrenwerte Gesandte, mit dem Friede und Segen sei, sagte: "Dieses Geräusch kommt von einem Stein, der seit siebzig Jahren hinab gerollt und in diesem Augenblick auf dem Boden der Hölle aufgeschlagen ist." So kann jemand, der diese Überlieferung hört, der aber die Wahrheit nicht kennt, versuchen, sie zu leugnen. In Wirklichkeit steht mit Sicherheit fest, dass kurz danach jemand kam, der dem ehrenwerten Gesandten, mit dem Friede und Segen sei, die Nachricht überbrachte: "Der bekannte Heuchler (Munafiq)ist vor kurzem verstorben." Der ehrenwerte Gesandte, mit dem Friede und Segen sei, erklärte in einer überaus treffenden Weise, dass dieser Munafiq in seinem siebzigsten Lebensjahr, nachdem er ein Leben lang wie ein Stein seinen Weg zur Hölle hinab gerollt war, mit seinem Fall zum Niedrigsten der Niedrigen und zu einem Beispiel für den Unglauben geworden war. Gott der Gerechte ließ im Moment seines Abscheidens dieses Geräusch hörbar werden und machte es zu einem Zeichen.

Achter Pfeiler:

Gott der Vollkommene-Allweise verbirgt an diesem Ort der Erfahrungen und dem Platz der Prüfungen sehr bedeutende Dinge innerhalb vieler anderer. Mit dieser Verborgenheit sind viele Weisheiten und viele gute Gründe verknüpft.

Zum Beispiel:

Er verbarg die Nacht von Qadr (: Macht, Bestimmung) innerhalb des Monats Ramadan; die Stunde, in der alle Gebete erhört werden, in dem Tag der Versammlung (Freitag); Seinen geschätzten Freund unter den Menschen; die Todesstunde in der Spanne des Lebens; und die Zeit des Weltuntergangs innerhalb der Lebenszeit der Erde. Wenn aber die Todesstunde des Menschen bekannt wäre, würde sie bis in die Hälfte seiner Lebensspanne eine totale Gottvergessenheit und nach der Hälfte ein Entsetzen zu Wege bringen, wie (der Weg dessen,) der Schritt für Schritt dem Galgen entgegen geführt wird. Deshalb erfordert die Angelegenheit, die das Gleichgewicht zwischen der jenseitigen und der diesseitigen Welt bewahrt und immer zwischen Furcht und Hoffnung hält, dass in jedem Moment sowohl Sterben als auch Leben möglich sein soll. In diesem Fall werden zwanzig Jahre einer uns nicht bekannten Art innerhalb einer uns nicht bekannten Lebensspanne einer uns bekannten Lebensspanne von tausend Jahren vorgezogen. So verhält es sich auch mit dem Weltuntergang, jener Todesstunde der Welt, welche "der Große Mensch" ist. Wenn ihre Stunde bekannt wäre, würde die erste und die mittlere Periode totaler Gottvergessenheit verfallen und die letzte Periode im Entsetzen verharren. Der Mensch ist in seinem persönlichen Leben mit dem Fortbestehen seines Hauses und seines Dorfes verbunden, wie er in seinem gesellschaftlichen Leben und auch als Gattung mit dem Leben des Erdballs und des Diesseits verbunden ist. Der Qur'an sagt:

اِقْتَرَبَتِ السَّاعَةُ

{"Die Stunde des Weltuntergangs ist nah."}

Wenn sie nach so vielen tausend Jahren noch nicht eingetreten ist, stellt das nicht ihre Nähe in Abrede.

Denn der Weltuntergang ist die Todesstunde der Welt. Im Vergleich mit der Lebenszeit der Welt sind ein oder zwei tausend Jahre wie ein, zwei Tage oder ein, zwei Minuten. Die Stunde des Weltuntergangs ist nicht nur die Todesstunde der Menschheit, sodass man sie mit deren Lebensspanne vergleichen und so für unmöglich halten könnte. Darum verbirgt der Vollkommene-Allweise die Stunde des Weltuntergangs in Seiner Allwissenheit als eines der fünf nicht voraus berechenbaren Geheimnisse. So gehört es denn zu diesem Geheimnis des Unbekannten, dass sich jedes Jahrhundert, ja sogar das glückliche Zeitalter, das Zeitalter (des Propheten und seiner Gefährten), die ein Auge für die Wahrheit hatten, stets vor der Stunde des Weltuntergangs fürchtete. Ja manche sagten sogar: "Ihre Kennzeichen sind fast schon zur Gänze erschienen."

So sagen nun unbillig denkende Menschen, die diese Wahrheit nicht kennen: "Wie konnten sich die Sahabis

(Gefährten des Propheten), die über die jenseitige Welt bis ins Einzelne unterrichtet wurden und wachsame Herzen und einen scharfen Blick hatten, in ihren Gedanken ein Ereignis in ferner Zukunft, welches in dieser Welt nach vierzehnhundert Jahren noch nicht eingetreten ist, in naher Zukunft denken, als lebten sie, noch tausend Jahre von der Wahrheit entfernt, nur noch in ihrer Vorstellung?"

Antwort:

Dies geschah, weil die Sahabis(Gefährten des Propheten), gesegnet mit einer Fülle von Gesprächen mit dem Propheten, mehr als andere über die jenseitige Welt nachgedacht haben und sich der Vergänglichkeit dieser Welt bewusst waren. Sie verstanden die Weisheit Gottes, die in der Nichtbekanntgabe der Stunde des Weltuntergangs liegt und erwarteten stets die Todesstunde der Welt sowie ihre eigene Todesstunde und bemühten sich stets ernsthaft um das Jenseits. Es entspricht der Rechtleitung durch den Propheten, die aus dieser Weisheit entstand, wenn der ehrenwerte Gesandte, mit dem Friede und Segen sei, wiederholt darauf hinwies:

"Erwartet den Weltuntergang und gebt auf ihn Acht!" Andererseits sagte (der Prophet) dies nicht aufgrund einer Offenbarung, die sich auf ein bestimmtes Ereignis bezieht, sodass (dieser Hinweis) weit davon entfernt wäre, wahr zu sein. Die beabsichtigte (Aussage) ist das eine und der Sinn (dieser Aussage) ist das andere. Also rühren diese Art Worte des Propheten, mit dem Friede und Segen sei, aus der Weisheit der Nichtbekanntgabe her.

Des Weiteren haben die Leute aufgrund dieser tiefen inneren Weisheit Persönlichkeiten wie Mehdi und Sufyan, die in der Endzeit der Welt kommen werden, vor langer Zeit sogar schon in der Zeit der Tabiin, also der zweiten Generation nach dem Propheten, erwartet und dachten ihnen bald zu begegnen. Manche Gottesfreunde sagten sogar: "Sie sind schon vorüber." So verlangt denn auch dies, gleich dem Weltuntergang, von der Weisheit Gottes diesen Zeitpunkt nicht anzugeben. Denn jede Zeit, jedes Jahrhundert bedarf dieser Idee vom Mehdi, um seine innere Kraft zu stärken und sich von der Verzweiflung zu befreien. An der Kraft dieser Erwartung muss ein jedes Zeitalter seinen Anteil haben. Des Weiteren soll sich jedes Zeitalter vor den schrecklichen Menschen, Despoten, die Zwist und Kriege führen, zurückhalten und sie fürchten, damit es nicht in Gottvergessenheit verfällt und dem Bösen nicht folgt und ihm nicht gehorcht, und nicht in seiner Gleichgültigkeit die Zügel der Begierde loslässt und seine Seele nicht in Zucht nimmt. Wenn der Zeitpunkt ihres Erscheinens angegeben wäre, würde der Zweck der allgemeinen Rechtleitung verloren gehen.

Nun ist die Verschiedenheit der Überlieferungen über die Persönlichkeiten wie den Mehdi und ihr Grund der folgende: Diejenigen, die die Überlieferungen kommentierten, wandten die Texte der Überlieferungen bei ihren Kommentaren und Auslegungen an.

Zum Beispiel:

Da damals der Regierungssitz in Damaskus oder in Medina lag, stellten sich die Kommentatoren die Ereignisse um den Mehdi oder Sufyan in Gegenden wie Basra, Kufa

oder Damaskus, die in der Umgebung dieser Regierungssitze lagen, vor und kommentierten auch dementsprechend. Des Weiteren stellten sich die Kommentatoren die gewaltigen Werke, wie sie aus der Einflusssphäre dieser Persönlichkeiten und in der Gemeinschaft um sie herum entstanden, so vor, als hätten diese Persönlichkeiten sie (selbst und ganz allein) vollbracht und legten sie dementsprechend aus. Sie stellten sie so dar, als könnten alle Menschen diese außergewöhnlichen Persönlichkeiten sofort erkennen, sobald sie sich zeigen würden. Wir sagten aber schon: Diese Welt ist ein Platz der Prüfung. Dem Verstand wird eine Tür geöffnet, aber die Entscheidungsfreiheit nicht aus den Händen genommen. Wenn diese Persönlichkeiten erscheinen, können viele sie nicht erkennen, auch der schreckliche Deddjal kennt sich am Anfang selbst nicht. Vielmehr können diese Persönlichkeiten der Endzeit nur bei aufmerksamer Betrachtung im Lichte des Glaubens erkannt werden.

In einer ehrwürdigen Hadith wird über den Deddjal

(der Betrüger, dessen Erscheinen) zu den Zeichen gehört, die auf den nahenden Weltuntergang hinweisen, überliefert: "Sein erster Tag gleicht einem Jahr, sein zweiter Tag einem Monat, sein dritter Tag einer Woche, sein vierter Tag ist gleich wie die gewöhnlichen Tage. Wenn er erscheint, wird die ganze Welt davon hören. Er wird die ganze Welt in vierzig Tagen bereisen." Unbillig denkende Menschen betrachteten diese Überlieferung als unmöglich. Gott bewahre! Sie versuchten diese Überlieferung zu leugnen und für nichtig zu erklären. In Wirklichkeit muss ihre Wahrheit lauten:

وَالْعِلْمُ عِنْدَ اللَّهُ

{"Alles Wissen ist bei Gott!"}

Darin liegt ein Hinweis darauf, dass eine Person von nördlicher Richtung kommen wird, welche die Gottheit leugnet und sich an die Spitze einer gewaltigen Strömung stellt, die aus dem ungläubigen Gedankengut der

Naturalisten im Norden durchsickert, wo die ungläubige Welt am dichtesten ist. In diesem Hinweis findet sich als Zeichen der Weisheit, dass in der polarnahen Zone das Jahr nur aus einer Nacht und einem Tag besteht. Sechs Monate sind Nacht und sechs Monate sind Tag. "Für den Deddjal ist ein Tag gleich einem Jahr" weist darauf hin, dass er in der Nähe dieser Zone erscheinen wird. "Sein zweiter Tag ist ein Monat" besagt, dass die Sonne im Sommer einen Monat lang nicht untergeht, wenn man von Norden her kommt. Dies zeigt auch, dass der Deddjal im Norden auftritt und nach der zivilisierten Welt greifen wird. Während die Überlieferung dem Deddjal Tage zumisst, weist sie auf diese Bedeutung hin. Je weiter er hierher nach Süden kommt, geht die Sonne eine Woche nicht unter. Noch weiter unten dauert es drei Stunden vom Untergang bis zum Wiederaufgang der Sonne. Als ich in Russland in Gefangenschaft war, war ich an einem solchen Ort. In der Nähe von uns sah man, dass die Sonne eine Woche nicht unterging. Um das zu sehen, reisten die Leute dort hin. Die Bedingung, dass die ganze Welt hören wird, wenn der Deddjal sich zeigt, erfüllten Telegramme und Rundfunk. Seine Vierzig-Tage-Reise machen heute Züge und Flugzeuge als seine Reittiere möglich. Die Ungläubigen, die früher diese beiden Bedingungen für unmöglich hielten, halten sie heute für alltäglich.

Da ich Gog und Magog und die große Mauer, welche zu den Kennzeichen des nahenden Weltuntergangs gehören, bereits in einer Abhandlung in gewissem Grade ausführlich behandelt habe, möchte ich hier nur noch kurz darauf hinweisen und folgendes dazu sagen:

Es wird in den alten Überlieferungen erwähnt, dass die Völker der Mandschurei und der Mongolei in der Geschichte schon einmal die menschliche Zivilisation zu Grunde gerichtet und diejenigen, die den Bau der großen chinesischen Mauer veranlasst haben, kurz vor dem Weltuntergang wiederum die menschliche Zivilisation in einem Anflug von Terrorismus zu Grunde richten werden. Manche Ungläubige sagen: "Wo sind diejenigen, die so

viel ungeheuerliches getan haben und noch tun werden?"

Antwort:

Eine Naturkatastrophe gleich einer Heuschreckenplage sieht man in mancher Jahreszeit sehr häufig. Ist die Jahreszeit vorüber, zieht sich diese Insektenart, welche das Land zerstört hatte, bis auf einige, wenige Exemplare zurück. Ist ihre Zeit wieder gekommen, geht die gleiche Plage mit Gottes Befehl wieder in großem Umfang von diesen wenigen Exemplaren aus. Es scheint, als habe ihre Art sich verflüchtigt, doch bleibt ihre Natur weiterhin ungebrochen. Ist ihre Zeit gekommen, sind sie wieder da. Genauso werden auch die gleichen, welche schon einmal die Welt durcheinander gewirbelt hatten, wenn ihre Zeit gekommen ist mit der Erlaubnis Gottes, wieder die menschliche Zivilisation durcheinander wirbeln. Doch ihre Drahtzieher treten nun unter einer anderen Maske auf.

لاَ يَعْلَمُ الْغَيْبَ اِلاَّ اللَّهُ

{"Das Verborgene kennt Gott allein!"}

Neunter Pfeiler:

Die Resultate eines Teils der Glaubenswahrheiten beziehen sich auf diese durch Bedingungen eingeschränkten und engen Welt. Ein anderer Teil von ihnen bezieht sich auf die weite und unbegrenzte Welt des Jenseits. Da ein Teil der ehrwürdigen Ahadith, die von den besonderen Vorzügen der guten Taten und ihren Belohnungen handeln, in einem poetischen Stil abgefasst sind, um einen ermunternden oder zurechtweisenden Einfluss auszuüben, sehen sie oberflächlich betrachtende Menschen als übertrieben an. Da sie alle ein Ausdruck der reinen und lauteren Wahrheit sind, gibt es in ihnen nichts, was unwahr oder übertrieben wäre.

Da ist zum Beispiel das folgende Hadith, mit dem sich die Gemüter aller unbillig Denkenden am meisten beschäftigen.

لَوْ وَزِنَتِ الدُّنْياَ عِنْدَ اللَّهِ جَناَحَ بَعُوضَةٍ مَا شَرِبَ الْكَافِرُ مِنْهَا جُرْعَةَ مَآءٍ

(au kema qal: oder so ähnlich)

Sinngemäße Wiedergabe: "Wenn die Welt bei Gott dem Gerechten so viel Wert hätte wie der Flügel einer Mücke, dürften die Ungläubigen noch nicht einmal einen Schluck Wasser von ihr trinken." Der Sinn ist folgender:

Der Ausdruck عِنْدَ اللَّهِ {"Bei Gott."} besagt, dass hier von der ewigen Welt die Rede ist. In der Tat ist Licht aus der ewigen Welt (wenn auch nur von der Bedeutung) eines Mückenflügels, da es nun einmal ewig ist, mehr als das Licht, das die Erde füllt, und doch nur vergänglich ist. Hier wird also nicht die ganze, große Welt mit einem Mückenflügel verglichen, sondern vielmehr gesagt, dass die ganz persönliche Welt, die in der winzig kleinen Lebensspanne eines jeden Menschen Platz findet, nicht mit dem beständigen Segen Gottes und der Gnade Gottes, wenn auch nur von der Größe eines Mückenflügels, verglichen werden kann. Des Weiteren hat die Welt zwei Gesichter, ja vielmehr drei Gesichter. Das eine ist der Spiegel der Namen Gottes des Gerechten. Das zweite ist auf das Jenseits gerichtet; sie ist der Acker des Jenseits. Das dritte blickt auf die Vergänglichkeit und Nichtigkeit. Das ist die uns bekannte Welt der Leute des Irrwegs, die nicht Gottes Wohlwollen findet. Das heißt, es ist dies ein Hinweis darauf, dass es nicht die riesengroße Welt ist, die der Spiegel der schönen Namen Gottes und die Briefe des Einzigartigen und der Acker des Jenseits ist, sondern vielmehr die Welt der Weltenanbeter, die dem Jenseits widerspricht und die Quelle aller Fehler und der Ursprung allen Übels ist, die nicht den Wert auch nur eines Stäubchens der Ewigkeit hat, das den Leuten des Glaubens in der jenseitigen Welt gegeben wird. Wo also findet sich nun diese Ausdeutung, die in höchstem Maße richtig und für ernst zu nehmen ist, und wo bleibt die Bedeutung, so wie sie die ungerechten Leute des Unglaubens verstanden haben! Wo steht die Bedeutung, die diese ungerechten Leute des Unglaubens für dermaßen übertrieben und unwahr halten!

Noch ein Beispiel:

Eine der Überlieferungen, die die ungerechten Leute des Unglaubens für übertrieben halten, ja sogar als eine unvorstellbare Übertreibung und als eine irrige Vorstellung betrachten, sind die über die Belohnungen für gute Taten und die über besondere Vorzüge mancher Suren.

Zum Beispiel:

Es gibt folgende Aussagen des Propheten: "Die erste Sure Fatiha(die Eröffnung) bringt so viele Segenspunkte wie der ganze Qur'an." "Die Sure 112 (Ihlas : Aufrichtige Hingabe) wie ein Drittel des ganzen Qur'an." "Die Sure 99 (das Beben) wie ein Viertel." "Die Sure 109 (die Ungläubigen) wie ein Viertel." "Die Sure 36 (Ya-Sin)zehnmal so viel wie der ganze Qur'an." So sagen denn Menschen, die dies ungerecht und oberflächlich betrachten: "Das ist unvorstellbar. Denn es sind die Sure Ya-Sin und noch andere Suren, die besondere Vorzüge haben, schon im Qur'an vorhanden. Aber wird deswegen schon eine solche Aussage sinnlos?"

Antwort:

Die Wahrheit ist aber folgende: Jeder Buchstabe des weisen Qur'an bringt Segen. Er ist ein gutes Werk. Durch die Gnade Gottes bringt der Segen dieser Buchstaben Früchte, manchmal zehn, manchmal siebzig, manchmal siebenhundert (wie die Buchstaben des Thronverses, Ayatu l-Kursi,Sure 2, Vers 255), manchmal tausendfünfhundert (wie die Buchstaben der Sure 112, Ihlas:Aufrichtige Hingabe), manchmal zehntausend (wie die Ayat, die man in der Nacht der Berufung des Propheten, Leyle-i Berat,und zu anderen bestimmten Zeiten rezitiert) und manchmal dreißigtausend, (also etwa ebensoviel wie ) zum Beispiel Mohnkörner hervorbringen können (z.B. die Ayat, die man in der Nacht der Bestimmung, Leyle-i Qadr,rezitiert). Der Hinweis des Qur'an, dass diese Nacht tausend Monaten entspricht, ist so zu verstehen, dass in dieser Nacht ein Buchstabe im Qur'an dreißigtausendfachen Segen bringt. In der Tat kann der weise Qur'an mit der Vielzahl der Segnungen, die von ihm ausgehen, in nichts aufgewogen werden und er wird es auch nicht. Doch kann er durch den Segen, der von ihm

ausgeht, mit einigen seiner Suren verglichen werden.

Zum Beispiel:

Stellen wir uns einen Acker vor, auf dem Maiskörner ausgesät sind; tausend Körner wurden ausgesät. Nehmen wir an, dass manche Körner sieben Kolben hervor bringen und jeder Kolben je hundert Körner enthalte. Dann entspricht (dem Ertrag, den) ein einziges Korn (hervorgebracht hat), zwei Drittel der gesamten Aussaat. Zum Beispiel bringt eines von ihnen zehn Kolben und jeder Kolben zweihundert Körner hervor. Dann erzielt ein einziges Korn zweimal so viel wie vorher die gesamte Aussaat im Acker. Auf diese Weise kann man also einen Vergleich ziehen.

Jetzt wollen wir uns einmal den weisen Qur'an als einen lichtvollen, heiligen Acker des Himmels vorstellen. Hinsichtlich des Segens, der aus der Anzahl seiner Buchstaben erwächst, entspricht vergleichsweise jeder seiner Buchstaben einem Saatkorn. Sein Fruchtstand (: der Kolben) soll hier nicht mit berechnet werden. An Hand von Suren und Ayat wie den Suren Ya-Sin, Ihlas, Fatiha, Qul ya ayyuha l-kafirun, Idha su l-silatu l-'arduund anderen, über deren besondere Vorzüge sich der Prophet äußerte, kann er gewogen werden.

Zum Beispiel:

Der weise Qur'an hat im Ganzen dreihunderttausend und sechshundertzwanzig Buchstaben. Sure 112, Ihlas(Aufrichtige Hingabe) hat mit Besmele{Besmele ist eine Abkürzung von "Bismillahi r-Rahmani r-Rahim" (Im Namen Gottes des Erbarmers, des Barmherzigen). Es steht am Anfang aller Suren. (A.d.Ü.)} neunundsechzig Buchstaben. Drei mal neunundsechzig macht zweihundertsieben Buchstaben. Also bringt jeder einzelne Buchstabe aus der Sure Ihlas etwa tausendfünfhundert Segenspunkte. Zählt man die Buchstaben in der Sure Ya-Sinund teilt die Buchstaben des ganzen Qur'an mit ihnen und achtet darauf, dass sie zehnfach mehr Segen als die Buchstaben des ganzen Qur'an bringen sollen, dann bekommt man folgendes Ergebnis: Jeder Buchstabe der ehrwürdigen Sure Ya-Sin hat etwa fünfhundert Segenspunkte.

Das heißt, dass jeder (Buchstabe) als ebensoviel gute Werke gezählt werden kann. Ziehst du in dieser Weise nun auch noch andere (Ahadith)zum Vergleich (über den Wert der Suren) heran, dann kannst du verstehen, was für eine anmutige, schöne und treffende Wahrheit ohne Übertreibung in ihnen zum Ausdruck kommt.

Zehnter Pfeiler:

Wie es unter den meisten Arten der Geschöpfe Ausnahmefälle gibt, so finden sich auch hinsichtlich der menschlichen Taten und Werke einige außergewöhnliche Einzelmenschen. Wenn diese Individuen in guten Taten vorangeschritten sind, dann ist ihre Art stolz auf sie. Im anderen Fall werden sie ein schlechtes Zeichen sein. Des Weiteren verbergen sie sich sogar. Es ist, als seien sie zu einer Legende geworden, oder zu einem Ideal. Alle anderen streben danach, selbst zu einer solchen Persönlichkeit zu werden. Jeder hat eine Möglichkeit, das zu werden. Was aber jenes vollkommene, außergewöhnliche Individuum betrifft, so ist es nicht an Zeit und Raum gebunden und unsichtbar. In Anbetracht seiner Unsichtbarkeit liegt logischerweise die Möglichkeit, von ihrer Allgemeingültigkeit zu sprechen. Das heißt, eine jede Tat kann nach der Überlieferung (unabhängig von Zeit, Raum und Öffentlichkeit) weitreichende Wirkungen haben.

Zum Beispiel:

"Wenn jemand zwei Rekat Namaz(Gebet) in dieser oder jener Zeit verrichtet, verdient er so viel Segen wie bei einer Pilgerfahrt." So entsprechen denn tatsächlich manchmal zwei Rekat Namazeiner ganzen Pilgerfahrt. Bei jedem Gebet von zwei Rekat ist diese Bedeutung allgemein gegeben. Das heißt jedoch, dass diese Aussagen des Propheten nicht jederzeit und für jeden zutreffend sind. Da die Annahme (unserer Gebete) von bestimmten Bedingungen abhängig ist, unterliegt sie nicht dem, was allgemein und allzeit gilt. Vielmehr ist sie entweder zeitlich bedingt, also nicht vorgeschrieben oder allzeit möglich und für alle gültig. Das heißt, die Allgemeingültigkeit einer Aussage des Propheten bringt lediglich eine Möglichkeit zum Ausdruck.

Noch ein Beispiel:

"Die üble Nachrede gleicht dem Mord." Das heißt, bei der üblen Nachrede gibt es einzelne Fälle, die, im Vergleich mit einem Mörder, mehr Schaden anrichten als mörderisches Gift.

Noch ein Beispiel:

"Ein schönes Wort gilt als eine große Wohltat wie die Freilassung eines Sklaven." Wenn in solchen Aussagen, wo es sich um Ermunterung und Anregung handelt, die Möglichkeit, dass dieser nicht näher definierte besondere Fall grundsätzlich überall eintreten kann, in Form einer allgemeinen Aussage formuliert wird, so geschieht das, um die Ermunterung zum Guten und die Abscheu vor dem Bösen zu erwecken.

Darüber hinaus können die Dinge der ewigen Welt nicht mit dem Maß dieser Welt gewogen werden. Das größte von hier kann mit dem kleinsten von dort nicht in gleicher Münze gewogen werden. Da sich der Segen für die Wohltaten auf die jenseitige Welt bezieht, bleibt unser irdisches Blickfeld dafür beschränkt. Wir können solche Dinge nicht mit unserem Verstand erfassen.

Zum Beispiel:

مَنْ قَرَاَ هٰذَا اُعْطِىَ لَهُ مِثْلُ ثَوَابِ مُوسٰى وَهَارُونَ

{"Wer dies liest, dem wird so viel Segen gegeben, wie der Segen von Mosis und Aaron."}

nämlich:

اَلْحَمْدُ ِللَّهِ رَبِّ السَّمٰوَاتِ وَرَبِّ اْلاَرَضِينَ رَبِّ الْعاَلمِينَ ٭ وَلَهُ الْكِبْرِيَآءُ فِى السَّمٰوَاتِ وَاْلاَرْضِ وَهُوَ الْعَزِيزُ الْحَكِيمُ ٭ اَلْحَمْدُ ِللَّهِ رَبِّ السَّمٰوَاتِ وَرَبِّ اْلاَرَضِينَ رَبِّ الْعَالَمِينَ ٭ وَلَهُ الْعَظَمَةُ فِى السَّمٰوَاتِ وَاْلاَرْضِ وَهُوَ الْعَزِيزُ الْحَكِيمُ ٭ وَلَهُ الْمُلْكُ رَبُّ السَّمٰوَاتِ وَهُوَ الْعَزِيزُ الْحَكِيمُ

{"Aller Lobpreis und Dank gebührt dem Herrn der Himmel, dem Herrn der Erde und Herrn der Welten." "Sein ist die Herrlichkeit in den Himmeln und auf Erden, und Er ist der unbesiegte Sieger und der Allweise." (Sure 45, 37) "Aller Lobpreis und Dank gebührt dem Herrn der Himmel, Herrn der Erde und Herrn der Welten. Sein ist die gewaltige Größe in den Himmeln und auf Erden, und Er ist der unbesiegte Sieger und der Allweise. Ihm, dem Herrn der Himmel, gehört das Reich und Er ist der unbesiegte Sieger und der Allweise."}

Dergleichen Aussagen sind es, die in erster Linie den kritischen Blick derer, die unbillig und oberflächlich denken, auf sich ziehen. Die Wahrheit ist folgende:

In welchem Umfang wir uns in dieser Welt mit unserem eingeengten Blickfeld und unseren viel zu kurz greifenden Gedanken eine Vorstellung machen können über den Segen, den Mosis und Aaron, mit denen Friede sei, erhalten, kann mit dem Segen, den der Allbarmherzige in der ewigen Welt mit der ewigen Glückseligkeit einem Seiner Diener in Not für ein einziges Gebet gibt, verglichen werden. Zum Beispiel ist da ein Beduine, ein einfacher Mann, der noch nie den König gesehen hat. Er kennt nicht seine majestätische Größe. Wie er sich den Aga (Landherren) auf einem Dorf vorstellt, so denkt er sich in seiner so begrenzten Vorstellung, einen König als einen großmächtigen Aga. Ja, es gab unter uns sogar naive Leute, die früher immer sagten: "Was der König an seinem Lagerfeuer macht, während er neben seinem Kochtopf sitzend seinen Bulgur(Grützensuppe) rührt, das weiß unser Aga." Das heißt also, dass sie sich den König ihrer begrenzten Betrachtungsweise und gewöhnlichen Vorstellungsweise dachten, wie er seinen eigenen Bulgur selbst kochte. Sie dachten sich ihn in etwa so mächtig wie einen Hauptmann. Hätte jemand einem von diesen Männern gesagt: "Wenn du heute für mich diese Arbeit machst, will ich dir so viel Macht geben, wie viel du dir nur unter der Macht eines Königs vorstellen kannst, das heißt: ich will dir einen so hohen Rang geben, wie er dem eines Hauptmanns entspricht.", so entspricht dieses Versprechen der Wahrheit. Denn das, was von der königlichen Majestät in seine kleine Vorstellungswelt hineinpasst, ist nur so viel wie der Macht eines Hauptmanns entspricht.

So können wir uns denn mit weltlichen Augen und mit unserem beschränkten Denkvermögen die Wahrheit über den Segen, den wir im Jenseits empfangen werden, auch nicht anders vorstellen, als dieser Wanderhirte seinen König. Es handelt sich hier nicht um einen Vergleich mit

dem Segen, den Mosis und Aaron, mit denen Friede sei, tatsächlich erhalten, der uns aber unbekannt ist. Denn in der Regel wird immer etwas Unbekanntes mit etwas Bekanntem verglichen. Es handelt sich hier vielmehr um einen Vergleich des Segens, den ein gläubiger Diener für ein einziges Gebet tatsächlich empfängt, der aber uns unbekannt ist, mit einem Segen (dieser beiden Persönlichkeiten), den wir uns vorstellen können, der uns bekannt ist und den wir vergleichen können.

Darüber hinaus wäre die Meeresoberfläche mit einem Wassertropfen zu vergleichen, der das ganze Spiegelbild der Sonne in sich umfasst. Der Unterschied besteht in der Qualität. Die Art des Segens, der sich in dem Spiegel des Geistes von Mosis und Aaron, mit denen Friede sei, gleich wie in einem Meeresspiegel reflektiert, ist die selbe Art Segen, den ein gläubiger Diener gleich dem Spiegel eines Wassertropfens von einer Ayah empfängt. Hinsichtlich der Art und der Menge sind sie gleich. Was aber die Qualität betrifft, so ist sie von der Fähigkeit abhängig. Manchmal passiert es, dass ein einziges Wort, ein einziges Gebet einen solchen Schatz der Glückseligkeit öffnet, den man vielleicht in sechzig Jahren Dienst nicht erlangt. Das heißt; manchmal treten geistige Zustände ein, in denen eine einzige Ayah wie der ganze Qur'an Nutzen bringen kann.

Darüber hinaus kann die Belohnung von Gott, die der ehrenwerte Gesandte, mit dem Friede und Segen sei, der unter der Erscheinung des Gewaltigen Namens (Gottes) steht, durch eine einzige Ayah erreicht, vielleicht der Belohnung entsprechen, die ein (anderer) Prophet in seinem ganzen Leben erhält. Wenn man sagt, dass ein Gläubiger, der durch das Erbe Ahmeds, mit dem Friede und Segen sei, unter den Schatten des Gewaltigen Namens (Gottes) tritt, seiner Begabung entsprechend hinsichtlich der Menge so reichlich Lohn und Segen empfängt wie der Gnade und dem Segen eines Propheten entspricht, kann dies nicht ein Widerspruch zur Wahrheit sein. Des Weiteren gehören Segen und Tugend zu der

Welt des Lichtes. Eine (Spiegelung der) Welt aus dieser Welt (des Lichts) kann in einem kleinsten Teilchen Platz finden. Wie in einer winzig kleinen Glasscherbe der Himmel mit seinen Sternen sichtbar wird, genauso kann sich in einem Gebet (dhikr)oder in (der Rezitation) einer Ayah, welche durch eine aufrichtige Einstellung kristallklar(er Spiegel) werden, eine Belohnung und Segen so leuchtend klar wie der Himmel wiederfinden.

Schlusswort:

Oh Mensch, der du unbillig, oberflächlich, im Glauben schwach, in der Philosophie aber stark, selbstgefällig und kritisch bist! Betrachte diese Zehn Pfeiler. Und versuche dann nicht, indem du dir eine Aussage, die du als der Wahrheit widersprechend und mit Sicherheit den Gegebenheiten entgegengesetzt betrachtest, zum Vorwand machst, den Finger der Kritik gegen die Aussagen des Propheten und infolge dessen gegen den Rang der Fehlerlosigkeit des ehrenwerten Gesandten zu erheben! Denn zuallererst bringen diese Zehn Pfeiler dich dazu, von einer Verleugnung abzusehen. Sie sagen dir: "Gibt es tatsächlich einen Fehler, so liegt er auf unserer Seite." Er kann nicht auf Seiten der Hadith liegen. Und "Ist der Fehler gar nicht wirklich (ein Fehler), so ist er auf einen Mangel an Verständnis deinerseits zurückzuführen." Kurzum, wenn man etwas leugnen, zurückweisen will, muss man zuerst einmal diese "Zehn Pfeiler" leugnen, d.h. widerlegen können. Wenn du recht und billig denken kannst, solltest du nun, nachdem du über diese Zehn Pfeiler gründlich nachgedacht hast, nicht mehr aufstehen, um den Ahadith des Propheten, die dein Verstand als der Wahrheit zuwiderlaufend betrachtet, zu widersprechen! Sage: "Entweder gibt es dazu einen Kommentar oder eine Auslegung, oder sie haben (ganz offensichtlich) einen Sinn" und kritisiere sie nicht!

Elfter Pfeiler:

Der weise Qur'an bringt Gleichnisse, die einer Deutung bedürfen, doch er fordert absolute Ergebenheit. Auch die Aussagen des Propheten enthalten wie die Gleichnisse des Qur'an Darstellungen. Manchmal bedürfen

sie eines sehr sorgfältigen Kommentars und der Auslegung. Wir können uns mit den oben erwähnten Beispielen begnügen.

Ein Mann im Wachzustand kann ja den Traum eines schlafenden Mannes an Hand seiner Bewegungen deuten. Genauso hört manchmal ein Mann im Schlaf die Stimmen der Leute, die neben ihm wach sind und sich unterhalten. Er nimmt sie innerhalb seiner Traumwelt wahr und verleiht ihr entsprechend Gestalt. Genauso, oh du unbillig denkender Mensch, der du wie betäubt im Schlaf deiner Gottvergessenheit und deiner Philosophie liegst, sollst du das, was jene Persönlichkeit sieht, die das Geheimnis von

مَازَاغَ الْبَصَرُ وَمَا طَغَى

{"Da wandte er seinen Blick nicht ab und ließ ihn nicht umherschweifen." (Sure 53, 17)}

und von

تَناَمُ عَيْنِى وَلاَ يَناَمُ قَلْبِى

{"Es schlafen meine Augen, doch mein Herz schläft nicht."}

erfahren hat und die wirklich wach ist, nicht in deinem Traum zurückweisen, sondern auslegen. Manchmal erlebt ein Mensch im Schlaf tatsächlich den Stich einer Mücke als ein Ereignis im Traum, als würde er in einem fürchterlichen Krieg verwundet. Könnte man ihn danach fragen, würde er sagen: "Tatsächlich wurde ich verwundet. Auf mich wurde mit Flinten und Kanonen geschossen." Diejenigen, die neben ihm sitzen, lachen über seine Qual im Schlaf. Das bedeutet also, dass der schläfrige Blick eines Gottvergessenen und seine philosophischen Gedanken mit Sicherheit kein Prüfstein für prophetische Wahrheiten sein können.

Zwölfter Pfeiler:

Da der Blick des Prophetentums, des Eingottglaubens (Tauhid)und des Glaubens (Iman)auf die Gegenwart Gottes (Vahdet),das Leben nach dem Tod (ahiret)und auf die Existenz des einen Gottes (Uluhiyet)

gerichtet ist, sieht er auch die Wahrheit dementsprechend. Das Auge (westlicher) Philosophie und Weisheit ist auf die Vielfalt in der Schöpfung, deren Ursachen und deren Natur gerichtet und sieht sie dementsprechend. Ihre Ausgangspunkte sind voneinander weit entfernt. Das größte Ziel der Leute des philosophischen Denkens ist unter den Zielen der Leute der Theologie und den Wissenschaftlern der Lehre vom Wort so winzig und unbedeutend, dass man es kaum sehen kann.

Aus diesem Grund sind die Leute der Weisheitslehre in ihren ausführlichen Erklärungen über das Wesen allen Seins und über die Feinheiten ihrer Formen weit fortgeschritten. Sie sind aber in dem hohen Wissen über Gott und über das Leben nach dem Tod so rückständig, dass sie noch rückständiger sind, als ein Gläubiger bei seinen Anfängen. Diejenigen, die dieses Geheimnis nicht bemerken, denken, die Gelehrten des Islams wären verglichen mit den (westlichen) Philosophen (den Naturwissenschaftlern) zurückgeblieben. Wie könnten jedoch diejenigen, denen der Verstand in die Augen gerutscht ist (d.h. sie glauben nur noch das, was sie sehen) und die in ihren Vielfältigkeiten erstickt sind (d.h. sie haben den Blick für das Ganze verloren), sich erdreisten, diejenigen, die dank des Erbes des Prophetentums die hohen heiligen Ziele erreicht haben, einholen zu können.

Wenn ein und dieselbe Sache aus zwei verschiedenen Blickwinkeln betrachtet wird, ergibt sich tatsächlich eine zweifache Schau (haqiqat)und beide sind tatsächlich gegeben. Doch keine endgültige wissenschaftliche Schau kann der heiligen Schau des Qur'an widersprechen. Der kurze Arm der Wissenschaft kann den reinen unbefleckten Saum seines Gewandes nicht erreichen. Als Muster erwähnen wir hier ein Beispiel:

Wenn die Erdkugel zum Beispiel aus dem Blickwinkel der Naturwissenschaftler betrachtet wird, lautet ihre Wahrheit folgendermaßen:

Sie ist ein mittelmäßiger Planet und kreist inmitten zahlloser Sterne um die Sonne. Im Vergleich mit diesen Sternen

ist sie nur ein kleiner Himmelskörper. Aber wenn sie aus dem Blickwinkel der Leute des Qur'an betrachtet wird, wie im "Fünfzehnten Wort" erläutert wurde, lautet ihre Wahrheit folgendermaßen:

Da der Mensch, die Frucht der Welt und ein ohnmächtiges, schwaches Wunder der Macht ist, einzigartig, doch das vielseitigste, liebenswerteste und anmutigste, ist die Erde seine Wiege und seine Wohnung. Sie ist im Verhältnis zum Kosmos zwar klein, winzig, aber in ihrer Bedeutung und als ein Kunstwerk das Herz und der Mittelpunkt des ganzen Kosmos... sie ist die Messe und der Ausstellungsort aller wunderbaren Kunstwerke (Gottes)... der Erscheinungsort und Brennpunkt aller Manifestationen Seiner Namen... der Versammlungsort und Spiegel der unbegrenzten Tätigkeiten der Herrschaft (Gottes)... der Angelpunkt und Markt der zahllosen Schöpfungen Gottes, besonders der im großen Umfang freigiebig erschaffenen kleinen Arten unter den Pflanzen und Tieren und sie ist ein Ort, wo die Muster für die Kunstwerke der überaus weiten jenseitigen Welten im kleinen Maßstab vorgeführt werden. Sie ist eine schnell arbeitende Weberei der Ewigkeit. Sie ist eine sich schnell ändernde Nachbildung der Szenen der ewigen Welt. Sie ist ein enges, zeitliches Feld und Beet, wo die Samenkörnchen der immerwährenden Gärten schnell ihre Früchte tragen.

Wegen dieser geistigen Größe und künstlerischen Bedeutsamkeit hält der weise Qur'an die Erde, die den Himmeln gegenüber wie eine winzige Frucht eines riesigen Baumes gilt, allen Himmeln gegenüber im Gegengewicht, wie ein winzig kleines Herz einem riesigen Körper gegenüber. Er legt sie in eine Waagschale und alle Himmel in die andere Waagschale und spricht oft von:

رَبُّ السَّمٰوَاتِ وَاْلاَرْضِ

{"Der Herr der Himmel und der Erde." (Sure 13, 16)}

So kannst du andere Beispiele mit diesem vergleichen und verstehen. Die geistlosen trüben Tatsachen der westlichen

philosophischen Denkweise (Naturwissenschaft) können nicht mit den Tatsachen des Qur'an, voll Geist und Licht, kollidieren. Da ihre Blickwinkel voneinander ganz verschieden sind, ist auch ihre Betrachtungsweise ganz verschieden voneinander.

Vierter Ast:

اَلَمْ تَرَ اَنَّ اللَّهَ يَسْجُدُ لَهُ مَنْ فِى السَّمٰوَاتِ وَمَنْ فِى اْلاَرْضِ وَالشَّمْسُ وَالْقَمَرُ وَالنُّجُومُ وَالْجِبَالُ وَالشَّجَرُ وَالدَّوَآبُّ وَكَثِيرٌ مِنَ النَّاسِ وَكَثِيرٌ حَقَّ عَلَيْهِ الْعَذَابُ وَمَنْ يُهِنِ اللَّهُ فَمَا لَهُ مِنْ مُكْرِمٍ اِنَّ اللَّهَ يَفْعَلُ مَايَشَآءُ

{"Siehst du nicht, dass alles, was in den Himmeln und auf Erden ist, sich vor Allah niederwirft, die Sonne, der Mond, die Sterne, die Berge, die Bäume und die Tiere und viele unter den Menschen. Viele aber erhielten ihre Strafe zu Recht. Und wen Allah schmäht, hat keinen, der ihn ehrt. Siehe, Allah tut, was Er will." (Sure 22, 18)}

Aus der großen und umfangreichen Schatzkammer dieser Ayah wollen wir nur auf einen einzigen Edelstein hinweisen. Es ist dies wie folgt:

Der weise Qur'an erklärt ausdrücklich, dass alles, was es von dem Thron Gottes bis zu der Erde, von den Sternen bis zu den Mücken, von den Engeln bis zu den Fischen, von den Planeten bis zu den Atomen gibt, sich vor Gott dem Gerechten niederwirft, Ihm dient und Ihn anbetet, lobt und preist. Aber ihr Dienst und ihre Anbetung sind entsprechend ihrer Begabung und den Namen Gottes, die an ihnen offenbar werden, völlig unterschiedlich... ganz voneinander verschieden. Wir wollen hier eine von den Verschiedenheiten in ihrem Dienst, ihrer Anbetung mit einem Gleichnis erklären.

Zum Beispiel:

وَ للَّهِ الْمَثَلُ اْلاَعْلٰى

{"Bei Gott sind die erhabensten Gleichnisse." (Sure 16, 60)}

Baut ein großer und mächtiger Herrscher seines Reiches, eine große Stadt oder ein prächtiges Schloss, so stellt dieser König vier verschiedene Arten von Arbeitern für diesen Bau ein und nimmt sie in seinen Dienst.

Die erste Art sind seine Sklaven.

Diese Art erhält weder Lohn noch Gehalt. Vielmehr empfangen sie bei allen Arbeiten, die sie auf Befehl ihres Herrn ausführen, eine zutiefst innere Freude und eine hohe Begeisterung. Wenn sie ihren Herrn loben und von seinen Eigenschaften reden, steigert sich noch ihre Freude und Begeisterung. Sie betrachten ihre Beziehung zu ihrem heiligen Herrn als eine große Ehre und begnügen sich damit. Außerdem verspüren sie eine innerliche Freude, während sie im Namen dieses Herrn, in Seinem Auftrag, unter Seiner Aufsicht ihre Arbeit leisten. Sie benötigen weder Lohn, noch Rang oder Gehalt.

Die zweite Art bilden einige ungeschulte Arbeiter.

Sie wissen nicht, worum es sich bei dieser Arbeit handelt. Vielmehr arbeiten sie im Dienste ihres Herrn. Er lässt sie nach Seiner Vorstellung und Seinen Plänen arbeiten. Er gibt ihnen auch einen entsprechenden Lohn. Diese Diener wissen nicht, welch umfangreichem Ziel, welch hohem Sinn und Nutzen ihre Tätigkeiten dienen. Manche stellen sich sogar vor, dass ihre Tätigkeit kein anderes Ziel außer dem ihnen zustehenden Lohn und Gehalt hat.

Die dritte Art:

Dieser Herrscher, der über sein Eigentum verfügt, hat eine bestimmte Art Tiere. Er lässt sie einige Tätigkeiten bei dem Bau jener Stadt, jenes Schlosses verrichten. Er gibt ihnen nur Futter. Diese finden auch ihre Freude daran, dass sie ihren Begabungen entsprechende Tätigkeiten verrichten können. Wenn eine potentielle Fähigkeit, eine Begabung sich in eine Tätigkeit, eine Arbeit umsetzt, dehnt sie sich aus und atmet und bringt Freude. Die Freude an jeder Tätigkeit entspringt aus diesem Geheimnis. Der Lohn und Gehalt dieser Art Diener ist nur das Futter und ihre innere Freude. Sie begnügen sich damit.

Die vierte Art sind solche Arbeiter, die wissen, was sie tun und worum es sich bei ihrer Arbeit handelt und für wen sie arbeiten und worum es sich bei den Tätigkeiten der anderen Arbeiter handelt und was das Ziel dieses Herrschers, der über sein Eigentum verfügt, ist und warum er arbeiten lässt.

Diese Sorte Arbeiter haben eine Führungs- und Überwachungsposition über andere Arbeiter. Sie haben ihrer Stufe und ihrem Rang entsprechend ein Gehalt.

Genauso stellt der Herr der Welten, der der majestätische Herrscher der Himmel und der Erde ist und der Vollkommene Erbauer der diesseitigen und der jenseitigen Welt, in diesem kosmischen Schloss, innerhalb des Rahmens dieser Ursachen, sowohl die Engel als auch die Tiere, die Pflanzen, die unbelebten Dinge und auch die Menschen, nicht um Seines Bedürfnisses Willen in den Dienst, Er ist ja der Schöpfer aller Dinge, sondern um mancher Weisheiten Willen, wie um Seiner Würde und Größe und der Wirkung Seiner Herrschaft willen. Er veranlasst sie dazu, Ihm zu dienen und Ihn anzubeten. Diese vier Arten hat Er zu ganz verschiedenen Aufgaben und zu Seiner Anbetung in Dienst genommen.

Erste Art:

In unserem Beispiel sind mit den Sklaven die Engel gemeint. Was die Engel betrifft, so gibt es unter ihnen keine Anstrengungen und keine Bemühungen zu ihrer weiteren Entwicklung. Jeder Engel hat eine bestimmte Stellung (maqam)und einen festen Rang. Doch in den ihnen zugewiesenen Tätigkeiten finden sie die ihnen entsprechende Freude. In ihrem Dienst und ihrer Anbetung empfangen sie je nach ihrer Stufe auch ihren Segen. D.h. also, dass der Lohn für ihre Dienste und für ihre Hingabe in ihrem Dienst selbst liegt. Wie der Mensch sich mit Wasser, Luft, Licht und Nahrungsmitteln ernährt und erhält und sie genießt, so ernähren sich die Engel und genießen das Licht, das ihnen aus dem Gottesgedenken, dem Lobpreis, der Danksagung, der Anbetung, der Gotteserkenntnis und der Liebe aufleuchtet. Denn da sie aus dem Licht erschaffen sind, genügt ihnen Licht als alleinige Nahrung. Selbst gute Düfte, die mit dem Licht nahe verwandt sind, gelten ihnen als eine Art Nahrung, die sie gleichfalls zu schätzen wissen.

In der Tat lieben die Guten Geister die guten Gerüche. Des Weiteren empfangen die Engel durch die Tätigkeiten, die sie auf Befehl des Angebeteten verrichten, durch

die Arbeiten, die sie in Seinem Auftrag ausführen, durch die Dienste, die sie in Seinem Namen versehen, in Anbetracht der Dinge, die sie mit Seinen Augen betrachten, in der Ehre, die sie in der Verbundenheit mit Ihm erwerben, durch die Reisen, die sie zum Studium Seines Herrschaftsbereiches (Mulk)und des Reiches Seiner Namen (Melekut)unternehmen, in der Begeisterung, die in ihnen bei dem Betrachten der Erscheinungen Seiner Schönheit (Djemal)und Majestät (Djelal)wach wird, eine solch gewaltige Glückseligkeit, dass es der menschliche Verstand nicht zu fassen vermag und die keiner - es sei denn ein Engel - zu wissen vermag.

Ein Teil der Engel obliegt dem Dienst der reinen Anbetung, ein anderer Teil drückt ihren Dienst und ihre Anbetung in ihren Arbeiten aus. Der dem irdischen Dienst verpflichtete Teil Arbeitsengel ist in etwa den Menschen vergleichbar. Sie arbeiten, wenn man das so sagen darf, als eine Art Hirten. Ein anderer Teil arbeitet nach Art der Bauern. Denn die Erde ist gewissermaßen ein gemeinschaftlicher Acker für sie alle. Über alle Tierarten, die auf ihr leben, wacht ein zuständiger Engel unter dem Befehl des majestätischen Schöpfers, mit Seiner Erlaubnis, in Seinem Auftrag, kraft Seiner Macht und Stärke. Eine Stufe unter ihm stehen wieder andere Engel, welche die Hüteengel für nur eine bestimmte Tierart sind. Darüber hinaus ist die Erde auch ein Acker, auf dem alle Pflanzen bestellt werden. Es gibt einen zuständigen Engel, der im Namen Gottes des Gerechten und mit Seiner Kraft über allen wacht. Wieder ein anderer Engel, abermals eine Stufe unter ihm, wacht über nur eine bestimmte Pflanzenart. Solche Engel dienen Gott dem Gerechten auf diese Weise, beten Ihn an, loben und preisen Ihn. Der Erzengel Michael, mit dem Friede sei, gehört zu den Trägern des Thrones der Versorgung (Rezzaqiyet).Er führt unter ihnen die Aufsicht und ist der größte unter ihnen.

Die Engel, die als Bauern und Hirten dienen, sind nicht mit den Menschen zu vergleichen. Denn ihr Aufsichtsdienst geschieht allein im Auftrag Gottes des Gerechten,

in Seinem Namen, in Seiner Kraft und in Seinem Auftrag. Ihr Aufsichtsdienst besteht also nur darin, dass sie die Erscheinungen Seiner Herrschaft für die Art, für die sie beauftragt sind, beaufsichtigen, die Erscheinung der Macht und der Barmherzigkeit in dieser Art erkennen, die Befehle Gottes für diese Art sozusagen eingeben und die freien Handlungen dieser Art gewissermaßen ordnen. Und ihr Aufsichtsdienst über die Pflanzen im Acker der Erde besteht insbesondere darin, die Lobpreisungen, die die Pflanzen auf ihre Art darbringen, mit Engelszungen darzustellen und die lebendigen Geschenke, die sie mit ihrem Leben dem majestätischen Schöpfer darbieten, mit Engelszungen zu verkünden und mit den gegebenen Anlagen gut umzugehen und sie auf bestimmte Ziele hin auszurichten, sozusagen zu ordnen.

Diese Dienste der Engel sind eine Art Werk, das sie aus freiem Willen verrichten, ja es ist Gottesdienst und ihre Art der Anbetung. Eine tatsächliche Herrschaft über diese Dinge haben sie aber nicht. Denn alle Dinge sind mit dem besonderen Siegel des Schöpfers aller Dinge versehen. Andere können sich mit ihren Händen nicht an der Schöpfung beteiligen. Das heißt, was die Art Tätigkeit der Engel betrifft, so ist es ihr Dienst und ihre Anbetung, nicht ihre Gewohnheit wie bei den Menschen.

Die zweite Art Arbeiter in diesem kosmischen Schloss sind die Tiere.

Da die Tiere eine hungrige Seele und ein klein wenig freien Willen haben, können ihre Werke nicht allein um Gottes Willen geschehen. Sie gewinnen dabei in gewissem Grade etwas für ihre Seele. Der Herr des Reiches, dem alle Majestät und Ehre zu Eigen ist (Maliku l-Mulki Dhu l-Djelali ve l-Ikram),schenkt ihnen in Seiner Freigiebigkeit einen Lohn, der schon in ihrer Tätigkeit selbst enthalten ist, um ihrer Seele einen Anteil zu geben.

Zum Beispiel:

Die uns bekannte Nachtigall,

{(*): Da sich die Nachtigall poetisch äußert, werden auch wir hier in unserem Thema ein wenig poetisch. Es handelt sich dabei aber nicht um Phantasie sondern um Tatsachen.}

berühmt

geworden durch ihre Liebe zu einer Rose, nimmt der allweise Schöpfer in Seinen Dienst. Er gebraucht sie in fünffacher Absicht:

Erstens:

Sie ist eine Beauftragte, die im Namen der verschiedenen Tiergattungen die intime Beziehung zu den Pflanzenarten bekannt gibt.

Zweitens:

Sie ist seitens der Tiere, dieser der Versorgung bedürftigen Gäste des Erbarmens, eine Rednerin des Herrn, beauftragt, die Geschenke, die der freigiebige Versorger schickt, mit Jubelgesang (in Empfang zu nehmen) und ihre Freude darüber zum Ausdruck zu bringen.

Drittens:

Sie gibt den Pflanzen, welche ihren Artgenossen zu Hilfe gesandt worden sind, vor allen anderen einen guten Empfang.

Viertens:

Sie teilt den gesegneten Häuptern der Pflanzen um ihrer schönen Gesichter willen die große Bedürftigkeit der Tiere mit, die sich bis zum Grade der Liebe steigert.

Fünftens:

Sie bringt den anmutigsten Lobgesang, vor der Schwelle der Barmherzigkeit des Herrn des Reiches (Maliku l-Mulk),des Majestätischen (Djelal)in Seiner Vollkommenheit (Djemal)und Gastfreundschaft (Ikram),in der innersten Begeisterung, vor dem anmutigsten Gesicht, wie dem einer Rose, zum Ausdruck.

Außer diesen oben genannten fünf verschiedenen Absichten gibt es auch noch andere Deutungsmöglichkeiten. Diese Deutungsmöglichkeiten und Absichten sind das Ziel des Werkes, das die Nachtigall im Auftrag Gottes des Gerechten, des Gepriesenen, des Erhabenen verrichtet. Die Nachtigall spricht in ihrer eigenen Sprache. Wir verstehen deren Bedeutung aus ihrem melancholischen Gesang. Auch wenn sie die Bedeutung ihres eigenen Gesanges nicht vollständig versteht, hindert dies uns nicht daran, ihn zu verstehen, so wenig wie es auch die Engel und Geister nicht daran hindert. Es ist ja bekannt, dass "Der, welcher hört, besser versteht, als der, der spricht." Wenn die Nachtigall diese Bedeutungen nicht

ausführlich kennt, ist das kein Beweis dafür, dass es sie nicht gibt. Sie tut doch wenigstens gleich der Uhr, wenn sie uns die Stunden anzeigt. Auch sie weiß selbst nicht, dass sie dies tut. Wenn sie es nicht weiß, stört das nicht, wenn du es weißt. Was aber den geringen Lohn betrifft, den die Nachtigall dafür empfängt, so besteht er in der Freude, die sie in der Betrachtung jener schönen und lieblichen, lächelnden Rosen erhält, und in dem Genuss, der ihr im vertrauten Gespräch mit ihnen zuteil wird, wenn sie ihnen ihr Herz ausschüttet. Das heißt, ihr melancholischer Gesang ist nicht die Klage über das Leid der Tiere, sondern eine Danksagung, die aus (dem Empfang) einer Gabe des Erbarmens erwächst.

Vergleiche nun die Nachtigall (als Sprecherin der Vögel) mit der Bienenkönigin (welche gleich der Nachtigall die Sprecherin der Bienen ist), (dem Vertreter) der männlichen Tiere, der Spinnen, der Ameisen und der kleinen und kleinsten Tiere. Jedes von ihnen hat in seinem Tun vielerlei Bedeutungen gleich der Nachtigall. Auch für sie ist als eine kleine Entlohnung die ihnen entsprechende Freude in ihrem Dienst und an ihrem Tun gegeben. Mit dieser Freude erfüllen sie zugleich wichtige Aufgaben in diesem Kleinod des Herrn. So wie ein Mann, der auf einem Schiff des Königs seinen Dienst als Steuermann versieht und dafür seinen Anteil an der Heuer erhält, genauso erhalten auch die Tiere, die im Dienst des Hochgelobten stehen, den ihnen entsprechenden Lohn.

Eine Ergänzung zu dem Abschnitt mit der Nachtigall:

Gib Acht, dass du nicht etwa denkst, diese Art, bekannt zu machen, zu veröffentlichen und ihren Lobgesang anzustimmen, sei nur typisch für den Schlag der Nachtigall. Vielmehr haben die meisten Tierarten solche Vertreter, die der Nachtigall ähneln. Sie kennen ein oder mehrere besonders prächtige Exemplare, die ihre Art mit all ihren anmutigen Empfindungen, mit ihren anmutigen Lobpreisungen und mit ihren anmutigen Lauten vorstellen. Die Nachtigallen unter den Insekten und den Käfern sind besonders zahl- und artenreich. Sie lassen über den

Häuptern aller Tiere, die ein Gehör haben, von dem Kleinsten bis zu dem Größten, ihre Lobpreisungen mit den schönsten Klängen und Lauten hören und erfreuen sie damit. Ein Teil von ihnen sind Nachttiere. Sie sind die Freunde aller kleinen Tiere, die in die Stille der Nacht eingetaucht und auf ihrem Lager ruhen, und sie rezitieren ihnen Lobgedichte. In nächtlicher Stille, während die Schöpfung ihren Atem anhält, tragen sie ihnen mit süßen Worten ihre Lesungen vor. Sie sind wie geistige Pole, um die sich die Einsamen im Kreise versammeln und Gottes im Stillen gedenken. Jeder hört ihnen zu und gedenkt des majestätischen Schöpfers in seinem Herzen und lobt Ihn auf seine Art. Ein anderer Teil von ihnen lebt im Licht und macht am Tage von den Kanzeln der Bäume über den Häuptern aller Lebewesen, im Frühling und im Sommer mit lauter Stimme, mit anmutigen Gesängen und melodischen Lobpreisungen, die Barmherzigkeit des gnädigen Erbarmers bekannt.

Es ist, als ob sie - gleich einem Chorleiter - in einer Dhikr-Feier ihre Zuhörer mit erhobener Stimme in Begeisterung versetzten, sodass jeder von den Hörern in der Sprache seiner Art, mit dem besonderen Klang (seiner eigenen Stimme), des majestätischen Schöpfers zu gedenken beginnt. Das heißt, dass alles Sein und Leben (maudjudat),ja sogar die Sterne ihren Dhikr-Leiter, eine Art lichtstrahlender Nachtigall, haben.

Aber unter allen diesen Nachtigallen ist der Beste, der Würdigste, der Leuchtenste, der Klarste, der Großartigste und der Freigiebigste, der Stimmgewaltigste, der Glänzendste in den Eigenschaften, der Vollständigste im Gottesgedenken, der Umfassendste in der Danksagung, der Vollkommenste in seinem Wesen, der Schönste nach seinem Aussehen, der im Garten des Kosmos, alles Sein im Himmel und auf Erden mit seinen anmutigen Gesängen, seiner voll- und wohltönenden Stimme, mit seinen hohen Lobpreisungen in Begeisterung und in Ekstase versetzt, die ruhmreiche Nachtigall des Menschengeschlechtes und die Nachtigall der Adamssöhne mit dem

Qur'an, Mohammed, der Araber.

عَلَيْهِ وَعَلٰٓى اٰلِهِ وَاَمْثاَلِهِ اَفْضَلُ الصَّلاَةِ وَاَجْمَلُ التَّسْلِيمَاتِ

{"Möge sein und seiner Familie und seiner Gefährten Gebet auf das schönste und seine Hingabe auf das edelste gewürdigt sein!"}

Zusammenfassung:

Die Tiere, die in dem kosmischen Schloss dienen, folgen in vollkommenem Gehorsam den Befehlen des Seins (den Naturgesetzen) und zeigen den Sinn ihrer Natur (den Plan Gottes) in ihrem schönen Erscheinungsbild und als ein Werk Gottes des Gerechten. Die Aufträge ihres Lebens führen sie auf schönste Art mit der Kraft Gottes des Gerechten aus. Die Lobpreisungen und Gottesdienste, die sie auf diese Weise darbringen, gelten als ihre Gaben und lebendigen Gastgeschenke, die sie dem majestätischen Schöpfer und an der Schwelle dessen, der das Leben schenkt, überreichen.

Die dritte Art Arbeiter:

Es sind die Pflanzen und die unbelebte Natur. Da sie keine freie Entscheidung haben, können sie auch keine Belohnung erhalten. Ihre Werke sind rein um Allahs Willen und geschehen durch den Willen Gottes des Gerechten, in Seinem Namen, in Seinem Auftrag, in Seiner Macht und Kraft. Beobachtet man jedoch die Reaktion der Pflanzen, so spürt man, dass sie in der Erfüllung ihrer Aufgaben, in der Bestäubung, der Befruchtung, beim Heranwachsen und Reifen ihrer Früchte eine Art von Genuss empfinden. Doch empfinden sie überhaupt keinen Schmerz. Ein Tier, das einen freien Willen hat, empfindet außer Freude auch Schmerz. Da die unbelebte Natur und die Pflanzen bei ihren Tätigkeiten über keinen freien Willen verfügen können, sind ihre Werke viel vollkommener als die Handlungen der Tiere, die im Besitz ihrer freien Entscheidungen sind. Unter denen, die über einen freien Willen verfügen, sind die Werke derer, die gleich der Biene, mit Eingebung und Erleuchtung begnadet sind, weit vollkommener als die Werke derer, die auf ihrem freien Willen bauen.

Auf dem Acker dieser Welt beten alle Pflanzenarten zu dem Allweisen Schöpfer und bitten Ihn im wortlosen

Ausdruck ihrer naturgegebenen Anlagen: "Oh Herr! Gib uns die Kraft, überall auf der Erde die Fahne unserer Gattung aufzurichten und so das Königreich Deiner Herrschaft auf unsere Weise zu verkünden. Verleihe uns Erfolg, damit wir in allen Ecken der Moschee dieser Erde Dich anbeten. Schenke uns Kraft, wenn wir uns ausbreiten, wenn wir verreisen wollen, damit wir überall auf dem Ausstellungsort "Erde" die Ornamente Deiner schönen Namen, Deine einzigartigen, hinreißend schönen Kunstwerke in unserer Sprache bekannt machen."

Der Allweise Schöpfer nimmt ihre Gebete der beabsichtigten Meinung entsprechend an, indem Er den Samen eine Art Flügelchen oder Fallschirmchen von kleinen Federchen gibt, womit sie in alle Richtungen fliegen und sich verbreiten. Im Namen ihrer Gattung lässt Er sie Seine Namen vortragen, (wie die meisten der dornigen Pflanzen und ein Teil der Samen der gelben Blumen). Einem Teil (der Pflanzen) verleiht Er (Früchte) von schönem (fruchtigen) Fleisch, das die Menschen nötig haben und gerne mögen. Er lässt den Menschen ihnen dienlich sein, sodass dieser sie überall anbaut. Manche Samenarten sind unverdaulich und hart wie Knochen. Er überzieht sie mit dem Fruchtfleisch, welches dann die Tiere fressen, und so diese Samen in verschiedene Richtungen verbreiten. Er verleiht manchen auch Häkchen, die sich an jeden anheften, der sie berührt. So kommen sie wieder in eine neue Gegend und pflanzen dort die Fahne ihrer Gattung ein. Sie stellen die einzigartigen Kunstwerke des glorreichen Meisters aus. Einem anderen Teil, wie z.B. einer Pflanzenart, die man "Spritzgurke" nennt, verleiht Er die Kraft einer Schrotflinte. Ist ihre Reifezeit gekommen, fällt ihre Frucht, die Gurke, ab und verschießt ihre Samen wie Schrotkörner mehrere Meter im Umkreis und sät sie (auf diese Weise aus). Sie arbeiten dafür, dass die Leute des majestätischen Schöpfers in vielen Sprachen gedenken und Ihn lobpreisen. Finde noch andere, ähnliche Beispiele.

Der allweise Schöpfer, der Allwissende, der Allmächtige, erschafft alles in vollkommener Ordnung aufs schönste, stattet es aufs schönste aus und richtet es für Seine schönsten Zwecke her, beauftragt es mit den schönsten Aufgaben, lässt es den schönsten Lobpreis darbringen und die Gottesdienste aufs schönste verrichten.

Oh Mensch! Wenn du ein wahrer Mensch bist, lass die Natur, den Zufall, die Sinnlosigkeit, den Irrtum sich nicht in diese schönen Tätigkeiten einmischen; mache (Gottes wunderbare Schöpfung nicht auf diese Weise) hässlich, handle nicht hässlich, werde nicht (selbst dadurch) hässlich.

Die vierte Art Arbeiter:

Es sind die Menschen. Die Menschen die in diesem kosmischen Schloss eine Art Diener sind, ähneln sowohl den Engeln als auch den Tieren. Der Mensch ähnelt den Engeln in seinem universellen Dienst und in der Anbetung Gottes, in seinem umfangreichen Aufsichtsdienst, in seiner umfassenden Kenntnis und als öffentlicher Ausrufer der Herrschaft Gottes. Ja, der Mensch ist (in seinen Aufgaben) sogar noch vielseitiger. Aber da der Mensch eine Seele hat, die unersättlich und zum Bösen geneigt ist, werden in ihm - im Gegensatz zu den Engeln - sehr bedeutende Vor- und Rückschritte bemerkbar. Da der Mensch durch seine Handlungen eine Freude für seine Seele und auch einen Anteil für sich selbst sucht, gleicht er den Tieren. Weil dies aber so ist, erhält der Mensch auch zweierlei Lohn: Der eine ist für ihn persönlich, leiblich und wird in dieser Zeitlichkeit ausbezahlt. Die andere (Art Lohn) gleicht dem der Engel, umfasst (die Menschheit als) Ganzes, gilt für die Ewigkeit. Nun wurden der Lohn des Menschen für seine Leistung, seine Vor- und Rückschritte schon zum Teil in den vorangegangenen Dreiundzwanzig Worten erwähnt. Besonders im elften und dreiundzwanzigsten (Wort) wurde eingehend darauf hingewiesen. Deswegen kommen wir hier nun zum Ende und schließen die Türe (hinter uns) zu. Wir bitten den gnädigen Erbarmer inständig darum, dass Er die Tore zur Barmherzigkeit für uns öffne, uns bei der Vollendung dieses Wortes führe und uns den

Erfolg zum Reisegefährten gewähre. Wir schließen mit der Bitte um Verzeihung unserer Fehler und Nachlässigkeiten.

Fünfter Ast:

Der fünfte Ast trägt "fünf Früchte".

Erste Frucht:

Oh du meine selbstsüchtige Seele! Oh du mein weltanbetender Freund! Liebe ist der Anlass für die Existenz dieses Kosmos. Zudem ist sie das Band dieses Kosmos. Ferner ist sie das Licht dieses Kosmos, und sie ist sein Leben. Da der Mensch die vielseitigste Frucht dieses Kosmos ist, ist die Liebe, die den ganzen Kosmos umhüllen kann, in sein Herz, das der Kern dieser Frucht ist, hineingelegt. Eine solche grenzenlose Liebe kann nur derjenige verdienen, der grenzenlose Vollkommenheit besitzt.

Wohlan denn, oh Seele, oh Freund! Zwei Organe, die dem Menschen Angst und Liebe vermitteln, sind in seiner Natur (fitrat)vorhanden. In jedem Fall, werden diese Liebe und diese Angst entweder auf die Schöpfung oder auf den Schöpfer hin ausgerichtet sein. In Wirklichkeit ist aber die Angst vor der Schöpfung eine leidvolle Plage. Auch ist die Liebe zur Schöpfung (d.h. ihr verfallen zu sein) ein lästiges Unglück. Denn du hast Angst vor denen, die kein Erbarmen mit dir haben oder deine Bitte nicht entgegennehmen. In diesem Zustand ist die Angst eine leidvolle Plage. Was aber die Liebe betrifft, so kennt das, was du liebst, dich entweder nicht und geht, wie deine Jugendzeit und dein Besitztum, ohne ein "Auf Wiedersehen" zu sagen, oder beleidigt dich wegen deiner Liebe. Siehst du denn nicht, dass sich 99 Prozent der weltlichen Liebhaber über ihre Geliebten beschweren? Denn mit dem Innern des Herzens, welches der Spiegel dessen ist, dessen alle und alles bedürfen (Samad),die weltlichen, götzenähnlichen Geliebten anzubeten, ist in den Augen dieser Geliebten hässlich; sie finden es lästig und lehnen es ab. Die natürliche (fitrat)Beschaffenheit lehnt alles ab, was unnatürlich und ungebührlich ist, und verwirft es. (Die sinnliche Liebe soll hier außer Betracht bleiben.) Das heißt, die Dinge, die du liebst, kennen dich

entweder nicht oder sie verachten dich oder sie werden dich nicht (für immer) begleiten. Sie werden dich auch gegen deinen Willen verlassen.

Da dies nun einmal so ist, sollst du deine Angst und deine Liebe dem zuwenden, vor dem deine Angst zu wohltuender Hingabe wird. Deine Liebe soll mit einer Freude verbunden sein, die nicht erniedrigt. Sich vor dem majestätischen Schöpfer zu fürchten, heißt in der Tat, einen Weg zu der Liebe Seiner Barmherzigkeit zu finden und bei Ihm seine Zuflucht zu nehmen. Furcht ist eine Peitsche. Sie wirft dich an die Brust Seiner Barmherzigkeit. Bekanntlich macht ja eine Mutter ihrem Kindlein Angst, damit es sich in ihren Schoß flüchtet. Diese Angst ist für ihr Kindlein ganz besonders angenehm. Denn die Barmherzigkeit (shefqat)lässt es sich in ihren Schoß flüchten. In Wirklichkeit gleicht aller Mütter Liebe und Zärtlichkeit einem Blitzstrahl der Barmherzigkeit Gottes. Also liegt in der Gottesfurcht ein überwältigender Wohlgeschmack. Wenn sich in der Gottesfurcht ein solcher Wohlgeschmack findet, wird es offensichtlich, welch ein grenzenloser Wohlgeschmack sich in der Liebe Gottes findet. Des Weiteren rettet sich der, der sich vor Gott fürchtet, vor den erbärmlichen und unheimlichen Ängsten. Und da seine Liebe zur Schöpfung im Auftrag Gottes ist, endet sie auch nicht in Trennung und Leid.

In der Tat liebt der Mensch zuallererst seine eigene Seele, danach seine Verwandten, dann sein Volk, dann die lebendigen Geschöpfe, dann das Universum und die ganze Welt (dunya).Mit jedem dieser Kreise fühlt er sich verbunden. Er freut sich in ihren Freuden und leidet in ihren Leiden. Da aber nun im Tohuwabohu dieser Welt und ihren Wirbelstürmen nichts von Bestand ist, wird des Menschen hilfloses Herz zu allen Zeiten verwundet. Alle Dinge, die an seinen Händen festkleben, reißen ihm die Hände ab, wenn sie von ihm gehen, ja reißen sie ihm in Stücke. Ständig lebt er in seinem Leid oder trunken von seiner Gottvergessenheit. So ist das nun einmal, du meine Seele! Wenn du Verstand hast, sammle alle diese o.g.

Arten der Liebe, schenke sie ihrem wahren Eigentümer und rette dich von diesen Leiden. Solch grenzenlose Liebe gebührt dem Herrn grenzenloser Vollkommenheit und Schönheit. In dem Augenblick, in dem du sie ihrem wahren Eigentümer geschenkt hast, in dem Augenblick kannst du alle Dinge in Seinem Namen und als Seine Spiegelungen lieben, ohne (ihretwegen) zu leiden. Das heißt, man soll seine Liebe nicht unmittelbar und direkt an die Schöpfung weggeben. Anderenfalls wird die Liebe, die doch das schönste Geschenk (der Gnade) ist, zu peinvoller Verhöhnung werden.

Bleibt noch ein Aspekt, und das ist der wichtigste, oh Seele! Du gibst deine Liebe für dich selbst aus. Du machst dir deine Seele zu deinem Angebeteten und Geliebten. Alles opferst du deiner Seele. Es ist, als schriebest du dir eine Art Herrschaft zu. In Wirklichkeit ist aber der Grund der Liebe entweder die Vollkommenheit, die als Wesensmerkmal liebenswert ist, oder ein Vorteil, oder Wohlgefallen, oder eine Wohltätigkeit. Aus dergleichen Gründen wird etwas geliebt.

Nun, oh Seele! In einigen "Worten (Sözler)"haben wir schon unwiderlegbar bewiesen, dass dein eigentliches Wesen eine Mischung aus Fehlern, Mangel, Armseligkeit und Schwäche ist, wobei - gleich wie der Grad der Dunkelheit einer Verfinsterung im Vergleich den Glanz des Lichtes zeigt - du durch diesen Gegensatz mit dieser (Mischung) der Vollkommenheit, der Schönheit, der Macht und der Barmherzigkeit des majestätischen Schöpfers einen Spiegel vorhältst. Das heißt, oh Seele! Du sollst deine Seele nicht lieben, sondern als deinen Widersacher behandeln, oder sie voll Mitleid behandeln, oder - nachdem sie innerliche Ruhe (nefsu l-mutma'inna)erlangt hat - liebevoll behandeln. Wolltest du aber deine Seele lieben - denn du bist ja die Quelle allen Wohlbefindens und aller Vorteile, ja von der Freude an deinem Wohlbefinden und deinen Vorteilen geradezu hingerissen - so bevorzuge nicht dein Wohlbefinden und deinen Vorteil, den deine Seele sucht und doch nur einem Fünkchen gleicht,

vor grenzenlosem Wohlbefinden und nicht endenden Vorzügen! Werde nicht wie das Glühwürmchen. Denn, in der Einsamkeit seiner Finsternis versenkt es alle seine Freunde und geliebten Dinge, und begnügt sich selbst mit einem Fünkchen. Du sollst den Urewigen Geliebten lieben, denn zu dessen Liebenswürdigkeit gehören mit dem Wohlbefinden und allen Vorteilen für deine Seele auch noch die Geschenke der ganzen Schöpfung und allen Seins, mit dem du verbunden bist, aus deren Vorzügen du deinen Nutzen ziehst und mit deren Glück du glücklich wirst, damit du dich sowohl mit deinem eigenen als auch mit ihrer aller Glück freuen kannst. Des Weiteren kannst du grenzenloses Wohlbefinden, das dir aus deiner Liebe zu dem Absoluten-Vollkommenen erwächst, empfangen.

Deine starke Liebe, die du deiner eigenen Seele zuwendest, die dir um Gottes willen aus Seinem Wesen zuströmt, ist Liebe von ihrem Wesen her, die du aber missbrauchst und für dein eigenes Wesen verausgabst. Zerreiße also nun dieses "Ich" in deiner Seele und zeige das "Er (Hu)".All deine im ganzen Universum verstreute Liebe ist dir gegeben, als die Liebe zu Seinen Namen und Eigenschaften. Du hast sie missbraucht. Die Strafe dafür hast du dir zugezogen. Denn die Strafe ungebührlicher Liebe, am falschen Platz verausgabt, ist eine unbarmherzige Plage.

Für den urewigen Geliebten, der dir deine Wohnstatt mit seinem Namen der Erbarmer, der Barmherzige und mit Jungfrauen zum Paradies gestaltet, es dir für all deine Wünsche und deine leiblichen Genüsse bereitstellt, der dieses Paradies mit all Seinen weiteren Namen mit ewigen Geschenken für dich ausstattet, um die Wünsche deines Geistes, deines Herzens, deiner meditativen Wahrnehmung, deines Verstandes und all deiner sonstigen feinstofflichen Organe zufrieden zu stellen, der sich in jedem seiner Namen, als den vielen verschiedenen geistigen Schätzen als der Gnädige und Freigiebige erweist, ist ein Fünkchen Seiner Liebe so viel wert wie der ganze

Kosmos. Der ganze Kosmos kann auch nicht einem Bruchteil vom Aufscheinen Seiner Liebe gleichkommen. So höre denn nun den urewigen Erlass, den dieser urewige Geliebte (Mahbub)Seinen eigenen Geliebten (Habib)sagen lässt:

اِنْ كُنْتُمْ تُحِبُّونَ اللَّهَ فَاتَّبِعُونِى يُحْبِبْكُمُ اللَّهُ

{"Wenn ihr Gott liebt, dann folgt mir, damit auch Gott euch liebt!" (3, 31)}

und befolge ihn!

Zweite Frucht:

Oh Seele! Dienst und Anbetung sind nicht ein erster Schritt in Richtung auf eine spätere Belohnung, sondern die Folgerung aufgrund eines vorangegangenen Geschenks. In der Tat haben wir unsere Belohnung schon erhalten. Dementsprechend sind wir zu Dienst und Anbetung verpflichtet.

Denn, oh Seele! Der majestätische Schöpfer, der dir als lautere Wohltat deinen Körper bekleidet und einen hungrigen Magen gegeben, hat unter Seinem Namen als "der Versorger (Rezzaq)"alle Speisen vor dir auf einer Geschenktafel ausgebreitet. Nachdem Er dir dann ein empfindsames Leben verliehen hat, verlangt auch dieses Leben, genau wie dein Magen danach, versorgt zu werden. Alle deine Sinnesorgane, wie Augen und Ohren, sind wie Hände, vor denen Er die ganze Erde als eine große Tafel voller Geschenke ausgebreitet hat. Nachdem Er dir dann deine Menschlichkeit verliehen hat, die viel Zivilisation, Kultur, Spiritualität erfordert, hat Er vor dem Magen deiner Menschlichkeit eine Tafel voller Gastgeschenke aufgetan, groß wie die Welt der Engel und der Menschen (alem-i mulk ve melekut)und so weit, wie du die Hand deines Verstandes ausstrecken kannst. Nachdem er dir dann als größte Menschlichkeit den Islam und den Glauben, der sich nach zahllosen Geschenken sehnt und der sich von den Früchten der grenzenlosen Barmherzigkeit ernährt, geschenkt, hat Er vor dir eine Tafel voller Geschenke, Glückseligkeit und einen Sinn für den Bereich aller Möglichkeiten, zugleich mit dem der Schönen Namen

und dem der Eigenschaften des Heiligen aufgetan. Nachdem Er dir dann die Liebe als ein Licht des Glaubens gegeben, hat Er dir eine Tafel mit Geschenken ohne Ende, Glückseligkeit und Wohlgeschmack zugeeignet. Das also heißt, wenn du auch hinsichtlich deines Körpers ein kleines, schwaches, ohnmächtiges, elendes, abhängiges und beschränktes Wesen bist, so bist du doch durch Seine Gaben von einem kleinen Teilchen zu einer alles umfassenden lichtvollen Ganzheit aufgestiegen. Denn, indem Er dir das Leben verliehen hat, bist du als ein Bruchteil zu einer Art Ganzheit gelangt; indem er dir deine Menschlichkeit verliehen hat, zu einer wahren Ganzheit; indem Er dir den Islam geschenkt hat, zu einer erhabenen und leuchtenden Ganzheit; und indem Er dir die Erkenntnis verliehen hat, ließ Er dich zu dem allumfassenden Licht aufsteigen.

Wohlan, oh Seele! Du hast diesen Lohn schon (im voraus) erhalten. Nun bist du (aber auch zu) einem angenehmen, gnadenvollen, erholsamen, leichten Dienst vor Gott und zu Seiner Anbetung verpflichtet. Doch selbst dafür bist du noch zu träge. Wenn du ihn aber nur halb machst, als reichte der schon zuvor empfangene Lohn nicht aus, so stellst du viel zu große Forderungen. Zudem (versuchst du, Gott) hinzuhalten, wenn du sagst: "Warum ist mein Gebet nicht angenommen worden?" Was dir zusteht, ist zu bitten, nicht (zu versuchen, Gott) hinzuhalten. Gott der Gerechte schenkt dir das Paradies und die ewige Glückseligkeit als Seine lautere Güte und Freigiebigkeit. Darum sollst du auch immer bei Seiner Barmherzigkeit und Freigiebigkeit Zuflucht suchen. Vertraue auf Ihn und höre den folgenden Erlass (ferman):

قُلْ بِفَضْلِ اللَّهِ وَبِرَحْمَتِهِ فَبِذٰلِكَ فَلْيَفْرَحُوا هُوَ خَيْرٌ مِمَّا يَجْمَعوُنَ

{"Sprich: Es ist Gottes Huld und Seine Barmherzigkeit, worüber sie sich nun freuen sollen. Das ist besser, als was sie (im Diesseits an Geld und Gut) zusammenbringen." (Sure 10, 58)}

Wenn du sagst:

"Wie kann ich solch umfangreichen, grenzenlosen Gastgeschenken mit meinem begrenzten, unvollkommenen Dank entgegnen?"

Antwort:

Mit einer Absicht, die alles mit einschließt, mit einer grenzenlosen Überzeugung...

Zum Beispiel:

Ein armer Mann tritt vor seinen König mit einem Geschenk im Wert von fünf Pfennigen hin und sieht, die Geschenke, von ehrenwerten Männern gebracht, jedes Millionen wert, dort aufgestellt. Es kommt ihm in den Sinn: "Mein Geschenk ist nichts wert. Was soll ich machen?" Plötzlich sagt er: "Oh mein Herr! Alle diese wertvollen Geschenke biete ich Dir in meinem Namen an. Denn Du bist ihrer würdig. Wenn ich dazu im Stande wäre, wollte ich Dir noch einmal ein Gleiches schenken." So nimmt dieser König, der überhaupt nichts benötigt und ihre Geschenke nur als Zeichen der Loyalität und Hochachtung seiner Untertanen entgegen nimmt, diese große und alles mit einschließende gute Absicht (niyet),den Wunsch dieses armen Mannes, seine Wertschätzung aus einer guten und edlen Überzeugung heraus, als das größte Geschenk an. Genauso sagt ein Diener in seiner Armseligkeit im Gebet, At-tehiyyatu lillah(alles Gute gebührt Gott). Das heißt: "Die Geschenke, die Dir die Geschöpfe mit ihrem Leben in all seinen Erscheinungsformen (hayat)als Gottesdienst darbringen, möchte ich Dir alle wie mein eigenes Geschenk darbringen. Stünde es in meiner Macht, wollte auch ich Dir darbringen, so viel auch immer ihrer aller Lobpreis entspricht. Zudem gebührt Dir alles, sogar noch mehr als sie Dir darbringen können." So ist denn diese Absicht und Überzeugung eine alles und jedes umfassende Danksagung. Die Absicht der Pflanzen aber sind ihre Samenkörner und Kerne.

Zum Beispiel hat eine Honigmelone in ihrem Herz tausend Absichten in Form ihrer Kerne. "Oh mein Schöpfer! Ich will die Ornamente Deiner schönen Namen an vielen Stellen der Erde bekannt machen." Da Gott der Gerechte weiß, wie Dinge künftig kommen werden, nimmt Er ihre Absichten als Gebet an und als einen Dienst, der bereits ausgeführt wurde. "Die innere Absicht (niyet)eines Gläubigen wiegt schwerer, als die Tat", weist auf dieses

Geheimnis hin. Aus diesem Geheimnis heraus wird der Sinn (des folgenden Gebetes) verständlich, Gott in grenzenloser Zahl zu loben und zu preisen, wie:

سُبْحَانَكَ وَبِحَمْدِكَ عَدَدَ خَلْقِكَ وَرِضَآءَ نَفْسِكَ وَزِنَةَ عَرْشِكَ وَمِدَادَ كَلِمَاتِكَ وَنُسَبِّحُكَ بِجَمِيعِ تَسْبِيحَاتِ اَنْبِيَآئِكَ وَاَوْلِيَآئِكَ وَمَلٰٓئِكَتِكَ

{"Lobpreis und Dank sei Dir nach Zahl und Maß Deiner Schöpfungen, die Dich zufrieden stellen, die Deinen Thron schmücken, welche die Tinte Deiner Worte sind. So preisen auch wir Dich mit allen Lobpreisungen Deiner Gesandten, Deiner Gottesfreunde und Deiner Engel."}

Des Weiteren bringt zum Beispiel ein Offizier in seinem eigenen Namen dem König alle Dienste seiner Soldaten dar. Genauso sagt ein Mensch, der sich als Offizier der Schöpfung versteht, der über Tiere und Pflanzen das Kommando führt, der im Stande ist, gegenüber allen Existenzen der Erde als Vertreter Gottes (: Kalif) zu erscheinen und der sich in seiner eigenen, persönlichen Welt (d.h. in seinem Leben) allen als Beauftragter vorstellt,

اِيَّاكَ نَعْبُدُ وَاِيَّاكَ نَسْتَعِينُ

{"Dir allein dienen wir, und zu Dir allein nehmen wir unsere Zuflucht." (Sure 1, 5)}

Er bietet dem Angebeteten in Seiner Majestät (Ma'budu Dhu l-Djelal)alles Gebet, die Dienste und Hilferufe der ganzen Schöpfung wie seine eigenen an. Ferner sagt er:

سُبْحَانَكَ بِجَمِيعِ تَسْبِيحَاتِ جَمِيعِ مَخْلوُقَاتِكَ وَبِاَلْسِنَةِ جَمِيعِ مَصْنُوعَاتِكَ

{"Gepriesen seist Du mit der Gesamtheit aller Lobpreisungen der Schöpfung, in all den Sprachen Deiner Kunstwerke."}

Er lässt die ganze Schöpfung in seinem Auftrag sprechen. Ferner sagt er:

اَللّٰهُمَّ صَلِّ عَلٰى مُحَمَّدٍ بِعَدَدِ ذَرَّاتِ الْكَآئِنَاتِ وَمُرَكَّبَاتِهَا

{"Oh Gott, segne Mohammed so viel Mal, nach der Zahl der Bestandteile des Alls und der Anzahl seiner Atome."}

Er bringt Mohammed, mit dem Friede und Segen sei,

im Namen aller Dinge seine Segenswünsche dar. Denn alle Dinge stehen mit dem Licht Ahmeds, mit dem Friede und Segen sei, in Verbindung. So verstehe denn den Sinn einer unbegrenzten Anzahl Lobpreisungen Gottes und Segenswünschen für Mohammed, mit dem Friede und Segen sei.

Dritte Frucht:

Oh Seele! Wünschst du in einer kurzen Lebensspanne ein gutes Werk für das Jenseits im grenzenlosen Maße und möchtest jede einzelne Minute deines Lebens so verdienstvoll wie ein ganzes Leben sehen und würdest gerne deine alltäglichen Gewohnheiten in einen Gottesdienst und deine Gottvergessenheit in Gottbewusstsein umwandeln, dann folge den preisenswürdigen Sitten des Propheten. Denn, wenn du dich der Art und Weise der Scharia entsprechend verhältst, versetzt dich das auf eine Art in Gottes Gegenwart (huzur).Es wird dir zu einer Art Gottesdienst. Es bringt dir im Jenseits viele Früchte.

Zum Beispiel:

Du hast etwas gekauft. In dem Augenblick, wo du im Handel und Wandel auf die Regeln der Scharia achtest, wird auch der alltägliche An- und Verkauf zu einem Gottesdienst. Diese Erinnerung an die Bestimmungen der Scharia gibt eine Vorstellung von der Offenbarung. Indem du aber an den Gesetzgeber denkst, wendest du dein Antlitz Gott zu. Auch das versetzt dich wiederum in die göttliche Gegenwart. Das heißt also: indem man bei seinen Handlungen den preisenswürdigen Sitten des Propheten entspricht, bringt dieses vergängliche Leben bleibende Frucht und erhält man einen Nutzen, der ein Anlass für ein ewiges Leben wird. Höre den folgenden Erlass (ferman):

فَاٰمِنوُا بِاللَّهِ وَرَسُولِهِ النَّبِىِّ اْلاُمِّىِّ الَّذِى يُؤْمِنُ بِاللَّهِ وَكَلِمَاتِهِ وَاتَّبِعُوهُ لَعَلَّكُمْ تَهْتَدُونَ

{"Darum glaubt an Allah und Seinen Gesandten, den ungelehrten Propheten, der an Gott und Seine Worte glaubt; folgt ihm, damit ihr rechtgeleitet seid!" (Sure 7, 158)}

Bemühe dich darum, damit alle schöne Namen Gottes, die segenspendenden Erscheinungen, die sich durch die Bestimmungen der Scharia und den preisenswürdigen Sitten des Propheten zeigen, bei dir erkennbar werden.

Vierte Frucht:

Oh Seele! Wenn du die Leute der Welt, besonders die Leute der Ausschweifung, besonders aber die Leute des Unglaubens betrachtest, lass dich nicht von dem äußerlichen Schmuck und von den trügerischen, von Gott verbotenen Genüssen, täuschen! Ahme sie auch nicht nach. Denn wenn du sie auch nachahmst, so kannst du doch nicht ihnen gleich werden. Du wirst sehr tief fallen. Du kannst auch kein Tier sein. Denn der Verstand in deinem Kopf wird dir zu einem Instrument, das dir nur noch Unglück bringt. Er wird ständig auf dich einhämmern.

Zum Beispiel:

Nehmen wir an, in dem großen Saal eines Schlosses befände sich eine riesige elektrische Lampe. Viele kleine Lampen, die mit dieser großen Lampe verbunden und zu ihr parallel geschaltet sind, seien überall in den kleinen Räumen verteilt. Wenn nun jemand den Schalter zu dieser riesigen Lampe umlegt und so das Licht ausschaltet, fallen alle Räume in eine tiefe Dunkelheit und in eine Trostlosigkeit. In allen Räumen eines anderen Schlosses befänden sich ebenfalls kleine elektrische Lampen, die aber nicht mit der riesigen Lampe im großen Saal verbunden seien. Wenn nun der Schlossherr den Schalter zu dieser riesigen elektrischen Lampe umlegt und somit ausschaltete, kann in den übrigen Räumen dennoch Licht sein. Somit kann dort weiter gearbeitet werden. Diebe können keine Gelegenheit finden.

Wohlan denn, oh Seele! Das erste Schloss ist mit einem Muslim zu vergleichen. Der ehrenwerte Prophet, mit dem Friede und Segen sei, ist in seinem Herzen jener großen elektrischen Lampe (des Schlosses) vergleichbar. Vergäße er ihn jemals, würde er ihn - was Gott verhüten möge! - aus seinem Herzen verbannen, kann er nie mehr einen anderen Propheten annehmen. Ja, es bleibt in seinem Geist kein Platz mehr für irgendeine Art von Vollkommenheit. Ja, er wird noch nicht einmal mehr seinen Herrn anerkennen. In seinem Innersten verfallen alle Stuben,

stürzen alle feinstofflichen (Organe) in Finsternis und in seinem Herzen breitet sich eine furchtbare Zerstörung und Trostlosigkeit aus. Was gäbe es denn noch, was du anstelle dieser Zerstörung, dieser Trostlosigkeit gewinnen könntest, um dein Vertrauen zurückzugewinnen! Welchen Vorteil könntest du finden, um nach einer solchen Zerstörung den Schaden noch zu beheben? Dagegen ist das zweite Schloss den Fremdlingen (: Nichtmuslime) zu vergleichen. Auch wenn sie das Licht des Propheten, mit dem Frieden und Segen sei, aus den Herzen verweisen, können nach ihrer Vorstellung dennoch manche Lichter übrigbleiben oder sie stellen sich doch vor, dass sie übrigbleiben könnten. Ihre Art wie Mosis oder Jesus, mit denen Friede sei, zu glauben und (von der Existenz) eines Schöpfers überzeugt zu sein, können weiterhin bestehen bleiben und ihren Moralvorstellungen als Quelle dienen.

Oh du eigenwillige Seele (nefsu l-emmare)!Wenn du sagst: "Ich möchte nicht wie ein Fremdling sein. Ich will lieber wie ein Tier sein." Doch wie viele Male hatte ich dir nicht schon gesagt: "Du kannst nicht wie ein Tier sein. Denn da du Verstand im Kopf hast, schlägt dieser Verstand dir deine vergangenen Leiden und künftigen Ängste um die Ohren, um den Kopf, vor die Augen, ins Gesicht und verprügelt dich damit. Einen Genuss vermischt er dir mit tausend Leiden. Was aber das Tier betrifft, so empfängt es vollkommenen Genuss ohne Leid und freut sich. Daher nimm also zuerst einmal deinen Verstand heraus und wirf ihn von dir, dann erst werde ein Tier! Und weiter fühle dich (durch die folgende Ayah) geohrfeigt:

كَاْلاَنْعَامِ بَلْ هُمْ اَضَلُّ

{"Sie gleichem dem Vieh, ja gehen noch mehr in die Irre als sie." (Sure 7, 179)}

Fünfte Frucht:

Oh Seele! Wie wir vielmals gesagt haben ist der Mensch die Frucht am Baume der Schöpfung. Er trägt ein Herz, wie eine Frucht ihren Samenkern, welcher

von der Wurzel (d.h. von seinem Ursprung) am weitesten ist, sich umfassend auf den ganzen (Baum) bezieht und die Zusammenschau des Ganzen (djihetu l-vahdet)in sich aufbewahrt. Er ist ein Geschöpf, dessen Gesicht auf Vielfältigkeit, Vergänglichkeit und Weltlichkeit (dunya)hin blickt. Was aber Dienst und Anbetung betrifft, so sind sie ein vereinigender Strang, der sein Gesicht von der Vergänglichkeit zur Ewigkeit, vom Geschaffenen zum Schöpfer, von der Vielheit zur Einheit und vom Endpunkt zum Ausgangspunkt wendet, oder ein Punkt, wo Anfang und Ende sich berühren.

Angenommen, eine kostbare, mit Bewusstsein begabte Frucht, die als Same bestimmt ist, würde die Lebewesen unter dem Baume betrachten und - stolz auf ihre Schönheit - sich in ihre Hände werfen oder aber nicht Acht geben und herunterfallen, so würde sie ihnen in die Hände fallen, in Stücke zerbrechen und schließlich wie eine ganz gewöhnliche Frucht verloren gehen. Wenn hingegen diese Frucht ihren Stützpunkt erkennt und daran denken könnte, dass der Kern in ihr, welcher eine Zusammenschau (djihetu l-vahdet)des ganzen Baumes in sich enthält, ein Mittel für den Fortbestand des Baumes und die Fortdauer seines Daseins (haqiqat)ist, dann erfährt dieser eine einzige Kern in dieser einen Frucht eine beständige, auf den ganzen (Baum) bezogene Wirklichkeit in einem fortdauernden (baqi)Leben.

Genauso wird auch der Mensch, wenn er sich in der Vielfalt (der Ursachen) verliert, im Dasein (kainat)erstickt, sich betrunken von seiner Liebe zur Welt vom Lächeln alles Vergänglichen (fani)verführen lässt und sich ihr in die Arme wirft, erfährt er auf jeden Fall einen grenzenlosen Verlust. Er stürzt zugleich in die Verlorenheit, die gleich ist mit Vergänglichkeit, gleich ist mit Nichtigkeit. Ferner verurteilt er sich innerlich zu seiner Hinrichtung. Wenn er jedoch durch das Ohr des Herzens den Glaubensunterricht mit den Worten des Qur'an hört, seinen Haupt erhebt und sich der Einheit (vahdet)zuwendet, kann er auf der Leiter des Dienstes und der Anbetung Gottes zum Throne der Vollkommenheit emporsteigen. So wird er ein unvergänglicher Mensch.

Oh du meine Seele! Da die Wahrheit nun einmal so ist und du zu dem Volk Abrahams, mit dem der Friede sei, gehörst, sage wie Abraham

لآَ اُحِبُّ اْلاٰفِلِينَ

{"Ich liebe die nicht, die untergehen." (Sure 6, 76)}

Und wende dein Gesicht dem beständigen Geliebten zu und weine so wie ich:

(Die persischen Verse die hier folgen sollten, sind schon im zweiten Kapitel des "Siebzehnten Wortes" niedergeschrieben worden, weshalb wir sie hier nicht angeführt haben.)

Fünfundzwanzigstes Wort

Abhandlung über die Wunder des Qur'an

Da der Qur'an als ein bleibendes Wunder auf der Hand liegt, erscheint es meinem Verstand für unnötig, nach einem anderen Zeugnis zu suchen.

Da der Qur'an als ein Zeugnis der Wahrheit auf der Hand liegt, könnte es etwa für mein Herz schwer sein, die Ungläubigen zum Schweigen zu bringen?

Anmerkung

Wir hatten am Anfang die Absicht dieses Wort in fünf "Flammen" zu schreiben. Aber am Ende der ersten Flamme mussten wir sehr schnell schreiben, um es noch mit den alten (arabischen) Schriftzeichen drucken zu können. Wir haben sogar in manchen Tagen zwanzig, dreißig Seiten in zwei, drei Stunden geschrieben. Deswegen haben wir drei Flammen kurz und bündig zusammengefasst und die weiteren zwei Flammen vorläufig aufgegeben. Ich bitte die Brüder darum, meine Fehler und Mängel bei den Erklärungen mit Nachsicht und Toleranz zu betrachten.

Die meisten Ayat, die in dieser Abhandlung "Über die Wunder des Qur'an" behandelt werden, sind die, welche entweder die Ungläubigen zum Anlass ihrer Kritik machen oder die, welche die Wissenschaftler bestreiten oder solche Ayat, über die die Teufel unter Dschinnen und Menschen Verdächtigungen und Zweifel aufkommen lassen. Dieses "Fünfundzwanzigste Wort" hat die Wahrheit und die Andeutungen in diesen Ayat so erklärt und nach wissenschaftlichen Grundlagen bewiesen, dass die Punkte, die die Ungläubigen und die Wissenschaftler als Fehler ansehen, die Funken des Wunders und die Quellen sind, in denen sich die Wortkunst des Qur'an als vollendet herausstellt. Ihre Zweifel werden nicht erwähnt, um

keinen Brechreiz hervorzurufen, und es werden nur die richtigen Antworten gegeben. Nur im ersten Kapitel des "Zwanzigsten Wortes" werden in drei, vier Ayat, wie

وَالشَّمْسُ تَجْرِى ٭ وَالْجِبَالَ اَوْتاَداً

{"die Sonne dreht sich..." (Sure 36, 38) "Wir machten die Berge zu Masten..." (Sure 78, 7)}

ihre Zweifel erwähnt. Diese Abhandlung über Wunder des Qur'an wurde zwar sehr kurz und eilig verfasst, aber hinsichtlich der Rhetorik und arabischen Sprachwissenschaft sind die Erklärungen so wissenschaftlich, fundiert und unwiderlegbar, dass sogar die Gelehrten davon begeistert sind. Jeden Abschnitt kann zwar nicht jeder, der aufmerksam liest, ganz verstehen und auch seinen Nutzen daraus ziehen, doch hat jeder in diesem "Garten" einen bedeutenden Anteil. Da diese Abhandlung sehr eilig und unter verwirrenden Umständen verfasst wurde, hat sie zwar in der Ausdrucksweise Mängel, sie erklärt aber vom wissenschaftlichen Standpunkt aus betrachtet die Wahrheit in einigen sehr wichtigen Punkten.

Said Nursi

* * *

Abhandlung über die Wunder des Qur'an

بِسْمِ اللَّهِ الرَّحْمَنِ الرَّحِيمِ ٭ قُلْ لَئِنِ اجْتَمَعَتِ اْلاِنْسُ وَالْجِنُّ عَلٰٓى اَنْ يَاْتوُا بِمِثْلِ هٰذَا الْقُرْاٰنِ لاَ يَاْتُونَ بِمِثْلِهِ وَلَوْ كَانَ بَعْضُهُمْ لِبَعْضٍ ظَهِيراً

{"Im Namen Allahs, des Erbarmers, des Barmherzigen." "Sprich: Gesetzt den Fall, die Menschen und die Geister kämen alle zusammen, um etwas herbeizubringen, was diesem Qur'an gleich wäre, so werden sie nichts dergleichen beibringen können. Auch nicht, wenn sie sich dabei gegenseitig helfen." (Sure 17, 88)}

Unter zahllosen Aspekten des weisen Qur'an, als Wunder, der in seiner Verkündigung ein Wunder ist, Schatzkammer der Wunder und das große Wunder Ahmeds, mit dem Friede und Segen sei, haben wir in meinen Abhandlungen und in der Risale-i Nur in arabischer Sprache und in meinem Kommentarbuch mit dem Titel "Zeichen des Wunders (Isharatu l-i'djaz)"und in diesen vorigen vierundzwanzig "Worten" auf etwa vierzig von ihnen hingewiesen. Hier wollen wir nur fünf Aspekte davon bis zu einem gewissen Grade erklären und die anderen Aspekte in ihnen zusammenfassen und mit einer Einleitung auf dessen Darstellung und Wesen hinweisen.

Die Einleitung besteht aus drei Abschnitten.

Erster Abschnitt:

Was ist der Qur'an? Wie kann man ihn darstellen?

Antwort:

Wie schon im "Neunzehnten Wort" erklärt und in anderen Worten bewiesen wurde, ist der Qur'an die urewige Übersetzung dieses großen Buches der Schöpfung... er ist das Sprachrohr ihrer verschiedensten Zungen, die die Wunderzeichen des Seins vortragen... er ist der Kommentator dieses Buches der unsichtbaren und bezeugten (alem-i shehadet)Welten... er ist der Entdecker der Namen Gottes als geistige Schätze, die in der Erde und im Himmel verborgen sind... er ist der Öffner der Wahrheiten, die in den Zeilen der Ereignisse enthalten sind... er ist die Sprache der unsichtbaren Welt in der sichtbaren Welt... er ist die Schatzkammer der ewigen Zuwendungen des Allbarmherzigen und der urewigen Reden des Gepriesenen, welche aus der unsichtbaren Welt kommen, die hinter dem Schleier dieser sichtbaren Welt liegt... er ist die Sonne, Fundament und Plan dieser geistigen Welt, die der Islam ist... er ist die heilige Landkarte der jenseitigen Welten... er ist das erläuternde Wort, eindeutige Auslegung, sicherer Beweis, klarer Übersetzer des Wesens, der Eigenschaften, der Namen und des Wirkens Gottes... er ist der Erzieher dieser Menschenwelt...er ist das Wasser und das Licht des Islam, was Hingabe in Gottes Willen bedeutet, was die

große Menschlichkeit ist... er ist die wahre Weisheit des Menschengeschlechts... er ist der wahre Lehrer und Wegweiser, der die Menschheit zur Glückseligkeit führt... er ist den Menschen sowohl ein Gesetzbuch als auch ein Gebetbuch und auch ein Buch der Weisheit, ein Buch des Gottesdienstes, ein Buch der Befehle und Einladungen, ein Buch des Gottesgedenkens, ein Buch des Nachsinnens; er ist das einzige, umfassende heilige Buch, das viele Bücher in sich enthält, die den Menschen für alle ihre geistige Bedürfnisse als Nachschlagewerke dienen können.

Er ist ein Buch des Himmels und gilt als eine heilige Bibliothek, die je ein Buch für die unterschiedliche Gemüts- und Lebensart aller Gottesfreunde, Getreuen, Kenner und Forscher der Wahrheit und für ihre verschiedenen Berufungen bietet, wie es der Stimmung in jeder Gemüts- und Lebenslage entspricht und jede Gemüts- und Lebenslage erhellt, wie es den Zwecken jeder Berufung angemessen ist und sie auch gestaltet.

Zweiter Abschnitt und Ergänzung zur Darstellung (des Qur'an):

Der Qur'an - herabgesandt vom Hohen Thron, offenbart durch Gottes höchsten Namen und durch alle Seine Namen auf deren höchster Stufe bestätigt (wie im "Zwölften Wort" bewiesen und erklärt wurde) - ist das Wort Allahs als des Herrn aller Welten. Zudem ist er der Erlass (ferman)Allahs, dessen Titel "Gott allen Seins" ist. Und weiter ist er eine Ansprache dessen, der Schöpfer der Himmel und der Erde ist. Überdies ist er das Wort des Herrn aller Herrscher. Zudem ist er eine immerwährende Predigt im Namen des allgemeinen Königreiches des Hochgepriesenen. Und weiter ist er ein Buch gnädigen Erbarmens aus der Überfülle des Allbarmherzigen. Überdies ist er eine Sammlung von Mitteilungen Gottes des Erhabenen voll Größe und Majestät, an deren Anfängen manchmal Chiffren stehen. Zudem ist er ein heiliges Buch voll Weisheit, herabgesandt vom Hohen Thron im Namen des Allerhöchsten, das alles umfasst und überall seine Gültigkeit hat. So ist denn dies das Geheimnis

aus dem heraus dem Qur'an der Ehrentitel "Wort Gottes" in vollkommener Rechtmäßigkeit verliehen wurde und immer noch verliehen wird. Den zweiten Platz auf der Stufenleiter nehmen nach dem Qur'an die Bücher und Schriften der anderen Propheten je nach dem Grad ihrer Vorzüglichkeit ein. Nun aber verhält es sich mit den zahllosen Worten Gottes so, dass dem Menschen ein Teil von ihnen als ein Wort besonderer Wertschätzung, ein anderer wie ein verkleinertes Abbild einer persönlichen Bezeichnung oder eines eigenen Namens, ein anderer in der Gestalt seines persönlichen Herren, ein anderer in der Form seines eigenen Reiches, ein anderer als das nur für ihn bestimmte Wort der Barmherzigkeit in Form einer Eingebung sichtbar wird. Die Eingebungen bei den Engeln, bei den Menschen und bei den Tieren sind hinsichtlich ihrer besonderen und ihrer allgemeinen Gültigkeit von einander sehr verschieden.

Dritter Abschnitt:

Der Qur'an ist ein himmlisches Buch, das in Kurzfassung die Bücher aller Propheten verschiedener Epochen enthält, die Werke aller Heiligen verschiedener Gemüts- und Lebensarten, die Werke aller aufrechten Männer der Wahrheit mit ihren verschiedenen Lehrmethoden. Er hat einen sechsfältigen Glanz. Er ist frei von der Finsternis der Verdächtigungen und Zweifel.

Er ruht in Gewissheit (bi l-yaqin)auf der Säule der himmlischen Offenbarung und des Urewigen Wortes. Sein Ziel und Zweck ist erwiesenermaßen ewige Glückseligkeit. Im Innern ist er offensichtlich reine Rechtleitung. Oben ist er notwendigerweise Strahl des Glaubens. Unten ist er mit wissenschaftlicher Gewissheit (bi ilme l-yaqin)Beweis und Zeugnis. Zur Rechten ist er mit der Gewissheit der Erfahrung die Sicherheit (teslim)des Herzens und des Gewissens. Zur Linken ist er mit Gewissheit durch Beobachtung (bi ayne l-yaqin)die Unterwerfung des Verstandes und der Vernunft. Seine Früchte sind mit Gewissheit durch Selbsterfahrung (bi haqqe l-yaqin)die Barmherzigkeit des Allerbarmers und die Gärten des Paradieses. Sein Rang und seine Bevorzugung

ist durch wahre Intuition unter Engeln, Menschen und Dschinnen gepriesen.

Jede von den Eigenschaften, die in diesen drei Teilen über Darstellung des Qur'an aufgezählt sind, wurden in verschiedenen Zusammenhängen schon eindeutig bewiesen oder sie werden noch bewiesen. Unsere Behauptungen sind keineswegs aus der Luft gegriffen, vielmehr ist jede einzelne von ihnen mit unwiderlegbaren Zeugnissen bewiesen.

Erste Flamme:

Diese Flamme hat drei Strahlen.

Erster Strahl:

Es ist die geradezu wunderbare Brillanz des Qur'an. Was aber diese Brillanz betrifft, so ist sie eine, die aus dem Fluss seiner Verse, aus der Kompetenz in seiner Aussage, aus der Einzigartigkeit seines Stils, aus seinem unvergleichlichen, bewunderungswürdigen Vorzug, aus der Überlegenheit seiner Erklärungen, aus seiner überragenden Unbefangenheit, aus der Kraft und Wahrhaftigkeit seines Inhalts, aus der Korrektheit und Beredsamkeit seines Wortes entsteht, eine Brillanz mit der er überaus geniale Dichter, die wunderbarsten Redner und Denker, die größte Kenntnisse besitzen unter den Söhnen Adams, zu einer Auseinandersetzung ruft und sie seit dreizehnhundert Jahren herausfordert. Er stachelt sie an und reizt sie in ihrem Gemüt. Obwohl er sie zu einer Auseinandersetzung herausfordert, konnten diese Genien, obwohl sie doch in ihrer Selbstgefälligkeit und Arroganz ihren Kopf bis zum Himmel empor gereckt halten, dennoch ihren Mund nicht öffnen, um sich mit ihm auseinanderzusetzen, verloren total ihre Würde und mussten ihr Haupt senken. Hier weisen wir auf diesen Aspekt seiner besonderen Brillanz auf zweierlei Art hin.

Erste Art:

Er ist ein Wunder und dieses ist gegenwärtig. Denn: Die Bewohner auf der arabischen Halbinsel waren in jener Zeit in der überwiegenden Mehrheit Analphabeten. Unkundig des Lesens und Schreibens tradierten sie ihren Stolz, die Ereignisse ihrer Geschichte, die Worte ihrer Väter, die ihrer guten Gesittung dienlich sein sollten, nicht durch Aufschreiben, sondern in ihrer Dichtung

und der künstlerischen Eleganz ihrer Redeweise. Ein bedeutendes Wort der Altvorderen prägte sich durch seine dichterische Anziehungskraft und in seiner Brillanz stets wieder dem Gedächtnis ihrer Nachkommen ein. So hatten denn quasi in Folge eines natürlichen Bedürfnisses die Brillanz, die Klarheit und Eleganz ihrer sprachlichen Ausdrucksfähigkeit auf dem geistigen Markt dieses Volkes gleichsam den Verkehrswert von Nationalhelden und -heiligtümern. Auf sie waren sie ganz außerordentlich stolz.

So stand denn jenes so hoch intelligente Volk, das die Welt nach Annahme des Islam durch seine Intelligenz lenkte und leitete, hinsichtlich seiner Beredsamkeit, der Eleganz seiner Sprache und der Brillanz seiner Ausdrucksfähigkeit, die bei ihnen in hohem Ansehen stand, auf die sie sehr stolz waren, die ihnen ein großes Bedürfnis, ja geradezu eine unbedingte Notwendigkeit waren, vor allen anderen Völkern der Welt auf der obersten Stufe.

Die Kunst der schönen Rede war von einer so hohen Bedeutsamkeit, dass zwei Stämme um eines einzigen Wortes eines ihrer Dichter willen in einen gewaltigen Kampf entbrennen und durch ein anderes Wort wieder Frieden miteinander schließen konnten. Es gab sogar sieben Dichter unter ihnen, deren sieben Gedichte die "sieben Ausgehängten" genannt wurden, weil sie mit goldenen Lettern an die Wände der Kaaba geschrieben wurden und auf die sie besonders stolz waren.

So geschah es denn in einer solchen Zeit, in der die Beredsamkeit im höchsten Ansehen stand, dass der Qur'an, dessen Verkündigung ein Wunder ist, herab gesandt worden ist. In der Zeit Mosis, mit dem Friede und Segen sei, stand die Magie und zur Zeit Jesu, mit dem Friede und Segen sei, die Heilkunde in hohem Ansehen. So waren auch ihre bedeutendsten Wunder von dieser Art. Und so wurden damals auch die Dichter der Araber dazu aufgefordert, einer seiner kürzesten Suren etwas Gleichwertiges entgegen zu setzen.

وَاِنْ كُنْتُمْ فِى رَيْبٍ مِمَّا نَزَّلْنَا عَلٰى عَبْدِنَا فَاْتوُا بِسوُرَةٍ مِنْ مِثْلِهِ

{"Und so ihr im Zweifel seid über das, was wir auf unseren Diener herab sandten, so bringt eine gleiche Sure hervor..." (Sure 2, 23)}

Mit diesem Erlass (ferman)fordert er sie dazu heraus. Des Weiteren sagt er: "Ohne zum rechten Glauben überzutreten, seid ihr verdammt. Ihr werdet zur Hölle fahren." Er reizt ihre Nerven aufs Äußerste. Er bricht ihren Stolz in fürchterlicher Weise. Er achtet ihre sich so hoch dünkende Klugheit nur gering. Er verurteilt sie zunächst zu ewiger Verlorenheit und später in der Hölle zu ewiger Pein und gleichzeitig hier auf Erden schon zur Hinrichtung. Er sagt: "Ihr werdet entweder Widerpart (gegen den Qur'an) leisten oder zu Grunde gehen (wenn ihr das nicht könnt), und zwar mit Leib und Leben."

Wäre also irgendein Widerstand möglich gewesen, etwa mit ein, zwei Zeilen seinen Anspruch für nichtig zu erklären, wie wäre es dann möglich gewesen, dass sie etwa, wo es doch einen leichten Ausweg gegeben hätte, statt dessen den gefährlichsten Weg, den schwierigen Weg des Kampfes gewählt hätten? Sollte denn in der Tat jenes intelligente Volk, jene Nation, die zur damaligen Zeit etwas von Politik verstand und, obwohl es die Welt mit diplomatischem Geschick regierte, den kürzesten, den leichtesten und einfachsten Weg verlassen und den gefährlichsten, den langwierigen Weg, auf dem sie ihren ganzen Besitz, ja ihr Leben aufs Spiel setzen mussten, gewählt haben? Ja, wäre das überhaupt denkbar gewesen? Denn: Hätte einer ihrer Dichter (dem Qur'an) mit einigen, wenigen Buchstaben (etwas Gleichwertiges entgegensetzen und ihm somit) Widerpart bieten können, hätte der Qur'an (zurückstecken und auf seinen) Anspruch verzichten müssen. Sie hätten sich dann vor materieller und geistiger Vernichtung retten können. Statt dessen haben sie den furchtbaren und langwierigen Weg des Kampfes gewählt. Das aber heißt doch, dass ein Widerstand mit der Feder nicht machbar, nicht zu leisten war. Deswegen waren sie zum Kampf mit dem Schwert

gezwungen. Es gab aber noch zwei weitere, recht gute Gründe, den Qur'an nachzuahmen, ihn zu kopieren. Der eine war der Konkurrenzneid der Feinde, der andere aber der Wunsch zur Nachahmung unter den Freunden. Unter diesen beiden starken Gründen wurden Millionen arabische Bücher verfasst und keines von ihnen konnte ihm gleichen. Gewiss wird ein jeder, der ihn mit anderen vergleicht, ob ein Gelehrter oder ein Laie, wer es auch immer sei, sagen: "Der Qur'an gleicht ihnen nicht. Keines von ihnen kann ihn nachahmen." In diesem Fall wird der Qur'an entweder unter allen stehen, was aber in Übereinstimmung mit allen, Freunden wie Feinden, unhaltbar und unmöglich ist oder er steht über allen diesen verfassten Büchern.

Nun könnte man aber sagen:

"Woher wissen wir, dass niemand sich gegen ihn zu erheben versuchte? Konnte sich niemand zutrauen, ihm öffentlich entgegenzutreten? Nutzte auch die gegenseitige Hilfe unter ihnen nichts?"

Antwort:

Wäre irgendein Widerstand gegen den Qur'an in irgendeiner Weise möglich gewesen, hätte man dies in jedem Falle versucht. Denn da handelte es sich um die Frage der Ehre und Würde, ihr Leben und ihr Besitz waren in Gefahr. Hätten sie aber einen Aufstand dagegen unternommen, hätte es in jedem Falle einen Zulauf von entschlossenen Anhängern in großer Zahl gegeben. Denn diejenigen, die sich hartnäckig der Wahrheit widersetzen, waren immer in der Mehrheit. Hätten sich Anhänger gefunden, hätten sie sich in jedem Falle berühmt gemacht. Denn: Eine kleine Auseinandersetzung lenkt den verwunderten Blick der Menschen auf sich und wird schließlich zu einer weit verbreiteten Legende. Dieser einzigartige Kampf, ein solches Ereignis kann jedoch nicht verborgen bleiben. Gegen den Islam werden alle negativen Dinge erzählt. Sie werden berüchtigt bis hin zu den Hässlichsten und Gemeinsten. Doch außer einigen Anekdoten über Müseylime, den Lügner, wird nichts überliefert, was seinen Gegenversuch betrifft.

Die Nachdichtung von Müseylime war zwar durchaus poetisch. Da seine Worte aber mit der Verkündigung des Qur'an, die eine grenzenlose Schönheit besitzt, verglichen wurden, sind sie in die Geschichte (verglichen mit dem Qur'an) als die Phantasmagorien (eines Fieberkranken) eingegangen. Da also das Wunder an Schönheit qur'anischer Ausdrucksweise die Sicherheit von "zwei mal zwei ist vier" besitzt, ergibt sich daraus die (oben dargestellte) Sachlage.

Zweite Art:

Die Weisheit, die in dem Wunder an Schönheit qur'anischer Ausdrucksweise liegt, wollen wir hier in fünf Punkten erklären.

Erster Punkt:

Im Versmaß (nazm)des Qur'an findet sich eine außergewöhnliche Zuverlässigkeit, eine Korrektheit und Festigkeit, die in dem Band "Isharatu l-i'djaz(: Die Zeichen des Wunders)" bereits vollständig erklärt wurde. So wie in einer Uhr, in der die Sekunden, die Minuten und die Stunden gezählt werden und einander zur vollständigen Ordnung ergänzen, so finden wir dieses Maß in jedem Satz des weisen Qur'an und in seinem ganzen Aufbau und so stehen auch die Anordnung der Wörter und die Harmonie der Sätze in Beziehung zueinander. Das haben wir in dem Buch "Isharatu l-i'djaz(: Die Zeichen des Wunders)" (vom Anfang) bis zum Ende erklärt. Wer will kann dort nachschlagen und diese außergewöhnliche Korrektheit seines Versmaßes ganz klar erkennen. Nur ein, zwei Beispiele wollen wir erwähnen, um das Versmaß im Aufbau eines Satzes zu zeigen.

Zum Beispiel:

وَلَئِنْ مَسَّتْهُمْ نَفْحَةٌ مِنْ عَذَابِ رَبِّكَ

{"Wenn aber auch nur ein Hauch der Strafe deines Herrn sie berührt,..." (Sure 21,46)}

Um die Fürchterlichkeit der Strafe zu zeigen, wird in diesem Satz die heftige Wirkung auch der geringsten Strafe angedeutet. Das heißt, es sollen sich auch alle Formen in einem Satz, die eine Minimierung aussagen sollen, nach

dieser Minimierung richten und sie verstärken. So lässt das Wort لَئِنْ {"wenn aber"} Verdacht schöpfen. Der Verdacht bezieht sich auch auf die Verminderung. Das Wort مَسَّ {"berühren"} heißt: ein wenig berühren. Wiederum drückt das die Verminderung aus. Das Wort نَفْحَةٌ {"Hauch"} bedeutet wörtlich: ein einziger, ganz kleiner Hauch, und drückt die Verminderung aus, wobei seine Verbalform auf das "einmalige" hinweist. Masdar-i merre,Infinitiv einer einmaligen Handlung, bedeutet nach der Wortbildungslehre "einzig". Das drückt die Verminderung aus. Die Nunation in dem Wort نَفْحَةٌ {"Hauch"} findet sich dort wegen der Verminderung und bedeutet, dass man ihn wegen seiner Leichtigkeit kaum wahrnehmen kann. Das Wort مِنْ {"von"} ist ein Verhältniswort und bedeutet "ein Stück" und drückt die Verminderung aus. Das Wort عَذَابِ {"Strafe"} bedeutet im Vergleich zu "neqal"und "'iqab"eine mildere Art Strafe, was auf die Minimierung hinweist. Das Wort

رَبِّكَ {"dein Herr"} lässt anstelle von "Qahhar(der Vernichter)", "Djebbar(der Zwingende)", "Muntaqim(der Rächer)" wiederum die Zärtlichkeit spüren, womit es auf die Minimierung hindeutet.

Hier soll ausgedrückt werden, dass man vergleichen kann, wie fürchterlich die Strafe "'iqab"Gottes ist, wenn ein bisschen Strafe "'adhab"unter so vielfacher Verminderung noch derart wirksam ist. So sind alle diese kleinen Bausteine dieses Satzes einander zugewandt und unterstützen sich gegenseitig. Jede verstärkt mit ihrer eigenen Ausdrucksweise das allgemeine Ziel. In diesem Beispiel handelt es sich in gewissem Grade um die Wortwahl und das Ziel.

Zweites Beispiel:

وَمِمَّا رَزَقْنَاهُمْ يُنْفِقُونَ

{"...von dem, was wir ihnen an Gut beschert haben, Spenden (Almosen, Armensteuer, Sadaqa, Zekat) geben." (Sure 2, 3)}

Die Satzformen weisen hier auf die fünf Bedingungen für die Gültigkeit der "Sadaqa" hin.

Erste Bedingung:

Man darf Sadaqa nur in dem Maß geben, wie man selbst nicht dessen bedürftig ist. Mit dem Verhältniswort مِنْ {"von"} aus der Aussage وَمِمَّا {"und von dem"} wird diese Bedingung ausgedrückt.

Zweite Bedingung:

Man darf nicht von Ali etwas nehmen, um es Veli zu geben, sondern muss vielmehr etwas

aus seinem eigenen Besitztum geben. Diese Bedingung drückt das Wort رَزَقْنَاهُمْ {"was wir ihnen an Gut beschert haben"} aus. Das heißt: "Ihr sollt von eurem Lebensunterhalt geben!"

Dritte Bedingung:

Sadaqa schuldet keinen Dank. Auf diese Bedingung weist das besitzanzeigende Fürwort نَا {"unser"} aus der Aussage رَزَقْنَا {"was wir... beschert haben"} hin. Das heißt: "Ich gebe euch den Unterhalt. Ihr habt kein Recht, meine Diener zu Dank zu verpflichten, wenn ihr ihnen von meinem Eigentum gebt."

Vierte Bedingung:

Man soll demjenigen etwas geben, der es für seinen Lebensunterhalt benötigt, weil Sadaqajemandem zu geben, der es für seine Vergnügungen verschwendet, nicht gültig ist. Auf diese Bedingung weist die Aussage يُنْفِقُونَ {"Sie spenden, d.h. geben etwas zum Lebensunterhalt."} hin.

Fünfte Bedingung:

Man soll sie im Namen Allahs geben. Das drückt das Wort رَزَقْنَاهُمْ {"was Wir ihnen beschert haben"} aus. Das heißt: "Das Gut ist Mein und in Meinem Namen müsst ihr es geben!"

Neben diesen Bedingungen bestehen Erweiterungen. Das heißt: Wie Sadaqa vom Besitztum (gegeben werden) kann, so kann es auch von dem Wissen, von Worten, von Handlungen, von guten Ratschlägen gegeben werden. Auf diese verschiedenen Möglichkeiten wird mit dem verallgemeinernden Wort مَا {"dem, was"} in dem Ausdruck مِمَّا {"von dem, was..."} hingewiesen. Außerdem wird in diesem Satz noch besonders darauf hingewiesen, weil er absolut gemeint ist und sich auf ein Ganzes bezieht. So wird die Abhandlung über "Sadaqa"in diesem kurzen Satz dem Verstand zusammen mit den fünf Bedingungen in weitem Rahmen dargeboten und ist aus der Wortwahl zu erahnen. So ergeben sich denn aus der Wortwahl sehr viele Zusammenhänge ihrer Bedeutung.

Für einen weiteren Bereich (an Deutungsmöglichkeiten) stehen auch einzelne Wörter genauso miteinander in Resonanz. Außerdem kann ein Wort, wie zum Beispiel: قُلْ هُوَ اللَّهُ أَحَدٌ {"Sprich: Er ist Allah, der Einzige." (Sure 112, 1)} sechs Sätze in sich enthalten. Drei davon sind positiv und drei negativ. Während sie die sechs Stufen der Einheit beweisen, widerlegen sie gleichzeitig die sechs Arten der Abgötterei. Jeder einzelne Satz dient den übrigen Sätzen sowohl als Beweis als auch als Ergebnis. Denn jeder Satz hat zwei Bedeutungen. In der einen Bedeutung ist er das Ergebnis, entsprechend der anderen Bedeutung ein Beweis. Das heißt, dass in der Sure 112 "Ihlas(Glaube ohne Vorbehalt)" dreißig verschiedene Ihlas-Suren enthalten sind, die aus wohlgeordneten und einander

beweisenden Zeugnissen gebildet sind.

Zum Beispiel:

قُلْ هُوَ اللَّهُ: لِاَنَّهُ اَحَدٌ، ِلاَنَّهُ صَمَدٌ، لِاَنَّهُ لَمْ يَلِدْ، لِاَنَّهُ لَمْ يُولَدْ، لِاَنَّهُ لَمْ يَكُنْ لَهُ كُفُوًا اَحَدٌ

{"Sprich: Er ist Allah. Denn Er ist ein Einziger. Denn Er ist unvergleichlich. Denn Er zeugt nicht. Denn Er ward nicht gezeugt. Denn nicht Ihm ebenbürtig ist einer."}

Außerdem:

وَلَمْ يَكُنْ لَهُ كُفُوًا اَحَدٌ: لِاَنَّهُ لَمْ يُولَدْ، لِاَنَّهُ لَمْ يَلِدْ، لِاَنَّهُ صَمَدٌ، لِاَنَّهُ اَحَدٌ، لِاَنَّهُ هُوَ اللَّهُ

{"Nicht Ihm ebenbürtig ist einer. Denn Er wurde nicht gezeugt. Denn Er zeugt nicht. Denn Er ist unvergleichlich. Denn Er ist ein Einziger. Denn Er, Er ist Allah."}

Außerdem:

هُوَ اللَّهُ: فَهُوَ اَحَدٌ, فَهُوَ صَمَدٌ، فَاِذاً لَمْ يَلِدْ، فَاِذاً لَمْ يُولَدْ, فَاِذًا لَمْ يَكُنْ لَهُ كُفُوًا اَحَدٌ

{"Er ist Allah. Und Er ist einzig. Und Er ist unvergleichlich. Und deshalb zeugt Er nicht. Und deshalb wurde Er nicht gezeugt. Und deshalb ist Ihm nicht ebenbürtig einer."}

Dementsprechend soll man vergleichen.

Zum Beispiel:

الٓمٓ ٭ ذٰلِكَ الْكِتَابُ لاَ رَيْبَ فِيهِ هُدًى لِلْمُتَّقِينَ

{"Elif lam mim. Dies ist die Schrift, an der nicht zu zweifeln ist, geoffenbart als Rechtleitung für die Gottesfürchtigen." (Sure 2, 1-2)}

Jeder von diesen vier Sätzen hat zwei Bedeutungen. Mit einer Bedeutung gilt er für die übrigen als ein Beweis, mit der anderen Bedeutung als ihr Resultat. Aus der Skizze von sechzehn verschiedenen Kombinationen entsteht ein Ornament einer wunderbaren Wohlordnung. In dem Band "Isharatu l-i'djaz(: Die Zeichen des Wunders)" wurden diese Kombinationen in einer solchen Weise erklärt, dass sie ein Ornament einer wunderbaren Wohlordnung bilden. Wie im "Dreizehnten Wort" schon erklärt wurde,

haben die meisten Verse des Qur'an ein Auge, welches alle übrigen Verse betrachtet, und ein Gesicht, das ihnen zugewandt ist, und sie so durch geistige Verbindungslinien miteinander verwebt. So webt jeder (von ihnen) ein Ornament dieses Wunders. So wird denn in dem Band "Isharatu l-i'djaz(: Die Zeichen des Wunders)" die vollkommene Harmonie (der Verse) vollendet erklärt.

Zweiter Punkt:

Es handelt sich um die wunderbare Fähigkeit (des Qur'an), seiner Bedeutung Ausdruck zu verleihen. Betrachte folgendes Beispiel, das bereits im "Dreizehnten Wort" erklärt wurde.

Beispiel:

سَبَّحَ ِللَّهِ مَا فِى السَّمٰوَاتِ وَاْلاَرْضِ وَهُوَ الْعَزِيزُ الْحَكِيمُ

{"Allah, den einen Gott, preist alles, was in den Himmeln und auf der Erde ist. Er ist der Allmächtige, der Allweise." (Sure 57, 1)}

Wenn du die Schönheit in der Ausdrucksweise dieser Ayah empfinden möchtest, versetze dich in jene Zeit der Unwissenheit (Djahiliyye),in die Wüste der Beduinen, jene Zeit, in der alles in der Finsternis der Unwissenheit und Gottvergessenheit wie in ein Tuch gewickelt erschien, das nur noch leblose Dinge und eine seelenlose Natur übrig ließ. Dann komm und höre nun in der himmlischen Sprache des Qur'an

سَبَّحَ ِللَّهِ مَا فِى السَّمٰوَاتِ وَاْلاَرْضِ

{"Allah, den einen Gott, preist alles, was in den Himmeln und auf der Erde ist." (Sure 57, 1)}

oder

تُسَبِّحُ لَهُ السَّمٰوَاتُ السَّبْعُ وَاْلاَرْضُ وَمَنْ فِيهِنَّ

{"Es preisen Ihn die sieben Himmel und die Erde und alles, was darinnen ist." (Sure 17, 44)}

und ähnliche Ayat. So wirst du plötzlich sehen, wie diese leb- und seelenlos erscheinenden Dinge, diese scheinbar

toten oder schlafenden Wesen in der Welt, unter der Rezitation des:

سَبَّحَ - تُسَبِّحُ

{"Es preisen Ihn..."}

in der vom Glauben erfüllten Vorstellung der Zuhörer auferstehen, zum Leben erwachen und Gott preisen. Auch die über die Erde verstreuten Geschöpfe und die Sterne am nachtdunklen Antlitz des Himmels zeigen sich, jeder einem glühenden Stückchen Kohle gleich, vor den Augen der Zuhörer, unter der Rezitation des

تُسَبِّحُ

{"Es preisen Ihn..."}

wobei der Himmel dem Mund gleicht und jeder Stern ein Wort ist, das die Weisheit Gottes verkündet, ein Licht, das Seine Wahrheit ausstrahlt, und die Erde das Haupt darstellt, dessen Länder und Meere wie deren Zungen reden und alle Tiere und Pflanzen ihre Worte sind, die die Heiligkeit Gottes verkünden.

Betrachte das folgende Beispiel, das bereits im "Fünfzehnten Wort" bewiesen wurde: Beispiel:

يَامَعْشَرَ الْجِنِّ وَاْلاِنْسِ اِنِ اسْتَطَعْتُمْ اَنْ تَنْفُذُوا مِنْ اَقْطَارِ السَّمٰواَتِ وَاْلاَرْضِ فَانْفُذُوا لاَ تَنْفُذُونَ اِلاَّ بِسُلْطَانٍ ٭ فَبِاَىِّ اٰلآَءِ رَبِّكُمَا تُكَذِّباَنِ ٭ يُرْسَلُ عَلَيْكُمَا شُوَاظٌ مِنْ نَارٍ وَنُحَاسٌ فَلاَ تَنْتَصِرَانِ ٭ فَبِاَىِّ اٰلآَءِ رَبِّكُمَا تُكَذِّباَنِ ٭ وَلَقَدْ زَيَّنَّا السَّمَآءَ الدُّنْيَا بِمَصَابِيحَ وَجَعَلْناَهَا رُجُومًا لِلشَّياَطِينِ

{"Oh versammelte Dschinnen und Menschen! Wenn ihr im Stande seid, die Grenzen der Himmel und der Erde zu überschreiten, so überschreitet sie doch! Aber ihr könnt es nicht, außer mit gewaltiger Energie. Welche der Wohltaten eures Herrn wollt ihr beide wohl leugnen? Man wird gegen euch beide Rauch und flüssiges Feuer aussenden und ihr werdet euch nicht mehr helfen können. Welche der Wohltaten eures Herrn wollt ihr beide wohl leugnen?" (Sure 55, 33-36) "Und wahrlich, wir schmückten den untersten Himmel mit Lampen und bestimmten sie zu Wurfgeschossen für die Satane..." (Sure 67, 5)}

Höre diese Ayat und merke auf das, was sie sagen! Sie sagen: "Oh ihr Dschinnen und Menschen, die ihr in eurer Winzigkeit stolz und verbohrt und die ihr in eurer Schwäche und Armseligkeit verblendet und hartnäckig seid! Wenn ihr meinen Befehlen nicht gehorcht, auf dann, verlasst mein Reich, wenn ihr das könnt! Wie könnt ihr es wagen, euch in eurer Aufsässigkeit gegen die Befehle eines so ruhmreichen Königs zu stellen, dessen Befehlen Sterne, Monde und Sonnen wie gehorsame Soldaten gehorchen. Überdies kämpft ihr in eurer Aufsässigkeit gegen einen Herrscher von solcher Majestät, der so gewaltig große, Ihm gehorsame Soldaten hat, dass eure Teufel, könnten sie gegen diese antreten, von ihnen mit Kugeln gleich Bergen gesteinigt würden. Zudem rebelliert ihr in eurer Undankbarkeit im Lande eines Königs von solcher Majestät, dass seine Diener und Soldaten, auf euch (kleine Menschlein), Geschöpfe (in eurer Winzigkeit), selbst dann noch, wenn ihr, den unmöglichen Fall angenommen, Feinde und Ungläubige so groß wie ein Berg oder wie die Erde wäret, Sterne und eiserne Feuerkugeln so groß wie ein Berg oder wie die Erde nach euch schleudern und mit flüssigem Metall euch davonjagen könnten. Außerdem brecht ihr ein solches Gesetz, dass euch diejenigen, die solchermaßen gebunden sind, wenn es nötig würde, die Erde um den Kopf schlagen könnten. Sie könnten Kugeln, groß wie Welten, gleich Sternen, so Gott wollte, über euch herab regnen lassen."

Vergleiche nun die Kraft, die sprachliche Eleganz und die Schönheit und Erhabenheit in der Ausdrucksweise weiterer Ayat, anhand der (oben aufgeführten) Beispiele.

Dritter Punkt:

Es handelt sich um die Einzigartigkeit seines Stils. Der Stil des Qur'an ist in der Tat sowohl vollkommen neuartig, vollkommen einzigartig und zugleich auch bewunderungswürdig und vollkommen überzeugend. Er kopiert nichts und niemanden. Und niemand vermag ihn nachzuahmen. Wie am ersten Tag bewahrte er stets und bewahrt er noch seine Frische, seine Vitalität und seine Einzigartigkeit.

Zum Beispiel:

In dem Band "Isharatu l-i'djaz(: Die Zeichen des Wunders)"

habe ich schon geschrieben, dass der einzigartige Stil in den zu Beginn einiger Suren, einer Chiffre gleichende "hurufu muqatta'a"genannten Gruppen von Buchstaben, wie

الٓمٓ ٭ الٓرٰ ٭ طٰهٰ ٭ يٰسٓ ٭ حٰمٓ ٭ عٓسٓقٓ

{"Elif Lam Mim. Elif Lam Ra. Ta Ha. Ya Sin. Ha Mim. 'Ajn Sin Qaf."}

fünf, sechs auf Wunder hinweisende Lichtstrahlen zum Inhalt hat.

Zum Beispiel:

Die Buchstabengruppen, die am Anfang einiger Suren stehen, werden jeweils von der Hälfte der "medjhure, mehmuse, shedide, rahwe, dhellaka, qalqale"

{Aussprachebezeichnungen für bestimmte Gruppen von Buchstaben. (A.d.Ü.)}

usw. genannten Buchstabengruppen gebildet, welche die bekanntesten von ihnen sind. Der Qur'an hat bei der Bildung der erwähnten Buchstabengruppen von den (Buchstaben mit) leichter (Aussprache), die unteilbar sind, mehr als die Hälfte und von den (Buchstaben mit) schwerer (Aussprache) weniger als die Hälfte erhalten. Somit ist der Anteil aller Buchstaben jeweils etwa die Hälfte der Gruppen. Da es unter zweihundert Möglichkeiten nur eine einzige Möglichkeit gab, solche vermischten und ineinander verschachtelten Gruppen zu bilden, diese aber nicht festgelegt, ja vielmehr verborgen und durch Nachdenken nicht in Erfahrung zu bringen sind, alle insgesamt mit einer einzigen Methode zu halbieren, auf jenem Weg dorthin, in diesem breiten Feld (nämlich dem Qur'an) das Wort zu führen, konnte nicht das Werk der Gedanken eines Menschen sein. Ein Zufall konnte hier nicht am Werk gewesen sein. Was die Buchstaben betrifft, die Gottes Chiffren am Anfang der Suren sind, so weisen sie noch auf fünf, sechs weitere, ähnliche, auf Wunder deutende Lichtstrahlen hin. Die Männer, die sich mit den Kenntnissen der Geheimnisse der Wortzeichen beschäftigen, und die Forscher unter Gottesfreunden haben mit Hilfe dieser Buchstaben viele Geheimnisse enträtselt

und derartige Wahrheiten entdeckt, dass schon diese Buchstaben allein für sie ein hell strahlendes Wunder sind. Da wir aber nun kein Spezialist für diese Geheimnisse sind und sie auch nicht soweit beweisen können, dass sie für aller Augen sichtbar werden, können wir diese Türe nicht öffnen. Wir begnügen uns deshalb damit, auf fünf, sechs dieser Lichtstrahlen des Wunders zu verweisen, die bereits in dem Band "Isharatu l-i'djaz(: Die Zeichen des Wunders)" behandelt wurden.

Nun wollen wir für den Stil im Qur'an, angesichts der Sure, angesichts des Zieles, angesichts der Verse (Ayat),der Wörter und Aussagen jeweils ein Beispiel bringen.

Beispiel: Wenn man die 78. Sure "'amme"aufmerksam betrachtet, so zeigt sie in einzigartiger Weise das Leben nach dem Tod, die Wiederauferstehung, die Umstände (des Lebens) im Paradies und in der Hölle so, wie diese (Sure in ihrem Stil) das Herz durch die Handlungen Gottes und Spuren Seiner Herrschaft auf dieser Erde überzeugt. Da die Erklärung des Stils in dieser Sure lang wird, wollen wir hier nur auf ein, zwei Punkte hinweisen. Es ist dies wie folgt:

Zum Beispiel:

Am Anfang dieser Sure sagt Er, um den Tag der Wiederauferstehung zu beweisen: "Ich habe die Erde für euch zu einer bestens ausgestatteten Wiege gemacht; die Berge als die (tragenden) Pflöcke (der Erde) für die Wohnstätten eures Lebens, die über verborgenen Schätzen aufragen; einander liebend vertraute Paare; die Nacht zu einer Decke für euren Schlaf und zu eurer Ruhe; den Tag zu einem Platz für euren Lebensunterhalt; die Sonne zu einer Leuchte (am Himmel), die (zugleich) Licht spendet und wärmt; und die Wolken zu einer Quelle, aus denen Ich das Wasser (für das Leben) entströmen lasse. Aus gewöhnlichem Wasser erschaffen Wir ganz leicht und in kurzer Zeit alle die verschiedenen blüten- und früchtetragenden Pflanzen, aus denen euch eure ganze Versorgung erwächst. In gleicher Weise erwartet euch eure Wiederauferstehung am "Tage der Entscheidung". Diesen Tag herbei zu bringen ist für Uns nicht schwer." Demnach deutet diese Sure mit indirekten Beweisen darauf hin, dass sich die Berge am Tage des Weltunterganges spalten, das (Tuch des) Himmels zerreißen wird, die Hölle wird vorbereitet werden und es werden den Leuten des Paradieses Gärten verliehen werden. Das heißt sinngemäß: "Da Er nun einmal vor euren Augen auf den Bergen und in der Ebene diese Taten vollbringt, kann Er auch im Jenseits vergleichbare Taten vollbringen." Das heißt, dass "Der Berg" am Anfang der Sure sich auf die Zustände der Berge am Tage des Weltuntergangs bezieht, "Der Garten" aber auf den Garten am Ende der Welt und im Jenseits. So kannst du andere Punkte mit dem vergleichen und sehen, was für einen hohen und erhabenen Stil (diese Sure) hat.

قُلِ اللّٰهُمَّ مَالِكَ الْمُلْكِ تُؤْتِى الْمُلْكَ مَنْ تَشَآءُ وَتَنْزِعُ الْمُلْكَ مِمَّنْ تَشَآءُ...الٓخ

{"Sag: Oh Allah, der du über die Königsherrschaft verfügst, du gibst die Herrschaft, wem du willst, du entziehst sie, wem Du willst. (Du erhöhst, wen Du willst, und erniedrigst, wen Du willst. In Deiner Hand ist alles Gute, denn Du bist aller Dinge mächtig. Auf die Nacht lässt Du den Tag folgen und auf den Tag die Nacht. Aus dem Tode lässt Du Leben hervorgehen und den Tod aus dem Leben, und Du ernährst, wen Du willst, ohne Maß.)" (Sure 3, 26-27)}

In einem dermaßen erhabenen Stil erklären diese Verse die Taten Gottes und göttlichen Erscheinungen bei der Umwandlung der Nacht und des Tages und das Walten des Herrn in den Jahreszeiten und die Verfügung des Herrn über Leben und Tod überall auf der Erde und in den Wiederversammlungen und Verbreitungen auf der Erde (im Frühling), sodass sie das Gemüt der aufmerksamen Betrachter verzaubern. Ihr Stil voll Glanz und Erhabenheit und der breite Umfang ihrer Darstellung kann auch bei weniger aufmerksamer Betrachtung erkannt werden, weshalb wir hier diese Schatzkammer nicht weiter öffnen wollen.

Zum Beispiel:

اِذاَ السَّمَآءُ انْشَقَّتْ ٭ وَاَذِنَتْ لِرَبِّهَا وَحُقَّتْ ٭ وَاِذاَ اْلاَرْضُ مُدَّتْ ٭ وَاَلْقَتْ مَا فِيهَا وَتَخَلَّتْ ٭ وَاَذِنَتْ لِرَبِّهَا وَحُقَّتْ

{"Wenn der Himmel zerreißt und seinem Herrn pflichtschuldigst gehorcht; und wenn die Erde sich streckt und herauswirft, was sie birgt, und sich leert und ihrem Herrn pflichtschuldigst gehorcht." (84, 1-5)}

In welchem Grade Himmel und Erde den Befehlen Gottes des Gerechten gegenüber gehorchen und unterworfen sind, erklären diese Verse durch ihren erhabenen Stil: Ein Oberkommandierender gründet und öffnet zum Beispiel zwei Abteilungen für die Angelegenheiten des Kampfes, wie Zweigstellen der Übungen, der Manöver und der Rekrutierung. Nach diesem Kampf oder Manöver wendet sich dieser Oberkommandierende zu diesen beiden Abteilungen, um sie umzuwandeln und zu anderen Angelegenheiten zu gebrauchen. Jede Abteilung sagt in der Sprache ihrer Diener oder sie beginnt in ihrer eigenen Sprache zu reden: "Oh Kommandant, lass uns noch ein bisschen Zeit, damit wir noch allerlei Kleinigkeiten reinigen und unnütze Dinge wegwerfen können. Danach mögen Sie uns die Ehre Ihres Besuches erweisen. Nachdem wir aufgeräumt haben, stehen wir Ihren Befehlen zur Verfügung. Verfahren Sie dann nach Ihrem Belieben! Wir folgen Ihren Befehlen! Was auch immer Sie tun, ist ganz und gar richtig, schön und gut und zweckmäßig." Genauso stehen die Himmel und die Erde als zwei Abteilungen offen, was ihren Auftrag, die Erfahrung und die Prüfung betrifft. Nachdem die Frist abgelaufen ist, beseitigen die Himmel und die Erde auf Befehl Gottes die Dinge, die zum Bereich dieser Prüfung gehörten, und sagen: "Oh Herr! Verfahre mit uns entsprechend dem, wozu Du uns in Deinen Dienst gestellt hast! Uns gebührt, Dir gegenüber gehorsam zu sein. Was Du auch tust, ist gerecht." So betrachte denn die Majestät des Stils dieser Sätze und merke auf!

Zum Beispiel:

يَآ اَرْضُ ابْلَعِى مَآءَكِ وَياَسَمَآءُ اَقْلِعِى وَغِيضَ الْمَآءُ وَقُضِىَ اْلاَمْرُ وَاسْتَوَتْ عَلَى الْجُودِىِّ وَقِيلَ بُعْدًا لِلْقَوْمِ الظَّالِمِينَ

{"Oh Erde, verschlinge dein Wasser, und, oh Himmel, halt ein! Und es nahm ab das Wasser, und vollzogen ward der Befehl, und sie hielt an auf (dem Berge) Al-Dschudi. Und es ward gesprochen: Fort mit dem Volk der Ungerechten!" (Sure 11, 44)}

So wollen wir denn nun, um auf einen Tropfen aus dem Ozean der Eleganz dieses Verses ein Zeichen zu setzen, seinen Stil im Spiegel eines Gleichnisses zeigen.

Ein Kommandant befiehlt zum Beispiel in einem weltumspannenden Krieg nach dem Sieg einer seiner Truppen, welche sich im Kampf befindet, "Feuer einstellen!" und einer anderen seiner Truppen, welche einen Angriff unternimmt, "Halt!". In diesem Augenblick wird das Feuer eingestellt und der Angriff zum Stillstand gebracht. Er sagt: "Das Werk ist getan, die Besetzung vollzogen. Unsere Fahnen wurden auf den Zinnen der hochragenden Burgen inmitten des feindlichen Landes aufgepflanzt. Diese maßlos Ungerechten, herabgesunken zu den Niedrigsten aller Niedrigen, haben ihre gerechte Strafe gefunden."

Genauso hat der unvergleichliche König den Himmeln und der Erde befohlen, das Volk Noahs zu vernichten. Nachdem sie ihre Aufgabe erfüllt hatten, befahl Er ihnen: "Oh Erde! Schlucke dein Wasser! Oh Himmel! Halt ein, deine Aufgabe ist beendet. Das Wasser hat sich zurückgezogen. Auf dem Gipfel des Berges wurde das Schiff, das für die Beauftragten Gottes an Stelle ihres Zeltes gedient hatte, verankert. Die Böswilligen hatte ihre gerechte Strafe ereilt. So betrachte denn die Erhabenheit dieses Stils. Hier wird gesagt: "Himmel und Erde folgen wie zwei gehorsame Soldaten ihrem Befehl und gehorchen." Ja in dieser Ausdrucksweise wird darauf hingewiesen, dass das All über den Ungehorsam des Menschen in Wut, Himmel und Erde in Zorn geraten. Er sagt mit diesem Hinweis: "Gegen einen solchen Herrn, dessen Befehlen sich Himmel und Erde zwei gehorsamen Soldaten gleich unterstellen, soll man nicht ungehorsam sein, ist man nicht ungehorsam." So kommt in dieser Ausdrucksweise eine furchterregende Gewalt zum Ausdruck. Hier wird ein so umfangreiches Ereignis wie die Sintflut mit all ihren Folgen und Tatsachen in ein paar Sätzen kurz und bündig, wunderbar und schön erklärt. Man mag nun mit diesem Tropfen des Meeres andere Tropfen vergleichen.

Nun betrachte den Stil, der durch das Fenster der Worte sichtbar wird. Siehe zum Beispiel wie das Wort

كَالْعُرْجُونِ الْقَدِيمِ

{"wie ein alter dürrer Dattelrispenstiel" (*) (Sure 36, 39)

(*) Palmzweig mit den Sternen daran als seine Datteln.}

aus dem Satz

وَالْقَمَرَ قَدَّرْناَهُ مَناَزِلَ حَتّٰى عَادَ كَالْعُرْجُونِ الْقَديِمِ

{"Und dem Mond bestimmten wir Stationen, bis er schließlich (schmal und gekrümmt) wird wie ein alter dürrer Dattelrispenstiel." (Sure 36, 39)}

einen so anmutigen Stil aufweist. Es ist dies wie folgt: Einer der Stationen des Mondes liegt in dem Bereich des Siebengestirns. In seiner Sichelform hier wird der Mond mit dem alten weißen Rispenstil einer Dattelpalme verglichen. Dieser Vergleich stellt vor das Auge des Hörers eine Palme, die ihm in seiner Phantasie hinter dem (nacht)blauen Schleier des Himmels, der mit ihrer spitzen, weißen, leuchtenden Rispenstiel diesen Schleier zerreißt und mit ihrer Spitze und dem Siebengestirn daran wie eine Rispe erscheint, und die übrigen Sterne als lichtvolle Früchte dieses (durch das nachtblaue) Himmelstuch verschleierten kosmischen Baumes zeigt. Wenn du dafür einen Sinn hast, dann kannst du verstehen, welch passender, anmutiger, erhabener Stil in dieser Aussage in den Augen der Wüstenbewohner zur Darstellung gelangt, deren wichtigste Lebensgrundlage die Dattelpalme ist.

Zum Beispiel, wie am Ende des "Neunzehnten Wortes" bewiesen wurde, öffnet das Wort تَجْرِى {"sie kreist"} aus dem Satz

وَالشَّمْسُ تَجْرِى لِمُسْتَقَرٍّ لَهَا

{"und die Sonne kreist um der Beständigkeit willen." (Sure 36, 38)}

einem solchen gehobenen Stil ein Fenster. Es ist dies wie folgt: Mit dem Wort تَجْرِى {"sie kreist"} das heißt, mit dem Ausdruck, "die Sonne kreist" wird die Größe des Meisters verständlich, der in dem Wechsel von Sommer und Winter, Tag und Nacht an seine ordnungsgemäße Verfügungsgewalt gemahnt und lenkt die Aufmerksamkeit auf die ewigen Briefe, die die Feder der Macht auf die Seiten dieser Jahreszeiten schreibt, und macht die Weisheit des majestätischen Schöpfers bekannt.

وَجَعَلَ الشَّمْسَ سِرَاجًا

{"Und Wir haben die Sonne zu einer Lampe gemacht." (Sure 71, 16)}

Das heißt, mit dem Ausdruck "Lampe" öffnet sich das Fenster zu der Beschreibung, dass diese Welt wie ein Schloss ist, in dem aller Schmuck, die Nahrung und alle Dinge des täglichen Bedarfs für die Menschen und alles Leben bereitgestellt ist. In ihm dient die Sonne als eine Leuchte. So macht er die Größe des Meisters und die Gnadengaben des Schöpfers verständlich und zeigt einen Beweis der Einheit Gottes, sodass die Sonne, welche die Götzendiener als den wichtigsten, glänzendsten unter den Anbetungswürdigen halten, nur eine dienstbereite Lampe und (innerhalb der Schöpfung nur) ein (Himmels)körper ohne Leben ist. Das heißt, mit dem Ausdruck سِرَاجًا {"Lampe"} wird an die Barmherzigkeit des Schöpfers in der Größe

Seiner Herrschaft erinnert und Seine Gnadengaben im Umfang Seiner Barmherzigkeit verständlich gemacht. So verspüren wir die Gastfreundschaft Gottes in der Größe Seines Königreiches, wodurch wir Seine Einheit und Allgegenwart erkennen. So sagt dieser Ausdruck sinngemäß: "Eine leblose, in Dienst gestellte Lampe kann keineswegs anbetungswürdig sein." Des Weiteren erinnert uns der Ausdruck تَجْرِى {"sie kreist"} der gleichzeitig "sie läuft" bedeutet, an die einzigartige ordnungsgemäße Verfügungsgewalt in dem Wechsel von Tag und Nacht, Sommer und Winter. Mit dieser Erinnerung wird die Größe der Macht des Meisters verständlich, der in Seiner Verwaltung und in Seiner Herrschaft ein Einziger ist. Das heißt, dass der Blick des Menschen von der Betrachtung der Sonne und des Mondes weg und auf die Zeilen gerichtet wird, die auf den Seiten von Tag und Nacht, Sommer und Winter geschrieben sind. Denn der Qur'an spricht von der Sonne nicht um der Sonne willen, sondern spricht von ihr um dessen willen, der sie erleuchtet. Des Weiteren spricht er nicht von dem Wesen der Sonne, das für den Menschen nicht von Nutzen ist, vielmehr spricht er von der Aufgabe der Sonne, welche für die Wohlgeordnetheit der Kunstwerke des Herrn als Uhrfeder dient und als Mittelpunkt der Ordnung im Schaffen des Herrn, außerdem als das Schiffchen des Webers der Kunstwerke des Herrn, die der urewige Designer mit den Fäden der Nacht und des Tages in die Dinge hinein gestaltet. Noch andere Worte des Qur'an kannst du mit diesen vergleichen. Sie sind zwar scheinbar schlichte, gewöhnliche Worte, dienen aber als Schlüssel zu den Schatzkammern der feinsinnigen Bedeutungen.

Da also nun der Stil des Qur'an wie obenerwähnt erhaben und glänzend, ist manchmal ein Beduine schon ganz bezaubert von einem einzigen Wort. Er wirft sich zur Erde nieder, auch ohne Muslim zu sein. Ein Beduine warf sich

sogleich zur Erde nieder, als er das Wort

فَاصْدَعْ بِمَا تُؤْمَرُ

{"Verkündige, was dir befohlen wurde!" (Sure 15, 94)}

hörte. Er antwortete denen, die ihn fragten: "Bist du nun ein Muslim geworden?"

"Nein! Ich werfe mich nur vor der unvergleichlichen Schönheit dieser Ayah nieder."

Vierter Punkt:

Es handelt sich um die wunderbare Klarheit (fesahat)in seiner Wortwahl. So wie der Qur'an inhaltlich in seiner Art, etwas darzulegen, außerordentlich beredt ist, so hat er auch in seinem Wortlaut einen außerordentlich glatt fließenden Stil. Ein sicherer Beweis für die Anwesenheit dieses seines flüssigen Stils ist, dass er niemals ermüdend wirkt. Ein klares Zeugnis für die Weisheit, wie sie auch in der Flüssigkeit (in seiner Ausdrucksweise zur Darstellung gelangt), sind die Zeugnisse genialer Gelehrter in der Kunst des schriftlichen und mündlichen Ausdrucks, der Lehre von Vergleich und Metapher. In der Tat werden wir, selbst nach Tausenden von Wiederholungen, seiner niemals überdrüssig, ja genießen sie vielmehr. Einem einfachen, kleinen Kind fällt es nicht schwer, ihn sich einzuprägen. Es kann ihn auswendig lernen. Dem Ohr eines Schwerkranken, das schon von einigen wenigen Worten beunruhigt wird, ist er nicht unangenehm. Er ist ihm angenehm. Einem Sterbenden gleicht er dem Nektar auf der Zunge. Das Murmeln (Zemzeme)des Qur'an ist ihm an seinem Ohr und in seinem Kopf so genussvoll wie Zemzem an Mund und Gaumen. Das Geheimnis dessen, dass er keinen Überdruss hervorruft, und die Weisheit dahinter ist folgende: Da der Qur'an für die Herzen Grundnahrung und Vitalstoff zugleich ist, Kraft und Reichtum für den Verstand, Wasser wie (Feuer und) Licht für Geist und Gemüt, Heilung und Medizin für die Seele, lässt er keinen Überdruss aufkommen. Jeden Tag essen wir Brot und werden dessen doch nicht überdrüssig. Doch äßen wir täglich selbst die schönste Frucht,

würden wir doch ihrer überdrüssig. Das heißt, da der Qur'an Recht und Gerechtigkeit, Wahrheit, Wahrhaftigkeit, Rechtleitung und hervorragende Klarheit (fesahat)ist, ruft er keinen Überdruss hervor. Wie er für allezeit jung bleibt, so bewahrt er auch seine Frische und seine Süßigkeit. Ja, es ging sogar einmal einer von den Stammesältesten der Quraisch, einer der Götzenanbeter, ein Sachverständiger unter den Dichtern, um den Qur'an zu hören. Er hörte ihn, kehrte zurück und sagte: "Dieses Wort hat so viel Saft und Süße, wie es keinem Menschenwort gleicht. Ich kenne Dichter und Wahrsager. Doch dieses hat keine Ähnlichkeit mit einem ihrer Worte. Wir können, um unsere Gefolgschaft zu beruhigen, allenfalls sagen, dass es ein Zauber ist." So waren denn auch die verbohrtesten der Feinde des weisen Qur'an von seiner Klarheit bezaubert.

Die Gründe für diesen so glatt fließenden Stil in den Versen, Worten, Sätzen des weisen Qur'an zu erklären, würde sehr in die Länge führen. Deswegen wollen wir uns hier kurz fassen und als ein Beispiel für die Klarheit und Flüssigkeit in den Worten, welche durch die Stellung der einzelnen Buchstaben des Alphabets innerhalb einer Ayah entstehen, und das Fünkchen, das aus dieser Position aufstrahlt und das Wunder (des Qur'an) offenbart, hier nur das folgende anführen:

ثُمَّ اَنْزَلَ عَلَيْكُمْ مِنْ بَعْدِ الْغَمِّ اَمَنَةً نُعَاسًا يَغْشٰى طَائِفَةً مِنْكُمْ

{"Dann, nach dem Kummer, sandte Er das Gefühl der Sicherheit auf euch herab, erquickenden Schlummer, die eine Gruppe von euch überkam..." (Sure 3, 154)}

In diesem Vers sind alle Buchstaben des Alphabeten vorhanden. Beachte, dass dabei alle Arten von Buchstaben, auch die emphatischen, beieinander sind, ohne den sprachlichen Fluss zu beeinträchtigen. Vielmehr haben sie ihm noch an Glanz und den Wohlklang eines Sprachflusses verschiedener aufeinander abgestimmter und einander ergänzender Saiten hinzugefügt. Zudem achte auf das Fünkchen, durch das das Wunder erkennbar wird,

dass die Buchstaben "ya"ي und "elif"ا , welche die Leichtesten sind und gewissermaßen einander ähneln wie zwei Geschwister

{"ye" wird gewöhnlich als "i", kann aber auch als "a" gelesen werden.}

jeweils einundzwanzigmal wiederholt werden. Die Buchstaben "mim"م und "nun"ن

{(*): Die Nunation (tenvin) gilt in diesem Fall auch als Buchstabe "nun".}

da sie Geschwister sind und füreinander eintreten, werden jeweils dreiunddreißigmal verwendet. Die Buchstaben "sad"ص "sin"س "shin"ش da sie hinsichtlich ihrer Artikulation, Eigenschaften und Klang Geschwister sind, werden jeweils dreimal; "'ajn"ع "ghajn"غ obwohl sie Geschwister sind, "'ajn"ع jedoch leichter ist, sechsmal und "ghajn"غ als der schwerere von beiden nur halb so oft, also dreimal wiederholt. Die Buchstaben "ti" ط "zi"ظ "dhel"ذ "ze"ز da sie hinsichtlich ihrer Artikulation, Eigenschaften und Klang Geschwister sind, werden jeweils zweimal verwendet. Die Buchstaben "lam"ل und "elif"ا vereinigen sich zu "lamelif"لا . Dabei ist der Anteil des "elif"ا in der Gestalt zu "lamelif"لا (wegen seines Gewichtes) die Hälfte von "lam"ل . Darum wird der Buchstabe "lam"ل zweiundvierzigmal und "elif"die Hälfte davon, also einundzwanzigmal verwendet. Da "he"ه und "hemze"ء

{(*): Das Zeichen "hemze" ء wird, ob nun ausgesprochenen oder nicht ausgesprochen, insgesamt fünfundzwanzigmal gebraucht und steht dreifach höher als der Buchstabe "elif" ا , der der stimmlose Bruder des "hemze" ء ist. Denn es gibt drei verschiedene Zeichen, die für die arabischen Buchstaben den Mittlaut geben.}

ihrer Aussprache nach Geschwister sind, wird "hemze"ء dreizehnmal, der Buchstabe "he"ه , da er in gewissem Maße leichter ist, vierzehnmal;

"qaf"ق "fe"ف "kef"ك - da sie Geschwister sind - und "qaf"ق einen Punkt mehr hat, "qaf"ق zehnmal, "fe"ف neunmal, "kef"ك neunmal, "be"ب neunmal, "te"ت da er in der alphabetischen Reihenfolge an dritter Stelle steht, zwölfmal verwendet. Der Buchstabe "ra"ر ist der Bruder des "lam"ل . Nach Ebdjed Rechnung ist der Wert des "ra"ر zweihundert und von "lam"ل dreißig. Da der Buchstabe "ra"ر sechsfach höherwertig ist, wird er auch nur zu einem Sechstel verwendet. Da nun weiter "ra"ر der Aussprache nach besonders betont ist, wiegt er auch schwer und wird er deshalb nur sechsmal verwendet. "kha"خ "ha"ح "the"ث "dat"ض werden wegen ihrer besonderen Schwere und einiger Wechselbeziehungen untereinander je einmal verwendet. Da der Buchstabe "vav"و leichter ist als "he"ه und "hemze"ء und schwerer als "ya"ي und "elif"ا , wird er siebzehnmal, also viermal öfter als das schwerere "hemze"ء und nur ein Viertel des leichteren "elif"ا verwendet.

So zeigt denn die Verwendungsweise dieser Buchstaben auf wunderbare Weise, in einer solchen Wohlgeordnetheit, in ihrer versteckten Wechselbeziehung, in ihrer klaren Anordnung und in der wunderbaren Schönheit und Glätte des Reims so klar wie zwei mal zwei vier ist, dass rein menschliches Denken dergleichen nicht zu Stande bringen, nicht zu gestalten vermag. Was aber den Zufall betrifft, so ist es unmöglich, dass er dabei mit im Spiel gewesen sein könnte.

Wie also nun diese einzigartige Wohlgeordnetheit, diese eigenartige Anordnung die Klarheit und Glätte die Quelle für den Fluss der Wörter ist, könnten sich (in diesen Versen) noch mehr versteckte Weisheiten finden. Da also nun bereits zwischen den einzelnen Buchstaben eine solche (göttliche) Ordnung erkennbar wird, sollte mit

Sicherheit auch zwischen den Worten, zwischen den Sätzen und dem Sinn (dieser Sätze) eine solche geheimnisvolle Anordnung, ein derartiger lichtvoller Strom erkennbar werden. Könnte das Auge ihn sehen, es würde sagen: "Mashaallah!(so wie Allah wollte!)", könnte der Verstand ihn verstehen, müsste er sagen: "Barekallah!(möge Allah segnen!)".

Fünfter Punkt:

Es handelt sich um die Überlegenheit der Erklärungen im Qur'an. Das heißt, dass sie überlegen, unerschütterlich und großartig sind. Wie seine Gedichtform (nazm)fließend, seine Worte klar, seine Bedeutungen einleuchtend und sein Stil einzigartig ist, so sind auch seine Erklärungen allem überlegen. Bezüglich aller Arten von Worten und aller Stufen der Ansprachen, wie Motivation und Abschreckung, Tadel und Lob, Beweisführung und Rechtleitung, seine Art, verständlich zu machen und zum Verstummen zu bringen, sind die Erklärungen des Qur'an unübertroffen.

Unter zahllosen Beispielen in Bezug auf Anregung und Ermunterung ist zum Beispiel die Erklärung in der 76. Sure, die beginnt mit

هَلْ اَتٰى عَلَى اْلاِنْسَانِ

{"Hat es nicht für den Menschen einmal (einen Zeitabschnitt) gegeben, (in dem er noch nichts Nennenswertes war)?" (Sure 76, 1)}

lieblich wie Kauthar-Brunnen,

{(*): Dieser Stil der Erklärung zeigt sich in der Verkleidung des Inhalts der Sure.}

fließt (diese Sure) wie die Selsebil-Quelle dahin und ist dabei süß wie die Früchte des Paradieses und hübsch wie die Kleidung der Huris.

Unter vielen Beispielen in Bezug auf Einschüchterungen und Drohungen, zum Beispiel die Erklärung des Qur'an am Anfang der 88. Sure, die beginnt mit

هَلْ اَتٰيكَ حَدِيثُ الْغاَشِيَةِ

{"Ist dir nicht die Geschichte von der Katastrophe zu Ohren gekommen, die alles überdecken wird." (Sure 88, 1)}

Sie wirkt wie flüssiges Blei, das den Leuten des Irrweges ins Ohr dringt, wie Feuer, das ihnen das Hirn verbrennt, wie eine Frucht des Zakkum-Baumes, das ihnen den Gaumen verätzt, wie die Hölle, die an ihren Gesichtern empor lodert, wie bitteres Dorngestrüpp in ihrem Magen. Die Büttel der Hölle, die die Drohung eines Herrschers zeigt, indem sie vor Zorn und Wut beinahe platzt, wenn der Qur'an sagt und zu sagen heißt:

تَكَادُ تَمَيَّزُ مِنَ الْغَيْظِ

{"und vor Wut beinahe platzt." (Sure 67, 8)}

zeigt, wie Schrecken erregend die Einschüchterung dieses Herrschers ist.

Unter Tausenden von Beispielen in Bezug auf Lob sind die Erklärungen des Qur'an in den fünf Suren, die mit Elhamdulillah(alles Lob gebührt Allah) beginnen, strahlend wie die Sonne

{(*): Mit diesen Ausdrücken wird auf den Inhalt dieser Suren hingewiesen.}

und glänzend wie der Schmuck der Sterne, majestätisch und gewaltig wie Himmel und Erde, freundlich wie die Engel, liebevoll wie die Barmherzigkeit für die Säuglinge auf der Erde und schön wie das Paradies im Jenseits.

Unter Tausenden von Beispielen in Bezug auf Tadel und Verbot tadelt der Qur'an zum Beispiel sechsfach in der Ayah

اَيُحِبُّ اَحَدُكُمْ اَنْ يَاْكُلَ لَحْمَ اَخِيهِ مَيْتًا

{"Möchte wohl einer von euch das Fleisch seines toten Bruders essen?" (Sure 49, 12)}

gegenseitige Beschimpfungen. Er tadelt sechsfach heftig üble Nachrede. Es ist dies wie folgt:

Wie bekannt, hat das "Hemze"ء , das vor dieser Ayah steht, den Sinn einer Fragestellung. Dieser Charakter einer

Infragestellung durchdringt wie Wasser alle Worte dieser Ayah. So ist denn da zuerst dieses "Hemze"ء , welches fragt: Habt ihr denn keinen Verstand, um Fragen zu stellen und Antworten zu finden, dass ihr eine derart abscheuliche Sache nicht verstehen könntet? Das zweite Wort, يُحِبُّ {"er liebt"} fragt: Ist denn etwa euer Herz, jener Ort aller Zuneigung und Abneigung, so verkommen, dass es etwas so Ekelhaftes zu lieben vermöchte? Das dritte Wort, اَحَدُكُمْ {"einer von euch"} fragt: Was ist aus eurem gesellschaftlichen Leben und seiner Kultur geworden, die doch die Quelle menschlichen Zusammenlebens ist, dass ihr eine solche Handlungsweise, welche euer Leben vergiftet, akzeptieren könntet? Das vierte Wort, اَنْ يَاْكُلَ لَحْمَ {"Fleisch zu essen"} fragt: Was ist aus eurer Menschlichkeit geworden, dass ihr euren Kollegen mit euren Zähnen wie ein Raubtier in Stücke reißen könntet? Das fünfte Wort, اَخِيهِ {"seines Bruders"} fragt: Ist euch denn jedes mitmenschliche Empfinden fremd geworden, habt ihr denn gar kein Gefühl für Verwandtschaftsbeziehungen mehr, dass ihr derart erbarmungslos die Persönlichkeit eures Nächsten zerreißt, welche auf vielfältige Weise euer Bruder ist? Habt ihr denn keinen Verstand, dass ihr eure eigenen Glieder mit euren eigenen Zähnen beißt wie ein Wahnsinniger? Das sechste Wort,

مَيْتًا {"tot"} fragt: Wo ist euer Gewissen geblieben? Ist eure Natur so verdorben, dass ihr dem gegenüber, der doch als euer Bruder einen höchst ehrenwerten Status (hal)innehat, eine so ekelerregende Handlung begehen könnt, sein Fleisch zu essen? Das heißt also, dass jede Art von Beschimpfung und übler Nachrede mit Herz und Verstand, aus Gründen der Menschlichkeit und aus Gewissensgründen, um der Natur (im Allgemeinen) und der Menschheit (millet, im besonderen) willen abgeschafft und verworfen werden muss. So siehst du denn nun wie diese Ayah eine solche Schandtat kurz und prägnant, sechs Stufen hinunter, herabsetzt und sie auf wunderbare Weise in sechs verschiedenen Stufen verbietet.

Ein Beispiel als Muster (maqam)zur Beweisführung unter Tausenden von Beispielen:

فَانْظُرْ اِلٰٓى اٰثاَرِ رَحْمَتِ اللَّهِ كَيْفَ يُحْيِى اْلاَرْضَ بَعْدَ مَوْتِهَآ اِنَّ ذٰلِكَ لَمُحْيِى الْمَوْتٰى وَهُوَ عَلٰى كُلِّ شَىْءٍ قَدِيرٌ

{"Siehe die Spuren der Barmherzigkeit Allahs: wie Er die Erde nach ihrem Tode wieder belebt! Fürwahr, Er ist es, der die Toten wieder belebt und Er hat Macht über alle Dinge." (Sure 30, 50)}

In diesem Vers führt der Qur'an, um das Leben nach dem Tode zu beweisen und dessen Unvorstellbarkeit aus dem Weg zu räumen, eine Erklärung auf eine solche Weise in Feld, wie es eine überlegenere Beweisführung nicht geben kann. Es ist dies wie folgt: Wie schon in der Neunten Wahrheit des "Zehnten Wortes" und im Sechsten Strahl des "Zweiundzwanzigsten Wortes" bewiesen und erklärt wurde, führt der Qur'an dem Menschen in jedem Frühling bezüglich der Wiederbelebung der Erde Beispiele des Lebens nach dem Tode vor Augen und zeigt uns dabei dreihunderttausend verschiedene Formen, säuberlich voneinander geschieden und zugleich in unendlichem Grade geordnet, obwohl sie doch in unendlichem Grade

ineinander verschlungen und miteinander vermischt sind. Dann sagt er: Dem Herrn, der solches vollbringt, kann die Wiederversammlung und das Leben nach dem Tode nicht schwer sein. Zudem werden hunderttausende Arten auf der Erde mit der Feder der Macht wie auf einer Seite niedergeschrieben, gemeinsam, ineinander verschlungen, ohne Fehler, ohne Mangel. Da dies nur das Siegel des einen Einzigen in Seiner Allgegenwart sein kann, wird durch diese Ayah die Einheit und die Gegenwart Gottes sonnenklar bewiesen, wobei gezeigt wird, dass das Leben nach dem Tode und die Wiederversammlung so leicht und so sicher ist wie der Auf- und Untergang der Sonne. So wie denn nun der Qur'an, betrachtet aus dem Blickwinkel dieses "Wie", das in dem Wort كَيْفَ {"wie"} liegt, uns diese Wahrheit aufzeigt, so erwähnt er sie auch in vielen anderen Suren eingehend.

Zum Beispiel wird in der 50. Sure, die beginnt mit

قٓ وَالْقُرْاٰنِ الْمَجيِدِ

{"Qaf! Beim preiswürdigen Qur'an!" (Sure 50, 1)}

das Leben nach dem Tod dermaßen glänzend, schön, süß und mit der so hohen Aussagekraft bewiesen, die der Überzeugung aufgrund der Gewissheit eines kommenden Frühlings entspricht. So siehe denn: Wenn die Ungläubigen die Wiederbelebung der vermoderten Knochen leugnen und sagen "Das ist merkwürdig, das kann nicht sein", antwortet er mit der Gemahnung (ferman)der folgenden Ayat: von dem 6. Vers in der 50. Sure

اَفَلَمْ يَنْظُرُوٓا اِلَى السَّمَآءِ فَوْقَهُمْ كَيْفَ بَنَيْنَاهَا وَزَيَّنَّاهَا وَمَالَهَا مِنْ فُرُوجٍ

{"Haben sie denn nicht gesehen, wie wir den Himmel über ihnen aufgebaut und wie wir ihn geschmückt haben, sodass er keine Risse hat?"}

usw. bis zum Ende des 11. Verses, das mit dem Wort

كَذٰلِكَ الْخُرُوجُ

{"So ist das Wiederhervorkommen."}

endet. Seine Erklärungen fließen wie das Wasser, glänzen wie die Sterne, geben dem Herzen wie Datteln sowohl Geschmack als auch Genuss und werden zur Nahrung.

Unter anmutigsten Beispielen in Bezug auf die Beweisführung des Qur'an sagt er:

يٰسٓ ٭ وَالْقُرْاٰنِ الْحَكِيمِ ٭ اِنَّكَ لَمِنَ الْمُرْسَلِينَ

{"Ya-ßin, beim weisen Qur'an! Du bist wirklich einer der von Gott Gesandten." (Sure 36, 1-3)}

Das heißt: "Ich schwöre beim weisen Qur'an, dass du einer der Gesandten Gottes bist." Dieser Schwur weist auf Folgendes hin: Das Zeugnis des Prophetentums ist dermaßen gewiss und wahr, dass es wegen seiner Wahrhaftigkeit die Stellung (maqam)der Hochachtung und Verehrung erlangt hat, sodass bei ihm geschworen wird. Durch dieses Zeichen wird gesagt: "Du bist der Gesandte Gottes. Denn du hast in der Hand den Qur'an. Was den Qur'an betrifft, so ist er wahr und das Wort dessen, der die Wahrheit ist. Denn die wahrhaftige Weisheit wohnt ihm inne und das Siegel des Wunders (das er ist) ist ihm aufgeprägt."

Eines von den Beispielen, die sich auf die Kürze und auf das Wunder des Qur'an in Bezug auf seine Beweisführung beziehen, ist folgendes:

قَالَ مَنْ يُحْيِى الْعِظَامَ وَهِىَ رَمِيمٌ ٭ قُلْ يُحْيِيهَا الَّذِىٓ اَنْشَأَهَآ اَوَّلَ مَرَّةٍ وَهُوَ بِكُلِّ خَلْقٍ عَلِيمٌ

{"Er sagte: Wer wird die Gebeine wieder beleben, nachdem sie bereits vermodert sind? Sprich: Wiederbeleben wird sie der, welcher sie das erste Mal zusammen fügte; denn Er weiß um jegliche Schöpfung." (Sure 36, 78-79)}

Das bedeutet: der Mensch sagt: "Wer wird die vermoderten Gebeine wiederbeleben?" Sage nun du: "Der, welcher sie am Anfang zusammen fügte und ihnen Leben verliehen hat, der wird sie auch wieder beleben."

Wie wir im dritten Gleichnis der Neunten Wahrheit im "Zehnten Wort" dargelegt haben, könnte wohl ein Mensch, nach dem jemand an einem einzigen Tage vor seinen Augen ein ganzes Heer wieder neu aufgestellt hatte, zu einem sagen: "Dieser Mensch kann ein Bataillon, dessen einzelne Soldaten sich in einer Pause zerstreut hatten, mit einem Posaunenstoß wieder versammeln und sie wieder zur Ordnung eines Bataillons zurückrufen." und könntest dann du, oh Mensch, etwa sagen: "Ich kann das nicht glauben." und wüsstest doch dann sehr wohl wie wahnwitzig dein Leugnen wäre?

In ähnlicher Weise könnte man fragen, wie der Herr in Seiner Allmacht und Allwissenheit, Er, der aus dem Nichts alle Tiere und all die anderen Lebewesen gleich einem neu erstellten Heer, alle die Bestandteile und alle die Fähigkeiten des Körpers Bataillonen gleich in vollkommener Ordnung und ausgewogener Weisheit aushebt und ihnen mit Seinem Wort: "kun fa yakun- كُنْ فَيَكُونْ - (Sei, und sie sind)"den Stellungsbefehl erteilt und der in jedem Menschenalter (karn: etwa sechzig Jahre), ja sogar in jedem Frühling über die Erde hin hunderttausende Arten und Gruppen von Lebewesen gleich Heeren aufstellt, mit einem einzigen Posaunenstoß aus Israfils Posaune alle die Kleinen, aber notwendigen Zellen sowie alle die wesentlichen Organe, die ja mit dem Körper bereits Bekanntschaft geschlossen und in ihm wie unter der Ordnung eines Bataillons gedient hatten, wieder versammeln könne. Darf man überhaupt so fragen und das für unmöglich halten? Es wäre dies doch ein wahnwitziger Irrsinn.

In Bezug auf Rechtleitung ist die Erklärung des Qur'an dermaßen einflussreich und rührend und dermaßen vertraut und liebevoll, dass sie die Seele mit Begeisterung, das Herz mit Freude, den Verstand mit Interesse und das Auge mit Tränen füllt. Nur eines unter Tausenden von Beispielen ist folgendes:

ثُمَّ قَسَتْ قُلوُبُكُمْ مِنْ بَعْدِ ذٰلِكَ فَهِىَ كَالْحِجَارَةِ اَوْ اَشَدُّ قَسْوَةً

{"Nach diesem aber verhärteten sich eure Herzen und wurden zu Stein und sogar noch härter; usw." (Sure 2, 74)}

Wie wir bereits im ersten Kapitel des "Zwanzigsten Wortes" wegen der Behandlung der dritten Ayah bewiesen und erklärt haben, wendet sich diese Ayah an die Söhne Israels, indem sie sagt: "Vor einem einzigen Wunder Mosis, mit dem Friede und Segen sei, das er mit seinem Stab vollbrachte, spaltete sich ein harter Stein in zwölf Öffnungen und vergoss eine Tränenflut wie Brunnen. Was ist mit euch geschehen, dass ihr vor allen Wundern Mosis, mit dem Friede und Segen sei, gleichgültig bleibt, wobei eure Augen trocken und ohne Tränen, eure Herzen hart und ohne Begeisterung sind." Da bereits in dieser Abhandlung diese rechtleitende Erklärung gegeben wurde, weise ich hier nur darauf hin und fasse mich kurz.

Betrachte nur folgende zwei Beispiele unter Tausenden von Beispielen des Qur'an, wie er verständlich macht und wie er zum Verstummen bringt: Erstes Beispiel:

وَاِنْ كُنْتُمْ فِى رَيْبٍ مِمَّا نَزَّلْناَ عَلٰى عَبْدِناَ فَاْتوُا بِسُورَةٍ مِنْ مِثْلِهِ وَادْعُوا شُهَدَآءَكُمْ مِنْ دُونِ اللَّهِ اِنْ كُنْتُمْ صَادِقِينَ

{"Und so ihr im Zweifel seid über das, was wir auf unseren Diener hernieder sandten, so bringt eine gleiche Sure hervor..." (Sure 2, 23)}

Das heißt: "Wenn ihr daran einen Zweifel habt, so sollt ihr alle eure Großen und ihre Gefolgschaft rufen, welche euch zu helfen und für euch Zeugnis abzulegen vermögen, und so bringt doch nur eine einzige Sure herbei, die ihm gleicht." In dem Band "Zeichen des Wunders (Isharatu l-i'djaz)"haben wir es bereits erklärt und bewiesen. Deswegen wollen wir hier nur auf die folgende Zusammenfassung hinweisen:

Der Qur'an, dessen Verkündigung ein Wunder ist, sagt: "Oh ihr Menschen und Dschinnen! Seid ihr im Zweifel darüber, dass der Qur'an das Wort Gottes ist, und vermeint

ihr, dass er nur Menschenwort wäre, so begebt euch auf eure Plätze! Lasst doch von einem Analphabeten gleich Mohammed, den ihr den Getreuen nennt, der des Lesens und Schreibens unkundig ist und keine derartige Ausbildung gehabt hat, ein Buch, das diesem Qur'an gleichwertig ist, zu Stande bringen, und zeigt es vor! Ihr werdet es nicht können. Wenn es also kein einfacher und ungebildeter Mann sein kann, dann soll es ein berühmter Dichter und Gelehrter sein. Könnt ihr auch ihn nicht herbeibringen, so soll es nicht ein einzelner Mann sein. Dann ruft doch all eure Dichter und Redner zusammen! Bringt all die schönen Dichtungen der Alten herbei! Ruft die Hilfe aller künftigen Dichter und den Beistand eurer Götter an! Arbeitet daran mit all eurer Kraft! Schafft etwas, das diesem Qur'an gleichwertig ist! Könnt ihr auch das nicht, dann bringt doch ein Werk hervor, das ihm - abgesehen von den Wahrheiten des Qur'an und von vielen seiner geistigen Wunder, deren gleichen es nicht gibt - an Schönheit seiner Ausdruckskraft gleicht!"

فَاْتوُا بِعَشْرِ سُوَرٍ مِثْلِهِ مُفْتَرَيَاتٍ

{"Dann bringt doch zehn Suren herbei, die ihm gleich, und von euch erdichtet sind." (Sure 11, 13)}

Die Ayah, die sie zum Schweigen bringt, sagt: "Auf nun, ich erwarte von euch nicht, dass der Inhalt der Wahrheit entspricht! Es mögen Erdichtungen, Erfindungen, Lügen, nichtssagende Erzählungen sein. Doch auch das könnt ihr ja nicht. Und wenn es schon nicht der ganze Qur'an sein soll, so bringt doch wenigstens بِعَشْرِ سُوَرٍ {"zehn Suren"} herbei, die ihm gleichen! Doch auch das werdet ihr nicht tun können. So bringt denn nur eine Sure herbei! Doch auch das ist schon zu viel. So bringt denn etwas, das wenigstens einem Stück einer Sure gleicht! Auch wenn ihr das nicht schaffen könnt - und ihr könnt es ja auch nicht

schaffen - obwohl ihr das ja doch bitter nötig hättet, denn eure Ehre und Würde, euer Ruf und Glaube, eure Sitten und Gebräuche, euer Leben und euer Hab und Gut, eure diesseitige und jenseitige Welt können nur dadurch gerettet werden, dass ihr ihm etwas Gleiches entgegenstellt. Anderenfalls stürzt ihr in dieser Welt ohne Ehre, ohne Würde, ohne Glaube, sittenlos, in Schande, mit eurem Leben und eurem Hab und Gut in großes Unglück und im Jenseits werdet ihr dem Hinweis der Ayah

فَاتَّقُوا النَّارَ الَّتِى وَقُودُهَا النَّاسُ وَالْحِجَارَةُ

{"Dann macht euch darauf gefasst, dass ihr in das Höllenfeuer kommt, dessen Brennstoff Menschen und Steine sind." (Sure 2, 24)}

entsprechend zu ewigem Kerker in der Hölle verurteilt und mit euren Götzen zusammen dem Feuer als Brennstoff dienen. Da ihr nun einmal bereits achtfach eure Ohnmacht erkannt habt, so sollt ihr auch achtfach wissen, dass der Qur'an ein Wunder ist. Kommt also entweder zum Glauben, oder schweigt und fahrt zur Hölle!" So erkenne denn nun, wie der Qur'an, dessen Verkündigung ein Wunder ist, in seiner Art, etwas zu erklären, alle zum Verstummen bringt und sage:

لَيْسَ بَعْدَ بَيَانِ الْقُرْاٰنِ بَيَانٌ

Es kann in der Tat, nachdem der Qur'an etwas erklärt hat, keine weitere Erklärung mehr geben und sie ist auch nicht mehr nötig.

Zweites Beispiel:

فَذَكِّرْ فَمَٓا اَنْتَ بِنِعْمَتِ رَبِّكَ بِكَاهِنٍ وَلاَ مَجْنُونٍ ٭ أَمْ يَقُولُونَ شَاعِرٌ نَتَرَبَّصُ بِهِ رَيْبَ الْمَنُونِ ٭ قُلْ تَرَبَّصُوا فَاِنِّى مَعَكُمْ مِنَ الْمُتَرَبِّصِينَ ٭ أَمْ تَاْمُرُهُمْ اَحْلاَمُهُمْ بِهٰذَا اَمْ هُمْ قَوْمٌ طَاغُونَ ٭ اَمْ يَقُولُونَ تَقَوَّلَهُ بَلْ لاَ يُؤْمِنُونَ ٭ فَلْيَاْتُوا بِحَدِيثٍ مِثْلِهِ اِنْ كَانُوا صَادِقِينَ ٭ اَمْ خُلِقُوا مِنْ غَيْرِ شَىْءٍ اَمْ هُمُ الْخَالِقُونَ ٭ اَمْ خَلَقُوا السَّمٰوَاتِ وَاْلاَرْضَ بَلْ لاَيُوقِنُونَ ٭ اَمْ عِنْدَهُمْ خَزَٓائِنُ رَبِّكَ اَمْ هُمُ الْمُصَيْطِرُونَ ٭ اَمْ لَهُمْ سُلَّمٌ يَسْتَمِعُونَ فِيهِ فَلْيَأْتِ مُسْتَمِعُهُمْ بِسُلْطَانٍ مُبِينٍ ٭ اَمْ لَهُ الْبَنَاتُ وَلَكُمُ الْبَنُونَ ٭ اَمْ تَسْئَلُهُمْ اَجْرًا مِنْ مَغْرَمٍ مُثْقَلُونَ ٭ اَمْ عِنْدَهُمُ الْغَيْبُ فَهُمْ يَكْتُبُونَ ٭ اَمْ يُرِيدُونَ كَيْدًا فَالَّذِينَ كَفَرُوا هُمُ الْمَكِيدُونَ ٭ اَمْ لَهُمْ اِلٰهٌ غَيْرُ اللَّهِ سُبْحَانَ اللَّهِ عَمَّا يُشْرِكُونَ

{"Drum ermahne, denn du bist, bei der Gnade deines Herrn weder ein Wahrsager noch ein Besessener. Sagen sie etwa: 'Ein Dichter! Wir wollen warten, was für ein Unheil das Schicksal ihm bringen wird.' Sage: 'Wartet; ich warte mit euch.' Oder befehlen ihnen ihre Träume dies (zu sagen)? Oder sind sie (nicht einfach) aufsässige Leute (die von vornherein Opposition treiben)? Oder sie sagen: 'Er hat ihn (den Qur'an) erfunden.' Doch sie wollen nur nicht glauben. So mögen sie mir eine Rede wie diese bringen, wenn sie wahrhaftig sind. Oder sind sie aus etwas anderem erschaffen worden, oder sind sie gar selbst die Schöpfer? Oder erschufen sie die Himmel und die Erde? Doch nein, sie haben keine Gewissheit (in ihrem Glauben). Oder besitzen sie etwa die Schätze deines Herrn, oder selbst die Oberherrschaft (über die Welt)? Oder haben sie eine Leiter, auf der sie hinaufsteigen können, um (den Gesprächen der Engel) zu lauschen? Dann mag doch einer ihrer Lauscher offenkundige Vollmacht bringen. Oder hat Er die Töchter und ihr die Söhne? Oder verlangst du einen Lohn von ihnen, sodass sie in Schulden geraten wären? Oder haben sie Einsicht in das Verborgene, sodass sie es niederschreiben könnten? Oder wollen sie eine List anwenden? Die Ungläubigen sind es die überlistet werden. Oder haben sie einen anderen Gott als Allah? Gepriesen sei Er! Er ist erhaben über das, was sie Ihm (an anderen Göttern) beigesellen!" (Sure 52, 29-43)}

Hier wollen wir eine unter Tausenden von Wahrheiten in dieser Ayah als Beispiel erklären, wie der Qur'an mit seinen Erklärungen etwas unwiderlegbar deutlich macht. Es ist dies wie folgt: Mit den Worten اَمْ - اَمْ {"oder-oder"} bringt er alle Arten von Leuten des Irrweges in fünfzehn Stufen in der Form einer verneinenden Fragestellung zum Schweigen und erstickt jeden Zweifel schon im Keime. Er lässt dem Teufel kein Loch offen, durch welches die Leute

des Irrweges entschlüpfen und worin sie sich verstecken könnten; verschließt ihnen alle. Er lässt ihren Irrtümern keinen Deckmantel, unter den sie kriechen und sich verbergen könnten; zerreißt sie alle. Er lässt von all ihren Lügen keine einzige Lüge übrig, zertritt ihr den Kopf. In jedem Abschnitt erklärt er die Zusammenfassung der gottlosen Gesinnungen jeder Gruppe entweder mit einem kurzen Ausdruck für nichtig, oder verweist durch sein Schweigen auf ihre offensichtliche Unhaltbarkeit, da ihre Unhaltbarkeit eindeutig klar ist, oder wenn sie in anderen Versen schon eingehend widerlegt sind, weist er hier nur kurz auf sie hin.

Zum Beispiel:

Im ersten Abschnitt (d.h. Sure 52, 29) wird auf die Ayah hingewiesen, die besagt:

وَمَا عَلَّمْنَاهُ الشِّعْرَ وَمَا يَنْبَغِى لَهُ

{"und wir haben ihn (Mohammed) nicht die Dichtkunst gelehrt, noch geziemte sie ihm." (Sure 36, 69)}

Im fünfzehnten Abschnitt (d.h. Sure 52, 43) wird aber auf die Ayah hingewiesen, die besagt:

لَوْ كَانَ فِيهِمَآ اٰلِهَةٌ اِلاَّ اللَّهُ لَفَسَدَتَا

{"Gäbe es in ihnen beiden (d.h. im Himmel und auf Erden) außer Allah noch einen anderen Gott, so wären beide dem Unheil verfallen." (Sure 21, 22)}

Man möge mit diesem Abschnitt noch weitere vergleichen. Es ist dies wie folgt: Am Anfang wird gesagt: "Verkünde die Befehle Gottes. Du bist kein Wahrsager. Denn die Worte eines Wahrsagers sind nichts als wirre Vermutungen. Die deinen aber sind zuverlässig und wahr und du kannst auch kein Besessener sein, denn selbst dein Feind kann dir deinen gesunden Verstand bezeugen.

أَمْ يَقُولُونَ شَاعِرٌ نَتَرَبَّصُ بِهِ رَيْبَ الْمَنُونِ

{"Sagen sie etwa: 'Ein Dichter! Wir wollen warten, was für ein Unheil das Schicksal ihm bringen wird.' (Sage: 'Wartet; ich warte mit euch.')" (Sure 52, 30)}

Sagen sie etwa von dir, wie die Ungläubigen, die unverständig und ahnungslos sind, du seist ein Dichter? Warten sie auf deinen Untergang? Du aber sage: "Wartet ihr und auch ich werde warten!" Die strahlenden, großen Wahrheiten, die du verkündest, sind frei von dichterischer Phantasie und bedürfen nicht dergleichen Ausschmückungen.

أَمْ تَاْمُرُهُمْ اَحْلاَمُهُمْ بِهٰذَا

{"Oder befehlen ihnen ihre Träume dies (zu sagen)?" (Sure 52, 32)}

Oder sagen sie wie die (atheistischen) Philosophen, die in ihrem Unverstand auf ihre eigene Klugheit vertrauen, "Unser Verstand reicht uns." und weigern sich, dir zu folgen. Doch hätten sie wirklich Verstand, befiele er ihnen, dir zu folgen. Denn alles, was du sagst, ist vernünftig. Doch der Verstand allein genügt noch nicht.

اَمْ هُمْ قَوْمٌ طَاغُونَ

{"Oder sind sie (nicht einfach) aufsässige Leute (die von vornherein Opposition treiben)?" (Sure 52, 32)}

Oder ist der Grund ihrer Leugnung, dass sie sich der Wahrheit nicht unterwerfen wollen, wie Aufständische und Tyrannen? Doch in Wahrheit ist das Ende der Pharaonen, der Nimrode und anderer Oberhäupter grausamer Gewaltmenschen, bereits bekannt.

اَمْ يَقُولُونَ تَقَوَّلَهُ بَلْ لاَ يُؤْمِنُونَ

{"Oder sie sagen: 'Er hat ihn (den Qur'an) erdichtet.' Doch sie wollen nur nicht glauben." (Sure 52, 33)}

Oder verdächtigen sie dich etwa, wie verlogene und gewissenlose Heuchler, und sagen: "Der Qur'an ist nur dein eigenes Wort!" In Wirklichkeit nannten sie dich bis jetzt Mohammed, den Getreuen, und kannten dich als den, der doch unter ihnen der Wahrhaftigste war. Doch sie wollen nur nicht glauben. Dabei sollten sie doch unter den Werken der Menschheit eines finden, das dem Qur'an gleiche!

اَم خُلِقُوا مِنْ غَيْرِ شَىْءٍ

{"Oder wurden sie aus etwas anderem erschaffen?" (Sure 52, 35)}

Oder stellen sie sich etwa vor, wie die Nihilisten unter den Philosophen, die alles Seiende für sinnlos und zwecklos halten, dass sie sich selbst überlassen seien, sinnlos, zwecklos, verantwortungslos und ohne Schöpfer? Sind etwa ihre Augen blind, dass sie nicht sehen, dass der Kosmos vom Anfang bis zum Ende sinnvoll ausgestattet und zweckmäßig und fruchtbringend gestaltet ist und alles Sein, angefangen von den Atomen bis zu den Sonnen, mit Aufgaben betraut ist und die Befehle Gottes befolgt?

اَمْ هُمُ الْخَالِقُونَ

{"Oder sind sie gar (selbst) die Schöpfer?" (Sure 52, 35)}

Oder stellen sie sich etwa in ihrem Pharaonenstolz gleich den Materialisten vor, dass alles aus sich selbst heraus entsteht, dass alles sich selbst ernährt und dass sie alles selbst erschaffen, wessen sie bedürfen, weswegen sie vor dem Glauben, dem Dienst vor Gott und Seiner Anbetung zurückschrecken? Doch stellen sie sich vor, dass sie selbst Schöpfer seien. In Wirklichkeit muss der Schöpfer eines einzigen Dinges aber der Schöpfer aller Dinge sein. Also hat ihre Selbstgefälligkeit und ihr Stolz sie in einem solchen Ausmaß mit Torheit erfüllt, dass sie einen grenzenlos Ohnmächtigen, der einer Mücke, ja einer Mikrobe unterlegen ist, für den Absolut Allmächtigen halten. Da sie nun einmal so tief (aus der Höhe jeglicher) Vernunft und Menschlichkeit hinuntergestürzt sind, befinden sie sich nun in einer noch übleren Lage als das Tier, ja sogar als die leblosen Dinge. Also brauchst du nicht über ihre Verweigerung bekümmert zu sein.

اَمْ خَلَقُوا السَّمٰوَاتِ وَاْلاَرْضَ بَلْ لاَيوُقِنُونَ

{"Oder erschufen sie die Himmel und die Erde? Doch nein, sie haben keine Gewissheit (im Glauben)." (Sure 52, 36)}

Oder leugnen sie Allah wie die Deterministen, die gedankenlos und verblendet sind und den Weltenschöpfer leugnen, weswegen sie nicht dem Qur'an folgen? Dann sollten sie auch die Existenz der Himmel und der Erde bestreiten oder sagen: "Wir haben sie erschaffen." So werden sie am Ende völlig aus dem Häuschen geraten, ihren Verstand verlieren und dem Fieberdelirium eines Wahnsinnskranken verfallen. Denn die Beweise der Einheit sind so viele Male ersichtlich und deutlich lesbar, wie die Sterne am Himmel und wie die Blumen und Blüten auf der Erde. Doch sie haben keine Absicht, sich zu vergewissern und die Wahrheit zu erkennen. Wie können sie sich aber dieses Buch des Kosmos, in dessen Buchstaben jeweils ein ganzes Buch geschrieben ist, ohne seinen Schreiber vorstellen, obwohl sie doch wissen, dass es keinen Buchstaben ohne seinen Schreiber gibt?

اَمْ عِنْدَهُمْ خَزَائِنُ رَبِّكَ

{"Oder haben sie die Schätze deines Herrn unter ihrer Verfügung?" (Sure 52, 37)}

Oder leugnen sie das Prophetentum als solches, wie die Brahmanen, oder wie einige Philosophen einer Irrlehre, die die Entscheidungsfreiheit Gottes des Gerechten verneint, und die dir deshalb keinen Glauben entgegenbringen? Also sollen sie dann alle Werke Seiner Barmherzigkeit und die Gnadengeschenke und alle Wunder aller Propheten leugnen, die Werke der Weisheit, der Zweckmäßigkeit, der Wohlordnung und deren Früchte, welche in der ganzen Schöpfung ersichtlich sind und Entscheidungs- und Willensfreiheit beweisen, oder sagen: "Die Schätze aller Gnadengaben, die den Geschöpfen verliehen sind, liegen hier bei uns und wir haben sie in unserer Hand." Sollen sie doch eingestehen, dass sie (als Partner für ein vernünftiges Gespräch) nicht ansprechbar sind. Sei wegen ihrer Verweigerung nicht betrübt.

اَمْ هُمُ الْمُصَيْطِرُونَ

{"Oder haben sie die Oberherrschaft (über die Welt)?" (Sure 52, 37)}

Oder glauben sie etwa, sie seien die Inspektoren und hätten die Oberaufsicht über die Handlungen des Schöpfers, wie die Mu'tezila, die ihren Verstand zum obersten Richter ernannt haben, und so den majestätischen Schöpfer zur Verantwortung ziehen wollen? Sieh zu, dass du nicht den Mut verlierst! Aus solcher Verweigerung dieser Selbstgefälligen kommt nichts heraus. Und nimm auch du sie nicht so wichtig!

اَمْ لَهُمْ سُلَّمٌ يَسْتَمِعُونَ فِيهِ فَلْيَأْتِ مُسْتَمِعُهُمْ بِسُلْطَانٍ مُبِينٍ

{"Oder haben sie eine Leiter, auf der sie lauschen können auf die Gespräche der Engel? Dann mag einer ihrer Lauscher offenkundige Vollmacht bringen." (Sure 52, 38)}

Oder denken sie sich, sie hätten gleich den Leuten, die Geistern und Satanen folgend mit Wahrsagerei spielen und Spiritismus betreiben, dass sie einen anderen Weg zur Welt des Verborgenen entdeckt hätten? Wenn dem aber so wäre, bilden sie sich dann ein, dass sie eine Leiter hätten, um in den Himmel emporzusteigen, was ihren Teufeln versperrt wurde, weswegen sie deine himmlischen Botschaften der Lüge bezichtigen. Die Verleugnungen solcher Scharlatane bedeuten nichts.

اَمْ لَهُ الْبَنَاتُ وَلَكُمُ الْبَنُونَ

{"Oder hat Er Töchter (die ihr Menschen für euch nicht haben wollt) und ihr Söhne?" (Sure 52, 39)}

Oder wollen sie wie die Philosophen (der Schule Ishraqiyyun),die Gott unter dem Namen "Zehn Stufen des Geistes" und "Herren der Arten" Götzen beigesellen, und wie die Sabi'iyyun, die Sternen und Engeln eine Art Göttlichkeit zuschreiben, und wie die Atheisten und die Irrgläubigen, die Gott dem Gerechten ein Kind zuschreiben, was der Einheit und Einmaligkeit des Herrn in Seinsnotwendigkeit, Seiner Allgegenwart, Seiner absoluten Bedürfnislosigkeit und Einzigartigkeit widerspricht, und die den Engeln weibliche (Attribute beifügen), was ihrem Dienst, ihrer Anbetung, ihrer Reinheit und ihrer

(geschlechtlichen Nicht-)Zugehörigkeit entgegengesetzt ist? Glauben sie, dass sie ihre Fürsprecher sind, weswegen sie dir nicht folgen?

Die Fortpflanzung, die für alle Geschöpfe, wie auch für den Menschen, (dessen Existenz von einer Reihe verschiedener) Umstände (abhängig) ist, der vergänglich ist und das Bedürfnis hat, fortzubestehen, der einen Körper hat, der zerfällt und die Fähigkeit hat, sich zu vermehren, der schwach ist, in alles Irdische vernarrt und Nachkommen ersehnt, die ihm zu Hilfe kommen sollen, dient nicht nur seiner Vermehrung, sondern auch der gegenseitigen Hilfeleistung und ist das Band seines Lebens und Bestehens, dem, dessen Existenz notwendig ist zuzuschreiben, dem majestätischen Herrn, der beständig und dessen Bestehen in alle Ewigkeit ist, der unabhängig ist von dem Dasein eines Körpers, dessen Wesen lauter und rein ist und frei von Zerfall und Vermehrung, dessen Macht unangreifbar und bar jeder Schwäche ist, Kinder zuzuschreiben, ja sogar zahllose Töchter, selbst Kinder, die diese ohnmächtigen und armseligen Menschlein, deren Existenz (von vielen, verschiedenen Umständen) abhängig ist, auch nicht mögen, ja geradezu unter ihrer Würde finden, zuzuschreiben, ist ein solcher Unsinn, leeres Gerede eines Wahnsinnigen, dass die Verleugnungen und Verweigerungen derartiger Kerle, die dieser Meinung sind, für Null und nichtig gelten können. Du brauchst sie gar nicht zu beachten. Man kann ja nicht dem Unsinn eines jedes Verblendeten, den Phantastereien eines jedes Verrückten sein Ohr leihen.

اَمْ تَسْئَلُهُمْ اَجْرًا فَهُمْ مِنْ مَغْرَمٍ مُثْقَلُونَ

{"Oder verlangst du einen Lohn von ihnen, dass sie bei dir verschuldet wären?" (Sure 52, 40)}

Oder finden sie deine Angebote schwer, wie die Weltverehrer, die der Gier und dem Geiz verhaftet, ungebärdig und aufständisch sind, weswegen sie vor dir davonlaufen? Wissen sie etwa nicht, dass du deinen Lohn, dein

Honorar nur von Gott erwartest. Sie halten das Gebot Zekat zu geben, für schwer und schrecken (vielleicht deswegen?) vor dem Islam zurück. Ist es ihnen etwa zu schwer, von dem Gut, das Gott der Gerechte ihnen gab, entweder ein Zehntel oder ein Vierzigstel den Armen unter ihnen zu geben, damit sie sowohl Segen finden, als auch sich vor dem Neid und den Verwünschungen der Armen retten? Ihre Verweigerung ist nicht von Bedeutung. Sie verdienen es, von dir eine Ohrfeige, statt einer Antwort zu bekommen.

اَمْ عِنْدَهُمُ الْغَيْبُ فَهُمْ يَكْتُبوُنَ

{"Oder haben sie Einsicht in das Verborgene, sodass sie es niederschreiben könnten?" (Sure 52, 41)}

Oder behagen ihnen deine Nachrichten aus dem Verborgenen nicht, wie den Buddhisten, die behaupten, bewandert in den verborgenen Dingen zu sein, oder denjenigen, die ihre Klugheit verkaufen wollen und ihre Mutmaßungen über die verborgenen Dinge als Gewissheit darstellen? Haben sie etwa Bücher aus dem Verborgenen, sodass sie dein Buch aus dem Verborgenen nicht annehmen wollen? Wenn das so ist, dann bauen sie Luftschlösser, denn sie bilden sich ein, die Welt des Verborgenen, die doch außer den Gottesgesandten, die Offenbarung empfingen, niemandem offen steht und in die auch niemand aus eigener Anstrengung einzutreten vermag, stünde ihnen offen zur Verfügung, sodass sie von dort her Auskünfte erhalten und niederschreiben könnten. Du brauchst auch wegen der Verweigerung dieser Selbstgefälligen, die ihre Grenzen dermaßen grenzenlos überschritten haben und eingebildet sind, nicht zu resignieren! Denn binnen kurzer Zeit werden sich diese Schlösser mit der Wahrheit, die du verkündest, in Luft auflösen.

اَمْ يُرِيدُونَ كَيْداً فَالَّذِينَ كَفَرُوا هُمُ الْمَكِيدُونَ

{"Oder wollen sie eine List anwenden? Die Ungläubigen sind es, die überlistet werden." (Sure 52, 42)}

Oder wollen sie das, woran sie selbst nicht glauben können, anderen glaubhaft machen, indem sie dich manchmal als Wahrsager, manchmal als Verrückten, manchmal als Zauberer bezeichnen? Wollen sie etwa dadurch die Menschen von der Rechtleitung, die ihnen nicht gegeben ist, überlisten und abspenstig machen, wie die Scharlatane unter den Heuchlern oder wie die hinterlistigen Gottesleugner, deren Naturanlagen verdorben sind und deren Gewissen abgestorben ist? Du brauchst dich von dem hinterlistigen und vordergründigen Widerstand solch verschlagener Scharlatane nicht beeindrucken zu lassen und darüber nicht mutlos zu werden, indem du vergeblich nach ihrer menschlichen Würde Ausschau hältst. Vielmehr solltest du deinen Eifer noch verdoppeln. Denn sie betrügen nur ihre eigene Seele. Sie schaden sich dabei selbst. Der Erfolg ihrer Bosheiten kann nur vorübergehend sein. Er ist etwas, worauf sie in ihrer Gottvergessenheit zu unrecht stolz sind und wodurch sie den Zorn und Seine Strafe auf sich ziehen. Er ist eine List Gottes und eine Hypothek für diese Menschen.

اَمْ لَهُمْ اِلٰهٌ غَيْرُ اللَّهِ سُبْحَانَ اللَّهِ عَمَّا يُشْرِكُونَ

{"Oder haben sie einen anderen Gott als Allah? Gepriesen sei Er! Er ist erhaben über das, was sie Ihm (an anderen Göttern) beigesellen!" (Sure 52, 43)}

Oder stützen sie sich auf andere Götter, wie die Parsen, die sich zwei verschiedene Götter mit den Namen, der Schöpfer des Guten und der Schöpfer des Bösen vorstellen, oder wie die Ursachenanbeter und Götzendiener, die verschiedenen Ursachen eine Art Göttlichkeit zuschreiben und sie als Stützpunkte ansehen, weswegen sie sich dir widersetzen! Wollen sie sich etwa deswegen von dir bitten und nötigen lassen? Laut der Ayah

لَوْ كَانَ فِيهِمَآ اٰلِهَةٌ اِلاَّ اللَّهُ لَفَسَدَتَا

{"Gäbe es in ihnen beiden (d.h. im Himmel und auf Erden) außer Allah noch einen anderen Gott, so wären beide dem Unheil verfallen." (21, 22)}

Sehen sie denn nicht diese vollkommene Ordnung und diese wunderbare Zuordnung der Dinge im ganzen Kosmos, die so klar ist wie das Tageslicht? Ja, sind sie denn blind? In Wirklichkeit wird aber die Ordnung in Unordnung geraten und die Zuordnung der Dinge in völligen Wirrwarr, wenn es in einem Dorf zwei Bürgermeister, in einer Stadt zwei Regierungspräsidenten, in einem Land zwei Könige gäbe. In Wirklichkeit sehen wir, dass eine dermaßen subtile Ordnung, von einem Mückenflügel bis zu den Lampen des Himmels beabsichtigt ist, dass für eine Vielgötterei kein Platz mehr bleibt, auch nicht einmal so groß wie ein Mückenflügel. Da sich aber nun diese (Leute) aller Weisheit und Verstand, allem Sinn und Klarheit dermaßen entgegengesetzt verhalten, sollen ihre Verleugnungen dich nicht davon abhalten, weiterhin gute Lehren und Ratschläge zu erteilen.

Wir haben hier unter hunderten von Diamanten dieser Ayah, die einen Rosenkranz (silsile)von Wahrheiten bilden, nur einen einzigen Diamanten der Verkündigung, nämlich (die Art, wie der Qur'an die Dinge erklärt) und verständlich macht und (wie er seine Gegner zum) Verstummen bringt, kurz und bündig erklärt. Wäre ich dazu im Stande und könnte noch einige andere seiner Diamanten zeigen, würdest auch du sagen: "Selbst diese wenigen Ayat sind für sich allein betrachtet schon ein Wunder."

Aber die Verkündigung des Qur'an ist, in der Art, etwas verständlich zu machen und zu unterweisen, so wunderbar schön und klar, dass auch der einfachste, ungebildete Mensch die Erklärungen des Qur'an und die subtilste Wahrheit in ihr ganz leicht verstehen kann. Der Qur'an, der in seiner Verkündigung ein Wunder ist, öffnet den Zugang zu vielen verborgenen Wahrheiten in einer einfachen und offenkundigen Weise und unterrichtet sie so, wie es dem allgemeinen Verständnis wohl tut, ohne die Empfindungen des Volkes zu verletzen, der Denkweise der einfachen Leute beschwerlich zu werden und sie zu ermüden. Etwa so wie man im Umgang mit einem Kind eine kindgemäße Ausdrucksweise verwendet.

تَنَزُّلاٰتٌ اِلٰهِيَّةٌ اِلٰى عُقُولِ الْبَشَرِ

{"So zu sprechen, wie der menschliche Intellekt es zu verstehen vermag, ist Herabkunft göttlicher Demut."}

Der Stil des Qur'an, wobei göttliche Demut mit den Worten des Sprechers (mutekellim)auf den Angesprochenen (muhatab)dessen Niveau entsprechend herabkommt, lässt die verborgenen Wahrheiten und Geheimnisse Gottes, die auch den Gedanken hochgelehrter Denker nicht zugänglich sind, durch einige Beispiele und Gleichnisse in Form von Sinnbildern selbst noch dem einfachsten, ungebildeten Menschen verständlich werden.

Zum Beispiel:

اَلرَّحْمٰنُ عَلَى الْعَرْشِ اسْتَوٰى

{"Der Barmherzige hat Seinen Thron bestiegen." (Sure 20, 5)}

Um in einem Gleichnis die Herrschaft Gottes darzustellen, und den Umfang Seines Herrschaftsanspruches in der Lenkung der Welt verständlich zu machen, wird hier als Beispiel angeführt, wie ein König seinen Thron besteigt und die Regierung übernimmt. Der Qur'an ist in der Tat das Wort des majestätischen Schöpfers dieses Kosmos. Er kommt von der gewaltigen Stufe Seiner Herrschaft herab. Er hat die höchste Autorität und unterrichtet alle die Autorität repräsentieren auf jeder Stufe unter ihm. Er scheint hinter siebzigtausend Schleiern und erleuchtet sie alle. Er spendet seinen Segen und verbreitet sein Licht über Tausende von Schichten, deren Verständnis und Intelligenz voneinander unterschiedlich ist. Er hat die Fähigkeit, über verschiedene Zeitalter und Epochen lebendig zu bleiben und verbreitet seinen Sinngehalt überall in reicher Fülle. Überdies verliert er auch keine Spur seiner Aktualität, bleibt vielmehr stets taufrisch und anmutig. Er unterrichtet in einer unglaublichen Leichtigkeit und Einfachheit, sodass er jedem einfachen Menschen verständlich ist. In dem selben Unterricht, mit den selben Worten unterweist er auch sehr viele Schichten, deren

Denkweisen voneinander unterschiedlich und deren Bildungsgrade voneinander verschieden sind, überzeugt und befriedigt sie alle. In welcher Hinsicht man auch ein solch wunderbares Buch aufmerksam betrachten mag: man wird in jedem Fall wenigstens ein Fünkchen dieses Wunders erkennen können.

Zusammenfassung:

Wenn ein Wort aus dem Qur'an wie "Elhamdulillah(alles Lob, Preis und Dank gebührt Allah)" vorgetragen wird, so erfüllt es eine Höhle, das Ohr eines Berges, in gleicher Weise wie das selbe Wort auch noch in dem winzig kleinen Öhrchen einer Mücke vollständig seinen Platz ausfüllt. So wie die Bedeutung des Qur'an winzig kleine, einfache Intelligenzen, wie z.B. eine Mücke unterrichten und befriedigen kann, so befriedigt sie auch mit den gleichen Worten Bergen gleiche Intelligenzen. Denn der Qur'an ruft alle Schichten der ganzen Menschen und Dschinnen zum Glauben. Überdies lehrt und beweist er der Allgemeinheit die Kenntnisse des Glaubens. Darum soll auch der einfachste, ungebildete Mensch mit den gebildeten der höheren Schichten gemeinsam Schulter an Schulter, Knie bei Knie, die Lektion des Qur'an hören und nutzen können.

Also ist der ehrwürdige Qur'an solch ein Tisch des Himmels, dass Denkweisen, Intelligenzen, Herzen und Gemüter, die Tausende von verschiedenen Schichten bilden, an diesem Tisch ihre Nahrung finden und alles, was sie sich nur wünschen können. Ihre Wünsche werden erfüllt. Es sind sogar noch sehr viele Türen verschlossen geblieben, die künftigen Generationen vorbehalten sind. Wenn du zu diesem Anlass ein Beispiel möchtest, ist der ganze Qur'an vom Anfang bis zum Ende voll von Beispielen zu diesem Anlass. Alle Mudjtehidin und Siddiqin, islamische Denker und Forscher, die Gelehrten zum Usulu l-Fiqh und Theologen, Kenner unter Heiligen, die geistige Pole unter den Geliebten Gottes, Kritiker unter Gelehrten und Muslime aus dem einfachen Volk und dergleichen Schüler des Qur'an und diejenigen, die seinem Unterricht folgen, sagen gemeinsam:

"Wir verstehen unsere Lektion bestens." Kurzum glänzen Blitzstrahlen dieses Wunders, das der Qur'an ist, in seiner Unterweisung und Verständlichkeit genau wie auch in anderen Hinsichten

Zweiter Strahl:

Es ist diese wunderbare Vielseitigkeit des Qur'an. Dieser Strahl besteht aus fünf Funken.

Erster Funke:

Es ist die Vielseitigkeit in seinen Ausdrücken. Mit Sicherheit wird diese Vielseitigkeit durch die Ayat, die in vorigen Abhandlungen und in diesem Wort zitiert wurden, offensichtlich erkennbar.

لِكُلِّ اٰيَةٍ ظَهْرٌ وَبَطْنٌ وَحَدٌّ وَمُطَّلَعٌ وَلِكُلٍّ شُجُونٌ وَغُصُونٌ وَفُنُونٌ

{"Für alle Ayat gibt es ein Äußerliches und ein Innerliches, einen Anfang und ein Ende und jede hat ihre Äste, Zweige und Blätter."}

Wie diese Hadith besagt, sind die Worte im Qur'an in der Art gesetzt, dass sich jede Aussage, ja sogar jedes Wort, selbst jeder Buchstabe, sogar manchmal ein Schweigen auf verschiedene Gesichtspunkte bezieht. Er gibt allen Angesprochenen (muhatab)durch verschiedene Türen ihren (eigenen Zugang zu ihrer individuellen) Lesart.

Zum Beispiel:

وَالْجِبَالَ اَوْتاَداً

{"Haben Wir nicht die Berge zu Pflöcken gemacht?" (Sure 78, 7)}

Das heißt: "Ich habe die Berge für eure Erde zu Pflöcken und Masten gemacht." Das ist eine Aussage. Was einfache Leute dieser Aussage entnehmen, ist folgendes: Sie sehen die Berge, die äußerlich wie in den Boden eingeschlagene Pflöcke aussehen, und denken an ihren Nutzen und an die Gnadengaben, die sie in ihnen finden. So danken sie ihrem Schöpfer.

Was dagegen ein Dichter dieser Aussage entnimmt, ist folgendes: Die Erde ist der Boden, über dem sich die Kuppel des Himmels wie ein großartiges blaues Zelt wölbt, geschmückt mit elektrischen Lampen. In seiner Phantasie stellt er sich die Berge als Pflöcke dieses Zeltes

vor, die in einen horizontalen Kreis vor den Saum des Himmels bilden. Ihren majestätischen Baumeister verehrt er voller Begeisterung.

Von den Zeltbewohnern entnimmt ein Dichter dieser Aussage folgendes: Die Erdoberfläche ist eine Wüste, die Sahara. Er stellt sich die Gebirgsketten als viele verschiedene Beduinenzelte vor, deren Planen die Erde über den hohen Masten der Berge darstellen, deren Gipfel diese Plane aus Erde hochheben und als Wohnstätte vieler ganz unterschiedlicher Geschöpfe dienen, die aufeinander angewiesen sind. Vor dem majestätischen Schöpfer, der solch große, gewaltige Schöpfungen, so ganz leicht wie diese Zelte auf Erden errichtet und fest begründet, wirft er sich voll Verehrung nieder.

Ein Dichter, der von Ländern und Meeren träumt, entnimmt dieser Aussage folgendes: Er denkt sich die Erdkugel als ein Schiff, das in dem großen Ozean des Äthers durch die Himmel segelt, und dessen Berge gleich Masten dieses Schiffes sind. Vor dem Allmächtigen in Seiner Vollkommenheit, der diese riesige Erdkugel zu einem bestens ausgerüsteten Schiff machte, uns an Bord nahm und nun in alle Winde des Kosmos reisen lässt, sagt er:

سُبْحَانَكَ مَآ اَعْظَمَ شَانَكَ

{"Gepriesen seist Du, wie gewaltig ist doch Dein Ruhm!"}

Ein Weiser, kundig in Kultur, Zivilisation und Gesellschaftslehre entnimmt dieser Aussage folgendes: Die Erde ist unser Haus. Die Basis unseres Haushalts stellt das Leben der Tiere und die Grundlage für das Leben der Tiere sind Wasser, Luft und Erde als deren Lebensbedingungen. Fundament und Pflöcke für Wasser, Luft und Erde sind die Berge. Denn die Berge speichern das Wasser, kämmen die Luft (sie lassen Schadstoffe sich absetzen und reinigen die Luft), beschützen die Erde (sie bewahren die Erde vor Sturmfluten, vor Hochwasser und vor der Überhandnahme der Sümpfe) und er begreift, dass alle übrigen, notwendigen Dinge Schatztruhen des

menschlichen Lebens sind. In vollkommener Verehrung lobt und preist er den majestätischen Schöpfer, den Freigiebigen, der diese riesigen Berge in diesem Sinne zu tragenden Säulen der Erde gemacht hat, welche das Haus unseres Lebens ist, und sie zum Zahlmeister für unseren Unterhalt bestimmte.

Zum Beispiel:

Das Wort رَتْقًا {"eine zusammenhängende Masse"}

aus der Ayah

اَنَّ السَّمٰوَاتِ وَاْلاَرْضَ كَانَتَا رَتْقًا فَفَتَقْنَاهُمَا

{"..., dass Himmel und Erde eine zusammenhängende Masse waren, worauf wir sie getrennt haben?" (Sure 21, 30)}

lässt einen Gelehrten, der mit den genauen Untersuchungen der Naturwissenschaft nicht belastet ist, folgendes erkennen: Der Himmel ist klar und ohne Wolken. Der Erdboden ist trocken und ohne Leben. Noch waren sie unfruchtbar. Es konnte also nur das Werk eines majestätischen Allmächtigen sein, Himmel und Erde miteinander zu vermählen, die (Tore) des Himmels dem Regen und die Erde dem Grün (der Pflanzen) zu öffnen, alles Leben aus diesem Wasser zu erschaffen und durch den Himmel zu befruchten. Vor Ihm ist die Erde nur ein kleiner Garten. Die Wolken aber, die wie ein Schleier vor dem Antlitz des Himmels sind, gleichen dem Schwamm, (der das Wasser) für Seinen Garten (speichert). Dies erkennt er und wirft sich nieder vor der Größe Seiner Macht.

Einem kritisch denkenden Weisen sagt dieses Wort folgendes: Am Anfang der Schöpfung bildeten der Himmel und die Erde einen formlosen Haufen, eine zusammengeballte, formlose Masse, einen nutzlosen wässerigen Brei, ohne Leben, ohne Geschöpfe, ohne Kinder. Der allweise Schöpfer rollte diese Masse aus, formte aus ihr schöne Gestalten, gestaltete aus ihr nützliche Formen und machte (die Erde) zu einem Beet für eine große Zahl

geschmückter Geschöpfe. So versteht er und begeistert sich vor dem Umfang Seiner Weisheit.

Ein Philosoph heutiger Zeit versteht dieses Wort wie folgt: Als unsere Erde und andere Planeten, die das Sonnensystem bilden, anfangs noch mit der Sonne verbunden, wie eine zusammengeballte (formlose Masse wie) ein Teigklumpen war, rollte der Allmächtige und Beständige diesen Teigklumpen aus, verteilte die Planeten, einen nach dem anderen, auf ihre Plätze, ließ die Sonne zurück, brachte unsere Erde hierher, breitete (fruchtbaren) Boden über die Erde aus, ließ vom Himmel herab regnen, sprühte Licht von der Sonne herunter, brachte in die Erde Leben und pflanzte uns dort ein. Da zieht er seinen Kopf aus dem Sumpf der Naturphilosophie und sagt:

آمَنْتُ بِاللَّهِ الْوَاحِدِ اْلاَحَدِ

{"Ich glaube an Allah, den allgegenwärtigen Einen."}

Zum Beispiel:

وَالشَّمْسُ تَجْرِى لِمُسْتَقَرٍّ لَهَا

{"und die Sonne läuft zu dem Ort, an dem sie sich aufhält." (Sure 36, 38)}

Der Buchstabe "lam"ل bringt die Präposition "li"لِ (: zu) zum Ausdruck, wie im üblichen Sinne, als auch im Sinne der Präposition "fi" فِي (: an), als auch im Sinne der Präposition "ila"اِلَى (: bis zu). So sehen die einfachen Leute den Buchstaben lam in dem Wort لِمُسْتَقَرٍّ {"zu einem Ort, an dem sie sich aufhält"} im Sinne von "ila"اِلَى (: bis zu) und verstehen darunter: "Die Sonne ist in ihrer Beziehung zu euch eine Lampe, die sich bewegt und Licht und Wärme gibt. Mit Sicherheit wird ihre Fahrt eines Tages an einem Ort enden, an dem sie zur Ruhe kommt. Sie wird eine Gestalt annehmen, in der sie euch nicht länger mehr nützlich sein wird."

So erkennen sie die großen Gnadengaben des majestätischen Schöpfers, welche Er ihnen durch die Sonne schenkt, und rufen "Subhanallah"(gepriesen sei Allah!), "Elhamdulillah"(alles Lob gebührt Allah!).

Einem Gelehrten erscheint dieses "lam"ل auch im Sinne von "ila"اِلَى (: bis zu). Er stellt sich die Sonne nicht nur als eine Lampe vor, sondern auch als ein Schiffchen an der Werkbank des Frühlings und des Sommer für die Webstücke des Herrn, oder auch als ein Tintenfass für die Briefe des Einzigartigen, die mit Licht auf den Seiten der Nacht und des Tages geschrieben werden. Der augenscheinliche Lauf der Sonne veranlasst ihn über die Ordnung der Welt nachzudenken, deren Lauf Kennzeichen für sie ist und auf sie hinweist. Er ruft vor der Kunstfertigkeit des allweisen Meisters "Maschaallah"(wunderbar ist es, was Allah wollte!) und vor seiner Weisheit "Barekallah"(segne es Allah!) und wirft sich vor Ihm nieder.

Ein Astronom betrachtet dieses "lam"ل als die Präposition "fi"فِي (: an) und versteht darunter folgendes: Die Sonne dreht sich um ihre Achse und läuft zugleich auf ihre Bahn, wodurch sie ihr System auf Gottes Weisung in Ordnung hält und es wie eine Uhrfeder antreibt. Vor dem majestätischen Schöpfer, der eine solche Riesenuhr erschuf und in Ordnung hält, ruft er in vollkommener Bewunderung und Begeisterung "Al-'azametu lillah ve l-qudretu lillah!"(die Größe ist Gottes und die Macht ist Gottes!). Er verwirft die (atheistische) Schule und begibt sich in die (Schule der) Weisheit des Qur'an.

Für einen kritisch betrachtenden Gelehrten bedeutet dieses "lam"ل sowohl die eigentliche Ursache als auch die näheren Umstände und er versteht dabei folgendes: "Der allweise Meister macht die augenscheinlichen Ursachen zu einem Schleier Seiner Taten. Darum verbindet Er mit Seinem Gesetz, das wir das Gesetz der Anziehung nennen, die Planeten gleich den Steinen (in einer Schleuder) mit der Sonne, (um die sie kreisen). Durch diese Anziehungskraft lässt Er die Planeten in verschiedenen, doch wohlgeordneten Bewegungen nach Seiner Weisheit

kreisen. Um diese Anziehung hervorzubringen, machte Er die Bewegung der Sonne um ihre Achse zu einem äußerlichen Grund. Also besagt die Bedeutung von لِمُسْتَقَرٍّ {"zu einem Ort, an dem sie sich aufhält."} فِى مُسْتَقَرٍّ لَهَا لِاِسْتِقْرَارِ مَنْظُومَتِهَا

Das heißt: Sie bewegt sich um ihre Achse um der Stabilität und der Wohlordnung ihres Systems Willen. Denn es ist eine Gewohnheit Gottes, ein Gesetz in Seiner Herrschaft, dass die Bewegung die Hitze, die Hitze die Kraft, die Kraft die Anziehung offensichtlich hervorruft. Wenn dieser Weise eine solche Weisheit aus einem Buchstaben des Qur'an entnimmt, sagt er: "Elhamdulilah(alles Lob gebührt Allah!), die Wahrheit und die Weisheit liegt im Qur'an; der Philosophie messe ich keine fünf Kurusch Wert bei."

Ein anderes Beispiel:

اُولٰٓئِكَ هُمُ الْمُفْلِحُونَ

{"Es sind diejenigen, die errettet werden." (Sure 2, 5)}

Hier bleibt vieles ungesagt. Die Aussage wird verallgemeinert. Hier wird nicht bestimmt, was für einen Sieg sie erringen, sodass jeder darin das Erwünschte finden kann. Hier wird wenig gesagt, damit das Gesagte viel werde. Denn ein Teil der Adressaten wollen sich vor dem Feuer retten. Ein anderer Teil denkt allein an das Paradies. Wieder ein anderer Teil sehnt sich nach ewiger Glückseligkeit. Wieder ein anderer Teil hofft nur auf das Wohlwollen Gottes. Wieder ein anderer Teil weiß als das Ziel seiner Hoffnungen, Gott zu schauen. Und so weiter... Desgleichen macht der Qur'an an vielen Stellen eine unbestimmte Aussage, damit sie für alle gültig sei. Er lässt vieles aus, um verschiedene Ausdeutungen zu ermöglichen. Er fasst kurz, damit jeder seine eigene Ansicht darin finden kann. So besagt

اَلْمُفْلِحُونَ

{"diejenigen, die errettet werden."}

Aber in diesem Ausdruck wird nicht gesagt, wovor sie errettet werden. Mit diesem Schweigen wird wohl ausgedrückt: "Oh ihr Muslime! Frohe Botschaft für euch. Oh Gottesfürchtiger! (muttaki)Du wirst vor der Hölle errettet. Oh Frommer! (salih)Du wirst dein Heil im Paradies finden. Oh Gotteskenner! (arif)Du wirst das Wohlwollen Gottes erlangen. Oh Gottesliebender! (ashik)Du wirst erreichen, Ihn zu sehen. Und so weiter..."

So haben wir Beispiele der Vielseitigkeit, die die Worte, die Wörter, die Buchstaben und das Ungesagte im Qur'an betreffen als Muster unter Tausend weiteren Beispielen gebracht. Du kannst nun die Ayat und die Geschichten im Qur'an mit diesen vergleichen.

Zum Beispiel:

فَاعْلَمْ اَنَّهُ لآَ اِلٰهَ اِلاَّ اللَّهُ وَاسْتَغْفِرْ لِذَنْبِكَ

{"Sei dir nun dessen bewusst, dass es keine Gottheit gibt, außer Allah, und bitte Ihn um Vergebung deiner Schuld." (Sure 47,19)}

Diese Ayah hat so viele Aspekte und so viele Stufen, dass alle Schichten der Gottesfreunde auf ihrem Weg und auf jeder Stufe (ihres Weges) erkannten, dass diese Ayah geradezu ein Bedürfnis für sie war und sie aus ihr stets eine ihrer Stufe entsprechende geistige Nahrung, eine aktuelle Bedeutung entnehmen konnten. Denn "Allah" ist der Name, der für alle Schöne Namen Gottes steht und in dem sich so viele (Erkenntnisse) der Einheit finden, wie es Schöne Namen gibt.

اَىْ لاَ رَزَّاقَ اِلاَّ هُوَ ٭ لاَ خَالِقَ اِلاَّ هُوَ ٭ لاَ رَحْمٰنَ اِلاَّ هُوَ

{"Dem entsprechend: Es gibt keinen Versorger außer Ihm. Es gibt keinen Schöpfer außer Ihm. Es gibt keinen Erbarmer außer Ihm. usw..."}

Ein anderes Beispiel:

Die Geschichte Mosis, mit dem Friede sei, hat unter den Geschichten im Qur'an Tausende von Nutzanwendungen wie der Stab Mosis(mit dem Friede sei). In dieser Geschichte gibt es viele Aspekte und sehr viele Absichten wie, den Gesandten Gottes, mit dem Friede und Segen sei, zu besänftigen und zu trösten, den Ungläubigen zu drohen, die Heuchler zu tadeln, den Juden einen Verweis zu erteilen. Darum wird sie in verschiedenen Suren behandelt. An allen Stellen kommen zwar alle diese Absichten zum Ausdruck, wobei jeweils nur eine von ihnen besonders im Vordergrund steht. Die Anderen hingegen stehen dahinter zurück.

Wenn du sagst:

"Woher können wir wissen, dass der Qur'an alle diese im obigen Beispiel erwähnten Bedeutungen beabsichtigt und auf sie hinweist?"

Antwort:

Der Qur'an ist eine Predigt des Urewigen. Er spricht zu allen Söhnen Adams, die in verschiedenen Klassen seit Jahrhunderten in der Reihe sitzen, und (darauf warten,) von ihm unterrichtet zu werden. Mit Sicherheit wird er den verschiedenen Auffassungsfähigkeiten entsprechend diese verschiedene Bedeutungen in sich umfassen, (sie ihnen mitzuteilen) beabsichtigen und auf diese Absichten hinweisen. In dem Buch "Zeichen des Wunders" wurde schon entsprechend der Formen und Satzlehre, der Lehre von Vergleich und Metapher, der Bedeutungslehre und Stilistik und der Rhetorik bewiesen, dass die Worte im Qur'an verschiedene Bedeutungen haben, wie wir als Beispiel oben erwähnt haben. Darüber hinaus können alle Gesichtspunkte und Bedeutungen, die die Leute der Bedeutungslehre aus dem Qur'an entnehmen, die die Männer der Lehre von Vergleich und Metapher und die Dichter gutheißen, nach der Übereinstimmung der Exegeten, der Kommentatoren, der Theologen und der Rechtsgelehrten und durch die Zeugnisse ihrer Disputationen nur dann zu dem Inhalt des Qur'an gerechnet werden, solange sie nach der arabischen Literatur richtig und nach der islamischen Wortlehre wahr sind. Auf jene Bedeutungen weisen Zeichen

entsprechend ihrer Wichtigkeit hin. Sie sind entweder Worte oder Anspielungen. Was aber die Anspielungen betreffen, so weisen sie als Zeichen entweder aus dem Kontext oder aus einer anderen Ayah auf jene Bedeutungen hin. Hunderttausende Qur'ankommentare, die von Forschern geschrieben und manche von ihnen sogar zwanzig, dreißig, vierzig, sechzig, ja sogar achtzig Bände umfassen, sind ein sicheres, klares Zeugnis für die Vielseitigkeit des Qur'an und das Wunder seiner Worte. Wie dem nun auch sein mag... Wenn wir in dieser Abhandlung jedes Zeichen so erklären wollen, unter welchem Gesetz und nach welchen Regeln es auf die Bedeutungen hinweist, dann verlängert sich die Abhandlung um vieles. Darum wollen wir hier kurz zusammenfassen und verweisen auf meine ausführliche Erklärung in dem Band "Zeichen des Wunders".

Zweiter Funke:

Die einzigartige Vielseitigkeit in seinen Bedeutungen. Der Qur'an bietet aus der Schatzkammer seiner Bedeutungen eine Quelle für alle Exegeten, einen (geistigen) Genuss für alle Kenner (der Wahrheit), die rechte Gemütsverfassung für alle Gottliebenden, für alle die Berufung zu ihrer Vollendung und die Lehrmeinung (mezheb)für alle Wahrheitssucher und -forscher. Dabei ist er für sie stets ein Wegweiser (rehber)und bei ihrer geistigen Entwicklung und inneren Entfaltung zu jeder Zeit ein Lehrer (murshid).Es wird von ihnen allen bestätigt und einmütig versichert, dass der Qur'an ihnen aus seiner unerschöpflichen Schatzkammer Licht auf ihrem Weg spendet.

Dritter Funke:

Die einzigartige Vielseitigkeit seiner Lehre (ilm).Der Qur'an lässt viele verschiedene Wissenszweige des islamischen Rechtes, viele unterschiedliche Wissenszweige wahrer Erkenntnis, viele verschiedene Wissenszweige der Mystik dem Meer seines Wissens entströmen. Die wahre Weisheit des "Bereiches der Möglichkeiten" (die Welt, in der wir leben) und das wahre Wissen des Bereiches des Notwendig-Seienden (Vucub)und die verschlossene Kenntnis des Bereiches der Jenseitigen Welt lässt er wiederum aus dem Meer (seines Wissens)

wohlgeordnet und in Fülle strömen. Wenn wir Beispiele für diesen (dritten) Funken anführen wollten, müsste man ein ganzes Buch schreiben. Statt dessen führen wir hier nur diese vorangegangenen fünfundzwanzig Worte als Beispiel an. In der Tat sind alle wahren Erkenntnisse in diesen fünfundzwanzig Worten nur fünfundzwanzig Tropfen aus dem Meer des Wissens des Qur'an. Soweit sich in diese Worte Fehler eingeschlichen haben, sind sie meinem zu kurzen Verständnis zuzuschreiben.

Vierter Funke:

Einzigartige Vielseitigkeit in seinen Themen. Der Qur'an umfasst in der Tat die umfangreichen Themen bezüglich des Menschen und des Auftrages des Menschen, der Schöpfung und des Schöpfers, der Erde und der Himmel, der Welt und des Jenseits, der Vergangenheit und der Zukunft, der Zeiten von Ewigkeit zu Ewigkeit. Alle grundlegenden und wichtigen Themen, angefangen von der Erschaffung des Menschen aus einem Samentropfen (nutfa)bis dahin, wo er ins Grab steigt; angefangen von den Sitten hinsichtlich Essen und Schlafen, bis hin zu den Themen der Göttlichen Fügung (Kaza) und der Vorherbestimmung Gottes; angefangen von der Erschaffung der Welt in sechs Tagen, bis hin zu den Aufgaben des Windes in seinem Wehen, wie in dem Schwur

وَالْمُرْسَلاَتِ ٭ وَالذَّارِيَاتِ

{"Bei denen, die nach und nach gesandt werden." (Sure 77, 1) "Bei denen, die Staub aufwirbeln." (Sure 51, 1)}

hingewiesen wird; angefangen von Gott, der Herz und Willen des Menschen ergreift, worauf

وَمَا تَشَآؤُنَ اِلاَّ اَنْ يَشَآءَ اللَّهُ ٭ يَحُولُ بَيْنَ الْمَرْءِ وَقَلْبِهِ

{"Ihr könnt nicht etwas wollen, wenn Gott es nicht will." (Sure 76, 30) "Allah hält den Menschen mit Leib und Seele in Händen." (Sure 8, 24)}

hinweisen, bis

وَالسَّمٰوَاتُ مَطْوِيَّاتٌ بِيَمِينِهِ

{"Und die Himmel werden zusammengerollt sein in Seiner Rechten." (Sure 39, 67)}

das heißt, dass Er alle Himmel in Seiner Hand hält; angefangen von den Blumen, den Weinstöcken und den Dattelpalmen der Erde

وَجَعَلْناَ فِيهَا جَنَّاتٍ مِنْ نَخِيلٍ وَاَعْنَابٍ

{"Und Wir legten Gärten auf ihr an mit Palmen und Weinstöcken." (Sure 36, 34)}

bis zu dem einzigartigen Ereignis, das in der Ayah

اِذَا زُلْزِلَتِ اْلاَرْضُ زِلْزَالَهَا

{"Wenn die Erde erschüttert wird..." (Sure 99, 1)}

zum Ausdruck kommt; angefangen von dem Zustand des Himmels

ثُمَّ اسْتَوَىٓ اِلَى السَّمَآءِ وَهِىَ دُخَانٌ

{"Hierauf richtete Er sich zum Himmel auf, der (damals noch) aus (formlosem) Rauch bestand,..." (Sure 41, 11)}

bis zu seiner Spaltung unter Rauch und dem Fallen der Sterne und der Verbreitung im grenzenlosen Weltall; und angefangen davon, dass die Welt um einer Prüfung Willen geöffnet wurde, bis sie wieder geschlossen wird; und angefangen von dem Grab, das die erste Wohnstatt des Jenseits ist, dann dem Zwischenreich, der Wiederversammlung, der Brücke (sirat),bis zum Paradies, bis zur ewigen Glückseligkeit; angefangen von den Ereignissen der vergangenen Zeit, von der Erschaffung Adams in seinem Leibe, von dem Zank seiner beiden Söhne, bis zu der Sintflut, bis zu dem Untergang des Volkes des Pharao, bis zu den wichtigen Ereignissen der meisten Propheten; und angefangen von dem Ereignis aus der Urzeit, auf das

اَلَسْتُ بِرَبِّكُمْ

{"Er sagte: Bin ich nicht euer Herr?" (Sure 7, 172)}

hinweist, bis zu dem Ereignis nach (dem Ende) aller Zeiten, das durch

وُجُوهٌ يَوْمَئِذٍ نَاضِرَةٌ ٭ اِلٰى رَبِّهَا نَاظِرَةٌ

{"An jenem Tag wird es strahlende Gesichter geben, die auf ihren Herrn schauen." (Sure 75, 22-23)}

mitgeteilt wird, erklärt der Qur'an in der Weise, dass diese Verlautbarung dem Majestätischen Herrn angemessen ist, der den ganzen Kosmos wie ein Schloss verwaltet, der diese und die jenseitige Welt gleich zwei Kammern öffnet und wieder schließt, der über die Erde wie über einen Garten und über den Himmel wie über ein mit Lampen verziertes Dach verfügt, der die Vergangenheit und die Zukunft wie zwei Seiten betrachtet, welche vor Seinem Blick wie eine Nacht und ein Tag gegenwärtig sind, und der ewige und urewige, vergangene und künftige Zeiten, wie Gestern und Heute, Schwingen in der Kettenfolge Seiner Taten in einer einzigen gegenwärtigen Zeit schaut und vereinigt.

Ein Baumeister spricht zum Beispiel von zwei Häusern, die er gebaut hat und verwaltet. Er zeichnet ihren Plan und macht eine Liste und Beschreibung von den Gegenständen in ihnen. Der Qur'an zeigt aber eine Form, wie sie einer Erklärung des Herrn angemessen ist, der diesen Kosmos erbaute und ihn verwaltet und eine Liste und Beschreibung der Gegenstände in ihm - wenn man so sagen darf - der sein Programm schrieb und beschreibt. In gar keiner Weise lässt sich die Spur theatralischen Gehabes oder der Förmlichkeit entdecken. Wie der Qur'an kein Zeichen von Täuschung, so als ob einer an Stelle eines anderen aufträte und in dessen Namen spräche, nicht den kleinsten Fleck der Imitation trägt, so sagt er mit allem Nachdruck, (und zugleich) in aller Lauterkeit und in aller Reinheit "Ich bin das Wort und die Kunde des Schöpfers der Welt.", so wie das Tageslicht sagt "Ich bin von der Sonne gekommen."

Ja, wäre er nicht in der Tat (Gottes) des Erbauers, des Gebers, der diese Welt mit einzigartigen Kunstwerken verzierte, mit geschmackvollen Gaben erfüllte und mit Kunstwerken ausstattete, die zur Begeisterung hinreißen, solche wertvollen Gnadengaben über das Antlitz der Erde hin mit Freude schenkend verteilt, eines nach dem anderen ordnet und über dem Antlitz der Erde ausbreitet und aufs Schönste herrichtet, wessen denn sonst könnte der Qur'an sein, der in seiner Verkündung ein Wunder ist, welcher diese Welt (mit Menschen) füllt, die begeistert gratulieren und applaudieren, mit dem murmelnden und raunenden (Chor derer, die Gott) lobpreisen und Ihm danken, erfüllt und die Erde in eine Gedenkstätte (dhikrhane),in eine Moschee, in eine Galerie der Kunstwerke Gottes verwandelte, wessen Wort könnte er sonst sein? Wer sonst könnte auf ihn Anspruch erheben? Wessen Wort könnte er sonst sein? Wem könnte das Licht, das über die Welt ausstrahlt, sonst entsprechen, außer dem der Sonne? Wessen könnte das Licht der Verkündung des Qur'an sein, welches das Geheimnis der Schöpfung entschleiert und die Welt erleuchtet, wenn nicht das der Urewigen Sonne? Wer wäre im Stande, etwas ihm gleichwertiges zu schaffen? Eine Nachdichtung hervorzubringen?

Es wäre in der Tat unmöglich, dass der Meister, der diese Welt mit Seinen Kunstwerken verziert, nicht mit dem Menschen spräche, der von Seinen Kunstwerken begeistert ist. In Anbetracht Seiner Allmacht und Allweisheit versteht Er es auch mit Sicherheit, sich mitzuteilen. In Anbetracht Seiner Fähigkeit, sich mitzuteilen, ist es mit Sicherheit der Qur'an, der Seiner Mitteilungen würdig ist. Wie könnte der Herrscher Seines Königreichs (maliku l-mulk),dem die Wohlgestalt einer Blume nicht gleichgültig ist, einem Wort gegenüber gleichgültig bleiben, das Sein ganzes Königreich in Aufruhr brachte? Ja könnte Er denn einen Anderen dazu veranlassen, es sich zu Eigen zu machen und selbst es nicht im geringsten berücksichtigen?

Fünfter Funke:

Die einzigartige Vielseitigkeit im Stil und der inhaltlichen Konzentration des Qur'an. Hierin gibt es fünf "Lichtbündel".

Erstes Lichtbündel:

Der Stil des Qur'an ist in seiner ganzen Vielseitigkeit so einzigartig, dass eine einzige Sure den Ozean des Qur'an beinhaltet, der die ganze Schöpfung umfasst. Eine einzige Ayah umfasst eine ganze Schatzkammer einer solchen Sure. Die meisten Ayat sind in sich selbst wie eine kleine Sure und die meisten Suren wie ein kleiner Qur'an. So ist denn diese wunderbare Konzentration in der Unterweisung eine große Gnade und eine gute und angenehme Erleichterung. Denn da ein Jeder jederzeit des Qur'an bedarf, wirkt eine jede Sure wie ein kleiner Qur'an, ja sogar eine jede längere Ayah wie eine kurze Sure, damit die Menschen, die entweder wegen mangelnder Auffassungsgabe oder aufgrund einer anderen Ursache nicht jederzeit den ganzen Qur'an lesen können, keine Zeit oder Gelegenheit dazu finden, nicht des ganzen Qur'an gleichsam wie beraubt bleiben mögen. Ja es stimmen sogar die Erforscher (und Entdecker der geistigen Gefilde) darin überein, dass der ganze Qur'an in der ersten Sure "Fatiha;die Eröffnung", die Sure "Fatiha"aber im "Besmele;im Namen Gottes... (dem ersten Satz dieser Sure)" enthalten ist. Die Übereinstimmung der Forscher ist der Beweis für diese Wahrheit.

Zweites Lichtbündel:

Die Ayat des Qur'an beinhalten alle möglichen Arten von Aussagen (kelam), die wahre Erkenntnis und die Bedürfnisse der Menschheit, mit Beweisen und Hinweisen, wie Geboten und Verboten, Versprechungen und Drohungen, Ermutigung und Abschreckung, Zurechtweisungen und Rechtleitung, Geschichten und Gleichnisse, Erlasse, Gotteserkenntnis, das Wissen des Seins und der Prinzipien, die Bedingungen des persönlichen Lebens, das gesellschaftliche Leben, das Leben mit Herzensbildung, das spirituelle Leben und das Leben nach dem Tode.

خُذْ مَا شِئْتَ لِمَا شِئْتَ

Das heißt: "Für alles, was du dir wünschst, nimm dir aus dem Qur'an, was du brauchst!" Die Bedeutung dieser Aussage ist in der Weise anerkannt und richtig, sodass sie unter den Kennern der Wahrheit (ehl-i haqiqat)als sprichwörtlich gilt. Die qur'anischen Verse sind so vielseitig, dass sie für allen Kummer Genesung bringen und jedes Bedürfnis stillen. In der Tat soll es auch so sein, denn der absolute Wegweiser für alle Schichten der Vollendeten, die ständig die Sprossenleiter ihrer Vollendung emporsteigen, muss sicherlich diese Qualität besitzen.

Drittes Lichtbündel:

Der Qur'an ist wunderbar in seinen Zusammenfassungen. Manchmal geschieht es, dass er die beiden Enden einer langen Kette in einer Weise erwähnt, welche diese lange Reihenfolge aufs Beste zusammenfasst. Manchmal geschieht es auch, dass er viele Beweise einer Behauptung zu einem Wort fügt, worin sie entweder eindeutig, oder durch einen Hinweis, ein Stichwort, eine Anmerkung erkennbar sind.

Zum Beispiel:

وَمِنْ اٰيَاتِهِ خَلْقُ السَّمٰوَاتِ وَاْلاَرْضِ وَاخْتِلاَفُ اَلْسِنَتِكُمْ وَاَلْوَانِكُمْ

{"Und zu Seinen Wunderzeichen gehört die Erschaffung von Himmel und Erde und die Verschiedenartigkeit eurer Sprachen und eurer Farben." (Sure 30, 22)}

Hier wird zunächst die zweite Reihenfolge gezeigt, indem der Anfang und das Ende der Reihenfolge in der Erschaffung des Kosmos erwähnt wird, die eine Reihenfolge von Wunderzeichen und Beweisen für die Einheit (Gottes) und Seine Allgegenwart sind. Daraus lässt er sodann die erste Reihenfolge herauslesen. In der Tat ist der erste Absatz auf den Seiten der Welt, die für den allweisen Baumeister Zeugnis ablegen, der Ursprung der Erschaffung von Himmel und Erde. Dann erfolgt die Reihenfolge Seines Wirkens mit der Verzierung der Himmel mit Sternen, mit der Belebung der Erde mit Lebewesen, sodann

mit dem Wechsel der Jahreszeiten in der Dienstbarkeit der Sonne und des Mondes, dann mit der Verschiedenheit und dem Wechsel von Tag und Nacht, bis hin zu den Gesichtern und den Stimmen, die sich dort am meisten voneinander unterscheiden, individuell charakteristisch sind, wo auch die größte Vielfalt herrscht. In Anbetracht der Tatsache, dass eine in Begeisterung versetzende Ordnung in Weisheit unter den Gesichtern gerade dort als charakteristisches Kennzeichen der einzelnen Personen zum Ausdruck kommt, wo wir diese Ordnung am wenigsten für möglich halten, wo sie dem Spiel des Zufalls am meisten ausgeliefert ist, und gezeigt wird, dass hier die Feder eines künstlerisch außerordentlich begabten Weisen am Werk ist, werden mit Sicherheit auch andere Seiten, deren Ordnung ebenfalls klar ersichtlich sind, sofort verständlich und lassen ihren Designer erkennen. Da nun einmal im Anfang der Schöpfung der gewaltigen Himmel und der Erde das Werk der Kunstfertigkeit und der Weisheit erkennbar ist, so ist auch das Werk der Kunstfertigkeit des Baumeisters, der für den Bau des kosmischen Schlosses voll Weisheit Himmel und Erde als Grundstein legte, dieses Schmuckstück Seiner Weisheit, in anderen Teilen des Schlosses klar erkennbar. So macht diese Ayah klar, was bisher verborgen war, übergeht dabei, was ohnehin offensichtlich ist und bringt uns auf diese Weise eine sehr schöne Zusammenfassung. Mit Recht sind, angefangen von

فَسُبْحَانَ اللَّهِ حِينَ تُمْسُونَ

{"Gott sei gepriesen am Abend..." (Sure 30, 17)}

bis zu

وَلَهُ الْمَثَلُ اْلاَعْلٰى فِى السَّمٰوَاتِ وَاْلاَرْضِ وَهُوَ الْعَزِيزُ الْحَكِيمُ

{"Er stellt in sich das erhabenste Wesen dar, das sich im Himmel und auf der Erde überhaupt nur denken lässt. Und Er ist der Mächtige und Weise." (Sure 30, 27)}

sind die Reihen von Zeugnissen die sechsmal mit

وَمِنْ اٰيَاتِهِ ٭ وَمِنْ اٰيَاتِهِ

{"zu Seinen Wunderzeichen gehören..."}

beginnen, eine Reihenfolge von Juwelen, eine Reihenfolge von Lichtern, eine Reihenfolge von Wundern, eine Reihenfolge von wunderbaren Zusammenfassungen. Mein Herz wünscht sich, dass ich die in diesen Schätzen verborgenen Diamanten zeigen könnte! Doch, was soll ich machen, wenn das hier den Rahmen dafür sprengen würde. Ich verschiebe es auf einen anderen Zeitpunkt und öffne diese Türe jetzt nicht.

Zum Beispiel:

فَاَرْسِلُونِ ٭ يُوسُفُ اَيُّهَاالصِّدِّيقُ

{"schickt mich...; Josef, du Wahrhaftiger!" (Sure 12, 45-46)}

Zwischen dem Wort فَاَرْسِلُونِ {"schickt mich ..."} und dem Wort يُوسُفُ {"Josef!"} liegt das folgende:

اِلٰى يُوسُفَ لِاَسْتَعْبَرَ مِنْهُ الرُّؤْيَا فَاَرْسَلُوهُ فَذَهَبَ اِلَى السِّجْنِ وَقَالَ يُوسُفُ

{"...zu Josef, damit ich Auskunft über den Traum holen kann! Sie haben ihn geschickt. Er ging in das Gefängnis und sagte zu Josef:"}

Das heißt, obwohl fünf Sätze in einem Satz zusammengefasst und verkürzt worden sind, wurde die Klarheit der Aussage dadurch nicht getrübt und das Verständnis dadurch nicht beeinträchtigt.

Zum Beispiel:

اَلَّذِى جَعَلَ لَكُمْ مِنَ الشَّجَرِ اْلاَخْضَرِ نَارًا

{"Er ist derjenige, der für euch aus dem grünen Baum Feuer hervorgebracht hat." (Sure 36, 80)}

Wenn der aufsässige Mensch herausfordernd sagt "Wer wird die vermoderten Knochen wieder lebendig machen?" antwortet der Qur'an auf diese (versteckte) Leugnung:

"Der, der sie zu Anfang erschaffen hat, wird sie auch wieder lebendig machen. Was aber denjenigen betrifft, der sie erschafft, so weiß Er Bescheid über alle Dinge mit all ihren Eigenschaften. Außerdem vermag derjenige, der für euch aus dem grünen Baum Feuer entstehen lässt, aus den vermoderten Knochen (wieder neues) Leben hervorzubringen."

So bezieht sich dieses Wort auf die Behauptung der Wiederbelebung in verschiedener Hinsicht und beweist sie. Zuerst beginnt (diese Ayah) mit diesem Wort die Reihe der Gnadengeschenke, die Gott für den Menschen bereitet hat, rüttelt ihn auf, ruft sie ihm in Erinnerung. Weil wir dies aber in anderen Ayat bereits ausführlich behandelt haben, fassen wir hier nur kurz zusammen und überlassen alles übrige dem eigenen Nachdenken.

"Vor dem Herrn, der euch Früchte und Feuer aus Bäumen, Nahrung aus Gräsern, Getreide und Pflanzen aus der Erde gibt, der die Erde für euch zu einer angenehmen Wiege gestaltet hat, in der alle Versorgungsmittel für euch bereitgestellt sind und der die Welt zu einem Schloss gemacht hat, das schön ist und in dem sich alles findet, was ihr braucht, kann man nicht entfliehen, ganz und gar auf sich allein gestellt bleiben, ins Nichts entschwinden und sich (vor Ihm) verbergen. Ihr könnt nicht ohne eine Verpflichtung bleiben, ins Grab hinabsteigen und ruhig schlafen, ohne (wieder auf)erweckt zu werden."

Hier nun, was diese Behauptung unter Beweis stellt:

Das Wort اَلشَّجَرِ اْلاَخْضَرِ {"der grüne Baum"} sagt sinngemäß: "Oh du, der die Wiederversammlung leugnet! Betrachte die Bäume! Den Herrn, der unzählige Bäume, die im Winter knochentot zu sein scheinen, im Frühling wieder belebt, begrünt, sogar in jedem Baum mit Blättern, Blüten und Früchten Beispiele dreifacher Wiederbelebung zeigt, kann man in Seiner Macht nicht herausfordern, indem man die Wiederversammlung leugnet und sie für unmöglich hält." Dann weist es auf ein weiteres Zeugnis hin und sagt: "Wie könnt ihr es für unmöglich halten, dass der Herr, der aus einem dichten, schweren, dunklen Stoff wie einem Baum etwas so Anmutiges, Leichtes, Leuchtendes wie das Feuer hervorbringt, Knochen, die dem Holz gleichen, ein Leben, das dem Feuer gleicht, und ein Bewusstsein, das dem Licht gleicht, verleihen wird." Dann macht es nähere Angaben zu noch einem weiteren Beweis und sagt: "Man hält es nicht für unmöglich, dass der Herr, der das Feuer erschafft, wenn Beduinen aus zwei Zweigen des bekannten Baumes Feuer entzünden als wären es Streichhölzer, indem sie diese noch grün aneinander reiben, und der zwei einander entgegengesetzte Naturen, der grünen Feuchtigkeit und der trockenen Hitze, vereinigt, und der eines dem anderen zur Quelle macht, wodurch Er zeigt, dass alle Dinge, ja sogar die Grundelemente und die Urnaturen Seinen Befehlen folgen, sich in Seiner Kraft bewegen, sodass keines von ihnen frei ist und sich nicht nach ihrer Natur richtet, den Menschen, den Er aus Erde gemacht hat und der wieder zur Erde zurückkehrt, ihn auch wieder aus der Erde hervorbringen wird. Mit Aufsässigkeit fordert man Ihn nicht heraus." Dann, indem es den berühmten Baum Mosis, mit dem Friede sei, in Erinnerung bringt, deutet es darauf hin, dass dieser Ruf Ahmeds, mit dem Friede und Segen sei, auch der Ruf Mosis ist, mit dem Friede sei. Er gibt uns so einen dezenten Hinweis auf die

Einmütigkeit der Propheten und fügt damit der prägnanten Zusammenfassung dieses Wortes noch eine Feinheit hinzu.

Viertes Lichtbündel:

Die Kürze im Qur'an ist ganz außergewöhnlich vielseitig und wunderbar. Wenn man aufmerksam hinschaut, bemerkt man, dass er, als zeige er ein Meer in einer Kanne, allgemeingültige Grundsätze in ihrer ganzen Länge und Breite, Gesetze, die für alle gelten, als Barmherzigkeit für das Verständnis der Einfachen und Ungebildeten in einem grundlegenden Abschnitt, in einem besonderen Ereignis darstellt. Dafür bringen wir hier zwei Beispiele unter Tausenden von Beispielen.

Erstes Beispiel:

Es sind drei Verse die in dem ersten Kapitel des "Zwanzigsten Wortes" eingehend erklärt wurden. Gleichsam unter der Überschrift: "Adams Unterweisung aller Namen" drücken sie die Unterweisung aller Wissenschaften und Kenntnisse aus, die dem Geschlecht der Söhne Adams eingegeben wurden. Mit der Erzählung von den Engeln, die sich vor Adam niederwarfen und dem Teufel, der sich nicht niederwerfen wollte, bringen sie zum Ausdruck, dass die meisten Geschöpfe, angefangen von den Fischen bis hin zu den Engeln, (in ihrer Weise) dem Menschengeschlechte dienstbar sind, dagegen aber Geschöpfe, die ihm Schaden zufügen, angefangen von den Schlangen bis hin zu den Teufeln, ihm nicht gehorchen, vielmehr ihm feindselig sind. Des Weiteren wird durch das Schlachten einer Kuh unter dem Volk Mosis, mit dem Friede sei, ausgedrückt, dass die Anbetung der Kühe, welches aus der Idolatrie der Kühe in Ägypten stammte und in der Geschichte von dem "Kalb" ihre Wirkung zeigte, mit dem Messer Mosis, mit dem Friede sei, abgeschnitten wurde. Wenn nun des Weiteren erwähnt wird, dass aus den Felsen Wasser hervorquoll, dass Bäche fließen und Felsen sich spalten und hinunter rollen, so wird damit zum Ausdruck gebracht, dass die Gesteinsschichten unter der Erde sowohl als Schatzkammer für die Wasseradern dienen, als auch die Erde (über sich wie) eine Mutter tragen.

Zweites Beispiel:

Es handelt sich um Sätze und Abschnitte in der Geschichte Mosis, mit dem Friede sei, die im Qur'an oft wiederholt werden, wobei uns mit jedem Satz, ja mit jedem Abschnitt ein Zipfel eines allgemeingültigen Gesetzes gezeigt wird und dieses Gesetz zum Ausdruck gebracht wird.

Zum Beispiel:

يَا هَامَانُ ابْنِ لِى صَرْحًا

{"Oh Haman, baue mir einen Turm." (Sure 40, 36)}

Der Pharao befiehlt seinem Minister: Baue mir einen hochragenden Turm! Ich will den Zustand der Himmel beobachten und schauen, ob es nach dem Gang des Himmels etwa einen Gott im Himmel gibt, der dort droben lenkt und leitet, wie Mosis verkündet." So wird durch das Wort صَرْحًا {"Turm"} und durch dieses kleine Ereignis ein erstaunliches Gesetz ausgedrückt, das in der Tradition der Pharaonen Ägyptens herrschte, die sich nach Bergen sehnten, weil sie in einer berglosen Wüste lebten, die Naturanbeter waren und ihre göttliche Herrschaft beanspruchten, weil sie den Schöpfer nicht kannten, die ihre Namen verewigten, indem sie die Werke ihrer Gewaltherrschaft zeigten, die ruhmsüchtig waren und die berühmten bergengleichen Pyramiden errichteten, die an Zauberei und Seelenwanderung glaubten, ihre Leichen einbalsamierten und in bergengleichen Gräbern aufbewahrten.

Zum Beispiel:

فَالْيَوْمَ نُنَجِّيكَ بِبَدَنِكَ

{"Heute wollen wir dich nun deinem Leibe nach retten..." (Sure 10, 92)}

Dem ertrunkenen Pharao wird gesagt: "Heute will Ich deinen Körper retten, nachdem er ertrunken ist." Mit dieser Aussage wird der den Tod betreffende, ein abschreckendes Lehrbeispiel bildende Grundsatz in ihrem

Leben, ausgedrückt, dass alle Pharaonen ihre Leichen aus der Vergangenheit heraus auf die Bühne der kommenden Generationen der Zukunft sandten, indem sie ihre Leichen aufgrund ihrer Vorstellung von der Seelenwanderung einbalsamierten. Übrigens wurde im letzten Jahrhundert im Gebiet dieses Meeres, wo er damals ertrank und an Land gespült wurde, ein Leichnam gefunden, eben jene Leiche des ertrunkenen Pharao, ein wunderbares Zeichen aus dem Unsichtbaren, Funke eines Wunders. Er wurde aus dem Meer der Zeit über die Wogen der Jahrhunderten hinweg an die Küste dieses Jahrhunderts geworfen. Schon deshalb ist dieses einzige Wort allein schon ein Wunder.

Fünftes Lichtbündel:

Es handelt sich um die wunderbare Vielseitigkeit des Qur'an hinsichtlich seiner Ziele und Themen, der Bedeutungen, seines Stils, der Feinheiten und Schönheiten. Achtet man auf die Suren und Ayat im Qur'an, dessen Verkündigung ein Wunder ist, und besonders auf die Anfänge der Suren, auf den Beginn und das Ende der Ayat, sieht man, dass er alle Arten der Dichtkunst, Wörter mit besonderem Gewicht und all ihren Formen, alle Grade der erhabenen Stile, alle Beispiele der ethischen Schönheiten, alle Resümees der Naturwissenschaften, alle Inhaltsverzeichnisse der Erkenntnis Gottes, alle nützlichen Grundsätze des persönlichen Lebens und des menschlichen Gemeinschaftslebens, alle lichtvollen Gesetze der hohen Weisheit der Schöpfung beinhaltet; und dabei sieht man nirgendwo eine Spur der Verworrenheit. So verschiedene Arten an einem Platz zusammenzubringen, ohne dass dabei ein Streit, ein Durcheinander entsteht, muss gewiss das Werk einer gewaltigen, wundersamen Ordnung sein.

Fürwahr, neben dieser Wohlordnung bei all dieser Vielseitigkeit, wie in den vorangegangenen vierundzwanzig Abhandlungen, den "Worten (Sözler)"schon erläutert und bewiesen, wurde der Schleier des Selbstverständlichen, welcher der Ursprung der Unkenntnis dessen ist, der überzeugt ist, genaue Kenntnis zu besitzen, durch

seine scharfen Erklärungen zerrissen. Die Wunder, die unter dem Schleier des Alltäglichen verborgen sind, wurden herausgeholt und gezeigt. Der Abgott (Taghut)aller Natur(philosophie), welcher die Quelle allen Irrtums ist, wurde mit dem diamantenen Schwert seiner Beweisführung in Stücke gehauen, die dicken Schichten der Gottvergessenheit von seiner donnergleichen Stimme wie Schlaf vertrieben, das tiefe Geheimnis der Welt und das einzigartige, verschlossene Rätsel der Erschaffung des Kosmos, das (zu enträtseln) sich Philosophie und Menschenweisheit als zu schwach erwiesen haben, gelöst und aufgedeckt. Dies sind mit Sicherheit wunderbare Werke eines Wunderwirkenden wie des Qur'an, der die Wahrheiten sieht, bewandert im Verborgenen, der zur Rechtleitung führt und zeigt, was recht ist.

Wenn man in der Tat in Recht und Billigkeit auf die Ayat des Qur'an achtet, so wird ersichtlich, dass er nicht einer fortschreitenden Gedankenkette gleicht, wie bei anderen Büchern, die ein oder zwei Ziele verfolgen, sondern eine spontane, aus dem Augenblick entstandene Art zeigt, einen Entwicklungsgang, als wären sie ihm zugeworfen worden. Und man merkt, dass jede Gruppe, die zu gleicher Zeit offenbart worden ist, für sich selbst steht und von einem weit entfernten Ort herüber gekommen ist, eine nach der anderen, in kurzen Mitteilungen, als eine überaus ernste und wichtige Botschaft. Wer, außer dem Schöpfer des Kosmos, könnte jemals ein Gespräch führen, welches sich ernsthaft mit dem Kosmos und dem Schöpfer des Kosmos beschäftigt?... seine Grenzen grenzenlos überschreiten? den majestätischen Schöpfer nach seiner Lust und Laune zu seinem Gesprächspartner machen und der Schöpfung treffend Ausdruck verleihen?

Tatsächlich wird im Qur'an erkennbar, wer in allem Ernst, wirklich, wahrhaftig und erhaben der Sprecher und wer das Sprachrohr des Schöpfer des Kosmos ist. Darin findet sich überhaupt keine Spur einer Nachahmung. Er spricht (für sich selbst) und lässt (Seinen Propheten) sprechen. Den unmöglichen Fall einmal angenommen,

jemand überschritte wie Müseylime grenzenlos seine Grenzen und ließe nachahmend den majestätischen Schöpfer, den Herrn aller Würde und Macht, nach eigener Vorstellung sprechen und die Schöpfung mit Ihm, so wird man mit Sicherheit Tausende von Spuren seiner Nachahmung und Tausende von Zeichen seines Betruges darin finden. Denn diejenigen, die sich von erhabenster Art zeigen, wo sie doch von gemeinster Art sind, verraten in all ihrem Verhalten ihre Fälschung. Also betrachte und beachte folgende Ayat, die diese Wahrheit mit einem Schwur verkünden:

وَالنَّجْمِ إِذَا هَوَىٰ ٭ مَا ضَلَّ صَاحِبُكُمْ وَمَا غَوَىٰ ٭ وَمَا يَنطِقُ عَنِ الْهَوَىٰ ٭ إِنْ هُوَ إِلَّا وَحْيٌ يُوحَىٰ

{"Beim dem Stern, wenn er fällt! Euer Gefährte geht nicht irre, ist nicht einem Irrtum erlegen und er redet nicht aus eigener Neigung. Es ist nichts anderes als eine Offenbarung, die offenbart wurde." (Sure 53, 1-4)}

Dritter Strahl:

Hier geht es um ein Wunder, das aus den Mitteilungen erwächst, die der Qur'an, dessen Verkündigung ein Wunder ist, aus dem Unsichtbaren gibt, und daraus, dass er in jedem Jahrhundert sein Jungsein bewahrt hat und für alle Menschen jeder Schicht geeignet ist. Dieser Strahl besteht aus "drei Erscheinungen".

Erste Erscheinung:

Hier werden die Mitteilungen aus dem Unsichtbaren behandelt. Diese Erscheinung besteht aus "drei Blitzen".

Erster Blitz:

Es sind seine Mitteilungen aus dem Unsichtbaren, die sich auf die Vergangenheit beziehen. Der weise Qur'an erwähnt die wichtigsten Umstände und die bedeutendsten Ereignisse der Propheten seit der Zeit Adams bis zu dem glücklichen Zeitalter des getreuen Propheten (Mohammedu l-Amin)in der Sprache einer nach allgemeiner Überlieferung unbelesenen Persönlichkeit mit besonderem Ernst und Nachdruck, wobei Bücher wie Thora und Evangelium (den Qur'an) bestätigen. Dort, wo die vorausgegangenen Bücher miteinander übereinstimmen,

stimmt (auch der Qur'an) zu. Dort, wo über ein Thema Uneinigkeit herrscht, legt er korrigierend den wahren Sachverhalt offen. Das heißt, dass das Auge des Qur'an das Verborgene sieht und die Ereignisse der Vergangenheit in allen vorausgegangenen Büchern überschaut. So bestätigt er dort, wo eine Übereinstimmung besteht und bezeugt so ihre Glaubwürdigkeit. In allen strittigen Fragen dient er als Prüfstein und stellt die Dinge richtig. In Wirklichkeit sind die Mitteilungen des Qur'an über die Ereignisse und Vorkommnisse der Vergangenheit keine Sache des Verstandes, sodass der Verstand sie uns mitteilen könnte. Vielmehr handelt es sich dabei um etwas, das auf einer Überlieferung vom Himmel herab beruht. Was derartige Überlieferungen betrifft, so sind sie eine Sache der Leute, die schreiben und lesen können. Freunde wie Feinde stimmen darin überein, dass (der Qur'an) auf eine Persönlichkeit herabgekommen ist, die zwar von Hause ungebildet ist, unkundig des Lesens und Schreibens, doch berühmt ob seiner Zuverlässigkeit.

Außerdem berichtet er über jene vergangenen Ereignisse in der Weise, dass er alle diese Ereignisse so erzählt, als habe er sie gesehen. Denn er schält den Kern und Geist einer Erzählung heraus, gebraucht ihn als die einleitende (Handlung), die ihn ans Ziel bringt. Das heißt also, dass die Auszüge und Zusammenfassungen im Qur'an darauf hinweisen, dass derjenige, der diese Auszüge und Zusammenfassungen schildert, die ganze Vergangenheit mit all ihren Ereignissen kennt. Denn jemandes Sachverstand in Kunst oder Wissenschaft erweist sich in seiner fachkundigen Ausdrucksweise, in einem fach- und materialgerecht hergestellten Kunstwerk, und so wie es das Geschick, das Talent eines Menschen beweist, so zeigt auch die Zusammenfassung, der Geist eines Ereignisses, das im Qur'an erwähnt wird, dass derjenige der es berichtet, falls mir dieser Ausdruck gestattet sei, mit einer wunderbaren Begabung über alle die Ereignisse berichtet, die er geschaut hat.

Zweiter Blitz:

Es sind seine Nachrichten aus dem Unsichtbaren, die sich auf die Zukunft beziehen. Diese Gruppe von Nachrichten hat verschiedene Arten. Die erste Gruppe bezieht sich auf das Persönliche. Sie ist bestimmt für einen Teil unter den Leuten der meditativen Wahrnehmung und den Gottesfreunden.

Zum Beispiel:

Muhyiddinu l-Arabi hat in der Sure 30, die mit den Ayat

الٓمٓ ٭ غُلِبَتِ الرُّومُ

{"Elif lam mim. Die Byzantiner sind besiegt worden..." (Sure 30, 1-2)}

beginnt, viele Nachrichten aus dem Verborgenen entdeckt. Imam Rabbani hat in den Buchstaben die Muqatta'at genannt und am Anfang der Suren erwähnt werden, Zeichen und Nachrichten auf viele unvorhersehbaren Ereignisse erkannt usw... Für die Gelehrten der inneren (batin)Bedeutung des Qur'an besteht der Qur'an vom Anfang bis zum Ende aus solchen verborgenen Mitteilungen. Wir wollen hier aber nur auf einen Teil von ihnen hinweisen, welcher die Allgemeinheit betrifft. Auch hier gibt es viele verschiedene Stufen, von denen wir hier nur eine Stufe behandeln wollen. So sagt denn der weise Qur'an dem ehrenwerten Gesandten, mit dem Friede und Segen sei:

{(*): Da diese Verse, die aus dem Verborgenen Nachricht bringen, schon durch sehr viele Kommentatoren erläutert wurden und da der Verfasser ungeduldig war, um diese Abhandlung mit alten Buchstaben (vor der Schriftreform - A.d.Ü.) zum Druck zu geben, bleiben hier diese wertvollen Schätze verschlossen.}

فَاصْبِرْ اِنَّ وَعْدَ اللَّهِ حَقٌ ٭ لَتَدْخُلُنَّ الْمَسْجِدَ الْحَرَامَ اِنْ شَآءَ اللَّهُ اٰمِنِينَ مُحَلِّقِينَ رُؤُسَكُمْ وَمُقَصِّرِينَ لاَ تَخَافُونَ ٭ هُوَ الَّذِى اَرْسَلَ رَسُولَهُ بِالْهُدىَ وَدِينِ الْحَقِّ لِيُظْهِرَهُ عَلَى الدِّينِ كُلِّهِ ٭ وَهُمْ مِنْ بَعْدِ غَلَبِهِمْ سَيَغْلِبوُنَ فِى بِضْعِ سِنِينَ ِللَّهِ اْلاَمْرُ ٭ فَسَتُبْصِرُ وَيُبْصِرُونَ بِأَيِّكُمُ الْمَفْتُونُ ٭ اَمْ يَقُولُونَ شَاعِرٌ نَتَرَبَّصُ بِهِ رَيْبَ الْمَنُونِ ٭ قُلْ تَرَبَّصُوا فَاِنِّى مَعَكُمْ

مِنَ الْمُتَرَبِّصِينَ ٭ وَاللَّهُ يَعْصِمُكَ مِنَ النَّاسِ ٭ فَاِنْ لَمْ تَفْعَلُوا وَلَنْ تَفْعَلُوا ٭ وَلَنْ يَتَمَنَّوْهُ اَبَداً ٭ سَنُرِيهِمْ اٰيَاتِنَا فِى اْلاٰفَاقِ وَفِىٓ اَنْفُسِهِمْ حَتّٰى يَتَبَيَّنَ لَهُمْ اَنَّهُ الْحَقُّ ٭ قُلْ لَئِنِ اجْتَمَعَتِ اْلاِنْسُ وَالْجِنُّ عَلٰى اَنْ يَاْتوُا بِمِثْلِ هٰذَا الْقُرْاٰنِ لاَ يَاْتوُنَ بِمِثْلِهِ وَلَوْ كَانَ بَعْضُهُمْ لِبَعْضٍ ظَهِيراً ٭ يَاْتِى اللَّهُ بِقَوْمٍ يُحِبُّهُمْ وَيُحِبُّونَهُ اَذِلَّةٍ عَلَى الْمُؤْمِنِينَ اَعِزَّةٍ عَلَى الْكَافِرِينَ يُجَاهِدُونَ فِى سَبِيلِ اللَّهِ وَلاَ يَخَافُونَ لَوْمَةَ لآَئِمٍ ٭ وَقُلِ الْحَمْدُ ِللَّهِ سَيُرِيكُمْ اٰياَتِهِ فَتَعْرِفُونَهَا ٭ قُلْ هُوَ الرَّحْمٰنُ اٰمَنَّا بِهِ وَعَلَيْهِ تَوَكَّلْنَا فَسَتَعْلَمُونَ مَنْ هُوَ فِى ضَلاَلٍ مُبِينٍ ٭ وَعَدَ اللَّهُ الَّذِينَ اٰمَنوُا مِنْكُمْ وَعَمِلوُا الصَّالِحَاتِ لَيَسْتَخْلِفَنَّهُمْ فِى اْلاَرْضِ كَماَ اسْتَخْلَفَ الَّذِينَ مِنْ قَبْلِهِمْ وَلَيُمَكِّنَنَّ لَهُمْ دِيَنهُمُ الَّذِى ارْتَضٰى لَهُمْ وَلَيُبَدِّلَنَّهُمْ مِنْ بَعْدِ خَوْفِهِمْ اَمْناً

{"Sei nun geduldig. Das Versprechen Gottes ist wahr." (Sure 30, 60) "Ihr werdet gewiss, wenn Gott will, die Heilige Moschee betreten in Sicherheit, sowohl mit geschorenem Haupt als auch mit gestutztem Haar, doch ohne euch zu fürchten." (Sure 48, 27) "Er ist es, der seinen Gesandten mit der Rechtleitung und der Religion der Wahrheit gesandt hat, um ihr die Oberhand zu verleihen über alle Religionen." (Sure 48, 28) "Aber sie werden, nachdem sie besiegt worden sind, (ihrerseits) siegen, in etlichen Jahren. Gott steht die Entscheidung zu." (Sure 30, 3-4) "Du wirst schauen, und auch sie werden schauen, wer von euch der Versuchung ausgesetzt ist." (Sure 68, 5-6) "Oder sagen sie etwa: Ein Dichter. Wir warten ab, was für ein Unheil das Schicksal ihm bringen wird. Sprich: Wartet ab, ich gehöre mit euch zu denen, die abwarten." (Sure 52, 30-31) "Gott schützt dich vor den Menschen." (Sure 5, 67) "Wenn ihr es nicht tut - und ihr werdet es nie tun können..." (Sure 2, 24) "Aber niemals werden sie ihn sich wünschen..." (Sure 2, 95) "Wir werden sie an den Horizonten und in ihnen selbst unsere Zeichen sehen lassen, bis es ihnen deutlich wird, dass es die Wahrheit ist." (Sure 41, 53) "Sage: Auch wenn Menschen und Dschinnen sich vereinigen würden, um diesem Qur'an ein Gleiches entgegenzusetzen, könnten sie dennoch nichts ähnliches schaffen. Auch nicht, wenn sie sich gegenseitig dabei helfen würden." (Sure 17, 88) "Oh ihr Gläubigen, wer unter euch von seinem Glauben abfällt, an dessen Stelle wird Allah ein anderes Volk setzen, welches Er liebt und das Ihn liebt, das liebevoll gegen die Gläubigen und streng gegen die Ungläubigen sein wird und welches für die Religion Allahs kämpft und das sich nicht vor dem Tadel der Verleumder fürchtet." (Sure 5, 54) "Und sag: Alles Lob gebührt Allah! Er wird euch Seine Zeichen sehen lassen, sodass ihr sie erkennt (und nicht sagen könnt, ihr wüsstet von nichts)." (Sure 27, 93) "Sprich: Er ist der Erbarmer. An Ihn glauben wir und auf Ihn vertrauen wir. Ihr werdet noch erfahren, wer sich im offenkundigen Irrtum befindet." (Sure 67, 29) "Allah hat denjenigen von euch, die glauben und tun, was recht ist, versprochen, dass Er sie zu Nachfolgern auf Erden bestellen wird, wie Er diejenigen, die vor ihnen lebten, zu Nachfolgern bestellt hat; dass Er ihnen ihre Religion, die Er für gut befunden und für sie festgelegt hat, zu einer angesehenen Stellung verhelfen wird; und dass Er ihnen, nachdem sie in Angst gelebt hatten, statt dessen Sicherheit gewähren wird." (Sure 24, 55)}

Und noch viele dergleichen Ayat bringen Mitteilungen aus dem Unsichtbaren zum Ausdruck, die sich wörtlich bewahrheitet haben. Solche Nachrichten aus dem Unsichtbaren, die aus dem Munde dessen, der sehr vielen Einwänden und Kritiken ausgesetzt ist und wegen eines einzigen Fehlers seinen Ruf (da'va)verlieren könnte, ohne zu zögern, vollkommen ernst und zuverlässig hervorgebracht wurden und eine große Authentizität verspüren lassen, zeigen, dass diese Persönlichkeit von dem Meister der Ewigkeit Unterricht nimmt und sodann spricht.

Dritter Blitz:

Es sind die Nachrichten aus dem Unsichtbaren, die sich auf die Wahrheit über Gott, die Wahrheit über das Sein und auf die Dinge des Jenseits beziehen. Die Erklärungen des Qur'an über die Wahrheiten über Gott und seine Aussagen über das Sein, die das Geheimnis des Kosmos öffnen und die verschlossene Wahrheit bei der Erschaffung der Welt aufdecken, sind in der Tat die Wichtigsten unter den Nachrichten aus dem Unsichtbaren. Denn mit der rechten Leitung zu diesen Wahrheiten aus dem Unsichtbaren zu gelangen und sie unter zahllosen Irrwegen zu finden, ist nicht ein Verdienst des menschlichen Verstandes und kann es auch nicht sein. Es ist bekannt, dass die genialsten Philosophen der Menschheit auch der kleinsten dieser Fragen mit ihrem Verstand nicht genügten.

Des Weiteren sagt der Verstand des Menschen zu dem Qur'an, der seine Aussagen über diese von ihm gezeigten

Wahrheiten über Gott und über das Sein hörte, nach der Reinigung seines Herzens, der Läuterung seiner Seele (nefs),der Entfaltung seines Geistes und der Vervollkommnung seines Verstandes "Sadaqte(du sagst die Wahrheit)" und nimmt diese Wahrheiten an. Er sagt zu dem Qur'an "Barekallah(Segne es Gott)". Die Erklärungen und Beweisführungen zu diesem Abschnitt wurden bereits im "Elften Wort" zum Teil dargestellt. Eine Notwendigkeit zu ihrer Wiederholung ist nicht gegeben. Was die Zustände (hal)im Jenseits und im Zwischenreich (berzah)betrifft, auch insoweit der Mensch durch eigenes Nachdenken allein nicht zu ihnen gelangen und sie nicht erkennen kann, so werden sie doch auf dem Wege, den der Qur'an uns aufzeigt, im Grade unmittelbarer Wahrnehmung bewiesen. Im "Zehnten Wort" wurde bereits erklärt und bewiesen, in welchem Grade die Nachrichten des Qur'an aus dem Unsichtbaren wahr und richtig sind. Dort kann man also nachschlagen.

Zweite Erscheinung:

Es handelt sich um die immerwährende jugendliche Frische des Qur'an. Er bewahrt diese seine Jugendlichkeit und Frische in jedem Jahrhundert so, als wäre er gerade erst herabgestiegen. Da sich der Qur'an ja, als eine Predigt (hutbe)des Urewigen, an alle Schichten der Menschheit aller Jahrhunderte gleichzeitig wendet, muss er in der Tat dementsprechend fortwährend jung sein. Außerdem hat man ihn stets so gesehen und sieht ihn stets noch so. Er geht auf jedes Jahrhundert ein, wie es seiner unterschiedlichen Denkweise und dem jeweils anderen Zeitgeist entspricht, als betrachte er ganz besonders dieses Zeitalter, verleiht ihm seine besondere Perspektive und erteilt ihm seinen eigenen Unterricht.

Die Werke und Gesetze der Menschen altern wie die Menschen selbst. Sie verändern sich, werden erneuert. Nur die Bestimmungen und Gesetze des Qur'an sind so fest und sicher, dass im Verlauf der Jahrhunderte stets mehr ihre Stärke sichtbar wird. In der Tat haben dieses gegenwärtige Jahrhundert und die Leute der Schrift in

diesem Jahrhundert, welche so ungeheuer stolz auf sich sind und sich vor dem Wort des Qur'an die Ohren verstopfen, den Ruf des Qur'an zur Rechtleitung

يَآ اَهْلَ الْكِتَابِ ٭ يَآ اَهْلَ الْكِتَابِ

{"Oh ihr Leute der Schrift! Oh ihr Leute der Schrift!" (Sure 3, 64)}

so dringend notwendig, als richtete sich dieser Ruf unmittelbar an dieses Jahrhundert; und der Ruf

يَآ اَهْلَ الْكِتَابِ

{"Oh ihr Leute der Schrift!" (Sure 3, 64)}

umfasst in sich auch die Bedeutung des

يَآ اَهْلَ الْمَكْتَبِ

{"Oh ihr Leute der Schule!"}

Er verkündet an allen Enden der Welt mit Donnerstimme

يَآ اَهْلَ الْكِتَابِ تَعَالَوْا اِلٰى كَلِمَةٍ سَوَآءٍ بَيْنَنَا وَبَيْنَكُمْ

{"Oh ihr Leute der Schrift, kommt herbei zu einem Wort, in gleicher Weise angenommen zwischen uns und euch." (Sure 3, 64)}

mit aller Kraft und mit aller jugendlichen Frische.

Zum Beispiel:

Nachdem sich einzelne Personen und ganze Gemeinschaften bereits mit dem Qur'an auseinandergesetzt und als schwach erwiesen haben, hat nun unsere gegenwärtige Zivilisation, die das Ergebnis der Denkweise der ganzen Menschheit, ja sogar der Dschinnen ist, gegen den Qur'an Stellung genommen. Sie widersetzt sich gegen das Wunder des Qur'an mit ihrem Zauber. Nun wollen wir aber die Grundsätze und Prinzipien, die diese Zivilisation zur Auseinandersetzung aufstellt, den Prinzipien des Qur'an gegenüberstellen, um gegenüber diesen verheerenden neuen Gegnern das Wunder des Qur'an und den Ruf (da'va)

seines Verses

قُلْ لَئِنِ اجْتَمَعَتِ اْلاِنْسُ وَالْجِنُّ

{"Sag: Wenn die Menschen und Dschinnen zusammen kämen," (17, 88)}

zu beweisen.

Erster Grundsatz:

Erste Stufe:

Die Vergleiche und die Gegenüberstellungen vom "Ersten Wort" bis zum "Zwanzigsten Wort", die Wahrheiten dieser Abhandlungen und die Ayat an ihren Anfängen beweisen mit der Sicherheit wie zwei mal zwei vier ist, das Wunder des Qur'an und seinen Sieg.

Zweite Stufe:

Wie bereits im Zwölften Wort bewiesen, wollen wir hier einige Grundsätze (des Qur'an und unserer heutigen Zivilisation) auflisten und einander gegenüberstellen. So ist es denn die heutige Zivilisation, die in ihrer Philosophie des gesellschaftlichen Lebens grundsätzlich "die Macht" als ihren Eckpfeiler annimmt. Als ihr Ziel weiß sie "Den Gewinn". Als Lebensgrundsatz kennt sie "Den Kampf". Als Band der Gemeinschaft hält sie an "Rassismus und Nationalismus" fest.

Was aber ihre Früchte betrifft, so sind es die Befriedigung der Begierden (nefs)des Fleisches und die Vermehrung der menschlichen Bedürfnisse. In Wirklichkeit jedoch ist Angriff die Konsequenz aus dem Streben nach Macht. Konkurrenzkampf heißt die Konsequenz aus dem Streben nach Gewinn, weil dieser ja nicht ausreicht, um alle Wünsche zu befriedigen. Der Interessenkonflikt ist die Konsequenz aus dem Grundsatz des Kampfes. Aggressivität ist die Konsequenz des Rassismus, weil er dadurch gespeist wird, dass er andere verschlingt. Solcher Art sind also nun die Grundsätze dieser Zivilisation, die trotz aller ihrer guten Seiten nur zwanzig unter hundert Menschen eine Art scheinbares Glück schenkt und achtzig in Ruhelosigkeit und Elend wirft.

Es ist aber nun die Weisheit des Qur'an, grundsätzlich anstelle der Macht die Gerechtigkeit als den Eckpfeiler im gesellschaftlichen Leben anzunehmen. Sie setzt anstelle des Gewinns grundsätzlich das, was vorzüglich ist und Gottes Wohlgefallen zu gewinnen vermag, als Ziel. Im Leben hält sie an Stelle des Grundsatzes vom Kampf den Grundsatz, Beistand zu leisten, als das Wesentliche fest.

Als Band der Gemeinschaft bestimmt sie anstelle von Rassismus und Nationalismus grundsätzlich die Liebe zum Glauben, zum Beruf und zur Heimat als das einigende Band. Ihr Ziel ist es, Gelüste und Launen einzudämmen, den Geist empor zu führen, die erhabenen Empfindungen zu nähren, hohe Lust zu stillen, den Menschen zu menschlicher Vollkommenheit hin zu leiten und so erst zu einem Menschen zu machen.

Einigkeit ist die Konsequenz der Gerechtigkeit. Gemeinschaftssinn ist die Konsequenz eines vorzüglichen Charakters. Einander zu Hilfe zu eilen ist die Konsequenz des Grundsatzes, Beistand zu leisten. Das Band der Brüderlichkeit und Zusammengehörigkeit ist die Konsequenz aus idealer Gesinnung und einer gläubigen Haltung. Glückseligkeit in beiden Welten heißt das Ergebnis für den, der zuerst seine Seele gebändigt, sodann den Geist zur Vollkommenheit angespornt und ihm so die Freiheit geschenkt hat. Und so hat denn in Anbetracht dieser Tatsachen die heutige Zivilisation gegenüber dem Qur'an verloren, trotz der guten Seiten, die sie den zuvor geoffenbarten Religionen, besonders aber aus den Lehren des Qur'an, entnommen hat.

Dritte Stufe:

Unter Tausenden von Fragestellungen des Qur'an wollen wir als Beispiel nur drei, vier Fragen besprechen. Denn da ja die Grundsätze und die Gesetze des Qur'an aus der Urewigkeit her kommen, bestehen sie auch bis in ewige Zeiten weiter. Sie veralten nicht wie die Gesetze einer Zivilisation, die zum Tode verurteilt ist. Sie sind immer jung, immer stark. Die Zivilisation unterliegt trotz all ihrer Wohlfahrtsverbände, trotz all ihrer zwingenden, strengen Ordnungsmaßnahmen und Anordnungen, trotz all ihrer Erziehungsinternate und Sittenlehren dem weisen Qur'an gegenüber in den folgenden zwei Punkten:

Zum Beispiel:

وَاَقِيمُوا الصَّلٰوةَ وَاٰتُوا الزَّكٰوةَ ٭ وَاَحَلَّ اللَّهُ الْبَيْعَ وَحَرَّمَ الرِّبوٰا

{"Und verrichtet das Gebet und entrichtet die Almosensteuer." (2, 43) "Doch Allah hat den Handel erlaubt und den Zins verboten." (2, 275)}

Diese Überlegenheit des Qur'an, durch die er sich als ein Wunder erweist, wollen wir mit der hier folgenden Einleitung erklären:

In dem Band "Zeichen des Wunders (Isharatu l-i'djaz)"wurde bereits bewiesen, dass, sowie der Grund aller Revolutionen unter den Menschen ein einziges Wort ist, so auch die Quelle aller schlechten Sitten nur ein einziges Wort ist.

Erstes Wort:

"Hauptsache ich werde satt; es geht mich nichts an, wenn ein anderer vor Hunger stirbt."

Zweites Wort:

"Arbeite du; ich werde essen."

Im gesellschaftlichen Leben aller Menschen können in der Tat bei einem Gleichgewicht zwischen Oberschicht und Unterschicht die Reichen und die Armen in Frieden miteinander leben. Die Grundlage dieses Gleichgewichtes sind aber Güte (shefqat)und Barmherzigkeit (merhamet)in der Oberschicht, Ehrerbietung und Gehorsam in der Unterschicht. Wie aber nun das erste Wort die Oberschicht zur Ungerechtigkeit, Sittenlosigkeit, Erbarmungslosigkeit, das zweite Wort die Unterschicht in Hass, Neid und Widerstand geführt und der Menschheit seit Jahrhunderten den Frieden geraubt hat, genauso ist in diesem Jahrhundert das allgemein bekannte, große Ereignis in Europa als Folge des Kampfes zwischen Arbeit und Kapital zu Stande gekommen. So konnte die Gesinnung der westlichen Zivilisation trotz all ihrer Wohlfahrtsverbände, Erziehungsinternate, Sittenlehren, strengen Ordnungsmaßnahmen und Anordnungen diese beiden Schichten der Menschen nicht versöhnen und dabei auch zwei schreckliche Wunden im Leben der Menschen nicht heilen. Der Qur'an schafft das erste Wort durch die zwangsläufige Einführung der Almosensteuer (zekat)von der Wurzel her ab und heilt es. Er schafft das zweite Wort durch das Verbot des Zinsnehmens von der Wurzel her ab und heilt es. In der Tat steht der Vers des Qur'an vor dem Tor der Welt und sagt dem Zins: "Eintritt verboten!" Er verordnet den Menschen: "Um das Tor des Streites zu schließen, schließt die Türe zur Bank!" Er befiehlt seinen Schülern: "Tretet nicht ein!"

Zweiter Grundsatz:

Die (westliche) Zivilisation akzeptiert die Polygamie nicht. Sie hält diese Bestimmung des Qur'an, so weit es sie selbst betrifft, für der Weisheit und, was die Menschheit betrifft, ihren Belangen entgegengesetzt. Bestünde der Sinn einer Heirat in der Befriedigung der Wollust, dann müsste die Polygamie besonders bevorzugt sein. In Wirklichkeit steht mit dem Zeugnis aller Tiere und Pflanzen fest und wird durch deren Vermählung bestätigt, dass der Sinn der Vermählung die Begattung und ihr Zweck die Vermehrung ist. Was aber den Genuss in der Befriedigung der Wollust betrifft, so ist er eine kleine Belohnung, die seitens der Barmherzigkeit gegeben wird, um diesen Auftrag zu erfüllen. Die Vermählung dient aber in Wahrheit zweckmäßiger Weise der Vermehrung und dem Fortbestand des Menschengeschlechtes. Da eine Frau aber nur einmal im Jahr gebären kann und nur in der Hälfte eines Monats empfänglich ist und nach fünfzig Jahren nicht mehr hoffen darf, ihr Mann aber in den meisten Fällen bis zu seinem hundertsten Lebensjahr zeugungsfähig ist, kann sie ihm sinnlich nicht genügend entgegenkommen. Daher ist die Gesinnung der westlichen Zivilisation gezwungen, sehr viele Freudenhäuser zuzulassen.

Dritter Grundsatz:

Die (westliche) Zivilisation in ihrem Unverstand kritisiert die Ayat, weil der Qur'an der Frau ein Drittel des Erbes zugesteht. In Wirklichkeit richten sich die meisten Gesetze im gesellschaftlichen Leben nach der Häufigkeit der einzelnen Fälle. Eine Frau findet gewöhnlich jemanden, der sie beschützt. Was aber den Mann betrifft, so muss er sich mit einer Frau arrangieren, die er unterhalten muss und die ihm ihre Versorgung überlässt. Erhält also nun eine Frau unter den gegebenen Umständen von ihrem Vater die Hälfte (eines männlichen Anteils), so ergänzt ihr Mann den Mangel (mit zwei Erbteilen). Bekommt hingegen der Mann zwei Erbteile von seinem Vater, so wird er den einen Teil davon für die Versorgung der Frau verwenden, mit der er verheiratet ist.

Daraus ergibt sich eine Gleichstellung mit seiner Schwester. Es ist also die Gerechtigkeit des Qur'an, die dies erfordert. So hat er es bestimmt.

{(*): Ein Abschnitt aus der Verteidigungsschrift vor dem Revisionsgericht, welche das Gericht zum Schweigen brachte. "Ich halte jedoch der Versammlung des Gerichtshofes entgegen: Die Gerechtigkeit, falls es diese auf Erden gibt, wird sicher einen ungerechten Gerichtsbeschluss, durch den ein Mann verurteilt wurde, weil dieser das Gesetz Gottes, das in 1350 Jahren und in jedem Jahrhundert mindestens 350 Millionen Menschen in ihrem gesellschaftlichen Leben über alles heilig war und sich unter ihnen als wahr und wirksam erwiesen hat, das von 350 tausend Kommentaren zum Qur'an bestätigt und durch deren Übereinstimmung bekräftigt wurde und von welchem unsere Väter seit 1350 Jahren fest überzeugt waren, kommentiert hat, wieder aufheben und diesen Gerichtsbeschluss revidieren."}

Vierter Grundsatz:

So wie der Qur'an die Götzenanbeterei streng verbietet, so verbietet er auch die Bilderanbeterei, welche eine Art Nachahmung der Götzenanbeterei ist. Die (westliche) Kultur zählt aber die Bilder zu ihren Kunstwerken und versucht damit sich dem Qur'an zu widersetzen. In Wirklichkeit sind Bilder und Statuen entweder ein Stein gewordenes Verbrechen, oder zur Schau gestellte Leiblichkeit oder die verkörperte Lust, sodass sie die Neigung des Menschen zum Verbrechen, die Sucht, sich zur Schau zu stellen, ihre Lust und Laune noch weiter aufreizen. Außerdem befiehlt der Qur'an in seiner Barmherzigkeit, um die Ehre der Frauen zu bewahren, sich in den Schleier ihrer Schamhaftigkeit zu hüllen, um diese Quelle ihrer selbstlosen Liebe (shefqat)nicht unter den Füßen gemeiner Lust ins Elend geraten zu lassen. Sie sollen nicht zu einem Werkzeug der Laune, zu einem wertlosen Objekt werden.

{(*): Der Vierundzwanzigste Blitz des Einunddreißigsten Briefes, eine Abhandlung über die Verhüllung der Frauen, hat mit absoluter Sicherheit bewiesen, dass die Verhüllung für die Frauen natürlich ist und ihrem Wesen entspricht und die Abschaffung der Verhüllung ihrem Wesen widerspricht.}

Was aber die

(westliche) Zivilisation betrifft, so hat sie die Frauen aus ihrem Heim vertrieben, ihr den Schleier zerrissen und auch die Menschen verführt. In Wirklichkeit kann aber das Leben in der Familie nur in gegenseitigem Respekt und in der Liebe zwischen Mann und Frau weiter bestehen. Freizügigkeit und Nachlässigkeit in der Bekleidung zerstört in der Tat jeden aufrichtigen Respekt und jede echte Liebe und vergiftet das Familienleben. Man kann also nun verstehen, dass besonders die Bilderverehrung die Sitten zutiefst erschüttert und den Grund legt für den geistigen Verfall: Die Leiche einer schönen, (aber bereits) verstorbenen und nun der Barmherzigkeit bedürfenden Frau mit einem wollüstig begehrlichen Blick zu betrachten: wie weit zerstört doch das eine edle Gesittung! Genauso erschüttert es die höchsten Empfindungen des Menschen und zerstört sie von Grund auf, wenn man Bilder verstorbener Frauen oder auch lebender Frauen, welche Bilder als deren kleine Leichen gelten, begehrlich zu betrachten.

So dient denn jedes der vielen Tausend Themen im Qur'an gleich diesen drei Beispielen zur Erlangung der Glückseligkeit des Menschen in dieser Welt, sowie es auch seinem ewigen Leben dient. Andere Themen magst du mit den oben erwähnten Themen vergleichen.

Wie die derzeitige (westliche) Kultur den Grundsätzen des Qur'an, die das gesellschaftliche Leben der Menschen betreffen, unterlegen ist, geht sie vor dem Qur'an, der von seinem Sinngehalt her ein Wunder ist, im Anblick der Wahrheit zu Grunde. Desgleichen gilt: In der Gegenüberstellung der beiden Weisheiten, die der westlichen Philosophie und der Weisheit der Menschen, mit der Weisheit, die der Qur'an lehrt, wird anhand der Vergleiche in den fünfundzwanzig Worten unwiderlegbar bewiesen, dass die Weisheit, die diese Philosophie lehrt, völlig hilflos und die Weisheit, die der Qur'an lehrt, ein Wunder ist. In dem "Elften" und "Zwölften Wort" wurde schon die Hilflosigkeit, ja das (unvermeidliche) Ende der Weisheit, die diese Philosophie lehrt, und das Wunder und der

Reichtum an Weisheit, den der Qur'an lehrt, bewiesen. Dort kann man also nachschlagen.

Ebenso ist auch die heutige Kultur dem Wunder an Weisheit des Qur'an in Theorie und Praxis unterlegen. Desgleichen verhält sich auch die westliche Kultur in ihrer Literatur und Rhetorik gegenüber der Literatur und Rhetorik des Qur'an: Es gleicht dem Verhältnis der Klage eines Waisenkindes, einsam und verlassen, hoffnungslos weinend in seiner dunklen Trauer, oder des tosenden Gesanges eines berauschten Trunkenbolds, zu den Liedern eines Liebenden, in seiner Erhabenheit, Sehnsucht und Hoffnung, wenn auch zugleich Trauer über die vorübergehende Trennung, oder einer Ode auf die Heimat, die zum Sieg oder Kampf oder zu hoher Opferbereitschaft ermuntert. Denn Literatur und Rhetorik vermitteln durch ihren Stil entweder Trauer oder Freude. Trauer aber ist eine Zwiefache. Die eine ist eine düstere Trauer, die aus der Schutzlosigkeit und der Trennung von Freunden erwächst, eine Trauer, die aus der Literatur der westlichen Kultur gespeist wird, die in die Irre führt, die Natur anbetet und dabei Gott vergisst. Die zweite Art der Trauer aber erwächst aus der Abwesenheit von den Freunden. Das heißt, es gibt zwar Freunde, doch ihre Abwesenheit erweckt eine Trauer, die von Sehnsucht nach ihnen erfüllt ist. Dies also ist die Trauer, die uns durch den Qur'an recht leitet und Licht spendet.

Was aber die Freude betrifft so ist auch sie eine Zwiefache. Die eine kitzelt die Begierden der Seele (nefs).Das ist die Eigenschaft der westlichen Literatur, die nach Theaterstücken, Filmen, Romanen verlangt. Die andere Art der Freude aber ist, nachdem die Begierde (nefs)zum Schweigen gebracht wurde, eine anmutige, artige und unschuldige Anregung, Geist, Sinn, Herz und Gemüt zu erhabenen Dingen, zur ursprünglichen Heimat der Menschen, zu ihrem ewigen Sitz, zum Treffen mit ihren Freunden im Jenseits gelangen zu lassen. Das ist die Freude, die aus dem Qur'an erwächst, dessen Verkündigung ein Wunder ist, eine Freude, welche die Menschen

zum Paradies, zur Ewigen Glückseligkeit, zum Schauen der Schönheit Gottes geleitet und sie dafür in Begeisterung versetzt. Nun,

قُلْ لَئِنِ اجْتَمَعَتِ اْلاِنْسُ وَالْجِنُّ عَلٰٓى اَنْ يَأْتوُا بِمِثْلِ هٰذَا الْقُرْاٰنِ لاَ يَأْتوُنَ بِمِثْلِهِ وَلَوْ كَانَ بَعْضُهُمْ لِبَعْضٍ ظَهِيراً

{"Sag: Gesetzt den Fall, Menschen und Dschinnen täten sich zusammen, um etwas herbeizubringen, was diesem Qur'an gleich wäre, so würden sie dennoch nichts Ähnliches herbeischaffen können. Auch, käme einer dem anderen zu helfen." (Sure 17, 88)}

wird die gewaltige Bedeutung und großartige Wahrheit, die diese Ayah zum Ausdruck bringt, von den Kurzsichtigen wegen ihrer Unachtsamkeit für die unmögliche Vorstellung einer Dichtkunst gehalten, die zu Übertreibungen (neigt). Gott bewahre! Hier ist keine Übertreibung, keine unmögliche Vorstellung! Es ist eine treffende Aussage und zugleich die Wahrheit, die (Unmöglichkeit einer solchen) Möglichkeit und eines solchen Geschehens.

Ein Gesichtspunkt dieser Vorstellung ist der folgende: Das heißt, kämen alle schönen Worte der Menschen und der Dschinnen, die nicht aus dem Qur'an heraus gefiltert wurden und deshalb Eigentum des Qur'an sind, zusammen, so könnten sie dennoch dem Qur'an nicht gleichwertig sein. Es gibt in der Tat nichts Gleichwertiges vorzuzeigen. Ein zweiter Gesichtspunkt besagt: Die Kultur, die Weisheit ihrer Philosophie und die fremdländische Dichtkunst, welche das Ergebnis der Gedanken der Dschinnen und Menschen, ja sogar der Teufel und das Gesamtresultat ihrer Arbeiten sind, bleiben auf der Stufe der Hilflosigkeit gegenüber den Verordnungen des Qur'an, der Weisheit, die er lehrt, und seiner Aussagekraft, wozu wir die Beispiele bereits angeführt haben.

Dritte Erscheinung:

Der weise Qur'an richtet das Wort an jede der Volksschichten eines jeden Jahrhunderts, als wendete er sich persönlich an jede einzelne Schicht. In der Tat ruft der Qur'an alle Söhne Adams in all ihren Volksschichten zum Glauben, der das höchste und tiefste Wissen ist, zur Gotteserkenntnis, die die umfassendste

und leuchtendste Wissenschaft ist, und zu den Bestimmungen des Islam, der die bedeutendste und vielseitigste Bildung ist, auf. Daher ist es für ihn notwendig, einen Unterricht zu erteilen, der für jede Kultur und jede Volksschicht geeignet ist. Natürlich ist der Unterricht stets derselbe und keineswegs immer wieder verschieden. Da dies aber so ist, so müssen sich in diesem selben Unterricht verschiedene Stufen finden. Jeder Mensch bekommt entsprechend seiner Stufe einen Anteil am Unterricht aus dem Qur'an, (verborgen hinter) Schleiern von Schleiern. Viele Beispiele dieser Wahrheit haben wir bereits angeführt. Man kann dort nachschlagen. Hier wollen wir nur auf ein, zwei Beispiele hinweisen, wie sie von ein, zwei Schichten verstanden werden.

Zum Beispiel:

لَمْ يَلِدْ وَلَمْ يُولَدْ ٭ وَلَمْ يَكُنْ لَهُ كُفُوًا اَحَدٌ

{"Er zeugt nicht, und ist nicht gezeugt worden, und keiner ist Ihm gleich." (Sure 112, 3-4)}

Was die Volksschicht betrifft, die die Mehrheit bildet und die Volksschicht der Ungebildeten ist, darunter versteht, ist: "Gott der Gerechte ist darüber erhaben, einen Vater oder Kinder oder Verwandte oder eine Frau zu haben." Was eine weitere, die Mittelschicht darunter versteht, ist: "Es wird die Gottheit Jesu, mit dem Friede sei, und der Engel und aller gezeugten Dinge, widerlegt." Denn da es offensichtlich zwecklos ist, etwas Unvorstellbares zu widerlegen, ist in der Redekunst eine Schlussfolgerung notwendig, die diesen Zweck erfüllt. Wenn diese Sure widerlegt, dass Gott ein Kind oder einen Vater hat, was zur Körperwelt gehört, so bezweckt sie, die Gottheit derjenigen zu widerlegen, die ein Kind oder einen Vater oder ihresgleichen haben, um zu zeigen, dass sie nicht der Anbetung würdig sind. Es ist das Geheimnis der Sure "Ihlas(Aufrichtiger Glaube)" jedem jederzeit von Nutzen sein zu können.

Was die Schicht betrifft, die noch ein Stückchen weiter vorne liegt, so versteht sie: "Gott der Gerechte ist, was Seine Geschöpfe betrifft, frei von jeglicher Bindung an sie, soweit sie eine Zeugung erahnen lassen oder gezeugt worden sind. Er ist auch frei davon, einen Partner, Helfer oder Mitgott zu haben. Vielmehr besteht das Verhältnis zu allem Sein im Schöpfungsakt. Mit dem Befehl "Sei! und es ist." erschafft Er mit Seinem ewigen Willen und Seiner freien Entscheidung. Er ist frei von allen Abhängigkeiten, die Seiner Vollkommenheit widersprechen würden, wie z.B. eine Notwendigkeit, eine Zwangslage, eine nicht abwendbare Erscheinung."

Was eine noch höhere Schicht darunter versteht, ist: Gott der Gerechte ist von Ewigkeit (ezeli)zu Ewigkeit (ebedi).Er ist der Erste (Evvel)und der Letzte (Ahir).Es gibt in keiner Weise, weder in Seinem Wesen, noch in Seinen Eigenschaften, noch in Seinem Tun, einen, der Ihm ähnlich, gleich oder ebenbürtig, der mit Ihm zu vergleichen, für Ihn ein Beispiel oder ein Partner zu sein vermöchte. Es gibt nur Beispiele im Sinne von Vergleichen, um Ihn in Seinem Tun, in Seinem Wirken betrachten zu können:

وَ ِللَّهِ الْمَثَلُ اْلاَعْلٰى

{"Gott ist erhaben über alle Vergleiche." (Sure 16, 60)}

Im Vergleich zu diesen drei Schichten kannst du dir über das Verständnis der Schicht der Gotteskenner, der Schicht der Leute der Liebe, der Schicht der Getreuen und dergleichen vielen anderen Eignern eines unterschiedlichen Verständnisses eine Vorstellung machen.

Zweites Beispiel:

مَا كَانَ مُحَمَّدٌ اَبَآ اَحَدٍ مِنْ رِجَالِكُمْ

{"Mohammed ist nicht der Vater eines eurer Männer." (Sure 33, 40)}

Was die erste Schicht darunter versteht, ist: Da Seyd, der Diener des Ehrenwerten Gesandten, mit dem Friede und Segen sei, und den er mit "mein Sohn" anredete, feststellte, dass seine würdige Gattin ihm nicht ebenbürtig

war, hat er auf einer Scheidung bestanden. Auf den Befehl Gottes hat der Ehrenwerte Gesandte, mit dem Friede und Segen sei, sie geheiratet. Die Ayah sagt: "Wenn der Prophet euch mit "mein Sohn" anredet, sagt er es angesichts seiner Sendung als Gesandter Gottes. Er ist ja selbst nicht euer Vater, sodass die Frauen, die er heiratete, ihm (gesetzlich) nicht zustehen könnten."

Was die zweite Schicht darunter versteht, ist: Ein großer Gebieter betrachtet seine Untertanen mit väterlicher Liebe. Wenn dieser Gebieter auch im übertragenen Sinne König der äußerlichen wie innerlichen Welt ist, dann übersteigt seine Barmherzigkeit hundertfach die Liebe eines Vaters und jeder seiner Untertanen betrachtet ihn als seinen Vater, als ob er tatsächlich sein Kind wäre. Da der väterliche Blick sich nicht zum Blick eines Bräutigams verändert, und da der Blick einer Tochter sich nicht leicht in den Blick einer Braut verwandelt, passt es der allgemeinen Vorstellung nicht, dass der Prophet, mit dem Friede und Segen sei, Töchter der Gläubigen heiratet. Aus diesem Grund sagt der Qur'an: "Der Prophet, mit dem Friede und Segen sei, hegt für euch selbstlose Liebe, die aus der Barmherzigkeit Gottes entspringt, und geht mit euch väterlich um. Von der Haltung eines Gottesgesandten her seid ihr wie seine Kinder. Aber von seiner Identität als Mensch ist er nicht euer Vater, sodass es für ihn unpassend sein könnte, eine eurer Frauen zu ehelichen."

Eine dritte Schicht versteht darunter: Das heißt, indem ihr dem Propheten, mit dem Friede und Segen sei, folgt, euch auf seine Vollkommenheit stützt und auf seine väterliche Liebe verlasst, sollt ihr keine Fehler begehen und nicht nachlässig sein. Tatsächlich gibt es viele, die sich auf ihre Großen und geistigen Lehrer verlassen und deshalb nachlässig werden. Man sagt sogar manchmal "Unser Gebet wurde schon verrichtet." (Wie ein Teil der Aleviten sagt.)

Eine vierte Schicht versteht unter dieser Ayah einen Hinweis aus dem Verborgenen: Die männlichen Nachkommen

des Propheten, mit dem Friede und Segen sei, werden das Mannesalter nicht erreichen, seine Söhne werden einem Geheimnis zufolge nicht (am Leben) bleiben. In dem Ausdruck "Mann" liegt ein Hinweis darauf, dass er Vater von Frauen sein wird und nur seine weibliche Nachkommenschaft fortbestehen soll. Alles Lob gebührt allein Allah, welcher die geistige und materielle Nachkommenschaft der Sonne am Himmel des Prophetentums, die gesegnete Nachkommenschaft sich von der Tochter des Propheten, Fatima, die der leuchtende Vollmond seiner beiden so lichtvollen Nachkommen, Hassan und Husseyn ist, fortsetzen ließ.

اَللّٰهُمَّ صَلِّ عَلَيْهِ وَعَلٰٓى اٰلِهِ

{"Oh Allah, gieße aus Deinen Segen über ihn und über seine Familie."}

(Hier endet die "Erste Flamme" mit ihren drei "Strahlen".)

Zweite Flamme:

Die Zweite Flamme hat drei "Lichter".

Erstes Licht:

Im ganzen Qur'an, dessen Verkündigung ein Wunder ist, liegt ein so lauterer Fluss, eine so überlegene Sicherheit, eine so unerschütterliche Solidarität, eine richtige Proportionalität, eine starke gegenseitige Hilfeleistung zwischen seinen Sätzen und Abschnitten und ein erhabener Frage- und Antwortwechsel zwischen den Ayat und ihren Zielen. Das steht fest nach der Bezeugung von Tausenden von Imamen, Koryphäen der ilm-i Beyan (Exegeten) und Fenni-Ma'ani und Beyani (Predigtlehre von der Bedeutung und Auslegung), wie Zemahsheri, Sekkaki, Abdu l-Qahir al-Djurdjani. Obwohl es acht, neun Ursachen gibt, die diesen Frage- und Antwortwechsel, diese gegenseitige Hilfeleistung, diese Solidarität, diesen Fluss und diese Sicherheit zerstören könnten, bewirken diese Ursachen keine Zerstörung, im Gegenteil, sie stärken den Fluss, die Sicherheit und die Solidarität unter ihnen. Nur in gewissem Grade setzen sich diese Ursachen durch und recken ihre Häupter aus dem Schleier der Wohlordnung und des Flusses empor.

Aber wie aus dem Stamm eines glatten, graden Baumes eine Zahl von Unebenheiten und Spitzen sprießen, kommen sie nicht heraus um das Ebenmaß zu zerstören, vielmehr kommen sie heraus, um die Früchte zu tragen, welche diesem Baum zur Vervollkommnung und Verschönerung seines Schmuckes dienen. Genau wie diese recken auch die Ursachen ihre spitzen Köpfe hervor, um den Bedeutungen Ausdruck zu verleihen, die für den Fluss der Poesie (nazm)des Qur'an wertvoll ist.

So besitzt der deutliche Qur'an (Qur'an-i mubin),obwohl er je nach Ort und Bedürfnis in voneinander verschiedenen Abschnitten, in unterschiedlichen Teilen, in zwanzig Jahren (in Versen wie) Sternen herabgekommen ist, ein so vollkommenes Ebenmaß, dass er einen Zusammenhang darstellt, als wäre er auf einmal als ein Ganzes herabgekommen.

Des Weiteren zeigt der Qur'an, obwohl (seine Verse) in zwanzig Jahren aus unterschiedlichen und voneinander unabhängigen Gründen herabgekommen sind, eine so vollkommene Einheit (einander ergänzender Verse), als wäre er aus einem einzigen Grund herabgekommen.

Des Weiteren zeigt der Qur'an, obwohl er als Antwort auf verschiedene, (manchmal auch) wiederholte Fragen herabgekommen ist, eine vollendete Harmonie und Einheit, als wäre er die Antwort einer einzigen Frage.

Des Weiteren zeigt der Qur'an, obwohl er herabgekommen ist, um die Wirkungen der verschiedenen Ereignisse zu verkünden, eine so vollkommene Wohlordnung, als wäre ein einziges Ereignis der Anlass seiner Verkündung.

Des Weiteren zeigt der Qur'an, obwohl er in verschiedenen Stilarten das jeweilige Verständnisvermögen der zahllosen Adressaten in ihrer verschiedenen, manchmal einander entgegengesetzten geistigen Verfassung anspricht und als ein (Zeichen) göttlicher Demut (mit menschlichen) Worten herabgekommen ist, eine wunderschöne Gleichheit und einen anmutigen Fluss, gleich wie das Wasser in einem Strom dahin fließt, als wäre die geistige Verfassung der Menschen stets ein und dieselbe

und läge ihr Verständnis auf der gleichen Stufe.

Des Weiteren hat der Qur'an, obwohl er sich an verschiedene, voneinander entfernte Klassen von Adressaten wendet und sie anspricht, eine solche Leichtigkeit in seinen Erklärungen, eine solche Harmonie in seiner Anordnung und eine solche Klarheit in seiner Art, sich verständlich zu machen, als wären seine Adressaten von ein und derselben Klasse. Ja, jede Klasse denkt sogar, dass in erster Linie nur sie allein angesprochen sei.

Des Weiteren findet sich im Qur'an, der herab gesandt wurde, um die Menschen zu verschieden Zielen stufenweise hin zu führen und zu leiten (irschad),eine so maßvolle und angemessene Vollkommenheit, eine so umsichtige und aufmerksame Ausgewogenheit, eine so gute und schöne Geordnetheit, als gäbe es nur ein einziges Ziel.

Obwohl diese Ursachen ausreichen könnten, Verwirrung zu stiften, wurden sie in das Wunder der Verkündigung des Qur'an, in seinen Fluss und in seinen harmonischen Aufbau mit eingeschlossen. In der Tat sieht jeder, der im Herzen nicht krank und in seinem Denken geradlinig ist, der in seinem Gewissen nicht verwundet worden ist, der ruhig (selim)ist in seinem Gemüt, in der Verkündung des Qur'an einen anmutigen Fluss, ein schönes Ebenmaß, vernimmt seinen angenehmen Klang, erkennt in ihm seine einzigartige Klarheit. Des Weiteren sieht jeder, der die Dinge mit dem Auge seines Herzens zu betrachten vermag, dass auch der Qur'an über ein solches Auge verfügt und mit diesem Auge alle Dinge im ganzen Kosmos, die Äußeren wie die Inneren, so klar sieht, als habe er eine Seite vor den Augen, die er nach Wunsch umblättert und uns dann die Bedeutung dieser Seite nach Wunsch mitteilt. Wollten wir die Wahrheit dieses Ersten Lichtes mit Beispielen erläutern, wären dafür mehrere Bände notwendig.

Da dies so ist, begnüge ich mich hier mit den Erklärungen aus meinen übrigen arabischen Abhandlungen und aus dem Band "Zeichen des Wunders" und aus diesen fünfundzwanzig "Worten" über den Beweis dieser Wahrheit und ich führe dabei gleichzeitig den ganzen Qur'an als Beispiel an.

Zweites Licht:

Es bezieht sich auf die wunderbaren Vorzüge des Weisen Qur'an, die in seinem guten Stil liegen, hinsichtlich der Zusammenfassungen wie auch der Namen Gottes (Esma-i Husna),die am Ende seiner Ayat angeführt werden.

Erinnerung:

In diesem "Zweiten Licht" werden nun viele Ayat angeführt werden. Was diese Verse betrifft, so dienen sie nicht nur als Beispiele zu diesem "Zweiten Licht", sie gelten vielmehr auch als Beispiele zu den vorangegangenen Abschnitten und "Strahlen". Diese ausführlich zu erläutern, würde viel Zeit beanspruchen. Ich muss mich aber jetzt hier kurz und bündig fassen. Darum wollen wir hier nur äußerst gerafft auf die Ayat, die zu den Beispielen jenes gewaltigen Geheimnisses des Wunders gehören, verweisen und deren ausführliche Erklärung auf eine andere Zeit verschieben.

So führt denn der Qur'an, der in seiner Verkündigung ein Wunder ist, meistens am Ende seiner Ayat einige Auszüge an, die entweder die Namen Gottes (Esma-i Husna)oder deren Bedeutungen zum Inhalt haben; oder aber auf den Verstand verweisen, um damit den Verstand zu (weiterem) Nachdenken anzuregen; oder sie beinhalten allgemeingültige Grundprinzipien, die zu den Zielen des Qur'an gehören. Er macht diese Auszüge, um damit die Aussagen der Verse zu bestätigen und zu bekräftigen. In diesen Auszügen finden sich einige Hinweise aus der erhabenen Weisheit des Qur'an, einige Tropfen aus dem Lebenswasser der Rechtleitung Gottes, einige Funken aus den Blitzen des Qur'an, der in sich ein Wunder ist. Nun wollen wir nur zehn Hinweise unter vielen kurz erwähnen. Sie enthalten viele verschiedene Beispiele und jedes Beispiel umfasst sehr viele Wahrheiten, wovon wir hier jeweils nur ein Beispiel einer solchen Wahrheit mit einer kurzen Auslegung aufzeigen wollen. Von diesen zehn Hinweisen finden sich die meisten in den meisten Ayat gemeinsam und formen ein richtiges

Muster dieses Wunders. Und die meisten der Ayat, die wir als Beispiel anführen, sind Beispiele für die meisten Hinweise. Wir wollen nur einen Hinweis für jeden Vers zeigen. Die nähere Bedeutung der Ayat, die wir hier als Beispiel anführen und die bereits in den vorausgegangenen Worten behandelt worden sind, wollen wir hier nur mit einem leichten Zeichen andeuten.

Erstens: der Vorzug sprachlicher Brillanz:

Der Weise Qur'an stellt uns mit seinen wunderbaren Erklärungen die Handlungen und Werke des glorreichen Meisters vor Augen und beschreibt sie. Dann extrahiert er aus dessen Werken und Taten die Namen Gottes; oder er beweist damit eines von den Grundzielen, denen der Qur'an folgt; den Glauben an die Wiederversammlung und an die Einheit Gottes (Tauhid).

Ein Beispiel für die erste Darstellungsweise:

هُوَ الَّذِى خَلَقَ لَكُمْ مَا فِى اْلاَرْضِ جَمِيعًا ثُمَّ اسْتَوٰٓى اِلَى السَّمَآءِ فَسَوّٰيهُنَّ سَبْعَ سَمٰوَاتٍ وَهُوَ بِكُلِّ شَىْءٍ عَلِيمٌ

{"Er ist es, der für euch alles, was auf der Erde ist, erschaffen hat, dann wandte Er sich dem Himmel zu und gestaltete ihn zu sieben Himmeln. Und Er weiß über alle Dinge Bescheid." (Sure 2, 29)}

Ein Beispiel für die zweite Darstellungsweise:

اَلَمْ نَجْعَلِ اْلاَرْضَ مِهَاداً وَالْجِباَلَ اَوْتاَداً وَخَلَقْنَاكُمْ اَزْوَاجاً

{"Haben Wir nicht die Erde zu einer Lagerstätte gemacht und die Berge zu Pflöcken? Und Wir haben euch als Paare erschaffen." (Sure 78, 6-8)}

Und so weiter bis zu dem Vers 17:

اِنَّ يَوْمَ الْفَصْلِ كَانَ مِيقَاتًا

{"Wahrlich, der Tag der Entscheidung ist ein festgelegter Termin." (Sure 78, 17)}

Im ersten Vers stellt er die Werke vor als Einleitung zu einer Folge, zu einem wichtigen Zweck; er legt die gewaltig großen Werke dar, welche durch Zweck und Wohlordnung für das Wissen und die Macht Zeugnis ablegen.

Er extrahiert den Namen "Der Allwissende". Im zweiten Vers erwähnt er, wie schon im dritten Punkt des Ersten Strahls der Ersten Flamme teilweise erklärt wurde, die großen Taten und gewaltigen Werke Gottes des Gerechten und erwähnt (weiter) als Folge die Wiederversammlung, den Tag der Entscheidung.

Zweitens, eine Anmerkung zur sprachlichen Brillanz:

Der Qur'an entrollt vor den Augen der Menschen das Tuch göttlicher Kunst und zeigt es ihnen. Dann rollt er das Tuch gleichsam wie in einer Zusammenfassung, welche die Namen Gottes in sich enthält, wieder zu einem Ballen zusammen, oder aber überlässt (diese Aufgabe) dem Verstand.

Ein Beispiel zu der ersten Darstellung:

قُلْ مَنْ يَرْزُقُكُمْ مِنَ السَّمَآءِ وَاْلاَرْضِ اَمَّنْ يَمْلِكُ السَّمْعَ وَاْلاَبْصَارَ وَمَنْ يُخْرِجُ الْحَىَّ مِنَ الْمَيِّتِ وَيُخْرِجُ الْمَيِّتَ مِنَ الْحَىِّ وَمَنْ يُدَّبِّرُ اْلاَمْرَ فَسَيَقُولُونَ اللَّهُ فَقُلَ اَفَلاَ تَتَّقُونَ ٭ فَذٰلِكُمُ اللَّهُ رَبُّكُمُ الْحَقُّ

{"Sag: Wer beschert euch den Lebensunterhalt vom Himmel und von der Erde, oder wer vermag euch Gehör und Gesicht zu verleihen? Und wer bringt das Lebendige aus dem Toten hervor, und das Tote aus dem Lebendigen? Und wer lenkt die Sache? Sie sagen: 'Gott!' Dann sag: Wollt ihr denn nicht gottesfürchtig sein? So ist Allah euer Herr, der Gerechte." (Sure 10, 31-32)}

So sagt er am Anfang: Wer ist es, der den Himmel und die Erde wie zwei Kammern für eure Versorgung bereitstellt, von dort Regen und von hier Korn hervorbringt? Kann überhaupt ein anderer als Allah den riesigen Himmel und die riesige Erde zu zwei in Dienst gestellten Schatzmeistern machen? Also gebührt Ihm allein der Dank.

Im zweiten Abschnitt sagt er: Wer ist der Eigentümer eurer Augen und Ohren, den wertvollsten unter euren Organen? Von welcher Werkbank oder von welchem Geschäft habt ihr sie gekauft? Derjenige, der diese anmutigen, wertvollen Augen und Ohren zu verleihen vermag, ist allein euer Herr. Er ist es, der euch ins Dasein bringt und versorgt, weshalb Er euch diese verliehen hat. Also ist Er allein der Herr. Auch Er allein ist euer Angebeteter (Ma'bud).

Im dritten Abschnitt sagt er: Wer ist es, der die tote Erde lebendig macht und hunderttausende verstorbener Arten wieder ins Leben ruft? Wer, außer dem Gerechten und Schöpfer des ganzen Kosmos, kann solches vollbringen? Er ist es, der es mit Sicherheit vollbringt. Er ist es, der lebendig macht. Da nun einmal Er der Gerechte ist, wird Er das Recht nicht verlassen. Er wird euch zu einem großen Gerichtshof schicken. Wie Er die Erde lebendig macht, so wird Er auch euch wieder lebendig machen.

Im vierten Abschnitt sagt er: Wer könnte es sonst sein, außer Allah, der diesen gewaltigen Kosmos wie ein Schloss, wie eine Stadt vollkommen wohlgeordnet lenkt und leitet und ihn versorgt? Außer Allah kann es niemand sein. Die Macht, die den riesigen Kosmos mit all seinen Himmelskörpern darin überaus leicht lenkt und leitet, ist dermaßen fehlerlos und unendlich, dass sie überhaupt keines Partners oder keiner Beteiligung oder Unterstützung und Hilfe bedarf. Derjenige, der den riesigen Kosmos lenkt und leitet, überlässt auch nicht das kleinste Geschöpf anderen Händen. Ob ihr also nun wollt oder nicht, ihr werdet "Allah" sagen müssen.

So sagt der erste und vierte Abschnitt "Allah". Der zweite Abschnitt sagt "Herr". Der dritte Abschnitt sagt "Der Gerechte". So verstehe nun wie wunderbar

فَذٰلِكُمُ اللَّهُ رَبُّكُمُ الْحَقُّ

{"So ist Allah euer Herr, der Gerechte." (Sure 10, 32)}

entspricht. So gedenkt er der gewaltigen Taten Gottes des Gerechten, der bedeutenden Tücher, die Seine Macht gewebt hat. Anschließend erwähnt er die Werkbank dieser gewaltigen Werke und Webstücke,

فَذٰلِكُمُ اللَّهُ رَبُّكُمُ الْحَقُّ

{"So ist Allah euer Herr, der Gerechte." (Sure 10, 32)}

Das heißt; indem er der Namen "Der Gerechte, Herr, Allah" gedenkt, zeigt er den Ursprung dieser gewaltigen Taten.

Eines von den Beispielen zu dem Zweiten:

اِنَّ فِى خَلْقِ السَّمٰوَاتِ وَاْلاَرْضِ وَاخْتِلاَفِ الَّيْلِ وَالنَّهَارِ وَالْفُلْكِ الَّتِى تَجْرِى فِى الْبَحْرِ بِمَا يَنْفَعُ النَّاسَ وَمَآ اَنْزَلَ اللَّهُ مِنَ السَّمَآءِ مِنْ مَآءٍ فَاَحْياَ بِهِ اْلاَرْضَ بَعْدَ مَوْتِهَا وَبَثَّ فِيهَا مِنْ كُلِّ دَابَّةٍ وَتَصْرِيفِ الرِّيَاحِ وَالسَّحَابِ الْمُسَخَّرِ بَيْنَ السَّمَآءِ وَاْلاَرْضِ لَاٰياَتٍ لِقَوْمٍ يَعْقِلُونَ

{"Siehe, in der Schöpfung der Himmel und der Erde und in dem Wechsel der Nacht und des Tages, und in den Schiffen, welche das Meer durcheilen mit dem, was den Menschen nützt, und was Allah vom Himmel nieder sendet an Wasser, womit Er die Erde belebt nach ihrem Tode, und was Er auf ihr ausbreitet an allerlei Getier, und in dem Wechsel der Winde und der Wolken, die fronen müssen zwischen dem Himmel und der Erde, wahrlich, darinnen sind Zeichen für ein Volk von Verstand!" (Sure 2, 164)}

Die Erschaffung der Himmel und der Erde, welche die vollkommene Macht Gottes des Gerechten und die Größe Seiner Herrschaft zeigt und Seine Einheit und Allgegenwart bezeugt, wodurch das Königreich der Gottheit in Erscheinung tritt; und der Wechsel der Nacht und des Tages, wodurch Seine Herrschaft in Erscheinung tritt; und die Schiffe, eines von den größten Verkehrsmitteln im gemeinschaftlichen Leben der Menschen, die über das Meer fahren können, wodurch die Barmherzigkeit in Erscheinung tritt; und auf der Erde die Erschaffung unzählbar verschiedener Lebewesen aus einfacher Erde, wodurch die Barmherzigkeit und Macht in Erscheinung treten; und die Winde (bzw. die Luft), die mit großen Aufgaben beauftragt sind, wie für die Atmung der Tiere und die Bestäubung der Pflanzen, und wie sie in Bewegung gebracht, gelenkt und geleitet werden, damit sie für Versorgung und Atmung nützlich werden, wodurch die Barmherzigkeit und die Weisheit in Erscheinung treten; und die Wolken, die zwischen der Erde und dem Himmel ein Mittel der Erbarmung sind, die wie eine einzigartige Versammlung

in der Schwebe zusammengebracht und wieder auseinandergetrieben werden, wie ein Heer in Ruhestellung gebracht und wieder zum Dienst aufgestellt wird, und dergleichen Unterwerfungen, wodurch die Herrschaft in Erscheinung tritt; nachdem der Qur'an all Sein Wirken und Werken aufgezählt hat, sagt er اٰياَتٍ لِقَوْمٍ يَعْقِلُونَ {"Darinnen sind Zeichen für ein Volk von Verstand!" (Sure 2, 164)} um den Verstand zum Nachdenken über die Wahrheit (in Seinen Werken) in allen Einzelheiten anzuregen. Er überlässt es dem Verstand, die Verständigen zu ermahnen.

Drittens, der Vorzug der sprachlichen Brillanz:

Manchmal erklärt der Qur'an die Taten Gottes des Gerechten ausführlich. Dann fasst er sie in einer kurzen Aussage zusammen. Durch seine ausführliche Erklärung vermittelt er eine Überzeugung; durch seine kurze Zusammenfassung prägt er sie dem Gedächtnis ein und fasst zusammen.

Zum Beispiel:

وَكَذٰلِكَ يَجْتَبِيكَ رَبُّكَ وَيُعَلِّمُكَ مِنْ تَأْوِيلِ اْلاَحَادِيثِ وَيُتِمُّ نِعْمَتَهُ عَلَيْكَ وَعَلٰٓى اٰلِ يَعْقُوبَ كَمَآ اَتَمَّهَا عَلٰٓى اَبَوَيْكَ مِنْ قَبْلُ اِبْرَاهِيمَ وَاِسْحٰقَ اِنَّ رَبَّكَ عَلِيمٌ حَكِيمٌ

{"Und gemäß diesem wird dich dein Herr erwählen und wird dich lehren die Deutung der Geschichten und wird Seine Gnade an dir vollenden und an dem Hause Jakobs, gleich wie Er sie vollendete an deinen Vätern zuvor, an Abraham und Isaak. Siehe, dein Herr ist wissend und weise." (Sure 12, 6)}

So weist der Qur'an mit dieser Ayah auf die Gnadengaben hin, die dem ägyptischen Josef und seinen Vätern erwiesen wurden. Er sagt: "Er hat euch unter allen Menschen durch den Rang des Prophetentums berühmt gemacht. Er hat alle Reihen der Propheten mit eurer Reihe (Generation) verbunden, wodurch Er eure Generation zu Wegbereitern aller Propheten des Menschengeschlechtes machte. Er hat euer Haus zu einer Stätte der Bildung im Wissen um Gott und der rechten Leitung zur Weisheit des Herrn gemacht. Durch dieses Wissen und Seine Weisheit hat Er bei euch das glückliche Sultanat in

dieser Welt mit der ewigen Glückseligkeit in der jenseitigen vereinigt. Er stattete dich mit Wissen und Weisheit aus und ernannte dich zu einem ehrenwerten Statthalter über Ägypten, als auch zu einem Gottesgesandten und einem weisen Lehrer (Murshid)."An diese Gnadengaben Gottes erinnert er, zählt sie auf und erwähnt, dass er und seine Väter und Vorväter durch ihr Wissen und ihre Weisheit bevorzugt waren. Anschließend sagt er: "Dein Herr ist allwissend und allweise. Seine Herrschaft und Seine Weisheit erfordern, dass er dich, deine Väter und deine Vorväter Ihn unter Seinen Namen "Der Allwissende, Der Allweise" offenbar werden ließ." Somit fasst der Qur'an jene ausführlich aufgezählten Gnadengeschenke in dieser kurzen Aussage zusammen.

Ein anderes Beispiel:

قُلِ اللّٰهُمَّ مَالِكَ الْمُلْكِ تُؤْتِى الْمُلْكَ مَنْ تَشَآءُ

{"Sag: Oh Gott, der Du über die Herrschaft verfügst! Du gibst die Herrschaft, wem Du willst." (Sure 3, 26-27)}

Diese Ayah zeigt die Verfügung Gottes des Gerechten im gemeinschaftlichen Leben der Menschen so, dass die Ehre und die Erniedrigung, die Armut und der Reichtum unmittelbar von der Entscheidung und dem Willen Gottes des Gerechten abhängig ist. Das heißt, "Bis hin zu den weitverästelten Verfügungen in den vielfältigen einzelnen Bereichen ist alles an den Willen und die Bestimmung Gottes gebunden. Hier kann der Zufall seine Finger nicht mit im Spiel haben." Nachdem diese Ayah dieses Urteil bekanntgegeben hat, beweist er anhand von ein, zwei Zitaten, dass der Lebensunterhalt des Menschen, da er die wichtigste Sache in seinem Leben ist, unmittelbar aus der Schatzkammer der Barmherzigkeit des wahren Ernährers gesandt wird. Er sagt: "Eure Versorgung ist abhängig vom Leben des Bodens. Was die Belebung des Bodens betrifft, so hält sie nach dem Frühling Ausschau. Was aber den Frühling betrifft, so ist er in der Hand dessen, der die Sonne und den Mond in Seine Dienste

nimmt und der Nacht und Tag wechselt. Da dies aber so ist, kann nur der einem Menschen einen Apfel zu seiner wahren Versorgung zu geben, der Selbst auch die ganze Erde mit all ihren Früchten füllt. Und Er wird ihm der eigentliche Versorger sein." Anschließend sagt er:

وَتَرْزُقُ مَنْ تَشَآءُ بِغَيْرِ حِسَابٍ

{"Und Du bescherst, wem Du willst, ohne Maß." (Sure 3, 27)}

In diesem Satz werden diese ausführlich aufgezählten Taten zusammengefasst und bewiesen. Das heißt, "Er, der euch euren Unterhalt gibt, ohne zu zählen, ist der, welcher alle diese Taten vollbringt."

Viertens, eine Anmerkung zu seiner sprachlichen Brillanz:

Manchmal geschieht es, dass der Qur'an die Geschöpfe Gottes in einer bestimmten Reihenfolge erwähnt. Anschließend zeigt er, dass sich in diesen Geschöpfen Ordnung und Ausgewogenheit finden und sie deren Früchte sind, (d.h. die Reihenfolge in der Erwähnung der Geschöpfe ist die Frucht einer Ordnung,) womit sie durchschaubar wird und einen Glanz gewinnt. Dann extrahiert er aus dieser Reihenfolge die Namen Gottes, deren Erscheinung und Spiegelbild sie ist, als ob die erwähnten Geschöpfe Worte wären, Namen (Gottes), welche die Bedeutungen (dieser Worte) oder die Kerne jener Früchte oder ihr Konzentrat sind.

Zum Beispiel:

وَلَقَدْخَلَقْنَا اْلاِنْسَانَ مِنْ سُلاَلَةٍ مِنْ طِينٍ ٭ ثُمَّ جَعَلْناَهُ نُطْفَةً فِى قَرَارٍ مَكِينٍ ٭ ثُمَّ خَلَقْنَا النُّطْفَةَ عَلَقَةً فَخَلَقْنَا الْعَلَقَةَ مُضْغَةً فَخَلَقْنَا الْمُضْغَةَ عِظَامًا فَكَسَوْنَا الْعِظَامَ لَحْمًا ثُمَّ اَنْشَأْناَهُ خَلْقًا اٰخَرَ فَتَبَارَكَ اللَّهُ اَحْسَنُ الْخَالِقِينَ

{"Und wahrlich Wir schufen den Menschen aus einem Lehmkloß. Dann machten Wir ihn zu einem Tropfen in einem festen Behältnis. Dann erschufen Wir aus dem Tropfen ein Anhängsel, und Wir erschufen diesen Nestling zu einem Fleischkloß und Wir erschufen diesen Fötus mit Knochen und Wir bekleideten die Knochen mit Muskeln. Dann entwickelten Wir ihn zu einer neuen Schöpfung. So sei denn Allah gepriesen, der beste Schöpfer." (Sure 23, 12-14)}

So gemahnt der Qur'an an die erstaunlichen, einzigartigen, wunderschönen, wohlgeordneten und wohlausgewogenen Gestalten bei der Erschaffung des Menschen, in der Weise, als würden sie (in ihm) widergespiegelt und bringt sie so der Reihe nach, dass

فَتَبَارَكَ اللَّهُ اَحْسَنُ الْخَالِقِينَ

{"So sei denn Allah gepriesen, der beste Schöpfer." (Sure 23, 14)}

darin von sich selbst erkennbar wird und aus sich selbst sprechen lässt. Einer der Schreiber des Propheten sprach sogar, während er diese Offenbarung niederschrieb, dieses Wort bereits aus, bevor der Prophet es empfing. Sicherlich meinte er: "Vielleicht habe auch ich eine Offenbarung empfangen." In Wirklichkeit war es aber die vollkommene Wohlordnung, die Klarheit und Folgerichtigkeit, die sich äußerte, bevor der Prophet dieses Wort empfing.

Ein anderes Beispiel:

اِنَّ رَبَّكُمُ اللَّهُ الَّذِى خَلَقَ السَّمٰوَاتِ وَاْلاَرْضَ فِى سِتَّةِ اَيَّامٍ ثُمَّ اسْتَوٰى عَلَى الْعَرْشِ يُغْشِى الَّيْلَ النَّهَارَ يَطْلُبُهُ حَثِيثًا وَالشَّمْسَ وَالْقَمَرَ وَالنُّجُومَ مُسَخَّرَاتٍ بِاَمْرِهِ اَلاَ لَهُ الْخَلْقُ وَاْلاَمْرُ تَبَارَكَ اللَّهُ رَبُّ الْعَالَمِينَ

{"Siehe euer Herr ist Allah, welcher die Himmel und die Erde in sechs Tagen erschaffen hat. Alsdann inthronisierte er sich in Seiner Herrschaft. Er lässt die Nacht den Tag verhüllen und sie folgt ihm schnell; und Er schuf die Sonne, den Mond und die Sterne, die zu Seinem Befehl bereitstehen. Wahrlich, Sein ist die Schöpfung und der Befehl! Gepriesen sei Allah, der Herr der Welten." (Sure 7, 54)}

So zeigt denn der Qur'an in dieser Ayah die Größe der Macht Gottes und das Königreich des Herrn in einer Weise, dass der Allmächtige in Seiner Majestät sichtbar wird, die Sonne, der Mond und die Sterne gleich Ordonnanzoffizieren Seiner Befehle harren und Er sich in Seiner Herrschaft inthronisiert, die Wunderzeichen Seiner Herrschaft auf die Seiten des Kosmos schreibt, indem Er die Nacht und den Tag wie zwei Zonen, schwarz und weiß, oder wie zwei Streifen hintereinander (ihre Runden) drehen lässt. Jede Seele, die es hört, wünscht zu sagen:

بَارَكَااللَّهُ ٭ مَا شَآ ءَ اللَّهُ ٭ فَتَبَارَكَ اللَّهُ رَبُّ الْعَالَمِينَ

{"Segne es Gott!" "Wie wunderbar ist doch, was mit Gottes Willen geschehen ist!" "So sei denn Allah gepriesen, der Herr der Welten!"}

Das heißt,

تَبَارَكَ اللَّهُ رَبُّ الْعَالَمِينَ

{"So sei denn Allah gepriesen, der Herr der Welten!"}

gilt als Auszug, Kern, Frucht und Lebenswasser aus dem Vorausgegangenen.

Fünftens, die Vorzüglichkeit der sprachlichen Brillanz:

Der Qur'an erwähnt manchmal materielle Dinge, die der Veränderung unterworfen sind und verschiedene Eigenschaften entwickeln. Um sie zu festen Wahrheiten zu machen, fasst und bindet er sie mit festen, lichtvollen, umfassenden Namen zusammen. Oder er schließt sie mit einem Resümee ab, das zum Nachdenken anregen und ein abschreckendes Lehrbeispiel vermitteln soll.

Ein Beispiel unter vielen Beispielen zu dem ersten Punkt:

وَعَلَّمَ اٰدَمَ اْلاَسْمَآءَ كُلَّهَا ثُمَّ عَرَضَهُمْ عَلَى الْمَلٰٓئِكَةِ فَقَالَ اَنْبِؤُنِى بِاَسْمَآءِ هٰٓؤُلاَءِ اِنْ كُنْتُمْ صَادِقِينَ ٭ قَالوُا سُبْحَانَكَ لاَ عِلْمَ لَنَآ اِلاَّ مَا عَلَّمْتَنَآ اِنَّكَ اَنْتَ الْعَلِيمُ الْحَكِيمُ

{"Und Er brachte Adam alle Namen bei; dann brachte Er diese vor die Engel und sagte: Nennt mir die Namen dieser Dinge, wenn ihr wahrhaftig seid! Sie sprachen: Gepriesen seist Du. Wir haben kein Wissen außer dem, was Du uns gelehrt hast; wahrlich, Du bist der Allwissende, der Allweise." (Sure 2, 31-32)}

Hier erwähnt also diese Ayah zunächst das Ereignis, welches als "das Wissen von Hazret-i Adam, das seine Bevorzugung als Beauftragter (Khalif) gegenüber den Engeln rechtfertigte". Dann erwähnt der Qur'an in diesem Geschehen, dass die Engel gegenüber Hazret-i Adam unterlegen waren, was sein Wissen betrifft. Dann fasst er diese beiden Ereignisse mit zwei umfassenden

Namen zusammen. Es heißt da:

اَنْتَ الْعَلِيمُ الْحَكِيمُ

{"Du bist der Allwissende, der Allweise." (Sure 2, 32)}

Das heißt: "Da Du der Allwissende, der Allweise bist, lehrtest Du Adam, wodurch er uns überlegen wurde. Da Du Allweise bist, gibst Du uns gemäß unseren Fähigkeiten, und (du gibst) ihm den Vorrang, wie es seinen Fähigkeiten entspricht."

Ein Beispiel unter vielen Beispielen zu dem zweiten Punkt:

وَاِنَّ لَكُمْ فِى اْلاَنْعَامِ لَعِبْرَةً نُسْقِيكُمْ مِمَّا فِى بُطُونِهِ مِنْ بَيْنِ فَرْثٍ وَدَمٍ لَبَنًا خَالِصًا سَآئِغًا لِلشَّارِبِينَ

{"Siehe: euer Vieh gibt euch ein Lehrbeispiel: Wir tränken euch mit dem, was in ihren Leibern ist, mitten zwischen dem Mist und dem Blut: mit lauterer Milch, die so wohlschmeckend ist für den, der sie trinkt." (16, 66)}

und bis zu dem Ende des 69. Vers:

فِيهِ شِفَآءٌ لِلنَّاسِ اِنَّ فِى ذٰلِكَ لَاٰيَةً لِقَوْمٍ يَتَفَكَّرُونَ

{"Darin liegt ein Heilmittel für die Menschen. Fürwahr: darin ist ein Zeichen für ein nachdenkendes Volk!" (Sure 16, 69)}

So zeigen denn diese Ayat, dass Gott der Gerechte Seine Geschöpfe, wie Schaf, Ziege, Rind oder Kamel für die Menschen zu reinen, lauteren, geschmackvollen Milchbrunnen; Kunstwerke wie Reben und Palmen für die Menschen zu Tischen und Töpfen voll, anmutigen, geschmackvollen, süßen Gaben; und kleine Wunderwerke Seiner Macht, wie die Bienen, zu Verteilern heilender, süßer, schöner Getränke gemacht hat, wonach (der Qur'an) sagt:

اِنَّ فِى ذٰلِكَ لَاٰيَةً لِقَوْمٍ يَتَفَكَّرُونَ

{"Fürwahr: darin ist ein Zeichen für ein nachdenkendes Volk!" (16, 69)}

und mit diesen Worten schließt, um dazu anzuregen, mit noch anderen Dingen zu vergleichen, damit (die Menschen) nachdenken und ihre Lehre ziehen sollen.

Sechstens, eine Anmerkung zur sprachlichen Brillanz:

Manchmal geschieht es, dass eine Ayah die Bestimmungen der Herrschaft über eine breite Vielfalt hin ausbreitet, dann mit einem einigenden Band zu einer Einheit vereinigt, oder in ein allumfassendes Gesetz einsetzt.

Ein Beispiel:

وَسِعَ كُرْسِيُّهُ السَّمٰوَاتِ وَاْلاَرْضَ وَلاَ يَؤُدُهُ حِفْظُهُمَا وَهُوَ الْعَلِىُّ الْعَظِيمُ

{"Weit reicht Sein Thron über die Himmel und die Erde und es fällt Ihm nicht schwer sie zu bewahren. Er ist der Hohe, der Gewaltige." (2, 225)}

So werden in dem Thronvers mit zehn Sätzen zehn Stufen der Einheit in verschiedenen Farben bewiesen, wobei der Satz

مَنْ ذاَالَّذِى يَشْفَعُ عِنْدَهُ اِلاَّ بِاِذْنِهِ

{"Wer ist es, der bei Ihm Fürsprache einlegen könnte, außer mit Seiner Erlaubnis?" (Sure 2, 225)}

in einer ganz besonders schneidenden Strenge Abgötterei (schirk)und jede Einwirkung fremder (Kräfte) von sich weist und sie verwirft. Weil aber nun zudem in dieser Ayah der Gewaltige Name Gottes (Ism-i 'Azam)aufscheint, wird in ihm die Bedeutung der Wahrheit Gottes in so hohem Grade sichtbar, dass sich darin die Größe Seines Herrschaftsbereiches zeigt. Nachdem er des Weiteren die Maßnahmen der Gottheit, die alle Himmel und die ganze Erde zugleich betreffen, und Seinen alles umfassenden Schutz im seinem ganzen, großen und gewaltigen Umfang erwähnt hat, zeigt er das einigende Band (der gesamten Schöpfung), den Aspekt ihrer Einheit auf und fasst die Ursprünge ihrer inneren gewaltigen Erscheinungen in (dem Ausdruck)

وَهُوَ الْعَلِىُّ الْعَظِيمُ

{"Er ist der Hohe, der Gewaltige." (Sure 2, 225)}

zusammen.

Ein anderes Beispiel:

اَللَّهُ الَّذِى خَلَقَ السَّمٰوَاتِ وَاْلاَرْضَ وَاَنْزَلَ مِنَ السَّمَآءِ مَآءً فَاَخْرَجَ بِهِ مِنَ الثَّمَرَاتِ رِزْقًا لَكُمْ وَسَخَّرَ لَكُمُ الْفُلْكَ لِتَجْرِىَ فِى الْبَحْرِ بِاَمْرِهِ وَسَخَّرَ لَكُمُ اْلاَنْهَارَ ٭ وَسَخَّرَ لَكُمُ الشَّمْسَ وَالْقَمَرَ دَآئِبَيْنِ وَسَخَّرَ لَكُمُ الَّيْلَ وَالنَّهَارَ ٭ وَاٰتيٰكُمْ مِنْ كُلِّ مَاسَاَلْتُمُوهُ وَاِنْ تَعُدُّوا نِعْمَةَ اللَّهِ لاَ تُحْصُوهَا

{"Allah ist es, der die Himmel und die Erde erschuf und vom Himmel Wasser herabkommen ließ und dadurch einen Lebensunterhalt von den Früchten für euch hervorbrachte. Und Er stellt in euren Dienst die Schiffe, damit sie auf Seinen Befehl über das Meer fahren. Und Er stellt die Flüsse in euren Dienst. Er stellt die Sonne und den Mond, wie sie unablässig miteinander laufen, in euren Dienst. Und Er stellt in euren Dienst die Nacht und den Tag. Und er lässt euch etwas zukommen von allem worum ihr bittet. Und wolltet ihr die Gnadengaben Gottes berechnen, ihr könntet sie nicht aufzählen." (Sure 14, 32-34)}

Diese Ayat besagen: Als erstes erschuf Gott der Gerechte diesen riesigen Kosmos für den Menschen wie ein schönes Schloss und Er sandte vom Himmel zur Erde das Lebenswasser. Er stellte die Erde und den Himmel als zwei Diener ein, um für den Menschen den Lebensunterhalt hervorzubringen. Er stellte die Schiffe in den Dienst der Menschen, um zu ermöglichen, dass jeder Mensch alle Arten Früchte von allen Ecken der Erde nutzen kann und damit die Menschen die Früchte ihrer Arbeit austauschen, und alle Arten ihrer Lebensbedürfnisse decken können. Das heißt: Er brachte das Meer, den Wind und das Holz in der Weise zueinander, dass der Wind (dem Menschen) als seine Peitsche, das Schiff als sein Pferd und das Meer gleich einer Wüste unter seinen Füßen dient. Durch das Schiff ermöglichte Er den Menschen, mit der ganzen Erde in Verbindung zu treten. Flüsse und große Ströme machte Er für die Menschen zu natürlichen Transportmitteln. Er ließ Sonne und Mond (ihre Bahnen) ziehen, ließ sie als zwei dienstbereite Steuermänner das riesige Rad der Jahreszeiten drehen und ließ sie als Seine Diener die vielfarbigen Gnadengeschenke des wahren Gebers anbieten, wie sie sich in den Jahreszeiten abwechseln.

Er stellte die Nacht und den Tag für den Menschen in den Dienst. Er machte die Nacht zu einer Decke für seinen erquickenden Schlaf und den Tag zu einem Marktplatz für seinen Lebensunterhalt. Nachdem der Qur'an diese Gnadengaben aufgezählt hat, zeigt er mit derZusammenfassung:

وَاٰتيٰكُمْ مِنْ كُلِّ مَاسَاَلْتُمُوهُ وَاِنْ تَعُدُّوا نِعْمَةَ اللَّهِ لاَ تُحْصُوهَا

{"Wenn ihr die Gnadengaben Gottes berechnen wolltet, könntet ihr sie nicht aufzählen." (Sure 14, 34)}

welch großen Umfang die Gnadengeschenke haben, die dem Menschen erwiesen werden, und in welchem Ausmaß grenzenlos viele Gnadengeschenke über dem Bereich (unserer Schöpfung) ausgeschüttet worden sind. Das heißt: Alles was der Mensch in der Sprache seiner geistigen Fähigkeiten und angeborenen Bedürfnisse erbittet, wird ihm gegeben. Gottes Gnadengaben für den Menschen kann man nicht aufzählen, noch erfassen. Sie erschöpfen sich nicht. Wären Himmel und Erde für den Menschen ein Tisch, ein Teil der Gnadengaben darauf Sonne und Mond, Nacht und Tag, ließen sich doch die Gnadengaben, die dem Menschen zugedacht sind, noch nicht einmal in Schätzungen und Grenzen angeben.

Siebtens, ein Geheimnis der sprachlichen Brillanz:

Manchmal geschieht es, dass uns eine Ayah den Sinn und den Nutzen einer Frucht zeigt, um (uns zugleich damit zu zeigen,) wie weit die äußerlichen Ursachen von der Fähigkeit entfernt sind, etwas erschaffen zu können, um so (Ursachen und Fähigkeiten voneinander) zu trennen und um uns (auf diese Weise) deutlich zu machen, dass eine Ursache nur ein Schleier von Äußerlichkeiten ist. Denn der Wille zu Zielen von großer Weisheit und bedeutenden Früchten, ist an das Werk eines Weisen (Hakiem)und großen Gelehrten (Alim)gebunden. Was aber die Ursachen betrifft, so sind sie ohne ein Bewusstsein und tot.

Des Weiteren zeigt eine Ayah, indem sie Nutzen und Früchte erwähnt, auch wenn die Ursachen äußerlich betrachtet,

in der physischen Welt, mit ihren Ergebnissen ganz nahe beieinander liegen und zusammenzugehören scheinen, dass in Wirklichkeit eine weite Entfernung zwischen ihnen liegt. Von einer Ursache bis zu ihrem Ergebnis liegt eine so große Entfernung, dass auch die größte Ursache zur Erschaffung auch des kleinsten Ergebnisses nicht genügen kann. So gehen denn die Namen Gottes in dieser weiten Entfernung zwischen Ursache und Wirkung wie die Sterne auf. Ihr Aufgang liegt zwischen den Entfernungen ihrer Bedeutungen, so wie ja auch die Berge unter dem Horizont nahe beieinander und mit dem Himmel zu verschmelzen scheinen. In Wirklichkeit liegt zwischen dem Kamm eines Berges und dem Horizont des Himmels eine große Spanne, innerhalb derer der Aufgang aller Sterne und (noch viele) andere Dinge ihre Wohnstatt haben. Genauso liegt eine große Entfernung ihrer Bedeutung zwischen einer Ursache und ihrer Folge, was aber erst durch das Fernrohr des Glaubens und im Licht des Qur'an erkennbar wird.

Zum Beispiel:

فَلْيَنْظُرِ اْلاِنْسَانُ اِلٰى طَعَامِهِ ٭ اَنَّا صَبَبْنَا الْمَآءَ صَبًّا ٭ ثُمَّ شَقَقْنَا اْلاَرْضَ شَقًّا ٭ فَاَنْبَتْنَا فِيهَا حَبًّا ٭ وَعِنَبًا وَقَضْبًا ٭وَزَيْتُونًا وَنَخْلاً ٭وَحَدَآئِقَ غُلْبًا ٭ وَفَاكِهَةً وَاَبّاً ٭ مَتَاعًا لَكُمْ وَ لِاَنْعَامِكُمْ

{"So betrachte der Mensch einmal seine Speise! Siehe, wir ließen Wasser in Strömen fließen. Alsdann zerspalteten wir die Erde. Und ließen Korn auf ihr sprießen. Weinreben und Gemüse. Und Ölbäume und Palmen. Und dicht bepflanzte Gärten. Und Früchte und Gras. Zum Unterhalt für euch und euer Vieh." (Sure 80, 24-32)}

So erwähnen denn diese ehrwürdigen Ayat die Wunderwerke der göttlichen Macht in einer Anordnung voll Weisheit. Sie verbinden die Wirkung mit ihrer Ursache und führen am Ende (der Ayah) mit den Worten: مَتَاعًا لَكُمْ {"zu eurem Nutzen" (Sure 80, 32)}

zu einem Ergebnis, einem Ziel, das beweist, dass es einen Lenker und Leiter gibt, der dieses Ziel (im Ablauf) aller dieser hintereinander geschalteten Ursachen und ihrer Wirkungen kennt und im Auge behält, und der sich hinter all diesen Ursachen wie hinter einem Schleier verbirgt. Mit dem Wort مَتَاعًا لَكُمْ وَ لِاَنْعَامِكُمْ {"zum Nutzen für euch und euer Vieh." (Sure 80, 32)} trennen sie in der Tat alle Ursachen von ihrer Fähigkeit, etwas erschaffen zu können. Der Bedeutung nach sagen sie: Um für euch und euer Vieh die Versorgung rechtzeitig herbeizubringen, kommt das Wasser vom Himmel. Da dieses Wasser aber nicht über die Fähigkeit verfügt, mit euch und euerem Vieh mitzufühlen, es zu lieben und die Versorgung zur rechten Zeit bereitzustellen, heißt dies, dass das Wasser nicht kommt, sondern gesandt wird. Des Weiteren öffnet sich die Erde in ihren Pflanzen, von wo euer Lebensunterhalt kommt. Da die Erde ohne ein Gefühl und ohne Bewusstsein sehr weit entfernt ist von der Fähigkeit, sich um eure Versorgung zu bekümmern und euch zu lieben, heißt dies, dass die Erde sich nicht von sich aus öffnet, vielmehr ein Anderer dieses Tor öffnet und die Gnadengaben in eure Hände legt. Des Weiteren liegt es Gräsern und Bäumen fern, sich um eure Versorgung zu bekümmern und in ihrer Barmherzigkeit Früchte und Getreide für euch wachsen zu lassen, weshalb die Ayah zeigt, dass dies Seile und Fäden sind, die der Allbarmherzige, der Allweise, (verborgen) hinter einem Schleier ausbreitet, an denen Er Seine Geschenke befestigt, um sie Seinen Lebewesen zu reichen. Aus diesen Erklärungen zeigt sich der Aufgang von vielen Namen, wie der Barmherzige (Rahim),der Versorger (Rezzaq),der Geber (Mün'im),Der Freigiebige (Kerim).

Ein anderes Beispiel:

اَلَمْ تَرَ اَنَّ اللَّهَ يُزْجِى سَحَابًا ثُمَّ يُؤَلِّفُ بَيْنَهُ ثُمَّ يَجْعَلُهُ رُكاَمًا فَتَرَى الْوَدْقَ يَخْرُجُ مِنْ خِلاَلِهِ وَيُنَزِّلُ مِنَ السَّمَآءِ مِنْ جِبَالٍ فِيهَا مِنْ بَرَدٍ فَيُصِيبُ بِهِ مَنْ يَشَآءُ وَيَصْرِفُهُ عَنْ مَنْ يَشَآءُ يَكَادُ سَنَا بَرْقِهِ يَذْهَبُ بِاْلاَبْصَارِ ٭ يُقَلِّبُ اللَّهُ الَّيْلَ وَالنَّهَارَ اِنَّ فِى ذٰلِكَ لَعِبْرَةً ِلاُولِى اْلاَبْصَارِ ٭ وَاللَّهُ خَلَقَ كُلَّ دَآبَّةٍ مِنْ مَآءٍ فَمِنْهُمْ مَنْ يَمْشِى عَلٰى بَطْنِهِ وَمِنْهُمْ مَنْ يَمْشِى عَلٰى رِجْلَيْنِ وَمِنْهُمْ مَنْ يَمْشِى عَلٰٓى اَرْبَعٍ يَخْلُقُ اللَّهُ مَا يَشَآءُ اِنَّ اللَّهَ عَلٰى كُلِّ شَىْءٍ قَدِيرٌ

{"Sahst du nicht, dass Allah die Wolken treibt und sie dann wieder versammelt und sie dann aufhäuft? Und du siehst den Regen mitten aus ihnen herauskommen. Und er sendet vom Himmel Wolkenberge herab, erfüllt mit Hagel, und Er trifft damit, wen Er will, und wendet sie ab, von wem Er will. Der Glanz Seines Blitzes blendet fast die Augen! Allah lässt wechseln die Nacht und den Tag; siehe, hierin ist wahrlich eine Lehre für die Verständigen. Allah erschuf alle Tiere aus Wasser; unter ihnen sind Einige, die auf ihrem Bauch und Andere, die auf zwei Füßen und Andere, die auf Vieren gehen. Allah schafft, was er will; siehe, Allah hat Macht über alle Dinge." (Sure 24, 43-45)}

Wenn diese Ayat diese einzigartige Lenkung und Leitung bei der Bildung der Wolken und dem Regen, die wichtigsten unter den wunderbaren Werken des Herrn und die bewunderungswürdigsten Schleier der Schatzkammern Seiner Barmherzigkeit, erklären wollen, vergleichen sie die Teile der Wolken, die in der Atmosphäre aufgelöst und verborgen haben, mit den Soldaten, die eine Ruhepause einlegen und sich auf ein Signal einer Trompete wieder zusammenfinden. So versammeln sie sich mit dem Befehl Gottes und formen sich wieder zu Wolken. Dann vereinigt Er diese kleinen Wölkchen, als ob diese winzig kleinen Scharen ein Heer bildeten. Von diesen Haufenwolken her, die mit ihrer Größe und Form die segelnden Berge des Weltuntergangs darstellen und feucht und weiß wie Schnee oder Hagel sind, sendet Er das Lebenswasser zu allem, was da lebt. Aber in dieser Aussendung offenbart sich ein Wille, eine Absicht. Es kommt je nach Bedürfnis; das heißt, es wird gesendet. Die Atmosphäre ist ganz klar und rein, ohne jede (sichtbare Spur einer Wolke) darinnen. Sie erscheint wie ein einzigartiger Versammlungsort. Diese bergesgleichen Massen

versammeln sich also nicht von sich aus, es ist vielmehr einer da, der alles, was da lebt, kennt und der sie sendet. So gehen denn in dieser Distanz zwischen ihren Bedeutungen die Namen wie der Allmächtige (qadir),der Allwissende (alim),der Lenker und Leiter (mutasarrif),der Organisator (mudebbir),der Versorger (murabbi),der Helfer (mughith),der Lebensspender (muhyi)auf.

Achtens, der Vorzug der sprachlichen Brillanz:

Manchmal geschieht es, dass der Qur'an Staunen erregende Taten erwähnt, die Gott der Gerechte in dieser Welt vollbringt, um den Menschen auf Seine wunderbaren Taten im Jenseits vorzubereiten, damit dieser sie in seinem Herzen annehme und mit seinem Verstande bestätige. Oder es werden darin die Staunen erregenden Taten erwähnt, die Er in der Zukunft (d.h. beim Weltuntergang) und im Jenseits (d.h. beim Weltgericht) vollbringen wird, damit wir durch die Beobachtung vergleichbarer Ereignisse davon überzeugt werden.

Zum Beispiel:

اَوَلَمْ يَرَ اْلاِنْسَانُ اَنَّاخَلَقْناَهُ مِنْ نُطْفَةٍ فَاِذَا هُوَخَصِيمٌ مُبِينٌ

{"Sieht der Mensch etwa nicht, dass Wir ihn aus einem Samentropfen erschaffen haben. Doch er ist Uns zu einem offenen Kritiker geworden." (Sure 36, 77)}

und so weiter bis zum Ende dieser Sure. So beweist der Weise Qur'an also in der Frage der Wiederversammlung die Auferstehung auf sieben, acht verschiedene Arten und Formen.

Zunächst stellt er uns unsere Ursprüngliche Entstehung (nesh'e-i 'ula)vor Augen. Er sagt: Von einem Samentropfen (nutfe)zu einem Eingenisteten (alaqa),von einem Eingenisteten zu einem Klumpen Fleisch (mudgha)könnt ihr die Erschaffung des Menschen bis zu ihrer Vollendung beobachten... Wie also nun könnt ihr eure Zweite Entstehung (nesh'e-i uhra)noch leugnen? Sie gleicht doch nur der ersten und ist vielleicht sogar noch einfacher als diese. Zudem weist Gott der Gerechte auch auf die gewaltigen Gnadengaben hin, die Er dem Menschen verliehen hat, indem Er sagt:

اَلَّذِى جَعَلَ لَكُمْ مِنَ الشَّجَرِ اْلاَخْضَرِ نَارًا

{"Er, welcher aus den grünen Bäumen Feuer für euch gemacht hat." (Sure 36, 83)}

Wird nun Er, der euch solche Gnadengaben verliehen hat, danach euch ganz und gar selbst überlassen, damit ihr euch am Ende ins Grab legen und nicht wiederauferstehen solltet? Zudem sagt der Qur'an indirekt auch: Ihr seht doch, wie tote Bäume von neuem wieder grün und lebendig werden. Könnt ihr nicht aus der Wiederbelebung knochentrockenen Holzes eure Schlussfolgerungen ziehen und wollt dies für völlig unverständlich ansehen? Ja sollte denn der, welcher Himmel und Erde erschaffen hat, über Leben und Tod des Menschen, der doch die Frucht der Himmel und Erden ist, keine Macht besitzen? Ja sollte denn der, welcher diesen riesigen Baum gepflegt hat, der Frucht dieses Baumes keinen Wert mehr beimessen und sie einem Anderen überlassen? Ja, könntet ihr euch vielleicht vorstellen, dass der, welcher den Baum der Schöpfung geformt und mit all seinen Teilen in Weisheit gebildet hat, ihn nun nutz- und sinnlos werden ließe und all dem, was er hervorbringt, keine Beachtung mehr schenkte? Und weiter heißt es im Qur'an: Der, welcher euch zu der Wiederversammlung auferwecken wird, ist jener Herr, vor dem der gesamte Kosmos einem befehlsbereiten Soldaten gleicht. Vor seinem Befehl: "Kun fe yakun"كُنْ فَيَكُونْ (Sei! Und es ist.), beugt er sich in vollkommenem Gehorsam. Einen Frühling zu erschaffen ist für Ihn ebenso leicht wie die Erschaffung einer Blume. Die gesamte Tierwelt ins Dasein zu rufen ist für Ihn in Seiner Macht genauso leicht, als handele es sich dabei bloß um eine Mücke. Man darf Ihn nicht herausfordern und Seine Macht gering schätzen und zu Ihm sagen:

مَنْ يُحْيِى الْعِظَامَ

{"Wer wird diese Gebeine wieder beleben?" (Sure 36, 78)}

Sodann wird mit dem Vers:

فَسُبْحَانَ الَّذِى بِيَدِهِ مَلَكُوتُ كُلِّ شَىْءٍ

{"Lob und Preis sei Ihm, in dessen Händen die Herrschaft (melekut) aller Dinge ruht." (Sure 36, 83)}

zum Ausdruck gebracht, dass der, welcher der Allmächtige ist in Seiner Majestät, die Zügel aller Dinge in Seinen Händen hält und die Schlüssel zu allen Dingen besitzt und dass Er Tag und Nacht, Sommer und Winter so leicht umblättert wie die Seiten eines Buches. Diesseits und Jenseits gleichen zwei Wohnstätten, deren eine Er öffnet und deren andere Er schließt.

Da dies nun einmal so ist, zeigt sich als Schlussfolgerung aller Beweisführung: وَاِلَيْهِ تُرْجَعُونَ {"Und zu Ihm werdet ihr zurückkehren." (Sure 36, 83)} d.h. Er wird euch aus dem Grabe heraus wieder zum Leben zurück und zur Wiederversammlung führen. In Seiner Gegenwart und Größe wird Er euch eure Rechnung vorlegen.

So haben also diese Ayat den Verstand darauf vorbereitet, den Glauben an die Wiederversammlung zu bestätigen. Sie haben auch das Herz bereit gemacht. Denn sie haben am Beispiel irdischer Geschehnisse deren Abbilder aufgezeigt.

Zudem geschieht es manchmal, dass der Qur'an die künftigen Taten Gottes dadurch erwähnt, dass deren irdische Entsprechungen in uns wachgerufen werden, sodass kein Raum mehr bleibt, sie für unmöglich zu halten oder zu leugnen. Z.B.: اِذَا الشَّمْسُ كُوِّرَتْ {"Wenn die Sonne zusammengefaltet wird..." (Sure 81, 1)} usw.

اِذَا السَّمَآءُ انْفَطَرَتْ {"Wenn der Himmel sich spaltet..." (Sure 82, 1)} usw. اِذَا السَّمَآءُ انْشَقَّتْ {"Wenn der Himmel zerreißt..." (Sure 84, 1)}

In solchen Suren werden die gewaltigen Umwälzungen und all das, was die Herrschaft Gottes bei der Auferstehung und Wiederversammlung verfügt, in der Weise erwähnt, dass der Mensch diese Umwälzungen, die dem Herzen Furcht einflößen und den Verstand überwältigen, leicht anzunehmen vermag, weil er ihre Entsprechungen in der Welt, z.B. im Herbst und im Frühling sehen kann. Wollten wir hier auf den Inhalt dieser drei Suren auch nur einen kurz zusammengefassten Hinweis geben: es würde dies zu weit führen. Wir wollen deshalb hier nur einen einzigen Vers als Beispiel anführen.

Mit den Worten: اِذَا الصُّحُفُ نُشِرَتْ {"Wenn die Blätter ausgebreitet werden..." (Sure 81, 10)} wird zum Ausdruck gebracht, dass bei der Wiederversammlung alle Taten jedes Menschen wie auf einer einzigen Seite zusammengefasst und veröffentlicht werden. Dieses Problem für sich allein betrachtet erscheint uns recht eigenartig und dem Verstand unzugänglich. Aber so wie diese Sure darauf hinweist, findet die Veröffentlichung der Blätter ganz offensichtlich ebenso ihre Entsprechung in der Wiederversammlung des Frühlings wie auch anderer vergleichbarer Geschehnisse. Denn jeder fruchttragende Baum und jede blühende Pflanze hat ihre Pflichten und Aufgaben, ihre Aktivitäten und Funktionen und ihre Prädikate. Je nach ihrer Form, in der sie die Namen Gottes zeigen, zelebrieren sie lobend und preisend den Dienst an ihrem Herrn. So ist die Funktion, die Lebens- und Wachstumsgeschichte einer jeden Pflanze

allen ihren Samenkernen und Körnern eingegeben, wenn diese in einem neuen Frühling und an einem anderen Ort wieder aus dem Boden hervorkommen werden. Mit der Form und Gestalt, in der sie sich uns zeigen, wird ganz klar ersichtlich, wie sie Ursprung und Herkunft ihrer Taten und Aufgaben gedenken und ihre Äste und Zweige, ihre Blätter und Blüten ausbreiten und ihre Früchte hervorbringen und so auch die Blätter ihrer Taten und Aufgaben ausbreiten. In der Tat vollbringt der Gleiche voll Weisheit und als ein Verständiger (Hakiem)voll Achtsamkeit und als ein Beschützer (Hafiz)voll Umsicht und als ein Leiter (Müdebbir)voll Fürsorge und als ein Lehrer (Mürebbi)voll Zärtlichkeit und als ein Anmutiger (Latif)alle diese Werke, der gesagt hat:

اِذَا الصُّحُفُ نُشِرَتْ

{"Wenn die Blätter ausgebreitet werden..." (Sure 81, 10)}

Man möge nun ähnliche Qur'anstellen zum Vergleich heranziehen und Möglichkeiten ausdeuten! Um eine Hilfestellung zu geben, wollen wir noch hinzufügen, dass die Ayah:

اِذَا الشَّمْسُ كُوِّرَتْ

{"Wenn die Sonne zusammengefaltet wird..." (Sure 81, 1)}

mit dem Ausdruck zusammenfalten, umhüllen (tekvir)auf das folgende glänzende Beispiel hinweist und auf dessen Entsprechung anspielt:

Erstens:

In der Tat hat Gott der Gerechte die Schleier des Nicht-Seins, des Äthers und des Himmels geöffnet, um die Sonne einer diamantenen Lampe gleich aus der Schatzkammer seiner Barmherzigkeit zur Erleuchtung der Welt hervorzuholen und der Welt zu zeigen. Nachdem diese Welt geschlossen worden ist, wird Er diesen Juwel wieder in seine Schleier einhüllen und zurückbringen.

Zweitens:

Man kann die Sonne auch als eine Art Beamten betrachten, der damit beauftragt ist, die guten Eigenschaften des Lichtes auszuteilen und dafür Sorge zu tragen,

dass es sich hier auf Erden mit der Finsternis abwechselt. Zwar sammelt nun dieser Beamte jeden Abend sein Gut ein und verbirgt sich; es kann aber auch sein, dass sein Geschäft durch den Schleier einer Wolke vermindert wird; oder es kann sein, dass der Mond zu einem Schleier vor ihrem Antlitz wird und ihn in seinem Dienst zum Teil behindert. So wie er nun seine Güter und das Buch seiner Taten einsammelt, so wird er sicherlich auch einmal von seinen Pflichten entbunden werden. Und es wird zu ihm gesagt werden: "Auf! Fahre nun zur Hölle hinab und verbrenne dort diejenigen, die dich angebetet und so mit ihrer Treulosigkeit eine gehorsame Dienerin wie dich verspottet haben!" So trägt sie den Erlass (ferman)vor:

اِذَا الشَّمْسُ كُوِّرَتْ

{"Wenn die Sonne zusammengefaltet wird..." (Sure 81, 1)}

Neuntens, eine Anmerkung zur sprachlichen Brillanz:

Zuweilen geschieht es, dass der Weise Qur'an einige kleine Ziele erwähnt. Dann berichtet er ein kleines Ereignis anstelle eines allgemeingültigen Grundsatzes mit Gottes Schönen Namen, stellt es fest, forscht und beweist es, um den Verstand von den erwähnten kleinen Ereignissen hinweg zu allgemeingültigen Rängen zu führen.

Ein Beispiel:

قَدْ سَمِعَ اللَّهُ قَوْلَ الَّتِى تُجَادِلُكَ فِى زَوْجِهَا وَتَشْتَكِىٓ اِلَى اللَّهِ وَاللَّهُ يَسْمَعُ تَحَاوُرَكُمَآ اِنَّ اللَّهَ سَمِيعٌ بَصِيرٌ

{"Gehört hat Gott die Aussage jener, die mit dir über ihren Gatten stritt und bei Gott Klage erhob. Gott hörte euren Wortwechsel. Gott hört und sieht alles." (Sure 58, 1)}

Hier sagt der Qur'an: "Gott der Gerechte ist allhörend, Er hört alles. Er hört sogar mit Seinem Namen "der Gerechte" den Streit einer Frau mit dir, die sich über ihren Gatten beklagt, was nur eine private Angelegenheit war. Überdies hört Er mit Seinem Namen "der Barmherzige" die berechtigte Beschwerde einer Frau, in der die

anmutigste Form der Barmherzigkeit erscheint und die in ihrer Opferbereitschaft eine Quelle der selbstlosen Liebe (shefqat)ist. Er hört sie aufmerksam unter Seinem Namen "der Barmherzige" und nimmt sie mit Seinem Namen "der Gerechte" genauso wichtig wie die gewaltigste Angelegenheit." Um dieses kleine Ereignis zu verallgemeinern, muss derjenige, der außerhalb des Bereichs der Möglichkeiten des Seins ist, der auch das kleinste Ereignis der Geschaffenen hört und sieht, mit Sicherheit der Herr sein, der alles hört und alles sieht. Derjenige, der der Herr des Kosmos ist, muss die Sorgen der armen, kleinen Geschaffenen innerhalb des Kosmos sehen und ihr Wehklagen hören. Wer ihre Sorgen nicht sieht und ihre Klagen nicht hört, kann kein Herr sein. Wenn das so ist, stellt der Qur'an mit dem Satz اِنَّ اللَّهَ سَمِيعٌ بَصِيرٌ {"Wahrlich, Gott hört und sieht alles." (Sure 58, 1)} zwei gewaltige Wahrheiten fest.

Ein anderes Beispiel:

سُبْحَانَ الَّذِىٓ اَسْرٰى بِعَبْدِهِ لَيْلاً مِنَ الْمَسْجِدِ الْحَرَامِ اِلَى الْمَسْجِدِ اْلاَقْصَا الَّذِى بَارَكْنَا حَوْلَهُ لِنُرِيَهُ مِنْ اٰياَتِنَآ اِنَّهُ هُوَ السَّمِيعُ الْبَصِيرُ

{"Preis sei dem, der seinem Diener bei Nacht von der heiligen Moschee (zu Mekka) zur fernen Moschee (zu Jerusalem), die Wir ringsum gesegnet haben, reisen ließen, damit Wir ihm etwas von Unseren Zeichen zeigen. Er ist der, der alles hört und sieht." (Sure 17, 1)}

Nachdem der Qur'an die Nachtreise des Ehrenwerten Gesandten, mit dem Friede und Segen sei, von seiner Moschee (Mesdjid-i Haram)zu der fernen Moschee (Mesdjid-i Aqsa),die der Anfang seiner Himmelfahrt (Mi'radj)war, erwähnt hat, sagt er

اِنَّهُ هُوَ السَّمِيعُ الْبَصِيرُ

{"Wahrlich, Er ist der, der alles hört und alles sieht." (Sure 17, 1)}

Das Pronomen "Hu",das in dem اِنَّهُ {"Wahrlich, Er ist."} enthalten ist, kann sich entweder auf Gott den Gerechten oder auf den Gesandten beziehen. Sollte es sich auf den Gesandten beziehen, dann besagt die Ayah folgendes: "Die Reise dieser Persönlichkeit ist eine Reise stellvertretend für alle und für einen Aufstieg über alle Stufen, sodass er die Zeichen des Herrn und die einzigartigen Kunstwerke Gottes gehört und gesehen hat, welche seine Augen und Ohren bei seiner Reise über alle Stufen der Gottesnamen bis zum "Lotusbaum" (Sidretu l-munteha),ja bis auf "Zwei-Bogenlängen-Nähe" zu Gott (Qab-i Qauseyn)angetroffen haben." Diese Ayah schildert jene persönliche Reise des Propheten als Schlüssel zu einer Reise mit einer einzigartigen Versammlung und zu einer Reise, die stellvertretend für alle ist. Wenn sich das Pronomen auf Gott den Gerechten beziehen sollte, dann besagt die Ayah folgendes:

"Er lud einen Seiner Diener zu einer Reise in Seine Gegenwart ein, um ihn mit einer Aufgabe zu beauftragen. Er sandte ihn von der innersten Moschee (zu Mekka)zur äußersten Moschee (zu Jerusalem),wo sich alle Propheten versammelten, ließ ihn mit den Propheten zusammentreffen, und nachdem Er ihnen gezeigt hatte, dass er der vollkommene Erbe des Wurzelgrundes der Religionen aller Propheten ist, führte Er ihn in Seinem ganzen Reiche, der Körperwelt wie der Engelwelt empor, bis Er ihn (schließlich in dem Maqam von) "Zwei-Bogen-längen-Nähe (Qab-i Qauseyn)"bei Sich (Gott empfing)." So ist diese Persönlichkeit also zwar ein Diener; diese Reise ist die Himmelfahrt, die zwar er Individuum erlebt; aber bei ihm als Diener ein Pfand (emanet),das ihn mit dem ganzen Sein verbindet. Überdies ist ein Licht mit ihm, das die Farbe unseres Daseins zu verwandeln vermag. Überdies ist ein Schlüssel bei ihm, der das Tor zur Ewigen Glückseligkeit zu öffnen vermag.

Darum stellt sich Gott der Gerechte in Seinen Eigenschaften als der All-Hörende und All-Sehende vor, sodass der universelle Wert dieses Unterpfandes, dieses Lichtes und dieses Schlüssels aufgezeigt werde.

Ein anderes Beispiel:

اَلْحَمْدُ ِللَّهِ فَاطِرِ السَّمٰوَاتِ وَاْلاَرْضِ جَاعِلِ الْمَلٰٓئِكَةِ رُسُلاً اُولِىٓ اَجْنِحَةٍ مَثْنىَ وَثُلٰثَ وَرُبَاعَ يَزيِدُ فِى الْخَلْقِ مَا يَشَآءُ اِنَّ اللَّهَ عَلٰى كُلِّ شَئٍْ قَدِيرٌ

{"Alles Lob gebührt Allah, dem Schöpfer der Himmel und der Erde, der die Engel zu Boten macht, versehen mit Flügeln in Paaren zu dritt und zu viert. Er fügt der Schöpfung hinzu, was Er will. Wahrlich, Allah hat Macht über alle Dinge." (Sure 35, 1)}

So besagt diese Ayah also am Anfang: "Der majestätische Schöpfer der Himmel und der Erde verzierte die Himmel und die Erde so mit Seinen wunderbaren Kunstwerken, dass die ungezählten Zuschauer dazu gebracht werden, ihren Schöpfer unendlich zu loben und zu preisen. Desgleichen schmückte Er sie mit unzählbaren Gnadengeschenken, dass der Himmel und die Erde in der Sprache all Seiner Gnadengaben, und derer, die diese Gnadengaben genießen, jenem gnädigen Schöpfer unendlich viel Lob und Preis darbringen." Der majestätische Schöpfer, der nicht nur Menschen, Tieren und Vögeln, Flügel und Flugmaschinen verliehen hat, womit sie zwischen den Städten und Ländern der Erde fliegen und umherreisen können, sondern auch den Engeln, Einwohnern des Himmelreiches, Flügel verliehen hat, damit sie zwischen den Sternen, den Schlössern des Himmels, und zwischen den Türmen, (Sternbildern und) hohen Ländern, wo sie Zuhause sind, reisen und fliegen können, muss mit Sicherheit Macht über alle Dinge haben. Derjenige, der einer Fliege die Flügel verleiht, mit denen sie von einer Frucht zur anderen Frucht fliegt, der einem Sperling Flügel gibt, mit denen er von dem einen Baum zu einem anderen Baum fliegt, ist derselbe, der die Flügel gibt, mit denen man vom Morgenstern zum Jupiter, vom Jupiter zum Saturn fliegen kann. Des Weiteren sind die Engel nicht auf eine einzelne Existenz, wie unsere

irdische, beschränkt. Sie sind nicht an einen bestimmten Ort gebunden. Als Hinweis darauf, das sie zu gleicher Zeit auf vier oder noch mehr Sternen anwesend sind, gibt der Vers eine ausführliche Erklärung mit den Worten

مَثْنٰى وَثُلٰثَ وَرُبَاعَ

{"in Paaren, zu dritt und zu viert"}

So weist denn diese Ayah mit dem Ausdruck: "Die Engel mit Flügeln zu versehen", was nur ein minderes Geschehen ist, auf die Werkbank hin, wo sich dann die Größe Seiner Macht in ihrem ganzen großen Umfang und in ihrer Allgemeingültigkeit herausstellt. Mit dem Ausdruck: اِنَّ اللَّهَ عَلٰى كُلِّ شَئٍْ قَدِيرٌ {"Wahrlich, Allah hat Macht über alle Dinge." (Sure 35, 1)} untersucht er dies zugleich und befestigt es.

Zehntens, eine Anmerkung zur sprachlichen Brillanz:

Es kommt gelegentlich vor, dass eine Ayah, Werke menschlichen Ungehorsams gegenüber Gott erwähnt, ihn deswegen unter einer strengen Androhung zurechtweist. Damit er aber unter dieser strengen Androhung nicht in Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit verfällt, schließt sie sodann, auf seine Barmherzigkeit verweisend, mit einem Teil Seiner Namen ab, die ihn nun wieder trösten.

Zum Beispiel:

قُلْ لَوْ كَانَ مَعَهُ اٰلِهَةٌ كَمَا يَقُولُونَ اِذًا لاَبْتَغَوْا اِلٰى ذِى الْعَرْشِ سَبِيلاً ٭ سُبْحَانَهُ وَتَعَالٰى عَمَّا يَقُولُونَ عُلُوّاً كَبِيرًا ٭ تُسَبِّحُ لَهُ السَّمٰوَاتُ السَّبْعُ وَاْلاَرْضُ وَمَنْ فِيهِنَّ وَاِنْ مِنْ شَىْءٍ اِلاَّ يُسَبِّحُ بِحَمْدِهِ وَلٰكِنْ لاَتَفْقَهُونَ تَسْبِيحَهُمْ اِنَّهُ كَانَ حَلِيمًا غَفُورًا

{"Sprich: Gäbe es neben Ihm noch andere Götter, wie sie sagen, dann müssten diese doch nach einem Weg trachten, zu dem Herrn des Thrones zu gelangen. Lob sei Ihm! Hoch und erhaben ist Er über das, was sie da behaupten! Es preisen Ihn die sieben Himmel und die Erde und wer darinnen ist. Es gibt kein Ding, das Ihn nicht lobpreist. Doch versteht ihr nicht ihre Lobpreisung. Siehe, Er ist milde und verzeihend." (Sure 17, 42-44)}

Diese Ayah sagt also nun: Sprich: Gäbe es in Seinem Eigentum noch einen Teilhaber, wie ihr behauptet, würde er mit Sicherheit die Hand nach dem Thron der Herrschaft Gottes ausstrecken und eine solche Unordnung hervorrufen, dass die Spuren seiner Einmischung sichtbar werden würden.

Jedoch preisen alle Geschöpfe, im Allgemeinen wie im Besonderen, angefangen von den sieben Himmeln bis hin zu den mikroskopisch kleinen Lebewesen, die kleinen und die großen, mit den Zungen der Erscheinungen und Ornamente aller Namen, die an ihnen sichtbar werden, denjenigen, der diese Schönen Namen in Seiner Majestät trägt, und erklären Ihn frei von irgendeinem, der Sein Teilhaber oder Ihm ebenbürtig sein könnte. Wie der Himmel Ihn mit den lichtausstrahlenden Worten, die Sonnen und Sterne genannt werden, mit seiner Zweckmäßigkeit und Wohlordnung verherrlicht und für Seine Einheit und Gegenwart Zeugnis ablegt und auch die Atmosphäre Ihn mit Worten der Wolken, der Blitze, des Donners und der Regentropfen preist und verherrlicht und für Seine Einheit und Gegenwart Zeugnis ablegt, genauso preist die Erde mit allem, was unter ihr und über ihr ist, in lebendigen Worten, die Tiere und Pflanzen heißen, den majestätischen Schöpfer und Seine Einheit (Tauhid).Jeder Baum auf ihr preist Ihn wiederum mit Worten gleich Blättern, Blüten und Früchten und bezeugt Seine Einheit.

Genauso preist auch das kleinste Geschöpf, das winzigste Kunstwerk, trotz seiner Kleinheit, seiner Winzigkeit, durch die Ornamente und Eigenschaften, die es trägt und die auf sehr viele alles umfassende (d.h. einen Partner ausschließende) Namen hinweisen, den Träger in Seiner Majestät und bezeugt Seine Allgegenwart (Vahdaniyyet).Was ist im Gegensatz zu all dem, der Unglaube und die Abgötterei, in die der Mensch verfällt, der eine Zusammenfassung dieses Kosmos, sein Ergebnis und seine kostbarste Frucht ist, ein teurer Beauftragter Gottes (Khalif) in diesem Kosmos, in dem alle Geschöpfe im Einklang, gemeinsam und in gleicher Sprache den majestätischen

Schöpfer preisen und Seine Einheit und Allgegenwart bezeugen und dadurch ihre Geschöpfespflicht in der ihnen entsprechenden Art in vollkommenem Gehorsam erfüllen, für eine Hässlichkeit und in welchem Grade verdient er dafür seine Strafe! Um ihn nicht ganz und gar in Verzweiflung zu stürzen, und um die Weisheit, die darin liegt, zu zeigen, dass der Zornige (Qahhar)in Seiner Majestät zu solch einem grenzenlosen Verbrechen und einer solch unendlich hässlichen Rebellion eine Möglichkeit gibt und den Kosmos über seinem Kopf nicht zerschlägt und zerstört, sagt der Vers:

اِنَّهُ كَانَ حَلِيمًا غَفُورًا

{"Siehe, Er ist milde und verzeihend." (Sure 17, 44)}

Mit diesem Abschluss zeigt (diese Ayah) den Sinn dieser Fristgewährung und lässt das Tor zu einer Hoffnung offen.

So verstehe denn nun aufgrund der zehn auf dieses Wunder hinweisenden Zeichen, dass es in den Zusammenfassungen am Ende der Ayat, neben vielen Spuren der rechten Leitung viele Blitze gibt, die dieses Wunder aufzeigen, sodass die größten und genialsten Dichter, in Anbetracht dieser einzigartigen Stilarten vollkommen verwundert und so begeistert waren, dass sie voll Staunen ganz und gar überwältigt sagten:

مَا هَٰذَا كَلاَمُ ا لْبَشَرِ

{"Das ist kein Menschenwort."}

Sie glaubten an اِنْ هُوَ اِلاَّ وَحْىٌ يُوحٰى {"Es ist nichts anderes als eine Offenbarung, die offenbart wird." (Sure 53, 4)} mit einer Gewissheit, die sie selbst erlebt und gelebt hatten. Also beinhalten manche Ayat neben allen obenerwähnten Zeichen noch viele andere Eigenschaften, die hier nicht unser Thema betreffen. Aus der Sammlung dieser Eigenschaften wird ein so wunderbares, vollendetes Ornament erkennbar, dass es selbst noch ein Blinder sehen kann.

Das dritte Licht des Zweiten Strahls ist folgendes:

Der Qur'an bietet keine Vergleichsmöglichkeit mit irgendeinem anderen Wort, ist unvergleichbar mit anderen Worten. Denn die verschiedenen Ebenen eines Wortes ergeben sich hinsichtlich seiner Erhabenheit, Kraft und Schönheit aus vier Quellen. Eine davon ist sein Sprecher (mutekellim).Eine andere ist der Angesprochene (muhatab).Eine weitere ist seine Absicht (maqsad).Eine letzte ist sein Niveau (maqam).Es ist keineswegs so, wie es die Literaten sagen, die nur den literarischen Wert (maqam)ins Auge fassen. Weil dies aber so ist, frage dich bei einem Wort: "Wer sagte es? Wem wurde es gesagt? In welcher Absicht wurde es gesagt? Wie seriös (maqam)war es gemeint?" Bleibe nicht dabei stehen, nur das Wort allein zu betrachten.

Da ein Wort nun einmal seine Kraft, seine Schönheit aus diesen vier Quellen schöpft, erkennt man, sobald man der Quelle des Qur'an seine Beachtung schenkt, den Grad seiner sprachlichen Brillanz, seiner Erhabenheit und seine Schönheit. Da nun einmal ein Wort (kelam)abhängig ist von dem, der es sagt (mutekellim),so beinhaltet dieses Wort auch, sobald es sich dabei um ein Gebot oder ein Verbot handelt, zugleich Willenskraft und Macht entsprechend dem Rang des Sprechers. Dann wird das Wort so stark, dass es keinen Widerstand mehr duldet. Es wirkt wie der elektrische Strom. Dementsprechend steigert sich auch die Erhabenheit und Kraft eines Wortes.

Zum Beispiel:

يَآ اَرْضُ ابْلَعِى مَآءَكِ وَيَاسَمَآءُ اَقْلِعِى

{"Oh Erde, verschlinge dein Wasser, und, oh Himmel, halt ein!" (11, 44)}

Das heißt: "Oh Erde, deine Aufgabe ist beendet. Verschlinge dein Wasser! Oh Himmel, deine Dienste sind nicht mehr erforderlich. Stelle den Regen ein!"

Ein anderes Beispiel:

فَقَالَ لَهَا وَلِْلاَرْضِ ائْتِيَا طَوْعًا اَوْ كَرْهًا قَالَتَآ اَتَيْنَا طَآئِعِينَ

{"Und Er sagte zum Himmel und zur Erde: kommt her, freiwillig oder widerwillig! Sie sagten: Wir kommen freiwillig." (Sure 41, 11)}

Das heißt: Er sagte: "Oh Erde! Oh Himmel! Ob ihr wollt oder nicht, kommt her, unterwerft euch Meiner Weisheit und Macht! Tretet aus dem Nichtsein heraus, kommt zu Meiner Kunstausstellung ins Dasein!" Sie sagten: "Wir kommen in vollkommenem Gehorsam. Wir werden alle Aufgaben, die Du uns zeigst, mit Deiner Macht vollbringen." So betrachte die Kraft und die Erhabenheit von derartigen wahren und eindringlichen Befehlen, welche die Macht und die Willenskraft (Gottes) in sich enthalten. Können denn da noch Gespräche in Befehlsform, welche sich Menschen mit der unbelebten Natur zurecht phantasieren, wie

اُسْكُنِى يَآ اَرْضُ وَانْشَقِّى يَاسَمَآءُ وَقوُمِى اَيَّتُهَا الْقِيَامَةُ

{"Oh Erde halt ein! Oh Himmel spalte dich! Oh Untergang brich an!"}

mit den oben angeführten Befehlen vergleichbar sein?... Wo bleiben denn da nun in der Tat alle die guten Wünsche und die unsinnigen Befehle, die aus diesen Wünschen erwachsen, und wo bleibt der wahre Befehl eines Kommandeurs in seinem Dienst, ausgestattet mit der Echtheit seines Kommandos? Wo bleibt da in der Tat der durchschlagende Befehl des Kommandeurs: "Marsch!" an sein großes, gehorsames Heer? Wenn ein solcher Befehl von einem einfachen Soldaten ausgesprochen wird, so unterscheidet er sich, obwohl er ihm doch äußerlich gleicht, dem Geist und Sinne nach so wie ein einfacher Soldat von seinem Kommandeur.

Zum Beispiel:

اِنَّمَآ اَمْرُهُ اِذَآ اَرَادَ شَيْئًا اَنْ يَقُولَ لَهُ كُنْ فَيَكُونُ

{"Sein Befehl ist nur, wenn Er ein Ding will, dass Er zu ihm spricht: Sei! und es ist." (Sure 36, 82)}

und zum Beispiel

وَاِذْ قُلْنَا لِلْمَلٰٓئِكَةِ اسْجُدُوا ِلاٰدَمَ

{"Und als Wir zu den Engeln sprachen: Werft euch vor Adam nieder." (Sure 2, 34)}

Betrachte die Kraft und die Erhabenheit, die in den beiden Befehlen der beiden Ayat liegt. Dann betrachte die Worte der Menschen, die sie als Befehle geben. Ähnelt es nicht einem Vergleich zwischen einem Leuchtkäfer mit der Sonne? Wenn in der Tat der wahre Inhaber eines Geschäftes uns eine Beschreibung gibt, wenn der wahre Künstler während seiner Tätigkeit Auskunft gibt über sein Kunstwerk, wenn der wahre Geber bei der Überreichung seiner Gaben eine Verlautbarung zu seinen Gaben äußert, so heißt das, Wort und Tat miteinander zu vereinigen, seine eigene Tat sowohl für das Auge als auch für das Ohr zu erläutern, wenn er sie folgendermaßen beschreibt: "Schaut her! So habe ich dies gemacht. So mache ich das. Hier habe ich dies aus jenem Grunde so gemacht. Dies muss so werden. Darum mache ich dieses auf jene Weise."

Zum Beispiel:

اَفَلَمْ يَنْظُرُوٓا اِلَى السَّمَآءِ فَوْقَهُمْ كَيْفَ بَنَيْنَاهَا وَزَيَّنَّاهَا وَمَالَهَا مِنْ فُرُوجٍ ٭ وَاْلاَرْضَ مَدَدْناَهَا وَاَلْقَيْناَ فِيهَا رَوَاسِىَ وَاَنْبَتْنَا فِيهَا مِنْ كُلِّ زَوْجٍ بَهِيجٍ ٭ تَبْصِرَةً وَذِكْرٰى لِكُلِّ عَبْدٍ مُنِيبٍ ٭ وَنَزَّلْناَ مِنَ السَّمَآءِ مَآءً مُبَارَكًا فَاَنْبَتْنَا بِهِ جَنَّاتٍ وَحَبَّ الْحَصِيدِ ٭ وَالنَّخْلَ بَاسِقَاتٍ لَهَا طَلْعٌ نَضِيدٌ ٭ رِزْقًا لِلْعِبَادِ وَاَحْيَيْناَ بِهِ بَلْدَةً مَيْتًا كَذٰلِكَ الْخُرُوجُ

{"Haben sie nicht zum Himmel über ihnen emporgeschaut, wie Wir ihn erbaut und geschmückt haben und (gesehen, dass) er keine Risse hat? Und die Erde - Wir haben sie ausgebreitet und feste Berge darauf gesetzt; und Wir ließen auf ihr all die herrlichen Paare hervorsprießen als Aufklärung und Ermahnung für jeden Diener, der sich Ihm zuwendet. Und vom Himmel senden Wir Wasser hernieder, das voll des Segens ist, und bringen damit Gärten und Korn für die Ernte hervor, und hochragende Palmen mit dichtstehenden Fruchtscheiden als Versorgung für die Diener; und beleben damit ein totes Land. So wird die Auferstehung sein." (Sure 50, 6-11)}

Was sind also derartige Darstellungen, die wie sternengleiche Paradiesesfrüchte als Sternzeichen (burudj)dieser Sure am Himmel des Qur'an leuchten, die brillante Ausdrucksweise, in der durch diese Taten Beweise der Auferstehung auf verschiedenen Ebenen erwähnt werden und was die Schlussfolgerung, die sich daran anschließt und mit dem Ausdruck كَذٰلِكَ الْخُرُوجُ {"So ist die Auferstehung."} die Auferstehung beweist und so schon am Anfang der Sure diejenigen, welche die Auferstehung bestreiten, zum Schweigen bringt und was sind dagegen die leeren Worte der Menschen über Werke, zu denen sie kaum eine Beziehung haben? Selbst Bilder von Blumen, naturgetreu kopiert, erreichen im Vergleich mit lebendigen Blumen nie einen solchen Grad von Echtheit. Die Bedeutung von diesem اَفَلَمْ يَنْظُرُوا {"betrachten sie nicht."} bis zum كَذٰلِكَ الْخُرُوجُ {"so ist die Auferstehung."} aufs Beste wiederzugeben, würde hier jedoch den Rahmen sprengen. Deshalb wollen wir hier nur darauf hinweisen und fahren fort. Es ist also wie folgt:

Da die Ungläubigen, die Wiederauferstehung leugnen, macht der Qur'an am Anfang der Sure eine solche Einleitung, um die Notwendigkeit der Wiederauferstehung darzulegen. Er sagt: "Schaut ihr etwa nicht zum Himmel über euch empor, in welcher Art Wir ihn, so wohlgeordnet und so prachtvoll aufgebaut haben? Und seht ihr überdies denn nicht, wie wir ihn mit den Gestirnen, dem Mond und der Sonne geschmückt haben? Wir haben keinen Fehler oder Mangel zurückgelassen. Und seht ihr überdies

denn nicht, wie Wir die Erde für euch ausgebreitet und wie Wir sie voll Weisheit eingerichtet haben? Wir haben Berge auf der Erde aufgerichtet und sie so vor dem Überfluten durch das Meer geschützt. Und seht ihr überdies denn nicht, wie schön bunt und in Farbe Wir paare von Pflanzen jeder Art erschaffen haben? Alle Ecken der Erde haben Wir mit diesem Schmuck verziert. Und seht ihr überdies denn nicht, wie Wir vom Himmel herab den Segen des Wassers senden? Aus diesem Wasser erschaffe Ich Weingärten und Felder, Getreide und hochragende Bäume, die, gleich den Dattelpalmen, wohlschmeckende Früchte tragen, schicke durch sie Meinen Dienern ihren Unterhalt, lasse ihn eilig herbeibringen. Seht ihr überdies denn nicht, dass Ich mit diesem Wasser ausgedorrtes Land wiederbelebe? Tausende irdische Abbilder der Auferstehung rufe Ich ins Dasein. Wie Ich diese Pflanzen durch Meine Macht aus diesem abgestorbenen Boden wieder hervorbringe, so wird auch euer Wiederhervorkommen am Tage der Auferstehung sein. Wenn die Welt untergeht, wird zwar die Erde sterben, doch ihr werdet lebendig wieder aus ihr hervorkommen."

Was also ist die Brillanz, welche diese Ayat bei den Beweisführungen für die Wiederauferstehung zeigen und für deren tausendsten Teil wir hier ein Zeichen setzen konnten? Und was sind dagegen die Worte, die die Menschen zu einer Behauptung benötigen?

Vom Anfang dieser Abhandlung bis hierher haben wir viele Anrechte des Qur'an im Namen der Forschung, welche sich in der Neutralität des Urteils findet, im Verborgenen gelassen, um einen hartnäckigen Gegner zur Anerkennung der Wunder des Qur'an zu bringen. Wir haben diese Sonne immer auf die Stufe der Kerzen herunter gebracht und sie mit ihnen verglichen. Nun hat die Forschung ihre Aufgabe erfüllt und die Wunder des Qur'an auf glänzende Weise bewiesen. Jetzt wollen wir hier nicht im Namen der Forschung, sondern im Namen der Wahrheit auf den wahren Rang des Qur'an, welcher sich jedem Vergleich entzieht, mit ein, zwei Worten hinweisen:

In der Tat ist das Verhältnis gewöhnlicher Worte zu den Versen des Qur'an so, wie das Verhältnis der Sterne selbst zu den winzig kleinen Spiegelbildern dieser Sterne in einer Glasscherbe. Was also sind in der Tat die Worte des Qur'an, von denen ein jedes wie ein Stern feststehende Wahrheiten beschreibt und aufzeigt, und was sind dagegen die Aussagen von Menschen, die sie nach ihrer Meinung und im Spiegel ihrer Empfindungen mit bloßen Worten zusammenstellen? Was sind in der Tat die engelsgleichen, lebendigen Worte des Qur'an, der das Licht der rechten Leitung eingibt, und der das Wort des majestätischen Schöpfers der Sonne und des Mondes ist, und was sind dagegen die mit betörenden Wünschen und betrügerischen Einzelheiten bestechenden Worte der Menschen, um deren Lust und Laune zu erwecken? Wie Ungeziefer und ihr Stich, wie Käfer im Vergleich zu den gesegneten Engeln und den lichtstrahlenden Geistwesen, sind in der Tat Menschenworte im Vergleich zu den Worten des Qur'an. Diese Wahrheiten sind in den vorangegangenen vierundzwanzig "Worten" zusammen mit dem "Fünfundzwanzigsten Wort" bewiesen.

Diese unsere Behauptung ist keineswegs aus der Luft gegriffen; Beweis dafür ist die weiter oben bereits angeführte Schlussfolgerung. Was sind in der Tat die Worte des Qur'an, dessen jedes einzelne eine Perle in der Muschel der Rechtleitung und eine Quelle der Glaubenswahrheiten, eine Fundgrube der Grundsätze des Islam ist, die unmittelbar vom Thron des Erbarmens herabkommen, Worte über und außerhalb des Kosmos, die um des Menschen willen auf ihn herabgesandt werden, und die das Wissen, die Macht und den Willen beinhalten und die Ansprache (hitab)des Urewigen sind. Was sind demgegenüber in der Tat die Worte der Menschen, die sie in ihrer Gleichgültigkeit den ernsten Dingen gegenüber äußern, die ihre Wünsche und ihre Neigungen preisen, Worte, nichtig sind und nur von ihren eigenen Wünschen handeln?

Was ist in der Tat der Qur'an, der zu einem paradiesischen Tuba-Baum wurde, indem er all seine geistigen Werte, seine Kennzeichen und Vollkommenheiten, seine Prinzipien und Gesetze wie seine Blätter in dieser islamischen Welt ausbreitet, indem er die Koryphäen des Herzens (Auliya)und des Geistes (Asfiya)als seine Blüten durch das Lebenselixier dieses Baumes frisch und schön zeigt und als Früchte immer die Vollkommenheiten, die wahren Erkenntnisse über die Schöpfung und über den Schöpfer trägt und die vielen Kerne in seinen Früchten, die je zu einem Grundsatz und Programm für das Leben werden und die wieder als ein fruchtbarer Baum die Kette (muteselsil)der Wahrheit zeigen? Was aber ist demgegenüber das uns bekannte Wort eines Menschen?

أَيْنَ ا لثَرَا مِنَ الثُرَ يَا

{"Wo ist die Erde und wo ist das Siebengestirn?"}

Während der Weise Qur'an seit 1350 Jahren alle seine Wahrheiten auf dem Markt des Kosmos ausbreitet, schöpfte jeder Mensch, jedes Volk, jedes Land von seinen Juwelen, von seinen Wahrheiten und schöpfen sie auch weiterhin aus ihm. In Wirklichkeit konnten weder sein gewohnheitsmäßiger Gebrauch, noch seine vielen Exemplare, noch die lange Zeit, noch die großen Umwälzungen seine kostbaren Wahrheiten, seine anmutigen Stilarten beeinträchtigen, veraltern, eintrocknen, ihm etwas von seinem Wert nehmen oder seine Schönheiten auslöschen. Dieser Zustand ist für sich allein genommen schon ein Wunder.

Wenn nun einer hervortreten würde und kindisch einem Teil der Wahrheiten, die der Qur'an brachte, nach seinen Vorstellungen, eine neue Anordnung geben wollte und zu einem Vergleich herbei brächte, um mit ihnen gegen einige Verse des Qur'an zu konkurrieren und sagen wollte: "Ich habe ein Wort gebracht, das dem Qur'an ähnlich ist.", so wäre das eine Aussage, so töricht wie in dem folgenden Beispiel:

Ein einfacher Baumeister ganz gewöhnlicher Häuser, der keine Ahnung von der hohen Kunst eines Baumeisters hat, der ein großartiges Schloss aus verschiedenen Edelsteinen erbaute und es durch exakte Platzierungen dieser Steine mit ausgewogenen Ornamenten verzierte, die sich bei dem hohen Schmuck dieses ganzen Schlosses finden, und nicht in der Lage ist, diesen hohen Schmuck, alle Edelsteine und Verzierungen dieses Schlosses zu erkennen, betritt dieses Schloss. Er vernichtet die erhabenen Ornamente, die von diesen wertvollen Steinen gebildet sind, und versucht kindisch nach seinem Wunsch, entsprechend der Form eines gewöhnlichen Hauses eine neue Anordnung, eine neue Form zu finden. Er befestigt einige Plastikperlen, wie sie den Augen der Kinder gefallen würden. Und dann sagt er anschließend: "Seht! Ich habe mehr Geschicklichkeit und Reichtum als der Baumeister dieses Schlosses. Ich habe wertvolle Schätze." Es ist ein Vergleich mit dem Werk eines Fälschers, mit den Phantastereien eines Fieberkranken.

Dritte Flamme:

Diese Flamme hat drei Strahlen.

Erster Strahl:

Einer der überwältigenden Aspekte des Qur'an, der als solcher nicht nur in sich selbst, als auch in der Art seiner Verkündigung ein Wunder ist, wurde bereits im "Dreizehnten Wort" erklärt. Er wird jedoch hier in diesem Zusammenhang noch einmal angeführt, um ihn in die Reihe seiner Geschwister, der übrigen Aspekte zu stellen, welche ebenfalls dieses Wunder zeigen.

So ist denn jede einzelne Ayah des Qur'an wie ein Stern von durchdringendem Glanz (Sure 86, 3). Wenn du sehen und erleben willst, wie er die Erkenntnis der Wunder und das Licht der Rechtleitung verbreitet und dadurch die Finsternis des Unglaubens und der Gottvergessenheit vertreibt, versetze dich zu jener Zeit der Unwissenheit (Djahiliyah)in die Wüste der Beduinen, jene Zeit, in der alles in der Finsternis der Unwissenheit und Gottvergessenheit wie in ein Tuch gewickelt schien, das nur noch leblose Dinge und eine seelenlose Natur übrig ließ. Dann komm und höre nun in der Sprache des Qur'an

سَبَّحَ ِللَّهِ مَا فِى السَّمٰوَاتِ وَاْلاَرْضِ وَهُوَ الْعَزِيزُ الْحَكِيمُ ٭ يُسَبِّحُ ِللَّهِ مَا فِى السَّمٰوَاتِ وَمَا فِى اْلاَرْضِ الْمَلِكِ الْقُدُّوسِ الْعَزِيزِ الْحَكِيمِ

{"Es preist Allah, was in den Himmeln und was auf Erden ist, den König, den Heiligen, den Mächtigen, den Weisen." (Sure 57, 1 u. 62, 1)}

und ähnliche Ayat. So wirst du plötzlich sehen, wie diese leb- und seelenlos erscheinenden Dinge, die scheinbar toten oder schlafenden Wesen in dieser Welt, unter der Rezitation des سَبَّحَ ... يُسَبِّحُ {"Es preist..."} in der vom Glauben erfüllten Vorstellung der Zuhörer zum Leben erwachen, auferstehen und Gott preisen. Auch die Sterne am nachtdunklen Antlitz des Himmels zeigen sich jeder einem glühenden Stückchen Kohle gleich und die über die Erde verstreuten Geschöpfe erscheinen vor den Augen der Zuhörer unter der Rezitation des تُسَبِّحُ لَهُ السَّمٰوَاتُ السَّبْعُ وَاْلاَرْضُ {"Es preisen Ihn die sieben Himmel und die Erde." (Sure 17, 44)} wobei der Himmel dem Mund gleicht, jeder Stern ein Wort ist, das die Weisheit Gottes verkündet, ein Licht, das die Wahrheit ausstrahlt und die Erde das Haupt darstellt, die Länder und Meere wie deren Zunge reden und alle Tiere und Pflanzen ihre Worte sind, die die Heiligkeit Gottes verkünden.

Schaust du jedoch aus heutiger Zeit in jene Zeit zurück, kannst du sicherlich die Feinheiten in den oben geschilderten Vorgängen nicht miterleben. Ja, betrachtest du sie in einer Welt, in der sich seit jener Zeit das Licht ausgebreitet hat und im Laufe der Zeit zu einem allgemeinen Leuchten geworden ist und die noch von anderen Lichtern des Islam überstrahlt wird und unter der Sonne des Qur'an die Farbe des Tages angenommen hat, oder

wenn du durch deinen Schleier der Oberflächlichkeit und Gewohnheit blickst, dann kannst du sicher nicht recht erfahren, welch eine Finsternis eine jede Ayah erleuchtet und mit welch einem köstlich hellen, wundersamen Klang er sie vertrieben hat. So kannst du diese Art Wunder unter vielen anderen Arten von Wundern des Qur'an mit deinen Sinnen nicht erfassen. Wenn du das Wunder des Qur'an, der ein Wunder seiner Verkündigung ist, in seiner höchsten Stufe betrachten willst, dann komm und höre das folgende Gleichnis. Es ist dies wie folgt:

Versuchen wir uns einmal einen sehr hohen und weit ausladenden, einen einzigartigen, Staunen erregenden Baum vorzustellen, der durch eine Art Tarnkappe verborgen und in ein großes Tuch eingewickelt sein soll. Nun ist ja bekannt, dass zwischen den Zweigen, Früchten, Blättern, Blüten und allem, was zu einem Baum gehört, ein Verhältnis, eine Proportionalität, ein Gleichgewicht bestehen muss, ähnlich dem unter den Organen des Menschen. Jedes Teil erhält also nach der Art des Baumes seine Form, das ihm entsprechende Aussehen.

Jetzt trete jemand auf, der von diesem noch nie gesehenen und auch tatsächlich nicht sichtbaren Baum auf einer Leinwand ein wohlproportioniertes Bild malen soll, mit allen seinen Teilen, von ihm einen Entwurf machen mit Stamm, Ästen und Zweigen, bis hin zu den Blättern und Früchten, eine wohlausgewogene Skizze anfertigen, eine stimmige Zeichnung entwerfen soll, wobei er während seiner Arbeit, mitten zwischen ihrem Anfang und ihrem noch unendlich weit entfernten Ende die einzelnen Teile entsprechend ihrer tatsächlichen Form und Gestalt darstellen müsste. Es bliebe dann mit Sicherheit kein Zweifel daran, dass der Maler diesen unsichtbaren Baum mit seinem Blick, der in das Unsichtbare schaut, betrachtet und danach beschreibt.

Genauso erklärt auch der Qur'an, dessen Verkündigung ein Wunder ist, das Bild von der Welt der unerschaffenen Möglichkeiten. (Dies ist das Bild vom Baum der Schöpfung, der sich vom Anbeginn der Welt bis in die

Unendlichkeit der Ewigkeit und von der Erde bis zum Thron Gottes und vom Atom bis hin zur Sonne ausbreitet.) Diese Offenbarungsschrift hat bei der Beschreibung dieses Bildes die Proportionalität so weit im Auge behalten und jeden Teil und jede Frucht dieses Baumes dementsprechend ins Bild gesetzt, dass alle Kenner der Wahrheit, am Ende ihrer Forschung, in Anbetracht der Beschreibung des Qur'an "Maschaallah, Barekallah" gesagt haben. Zudem haben sie gesagt: "Oh weiser Qur'an, du bist der, der die tiefe Wahrheit des Kosmos und die verschiedenen Geheimnisse der Schöpfung aufgedeckt und enthüllt hast."

وَلِلّٰهِ الْمَثَلُ اْلاَعْلٰى

{"Bei Gott sind die erhabensten Gleichnisse." (Sure 16, 60)}

Wir stellen die Namen und Attribute Gottes, die Taten und Handlungen Seiner Herrschaft in Form eines Tuba-Baumes aus Licht dar. Die weit ausladenden Äste dieses lichtstrahlenden Baumes strecken sich bis in alle Ewigkeiten aus. Seine Grenzen breiten und dehnen sich in den unendlichen Raum hinein und umfassen ihn. Die Grenze seiner Ausdehnung reicht von

يَحوُلُ بَيْنَ الْمَرْءِ وَقَلْبِهِ ٭ فَالِقُ الْحَبِّ وَالنَّوٰى

{"Allah dringt zwischen des Menschen Inneres und sein Herz." (Sure 8, 24) "Allah lässt Kerne und Körner keimen." (Sure 6, 95)}

bis zur Grenze von

وَالسَّمٰوَاتُ مَطْوِيَّاتٌ بِيَمِينِهِ ٭ خَلَقَ السَّمٰوَاتِ وَاْلاَرْضَ فِى سِتَّةِ اَيَّامٍ

{"Und die Himmel werden zusammengerollt sein in Seiner Rechten." (Sure 39, 67) "Er schuf die Himmel und die Erde in sechs Tagen." (Sure 7, 35)}

Der weise Qur'an hat diese leuchtende Wahrheit von den Namen, Attributen, Taten und Handlungen (Gottes) auf eine solche Weise erklärt, dass die einzelnen Zweige und Äste mit ihren Früchten und allem, was der Baum an

Nutzbarem hervorbringt, miteinander harmonieren, zueinander passen, einander entsprechen, ohne sich gegenseitig in ihrer Entfaltung zu behindern, einander in ihren Rechten zu beeinträchtigen und ohne einander in der Erfüllung ihrer Aufgaben allein zu lassen. Alle Erforscher und Kenner der Wahrheit, die Theologen und alle Leute von Weisheit und Bildung, die sich in der Welt der göttlichen Aspekte bewegen, haben über die Verkündigung der Errettung "Subhanallah" gesagt, und bestätigen sie mit den Worten: "Wie richtig und wie wahr, wie treffend und wie schön."

Beispiel:

Die sechs Grundpfeiler des Glaubens sind wie die Äste eines gewaltigen Baumes, die sich nach der Welt der bedingten Möglichkeiten und nach der Welt des unabdingbar notwendigen Seins erstrecken. Der Qur'an beschreibt bis zu den feinsten Früchten und Blüten hin alle Zweige an den sechs Ästen, den Grundpfeilern (des Glaubens) so treffend, schildert sie so wohlausgewogen und zeigt sie in einer so entsprechenden Weise, dass der menschliche Verstand zu schwach ist, ihm mit seiner Vorstellungskraft zu folgen und vor dessen Schönheit in Staunen verharrt.

Zwischen den fünf Grundpfeilern des Islam, welche gemeinsam einen Zweig am Ast des Glaubens bilden, wird bis zu den feinsten Verästelungen seines Stammes, d.h. kleinsten Sitten, fernsten Zielen, tiefsten Weisheiten und winzigsten Früchten, eine vollkommene Proportionalität, ein vollkommenes Verhältnis und ein vollständiges Gleichgewicht aufrecht erhalten. Dafür gibt es einen unwiderlegbaren, gerechten Zeugen und ein sicheres, zweifelsfreies Zeugnis: die vollkommene Ordnung, Gleichgewicht, vollkommene Ausgewogenheit und Autorität der Islamischen Großen Verfassung (Scharia),die aus den klaren Darlegungen, Aspekten, Hinweisen und Chiffren des alles umfassenden Qur'an erwächst. Das bedeutet also, dass die Erklärung des Qur'an nicht auf der begrenzten Kenntnis eines Menschen, besonders auf dem Wissen eines Analphabeten beruhen kann. Vielmehr ist sie das

allumfassende Wissen und das Wort des Herrn, der alle Dinge gleichzeitig überschaut und von Ewigkeit zu Ewigkeit in einem einzigen Augenblick aller Wahrheiten Zeuge ist. "Amenna(Wir glauben)".

Zweiter Strahl:

Da wir im "Zwölften Wort" erklärt und mit einem Gleichnis beschrieben und in anderen Worten bewiesen haben, in welchem Grade (westliche) Menschenweisheit, die angetreten ist, um der Weisheit des Qur'an Widerstand zu bieten, der Weisheit des Qur'an gegenüber unterlegen ist, wollen wir ihr hier nur noch einen anderen Aspekt gegenüberstellen und uns des Weiteren mit einem Hinweis begnügen. Es ist dies wie folgt:

Menschliche Philosophie und Weisheit betrachtet diese Welt als ewig. Von dem Wesen und den Eigenschaften der Schöpfung spricht sie ausführlich. Falls sie von der Aufgabe spricht, die alles Sein dem Meister gegenüber hat, fasst sie sich kurz. Im Buch des Kosmos bespricht sie so gut wie nur die Verzierungen und die Buchstaben. Seiner Bedeutung misst sie keinen Wert bei.

Was aber den Qur'an betrifft, so betrachtet er die Welt als vergänglich, vorüberfließend, trügerisch, vorbeifahrend, unbeständig und veränderlich. Vom Wesen der Schöpfung, ihren sichtbaren und materiellen Eigenschaften spricht er nur kurz. Er erwähnt aber ausführlich die Aufgaben der Schöpfung, mit denen sie als Diener und Anbeter von ihrem Meister beauftragt wurde, auf welche Art und Weise sie die Namen des Meisters zeigen, und von ihrem Gehorsam, den alles Sein den Befehlen Gottes an die Schöpfung erweist. So wollen wir denn nun den Unterschied zwischen der menschlichen Philosophie und der Weisheit des Qur'an betrachten in Bezug auf das, was sie kurz oder ausführlich behandeln, um zu sehen, welches die reine Wahrheit und die Wirklichkeit selbst ist. So scheint denn die Uhr, die wir am Arm tragen, oberflächlich betrachtet, stillzustehen. Innerlich ist sie aber durch die Anstrengung ihrer Unruhe und der Zahnräder ständig in Bewegung.

Desgleichen ist diese Welt eine große Uhr der Macht Gottes und bewegt sich trotz ihrer äußerlichen Ruhe in ständigen Erschütterungen und Umwandlungen, verfällt und vergeht. Da es in dieser Welt den Begriff der Zeit gibt, sind in der Tat die Nacht und der Tag wie ein Zeiger, der die Sekunden dieser großen Uhr anzeigt. Das Jahr spielt die Rolle eines Zeigers, der die Minuten auf dieser Uhr zählt. Was das Jahrhundert betrifft, so gleicht es dem Zeiger, der die Stunden dieser Uhr anzeigt.

So ist denn die Welt in das Meer der Zeit geworfen, in deren Wellen sie versinkt. Vergangenheit und Zukunft überlässt sie dem Nicht-mehr-Sein oder dem Noch-nicht-Sein und verbleibt nur mit der Gegenwart im Da-Sein. Doch gestaltet nicht nur der Wandel der Zeit das Gesicht unserer Erde, auch die Welt als ein Ort gleicht einer pulsierenden Uhr, die niemals still steht. Denn, da sich die Atmosphäre, der Himmel über der Erde ständig verändert, von einem Zustand in den anderen übergeht, an manchen Tagen sich ein paar Mal mit Wolken füllt und leert, gleicht eine Veränderung, der Veränderung die der Sekundenzeiger bewirkt.

Was nun den Erdboden betrifft, der der Boden unseres Weltenhauses ist, so verändert sich hier das Gesicht (der Erde) durch Leben und Tod, mit den Pflanzen und Tieren, sehr rasch und gleicht so einem Minutenzeiger, welcher anzeigt, dass das Gesicht dieser Welt vergänglich ist. In gleicher Weise, wie sich die Oberflächengestalt unserer Erde präsentiert, so gleicht ihr Inneres, ihr Bauch, mit den Umwälzungen und Beben in ihm und, als deren Folge, das Auffalten der Berge und das Absinken der Gräben einem Stundenzeiger, welcher zeigt, dass die Welt(zeit) auch in dieser Hinsicht allmählich vergeht. Was aber den Raum des Himmels, der die Decke des Weltenhauses ist, betrifft, so zeigen die Bewegungen der Himmelskörper, das Erscheinen der Kometen, das Zustandekommen von Sonnen- und Mondfinsternissen, das Verglühen der Sternschnuppen und andere Umwandlungen, dass auch der Himmel nicht beständig ist. Selbst das Weltall wird alt und geht zu Grunde. Obwohl diese Umwandlungen

gleich dem Umlauf des Tageszeigers in einer Wochenuhr nur langsam und schleppend vor sich geht, so zeigen sie doch in jedem Fall, dass auch der Himmel, das Weltall, vergänglich ist, dem Untergang bestimmt und zu Grunde gehen wird. So ist denn die Welt in weltlicher Hinsicht auf diesen sieben Grundpfeilern errichtet. Diese Grundpfeiler erschüttern sie ständig. Wenn aber diese Welt in all ihren Erschütterungen und Bewegungen auf ihren Meister hin blickt, dann sind diese Bewegungen und Umwandlungen das Werk der Feder der Macht, mit der der Einzigartige Seine Schriftstücke schreibt. Was die Veränderungen der Zustände betrifft, so sind sie Spiegel, die sich erneuern, und in denen sich die Erscheinungen des Wirkens der Gottesnamen in verschiedenen Arten zeigen.

In weltlicher Hinsicht geht also die Welt auf ihren Untergang zu, eilt ihrem Tode entgegen, befindet sich in einer ständigen Bewegung. Obwohl sie also tatsächlich wie Wasser dahin strömt, ist sie in ihrer Gottvergessenheit dennoch äußerlich wie gefroren, hat in ihrer materialistischen Gesinnung an Undurchsichtigkeit und Dichte zugenommen und ist so zu einer Trennwand gegenüber dem Jenseits geworden. So vermehrt denn also die Philosophie in ihrer Unzulänglichkeit, in der Kritik ihrer Betrachtung, wie auch in ihrer naturwissenschaftlichen Denkweise, mit verführerischen Tanzvergnügungen, in einer ausschweifenden Lebensweise und trunkener Laune die Erstarrung in dieser Welt, verfestigt noch die Gottvergessenheit, baut sich in ihrem Kummer eine undurchsichtige Wand auf und lässt den Schöpfer und das Jenseits dahinter vergessen. Was aber den Qur'an betrifft, so schlägt er die Welt, die sich in dieser Art darstellt, in weltlicher Hinsicht wie zerzauste Wolle mit den Versen

اَلْقَارِعَةُ ٭ مَا الْقَارِعَةُ ٭ اِذَا وَقَعَتِ الْوَاقِعَةُ٭ وَالطُّورِ ٭ وَكِتَابٍ مَسْطُورٍ

{"Die Pochende. Was ist die Pochende?" (Sure 101, 1-2) "Wenn die Stunde eintrifft, die eintreffen wird." (Sure 56, 1) "Beim Berg; bei einem Buch, das Zeile für Zeile niedergeschrieben wurde." (Sure 52, 1-2)}

Er schenkt der Welt eine Klarheit in der Beseitigung aller Undurchsichtigkeit mit Erklärungen wie

اَوَ لَمْ يَنْظُرُوا فِى مَلَكُوتِ السَّمٰوَاتِ وَاْلاَرْضِ ٭ فَلَمْ يَنْظُرُوٓا اِلَى السَّمَآءِ فَوْقَهُمْ كَيْفَ بَنَيْنَاهَا ٭ اَوَلَمْ يَرَ الَّذِينَ كَفَرُوٓا اَنَّ السَّمٰوَاتِ وَاْلاَرْضَ كَانَتَا رَتْقًا

{"Haben sie denn keine Betrachtungen über die Herrschaft Gottes über Himmel und Erde angestellt." (Sure 7, 165) "Haben sie denn nicht gesehen, wie Wir den Himmel über ihnen aufgebaut haben." (Sure 50, 6) "Haben denn diejenigen, die ungläubig sind, nicht gesehen, dass die Himmel und die Erde eine einzige Masse waren?" (Sure 21, 30)}

Er lässt die leblose Welt schmelzen durch seine leuchtenden Funken wie

اَللَّهُ نُورُ السَّمٰوَاتِ وَاْلاَرْضِ ٭ وَمَا الْحَيوةُ الدُّنْيَآ اِلاَّ لَعِبٌ وَلَهْوٌ

{"Gott ist das Licht der Himmeln und der Erde." (Sure 24, 35) "Das diesseitige Leben ist bloß Spiel und Zerstreuung." (Sure 6,32)}

Er zerspaltet die Welt in ihrer nur eingebildeten Ewigkeit durch seine auf den Tod hinweisenden Worte in Stücke, wie اِذَا الشَّمْسُ كُوِّرَتْ {"Wenn die Sonne zusammengefaltet wird..." (Sure 81, 1)} und اِذَا السَّمَآءُ انْفَطَرَتْ {"Wenn der Himmel sich spaltet..." (Sure 82, 1)} und اِذَا السَّمَآءُ انْشَقَّتْ ٭ وَنُفِخَ فِى الصُّورِ فَصَعِقَ مَنْ فِى السَّمٰوَاتِ وَمَنْ فِى اْلاَرْضِ اِلاَّ مَنْ شَآءَ اللَّهُ {"Wenn der Himmel zerreißt..." (Sure 84, 1) "Es wird in die Posaune gestoßen und da stürzt, wie vom Blitz getroffen, wer in den Himmeln und wer auf der Erde ist, die so Gott will ausgenommen." (Sure 39, 68)}

Er vertreibt die Gottvergessenheit, die die naturalistische Gesinnung hervorbringt, mit seinem donnergleichen Klang wie

يَعْلَمُ مَا يَلِجُ فِى اْلاَرْضِ وَمَا يَخْرُجُ مِنْهَا وَمَا يَنْزِلُ مِنَ السَّمَآءِ وَمَا يَعْرُجُ فِيهَا وَهُوَ مَعَكُمْ اَيْنَمَا كُنْتُمْ وَاللَّهُ بِمَا تَعْمَلُونَ بَصِيرٌ ٭ وَقُلِ الْحَمْدُ ِللَّهِ سَيُرِيكُمْ اٰيَاتِهِ فَتَعْرِفُونَهَا وَمَا رَبُّكَ بِغَافِلٍ عَمَّا تَعْمَلُونَ

{"Er weiß, was in die Erde eingeht und was aus ihr hervorkommt, was vom Himmel herabkommt und was zu ihm emporsteigt. Und Er ist mit euch, wo immer ihr auch seid. Und Gott sieht sehr wohl, was ihr tut." (Sure 57, 4) "Und sag: Alles Lob sei Gott! Er wird euch Seine Zeichen sehen lassen, sodass ihr sie erkennt (und nicht sagen könnt, ihr wüsstet von nichts). Und dein Herr gibt sehr wohl Acht auf das, was ihr tut." (Sure 27, 93)}

So folgt der Qur'an mit seinen Versen, welche sich auf den Kosmos beziehen, vom Anfang bis zum Ende, diesem Grundsatz. Er deckt die Wahrheit der Welt so auf, wie sie ist und stellt sie dar. Indem er dem Menschen zeigt, wie hässlich diese Welt ist, bringt er ihn dazu, sich von ihrer Hässlichkeit abzuwenden. Er zeigt ihm das schöne Antlitz einer schönen Welt, die auf ihren Schöpfer ausgerichtet ist. Er veranlasst den Menschen dazu, einzig auf sie seine Augen gerichtet zu halten. Er unterrichtet die wahre Weisheit. Er lehrt die Bedeutungen des kosmischen Buches. Selten lenkt er die Aufmerksamkeit auf seine Buchstaben und seine Verzierungen. Er macht es nicht so, wie jene Philosophie es macht, die von sich selbst berauscht und in das Hässliche verliebt ist, den Sinn (des Lebens) vergessen lässt und die Aufmerksamkeit auf die Verzierung der Buchstaben lenkt, wodurch die Menschen ihre Zeit für sinnlose Dinge vergeuden.

Dritter Strahl:

Im Zweiten Strahl haben wir darauf hingewiesen, dass die Weisheit der Menschen gegenüber der Weisheit des Qur'an unterlegen ist, und dass die Weisheit, die der Qur'an lehrt, ein Wunder ist. In diesem Strahl wollen wir nun den Umfang der Weisheit der Gottesgelehrten (asfiya)und der Gottesfreunde (auliya),die

die Schüler des Qur'an sind, und den Umfang der Weisheit der gnostischen Philosophen (ischrakiyun),die die Erleuchteten unter den Philosophen waren, und den Umfang der Weisheit des Qur'an aufzeigen und unter diesem Gesichtspunkt kurz auf das Wunder des Qur'an verweisen.

So ist denn der zuverlässigste Beweis der Erhabenheit des weisen Qur'an, das allerklarste Zeugnis seiner Wahrhaftigkeit und das mächtigste Zeichen dieses Wunders folgendes: Der Qur'an stellt alle Stufen sämtlicher Bereiche der Einheit (Tauhid)dar, während er sie zugleich auch mit allem umfasst, was aus ihr erwächst. Er stört nicht ihre Harmonie, er erhält sie. Des Weiteren ist im Qur'an die Ausgewogenheit aller erhabenen Wahrheiten über Gott bewahrt geblieben. Des Weiteren umfasst er alle Ergebnisse, die die Gottesnamen in sich enthalten und hält die Ausgewogenheit all dieser Ergebnisse aufrecht. Des Weiteren umfasst er die Auswirkungen der Herrschaft Gottes und Seiner Erhabenheit in vollendeter Harmonie. So ist denn eine besondere Eigenart, dass er diese Ausgewogenheit und Harmonie aufrecht erhält und in sich umfasst. Sie findet sich überhaupt nicht in den Werken der Menschen und ist nicht in den Ergebnissen der Meinungen der Großen unter den Menschen anzutreffen. Dergleichen findet sie sich weder in den Werken der Gottesfreunde, die in der Engelwelt wandern, noch in den Büchern der gnostischen Philosophen, die in das Innere der Dinge hineingehen, noch in den Erkenntnissen der Geistlichen, die in die unsichtbare Welt eindringen.

Als hätten sie sich die Arbeit (am Baum der Wahrheit) untereinander aufgeteilt, klammert sich jede Gruppe nur an ein, zwei Ästen am großen Baum der Wahrheit fest. Die eine widmet sich allein seinen Früchten und Blättern. Von einem anderen (Zweig oder Ast) hat sie entweder keine Ahnung, oder sie kümmert sich nicht darum. In der Tat können ihre beschränkten Blicke die absolute Wahrheit nicht umfassend erkennen. Ein ganzheitlicher Blick wie der des Qur'an ist notwendig, um sie zu erfassen.

Auch diejenigen, die vom Qur'an unterrichtet worden sind, können infolge ihrer persönlichen Auffassung nur ein, zwei Seiten der einen und ganzen Wahrheit vollständig betrachten. Sie beschäftigen sich allein mit ihr, schließen sich in ihr ein. Sie zerstören die Wahrheit in ihrer Ausgewogenheit durch Hinzufügungen oder Weglassungen und beseitigen so ihre Harmonie.

Diese Tatsache wurde schon im Zweiten Ast vom "Vierundzwanzigsten Wort" durch ein einzigartiges Gleichnis erläutert. Hier wollen wir aber mit einem anderen Gleichnis zu diesem Thema einen Hinweis geben.

Zum Beispiel:

Nehmen wir einmal an, dass sich irgendwo in einem Meer eine Schatzkiste befände, die mit allen Arten zahlloser Edelsteine gefüllt sei. Nun tauchen also Schatzsucher hinab, um diese Schatzkiste zu suchen. Mit geschlossenen Augen versuchen sie ihn durch Fühlen und Ertasten mit ihren Händen zu erkennen. Einem Teil von ihnen gelingt es einen länglichen Edelstein zu ergreifen. Diese Taucher meinen nun, der ganze Schatz bestünde aus Edelsteinen in der Form langgestreckter Säulen. Wenn einer unter ihnen durch seine Kameraden von anderen Mineralien hört, stellt er sich vor, dass diese Mineralien zu dem Edelstein, den er selbst gefunden hat, dazugehören, ihn noch weiter ausschmücken und ergänzen. Einem anderen Teil von ihnen gelingt es, einen kugelförmigen Rubin zu ergreifen. Wieder ein anderer findet einen würfelförmigen Bernstein. Und so weiter...

Jeder glaubt, dass der Edelstein, den er mit der Hand ergriffen hat und den er nun kennt, den größten Teil des eigentlichen Schatzes bildet. Er hält das, was er hört, für nebensächliche Dinge, für eine Art Zubehör seines Schatzes. Damit geht das Gleichgewicht der Wahrheit verloren. Die Proportionalität verschwindet. Viele Wahrheiten bekommen eine andere Farbe. Um die wahre Farbe der Wahrheit erkennen zu können, gerät man in den Zwang zu freien Auslegungen und zu Improvisationen. Ja manchmal gehen sie sogar soweit, etwas völlig zu verleugnen oder zu verschweigen. Diejenigen, welche die Bücher der

gnostischen Philosophen und die Bücher der Mystiker durchdenken, die mit ihrer geistigen Schau und ihren Entdeckungen vertraut sind, ohne sie mit der Waage der Tradition des Propheten (Mohammed) zu wiegen, bestätigen unsere Feststellung ohne Zweifel. Das also heißt, dass sie, obzwar sie von den Wahrheiten des Qur'an und von der Lehre des Qur'an herrühren, sie dennoch mangelhaft bleiben, weil sie eben nicht der Qur'an selbst sind.

Auch die Ayat des Qur'an, ein Ozean der Wahrheit, sind Taucher zu diesem Schatz im Meer. Doch ihre Augen sind geöffnet und erblicken den ganzen Schatz. Sie erkennen, was zum Schatz dazu gehört und was nicht. Sie beschreiben und erklären diesen Schatz in allen seinen Maßen und Proportionen auf das Beste und bringen so seine wahre Schönheit zur Geltung.

Zum Beispiel:

وَاْلاَرْضُ جَمِيعًا قَبْضَتُهُ يَوْمَ الْقِيٰمَةِ وَالسَّمٰوَاتُ مَطْوِيَّاتٌ بِيَمِينِهِ ٭ يَوْمَ نَطْوِى السَّمَآءَ كَطَىِّ السِّجِلِّ لِلْكُتُبِ

{"Am Tage der Auferstehung wird Er die ganze Erde in Seiner Hand halten und die Himmel zusammengerollt in Seiner Rechten." (Sure 39, 67) "An jenem Tag werden Wir den Himmel zusammenrollen, so wie man eine Schriftrolle zusammenrollt..." (Sure 21, 104)}

So wie diese Ayat die Größe der Herrschaft Gottes erkennen, die sie zum Ausdruck bringen, so erfassen auch die folgenden Ayat den Umfang der Barmherzigkeit Gottes, stellen sie dar, bringen sie zum Ausdruck.

اِنَّ اللَّهَ لاَ يَخْفٰى عَلَيْهِ شَىْءٌ فِى اْلاَرْضِ وَلاَ فِى السَّمَآءِ ٭ هُوَ الَّذِى يُصَوِّرُكُمْ فِى اْلاَرْحَامِ كَيْفَ يَشَآءُ ٭ مَا مِنْ دَآبَّةٍ اِلاَّ هُوَ اٰخِذٌ بِنَاصِيَتِهَا ٭ وَكَأَيِّنْ مِنْ دَآبَّةٍ لاَ تَحْمِلُ رِزْقَهَا اَللَّهُ يَرْزُقُهَا وَاِيَّاكُمْ

{"Vor Gott ist nichts verborgen, weder auf der Erde noch im Himmel. Er ist es, der euch im Mutterschoß gestaltet, wie Er will." (Sure 3, 5-6) "Es gibt kein Tier, Er trüge es nicht an seinem Nackenwulst." (Sure 11, 56) "Und wie viele Tiere gibt es, die ihre Versorgung nicht mit sich herumtragen! Allah versorgt sie und euch." (Sure 29, 60)}

Des Weiteren sieht und zeigt die Ayah

خَلَقَ السَّمٰوَاتِ وَاْلاَرْضَ وَجَعَلَ الظُّلُمَاتِ وَالنُّورَ

{"...Allah, der die Himmel und die Erde geschaffen, die Finsternis und das Licht gemacht hat!" (Sure 6, 1)}

die Weite des Schaffens Gottes, die er zum Ausdruck bringt, wobei die Ayah

خَلَقَكُمْ وَمَا تَعْمَلُونَ

{"...wo doch Gott euch und das, was ihr macht, erschaffen hat?" (Sure 37, 96)}

den Umfang der Lenkung und Leitung Gottes und Seiner Herrschaft, den sie zum Ausdruck bringt, sieht und zeigt. Die Ayah

يُحْيِى اْلاَرْضَ بَعْدَ مَوْتِهاَ

{"...wie Er die Erde wiederbelebt, nachdem sie abgestorben war." (Sure 30, 50)}

sieht und zeigt die Wahrheit der Größe, die sie zum Ausdruck bringt, und die Ayah

وَاَوْحٰى رَبُّكَ اِلَى النَّحْلِ

{"Und es hat dein Herr der Biene eingegeben,..." (Sure 16, 68)}

die Wahrheit der Freigiebigkeit, die sie zum Ausdruck bringt, und die Ayah

وَالشَّمْسَ وَالْقَمَرَ وَالنُّجُومَ مُسَخَّرَاتٍ بِاَمْرِهِ

{"Und die Sonne, der Mond und die Sterne stehen durch Seinen Befehl im Dienst." (Sure 7, 54)}

die gewaltige, herrschaftliche und gebieterische Wahrheit. Die Ayah

اَوَلَمْ يَرَوْا اِلَى الطَّيْرِ فَوْقَهُمْ صَآفَّاتٍ وَيَقْبِضْنَ مَايُمْسِكُهُنَّ اِلاَّ الرَّحْمَنُ اِنَّهُ بِكُلِّ شَىْءٍ بَصِيرٌ

{"Haben sie nicht zu den Vögeln über sich aufgeschaut, wie sie ihre Flügel ausbreiten und einziehen? Nur der Erbarmer hält sie. Er sieht alle Dinge." (Sure 67, 19)}

bringt die Wahrheit des Barmherzigen, des Lenkers und Leiters zum Ausdruck. Die Ayah

وَسِعَ كُرْسِيُّهُ السَّمٰوَاتِ وَاْلاَرْضَ وَلاَ يَؤُدُهُ حِفْظُهُمَا

{"Weit reicht Sein Thron über die Himmel und die Erde, und nicht schwer fällt Ihm ihre Hut." (Sure 2, 255)}

bringt die Wahrheit der Größe zum Ausdruck. Die Ayah

وَهُوَ مَعَكُمْ اَيْنَ مَا كُنْتُمْ

{"Und Er ist mit euch, wo immer ihr auch seid." (Sure 57, 4)}

bringt die Wahrheit der Begleitung zum Ausdruck. Die Ayah

هُوَ اْلاَوَّلُ وَاْلاٰخِرُ وَالظَّاهِرُ وَالْباَطِنُ وَهُوَ بِكُلِّ شَىْءٍ عَلِيمٌ

{"Er ist der Erste und der Letzte, der Sichtbare und der Verborgene. Und Er weiß über alle Dinge Bescheid." (Sure 57, 3)}

bringt die Wahrheit des Allumfassenden zum Ausdruck. Die Ayah

وَلَقَدْ خَلَقْنَا اْلاِنْسَانَ وَنَعْلَمُ مَا تُوَسْوِسُ بِهِ نَفْسُهُ وَنَحْنُ اَقْرَبُ اِلَيْهِ مِنْ حَبْلِ الْوَرِيدِ

{"Wir haben doch den Menschen erschaffen und wissen, was ihm seine Seele einflüstert. Und wir sind ihm näher als seine Schlagader." (Sure 50,16)}

bringt die Nähe (Gottes) zum Ausdruck. Die Ayah

تَعْرُجُ الْمَلٰٓئِكَةُ وَالرُّوحُ اِلَيْهِ فِى يَوْمٍ كَانَ مِقْدَارُهُ خَمْسِينَ اَلْفَ سَنَةٍ

{"Zu Ihm steigen die Engel und der Geist empor an einem Tag, dessen Maß fünfzigtausend Jahre ist." (Sure 70, 4)}

weist auf die Wahrheit der Hoheit hin. Die Ayah

اِنَّ اللَّهَ يَأْمُرُ بِالْعَدْلِ وَاْلاِحْسَانِ وَاِيتَآئِ ذِى الْقُرْبٰى وَيَنْهٰى عَنِ الْفَحْشَآءِ وَالْمُنْكَرِ وَالْبَغْىِ

{"Siehe, Allah gebietet Gerechtigkeit zu üben, Gutes zu tun und die Verwandten zu beschenken und verbietet das Schädliche und Schlechte und die Gewalttat." (Sure 16, 90)}

bringt die Wahrheit der Universalität zum Ausdruck. Jede Ayah sieht und zeigt ausführlich jeden von den sechs Grundpfeilern des Glaubens, die das Jenseits und das Diesseits, die Erkenntnis und die Tat betreffen; und jeden von den fünf Grundpfeilern des Islam mit Absicht und Ehrlichkeit; sowie alle Grundsätze, die die Glückseligkeit in den beiden Welten sicher stellen. Sie erhalten das Gleichgewicht aufrecht, bewahren seine Harmonie. Aus der Quelle der Schönheit und Herrlichkeit, die aus der Harmonie des gesamten Bildes dieser Wahrheiten hervortritt, erscheint uns das Wunder, das aus der inneren Bedeutung des Qur'an erwächst.

Also konnten aus diesem großen Geheimnis die Gelehrten (Ulema)des Gotteswortes wie die Gelehrten der Schule Mu'tezila, die den Verstand der Offenbarung vorgezogen hatten, obwohl sie Schüler des Qur'an waren, und obwohl ein Teil von ihnen je zehn Bände über die Grundpfeiler des Glaubens, also Tausende von Werken verfasst hatte, kaum klare Aussagen über die Wahrheit machen, sichere Beweise dafür erbringen und ernsthaft überzeugen wie nur zehn Ayat des Qur'an. Sie bohren sozusagen unter weitentfernten Bergen Tunnel, gehen wie in Rohrleitungen durch die Kette der Ursachen bis zum Ende der Welt, wo sie schließlich an das Ende der Kette aller Beweise gelangen. Alsdann versuchen sie die Gotteserkenntnis und Existenz des Notwendig-Seienden, welche Lebenswasser sind, zu beweisen.

Was aber die ehrwürdigen Ayat betrifft, so kann jeder mit ihrer Hilfe, dem Stab Mosis gleich, überall Wasser hervorholen, bei jeder Sache ein Fenster öffnen und so den majestätischen Schöpfer bekannt machen. In meiner arabisch verfassten Abhandlung namens "Qatre(Tropfen)", welche aus dem Ozean des Qur'an stammt, und auch in anderen "Worten" hat sich diese Tatsache als richtig herausgestellt, worauf wir auch hingewiesen haben. Aufgrund dieses Geheimnisses konnten diejenigen, die in das Innere der Dinge eingedrungen und sich ihrer eigenen inneren Schau sicher waren, ohne der gelobten

Tradition des Propheten Mohammed zu folgen, auf halben Wege wieder umgekehrt, das Oberhaupt einer Gemeinde geworden waren, Sekten gebildet hatten, also alle diese Bannerträger einer Irrlehre, Harmonie und Wohlausgewogenheit in der Wahrheit nicht aufrecht erhalten, sodass sie am Ende in derartige ketzerische Erneuerungen (bid'a)und Irrlehren gestürzt und jedesmal eine Gemeinschaft aus der Menschheit auf einen falschen Weg geführt haben. Somit zeigt also deren ganze Schwäche, dass die Verse des Qur'an ein Wunder sind.

Schlusswort

Zwei der Strahlen des Wunders des Qur'an wurden schon im vierzehnten Tropfen des "Neunzehnten Wortes" behandelt. Es sind die Wiederholungen in ihm und die kurzen Zusammenfassungen bei naturwissenschaftlichen Erkenntnissen in ihm, welche der Anlass dazu waren, in ihnen einen Fehler zu sehen, die aber im Grunde genommen jeweils eine Quelle der Strahlen des Wunders sind. Des Weiteren wurde ein Strahl des Wunders des Qur'an, der uns aus der Erscheinung der Wunder der Propheten im Qur'an entgegen strahlt, in dem Zweiten Kapitel des Zwanzigsten Wortes eindeutig dargelegt. Noch viele dergleichen Lichter des Wunders sind in anderen "Worten" und auch in einer meiner arabischen Abhandlungen aufgeführt worden. Damit wollen wir uns hier begnügen und nur noch hinzufügen:

Ein weiteres Wunder des Qur'an ist folgendes: Alle Wunder der Propheten zeigen ein Ornament des Wunders im Qur'an. So wird der Qur'an mit all seinen Wundern zu einem Wunder Ahmeds, mit dem Friede und Segen sei. Alle Wunder Ahmeds, mit dem Friede und Segen sei, gelten auch als ein Wunder des Qur'an. Das zeigt das Verhältnis des Qur'an zu Gott dem Gerechten. Durch das Bestehen dieses Verhältnisses wird jedes seiner Worte ein Wunder. Denn, ein einziges Wort wird wie ein Samenkern, der in sich einen Baum der Wahrheit unsichtbar enthält. Überdies kann es, wie die Zentrale eines Herzens, mit allen Organen einer gewaltig großen Wahrheit in Verbindung stehen. Da es sich auf ein allumfassendes Wissen und eine grenzenlose Willenskraft stützt, kann es sich durch seine Buchstaben, durch seine Zusammenstellung, durch seine Form, durch seine Stellung auf unendliche Dinge beziehen. Dies also ist der Grund dafür, dass die Gelehrten (Ulema),die über Buchstaben ein spezielles Wissen besitzen, behaupten, in einem Buchstaben im Qur'an Geheimnisse herauszufinden, die eine Seite füllen können, und ihre Behauptung vor Gelehrten ihres Faches beweisen können.

Fasse also nun alle Flammen, Strahlen, Funken, Lichtbündel und Lichter von Anbeginn dieser Abhandlung bis hierher zusammengenommen ins Auge und betrachte sie! Sie enthalten die Behauptung, die am Anfang erhoben wurde, nun als entscheidendes Ergebnis, d.h. die Ayah

قُلْ لَئِنِ اجْتَمَعَتِ اْلاِنْسُ وَالْجِنُّ عَلٰٓى اَنْ يَاْتوُا بِمِثْلِ هٰذَا الْقُرْاٰنِ لاَ يَاْتوُنَ بِمِثْلِهِ وَلَوْ كَانَ بَعْضُهُمْ لِبَعْضٍ ظَهِيراً

{"Sag: Gesetzt den Fall, die Menschen und die Geister tun sich alle zusammen, um etwas herbeizubringen, was diesem Qur'an gleich wäre, so werden sie das nicht können. Auch nicht, wenn sie sich gegenseitig helfen." (Sure 17, 88)}

trägt dies mit lauter Stimme vor und macht es bekannt.

سُبْحَانَكَ لاَعِلْمَ لَنَآ اِلاَّ مَاعَلَّمْتَنَآ اِنَّكَ اَنْتَ الْعَلِيمُ الْحَكِيمُ

{"Gepriesen seist Du! Wir haben kein Wissen, außer dem, das Du uns gelehrt hast. Denn Du bist der Allwissende, der Allweise." (Sure 2, 32)}

رَبَّناَ لاَ تُؤَاخِذْنَآ اِنْ نَسِينَآ اَوْ اَخْطَأْناَ ٭ رَبِّ اشْرَحْ لِى صَدْرِى ٭ وَيَسِّرْ لِى اَمْرِى ٭ وَاحْلُلْ عُقْدَةً مِنْ لِسَانِى ٭ يَفْقَهُوا قَوْلِى

{"Unser Herr, ziehe uns nicht zur Rechenschaft wegen unserer Fehler und dem, was wir durch unsere Vergesslichkeit unterlassen haben." (Sure 2, 286) "Herr! Weite mir die Brust, mach es mir leicht und löse den Knoten in meiner Zunge, damit die Leute verstehen, was ich sage!" (Sure 20, 25-28)}

اَللّٰهُمَّ صَلِّ وَسَلِّمْ اَفْضَلَ وَاَجْمَلَ وَاَنْبَلَ وَاَظْهَرَ وَاَطْهَرَ وَاَحْسَنَ وَاَبَرَّ وَاَكْرَمَ وَاَعَزَّ وَاَعْظَمَ وَاَشْرَفَ وَاَعْلٰى وَاَزْكٰى وَاَبْرَكَ وَاَلْطَفَ صَلَوَاتِكَ، وَاَوْفٰى وَاَكْثَرَ وَاَزْيَدَ وَاَرْقٰى وَاَرْفَعَ وَاَدْوَمَ سَلاَمِكَ، صَلاَةً وَسَلاَمًا وَرَحْمَةً وَرِضْوَانًا وَعَفْوًا وَغُفْرَانًا تَمْتَدُّ وَتَزِيدُ بِوَابِلِ سَحَآئِبِ مَوَاهِبِ جُودِكَ وَكَرَمِكَ، وَتَنْمُوا وَتَزْكُوا بِنَفَآئِسِ شَرَآئِفِ لَطَآئِفِ جُودِكَ وَمِنَنِكَ، اَزَلِيَّةً بِاَزَلِيَّتِكَ لاَ تَزُولُ، اَبَدِيَّةً بِاَبَدِيَّتِكَ لاَ تَحُولُ، عَلٰى عَبْدِكَ وَحَبِيبِكَ وَرَسُولِكَ مُحَمَّدٍ خَيْرِ خَلْقِكَ، اَلنُّورِ الْبَاهِرِ اللاَّمِعِ وَالْبُرْهَانِ الظَّاهِرِ الْقَاطِعِ، وَالْبَحْرِ الزَّاخِرِ وَالنُّورِ الْغاَمِرِ وَالْجَمَالِ الزَاهِرِ وَالْجَلاَلِ الْقَاهِرِ وَالْكَمَالِ الْفَاخِرِ، صَلاَتَكَ الَّتِى صَلَّيْتَ بِعَظَمَةِ ذَاتِكَ عَلَيْهِ وَعَلٰٓى اٰلِهِ وَصَحْبِهِ كَذٰلِكَ، صَلاَةً تَغْفِرُبِهَا ذُنُوبَنَا، وَتَشْرَحُ بِهَا صُدُورَنَا وَتُطَهِّرُ بِهَا قُلوُبَنَا، وَتُرَوِّحُ بِهَا اَرْوَاحَنَا وَتُقَدِّسُ بِهَا اَسْرَارَنَاوَتُنَزِّهُ بِهَا خَوَاطِرَنَا وَاَفْكَارَنَا وَتُصَفِّى بِهَا كُدُورَاتِ مَافِى اَسْرَارِنَا وَتَشْفِى بِهَآ اَمْرَاضَنَا وَتَفْتَحُ بِهَآ اَقْفَالَ قُلُوبِنَا

{"Oh Gott, gib Deinen Frieden und Deinen Segen nach Deiner vorzüglichen, schönsten, vornehmsten, klarsten, reinsten und saubersten, besten, würdigsten, gesegnetsten, ehrwürdigen und ehrenwerten, gewaltigen, höchsten, tiefsten und erhabensten Segensweise und mit Deinen ihm angemessenen, so vielen, so zahlreichen, edlen, hohen, immerwährenden Friedensgrüßen, mehre und ergieße über ihm Deinen Segen und Deinen Frieden, Dein Erbarmen, Dein Wohlwollen, Verzeihung und Vergebung wie einen Regen aus den Wolken Deiner Freigiebigkeit, Deiner Gastfreundlichkeit, lass sie wachsen und gedeihen durch die köstlichen, ehrenvollen, kostbaren Geschenke Deiner Freigiebigkeit und Güte von Weltzeit zu Weltzeit ohne alle Veränderung, von Ewigkeit zu Ewigkeit, ohne jeden Wandel, über Deinem Diener, Deinem vielgeliebten Propheten Mohammed, der das edelste Deiner Geschöpfe, das mächtigste und glänzendste Licht, ein klares und eindeutiges Zeugnis, ein unerschöpfliches Meer, ein sanftes Licht, eine erblühende Schönheit, eine überwältigende Größe, eine aufragende Vollkommenheit ist und segne ihn mit Deinem Segen, den Du in der Größe Deines Seins herabgesandt hast, auf ihn und seine Familie, wie auch auf seine Gefährten (Ashab), einem Segen, mit dem Du unsere Sünden vergibst, unsere Brust weitest, unsere Herzen reinigst, unseren Geist erquickst, unsere Geheimnisse heiligst, unsere Gedanken und Erinnerungen läuterst, die Schatten lichtest, die über dem liegen, was in uns verborgen (sirr) ist, unsere Krankheiten heilst und die Riegel unserer Herzen sprengst."}

رَبَّنَا لاَ تُزِغْ قُلُوبَنَا بَعْدَ اِذْ هَدَيْتَنَا وَهَبْ لَنَا مِنْ لَدُنْكَ رَحْمَةً اِنَّكَ اَنْتَ الْوَهَّابُ ٭ وَاٰخِرُ دَعْوٰيهُمْ اَنِ الْحَمْدُ ِللَّهِ رَبِّ الْعَالَمِينَ اٰمِينْ اٰمِينْ اٰمِينْ

{"Unser Herr, lass unsere Herzen nicht mehr in die Irre gehen, da Du uns geleitet hast, und gib uns Deine Barmherzigkeit! Denn Du bist fürwahr unser Geber (Vahhab)." (Sure 3, 8) "Und dies ihr letztes Gebet: Alles Lob gebührt Allah, dem Herrn der Welten!" (Sure 10, 10) "Amin Amin Amin."}

Erster Anhang

(Die siebzehnte Stufe des Ersten Kapitels im "Siebten Strahl" wurde in diesem Zusammenhang als Anhang zum "Fünfundzwanzigsten Wort" gebracht.)

Nun wandte sich unser nimmermüder Reisender, der sich noch nie satt zu sehen vermochte, wohl wissend, dass das Ziel des Lebens in dieser Welt und das Leben des Lebens selbst der Glaube ist, an das eigene Herz und sagte zu ihm:

"Lasst uns das Buch jener Persönlichkeit befragen, die wir suchen und deren Wort und Spruch es genannt wird und das in dieser Welt das berühmteste, hervorragendste und weiseste ist und das in jeder Generation wieder jeden, der sich ihm nicht fügen will, erneut herausfordert, nämlich den Qur'an, dessen Verkündigung ein Wunder ist. Lasst uns fragen, was er uns sagt! Vor allem aber ist es erst einmal notwendig, zu beweisen, dass er das Buch unseres Schöpfers ist." Und so begann er mit seinem Studium.

Da unser Reisender aber in gegenwärtiger Zeit lebt, betrachtete er zunächst die Risale-i Nur, Wunder und Funke aus dem Geiste des Qur'an und erkannte, dass ihre hundertdreißig Bände Anmerkungen und Lichter zu den Wunderzeichen der Unterscheidung (: Qur'an) und deren grundlegende Auslegung sind. Wenn die Risale-i Nur in einer Zeit wie der heutigen, wo die Menschen so verbohrt sind und so wenig Gewissen haben, die Wahrheit des Qur'an mit einem derartigen Idealismus verbreiten kann, ohne dass jemand dagegen aufzustehen vermag, so beweist dies, dass der Qur'an ihr Lehrmeister (Ustadh),von dem sie ihre Autorität bezieht, und ihre Sonne im Himmel ist und nicht Menschenwort. Ja, in der Risale-i Nur wird unter hunderten von Zeugnissen schon allein im "Fünfundzwanzigsten Wort" und am Ende des "Neunzehnten Briefes" als ein einziges Zeugnis für den Qur'an dergestalt der Beweis erbracht, dass der Qur'an

in vierzigfacher Hinsicht ein Wunder ist, dass der, welcher ihn liest, ihn nicht kritisieren noch etwas dagegen einwenden kann, sondern angesichts dieser Beweisführung von Bewunderung und Hochachtung erfüllt wird und höchstes Lob spendet. So überließ er es der Risale-i Nur, den Qur'an als ein Wunder darzustellen und zu beweisen, dass er das wahre Wort Allahs ist und achtete nur darauf, in wenigen Stichpunkten kurz auf dessen Größe hinzuweisen.

Erster Punkt:

So wie der Qur'an mit allen Wundern und allen Tatsachen, die ein Beweis seines Wahrheitsgehaltes sind, ein Wunder Mohammeds ist, so ist auch Mohammed, mit dem Friede und Segen sei, mit all seinen Wundern, Beweisen für sein Prophetentum und seiner Vollendung in der Wissenschaft ein unumstößliches Zeugnis dafür, dass der Qur'an ein Wunder ist und dass der Qur'an Allahs Wort ist.

Zweiter Punkt:

Der Qur'an, welcher in so lichtvoller beseligender und wahrheitsgemäßer Weise das gesellschaftliche Leben veredelt und sowohl den Seelen als auch den Herzen, als auch dem Geist, als auch dem Intellekt, als auch im persönlichen Leben, als auch im gesellschaftlichen Leben, als auch im politischen Leben eine solche Umwälzung zu Stande gebracht hat und noch immer zu Stande bringt und als eine Richtschnur dient, dessen 6666 Ayat im Verlaufe von vierzehn Jahrhunderten von mehr als hundert Millionen Menschen mit völliger Ehrerbietung rezitiert werden, ihre Seelen (nefs)wäscht und ihre Herzen reinigt, ihrem Geiste Wachstum und Gedeihen schenkt, dem Intellekt Ausrichtung und Licht, dem Leben Glück, dieser Qur'an ist sicherlich ein Buch ohne seinesgleichen, einzigartig, außerordentlich und wunderbar.

Dritter Punkt:

Der Qur'an hat seit der Epoche seiner Entstehung bis in unsere Zeit eine so überwältigende Schönheit gezeigt, dass die unter der Bezeichnung "Mu'alIakat-i Seb'a"(wörtlich: die sieben Hängenden) an den Wänden der Kaaba mit goldenen Lettern geschriebenen berühmten

Kassiden der bekanntesten Dichter von ihm dermaßen in den Schatten gestellt wurden, dass die Tochter des Dichters Lebid, als sie die Kasside ihres Vaters in der Kaabaabnahm, sagte: "Sie haben im Vergleich mit diesen Ayatihren Wert verloren."

So warf sich ein beduinischer Dichter, nachdem er die Ayah: فاَصْدَعْ بِمَا تُؤْمَرُ {"Verkündige, was dir befohlen wurde!" (Sure 15, 94)} gelesen hatte, zur Erde nieder und antwortete denen, die ihn fragten: "Bist du nun ein Moslem geworden?"

"Nein! Nur vor der unvergleichlichen Schönheit dieser Ayah habe ich mich zu Boden geworfen."

Gleich ihm haben Tausende von Imamen und Sprachforschern wie Abdu l-Qahir-i Djürdjani, Sekkakiund Zemahsheri,Rhetorik-Wissenschaftler von überragendem Geist, insgesamt übereinstimmend das Urteil abgegeben:

"Die überwältigende sprachliche Schönheit des Qur'an übersteigt alles menschliche Fassungsvermögen und bleibt unerreichbar."

Seit dieser Zeit reizt der Qur'an ständig die stolzen und selbstgefälligen Dichter und Schriftsteller zum Widerstand auf und indem er die Stolzen zerbricht, sagt er zu ihnen: "Bringt doch nur eine einzige ähnliche Sure herbei, oder nehmt in dieser und in jener Welt euren Untergang und eure Schande hin!" Obwohl aber doch der Qur'an sie dazu eingeladen hatte, gaben die halsstarrigen Dichter jener Zeit ihre Bemühungen auf, den kürzeren Weg einzuschlagen und auch nur eine einzige ähnliche Sure hervorzubringen und wählten statt dessen den langwierigen Kampf, in dem sie Gut und Leben aufs Spiel setzten, was beweist, dass es unmöglich ist, den kurzen Weg zu beschreiten.

So haben Freunde des Qur'an in ihrer Begeisterung versucht, den Qur'an nachzuahmen und auch seine Feinde kamen dazu, etwas zu schaffen, was dem Qur'an vergleichbar gewesen wäre und ihn zu kritisieren. Millionen arabischer Bücher sind mit dem Fortschritt des Gedankenaustausches auf den Markt gelangt. Keines davon konnte den Qur'an gleichen. Ja, würde selbst ein ungebildeter Mensch sie hören, sagte er gewiss: "Dieser Qur'an ist ihnen nicht gleich. Ja, er steht noch nicht einmal auf gleicher Stufe mit ihnen. Er muss entweder unter ihnen oder aber über ihnen allen stehen". Dass er unter ihnen stünde, kann in dieser Welt niemand, kein Ungläubiger, ja noch nicht einmal ein dummer Mensch behaupten. Das heißt also, das die Stufe seiner sprachlichen Schönheit weit über ihnen allen liegt. Einmal hatte jemand die Ayah:

سَبَّحَ ِللَّهِ مَا فِى السَّمٰوَاتِ وَاْلاَرْضِ

{"Es preist Allah, was in den Himmeln und auf Erden ist." (Sure 57, 1)}

gelesen und gesagt: "Ich kann an dieser Ayah nichts von der sprachlichen Schönheit finden, die als so bewundernswert an ihr gesehen wird." Da sagte man ihm:

"Geh doch auch du wie jener Reisende hinab in die damalige Zeit und lausche da!" Da stellte er sich selbst vor, in der Zeit vor dem Qur'an dort zu sein und sah:

Alle Wesen der damaligen Welt befanden sich in einem heillosen, dunklen, erstarrten, kaum noch bewussten Zustand, ziellos in einem grenzenlos leeren, unendlich öden Raum, in einer unbeständigen, vergänglichen Welt. Plötzlich hörte er die Stimme des Qur'an diese Ayah verkünden und erkannte, dass diese Ayah über der Welt und dem Antlitz der Erde einen Schleier hob, sie erleuchtend, allen mit Bewusstsein begabten Seelen in den Bankreihen der Jahrhunderte mit dieser urewigen Ansprache, diesem zeitlosen Erlass (ferman)Unterricht erteilend und so verstand er, dass das All einer großen Moschee gleich, von Himmel und Erde angeführt mit all seinen Geschöpfen in ein lebendiges Gedenken Gottes

(dhikr)und in Seinen Lobpreis versunken, seine Pflicht glücklich, begeistert und zufrieden erfüllt. Dies bezeugte er. Da genoss er die vollendete Schönheit dieser Ayah, verglich sie mit noch anderen Ayat und verstand, dass die Hälfte der Erde und ein Fünftel der Menschheit vom Raunen der Suren angerührt, von ihrer vollendeten Schönheit erfüllt wurde. Hierin liegt eine Weisheit unter Tausenden von Weisheiten, grundlegend für den Fortbestand des Königreiches in all Seiner Majestät und vollkommener Würde ununterbrochen seit vierzehn Jahrhunderten.

Vierter Punkt:

Der Qur'an weist eine solche wahrhaftige Süßigkeit auf, dass die Rezitation des Qur'an niemals Überdruss hervorruft, obwohl doch häufige Wiederholungen auch der süßesten Dinge überdrüssig werden lassen, sodass sich seine Süßigkeit bei der Wiederholung nur noch vermehrt, soweit das Herz des Menschen noch unverdorben und sein Geschmack noch unverfälscht geblieben sind. Dies ist schon seit langem so gewiss für jedermann, dass es bereits zum Sprichwort geworden ist.

Dabei erweist sich noch immer seine ursprüngliche Jugendlichkeit und Frische, sodass er trotz seines Alters von vierzehn Jahrhunderten und trotzdem er doch jedermann leicht zugänglich ist, seine Frische so bewahrt hat, als wäre er gerade erst offenbart worden. Jedes Jahrhundert hat in ihm eine solche Jugendlichkeit erblickt, als habe er es unmittelbar angesprochen. Und obwohl jeder Zweig der Wissenschaft sich stets an ihm orientierte und ihnen stets eine Vielzahl von Exemplaren zur Verfügung stand und alle ihm in ihrer Ausdrucksweise nacheiferten, vermochte er dennoch seinen ursprünglichen, unverfälschten Stil und seine originäre Ausdrucksweise bis in unsere Tage zu bewahren.

Fünfter Punkt:

So wie der Qur'an, mit dem einen Flügel in der Vergangenheit, mit dem anderen in der Zukunft, den die alten Propheten aufgrund der Tatsache ihrer Übereinstimmung, die seine Wurzel und der eine seiner Flügel ist, bestätigen und bestärken, sie gleichfalls

in dieser Übereinstimmung bestätigt, so beweisen auch Männer wie die Heiligen (auliya)und Gottesgelehrten (asfiya),dass sie die Frucht des Lebens an dem vollkommenen, segensreichen und segenspendenden Baum sind, der die Quelle der Wahrheit ist und alle echten Orden der Freundschaft (mit Gott) und alle wahrhaftigen Wissenschaften des Islam, die sich unter dem Schutz des zweiten Flügels gesammelt haben und leben, legen Zeugnis dafür ab, dass der Qur'an als die Wahrheit selbst und als ein Kompendium der Wahrheit und als ein Gesamtwerk ein Wunder ohnegleichen ist.

Sechster Punkt:

Der Qur'an spendet Erleuchtung nach sechs Seiten; sie alle bezeigen seine Richtigkeit und Wahrhaftigkeit.

So wie an seiner Unterseite die Pfeiler von Zeugnis und Beweis, an seiner Oberfläche das funkensprühende Siegel seiner Wunderhaftigkeit, an seiner nach vorne zielenden Seite die Geschenke der Glückseligkeit in beiden Welten, an seiner Rückseite der Stützpunkt der Offenbarung der himmlischen Wahrheiten, an seiner Rechten die Bestätigung durch die Beweise unendlich vieler geradliniger Intelligenzen, an seiner Linken die ernsthaften, vertrauensvollen, innerlich hingezogenen und ergebungsvoll hingegebenen Herzen und reinen Gewissen beweisen, dass der Qur'an eine über alle Maßen wunderbare, feste, unangreifbare Burg des Himmels auf Erden ist und so wie auch der Lenker der Welt auf sechs verschiedenen Ebenen dafür unterschrieben hat, dass der Qur'an die Wahrheit und Aufrichtigkeit selbst ist und nicht Menschenwort, noch ein Irrtum und sich den Grundsatz Seines Handelns zur Gewohnheit gemacht hat, dafür Sorge zu tragen, dass in der Welt jederzeit zunächst die Schönheit sichtbar wird und das, was gut und richtig ist, Betrug und Verleumdung aber auszurotten und dem Qur'an die höchstgeschätzte und erhabene Ehrenstellung in der Regierung der Welt und einen Grad des Erfolges gegeben, ihn bestätigt und für ihn unterschrieben hat, so vermochte man auch bei ihm, der die Quelle des Islam ist

und der Dolmetscher des Qur'an, der, welcher sich stärker als jeder Andere auf ihn stützte, ihn verehrte, der, welcher sich zur Zeit seiner Herabkunft in einer Art Schlafzustand befand, sodass andere seiner Worte den Qur'an nicht erreichen und ihm keineswegs gleich sein konnten, der obwohl selbst des Lesens und Schreibens unkundig, aus dem Qur'an die vergangenen und die künftigen Ereignisse in der Welt in Wahrheit aus dem Verborgenen mit unbeirrter innerer Sicherheit verkündete, selbst unter den Blicken höchst aufmerksamer Augen keine Spur von Betrug oder Falschheit zu entdecken. Er, der als sein Dolmetscher mit ganzer Kraft an alle Bestimmungen des Qur'an glaubte und sie bestätigte und sich durch nichts darin erschüttern ließ, unterschrieb auch dafür, dass der Qur'an vom Himmel herabgekommen und wahrhaftig das gesegnete Wort seines eigenen allbarmherzigen Schöpfers ist.

Zudem gilt die gläubig hingerissene Verbundenheit eines Fünftels, ja sogar eines Großteils der Menschheit mit diesem offen vor unseren Augen liegenden Qur'an, die Sehnsucht und Begeisterung, mit der sie ihm ihr Ohr leihen, das Zeugnis der vielen Hinweise, Ereignisse und Entdeckungen, dass sich auch Dschinnen, Engel und Geister zur Zeit der Lesung voll Verehrung für die Wahrheit den Faltern gleich um ihn versammeln, gleicht einer Urkunde dafür, dass der Qur'an weltweit angenommen wurde und eine hohe Stufe einnimmt.

Zudem ist die Tatsache, dass in allen Schichten des Menschengeschlechtes, von dem primitivsten und ungebildetsten angefangen bis zu den klügsten und intelligentesten jeder einzelne zur Gänze seinen Nutzen aus den Lektionen des Qur'an gezogen hat und selbst noch seine tiefsten Geheimnisse verstehen kann und jede Art von Erforschern der Wahrheit, gleich hunderten von Wissenschaftlern und islamischen Gelehrten, Religionswissenschaftlern und Theologen aus dem Qur'an die Antwort auf alle ihre Fragen entsprechend ihrem Wissensgebiet gefunden haben, gleicht einer Urkunde dafür, dass der Qur'an die Quelle der Gerechtigkeit und eine Fundgrube der Wahrheit ist.

Außerdem haben selbst unter den fortgeschrittensten Sprachwissenschaftlern diejenigen arabischen Dichter, die den Islam nicht angenommen haben, mochten sie nun noch so sehr das Bedürfnis haben, Widerstand zu leisten, bis heute nicht einmal die unvergleichliche sprachliche Schönheit des Qur'an, die doch nur ein einziges Wunder unter den sieben Aspekten seiner Wunderhaftigkeit ist, nicht eine einzige Sure nachzuahmen vermocht. Auch heute noch versuchen sie mit ihrem Widerstand an Ansehen zu gewinnen, doch konnte von allen berühmten Dichtern und überragenden Wissenschaftlern keiner auch nur einen einzigen Aspekt seiner Wunderhaftigkeit widerlegen. Alle wurden sie schwach, verstummten. Auch dies gleicht einer Urkunde dafür, dass der Qur'an über alle Menschenkraft hinaus ein Wunder ist.

In der Tat: bei einem Wort zu fragen: "Von wem stammt es und an wen richtet sich es und in welchem Zusammenhang wurde es ausgesprochen?" bestimmt seinen allgemeinen Wert, die individuelle Hochschätzung und den sprachlichen Rang. Auch von diesem Standpunkt betrachtet gibt es nichts, was man mit dem Qur'an vergleichen oder was ihn erreichen könnte. Denn der Qur'an ist die Anrede und Ansprache des Herrn und Schöpfers aller Welten, ein Wort, in dem sich nicht das geringste Zeichen entdecken ließe, das auf eine Nachahmung oder Vortäuschung schließen lässt. Aus ihm erwuchs durch den starken universalen Glauben seines Sprechers, welcher zugleich auch der Sprecher für die ganze Menschheit, ja sogar der Abgeordnete der gesamten Schöpfung, unter allen Menschen der gerühmteste und mit den höchsten Ehren ausgezeichnete ist, der riesige Baum des Islam. In seiner Herabkunft erhob er seinen Besitzer bis zur Stufe (maqam)von Qab-i Qauseyn und ließ ihn zum Gesprächspartner des Einzigartigen (Samed)werden. Er erklärt und erläutert alle Fragen, die sich auf das

Glück in beiden Welten und die Auswirkungen der Erschaffung des Alls und die in ihnen (verborgene) Absicht des Herrn beziehen und den hohen und weiten Glauben seines Sprechers, der alle Wahrheiten des Islam in sich enthält. Er zeigt alle Seiten des gewaltigen Kosmos, einer Landkarte, einer Uhr oder einem Haus gleich und belehrt über den Meister, der ihn gemacht hat, ihn lenkt und leitet und stellt Ihn anhand Seiner Taten vor. So ist es ohne allen Zweifel unmöglich, dem Qur'an, dessen Verkündigung ein Wunder ist, ein Gleiches an die Seite zu stellen und den Grad seiner Wunderhaftigkeit zu erreichen.

Zudem zeigen und beweisen alle die Forscher von hohem Geist, Tausende von Wissenschaftlern und Gelehrten, die den Qur'an kommentiert haben - manche von ihnen haben dreißig, vierzig, ja sogar siebzig Bände geschrieben und jeder seinen eigenen Kommentar! - durch die Veröffentlichung ihrer Urkunden und Zeugnisse die grenzenlosen Vorzüge und Besonderheiten und die außergewöhnlichen Werte des Qur'an, seine Geheimnisse, seinen erhabenen Sinn und die vielen Beispiele jeder Art verborgener Dinge. Insbesondere beweist jede einzelne der hundertdreißig Abhandlungen der Risale-i Nur mit absolut sicheren Zeugnissen die Vorzüge und Besonderheiten des Qur'an.

Desgleichen wird auch in der Abhandlung über die Wunderhaftigkeit des Qur'an, im zweiten Kapitel (maqam)des "Zwanzigsten Wortes", wo von Eisenbahnen und Flugzeugen und vielen anderen "Wundern" (harika)der modernen Zivilisation und Technik, auf die sich Hinweise im Qur'an finden, die Rede ist, und in den "Ersten Strahl" genannten Hinweisen des Qur'an, wo auf die Ayat verwiesen wird, die sowohl auf die Risale-i Nur einerseits als auch auf die Elektrizität andererseits hingewiesen wird, also in den "Acht Hinweise" genannten kleinen Abhandlungen, die zeigen, wie wohlgeordnet, geheimnis- und bedeutungsvoll die "Buchstaben" (harf)des Qur'an sind, in einer kleinen Abhandlung, die anhand der letzten Ayah der Sure 48 ("Feth")in fünffacher Hinsicht den auf die

unsichtbare Welt bezogenen Aspekt der Wunderhaftigkeit beweist, in jedem kleinsten Teil der Risale-i Nur eine Ansicht der Wahrheit und des Lichtes klar gelegt. Das alles ist wie eine Urkunde für die Unvergleichlichkeit, Wunderhaftigkeit (mudjize)und Außerordentlichkeit (hariqa)des Qur'an. In dieser bezeugten Welt ist er die Sprache der unsichtbaren Welt und das Wort dessen, der um alles Verborgene weiß.

Aufgrund dieser oben erwähnten in sechs Punkten, sechs Aspekten und sechs Stufen aufgezeigten Vorzüge und Besonderheiten hat der Qur'an in seinem lichtvollen Königreich, in seinem gewaltigen, Heiligen Sultanat das Antlitz der Jahrhunderte erleuchtet und erhellt auch das Antlitz der Erde schon seit tausenddreihundert Jahren. Es besteht weiter in vollkommener Würde fort. Ja, in diesem Königreich ist jeder Buchstabe des Qur'an hundert verdienstvollen guten Werken gleich, bringt zehnfache beständige Frucht. Auch in manchen Ayat und Suren bringt jeder Buchstabe hundert oder tausend oder noch mehr Früchte hervor und in Heiligen Zeiten vervielfältigen sich das Licht, die Verdienste und die Werte um das Zehnfache. Da erkannte unser Reisender, welche geheiligten Privilegien man erwerben kann und sprach zu seinem Herzen: "Nun also legt der Qur'an, der in jeder Hinsicht ein Wunder ist, durch die Gemeinsamkeit seiner Suren und den Einklang seiner Ayat, durch die Entsprechungen seiner Geheimnisse und Lichter, durch die Übereinstimmung seiner Früchte und Werke und mit Zeugnissen, die einen sicheren Beweis liefern, ein solches Zeugnis dafür ab, das notwendigerweise ein absolutes Sein da sein muss, für Seine Einheit, Seine Attribute und Namen (Charaktereigenschaften), dass die unendliche Zahl der Zeugnisse aller Männer des Glaubens als ein Zeugnis angesehen werden kann, das aus dem Zeugnis des Qur'an herausgewachsen ist."

So wurde denn auf der siebzehnten Stufe des ersten Kapitels als ein kurzer Hinweis auf die Lektion über die Einheit und den Glauben, die unser Reisender erhalten hatte, das folgende gesagt:

لآَ إِلٰهَ إِلاَّ اللَّهُ الْوَاجِبُ الْوُجُودِ الْوَاحِدُ اْلاَحَدُ الَّذِى دَلَّ عَلٰى وُجُوبِ وُجُودِهِ فِى وَحْدَتِهِ اَلْقُرْاٰنُ الْمُعْجِزُ الْبَيَانِ اَلْمَقْبُولُ الْمَرْغُوبُ ِلأَجْنَاسِ الْمَلَكِ وَاْلاِنْسِ وَالْجَآنِّ اَلْمَقْرُوءُ كُلُّ اٰيَاتِهِ فِى كُلِّ دَقِيقَةٍ بِكَمَالِ اْلاِحْتِرَامِ بِأَلْسِنَةِ مِئَآتِ الْمَلاَيِينَ مِنْ نَوْعِ اْلاِنْسَانِ اَلدَّآئِمُ سَلْطَنَتُهُ الْقُدْسِيَّةُ عَلٰٓى اَقْطَارِ اْلاَرْضِ وَاْلاَكْوَانِ وَعَلٰى وُجُوهِ اْلاَعْصَارِ وَالأَزْمَانِ، وَالْجَارِى حَاكِمِيَّتُهُ اَلْمَعْنَوِيَّةُ النُّورَانِيَّةُ عَلٰى نِصْفِ اْلاَرْضِ وَخُمْسِ الْبَشَرِ فِى اَرْبَعَةَ عَشَرَ عَصْرًا بِكَمَالِ اْلاِحْتِشَامِ وَكَذَا شَهِدَ وَبَرْهَنَ بِاِجْمَاعِ سُوَرِهِ الْقُدْسِيَّةِ السَّمَاوِيَّةِ، وَبِاِتِّفَاقِ اٰيَاتِهِ النُّورَانِيَّةِ اْلإِلهِيَّةِ، وَبِتَوَافُقِ أَسْرَارِهِ وَأَنْوَارِهِ وَبِتَطَابُقِ حَقَائِقِهِ وَثَمَرَاتِهِ وَاٰثَارِهِ بِالْمُشَاهَدَةِ وَالْعَيَانِ

{"Es gibt keinen Gott (ilah) außer Gott (Allah), der notwendigerweise da sein muss, der Eine und Einzige, dessen Seinsnotwendigkeit und Allgegenwart (Vahdet) der Qur'an beweist, der in seiner Verkündigung ein Wunder ist, geschätzt, gefragt und bewährt bei Engeln, Menschen und Dschinnen, der in all seinen Versen in jedem Augenblick in vollkommener Ehrfurcht durch die Zungen von Millionen des Menschengeschlechtes rezitiert wird, dessen heilige Herrschaft sich fortsetzt über alle Enden der Erde und die Äußersten des Alls, über Zeit und Ewigkeit, dessen lichtvolle, geistige Herrschaft in vollkommener Majestät über der Hälfte der Erde und über ein Fünftel der Menschheit, seit vierzehn Jahrhunderten gilt, in der Übereinstimmung seiner lichtvollen, göttlichen Verse und im Einklang mit seinen tiefen Wahrheiten (sirr), in der ganz offensichtlichen Entsprechung zu seiner Lehre, seinen Früchten, seinen Ergebnissen."}

Die Zehnte Problemstellung aus der "Frucht-Abhandlung", die der Elfte Strahl ist:

Eine Blume aus Emirdag

(Eine besonders überzeugende Antwort auf die Kritik, die sich auf Wiederholungen im Qur'an beziehen.)

Meine lieben und getreuen Mitbrüder.

Eigentlich ist diese Abhandlung aufgrund meiner zerrütteten Verhältnisse ein bisschen unklar ausgefallen und gar nicht elegant, doch habe ich trotz meiner mangelhaften Ausdrucksweise mit Sicherheit ein besonders kostbares Wunder (im Qur'an) gefunden. Leider war ich nicht dazu in der Lage, es in die rechten Worte zu kleiden. Doch wie schwach auch meine Ausdrucksweise sein möge, bleiben meine Erwägungen in ihrer Beziehung auf den Qur'an, dennoch sowohl eine Form des Gottesdienstes, als auch die Mutter einer Perle, glanzvoll, heilig und erhabenen. Nicht das zerrissene Kleid möge man darum betrachten, sondern den Diamant in meiner Hand! Übrigens war ich sehr krank, unzureichend versorgt und ungenügend ernährt. In nur ein, zwei Tagen musste ich im Ramadan sehr viele Wahrheiten und verschiedene Zeugnisse mit einem Satz kurz zusammenfassen. Man möge mir also verzeihen!

{(*): Diese Zehnte Problemstellung ist zusätzlich zur "Frucht des Gefängnisaufenthaltes in Denizli" eine lichtvolle kleine Blume aus Emirdag und (ein Geschenk) dieses heiligen Ramadans. Hier wird die Weisheit, die in den Wiederholungen im Qur'an liegt, erklärt und werden zugleich die stinkenden und giftigen Unterstellungen der Leute des Irrweges beseitigt.}

Meine lieben und treuen Brüder! Ich las im heiligen Monat Ramadan den Qur'an, der in seiner Verkündigung ein Wunder ist. Aber auf welchen Vers der 33 Ayat ich auch immer stieß, die auf die Risale-i Nur hinweisen, was im "Ersten Strahl" erklärt wurde, und welche Hinweise ich nun deuten wollte: ich bemerkte jedes Mal, dass sich

die Seite, der Abschnitt und der Inhalt im Zusammenhang mit einem dieser Verse gewissermaßen auch auf die Risale-i Nur und ihre Schüler bezieht. Es beziehen sich besonders die Verse in der Sure "Nur"(Licht), in denen das Wort "Nur"(Licht) vorkommt, auf die Risale-i Nur,während die Verse, die danach folgen und in denen das Wort "Finsternis" vorkommt, genau ihre Gegner treffen. Diese Verse messen der Risale-i Nur eine große Bedeutung bei, gewinnen sogar über ihre historische Bedeutung hinaus Allgemeingültigkeit. Dabei hatte ich das Empfinden, dass die Risale-i Nur und ihre Schüler in unserem Jahrhundert wieder ein Beispiel dafür sind.

In der Tat spricht (hitab)der Qur'an vor allem aufgrund der allumfassenden Bedeutung (maqam)dessen, der von Ewigkeit her spricht, dem Herrscher über alles Sein, des Weiteren aufgrund der allumfassenden Bedeutung dessen, der im Namen der Menschheit, ja sogar im Namen der ganzen Schöpfung angesprochen (muhatab)worden ist, des Weiteren aufgrund der allumfassenden Bedeutung der ganzen Menschheit, der Söhne Adams, die in allen Jahrhunderten der Rechtleitung bedürfen, des Weiteren aufgrund der Bedeutung der überaus erhabenen und alles umfassenden Auslegung der Gesetze des Schöpfers des Kosmos und Seiner Herrschaft zur Erhaltung dieser und jener Welt, der Erde und der Himmel und aller Ewigkeiten und zur Erhaltung aller Geschöpfe. Aufgrund dieser allumfassenden, allumspannenden, erhabenen Bedeutung spricht (hitab)(der Qur'an) in der ganzen Höhe, der Tiefe und der Weite seines Wunders.

(Der Qur'an) schließt mit seiner konkreten und allgemein verständlichen Ausdrucksweise, die dem gewöhnlichen Verständnis der einfachen Volksschichten entgegenkommt, welche die Mehrheit der Angeredeten bilden, in seiner Unterweisung auch die höchsten Schichten mit ein. Und dies nicht um aus einer Erzählung nur eine Lehre zu ziehen, oder nur um anhand eines geschichtlichen Ereignisses ein Beispiel anführen zu wollen, sondern auch um (den Qur'an) gleichsam wieder neu zu offenbaren,

wobei er mit einem einzelnen Beispiel in jedem Jahrhundert jede Volksschicht anspricht, um ihr so ein allumfassendes Gesetz zu zeigen. Besonders aber lässt uns (der Qur'an), indem er stets drohend اَلظَّالِمِينَ ٭ اَلظَّالِمِينَ {"Die Tyrannen, die Tyrannen..."} wiederholt, und dabei all die Katastrophen, die vom Himmel herab die Menschen treffen, und die Unglücksfälle, die hier auf Erden geschehen, als Strafe für die Ungerechtigkeiten der Menschen nachdrücklich erklärt, und die Strafe, die über das Volk des Ad, des Thamud und des Pharao hereingebrochen waren, die beispiellosen Ungerechtigkeiten unseres Jahrhunderts betrachten und tröstet die Gläubigen, die unter diesen Ungerechtigkeiten leiden, durch die Errettung der Gottesgesandten wie Abraham und Mosis, mit denen der Friede sei.

Über die ganze vergangene Zeit, Jahrhunderte verstorbener Generationen, welche in den Augen derer, die Gott vergessen haben und in die Irre gegangen sind, in das öde und fürchterliche Land des Nichts und der Gräber, voll Schmerz und Zerstörung hinabgestiegen sind, unterweist in der Tat der Qur'an, der in seiner Verkündigung ein Wunder ist, die Menschen jedes Jahrhunderts und jeder Bildungsschicht und zeigt sie (die Zeit) ihnen in wunderbarer Weise gleichsam wie auf einer Leinwand als jeweils eine lebendige Seite mit Lehrbeispielen, als eine einzigartige Welt, durch und durch beseelt und lebendig, und als ein Land des Herrn, dem wir verbunden sind und versetzt uns so manchmal in diese Zeiten zurück und versetzt diese Zeiten manchmal in unsere Gegenwart. In gleicher wunderbarer Weise macht der hochehrenwerte Qur'an diesen Kosmos, der in den Augen der Irrenden seelenlos, unverständlich, tot, eine unendliche Öde ist und zwischen Trennung und Untergang hin und her schlingert, zu einem Buch des Einzigartigen (Samed),zu einer Stadt des Erbarmers und zu einem Ausstellungsort

der Kunstwerke des Herrn. Er macht diese leblosen Dinge lebendig. Er lässt jedes von ihnen als Seinen Beauftragten sich untereinander austauschen und einander zu Hilfe eilen. So unterrichtet er Menschen, Engel und Dschinnen in der Weisheit, wahrheitsgemäß, sehr einleuchtend und ganz und gar angenehm. Zu seinen erhabenen Besonderheiten gehört es, dass jeder seiner Buchstaben zehn, manchmal hundert, manchmal tausend, selbst viele Tausend Segnungen (sevab)bringt. Auch wenn alle Menschen und Dschinnen zusammenkämen, könnten sie nichts zu Stande bringen, was ihm gleichwertig wäre. Er spricht zu allen Adamssöhnen und der ganzen Welt mit Worten am rechten Ort und zur rechten Zeit.

Mit Freude werden sie zu allen Zeiten Millionen, die den ganzen Qur'an auswendig kennen und rezitieren können, ins Herz geschrieben. Viele Wiederholungen im Qur'an lassen keinerlei Überdruss (bei den Menschen) aufkommen, selbst dann nicht, wenn sie ihn stets wieder rezitieren. Auch in den empfindsamen Gehirnen und einfachen Vorstellungen der Kinder findet der Qur'an seinen Platz, trotz vieler Stellen und Sätze, die sie miteinander verwechseln könnten. Er klingt denen, die krank sind oder im Sterben liegen und sich schon von wenigen Worten gestört fühlen, angenehm in den Ohren und ist für sie wohltuend wie Zem-Zem (Wasser). Aus ihm gehen all diese Besonderheiten hervor und durch ihn gewinnen seine Schüler die Glückseligkeit in beiden Welten (Diesseits und Jenseits).

Es liegt in seinem Sinne, auf den volkhaften Bildungsgrad seines Dolmetschers (eines Analphabeten) Rücksicht zu nehmen, gar keine Gezwungenheit, keine Künstelei und keine Schauspielerei aufkommen zu lassen. In seiner Weisheit öffnen der natürliche Fluss und die Klarheit seiner Sprache, seine unmittelbare Herkunft aus dem Himmel und die Herabkunft seines Wortes, die dem grundlegenden Verständnis der einfachen Volksschichten schmeichelt, den Himmel und die Erde, jene klar und offensichtlichen und eindeutigen Seiten (im Buche der

Natur) und unterrichtet die einzigartigen Wundertaten der Macht Gottes, die hinter den Alltäglichkeiten verborgen sind, und lehrt Seine Weisheit in den sinnvollen Zeilen (des Buches der Natur) und zeigt damit die Gnade der Rechtleitung als ein schönes Wundwerk seiner Macht.

Auch in dem Sinne, dass er mitteilen möchte, dass er ein Buch des Gebets und der Einladung (zum Islam), des Gedenkens (dhikr)und der Einheit (Gottes) ist, weshalb Wiederholungen erforderlich sind; auch dass er mit guten und treffenden Wiederholungen in einem einzigen Satz und einer einzigen Geschichte viele völlig verschiedene Bedeutungen für die vielen völlig verschiedenen von ihm angesprochenen Bevölkerungsschichten verständlich macht; auch in dem Sinne, dass er mitteilen möchte, dass unter seinen barmherzigen Augen auch bei ganz persönlichen und ganz gewöhnlichen Ereignissen selbst noch die persönlichsten und unbedeutendsten Dinge seiner Leitung und seinem Willen unterstehen, genauso wie in der Entstehung des Islam, wie bei der Zusammenstellung der Scharia, auch die kleinsten Erlebnisse der Sahabis als wichtig betrachtet wurden; so findet sich (in ihm) ein abgeschlossenes Grundgesetz und darüber hinaus wirken solche kleinen Ereignisse gleich Saatkörnern, die recht bedeutende Früchte hervorbringen, bei der Entstehung des Islam und der Scheriah, die allgemeingültig ist; und auch in dieser Hinsicht zeigt er wiederum einen Aspekt seines Wunders.

So entstand denn immer wieder das Bedürfnis und wurde eine Wiederholung immer wieder notwendig, weil für sehr viele verschiedene Volksschichten innerhalb von zwanzig Jahren immer wieder eine Unterweisung als Antwort auf sehr viele wiederholt gestellte Fragen erfolgte und um eine so unbegrenzte und grenzenlose, allumfassende fürchterliche Umwandlung, die bewirkt, dass das riesige Universum in Stücke zerfällt, am Tage der Wiederauferstehung seine Gestalt verliert und die Welt (gleich einer Ausstellung) aufgehoben und an ihrer Stelle das gewaltige Jenseits aufgerichtet wird und die beweist,

dass alles, das Kleine wie das Große, von den Atomen bis zu den Sternen in der Hand und in der Macht des einen Herrn liegt, und den Zorn Gottes und die Wut des Herrn, um des Ergebnisses der Erschaffung des Universums willen zeigt, über die Grausamkeiten des Menschengeschlechts, weshalb auch das ganze Universum, die Erde, die Himmel und alle Elemente in Zorn und Wut geraten, einzuprägen, ist es kein Fehler, manche Sätze zu wiederholen, die in tausendfacher Hinsicht eine gewaltige Wirkung haben, einen Teil der Verse, welche das Ergebnis zahllos vieler Zeugnisse sind, vielmehr ein überaus machtvolles Wunder, eine hohe Kunst flüssiger Redeführung und eine Klarheit, die den Umständen genau entspricht und erforderlich ist.

Zum Beispiel:

Der Satz بِسْمِ اللَّهِ الرَّحْمَٰنِ الرَّحِيمِ {"Im Namen Allahs, des Erbarmers des Barmherzigen."} ein Vers, der im Qur'an einhundertvierzehnmal wiederholt wird, wie im "Vierzehnten Blitz" der Risale-i Nur erklärt wird, ist eine solche Wahrheit, dass sie den Thron Gottes mit der Erde verbindet und den Kosmos mit Licht erfüllt und jeder ihrer in jeder Minute bedarf. Hätte man ihn auch Millionen Male wiederholt, bedürfe man ihrer dennoch wieder nicht nur wie das tägliche Brot, vielmehr bedarf man ihrer wie der Luft und sehnt sich nach ihr in jeder Minute gleich wie nach dem Licht.

Und zum Beispiel:

In der Sure طٰسٓمٓ {"Ta Sin Mim."} wird die Ayah اِنَّ رَبَّكَ لَهُوَ الْعَزِيزُ الرَّحِيمُ {"Und siehe, dein Herr, wahrlich, Er ist der Mächtige, der Barmherzige." (Sure 26, 9)}

achtmal wiederholt. In dieser Sure wird erzählt, wie die Gottesgesandten errettet und ihre Völker bestraft werden. Um des Ergebnisses der Erschaffung des Kosmos willen und zu Gunsten der allgemeinen Herrschaft wird dieser Vers, der so machtvoll wie tausend Wahrheiten ist, wiederholt. Auch wenn er tausend Male wiederholt würde, um darüber zu belehren, dass die Würde des Herrn die Bestrafung jener grausamen Völker und zugleich auch die Barmherzigkeit Gottes die Errettung der Propheten erfordert, braucht man ihn und wünscht ihn sich. Es ist eine wunderbare, schöne und erhabene Kunst der Redeführung.

Und zum Beispiel:

In der Sure Rahman wird die Ayah

فَبِاَىِّ اٰلآَءِ رَبِّكُمَا تُكَذِّبَانِ

{"Und welche der Wohltaten eures Herrn wollt ihr wohl leugnen?" (Sure 55, 13)}

und in der Sure Murselat die Ayah

وَيْلٌ يَوْمَئِذٍ لِلْمُكَذِّبِينَ

{"Wehe an jenem Tag denen, die (die Botschaft) für Lüge erklären!" (Sure 77, 15)}

wiederholt. Diese beiden Ayat klagen Menschen und Dschinnen vor den Jahrhunderten, vor der Erde und den Himmeln mit lauten Drohungen wegen ihres Unglaubens, ihrer Undankbarkeit und Grausamkeit und ihrer Verletzung der Rechte aller Geschöpfe an. Darüber gerät der Kosmos in Wut, erzürnen sich Himmel und Erde, der Sinn der Erschaffung der Welt geht zu Grunde. Der Erhabenheit des Königreichs Gottes begegnen sie mit Verleugnung und Herabwürdigung. Auch wenn diese beiden Ayat in einem weltweiten Unterricht tausend Fragen mächtig über tausend Wahrheiten tausend Male wiederholt würden, bedarf es doch noch erneut einer Wiederholung. Dies ist ein Wunder der Redekunst in seiner Majestät, Schönheit und Kürze.

Zum Beispiel:

Eine Art wahres und vollständiges Bittgebet des Qur'an ist Djaushanu l-Kabir, das Gebet des Propheten, mit dem Friede und Segen sei. Es entstand aus dem Qur'an und ist eine Art Zusammenfassung. Dort wird der Satz

سُبْحَانَكَ يَا لاَ إِلٰهَ إِلاَّ اَنْتَ اْلاَمَانُ اْلاَمَانُ خَلِّصْنَا، وَاَجِرْنَا، وَنَجِّنَا مِنَ النَّارِ

{"Gepriesen seist Du, außer dem es keinen Gott gibt! Unser Schutz, unser Hort, errette, schütze und bewahre uns vor dem Feuer!"}

hundert Mal wiederholt. In seiner Wiederholung liegt die größte Wahrheit des Kosmos, die die Erkenntnis der Einheit Gottes ist; und die wichtigsten von drei gewaltigen Aufgaben aller Geschöpfe gegenüber der Herrschaft Gottes: Lobpreis, Dank und die Heiligung Gottes; und das furchtbarste Problem des Menschengeschlechtes: die Errettung vor der ewigen Qual; und das natürliche Erfordernis des Menschen sowohl in seinem Dienst vor Gott und Seiner Anbetung als auch in seiner Schwäche. Darum wäre es noch wenig, würde es auch tausendmal wiederholt.

So beziehen sich die Wiederholungen im Qur'an auf dergleichen Grundsätze. Die Wahrheit von der Einheit Gottes wird zuweilen sogar zwanzigmal auf einer Seite teils direkt teils indirekt zum Ausdruck gebracht, je nachdem wie es der Zusammenhang erfordert, wie es für das Verständnis notwendig ist und wie es der Schönheit der Verkündigung entspricht. Sie vermitteln nicht Überdruss, sondern Überzeugungskraft und Begeisterung. In der Risale-i Nur wurde schon mit Beweisen erklärt, wie sehr die Wiederholungen im Qur'an am Platz sind, wie angemessen und wie hochgeschätzt sie in der Rhetorik sind.

Geheimnis und Weisheit der Verschiedenheit zwischen den Suren im Qur'an, dessen Verkündigung ein Wunder ist, die in Mekka offenbart wurden, und den Suren, die in Medina offenbart wurden, hinsichtlich ihrer Rhetorik und in Anbetracht dieses Wunders, sowie dem Aspekt der Ausführlichkeit, bzw. der Zusammenfassung, sind wie folgt: Weil damals in Mekka die Götzendiener und die

Ungebildeten vom Stamme Quraisch die in erster Linie die Angeredeten bzw. Gegner waren und weil damals hinsichtlich der Rhetorik ein erhabener und gewaltiger Stil, eine wunderbare, überzeugende, sehr beredte Prägnanz, als auch Wiederholungen zur Befestigung notwendig waren, drücken die meisten mekkaner Suren die Glaubensgrundsätze und die Stufen der Einheit (Gottes) wiederholt mit einer überaus starken, erhabenen und wunderbaren Prägnanz aus und beweisen Ausgang und Rückkehr, Allah und das Jenseits, nicht nur auf einer Seite, mit einem Vers, mit einem Satz oder mit einem Wort, ja sogar mit nur einem Buchstaben, durch syntaktische Umstellung, Inversion, Determination, Gebrauch des Artikels, durch Ellipsen und Teilhinweise, so nachdrücklich, dass sich die Koryphäen der Wissenschaft, der Dichtkunst und der Redekunst dafür begeisterten.

In der Risale-i Nur und besonders im "Fünfundzwanzigsten Wort" mit dem gesamten Anhang, worin das vierzigfache Wunder des Qur'an bewiesen wurde, und in dem arabisch verfassten Kommentarbuch aus der Risale-i Nur "Zeichen der Wunderhaftigkeit" (Isharatu l-i'djaz),worin bewiesen wurde, wie wunderbar der Qur'an in seiner Ordnung (nazm)ist, wird anhand von Beispielen gezeigt, dass der dichterische Stil in den Suren und in den Versen, die in Mekka offenbart wurden, hocherhaben und ein Wunder an höchster Prägnanz ist.

Was nun aber die medinensischen Suren und Verse betrifft, waren die dort in erster Linie Angeredeten bzw. Gegner die Leute der Schrift, Juden wie Christen, welche die Existenz Gottes (arab. Allah)bestätigten und für welche die Erfordernisse der Dichtkunst, die Rechtleitung, Umstände und Zusammenhänge notwendig waren, weniger um den Leuten der Schrift die tiefen Wurzeln der Religion und die Grundpfeiler des Glaubens in einfachen Worten klar und ausführlich zu erklären, als vielmehr die Einzelheiten in der Gesetzgebung (Scharia)und den Rechtsbestimmungen und die Ursprünge und Gründe aller Einzelheiten und die allgemeinen Gesetze darzulegen,

worin der Grund ihrer Auseinandersetzung bestanden hatte. Bei den medinensischen Suren und Versen, wird meistens in einfachem Stil inmitten ausführlicher Erklärungen und Erläuterungen, in jener beispiellosen Ausdrucksweise, wie sie dem Qur'an zu Eigen ist, plötzlich mitten in einem Einzelfall, eine Aussage von hoher Prägnanz, ein Resümee, ein Schlusswort, ein Beweis, ein Satz angeführt, der die Einheit, den Glauben oder das Jenseits betrifft, der einen das Gesetz betreffenden Vorfall verallgemeinert und der durch den Glauben an Allah die Befolgung des Gesetzes zu Wege bringt. Dadurch wird der betreffende Zusammenhang in ein höheres und erhabeneres Licht gerückt. Die Risale-i Nur beweist, welch hohe Vortrags- und Redekunst, welche Eleganz und welch tiefe Bedeutung in den Schlussworten und Zusammenfassungen zu finden ist, die von der Einheit und vom Jenseits handeln, wie

إِنَّ اللَّهَ عَلٰى كُلِّ شَىْءٍ قَدِيرٌ ٭ اِنَّ اللَّهَ بِكُلِّ شَىْءٍ عَلِيمٌ ٭ وَهُوَ الْعَزِيزُ الْحَكِيمُ ٭ وَهُوَ الْعَزِيزُ الرَّحِيمُ

{"Gott hat zu allem die Macht." (Sure 2, 20) "Gott weiß über alles Bescheid." (Sure 58, 7) "Er ist der Mächtige und Weise." (Sure 14, 4) "Er ist der Mächtige und Barmherzige." (Sure 30, 5)}

die meistens als Abschluss eines Verses erscheinen. Besonders in dem "Zweiten Licht" der "Zweiten Flamme" des "Fünfundzwanzigsten Wortes" werden zehn Beispiele für sehr viele tiefe Bedeutungen und Besonderheiten dieser Schlussworte und Zusammenfassungen erklärt, wodurch auch noch den Verblendeten bewiesen wird, dass in derartigen Zusammenfassungen ein großes Wunder erkennbar wird.

In der Tat erhebt der Qur'an den Blick des Angeredeten von den Erklärungen über die Einzelheiten und über die Grundlagen der Gesellschaft plötzlich zu einem hohen und allgemeinen Betrachtungspunkt empor und während sich sein einfacher Stil in einen erhabenen Stil und seine Unterweisung im Gesetz verwandelt in die Unterweisung

in der Einheit, erweist sich der Qur'an als ein Gesetzbuch, ein Buch der Urteile und der Weisheit, als ein Buch des Bekenntnisses und des Glaubens, als ein Buch des Gottesgedenkens und des Nachsinnens (dhikr ve fikr)und als ein Buch des Gebetes und der Einladung (zum Islam). In jedem Zusammenhang unterweist der Qur'an über viele Ziele seiner Rechtleitung. Anders als die Schönheit der Ausdrucksweise Mekkaner Verse zeigen sich seine glänzenden und wunderbaren Redewendungen (in den medinensischen Versen).

Manchmal wird in zwei Worten, zum Beispiel in رَبُّ الْعَالَمِينَ {"Der Herr der Welten." (Sure 7, 54)} Und رَبُّكَ {"Dein Herr." (Sure 2, 30)} mit dem Ausdruck رَبُّكَ {"Dein Herr." (Sure 2, 30)} die Einheit im Wesen Gottes (Ahadiyet: die Erkenntnis der Einheit Gottes in der Beziehung des Einzelnen zu Ihm) und mit dem رَبُّ الْعَالَمِينَ {"Herr der Welten." (Sure 7, 54)} die Einheit in Seinen Eigenschaften (Vahidiyet:die Erkenntnis der Einheit Gottes in der Beziehung eines Kollektivs zu Ihm) kundgetan. So kommt die Einheit Gottes, die in der Beziehung aller Geschöpfe zu Ihm (Vahidiyet)erkannt wird, durch die Einheit Gottes, die in der persönlichen Beziehung des Menschen zu Ihm (Ahadiyet)liegt,

zum Ausdruck. Der Qur'an beschreibt in einem seiner Verse sogar die Atome in der Linse hinter der Pupille des Auges und setzt sie dort ein. Und in der gleichen Art setzt er im selben Vers die Sonne als Auge des Himmels ein. Zum Beispiel folgt dem Vers

خَلَقَ السَّمٰوَاتِ وَاْلاَرْضَ

{"Er ist es, der Himmel und Erde... geschaffen hat." (Sure 57, 5)}

der Vers

يُولِجُ الَّيْلَ فِى النَّهَارِ وَيُولِجُ النَّهَارَ فِى الَّيْلِ

{"Er lässt die Nacht dem Tage folgen, und lässt den Tag auf die Nacht folgen." (Sure 57, 6)}

der mit der Aussage

وَهُوَ عَلِيمٌ بِذَاتِ الصُّدُورِ

{"Und Er weiß, was im Innern der Brust ist." (Sure 57, 6)}

endet. Dies besagt: "Bei aller Majestät der Erschaffung der Erde und der Himmel kennt Er doch die feinsten Regungen des Herzens und wacht über sie." Dieses einfache und persönliche Gespräch (zwischen Gott und Seinem Propheten) auf der Stufe eines reinen und unverbildeten Verständnisses, unter Berücksichtigung der einfachen Leute, verwandelt sich durch diese Art Aussage in eine alles umfassende, fesselnde, lehrreiche und dennoch erhabene Konversation.

Frage:

Da eine grundlegende Wahrheit von oberflächlichen Betrachtern nicht bemerkt und der Zusammenhang mancher Stellen nicht ersichtlich ist, wie aufgrund eines kleinen, alltäglichen Vorfalls eine so hochgeschraubte Schlussfolgerung über die Einheit (Tauhid)gezogen werden, bzw. zum universellen Grundsatz erklärt werden kann, halten (oberflächliche Betrachter diese Schlussfolgerung) manchmal für einen Fehler.

Zum Beispiel:

Inmitten der Erzählung, worin der ägyptische Josef, mit dem Friede sei, die Abreise seines Bruders mit einer List verhinderte, um ihn bei sich zu behalten, wird die folgende große Schlussfolgerung:

وَفَوْقَ كُلِّ ذِى عِلْمٍ عَلِيمٌ

{"Und über jedem, der Wissen besitzt, steht Er, der mehr weiß." (12,76)}

gezogen. Ein Zusammenhang ist aber bei aller Kunst der Redeführung nicht ersichtlich. Was ist hier das Geheimnis und wo liegt hier die Weisheit?

Antwort:

Da der Qur'an in seinen langen und auch in den mittleren Suren, deren jede als ein Qur'an im Kleinen gilt, auf vielen Seiten und an vielen Stellen (maqam)nicht nur zwei, drei Ziele verfolgt, sondern seinem Wesen nach sowohl ein Buch des Gottesgedenkens, des Glaubens und des Nachsinnens (dhikr ve fikr),als auch ein Buch der Gesetzgebung, der Weisheit und der Rechtleitung ist und noch viele andere, ähnliche Bücher und Unterweisungen umfasst, um so die alles umspannende Herrschaft Gottes und das Aufscheinen Seiner Majestät zum Ausdruck zu bringen, der Qur'an also als eine Art Lesung aus dem großen Buch des Kosmos sicherlich an jeder Stelle (maqam),ja sogar auf jeder Seite vielen Zielen folgt, und in Anbetracht dessen, dass er verschiedene Stufen der Erkenntnis und der Einheit Gottes und der Wahrheiten des Glaubens unterweist, beginnt der Qur'an an einer anderen Stelle (maqam)zum Beispiel durch eine, zwar äußerlich nicht besonders deutliche, Überleitung eine neue Unterweisung und infolge dieser, wenn auch undeutlichen Überleitung, kommen neue um so klarere Zusammenhänge hinzu. Das aber entspricht ganz und gar dieser Stelle (maqam),und so wird der Grad seiner Ausdruckskraft und -kunst erhöht.

Zweite Frage:

Was ist der Sinn dessen, dass im Qur'an direkt oder indirekt oder durch ein Zeichen auf tausenderlei Weise das Jenseits, die Einheit Gottes, der Lohn und die Strafe für den Menschen bewiesen, ins Blickfeld gerückt und in jeder Sure, auf jeder Seite, ja in jedem Zusammenhang (maqam)darüber unterrichtet wird?

Antwort:

Es ist wiederum keine Verschwendung, wenn der Qur'an diese Dinge im Rahmen des Möglichen und was das Weltgeschehen betrifft, bezüglich der großen Umwälzungen und im Rahmen der Aufgabe, welche die Quelle der Qual oder ewiger Glückseligkeit des Menschen ist, der das große Pfand und den gewaltigen Auftrag auf Erden auf seine Schultern genommen hat, um über die gewaltigsten unter den bedeutendsten, größten und erschütterndsten Probleme zu unterrichten, zahllose Zweifel zu beseitigen, die hartnäckigsten und verbohrtesten Verdrehungen zu zerbrechen, mit dem Ziel, diese schrecklichen kommenden Umwälzungen zu bestätigen und zu bezeugen, dass diese Umwälzungen in ihrem Ausmaß gleich gewaltig sind, wie diese Probleme für den Menschen wichtig und bedeutend sind, nicht nur tausendmal, nein Millionen Mal zu betrachten gibt, wenn vielmehr der Qur'an diese Erzählungen Millionen Mal lesen und wiederholen lässt. Das verursacht keinen Überdruss, nimmt nicht das Bedürfnis (nach weiteren Wiederholungen) weg.

Zum Beispiel:

اِنَّ الَّذِينَ آمَنُوا وَعَمِلُوا الصَّالِحَاتِ لَهُمْ جَنَّاتٌ تَجْرِى مِنْ تَحْتِهَا اْلاَنْهَارُ خَالِدِينَ فِيهَا اَبَدًا

{"Diejenigen, die glauben und gute Werke tun, werden Wir in Gärten eingehen lassen, unter denen Bäche fließen; darin werden sie auf ewig verweilen." (Sure 4, 122)}

Da dieser Vers die Wahrheit der Ewigen Glückseligkeit als frohe Botschaft verkündet, indem er sagt: "Die Wahrheit des Todes, die sich einem armen Menschen in jeder Minute zeigt, rettet sowohl den Menschen selbst als auch seine Welt, als auch alle seine Lieben vor der Hinrichtung auf ewig und lässt ihn ein immerwährendes Königreich gewinnen", wäre es dennoch keine Verschwendung, auch wenn er Milliarden Male wiederholt und ihm

soviel Wert wie der ganzen Welt beigemessen würde, und verliert er nichts von seinem Wert. Der Qur'an, dessen Verkündigung ein Wunder ist, unterrichtet über zahllose, wertvolle Fakten solcher Art und versucht, den Menschen vom Anbruch der erschütternden Umwälzungen, die den Kosmos so leicht wie ein Haus umformen und seine ganze Erscheinung zerstören, zu überzeugen und sie ihm zu beweisen. Mit Sicherheit ist es keine Verschwendung, wenn er direkt und indirekt und mit Zeichen tausend Male die Aufmerksamkeit auf sie lenkt, vielmehr erneuert es jeweils die Gnadenerweise Gottes, die wir so lebensnotwendig brauchen wie Brot, wie alle Lebens- und Heilmittel, wie Luft und Licht.

Zum Beispiel:

Was die Weisheit betrifft, dass der Qur'an solche von Zorn erfüllte Verse wie

اِنَّ الظَّالِمِينَ لَهُمْ عَذَابٌ اَلِيمٌ ٭ وَالَّذِينَ كَفَرُوا لَهُمْ نَارُ جَهَنَّمَ

{"Bestimmt ist für die Ungläubigen die Pein des Feuers." (Sure 8, 14) "Für die, die Unrecht tun, ist eine schmerzhafte Pein bestimmt." (Sure 14, 22)}

äußerst heftig und zornig und mit besonderem Nachdruck, immer wieder erwähnt, so ist der Unglaube des Menschen - wie es schon in der Risale-i Nur unwiderlegbar bewiesen wurde - eine solche Verletzung der Rechte des Kosmos und der meisten Geschöpfe, dass sie die Himmel und die Erde in Zorn und die Elemente in Wut versetzt, sodass die Tyrannen mit sintflutartigen (Katastrophen) geschlagen werden.

اِذَآ اُلْقُوا فِيهَا سَمِعُوا لَهَا شَهِيقًا وَهِىَ تَفُورُ ٭ تَكَادُ تَمَيَّزُ مِنَ الْغَيْظِ

{"Wenn sie (d.h. die Ungläubigen) hinein geworfen werden, hören sie sie (d.h. die Hölle) laut aufheulen, während sie (gleichzeitig) in Wallung gerät und vor Wut beinahe birst." (Sure 67, 7-8)}

Den eindeutigen Aussagen dieser Verse entsprechend gerät die Hölle über die verlogenen Unterdrücker in eine solche Wut, dass sie in ihrer Wut, rasend vor Zorn, in eine solche Raserei gerät, dass sie beinahe platzt.

Wenn nun der König des Kosmos wegen eines solchen Verbrechens gegen alle und der grenzenlosen Überschreitungen, nicht etwa wegen der Winzigkeit und Bedeutungslosigkeit eines Menschen, sondern hinsichtlich des Umfangs seiner verbrecherischen Tyrannei und der schrecklichen Überschreitung durch seinen Unglauben in Seinem Erlass überaus zornig und wütend dieses Verbrechen und die Strafe dafür nicht nur tausendmal, sondern Millionen und Milliarden Male wiederholt hätte, um die Wichtigkeit der Rechte Seiner Untertanen und die grenzenlose Hässlichkeit des Unglaubens und der Tyrannei dieser Lügner und Leugner zu zeigen, ist dies wiederum keine Verschwendung und kein Fehler, weshalb Millionen von Menschen seit tausend Jahren jeden Tag das Bedürfnis haben, diese Verse mit einer tiefen inneren Anteilnahme zu lesen, ohne dass sie dabei ihrer überdrüssig würden.

Da nun jeden Tag, jeder Zeit, in der Tat für einen jeden eine Welt vergeht und sich ihm zugleich das Tor zu einer neuen Welt öffnet, wiederholt man, um jede der vorübergehenden Welten zu erleuchten, aus seiner Bedürftigkeit und Zuversicht heraus tausendmal den Satz لاَ إِلَٰهَ إِلاَّ اللَّهُ {"Es gibt keine Gottheit außer Allah."} und macht so jedes لاَ إِلَٰهَ إِلاَّ اللَّهُ {"Es gibt keine Gottheit außer Allah."} für jeden dieser wechselnden Theatervorhänge zu einer Theaterbeleuchtung. Genauso sind die Wiederholungen des Qur'an sehr sinnvoll, damit diese vielen, vorüber gleitenden Vorhänge und die sich ständig erneuernden, vorüber segelnden Welten, nicht im Dunkeln bleiben und damit die Bilder, die sich in dem Spiegel seines Lebens reflektieren, nicht hässlich werden und die Umstände, die seine Gäste waren und für ihn Zeugnis ablegen können,

nicht zu seinen Gegnern werden und (damit der Mensch), der den Qur'an liest, die Strafen für die Verbrechen und die nachdrücklichen Drohungen des urewigen Königs, den Trotz zu brechen, würdigt, indem er sich bemüht, sich vor der Aufsässigkeit der eigenen Seele zu retten, sodass selbst der Teufel davor zurückschreckt, diese mächtigen, nachdrücklichen, wiederholten Drohungen des Qur'an für unwahr zu halten, was zeigt, dass die Strafe der Hölle die wahre Gerechtigkeit für die Leugner ist, die nicht hören wollen.

Zum Beispiel:

Wenn der Qur'an die Geschichte Mosis, mit dem Friede sei, welche viele Weisheiten und Nutzanwendungen enthält, wie die des Stabes Mosis, und die Geschichten anderer Propheten, mit denen Friede sei, vielmals wiederholt, so will er das Prophetentum aller Gottesgesandten als einen Beweis für die Wahrhaftigkeit des Prophetentums Ahmeds, {Ahmed ist der Beiname von Mohammed (der Gepriesene) und bedeutet wörtlich der Ersehnte, der am meisten Gepriesene. (A.d.Ü.)} mit dem Friede und Segen sei, anführen. Wer dieses in seiner Gesamtheit nicht zurückzuweisen vermag, kann in Anbetracht dieser Tatsache auch das Prophetentum dieser Persönlichkeit (des Propheten) nicht in Abrede stellen. Da nicht jeder stets den ganzen Qur'an durchlesen will und kann, werden solche Geschichten, genauso wie die bedeutenden Pfeiler des Glaubens wiederholt, um jede lange und mittlere Sure wie einen Qur'an im Kleinen zu gestalten, was nicht eine Verschwendung sondern ein Erfordernis der Redekunst ist, und dazu dient, über die Geschichte Mohammeds, mit dem Friede und Segen sei, zu unterweisen, welche Begebenheit die größte der Kinder Adams und das gewaltigste Ereignis im Kosmos darstellt.

In der Tat wird die Aussage im Qur'an: لاَ إِلَٰهَ إِلاَّ اللَّهُ {"Es gibt keine Gottheit außer Allah."}

Mit مُّحَمَّدٌ رَّسُولُ اللَّهِ {"Mohammed ist der Gesandte Gottes."} dadurch in der Waage gehalten, dass (diese Aussage) vier Glaubenspfeiler enthält. Dadurch wird der Persönlichkeit Mohammeds, mit dem Friede und Segen sei, im Qur'an der höchste Rang (maqam)verliehen. Das Prophetentum Mohammeds, mit dem Friede und Segen sei, ist die größte Wahrheit in der Schöpfung und die Persönlichkeit Ahmeds, mit dem Friede und Segen sei, die würdigste unter allen Schöpfungen und seine geistige Persönlichkeit, mit ihrem allumfassenden Einfluss, und sein heiliger Rang (maqam),der als die Wahrheit Mohammeds, mit dem Friede und Segen sei, bekannt ist, die glänzendste Sonne beider Welten und dieses wunderbaren Ranges (maqam)würdig. Das ist anhand vieler Zeugnisse und Zeichen in der Risale-i Nur mit Sicherheit bewiesen. Ein Beweis unter Tausend ist der folgende: Nach dem Grundsatz von أَسَّبَبُ كَا لْفَاعِلِ {"Derjenige, der verursacht, ist gleich dem Täter."} werden so viele Segenspunkte (hasanat),wie die guten Taten seiner ganzen Gemeinde in allen Zeiten bringen, auch im Buch der guten Taten Mohammeds, mit dem Friede und Segen sei, gutgeschrieben. Mit dem Licht, das er brachte, erhellte er alle Gegebenheiten im ganzen Kosmos und wurde so nicht nur Dschinnen, Menschen, Engeln, sondern allen lebenden Wesen, ja dem Kosmos, Himmel und Erde ein Anlass zur Dankbarkeit. Die Gebete, welche die Pflanzen in ihren naturgemäßen Eigenschaften darbringen, und die Gebete, welche die Tiere in ihren jeweiligen Bedürfnissen darbringen, werden vor unseren Augen tatsächlich erhört. Dadurch rufen Millionen, ja sogar Milliarden Aufrichtige seiner Gemeinde, deren Gebete Gott erhört, nicht zurückweist, weil sie ihrer Natur

entsprechen, jeden Tag mit Gebeten des Friedens und des Segens Erbarmen über diese Persönlichkeit, mit der Frieden und Segen sei, herab. Sie schenken ihre geistigen Verdienste zuallererst dieser Persönlichkeit, mit der Friede und Segen sei. Jeder von den dreihunderttausend Buchstaben des Qur'an, den die ganze Gemeinde liest, bringt manchmal zehn Segenspunkte, manchmal hundert und manchmal tausend Segenspunkte (hasanat)und Früchte ein. Allein durch die Rezitation des Qur'an werden zahlreiche Lichter in das Buch seiner Taten eingetragen. Derjenige, der alle verborgenen Dinge kennt (Allamu l-ghuyub),hatte schon gewusst und gesehen, dass die Wahrheit Mohammeds, mit dem Friede und Segen sei, die die geistige Körperschaft seiner Persönlichkeit ist, in der Zukunft einem paradiesischen Tuba-Baum gleich werden wird. Diesem Zusammenhang entsprechend misst Er ihm eine so großartige Bedeutung in Seinem Qur'an bei und erklärt es in Seinem Erlass für die wichtigste Sache des Menschen, ihm zu folgen und durch die Einhaltung seiner gelobten Sitte (Sünnet-i seniye)ihn zu veranlassen, sein Fürsprecher zu sein. Sogar im Qur'an wird manchmal selbst seine Persönlichkeit als Mensch und seine Haltung als Mensch, welche zu Beginn (des Islam) steht, welcher der Kern zu jenem herrlichen Tuba-Baum ist, zum Thema der Betrachtung. Da die Wahrheiten, die im Qur'an wiederholt werden, diese Bedeutung haben, können Menschen von gesundem Verstand und Gemüt bezeugen, dass sich die Wiederholungen im Qur'an als ein überaus starkes und umfassendes spirituelles Wunder erweisen, es sei denn dass sie durch die Pest des Materialismus von der Krankheit im Herzen und im Gewissen befallen sind, was die folgende Aussage belegt:

قَدْ يُنْكِرُ الْمَرْءُ ضَوْءَ الشَّمْسِ مِنْ رَمَدٍ وَيُنْكِرُ الْفَمُ طَعْمَ الْمَآءِ مِنْ سَقَمٍ

{"Man bestreitet doch die Dinge, die man im Lichte der Sonne mit eigenen Augen sehen könnte, wenn die Augen entzündet sind, und der Mund erkennt nicht, den Geschmack des Wassers, wenn er krank ist."}

Zwei Anmerkungen zum Schluss dieser Zehnten Problemstellung

Erste Anmerkung:

Zwölf Jahre vor Abfassung dieser Risala hatte ich gehört, dass ein ganz schrecklicher und völlig verbohrter Ungläubiger begonnen habe, mit seiner Übersetzung ein Attentat auf den Qur'an zu unternehmen. Er soll gesagt haben: "Der Qur'an soll übersetzt werden, damit jeder erkennen kann, was er für einen Wert hat." Deshalb hat er einen fürchterlichen Plan geschmiedet, damit jeder seine unnötigen Wiederholungen sehen solle und seine Übersetzung anstelle seines Originaltextes rezitiert werde. Aber die unwiderlegbaren Beweise beseitigten alle Zweifel und stellten fest, dass eine wahre Übersetzung des Qur'an nicht möglich ist und anstelle der arabischen Sprache, die in der Satzbildung perfekt ist, eine andere Sprache die Besonderheiten des Qur'an und seine feinsinnigen Anmerkungen nicht bewahren kann. Die wunderbaren, umfassenden Aussagen der Worte des Qur'an, deren jedes zehn bis tausend Segenspunkte (sevab)bringt, können nicht durch die gewöhnlichen, doch nur bruchstückhaften Übersetzungen der Menschen ersetzt werden. Sie können nicht an Stelle (des Qur'an) in den Moscheen rezitiert werden. Doch durch die allseitige Verbreitung der Risale-i Nur blieb jene fürchterliche Intrige fruchtlos. Aber die Heuchler, die von jenem Ungläubigen Unterricht bekommen, versuchen dennoch zu Gunsten des Teufels töricht wie törichte Kinder die Sonne des Qur'an auszupusten. Ich denke, dass mir aus diesem Grund diese Zehnte Problemstellung trotz meiner knappen Zeit, meiner Bedrängnis und inneren Unruhe zu schreiben ermöglicht wurde. Ich habe keine Möglichkeit, mit den Leuten zu sprechen. Deswegen kenne ich die tatsächliche Sachlage nicht.

Zweite Anmerkung:

Nach unserer Entlassung aus dem Gefängnis in Denizli saß ich im obersten Stockwerk des berühmten Stadthotels. In den schönen Gärten vor

mir waren viele Pappeln. Es war so als bildeten sie Ketten zu einer Dhikr-Feier. Ihre Zweige und Blätter tanzten vom Winde bewegt anmutig und wie in Ekstase. Das berührte mich in meinem Herzen, da ich durch die Trennung von meinen Mitbrüdern und durch meine Einsamkeit traurig und kummervoll war. In dem Moment kamen mir Herbst und Winter in Erinnerung und es überkam mich eine Wehmut. Ich habe für diese anmutigen Pappeln und Lebewesen, die in vollkommener Freude miteinander kokettierten, ein solches Mittleid empfunden, dass sich meine Augen mit Tränen füllten. Sie erinnerten mich an die Vernichtung und ließen mich die Trennung spüren, die unter dem verzierten Schleier der Welt verborgen ist.

Da wurde ich unter all der Traurigkeit der ganzen Welt begraben, die aus Tod und Trennung erwächst. Auf einmal eilte mir das Licht, das die Wahrheit Mohammeds brachte, mit dem Friede und Segen sei, zur Hilfe. Es verwandelte all diese Traurigkeit und den Kummer in Frohsinn. Ich wurde sogar wegen der Hilfe und Tröstung dieses Lichtes, von dessen Fülle ich wie jedermann und jeder Gläubige in jenem Moment und in jenem Zustand ein Millionstel erhielt, der Persönlichkeit Mohammeds, mit dem Friede und Segen sei, für immer und ewig dankbar. Es ist dies wie folgt:

Jener gottvergessene Blick zeigte mir, dass diese segensreichen Anmutigen ohne Ziel und Auftrag waren. Sie zeigten sich in der einen Jahreszeit, doch kamen ihre Bewegungen nicht aus Fröhlichkeit, vielmehr zitterten sie vor der Vernichtung und dem Abschied, dann stürzten sie in das Nichts. Die Liebe für die Beständigkeit und die Liebe für das Schöne und Mitleid für die Mitmenschen und für das, was lebendig ist, die wie bei jedem Menschen auch bei mir vorhanden ist, hinterließen in mir einen so tiefen Eindruck, dass sich die Welt auf diese Weise in eine Art von Hölle und der Verstand in ein Werkzeug der Qual verwandelten. Während dessen hob das Licht, das Mohammed, mit dem Friede und Segen sei, für die Menschheit als Geschenk brachte, den Schleier auf.

Es zeigte mir an Stelle von Hinrichtung, Nichtsein, Nichtigkeit, Nutzlosigkeit, Sinnlosigkeit und Abschied ebenso viele Weisheiten und Bedeutungen, wie es an jeder Pappel Blätter gab, und ließ mich erkennen, dass sie Ergebnisse und Aufgaben haben, die in drei Gruppen geteilt sind, wie schon in der Risale-i Nur bewiesen wurde.

Erste Gruppe:

Sie bezieht sich auf die Namen des majestätischen Schöpfers.

Zum Beispiel:

Wenn ein Meister eine wunderbare Maschine baut, sagt jeder zu ihm "Maschaallah(so wie es Gott wollte), Barekallah(möge Gott segnen)" und beglückwünscht ihm. Genauso beglückwünscht auch diese Maschine ihren Meister auf die ihr eigene Art, indem sie die durch sie beabsichtigten Ergebnisse vollständig zu Stande bringt. Jedes Lebewesen und jedes Ding ist eine solche Maschine und gratuliert ihrem Meister mit Lobpreisungen.

Die Weisheiten, die die zweite Gruppe betreffen:

Sie beziehen sich auf die Betrachtung der Lebewesen und derer, die über ein Bewusstsein verfügen. Das wird für sie ein beliebter Lesesaal und jedes ein Buch der Erkenntnis. Sie lassen ihre Bedeutungen im Gedächtnis der Bewusstseintragenden und ihre Bilder im Erinnerungsvermögen und in den Tafeln der Bilderwelt und in den Büchern der unsichtbaren Welt, die zu dem Bereich des Seins gehören. Dann verlassen sie die Welt in der wir Zeugnis ablegen und ziehen sich in die unsichtbare Welt zurück. Das heißt, sie verlassen ihren sichtbaren Körper, gewinnen aber viele geistige, unsichtbare und als Wissen existierende Körper. Ja, in Anbetracht der Tatsache, dass es Allah gibt und Sein Wissen alles umfasst, sind das Nichtsein, die Hinrichtung, die Nichtigkeit, die Verlorenheit und das Vergehen in der Welt der Leute des Glaubens im wahren Sinne nicht vorhanden. Die Welt der Ungläubigen aber ist gefüllt mit Nichtigkeit und Nichtsein, mit Trennung und Vergänglichkeit. So unterweist das folgende Sprichwort, wie der Volksmund so oft sagt, diese Wahrheit: "Für wen es Gott gibt, für den gibt es alles und für wen es Ihn nicht gibt, für den gibt es nichts und alles ist für ihn nichts."

Zusammenfassung:

Wie der Glaube einen Menschen in der Todesstunde vor der ewigen Verlorenheit rettet, so rettet er auch jedem Menschen seine persönliche Welt vor der Verlorenheit und den Finsternissen des Nichtseins. Was aber den Unglauben (der Heiden) betrifft, besonders wenn es sich um den absoluten Unglauben (der Atheisten) handelt, verurteilt er sowohl den Menschen, als auch seine persönliche Welt mit dem Tod zur ewigen Verlorenheit und wirft ihn (schon im Diesseits) in die Finsternisse einer inneren Hölle hinein. Er verwandelt seinen Geschmack am Leben in bitteres Gift. Diejenigen, die das irdische Leben dem jenseitigen vorziehen, möge es in den Ohren klingen! Sie mögen kommen und hierfür entweder einen Ausweg finden oder zum Glauben übertreten. Mögen sie sich vor einem solch furchtbaren Schaden retten!

سُبْحَانَكَ لاَعِلْمَ لَنَآ اِلاَّ مَاعَلَّمْتَنَآ اِنَّكَ اَنْتَ الْعَلِيمُ الْحَكِيمُ

{"Gepriesen seist Du! Wir haben kein Wissen, außer dem, das Du uns gelehrt hast. Denn Du bist der Allwissende, der Allweise!" (Sure 2, 32)}

Euer Bruder, der sehr eueres Gebetes bedarf, und sich nach euch sehnt,

Said Nursi

Sechsundzwanzigstes Wort

Eine Abhandlung über die göttliche Vorherbestimmung (Qader)

بِسْمِ اللَّهِ الرَّحْمَنِ الرَّحِيمِ ٭ وَاِنْ مِنْ شَىْءٍ اِلاَّ عِنْدَناَ خَزَآئِنُهُ وَمَا نُنَزِّلُهُ اِلاَّ بِقَدَرٍ مَعْلوُمٍ ٭ وَكُلَّ شَىْءٍ اَحْصَيْنَاهُ فِى اِمَامٍ مُبِينٍ

{"Und es gibt kein Ding, das wir nicht bei uns in Vorrat hätten, aber wir senden davon nur herab, in bestimmten Maßen." (Sure 15, 21) "Und von allen Dingen haben wir berichtet in einer klaren Schrift." (Sure 36, 12)}

Die göttliche Vorherbestimmung und die Freiheit des menschlichen Willens sind zwei wichtige Fragen. Hier wollen wir versuchen, einige von den feinen Wahrheiten darüber, innerhalb von vier Abschnitten aufzuzeigen.

Erster Abschnitt:

Die göttliche Vorherbestimmung und die Freiheit des menschlichen Willens, wie sie auf der letzten Stufe die Grenzen der muslimischen Lehre und des islamischen Glaubens aufzeigen, sind der Sache nach und dem menschlichen Gewissen entsprechend Teilbereiche des Glaubens. Demgegenüber sind sie kein Teilbereich philosophischer oder persönlicher Betrachtungsweise. Denn wenn der Gläubige alles, sogar sein Tun und auch sich selbst immer Gott dem Gerechten anheim stellt, tritt ihm die Freiheit des menschlichen Willens entgegen, damit er sich letztendlich von Zuständigkeit und Verantwortung nicht entbinden kann. Sie sagt ihm: "Du bist zuständig und verantwortlich." Sodann kommt ihm die göttliche Vorherbestimmung entgegen, damit er auf die guten Taten und die Vollkommenheiten, die durch ihn erwachsen, nicht stolz wird. Sie sagt: "Bekenne deine Grenzen, du bist nicht der, welcher das tut." In der Tat stehen die göttliche Vorherbestimmung und die menschliche

Willensfreiheit auf der letzten Stufe des geistigen und des praktischen Islam. Die göttliche Vorherbestimmung, um die Seele vor Hochmut, und die menschliche Willensfreiheit, um die Seele vor der Verantwortungslosigkeit zu retten, gehören zu den Glaubensgrundsätzen. Sich von der Verantwortlichkeit der Bosheiten, die die triebverhaftete Seele in ihrer Eigenwilligkeit begeht, zu entbinden und an der göttlichen Vorherbestimmung festzuhalten und mit den Schönheiten, mit denen er begnadet wurde, stolz und hochmütig sein und sie auf seine persönliche Entscheidungsfreiheit zurückzuführen, widerspricht ganz und gar dem Sinn der Vorherbestimmung und der Weisheit der menschlichen Entscheidungsfreiheit. Es sind keine philosophischen Fragen, die eine solche Verhaltensweise rechtfertigen könnten.

In der Tat findet der Glaube an die Vorherbestimmung Gottes unter dem einfachen Volk, das geistig nicht fortgeschritten ist, immer Anwendung. Sie gilt aber für die vergangenen und unglücklichen Ereignisse und ist ein Heilmittel für die Verzweiflung und das Leid. Sie gilt nicht für die zukünftigen Ereignisse und Sünden, sodass sie ein Grund für Müßiggang und einen liederlichen Lebenswandel sein könnten. Das heißt, die Frage nach der göttlichen Vorherbestimmung ist nicht ein Bestandteil des Glaubens, um sich aus seiner misslichen Lage zu erretten und von seiner Verantwortung zu entbinden, sondern wurde Bestandteil des Glaubens, um sich vor Hochmut und Stolz bewahren zu können. Jener Bruchteil menschlicher Willensfreiheit wurde Bestandteil religiöser Überzeugung, um auf sie die menschliche Bosheit zurückführen zu können, nicht aber um sie als Quelle aller guten Werke angeben zu können und so einen pharaonengleichen Stolz zu nähren.

So ist denn, wie ja der Qur'an sagt, der Mensch für seine Bosheit voll und ganz verantwortlich, denn er ist es, der das Böse erstrebt. Da die Bosheit Zerstörungscharakter hat, vermag der Mensch durch ein wenig Bosheit viel Zerstörung anzurichten. Und dafür verdient er mit

Recht eine fürchterliche Strafe. - Vergleichbar einem Streichholz, das ein Haus in Brand zu stecken vermag. - Aber bei guten Werken hat er kein Recht darauf stolz zu sein. Dabei ist sein Anteil zu gering. Denn, der, der das Gute wünscht und fordert, ist die Barmherzigkeit Gottes und der es schafft, ist die Macht des Herrn. Wunsch nach dem Guten und Antwort dafür, Ruf danach und dessen Ursachen kommen beide von dem Gerechten. Der Mensch wird allein dazu ermächtigt durch Gebet, durch Glaube, durch Bewusstwerdung und Zustimmung.

Wer aber das Böse wünscht, ist die Begierde des Menschen (entweder durch seine Fähigkeit oder durch seine Entscheidung), so wie einige Dinge durch die schönen, weißen Strahlen der Sonne Schwärze und Fäulnis bekommen. Diese Schwärze ist aber auf ihre Eigenschaften zurückzuführen. Der jedoch das Schlechte durch göttliches Gesetz hervorruft, das so viele schöne Dinge zu Folge hat, ist wiederum der Gerechte. Die Ursache und der Wunsch nach dem Bösen entspringen aber aus der Begierde des Menschen, sodass sie die Verantwortung dafür trägt. Die Erschaffung und das ins Dasein bringen, die dem Gerechten gehören, sind schön und gut, weil sie noch weitere schöne Folgen und Früchte haben. So lautet denn das Geheimnis dahinter wie folgt:

Das Erwerben des Bösen ist böse. Das Erschaffen des Bösen ist nicht böse. So sollte denn ein fauler Mann, wenn er Schaden von dem Regen erleidet, der doch viele Segnungen in sich enthält, nicht sagen: "Regen ist kein Segen." Es liegt in der Tat in dem Erschaffen und Ins-Dasein-bringen von dem ein klein wenig Schlechten auch sehr viel Gutes. Wegen des ein klein wenig Schlechten sehr viel Gutes verlassen, heißt, sehr viel Schlechtes entstehen lassen. Darum wird dieses ein Teil Schlechte als Gutes gezählt. In dem, was Gott erschafft, gibt es nichts Schlechtes oder Hässliches. Vielmehr ist es auf die Einstellung des Dieners und auf seine Eigenschaften zurückzuführen. Denn so wie das göttliche Vorherwissen, so gilt auch hinsichtlich der Ziele und Früchte, dass sie

frei sind von allem, was schlecht oder hässlich wäre, desgleichen gilt auch hinsichtlich von Mittel und Grund, dass diese geheiligt sind und frei von Schuld und Sünde. Denn die göttliche Vorherbestimmung bezieht sich auf die eigentlichen Gründe und wird gerecht. Die Menschen errichten mit äußerlich sichtbaren Mitteln der Gerechtigkeit ein Gebäude und stürzen in die Ungerechtigkeit, wo die göttliche Vorherbestimmung gerecht ist.

Zum Beispiel:

Der Richter verurteilt dich wegen Diebstahls zu einer Haftstrafe. Du bist aber kein Dieb. Doch es gibt da einen heimlichen Mord, von dem niemand etwas weiß. So hat dich denn auch göttliche Vorsehung zu dieser Gefängnisstrafe verurteilt. Doch die göttliche Vorherbestimmung verurteilt dich aber aufgrund deines heimlichen Mordes und bewirkt Gerechtigkeit. Was den Richter betrifft, so hat er dir dadurch, dass er dich wegen Diebstahls zu Unrecht verurteilt hat, Gewalt angetan. Hier wird in zweierlei Hinsicht sichtbar, wie die göttliche Vorherbestimmung und das Erschaffen Gottes in ein und derselben Sache gerecht und das menschliche Tun ungerecht werden kann. Vergleiche andere Dinge damit. Das heißt also, dass die göttliche Vorherbestimmung und das Erschaffen hinsichtlich des Anfangs und des Endes, des Wesentlichen und der Einzelheiten, der Ursachen und deren Folgen frei von Bosheit und Fehlerhaftigkeit sind.

Wenn man sagt:

Wenn im Bereich menschlichen Willens keine Möglichkeit gegeben ist, etwas aus dem Nichts zu erschaffen und in der Hand des Menschen nichts anderes liegt, als eine schöpferische Vorstellung, wie kommt es dann, dass der Qur'an, dessen Verkündigung ein Wunder ist, dem Menschen den Zustand eines Rebellen und eines Feindes dem Schöpfer der Himmel und der Erde gegenüber zuschreibt? Der Schöpfer der Erde und der Himmel klagt ihn gewaltig an. Um dem gläubigen Diener gegen diesen rebellischen Menschen zu helfen, bietet Er sich selber und Seine Engel an. Er nimmt ihn als Feind überaus ernst.

Antwort:

Es ist dies so, weil Unglaube, Rebellion und Bosheit negativ und destruktiv sind. In Wirklichkeit können gewaltige Zerstörungen und endloses Fehlen auf eine Ursache zurückgeführt werden, die nur eingebildet ist und fehlt.

So wie ein riesiges Schiff untergeht, weil der Steuermann nicht seine Pflicht erfüllt hat, und damit die Anstrengungen aller Arbeiter und Angestellten zunichte gemacht hat, sind diese Zerstörungen auf einen einzigen Fehler zurückzuführen. So können auch Unglaube und Sünde, da sie von negativer und destruktiver Art sind, und der freie Wille des Menschen nur eine Annahme ist, Zerstörungen anrichten und die Ursache einer fürchterlichen Wirkung sein. Denn da der Unglaube, der eine einzige Sünde ist, eine Beleidigung des ganzen Weltalls mit Wertlosigkeit und Sinnlosigkeit, eine Anschuldigung der Lüge allen Seins, die die Beweise der Einheit Gottes aufzeigen und eine Verachtung aller Erscheinungen der Gottesnamen, ist es lautere Weisheit, wenn Gott der Gerechte anstelle des ganzen Weltalls, allen Seins und der göttlichen Namen den Ungläubigen heftig anklagt und ihn fürchterlich bedroht und es ist lautere Gerechtigkeit, wenn er ihn für ewig bestraft. Da der Mensch nun einmal durch Unglaube und Auflehnung in die Richtung der Zerstörung geht, kann er durch ein Wenig Aktivität sehr viele Dinge vollbringen. Darum brauchen die Leute des Glaubens gegen sie große Unterstützung von Gott dem Gerechten. Übernehmen auch zehn starke Männer die Überwachung und Instandhaltung eines Hauses und ein boshaftes Kind beschäftigt sich jedoch damit dieses Haus in Brand zu stecken, dann müsste man den Erziehungsberechtigten dieses Kindes, ja sogar den König selber ersuchen und sie ständig (um Hilfe) bitten. In gleicher Weise bedürfen auch die Gläubigen viel Beistand bei Gott dem Gerechten, um solchen sittenlosen Leuten der Auflehnung widerstehen zu können.

Zusammenfassung:

Wenn der Mann, der über das göttliche Vorherwissen und die Freiheit des menschlichen Willens spricht, in der göttlichen Gegenwart lebt und

einen vollkommenen Glauben besitzt, so führt er sich selbst und die Welt auf Gott den Gerechten zurück und weiß, dass sie Seiner Herrschaft unterstehen. Dann hat er auch das Recht, über das göttliche Vorherwissen und die menschliche Willensfreiheit zu sprechen. Da er nun einmal weiß, dass seine Seele und alle Dinge Gottes des Gerechten sind, kann er sich auch auf seinen freien Willen stützen und dafür die Verantwortung übernehmen. Er erkennt an, dass er der Ort ist, von dem das Böse ausgeht und erweist der Heiligkeit des Herrn die Ehre. Er verbleibt im Bereich der Anbetung und tut seine Schuldigkeit gegenüber dem göttlichen Anerbieten. So behält er denn auch das göttliche Vorherwissen im Blick, um nicht stolz zu werden auf die Vollkommenheiten und die Schönheiten, die durch ihn zum Ausdruck kommen, und anstatt überheblich zu werden, dankt er. Bricht ein Unglück über ihn herein, sieht er darin die göttliche Vorherbestimmung und fasst sich in Geduld.

Ist der Mensch, der über das göttliche Vorherwissen und die menschliche Willensfreiheit spricht, einer von den gottvergessenen Leuten, so hat er kein Recht über das göttliche Vorherwissen und die menschliche Willensfreiheit zu sprechen. Denn eine eigenwillige Seele, die durch ihre Irrtümer und durch ihre Gottvergessenheit auf Abwege geraten ist, und die Welt auf deren Ursachen zurückführt, teilt diesen zu, was Gott gehört und übereignet sogar sich selbst. Ihre Taten schreibt sie sich selbst und deren Ursachen zu. Ihre Verantwortlichkeit und ihre eigene Fehlerhaftigkeit überträgt sie dem Schicksal. Damit aber wird die Diskussion über den freien Willen als einer letzten Endes von Gott dem Gerechten verliehenen Fähigkeit sinnlos und damit zugleich auch die über das göttliche Vorherwissen, das letztendlich die Quelle unserer Betrachtungsweise sein sollte. Sie ist ganz und gar aller Weisheit entgegengesetzt und ein Betrug der Seele, um sich vor der eigenen Verantwortlichkeit zu retten.

Zweiter Abschnitt:

Den Leuten der Wissenschaft gewidmet ist sie eine Wissenschaft die feinfühlig und sorgfältig untersucht.

{(*): Dieser zweite Abschnitt beschäftigt sich um die tiefste und äußerst komplizierte Frage über das Geheimnis der göttlichen Vorherbestimmung. Es ist eine Frage über die theologischen Glaubensgrundsätze, die unter allen Forschern unter Gelehrten äußerst wichtig ist und diskutiert wird. In der Risale-i Nur ist sie völlig geklärt.}

Wenn du sagst:

"Wie lässt sich der Glaube an die göttliche Vorherbestimmung mit dem Glauben an den freien Willen des Menschen vereinbaren?"

Antwort:

Auf siebenfältige Weise...

Erstens:

So wie das All durch Ordnung und Ausgewogenheit eine Weisheit zum Ausdruck bringt und durch seine Gerechtigkeit Zeugnis ablegt für den Gerechten und Allweisen, so wurde dem Menschen mit Sicherheit auch ein uns in seinem Wesen unbekannter freier Wille gegeben, welcher ihm Quelle zu Lohn und Strafe ist. So wie wir sehr viele Weisheiten des Gerechten Allweisen nicht kennen, so ist unsere Unkenntnis kein Beweis dafür, dass sich die Freiheit des menschlichen Willens mit der göttlichen Vorherbestimmung nicht vereinbaren lassen.

Zweitens:

Notwendigerweise verspürt jeder in sich selbst einen Willen. Er weiß von innen heraus um das Vorhandensein eines solchen Willens. Das Wesen der Existenzen zu kennen ist die eine Sache, und ihre Erscheinungsform zu kennen ist eine andere Sache. Es gibt viele Dinge: Obwohl uns die Erscheinungsform offensichtlich ist, bleibt uns ihr Wesen dennoch unbekannt... So ist es auch mit dem freien Willen, den wir hier mit einreihen können. Es ist nicht alles begrenzt auf das Wissen, das wir davon haben. Unsere Unwissenheit beweist nicht, dass er nicht vorhanden ist.

Drittens:

Der Glaube an den freien Willen ist nicht unvereinbar mit dem Glauben an die göttliche Vorherbestimmung. Vielmehr bestätigt der Glaube an die göttliche Vorherbestimmung den Glauben an die Freiheit des menschlichen Willens. Denn die Vorherbestimmung ist

eine Art des göttlichen Wissens. Das göttliche Wissen kennt, was unser freier Wille entscheidet. Weil dies aber so ist, bestätigt der Glaube an die Vorherbestimmung Gottes, dass wir über einen freien Willen verfügen, er hebt ihn nicht auf.

Viertens:

Die Vorherbestimmung ist Wissen. Das Wissen ist aber von Kenntnissen abhängig. Das heißt, so wie etwas geschehen ist, so ist dementsprechend auch unsere Kenntnis davon. Die Kenntnisse sind aber nicht vom Wissen abhängig. Das heißt, die Grundlagen im Wissen sind nicht Hauptgründe, dem, was zu Stande kommen wird, einen sichtbaren Körper zu verleihen und ihn zu verwalten. Denn das, was zu Stande kommen wird, sein Wesen und sein sichtbarer Körper sind auf Wille und Macht angewiesen. Ferner ist die Urewigkeit nicht ein Ende der vergangenen Kettenreihe, sodass man sie für die Entstehung der Dinge als Ursprung hält und dementsprechend von einer Zwangsläufigkeit ausgeht, sondern, die Urewigkeit ist mit einem Spiegel vergleichbar, der von der Höhe herab schaut und die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft zugleich erfasst. Sich innerhalb der vergangenen Seite, die sich im Bereich des Möglichen erstreckt, ein Ende vorzustellen und es die Urewigkeit zu nennen und sich einzubilden, dass sich die Dinge in das Wissen des Urewigen einreihen, während wir selber außerhalb dessen stehen und dementsprechend zu urteilen, entspricht nicht der Wahrheit. Um dieses Geheimnis zu entschleiern, betrachte das folgende Beispiel:

In deiner Hand befinde sich ein Spiegel. Stell dir nun vor, nach der rechten Seite hin erstrecke sich die Vergangenheit und nach der linken Seite hin erstrecke sich die Zukunft. Der Spiegel aber erfasst nur das, was ihm gegenüber liegt. Des Weiteren erfasst er zu beiden Seiten eine gewisse Strecke. Den größten Teil jedoch erfasst er nicht. Je tiefer sich dieser Spiegel befindet, desto weniger vermag er zu sehen. Je mehr man ihn jedoch nach oben empor zieht, desto mehr erweitert sich die Reichweite dieses Spiegels. Allmählich erfasst er mehr

und mehr alle beiden Erstreckungen gleichzeitig und im selben Augenblick. Und darum kann man also nun nicht mehr sagen, dass der Spiegel in dieser Stellung durch seine Projektion bei dieser Entfernung die ablaufenden Zeiten einander vorausgehen, nachfolgen, einander entsprechen oder einander entgegengesetzt sind. Da die Vorherbestimmung zu dem Wissen des Urewigen gehört, erfasst das Wissen des Urewigen nach der Erklärung einer Hadith "aus einem hohen Blickwinkel heraus von Ewigkeit zu Ewigkeit alles, was geschah und was geschehen wird, in einem, und umfasst es von seinem hohen Standpunkt aus." Wir und unsere Beurteilung können nicht außerhalb dessen stehen, sodass es (das Wissen des Urewigen) einem Spiegel gleichen sollte, der auf Seiten der Vergangenheit steht.

Fünftens:

Die Vorherbestimmung steht mit Ursache und Wirkung gleichzeitig in Beziehung. Das heißt: diese Wirkung tritt mit dieser Ursache ein. Weil dies aber so ist, darf man nicht sagen: "Es war nun einmal diesem Mann bestimmt, zu dieser Zeit zu sterben. Was war die Schuld dessen, der aus freiem Willen geschossen hat. Und hätte dieser nicht geschossen, wäre jener dann dennoch gestorben."

Frage:

Warum darf man so nicht sagen?

Antwort:

Das ist so, weil sein Tod mit dem Schuss aus seinem Gewehr in göttlicher Vorherbestimmung im Zusammenhang steht. Stellst du dir vor, er hätte nicht geschossen, dann heißt das, dass du dir vorstellen musst, dass dieser Zusammenhang in der göttlichen Vorherbestimmung nicht existierte. Woraus willst du dann seinen Tod schließen? Du musst dir die göttliche Vorherbestimmung entweder nach Art der Schule Djebri vorstellen: Die Ursache ist das eine, die Wirkung etwas anderes; oder die göttliche Vorherbestimmung leugnen, wie dies die Schule der Mu'tezila tut, dich von "den Leuten der Sunnah und der Gemeinschaft" trennen und dich der Gruppe der Irregehenden anschließen. Weil dies so ist, sagen wir, die Leute der Wahrheit: "Wäre der Schuss nicht

abgefeuert worden, so bliebe auch der Tod des Mannes für uns unbestimmt." Die Schule Djebri sagt: "Hätte er nicht geschossen, wäre er dennoch gestorben." Die Schule Mu'tezile sagt: "Hätte dieser nicht geschossen, wäre jener nicht gestorben."

Sechstens:

{(*): Eine Wahrheit, bestimmt für Gelehrte, die sich besonders der Forschung widmen.}

Nach der Lehre Maturidis ist die Neigung (etwas zu tun), welche einer Willensentscheidung grundsätzlich vorausgeht, eine Vorstellung, die sich auf den Diener zurückführen lässt. (D.h. also: Eine Vorstellung, die sich der Mensch selbst macht, wird zur Neigung, etwas zu tun.) Jedoch nach der Lehre von Esh'ari wird (die Neigung etwas zu tun) nicht auf den Diener zurückgeführt, weil sie unter dem Blickwinkel von etwas bereits Gegebenem betrachtet wird. (Mit anderen Worten: Die Neigung, etwas zu tun, stammt von Gott.) Doch der Gebrauch, (den der Mensch von seiner ihm von Gott eingegebenen) Neigung macht, ist nach Esh'ari nur eine vorgestellte Sache (d.h. also eine menschliche Angelegenheit). Dann aber ist diese Neigung (nach Maturidi) oder dieser Gebrauch (also nach Esh'ari das, was der Mensch daraus macht) nur eine bedingte Sache. Sie haben in Wahrheit keine äußere Existenz (mit anderen Worten: Die Vorstellung, die sich der Mensch macht, und aus der dann die Neigung erwächst, etwas zu tun, bzw. das, was er aus seiner Neigung macht, sind menschlich vergängliche Dinge und keine konkreten, ewig göttlichen Werke).

Was eine vorgestellte Sache betrifft, so benötigt sie keine vollständige Ursache, sodass aus der Existenz der vollständigen Ursache die Notwendigkeit, die Zwangsläufigkeit und die Unerlässlichkeit in die Mitte kommt und die menschliche Willensfreiheit aufhebt. (D.h.: Wenn alle notwendigen Vorbedingungen eines Geschehens erfüllt sind, dann geschieht, was geschehen muss, zwangsläufig und ohne den Einfluss des menschlichen Willens.) Wenn jedoch die Ursache einer vorgestellten Sache eine Gestalt

annimmt, die den Grad einer Priorität hat, kann diese vorgestellte Sache sich als gesichert erweisen. Wenn aber dies nun einmal so ist, kann man sie zugleich auch wieder fallen lassen. Der Qur'an sagt dann in diesem Augenblick dazu: "Das ist schlecht, tu es nicht!" Wenn der Diener in der Tat als Schöpfer handeln könnte und die Fähigkeit etwas zu erschaffen besäße, wäre zugleich auch seine Willensfreiheit aufgehoben. (Mit anderen Worten: Wäre der Mensch ein Schöpfer, dann hätte sein Wunsch die Fähigkeit etwas zu erschaffen, ohne dass dazwischen noch ein Entscheidungsspielraum bliebe.) Denn nach dem Grundsatz der Quellenlehre (Qur'an, Tradition, Analog und Übereinstimmung) und der Weisheit (Auslegung der Lehren des Qur'an) heißt ein Grundsatz:

مَالَمْ يَجِبْ لَمْ يُوجَدْ

{"Was nicht notwendig ist, kommt nicht zu Stande."}

(D.h.: Wo die Voraussetzungen nicht gegeben sind, da entsteht auch nichts.) D.h. erst wenn die Ursachen vollständig sind, kann etwas ins Dasein treten. (D.h. erst wenn alle Bedingungen erfüllt sind, kann auch die Wirkung eintreten.) Was aber die vollständige Ursache betrifft, so erfordert sie die Wirkung mit Notwendigkeit und Zwangsläufigkeit. (D.h.: Wenn alle Voraussetzungen erfüllt sind, muss zwangsläufig auch die Wirkung eintreten.) Dann bleibt kein Wille. (D.h. Ursache und Wirkung lassen keinen Raum mehr für eine freie Entscheidung.)

Wenn du sagst:

Eine Vorrangigkeit ohne Vorrang ist unmöglich {(*): Überlegenheit ist die eine Sache, Bevorzugung eine andere Sache. Der Unterschied ist groß.} (d.h. wo kein Unterschied besteht, ist auch keine Wahl möglich), weil jener Anteil des Menschen, den wir eine vorgestellte Sache genannt haben, teils ausgeführt, teils nicht getan werden mag, wenn also kein notwendiger Vorrang gefunden wird, dann wird eine Wahl ohne Vorrang notwendig. (Mit anderen Worten:

Es ist dem Menschen gegeben, etwas tun oder lassen zu wollen, je nach seiner Vorstellung. Wo es jedoch weder Vorzüge noch Nachteile gibt, müsste er wählen, ohne eine Auswahl zu haben.) Wenn dies aber so ist, widerspricht das dann nicht dem wichtigsten Grundsatz der Lehre und Wurzel des Wortes (d.h. jener Wissenschaft, die sich mit der Auslegung des Qur'an befasst?)

Antwort:

Eine vorrangige Überlegenheit ohne Vorrang ist unmöglich. Denn ohne Grund und Vorrang ist eine Überlegenheit unmöglich. Andererseits ist eine Wahl ohne eine Bevorzugung möglich und geschieht auch. Wille ist eine Eigenschaft (d.h. es entspricht einer Fähigkeit des Menschen, etwas wollen zu können). Seine Wirkung ist es, eine solche Arbeit zu verrichten (d.h. der Wille ist dem Menschen gegeben, damit er eine Auswahl treffen kann.)

Wenn du sagst:

"Da nun einmal Gott der Gerechte den Mord erschafft, warum nennt man mich dann noch einen Mörder?"

Antwort:

Das ist so, weil nach den Grundregeln der Grammatik das Subjekt von einem Prädikat (also einem Verbum) abgeleitet wird, das auf ein Objekt bezogen bleibt und sich nicht auf ein Verbalnomen bezieht, dessen Objekt bereits feststeht. Prädikat ist das, was wir getan haben; und so bekommen wir auch den Titel eines Mörders. Das Verbalsubstantiv (das Morden) ist ein Geschöpf Gottes des Gerechten. Das, was eine Verantwortlichkeit erahnen lässt (also derjenige, welcher in seiner Menschlichkeit den Mord begeht) wird nicht von dem Verbalsubstantiv abgeleitet.

Siebentens:

Der menschliche Wille und die Freiheit seiner Entscheidungsfähigkeit ist zwar schwach und nur eine vorgestellte Sache, doch hat Gott der Gerechte in Seiner allumfassenden Weisheit diesen schwachen Bruchteil menschlicher Willensfreiheit zur allgemeinen Bedingung für die Verbundenheit mit Seinem allumfassenden göttlichen Willen gemacht. Denn Er sagt sinngemäß. "Oh mein Knecht! Welchen Weg auch immer dein Wille begehren möge, auf diesen Weg werde ich dich auch führen.

Doch wenn dies auch so ist, gehört dennoch die Verantwortung dir!" Wenn du also - um einmal einen wenn auch etwas unpassenden Vergleich zu gebrauchen - ein noch unmündiges Kind auf deine Schultern hebst und ihm die Wahl lässt: "Ich werde dich überall hintragen, wohin du möchtest." Und du bringst nun dieses Kind nach seinem Wunsch auf einen hohen Berg und das Kind erkältet sich dabei oder stürzt, so wirst du sicherlich sagen: "Du hast es ja so gewollt." Und ihm in seiner Verdrossenheit eine Ohrfeige geben. So betrachtet auch Gott der Gerechte und der Beste aller Richter den Willen Seines Dieners in seiner unendlichen Schwäche und macht ihn zur allgemeinen Bedingung für Seinen eigenen alles umfassenden Willen.

Zusammenfassung:

Oh Mensch! Du verfügst über einen sehr schwachen Willen, den man als deine freie Entscheidung bezeichnet, einen Willen, der zwar äußerst schwach ist und doch einerseits äußerst weitreichend, wenn es um das Böse geht und um die Zerstörung und andererseits noch dazu äußerst unzureichend, wenn es um das Gute geht. Lege in die eine Hand dieses Willens das Gebet, damit diese Hand sich nach dem Paradies ausstrecke, das eine Frucht am Ende der Kette des Guten ist, und die ewige Glückseligkeit pflücke, die dessen Blume ist. Lege in seine andere Hand die Bitte um Vergebung, damit diese Hand nicht das Böse erreiche und nicht die Frucht jenes verfluchten Baumes pflücke, des Zakkum-Baumes, der aus der Hölle erwächst. Das also heißt, dass Gebet und Gottvertrauen, welche mit großer Kraft die Neigung zum Guten verstärken, während zu gleicher Zeit die Bitte um Vergebung und die Reue die Neigung zum Bösen bricht und die Widerstände zerschlägt.

Dritter Abschnitt:

Der Glaube an die göttliche Vorherbestimmung gehört zu den Grundpfeilern des Glaubens. Das heißt: "Jede Sache besteht nach der Bestimmung (takdir)Gottes des Gerechten." Sichere Beweise für die göttliche Vorherbestimmung sind dermaßen viel, grenzenlos, unzählbar.

Mit einer einfachen und allgemein verständlichen Art wollen wir in der folgenden Einführung zeigen, wie stark und allgemeingültig dieser Glaubenspfeiler ist.

Einführung:

Sehr viele qur'anische Verse wie

وَلاَ رَطْبٍ وَلاَ يَابِسٍ اِلاَّ فِى كِتَابٍ مُبِينٍ

{"Nichts Feuchtes und nichts Trockenes, was nicht in einer deutlichen Schrift verzeichnet wäre." (Sure 6, 59)}

stellen fest, dass alles vor seiner Entstehung und nach seiner Existenz verzeichnet ist. Die Verse des großen Qur'an der Macht, der das Universum genannt wird, bestätigen auch diese qur'anische Feststellung durch seine Verse in der Schöpfung wie Anordnung, Ausgewogenheit, Wohlordnung, Gestaltung, Verzierung und Unterscheidung. In der Tat bezeugen Schriften dieses kosmischen Buches in Versmaß und seine gereimten Wunderzeichen, dass alles verzeichnet ist. Die Beweise dafür, dass alle Dinge vor ihrer Existenz bestimmt und verzeichnet waren, sind alle Prinzipien, Kerne, Mengen und Gestalten und sie sind Zeuge dafür. Denn jedes Samenkorn und jeder Kern ist ein feines Kästchen von der Werkbank "Kaf-Nun", {Diese beiden arabischen Buchstaben, gelesen Kaf-Nun, bilden das Wort "Kun", das heißt, "Sei!". Gott spricht diesen Befehl, wenn Er etwas erschaffen will. (Siehe: Sure 2, 117) (A.d.Ü.)} ein kleines Inhaltsverzeichnis, gezeichnet durch die göttliche Vorherbestimmung und gespeichert. Die Macht stellt die Atome nach der Zeichnung jener Vorherbestimmung in Dienst und baut auf jenen Samenkörnchen riesige Wunderwerke der Macht auf. Also gilt alles, was ein Baum erleben wird, mit all den dazugehörigen Ereignissen als in seinem Kern verzeichnet. Denn die Samenkörner sind von ihrem Stoff her homogen und gleich. Von ihrem Stoff her haben sie keinen Unterschied. Überdies zeigt die ausgewogene Menge jedes Dinges eindeutig die göttliche Vorherbestimmung. Egal, welches Lebewesen man zu betrachten vermag, so

sieht man eine Menge, eine Gestalt, als kämen sie aus einer überaus weisheitsvollen und künstlerischen Gussform heraus. Um diese Menge, diese Gestalt und dieses Aussehen zu bekommen, muss es entweder eine stoffliche Gussform sein, die wunderbar und äußerst krumm und schief sein soll, oder eine geistige Gussform, die nach der göttlichen Vorherbestimmung wohlausgewogen und wissensbezogen ist und die der Urewige mit Seiner Macht schneidert und mit diesem Aussehen überzieht.

Betrachte zum Beispiel diesen Baum oder dieses Tier aufmerksam; Atome, die leblos, taub, blind, bewusstlos und einander ähnlich sind, bewegen sich um sein Wachstum und Gedeihen. Sie stoppen sich an krummen und schiefen Grenzen, als würden sie wohl die Stellen der Früchte und Nutzbarkeiten kennen, sehen und wissen. Dann lenken sie zu einer anderen Stelle ab, als würden sie ein noch größeres Ziel verfolgen. Also bewegen sich die Atome nach der geistigen Bestimmung, die aus dem göttlichen Vorherwissen kommt, und auf den geistigen Befehl entsprechend dieser Menge. Da es nun einmal bei den materiellen und sichtbaren Dingen derartig große Erscheinungen der göttlichen Vorherbestimmung gibt, folgen mit Sicherheit auch die Formen, die die Dinge im Laufe der Zeit tragen, und die Zustände die durch deren Bewegungen zu Stande kommen, derartiger Wohlordnung der göttlichen Vorherbestimmung.

In der Tat werden durch einen Kern zweierlei Erscheinungen der göttlichen Vorherbestimmung sichtbar. Die eine ist offensichtlich und gibt von der "Klaren Schrift" (Kitab-i Mubin)als eine Bezeichnung für den Willen und die Seinsbefehle Kunde und setzt darauf Zeichen, und die andere ist theoretisch und berichtet von dem "Klaren Vorbild" (Imam-i Mubin)als eine Bezeichnung für den Befehl und das Wissen Gottes und weist darauf hin. Was offensichtliche Vorherbestimmung betrifft, so ist sie materielle Eigenschaften, Zustände und Glieder eines Baumes, den jener Kern beinhaltet und später zu betrachten ist. Was aber die theoretische betrifft, so ist sie die Umwandlungen, Zustände, Formen,

Bewegungen und Lobpreisungen eines Baumes, der aus jenem Kern erschaffen werden wird, welche er in der Zeitspanne seines Lebens erleben wird. Diese Formen, Zustände, Gestalten und Handlungen, die sich Zeit für Zeit verändern, nennt man den Lebenslauf. So gibt es je ein wohlgeordnetes Maß aus der göttlichen Vorherbestimmung für jenen Baum, für seine Äste und für seine Blätter usw. Da die gewöhnlichsten und einfachsten Dinge nun einmal den Erscheinungen der göttlichen Vorherbestimmung dermaßen stark ausgesetzt sind, so bringt das mit Sicherheit zum Ausdruck, dass alles Sein vor seiner Existenz verzeichnet war, was man durch ein wenig Aufmerksamkeit bemerkt.

Nun, was den Beweis betrifft, dass der Lebenslauf eines jeden Dinges nach seinem Ableben aufgeschrieben wird, so sind alle Früchte, die von der "Klaren Schrift" (Kitab-i Mubin)und dem "Klaren Vorbild" (Imam-i Mubin)in der Welt kundgeben, und das Gedächtnisvermögen aller Menschen, welches von der "Wohlverwahrten Tafel" (Lauh-i Mahfudh)berichtet und darauf hinweist, je ein Zeuge und ein Merkmal dafür. In der Tat, was eine jede Frucht betrifft, so wird in ihrem Kern, der ihr Herz ist, der ganze Baum mit seinem gesamten Leben aufgeschrieben. Der Lebenslauf eines Menschen und auch zum Teil vergangene Ereignisse der Welt wird in seinem Gedächtnisvermögen auf solch eine Art eingeschrieben, dass die Hand der Macht durch die Feder Seiner Vorherbestimmung in dieses winzig kleine Vermögen, das so wenig Platz einnimmt wie ein Senfkorn, eine kleine Urkunde von den Taten des Menschen ausstellt und in seine Hand gibt, in die Tasche seines Gedächtnisses steckt, damit der Mensch am Tage der Abrechnung dazu veranlasst wird, sich daran zu erinnern.

Des Weiteren soll der Mensch sich damit innerlich überzeugen können, dass es in all diesem Tohuwabohu der Vergänglichkeit und des Untergangs sehr viele Spiegeln gibt, die nach der Ewigkeit gerichtet sind, und in denen der Allmächtige und Allweise die Identitäten der Untergehenden zeichnet, ihnen Form, Gestalt und Ewigkeit verleiht.

Es gibt auch sehr viele Tafeln, die nach der Ewigkeit gerichtet sind, und auf denen der Allwissende Bewahrer und Erhalter den Sinn alles Vergänglichen aufzeichnet.

Zusammenfassung:

Da nun einmal das Leben der Pflanzen, welches die einfachste und die unterste Stufe des Lebens ist, in einem solchen Grade von der Ordnung göttlicher Voraussicht abhängig ist, ist mit Sicherheit auch das Leben der Menschen, welches die höchste Stufe des Lebens ist, in all seinen Einzelheiten der göttlichen Vorausschau entsprechend in all seinen Einzelheiten vorgezeichnet und von Seiner Feder niedergeschrieben. Und so geben dann in der Tat, so wie Regentropfen Kunde geben von den Wolken, Wassertropfen auf ihre Quelle verweisen, Urkunden, Ausweise Zeichen setzen von der Existenz eines Großen Melderegisters, so verweist auch die von uns wohlbekannte Ordnung an der materiellen Seite des Lebens, welche die Göttliche Planung sichtbar macht und die innerliche, lebendige Ordnung, welche allem Lebendigen unsichtbar zu Grunde liegt, die Früchte, Spermen, Samenkerne und -körner, Formen und Gestalten, die Tropfen, Urkunden und Ausweisen gleichen, ganz offensichtlich auf Willen und Befehl, wie sie sich im Buch des Lebens, welches wir die "Klare Schrift" (Kitab-i Mubin)nennen, und im Wissen Gottes und im Göttlichen Ratschluss, der "Wohlverwahrten Tafel" (Lauh-i Mahfudh),die wir das "Klare Vorbild" (Imam-i Mubin)nennen, vorfinden.

Kurzum:

Wir sehen nun deutlich, das alles was lebt, in der Zeit, da es wächst und sich entfaltet, seine Zellen bis an die äußersten Grenzen schickt, wo sie verharren. Dann ändern die Zellen ihre Richtung. An diesem äußersten Ende bringen sie dann den Ertrag ihrer Weisheit, ihren Gewinn, den Erfolg des Geschäfts. Und ganz offensichtlich sind die äußeren Abmessungen aller Dinge mit dem Stift Göttlicher Voraussicht entworfen und gezeichnet. So erweist es sich denn, dass es außer der bekannten, offensichtlichen göttlichen Voraussicht für die inneren Zustände lebender Wesen auch Trennlinien und

Endstellen gibt, gezeichnet mit dem Stift göttlicher Vorausschau, wo wohlgeordnet Früchte wachsen. Die Macht (Gottes) ist der Ausführer, Seine Vorherbestimmung ist der Plan. Die Macht Gottes tuscht dieses bedeutungsvolle Buch des Kosmos über diesem Plan. Wir haben nun ein für alle Mal verstanden, dass die Trennlinien, an denen die Früchte reifen und die Enden, dort wo die Göttliche Weisheit wirkt, im konkret physischen wie im abstrakt spirituellen Sinne mit dem Stift göttlicher Vorausschau entworfen und gestaltet worden sind. Mit Sicherheit sind auch alle Zustände und Verhaltensweisen, denen alles, was da lebt, in der Spanne seines Lebens unterworfen ist mit diesem Stift göttlicher Voraussicht entworfen und gestaltet.

Wenn du sagst:

"Die Vorherbestimmung hat uns in der Weise gebunden, dass sie unsere Freiheit aufhebt. Ist nicht der Glaube an die Vorherbestimmung eine Bürde und eine Einengung für das Herz und den Geist, die sich nach Ungebundenheit und Freizügigkeit sehnen?",

so lautet die Antwort:

Nie und nimmer! So wie es keineswegs eine Einengung bedeutet, vielmehr unendlich erleichtert, entspannt, erfreut und erfrischt, verleiht sie Sicherheit und Geborgenheit, Licht und Heiterkeit. Denn: Wenn ein Mensch nicht an die göttliche Vorherbestimmung glaubt, ist er gezwungen, im kleinen Kreise seines bisschen Freiheit, einer vorübergehenden Unabhängigkeit, ein Joch so schwer wie die Welt auf den armseligen Schultern seines Geistes zu tragen. Denn: Der Mensch ist mit dem ganzen Kosmos verbunden. Er hat grenzenlose Wünsche und Erwartungen. Weil seine Macht, sein Wille, seine Freiheit noch nicht einmal dem millionsten Teil von ihnen genügen können, lässt sich leicht verstehen, wie fürchterlich und entsetzlich der Druck der inneren Bedrängnis ist, unter der er leidet. So lässt ihn denn sein Glaube alles Schwere auf das Schiff der göttlichen Vorherbestimmung werfen und gibt ihm Raum, seine Reise in vollkommener Ruhe und in der vollendeten Freiheit des Geistes und

des Herzens zu unternehmen. Er nimmt nur der herrschsüchtigen Seele ihre kleinen Freiheiten, vernichtet ihr pharaonisches Wesen, beseitigt ihre Herrschaft und lässt sie nicht so einfach tun, was immer sie gerne möchte. Der Glaube an die göttliche Vorherbestimmung ist so köstlich und von einer solchen Glückseligkeit, wie man sie nicht beschreiben kann. Mit dem folgenden Gleichnis wollen wir auf diese Köstlichkeit, diese Glückseligkeit nur mit einem Beispiel verweisen.

Da ziehen also nun zwei Männer zu dem Regierungssitz eines großen Königs. Sie gelangen zu dem privaten Schloss dieses Königs, einem Ort voll eigenartiger Dinge. Der eine kennt den großen König nicht. Er möchte an diesem Ort sich niederlassen, um zu rauben und zu stehlen. Jedoch fühlt er sich gezwungen, die in Schloss und Garten erforderlichen Unterhalts- und Verwaltungsarbeiten zu verrichten, die notwendigen Maßnahmen zu ergreifen, die Einnahmen zu überwachen und für die Bedienung der Geräte zu sorgen. Er muss die seltenen Tiere versorgen und sieht sich noch vielen anderen, ähnlichen Mühen und Anstrengungen ausgesetzt, die ihm beständige Mühen und Sorgen bereiten. Dieser paradiesesgleiche Garten wird für ihn selbst zu einer Hölle. Er bedauert alles. Er kann die Dinge nicht führen. Seine Zeit verbringt er im Bedauern. Und schließlich wird dieser ungezogene Dieb zur Strafe ins Gefängnis geworfen.

Der andere Mann aber kennt den König und er weiß, dass er ein Gast des Königs ist. Er ist davon überzeugt, dass alles, was in diesem Schloss und diesem Park geschieht, dem Gesetz entsprechend geordnet vonstatten geht und dass alles planmäßig, in vollkommener Weise und ohne alle Schwierigkeiten bewerkstelligt wird. Er überlässt alle Mühen und Sorgen dem Gesetz des Königs und zieht in ganzer, unbeschwerter Heiterkeit Nutzen aus all den Köstlichkeiten dieses paradiesesgleichen Gartens. Gestützt auf die Güte des Königs und die Schönheit Seiner Verwaltungsvorschriften betrachtet er alle Dinge als angenehm und verbringt sein Leben in vollendeter

Köstlichkeit und Glückseligkeit. So verstehe denn nun dieses Geheimnis

مَنْ اٰمَنَ بِالْقَدَرِ اَمِنَ مِنَ الْكَدَرِ

{"Wer an die göttliche Vorherbestimmung glaubt und vertraut, ist geborgen und frei von allen Sorgen."}

Vierter Abschnitt:

Wenn du sagst: "Im ersten Abschnitt hast du bewiesen, dass alle Dinge der göttlichen Vorherbestimmung schön und gut sind. Selbst das Böse, das aus ihm erwächst, ist gut. Auch das Hässliche ist schön. Doch im Hause dieser Welt widerlegen Katastrophen und Heimsuchungen diesen Urteilsspruch.",

so lautet die Antwort:

Oh meine Seele! Du mein Freund, der du aus einem starken Mitgefühl einen heftigen Schmerz empfindest! Alles Dasein ist reine Güte und Nicht-Sein reine Bosheit. Beweis dafür ist, dass alle Güte und jegliche Vollkommenheit (Grund und Basis in ihrem Da- und) Vorhandensein haben, alle Sünden, alles Leid und alle Unvollkommenheiten hingegen ihren Grund in einem Mangel haben.

Denn Mangel und Nichtsein ist nun einmal das reine Böse. Zustände, die auf ein Nichtsein hinauslaufen, oder das Gefühl eines Mangels hinterlassen, haben gleichfalls das Böse zu ihrem Inhalt. Darum findet das Leben, jenes strahlendste Licht des Daseins, kreisend in den verschiedenen Umständen, seine Kraft. Es tritt in unterschiedliche Zustände ein, wird gereinigt, nimmt zahlreiche Eigenschaften an, bringt die ersehnten Früchte, nimmt zahlreiche Stufen ein und zeigt auf schöne Weise die Ornamente der Namen (Gottes), des Spenders des Lebens. So ist es denn diese Tatsache, dass einige Zustände sich unerwartet einstellen und die Lebewesen mit Schmerzen, Leiden, Mühen und Heimsuchungen überfallen, wobei in ihrem Leben die Lichter des Daseins erneuert werden, die Finsternis des Nichtseins sich absondert und das Leben gereinigt wird. Denn: Stillstand, Ruhe und Schweigen, Trägheit und Müßiggang, Ruhepausen, Eintönigkeit

und Langeweile sind ihrer Beschaffenheit nach und entsprechend ihrem Zustand eine Art von Negation, Mangel oder Abwesenheit. Sogar das größte Vergnügen wird durch Eintönigkeit wieder zunichte.

Zusammenfassung:

Da das Leben nun einmal die Ornamente der Schönen Namen (Gottes) aufweist, sind auch alle Dinge, die im Leben geschehen können, schön und gut. Z.B.: Da kleidet eine Persönlichkeit, die außerordentlich reich, in unendlichem Maße geschickt und in vielen Künsten erfahren ist, einen ganz gewöhnlichen armen Menschen, der ihm als Modell dienen soll, für eine Stunde und gegen Bezahlung mit einem juwelengeschmückten, künstlerisch gestalteten Gewand, das er verfertigt hat, um sein Kunstwerk vorzuführen und zugleich auch seine beachtliche Wohlhabenheit darzustellen. Er bearbeitet es an ihm, modelliert und verändert es. Auch schneidet, verändert, verlängert, verkürzt er daran, um jegliche Art seiner Kunstfertigkeit zum Ausdruck zu bringen. Wird nun aber etwa jener arme Tagelöhner zu dieser Persönlichkeit sagen: "Sie belästigen mich. Sie lassen mich verschiedene Haltungen annehmen, mich auf und nieder beugen. Du schneidest an meinem Gewand herum, das mich schmückt, verkürzt es und verdirbst mir meine Schönheit!"? Kann man (einem solchen Menschen) recht geben? Darf er denn sagen: "Du handelst unbarmherzig und ungerecht."? So verändert denn gleich ihm auch der Schöpfer in Seiner Herrlichkeit, der Erschaffer ohne Gleichen unter vielen Umständen das Gewand unserer Existenz, mit dem Er die Lebewesen bekleidet, geschmückt mit Augen, Ohren, Herz und Verstand, mit seinen äußerlichen Sinnen und innerlichen Feinheiten, um so die Ornamente Seiner Schönen Namen vorzuführen. Er verändert sie unter vielen verschiedenen Umständen. In den Vorfällen von Schmerz und Leid finden sich, um die starke Auswirkung einiger Seiner Namen aufzuzeigen, Strahlen Göttlicher Barmherzigkeit in diesem Blitz Göttlicher Weisheit und in diesen Strahlen Göttlicher Barmherzigkeit feine innere Schönheiten.

Schlusswort

Es sind fünf Abschnitte, die die eigensinnige, hochmütige, selbstgefällige, scheinheilige Begierde des Alten Said zum Schweigen bringen und zur Ergebenheit in Gottes Willen zwingen.

Erster Abschnitt:

Da die Dinge nun einmal vorhanden sind und kunstvoll erscheinen, haben sie mit Sicherheit ihren Meister. Bereits im Zweiundzwanzigsten Wort wurde unwiderlegbar bewiesen: Wenn nicht alle Dinge dem Einen gehören und von Ihm erschaffen sein sollten, dann würde die Entstehung jedes einzelnen Dinges so kompliziert und schwer sein wie die Entstehung aller Dinge. Wenn alle Dinge dem Einen gehören und von Ihm erschaffen sein sollten, dann wird die Entstehung aller Dinge dermaßen einfach und leicht sein wie die Entstehung jedes einzelnen Dinges. Da jemand die Erde und den Himmel geschaffen und aufgebaut hat, wird dieser äußerst weisheitsvolle und kunstfertige Jemand sicherlich nicht zulassen, dass die Lebewesen, die die Früchte, die Ergebnisse und die Ziele der Erde und des Himmels sind, anderen gehören, und er wird somit das ganze Konzept nicht durcheinander bringen. Er wird sie nicht in die Hände anderer übergeben, und somit alle Seine weisheitsvollen Taten nicht für sinnlos erklären, sie gering achten und entwerten. Er wird nicht zulassen, dass sie ihre Dankbarkeit und ihre Anbetung anderen erweisen.

Zweiter Abschnitt:

Oh, du meine stolze Seele! Du gleichst einem Weinstock. Rühme dich nicht, Weintrauben hat dieser Stock sich nicht selbst aufgehängt. Ein anderer hat sie an ihn gehängt.

Dritter Abschnitt:

Oh, du meine scheinheilige Seele! Sei nicht stolz, indem du sagst: "Ich habe dem Glauben gedient."

اِنَّ اللَّهَ لَيُؤَيِّدُ هٰذَا الدِّينَ بِالرَّجُلِ الْفَاجِرِ

{"Wahrlich, Gott vermag diesen Glauben auch durch einen schuldbeladenen Mann zu verstärken."}

Gemäß diesem Geheimnis sollst du dich als jenen schuldbeladenen Mann sehen, weil deine Seele nicht gereinigt ist. Deinen Dienst und deine Anbetung sieh als einen Dank für die vorher erhaltenen Gaben, als deine naturgegebene Aufgabe, als deine Verpflichtung der Schöpfung gegenüber und als eine Frucht göttlichen Schaffens und Wirkens an. So hüte dich auf diese Weise vor Hochmut und Scheinheiligkeit.

Vierter Abschnitt:

Wenn du dir das Wissen über die Wahrheit und die wahrhaftige Bedeutung der Wahrheit wünschst, so strenge dich an, die Erkenntnis Gottes des Gerechten zu erwerben. Alle Wahrheiten der Existenzen sind Lichter des Gottesnamens "der Wahre", Erscheinungen der Gottesnamen und Ausstrahlungen Seiner Eigenschaften. Die Wahrheit eines jeden Dinges, ob es körperlich oder geistig, essentiell oder akzidentiell existiert, und die Wahrheit eines jeden Menschen stützt sich auf das Licht eines jeden Gottesnamens und dessen Wahrheit. Anderenfalls sind die Dinge und die Menschen wahrheitslose und bedeutungslose Gestalten.

Am Schluss des "Zwanzigsten Wortes" wurde dieses Geheimnis ein wenig behandelt. Oh Seele! Wenn du dieses irdische Leben so sehr liebst und dich vor dem Tod versteckst, wisse mit Sicherheit: Das, was du dir als Leben vorstellst, besteht nur aus einer einzigen Minute, in der du dich befindest! Deine ganze Zeit vor dieser Minute und alle weltlichen Dinge, die in diesem Zeitabschnitt vorhanden waren, sind in dieser Minute tot und leblos. Deine ganze Zeit nach dieser Minute und alles, was darin sein wird, ist abwesend und nichtig. Materielles Leben, auf das du dich verlässt, besteht nur aus einer einzigen Minute. Ein Teil der Forscher hat sogar gesagt: "Es besteht nur aus einer einzigen Sekunde, ja vielmehr aus einem einzigen Augenzwinkern." Aus diesem Geheimnis heraus haben manche Gottesfreunde (Heilige) ihr Urteil über die Welt gesprochen, dass die Welt hinsichtlich ihres irdischen Daseins nicht existent ist. Lass daher das materielle Leben der Begierde hinter dir, schwinge dich

auf die Lebensstufe des Herzens, des Geistes und der meditativen Wahrnehmung empor und betrachte, wie umfassend ihr Lebensbereich ist. Die Vergangenheit und die Zukunft, die für dich tot sind, bedeuten für sie "das Leben", sind lebendig und existent.

Oh, du meine Seele! Da es nun einmal so ist, weine auch du wie es mein Herz tut und schreie und sage:

"Ich bin ein Vergänglicher und mag nicht das Vergängliche. Ich bin schwach und mag nicht das Schwache. Ich übergab meinen Geist dem Gnädigen, sonstiges mag ich nicht. Doch ich mag etwas, was ich aber mag, ist ein bleibender Geliebter. Zwar bin ich ein Stäubchen, ich mag aber eine immerwährende Sonne. Ich bin ja ein Nichts in Nichts. Ich mag aber die ganze Schöpfung im Ganzen."

Fünfter Abschnitt:

Dieser Abschnitt wurde mir arabisch eingegeben und so ist er auch hier arabisch angeführt. Ferner ist dieser arabische Abschnitt ein Hinweis auf eine einzige Stufe von dreiunddreißig Stufen, die im Gedenken von "Allahu Ekber" (Gott ist groß) zum Nachdenken anregen.

اَللَّهُ اَكْبَرُ اِذْ هُوَ الْقَدِيرُ الْعَلِيمُ الْحَكِيمُ الْكَرِيمُ الرَّحِيمُ الْجَمِيلُ النَّقَّاشُ اْلاَزَلِىُّ الَّذِى مَاحَقِيقَةُ هٰذِهِ الْكَآئِنَاتِ كُلاًّ وَجُزْءاً وَصَحَآئِفَ وَطَبَقَاتٍ، وَمَا حَقَآئِقُ هٰذِهِ الْمَوْجُودَاتِ كُلِّيّاً وَجُزْئِيّاً وَوُجوُدًا وَبَقَآءً اِلاَّ خُطُوطُ قَلَمِ قَضَآئِهِ وَقَدَرِهِ، وَتنْظِيمِهِ وَتقْدِيرِهِ بِعِلْمٍ وَحِكْمَةٍ، وَنُقُوشُ پَرْكَارِ عِلْمِهِ وَحِكْمَتِهِ وَتصْوِيرِهِ وَتدْبِيرِهِ بِصُنْعٍ وَعِنَايَةٍ وَتزْيِينَاتُ يَدِ بَيْضَآءِ صُنْعِهِ وَعِنَايَتِهِ وَتَزْيِينِهِ وَتَنْوِيرِهِ بِلُطْفٍ وَكَرَمٍ، وَاَزَاهِيرُ لَطَآئِفِ لُطْفِهِ وَكَرَمِهِ وَتَوَدُّدِهِ وَتَعَرُّفِهِ بِرَحْمَةٍ وَنِعْمَةٍ، وَثَمَرَاتُ فَيَّاضِ رَحْمَتِهِ وَنِعْمَتِهِ وَتَرَحُّمِهِ وَتَحَنُّنِهِ بِجَمَالٍ وَكَمَالٍ وَلَمَعَاتُ وَتَجَلِّيَاتُ جَمَالِهِ وَكَمَالِهِ بِشَهَادَاتِ تَفَانِيَةِ الْمَرَايَا وَسَيَّالِيَةِ الْمَظَاهِرِ مَعَ بَقَاءِ الْجَمَالِ الْمُجَرَّدِ السَّرْمَدِىِّ الدَّآئِمِ التَّجَلِّى وَالظُّهُورِ عَلٰى مَرِّ الْفُصُولِ وَالْعُصُورِ وَالدُّهُورِ وَدَآئِمِ

اْلاَنَامِ وَاْلاَيَّامِ وَاْلاَعْوَامِ نَعَمْ فَاْلاَثَرُ الْمُكَمَّلُ يَدُلُّ ذَا عَقْلٍ عَلَى الْفِعْلِ الْمُكَمَّلِ ثُمَّ الْفِعْلُ الْمُكَمَّلُ يَدُلُّ ذَا فَهْمٍ عَلَى اْلاِسْمِ الْمُكَمَّلِ ثُمَّ اْلاِسْمُ الْمُكَمَّلُ يَدُلُّ بِالْبَدَاهَةِ عَلَى الْوَصْفِ الْمُكَمَّلِ، ثُمَّ الْوَصْفُ الْمُكَمَّلُ يَدُلُّ بِالضَّرُورَةِ عَلَى الشَّأْنِ الْمُكَمَّلِ ثُمَّ الشَّأْنُ الْمُكَمَّلُ يَدُلُّ بِالْيَقِينِ عَلٰى كَمَالِ الذَّاتِ بِمَا يَلِيقُ بِالذَّاتِ وَهُوَ الْحَقُّ الْيَقِينِ نَعَمْ تَفَانِى الْمِرْاٰةِ زَوَالُ الْمَوْجُودَاتِ مَعَ التَّجَلِّى الدَّآئِمِ مَعَ الْفَيْضِ الْمُلاَزِمِ مِنْ اَظْهَرِ الظَّوَاهِرِ اَنَّ الْجَمَالَ الظَّاهِرَ لَيْسَ مُلْكُ الْمَظَاهِرِ مِنْ اَفْصَحِ تِبْيَانٍ مِنْ اَوْضَحِ بُرْهَانٍ لِلْجَمَالِ الْمُجَرَّدِ ِلـْلاِحْسَانِ الْمُجَدَّدِ لِلْوَاجِبِ الْوُجُودِ لِلْباَقِى الْوَدُودِ ٭ اَللّٰهُمَّ صَلِّ عَلٰى سَيِّدِنَا مُحَمَّدٍ مِنَ اْلاَزَلِ اِلَى اْلاَبَدِ عَدَدَ مَافِى عِلْمِ اللَّهِ وَعَلٰٓى اٰلِهِ وَصَحْبِهِ وَسَلِّمْ

{"Gott ist groß! Er ist der Allmächtige, der Allwissende, der Allweise, der Freigebige, der Barmherzige, der Gütige, der Designer, der Ewige. Was ist das Universum in Wirklichkeit, als eine Ganzheit und in seinen Teilen, (dieses kosmische Buch mit seinen) Seiten, seinen Abschnitten, was ist das Sein als Ganzes und in seinen Teilen, in seiner zeitlichen und ewigen Existenz anderes, denn der Pinselstrich Seiner Vorausschau, Seiner Anordnungen und Bestimmungen und deren Erfüllung in Allwissenheit und Weisheit, ein fehlerfreier Entwurf entsprechend Seiner Allwissenheit und Weisheit, Gestaltung und Verwaltung entsprechend Seiner Kunstfertigkeit und Seiner Güte, das Design der goldenen Hände Seiner Kunstfertigkeit und Seiner Güte, das Design von Seiner Erleuchtung, (die Er schenkt) in Güte und Freigiebigkeit; und die Blumen (anderes, denn ein Ausdruck) der Feinsinnigkeit Seiner Güte und Freigiebigkeit, (Sein Wunsch), sich bekannt zu machen und geliebt zu werden nach Seinem Erbarmen und Seiner Gnade; und die Früchte (anderes, denn ein Ausdruck) der Fülle Seines Erbarmens und Seiner Gnade, Seines Mitleids und Seines Erbarmens nach Seiner Schönheit, Vollkommenheit, Funken und Erscheinungsweisen Seiner Schönheit und Vollkommenheit durch das Zeugnis der Vergänglichkeit (allen Seins als) Spiegel im Dahinschwinden aller Orte und Erscheinungen, die Beständigkeit dieser transzendenten ewigen Schönheit, ihre beständige Manifestation, ihr Aufscheinen im Wechsel der Jahreszeiten, der Jahrhunderte, der Äonen, der fortdauernde Gnadenerweis, während die Geschöpfe und ihre Tage und alle Völker dahinschwinden?" "In der Tat verweist dieses vollkommene Werk einen jeden Verständigen auf eine präzise Arbeit und diese verweist einen jeden, der vernünftig ist, auf dessen rechten Namen (und Titel) und diese verweisen auf die Vollkommenheit Seiner Eigenschaften, und diese verweisen auf die Vollkommenheit Seiner inneren Haltung, und diese verweist mit absoluter Sicherheit auf die Vollkommenheit Seiner Selbst, so wie es Seinem Wesen entspricht; und das ist die absolute Wahrheit." "Die Vergänglichkeit des Spiegels (was das Universum ist) und der (letztendliche) Untergang allen Seins, während (das Urbild) sich ständig wieder neu manifestiert und damit notwendigerweise den Spiegel (immer wieder neu) widerspiegelt ist in der Tat der eindeutigste Beweis, dass die offensichtliche Schönheit (der Schöpfung) nicht Bestandteil ihres Erscheinungsortes sein kann. Dies ist die beredteste Aussage und der klarste Beweis einer transzendenten Schönheit und sich stets erneuernden Güte, (ein Beweis) für den Notwendig Seienden, den Beständigen, den (Ewigen) Freund." "Oh Gott, schenke Deinen Frieden unserem Herrn Mohammed von Ewigkeit zu Ewigkeit nach der Zahl der Dinge, welche die göttliche Allwissenheit umfasst, Ihm, Seiner Familie und Seinen Gefährten und segne sie!"}

Anhang

بِسْمِ اللَّهِ الرَّحْمَنِ الرَّحِيمِ

{"Im Namen Gottes, des Erbarmers, des Barmherzigen."}

Dieser kleine Anhang ist von großer Bedeutung. Jeder kann daraus seinen Nutzen ziehen.

Es gibt viele Wege, die zu Gott dem Gerechten führen. Alle wahrhaftigen Wege sind aus dem Qur'an entnommen. Aber manche dieser Wege sind kürzer als andere, noch sicherer, noch umfassender. Hier handelt es sich um den Weg "Schwäche, Armseligkeit, selbstlose Liebe und Nachdenken", den ich neben anderen durch meinen Verstand in meiner Wenigkeit aus dem Qur'an herausgefunden habe. Ja, die Schwäche ist auch ein Weg wie die Liebe (ashk),ja sogar ist sie noch sicherer: Dank des Weges des Gottesdienstes führt sie hin, bis man Geliebter Gottes wird. Die Armseligkeit führt auch zu dem Namen Gottes "der Erbarmer (Rahman)".Ferner ist die selbstlose Liebe ein Weg wie die Liebe (ashk),ja sogar noch schärfer und noch umfassender. Er führt zu dem Namen Gottes "der Barmherzige (Rahim)".Ferner ist das Nachdenken auch ein Weg wie die Liebe (ashk),ja sogar noch reicher, noch glänzender und noch umfassender. Er führt zu dem Namen Gottes "der Weise (Hakim)".Dieser Weg besteht nicht aus zehn Schritten, die man auf dem esoterischen Weg als "Zehn Feinheiten" nennt, oder nicht Schritte auf sieben Stufen, die man auf dem exoterischen Weg als "Sieben Seelen" bezeichnet, sondern vielmehr besteht er aus "vier Schritten". Er ist mehr als Mystik, er ist die Erkenntnis der Wahrheit. Er ist die Scharia, der Weg der Gebote Gottes. Man soll nicht falsch verstehen: Das heißt, dass man seine Schwäche, Armseligkeit und Fehler Gott dem Gerechten gegenüber erkennt.

Das heißt nicht, dass man sie vorführt oder den Leuten zur Schau stellt. Die Gebete (evrad)dieses kurzen Weges sind: Dem Vorbild des Propheten folgen, die Pflichtgebote einhalten, die großen Sünden verlassen und besonders die Pflichtgebete vorschriftgetreu (ta'dil-i erkan)verrichten und an deren Ende die besonderen Rezitationen (tesbihat)vollziehen.

Auf den ersten Schritt weist die Ayah

فَلاَ تُزَكُّوٓا اَنْفُسَكُمْ

{"Erklärt euch nicht selbst für rein!" (Sure 53, 32)}

hin. Auf den zweiten Schritt weist die Ayah

وَلاَ تَكُونُوا كَالَّذِينَ نَسُوا اللَّهَ فَاَنْسٰيهُمْ اَنْفُسَهُمْ

{"Und seid nicht wie diejenigen, die Gott vergessen haben, worauf Er sie sich selber vergessen ließ." (Sure 59, 19)}

hin. Auf den dritten Schritt weist die Ayah:

مَآ اَصَابَكَ مِنْ حَسَنَةٍ فَمِنَ اللَّهِ وَمَآ اَصَابَكَ مِنْ سَيِّئَةٍ فَمِنْ نَفْسِكَ

{"Was dich an Gutem trifft, kommt von Gott, was dich an Schlimmen trifft, von dir selbst." (Sure 4, 79)}

hin. Auf den vierten Schritt weist die Ayah

كُلُّ شَىْءٍ هَاِلكٌ اِلاَّ وَجْهَهُ

{"Alles ist dem Untergang geweiht, nur Er (wörtlich: Sein Antlitz) nicht." (Sure 28, 88)}

hin. Eine kurze Erläuterung zu diesen vier Schritten ist folgende:

Erster Schritt:

Man soll sich nicht für geläutert halten, wie die Ayah

فَلاَ تُزَكُّوٓا اَنْفُسَكُمْ

{"Erklärt euch nicht selbst für rein!" (Sure 53, 32)}

hinweist.

Denn der Mensch liebt von seinem Wesen und seiner Veranlagung her sich selbst. Ja vielmehr liebt er an erster Stelle und direkt sein Wesen. Er opfert alles andere seinem Selbst. Er lobt sich selbst auf einer Art, wie es dem Angebeteten gebührt. Er erklärt sich selbst von schändlichen Handlungen frei und spricht sich frei, wie dies dem Angebeteten zukommt. Soweit wie möglich hält er sich nicht als geeignet für Fehler und er nimmt sie nicht an. Er verteidigt sich heftig in der Art einer Selbstverehrung. Sogar verwendet er die Anlagen und Fähigkeiten, die seinem Wesen anvertraut sind und ihm dazu verliehen wurden, um den wahren Angebeteten zu loben und zu preisen, für sich selbst. So erfährt er das Geheimnis von

مَنِ اتَّخَذَ اِلٰهَهُ هَوٰيهُ

{"Einem, der seine persönliche Neigung sich zu seinem Gott gemacht hat." (Sure 25, 43)}

Er sieht sich selbst, er vertraut auf sich selbst, er gefällt sich selbst. So ist auf dieser Stufe und in diesem Schritt die Läuterung und Reinigung der Seele, dass man sich nicht für geläutert und gereinigt hält.

Zweiter Schritt:

Wie die Ayah

وَلاَ تَكُونُوا كَالَّذِينَ نَسُوا اللَّهَ فَاَنْسٰيهُمْ اَنْفُسَهُمْ

{"Und seid nicht wie diejenigen, die Gott vergessen haben, worauf Er sie sich selber vergessen ließ." (Sure 59, 19)}

diesen Unterricht erteilt: Er hat sich selbst vergessen, er hat keine Ahnung von sich selbst. Denkt er an den Tod, so gibt er ihn den anderen. Sieht er das Vergehen und den Untergang, so will er sie nicht auf sich beziehen. Wo es um Mühe und Dienst geht, so vergisst er sich, aber wo es um die Belohnung und um die Freude geht, denkt er an sich selbst und bezieht es sehr stark auf sich. Das ist charakteristisch für eine eigenwillige Seele. An dieser Stelle wird sie geläutert, gereinigt und wohlerzogen durch

das Gegenteil dieser Haltung. Das heißt, wo die Seele sich vergessen will, soll man sie nicht vergessen. Das heißt, man soll sich vergessen, wo es um Freude und Wünsche geht, und an sich denken, wenn es sich um Tod und Dienst (hizmet)handelt.

Dritter Schritt:

Wie die Ayah

مَآ اَصَابَكَ مِنْ حَسَنَةٍ فَمِنَ اللَّهِ وَمَآ اَصَابَكَ مِنْ سَيِّئَةٍ فَمِنْ نَفْسِكَ

{"Was dich an Gutem trifft, kommt von Gott, was dich an Schlimmen trifft, von dir selber." (Sure 4, 79)}

diesen Unterricht erteilt: Die Besonderheit der Seele ist es, das Gute sich selbst zu vermachen und darauf stolz und hochmütig zu sein. In diesem Schritt soll man bei seiner Seele nur Fehler, Mängel, Schwäche und Armseligkeit erkennen und verstehen, dass alle Schönheiten und Vollkommenheiten Geschenke sind, die von dem majestätischen Schöpfer gegeben wurden. Man soll an der Stelle von Stolz Gott danken (shukr)und an der Stelle von Selbstruhm Gott loben (hamd).Auf dieser Stufe ist ihre Läuterung nach dem Geheimnis

قَدْ اَفْلَحَ مَنْ زَكّٰيهَا

{"Wohl ergeht es dem, der sie von sich aus rein hält." (Sure 91, 9)}

folgendes: Man soll seine Vollkommenheit in seiner Unvollkommenheit, seine Macht in seiner Schwäche, und sein Reichtum in seiner Armseligkeit wissen.

Vierter Schritt:

Wie die Ayah

كُلُّ شَىْءٍ هَاِلكٌ اِلاَّ وَجْهَهُ

{"Alles ist dem Untergang geweiht, nur Er (wörtlich: Sein Antlitz) nicht." (Sure 28, 88)}

diesen Unterricht erteilt: Die Seele hält sich für frei und selbständig und unabhängig existent. Daher beansprucht sie eine Art Herrschaft. Sie ist ihrem Angebeteten gegenüber feindselig und aufständisch gesinnt.

Sie kann sich so davor retten, indem sie diese folgende Wahrheit begreift. Die Wahrheit ist folgendermaßen: Jedes Ding ist in seinem Wesen, wenn man es aus sich selbst heraus sinnvoll betrachtet, vergänglich, nicht vorhanden, eine Eingebung und nicht existent. Aber wenn man es wie ein Verhältniswort in der Grammatik betrachtet und dass es als ein Spiegel für die Namen des majestätischen Schöpfers dient und beauftragt ist, so ist es ein Zeuge, ein Bezeugter, es hat einen Körper und es existiert. An dieser Stelle ist ihre Läuterung und Reinigung folgendermaßen: In ihrer Anwesenheit (vudjud)ist sie abwesend (adem)und in ihrer Abwesenheit (adem)ist die anwesend (vudjud).Das heißt: Wenn sie sich für etwas hält und denkt, sie würde selbständig existieren, so sitzt sie in einer dermaßen großen Finsternis der Abwesenheit im Umfang des ganzen Kosmos. Das heißt, wenn sie auf ihre persönliche Existenz vertraut und Denjenigen, der sie in Wahrheit ins Dasein brachte, vergisst, so liegt sie wie ein Leuchtkäfer mit einem persönlichen Licht im Körper in grenzenloser Finsternis der Abwesenheit und der Trennungen. So ertrinkt sie. Wenn sie aber den Egoismus verlässt und einsieht, dass sie persönlich nichts ist und nur ein Spiegelbild dessen, der alles in Wahrheit erschafft, da gewinnt sie die ganze Schöpfung und einen grenzenlosen Körper. Denn derjenige, der den Herrn, den Notwendigseienden findet, dessen Namen in allen Schöpfungen in Erscheinung treten, findet alles.

Schlusswort

Die Erklärung dieser vier Schritte von dem Weg "der Erkenntnis der eigenen Schwäche (adjz),Armseligkeit (fakr),selbstlosen Liebe (shefqat)und des Nachdenkens (tefekkur)"findet sich in den sechsundzwanzig Worten, die für das Erkennen der Wahrheit, für die Wahrheit der Scharia, des Weges der Gesetzgebung, und über die Weisheit des Qur'an verfasst wurden. Hier wollen wir auf ein, zwei Punkte nur kurz hinweisen. Es ist dies wie folgt:

In der Tat ist dieser Weg noch kürzer. Denn er besteht aus vier Schritten. Wenn die Schwäche (adjz)die Hand der Begierde von der Seele wegnimmt, schreibt die Seele alles unmittelbar auf Gott den Allmächtigen, den Majestätischen (Qadir-i Dhu l-Djelal)zu. Stattdessen lässt die Liebe (ashk),die als wirksamer Weg betrachtet wird, die Hand der Begierde von der Seele wegziehen, so hält sich die Seele dennoch an einer irdischen Geliebten (mashuk-u medjazi)fest. Nachdem sie ihren Untergang erfahren hat, richtet sie sich nach dem wahren Geliebten (Mahbub-u Haqiqi).Ferner ist dieser Weg noch sicherer. Denn auf diesem Weg kann die Seele nicht in einen geistigen Rausch verfallen und keine überheblichen Ansprüche erheben. Denn man sieht in der eigenen Seele nichts anderes als Schwäche, Armseligkeit und Fehler, sodass man überheblich werden könnte. Ferner ist dieser Weg noch umfassender und eine große Straße (djadd-i kubra).Denn, auf diesem Weg wird nicht gedacht, dass die Welt zum Nichtsein verurteilt ist, wie die Leute "der Einheitslehre des Seins (ehl-i vahdet-ul vudjud)"tun, um ständig mit der Gegenwart Gottes zu leben, und muss nicht urteilen: "La maudjuda illa hu(Es gibt nichts Existentes außer Ihm.)" Oder man muss sich nicht wie die Leute der "Einheitslehre der Bezeugten (ehl-i vahdet-us shuhud)"vorstellen, dass die Welt in die Haft der absoluten Vergessenheit verurteilt ist, und sagen "La mashhuda illa hu(Es gibt nichts Bezeugtes außer Ihm.)", um ständig mit der Gegenwart Gottes leben zu können. Vielmehr, da der Qur'an der Welt ganz eindeutig ihr Nichtsein und ihre Haft erlässt, richtet sich unser Weg auch dementsprechend.

Er entbindet alle Existenzen vom Dienst auf eigene Rechnung und stellt sie auf die Rechnung des majestätischen Schöpfers (Fatir-i Dhu l-Djelal)in Dienst. Dieser Weg setzt die Existenzen ein, im Auftrag als Erscheinungsort und Spiegel für die Schönen Namen Gottes zu dienen, und er betrachtet sie wie ein Verhältniswort zu seinem Substantiv, dem Schöpfer. Auf diesem Weg kann man sich vor der absoluten Gottvergessenheit retten, in die ständige Gegenwart Gottes eintreten und in jedem Ding einen Weg zu Gott dem Gerechten finden.

Zusammenfassung:

Hier handelt es sich darum, die Dinge vom Dienst auf die eigene Rechnung zu entbinden und sie nicht von sich aus als sinnvoll zu betrachten.

Siebenundzwanzigstes Wort

Eine Abhandlung über "Persönliche Meinungsfindung (Idjtihad)"

{Idjtihad: Anstrengung; das Ergebnis einer Bemühung eines Rechtsgelehrten unter Heranziehen der Rechtsquellen, die Lösung einer Rechtsfrage herbeizuführen. (A.d.Ü.)}

(Eine Frage, die ich vor fünf, sechs Jahren in einer Abhandlung auf arabisch über Idjtihad verfasst hatte, wurde hier auf Wunsch zweier meiner Mitbrüder geschrieben. Diese Frage über Idjtihad soll denjenigen, der seine Grenzen überschreitet, auf seine Grenzen verweisen.)

بِسْمِ اللَّهِ الرَّحْمَنِ الرَّحِيمِ ٭ وَلَوْ رَدُّوهُ اِلَى الرَّسُولِ وَاِلٰٓى اُولِى اْلاَمْرِ مِنْهُمْ لَعَلِمَهُ الَّذِينَ يَسْتَنْبِطُونَهُ مِنْهُمْ

{"Im Namen Allahs, des Erbarmers, des Barmherzigen. Wenn sie es jedoch vor den Gesandten und vor diejenigen von ihnen bringen würden, die zu befehlen haben, würden diejenigen von ihnen es wissen, die der Sache wirklich nachgehen können." (Sure 4, 83)}

Das Tor der Idjtihad ist zwar offen, aber es gibt in dieser Zeit"sechs Hindernisse"um hindurch zu gehen.

Erstens:

So wie im Winter, einer Zeit heftiger Stürme, auch die kleinsten Löcher abgedichtet werden, wäre es keineswegs vernünftig, neue Tore zu öffnen. Ferner bestünde die Gefahr, zu ertrinken, schlüge man Löcher in die Wände, während draußen eine gewaltige Sturmflut wütet, um sie zu reparieren. Genauso ist es ein Verbrechen am Islam, in dieser Zeit, wo die Verbote Gottes unbeachtet bleiben, in der Ära, wo unislamische Gebräuche eindringen,

in der Periode, wo abzulehnende Erneuerungen im Übermaß auftreten und Irrlehren Zerstörungen anrichten, unter der Bezeichnung "Idjtihad"aus dem Schloss "Islam"heraus neue Tore nach draußen zu öffnen, und in seine Wände Löcher zu schlagen, die den Zerstörern Einlass gewähren.

Zweitens:

Was die beiden unabänderlichen Rechtsquellen (Qur'an und Sunna)im Glauben betrifft, so kann die Idjtihad sie nicht berühren. Denn sie sind endgültig und festgesetzt. Ferner sind diese Grundlagen lebensnotwendig wie Nahrungsmittel und Nährstoffe. Sie bleiben heute unbeachtet und werden erschüttert. Man soll heute die ganze Begeisterung und Anstrengung für deren Aufrichtung und Belebung aufwenden. Darüber hinaus sind die Lehrmeinungen aus den beiden anderen Rechtsquellen

{idjma und qiyas : Übereinstimmung der islamischen Gemeinde und Analogieschluss der Rechtsgelehrten. (A.d.Ü.)}

des Islam bekannt, die die vorherigen Rechtsgelehrten durch ihre reine und aufrichtige Idjtihad erstellt hatten und die für die Bedürfnisse jeder Zeit nicht begrenzt sind. Sie zu übersehen und sich nach Lust und Laune neue Idjtihadzu bilden, ist ein ketzerisches (bid'a)Verbrechen.

Drittens:

Je nach Jahreszeit ist auf dem Markt das Verlangen nach einer bestimmten Sache groß. Von Zeit zu Zeit wird je eine Ware marktgängig. Genauso findet in dem Ausstellungsort der Welt, auf dem Markt des gesellschaftlichen Lebens und der Zivilisation der Menschen in jedem Jahrhundert je eine Sache ihren Anklang. Auf den Straßen, das heißt, auf den Märkten werden diese Dinge ausgestellt und das Interesse daran geweckt. Die Augen wenden sich ihnen zu und die Gedanken beschäftigen sich mit ihnen. Zum Beispiel stehen in dieser Zeit politische Dinge, die Absicherung des weltlichen Lebens und das Interesse für Naturwissenschaft und Philosophie im Vordergrund. In dem vorausgegangenen Zeitalter der "Reinen" (selef-i salihin= die erste und zweite Schülergeneration)

und auf dem Markt jener Zeit war die beliebteste Sache das, womit der Schöpfer der Himmel und der Erde mit uns zufrieden wird, und was Er von uns verlangt, aus Seinen Worten herauszufinden und die Mittel zu beschaffen, die die ewige Glückseligkeit in der jenseitigen Welt erwerben lassen, welche durch das Licht des Prophetentums und des Qur'an dermaßen weit geöffnet wurden, um sie niemals mehr wieder zu schließen.

Da in jener Zeit die Gedanken, Herzen und Gemüter mit all ihrer Kraft daraufhin ausgerichtet waren, Wünsche des Herrn der Erde und des Himmels zu erkennen, waren auch die Unterhaltungen, Gespräche, Geschehnisse und Zustände im Alltagsleben der Menschen dementsprechend. Und da alle Dinge in dieser Richtung ihren Lauf nahmen, konnte jeder, der dafür empfänglich war, auf schönste Weise in seinem Herzen und seiner Natur entsprechend von jedem Ding unbewusst eine Lehre, die ihm Erkenntnis brachte, empfangen. Er bildete sich durch die Zustände, Ereignisse und Gespräche, die in jener Zeit abliefen. Als wäre jedes Ding ein Lehrer für ihn, dient alles durch seine Beschaffenheit und seine Natur als Vorbereitung für seine Idjtihad. Dieser natürliche Unterricht war sogar ein solches Licht, dass jeder fast ohne Anstrengung die Fähigkeit zu seiner Idjtihad besaß, gleich einem Licht, das sich beinahe wie von selbst entzündete.

So erlebte, wer dafür empfänglich war und auf diese Weise einen natürlichen Unterricht empfangen hatte, das Geheimnis des "Licht über Licht" und konnte schnell und in kurzer Zeit einen eigenen Kommentar finden, sobald er begann, sich seine Idjtihad zu erarbeiten, da seine Fähigkeit schon gleichsam der Bereitschaft eines Streichholzes entsprach.

In dieser Zeit sind aber infolge der Vorherrschaft der europäischen Kultur, ihrer Naturwissenschaften mit ihrer Aufdringlichkeit und die erschwerten Lebensbedingungen auf Erden die Herzen und Gedanken (der Menschen) zerstreut, ihre Opferbereitschaft und Güte gespalten. Der spirituelle Bereich (maneviyat)ist in ihrer Gedankenwelt zu einem Fremdkörper geworden.

Aus diesem Grund braucht jemand in unserer Zeit zehnfach mehr Zeit, um zu seiner Idjtihad zu gelangen, als zum Beispiel Sufyan ibn Uyaina,ein Exeget, der schon in seinem vierten Lebensjahr den ganzen Qur'an auswendig konnte und mit Gelehrten wissenschaftliche Dispute führte, und das selbst bei einer in etwa vergleichbaren Intelligenz! Benötigte also Sufyan noch zehn Jahre, um zu seiner Idjtihad zu gelangen, so benötigt dieser Mann nun hundert Jahre, um (die gleiche innere Reife) zu erlangen. Denn für Sufyan begann der Prozess der Selbstfindung ganz natürlich bereits im frühesten Alter der Selbstentdeckung. Allmählich entwickelten sich seine Fähigkeiten, entfaltete sich ein inneres Licht, begann er von all überall seine Lehren zu empfangen und (in der steten Bereitschaft und Entflammbarkeit seines Geistes) einem Streichholz gleich zu werden.

Was aber seinen Vetter in heutiger Zeit betrifft, so ertrinken seine Gedanken in der Philosophie, verliert sich sein Verstand in der Politik, berauscht sich sein Herz im irdischen Leben und er verliert die natürliche Fähigkeit zur Idjtihad. Er hat im Grade seiner intensiven Beschäftigung mit den modernen Wissenschaften mit Sicherheit die Fähigkeit zu der Idjtihad,Gesetze (aus dem Qur'an ableiten zu können) verloren und bleibt im Grade seiner vielseitigen Bildung in den weltlichen Wissenschaften hinter der Annahme der Idjtihad(eines aus dem Qur'an abgeleiteten Gesetzes) zurück. Deswegen kann er nicht sagen: "Ich bin genauso klug wie er. Warum sollte ich ihm nicht gleich sein." Er hat kein Recht so zu sagen und er kann ihm auch nicht gleich kommen.

Viertens:

Jedem Ding wohnt eine Tendenz inne, sich zu entfalten, damit es wachsen und gedeihen kann. Diese Tendenz, sich zu entfalten, dient, da sie von innen heraus wächst, der Vervollkommnung dieses Dinges und seiner Anlagen. Wenn aber diese Tendenz, sich zu entfalten, von außen angreifen würde, so hieße das, die Haut des Körpers zu zerreißen und zu zerstören und

wäre dies keine Entfaltung. Ebenso entspricht es der Vervollkommnung, ist es Vollkommenheit, wenn solche, die, wie die Selef-i Salihin durch die Türe der vollkommenen Gottesfurcht und auf dem Weg der Befolgung Pflichten des Glaubens in das Gebäude des Islam eingetreten sind, die Neigung in sich verspüren, sich zu entfalten und den Willen zur Idjtihad haben.

Wenn aber anderenfalls dieses Bedürfnis, sich zu entfalten und dieser Wille, seinen eigenen Platz (im Leben) zu finden, von Leuten kommt, die aufgegeben haben, ihren Verpflichtungen nachzukommen, die das irdische Leben dem jenseitigen Leben vorziehen und von der materialistischen Philosophie besudelt sind, so heißt das, den Islamkörper zu zerstören und ist ein Mittel, die Kette des Gesetzes von ihrem Hals zu streifen.

Fünftens:

Die drei (nachstehenden) Standpunkte verkehren die Idjtihad in heutiger Zeit ins Irdische, lösen sie aus ihrer himmlischen (Verankerung) heraus. Es ist aber die Scharia vom Himmel (herabgekommen) und auch die Idjtihad des Gesetzes ist im Himmel (verankert), da sie die verborgenen Gesetze des Himmels entschleiert.

Erstens:

Die Weisheit hinter einer Bestimmung ist das eine, ihre Begründung das andere. Was die Weisheit und Zweckmäßigkeit betrifft, so begründen sie die Prioritäten, sind aber nicht der eigentliche Anlass zu einem Tun oder einem Unterlassen. Was aber die Begründung betrifft, so ist sie der eigentliche Anlass zu der Inkraftsetzung dieser Prioritäten. Zum Beispiel wird das Gebet auf Reisen gekürzt und werden nur zwei Rekat verrichtet. Die Begründung für diese Erlaubnis im Gesetz ist die Reise, die Weisheit dahinter aber liegt in den Anstrengungen (der Reise). Wird eine Reise unternommen und ist diese mit gar keiner Anstrengung verbunden, wird trotzdem das Gebet verkürzt. Denn die Begründung dafür ist gegeben. Wird jedoch keine Reise unternommen, sind aber hunderterlei Anstrengungen gegeben, fehlt eine Begründung für die Verkürzung des Gebetes. Nun stellt die Betrachtungsweise dieser Zeit aber, im Gegensatz zu dieser Tatsache,

Zweckmäßigkeit und Weisheit an die Stelle einer (stichhaltigen) Begründung und bestimmt dementsprechend. Eine solche Idjtihadentspringt mit Sicherheit einer diesseitigen (weltlichen Gesinnung) und ist nicht jenseitig (himmlisch begründet).

Zweitens:

Das Auge unserer Zeit ist hauptsächlich und vor allem auf irdisches Glück gerichtet. Auf dieses hin sind die Gesetze (unserer Zeit) ausgerichtet. Was hingegen das Auge der Scharia betrifft, so ist es hauptsächlich und vor allem auf das jenseitigen Glück gerichtet. Erst in zweiter Linie betrachtet es das irdische Glück und zwar als Mittel zum jenseitigen Glück. Das heißt, dass der Geist der Scharia dem Auge dieser Zeit fremd ist. Weil dies aber so ist, kann (sein Blick) nicht im Namen der Scharia zu einer Idjtihad hin führen.

Drittens:

Es ist der Grundsatz اِنَّ الضَّرُورَاتِ تُبِيحُ الْمَحْظُورَاتِ das heißt: "Eine Zwangslage hebt, was haram ist, auf die Stufe des helal."Dieser Grundsatz ist aber nicht allgemeingültig. Wenn eine Zwangslage nicht durch einen verbotenen (haram)Weg zu Stande gekommen ist, so kann sie der Grund dazu sein, helal etwas zu machen, was haram ist. Wenn eine Zwangslage aber durch den Missbrauch der Handlungsfreiheit, durch (islamisch)illegale Gründe zu Stande gekommen ist, kann sie, was haram ist, nicht helal machen. Sie kann nicht zum Anlass dafür dienen, etwas rechtlich zu genehmigen, eine Entschuldigung darzustellen. Wenn zum Beispiel ein Mann seine Handlungsfreiheit missbraucht und sich in verbotener (haram)Weise betrinkt, so wird ihm alles Schlechte, das er in diesem Zustand begeht, nach (Meinung) der islamischen Rechtsgelehrten zur Last gelegt. Er wird nicht entschuldigt. Wenn er sich (in diesem Zustand) scheidet, gilt diese Scheidung und wenn er ein Verbrechen begeht, so wird er bestraft.

Aber wenn sein Rauschzustand nicht durch den Missbrauch seiner Handlungsfreiheit zu Stande gekommen ist, so wird die Scheidung nicht rechtskräftig, bzw. er wird nicht bestraft.

Zum Beispielkann einer, der von der Trunksucht befallen ist, nicht sagen "Es ist eine Zwangslage, es ist mir gebilligt," auch wenn er im Grade einer Zwangslage davon abhängig ist. So gibt es denn in heutiger Zeit viele Situationen, die bereits den Grad einer Zwangslage erreicht zu haben scheinen, in der die Menschen gefangen sind und ihnen wie ein allgemeines Unglück vorkommen. Da diese durch den Missbrauch der Entscheidungsfreiheit aus (im Islam) nicht erlaubten Neigungen und aus verbotenen (haram)Handlungen herrühren, können sie kein Anlass zur Billigung (der Ausnahmezustände im islamischen Gesetz) sein und das Verbotene (haram)nicht als Erlaubtes (helal)geltend machen. Weil aber dahingegen die Leute (ehl-i Idjtihad)ihre Zwangslage zur Basis (ihrer Auslegung) der islamischen Gesetze machen, ist ihre Idjtihad erdgebunden, willkürlich, philosophisch, kann nicht himmlischen (Ursprungs) sein und entspricht nicht dem islamischen Recht. Indessen handelt es sich in Wirklichkeit um die Verfügung über die Gesetze Gottes, des Schöpfers der Himmel und der Erde und um eine Einmischung in Glaube und Gottesdienst Seiner Anbeter. Dergleichen Verfügungen und Einmischungen sind abzulehnen, insoweit es dazu keine vom Schöpfer autorisierte Erlaubnis gibt.

Aus zwei Gründen halten es manche Gottvergessenen für schön, wenn einige Kennzeichen des Islam (sheair-i Islamiye),wie die Freitagspredigt (Hutbe)vom Arabischen gelöst und in der Sprache jedes Volkes gehalten wird.

Erster Grund:

"Durch diese Weise soll die heutige Politik auch dem muslimischen Volk verständlich gemacht werden." Was aber die heutige Politik betrifft, so ist in sie so viel Lug und Trug und Teufelswerk hineingeraten, dass sie bereits als Einflüsterung des Teufels gelten kann. Weil jedoch die Kanzel (minber)in der Tat ein Platz (maqam)ist, welcher der Verkündigung der göttlichen

Offenbarungen (: Qur'an)geweiht ist, haben jene Einflüsterungen der Politiker kein Recht, zu diesen hohen Maqam emporzusteigen.

Zweiter Grund:

"Die Freitagspredigt (Hutbe)ist dazu da, aus einigen qur'anischen Suren Rat zu geben und auszulegen." Wenn das islamische Volk in der Tat die Pflichten, die allgemein bekannten Gesetze und Gebote des Islam in Mehrheit befolgt und in die Praxis umgesetzt hätte, dann könnte man vielleicht die Hutbe in der geläufigen Sprache halten und die Übersetzungen der qur'anischen Suren (wenn es möglich wäre)

{(*): Das Fünfundzwanzigste Wort, eine Abhandlung über das Wunder des Qur'an, zeigt, dass eine wahre (d.h. den Geist des Qur'an reflektierende) Übersetzung unmöglich ist.}

gutheißen, sodass die Theorien in der islamischen Gesetzgebung und die feinsinnigen Themen und verborgenen Ratschläge (noch besser) verstanden würden.

Aber heutzutage werden Pflichten, wie das Gebet (namaz),die Almosensteuer (zekat),und das Fasten (orudj)und Verbote wie Mord, Unzucht und Alkohol, die allbekannten feststehenden Gesetze des Islam, vernachlässigt. Das einfache Volk braucht keinen Unterrichtet über die Gebote und Verbote (Gottes). Es braucht vielmehr die Ermunterung und Ermahnung, die sie an diese heiligen Gesetze wieder erinnert. Die Menschen haben eine Ader für den Islam und ein Gefühl für den Glauben und bedürfen der Anregung, der Erinnerung und der Ermunterung zu ihrer Beobachtung. Ein ungebildeter Mensch kann, wie unwissend er auch sein mag, aus dem Qur'an und der arabisch gehaltenen Predigt folgende kurze Bedeutung entnehmen. "Der Prediger und der Hafis (Qur'anrezitator) gemahnt an die Pfeiler des Glaubens und die Grundlagen des Islam, welche allen und so auch mir bekannt sind, unterrichtet sie uns und trägt sie uns vor." So sagt er und es entsteht in seinem Herzen eine Begeisterung für sie. Welche Worte gibt es etwa im Kosmos, die den wunderbaren und allgemeinverständlichen Ermahnungen,

Wiederholungen und Ermunterungen des Weisen Qur'an, der von dem gewaltigen Thron Gottes herabgekommen ist, gleichwertig sein könnten?

Sechstens:

Die großen Exegeten unter den Selef-i Salihin lebten noch kurz nach dem Zeitalter der Gefährten des Propheten Mohammed, dem Zeitalter des Lichtes und dem Zeitalter der Wahrheit, konnten reines Licht empfangen und sich in Aufrichtigkeit ihre Idjtihad bilden. Was die Leute (ehl-i Idjtihad)heutiger Zeit betrifft, so schauen sie hinter dermaßen vielen Schleiern und aus einer weiten Entfernung in das Buch der Wahrheit, sodass sie selbst noch den am deutlichsten (sichtbaren) Buchstaben kaum mehr erkennen können.

Wenn du sagst:

Die Sahabis sind auch nur Menschen und können nicht frei von Fehlern und Gegensätzen sein. Die Quelle ihrer Idjtihad und der Urteile über die islamischen Gesetze sind die Rechtschaffenheit und Aufrichtigkeit der Gefährten des Propheten, sodass die Umma (islamische Gemeinde) übereinstimmend sagt: "Die Sahabis sind in allen Dingen rechtschaffen und sprechen die Wahrheit."

Antwort:

In der Tat liebten die Sahabis in vollkommener Übereinstimmung das Recht, verlangten nach Aufrichtigkeit und sehnten sich nach Gerechtigkeit. Denn die Hässlichkeit allen Luges und Truges wurde in all ihrer Hässlichkeit und die Schönheit der Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit in all ihrer Schönheit so deutlich gezeigt, dass die Entfernung zwischen ihnen so groß war wie die zwischen dem Thron Gottes und der Erde. Zwischen ihnen erkannte man einen so großen Unterschied wie den, welcher zwischen der Stufe eines Müseylime Kezzab (: des Lügners), jener alleruntersten Stufe (Esfel-i Safilin)und der Stufe der Aufrichtigkeit des verehrten Propheten, mit dem Friede und Segen sei, jener höchsten Stufe besteht. In der Tat war das, was Müseylime zum Niedrigsten aller Niedrigen hinabstürzen ließ, die Lüge, wohingegen die Aufrichtigkeit und Ehrlichkeit Mohammeds den Vertrauten, mit dem Friede und Segen sei, zum Ehrenwertesten aller Ehrenwerten emporsteigen ließ.

So ist es denn sicher und gewiss, zwangsläufig und ohne Zweifel, dass die Sahabis in der Erhabenheit ihrer Gefühle und ihrer Hochachtung ethischer Schönheit, erleuchtet durch die lichtvolle Unterhaltung mit der Sonne des Prophetentums, ihre Hände bewusst nicht nach dem Müllhandel mit der Lüge und Müseylimes Täuschung ausstreckten, welche so hässlich und der Grund zu seinem Sturz war. Sie schreckten vor der Lüge, einem Freund des Unglaubens, zurück, so wie sie vor dem Unglauben zurückschreckten und verlangten mit Bestimmtheit nach Ehrlichkeit, Aufrichtigkeit und Rechtmäßigkeit, die so schön sind, (ein Grundstein) für Stolz und Ruhm und eine Leiter, um darauf emporzusteigen, fortzuschreiten, und die unter den hohen Schätzen, die der Stolz des Prophetentums sind, am meisten gefragt sind und durch den Glanz ihrer Schönheit dem menschlichen Zusammenleben ihr Licht verleihen, insbesondere bei der Überlieferung und Verkündigung der Bestimmungen der islamischen Gesetzgebung. Daran hielten sie sich von ganzem Herzen. Im Gegensatz dazu hat sich der Abstand zwischen Lüge und Recht in dieser Zeit so sehr verkürzt, dass sie nun sozusagen Schulter an Schulter stehen. Man geht ganz leicht von der Wahrheit zur Unwahrheit hinüber. Selbst in der Politik gibt man einer verlogenen Propaganda vor der Aufrichtigkeit den Vorzug. Wenn also nun in einem Laden minderwertige Ware zusammen mit erlesenstem Schmuck zum selben Preis verkauft wird, so wird sicherlich der Brillant der Aufrichtigkeit und Rechtmäßigkeit, ein Juwel der Wahrheit von sehr hohem Wert, im Vertrauen auf die Kenntnis und das Wort des Verkäufers blindlings nicht gekauft.

Schlusswort

Entsprechend den Jahrhunderten ändern sich die Gesetze. Es können sogar in einem Jahrhundert verschiedene Gesetze und Propheten für verschiedene Völker kommen und sind sie auch gekommen. Nach dem Siegel der Propheten waren unterschiedliche Gesetze nicht mehr nötig, da die große Gesetzgebung, die er brachte, in jedem Jahrhundert für jedes Volk ausreichte. Aber in Einzelheiten waren in gewissem Grade verschiedene Schulen nötig. Mit der Änderung der Jahreszeiten ändert sich auch die Kleidung. Je nach Temperament ändern sich ja die Medikamente. Genauso ändern sich die Gesetze je nach Zeitalter. Je nach den Fähigkeiten der Völker verändern sich die Anwendungen ihrer Gesetze. Denn in den Einzelheiten richten sich die Anwendungen der Gesetze nach den Haltungen der Menschen. Dementsprechend kommen sie und werden zu Heilmitteln. In den Zeiten der vorausgegangenen Propheten waren die Schichten der Menschen voneinander weit entfernt und ihre Art in gewissem Grade grob und ungestüm. Von ihren Vorstellungen her waren sie primitiv und standen dem Nomadenleben nahe. Daher kamen in ihrer Zeit unterschiedliche Gesetze, die ihrer Haltung entsprachen. Wir hören sogar, dass sich auf einem Festland in demselben Zeitalter verschiedene Propheten und Gesetze befanden. Mit der Ankunft des Propheten der Endzeit waren verschiedene Gesetze nicht mehr nötig, da die Menschen von der Stufe einer Grundschule zu der Stufe eines Gymnasiums fortgeschritten waren. Durch viele Umwälzungen und Vermischungen gelangten die Völker der Menschheit zu einer Reife, in der sie einen einzigen Unterricht bekommen, auf einen einzigen Lehrer hören und mit einer einzigen Gesetzgebung leben konnten. Danach wurden auch verschiedene Lehrer nicht für nötig gehalten. Da sie aber ein gleiches Niveau nicht vollständig erreichten und sich nicht eine gleiche gesellschaftliche Lebensweise übergestreift hatten, kamen verschiedene Rechtsschulen hervor.

Wenn die absolute Mehrheit der Menschen, wie die Studenten einer Hochschule, die selbe gesellschaftliche Lebensweise überziehen könnten, ein gleiches Niveau erreichten, dann könnte man die Rechtsschulen vereinen. Aber da der Umstand der Welt diesen Zustand nicht zulässt, können auch die Rechtsschulen nicht eins werden.

Wenn du sagst:

Es kann nur eins richtig sein. Wie können verschiedene Bestimmungen solcher vier, sogar zwölf Rechtsschulen richtig sein?

Antwort:

Ein und dasselbe Wasser bekommt fünf Bestimmungen für fünf verschiedene Kranke. Es ist dies folgendermaßen:

Für den einen ist das Wasser ein Medikament je nach Art der Krankheit. Medizinisch ist es Vadjib(Pflicht). Für einen anderen aber ist es wegen seiner Krankheit so schädlich wie Gift. Medizinisch ist es für ihn Haram(verboten). Für einen anderen schadet es aber wenig. Medizinisch ist das Wasser für ihn Mekruh(unerwünscht). Für einen anderen nutzt es ohne Schaden. Medizinisch ist es für ihn Sunnah(Nachfolge des Propheten). Für einen anderen ist das Wasser weder schädlich noch nützlich. Er mag es mit Genuss trinken. Für ihn ist es Mubah(wünschenswert). Das Richtige hat sich hier ausgebreitet. Alle fünf Fälle sind recht. Kannst du sagen, dass das Wasser nur ein Heilmittel ist, nur Vadjib(Pflicht) ist und keine andere Bestimmung hat?

Genauso wie dieses erscheinen die Gesetze Gottes in den Rechtsschulen entsprechend denjenigen, die sie befolgen, durch die Leitung der göttlichen Weisheit anders. Alle diese verschiedenen Variationen sind recht und richtig. Jede Variation wird auch richtig und passt der Sache. Zum Beispiel steht durch die Billigung der Weisheit Gottes die Mehrheit derjenigen, die Imam Shafi'i folgen, im Vergleich zu den Hanefiten den Dorfbewohnern und den Nomaden näher. Bei ihnen fehlt das gesellschaftliche Leben, das die Gemeinschaft zu einem einzigen Körper macht. Daher betet jeder die Sure Fatiha im Gebet hinter dem Vorbeter (flüsternd) für sich mit,

damit jeder für sich vor der Schwelle dessen, der alle Bedürfnisse befriedigt, seine Angelegenheit gesagt und seine persönlichen Wünsche geäußert hat.

So ist es gerecht und entspricht der lauteren Weisheit, was diejenigen, die Imam A'zam folgen, betrifft, so stehen sie in Anbetracht der absoluten Mehrheit dem kulturellen Leben, den Stadtbewohnern, noch näher und sind für ein gesellschaftliches Leben fähig, da die meisten islamischen Regierungen diese Rechtsschule bevorzugten. Eine Gemeinschaft verkörpert sich in einer einzelnen Person und ein einziger Mann spricht im Namen aller. Die Allgemeinheit bestätigt ihn innerlich und knüpft mit ihm eine herzliche Verbindung und es gilt sein Wort als das Wort der Allgemeinheit. Daher wird nach Hanefitischer Rechtsschule hinter dem Vorbeter keine Fatiha(flüsternd) mit gebetet. Nicht mitzusprechen ist vollkommen richtig und entspricht der lauteren Weisheit.

Noch ein Beispiel:

Da die Scharia, die islamische Gesetzgebung, nun einmal die eigenwillige Seele erzieht, errichtet sie vor den Überschreitungen der Temperamente eine Sperrmauer. Mit Sicherheit wird nach der shafi'itischen Rechtsschule, deren überwiegende Gefolgschaft Bauern und Halbnomaden und einfache Arbeiter sind, "durch die Berührung einer Frau deren Abdest(rituelle Waschung) ungültig. Schon ein wenig Unreinheit ist schädlich." Nach der Hanefitischen Rechtsschule, der die Menschen folgen, die in der Überzahl ein gesellschaftliches Leben führen und eine halbzivilisierte Form zeigen, "macht die Berührung einer Frau den Abdest(rituelle Waschung) nicht ungültig. Ein wenig Unreinheit wird gebilligt."

Nun wollen wir einen einfachen Arbeiter mit einem Herrn vergleichen. Ein Arbeiter kann wegen der Art, in der er sich seinen Lebensunterhalt verdient, mit fremden Frauen Umgang haben, und mit ihnen in Berührung kommen, sich um einen Herd zusammensetzen und schmutzige Arbeit verrichten. Dabei kann in seinem Berufsleben und (im Erwerb) seines Lebensunterhaltes sein Temperament

und seine herrschsüchtige Seele eine freie Bahn erspähen und ihre Grenzen überschreiten. Darum lässt die Scharia in seinem inneren Ohr ein Echo vom Himmel klingen, um gegen seine Überschreitung eine Sperrmauer zu errichten, in dem sie über ihn bestimmt: "Der Abdest(rituelle Waschung) wird ungültig, meide den Berührungskontakt! Mach dich nicht schmutzig, es macht dein Gebet ungültig!" Was aber einen Herrn betrifft, der ehrenhaft sein soll, so braucht er wegen der gesellschaftlichen Sitten und im Namen der allgemeinen Moral mit fremden Frauen keinen Umgang zu haben. Aus der Verpflichtung zur Sauberkeit als ein Zivilisierter muss er nicht in diesem Grade schmutzige Arbeiten verrichten. Darum verhält sich die Scharia durch die Hanefitische Rechtsschule ihm gegenüber nicht heftig und streng. Sie zeigt ihm die Richtung der Billigung und macht es ihm leichter. "Wenn deine Hand mit einer Frau in Berührung gekommen ist, wird dein Abdest nicht ungültig. Es ist dir nicht nachteilig, wenn du dich nach einer Schmutzarbeit vor den Menschen schämst und dich nicht wäschst. Ein wenig Unreinheit wird gebilligt." So sagt sie ihm und rettet ihn vor dem Zweifel.

Hier sind als Beispiel für dich zwei Tropfen aus dem Meer... Vergleiche diese mit anderen. Mit (Hilfe des Buches) "Scharanis Waage" kannst du die Maße der Scharia auf diese Weise messen, wenn du dazu imstande bist.

سُبْحَانَكَ لاَعِلْمَ لَنآَ اِلاَّ مَاعَلَّمْتَنَآ اِنَّكَ اَنْتَ الْعَلِيمُ الْحَكِيمُ

{"Gepriesen seist Du! Wir haben kein Wissen, außerdem, was Du uns gelehrt hast. Denn Du bist der Allwissende, der Allweise." (Sure 2, 32)}

اَللّٰهُمَّ صَلِّ وَسَلِّمْ عَلٰى مَنْ تَمَثَّلَ فِيهِ اَنْوَارُ مَحَبَّتِكَ لِجَمَالِ صِفَاتِكَ وَاَسْمَآئِكَ بِكَوْنِهِ مِرْاٰةً جَامِعَةً لِتَجَلِّيَاتِ اَسْمَآئِكَ الْحُسْنٰى، وَمَنْ تَمَرْكَزَ فِيهِ شُعَاعَاتُ مَحَبَّتِكَ لِصَنْعَتِكَ فِى مَصْنُوعَاتِكَ بِكَوْنِهِ اَكْمَلَ وَاَبْدَعَ مَصْنُوعَاتِكَ، وَصَيْرُورَتِهِ اَنْمُوذَجَ

كَمَالاَتِ صَنْعَتِكَ، وَفِهْرِسْتَةَ مَحَاسِنِ نُقُوشِكَ وَمَنْ تَظَاهَرَ فِيهِ لَطَآئِفُ مَحَبَّتِكَ وَرَغْبَتِكَ ِلاِسْتِحْسَانِ صَنْعَتِكَ بِكَوْنِهِ اَعْلٰى دَلاَّلِى مَحَاسِنِ صَنْعَتِكَ وَاَرْفَعَ الْمُسْتَحْسِنِينَ صَوْتاً فِى اِعْلاَنِ حُسْنِ نُقُوشِكَ وَاَبْدَعَهُمْ نَعْتًا لِكَمَالاَتِ صَنْعَتِكَ وَمَنْ تَجَمَّعَ فِيهِ اَقْسَامُ مَحَبَّتِكَ وَاِسْتِحْسَانِكَ لِمَحَاسِنِ اَخْلاَقِ مَخْلُوقَاتِكَ وَلطَآئِفِ اَوْصَافِ مَصْنوُعَاتِكَ بِكَوْنِهِ جَامِعًا لِمَحَاسِنِ اْلاَخْلاَقِ كَافَّةً بِاِحْسَانِكَ وَلطَآئِفِ اْلاَوْصَافِ قَاطِبَةً بِفَضْلِكَ. وَمَنْ صَارَ مِصْدَاقًا صَادِقًا وَمِقْياَسًا فَائِقًا لِجَمِيعِ مَنْ ذَكَرْتَ فِى فُرْقاَنِكَ اِنَّكَ تُحِبُّهُمْ مِنَ الْمُحْسِنِينَ وَالصَّابِرِينَ وَالْمُؤْمِنِينَ وَالْمُتَّقِينَ وَالتَّوَّابِينَ وَاْلاَوَّابِينَ وَجَمِيعِ اْلاَصْناَفِ الَّذِينَ اَحْبَبْتَهُمْ وَشَرَّفْتَهُمْ بِمَحَبَّتِكَ فِى فُرْقَانِكَ حَتَّى صَارَ اِمَامَ الْحَبِيبِينَ لَكَ وَسَيِّدَ الْمَحْبوُبِينَ لَكَ وَرَئِيسَ اَوِدَّائِكَ وَعَلٰٓى اٰلِهِ وَاَصْحَابِهِ وَاِخْوَانِهِ اَجْمَعِينَ اٰمِينَ بِرَحْمَتِكَ يَا اَرْحَمَ الرَّاحِمِينَ

{"Oh Gott schenke Frieden und Segen dem, der in sich ein umfassender Spiegel der Erscheinung Deiner Schönen Namen ist und in dem so die Lichter Deiner Liebe zur Schönheit Deiner Eigenschaften und Deiner Namen erschienen sind. Da er das vollkommenste und wunderbarste unter Deinen Geschöpfen ist, so ist er auch der, in dem sich die Lichter Deiner Liebe zu der Kunstfertigkeit konzentrieren, die in Deinen Kunstwerken zum Ausdruck kommen. Er ist das Inhaltsverzeichnis der Schönheiten Deiner Ornamente und ein Musterbeispiel Deiner vollkommenen Kunstwerke. Da er durch seine Eigenschaften der wunderbarste in der Vollkommenheit Deiner Werke ist und der mit lauter Stimme die Schönheit Deiner Ornamente bekannt gibt und sie bewundert und als öffentlicher Ausrufer der Schönheit dient, die Du in Deinen Geschöpfen zeigst, kommen in ihm die Feinheiten Deiner Liebe zu Deinen Kunstwerken zum Ausdruck. Er besitzt mit Deinem Segen (fadl) alle anmutigen Eigenschaften und durch deine Gastfreundschaft (ikram) alle guten Sitten. In ihm vereinigen sich daher alle Arten Deiner Güte (ihsan) und Deiner Liebe. Er wurde ein hohes, ein treffendes Beispiel und ein Vorbild für alle Guten, Geduldigen, Gläubigen, Gottesfürchtigen, Reumütigen und Bekehrten, die Du im Qur'an erwähnst und die Du liebst, und alle Arten des Seins, die gelebt haben und die Du durch Deine Liebe geehrt hast. Er wurde sogar zum Bannerträger (imam) all derer, die Dich lieben und zu einem Meister aller von Dir Geliebten und das Oberhaupt Deiner Freunde. Ihm, seiner Familie, seiner Gefährten und allen Propheten, die seine Brüder sind, tausendmal Friede und Segen! Amen. Oh Barmherziger aller Barmherzigen!"}

Anhang zum Siebenundzwanzigsten Wort

Dieser Anhang handelt von den Sahabis (Gefährten des Propheten)

Ich sage wie auch Maulana Djami gesagt hat:

يَا رَسُولَ اللَّهَ چِه بَاشَدْ چُونْ سَگِ اَصْحَابِ كَهْف دَاخِلِ جَنّتْ شَوَمْ دَرْ زُمْرَهءِ اَصْحَابِ تُو اُو رَوَدْ دَرْجَنَّتْ مَنْ دَرْ جَهَنَّمَ كَىْ رَوَاسْت اُو سَگِ اَصْحَابِ كَهْف مَنْ سَگِ اَصْحاَبْ تُو

{"Wie könnte es denn sein, dass ich nicht ins Paradies gehen sollte, so wie auch der Hund der Ashab-i Kehf (: die Siebenschläfer) mit der Schar Deiner Ashab (: die Sahabis). Wie könnte das sein? Sollte denn er ins Paradies kommen, ich aber zur Hölle fahren? Er war der Hund der Ashab-i Kehf. Ich aber bin der Hund Deiner Ashab."}

بِاسْمِهِ سُبْحَانَهُ ٭ وَاِنْ مِنْ شَىْءٍ اِلاَّ يُسَبِّحُ بِحَمْدِهِ ٭ بِسْمِ اللَّهِ الرَّحْمَنِ الرَّحِيمِ ٭ مُحَمَّدٌ رَسُولُ اللَّهِ وَالَّذِينَ مَعَهُ اَشِدَّآءُ عَلَى الْكُفَّارِ رُحَمَآءُ بَيْنَهُمْ

{"Im Namen des Gepriesenen. Und fürwahr, es gibt kein Ding, das nicht lobend Ihn preist." "Im Namen Allahs, des Erbarmes, des Barmherzigen. Mohammed ist der Gesandte Gottes, und diejenigen, die mit ihm gläubig sind, sind den Ungläubigen gegenüber heftig, unter sich aber mitfühlend. Und so weiter bis zum Ende der Ayah." (Sure 48, 29)}

Eine Frage, die ihr stellt:

In manchen Überlieferungen heißt es: "In einer Zeit, in der ketzerische Erneuerungen Anklang finden, kann ein Teil der Reinen (: Heiligen) unter den Gläubigen und Gottesfürchtigen auf der Stufe der Gefährten des Propheten stehen oder selbst noch auf einer höheren." Es gibt solche Überlieferungen. Sind diese Überlieferungen echt? Wenn sie aber echt sind, welche Wahrheit steht dann dahinter?

Antwort:

Nach den Gesandten Gottes sind die Sahabis die edelsten des menschlichen Geschlechtes. Dafür ist die Übereinstimmung der Schule derer, die dem Vorbild des Propheten und seiner Gemeinde folgen, ein sicheres Zeugnis. Die echten unter diesen Überlieferungen handeln von den persönlichen Vorzügen. Denn einer, dem ein anderer (wegen seiner inneren Haltung) vorgezogen wird, kann wegen seiner besonderen Fähigkeiten oder hinsichtlich einer persönlichen Vollkommenheit bevorzugt werden. In Wirklichkeit können die Sahabis, die besonders hervorgehoben werden, weil der Herr sie am Ende der Sure al-Fathlobend erwähnt, und die das Lob und den Preis der Thora, des Evangeliums und des Qur'an erfuhren, hinsichtlich ihrer grundlegenden Vorzüge nicht erreicht werden. Unter sehr vielen Gründen und Weisheiten dieser Wahrheit wollen wir hier nur drei Weisheiten erklären, die drei Gründe beinhalten.

Erstens, Eine Weisheit:

Das Gespräch mit dem Propheten war ein solches Elixier, dass einer, der es nur eine einzige Minute genoss, zu den Lichtern der Wahrheit gelangte, statt jahrelang auf dem geistigen Wege voranzuschreiten. Denn im Gespräch (sohbet)fand eine Angleichung, eine Widerspiegelung statt. Es ist ja bekannt, dass man durch Widerspiegelung und Befolgung dieses Großen Lichtes des Prophetentums auf eine Stufe von so gewaltiger Höhe emporsteigen kann. Ebenso kann der Diener eines Kaisers in seinem Dienst zu einer solch hohen Stellung emporsteigen, wie sie ein (Stammes) König nicht erreichen kann.

Es ist aufgrund dieses Geheimnisses, dass auch die bedeutendsten Gottesfreunde nicht den Rang eines Sahabis erlangen können. Selbst Gottesfreunde wie Djelale d-din al-Suyuti, der im wachen Zustand vielmals das Gespräch mit dem Propheten genossen hatte, konnten trotzdem nicht den Sahabis gleich kommen, auch wenn sie mit dem ehrenwerten Gesandten, mit dem Friede und Segen sei, in wachem Zustand zusammengetroffen waren und in dieser Welt durch ein Gespräch mit ihm geehrt worden waren.

Denn das Gespräch, das die Sahabis erlebten, hatte im Lichte des Prophetentums Mohammeds stattgefunden, mit dem Friede und Segen sei. Das heißt: sie hatten sich mit ihm als dem Gesandten Gottes unterhalten.

Was die Gottesfreunde betrifft, so erlebten sie ein Gespräch im Lichte der Gottesfreundschaft Ahmeds (Mohammeds), mit dem Friede und Segen sei, wenn sie den ehrwürdigen Gesandten, mit dem Friede und Segen sei, nach seinem Tod getroffen hatten. Wenn also der ehrwürdige Gesandte, mit dem Friede und Segen sei, vor ihren Augen Gestalt angenommen hatte, ihnen erschienen war, so geschah das unter dem Aspekt der Gottesfreundschaft Ahmeds (Mohammeds), mit dem Friede und Segen sei, nicht aber im Lichte seines Prophetentums. In Anbetracht dieser Tatsache ergibt es sich, dass sich diese beiden Gespräche so voneinander unterschieden, wie die Höhe der Stufe eines Gottesgesandten von der Stufe eines Gottesfreundes.

Was für ein lichtausstrahlendes Elixier das Gespräch mit dem Propheten war, wird verständlich, wenn ein Beduine, der so brutal und hartherzig war, dass er seine Tochter lebendig begraben konnte, zu dem Propheten kam und dieser ihn mit einem einstündigen Gespräch beehrte und dadurch eine so barmherzige Liebe empfing, dass er noch nicht einmal mit seinem Fuß auf eine Ameise treten konnte. Des Weiteren nahm ein unwissender wilder Mann einen ganzen Tag an dem Gespräch mit dem Propheten teil; dann ging er in Länder wie China oder Indien und diente dortigen kultivierten Völkern als Lehrer der Wahrheit und Wegweiser zur Vollkommenheit.

Zweitens, Ein Grund:

Wie in dem Kapitel über Idjtihad aus dem "Siebenundzwanzigsten Wort" erklärt und bewiesen wurde, stehen die Sahabis(Gefährten des Propheten) in absoluter Mehrheit auf der höchsten Stufe der menschlichen Vollendung.

Denn in jener Zeit, in der die gewaltige Umwandlung durch den Islam zu Stande kam, wurden das Gute und das Wahre mit all ihren Schönheiten und das Böse und das Wahnhafte mit all seinen Hässlichkeiten erkannt und greifbar empfunden. Zwischen dem Bösen und dem Guten war eine so große Trennung und zwischen der Lüge und der Wahrhaftigkeit eine solch weite Entfernung zu Stande gekommen, wie zwischen dem Unglauben und dem Glauben, ja beide Seiten waren soweit entfernt wie die Hölle und das Paradies. Der öffentliche Ausrufer der Lüge, der Bosheit und des Irrtums war Müseylime, der Lügner, und seine Worte waren die eines Clowns. Mit Sicherheit haben die Sahabis, die von ihrem Wesen her erhabene Gefühle trugen, sich für eine Moral begeisterten und auf Ehre und Ruf großen Wert legten, nicht willentlich ihre Hände nach der Lüge und Bosheit ausgestreckt, um nicht auf die Stufe von Müseylime hinab zu stürzen.

Die Charakterzüge der Gefährten des Propheten verlangten danach, die höchsten Höhen der Vollkommenheit des Gottesgeliebten, mit dem Friede und Segen sei, der der öffentliche Ausrufer und ein Vorbild für Richtigkeit, Wohltat und Wahrheit war, zu betrachten und mit all ihrer Kraft und Begeisterung in diese Richtung zu laufen. Zum Beispiel geschieht es manchmal, dass die Menschen manche Dinge, die auf dem Markt der Kultur der Menschheit und in den Geschäften des gesellschaftlichen Lebens der Menschen fürchterliche Folgen und hässliche Spuren hinterlassen und wie ein tödliches Gift wirken, nicht kaufen, sondern sich sogar davor ekeln und mit aller Kraft davor weglaufen. Manche Gegenstände und geistige Dinge haben schöne Wirkungen und gute Werke

zur Folge, die wie ein erquickender Heiltrank und wie ein Brillant die interessierten Blicke aller Menschen auf sich ziehen. Jeder will sie kaufen, soweit es ihm möglich ist. Genauso brachten Dinge, wie Lüge, Bosheit und Unglaube auf dem Markt des gesellschaftlichen Lebens der Menschen im Zeitalter der Glückseligkeit Ergebnisse, wie ewige Qual und gemeine Maskeraden, wie bei Müseylime, dem Lügner, zu Stande.

Daher ist es klar, dass die Sahabis, die sich für edle Eigenschaften und hohe Werte begeisterten, davor wie vor einem tödlichen Gift davonliefen und sie hassten. Es war unausbleiblich, dass es unter den Gefährten des Propheten, die von ihrem Wesen her rein und deren Charaktereigenschaften erhaben waren, aus ihrem ganzen Herzen, aus ganzer Seele und allen ihren Kräften eine große Nachfrage und ein heftiges Verlangen nach der Wahrheit und Wahrhaftigkeit und dem Glauben gab, was Ergebnisse, wie ewige Glückseligkeit hervor brachte und leuchtende Früchte, wie den ehrenwerten Gottesgesandten, mit dem Friede und Segen sei.

Nach jener Zeit verkürzte sich aber allmählich und immer mehr die Entfernung zwischen Wahrheit und Lüge, bis sie Schulter an Schulter standen. Es begann damit, dass beide im selben Geschäft verkauft wurden und auch die gesellschaftliche Ethik zerstört wurde. In der politischen Propaganda wurde die Lüge gut gehegt. Ja wie könnte es sich denn in einer Zeit, in der die abscheuliche Hässlichkeit der Lüge getarnt bleibt und in der die prächtige Schönheit der Wahrheit nicht zum Vorschein kommt, einer zutrauen, die Kraft, die Standhaftigkeit und die Gottesfurcht der Gefährten des Propheten in ihrer Gerechtigkeit, in ihrer Ehrlichkeit, in ihrer Erhabenheit und Wahrhaftigkeit erreichen zu wollen oder gar diese Stufe noch zu übersteigen. Hier möchte ich etwas erklären, was ich erlebt habe und was die oben erwähnte Angelegenheit gewissermaßen einigermaßen erhellt. Es ist dies wie folgt:

Da kam mir einmal der Gedanke, wie kommt es eigentlich, dass eine so außerordentliche Persönlichkeit wie Muhyi d-din al-Arabi die Sahabis nicht erreichen konnte? Später, während ich im Gebet سُبْحَانَ رَبِّىَ اْلاَعْلٰى {"Gepriesen sei der höchste Herr."} rezitierte, enthüllte sich mir die Bedeutung dieses Wortes. Es zeigte sich mir nicht in des Wortes wörtlichster Bedeutung, aber einen Hauch dieser Wahrheit habe ich doch verspürt. Und ich sagte mir im Stillen: Ach könnte mir nur ein einziges Gebet, wie bei diesem einen Wort gelingen, es wäre besser als ein ganzes Jahr der Anbetung (ibadet).Nach dem Gebet (namaz)verstand ich, dass diese Erinnerung und dieses Erlebnis mir eine Lehre war, dass man die Stufe der Gefährten des Propheten im Gebet nicht erreichen kann. In jener gewaltigen, gesellschaftlichen Umwandlung, die durch die Lichter des weisen Qur'an zu Stande gekommen war, trennten sich diese Gegensätze in der Tat und entfernten sich immer mehr von einander. Die Bosheit mit all dem, was ihr anhaftete, mit all ihrer Finsternis und in all ihren Erscheinungsformen und das Gute und Vollkommene, mit all seinem Lichte und allem, was es bewirkt, gerieten in Gegensatz zueinander. In dieser Situation und in einer derart aufregenden Zeit brachte jedes Wort des Gedenkens und der Lobpreisung jede Schicht seines vollständigen Sinngehaltes jung und frisch zum Ausdruck. Alle Empfindungen und geistigen Feinheiten der Menschen wurden unter dem Getöse jener gewaltigen Umwandlung wachgerufen, sogar die Sinne wie Vorstellung, Traum und meditative Wahrnehmung konnten die unterschiedlichen Bedeutungen aus den Rezitationen zum Gottesgedenken und den Lobpreisungen in ihrem wachen Zustand nach ihrem Empfindungsvermögen empfangen und aufnehmen. So war es denn diese Weisheit, in der die Sahabis, deren Empfindungen und Sinne voll erwacht waren, diese gesegneten Worte sagten, welche Lichter des Glaubens und Gottesgedenkens beinhalten. Aus ihr erhielten sie ihre Bedeutung, sobald sie sie aussprachen und all ihre

Sinne bekamen aus ihr ihren Anteil. Jedoch schliefen nach den großen Umwandlungen und revolutionären (Ereignissen jener Zeit) allmählich die Feinheiten ein und der Sinn für die Wahrheit versank in der Vergessenheit. Diese gesegneten Worte wurden so, gleich Früchten, allmählich vom Schleier der Gewohnheit überdeckt und verloren ihre Schönheit und Frische. An der Luft oberflächlicher Betrachtung trocknen sie beinahe aus, bis auf einen unbedeutenden Rest von Feuchtigkeit, sodass man den vorherigen Zustand nur noch dadurch wieder zurück gewinnen kann, dass man sie einer intensiven Behandlung durch tiefes Nachsinnen unterzieht. So geschieht es denn aus diesem Grunde, dass andere zu der Tugend und einem Rang (Maqam),

{Die individuelle Art und geistige Beschaffenheit Gottes und Seiner Geschöpfe, stufenweise übereinander angeordnet. Der Mensch steigt auf diesen Stufen empor. Jede Stufe entspricht einem besonderen Bewusstseinszustand bzw. Einweihungsrad.}

welchen ein Gefährte des Propheten in vierzig Minuten erreichte, erst in 40 Tagen, ja sogar erst in 40 Jahren gelangen kann.

Drittens, der dritte Grund:

Wie im "Zwölften", "Vierundzwanzigsten" und "Fünfundzwanzigsten Wort" bewiesen wurde, ist das Verhältnis des Prophetentums zur Gottesfreundschaft vergleichbar mit dem Verhältnis eines Spiegelbildes der Sonne zur Sonne selbst. Nun, so hoch der Geist des Prophetentums über dem Geist der Gottesfreundschaft steht, so hoch stehen notwendigerweise die Sahabis, welche Diener im Geiste des Prophetentums und die Planeten jener Sonne waren, über den Heiligen (Salih)aus dem Geiste der Gottesfreundschaft.

Was aber die größte Gottesfreundschaft betrifft, welche auf dem Erbe des Prophetentums und der Treue zu ihm beruht, welche die Gottesfreundschaft der Sahabis war, so kann sie, auch wenn ein Veli(: ein Sufi) sie erwirbt, dennoch nicht gleichwertig mit dem Maqam der Sahabis sein, welche die erste Reihe bilden. Wir wollen hier nun drei der verschiedenen Aspekten erklären, die diesen dritten Grund betreffen.

Erster Aspekt:

Was die Idjtihad betrifft, das heißt, seine Meinung an Hand des Gesetzes herauszukristallisieren (istinbat-i ahkam),das heißt das Wohlwollen Gottes des Gerechten von seinem Wort her zu verstehen, so kann man heute den Gefährten des Propheten nicht gleich werden. Denn in der damaligen großen Umwandlung des Gottesbegriffes, drehte sich alles darum, den Willen des Herrn und die Gesetze Gottes zu verstehen. Alle Gedanken waren auf diese istinbat-i ahkam hin ausgerichtet. Die Herzen aller fragten sich interessiert: "Was ist es, was unser Herr von uns verlangt?"

Die Umstände jener Zeit brachten es mit sich, dass diese Gegebenheiten förmlich zu riechen und zu spüren waren. Alle Gespräche kreisten um dieses Thema als ihrem Inhalt. Da nun alles und jedes, Gespräche, Unterhaltungen und Erzählungen damals in der Weise verliefen, dass sie all diese Bedeutungen gewissermaßen unterrichteten, vervollkommneten sich deshalb die Fähigkeiten der Sahabis und ihre Gedanken wurden erleuchtet. Ihre Fähigkeit zu Idjtihad und Istinbat waren wie ein Streichholz (aufzuflammen) bereit und zu leuchten. Die Stufe seiner Istinbat und Idjtihad, die ein Sahabi damals an einem Tag oder in einem Jahr erworben hatte, kann daher ein Mann, der genauso klug und begabt wie diese Sahabis sein könnte, in heutiger Zeit in zehn ja sogar in hundert Jahren nicht erwerben.

Denn: Heute steht statt der Ewigen Glückseligkeit das irdische Glück im Mittelpunkt aller Betrachtungen. Die Aufmerksamkeit der Menschen ist auf andere Ziele gerichtet. Unterhaltssorgen aus Mangel an Gottvertrauen vernebeln den Geist, die materialistisch-naturalistische Philosophie schlägt den Verstand mit Blindheit. Gleich wie das soziale Umfeld des Menschen seinem Verständnis und seiner Begabung keine Kraft zur Idjtihad verleiht, so lässt sie diese vielmehr sich versprengen und zerstreuen. In dem Kapitel des "Siebenundzwanzigsten Wortes" über Idjtihad, wo Sufyan ibn Uyaina mit einem anderen,

kongenialen Geist verglichen wurde, hatten wir bewiesen: Das, was Sufyan in 10 Jahren erworben hatte, kann ein anderer auch in hundert Jahren nicht erwerben.

Zweiter Aspekt:

Den Maqam der Sahabis hinsichtlich ihrer Nähe zu Gott kann man auf dem Wege der Gottesfreundschaft nicht erreichen. Denn Gott der Gerechte steht uns am nächsten und ist uns näher als alle Dinge (dieser Welt). Wir dagegen sind unendlich weit entfernt von Ihm. In Seine Nähe zu gelangen, ist auf zwei Arten möglich:

Erstens:

Durch die Entfaltung des (Bewusstseins) göttlicher Nähe. Das Prophetentum ist auf eine solche Nähe ausgerichtet. Die Sahabis haben dieses Geheimnis durch das Erbe des Prophetentums und ihre Gespräche (sohbet)darüber in sich erfahren.

Zweitens:

Dadurch, dass wir davon ausgehen, dass wir weit (von Gott) entfernt sind, und so die Stufenleiter (zu Ihm) emporsteigen, um endlich in gewissem Grade mit Seiner Nähe geehrt zu werden. Gewöhnlich fahren und segeln die meisten Reisenden, möge ihr Weg nun von innen nach außen (enfusi)oder von außen nach innen (afaqi)zur Gottesfreundschaft hinführen, in dieser Weise.

Die erste Art ist reine Gottesgabe und kein menschliches Verdienst, alles geschieht durch die Anziehungskraft Gottes und Sein Erbarmen, (ist eine Umwandlung in den) Geliebten Gottes (Mahbub).Dieser Weg ist kurz und bestimmt (metin),sehr hoch, sehr rein und ohne Schatten. Die andere ist eine menschliche Leistung, langwierig und umdüstert. Auch wenn es dabei viel Wunderbares und Erstaunliches zu erleben gibt, kann diese (zweite Art) von ihrem Wert her die erste nicht erreichen.

Es gibt zum Beispiel zwei Wege, von heute ausgehend den gestrigen Tag zu erreichen.

Erstens:

Sich von dem Lauf der Zeit unabhängig machen, mit einer heiligen Kraft über die Zeit hinaus steigen und den gestrigen Tag so gegenwärtig erleben wie den heutigen.

Zweitens:

Diese Entfernung von einem Jahr durchreisen und am Ende zum Gestern gelangen. Doch wiederum lässt sich das Gestern nicht festhalten. Es verlässt (den Reisenden) und zieht weiter.

Genauso gibt es auch zwei Möglichkeiten, wie man vom äußerlichen Anschein zur Wahrheit hinüber gelangen kann.

Erstens:

Indem man sich unmittelbar von der Ausstrahlungskraft der Wahrheit anziehen lässt, um die Wahrheit unmittelbar innerhalb des äußeren Scheins zu entdecken, ohne erst das Zwischenreich (berzah)des mystischen Weges (tariqat)zu betreten.

Zweitens:

Indem man über viele Stufen des geistigen Weges emporsteigt. Den Leuten der Gottesfreundschaft (Mystiker) gelingt es zwar, ihre Begierden auszulöschen und ihr eigenwillige Seele zu töten, doch können sie wiederum den Sahabis nicht gleich kommen, denn die Seelen der Gefährten des Propheten waren geläutert und gereinigt. Daher erfuhren sie durch viele natürliche Anlagen, die im Wesen ihrer Seelen liegen, die verschiedenen Möglichkeiten der Anbetung Gottes und die unterschiedlichen Arten des Dankes und der Lobpreisung. Nach der Vernichtung der Begierde gehen diese Methoden der Anbetung der Gottesfreunde (Mystiker) in Routine über.

Dritter Aspekt:

Hinsichtlich der vorzüglichen Taten und der verdienstreichen Handlungen (sevab)und hinsichtlich der besonderen Eigenschaften (fazilet),die das jenseitige Leben betreffen, kann man die Sahabis nicht erreichen. Denn wie ein Soldat unter besonderen Umständen durch eine Stunde Wache stehen, unter Einsatz seines Lebens auf wichtigem Posten, soviel Segen erwerben kann wie durch ein Jahr Anbetung, so kann er auch, wenn ihn eine Kugel trifft, in einer Minute auf eine Stufe (maqam)wie die eines Gottesfreundes emporsteigen, die man sie sonst erst nach mindestens 40 Tagen erreichen kann.

Genauso waren die Verdienste der Sahabis in ihrem Aufbau des Islam, in der Verbreitung der Gesetze des Qur'an, in ihrer Bereitschaft, um des Islam Willen, einer ganzen Welt Widerstand zu leisten, so hoch, dass andere (die Verdienste einer einzigen) Minute nicht einmal in einem Jahr erwerben können. Man kann sogar sagen, dass alle ihre Minuten in diesem heiligen Dienst jener Minute gleichen, in der der Soldat den Märtyrertod erlitt. Alle ihre Stunden sind wie der Wachdienst eines opferbereiten Soldaten, der unter Lebensgefahr eine Stunde Wache hält. Die Mühe ist nur gering, ihr Lohn aber groß und ihr Wert erhaben. In der Tat stehen ja die Sahabis bei dem Aufbau des Islam und bei der Verbreitung der Lichter des Qur'an in der ersten Reihe. Daher wird ihnen von den (Verdiensten der) guten Taten der ganzen Gemeinde nach dem Grundsatz أَسَّبَبُ كَا لْفَا عِلِ {"Derjenige, der veranlasst, wird genauso bewertet, wie derjenige der ausführt."} ein Anteil zugeschlagen. Das Gebet, das die ganze islamische Gemeinde spricht,

اَللّٰهُمَّ صَلِّ عَلٰى سَيِّدِنَا مُحَمَّدٍ وَعَلٰٓى اٰلِهِ وَاَصْحَابِهِ

{"O Gott, gib Segen unserem Haupt Mohammed und seiner Familie und seinen Gefährten!"}

zeigt, dass die Sahabis an den guten Taten der ganzen Gemeinde Anteil haben. Ferner wächst eine kleine Besonderheit, von der Wurzel eines Baumes ausgehend, in seinen Ästen mächtig heran und wird selbst noch größer als ein großer Ast. Ferner führt auch eine kleine Steigung am Anfang (eines Weges) mit der Zeit zu einer beträchtlichen Höhe. Überdies wächst sich manchmal eine Nadelspitze, in die Nähe einer Lichtquelle gebracht, in der Peripherie zu einem Schattenwurf von einem Meter Länge aus. Genau wie in diesen vier Beispielen sind die Sahabis die Wurzeln und Grundlagen des Lichtbaumes des Islam;

des Weiteren stehen sie im Gebäude des Islams ganz in der Nähe der Quelle des Lichtes; des Weiteren gehören sie zu den Vorbildern in der islamischen Gemeinde und standen in der ersten Reihe ihrer Imame. Des Weiteren standen sie in der Nähe des Zentrums der Sonne des Prophetentums und der Leuchte der Wahrheit. Daher gilt bei ihnen auch eine geringe Mühe als viel, ein kleiner Dienst als groß. Um ihnen gleichen zu können, müsste man ein echter Sahabi werden können!

اَللّٰهُمَّ صَلِّ عَلٰى سَيِّدِنَا مُحَمَّدٍ الَّذِى قَالَ "اَصْحَابِى كَالنُّجُومِ بِاَيِّهِمْ اِقْتَدَيْتُمْ اِهْتَدَيْتُمْ. وَ خَيْرُ الْقُرُونِ قَرْنِى" وَعَلٰٓى اٰلِهِ وَصَحْبِهِ وَسَلِّمْ ٭ سُبْحَانَكَ لاَعِلْمَ لَنَآ اِلاَّ مَاعَلَّمْتَنَآ اِنَّكَ اَنْتَ الْعَلِيمُ الْحَكِيمُ

{"Friede und Segen sei mit unserem Propheten, der sagte: Meine Gefährten sind wie die Sterne: wem ihr auch folgt, ihr werdet die rechte Leitung finden. Mein Zeitalter ist unter den Zeitaltern das segensreichste." "Gepriesen seist Du! Wir haben kein Wissen, außer dem, was Du uns gelehrt hast. Denn Du bist der Allwissende, der Allweise." (2, 32)}

Frage:

Man sagt: Die Sahabis haben den ehrenwerten Gesandten persönlich gesehen und dann ein Bekenntnis ausgesprochen. Aber wir haben ohne ihn zu sehen das Bekenntnis ausgesprochen. Daher ist unser Glaube noch stärker. Zudem gibt es Überlieferungen, die die Stärke unseres Glaubens beweisen.

Antwort:

Damals, als die öffentliche Meinung gegen die Wahrheiten des Islam war und sich gegen sie stellte, sahen die Sahabis den ehrenwerten Gesandten, mit dem Friede und Segen sei, nur in seiner menschlichen Gestalt und gelangten manchmal ohne Wunder zu solch einem Glauben, dass die ganze öffentliche Meinung der Welt ihren Glauben nicht erschüttern konnte. Nicht einmal den Schatten eines Zweifels konnten sie auf ihn werfen, oder ein kleines bisschen Argwohn in ihnen wecken. Ihr aber wollt die Stärke eures eigenen Glaubens gegen die Glaubensstärke der Sahabis in die Waagschale werfen. Obwohl die öffentliche Meinung aller Muslime euch Kraft

und Zeugnis für euren Glauben gibt, und obwohl ihr den ehrenwerten Gesandten, mit dem Friede und Segen sei, nicht als einen Menschen leiblich vor euch gesehen habt, ihn, welcher der Kern des Tuba-Baumes seines prophetischen Auftrags war, sondern seine großartige geistige Persönlichkeit, erleuchtet mit allen Lichtern des Islam und mit allen Wahrheiten des Qur'an, umgeben von tausend Wundern, mit eurem Verstand betrachtet, beginnt auf das Wort eines einzigen europäischen Philosophen zu zweifeln und euer Argwohn ist geweckt! Wo bleibt da nun die Stärke eures Glaubens? Und was ist demgegenüber die Stärke des Glaubens der Sahabis, welcher durch die Angriffe einer ganzen Welt von Ungläubigen, Christen, Juden und Philosophen nicht zu erschüttern war? Und was ist dem gegenüber die Stärke der Gottesfurcht und die Vollkommenheit der Reinheit der Sahabis, die beweist, wie stark sie im Glauben waren und die ein Destillat ihres Glaubens waren! Oh du Kritikaster! Wo bleibt hier nun dein trüber Glaube, wenn er in seiner extremen Schwäche noch nicht einmal seine Pflichten (fard)vollständig zu erfüllen vermag!

Was aber die Überlieferung betrifft, in der gesagt wird: "So jemand in der Endzeit, auch ohne mich gesehen zu haben, zum Glauben gelangt, so wird er deswegen noch mehr geschätzt," so betrifft dies die besonderen Vorzüge (hususi fazilet).Dies wird über einige besondere Persönlichkeiten gesagt. Hier handelt es sich aber um allgemeine Vorzüge der Mehrheit.

Zweite Frage:

Man sagt: Die Leute der Gottesfreundschaft und die Gefährten der Vollkommenheit haben die Welt verlassen. Es heißt sogar in einer Überlieferung (Hadith):Weltliebe ist der Anfang aller Fehler. Die Sahabis waren aber sehr in ihre weltlichen Angelegenheiten verwickelt. Sie haben der Welt nicht entsagt; und doch war ein Teil der Sahabis sogar noch weiter vorangeschritten als die zivilisierten Leute damaliger Zeit.

Wie kommt es dann, dass Sie sagen, noch der einfachste Sahabi sei so bedeutsam gewesen wie die größten unter den Gottesfreunden (Mystiker)?

Antwort:

Im zweiten Kapitel des "Zweiunddreißigsten Wortes" wurde vollkommen eindeutig bewiesen: Das Antlitz der Welt zu lieben, wenn es auf das Jenseits ausgerichtet ist und Gottes Namen sich gegenübergestellt hat, ist keine Ursache zur Fehlerhaftigkeit, sondern ein Quell der Vollkommenheit und wie weit man auch in diesen beiden Aspekten fortzuschreiten mag, so weit schreitet man auch im Dienst und in der Anbetung Gottes fort. Was also die Welt der Sahabis betrifft, so findet sie sich in diesen beiden Aspekten wieder. Sie haben die Welt als einen Acker für das Jenseits betrachtet; sie haben ihn bestellt und haben geerntet. Sie haben alles Sein als einen Spiegel der Namen Gottes angesehen, in Begeisterung hinein geschaut und sie darin betrachtet. Die Schlechtigkeit dieser Welt aber ist ihr vergängliches Gesicht, das auf die Lust und Laune der Menschen hingerichtet ist.

Dritte Frage:

Die Orden sind Wege zur Wahrheit. Über den Naqshibandi Orden, den man als die berühmteste, höchste und größte unter den Ordensstraßen bezeichnet, haben manche von den Helden und Imamen dieses Ordens, dessen Grundsatz wie folgt beschrieben und gesagt:

دَرْ طَرِيقِ نَقْشِبَنْدِى لاَزِمْ اٰمَدْ چَارِ تَرْك تَرْكِ دُنْيَا تَرْكِ عُقْبىٰ تَرْكِ هَسْتِى تَرْكِ تَركْ

{"Man muss im Naqshibandi-Orden vier Dinge aufgeben: Das Diesseits, das Jenseits, seinen Platz in dieser Welt, und die Aufgabe all dieser Dinge."}

Das heißt, im Naqshibandi-Orden ist es notwendig, vier Dinge aufzugeben: der Begierde (nefs)wegen weder die Welt, noch das Jenseits zum eigentlichen Zweck machen, seinen Platz in dieser Welt zu vergessen, um (am Ende) das Aufgeben selbst zu vergessen, um sich nicht der eigenen Taten zu rühmen und stolz zu werden. Hieße das, wahre Gotteserkenntnis und menschliche Vollendung seien nur dadurch möglich, dass man alle Dinge aufgibt außer Ihm?

Antwort:

Bestünde der Mensch nur aus seinem Herzen, dann sollte er alles aufgeben, außer Ihm, auch die Namen und Eigenschaften (Gottes) hinter sich lassen und die "Bindung des Herzens" nur mit dem Wesen Gottes des Gerechten vollziehen. Aber das menschliche Wesen umfasst (in sich sehr viele) dienstbereite (Geister), subtile Eigenschaften und Fähigkeiten wie Verstand, Geist, meditative Wahrnehmung und Gemüt (nefs).Der vollkommene Mensch (insan-i kamil)ist derjenige, der alle inneren Feinheiten (seines Wesens) auf den verschiedenen, ihnen eigenen Wegen des Dienstes und der Anbetung in Richtung auf die Wahrheit hin leitet und wie ein Sahabi in weitem Umfang, in vielfältiger Form, unter dem Kommando seines Herzens, umgeben von allen Subtilitäten, seinen Soldaten, wie ein Held zum Ziel schreitet. Wenn das Herz, um sich selbst zu retten, seine Soldaten verlässt und ganz alleine weiter geht, ist das kein Anlass, um stolz zu werden, sondern nur die Folge einer Notlage.

Vierte Frage:

Woher resultiert die Behauptung einer Überlegenheit gegenüber den Sahabis? Wer bringt dergleichen heraus? Warum ist dies in heutiger Zeit überhaupt ein Gesprächsthema? Woher resultiert dieser Anspruch auf Gleichheit mit den großen Exegeten?

Antwort:

Es gibt zwei Gruppen, welche diese Frage diskutieren. Die eine Gruppe sind die aufrichtigen Leute des Glaubens und die Gelehrten, die so manche Hadith gelesen haben und nun in heutiger Zeit die Gottesfürchtigen und Frommen mit dergleichen Themen für Gespräche interessieren und begeistern. Gegen diese Gruppe haben wir nichts einzuwenden. Aber dies sind nur einige wenige und sie kommen schnell zur Besinnung. Die andere Gruppe aber sind äußerst bösartige, selbstgefällige Menschen, die (ihre Gesinnung) unter dem Anspruch auf Gleichheit mit den großen Exegeten ohne jede Rechtsschule verbreiten und ihre Glaubenslosigkeit unter der Behauptung der Gleichheit mit den Sahabis praktizieren wollen. Denn:

Zum ersten:

Diese Irrgläubigen sind ihren Ausschweifungen verfallen. Sie sind von ihren Ausschweifungen abhängig geworden. Sie können diese Auflagen des islamischen Gesetzes nicht erfüllen, die sie in ihren Ausschweifungen behindern. Um eine Ausrede zu finden, sagen sie: "Diese Fragen sind Idjtihad. In diesen Fragen widersprechen die verschiedenen Rechtsschulen einander. Außerdem sind sie Menschen wie wir und können Fehler machen. So können also auch wir ihnen gleich uns unseren eigenen Idjtihad machen, unseren Gottesdienst nach unseren Wünschen machen. Warum sollten wir dazu gezwungen sein, (einem Mezheb)zu folgen?"

So entziehen sich diese Unglückseligen durch diese Einflüsterung des Teufels den Bindungen einer Rechtsschule. Im "Siebenundzwanzigsten Wort" wurde bereits in aller Deutlichkeit aufgezeigt, dass ihre Behauptungen unhaltbar sind. Daher weisen wir hier nur darauf hin.

Zum zweiten:

Jene Art Leute des Irrweges haben erkannt, dass die Angelegenheit nicht mit den Exegeten (Mudjtehidin)beendet ist. Was auf deren Schultern ruht, ist nur die Auslegung (der Vorschriften) des Glaubens. Im Grunde genommen wollen diese Art Leute des Irrweges gerade diese Glaubensvorschriften (fard)aufgeben oder ändern. Wenn sie sagten: "Wir sind noch besser als (die Exegeten)", wird die Sache dadurch für sie nicht erledigt. Denn die Exegeten dürfen sich nur mit der Auslegung (der Glaubensvorschriften) und solchen Einzelheiten beschäftigen, die nicht festgelegt sind. Dagegen wollen sich diese Leute des Irrweges, die keiner der Rechtsschulen folgen, mit ihren Gedankengängen bis in die Grundlagen des Glaubens (fard)eindringen, die unveränderlichen Vorschriften verändern und den festen Grundpfeilern des Islam entgegenarbeiten. Daher werden sie mit Sicherheit versuchen die Sahabis anzugreifen, die die Träger und Säulen der Grundlagen des Glaubens sind. Oho, nicht einmal solche Tiere in Menschengestalt, selbst nicht die

wahrhaftigen Menschen und die Großen unter den Gottesfreunden, die vollkommensten unter den wahren Menschen, können diesen Anspruch der Gleichheit selbst nicht gegenüber den kleinen unter den Sahabis erwerben. Das wurde unwiderlegbar im "Siebenundzwanzigsten Wort" bewiesen.

اَللّٰهُمَّ صَلِّ وَسَلِّمْ عَلٰى رَسُولِكَ الَّذِى قَالَ "لاَ تَسُبُّوا اَصْحَابِى لَوْ اَنْفَقَ اَحَدُكُمْ مِثْلَ اُحُدٍ ذَهَباً مَابَلَغَ نِصْفَ مُدٍّ مِنْ اَصْحَابِى " "صَدَقَ رَسُولُ اللَّهِ" ٭ سُبْحَانَكَ لاَعِلْمَ لَنَآ اِلاَّ مَاعَلَّمْتَنَآ اِنَّكَ اَنْتَ الْعَلِيمُ الْحَكِيمُ

{"Friede und Segen sei mit Deinem Gesandten, der sagte: Beschimpft nicht meine Gefährten. Selbst einer von euch, der so viel Gold spendet (die Menge wie) den Berg Uhud, kann nicht so viel Segen (für sich erwerben, wie) einer meiner Gefährten, der auch nur eine Handvoll spendet. Der Prophet Gottes spricht die Wahrheit." "Wir haben kein Wissen, außer dem, was Du uns gelehrt hast. Denn Du bist der Allwissende, der Allweise." (2, 32)}

Achtundzwanzigstes Wort

Dieses Wort handelt vom Paradies. Dieses Wort besteht aus zwei Kapiteln. Das erste Kapitel weist auf einige Besonderheiten (Latife)des Paradieses hin. Hier geht es aber nicht um die Beweise für die Existenz des Paradieses. Diese sind schon mit zwölf sicheren Wahrheiten in ganz klarer Form angeführt. Das zweite Kapitel dieses Wortes bildet auch eine Zusammenfassung und die Grundlage zum "Zehnten Wort". Darin wurde mit einem sicheren, in arabischer Sprache abgefassten, lückenlosen und durchaus zuverlässigen Zeugnis die Existenz des Paradieses in glänzender Weise bewiesen. Hier geht es lediglich um einige Gegebenheiten im Paradies, die Anlass geworden sind zu Fragen, Antworten und Kritiken.

بِسْمِ اللَّهِ الرَّحْمَنِ الرَّحِيمِ ٭ وَبَشِّرِ الَّذِينَ اٰمَنُو وَعَمِلُوا الصَّالِحَاتِ اَنَّ لَهُمْ جَنَّاتٍ تَجْرِى مِنْ تَحْتِهَا اْلاَنْهَارُ كُلَّمَا رُزِقُوا مِنْهَا مِنْ ثَمَرَةٍ رِزْقاً قَالُوا هٰذَا الَّذِى رُزِقْناَ مِنْ قَبْلُ وَاُتُوا بِهِ مُتَشَابِهًا وَلَهُمْ فِيهَآ اَزْوَاجٌ مُطَهَّرَةٌ وَهُمْ فِيهَا خَالِدُونَ

{"Im Namen Allahs, des Erbarmers, des Barmherzigen. Und verkündige denen, die glauben und gute Werke tun, dass ihrer das Paradies sein wird, in dem Bäche dahin strömen werden. Wann immer ihnen eine Frucht zu ihrer Versorgung dargeboten wird, sagen sie, das ist das, desgleichen uns bereits zuvor gegeben wurde. Und reine Gatten gibt es dort. Ewig werden sie dort sein." (Sure 2, 25)}

Es sind kurze Antworten auf einige Fragen über das Paradies, das nicht vergeht.

Die Worte der qur'anischen Verse, die schöner als das Paradies, anmutiger als die paradiesischen Frauen, süßer

als das Wasser im Paradies sind, haben über das Paradies nichts unausgesprochen gelassen, sodass man darüber noch mehr sagen könnte. Um aber jene glänzenden, ewig und allzeit erhabenen und schönen Verse dem Verständnis näher zu bringen, wollen wir hier einige grundsätzliche Anmerkungen gleichsam als Beispiele für einige Blumen aus diesem qur'anischen Paradies vortragen. Mit fünf Fragen und Antworten wollen wir hier für diese Geheimnisse ein Zeichen setzen. So wie in der Tat das Paradies ein Ort aller geistigen Genüsse ist, so ist es auch ein Ort aller leiblichen Genüsse.

Frage:

Was hat ein Körper, der allen Fehlern, Mängeln, Veränderungen, der Unbeständigkeit und dem Leiden ausgesetzt ist, mit der Ewigkeit und dem Paradies zu tun? Wenn es doch für den Geist erhabene Genüsse zur Genüge gibt, wozu wird dann um der körperlichen Genüsse willen eine körperliche Auferstehung notwendig?

Antwort:

Dies ist so, weil die Erde zwar im Vergleich zum Wasser, der Luft und dem Licht dicht und dunkel ist. Doch weil sie die Basis für die Entstehung aller Arten von Kunstwerken Gottes ist, übersteigt sie in ihrer Bedeutung alle anderen Elemente. Des Weiteren übersteigt die Begierde (nefs)des Menschen aufgrund des Geheimnisses ihrer Vielfältigkeit unter der Bedingung innerlicher Läuterung, alle feinstofflichen, innerlichen Organe (Latife)des Menschen. Genauso ist der Körper ein äußerst vielfältiger, umfassender und reicher Spiegel der Erscheinungen der Namen Gottes. Die Werkzeuge, die dazu dienen, alles, was sich in den Schatzkammern vorfindet, zu messen und zu wiegen, finden sich im Körper.

Wenn zum Beispiel der Geschmackssinn der Zunge hinsichtlich des Genusses bei der Ernährung nicht das Beet für so viele Messgeräte wäre, wie ihm die Zahl der Arten von Speisen entspricht, könnte sie eine jede von ihnen für sich speziell nicht spüren, nicht kennen, nicht genießen und wiegen. Des Weiteren liegen die Geräte, um die Erscheinungen der Namen Gottes zu verspüren und zu kennen, zu erleben und zu erkennen wiederum im Körper.

Des Weiteren liegen Fähigkeiten, um überaus verschiedene und unendlich voneinander unterschiedliche Geschmacksarten zu empfinden wiederum im Körper.

Außerdem wird es aus dem Verlauf des Kosmos und von der Vielseitigkeit des Menschen her, wie es im "Elften Wort" bewiesen wurde, klar verständlich, dass der Meister dieses Kosmos durch diesen Kosmos alle Schätze Seiner Barmherzigkeit zu erkennen geben, alle Erscheinungen Seiner Namen verkünden und alle Arten seiner Gnadengaben schmecken lassen will. Mit Sicherheit wird der Ort der Glückseligkeit, welcher das größte Sammelbecken des Flusses dieses Kosmos, der gewaltigste Ausstellungsort für das Produkt aus der Werkbank dieses Kosmos und der ewige Speicher für den Acker dieser Welt ist, diesem Kosmos gewissermaßen ähnlich sein. Er wird alle dessen körperlichen wie geistigen Grundlagen aufbewahren. Und dieser Meister, der Allweise und dieser Gerechte, der Barmherzige, wird mit Sicherheit diesen Organen des Körpers als einen Lohn für ihre Arbeit Genüsse geben, wie es ihnen entspricht, als eine Belohnung für ihre Dienste und als Segen ihrer jeweiligen gottesdienstlichen Tätigkeiten. Das Gegenteil widerspricht Seiner Weisheit, Seiner Gerechtigkeit und Seiner Barmherzigkeit, was in keiner Hinsicht der Schönheit Seiner Barmherzigkeit und der Vollkommenheit Seiner Gerechtigkeit entspräche und sich nicht mit ihnen vereinbaren ließe.

Frage:

(Ausgehend von der Vorstellung, dass) unser Leib wieder lebendig wird, so werden auch die Zellen des Körpers ständig wieder aufgebaut und abgebaut, sind dem Untergang geweiht und können so nicht für die Ewigkeit geeignet sein. Was Essen und Trinken, das Fortbestehen der Art und damit den Vollzug (der Ehe) betrifft, so sind sie um der Erhaltung des Menschengeschlechtes willen zu Grundlagen in der diesseitigen Welt geworden. In der ewigen Welt, der jenseitigen Welt sind sie nicht notwendig. Warum aber werden sie dann geheimnisvoller Weise im Paradies zu den größten Genüssen gezählt?

Antwort:

Erstens liegt der Grund dessen, dass der Körper eines Lebewesens in dieser Welt dem Untergang und dem Tod nicht entgehen kann, im Ungleichgewicht zwischen Aufbau und Abbau im Stoffwechsel. Von der Kindheit bis zum Ende der Reifezeit steht der Aufbauprozess im Vordergrund, danach überwiegt der Abbauprozess, wodurch das Gleichgewicht verloren geht und (der Körper) stirbt. Was aber die ewige Welt betrifft, so bleiben die Körperzellen bestehen. Sie sind dem Aufbau und dem Abbau nicht ausgesetzt oder aber das Gleichgewicht (aller Zellen) bleibt konstant. Der Aufbau und Abbau bleiben im Gleichgewicht.

{(*): In dieser Welt gleichen menschliche und tierische Körper für die Atome einem Gasthaus, einer Kaserne oder Schule. Die Atome (aus denen unsere Nahrung besteht, und die in sich selbst leblos sind) treten (in dieses Haus, das unser Körper ist) ein, qualifizieren sich (in ihm für eine Zeitlang) als Atome einer ewigen, einer lebendigen Welt, und verlassen (dann den Körper wieder). Im Jenseits aber ist das Licht des Lebens nach dem Geheimnis von

إِنَّ الدَّارَ الْآخِرَةَ لَهِيَ الْحَيَوَانُ

("Siehe das Haus des Jenseits ist fürwahr ein lebendiges." (Sure 29, 64))

umfassend. Um erleuchtet zu werden brauchen sie jenen Fremdenverkehr (im Gasthaus), jene Rekrutenausbildung (in der Kaserne), jene Schulausbildung nicht. Die Atome können als Inventar (des Hauses, das der Körper im Jenseits ist) bleiben.}

Wie ein Betriebskapital, das ständig in Bewegung ist, wird die Werkbank des körperlichen Lebens zu frohem Genießen in Betrieb gesetzt und so bleibt der lebendige Körper für ewig. Essen und Trinken, sowie der Vollzug der Ehe entsprechen zwar in dieser Welt einem Bedürfnis und dienen der (Erfüllung) einer Aufgabe. Als ein für diese Aufgabe schon im voraus bezahlter Lohn sind so viele verschiedene Arten frohen Genießens darin enthalten, dass sie anderen Genüssen vorgezogen werden. An diesem Ort des Leidens findet sich die Quelle solch einzigartiger und zugleich so verschiedenartiger Genüsse in der Hochzeit

und im Mahl, sodass diese Genüsse, an dem Ort dieser Genüsse und der Glückseligkeit, im Paradies mit Sicherheit dementsprechend erhabenere Formen annehmen werden. Der jenseitige Lohn für die weltlichen Dienste der Organe wird zu den Genüssen hinzugefügt und auch das Verlangen in dieser Welt wird in Form einer dem Jenseits entsprechenden wohltuenden Sehnsucht auftreten. Das wird zu einer Genussquelle, wie sie des Paradieses würdig und der Ewigkeit angemessen ist. Nach dem Geheimnis von

وَمَا هَٰذِهِ الْحَيَاةُ الدُّنْيَا إِلَّا لَهْوٌ وَلَعِبٌ وَإِنَّ الدَّارَ الْآخِرَةَ لَهِيَ الْحَيَوَانُ

{"Doch was ist das Leben in dieser Welt anderes als Spiel und Zeitvertreib. Siehe, das Haus des Jenseits ist fürwahr ein lebendiges." (Sure 29, 64)}

sind tote, unbewusste, unbelebte Dinge des Hauses dieser Welt dort lebendige Träger des Bewusstseins. Wie die Menschen hier, so verstehen auch die Bäume dort, wie die Tiere hier, so verstehen auch die Steine dort die Befehle und befolgen sie. Wenn du einem Baum sagst: "Bringe mir diese Frucht.", so bringt er sie. Sagst du einem Stein: "Komm!", so kommt er. Wenn also schon Steine und Bäume zu so einem erhabenen Seinszustand mutieren, so wird es mit Sicherheit erforderlich, dass Essen, Trinken und Sich-Verheiraten sich gleichfalls zu einem dementsprechend höheren Seinszustand umwandeln. In dem Grade wie vergleichsweise das Paradies über der Erde steht, in dem gleichen Grade werden auch diese Dinge einen entsprechend höheren Seinszustand über ihren irdischen Abbildern einnehmen und doch dabei ihre leiblichen Entsprechungen beibehalten.

Frage:

Nach dem Geheimnis von اَلْمَرْءُ مَعَ مَنْ اَحَبَّ {"Der Mann mit dem, den er liebt..."} "wird sich der Freund mit seinem Freund im Paradies zusammen finden." Denn ein einfacher Beduine schließt

während eines Gespräches (sohbet)von einer Minute in der Liebe zu Gott Freundschaft mit dem Gottesgesandten. In dieser Freundschaft müsste er bei dem Propheten, mit dem Friede und Segen sei, im Paradiese sein.

Wie aber lässt sich der Segen des ehrenwerten Gesandten, mit dem Friede und Segen sei und über dem die Fülle allen Segens ausgegossen wird, mit dem Segen eines einfachen Beduinen vereinbaren?

Antwort:

Wir wollen auf diese hohe Wahrheit mit einem Gleichnis hinweisen. Zum Beispiel gibt ein wohlhabender und hoch kultivierter Herr in einem sehr schönen und prachtvollen Park ein überaus großes Gastmahl, den er überdies auch noch als einen kunstvoll gestalteten Ausflugsort vorbereitet hat. Was es auch an verschiedenen Speisen und unterschiedlichen Geschmacksrichtungen gibt, die unser Geschmackssinn zu erspüren vermag, alle Schönheiten, die das Auge als schön und angenehm befriedigen, alle die einzigartigen Dinge, welche unsere Phantasie zu erfreuen vermögen, kurz alles, was nur allen den äußerlichen und innerlichen Sinnen des Menschen zu schmeicheln vermag, finden sich hier vor.

Nun gab es da einmal zwei Freunde. Sie gehen zusammen zu diesem Gastmahl. In einer Nische setzen sie sich zusammen um einen Tisch. Aber da der Geschmackssinn des einen sehr schwach ist, hat er nur wenig Freude. Auch seine Augen sehen nur wenig. Er hat keinen Geruchsinn. Er versteht auch nichts von den einzigartigen Kunstwerken. Auch weiß er nichts von Staunen erregenden Dingen. Entsprechend seinen geringen Fähigkeiten macht er nur von einem Tausendstel, ja sogar nur einem Millionstel alles dessen, was es da zu genießen gilt, Gebrauch. Was den anderen betrifft, so sind seine äußerlichen und innerlichen Sinne, Verstand, Herz, alle die einfachen und subtilen Empfindungen so vollkommen und in einem solchen Grade entwickelt, dass er alle Einzelheiten, Schönheiten, Feinheiten und Einzigartigkeiten all dessen, was es zu genießen gilt, in all ihrer Verschiedenartigkeit verspürt und genießt. Dabei steht er mit seinem Freund Schulter an Schulter.

Da es aber in dieser von Leid und Unruhe heimgesuchten, so engbegrenzten Welt nun einmal so ist, dass der Kleinste mit dem Größten zusammen ist, besteht zwischen ihnen ein Unterschied wie zwischen der Erde und dem Siebengestirn. Mit Sicherheit bekommt jeder von beiden von dem Tisch des gnädigen Erbarmers seinen Anlagen entsprechend (in dieser Welt) seinen Anteil, während im Paradies, dem Ort der Glückseligkeit in der Ewigkeit, diejenigen zusammen sein werden die einander in Freundschaft verbunden sind. Auch wenn der Paradieseshimmel, in dem sie sich befinden, verschiedenartig ist, bildet dies kein Hindernis für ihr Zusammensein. Denn: Obwohl die acht Schichten des Paradieses übereinander liegen, ist doch das gemeinsame Dach aller, der gewaltige, große Thron Gottes. Es gibt dort z.B. gemauerte Ringe um einen Bergkegel, die in sich geschlossen sind und vom Boden bis zum Gipfel übereinander verlaufen. Diese Ringe stehen zwar übereinander, doch hindert keiner von ihnen, die Sonne zu sehen (die über ihnen allen scheint). Sie können einander durchdringen und einer kann zu dem anderen hinüber schauen. Genauso weisen verschiedene Überlieferungen der Hadithe darauf hin, dass die Paradiese in ihren verschiedenen Formen einander ähneln.

Frage:

In den Hadithen heißt es: "Obwohl die Huris siebzig Kleider übereinander tragen, kann man dennoch bis auf das Knochenmark ihrer Beine hindurch blicken." Was soll das heißen? Was bedeutet es? Welche Art von Schönheit ist damit verbunden?

Antwort:

Die Bedeutung dessen ist von großer Schönheit und diese Schönheit ist besonders lieblich. Das ist folgendermaßen (zu verstehen): In dieser hässlichen, toten, starren und zum größten Teil aus äußeren Schalen bestehenden Welt gilt etwas bereits als schön, wenn es in unseren Augen als schön erscheint und nichts weiter daran zu finden ist, was ungewöhnlich wäre. In dem Paradies aber, das schön, lebendig, glänzend, nur Mark

ohne Gehäuse und Kern ohne Schale ist, wollen alle Sinnesorgane, wie die Augen und alle diese subtilen Wahrnehmungsorgane des Menschen, die der lieblichen Huris und die der Frauen aller Welt im Paradies, die den Huris ähneln und noch schöner als sie aus dieser Welt dahin gegangen sind, im Paradies jedes ihren Anteil an den verschiedenen Genüssen und allen Geschmacksarten erhalten. Das heißt, diese Hadithe weisen darauf hin, dass jeder Sinn, jede Feinheit in allem, angefangen von der Schönheit des obersten Kleides bis zum Knochenmark eine Quelle des Genusses findet. In der Tat weist dieses heilige Hadith mit dem Ausdruck: "dass die Huris siebzig Kleider tragen und dennoch das Knochenmark ihrer Beine zu sehen ist" darauf hin; für so viele Empfindungen, Sinne, Anlagen und subtile Wahrnehmungen, die ein Mensch haben kann, welche die Schönheiten lieben, genusssüchtig und verrückt nach Verzierungen sind, die Herrlichkeit begehren, um alle zufrieden zu stellen und zu sättigen und jede einzelne zu streicheln und glücklich zu machen, besitzen die Huris körperlich wie geistig jede Art von Schmuck, Schönheit und Herrlichkeit. Das heißt; so wie die Huris siebzig Arten Schmuck von der Vielfalt des Schmuckes des Paradieses in dieser Weise tragen, ohne dass sie einander überdecken, weil dieser Schmuck höchst unterschiedlicher Art ist, zeigen die Huris durch ihre eigene Existenz und die ihrer Körper und ihrer Seelen vielleicht mehr als siebzig Stufen verschiedener Schönheit und Herrlichkeit. Sie zeigen die Wahrheit des Hinweises von

وَفِيهَا مَا تَشْتَهِيهِ اْلاَنْفُسُ وَتلَذُّ اْلاَعْيُنُ

{"Und es gibt darin, was das Herz (nefs) begehrt, und woran sich das Auge erfreut." (Sure 43, 71)}

Des Weiteren erklärt eine heilige Hadith, dass die Leute des Paradieses nach dem Essen und Trinken keine Ausscheidungen haben, weil es im Paradies keine unnötigen und überflüssigen Dinge oder Dinge mit Schalen gibt. Wenn die Bäume, die in dieser niederen Welt die einfachsten

Lebewesen sind, ohne Ausscheidungen auskommen, obwohl sie viel Nahrung zu sich nehmen, warum sollen dann die Leute des Paradieses, die doch auf der höchsten Stufe des Lebens stehen, nicht ohne Ausscheidungen bestehen können?

Frage:

In heiligen Hadithen heißt es: "Manchen Leuten des Paradieses wird ein Platz so groß wie die Erde gegeben, hunderttausende von Schlössern, hunderttausende Huris geschenkt." Was braucht ein einziger Mann so viele Dinge? Hat er das nötig? Wie kann das sein? Und was soll das heißen?

Antwort:

Wenn der Mensch nur aus einem leblosen Körper bestünde, oder ein rein pflanzliches Geschöpf wäre, das nur aus seinem Magen besteht, oder nur ein abhängiges, kompaktes und doch vergängliches, einfaches leibbehaftetes Wesen wäre und nur aus einem Tierkörper bestünde, würde er nicht so viele Schlösser und so viele Huris verdienen und über sie herrschen können. Aber der Mensch ist ein so komplexes Wunder der Macht, dass manche seiner subtilen Eigenschaften, noch gar nicht voll entfaltet sind, ja ihre Bedürfnisse vielleicht seiner Gier wegen in dieser vergänglichen Welt und in diesem so kurzen Leben gar nicht befriedigt werden können, auch wenn man ihm das Königreich über die ganze Körperwelt, alles Vermögen und alle Freuden geben würde. Es ist mit Sicherheit sinnvoll, gerecht und wahr, wenn der Mensch, der am Ort der Ewigen Glückseligkeit über unendliche Fähigkeiten verfügt, in der Sprache seiner unendlichen Bedürfnisse, mit der Hand seiner unendlichen Wünsche an das Tor der unendlichen Barmherzigkeit klopft, auch die Geschenke Gottes, wie in den Überlieferungen verkündet, empfängt. Diese erhabene Wahrheit wollen wir nun durch das Fernrohr eines Gleichnisses betrachten. Es ist dies wie folgt: Obwohl alle kleinen und großen Gärten in Barla, wie dieser Garten {(*): Es handelt sich hier um Süleyman, der mir Armen acht Jahre lang in vollkommener Treue gedient hat und in dessen Garten diese Abhandlung in ein, zwei Stunden niedergeschrieben worden ist.} am Bach, alle

verschiedene Besitzer haben, könnte doch jeder Vogel, jeder Sperling und jede Biene, welche in Barla zu ihrer Ernährung nur eine Handvoll Futter beanspruchen, sagen: "Alle Äcker und Gärten in Barla sind mein Erholungs- und Ausflugsort." Jeder schließt Barla in seinen Besitz ein. Die Beteiligung der anderen kann dieses Urteil eines jeden nicht beeinträchtigen.

Des Weiteren kann ein Mensch, der ein wahrer Mensch ist, sagen: "Mein Schöpfer machte mir diese Welt zu einer Wohnstatt. Die Sonne ist mir wie eine Lampe. Die Sterne sind mir gleich elektrischen Beleuchtungen. Das Erdenrund ist meine Wiege, die mit bunten Blumenteppichen ausgelegt ist." Er dankt Allah. Die Beteiligung anderer Geschöpfe kann dieses sein Urteil nicht außer Kraft setzen. Statt dessen verzieren die Geschöpfe seine Wohnstatt. Sie bleiben darinnen als Schmuck.

Wenn ein Mensch in dieser sehr engen Welt von seiner Menschlichkeit her, und sogar wenn ein Vogel eine Art Verfügung über einen dermaßen gewaltigen Umfang beansprucht und eine riesig große Gnade empfängt, wie könnte es etwa für unvorstellbar gehalten werden, dass dem Menschen in einem breiten und ewigen Ort der Glückseligkeit ein Besitztum geschenkt wird, das zu durchmessen er fünfhundert Jahre benötigt. Und so wie sich die Sonne in sehr vielen verschiedenen Spiegeln dieser kompakten, finsteren und engen Welt gleichzeitig wiederfinden kann, genauso kann eine lichtstrahlende Persönlichkeit sich, wie schon im "Sechzehnten Wort" bewiesen wurde, an verschiedenen Orten gleichzeitig befinden. Der Erzengel Gabriel, mit dem Friede sei, findet sich z.B. auf tausend Sternen gleichzeitig, d.h. sowohl vor dem Throne Gottes, als auch vor dem Propheten und zugleich auch in der Audienz Gottes. Des Weiteren wird der Gottesgesandte, mit dem Friede und Segen sei, sich am Tag der Wiederauferstehung mit den meisten Gottesfürchtigen

aus seiner Gemeinde zugleich treffen, sowie er auch in dieser Welt gleichzeitig an zahllosen Orten erscheint. Die Ebdals, eine besondere Art unter den Gottesfreunden, zeigen sich zu gleicher Zeit an verschiedenen Orten. Und die einfachen Leute vollbringen in einer Minute im Traum so viele Arbeiten wie im ganzen Jahr und erleben das auch so. Und jeder steht mit Herz und Verstand und auch in seiner Vorstellung zu gleicher Zeit mit vielen verschiedenen Orten in Beziehung und zeigt sein Interesse für sie. Dies ist allgemein bekannt und bezeugt. Im lichtvollen, weiten, ewigen, von keinerlei Bedingungen eingeschränkten Paradies werden die Leute des Paradieses mit ihren Körpern von der Unvergänglichkeit der Seele und der Leichtigkeit des Geistes mit der Geschwindigkeit unserer Phantasie reisen und mit Sicherheit zu gleicher Zeit an hunderttausend Orten anwesend sein und sich mit hunderttausend Huris unterhalten (sohbet),auf hunderttausenderlei Arten verschiedene Genüsse empfinden, so wie es ja in jenem ewigen (bestehenden) Paradies und der unendlichen Barmherzigkeit gebührend ist. Und dies ist recht und wahr, so wie es der wahre Berichterstatter, mit dem Friede und Segen sei, verkündet hat. Darüber hinaus können diese gewaltigen Wahrheiten nicht mit der Waage dieses unseres so winzig kleinen Verstandes gewogen werden.

Doch unser so winzig kleiner Verstand ist nicht dazu geeignet, diese hohen Dinge, diese erhabenen Ideen zu begreifen.

Denn unser Prüfgerät ist mit einer derart hohen Spannung überlastet.

سُبْحَانَكَ لاَعِلْمَ لَنَآ اِلاَّ مَاعَلَّمْتَنَآ اِنَّكَ اَنْتَ الْعَلِيمُ الْحَكِيمُ ٭ رَبَّنَا لاَ تُاٰخِذْنَآ اِنْ نَسِينَآ اَوْ اَخْطَاْنَا

{"Gepriesen seiest Du! Wir haben kein Wissen, außer dem, das Du uns gelehrt hast. Denn Du bist der Allwissende, der Allweise." (Sure 2, 23) "Herr, belange uns nicht, wenn wir vergesslich waren, oder uns versehen haben!" (Sure 2, 286)}

اَللّٰهُمَّ صَلِّ عَلٰى حَبِيبِكَ الَّذِى فَتَحَ اَبْوَابَ الْجَنَّةِ بِحَبِيبِيَّتِهِ وَبِصَلاَتِهِ وَاَيَّدَتْهُ اُمَّتُهُ عَلٰى فَتْحِهَا بِصَلَوَاتِهِمْ عَلَيْهِ، عَلَيْهِ الصَّلاَةُ وَالسَّلاَمُ. اَللّٰهُمَّ ادْخِلْنَا الْجَنَّةَ مَعَ اْلاَبْرَارِ بِشَفَاعَةِ حَبِيبِكَ الْمُخْتَارِ اٰمِينَ

{"Oh Gott segne Deinen Geliebten, der in seiner Liebe durch seine Gebete und seine Segnungen die Tore des Paradieses geöffnet hat, schenke ihm Frieden und Segen! Oh Gott, führe uns in das Paradies mit Deinen Heiligen, den Reinen (ebrar), durch die Fürsprache Deines Geliebten, den Du auserwählt hast! Amin."}

Ein kleiner Anhang zum Wort über das Paradies

Eine Anmerkung über die Hölle.

Wie bereits im "Zweiten" und "Achten Wort" bewiesen wurde, trägt der Glaube den Kern eines geistigen Paradieses in sich. Der Unglaube birgt aber den Samen einer geistigen Hölle. So wie der Unglaube ein Kern der Hölle ist, so ist die Hölle dessen Frucht. Wie der Unglaube eine Ursache zur Höllenfahrt ist, so ist er auch die Ursache der Existenz und der Erschaffung der Hölle. Denn, sagte ein Sittenloser in seinem Rausch zu einem kleinen Herrscher, mit ein wenig Würde, ein wenig Eifer und ein ganz klein wenig Majestät: "Du wirst und kannst mich nicht zurechtweisen", so wird dieser auf jeden Fall, auch gäbe es in diesem Land kein Gefängnis, für diesen einen Sittenlosen ein Gefängnis errichten und ihn hinein werfen lassen. Dabei verleugnet ein Ungläubiger, indem er (die Existenz) der Hölle bestreitet, den Herrn, der unendliche Würde, unermüdlichen Eifer und grenzenlose Majestät besitzt, einen großen (Herrscher), grenzenlos in Seiner Allmacht, und bezichtigt ihn der Verlogenheit und Schwäche. Er beschuldigt Ihn als Lügner und Schwächling. Er greift seine Würde aufs Äußerste an. Er berührt Ihn und tastet Ihn in Seinem unermüdlichen Eifer an. Als ein Rebell belästigt er Ihn in Seiner Majestät. Nehmen wir einmal den unmöglichen Fall an, dass es für die Existenz der Hölle kein Grund vorhanden wäre, so würde dennoch wegen seines Unglaubens, der Seine Autorität bestreitet und Ihn als einen Lügner und als einen Schwächling bezichtigt mit Sicherheit jenen Ungläubigen in die Hölle zu werfen, diese für ihn erschaffen werden.

رَبَّنَا مَاخَلَقْتَ هٰذَا بَاطِلاً سُبْحَانَكَ فَقِنَا عَذَابَ النَّارِ

{"Herr, Du hast das alles nicht umsonst erschaffen. Gepriesen seist Du! Bewahre uns vor der Strafe des Höllenfeuers." (Sure 3, 191)}

Neunundzwanzigstes Wort

Eine Abhandlung über die Unsterblichkeit des Geistes, über die Engel und über die leibliche Wiederauferstehung.

اَعوُذُ بِاللَّهِ مِنَ الشَّيْطَانِ الرَّجِيمِ ٭ بِسْمِ اللَّهِ الرَّحْمٰنِ الرَّحِيمِ ٭ تَنَزَّلُ الْمَلٰٓئِكَةُ وَالرُّوحُ فِيهَا بِاِذْنِ رَبِّهِمْ ٭ قُلِ الرُّوحُ مِنْ اَمْرِ رَبِّى

{"Ich nehme meine Zuflucht vor dem gesteinigten Teufel. Im Namen Allahs, des Erbarmers, des Barmherzigen. Die Engel und der Geist kommen in ihr (der Nacht der Bestimmung) mit der Erlaubnis ihres Herrn herab." (Sure 97, 4) "Sag, der Geist kommt durch den Befehl meines Herrn." (Sure 17, 85)}

Diese Abhandlung besteht aus zwei "Kapiteln", die in "Grundsätzen" unterteilt sind, und aus einer Einleitung.

Einleitung

Man kann sagen, dass die Existenz der Engel und die der Geister so sicher wie die Existenz der Menschen und der Tiere ist. Wie auf der ersten Stufe des "Fünfzehnten Wortes" bereits erklärt wurde, erfordert die Wahrheit mit Sicherheit und verlangt die Weisheit mit Gewissheit, dass die Himmel genauso ihre Bewohner haben, wie sie auch die Erde hat. Und diese Bewohner sollen über ein Bewusstsein verfügen und diese Bewohner sollen für den Himmel geeignet sein. In der Sprache des Qur'an werden diese sehr verschiedenen Arten von Bewohnern Engel und Geister genannt. Das ist in der Tat ein Erfordernis der Wahrheit. Denn diese unsere Erde wird trotz ihrer winzigen Kleinheit mit Geschöpfen bevölkert, die von Leben und Bewusstsein erfüllt sind, von Zeit zu Zeit wieder entleert und wieder neu mit bewusstseinstragenden Geschöpfen belebt, was darauf hinweist, oder vielmehr erklärt, dass auch die Himmel, welche zauberhaften Schlössern gleichen, ausgestattet mit prächtigen Türmen, mit Sicherheit von Lebewesen, die das Licht für das Licht

des Seins sind, und von Bewusstsein und Verstand besitzenden Geschöpfen erfüllt sind, die das Licht der Lebewesen sind. Auch die anderen Geschöpfe sind gleich Menschen und Dschinnen Besucher in diesem Schloss, das unsere Welt ist, Leser dieses Buches, das dieser Kosmos ist und Herolde dieses Königreiches, das Gottes Herrschaftsbereich ist. In ihrem alles und jeden umfassenden Dienst und durch ihre Anbetung repräsentieren sie alle Lobpreisungen allen Seins im All im Großen und Ganzen.

In der Tat zeigt die Beschaffenheit des Kosmos ihr Vorhandensein. Denn das Universum, das mit unzählbar vielen feinen kunstvollen Verzierungen, mit so sinnvollen Schönheiten und symbolträchtigen Ornamenten ausgestattet und geschmückt ist, bedarf dementsprechend ganz offensichtlich auch derer, die seine Schönheit sinnend betrachten und sie in staunender Bewunderung zu würdigen wissen, und erfordert ihre Anwesenheit. So verlangt Schönheit in der Tat nach einem, der sie liebt. Und was die Mahlzeit betrifft, so wird sie dem gereicht, der danach hungert. Also weist denn die Speise der Geister und die Grundnahrung der Herzen, die in so grenzenlos künstlerischer Schönheit enthalten ist, mit Sicherheit auf die Engel und Geister hin und zeigt auf sie hin. Derartige unendliche Verzierungen verlangen ja nach einer unendlichen Aufgabe des Nachsinnens, des Dienstes und der Anbetung. Die Menschen und Dschinnen können aber nur den Millionsten Teil dieser unendlich vielen Aufgaben, dieser weisheitsvollen Betrachtungen, dieser weltweiten Verpflichtungen, dieser umfassenden Anbetungen erfüllen. Das heißt also, dass für diese unendlich vielen verschiedenen Aufgaben und Dienste und für die Anbetung auch unendlich viele Arten von Engeln und Geistern notwendig sind, damit sie die große Moschee dieser Welt mit ihren Reihen füllen und beleben.

In der Tat findet sich je ein Volk von Geistern und Engeln überall im Kosmos, in einem jeden seiner Bereiche, beauftragt mit je einem besonderen gottesdienstlichen Auftrag.

Aufgrund der Hinweise mancher Überlieferungen der Hadithe und der Weisheit hinter der Ordnung der Welt lässt sich sagen: Ein Teil der Dinge und Gegenstände, die zwar ohne Leben aber doch beweglich sind, von den Planeten und Sternen angefangen bis zu den Regentropfen hin, wird von den Engeln als eine Art Segelschiff oder Reittier benutzt. Mit Gottes Erlaubnis besteigen die Engel diese Planeten, segeln auf ihnen durch die bezeugte Welt und führen die Lobpreisungen ihrer Reittiere aus.

Eine heilige Hadith sagt: "Die Geister der Leute des Paradieses treten in der Zwischenwelt in den Brustraum der Grünen Vögel ein und reisen im Paradies umher." Es lässt sich sagen, dass ein Teil der lebendigen Dinge, angefangen von den Vögeln des Paradieses, die طُيُورٌخُضْرٌ "Grüne Vögel" genannt werden, bis zu den Fliegen einigen Arten von Seelen als Flugzeug dienen. Sie schlüpfen auf Befehl Gottes des Gerechten in diese hinein, reisen mit ihnen durch die Körperwelt und schauen durch die Sinnesorgane dieser lebendigen Körper, wie Augen und Ohren, die Wunder der Schöpfung in der Körperwelt. Sie bringen die Lobpreisungen, die ihnen Eigen sind, dar. So wie es denn die (Erkenntnis der) Wahrheit erfordert, genauso erfordert es auch die Weisheit (des Verstandes). Denn so wie der Allweise Schöpfer ständig, unermüdlich tätig, anmutiges Leben und lichtvolle, vernunftbegabte Wesen aus dieser dunklen Erde erschafft, die mit dem Geist kaum vergleichbar ist, und aus schlammigem Wasser, das mit dem Licht des Lebens sehr wenig in Beziehung steht, so gibt es vor Ihm auch eine Art bewusstseinstragender Geschöpfe aus dem für Geist und Leben sicherlich mehr geeigneten Meer des Lichtes, sogar aus dem Ozean der Dunkelheit und aus verschiedenen feinen Stoffen wie aus der Luft und aus der Energie. Ja es gibt deren sogar sehr viele.

Erstes Kapitel

Die Bestätigung (des Glaubens an) die Existenz der Engel ist ein Grundpfeiler des Glaubens. Dieses "Kapitel" enthält vier "Grundsätze".

Erster Grundsatz

Alles Sein erfüllt und vollendet sich durch das Leben. Ja das Sein gelangt erst im Leben zu seinem wahren Sein. Das Leben ist das Licht allen Seins. Das Bewusstsein ist ein Strahl des Lebens. Das Leben ist Gipfel und Basis aller Dinge. Das Leben macht alle Dinge zum Besitz jenes lebendigen Wesens. Es macht einen Jeden zum Besitzer über alle Dinge. Durch das Leben kann ein jedes lebendige Ding sagen: "Alle diese Dinge sind in meinem Besitz. Die Welt ist mein Haus. Der Kosmos ist mein Besitztum, der mir von meinem Herrn gegeben ist." So wie das Licht die Ursache der Sichtbarkeit aller Dinge ist, und - wie manche meinen - der Grund für die Existenz der Farben, genauso ist auch das Leben das, womit wir alles Sein entdecken. Es ist der Grund für die Verwirklichung der Eigenschaften. Des Weiteren macht es einen kleinen Teil des Ganzen zu jenem (Teil des Ganzen), der das Ganze in sich umfasst. Es ist der Grund dafür, dass alle Teile eines Ganzen in einem kleinen Bruchteil (des Ganzen) ihren Platz finden. Indem es zahllose Dinge zusammenfügt und vereint, und so wie es sie zu einer Quelle der Einheit und dem Erscheinungsort ihres (gemeinsamen) Geistes macht, so ist es auch ein Grund für jegliche Vollkommenheit in der Körperwelt als Ganzes. Das Leben ist sogar eine Art Erscheinung der Einheit in den Schichten seiner Vielfältigkeit. Es ist ein Spiegel der Einheit (Ahadiyet)in der Vielfalt. Siehe, ein Ding ohne Leben, mag es auch ein riesiger Berg sein, ist ein Waise, ein Fremdling und allein. Er hat nur mit dem Platz, auf dem er sitzt, und mit den Dingen, die ihn berühren, Verbindung. Was es sonst noch im Kosmos gibt, ist für diesen Berg nicht vorhanden. Denn er hat weder Leben, sodass er durch dieses Leben Beziehungen aufnehmen könnte, noch hat er ein Bewusstsein, in dem er einen Zusammenhang herstellen könnte.

Nun betrachte einmal ein so kleines Wesen wie z.B. eine Honigbiene. In dem Moment, in dem das Leben in sie hineinschlüpft, nimmt sie mit dem ganzen Kosmos in der Weise eine Beziehung auf, dass sie mit dem ganzen Kosmos, besonders mit den Blumen, Blüten und Pflanzen des Erdbodens gewissermaßen ein Geschäft abschließt, sodass sie nun sagen kann: "Diese Erde ist mein Garten. Sie ist mein Geschäftshaus." So vermag diese Biene, zusammen mit den bekannten leiblichen und seelischen Sinnen und Empfindungen eines Lebewesens und mit all den unbewussten, sie in Begeisterung und in Bewegung versetzenden Empfindungen, die meisten (Pflanzen)arten der Welt wahrzunehmen, sich mit ihnen anzufreunden, auszutauschen und sie zu nutzen. Wenn also das Leben schon auf ein so kleines Lebewesen eine solche Wirkung ausübt, gedeiht es, entfaltet sich und erleuchtet es mit Sicherheit um so mehr, je höher es von Stufe zu Stufe bis zur obersten Sprosse, der Ebene des Menschen, welche die höchste Stufe ist, emporsteigt. Das menschliche Wesen aber durchwandert mit seinem eigenen Verstand die hohen, geistigen und körperlichen Welten, so wie ein Mensch mit Verstand und Bewusstsein, welche das Licht des Lebens sind, in den Zimmern seiner eigenen Wohnung wandelt. Das heißt, so wie dieser mit Leben und Bewusstsein begabte Mensch in seiner Vorstellung als Gast jene Welten durchstreift, so können auch diese Welten sich in der Seele dieses Bewusstseintragenden, in den sie projiziert werden, wie ein Gast hinein kommen und darin Gestalt annehmen.

Das Leben ist ein überaus glänzender Beweis für die Einheit und Gegenwart des Herrn in Seiner Majestät, eine äußerst große Quelle Seiner Gaben, eine äußerst anmutige Erscheinung Seiner Barmherzigkeit und ein rätselhaftes, unerforschliches und reines Ornament Seiner Kunst. Ja, es bleibt uns in der Tat ein Rätsel, ein Geheimnis.

Denn: das pflanzliche Leben, das das einfachste unter den Arten des Lebens ist, und das Erwachen des Lebensfunkens in einem Samenkern, der auf der ersten Stufe des pflanzlichen Lebens steht, d.h. wie er erwacht, sich entfaltet und gedeiht, geschieht offen sichtbar, in Vielfalt und in Fülle, und dennoch bleibt es, obwohl wir es gewohnt sind, seit Adams Zeiten selbst für die Augen der menschlichen Weisheit ein Rätsel. Doch was an ihm wahrhaftig und wesentlich ist, wurde durch die Vernunft des Menschen nicht entdeckt.

Überdies ist das Leben so vollkommen sauber und rein, dass seine beiden Seiten, das heißt, (die, die unsere Ursachenwelt betrifft) Mulkund (die, die Engelwelt) Melekutiyet,rein, sauber und durchsichtig sind. Die Hand der Macht legt keinen Schleier als Ursache vor (das Leben) und sie berührt (das Leben) direkt. Was aber die gewöhnlichen Vorfälle betrifft, offensichtliche Ereignissen und Dinge, die der Würde der Macht nicht entsprechen und die unrein sind, so macht Er deren augenscheinliche Ursachen, als deren eigentlichen Ursprung, zu Schleiern.

Zusammenfassung:

Man kann sagen, dass dort, wo kein Leben ist, das Dasein zum Nichtsein wird. Es unterscheidet sich nicht mehr von der Abwesenheit. Das Leben ist ein Strahl des Geistes (ruh).Das Bewusstsein (shu'ur)ist das Licht des Lebens.

Da also nun einmal Leben und Bewusstsein so wertvoll sind, und da, wie wir bezeugen können, nun einmal in dieser Welt eine so überaus vollendete Wohlordnung herrscht und da nun einmal in diesem Kosmos eine solch verlässliche Regelmäßigkeit und eine so beherrschende Gesetzmäßigkeit erkennbar ist, und da nun einmal unsere arme, durcheinander geratene Erdkugel, unser schlingernder Erdboden von so unzählbar vielen Wesen erfüllt ist, solchen, die Leben, solchen, die einen Geist und solchen, die Verstand besitzen, wird man gewiss mit sicherem Gespür und absoluter Gewissheit zu dem Urteil gelangen, dass diese Schlösser des Himmels und diese erhabenen Türme auch die ihnen entsprechenden,

mit Leben begabten und von Bewusstsein erfüllten Bewohner haben müssen. Wie die Fische im Wasser leben, so finden sich auch diese lichtvollen Bewohner im Feuer der Sonne. "Das Feuer verbrennt das Licht nicht", sondern das Feuer hilft dem Licht.

Der Urewige schafft nun einmal mit seiner Macht aus ganz gewöhnlichen Dingen, aus dichtesten Elementen zahllose Lebewesen und Geistwesen, wie wir bezeugen können. Er verwandelt die dichte Materie durch das Leben mit großem Bedacht in einen subtilen Stoff und sprengt das Licht des Lebens in großen Mengen über alle Dinge und vergoldet die meisten von ihnen mit dem Licht Seines Bewusstseins. Dieser allweise Allmächtige vernachlässigt mit Sicherheit nicht, mit Seiner makellosen Macht, mit Seiner fehlerlosen Weisheit die verschiedenen fließenden Stoffe wie Licht und Äther, die dem Geist näher stehen und ihm eher entsprechen. Er lässt sie nicht ohne Leben, starr und ohne Bewusstsein. Vielmehr erschafft Er aus dem Stoff des Lichtes, ja sogar aus der Finsternis, aus dem Stoff des Äthers, ja sogar aus Sinngebungen, selbst aus dem Gemüt, selbst aus einem Wort Lebewesen und Geistwesen in Fülle.

Wie die vielen sehr unterschiedlichen Arten der Tiere, erschafft Er auch viele sehr unterschiedliche Geistesgeschöpfe aus solchen feinstofflichen Energien. Ein Teil von ihnen sind Engel, ein anderer Teil Geistwesen und Dschinnen. Um nun zu sehen, wie wahr es ist, offensichtlich und dem Verstand entsprechend, anzunehmen, dass die Engel und die Geistwesen in großer Zahl existieren, wie der Qur'an es schildert, und wer es nicht so annimmt, in welchem Grade es ein der Wahrheit und der Weisheit zuwiderlaufender Aberglaube, Irrtum, Delirium und Wahnsinn ist, betrachte folgendes Gleichnis:

Zwei Männer, von denen einer ein unkultivierter Beduine ist, der andere aber ein zivilisierter Mensch, der seine fünf Sinne beisammen hat, haben sich miteinander befreundet und sind in eine große Stadt wie Istanbul gekommen. In einer weit entfernten Ecke dieser zivilisierten

großartigen Stadt fanden sie ein elendes, kleines, schmutziges Haus und eine Fabrik. Da sahen sie, dass dieses Haus von Arbeitern, die in Not und Elend lebten und armen Männern voll war. Sie arbeiten in einer merkwürdigen Fabrik. Auch die Umgebung dieses Hauses war von beseelten, lebendigen Wesen erfüllt. Diese lebten zwar unter besonderen Umständen, hatten aber ihren Lebensunterhalt. Ein Teil von ihnen war Vegetarier, ernährte sich nur von Pflanzen. Ein anderer Teil ernährte sich hingegen nur von Fischen. Er fraß also nichts, außer Fisch.

Die beiden Männer betrachteten diese Verhältnisse. Dann sahen sie sich um und erblickten in der Ferne Tausende geschmückter Schlösser und hochragender Burgen stehen. Zwischen diesen Schlössern sahen sie sich Marktplätze und Werkhallen erstrecken. Aufgrund der großen Entfernung - oder waren vielleicht ihre Augen zu schwach? oder hatten sich ihre Bewohner vielleicht vor ihnen versteckt? - konnten die beiden Männer aber die Bewohner des Schlosses nicht erblicken. Doch in den Schlössern fanden sich nicht die gleichen Lebensbedingungen wie in dem kleinen elenden Haus. Da sagt dieser unkultivierte Beduine, der noch nie eine Stadt gesehen hatte, weil er unter den gegebenen Umständen keine Bewohner erblicken konnte und weil er hier die dortigen Lebensbedingungen nicht vorfand: "In diesen Schlössern gibt es keine Bewohner, sie stehen leer. In ihnen gibt es keine lebende Seele." So macht er in seiner unzivilisierten Art eine der dümmsten Bemerkungen. Der andere Mann aber sagt:

"Oh du bedauernswerter Mensch! Du siehst nur dieses kleine elende Haus, das von beseelten, arbeitenden Wesen erfüllt ist. Es gibt jedoch bestimmt jemanden, der sie alle immer wieder austauscht und andere dafür in Seinen Dienst stellt. Schau! Es gibt in der Umgebung dieses Hauses keinen freien Platz. Es ist von Wesen erfüllt, die belebt und beseelt sind. Ja wäre es denn möglich, dass sich in dieser wohlgeordneten Stadt, die wir von Ferne sehen können, mit ihren in Weisheit gestalteten Villen und Gebäuden,

ihren kunstreichen Schlössern keine ihnen entsprechenden Bewohner haben sollten? Mit Sicherheit sind alle diese Schlösser (mit Leben) erfüllt und gibt es in ihnen entsprechend den Lebensbedingungen die sich in ihnen vorfinden auch die Bewohner, (für die diese Bedingungen geeignet sind). Es wäre in der Tat möglich, dass sie statt Gras, Pastete äßen oder statt Fisch vielleicht Baklava (Kuchen). Wenn sie wegen deiner Entfernung oder aufgrund deiner mangelnden Sehkraft, oder vielleicht, weil sie sich versteckt halten, für dich nicht sichtbar sind, so kann das keineswegs ein Beweis dafür sein, dass sie nicht existieren. "Es kann nicht etwas, weil man es nicht sehen kann, ein Beweis dafür sein, dass es etwa nicht vorhanden wäre."

Wenn also nun unsere Erde, die doch unter den erhabenen Himmelskörpern so klein und von kompakter Masse ist, wie im obigen Gleichnis dargestellt, so grenzenlos vielen mit Geist und Bewusstsein begabten Wesen als Heimat dient und auf der selbst noch Verrottetes und Verfaultes als Quelle neuen Lebens zu einem Versammlungsort von Mikroorganismen werden, zeigt und bezeugt sie und macht zwangsläufig, offensichtlich, auf einem vorzüglichen Wege, mit wahrhaftiger Eingebung und sicherer Gewissheit bekannt, dass auch dieses grenzenlose Weltall und dieser prächtige Himmel mit seinen Sternen und Türmen mit solchen Wesen belebt ist, die mit Geist und Bewusstsein begabt sind. Diese mit Geist und Bewusstsein begabten Lebewesen, die aus Licht und Glut, aus dem Feuer, seinem Schein, seinem Rauch, aus Luft, aus Ruf und Duft und Wort, aus Äther, ja sogar aus reiner Energie und noch vielen anderen fließenden feinstofflichen Elementen erschaffen wurden, bezeichnet das leuchtende Gesetz, das Mohammed, mit dem Friede und Segen sei, gebracht hat, und der Qur'an, der in seiner Verkündigung ein Wunder ist, als "Engel, Dschinnen und Geister".

Was aber die Engel betrifft, so gibt es unter ihnen ebenso verschiedene Arten, wie es verschiedene Arten von Dingen gibt. In der Tat ist mit Sicherheit der Engel, der für einen Regentropfen zuständig ist, nicht von der Art des Engels, der für die Sonne zuständig ist. Was aber die Dschinnen und Geister betrifft, so gibt es auch unter ihnen sehr viele durchaus verschiedene Arten.

Schlusswort dieser Anmerkung:

Erfahrungsgemäß ist die Materie nicht die Basis, der das Sein dienen müsste und von der es abhängig wäre. Vielmehr wird die Materie durch den Sinn, der hinter ihr steht, aufrecht erhalten. So ist denn dieser Sinn Leben und Geist. Zudem ist es offensichtlich nicht die Materie, der wir alle dienen und auf die alles zurückzuführen wäre. Vielmehr ist sie selbst eine Dienerin. Sie dient der Vervollkommnung der (Übermittlung) der Wahrheit. Diese Wahrheit ist das Leben. Die Basis der Wahrheit aber ist der Geist (ruh).

Offensichtlich ist die Materie nicht die, die herrscht, sodass man sich an sie wenden und die Vollkommenheit in ihr suchen sollte. Vielmehr ist sie gefangen, schaut aus nach der Basis, sie zu beurteilen, bewegt sich in den Bahnen, die sie ihr zeigt. So ist denn diese Basis das Leben, der Geist, das Bewusstsein. Des Weiteren ist die Materie, wie man zwangsläufig bestätigen muss, nicht das Innerste, nicht das Wesentliche, auch nicht beständig, sodass alles, was sich bewegt und was vollkommen ist, von ihr abhängig und auf ihr aufgebaut wäre, vielmehr gleicht sie der Rinde, der Schale, dem Schaum, der Form, dazu bestimmt, einmal zu platzen, zu zerbrechen, zu verfliegen, zu vergehen.

Sieht man denn nicht, was für scharfe Sinne so ein kleines Tier hat, dass man mit dem bloßen Auge nicht sehen kann, sondern nur mit dem Mikroskop. Es hat hochempfindliche und scharfe Sinne, mit denen es die Stimmen seiner Artgenossen hört und seine Nahrung sieht. Diese Tatsache zeigt, je kleiner und feiner die Materie wird, um so stärker prägt sich das Leben, um so schärfer wird das Licht des Geistes. Es ist, als ob die Materie sich an die Welt des Geistes, an die Welt des Lebens und an die Welt des Bewusstseins annähere,

je mehr sie sich verfeinert und von unserer Körperwelt entfernt, wobei die Glut des Geistes und das Licht des Lebens um so mächtiger erscheint. Wenn also durch den Schleier der Materie so viele Tropfen des Lebens, des Bewusstseins und des Geistes hindurch sickern, wie wäre es dann überhaupt möglich, dass die Welt des Innerlichen (alem-i batin),die hinter diesem Schleier liegt, nicht von beseelten und mit Bewusstsein begabten Wesen erfüllt sein sollte? Ja wäre es denn überhaupt möglich, dass diese zahllosen Tropfen, Funken, Früchte der Bedeutungen, des Geistes, des Lebens und der Wahrheit in der Körperwelt und in der bezeugten Welt ausschließlich in der Materie und im Stoffwechsel ihren Ursprung haben und auf ihn zurückgeführt und somit erklärt werden könnten? Nein, auf keinen Fall! Diese zahllosen Tropfen und Funken zeigen: was diese Körperwelt und die bezeugte Welt betrifft, so ist sie ein durchsichtiger Schleier der über die Welt der Engel und der Geister ausgebreitet ist.

Zweiter Grundsatz

Man kann sagen, dass die Leute, die sich auf den Verstand berufen, und die Leute, die sich auf die Offenbarungen berufen, wissentlich oder unwissentlich, in der Existenz der Engel und der Geistwesen miteinander übereinstimmen. Trotz ihrer unterschiedlichen Formulierungen sind sie sich in der Tatsache ihrer Existenz sinngemäß einig. Selbst die Peripatetiker unter den Philosophen der Ishraqiyyun, die im (Studium) der Materie am weitesten fortgeschritten waren, sagen, ohne die Bedeutung der Engel zu leugnen: "Jede Art hat ihr eigenes, unabhängiges geistiges Wesen." Dies ist ihre Art die Engel zu beschreiben. Auch die Ishraqiyyun in der alten Philosophie nahmen gezwungenermaßen dem Sinne nach Engel an, nannten sie aber fälschlicherweise die "Zehn Verstande" ('uqul-u 'ashere)und "Sachkundige der Arten" (erbabu l-enva').

Alle Religionsphilosophen nehmen ganz intuitiv und durch die Lehre der geoffenbarten Schriften an, dass (in dieser Welt eine jede) Erscheinungsform den ihr entsprechenden zuständigen Engel hat und bezeichnen letztere mit Namen wie "Bergengel, Meerengel, Regenengel." Selbst die Materialisten und die Naturalisten, denen der Verstand in die Augen gerutscht ist und gleichsam von der Stufe ihres Menschseins auf die Stufe der unbelebten (Materie) hinuntergefallen sind, konnten die Bedeutung der Engel auch nicht bestreiten und waren gezwungen, sie als "hindurchziehende Kräfte" (quva-yi sariye)

{(*): Sie fanden nicht die Kraft, die Engel in ihrer Bedeutung und die Geistwesen in ihrem tatsächlichen (Dasein) zu leugnen. Vielmehr waren sie durch eine falsche Beschreibung der Gesetze der Erschaffung gezwungen, in gewisser Hinsicht sie zu bestätigen, indem sie diese Gesetze als "hindurchfließende Kräfte" bezeichneten. Oh du, der du dich für klug hältst (du kommst am Ende doch zum gleichen Ergebnis)!}

gewissermaßen anzunehmen.

Oh du hilfloser Mann, der du unschlüssig bei der Annahme der Engel und der Geistwesen zauderst! Worauf stützt du dich? Auf welche Wahrheit verlässt du dich, so dass du, wissend oder unwissend, gegen die Feststellung der Wissenschaft aller Leute des Verstandes über die Bedeutung der Engel und gegen deren Übereinstimmung in der Wahrheit von den Geistwesen Widerstand entgegensetzt und sie nicht annimmst? Wie schon im "Ersten Grundsatz" bewiesen wurde, ist das Leben das, womit wir alles Sein entdecken, ja sogar dessen Ergebnis und gleichsam dessen Konzentrat. Alle Leute des Verstandes sind sich dem Sinne nach über die Annahme der Bedeutung der Engel einig. Diese unsere Erde ist mit so vielen mit Geist und Leben begabten Wesen bevölkert.

Ja wäre es denn unter diesen Umständen überhaupt möglich, dass dieses weite Universum unbewohnt und leer, diese weiten feinstofflichen Himmelsräume unbesiedelt wären? Man soll nicht daraus schließen, dass die in der Schöpfung gültigen Gesetze und Vorschriften ausreichten, den Kosmos mit Leben zu erfüllen.

Denn diese bestehenden, geltenden Gesetze sind Befehle, die nur nach außen hin von praktischer Bedeutung sind, Vorschriften, die nur in der Vorstellung bestehen und so betrachtet werden, als gäbe es sie gar nicht, wenn nicht Diener Gottes, die Engel genannt werden, da wären, welche diese Gesetze vollzögen, sie bekannt machten, die Zügel in der Hand hielten. Sonst könnten sich diese Gesetze, diese Vorschriften als unwirksam herausstellen. Sie könnten nicht realisiert werden. Sie können keine nach außen hin erkennbare Tatsache sein. Denn das Leben ist eine offensichtliche Tatsache. Eine nach außen hin wahrnehmbare Sache kann nicht durch eine bloß vorgestellte Angelegenheit verursacht sein.

Zusammenfassung:

Die Leute der Weisheit und der Religion, diejenigen, die sich auf ihren Verstand berufen und die sich auf die Offenbarungen berufen, stimmen darin überein, dass das Sein nicht auf diese unsere bezeugte Welt beschränkt ist. Des Weiteren ist die bezeugte Welt, die in Erscheinung tritt, mit so vielen beseelten (Wesen) geschmückt, obwohl sie leblos und für die Entstehung der Geister (ervah)ungeeignet erscheint. Mit Sicherheit ist das Sein nicht auf (diese unsere bezeugte Welt) beschränkt. Vielmehr gibt es noch viele weitere Stufen des Seins, im Verhältnis zu denen die von uns bezeugte Welt nur ein Schleier ist, mit dem sie sich schmückt. Des Weiteren müssen, so wie das Meer sich auf die Fische bezieht, die unsichtbare Welt und die Welt der Bedeutungen (: des Geistes), welche für die Geister geeignet sind, auch von diesen Geistern erfüllt sein. Des Weiteren bringen nun einmal alle Dinge Zeugnis für die Existenz der Engel dar, wie immer man diese nun auch bezeichnen mag.

Mit Sicherheit und ohne allen Zweifel findet sich die schönste Darstellung der Existenz der Engel und der Tatsache (des Daseins) der Geistwesen und die verständlichste Erklärung dazu, so wie sie für den gesunden Menschenverstand angenehm und annehmbar erscheint, (in der Art) wie der Qur'an sie erläutert und erklärt. Der Qur'an, dessen Verkündigung ein Wunder ist, sagt:

"Die Engel sind ehrenwerte Diener. Sie widersprechen dem Befehl nicht. Was befohlen wird, tun sie. Die Engel sind lichtvolle feinsinnige Wesen. Es gibt ihrer verschiedene Arten." Wie die Menschheit in der Tat eine Gemeinde ist und Träger, Repräsentanten und Beispiele für die Gesetze Gottes, die von der Eigenschaft Gottes "das Wort" (kelam)aus gehen, genauso sind auch die Engel eine machtvolle Gemeinde, von denen ein Teil, der die Arbeiten verrichtet, Träger, Repräsentant und ein Beispiel der Gesetze im Sein ist, die von der Eigenschaft Gottes "das Wollen" (irade)ausgehen. Sie sind eine Art Diener und Anbeter, die die Befehle des Schöpfers in Seiner Macht und des Urewigen in Seinem Willen, der in Wahrheit der Wirkende ist, folgen. Für sie gleicht jeder einzelne der erhabenen Himmelskörper einer Moschee, einem Tempel.

Dritter Grundsatz

Die Angelegenheit der Engel und der Geister gehört zu den Dingen, wo sich aus der Existenz eines Einzelexemplars auf die Gesamtheit aller ersehen lässt. Durch den Anblick eines einzelnen Exemplars wird bekannt, dass die ganze Art existiert. Denn, wer es leugnet, leugnet sie insgesamt. Wer (die Existenz) eines einzelnen von ihnen annimmt, muss (die Existenz) der ganzen Art annehmen. Weil dies aber so ist, so komm nun einmal: Ja siehst du und hörst du denn nicht, dass sich die Religionsphilosophen aller Jahrhunderte, von Adams Zeiten bis heute über die Existenz der Engel und die Tatsache der Geistwesen einig waren. Sie stimmten darin überein, Gespräche mit Engeln geführt zu haben, (ihr Dasein) bezeugt und überliefert zu haben, so wie (verschiedene) Gruppen von Menschen einander erzählen, berichten und miteinander Gespräche führen. Wenn man gar keinen Engel eindeutig gesehen und nicht mit Sicherheit beobachtet hätte, oder von einem oder mehreren von ihnen nichts wüsste und wenn man von ihrem Dasein eindeutig und unter Zeugen nichts wahrgenommen hätte, wie wäre es

dann überhaupt möglich, dass eine solche Gemeinsamkeit, eine solche Übereinstimmung tradiert werden konnte und dass sich diese Übereinstimmung über eine solche positiven, die Existenz betreffende Angelegenheit und in der auf Bezeugung stützenden Form, ununterbrochen als allgemein verbreitete, sichere Kenntnis fortsetzen konnte?

Und wäre es überhaupt möglich, dass die ursprünglichen Voraussetzungen dieser allgemeinen Überzeugung nicht überall bekannt gewesen wären und keine allgemein (verbreitete) Angelegenheiten waren? Und wäre es denn überhaupt möglich, dass eine irrige Vorstellung durch alle Umwälzungen der Menschheit(sgeschichte) und durch alle Überzeugungen der Menschheit hindurch auf Dauer bestehen konnte? Und wäre es denn überhaupt möglich, dass der Beweis jenes gewaltig großen Konsenses aller Religionsphilosophen, auf keiner sicheren Eingebung, nicht auf einer augenscheinlichen Gewissheit beruhen sollte? Und wäre es denn überhaupt möglich, dass jene sichere Eingebung und jene augenscheinliche Gewissheit nicht auf zahllosen Zeichen und jene Zeichen auf zahllosen Ereignissen, die beobachtet wurden, und diese beobachteten Ereignisse ohne allen Zweifel am Anfang auf vertrauten Erfahrungen beruhen sollte? Der Grund und der Nachweis dieser allgemeinen Überzeugung bei den Religionsphilosophen rührt daher, dass die vertrauten Erfahrungen und die zuverlässigen Grundlagen aus sehr vielen wiederholten Erlebnissen mit Engeln und Begegnungen mit Geistwesen gewonnen wurden.

Und wäre es denn überhaupt möglich, überhaupt verständlich, überhaupt annehmbar, und könnte es einen Zweifel hervorrufen und Anlass sein, einen Verdacht hervorzurufen, dass die Engel und die Geister existieren und auch beobachtet wurden, was die Propheten und Gottesfreunde, welche Sonnen, Sterne und Monde am Himmel des gesellschaftlichen Lebens der Menschheit sind, anhand des Allgemeinwissens (tevatur)und kraft Übereinstimmung und bezeugen und sinngemäßen (Überlieferung) berichten.

Vor allem aber sind sie in dieser Frage Fachleute. Es ist ja bekannt, dass zwei Leute vom Fach Tausend anderen vorgezogen werden. Außerdem sind sie in dieser Frage diejenigen, die Beweise bringen. Es ist ja bekannt, dass die Aussagen zweier Leute, die Beweise bringen, Tausenden, die verneinen und bestreiten, vorgezogen werden. Und wäre es denn überhaupt möglich, dass die Berichte des Qur'an, dessen Verkündigung ein Wunder ist, der die Sonne der Sonnen der Welt der Wahrheit ist, die am Himmel des Kosmos immer scheint und niemals untergeht, und das Zeugnis und die Erklärung Ahmeds, mit dem Friede und Segen sei, der die Sonne des Prophetentums ist, einem Zweifel unterliegen kann. Wenn die Existenz eines einzigen Geistwesens sich schon einmal bewahrheitete, so zeigt dies, dass es sie auch insgesamt gibt. Die schönste, verständlichste und hochgeschätzteste Form der Schilderung der Tatsache ihrer Existenz ist die, wie das islamische Gesetz (Scharia)sie erklärt, wie der Qur'an sie schildert und wie der sie erfuhr, der die Himmelfahrt unternommen hat.

Vierter Grundsatz:

Wenn man alle die Dinge, die es in unserer Schöpfung gibt, aufmerksam betrachtet, so erkennt man, dass, ihre Gesamtheit genauso wie jedes einzelne Exemplar, einer Persönlichkeit im Sinne einer Körperschaft gleich ist und eine umfassende Aufgabe versieht. Darin erblicken wir einen Dienst an der Allgemeinheit.

Zum Beispiel:

So wie eine Blume einen ihr entsprechenden kunstvollen Schmuck zeigt und in der Sprache ihres Zustandes der Namen ihres Schöpfers gedenkt, so ist auch der Garten unserer Erde wie eine Blume. Sie hat eine überaus umfangreiche Aufgabe, die sie in beständigem Gedenken (tesbih)versieht. So wie eine Frucht ihr immerwährendes Gedenken (tesbih)bekannt macht und zum Ausdruck bringt, genauso hat auch ein riesiger Baum als Ganzes eine beständige, ganz natürliche Aufgabe und vollzieht so in ihr seinen Gottesdienst. So wie ein Baum mit den Worten seiner Blätter, Früchte und Blüten eine Lobpreisung darbringt,

genauso gedenkt (tesbih)auch das riesige Meer des Himmels des Schöpfers in seiner Majestät und lobpreist mit den Worten all der Sonnen, Sterne und Monde (darin) den Meister in seiner Majestät, und dgl. Jedes einzelne nach außen hin sichtbare Ding, auch wenn es uns als ohne Leben und Bewusstsein erscheint, hat eine Aufgabe, wie man sie von lebendigen und bewussten Wesen erwarten darf, und bringt seinen eigenen Lobpreis (tesbih)dar.

So wie sie alle in der Engelwelt (Melekut)von den Engeln repräsentiert und ihre Lobpreisungen (tesbih)von letzteren dargebracht werden, so gelten sie auch mit Sicherheit in der Welt der Herrschaft (mulk,d.h. also das Diesseits) und in der von uns bezeugten Welt als Sinnbilder, Wohnstätten und Gebetsräume für jene Engel. Die erste Art der vier verschiedenen Arten von Arbeitern, die der majestätische Erbauer dieses Weltenschlosses, wie im vierten Ast des "Vierundzwanzigsten Wortes" bereits erklärt wurde, in diesem Schloss in den Dienst gestellt hat, sind die Engel und Geister.

Da nun einmal die Pflanzen und die leblosen Dinge, ohne es zu wissen, mit dem Auftrag eines Wissenden ohne Lohn in einem besonders wichtigen Dienste stehen, während die Tiere gegen geringen Lohn unwissend allumfassenden Zwecken dienen, stehen die Menschen gegen zweierlei Lohn in Dienst, nämlich einen sofort ausbezahlten und einen gutgeschriebenen, wobei sie sich ihrer Kenntnis der Absichten dieses majestätischen Bauherren entsprechend verhalten, auch aus jeder Sache ihren eigenen (nefs)Anteil herausholen und über die anderen Arbeiter Aufsicht führen, so wie wir das ja auch sicherlich beobachten können. Sicherlich lassen sich auch noch Diener und Arbeiter finden, die den vierten Teil, also den wohl bedeutendsten Teil bilden. Diese müssen einerseits den Menschen ähnlich sein, weil sie die umfassenden Absichten des majestätischen Bauherren kennen und sich in ihrem Dienst (ibada)entsprechend verhalten, während sie andererseits im Gegensatz zum Menschen frei sind

von jeglicher Erwartung persönlicher (nefs)Befriedigung oder Entlohnung und sich damit begnügen, nur unter dem alleinigen Anblick des majestätischen Erbauers, Seinem Befehl, Seiner Zusicht, Seinem Auftrag, ja in Seiner Nähe mit ganzer und aufrichtiger Hingabe zu arbeiten, wobei aus dem Gefühl ihrer Zugehörigkeit zu Ihm ihre Freude, ihre Vollkommenheit (kemal),ihr Genuss und ihre Glückseligkeit erwächst. Entsprechend ihrer Art und entsprechend der Arten der geschaffenen Dinge sind ihre Aufgaben (vazife-i 'ibada)unterschiedlich.

Und so wie sich die verschiedenen Beauftragten einer Regierung in den verschiedenen Ämtern voneinander unterscheiden, genauso unterscheiden sie sich im Herrschaftsbereich Gottes durch ihren Gottesdienst und Lobpreis. Zum Beispiel ist der Erzengel Michael wie ein Minister, der durch die Macht Gottes des Gerechten und in Seiner Kraft, in Seinem Namen und auf Seinen Befehl die Aufsicht über (die Pflanzen) führt, Gottes Kunstwerke, die Er auf der Erde als ihrem Acker ausgesät hat. Wenn man so sagen darf, ist er das Oberhaupt aller Engel, die man mit den Landarbeitern vergleichen kann. Mit der Erlaubnis, dem Befehl, der Kraft und der Weisheit des majestätischen Schöpfers haben auch die geistigen Hirten aller Tiere als Oberhaupt einen hochrangigen, für sie zuständigen Engel. Da also nun jedes einzelne dieser sichtbaren Dinge einen Engel haben muss, der für sie zuständig ist, damit er ihre gottesdienstlichen Aufgaben, ihren Dienst als Lobpreisung in der Engelwelt repräsentiere und vor der Schwelle Gottes wissend anbiete, sind mit Sicherheit die Beschreibungen, wie sie der getreue Berichterstatter überliefert, so weit es dabei um die Engel geht, vollkommen der Wahrheit entsprechend und klar verständlich. So heißt es zum Beispiel in einer Verlautbarung (ferman):

"Es gibt einige Engel mit vierzig Häuptern oder vierzigtausend Häuptern. Jedes Haupt hat vierzigtausend Münder. Mit vierzigtausend Zungen in jedem Mund bringen sie vierzigtausend Lobpreisungen (tesbihat)dar."

Die Wahrheit, die diese Hadith zum Ausdruck bringt, hat ihre Bedeutung und es entspricht ihr auch ein Bild. Ihre Bedeutung aber ist wie folgt: Dienst und Anbetung der Engel sind sowohl aufs Beste geordnet und aufs Höchste vollkommen, als auch weit und breit alles umfassend. Und was das dieser Wahrheit entsprechende Bild betrifft, so ist dies folgendes:

Es gibt einige Körper von gewaltigen Ausmaßen, die vierzigtausend Häupter haben und auf vierzigtausend verschiedene Arten ihre gottesdienstlichen Aufgaben erfüllen. Zum Beispiel lobpreist der Himmel Gott mit seinen Sonnen und Sternen. Die Erde, die eine Schöpfung als Ganzes ist, verrichtet ihre gottesdienstliche Aufgabe und bringt dem Herrn Lobpreisungen (tesbih)mit hunderttausend Häuptern, mit hunderttausend Mündern eines jeden Hauptes dar, und mit hunderttausend Zungen in jedem Mund. So muss denn auch der für die Erde zuständige Engel ein vergleichbares Aussehen in der Engelwelt haben, damit er Sinn und Inhalt ihrer Werke übermitteln kann.

So habe auch ich einen mittelgroßen Mandelbaum gesehen, der etwa vierzig dicke Äste, ähnlich seinen Häuptern, hatte. Dann betrachtete ich einen Ast, der etwa vierzig Zweige, seinen Zungen vergleichbar, hatte. Danach betrachtete ich eine dieser Zungen, einen solchen Zweig, der öffnete vierzig Blüten. Ich habe diese Blüten aufmerksam betrachtet. In jeder einzelnen Blüte habe ich etwa vierzig sehr feine, harmonisch angeordnete, farblich abgestimmte, kunstvoll gestaltete Kelche gesehen, deren jeder einzelne eine besondere Erscheinung der Namen des majestätischen Schöpfers (als Grundton im Allgemeinen) und einen Namen (im besonderen) herauslesen ließ. Ja wäre es denn überhaupt möglich, dass der majestätische Schöpfer dieses Mandelbaumes, der Allweise in Seiner Schönheit, der diesem hölzernen Baum so viele Aufgaben auflädt, nicht einen für ihn bestimmten und für ihn zuständigen Engel in ihm sitzen ließe, um als sein Geist, welcher seine Bedeutung kennt und auszudrücken weiß, sie dem ganzen Kosmos bekannt zu machen und vor der Schwelle Gottes zu präsentieren?

Oh mein Freund! Unsere Erklärungen waren bis hierher eine Einleitung, um das Herz aufnahmebereit zu machen, die Seele (nefs)zur Ergebung (teslim)zu bewegen und dem Verstand Gewissheit zu verschaffen. Wenn du diese Einleitung bis zu einem gewissen Grade verstanden hast und wünschst, einem Engel zu begegnen, bereite dich darauf vor! Zugleich reinige dich von den Vorstellungen des Bösen. So stehen denn die Tore der Welt des Qur'an offen. So wartet denn das Paradies des Qur'an مُفَتَّحَةُ اْلاَبْوَابُ "mit geöffneten Toren" tritt ein und sieh dich um! Siehe die Engel in diesem qur'anischen Paradies in ihrer schönen Gestalt. Jeder herabgesandte Vers ist (für die Engel wie) eine Wohnstatt. So betrachte denn ihre Wohnstätten:

وَالْمُرْسَلاَتِ عُرْفًا ٭ فَالْعَاصِفَاتِ عَصْفًا ٭ وَالنَّاشِرَاتِ نَشْرًا ٭ فَالْفَارِقَاتِ فَرْقًا ٭ فَالْمُلْقِيَاتِ ذِكْرًا ٭ وَالنَّازِعَاتِ غَرْقًا ٭ وَالنَّاشِطَاتِ نَشْطًا ٭ وَالسَّابِحَاتِ سَبْحًا ٭ فَالسَّابِقَاتِ سَبْقًا ٭ فَالْمُدَبِّرَاتِ اَمْرًا ٭ تَنَزَّلُ الْمَلٰٓئِكَةُ وَالرُّوحُ فِيهَا بِاِذْنِ رَبِّهِمْ ٭ عَلَيْهَا مَلٰٓئِكَةٌ غِلاَظٌ شِدَادٌ لاَ يَعْصُونَ اللَّهَ مَآ اَمَرَهُمْ وَيَفْعَلُونَ مَا يُؤْمَرُونَ

{"Bei denen, die nacheinander ausgesandt werden, in Windeseile daher brausen, die Wolken verbreiten, zwischen den Verschiedenheiten unterscheiden, an die Mahnungen erinnern." (Sure 77, 1-5) "Bei denen, die mit Ungestüm reißen; bei denen, die mit Sanftmut herausziehen; bei denen, die rasch dahin schweben, schwimmen; allen vorauseilen; die ihre Aufträge zu erledigen verstehen." (Sure 79, 1-5) "Es steigen die Engel und Geister in ihr herab mit der Erlaubnis ihres Herrn." (Sure 97, 4) "Über sie sind harte und strenge Engel gesetzt, die sich nicht auflehnen gegen das, was Gott ihnen befohlen hat, sondern ausführen, was ihnen befohlen wurde." (Sure 66, 6)}

Und weiter höre:

سُبْحَانَهُ بَلْ عِبَادٌ مُكْرَمُونَ ٭ لاَ يَسْبِقُونَهُ بِالْقَوْلِ وَهُمْ بِاَمْرِهِ يَعْمَلُونَ

{"Gepriesen sei Er! Doch es sind nur ehrenwerte Diener. Sie kommen Ihm nicht zuvor in Seiner Rede, sondern handeln nur auf Sein Geheiß." (Sure 21, 26-27)}

Höre ihre Lobpreisungen. Wenn du dich mit den Dschinnen treffen willst, tritt mit der Schutzsure:

قُلْ اُوحِىَ اِلَىَّ اَنَّهُ اسْتَمَعَ نَفَرٌ مِنَ الْجِنِّ

{"Sage, mir wurde geoffenbart, dass eine Schar von Dschinnen lauschte..." (Sure 72, 1)}

ein, betrachte sie und höre, was sie sagen. Ziehe daraus eine Lehre: Siehe, sie sagen:

اِنَّا سَمِعْنَا قُرْاٰنًا عَجَبًا ٭ يَهْدِىٓ اِلَى الرُّشْدِ فَاٰمَنَّابِهِ وَلَنْ نُشْرِكَ بِرَبِّنَآ اَحَدًا

{"Wir haben in der Tat ein wunderbares Buch (Qur'an) gehört. Er leitet auf den rechten Weg. An ihn glauben wir und niemals stellen wir unserem Herrn einen Partner (sherik) an die Seite." (Sure 72, 1-2)}

Zweites Kapitel

Es behandelt die Wiederauferstehung, den Untergang der Erde und das Leben im Jenseits. Dieses Kapitel beinhaltet vier Grundsätze und eine Einführung mit einem Gleichnis.

Einführung

Würde jemand z.B. bezüglich eines Schlosses oder einer Stadt behaupten; "Dieses Schloss oder diese Stadt würde nach ihrer Zerstörung wieder neu konkret aufgebaut und neu erstellt werden." Mit Sicherheit ließen sich gegen diese Behauptung sechs verschiedene Fragen stellen.

Erstens:

Warum sollte es zerstört werden? Gäbe es dafür einen Grund oder gar eine Notwendigkeit? Falls man dann beweisen würde "Ja es gibt einen Grund dafür.", taucht

eine zweite Frage auf: "Ist der Bauherr, der es zerstören und wieder neu aufbauen soll, dazu in der Lage? Kann er das zu Wege bringen? Falls man beweisen würde "Ja, das kann er in der Tat.",

so stellt sich dieFrage:"Wäre die Zerstörung möglich? Und wird es tatsächlich zerstört werden?" Falls man mit Beweisen die Möglichkeit einer Zerstörung, sogar eine tatsächliche Zerstörung bejahen würde, folgen anschließend zwei weitere Fragen:

"Wäre etwa die Wiedererbauung dieses einzigartigen Schlosses oder dieser wunderbaren Stadt möglich? Angenommen, sie sei möglich: Wird es dann trotzdem wieder erbaut werden?" Falls man mit Beweisen auch dies bejahen kann, dann bleibt in dieser Frage in gar keiner Hinsicht mehr (auch nicht vielleicht irgendwo) in einer Ecke ein Loch, eine Lücke, durch die sich noch ein Zweifel, ein Argwohn, ein Verdacht einschleichen könnte.

So gibt es denn, dem obigen Beispiel entsprechend, für die Zerstörung und den Wiederaufbau dieses Weltenschlosses und dieser kosmischen Stadt eine Notwendigkeit. Der Unternehmer, der Bauherr ist dazu in der Lage. Die Zerstörung ist also möglich und sie wird geschehen. Auch der Wiederaufbau ist möglich und auch das wird geschehen. So werden denn diese Fragen nach dem "Ersten Grundsatz" bewiesen werden.

Erster Grundsatz

Der Geist (ruh)ist mit absoluter Sicherheit ewig. Fast alle, bereits im ersten Kapitel angeführten Beweise für die Existenz der Engel und Geister gelten, was hier unser Thema ist, zugleich auch als Beweise für das Fortbestehen des Geistes. Für mich ist diese Angelegenheit so klar, dass weitere Erklärungen sinnlos wären. In der Tat ist der Schleier, der uns von den Scharen der ungezählten ewigen Geister trennt, die in dieser Zwischenwelt, der Geisterwelt, verweilen und auf die Reise in die andere Welt warten, nur so hauchzart und dünn, dass keine Notwendigkeit mehr besteht, (die Welt der Geister) auch noch zu beweisen. Dass Zahllose geistige Entdecker und Leute der inneren Schau mit (Geistern) Kontakt aufnehmen, ja sogar Leute der Entdecker der Grabeswelt sie anschauen können, ein Teil mancher einfacher Menschen sogar Nachrichten von ihnen erhalten und alle Leute in ihren Träumen mit ihnen (in echtem Erleben!) Umgang pflegen, gelten als allgemein bekannte Kenntnisse und Überlieferungen der Menschheit. Da aber in dieser Zeit die materialistische Gesinnung alle berauscht hat, flößt sie den Gedanken auch in einer offensichtlich ganz klaren Angelegenheit ihre Zweifel ein. So möchte ich denn hier auf vier Quellen, unter vielen anderen Quellen, der Eingebung des Herzens und der Gewissheit des Verstandes, mit einer Einführung hinweisen, um solche Zweifel zu beseitigen.

Einführung

Wie in der vierten Wahrheit des "Zehnten Wortes" bereits bewiesen wurde, verlangt eine ewige, unsterbliche, einzigartige Schönheit mit Sicherheit danach, dass die, welche sich für sie begeistern und in denen sie sich

widerspiegeln kann, für immer und ewig bleiben mögen. Zudem verlangt ein makelloses, ewig vollendetes Kunstwerk nach dem Fortbestehen eines verständigen Verkünders. Zudem will grenzenlose Barmherzigkeit und Güte, dass die Bedürftigen in ihrer Dankbarkeit weiter beschenkt werden. So ist denn gerade der menschliche Geist, der sich begeistert, als ein Spiegel dient, der Verständige, der Verkünder, der Bedürftige in seiner Dankbarkeit. Weil dies aber so ist, wird er diese Schönheit, diese Vollkommenheit und diese Barmherzigkeit auf dem Weg in die Ewigkeit der Ewigkeiten begleiten und selbst für ewig bestehen bleiben.

Und wiederum wurde, wie bereits in der sechsten Wahrheit des "Zehnten Wortes" bewiesen wurde, nicht nur der menschliche Geist, sondern alles Sein selbst noch auf seiner untersten Stufe nicht für die Vergänglichkeit erschaffen. Auch sie gelangen zu einer Art von Ewigkeit. Selbst noch eine völlig unbedeutende Blume ohne Verstand, wenn sie ihr äußerliches Sein verlässt, besitzt in tausendfacher Hinsicht eine Art von Ewigkeit. Denn, ihre Gestalt bleibt in ungezählten Erinnerungen erhalten. Das Gesetz ihrer Entstehung bleibt in hunderten winziger Samenkörnchen aufbewahrt und setzt sich in ihnen fort. Zudem wird das Gesetz der Entstehung dieser Blume, das ein Stückweit dem Geist vergleichbar ist, und ihre sinnbildliche Gestalt nun einmal vom Allweisen-Erhalter (Hafiz-i Hakiem)verewigt. Es wird trotz aller Umwälzungen und Umwandlungen in ihren Samen wie Stäubchen in vollkommener Wohlordnung bewahrt und bleibt so erhalten.

Wenn du nicht verstehst, mit welcher Sicherheit der menschliche Geist, der in seinem Wesen überaus vielseitig und hoch qualifiziert ist und einen individuellen sichtbaren Körper trägt, der Bewusstsein und Leben besitzt und ein lichtvolles, auf den Befehl Gottes bezogenes Gesetz ist, die Ewigkeit verdient, mit der Unsterblichkeit verbunden ist und eine Bindung zu seinem immerwährenden Sein hat, wie kannst du da noch sagen: "Ich bin ein mit Bewusstsein begabter Mensch."?

Ja könnte man denn in der Tat über den Herrn, den majestätischen Allweisen, den Erhalter (Hafiz),für den es Niedergang und Verfall nicht gibt, der das Programm eines riesigen Baumes, das in gewissem Grade dem Geist ähnlich ist, und das Gesetz seines Aufbaus noch in seinem kleinsten Kern, so klein wie ein Punkt, speichert und bewahrt, sagen: "Wie kann Er die Seelen (ruh)der Verstorbenen bewahren (bis zum jüngsten Tag)?"

Die erste Quelle kommt von innen heraus.

Das heißt: jeder, der sich (nefs)und sein Leben aufmerksam betrachtet, versteht in ihm den Geist, der bleibt und besteht. In der Tat bleibt die Seele (eines jeden Menschen = ruh),obwohl sie so viele Körper gewechselt, wie sie Jahre gelebt hatte, ganz offensichtlich weiter so bestehen so wie sie war. Weil dies aber nun einmal so ist und der Körper kommt und geht, hat selbst der Tod, der ihn nackt und bloß werden lässt, keinen Einfluss auf das Fortbestehen der Seele und zerstört sie in ihrem Wesen nicht. Sie wechselt nur während der Spanne ihres Lebens ihr Kleid, ihren Körper schrittweise aus. Dies geschieht im Tode jedoch (nicht schrittweise sondern) plötzlich. Durch überaus sichere Eingebung, ja sogar Beobachtung steht fest, dass der Leib durch die Seele besteht. Weil dies aber so ist, besteht nicht die Seele durch ihn, vielmehr besteht der Geist (ruh)frei und unabhängig aus sich (nefs)selbst. Mag nun der Körper (durch den Stoffwechsel) abgebaut oder wieder aufgebaut werden, es belastet dies nicht die Unabhängigkeit (der Seele), vielmehr ist der Leib ein Haus und Nest für die Seele, aber nicht ihr Kleid. Vielmehr ist das Kleid der Seele eine feine Hülle, ein Spiegelleib, welcher einerseits über eine gewisse Festigkeit verfügt, andererseits aber in seiner Feinheit der Seele entspricht. Daher kommt es, dass (die Seele) im Tode nicht vollständig nackt ist, sie entfliegt vielmehr ihrem Nest aus und schlüpft in ihren Spiegelleib.

Die zweite Quelle kommt von außen, das heißt:

Es ist dies eine Art Urteil, das sich aus Erfahrung, aus wiederholten Feststellungen, infolge verschiedener Vorkommnisse

und wiederholter Erfahrungen gebildet hat. Ist es erst einmal klar geworden, dass auch nur eine einzige Seele nach dem Tod fortbesteht, so erfordert dies, dass alle Seelen fortbestehen. Denn nach den Lehren der Logik steht fest: von einer essentiellen Eigenschaft, die bei dem einen Exemplar bezeugt wurde, schließt man auch bei allen anderen Exemplaren auf die Existenz dieser Eigenschaft. Denn, sie ist essentiell und das, was essentiell ist, findet sich in allem Einzelnen.

In Wirklichkeit gibt es nicht nur einzelne Spuren, vielmehr gibt es deren so viele, die sich aus so unbegrenzt vielen Beobachtungen ergeben, Zeichen, die das Fortbestehen der Seelen zeigen, und es gibt sie mit der gleichen Sicherheit, wie es für uns die Neue Welt, das heißt Amerika, gibt und die Menschen, die dort leben. Es kommt in uns kein Zweifel an der Existenz der Menschen auf, die dort leben. Genauso ist ohne Zweifel anzunehmen, dass es in der Welt der Engel und der Geister eine große Anzahl von Seelen verstorbener Menschen gibt und sie mit uns in Verbindung stehen. Sie empfangen von uns Geschenke aus unserem spirituellen Leben. Auch von ihnen kommt lichtvoller Segen zu uns.

Des Weiteren verspürt man aus sicherer Eingebung in seinem Inneren, dass ein wesentlicher Aspekt weiter besteht, nachdem der Mensch gestorben ist. Dieses Wesentliche ist ja seine Seele. Seine Seele aber ist nicht der Zerstörung und der Verwesung ausgesetzt. Denn sie ist in sich nicht strukturiert, sondern bildet vielmehr eine Einheit. Zerstörung, Auflösung und Verwesung sind die Eigenschaften der Dinge, die aus einer Vielzahl von Unterteilen zusammengesetzt und aufgebaut sind. Wie wir bereits oben erklärt haben, schafft und formt das Leben aus der Vielheit eine Einheit und ist die Ursache für das leibliche Fortbestehen. Das heißt, die Einheit und das Fortbestehen sind Wesensmerkmal der Seele, sodass (die Einheit aus der Seele heraus) zur Vielheit anwächst. Die Seele kann entweder nur zu Grunde (fena)gehen durch Verfall und Verwesung, oder aber durch Vernichtung.

Was aber Verfall und Verwesung betrifft, so lässt die Einheit (der Seele) es nicht zu, dass dies eintreten könnte, weil sie ja keine Struktur besitzt, die zerfallen könnte. Was aber die Vernichtung (der Seele) betrifft, so lässt die grenzenlose Barmherzigkeit des absolut Freigiebigen es nicht zu, der menschlichen Seele ihr Dasein, das Er ihr als Geschenk gegeben hatte, welche doch so sehr nach diesem ihr verliehenen, eigenen und für sie besonders passenden Dasein verlangt hatte, wieder zu entziehen, erlaubt Seine unendliche Freigiebigkeit nicht.

Dritte Quelle:

Der Geist (ruh)ist das von Gott befohlene Gesetz, das Licht, Leben und Bewusstsein besitzt, nach außen mit einem Dasein bekleidet, alles umfassend und real, und dazu befähigt, alles erfüllen zu können. Und zudem besitzen selbst noch die schwächsten von Gott befohlenen Gesetze Dauer und Bestand. Wenn man nämlich aufmerksam genug ist, (sieht man), dass in allen Dingen, die der Verwandlung unterworfen sind, eine Art unveränderlicher Charakter enthalten ist, der bei allen Umwandlungs- und Veränderungsprozessen und in allen Formen des Lebens tätig ist und ihr Aussehen verändert. Ohne zu sterben, lebt er und besteht er weiter. So gilt denn jeder einzelne Mensch durch die Vielseitigkeit seines Wesens, sein ganzheitliches Bewusstsein und seine umfangreiche Vorstellung als eine Art für sich, obwohl er doch nur eine einzelne Person ist. Das Gesetz, das für eine Art gilt und für sie in Kraft tritt, tritt auch für jeden einzelnen Menschen in Kraft.

Der majestätische Schöpfer hat den Menschen nun einmal als einen alles umfassenden Spiegel erschaffen, ihm einen stets gegenwärtigen Auftrag zu Dienst und Anbetung erteilt und ihn mit einem erhabenen Wesen begnadet. Wenn auch diese innere Wahrheit in jedem einzelnen Hunderttausendmal die Form verändert, wird sie doch mit der Erlaubnis ihres Herrn nicht sterben, sondern weiterleben und gehen, wie sie gekommen ist. Da dies nun einmal so ist, bleibt die Seele (ruh),welche der Träger des Lebens und des Bewusstseins jeder menschlichen Persönlichkeit ist, durch den Befehl Allahs, verewigt mit Seiner Erlaubnis, für immer und allzeit bestehen.

Vierte Quelle:

Wenn man die Prinzipien und die Gesetze mit Aufmerksamkeit betrachtet und beobachtet, die in ihrer Art dem Geist ähnlich sind und, angesichts ihres Ursprungs, dem Geist in gewissem Grade entsprechen, weil sie beide aus der Welt des Befehls und des Willens Gottes kommen, sieht man, dass sie nur über die Arten herrschen, die keine fühlenden Wesen sind. Wenn diese von Gott befohlenen Gesetze sich mit einem nach außen hin sichtbaren Dasein bekleidet hätten, so würden sie für die jeweiligen Arten zu deren Geist werden. Das Gesetz bleibt jedoch für immer bestehen. Es ist stets konstant und unveränderlich. Umwandlungen und Veränderungen haben auf die Einheit dieser Gesetze überhaupt keinen Einfluss und können sie nicht zerstören.

Zum Beispiel:

Wenn ein Feigenbaum stirbt und (sein Holz) morsch wird und vermodert, so bleibt doch das Gesetz, das ihm seine Gestalt verliehen und als die Seele (dieses Baumes; ruh)gilt, in den (winzig kleinen) Kernen seiner Samenkörner weiter bestehen ohne zu sterben. Da nun einmal selbst die einfachsten und schwächsten befohlenen Gesetze in ihrem Fortbestand an ihre Beständigkeit gebunden sind, muss der menschliche Geist in jedem Fall nicht nur an eine Beständigkeit, sondern vielmehr an die Ewigkeit gebunden sein. Denn: Auch der Geist ist ein bewusstseinstragendes und lebendiges Gesetz, das, nach dem Gesetz des Qur'an und nach seinem majestätischen Erlass:

قُلِ الرُّوحُ مِنْ اَمْرِ رَبِّى

{"Sprich: der Geist ist aus dem Befehl meines Herrn." (Sure 17, 85)}

aus der Welt des Befehls Gottes kommt und dem die Macht des Urewigen ein äußerlich sichtbares Kleid angezogen hat. Das heißt also, wie die Gesetze, die kein Bewusstsein haben, aus dem Willen (Gottes) und aus der Welt Seiner Befehle kommen, immer oder meistens bestehen bleiben, so ist es für den Geist, der für sie eine Art

Bruder ist, weil auch durch ihn der Wille (Gottes) in Erscheinung tritt und aus der Welt Seiner Befehle kommt, ein Fortbestand von noch größerer Bedeutung und es entspricht ihm dies noch weit mehr. Denn er verfügt über ein eigenes Dasein und ist Herr einer nach außen hin sichtbaren Wirklichkeit. Zudem ist (der Geist) noch mächtiger und erhabener als (die Gesetze), weil er über ein Bewusstsein verfügt. Zudem ist er langlebiger und kostbarer als (alle Gesetze), denn er verfügt über das Leben.

Zweiter Grundsatz

Es gibt eine Notwendigkeit für die ewige Glückseligkeit und der Majestätische, der uns diese Glückseligkeit schenken will, ist auch dazu in der Lage. Des Weiteren ist die Zerstörung des Kosmos und der Tod der Erde möglich. Und so wird es geschehen. Die Welt wieder neu zu beleben und die Wiederversammlung nach dem Tod herbeizuführen, ist möglich. Und so wird es auch geschehen. Nun wollen wir kurz und bündig diese sechs Fragen eine nach der anderen in der Weise erklären, dass sich der Verstand davon überzeugen lässt. Im "Zehnten Wort" wurden bereits Beweise auf einer Stufe angeführt, die das Herz auf die Stufe des vollkommenen Glaubens (iman-i kamil)emporsteigen ließen. Hier wollen wir sie aber in der Weise erklären, wie sie der Alte Said in seiner Abhandlung "Punkte" (Nokta)behandelt hat, um wenigstens den Verstand zu überzeugen und dessen Widerspruch zum Schweigen zu bringen. Es ist die ewige Glückseligkeit in der Tat eine Notwendigkeit. Ein sicherer Beweis, der aufzeigt, dass diese Notwendigkeit tatsächlich gegeben, ist eine Eingebung, die aus den folgenden "Zehn Punkten" zusammengefasst wurde.

Erster Punkt:

Wenn man diesen ganzen Kosmos aufmerksam betrachtet, (sieht man), dass sich in ihm ein harmonisches Regelmaß und die Absicht einer Ordnung erkennen lässt. In jeder Hinsicht wird das Filtrat eines freien Willens, wird der Funke einer Absicht darin deutlich. Ja einem aufmerksamen Blick fallen sogar durch das Zeugnis ihrer Früchte in jedem Ding das Licht einer Absicht,

in jeder Sache der Strahl einer Willenskraft, in jeder Bewegung der Blitzstrahl eines freien Willens und in jedem Gebilde Flammen der Weisheit auf. Wenn es nun keine ewige Glückseligkeit gäbe, dann bliebe diese solide Ordnung nur auf eine zerbrechliche, innerlich hohle Form gestützt. Sie wird zu einer Ordnung, die trügerisch und wesenlos ist. Die Bedeutung und Verbundenheit und die Zusammenhänge, welche der Geist von Regelmaß und Wohlordnung sind, werden zunichte und gehen zu Grunde. Das heißt, was Wohlordnung erst zu einer Wohlordnung macht, ist die ewige Glückseligkeit. Weil dies aber nun so ist, setzt die Wohlordnung in dieser Welt ein Zeichen für die ewige Glückseligkeit.

Zweiter Punkt:

In der Schöpfung der Welt wird eine vollkommene Weisheit erkennbar. In der Tat macht die Göttliche Weisheit, die eine Darstellung der Güte des Urewigen ist, in der Sprache all der Dinge, die der ganzen Welt förderlich sind und denen Beachtung geschenkt wird und (der Sprache) der Weisheiten, die ihrem Zweck dienlich sind, die ewige Glückseligkeit bekannt. Denn gäbe es keine ewige Glückseligkeit, dann müsste man in Selbstüberhebung alles, was in dieser Welt offensichtlich weise und nützlich ist, bestreiten. Da die zehnte Wahrheit des "Zehnten Wortes" diese Wahrheit bereits sonnenklar gezeigt hat, begnügen wir uns damit.

Dritter Punkt:

Dass es bei der Erschaffung der Dinge nichts Sinnloses und keine Verschwendung gibt, was nach dem Verstand, der Weisheit intuitiver Schlussfolgerung und Erfahrung feststeht, setzt ein Zeichen für die ewige Glückseligkeit. Der Beweis dafür, dass es bei der Erschaffung keine Verschwendung und nichts Sinnloses in der Schöpfung gibt, ist, dass der majestätische Schöpfer bei der Erschaffung jedes Dinges den kürzesten Weg, die naheliegendste Methode, die leichteste Art und die beste Qualität wählt und sich dafür entscheidet, und dass Er manchmal ein einzelnes Ding mit hunderten Aufgaben beauftragt und an ein dünnes, feines Ding tausend Früchte anhängt und als deren Ergebnis aus ihm hervorbringt.

Da es nun einmal keine Verschwendung gibt und nichts Sinnloses geschieht, so wird es mit Sicherheit die ewige Glückseligkeit geben. Denn: Zunichte zu werden, ohne Wiederkehr, macht alles sinnlos und alles wird zu Verschwendung. Dass es in der ganzen Schöpfung, z.B. im Menschen keine Verschwendung gibt, wie dies nach dem Zeugnis der Physiologie feststeht, zeigt, dass auch die zahllosen angeborenen geistigen Veranlagungen, grenzenlosen Hoffnungen, Vorstellungen und Zuneigungen im Menschen nicht verschwendet werden. Daher zeigt diese im Menschen grundlegende Neigung zur Vervollkommnung die Existenz dieser Vollkommenheit und die Neigung zur Glückseligkeit macht mit Sicherheit deutlich, dass er ein Kandidat für die ewige Glückseligkeit ist.

Sollte es nicht so sein, dann treten diese grundlegenden geistigen Veranlagungen, welche das wahre Wesen des Menschen bilden, diese erhabenen Hoffnungen, in Gegensatz zu den weisheitsvollen Daseinsformen. Sie werden sinnlose Verschwendung, verkümmern und werden zunichte. Da diese Wahrheit in der elften Wahrheit des "Zehnten Wortes" bereits bewiesen wurde, können wir uns hier kurz fassen.

Vierter Punkt:

Eine Art Untergang und Auferstehung in den vielen Arten (von Tieren und Pflanzen), sogar im Wechsel von Nacht und Tag, von Winter und Frühling, im Wechsel von Wetter und Witterungslage, ja sogar im Menschen selbst, in seinem Körper, den er ein Leben lang stets wieder erneuert und im Schlaf, der seinem Tod ähnelt und der ein Gleichnis der Wiederauferstehung und der Offenlegung am jüngsten Tag ist, lassen uns den großen Weltuntergang und die große Wiederauferstehung schon voraus empfinden und geben uns in diesen Indizien davon eine Nachricht. In der Tat gleichen zum Beispiel die Uhr, deren Zeiger Sekunden, Minuten und Stunden zählen, der großen Uhr, die wir Gottes Welt nennen, mit ihren Tagen, Wochen, Jahren und der Lebenszeit des Menschen und den Epochen seiner Geschichte, deren eine den Anfang der anderen bildet, die einander

berichten und einander beständig in Gang halten. So wie der Nacht ein (neuer) Morgen, dem Winter der Frühling folgt, sind sie uns ein Zeichen und berichten sie uns davon, dass dem Räderwerk unserer großen Uhr entsprechend, nach dem Tod der Morgen der Wiederauferstehung anbrechen wird.

Jeder Mensch erlebt während seines eigenen Lebens mehrere verschiedene Formen der Wiederauferstehung. So wie ein Mensch, der in jeder Nacht gleichsam "stirbt" und an jedem Morgen gleichsam wieder "aufersteht", also die Zeichen der Wiederversammlung nach dem Tod erlebt, so werden - nach allgemeiner Auffassung - auch alle seine Zellen in fünf, sechs Jahren ausgetauscht, erlebt (der Mensch) in jedem Jahr zweimal stufenweise eine Art Kopie der Auferstehung und Wiederversammlung. Außerdem sieht er in den Arten der Tiere und der Pflanzen in jedem Frühling mehr als dreihunderttausend Wiederversammlungen, Verbreitungen und Auferstehungen ihrer Arten.

So weisen so viele Indizien auf die Wiederversammlung und so viele Merkmale und Zeichen, die sich auf die Offenlegung (des Lebensbuches) beziehen, mit Sicherheit als eine Art Filtrat der großen Wiederversammlung auf jenen jüngsten Tag hin. Durch einen allweisen Meister, der solche Art Auferstehung der Arten, das heißt, alle Wurzeln der Pflanzen und einen Teil der Tiere im Frühling (aus ihrem Winterschlaf) wieder ins Leben zurückruft und Blätter, Blüten und Früchte und einige andere Dinge nicht gewissermaßen auferweckt, sondern sie gleichsam als eine Kopie wieder zurückbringt, wobei Er eine Art Wiederversammlung und Offenlegung (allen Lebens) vollbringt, kann ein Beweis für eine persönliche Wiederversammlung jedes einzelnen Menschen innerhalb der allgemeinen Wiederauferstehung sein. Denn jeder einzelne Mensch gilt so viel wie bei den anderen Lebewesen ihre ganze Art zusammengenommen. Denn das Licht des menschlichen Vorstellungsvermögens hat ihm in seinem Hoffen und Denken eine so große Breite gegeben,

dass sie Vergangenheit und Zukunft umfasst. Es kann nicht gesättigt werden, selbst könnte es die ganze Welt in sich aufnehmen.

Bei anderen Arten ist das Wesen des Einzelnen nur ein Bruchstück (des Ganzen). Der Wert des Einzelnen gilt nur für (dieses eine Lebewesen) selbst. Sein Blick ist begrenzt. Seine Vollendung (bleibt auf einen Teil) begrenzt. Auch seine Freude und sein Leid sind an den Augenblick gebunden. Was aber den Menschen betrifft, so ist er in seinem Wesen erhaben, in seinem Wert reichhaltig und vielschichtig, in seiner Sichtweise alles umfassend, die (Möglichkeiten zu seiner) Vervollkommnung sind unbegrenzt und seine innere Freude wie auch sein Leid sind es auch, oder doch zum Teil. Daher geben eine Art Wiederauferstehung und Wiederversammlung, die sich bei den anderen Arten wiederholen, wie wir bezeugen, Zeichen darauf und Kunde davon, dass jeder einzelne Mensch in dieser großen allgemeinen Wiederauferstehung auch original wieder zurückgegeben wird und wiederversammelt wird. Da das in der neunten Wahrheit des "Zehnten Wortes" so sicher, wie zwei mal zwei vier macht, bewiesen wurde, fassen wir uns hier kurz und schließen hiermit ab.

Fünfter Punkt:

Die unbegrenzten natürlichen Veranlagungen, die im Wesen des menschlichen Geistes und die unbegrenzten Fähigkeiten, die in diesen natürlichen Veranlagungen enthalten sind, und das Verlangen nach so vielen Dingen, das aus dieser Veranlagung entsteht, unendliche Hoffnungen, die aus diesem Verlangen erwachsen, unendliche Gedanken und Vorstellungen des Menschen, die aus diesen unendlichen Hoffnungen empor keimen, strecken ihre Hände zur ewigen Glückseligkeit aus, wie sie in dieser von uns bezeugten Welt erworben wird, verschlingen sie mit ihren Augen und kehren sich in ihre Richtung, so wie die Erforscher (des islamischen) Geistes(lebens) es gesehen haben. So gibt denn die Natur (fitrat),die nie lügt, und das Verlangen nach der ewigen Glückseligkeit, das in dieser Natur liegt und allgemein

menschlich ist, gewaltig und unerschütterlich dem Herzen (vidjdan)jene intuitive innere Sicherheit, wie sie der Verwirklichung der ewigen Glückseligkeit dient. Und da nun die elfte Wahrheit des "Zehnten Wortes" diese Wahrheit so klar zeigt wie der lichte Tag, können wir uns hier kurz fassen.

Sechster Punkt:

Der, welcher der allbarmherzige Allerbarmer ist, der Meister allen Seins in all Seiner (vollkommenen Harmonie und) Schönheit, erweist uns in Seiner Barmherzigkeit die ewige Glückseligkeit. In der Tat ist das, was ein Geschenk erst zu einem Geschenk macht, was ein Geschenk davor bewahrt, zu einem bloßen Folterwerkzeug zu werden und was alles Sein vor dem Wehgeschrei über eine ewige Trennung errettet, die ewige Glückseligkeit, von der wir in Seiner Barmherzigkeit erwarten dürfen, dass sie dem Menschen nicht vorenthalten werden wird. Denn: Wenn die ewige Glückseligkeit, die Anfang und Ende, Ziel aller guten Gaben und ihr Resultat ist, (den Menschen) nicht (zum Geschenk) geboten wird, wenn die Welt nach ihrem Tod nicht in der Gestalt des Jenseits wieder aufersteht, verwandeln sich alle Gaben in bloße Folterwerkzeuge.

Was aber eine solche Umwandlung betrifft, so macht sie es offensichtlich und zwangsläufig notwendig, die Existenz der Barmherzigkeit Gottes abzustreiten, die doch nach dem Zeugnis des ganzen Kosmos sicher ist und von ihm bezeugt wird. In Wirklichkeit zeigt sich die Barmherzigkeit (Gottes) noch glänzender als die Sonne als eine feststehende Tatsache. So achte denn einmal auf den Glanz und die Schönheit der Werke der (göttlichen) Barmherzigkeit, zu denen solche Gaben wie die Selbstlosigkeit gehören, (die Fähigkeit) zu lieben und zu verstehen. Wenn du dir einmal vorstellst, wie (der Schmerz über) die ewige Trennung und nicht enden wollende Trauer das Leben eines Menschen immer mehr ausfüllt, so siehst du, dass eine tiefe und innige Liebe (am Ende doch) zum größten Unglück wird. Süße Zärtlichkeit wird zur tödlichen Krankheit. Selbst noch der klare Verstand

(denkt den Menschen am Ende in) die schlimmste Katastrophe hinein. Das heißt, Barmherzigkeit (wenn sie echte Barmherzigkeit sein will) kann nicht dulden, dass wahrhaftige Liebe in ewiger Trennung endigt. Da diese Wahrheit bereits sehr schön in der zweiten Wahrheit des "Zehnten Wortes" dargelegt worden ist, haben wir hier nur noch kurz zusammengefasst.

Siebter Punkt:

Alle Feinheiten, alle Schönheiten, alles, was vollkommen ist, alles, was anziehend ist, alles, was begeistert, alles Mitleid, welches in diesem Kosmos sichtbar und erkennbar ist, sind jeweils eine Bedeutung, eine Sinngebung, ein Wort von Gewicht, das dem Herzen zwangsläufig und ganz offensichtlich die Erscheinung der Güte und der Barmherzigkeit des majestätischen Schöpfers dieses Kosmos und die Manifestationen Seiner Gaben und Seine Freigiebigkeit zeigt und dem Verstand vor Augen rückt. Da es nun einmal in dieser Welt eine Wahrheit gibt, so gibt es offensichtlich auch eine wahre Barmherzigkeit. Da es nun einmal eine wahre Barmherzigkeit gibt, so gibt es auch eine ewige Glückseligkeit. Die vierte und die fünfte Wahrheit des "Zehnten Wortes" haben gemeinsam diese Wahrheit so deutlich gemacht wie der lichte Tag.

Achter Punkt:

Das Herz (vidjdan)des Menschen, das seiner mit Bewusstsein begabten Natur (fitrat)entspricht, ist auf die ewige Glückseligkeit hin ausgerichtet und weist auf sie hin. In der Tat vernimmt jeder, der wachen (Herzens) auf sein Gewissen (vidjdan)hört, den Ruf zur "Ewigkeit! Ewigkeit!" Auch könnte man dem (menschlichen) Herzen die ganze Welt zum Geschenk machen, könnte dies doch nicht den Platz für sein Bedürfnis nach Ewigkeit ausfüllen. Das heißt, dieses Herz und diese Ewigkeit sind füreinander geschaffen. Und das heißt weiter, dass dieses Gefühl, sich in seinem Herzen (von Gott) angezogen zu fühlen und (diese Einladung Gottes auch in ekstatischer Bereitschaft) anzunehmen nur in der Anziehungskraft eines wirklichen Zieles und der Wirklichkeit, die (auch tatsächlich) anziehend wirkt, möglich sein kann. Der Schluss der elften Wahrheit des "Zehnten Wortes" hat diese Wahrheit aufgezeigt.

Neunter Punkt:

Es handelt sich um die Benachrichtigung Mohammeds, des Arabers, mit dem Friede und Segen sei, der wahrhaftig ist und dem seine Wahrhaftigkeit bestätigt wurde. In der Tat haben die Worte dieser Persönlichkeit, mit dem Friede und Segen sei, die Tore zur Ewigen Glückseligkeit geöffnet und seine Aussagen sind Fenster zur Ewigen Glückseligkeit. Er hält ja den Konsens aller Gottesgesandten, mit denen Friede und Segen sei, und die Übereinstimmung aller Gottesfreunde (der Heiligen) in der Hand. Ihre gesamte Botschaft (Da'va)kreist mit allem Nachdruck zunächst um die Einheit Gottes und sodann um das Thema von der Wiederauferstehung nach dem Tod und der Ewigen Glückseligkeit. Gibt es vielleicht etwas, das diese Kraft erschüttern könnte? Die zwölfte Wahrheit des Zehnten Wortes hat diese Wahrheit in einer sehr klaren und deutlichen Weise aufgezeigt.

Zehnter Punkt:

Hier handelt es sich um die sichere Nachricht aus dem Qur'an, der in seiner Verkündigung ein Wunder ist, und der in dreizehn Jahrhunderten in siebenfacher Hinsicht als ein Wunder bewahrt geblieben ist und dieses Wunder anhand von vierzig Beispielen, die im "Fünfundzwanzigsten Wort" angeführt worden sind, auch als Wunder erweist. In der Tat ist die Nachricht des Qur'an selbst, der Eröffner der leiblichen Wiederauferstehung nach dem Tod und der Schlüssel zur verschlossenen Wahrheit unserer Welt und die Chiffre zur Weisheit des Kosmos. Überdies gibt es Tausende unwiderlegbarer, sicherer, vernünftiger Beweise, die sich im Qur'an, der in seiner Verkündigung ein Wunder ist, finden lassen, die er uns immer wieder vor Augen hält und uns anregen will über sie nachzudenken.

Zum Beispiel:

قُلْ يُحْيِيهَا الَّذِىٓ اَنْشَاَهَآ اَوَّلَ مَرَّةٍ

{"Sprich, es wird sie der wieder beleben, der sie auch das erste Mal geschaffen hat." (Sure 36, 79)}

Und قَدْ خَلَقَكُمْ اَطْوَارًا {"Wo Er euch doch stufenweise erschaffen hat." (Sure 71, 14)} und وَمَا رَبُّكَ بِظَلاَّمٍ لِلْعَبِيدِ {"Und dein Herr ist nicht ungerecht gegenüber Seinen Dienern." (Sure 41, 46)} Mit sehr vielen solchen Versen, welche auf einen Beweis für Seine Gerechtigkeit hinweisen, gibt er dem aufmerksamen Blick des Menschen sehr viele Fernrohre an die Hand, um ihnen die Ewige Glückseligkeit leiblicher Wiederauferstehung nahe zu bringen. Eine kurze Zusammenfassung des Gleichnisses, das mit den Versen وَقَدْ خَلَقَكُمْ اَطْوَارًا {"Wo Er euch doch stufenweise erschaffen hat." (Sure 71, 14)} und قُلْ يُحْيِيهَا الَّذِىٓ اَنْشَاَهَآ اَوَّلَ مَرَّةٍ {"Sprich, es wird sie der wieder beleben, der sie auch das erste Mal geschaffen hat." (Sure 36, 79)} angeführt wurde und das der Qur'an mit verschiedenen Versen erklärt, haben wir bereits in der Abhandlung "Punkte" (Nokta)folgendermaßen erklärt:

Während das menschliche Dasein von einem (Entwicklungs)Zustand in den anderen übergeht, durchläuft es zugleich einige einzigartige, bestens geordnete Verwandlungen. Vom Spermatropfen (nutfa)zur Morula (alaqa),von der Morula zum Embryo (mudgha),vom Embryo zu einem (Wesen aus) Fleisch und Bein, von Fleisch und Bein bis hin zu einem neuen Geschöpf von menschlicher Gestalt folgen alle diese Verwandlungen minutiösen, ganz genauen Gesetzen.

Jeder von diesen Zuständen hat solche besondere Regeln, solche bestimmte Grundsätze und solche genau geregelte Bewegungsabläufe, dass sie die Erscheinungen einer Absicht, eines Willens, einer Entscheidung und einer Weisheit glasklar deutlich werden lassen.

So ist es denn der allweise Schöpfer, der auf diese Art den Körper bildet und der diesen Körper jedes Jahr wieder aufs Neue formt, so wie man ein Kleid wechselt. Was die Erneuerung und den Fortbestand eines Körpers anbelangt, so ist der Aufbau neuer Zellen notwendig, die an die Stelle der abgebauten Zellen treten und deren Arbeit übernehmen. Diese Zellen werden nach einem allgemeinen Gesetz Gottes abgebaut und nach einem anderen, ebenso allgemeinen Gesetz des Herrn, wieder aufgebaut. Dazu ist nur die allerfeinste Materie als Nahrung geeignet, welche der wahre Versorger (Rezzaq),den unterschiedlichen Bedürfnissen entsprechend nach einem bestimmten Gesetz an die einzelnen Organe und Glieder des Körpers verteilt.

Betrachte nun, wie sich diese allerfeinsten Materieteilchen verhalten, die der allweise Versorger schickt; du wirst sehen, dass die Atome dieser Materie, die in kleinen Gruppen im Luftraum, der Erde und dem Wasser verteilt sind, sich in einer Art und Weise versammeln, hinter der eine Absicht spürbar wird, eine Aktivität, als hätten sie plötzlich einen Marschbefehl bekommen. Sie kommen überaus wohlgeordnet zueinander, jedes Atom wie ein Beamter, beauftragt mit einer Aufgabe und bereit nach einem bestimmten Ort zu gehen. Überdies wird aus dem Gang der Entwicklung ersichtlich, dass sie nach einem bestimmten Gesetz dessen, der mit Seiner freien Entscheidung handelt, geführt werden. Sie treten aus der Welt der leblosen in die drei Naturreiche (Mineralien, Pflanzen, Tiere), das heißt, in die Welt der Lebewesen ein. Dann treten sie nach bestimmten Anordnungen mit bestimmten Bewegungen und nach spezifischen Prinzipien als Nahrung in einen Körper ein. Nachdem sie in diesem Körper in vier Küchen gekocht worden sind,

vier einzigartige Umwandlungen durchgemacht haben und durch vier Siebe gesiebt worden sind, verbreiten sie sich in allen Ecken des Körpers und werden durch die Gnade und allgemein gültige Gesetze des wahren Versorgers, dem unterschiedlichen Grad ihrer jeweiligen Bedürfnisse entsprechend, an alle die bedürftigen Organe und Glieder verteilt. Welches Atom du also nun auch immer mit den Augen der Weisheit betrachtest: Du wirst erkennen, dass ein rein zufälliges Zusammentreffen blinder Atome, ein Zufall ohne jedes Gesetz, die bloße Natur, oder Ursachen, taub und ohne Bewusstsein, sich in die Steuerung eines Atoms, das von einem Sehenden, Ordnungsliebenden, Hörenden und Wissenden geführt wird, nicht einmischen kann. Denn an welchem Ort jedes (Atom) sich auch befindet, angefangen von den Elementen (der unbelebten Natur) bis hin zu den Körperzellen: es betätigt sich entsprechend den jeweils festgesetzten örtlichen Regeln, so als wäre es mit ihnen vertraut und bekannt. Es tritt der Ordnung entsprechend ein. In welchem Verband es auch reist, unternimmt es stets geordnete Schritte, die offensichtlich zeigen, dass es sich nach dem Befehl des allweisen Lenkers und Leiters bewegt.

So geht es wohlgeordnet von einer Gruppe zur anderen, von einem Verband zum anderen, ohne sein Ziel und seinen Zweck zu verfehlen, bis es seinen Ort, den ihm entsprechenden Platz erreicht hat, geht zum Beispiel im Auftrag seines Herrn zum Auge von Taufik(Name von N.N.), tritt ein, setzt sich nieder und beginnt zu arbeiten.

So ergibt sich denn aus den gegebenen Umständen, das heißt, es zeigt sich, dass die Herrschaft, die z.B. in unserer Ernährung sichtbar wird, die Atome von Anfang an beauftragt und ihre Plätze bestimmt hat. Diese Ordnung besteht, als stünde auf der Stirn und im Gesicht jedes einzelnen Atoms geschrieben "Das wird die Nahrung für diese und jene Zelle", weist darauf hin, dass auf der Stirn jedes Menschen mit der Feder der Vorherbestimmung Gottes seine Nahrung geschrieben und auf seiner Nahrung sein Name geschrieben steht.

Ja wäre es denn etwa möglich, dass der majestätische Schöpfer, der mit einer solch grenzenlosen Macht und umfassenden Weisheit herrscht und alles Sein, angefangen von den Atomen bis zu den Planeten lenkt und leitet und in Händen hält und im wohlgeordneten und wohlausgewogenen Rahmen kreisen lässt, "eine zweite Entstehung" (nesh'ei uhra)nicht zu Stande bringen sollte oder könnte? So stellt denn der Qur'an in vielen Versen diese weisheitsvolle "Erste Entstehung" dem Menschen vor Augen. Indem er die "Zweite Entstehung" am Jüngsten Tag, dem Tag der Wiederversammlung und der Wiederauferstehung auf sie bezieht, weist er die Behauptung zurück, dass dies unvorstellbar sei. Er sagt:

قُلْ يُحْيِيهَا الَّذِىٓ اَنْشَاَهَآ اَوَّلَ مَرَّةٍ

{"Sprich, es wird sie der wieder beleben, der sie auch das erste Mal geschaffen hat." (Sure 36, 79)}

Das heißt: "Der, welcher euch in solch weisheitsvoller Form aus Nichts gemacht hat, ist es, der euch im Jenseits wieder lebendig machen wird." Außerdem sagt er:

وَهُوَ الَّذِى يَبْدَؤُا الْخَلْقَ ثُمَّ يُعِيدُهُ وَهُوَ اَهْوَنُ عَلَيْهِ

{"Der, welcher die Schöpfung begonnen hat, wird sie auch wiederholen. Und dies ist Ihm leichter" (Sure 30, 27)}

Das heißt: "Eure Wiedereinsetzung und Auferstehung am Tage der Wiederversammlung ist viel leichter und einfacher als eure Erschaffung in dieser Welt." Es ist viel leichter und einfacher, die Soldaten eines Bataillons, die sich in einer Ruhepause zerstreut haben, auf das Signal einer Trompete hin wieder unter der Fahne ihres Bataillons zu versammeln, als ein neues Bataillon aufzustellen. Und ist es ja doch für den Verstand viel leichter als die "Erste Erschaffung" als möglich anzunehmen, dass die Zellen, die gewissermaßen eine Stammmannschaft bilden und sich im Körper bereits an einander angepasst, mit einander Bekanntschaft oder Freundschaft geschlossen haben, auf den Befehl des majestätischen Schöpfers,

welcher durch die Posaune des Erzengels Israfil, mit dem Friede sei, erteilt wird, mit "Hier sind wir!" entgegenkommen und sich versammeln. Außerdem müssen vielleicht nicht alle Zellen zueinander gebracht werden. Die grundlegenden Teile und die wesentlichen Zellen, welche wie Keime und Samen sind und in einer Hadith als عَجْبُ الذَّنَبْ {"Steißbein."} bezeichnet werden, bilden eine ausreichende Substanz und Basis für eine "Zweite Entstehung". Der allweise Schöpfer baut den menschlichen Körper auf ihnen auf. Eine Zusammenfassung des Gleichnisses von der Gerechtigkeit, auf das die Ayat hinweisen, wie die dritte Ayah وَمَا رَبُّكَ بِظَلاَّمٍ لِلْعَبِيدِ {"Und dein Herr ist nicht ungerecht gegen Seine Diener." (Sure 41, 46)} ist die folgende: In der Welt sehen wir häufig, dass die ungerechten, ehebrecherischen und grausamen Menschen sehr bequem und angenehm und die unterdrückten und die gläubigen Menschen nur mühevoll und elend ihr Leben verbringen. Dann kommt der Tod und macht sie alle gleich. Wenn diese Gleichheit aller ohne Ende fortbestünde, nie zu einem Ende käme, so müsste man darin eine Ungerechtigkeit erblicken. Tatsächlich lassen Gottes Gerechtigkeit und Weisheit, welche durch das Zeugnis des ganzen Kosmos feststehen und frei sind von jeglichem Makel, eine solche Ungerechtigkeit niemals zu. Das verlangt offensichtlich nach einem anderen Versammlungsort, sodass erstere ihre Strafe und letztere ihre Belohnung erhalten, damit diese Menschheit, die in Unordnung und Elend lebt, entsprechend ihrer Begabung Strafe oder Lohn erfahren und zu einem Gegenstand, um den sich die lautere Gerechtigkeit dreht, und zu einem Objekt, wo die Weisheit des Herrn in Erscheinung tritt, und ein großer Bruder allen weisheitsvollen Seins dieser

Welt werden kann. In der Tat ist dieses Weltenhaus für das Wachsen und Gedeihen zahlloser Begabungen, die im menschlichen Geist enthalten sind, nicht geeignet. Das heißt also, er wird in eine andere Welt gesandt werden. In der Tat ist der Mensch in seinem Kern ein Juwel. Daher ist er ein Kandidat für die Ewigkeit. Er ist erhaben in seinem Wesen. Daher ist auch sein Verbrechen gewaltig groß. Er ist allem, was da ist, nicht gleich. Auch ist die (göttliche) Ordnung für ihn von Bedeutung. Er kann nicht ohne (diese göttliche) Ordnung sein, nicht unbeachtet bleiben, nicht ohne einen Sinn bestehen, nicht zur völligen Auflösung verurteilt sein, nicht ins bloße Nichts entfliehen. Auf ihn wartet die Hölle mit offenem Rachen. Was jedoch das Paradies betrifft, so sieht es ihm mit offenen Armen entgegen. Da die dritte Wahrheit des "Zehnten Wortes" dieses zweite Beispiel bereits außerordentlich schön dargelegt hat, wollen wir hiermit schließen.

So vergleiche und studiere auch andere Ayat, die wie diese beiden verehrungswürdigen Ayat, die wir hier als Beispiel angeführt haben, sehr viele feinsinnige Beweise für den Verstand beinhalten. So geben die zehn "Punkte" ein Gefühl der Sicherheit und ein zuverlässiges Zeugnis. So wie diese tiefe grundlegende Empfindung, dieses besonders kräftige Zeugnis zeigt, dass eine durchaus begründete Notwendigkeit für die Wiederversammlung und die Wiederauferstehung besteht, machen die meisten Schönen Namen des majestätischen Schöpfers, wie der Allweise, der Barmherzige, der Bewahrer (Hafiz),der Gerechte - wie im "Zehnten Wort" unwiderlegbar bewiesen wurde - es notwendig, dass (der Tag) der Wiederversammlung und der Wiederauferstehung kommt, sich die ewige Glückseligkeit als gegeben erweist, dass eine Ewige Glückseligkeit sich klar und deutlich bewahrheitet.

Das heißt also: die Notwendigkeit für eine Auferstehung und Wiederversammlung ist so stark, dass es dagegen keinen Grund für einen Zweifel oder Verdacht geben kann.

Dritter Grundsatz

Es gibt einen, der vollbringt (Fa'il),der dazu mächtig ist. So wie denn zweifelsfrei und tatsächlich eine Notwendigkeit der Wiederversammlung besteht, so ist auch derjenige, welcher dereinst die Wiederversammlung bewirken wird, von Seiner höchsten Stufe aus dazu mächtig. Seine Macht kennt keine Einschränkungen. Vor Ihm und für Ihn sind alle großen und kleinen Dinge eins. Die Schaffung des Frühlings ist für Ihn ebenso leicht wie die Erschaffung einer Blume. Er ist in der Tat der Allmächtige, für dessen Größe und Macht der gesamte Kosmos mit unendlichen Zungen, mit all seinen Sonnen, Sternen, Planeten, Organismen, Zellverbänden und Atomen Zeugnis ablegt. Wäre da überhaupt noch ein Verdacht oder Zweifel an der leiblichen Wiederauferstehung berechtigt, der bei einer solchen Macht nicht auszuräumen wäre?

In der Tat ist Er der majestätische Allmächtige, der auf dieser Erde in jedem Jahrhundert eine neue und wohlgeordnete Welt erschafft, sogar in jedem Jahr ein neues reisendes, wohlgeordnetes Universum ins Dasein ruft, sogar an jedem Tag eine wohlgeordnete Welt macht. Könnte man von diesem Herrn, der ständig an diesem Himmel und auf dem Antlitz der Erde Welten und Universen, die nacheinander vergehen, in vollkommener Weisheit erschafft und wechselt und der so viele wohlgeordnete Welten wie es Jahrhunderte, Jahre, sogar Tage gibt, mit dem Seil der Zeit verknüpft und damit die Größe Seiner Macht zeigt, der den riesigen Frühling, den Er mit hunderttausend Ornamenten der Wiederauferstehung verziert, der Erde wie eine einzige Blume ins Haar steckt und damit die Vollkommenheit Seiner Weisheit und die Schönheit Seiner Kunstfertigkeit zeigt, ja könnte man denn von diesem Herrn sagen: "Wie kann Er die Wiederauferstehung zu Stande bringen und wie könnte Er das Diesseits der Welt in ein Jenseits umwandeln?" Die Vollkommenheit der Macht dieses Allmächtigen, dem überhaupt nichts schwer fällt, für dessen Macht die größte Sache nicht schwieriger ist als die kleinste Sache,

dessen Macht unendlich viele einzelne Dinge so leicht fallen wie ein einziges Ding, (diese Macht) verkündet die folgende ehrwürdige Ayah:

مَا خَلْقُكُمْ وَلاَبَعْثُكُمْ اِلاَّ كَنَفْسٍ وَاحِدَةٍ

{"Eure Erschaffung wie eure Auferstehung sind nicht anders als die einer einzigen Seele."}

Die Wahrheit dieses Verses hatten wir im Nachwort des "Zehnten Wortes" schon einmal kurz und in der Abhandlung "Punkte" (Nokta)und im "Zwanzigsten Brief" dann eingehend erklärt. In diesem Zusammenhang wollen wir hier noch eine weitere kurze Erklärung in Form von drei Problemstellungen anfügen.

Was also nun die Macht Gottes betrifft, so gehört sie zu Seinem Wesen (Dhat).Daher kann sie von keiner Schwäche zersetzt werden. Außerdem bezieht sie sich auf das innere Antlitz (melekutiyet)der Dinge. Daher können Hindernisse nicht in sie eindringen. Außerdem ist ihr Verhältnis zu ihnen wie ein Gesetz. Daher entspricht ein Teil der Gesamtheit aller und zugleich gestaltet sich ein Teil entsprechend dem Ganzen. Nun wollen wir diese drei Thesen beweisen.

Erste These:

Die Macht des Urewigen, Gottes des allheiligen Herrn, ist eine zwangsläufige Notwendigkeit Seines Wesens. Das heißt, sie gehört notwendigerweise als ein Attribut zu Seinem Wesen. Sie kann in keiner Weise irgendeine Schwäche haben. Daher kann irgendeine Schwäche, die der Gegensatz zur Macht ist, dieses Wesen, dem diese Macht notwendigerweise gehört, nicht befallen. Denn dann müsste es ja eine Gemeinsamkeit der Gegensätze geben. Da Schwäche diese Macht nun einmal nicht beeinträchtigen kann, so kann es offensichtlich in dieser wesensgemäßen Macht keine Zersetzungen geben. Da nun einmal eine Schwäche in (Gottes All)-macht nicht eindringen kann, kann es offensichtlich auch im Wesen dieser Macht keine Abstufungen geben. Denn Abstufungen innerhalb eines jeden Dinges kommen durch

Einwirkungen der Gegensätze auf jedes Ding zu Stande. So entstehen zum Beispiel die verschiedenen Hitzegrade unter der Einwirkung der Kälte. Die verschiedenen Abstufungen der Schönheit entstehen unter der Einwirkung von Hässlichkeit, und dergleichen andere Beispiele mehr. Da es aber im Bereich des Möglichen keine wahre und natürliche, wesensgemäße Notwendigkeit gibt, können die Gegensätze im Bereich des Möglichen ineinander einfließen. Durch die Entstehung der unterschiedlichen Abstufungen kommen Konflikte und Veränderungen in der Welt zu Stande. Da es nun einmal in der Macht Gottes keine Abstufung gibt, kann der Einsatz dieser Macht zwangsläufig auch nicht verhältnismäßig sein. (Er ist unabhängig davon, ob es sich dabei um) große oder kleine (Dinge handelt). Die Atome sind dabei den Sternen gleich. Die ganze Menschheit wieder aufzuerwecken und zu versammeln, ist für diese Macht so leicht wie eine einzelne Seele ins Leben zurückzurufen, die Erschaffung eines Frühlings wie die einer einzelnen Blume. Wollte man sie aber den Ursachen zuschreiben, dann würde die Erschaffung einer Blume genauso schwierig wie die des Frühlings.

In der Anmerkung des letzten Teils der "Vierten Stufe" von "Allahu Ekber" (Gott ist groß) im "Zweiten Kapitel" dieses Wortes und im "Zweiundzwanzigsten Wort" und im Zwanzigsten Brief und im Anhang dazu wurde bewiesen, dass die Erschaffung aller Dinge so leicht ist wie die eines einzigen Dinges, wenn man sie dem, der in Seinem Wesen und Seiner Herrschaft ein Einziger ist (Vahid-i Ahad),zuschreibt. Wollte man sie aber den Ursachen zuschreiben, dann wird die Erschaffung eines einzigen Dinges ebenso mühsam und schwierig wie die aller Dinge.

Zweite These:

Die Macht bezieht sich auf das Innerste (melekutiyet)der Dinge. In der Tat hat die Schöpfung wie ein Spiegel ihre zwei Seiten. Die eine Seite ist die, die sich auf diese Welt bezieht (mulk).Sie gleicht der farbigen Seite eines Spiegels. Die andere ist die Seite, die sich auf die Engelwelt (melekut)bezieht.

Sie gleicht der glänzenden Seite eines Spiegels. Die Seite, die sich auf diese Welt bezieht, ist der Raum, in dem sich die Gegensätze wie Schönheit und Hässlichkeit, Gutes und Böses, klein und groß, schwer und leicht umeinander drehen. Aus diesem Grund machte der majestätische Schöpfer die äußeren Ursachen zu einem Schleier, damit die Hand der göttlichen Allmacht in ihrer direkten Beziehung zu den Dingen, die rein mit dem Verstand und nur von außen betrachtet als hässlich und würdelos erscheinen könnten, in der Wirksamkeit durch Seine Macht (hinter diesem Schleier) verborgen bleibt. Denn Seine Größe und Würde (azamet ve izzet)erfordern dies. Er hat hingegen jenen Fahrzeugen und Ursachen keine tatsächliche Wirkung verliehen, denn Seine Allgegenwart und Einheit (vahdet-i ahadiyet)erfordern dies. Jener Aspekt der Dinge, welcher der Engelwelt zugewandt, ist in allen Dingen klar und rein. Die Farben, welche die einzelnen Dinge (annehmen) und der Abfall (der aus ihnen entsteht) können (diesen Aspekt) nicht beeinflussen. Er bezieht sich unmittelbar auf den Schöpfer. Dort gibt es keine Kettenfolge von Ursachen und keine Reihe von Wirkungen. Dort entstehen keine Ursachen und keine Folgen. Dort gibt es nichts, was krumm wäre, noch schief. Irgendwelche störenden Hindernisse gibt es dort nicht. Das Atom wird zur Schwester der Sonne.

Zusammenfassung:

Diese Macht (als Eigenschaft Gottes) ist sowohl ursprünglich, als auch unendlich, als auch Ihm wesentlich. Der Ort der Allmacht Gottes ist Sein unmittelbares, fleckenloses unwidersprochenes (Wirken). Daher kann das Große im Wirkungsbereich dieser Macht einem Kleinen gegenüber nicht hochmütig sein. Selbst die ganze Gemeinschaft kann gegenüber einem Einzelnen keinen Vorzug haben. Selbst die Ganzheit kann sich so wenig wie ein Bruchteil gegenüber der Macht Gottes noch länger zieren.

Dritte These:

Die Beziehung der Macht zu den Dingen ist eine gesetzliche, das heißt, sie betrachtet viel oder wenig, groß oder klein als gleich. Wir wollen einmal versuchen, dieses schwer verständliche Verhältnis dem Verstand

anhand einiger Gleichnisse nahe zu bringen. Es ist nämlich so, dass im Universum "Lichtausstrahlung, Spiegelung, Gleichgewicht, Ordnung, Abstraktion und Gehorsam" wie Befehle (emir)sind, vor denen viel oder wenig, groß oder klein wie gleich behandelt werden.

Erstes Gleichnis: zeigt die tiefe Wahrheit von der "Lichtausstrahlung" (der Sonne).

Zum Beispiel:

Der Segen der Sonne, welcher sich in ihren Spiegelungen und Reflexionen äußert, zeigt im Spiegel des (ganzen, großen) Meeres wie im Spiegel eines jeden Wassertropfens stets dieselbe Charakteristik. Wenn die Erdkugel, unverschleiert (d.h. ohne ihre Atmosphäre) gegenüber der Sonne, aus verschiedenen Glasstückchen bestünde, würde die Reflexion der Sonne in jedem Teilchen sowie auf der ganzen Erdkugel mühelos, ungeteilt und ungemindert überall stets die gleiche sein. Wollten wir einmal annehmen, die Sonne hätte einen Willen zur freien Entscheidung und könnte den Segen ihrer Strahlen, deren Reflexion, ja selbst ihr Spiegelbild nach eigenem freien Willen aussenden, dann könnte ihr der Segen, den sie der ganzen Erdkugel spendet, nicht schwerer fallen als der Segen, den sie auch nur einem Stäubchen sendet.

Zweites Gleichnis: ist das Geheimnis der "Spiegelung" (der Sonnenstrahlung).

Zum Beispiel

stellen wir uns einmal einen großen Kreis vor, den lebendige Einzelwesen, nämlich Menschen bilden. Einer steht im Mittelpunkt und hält in der Hand eine brennende Kerze. Diejenigen, die den Kreis bilden, halten mit ihrer Hand einen Spiegel hoch. Der Segen (die Strahlen des Lichtes), die von diesem Mittelpunkt ausgehen, reflektieren sich mühelos, ungeteilt und unvermindert in den einzelnen Spiegeln, und ihre Beziehung ist (zu jedem einzelnen Spiegel) die gleiche.

Drittes Gleichnis: ist die tiefe Wahrheit vom "Gleichgewicht".

Stellen wir uns einmal eine Waage vor, die präzise geeicht, hochempfindlich und riesig groß ist.

Egal, was auch in ihren beiden Schalen sein mag, ob zwei Sonnen oder zwei Sterne oder zwei Berge oder zwei Eier oder zwei Atome: es kann die eine Schale dieser hochempfindlichen, gewaltig großen Waage durch die gleiche Kraft in den Himmel steigen, durch welche die andere zu Boden sinkt.

Viertes Gleichnis: Die tiefe Wahrheit von der "Ordnung".

Zum Beispiel:

Selbst das größte Schiff ist genau so wie das kleinste Spielzeugschiffchen steuerbar.

Fünftes Gleichnis: Die tiefe Wahrheit von der "Abstraktion".

Zum Beispiel:

Ein Wesen, seiner konkreten Form entkleidet, ist allen einzelnen Mitgliedern (einer bestimmten Gattung) eigen, von den kleinsten bis zu den größten (Exemplaren), ohne sich zu vermindern, ohne sich zu teilen, gleich (für sie alle und sie alle) umfassend. Charakteristische äußere Kennzeichen irgendeiner konkreten Form können (das Wesen einer Art) nicht beeinflussen und verfälschen. Sie können den Charakter dieses abstrakten Wesens nicht verändern. Zum Beispiel besitzt ein Fisch, so klein wie eine Nadel, das gleiche abstrakte Wesen wie ein Walfisch. Auch noch das winzigste Tierchen ist seinem Wesen entsprechend (genau so ein Tier) wie ein Nashorn.

Sechstes Gleichnis: zeigt die tiefe Wahrheit von dem "Gehorsam".

So wie ein einzelner Soldat sich auf den Marschbefehl eines Kommandanten in Bewegung setzt, genauso setzt sich auch ein riesiges Heer auf das selbe Kommando in Bewegung. Die Wahrheit dieses Gleichnisses von dem tiefen Sinn des Gehorsams ist folgende: Im Kosmos hat jedes Ding - experimentell - einen Punkt seiner höchsten Vollendung. Jedes Ding hat eine Tendenz zu diesem Punkt hin. Eine verstärkte Tendenz wird zu einem Bedürfnis. Ein verstärktes Bedürfnis wird zur Begeisterung. Eine verstärkte Begeisterung wird zur Anziehung. Anziehung, Begeisterung, Bedürfnis und die Tendenz sind Kerne und Keime, die im Wesen der Dinge liegen für die Befolgung der Seinsbefehle Gottes des Gerechten. Die absolute Vollkommenheit des Wesens der

Dinge im Bereich des Möglichen ist sein Dasein als Programm. Die ihnen eigene Vollkommenheit liegt in ihrem spezifischen Dasein, aus dem heraus sich ihre natürlichen Veranlagungen verwirklichen. So entspricht der Gehorsam des ganzen Kosmos gegenüber dem Befehl "Sei!" dem Gehorsam eines einzelnen Atoms, das einem einzelnen Soldaten gleicht. In dem Gehorsam und der Befolgung der Dinge im Bereich des Möglichen gegenüber dem Befehl des Urewigen "Sei!", der aus dem Willen des Urewigen kommt, sind eine Tendenz, sowie Bedürfnis, Begeisterung und Anziehung, die wiederum Erscheinungen des Willens sind, gleichzeitig und gemeinsam enthalten. Geschmeidiges Wasser, das Eisen sprengt, wenn es den Befehl zu Gefrieren bekommt, zeigt in seiner empfindsamen Art die Kraft der tiefen Wahrheit des Gehorsams.

Wenn man an Hand dieser sechs Gleichnisse, die Handlungen und ihre Auswirkungen im Bereich des Möglichen, in ihrer ganzen Mangelhaftigkeit, Begrenztheit und Schwäche betrachtet und sieht, dass sie gar nichts tatsächlich bewirken können, so sind mit Sicherheit alle Dinge vor der Macht des Urewigen, die grenzenlos seit Urewigkeit in Ewigkeit fortbesteht und die den ganzen Kosmos aus dem puren Nichtsein ins Dasein ruft, und die alle Verständigen in Erstaunen versetzt, (vor der Macht) die in ihren gewaltigen Werken erscheint, zweifelsohne einander gleich. Überhaupt nichts ist für sie schwer. Man soll nicht außer Acht lassen, dass diese sechs Gleichnisse nicht (dazu geeignet) sind, die Macht (Gottes) wie mit einer kleinen Waage zu wiegen (und uns auch nicht als Maßstab dazu dienen können, sie mit irgend etwas) zu vergleichen. Sie werden nur erwähnt, um (die Macht Gottes) dem Verstand nahe zu bringen und aus dem Wege zu räumen, was unsere Vorstellungskraft hindert.

Zusammenfassung und Ergebnis des dritten Grundsatzes:

Da nun einmal die Macht des Urewigen grenzenlos ist, die sich des Weiteren als notwendiges Attribut des allheiligen Herrn (ergibt), der des Weiteren das

unbefleckte, unverschleierte Wesen aller Dinge zugewandt ist und sich ihr öffnet, die des Weiteren hinsichtlich der gegebenen Möglichkeiten, aus denen sich der Ausgleich der beiden Seiten von Sein oder Nichtsein ergibt, die Waage hält, die des Weiteren der Ordnung der Schöpfung und den Gesetzen der Gewohnheit Gottes, welche das Große Gesetz der Schöpfung sind, gehorsam ist, und da nun des Weiteren einmal das Wesen der Dinge (melekutiyet),(wie ein Spiegel) ungehindert (alles in sich auf nimmt und doch innerlich aller Dinge) und ihren unterschiedlichen Eigenschaften frei und ledig bleibt, ziert sich mit Sicherheit selbst noch das größte Ding dieser Macht gegenüber genau so wenig wie das kleinste Ding und widersetzt sich ihr nicht. Daher kann die Belebung aller beseelten Wesen am Tage der Wiederauferstehung für diese Macht nicht schwerer sein, als die Belebung einer einzigen Mücke im Frühling. Daher ist also der Erlass

مَا خَلْقُكُمْ وَلاَبَعْثُكُمْ اِلاَّ كَنَفْسٍ وَاحِدَةٍ

{"Nicht ist eure Erschaffung noch eure Auferstehung anders als die einer einzigen Seele." (Sure 31, 28)}

keineswegs übertrieben, sondern genau richtig und tatsächlich wahr. Daher hat sich also sicherlich auch bewahrheitet, was wir bereits als Behauptung aufgestellt hatten, dass nämlich "derjenige, der etwas vollbringen will, auch dazu imstande ist. Was dies betrifft, so gibt es für Ihn kein Hindernis".

Vierter Grundsatz

Wie es für den Weltuntergang und auch für die Wiederauferstehung eine Notwendigkeit gibt, und so wie derjenige, der die Wiederauferstehung bewirken will, auch dazu im Stande ist, so gibt es in dieser Welt auch eine Möglichkeit für ihren Untergang und für ihre Wiederauferstehung. Hier sind also nun anlässlich unserer Behauptung "Der fragliche Platz ist dazu geeignet" vier Fragestellungen zu besprechen.

Erstens:

Ist diese unsere irdische Welt in der Lage zu sterben?

Zweitens:

Dieses (Geschehen ist) der Vorgang des Todes.

Drittens:

Ist die Wiederherstellung und die Wiederbelebung dieser zerstörten und abgestorbenen Erde in einer jenseitigen Form möglich?

Viertens:

Dieses (Geschehen ist) der Vorgang der Wiederherstellung und der Wiederbelebung.

Erste Problemstellung:

Der Tod dieses Universums ist möglich. Denn, wenn etwas im Gesetz der Vervollkommnung mit eingeschlossen ist, findet in ihm auf alle Fälle Wachstum und Gedeihen statt. Wo es aber Wachstum und Gedeihen gibt, dort gibt es in jedem Fall auch eine natürliche Lebensspanne. Wo es aber eine natürliche Lebensspanne gibt, da ist (diesem Leben) in jedem Fall auch eine natürliche Frist gesetzt. Es steht aber aufgrund zahlloser Studien, Erforschungen, Betrachtungen, Erfahrungen und Schlussfolgerungen fest, dass (nach Ablauf dieser Frist) sich nichts und niemand mehr vor den Pranken des Todes retten kann. Auch der Mensch ist ja eine Welt im Kleinen, die sich nicht vor der Zerstörung retten kann. Auch die Welt ist wie ein Mensch im Großen, der sich nicht vor den Pranken des Todes retten kann. Auch sie wird sterben und wieder auferstehen, (wie ein Mensch, der) sich hinlegt (und stirbt) und im Anbruch des Jüngsten Tages seine Augen wieder öffnet.

Und so wie sich ja des Weiteren ein lebendiger Baum, welcher ein verkleinertes Beispiel für den Kosmos ist, nicht vor der Zerstörung und dem Zerfall retten kann, genauso wenig können auch die Abläufe im Kosmos, welche vom Baum der Schöpfung ihren Ausgang nehmen, (den kosmischen Baum) vor dem Zerfall nicht retten, wonach dann (der Kosmos) erneuert und wiederhergestellt werden wird. Wenn der Welt nicht noch vor ihrem natürlichen Tod mit der Erlaubnis des Urewigen Willens (Irade),ein Übel von Außen oder ein vernichtendes Ereignis zustößt, und wenn auch ihr allweiser Erbauer sie nicht noch

vor ihrem natürlichen Tod zerstört, wird auf jeden Fall, ja sogar anhand einer naturwissenschaftlichen Berechnung, ein Tag kommen, an dem die Bedeutung und das Geheimnis von

اِذَا الشَّمْسُ كُوِّرَتْ ٭ وَاِذَا النُّجُومُ انْكَدَرَتْ ٭ وَاِذَا الْجِبَالُ سُيِّرَتْ ٭اِذَا السَّمَٓاءُ انْفَطَرَتْ ٭ وَاِذَا الْكَوَاكِبُ انْتَثَرَتْ ٭ وَاِذَا الْبِحَارُ فُجِّرَتْ

{"Wenn die Sonne umwickelt werden wird und die Sterne ihren Glanz verlieren werden, und wenn die Berge in Bewegung geraten werden." (Sure 81, 1-3) "Wenn der Himmel sich spalten und die Sterne sich zerstreuen und die Meere übersprudeln werden." (Sure 82, 1-3)}

mit Erlaubnis des Urewigen Allmächtigen emporkommen wird. Dann wird dieser Große Mensch, der unsere Welt ist, in die Agonie fallen, seine fürchterliche Stimme wird mit dem seltsamen Ton seines Röchelns das Weltall erfüllen und er wird brüllend sterben. Danach aber wird er auf Gottes Befehl wieder auferstehen.

Eine Anmerkung von feinsinniger Hermetik:

So wie das Wasser zu seinem eigenen Schaden gefriert, das Eis sich zu seinem eigenen Nachteil verflüssigt, der Kern zum Schaden seiner Schale an Kraft gewinnt, das gesprochene Wort sich zum Nachteil seiner Bedeutung in die Länge erstreckt, die Seele zu Gunsten des Leibes schwächer wird, der Leib zu Gunsten der Seele schwindet, genauso wird auch die Erde, die Welt einer massiven Materie, zu Gunsten des Jenseits, der Welt einer feinstofflichen Energie, mit dem Ablauf des Lebensmechanismus, durchsichtiger und feiner.

Der Schöpfer streut in Seiner Macht mit überaus Staunen erregenden Taten den Funken des Lebens in die kompakten, starren, erloschenen, erstorbenen Teilchen, als ein Zeichen des Allmächtigen, zu Gunsten einer feinstofflichen Welt, schmilzt diese Welt kompakter Materie im Lichte des Lebens, verbrennt und erleuchtet sie und bestärkt sie in ihrer Wahrheit. In der Tat stirbt die Wahrheit nicht, wie schwach sie auch sein mag, geht nicht mit der Schale zu Grunde.

Vielmehr unternimmt sie durch die Körper, durch die Schalen eine Reise. So wächst die Wahrheit allmählich heran, wird größer, entwickelt, entfaltet sich, gedeiht. Doch die Schale, die äußere Hülle altert, wird dünn, zerfällt. Um einer gefestigten, größeren Wahrheit Gestalt verleihen zu können, erneuert sich (ihre Form), wird schöner als zuvor. Von einem Standpunkt des Mehr-oder-weniger betrachtet, verhalten sich die Wahrheit und ihre Form zueinander reziprok. Das heißt: Wird die Schale dicker, wird die Wahrheit in ihr um so schwächer. Wird die Schale dünner, gewinnt die Wahrheit in ihr an Kraft. So gilt denn dieses Gesetz in allen Dingen, die in das Gesetz der Vervollkommnung eingeschlossen sind.

Das heißt, es wird auf jeden Fall eine Zeit kommen, in der die von uns bezeugte Welt, die Schale und Form der gewaltigen, kosmischen Wahrheit ist, mit Erlaubnis des majestätischen Schöpfers zerbröckelt. Danach wird sie in einer noch schöneren Form erneuert werden. Der tiefe Sinn von

يَوْمَ تُبَدَّلُ اْلاَرْضُ غَيْرَ اْلاَرْضِ

{"An jenem Tage wird die Erde gegen eine andere Erde eingetauscht werden." (Sure 14, 48)}

wird sich bewahrheiten.

Kurzum:

Der Tod der Welt ist möglich, ja, es besteht gar kein Zweifel daran, dass er möglich ist.

Zweite Problemstellung:

Der Tod der Welt wird geschehen. Der Beweis für dieses Geschehnis ist der Konsens aller vom Himmel geoffenbarten Religionen, das Zeugnis der Leute von reinem Gemüt, der Hinweis aller Veränderungen, Verwerfungen, Verwandlungen in diesem Kosmos. Des Weiteren legen eine ebenso große Anzahl lebendiger Welten, ja ganzer, in ständiger Umwandlung begriffener Universen durch ihren Tod in diesem Weltengasthaus dafür Zeugnis ab, wie es Jahre in den Epochen (ihrer Geschichte) gibt, dass auch diese unsere reale Welt genauso sterben wird wie sie.

Wenn du dir von dem Todeskampf dieser Welt entsprechend dem Hinweis der Ayat eine Vorstellung machen willst, so bedenke, dass die Bestandteile unseres Kosmos durch eine äußerst genaue und erhabene Ordnung miteinander verbunden sind. Sie sind durch eine unsichtbare, hochempfindliche, feinstoffliche Schnur miteinander verbunden und (diese Verbindung) befindet sich in einer so sensiblen inneren Ordnung, dass diese Welt bereits in Todeswehen gerät, wenn auch nur ein einziger Himmelskörper aus der (Zahl der) Gestirne am hohen (Himmel über uns) den Befehl "Kun"(Sei!) oder "Verlasse deine Bahn!" erhält. Die Sterne werden zusammenstoßen, die Gestirne werden in Wallung geraten. In dem unendlich großen Weltall wird sich dann ein großes Wehgeschrei erheben, wie das fürchterliche Getöse von Millionen Kanonen, deren Kugeln Himmelskörpern gleichen. Sie werden aneinander stoßen und Funken sprühen. Die Berge werden sich in die Luft erheben, die Meere brennen, die Erde eingeebnet. So wirbelt denn der Urewige Allmächtige in diesem Sterben, in diesem Todeskampf den Kosmos durcheinander. Die Hölle und das, was in ihr ist, ziehen sich auf die eine Seite, das Paradies und das, was zu ihm gehört, auf die andere Seite zurück. (In dieser ihrer neuen, doppelten Gestalt) zeigt sich uns die jenseitige Welt.

Dritte Problemstellung:

Die Auferstehung dieser Welt, die sterben wird, ist möglich.

Denn wie schon im Zweiten Grundsatz bewiesen wurde, gibt es für die Macht Gottes keinen Mangel. Die uns gegebene Notwendigkeit aber ist sehr stark. Und unser Problem hier gehört (in den Bereich) der möglichen Dinge. Wenn für eine Sache, die möglich ist, eine besonders starke Notwendigkeit besteht, und für die Macht dessen, der es tun soll, keine Mangelhaftigkeit gegeben ist, dann kann man (diese Sache) nicht einmal mehr als nur möglich, man muss sie schon als bereits geschehen betrachten.

Eine hermeneutische Bemerkung:

Betrachtet man diesen Kosmos aufmerksam, so sieht man, dass es in ihm zwei Elemente gibt, die in alle Richtungen sich ausdehnen, ihre Wurzeln schlagen: Gut und böse, schön und hässlich, nützlich und schädlich, vollkommen und mangelhaft, Licht und Finsternis, Rechtleitung und Irrtum, (himmlisches) Licht und (höllisches) Feuer, Glaube und Unglaube, Gehorsam und Ungehorsam, Angst und Liebe. Mit den ihnen vergleichbaren Früchten und Auswirkungen stoßen sie in diesem Kosmos aufeinander. Ständig sind sie Veränderungen und Umformungen ausgesetzt. Ihre Zahnräder drehen sich in einer Werkbank, deren Erzeugnisse einer anderen Welt gehören.

Mit Sicherheit werden die einander entgegengesetzten Zweige und Früchte dieser beiden Elemente in die Ewigkeit hinüber gehen und sich dort voneinander getrennt versammeln. Dann werden sie in den Formen des Paradieses und der Hölle in Erscheinung treten. Da die ewige (beqa)Welt nun einmal aus dieser vergänglichen Welt hervorgehen wird, werden ihre grundlegenden Elemente mit Sicherheit in die Beständigkeit, in die Ewigkeit hinüber gehen. Der Himmel und die Hölle sind zwei Früchte an dem Ast, der von dem Schöpfungsbaum abstammt, sich bis in die Ewigkeit hinein erstreckt und dort in einem Bogen (dem wir nicht mehr mit unseren Blicken folgen können) weiter wächst. Sie bilden zwei Lager im Strom der Aktivitäten. Sie sind zwei Teiche der in die Ewigkeit hinüber fließenden, auf und ab wogenden Formen des Daseins. Sie sind die zwei Orte, wo (Gottes) Güte und Zorn in Erscheinung treten. Wenn die Hand des Allmächtigen den Kosmos mit einer heftigen Bewegung durcheinander wirbelt, werden diese beiden Teiche mit den für sie bestimmten Dingen (wie z.B. Güte und Zorn) gefüllt.

Der Sinn dieser feinen Anmerkung ist folgendermaßen:

Der Urewige Allweise hat diese Welt, wie es Seine immerwährende Güte und Seine urewige Weisheit erfordert, erschaffen, damit sie zu einem Ort der Erfahrungen, zu einem Platz der Prüfung, zu einem Spiegel Seiner Schönen Namen (Esma-i Husna)und zu einer Seite

für die Feder Seiner Vorhersehung (Qader)und Seiner Macht wird. Was aber die Erfahrung und die Prüfung betrifft, so bewirken sie Wachstum und Gedeihen. Was aber dieses Wachstum und Gedeihen betrifft, so bewirken sie die Entwicklung der Fähigkeiten. Was aber diese Entwicklung betrifft, so bewirkt sie, dass sich die Fähigkeiten herausbilden. Das Herausbilden der Fähigkeiten bewirkt das Erscheinen der relativen Wahrheiten. Das Erscheinen der relativen Wahrheiten bewirkt, dass der majestätischen Schöpfer die Ornamente der Erscheinungen Seiner Schönen Namen zeigt, und dass Er den Kosmos zu Briefen des Einzigartigen (Samad)macht. Also ist es das Geheimnis dieser Prüfung und das Geheimnis Seines Auftrags, dass (der Mensch) die diamantengleichen Juwelen der hohen Geister (in sich) von den kohlegleichen Stoffen der niederen Geister reinigt und trennt.

Da also denn die Welt in der vorgegebenen Form nicht nur um der oben erwähnten Geheimnisse, sondern auch noch anderer, uns unbekannter sehr feinsinniger und erhabener Weisheiten willen so beabsichtigt ist, so ist auch um derselben Weisheiten willen die Veränderung und der Wandel dieser Welt (von Gott) gewollt. Um der Veränderung und des Wandels willen vermischte Er die Gegensätze in Weisheit und setzte sie gegeneinander. Er mischte den Schaden unter den Nutzen, führte Bosheiten in das Gute ein, brachte, was hässlich ist mit dem, was schön ist zusammen, knetete es wie einen Teig und unterwarf so den Kosmos dem Gesetz der Veränderung und des Wandels und stellte ihn unter das Prinzip der Verwandlung und der Vervollkommnung.

Wenn aber die Versammlung zur Prüfung beendet sein wird, dann wird auch unsere Zeit Erfahrungen (zu sammeln) abgeschlossen sein. (Gottes) Schöne Namen haben sich ihre Geltung verschafft. Die Feder der Vorherbestimmung (Gottes) hat Ihre Briefe vollendet. Die Macht (Gottes) hat Ihr Werk abgeschlossen und Ihre Kunst vollendet. Alles Sein hat seine Arbeit abgegeben. Alle Geschöpfe haben ihren Dienst beendet. Alles und jedes hat

zum Ausdruck gebracht, was für eine Bedeutung es gehabt hatte. Die Welt hat ihre Setzlinge für das Jenseits sprießen lassen. Die Welt hat alle Wunderwerke der Macht des allmächtigen Meisters, alle Seine wunderbaren Kunstwerke ausgestellt und gezeigt. Diese vergängliche Welt hat die Tafeln (gleich Filmrollen), die die immerwährenden Anblicke (gleich Zeitdokumenten) darstellen, in der schon abgespulten Zeit fest geschrieben.

Die Ergebnisse dieser Prüfung, dieser Erfahrungen, die Wahrheiten der Erscheinungen dieser Schönen Namen (Gottes), die Wahrheiten der Briefe aus der Feder der Vorhersehung (Qader),die Originale der als Beispiel angeführten Werke Seiner Kunst, der Nutzen und das Ziel dieser Aufgaben allen Seins, der Lohn für den Dienst der Geschöpfe, die wahre Bedeutung, die diese Worte des kosmischen Buches ausdrücken, die Früchte, die aus den Kernen der natürlichen Veranlagungen heranreifen, die Eröffnung eines großen Gerichtshofes, die Vorführung der (Filmrollen, die) von dieser Welt aufgenommen worden sind, das Zerreißen des Schleiers der äußeren Ursachen und die unmittelbare Übergabe (aller Dinge) an den majestätischen Schöpfer und dergleichen andere Wahrheiten mehr erfordern die immerwährende Weisheit und die ewige Güte des majestätischen Schöpfers. Da Seine Weisheit diese obenerwähnten Wahrheiten erfordert, wollte Er, um den Kosmos vor dem Wirrwarr aller Veränderungen und des Vergehens, des Wandels und des Untergangs zu retten und ihn zu verewigen, die Reinigung der Gegensätze und die Ursachen der Veränderungen und die Dinge voneinander trennen, die Streitigkeiten hervorrufen. Mit Sicherheit wird Er den Weltuntergang ausbrechen lassen und wegen dieser Ergebnisse reinigen. Als Ergebnis dieser Reinigung nimmt die Hölle eine ewige und fürchterliche Form an und für ihre Scharen wird sich die Bedrohung von

وَامْتَازُوا الْيَوْمَ اَيُّهَا الْمُجْرِمُونَ

{"Geht fort und sondert euch ab, ihr Sünder!" (Sure 36, 59)}

offenbaren. Das Paradies bekommt seine ewige, prachtvolle Gestalt und es wird sich für die Leute (des Paradieses) und (alle seine künftigen) Bewohner die Anrede

سَلاَمٌ عَلَيْكُمْ طِبْتُمْ فَادْخُلُوهَا خَالِدِينَ

{"Friede mit euch, ihr Guten! Tretet ein für immer!" (Sure 39, 73)}

offenbaren. Wie in der zweiten Frage des ersten Kapitels im "Achtundzwanzigsten Wort" bewiesen wurde, verleiht der Urewige Allweise den Bewohnern dieser beiden Wohnstätten durch die Macht Seiner Vollkommenheit einen ewigen, festen Bestand, der nicht (den Prozessen) der Auflösung, der Veränderung, des Alterns und des Zerfalls ausgesetzt ist. Denn es finden sich dort nicht die Ursachen aller Veränderungen, die zur Auflösung und zum Zerfall führen.

Vierte Problemstellung:

Dieses (ist nicht nur) möglich, (sondern wird auch) tatsächlich geschehen. Nach der Zerstörung dieser Welt wird derjenige, der diese Welt gemacht hat, sie in einer noch schöneren Form wiederaufbauen und zu einer Wohnstatt im Jenseits machen. Beweis dafür ist vor allem der ehrwürdige Qur'an mit all seinen Versen, die Tausende vernunftgemäße Beweise enthalten. Sowie alle vom Himmel geoffenbarten Bücher darin übereinstimmen, beweisen auch alle Eigenschaften des majestätischen Herrn, welche Seine Größe (Djelal)und Seine Schönheit (Djemal)offenbaren, und Seine Schönen Namen (Esma-i Husna),dass dies sicher geschehen wird. Er versprach durch alle vom Himmel den Propheten geoffenbarten Erlasse das Anbrechen des Jüngsten Tages und der Wiederauferstehung. Da Er es nun einmal versprochen hat, wird Er es mit Sicherheit auch tun. Schlage die achte Wahrheit im "Zehnten Wort" nach! Darüber hinaus sind sich alle Propheten und Gesandten, vor allem Mohammed, der Araber, mit dem Friede und Segen sei, kraft seiner tausend Wunder, alle Gottesfreunde (Heiligen) und Getreuen über dieses Ereignis einig und berichten uns darüber. Genauso gibt dieser Kosmos mit all seinen Wunderzeichen (ayat-i tekviniye)Kunde von diesem Ereignis.

Zusammenfassung:

Das "Zehnte Wort" zeigt mit all seinen "Wahrheiten" und das Achtundzwanzigste Wort mit all seinen Beweisen in den Abschnitten im "Zweiten Kapitel", die mit "besonders" beginnen, mit einer Sicherheit im Grade der Sonne, die (am Abend) unter und am Morgen wieder aufgehen wird, dass die Sonne der Wahrheit nach dem Untergang des irdischen Lebens in Form des jenseitigen Lebens wieder aufgehen wird.

Was unsere Erklärungen vom Anfang bis hierher anbetreffen, so haben wir "vier Grundlagen" erklärt, indem wir uns bei dem Namen "der Allweise" Hilfe erbaten und aus der Fülle des Qur'an unseren Nutzen zogen, um das Herz für die Annahme, die Seele für die Ergebung und den Verstand für die Überzeugung vorzubereiten. Was aber sind wir, sodass wir darüber etwas sagen könnten. Letztendlich sollten wir hören, was der Eigentümer dieser Welt, der Schöpfer dieses Kosmos und der Eigentümer allen Seins darüber sagt... Was stünde es denn auch allen anderen zu, während der Eigentümer des Eigentums spricht, sich da in völlig überflüssiger Weise einzumischen!?

So wollen wir denn in der urewigen Predigt (Hutbe),die der allweise Meister allen Völkergruppen hält, welche in der Moschee der Welt und der Schule der Erde in allen Jahrhunderten in Reihen hintereinander sitzen, von dem Eigentümer des Eigentums und dem Besitzer der Welt und des Jenseits Tausende Erlasse (ferman)hören, die den Kosmos erbeben lassen, wie

اِذَا زُلْزِلَتِ اْلاَرْضُ زِلْزَالَهَا ٭ وَاَخْرَجَتِ اْلاَرْضُ اَثْقَالَهَا ٭ وَقَالَ اْلاِنْسَانُ مَالَهَا ٭ يَوْمَئِذٍ تُحَدِّثُ اَخْبَارَهَا ٭ بِاَنَّ رَبَّكَ اَوْحٰى لَهَا ٭ يَوْمَئِذٍ يَصْدُرُ النَّاسُ اَشْتَاتًا لِيُرَوْا اَعْمَالَهُمْ ٭ فَمَنْ يَعْمَلْ مِثْقَالَ ذَرَّةٍ خَيْرًا يَرَهُ ٭ وَمَنْ يَعْمَلْ مِثْقَالَ ذَرَّةٍ شَرًّا يَرَهُ

{"Wenn die Erde in Beben erbebt, und wenn die Erde ihre Lasten wieder herausgibt, und wenn der Mensch sagt: was ist mit ihr? An jenem Tag wird sie aussagen, was sie zu berichten hat, da dein Herr es ihr eingegeben hat. An jenem Tag werden die Menschen aus der Zerstreuung herbei kommen, um ihre Taten zu sehen. Und wer Gutes auch nur im Gewicht eines Stäubchens getan hat, wird es sehen. Und wer Böses auch nur im Gewicht eines Stäubchens getan hat, wird es sehen." (Sure 99)}

Und alle Schöpfung erfreut und versetzt in Begeisterung:

وَبَشِّرِ الَّذِينَ اٰمَنُوا وَعَمِلُوا الصَّالِحَاتِ اَنَّ لَهُمْ جَنَّاتٍ تَجْرِى مِنْ تَحْتِهَا اْلاَنْهَارُ كُلَّمَا رُزِقُوا مِنْهَا مِنْ ثَمَرَةٍ رِزْقًا قَالُوا هٰذَا الَّذِى رُزِقْنَا مِنْ قَبْلُ وَاُتُوا بِهِ مُتَشَابِهًا وَلَهُمْ فِيهَآ اَزْوَاجٌ مُطَهَّرَةٌ وَهُمْ فِيهَاخَالِدُونَ

{"Und verkündige denen, die glauben und das Gute tun, dass für sie Gärten sein werden, durch die Bäche fließen. Jedes Mal, wenn sie dort mit einer Frucht gespeist werden, sagen sie: Das ist es, was wir vorher zu essen bekamen. Und es wird ihnen gegeben als ein Gleichnis dessen. Und es gibt dort für sie reine Gattinnen. Ewig werden sie dort verweilen." (Sure 2, 25)}

So müssen wir denn sagen: "Wir glauben und bestätigen es."

سُبْحَانَكَ لاَعِلْمَ لَنَآ اِلاَّ مَاعَلَّمْتَنَآ اِنَّكَ اَنْتَ الْعَلِيمُ الْحَكِيمُ ٭ رَبَّنَا لاَ تُاٰخِذْنَآ اِنْ نَسِينَآ اَوْ اَخْطَاْنَا ٭ اَللّٰهُمَّ صَلِّ عَلٰى سَيِّدِنَا مُحَمَّدٍ وَعَلٰٓى اٰلِ سَيِّدِنَا مُحَمَّدٍ كَمَا صَلّيْتَ عَلٰى سَيِّدِنَآ اِبْرٰهِيمَ وَعَلٰٓى اٰلِ سَيِّدِنَا اِبْرٰهِيمَ اِنَّكَ حَمِيدٌ مَجِيدٌ

{"Gepriesen seist Du! Wir haben kein Wissen, außer dem, was Du uns gelehrt hast. Denn Du bist der Allwissende, der Allweise." (Sure 2, 32) "Herr, strafe uns nicht, wenn wir vergesslich sind oder gefehlt haben!" (Sure 2, 286) "Oh Gott, segne unseren Herrn Mohammed und die Familie unseres Herrn Mohammed, wie Du unseren Herrn Abraham und die Familie unseres Herrn Abraham gesegnet hast. Denn Du bist allen Lobes uns Preises würdig, der Vollkommene, der Erhabene."}

Das dreißigste Wort,

welches das Rätsel des Kosmos entschleiert und ein bedeutendes Geheimnis des weisen Qur'an löst, ist ein Elif (senkrechter Strich) und ein Punkt, welche aus dem Ego (Ene) und dem Atom (Dherre) bestehen.

Es besteht aus zwei Kapiteln. Das erste Kapitel dient dazu, das Wesen und die Folgen des Ego zu behandeln, das zweite Kapitel der Bewegung und der Aufgabe des Atoms.

Erstes Kapitel

بِسْمِ اللَّهِ الرَّحْمَنِ الرَّحِيمِ ٭ اِنَّا عَرَضْنَا اْلاَمَانَةَ عَلَى السَّمٰوَاتِ وَاْلاَرْضِ وَالْجِبَالِ فَاَبَيْنَ اَنْ يَحْمِلْنَهَا وَاَشْفَقْنَ مِنْهَا وَحَمَلَهَا اْلاِنْسَانُ اِنَّهُ كَانَ ظَلُومًا جَهُولاً

{"Im Namen Allahs, des Erbarmers, des Barmherzigen. Wahrlich, wir boten das Vertrauenspfand den Himmeln und der Erde und den Bergen an, doch sie weigerten sich, es zu tragen, und schreckten davor zurück. Aber der Mensch nahm es auf sich. Fürwahr, er ist sehr ungerecht und unwissend." (Sure 33, 72)}

Wir wollen auf einen einzigen Edelstein aus der großartigen Schatzkammer dieser Ayah hinweisen. Es ist wie folgt:

Ein Objekt, ein Aspekt unter verschiedenen Aspekten des Vertrauenspfandes, das zu tragen sich Himmel, Erde und Berge weigerten und vor dem sie zurückschreckten, ist das Ego. In der Tat ist das Ego der Kern eines leuchtenden paradiesischen Baumes (Tuba-Baum) und eines schrecklichen höllischen Baumes (Zakkum-Baum), welcher von der Zeit Adams her bis heute in alle Richtungen der Welt der Menschheit Äste und Zweige treibt. Bevor wir mit dieser gewaltigen Wahrheit beginnen, möchte ich eine Einführung bringen, die dem Verstehen dieser Wahrheit dienen soll. Es ist wie folgt:

Das Ego ist der Schlüssel zu den Namen Gottes, die verborgene Schätze sind. So ist es auch der Schlüssel zu dem verschlossenen tiefen Sinn dieses Kosmos. Dabei ist es selber ein Rätsel, (dessen Lösung) alle Schwierigkeiten beseitigt, und eine tiefe Wahrheit, welche unsere Verwunderung weckt. Durch das Erkennen des Wesens des Ego öffnet sich dieses Ego, dieses einzigartige Rätsel, diese eigenartige verschlossene tiefe Wahrheit und öffnet auch den verborgenen tiefen Sinn des Kosmos und die Schatzkammern der Welt des Notwendig-Seienden (Alem-i Vudjub= Gottes Welt). Über dieses Thema habe ich in einer Abhandlung auf Arabisch mit dem Titel "Shemme"(Schimmer) folgendes geschrieben: Der Schlüssel der Welt liegt in den Händen des Menschen und ist an seine Seele {Nefs (Seele) lässt sich auf Deutsch etwa mit Seele, Wunsch, Begierde oder auch "das Tier in uns" übersetzen. (A.d.Ü.)} angeheftet. Während die Tore des Kosmos äußerlich geöffnet erscheinen, sind sie in Wahrheit verschlossen. Gott der Gerechte hat dem Menschen als Vertrauenspfand einen solchen Schlüssel, mit dem wir das Ego meinen, gegeben, womit er alle Tore der Welt öffnet, und einen solchen rätselhaften Egoismus (enaniyet),{Das Wort "enaniyet" lässt sich im Deutschen nicht eindeutig wiedergeben. Wir haben es in seiner negativen Bedeutung mit Egoismus übersetzt. In seinem positiven Aspekt bezeichnet es jedoch jenen Urgrund menschlichen Wesens, in dem sich das Bild seines Schöpfers widerspiegelt. (A.d.Ü.)} wodurch er die verborgenen Schätze des Schöpfers des Kosmos entdeckt. Das Ego ist selbst auch äußerst kompliziert und rätselhaft. Es ist eine verschlossene tiefe Wahrheit, welche schwer zu öffnen ist. Wenn man aber sein wahres Wesen und den Sinn seiner Erschaffung erkennt, öffnet es sich nicht nur selbst, sondern gleichzeitig auch der Kosmos. Es ist dies wie folgt:

Der allweise Meister hat in die Hände des Menschen als Vertrauenspfand das Ego gelegt, welches Hinweise und Beispiele beinhaltet, um die Wahrheit der Eigenschaften Gottes und der Taten Seiner Herrschaft zu zeigen und vorzustellen. Dieses Ego soll als eine Art Messlatte dem Vergleich dienen, wodurch die Eigenschaften der Herrschaft Gottes und Seine Taten erkannt werden sollen. Aber diese Vergleichsgröße benötigt keine reale Existenz, ist vielmehr eine angenommene Vorstellung wie die angenommenen Linien in der Technik. Feststellbar durch Wissenschaft und Forschung muss sie nicht sein.

Frage:

Warum ist die Erkenntnis der Eigenschaften und Namen Gottes des Gerechten vom "Egoismus (enaniyet)"abhängig?

Antwort:

Da etwas, das absolut und allumfassend ist, keine Grenzen und kein Ende hat, kann man ihm keine Gestalt geben und über ihn nicht urteilen, von ihm nichts feststellen und sich von ihm nichts vorstellen. Was sein Wesen ist, kann man nicht erkennen.

Zum Beispiel:

Ein beständiges Licht kann man ohne Dunkel nicht erkennen und nicht bemerken. Wenn in ihm aber eine Linie aus einem tatsächlichen oder imaginären Dunkel gezogen wird, dann wird es erkennbar. Da also die Eigenschaften und Namen Gottes des Gerechten wie Wissen und Macht, Allweisheit und der Allbarmherzigkeit, allumfassend, ohne Grenzen und ohne Gegensätze sind, kann man über sie nicht urteilen, nicht erkennen, was sie sind, und sie nicht bemerken. Da sie kein tatsächliches Ende und keine Grenzen haben, benötigt man dazu eine angenommene, eine imaginäre Linie. Diese aber zieht der Egoismus (enaniyet).Er ist selbst die Vorstellung von einer Herrschaft, von Besitz und Eigentum, von Macht und Wissen und zieht (auf diese Weise) eine Linie. Dadurch setzt er den allumfassenden Eigenschaften (Gottes) eine imaginäre Schranke. "Bis hierher ist mein, ab dort ist Sein." sagt er und macht so eine Teilung. Mit den winzig kleinen Maßstäben seiner Vorstellungen beginnt er ganz langsam ihr Wesen zu erkennen.

Zum Beispiel:

Durch die vorgestellte Herrschaft in seinem Eigentumsbereich

kennt (das Ego) die Herrschaft seines Schöpfers im Kosmos, im Bereich des Möglichen. Durch seine Vorstellung von Besitz und Eigentum versteht es das wahre Besitzrecht Seines Eigentümers und seines Schöpfers. "Wie ich der Eigentümer dieses Hauses bin, so ist der Schöpfer auch der Eigentümer dieses Kosmos." sagt das Ego und es versteht so in seinem wenn auch nur bruchstückhaften Wissen Sein Wissen und durch seine erworbene Kunstfertigkeit das Schaffen des glorreichen Meisters.

Zum Beispiel:

"Wie ich dieses Haus aufgebaut und geordnet habe, so hat einer dieses Weltenhaus aufgebaut und geordnet." sagt es. Usw.... Tausende geheimnisvolle Zustände, Eigenschaften und Gefühle, um alle Eigenschaften und Durchführungen Gottes in gewissem Maße zu erkennen, wohnen dem Ego inne.

Das heißt, dass das Ego mit einem Spiegel vergleichbar ist. Es ist eine Einheit, die dem Vergleich dient, ein Fahrzeug für die Entfaltung (des Menschen) und wie ein Buchstabe, der in sich keinen Sinn hat, sondern dazu da ist, um die Bedeutung eines anderen zu zeigen. Es ist ein bewusstseinstragender Faden aus dem dicken Seil des Menschenkörpers und ein feines Haar aus der Hülle des Menschenwesens und ein Strich aus dem Buch der Identität Adams. Dieser Strich hat zwei Gesichter. Das eine schaut nach Gutem und wahrem Sein. Nur in dieser Hinsicht ist es für (den Empfang) der Gnade (Gottes) fähig. Es nimmt den an, der gibt, und kann selber nichts erschaffen. In dieser Hinsicht ist es nicht aktiv und seine Hand greift zu kurz. Das andere Gesicht schaut nach Bösem und führt in das Nichts. In dieser Hinsicht ist es tätig und Herr seiner Taten.

Außerdem bekleidet sein Wesen die Rolle eines (arabischen) Buchstabens, der (als eine arabische Präposition) auf ein Nomen hinweist. Seine Herrschaft besteht in seiner Vorstellung. Seine Existenz ist aber so schwach und dünn, dass es nichts für sich alleine auf sich nehmen, schultern kann. Ja vielmehr gleicht es einem Thermometer oder Barometer, welches die Stufen und Mengen der

Dinge feststellt, ein Messgerät, um die absoluten, allumfassenden und unbegrenzten Eigenschaften des Notwendig-Seienden zu erkennen.

Derjenige also, der sein Wesen in dieser Weise kennt und von ihm überzeugt ist und sich dementsprechend verhält, tritt in die frohe Botschaft von

قَدْ اَفْلَحَ مَنْ زَكّٰيهَا

{"Selig ist, wer es (von sich aus) rein hält;..." (Sure 91, 9)}

ein. Er geht mit dem Vertrauenspfand richtig um. Er sieht durch das Fernrohr des Ego, was der Kosmos ist, und seinen Zweck. Wenn Kenntnisse aus der Umwelt kommen, erfahren sie in seinem Ego eine Bestätigung. Dieses Wissen bleibt als Erleuchtung und Weisheit. Es verwandelt sich nicht in Finsternis und Absurdität. Wenn das Ego seinen Zweck in dieser Weise erfüllt, gibt es seine vorgestellte Herrschaft und seine imaginäre Vorstellung, Eigentümer und Besitzer zu sein, auf, welche nur ein Vergleichsmaßstab ist.

لَهُ الْمُلْكُ وَلَهُ الْحَمْدُ وَلَهُ الْحُكْمُ وَاِلَيْهِ تُرْجَعُونَ

{"Ihm gehört das Eigentum. Ihm gehört der Lobpreis. Ihm gehört die Macht. Und zu Ihm kehren wir zurück."}

sagt es und es nimmt seinen eigentlichen Auftrag an, Gott zu dienen und Ihn anzubeten. Es steigt zu dem Wert eines "Ahsen-i Taqvim"(Besten in der Schöpfung) auf.

Wenn dieses Ego den Sinn seiner Erschaffung vergisst, seine eigentliche Aufgabe aufgibt, seinen Sinn in sich selbst gefunden zu haben glaubt und sich selbst für den Eigentümer hält, dann verrät es somit das (ihm von Gott anvertraute) Pfand. Es gerät unter das Wort

وَقَدْ خَابَ مَنْ دَسّٰيهَا

{"Aber enttäuscht wird (in seinen Hoffnungen), wer es verkommen lässt." (Sure 91, 10)}

Also entsteht denn alles, was Abgötterei, Bosheit und Irrglaube hervorbringen, aus diesem Aspekt des Egoismus (enaniyet),wovor "Himmel und Erde und die Berge" (Sure 33, 72) zurückschreckten und sich vor der Möglichkeit der Abgötterei fürchteten. Das Ego ist tatsächlich nur ein feiner Strich (Elif),ein dünner Draht, eine nur vorgestellte Linie. Wenn sein Wesen nicht erkannt wird, gedeiht es unter dem Deckmantel der Erde, nimmt allmählich an Umfang zu, verbreitet sich überall im menschlichen Körper, verschluckt (schließlich den ganzen) Körper des Menschen wie ein ungeheuerlicher Drache. So wird (am Ende) der ganze Mensch bis in seine feinsten (Verästelungen hinein) zu einem (bloßen) Ego. Danach gibt dann ein Rassenegoismus (enaniyet)angesichts einer rassistischen und nationalistischen Gesinnung diesem Ego (enaniyet)Kraft. So stützt es sich auf diesen rassistischen Egoismus (enaniyet)und beginnt wie der Teufel gegen die Gebote des majestätischen Schöpfers anzukämpfen. Wie man sich im Geist (nefs)an die Stelle der anderen versetzt, so versetzt (das Ego) sich dann in seiner Vorstellung (nefs)an die Stelle eines jeden, ja selbst aller Dinge und beginnt das Eigentum Gottes des Gerechten unter ihnen und den Ursachen zu verteilen. Es verfällt in eine gewaltige Vielgötterei und entspricht somit inhaltlich dem

اِنَّ الشِّرْكَ لَظُلْمٌ عَظِيمٌ

{"Siehe, Vielgötterei ist ein gewaltiger Frevel!" (Sure 31, 13)}

So wie ein Mann, der aus dem staatlichen Vermögen vierzig Para gestohlen hat, in der Tat nur dann gelassen bleiben kann, wenn er annehmen darf, dass alle seine gegenwärtigen Freunde auch einen Dirhem genommen haben, so muss derjenige, der sagt: "Ich gehöre mir." notwendiger Weise der Überzeugung Ausdruck geben: "Alles gehört nur sich selbst".

Also befindet sich das Ego infolge dieser seiner verräterischen Haltung in einer absoluten Ignoranz. Auch kennte es Tausende von Wissenschaften, haftet an ihm dennoch die noch gesteigerte Unwissenheit der Unwissenheiten, die sich noch dazu für gebildet hält. Denn da seine Gedanken und Gefühle, die das Licht der Erkenntnis aus dem Kosmos empfangen, in seiner Seele keinen Stoff finden, sie zu bestätigen, zu erleuchten und fortzusetzen, verlöschen sie wieder. Alles, was (aus dem Kosmos auf ihn) zukommt, wird mit den Farben aus seiner Seele gefärbt. Wäre es selbst die lautere Weisheit, erschiene sie ihm doch in seiner Seele als völlige Absurdität. Denn infolge seiner Haltung entspricht die Farbe des Ego der Vielgötterei, der Versandung, der Verleugnung Gottes. Wäre der ganze Kosmos von leuchtenden Wunderzeichen (Ayat)erfüllt, würden sie durch einen finsteren Punkt in diesem Ego als völlig unbedeutend ausgelöscht, sodass sie nicht mehr in Erscheinung träten.

Im "Elften Wort" wurde bereits mit äußerster Gewissheit ausführlich erklärt, was das Wesen des Menschen ist, und was für ein empfindliches Messgerät, welch ein zuverlässiger Maßstab, welch ein umfangreiches Inhaltsverzeichnis, welch eine genaue Landkarte, welch ein umfassender Spiegel und was für ein wundervolles Kalenderblatt (in der Geschichte des) Kosmos die Essenz (enaniyet)des menschlichen Wesens - hinsichtlich ihrer Funktion als Buchstabe (bzw. Präposition) - ist. Dort kann man also nachschlagen! Wir begnügen uns mit dieser ausführlichen Erklärung zu diesem Wort, wollen uns hier kurz fassen und diese Einführung damit abschließen. Hast du also diese Einführung verstanden, dann lass uns nun zum eigentlichen Hauptstück unserer Abhandlung kommen!

Siehe: Zwei gewaltige Strömungen, zwei Wogen (silsile)der Lehren verzweigen sich weit in der Welt der Menschheit, zwei gewaltigen Bäumen gleich in alle Richtungen und unter allen Schichten der Menschen seit Adams Zeiten bis zum heutigen Tage... Die eine ist die Woge des Prophetentums und der Frömmigkeit (diyanet);die andere ist die der Philosophie und der Weisheit... Sie sind gekommen und setzen sich fort.

Wann auch immer diese beiden Wogen einander in Einklang und Verständnis fanden, das heißt, wann immer die Woge der Philosophie sich mit der Woge der Theologie vereinigte, ihr gehorchte, ihr diente, erlebte die Menschheit eine glanzvolle Zeit der Blüte, des Glücks und des gesellschaftlichen Lebens. Wann immer sie aber voneinander getrennt gingen, versammelten sich alles Gute und Leuchtende um die Woge des Prophetentums und der Frömmigkeit und scharten sich Bosheit und Irrglaube um die Woge der Philosophie. Nun müssen wir die Ursprünge und Grundlagen dieser beiden Wogen finden.

Siehe: Die Woge der Philosophie, die sich der Woge der Theologie nicht unterwirft, nimmt die Gestalt eines Höllenbaumes (Zakkum)an und verbreitet um sich die Finsternis der Abgötterei und des Irrglaubens. Ja dieser Baum des Denkvermögens trug sogar die Früchte des Atheismus, Materialismus und Naturalismus und überreichte diese dem menschlichen Verstand. (Aus diesem Baum der Philosophie wuchs) der Ast der zornigen Eigenschaften des Menschen (heraus und) brachte Menschen hervor, die tyrannisch wie Nimrod, stolz wie Pharao, hartherzig wie Scheddad (König von Ad) waren, und die Menschheit ins Unglück stürzten.

{(*): So wie es in der Tat die alten Philosophien waren, die sich entweder zur gleichen Stufe mit der Zauberei erhoben hatten oder doch in ihrer Umgebung für Zauberei gehalten wurden, weil sie nur für Eingeweihte galten, die im alten Ägypten und Babylon Nimrod und die Pharaonen erzogen und sie wie eine Ziehmutter gesäugt hatten, genauso war es der Sumpf der Naturphilosophie, der den alten Griechen die Götter in den Kopf pflanzte und ihre Götzen gebar. Tatsächlich schreibt ein Mensch, der das Licht Gottes hinter dem Schleier der Natur nicht sehen kann, jedem Ding eine eigene Gottheit zu, die er sich dann in seinen Kopf setzt.}

Und (aus einem anderen) Ast (wuchsen) die Kräfte wollüstiger, tierischer Begierden des Menschen (hervor), brachten Götter und Göttinnen und (andere Wesen), die göttliche Attribute für sich beanspruchen, als ihre Früchte hervor und reiften heran.

Die Wurzel dieses Zakkum-baumes und der Ursprung der Woge des Prophetentums - welche der Tubabaum des Dienstes und der Anbetung Gottes ist, dessen segensreiche Äste im Garten der Erde, am Ast der Denkfähigkeit Früchte wie Propheten, Gesandte, Gottesfreunde und Getreue heranreifen lässt, und an dem Ast des Rechtempfindens Früchte wie gerechte Richter und Engel gleichen Herrscher trägt, und an dem Ast des Schönheitsempfindens Früchte wie edle Gesinnung, vornehmes Äußere, gütige und großmütige Menschen hervorbringt, und zeigt, was für eine vollkommene Frucht des Kosmos dieser Mensch ist - sind die beiden Aspekte des Ego. Nun wollen wir diese beiden Seiten des Ego als den gemeinsamen Samen erklären, welcher Keim und Ursprung dieser beiden Bäume ist. Dies ist nun folgendermaßen:

Der eine Aspekt des Ego bewegt sich in Richtung auf das Prophetentum (die Theologie), der andere Aspekt kommt aus der Richtung der Philosophie.

Der erste Aspekt (des Egos) ist der theologische Aspekt.

Sein Ursprung liegt in seinem lauteren Dienst und der Anbetung Gottes. Das heißt; das Ego kennt sich selbst als einen Diener Gottes. Es versteht sich selbst über seinen Dienst an einem anderen. Sein Wesen (entspricht der Funktion) eines Buchstabens (d.h. einer Präposition). Das heißt; es ist sich dessen bewusst, dass es dazu da ist, (Träger der) Bedeutung eines anderen zu sein. Seine eigene Existenz ist daneben zweitrangig. Das heißt, es ist fest davon überzeugt, dass es sein Dasein der Existenz eines anderen verdankt, dessen Erschaffung ihm Bestand verleiht. Sein Eigentumsanspruch ist lediglich eine Annahme. Das heißt; es weiß, dass es sich nur aufgrund der Erlaubnis seines Eigentümers einen scheinbaren, vorübergehenden Eigentumsanspruch vorstellen kann. Seine Wahrheit ist nur schattenhaft. Das heißt, es ist ein armseliger, kaum wahrnehmbarer Schatten, der das Aufscheinen einer notwendigerweise gegebenen Wahrheit anzeigt.

Was aber seinen Auftrag betrifft, so dient es dem (menschlichen) Selbstbewusstsein als Maßstab oder Messgerät für die Eigenschaften und Taten seines Schöpfers.

Also betrachteten die Propheten, Theologen und Heiligen, die auf der Woge (silsile)der Propheten mit schwammen, das Ego, sahen sie und verstanden die Wahrheit in dieser Hinsicht. Das ganze Eigentum haben sie dem wahren Eigentümer (Malik-ul-Mulk)überlassen und sind zu der festen Überzeugung gelangt, dass dieser majestätische Eigentümer weder in Seinem Eigentum noch in Seiner Herrschaft noch in seiner Gottheit einen Teilhaber oder Mitregenten hat. Er bedarf weder eines Helfers noch eines Ministers. Der Schlüssel aller Dinge liegt in Seiner Hand. Er ist der Allmächtige über allen Dingen. Die äußeren Ursachen verhüllen Ihn wie einen Schleier. Die Natur folgt den Gesetzen ihrer Erschaffung, dem Kodex Seiner Erlasse und der Lineatur Seiner Macht. So wurde denn dieser strahlende, lichterfüllte, wunderschöne Aspekt (der menschlichen Seele) zu jenem lebendigen, verheißungsvollen Samen, aus dem der glorreiche Schöpfer den paradiesischen Tuba-Baum Seines Dienstes und Seiner Anbetung erschuf, dessen segensreiche Äste die Welt der Menschen überall mit leuchtenden Früchten verziert. (Dieser Aspekt, dieser Seelenfunke) vertreibt die Finsternis aller vergangenen Zeiten und zeigt, dass diese längst vergangene Zeit kein riesiges Grabmal ist, so wie das die Philosophie sehen möchte, sondern dass er eine Lichtquelle und eine Leiter ist, die mit vielen Sprossen in die Zukunft der Erleuchtung und der Ewigen Glückseligkeit empor führt, in ein lichtvolles Lichtreich (Nuristan),einen Garten für die Seelen (ruh),wo sie endlich ihre schweren Lasten abladen und frei werden, nachdem sie von der Erde dahingeschieden sind.

Was aber den zweiten Aspekt betrifft, so folgt er der philosophischen Richtung.

Was nun die Philosophie betrifft, so betrachtet das Ego sich darin als Nomen (und nicht als eine Präposition). Das heißt; die Philosophie sagt, dass das Ego auf sich selbst verweist (und nicht auf Gott).

Seine Bedeutung findet sich in ihm selbst. Es arbeitet und urteilt für sich selbst und seine eigenen Belange. Es behauptet, sein Dasein verdanke Ursprung und Wesen sich selbst, das heißt, das Wesen seiner Existenz läge in ihm selbst. Es nimmt an, es gäbe da einen Anspruch auf sein Leben und es habe die tatsächliche Verfügungsgewalt in seinem Herrschaftsbereich. Es hält sich für eine konkrete Gegebenheit. Es betrachtet seinen Auftrag als eine Art von Selbstverwirklichung, die nur aus der Liebe zu sich selbst erwächst usw.... Auf vielen solchen oder ähnlichen brüchigen Grundsätzen haben die Philosophen ihre Lehre aufgebaut.

Es ist aber bereits in anderen Abhandlungen, besonders im Band "Worte (Sözler)",insbesondere im "Zwölften" und "Fünfundzwanzigsten Wort" unwiderlegbar bewiesen worden, wie grundlos und wie faul diese Grundsätze sind. Selbst Männer wie Platon und Aristoteles, Avicenna und Al-Farabi, die edelsten und größten in der Reihe der Philosophen, wahre Koryphäen auf ihrem Gebiet, (bekannten): "Das Ziel aller Ziele wahren Menschseins ist es, ein Abbild des Notwendig-Seienden zu werden. Das heißt, zum Imago des Notwendig-Seienden zu werden." So haben sie in ihrem Pharaonenstolz gelehrt, ihren Egoismus hochgepeitscht, ihn in den Tälern der Abgötterei frei umher laufen lassen und so den verschiedenen Arten der Abgötterei, wie der Anbetung der Ursachen, der Anbetung der Götzen, der Anbetung der Natur, der Anbetung der Sterne den Weg geebnet. Während sie die Türen der Ohnmacht und Schwäche, der Armseligkeit und Bedürftigkeit, der Fehlerhaftigkeit und des Mangels, welche im Innern des Menschen wohnen, zuschlossen, versperrten sie den Weg des Dienstes und der Anbetung (Gottes). Sie verrannten sich in den Naturalismus, konnten sich nicht vollständig vor der Abgötterei retten und das große Tor zur Dankbarkeit nicht finden.

Was aber das Prophetentum betrifft, so lehrten die Propheten, dass das Ziel der Menschheit und der Auftrag des Menschen darin besteht, sich die gottgegebene Sitte

und Moral und einen guten Charakter zu Eigen zu machen, seine eigene Ohnmacht zu erkennen, bei der Macht Gottes seine Zuflucht zu suchen, seine eigenen Schwächen zu kennen und sich auf die Kraft Gottes zu stützen, seine eigene Armseligkeit zu begreifen, auf die Barmherzigkeit Gottes zu vertrauen und von dem Reichtum Gottes Hilfe zu erbitten, seine eigenen Fehler wahrzunehmen und von Gott, dem Verzeihenden, Vergebung zu erbitten, den eigenen Mängeln gegenüber die Vollkommenheit Gottes zu loben und zu preisen, wie es einem Diener (Gottes) gebührt.

Da also nun die Philosophie, in ihrem Ungehorsam gegenüber dem Glauben (diyanet),auf diese Weise vom rechten Weg abgeirrt ist, nimmt das Ego nun die Zügel selbst in die Hand und läuft jeder Art von Irrglauben nach. So wächst denn nun unter diesem Aspekt über dem Kopf des Ego ein höllischer Zakkum-Baum heran, der mehr als die halbe Welt mit ihren Menschen überschattet.

So sind denn die Früchte dieses Baumes, die an dem Ast der Macht tierischer, wollüstiger Begierde des Menschen in sein Blickfeld kommen, seine Götter und Göttinnen. Denn in der Grundlage der Philosophie wird die Macht gutgeheißen. Ja, einer ihrer Grundsätze lautet sogar: "Das Recht ist auf Seiten des Stärkeren." Sie sagt: "Der Überlegene ist der Stärkere. Der Stärkere hat Recht." {(*): Der Grundsatz des Prophetentums lautet dagegen: "Die Kraft erwächst aus dem Recht, nicht das Recht aus der Macht." So setzt das Prophetentum ein Ende der Ungerechtigkeit und sichert die Gerechtigkeit.} Sie jubelt gewissermaßen der Ungerechtigkeit zu, ermutigt die Tyrannen und führt den Gewaltverbrecher dazu, sich wie ein Gott zu fühlen. Des Weiteren schreibt sie die Schönheit eines Kunstwerkes und seine hohe Qualität dem Kunstwerk selbst und seiner künstlerischen Gestaltung zu und misst sie nicht der Persönlichkeit des Künstlers und Seiner Gestaltungskraft und der Wahrnehmung Seiner abstrakten, reinen, vollkommenen

Erscheinung bei, sondern sagt statt dessen: "Wie schön ist es!" anstatt zu sagen: "Wie schön wurde es gestaltet!" Sie macht es einem Götzen ähnlich, als wäre es der Verehrung würdig. Da sie des Weiteren eine trügerisch glänzende Schönheit gutheißt, die sich selbstgefällig zur Schau stellt und scheinheilig allen zum Kauf anbietet, jubelt sie diesen Heuchlern auch noch zu und baut Tempel für die Anbeter ihrer Idole. {(*): Das heißt, diese Idole nehmen ihren Verehrern gegenüber selbst heuchlerisch eine anbetungsvolle Haltung ein, um sich ihren Leidenschaften gegenüber als entgegenkommend zu erweisen und ihren Beifall zu gewinnen.} An dem Ast mit den zornigen Eigenschaften dieses Baumes erwuchsen diesen hilflosen Menschen über ihren Häuptern Früchte wie kleine und große Nimrods, Pharaonen und Scheddade. An dem Ast des Denkvermögens erwuchsen dem Geist der Menschen Früchte wie der Atheismus, Materialismus, Naturalismus und zersplitterte den Verstand der Menschen in tausenderlei Sektoren...

Nun wollen wir, um diese Wahrheit deutlich herauszustellen, drei, vier Beispiele unter tausenderlei Vergleichen für die Folgen aufführen, die aus den falschen Grundsätzen der Philosophie entstehen, verglichen mit den Folgen, welche sich aus den richtigen Grundsätzen entsprechend der Reihe (silsile)

der Propheten ergeben.

Erstes Beispiel:

Vergleichen wir einmal den Grundsatz:

تَخَلَّقُوا بِاَخْلاَقِ اللَّهِ

{"Rüstet euch aus mit der Sittenlehre Gottes!"}

ein Prinzip des Prophetentums, welches das persönliche Leben der Menschen betrifft, mit dem selbstgefälligen Grundsatz der Philosophie: "Werdet zum Ebenbild des Notwendig-Seienden!" ist die höchste Vollendung des Menschseins. "Ihr sollt danach streben, dem Notwendig-Seienden ähnlich zu werden!" Was ist in der Tat das

Wesen des Menschen, geschaffen in seiner unendlichen Ohnmacht, Schwäche, Armseligkeit und Bedürftigkeit, verglichen mit dem Wesen des Notwendig-Seienden, in Seiner unendlichen Allmacht und Stärke, Seinem Reichtum und Seiner Unabhängigkeit!...

Zweites Beispiel:

Vergleichen wir einmal den Grundsatz der gegenseitigen Hilfeleistung, das Prinzip der Güte, das Gesetz der ehrenvollen Aufnahme, eines von den Folgen der Grundsätze des Prophetentums im gesellschaftlichen Leben, wo es gilt, angefangen von der Sonne und dem Mond, bis zu den Pflanzen, die den Tieren zu Hilfe eilen, und den Tieren, die den Menschen zu Hilfe eilen, ja sogar Nährstoffen, die den Körperzellen zu Hilfe und ihrer Unterstützung eilen, mit dem Kampfprinzip, das eines der Prinzipien der Philosophie im gesellschaftlichen Leben ist und das nur aus dem Missbrauch der natürlichen Fähigkeiten mancher brutaler Gewaltmenschen und der Raubtiere entsteht! In der Tat halten die Philosophen das Kampfprinzip für so grundlegend und umfassend, dass sie törichterweise urteilen: "Das Leben ist ein Kampf."

Drittes Beispiel:

Vergleichen wir einmal jenen Grundsatz der Einheit Gottes (Tauhid),jenes hocherhabene Ergebnis, jenen kostbaren Grundsatz des Prophetentums, der zur Einheit hinführt, der da lautet:

اَلْوَاحِدُ لاَ يَصْدُرُ اِلاَّ عَنِ الْوَاحِدِ

Das heißt; "Alles, was eine Einheit bildet, kann nur aus dem Einen hervorgehen." Und: "Da sich nun einmal jedem einzelnen Ding (die Einheit des gemeinsamen Ursprungs innewohnt) und alle Dinge in ihrer Gemeinsamkeit (miteinander verbunden sind), ist dies das Werk eines einzigen Wesens (Dhat)."mit einem der Glaubensgrundsätze der alten Philosophie:

اَلْوَاحِدُ لاَ يَصْدُرُ عَنْهُ اِلاَّ الْوَاحِدُ

{"Aus dem Einen kann nur das Eine entstehen."}

Das heißt: "Aus einem Einzigen kann nur ein Einziges direkt hervorgehen. Aus ihm können andere Dinge nur durch Vermittlung eines Mittlers entstehen." Da sie den absolut Reichen und Allmächtigen so darstellen, als ob Er eines ohnmächtigen Mittlers bedürfe, schreiben sie allen Ursachen und Mittlern in der Herrschaft Gottes eine Art Teilhaberschaft zu und dem majestätischen Schöpfer ein Geschöpf namens "Urverstand (einen Logos oder Demiurgen)", so als würden sie das, was von Seinem Herrschaftsbereich noch übrig geblieben ist, unter den Ursachen und den Mittlern verteilen, und öffnen so den Weg zu einer gewaltigen Teilhaberschaft mit ihrer durch Vielgötterei besudelten und vom rechten Weg abgeirrten Grundsätzen dieser Philosophie!.. Wenn schon die Gnostiker (und ihre Nachfolger in Orient und Okzident!), welche die am weitesten fortgeschrittenen unter den Philosophen waren, so etwas anrichten konnten, so kannst du damit vergleichen, was nun erst die unteren Ränge (der Philosophen) wie Materialisten und Naturalisten noch alles anrichten werden!

Viertes Beispiel:

Nach dem Geheimnis von

وَاِنْ مِنْ شَىْءٍ اِلاَّ يُسَبِّحُ بِحَمْدِهِ

{"Und es gibt kein Ding, das Ihn nicht lobt und preist." (Sure 17, 44)}

lautet eines von den weisen Prinzipien des Prophetentums: "Wenn das Ergebnis und der Zweck (hikmet)jedes Dinges, jedes Lebewesens, das sich selbst gehört, nur eines ist, so sind die Ergebnisse, die seinem Meister zukommen, die Absichten (hikmet),die sich auf seinen Schöpfer zurückführen lassen, Tausende. Jedes Ding, sogar jede Frucht hat so viele Bestimmungen (hikmet)und so viele Ergebnisse, wie die Zahl der Früchte an einem Baum." Vergleiche nun aber einmal diesen weisen Grundsatz, der die lautere Wahrheit ist, mit der (Behauptung) der Philosophen, die sagen: "Der Zweck eines jeden Lebewesens richtet sich allein nach ihm selbst oder

nach seinem Nutzen für den Menschen." und mit den Grundsätzen einer trügerisch glänzenden Philosophie ohne jede Weisheit, die in allem nur noch eine völlige Sinnlosigkeit erkennen kann, als ob man einem Baum, riesig wie ein Berg, nur eine Frucht, ein Ergebnis von der Größe eines Senfkorns zusprechen würde?

Da diese Wahrheit schon in der zehnten Wahrheit des "Zehnten Wortes" bis zu einem gewissen Grade erkennbar wurde, haben wir sie hier nur kurz zusammengefasst. So kannst du diesen vier Beispielen noch Tausend weitere Beispiele anreihen. In einer Abhandlung namens "Lemeat (Stichpunkte mit Erklärung)" haben wir schon auf einen Teil von ihnen hingewiesen.

Und so ist es denn eine Folge solcher falscher philosophischer Grundsätze und irrigen Vorstellungen, dass selbst noch Koryphäen islamischer Philosophie, wie Avicenna und Al-Farabi, hingerissen von äußerlichem Prunk und Pracht, überwältigt von ihrem Ruhm und Ruf, einen Weg eingeschlagen haben, auf dem sie nur die Stufe eines unerfahrenen Gläubigen erlangen konnten. Selbst ein Huddjatu l-Islam (ein Zeuge islamischer Wahrheit) wie Imam Ghazzali, konnte ihnen noch nicht einmal diese Stufe zugestehen.

Da auch die Vorsteher der Schule der "Mu'tazila(Sektierer)", Gelehrte unter den Theologen mit ozeangleichem Wissensumfang, von der äußerlichen Pracht der Philosophie hingerissen waren und auf diesem Weg (meslek)ernst zu nehmende Beziehungen (zu anderen Schulen) pflegten und den menschlichen Verstand zur obersten Richtschnur annahmen, konnten sie nur die Stufe eines sündigen, unerfahrenen Gläubigen erlangen. Des Weiteren haben unter den berühmten islamischen Dichtern (Männer) wie Abu l-'Ala-i Ma'arri,der wegen seines Pessimismus bekannt wurde, und Omar Hayyammit seinen Wehklagen eines Verwaisten, von den Kennern der Wahrheit und den Vollendeten scharfen Tadel und die Beschuldigung der Gottlosigkeit hinnehmen müssen, weil sie die Freude an ihren eigenen Lehren (meslek)genossen,

die ihrer rebellischen Seele schmeichelten, und haben von ihnen vernichtende Kritik und moralische Ohrfeigen einstecken müssen, wobei sie zu hören bekamen: "Ihr begeht Schamlosigkeiten, seid dem Unglauben verfallen und erzieht zu ihm hin."

Des Weiteren folgt aus den falschen Grundsätzen des philosophischen Weges (meslek)dass das Ego durch diese unselige Betrachtungsweise der Philosophie und weil es diese aus eigenem Antrieb für sinnvoll hält, obwohl es eigentlich doch von nur schwacher Natur ist wie die Luft, ein Ego, das - wenn man es mit dem Dampf vergleicht - flüssig wird, sich schließlich durch die Macht der Gewohnheit und wegen seiner intensiven Beschäftigung mit materiellen Dingen verhärtet, wonach dann dieser Egoismus in seiner Gottvergessenheit und Verleugnung kristallisiert. Sodann wird er in seiner Rebellion gegen Gott trübe und verliert seine Klarheit. Sodann schwillt er allmählich an und verschluckt (am Ende) seinen Träger (ruh,der Geist, erstickt). In der (allgemein gängigen) Meinung des Menschengeschlechts bläht er sich auf. Sodann vergleicht er die anderen Menschen, ja sogar die Ursachen mit sich selbst und seinen Begierden (nefs)und verleiht jeder von ihnen die Stellung eines Pharao, obwohl diese sie nicht annehmen wollen, sie zurückweisen. So ist es denn dieser Zustand, in dem er gegenüber den Befehlen des glorreichen Schöpfers eine Kampfposition einnimmt.

مَنْ يُحْىِ الْعِظَامَ وَهِىَ رَمِيمٌ

{"Wer wird diese Knochen wieder lebendig machen, nachdem sie bereits morsch geworden sind." (Sure 36, 78)}

sagt er und beschuldigt den Allmächtigen der Ohnmacht und fordert Ihn damit heraus. Ja er greift sogar die Eigenschaften des glorreichen Schöpfers an. Solche, die ihm unpassend erscheinen oder dem Pharaonenstolz seiner herrischen Seele nicht gefallen, weist er entweder zurück, leugnet sie, oder verfälscht sie.

Zum Beispiel:

Eine Gruppe der Philosophen bezeichnet Gott den Gerechten als "Mudjib-i bizzat(eine wesensgemäße Zwanghaftigkeit)" und verneint so Seine freie Willensentscheidung. Sie bezichtigen die so unendlich vielen Zeugnisse der ganzen Schöpfung, welche die Freiheit Seiner Willensentscheidung beweisen, der Lüge. Oh, gepriesen sei Gott! Obwohl von einem Stäubchen bis zur Sonne alle Gegebenheiten des Seins im Universum, so wohl bestimmt und wohlgeordnet sind, so voll Weisheit und Wohlausgewogenheit und (auf diese Weise) die freie Willensentscheidung ihres Schöpfers beweisen, sieht dieses verblendete Auge der Philosophen es nicht. Des Weiteren verneint ein anderer Teil der Philosophen den gewaltigen Umfang des Wissens Gottes, indem er sagt: "Mit Kleinigkeiten beschäftigt sich Gottes Allwissenheit nicht." und weisen die glaubhaften Zeugnisse allen Seins zurück.

Des Weiteren schreibt die Philosophie den Ursachen eine Wirkung zu und spricht der Natur eine Schöpfungskraft zu. Das glänzende Siegel in allen Dingen, das allein dem Schöpfer aller Dinge gehört, wie im "Zweiundzwanzigsten Wort" mit einer absoluten Gewissheit bewiesen wurde, erkennt sie nicht an und nimmt die Natur, welche ohnmächtig, leblos, unbewusst und blind ist und deren beide Hände in der Hand zweier Blinder wie Zufall und Kraft liegen, als Quelle an. Sie schreibt der Natur einen Teil des Seins zu, welches Tausende erhabener Weisheiten in sich enthält, wo doch alles im Dasein und jedes einzelne für sich als ein Brief des Einzigartigen (Samed)gilt.

Des Weiteren konnten die Philosophen das Tor zur Wiederauferstehung und zum Leben nach dem Tode nicht finden, welches, wie bereits im "Zehnten Wort" bewiesen wurde, Gott der Gerechte mit all Seinen Namen, der Kosmos mit allen Gegebenheiten (haqq),die Reihe der Propheten mit all ihren kritischen Forschungen (tahqiqat)und die himmlischen Bücher mit all ihren Versen aufzeigen. (Die Philosophen der Antike) bestritten die Wiederauferstehung nach dem Tode und schrieben den Geistern (ruh)eine Urewigkeit zu. So magst du nun diese

(Art törichten) Aberglaubens mit noch anderen Hypothesen vergleichen. In der Tat (bedient sich) der Satan der Schnäbel und Klauen des Egos, um diese atheistischen Philosophen bei ihrem Verstand (zu packen), in die Luft zu heben und sie in die Bäche der Irrtümer hinunter zu werfen, wo sie dann völlig durcheinander geraten. In ihrer kleinen Welt ist das Ego (den Philosophen) zum Götzen (taghut)geworden, so wie es die Natur in ihrer großen Welt ist.

فَمَنْ يَكْفُرْ بِالطَّاغُوتِ وَيُؤْمِنْ بِاللَّهِ فَقَدِ اسْتَمْسَكَ بِالْعُرْوَةِ الْوُثْقٰى لاَ انْفِصَامَ لَهَا وَاللَّهُ سَمِيعٌ عَلِيمٌ

{"Wer nun an die Götzen nicht glaubt, aber an Gott glaubt, der hält sich fest an dem Seil, bei dem es kein Reißen gibt. Und Gott ist der Allhörende und der Allwissende." (Sure 2, 256)}

In diesem Zusammenhang möchte ich hier kurz zusammengefasst eine innere Schau erwähnen, über die ich im "Lemeat

(Stichpunkte mit Erklärung)" in gereimter Prosa schrieb, welche die oben angeführten Wahrheiten näher beleuchten soll. Es ist dies wie folgt:

Acht Jahre vor der Abfassung dieser Abhandlung hatte ich in Istanbul im heiligen Monat Ramadan eine visionäre Schau, ein Erlebnis wie im Traum, während der alte Said, der sich noch mit philosophischen Fragen (meslek)beschäftigte und schon im Begriff war, sich in den neuen Said zu verwandeln und über die drei Wege (meslek)nachdachte, auf die am Ende der ersten Sure "Die Eröffnung (Fatiha Scherif)"mit folgenden Worten

صِرَاطَ الَّذِينَ اَنْعَمْتَ عَلَيْهِمْ غَيْرِ الْمَغْضُوبِ عَلَيْهِمْ وَلاَ الضَّآلِّينَ

{"Den Weg derer, denen Du Gnade erwiesen hast, nicht den Weg derer, die Deinem Zorn verfallen sind und die in die Irre gehen!" (Sure 1, 7)}

hingewiesen wird:

Ich sah mich in einer großen Wüste. Die ganze Erdoberfläche war mit finsteren, beklemmenden und erstickenden Wolken überzogen. Es gab weder einen Lufthauch, noch Licht, auch kein lebendiges Wasser...

Nichts dergleichen ward dort zu finden. Ich hatte die Vorstellung, als gäbe es überall Wölfe, so als wäre (die ganze Gegend) voller wilder und reißender Tiere. Da tauchte in meinem Herzen (der Gedanke) auf: Es gibt auf der anderen Seite der Welt Licht, Luft und lebendiges Wasser. Dahin muss man gehen. Ich bemerkte, wie ich ohne meinen Willen geführt wurde. Ich wurde in eine Höhle unter der Erde, wie in einen Tunnel hineingebracht. Schritt für Schritt reiste ich durch die Erde. Ich bemerkte, dass schon vor mir viele Menschen diesen unterirdischen Weg gegangen waren. Sie waren überall erstickt und liegen geblieben. Ich erkannte ihre Fußspuren. Eine Weile noch vernahm ich die Stimmen einiger von ihnen. Dann aber verstummten diese Stimmen.

Oh mein Freund, der du dich in deiner Vorstellung an meiner visionären Reise beteiligst! Diese Erde ist die Natur und die naturalistische Philosophie. Was aber den Tunnel betrifft, so ist er die Berufung derer, die mit den Meinungen der Philosophen zur Wahrheit einen Weg zu öffnen versuchen. Die Fußspuren, die ich sah, sind die solch berühmter (Männer) wie Platon und Aristoteles.

{(*): Wenn du sagst: "Wer bist du denn eigentlich, dass du solche berühmten (Leute) herausfordern könntest? Obwohl du doch nur so klein wie eine Mücke bist, bekümmerst du dich dennoch um den Flug des Adlers." Doch ich entgegnete dem: "Da ich den Qur'an als meinen urewigen Lehrmeister habe, brauche ich diesen Adlern, welche nur die Adepten einer Philosophie des Irrtums, begabt mit einem nur eingebildeten Verstand, sind, auf dem Weg zu Wahrheit und Erkenntnis noch nicht einmal so viel Wert beizumessen wie dem Flügel einer Mücke. Wenngleich ich auch tief unter ihnen stehen mag, so steht doch ihr Lehrmeister tausendfach unter meinem Lehrmeister. Durch den Beistand meines Lehrmeisters konnte die Materie, worin sie ertranken, noch nicht einmal meine Füße benetzen. In der Tat kann ein kleiner Soldat, der die Gesetze seines großen Kaisers befolgt und dessen Befehle weitergibt, noch größere Dinge vollbringen als der große Marschall eines kleinen Königs."}

Die Stimmen, die ich hörte, sind die solch genialer (Menschen) wie Avicenna und Al-Farabi. Tatsächlich bemerkte ich an einigen Plätzen noch manchmal Worte und Grundsätze von Avicenna. Doch dann hörte dies alles ganz und gar auf. Er hatte nicht weitergehen können, was heißt, dass er erstickt war. Wie dem auch immer sei: Ich habe dir einen Zipfel der Wahrheit meiner Vision gezeigt, um dich vor deiner Neugierde zu retten. Nun komme ich wieder auf meinen Reisebericht zurück.

Im Weiterschreiten bemerkte ich, dass jemand mir zwei Dinge in die Hand gab. Zum einen war es eine Taschenlampe, die die Finsternis dieser unterirdischen Natur vertrieb. Zum anderen war es ein Werkzeug, mit dem riesige Steine und gewaltige Felsbrocken, groß wie Berge zertrümmert werden konnten, um mir den Weg zu ebnen. Und man sagte mir ins Ohr: "Diese Lampe und dieses Werkzeug wurde dir aus der Schatzkammer des Qur'an gegeben." Wie dem auch sei, ich bin längere Zeit (mit diesen beiden Dingen) weiter gegangen. Plötzlich erkannte ich, dass ich das andere Ende (des Tunnels) erreicht hatte. Ich fand mich zu wunderschöner Frühlingszeit, an einem wolkenlosen Sonnentag, in einem die Seele erquickenden Lufthauch, an lebendigem, köstlichem Wasser, in einer Welt voll Frohsinn wieder. Da sagte ich: Elhamdulillah(Alles Lob gebührt Gott!). Dann bemerkte ich, dass ich nicht über mich selbst verfüge. Es gibt einen, der mich prüft. Und wieder sah ich mich in jener vorigen Situation, in der gewaltigen Wüste, unter den erstickenden Wolken. Eine Kraft trieb mich und führte mich wieder einen anderen Weg. Diesmal reiste ich nicht unter der Erde, sondern fuhr und segelte über die Erde dahin und ich fuhr weiter, um auf die andere Seite zu gelangen.

Auf dieser meiner Reise sah ich derart erstaunliche und merkwürdige Dinge, wie man sie gar nicht beschreiben kann. Das Meer wütete gegen mich. Der Sturm bedrohte mich. Alles bereitete mir Schwierigkeiten. Doch mit einem Fahrzeug, welches mir wieder aus dem Qur'an gegeben wurde, überwand ich alle diese Schwierigkeiten und

setzte meine Reise fort. Im Weiterfahren sah ich: überall fand ich Leichen von Reisenden. Es war nur einer unter tausend, der seine Reise vollenden konnte. Wie dem auch immer sei... Ich konnte mich vor diesen Wolken retten und gelangte zur anderen Seite der Erde und begegnete wieder dem schönen Sonnenschein. Ich atmete wieder die Luft und (spürte) den Hauch, der meine Seele erfrischte und sagte, Elhamdulillah(Alles Lob gebührt Gott!). Dann begann Ich mich in dieser paradiesesgleichen Welt umzuschauen. Sodann bemerkte ich: es gab dort einen, der mich dort nicht lassen wollte. Als wollte er mir noch einen anderen Weg vorstellen, brachte er mich in einem einzigen Augenblick wieder in jene fürchterliche Wüste zurück. Von oben kommend sah ich Dinge in unterschiedlichen Formen, die Fahrstühlen glichen und von denen manche wie Flugzeuge, andere wie Autos, einige wie Gondeln aussahen. Je nach Kraft und Begabung konnte man auf diese Fahrzeuge aufspringen und wurde dann von ihnen nach oben gezogen. Ich sprang auch in eines hinein und ließ mich von ihm in einer Minute bis über die Wolken hinauf tragen. Es trug mich über wunderschöne Berge in ihrem grünen Schmuck empor. Die Wolkenschicht (unter mir) reichte kaum bis zur halben Höhe des Berges. Ich bemerkte, dass in allen Richtungen die Luft überaus milde, das Wasser überaus köstlich und das Licht überaus liebliches war. Ich bemerkte, dass es überall lichterfüllte Wohnstätten gab, die diesen Fahrstühlen glichen. Zwar hatte ich sie schon während meiner beiden vorigen Reisen auf der anderen Seite der Erde wahrgenommen, es aber damals nicht verstehen können. Nun begriff ich, dass dies Erscheinungen der Wunderzeichen (Ayat)des weisen Qur'an waren.

Der erste Weg, auf den mit dem Ausdruck وَلاَ الضَّآلِّينَ {"...derer, die in die Irre gehen."}

hingewiesen wird, ist der Weg (meslek)derer, die in die Naturphilosophie hineingeraten sind und die Meinung der Naturalisten vertreten. Sie werden aber schon verspürt haben, welche Schwierigkeiten damit verbunden sind, (auf dem Wege der Philosophen) zur Wahrheit und ins Licht zu gelangen. Der zweite Weg, auf den mit dem Ausdruck غَيْرِ الْمَغْضُوبِ {"...derer, über die Du zürnst."} hingewiesen wird, ist der Weg derer, die die Ursachen anbeten und den Vermittlern Schöpfungsmacht und Einfluss zuschreiben, wie die atheistischen Philosophen, die nur mit Vernunft und Verstand einen Weg zur Wahrheit aller Wahrheiten und zur Erkenntnis des Notwendig-Seienden bahnen wollen. Der dritte Weg aber, auf den mit dem Ausdruck اَلَّذِينَ اَنْعَمْتَ عَلَيْهِمْ {"den Weg derer, denen du Gnade erwiesen hast."} hingewiesen wird, ist die leuchtende Straße der Leute des Qur'an, die die Leute des geraden Weges sind, welcher der kürzeste, angenehmste, sicherste und für jeden zugängliche, himmlische, barmherzige und leuchtende Weg ist.

Zweites Kapitel

(Die Umwandlung der kleinsten Teilchen)

Dieses Kapitel verweist auf ein Teilchen (dherre) aus dem Schatz der folgenden Ayah.

بِسْمِ اللَّهِ الرَّحْمَنِ الرَّحِيمِ ٭ وَقَالَ الَّذِينَ كَفَرُوا لاَ تَاْتِينَا السَّاعَةُ قُلْ بَلٰى وَرَبِّى لَتَاْتِيَنَّكُمْ عَالِمِ الْغَيْبِ لاَ يَعْزُبُ عَنْهُ مِثْقَالُ ذَرَّةٍ فِى السَّمٰوَاتِ وَلاَ فِى اْلاَرْضِ وَلآَ اَصْغَرُ مِنْ ذٰلِكَ وَلآَ اَكْبَرُ اِلاَّ فِى كِتَابٍ مُبِينٍ

{"Im Namen Gottes, des Erbarmers, des Barmherzigen. Und diejenigen, die ungläubig sind, sagen: Die Stunde des Gerichts wird nicht über uns kommen. Sag: Doch, bei meinem Herrn, der das Verborgene kennt, sie wird bestimmt über euch kommen. Ihm entgeht auch nicht das unwägbar kleinste Teilchen, weder in den Himmeln noch auf der Erde. Und es gibt nichts, was kleiner ist als dies, und nichts, was größer ist, das nicht in einer deutlichen Schrift verzeichnet wäre." (Sure 34, 3)}

(Dieses Kapitel behandelt aus dem riesigen Schatz dieser Ayah das unwägbar kleinste Teilchen, das heißt, den Juwel aus der Schatulle dieses kleinsten Teilchens, und befasst sich ein wenig mit der Bewegung und dem Auftrag eines Atoms. Dieses Kapitel besteht aus einer Einführung und umfasst drei Punkte.)

Einführung

Die Umwandlungen der Teilchen kommen durch Schwingungen und Frequenzen zu Stande, die entstehen, wenn der urewige Designer mit der Feder Seiner Macht die Verse des Seins in das Buch des Kosmos schreibt. Es ist jedoch nicht so, wie die Materialisten und Naturalisten sich das vorstellen, dass diese Bewegungen (der Teilchen)

ein Spiel des Zufalls, ein sinnloses Durcheinander wären. Denn das ganze Sein in allen seinen Teilchen und jedes einzelne Teilchen für sich spricht zu Beginn seiner Bewegung: Bismillah(Im Namen Gottes). Denn es trägt unendlich schwere Lasten, die seine Kräfte übersteigen; z.B. nimmt ein Same, (klein wie) ein Weizenkörnchen, die ganze Last eines riesigen Tannenbaumes auf seine Schultern. Nach der Erfüllung seines Auftrags sagt es: Elhamdulillah(Alles Lob gebührt Gott!). Denn es zeigt ein Werk, das in seiner Weisheit und Schönheit alle (Menschen) von Verstand in Begeisterung versetzt, ein zweckmäßiges und schönes Kunstwerk eines glorreichen Meisters, das einem Lobgesang (Kasside)auf Gott gleicht. Betrachte einmal als (weitere) Beispiele einen Granatapfel oder einen Maiskolben!

Die Umwandlung der einzelnen Teilchen

{(*): Diese Anmerkung bezieht sich auf den obigen langen Satz, indem die Umwandlung der kleinen Teilchen beschrieben wird.

In dem weisen Qur'an wird mehrmals von "einem Klaren Vorbild (Imam-i Mubin, Sure 36, 12)" und von "einer Klaren Schrift (Kitab-i Mubin, Sure 6, 59)" gesprochen. Ein Teil der Kommentatoren meint: "Beide bedeuten das gleiche.", ein anderer Teil hingegen: "Sie sind völlig verschieden." Ihre Aussagen über deren Bedeutung sind also verschieden. Kurz gesagt meinen sie jedoch: "Es sind Bezeichnungen für das Wissen Gottes." Mit den Segen des Qur'an kam ich zu der Überzeugung, dass mit dem Klaren Vorbild eine Art Wissen (ilm) und ein Befehl (emr) Gottes bezeichnet werden soll und sich mehr auf die unsichtbare Welt (alem-i ghaib) als auf die sichtbare Welt (alem-i schehadet) bezieht, d.h. mehr auf die Vergangenheit und die Zukunft als auf die Gegenwart. (Dieser Ausdruck) bezieht sich mehr auf die Ursprünge, die Wurzeln, die Samen und Früchte und die Nachkommen als auf die äußerliche Erscheinungsform der Dinge, bezeichnet ein Buch Seiner Vorherbestimmung. Die Existenz dieses Buches wurde bereits im 26. Wort und in einer Anmerkung des 10. Wortes bewiesen. So ist das Klare Vorbild (Imam-i Mubin) in der Tat eine Bezeichnung für eine Art Wissen und Befehl Gottes. Da die Anfänge aller Dinge, ihre Wurzeln und ihre Ursprünge alles mit einer solchen Meisterschaft und in so vollkommener Ordnung zu Ende führen, beweist auf jeden Fall, dass sie aufgrund der Prinzipien göttlichen Wissens und nach Seinem Plan bestimmt worden sind. Und da die Ergebnisse aller Dinge, die Samen und Früchte (der Pflanzen) und die Nachkommen (der Tiere) die Programme, Verzeichnisse allen künftigen Seins in sich tragen, lässt uns begreifen, dass sie Katalogen der Befehle Gottes gleichen. Man kann sagen, dass zum Beispiel ein Kern, der die Programme und Inhaltsverzeichnisse für das Wachstum eines ganzen Baumes und die Befehle des Seins (: die Naturgesetze) enthält, welche diese Inhaltsverzeichnisse und Programme bestimmen, deren winzig kleine Verkörperung ist.

Zusammenfassung:

Imam-i Mubin (das Klare Vorbild) gleicht einem Programm oder Inhaltsverzeichnis des Schöpfungsbaumes, der seine Äste und Zweige in die Vergangenheit und die Zukunft und in alle Richtungen der unsichtbaren Welt hinein ausbreitet. In diesem Sinne ist das Klare Vorbild ein Buch, eine Sammlung der Prinzipien der Vorherbestimmung Gottes. Nach der Aufzeichnung dieser Prinzipien und nach ihren Bestimmungen werden die kleinen Teilchen in den Körpern der Dinge in Dienst gestellt und ihren Funktionen zugeführt.

Was aber die Klare Schrift (Kitab-i Mubin) betrifft, so bezieht sie sich mehr auf die sichtbare als auf die unsichtbare Welt. Sie ist mehr auf die gegenwärtige Zeit, als auf die Vergangenheit oder Zukunft gerichtet. Sie ist mehr ein Heft, ein Buch, eine Bezeichnung für die Macht (qudret) und die Entscheidungsgewalt (irade) Gottes als für Sein Wissen (ilim) und Seinen Befehl (emr). Wie das Klare Vorbild (Imam-i Mubin) das Buch der Vorherbestimmung Gottes ist, so ist die Klare Schrift (Kitab-i Mubin) das Buch Seiner Macht (qudret). Das Wesen, die Eigenschaften und Begabungen im Körper eines jeden Dinges sind vollkommen kunstvoll und wohlgeordnet. Das zeigt uns, dass jedes Ding nach den Prinzipien einer vollkommenen Macht und nach den Gesetzen eines einflussreichen Entscheidungswillens mit seiner Form bekleidet wird. Seine Gestalt wird bestimmt und festgelegt. Sie bekommt ein bestimmtes Maß und eine individuelle Form. Also hat diese Macht und dieser Entscheidungswille eine umfassende, allgemeine Gesetzessammlung, ein Hauptbuch, nach dem eine geeignete Form für jedes Ding und ein ihm eigenes Aussehen zugeschnitten, geschneidert und ihm angezogen wird. Die Existenz dieses Buches ist bei der Abhandlung über das Vorherwissen (Qader) und die Entscheidungsfreiheit (djüz-i ihtiyari) wie auch die des Klaren Vorbildes (Imam-i Mubin) bewiesen. Siehe die Torheit der Gottvergessenen und der Leute des Irrweges und der Philosophen, wie sie die "Wohlverwahrte Tafel" (Lauh-i Mahfudh) der Macht des Schöpfers und die Erscheinungen, Reflexionen und Nachbildungen dieses Buches der Weisheit und des Entscheidungswillen des Herrn in den Dingen verspürten und - Gott bewahre! - mit "Natur" bezeichneten und aus dem Blickfeld gerückt haben. Also schreibt die Macht Gottes mit der Aufzeichnung des Klaren Vorbildes (Imam-i Mubin), d.h. mit der Geltung und dem Gesetz des Vorherwissens (Qader) bei der Erschaffung der Dinge die Wogen allen Seins, deren jede ein klares Zeichen ist, auf die Seite der Zeit, die die Tafel vom Aufbau und der Zerstörung (Lauh-i Mahv-Isbat) genannt wird. Sie erschafft und bringt die kleinsten Teilchen in Bewegung. Also ist die Umwandlung der kleinsten Teilchen eine Schwingung, eine Bewegung, die während dieser Aufzeichnung, dieser Niederschrift entsteht, und alles Sein geht aus der Welt des Unsichtbaren in die bezeugte Welt und aus dem Wissen (Gottes) in Seine Macht hinüber. Was die Tafel vom Aufbau und der Zerstörung (Lauh-i Mahv-Isbat) betrifft, so dient sie der verwahrten Tafel von gewaltiger Größe (Lauh-i Mahfudh-u A'zam), die beständig und fortdauernd ist, als ein Buch, eine Tafel im Bereich der Möglichkeiten, d.h. in den Dingen, die dem Tod und dem Leben, dem Dasein und dem Vergehen ständig ausgesetzt sind, was ja auch der Sinn der Zeit ist. Wie jedes Ding seine eigene Wahrheit hat, so gilt auch die Wahrheit des gewaltigen Flusses im Kosmos, den wir Zeit nennen, als Blatt und Tinte für die Niederschrift der Macht auf der Tafel vom Aufbau und der Zerstörung (Lauh-i Mahv-Isbat).

لاَ يَعْلَمُ الْغَيْبَ اِلاَّ اللَّهُ

("Niemand kennt das Verborgene außer Gott!")}

geschieht in

der Tat durch eine Bewegung, eine Schwingung, die ihre besondere Bedeutung hat und die unter den Prinzipien und der Orthographie des Klaren Vorbildes (Imam-i Mubin),das eine Bezeichnung für das Wissen (ilm)und den Befehl (emir)Gottes ist und die Quelle der Wohlordnung aller Dinge in vergangenen wie künftigen Zeiten und kommenden Geschlechtern, und aus der Klaren Schrift (Kitab-i Mubin)erwächst, die eine Bezeichnung für die Macht (qudret)und den Willen (irade)Gottes ist und sich auf die gegenwärtige Zeit und die bezeugte Welt bezieht und die Quelle für die Erschaffung aller Dinge ist, und auf der Tafel vom Aufbau und der Zerstörung (Lauh-i Mahv-Isbat),welche die Leinwand

ist, auf der die Wahrheit über den Fluss der Zeit zur Darstellung gelangt, auf der die Worte der Macht geschrieben und gezeichnet werden.

Erster Punkt:

zwei Abschnitte

Erster Abschnitt:

Bei jedem kleinsten Teilchen, sowohl bei seinen Bewegungen als auch bei seinem Stillstehen lassen zwei sonnengleiche Strahlen die Einheit (Gottes) erkennen. Denn: wenn jedes kleinste Teilchen kein Beamter Gottes wäre und sich nicht mit Seiner Erlaubnis, Lenkung und Leitung bewegte und nicht mit Seinem Wissen und Seiner Macht umwandelte,

dann müsste jedes kleinste Teilchen über ein unendliches Wissen, eine unbegrenzte Macht, ein alles sehendes Auge, ein nach allem schauendes Gesicht und über ein alles bewirkendes Wort verfügen, wie es schon im ersten Hinweis des "Zehnten Wortes" zusammengefasst und im "Zweiundzwanzigsten Wort" ausführlich bewiesen wurde. Denn: jedes kleinste Teilchen der Elemente kann im Körper eines Lebewesens perfekt arbeiten und tut das auch. Die einzelnen Dinge unterscheiden sich je nach ihrer Funktion und den Grundlagen ihres Aufbaus voneinander. Kennt man ihre Funktionsweise nicht, kann man auch nicht mit ihnen arbeiten. Arbeitet man mit ihnen, kann man es jedoch nicht fehlerfrei tun. Und doch geschieht alles fehlerfrei. Also sind diese kleinen Teilchen, die im Dienst stehen, entweder mit der Erlaubnis, auf Befehl, mit dem Wissen und der Entscheidungsgewalt dessen tätig, der über ein allumfassendes Wissen verfügt, oder aber sie müssen selbst ein allumfassendes Wissen und Macht besitzen. Und es kann in der Tat ein jedes Luftmolekül in den Körper jedes einzelnen Lebewesens,

in die Frucht jeder einzelnen Blüte, in den Bau eines jeden Blattes eintreten und dort tätig werden. Ihre Systeme sind aber voneinander verschieden und haben eine unterschiedliche Ordnung. Wenn also, angenommen, eine Fabrik, in der die Früchte eines Feigenbaumes hergestellt werden, wie eine Webmaschine aussehen würde, so sollte auch die Fabrik, in der die Früchte eines Granatapfelbaums produziert werden, wie eine Fabrik, in der Zucker hergestellt wird, aussehen, usw.... Die Programme ihres Aufbaus, ihres Körpers sind voneinander verschieden.

Jetzt tritt also ein Luftmolekül in alle diese Dinge ein, oder kann in sie eintreten, nimmt seinen Platz ein und wird mit großer Weisheit und Meisterschaft tätig. (Es arbeitet) einwandfrei und nachdem es seine Aufgabe beendet hat, steht es auf und geht wieder. So müssen also die beweglichen Moleküle der beweglichen Luft entweder alle Formen, mit der die Pflanzen und Tiere, ja sogar deren Früchte und Blüten bekleidet werden, und die Maße, kennen, nach denen sie gebildet und zugeschnitten werden... oder sie müssen Beamte sein, die unter dem Befehl und dem Willen eines Wissenden arbeiten.

Genauso ist die sesshafte Erde und sind ihre kleinsten Teilchen, die auch sesshaft sind, fähig, den Samen aller blühenden Pflanzen und der früchtetragenden Bäume als Grund und Quelle zu dienen. Welcher Same auch kommen mag: er findet in diesem Teilchen, sozusagen in einer Handvoll Erde, welche wegen ihrer Ähnlichkeit als die gleichen Teilchen gelten, eine Fabrik, die ihm gehört, und alle Geräte, die für alle seine Bedürfnisse und Bauvorhaben notwendig sind. In diesem kleinsten Teilchen und in dieser einen Handvoll Erde, die sein kleines Häuschen ist, müssen so viele wohlgeordnete, unsichtbare Maschinen und Fabriken vorhanden sein, wie es Arten von Bäumen und Pflanzen und Blüten und Früchten gibt, oder aber muss diese eine Handvoll Erde über eine wunderbare Macht, die alles aus dem Nichts zu erschaffen vermag, und über ein Wissen verfügen, das von allen Dingen

alles und jedes und alle ihre Seiten kennt. Oder aber diese Aufgaben werden auf den Befehl und mit der Erlaubnis, aus der Macht und Kraft eines absolut Allmächtigen und Allwissenden erfüllt.

Da geht ein ganz gewöhnlicher, blinder, unerfahrener und ungebildeter Mann nach Europa. Er betritt alle Fabriken und Werkstätten und arbeitet in jedem Gebäude und in allen Berufen meisterhaft und einwandfrei. Er vollbringt Werke, die in unendlichem Grade zweckmäßig und kunstvoll sind, und versetzt damit jeden in Erstaunen. Wer auch nur ein Fünkchen Verstand hat, weiß, dass dieser Mann nicht selbständig arbeitet. Vielmehr unterrichtet ihn ein Meister des gesamten Betriebes und setzt ihn an die Arbeit. Und da ist auch noch ein Mann, der blind und hilflos ist und sich nicht von seinem Platz erheben kann. Der sitzt in seiner einfachen Hütte. Und doch sehen wir, wie in diese Hütte ein kleines Steinchen oder ein Knochen oder bisschen Baumwolle und dergleichen andere Dinge hineingebracht werden, während aus dieser Hütte zentnerweise Zucker, Stoffe in Ballen, Tausende von Edelsteinen, äußerst kunstvoll zugeschnittene, geschmackvoll verzierte Kleidung und auch delikate Speisen heraus gebracht werden. Sagt dann nicht jeder, der ein bisschen Verstand besitzt: "Dieser Mann, der selber nichts hat, ist der Pförtner in einer Fabrik, die für einen wunderwirkenden Herrn den Export Seiner Wunderwerke bedient."

Genauso bewegen sich die kleinsten Teilchen der Luft und dienen in den Bäumen und in allen Pflanzen, in ihren Blüten und Früchten, welche Briefe des Einzigartigen (Samad),kostbare Kunstwerke des Herrn, Wunderwerke der Macht und einzigartige Stücke der Weisheit sind, mit dem Befehl und dem Entscheidungswillen eines Meisters, des glorreichen Herrschers, des Schöpfers, des vollkommenen Freigiebigen. Und auch die kleinsten Teilchen der Erde dienen als Beet und Pflanzgrund für die winzigen Samenkörner und Kerne der Ähren wie der Bäume, deren jede eine Maschine, ein Webstuhl, ein Drucker,

eine Schatzkammer, ein kostbares Kunstwerk und eine Bekanntmachung der Namen des glorreichen Meisters und ein Lobgedicht ist, welches Seine Vollkommenheit in verschiedenen Farben und Formen verkündet. Es ist so klar, wie zwei mal zwei vier ist, dass dies nur mit dem Befehl, der Erlaubnis, der Entscheidung und aus der Kraft eines glorreichen Meisters sein kann, der über den Befehl "Sei! Und es ist!" verfügt und dessen Befehl alle Dinge gehorchen. Daran glauben wir (Amenna)!

Zweiter Abschnitt:

Ein kurzer Hinweis auf die Aufgaben und Weisheiten, die in den Bewegungen der kleinsten Teilchen liegen.

Tatsächlich sehen die Materialisten, denen der Verstand in die Augen gerutscht ist, mit ihrer weisheitslosen Lehre, in Anbetracht ihrer Philosophie, die auf der Grundlage der Absurdität beruht, die Umwandlungen der kleinsten Teilchen als nur vom Zufall abhängig, den sie für das Grundprinzip all ihrer Gedankengänge halten und als den Ursprung aller Kunstwerke Gottes erklären. Was für ein Unverstand es ist, die Kunstwerke, geschmückt mit unendlich vielen Weisheiten, einem Wirrwarr von einem Etwas ohne Weisheit und Bedeutung zuzuschreiben, weiß ein jeder, der auch nur ein Fünkchen Verstand besitzt.

Vom Blickpunkt der Weisheit des weisen Qur'an findet sich in der Umwandlung der kleinen Teilchen ihre Aufgabe und liegt darin sehr viel von ihrem Sinn und Zweck und ihrer Bedeutung. Er weist mit vielen Versen wie

وَاِنْ مِنْ شَىْءٍ اِلاَّ يُسَبِّحُ بِحَمْدِهِ

{"Und kein Ding ist, das Ihn nicht in Dankbarkeit lobpreist." (Sure 17,44)}

darauf hin, dass (in den Dingen) eine Weisheit (liegt) und sie ihre Aufgabe (haben). Hier wollen wir nur auf einige von ihnen als Beispiele hinweisen.

Erstens:

Der Herr, der Notwendig-Seiende macht jede einzelne Seele wie ein Modell, an dem in Erscheinung tritt, was Er aus dem Nichts erschafft und immer wieder erneuert. Er, der glorreiche Schöpfer setzt mit Seiner Macht die kleinsten Teilchen in Bewegung und beauftragt sie damit, jedes Jahr den Wunderwerken Seiner Macht einen neuen Körper anzuziehen, aus jedem einzelnen Buch tausend verschiedene Bücher Seiner Weisheit abzuschreiben, eine einzige Wahrheit in vielen verschiedenen Formen zu zeigen, für die Schöpfungen, Welten und alles Dasein, die Schar um Schar hintereinander kommen, Platz zu machen und den Boden für sie vorzubereiten.

Zweitens:

Der glorreiche Herrscher über allen Besitz erschuf diese Welt, besonders den Acker dieser Erde als Sein Besitztum. Das heißt, Er gab ihr die Fähigkeit, eine Pflanzenwelt wachsen zu lassen und immer wieder frisch und neu Ernten hervorzubringen, um so (auf Seiner Erde) unendlich viele Wunderwerke Seiner Macht säen und ernten zu können. So bringt Er denn in Seinem Acker auf dieser Erde die kleinsten Teilchen mit Weisheit in Bewegung, lässt sie nach Seiner Ordnung arbeiten und führt immer wieder neue Welten in jedem Jahrhundert, in jeder Jahreszeit, in jedem Monat, ja sogar an jedem Tag, ja sogar in jeder Stunde als Wunderwerk Seiner Macht vor und lässt den Garten der Erde ganz verschiedene Ernten hervorbringen. Er bringt Geschenke aus der Schatzkammer Seiner unendlichen Barmherzigkeit und Musterstücke Seiner unendlichen Macht durch die Umwandlungen dieser kleinsten Teilchen in Erscheinung.

Drittens:

Während Er die Ornamente der Erscheinungen Seiner göttlichen Namen vorführt, um den Erscheinungen dieser Namen Ausdruck zu verleihen, werden auf der begrenzten Erde grenzenlos viele Ornamente gezeigt. Um auf ein kleines Blatt unendlich viele Verse zu schreiben, um unbegrenzte Bedeutungen auszudrücken, bringt der urewige Designer die kleinsten Teilchen mit vollkommener Weisheit in Bewegung und lässt sie wohlgeordnet arbeiten.

In der Tat ist die Ernte des vergangenen Jahres von ihrem Wesen her gleich mit der dieses Jahres, doch ist ihre Bedeutung verschieden. Wenn sich der unsichtbare Tatbestand ändert, ändert sich auch ihre Bedeutung und entfaltet sich. Obwohl sich der unsichtbare Tatbestand und der vorübergehend sichtbar werdende Körper (z.B. das Laub) verändert und äußerlich vergänglich ist, wird doch die Bedeutung ihrer Schönheit gespeichert, bleibt sie unveränderlich und beständig. Eines Baumes Blätter, Blüten und Früchte vom vergangenen Frühling, die keine Seele (ruh)haben, sind ihren Nachbildungen dieses Frühlings wirklich gleich. Nur in ihrer unsichtbaren Form (in unserer Erinnerung) unterscheiden sie sich voneinander. Was aber diese unsichtbare Form betrifft, so ist in diesem Frühling eine neue Form an ihre Stelle getreten, um den Bedeutungen der Eigenschaften der göttlichen Namen Ausdruck zu verleihen, deren Erscheinungen sich jedes Mal (im Frühling) wieder zu erneuern.

Viertens:

Um für die unendlich weiten Welten der Engel und für die wie unsere Traumwelt unbegrenzten anderen jenseitigen Welten Ernten, Schmuck und Werkzeuge und dergleichen dort geeigneten Dinge zu erzeugen, setzt der glorreiche Herrscher in diesem schmalen Acker der Erde, an der Werkbank und dem Feld der Erdoberfläche die kleinen Teilchen in Bewegung. Er macht die ganze Welt zu einem Ozean und lässt alles Sein wie Fahrzeuge über ihn dahin ziehen. So zieht Er auch auf dieser kleinen Erde für jene unendlich großen (jenseitigen) Welten sehr viele unsichtbare Dinge heran. Aus der unendlichen Schatzkammer Seiner Macht lässt Er einen grenzenlosen Fluss aus der Erde quellen und in die Welt des Verborgenen und einen Teil auch in die jenseitigen Welten strömen.

Fünftens:

Um die unendliche Vollkommenheit Seiner Gottheit, grenzenlose Erscheinungen Seiner Schönheit, unendlich viele Erscheinungen Seiner Größe (djelal)und zahllose Lobpreisungen Seiner Herrschaft in dieser kleinen, begrenzten Erde, in einer begrenzten und knappen Zeit zu zeigen, bringt Er die kleinen Teilchen durch Seine

Macht in vollkommener Zweckmäßigkeit in Bewegung und lässt sie wohlgeordnet arbeiten. So lässt Er in einer begrenzten Zeit auf einer begrenzten Erde einen unbegrenzten Gottesdienst (tesbihat)veranstalten. Er zeigt die grenzenlosen Erscheinungen Seiner Schönheit (Djemal),Größe (Djelal)und Vollkommenheit (Kemal).So bringt Er viele Wahrheiten aus dem Verborgenen, viele Früchte des Jenseits, sehr viele Stickereien und bedeutungsvolle Webmuster der ewigen Urbilder und Formen für die vergängliche Welt ins Dasein. Das heißt also, dass derjenige, der die kleinen Teilchen in Bewegung setzt, der Herr ist, der diese gewaltigen Ziele verwirklicht und dabei diese großen Weisheiten zum Ausdruck bringt. Sonst müsste sich in einem jedem kleinsten Teilchen ein Gehirn (von der Ausstrahlungskraft) der Sonne befinden.

So werden denn die kleinen Teilchen, diesen fünf Beispielen entsprechend in Weisheit, ja vielleicht fünftausend Weisheiten, in Bewegung gesetzt, welche jedoch jene unverständigen Philosophen gar nicht für weise halten, vielmehr fälschlicherweise annehmen, diese kleinen Teilchen würden ganz für sich alleine wie Betrunkene umher torkeln, wo sie sich doch in Wirklichkeit wie ein Mevlevi-Dervish ekstatisch im Tanze drehen und Gottes gedenken (dhikr)und Ihn lobpreisen (tesbih).

So versteht sich denn aus dem oben gesagten, dass ihre Kenntnisse keine wahren Erkenntnisse sind, sondern Unvernunft, und ihre Weisheit Unverstand.

(In dem folgenden dritten Punkt werden wir noch eine "sechste Weisheit" erwähnen, die jedoch etwas umfangreicher ist.)

Zweiter Punkt:

In jedem kleinsten Teilchen finden sich zwei zuverlässige Zeugnisse für die Existenz und Einheit des Notwendig-Seienden. In der Tat legt ein kleines Teilchen für die Existenz des Notwendig-Seienden dadurch Zeugnis ab, dass es große Lasten emporhebt und große Aufgaben erfüllt, als hätte es ein Bewusstsein, obwohl es doch nur (ein Stückchen) tote Materie ist, genauso wie es auch für die Allgegenwart des Notwendig-Seienden Zeugnis ablegt,

für die Einheit des Herrn, der über das Reich aller sichtbaren und aller unsichtbaren Dinge herrscht, indem es sich bei seinen Bewegungen der allgemeinen Ordnung entsprechend verhält und an jedem Ort, wo es eintrifft, auf die jeweiligen dortigen Anordnungen achtet und sich an jedem Platz niederlässt, als wäre er seine Heimat. Das heißt, wem dieses kleine Teilchen gehört, dem gehören auch alle Gebiete, die dieses kleine Teilchen durchwandert. Da eines dieser kleinen Teilchen schwach, seine Last aber unendlich schwer ist und seine Aufgaben unendlich viele sind, macht es uns also klar, dass es im Namen und Auftrag des absolut Mächtigen einen Rückhalt hat und sich in Ihm bewegt. Des Weiteren hält es die allgemeine Anordnung im Kosmos ein, als hätte es sie schon zuvor gekannt, und tritt überall ungehindert ein. Das zeigt, dass es durch die Macht und Weisheit des einen absoluten Wissenden tätig ist.

So wie ein Soldat mit seinem Zug, seiner Kompanie, seinem Bataillon, seiner Division, seiner Armee, seinem Heer usw. in Verbindung steht, so hat er in der Tat entsprechend seiner Verbindung auch eine Funktion in allen Heeresgruppen und insoweit er diese Verbindungen und Aufgaben kennt, kann er sich auch entsprechend verhalten, wenn er in den militärischen Anordnungen geübt ist und darin ausgebildet wurde, wobei er sich den Befehlen und Anordnungen eines einzigen Oberkommandierenden unterwirft, der über alle diese Heeresgruppen das Kommando führt.

Genauso hat auch jedes kleinste Teilchen in den ineinander verschachtelten Zusammensetzungen seinen ihm entsprechenden Platz, seine unterschiedlichen, zweckmäßigen Verbindungen, seine ganz verschieden angeordneten Aufgaben mit unterschiedlichen Folgen und einer ebenso unterschiedlichen, weisen Zweckmäßigkeit. Diese Teilchen in einer solchen Zusammensetzung in der Weise zu platzieren, dass es den Umständen entsprechend seine Aufgaben erledigt, ohne dabei das Ergebnis und seine Weisheit zu stören, ist mit Sicherheit einem

Herrn zuzuschreiben, der den ganzen Kosmos unter der Macht Seiner Lenkung und Leitung führt. Ein kleines Teilchen, das zum Beispiel im Augapfel von Tevfik {(*): Er war der erste Schreiber unter den Nur-Schülern.} seinen Platz hat, fügt sich entsprechend den Reflex- und Gefühlsnerven und den Adern, wie Venen und Arterien ein. Es hat sein Verhältnis, zuerst zum Gesicht, dann zum ganzen Kopf und zum Rumpf, und schließlich zum ganzen Leib des Menschen. Es steht mit allen Körperteilen in Verbindung und hat in Beziehung zu allen und in vollkommener Zweckmäßigkeit seine Aufgabe und seinen Nutzen. Das zeigt uns, dass nur derjenige, der alle Glieder dieses Körpers ins Dasein brachte, dieses kleine Teilchen an seinem richtigen Platz einsetzen kann. Besonders jene kleinen Teilchen, die mit der Nahrung zur Versorgung gekommen sind, diese Teilchen, die mit der Schar der Nahrungsmittel segeln und reisen, segeln und reisen in einer ganz erstaunlichen Wohlordnung, sie kommen und gehen mit einer Zielstrebigkeit und in ihrer Liebe zur Ordnung in einer solchen Haltung, tun ihre Schritte bewusst, ohne sich zu irren und gelangen so an ihren Platz. Sie werden im Körper eines Lebewesens durch vier Siebe gesiebt und auf die roten Blutkörperchen aufgeladen und eilen den bedürftigen Organen und Zellen nach dem Gesetz der Freigebigkeit zu Hilfe. Daraus wird ganz offensichtlich verständlich, dass derjenige, der diese kleinen Teilchen an Tausende verschiedener Wohnstätten führt und leitet, mit aller Sicherheit derjenige ist, der der freigiebige Versorger, der barmherzige Schöpfer ist, vor Dessen Macht diese kleinen Teilchen wie die (größten) Sterne als Gleiche Schulter an Schulter stehen.

Des Weiteren arbeitet jedes einzelne kleine Teilchen in einem solch kunstvollen Ornament, dass es entweder dazu in der Lage ist, mit allen Teilchen in Verbindung zu stehen und über jedes einzelne von ihnen und alle gemeinsam sowohl zu herrschen, als auch von ihnen beherrscht zu werden und dass es dieses erstaunlich kunstvolle

Ornament und dieses zweckmäßig ausgestaltete Kunstwerk kennt und ins Dasein ruft, was aber tausendfach unmöglich ist, oder aber: es ist ein Punkt, der aus der Feder der Macht des allweisen Meisters hervor tritt und sich im Auftrag und nach dem Gesetz Seiner Bestimmung bewegt.

Zum Beispiel:

Wenn die Steine der Kuppel der Hagia Sophia nicht dem Befehl und der Baukunst eines Baumeisters unterständen, dann müssten sie selber, wie der Architekt Sinan, hochbegabte Baumeister sein und von den anderen Steinen sowohl beherrscht werden, als auch über sie herrschen, also gewissermaßen befehlen können, indem sie sagen: "Kommt, wollen wir uns Kopf an Kopf aneinander legen, damit wir nicht hinunterfallen!" Genauso müsste man auch jedem kleinen Teilchen eines Kunstwerkes, welches noch tausendfach kunstvoller, erstaunlicher und zweckmäßiger ist als die Kuppel der Hagia Sophia, so es denn nicht den Befehlen des Baumeisters dieses Kosmos folgen sollte, so viele vollkommene Eigenschaften zuschreiben, wie sie der Baumeister des Kosmos hat.

Gepriesen seist Du, oh Gott! Da die verbohrten Materialisten den einen Notwendig-Seienden nicht annehmen wollen, müssen sie ihrer Schule (mesheb)entsprechend so viele falsche Götter annehmen, wie es solche kleinen Teilchen gibt. In dieser Hinsicht befindet sich also ein Ungläubiger, der als Philosoph doch ein gebildeter (Mensch) sein sollte, in unendlichem Grade in einer gewaltigen, tiefen Torheit und ist ein vollkommener Tor.

Dritter Punkt:

Dieser Abschnitt ist nun der Hinweis auf die sechste große Weisheit, den ich bereits am Ende des ersten Punktes versprochen hatte. Es ist dies wie folgt:

In der Anmerkung zur Antwort auf die zweite Frage des "Achtundzwanzigsten Wortes" wurde gesagt: Es ist eine unter Tausenden von Weisheiten, die in den Umwandlungen der kleinsten Teilchen und in ihren Bewegungen in den lebendigen Körpern liegen, diesen kleinen Teilchen Leuchtkraft zu verleihen, sie zu verlebendigen und ihnen einen Sinn zu geben, damit sie sich als Bauelemente für den Aufbau der jenseitigen Welt qualifizieren können.

Es ist, als wären die Körper der Menschen und Tiere, ja sogar die der Pflanzen ein Gasthaus, eine Kaserne, eine Schule für diejenigen, die kommen, um eine Ausbildung zu erhalten, sodass diese leblosen kleinen Teilchen in sie eintreten und Leuchtkraft erlangen können. Sie erhalten Unterricht, werden unterwiesen in Kultur und Bildung. Jedes einzelne Teilchen versieht seine Aufgabe und qualifiziert sich, ein Teilchen in der ewigen Welt zu werden, der jenseitigen Welt, die in allen ihren Teilchen lebendig ist.

Frage:

Woran erkennt man diese Weisheit, die wir in den Bewegungen dieser kleinen Teilchen finden?

Antwort:

Erstens:

Man erkennt sie an der Weisheit des Schöpfers, die der Wohlordnung und Zweckmäßigkeit der ganzen Schöpfung zu Grunde liegt. Denn die Weisheit, die so ein kleines Teilchen als Ganzes erfüllt, lässt die Bewegungen solcher kleinen Teilchen nicht ohne jene Weisheit allein, die im Strom der Schöpfung eine überaus große Aktivität entfalten und die Quelle all ihres sinnreichen Schmuckes sind. Eine Weisheit, eine Herrschaft (hikmet ve hakimiyyet),die auch das kleinste Geschöpf nicht ohne seinen Lohn, ohne Gehalt, ohne Würde lässt, lässt auch die große Zahl ihrer angestammten Beamten und Diener nicht ohne Licht und Führung.

Zweitens:

Wenn der allweise Schöpfer die (vier Ur)-Elemente in Bewegung versetzt, ihnen ihre Aufgabe gibt und (ihnen als Lohn entsprechend ihrer Würde) auf die Stufe der Mineralwelt erhebt und sie in Gebeten unterweist, wie sie den Mineralien zu Eigen sind, und wenn Er dann die Mineralien in Bewegung versetzt, ihnen ihre Aufgabe gibt, sie in den Rang (maqam)der Pflanzenwelt, auf die Stufe des Lebendigen erhebt und wenn Er dann die Pflanzen als Nahrungsmittel in Bewegung versetzt, ihnen ihre Aufgabe gibt und sie so in der Tierwelt mit der Stufe eines fühlenden (Wesens) beschenkt, und wenn Er dann den Zellen, den Molekülen (dherrat)der Tiere ihre Aufgabe gibt und sie auf dem Wege der Versorgung auf

die Stufe der Menschenwelt emporhebt, und wenn Er dann diese Zellen, diese Moleküle im menschlichen Körper reinigt und verfeinert, sie immer wieder sichtet und siebt, bis Er endlich ihnen in dem so äußerst empfindsamen und feinfühligen Gehirn und im Herzen ihren Platz anweist, so erkennt man daraus, dass die Bewegungen der kleinsten Teilchen (der Zellen, Moleküle, Atome) nicht sinnlos sind, dass sie vielmehr so einer Art Vervollkommnung entgegen geführt werden, wie sie ihnen entspricht.

Drittens:

Unter den kleinsten Teilchen lebendiger Körper erreichen einige, (die Gene) in den Samenkernen und Körnern eine solch geistige Ausstrahlung, eine Erlesenheit, eine quantitative Besonderheit, dass sie als der Geist für einen riesig großen Baum und König über alle anderen Teilchen gelten können. Da nun einige Gene unter den kleinen Teilchen eines riesigen Baumes nur dadurch zu dieser Stufe empor gelangen können, dass sie in den verschiedenen Lebensabschnitten dieses Baumes viele Phasen durchlaufen und dabei die diffizilsten Aufgaben versehen, zeigt sich uns also, dass sie auf Befehl des allweisen Meisters (einerseits und zugleich) im Auftrag und zur Ehre der Namen (Gottes), die (nun andererseits) in ihrem von Natur aus gegebenen Aufgaben der Art der Bewegung dieser Teilchen entsprechend in Erscheinung treten, ihre geistige Feinheit, ein geistiges Licht, einen gewissen Rang (maqam)und geistige Unterweisung erhalten.

Zusammenfassung:

Da nun einmal der allweise Meister für jedes Ding einen Gipfel der ihm entsprechenden Vervollkommnung und die ihm gebührende Freude in seiner Daseinsstufe bestimmt und ihm die Fähigkeit gibt, sich anzustrengen, zu diesem Gipfel der Vervollkommnung empor zu gelangen, führt Er es in diese Richtung. Dieses Gesetz der Göttlichen Herrschaft (Rububiyyet)hat bei allen Pflanzen und Tieren seine Gültigkeit, ja sogar in der unbelebten Natur, sodass Er ganz gewöhnlichen Sand auf die Stufe eines Edelsteines, eines kostbaren Juwels emporhebt. In dieser Tatsache können wir den Leitfaden des Gesetzes allgewaltiger Göttlicher Herrschaft erblicken.

Des Weiteren gibt der freigiebige Schöpfer (Haliq-i Kerim)den Tieren, die Er unter das allgewaltige Gesetz der Vermehrung gestellt hat, als Lohn einen ihm eigenen Genuss. Er schenkt Tieren, wie Biene oder Nachtigall, als Lohn für ihre Dienste (im Auftrage ihres) Herrn Vollkommenheit als Lohn. Er verleiht ihnen ihren Rang (maqam)als Quellgrund zu ihrem Genuss für ihre Begeisterung und darin erscheint der Leitfaden zum Gesetz einer allumfassenden Freigiebigkeit.

Was nun das Wesen (haqiqat)jedes einzelnen Dinges betrifft, so handelt es sich dabei um die Erscheinung eines Namens Gottes des Gerechten, ist an ihn gebunden und dient ihm als Spiegel. Welch schöne Form auch immer dieses Ding annehmen mag: es dient damit der Ehre des Namens Gottes und so will es dieser Name. Ob dieses Ding sich nun dessen bewusst sein mag oder nicht, so ist doch in Wahrheit diese seine schöne Form erwünscht und dieser Wahrheit entsprechend wird hier der Leitfaden zum Gesetz einer allumfassenden Schönheit und Vollkommenheit sichtbar.

Des Weiteren nimmt der freigiebige Schöpfer einen Rang (maqam)oder eine Vollendung, die Er einem Ding als ein Erfordernis des Gesetzes Seiner Freigiebigkeit verliehen hat, nachdem dessen Lebenszeit abgelaufen, beendigt ist, nicht wieder zurück. Vielmehr verleiht Er den Früchten, den Ergebnissen, den Merkmalen, der Bedeutung des Trägers der Vollkommenheit, und insoweit es sich dabei um ein beseeltes Wesen handelt, seinem Geist (ruh)die Beständigkeit. So verleiht Er z.B. dem, (was in seinem Leben von) Bedeutung war, seinen Früchten, seiner Reife (kemalat),die er erlangt hat, Beständigkeit. Ja, Er lässt sogar eine vergängliche Frucht, die ein dankbarer Gläubiger gegessen hat, wegen dessen Danksagungen und Lobpreisungen sich als Frucht im Paradies wieder verkörpern und schenkt sie ihm aufs Neue. Und in dieser Wahrheit wird der Leitfaden zum Gesetz einer allumfassenden Barmherzigekeit sichtbar.

Des Weiteren verschwendet der einzigartige Schöpfer nichts und nichts, was er tut, ist sinnlos. Ja selbst für die stofflichen Überreste Seiner Geschöpfe, die im Herbst ihre Aufgaben beendet haben, hat Er für Seine Kunstwerke im Frühling wieder Verwendung. Er setzt sie in deren Gebilde wieder ein. Dem tiefen Sinn von

يَوْمَ تُبَدَّلُ اْلاَرْضُ غَيْرَ اْلاَرْضِ

{"Am Tag, da die Welt gegen eine andere Welt eingetauscht wird,..." (Sure 14, 48)}

und entsprechend dem Hinweis von

وَاِنَّ الدَّارَ اْلاٰخِرَةَ لَهِىَ الْحَيَوَانُ

{"Und es ist in der Tat das Haus des Jenseits von Leben erfüllt." (Sure 29, 64)}

ist es mit Sicherheit ein Erfordernis der Weisheit, dass die kleinsten Teilchen der Erde, welche in dieser Welt ohne Leben und Bewusstsein sind und dennoch wichtige Aufgaben versehen, in einem Teil der Gebilde im Jenseits, in dem Steine, Bäume und alles, was es da gibt, von Leben und Bewusstsein erfüllt sind, wieder eingesetzt und verwendet werden. Denn die nach der Zerstörung der Welt übrig gebliebenen Atome in dieser Welt zurück zu lassen oder in der Vernichtung anheim zu geben, wäre Verschwendung. Und in dieser Wahrheit wird der Leitfaden des Gesetzes einer allumfassenden Weisheit sichtbar.

Des Weiteren werden sehr viele Kunstwerke und geistige Werte, Früchte dieser Welt und Gewebe aus guten Werke verantwortungsbewusster Menschen und Dschinnen und die Logbücher ihrer Handlungen, ihre Leiber und Seelen auf den Markt des Jenseits gesandt. Sicherlich haben die Atome dieser Welt ihren Früchten und dem, was sie bedeuten, gedient und sie auf ihrem Weg begleitet. Nachdem diese kleinsten Teilchen sich hinsichtlich

ihrer Aufgaben ihrem Wesen entsprechend vervollkommnet haben, d.h. nachdem sie dem Licht des Lebens vielmals gedient und es ausgestrahlt haben und ein Brunnen der Lobpreisungen alles Lebendigen gewesen waren, ist es ein Erfordernis der Gerechtigkeit und der Weisheit, sie aus den Ruinen unserer zerstörten Erde herauszulösen und für den Aufbau einer (neuen), jenseitigen Welt wieder einzusetzen. In dieser Wahrheit wird der Leitfaden zum Gesetz einer allumfassenden Gerechtigkeit sichtbar.

Des Weiteren herrscht der Geist über den Körper und so herrschen auch die Seinsbefehle (die Naturgesetze), die durch Qader(Gottes Vorherbestimmung) der leblosen Materie eingeschrieben sind, über die Materie. Diese Materie kann nur nach der verborgenen Schrift der Vorherbestimmung Gottes ihren ordnungsgemäßen Platz einnehmen. Zum Beispiel nehmen (die Moleküle) in den verschiedenen Sorten von Eiern, Spermien, Kernen und Körnern entsprechend den Naturgesetzen, die die Vorherbestimmung Gottes für jedes (von ihnen) im besonderen vorgezeichnet hat, einen eigenen Platz ein, für den sie wie ein Licht (qualifiziert) sind. Diese Moleküle, deren Struktur

{(*): Alle diese Dinge bestehen in der Tat aus vier Elementen. Sie setzen sich aus Wasserstoff, Sauerstoff, Stickstoff, Kohlenstoff und dergleichen anderen Elementen zusammen. Sie ähneln einander in ihrer molekularen Struktur und atomaren Zusammensetzung, unterscheiden sich aber von einander durch die in ihnen verborgene Schrift der Vorherbestimmung Gottes.}

materiell gesehen gleich ist, dienen als Quelle zahlloser verschiedener Daseinsformen. Jedes von ihnen nimmt seinen eigenen Rang (maqam)ein und ist in sich Träger eines (eigenen verborgenen) Lichts. Sicherlich stehen auf der Stirn eines Atoms (dherre),das vielmals im Dienst der Lebewesen und den Lobpreisungen des Herrn des Lebens beteiligt war und gedient hatte, unsichtbar die Weisheiten mit der Feder der Vorherbestimmung Gottes aufgezeichnet, die nichts verloren gehen lässt, so wie es Sein allumfassendes Wissens erfordert. Und darin erkennt man den Leitfaden zum Gesetz eines allumfassenden und überstrahlenden Wissens.

Demnach sind also diese kleinsten Teilchen

{(*): Dieser Satz verweist als eine Antwort auf die sieben "madem" (des Weiteren...) zu Beginn eines jeden der vorangegangenen Absätze.}

nicht führerlos sich selbst überlassen.

Ein Wort zum Schluss:

Hinter jedem dieser nun sichtbar gewordenen Leitfäden zu sehr vielen allumfassenden Gesetzen, nämlich den oben erwähnten sieben Gesetzen, d.h. dem Gesetz der Herrschaft (Gottes), dem Gesetz der Freigiebigkeit, dem Gesetz der Schönheit und Vollkommenheit, dem Gesetz der Barmherzigkeit, dem Gesetz der Weisheit, dem Gesetz der Gerechtigkeit, dem Gesetz des allumfassenden Wissens, erscheint ein Gewaltiger Name und die Gewaltige Erscheinung dieses Gewaltigen Namens. Durch diese Erscheinung wird es verständlich, dass sich auch die kleinsten Teilchen in dieser Welt (in der ständigen Bewegung) ihrer Umwandlungen genauso wie alle anderen Daseinsformen entlang der Schiene, die die Vorherbestimmung einer überaus hohen Weisheit vorgegeben hat, den Befehlen des Seins entsprechend, die die Macht erteilt, und entsprechend der hochempfindlichen Waage Seines Wissens bewegen. Es ist, als ob sie sich darauf vorbereiteten, in eine andere, höhere Welt hinüber zu gehen.

{(*): Denn: Wir bezeugen die Tätigkeit eines überaus Freigiebigen, wie Er über diese Welt einer dichten, niederen (Materie) überall das Licht des Lebens ausgießt und entzündet, ja sogar in den primitivsten Dingen und aus den übelriechenden Körpern überall das Licht eines neuen Lebens entflammt, wie Er (alle diese) Dinge aus einer dichten, niederen Materie im Lichte des Lebens hell und klar erscheinen lässt, was geradezu offensichtlich darauf hinweist, dass Er um einer anderen überaus anmutigen, hohen, reinen und lebendigen Welt willen die Welt dieser dichten, unbelebten (Materie) durch die Bewegungen ihrer Atome im Lichte des Lebens hell und klar erscheinen lässt und (in ihm) verschönt. Es ist, als wolle Er sie schmücken, um sie in eine (andere), feinstoffliche Welt zu transferieren. Wenn also diese Männer in ihrem begrenzten Vorstellungsvermögen die Wiederauferstehung des Menschen für völlig unverständlich erachten, im Lichte des Qur'an schauen könnten, dann würden sie wahrnehmen, wie sich ihnen das Gesetz der Beständigkeit zeigt, welches so umfassend ist, dass es alle Atome einem Heer gleich wieder auferstehen lassen kann und unter dem (Allah) sie lenkt und leitet, so wie auch wir das selbst bezeugen können.}

Demnach ist also jeder lebendige Körper für diese wandernden kleinsten Teilchen wie eine Schule, ein Kasernenhof oder ein Haus, wo sie ihre Erziehung genießen. Und dass dies so ist, lässt sich mit einer zuverlässigen innerlichen Wahrnehmung erkennen

Zusammenfassung:

Wie bereits im "Ersten Wort" gesagt und bewiesen wurde, spricht alles ein Bismillah (Im Namen Gottes). So bringt denn alles Sein, wie jedes Atom, jedes Molekül und jedes Organ unausgesprochen schon durch sein bloßes Dasein (hal)ein Bismillah (Im Namen Gottes) zum Ausdruck, agiert und reagiert demgemäß. In der Tat sagt jedes Atom entsprechend dem Geheimnis der oben angeführten drei Punkte zu Beginn einer jeden Reaktion durch sein Dasein unausgesprochen

بِسْمِ اللَّهِ الرَّحْمَنِ الرَّحِيمِ

{"Im Namen Gottes, des Erbarmers, des Barmherzigen."}

Das heißt: "Ich agiere und reagiere im Namen Gottes, in Seinem Auftrag, zu Seiner Ehre, mit Seiner Erlaubnis und durch Seine Macht." Später bringt gleich jedem Kunstwerk auch ein jedes Atom, jedes Molekül sowie ein jedes Kunstwerk am Ende eines solchen Prozesses mit seinem Dasein unausgesprochen zum Ausdruck:

اَلْحَمْدُ ِللَّهِ رَبِّ الْعَالَمِينَ

{"Alles Lob, Dank und Preis gebührt dem Herrn der Welten!"}

sodass es sich im Schmuck eines kunstvoll gestalteten Geschöpfes, welches einer Kasside (einem Lobgedicht)

gleicht, als eine winzig kleine Federspitze (in der Hand) der Macht (Gottes) erweist, oder auch jedes von ihnen wie die Nadelspitze eines großartigen Plattenspielers des Herrn. Dieser Plattenspieler hat zahllose Tonarme, die sich über Seinen Kunstwerken drehen, von denen jedes einer Schallplatte gleicht, und bringt diese Kunstwerke zum Sprechen, indem er Lobgedichte und Gesänge zu Gottes Preis vorträgt.

دَعْوٰيهُمْ فِيهَا سُبْحَانَكَ اللّٰهُمَّ وَتَحِيَّتُهُمْ فِيهَا سَلاَمٌ وَاٰخِرُ دَعْوٰيهُمْ اَنِ الْحَمْدُ ِللَّهِ رَبِّ الْعَالَمِينَ

{"Sie rufen, wenn sie darin eintreten, aus: Gepriesen seist Du, oh Gott! Und werden mit "Friede" begrüßt. Und sie schließen ihrerseits mit dem Ausruf: Lob sei Gott dem Herrn aller Welten!" (Sure 10, 10)}

سُبْحَانَكَ لاَعِلْمَ لَنآَ اِلاَّ مَاعَلَّمْتَنَآ اِنَّكَ اَنْتَ الْعَلِيمُ الْحَكِيمُ

{"Gepriesen seist Du! Wir haben kein Wissen, außer dem, das Du uns gelehrt hast. Denn Du bist der Allwissende, der Allweise." (Sure 2, 32)}

رَبَنَّا لاَ تُزِغْ قُلُوبَنَا بَعْدَ اِذْ هَدَيْتَنَا وَهَبْ لَنَا مِنْ لَدُنْكَ رَحْمَةً اِنَّكَ اَنْتَ الْوَهَّابُ

{"Oh Herr, lass unser Herz nicht mehr irren, nachdem Du uns auf den rechten Weg geleitet hast und schenke uns Deine Barmherzigkeit, denn Du bist ja der Gnadenspender." (Sure 3, 8)}

اَللّٰهُمَّ صَلِّ عَلٰى سَيِّدِنَا مُحَمَّدٍ صَلاَةً تَكُونُ لَكَ رِضَآءً وَلِحَقِّهِ اَدَاءً وَعَلٰٓى اٰلِهِ وَصَحْبِهِ وَاِخْوَانِهِ وَسَلِّمْ ٭ وَسَلِّمْنَا وَسَلِّمْ دِينَنَا، اٰمِينَ يَا رَبَّ الْعَالَمِينَ

{"Oh Gott, schenke Friede und Segen unseren Herrn Mohammed! Möge Dir sein Gebet wohlgefällig sein, das er Dir in Aufrichtigkeit darbringt! Segne ihn, seine Familie, seine Gefährten, seine Mitbrüder! Segne uns und segne ihn und unseren Glauben! Amen. Oh Herr der Welten!"}

Einunddreißigstes Wort

Es ist dies eine Abhandlung über die Himmelfahrt (Mi'radj) des Propheten, mit dem Friede und Segen sei.

Anmerkung:

Der Glaube an die Himmelfahrt ist das Resultat, das sich ergibt, nachdem man sich über die Glaubenspfeiler vergewissert hat und ist ein Licht, das von den Lichtern der Glaubenspfeiler her Hilfe erhält. Den bewusst Ungläubigen kann sicherlich nicht mit Gewissheit bewiesen werden. Mit Leuten, die von Gott nichts wissen, den Propheten nicht kennen und auch die Engel nicht anerkennen, welche nicht an die Himmel glauben, kann man nicht über die Himmelfahrt sprechen. Man muss ihnen zuerst diese Grundpfeiler beweisen. Deshalb wollen wir uns hierzu einen Gläubigen, der sich die Himmelfahrt nicht vorstellen kann und über sie in Zweifel gerät, als Gesprächspartner vorstellen und an ihn unsere Erläuterungen richten. Dabei wollen wir ab und zu auch einen Ungläubigen, der dabei zuhört, mit in Betracht ziehen und auch ihn dabei ansprechen. In einigen Abhandlungen (Sözler)wurden bereits einige Tatsachen über die Himmelfahrt kurz gestreift und beleuchtet (Lem'alar).Aufgrund dringender Bitten meiner Mitbrüder haben wir Gott um Seine Gnade gebeten, diese verschiedenen Lichter (Lem'alar)mit dem Urgrund der Wahrheit zusammenzuführen und sie uns zu einem Spiegel zu machen, worin man die Schönheit der Vollkommenheit Ahmeds (: Mohammeds, mit dem Friede und Segen sei) mit einem Blick erfassen kann.

بِسْمِ اللَّهِ الرَّحْمَنِ الرَّحِيمِ ٭ سُبْحَانَ الَّذِىٓ اَسْرٰى بِعَبْدِهِ لَيْلاً مِنَ الْمَسْجِدِ الْحَرَامِ اِلَى الْمَسْجِدِ اْلاَقْصَا الَّذِى بَارَكْنَا حَوْ لَهُ لِنُرِيَهُ مِنْ اٰيَاتِنَآ اِنَّهُ هُوَ السَّمِيعُ الْبَصِيرُ ٭ اِنْ هُوَ اِلاَّ وَحْىٌ يُوحٰى ٭ عَلَّمَهُ شَدِيدُ الْقُوٰى ٭ ذُومِرَّةٍ فَاسْتَوٰى ٭ وَهُوَ بِاْلاُفُقِ اْلاَعْلٰى ٭ ثُمَّ دَنَا فَتَدَلّٰى ٭ فَكَانَ قَابَ قَوْسَيْنِ اَوْ اَدْنى ٭ فَاَوْحٰٓى اِلٰى عَبْدِهِ مَٓا اَوْحٰى ٭ مَا كَذَبَ الْفُؤَادُ مَارَاٰى ٭ اَفَتُمَارُونَهُ عَلٰى مَا يَرٰى ٭ وَلَقَدْ رَاٰهُ نَزْ لَةً اُخْرٰى ٭ عِنْدَ سِدْرَةِ الْمُنْتَهٰى ٭ عِنْدَهَا جَنَّةُ الْمَاْوٰي ٭ اِذْ يَغْشَى السِّدْرَةَ مَا يَغْشٰى ٭ مَا زَاغَ الْبَصَرُ وَمَا طَغٰى ٭ لَقَدْ رَاٰي مِنْ اٰيَاتِ رَبِّهِ الْكُبْرٰى

{"Im Namen Gottes, des Erbarmens, des Barmherzigen. Gepriesen sei der, der seinen Diener nachts von der innersten Moschee zur äußersten reisen ließ, deren Land wir gesegnet haben, um ihn etwas von unseren Zeichen sehen zu lassen. Denn siehe, Er ist es, der alles hört und sieht." (Sure 17, 1) "Er ist nichts anderes als eine inspirierte Offenbarung. Belehrt hat ihn einer, der über große Macht verfügt und Herr über sie ist. Der stand hoch aufgerichtet und befand sich ganz oben am Horizont. Dann näherte er sich und stieg herab, bis er schließlich bis auf zwei Bogenlängen herangekommen war, oder noch näher. Und er brachte Seinem Diener Seine Offenbarung. Nicht leugnete sein Herz, was er sah. Wollt ihr etwa mit ihm streiten, über das, was er sah? Hatte er ihn doch schon ein andermal bei dem Lotusbaum gesehen, dort wo der Garten der Einkehr ist, damals als der Lotusbaum verhüllt wurde. Nicht wandte er den Blick ab, noch überschritt er seine Grenzen. So sah er das Große Zeichen seines Herrn." (Sure 53, 4-18)}

Da zwei Hinweise, die sich auf einen Grundsatz der Redekunst stützen und selbst nur in dem Pronomen اِنَّهُ {"Er ist wahrlich..."} aus der gewaltigen Schatzkammer der ersten obenerwähnten gewaltigen Ayah zu finden sind, mit unserem Thema im Zusammenhang stehen, wollen wir hier das, war wir bereits in dem Kapitel über Wunder (des Qur'an) erklärt haben, noch einmal anführen.

Nachdem der Weise Qur'an die Nachtreise des Ehrenwerten Geliebten (Gottes), mit dem der vollkommenste Friede und der höchste Segen sei, von der innersten Moschee (Mesdjid-i Haram)zur äußersten (Mesdjid-i Aqsa),die der Anfang seiner Himmelfahrt (Mi'radj)war, erwähnt hatte, sagt er

اِنَّهُ هُوَ السَّمِيعُ الْبَصِيرُ

{"Wahrlich, Er ist der, der alles hört und alles sieht." (Sure 17, 1)}

Das Pronomen "hu", das in dem اِنَّهُ {"Wahrlich, Er ist..."} enthalten ist und mit welchem Wort auf das Ende seiner Himmelfahrt verwiesen wird, die in der Sure وَالنَّجْمِ اِذَا هَوٰى {"Bei dem Komet!" (Sure 53, 1)} erzählt wird, bezieht sich entweder auf Gott den Gerechten oder auf den Propheten, mit dem Friede und Segen sei. Sollte es sich auf den Propheten beziehen, so drückt die Ayah nach der Regel der Redekunst, Zusammenhang und Kontext entsprechend folgendes aus: Er besagt: "Die Reise dieser Persönlichkeit ist eine Reise stellvertretend für alle und ein Aufstieg über alle Stufen, sodass er die Zeichen des Herrn und die einzigartigen Kunstwerke Gottes gehört und gesehen hat, welche seine Augen und Ohren bei seiner Reise über alle Stufen der Gottesnamen bis hin zum Lotusbaum (Sidretu l-Munteha),ja bis auf Zwei-Bogenlängen-Nähe zu Gott (Qab-i Qauseyn)angetroffen haben." Diese Ayah schildert jene persönliche Reise des Propheten als Schlüssel zu einer Reise mit einer einzigartigen Versammlung und zu einer Reise, die stellvertretend für alle ist.

Wenn sich das Pronomen auf Gott den Gerechten beziehen sollte, dann besagt die Ayah folgendes: "Einen Seiner Diener lud Er zu einer Reise in Seine Gegenwart ein, um ihn mit einer Aufgabe zu betrauen. Er sandte ihn von der innersten Moschee (zu Mekka)zur äußersten (in Jerusalem),wo sich alle Propheten versammelten, ließ ihn mit den Propheten zusammentreffen, und nachdem Er gezeigt hatte, dass er der absolute Erbe der Wurzeln der Religionen aller Propheten ist, ließ Er ihn in Seinem ganzen Reiche, in der Körperwelt (Mulk)wie in der Engelwelt (Melekut),bis zum Lotusbaum (Sidretu l-Munteha),bis auf Zwei-Bogenlängen-Nähe zu Gott (Qab-i Qauseyn)reisen."

So ist er denn zwar ein Diener und diese Reise ist die Himmelfahrt, die zwar er als Individuum erlebt, aber bei ihm als Diener ist ein Pfand, das ihn mit dem ganzen Sein verbindet. Überdies ist ein Licht mit ihm, das die Farbe unseres Daseins zu verwandeln vermag. Überdies ist ein Schlüssel bei ihm, der das Tor zur Ewigen Glückseligkeit zu öffnen vermag. Darum stellt sich Gott der Gerechte in Seinen Eigenschaften als der vor, der alles hört und alles sieht, sodass Er die universellen, allumfassenden, für den ganzen Kosmos geltenden und alle Geschöpfe einschließenden Werte und Bedeutungen dieses Pfandes, dieses Lichtes und dieses Schlüssels zeigt.

Dieses gewaltige Geheimnis hat vier Grundlagen.

Erstens:

Worin liegt der Sinn, der diese Himmelfahrt notwendig machte?

Zweitens:

Was ist die Wahrheit hinter dieser Himmelfahrt?

Drittens:

Was ist die Weisheit bei dieser Himmelfahrt?

Viertens:

Was sind die Früchte und was ist der Nutzen der Himmelfahrt?

Erste Grundlage

Der Sinn, der diese Himmelfahrt notwendig machte:

Man sagt zum Beispiel:

Gott der Gerechte ist

اَقْرَبُ اِلَيْهِ مِنْ حَبْلِ الْوَرِيدِ

{"Er ist ihm näher als seine Halsader." (Sure 50, 16)}

Er ist allen Dingen näher als alle Dinge. Er ist unabhängig von einem Körper, einem Raum. Jeder Gottesfreund kann sich in seinem Herzen mit Ihm treffen. Warum gelingt die Gottesfreundschaft Ahmeds, mit dem der Friede und Segen sei, erst nac4h dem Ende einer so langen Reise wie der Himmelfahrt, wo doch einem jeden Gottesfreund ein Bittgebet in seinem Herzen gelingt?

Antwort:

Dieses feinsinnige Geheimnis wollen wir unserem Verständnis durch zwei Gleichnisse näher bringen. Höre die beiden folgenden Gleichnisse des "Zwölften Wortes" über das Geheimnis, das in dem Wunder des Qur'an liegt, und über das Geheimnis der Himmelfahrt:

Erstes Gleichnis:

Ein König verfügt über zwei Arten der Redeweise, der Unterhaltung und Begegnung. Er hat zwei verschiedene Möglichkeiten, jemanden anzusprechen oder ihm entgegenzukommen. Die eine besteht im vertrauten Gespräch (sohbet)mit einem einfachen Untertanen über eine private Angelegenheit, über seine persönlichen Nöte, oder einfach in einem Telefongespräch. Die andere aber besteht darin, als König und Herr seines gewaltigen Reiches, als ein großer Sultan und Kalif, als der Herrscher über sein Volk Befehle zu erteilen und Erlasse zu veröffentlichen, sich mit einem Botschafter, den er beauftragen will, oder mit einem hohen Beamten, der für bestimmte Angelegenheiten zuständig ist, zu bereden und zu besprechen und so seiner königlichen Würde entsprechend aufzutreten.

وَ ِللَّهِ الْمَثَلُ اْلاَعْلٰى

{"Bei Gott sind die erhabensten Gleichnisse." (Sure 16, 60)}

Wie in diesem Gleichnis verfügt der Schöpfer dieses Kosmos, Herr über Körperwelt und Engelwelt und der König von Ewigkeit zu Ewigkeit über zwei Arten der Redeweise,

der Ausdrucksmöglichkeiten und des Entgegenkommens. Die eine ist, die das Persönliche und das Private betrifft, und die andere, die die Allgemeinheit und die Gesamtheit betrifft. So ist die Himmelfahrt eine Ausdrucksweise der Gottesfreundschaft (Velayet)Ahmeds, mit dem Friede und Segen sei, die nach Umfang und Hoheit über der Velayet aller anderen steht und mit der er vor Gott dem Gerechten, als dem Herrn des ganzen Kosmos und Schöpfer allen Seins, durch seine Begegnung (sohbet)und sein Bittgebet beehrt wurde.

Zweites Gleichnis:

Ein Mann hält mit seiner Hand einen Spiegel in die Sonne. Dieser Spiegel empfängt, seiner Fähigkeit entsprechend, Licht von der Sonne und eine Widerspiegelung, einen Strahl (von ihr), der sieben Farben (in sich) enthält. Dementsprechend tritt dieser Mann mit der Sonne in Beziehung und kommuniziert (sohbet)so mit ihr. Richtet er diesen sonnenerfüllten Spiegel auf sein dunkles Haus oder auf seinen eigenen, im Schatten liegenden, kleinen Garten, so kann er den Nutzen nicht von der Sonne selbst, sondern nur entsprechend der Kapazität seines Spiegels empfangen. Ein anderer jedoch verwendet keinen Spiegel, sondern begegnet der Sonne, erkennt ihre Majestät und begreift unmittelbar ihre Macht. Dann besteigt er einen sehr hohen Berg, sieht die Pracht des überaus weiten Königreiches der Sonne und begegnet ihr unverhüllt und in eigener Person. Dann kehrt er heim, öffnet die breiten Dachfenster seines Hauses und Gartens und bereitet so der Sonne am Himmel einen Weg, hat so eine Unterhaltung, einen vertrauten Umgang (sohbet)mit dem immerwährenden Licht der wahren Sonne, kann auf diese Weise in Dankbarkeit seinen Umgang mit ihr pflegen und sagen:

"Oh du liebliche Sonne, die du die schönste der Welt und Liebling des Himmels bist und die du die ganze Welt mit deinem Lichte vergoldest und die du auf das Gesicht der Erde und das Antlitz aller Blumen ein Lächeln zauberst, so wie du auch mein eigenes kleines Häuschen und meinen Garten erwärmst und erleuchtest,

wie du ja auch die ganze Welt erleuchtest und das Antlitz der Erde erwärmst!" Ersterer jedoch kann nicht so mit seinem Spiegel reden, denn entsprechend den Gegebenheiten des Spiegels ist der Widerschein der Sonne in seinen Auswirkungen eingeschränkt und von diesen Gegebenheiten abhängig.

So begegnet denn die Erscheinung des Herrn, des Einen (Ahad)und Einzigartigen (Samed),des Königs über die Sonne von Ewigkeit zu Ewigkeit, dem Wesen des Menschen auf zweierlei Weisen mit unendlich vielen Abstufungen.

Erstens:

Es ist dies eine Begegnung, die durch die Beziehung des Herrn zu Stande kommt und sich bis zum Spiegel des menschlichen Herzens erstreckt: Jeder erfährt entsprechend seiner Fähigkeit das Licht der urewigen Sonne, den vertrauten Umgang mit ihr und das Bittgebet (das er an sie richtet) in stärkerem oder geringerem Maße, wenn er die Sprossenleiter seines Weges emporsteigt, entsprechend der Erscheinungsweise der Namen und Eigenschaften (Gottes). Die verschiedenen Stufen, die im Schatten der meisten Namen und Eigenschaften (Gottes) zur Freundschaft (Velayet)mit Ihm empor führen, entstehen auf diese Weise.

Zweitens:

Da der Mensch (in seinem Wesen alles) umfasst und die glanzvollste Frucht am Baum des Kosmos ist, kann er die Schönen Namen Gottes, deren Erscheinungen im ganzen Kosmos auftreten, gleichzeitig auch im Spiegel seines Geistes reflektieren. Sodann tritt Gott der Gerechte mit Seinem Wesen und mit Seinen Schönen Namen auf Seiner gewaltigen Stufe einem, der in der Gattung der Menschen hinsichtlich seines Geistes der Größte ist, in Seiner gewaltigen Erscheinung entgegen. Dieses Entgegentreten und diese Erscheinung sind das Geheimnis der Himmelfahrt Ahmeds, mit dem Friede und Segen sei, sodass der höchste Punkt der seiner Gottesfreundschaft (Velayet)der Anbeginn seines Prophetentums wurde. Der (Weg der) Gottesfreundschaft, führt durch (das Tal der) Schatten und gleicht somit dem ersten

Mann vom zweiten Gleichnis (d.h. dem Mann mit dem Spiegel!). Auf dem Weg der Propheten gibt es keinen Schatten. Er bezieht sich unmittelbar auf das Einssein (Ahadiyet)dessen, der Majestät besitzt, gleicht dem zweiten Mann vom zweiten Gleichnis. Was aber die Himmelfahrt betrifft, so ist sie das größte Wunder und die höchste Stufe der Gottesfreundschaft Ahmeds, mit dem Friede und Segen sei. Darum wurde die Velayet in die Stufe des Prophetentums umgewandelt.

Das Innere (verborgene Geheimnis) der Himmelfahrt ist die Gottesfreundschaft. Sie führte vom (Zustand) des Geschöpfes zu (Gott) dem Gerechten. Das Äußere der Himmelfahrt ist das Prophetentum und führt von (Gott) dem Gerechten zu den Geschöpfen. Die Gottesfreundschaft ist der Weg über die Stufen der Annäherung zu Gott (qurbiyet).Sie erfordert ein Emporsteigen über viele Stufen und ebensoviel Zeit. Was aber das Prophetentum betrifft, die ein gewaltiges Licht ist, so bezieht es sich auf das Geheimnis, dass sich die Nähe Gottes (aqrabiyet)in uns entfaltet, für das auch nur ein Augenblick schon genügt. Darum wird in einer Hadith gesagt: "Er wandte sich und kehrte zurück in einem Augenblick."

Nun sagen wir zu dem Ungläubigen, der sich in der Position eines Zuhörers befindet: Da dieser Kosmos nun einmal einem überaus wohlgeordneten Land, einer überaus prächtigen Stadt, oder einem herrlichen Schloss gleicht, muss es mit Sicherheit einen Herrscher, einen Besitzer, einen Meister haben. Und da es nun einmal einen solchen Besitzer über aller Majestät, einen solchen Herrscher über aller Vollkommenheit, einen solchen Meister über aller Schönheit gibt... da es nun einmal diesen Menschen gibt, der sich dem Ganzen dieser Welt, dieses Landes, dieser Stadt, dieses Schlosses verbunden weiß und der sich ihnen mit all seinen Sinnen und Empfindungen zugehörig fühlt und dessen Betrachtungsweise allumfassend ist, so wird mit Sicherheit auch dieser Meister in all Seiner Majestät eine erhabene, eine gewaltige Beziehung zu diesem Menschen haben, der eine umfassende

Sichtweise hat und dessen Bewusstsein eins ist, ihn ansprechen in Heiligkeit und ihn Seiner allerhöchsten Zuwendung würdigen. Und da nun einmal seit Adam, mit dem Friede sei, bis heute unter denjenigen, die diese Beziehung erfuhren, Mohammed der Araber, mit dem Friede und Segen sei, derjenige war, der nach dem Zeugnis seiner Werke - will heißen, dass die Hälfte der Erde und ein Fünftel der Menschheit sein Einflussbereich wurde - das geistige Bild der Schöpfung umwandelte und sie mit Licht erfüllte, diese Beziehung (zu Gott) auf seiner mächtigsten Stufe zeigte, ist er es auch, dem die Himmelfahrt, welche die gewaltigsten Stufe dieser Beziehung darstellt, am meisten gebührt und entspricht.

Zweite Grundlage

Was ist die Wahrheit über die Himmelfahrt?

Antwort:

Sie besteht aus der Fahrt, der Reise der Persönlichkeit Ahmeds, mit dem Friede und Segen sei, zu den Stufen der Vollkommenheit. Das heißt: Indem Gott der Gerechte diesem Seinem besonderen Diener nacheinander alle Seine verschiedenen Namen und Titel zeigte, die in der Wohlgeordnetheit der Schöpfung in Erscheinung treten, die Bereiche Seiner Verwaltung und die (Akte) Seiner Schöpfung, die Er in dem Königreich Seiner Herrschaft errichtet hat, und jeweils einen Thron Seiner Herrschaft in diesen Bereichen und die Werke Seiner Herrschaft in den Schichten des Himmels, die Anlass für die Zentren Seiner Verfügungen sind, um in ihm alle menschlichen Vollkommenheiten zu vereinigen, und ihn zu dem zu machen, in dem alle Manifestationen Gottes in Erscheinung treten, und ihn zu einem Minister aller Schichten der Schöpfung und öffentlichen Ausrufer des Königreiches Seiner Herrschaft und zu einem Verkünder des Willens Gottes und Entdecker des tiefen Sinnes des Kosmos zu machen, ließ Er ihn auf den Buraq steigen, die Himmel blitzschnell durchreisen, die Stufenleiter (maqam)emporsteigen, gleich dem Mond von einer Station zur nächsten Station, von einem Bereich zum nächsten

Bereich den gesamten Herrschaftsbereich Gottes besichtigen. Er stellte ihm alle Propheten, die in den Himmeln dieser Bereiche ihren Sitz haben und seine Brüder sind, nacheinander vor, erhob ihn schließlich zu dem Rang (maqam)von "Zwei-Bogenlängen-Nähe" (Qab-i Qauseyn)und ehrte ihn durch Sein Wort und die Anschauung (Gottes) in Seinem Einssein (Ahadiyet).Diese hohe Wahrheit möge man nun durch das Fernrohr zweier Gleichnisse betrachten!

Erstes Gleichnis:

Wie im "Vierundzwanzigsten Wort" erklärt ist, hat ein König verschiedene Titel in den Ämtern seiner Regierung, unterschiedliche Bezeichnungen und Eigenschaften in den verschiedenen Gruppen seiner Untertanen und besondere Namen und Titel auf den Stufen seiner Königsherrschaft.

Zum Beispiel:

Im Amt für Justiz heißt er der gerechte Richter, beim Katasteramt der König, beim Militär der Oberkommandant, beim Ministerium für geistliche Angelegenheiten der Kalif, und besitzt daneben noch andere ähnliche Namen und Titel. In jedem Amt nimmt er einen Rang (maqam)ein, hat er seinen Sitz inne, dem die Bedeutung eines Thrones entspricht. So können einem einzelnen König in den Ämtern seines Königreiches und in den verschiedenen Rängen (maqam)seiner Regierung über tausend verschiedene Namen und Titel entsprechen. Er kann über tausend einander übergeordnete Throne in seinem Königreich verfügen.

Es ist, als wäre dieser König durch die Macht seiner Persönlichkeit, ja selbst noch per Telefon überall anwesend, gegenwärtig und unterrichtet. Und auf jeder Stufe zeigt er sich durch sein Gesetz, durch seine Anordnungen, durch seine Stellvertreter und sieht alles und wird überall gesehen. Auf jeder Stufe lenkt und leitet er unsichtbar als der (oberste) Sachwalter durch seinen Erlass, durch seine Kenntnis, durch seine Macht und durch seine Fürsorge. Jede Behörde hat ihren eigenen Amtssitz, ihr Hauptquartier. Sie unterscheiden sich voneinander in ihren Verwaltungsbestimmungen. Die Bereiche ihrer Verwaltung sind voneinander verschieden.

So lässt denn nun ein solcher König jemanden, den er erwählt hat, all jene Ämter besichtigen, um ihm eigens in jedem Amt seine königliche Herrschaft und den dazu gehörigen Verwaltungsbereich zu zeigen, ihn von dem einen Amt zu einem anderen Amt, von einer Ebene zur nächst höheren Ebene zu führen und ihn schließlich so in seine Audienz zu geleiten. Dann betraut er ihn bezüglich all dieser Ämter mit einigen umfangreichen und allgemeingültigen Befehlen, und sendet ihn dann aus (mit seinem Auftrag).

So hat denn, wie in diesem Beispiel, der König von Ewigkeit zu Ewigkeit, welcher der Herr aller Welten ist, in den Ämtern Seiner Herrschaft unterschiedliche aber zueinander in Beziehung stehende Eigenschaften und Titel. In den Bereichen, in denen Seine Gottheit erkennbar ist, hat Er verschiedene aber ineinander ergänzende Namen und Titel. In Seinen ruhmreichen Taten erweist sich eine unterschiedliche aber doch ähnliche Ausdrucks- und Erscheinungsweise. In dem Gebrauch Seiner Macht zeigen sich seine unterschiedlichen aber doch aufeinander verweisenden Titel. Im Aufscheinen Seiner Eigenschaften treten verschiedene, gemeinsam auf Seine Heiligkeit hindeutende Erscheinungen hervor. Im Sichtbarwerden Seiner Taten erkennt man in Verschiedenheit und doch einander ergänzend seine weisheitsvolle Lenkung und Leitung. In Seinen verschiedenen vielfarbigen Kunstwerken betrachtet sich Seine majestätische Herrschaft.

So hat Er denn nun den Kosmos aufgrund dieses gewaltig großen Geheimnisses in einer einzigartigen, Staunen erregenden Anordnung zusammengestellt. Von den Atomen, die zur Mikroebene der Schöpfung gehören, bis hin zu den Himmeln, und von der ersten Ebene des Himmels bis zum gewaltigen Thron Gottes ('arsh-i a'zam)gibt es verschiedene übereinander liegende Formationen. Jeder Himmel ist das Dach einer bestimmten Welt und ein Thron für die Herrschaft Gottes und gleichen einem Zentrum für Gottes Lenkung und Leitung. In all diesen Ämtern und auf all diesen Ebenen finden sich eigentlich alle Namen (Gottes) angesichts Seiner Einheit (ausgedrückt) in

jedem Einzelnen (Ahadiyet).Er wird durch alle Seine Titel sichtbar. Aber so wie im Justizministerium sein Titel "der gerechte Richter" der ursprüngliche ist und vorherrscht, so richten sich dort die übrigen Titel nach ihm aus und ordnen sich ihm unter. Genauso herrscht auf jeder Ebene der Geschöpfe, in jedem Himmel ein bestimmter Name, ein bestimmter Titel Gottes vor und die übrigen Titel stehen in dessen Schatten.

Zum Beispiel:

Bei Hazret-i Isa(Jesus), mit dem Friede sei, offenbarte sich der Name "der Allmächtige" (Qadir).In dem Himmel, in dem der Prophet, mit dem der Friede und Segen sei, Jesus, mit dem Friede sei, getroffen hat, erscheint Gott selbst, der Gerechte, unter seinem Titel "der Allmächtige" (Qadir).

Ein Beispiel:

In dem Himmelsbereich, in dem sich Hazret-i Musa(Mosis) befindet, mit dem Friede sei, herrscht am stärksten der Titel, "der Sprechende" (Mutekellim),der sich bei Mosis, mit dem Friede sei, offenbart, und so weiter... Was also die Person Ahmeds betrifft, mit dem Friede und Segen sei, so steht er mit Sicherheit mit allen Bereichen der Herrschaft Gottes im Verbindung, da sich in ihm "der gewaltige Name" (Ism-i A'zam)offenbart und sein Prophetentum allumfassend ist und alle Namen Gottes offenbaren. Mit Sicherheit erfordert die Wahrheit der Himmelfahrt (Mi'radj),dass er sich mit allen Propheten trifft, die sich in diesen Bereichen befinden, und durch alle diese Ebenen empor schreitet.

Zweites Gleichnis:

Unter den verschiedenen Titeln eines Königs zeigt sich sein Titel "der Oberkommandierende" in allen militärischen Bereichen, angefangen vom umfassenden und ausgedehnten Bereich des Verteidigungsministers bis zu dem kleinen und persönlichen Bereich eines Feldwebels und tritt durch ihn in Erscheinung. Ein einfacher Soldat sieht zum Beispiel ein Muster dieses obersten Titels der Kommandoführung in seinem Feldwebel, betrachtet ihn und erhält von ihm seine Befehle. Wird dieser einfache Soldat zu einem Feldwebel, erblickt er die Kommandoführung in seinem Leutnant und erkennt sie in ihm.

Wenn er aber Leutnant ist, dann sieht er das Beispiel für die Kommandoführung und ihre Verwirklichung in der Stellung eines Hauptmanns. In dieser Stellung gibt es einen Vorsitz, der dem Oberkommandierenden gehört. In jedem Bereich, ob dem eines Hauptmanns, oder eines Majors, eines Generals oder eines Marschalls, sieht er diesem Bereich entsprechend, ob klein oder groß, den Titel desselben Oberkommandos.

Nun aber wollte einmal dieser Oberkommandierende einen einfachen Soldaten mit einer Aufgabe, die sich auf alle militärischen Bereiche bezieht, beauftragen; er wollte ihn in einen Rang gleich dem eines Inspekteurs erheben, der alle Bereiche beaufsichtigt und geachtet ist in allen Bereichen. Dieser Oberkommandierende wird mit Sicherheit einen solchen Soldaten alle Bereiche nacheinander, angefangen von dem eines Gefreiten bis zum obersten Bereich besichtigen lassen, damit er sie wahrnehmen soll und auch von allen anderen wahrgenommen wird. Dann nimmt er ihn in seine Audienz, gewährt ihm ein vertrautes Gespräch (sohbet),ehrt ihn mit Orden und sendet ihn sodann mit seinem Auftrag (ferman)unmittelbar wieder an den Ort seiner Herkunft zurück.

In diesem Gleichnis soll ein Punkt bedacht werden:

Wenn ein König nicht schwach ist, auch wenn es nach außen hin so scheinen mag, sondern wirklich ein Mann von Geist und Autorität, dann braucht er Menschen wie einen Leutnant, einen General, einen Marschall nicht erst zu bevollmächtigen, sondern könnte selbst überall zugegen sein. Er erteilt, wie verborgen hinter einem Schleier, in Gestalt derer, die einen Rang (maqam)bekleiden, dennoch unmittelbar selbst seine Befehle. Es wird überliefert, dass einige Könige, als Vollendete, als Gottesfreunde, in vielen Ämtern in der Gestalt eines anderen ihre Anordnungen vollzogen.

Die Wahrheit, die wir in diesem Gleichnis betrachten, drückt aus:

Da in ihm keine Schwäche vorhanden ist, kommen Befehle und Beschlüsse in jedem Bereich unmittelbar von dem Oberkommandierenden. Sie werden durch seine Befehle, durch seinen Willen und durch seine Macht ausgeführt.

So ist denn nun, wie in diesem Gleichnis der Herrscher der Erde und der Himmel, mächtig, den Befehl "Kun fa yakun"(Sei! Und es ist.) zu erteilen, als König aller Ewigkeiten, der absolute Gebieter. Wir sehen die Ausführung Seiner Befehle und die Realisation Seiner Kommandoführung auf allen Ebenen Seiner Schöpfung wirksam und wie sie in vollkommenem Gehorsam und perfekter Ordnung befolgt werden. Auf allen Ebenen des Seins, angefangen von den Atomen bis zu den Planeten und von den Mücken bis zu den Himmeln, die alle voneinander verschieden und aufeinander bezogen, sind die Bereiche der Herrschaft und die verschiedenen Ebenen Seiner Autorität im kleinen und im großen, individuell wie allgemein zu erkennen. Wer aber nun die hohen Ziele des Kosmos verstehen und die großartigen Früchte des Universums und die unterschiedlichen gottesdienstlichen Aufgaben all seiner verschiedenen Ebenen sehen und dadurch das Königreich der Herrschaft des majestätischen Herrn und den Glanz Seiner Souveränität betrachten und den Willen Gottes erkennen und Seinem Königreich als öffentlicher Ausrufer dienen will, muss eine Reise durch alle Ebenen und Bereiche bis empor zu Seinen "gewaltigen Thron" ('arsh-i a'zam),was eine Bezeichnung für eine hohe und mächtige Ebene ist, unternehmen, die ihn bis zu "Zwei-Bogenlängen-Nähe", die Stelle zwischen Möglichem (imkan)und Notwendigem (vudjub)führt, welche mit Qab-i Qauseyn bezeichnet wird, wo er sich am Ende mit dem Herrn, dem Majestätischen in Seiner Schönheit, treffen wird. Und es ist diese Reise, welche das Wesen (haqiqat)der Himmelfahrt (Mi'rac)ist.

Wie jeder Mensch in seiner Vorstellung mit Gedankenschnelligkeit reist, wie jeder Gottesfreund (veli)in seinem Herzen blitzschnell fliegt, wie jeder Engel, als eine Lichtgestalt, mit der Geschwindigkeit des Geistes (ruh)vom Thron (Gottes) auf die Erde, von der Erde zum Thron (Gottes) empor steigt, wie die Menschen, als Bewohner

des Paradieses, mit der Geschwindigkeit des Buraq vom Versammlungsplatz der Wiederauferstehung in das mehr als fünfhundert Jahre entfernte Paradies reisen werden, wird sicherlich auch der Leib Mohammeds, mit dem Friede und Segen sei, der das Gefäß für zahllose Aufgaben des Geistes (ruh)Mohammeds ist, mit dem Friede und Segen sei, welcher ein Licht ist und die Eigenschaft des Lichtes hat, welches noch feiner als die Herzen der Gottesfreunde, noch leichter als die Seelen der Verstorbenen und als die Körper der Engel, noch zarter als der Schein eines Sterns oder eines Spiegelbildes ist, wird dieser Leib sicherlich als Werkzeug (des Geistes), seinen erhabenen Geist bis zum Throne (Gottes) begleiten.

Nun wenden wir uns zu dem Ungläubigen, der da als ein Zuhörer sitzt. Und es kommt uns der Gedanke, dass dieser Ungläubige in seinem Herzen sagen könnte: "Ich erkenne Gott nicht an, ich weiß nichts von einem Propheten: wie soll ich da an eine Himmelfahrt glauben?" Wir aber sagen:

Da es nun einmal dieses Universum gibt und alle Dinge in ihm ihr Dasein haben und alles in ihm sich ereignet und ins Leben gerufen wird, und da nun einmal eine ordnungsgemäße Handlungsweise nicht zu Stande kommen kann, ohne den, der sie veranlasst hat, ein sinnvolles Buch nicht ohne einen Verfasser und ein Kunstwerk nicht ohne einen Künstler sein kann, müssen sicherlich auch alle diese Handlungen voller Weisheit, die den ganzen Kosmos erfüllen, jemanden haben, der da handelt, (und gibt es für) die bewunderungswürdigen Kunstwerke und die sinnvollen Briefe, die sich von Jahreszeit zu Jahreszeit auf dem Antlitz der Erde erneuern, einen Verfasser und einen Künstler.

Und da nun weiterhin die Anwesenheit zweier Herrscher bei ein und derselben Arbeit den ordnungsgemäßen Ablauf einer Arbeit behindert, und da es nun einmal eine wunderbare Ordnung gibt, die von dem Flügel einer Mücke bis zu den Lampen am Himmel reicht, muss dieser Herrscher ein Einziger sein. (Wäre Er nicht ein Einziger)...

doch in jedem Ding findet sich eine so einzigartige Kunstfertigkeit und Weisheit, dass der Meister über die absolute Fähigkeit verfügen muss, die Macht über jedes Ding zu haben, wie er sie auch über alle Dinge hat und alles weiß und alles kann. Ist dies aber so, dann wäre es also notwendig... wäre er nicht ein Einziger, dass es so viele Götter gäbe, wie es Dinge im Dasein gibt. Außerdem müssten alle diese Götter sowohl einer das Gegenteil des anderen, als aber auch einander gleich sein. In diesem Fall wäre es hunderttausend mal unmöglich, dass diese einzigartige Ordnung nicht zu Grunde ginge.

Außerdem sehen wir, dass sich die verschiedenen Arten des Seins tausendfach besser geordnet unter einem Befehl bewegen als ein Heer (Soldaten). Angefangen von den wohlgeordneten Bewegungen der Sterne, der Sonne und des Mondes, bis zu den Mandelblüten hin zeigen sich alle Arten mit den Ehrenzeichen und Orden und in der schönen Kleidung, die der Allmächtige-Urewige ihnen geschenkt hat, und sie führen die ihnen vorgeschriebenen Bewegungen tausendfach besser geordnet und vollkommener aus als ein Heer (Soldaten). Da dies nun einmal so ist, hat dieser Kosmos hinter dem Schleier des Verborgenen einen absoluten Herrscher, von dessen Kommando alles was da ist im Universum abhängig ist und dessen Kommando alle Dinge folgen.

Des Weiteren ist dieser Herrscher nach dem Zeugnis alles dessen, was Er in Weisheit vollbringt und entsprechend den Werken Seiner Majestät, die Er uns vor Augen führt, ein König voll Majestät. Und weiter ist Er durch die Güte, die Er erweist, auch ein äußerst barmherziger Herr. Des Weiteren ist Er den schönen Kunstwerken zufolge, die Er ausstellt, ein Meister, der Seine Kunstwerke auch liebt. Des Weiteren ist Er den Schmuckstücken, die Er zeigt, und Seinen in Erstaunen versetzenden Kunstwerken entsprechend ein Herrscher und der Schöpfer, der die Begeisterung der mit Bewusstsein begabten Wesen auf Seine Werke richten will. Außerdem versteht man, dass Er durch die Weisheit Seiner Herrschaft den

mit Bewusstsein begabten Wesen mitteilen will, woher die Geschöpfe kommen und wohin sie gehen und was der Schmuck dieser Welt bedeutet, den Er bei der Erschaffung verwendet und der den Verstand in Bewunderung versetzt. Durch all dies möchte dieser allweise Herrscher, dieser allwissende Meister mit Sicherheit Seine Herrschaft darstellen. Des Weiteren möchte Er sich durch all die vielen Werke Seiner Güte und Seiner Barmherzigkeit und durch die einzigartigen Kunstwerke allen mit Bewusstsein begabten Wesen zu erkennen geben und von ihnen geliebt werden. Mit Sicherheit wird Er diesen mit Bewusstsein begabten Wesen durch einen Verkünder mitteilen, was er von ihnen erwartet und welcher Art, die Dinge sind, an denen Er Seinen Gefallen findet.

Zu diesem Zweck wird Er einen unter diesen mit Bewusstsein begabten Wesen damit beauftragen, Seine Herrschaft öffentlich zu verkünden. Um die Kunstwerke, die Ihm lieb sind, zu erklären, wird Er einen öffentlichen Ausrufer ernennen und ihm die Ehre erweisen, vor Seine Audienz zu treten und Er wird ihn zu Seinem Werkzeug machen, diesen Auftrag zu erfüllen. Um Seine Vollkommenheit zu offenbaren und um Seine erhabenen Ziele allen mit Bewusstsein begabten Wesen mitzuteilen, wird Er einen von ihnen zum Lehrer ernennen. In jedem Fall wird Er einen Wegführer ernennen, damit die tiefe Wahrheit, die Er im Kosmos angelegt hat, und der Sinn Seiner Herrschaft, der in allem Sein verborgen ist, nicht unentdeckt bleibe. Er wird einen Wegführer ernennen, der über Seine Absichten mit den schönen Kunstwerken unterrichten soll, die Er zeigt und den Augen der Betrachter darbietet, damit (Seine Absichten) nicht erfolglos und ohne Wirkung bleiben. Außerdem wird Er einem, der Seinen Willen den mit Bewusstsein begabten Wesen übermitteln soll, in eine hohe Stellung über all den mit Bewusstsein begabten Wesen versetzen, ihn über die Art unterweisen, wie sie Seinen Willen erfüllen können, und ihn dann zu ihnen senden.

Da sich nun einmal die Wahrheit und die Weisheit in dieser Weise herausstellt, ist es Mohammed, mit dem Friede und Segen sei, der für diese Aufgaben am besten geeignet ist. Denn tatsächlich hat er diese Aufgaben in bester Form erfüllt. Die islamische Welt, die er geformt hat, und das Licht des Islam, das er zeigte, ist ein berechtigtes und zuverlässiges Zeugnis dafür. Weil das so ist, ist es auch notwendig, dass diese Persönlichkeit unmittelbar über die ganze Schöpfung emporsteigt, das ganze Sein überschreitet und in einen Rang (maqam)erhoben wird, von wo aus er mit dem Schöpfer alles Geschaffenen ein allgemeines, erhabenes und allumfassendes Gespräch führen kann. So bringt denn Mi'radj(die Himmelfahrt) auch diese Wahrheit zum Ausdruck.

Zusammenfassung:

Da der Schöpfer nun einmal den gewaltigen Kosmos für viele, gewaltige Zwecke und viele, bedeutende Ziele, wie die oben erwähnten, in dieser Form erbaut, geordnet und verziert hat, und da es nun einmal mitten in allem Sein das Menschengeschlecht gibt, das diese allgemeine Herrschaft in all ihren Einzelheiten und dieses gewaltige Reich Gottes mit all seinen Gegebenheiten (haqiqat)erfahren kann, wird dieser Herrscher sicherlich auch mit den Menschen sprechen und ihnen Seine Ziele mitteilen.

Da sich aber nun einmal nicht jeder Mensch von seinen eigenen, kleinlichen, unbedeutenden, niederen Dingen befreien kann, um zu seinem höchsten Rang (maqam),einer universellen, überpersönlichen Ebene emporzusteigen und somit die Ansprache dieses Herrschers an alle nicht persönlich empfangen kann, werden mit Sicherheit einige besondere Persönlichkeiten unter den Menschen mit dieser Aufgabe (vazife)beauftragt, welche mit zwei Aspekten verbunden ist. Sie sollen einerseits Menschen sein, um Lehrer der Menschen sein zu können, als andererseits auch geistig besonders hochstehend sein, damit sie die Ansprache Gottes unmittelbar empfangen können. Darum ist also nun Mohammed, mit dem Friede und Segen sei, derjenige unter den Menschen, der die Ziele des Schöpfers dieser Welt auf vollkommener Weise erklärt,

die tiefe Wahrheit dieses Kosmos zeigt, das Rätsel dieser Schöpfung enthüllt und für die Schönheit der herrschaftlichen Durchführungen auf beste Weise als öffentlicher Ausrufer dient. Mit Sicherheit wird er unter all den einzelnen Menschen eine solche spirituelle Reise unternehmen und in dieser materiellen Welt eine solche Reise in Form einer leiblichen Himmelfahrt erleben. Er wird die Zwischenwelt der Namen (berzah-i esma),die Erscheinungen Seiner Eigenschaften und Taten und alle Stufen, welche die siebzigtausend Schleier genannt werden, durchschreiten, bis er alle Ebenen des Seins hinter sich gelassen hat. Das nun ist es, was die Himmelfahrt genannt wird.

Und wiederum erhebt sich in Gedanken der folgende Einwurf: Oh Zuhörer! Du fragst dich in deinem Herzen: "Wie kann ich das glauben? Was soll damit ausgesagt sein, dass sich jemand mit seinem Herrn trifft, der allen Dingen näher ist, als sie es sich selbst sind, nachdem er zuvor Tausende von Jahren durcheilt hat und siebzigtausend Schleier hinter sich gelassen hat?" Wir sagen aber:

Gott der Gerechte ist einem jeden Ding näher als alle anderen Dinge. Und doch sind alle Dinge unendlich weit von Ihm entfernt. Hätte die Sonne z.B. ein Bewusstsein und könnte sie sprechen, so könnte sie durch den Spiegel in deiner Hand mit dir reden. Sie könnte nach Gutdünken über dich verfügen. Obwohl sie sich in deinen Pupillen spiegelt und dir noch näher ist als dein Augapfel, bist du doch Viertausend Jahre von ihr entfernt und kannst dich ihr in keiner Weise nähern. Stiegest du auch, voranschreitend, bis zu den Höhen des Mondes empor und kämest an einen Punkt, wo du ihr unmittelbar gegenüber stündest, von dem aus du mit der Sonne direkt Kontakt aufnähmest, könntest du ihr gegenüber dennoch nicht mehr als eine Art Spiegel sein. Genauso sind alle Dinge, obwohl doch der Herr in Seiner Majestät, der die Sonne von Ewigkeit zu Ewigkeit ist und einem jeden Ding näher ist als alle anderen Dinge, von Ihm unendlich weit entfernt. Erst wenn man alles Sein beiseite lässt, alles,

was kleinlich und persönlich ist und über die Stufen des allgemein menschlichen überschreitend Tausende von Schleiern hinter sich lässt, bis man sich einem Seiner Namen nähert, der alles Sein mit einschließt, und danach noch viele weitere Stufen überwindet, kann man mit einer Art von Annäherung (qurbiyet)beehrt werden. So steht z.B. auch ein einfacher Soldat seinem Rang nach weit unter seinem Oberkommandierenden. Dieser Soldat betrachtet seinen Oberkommandierenden aus einer sehr weiten Entfernung in dem kleinen Musterbeispiel, das er in seinem Feldwebel erblickt, so als sähe er ihn hinter vielen unsichtbaren Schleiern. Um sich seiner tatsächlichen, abstrakten Persönlichkeit anzunähern, muss er sehr viele, allgemein übliche Stufen wie den Rang eines Leutnants, eines Hauptmanns, eines Majors emporsteigen. Dagegen steht der Oberkommandierende durch seinen Befehl, durch sein Gesetz, durch seine Kontrolle, durch seine Macht, durch seine Kenntnis - wenn er auch nach seiner äußerlichen Erscheinung und entsprechend seiner Persönlichkeit im spirituellen Bereich ein Kommandeur ist - als eine Führerpersönlichkeit durch sein Wesen bei diesem Soldaten und nimmt ihn (auf diese Weise) wahr. Da diese Wahrheit schon im "Sechzehnten Wort" ganz klar bewiesen wurde, können wir uns, indem wir uns hier kurz fassen, damit begnügen.

Und wiederum taucht hier der Gedanke auf: nun sagst du dir in deinem Herzen: "Ich bestreite die Existenz der Himmel und ich glaube auch nicht an die Engel. Wie kann ich also glauben, dass jemand durch die Himmel reist und dort die Engel trifft?"

Es ist in der Tat schwierig, Leuten, wie du, denen der Verstand in die Augen gerutscht ist und deren Augen eine Decke verhüllt, etwas klar zu machen und es ihnen aufzuzeigen. Da die Wahrheit aber so sehr glänzt, dass sie selbst die Blinden sehen können, sagen auch wir: Die Tiefe des Raumes ist, wie einstimmig bestätigt wird, von "Äther" erfüllt. Licht, elektrische Energie, Wärme und andere, ähnlich subtile Ströme durchfließen den Raum und

beweisen so die Existenz dieses (fünften) Elements. Wie die Früchte ganz offensichtlich von den Bäumen, die Blumen von den Wiesen, die Ähren von den Äckern und die Fische von den Meeren Kunde geben, führen auch die Sterne notwendigerweise dem Verstand den Ort ihrer Entstehung vor Augen, dem sie wie einem Acker, einem Meer, einer Wiese, ihre Existenz verdanken. Da es nun einmal in der Tiefe des Raumes verschiedene Formen gibt, weisen unterschiedliche Gegebenheiten auch auf unterschiedliche Bedingungen hin. Daher unterscheiden sich auch die Himmel, die der Ursprungsort dieser Auswirkungen sind, voneinander. Und auch der Mensch hat ja außer seiner leiblichen auch noch eine geistige Existenz mit Verstand, Herz, Seele (ruh),Vorstellungsvermögen und Gedächtnis. Mit Sicherheit gibt es in der Welt, die ein Mensch im großen ist, und im Universum, das der Baum ist, dessen Frucht wiederum der Mensch ist, noch andere Welten als diese unsere sichtbare Welt. Außerdem hat jede einzelne Welt, von dieser unserer Erde angefangen bis zur Welt des Paradieses, jeweils auch ihren eigenen Himmel.

Und was nun die Engel betrifft, so können wir sagen: Unsere Erde ist unter den Planeten mittelgroß und unter den Sternen klein und dunkel. Das Leben und das Bewusstsein, die in der Schöpfung den höchsten Wert und die höchste Lichtausstrahlung besitzen, finden sich auf ihr in zahllosen Formen. Mit Sicherheit sind die Sterne, im Vergleich zu denen die Erde einem dunklen Hause gleicht, prächtige Schlösser und herrliche Paläste, und das Meer der Himmel, über das die Sterne segeln, Wohnstätten für eine große, zahl- und artenreiche Schar von Engeln und Geistern, erfüllt von Leben und Bewusstsein. In meinem "Zeichen des Wunders" (Isharatu l-i'djaz)genannten Kommentar (tefsir)zur Ayah

ثُمَّ اسْتَوٰىٓ اِلَى السَّمَآءِ فَسَوّٰيهُنَّ سَبْعَ سَمٰوَاتٍ

{"Dann wandte Er sich dem Himmel zu und formte ihn zu sieben Himmeln aus." (Sure 2, 29)}

wurde bereits sowohl die Existenz als auch die Verschiedenheit der Himmel absolut klar bewiesen. Und auch im "Neunundzwanzigsten Wort", einer Abhandlung über die Engel, haben wir mit der gleichen Sicherheit, wie zwei mal zwei vier ist, die Existenz der Engel bewiesen. Darum können wir uns hier mit (diesem Hinweis) begnügen und fassen uns daher kurz.

Zusammenfassung:

Verstand und Vernunft erfordern, dass es einen Himmelsraum geben muss, der aus Äther gebildet ist, welcher der Quellgrund für einen Strom von Elektrizität, Licht, Wärme und Kraft ist, entsprechend der Hadith اَلسَّمَآءُ مَوْجٌ مَكْفُوفٌ {"Der Himmel gleicht einer stehenden Welle."} die Bewegungen der Planeten und der Sterne ermöglicht und von مَجَرَّةُ السَّمَاءِ was Milchstraße bedeutet, bis hin zu dem uns nächstgelegenen Planeten aus sieben Ebenen unterschiedlicher Form und Zusammensetzung besteht, wobei sich über einer jeden Ebene, von der Erde bis zur Zwischenwelt (berzah),von der Welt der Beispiele bis zur jenseitigen Welt, sich als Dach (wieder ein neuer Himmel findet).

Wiederum kommt uns der Gedanke: Oh du Ungläubiger! Du sagst: "Trotz tausend Schwierigkeiten kann man mit einem Flugzeug doch nur ein paar Kilometer Höhe erreichen. Wie könnte ein Mensch mit seinem Körper in ein paar Minuten eine Entfernung überwinden und wieder zurückkehren, (die normalerweise) Tausende von Jahren in Anspruch nehmen würde?

Dem können wir entgegnen: Eine Masse wie die Erde legt, wie eure Wissenschaftler sagen, während ihres jährlichen Umlaufs in einer Minute eine Entfernung von etwa 188 Stunden Fußmarsch zurück.

Das macht pro Jahr eine Entfernung von 25 tausend Jahren Fußmarsch. Könnte etwa der glorreiche Allmächtige, der sie sich so gut geregelt bewegen lässt und sie wie einen Stein in Seiner Schleuder herum wirbelt, nicht auch einen Menschen vor Seinen Thron bringen? Könnte etwa eine Weisheit, die mit einem Gesetz des Herrn die Erdenmasse sich um die Sonne wie ein Mevlevi Dervish drehen lässt, nicht auch den Körper eines Menschen kraft der Anziehung der Barmherzigkeit des Allerbarmers und kraft der Anziehung durch die Liebe Gottes, der Urewigen Sonne, nicht blitzschnell zum Thron Seiner Barmherzigkeit emporsteigen lassen?

Wiederum steigt in uns der Gedanke auf, du könntest sagen: "Na gut, vielleicht könnte er emporsteigen. Aber warum ist er denn emporgestiegen? Und wozu sollte er das? Hätte es nicht völlig genügt, wenn er, den Heiligen gleich, nur mit Geist und Herz aufgestiegen wäre?"

Dem können wir entgegnen: Da nun einmal der allmächtige Meister uns die einzigartigen Zeichen zeigen will, die sich sowohl in dem uns zugewandten (mulk= die Welt aus der Sicht der Menschen) Aspekt als auch in dem Seinen Engeln zugewandten (melekut= die Welt aus der Sicht der Engel) Aspekt unserer Welt finden und den Menschen die Werkbänke und den Urgrund unserer Welt sehen lassen will und welche Ergebnisse unsere Taten für das Jenseits haben werden, so sollte der Prophet auch mit Sicherheit sein Auge, das wie ein Schlüssel zur sichtbaren Welt ist, und sein Ohr, mit dem er die Wunderzeichen in der hörbaren Welt wahrnehmen kann, bis zum Thron Gottes mitnehmen. So ist es auch verständlich und sinnvoll, dass er seinen gesegneten Leib, der dem Geist wie eine Maschine mit verschiedenen Werkzeugen und Geräten für unzählige verschiedene Aufgaben dient, bis zum Throne mitnimmt. Im Paradies macht Gott dann in Seiner Weisheit den Körper zu seinem Begleiter seines Geistes. Denn es ist der Körper, der das Werkzeug für viele verschiedene Dienste und zur Anbetung Gottes ist und der zahllose Freuden und

Schmerzen empfindet. Dieser gesegnete Leib wird mit Sicherheit dem Geist als sein Begleiter gegeben werden. Da nun einmal der Körper mit dem Geist zusammen ins Paradies geht, entspricht es sicherlich der lauteren Weisheit, dass Er dem Geist Ahmeds, mit dem Friede und Segen sei, der zum Sidretu l-Munteha(Himmelslotus) empor stieg, welcher den Stamm der Wohnstatt bildet, die das Paradies ist, seinen gesegneten Leib als Reisegefährten mitgegeben hat.

Wiederum steigt in uns der Gedanke auf, du könntest vielleicht sagen:

"Ist es nicht unvorstellbar, eine Entfernung von Tausenden von Jahren Fußmarsch in ein paar Minuten zurücklegen zu können?"

Dem möchten wir entgegenhalten: Die verschiedenen Kunstwerke des majestätischen Meisters bewegen sich mit unendlich verschiedenen Geschwindigkeiten.

Zum Beispiel:

Es ist bekannt, wie sehr sich die Schallgeschwindigkeit, die Geschwindigkeit von Licht und Elektrizität, die Geschwindigkeit in unseren Träumen und Gedanken voneinander unterscheiden. Nach wissenschaftlichen Aussagen sind auch die Bewegungen der Planeten so sehr voneinander verschieden, dass sie den Verstand in Erstaunen versetzen. Wie also sollte es dann dem Verstand als unvorstellbar erscheinen, wenn sich sein feinstofflicher Körper im Auffahren seinem raschen erhabenen Geist unterwirft, sodass er ebenso rasch mit ihm mit reist!? Und ebenso kann es sein, dass man in einer Zeit von nur zehn Minuten Schlaf zuweilen ein ganzes Jahr erlebt. Ja, um zu erzählen, was man alles in nur einer einzigen Minute geträumt hat, die Worte, die man im Traum gehört hat, zu berichten und die man gesagt hat, wieder zusammenzulesen, in der Welt des Wachzustandes einen ganzen Tag, ja vielleicht noch länger benötigt. Das heißt also, dass in der gleichen Zeit, der einen von zwei Personen eine Periode wie ein Tag, der anderen wie ein Jahr erscheint.

Betrachten wir anhand eines Beispiels, worum es hierbei geht: Um verschiedene Geschwindigkeiten, angefangen von den Bewegungen eines Menschen, bis zur Geschwindigkeit einer Kanonenkugel, des Schalls, des Lichtes, der Elektrizität, des Geistes, des Traumes vergleichen zu können, stellen wir uns eine Uhr vor, die zehn verschiedene Zeiger hat. Der erste zeigt die Stunden. Ein anderer zählt die Minuten in einem sechzig mal größeren Kreis. Wieder ein anderer zeigt die Sekunden in einem abermals sechzig mal größeren Kreis. Ein vierter Zeiger ist sechzig mal schneller als der Sekundenzeiger und wandert durch einen wiederum sechzig mal größeren Kreis, usw. Ein fünfter, sechster, siebter, achter, neunter und zehnter Zeiger ist jedes Mal auch wieder sechzig mal schneller und wandert durch einen jeweils sechzig mal größeren Kreis als der vorhergehende. Angenommen, der Kreis des Stundenzeigers wäre so groß wie unsere Armbanduhr, so müsste der Kreis des zehnten Zeigers so groß wie die jährliche Umlaufbahn unserer Erde, ja vielleicht noch größer sein.

Nun stellen wir uns zwei Personen vor. Die eine sitzt auf dem Stundenzeiger und betrachtet seine Umgebung. Die andere sitzt auf dem zehnten Zeiger. Die Dinge, die diese beiden Personen in der selben Zeit betrachten, sind so unterschiedlich wie das Verhältnis unserer Armbanduhr zu der jährlichen Umlaufbahn unserer Erde.

Da Zeit Bewegung (und Veränderung bedeutet,) gleich einem Farb(wechsel), einem Faden (der gesponnen wird) oder einer Spule (die abläuft), so gilt das Gesetz der Bewegung gleichermaßen auch für die Zeit. Obwohl also nun für eine mit Bewusstsein begabte Person, wenn sie auf dem Stundenzeiger sitzt, das, was wir in einer Stunde beobachten, auch tatsächlich eine Stunde Lebenszeit bedeutet, so durcheilt doch der Ehrenwerte Botschafter, mit dem Friede und Segen sei, auf dem Buraq (Reittier) der Göttlichen Führung genauso wie die Person, die auf dem zehnten Zeiger sitzt, der die Sekundenbruchteile zählt, in der gleichen Zeit schnell wie der Blitz (berq)alle Bereiche des Möglichen (mumkinat)und erblickt allen staunenswerten

göttlichen Reichtum (mulk)und die ganze Welt göttlicher Herrschaft (melekut)und steigt in die Sphäre des notwendigerweise Seienden (vudjub)auf und erhält dort die Ehre, Gott in einem vertrauten Gespräch (sohbet)zu begegnen, erlebt die Freude, Gottes Schönheit anzuschauen. Sodann erhält er seinen Ferman (Erlass) und auch die Fähigkeit, mit seinem Auftrag wieder zurückkehren. Er kehrt (zur Erde) zurück. Und so geschah es.

Und wiederum taucht in uns der Gedanke auf, du könntest vielleicht sagen: "Nun gut, es könnte tatsächlich so geschehen sein. Das wäre möglich. Aber nicht alles, was möglich ist, geschieht auch tatsächlich, oder? Gibt es vielleicht etwas vergleichbares, sodass man es auch annehmen könnte? Wenn so etwas noch nicht vorgekommen sein sollte, wie könnte man dann, allein deshalb, weil es vielleicht möglich wäre, auch schon schlussfolgern, dass es auch tatsächlich stattgefunden hat?"

Dem würden wir jedoch entgegnen: Es gibt so viele vergleichbare Beispiele, dass man sie gar nicht zählen kann.

Zum Beispiel:

Ein jeder, der sehen kann, kann auch mit seinem Blick in einem Augenblick von der Erde bis zum Planeten Jupiter emporsteigen. Jeder, der über Wissen verfügt, kann in seinen Gedanken die Gesetze der Astronomie besteigen und in einer Minute bis jenseits der Sterne reisen. Jeder Mensch kann, vom Glauben erfüllt, in Gedanken den Bewegungen des Gebetes folgend diesen Grundpfeiler des Glaubens besteigen und in einer Art Himmelfahrt (Mi'radj)den Kosmos hinter sich lassend bis in die Gegenwart Gottes gelangen. Jeder Gottesfreund in seiner Vollendung vermag sein Herz in beide Hände zu nehmen und in einer spirituellen Reise den Thron und die Bereiche der Namen und Eigenschaften Gottes in vierzig Tagen zu durchreisen. Manche Persönlichkeiten wie Scheich Geylani und Imam Rabbani gelangten auf ihrer spirituellen Reise sogar in einer Minute, wie sie selbst uns zuverlässig berichtet haben, bis zum Throne Gottes empor. Auch die Engel, deren Körper Lichtcharakter haben, reisen aufgrund verschiedener Überlieferungen

in kurzer Zeit, zwischen dem Throne (Gottes) und der Erde auf und nieder. Die Leute, die am jüngsten Tag für das Paradies bestimmt sind, werden von dem Platz der Wiederversammlung in kurzer Zeit in die Gärten des Paradieses auffahren. Mit Sicherheit zeigen so viele Beispiele, dass es die lautere Weisheit und durchaus verständlich ist, dass der Sultan aller Heiligen, der Imam (Vorbeter) aller Gläubigen, der Führer aller Leute des Paradieses und der, den alle Engel preisen, dass der Herr Ahmed, mit dem Friede und Segen sei, als derjenige befunden wurde, dem die Himmelfahrt als ein Mittel zu seiner spirituellen Reise zuteil geworden ist, wie sie seinem Rang (maqam)entsprach, und an welcher es keinen Zweifel gibt...

Dritte Grundlage

Was ist die Weisheit der Himmelfahrt?

Antwort:

Die Weisheit der Himmelfahrt ist so erhaben, dass sie der Mensch in seinem Denken nicht erfassen kann. Sie ist so tief, dass er sie nicht erreichen kann. Sie ist derart subtil, so fein, dass der Verstand sie für sich alleine nicht erkennen kann. Aber auch wenn ihre Wahrheit nicht erfasst werden kann, so kann doch aufgrund einiger Hinweise etwas über ihre Existenz mitgeteilt werden. Es ist dies wie folgt:

Der Schöpfer dieses Kosmos hat, um auf allen Ebenen der Vielfalt das Licht Seiner Gegenwart (Vahdet)und das Aufscheinen Seiner Einheit (Ahadiyet)zu zeigen, durch eine Himmelfahrt (Mi'radj)von der äußersten Ebene der Vielfalt bis hin zum Anbeginn der Einheit (Vahdet)gleichsam in der Art eines Überbrückungskabels, eine auserwählte Person, stellvertretend für die ganze Schöpfung zu Seinem Gesprächspartner angenommen. Er machte ihn zum Stellvertreter aller mit Bewusstsein begabten Wesen, erklärte ihm die Absichten Seiner Gottheit und machte sie durch ihn bekannt. Er betrachtete die Schönheit Seiner Kunst und die Vollkommenheit Seiner Herrschaft in den Spiegeln Seiner Schöpfungen mit den Augen

seines Gesprächspartners und ließ (alle Seine Geschöpfe) auf diese Weise sie durch ihn betrachten. Des Weiteren ist dem Schöpfer der Welt nach dem Zeugnis all Seiner Werke eine unendliche Schönheit und Vollkommenheit zu Eigen.

Was diese Schönheit und Vollkommenheit betrifft, so werden sie beide als die "Geliebten um ihrer selbst willen" genannt. Das heißt, sie werden geliebt für das, was sie sind. Daher liebt derjenige, der diese Schönheit und Vollkommenheit besitzt, Seine Schönheit und Vollkommenheit mit unendlicher Liebe. Diese Seine unendliche Schönheit tritt in Seinen Kunstwerken auf vielerlei Arten in Erscheinung. Er liebt Seine Kunstwerke, denn Er sieht in Seinen Kunstwerken Seine eigene Schönheit und Seine Vollkommenheit. Unter Seinen Kunstwerken sind lebende Wesen die liebenswertesten und erhabensten. Unter denen, die das Leben empfangen haben, sind die, die Bewusstsein tragen, die liebenswertesten und die erhabensten. Unter den mit Bewusstsein begabten Wesen finden sich die Menschen, wegen ihrer Vielseitigkeit, als die Liebenswertesten. Der Liebenswerteste unter den Menschen aber ist derjenige, der die Beispiele der Vollkommenheit zeigt, wie sie in all Seinen Kunstwerken sichtbar werden, wodurch sich seine natürlichen Anlagen aufs schönste entwickelt haben.

Um alle Erscheinungsformen der Liebe, so wie sie sich in allen Gestalten des Seins zeigen, in einem Punkt gespiegelt zu sehen, und um alle Erscheinungsformen Seiner Schönheit im Geheimnis der Einheit (Gottes in jedem einzelnen Wesen = Ahadiyet)zu zeigen, hat der Schöpfer allen Seins eine Person, die als lichtausstrahlende Frucht am Baum der Schöpfung anzusehen ist, und deren Herz als der Kern gilt, der die Grundwahrheiten dieses Baumes in sich umfasst, durch eine Himmelfahrt (Mi'radj),ein Überbrückungskabel, das mit diesem Kern beginnt, von dem aller Anbeginn seinen Ausgang nimmt und mit der Frucht zu seinem Ende gelangt, in Seine Gegenwart gezogen und mit dem Anblick Seiner Schönheit beehrt.

Die Weisheit dieser Himmelfahrt liegt darin, zu zeigen, wie weit diese Person in Stellvertretung des ganzen Kosmos geliebt wird. Er hat ihr durch Seine Ansprache Seine Zuneigung erwiesen und mit Seinem Erlass beauftragt, damit der heilige Zustand dieser Person auf die anderen übertragen werde.

Nun wollen wir, um diese erhabene Weisheit zu betrachten, durch das Fernrohr "Zweier Gleichnisse" blicken.

Erstes Gleichnis:

Wie in der gleichnishaften Erzählung des "Elften Wortes" ausführlich erklärt wurde, hatte ein ruhmreicher König sehr viele Schatzkammern. In diesen Schatzkammern gab es viele Arten von Juwelen. Es waren da wundervolle Kunstwerke, die seine vielfältige Meisterschaft offenbarten. Und auch seine Kenntnisse umfassten alle die Staunen erregenden Wissenschaften. Darüber hinaus schloss sein Wissen auch noch unzählige schöne Künste mit ein. Es entspricht dem Geheimnis eines jeden Herrn in Schönheit und Vollkommenheit, dass er die eigene Schönheit in ihrer Vollkommenheit und die eigene Vollkommenheit in ihrer Schönheit betrachten möchte und möchte, dass sie von anderen betrachtet werde, weswegen auch dieser König aller Wissenschaft eine Messe eröffnete, um den Menschen den Glanz seines Reiches, seine kostbaren Schätze, die Wunderwerke seiner Kunst und die bewunderungswürdigen Resultate seiner Wissenschaften an den Ständen dort vor Augen zu führen. So wollte er von seiner zuvor noch unsichtbaren Schönheit und Vollkommenheit auf zweierlei Weise Zeugnis geben. In erster Hinsicht, damit er sie in eigener Person und mit den Augen des sachkundigen Fachmannes betrachte, zum zweiten, damit er sie mit den Augen der anderen sehe. Zu diesem Zweck begann er damit ein riesengroßes, prachtvolles Schloss zu bauen. Auf meisterhafte Weise unterteilte er es durch Höfe und Säle, schmückte diese mit den unterschiedlichsten Juwelen aus seiner Schatzkammer, stattete es mit den schönsten, feinsten Arbeiten seiner Kunst und seines Handwerkes aus, ordnete alles bis ins einzelne nach

Kenntnis der besonderen Gegebenheiten und Zusammenhänge. Er hat das ganze Schloss mit wunderbaren und Staunen erregenden Werken der schönen Künste ausgestattet und vollendet. Dann hat er besondere Tische für die einzelnen Gruppen aufgestellt, gedeckt mit den verschiedensten seiner Gnadengaben und mit den wohlschmeckendsten seiner Speisen. So hat er denn, um sich ihnen in seiner Vollkommenheit darzustellen, ein öffentliches Fest vorbereitet und seine Untertanen zu einem Ausflug und zu einem Gastmahl eingeladen.

Dann ernannte er einen zu seinem Ehrwürdigen Botschafter und lud ihn von den unteren Etagen und Sälen nach oben; ließ ihn Saal um Saal in den übereinander liegenden Etagen besichtigen. Indem er ihm die Maschinen und die Werkbänke dieser seiner einzigartigen Kunstwerke und die Vorratsspeicher für die Erträge, die von unten herauf kommen, eine nach dem anderen zeigte, geleitete er ihn schließlich in seine Privatgemächer. Er beehrte ihn damit, dass er ihm sein segensreiches Wesen, das die Quelle dieser seiner Vollkommenheiten ist, zeigte und ihn in seiner Audienz empfing. Er enthüllte ihm die wahre Natur seines Palastes und ließ ihn seine eigene Vollkommenheit schauen.

Dann ernannte er ihn zum Museumsführer für seine Besucher und sandte ihn danach wieder zurück. Er sollte den Leuten anhand der Einrichtung des Schlosses, anhand seiner Dekorationen und Einzigartigkeiten den Erbauer des Schlosses bekannt machen und seine Sinnbilder auslegen, sie dessen Piktographie lehren und worin die Harmonie seiner Ornamente und die Ausgewogenheit seiner Verzierungen besteht, in welcher Weise sie auf die Vollkommenheit und Meisterschaft des Schlossherrn hindeuten, und die Besucher des Schlosses solcher Art unterweisen und sie über die Besucherordnung und das Zeremoniell der Besichtigung informieren, sowie ihnen entsprechend dem Wohlgefallen des verborgenen Königs über allem Tun und Wissen, den Ablauf der Audienz schildern.

وَ ِللَّهِ الْمَثَلُ اْلاَعْلٰى

{"Und Gottes sind die erhabensten Gleichnisse."}

Genauso wollte auch der majestätische Schöpfer, der der König von Ewigkeit zu Ewigkeit ist, seine unendliche Vollkommenheit und Schönheit schauen und sie anderen zeigen. Er hat dieses Weltenschloss so erbaut, dass alles, was da ist, mit zahllosen Zungen Seine Vollkommenheit rezitiert und anhand so vieler Zeichen Seine Schönheit zeigt. Dieses Universum zeigt mit allem, was in ihm ist, wie viele verborgene geistige Schätze sich in jedem Seiner Schönen Namen (Esma-i Husna)finden und wie viel Subtiles in jeder Bezeichnung Seiner Heiligkeit verborgen ist. Es zeigt auf diese Weise, dass alle Wissenschaften mit all ihren Prinzipien dieses kosmische Buch seit Adams Zeiten studieren. In Wirklichkeit konnten sie jedoch noch nicht einmal ein Hundertstel der Bedeutungen entziffern, die dieses Buch über die Namen und die Vollkommenheiten Gottes enthüllt, und nicht die Zeichen (ayet),die es zeigt. Der in Seiner Majestät schön und in Seiner Schönheit majestätisch ist und der Erbauer, der Vollkommene, der ein solches Weltenschloss als eine Ausstellung eröffnete, um Seine eigene Vollkommenheit und Seine geistige Schönheit zu betrachten und zu zeigen, erfordert aber nun in Seiner Weisheit, die Bedeutungen der klaren Zeichen dieses Schlosses jemandem mitzuteilen, damit sie für die mit Bewusstsein begabten Wesen auf dieser irdischen Welt nicht absurd und nutzlos bleiben, und um ihn zu den Ursprüngen der Einzigartigkeiten in diesem Schloss und in die hohen Welten empor zu führen, welche die Speicherräume für die Ergebnisse (aus diesen Ursprüngen) sind. Er wird ihn über all diese Dinge empor heben und mit der Nähe Seiner Audienz beehren. Er wird ihn in den jenseitigen Welten umherschweifen lassen und ihn mit vielen Aufgaben beauftragen, als ein Lehrer all Seiner Diener, als ein öffentlicher Ausrufer des Königreiches Seiner Herrschaft, als ein Herold des Wohlwollens Gottes und als ein Kommentator

der Zeichen der Schöpfung in diesem Weltenschloss. Er wird (ausgezeichnet) durch seine Wunder (und durch sie gleichsam wie mit) Orden (geschmückt) seine hervorragende Stellung erweisen. Er wird durch den Qur'an als Seinem Erlass bekannt geben, dass diese Persönlichkeit das hervorragende und getreue Sprachrohr des majestätischen Herrn ist.

Durch das Fernglas dieses Gleichnisses haben wir ein, zwei von den sehr vielen Weisheiten der Himmelfahrt (Mi'radj)als Musterbeispiel gezeigt. Die anderen kannst du damit vergleichen.

Zweites Gleichnis:

Wenn ein Wissenschaftler z.B. ein wunderbares Buch verfasst und es niederschreibt, ein Buch, das auf jeder seiner Seiten die Wahrheiten von hundert Büchern enthielte, und das mit jeder Zeile die subtilen Bedeutungen von hundert Seiten enthielte, und das mit jedem seiner Worte so viele Wahrheiten wie hundert Zeilen enthielte, und das mit jedem seiner Buchstaben so viele Bedeutungen wie hundert Wörter enthielte, und wenn alle Bedeutungen und Wahrheiten dieses Buches die geistigen Vollkommenheiten dieses wunderbaren Schreibers betreffen und darauf hindeuten, wird er mit Sicherheit einen so unerschöpflichen Schatz nicht verschlossen halten und nutzlos lassen. Mit Sicherheit wird er dieses Buch (dazu verwenden, einige aus ihm) zu unterweisen, damit dieses kostbare Buch nicht sinn- und bedeutungslos liegen bleibt. Seine verborgene Vollkommenheit soll sich zeigen und zu ihrer Vollendung entfalten. Seine geistige Schönheit soll erkannt werden, worüber er sich freuen wird und die es mit sich bringt, dass man ihn liebt. Er wird sogar jemanden aus diesem einzigartigen Buch mit all seinen Bedeutungen und Wahrheiten unterweisen und jede einzelne Seite von der ersten bis zur letzten eingehend mit ihm durcharbeiten.

Genauso hat der urewige Designer diesen Kosmos in einer solchen Weise entworfen und gezeichnet, dass alles, was da ist, in vielerlei Hinsicht Seine unendliche Vollkommenheit, Seine Namen und Seine Eigenschaften bekannt

gibt und zum Ausdruck bringt, um Seine Vollkommenheit, Seine Schönheit und die Wahrheit Seiner Namen aufzuzeigen. Wenn die Bedeutung eines Buches nicht erkannt wird, versinkt es mit Sicherheit im Nichts. Aber ein Buch, dessen jeder Buchstabe Tausende von Bedeutungen in sich umfasst, ist unvergänglich und kann man auch nicht im Nichts versinken lassen.

Daher wird derjenige, der dieses Buch geschrieben hat, es auch bekannt machen und entsprechend der Begabung eines jeden Volkes veranlassen, dass ein Teil von ihm erklärt werde. Außerdem wird er eine einzelne Persönlichkeit, den, der das umfassendste Blickfeld, ein umfangreiches Bewusstsein und die erlesenste Begabung besitzt, über das gesamte Kompendium unterrichten.

Um das gesamte Kompendium eines so umfangreichen Buches und seine universale Wahrheit zu unterweisen, erfordert es die Weisheit, einen ganz außerordentlichen Höhenflug zu unternehmen. Das heißt, es ist notwendig, angefangen von den äußersten Enden der Ebenen der Vielheit, die seine ersten Seiten sind, bis in die Sphären der Einheit (Ahadiyet),die seine letzten Seiten sind, empor zu reisen. Nun kannst du durch dieses Gleichnis die hohe Weisheit der Himmelfahrt (Mi'radj)bis zu einem gewissem Umfang betrachten.

Nun wenden wir uns zu dem Ungläubigen, der da als Zuhörer sitzt, und wollen aus seinem Herzen hören, in welch einen Zustand es nun gelangt ist. Da kommt es uns nun in den Sinn, dass er sich in seinem Herzen sagt: "Ich habe begonnen zu glauben. Aber ich kann es noch nicht klar verstehen. Ich habe da noch drei bedeutende Schwierigkeiten.

Erstens:

Warum ist diese große Himmelfahrt (Mi'radj)ein Privileg Mohammeds, mit dem Friede und Segen sei?

Zweitens:

Wie kann diese Persönlichkeit der Keim des Kosmos sein? Sie sagen: "Der Kosmos wurde aus seinem Licht erschaffen. Außerdem ist er seine höchste und leuchtendste Frucht." Was bedeutet das?"

Drittens:

In den obigen Erklärungen sagen Sie: Er ist emporgestiegen, um in den hohen Welten die Maschinen, die Werkbänke und die Speicherkammern der Ergebnisse der Werke dieser irdischen Welt zu sehen. Was heißt das?

Antwort:

Zu ihrem ersten Problem:

Es wurde in den dreiunddreißig Abhandlungen der "Sözler(Worte)" ausführlich behandelt. Wir wollen hier aber noch einmal eine kurz zusammengefasste Liste der Vollkommenheiten der Persönlichkeit Mohammeds, mit dem Friede und Segen sei, und den Beweis für sein Prophetentum aufstellen und auch dafür, dass er für die große Himmelfahrt der würdigste ist.

Erstens:

Obwohl die Heiligen Schriften wie Torah, Psalmen und Evangelien sehr stark entstellt worden sind, hat ein Quellenforscher wie Husayin Djisri in unseren Tagen in seinem Werk "Risale-i Hamidiye"114 Botschaften in der Form von Zeichen, die das Prophetentum Mohammeds, mit dem Friede und Segen sei, betreffen, zusammengestellt. {In dem Sinne empfehlen wir unseren Lesern auch das Buch von Abdul-Ahad Davud (David Benjamin) "Mohammed in der Bibel" in deutscher Übersetzung. (A.d.Ü.)}

Zweitens:

Die Geschichte berichtet in zuverlässiger Weise, dass gleich zwei berühmten Wahrsagern wie Shik und Satih, viele Verkündigungen kurz vor Beginn der prophetischen Zeit Mohammeds, mit dem Friede und Segen sei, sein Prophetentum vorausgesagt haben und auch, dass er der Prophet der letzten Zeitepoche sein werde.

Drittens:

In der Nacht, in der Ahmed, mit dem Friede und Segen sei, geboren wurde, stürzten die Götzen in der Kaaba vom Sockel und auch die Säulenhalle des berühmten Palastes der Könige von Persien stürzte ein. Und noch hunderte anderer, Irhasat genannter Wunder wurden geschichtlich bekannt.

Viertens:

Er tränkte eine Armee mit dem Wasser, das

seinen Fingern entströmte. Ein trockener Baumstumpf weinte und stöhnte gleich einem Kamel vor einer gewaltigen Gemeinde in der Moschee über die Trennung von Ahmed, mit dem Friede und Segen sei, als dieser eine richtige Kanzel (Minber)erhalten hatte. Mehr als Tausende solcher Wunder, wie die Spaltung des Mondes entsprechend der Ayah وَانْشَقَّ الْقَمَر {"Als der Mond gespalten wurde..." (Sure 54, 1)} sind von den Quellenforschern untersucht und bestätigt worden und zeigen seine Erhabenheit und Größe in seiner eigenen wie in der allgemeinen Geschichte.

Fünftens:

Freund und Feind bestätigen gleichermaßen, dass sich bei ihm gute moralische Qualitäten in höchstem Grade finden. Sein gesamtes Verhalten bezeugt, dass er einen überragenden Charakter in der Erfüllung seines Auftrages und in seiner Lehrverkündigung im höchstem Grade besitzt. Seine moralischen Werte islamischen Glaubens bezeugen, dass unter seinem Gesetz Eigenschaften, preiswürdig in hohem Maße, im Grade höchster Vollkommenheit vorhanden sind. Leute von Recht, Billigkeit und Sorgfalt werden dies nicht zurückweisen.

Sechstens:

Wie wir im Zweiten Zeichen des "Zehnten Wortes" aufgezeigt haben, hat Ahmed, mit dem Friede und Segen sei, der in überragendem Grade eine Persönlichkeit war, jene göttliche Erhabenheit und Größe, die - und das ist ein Erfordernis ihrer Weisheit - sichtbar werden will, mit seinem Glauben in seiner dienenden Anbetung auf höchst glänzende Weise gezeigt.

Überdies erfordert es die Weisheit und Wahrheit des Schöpfers der Welten, Seine unendliche Schönheit und Vollkommenheit in einer geeigneten Weise zu offenbaren. Und wer sie in ihrer schönsten Gestalt aufzuzeigen und darzustellen vermag, das ist ganz ohne allen Zweifel diese Persönlichkeit.

Überdies möchte der Meister der Welten Sein unendlich schönes und vollkommenes Kunstwerk ausstellen und die aufmerksamen Blicke darauf lenken. Und wer es mit der lautesten Stimme öffentlich auszurufen vermag, das ist ganz offensichtlich diese Persönlichkeit.

Überdies möchte der Herr der Welten Seine Einheit (Vahdaniyet)der Vielzahl der Ebenen (Seiner Schöpfung) verkünden. Und wer diese Einheit (Tauhid)auf allen Stufen im äußersten Grade zu verkünden vermag, das ist wiederum mit Naturnotwendigkeit diese Persönlichkeit.

Überdies möchte der Besitzer der Welten im Zeichen Seiner im unendlichen Grade vollkommenen Werke Seine unendliche Schönheit in Seinen wesentlichen Eigenschaften, Seine Schönheit in Seinen besten Eigenschaften, Seine Schönheit in Seinen feinsten Eigenschaften, die in Wahrheit und Weisheit nach einem Spiegel verlangen, sehen und sehen lassen. Und wer sie (: die Schönheit) auf das allerprächtigste widerspiegelt und selbst wie ein Spiegel ist, sie liebt und andere dazu veranlasst, sie zu lieben, das ist wiederum offensichtlich diese Persönlichkeit.

Überdies möchte der Baumeister dieses Weltenschlosses Seine unsichtbaren Schatzkammern, die angefüllt sind mit außergewöhnlichen und einzigartigen Wunderwerken und kostbaren Juwelen, zeigen und ausstellen... in ihnen Seine Vollkommenheit wissen und erkennen lassen. Und wer sie in überragender Weise auszustellen, darzustellen und zu erklären vermag, das ist wiederum offensichtlich diese Persönlichkeit.

Überdies möchte der Baumeister des Kosmos, der diesen Kosmos erbaut und mit allerlei Besonderheiten und Ornamenten verziert hat... der Seine Geschöpfe mit Bewusstsein begabt und ihnen darin Wohnung gegeben hat, damit sie darin umher wandeln, umher schauen, anbeten und nachdenken sollen... diesen Geschöpfen, die Seine Werke und Kunstgegenstände sehen und darüber nachdenken, - wie es Seine Weisheit erfordert - ihren Sinn und Wert zu erkennen geben. Und wer in überragender

Weise Dschinnen und Menschen, ja sogar Engel und Geister mit Hilfe des Weisen Qur'an führt, das ist offensichtlich wieder diese Persönlichkeit.

Überdies möchte der Allweise König dieses Kosmos, dass das verschlossene Geheimnis von Ziel und Zweck aller Verwandlungen in diesem Kosmos... das Rätsel dieser drei schweren Fragen nach dem woher? und wohin? jeden Seins und was es überhaupt ist, durch einen Botschafter allen Bewusstsein tragenden Wesen enthüllen lassen. Und wer dieses Geheimnis enthüllt und dieses Rätsel mit der Wahrheit des Qur'an auf eine klare Weise und in alles überragendem Grade löst, das ist wiederum offensichtlich diese Persönlichkeit.

Überdies möchte der erhabene Baumeister dieser Welt sich selbst allen Bewusstsein tragenden Wesen in Seinen schönen Kunstwerken zu erkennen geben und von ihm für Seine kostbaren Geschenke geliebt werden. Deshalb möchte Er, dass allen Bewusstsein tragenden Wesen durch einen Botschafter Seine göttlichen Wünsche und auch das, womit sie Sein Wohlgefallen erlangen können, verkündet werden. Und wer durch den Qur'an in höchster und vollkommenster Weise zu erklären und zu übermitteln vermag, worin Sein Wunsch und Wohlgefallen besteht, das ist wiederum offensichtlich diese Persönlichkeit.

Überdies möchte der Herr der Welten, weil der Mensch, der die Frucht der Schöpfung ist und dem Er eine umfassende Begabung mitgegeben hat, welche die ganze Schöpfung umschließt, und den Er zu einem anbetenden Dienst stellvertretend für alle vorbereitet hat, der durch seine Seelenlage mit vielem verbunden ist, und weil er der Welt verhaftet ist, dass er mit Hilfe eines Seelenführers sein Antlitz von der Vielheit weg zur Einheit hin und vom Vergänglichen weg zum Beständigen hin wenden soll. Und wer in höchstem Grade und in der prägnantesten Form mit Hilfe des Qur'an auf das Beste zu führen vermag und seinen Auftrag als Prophet auf das Vollkommenste zu erfüllen weiß, das ist wiederum offensichtlich diese Persönlichkeit.

Nun aber ist das erhabenste unter allem Dasein das belebte, und unter allem, was lebt, ist das erhabenste das bewusste, und unter allem was bewusst ist, ist das erhabenste der wahre Mensch, und er, der unter den wahren Menschen die oben erwähnten Aufgaben in höchstem Grade und auf vollkommenste Weise erfüllt... sicherlich wird er bei einer Großen Himmelfahrt aufsteigen bis Qab-i Qauseyn, an die Pforten der Ewigen Glückseligkeit klopfen, die Schatzkammer der Barmherzigkeit öffnen, die unsichtbare Wahrheit des Glaubens schauen: das wird "er" sein.

Siebtens:

Wie wir beobachten können, ist dieses Kunstwerk besonders schön ausgestaltet und mit Verzierungen versehen, die es in unendlichem Maße veredeln. Offensichtlich zeigt diese Gestaltung und Veredelung, dass sein Meister eine große Macht besitzt und den starken Wunsch hat (= irade:der Wille Gottes und Seiner Bewusstsein tragenden Geschöpfe), auszugestalten und zu veredeln. Diese Macht und dieser Wunsch auszugestalten und zu veredeln zeigen aber mit Notwendigkeit ein starkes Interesse an Seiner Kunst und Seine (reine und) heilige Liebe zu ihr. Wer aber im Mittelpunkt dieses Kunstwerkes steht und alle Feinheiten dieses Kunstwerkes in sich zeigt, sie kennt und zur Kenntnis bringt und (seinen Nächsten) dazu bringt, Ihn zu lieben, und die Schönheiten in den übrigen Kunstwerken "Mashaallah" sagend, bewundernd preist, der wird in den Augen des Meisters, der ein Kunstverehrer ist und Seine eigenen Kunstwerke sehr liebt, offensichtlich in höchstem Grade der Geliebte sein.

Wer also die Himmel vor den mit Tugenden und Werten vergoldeten Kunstwerken, den Feinheiten und Vollkommenheiten, die alles Sein erleuchten, "Subhanallah! Mashaallah! Allahu Ekber!" sagend widerhallen lässt, das Weltall durch den Klang des Qur'an in Erregung versetzt und wer durch seinen Lobpreis und mit seiner Bewunderung, durch die Tiefe seiner Gedanken und Darlegungen,

durch das Gottesgedenken (dhikr)und die Vergegenwärtigung Seiner Einheit (tauhid)Land und See in Ekstase versetzt, das ist wiederum augenscheinlich diese Persönlichkeit. So ist es diese Persönlichkeit, die, entsprechend dem Geheimnis: اَلسَّبَبُ كَالْفَاعِلِ {"Der, welcher veranlasst, ist gleich dem, welcher ausführt."} ebenso viele gute Werke in seiner Waagschale vorfindet, wie die gesamte Gemeinde verrichtet hat... dessen innere Vollkommenheit durch die Gebete der gesamten Gemeinde noch wächst... der die Früchte seines Auftrages als Prophet gesehen hat und darüber hinaus mit dem geistigen Lohn auch den unendlichen Segen der Barmherzigkeit und göttlichen Liebe empfangen hat. Und es ist sicherlich volle Gerechtigkeit, Wahrheit in sich selbst und reine Weisheit, wenn diese Persönlichkeit auf der Leiter "Mi'radj(Himmelfahrt)" ins Paradies, bis zum "Sidratu l-Munteha(Himmelslotos)", zum Thron (Gottes), ja bis "Qab-i Qauseyn(= gleicht der Gegenwart Gottes)" emporsteigt.

Und nun zu deiner zweiten Schwierigkeit:

Oh du Mensch, der du da bist und uns zuhörst! Diese Wahrheit, die du als deine zweite Frage stellst, ist dermaßen tief und dermaßen hoch, dass der Verstand weder genügt, noch sich annähern kann. Es sei denn, sie wird durch das Licht des Glaubens ersichtlich. Aber anhand einiger Gleichnisse kann die Existenz dieser Wahrheit dem Verstand näher gebracht werden. Wenn das so ist, versuchen wir es ein bisschen näher zu bringen.

Wenn man diesen Kosmos mit dem Blick der Weisheit betrachtet, sieht man ihn in der geistigen Gestalt eines gewaltig großen Baumes. So wie ein Baum Äste, Blätter, Blüten und Früchte trägt, so sehen auch in der niederen Welt, welche ein Ast am Baum der Schöpfung ist, Elemente wie Äste, Pflanzen und Bäume wie Blätter, Tiere wie ihre Blüten und Menschen wie ihre Früchte aus.

Ein Gesetz des majestätischen Schöpfers, das für die Bäume gilt, muss mit Sicherheit auch für diesen gewaltig großen Baum gelten, was ein Erfordernis des Namens "der Allweise" ist. Daher erfordert die Weisheit, dass auch dieser Baum der Schöpfung aus einem Kern gemacht wird. Er soll sogar ein solcher Kern sein, dass er außer dieser materiellen sichtbaren Welt auch das Musterbeispiel und die Grundzüge der anderen Welt umfasst. Denn der ursprüngliche Kern und der Ursprung des Kosmos, der Tausende unterschiedlicher Welten in sich enthält, kann nicht einfach trockene Materie sein. Da es nun einmal vor diesem kosmischen Baum keinen anderen Baum gleicher Art gegeben hat, so ist es ein Erfordernis des Namens "der Allweise", dass der Bedeutung und dem Licht, welche sein Ursprung und Kern sind, mit Sicherheit an dem Baum des Kosmos ein Kleid angelegt werde, welches nun das Fruchtfleisch (rund um den Kern) ist. Denn ein Kern kann nicht immer unbedeckt bleiben. Da er nun einmal anfangs nicht mit Fruchtfleisch wie mit einem Kleid bedeckt war, wird er mit Sicherheit am Ende dieses Kleid tragen.

Da nun einmal diese Frucht der Mensch ist und unter den Menschen, wie oben bewiesen wurde, die berühmteste und die prächtigste Frucht, die Persönlichkeit Mohammeds ist, mit dem Friede und Segen sei, die die Aufmerksamkeit der Allgemeinheit auf sich zieht und den Blick der halben Welt und eines Fünftels der Menschheit auf sich lenkt und durch seine geistig-moralischen Qualitäten die Welt entweder mit Begeisterung oder mit Staunen auf sich blicken lässt, wird sich mit Sicherheit das Licht, das für das Entstehen des Kosmos der Kern war, als Persönlichkeit einen Körper anziehen, in ihm Gestalt annehmen und sich so als die letztendliche Frucht (der Menschheit) zeigen.

Nun also, oh Zuhörer! Halte es nicht für unvorstellbar, dass dieser einzigartige, gewaltig große Kosmos aus dem winzig kleinen Wesen eines Menschen erschaffen wurde. Wie sollte der majestätische Allmächtige, der einen riesigen Tannenbaum,

gleich einer Art Welt, aus einem Kern, der so groß wie ein Weizenkorn ist, erschafft, diesen Kosmos nicht aus dem "mohammedanischen Lichte" (Nur-u Muhammediye)erschaffen? Ja, warum sollte Er es denn nicht tun!

Da der Baum der Schöpfung dem paradiesischen Tuba-Baum gleicht, dessen Stamm und dessen Wurzeln oben sind und seine Äste unten, so gibt es auch eine lichtvolle, verbindende Linie von der Ebene der Früchte unten bis zu der Ebene des ursprünglichen Kernes oben. Also ist die Himmelfahrt die Hülle und die Gestalt dieser verbindenden Linie. Die Persönlichkeit Ahmeds, mit dem Friede und Segen sei, hat diesen Weg eröffnet, ist als ein Freund zu Gott emporgestiegen, als sein Gesandter (wieder zur Erde) zurückgekehrt und hat auch das Tor hinter sich offen gelassen. Die Gottesfreunde seiner Gemeinde, die ihm nachfolgen, fahren mit Herz und Sinn diese lichtvolle Straße unter dem Schatten der Himmelfahrt des Propheten und erheben sich entsprechend ihrer Begabung zu hohem Rang (maqam).

Darüber hinaus hat der Baumeister dieses Kosmos, wie oben bereits bewiesen, diesen Kosmos für die Ziele, die in der Behandlung der "ersten Schwierigkeit" erklärt wurden, in der Gestalt eines Schlosses erbaut und dementsprechend ausgestattet. Da der Angelpunkt dieser Ziele die Persönlichkeit Ahmeds ist, mit dem Friede und Segen sei, ist es notwendig, dass er schon vor der Erbauung des Universums von seinem Baumeister in Gnaden angesehen wurde und als erster Seine Erscheinung (Epiphanie) empfangen hat. Denn das Ergebnis, die Frucht eines Dinges, steht am Anfang der Betrachtung. Das heißt, dass er körperlich der letzte, geistig der erste ist. In Wirklichkeit ist die Persönlichkeit Ahmeds, mit dem Friede und Segen sei, sowohl die vollkommenste Frucht, als auch der Quellgrund, aus dem dann alle Ziele empor tauchen. Die allererste Erscheinung im göttlichen Schöpfungsakt musste daher dessen Licht sein.

Was deine dritte Schwierigkeit betrifft, so ist die Wahrheit ihrer Antwort dermaßen umfangreich, dass Menschen wie wir, die ein eng (begrenztes) Vorstellungsvermögen haben, sie nicht aufnehmen und begreifen können. Aber wir können sie doch von weitem betrachten. In der Tat finden sich die geistigen Werkbänke und die allgemeinen Gesetze der niederen Welt in den hohen Welten. Auch die Ergebnisse der Taten der grenzenlos vielen Geschöpfe der Erde, die ein Ausstellungsort der Kunstwerke ist, und die Früchte der Handlungen von Dschinnen und Menschen, nehmen in den hohen Welten Gestalt an.

Ja, Hinweise des weisen Qur'an zeigen, dass die guten Taten die Form und Gestalt der Früchte im Paradiese und die schlechten Taten die der Früchte des Zakkumbaumes in der Hölle annehmen, so wie dies auch sehr viele Überlieferungen (Hadith)und sehr viele Hinweise bezeugen und wie es die Weisheit (hikmet)des Kosmos und der Name Gottes "der Allweise (Hakiem)"erfordern. In der Tat ist die Vielfalt, die uns das Antlitz der Erde (zeigt), dermaßen ausgedehnt und die Schöpfung dermaßen reich gegliedert, dass sich viel mehr Arten Geschöpfe und Gattungen von Kunstwerken auf der Erdkugel finden, als sonst Kunstwerke im gesamten Kosmos verteilt sind, sie beständig verändernd, füllend und leerend.

So sind denn mit Sicherheit die Quellen und Minen aller Dinge und die Vielfalt aller Arten allgemeine Gesetze und allgemeine Erscheinungen der Namen Gottes. Es sind die Himmel, wo diese allgemeinen Gesetze, diese allgemeinen Erscheinungen und diese allumfassenden Namen erscheinen, die in gewissem Grade einfach und klar und deren jeder eine Decke, ein Thron und Zentrum der Lenkung und Leitung einer Welt ist. Eine von diesen Welten ist das Paradies "Me'va"(Heim) am "Sidretu l-Munteha"(Lotusbaum). Nach der Überlieferung des treuen Boten, mit dem Friede und Segen sei, steht fest, dass die Lobpreisungen und die Danksagungen auf Erden die Gestalt der paradiesischen Früchte annehmen. So zeigen denn diese drei Punkte (Hadith, hikmet, Hakiem),dass dort die Speicher der Ergebnisse und der Früchte von der Erde sind und die Erträge nach dort gehen.

Sage nicht: Wie kann mein "Elhamdulillah(Dank sie Gott)", ein Klangkörper, der nur aus Luft besteht, eine leibhaftige Frucht des Paradieses werden?

Denn: Manchmal isst du im Traum in der Form eines schönen Apfels ein gutes Wort, dass du am Tage mit wachen Sinnen ausgesprochen hast. Ein scharfes Wort am Tage schluckst du in der Nacht in Form eines scharfen Getränks. Eine üble Nachrede wirst du wie das Fleisch deines toten (Bruders) essen müssen. Daher wirst du die guten Worte, die du im Schlafe dieses Lebens auf der Erde sagst, und deine schlechten Worte in Form von Früchten in der jenseitigen Welt, die die Welt des Wachzustandes ist, speisen und du sollst diese Speise nicht für unmöglich halten.

Vierte Grundlage

Was sind die Früchte und die Wohltaten, welche die Himmelfahrt (mit sich bringt)?

Antwort:

Wir wollen nur fünf von den mehr als fünfhundert Früchten, welche diese Himmelfahrt gleich dem Tuba-Baum hervor bringt, als Beispiel erwähnen.

Erste Frucht:

Die Wahrheit der Grundpfeiler des Glaubens mit den eigenen Augen zu betrachten, die Engel, das Paradies, das Jenseits, ja sogar den majestätischen Herrn von Angesicht zu schauen, ist ein solcher Schatz, ein Licht von Ewigkeit zu Ewigkeit und ein ewiges Geschenk für das Universum und die Menschheit, dass es diesen Kosmos von aller Wirrnis und einem Zustand befreit, der nur als vergänglich vorzustellen wäre. In diesem Licht und mit dieser Frucht zeigt (die Himmelfahrt), dass dieser Kosmos in Wahrheit ein heiliger Brief des Einzigartigen und ein wunderbarer Spiegel der Schönheiten des einen Herrn (Ahad)ist. Sie erfreut den ganzen Kosmos und alle, die Bewusstsein tragen. Des Weiteren zeigt sie durch dieses Licht und diese Frucht den Menschen,

verwirrt, verstört, schwach, armselig, geplagt von zahllosen Bedürfnissen, umgeben von unendlich vielen Feinden, vergänglich und ohne Dauer in seinem ganzen Zustand der Verhaftung an den Irrtum, zeigt diesen Menschen durch diese heilige Frucht in seiner wahren Gestalt, als Gast des Einzigartigen, als ein Wunder Seiner Macht, als den vornehmsten der Schöpfung (Ahsen-i Taqvim)und als ein umfassendes Beispiel der Briefe des Einzigartigen und einen Gesprächspartner des Königs aller Ewigkeiten, Seinen persönlichen Diener, der von Seiner Vollkommenheit begeistert ist, Sein Freund, der (Ihn und) Seine Schönheit bewundert, Sein Geliebter und Sein Kandidat für ein ewig währendes Paradies. Alle Menschen, die wahrhafte Menschen sind, brachte sie eine grenzenlose Freude und versetzte sie in Begeisterung.

Zweite Frucht:

Sie brachte besonders das rituelle Gebet (namaz)- die Grundlagen des Islam, der die Gesamtheit dessen ist, woran der Herrscher aller Ewigkeiten, der Schöpfer allen Seins, der Eigentümer des Kosmos und der Herr der Welten Seinen Wohlgefallen hat, den Dschinnen (Geistwesen) und Menschen als Geschenk. (Der Wunsch), zu wissen, womit er seinen Herrn zufrieden stellen kann, weckt sein Interesse und verheißt ihm ein solches Glück, dass man es gar nicht beschreiben kann. Denn: Wie sehr wünscht jeder, die Wünsche eines großen Wohltäters oder wohltätigen Königs zu erfahren, wenn dieser so weit von ihm entfernt ist und wenn er sie erfährt, wie sehr freut er sich darüber. Er wünscht sich: "Gäbe es doch ein Nachrichtenmittel, sodass ich unmittelbar mit diesem Herrn sprechen könnte. Könnte ich doch erfahren, was er von mir will. Könnte ich doch wissen, was das ist, was er sich von mir wünscht und was ihm gefällt."

Du kannst nun verstehen, dass es ganz besonders notwendig ist, dass der Mensch danach verlangt, zu erfahren, was seine wahre Sehnsucht ist und zu wissen wünscht, worauf denn das Wohlgefallen dessen (ruht), der alles Sein in Seiner Hand hält und darüber verfügt

und im Verhältnis zu dessen Schönheit und Vollkommenheit die Schönheit und Vollkommenheit allen Seins nur ein schwacher Schatten ist, dessen der Mensch zu jeder Zeit auf eine grenzenlose Weise bedarf und dessen unendliche Güte er erfährt. So hat denn die Persönlichkeit Ahmeds, mit dem Friede und Segen sei, die Gesamtheit der Wünsche dieses Königs aller Ewigkeiten unmittelbar als die Frucht seiner Himmelfahrt (Mi'radj)mit selbsterlebter Gewissheit gehört, mitgebracht und dem Menschen geschenkt.

In der Tat interessiert sich der Mensch sehr, die Lage auf dem Mond zu erfahren. Würde jemand dahin fahren, zurückkehren und uns Nachricht geben, was wäre er nicht alles bereit, dafür zu opfern! Würde er etwas darüber erfahren, wie sehr würde es ihn doch in Erstaunen versetzen und seine Neugier erregen! Dabei ist es doch in Wirklichkeit so, dass der Mond im Lande dessen umherreist, welcher Herr über alles Eigentum ist: dieser Mond umkreist die Erde gleich einer Fliege. Die Erdkugel fliegt wie eine Motte um die Sonne. Die Sonne ist eine Lampe unter tausend Lampen und sie dient als Leuchte im Gästehaus dessen, der in Seiner Majestät der Herr allen Eigentums ist.

Die Persönlichkeit Ahmeds, mit dem Friede und Segen sei, sah das Wirken solch eines majestätischen Herrn und Seine einzigartigen Kunstwerke und die Schätze Seiner Barmherzigkeit in der ewigen Welt und kam zurück und benachrichtigte den Menschen. Also, kannst du verstehen, in wie weit sich der Mensch der Vernunft und aller Weisheit zuwider verhält, wenn er dieser Persönlichkeit nicht mit Interesse, Begeisterung und Liebe lauscht.

Dritte Frucht:

Er sah die Schatzkammer der Ewigen Glückseligkeit, nahm dessen Schlüssel mit sich und brachte ihn Dschinnen und Menschen als Geschenk. Er hat in der Tat bei seiner Himmelfahrt das Paradies mit eigenen Augen geschaut und in ihm die ewigen Spiegelungen der Barmherzigkeit des Erbarmens (leibhaftig) bezeugt und die Ewige Glückseligkeit mit absoluter Gewissheit

und aus eigenem, persönlichen Erleben erfahren und Dschinnen und Menschen die frohe Kunde, dass es eine Ewige Glückseligkeit gibt, als Geschenk überbracht. Es ist eine gute Nachricht in den Ohren aller sterblichen (fani)Dschinnen und Menschen, die in sich die herzzerreißende Vorstellung nähren, dass sie und alles Sein und Leben hilflos in einer unbeständigen Welt, in einem Erdbeben mit Untergang und Trennung im Fluss der Zeit in seine Bestandteile (dherrat)zerfällt und dem Meer der ewigen Abwesenheit und Trennung entgegen fließt, es ist für sie eine so beglückende Botschaft so unaussprechlich wertvoll und glückbringend, dass es sich gar nicht beschreiben lässt.

Welch ein Grund der Freude ist es für einen Mann, dem seine Hinrichtung im Moment des Vollzuges erlassen und ein Schloss in der Nähe des Königs gegeben wird. Fasse nun alle diese Freuden der Dschinnen und Menschen zusammen, dann wirst du den Wert dieser frohen Botschaft ermessen können.

Vierte Frucht:

So empfing er denn die Schau der Schönheit Gottes wie eine reife Frucht. Und so wie er sie selber empfangen hatte, brachte er sie Menschen und Dschinnen als ein Geschenk, damit es für einen jeden Gläubigen möglich sein sollte, diese Frucht zu erlangen und du nun im folgenden vergleichen kannst, wie wohlschmeckend, köstlich und schön diese Frucht ist. Denn wer immer ein Herz hat, der liebt Menschen, die voll Schönheit, Vollkommenheit und Güte (ihsan)sind. Diese Liebe wächst im Grade dieser Schönheit, Vollkommenheit und Güte, bis sie den Grad der Verehrung erreicht und gipfelt schließlich darin, dass man für sie sein Leben, ja, sie auch nur ein einziges Mal schauen zu können, die ganze Welt zu opfern bereit ist. Und doch entspricht der Vergleich der Schönheit, Vollkommenheit und Güte allen Seins und Lebens mit Seiner Schönheit, Vollkommenheit und Güte, noch nicht einmal dem Verhältnis eines einzigen, winzigen kleinen Fünkleins mit der Sonne. Das aber heißt, wenn du in Wahrheit ein Mensch bist, so kannst du

verstehen, wie glückbringend und welch ein Grund der Freude und was für eine angenehme und schöne Frucht es ist, den Herrn, der Majestät und Vollkommenheit besitzt, der einer grenzenlosen Liebe und Begeisterung würdig ist und es verdient, immer und ewig in grenzenloser Glückseligkeit betrachten zu dürfen.

Fünfte Frucht:

Durch die Himmelfahrt wurde nun verständlich, dass der Mensch die kostbare Frucht des Kosmos und der verzärtelte Liebling des Schöpfers ist, und durch sie wurde jetzt diese (fünfte) Frucht zu den Dschinnen und Menschen gebracht. Durch diese Frucht steigt der Mensch, als ein kleines Geschöpf, ein schwaches Lebewesen mit einem ohnmächtigen Bewusstsein, zu einer so hohen Stellung (maqam)auf, dass ihm im Universum die stolze Stellung über allem verliehen wird, was da ist. Sie verleiht ihm eine so große Freude und Glückseligkeit, wie sie sich gar nicht beschreiben lässt. Denn: Sagt man einem einfachen Soldaten: "Du bist zum General ernannt.", wie sehr wird er sich doch darüber freuen! Wenn einem hilflosen Menschen aber, einem vergänglichen, ohnmächtigen Lebewesen, einem denkenden und sprechenden Tier, ständigen Schicksalsschlägen, wie Trennung und Verderben ausgesetzt, plötzlich gesagt wird, dass er in ein für ewig bleibendes und beständiges Paradies gelangen kann, in dem er durch das Erbarmen des Barmherzigen und freigiebigen Allerbarmers alle Wünsche seines Herzens befriedigen und in Gedankenschnelligkeit, in der Weite seines Geistes (ruh),im Fluss seines Verstandes, nach Herzenslust durch mulk(die Welt aus der Sicht der Menschen) und melekut(die Welt aus der Sicht der Engel) wandern und reisen und noch dazu in der ewigen Glückseligkeit zur Anschauung der Schönheit Gottes gelangen wird, dann kannst du dir vorstellen, was für eine tiefe und ernsthafte Freude und welchen Frohsinn ein Mensch, dem seine Menschlichkeit nicht verlorengegangen ist, in seinem Herzen verspüren wird.

Nun sagen wir zu der Person, die hier als Zuhörer anwesend ist: Nimm das Hemd deines Unglaubens, zerreiße es und wirf es weg! Lege das Ohr eines Gläubigen an und setze die Augen eines Muslims auf. Ich will dir durch zwei kleine Gleichnisse zeigen, wie wertvoll ein oder zwei von diesen Früchten sind.

Zum Beispiel:

Wir befinden uns zusammen mit dir in einem gewissen Land. Wir sehen, dass dort alles gegen uns und untereinander feindselig eingestellt und uns fremd ist. Überall liegen grauenerregende Leichname. Die Geräusche, die zu uns dringen, rühren vom Weinen der Waisen und Wehgeschrei der Unterdrückten. Ginge nun jemand, während wir uns noch in dieser Lage befinden, zum König dieses Landes und brächte uns eine gute Nachricht von ihm und durch diese gute Nachricht verwandelten sich diejenigen, die uns bisher fremd waren, in Freunde, und diejenigen, die uns wie Feinde vorkamen, nähmen die Gestalt von Geschwistern an. Und diese furchtbaren Leichname erschienen uns als Gottes Diener und Anbeter, die sich in Demut und Ehrfurcht verbeugen, Gottes gedenken und Ihn lobpreisen. Das Weinen der Waisen wird zu dem Ruf: "Er lebe hoch!" Raub, Mord, Totschlag und Plünderung werden zu Entlassungen. Wenn wir nun zu unserer eigenen Freude noch die Freude aller hinzufügten, dann kannst du sicherlich verstehen, wie glückbringend diese Botschaft ist.

So war es denn, dass man, bevor das Licht des Glaubens erschien, das eine Frucht der Himmelfahrt Ahmeds ist, mit dem Friede und Segen sei, dieses Universum und alles in ihm mit den Augen des Irrglaubens betrachtete. (Alle Wesen und Dinge) sahen fremd, bedrohlich, beunruhigend, furchterregend und schrecklich aus und die Silhouetten der Berge erinnerten an schreckliche Leichen. Die Todesstunde schlug jedem den Kopf ab und warf ihn in den Pfuhl der ewigen Vernichtung. Alle Stimmen waren wie das Wehgeschrei ob all der Trennung und dem Zerfall. Während aber irrige Vorstellungen es so darstellen, zeigt dir die Wahrheit der Glaubenspfeiler, die die Früchte der Himmelfahrt sind, alles Sein und Leben

als deine Geschwister, Freunde und als solche, die des majestätischen Schöpfers gedenken und Ihn lobpreisen, Tod und Untergang aber als eine Art Entlassung und Befreiung von der Pflicht (vazife),und die Stimmen als Lobpreisung. Willst du diese Wahrheit in ihrem vollständigen Zusammenhang erkennen, dann lies das "Zweite" und "Achte Wort".

Zweites Gleichnis:

Wir befinden uns miteinander an einem Ort wie der großen Sahara. Wir sind im Sturm in diesem Sandmeer. Die Nacht ist so dunkel, dass wir nicht die Hand vor Augen sehen können. Wir haben niemanden, sind ohne Schutz, haben Hunger und Durst, sind verzweifelt und hoffnungslos. Käme in diesem Moment plötzlich jemand, der diesen Vorhang aus Dunkelheit durchschritte und uns erreichen könnte und brächte uns ein Auto zum Geschenk und hieße uns einsteigen und brächte uns plötzlich an einen paradiesähnlichen Ort, wo unsere Zukunft gesichert ist, wo wir einen überaus barmherzigen Beschützer finden und für uns Essen und Getränke bereitgestellt sind, du könntest dir nicht vorstellen, wie sehr wir uns darüber freuen würden.

So gleicht jene große Wüste dem Antlitz der Erde. Jenes Sandmeer ist alles Sein und Leben und der armselige Mensch, der in diesen Wechselfällen durch die Bewegungen der Atome und im Fluss der Zeit hin und her geworfen werden. Jeder Mensch, dem die Sorge um die Zukunft im Herzen tobt, sieht sich mit den Augen des Irrglaubens in tiefster Finsternis. Er kennt niemanden, dem er seine Schreie vernehmbar machen kann. Er ist unendlich hungrig und unendlich durstig. Wenn nun aber diese Welt (dunya)(im Gleichklang) mit dem Wohlgefallen Gottes, welches die Frucht der Himmelfahrt ist, als Gästehaus eines überaus freigiebigen Herrn und die Menschen als seine Gäste, als seine Beamten verstanden wird und die Zukunft schön wie das Paradies, wohltuend wie die Barmherzigkeit und glänzend wie die ewige Glückseligkeit, dann kannst du auch verstehen, was für eine wundervolle, außerordentliche, süße Frucht dies ist.

Da sagt nun derjenige, der sich auf dem Platz (maqam)des Zuhörers befindet: Hunderttausend Mal Dank sei Gott dem Gerechten, dass ich mich von dem Unglauben gerettet habe und mich nun zur Einheit Gottes (tauhid)bekenne. Ich bin nun vollständig davon überzeugt und habe den vollendeten Glauben erlangt.

So sagen denn auch wir: Oh Bruder, wir gratulieren dir. Gott der Gerechte möge uns dahin führen, dass der Ehrenwerte Gesandte, mit dem Friede und Segen sei, für uns Fürsprache einlegt! Amin.

اَللّٰهُمَّ صَلِّ عَلٰى مَنِ انْشَقَّ بِاِشَارَتِهِ الْقَمَرُ وَنَبَعَ مِنْ اَصَابِعِهِ الْمَآءُ كَالْكَوْثَرِ صَاحِبِ الْمِعْرَاجِ وَمَا زَاغَ الْبَصَرُ سَيِّدِنَا مُحَمَّدٍ وَعَلٰٓى اٰلِهِ وَاَصْحَابِهِ اَجْمَعِينَ مِنْ اَوَّلِ الدُّنْيَاآ اِلٰٓى اٰخِرِ الْمَحْشَرِ ٭

سُبْحَانَكَ لاَعِلْمَ لَنَآ اِلاَّ مَاعَلَّمْتَنَآ اِنَّكَ اَنْتَ الْعَلِيمُ الْحَكِيمُ ٭ رَبَّنَا تَقَبَّلْ مِنَّآ اِنَّكَ اَنْتَ السَّمِيعُ الْعَلِيمُ ٭ رَبَّنَا لاَ تُؤَاخِذْنَآ اِنْ نَسِينَآ اَوْ اَخْطَاْنَا ٭ رَبَّنَا لاَ تُزِغْ قُلُوبَنَا بَعْدَ اِذْ هَدَيْتَنَا ٭ رَبَّنَآ اَتْمِمْ لَنَا نُورَنَا وَاغْفِرْلَنَآ اِنَّكَ عَلٰى كُلِّ شَىْءٍ قَدِيرٌ ٭ وَ اٰخِرُ دَعْوٰيهُمْ اَنِ الْحَمْدُ ِللَّهِ رَبِّ الْعَالَمِينَ

{"Oh Gott, segne den, auf dessen Zeichen hin sich der Mond spaltete, aus dessen Fingern Wasser wie Kauthar (: paradiesisches Wasser) floss, den Herrn der Himmelfahrt, dessen Auge nicht abschweifte, unseren Herrn Mohammed und seine ganze Familie und alle seine Gefährten vom Anbeginn der Welt bis zum Ende der großen Wiederversammlung. Gepriesen seist Du! Wir haben kein Wissen, außer dem, was Du uns gelehrt hast. Denn Du bist der Allwissende, der Allweise." "Unser Herr, nimm (unser Gebet) von uns an! Denn Du bist der Allhörende, der Allwissende." "Unser Herr, ziehe uns nicht zur Rechenschaft für das, was wir unwissend getan oder unterlassen haben!" "Unser Herr, lass unsere Herzen nicht wieder von der Wahrheit abschweifen, nachdem Du uns recht geleitet hast!" "Unser Herr, vollende uns das Licht und vergib uns! Denn Du bist aller Dinge mächtig." "Und so endet ihr Ruf: Lob und Preis sei Gott, dem Herrn der Welten!"}

Das Wunder der Spaltung des Mondes

Anhang zum Neunzehnten und Einunddreißigsten Wort

بِسْمِ اللَّهِ الرَّحْمَنِ الرَّحِيمِ ٭ اِقْتَرَبَتِ السَّاعَةُ وَانْشَقَّ الْقَمَرُ وَاِنْ يَرَوْا اٰيَةً يُعْرِضُوا وَيَقُولُوا سِحْرٌ مُسْتَمِرٌّ

{"Im Namen Allahs, des Erbarmers, des Barmherzigen. Genaht hat sich die Stunde und gespalten der Mond. Doch wenn sie ein Zeichen sehen, wenden sie sich ab und sagen: fortgesetzte Magie." (Sure 54, 1)}

Die Philosophen, die ein Wunder Ahmeds, mit dem Friede und Segen sei, wie die Spaltung des Mondes, das doch so strahlend ist wie der Mond, mit ihren schlimmen Zwangsvorstellungen gerne in eine Mondfinsternis verwandeln möchten, und ihre verständnislosen Nachahmer sagen: "Hätte sich die Spaltung des Mondes wirklich ereignet, wäre sie in der ganzen Welt bekannt geworden und die Geschichte der ganzen Menschheit müsste darüber berichten!"

Antwort:

Die Spaltung des Mondes wurde vor Menschen, die sich versammelt, seinen Anspruch ein Prophet zu sein vernommen hatten und ihn leugneten, plötzlich - inmitten in der Nacht, während der Zeit des Schlafens - vorgeführt, um zu beweisen, dass dieser Anspruch zu Recht bestand. Es gibt Gründe, die verhindern, ein solches Ereignis zu sehen, wie unterschiedliche Aufgangszeiten, Nebel oder Wolken. Zudem wurden die Wissenschaften damals nicht so allgemein, sondern mehr privat betrieben, sodass Himmelsbeobachtungen selten stattfanden. Es ist deshalb sicherlich nicht notwendig, dass dieses Ereignis von allen Völkern überall in der Welt beobachtet und berichtet wurde. Vernimm nun "Fünf Punkte" unter vielen Punkten, die die Wolken solcher Zwangsvorstellungen angesichts der Spaltung des Mondes zerstreuen sollen.

Erster Punkt:

Obwohl es zu damaliger Zeit eine allgemein bekannte geschichtliche Tatsache war, dass die Uneinsichtigen in jener Gegend in einem solchen Ausmaße starrköpfig waren, öffneten sie ihren Mund nicht, als der Weise Qur'an mit dem Ausdruck:

وَانْشَقَّ الْقَمَرُ

{"als der Mond gespalten wurde." (Sure 54, 1)}

diesen Vorfall aller Welt verkündete. Niemand unter den Uneinsichtigen, die den Qur'an verleugneten, widersprach diesem Vers, das heißt, niemand bestritt diesen Vorfall, über den diese Nachricht kam. Wenn in jener Zeit dieser Vorfall für die Uneinsichtigen nicht tatsächlich ein unbestreitbarer Vorfall gewesen wäre, würden sie dieses Wort zum Anlass genommen haben mit aller Macht dagegen zu protestieren und einen Angriff gegen den Propheten vorzutragen, um seinen Anspruch für nichtig zu erklären. Jedoch haben weder Siyernoch Tarih(die allgemeine Geschichte und die Geschichte des Propheten im besonderen) von Seiten der Uneinsichtigen hinsichtlich einer Nichtigkeitserklärung bezüglich dieses Vorfalles irgendetwas vorgetragen. Was die Geschichte berichtet, ist lediglich das, was auch die Ayah erklärt:

وَيَقُولُوا سِحْرٌ مُسْتَمِرٌّ

{"Und sie sagten, es ist fortgesetzte Magie." (Sure 54, 2)}

nämlich: Die Uneinsichtigen nannten es "Magie" und sagten "Er hat einen magischen Zauber für uns angewendet. Wenn Handels- und Reisekarawanen auch anderen Orts dieses Ereignis gesehen haben, ist es eine Tatsache. Anderenfalls ist es Magie.", sagten sie. Am anderen Morgen aber kamen Karawanen aus dem Jemen und anderen Gegenden und berichteten: "Wir haben einen solchen Vorfall bemerkt." Nun sagten die Uneinsichtigen über den Stolz des Universums (Fahr-i Alem),mit dem Friede und Segen sei -man möge mir verzeihen!-: "Nun hat Abu Talibs Waisenjunge seine Magie sogar auf den Himmel ausgedehnt."

Zweiter Punkt:

Die meisten großen Lehrer der Wahrheit wie Sa'd Taftazani haben gesagt: "Die Spaltung des Mondes ist allgemeine übereinstimmende Überlieferung (tevatur)wie die Versorgung einer ganzen Armee mit Wasser, Wasser, das seinen Fingern entströmte; der vertrocknete Baumstumpf, der bei der Trennung von Ahmed, mit dem Friede und Segen sei, weinte, weil dieser sich bis dahin an ihn gelehnt hatte, wenn er in der Moschee Freitagspredigt (hutbe)hielt; ein Klagen, das die ganze Gemeinde vernahm. Dieses Geschehnis wurde so durch eine große Gemeinde von Generation zu Generation weitergegeben, weshalb es absolut undenkbar wäre, dass ihre Übereinstimmung auf einer Lüge beruhen sollte. Es ist allgemeine übereinstimmende Überlieferung, wie die berühmte Erscheinung eines Kometen vor tausend Jahren, etwa dem Halleyschen Kometen vergleichbar. So wie das Vorhandensein der Insel Ceylon (Sri Lanka),die wir nicht gesehen haben, für uns in der Realität gegeben ist, so ist auch die Spaltung des Mondes für uns in der Realität gegeben." In einer so sicheren und gut bezeugten Angelegenheit noch Verdächtigungen und Zweifel hervorzubringen, ist Unverstand. Es genügt bereits, wenn sie nicht unmöglich ist. Denn die Spaltung des Mondes ist ebenso gut möglich, wie die Spaltung eines Berges durch einen Vulkanausbruch.

Dritter Punkt:

Wunder ereignen sich, um den Anspruch auf das Prophetentum zu beweisen und die Ungläubigen zu überzeugen, aber nicht, um sie zu zwingen. Dementsprechend ist es notwendig, ein Wunder in dem Maße zu zeigen, das klar genug ist, denjenigen, die vom Anspruch auf das Prophetentum gehört haben, dies auch zu beweisen. Es auch in anderen Gegenden zu zeigen, oder es so offensichtlich darzustellen, dass es zwingend wäre, wäre der Weisheit des Erhabenen Allweisen entgegengesetzt und im Gegensatz zum Sinn der Prüfung. Denn der Sinn der Prüfung macht es notwendig: "Dem Verstand eine Türe zu öffnen, ohne den Willen aus der

Hand zu nehmen." Hätte der Allweise Schöpfer die Spaltung des Mondes nach dem Geschmack der Philosophen ein, zwei Stunden bestehen lassen, um sie aller Welt vorzuführen, dann wäre sie in die Geschichte der Menschheit eingegangen, einem astronomischen Ereignis gleich gewesen und kein Beweis für den Anspruch des Prophetentums, keine Besonderheit der Botschaft Ahmeds, mit dem Friede und Segen sei. Oder es wäre dies in einem solchen Grade offensichtlich ein Wunder gewesen, dass es den Verstand bezwungen hätte; es hätte dem Verstand die Wahl aus der Hand genommen, wäre - wolle es oder nicht - eine Bestätigung für das Prophetentum gewesen. Männer von einem Geist wie Kohle - gleich Ebu Djehil - oder Diamant - gleich Abu Baqri as-Siddiq - wären einander gleich geblieben und der Sinn der Prüfung wäre verlorengegangen. Dies also ist der Grund dafür, dass die Plötzlichkeit des Vorfalls, die Nacht, die Zeit, in der viele schliefen, die Unterschiede in den Aufgangszeiten, Nebel, Wolken und dergleichen Hindernisse zu einem Vorhang wurden und der Vorfall nicht aller Welt gezeigt werden und somit nicht in die Weltgeschichte eingehen konnte...

Vierter Punkt:

Dieser Vorfall ereignete sich plötzlich in der Nacht, während viele schliefen, sodass er sicherlich nicht von allen gesehen werden konnte und hätten es einige Leute gesehen, so hätten sie ihren Augen nicht getraut. Und hätten sie ihnen getraut, wäre ein solcher - wenn auch sicherlich bedeutender Vorfall - von einem einzelnen berichtet, nicht zum festen Bestandteil der Weltgeschichte geworden.

In einigen Büchern ist der Zusatz: "Der Mond ist, nachdem er sich entzwei geteilt hatte, auf die Erde hinabgestiegen." von den Forschern abgelehnt worden. Man sagt: "Wahrscheinlich habe ein Heuchler dies hinzugefügt, in der Absicht, dieses strahlende Wunder in seinem Wert herabzumindern."

Außerdem war zum Beispiel damals in England und Spanien, den Ländern unter dem Nebel der Unwissenheit,

gerade Abend, in Amerika Mittag, in China und Japan Morgen. Sicherlich wurde dieser Vorfall auch anderen Orts wegen anderer Hinderungsgründe nicht gesehen.

Nun schau einmal an, was dieser gedankenlose Kritiker sagt: "Die Geschichte der Völker in England, China, Japan und Amerika erzählt nichts davon. Also hat es auch nichts dergleichen gegeben." Tausendmal verflucht seien solche Schmeichler der Europäer!...

Fünfter Punkt:

Die Spaltung des Mondes erfolgte nicht von selbst aus irgendwelchen Gründen, ist kein zufälliges, natürliches Ereignis, das mit den normalen Gesetzen der Natur erklärt werden kann. Vielmehr hat der Allweise Schöpfer der Sonne und des Mondes dieses Ereignis in wunderbarer Weise bewirkt, um den Anspruch Seines Propheten auf das Prophetentum zu bestätigen und zu erleuchten. Das Geheimnis der Führung und das Geheimnis der Prüfung und die Weisheit des Prophetentums erfordern, dass den Menschen, die von der Weisheit der (Gottes)herrschaft ausersehen wurden, ein Zeugnis gebracht werde, vor dem sie verstummen müssen. Für diejenigen Menschen überall in der Welt, für die es das Geheimnis der Weisheit nicht erforderte und nicht verlangte und die von dem Prophetentum noch gar nicht gehört hatten, gab es eine Reihe von Hinderungsgründen wie Nebel oder Wolken oder Unterschiede in den Auf- und Untergangszeiten des Mondes. So war in verschiedenen Ländern der Mond noch nicht aufgegangen, in anderen die Sonne noch nicht untergegangen, in einigen Ländern war es schon Morgen und in anderen noch nicht Abend, sodass den Menschen dort dieses Ereignis nicht gezeigt werden konnte. Hätte man dieses Ereignis ihnen allen zeigen wollen, hätte man es ihnen als ein Zeichen Ahmeds, mit dem Friede und Segen sei, und ein Wunder seines Prophetentums vor Augen führen müssen. In diesem Falle wäre seine Stellung als Gesandter ganz klar hervorgetreten und jeder hätte sie bestätigen müssen. Der Verstand hätte keine Wahl mehr gehabt. Was aber den Glauben betrifft, so wird er vom Verstand frei erwählt.

Damit wäre der Sinn der Prüfung verlorengegangen. Wäre aber dieses Ereignis als ein rein astronomisches gezeigt worden, dann wäre dadurch der Zusammenhang mit dem Prophetentum Ahmeds, mit dem Friede und Segen sei, zerstört worden, es wäre nicht mehr als eine Besonderheit von ihm geblieben.

Zusammenfassung:

An der Möglichkeit einer Spaltung des Mondes besteht kein Zweifel mehr. Sie wurde ganz klar bewiesen. Wir weisen jetzt auf sechs unter vielen Zeugnissen hin, welche diesen Vorfall beweisen. {(*): Es gibt nämlich unter einer sechsfachen Bestätigung für dieses Ereignis sechs Beweise. Diese Textstelle ist leider kurz gefasst worden, obwohl sie eine viel längere Behandlung erforderte.}

Es sind die folgenden:

Die Übereinstimmung der Sahabis (Gefährten des Propheten), Ehl-i Adalet {Ehl-i Adalet: Leute, die ein Unrecht niemals dulden.} über diesen Vorfall...

Die Übereinstimmung aller Mufessirin,{Müfessir: Qur'an- oder Hadithkommentator} Ehl-i Tahqiq,{Ehl-i Tahqiq: Leute, die nach den Quellen suchen.} über die Auslegung dieser Ayah وَانْشَقَّ الْقَمَرُ {"als der Mond gespalten wurde." (Sure 54, 1)} in Bezug auf dieses Ereignis...

Die Erzählungen aller Muhaddisin,{Muhaddisin: Kenner, Sammler und Kommentatoren der Hadithe.} Ehl-i Rivayet-i Sadiqa,{Ehl-i Rivayet-i Sadiqa: Kenner der Quellen und Wege der Hadithe} die zuverlässige Berichte mit sehr vielen Belegen aus verschiedenen Quellen besitzen. Das Zeugnis aller Heiligen und Gerechten, Ehl-i Keshf{Ehl-i Keschf: Heilige und Gerechte mit der besonderen Begabung einer hellsichtig, klaren geistigen Schau.} ve Ilham{Ehl-i Ilham: Leute, welche die Botschaft Gottes in ihren Herzen empfangen.}

(Diese fünf genannte "Ehli"zusammen mit den "Mufessirin und Muhaddisin"garantieren für die Echtheit des vorgefallenen Ereignisses. - A.d.Ü.)

Die Bestätigung der - von ihrer Berufung her einander sehr weit fernstehenden - Imame und der ozeangleichen Gelehrten der Wissenschaft des Wortes (: Qur'an).

Des Weiteren dient als unwiderlegbarer Beweis (: anhand von Aussagen in Qur'an und Hadith), dass die Gemeinde Mohammeds, mit dem Friede und Segen sei, niemals in einem Irrtum übereinstimmt, dieses Ereignis aber bestätigt und angenommen hat. Dies alles beweist sonnenklar die Spaltung des Mondes.

Zusammenfassung:

Das bisher gesagte diente der Untersuchung des Vorfalls und der Widerlegung von Einwänden. Die folgenden Sätze sollen der Wahrheit und dem Glauben dienen. Bis hierhin also das, was unsere Untersuchungen ergaben. Nun also das, was aus dieser Wahrheit folgt:

Die Auserwählung und die Mahbubiyet(: Stufe der Heiligkeit, auf welcher Allah den Menschen in den Rang Seines Geliebten erhebt) des Siegels im Rate der Propheten, welcher der strahlende Mond am Himmel der Gesandten (Gottes) ist, wurde den Bewohnern des Himmels und denen in den erhabenen Welten als ein Mensch gezeigt, der in seinem irdischen Körper durch die Himmel reiste. Diese seine Himmelfahrt ist das Wunder seiner Heiligkeit, welche in seiner dienenden Anbetung zum Ausdruck kommt, durch welche er sich zur Mahbubiyet erhebt. Damit beweist er seine Heiligkeit. In gleicher Weise wurde der Mond, gebunden an die Erde, aufgehängt im Himmel, auf das Zeichen eines Irdischen hin entzwei geteilt und so den Bewohnern der Erde durch das Prophetentum dieses irdischen ein solches Wunder gezeigt, dass die Persönlichkeit Ahmeds, mit dem Friede und Segen sei, sich gleich den ausgebreiteten leuchtenden Flügeln des Mondes auf den beiden leuchtenden Flügeln seines Prophetentums und seiner Heiligkeit gleich wie mit zwei strahlenden Schwingen zu den höchsten Höhen

der Vollkommenheit erhob und bis Qab-i Qauseyn gelangte, ein Stolz sowohl für die Bewohner der Himmel als auch für die Bewohner der Erde...

عَلَيْهِ وَعَلٰٓى اٰلِهِ الصَّلاَةُ وَالتَّسْلِيمَاتُ مِْلأَ اْلاَرْضِ وَالسَّمٰوَاتِ ٭ سُبْحَانَكَ لاَعِلْمَ لَنَآ اِلاَّ مَاعَلَّمْتَنَآ اِنَّكَ اَنْتَ الْعَلِيمُ الْحَكِيمُ

{"Ihm und seiner Familie eine Erde und einen Himmel voll Frieden und Geborgenheit!" "Gepriesen seist Du! Wir haben kein Wissen, außer dem, das Du uns gelehrt hast. Denn Du bist der Allwissende, der Allweise!" (Sure 2, 32)}

اَللّٰهُمَّ بِحَقِّ مَنِ انْشَقَّ الْقَمَرُ بِاِشَارَتِهِ اجْعَلْ قَلْبِى وَقُلوُبَ طَلَبَةِ رَسَآئِلِ النُّورِ الصَّادِقِينَ كَالْقَمَرِ فِى مُقَابَلَةِ شَمْسِ الْقُرْاٰنِ اٰمِينَ اٰمِينَ

{"Oh Gott! Um dessen willen, auf dessen Zeichen sich der Mond spaltete, mache mein Herz und die Herzen aller treuen Schüler der Risale-i Nur gleich dem Mond im Angesicht der Sonne des Qur'an. Amen. Amen."}

Zweiunddreißigstes Wort

Diese Abhandlung besteht aus drei Kapiteln.

Dies ist eine Abhandlung, wo der Achte Strahl des "Zweiundzwanzigsten Wortes" erklärt wird. Es ist ein Kommentar zur ersten "Zunge" von den fünfundzwanzig "Zungen", womit alles Sein in dieser Welt Zeugnis für die Einheit Gottes (Vahdaniyet)ablegt und worauf auch schon in der Abhandlung "Qatre"(Tropfen) hingewiesen worden ist. Es ist ein Aspekt der Wahrheit, die hier in das Gewand eines Gleichnisses gehüllt wurde, unter vielen möglichen anderen Aspekten der Ayah

لَوْ كَانَ فِيهِمَآ اٰلِهَةٌ اِلاَّ اللَّهُ لَفَسَدَتَا

{"Wenn es in beiden (Himmel und Erde) außer Gott (Allah) noch Götter (alihat) gäbe, wären sie ja dem Unheil (preisgegeben)." (Sure 21, 22)}

Erstes Kapitel

بِسْمِ اللَّهِ الرَّحْمَنِ الرَّحِيمِ ٭ لَوْ كَانَ فِيهِمَآ اٰلِهَةٌ اِلاَّ اللَّهُ لَفَسَدَتَا ٭ لآَ اِلٰهَ اِلاَّ اللَّهُ وَحْدَهُ لاَ شَرِيكَ لَهُ لَهُ الْمُلْكُ وَلَهُ الْحَمْدُ يُحْيِى وَيُمِيتُ وَهُوَ حَىٌّ لاَ يَمُوتُ بِيَدِهِ الْخَيْرُ وَهُوَ عَلٰى كُلِّ شَىْءٍ قَدِيرٌ وَاِلَيْهِ الْمَصِيرُ

{"Im Namen Gottes, des Erbarmens, des Barmherzigen." "Wenn es in beiden (Himmel und Erde) außer Gott noch Götter gäbe, wären sie ja dem Unheil (preisgegeben)." (Sure 21, 22) "Es gibt keinen Gott außer Allah, dem Einzigen. Er hat keinen Partner. Ihm gebührt die Herrschaft und der Dank. Er schenkt das Leben und den Tod. Er ist das Leben, das nicht stirbt. In Seiner Hand ruht das Gute. Er ist aller Dinge mächtig und zu Ihm ist unsere Heimkehr." (Hadith)}

Einmal in einer Nacht im Ramadan hatte ich gesagt, dass jeder dieser elf Sätze über das Wort der Einheit Gottes (Tauhid)eine Stufe Seiner Einheit und eine Botschaft enthält, und von diesen Stufen nur die Bedeutung von لاَ شَرِيكَ لَهُ {"Er hat keinen Partner."} dem Verständnis der einfachen Leute entsprechend in einer Art Streitgespräch, in Form eines gespielten Dialogs, von der Sprache der Zeichen und Gebärden in Worte umgesetzt. Auf Wunsch und Bitte meiner ehrenwerten Brüder, die mir dienen, und der Freunde aus unserer kleinen Moschee schreibe ich dieses Gespräch nieder. Es ist wie folgt:

Stellvertretend für alle Götzen, die es in der Einbildung ihrer Diener, der Ungläubigen und Irrgläubigen aller Art, der Anbeter der Natur und ihrer Ursachen und aller Heiden gibt, stellen wir uns eine Person vor, die über irgendwelche Dinge dieser Welt Herr sein will und Anspruch erhebt, ihr wahrer Besitzer zu sein.

So trifft also derjenige, welcher diesen Anspruch erhebt (der Prätendent), zunächst einmal das Atom, welches das kleinste unter diesen Dingen ist. In der Sprache des Naturalismus und der Wissenschaft sagt er ihm, dass er sein Herr und wahrer Besitzer sei. Das Atom aber antwortet ihm in der Sprache der Wahrheit und mit dem Mund der Weisheit seines Herrn: "Ich versehe zahllose Aufgaben. Ich trete in jedes der verschiedensten Kunstwerke ein. Wenn du Wissen und Macht hast, mich zu veranlassen, alle diese Aufgaben zu verrichten;... darüber hinaus bewegen sich zahl- und grenzenlos viele Atome gleich mir, sind untereinander und miteinander tätig;

{(*): So wie alle Dinge, die sich bewegen, angefangen von den Atomen bis hin zu den Planeten, durch das Siegel des Einzigartigen (sikke-i samediyet), das sie tragen, in der Tat die Einheit (Vahdet) zeigen, genauso besetzen sie auch im Namen dieser Einheit durch ihre Bewegungen alle Orte, die sie bereisen. Sie nehmen sie für ihren Eigentümer in Besitz. Was die Kunstwerke betrifft, die sich nicht bewegen, so gelten sie angefangen von den Pflanzen bis hin zu den Fixsternen als Stempel der Einheit und zeigen, dass der Platz, an dem sie sich befinden, ein Brief ihres Meisters ist.

Kurzum:

Jedes Ding besitzt alle Dinge durch seine Bewegungen im Namen der Einheit. Das heißt also, dass derjenige, der nicht alle Sterne in den Händen hält, auch nicht Herr über ein einziges Atom sein kann.}

wenn du Herrschaft und Macht hast,

alle Atome gleich mir in deinen Dienst und unter deinen Befehl zu stellen; wenn du des Weiteren der wahre Eigentümer aller Dinge, in deren vollkommener Ordnung ich ein Teilchen bin, wie z.B. ein rotes Blutkörperchen, sein Lenker und sein Leiter sein kannst, dann kannst du den Anspruch erheben, auch mein Herr zu sein. Dann kannst du mich einem anderen außer Gott dem Gerechten für verbunden halten. Anderenfalls schweige! Wie du über mich nicht Herr sein kannst, so kannst du dich auch nicht mit meinen Aufgaben beschäftigen. Denn in unseren Tätigkeiten und in unseren Bewegungen herrscht eine so vollkommene Ordnung, dass niemand, der nicht ein Herr von grenzenloser Weisheit und umfassendem Wissen ist, seine Hände in unseren Aufgaben haben darf. Mischt er sich ein, bringt er alles durcheinander. Denn jemand, ohnmächtig, leblos und blind wie du, dessen Hände in den Händen zweier Blinder, dem Zufall und der Natur, liegen, kann uns auf gar keine Weise mit einem Finger anrühren."

Da sagte der Prätendent wie die Materialisten sagen: "Wenn das so ist, dann sei du also dein eigener Herr! Warum sagst du denn, dass du im Auftrag eines anderen arbeitest?" Das Atom erwiderte ihm: "Hätte ich einen Verstand gleich der Sonne, eine umfangreiche Kenntnis wie Sonnenlicht, eine umfassende Macht wie Sonnenenergie, alles umspannende Sinne gleich den sieben Farben des Regenbogens, Gesichter, die nach den Orten ausgerichtet sind, die ich bereise und nach den Dingen,

in denen ich tätig bin, Augen, die sie betrachten und könnte ein Machtwort sprechen, dann könnte ich vielleicht die gleiche Dummheit begehen wie du und behaupten, ich sei Herr über mich selbst. Auf, mach dich davon! Du kannst dir von mir keine Mitarbeit erwarten!"

Nachdem also der Advokat der Götzen nichts mehr von dem Atom zu erhoffen hatte, traf er im Blut einen Erythrozyten, weil er von diesem roten Blutkörperchen eine Mitarbeit erwartete. Er sprach zu ihm im Namen der Ursachen und des Naturalismus und in der Sprache der Wissenschaftler: "Ich bin dein Herr und dein Besitzer." Dieses rote Blutkörperchen, ein kugelförmiges rotes Ding, sagt ihm in der Sprache der Wahrheit und mit der Zunge der Göttlichen Weisheit: "Ich bin nicht alleine. Wenn du in der Armee des Blutes, in der wir alle das selbe Siegel, das selbe Amt und die selben Vorschriften haben, Herr über mich und alle meines Gleichen sein kannst und wenn du über eine feinsinnige Weisheit und über eine gewaltig große Macht verfügst, um alle Zellen des Körpers, den wir bereisen und in dessen Dienst wir in vollkommener Weisheit stehen, zu beherrschen, dann zeig uns das und wenn du uns das tatsächlich zeigen kannst, dann könnte deine Behauptung vielleicht einen Sinn haben. Statt dessen kann ein Verblendeter wie du, in der Hand einer tauben Natur und einer blinden Kraft, nicht einmal über mich Herr sein, ja mir noch nicht einmal um ein Stäubchen nahe kommen. Denn die Wohlordnung ist bei uns so vollkommen, dass nur derjenige, der alles sieht, hört, kennt und tut, uns beherrschen kann. Darum schweige! Mein Dienst ist so wichtig und die Wohlordnung ist so vollkommen, dass ich keine Zeit habe, um mich mit dir zu beschäftigen und deine wirren Worte zu beantworten." So sagt es und jagt ihn davon. Da geht der Prätendent weg, da er es nicht überzeugen konnte.

Er trifft die kleine Wohnstatt, die im Körper "Zelle" genannt wird. Er sagt ihr in der Sprache der Wissenschaften und des Naturalismus: "Ich konnte das Atom und das rote Blutkörperchen nicht dazu bringen, meinen Worten zuzustimmen;

aber vielleicht magst du ja meine Worte verstehen. Denn du bist wie eine ganz kleine Wohnung und aus verschiedenen Dingen zusammengesetzt. Daher kann ich dich machen. Du sollst mir mein Werk und mein wahrer Besitz sein.", sagt er zu ihr.

Die Zelle gibt ihm in der Sprache der Weisheit und Wahrheit zurAntwort:Ich bin zwar nur ein kleines Ding. Aber ich habe sehr große Aufgaben, sehr feine Beziehungen und Verbindungen mit allen Zellen des Körpers und dem ganzen Organismus.

Zum Beispiel:

Ich habe tiefe und vollkommene Aufgaben gegenüber den Venen und Arterien, Nerven und Muskeln, gegenüber den anziehenden und abwehrenden, hervorbringenden und formenden Sinnen. Hast du Macht und Wissen, um den ganzen Körper, alle Adern, Nerven und Sinnesorgane zu bilden, zu ordnen und in den Dienst zu stellen? und hast du eine Macht, die einzudringen vermag? und Weisheit, die umfassend ist, um über alle Körperzellen zu verfügen, die mir gleichen, und mir hinsichtlich der Kunstfertigkeit, der Gestaltung und der Qualität Geschwister sind, dann zeige sie uns, dann kannst du behaupten, dass du mich machen kannst. Sonst auf, mach dich davon! Die roten Blutkörperchen bringen mir Versorgung. Die weißen Blutkörperchen verteidigen mich vor den angreifenden Krankheiten. Ich habe meine Arbeit, halte mich also nicht auf. Darüber hinaus kann einer, schwach, taub, blind und leblos wie du, keineswegs versuchen, sich in unsere Aufgaben einzumischen. Denn bei uns herrscht eine so feine, empfindliche und vollkommene Ordnung, dass unsere Ordnung zu Grunde geht, unser System durcheinander gerät, wenn derjenige, der über uns herrscht, nicht absolut weise, nicht absolut allmächtig und nicht absolut allwissend ist.

{(*): Der allweise Schöpfer erschuf den menschlichen Organismus gleich einer überaus wohlgeordneten Stadt. Ein Teil der Nerven hat die Funktion von Telegrammen und Telefonen. Die Adern gleichen Leitungsrohren, die den Fluss des Blutes ermöglichen, das dem Wasser des Lebens gleicht. Was das Blut betrifft, so sind darin zwei Arten kugelförmiger Körperchen gebildet. Ein Teil von ihnen wird als rote Kügelchen bezeichnet. Sie verteilen Nahrung an die Zellen des Körpers und bringen nach göttlichem Gesetz Versorgung zu den Zellen (gleich den Kaufleuten und den Versorgungsbeamten). Der andere Teil sind die weißen Kügelchen. Sie sind im Verhältnis zu den Anderen in der Minderheit. Ihre Aufgaben bestehen gleich der von Soldaten in der Verteidigung gegen die Feinde, wie z.B. die Krankheiten. Wenn sie sich zur Verteidigung rüsten, stellen sie sich erstaunlich schnell zu Formationen in zwei kreisenden Bewegungen gleich Mevlevi Dervishen auf. Was das Blut als Ganzes betrifft, so hat es zwei umfassende Aufgaben. Eine davon besteht darin, die zerstörten Zellen zu reparieren. Die andere ist, den Abfall der Zellen zu sammeln und den Körper von ihm zu reinigen. Es gibt zweierlei Adern, die Arterien und Venen heißen. Die einen bringen und verteilen sauberes Blut. Sie sind die Leitungen des sauberen Blutes. Die anderen sind die Leitungen des trüben Blutes, das den Abfall sammelt. Diese zweite Leitung bringt das Blut zu der Stelle die "Lunge" genannt wird, wo die Atmung geschieht. Der allweise Schöpfer erschuf zwei Dinge, die in der Luft enthalten sind. Das eine ist der Stickstoff, das andere ist der Sauerstoff. Was den Sauerstoff anbetrifft, der durch das Einatmen das Blut berührt, so zieht er den Schmutz des Blutes, den Kohlenstoff, der eine dichte Masse ist, wie ein Bernstein zu sich an. Die beiden verbinden sich. Es verwandelt sich in das gasförmige Kohlendioxyd (eine giftige Luft). Gleichzeitig entsteht dadurch die natureigene Wärme und dabei wird auch das Blut gereinigt. Denn der allweise Schöpfer gab dem Sauerstoff und dem Kohlenstoff, deren Verbindung in der Alchemie auch die chemische Hochzeit genannt wird, eine starke Affinität. Wenn diese beiden Stoffe einander nahe kommen, verbinden sich diese beiden Stoffe dem bekannten Gesetz Gottes entsprechend, sodass bei dieser Verbindung Wärme entsteht, wie wissenschaftlich feststeht. Denn diese Verbindung ist ein Verbrennungsvorgang. Der Sinn dieses Geheimnisses ist folgender: Die Atome jedes dieser Stoffe haben ihre eigenen Bewegungen. In der Zeit ihrer Verbindung verbinden sich die Atome von beiden, d.h. ein Atom des einen mit dem Atom des anderen, und bewegen sich dann gemeinsam in gleicher Bewegung. Somit entfällt also eine der beiden Bewegungen. Denn vor der Verbindung waren zwei Bewegungen da. Nun aber haben sich zwei Atome (zu einem Molekül) miteinander verbunden. Beide Atome finden sich in einer einzigen Bewegung, so als wären sie nur ein Atom. Die andere Bewegung verwandelt sich einem Gesetz des allweisen Schöpfers entsprechend in Wärme. Es ist ja ein feststehendes Gesetz, dass die Bewegung Wärme zu Stande bringt. Aufgrund dieses Geheimnisses wird die natureigene Wärme im menschlichen Körper durch diese chemische Verbindung herbeigeführt, wobei auch das Blut sauber wird, weil der Kohlenstoff aus dem Blut entfernt wird. Wenn der Atem eintritt, reinigt er sowohl das Lebenswasser des Körpers, und speist auch das Lebensfeuer. Wenn er austritt, bringt er im Mund Früchte in Form von Worten hervor, welche Wunder der Macht Gottes sind.

فَسُبْحَانَ مَنْ تََحَيَّرَ فِي صُنْعِهِ الْعُقُولُ

("Gepriesen sei der, der den Verstand durch Seine Werke in Erstaunen versetzt.")}

Daraufhin wurde der Prätendent, auch über (die Zelle) verzweifelt. Er begegnete dem menschlichen Leib. Er sagte in der Sprache der blinden Natur und der verblendeten Wissenschaft so wie das die Naturalisten sagen:

"Du gehörst mir. Ich bin derjenige, der dich gemacht hat. Und ich habe Anspruch auf dich."

In der Sprache der Wahrheit und der Weisheit und mit dem Ausdruck seiner Wohlgeordnetheit gibt dieser Menschenkörper zurAntwort:"Wenn du Macht und Wissen besitzt,

um die Körper aller Menschen wahrhaft zu lenken und zu leiten, die mir gleichen und mit denen ich die gleiche Prägung der Macht und das gleiche Siegel der Erschaffung auf meinem Antlitz trage, und wenn du Reichtum und Herrschaft hast, um über die Speicher meiner Versorgung, angefangen beim Wasser, über die Luft bis hin zu Pflanzen und Tieren, zu verfügen; und wenn du eine grenzenlose Macht und eine unendliche Weisheit hast, um die geistigen Feinheiten wie Seele, Gemüt und Verstand, die überaus hoch und erhaben

sind, und denen ich als eine Hülle diene, in einem engen und gewöhnlichen Behälter, wie ich es bin, hinein zu packen und sie in vollkommener Weisheit in den Dienst zu stellen und Gott anbeten zu lassen, dann zeige uns das und dann sage: "Ich habe dich geschaffen." Anderenfalls schweig! Außerdem ist derjenige, der mich gemacht hat, durch das Zeugnis der vollkommenen Wohlordnung in mir und durch den Beweis des Siegels der Einheit auf meinem Antlitz derjenige, der aller Dinge mächtig ist, alles weiß, alles sieht und alles hört. Einer, der so verblendet und so ohnmächtig ist wie du, kann an Seinen Kunstwerken keinen Anteil nehmen. Er kann noch nicht einmal so viel Einfluss ausüben wie auch nur ein Stäubchen."

Der Anwalt dieser Abgötter konnte auch im Körper nirgends einen Platz finden, um seinen Einfluss geltend machen zu können und ging davon. Nun stieß er auf die Menschheit (als ganzes) und sagte zu sich selbst: "Wie sich der Teufel in die Handlungen des Einzelnen und der Gemeinschaft einmischt, so kann vielleicht auch ich in dieser innerlich wie äußerlich so zersplitterten Gemeinschaft einen Platz finden, wo ich mich an ihrem Existenzkampf und ihrem alltäglichen Leben beteiligen und darin einmischen kann. Und da kann ich dann einen Platz für mich finden und meinen Einfluss auf den Körper und seine Zellen, die mich vertrieben hatten, ausüben." So sprach er zu der Menschheit wieder mit dem Mund der tauben Natur und in seiner verblendeten Philosophie:

"Ihr gleicht einem völligen Wirrwarr. Ich bin euer Herr und Eigentümer, oder habe doch einen Anspruch auf euch." Darauf erwiderte die Menschheit mit der Zunge von Recht und Wahrheit und in der Sprache der Weisheit und Wohlordnung:

"Wenn du genug Macht und Weisheit hast, um das Gewand, mit dem das ganze Erdenrund bekleidet ist, das Hemd, das aus vielen hunderttausend Gattungen von Pflanzen und Tieren besteht und das, gleich unserer eigenen Gattung, aus sehr vielen bunten Fäden in

vollkommener Weisheit gewebt und geschneidert ist, und das Kleid, das über das Antlitz der Erde ausgebreitet und aus hunderttausend Lebewesen gleichsam gewebt und überaus kunstvoll erschaffen ist, selber herzustellen und es jeder Zeit in vollkommener Weisheit wieder zu erneuern; und wenn du außerdem umfassende Macht und eine alles umfassende Weisheit hast, über das Erdenrund, dessen Frucht wir sind, und über die Welt, deren Kern wir sind, zu verfügen und alle Dinge, die wir zum Leben brauchen, ausgewogen und voll Weisheit von den Enden der Erde zu uns zu senden; und wenn du das Vermögen hast, alle unsere vergangenen und kommenden Generationen, mit denen wir gemeinsam das selbe Siegel der Macht tragen, ins Dasein zu rufen, dann kannst du vielleicht Anspruch auf Herrschaft über uns erheben. Anderenfalls aber, schweige! Während du den Wirrwarr in meiner (menschlichen) Gattung betrachtest, sage nicht: "Ich kann mich hier doch einmischen." Denn die Ordnung ist vollkommen. Denn dieser Zustand, der dir wie Wirrwarr erscheint, ist in Wirklichkeit eine perfekte Kopie göttlichen Vorherwissens (Qader).Denn die vollkommene Wohlordnung aller Pflanzen und Tiere, die doch (entsprechend der Schöpfungsgeschichte) noch weit unter uns und unter unserer Aufsicht stehen, zeigt, dass das, was uns wie Wirrwarr (erscheint), (in Wirklichkeit) eine Art Abschrift ist.

Ja wäre es denn überhaupt möglich, dass derjenige, der die Webfäden, die so schön gleichmäßig über das ganze Kleid verteilt sind, auf so kunstvolle Weise darin befestigt, ein anderer sein könnte, als der Meister dieses Kleides selbst? Könnte derjenige, der eine Frucht wachsen lässt, ein anderer sein als derjenige, der den ganzen Baum wachsen ließ? Könnte derjenige, der einen Kern erschafft, ein anderer sein als der, welcher die Frucht erschuf, in der dieser Kern ruht?

So ist also dein Auge blind. Du siehst nicht an mir (der Menschheit) die Wunderwerke der Macht (Gottes) und erkennst nicht die Wunder unseres (der einzelnen Menschen) Wesens.

Könntest du sie sehen, so müsstest du erkennen, dass derjenige, der mich erschaffen hat, so ein Herr ist, dass nichts vor Ihm verborgen bleiben kann, dem niemand etwas zu verweigern und zu erschweren wagt. Sterne gelingen Ihm gleich mühelos wie Atome. Einen Frühling bringt er so leicht wie eine Blume ins Dasein. Er ist der Herr, der mir das Inhaltsverzeichnis des riesigen Kosmos in vollkommener Ordnung eingegeben hat. Kann einer, der so starr, ohnmächtig, blind und taub ist, wie du es bist, an Seinen Kunstwerken Anteil nehmen? Daher also, schweig! Geh nun und mach dich davon!" So sagt sie zu ihm und jagt ihn davon.

Danach geht der Prätendent zu dem weiten Gewand, das über die Erde ausgebreitet ist, diesem so schön geschmückten und verzierten Kleid, das die Erde trägt, und sagt zu ihm im Namen der Ursachen, mit dem Mund der Natur und der Sprache der Philosophie: "Ich kann über dich verfügen, ich bin dein Herr und Besitzer." So sagt und behauptet er. Daraufhin sagt dieses Gewand,

{(*): Dieses Kleid ist jedoch sowohl lebendig, als auch in genau geregelten Abständen auswechselbar. Jederzeit verändern sich seine Ornamente in vollkommener Weisheit und Wohlgeordnetheit, um mit den verschiedenen Erscheinungen die Namen ihres Designers in vielfältiger Weise zu zeigen.}

dieses Kleid im Namen von Recht und Wahrheit, mit der Zunge der Weisheit zu dem Prätendenten:

"Wenn du soviel Macht hast und Kunstfertigkeit besitzt, alle diese Kleider zu weben und zu Stande zu bringen, die so viele Male, wie es Jahre und Jahrhunderte gibt, der Erde angezogen und in bester Ordnung wieder ausgezogen und auf die Leine der Vergangenheit gehängt werden, und für sie die frischen Programme und Muster herstellen kannst, die in vollkommener Ordnung im Rahmen des Vorherwissens Gottes gezeichnet und festgelegt und auf die Leine der Zukunft gehängt werden und die so wohlgeordnet und voll Weisheit sind und voneinander verschiedene Verzierungen haben; und wenn du

gleichsam über zwei unsichtbare Hände verfügst, voll Weisheit und Macht, die von der Erschaffung der Erde bis zu ihrer Zerstörung, ja sogar von Ewigkeit bis zur Ewigkeit zu reichen vermögen; und wenn du eine Macht und Weisheit besitzt, alle meine Fäden zu verspinnen und zu verweben und so alles in vollkommener Ordnung und Weisheit zu Stande zu bringen, zu reparieren und neu wieder herzustellen; und wenn du die Erdkugel, die uns als Modell dient und sich mit uns bekleidet und uns als ihren Schleier für sich verwendet, in deinen Händen hältst und ihr Schöpfer sein kannst, dann erhebe einen Anspruch auf die Herrschaft über mich. Anderenfalls, auf und raus mit dir! Auf dieser Erde kannst du keinen Platz für dich finden! Des Weiteren tragen wir das Siegel der Einheit (Vahdet)und Einzigartigkeit (Ahadiyet),in der Weise, dass einer, der nicht auch die Verfügungsgewalt über den ganzen Kosmos hat, der nicht alle Angelegenheiten in all ihren Zusammenhängen gleichzeitig sieht und all die zahllosen Arbeiten nicht zu gleicher Zeit tun kann, der nicht immer und überall anwesend sein kann, der nicht frei und ungebunden ist, und der kein Herr ist, begabt mit grenzenloser Weisheit, Wissen und Macht, unser Herr nicht sein und keinen Einfluss auf unsere Angelegenheiten ausüben kann."

{(Zusammenfassung): Das Atom verwies ihn zu dem roten Blutkörperchen. Das rote Blutkörperchen verwies ihn zu der Zelle, die Zelle zu dem Menschenkörper, der Menschenkörper zu der Menschengattung, die Menschengattung verwies ihn aber zu dem aus den Arten der Lebewesen gewebten Kleid der Erde, das Kleid der Erde aber zu der Erdkugel, die Erdkugel zu der Sonne, die Sonne verwies ihn aber zu den Sternen. Jeder sagte: "Geh, wenn du den, der über mir steht, beherrschen kannst, dann komm und versuche mich zu beherrschen. Wenn du ihn nicht niederwerfen kannst, kannst du mich nicht in die Hand bekommen." Das heißt, dass derjenige, der nicht seine Worte allen Sternen gegenüber geltend machen kann, nicht in der Lage ist, seine Herrschaft auch nur einem einzigen Atom gegenüber geltend zu machen.}

Dann geht der Prätendent weg und sagt: "Vielleicht kann ich die Erdkugel überreden und dort einen Platz finden." Er geht zu der Erdkugel und sagt ihr wieder im Namen der Ursachen und mit dem Mund der Natur: "So wie du dich da herum treibst, zeigst du mir, dass du herrenlos bist. Wenn das so ist, könntest du mir gehören." Daraufhin erwidert ihm die Erdkugel mit Donnerstimme im Namen des Rechtes und mit dem Mund der Wahrheit:

"Rede nicht so albern daher. Wie kann ich denn ein herrenloser Vagabund sein? Findest du etwa auf meinem Kleid auch nur ein Pünktchen oder einen Faden in meinem Kleid außer Ordnung geraten, oder scheint es dir ohne Weisheit und ohne Kunstfertigkeit, sodass du mich herrenlos und einen Herumtreiber schiltst.

Wenn du der wahre Besitzer jenes gewaltig großen Zirkels bist, den ich in einem Jahre umkreise, eine Strecke von etwa Fünfundzwanzigtausend Jahren Fußmarsch

{(*): Wenn eine Kreisbahn etwa hundertachtzig Millionen Kilometer Radius hat, dann entspricht die Erdumlaufbahn einer Strecke von etwa Fünfundzwanzigtausend Jahren Fußmarsch.}

in einem Jahr und in vollkommener Wohlausgewogenheit und Weisheit meinen Dienst und meine Aufgabe versehe, und wenn du eine unendliche Weisheit und grenzenlose Macht hast, die zehn Planeten, die meine Geschwister sind und wie ich in dienstlichem Auftrag stehen, und die alle in ihren Bahnen kreisen, und die Sonne, die unser Vorsteher (Imam)ist und mit der wir verbunden sind, zu erschaffen, an ihren Platz zu stellen und mich und die anderen Planeten mit ihr zu verbinden und in vollkommener Ordnung und Weisheit wie einen Kieselstein (im Kreis herum) zu schleudern und in Dienst zu nehmen, dann kannst du einen Anspruch auf Herrschaft über mich erheben. Anderenfalls auf! und fahre zur Hölle! Und fort mit dir! Ich habe zu tun! Ich gehe zum Dienst! Majestätische Ordnung, (Sternen)Bewegungen von überwältigenden Ausmaßen und die weisheitsvolle Führung auf ihren Bahnen zeigen, dass unser Baumeister ein Herr ist,

dem das ganze Sein, angefangen von den Atomen bis hin zu den Sternen und den Sonnen, gleich dienstbereiten Soldaten Gehorsam leistet. Er ist der majestätische Allweise und absolute Herrscher, der, mit der gleichen Leichtigkeit, mit der Er die Früchte an einem Baum ordnet und ihn damit verziert, auch die Planeten um die Sonne ordnet."

Dann geht der Prätendent zur Sonne. Da spricht er in seinem Herzen: "Dies ist ein riesengroßes Objekt. Vielleicht finde ich in ihm irgendeine Öffnung, durch die ich mir einen Weg bahnen kann. Dann kann ich auch die Erde in meinen Dienst stellen." Er sagt der Sonne im Namen der Abgötterei und mit der Zunge der teuflisch gewordenen Philosophie so, wie die Parsen sagen: "Du bist eine Königin. Du bist die Herrin deiner Selbst. Was du willst, das tust du." Die Sonne aber sagt ihm im Namen des Rechts, mit dem Mund der Wahrheit und in der Sprache der Weisheit Gottes: "Gott bewahre, hunderttausendmal möge mich Gott davor bewahren, keineswegs! Ich bin ein im Dienst stehender, gehorsamer Beamter. Ich bin im Gasthaus meines Herrn der Oberkerzenmeister. Ich kann nicht Herr einer Mücke, ja noch nicht einmal über den Flügel einer Mücke sein. Denn im Körper einer Mücke gibt es solch unsichtbare Schätze und seltsame Kunstwerke, wie Augen und Ohren, die in meinem Geschäftsbereich nicht erhältlich sind. Sie liegen außerhalb des Bereiches, über den ich verfügen kann." So sagt sie und tadelt den Prätendenten.

Da wendet sich der Prätendent um und sagt wiederum mit der Zunge seiner pharaonengleichen Philosophie: "Da du nun einmal nicht dein eigener Herr und Meister bist, sondern nur ein Diener, darum gehörst du im Namen der Ursachen mir." Es erwidert ihm die Sonne im Namen von Recht und Wahrheit und in der Sprache dienender Anbetung: "Ich kann nur einem solchen Herrn gehören, der mich und meinesgleichen und all die hohen Sterne erschuf, ihnen an Seinem Himmel in vollkommener Weisheit ihren Platz angewiesen hat, sie als vollendet schöne Schmuckstücke in majestätischer Pracht ihre Bahnen ziehen lässt."

Da sagt der Prätendent in seinem Herzen: "Die Sterne erscheinen mir in Haufen und Spiralnebeln, wie chaotisch über den ganzen Himmel verteilt. Vielleicht kann ich bei ihnen etwas für meine Mandanten (und in deren Namen) gewinnen." So sagt er sich und tritt unter sie. Er sagt ihnen im Namen der Ursachen, im Auftrag seiner Götzen und in der Sprache der gegen Gott rebellierenden Philosophie und so wie die Sternenanbeter sagen: "Da ihr so weit verstreut seid, steht ihr unter der Herrschaft verschiedener Herrscher." Daraufhin sagt ein Stern anstelle aller Sterne:

"Wie verblendet, wie so ohne Verstand und so töricht bist du und hast gar keine Augen, sodass du das Siegel der Einheit und die Prägung der Einzigartigkeit auf unserem Antlitz nicht siehst und nicht wahrnimmst. Du kennst unsere Hohe Ordnung (nizam)und die Gesetze und Vorschriften unseres Dienstes nicht. Du denkst so, als seien wir ein ungeordneter Haufe. Doch wir sind Kunstwerke und Diener eines Herrn, der Ein-Einziger (Vahid-i Ahad)ist, und der über die Himmel, die für uns den Meeren gleich sind, und den Kosmos, der uns wie ein Baum ist (an dem wir die Früchte sind), und das Weltall, in dem wir uns ergehen, die Verfügungsgewalt hat. Wir sind wie die Lichter einer Flotte, leuchtende Zeugnisse für die Vollkommenheit Seiner Herrschaft. Wir sind lichtvolle Beweise und Bekanntmachungen Seiner königlichen Herrschaft. Jede unserer Gruppen ist ein Diener des Lichtes, der auf dem Territorium Seines Königreiches in den erhabenen, niederen, weltlichen, nachweltlichen und jenseitigen Wohnstätten die Pracht Seines Königreiches zeigt und sein Licht in sie hinein trägt.

In der Tat ist jeder von uns ein Wunder der Macht des Einen und Einzigartigen (Vahid-i Ahad),jeder eine wohlgeordnete Frucht am Baum der Schöpfung, jeder ein lichtausstrahlender Beweis der Gegenwart (Vahdaniyet),jeder eine Wohnstatt, jeder ein Flugzeug und jeder ein Gebetsraum der Engel, jeder eine Lampe,

jeder eine Sonne der hohen Welten, jeder ein Zeuge für das Königreich der Herrschaft (Gottes), jeder ein Schmuckstück, jeder ein Schloss, jeder eine Blume des Weltalls, jeder ein Leuchtfisch am Meere und jeder ein schönes Auge im Antlitz des Himmels.

{(*): Wir sind Zeichen, gesetzt, die einzigartigen Kunstwerke Gottes des Gerechten zu betrachten, sie anzuschauen und anschauen zu lassen. Es ist, als ob der Himmel die einzigartigen Kunstwerke Gottes auf Erden mit zahllosen Augen betrachte. Das heißt also, dass die Sterne die Erde gleich einer erstaunlichen und einzigartigen Messe betrachten und gleich den Engeln im Himmel alle bewusstseintragenden Wesen darauf aufmerksam machen.}

In der Gesamtheit unserer Sterne geht die Stille gepaart mit Frieden, Bewegung mit Weisheit, Schönheit in der Kunst mit Majestät und Schönheit in der Schöpfung mit Wohlgeordnetheit und vollendete Kunst mit Wohlausgewogenheit. Daher machen wir unseren majestätischen Schöpfer mit zahllosen Zungen, Seine Gegenwart, Seine Einheit, Seine Einzigartigkeit und Seine Attribute mit Seiner Schönheit, Seine Majestät und Seine Vollkommenheit, vor dem ganzen Kosmos bekannt. Da nun aber du, ein Diener wie wir, die wir überaus aufrichtig, rein, gehorsam und dienstbereit sind, uns beschuldigst in einem Chaos zu leben, ohne jede Ordnung, ja geradezu als herrenlose Vagabunden, hast du dir eine Ohrfeige verdient."

So sagt er in das Gesicht des Prätendenten, und so versetzt ihm denn dieser Stern eine Ohrfeige, einer Steinigung des Teufels gleich und wirft ihn von den Sternen herab bis hinunter in den Abgrund der Hölle. Und die Natur,

{(*): Nach dem Sturz bat die Natur aber um Verzeihung. Sie verstand, dass ihre wahre Aufgabe nicht darin besteht, wirksam und aktiv zu sein, sondern anzunehmen und passiv zu sein. Sie erkannte, dass sie eine Art Buch des Vorherwissens des Herrn ist, jedoch ein Buch, das die Fähigkeit besitzt, sich zu verändern und sich anders zu gestalten, und eine Art Programm der Macht des Herrn und eine Art Schöpfungsgesetz des majestätischen Allmächtigen und eine Art Sammlung Seiner Richtlinien. In vollkommener Ohnmacht und Gehorsam nahm sie im Auftrag Gottes ihren Dienst an und erhielt die Bezeichnung "Gottes Schöpfung und Kunstwerk des Herrn".}

die mit ihm ist, wirft er in die Bäche der Zweifel,

den Zufall in den Pfuhl des Nichtseins, alle Götzen in die Finsternis der Unmöglichkeit und der Unvorstellbarkeit und die Philosophie, die sich gegen den Glauben stellt, bis hinab in die Tiefen der Niedersten der Niedrigen. Mit allen Sternen zusammen trägt dieser Stern den heiligen Erlass vor.

لَوْ كَانَ فِيهِمَآ اٰلِهَةٌ اِلاَّ اللَّهُ لَفَسَدَتَا

{"Wenn es in beiden (Himmel und Erde) außer Gott (Allah) noch Götter gäbe, wären sie ja dem Unheil (preisgegeben)." (Sure 21, 22)}

Und sie machen bekannt, dass es, angefangen von den Flügeln einer Mücke bis zu den Leuchten des Himmels, keinen Platz, nicht einmal einen von der Größe des Flügels einer Mücke, für einen Abgott gibt, wo er seinen Einfluss geltend machen könnte.

سُبْحَانَكَ لاَعِلْمَ لَنَآ اِلاَّ مَاعَلَّمْتَنَآ اِنَّكَ اَنْتَ الْعَلِيمُ الْحَكِيمُ ٭ اَللّٰهُمَّ صَلِّ وَسَلِّمْ عَلٰى سَيِّدِنَا مُحَمَّدٍ سِرَاجِ وَحْدَتِكَ فِى كَثْرَةِ مَخْلُوقَاتِكَ وَدَلاَّلِ وَحْدَانِيَّتِكَ فِى مَشْهَرِ كَآئِنَاتِكَ وَعَلٰٓى اٰلِهِ وَصَحْبِهِ اَجْمَعِينَ

{"Gepriesen seist Du, oh Du, außer dem es keinen Gott gibt! Unser Schutz, unser Hort, bewahre uns vor dem Feuer!" "Oh Gott, gib Segen und Frieden unserem Herrn, Mohammed, der Leuchte Deiner Einheit in aller Vielfalt Deiner Geschöpfe und der Ausrufer Deiner Allgegenwart auf der Messe des Kosmos, und seiner Familie und allen seinen Gefährten!"}

* * *

بِسْمِ اللَّهِ الرَّحْمَنِ الرَّحِيمِ

Es sind arabische Sätze, die auf eine Blume aus dem urewigen Garten der Ayat

فَانْظُرْ اِلٰى اٰثَارِ رَحْمَتِ اللَّهِ كَيْفَ يُحْىِ اْلاَرْضَ بَعْدَ مَوْتِهَا

{"Betrachte die Male der Barmherzigkeit Gottes, wie Er die Erde nach ihrem Tode wieder belebt." (Sure 30, 50)}

hinweisen.

حَتّٰى كَاَنَّ الشَّجَرَةَ الْمُزَهَّرَةَ ٭ قَصِيدَةٌ مَنْظُومَةٌ مُحَرَّرَةٌ

وَتُنْشِدُ لِلْفَاطِرِ الْمَدَٓائِحَ الْمُبَهَّرَةَ ٭ اَوْ فَتَحَتْ بِكَثْرَةٍ عُيُونَهَا الْمُبَصَّرَةَ

لِتَنْظُرَ لِلصَّانِعِ الْعَجَٓائِبَ الْمُنَشَّرَةَ ٭ اَوْ زَيَّنَتْ لِعِيدِهَا اَعْضَٓائَهَا الْمُخَضَّرَةَ

لِيَشْهَدَ سُلْطَانُهَا اٰثَارَهُ الْمُنَوَّرَةَ ٭ وَتُشْهِرَ فِى الْمَحْضَرِ مُرَصَّعَاتِ الْجَوْهَرِ

وَتُعْلِنَ لِلْبَشَرِ حِكْمَةَ خَلْقِ الشَّجَرِ ٭ بِكَنْزِهَا الْمُدَخَّرِ مِنْ جُودِ رَبِّ الثَّمَرِ

سُبْحَانَهُ مَٓا اَحْسَنَ اِحْسَانَهُ ٭ مَٓا اَزْيَنَ بُرْهَانَهُ، مَٓا اَبْيَنَ تِبْيَانَهُ

خَيَالْ بِينَدْ اَزِينْ اَشْجَارْ مَلاَئِكْ رَا جَسَدْ آمَدْ سَمَاوِى بَا هَزَارَانْ نَىْ ٭ اَزِينْ نَيْهَا شُنِيدَتْ هُوشْ سِتَايِشْهَاىِ ذَاتِ حَىْ

وَرَقْهَارَا زَبَانْ دَارَنْدَ هَمَه هُو هُو ذِكْر آرَنْد بَدَرْ مَعْناَىِ حَىُّ حَىُّ.. چُو لاَ اِلٰهَ اِلاَّ هُو بَرَابَرْ مِيزَنَنْد هَرْ شَىْ ٭ دَمَا دَمْ جُويَدَنْد يَا حَقْ سَرَاسَرْ گُويَدَنْد يَا حَىْ بَرَابَرْ مِيزَنَنْداَللَّهْ

وَنَزَّلْنَا مِنَ السَّمَٓاءِ مَٓاءً مُبَارَكًا

{"Nach unserer Vorstellung können wir die Engel mit ihren Tausenden von Flöten in den Bäumen verkörpert sehen. Durch diese Flöten nimmt unser Verstand den Lobpreis des Lebendigen wahr. Ihre Blätter sind Zungen, deren jede immerwährend 'Er! Er!' rezitiert, was bedeutet: 'Oh Lebendiger! Oh Lebendiger!' Es ist, als ob alle Dinge gemeinsam sängen: 'Es gibt keinen Gott außer Ihm.' Sie rufen immerwährend: 'Oh Gerechter!' rufen mit ihrem ganzen Sein: 'Oh Lebendiger!' Sie singen gemeinsam: Oh Gott!"}

وَنَزَّلْنَا مِنَ السَّمَاءِ مَاءً مُّبَارَكًا

{"Und wir sandten vom Himmel herab segensreiches Wasser." (Sure 50, 9)}

Übersetzung des arabischen Teils:

Es ist, als glichen alle blühenden Bäume wunderschön gereimten Kassiden. Eine solche Kasside rezitiert das ozeangleiche Lob des majestätischen Schöpfers und bringt es in seinem Dasein dichterisch zum Ausdruck. Es ist, als hätte jeder blühende Baum Tausende Augen geöffnet, die schauen und betrachten lassen, sodass sie alle die einzigartigen Kunstwerke des majestätischen Meisters, die verbreitet und ausgestellt werden, nicht nur mit ein, zwei Augen, sondern vielmehr mit Tausenden von Augen betrachten, welche Aufmerksame dazu bringen, einmal genauer hinzuschauen. Es ist, als schmückte jeder blühende Baum sich seine Glieder zu seinem eigenen Frühlingsfest, das ein Fest für alle ist, wie für die Zeit einer Parade in seinem schönstem Schmuck, sodass sein majestätischer König, die Geschenke, die Feinheiten und die leuchtenden Kunstwerke betrachten könne, die er ihm verliehen hat. Darüber hinaus stellt er im Frühling auf Erden, auf der Messe der Kunstwerke Gottes, die mit Edelsteinen geschmückten Kunstwerke Seiner Erbarmung vor den Augen aller Leute aus. Er macht dem Menschen die Weisheit bekannt, die in der Erschaffung eines Baumes liegt. Während er zeigt, wie wertvolle Schätze seine ganz feinen Zweige tragen, und welch bedeutende Reichtümer in den Früchten, den Geschenken des Barmherzigen enthalten sind, führt er die Vollkommenheit der Macht Gottes vor.

Ein kleiner Anhang zum Ersten Kapitel

فَاسْتَمِعْ اَيَةَ

اَفَلَمْ يَنْظُرُوٓا اِلَى السَّمَآءِ فَوْقَهُمْ كَيْفَ بَنَيْنَاهَا وَزَيَّنَّاهَا اِلَى اَخِرِ اَيَةِ ثُمَّ انْظُرْ اِلٰى وَجْهِ السَّمَآءِ كَيْفَ تَرٰى سُكُوتًا فِى سُكُونَةٍ حَرَكَةً فِى حِكْمَةٍ تَلَئْلُئاً فِى حَشْمَةٍ تَبَسُّمًا فِى زِينَةٍ مَعَ اِنْتَظَامِ الْخِلْقَةِ مَعَ اِتِّزَانِ الصَّنْعَةِ تَشَعْشُعُ سِرَاجِهَا تَهَلْهُلُ مِصْبَاحِهَا تَلَئْلُؤُ نُجُومِهَا تُعْلِنُ ِلاَهْلِ النُّهٰى سَلْطَنَةً بِلآَ اِنْتِهَآءٍ اَفَلَمْ يَنْظُرُوٓا اِلَى السَّمَآءِ فَوْقَهُمْ كَيْفَ بَنَيْنَاهَا وَزَيَّنَّاهَا اِلَى اَخِرِ اَيَةِ

{"Höre die Ayah: Haben sie denn nicht zum Himmel über ihnen empor geschaut, wie wir ihn erbaut und geschmückt haben und wie makellos er ist?..." (Sure 50, 6) "Betrachte das Antlitz des Himmels, wie ruhig und friedlich es aussieht, sich in Weisheit bewegt, majestätisch funkelt und sich mit einem Lächeln schmückt. Durch die Wohlordnung seiner Erschaffung, die Ausgewogenheit seiner Kunst, die Pracht seiner Leuchte, den Glanz seiner Lampe, das Funkeln seiner Sterne gibt er den Leuten des Verstandes die grenzenlose Königsherrschaft (Gottes) bekannt."}

Eine Erklärung des arabischen Kommentars, der durch diese Ayah inspiriert wurde.

ثُمَّ انْظُرْ اِلٰى وَجْهِ السَّمَآءِ كَيْفَ تَرٰى سُكُوتًا فِى سُكُونَةٍ

{"Betrachte das Antlitz des Himmels, wie ruhig und friedlich es aussieht."}

Das heißt: Diese Ehrwürdige Ayah lenkt die Aufmerksamkeit auf das schön geschmückte Antlitz des Himmels hin. Durch das aufmerksame Betrachten soll der Mensch in dem Antlitz des Himmels eine Stille und außergewöhnliche Ruhe erkennen und verstehen, dass dieser sich unter dem Befehl und im Dienst des absoluten Allmächtigen in dieser Weise zeigt. Anderenfalls, wäre er frei, könnten diese überaus großen Kugeln mit ihren Bewegungen in

überaus großer Geschwindigkeit solch einen Lärm verursachen, dass sie das Ohr des Kosmos ertauben ließen. Es würde sogar durch ein vernichtendes Beben ein solches Tohuwabohu entstehen, dass der Kosmos darüber in Staub zerfiele. Es ist ja bekannt, wie viel Lärm und Tumult zwanzig Büffel hervorrufen können, wenn sie alle auf einmal durcheinander laufen. In Wirklichkeit sagt die Astronomie, dass es unter den Sternen solche gibt, die tausendfach größer als die Erdkugel sind und sich siebzigmal schneller als Kanonenkugeln bewegen. So verstehe also aufgrund der Stille der Himmelskörper, die sich in aller Ruhe bewegen, wie mächtig der majestätische Schöpfer und vollkommen Allmächtige ist, der sie in den Dienst stellt, und wie willig und gehorsam die Sterne Ihm gegenüber sind.

حَرَكَةً فِى حِكْمَةٍ

{"Bewegung in Weisheit."}

Außerdem befiehlt die Ayah dem Menschen, im Antlitz des Himmels eine Bewegung, die in Weisheit verläuft, zu betrachten. In der Tat verlaufen diese überaus einzigartigen und gewaltigen Bewegungen in überaus feinsinniger und umfassender Weisheit. Ein Handwerker, der Getriebe und Räder einer Maschine laufen lässt, zeigt den Grad seiner Meisterschaft und seines Talentes entsprechend der Größe und der Wohlordnung dieser Maschine. Genauso wird die Größe der Macht und der Weisheit des majestätischen Allmächtigen, der die Sonne mit den Planeten zusammen wie eine Maschine baute und diese gewaltig großen Kugeln wie Schleudersteine oder Räder einer Maschine um sie kreisen lässt, in diesem Vergleich dem Auge ersichtlich.

تَلَئْلُئاً فِى حَشْمَةٍ تَبَسُّمًا فِى زِينَةٍ

{"Er funkelt majestätisch und schmückt sich mit einem Lächeln."}

Das heißt: Das Antlitz des Himmels zeigt eine so prachtvolle Ausstrahlung und schmückt sich so mit einem Lächeln, dass es zeigt, welch ein gewaltig großes Königreich und welch ein schönes Kunstwerk des majestätischen Schöpfers es ist. An den Tagen einer Festbeleuchtung zeigen ja die Vielzahl der elektrischen Lampen die Größe eines Königs und wie fortschrittlich er ist. Genauso zeigt der riesige Himmel im Schmuck all seiner Sterne den aufmerksamen Blicken die Vollkommenheit des Königreiches Seines majestätischen Schöpfers und die Schönheit Seiner Kunstfertigkeit.

مَعَ اِنْتِظَامِ الْخِلْقَةِ مَعَ اِتِّزَانِ الصَّنْعَةِ

{"Durch die Wohlordnung seiner Erschaffung. Durch die Ausgewogenheit seiner Kunst."}

Außerdem sagt die Ayah: Siehe die Geschöpfe unter dem Antlitz des Himmels, wie sie wohlgeordnet gestaltet sind und die Kunstwerke, die in feinen Maßen stehen, wie sie wohl ausgewogen sind. So verstehe und wisse, wie mächtig und weisheitsvoll ihr Meister ist. In der Tat zeigt dieses alles dem aufmerksamen Betrachter, wie mächtig und weisheitsvoll der Herr ist, der verschieden große und kleine Dinge oder Tiere sich bewegen lässt und in Seinen Dienst stellt und jeden mit einem speziellen Maß auf einen bestimmten Weg führt, und wie willig und gehorsam die Dinge, die sich bewegen, Ihm gegenüber sind. Genauso zeigt dieser riesige Himmel in seiner gewaltigen Größe mit seinen unendlich vielen Sternen und diese Sterne, die so gewaltig groß sind und sich so machtvoll bewegen und dabei nicht einmal um ein Stäubchen oder eine Sekunde ihre Grenze überschreiten und nicht einmal ein Zehntel einer Minute von ihrer Diensterfüllung fern bleiben, mit welchem feinen speziellen Maße ihr majestätische Schöpfer über Seine Herrschaft verfügt. Das, worauf mit dem Gehorsam der Sonne, des Mondes und der Sterne, wie auch in diesem Vers und wie in der Sure 'Amme und in anderen Ayat hingewiesen wird, ist folgendes:

تَشَعْشُعُ سِرَاجِهَا تَهَلْهُلُ مِصْبَاحِهَا، تَلَئْلُؤُ نُجُومِهَا تُعْلِنُ ِلاَهْلِ النُّهٰى، سَلْطَنَةً بِلاَ اِنْتِهَآءٍ

{"Durch die Pracht seiner Leuchte, den Glanz seiner Lampe, das Funkeln seiner Sterne gibt er den Leuten des Verstandes die grenzenlose Königsherrschaft (Gottes) bekannt."}

Das heißt: An die verzierte Decke des Himmels eine Lampe wie die Sonne, die Licht spendet und wärmt, zu hängen; sie zu einem Tintenfass gefüllt mit Licht zu machen, um auf den Linien von Nacht und Tag, auf den Seiten von Winter und Sommer, die Briefe des Einzigartigen zu schreiben; wie die Zeiger der großen Uhren an hohen Minaretten oder Türmen den Mond an der Kuppel des Himmels an der großen Uhr, die Zeit, zu einem Zeiger zu machen, in Form von vielen verschiedenen Mondsicheln jeder Nacht ihre besondere Mondsichel zu bestimmen, dann sie alle wieder zusammenzufügen, ihn auf seinen Stationen in vollkommener Ausgewogenheit, feinen Berechnungen entsprechend zu bewegen; mit den Sternen, die an der Kuppel des Himmels leuchten und lächeln, das Gesicht des Himmels zu vergolden; sind mit Sicherheit Kennzeichen der Herrschaft eines unendlichen Königreiches. Dies sind für die Bewusstseintragenden Hinweise auf den Glanz Seiner Gottheit, die für sich selbst sprechen. Das lädt verständige Menschen ein, ihren Glauben und die Einheit Gottes zu bekennen.

Betrachte das Buch des Kosmos eine farbige Seite,

mit dem goldenen Stifte der Macht; siehe, wie schön sie gemalt ist!

Nicht blieb da noch ein dunkler Fleck für die Scharfsinnigen,

so als habe Gott Seine Wunderzeichen (: Verse) mit Licht darauf geschrieben.

Betrachte, welch ein Wunder der Weisheit die Schöpfung ist, in Bewunderung versetzt.

Betrachte, welch eine erhabene Vorführung das Weltall ist.

Lausche der Sterne Gesang, ihrer berauschenden Predigt (hutbe)!

Entnimm ihrer leuchtenden Schrift die Weisheit, die sie verkündet!

Gekommen sind sie und sagen alle gemeinsam einen Ausdruck der Wahrheit:

"Wir sind das strahlende Zeugnis des großartigen Königreiches einer allmächtigen Majestät.

Wir sind dafür Zeuge, dass es einen Meister gibt in Seiner Einheit und in Seiner Kraft...

Den Engeln gleich betrachten wir vom Himmel herab die Erde, schauen das Antlitz der Erde

voll tiefer und feinsinniger Wunder, halten stets das Paradies auch im Blick.

Des Himmels tausend aufmerksame Augen sind wir.

Es wuchs der Tuba-Baum der Schöpfung und seine Äste strecken sich durch einen Spalt der Himmel

und seine Zweige bilden die Milchstraße.

Schönheit und Majestät heißt die Hand der göttlichen Weisheit, die uns daran aufgehängt hat

als seine wundervollen Früchte.

Für die Bewohner des Himmels sind wir eine wandelnde Moschee,

ein Haus, das seine Kreise zieht und ein erhabenes Nest,

ein strahlender Leuchter, ein gewaltiges Schiff;

Flugzeugen gleich sind wir alle und ein jeder von uns.

Eines Allmächtigen in Seiner Vollkommenheit, eines Allweisen in Seiner Majestät

wunderbare Kraft und Staunen erregendes Kunstwerk Seiner Schöpfung,

ein Kleinod Seiner Weisheit und Ingenium Seiner Schöpfung,

eine Welt voller Licht sind wir, jeder von uns eine Welt aus Licht.

So zeigen wir mit hunderttausenden von Zungen hunderttausende Beweise

lassen sie vernehmlich werden dem Menschen, der Mensch ist.

Mit Blindheit geschlagen das Auge der Gottlosen, vermag es nicht mehr zu schauen unser Antlitz

und vernimmt er unsere Stimme nicht. Doch sind wir die Zeichen, die Wahrheit verkünden.

Eines ist unsere Prägung, einer unser Siegel.

Immerwährend wiederholen wir den Lobpreis unseres Herrn, wir seine Diener

gedenken Seines Namens, Ihn verehrend alle Zeit.

In Ihm versunken reihen wir uns ein als die Glieder in der Kette der endlosen Milchstraße."

Zweites Kapitel

بِسْمِ اللَّهِ الرَّحْمَنِ الرَّحِيمِ ٭ قُلْ هُوَ اللَّهُ اَحَدٌ ٭ اَللَّهُ الصَّمَدُ

{"Im Namen Gottes, des Erbarmens, des Barmherzigen. Sprich: Gott ist Einer. Gott ist einzigartig." (Sure 112, 1-2)}

Dieses Kapitel hat drei "Zwecke".

Erster Zweck

(Da der Anwalt der Leute der Abgötterei und des Irrweges, der von dem Stern eine Ohrfeige erhielt und zu Boden fiel, für seine Abgötterei nirgendwo zwischen den Atomen bis hin zu den Sternen einen Platz, auch nur so groß wie ein Stäubchen, finden konnte, verzichtete er auf Ansprüche solcher Art, versuchte aber doch gleich dem Teufel, durch seine Einflüsterungen mit "drei wichtigen Fragen" (Gottes) Einheit (Ahadiyet)und Seine Allgegenwart (Vahdet)bei den Monotheisten in Zweifel zu ziehen.)

Erste Frage:

Er sagt mit dem Mund des Unglaubens: Oh ihr Monotheisten! Ich konnte für meine Mandanten nichts finden, aus allem, was da ist und lebt nichts für sie herausholen, mein Amt nicht überzeugend vertreten. Aber womit beweist ihr den Einen, den Allgegenwärtigen, der eine unendliche Macht besitzt? Warum haltet ihr es nicht für möglich, dass sich in Seiner Macht auch andere noch ihre Hände waschen könnten?

Antwort:

Im "Zweiundzwanzigsten Wort" ist bereits mit Sicherheit bewiesen worden, dass alles, was da ist und lebt, jedes Atom und jeder Stern ein glänzendes Zeugnis ist für die Notwendigkeit der Existenz dessen, der notwendigerweise da sein muss, des Absoluten-Allmächtigen. Jede Kettenfolge im ganzen Kosmos ist je ein unwiderlegbarer Beweis für Seine Einheit und Gegenwart. Der Weise Qur'an bringt Beweise für Ihn mit zahllosen Zeugnissen.

Die Zeugnisse, die in den Augen der Allgemeinheit am deutlichsten sind, bringt er auch am häufigsten.

Zum Beispiel:

وَلَئِنْ سَئَلْتَهُمْ مَنْ خَلَقَ السَّمٰوَاتِ وَاْلاَرْضَ لَيَقُولُنَّ اللَّهُ ٭ وَمِنْ اٰيَاتِهِ خَلْقُ السَّمٰوَاتِ وَاْلاَرْضِ وَاخْتِلاَفُ اَلْسِنَتِكُمْ وَاَلْوَانِكُمْ

{"Und wenn du sie fragst, wer Himmel und Erde erschaffen hat, sagen sie: Gott!" (Sure 31, 25) "Und zu Seinen Zeichen gehört die Erschaffung der Himmel und der Erde und die Verschiedenheit eurer Sprachen und Farben." (Sure 30, 22)}

Mit sehr vielen Versen wie diesen zeigt der Weise Qur'an die Erschaffung der Erde und der Himmel als ein Zeugnis für die Einheit (Gottes) auf der Stufe einer Offensichtlichkeit, sodass jeder bewusste (und intelligente Mensch), gezwungenermaßen aufgrund der Erschaffung der Erde und der Himmel deren majestätischen Schöpfer bestätigen muss, so wie der Qur'an sagt:

لَيَقُولُنَّ اللَّهُ

{"Sie werden mit Sicherheit sagen: Gott!" (Sure 31, 25)}

In dem Ersten Kapitel hatten wir ja, von einem einzigen Atom angefangen bis zu den Sternen und den Himmeln, das Siegel der Einheit (Tauhid)gezeigt. Mit derartigen Versen weist der weise Qur'an die Vergötzung, angefangen von den Sternen und den Himmeln bis zu den Atomen, energisch zurück. Folgenderweise weist er darauf hin und spricht sinngemäß:

Der absolute Allmächtige, der die Himmel und die Erde so wohlgeordnet erschuf, hält mit Sicherheit durch Seine Lenkung und Leitung das Sonnensystem, das auf jeden Fall in den Bereich Seiner Kunstwerke gehört, in Seiner Hand. Da dieser absolute Allmächtige nun einmal die Sonne mit ihren Planeten in Seiner Hand hält, sie lenkt und leitet, sie geordnet hat, in den Dienst stellt und kreisen lässt, lenkt und leitet er mit Sicherheit auch die Erdkugel, die zu diesem Sonnensystem gehört und mit der Sonne verbunden ist, und hält sie fest in Seiner Hand.

Da Er nun einmal die Erdkugel mit fester und sicherer Hand lenkt und leitet, liegen auch die Kunstwerke, die in das Antlitz der Erde eingeschrieben, ins Dasein gebracht werden und als Früchte und Ziele der Erde gelten, in Seiner Hand, unterstehen Seiner Herrschaft und werden von Ihm versorgt. Da alle Kunstwerke, die auf der ganzen Erdoberfläche ausgebreitet und über sie hin verstreut sind und ihr Gesicht vergolden, es schmücken und sich jederzeit wieder erneuern, kommen und gehen und die Erde erfüllen und wieder leeren, nun einmal in der Hand Seiner Macht und Seines Wissens sind und mit dem Maß Seiner Gerechtigkeit und Seiner Weisheit gemessen und geordnet werden, liegen mit Sicherheit auch die wohlgeordneten und vollkommenen Bestandteile, die kleinen Musterbeispiele der Welt, die Bilanzen der Schöpfungsarten und alle ihre einzelnen Exemplare, die kleine Inhaltsverzeichnisse des Weltenbuches sind, ganz offensichtlich in Seiner Hand, von Ihm erschaffen, unter Seiner Herrschaft, Seiner Lenkung und Seiner Versorgung.

Da jedes Lebewesen in Seiner Hand ruht, unter Seiner Lenkung und Versorgung, unterliegen mit Sicherheit auch die Zellen, die Blutkörperchen, die Organe, die Nerven und Adern, aus welchen der Körper eines Lebewesens besteht, ganz offensichtlich Seinem Wissen und Seiner Macht. Da jedes Blutkörperchen und jede Zelle nun einmal unter Seinem Befehl steht und innerhalb Seines Verfügungsbereiches ist und sich nach Seinem Gesetz bewegt, sind sie der Grundstoff all dieser Dinge und auch die Atome, die wie Schiffchen beim Weben der Kunstwerke, die beim Sticken der Ornamente gleich einer Unruhe ständig in Bewegung sind, in der Hand Seiner Macht und Seinem Wissen. Sie bewegen sich wohlgeordnet auf Seinen Befehl, mit Seiner Erlaubnis und in Seiner Kraft und versehen korrekt ihre Dienste.

Da sich die Atome nun einmal nach Seinem Gesetz, mit Seiner Erlaubnis und auf Seinen Befehl bewegen und ihren Dienst versehen, ist es mit Sicherheit und ganz offensichtlich auch das Werk Seines Wissens und Seiner Weisheit,

dass die Gesichter Identitätsmerkmale sind, die jeder wie eine Maske trägt, die ihn von allen anderen unterscheidet, und so gibt es auch zwischen den einzelnen Stimmen und Sprachen die gleichen Unterschiede wie zwischen den Gesichtern. Nun betrachte wieder die Ayah, die Anfang und Ende dieser Reihenfolge erwähnt und so auf sie hinweist.

وَمِنْ اٰيَاتِهِ خَلْقُ السَّمٰوَاتِ وَاْلاَرْضِ وَاخْتِلاَفُ اَلْسِنَتِكُمْ وَاَلْوَانِكُمْ اِنَّ فِى ذٰلِكَ َلاٰياَتٍ لِلْعَالِمِينَ

{"Und unter Seinen Zeichen ist die Erschaffung der Himmel und der Erde, die Verschiedenartigkeit eurer Sprachen und Farben. Führwahr, darin sind Zeichen für die Wissenden." (Sure 30, 22)}

Darum sagen wir nun: Oh du Anwalt der Götzendiener! Hier beweisen solch starke Zeugnisse wie die Reihenfolge in der Schöpfung den Weg der Einheit (Tauhid).Sie zeigen uns einen absoluten Allmächtigen. Da die Erschaffung der Himmel und der Erde nun einmal einen allmächtigen Schöpfer und die unendliche Macht dieses allmächtigen Schöpfers zeigen, und da diese unendliche Macht in unendlicher Vollkommenheit besteht, so ist mit Sicherheit jegliche Teilhaberschaft absolut entbehrlich. Das heißt also, dass überhaupt keine Teilhaber notwendig sind. Wenn sie also vollkommen überflüssig sind, warum geht ihr dann diesen finsteren Weg? Was zwingt euch dazu ihn einzuschlagen? Wie Teilhaber nicht notwendig sind und der Kosmos ihrer überhaupt nicht bedarf, so sind Teilhaber an Seiner Gottheit und auch Teilhaber an Seiner Herrschaft und in Seiner Schöpfung unmöglich. Ihr Dasein ist unvorstellbar. Denn: Die Macht, die der Baumeister der Himmel und der Erde besitzt, ist sowohl unendlich vollkommen als auch erwiesenermaßen grenzenlos. Gäbe es Teilhaber, würde eine andere begrenzte Macht diese grenzenlose und überaus vollkommene Macht besiegen, einen Teilbereich von ihr besetzen, sie so begrenzen und sie so gewissermaßen schwächen, ihr, obwohl sie doch endlos ist, ein Ende setzen.

Es müsste dann etwas, das in sich begrenzt ist, ohne jede Notwendigkeit dem, der in sich Selbst grenzenlos ist, eine Grenze setzen und ihr ein Ende setzen. Das aber ist eine solche Unmöglichkeit, wie sie von unserer Vernunft am weitesten entfernt wäre und die vielfältigste aller Unvorstellbarkeiten.

Außerdem sind die Teilhaber von der Art derer, auf die man verzichtet (mustaghniatun 'anha)und die ihrem Wesen nach unmöglich sind (mumteniatun bizzat).Das heißt: Weil man sie überhaupt nicht braucht, wäre es pure Willkür, für sie Stellung zu beziehen, da ja ihre Existenz unmöglich ist. Das heißt: Da kein vernünftiger, verständlicher, logischer Grund gegeben ist, eine solche Behauptung aufzustellen, gelten dergleichen Reden als bedeutungslos. Es wird dies In der (theologischen) Wissenschaft vom Ursprung (ilm-i usul)als willkürlich bezeichnet. Das heißt: Es ist eine reine, bedeutungslose Behauptung. Eine der Grundprinzipien der Wissenschaft vom Wort und vom Ursprung (ilm-i kelam ve ilm-i usul)besagt:

لاَعِبْرَةَ لِلاِحْتِمَالِ الْغَيْرِ النَّاشِى عَنْ دَلِيلٍ وَلاَينُاَفِى اْلاِمْكَانُ الذَّاتِىُّ الْيَقِينَ الْعِلْمِىَّ

Eine Behauptung, die sich nicht aus einem Beweis ergibt und auf die kein Zeichen hinweist, ist ohne Bedeutung. Sie kann, wo ein sicheres Wissen besteht, keinen Zweifel hinzufügen. "Die Gewissheit, die sich auf eine Schlussfolgerung stützt, vermag sie nicht zu erschüttern."

Zum Beispiel:

Es wäre möglich, oder könnte doch sein, dass der See bei Barla (d.h. der EghridirSee) aus Traubensirup bestünde oder zu Öl umgewandelt würde. Da es aber für eine solche Möglichkeit oder Behauptung keinen Hinweis gibt, kann sie unser sicheres Wissen, dass er da ist und aus Wasser besteht, nicht beeinflussen, keinen Zweifel oder Verdacht in uns erregen.

Deshalb haben wir dementsprechend alles was da ist und lebt an allen Ecken und Kanten des Kosmos gefragt und, wie wir bereits im Ersten Kapitel gezeigt haben: Wen oder was auch immer, von den Atomen angefangen

bis zu den Sternen, und wie wir bereits im Zweiten Kapitel gesehen haben: Wen oder was auch immer wir über Himmel und Erde befragt haben, angefangen bei ihrer Erschaffung bis hin zu den persönlichen Kennzeichen und Merkmalen in den Gesichtern, legte in der Sprache seines jeweiligen Da- und So-Seins Zeugnis ab für Seine Allgegenwart (Vahdaniyet)und zeigte uns das Siegel Seiner Einheit (Tauhid).Auch du hast es gesehen... Da dies aber nun einmal so ist, gibt es nichts im Kosmos kein Zeichen, worauf man die Möglichkeit eines Abgottes aufbauen könnte. Das heißt: da die Behauptung, Gott etwas beizugesellen, rein willkürlich, eine sinnlose Aussage ist und nichts als nur eine Behauptung, ist Gott etwas beizugesellen pure Unwissenheit, ja geradezu Dummheit.

So blieb denn für den Anwalt der Leute des Irrweges nichts mehr, was er dem noch hätte entgegnen können und so sagt er denn nur noch: "Zeichen einer Partnerschaft ist die Verbundenheit der Ursachen innerhalb des Universums. So kommt es, dass jedes Ding von einer Ursache abhängig ist. Das aber heißt, dass die Ursachen einen tatsächlichen Einfluss haben. Wenn sie aber einen Einfluss haben, können sie auch Partner sein."

Antwort:

Da Gottes Wille und Weisheit es so erfordern und da viele Gottesnamen in Erscheinung treten wollen, sind die Ergebnisse mit den Ursachen verbunden. Jedes Ding ist mit einer Ursache verbunden. Wir haben es bereits an vielen Stellen und in verschiedenen "Worten (Sözler)"unerschütterlich bewiesen: "In den Ursachen findet sich kein wirklich schöpferischer Einfluss." An dieser Stelle wollen wir nur so viel sagen:

Unter den Ursachen besitzt der Mensch die höchste Würde und die größtmögliche Willensfreiheit, was (die Spanne) seiner Handlungen in ihrer ganzen Weite und Breite betrifft. Des Weiteren zählt zu den nach außen hin am deutlichsten wahrnehmbaren Handlungen des Menschen, die seinem freien Willen unterliegen, essen, sprechen und denken. Was aber dieses Essen, Sprechen und Denken betrifft, so gehört es zu einer ganzen Reihe

überaus wohlgeordneter, einzigartiger und zweckmäßiger (Abläufe von Prozessen). Was aber von den hundert Gliedern dieser Kette in der Hand des freien Willens des Menschen liegt, ist nur ein Hundertstel.

Zum Beispiel:

Innerhalb des Prozessablaufes bei der menschlichen Ernährung, von der Ernährung der Zellen im (menschlichen) Körper (am Ende betrachtet) bis zur Entstehung einer Frucht (vor dem Beginn des ganzen Prozesses) ist es dem freien Willen des Menschen lediglich überlassen, seinen Mund und die Zähne (in ihm) in Bewegung zu setzen und zu kauen. Und innerhalb des Prozessablaufes beim Sprechen ist es lediglich die Artikulation der Phoneme (also die Ausformung der Laute) im Ausstoßen der Luft. Denn im Mund gleicht jedes Wort einem Kern, der zu einem Baum wird. Es bringt in der Luft Millionen von Früchten des selben Wortes hervor. So geht es in die Ohren von Millionen Zuhörern ein. Zu dieser blauen Blume kann kaum der Arm menschlicher Phantasie gelangen. Wie kann sie der viel zu kurze Arm seines freien Willens erreichen?

Wenn dem Menschen, welcher unter den Ursachen die höchste Würde und den größten Spielraum seines freien Willens hat, die Hände zu wirklicher schöpferischer Tätigkeit so sehr gebunden sind, wie könnten dann tote Dinge, Tiere, Elemente und die Natur eine tatsächliche Verfügungsgewalt haben? Als Ursachen sind sie nur wie ein Behälter. Für die Kunstwerke des Herrn sind sie nur wie ein Mantel. Sie sind Träger der Geschenke des Erbarmers. Mit Sicherheit kann ein Gefäß für das Geschenk des Königs oder ein Tuch, mit dem das Geschenk eingepackt ist, oder ein einfacher Soldat, in dessen Hände dieses Geschenk gelegt ist, kein Teilhaber an der Herrschaft des Königs sein. Und derjenige, der sich (diese Dinge) als Teilhaber vorstellt, spricht sinnlos wie im Fieberwahn. Genauso können die äußerlichen Ursachen und die scheinbaren Mittler in keiner Hinsicht Teilhaber an der Herrschaft Gottes sein. Ihr Anteil besteht lediglich im Dienst und in der Anbetung.

Zweiter Zweck

Da der Vertreter der Abgötterei den Weg der Götzendiener (meslek-i shirk)keineswegs verteidigen konnte und deshalb über seiner Beweisführung verzweifelte, bemühte er sich den Weg derer, die dem Weg der göttlichen Einheit folgen, mit seinen Zweifeln und Verdächtigungen zu verderben. Darum stellte er die folgende zweiteFrage:

Oh ihr Monotheisten (ehl-i Tauhid)!Ihr sagt:

قُلْ هُوَ اللَّهُ ٭ اَحَدٌ اَللَّهُ الصَّمَدُ

{"Sprich: Gott ist Einer und Gott gleich ist keiner." (Sure 112, 1-2).}

Der Schöpfer der Welt ist ein Einziger. Er ist der Einzigartige, Unvergleichliche, der Schöpfer aller Dinge. Als dem Einzigartigen in Seinem Wesen liegen die Zügel aller Dinge unmittelbar in Seiner Hand; die Schlüssel aller Dinge liegen in Seiner Hand und Er hält alle Dinge "an ihrem Schopf - (Sure 96, 15)" gefasst. Die eine Tätigkeit behindert Ihn nicht bei einer anderen Tätigkeit. Er kann über alle Dinge in all ihren Erscheinungen zu gleicher Zeit verfügen." Wie kann man eine so merkwürdige Wahrheit glauben? Kann ein einziges Wesen an unendlich verschiedenen Stellen unendlich viele verschiedene Arbeiten mühelos verrichten?

Antwort:

Diese Frage kann durch die Erklärung einer sehr tiefen und feinsinnigen, erhabenen und umfassenden Wahrheit (sirr)über die Einheit (Ahadiyet)und Einzigartigkeit Gottes (Samediyet)beantwortet werden. Das menschliche Denkvermögen kann aber diese Wahrheit nur durch das Fernrohr eines Gleichnisses und das Teleskop eines Beispieles betrachten. Gott dem Gerechten kann man nichts an die Seite stellen, was Seinem Wesens und Seinen Eigenschaften vergleichbar wäre. Doch kann man Seine Taten wenigstens in Beispielen und Gleichnissen teilweise betrachten. So wollen also auch wir durch Vergleiche aus der materiellen Welt auf dieses Geheimnis (sirr)verweisen.

Erstes Beispiel:

Es ist dies wie folgt: Wie wir bereits im "Sechzehnten Wort" bewiesen haben, gewinnt ein einzelnes Wesen mit Hilfe verschiedener Spiegel eine größere Umfassendheit. Wenn auch tatsächlich nur eine Teilpersönlichkeit, gilt es doch als eine Art Gesamtpersönlichkeit, die viele Dinge verrichten kann.

So wie in der Tat Materialien wie Glas, Wasser u. dgl. zum Spiegel für andere materielle Dinge werden können und ein einziger Körper aus irgendeiner Materie in diesen Spiegeln eine Umfassendheit gewinnen kann, genauso werden für licht-ausstrahlende Dinge und für die Geistwesen auch die Luft, der Äther und manche Gestalten der (diesseitigen) Welt der Beispiele zu einem Empfangsspiegel und damit zu einem blitz- und gedankenschnellen Land- und Seefahrzeug. Diese lichtausstrahlenden Dinge und Geistwesen bewegen sich mit Gedankengeschwindigkeit in einen solchen klaren Spiegel hinein, verkörpern sich darinnen, nehmen Wohnung in diesem Körper, bewegen sich mit dieser ihrer feinstofflichen Wohnung. Sie können auch gleichzeitig Tausende von Orten besuchen. Da sie lichtausstrahlend sind, gleichen ihre Reflexionen ihnen selbst und besitzen ihre Eigenschaften. Im Gegensatz zu den materiellen, kompakten Dingen ist ihre Wirksamkeit also gleich so, als wären sie überall anwesend. Die Reflexionen und Spiegelbilder der Dinge aus fester Materie sind keine materiellen Dinge und entsprechen ihnen deshalb nicht. Sie sind nur virtuell vorhanden, besitzen also nicht deren reale Eigenschaften.

Zum Beispiel:

Obwohl die Sonne ein konkretes Ding ist, gewinnt sie dennoch durch alle reflektierenden Gegenstände an Umfassendheit. Sie schenkt allen reflektierenden Gegenständen auf der Erdoberfläche, ja sogar allen Tröpfchen und glänzenden Stäubchen ihren Widerschein, ihr Spiegelbild, entsprechend ihren Fähigkeiten. Die Wärme und das Licht der Sonne und die sieben Farben, die in ihren Strahlen enthalten sind, also eine Art Abbild ihrer selbst findet sich in jedem glänzenden Ding. Angenommen, die Sonne besäße Wissen und Bewusstsein, so würde jeder Spiegel für sie zu einer Art Wohnstatt,

Sitz oder Thronsessel werden und sie hielte so mit allen Dingen einen persönlichen Kontakt und könnte mit allen bewussten Wesen durch Spiegel in deren Händen, ja sogar durch deren Pupillen, wie durch eine Art von Fernverbindung Kontakt aufnehmen. Der eine (Kontakt) würde einen anderen nicht behindern. Ein Gespräch würde kein anderes Gespräch stören. Obwohl überall (auf Erden mit ihrem Licht und ihrer Wärme) anwesend, wäre sie selbst dennoch nirgendwo tatsächlich zugegen.

Wenn nun aber bereits die Sonne, die doch nur ein materieller, kleiner und unbelebter Spiegel des einen Namens "Nur"(Licht), der nur einer unter Tausendundeinem Namen des Herrn ist, auch in ihrer realen Erscheinungsform an allen Orten alle Arbeiten versieht, kann dann etwa dieser majestätische Herr nicht auch in der Einheit in Seinem Wesen (Ahadiyet)grenzenlos viele Arbeiten gleichzeitig verrichten?

Zweites Gleichnis:

Da der Kosmos einem Baum gleicht, kann jeder Baum zu einem Beispiel für die Gegebenheiten im Kosmos werden. Nun wollen wir diese prächtige große Platane vor unserem Zimmer als Beispiel für den Kosmos wählen und so die Erscheinung der Einheit Gottes (Ahadiyet)in jedem einzelnen Wesen aufzeigen. Es ist dies wie folgt:

Dieser Baum bringt mindestens zehntausend Fruchtkugeln hervor. Jede Frucht enthält mindestens hunderte geflügelter Kerne. Alle diese zehntausend Früchte und Millionen von Kernen manifestieren zu gleicher Zeit gemeinsam nur eine einzige Kunstfertigkeit und Kreativität. In Wirklichkeit liegt im Urkern dieses Baumes, in seinen Wurzeln und in seinem Stamm ein Funke des Willens Gottes, ein Keim des Befehls des Herrn, welcher dessen konkretes Exemplar ist und als Lebensknoten bezeichnet wird. Es ist das Zentrum der Gesetze für die Entwicklung dieses Baumes und liegt am Anfang jedes Astes, in jeder Frucht und in jedem Kern, sodass alles zu Stande kommt, ohne dass (einem von ihnen) etwas dabei fehlte oder ein anderes dabei behinderte. Dieser einzige Funke

des Willens und dieses Gesetz, das vom Befehl Gottes ausgeht, verbreitet sich nicht wie Licht, Luft und Wärme und verliert sich nicht in allen Richtungen. Denn auf den langen Wegen zu den Orten und Kunstwerken, zu denen (der Befehl Gottes) gelangt, hinterlässt er überhaupt keine Spur und man erkennt kein Zeichen von ihm. Sollte er dies durch eine Art Ausdehnung bewirken, müssten davon Spuren und Zeichen erkennbar werden. Darüberhinaus findet er sich in allen Kernen im Original, ohne dass eine Teilung oder Ausdehnung stattfände. Seine Einheit und seine Umfassendheit widerspricht all diesen Taten (Gottes) nicht. Dieser Funke aus dem Willen des Gesetzes, aus dem Befehl, dieser Lebensknoten ist in allen (Kernen) anwesend, aber auch nirgendwo tatsächlich anwesend. In diesem prächtigen Baum hat das Gesetz vom Befehl (Gottes) wohl so viele Augen und Ohren wie es Früchte und Kerne gibt. Ja, es ist sogar jeder Teil dieses Baumes wie ein Zentrum, eine Schaltzentrale für die Befehle (Gottes). Die langen (Äste und Zweige) bilden keine Scheide und kein Hindernis zwischen ihnen, sie sind vielmehr gleich Telefonkabeln Mittel, die erleichtern und zueinander bringen. Der am weitesten entfernte (Kern) ist dem nächsten gleich.

Da eine einzige, wenn auch nur teilweise Erscheinung einer Eigenschaft des Einzigen und Unvergleichlichen wie (z.B. die Erscheinung) Seines Willens nun einmal an Millionen Orten Millionen Werke ohne eine Vermittlung verrichten kann, wie auch wir dies selbst bezeugen können, ist es in jedem Fall auch notwendig, mit der Gewissheit eines Augenzeugen zu glauben, dass der majestätische Herr durch eine Manifestation Seiner Macht und Seines Willens über den Schöpfungsbaum mit all seinen Gliedern und Teilen verfügen kann.

Wie im "Sechzehnten Wort" schon bewiesen und erklärt wurde, können wir sagen: Kunstwerke wie die Sonne und schwache, nur dienende Geschöpfe, wie die Geistwesen, die auf die Materie angewiesen sind, und deren Licht nur geborgt ist, und die Lebensknoten dieser Platane,

die wie ihr inneres Licht und ihre Seele (ruh)sind, die erlassenen Gesetze und die Manifestationen Seines Willens, die die Zentren sind, von denen die Verfügungen ausgehen, können nun einmal wegen ihrer Lichtnatur an sehr vielen Orten sein und sehr viele Werke verrichten, während sie zugleich an einem bestimmten Ort als eine einzelne, konkrete Erscheinung anwesend sind, wie wir auch dies gleichfalls bezeugen. Obwohl sie nur ein Teil (des Ganzen) und auf die Materie angewiesen sind, haben sie doch den Einfluss eines Ganzen, das alles umfasst. Zugleich können sie durch eine freie Entscheidung ganz offensichtlich sehr viele verschiedene Arbeiten verrichten. Das siehst du selbst und kannst es nicht bestreiten!

Ja, welches Ding vermag sich wohl der Zuwendung des Einen, in dessen Eigenschaften ein alles beherrschender Wille, vollkommene Macht und allumfassendes Wissen aufscheinen und sich in Seinem Wirken offenbaren, dem Hochheiligen, der unabhängig ist von der Materie und erhaben über sie, der frei und ledig ist aller Fesseln der Begrenzungen und der Undurchdringlichkeit der Finsternis, für den alle diese Lichter und leuchtende Objekte nur einen dichten Schatten vor dem Lichtglanz Seiner heiligen Namen bilden, für den das ganze Sein und alles Leben, die Welt der Geister, die Zwischenwelt und die (diesseitige) Welt der Beispiele nur ein trüber Spiegel Seiner Herrlichkeit sind, dessen Eigenschaften allumfassend und dessen Wirken alldurchdringend ist, zu entziehen? Welches Werk könnte Ihm schwer werden? Welches Ding könnte sich vor Ihm verstecken, welches Individuum Ihm ferne bleiben, welcher Mensch sich Ihm nähern, ohne dabei an Umfassendheit zu gewinnen?

Könnten sich Dinge überhaupt vor Ihm verstecken? Könnte überhaupt eine Arbeit Ihn an einer anderen Arbeit hindern? Könnte es überhaupt einen Ort geben, der Seiner Anwesenheit ledig wäre? Hätte Er nicht, wie Ibn Abbas(möge Gott mit ihm zufrieden sein) sagte, für alles, was da ist, ein geistiges Auge, das sie sieht, und ein

geistiges Ohr, das sie hört? Ist nicht die Kette in der Entwicklung (aller lebenden) Dinge nicht je ein Draht oder Nerv für den raschen Fluss Seiner Befehle und Seiner Gesetze? Können nicht Hindernisse und Hemmnisse (in Wirklichkeit) Mittel und Fahrzeug in Seiner Lenkung, Seiner Leitung sein? Könnten Ursachen und Mittel nicht wie scheinbare Schleier sein? Obwohl Er an keinem Ort (real) anwesend ist, könnte Er nicht dennoch überall anwesend sein? Benötigt Er überhaupt einen Raum (ihn einzunehmen), eine Lokalität (sich dort niederzulassen)? Könnte überhaupt der Schleier der Entfernung oder der Kleinheit und die Abstufungen des Seins ein Hindernis sein für Seine Nähe, Seine Lenkung, Seine Führung, Seine Zeugenschaft?

Könnten überdies die Eigenschaften alles Materiellen, der Möglichkeiten, der Lichtundurchlässigkeit, der Vielzahl, der Bedingtheit und Begrenztheit, könnten Umstände wie Veränderung, Verwandlung, Verbreitung, die Einnahme eines Raumes, wie sie die zwangsläufige, charakteristische, (für jedes einzelne Objekt) typische Folge sind in dieser materiellen Welt, auch nur in die Nähe des Herrn, des Hochheiligen, der unabhängig ist von der Materie, dessen Dasein (Vudjud)ein Erfordernis (Vadjib)ist, der das Licht der Lichter ist, der Eine und Einzige (Vahid-i Ahad),aller Bedingungen ledig und frei von allen Begrenzungen, heilig in Seiner Makellosigkeit und erhaben über aller Fehlerhaftigkeit, gelangen? Könnte überhaupt Schwäche Ihm passend sein, ein Mangel sich überhaupt dem Saum Seiner Würde nähern?

Schlusswort zum Zweiten Zweck

Als ich einmal über die Einheit Gottes (Ahadiyet)nachdachte, betrachtete ich die (kugeligen) Früchte an der Platane vor meinem Zimmer. Da stieg eine Folge arabischer Worte und Gedanken in meinem Herzen auf. So wie es mir in Arabisch eingefallen ist, möchte ich es hier niederschreiben und dann dazu eine kurze Auslegung geben.

Also:

نَعَمْ فَاْلاَثْمَارُ وَالْبُذُورُ مُعْجِزَاتُ الْحِكْمَةِ، خَوَارِقُ الصَّنْعَةِ هَدَايَا الرَّحْمَةِ بَرَاهِينُ الْوَحْدَةِ بَشَآئِرُ لُطْفِهِ فِى دَارِ اْلاَخِرَةِ، شَوَاهِدُ صَادِقَةٌ بِاَنَّ خَلاَّقَهَا لِكُلِّ شَىْءٍ قَدِيرٌ بِكُلِّ شَىْءٍ عَلِيمٌ كُلُّ اْلاَثْمَارِ وَالْبُذُورِ مَرَايَاءُ الْوَحْدَةِ فِى اَطْرَافِ الْكَثْرَةِ اِشَارَاتُ الْقَدَرِ رُمُوزَاتُ الْقُدْرَةِ بِاَنَّ تاَكَ الْكَثْرَةَ مِنْ مَنْبَعِ الْوَحْدَةِ تَصْدُرُ شَاهِدَةً لِوَحْدَةِ الْفَاطِرِ فِى الصُّنْعِ وَالتَّصْوِيرِ ثُمَّ اِلَى الْوَحْدَةِ تَنْتَهِى ذَاكِرَةً لِحِكْمَةِ الْقَادِرِ فِى الْخَلْقِ وَالتَّدْبِيرِ وَكَذَا هُنَّ تَلْوِيحَاتُ الْحِكْمَةِ بِاَنَّ صَانِعَ الْكُلِّ بِكُلِّيَّةِ النَّظَرِ اِلىَ الْجُزْئِىِّ يَنْظُرُ ثُمَّ اِلٰى جُزْئِهِ، اِذْ اِنْ كَانَ ثَمَرًا فَهُوَ الْمَقْصُودُ اْلاَظْهَرُ مِنْ خَلْقِ هٰذَا الشَّجَرِ فَالْبَشَرُ ثَمَرٌ لِهٰذِهِ الْكَآئِنَاتِ فَهُوَ الْمَطْلُوبُ اْلاَزْهَرُ لِخَالِقِ الْمَوْجُودَاتِ وَالْقَلْبُ كَالنُّوَاةِ فَهُوَ الْمِرْاٰةُ اْلاَنْوَرُ لِصَانِعِ الْكَآئِنَاتِ مِنْ هٰذِهِ الْحِكْمَةِ صَارَ اْلاِنْسَانُ اْلاَصْغَرُ فِى هٰذِهِ الْمَخْلُوقَاتِ هُوَ الْمَدَارُ اْلاَظْهَرُ لِلنَّشْرِ وَالْمَحْشَرِ فِى هٰذِهِ الْمَوْجُودَاتِ وَالتَّخْرِيبِ وَالتَّبْدِيلِ لِهٰذِهِ الْكَآئِنَاتِ

Der Anfang dieses arabischen Artikels ist folgender:

فَسُبْحَانَ مَنْ جَعَلَ حَدِيقَةَ اَرْضِهِ مَشْهَرَ صَنْعَتِهِ مَحْشَرَ خِلْقَتِهِ مَظْهَرَ قُدْرَتِهِ مَدَارَ حِكْمَتِهِ مَزْهَرَ رَحْمَتِهِ مَزْرَعَ جَنَّتِهِ مَمَرَّ الْمَخْلُوقَاتِ مَسِيلَ الْمَوْجُودَاتِ مَكِيلَ الْمَصْنُوعَاتِ فَمُزَيَّنُ الْحَيْوَانَاتِ مُنَقَّشُ الطُّيُورَاتِ مُثَمَّرُ الشَّجَرَاتِ مُزَهَّرُ النَّبَاتَاتِ مُعْجِزَاتُ عِلْمِهِ خَوَارِقُ صُنْعِهِ هَدَايَا جُودِهِ بَشَائِرُ لُطْفِهِ، تَبَسُّمُ اْلاَزْهَارِ مِنْ زِينَةِ اْلاَثْمَارِ تَسَجُّعُ اْلاَطْيَارِ فِى نَسْمَةِ اْلاَسْحَارِ تَهَزُّجُ اْلاَمْطَارِ عَلٰى خُدُودِ اْلاَزْهَارِ تَرَحُّمُ الْوَالِدَاتِ عَلٰى اْلاَطْفَالِ الصِّغَارِ تَعَرُّفُ وَدُودٍ تَوَدُّدُ رَحْمٰنٍ تَرَحُّمُ حَنَّانٍ تَحَنُّنُ مَنَّانٍ لِلْجِنِّ وَاْلاِنْسَانِ وَالرُّوحِ وَالْحَيَوَانِ وَالْمَلَكِ وَالْجَآنِّ

Hier folgt nun eine kurze Auslegung des obigen arabischen Textes:

Alle diese Früchte und die Samenkörner in ihnen sind je ein Wunder der Weisheit des Herrn, wunderbare Kunstwerke Gottes... Geschenke der Barmherzigkeit Gottes... sichtbare Zeugnisse der Allgegenwart Gottes (Vahdet)...frohe Botschaften der Erweise (künftiger) göttlicher Huld im Jenseits... zuverlässige Zeugen dafür, dass Seine Macht alles umfasst und Sein Wissen alles in sich enthält. Sie finden sich überall in der Welt vielfältiger Ursachen, in einer Art von Umwelt, die sich entfaltet hat wie dieser Baum und sind die Spiegel göttlicher Einheit (Vahdet).Sie lenken die Augen ihrer Betrachter von der Vielheit zur Einheit (Vahdet).In der Sprache ihres Zustandes (hal)sagt jedes von ihnen: "Mit allem, was in diesem riesigen Baum, der sich in vielen Ästen und Zweigen entfaltet, wieder zerfällt und vermodert, liegt dieser ganze Baum in uns (keimhaft angelegt). Seine Vielfalt ist in unserer Einheit mit eingeschlossen."

Sogar ein jeder Kern, der ein sichtbarer Spiegel der göttlichen Allgegenwart (Vahdet)und gleichsam das Herz einer Frucht ist, die Namen Gottes in der verborgenen Dhikr-Feier in seinem Herzen, welche der riesige Baum in einer öffentlichen Dhikr-Feier darbringt. Und so wie darüber hinaus diese Früchte und diese Samen die Spiegel der göttlichen Allgegenwart (Vahdet)sind, so sind sie auch von uns bezeugte Hinweise auf Gottes Vorherwissen (Qader).Sie deuten auf Gottes Vorherwissen (Qader)hin und ihre Gestalt gewordenen Worte der göttlichen Allmacht sagen uns mit einem Hinweis:

"So wie die vielen Äste und Zweige dieses Baumes aus einem einzigen Kern heraus erscheinen und durch ihre Erschaffung und ihre Gestaltung auf die Allgegenwart (Vahdet)des Meisters dieses Baumes verweisen, so versammelt er nun, nachdem er emporgewachsen ist, sich entfaltet und seine Äste und Zweige ausgebreitet hat, alle diese seine Gegebenheiten (haqiqat)in einer Frucht, konzentriert sein ganzes Wesen in seinem Kern. Damit zeigt er die Weisheit des majestätischen Schöpfers, der ihn erschuf, ihn lenkt und leitet."

Genauso erhält dieser kosmische Baum aus einer Quelle der Allgegenwart (Vahdet)sein Dasein und wird aus ihr gespeist. So wie der Mensch, der die Frucht des Kosmos ist, der innerhalb der Vielfältigkeit allen Seins die göttliche Allgegenwart (Vahdet)aufzeigt, so betrachtet auch sein Herz mit dem Auge des Glaubens die tiefe Wahrheit der Allgegenwart (Vahdet)innerhalb all dieser Vielfältigkeit.

Des Weiteren sind diese Früchte und ihre Kerne Anspielungen der Weisheit des Herrn. Die Weisheit bringt durch sie das Folgende zum Ausdruck und sagt den mit Bewusstsein begabten: "So wie der Blick, der den ganzen Baum umfasst, die Lenkung und Leitung, die ihn ganz umfängt, umgreifen sie auch zur Gänze und mit der gleichen Umfassendheit eine einzelne Frucht. Denn diese Frucht gleicht einem verkleinerten Modell dieses Baumes. Zudem verkörpert sie jenes Ziel, dem der Baum zugewandt ist. Außerdem umfasst dieser Blick und umfängt Seine Lenkung und Leitung auch jeden einzelnen Kern in jeder Frucht. Denn der Kern trägt das Ziel des ganzen Baumes und enthält in sich dessen Inhaltsverzeichnis. So betrachtet denn der Herr, der diesen Baum wachsen und gedeihen lässt, mit all den Namen, die sich auf sein Wachstum und Gedeihen beziehen, jede einzelne Frucht, welche das Ziel allen Seins dieses Baumes ist und die Absicht bei seiner Erschaffung war. Des Weiteren wird dieser riesige Baum manchmal um dieser kleinen Früchte willen, beschnitten und ausgedünnt, und manche seiner Teile werden um ihrer Erneuerung willen vernichtet. Er wird gepfropft, damit er Früchte hervorbringt, die noch schöner sind und zur Reife gelangen."

Was also den Menschen betrifft, der die Frucht dieses kosmischen Baumes ist, so ist er das Ziel des Daseins und der Erschaffung des Kosmos und er ist es auch, auf den hin die Erschaffung allen Seins ausgerichtet ist. Was aber das Herz des Menschen betrifft, das der Kern dieser Frucht ist, so ist es der glänzendste und umfassendste Spiegel des Baumeisters des Kosmos. So ergibt es sich denn aus einer solchen Weisheit, dass dieser winzig kleine

Mensch der Anlass zu so gewaltig großen Umwandlungen wie (am Tage) der Wiederauferstehung ist, (wenn die Bücher) offengelegt werden. Er ist der Grund für die Zerstörung und die Umwandlung des Universums. Um seines Gerichtsprozesses willen wird das Tor der Welt geschlossen und das Tor zum Jenseits geöffnet werden.

So kommen wir denn nun zum Thema der Wiederauferstehung. In diesem Zusammenhang erscheint mir eine feinsinnige Anmerkung über die Wahrheit des Qur'an, der in seiner Verkündigung ein Wunder ist, angemessen, welche die Kraft seiner Aussage und die Macht seiner Mitteilung über die Beweisführung zur Wiederauferstehung erklärt. Es ist dies wie folgt.

Das Ergebnis dieser Überlegungen zeigt uns, dass notfalls das ganze Universum um des Gerichtes über den Menschen und der Erlangung der ewigen Glückseligkeit willen zerstört wird und dass dahinter eine Macht, die es zu zerstören und umzuwandeln vermag, erkennbar ist, und dass es sie gibt. Aber zur Auferstehung führen Stufen. Ein Teil von ihnen ist Gebot des Glaubens. Dies anzuerkennen ist Pflicht. Einen anderen Teil erkennt man entsprechend seiner spirituellen und intellektuellen Entwicklungsstufe. Dafür ist Wissen und Erkenntnis Voraussetzung. Der weise Qur'an zeigt uns eine Macht, die in der Lage ist, die Wiederauferstehung im größten und weitesten Umfang zu eröffnen, um die einfachste und leicht zugängliche Stufe in aller Sicherheit und Klarheit zu beweisen. So ist denn die für die Allgemeinheit notwendige Stufe des Glaubens an die Auferstehung folgende:

Nach ihrem Tode gehen die Seelen (ruh)der Menschen in einen anderen Zustand (maqam)hinüber. Ihre Leiber verwesen. Aber vom Leib des Menschen bleibt ein kleines Teilchen übrig, das "'Adjbu z-zeneb"(ein Knöchelchen vom Steißbein) genannt wird und als Saatkorn gilt. Daraus wird Gott der Gerechte am Tage der Wiederauferstehung den Menschenleib erschaffen und dessen Geist zu ihm zurückschicken. Diese Stufe ist nun aber so einfach, dass man in jedem Frühling Millionen von Beispielen dafür sehen kann.

Um diese Stufe zu beweisen, demonstrieren die Verse des Qur'an also manchmal einen Bereich, wo das Walten einer Kraft ersichtlich ist, die alle Atome wieder zueinander zu bringen und wieder an ihre Plätze zu senden vermag. Und manchmal zeigt der Qur'an Werke einer Macht und einer Weisheit, die alle Geschöpfe in die Vernichtung zu schicken und wieder zurückzurufen vermag. Manchmal zeigt er das Walten einer Kraft und die Werke einer Macht und einer Weisheit, die die Sterne aus ihrer Bahn zu schleudern und die Himmel zu spalten vermag. Manchmal zeigt er das Walten einer Kraft und die Macht einer Weisheit, die alle Lebewesen zu töten und alle zugleich mit mächtigem Klang wieder ins Leben zu rufen vermag. Manchmal zeigt er das Walten einer Macht und Weisheit, die alles Lebendige auf dem Antlitz der Erde, eines nach dem anderen wieder auferwecken und an seinen Platz zu senden vermag. Manchmal zeigt er die Werke einer Macht und Weisheit, die die Erdkugel völlig zu zerstören, die Berge von den Sockeln zu reißen, neu zu ordnen und noch schöner wieder zu gestalten vermag.

Das also heißt, dass diese Macht und Weisheit im Stande ist, auch noch viele andere Stufen der Wiederauferstehung, außer der Stufe, an die zu glauben und die zu erkennen, aller Pflichtgebot ist, zu Stande zu bringen. Mit Sicherheit wird sie bei der Wiederauferstehung der Menschheit und der Offenlegung (der Bücher) alles tun, was nach der Weisheit des Herrn erforderlich ist, oder doch manch andere bedeutende Dinge erschaffen.

Fragestellung:

Man sagt: Du gebrauchst in den "Worten" (Abhandlungen) oft den Analogieschluss. In Wirklichkeit drückt aber in der Logik der Analogieschluss keine Gewissheit aus. In den Fragen, die eine Gewissheit erfordern, sind logische Beweise notwendig. Der Analogieschluss wird von den Rechtsgelehrten angewendet, wenn sie sich bei der Festsetzung ihrer Bedingungen mit einer gesicherten Annahme begnügen. Außerdem führst du Vergleiche in Form von Erzählungen an. Diese Erzählungen sind aber nur erdichtet, sie brauchen nicht wahr zu sein und entsprechen nicht den Tatsachen.

Antwort:

In der Logik heißt es zwar, dass der Analogieschluss keine sichere Gewissheit ausdrückt. Unter den Analogieschlüssen gibt es eine Art, die eine Beweisführung von viel stärkerer Gewissheit vermittelt als die Logik. Diese Art stellt sich folgendermaßen dar:

Anhand eines konkreten Gleichnisses werden die Fäden einer allgemeinen Wahrheit aufgezeigt und das Urteil auf diese Wahrheit gestellt. Das Gesetz dieser Wahrheit wird anhand einer besonderen Situation aufgezeigt, damit diese große Wahrheit erkannt werden und einzelne Angelegenheiten auf sie zurückgeführt werden können. Zum Beispiel wird mit dem Gleichnis "Während die Sonne mit ihrer lichtausstrahlenden Natur in sich selbst nur ein einziges Wesen ist, findet sie sich doch in allen glänzenden Gegenständen wieder." das wahrhaftige Gesetz zur Darstellung gebracht, dass es für das Licht und seine Lichtausstrahlung keine Begrenzungen geben kann. Nähe und Ferne werden eins. Wenig oder viel wird gleich. Der Raum kann es nicht beherrschen.

Hier noch ein anderes Beispiel:

"Die Gestaltung und Darstellung der Früchte und der Blätter eines Baumes zu gleicher Zeit, auf gleiche Weise, mit Leichtigkeit und Vollkommenheit an einem einzigen Zentrum und mit einem (göttlichen) Gesetz, das einem Befehl (emir)gleicht" ist ein Gleichnis, das zum Leitfaden zu einer gewaltig großen Wahrheit und einem allgemeingültigen Gesetz hinführt. Es beweist diese Wahrheit und das Gesetz dieser Wahrheit in einer besonders gesicherten Form. Dieser riesige Kosmos ist gleich diesem Baum ein Objekt für das Gesetz der Wahrheit und ein Ort, wo das Geheimnis der Einheit im Wesen Gottes (Ahadiyet)in Erscheinung tritt.

So sind denn alle Analogieschlüsse, die in diesen "Sözler"angeführt worden sind, von der Art, dass sie noch stärker, noch sicherer als das sicherste Zeugnis der Logik sind.

Antwort zum zweiten Teil der Aussage:

Es ist bekannt, dass ein Wort, ein Ausdruck in der Dichtkunst als Metonymie (Anspielung) bezeichnet wird, wenn dessen wörtliche Bedeutung nur Mittel ist, damit dessen eigentlich beabsichtigte Aussage darzustellen. Die wörtliche Bedeutung einer Aussage, die nur eine Anspielung ist, dient nicht dazu, über die Richtigkeit oder Falschheit dieser Aussage zu urteilen. Vielmehr ist es die Aussage, auf die angespielt wurde, welche dazu veranlasst, über die Richtigkeit oder Falschheit zu urteilen. Wenn das, worauf angespielt wurde, der Wahrheit entspricht, dann ist diese Aussage richtig. Selbst wenn die wörtliche Aussage falsch wäre, ändert dies doch nichts an der (beabsichtigten) Richtigkeit. Ist das, worauf angespielt wurde aber nicht wahr und wäre hingegen die wörtliche Aussage wahr, so bleibt die (beabsichtigte) Aussage dennoch falsch.

Zum Beispiel:

Filanun tavilun nedjat. Dies ist ein allgemein gebräuchliches Beispiel für eine Metonymie (Anspielung) bringt. Es heißt wörtlich übersetzt:

"Sein Schwert steckt in einer langen Scheide." Diese Aussage ist eine Anspielung auf die besondere Körpergröße eines Mannes. Auch wenn dieser Mann groß ist, aber kein Schwert in seiner Scheide trägt, ist diese Aussage dennoch richtig. Wenn aber dieser Mann zwar körperlich nicht besonders groß ist und dennoch ein langes Schwert in seiner Scheide trägt, ist diese Aussage falsch. Denn hier ist nicht die wörtliche Bedeutung gemeint.

Erzählungen wie im "Zehnten Wort" und im "Zweiundzwanzigsten Wort" und die Erzählungen in anderen "Worten" zählen zu derartigen Anspielungen. Sie sind überaus treffend und überaus zuverlässig. Die Wahrheit, am Ende dieser den Tatsachen entsprechenden Erzählungen, ist die Bedeutung, auf die in diesen Erzählungen angespielt wird. Dem Wortlaut nach sind diese Erzählungen Gleichnisse, die gleichsam als Fernrohr dienen, um die Wahrheit dem Auge des Verstandes näher zu bringen. Es ist gleichgültig, wie nun die Art der Darstellung ist, sie kann der (intendierten) Wahrheit und Richtigkeit nicht schaden. Außerdem sind diese Gleichnisse zugleich auch Beispiele.

Um die Dinge der Allgemeinheit begreiflich zu machen, wird was zunächst wortlos dargestellt wurde in Worte gefasst und was bis dahin nur abstrakte Bedeutung hatte in erfassbarer Form gestaltet.

Dritter Zweck

Nachdem der Anwalt aller Irregeleiteten auf seine zweite Frage

{(*): Gemeint ist die Frage, die am Anfang des Zweiten Zweckes steht. Nicht gemeint ist diese kleine Frage, die am Ende des Schlusswortes steht.}

eine überzeugende Antwort erhalten hatte, der er nicht mehr widersprechen konnte und die ihn zunächst einmal verstummen ließ, stellte er nun doch noch die folgende dritte Frage und sagte: Die Worte im Qur'an wie اَحْسَنُ الْخَالِقِينَ {"Der beste Schöpfer."} اَرْحَمُ الرَّاحِمِينَ {"Der barmherzigste Erbarmer."} lassen erwarten, dass es noch andere Schöpfer (Haliq)und noch andere Erbarmer (Rahim)gibt. Außerdem sagt ihr, der Schöpfer der Welt hat unendlich viele Abstufungen in Seiner Vollkommenheit. Er verfügt über die allerhöchsten Stufen jeglicher Vollkommenheit. Was aber die Vollkommenheit der Dinge betrifft, so erkennt man sie in ihren Gegensätzen. Gäbe es keine Schmerzen, wäre die Freude unvollkommen. Gäbe es keine Finsternis, könnte das Licht nicht sich als wahr erweisen. Gäbe es keine Trennung, so würde die Vereinigung keine Freude bereiten. Und so weiter...

Antwort: Den ersten Teil beantworten wir mit "Fünf Hinweisen".

Erster Hinweis:

Dass der Qur'an vom Anfang bis zum Ende die Einheit Gottes (Tauhid)beweist und zeigt,

ist ein sicherer Beweis dafür, dass du das, was der Weise Qur'an mit diesen Worten aussagt, nicht verstanden hast. Wenn er اَحْسَنُ الْخَالِقِينَ {"Der beste Schöpfer."} sagt, so heißt es vielmehr "Er steht als Schöpfer auf der höchsten Stufe." Es bedeutet nicht, dass es noch andere Schöpfer gibt. Vielmehr hat Seine Eigenschaft als Schöpfer viele verschiedene Stufen, so wie auch andere Eigenschaften verschiedene Stufen haben. اَحْسَنُ الْخَالِقِينَ {"Der beste Schöpfer."} heißt, dass Er der majestätische Schöpfer ist, der als Schöpfer auf der allerschönsten und allerletzten Stufe der Sprossenleiter steht.

Zweiter Hinweis:

Ausdrücke wie اَحْسَنُ الْخَالِقِينَ {"Der beste Schöpfer."} beziehen sich nicht auf die Vielzahl der Schöpfer, sondern auf die Verschiedenheit der Geschöpfe. Das heißt: "Er ist der Schöpfer, der jedes Ding in schönster Form erschafft, wie es Ihm entspricht." Verse wie اَحْسَنَ كُلَّ شَىْءٍ خَلَقَهُ {"Er ist es, der alles bestens erschaffen hat." (Sure 32, 7)} bringen ja auch diese Bedeutung zum Ausdruck.

Dritter Hinweis:

Der Vergleich, der in den Ausdrücken wie اَحْسَنُ الْخَالِقِينَ {"Der beste Schöpfer."}

اَللَّهُ اَكْبَرُ {"Der größte Gott."} خَيْرُ الْفَاصِلِينَ {"Der beste Richter."} خَيْرُ الْمُحْسِنِينَ {"Der beste Wohltatenspender."} gebracht wird, ist kein Vergleich und keine Hervorhebung der tatsächlichen Eigenschaften und Tätigkeiten Gottes des Gerechten mit anderen, die Beispiele dieser Eigenschaften und Tätigkeiten bringen. Denn die Vollkommenheit der Dschinnen, der Menschen und der Engel, so wie sie in der ganzen Schöpfung sichtbar ist, ist im Vergleich zu Seiner makellosen Vollkommenheit nur ein schwacher Schatten. Wie könnte sie nur zu einem Vergleich herangezogen werden? Vielmehr entspricht der Vergleich lediglich der Betrachtungsweise der Menschen, besonders aber der Gottvergessenen.

Zum Beispiel:

Ein einfacher Soldat leistet seinem Feldwebel gegenüber Gehorsam und zeigt ihm Respekt. Er erfährt alles, was gut ist, von ihm. Er denkt selten an den König. Auch wenn er an den König denkt, erweist er dennoch seine Dankbarkeit dem Feldwebel gegenüber. Solch einem einfachen Soldaten sagt man also: "Oh Er! (Ya Hu!)Der König ist größer als dein Feldwebel. Du sollst allein ihm danken." Nun wird mit diesem Wort nicht das majestätische reale Oberkommando des Königs mit dem einfachen und nur scheinbaren Kommando seines Feldwebels verglichen, denn ein solcher Vergleich und eine solche Hervorhebung wäre schließlich sinnlos, vielmehr entspricht es der vorrangigen Betrachtungsweise und dem Verhältnis eines einfachen Soldaten, der seinem Feldwebel den Vorrang gibt, ihm seine Dankbarkeit erweist und nur ihn allein liebt.

Genauso werden die äußerlichen Ursachen, die als Schöpfer und Geber vorgestellt werden, in der Betrachtungsweise der Gottvergessenen zu einem Schleier vor Gott dem wahren Geber (Mun'im-i Haqiqi).Die Gottvergessenen heften sich an diesen und denken, dass die Geschenke und die Güte von ihnen kämen. Ihren Lob und Preis bringen sie ihnen dar. Der Qur'an sagt: "Gott der Gerechte ist der Größere. Er ist der bessere Schöpfer. Er ist der gütigere Geber. Ihr sollt zu Ihm aufschauen, Ihm danken!"

Vierter Hinweis:

So wie bei tatsächlichen Dingen Vergleiche gezogen und Hervorhebungen gemacht werden, so ist dies auch bei lediglich angenommenen oder als möglich vorgestellten Dingen denkbar. So wie sich Qualität in verschiedenen Abstufungen zeigt, so kann sich auch das Wesen der Namen Gottes, können sich die Eigenschaften des Allheiligen dem Verstand in zahllosen Abstufungen zeigen. In Wirklichkeit steht Gott der Gerechte über all diesen möglichen oder vorgestellten Stufen jener Eigenschaften und Namen als der Vollkommenste, als der Beste steht. Der ganze Kosmos legt in seiner Vollkommenheit Zeugnis für diese Wahrheit ab. "Lahu l-Esma'u l-Husna" Alle Seine Namen so zu kennzeichnen, dass sie die allerschönsten sind, bringt diese Bedeutung zum Ausdruck.

Fünfter Hinweis:

Was derartige Gegenüberstellungen und Hervorhebungen betrifft, so wird Gott der Gerechte nicht mit dem, was außer Ihm vorhanden ist, gegenübergestellt. Vielmehr gibt es zweierlei Erscheinungen Seiner Einheit und Seiner Eigenschaften. Die erste ist Seine Lenkung und Leitung nach der tiefen Wahrheit der Erkenntnis der Einheit Gottes ihrem Umfang (Vahidiyet)nach, unter dem Schleier der Mittler und der Ursachen, und in der Form eines allgemeingültigen Gesetzes.

Die zweite ist Seine Lenkung und Leitung mit einer persönlichen Zuneigung nach der tiefen Wahrheit der Erkenntnis der Einheit Gottes im einzelnen Wesen (Ahadiyet)unmittelbar und ohne Schleier. Das heißt, das was Seine Güte, Seine Erschaffung und Seine majestätische Größe betrifft, die in der tiefen Wahrheit von der Einheit

Gottes (Ahadiyet)und unmittelbar betrachtet wird, ist größer, schöner und höher als die Werke Seiner Güte, die Werke Seiner Erschaffung und die Werke Seiner majestätischen Größe, die im Blumenbeet der Mittel und der Ursachen in Erscheinung treten. Nehmen wir einmal z.B. einen König an, der ein Gottesfreund ist, dem alle seine Beamten und Kommandeure nur als Vorwand dienen und in dessen Händen die ganze Macht und Durchführung liegt. Die Lenkung und Leitung des Königs und Seine Durchführungen sind zweierlei.

Erstens:

Durch ein umfassendes Gesetz erteilt er Befehle durch seine sichtbaren Beamten und Kommandeure, entsprechend den Möglichkeiten ihrer Ämter und führt so seine Vorhaben durch.

Zweitens:

Nicht im Umfang allgemeiner Gesetze und ohne die Vermittlung von nach außen hin sichtbaren Beamten, bringt er unmittelbar persönlich seine königlichen Geschenke dar und führt seine Vorhaben durch, was man noch besser, erhabener bezeichnen kann.

Genauso ist es auch mit dem Schöpfer des Kosmos, dem König aller Ewigkeiten, der zwar Mittel und Ursachen vor Seinen Durchführungen zu einem Schleier macht und dabei die majestätische Größe Seiner Herrschaft zeigt. Er legt aber in das Herz Seines Dieners ein persönliches Telefon, damit er die Ursachen beiseite lässt und sich direkt zu Ihm wendet. Überdies verpflichtete Er ihn zu einem besonderen Gottesdienst und zu sagen:

اِيَّاكَ نَعْبُدُ وَاِيَّاكَ نَسْتَعِينُ

{"Dich allein beten wir an und Dich allein bitten wir um Hilfe."}

und lenkt sein Gesicht von der Welt zu Sich.

Die Worte اَحْسَنُ الْخَالِقِينَ {"Der beste Schöpfer."} اَرْحَمُ الرَّاحِمِينَ {"Der barmherzigste Erbarmer."} اَللَّهُ أَكْبَرُ {"Der größte Gott."} entsprechen dieser Bedeutung.

Antwort auf den zweiten Teil der Frage des Anwaltes mit "Fünf Zeichen":

Erstes Zeichen:

Er sagt in seiner Frage: "Wenn etwas keinen Gegensatz hat, wie kann dieses Ding Vollkommenheit besitzen?"

Antwort:

Derjenige, der diese Frage stellt, kennt die wahre Vollkommenheit nicht. In Wirklichkeit sind besondere Vorzüge, hohe Eigenschaften und Überlegenheit, die anderen gegenüberstehen und sich im Vergleich zu anderen definieren, nicht echt. Sie sind nur relativ und sie sind nur schwach. Wenn das, worauf sie bezogen sind, nicht mehr in Betracht gezogen werden kann, sind auch sie selbst zum Untergang verurteilt.

Zum Beispiel:

Das Wohlempfinden und die Vorzüge der Wärme entstehen aus ihrem Verhältnis zu den Auswirkungen der Kälte. Der Wohlgeschmack beim Essen ist mit den Magenschmerzen verbunden, die der Hunger verursacht. Geht das eine, vermindert sich auch das andere. Was aber den wahren Geschmack, Liebe, Vollkommenheit und alle besonderen Vorzüge betrifft, so sind sie nicht auf der Vorstellung von noch etwas anderem aufgebaut. Sie sind wesentlich da und in sich selbst eine beständige Wahrheit. "Die Freude am Dasein, die Freude am Leben, die Freude an liebender Hingabe, die Freude an Wissen, Weisheit und Erkenntnis, die Freude am Glauben, die Freude an der Beständigkeit, die Freude an der Barmherzigkeit, die Freude an selbstloser Liebe, an der Schönheit des Lichtes, von Gehör und Gesicht, die Freude am Sprechen, die Schönheit der Gastfreundschaft,

die Schönheit von Gesinnung und Charakter, die Schönheit der äußeren Erscheinung, die Vollkommenheit der Persönlichkeit, die Vollkommenheit einer Begabung, und die Vollkommenheit einer Ausführung" und dergleichen Vorzügen selbst ändert nichts, ob etwas zum Vergleich gegenübersteht oder nicht.

So sind denn alle Vollkommenheiten des majestätischen Meisters, des Schöpfers in Seiner Schönheit und Erschaffers in Seiner Vollkommenheit wahr und wesentlich. Alles, was es außer Seinem Wesen gibt und Ihm gegenüber steht, kann Ihn nicht beeinflussen. Es kann nur den Hintergrund Seiner Erscheinung bilden.

Zweites Zeichen:

Seyyid Sherif Djürdjani sagt in seinem Buch "Sherhu l-Mevaqif":Der Grund der Liebe ist entweder Freude oder Nutzen oder Zuneigung zu seiner eigenen Art oder Vollkommenheit. Denn: "Die Vollkommenheit wird um ihrer selbst Willen geliebt." Das heißt, was auch immer du liebst: du liebst es entweder um des Vergnügens willen, oder um des Nutzens willen oder um der Zuneigung zu deiner Art willen, gleich der Liebe zu deinen Kindern, oder du liebst es wegen seiner Vollkommenheit. Wenn das, was man liebt, die Vollkommenheit selbst ist, braucht man dafür keinen anderen Grund. Sie wird um ihrer selbst Willen geliebt. Zum Beispiel liebt jeder Menschen aus der Vergangenheit, die vollkommen waren; und sie werden mit Begeisterung geliebt, auch wenn zu ihnen keine Verbindung besteht.

So wird denn alle Vollkommenheit Gottes des Gerechten, werden alle Stufen Seiner Schönen Namen und alle Seine besonderen Vorzüge, weil sie wahr und in sich vollendet sind, um ihrer selbst Willen geliebt. Sie sind Geliebte aufgrund ihres Wesens und ihrer Natur. Der majestätische Herr, welcher der wahre Geliebte ist, liebt Seine Vollkommenheit, die wahr ist, und die Schönheiten Seiner Eigenschaften und Namen in einer Ihm eigenen Weise. Überdies liebt Er Seine Kunst und begeistert sich für Seine Kunstwerke und die Schönheit Seiner Geschöpfe, durch die Seine Vollkommenheit sichtbar wird.

Er liebt Seine Gesandten und begeistert sich für Seine Heiligen und besonders für Seinen ehrwürdigen Geliebten, der das Haupt der Gottesgesandten und König der Heiligen ist. Das heißt, da Er Seine eigene Schönheit liebt, liebt Er Seinen Geliebten, der ein Spiegel dieser Schönheit ist. Und da Er Seine Namen liebt, liebt Er diesen Geliebten und seine Brüder und Schwestern, durch welche diese Namen vollständig in Erscheinung treten und welche sie auch bewusst wahrnehmen. Und da Er Seine Kunst liebt, liebt Er Seinen Geliebten und die, die ihm ähneln, die dieser Kunst als öffentliche Ausrufer und Aussteller dienen. Da Er Seine Kunstwerke liebt, liebt Er Seinen Geliebten und diejenigen, die ihm folgen, welche Seine Kunstwerke hochschätzen und sich für sie begeistern und von ihnen sagen - Mashaallah(Wie wunderbar sind doch Gottes Absichten) - Barekallah (Gott möge es segnen). Wie schön sind sie gemacht worden. Und da Er die Schönheit Seiner Geschöpfe liebt, so liebt und begeistert Er sich auch für Seinen Ehrwürdigen Geliebten, seine Gefolgschaft, seine Brüder und Schwestern, in denen die ganze Schönheit Seiner Ethik Wohnung genommen hat.

Drittes Zeichen:

Alle Vollkommenheit der ganzen Schöpfung ist Wunderzeichen (ayat)der Vollkommenheit des majestätischen Herrn und Spur Seiner Schönheit. Im Verhältnis zu Seiner wahren Vollkommenheit ist das Gute, Vollkommene und Schöne nur ein schwacher Schatten. Wir wollen auf "Fünf Zeugnisse" dieser Wahrheit kurz hinweisen:

Erstes Zeugnis:

Ein vollkommenes, prächtig gestaltetes und ausgeschmücktes Schloss verweist deutlich auf die fehlerfreie Tätigkeit seines Bauherren, seine Meisterschaft und seine Handwerkskunst. Diese fehlerfreie Tätigkeit beweist zwangsläufig den, der sie vollendet ausführt, den Baumeister, den Architekten, dessen Namen und Titel "der Gestalter" ist, der Designer. Diese vollkommenen Namen verweisen ohne Zweifel auf die Meisterschaft des Baumeisters, seine vollkommenen Eigenschaften. Seine vollkommene Kunstfertigkeit und Seine

vollkommenen Eigenschaften zeigen offensichtlich Seine vollkommenen Anlagen und Fähigkeiten. Seine vollkommenen Anlagen und Fähigkeiten aber zeigen zwangsläufig die Vollkommenheit in Seiner Person und die Erhabenheit in Seinem Wesens.

Genauso zeigt dieses Weltenschloss, dieses vollkommene, verzierte Bauwerk deutlich eine Arbeit, die überaus vollkommen ist. Denn die Vollkommenheit, die in dem Werk liegt, kommt ja von der Vollkommenheit der Tätigkeit und weist auf sie hin. Was aber die Vollkommenheit der Tätigkeit betrifft, so zeigt sie zwangsläufig einen, der vollkommen ist in Seinen Taten und Handlungen, und die Vollkommenheit in den Namen des Handelnden, wie: der Lenker und Leiter, der Gestalter, der Weise, der Barmherzige, der Designer u. dgl. mehr, die von Seinen Werken abgeleitet sind. Was die Vollkommenheit der Namen und Titel betrifft, so zeigt sie ohne allen Zweifel die Vollkommenheit der Eigenschaften eines Gestalters. Denn, wenn die Eigenschaften nicht vollkommen sind, so können die Namen und Titel, die von den Eigenschaften abgeleitet werden, nicht vollkommen sein. Die Vollkommenheit einer Eigenschaft verweist deutlich auf die Vollkommenheit im Wesen ihres Trägers. Was nun die Vollkommenheit im Wesen ihres Trägers betrifft, so bringt sie mit wissenschaftlicher Gewissheit die Vollkommenheit des Herrn zum Ausdruck, der auf diese Weise wirkt, und verweist in dieser Weise auf Seine Vollkommenheit, und, obwohl das Licht dieser Vollkommenheit durch die Schleier Seiner Ihm eigenen Verfassung, Seiner Eigenschaften, Seiner Namen, Seiner Tätigkeiten und Seiner Werke hindurchgeht, bringt es dennoch in dieser Schöpfung so viel Gutes, Schönes und Vollkommenes hervor.

Kannst du also nun verstehen, wie unbedeutend und blass eine solche relative Vollkommenheit ist, die im Vergleich mit anderen Dingen sichtbar wird, die sich durch ihre Überlegenheit über vergleichbare oder gegensätzliche Dinge herausstellt, nachdem die Existenz einer solcherart wahren Vollkommenheit in Seiner Person mit sicheren Zeugnissen bewiesen wurde?

Zweites Zeugnis:

Wenn wir diese Schöpfung betrachten, um daraus eine Lehre zu ziehen, verspüren Herz und Sinn mit zuverlässigem Gespür, dass derjenige, der diese Schöpfung solcherart verschönert, verziert und mit jeglicher Art von Schönheit ausstattet, selbst in unendlichem Grade eine solche Schönheit und Vollkommenheit besitzt, sodass Er solches zu tun vermag.

Drittes Zeugnis:

Es ist ja bekannt, dass wohlausgewogenen, wohlgeordneten, vollkommenen, wunderschönen Kunstwerken ein überaus schöner Plan zu Grunde liegt. Was aber einen solch vollkommenen, schönen Plan betrifft, so verweist er auf vollkommenes, gutes, solides Wissen, Verständnis für alles Gute und Schöne und eine entsprechende geistige Kapazität. Das heißt also, dass es diese innere Schönheit der Seele (ruh)ist, die durch die Vermittlung des Wissens in dem Kunstwerk hervortritt. So ist denn dieser Kosmos mit all seinen sichtbaren Schönheiten gleichsam das Destillat einer inneren Schönheit, welche durch dieses Wissen vermittelt wird. Diese durch das Wissen vermittelte innere Schönheit und Vollkommenheit ist mit Sicherheit eine Erscheinung unendlicher, ewiger Schönheit und Vollkommenheit.

Viertes Zeugnis:

Es ist ja offensichtlich, dass das, was Licht ausstrahlt, über Licht verfügen und das, was erleuchtet, selber lichtvoll sein muss. Freigiebigkeit (ihsan)entsteht aus (innerem) Reichtum und Güte (lutuf)geht aus von dem, der gut ist. Da dies nun einmal so ist, und der Kosmos so viel an Güte und Schönheit auszustrahlen und allem, was da ist in so verschiedener Art und Weise Vollkommenheit zu verleihen vermag, verweist dies alles auf eine unvergängliche Schönheit, so wie das Licht auf die Sonne verweist. Es ist nun einmal so, dass alles Sein in seiner Vollkommenheit aufstrahlt, wie ein breiter Strom über das Antlitz der Erde dahin zieht und vergeht. So wie ein Fluss im Glanz der Sonne erstrahlt, so erglänzt auch dieser Strom allen Seins in den Strahlen der Güte, der Schönheit und der Vollkommenheit und zieht vorüber.

Die ihnen nachfolgen und auf denen der selbe Glanz, der gleiche Widerschein liegt, geben uns zu verstehen, dass die Tropfen und Perlen im Strom des Wassers das, was von ihnen ausstrahlt und die Schönheit, in der sie erglänzen, nicht von ihnen selbst stammt, sondern eine Erscheinung und die Schönheit des Lichtes der einen Sonne ist. Genauso sind die Schönheit und Vollkommenheit, die auf dem Fluss des fließenden kosmischen Flusses vorübergehend glänzen, Lichter der Schönheit der Namen der einen immerwährenden Sonne.

نَعَمْ تَفَانِى الْمِرْاٰةِ زَوَالُ الْمَوْجُودَاتِ مَعَ تَجَلِّى الدَّآئِمِ مَعَ الْفَيْضِ الْمُلاَزِمِ مِنْ اَظْهَرِ الظَّوَاهِرِ اَنَّ الْجَمَالَ الظَّاهِرَ لَيْسَ مُلْكَ الْمَظَاهِرِ مِنْ اَفْصَحِ تِبْيَانٍ مِنْ اَوْضَحِ بُرْهَانٍ لِلْجَمَالِ الْمُجَرَّدِ لِـْلاِحْسَانِ الْمُجَدَّدِ لِلْوَاجِبِ الْوُجُودِ لِلْبَاقِى الْوَدُودِ...

{"In der Tat erscheint alles Sein stets neu in einem ununterbrochenen Strom der Vergänglichkeit, und das Untertauchen all dieser Spiegel (ewiger Schönheit) in den Zerfall ist der eindeutige Ausdruck dafür, dass ihre Schönheit nicht den Objekten gehört, durch die sie sichtbar wird, und nicht deren Eigentum ist. Mit Sicherheit ist diese Schönheit ein mächtiges Zeugnis für die ständig sich erneuernde Güte und transzendente Schönheit Gottes, des notwendig Seienden, des ewig unsterblichen Freundes."}

Fünftes Zeugnis:

Bekanntlich beweist ein Bericht von drei, vier Leuten, die auf verschiedenen Wegen gekommen sind, mit der Sicherheit eines Wissens, das bereits Allgemeingut geworden ist, dass dieses Ereignis wirklich und wahrhaftig stattgefunden hat.

So stimmen denn auch alle Leute der geistigen Entdeckung, Wahrnehmung, Beobachtung und Bezeugung, die zu verschiedenen Schichten geistiger Forscher, zu verschiedenen Orden von Gottesfreunden (Mystiker), zu verschiedenen Rängen von Gottesgelehrten (Reinen, Asfiya)und zu verschiedenen Schulen von wahren Weisen gehören, welche sich in ihrer Art, nach ihrer Berufung,

ihren Fähigkeiten und ihrer Epoche entsprechend voneinander unterscheiden, mit der geistigen Entdeckung, Wahrnehmung und der geistigen Beobachtung, dass die Schönheit und Vollkommenheit, die im Garten des Kosmos und in den Spiegeln allen Seins bezeugt werden, Erscheinungen der Vollkommenheit des einen einzigen Herrn sind, der da notwendigerweise sein muss, und der Abglanz der Schönheit Seiner Namen miteinander überein. Also bilden denn sie alle zusammen ein unerschütterliches, unwiderlegbar sicheres Zeugnis.

Ich kann mir nun vorstellen, dass der Anwalt der Leute des Irrweges sich die Ohren verstopfen und fliehen musste. So finster wie es in ihren Köpfen ist, können sie gleich Fledermäusen, so viel Licht nicht ertragen. Daher werden wir ihnen von nun an, nicht mehr so viel Aufmerksamkeit schenken.

Viertes Zeichen:

Freude an etwas, an seiner Schönheit und an seiner makellosen Vollkommenheit erwächst mehr unmittelbar aus sich selbst heraus, als aus einem Vergleich mit oder Gegensatz zu etwas anderem.

Zum Beispiel:

Großherzig (kerim)zu sein, ist eine gute und gefällige Eigenschaft. Ein Gastherr, der seine Gäste ehrenvoll aufnimmt und freundlich bewirtet, empfindet über dem Wohlergehen und der Freude seiner Gäste tausendfach mehr Befriedigung als Freude, die aus seiner Überlegenheit über andere, minder großherzige, erwächst. Des Weiteren empfindet Freude der, welcher selbstlos liebt und barmherzig ist, entsprechend dem Wohlbefinden derer, die er liebt. Die Freude, die eine Mutter dank ihrer mütterlichen Liebe über das Glück und Wohlergehen ihrer Kinder empfindet, ist so stark, dass sie ihr Leben für das Wohlergehen ihrer Kinder opfern würde. Diese Freude, die aus selbstloser Liebe erwächst, würde sogar eine Henne dazu bringen, einen Löwen anzugreifen, um ihre Küken zu beschützen.

Da also nun die wahre Freude und Schönheit und das Glück, Vollkommenheit in edlen Eigenschaften, sich nicht danach richtet, ob ihnen etwas gleich oder entgegengesetzt ist,

vielmehr danach, wo sie sichtbar werden und wen sie betreffen, erkennen diejenigen, die diese Barmherzigkeit erfahren, die Schönheit, die in der Barmherzigkeit des Herrn, in Seiner Schönheit und Vollkommenheit liegt, welcher der Lebendige (Hayy)und Unwandelbare (Qayyum),der Gnädige (Hannan)und der Gütige (Mennan),der Barmherzige (Rahim)und der Erbarmer (Rahman)ist. Entsprechend der Glückseligkeit, der Gnade und dem Wohlergehen derer, welche die Barmherzigkeit des gnädigen und gütigen Herrn erfahren, besonders derer, die ohne Grenzen im immerwährenden Paradies Seine Barmherzigkeit und Liebe in ihrer ganzen Vielfalt verkosten, hat Er erhabene, heilige, schöne und reine Freuden wie die Liebe, die in einer Ihm würdigen Weise verstanden werden müssen. Es gibt bei Ihm überaus reine, heilige Freuden, die man heiligen Genuss, heilige Liebe, lautere Fröhlichkeit, heilige Glückseligkeit nennen kann, die wir aber nicht nennen dürfen, da das islamische Gesetz uns das nicht erlaubt. Jede dieser Freuden ist unendlich viel höher, erhabener, heiliger und reiner als die Liebe, Fröhlichkeit und Glückseligkeit, die wir in der Welt erfahren und unter den Geschöpfen verspüren, was wir bereits an vielen Stellen bewiesen haben. Wenn du nun die einzelnen Fünkchen derartiger Freuden betrachten möchtest, betrachte sie durch das Fernrohr der folgenden Gleichnisse.

Zum Beispiel:

Ein freigiebiger, hochherziger und liebevoller Herr bereitet während einer Kreuzfahrt für ganz arme, besonders bedürftige hungrige Gäste ein gutes Festessen auf seinem schönen Schiff. Dabei beobachtet er sie vom Deck herunter. Du kannst dir vorstellen, wie die dankbare Art der Teilnahme dieser Armen am Gastmahl, die dankbare Freude dieser Hungrigen und die sich im Lobpreis ausdrückende Zufriedenheit dieser Bedürftigen diesen gastfreundlichen Herrn sehr glücklich und fröhlich macht, und wie sehr ihm das gefällt.

Wenn also nun ein Mensch eine solche Freude empfinden kann, ein Mensch, der nicht einmal der wahre Eigentümer auch nur eines kleinen Tischchens ist, und nur den Auftrag hat, die Verteilung vorzunehmen, so kannst du die heilige Freude der Liebe und Auswirkung der Barmherzigkeit damit vergleichen, die dem barmherzigen Erbarmer zu Eigen ist, für die auch nur einen Ausdruck zu finden wir zu schwach sind, welcher Dschinnen, Menschen und Tiere an Bord dieser riesigen Erde gehen lässt, die über das Meer des Weltalls fahrend reist, und die ein Schiff Seiner Herrschaft ist; an Bord einen Tisch mit zahllosen Arten von Speisen aufdeckt; der alle Lebewesen zu diesem Gastmahl wie zu einer Art Gabelfrühstück mit Appetithäppchen einlädt, und der dabei immerwährende Paradiese mit allen Arten von Genüssen bereithält und deren jedes zu einem Gasttisch macht, auf dem unendlich viele Genüsse und Delikatessen, für Seine unendlich vielen und unendlich bedürftigen, sehnsüchtig verlangenden Diener für eine endlos lange Zeit bereit liegen und der so ein Gastmahl eröffnet, um sie in Wahrheit zu speisen.

Ein anderes Beispiel:

Ein talentierter Kunstliebhaber und Meister, der es liebt, sein Talent zu zeigen, erfindet ein solches Kunstwerk wie ein schönes Grammophon, das ohne Platten spielen kann. Er zieht es auf, prüft es und führt es vor. Wie stolz wird dieser Erfinder sein, wenn die Ergebnisse entsprechend den Erwartungen und Absichten dieses Meisters ausfallen, und wie glücklich wird er sein und wie sehr wird ihm das gefallen. Und "Barekallah"(Gott möge dich segnen) wird er dabei in seinem Inneren sagen.

Wenn also nun ein unbedeutender Mensch, der doch selbst nichts erschaffen kann, mit seinem kleinen, ja nur scheinbaren Kunstwerk, wie der einwandfreien Funktion eines Grammophons, schon so sehr zufrieden ist, beißt sich der menschliche Verstand vor dem Kunstwerk eines Baumeisters, der Majestät besitzt, der den riesigen Kosmos wie ein Orchester, wie ein Grammofon erschuf, welcher die Erde und alle Lebewesen auf ihr und unter den Lebewesen besonders den Menschen erschaffen und

dessen Kopf zu einer Art herrschaftlichem Grammophon nach Art eines göttlichen Orchesters gemacht hat, staunend in den Finger. So erwächst denn heilige Freude und lauterer Frohsinn daraus, dass alle diese Kunstwerke alle von ihnen erwarteten Ergebnisse bestens und auf schönste Weise erbringen und gegenüber den Befehlen in der Schöpfung (also den Naturgesetzen) Gehorsam leisten, was als ihre eigene Gottesanbetung (ibadat),ihr gewissermaßen persönlicher Lobpreis (tesbihat)und der ihnen eigene Gruß (tahiyyat)gilt, und den Sinn und Zweck, welchen der Herr von ihnen erwartet, erfüllen, (eine Freude) so hoch und heilig, dass die Menschen, wenn der menschliche Geist sich zu einem einzigen Verstand vereinigen könnte, dennoch das wahre Wesen dieser heiligen Freude, diesem lauteren Frohsinn nicht erfassen und nicht begreifen könnten.

Ein weiteres Beispiel:

Welch eine Genugtuung ist es doch für einen Richter und was für eine Freude erfährt er, wenn er das Recht achtet und die Gerechtigkeit liebt, den Unterdrückten zu ihrem Recht verhilft, und die Unterdrückten ihm dafür ihren Dank erweisen, wenn er die Rache der Unterdrückten an ihren Unterdrückern vollstreckt und sie bestraft. Was für eine Freude und welch eine Genugtuung ist dies doch für ihn!

So kannst du nun damit die heilige Freude des absoluten Herrschers (Hakiem),des wahren Gerechten (Adl)und ruhmreichen Allüberwinders in Seiner Majestät (Qahhar),vergleichen, die daraus erwächst, nicht nur Dschinnen und Menschen, vielmehr allen lebenden Wesen Gerechtigkeit widerfahren zu lassen, dass heißt, allen Dingen ihr Existenzrecht und ihr Recht auf Leben zu geben, ihren Körper und ihr Leben vor Angreifern zu schützen und die Angriffe fürchterlicher Naturgewalten aufzuhalten, besonders am Tage der Wiederauferstehung und im Jenseits das Verfahren gegen Dschinnen und Menschen zu eröffnen, und außerdem allen lebenden Wesen gegenüber die Gerechtigkeit und die Weisheit in größtem Umfang in Erscheinung treten zu lassen.

So hat denn, wie in diesen drei Beispielen jeder unter tausendundeinem Namen Gottes sehr viele Ebenen von Güte, Schönheit, Fülle (Fadl)und makelloser Vollkommenheit und genauso viele Stufen der Liebe, des Stolzes, der Würde und der Größe. Es ist aus diesem Grunde, dass die Gottesfreunde, die ihrer maßgeblichen Erkenntnis nach zu dem Namen "der Freund" (Vedud)gelangt sind, sagten: "Die Hefe des ganzen Kosmos ist die Liebe. Alles Sein bewegt sich durch die Liebe. Die Gesetze der Anziehung, der Affinität und der Ekstase, wie sie in allem Sein ihre Gültigkeit haben, erwachsen aus der Liebe."

Einer unter ihnen hat einmal gesagt:

فَلَكْ مَسْت مَلَكْ مَسْت نُجُومْ مَسْت سَمٰوَاتْ مَسْت شَمْس مَسْت قَمَرْ مَسْت زَمِين مَسْت عَنَاصِرْ مَسْت نَبَاتْ مَسْت شَجَرْ مَسْت بَشَرْ مَسْت سَرَاسَرْ ذِى حَيَاتْ مَسْت هَمَه ذَرَّاتِ مَوْجُودَاتْ بَرَابَرْ مَسْت دَرْ مَسْتَسْت

{"Das Universum ist berauscht. Die Engel und die Sterne sind berauscht. Die Himmel sind berauscht. Die Sonne, der Mond und die Erde sind berauscht. Die Elemente sind berauscht. Die Pflanzen, die Bäume und die Menschen. Alle lebenden Wesen sind berauscht. Alle die Atome allen Seins sind insgesamt berauscht und mehr noch berauscht."}

Das heißt: Über wem die Liebe Gottes aufscheint, der ist durch den Wein der Liebe berauscht, ein jeder nach seiner Art. Es ist ja bekannt, dass jedes Herz den liebt, der ihm seine Güte (ihsan)schenkt, die echte Vollkommenheit liebt und sich in erhabener Schönheit verliert. Es liebt noch mehr denjenigen, der neben ihm auch die noch beschenkt, die es liebt und für die (dieses Herz) schlägt. Ist es etwa nicht so, dass der, der ganz und gar majestätische Schönheit ist, der der vollkommene Geliebte ist, in dessen vielen Namen, wie wir bereits oben erklärt haben, sich Tausende Schatzkammern Seiner Geschenke finden;

der alle unsere Geliebten mit Seinen Geschenken glücklich macht; der mit tausendundeinem Namen angerufen wird, die der Ursprung zu Tausenden von Vollkommenheiten und Quelle von Tausenden Ebenen der Schönheit ist, Liebe und Begeisterung verdient, und es verdient, dass der ganze Kosmos in Liebe zu Ihm berauscht und trunken ist?

Aus diesem Geheimnis heraus sagte ein Teil der Gottesfreunde (auliya),die zu dem Namen "der Freund" (Vedud)gelangt sind: "Wir wünschen uns nicht das Paradies; ein Fünkchen der Liebe Gottes genügt uns für ewig." Es ist zudem, wie es in der Hadith zum Ausdruck kommt: "Einen Augenblick im Paradies die Schönheit Gottes zu anschauen steht über allen Freuden des Paradieses." So ist es denn im Rahmen dieser Erkenntnis der Einheit Gottes in Seiner Herrschaft und Seinem Wesen (Vahidiyet ve Ahadiyet),all der Namen und all der Geschöpfe, die diesem majestätischen Herrn zu Eigen sind, dass Seine unendliche Vollkommenheit der Liebe sich ereignet. Das also heißt, dass eine Vollkommenheit, die man sich außerhalb dieses Bereiches vorstellen könnte, nicht Vollkommenheit sein kann...

Fünftes Zeichen:

Der Anwalt der Leute des Irrweges sagte nun: "In euren Ahadith wird die Welt schlecht gemacht. Sie wird als "Kadaver" bezeichnet. Außerdem beleidigen alle Gottesfreunde und Kenner der Wahrheit die Welt. Sie sagen: "Sie ist schlecht, sie ist schmutzig." Dagegen führst du sie aber als den Grund und das Zeugnis aller Vollkommenheit Gottes an und sprichst mit viel Liebe (ashk)über sie."

Antwort:

Die Welt hat drei Gesichter:

Erstes Gesicht:

Es bezieht sich auf die Namen Gottes des Gerechten. Es zeigt ihre Ornamente. Wie die Bedeutung der Buchstaben, dient es den Namen Gottes als ein Spiegel. Dieses Gesicht der Welt besteht aus unendlich vielen Briefen des Einzigartigen (Samad).Dieses Gesicht ist überaus schön. Es ist nicht verabscheuungswürdig. Es ist liebenswürdig.

Zweites Gesicht:

Es wendet sich dem Jenseits zu. Es ist der Acker des Jenseits. Es ist das Feld des Paradieses. Es ist das Beet der Barmherzigkeit Gottes. Dieses Gesicht ist auch schön wie das vorherige Gesicht. Es verdient nicht beleidigt zu werden. Es ist liebenswert (muhabbet).

Drittes Gesicht:

Es ist das Gesicht, das sich den Menschen in ihren Gelüsten und Launen (heva)zuwendet. Es ist der Schleier der Gottvergessenheit (ghafla)und ein Spielplatz der Lustbarkeiten (heva)für die Leute dieser Welt. Dieses Gesicht ist hässlich. Denn es ist vergänglich (fani),sterblich, leidvoll und enttäuschend. So richtet sich der Schimpf in der Hadith und der Abscheu der Kenner der Wahrheit gegen dieses Gesicht.

Die Bedeutung und Anerkennung, die der Weise Qur'an dem Kosmos zuwendet, und allem, was in ihm ist, bezieht sich auf die ersten beiden Gesichter. Die Welt, welche die Freunde (Sahabi)des Propheten (Gottes Friede und Segen mit ihm) und die Gottesfreunde bevorzugten, ist in den ersten beiden Gesichtern zu finden.

Nun gibt es aber vier Klassen Menschen, welche die Welt zurückweisen.

Die Erste:

Es sind die Kenner der Wahrheit (ehl-i marifet).Sie weisen diese Welt zurück, da die Angelegenheiten der Welt ein Hindernis sind, über Gott den Gerechten nachzudenken, Ihn zu lieben, Ihm zu dienen und Ihn anzubeten.

Die Zweite:

Es sind die Leute die sich auf das jenseitige Leben hin ausrichten. Entweder halten die notwendigen Arbeiten in dieser Welt sie von den Dingen ab, die ihnen für das Jenseits gutgeschrieben werden, oder sie sehen diese Welt im Vergleich mit der Vollkommenheit und Schönheit des Paradieses, die sie im Glauben von der Stufe eines Augenzeugen aus erkennen, als hässlich an. In der Tat erscheint ein schöner Mann, verglichen mit dem ägyptischen Josef, mit dem Friede sei, als hässlich. So gilt denn auch diese Welt im Vergleich mit den Schönheiten des Paradieses als ein Nichts, gleichgültig wie kostbar die Schönheiten dieser Welt auch sein mögen.

Die Dritte:

Solche weisen diese Welt zurück, weil man sie nicht beherrschen kann. Eine solche Zurückweisung resultiert nicht aus einem Abscheu vor dieser Welt, sondern aus der Liebe zu ihr.

Die Vierte:

Solche weisen diese Welt zurück. Denn sie können ihre (kleine) Welt zwar (vergleichsweise) beherrschen, doch sie bleibt nicht bestehen, sie vergeht. Sie erzürnen sich darüber. Um sich zu trösten, weisen sie (die Welt) von sich und sagen: "Sie ist schmutzig." Was aber eine solche Zurückweisung betrifft, so erwächst auch sie aus ihrer Liebe zur Welt.

In Wirklichkeit ist eine begründete Ablehnung die, welche aus der Liebe zum Jenseits und auch aus der Liebe durch die Erkenntnis Gottes erwächst.

Damit also soll gesagt sein, dass begründete Ablehnungen von den ersten beiden Klassen kommen. Möge Gott der Gerechte uns einer dieser beiden zuzählen. Amin.

بِحُرْمَةِ سَيِّدِالْمُرْ سَلِينَ

{"In Verehrung des Hauptes (Seyyidina) der Propheten."}

Drittes Kapitel

بِسْمِ اللَّهِ الرَّحْمَنِ الرَّحِيمِ ٭ وَاِنْ مِنْ شَىْءٍ اِلاَّ يُسَبِّحُ بِحَمْدِهِ

{"Im Namen Gottes, des Erbarmers, des Barmherzigen." "Und es gibt kein Ding, das nicht lobend Ihn preist." (Sure 17, 43).}

Dieses dritte Kapitel besteht aus zwei Punkten, also aus zwei Abschnitten.

Erster Abschnitt

Nach dem Geheimnis von

وَاِنْ مِنْ شَىْءٍ اِلاَّ يُسَبِّحُ بِحَمْدِهِ

{"Und es gibt kein Ding, das nicht lobend Ihn preist." (Sure 17, 43)}

hat jedes Ding viele Aspekte, die sich zu Gott dem Gerechten hin wie Fenster öffnen. Die Wahrheit allen Seins, ja die Wahrheit des ganzen Kosmos stützt sich auf die Namen Gottes. Die Wahrheit über ein jedes Ding beruht auf einem Namen oder auf verschiedenen Namen. Ja selbst jede Eigenschaft und Kunst in den Dingen beruht jeweils auf einem solchen Namen. So stützt sich die wahre Wissenschaft von der Weisheit auf dem Namen "der Weise" (Hakiem),die wahre Wissenschaft von der Medizin auf dem Namen "der Heiler" (Shafi'),die Wissenschaft von der Geometrie auf dem Namen "der Bestimmer" (Muqaddir)usw. Sowie jede einzelne Wissenschaft sich auf einen Namen stützt und in ihm ihr Ziel finden, beruhen alle Wissenschaften und die Wahrheit über alle menschliche Vollkommenheit und alle Ebenen menschlicher Gruppierungen auf den Namen Gottes. Ja, ein Teil der Forscher unter den Gottesfreunden hat sogar gesagt: "Das wahre Wesen der Dinge sind die Namen Gottes."

Was aber den Hintergrund, als die Basis aller Dinge betrifft, so ist er nur ein Schatten dieser Wahrheit. Ja, es kann in einem einzigen Lebewesen augenscheinlich sogar nur das Design von höchstens zwanzig Namen Gottes sichtbar werden. Hier versuchen wir diese feinsinnige, tiefe, sehr große und umfangreiche Wahrheit mit einem Gleichnis dem Verstande nahe zu bringen. Wir werden mit zwei, drei verschiedenen Sieben, sichten und analysieren. Wie lange sich aber auch unsere Erklärungen hinziehen mögen: sie blieben dennoch zu kurz. Doch sollte man ihrer nicht überdrüssig werden. Es ist dies also wie folgt:

Ein überaus talentierter Maler und Bildhauer möchte eine überaus schöne Blume malen oder von einer bildhübschen Dame vom schöneren Geschlecht eine Statue anfertigen. Als erstes zeichnet er mit einigen Strichen die groben Umrisse ihrer Gestalt. Er bestimmt (ihre Form) nach den allgemein gültigen Proportionen und Maßstäben. Nach den Gesetzen der Geometrie setzt er die Randlinien fest. Diese Randlinien, diese Umrisse und ihre Proportionen kundig festzulegen, zeigt, dass alles den Gesetzen, Proportionen und Maßstäben entsprechend geschieht und alles mit dem Zirkel des Wissens und der Weisheit, in Weisheit und nach bestem Wissen dargestellt wird. Daher lenkt hinter den Maßstäben und Proportionen die Macht des Wissens und der Weisheit. So werden denn der Zirkel des Wissens und der Weisheit sich selbst darstellen und ihre Funktion erweisen, sodass er nun beginnt innerhalb dieser Randlinien Dinge wie Auge, Ohren und Nase, oder Blätter und ganz feine Blütenkelche darzustellen. Nun sehen wir, dass die Abschnitte, die durch die Bewegungen des Zirkels bestimmt werden, seine Kunstfertigkeit und seine Begabung erweisen.

Wenn das aber nun so ist, so steht dahinter die Macht der Kunstfertigkeit und der Begabung, die diesen Zirkel des Wissens und der Weisheit führt. Diese Macht herrscht und wird sich erweisen. Daraus also entsteht nun die Fähigkeit zu Schönheit und Ornamentalistik.

Also ist das, was diese Kunstfertigkeit und diese Begabung aktiviert, der Wille auszuschmücken und die Absicht zu verzieren. Also müssen (Wille und Absicht zusammen) wirken, sodass ein Lächeln, ein Aufleuchten beginnt. Es zeigt sich ein Lächeln und schenkt einen Hauch von Leben.

Mit Sicherheit ist das, was diese Verschönerung und dieses Aufleuchten aktiviert, die Macht der Güte und der Freigiebigkeit. In der Tat herrschen diese beiden Kräfte so sehr, dass sich in dieser Blume die Güte verkörpert und diese Statue gewissermaßen zur personifizierten Freigiebigkeit wurde. Nun ist das, was diese Freigiebigkeit und diese Güte aktiviert, die Begriffe, "Sich-lieben-lassen und Sich-zu-Erkennen-geben". Das heißt, die Begriffe "sich durch sein Talent bekannt machen und sich bei den Leuten geschätzt und anerkannt machen" herrschen im Hintergrund. Dieses "Sich-bekannt-machen und Sich-geschätzt-machen" kommt mit Sicherheit von der Neigung zur Barmherzigkeit und von dem Willen zu schenken.

Da nun einmal Barmherzigkeit und der Wille zu schenken im Hintergrund herrschen, wird (der Meister) diese Statue mit verschiedenen Dingen ausstatten, als wären es Geschenke, sie schmücken und auch das Bild dieser Blume wie ein Geschenk an ihr befestigen. Er hat die Hände dieser Statue, ihre Schürze, ihre Tasche mit wertvollen Geschenken gefüllt und auch an dem Bild dieser Blume einen Juwel befestigt. Das aber heißt: was diese Barmherzigkeit und diesen Willen zu schenken aktiviert, ist "Mitleid und selbstlose Liebe empfinden!" Diese Kräfte erwecken Barmherzigkeit und Großmut. Was bei demjenigen, der nichts und niemanden braucht, Liebe (tehannun)und Barmherzigkeit veranlasst, zu wirken und sich zu äußern, ist mit Sicherheit die innere Schönheit und Vollkommenheit, die diese Person besitzt, und die zum Ausdruck kommen wollen. Und was die Liebe betrifft, die ein Teil dieser Schönheit und ihr anmutigster, und die Barmherzigkeit, die ihr wohltuendster Teil ist, so wollen diese sich im Spiegel der Kunstwerke zeigen und sich mit

den Augen aller Kunstliebhaber betrachten. Das heißt, Schönheit und Vollkommenheit lieben sich selbst mehr als alles andere, weil sie um ihrer selbst willen geliebt werden. Sie selbst sind sowohl Schönheit als auch Liebe. So erwächst hieraus die Einheit von Schönheit und der Liebe. Da nun einmal die Schönheit sich selbst liebt, möchte sie sich selbst in einem Spiegel betrachten. So tragen die liebenswerten Geschenke und schönen Früchte, die an die Statue gehängt und an das Bild gesteckt werden, ihrer Fähigkeit entsprechend einen Funken von einer geistigen Schönheit. Sie zeigen diesen Funken sowohl dem Herrn aller Schönheit, als auch allen anderen.

In genau der gleichen Weise setzt der Allweise Meister dem Paradies und der Welt, den Himmeln und der Erde, den Pflanzen und den Tieren, Dschinnen und Menschen, Engeln und Geistern und allen Dingen, einzeln wie insgesamt, ihre Grenzen, formt und ordnet sie und bestimmt ihnen ihr Maß. Dadurch veranlasst Er sie, Seine Namen "Der Maßgebende (Muqaddir),der Ordnende (Munazzim)und der Gestalter (Musavvir)"zu rezitieren.

Ebenso bestimmt Er jeder Form und Gestalt ihre Grenzen, damit auch die Namen "der Allwissende (Alim)und der Allweise (Hakiem)"offenbar werden. Dann beginnt Er mit dem Lineal Seines Wissens und Seiner Weisheit, innerhalb dieser Grenzen mit der Gestaltung aller Dinge. Er tut dies in der Weise, dass nun die Begriffe der "Kunstfertigkeit" und der "Gnade (inayet)"und die Namen "der Meister (Sani)"und "der Gastfreundliche (Kerim)"offenbar werden. Danach streicht Er mit der wundertätigen Hand (ye'd-i beyza)Seiner Kunstfertigkeit und dem Pinsel Seiner Gnade über die einzelnen Teile seiner Darstellungen, bei jedem einzelnen Menschen und bei jeder einzelnen Blume, über die Augen und Ohren, oder über die Blätter und Blüten, oder, wenn es sich um die Erde handelt, über ihre Erze, Pflanzen und Tiere; wenn es sich aber um das Paradies handelt, so gibt Er Seinen Gärten, Schlössern und Jungfrauen die Farbe ihrer Schönheit und ihren Schmuck. Und so weiter. Suche noch weitere, ähnliche Beispiele!

Des Weiteren schmückt und erleuchtet Er sie in einer Weise, dass die Bedeutung von Güte und Freigiebigkeit die Vorherrschaft übernehmen, sodass alle jene schön verzierten Dinge, alle jene leuchtenden und strahlenden Kunstwerke, zur leibhaftigen Güte, zur Person gewordenen Freigiebigkeit werden. Sie rezitieren die Namen "der Gütige (Latif)und der Freigiebige (Kerim)".Was demnach diese Güte und diese Freigiebigkeit dazu führt, in dieser Art in Erscheinung zu treten, sind mit Sicherheit die Begriffe "sich liebenswert machen" und "sich bekannt geben". Das heißt, Er will sich für die lebenden Wesen liebenswert machen und den mit Bewusstsein begabten Wesen bekannt geben, wie sich hinter den Namen "der Gütige und der Freigiebige" die Namen "der Freund (Vedud)und der Offenbarte (Ma'ruf)"herauslesen lässt, was man aus der Sprache heraus hört, mit der ein Kunstwerk zu uns spricht. Dann beschenkt Er jene schön verzierten Formen des Daseins, jene schönen Geschöpfe mit wohlschmeckenden Früchten und mit wunderbaren Ergebnissen und verwandelt diesen Schmuck (d.h. Früchte und Ergebnisse) in Geschenke und Güte in Barmherzigkeit. Damit finden die Namen "der Schenker" (Mun'im)und "der Barmherzige" (Rahim)ihren Ausdruck. Hinter dem, was nach außen hin wie ein Schleier erscheint, wird die Darstellung dieser beiden Namen erkennbar.

Was aber diesen Barmherzigen, diesen Gastfreundlichen, der absolut frei von allen Bedürfnissen ist, dazu führt, in dieser Art in Erscheinung zu treten, ist, dass Er sein Erbarmen und sein Mitleid zeigen will, woraus sich die Namen "der Mitleidige" (Hannan)und "der Erbarmer" (Rahman)ablesen lassen und zur Darstellung gelangen. Was aber diesen Willen, sich zu erbarmen und Mitleid zu haben, dazu veranlasst, sich auch zu zeigen, ist mit Sicherheit eine wesensgemäße Schönheit und Vollkommenheit, die in Erscheinung treten will. Sie bewirkt es, den Namen "der Schöne" (Djemil)und

die Namen "der Freund und der Barmherzige" (Vedud, Rahim),die in dem Namen "der Schöne" (Djemil)enthalten sind, zu rezitieren. Denn, die Schönheit liebt man um ihrer selbst willen. Die Schönheit und der, dem sie zu Eigen ist, lieben einander. So sind sie zugleich Liebender (husn)und Geliebter (muhabbet).Auch die Vollkommenheit wird um ihrer selbst willen geliebt, geliebt, ohne dass es dafür einen Grund gäbe. Sie sind sowohl Liebender (muhib)als auch Geliebter (mahbub).Eine Schönheit, die in unendlichem Maß vollkommen ist, und eine Vollkommenheit, die in unendlichem Maße schön ist, wird nun einmal in unendlichem Maße geliebt und verdient, in jeder Weise geliebt zu werden. Mit Sicherheit wollen sie dadurch bekannt geben, dass sie ihre Erscheinungen und ihren Widerschein in den Spiegeln und den Fähigkeiten der Spiegel entsprechend sehen und die anderen sehen lassen.

Das heißt also, dass sie die essentielle Schönheit und Vollkommenheit erfordern, die dem Wesen des Meisters in Seiner Majestät (Djelal),des Allweisen in Seiner Schönheit (Djemal)und des Allmächtigen in Seiner Vollkommenheit (Kemal)gehören, Erbarmen und Mitgefühl empfinden, was die Namen "der Erbarmer" (Rahman)und "der Mitfühlende" (Hannan)in Erscheinung bringen.

Was das Erbarmen und das Mitgefühl betrifft, so zeigen sie die Barmherzigkeit und die Freigiebigkeit und bringen die Namen "der Barmherzige" (Rahim)und "der Großmütige" (Mun'im)zum Ausdruck. Was die Barmherzigkeit und die Freigiebigkeit betrifft, so erfordern sie, sich liebenswert zu machen und sich bekannt zu geben. Das bringt aber die Namen "der Freund" (Vedud)und "der Offenbarte" (Maruf)zum Ausdruck und führt sie als Kunstwerk gleichsam wie auf einer Leinwand auf. Das Sich-liebenswert-machen und das Sich-Bekannt-geben bringen die Neigung hervor, gütig und freigiebig aufzutreten. Sie lassen anhand dieser Kunstwerke gleichsam wie auf einigen einzigartigen Leinwänden die Namen "der Gütige" (Latif)und "der Freigiebige" (Kerim)herauslesen. Die Neigung, gütig und freigiebig aufzutreten,

aktiviert die Handlungsweise, zu verzieren und zu erleuchten und lässt in der Sprache der Schönheit und des Erleuchtetseins des Kunstwerkes die Namen "der Verzierende (Muzeyyin)und der Erleuchtende (Munevvir)"vortragen. Was aber die Neigung zu verzieren und zu verschönern betrifft, so erfordert sie, meisterhaft und gütig zu handeln. Das schöne Aussehen der Kunstwerke lässt Ihn die Namen "der Meister" und "der Verschönernde (Muhsin)"herauslesen. Was aber das meisterhafte und gütige Wirken anbetrifft, so erfordert es Wissen und Weisheit. Die einzelnen wohlgeordneten und weisheitsvollen Kunstwerke lassen Ihn die Namen "der Allwissende" und "der Allweise" herauslesen. Dieses Wissen und diese Weisheit erfordern aber die Handlungen, "Wohlordnen, Gestalten und Aufbauen". Die Gestaltung und der Aufbau der Kunstwerke lassen Ihn die Namen "der Gestalter (Musauvir)und der Bestimmende (Muqaddir)"herauslesen und zeigen Ihn so. Und so hat auch der Meister, der Majestät besitzt, alle Kunstwerke in der Art geschaffen, dass die meisten davon, besonders aber die lebenden Wesen, viele der Namen Gottes herauslesen lassen. Die Kunstwerke erscheinen so, als trüge jedes von ihnen zwanzig verschiedene Hüllen übereinander gezogen und wäre in zwanzig Tücher eingehüllt. Auf jeder Hülle und jedem Tuch stehen verschiedene Seiner Namen geschrieben.

Zum Beispiel:

Wie in dem Gleichnis gezeigt wurde, hat eine einzige schöne Blume und eine hübsche Dame des schönen Geschlechtes allein bei ihrer äußerlichen Erschaffung viele Seiten. Vergleiche nun die anderen, großen und umfassenden Kunstwerke mit diesen beiden kleinen Beispielen.

Erste Seite;

ist der Status, in dem das allgemeine Aussehen und das Maß zeigt und die Namen "Oh du Gestalter (Musauvir),Oh du Bestimmender (Muqaddir),Oh du Wohlordnender (Munasim)!".

Zweite Seite;

ist der grobe Umriss einer Blume und eines Menschen, der daraus entsteht, dass ihre verschiedenen Teile heraus gearbeitet werden. Auf diese Seite werden viele Namen wie "der Allwissende (Aliem),der Allweise (Hakiem)"geschrieben.

Dritte Seite:

Dadurch, dass diesen verschiedenen Teilen dieser beiden Geschöpfe unterschiedliche Schönheit gegeben wird, werden auf dieser Seite viele Namen wie "der Meister (Sani)"und "der Schöpfer" (Bari)geschrieben.

Vierte Seite:

Diese beiden Kunstwerke tragen eine solche Verzierung und Schönheit, als hätten sich Güte (lutuf)und Freigiebigkeit in ihnen verkörpert und hätten ihre Gestalt angenommen. Diese Seiten gedenken vieler Namen wie, "Oh Gütiger (Latief)!","Oh Freigiebiger (Keriem)!"und rezitieren sie.

Fünfte Seite:

Dadurch dass jene Blume Früchte und jene schöne Frau hübsche Kinder hervorbringt und einen guten Charakter entwickelt, lässt diese Seite die Namen "Oh Freund (Vedud)!Oh Barmherziger (Rahiem)!Oh Großmütiger (Mun'im)!"rezitieren.

Sechste Seite:

Auf dieser Seite der Großmut (in'am)und Güte (ihsan)lassen sich die Namen "Oh Erbarmer (Rahman)!Oh Mitfühlender (Hannan)!"rezitieren.

Siebte Seite:

An jenen Gaben und jenen Ergebnissen erscheinen Funken von solcher Schönheit (Djemal)und Güte (husn),welche mit einer wahrhaften Liebe (shefqat)und Begeisterung (shevk)durchknetet sind, dass sie aufrichtige Dankbarkeit und reine Liebe (muhabbet)verdienen. Auf dieser Seite stehen die Namen "Oh welche Schönheit in Deiner Vollkommenheit! Oh Vollkommener in Deiner Schönheit!" geschrieben und werden rezitiert.

Wenn also nun schon eine einzige schöne Blume und ein wunderbarer Mensch allein schon in ihrer äußerlichen Erscheinung so viele Namen Gottes aufzeigen, dann kannst du in etwa vergleichen, in welchem Grade umfassend und erhaben alle Blumen und alles, was da lebt, auch die großen Biotope, die Namen Gottes rezitieren lassen.

Des Weiteren kannst du vergleichen, wie viele lichtvolle, heilige Namen, wie "der Lebendige (Hayy),der Beständige (Qayyum)und der Belebende (Muhyi)"der Mensch in seiner Seele (ruh),in seinem Herzen, mit seinem Verstand und mit Hilfe der Seiten seines Lebens und all seiner Feinheiten selbst rezitiert oder vortragen lässt.

So gleicht also das Paradies einer Blume. Auch die Gemeinschaft der Huris gleicht einer Blume. Das Antlitz der Erde gleicht einer Blume. Der Frühling gleicht einer Blume. Der Himmel gleicht einer Blume. Die Sterne gleichen dem vergoldeten Schmuck dieser Blume. Die Sonne gleicht einer Blume. Die sieben Farben ihres Lichtes gleichen Farben zum Schmuck dieser Blume. Das ganze Universum ist ein riesengroßer, schöner Mensch, so wie ja auch der Mensch ein Kosmos im Kleinen ist. Die Gemeinschaft der Huris, die Gemeinde aller Geistwesen, die verschiedenen Arten von Engeln, die verschiedenen Gruppen von Geistern und das ganze Menschengeschlecht sind gleich einer schönen Person geformt und gestaltet und ins Dasein gerufen worden. Wie jede Gattung in ihrer Gesamtheit, als auch jede Person für sich allein die Namen des Meisters in all Seiner Schönheit aufzeigen, so dienen sie auch Seiner Schönheit, Seiner makellosen Vollkommenheit, Seinem Erbarmen und Seiner Liebe als einzelne Spiegel. Sie sind treue Zeugen Seiner unendlichen Schönheit, Seiner makellosen Vollkommenheit, Seines Erbarmens und Seiner Liebe. Sie sind klare Zeichen (Ayat),Hinweise auf Seine Schönheit (Djemal)und Vollkommenheit (Kemal),Sein Erbarmen (Rahmet)und Seine Liebe (muhabbet).

So kommen denn alle diese unendlich vielen Arten individueller Vollkommenheit nur im Bereich allumfassender Einheit (Vahidiyet)und individueller Einheit Gottes (Ahadiyet)zu Stande. Das also heißt, dass eine Vollkommenheit, die man sich außerhalb dieses Bereiches vorstellen könnte, keine Vollkommenheit ist. Und so verstehe denn jetzt, dass sich die Wahrheit aller Dinge auf die Namen Gottes stützt, auf ihnen ruht, ja,

dass die eigentliche Wahrheit in der Erscheinungen dieser Namen zu finden ist und jedes Ding auf vielerlei Weisen und mit vielen verschiedenen Zungen ihres Schöpfers gedenkt (dhikr)und Ihn lobpreist (tesbih).

Erkenne also nun die Bedeutung von

وَاِنْ مِنْ شَىْءٍ اِلاَّ يُسَبِّحُ بِحَمْدِهِ

{"Und es gibt kein Ding, dass nicht lobend Ihn preist." (Sure 17, 44)}

und sage

سُبْحَانَ مَنِ اخْتَفٰى بِشِدَّةِ ظُهُورِهِ

{"Gepriesen sei der, der hinter der Macht Seiner Erscheinung verborgen ist."}

Und verstehe das Geheimnis, das in der Rezitation und in der Wiederholung solcher Verse wie

وَهُوَ الْعَزِيزُ الْحَكِيمُ ٭ وَهُوَ الْغَفُورُ الرَّحِيمُ ٭ وَهُوَ الْعَلِيمُ الْقَدِيرُ

{"Und Er ist der Allmächtige, der Allweise." (Sure 14, 4) "Und Er ist der Verzeihende, der Barmherzige." (Sure 10, 107) "Er ist der Allwissende und der Bestimmende." (Sure 30, 54)}

liegt.

Kannst du die Namen nicht aus einer Blume herauslesen und sie klar erkennen, dann betrachte das Paradies, achte auf den Frühling und betrachte das Antlitz der Erde. Du kannst den Namen der göttlichen Barmherzigkeit, der auf einer so riesig großen Blume, wie dem Paradies, dem Frühling, der Erde geschrieben steht, klar herauslesen, deutlich sehen und erkennen, wie er auf ihr erscheint und sie schmückt.

Zweite Abschnitt

Zweiter Punkt

Der Anwalt der Leute des Irrwegs findet keinen Stoff mehr, an den er seine Beweise anknüpfen und nichts mehr, worauf er das Gebäude seines Irrglaubens aufbauen könnte und weil er nun nichts weiter mehr vorbringen kann, sagt er:

"Das irdische Glück, die Vergnügungen des Lebens, der Fortschritt in der Zivilisation und der weitere Aufbau in der Industrialisierung erwächst nach meiner Meinung daraus, dass man nicht an das Jenseits denkt, Gott nicht kennt, die Welt und seine Freiheit liebt und nur auf sich selbst vertraut. Die meisten Menschen habe ich mit Hilfe des Satans auf diesen Weg geführt und das mache ich auch weiter so."

Nun die Antwort darauf:

Wir aber sagen im Namen des Qur'an: Oh du armseliger Mensch! Komm zur Besinnung! Höre nicht auf den Anwalt der Leute des Irrwegs! Hörst du auf ihn, wirst du dadurch einen solch großen Schaden davontragen, dass Herz, Geist und Verstand schon bei der bloßen Vorstellung erzittern. Es liegen nun zwei Wege vor dir:

Der Erste: der Elends-Treck, den der Anwalt der Leute des Irrwegs dir zeigt.

Der Andere: die glückliche Straße, die der weise Qur'an beschreibt.

Du hast ja nun die beiden Wege durch sehr viele Gegenüberstellungen in vielen Abhandlungen (Söz)und besonders durch die "Kleinen Worte" (Küçük Sözler)gesehen und verstanden. Siehe und verstehe nun in diesem Zusammenhang abermals eine weitere Gegenüberstellung unter tausend! Es ist dies wie folgt:

Der Weg der Kompromisse (shirk),Verirrungen (dalalet),Laster und Sünden stürzt den Menschen in einen bodenlosen Abgrund. In grenzenlosem Elend legt er ihm

eine unendlich schwere Last auf seine schwachen und kraftlosen Schultern. Denn der Mensch, der Gott den Gerechten nicht kennt und nicht auf Ihn vertraut, dieser Mensch gleicht dann in seinem Jammer und Elend einem kurzlebigen (fani)Tier, das so äußerst hilflos und schwach ist, so unendlich hilfsbedürftig, armselig und zahllosen Übeln ausgesetzt, muss sich ständig trennen von allen Menschen, die ihm lieb und von allen Dingen, die ihm teuer geworden sind, lässt am Ende im Schmerz der Trennung auch noch die letzten Freunde zurück und steigt einsam in die Dunkelheit des Grabes hinab.

Eine Spanne lang kämpft er nutzlos mit einem äußerst schwachen Willen, mit seinem nur geringen Vermögen, seiner geringen Lebenskraft in seiner so beschränkten Lebenszeit, mit seinem trüben Verstand, voller Erwartung gegen ein unendliches Elend. Fruchtlos plagt er sich und wie im Leerlauf, um seine zahllosen Wünsche zu erfüllen und seine Ziele zu erreichen.

Obwohl er noch nicht einmal in der Lage ist, alle die Aufgaben der Versorgung und Ernährung seines eigenen Körpers auf sich zu nehmen, belastet er sich Leib und Seele noch zusätzlich mit der Last der ganzen großen Welt. Und noch bevor er zur Hölle fährt, zieht er schon die Strafe der Hölle auf sich.

In der Tat flüchten die Leute des Irrwegs, weil sie dieses leidvolle Elend und die fürchterliche Strafe der Seele nicht verspüren wollen, durch die Trunkenheit ihrer Gottvergessenheit in eine Art Betäubung ihrer Gefühle und verspüren sie vorübergehend nicht mehr. Doch verspüren wird er sie wieder, wenn er plötzlich verspürt, dass seine Zeit gekommen und er in die Nähe des Grabes gerückt ist. Denn wer nicht des getreuen Gottes getreuer Diener ist, der muss glauben, er sei Meister seiner selbst. Doch mit seiner geringen Willenskraft und seinem winzigen Leistungsvermögen vermag er in den Wechselfällen der Weltgeschichte noch nicht einmal den Stoffwechsel seines eigenen Körpers selbst zu meistern. Von den Krankheitserregern angefangen bis hin zu einem Erdbeben

sieht er tausende feindlicher Truppen bereit zu einem Angriff auf sein Leben. In Qualen, Ängsten und Befürchtungen geht er dem Tor des Grabes entgegen, das ihm allzeit schrecklich vor Augen steht.

Solcher Art ist der Zustand, in dem er sich in Anbetracht seines eigenen Menschseins befindet, verbunden mit der Menschheit und der Weltgeschichte, ohne sich dabei einen Allweisen, Allwissenden, Allmächtigen, Barmherzigen und Großmütigen Herrn vorstellen zu können, der dies alles in Seinen Händen hält, schreibt vielmehr alles dem Zufall und den Naturgesetzen zu, sodass ihn ständig all das, was in der Weltgeschichte passiert und der Menschheit zustößt, in Unruhe versetzt. So leidet er zuzüglich zu seinem eigenen Elend auch noch an dem Elend der Menschheit. Erdbeben, Taifune, Pest, Hunger, Dürre, Vergänglichkeit und Zufall malen ihm das finstere Bild aller Not und Pein und allen Unglücks dieser Welt und quälen ihn.

Überdies verdient ein Mensch in diesem Zustand noch nicht einmal Mitleid (merhamet)und Erbarmen (shefqat),weil er sich ja selbst in diesen fürchterlichen Zustand gebracht hat.

Im "Achten Wort" wurde der Zustand zweier Brüder miteinander verglichen, die in eine Zisterne gesprungen waren: So wie ein Mann in einem schönen Garten, bei einem prächtigen Gastmahl unter guten Freunden sich nicht mit den sauberen, geschmackvollen, ehrbaren, willkommenen und erlaubten Freuden und Genüssen begnügt, wenn er stattdessen, um eines unerlaubten, zweifelhaften Genusses willen etwas von einem widerwärtigen, unlauteren Getränk (: Wein) zu sich nähme und sich nun in seinem Rauschzustande einbildete, es wäre mitten im Winter und er befände sich an einem schmutzigen Platz, ja inmitten von Drachen und begänne nun zitternd Zeter und Mordio zu schreien. So wie dieser kein Mitleid verdiente, wenn er seine achtbaren und ehrenwerten Freunde als eine Drachenbrut betrachtet und sie solcherart beleidigt, so wenig verdient ein solcher Mensch Mitleid,

sondern Schläge, wenn er bei dem Gastmahl die wohlschmeckenden Speisen wegwirft, wenn ihm das saubere Tafelgeschirr wie Unrat und schmierige Steine vorkommt und er sie zu zerbrechen beginnt und wenn ihm überdies in der Festversammlung die Heiligen Bücher und die bedeutsamen Schriften wie unbedeutende und einfältige Verschönerungen erscheinen und er sie zerreißt und auf den Boden wirft usw....

Aus dem Missbrauch seiner Freiheit erwächst ihm der Unglaube, der ihm die Sinne benebelt, und in dem Wahnsinn seines Irrweges erscheint ihm die Welt, die doch eine Herberge des allweisen Meisters ist, als sei sie ein Spielball der Natur, als spiele der Zufall mit ihr. Er stellt sich vor, dass alle die Kunstwerke, die doch eine Erscheinung der Namen Gottes sind, wie sie ständig erneuert werden und - wenn ihre Zeit abgelaufen und ihre Aufgabe erfüllt ist - in die unsichtbare Welt hinüberwechseln, verurteilt und vernichtet werden. Der Lobpreis (tesbihat)der ganzen Schöpfung kommt ihm so vor, als sei er das Wehgeschrei des Verfalls und der ewigen Trennung. Diese Schöpfung, die doch ein Brief des Ewigen (mektubat-i Samedaniye)ist, alle diese Seiten vom Dasein erscheinen ihm wie eine inhaltslose Kritzelei. Das Tor des Grabes, das sich zur Welt der Barmherzigkeit öffnet, stellt er sich als den finsteren Schlund der Nicht-Existenz vor. Ist seine Frist gekommen und er eingeladen, seinen wahren Freunden (habib)wieder zu begegnen, so glaubt er, nun sei er an der Reihe, sich von allen seinen Freunden zu trennen. So bringt er sich selbst in fürchterliches Leid und Elend. Zudem will er alles, was da ist, die Namen Gottes des Gerechten und Seine Briefe nicht anerkennen, verachtet, ja beleidigt er sie. Deshalb verdient er weder Mitleid (merhamet)noch Erbarmen (shefqat),vielmehr ist nun harte Bestrafung sein Sold. Mitleid hat er jedoch auf gar keinen Fall verdient.

So ist das also, oh ihr unglückseligen Leute des Irrwegs und der Maßlosigkeit! Welche eurer Vollkommenheiten, welche eurer Philosophien, welche Perfektion,

welche Zivilisation, welchen eurer Fortschritte könnt ihr diesem schrecklichen Verfall, dieser quälenden Hoffnungslosigkeit entgegensetzen? Wo könnt ihr jenen wahren Trost finden, dessen die Seele (ruh)des Menschen mit so heftigem Verlangen so notwendig bedarf?

Und weiter: was für eine Natur, welche der Ursachen, welches eurer Surrogate (shirk),welche von euren Entdeckungen und Erfindungen, welches Volk der Welt (millet),welche von den hohlen und nichtigen Gottheiten, die ihr anbetet, auf die ihr vertraut, auf die ihr alle eure Hoffnungen gesetzt habt und denen ihr alle die Werke Gottes und Gnadengaben des Herrn zuschreibt, vermag euch vor der Finsternis des Todes zu erretten, die euer ewiges Verdammungsurteil ist, wie ihr selbst sagt und euch über die Grenze des Grabes, des Zwischenreiches (berzah)hinüberzuhelfen, euch zum Ort der Wiederversammlung zu führen und euch über die Brücke "Sirat" hinüberzutragen, damit ihr die ewige Seligkeit erlangen könnt? Aber weil ihr das Tor des Grabes nicht verschlossen habt, werdet auch ihr mit Sicherheit Gefährten dieses Weges sein. Doch ein solcher Weggefährte sollte sich auf jemanden verlassen, der alle diese riesigen Gebiete und seine weiten Grenzen unter seiner Macht und Herrschaft hält.

Und noch etwas, ihr unglückseligen Leute des Irrweges und der Gottvergessenheit! Geheimnis des Grundsatzes: "Es ist die Folge einer unerlaubten Liebe (muhabbet),dass sie eine erbarmungslose Strafe nach sich zieht." Dass auch ihr, die ihr die Fähigkeit zu Liebe (muhabbet)und Erkenntnis, die euch natürlicherweise mit dem Wesen und mit den Eigenschaften und Namen Gottes des Gerechten verbinden sollten und die Anlage, die euch gegeben wurde, Gott zu danken, Ihn anzubeten und Ihm zu dienen, nun in ungesetzlicher Weise zu eigensüchtigen und weltlichen Zwecken missbraucht, nun auch gerechterweise eure Strafe auf euch zieht. Denn ihr habt die Liebe, die Gott dem Gerechten gebührt, eurer eigenen Seele gegeben. Und ihr habt die zahllosen Übel eurer Seele (nefs),die eure Geliebte (mahbub)ist, auf euch gezogen.

Denn die wahre Seelenruhe (rahat)gebt ihr dieser eurer Geliebten nicht. Denn ihr vertraut sie nicht voll Zuversicht dem Allmächtigen (Qadir-i Mutlak)an, welcher der wahre Geliebte ist. Einen ewigen Schmerz zieht ihr euch zu. Und ferner habt ihr die Liebe, die den Namen Gottes des Gerechten und Seinen Eigenschaften gebührt, an die Welt verloren und die Werke Seiner Kunst aufgeteilt und den verschiedensten Ursachen zugeschrieben. So habt ihr ein Übel auf euch gezogen. Denn ein Teil dieser zahllosen "Geliebten" kehrt euch den Rücken zu und verlässt euch ohne ein "Lebewohl" zu sagen. Ein Teil von ihnen kennt euch überhaupt nicht mehr. Und auch wenn sie euch noch kennen, so lieben sie euch doch nicht mehr. Und liebten sie euch noch, so nutzte es euch nichts. Ständig leidet ihr unter Qualen durch zahllose Trennungen und Verluste ohne eine Hoffnung auf ein Wiedersehen.

Das also ist von dem, was die Leute des Irrweges das Glück ihres Lebens, die Vervollkommnung der Menschheit, die Schönheit der Zivilisation und den Genuss der Freiheit nennen, die Innenseite und das wahre Wesen. Ausschweifung und Trunkenheit ist wie ein Vorhang, der Empfindungen zeitweilig gar nicht erst aufkommen lässt. So sage denn: "Ich spucke auf die Klugheit dieser Leute!"

Was aber die leuchtende Straße des Qur'an betrifft, so heilt sie durch den wahren Glauben alle die Wunden, die sich die Leute des Irrweges zugezogen haben. Alle die Finsternis, die früher über dem Wege lag, wird vertrieben. Alle die Tore des Irrglaubens und des Verderbens werden verschlossen. Und zwar geschieht dies folgendermaßen:

Der Glaube heilt alle Schwäche und Hilflosigkeit, Armseligkeit und Bedürftigkeit des Menschen mit dem Vertrauen auf den Barmherzigen-Allmächtigen. Er lädt dem Menschen nicht die Last seines Lebens und seines Daseins auf, sondern übergibt (teslim)sie der Macht und Barmherzigkeit (Gottes).So steigt der Mensch gleichsam in sein Leben ein, fühlt sich wie von seiner Seele getragen

und auf diese Weise kommt er zur Ruhe. Der Glaube lehrt den Menschen, nicht "ein sprechendes Tier" zu sein, sondern ein wahrer Mensch und willkommener Gast des Barmherzigen. Er zeigt, dass die Welt ein Gasthaus des Barmherzigen ist und alles, was darinnen ist, Wiederspiegelungen der göttlichen Namen sind und alle die Kunstwerke, die sich darin befinden, Briefe des Einzigartigen, die sich beständig erneuern, heilt aufs Beste die Wunden, die dem Menschen von der Vergänglichkeit (fena)der Welt, dem Zerfall aller Dinge und seiner Liebe für all das Vergängliche geschlagen wurde und rettet ihn aus der Finsternis all seiner bloßen Mutmaßungen.

Überdies zeigt er den Tod und seine Stunde als den ersten Schritt ins Zwischenreich und die Ewigkeit (beqa)und zur Begegnung mit den Freunden, die ihm dorthin vorausgegangen sind. So heilt er die Wunden des Todes, den die Leute des Irrweges (in ihrer Sicht) als eine ewige Trennung von allen ihren Freunden betrachten. Und er beweist, dass eine solche Trennung in der Tat die wahre Begegnung ist.

Und weiter noch beweist er, dass das Grab ein Tor ist, das sich zur Welt des Erbarmens, zum Haus der Glückseligkeit, zu den Gärten des Paradieses und zum Lichtreich (nuristan)des Barmherzigen öffnet, nimmt so dem Menschen seine furchtbare Angst und zeigt damit, dass seine so überaus mit Leid und Gram überfrachtete Reise ins Zwischenreich in Wirklichkeit eine überaus angenehme, erfreuliche und einladende Reise ist. Mit dem Grabe verschließt er das Maul eines Drachen und öffnet das Tor zu einem lieblichen Garten. Denn er zeigt, dass das Grab gar nicht das Maul eines Drachen ist, sondern das Tor, das sich zu den Gärten des Erbarmens öffnet.

Ferner noch sagt er dem Gläubigen: "Da dein Wille so begrenzt und deine Kraft nur so gering ist, überlass dich doch ganz der alles vermögenden Entscheidungskraft (irade)deines Meisters (malik)!Da all das, was du vermagst und selbst entscheiden kannst, nur so wenig ist, vertraue doch auf die Kraft des Allmächtigen (Qadir-i Mutlak)!

Ist dein Leben auch nur kurz, so denke doch an das ewige Leben. Hast du auch nur eine kurze Spanne zu leben, so gibt es doch danach ein Leben, das nie vergeht; darum sorge dich nicht! Wenn deine Gedanken unklar sind, tritt in das sonnenklare Licht des Qur'an! Siehe, wie im Lichte des Glaubens jede einzelne Ayah des Qur'an an Stelle deiner mottengleichen Gedanken, jede einzelne einem Stern gleich dir ihr Licht sendet. Ist dann dein Hoffen grenzenlos und sind deine Schmerzen zahllose, so sind grenzenlos doch deine Belohnungen und eine unendliche Barmherzigkeit wartet auf dich. Ist überdies deine Sehnsucht auch grenzenlos und sind deine Ideale unendlich fern, so denke nicht weiter darüber nach und gräme dich nicht. Sie haben in dieser Welt nicht ihren Raum. Sie finden anderswo ihren Platz. Und der, welcher dir ihre Erfüllung gewährt, ist auch ein anderer."

Und weiter sagt dir dein Glaube: "Oh Mensch! Du bist nicht dein eigener Herr (malik).Du bist der Diener eines gewaltigen Herrn (Qadir)von unendlicher Macht, gehörst dem Barmherzigen in seiner Majestät voll grenzenlosen Erbarmens. Weil dies aber so ist, darum lade dir nicht selbst die Last deines Lebens auf deine eigenen Schultern, denn Er ist es, der dir das Leben gibt. Er ist es, der alles lenkt und leitet. Und ferner ist diese Welt nicht ohne Besitzer (sahib),sodass du dir deinen Kopf über die Last der Welt zerbrechen müsstest. Denke nicht über ihre Krisen nach und gräme dich nicht, denn ihr Besitzer (sahib)ist der Allwissende und Allweise. Auch du bist nur ein Gast. Deine Mitbeteiligung ist unnötig. Mische dich also nicht ein!

Überdies ist, was geschaffen wurde wie Mensch und Tier, nicht sich selbst überlassen, sind vielmehr mit Aufgaben betraut, dienen im Angesichte des Allweisen und Allbarmherzigen. Denkst du über ihre Schmerzen und Leiden nach, lass deine Seele (ruh)nicht in den Schmerz mit hineinziehen! Versuche nicht in deiner Liebe weiter vorne zu sein als die Barmherzigkeit ihres barmherzigen Schöpfers. Überdies liegen die Zügel, die alle Dinge lenken,

die dir feindlich gesinnt sind, angefangen von einzelnen Krankheitskeimen bis hin zu weltweit verbreiteten Seuchen, Taifunen, Hungersnöten, Beben in den Händen dieses Allbarmherzigen und Allweisen. Er ist der Allweise: Unsinniges tut Er nicht. Er ist der Allbarmherzige: Seine Barmherzigkeit ist eine vielfältige. In jeder Arbeit, die Er tut, liegt irgendeine Art von Gnadenerweis."

Und weiter sagt der Glaube: "Diese Welt ist zwar eine vergängliche (fani),doch sie ist zugleich der Acker für die Bedarfsgüter einer ewigen Welt. Zwar ist sie flüchtig und nur vorübergehend, doch bringt sie bleibende Früchte hervor. Sie zeigt uns, wie in ihr die unvergänglich bleibenden Namen eines beständig bleibenden Herrn Gestalt gewinnen. Und ihrer Freuden sind zwar nur wenige und es gibt viel Leiden in ihr, doch die Gnadengaben des barmherzigen Erbarmers sind unvergängliche, echte Freuden. Was aber die Leiden betrifft, so bringen sie in Anbetracht des Lohnes Freuden für die Seele hervor.

Im übrigen genügt der Rahmen des Erlaubten für alle die Genüsse und Freuden und all das Wohlbehagen von Geist (ruh),Herz (qalb)und Seele (nefs).Überschreite nicht den Rahmen des Erlaubten! Denn außerhalb dieses Rahmens zieht ein einziges Vergnügen manchmal tausend Leiden nach sich. Es ist außerdem auch noch der Grund für den Verlust der Gnadengaben des Erbarmers, welche die wahren und immerwährenden Freuden sind.

Des Weiteren lässt der Irrweg, wie wir oben erklärt haben, den Menschen bis zum Niedrigsten der Niedrigen in einen solchen Abfall hinabstürzen, dass keine Zivilisation und keine Philosophie noch einen Ausweg daraus zu finden vermag. Doch wenn auch kein menschlicher Fortschritt und keine Vervollkommnung der Wissenschaft den Menschen aus diesem Pfuhl der Finsternis wieder herauszuziehen vermag, so vermag doch der weise Qur'an den Menschen durch Glauben und gute Werke von seinem Abfall zum Niedrigsten der Niedrigen herauf zu höchsten Höhen ('ala-yi illiyin)emporzuziehen. Und er beweist mit absoluter Sicherheit, dass er ihn emporzuziehen vermag.

Und er füllt diesen tiefen Pfuhl mit den Stufen einer geistigen Entwicklung und dem Rüstzeug geistiger Vollendung. Zudem vereinfacht und erleichtert er des Menschen lange Reise nach der Ewigkeit, die so voller Unruhen und Gefahren ist, ganz besonders. Er zeigt uns auch die Fahrzeuge, die eine Strecke von tausend, ja sogar fünfzigtausend Jahren in einem einzigen Tag überwinden können. Überdies lehrt er, den Herrn in Seiner Majestät zu kennen, welcher König ist von Ewigkeit zu Ewigkeit und macht so den Menschen zu dessen Beamten, der Ihn anbetet und der Gast ist mit einem Auftrag von Ihm. So stellt (der Glaube) sicher, dass (der Mensch) sich sowohl im Gasthause, das diese Welt ist, als auch in den Wohnstätten des Zwischenreiches (nach dem Tode) und des Jenseits (nach der Auferstehung) in völliger Ruhe und Sicherheit bewegt.

So wie ein unbestechlicher Beamte im gesamten Reich seines Königs umherreisen kann und sich über die Grenzen all seiner Städte hinweg, z.B. per Flugzeug, frei bewegen darf, ebenso fährt ein Mensch, der sich im Glauben mit seinem ewigen König verbunden weiß und Ihm durch die Erfüllung Seiner Gebote (amel-i salih)Gehorsam erweist, durch die Wohnstätten dieser Herbergs-Welt, durch die Gebiete des Zwischenreiches und der Auferstehungswelt u. dgl. alle die weiten Welten jenseits des Grabes blitzschnell hindurch, fliegt über alle ihre Grenzen, als säße er auf Buraq (dem sagenhaften Reittier des Propheten), hinüber in die ewige Seligkeit. Und für diese Tatsache finden sich (im Qur'an) die unumstößlichen Beweise. Und er zeigt sie den Heiligen (Asfiya)und Gottesfreunden (Auliya).

Zudem sagt auch die Wahrheit des Qur'an: "Oh du, der du glaubst, schenke nicht deine unendliche Liebesfähigkeit deiner hässlichen, fehlerhaften und von Gier erfüllten Seele (nefs-i emmare),die dir übel will und schaden wird. Nimm sie dir nicht zur Geliebten (mahbub)und mache dir ihre Launen nicht zum Gegenstand deiner Anbetung (ma'bud)!Schenke vielmehr diese deine so unendlich

große Liebesfähigkeit demjenigen Herrn, der dieser unendlichen Liebe würdig ist, der dir unendliche Gnaden erweisen und dich in der Zukunft unendlich glücklich machen kann, der darüber hinaus auch alle Menschen, denen du verbunden bist, durch Seine Gnadengaben glücklich macht, sodass du an ihrem Glück mit teilnehmen kannst, einem Herrn, der unendlich vollkommen und in unendlichem Grade heilig, erhaben, rein, frei von allen Fehlern und jeglichem Makel und von unvergänglicher Schönheit ist; alle Seine Namen sind von einer unendlich hohen Schönheit und in jedem Namen findet sich eine sehr große Fülle lichtvoller Schönheit und Vollkommenheit (Djemal).Das Paradies zeigt die Schönheit in Seinem Erbarmen und das Erbarmen in Seiner Schönheit mit all ihren wundervollen Gnadengaben. Alle Schönheit und Vollkommenheit (Djemal)in der ganzen Schöpfung, schön, lieblich und liebenswert, ist ein Zeichen Seiner Schönheit und Vollkommenheit, Hinweis und Markstein einer Persönlichkeit, die Geliebter ist und der Angebetete zugleich."

Und sage noch weiter: "Oh Mensch! Verschwende doch nicht an Geschöpfe und Dinge ohne Dauer deine Liebesfähigkeit, die doch Seinen Namen und Eigenschaften gebührt, und nicht an das, was auch nur geschaffen wurde und dir keinen Nutzen zu bringen vermag (für die Ewigkeit). Denn Werke und Geschöpfe sind vergänglich. Doch die in diesen Kunstwerken und schön verzierten Schmuckstücken aufscheinenden Schönen Namen sind ewig und bleiben beständig. In jedem Namen und in jeder Eigenschaft finden sich tausende von Abstufungen der Schönheit und Güte und tausende von Ebenen der Vollkommenheit und der Liebe. Betrachte doch nur einmal den Namen "ar-Rahman": das Paradies ist eine seiner Manifestationen und die ewige Seligkeit ein Blitzstrahl von ihm, alles, was es an Versorgungsgütern und Gnadengaben in dieser Welt gibt, nur ein Tropfen davon."

So betrachte denn nun aufmerksam die Gegenüberstellung der nachstehenden beiden Verse, welche einerseits

auf das Wesen der Leute des Irrweges und derer des Glaubens hinsichtlich des Lebens und ihrer Aufgabe hinweist:

لَقَدْخَلَقْنَا اْلاِنْسَانَ فِىٓ اَحْسَنِ تَقْوِيمٍ ٭ ثُمَّ رَدَدْناَهُ اَسْفَلَ سَافِلِينَ ٭ اِلاَّ الَّذِينَ اٰمَنوُا وَعَمِلُوا الصَّالِحَاتِ

{"Wir haben den Menschen mit einem überaus hohen Wert erschaffen. Danach erniedrigten Wir ihn wieder zum Niedrigsten aller Niedrigen, ausgenommen diejenigen, welche glauben und die Werke ihrer Frömmigkeit verrichten." (Sure 95, 4-6)}

und andererseits auf das Ende (eines solchen Lebens) hinweisen und sein Ergebnis:

فَمَا بَكَتْ عَلَيْهِمُ السَّمَآءُ وَاْلاَرْضُ

{"Und es weint nicht über sie der Himmel und die Erde." (Sure 44, 29)}

In welch erhabener und wunderbarer Weise wird hier in seiner Gegenüberstellung zum Ausdruck gebracht, was wir erklärt haben.

Was den ersten Vers betrifft, so haben wir diese Wahrheit, welche dieser Vers so wunderbar und treffend zum Ausdruck bringt, bereits ausführlich im "Elften Wort" dargelegt und wollen es hier darauf beruhen lassen.

Was den zweiten Vers betrifft, so wollen wir hier nur mit einem kleinen Hinweis zeigen, welch hohe und erhabene Wahrheit darin zum Ausdruck kommt. Es ist dies wie folgt:

Dieser Vers sagt in direktem Schluss (mefhum-u muvafiq)folgendes aus: "Wenn Leute des Irrweges sterben, weinen Himmel und Erde ihnen nicht nach."

Im Umkehrschluss (mefhum-u muhalif)wird damit ausgesagt: "Wenn Leute des Glaubens aus der Welt scheiden, weinen über ihnen Himmel und Erde" Das heißt: Wenn Leute des Irrweges, da sie ja nun einmal die Aufgaben der Himmel und der Erde leugnen, um deren Bedeutung nicht wissen, ihren Wert gering schätzen, ihren Meister nicht kennen, ihnen gegenüber mit Hass und

Feindschaft reagieren, werden Himmel und Erde sicherlich nicht über ihnen weinen, sie vielmehr verwünschen und sich darüber freuen, wenn sie vor die Hunde gehen. Doch im Umkehrschluss heißt dies auch:

"Himmel und Erde weinen, wenn die Leute des Glaubens sterben." Denn was die Leute des Glaubens betrifft, so wissen sie um die Aufgaben der Himmel und der Erde und bestätigen diese Tatsache, diese Wahrheit, verstehen im Glauben den Sinn, den diese zum Ausdruck bringen und sagen: "Wie wunderbar sind sie erschaffen und wie wunderbar versehen sie ihren Dienst!" Sie (: die Gläubigen) messen ihnen den Wert und die Würde bei, die ihnen entspricht und erweisen ihnen die Ehre. Um Gott des Gerechten willen lieben die Gläubigen Himmel und Erde und die Namen, die sie widerspiegeln. Und um dieses Geheimnisses willen ist es, als weinten die Himmel und die Erde und trauerten, wenn die Leute des Glaubens dahinwelken und verscheiden.

Eine wichtige Frage:

Sie sagen: "Liebe (muhabbet)ist nicht vom Willen abhängig. Außerdem liebe ich aus dem natürlichen Bedürfnis heraus wohlschmeckende Speisen und Früchte. Ich liebe meinen Vater, meine Mutter und meine Kinder. Ich liebe meine Partnerin, ich liebe meine Freunde und Kollegen. Ich liebe die Gottesgesandten und die Gottesfreunde. Ich liebe mein Leben und meine Jugend. Ich liebe den Frühling, die schönen Dinge und die Welt. Wie könnte ich sie auch nicht lieben? Wie kann ich alle diese verschiedenen Arten der Liebe auf das Wesen und die Eigenschaften und die Namen Gottes des Gerechten anwenden? Was bedeutet das?"

Antwort:

Höre "vier Anmerkungen".

Erste Anmerkung:

Liebe ist zwar nicht vom Willen abhängig, aber durch den Willen kann sich das Gesicht der Liebe von einem Geliebten (mahbub)ab und einem anderen Geliebten zuwenden.

Zum Beispiel:

Wenn sich die Hässlichkeit eines Geliebten zeigt, oder aber es sich zeigt, dass er nur ein Schleier oder Spiegel vor einem anderen Geliebten ist, der eigentlich diese Liebe verdient hätte, kann sich das Gesicht der Liebe von dem metaphorischen Geliebten ab und dem wahren Geliebten zuwenden.

Zweite Anmerkung:

Wir sagen ja nicht, dass du die Dinge, die du aufgezählt hast, nicht lieben sollst. Sondern wir sagen: "Du sollst sie im Namen Gottes des Gerechten und um Seiner Liebe willen lieben.

Zum Beispiel:

Wohlschmeckende Speisen und schöne Früchte als ein Geschenk Gottes des Gerechten und Gabe des barmherzigen Erbarmers (Rahman-i Rahim)

zu lieben, bedeutet die Namen "Der Erbarmer" und "Der Geber (Mun'im)"zu lieben. Und es bedeutet gleichzeitig eine Danksagung. Nur sollte es sich so zeigen, dass diese Liebe nicht um der Begierde (nefs)willen ist, sondern im Namen des Erbarmers, sodass man (sein Geld) im von Gott erlaubten Rahmen verdient, genügsam ist und (sein Brot) mit Verstand (fikr)und mit Dankbarkeit (shukr)verzehrt.

Des Weiteren ist die Hochachtung (hurmet)

vor dem Vater und die Liebe (muhabbet)zur Mutter um der Weisheit (hikmet)und des Erbarmens (rahmet)willen, welche sie mit selbstloser Liebe (shefqat)erfüllt und dich durch ihre barmherzigen (merhamet)Hände versorgt haben, Teil der Liebe (muhabbet)zu Gott dem Gerechten. Das Merkmal dafür, dass diese Liebe, Hochachtung und Zärtlichkeit um Allahs willen ist, ist folgendes: nämlich dass du - wenn sie alt werden und dir überhaupt nicht mehr von Nutzen sein können und dir nur noch Mühsal und Sorgen bereiten - ihnen noch mehr Liebe, Barmherzigkeit und Zärtlichkeit entgegenbringst.

Der Vers:

اِمَّا يَبْلُغَنَّ عِنْدَكَ الْكِبَرَ اَحَدُهُمَآ اَوْ كِلاَهُمَا فَلاَ تَقُلْ لَهُمَآ اُفٍّ

{"Sollte einer von beiden, oder beide, zusammen unter deiner Obhut alt werden, dann sollst du nicht 'Pfui!' zu ihnen sagen." (Sure 17, 23)}

der die Kinder fünffach abgestuft einlädt, (die Eltern) zu lieben und zu achten, zeigt, wie wichtig es in qur'anischer Hinsicht ist, auf die Rechte der Eltern zu achten,

und wie hässlich es ist, sie zu missachten. Da nun ein Vater nur für sein Kind und für keinen anderen wünscht, dass es ihm besser ergehen soll, als ihm selbst, darf ein Kind seinem Vater gegenüber keine Rechte beanspruchen. Zwischen den Eltern und ihrem Kind gibt es daher von Natur aus keinen Anlass zu einem Streit. Denn Streit kommt entweder aus Neid oder aus Eifersucht, was es aber bei einem Vater seinem Sohn gegenüber nicht gibt. Oder ein Streit erwächst aus ungerechtem Handeln und das Kind hat kein Recht, sodass es seinem Vater gegenüber ein Recht beanspruchen könnte. Auch wenn es seinen Vater für ungerecht hält, darf es sich ihm gegenüber nicht empören. Das also heißt, dass derjenige, der sich seinem Vater gegenüber empört und ihn kränkt, ein Scheusal in Menschengestalt ist.

Und die Kinder als Geschenke des barmherzigen, freigiebigen Herrn zu betrachten und so mit vollkommener Zärtlichkeit und Barmherzigkeit zu lieben und zu schützen, geschieht wiederum kraft göttlichen Rechts. Das Merkmal, welches zeigt, dass es hierbei um eine Liebe (muhabbet)

um Gottes des Gerechten willen geht, ist, dass man bei ihrem Tod in Geduld danken und nicht in Verzweiflung wehklagen soll. "Es war Sein liebliches Geschöpf, das mein Schöpfer unter meine Aufsicht gegeben hatte. Es war Sein Besitztum. Jetzt erforderte seine Weisheit, es von mir wegzunehmen und an einen besseren Ort zu bringen. Selbst wenn ich äußerlich gesehen auch einen scheinbaren Anteil an diesem Besitztum gehabt hätte, gehören doch tausend wahre Anteile Seinem Schöpfer. So soll man "Das Urteil liegt bei Gott." (el hukmu lillah)sagen und sich Ihm unterwerfen.

Und was die Freunde und Kollegen betrifft: wenn sie durch den Glauben und ihre guten Taten die Freunde Gottes des Gerechten sind, so ist die Liebe zu ihnen, nach dem Geheimnis "um Allahs willen zu lieben" (el hubbu fillah),

auch ein Teil der Liebe zu Gott den Gerechten.

Des Weiteren sollst du deine Lebenspartnerin als ein zutiefst liebenswertes Geschenk der Barmherzigkeit Gottes lieben und ihr freundschaftliche Zuneigung erweisen. Du sollst aber deine Liebe nicht von ihrer äußerlichen Schönheit, die so schnell vergeht, abhängig machen. Vielmehr ist die überaus reizvolle, sanfte Schönheit einer Frau, ihr guter Charakter ein Ausdruck ihrer weiblichen Anmut und Zärtlichkeit. Und ihre wertvollste und süßeste Schönheit ist ihre hohe, ernsthaft innige, lichtvolle, selbstlose Liebe (shefqat).

Die Schönheit dieser selbstlosen Liebe und ihr guter Charakter setzen sich bis ans Ende ihres Lebens fort und wachsen stetig. Das Recht auf Hochachtung dieses schwachen, anmutigen Geschöpfes wird durch eine derartige Liebe bewahrt. Anderenfalls verliert diese Arme durch den Verfall ihrer äußerlichen Schönheit dieses Recht, in einer Zeit, wo sie es dringend braucht.

Des Weiteren ist die Liebe zu den Gottesgesandten und Gottesfreunden, da sie geschätzte Diener Gottes des Gerechten sind, um Seinetwillen und in Seinem Namen. Sie gehört von diesem Standpunkt aus betrachtet Ihm.

Des Weiteren ist es in gewisser Hinsicht wiederum eine Form der Liebe, das Leben als das wertvollste und das Gut, das uns ein bleibendes Leben gewinnen lässt, ein Kapital, ein Juwel, das Gott dir und allen Menschen gegeben hat, als eine Schatzkammer zu betrachten, die die Anlagen zu einer immerwährenden Vollkommenheit beinhaltet, es zu lieben, es zu schützen und es in den Dienst Gottes des Gerechten zu stellen, eine Liebe, wie sie dem Angebeteten (Ma'bud)

gebührt.

Des Weiteren ist es eine Form der Liebe, in Dankbarkeit und im erlaubten Rahmen, die Anmut und Schönheit der Jugend als ein schönes, feinsinniges und anmutiges Geschenk Gottes des Gerechten zu betrachten, sie zu preisen, zu lieben und von ihr einen guten Gebrauch zu machen.

Des Weiteren den Frühling nachsinnend zu betrachten und zu lieben, als eine Seite der feinen und schönen Ornamente der lichtvollen Namen Gottes des Gerechten und als eine überaus schön geschmückte, glanzvolle Ausstellung der einzigartigen Kunstwerke des allweisen Meisters, heißt, die Namen Gottes des Gerechten zu lieben.

Des Weiteren ist die Liebe zur Welt, als dem Acker für das Jenseits, als einem Spiegel für die Namen Gottes, als Briefe Gottes des Gerechten und als seinem vorübergehendem Gasthaus, ein Ausdruck der Liebe zu Gott dem Gerechten, unter der Bedingung, dass die eigenwillige Seele sich nicht dazwischen mischt.

Zusammenfassung:

Liebe die Welt und die Geschöpfe in ihr in der Art einer Präposition. Liebe sie nicht in der Art eines Objekts. Sage: "Wie schön sind sie geschaffen worden!" Und sage nicht: "Wie schön sie sind!" Erlaube keiner Art und Form der Liebe, das Innere deines Herzens zu betreten. Denn: Das Innere deines Herzens ist der Spiegel des Einzigartigen (Samed)und gehört Ihm allein. Sage

اَللّٰهُمَّ ارْزُقْنَا حُبَّكَ وَحُبَّ مَا يُقَرِّبُنَآ اِلَيْكَ

{"Oh Gott gewähre uns Deine Liebe und die Liebe zu den Dingen, die uns in Deine Nähe ziehen!"}

So gewähren denn all diese Arten der Liebe, so wie sie hier aufgezählt und beschrieben wurden, sowohl eine leidlose Freude, als auch in gewisser Hinsicht eine Vereinigung ohne Ende. Zudem steigern sie noch die Liebe zu Gott. Zudem bleiben sie auch im erlaubten Rahmen. Zudem sind sie eine Form der Dankbarkeit, die ein reines Vergnügen ist. Zudem sind sie auch eine Form der Anschauung (fikr),die reine Liebe ist.

Zum Beispiel:

Angenommen, ein großer König böte dir einen Apfel zum Geschenk an, {(*): Einmal kamen zwei Stammesfürsten in die Gegenwart eines Königs und befanden sich genau in der oben beschriebenen Situation.} so fänden sich bei diesem Apfel zweierlei Arten von Liebe und in ihm zweierlei Arten von Genuss.

Erstens:

Der Apfel wird geschätzt, weil er ein Apfel ist. In ihm findet sich ein Genuss, der dem Apfel zu Eigen ist und der so weit reicht, wie der Apfel selbst. Diese Liebe gilt nicht dem König. Der Mann, der in der Audienz des Königs diesen Apfel zum Mund führt und isst, liebt nicht den König, sondern den Apfel und folgt seiner eigenen (nefs)Liebe. Es geschieht manchmal, dass dem König diese eigensüchtige Liebe nicht gefällt, er sie vielmehr verabscheut. Zudem ist der Genuss des Apfels nur begrenzt. Er ist zudem noch vergänglich. Nachdem man den Apfel gegessen hat, vergeht auch der Genuss. Ein Bedauern bleibt zurück.

Was die zweite Art Liebe betrifft, so gilt sie als königlicher Hulderweis, der in dem Apfel Gestalt annimmt und mit diesem Apfel zum Ausdruck kommt. Der Mann, der diesen Apfel "als Ausdruck, ja als Verkörperung königlicher Huld" an seine Stirn führt, bringt damit seine Verehrung für den König zum Ausdruck. Des Weiteren liegt in dieser Frucht, die die Hülle des Komplimentes ist, ein solcher Genuss, dass er über den Genuss von tausend Äpfeln hinaus geht. Dieser Genuss gilt als gleich mit der Dankbarkeit. Diese Liebe ist eine Liebe voll Respekt gegenüber dem König.

Bringt man aber in gleicher Weise nur den Gaben und Früchten selbst seine Liebe entgegen und genießt in ihnen gottvergessen nur ihren materiellen Genuss, so ist diese Liebe egoistisch (nefs).Diese Genüsse sind aber nur vorübergehend und (deshalb) mit Leid verbunden. Liebt man sie aber als Komplimente Seiner Erbarmung und als Früchte Seiner Güte und genießt sie in dieser Weise in vollkommenem Genuss und weiß dabei diese Güte und Huld zu schätzen, so liegt darin sowohl eine Dankbezeugung und ist zugleich auch ein Genuss ohne Leiden (im Nachhinein).

Dritte Anmerkung:

Die Liebe zu den Namen Gottes des Gerechten äußert sich auf verschiedenen Ebenen. Wie schon oben erklärt wurde, liebt man die Namen Gottes manchmal in der Form einer Liebe zu ihren Werken.

Manchmal liebt man die Namen Gottes auch als Kennzeichen von Gottes Vollkommenheit. Manchmal verlangt der Mensch, der wegen seines vielschichtigen Wesens grenzenlose Bedürfnisse hat, nach Gottes Namen und sehnt sich nach ihnen. Er liebt sie aufgrund seiner Bedürftigkeit.

Zum Beispiel:

Während du in deiner Ohnmacht das Bedürfnis fühlst für alle deine Verwandten und die Armen, für die du ein Mitgefühl verspürst, und für alle Geschöpfe, die schwach und in Not sind, Hilfe zu erbitten, tritt einer hervor, der sich ihnen gegenüber so hilfreich erweist, wie du es dir nur wünschen kannst, wie sehr würdest du dich sicherlich über diesen Herrn mit seinem Titel "Der Geber" und über seinen Namen "Der Freigiebige" freuen und wie sehr würdest du ihn unter dieser Bezeichnung lieben. Genauso denke nur einmal an die Namen Gottes des Gerechten "Der Erbarmer" und "Der Barmherzige", wie sie alle deine gläubigen Väter und Vorfahren, Freunde und Verwandte, die du magst und die du liebst, in dieser Welt mit allen Arten Gaben, im Paradies mit allen Arten Genüssen und in der ewigen Glückseligkeit, in der du sie und sie dich sehen werden, glücklich machen. In dieser Hinsicht kannst du nun ermessen, wie würdig die Namen, "Der Erbarmer" und "Der Barmherzige" sind, geliebt zu werden und in welchem Grade die menschliche Seele (ruh)dieser beiden Namen bedarf. Und du kannst verstehen, wie sehr

اَلْحَمْدُ ِللَّهِ عَلٰى رَحْمٰنِيَّتِهِ وَعَلٰى رَحِيمِيَّتِهِ

{"Aller Dank gebührt Allah für Sein Erbarmen und Seine Barmherzigkeit."}

hier wirklich am Platz sind!

Wenn du also nun gut Acht gibst, so kannst du jetzt verstehen, wie sehr deine Seele (ruh)eines Herrn mit dem Namen "Der Allweise (Hakiem)"und dem Titel "Der Versorger (Murebbi)"bedarf, und wie sehr sie nach Ihm verlangt, der die Welt, an die du gebunden bist und wegen deren Elend du leidest, die ja gewissermaßen dein Haus ist, mit allen Geschöpfen in ihm als deren liebenswürdige Ausstattung und Verzierung, in vollkommener Weisheit ordnet, verwaltet und versorgt.

Wenn du also nun gut Acht gibst, kannst du jetzt auch verstehen, wie sehr deine Seele der Namen - "Der Erbe (Varith)","Der Erschaffer (Ba'ith)"und die Titel "Der Beständige (Baqi)","Der Freigiebige (Kerim)","Der Lebensschenkende (Muhyi)"und "Der Wohltäter (Muhsin)"- eines Herrn bedarf, der alle Menschen, mit denen du verbunden bist und unter deren Verlorenheit du leidest, in ihrem Tode vor der Finsternis des Nichtseins rettet und an einem noch schöneren Ort als dieser Erde wieder ansiedelt. Da also der Mensch hinsichtlich seines Wesens von edlem Charakter ist und seine Natur (fitrat)vielschichtig, bedarf er seinem Wesen entsprechend Tausenden von Arten Bedürfnissen Tausendundeines Namens Gottes und vieler verschiedener Stufen eines jeden einzelnen Namens. Gesteigertes Verlangen ist Sehnsucht. Gesteigerte Sehnsucht ist Liebe (Muhabbet).Gesteigerte Liebe ist Leidenschaft (Ashk).Die Stufen der Liebe entwickeln sich der Vervollkommnung der Seele (ruh)gemäß, entsprechend den Stufen der Gottesnamen. Auch die Liebe zu allen Namen verwandelt sich in die Liebe zum Wesen Gottes, da diese Namen Titel und Erscheinungen des majestätischen Herrn sind.

Nun wollen wir unter Tausendundeinem Namen (Gottes) als Beispiel nur die Namen "der Gerechte" (Adl),"der Richter" (Hakem),"der Wahrhaftige und Gerechte" (Haqq)und "der Barmherzige" (Rahim)und davon nur eine Stufe unter Tausendundeiner Stufe erklären. Es ist dies folgendermaßen: Wenn du betrachten willst, wie die Namen "der Erbarmer", "der Barmherzige" und "der Wahrhaftige und Gerechte" innerhalb der Weisheit und Gerechtigkeit in ihrer überwältigenden Ausdehnung erscheinen, betrachte nun folgendes Gleichnis: Stellen wir uns einmal ein Heer vor, in dem vierhundert verschiedene Völker dienen. Jedem Volk gefällt ein besonderes Kleid, eine besondere Ernährung, jedes Volk will besondere Waffen, die es leicht verwenden kann und braucht besondere Medikamente, die seiner Gesundheit dienen können.

Ohne diese vierhundert Völker alle voneinander zu trennen, ohne sie auf Zug oder Kompaniestärke aufzuteilen, obwohl sie sogar noch untereinander vermischt sind, gibt ein einziger König ohne Gleichen, persönlich ohne Helfer, aus seiner vollkommenen Liebe und Barmherzigkeit und aus seinem außerordentlichen Vermögen und seinem wunderbaren Wissen und seiner Kenntnis und aus seiner außerordentlichen Gerechtigkeit und Weisheit, allen ihre besonderen Kleider, die ihnen entsprechen, Ernährung, Medikamente und Waffen, ohne irgendwelche Verwechslung und ohne irgendein Versäumnis. Du verstehst, was für ein mächtiger, liebevoller, gerechter, freigiebiger König dieser Herr sein muss. Denn, dienen in einem Bataillon Soldaten von zehn verschiedenen Völkern, wird es sehr schwer, sie alle gesondert zu kleiden und auszurüsten. Darum werden sie zwangsläufig, gleich zu welchem Volk sie gehören, doch auf selbe Art ausgerüstet.

Willst du genauso die Erscheinungen der Namen Gottes des Gerechten, "der Wahrhaftige und Gerechte (Haqq)","der Erbarmer und der Barmherzige", in seiner Gerechtigkeit und Weisheit sehen, betrachte Sein großartiges Heer, das aus vierhunderttausend Völkern von Pflanzen und Tieren besteht und dessen Zelte im Frühling auf der Erdoberfläche errichtet werden. Alle haben, jedes für sich, ein besonderes Kleid, eine besondere Nahrung, eine besondere Waffe, eine besondere Lebensart, einen besonderen Auftrag, eine besondere Art der Entlassung aus dem Dienst. Sie haben kein Vermögen, um ihre Bedürfnisse zu sichern, und keine Sprache, um diese Wünsche zu äußern. Betrachte die Namen, "der Wahrhaftige und der Gerechte (Haqq),der Erbarmer (Rahman),der Versorger (Rezzaq),der Barmherzige (Rahim)und der Freigiebige (Kerim)und siehe ihre Ausgewogenheit und Wohlordnung im Umfang ihrer Weisheit und Gerechtigkeit, wie sie versorgen, lenken und leiten,

ohne zu irren, ohne zu vergessen, und ohne etwas zu verwechseln. Könnte etwa ein anderer in einer Angelegenheit, die mit einer so in Erstaunen versetzenden umfassenden Ordnung und Wohlausgewogenheit verrichtet wird, seine Hand im Spiele haben? Wer, außer dem Einzigen, dem Allweisen, dem, der aller Dinge mächtig ist, könnte auch nur seine Hand nach dieser Kunstfertigkeit, dieser Umsicht, dieser Herrschaft, dieser Leitung ausstrecken? Welche Ursache könnte sich da noch einmischen?

Vierte Anmerkung:

Du sagst: Wenn die verschiedene Arten meiner Liebe, also die Liebe für Speisen, zu mir selbst (nefs),zu meiner Lebenspartnerin, zu meinen Eltern, zu meinen Kindern, zu meinen Freunden, zu den Freunden Gesandten Gottes, die Liebe für schöne Dinge, für den Frühling und für die Welt so sind, wie der Qur'an es befiehlt, welche Ergebnisse brächte denn das und wo läge denn da der Nutzen?

Antwort:

Um alle Ergebnisse zu erklären, müsste man ein dickes Buch schreiben. Für hier wollen wir aber nur kurz auf ein, zwei Ergebnisse hinweisen. Zunächst wollen wir die unmittelbaren Folgen (für das Leben) in dieser Welt erklären und anschließend die Ergebnisse, die im Jenseits in Erscheinung treten, erwähnen. Es ist dies wie folgt: Wie schon oben erklärt, haben die Arten der Liebe, wie die der Gottvergessenen und der Weltleute, die Liebe auf eigene (nefs)Rechnung, in dieser Welt viel Unglück, Schmerz und Leid, doch wenig Freude, Genuss und (Seelen)ruhe gebracht. Zum Beispiel wird die selbstlose Liebe (shefqat)in ihrer Ohnmacht zu einem schmerzvollen Unglück (musibet).Liebe (muhabbet)wird in der Trennung zum leidvollen Feuer. Genüsse werden wegen ihrer Vergänglichkeit zu einem giftigen Trank. Was aber das Jenseits betrifft, so werden sie entweder - weil sie nicht für Gott den Gerechten waren - nutzlos oder - wenn sie von unerlaubten Dingen kamen - zur Strafe.

Frage:

Wie kann Liebe zu den Gesandten und Freunden Gottes ohne Gewinn bleiben?

Antwort:

In der gleichen Weise, wie die Liebe der Leute der Dreieinigkeit zu Jesus, mit dem Friede und Segen sei, und der Rafesiten zu Hazret Ali, mit dem Gott zufrieden sein möge, ohne Gewinn bleibt.

Wenn Liebe für all diese Dinge der Lehre des Qur'an entspricht, um Gottes des Gerechten willen und im Namen der Liebe zu dem Erbarmer (Rahman)ist, dann bringt sie gute Ergebnisse sowohl im Diesseits, als auch im Jenseits hervor.

Was aber die Liebe in dieser Welt für geschmackvolle Speisen und schöne Früchte betrifft, so ist sie ein Geschenk ohne Schmerz und ein Genuss, welcher der Dankbarkeit gleich kommt.

Seine eigene Seele (nefs)

zu lieben, heißt, Mitleid mit ihr zu haben, sie zu erziehen und sie von ihren schädlichen Neigungen zurückzuhalten. Dann wird deine Seele dich nicht reiten, dich nicht zum Sklaven ihrer Begierden machen, vielmehr wirst du deiner Seele Zügel anlegen und sie nicht zu Lustbarkeiten verführen, sondern ihr Rechtleitung (huda)geben.

Deine Liebe (muhabbet)

zu deiner Lebenspartnerin wird, da sie nun einmal in ihrer inneren Schönheit begründet ist, dir zu einer Quelle selbstloser Liebe (shefqat)und einem Geschenk des Erbarmers. Wenn du mit deiner Lebenspartnerin in inniger Liebe und Barmherzigkeit umgehst, wird auch sie dir aufrichtig Respekt erweisen und dir ihre Liebe entgegenbringen. Während ihr zusammen alt werdet, wird dieses Verhältnis in eurer Haltung noch wachsen, und du wirst dadurch dein Leben in Glück verbringen. Wenn eure Liebe dagegen auf äußerer Schönheit und Sinnlichkeit (nefs)beruht, wird diese Liebe und werden auch eure guten Beziehungen im Umgang miteinander rasch zu Grunde gehen und verderben.

Deine Liebe zu deinem Vater und deiner Mutter gilt, da sie um Gottes des Gerechten willen besteht, als Gottesdienst und zugleich wird sich mit zunehmenden Alter deine Hochachtung und Liebe zu ihnen noch vermehren. Mit der edelsten Gesinnung und aufrichtigem Eifer wünschst du, dass sie lange leben und betest für ihr Bleiben:

damit "ich vor ihrem Angesicht stets mehr Segen erlangen möge." sagst du dann und küsst in aufrichtiger Hochachtung ihre Hände, woraus dir in deiner Seele (ruh)ein hohes Wohlbefinden erwächst. Wärest du hingegen dir selbst (nefs)und der Welt verfallen, und ihre Existenz würde dir in deinen gemeinen und abscheulichen Empfindungen lästig werden, wenn sie alt geworden sind und jenen Zustand erreicht haben, in dem sie dir zur Last geworden sind, und du wünschtest dann diesen ehrwürdigen Menschen, die ja die Ursache für dein Leben waren, den Tod, so ist dies ein ödes und schmerzvolles Leiden für deine Seele (ruh).

Was aber die Liebe zu deinen Kindern betrifft, so ist diese Liebe für diese liebenswerten und freundlichen Geschöpfe, die Gott der Gerechte deiner Aufsicht und Erziehung als Pfand anvertraut hat, eine glückliche Liebe und ein Geschenk. Weder durch ein Unglück, das sie trifft, leidest du sehr, noch über ihren Tod wirst du verzweifelt wehklagen. Wie oben erwähnt wirst du - weil ihr Schöpfer sowohl allweise als auch allbarmherzig ist - sagen: "Für sie ist dieser Tod eine Glückseligkeit." Was dich selbst betrifft, so denkst du auch an die Barmherzigkeit dessen, der sie dir gegeben hat, und rettest dich so vor dem Schmerz der Trennung.

Was aber deine Liebe zu deinen Freunden betrifft: Da sie nun einmal um Allahs willen ist, wird eure Unterhaltung und eure Bruderschaft nicht durch die Trennung oder gar den Tod behindert. Deshalb wirst du von dieser geistigen Liebe und seelischen (ruh)

Beziehung Nutzen ziehen. Die Freude über euer Zusammensein wird beständig sein. Ist sie nicht um Allahs willen, dann folgt der Freude bei einer eintägigen Zusammenkunft ein Trennungsschmerz von hundert Tagen.

{(*): Eine Sekunde einer Zusammenkunft ist - wenn sie um Gottes willen ist - gleich einem Jahr. Wenn sie für die Welt ist, gleicht ein Jahr nur einer Sekunde.}

Was aber deine Liebe zu den Gesandten und Freunden Gottes betrifft: Da du die Zwischenwelt (berzah)

im Grabe, die den Gottvergessenen wie eine finstere Einöde erscheint, durch die Anwesenheit dieser Erleuchteten als lichterfüllte Wohnstätte erkennst, wird es dir nicht Furcht und Schrecken einflößen, in diese Welt hinüber zu gehen, sondern erweckt im Gegenteil den Wunsch, ja ein Gefühl der Sehnsucht nach ihr und verdirbt dir auch nicht die Freude am irdischen Leben.

Wenn aber andererseits die Liebe von der Art ist, wie die Liebe der Leute der modernen Kultur die berühmten Menschen lieben, so fügt sie deinem leidvollen Leben noch einen zusätzlichen Schmerz hinzu, wenn du an all die vollendeten Menschen denkst, die untergehen und verlöschen und in jenem großen Grabe vermodern, dass man die Vergangenheit nennt. Das heißt, man denkt: "In dieses Grab, in dem selbst die vollendeten vermodern, werde auch ich einmal hinabsteigen", betrachtet den Friedhof mit kummervollen Blicken und seufzt sein "Ach!" und "Weh!". Wer sie jedoch mit den Augen der ersteren betrachtet, der denkt an ihren Aufenthalt in der Zwischenwelt (berzah),die der Wartesaal zur Zukunft ist, wo sie ihren Körper ausgezogen und der Vergangenheit überlassen haben, in vollendeter Ruhe, und den Friedhof als einen anheimelnden Ort.

Was aber deine Liebe für schöne Dinge betrifft, so ist sie, da (diese Dinge) nun einmal nach dem Willen ihres Meisters gestaltet wurden, von der Art zu sagen: "Wie schön sind sie gemacht worden.", gleicht diese Liebe einem süßen Nachsinnen und öffnet zugleich dem Auge deiner alles Gute und Schöne verehrenden Empfindungen einen Weg zu noch höheren, noch heiligeren und tausendfach schöneren Schätzen der Stufen göttlicher Schönheit und lenkt es auf sie. Denn sie schließt von diesen schönen Werken auf die Schönheit der Taten Gottes. Von diesen wird dem Herzen ein Weg geöffnet zu der Schönheit der Namen Gottes, von diesen zu der Schönheit der Eigenschaften Gottes, von diesen zu der beispiellosen Schönheit des majestätischen Herrn.

So ist denn diese Liebe, wenn sie solcher Art ist, sowohl ein Genuss, als auch Dienst und Anbetung und zugleich auch Kontemplation.

Was aber deine Liebe zu deiner Jugend betrifft, so liebst du sie als ein schönes Geschenk (der Gnade, ni'met)

Gottes des Gerechten und gibst sie für Dienst und Anbetung aus, erstickst sie nicht und schlägst sie nicht in Ausschweifungen tot. Unter diesem Aspekt ist der Dienst, die Anbetung, eine bleibende Frucht deiner vergänglichen Jugendzeit. Je älter du wirst, um so mehr wirst du die guten Taten deiner Jugendzeit als ihre beständigen Früchte ernten und dich vor den Schäden und Übertreibungen deiner Jugendzeit bewahren. Außerdem kannst du schon jetzt daran denken, wie es dir einmal in deinem Alter möglich sein wird, Gott noch mehr zu dienen und Ihn anzubeten und dich der göttlichen Barmherzigkeit stets würdiger zu erweisen. Nicht so die Leute der Gottvergessenheit, wenn sie ihre Jugendzeit beweinen und die Genüsse einer fünf bis zehn Jahre währenden Jugendzeit danach fünfzig Jahre lang bedauern und klagen: "Weh mir, dass meine Jugendzeit vorüber ist!" So wie einer von diesen einmal gesagt hat:

لَيْتَ الشَّبَابَ يَعُودُ يَوْمًا فَاُخْبِرَهُ بِمَا فَعَلَ الْمَشِيبُ

Das heißt: "Ach kehrte doch meine Jugendzeit noch einmal zu mir zurück, dann würde ich ihr berichten, welch ein Leid mein Alter über mich gebracht hat!"

Was aber die Liebe für eine Ausstellung von Schmuckstücken, wie den Frühling, betrifft, so erwächst sie aus dem Betrachten der Kunstwerke Gottes. Vergeht der Frühling, verblasst doch nicht der Genuss in seiner Betrachtung. Denn der Frühling ist wie ein vergoldeter Brief, über dessen Botschaft du zu jeder Zeit nachdenken magst. Dein Phantasievermögen und die Zeit, die beide wie ein Film abspulen und in dir die Freude an seiner Betrachtung fortsetzen, erneuern in dir dadurch Botschaft und Schönheit des Frühlings. So wird deine Liebe nicht voll Kummer und Sorgen und nur eine vorübergehende, sondern voll Freude und Genuss sein.

Was aber deine Liebe zur Welt betrifft, so werden dir durch sie die ungeheuren Naturgewalten im Namen Gottes des Gerechten zu liebenswerten Freunden. Da du sie als Acker für das Jenseits liebst, wirst du aus allem ein Kapital, eine Frucht gewinnen, aus der du im Jenseits deinen Nutzen ziehen kannst. Weder können Katastrophen dich in Schrecken (in dieser Welt) versetzen, noch werden ihr Untergang und ihre Vergänglichkeit dich betrüben. In vollkommener Gelassenheit verbringst du die Zeit deines Aufenthaltes in diesem Gasthaus. Anderenfalls, wenn du sie wie die Leute der Gottvergessenheit liebst, so haben wir dir hunderte Male gesagt, dass du in deiner vergeblichen Liebe, verurteilt zu ruheloser, zerstörerischer, erstickender Vergänglichkeit, dahingehen wirst.

So haben wir dir denn von all den erfreulichen Dingen, mit denen du in Liebe verbunden bist (mahbub),jeweils nur den hundertsten Teil gezeigt, insoweit sie in der Art geliebt werden wie der Qur'an uns das lehrt. Wir haben auch auf einen unter hundert Schäden hingewiesen, (die sich einstellen) wenn sie nicht dem Wege folgend (geliebt werden), den der Qur'an uns aufzeigt.

Wenn du also nun hören und verstehen möchtest, was die Ergebnisse dieser verschiedenen Arten von Liebe sind, auf welche die klaren Verse des weisen Qur'ans hinweisen, an diesem ewigen Ort, der Welt des Jenseits, so wollen wir dir hier also nun kurz und bündig die Ergebnisse und ein Hundertstel ihres Gewinnes, welchen legale Arten der Liebe im Jenseits hervorbringen, mit einer "Einleitung" und "Neun Hinweisen" aufzeigen.

Einleitung

Gott der Gerechte hat in der Majestät seiner Göttlichkeit, der Schönheit Seines Erbarmens, der Größe Seiner Herrschaft, Seiner freigiebigen Barmherzigkeit, Seiner gewaltigen Macht, Seiner feinsinnigen Weisheit, den Körper dieses winzig kleinen Menschen mit so vielen Gefühlen

und Empfindungen, mit so vielen Fähigkeiten und Begabungen und mit verschiedenen Sinnen und Organen, mit verschiedenen subtilen, geistigen Anlagen ausgestattet und ausgeschmückt, dass Er durch sie den Menschen mit all seinen vielen, so verschiedenen Anlagen, den grenzenlos vielen Arten Seiner Gaben, Abstufungen Seiner Wohltaten und Ebenen Seines barmherzigen Wirkens verspüren, kennen lernen, verkosten und erkennen lässt. Des Weiteren will Er den Menschen dazu bewegen, dass er die grenzenlos vielen Erscheinungsformen Tausendundeines Namens über seine Fähigkeiten kennen lernt, erwägt und liebt. Und so wie jedes von diesen überaus vielen Sinnen und Organsystemen des Menschen seine eigene Art hat, Gott zu dienen und Ihn anzubeten, so hat jedes auch seine eigenen Freuden und Schmerzen, Aufgaben (vazife)und Belohnungen.

Zum Beispiel betrachtet das Auge die Schönheit in Form und Gestalt und die Arten der wunderschönen Werke der Macht in der Welt, die es hier wahrnimmt. Seine Aufgabe besteht darin, seine Lehren zu ziehen aus dem, was es wahrnimmt und sich seinem Meister gegenüber dafür dankbar zu erweisen. Die Freuden und Leiden, die nur das Auge dabei empfindet, sind bekannt. So ist es nicht nötig, sich ferner darüber auszubreiten.

Ein anderes Beispiel:

Das Ohr nimmt alle die verschiedenen Geräusche, die Töne und Melodien in der Welt unserer Hörempfindungen durch das subtile Erbarmen Gottes des Gerechten wahr. Es hat seine eigene Art von Dienst und Anbetung, seine eigenen Freuden und Genüsse und seine eigene Art der Entlohnung.

Ein anderes Beispiel:

Der Geruchssinn nimmt die Feinheiten des Erbarmens Gottes in der Welt der Gerüche war. Er hat seine eigene Aufgabe zu danken und empfindet darin seinen besonderen Genuss. Und mit Sicherheit erhält er auch seinen Lohn.

Ein anderes Beispiel:

Der Geschmackssinn der Zunge versieht seinen Dienst mit einer überaus differenzierten inneren Dankbarkeit, wenn er den Wohlgeschmack all

der verschiedenen Speisen wahrnimmt. Und so haben denn alle Organe des Menschen, seine großen und bedeutenden Feinheiten wie Herz und Seele, Sinn und Verstand auf diese Weise ihre ganz verschiedenen Aufgaben, ihre Freude und ihren Schmerz.

So wird also nun Gott der Gerechte, der Allweise (Haqq ve Hakiem)in all Seiner Vollkommenheit mit Sicherheit jedem Organ des Menschen, das Er in Seinen Dienst gestellt hat, auch seinen ihm gebührenden Lohn geben. Diese verschiedenen Arten der Liebe, die wie oben erklärt in dieser Welt unmittelbare Ergebnisse haben, kann jeder bewusst empfinden und sie können auch durch seine innere Wahrnehmung bewiesen werden. Was aber die Ergebnisse im Jenseits betrifft, so wird in der zwölften Wahrheit des "Zehnten Wortes" und ganz klar in den sechs Grundsätzen des "Neunundzwanzigsten Wortes" in aller Kürze eindeutig bewiesen, dass es diese dort wirklich und wahrhaftig gibt. Sie werden aber ausführlich und unwiderlegbar bewiesen durch den weisen Qur'an, der

اَصْدَقُ الْكَلاَمِ وَاَبْلَغُ النِّظَامِ كَلاَمُ اللَّهِ الْمَلِكِ الْعَزِيزِ الْعَلاَّمِ

{"Das wahrhaftigste aller Worte, klar und eindeutig in seiner Rede, das Wort Gottes, des Königs, des Allmächtigen, des Allwissenden."}

durch seine ausdrücklichen Erklärungen, Anspielungen, allegorischen Darstellungen und Hinweise, ist.

Es ist also hier nicht mehr notwendig, noch weitere ausführliche Zeugnisse anzuführen. Doch wurden in jedem Fall in dem arabisch verfassten Zweiten Kapitel des "Achtundzwanzigsten Wortes", über das Paradies und im "Neunundzwanzigsten Wort" noch weitere Beweise dafür erbracht.

Erster Hinweis:

Das Ergebnis einer legalen Liebe und der Dankbarkeit für wohlschmeckende Speisen und köstliche Früchte sind nach den klaren Darlegungen des Qur'an dieselben wohlschmeckenden Speisen und guten Früchte im Jenseits, von einer Art wie sie des Paradieses

würdig ist, und eine Liebe, die das Verlangen nach solchen Speisen und Früchten anregt. Sogar das Wort "Elhamdulillah"(Aller Dank gebührt Gott), das du über eine Frucht aussprichst, die du in dieser Welt isst, wird sich als eine Frucht des Paradieses verkörpern und dir dort überreicht werden. Hier isst du also Früchte, drüben "Elhamdulillah"!Da du in der Gabe und in der Speise die Güte (ni'met)Gottes und die Gastfreundschaft des Erbarmers siehst, wird dir jene wohlschmeckende innerliche Dankbarkeit im Paradies in Form einer überaus köstlichen Speise gereicht werden, was aufgrund einer klaren Darlegung eines Hadith, Hinweise des Qur'an und das Erfordernis der Weisheit und Barmherzigkeit feststeht.

Zweiter Hinweis:

In dieser Welt bringt Liebe zu sich selbst (nefs)in ihrer erlaubten Form, das heißt, eine Liebe (muhabbet),die nicht auf den eigenen guten Eigenschaften aufbaut, sondern darauf, seine Fehler zu erkennen, eine Liebe (shefqat),die darauf aufbaut, sich zu vervollkommnen, sich in die Zucht zu nehmen und gute Werke zu vollbringen, als Folge im Paradies alles, was diese Seele (nefs)sich nur wünschen (mahbub)mag und so wie es ihr entspricht. Hat die Seele (nefs)erst einmal in dieser Welt all ihr Sehnen und Verlangen auf den Wegen Gottes des Gerechten gestillt und so ihre Fähigkeiten und ihre Sinne in schönster Weise in Seinen Dienst gestellt, wird ihr der absolut Freigiebige (Kerim)als Frucht ihrer legalen Liebe in dieser Welt, ihres Dienstes und ihrer Anbetung Jungfrauen im Paradies als ihrem beständigen Aufenthalt geben. Er wird sie in siebzig verschiedenen Kleider hüllen, als Beispiele für siebzig verschiedenen Arten des Schmuckes und der Feinheiten des Paradieses. Er wird ihre Körper mit siebzig verschiedenen Arten der Schönheit verzieren, die allen Sinnen der Seele (nefs)schmeicheln und sie zufrieden stellen. Jede von ihnen wird wie die Seele (ruh)eines kleinen Paradieses sein. Dies wird mit sehr vielen Versen ausdrücklich erklärt und bewiesen.

Außerdem führt die Liebe für die Jugendzeit, das heißt für die Kraft der Jugend und sie in dieser Welt für Dienst und Anbetung auszugeben, zu einer ewigen Jugend am Ort Ewiger Glückseligkeit.

Dritter Hinweis:

Wenn man seiner Lebenspartnerin im legalen Rahmen, das heißt aufgrund ihrer anmutigen, selbstlosen Liebe (shefqat),ihres angeborenen guten Charakters, ihrer inneren Schönheit aufrichtige Liebe (muhabbet)entgegen bringt und seine Partnerin vor Verstocktheit und anderen Sünden bewahrt, so bewirkt dies, so wie Gott es versprochen hat, im Jenseits folgendes:

Der absolut Barmherzige (Rahim)wird ihm diese seine Lebenspartnerin mit einer noch lieblicheren Gestalt, ausgestattet mit einem noch prächtigeren Schmuck und einer noch reizvolleren Figur, als die paradiesischen Jungfrauen selbst, als seine Lebensgefährtin am Ort der Ewigen Glückseligkeit geben. Er wird sie ihm zu einer vertrauten, anmutigen und ewigen Gefährtin machen, mit der er sich gemeinsam vergnüglich über vergangene Ereignisse in der Welt unterhält, und vergangene Erlebnisse einander in Erinnerung bringt. Er wird sie ihm zurückgeben, um ihm Geliebte (muhib)und Liebende (mahbub)zugleich zu sein. Und mit Sicherheit wird Er auch tun, was Er versprochen hat.

Vierter Hinweis:

Was das Ergebnis der erlaubten Liebe der Eltern zu ihren Kindern betrifft, so schenkt Gott der Erbarmer, der Barmherzige, wie der Qur'an ausdrücklich mitteilt, einer solch glücklichen Familie, auch wenn die Stellung (maqam)der einzelnen Familienmitglieder im Jenseits unterschiedlich sein möge, reinen Genuss im Umgang (sohbet)miteinander in einer dem Paradies würdigen guten Beziehung, an einem bleibenden Ort zu ewigem Beisammensein. Kinder, die vor ihrem 15. Lebensjahr, d.h. vor ihrer Pubertät, gestorben sind, werden als Kinder des Paradieses, was im Qur'an mit وِلْدَانٌ مُخَلَّدُونَ {"ewige Knaben" (Sure 76, 19)}

ausgedrückt wird, in einer dem Paradies würdigen überaus reich verzierten, lieblichen Erscheinung im Paradies wieder in die Arme ihrer Väter und ihrer Mütter zurückkehren. So stellt Er ihre Eltern (auch weiterhin) in ihren Gefühlen der Liebe zu ihren Kindern zufrieden und Er schenkt ihnen diese Freude, dieses Wohlempfinden für ewig. Denn Kinder, die noch nicht das Alter erreicht haben, in dem sie Verantwortung übernehmen können, werden beständig liebenswerte, hübsche Kinder bleiben. Alle Dinge, die in dieser Welt ein Genuss sind, finden sich im Paradies in ihrer schönsten Form. Dabei dachte man aber, weil das Paradies nicht ein Ort für Zeugung ist, könne es im Paradies die tiefe Süße der Liebe zu den Kindern, d.h. die Freude, Kinder zu lieben und zu liebkosen, nicht geben. Doch findet sich diese Freude auch dort in dieser Weise, und sogar in ihrer schönsten und lieblichsten Form. Hier ist also eine frohe Kunde für diejenigen, deren Kinder noch vor den Reifejahren verstorben sind.

Fünfter Hinweis:

Liebt man in dieser Welt aufrichtige Freunde, nach dem Grundsatz "Liebe um Allahs willen" (el hubbu fillah),so hat das folgendes Ergebnis, wie aufgrund der ausdrücklichen Erklärung des Qur'an feststeht: Sie werden, wie im Qur'an mit dem Wort عَلٰى سُرُرٍ مُتَقَابِلِينَ {"Auf Sesseln einander gegenüber." (Sure 15, 47)} zum Ausdruck kommt, auf Sesseln im Paradies einander gegenüber sitzen und miteinander angenehme, anregende, gute Gespräche führen, alte Erinnerungen miteinander austauschen und sich über ihre Erlebnisse in dieser Welt unterhalten. In dieser Art reinen Liebe und Gemeinschaft (sohbet)werden sie mit ihren Freunden zusammenkommen und ewig beieinander bleiben.

Sechster Hinweis:

Das Ergebnis der Liebe zu den Gesandten und Freunde Gottes, so wie sie den Beschreibungen des Qur'an entspricht, ist folgendes: In der Zwischenwelt (berzah)und am Tage der Auferstehung wird

sie durch die Fürsprache dieser Gesandten und Freunde Gottes (allen) zugute kommen, und (sie werden) von dem so erhabenen Rang (maqam)und Segen aus, der ihnen gebührt, durch diese Liebe (ihren) Rückhalt und Stütze empfangen. In der Tat kann ein einfacher Mann den höchsten Rang (maqam)erreichen, indem er, nach dem Geheimnis اَلْمَرْءُ مَعَ مَنْ اَحَبَّ {"Der Mensch wird mit denen zusammen sein, die er liebt."} einer von ihm geliebten Persönlichkeit hohen Ranges (maqam)nachfolgt.

Siebter Hinweis:

(Den Inbegriff) aller schönen Dinge, den Frühling im erlaubten (Rahmen)zu lieben, das heißt unter dem Blickwinkel des: "Wie schön wurden diese (Dinge) gemacht!" die Schönheit der Werke hinter diesen Arbeiten und ihre gute Ausführung und die Erscheinung der schönen Namen Gottes, die hinter der guten Ausführung dieser Arbeiten liegen und die Erscheinung der Eigenschaften Gottes, die hinter diesen schönen Namen liegen, und so weiter, zu lieben, führt an dem beständigen Aufenthaltsort zu folgendem Ergebnis: Man wird die Erscheinungen der Gottesnamen und Seine Schönheit und die Eigenschaften innerhalb dieser Gottesnamen, im Paradies in tausendfach besserer Qualität betrachten können, als die Kunstwerke, die man hier als schön ansieht. Sogar Imam Rabbani(mit dem Gott zufrieden sein möge) sagte: "Die erlesenen Dinge des Paradieses sind die Abbilder der Erscheinungen der Gottesnamen!" Denke einmal darüber nach!

Achter Hinweis:

Im Jenseits wird sich das Ergebnis einer zutiefst nachdenklichen Liebe zu den beiden schönen Gesichtern dieser Welt, nämlich Acker für das Jenseits und Spiegel der Gottesnamen zu sein, folgendermaßen zeigen: Wir werden ein Paradies erhalten, so groß wie die Welt, jedoch nicht vergänglich wie diese

vergängliche Welt, sondern immerwährend. Des Weiteren werden uns die Gottesnamen, die in dieser Welt nur als schwache Schatten dargestellt wurden, in den Spiegeln dieses Paradieses als überaus prächtig vorgeführt werden. Des Weiteren führt eine Liebe zu dieser Welt unter dem Gesichtspunkt eines Ackers für das Jenseits zu folgendem Ergebnis: die Welt ist ein Pflanzbeet, das heißt: wir werden ein Paradies erhalten, für das (die Welt) nur ein kleines Pflanzbeet ist, das heißt, in dem also gewissermaßen nur Setzlinge heranwachsen. Während also die Organe der Wahrnehmung und die Fähigkeiten des Menschen in dieser Welt kleinen Setzlingen gleichen, werden sie sich im Paradies zu ihrer vollkommensten Gestalt entwickeln, und seine Naturanlagen, die in dieser Welt den Samenkörnern gleichen, werden ihm in Form einer Frucht zurückgegeben, die jegliche Art von Genuss und Vollkommenheit in sich enthält. Das steht nach der klaren Darlegung der Hadithe und entsprechend den Hinweisen des Qur'an fest, so wie dies auch die Barmherzigkeit und Weisheit erfordern.

Auch hat er nun einmal nicht die verwerfliche Liebe zur Welt, die das Haupt (und Anbeginn) aller Fehler ist, sondern ihre beiden Gesichter (Ausrichtungen), die nach den Gottesnamen und dem Jenseits schauen, um der Gottesnamen und des Jenseits willen geliebt und diese (beiden) Ausrichtungen mit seinen Gedanken des Dienstes und der Anbetung gepflegt, als ob er mit seiner ganzen Welt einen Dienst abgehalten und angebetet hätte. Mit Sicherheit ist es ein Erfordernis der Barmherzigkeit und Weisheit, dass er die ganze Welt zum Lohn erhält.

Des Weiteren verlangt die Tatsache, dass er nun einmal in der Liebe zum Jenseits dessen Acker und in der Liebe zu Gott dem Gerechten, den Spiegel Seiner Namen geliebt hat, mit Sicherheit nach einem Geliebten (mahbub)so groß wie die Welt. Und auch das ist ein Paradies so groß wie die ganze Welt (dunya).

Frage:

Was ist der Nutzen eines so großen und leeren Paradieses?

Antwort:

Wenn es zum Beispiel möglich wäre, alle Gegenden der Welt und die meisten Sterne mit der Schnelligkeit deiner Gedanken zu bereisen, könntest du doch sagen: "Die ganze Welt (alem)ist mein." Wenn auch Engel, Menschen und Tiere (deine Welt mit dir) teilen, kann dies deinen Anspruch nicht zunichte machen. So könntest du auch sagen, selbst wenn dieses Paradies bewohnt ist, "Dieses Paradies ist mein." Das Geheimnis einer Hadith von "einem Paradies, das zu durchwandern man fünfhundert Jahre braucht, wie es manchen von den Bewohnern des Paradieses gegeben wird", wurde im "Achtundzwanzigsten Wort" erklärt.

Neunter Hinweis:

Der Glaube und die Liebe zu Gott führen in Übereinstimmung mit den Leuten der geistigen Entdeckungen und der Forscher zu einem Leben im Paradies, in dem eine Stunde nicht Tausend Jahren glücklichen Lebens auf Erden gleichkommt. Und die Betrachtung und Anschauung des majestätischen Herrn, des Besitzers der heiligen und reinen Schönheit und Vollkommenheit von auch nur einer Stunde kommt tausend Jahren eines solchen Lebens im Paradiese nicht gleich.

{(*): Nach der klaren Darlegung des Hadith, "Diese Anschauung liegt so hoch über den anderen Freuden des Paradieses, dass es solche Freuden vergessen lässt. Nachdem sie angeschaut haben, vermehrt sich das Gute und die Schönheit der Leute der Anschauenden dermaßen, dass ihre Angehörigen in ihren Schlössern sie, wenn sie zurückkehren, nur noch mit erhöhter Aufmerksamkeit und großer Mühe wiedererkennen können." So wird im Hadith erwähnt.}

Das steht durch einen sicheren Hadith und die klare Aussage des Qur'an fest. Ein jeder verspürt ganz klar dieses sehnsüchtige Verlangen, eine Persönlichkeit zu sehen, die wegen ihrer Vollkommenheit so berühmt ist wie Hazret Suleyman(Salamon), mit dem Friede, sei und eine Sehnsucht, die danach verlangt, eine Persönlichkeit zu sehen, die mit einer solchen Schönheit ausgezeichnet ist wie Hazret Yusuf(Josef von Ägypten) mit dem Friede sei. Das Paradies, das über aller Schönheit und

Vollkommenheit der Welt tausendmal erhabener, ist mit all seiner Schönheit und Vollkommenheit nur ein Schatten der Schönheit und Vollkommenheit des Herrn. Und so magst du denn, so weit es dir möglich ist, vergleichen, wie so sehr wünschens- und erstrebenswert es wohl sein mag, diesen Herrn zu sehen, wie sehr zu begehren und zu ersehnen es ist, Ihn anzuschauen.

اَللّٰهُمَّ ارْزُقْنَا فِى الدُّنْيَا حُبَّكَ وَحُبَّ مَا يُقَرِّبُنَآ اِلَيْكَ وَاْلاِسْتِقَامَةَ كَمَآ اَمَرْتَ وَفِى اْلاٰخِرَةِ رَحْمَتَكَ وَرُؤْيَتَكَ

{"Oh Gott, gewähre uns in dieser Welt Liebe zu Dir und Liebe zu dem, was uns näher zu Dir zieht, die Rechtleitung, die Du uns befohlen hast, und in der künftigen Welt Dein Erbarmen und Deine Anschauung."}

سُبْحَانَكَ لاَعِلْمَ لَنَآ اِلاَّ مَاعَلَّمْتَنَآ اِنَّكَ اَنْتَ الْعَلِيمُ الْحَكِيمُ

{"Gepriesen seist Du! Wir haben kein Wissen, außer dem, das Du uns gelehrt hast. Denn Du bist der Allwissende, der Allweise." (Sure 2, 32)}

اَللّٰهُمَّ صَلِّ وَسَلِّمْ عَلٰى مَنْ اَرْسَلْتَهُ رَحْمَةً لِلْعَالَمِينَ وَعَلٰٓى اٰلِهِ وَصَحْبِهِٓ اَجْمَعِينَ اٰمِينَ

{"Oh Gott, gib Deinen Segen und Frieden dem, den Du gesandt hast als ein Erbarmen für alle Welt, Seiner Familie und allen seinen Gefährten."}

Anmerkung

Denke nun, am Ende dieses Wortes angelangt, nicht, dass diese so ausführlichen Darlegungen zu lang geraten seien. Sie sind (in Wirklichkeit noch viel zu) kurz, verglichen mit ihrer Bedeutung, und müssten (eigentlich noch viel) länger sein. Wer in allen diesen "Worten (Sözler)"spricht, das bin nicht ich, vielmehr ist es die Wahrheit im Auftrag der qur'anischen Hinweise. Was aber diese Wahrheit betrifft, so sagt sie, was wahr ist und sie sagt es richtig. Wenn ihr hier irgendetwas Falsches bemerkt, so müsst ihr mit Sicherheit wissen, dass sich meine Gedanken unbeabsichtigt eingeschlichen, Verwirrung angerichtet und das Falsche verursacht haben.

Bittgebet

Oh Herr! Wie ein Mann, der an der Pforte eines großen Schlosses klopft, und wenn ihm nicht geöffnet wird, an der Pforte dieses Schlosses klopft und mit der im Schloss vertrauten Stimme einer anderen, angesehenen Person ruft, dass man ihm öffne... Genau so klopfe auch ich in meiner Armseligkeit an der Pforte zum Hof (Dergah)Deiner Barmherzigkeit und rufe mit der Stimme, mit der Bitte, mit dem Gebet Deines geliebten Dieners Uvays el-Qarany in der folgenden Weise. Wie Du Deinen Dergah ihm geöffnet hast, so öffne nun auch mir in Deiner Barmherzigkeit.

اِلٰهِى اَنْتَ رَبِّى وَاَنَا الْعَبْدُ ٭ وَاَنْتَ الْخَالِقُ وَاَنَا الْمَخْلُوقُ

وَاَنْتَ الرَّزَّاقُ وَاَنَا الْمَرْزُوقُ ٭ وَاَنْتَ الْمَالِكُ وَاَنَا الْمَمْلُوكُ

وَاَنْتَ الْعَزِيزُ وَاَنَا الذَّلِيلُ ٭ وَاَنْتَ الْغَنِىُّ وَاَنَا الْفَقِيرُ

وَاَنْتَ الْحَىُّ وَاَنَا الْمَيِّتُ ٭ وَاَنْتَ الْبَاقِى وَاَنَا الْفَانِى

وَاَنْتَ الْكَرِيمُ وَاَنَا اللَّئِيمُ ٭ وَاَنْتَ الْمُحْسِنُ وَاَنَا الْمُسِيئُ

وَاَنْتَ الْغَفُورُ وَاَنَا الْمُذْنِبُ ٭ وَاَنْتَ الْعَظِيمُ وَاَنَا الْحَقِيرُ

وَاَنْتَ الْقَوِىُّ وَاَنَا الضَّعِيفُ ٭ وَاَنْتَ الْمُعْطِى وَاَنَا السَّآئِلُ

وَاَنْتَ اْلاَمِينُ وَاَنَا الْخَآئِفُ ٭ وَاَنْتَ الْجَوَّادُ وَاَنَا الْمِسْكِينُ

وَاَنْتَ الْمُجِيبُ وَاَنَا الدَّاعِى ٭ وَاَنْتَ الشَّافِى وَاَنَا الْمَرِيض

فَاغْفِرْلِى ذُنُوبِى وَتَجَاوَزْ عَنِّى وَاشْفِ اَمْرَاضِى يَا اَللَّهُ يَاكَافِى ٭ يَا رَبُُّ يَا وَافِى ٭ يَا رَحِيمُ يَا شَافِى ٭ يَا كَرِيمُ يَا مُعَافِى ٭ فَاعْفُ عَنِّى مِنْ كُلِّ ذَنْبٍ وَعَافِنِى مِنْ كُلِّ دَآءٍ وَارْضَ عَنِّى اَبدًا بِرَحْمَتِكَ يَآ اَرْحَمَ الرَّاحِمِينَ

{"So sage ich denn, wie auch er gesagt hat: Oh Gott, du bist mein Herr und Erhalter (Rabb) und ich Dein Knecht (abd). Du bist der Schöpfer (Haliq) und ich Dein Geschöpf (mahluq). Du bist der Mächtige (Aziz) und ich der Niedrige (dhelil). Du bist der Reiche (Ghaniyy) und ich der Arme (Fakir). Du bist der Lebendige (Hayy) und ich der Tote. Du bist der Beständige (Baqi) und ich der Vergängliche (fani). Du bist der Großmütige (Kerim) und ich der Elende. Du bist der Gütige (Muhsin) und ich der Rebell. Du bist der Verzeihende (Ghafur) und ich der Sünder. Du bist der Gewaltige (Azim) und ich Erniedrigte. Du bist der Starke (Qaviy) und ich der Schwache. Du bist der Geber und ich Bettler. Du bist der Zuverlässige (Amin) und ich der Furchtsame. Du bist der Freigiebige (Djevvad) und ich der Besitzlose (miskin). Du bist die Antwort (Mudjib) und ich die Frage. Du bist der Heiler (Shafi') und ich der Kranke. Vergib mir meine Sünden! Habe Geduld mit mir! Heile meine Wunden! Oh Allah! Oh Du allem Genügender (Kafi)! Oh Du unser Erhalter (Rabb)! Oh Du, der Du Dein Wort hältst! Oh Erbarmer (Rahim)! Oh unser Heiler (Shafi')! Oh Du Großmütiger (Kerim)! Oh Du, der stets vergibt, bewahrt und erhält! Vergib mir alle meine Verfehlungen! Schenke mir Heilung all meiner Krankheiten! Mögest Du immer mit mir zufrieden sein! Oh Du Barmherzigster aller Barmherzigen!"}

وَاٰخِرُ دَعْوٰيهُمْ اَنِ الْحَمْدُ ِللَّهِ رَبِّ الْعَالَمِينَ

{"Und das Ende ihrer Gebete wird sein: Lobpreis und Dank sei Gott, dem Herrn aller Welten!"}

Dreiunddreißigstes Wort

(besteht aus dreiunddreißig Fenstern)

(in einer Hinsicht der dreiunddreißigste Brief, in einer anderen Hinsicht das dreiunddreißigste Wort)

بِسْمِ اللَّهِ الرَّحْمَنِ الرَّحِيمِ ٭ سَنُرِيهِمْ اٰيَاتِنَا فِى اْلاٰفَاقِ وَفِىٓ اَنْفُسِهِمْ حَتّٰى يَتَبَيَّنَ لَهُمْ اَنَّهُ الْحَقُّ اَوَلَمْ يَكْفِ بِرَبِّكَ اَنَّهُ عَلٰى كُلِّ شَىْءٍ شَهِيدٌ

{"Im Namen Gottes des Allerbarmers, des Allbarmherzigen. Wir werden sie unsere Zeichen (Ayat) sehen lassen in der Welt und in ihnen selbst, damit ihnen klar werde, dass dies die Wahrheit ist. Genügt es denn nicht, dass dein Herr aller Dinge Zeuge (Shehid) ist?" (Sure 41, 53)}

Frage:

Wir möchten gerne eine kurze und bündige Erläuterung, in welcher Hinsicht Mensch und Kosmos, welche die kleine und die große Welt sind, auf das Sein und die Einheit (Vahdaniyet)Gottes, Seine Attribute und die Taten des Herrn verweisen, die beide in dieser Ayah zusammengefasst sind. Denn die Nihilisten haben sich bereits sehr weit vorgewagt. Sie sagen: "Wie lange sollen wir denn noch sagen: وَهُوَ عَلٰى كُلِّ شَىْءٍ قَدِيرٌ {"Er hat die Macht über alle Dinge."} und dabei die Hände in den Schoß legen?"

Antwort:

Alle die dreiunddreißig "Worte", die wir bereits niedergeschrieben haben, sind nur dreiunddreißig Tropfen aus dem Meer dieses Verses und aus jenem Ozean der Wahrheit, der die Fülle ihres Segens ist.

Wenn ihr dort nachschaut, werdet ihr von dort eure Antwort erhalten. Hier wollen wir nur in der Art, wie ein Tropfen aus diesem Meer aufsteigt, auf das folgende hinweisend sagen:

Beispiel:

Da möchte ein wunderbarer Herr ein großes Schloss bauen. Er legt also den Grundstein, setzt die Fundamente in Ordnung und Weisheit und ordnet alles in solcher Weise, dass es in seinen Ergebnissen den zukünftigen Zwecken entspricht. Danach begibt er sich an die Ausgestaltung und Anordnung der einzelnen Wohnräume und unterteilt alles bis in alle Einzelheiten geschickt in verschiedene Räume und Säle. Schließlich verziert er sie mit allerlei Ornamenten und Stuckaturen. Sodann beleuchtet er es mit elektrischen Lampen. Danach bringt er in jedem Stockwerk die neuesten Innovationen an, kümmert sich stets um eine zeitgemäße Einrichtung und ein kunstvolles Design. Zum Schluss stellt er in jeder Wohnung ein Telefon auf, welches diese mit ihm verbindet und eröffnet in ihr ein Fenster, von wo aus man seinen Amtssitz erblicken kann.

In gleicher Art, und da Gott das erhabenste Beispiel gebührt, gilt auch, dass der Meister in Seiner Herrlichkeit (Djelal),der Herrscher in Seiner Weisheit (Hakim-i Hakiem),der gerechte Richter (Adl-i Hakem),der unvergleichliche Schöpfer (Fatir),den wir mit tausendundeinem Seiner Heiligen Namen anrufen, die Erschaffung des Weltenbaumes, dieses kosmischen Schlosses, das diese Welt im großen ist, gewollt hat. Er hat in sechs Tagen die Grundlagen zu diesem Schloss, diesem Baum den Grundzügen seiner Weisheit und den Prinzipien Seines urewigen Wissens gelegt. Danach hat Er das Schloss nach seinen Höhen und Tiefen in Stockwerke eingeteilt, den Baum nach seinen verschiedenen Zweigen und Ästen gegliedert, die Welt nach Gottes Bestimmung und den Grundlagen Seines göttlichen Vorherwissens (qaza ve qader)geordnet und gestaltet. Sodann hat Er alle Seine Geschöpfe nach Klassen und Stämmen eingeteilt und sie nach den Prinzipien Seiner Gnade und Güte gegliedert.

Danach hat Er jedes Ding und alle Welt auf die Seiner Art gemäße Weise, z.B. den Himmel mit Sternen und die Erde mit Blumen verziert, ausgeschmückt und bekleidet. Daraufhin hat Er an allen Orten, wo immer Seine umfassenden Gesetze und allgemeinen Verordnungen gelten, Seine Namen aufscheinen lassen, dass sie über ihnen leuchten. Schließlich sandte Er jedem einzelnen Lebewesen, das unter der Last all dieser Gesetze seufzt und klagt, unter Seinem Namen "Barmherziger Erbarmer (Rahman-i Rahim)",jedem Hilfe in seiner Ihm eigenen Art. So gibt es denn unter all Seinen umfassenden und allgemeinen Gesetzen wiederum besondere Formen der Güte (ihsanat),eigene Arten der Hilfe und spezielle Erscheinungsweisen Seiner Namen, sodass alles jederzeit und in jeder Notlage Ihn um Hilfe bitten und diese von Ihm erwarten kann.

Und weiter hat Er von jeder Wohnstatt, von jedem Stockwerk aus für alle Welt, alle Stämme, alle Klassen, ja für jeden Einzelnen und jedes Ding Fenster geöffnet, hinter denen Er sich Selbst zeigt, d.h. Seine Existenz und Seine Einheit zu erkennen gibt. Er hat in jedem Herzen ein Telefon zurückgelassen. Wir werden nun nicht versuchen, über diese zahllosen Fenster Kunde zu geben, was sicherlich unsere Grenzen überschreiten würde und unsere Fähigkeiten übersteigen müsste. Wir wollen dies der allumfassenden göttlichen Erkenntnis (ilm)überlassen und hier nur kurz und bündig auf die dreiunddreißig Fenster des dreiunddreißigsten Briefes, des dreiunddreißigsten Wortes verweisen, welche die Strahlen (lemeat)der Verse des Qur'an sind. Diese Zahl von dreiunddreißig Fenstern wurde gegeben, um den dreiunddreißig Lobpreisungen (tesbihat)nach dem Gebet zu entsprechen. Ihre Ausdeutung wollen wir den anderen "Worten (Sözler)"überlassen....

Erstes Fenster:

Wir können mit eigenen Augen sehen, dass alles, was da ist, besonders aber alles, was da lebt, verschiedene Bedürfnisse, sehr verschiedene Wünsche hat und es für sie alle ganz unterschiedliche Erfordernisse gibt.

Diese Wünsche, diese Notwendigkeiten, werden ihnen aus unerwarteter, ihren Händen unzugänglicher, ihnen bis dahin nicht gekannter Quelle, im rechten Augenblick, zum passenden Zeitpunkt bereitgestellt und ihnen zu ihrer Hilfe gegeben. Es reicht ja in der Tat ihre Kraft nicht dazu aus, auch nur das kleinste ihrer zahllosen Bedürfnisse zu befriedigen. Sie können ihren Bedarf nicht mit ihren Händen erreichen. Betrachte einmal dich selbst und wie viele Dinge du brauchst, die du dir, gleich dem Vermögen deiner äußeren und den Kräften deiner inneren Sinnesorgane, nicht mit deinen Händen verschaffen und erhalten kannst. Vergleiche auch all die anderen Lebewesen mit dir selbst! So wie sie nun alle, jedes für sich, von der Existenz des Notwendig-Seienden (Vudjud-u Vadjib)Zeugnis ablegen und ein Zeichen Seiner Gegenwart (Vahdet)geben, so weisen auch, wie sie in ihrer Gesamtheit, gleich den Sonnenstrahlen auf die Sonne hinweisen, die oben angeführten Umstände und Verhältnisse den Verstand auf den Notwendig-Seienden (Vadjibu l-Vudjud),den Allein-Gegenwärtigen (Vahid-i Ahad),verborgen hinter einem unsichtbaren Schleier und in ihnen verborgen zugleich auf Seine Namen Freigiebiger (Kerim),Barmherziger (Rahim),Versorger (Murabbi),Lenker und Leiter (Mudebbir)hin.

Oh du unwissender Gottesleugner und gottvergessener Sünder! Womit könntest du diese Tätigkeit (Gottes) erklären, die so voll Weisheit, Umsicht und Barmherzigkeit ist? etwa durch die taube Natur? oder vielleicht durch die blinden Kräfte? oder etwa mit einem unberechenbaren Zufall? Wolltest du sie vielleicht mit den armseligen und leblosen Ursachen erklären?...

Zweites Fenster:

Die Gestalt aller Dinge ist zunächst formlos und sie stehen den unendlich vielen Entwicklungs- und Entfaltungsmöglichkeiten, die ihnen ihr Dasein schenken und ihnen die nur ihnen eigentümlichen Kennzeichen aufprägen erst hilflos und staunend gegenüber. Doch dann wird ihnen urplötzlich ihr ganz persönliches Gesicht verliehen und dieses ist voll Weisheit und überaus wohlgeordnet.

Ein Beispiel dafür ist das Gesicht eines jeden Menschen. Wir finden in diesem kleinen Gesicht Unterscheidungsmerkmale, die es unter allen Söhnen und Töchtern des Menschengeschlechtes hervorheben. In vollendeter Weisheit mit äußerlichen wie innerlichen Gefühlen ausgestattet, trägt ein solches Gesicht Gottes leuchtendes Siegel und beweist so dessen Einheit.

{Ahadiyet, d.h. ein Gesicht ist das Werk seines göttlichen Meisters und kein zufälliges Ergebnis blinder Kräfte. (A.d.Ü.)}

So wie jedes einzelne Gesicht für die Existenz seines Allweisen Meisters Zeugnis ablegt und auf Seine Gegenwart (Vahdet)hinweist, so stellt auch die Gesamtheit aller Gesichter ein solches Siegel dar und offenbart so dem Auge des Verstandes jenen Stempel, der dem Schöpfer (Haliq)aller Dinge zu Eigen ist.

Oh du Gottesleugner, an welche Werkbank glaubst du, diese Siegel, die sich doch in gar keiner Weise nachahmen lassen, dieses strahlende Gesamtsiegel des Einzigartigen verweisen zu können?...

Drittes Fenster:

Das Heer der Tier- und Pflanzenarten auf dem Antlitz der Erde, das aus vierhunderttausend verschiedenen Arten

{(*): Ja es gibt unter diesen Arten einige die in einem einzigen Jahr mehr einzelne Exemplare hervorbringen, als die Anzahl der Menschen, die von Adams Zeiten an bis zum Jüngsten Tage ins Dasein treten...}

besteht, die ganz offensichtlich in vollendeter Ausgewogenheit und Ordnung und doch völlig verschieden versorgt, gestaltet, ausgerüstet, bekleidet, in Dienst gestellt und wieder entlassen werden, ohne dass dabei irgendetwas vergessen oder irgendetwas verwechselt würde, dieses Heer, seine Regierung und seine Organisation tragen dieses Siegel. Es ist ein solches Siegel des Einzig-Allgegenwärtigen (Vahid-i Ahad),strahlend wie die Sonne, dass es keinen Zweifel zulässt. Wer außer dem, der über unermessliche Macht, ein grenzenloses Wissen und über unendliche Weisheit verfügt, dürfte es wagen, sich mit einer so über alle Maßen

wunderbaren Regierung zu befassen? Denn wer nicht über alle diese vielen verschiedenen Arten von Biotopen mit ihrem verwirrenden Reichtum an unterschiedlichen Völkern zu regieren und zu organisieren vermag, der wird nur alles durcheinanderbringen, wollte er sich einmal damit befassen. Denn dem Geheimnis des

فَارْجِعِ الْبَصَرَ هَلْ تَرىٰ مِنْ فُطُورٍ

{"Erblickst du etwa darin einen Riss?" (Sure 67, 3)}

entsprechend gibt es in der Tat kein einziges Zeichen für ein Durcheinander. Das aber bedeutet, dass es keinen Finger gibt, es hervorzubringen.

Viertes Fenster:

Es ist dies die Erhörung der Gebete, die von allen Samenkörnern in der Sprache ihrer naturgegebenen Anlage, von allen Tieren in der Sprache ihrer naturgegebenen Bedürfnisse und überhaupt von allen Notleidenden in der Sprache ihrer eigenen Not gesprochen werden.

So wie also nun jede so ganz offensichtliche Annahme und Erhörung eines dieser unendlich vielen Gebete Notwendigkeit (Vudjub)und Gegenwart (Vahdet)Gottes bezeigen und bezeugen, weisen sie auch alle in ihrer Gesamtheit klar und eindeutig auf einen barmherzigen und freigiebigen Schöpfer (Haliq-i Rahim ve Kerim)hin, der (unsere Gebete) in großem Rahmen erhört, und es lenkt unsere Blicke auf Ihn hin.

Fünftes Fenster:

Wir sehen, wie die Dinge, besonders die belebten und beseelten unter ihnen, plötzlich und unerwartet ins Dasein treten. Diese plötzlich und unerwartet aus einfacher Materie hervortretenden Dinge müssten nun eigentlich ganz einfach, formlos und kunstlos gestaltet sein. Es werden jedoch Kunstgegenstände erschaffen, die viel Geschicklichkeit erfordern, mit Sorgfalt gearbeitete Ornamente, die viel Zeit erfordern, verziert mit einzigartigen Kunstwerken, die viele Werkzeuge erfordern und in einer Art und Weise, die viele Materialien erfordert.

Wie also nun jede einzelne der auf eine so plötzliche und unerwartete Weise entstandenen wunderbaren Kunstwerke und schönen Formen Zeugnis für die Notwendigkeit der Existenz eines allweisen Meisters (Sani-i Hakiem)ablegt und auf die Gegenwart (Vahdet)Seiner Herrschaft (Rububiyet)hinweist, so zeigen sie uns alle in ihrer Gesamtheit in einer besonders glänzenden Weise den Notwendig-Seienden (Vadjibu l-Vudjud),der allmächtig (Qadir)und allweise (Hakiem)ist.

Nun also, oh du verblendeter Gottesleugner! Womit willst du das jetzt noch erklären? etwa mit einer so unberechenbaren, armseligen, unwissenden Natur wie deiner eigenen? Oder willst du etwa in den so grenzenlos maßlosen Fehler verfallen, dem Allheiligen Schöpfer den Namen "Natur" anzuhängen, dich auf die Natur stützend die Wunderwerke Seiner Macht mit einer derartigen Ausrede titulieren, und damit plötzlich eine tausendfach törichte Tat begehen?

Sechstes Fenster:

اِنَّ فِى خَلْقِ السَّمٰوَاتِ وَاْلاَرْضِ وَاخْتِلاَفِ الَّيْلِ وَالنَّهَارِ وَالْفُلْكِ الَّتِى تَجْرِى فِى الْبَحْرِ بِمَا يَنْفَعُ النَّاسَ وَمَآ اَنْزَلَ اللَّهُ مِنَ السَّمَآءِ مِنْ مَآءٍ فَاَحْيَا بِهِ اْلاَرْضَ بَعْدَ مَوْتِهَا وَبَثَّ فِيهَا مِنْ كُلِّ دَآبَّةٍ وَتَصْرِيفِ الرِّيَاحِ وَالسَّحَابِ الْمُسَخَّرِ بَيْنَ السَّمَآءِ وَاْلاَرْضِ َلاٰيَاتٍ لِقَوْمٍ يَعْقِلُونَ

{"Fürwahr, in der Erschaffung der Himmel und der Erde, im Wechsel von Tag und Nacht, in den Schiffen, die mit dem, was den Menschen nützlich ist, über das Meer segeln, in dem Wasser, was Gott vom Himmel herabsendet, um damit die Erde nach ihrem Tode wieder neu zu beleben, in der Ausbreitung jeder Art von Tieren auf ihr, im Wechsel der Winde und Wolken, die zwischen Himmel und Erde ihren Dienst tun, sind Zeichen (Ayat) für ein verständiges Volk." (Sure 2, 164)}

So wie diese Ayah die Gegenwart (Vahdet)Gottes und die Notwendigkeit (Vudjub)Seiner Existenz aufzeigt, so ist sie zugleich ein besonders großes Fenster, das die Erscheinung Seines gewaltigen Namens (ism-i 'adham)aufzeigt.

So ist denn die Zusammenfassung einer Zusammenfassung dieser Ayah folgende:

Alle Welten, die wir auf den erhabenen wie niederen Stufen des Alls vorfinden, zeigen in ganz verschiedenen Sprachen dennoch ein und denselben Zweck, nämlich die Herrschaft (Rububiyet)ein und desselben Allweisen Meisters (Hakiem).So gilt denn einerseits: So wie in den Himmeln (ja sogar nach Aussage der Astronomie) diese so wohlgeordneten Bewegungen zu ebenso großen Zwecken die Existenz (vudjud)und Gegenwart (vahdet)des Allmächtigen in Seiner Herrlichkeit (Qadir-i Dhu l-Djelal)und die Vollkommenheit Seiner Herrschaft (Rububiyet)zeigen, so gilt auch andererseits: Diese so große Ordnung in allem Wandel, wie z.B. in den Jahreszeiten, richtet sich ganz offensichtlich (ja sogar nach dem Zeugnis der Geographie und ihren Aussagen) nach den großen Zielen und zeigt so gleichermaßen die Existenz und Einheit des Allmächtigen in Seiner Herrlichkeit und die Vollkommenheit Seiner Herrschaft.

Wie überdies alle Tiere auf dem Land und im Meer, denen Nahrung in vollkommener Barmherzigkeit gegeben wird und die in vollkommener Weisheit mit verschiedenen Formen bekleidet werden und die in vollkommener Herrschaft mit verschiedenen Empfindungen ausgestattet werden, wie jedes für sich wiederum Zeugnis für die Existenz des Glorreichen Allmächtigen ablegt und auf Seine Gegenwart hinweist und sie zugleich auch in ihrer Gesamtheit in einem überaus weiten Maß die Größe Seiner Gottheit und die Vollkommenheit Seiner Herrschaft zeigen, genauso legen auch die prächtigsten Pflanzen in wohlgeordneten Gärten, die schönsten Blumen, erblüht an diesen Pflanzen, die wohlgestalteten Früchte, hervorgegangen aus diesen Blüten, die Früchte, welche in sich und um sich staunenswerte Muster hervorbringen, sie alle legen einzeln für sich Zeugnis für die Existenz wiederum des einen Allweisen Meisters (Sani-i Hakiem)ab, weisen auf Seine Gegenwart hin und zeigen zugleich auch in ihrer Gesamtheit überaus prächtig die Schönheit Seiner Barmherzigkeit (Djemal-i Rahmet)und die Vollkommenheit (Kemal)Seiner königlichen Herrschaft.

Wie überdies die Tropfen aus den Wolken am Himmel ihren Auftrag zu bedeutenden Zielen und Zwecken haben, wie sie gesandt sind, um Frucht und notwendigen Nutzen zu bringen, wie sie entsprechend ihrer Zahl, Notwendigkeit und Gegenwart wiederum dieses Allweisen Meisters und die Vollkommenheit Seiner Herrschaft zeigen, genauso verweisen auch alle Berge der Erde, die Mineralien und Erze in diesen Bergen, zeigt ihre Vorbereitung und Lagerung mit allen Besonderheiten für die verschiedenen Nutzanwendungen, mächtig wie die Berge, auf die Notwendigkeit und Gegenwart wiederum dieses Allweisen Meisters und die Vollkommenheit Seiner Herrschaft.

Wie überdies in den Wüsten und über die Berge hin winzige Hügelchen, geschmückt mit den verschiedensten Arten prächtiger Blumen, jedes einzelne unter ihnen Zeugnis für die Notwendigkeit des Allweisen Meisters ablegt und auf Seine Gegenwart hinweist und sie zugleich auch in ihrer Gesamtheit die Pracht Seines Königreiches und die Vollkommenheit Seiner Herrschaft zeigen, genauso zeigen auch alle die Blätter an Bäumen und Sträuchern in ihren so unterschiedlichen, wunderschönen Formen, in den ganz verschiedenen Stufen ihrer Entfaltung, die Gräser im ekstatischen Tanz ihrer Bewegungen entsprechend der Zahl aller Blätter und aller Gräser wiederum die Notwendigkeit der Existenz des Allweisen Meisters, Seine Gegenwart und die Vollkommenheit Seiner Herrschaft.

Wie überdies alles, was da wächst, in der Zeit, in der es sich entfaltet, mit staunenswerten Bewegungen, ausgestattet mit den unterschiedlichsten Organen, in der Kybernetik seiner Bewegungen, in seiner Orientierung auf die verschiedensten Arten von Früchten, so wie also jede einzelne Pflanze Zeugnis für die Notwendigkeit Seiner Existenz wiederum ein und desselben Allweisen Meisters ablegt und auf Seine Gegenwart hinweist und sie alle in ihrer Gesamtheit in einem überaus großen Maße auf die

Ausdehnung Seiner Macht und den Umfang Seiner Weisheit, die Schönheit Seiner Kunstwerke und die Vollkommenheit Seiner Herrschaft zeigt, so legen auch alle Tiere, wenn in vollkommener Weisheit der Geist (ruh= die Fähigkeit der Tiere, wahrzunehmen und sich mitzuteilen. - A.d.Ü.) und die Seele (nefs,die Triebnatur) in ihre Leiber eingepflanzt werden, wenn sie in vollkommener Ordnung mit ganz verschiedenen Organen ausgestattet werden, wenn sie in vollkommener Weisheit zu den unterschiedlichsten Diensten ausgesandt werden, Zeugnis für die Notwendige Existenz wiederum des einen Allweisen Meisters ab und weisen auf Seine Gegenwart hin, zahllos wie die Anzahl der Tiere, ja sogar durch ihre Organe und zeigen gleichzeitig auch in ihrer Gesamtheit in überaus glänzender Weise die Schönheit Seiner Barmherzigkeit und die Vollkommenheit Seiner Herrschaft.

Wie überdies alle Herzen (qalb)durch eine Eingebung aus dem Unsichtbaren (ilhamat-i ghaibiyye)und in der menschlichen Intuition durch die Erfahrung von Wissen (ulum)und Wahrheit (haqiqat)wie im Instinkt der Tiere durch Beschaffung alles Lebensnotwendigen, die Existenz eines Herrn und Allerbarmers verspüren lassen und auf Seine Herrschaft hinweisen, so zeigen auch alle äußerlichen wie innerlichen Empfindungen, deren jede einzelne als Schlüssel zu verschiedenen inneren Welten dient und die dem Augenlicht vergleichbar sind, das im Garten des Kosmos (kainat)Blumen des Geistes pflückt (d.h. die Atmosphäre trinkt, die sie verbreiten - A.d.Ü.) wiederum sonnenklar die Notwendigkeit der Existenz, Gegenwart und Einheit dieses Allweisen Meisters, dieses Allwissenden und Allbarmherzigen Schöpfers (Fatir ve Haliq),dieses freigiebigen Versorgers (Rezzaq)und die Vollkommenheit Seiner Herrschaft.

So öffnet sich also aus diesen oben dargestellten zwei mal sechs verschiedenen Fensterscheiben in zwölf verschiedenen Sichtweisen ein einziges, gewaltig großes Fenster: Es zeigt uns im zwölffarbigen Licht der Wahrheit die Einheit und Gegenwart Gottes des Gerechten und die Vollkommenheit Seiner Herrschaft.

Nun also, oh du unglückseliger Gottesleugner! Womit könntest du dieses Fenster, das so breit ist, wie der Erdkreis, ja sogar wie ihre jährliche Bahn, überdecken? Womit könntest du diese Lichtquelle auslöschen, die doch so strahlt wie Sonne? Unter welchem Schleier einer Gottvergessenheit könntest du sie verbergen?...

Siebentes Fenster:

Die Kunstwerke, die über diese Erde ausgestreut sind, in ihrer vollendeten Ordnung, in ihrer vollkommenen Ausgewogenheit, in ihrem prächtigen Schmuck, in der Leichtigkeit, mit der sie erschaffen wurden, in ihrer wechselseitigen Ähnlichkeit, durch die sie ihre Herkunft aus ein und derselben Schöpferhand offenbaren, zeigen sie in einem großen und weiten Rahmen die Notwendigkeit der Existenz eines Allweisen Meisters, die Vollendung Seiner Macht und Seine Gegenwart.

Genauso legen auch die Grundelemente der unbelebten Natur in ihren zahllosen, so ganz und gar unterschiedlichen, wunderbar aufgebauten Zusammensetzungen entsprechend ihrer Zahl wiederum Zeugnis für die Notwendigkeit der Existenz des einen Allweisen Meisters ab, weisen auf Seine Allgegenwart hin und zeigen zugleich in ihrer Gesamtheit in überaus prächtiger Form die Vollkommenheit Seiner Macht und Seiner Gegenwart.

Die Erneuerung, welche man als den Aufbau und Abbau der Zellen bezeichnet, erfolgt aus einer unendlich weitgehenden Vermischung und Vermengung und vollzieht sich in gleicher unendlich weitgehender Sichtung und Siebung.

Zum Beispiel:

Obwohl die Samenkörner und ihre Wurzeln im Erdreich bunt miteinander vermischt sind, treiben sie dennoch jeder für sich unbeirrbar ihren eigenen Halm, bringen Stiele und Stängel hervor, ohne sie miteinander zu verwechseln, treiben darin die Bausteine zu Blättern, Blüten und Früchten empor, ohne sie miteinander zu verwechseln. Nährstoffe gelangen völlig miteinander vermischt in den Körper der Lebewesen, wo sie in vollkommener Weisheit und vollkommener Ausgewogenheit säuberlich voneinander getrennt die einzelnen

Zellen aufbauen und so wiederum die Notwendigkeit der Existenz des einen absoluten Allweisen, des einen absoluten Allwissenden, des einen absoluten Allmächtigen erweisen, die Vollkommenheit Seiner Macht und Seiner Gegenwart.

Die Welt der Atome, die man mit einem endlos großen und weiten Acker vergleichen kann, der in jeder Minute in vollendeter Weisheit immer wieder neu bestellt und wieder abgeerntet wird, um von ihm immer wieder neu eine kosmische Ernte einzubringen, diese armseligen, schwachen, leblosen, unwissenden Atome ihren zahllosen, so wohlgeordneten und durchaus bewussten Aufgaben, erfüllt mit einer solchen Weisheit, verbunden mit einer derartigen Leistungsfähigkeit zuzuführen, zeigt wiederum die Notwendigkeit der Existenz des einen Allmächtigen in Seiner Majestät, des einen Meisters in Seiner Vollkommenheit, die Vollkommenheit Seiner Macht, die Größe Seiner Herrschaft, Seine Allgegenwart und die Vollkommenheit Seiner Herrschaft.

So öffnet sich uns denn auf diesen vier Wegen

{Der Austausch der Kunstwerke im Jahreskreis, der Wechsel im Strom der Naturelemente, der Stoffwechsel im ganzen Körper und in seinen einzelnen Zellen, die chemischen Austauschprozesse zwischen den einzelnen Atomen. (A.d.Ü.)}

ein ganz großes Fenster zur Erkenntnis Gottes (marifetullah)und zeigt unserem Verstand in einem großen Rahmen den einen Allweisen Meister.

Nun also, du Unglückseliger, der du Gott vergessen (ghafiel)hast! Wenn du Ihn auch in der gegenwärtigen Lage noch nicht sehen und erkennen magst, so nimm denn deinen Verstand, reiß ihn aus und wirf ihn von dir! Werde ein Tier und rette dich so!...

Achtes Fenster:

Das Zeugnis aller Propheten (Friede sei mit ihnen!), welche die erleuchteten Geister des Menschengeschlechtes sind, gestützt auf ihre klaren und eindeutigen Wunder (mu'djize),aller Heiligen, welche die

Pole aller erleuchteten Herzen sind, vertraut mit ihren inneren Schauungen (keshf)und Wundern (keramet),aller Gottesgelehrten (asfiya),welche ihren erleuchteten Verstand beherrschen, gestützt auf ihre Erfahrungen, (dieses Zeugnis) für die Notwendigkeit der Existenz (Gottes), die Allgegenwart und die Vollkommenheit der Herrschaft des Einen-Einzigen, des Notwendig-Seienden und Schöpfers aller Dinge, ist ein sehr großes, erleuchtetes Fenster. Es verweist auch jederzeit auf den Sitz Seiner göttlichen Herrschaft.

Oh du armseliger Gottesleugner! Auf wen vertraust du denn, sodass du auf diese nicht hören willst? oder denkst du etwa, dass die Welt in Nacht getaucht wäre, wenn du vor dem hellen Tage deine Augen verschließt?...

Neuntes Fenster:

Der kosmische Gottesdienst und die weltweite Anbetung verweisen uns ganz offensichtlich auf den, welcher in Seiner Vollkommenheit angebetet wird (Ma'bud-u Mutlak).Durch das Zeugnis dieser Menschen, welche in der Welt des Geistes (ruh)und der des Inneren (batin)ein- und ausgegangen sind und mit den Engeln und Geistern Umgang pflegten, steht fest, dass diese Engel und Geister in Hingabe (Gott) ihre Anbetung darbringen und Ihm in Gehorsam dienen. So ist auch bezeugt, dass alles, was da lebt, in vollkommenem Gehorsam Ihm dient und anbetend seine Aufgaben wahrnimmt. So ist weiterhin bezeugt, wie auch die ganze unbelebte Natur, wie z.B. die Elemente der Natur, (Gott) in diesem absoluten Gehorsam dient und Ihn anbetet. So zeigen (Engel und Geister, die belebte und unbelebte Natur) durch ihren Dienst und ihre Anbetung die Notwendigkeit der Existenz des einen in Wahrheit Angebeteten und Seine Allgegenwart. Die wahrhaftige Gotteserkenntnis (marifet)aller Wissenden (arif),die Dankbarkeit einer ganzen Gruppe von dankbaren Leuten, wenn sie ihre Frucht bringt, das gnadenreiche (feyz)Gedenken all derer, die immerwährend Gottes gedenken (dhikr),der gnadenbringende (ni'met)Lobpreis all derer, die Gott loben und preisen (hamid),der mit Beweisen (burhan)belegte Glaube

an den Einen Gott (Tauhid)und die Darstellung Seiner Eigenschaften (vasf)durch die Bekenner Seiner Einheit (muvahhid),die wahrhaftige Liebe (muhabbet ve ashk)aller Gott-Liebenden (muhib),der feste Wille (sadiq irade)und das Verlangen aller Schüler (murid),das ernste Streben und die Bekehrung all derer, die sich Gott hingegeben haben, sie alle diese verschiedenen Gruppen tragen jede für sich die Kraft der Übereinstimmung und allgemeiner Überlieferung (tevatur)und zeigen wiederum die Notwendigkeit der Existenz des einen Angebeteten von Ewigkeit, die Vollkommenheit Seiner Herrschaft und Seiner Gegenwart. Er ist es, der von allen gekannt (Ma'ruf),von allen erwähnt (Medhkur)wird, dem alle danken (Meshkur),den alle loben (Mahmud),der Einzige (Vahid),der von allen geliebt (Mahbub),von allen begehrt (Merghub)wird und der das Ziel (des Lebens und Strebens) aller ist (Maqsud).Auch all die hochgeschätzte Gottesanbetung der vollendeten Menschen (insanu l-kamil)und was ihre geschätzte Anbetung hervorgebracht hat an Segen (feyis),an Gebeten (munadja'at),Erlebnissen (mushahedat)und Schauungen (keshfiyat)zeigt wiederum die Notwendigkeit der Existenz des Einen, der keinen Verfall, des Einzig-Angebeteten (Ma'bud),dessen (Reich) keinen Untergang kennt, Seine Allgegenwart und die Vollkommenheit Seiner Herrschaft.

So siehe denn, wie dieses große Fenster, das in dreifacher Hinsicht strahlend hell erleuchtet ist, sich Seiner Allgegenwart (Vahdaniyet)öffnet.

Zehntes Fenster:

وَ اَنْزَلَ مِنَ السَّمَآءِ مَآءً فَاَخْرَجَ بِهِ مِنَ الثَّمَرَاتِ رِزْقًا لَكُمْ وَسَخَّرَلَكُمُ الْفُلْكَ لِتَجْرِىَ فِى الْبَحْرِ بِاَمْرِهِ وَسَخَّرَلكُمُ اْلاَنْهَارَ ٭ وَسَخَّرَلَكُمُ الشَّمْسَ وَالْقَمَرَ دَآئِبَيْنِ وَسَخَّرَلَكُمُ الَّيْلَ وَالنَّهَارَ ٭ وَاٰتٰيكُمْ مِنْ كُلِّ مَاسَاَلْتُمُوهُ وَاِنْ تَعُدُّوا نِعْمَتَ اللَّهِ لاَ تُحْصُوهَا

{"Er hat Wasser vom Himmel herab gesandt und damit Früchte euch zum Unterhalt hervorgebracht. Er hat Schiffe in euren Dienst gestellt, das Meer zu befahren auf Seinen Befehl und die Flüsse euch zu dienen, und die Sonne, euch zu dienen, und auch den Mond, beide auf ihrer Bahn, und die Nacht euch zu dienen und den Tag. Und Er hat euch von allem gegeben, worum ihr Ihn gebeten habt. Wolltet ihr die Gnadengaben Gottes aufzählen, ihr könntet sie nicht zählen." (Sure 14, 32-34)}

Alles, was da ist im Kosmos, unterstützt sich gegenseitig, steht in einer Art von Dialog miteinander. Das Subsidiaritätsverhältnis aller Geschöpfe untereinander zeigt uns, wie sie alle von der Sorge des Einen und Einzigen gehalten sind, der alle Dinge lenkt und leitet (Murabbi),verwaltet und regiert (Mudebbir),der über alles verfügt und befiehlt (Mutasarrif),des Herrn (Seyyid)in dessen Dienste sie alle gestellt sind. Denn angefangen von der Sonne, die auf Befehl ihres Herrn allen Lebewesen auf Erden zubereitet, wessen sie bedürfen, über dem Mond, der uns zu unserem Kalender dient, bis hin zu Licht, Luft, Wasser und Nahrung, eilen sie alle den Lebewesen zu Hilfe.

Und weiter eilen die Pflanzen den Tieren zu Hilfe. Die Tiere eilen den Menschen zu Hilfe. Ja sogar die einzelnen Organe des Körpers unterstützen sich gegenseitig. Bis schließlich am Ende selbst die Vitalstoffe den Zellen des Körpers zu Hilfe kommen.

So zeigt nach dem Grundsatz der Subsidiarität alles Geschaffene, selbst die tote, starre Materie, in der gegenseitigen Hilfeleistung, dass alles unter dem Gesetz der Freigiebigkeit, dem Grundsatz der Liebe (Shefqat),dem Prinzip der Barmherzigkeit (Rahmet)in großer Weisheit und Freigiebigkeit einander zu Hilfe kommt, einander auf den gegenseitigen Hilferuf antwortet, einander Halt und Stütze bietet und beweist dadurch offensichtlich, dass (alle Schöpfung) Diener und Beamter und zugleich auch ein Kunstwerk des Einen, Einzigen und Alleinigen (Vahid-i Ahad),Einzigartigen und Unvergleichlichen (Ferd-i Samed),Allmächtigen (Qadir-i Mutlak),Allwissenden (Alim-i Mutlak),Allbarmherzigen (Rahim-i Mutlak),des Vollkommen-Freigiebigen (Kerim-i Mutlak)und Einen, der da notwendigerweise sein muss (Vadjibu l-Vudjud),ist.

Nun also denn, oh du armseliger, verlorener Sophistiker! Was hast du nun zu diesem gewaltigen Fenster zu sagen? Meinst du etwa, dass dein "Zufall" all dies zu bewirken vermöchte?...

Elftes Fenster:

اَلاَ بِذِكْرِ اللَّهِ تَطْمَئِنُّ الْقُلُوبُ

{"...und es gibt nur im Gedenken Gottes (dhikru'llah) die Geborgenheit der Herzen." (Sure 13, 28)}

Die Befreiung aller Geister und Herzen von den Leiden und Wirren, die aus Irrtümern entstehen, von den seelischen Schmerzen, die aus der Verwirrung entstehen, ist nur in der Erkenntnis des Einen und Einzigen Schöpfers (Haliq)möglich. Sie finden ihre Ruhe, wenn sie die ganze Schöpfung einem einzigen Meister zuschreiben, Geborgenheit im Gedenken an Gott, den Einen und Einzigen. Denn führt man die zahllosen Geschöpfe nicht auf einen einzigen Herrn zurück (wofür wir im "Zweiundzwanzigsten Wort" sichere Beweise erbracht haben), so müsste man jedes einzelne Ding auf zahllose Ursachen zurückführen. In diesem Falle würde jedoch das Ins-Dasein-treten eines einzigen Dinges so schwierig wie das der gesamten Schöpfung. Denn wer sie auf Gott zurückführt, der führt die zahllosen Dinge auf einen einzigen Herrn (Dhat)zurück.

Führt er sie nicht auf Ihn zurück, dann muss er jedes einzelne Ding auf zahllose Ursachen zurückführen. Dann erreicht aber (die Entstehung) einer einzigen Frucht den Schwierigkeitsgrad (der Entstehung) des ganzen Kosmos, ja würde sogar noch schwieriger als das. Denn bekanntlich entstehen einem einzelnen Soldaten, wollte man ihn unter das Kommando von hundert verschiedenen Leuten stellen, hundert Schwierigkeiten. Unterstellt man dagegen hundert Soldaten unter das Kommando eines einzigen Offiziers, so ist dies ebenso leicht wie die Führung eines einzigen Soldaten. Genauso entsteht aus der Vereinigung ganz verschiedener Ursachen zur Entstehung

eines einzigen Dinges eine hundertfache Schwierigkeit. Die Erschaffung sehr vieler Dinge, führt man sie auf einen einzigen Herrn (Dhat)zurück, wird dagegen hundertmal leicht. So ist denn also das, was von zahllosen Leiden befreit, die aus dem im menschlichen Wesen begründeten Verlangen und Streben nach Wahrheit entstehen, ist allein die Einheit des Schöpfers (Tauhid-i Haliq)und die Erkenntnis Gottes (ma'rifet-i Ilahiye).Da es aber nun im Unglauben (kufr)und in der Abgötterei (shirk)zahllose Schwierigkeiten und Leiden gibt, ist dieser Weg sicherlich absurd und enthält keine Wahrheit (haqiqat).Da es aber nun in der Einheit Gottes (Tauhid)eine unendliche Einfachheit und Leichtigkeit gibt, so wie dies der Leichtigkeit in der Erschaffung aller Dinge, ihrer Vielfalt und all ihrer Kunstwerke entspricht, so ist dieser Weg mit Sicherheit notwendig und wahr.

Wohlan denn, oh du unglückseliger Mensch des Irrwegs! Sieh doch einmal wie finster und leidvoll der Irrweg ist! Willst du denn auf dem Wege gehen, der so mühevoll ist? Siehe doch, wie der Weg des Glaubens und der Einheit dagegen leicht und mühelos ist...ihn schlage ein und befreie dich!...

Zwölftes Fenster:

سَبِّحِ اسْمَ رَبِّكَ اْلاَعْلٰى ٭ اَلَّذِى خَلَقَ فَسَوّٰى ٭ وَالَّذِى قَدَّرَفَهَدٰى

{"Lobpreise den Namen deines hohen Herrn, der geschaffen und gestaltet hat, der Maß und Weg bestimmt hat!" (Sure 86, 1-3)}

Entsprechend dem Geheimnis dieser Ayat wurde allen Dingen Harmonie, Ordnung und eine Form in einer Weisheit gegeben, als wären alle Dinge, besonders aber die Kunstwerke in der belebten Natur einer weisheitsgemäßen Form entstiegen. Und in dieser Form und Harmonie finden sich entsprechend ihren Zielen und Zwecken Umgrenzungen, die in ihrem Verlauf verkrümmt und verwinkelt sind. Es findet sich überdies bei der Veränderung, welche die äußeren Kleider (: Aussehen) und Maße der Dinge im Verlauf ihres Lebens erfahren, in der schrittweisen

Entfaltung des Lebens, wie es wiederum seiner Weisheit und Zweckmäßigkeit entspricht, ein geistig-harmonisches Bild, ein innerer Maßstab, was offensichtlich zeigt, dass diese zahllosen Kunstwerke, deren Aussehen und Form im Rahmen der Bestimmung des Einen Majestätischen Allmächtigen (Qadir-i Dhu l-Djelal),des Einen Vollkommenen Allweisen (Hakiem-i Dhu l-Kemal)angefertigt werden und deren Körper am Werktisch der Macht verfertigt wurden, die Notwendigkeit der Existenz des Herrn (Dhat)zeigen und für Seine Gegenwart und die Vollendung Seiner Macht mit zahllosen Zungen Zeugnis ablegen. Betrachte deinen eigenen Körper und seine Organe und den fruchtbaren Gewinn u nd Nutzen, den du aus ihm aus jenen Stellen (Auge, Ohr, Herz, Magen usw. - A.d.Ü.) ziehst, die (in ihrer äußerlichen Linienführung) verkrümmt und verwinkelt sind! Betrachte die Vollkommenheit der Macht (Qudret),derer sich die Vollkommene Weisheit (Hikmet)bedient!

Dreizehntes Fenster:

وَاِنْ مِنْ شَىْءٍ اِلاَّ يُسَبِّحُ بِحَمْدِهِ

{"Und siehe, nichts ist da unter allen Dingen, das nicht mit Dank Ihn lobpreist!" (Sure 17, 44)}

Entsprechend dem Geheimnis dieser Ayah ruft uns jede Zunge in der ihr eigenen Weise den Schöpfer (Haliq)in Erinnerung und ruft uns zugleich zu Seiner Heiligung (taqdis)auf. Es weist uns in der Tat der Lobpreis (tesbihat),den die ganze Natur unausgesprochen (d.h. durch ihr bloßes Dasein) oder in der (ihr eigenen) Sprache der Natur (d.h. in den Geräuschen der unbelebten und in den Lauten der belebten Natur - A.d.Ü.) darbringt, auf die Existenz des Einen Einzigen Herrn, des Heiligen (Dhat-i Muqaddes)hin. Man kann dieses Zeugnis der Natur (fitrat)nicht zurückweisen. Was diese Beweislage betrifft, so lässt diese, besonders wenn sie von so vielen Seiten herbeigeführt wird, keinen Zweifel zu. Siehe, wie diese

vollendeten Formen allen Daseins, welche zahllose natürliche Zeugnisse beinhalten und mit zahllosen verschiedenen Arten unausgesprochen auf (ihren Schöpfer) hinweisen und sich wie in konzentrischen Kreisen nach einem einzigen Zentrum ausrichten, jede für sich einer Zunge gleich sind! Und in ihrer harmonisch abgestimmten Gestaltung ist jede einzelne (dieser Formen als Ganzes betrachtet) eine Zunge, die (ihren Schöpfer) bezeugt. Auch das Leben (jedes Geschöpfes) in seiner Ganzheit und Vollendung ist wie eine Zunge (und jedes einzelne Geschöpf) ein Lobpreis (tesbih),wofür wir im "Vierundzwanzigsten Wort" sichere Beweise angeführt haben, wie auch dafür, dass alle diese Zungen (die Natur, die Geschöpfe, in ihrer Ganzheit, in ihren Organen, in der Vollendung ihres Lebens - A.d.Ü.) in aller Klarheit ihren Lobpreis (tesbihat),ihr Leben (tahiyyat)und ihr Zeugnis (shehadet)für den Einen Einzigen heiligen Herrn (muqaddes)darbringen. Dies alles aber weist klar wie das Sonnenlicht auf den Einen Herrn, der da notwendiger Weise sein muss, und auf Seine Göttliche Vollkommenheit (Kemal-i Uluhiyet)hin.

Vierzehntes Fenster:

قُلْ مَنْ بِيَدِهِ مَلَكُوتُ كُلِّ شَىْءٍ ٭ وَاِنْ مِنْ شىْءٍ اِلاَّ عِنْدَنَا خَزَآئِنُهُ ٭ مَا مِنْ دَآبَّةٍ اِلاَّ هُوَ آخِذٌ بِنَاصِيَتِهَا ٭ اِنَّ رَبِّى عَلٰى كُلِّ شَىْءٍ حَفِيظٌ

{"Sage: In wessen Hand ruht die Herrschaft (malakut) über alle Dinge?" (Sure 23, 88) "Und siehe, es gibt kein Ding, wovon wir nicht einen Vorrat hätten." (Sure 15, 21) "Es gibt kein Tier, dass Er nicht bei seinem Schopfe hielte." (Sure 11, 56) "Und siehe, mein Herr gibt auf alle Dinge Acht" (Hafiz, Sure 11, 57)}

Entsprechend dem Geheimnis dieser Ayat bedarf alles in jedem Fall und in jedem Zustande des Einen Einzigen Schöpfers in Seiner Majestät (Haliq-i Dhu l-Djelal).Wenn wir die Dinge im All betrachten, so sehen wir in der Tat, dass in einer nicht mehr zu unterbietenden (mutlak)Schwäche eine nicht mehr zu überbietende (mutlak)Stärke sichtbar wird. Und in einer nicht mehr zu unterbietenden (mutlak)Ohnmacht erkennen wir eine nicht mehr zu überbietende (mutlak)Macht.

Zum Beispiel:

Wenn die Pflanzen (im Frühjahr) in ihren Samenkörnern und aus dem Knoten ihres Lebens in ihren Wurzeln (vom Winterschlaf) erwachen und ihren Zauber offenbaren, so wird in ihnen sowohl ein überwältigender (mutlak)Reichtum in einer überwältigenden (mutlak)Armut und Dürre sichtbar (gleich der Armseligkeit der Erde und der Bäume im Winter und der Pracht, dem Vermögen, dem Reichtum im Frühling), als auch eine Spur vollendeten (mutlak)Lebens in der völligen (mutlak)Erstarrung (gleich der Verwandlung toter Materie in belebte Natur), als auch das Erscheinen eines umfassenden Bewusstseins in der völligen (mutlak)Unwissenheit (gleich wie alle Dinge von den Atomen bis hin zu den Sternen in ihren Bewegungen gemäß der Ordnung der Welt, zum Besten (messalih) des Lebens und aller Weisheit entsprechend agieren und sich einem (höheren!) Bewusstsein entsprechend verhalten). So öffnen sich denn mit dieser Stärke in der Schwäche, dieser Macht in der Ohnmacht, diesem Reichtum und Vermögen in aller Armseligkeit, diesem Leben und Bewusstsein in aller Unwissenheit und Erstarrung offensichtlich und zwangsläufig von allen Seiten Fenster zu der Notwendigkeit der Existenz und Gegenwart des einen Herrn (Dhat),des Allmächtigen (Qadir-i Mutlak ve Qaviyy-i Mutlak),Allvermögenden (Ghaniyy-i Mutlak),Allwissenden (Alim-i Mutlak),des Lebendig-Beständigen (Hayy-i Qayyum).So zeigt uns denn (der Kosmos) in seiner Gesamtheit in großem Maßstab eine leuchtende Straße.

Wohlan denn, oh du, der du in deiner Gottvergessenheit in den Sumpf der Natur(philosophie) gefallen bist! Wenn du deine (Natur)philosophie nicht aufgeben und die Allmacht Gottes nicht anerkennen willst, so musst du annehmen, dass jedem Ding, ja sogar jedem Atom eine grenzenlose Macht, Stärke und eine unendliche Weisheit, eine Fähigkeit, ja sogar das Vermögen innewohnt, die meisten Dinge zu sehen, zu wissen, zu lenken und zu leiten.

Fünfzehntes Fenster:

اَلَّذِى اَحْسَنَ كُلَّ شىْءٍ خَلَقَهُ

{"Er hat alles gut gemacht, was Er erschaffen hat." (Sure 32, 6)}

Siehe wie (Gott) dem Geheimnis dieser Ayah entsprechend alle Dinge ihren gottgegebenen Anlagen und Fähigkeiten in vollendeter Ordnung und Ausgewogenheit zugeschnitten und sie in bester, kunstvoller Manier zusammengefügt hat, auf dem einfachsten Wege, in schönster Form, auf die leichteste Art, zugleich auch leicht und einfach im Gebrauch. So betrachte zum Beispiel das Kleid der Vögel und das Spiel ihrer Flügel und wie sie sie zu jeder Zeit leicht bewegen und gebrauchen können! (Gott) hat ihnen auf zweckmäßige Weise ein Dasein gegeben, ohne jede Verschwendung und sie mit einer Gestalt bekleidet, was alles für die Notwendigkeit der Existenz des Einen Allweisen (Hakiem)Meisters (Sani')mit so vielen Zungen Zeugnis ablegt, wie es Formen des Daseins gibt, und auf den Einen Allwissenden (Alim)Allmächtigen (Qadir)hinweist.

Sechzehntes Fenster:

Überall auf dem Erdenrund weisen Ordnung und Regelmaß in der Erschaffung, Lenkung und Leitung der Schöpfung, wie sie sich im Wechsel der Jahreszeiten immer wieder erneuert, ganz offensichtlich auf eine allumfassende Weisheit (hikmet)hin. Da es eine Eigenschaft ohne ihren Träger nicht geben kann, weist sicherlich diese allumfassende Weisheit zwangsläufig auch auf den Allweisen (Hakiem)hin. Und weiter weist die wundervolle Schönheit, hinter der sich (Gottes) Weisheit wie hinter einem Schleier verbirgt, ganz offensichtlich auf eine vollendete Güte (inayet)hin. Und diese vollendete Güte weist zwangsläufig auf den Einen Allgütigen-Freigiebigen Schöpfer (Haliq-i Keriem)hin. Ein alles und jeden umfassender Willkommensgruß in Freundschaft und mit Geschenken, hinter dem sich (Gottes) Güte wie hinter einem Schleier verbirgt, weist ganz offensichtlich auf eine allumfassende Barmherzigkeit (rahmet)hin.

Und diese alles umfassende Barmherzigkeit verweist zwangsläufig auf den Einen Barmherzigen-Erbarmer (Rahman-i Rahim).Der Unterhalt und die Versorgung aller Lebewesen, in einer vollkommenen Weise, wie sie ihnen entspricht und wie sie dieser Versorgung bedürfen, hinter der sich die göttliche Barmherzigkeit wie hinter einem Schleier verbirgt, aber weist offensichtlich auf eine Art göttliche Versorgung hin, die sie zugleich auch schult und ausbildet, und auf Gottes liebevolle (shefqat)Herrschaft. Ihre Ausbildung aber und die göttliche Planung

{idare, die jedem Tier und jeder Pflanze ihren richtigen Platz anweist. (A.d.Ü.)}

verweist zwangsläufig auf den Freigiebigen Versorger (Rezzaq-i Kerim).

Alle Geschöpfe auf dem ganzen Erdenrund, die in vollendeter Weisheit (hikmet)ausgebildet, in vollendeter Güte (inayet)mit dem Schönsten und Besten ausgestattet, in vollendeter Barmherzigkeit (rahmet)beschenkt und freudig empfangen und in vollendeter Liebe (shefqat)versorgt werden, legen in der Tat, insgesamt und jedes einzelne von ihnen, Zeugnis für die Notwendigkeit des Einen Allweisen, Freigiebigen, Barmherzigen, Allnährenden Meisters ab, verweisen auf Seine Gegenwart. So betrachte denn einmal die allumfassende Weisheit (hikmet),die sich überall auf dem Antlitz der Erde zeigt und in allen Geschöpfen sichtbar ist und offensichtlich mit einem zielbewussten Entscheidungswillen einhergeht, die vollkommene Güte (inayet),welche auch die Weisheit mit einschließt und alle Kunstwerke der Schöpfung umspannt, das allumgreifende Erbarmen (rahmet),das Güte und Weisheit mit einschließt und alle Geschöpfe auf Erden umfasst und die ganze Ernährung und Versorgung, welche auch Barmherzigkeit, Weisheit und Güte mit einschließt und die, während sie alle Lebewesen umfasst und doch zugleich überaus freigiebig ist! So wie sich bekanntlich das (weiße) Licht aus sieben Farben zusammensetzt und dieses Licht, welches das Erdenrund erhellt,

ohne Zweifel auf die Sonne hinweist, genauso weist auch die Güte in Weisheit, die Barmherzigkeit in Güte und die Versorgung und Ernährung in Barmherzigkeit, in einer, in großem Maßstab und in hohem Grade glänzenden Weise auf die Gegenwart des Einen Allweisen, Freigiebigen, Barmherzigen Allernährer hin, der da notwendigerweise sein muss, und auf die Vollkommenheit Seiner Herrschaft.

Wohlan denn, oh du Gottesleugner, der du in deiner Verblendung Gott vergessen hast! Wie könntest du das erklären, was wir als eine solche Weisheit, Freigiebigkeit, Barmherzigkeit, Versorgung durch (Gottes) Anleitung und als so einzigartig, so beispiellos und wunderbar vor unseren Augen sehen? etwa mit dem Zufall, der so blind ist wie du und dem es an jeder Voraussicht, Berechenbarkeit und Zuverlässigkeit mangelt? oder mit der Macht des Schicksals, die so blind ist wie dein Herz? oder mit den Kräften der Natur, die so taub und hohl sind wie dein Kopf? oder mit Ursachen, die so geistlos unwissend, tot und hilflos sind wie du? Oder willst du den so unendlich über alles Allmächtigen, Allwissenden, Allhörenden, Allsehenden Herrn in Seiner Majestät (Dhat-i Dhu l-Djelal),der so unendlich rein, heilig, hoch und erhaben ist, als "Natur" bezeichnen, die doch so unendlich schwach, unwissend, taub, blind, armselig und den Umständen unterworfen ist, und damit einen so unendlich großen Fehler begehen? Und mit welcher Kraft könntest du überdies eine solche Wahrheit auslöschen, die wie die Sonne erstrahlt? Unter welchem Schleier einer Gottvergessenheit könntest du sie verstecken?

Siebzehntes Fenster:

اِنَّ فِى السَّمٰوَاتِ وَاْلاَرْضِ َلاٰيَاتٍ لِلْمُؤْمِنِينَ

{"Siehe, in den Himmeln und auf Erden sind Zeichen (Ayat) für die Gläubigen." (Sure 45, 3)}

Wenn wir im Sommer das Antlitz der Erde betrachten, so sehen wir, dass bei der Erschaffung der Dinge, in ihrer grenzenlosen Vielzahl und unbegrenzten Produktivität, die doch Ursache für Ungenauigkeiten sind und Verwirrung hervorrufen müsste, eine so überaus große Logik, Konsequenz und Ordnung sichtbar wird. Dementsprechend betrachte z.B. einmal das Pflanzenkleid, mit dem das Antlitz der Erde geschmückt ist.

Des Weiteren sehen wir auch, wie die bei der Erschaffung der Dinge trotz Höchstgeschwindigkeit, die doch Unausgewogenheit und Verwirrung zur Folge haben müsste, dennoch eine vollendete Harmonie sichtbar wird. Dementsprechend betrachte z.B. einmal alle die Früchte, mit denen das Antlitz der Erde verziert ist.

Des Weiteren sehen wir auch, wie es trotz überwältigender Vielzahl, die doch eine Wertminderung, ja selbst den vollständigen Verlust der Schönheit zur Folge haben müsste, dennoch vollendet schöne Kunstwerke gibt. Dementsprechend betrachte z.B. einmal alle die Blumen, welche das Antlitz der Erde vergolden.

Des Weiteren sehen wir auch, wie in aller Erschaffung, trotz der ungeheuren Leichtigkeit, mit der sie geschieht, und die doch zur Folge haben müsste, dass sie uns als einfach, als primitiv und ohne jeden künstlerischen Wert erschiene, dennoch eine so unendlich große Kunstfertigkeit, Meisterschaft und Sorgfalt sichtbar wird. Dementsprechend schaue z.B. einmal aufmerksam alle die Samenkörner und Kerne an, welche einer Werkzeugkiste für alle Pflanzen auf Erden, Bäume und Sträucher gleichen, einem Dossier, das ihr Programm, die Geschichte ihres Lebens enthält.

Des Weiteren sehen wir auch eine völlige Übereinstimmung miteinander, wo doch Abstand und unendliche Entfernung eigentlich Verschiedenheiten und Divergenzen bewirken müssten. Dementsprechend betrachte z.B. einmal alle die Körner, die an allen vier Enden der Erde ausgesät sind.

Des Weiteren sehen wir auch, wie trotz einer völligen Vermischung, die doch zur Folge haben müsste, dass jedes aufeinander abfärbt und sich alles aufeinander überträgt, dennoch eine vollkommene Auslese und Absonderung sichtbar wird. Dementsprechend betrachte z.B. einmal, wie alle die Körner, die in bunter Mischung unter die Erde fallen und hinsichtlich ihrer materiellen Zusammensetzung doch einander gleichen, zur Erntezeit wieder vollständig voneinander getrennt werden, wie die verschiedenen Nährstoffe, die von den Bäumen aufgenommen werden, sich ganz und gar unterschiedlich auf Blätter, Blüten und Früchte verteilen, wie die verschiedenen Speisen, die in den Magen eingehen, den verschiedenen Zellen und Organen entsprechend voll und ganz ausgesondert und voneinander getrennt werden und erkenne darin die Vollkommenheit göttlicher Allmacht (Qudret)in der Vollkommenheit Seiner göttlichen Weisheit (Hikmet)!

Des Weiteren sehen wir, wie alles, obwohl es in überwältigender Fülle und dabei auch noch unendlich preisgünstig vorhanden ist und man daraus schließen sollte, dass es ohne Wert noch Bedeutung sei, dennoch auf dem ganzen Erdenrund vom handwerklichen wie vom künstlerischen Standpunkt aus in unendlichem Grade wertvoll und von außerordentlich kostbarer Qualität ist. Dementsprechend betrachte z.B. einmal unter all den zahllosen staunenswerten Kunstwerken besonders die verschiedenen Arten von Beeren, welche das Konfekt auf dem Tisch des Erdenrundes göttlicher Erbarmung darstellt! Siehe die Vollkommenheit der Erbarmung, die sich in vollendeter Kunstfertigkeit offenbart!

So legt denn alles auf dem Erdenrund durch seinen grenzenlos niedrigen Preis trotz seiner außerordentlichen Kostbarkeit, in seiner völligen Vermengung und Vermischung bei einem zugleich unendlich niedrigen Preis trotz unendlich hoher Differenzierung und Erlesenheit, in seiner völligen Entsprechung und Ähnlichkeit bei unendlich hoher Differenzierung und Erlesenheit trotz unendlicher Entfernung, in seiner überaus sorgfältigen Gestaltung bei einer vollendeten Leichtigkeit und Einfachheit trotz völliger Entsprechung und Ähnlichkeit, in seiner Harmonie

und Ausgewogenheit in höchstem Grade unter konzentrierter und sparsamster Verwendung aller Mittel und Möglichkeiten bei Höchstgeschwindigkeit und Schnelligkeit trotz überaus sorgfältiger Gestaltung, durch alle die schönen Künste bei aller Vielzahl und Überfluss trotz aller Sparsamkeit der Mittel, durch seine vollkommene Ordnung bei einer unendlichen Freigiebigkeit trotz aller künstlerischen Schönheit... so wie der Tag für das Licht und das Licht für die Sonne Zeugnis für die Notwendigkeit der Existenz des Einen Allmächtigen in Seiner Majestät (Qadir-i Dhu l-Djelal),des Allweisen in Seiner Vollkommenheit (Hakim-i Dhu l-Kemal),des Allbarmherzigen in Seiner Vollendung (Rahim-i Dhu l-Djemal)und für die Vollkommenheit Seiner Macht, die Vollendung Seiner Herrschaft (rububiyet),Seine Allgegenwart (vahdaniyet)und Seine Einheit (ahadiyet)ab. Es zeigt das Geheimnis von:

لَهُ اْلاَسْمَآءُ الْحُسْنٰى

{"Alle schönen Namen sind Sein." (Sure 20, 8).}

Nun also, du armseliger Unwissender, Gottvergessener, Verbohrter Agnostiker (muattil)!Womit willst du nun diese gewaltige Wahrheit deuten? Womit willst du nun diese so unendlich wunderbaren, so über alles großartigen Gegebenheiten (keyfiyet)erklären? Und worauf willst du (die Erklärung) solcher höchst erstaunlichen Kunstwerke stützen? Und was für ein Schleier der Gottvergessenheit sollte das wohl sein, mit dem du dieses große und weltweite (17.) Fenster bedecken und verhüllen willst? Wo bleiben nun deine Zufälle? wo deine "Kollegin Natur", der du alles zuschreibst, auf die du so stolz bist und die doch gar nichts beurteilen und entscheiden kann? wo die Stützpfeiler deines Irrtums? wo bleibt ihr nun, du und diese deine Weggefährtin (die Natur)? Ist es nicht hundertmal unmöglich, dass in diesen Dingen ein Zufall seine Hand mit im Spiel haben könnte? Und wäre es nicht tausendmal unvorstellbar, dass von all diesen wunderbaren Dingen auch nur ein Tausendstel der Natur zugeschrieben werden könnte?

Oder hat etwa diese armselige, blinde Natur in jedem Ding eine unsichtbare Maschine? so viele Maschinen und Druckereien wie es Dinge (in der Natur) gibt, um diese Dinge herzustellen (ihnen Form, Aussehen und Gestalt zu verleihen)?...

Achtzehntes Fenster:

اَوَلَمْ يَنْظُرُوا فِى مَلَكُوتِ السَّمٰوَاتِ وَاْلاَرْضِ

{"Haben sie denn etwa nicht über das Reich (Malakut) der Himmel und der Erden ihre Betrachtungen angestellt?" (Sure 7, 185)}

Betrachte das Gleichnis, das im "Zweiundzwanzigsten Wort" erklärt worden ist: Es weist ja bekanntlich ein vollkommenes, wohlgestaltetes Kunstwerk, wie ein Schloss offensichtlich auf eine vollendet gestaltete Arbeit hin. Das heißt also, dass in einem Gebäude die Baukunst sichtbar wird. Eine vollendet gestaltete Arbeit aber weist wiederum zwangsläufig auf einen genialen Architekten, einen hochtalentierten Konstrukteur, einen vollkommenen Baumeister hin. Und diese Bezeichnung "genialer Architekt, Konstrukteur oder Baumeister" verweist ganz offensichtlich auf eine vollendete Fähigkeit, nämlich die Beherrschung einer Kunst hin. Und diese vollendete Fähigkeit, diese vollendete Kunstbeherrschung weist wiederum ganz offensichtlich auf einen Vorzug, das Dasein einer Qualität hin. Vollkommene Vorzüge aber sind der Beweis für das Dasein eines erhabenen Geistes (ruh)und die Existenz einer hohen Persönlichkeit.

In gleicher Weise zeigen uns auch die sich ständig erneuernden Kunstwerke, von denen die Erde, ja sogar das Weltall erfüllt ist, ganz offensichtlich eine Arbeit, die in höchstem Grade vollendet ist. Und diese Arbeit, die im Bereich einer im höchstem Grade vollendeten Form und Weisheit gestaltet wurde, verweist ganz offensichtlich auf den Träger von vollendeten Eigenschaften und zuhöchst ausgezeichneten Titeln (isim).Denn wie bekannt steht mit Sicherheit fest, dass wohlgestaltete Arbeiten und Werke voll Weisheit ohne ihren Werkmeister nicht sein können.

Und solche zuhöchst ausgezeichnete Titel verweisen auf die in höchstem Grade vollendeten Vorzüge und Qualitäten dieses Werkmeisters. Denn nach den Regeln der (arab.)Grammatik wird das Subjekt (ism-i fail)vom Verbum abgeleitet. So sind auch Qualitäten Quelle und Ursprung der Namen und Bezeichnungen. Und diese zuhöchst ausgezeichneten Qualitäten verweisen zweifelsfrei auf den Urgrund des Wesens (shu'unat-i dhatiye)im äußersten Grade seiner Vollendung. Und dieser zutiefst innerliche Grundzug, dieser Urgrund, diese Vollendung seines Wesens, wie sie sich kaum darstellen lässt, verweist mit wahrhaftiger Gewissheit auf dieses Wesen selbst in der Unendlichkeit Seiner Vollkommenheit.

Da also nun alle Kunstwerke der Welt und alle ihre Geschöpfe, und zwar jedes einzelne von ihnen, ein vollkommenes Werk ist und jedes einzelne von ihnen gleichsam wie ein Prädikat für sein Nomen, das Nomen für sein Subjekt, das Subjekt für die Eigenschaft, die es verkörpert, die Eigenschaft für den Urgrund allen Seins und dieser Urgrund für das Sein selbst Zeugnis ablegt, so legen sie auch entsprechend ihrer Anzahl Zeugnis ab für die Notwendigkeit der Existenz des Meisters und weisen auf Seine Einheit (Ahadiyet)hin, so wie sie auch in ihrer Gesamtheit eine Sprossenleiter (mi'radj)zur Erkenntnis (der Einheit = Tauhid)sind, stark wie die Kette aller Geschöpfe (silsile-i mahlukat),(die in ihrer Zusammengehörigkeit gleichfalls einander zu einer stets größeren Einheit ergänzen. - A.d.Ü.). Sie bilden das aneinander gereihte Zeugnis für die Wahrheit (müteselsil bir bürhan-i haqiqat),das in gar keiner Weise irgendeinen Zweifel mehr offen lässt.

Nun also denn du gottvergessener Leugner! Wie willst du jetzt noch diese Kette der Zeugen zerbrechen, die so stark ist wie das All (silsile-i kainat)!Womit willst du nun dieses (18.) Fenster (groß und hoch wie ein ganzes Gebäude aus Glas - A.d.Ü.) verhüllen, das sich so vielen Strahlen der Wahrheit öffnet, wie es Kunstwerke gibt und aus unendlich vielen einzelnen vergitterten Fenstern

(so viel wie Strahlen einer gewahrten Wahrheit) besteht? Mit welchem Schleier willst du es überdecken, um so Gott zu vergessen?

Neunzehntes Fenster:

تُسَبِّحُ لَهُ السَّمٰوَاتُ السَّبْعُ وَاْلاَرْضُ وَمَنْ فِيهِنَّ وَاِنْ مِنْ شَىْءٍ اِلاَّ يُسَبِّحُ بِحَمْدِهِ

{"Die sieben Himmel und die Erde, und was sie umfassen, lobpreisen Ihn und nichts gibt es, was Ihn nicht in Dankbarkeit lobpreist." (17, 44)}

Entsprechend dem Geheimnis dieser Ayah hat der Meister in Seiner Herrlichkeit (Sani-i Dhu l-Djelal)die Himmelskörper dergestalt mit soviel Sinn und Weisheit versehen, dass die Himmel, geschmückt mit Sonnen, Monden und Sternen wie mit seinen Worten Seine Größe und Herrlichkeit (Djelal ve Djemal)zum Ausdruck bringen und auch alle Erscheinungen in der Himmelsatmosphäre dergestalt mit soviel Sinn, Weisheit und Zweckmäßigkeit versehen, dass Er die Himmelsatmosphäre mit Donner und Blitz, mit Wetterleuchten und Regentropfen gleich ihren Worten sprechen lässt. So erteilt Er in der Vollkommenheit Seiner Weisheit (Kemal-i Hikmet)und in der Herrlichkeit Seiner Erbarmung (Djemal-i Rahmet)Unterricht. Und so wie Er dem All die künstlerische Vollendung Seiner Werke dadurch zeigt, dass Er die Erde mit ihren Tieren und Pflanzen wie mit sinnreichen Worten sprechen lässt, so lässt Er auch die Bäume und alle die anderen Pflanzen, die jedes für sich eines ihrer Worte sind, mit Blättern, Blüten und Früchten wie mit ihren Worten sprechen, wodurch Er wiederum die Vollkommenheit Seiner Kunst (Kemal-i San'at)und die Herrlichkeit Seiner Erbarmung (Djemal-i Rahmet)verkündet. Er lässt auch die Blumen und die Früchte, von denen jede einzelne ein Wort ist, mit Blütenpollen und Samenkernen wie mit Worten sprechen, wodurch Er alle mit Bewusstsein begabten Wesen Seine Mikrokunstwerke und Seine Allherrschaft (Kemal-i Rububiyet)zu wissen lehrt. So wollen wir denn unter den zahllosen Worten der Lobpreisung nun wenigstens einem einzigen Grashalm, auch nur einer einzigen Blume unser Ohr leihen, hören, was sie für uns zum Ausdruck bringt, und erfahren, wie sie Zeugnis gibt.

Es weist in der Tat jede Pflanze auf ihren Meister hin, verkündet Ihn ein jeder Baum mit so vielen Zungen, dass alle Menschen bewundernd vor ihm stehen bleiben, ihn aufmerksam betrachten und durch ihn dazu veranlasst werden "Gepriesen sei Gott! (Subhanallah!)Wie schön ist doch das Zeugnis, das er (von Gott) ablegt!" zu sagen.

Es ist in der Tat der Lobpreis (tesbih)den jede Pflanze mit einem Lächeln wortlos zum Ausdruck bringt, wenn sie ihre Blüten öffnet und ihre Halme sprießen lässt, so schön, klar und deutlich wie sie selbst. Denn durch das Gesetz (nizam),mit dem aus dem schönen Munde jeder Blume, in der prachtvollen Sprache eines jeden Halms, mit allen ihren Worten, die abgewogen wie die Körner und ausgewogen wie Samenkerne sind, zeigt sie uns jene Weisheit (hikmet),die ohne Zweifel in dem Maß (mizan)liegt, das auf die Erkenntnis (ilm)verweist. Was aber dieses Maß betrifft, so findet es sich inmitten jener kunstvollen Ornamente, welche auf eine künstlerische Fähigkeit verweisen. Diese kunstvollen Ornamente aber finden sich in jenen Verzierungen, welche Ausdruck der Gastfreundschaft und Freigiebigkeit (lutuf ve kerem)sind. Diese Verzierungen aber finden sich in jenen Düften, die auf ihre feine Art von Erbarmen und Güte (rahmet ve ihsan)künden. Und diese geistigen Qualitäten, deren jede sich wieder in einer anderen, nächstfolgenden findet, ist Zeugnis in einer solchen Sprache, dass sie sowohl den Meister in Seiner Herrlichkeit (Sani-i Dhu l-Djemal)durch Seine Namen zur Darstellung bringt, als Ihn auch mit Seinen Attributen beschreibt, Ihn auch in der Erscheinung Seiner Namen erklärt und dabei auch zum Ausdruck bringt, wie Er geliebt und erkannt werden möchte.

Wenn du also nun von einer einzigen Blume ein solches Zeugnis hörst und wenn du nun etwa alle Blumen in den Gärten des Herrn hören könntest, die es auf dem ganzen Erdenrund gibt, und wenn du nun hörtest, mit welch hoher Kraft sie die notwendige Existenz des Meisters in Seiner Herrlichkeit (Sani-i Dhu l-Djelal)und Seine Gegenwart (vahdet)verkünden, wie kannst du dann noch bei deinem Zweifel,

deinem Verdacht verharren und Gottes nicht eingedenk sein? Verharrst du aber dennoch darin, wie sollte man dich dennoch einen Menschen nennen und einen, der mit Bewusstsein begabt ist?

Nun aber komm und betrachte einmal aufmerksam einen Baum! Siehe, wie sich im Frühling seine Blätter gleichsam auf einen Wink entfalten, seine Blüten harmonisch öffnen, seine Früchte in Weisheit und Erbarmen heranwachsen und in den Händen der Zweige Kindern gleich mit dem Wehen des Windes spielen und erkenne darin verborgen seinen Mund! Betrachte, wie seine Blätter unter der Hand des Freigiebigen ergrünen und wie er mit ihnen wie mit Zungen spricht, wie er im Blütenschmuck der Güte Gottes lächelt und durch ihn zu uns redet und wie das Lachen seiner Früchte als eine Erscheinung Seiner Barmherzigkeit nach Maßgabe Seiner Gerechtigkeit (adilli mizan)die Weisheit des Gesetzes (hikmetli nizam)zum Ausdruck bringt!

Diese mit so viel Sorgfalt verfertigten Schmuckstücke und Kunstwerke, die in ihrer Ausgewogenheit (mizan)auf ihr (göttliches Lebens)recht verweisen, diese vielen verschiedenen geschmackvollen Kostproben, die in ihrer meisterhaften Ausgestaltung und Verzierung auf die Barmherzigkeit (rahmet)und Güte (ihsan)Gottes hinweisen, alle diese Samenkerne und Körner zeigen als ein Wunder der Macht Gottes mit ihren ganz verschiedenen Wohlgerüchen, ihrem Wohlgeschmack in klarer und deutlicher Weise die Notwendigkeit der Existenz eines allweisen (Hakiem),freigiebigen (Kerim),allbarmherzigen (Rahiem),allgütigen (Muhsin),allschenkenden (Mun'im),alles vollendenden (Mudjemmil),alles erfüllenden (Mufaddil)Meisters (Sani'),Seine Allgegenwart (Vahdet),die Vollendung Seiner Barmherzigkeit (Djemal-i Rahmet)und die Vollkommenheit Seiner Herrschaft (Kemal-i Rububiyet).Wenn du also nun plötzlich hören könntest, was alle die Bäume auf Erden in der ihnen eigenen Sprache sagen, dann würdest du bemerken und könntest verstehen, welch wunderschöne Juwelen es in der Schatzkammer

der Ayah

يُسَبِّحُ ِللَّهِ مَا فِى السَّمٰوَاتِ وَمَافِى اْلاَرْضِ

{"Es lobpreist Gott, was in den Himmeln und auf Erden ist." (Sure 62, 1)}

gibt.

Nun also, oh du unglückseliger Gottvergessener, der du dir in deiner Undankbarkeit vorstellst, dass du dir selbst überlassen wärest! Wolltest du den allein Freigiebigen in Seiner Herrlichkeit (Kerim-i Dhu l-Djemal),der sich dir in so unendlich vielen Zungen kundgeben und von dir erkannt werden will und von dir geliebt werden möchte, nicht zur Kenntnis nehmen, du müsstest all diese Stimmen zum Schweigen bringen. Da man sie aber nun einmal nicht zum Verstummen bringen kann, muss man sie anhören. Verstopfst du dir in deiner Gottvergessenheit die Ohren, kannst du dich dennoch nicht retten, denn obwohl du dir die Ohren verstopft hast, schweigt das All dennoch nicht, die Geschöpfe schweigen nicht, die Stimmen der Zeugen göttlicher Allgegenwart (Vahdaniyet)verstummen nicht. Sie werden dich mit Sicherheit verurteilen...

Zwanzigstes Fenster:

{(*): Die Wahrheit dieses Zwanzigsten Fensters kam einmal in der nachstehenden arabischen Form in mein Herz:

تَلَئْلاُءُ الضِّيَاءِ مِنْ تَنْوِيرِكَ تَشْهِيرِكَ ٭ تَمَوُّجُ اْلاِعْصَارِ مِنْ تَصْرِيفِكَ تَوْظِيفِكَ سُبْحَانَكَ مَا اَعْظَمَ سُلْطَانَكَ ٭ تَفَجُّرُ اْلاَنْهَارِ مِنْ تَدْخِيرِكَ تَسْخِيرِكَ تَزَيُّنُ اْلاَحْجَارِ مِنْ تَدْبِيرِكَ تَصْوِيرِكَ ٭ سُبْحَانَكَ مَا اَبْدَعَ حِكْمَتَكَ تَبَسُّمُ اْلاَزْهَارِ مِنْ تَزْيِينِكَ تَحْسِينِكَ ٭ تَبَرُّجُ اْلاَثْمَارِ مِنْ اِنْعَامِكَ اِكْرَامِكَ سُبْحَانَكَ مَا اَحْسَنَ صَنْعَتَكَ ٭ تَسَجُّعُ اْلاَطْيَارِ مِنْ اِنْطَاقِكَ اِرْفَاقِكَ تَهَزُّجُ اْلاَمْطَارِ مِنْ اِنْزَالِكَ اِفْضَالِكَ ٭ سُبْحَانَكَ مَا اَوْسَعَ رَحْمَتَكَ ٭ تَحَرُّكُ اْلاَقْمَارِ مِنْ تَقْدِيرِكَ تَدْبِيرِكَ تَدْوِيرِكَ تَنْوِيرِكَ ٭ سُبْحَانَكَ مَا اَنْوَرَ بُرْهَانَكَ مَا اَبْهَرَ سُلْطَانَكَ

{(Es erscheint das Licht aus deinem Lichtglanz und verkündet dich. Es wehen die Winde auf Dein Geheiß und dienen Dir. Gepriesen seist Du ob der Größe Deines Königtums! Es entspringen die Ströme aus Deinem Speicher zu Deinem Dienst. Es erhalten die Steine ihren Schmuck in Deinem Walten und Gestalten. Gepriesen seist Du in der Schönheit Deiner Weisheit! Es lächeln die Blumen als eine Zierde und Schönheit durch Dich. Es schmücken sich die Früchte mit Deiner Güte und Freigiebigkeit. Gepriesen seist Du ob der Schönheit Deiner Kunst! Es zwitschern die Vögel gesprächig durch Dich und gesellig in Dir. Es rauscht der Regen, den Du herabgesandt in Deiner Güte. Gepriesen seist Du ob Deines weltweiten Erbarmens! Es kreisen die Monde, wie Du es ihnen bestimmt und sie geheißen hast. So drehen sie sich und leuchten uns. Gepriesen seist Du ob der Klarheit Deiner Beweise und Deines beeindruckenden Königstums)}

فَسُبْحَانَ الَّذِى بِيَدِهِ مَلَكُوتُ كُلِّ شىْءٍ ٭ وَاِنْ مِنْ شَىْءٍ اِلاَّ عِنْدَنَا خَزَآئِنُهُ

وَمَا نُنَزِّلُهُ اِلاَّ بِقَدَرٍ مَعْلُومٍ ٭ وَاَرْسَلْنَا الرِّيَاحَ لَوَاقِحَ فَاَنْزَلْنَا مِنَ السَّمَآءِ مَآءً فَاَسْقَيْنَاكُمُوهُ وَمَآ اَنْتُمْ لَهُ بِخَازِنِينَ

{"Gepriesen seist Du! Erleuchtend sind Deine Zeugnisse und offensJichtlich ist Dein Königtum. Gepriesen sei der, in dessen Händen die Herrschaft (malakut) über alle Dinge ruht." (Sure 36, 83) "Und es gibt kein Ding, wovon Wir nicht einen Vorrat hätten. Davon senden Wir nur nach festgesetztem Maß. Und wir schicken die trächtigen Wolken und senden das Wasser vom Himmel herab als einen Segen, geben euch davon zu trinken. Nicht ihr seid dazu im Stande, es zu speichern." (Sure 15, 21-22)}

So wie man in all den kleinen Dingen, in allem, was Sinn und Zweck hat und überhaupt in jedem Einzelexemplar die vollkommene Weisheit (Kemal-i Hikmet)und ihre künstlerische Schönheit (Djemal)erkennt, so nehmen auch die Elemente ihrer Gesamtheit, obwohl man sie für rein zufällig und völlig ungeordnet halten könnte, ja selbst diese riesigen (Himmels)körper, die uns so ungeschlacht und ungestaltet erscheinen, eine Form an, die kunstvoll und in Weisheit gestaltet wurde.

So zeigt uns denn die Sonne die Weisheit, mit der sie in Dienst gestellt wurde und ihre Strahlen lassen mit der Erlaubnis ihres Herrn überall auf der Erde die göttlichen Kunstwerke sichtbar werden und geben von ihnen Kunde. Das heißt aber, dass sie durch den einen allweisen (Hakiem)Meister eingesetzt ist. Dieser zeigt Seine wertvollen Kunstwerke auf dem Marktstand Seiner Ausstellung, welche die Welt ist.

Betrachte jetzt die Winde, wie sie neben ihrem Zeugnis, das sie durch Auftrag (vasifa)und Nutzen (faida)in Weisheit und Freigiebigkeit erbringen, noch zu vielen anderen

überaus wichtigen und zahlreichen Aufgaben eilen. Das heißt, dass ihr Wehen ein Dienst, ein Auftrag ist, wodurch der allweise Meister über sie verfügt. Dieses Brausen aber bedeutet, dass sie sich eilends darum bemühen, rasch den Befehl ihres Herrn durchzuführen.

Betrachte jetzt die Quellen, Bäche, Flüsse, Ströme... Es ist kein Zufall, dass sie aus den Bergen und Felsen hervorsprudeln. Denn durch ihr Zeugnis als Frucht und Nutzen als Werk der Barmherzigkeit und mit ihr verbunden und als ein Ausdruck eines Speichers nach Maßgabe (mizan)der Not und als ein Beweis für das Maß an Weisheit (mizan-i hikmet)nach dem sie ausgesandt sind, zeigen sie, dass sie von dem einen Allweisen Herrn (Rabb-i Hakiem)aufbewahrt und wieder in Dienst gestellt werden. Indem sie aber nun so hervorsprudeln, sind sie zugleich auch ein Beispiel für die Begeisterung, zu der ihnen Sein Befehl geworden ist.

Betrachte jetzt die Steine und Edelsteine, die Erze und alle die verschiedenen Arten von Mineralien in der Erde! Die Schönheit der einen und die praktischen Verwendungsmöglichkeiten der anderen sind das Werk des einen Allweisen Meisters (Sani-i Hakiem),der ihnen ihre Schönheit verleiht, sie formt und gestaltet und der sie hütet. Darin zeigt sich uns der mit ihnen in Weisheit verbundene Nutzen und die Art, wie sie im Dienste des Lebens, für die Erfordernisse der Menschen und die Bedürfnisse der Tiere bereit gehalten sind.

Betrachte jetzt die Blumen und Früchte! Ihr Lächeln, ihr Geschmack, ihre Schönheit und Harmonie und ihr Duft sind ihnen gegeben, um auf dem Tisch des einen Freigiebigen Meisters (Sani-i Kerim)und Allbarmherzigen Gastgebers (Mun'im-i Rahim)Seine Visiten-, Einladungs- und Speisekarte zu sein. Jeder Art wurde Farbe, Geruch und Geschmack in Verschiedenheit gegeben, um so in jeweils unterschiedlicher Weise einer Vorstellung und Aufforderung zu dienen.

Betrachte jetzt die Vögel! Sie singen und zwitschern auf Geheiß des einen Allweisen Meisters, der sie Sprache und Gesang gelehrt hat, wofür ein sicherer Beweis ist, wie sie einander auf eine Art, die unsere Bewunderung erregt, mit ihren Stimmen ihre Seelenlage mitteilen und sich so all ihr Tun und Leben verdeutlichen.

Betrachte jetzt die Wolken! Das Rauschen des Regens ist kein Geräusch ohne jeden Sinn und ein Gewitter mit Blitz und Donner kein leeres Getöse. Dafür finden wir einen sicheren Beweis darin, wie derartige bemerkenswerte Phänomene hoch droben im leeren Luftraum zu Stande gebracht werden, wie dem Gewölk das Wasser des Lebens entmolken wird, wie die Not und Bedürftigkeit aller Lebewesen auf dem ganzen Erdenrund gestillt wird. Das alles zeigt, dass dieses Rauschen und Tosen voll tiefem Sinn ist und mit einer großen Weisheit erfüllt. Es ruft auf den Befehl seines freigiebigen Herrn (Rabb-i Kerim)allen Bedürftigen zu: "Wir kommen mit einer frohen Botschaft für euch!..." Dies ist der Sinn, den sie so zum Ausdruck bringen.

Betrachte jetzt den Himmel! Wende dabei unter all den zahllosen Himmelskörpern allein dem Mond deine Aufmerksamkeit zu! Seine Bewegung ist so bedeutungsvoll und so viel Weisheit liegt in ihr, mit ihm verbunden und an die Erde geknüpft, und dies alles geschieht auf Befehl des Allmächtigen-Weisen (Qadir-i Hakiem),was wir jedoch an anderer Stelle schon einmal erklärt haben und weshalb wir uns hier kurz fassen können.

Siehe, so öffnet sich uns denn hier, vom Licht bis hin zum Mond mit all den oben aufgezählten Dingen das (20.) Fenster in außerordentlich breiter Weise und großem Rahmen. Das alles weist auf die Notwendigkeit der Existenz des Einen Allgegenwärtigen (Vahdet),Seine Allmacht (Kemal-i Qudret)und die Größe Seines Reiches (Azamet-i Saltanat)hin und verkündet Ihn.

Wohlan denn, oh du Gottvergessener! Wenn du all diese vielen Stimmen gleich einem gewaltigen Donnergrollen zum Verstummen zu bringen vermagst, wenn du dieses Licht, dass so hell strahlt wie der Sonnenschein, auszulöschen vermagst, dann magst du auch Gottes

vergessen! Anderenfalls besinne dich und sage:

سُبْحَانَ مَنْ تُسَبِّحُ لَهُ السَّمٰوَاتُ السَّبْعُ وَاْلاَرْضُ وَمَنْ فِيهِنَّ

{"Die sieben Himmel und die Erde, und was sie umfassen, lobpreisen Ihn und nichts gibt es, was Ihn nicht in Dankbarkeit lobpreist." (Sure 17, 44)}

Einundzwanzigstes Fenster:

وَالشَّمْسُ تَجْرِى لِمُسْتَقَرٍّ لَهَا ذٰلِكَ تَقْدِيرُ الْعَزِيزِ الْعَلِيمِ

{"Und die Sonne läuft ihre Bahn. So hat es der Allmächtige (Aziz), der Allwissende (Alim) bestimmt." (Sure 36, 38)}

Unsere Sonne, diese Leuchte im All, ist ein Fenster, durch das wir die Existenz und Einheit (Vahdaniyet)des Meisters über das All erkennen können, so hell und klar wie die Sonne selbst. Es besteht ja das, was wir unser Sonnensystem nennen, zusammen mit unserer Erde aus zwölf Planeten. Obwohl der Unterschied zwischen ihren Massen hinsichtlich ihrer Größe oder Kleinheit, ihrer Abstände, hinsichtlich ihrer Entfernung oder Nähe (zu uns), ihrer Geschwindigkeit höchst unterschiedlich ist, zeigen sie doch eine vollkommene Ordnung und Weisheit, eine vollendete Ausgewogenheit (mizan).Sie vollführen ihre Bewegungen auf ihren Bahnen, ohne auch nur eine einzige Sekunde darin abzuweichen. Sie sind durch ein göttliches Gesetz, welches wir das Gesetz der Anziehung nennen, an die Sonne gebunden, d.h. sie folgen ihr als ihrem Imam (Vorbeter und Vorbild im Glauben). So weisen sie im großen und weiten Rahmen auf die gewaltige göttliche Macht und die Allgegenwart des Herrn hin. Vergleiche also nun, in welchem Grade hier die Allmacht Gottes (Qudret)und Seine Weisheit sichtbar wird, welche die unbelebten Himmelskörper, diese riesigen, dennoch ohnmächtigen Massen mit einer so grenzenlosen Ordnung und weisheitsvollen Ausgewogenheit in verschiedenen Formen, in verschiedenen Entfernungen und in verschiedenen Bahnen kreisen lässt und sie sich so dienstbar macht. Wenn sich in dieses große und schwere

Werk auch nur ein ganz kleines Fünkchen von einem Zufall einschliche, gäbe das eine solche Explosion, dass es das All zersprengen müsste. Denn stünde die Welt zufällig auch nur für eine Minute still, wäre dies die Ursache dafür, dass die Erde aus ihrer Bahn geschleudert würde und sich der Weg zu einem Zusammenstoß mit fremden (Welten) öffnete. Stell dir also nun einmal vor, wie fürchterlich der Zusammenstoß zweier riesiger Himmelskörper, die tausendmal größer als die Erde sind, sein könnte.

Wir wollen nun das Sonnensystem, d.h. die Merkwürdigkeiten der zwölf Planeten, die zu der Gemeinschaft der Sonne gehören und die Früchte (an ihrem Baume) sind, dem allumfassenden göttlichen Wissen (ilm)überlassen und allein die Erde betrachten, welche der Planet ist, den wir direkt in Augenschein nehmen können. Wir sehen dann, wie unser Planet auf Befehl des Herrn zu wichtigem Dienst (was wir bereits im "Dritten Brief" erklärt haben) auf großer Fahrt in langer Reise um die Sonne geführt wird, um uns die gewaltige majestätische Größe ihres Herrn, die Pracht des göttlichen Königreiches und die Vollendung Seiner Barmherzigkeit und Weisheit zu zeigen. Als ein "Herrenschiff" ist sie voll von einzigartigen göttlichen Kunstwerken und wurde nach Art eines Ausflugsortes wie ein fahrender Aufenthaltsort für mit Bewusstsein begabte Diener Gottes gestaltet. Auch der Mond, der uns wie ein Uhrzeiger dazu dient, die Zeit anzuzeigen und zu berechnen, ist genauen Berechnungen entsprechend mit ihr in großer Weisheit verbunden und auch der Mond wird auf eigener Fahrt und besonderer Reise durch seine Stationen geführt.

So beweisen denn diese gesegneten Verhältnisse (hal)auf und um unseren gesegneten Planeten, mit einem Zeugnis (shehadet)so mächtig wie die Erde selbst, die Notwendigkeit der Existenz des einen Allmächtigen (Qadir-i Mutlak)und Seine Allgegenwart (Vahdet).Da es sich aber nun einmal mit unserer Erde so verhält, magst du nun auch die übrigen Planeten unseres Sonnensystems

sinngemäß mit ihr vergleichen. Überdies dreht sich die Sonne auf den Befehl des einen Majestätischen Allmächtigen (Qadir-i Dhu l-Djelal)wie ein Schaufel- oder Wasserrad um ihre Achse. Unsichtbare Seile, die man Anziehungskraft nennt, verbinden sie in einer festen Ordnung mit den Planeten. Sie wird mit all ihren Planeten einem Punkt, den man die "Sonne der Sonnen" nennt, entgegengeführt. Das alles geschieht mit Sicherheit in der Macht und auf den Befehl des Majestätischen Herrn, welcher der König von Ewigkeit zu Ewigkeit ist. Es ist als ob Er, um die Pracht Seiner Herrschaft zu zeigen, mit dem ganzen Heer unseres Sonnensystems, dessen Planeten einsatzbereiten Soldaten gleichen, ein Manöver durchführen lässt.

Oh du gelehrter Herr, der du mit der Astronomie vertraut bist! Welch ein Zufall könnte sich in dieses Werk einschleichen? die Hand welcher Ursache sich nach ihm ausstrecken? welche Kraft an ihm wirksam werden? Auf jetzt, und sprich nun! Könnte sich ein solcher König in Seiner Majestät denn schwach zeigen und einen anderen in Seinem Eigentum beteiligen? Könnte Er insbesondere die Lebewesen, welche doch die Frucht der Schöpfung, ihr Ziel und ihr Zweck sind und in denen (die ganze Schöpfung) zusammengefasst ist, in fremde Hände übergeben? einem anderen erlauben, sich in Seine Angelegenheiten einzumischen? Könnte Er insbesondere die Menschen, welche doch die Frucht mit der stärksten Konzentration (der Schöpfung) sind, in denen das Ziel (der Schöpfung) am vollkommensten zum Ausdruck kommt, die Kalifen über die Erde und die Gäste, in denen sich das Bild des Sultans am deutlichsten widerspiegelt sich selbst überlassen? indem Er sie (zum Spielball) der Natur und des Zufalls werden ließe und dadurch die Majestät Seines Königreiches zunichte machte? die Vollendung Seiner Weisheit (Kemal-i Hikmet)zu Fall brächte?

Zweiundzwanzigstes Fenster:

٭ اَلَمْ نَجْعَلِ اْلاَرْضَ مِهَادًا ٭ والْجِبَالَ اَوْتَادًا ٭ وَخَلَقْنَاكُمْ اَزْوَاجًا

فَانْظُرْ اِلٰٓى اٰثَارِ رَحْمَتِ اللَّهِ كَيْفَ يُحْيِى اْلاَرْضَ بَعْدَ مَوْتِهَا

{"Haben wir die Erde nicht zu einem Lager gemacht? und die Berge zu Pflöcken? und euch als Paare geschaffen?" (Sure 78, 6-8) "Betrachte die Werke der Barmherzigkeit Gottes, wie Er die Erde nach dem Tode (im Winter) wieder belebt!" (Sure 30, 50)}

Die Erdkugel ist ein Kopf, der hunderttausend Münder hat. In jedem Mund sind hunderttausend Zungen. Und mit jeder von ihnen bezeugt sie durch hunderttausend Beweise vielfältig die Notwendigkeit der Existenz des Einen in Seiner Majestät, der da notwendigerweise sein muss, des Einen, Einzigen, Allmächtigen, Allwissenden, Seine Gegenwart und Seine Heiligkeit in Seinen Attributen und in Seinen Schönen Namen.

Betrachten wir die Erde im Urzustand ihrer Schöpfung, so sehen wir sie in der Tat, wie sie nach ihrer Erschaffung aus ihrem glutflüssigen Zustand heraus zu Stein erstarrte, wonach dann der Stein zu Erde verwitterte. Wäre sie in ihrem glutflüssigen Zustande verblieben, so wäre sie unbewohnbar. Wäre sie, nachdem nun die Flüssigkeit zu Stein erstarrt war, hart wie Eisen, so könnte man sie nicht bebauen. Das, was ihr ihren heutigen Zustand verlieh, war ganz offensichtlich die Weisheit des Meisters, der in Seiner Allweisheit (Hakiem)die Bedürfnisse der Erdenbewohner kennt. Sodann wurden die Erdschichten über die Pflöcke der Erde geworfen. Auch sollten die Beben, welche aus den Umwälzungen entstehen, die sich im Erdinneren vollziehen, im Atmen der Berge die Erde in ihrer Bewegung und in ihren Aufgaben nicht in Verwirrung bringen. Und weiter sollen sie den Boden vor einer Überflutung durch das Meer bewahren.

Und weiter sollen sie für die lebensnotwendigen Bedürfnisse alles Lebendigen gleich einer Vorratskammer sein. Und weiter kämmen sie die Luft und reinigen sie von schädlichen Gasen, sodass man wieder neu Atem schöpfen kann. Und weiter sollen sie die Wasser sammeln und bewahren. Auch sollen sie den Lebewesen Brunnen und Quelle für alle für sie notwendigen Mineralien sein.

So bezeugen sie denn in dieser ihrer Beschaffenheit mit großer Macht und Kraft und Festigkeit die Notwendigkeit der Existenz und die Gegenwart des Einen, Allmächtigen und Allweisen in Seiner Barmherzigkeit.

Nun also, mein Herr Geograph! Womit willst du dies jetzt erklären? Welcher Zufall könnte dieses hochherrschaftliche Schiff, voll mit einzigartigen Kunstwerken, als eine so einzigartige Messe ausgestaltet haben und es in einem einzigen Jahr über eine Laufstrecke von vierundzwanzigtausend Jahren kreisen lassen, ohne dass dabei eines der auf ihm ausgestellten Dinge wegfliege?

Und weiter betrachte die einzigartigen Kunstwerke auf der Erdoberfläche, die Elemente, mit welcher Weisheit sie in Dienst gestellt sind! Wie gut sorgen sie doch auf Befehl des Allmächtigen in Seiner Weisheit für die Gäste des Barmherzigen! eilen zu ihren Diensten!

Betrachte nun des Weiteren diese in ihrer einzigartigen, wunderbaren Kunst mit einer wunderbaren Weisheit bunt ausgeschmückten Streifen auf dem Antlitz unserer Erde! Wie Er für Seine Bewohner die Ströme und die Bäche, die Meere und die Flüsse, die Berge und die Hügel, wie Er sie für alle Seine verschiedenen Geschöpfe, Seine Diener und Verehrer zu geeigneten Wohnstätten und zu Transportmitteln gemacht hat. Sodann erfüllt und belebt Er sie in vollkommener Weisheit und Ordnung mit hunderttausenden von Pflanzenarten und Tiergattungen. Er schenkt ihnen das Leben. Er entlässt sie von Zeit zu Zeit durch den Tod. So leert Er (Berge und Meere) in bester Ordnung und füllt sie wieder in bester Ordnung gleich der "Auferstehung nach dem Tode". So bezeugen sie mit hunderttausenden von Zungen die Notwendigkeit der Existenz des Allmächtigen in Seiner Majestät (Qadir-i Dhu l-Djelal),des Allweisen in Seiner Vollkommenheit (Hakiem-i Dhu l-Kemal)und bezeugen Seine Allgegenwart.

Zusammenfassung:

Die Welt, auf deren Boden wir eine Messe der wunderbaren Kunstwerke finden, ein Ort, wo sich alles so wunderbar Erschaffene trifft, eine Durchzugsstraße für die Karawane Seiner Geschöpfe,

eine Moschee und die Residenz für die Scharen Seiner Diener und Anbeter, zeigt uns das Licht der Allgegenwart (Gottes), weit wie das Universum und ist zugleich auch das Herz des Alls.

Nun also denn, mein Herr Geograph! Wenn diese Erde, wie ein Kopf mit hunderttausend Mündern Gott mit hunderttausend Zungen mit einer jeden ausruft, du aber ihn nicht erkennst, vielmehr deinen eigenen Kopf in den Sumpf deiner naturalistischen Philosophie steckst, so musst du einmal darüber nachdenken, in welchem Grade du dich damit schuldig machst! Wisse, in welchem Grade du eine schreckliche Strafe verdient hast! Komm zur Besinnung und ziehe deinen Kopf heraus aus diesem Sumpf. Sage:

اٰمَنْتُ بِاللَّهِ الَّذِى بِيَدِهِ مَلَكُوتُ كُلِّ شىْءٍ

{"Ich glaube an Gott, in dessen Hand die Herrschaft (malakut) aller Dinge liegt."}

Dreiundzwanzigstes Fenster:

اَلَّذِى خَلَقَ الْمَوْتَ وَالْحَيٰوةَ

{"Er ist es, der den Tod und das Leben schuf." (Sure 67, 2)}

Das Leben ist unter den Wunderwerken der Macht des Herrn das leuchtendste und das schönste. Unter den Beweisen für Seine Gegenwart ist es der stärkste und der glänzendste. Unter den Spiegeln Seiner Einzigartigkeit (Samedaniye)ist es der, welcher alles am klarsten in sich sammelt. In der Tat gibt einzig das Leben von dem Lebendigen und Beständigen (Hayy ve Qayyum)mit all Seinen Namen und Attributen Kunde. Denn das Leben gleicht einem Lichtstrahl, einem Heiltrank, der aus sehr vielen Zutaten zusammengestellt und gemischt ist. So wie ein Lichtstrahl sieben Farben in sich vereinigt, so finden sich auch in diesem Heiltrank verschiedene Substanzen miteinander vermischt. So ist auch das Leben eine Tatsache, die sich aus sehr vielen verschiedenen

Umständen zusammensetzt. Einige Umstände dieser Tatsache teilen sich uns durch die Sinnesorgane mit, werden durch sie erfahren und voneinander unterschieden. Der größte Teil von ihnen aber wird in Form von Empfindungen wahrgenommen und äußert sich wie ein Strahl aus dem sprudelnden Leben.

Des Weiteren fasst das Leben die Versorgung (rizq),das Erbarmen (rahmet),die Gnade (inayet)und die Weisheit (hikmet)in sich zusammen, die in der Lenkung und Leitung der Welt eine alles umfassende Gültigkeit haben. Es ist, als ob sie das Leben mitbringt, wo immer es in Erscheinung tritt. Wenn z.B. das Leben sich verkörpert, Gestalt annimmt, so tritt es unter dem Namen "der Weise (Hakiem)"in Erscheinung. Er baut ihm in Weisheit schön sein Nest und stattet es aus. In gleicher Weise tritt auch der Name "der Freigiebige (Kerim)"in Erscheinung, richtet diese Wohnung nach den Bedürfnissen ein, gestaltet sie und schmückt sie aus. In gleicher Weise sehen wir wiederum die Erscheinung des Namens "der Barmherzige (Rahim)".Er begnadet und ehrt das Leben mit all den verschiedensten Gastgeschenken, um ihm Dauer zu verleihen und es zu vollenden.

In gleicher Weise erscheint die Manifestation des Namens "der Versorger (Rezzaq)".Er bereitet uns die körperliche und geistige Nahrung, wie sie für den Fortbestand des Lebens und seine Entwicklung notwendig ist. Und er speichert sie manchmal auch in den Körpern der Lebewesen. Das heißt also, dass im Leben die verschiedenen Eigenschaften wie in einem Brennpunkt miteinander verschmelzen, ja sogar eins miteinander werden. Es ist also mit anderen Worten das Leben zugleich auch ganz Wissen und zu gleicher Zeit Macht, zugleich auch Weisheit und Erbarmen usw.... Und so ist denn das Leben in seiner Konzentration auf das Wesentliche ein Spiegel der Einzigartigkeit Gottes (Samediyet),worin sich diese Attribute des Herrn reflektieren (man nennt sie shu'unu Dhatiye).So ist es denn aus diesem Grunde, dass der Herr in der Notwendigkeit Seines Seins (Dhat-i Vadjibu l-Vudjud),

Er, der das Leben ist (müsste richtiger heißen: besitzt - A.d.Ü.) in Zeit und Ewigkeit (Hayy-i Qayyum)das Leben in seiner ganzen Fülle und in allen seinen Formen erschaffen hat und auch für seine Erscheinung und Verbreitung sorgt. Er ruft alle Dinge zum Dienste des Lebens herbei und versammelt sie um es. Denn die Aufgabe des Lebens ist groß. Spiegel des Einzigartigen zu sein ist in der Tat keine leichte Sache, keine einfache Aufgabe.

So zeigen denn die Lebewesen, wie wir sie alle Zeit vor Augen sehen und wie sie ohne Zahl und Grenze immer wieder neu erscheinen und der Geist, ihr Ursprung und Wesen, das sie beseelt, wenn sie plötzlich aus dem Nichtsein ins Dasein treten, oder besser gesandt werden, die Notwendigkeit der Existenz des Einen Herrn, der da notwendigerweise sein muss, des Lebendigen, Beständigen, die Heiligkeit Seiner Attribute und die Schönheit Seiner Namen, so wie sich uns die Sonne in ihren Strahlen zeigt. Ein Mensch, der die Sonne nicht kennen und nicht anerkennen will, muss das Licht leugnen, das den Tag erfüllt. In gleicher Weise muss ein Mensch, der die Sonne der Einheit (Ahad),welche das Leben in Zeit und Ewigkeit ist (Hayy-u Qayyum),das Leben und den Tod schenkt (Muhyi ve Mumit),nicht erkennen will, die Existenz aller Lebewesen leugnen, welche das Antlitz der Erde erfüllen, ja sogar ihre Vergangenheit und Zukunft, muss so noch hundertfach tiefer als das Tier fallen. Er muss von der Stufe des Lebens herabstürzen und zu einem Unwissenden erstarren, der ganz und gar ohne jede Einsicht ist.

Vierundzwanzigstes Fenster:

لآَ اِلٰهَ اِلاَّ هُوَ كُلُّ شَىْءٍ هَالِكٌ اِلاَّ وَجْهَهُ لَهُ الْحُكْمُ وَاِلَيْهِ تُرْجَعُونَ

{"Es gibt keinen Gott außer Ihm. Alle Dinge werden untergehen, doch Sein Antlitz nicht. Bei Ihm ist das Urteil und zu Ihm kehrt ihr (dereinst) zurück." (Sure 28, 88)}

Der Tod ist, so eindeutig wie das Leben, ein Beweis (burhan)der Herrschaft (Gottes). Er ist ein überaus starkes Zeugnis Seiner Einheit (Vahdaniyet).

اَلَّذِى خَلَقَ الْمَوْتَ وَالْحَيٰوةَ

{"Er ist es, der den Tod und das Leben erschuf." (Sure 67, 2).}

Diesem Hinweis entsprechend ist der Tod nicht das Nichts, die Vernichtung, der Untergang, die absolute Leere, eine Demontage ohne Fachmann, sondern vielmehr eine Dienstentlassung, eine Versetzung an einen anderen Ort, ein Wechsel der Gestalt, der Feierabend nach der Arbeit, die Befreiung aus dem Gefängnis des Körpers durch einen Fachwissenschaftler und ein wohlgeordnetes Werk der Weisheit (hikmet),so wie dies bereits im "Ersten Brief" erläutert worden ist.

So wie in der Tat die Geschöpfe und alle Lebewesen und das ganze belebte Antlitz der Erde Zeugnis ablegt für die Notwendigkeit der Existenz und die Gegenwart (Vahdaniyet)des Allweisen Meisters (Sani-i Hakiem),genauso legen diese Lebewesen durch ihren Tod auch Zeugnis ab für die Ewigkeit und Einheit (Sermediyet ve Vahidiyet)des Einen Lebendigen und Beständigen (Hayy-i Baqi).Da wir im "Zweiundzwanzigsten Wort" bereits bewiesen und erläutert haben, dass der Tod ein überaus starkes Zeugnis der Einheit und ein Beweis für die Ewigkeit (Gottes) ist, überlassen wir dieses Thema jenem "Wort" und wollen hier nur noch eine wichtige Anmerkung dazu erklären. Es ist dies folgendermaßen:

So wie die Lebewesen durch ihre eigene Existenz auch auf die Existenz des Notwendig Seienden hinweisen, so bezeugen diese Lebewesen durch ihren Tod auch die Ewigkeit und Einheit (Sermediyet ve Vahidiyet)des Einen Lebendigen Beständigen (Hayy-i Baqi).

Zum Beispiel:

Das Antlitz der Erde weist in der Einheit und Einzigartigkeit allen Lebens, durch seine Wohlgeordnetheit und in der Beständigkeit des Wechsels auf seinen Meister hin. Zur Zeit des Todes jedoch, nämlich im Winter, wird der Blick des Menschen durch sein weißes Leichentuch abgelenkt, welches das Antlitz dieser verstorbenen Erde bedeckt. Oder aber der Blick folgt dem entschwundenen Frühling auf dessen Leichenzug

hinterdrein in die Vergangenheit und es zeigt sich ihm eine (durch noch viele weitere vergangene Frühlingszeiten - A.d.Ü.) erweiterte Aussicht. Das heißt; jener Schmuck, der in all seinen Einzelheiten als ein Wunderwerk der Macht in jedem der vergangenen Frühlingszeiten die Erde erfüllt hat, lässt uns die neu hinzukommenden Pflanzen und Tiere, welche die Erde wieder mit einem Frühling, diesem Wunderwerk der Macht erfüllen werden, erahnen und überzeugt uns von ihrer künftigen Existenz, genauso bezeugt (dieser Schmuck der Erde im Frühling) auch in weitem Umfang, in einer derartig glänzenden Weise, in dermaßen starkem Grade die Notwendigkeit der Existenz und Einheit und Beständigkeit und Ewigkeit des Einen glorreichen Meisters, des Allmächtigen in Seiner Vollkommenheit, des Unwandelbaren, des Beständigen und zeigt so klare Beweise dafür, dass man sich angesichts einer so offensichtlichen Klarheit geradezu dazu veranlasst sieht, zu sagen:

آمَنْتُ بِاللَّهِ الْوَا حِدِاْلَاحَدِ

{Ich glaube an Gott, den Alleinigen, den Allgegenwärtigen."}

Zusammenfassung:

وَيُحْيِى اْلاَرْضَ بَعْدَ مَوْتِهَا

{"Und Er belebt, nachdem sie abgestorben war, die Erde wieder neu." (Sure 30, 50)}

Gleich wie die lebendige Erde diesem Sinn (sirr)entsprechend in einem Frühling für ihren Meister Zeugnis ablegt, so lenkt sie auch in ihrem Dahinwelken den Blick auf die Wunderwerke Seiner Macht, so wie sie (schon im Herbst) in den beiden Flügeln der Zeit, dem bereits vergangenen und dem künftigen (Frühling) ausgestellt sind. So weist sie an Stelle einer Jahreszeit auf Tausende von Jahreszeiten (: bahar,den Frühling und den Herbst mit ihrem Werden und Vergehen - A.d.Ü.) hin. Anstelle eines einzigen Wunders setzt sie ein Zeichen für Tausende Seiner Wunderwerke.

So sind wir denn vom Kommen einer jeden Jahreszeit mehr noch als von dieser gegenwärtigen Jahreszeit überzeugt. Denn die bereits in Richtung Vergangenheit entschwundenen sind mit ihren äußerlichen Ursachen dahingegangen. Nach ihnen sind wieder andere, ihnen gleich, an deren Stelle getreten. Das aber heißt, dass die äußerlichen Ursachen nichtig sind. Es zeigt, dass der Allmächtige sie in Seiner Majestät erschafft, sie in Seiner Weisheit mit ihren Ursachen verbindet und sie uns sendet. Die lebenden Bilder der Erde aber, aufgereiht in künftigen Zeiten, legen dafür ein noch glänzenderes Zeugnis ab. Denn sie werden immer wieder neu aus dem Nichts und dem Nichtsein geschaffen, (in der Gegenwart) empfangen und an ihren Platz gestellt, erfüllen ihre Aufgabe und werden danach wieder verabschiedet.

Oh du Gottvergessener, der du dem Naturalismus verhaftet bist und in ihm zu ersticken drohst! Wie könnte etwas, das keine Hand besitzt, die sie voll Kraft und Weisheit nach aller Vergangenheit und Zukunft auszustrecken vermöchte, in das Leben der Erde eingreifen? Wie könnten denn die Natur und der Zufall hier eingreifen, die doch ebenso Null und nichtig sind wie du selbst? Willst du dich retten, so sage: "Die Natur könnte, wenn sie denn etwas sein sollte, nicht mehr sein als ein Logbuch, (geschrieben) von der Göttlichen Allmacht. Was aber den Zufall betrifft, so ist er der Schleier der verborgenen Göttlichen Weisheit, der unsere Unwissenheit verhüllt." und finde zur Wahrheit!

Fünfundzwanzigstes Fenster:

Bekanntermaßen ist eine Prägung der Nachweis dessen, der sie ausgeführt hat. Ein Kunstwerk setzt notwendigerweise seinen Künstler voraus. Ein Kind wirft die Frage nach seinem Vater auf. Ein Untertan ist ohne Obrigkeit undenkbar usw... Alle diese Begriffsbildungen einer Verhältnismäßigkeit, in der das eine nicht ohne das andere sein kann und die man als Gegensatzpaare bezeichnet, sind Beispiele, die uns zeigen, dass in allem, woraus der ganze Kosmos besteht, wie auch in seiner Gesamtheit, der sichtbar möglichen

(Schöpfung) eine Notwendigkeit (vudjub)zu Grunde liegt (die nach einem Ausdruck sucht - A.d.Ü.). Und jede sichtbare Reaktion weist auf eine Aktion hin. Und die Geschöpflichkeit als Ganzes weist auf ihre Schöpfung hin. Und die Vielheit des Ganzen und seine Zusammenstellung hat seine Einheit (vahdet)zur Bedingung. Und Notwendigkeit (vudjub),Aktion (fi'il),Schöpfung (haliqiyet)und Einheit (vahdet)verlangen offensichtlich und zwangsläufig nach einem Träger dieser Qualitäten, der nicht nur mögliche Folge, vielfältige Entfaltung und eine Zusammensetzung von Bestandteilen, sondern notwendige Voraussetzung, aktive Handlung und der Schöpfer selbst (Haliq)ist.

Wenn dies aber so ist, dann legen offensichtlich alle die vorhandenen Möglichkeiten, alle die möglichen Reaktionen, alle Geschöpflichkeit in all ihrer Vielfältigkeit und mannigfaltigen Zusammengesetztheit im ganzen Kosmos Zeugnis für die Existenz des einen Notwendig Seienden (Dhat-i Vadjibu l-Vudjud),der vollbringt, was Er beabsichtigt hat, des Schöpfers aller Dinge, des Einen Allgegenwärtigen (Vahid-i Ahad)ab.

Zusammenfassung:

So wie man von den gegebenen Möglichkeiten auf die Notwendigkeit schließen kann, die sie zur Voraussetzung haben, von der Reaktion auf die Aktion, durch die sie ausgelöst wurde, von der Vielheit auf die Einheit (Vahdet),aus der heraus sie sich entfaltet hat und so wie nun das Dasein des einen mit Sicherheit das Vorhandensein des anderen beweist, so beweisen auch solche Qualitäten (sifat)wie die Geschöpflichkeit (mahluqiyet)der Schöpfung und ihre Abhängigkeit von ihrem Unterhalt (merzuqiyet)mit Sicherheit das Vorhandensein der ihnen entsprechenden Qualitäten dessen, der ihr Meister und Versorger ist. Die Existenz dieser Qualitäten aber beweist notwendiger und zwangsläufiger Weise auch die Existenz eines Schöpfers (Hallaq),eines Allbarmherzigen Meisters (Sani-i Rahim)und Versorgers (Rezzaq).Das aber heißt, dass alles Sein in der Sprache solcher hunderten von Eigenschaften, die es trägt, hunderte von

Schönen Namen seines Herrn, der da notwendigerweise sein muss, bezeugt. Wollte man jedoch diese Zeugnisse nicht annehmen, dann müsste man alle diese verschiedenen Eigenschaften der Geschöpfe leugnen...

Sechsundzwanzigstes Fenster:

{(*): Dieses Fenster ist nicht für alle gedacht. Es ist vielmehr für die (Ordensleute) bestimmt, welche den Weg des Herzens und der Liebe (ehl-i qalb ve muhabbet) gehen wollen.}

Die Güte (husn)und Schönheit (djemal),die sich immer wieder neu in allen Dingen und im Antlitz aller Geschöpfe des Alls zeigt und kommt und geht, zeigt uns, dass sie nur eine Art Schatten dessen ist, dessen Schönheit (Djemal)ewig währt.

Ja, so wie in der Tat die Tröpfchen an der Oberfläche eines Stromes erglänzen und sobald sie vorübergegangen sind auch die ihnen nachfolgenden und gleichfalls vorüberziehenden genauso glänzen und damit darauf hinweisen, dass sie Spiegel der Strahlen einer immerwährenden Sonne sind, so setzen auch die Strahlen der Schönheit, wenn sie auf den Geschöpfen aufleuchten, die im dahinziehenden Strom der Zeit vorübersegeln, ein Zeichen einer immerwährenden Schönheit und sind gleichsam ihr Abglanz.

Und überdies weist die Liebe (ashk),die im Herzen des Universums brennt auf den Unsterblichen Geliebten (Mashuk)hin. Es ist in der Tat der Hinweis, dass etwas, das nicht im Wesen eines Baumes vorhanden ist, sich natürlicherweise auch nicht in seiner Frucht vorfinden kann, zugleich auch ein Fingerzeig, dass die wahrhaftige Flamme der Liebe des Menschengeschlechtes zu Gott, welche die fühlende Frucht am Weltenbaume ist, sich zugleich auch als wahre Liebe und Zuneigung (ashk ve muhabbet)überall in der Welt, wenn auch in verschiedener Form wiederfindet. In gleicher Weise verweist die wahrhaftige Liebe und Zuneigung im Herzen des Kosmos auf den Ewigen Geliebten (Mahbub).Zudem zeigt die Liebe, Fürsorge, Zuneigung, wie sie sich im innersten Universum in vielfältigen Formen äußert, wachen Herzen, dass sie die Anziehung

durch die Kraft einer ewigen Wahrheit ist. Und weiter geben auch die Gottesfreunde und Visionäre (keshf)unter den Heiligen (Velayat)Gottes, welche die lichtvollste und sensibelste Gruppe unter Seinen Geschöpfen ist, gestützt auf ihre geistigen Wahrnehmungen und Beobachtungen (shuhud),übereinstimmend von ihrer Erfahrung (mazhar)von der Erscheinung jener vollendeten Schönheit Seiner Majestät (Djemil-i Dhu l-Djelal)und in ihrem Wissen aus innerer Wahrnehmung Kunde, wie dieser eine Majestätische in Seiner vollendeten Schönheit (Djelil-i Dhu l-Djemal)erkannt und geliebt werden will, was wiederum mit Sicherheit von dem Sein dessen, der da notwendigerweise sein muss, dem Vollkommenen in Seiner Majestät (Djemil-i Dhu l-Djelal)Zeugnis gibt und davon, dass Er von den Menschen erkannt werden will.

Und weiter zeigt uns jener Stift, der mit seiner Arbeit am Antlitz des Weltalls und an Seinen Geschöpfen alles ausschmückt und verschönt, ganz offensichtlich die Schönheit der Namen dessen, dem dieser Stift gehört. So öffnet denn die Schönheit im Antlitz des Alls, die Liebe (ashk)im Herzen des Kosmos, die Faszination, welche das Innerste des Universums ausübt, die Beobachtungen und Entdeckungen (keshf)der Augen (: Heiligen) der Welt, die Schönheit und der Schmuck im Gesamt des Kosmos ein überaus liebliches, erleuchtetes Fenster. Durch es zeigt das Universum den erwachten Herzen und für klardenkende Geister (akil)den einen Vollendeten in Seiner Majestät (Djemil-i Dhu l-Djelal),den einen unsterblichen Geliebten (Mahbub),den immerwährend Angebeteten (Ma'bud),dem alle schönen Namen zu Eigen sind.

Wohlan denn, du Gottvergessener, der du (mit deinen Armen) durch die Finsternis des Materialismus, durch das Dunkel deiner Einbildung, durch deine erstickenden Zweifel ruderst! Komm zu dir! Erhebe dich in menschenwürdiger Weise heraus! Betrachte durch diese vier Öffnungen (Liebe, Schönheit, Begeisterung und die Augen der Heiligen - A.d.Ü.) die Schönheit der Einheit (Vahdet)Gottes, gelange zum vollendeten Glauben (iman)und werde ein wahrer Mensch!

Siebenundzwanzigstes Fenster:

اَللَّهُ خَالِقُ كُلِّ شَىْءٍ وَهُوَ عَلٰى كُلِّ شَىْءٍ وَكِيلٌ

{"Gott ist der Schöpfer aller Dinge und Er ist es, der sich um alle Dinge kümmert." (Sure 39, 62)}

Wenn wir alle Dinge im Kosmos betrachten, die uns als Ursachen und deren Folgen erscheinen, so sehen wir, dass auch die schwerwiegendsten Ursachen nicht dazu in der Lage sind, auch nur die einfachste Folgeerscheinung zu Stande zu bringen. Das heißt also, dass die Ursachen gleichsam nur eine Art Vorhang sind. Der, welcher ihre Folgen bewirkt, ist jedoch ein anderer.

Zum Beispiel:

Wenn wir, als nur ein kleines Beispiel unter zahllosen Kunstwerken das Erinnerungsvermögen betrachten, das im Kopf eines Menschen nicht mehr Platz einnimmt als ein Senfkorn, so sehen wir, dass es wie ein Sammelband, ja sogar wie eine Bibliothek ist, in der, ohne irgendetwas zu verwechseln, die ganze Geschichte des Lebens eingeschrieben ist.

Was könnte man wohl als Ursache für dieses Wunderwerk der Macht (Qudret)anführen? etwa die einzelnen Lappen des Gehirns? oder vielleicht seine einfachen, kleinen Zellen, die kein Bewusstsein haben? oder etwa der Zufall (elektromagnetischer) Wirbelstürme? Es muss ja in der Tat dieses Wunderwerk ein Kunstwerk des Herrn sein, sodass vor dem Menschen zur Zeit der Abrechnung bei der Wiederversammlung das große Buch seiner Taten zu seiner Erinnerung ausgebreitet werden wird, um ihn wissen zu lassen, dass alle Taten, die er begeht, aufgeschrieben werden, (ein Buch) ausgestellt und aufgeschrieben als eine kleine Urkunde und als ein Kunstwerk des einen allweisen Meisters (Sani-i Hakiem),der es gleichsam dem Verstande in seine Hand gibt. So ziehe denn nun als ein Beispiel für das Erinnerungsvermögen des Menschen einen Vergleich mit den verschiedenen Eiern, Samenkernen und Körnern und vergleiche diese so konzentrierten winzig kleinen Wunderdinge

auch mit dem Werk, das da am Ende entstanden ist! Denn wie immer das Werk oder der Kunstgegenstand sein mag, den du betrachtest, er ist ein solches Kunstwerk, dass diese ganz gewöhnlichen, einfachen Ursachen, selbst wollte man alle Ursachen zusammenbringen, dagegen nicht mehr als nur ihre Schwäche zeigen würden. Würdest du dir zum Beispiel die Sonne als eine riesengroße Ursache, mit Macht und Bewusstsein begabt, vorstellen und zu ihr sagen: "Vermagst du eine Mücke zu Stande zu bringen?", so würde sie sicherlich sagen: "Ich habe durch die Güte (ihsan)des Schöpfers in meinem Laden jede Menge Strahlen, Farben und Hitze. Doch im Leib einer Mücke gibt es Dinge wie Auge und Ohr und Leben, die sich nicht in meinem Laden finden und die auch gar nicht in meiner Macht stehen."

Des Weiteren entthronen die wunderbaren Kunstfertigkeiten und Verzierungen an denen, die durch Ursachen zu Stande gekommen sind, die Ursachen und demonstrieren den, der notwendigerweise da sein muss, welcher der Urheber der Ursachen (Musebbib-ul Esbab)ist, und übergeben Ihm die Dinge nach der tiefen Wahrheit

وَاِلَيْهِ يُرْجَعُ اْلاَمْرُ كُلُّهُ

{"Und zu ihm kehren alle Angelegenheiten zurück." (Sure 11, 123)}

Genauso zeigen die Ergebnisse, die Ziele und die Nutzen derer, die durch Ursachen zu Stande gekommen sind, offensichtlich, dass diese Tätigkeiten eines gastfreundlichen Herrn (Rabb-i Keriem),eines barmherzigen Allweisen (Hakiem-i Rahiem)hinter dem Schleier der Ursachen sind. Denn die Ursachen, die über kein Bewusstsein verfügen, denken nicht an ein Ziel, sodass sie danach arbeiteten. Wir sehen aber, jedes Geschöpf, das ins Dasein kommt, kommt ins Dasein, indem es nicht nur einem Ziel, ja vielmehr vielen Zielen, vielen Nutzen und vielen Weisheiten folgt. Das heißt, ein allweiser und gastfreundlicher Herr macht und sendet sie. Er macht diese Nutzen zum Ziel ihrer Existenz.

Zum Beispiel:

Der Regen kommt. Es ist klar, wie weit die Ursachen,

die den Regen augenscheinlich zu Folge haben, davon entfernt sind, an die Tiere zu denken, sie zu bemitleiden und ihnen barmherzig entgegenzukommen. Das heißt, dass er mit der Weisheit des allbarmherzigen Schöpfers, der die Tiere erschaffen und ihre Versorgung versprochen hat, zu Hilfe geschickt wird.

Sogar wird der Regen als "Segen" (rahmet)genannt. Da er reichlich viele Spuren der Barmherzigkeit und Nutzbarkeiten in sich trägt, verkörpert sich der Segen in Form des Regens, nimmt die Gestalt der Tropfen und kommt Tropfenweise. Außerdem legen alle Verzierungen und Vorführungen bei allen geschmückten Pflanzen und Tieren, die allen Schöpfungen ans Gesicht anlächeln, offensichtlich Zeugnis für die Notwendigkeit der Existenz und der Einheit des majestätischen Herrn, der sich hinter dem unsichtbaren Schleier durch diese geschmückten und schönen Kunstwerken vorstellt und liebenswert macht und bekannt geben will. Das heißt: das verzierte Aussehen und die prunkvollen Qualitäten der Dinge demonstrieren mit Sicherheit die Wünsche sich vorzustellen und liebenswert zu machen. Was aber die Wünsche betrifft, sich liebenswert zu machen und bekannt zu geben, so bezeugen sie offensichtlich die Notwendigkeit der Existenz und der Einheit des allmächtigen Meisters (Sani-i Qadir),der der Freund (Vedud)und der Erkannte (Maruf)ist.

Zusammenfassung:

Da die Ursachen überaus einfach, schwach und die Ergebnisse aber, die den Ursachen zugeschrieben werden, überaus kunstvoll und wertvoll sind, entthronen sie die Ursachen. Überdies wirft das Ziel und der Nutzen des Ergebnisses der Ursachen die Ursachen, die unwissend und leblos sind, von dem Schauplatz weg und übergibt ihn in die Hand des einen Allweisen Meisters. Überdies weisen die Verzierungen und die Kunstfertigkeiten an dem Gesicht des Ergebnisses der Ursachen auf den einen allweisen Meister (Sani-i Hakiem),der Seine eigene Macht den Bewusstseintragenden Wesen bekannt geben will und wünscht, sich liebenswert zu machen.

Oh du hilfloser, der du die Ursachen anbetest! Womit kannst du diese drei wichtigen Tatsachen erklären? Wie kannst du dich überzeugen? Hast du Verstand, so zerreiße den Schleier der Ursachen. Sage: "Vahdehu la sherike leh.(Er ist der Eine, der keinen Partner hat)" und befreie dich von grenzenlosen Einbildungen!

Achtundzwanzigstes Fenster:

وَمِنْ اٰيَاتِهِ خَلْقُ السَّمٰوَاتِ وَاْلاَرْضِ وَاخْتِلاَفُ اَلْسِنَتِكُمْ وَاَلْوَانِكُمْ اِنَّ فِى ذٰلِكَ َلاٰيَاتٍ لِلْعَالِمِينَ

{"Und zu Seinen Zeichen gehört die Erschaffung der Himmel und der Erden und die Verschiedenheit eurer Sprachen und Hautfarben. Wahrlich, darin liegen Zeichen für die Wissenden." (Sure 30, 22)}

Wir betrachten diese Schöpfung und sehen, dass es eine Weisheit und eine Wohlordnung gibt, die alles, angefangen von den Körperzellen bis zu der ganzen Welt, umfasst. Wir betrachten die Körperzellen und sehen, dass es in diesen winzig kleinen Zellen eine bedeutsame Lenkung und Leitung gibt, mit dem Befehl und dem Gesetz des Einen, der die Angelegenheiten des Körpers sieht und regelt. Wie ein Teil der Nahrung im Magen, als Fett gelagert und in der Not verbraucht wird, genauso erfolgt diese Verwaltung und diese Lagerung auch in diesen winzig kleinen Zellen. Wir betrachten die Pflanzen und sehen eine überaus weisheitsvolle Versorgung und Verwaltung. Wir betrachten die Tiere und finden (bei allen) eine überaus gastfreundliche Versorgung und Barmherzigkeit bei ihrer Aufzucht. Wir betrachten die gewaltig großen Grundpfeiler des Kosmos, beobachten ihre majestätischen (Bewegungen) in großen Kreisen und ihre Ausstrahlung zu wichtigen Zwecken. Wir betrachten das Universum als Ganzes und erkennen eine perfekte Anordnung um der hohen Weisheit und reicher Ziele willen, als wäre es ein wohlgeordnetes Land, eine Stadt oder ein Schloss. Wie bereits im ersten Kapitel des "Zweiunddreißigsten Wortes" erklärt und bewiesen wurde, bleibt, angefangen von einem einzigen Atom bis zu den Sternen,

kein Fünkchen Platz für eine Teilhaberschaft (shirk).Sie stehen unsichtbar untereinander so sehr in Beziehung, dass derjenige, der nicht alle die Sterne in seinen Dienst stellen und in seiner Hand halten kann, seine Herrschaft auch nicht einem einzigen Atom aufzwingen kann. Um der wahre Herr über ein einziges Atom sein zu können, muss man Herr über alle Sterne sein können. Überdies kann derjenige, der - wie im zweiten Kapitel des "Zweiunddreißigsten Wortes" erklärt und bewiesen wurde - nicht in der Lage ist, die Himmel zu erschaffen auszutarieren, auch die Identität der Menschen nach ihren Gesichtern nicht zu Stande bringen. Also kann derjenige, der nicht Herr über alle Himmel ist, auch das Unterscheidungsmerkmal im Gesicht eines einzigen Menschen nicht gestalten, (wo doch alle Menschen) ihre unterscheidenden Merkmale in ihrem Gesicht tragen.

So ist denn dies ein Fenster, so groß wie der Kosmos selbst. Blickt man durch es hindurch, so erkennt man mit dem Auge des Geistes, dass die Ayat:

اَللَّهُ خَالِقُ كُلِّ شَىْءٍ وَهُوَ عَلٰى كُلِّ شَىْءٍ وَكِيلٌ ٭ لَهُ مَقَالِيدُ السَّمٰوَاتِ وَاْلاَرْضِ

{"Gott ist der Schöpfer aller Dinge und Er ist der Sachwalter aller Dinge. Sein sind die Schlüssel der Himmel und der Erde." (Sure 39, 62-63)}

mit großen Buchstaben auf den Seiten des Kosmos geschrieben stehen. Daher hat derjenige, der dies nicht sieht, entweder keinen Verstand oder kein Herz. Oder er ist ein Tier in Menschengestalt!

Neunundzwanzigstes Fenster:

وَاِنْ مِنْ شَىْءٍ اِلاَّ يُسَبِّحُ بِحَمْدِهِ

{"Und es gibt kein Ding, das Ihn nicht lobt und preist." (Sure 17, 44)}

Ich ging einmal im Frühling für mich alleine und tief in meinen Gedanken auf die Reise. Als ich am Fuße eines Hügels vorbeiging, bemerkte ich eine glänzend gelbe Blume. Sie rief mir diese Art von gelben Blumen, wie ich sie

früher in meiner Heimat und in anderen Ländern gesehen hatte, in Erinnerung. In meinem Herzen stieg folgende Bedeutung auf: Wessen Siegel, wessen Prägung, wessen Stempel und wessen Ornament diese Blume ist, dessen Stempel und dessen Siegel sind mit Sicherheit alle Blumen dieser Art auf der ganzen Erdoberfläche. Nach dieser Vorstellung über Siegel tauchte der folgende Gedanke (tasavvur)in mir auf:

Es ist da zum Beispiel ein Brief, der mit einem Siegel versehen ist. Das Siegel zeigt, von wem dieser Brief stammt. Genauso ist diese Blume ein Siegel des Erbarmers (Rahman).Dieser Hügel, verziert mit den verschiedenartigsten Schmuckstücken, ist ein Brief dessen, der seine Blumen erschuf, geschrieben auf den Zeilen seiner Pflanzen, voll Sinn und Bedeutung. Zudem ist dieser Hügel auch ein Siegel. Dieses Feld und diese Ebene nahm die Gestalt eines Briefes des Erbarmers (Rahman)an. Nach diesen Gedanken (tasavvur)kam mir die folgende Wahrheit in den Sinn: Jedes Ding verweist als ein Siegel des Herrn darauf, dass alle Dinge in dem selben Schöpfer ruhen. Es beweist, dass sie ein Brief ihres Schreibers sind. So ist jedes Ding Fenster der göttlichen Einheit (Tauhid)und erklärt alles zum Eigentum dessen, der in Seiner Herrschaft und in seinem Wesen ein Einziger ist (Vahid-i Ahad).Das heißt, dass sich in jedem Ding, besonders aber in allen Lebewesen ein solch einzigartiger Schmuck und eine so wunderbare Kunstfertigkeit finden lässt, dass derjenige, der es in dieser Art und mit so viel Bedeutung entworfen, erschaffen und gestaltet hat, alle Dinge erschaffen kann, und dass mit Sicherheit Er es ist, der alle Dinge erschafft. Das heißt, dass derjenige, der alle Dinge nicht erschaffen kann, auch nicht ein einziges Ding erschaffen kann.

Wohlan denn, oh du Gottvergessener! Betrachte das Antlitz des Kosmos. Es sind die Seiten allen Seins, welche die zahllosen ineinander verschachtelten Briefe des Einzigartigen (Samed)sind. Jeder einzelne Brief ist mit zahllosen Siegeln der Einheit (Tauhid)versehen.

Wer kann die Zeugnisse all dieser Siegel bestreiten? Welche Macht könnte sie schweigen heißen? Welchem du auch immer mit dem Ohr deines Herzens zuhörst: du wirst hören, wie es

اَشْهَدُ اَنْ لآَ اِلٰهَ اِلاَّ اللّٰهُ

{"Ich bekenne, dass es keine Gottheit gibt, außer Gott!"}

sagt.

Dreißigstes Fenster

لَوْ كَانَ فِيهِمَآ اٰلِهَةٌ اِلاَّ اللَّهُ لَفَسَدَتَا ٭ كُلُّ شَىْءٍ هَالِكٌ اِلاَّ وَجْهَهُ لَهُ الْحُكْمُ وَاِلَيْهِ تُرْجَعُونَ

{"Gäbe es in ihnen beiden Gottheiten außer Gott, dann gäbe es ja in beiden Verwirrung!" (Sure 21, 22) "Alle Dinge werden vergehen, außer Seinem Antlitz. Sein ist die Entscheidung und zu Ihm kehren wir zurück." (Sure 28, 88)}

Dieses Fenster ist das Fenster aller Gelehrten (Theologen) des Wortes (kelam)auf der Basis der Lehre vom möglichen (imkan)und vom geschaffenen Sein (huduth)und (eine Lehre), die wie eine Straße zum Beweis des Notwendig-Seienden führt. Die ausführlichen Erklärungen darüber überlassen wir den großen Büchern der Erforscher der Wahrheit, wie "die Erklärungen zu Mevakif" und "die Erklärungen zu Maqasid" und wollen hier nur ein, zwei Strahlen aufzeigen, die mir aus der Fülle des Qur'an und durch dieses Fenster in der Seele (ruh)aufgestiegen sind. Es ist dies wie folgt:

Kennzeichnend für die Tätigkeit eines Vorgesetzten (Emir)oder für die Art eines Souveräns (Hakim)ist, dass sie keine Konkurrenz duldet, jede Partnerschaft ablehnt und jede Einmischung zurückweist. Gäbe es in einem Dorf zwei Bürgermeister (muhtar),wäre die Ruhe und Ordnung dieses Dorfes gestört. Gäbe es in einem Kreis zwei Vorsteher oder in einer Provinz zwei Gouverneure (vali),so würden sie ein Chaos anrichten. Gäbe es in einem Land zwei Könige, so würden sie einen Sturm

der Verwirrung verursachen. Wenn schon der schwache Schatten eines Schattens, das kümmerliche Beispiel einer Art zu herrschen und zu regieren unter Menschen, die hilfsbedürftig und schwach sind, so wenig Konkurrenz, Gegnerschaft und Einmischung von Gleichgestellten verträgt, so kannst du damit vergleichen, in welchem Maße dieses Gesetz der Zurückweisung einer Einmischung bei einer Souveränität in Form eines absoluten Königreiches und bei der Tätigkeit des Befehlshabers im Grade der Herrschaft eines absolut Allmächtigen grundlegend seine Berechtigung erzwingt. Das heißt also, dass das sicherste und immerwährende Erfordernis der Gottheit und ihrer Herrschaft darin zu suchen ist, einzig (Vahdet)und allein (farid)zu sein. Ein klares Zeugnis und ein sicherer Beweis dafür ist die vollkommene Wohlordnung und schönste Harmonie in der ganzen Schöpfung. Angefangen von einem Mückenflügel bis zu den Lampen des Himmels herrscht eine Wohlordnung, vor der der Verstand in Erstaunen und in Bewunderung "Subhanallah"(Gepriesen sei Gott) "Mashaallah"(So wie Gott es wollte) und "Barekallah"(Gott hat es gesegnet) ausruft und sich (anbetend) zu Boden wirft. Bestünde aber für einen Teilhaber (sherik)auch nur das Fünkchen einer Gelegenheit, so würde er versuchen, sich einzumischen. Wie die Ehrenwerte Ayah

لَوْ كَانَ فِيهِمَآ اٰلِهَةٌ اِلاَّ اللَّهُ لَفَسَدَتَا

{"Gäbe es in ihnen beiden Gottheiten außer Gott, dann gäbe es ja in beiden Verwirrung!" (Sure 21, 22)}

aussagt, würde die Wohlordnung im Kosmos zerstört werden und das Bild sich wandeln. Die Spuren der Verderbnis würden sichtbar. Statt dessen würde der Blick des Menschen, wie lange auch immer er sich darum bemühen mag, einen Fehler zu finden, wie die Ayah

فَارْجِعِ الْبَصَرَ هَلْ تَرٰى مِنْ فُطُورٍ ٭ ثُمَّ ارْجِعِ الْبَصَرَ كَرَّتَيْنِ يَنْقَلِبْ اِلَيْكَ الْبَصَرُ

خَاسِئًا وَهُوَ حَسِيرٌ

{"So wende deinen Blick noch einmal zurück, ob du einen Riss (in Seinem Schöpfungswerk) finden könntest. Dann wende deinen Blick noch ein zweites Mal und dein Blick kehrt verstört zu Dir zurück und gibt sich geschlagen." (Sure 67, 3-4)}

aussagt, ermüdet ins Auge, seine Wohnstatt zurück, ohne irgendwo einen Fehler entdeckt zu haben, und dem kritischen Verstand, der ihn gesandt hat, sagen: "Ich habe mich umsonst bemüht. Müde bin ich geworden: es gibt keinen Fehler." Diese Aussage zeigt, dass die Anordnungen und die Wohlordnung (im ganzen Kosmos) überaus vollkommen ist. Also ist die Wohlordnung des Kosmos ein sicheres Zeugnis für die Einheit Gottes in Seiner Allgegenwart (Vahdaniyet).

Auf nun! Komm, wir wollen das Lehrthema vom geschaffenen Sein (huduth)

miteinander besprechen! Die Gelehrten des Wortes sagen: "Die Welt ist der Veränderung unterworfen. Alles was sich verändert, wurde geschaffen (hadith).Jedes Erschaffene muss seinen Schöpfer haben (muhdith),d.h. einen, der es ins Dasein gerufen hat. Daher muss dieser Kosmos seinen urewigen, anfangslosen (qadim)Schöpfer haben."

Wir sagen auch: In der Tat ist dieser Kosmos erschaffen. Denn: wir sehen, dass in jedem Jahrhundert, ja sogar in jedem Jahr, ja sogar in jeder Jahreszeit ein Kosmos, eine Welt geht und eine andere Welt kommt. Das heißt; es muss doch einen geben, der in Seiner Majestät über alles allmächtig (Qadir-i Dhu l-Djelal)ist, der diesen Kosmos aus dem Nichts erschafft; in jedem Jahr, vielmehr in jeder Jahreszeit, ja sogar an jedem Tag, ihn allen mit Bewusstsein begabten Wesen zeigt, ihn dann wegnimmt und einen anderen dafür hervorbringt. Er bindet sie hintereinander an eine Kette und hängt sie an das Seil der Zeit.

Mit Sicherheit ist es die wunderbare Macht des Herrn, der über alle Dinge mächtig ist, die in jedem Frühling, der jeweils wie diese Welt als veränderlicher Kosmos gilt, die Universen, die aus dem Nichts kommen und gehen,

vor unseren Augen ins Dasein ruft. Mit Sicherheit ist es derjenige, der jederzeit in dieser Welt Welten erschafft und verändert, der mit absoluter Sicherheit auch diese Welt erschaffen hat. Die Welt und die Erde hat er für jene bedeutenden Gäste zu einem Gästehaus gemacht.

Nun kommen wir zu dem Thema von der Lehre über das mögliche Sein (imkan).

Die Gelehrten des Wortes sagen: Der Begriff "Möglichkeit" besagt, dass beide Seiten im Gleichgewicht stehen. Das heißt: Wenn das Nichtsein und das Sein beide gleichgestellt sind, muss einer da sein, der bestimmt, der bevorzugt und ins Dasein bringt. Denn: die Möglichkeiten können einander nicht ins Dasein bringen und miteinander eine Kette bilden. Oder: es kann auch nicht sein, dass einer den anderen und beide sich gegenseitig erschaffen, verursachen und bewirken. Daher muss es einen, der notwendigerweise da ist, geben, der dieses erschafft. Einen Kreislauf und eine Art von Kettenreaktion widerlegen sie anhand von zwölf sicheren Zeugnissen, die unter Bezeichnungen wie die Zeugnisse, die sich auf "Thron" ('arshi)und "Leiter" (Süllemi)beziehen, berühmt sind. Sie zeigen, dass es unmöglich ist, dass die Dinge sich hintereinander folgend erschaffen. Sie schaffen die Kettenfolge der Ursachen ab und beweisen die Existenz des Notwendig-Seienden.

Wir sagen auch, statt anhand der Zeugnisse einer Reihenfolge zu zeigen, dass die Ursachen am Anbeginn der Welt aufhören, ist es noch treffender, noch einfacher, das Siegel, das dem Schöpfer aller Dinge gehört, in jedem Ding zu zeigen. Mit dem Segen des Qur'an beruhen alle "Fenster" und alle "Worte" auf dieser Grundlage. Darüber hinaus hat der Blickpunkt der Lehre vom möglichen Sein (imkan)eine unendliche Weite. Er zeigt in zahlloser Hinsicht die Existenz dessen, der notwendigerweise da sein muss. Er ist nicht nur auf den Weg, den die Gelehrten des Wortes mit dem Aufhören der Reihenfolge der Ursachen erklären, (der mit Recht die breite und weite Straße ist) beschränkt, sondern er öffnet durch die unbegrenzbaren und unzählbaren Wege den Weg zur Erkenntnis dessen, der notwendigerweise da sein muss. Es ist dies wie folgt:

Während ein jedes Ding bei seiner Entstehung, in der Aneignung seiner Eigenschaften und in der Dauer seines Bleibens inmitten zahlloser Möglichkeiten, das heißt, inmitten von überaus vielen Wegen und Richtungen unentschlossen ist, sehen wir, dass es bei seiner Entstehung inmitten dieser zahllosen Richtungen doch einem bestimmten wohlgeordneten Weg folgt. Jede Eigenschaft bekommt es entsprechend seinem Wesen. Alle Eigenschaften und Haltungen, die sich während der Dauer seines Bestehens ändern, werden ihm so seinem Wesen entsprechend gegeben.

Also geschieht es durch den Willen eines, der bestimmt, durch die Bewegung eines, der entscheidet, und durch die Erschaffung eines allweisen Schöpfers, sodass Er es inmitten zahlloser Wege auf einen weisheitsvollen Weg führt. Er bekleidet es mit wohlgeordneten Eigenschaften und gibt ihm eine bestimmte Haltung. Dann nimmt Er es aus seiner Isolation heraus und macht es zu einem Teil eines zusammengesetzten Körpers, wodurch sich die Möglichkeiten steigern. Denn es kann in diesem Körper in tausend Formen stehen. In Wirklichkeit wird ihm inmitten von diesen ergebnislosen Zuständen ein ergebnisbringender spezieller Zustand gegeben, sodass es wichtige Ergebnisse und Nutzen bringt und in diesem Körper Aufgaben versieht. Danach wird dieser Körper zu einem Teil eines anderen Körpers.

Die Möglichkeiten steigern sich noch mehr. Denn es kann in tausend Formen stehen. Durch diese Zustände wird es für wichtige Aufgaben vorgesehen usw... zeigt es mit immer mehr Sicherheit die Notwendigkeit des Seins des allweisen Lenkers und Leiters. Es tut kund, dass es durch den Befehl des allweisen Befehlshabers geleitet wird. Es gleicht in all diesen Zusammensetzungen wie Körper in Körper, die einander Mitglieder werden, einem Soldaten, der in seinem Zug, in seiner Kompanie, in seinem Bataillon, in seinem Regiment, in seiner Division

und in seinem Heer zu jedem von diesen ineinander liegenden Korps eine besondere Aufgabe, ein zweckmäßiges Verhältnis und einen wohlgeordneten Dienst hat. Genauso hat eine Zelle in deiner Pupille ein Verhältnis zu deinem Auge und hat seinen Dienst. Sie hat auch ein Verhältnis zu dem ganzen Korps deines Kopfes, eine zweckmäßige Aufgabe und einen Dienst. Verirrte sie sich nur ein wenig, so wird die Gesundheit und die Verwaltung deines Körpers zu Grunde gehen. Sie hat in den Arterien, den Venen und Muskeln, sogar im ganzen Heer deines Körpers je eine besondere Aufgabe und eine zweckmäßige Haltung. Unter Tausenden von Möglichkeiten wurde ihr eine bestimmte Haltung durch die Weisheit (hikmet)des Einen Allweisen Meisters (Sani-i Hakiem)gegeben.

Genauso legt alles, was es in diesem Kosmos gibt, für den Einen, der notwendigerweise da sein muss, dadurch Zeugnis ab, dass es mit seinem eigenen Wesen und seinen eigenen Eigenschaften zwar vor den Wegen vieler Möglichkeiten steht, aber einen besonderen Körper, eine zweckmäßige Gestalt und nützliche Eigenschaften trägt. Genauso macht es, wenn es in eine Zusammensetzung kommt, in jeder Zusammensetzung mit einer anderen Sprache wieder den Meister bekannt. Und so geht es bis zur größten Zusammensetzung weiter, zu der es ein Verhältnis hat und in der es eine Aufgabe und einen Dienst versieht. Im Angesicht dessen legt es Zeugnis für die Notwendigkeit der Existenz des allweisen Meisters (Sani-i Hakiem),für Seine freie Entscheidung (ihtiyar)und für Seinen Willen (irade)ab. Denn, derjenige, der ein Ding so einsetzt, dass es zweckmäßige Verbindungen zur ganzen Zusammensetzung aufrechterhält, kann nur der sein, der Schöpfer all dieser Zusammensetzungen ist.

Also gilt jedes einzelne Ding als ein Zeuge für Ihn mit Tausenden von Zungen. So kommen Zeugnisse für die Existenz des Notwendig-Seienden auch von diesem Punkt der Möglichkeiten nicht nur nach der Anzahl all dessen, was sich im Universum befindet, vielmehr so viele, wie es für alles, was da ist, Eigenschaften und Zusammensetzungen gibt.

Wohlan, oh du Gottvergessener! Wie taub und unvernünftig muss denn nun einer sein, der diese Zeugnisse, diese Klänge nicht hört, die den ganzen Kosmos erfüllen? Nun, sag einmal selbst!

Einunddreißigstes Fenster:

لَقَدْ خَلَقْنَا اْلاِنْسَانَ فِىٓ اَحْسَنِ تَقْوِيمٍ ٭ وَفِى اْلاَرْضِ اٰيَاتٌ لِلْمُوقِنِينَ ٭ وَفِىٓ اَنْفُسِكُمْ اَفَلاَ تُبْصِرُونَ

{"Wir haben den Menschen in seiner besten Form erschaffen." (Sure 95, 4) "Und auf Erden finden sich Zeichen für die, welche fest stehen (in der Wahrheit), und auch in euch selbst. Ja, wollt ihr denn nicht sehen?" (Sure 51, 20-21)}

Dieses Fenster ist das Fenster zum Menschen und seiner Seele (nefs).Die Einzelheiten zu diesem Fenster überlassen wir den Tausenden von ausführlichen Büchern der Forscher unter den Gottesfreunden und deren Kenntnis der Seele, und wollen hier nur auf einige Grundsätze, die wir aus der Fülle des Qur'an entnommen haben, hinweisen. Es ist dies wie folgt:

Wie bereits im "Elften Wort" erklärt wurde, ist der Mensch ein so umfassendes Wesen, dass Gott der Gerechte den Menschen all Seine Namen, in seiner eigenen menschlichen Seele empfinden lässt. Wir überlassen die ausführlichen Erklärungen anderen "Worten" und wollen hier nur drei Punkte aufzeigen.

Erster Punkt:

Der Mensch ist in dreifacher Hinsicht ein Spiegel der Namen Gottes.

Erste Hinsicht:

Wie die Finsternis in der Nacht das Licht zeigt, genauso macht der Mensch auch durch seine Schwäche und Ohnmacht, durch seine Armseligkeit und Bedürftigkeit, und durch seine Mängel und Fehler die Macht, die Kraft, den Reichtum und die Barmherzigkeit des Majestätischen, Allmächtigen bekannt. Für all diese vielen Eigenschaften Gottes dient er auf diese Weise als Spiegel. Und da er in seiner grenzenlosen Ohnmacht und

unendlichen Schwäche und seinen zahllosen Feinden gegenüber nach einem Stützpunkt sucht, hält er in seinem Gewissen (vidjdan)beständig nach dem Notwendig-Seienden Ausschau. Da er in seiner grenzenlosen Armseligkeit, und grenzenlosen Bedürftigkeit zahllosen Zielen gegenüber gezwungenermaßen nach einem Punkt sucht, von dem ihm Hilfe kommt, sucht er in seinem Gewissen (vidjdan)in dieser Hinsicht ständig am Tore (Dergah)des Barmherzigen in all Seinem Reichtum (Ghaniyy)und streckt Ihm flehend seine Hände entgegen. Also öffnen sich in jedem Gewissen (vidjdan)hinsichtlich dieses Stützpunktes und Hilfspunktes zur Schwelle der Barmherzigkeit des Barmherzigen, Allmächtigen zwei kleine Fenster, durch die er Ihn alle Zeit betrachten kann.

Zweite Hinsicht, ein Spiegel zu sein:

Der Mensch dient durch sein persönliches Wissen, Vermögen, Sehen und Hören, durch seinen Eigentumsanspruch, seinen Herrschaftsanspruch, (alles Dinge) die ihm nur als Muster gegeben wurden, als ein Spiegel für das Allwissen, die Allmacht, das Allsehen, das Allhören und die Herrschaft des Eigentümers des ganzen Kosmos. (Alle diese Dinge) werden ihm bewusst und so gibt er sie auch kund.

Zum Beispiel:

So wie ich dieses Haus gebaut habe und es zu bauen weiß, wie ich es sehe, sein Eigentümer bin und es verwalte, genauso hat dieses riesige Weltenschloss auch einen Baumeister, der es kennt, sieht, baut, verwaltet usw.

Dritte Hinsicht, ein Spiegel zu sein:

Der Mensch dient den Namen Gottes, deren Ornamente er trägt, als Spiegel. Es gibt mehr als siebzig Namen, die in dem so umfassenden Wesen des Menschen mit ihren Ornamenten in Erscheinung treten, was bereits in der Einführung zum Dritten Kapitel des "Zweiunddreißigsten Wortes" ein wenig erläutert wurde.

Zum Beispiel:

Bei seiner Erschaffung werden die Namen "der Meister" (Sani')und der Schöpfer (Haliq),bei seiner Entstehung auf schönste Weise der Erbarmer (Rahman)und der Barmherzige (Rahim),bei seiner Versorgung in schönster Weise die Namen der Freigiebige (Kerim)und der Anmutige (Latif)usw. durch alle

Glieder des Menschen, durch seine Organe und Zellen, durch seine subtilen Sinne und Fähigkeiten, sichtbar und zeigt er also verschiedene Ornamente der verschiedenen Namen. Wie es nun unter den Namen Gottes einen bestimmten gewaltig großen Namen (ism-i 'adham)gibt, genauso gibt es auch unter den Ornamenten dieser Namen ein bestimmtes gewaltig großes Ornament. Das aber ist der Mensch.

Oh du Mensch, der du dich als Mensch erkennst! Studiere dich selbst, sonst gerätst du in die Gefahr ein Mensch zu sein, der einem Tier oder der unbelebten Natur gleichkommt!

Zweiter Punkt:

Dieser Punkt weist auf das große Geheimnis der Einheit Gottes in Seinem Wesen (Ahadiyet).Es ist dies wie folgt:

Die Beziehung der Seele (ruh)des Menschen zum ganzen Körper ist ja von der Art, dass sie alle seine Organe und Zellen einander helfen lässt. Das heißt: Die Befehle des Seins (d.h. die Naturgesetze), welche Erscheinungen des Willens Gottes (irade illahi)sind, und die Seele, die ein Gesetz von diesen Befehlen ist, der ein äußerlicher Körper angezogen wurde, und die eine Blume des Herrn (latife rabbaniye)ist, hindert nichts bei der Lenkung und Leitung der Organe und der Zellen und dabei, dass sie die geistigen Stimmen voneinander wahrnehmen und gegenseitig ihre Bedürfnisse sehen und es verwirrt nichts die Seele (ruh).Für die Seele ist weit und nah das gleiche. Eine Tätigkeit kann sie nicht an einer anderen Tätigkeit hindern. Wenn sie will, kann sie vieles einem einzigen zu Hilfe bringen. Wenn sie will, kann sie mit jedem Teil des Körpers wissen, wahrnehmen, lenken und leiten. Wenn sie Lichtcharakter erlangt hat, der weitreichend ist, kann sie sogar mit allen Körperabschnitten sehen und hören.

Wenn die Seele, die nur ein Gesetz ist, welches von Gott dem Gerechten stammt, über den Körper und die Organe des Menschen, der eine Welt im Kleinen ist, in dieser Art wirkt, fallen dem allumfassenden Willen und der absoluten Allmacht dessen, der notwendigerweise da sein muss, grenzenlos viele Tätigkeiten, grenzenlos viele Stimmen,

grenzenlos viele Gebete, grenzenlos viele Arbeiten im Kosmos, der die Welt im Großen ist, keineswegs schwer. Eine Sache hindert Ihn nicht an einer anderen Sache. Nichts hält den majestätischen Schöpfer (Khaliq-i Dhu l-Djelal)ab und Ihn verwirrt nichts. Das ganze sieht Er gleichzeitig und alle Stimmen hört Er gleichzeitig. Ihm ist nah und fern gleich. Wenn Er will, kann Er alle Dinge durch alle Dinge sehen und ihre Stimmen hören und alle Dinge durch alle Dinge wissen. Usw.

Dritter Punkt:

Das Leben hat ein sehr wichtiges Wesen und einen bedeutenden Auftrag. Da aber dieses Thema in dem "Fenster über das Leben" und in dem achten Wort des Zwanzigsten Briefes ausführlich behandelt wurde, verweisen wir darauf und merken nur folgendes an:

Die ineinander vermischten Ornamente, die im Leben in Form von Empfindungen sprudeln, weisen auf sehr viele Gottesnamen und auf das Wirken in Seinem Wesen hin. Sie dienen überaus glänzend als Spiegel für das Wirken im Gotteswesen. Da der passende Moment für eine Erklärung dieser tiefen Wahrheit für diejenigen nicht da ist, die Gott noch nicht kennen und Ihn noch nicht vollständig bestätigen, schließen wir hier dieses Tor.

Zweiunddreißigstes Fenster:

هُوَ الَّذِىٓ اَرْسَلَ رَسُولَهُ بِالْهُدٰى وَدِينِ الْحَقِّ لِيُظْهِرَهُ عَلَى الدِّينِ كُلِّهِ وَكَفٰى بِاللَّهِ شَهِيدًا ٭ قُلْ يَآ اَيُّهَا النَّاسُ اِنِّى رَسُولُ اللَّهِ اِلَيْكُمْ جَمِيعًا الَّذِى لَهُ مُلْكُ السَّمٰوَاتِ وَاْلاَرْضِ لآَ اِلٰهَ اِلاَّ هُوَ يُحْيِى وَيُمِيتُ

{"Er ist es, der Seinen Gesandten mit der Leitung sandte und dem wahren Glauben, um ihr zum Sieg über jedweden Glauben zu verhelfen. Und dafür genügt Gott als Zeuge." (Sure 48, 28) "Sag: Oh ihr Menschen! Ich bin für euch alle der Gesandte Gottes, dessen die Himmel und die Erde sind." (Sure 7, 158)}

Dieses Fenster ist das Fenster zu Mohammed, mit dem Friede und Segen sei, der die Sonne am Himmel des Prophetentums, ja, die Sonne aller Sonnen ist. Da dieses sehr große und überaus lichtvolle Fenster im "Einunddreißigsten Wort", der Abhandlung über die Himmelfahrt, im "Neunzehnten Wort", der Abhandlung über das Prophetentum Ahmeds (Mohammeds),mit dem Friede und Segen sei, und im "Neunzehnten Brief", mit neunzehn Hinweisen, so glänzend und klar gezeigt wurde, denken wir in diesem Zusammenhang an diese beiden Worte, und diesen Brief, und besonders an den Neunzehnten Hinweis dieses Briefes. Wir überlassen ihnen die Aussagen darüber und sagen nur folgendes:

Die Persönlichkeit Ahmeds (Mohammeds),mit dem Friede und Segen sei, der ein sprechendes Zeugnis der Einheit Gottes ist, bezeugt durch die Flügel des Prophetentums und der Gottesfreundschaft, das heißt, mit seiner Kraft, die die Übereinstimmung und den Konsens aller Propheten vor ihm und die Übereinstimmung und Überlieferungen aller Gottesfreunde und Reinen nach ihm inne hat, in seinem ganzen Leben mit Leib und Seele die Einheit Gottes (Tauhid)in Seiner Herrschaft und macht sie bekannt. Er öffnete zur Erkenntnis Gottes ein Fenster breit und lichtvoll wie die islamische Welt. Millionen Forscher unter den Reinen und Treuen, wie Imam Ghazzali, Imam Rabbani, Muhyi d-Din al-Arabi, Abdu l-Qadir Geylanihaben durch dieses Fenster geschaut und es auch für andere geöffnet. Gibt es etwa einen Vorhang, den man vor einem solchen Fenster zuziehen könnte? Wäre etwa derjenige, der, noch dazu mit Beschuldigungen, nicht durch dieses Fenster schaut, vernünftig zu nennen? Also, nun sag doch einmal selbst!

Dreiunddreißigstes Fenster:

اَلْحَمْدُ ِللَّهِ الَّذِىٓ اَنْزَلَ عَلٰى عَبْدِهِ الْكِتَابَ وَلَمْ يَجْعَلْ لَهُ عِوَجًا قَيِّمًا ٭ الٓرٰ كِتاَبٌ اَنْزَلْنَاهُ اِلَيْكَ لِتُخْرِجَ النَّاسَ مِنَ الظُّلُمَاتِ اِلَى النُّورِ

{"Gepriesen sei Gott, der seinem Diener die Schrift gesandt und nichts Krummes in sie hinein gelegt hat. Das Rechte." (Sure 18, 1) "Elif Lam Ra. Ein Buch, das wir dir gesandt haben, um die Menschen aus der Finsternis ins Licht zu führen." (Sure 14, 1)}

Stelle dir einmal vor, dass alle vorausgegangenen Fenster nach dem Meer des Qur'an, ein paar Tropfen aus ihm gleich wären. Dann kannst du auch vergleichen, wie viele Lichter der Einheit Gottes (Tauhid),die als Lebenselixiere gelten, es im Qur'an gibt. Selbst wenn man den Qur'an, der Brunnen, Quelle und Ursprung zu all diesen Fenstern ist, nur sehr allgemein und in einer sehr laienhaften Weise überblickt, ist er dennoch ein überaus glänzendes und lichtvolles umfassendes Fenster. Es zu erklären, wie sicher, glänzend und lichtvoll dieses Fenster ist, überlassen wir dem "Fünfundzwanzigsten Wort", der Abhandlung über das Wunder des Qur'an und dem achtzehnten Hinweis des "Neunzehnten Briefes". Wir flehen zum Thron des Erbarmers, dem Herrn, der die Majestät besitzt, der uns den Qur'an herab gesandt hat, inbrünstig und sprechen:

رَبَّنَا لاَ تُؤَاخِذْنَآ اِنْ نَسِينَآ اَوْ اَخْطَاْنَا ٭ رَبَّنَا لاَ تُزِغْ قُلُوبَنَا بَعْدَ اِذْ هَدَيْتَنَا ٭ رَبَّنَا تَقَبَّلْ مِنَّا اِنَّكَ اَنْتَ السَّمِيعُ الْعَلِيمُ ٭ وَتُبْ عَلَيْنَا اِنَّكَ اَنْتَ التَّوَّابُ الرَّحِيمُ

{"Unser Herr, strafe uns nicht, wenn wir uns vergessen oder vergangen haben." (Sure 2, 286) "Herr, lass unsere Herzen nicht wieder abirren, nachdem Du uns rechtgeleitet hast." (Sure 3, 8) "Herr, nimm dies von uns an. Fürwahr, Du bist es, der alles hört und weiß." (Sure 2, 127) "Wende Dich uns zu, denn Du bist es, der sich uns immer wieder zuwendet, der Allbarmherzige." (Sure 2, 128)}

Anmerkung

Dieser Dreiunddreißigste Brief, der dreiunddreißig Fenster hat, bringt - inshaallah - den, der keinen Glauben hat, zum Glauben. Er bestärkt den Glauben dessen, der im Glauben schwach ist. Er macht den Glauben dessen, der zwar im Glauben stark ist, dabei aber nur mitmacht (taqlid),zu einem wahrhaftigen Glauben. Er gibt dem Glauben dessen einen breiteren Rahmen, dessen Glauben wahrhaftig ist. Den, dessen Glauben weit ist, führt er, damit er in der Erkenntnis Gottes (marifetullah)fortschreitet, welche Grund und Quelle aller wahren Vollkommenheit ist und

öffnet ihm noch lichtvollere, noch glänzendere Ausblicke. So kannst du denn nun nicht sagen: "Ein Fenster reicht mir, genügt mir." Denn, wenn erst dein Verstand zur Überzeugung gelangt ist, und seinen Anteil erhalten hat, wird auch dein Herz seinen Anteil verlangen. Auch Deine Seele (ruh)verlangt ihren Anteil. Ja sogar deine Vorstellungskraft (hayal)wird ihren Anteil an diesem Licht verlangen. Daher bringt jedes Fenster wieder einen anderen Nutzen.

In der Abhandlung über die Himmelfahrt (Mi'radj)war der direkt Angesprochene (muhatab)ein Gläubiger und der Ungläubige hatte den Status (maqam)eines Zuhörers inne. In dieser Abhandlung ist unser Gesprächspartner aber ein Ungläubiger (munkir),während der Gläubige den Status des Zuhörers einnimmt. Dies sollte man beim Lesen in Betracht ziehen.

Leider wurde dieser Brief aufgrund wichtiger Umstände sehr schnell geschrieben und ist sogar ein Manuskript geblieben, wodurch meine Art, mich auszudrücken, sicherlich ein wenig mangelhaft und schwer verständlich sein dürfte. Ich bitte daher meine Mitbrüder, ihn mit Nachsicht (entgegenzunehmen) und soweit möglich korrigieren zu wollen, und für mich um Vergebung zu beten.

وَالسَّلاَمُ عَلٰى مَنِ اتَّبَعَ الْهُدٰى وَالْمَلاَمُ عَلٰى مَنِ اتَّبَعَ الْهَوٰى ٭ سُبْحَانَكَ لاَعِلْمَ لَنَآ اِلاَّ مَاعَلَّمْتَنَآ اِنَّكَ اَنْتَ الْعَلِيمُ الْحَكِيمُ ٭ اَللّٰهُمَّ صَلِّ وَسَلِّمْ عَلٰى مَنْ اَرْسَلْتَهُ رَحْمَةً لِلْعَالَمِينَ وَعَلٰٓى اٰلِهِ وَصَحْبِهِ وَسَلِّمْ اٰمِينَ

{"Friede denen, die der rechten Leitung folgen und Tadel über die, die ihren Launen folgen. Gepriesen seist Du! Wir haben kein Wissen, außer dem, das Du uns gelehrt hast. Denn Du bist der Allwissende, der Allweise." (Sure 2, 32) "Oh Gott, schenke Segen und Deinen Frieden dem, den Du als Barmherzigkeit für die Welten gesandt hast, ihm und seiner Familie und seinen Gefährten und schenke ihnen Deinen Frieden. Amin."}

Buchgebet

بِسْمِ اللَّهِ الرَّحْمَنِ الرَّحِيمِ

يَا اَللّٰهُ ٭ يَا رَحْمٰنُ ٭ يَا رَحِيمُ ٭ يَا فَرْدُ ٭ يَا حَىُّ ٭ يَا قَيُّومُ ٭ يَا حَكَمُ ٭ يَا عَدْلُ ٭ يَا قُدُّوسُ

{"Im Namen Gottes, des Barmherzigen, des Allerbarmers." "Oh Gott! Oh Barmherziger! Oh Allerbarmer! Oh Einzigartiger! Oh Lebendiger! Oh Unwandelbarer! Oh Gerechter! Oh Heiliger!"}

Um Deines Gewaltigen Namens willen und um der Ehre des Qur'an, der in seiner Verkündigung ein Wunder ist, und um der Würde Deines ehrenwerten Gesandten willen, mit dem Friede und Segen sei, geleite diejenigen, welche dieses Buch gedruckt haben, ihre gesegneten Helfer und die Schüler der Risale-i Nur zur Ewigen Glückseligkeit in den Gärten des Paradieses. Amin. Verleihe ihnen immerwährenden Erfolg im Dienste am Glauben und am Qur'an. Amin. Und schreibe ihnen für jeden Buchstaben dieses Buches tausendmal Gutes in das Buch ihrer Guten Taten. Amin. Und gewähre ihnen Ausdauer, Stetigkeit und Aufrichtigkeit in der Verbreitung der "Licht"-Abhandlungen. Amin.

Oh Barmherziger Allerbarmer!... Schenke allen Schülern der Risale-i Nur Glück und Zufriedenheit in Beiden Welten. Amin. Beschütze sie vor der Bosheit des Teufels in Dschinnen- und Menschengestalt. Amin. Und verzeihe diesem schwachen und hilflosen Said seine Fehler. Amin...

Im Namen aller Nur-Schüler

Said Nursi

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