Dritte Anmerkung:
Es gibt zwei Arten, wie ein bewusst in Worte gefasstes Gebet angenommen werden kann. Entweder wird es genau so angenommen, wie es gewünscht worden war, oder aber es wird etwas besseres gegeben.
Zum Beispiel: Jemand wünscht sich einen Sohn. Gott der Gerechte schenkt ihm eine Tochter wie Hazret-i Meryem (Maria). Er darf dann nicht sagen: "Mein Gebet wurde nicht angenommen." Er sollte vielmehr sagen: "Es wurde in einer besseren Form angenommen." Manchmal betet jemand auch für sein eigenes irdisches Glück. Sein Gebet wird für das Jenseits angenommen. "Mein Gebet wurde nicht angenommen." darf er nicht sagen. Vielmehr sollte er sagen: "Es wurde in einer sinnvolleren Weise angenommen." usw... Da nun Gott der Gerechte Allweise ist, erflehen wir etwas von ihm und Er ist es, der uns Antwort gibt. Doch entspricht es seiner Weisheit, in welcher Weise er mit uns umgeht. Wer krank ist, sollte der Weisheit seines Arztes nicht mit Argwohn begegnen. Der Kranke verlangt nach Honig. Der Arzt, der ihn behandelt, verabreicht ihm Chinin gegen Malaria. Jetzt darf er nicht sagen: "Der Arzt hat nicht auf mich gehört." Doch der Arzt hat auf sein Ächzen und Stöhnen gehört und auch seine Antwort darauf gegeben. Ja, er hat dem, was die Situation erforderte, auf beste Weise entsprochen.
Vierte Anmerkung:
Die schönste, feinste, süßeste, unmittelbar gegenwärtige Frucht des Gebetes und ihr Ergebnis ist Folgendes: Ein Mensch, der betet, weiß, dass da jemand ist, der auf seine Stimme hört, ein Heilmittel für seinen Kummer sendet, sich seiner erbarmt und dessen allmächtige Hand, alles erreichen kann. In dieser so großen Herberge dieser Welt ist er nicht allein. Es gibt einen freigiebigen (kerim)Herrn, der sich um ihn kümmert und ihm ein Gefühl der Geborgenheit vermittelt. Und weiter erlebt (tassavvur)er sich selbst in der Gegenwart (huzur)
seines Herrn, der all seine zahllosen Bedürfnisse zu befriedigen und seine zahllosen Feinde zu vertreiben vermag. So verspürt er Freude und Erleichterung, wirft eine Last, so schwer wie die ganze Welt, von seinen Schultern und sagt
اَلْحَمْدُ لِلّٰهِ رَبِّ الْعَالَمِينَ
{"Lob und Preis sei Gott, dem Herrn der Welten!" (Sure 1, 1)}
Fünfte Anmerkung:
Das Gebet (dua)ist die Seele (ruh)des Gottesdienstes (ubudiyet)und das Ergebnis eines aufrichtigen Glaubens (imam).Denn ein Mensch, der betet, zeigt damit, dass es Einen gibt, Der das ganze Universum regiert, Der mich kennt und auch die unbedeutendsten Dinge über mich weiß, Der auch noch die Dinge zustande zu bringen vermag, die weit (außerhalb meiner Möglichkeiten) liegen, Der stets sieht, wie ich mich befinde (hal)und meine Stimme hört. Ja weil dies so ist und weil Er die Stimmen allen Seins hört, so hört Er auch meine Stimme.
All diese Dinge tut Er, sodass ich auch noch die kleinsten Dinge von Ihm erwarten darf, von Ihm erbitten darf. So betrachte nun die Weite eines aufrichtigen Glaubens in Gottes Einheit (Tauhid),wie sie das Gebet vermittelt und die Süßigkeit und Klarheit des Lichtes des Glaubens (iman),das es zeigt und versteh das Geheimnis von
قُلْ مَا يَعْبَؤُا بِكُمْ رَبِّى لَوْلاَ دُعَآؤُكُمْ
{"Sprich: Mein Herr würde sich nicht um dich kümmern, wäre es nicht um deines Gebetes willen." (Sure 25, 77)}
und höre auf den Erlass (Ferman):
وَ قَالَ رَبُّكُمُ ادْعُونِٓى اَسْتَجِبْ لَكُمْ
{"und Er sagte: rufe mich an und ich werde dir antworten." (Sure 40, 60)}
So wie gesagt wurde:
اَكَرْنَه خَواهِى دَادْ نَه دَادِى خَواهْ
{"Wenn Er nicht hätte geben wollen, hätte Er nicht gegeben zu wünschen."}
سُبْحَانَكَ لاَعِلْمَ لَنَآ اِلاَّ مَاعَلَّمْتَنَآ اِنَّكَ اَنْتَ الْعَلِيمُ الْحَكِيمُ ٭ اَللّٰهُمَّ صَلِّ عَلٰى سَيِّدِنَا مُحَمَّدٍ مِنَ الْاَزَلِ اِلَى الْاَبَدِ عَدَدَ مَا فِى عِلْمِ اللّٰهِ وَعَلٰٓى اٰلِهِ وَصَحْبِهِ وَسَلِّمْ سَلِّمْنَا وَسَلِّمْ دِينَنَآ اٰمِينَ ٭ وَ الْحَمْدُ لِلّٰهِ رَبِّ الْعَالَمِينَ
{"Gepriesen seist Du. Wir haben kein Wissen, außer dem, das Du uns gelehrt hast. Denn Du bist der Allwissende, der Allweise." (Sure 2, 32) "Oh Gott gieße Deinen Segen aus über unseren Herrn Mohammed, von Ewigkeit zu Ewigkeit nach der Anzahl der Dinge, die das göttliche Wissen umfasst, und über seine Familie und seine Gefährten und Deinen Frieden über sie und über uns alle Gläubigen (din). Amen. ...und Lob und Preis sei Gott, dem Herrn der Welten."}
Zweiter Anhang zum Vierundzwanzigsten Brief
(Über die Himmelfahrt des Propheten)
بِاسْمِهِ ٭ وَاِنْ مِنْ شَىْءٍ اِلاَّ يُسَبِّحُ بِحَمْدِهِ ٭ بِسْمِ اللّٰهِ الرَّحْمٰنِ الرَّحِيمِ ٭ وَلَقَدْ رَاٰهُ نَزْلَةً اُخْرٰى ٭ عِنْدَ سِدْرَةِ الْمُنْتَهٰى ٭ عِنْدَهَا جَنَّةُ الْمَأْوٰى ٭ اِذْ يَغْشَى السِّدْرَةَ مَا يَغْشٰى ٭ مَا زَاغَ الْبَصَرُ وَمَا طَغٰى ٭ لَقَدْ رَاٰى مِنْ اٰيَاتِ رَبِّهِ الْكُبْرٰى
{"Im Seinem Namen! Und es gibt kein Ding, das nicht lobend ihn preist." "Im Namen Gottes, des Erbarmers, des Allbarmherzigen. Hatte er ihn doch ein andermal bei dem Lotusbaum gesehen, dort wo der Garten der Einkehr ist, damals als der Lotusbaum verhüllt wurde. Nicht wandte er den Blick ab, noch überschritt er seine Grenzen. So sah er das Große Zeichen seines Herrn." (Sure 53, 13-18)}
(Wir werden den Abschnitt über die Himmelfahrt des Propheten aus einem Gesang (kasside) zu seinem Geburtstag (Maulid) in Fünf Punkten erläutern.)
Erste Anmerkung:
Suleyman Efendi, der diese Kasside (Maulid)geschrieben hat, erzählt eine traurige Liebesgeschichte über Buraq, der aus dem Paradies herbeigebracht wurde. Da (Suleyman Efendi) ein Freund Gottes ist und (seine Kasside) auf einer Überlieferung basiert, drückt sie sicherlich auf diese Weise (der Darstellung) eine Wahrheit (haqiqat)aus.
Bei der Wahrheit, um die es hier geht, muss es sich um Folgendes handeln: Die Geschöpfe der Ewigen Welt sind eng verbunden mit dem Licht des Ehrenwerten Gesandten, mit dem Frieden und Segen sei. Denn es geschieht durch dieses Licht, das er gebracht hat, dass sich das Paradies mit Dschinnen und Menschen bevölkern wird. Wenn es dieses Licht nicht gäbe, käme auch die Ewige Glückseligkeit nicht zu Stande und Dschinnen und Menschen, welche die Fähigkeit haben, den Wert aller Arten alles Geschaffenen schätzen zu können, wären nicht im Stande gewesen, es zu beleben und es wäre in gewisser Hinsicht eine herrenlose Einöde geblieben.
Wir haben bereits im Vierten Ast des Vierundzwanzigsten Wortes erläutert, wie die legendäre Liebe (ashk)der Nachtigall zur Rose, vom Herrn als Sprecherin (beauftragt) das heftige Verlangen der Tiere bekannt macht, worin sich deren Liebe zu den Scharen der Pflanzen ausdrückt, mit welchen sie bis zur Liebe verbunden sind, und welche aus der Schatzkammer der Barmherzigkeit hervortreten und deren Versorgung produzieren und wie, gleich der Nachtigall der Rose, für eine jede Tierart auch eine Art Nachtigall ausgewählt wurde, deren Gesang ein Willkommen, ein Jubellied, eine Art Lobgesang (gegenüber Gott), ein prächtiger Empfang für alle Pflanzen ist.
In einer ähnlichen Weise diente der Engel Gabriel, mit dem der Friede sei, in vollkommener Liebe Mohammed, dem Araber, mit dem Friede und Segen sei, dem Geliebten des Herrn der Welten, welcher der Grund zur Erschaffung des Kosmos und der Glückseligkeit in beiden Welten ist und verweist damit auf die Engel, die sich Hasret-i Adam (mit dem der Friede sei) unterwerfen und ihm gehorchen und auf das Geheimnis, um dessentwillen sie sich vor ihm niederwerfen (sudjud).In Gleicher Weise empfanden auch die Bewohner des Paradieses, ja sogar ein Teil der Tiere dort eine Verbundenheit, die gerade auch Buraq leidenschaftlich (ashik)zu dieser Persönlichkeit empfand, als der ihn bestieg.
Zweite Anmerkung:
Eines der Erlebnisse während der "Himmelfahrt des Propheten" (wie sie in unserer Kasside besungen wird) betrifft die makellose Liebe (muhabbet)Gottes des Gerechten zu Seinem Ehrenwerten Propheten, mit dem Friede und Segen sei, ausgedrückt in den Worten: "Ich bin Dir in Liebe (ashik)verbunden." Diese Worte passen in ihrem ganz banalen Sinn nicht zu der Heiligkeit des notwendigerweise Seienden (vadjibu l'vudjud)und der Unvergleichlichkeit Seines Wesens. Suleyman Efendis Kasside erfreut sich großer Beliebtheit. Von daher mag man verstehen, dass er zu den Gottesfreunden und Kennern der Wahrheit gezählt wird. Von daher gesehen ist der Sinn, auf den hier angespielt wird, sicherlich richtig. Dieser Sinn aber ist der:
Der, welcher notwendigerweise Sein muss, verfügt über unendliche Schönheit (Djemal)und Vollkommenheit (Kemal).Denn alle Arten von Schönheit und Vollkommenheit, die in allen Bereichen des Alls verstreut sind, sind Spuren, Hinweise und Zeichen (ayat)Seiner Schönheit und Vollkommenheit. Wie jemand, der offensichtlich über Schönheit und Vollkommenheit verfügt, diese Schönheit und Vollkommenheit auch liebt, so liebt auch der Herr in Seiner Majestät (Dhat-i Dhu l-Djelal)Seine eigene Schönheit ganz besonders. Und Er liebt sie in einer Art, die Seiner würdig ist. Und ferner liebt Er auch Seine Namen, die die Strahlen Seiner Schönheit sind. Da Er aber nun einmal Seine Namen liebt, so liebt Er mit Sicherheit auch Seine Kunstwerke, welche die Schönheit Seiner Namen zur Darstellung bringt. Da dies aber nun einmal so ist, liebt Er auch die Kunstwerke, die Seiner Schönheit und Vollkommenheit als ein Spiegel dienen. Da Er aber nun einmal denjenigen liebt, der Seine Schönheit und Vollkommenheit zur Darstellung bringt, liebt Er mit Sicherheit auch die vorzüglichen Eigenschaften alles Geschaffenen, die auf die Schönheit und Vollkommenheit Seiner Namen hinweisen. Auf diese fünf (oben angeführten) Erscheinungsformen der Liebe (muhabbet)weist der weise Qur'an mit seinen Ayat hin.
Da also nun der Ehrenwerte Prophet, mit dem Friede und Segen sei, das vollkommenste unter allen Kunstwerken und das vornehmste unter allen Geschöpfen ist,
Und da er die göttlichen Kunstwerke unter lautem Lobpreis (dhikr)Gottes und mit Lobgesang (tesbih)ausstellt und preist,
Und da er in der Sprache des Qur'an die majestätischen (Djemal),vollkommenen (Kemal)Schätze der Namen Gottes geöffnet hat,
Und da er in der Sprache des Qur'an auf glänzende und schlüssige Weise die Vollkommenheit seines Meisters und Seine Zeichen der Erschaffung des Alls verkündet,
Und da er durch seinen umfassenden Dienst und seine universelle Anbetung zum Spiegel der göttlichen Herrschaft (rububiyet-i Ilahi)wurde,
Und da er durch seine alles umschließende Natur ein vollkommener Ort der Erscheinungen aller Göttlichen Namen geworden ist, kann man mit Sicherheit sagen: da der Majestätische in all Seiner Schönheit (Djemil-i Dhu l-Djelal)Seine Schönheit liebt, so liebt er auch Mohammed den Araber, mit dem Segen und Frieden sei, welcher der vollkommenste, mit Bewusstsein begabte Spiegel dieser Schönheit ist.
Und da er Seine Namen liebt, so liebt er auch Mohammed den Araber, mit dem Friede und Segen sei, den glänzendsten Spiegel dieser Namen und Er liebt auch die, welche Mohammed, dem Araber, mit dem Friede und Segen sei, ähnlich sind, entsprechend (ihrer Ähnlichkeit mit ihm).
Und da Er Seine Kunst liebt, so liebt Er sicherlich auch Mohammed den Araber, mit dem Friede und Segen sei, der dem ganzen Universum Seine Kunst in höchsten Tönen verkündete und der Land und Meer mit laut schallendem
Lobpreis (dhikr)und Lobgesang (tesbih)in Ekstase versetzte, sodass er in den Ohren der Himmel wiederklang.
Und da Er Seine Kunstwerke liebt, so liebt Er auch alle Lebewesen, die vollkommensten Seiner Kunstwerke, und alle die von Bewusstsein erfüllt sind, die vollkommensten aller Lebewesen, und die Menschen, welche die edelsten unter allen mit Bewusstsein begabten Wesen sind, und sicherlich noch viel mehr Mohammed, den Araber, mit dem Friede und Segen sei, welcher übereinstimmend der vollkommenste aller Menschen ist.
Und da Er die moralischen Tugenden und Werte (akhlaq)Seiner Geschöpfe liebt, so liebt Er auch Mohammed den Araber, mit dem Friede und Segen sei, dessen moralische Tugenden und Werte sicherlich den höchsten Grad erreichen, und auch die ihm ähnlich sind entsprechend dem Grade (ihrer Ähnlichkeit).
Das heißt, dass die Liebe Gottes des Gerechten genauso wie Seine Barmherzigkeit den ganzen Kosmos umfasst.
So gehört denn auch der höchste Rang (maqam)Mohammed dem Araber, mit dem Friede und Segen sei, in jedem der obigen erwähnten Aspekte der zahllosen (Erscheinungsformen) Seiner Liebe, weshalb ihm der Titel "Geliebter Gottes (Habibullah)"verliehen wurde.
So war es denn aus diesem Grunde, dass Suleyman Efendi den höchsten Rang in der Liebe Gottes (mahkam-i mahbubiyet)mit den Worten zum Ausdruck brachte: "Ich bin dir in Liebe (ashik)verbunden." Dieser Ausdruck dient unseren Gedanken als eine Art Teleskop, ist ein Hinweis auf eine sehr weit entfernte Wahrheit. Da dieser Ausdruck nun aber trotzdem in unserer Vorstellung vom Wirken des Herrn (Rububiyet)unpassende Bilder heraufbeschwört, sollte man statt dessen besser sagen: "Ich bin mit dir zufrieden."
Dritte Anmerkung:
Die Geschehnisse während der
Himmelfahrt können diese heiligen, transzendenten Wahrheiten nicht mit uns geläufigen Worten zum Ausdruck bringen. Doch gleichen solche Dialoge entweder einem Beobachtungsposten, gleich einem Observatorium unserer Betrachtungsweisen, ein Hinweis auf erhabene, tiefe Wahrheiten, eine Art Hinweis auf den Glauben und einen Teil der Wahrheiten und ein Hinweis auf Bedeutungen, die unaussprechlich sind. Es sind keine Geschehnisse mit einer uns bekannten Bedeutung. Wir können die Wahrheit hinter solchen Gesprächen nicht mit unserer Vorstellungskraft verstehen, sondern empfangen statt dessen nur eine freudige Erregung, verbunden mit dem Glauben in unserem Herzen, eine lichtvolle Freude in unserer Seele (ruh).Denn so wie dem Wesen und den Eigenschaften (dhat ve sifat)Gottes des Gerechten nichts als Ihm gleich oder ähnlich zur Seite gestellt werden kann, so gibt es auch im Wirken Seiner Herrschaft (rububiyet)nichts, was Ihm gleich wäre. So wie Seine Eigenschaften nicht den Eigenschaften Seiner Schöpfung ähneln, so gleicht die Liebe, die in Ihm ist, auch nicht der Liebe, die in ihr ist. Da dies aber so ist, betrachten wir diese Ausdrücke als metaphorisch und sagen:
Er, der notwendigerweise Sein muss besitzt aus der Notwendigkeit Seines Seins heraus (Zat-i Vadjib-ul Vudjudun Vucubu Vudjuduna),in einer Weise, die Seiner Heiligkeit angemessen und der Einzigartigkeit Seines Wesens und Seiner absoluten Vollkommenheit (kemal-i mutlaq)würdig ist, bestimmte Eigenschaften wie Liebe (muhabbet),an die die Kasside (von Suleyman Efendi) mit den Erlebnissen während der Himmelfahrt erinnert. Das Einunddreißigste Wort, das von der Himmelfahrt des Propheten handelt, erklärt die Gegebenheiten (haqaiq)dieser Himmelfahrt den Grundsätzen des Glaubens entsprechend. So wollen wir uns hier somit begnügen und es dabei bewenden lassen.
Vierte Anmerkung:
Der Satz: "Er erblickte Gott den Gerechten hinter siebzigtausend Schleiern." bringt eine
Art räumlichen Abstand zum Ausdruck. Während der Notwendig Seiende (Vadjibu-l'Vudjud)nicht an Zeit und Raum gebunden und allen Dingen näher ist, als sie es sich selbst sind. Was soll damit ausgesagt sein?
Antwort:
Diese Wahrheit wurde bereits im "Einunddreißigsten Wort" ausführlich erklärt und bewiesen. So wollen wir hier nur noch sagen:
Gott der Gerechte steht uns sehr nahe. Wir sind aber von Ihm unendlich weit entfernt. Die Sonne ist uns durch den Spiegel in unserer Hand unendlich nahe und jedes glänzende Objekt auf Erden gleicht einem Thron und ist für sie eine Art Wohnstatt. Hätte die Sonne ein Bewusstsein, so könnte sie durch den Spiegel in unserer Hand mit uns reden, obwohl sie doch viertausend Jahre von uns entfernt ist. Und obwohl wir hier keine Ähnlichkeiten sehen und keine Vergleiche (mit Gott) aufstellen wollen, so ist doch auch die Urewige Sonne einem jeden Ding näher als sie sich selbst. Denn Er ist der Notwendig Seiende (Vadjibu-l'Vudjud),frei von Raum und Zeit. Nichts kann eine Hülle vor Ihm sein und doch ist ein jedes Ding unendlich weit von Ihm entfernt.
So entsteht denn dieses Geheimnis einer weiten Entfernung im Zusammenhang mit diesem völligen Fehlen von Zeit und Raum, ausgedrückt in der Ayah:
وَنَحْنُ اَقْرَبُ اِلَيْهِ مِنْ حَبْلِ الْوَرِيدِ
{"Wir sind ihm näher als seine Schlagader." (Sure 50, 16)}
aus (der Tatsache, dass) Gottes Ehrenwerter Prophet, mit dem Friede und Segen sei, zu seiner Himmelfahrt aufbrach, eine riesige Entfernung im Flug zurücklegte und in einem Augenblick wieder zurückkehrte. Die Himmelfahrt des Ehrenwerten Gesandten, mit dem Friede und Segen sei, war eine spirituelle Reise und ein Ausdruck seiner Heiligkeit (velayet).Denn die Freunde Gottes (velayet)schreiten auf der Stufenleiter ihres Glaubens in einer spirituellen
Reise von vierzig Tagen bis zu vierzig Jahren bis zum Grade absoluter Gewissheit (haqqa-l'yaqin)fort.
In gleicher Weise öffnete Gottes Ehrenwerter Gesandter, mit dem Friede und Segen sei, Sultan über allen Gottesfreunden, eine Große Straße mit seiner Himmelfahrt, die (nach einer anderen Überlieferung - A.d.Ü.) nur vierzig Minuten statt vierzig Jahren währte und das Große Wunder (keramet-i kübra)seiner Heiligkeit war und die er nicht nur mit seinem Herzen und mit seiner Seele (ruh)unternahm, sondern auch mit seinem Körper, mit all seinen äußerlichen Sinnen und innerlichen Wahrnehmungsorganen (letaif)und erreichte so die höchsten Stufen der Glaubenswahrheiten. Über die Himmelsfahrtsleiter stieg er bis zum Thron (Gottes) empor und bezeugte schließlich auf der Stufe der "Zwei Bogenlängen (Qab-i Qauseyn)"mit dem Blick augenscheinlicher Gewissheit (ayne l-yaqien)den Glauben an Gott und den Glauben an das Jenseits, welche die größten Glaubenswahrheiten sind, trat in das Paradies ein und schaute die Ewige Glückseligkeit. Das Himmelfahrtstor zur großen Straße ließ er offen und alle Heiligen seiner Gemeinde gehen im Schatten dieser Himmelfahrt ihren Fähigkeiten entsprechend mit Herz und Seele (ruh)auf ihre spirituelle Reise.
Fünfte Anmerkung:
Die Geburt des Propheten (maulid)und seine Himmelfahrt zu besingen ist eine besonders schöne und segensreiche Gewohnheit und eine besonders angesehene islamische Tradition, ja mehr noch im gesellschaftlichen islamischen Leben eine sehr sinnvolle (latif),glanzvolle und überaus angenehme Art der Unterhaltung (sohbet),ja mehr noch der willkommenste, heitere Unterricht, um die Glaubenswahrheiten wieder in Erinnerung zu bringen, ja mehr noch die wirksamste und anregendste Möglichkeit, das Licht des Glaubens, die Liebe zu Gott (muhabbet)und die hohe Verehrung (ashk)für den Propheten darzustellen und zu ihr zu ermuntern.
Möge Gott der Gerechte diese Tradition ewig weiter bestehen
lassen und möge Gott der Gerechte all denen gnädig sein, die wie Suleyman Efendi eine solche (Kasside wie) "Maulid"geschrieben haben und ihnen das Paradies als Wohnstätte bereiten, amen...
Nachwort
Da der Schöpfer des Alls nun einmal von jeder Art ein besonders erlesenes Exemplar erschaffen hat, das alle Vollkommenheit in sich enthält, und es als ein Musterbeispiel zum Stolz seiner ganzen Art gemacht hat. So ist es denn mit Sicherheit notwendig, dass Er durch die Erscheinung des Gewaltigsten unter all Seinen Namen (Ism-i A'dham)auch aus dem gesamten Universum ein besonders erlesenes und vollkommenes Exemplar erschaffen wird. So wie es unter Seinen Namen den einen gibt, welcher "der gewaltige Name (Ism-i A'dham)"genannt wird, so muss es auch unter Seinen Kunstwerken ein besonders vollkommenes Exemplar geben, ein Einzelstück, in dem sich alle Vollkommenheit des Universums vereinigt und besonders auf dieses Seinen Blick lenken. Dieses Musterexemplar wird in jedem Fall ein Lebewesen sein. Denn unter den Arten im Universum die vollkommensten sind die Lebewesen. Und unter diesen Lebewesen wird dieses Exemplar in jedem Fall mit Bewusstsein begabt sein. Denn unter den Arten von Lebewesen die vollkommensten sind die bewusstseintragenden. Und dieses außergewöhnliche Individuum wird in jedem Fall ein Mensch sein. Denn unter den mit Bewusstsein begabten ist der, welcher zu höchster Entfaltung fähig ist, der Mensch. Und unter den Menschen wird in jedem Fall dieses eine Individuum Mohammed sein, mit dem Friede und Segen sei. Denn seit Adams Zeiten hat es bis heute noch niemals eine Geschichte gegeben, die uns eine Persönlichkeit gleich ihm vorgestellt hätte und wird uns auch nie von ihm berichten können. Denn diese Persönlichkeit hat das halbe Erdenrund
und ein Fünftel der Menschheit unter seine geistliche Leitung genommen und seine geistliche Leitung in vollkommener Majestät über eintausenddreihundertfünfzig Jahre fortbestehen lassen und ist für alle Vollendeten (kemal)in allen Arten der Wahrheit zu einem Universalgenie geworden. Freunde und Feinde stimmten (zu seiner Zeit - A.d.Ü.) darin überein, dass er den höchsten Grad an guter Sitte und Moral besaß. Zu Beginn seines Auftrags hat er auf sich allein gestellt die ganze Welt herausgefordert. Er, der den Qur'an vorgestellt hat, der in seiner Verkündigung ein Wunder ist und in jeder Minute von mehr als hundert Millionen Menschen rezitiert wird, ist mit Sicherheit diese außergewöhnliche einmalige Persönlichkeit. Es könnte ein Anderer nicht sein. Er ist zugleich Saat und Frucht dieser Welt.
عَلَيْهِ وَعَلٰٓى اٰلِهِ وَاَصْحَابِهِ الصَّلاَةُ وَالسَّلاَمُ بِعَدَدِ اَنوَاعِ الْكَآئِنَاتِ وَمَوْجُودَاتِهَا
{"Friede und Segen sei über ihm und seinen Gefährten nach der Anzahl der Arten des Kosmos und allem, was in ihm ist."}
So magst du denn nun verstehen, was für eine frohe, stolze, lichtvolle, heitere, wohltuende, unterhaltende, erhabene, religiöse Veranstaltung es für die Gläubigen ist, welche diese Persönlichkeit als ihren Fürsten (re'is),ihren Herrn (seyyid),ihr Vorbild (imam)und ihren Anwalt (shefi')betrachten, (dieser Kasside über) seine Geburt (maulid)und seine Himmelfahrt zu lauschen, d.h. über Anfang und Ende seiner Laufbahn zu hören, d.h. die Geschichte seines geistlichen Lebens zu kennen.
Oh Herr! Zum Ruhme Deines Ehrenwerten Geliebten, mit dem Friede und Segen sei, und um Deines Gewaltigen Namens (Ism-i A'dham)willen, lass in den Herzen derer, die diese Abhandlung veröffentlichen und ihrer Gefährten das Licht des Glaubens offenbar werden und lass ihre Federn die Geheimnisse des Qur'an veröffentlichen und schenke ihnen Leitung auf dem geraden Weg (sirata-l'mustaqim).Amen
سُبْحَانَكَ لاَعِلْمَ لَنَآ اِلاَّ مَاعَلَّمْتَنَآ اِنَّكَ اَنْتَ الْعَلِيمُ الْحَكِيمُ
{"Gepriesen seist Du! Wir haben kein Wissen außer dem, das Du uns gelehrt hast. Denn Du bist der Allwissende, der Allweise." (Sure 2, 32)}
اَلْبَاقِى هُوَ الْبَاقِى
{"Der Beständige ist der, der bleibt und besteht."}
Said Nursi
Fünfundzwanzigster Brief
wurde nicht niedergeschrieben.
Sechsundzwanzigster Brief
(Dieser Sechsundzwanzigste Brief besteht aus vier Kapiteln, die jedoch unabhängig voneinander sind.)
Erstes Kapitel
بِاسْمِهِ سُبْحَانَهُ ٭ وَاِنْ مِنْ شَىْءٍ اِلاَّ يُسَبِّحُ بِحَمْدِهِ
{"Im Namen dessen, der gepriesen sei!" "Und kein Ding ist, das Ihn nicht in Dankbarkeit lobpreist." (Sure 17, 44)}
بِسْمِ اللّٰهِ الرَّحْمٰنِ الرَّحِيمِ ٭ وَاِمَّا يَنْزَغَنَّكَ مِنَ الشَّيْطَانِ نَزْغٌ فَاسْتَعِذْ بِاللّٰهِ اِنَّهُ هُوَ السَّمِيعُ الْعَلِيمُ
{"Im Namen Allahs, des Erbarmers, des Barmherzigen; Und wenn du vom Satan angestachelt wirst, so nimm deine Zuflucht zu Allah! Siehe, Er ist der Allhörende, der Allwissende." (Sure 41, 36)}
Zeugnis des Qur'an gegen den Teufel und seinen Anhang, um Iblis zum Schweigen zu bringen, den Teufel zur Vernunft zu rufen und die Anhänger der Auflehnung verstummen zu lassen. Dieses Erste Kapitel betrifft ein Erlebnis, durch das endgültig jene fürchterliche Intrige des Teufels widerlegt wurde, welche sich in der Neutralität des Urteils findet. Vor zehn Jahren hatte ich bereits einen Extrakt dieses Erlebnisses in den "Lemaat(Blitze)" niedergeschrieben. Es ist dies folgendermaßen:
Einmal, im Heiligen Monat Ramadan, elf Jahre vor der Abfassung dieser Abhandlung lauschte ich in der ehrwürdigen
Bayezid Moschee in Istanbul der Rezitation der Hafidhe. Plötzlich war mir, als hörte ich eine Stimme von jemand, den ich aber nicht sah. Sie lenkte meinen Geist auf sich. Innerlich hörte ich ihr zu. Da sprach sie zu mir:
"Du betrachtest den Qur'an als sehr hoch, als besonders glänzend. Denke neutral und betrachte ihn dann! Das heißt, stell dir vor, er sei das Wort eines Menschen. Siehst du etwa noch jene Besonderheiten und jenen Schmuck?" Ich wurde tatsächlich in die Irre geführt, stellte ihn mir als Menschenwort vor und betrachtete ihn so. Da sah ich: Es war, als wäre in der Bayezid Moschee der Lichtschalter herumgedreht worden und alles in Dunkelheit versunken und ausgelöscht. Genauso begannen sich die glänzenden Strahlen des Qur'an bei dieser Annahme zu verbergen. Nun verstand ich, dass es der Teufel war, der mit mir sprach. Er versuchte mich in einen Abgrund zu stürzen. Da rief ich den Qur'an um Hilfe. Sofort drang Licht in mein Herz. Es gab mir die ganze Macht zur Verteidigung. Da nahm ich den Kampf gegen den Teufel auf, indem ich sagte:
Oh Satan! Neutral zu denken bedeutet, einen Platz zwischen zwei Fronten einzunehmen, wohingegen aber das, was von dir und deinen Schülern unter den Menschen als neutral zu denken bezeichnet wird, eine Bevorzugung der Gegenseite ist. Es ist keine Neutralität. Eine solche zeitweilige Annahme ist Glaubenslosigkeit. Denn den Qur'an als Menschenwort zu bezeichnen und zu betrachten und in dieser Weise zu denken, heißt, die entgegengesetzte Möglichkeit als Grundlage anzunehmen. Es ist die falsche Seite. Es ist keine Neutralität im Denken, vielmehr eine Parteinahme (iltizam)für die falsche Seite. Der Teufel antwortete:
"Wenn das so ist, dann sage, es ist nicht Allahs Wort, nicht das eines Menschen. Stelle dir einmal die Mitte vor!" Ich entgegnete:
Das ist auch unmöglich. Denn, wenn um ein Eigentum
ein Rechtsstreit besteht und die beiden Kontrahenten nahe beieinander sind, eine örtliche Nachbarschaft besteht, dann wird dieses Eigentum in die Hand eines Dritten gegeben oder an einen Ort verbracht, der beiden zugänglich ist. Wer den Beweis erbringt, der erhält es. Wenn aber die beiden Kontrahenten sehr weit voneinander entfernt sind, einer im Osten, einer im Westen ist, dann verbleibt es prinzipiell in der Hand dessen, der der augenblickliche Besitzer ist. Denn es in der Mitte zu lassen, ist nicht möglich.
Nun ist aber der Qur'an ein kostbarer Besitz. Die beiden Kontrahenten jedoch sind so weit voneinander entfernt, wie das Wort eines Menschen vom Worte Gottes des Gerechten, ja sie sind vielmehr unendlich weit voneinander entfernt. So ist es also nicht möglich, ihn in der Mitte zwischen den beiden, wie Himmel und Erde voneinander entfernten Seiten, zu lassen. Ja es gibt gar keine Mitte. Denn da sie zwei Gegensätze sind, wie Sein oder Nichtsein, oder zwei Gegenpole, gibt es zwischen ihnen keine Mitte. Wenn das aber so ist, dann ist der augenblickliche Besitzer des Qur'an auf der Seite Gottes. Wenn das aber so ist, dann wird sein Verbleib in dessen Hand akzeptiert und dies ist dann der Status quo für die Beweisaufnahme. Kann die Gegenseite alle Beweise dafür, dass er das Wort Allahs ist, nacheinander widerlegen, mag sie ihre Hand nach ihm ausstrecken. Anderenfalls darf sie es nicht. Ohoh! Wer vermöchte diese tausenden unumstößlicher Beweise, mit denen gleich zwölfzölligen Nägeln dieser gewaltige, strahlende Diamant am Throne des Allgewaltigen befestigt ist, welche Hand vermöchte alle diese Nägel herauszureißen, seine Stützpfeiler abzusägen, um ihn herabzustürzen?
Nun also, oh Teufel! Leute, die dir zum Trotz mit Herz und Verstand ein gerechtes Urteil zu fällen vermögen, werden auf diese Weise urteilen. Ja, bei dem geringsten Beweis verstärken sie noch ihren Glauben an den Qur'an. Was aber den Weg betrifft, den du und deine
Schüler zeigen: Stellt man sich einmal den Qur'an als Menschenwort vor, das heißt, wenn jener herrliche Diamant, der mit dem Thron Gottes verbunden ist, zur Erde geworfen würde, so wäre anstelle all der Macht der Nägel und der Festigkeit vieler Beweise ein einziger Beweis dazu notwendig, ihn wieder von der Erde aufzuheben und am Throne des Geistes zu befestigen, um ihn aus der Finsternis des Unglaubens zu erretten und zu den Lichtern des Glaubens zu gelangen. Das zu erreichen ist jedoch sehr schwer. Deswegen verlieren in dieser Zeit durch deine Einflüsterung unter der Vorstellung, neutral zu denken, viele ihren Glauben.
Da wandte sich der Teufel wieder zu mir und sagte:
"Der Qur'an gleicht dem Wort der Menschen. Er ist nach Art menschlicher Redewendung. Also ist er Menschenwort. Wäre er Gotteswort, müsste er auch für Ihn schicklich sein, müsste in jeder Hinsicht einen außergewöhnlichen Stil haben. Geradeso wie Seine Kunst nicht der Kunst der Menschen ähnelt, so dürften auch Seine Worte ihnen nicht ähnlich sein."
Ich antwortete ihm:
So wie unser Prophet, mit dem Friede und Segen sei, außer in seinen Wundern und Tugenden, doch Mensch blieb in seinen Handlungen, seinem Verhalten und in seinem Benehmen, so war er auch wie ein Mensch den alltäglichen Gesetzen Gottes und Seiner Schöpfung unterworfen und an sie gebunden. Auch er war der Kälte ausgesetzt, litt unter Schmerzen usw... Er nahm in all seinem Verhalten und Benehmen keine Sonderstellung ein, sodass er seiner Gemeinde durch seine Handlungen ein Vorbild, durch seine Haltung ein Wegweiser, in seinem ganzen Umgang ein Lehrer hätte sein können. Wäre er in seinem ganzen Verhalten außergewöhnlich gewesen, hätte er nicht ganz persönlich und in jeder Hinsicht ein Vorbild sein können, nicht für jeden der vollkommene Lehrer sein können, nicht in seiner ganzen Haltung
Segen und Erbarmen für die Welt sein können.
In gleicher Weise gilt: Auch der höchstweise Qur'an ist ein Führer für alle bewusstseintragenden Wesen, ein Meister für alle Menschen und Dschinnen, ein Führer für die Vollendeten, ein Lehrer für die Leute der Wahrheit. Weil dies so ist, muss er notwendigerweise sicherlich von der gleichen Art sein wie die Ausdrucks- und Redeweise der Menschen. Denn Menschen und Dschinnen lernen von ihm zu bitten und zu beten, diskutieren ihre Probleme in seiner Sprache, gestalten ihm gemäß ihren sozialen Umgang usw... Er ist die Autorität für alle. Wäre der Qur'an in der gleichen Weise das Wort Gottes, wie Mosis, mit dem Friede sei, es auf dem Berg Sinai hörte, die Menschen hätten nicht ertragen, ihn anzuhören, ihm zu lauschen, ihn als Autorität anzunehmen. Ein so großer Prophet wie Mosis konnte es nicht ertragen, mehr als einige wenige Worte zu hören. Mosis, mit dem Friede sei, sagte:
اَهٰكَذَا كَلاَمُكَ؟ قَالَ اللّٰهُ لِى قُوَّةُ جَمِيعِ الْاَلْسِنَةِ
{"Ist so Dein Wort? Gott sagte: Ich habe die Macht über alle Zungen."}
Der Satan wendete sich mir wiederum zu und sagte:
"Solche Probleme, wie die im Qur'an angeführten, behandeln viele Leute, wenn sie über den Glauben sprechen. Ist es etwa nicht möglich, dass ein Mensch deswegen im Namen des Glaubens so etwas verfassen könnte?"
Als Antwort erwiderte ich ihm im Lichte des Qur'an:
Erstens:
Ein religiöser Mensch sagt in seiner Liebe zum Glauben: "Das ist richtig. Dies ist die Wahrheit. So lautet der Befehl Gottes." Er wird aber nicht seine eigenen Worte Gott in den Mund legen. Er wird seine Grenzen nicht so grenzenlos weit überschreiten, selbst Gott zu spielen, an Seiner Statt zu sprechen.
فَمَنْ اَظْلَمُ مِمَّنْ كَذَبَ عَلَى اللّٰهِ
{"Wer ist ungerechter als der, der über Gott Lügen erdichtet." (Sure 39, 32)}
Er wird vor diesem Gesetz und Urteil zittern!
Und zweitens:
Es ist keineswegs möglich, ja sogar hundertfach unmöglich, dass ein Mensch ganz allein dergleichen zu Stande gebracht und dabei auch noch erfolgreich gewesen sein könnte. Denn nur zwei einander nahe stehende Persönlichkeiten können einander nachahmen. Wenn sie von gleicher Art sind, können sie einer in des anderen Rolle schlüpfen. Zwei einander im Rang nahe stehende können einander in ihrer Stellung nachahmen. Vorübergehend können sie die Menschen täuschen. Sie können sie jedoch nicht für immer täuschen. Denn den Blicken der Aufmerksamen wird sich der Betrug in jedem Fall durch ihr Gehabe und die gezwungene Art in ihrem Verhalten und Benehmen zeigen. Ihre Täuschung wird sich nicht fortsetzen.
Hat ein Hochstapler nicht die geringste Ähnlichkeit mit dem, den er zu spielen versucht, zum Beispiel, ein gewöhnlicher (adi)Mensch, der versuchte ein Genie wie Avicenna in seinem Wissen nachzuahmen oder ein Schafhirte, der versuchte, in die Rolle eines Königs zu schlüpfen, wird er sicherlich niemanden täuschen können, sich vielmehr zum Gespött machen. Seine ganze Erscheinung schreit es hinaus: Er ist ein Hochstapler!
Wollte man sich also nun aber - Gott bewahre, das ist hunderttausend Mal unmöglich! - den Qur'an als das Wort eines Menschen vorstellen: Wie könnte dann ein Glühwürmchen sich tausend Jahre lang einem Observator ganz ungezwungen wie ein richtiger Stern darstellen? Und weiter, wie eine Mücke sich ein Jahr lang vor den Zuschauern ganz ungekünstelt wie ein Pfau aufspielen? Und weiter, wie ein Betrüger als einfacher Soldat die Haltung eines berühmten, hohen Generals zur Schau tragen,
seinen Rang einnehmen, diesen lange Zeit beibehalten, ohne dass sein Betrug deutlich würde? Und weiter, wie ein Betrüger, ein verlogener Ungläubiger sich sein ganzes Leben lang, ohne irgendeine Unruhe zu zeigen, vor den Augen seiner Kritiker stets in seiner Erscheinung nach innen und nach außen hin als der getreueste und gläubigste Mensch aufspielen, sein unechtes Gehabe vor den Augen der Intelligenz verbergen?! Das ist aber hundert Mal unvorstellbar! Das kann kein vernünftiger Mensch für möglich halten. Dergleichen anzunehmen, ist zudem eine Wahnvorstellung wie die Annahme einer offensichtlichen Unmöglichkeit.
Desgleichen, wollte man sich den Qur'an als das Wort eines Menschen vorstellen, dann müsste das Wesen des "Deutlichen Buches", das doch der so glänzende Stern der Gerechtigkeit am Himmel der islamischen Welt ist, der klar ersichtlich und immerwährend das Licht der Wahrheit ausstrahlt, oder vielmehr als die Sonne der Vollkommenheit verstanden wird - Gott bewahre! - die erfundene und gefälschte Dichtung eines Betrügers in Gestalt eines Glühwürmchens sein, ohne dass diejenigen, die sich zunächst und eingehend mit ihr befassen, einen Unterschied bemerkt hätten, sie ihn vielmehr immer für einen hohen und erhabenen Stern und die Quelle der Wahrheit gehalten hätten. Das aber ist hundert Mal unmöglich und du Satan könntest überdies, auch wenn du deine Teufeleien noch hundertfach weiter triebest, niemanden dazu bringen, der das für möglich hielte! Du kannst einen unverdorbenen Verstand nicht betrügen! Du kannst die Leute nur dadurch täuschen, dass du sie dazu bringst, die Dinge mit einem großen Abstand zu betrachten! So zeigst du ihnen einen Stern, der so klein geworden ist wie ein Glühwürmchen!
Drittens:
Wollte man außerdem den Qur'an als das Wort eines Menschen betrachten, so müsste diese für die Menschenwelt durch ihre Kultur, in ihrer Wirkung und in ihren Ergebnissen so geistvolle und Leben spendende,
wie bezeugt, so konkrete, glückverheißende, so essentielle, wunderbare, mit so hohen Vorzügen so glänzend beschriebene, verborgene Wahrheit der "Unterscheidung" - Gott bewahre! - die primitive Gedankenspielerei eines einzelnen unbeholfenen und ungebildeten Betrügers sein, ohne dass die ihm zunächst stehenden und ihn eingehend betrachtenden großen Gelehrten und die verehrungswürdigen Koryphäen der Wissenschaft seine Fälschungen und das Werk seines Betruges jemals auf irgendeine Weise bemerkt haben sollten! Sie haben jedoch immer Vertrauenswürdigkeit, Aufrichtigkeit und Wahrhaftigkeit an ihm gefunden!
In Anbetracht dessen, dass dies hundertfach unmöglich ist, wäre es, eine Persönlichkeit, die in ihrer ganzen Haltung, ihren Worten und Taten und in ihrem ganzen Leben Zuverlässigkeit, Glaube, Vertrauen, Wahrhaftigkeit, Aufrichtigkeit und Geradlinigkeit gezeigt und gelehrt, alle großen Persönlichkeiten darin unterrichtet hat, der selbst als der größte, strahlendste, erhabenste Charakter angesehen und betrachtet wird, als vollkommen unzuverlässig, vollkommen unehrlich und vollkommen glaubenslos zu betrachten, so als hielte man eine zur Potenz erhobene Unmöglichkeit für eine Realität, was jedoch einem Fieberwahn des Unglaubens gleich kommt, dessen sich selbst noch der Teufel schämen würde. Denn bei diesem Problem gibt es keine mittlere Lösung. Denn einmal den unmöglichen Fall angenommen, der Qur'an wäre nicht Gotteswort, es wäre, als fiele er in seinem Werte wie vom Throne Gottes zur Erde herabgestürzt. Einen Mittelwert gäbe es nicht. Anstelle einer Sammlung von Wahrheiten wäre er eine Quelle des Aberglaubens und der Wert jener Persönlichkeit, welche diesen wunderbaren Ferman aufgezeigt hat, müsste, wenn es - Gott bewahre, es ist keineswegs so! - nicht der Prophet wäre, von den Höchsten Höhen zum Niedrigsten aller Niedrigen herabstürzen und von seinem Rang, Quelle der Vollkommenheit zu sein, auf die Stufe eines Brunnens der Hinterlist hinabsinken.
Einen Mittelwert gäbe es nicht. Denn wer im Namen Gottes eine Falschaussage macht, eine Lüge ausspricht, der fällt bis zur niedrigsten Stufe hinunter. Eine Mücke immer für einen Pfau anzusehen und in ihr ständig die Besonderheiten eines Pfaues zu erblicken, ist dermaßen unvorstellbar, dass auch ein solches Problem unvorstellbar wird. Es wäre dazu schon ein von Natur aus wahnsinniger, berauschter Dummkopf notwendig, der so etwas für möglich halten könnte.
Viertens:
Des Weiteren wäre es notwendig, wollte man sich den Qur'an als das Wort eines Menschen vorstellen, obwohl doch der heilige Kommandant der mohammedanischen Gemeinschaft, der größten und herrlichsten Armee unter den Söhnen Adams, der Qur'an, der mit den offensichtlich machtvollsten Gesetzen, grundlegendsten Vorschriften, wirksamsten Anordnungen dieser ganzen großen Armee eine Disziplin gegeben hat, die sie befähigt, beide Welten zu erobern, seiner Befehlsgewalt unterstellt hat, der sie innerlich wie äußerlich dafür gerüstet hat und ihnen allen, jedem Einzelnen seiner Stufe entsprechend, Erkenntnis gelehrt, ihnen Herzensbildung gegeben, sich ihre Seelen dienstbar gemacht, ihr Gewissen gereinigt, ihre inneren und äußeren Organe, des Leibes und der Seele in den rechten Nutzen und Gebrauch genommen hat, dennoch die hundertfache Unmöglichkeit annehmen zu wollen, dass - Gott bewahre, möge Er es mir hunderttausend Mal verzeihen! - der Qur'an eine kraftlose, bedeutungslose und jeder Grundlage entbehrende Erdichtung, eine Fälschung sein sollte; und weiter wäre es notwendig, sich eine Persönlichkeit, die in ihrem ganzen Leben durch ihre ernsthaften Bemühungen die Söhne Adams in den Gesetzen des Gerechten unterrichtet und durch ihr bescheidenes Verhalten den Menschen die Prinzipien der Wahrheit gelehrt hat und mit ihren klaren und vernünftigen Worten den Weg zur Geradlinigkeit und Glückseligkeit aufgezeigt und grundgelegt hat und die sich, wie die Geschichte ihres ganzen Lebens bezeugt,
sehr vor der Strafe Gottes gefürchtet hat, Gott besser kannte und verkündete als jeder andere, die ein Fünftel der Menschheit über die halbe Erde hin seit 1350 Jahren ruhmreich befehligt hat, die eine Welt in Aufregung versetzt hat und auf die wegen ihrer ruhmreichen Taten mit Recht die ganze Menschheit, ja sogar die Welt stolz sein kann, sich dennoch - Gott bewahre, möge Er es mir hunderttausend Mal verzeihen! - als einen Betrüger, der nicht an Gott glaubt und Ihn nicht fürchtet, keine Ehre kennt, auf der untersten Stufe der Menschheit vorzustellen und so hundert Unmöglichkeiten gleichzeitig als möglich anzunehmen. Denn bei diesem Problem gibt es keine mittlere Lösung. Denn den unmöglichen Fall einmal angenommen, der Qur'an wäre nicht Gottes Wort, so fiele er von Seinem Thron, könnte nicht in der Mitte bleiben. Vielmehr müsste man zugeben, dass er auf Erden Besitz eines Lügners würde. Weil aber das so ist, du Satan, kannst du, wärest du auch hundertfach ein Doppelter Satan, einen unverdorbenen Verstand nicht betrügen, ein aufrechtes Herz nicht überzeugen.
Wiederum sagte der Satan zu mir: "Wie könnte ich nicht? Ich habe die meisten Menschen getäuscht und viele berühmte Denker unter ihnen dazu gebracht, den Qur'an und auch Mohammed zu verleugnen."
Antwort:
Erstens:
Betrachtet man etwas aus großer Entfernung, so sieht das größte Ding so aus wie das kleinste Ding. Einen Stern kann man eine bloße Kerze nennen.
Zweitens:
Betrachtet man etwas mit einem nur oberflächlichen und beiläufigen Blick, so erscheint ein ganz unmögliches Ding als möglich. So betrachtete einmal ein alter Mann im Ramadan den Himmel, um den Mond zu sehen. Da geriet ihm ein weißes Haar vor das Auge. Weil er jedoch ganz und gar damit beschäftigt war, nach dem Mond Ausschau zu halten und deswegen das Haar nur in der Folge, im Nachhinein, in zweiter Hinsicht wahrnahm,
hielt er das Unmögliche für möglich.
Drittens:
Nichtannahme ist eine Sache und Verneinung (inkar)eine andere. Nichtannahme ist eine Gleichgültigkeit, ein Augenschließen und eine Urteilsunfähigkeit aus Unwissenheit. Auf diese Weise bleibt ihm die Unmöglichkeit vieler Dinge verborgen. Sein Verstand beschäftigt sich nicht damit. Was aber eine Leugnung (inkar)betrifft, so handelt es sich dabei nicht darum, zu bestreiten, dass etwas da ist, sondern um die Annahme, dass etwas nicht da ist. Es ist ein Urteil. Um dieses muss sich sein Verstand bemühen. In dieser Lage beraubt ihn solch ein Teufel wie du seines Verstandes. Danach flößt er ihm seine Leugnung ein. Wohlan denn, oh du Satan! Du hast durch Gottvergessenheit (ghaflet),Irrglaube (dalalet),Spitzfindigkeit, Eigensinn (inad),Missdeutung, Stolz, Betrug, Verfall der guten Sitten und noch andere teuflische Listen und Ränke, die Falschheit als Wahrheit, Unmöglichkeit als Möglichkeit erscheinen lassen, diesen Tieren in der Gestalt unglückseliger Menschen Leugnung und Unglaube, die viele Unmöglichkeiten zur Folge haben, eingeflößt.
Viertens:
Des Weiteren wäre es notwendig, wollte man sich den Qur'an als das Wort eines Menschen vorstellen, sich dieses Buch, das die Theologen, die Gelehrten und die Pole unter den Heiligen, die in der Welt der Menschen glänzen wie die Sterne am Himmel, sich klarsichtig zu einer Art Führer erwählt haben, das offensichtlich und fortwährend alle vollendeten Persönlichkeiten mit ihren verschiedenen Charakteren Recht und Gerechtigkeit, Wahrheit und Wahrhaftigkeit, Sicherheit und Geborgenheit lehrt, durch das die Glückseligkeit in beiden Welten, wie sie auf den Grundpfeilern der Glaubenswahrheiten und den Pfeilern der Lehren des Islam ruht, vermittelt wird, das durch seine Wirkung, wie sie oben angeführt ist und bezeugt wurde, notwendigerweise Recht ist, reine und lautere Wahrheit ist, ganz und gar richtig und vollkommen zuverlässig, als Träger des Gegenteils seiner eigenen Eigenschaften, Wirkungen und lichtvollen Ausstrahlung vorstellen,
als - Gott bewahre, es ist keineswegs so! - eine Erdichtung und Fälschung, eine Sammlung von Lügen betrachten, wovor sich selbst die Sophisten und die Teufel schämen und so etwas nicht wagen würden, und was zudem ein abscheulicher Fieberwahn des Unglaubens ist, und müsste sich zudem eine Persönlichkeit, die, wie der Glaube und das islamische Gesetz bezeigt und bezeugt, wie ihre außerordentliche Aufrichtigkeit nach der Übereinstimmung aller, ihre Reinheit und Lauterkeit in Dienst und Anbetung, die sie während ihres ganzen Lebens gezeigt hat, beweist, wie es die guten Sitten, die sie nach der Übereinstimmung aller gezeigt hat, erfordern, wie alle die Wahrhaftigen und die Vollendeten, die sie herangebildet hat, bestätigen, in höchstem Maße gläubig, standhaft, zuverlässig und getreu war, als - Gott bewahre, es ist keineswegs so! - ungläubig, in höchstem Maße unzuverlässig und ohne jede Furcht vor Gott vorstellen und damit eine Unmöglichkeit in ihrer allerhässlichsten und abscheulichsten Art begehen und einen Irrtum, der in seiner Weise finster und völlig ungerecht ist.
Zusammenfassung:
Wie bereits im Achtzehnten Hinweispunkt des Neunzehnten Briefes erwähnt wurde, sagen Leute aus den unteren Bevölkerungsschichten über ihr Verständnis jenes Wunders, das der Qur'an ist, den sie nur allein durch Zuhören kennen: "Der Qur'an hat mit allen anderen Büchern der Welt, von denen ich gehört habe, keine Ähnlichkeit und nicht eines von ihnen kommt ihm an Wert gleich. Dementsprechend liegt der Wert des Qur'an entweder unter ihnen allen oder über ihnen allen. Da nun aber der Fall, dass er unter ihnen allen läge, unmöglich ist, kann dies kein Feind, ja noch nicht einmal der Teufel selbst behaupten, dies nicht akzeptieren. Dementsprechend steht der Qur'an über allen anderen Büchern. Dementsprechend ist er ein Wunder.
In gleicher Weise können dementsprechend auch wir mit absoluter Sicherheit, wie sie sich in der Methodologie (ilm-i usul)und in der Logik aus der Grundlagenforschung (fenn-i mantik)und aus
der Analyse ergibt, sagen:
Oh du Satan und ihr Satansschüler! Der Qur'an ist entweder Gottes Wort, das von Seinem gewaltigen Thron und Seinem gewaltigen Namen her gekommen ist, oder aber - Gott bewahre! Das ist keineswegs so! Möge Er es mir hunderttausend Mal verzeihen! - die betrügerische Erdichtung und Erfindung eines glaubenslosen Menschen, der auf Erden Gott nicht kennt und Gott nicht fürchtet. Dies aber oh du Satan, konntest du wegen der obigen Beweise nicht sagen, kannst es nicht sagen und wirst es nicht sagen können. Da dies aber so ist, ist der Qur'an zwangsläufig und ohne allen Zweifel das Wort des Schöpfers aller Welten, denn ein Mittelding gibt es nicht, kann es nicht geben und ist auch unmöglich. Dies haben wir deutlich genug bewiesen. Das hast auch du gesehen und hast es gehört.
In gleicher Weise ist Mohammed, mit dem Friede und Segen sei, entweder der Gesandte Gottes, der vollkommenste unter allen Propheten und der gesegneteste unter allen Geschöpfen, oder aber man müsste ihn sich als einen Menschen vorstellen, der - Gott bewahre! Möge Er es mir hunderttausend Mal verzeihen! - weil er Gott fälschlicher Weise bezichtigte, Ihn gar nicht kannte und nichts von Ihm wusste, an Seine Strafe nicht glaubte, als ein Glaubensloser auf die Stufe eines Niedrigsten aller Niedrigen herabstürzte.
{(*): Da nun einmal der Weise Qur'an die Glaubenslosigkeiten der Ungläubigen und ihre grobschlächtigen Ausdrücke zitiert, um sie zu widerlegen, habe auch ich mich dazu gezwungen gesehen, zitternd diese Ausdrücke in Form einer unmöglichen Annahme zu verwenden, um die ganz und gar unmöglichen Gedanken der Ungläubigen und Irregeleiteten aufzuzeigen und darauf hinzuweisen, wie sie so ganz und gar hohl und wurmstichig sind.}
Und dies, oh Teufel und ihr Philosophen Europas und Heuchler Asiens, die ihr seine Vertrauten seid! Ihr könnt das nicht sagen, nie gesagt haben, werdet es nicht sagen und nie sagen können. Denn in
dieser Welt gibt es niemanden, der von einem solchen Fall hören will und so etwas akzeptieren könnte. Deswegen sagen selbst die schärfsten Gegner, Kritiker, Leugner und Zyniker unter den Philosophen, auf die du vertraust: "Mohammed der Araber, mit dem der Friede sei, war ein überaus kluger Mensch. Er war von einer ganz besonderen, edlen Wesensart."
Da es nun bei diesem Problem nur zwei mögliche Lösungen gibt und da nun einmal die zweite Lösung nicht möglich ist und niemand für diese eintreten will, und da nun einmal der Beweis dafür schon mit unwiderlegbaren Zeugnissen erbracht worden ist, dass es eine Mittellösung nicht gibt, ist Mohammed der Araber, mit dem der Friede sei, zwangsläufig dir und deinen Teufelsgenossen zum Trotz ganz offensichtlich und mit der Sicherheit eigener Erfahrung (haqqa l-yaqien)der Botschafter Gottes und der edelste (ekmel)unter allen Seinen Gesandten. Er ist das vornehmste (efdal)unter allen Seinen Geschöpfen.
عَلَيْهِ الصَّلاَةُ وَالسَّلاَمُ بِعَدَدِ الْمَلَكِ وَالْاِنْسِ وَالْجَانِّ
{"Mit ihm seien der Friede und so viele Segnungen wie es Engel, Menschen und Dschinnen gibt."}
Ein zweiter kleiner Einwand des Satans
مَا يَلْفِظُ مِنْ قَوْلٍ اِلاَّ لَدَيْهِ رَقِيبٌ عَتِيدٌ ٭ وَجَآءَتْ سَكْرَةُ الْمَوْتِ بِالْحَقِّ ذٰلِكَ مَا كُنْتَ مِنْهُ تَحِيدُ ٭ وَنُفِخَ فِى الصُّورِ ذٰلِكَ يَوْمُ الْوَعِيدِ ٭ وَجَآءَتْ كُلُّ نَفْسٍ مَعَهَا سَآئِقٌ وَشَهِيدٌ ٭ لَقَدْ كُنْتَ فِى غَفْلَةٍ مِنْ هٰذَا فَكَشَفْنَا عَنْكَ غِطَآءَكَ فَبَصَرُكَ الْيَوْمَ حَدِيدٌ ٭ وَقَالَ قَريِنُهُ هٰذَا مَا لَدَىَّ عَتِيدٌ ٭ اَلْقِيَا فِى جَهَنَّمَ كُلَّ كَفَّارٍ عَنِيدٍ
{"Kein Wort äußert er, ohne dass jemand die Aufsicht darüber führte. Doch die Stunde des Todes wird ihm die Wahrheit vor Augen führen. Das ist es, wovor du zeitlebens ausgewichen bist. Und die Trompete wird geblasen; das ist der angedrohte Tag. Und jede Seele wird kommen und mit ihr ein Fährmann und ein Zeuge. Du hast dich fürwahr nicht darum bekümmert. Doch nun haben wir dir die Binde abgenommen und nun siehst du heute scharf. Dann sagte sein Gefährte: 'Hier ist nun das, was mir bereit gehalten ist!' Werft, werft in die Hölle jeden widerspenstigen Ungläubigen!" (Sure 50, 18-24)}
Während ich diese Ayat der Sure Qaf rezitierte, sagte der Satan: "Ihr glaubt, dass die allgemeine Verständlichkeit des Qur'an in seinem klaren (fesehat)und flüssigen (selaset)Stil läge. Aber was springt er doch in diesem Qur'anvers von einem Gegenstand zum anderen! Vom Todeskampf springt er zur Auferstehung über. Vom Ertönen der Posaune leitet er zum Ende des Verfahrens über. Danach erwähnt er die Einfahrt zur Hölle. Wo bleibt bei dieser sprunghaften Erzählweise noch die Flüssigkeit (selaset)des Stils? Der Qur'an vereinigt an den meisten Stellen solche weit voneinander entfernt liegenden Themen. Wo bleibt bei einer solchen unzusammenhängenden Formgebung noch der klare (selaset)und flüssige (fesehat)Stil?"
Antwort:
Unter den wichtigsten Wundern, wie sie für den Qur'an kennzeichnend sind, der in seiner Verkündigung selbst ein Wunder ist, findet sich seine Prägnanz (belaghat)und nach ihr seine Kürze (idjaz).Kürze, das ist: Für das Wunder des Qur'an ein unumstößliches, unverwechselbares Kennzeichen von ganz besonderer Bedeutung. Dieses Wunder an Kürze ist im Weisen Qur'an so vielfältig und von einer solchen Schönheit, dass Wissenschaftler und Forscher darüber in Erstaunen geraten. Zum Beispiel:
وَقِيلَ يَآ اَرْضُ ابْلَعِى مَآءَكِ وَيَا سَمَآءُ اَقْلِعِى وَغِيضَ الْمَآءُ وَقُضِىَ الْاَمْرُ وَاسْتَوَتْ عَلَى الْجُودِىِّ وَقِيلَ بُعْدًا لِلْقَوْمِ الظَّالِمِينَ
{"Dann erging das Wort: Erde, verschlinge dein Wasser! Himmel, halt ein! Und das Wasser verschwand, und die Angelegenheit war zu Ende. Die Arche setzte am Berge Djudi auf. Es wurde gesagt: Die Ferne sei mit dem Volk der Frevler!" (Sure 11, 44)}
Hier wird die ganze, lange Geschichte der Flut und ihrer Auswirkungen in wenigen Sätzen so konzentriert und so wundervoll erzählt, dass sich viele Literaturkenner (ehl-i belaghat)wegen einer solchen Kürze (idjaz)und Prägnanz (belaghat)in Verehrung niederwarfen.
Ein anderes Beispiel:
كَذَّبَتْ ثَمُودُ بِطَغْوٰيهَا ٭ اِذِ انْبَعَثَ اَشْقٰيهَا ٭ فَقَالَ لَهُمْ رَسوُلُ اللّٰهِ نَاقَةَ اللّٰهِ وَسُقْيٰهَا ٭ فَكَذَّبُوهُ فَعَقَرُوهَا ٭ فَدَمْدَمَ عَلَيْهِمْ رَبُّهُمْ بِذَنْبِهِمْ فَسَوّٰيهَا ٭ وَلاَ يَخَافُ عُقْبٰيهَا
{"Das Volk Thamud leugnete in seiner Widersetzlichkeit, als der Gemeine aufstand. Und es sagte zu ihnen der Gesandte Gottes: Die Kamelstute Gottes lasst trinken. Sie aber beschuldigten ihn und lähmten sie. Doch da kam ihr Herr in Seinem Zorn über sie und machte alles eben. Und Er fürchtete nicht die Folgen." (Sure 91, 11-15)}
Auf diese Weise also werden hier die bemerkenswerten und bedeutsamen Ereignisse, ihre Folgen und das böse Ende in wenigen Sätzen in wunderbarer Kürze (idjaz)klar (beyan)und flüssig (selaset)berichtet, ohne dass das Verständnis darunter leidet.
Noch ein weiteres Beispiel:
وَذَالنُّونِ اِذْ ذَهَبَ مُغَاضِبًا فَظَنَّ اَنْ لَنْ نَقْدِرَ عَلَيْهِ فَنَادٰى فِى الظُّلُمَاتِ اَنْ لآَ اِلٰهَ اِلاَّ اَنْتَ سُبْحَانَكَ اِنِّى كُنْتُ مِنَ الظَّالِمِينَ
{"Und gedenke Dhulnuns (wörtl. Fischmann, gemeint ist der Prophet Jonas), wie er im Zorn wegging und meinte, Wir hätten keine Gewalt über ihn. Er aber schrie aus der Dunkelheit (Bauch des Wals). Es gibt keinen Gott außer dir. Gepriesen seiest Du. Ich war in der Tat einer der Übeltäter." (Sure 21, 87)}
Wie viele Sätze sind doch zwischen اَنْ لَنْ نَقْدِرَ عَلَيْهِ {"...Wir hätten keine Gewalt über ihn."} und فَنَادٰى فِى الظُّلُمَاتِ {"Er aber schrie aus der Dunkelheit."} ausgelassen worden! Was aber die nicht angeführten Sätze betrifft, so beeinträchtigen sie das Verständnis
nicht. Sie schaden dem Ablauf nicht. In der Erzählung von Hasret Yunus sind die wichtigen und wesentlichen Dinge erwähnt. Alles Weitere bleibt der Phantasie überlassen.
In gleicher Weise sind einige sieben oder acht Sätze zwischen فَاَرْسِلوُنِ {"Sende mich!" (Sure 12, 45)} und يُوسُفُ اَيُّهَا الصِّدِّيقُ {"Oh Yusuf, du Wahrhaftiger!" (Sure 12, 46)} in der Sura Yusuf um der Kürze willen übersprungen worden. Das Verständnis wurde dadurch in nichts beeinträchtigt. Dem Ablauf (selaset)hat es nicht geschadet. Eine derart wunderbare Prägnanz findet sich im Qur'an sehr häufig. Sie ist auch sehr schön.
Was aber die Ayat in der Sura Qaf betrifft, so sind diese von einer einzigartigen und bezaubernden Prägnanz (idjaz).Denn sie legen den Finger auf eine Zukunft, in der für die Ungläubigen ein Tag gleich fünfzigtausend ganz entsetzliche und furchtbar lange Jahre sein werden und nacheinander auf die bedeutenden, schmerzhaften Ereignisse, die in schrecklichen Revolutionen über den Häuptern der Ungläubigen hereinbrechen werden. Sie lassen unsere Vorstellung blitzschnell über sie hinwegeilen. Sie führen uns diese so sehr lange Zeit, wie auf einem Bogen Papier gemalt, vor Augen. Die Ereignisse werden unter Nichterwähnung des der Phantasie überlassenen in einer hohen und flüssigen Ausdrucksweise (selasete beyan)erzählt.
وَاِذَا قُرِئَ الْقُرْاٰنُ فَاسْتَمِعُوا لَهُ وَاَنْصِتُوا لَعَلَّكُمْ تُرْحَمُونَ
{"Wenn der Qur'an gelesen wird, höret ruhig und aufmerksam zu, sodass ihr Barmherzigkeit erlangen möget!" (Sure 7, 204)}
Wohlan nun, oh du Satan! Sprich, wenn du noch etwas zu sagen hast!
Und der Teufel sagte: "Ich kann nicht dagegen ankommen. Ich kann nichts mehr zu meiner Verteidigung anführen. Doch gibt es noch viele Dumme, die mir zuhören und viele Teufel in Menschengestalt, die mir helfen und viele Pharaonenstolze unter den Philosophen, die in diesen Fragen von mir Unterricht erhalten, der ihrer Ichsucht schmeichelt. Sie werden die Verbreitung von solchen Worten wie den deinen verhindern. Deshalb strecke ich vor dir nicht die Waffen."
سُبْحَانَكَ لاَعِلْمَ لَنَآ اِلاَّ مَاعَلَّمْتَنَآ اِنَّكَ اَنْتَ الْعَلِيمُ الْحَكِيمُ
{"Gepriesen seist Du! Wir haben kein Wissen außer dem, das Du uns gelehrt hast. Denn Du bist der Allwissende, der Allweise." (Sure 2, 32)}
Zweites Kapitel
Dieses Kapitel wurde auf Grund des Erstaunens derer geschrieben, die mir ständig zu Dienst sind und sich über mein so seltsam widersprüchliches Verhalten (wunderten) und um die über die Maßen gute Meinung wieder zurechtzurücken, die zwei meiner Schüler über mich (hatten).
Ich sehe, dass einige so vollkommene Dinge, die eigentlich den Wahrheiten des Allweisen Qur'an entstammen, dem Überbringer zugeschrieben werden, der diese Wahrheiten verkündigt. Und das ist falsch. Denn die Heiligkeit der Quelle erweist sich als ebenso kraftvoll wie viele Beweise, wodurch ein Urteil für die Allgemeinheit annehmbar wird. Wann immer der Verkünder oder Anwalt sie in den Schatten stellt, das heißt, sich selbst in den Mittelpunkt rückt, geht die Wirksamkeit der Heiligkeit der Quelle verloren. Es ist auf Grund dieses Geheimnisses, dass ich meinen Brüdern, die mir weit mehr Aufmerksamkeit zuwenden, als mir zukommt, eine Wahrheit erklären möchte. Es ist dies wie folgt:
Ein Mensch kann verschiedene Persönlichkeiten verkörpern. Diese Persönlichkeiten können ganz verschiedene Charaktere darstellen. Zum Beispiel: ein hoher Beamter trägt in seiner Amtsstube eine Persönlichkeit, die Würde (vakar)erfordert. Seine Haltung erfordert es von ihm, die Ehre seines Amtes zu wahren. Zum Beispiel: wollte er sich seinen Besuchern gegenüber bescheiden zeigen, so wäre das eine Herabwürdigung seines Amtes. Doch wird in seinem eigenen Hause von seiner Persönlichkeit erwartet, dass diese entgegen seiner Amtsperson andere Verhaltensweisen zeigt und es wäre gut für ihn, je bescheidener er ist. Zeigte er hier etwas von seiner Würde (vakar),so wäre es Stolz. u.dgl... Das heißt, dass ein Mensch im Verhältnis zu seinen Aufgaben eine Persönlichkeit hat, die seiner wahren Persönlichkeit in vielen
Punkten widerspricht. Wenn der Herr seiner Aufgabe wahrhaft würdig ist und sie vollkommen auszufüllen vermag, kommen diese zwei Persönlichkeiten einander näher. Wenn er seiner Aufgabe nicht gewachsen ist, z.B. ein einfacher Soldat auf den Posten eines Marschalls erhoben wird, so klaffen diese beiden Persönlichkeiten weit auseinander. Die Persönlichkeit eines einfachen Soldaten mit ihren bescheidenen, untergeordneten Eigenschaften ist unvereinbar mit der Persönlichkeit eines Marschalls und dem hohen und edlen Charakter, den sein Stand (maqam)erfordert.
So gibt es denn in diesem euren niederen Bruder drei Persönlichkeiten. Sie sind voneinander weit entfernt, ja in der Tat wirklich sehr weit voneinander entfernt.
Die erste Person:
In Anbetracht dessen, dass ich der Verkünder jenes erhabenen Schatzes bin, welcher der Qur'an ist, ist mir vorübergehend eine Persönlichkeit zu Eigen, die ganz allein dem Qur'an gehört. Der hoch erhabene Charakter, der von einer solchen Stellung eines Verkünders verlangt wird, ist nicht mein Charakter; ich besitze ihn nicht. Vielmehr ist es ein Charakter, den diese Stellung, diese Aufgabe erfordert. Was immer von dieser Art ihr in mir sehen mögt, gehört nicht mir. So betrachtet mich denn nicht in diesem Zusammenhang. Es gehört zu meinem Stand (maqam).
Die zweite Person:
Zur Gebetszeit wird mir durch die Güte (ihsan)Gottes des Gerechten für die Zeit, die ich mich der Schwelle Gottes zuwende, eine Person gegeben, eine Persönlichkeit, die gewisse Kennzeichen trägt. Diese Persönlichkeit erwächst aus dem, was die Wesenselemente des Dienstes und der Anbetung sind: "Seine Fehler kennen, seine Schwäche und Armseligkeit verstehen, in seiner Niedrigkeit an der Schwelle Gottes Zuflucht suchen." Mit Hilfe dieser (zweiten) Person erkenne ich mich selbst mehr als jeder andere als niedrig, schwach, armselig und fehlerhaft. Sollte auch die ganze Welt mich feiern und lobpreisen, sie könnten mich nicht
davon überzeugen, dass ich ein guter und vollkommener (Mensch) bin.
Die dritte Person:
Dies ist meine wahre Persönlichkeit, d.h. die Persönlichkeit des Alten abgetakelten Said, also einige Adern aus dem Erbe des Alten Said. Der neigt manchmal zur Heuchelei (riya)und Geltungssucht. Und weil ich auch nicht aus vornehmem Hause stamme, so kann man bisweilen niedere Charakterzüge, wie eine Neigung zur Sparsamkeit bis zum Geiz, beobachten.
Meine Brüder! Ich möchte euch nun nicht ganz vertreiben, wenn ich euch noch alle meine verborgenen Fehler und Schlechtigkeiten beschreibe.
Und da ich also nun nicht so begabt bin wie meine Brüder und auch keinen hohen Rang (maqam)bekleide, so ist denn diese (dritte) Person sehr weit davon entfernt, den Charakter und die Merkmale zu zeigen, die bei einem Verkünder oder im Dienst und in der Anbetung Gottes (erwartet werden).
Des Weiteren hat Gott der Gerechte nach dem Grundsatz
دَادِ حَقْ رَاقَابِلِيَّتْ شَرْطْ نِيسْت
{"Wo Gott geben will, ist keine Fähigkeit eine Bedingung."}
in Seinem Erbarmen Seine Macht (qudret)über mir in der Weise gezeigt, dass er diese meine Persönlichkeit wie den niedersten einfachen Soldaten in den Dienst an den Geheimnissen des Qur'an gestellt hat wie auf den höchsten Platz (maqam),einem Marschall entsprechend. Hunderttausend Mal Dank (shukur)!...
Die Seele (nefs)ist niederer als alles, die Aufgabe ist höher als alles...
اَلْحَمْدُ لِلّٰهِ هٰذَا مِنْ فَضْلِ رَبِّى
{"Lob und Dank sei Gott! Dies ist von der Güte (fadl) meines Herrn."}
Drittes Kapitel
بِسْمِ اللّٰهِ الرَّحْمٰنِ الرَّحِيمِ ٭ يَآ اَيُّهَا النَّاسُ اِنَّا خَلَقْنَاكُمْ مِنْ ذَكَرٍ وَاُنْثٰى وَجَعَلْنَاكُمْ شُعُوبًا وَقَبَآئِلَ لِتَعَارَفُوا
{"Im Namen Gottes, des Erbarmers, des Barmherzigen. Oh ihr Menschen! Wir haben euch aus einem männlichen und einem weiblichen (Wesen) erschaffen und euch zu Völkern und Stämmen gemacht, damit ihr euch kennen lernt." (Sure 49, 13)}
das heißt:
لِتَعَارَفوُا مُنَاسَبَاتِ الْحَيَاةِ الْاِجْتِمَاعِيَّةِ فَتَعَاوَنُوا عَلَيْهَا لاَ لِتَنَاكَرُوا فَتَخَاصَمُوا
"Ich habe euch als Völker, Stämme und Nationen erschaffen, damit ihr euch untereinander und eure Beziehungen zueinander im sozialen Leben kennenlernen und einander helfen sollt. Ich habe euch nicht zu verschiedenen Völkerstämmen erschaffen, damit ihr einander als Fremdlinge betrachten und verleugnen und einander in Feindschaft und als Gegner behandeln sollt."
Dieses Kapitel enthält "Sieben Themen".
Erstes Thema:
Da die erhabene Wahrheit, welche in den obigen Versen zum Ausdruck kommt, sich mit dem sozialen Leben beschäftigt, war ich dazu gezwungen, ihr nicht mit den Worten des Neuen Said Ausdruck zu verleihen, der sich doch aus dem öffentlichen Leben zurückgezogen hat, sondern sie mit den Worten des Alten Said zu beschreiben, der noch mit dem islamischen Gemeinschaftsleben verbunden war, in der Absicht, dem doch so ruhmreichen Qur'an einen Dienst zu erweisen und zugleich mit dem Gedanken, ihm eine Schutzmauer gegen die ungerechten Angriffe zu errichten.
Zweites Thema:
Um den Grundsatz eines "gegenseitigen sich Kennenlernens und einander Helfens" zu erläutern, auf den diese Ayah verweist, sagen wir: Eine Armee unterteilt sich in Divisionen, eine Division in Regimenter, ein Regiment in Bataillone und Kompanien und dann in Züge, sodass jeder einfache Soldat seine verschiedenen und vielfältigen Rangordnungen kennen möge und wissen, welches die diesen Rangordnungen entsprechenden Funktionen sind... sodass die Offiziere je nach Rang und Stellung dem Grundsatz gegenseitiger Hilfeleistung entsprechend ihre alles umfassende Aufgabe versehen können und so ihr Leben in der Gemeinschaft vor den Angriffen des Feindes geschützt sein möge. Denn anderenfalls käme es zu Zerwürfnissen und Spaltungen. Die eine Kompanie würde gegen eine andere Kompanie streiten; das eine Bataillon wäre mit einem anderen verfeindet; und das eine Regiment würde gegen ein anderes Regiment zu Felde ziehen. In der selben Weise gleicht die islamische Gesellschaft insgesamt einer riesigen Armee, die in verschiedene Stämme und Völker unterteilt ist. Und doch gibt es in ihr Tausende und abermals noch einen einigende Aspekte. Ihr Schöpfer ist eins. Ihr Versorger ist eins. Ihr Prophet ist eins. Ihre Gebetsrichtung ist eins. Ihr Buch ist eins. Das (jeweilige) Land (in dem sie miteinander leben) ist eins. Tausend Male eins. So viele Male Eins-sein verlangt nach Brüderlichkeit (uhuvvet),Liebe (muhabbet),Einheit (vahdet).Das heißt, die Unterteilung in Völker und Stämme, wie sie in der Ayah erklärt wird, sollte dem gegenseitigen Kennenlernen und einander Helfen dienen und nicht dazu, (diese Verschiedenheit) einander abzustreiten, und nicht dazu, einander Feindschaft entgegenzubringen!...
Drittes Thema:
Der nationale Gedanke hat sich in diesem Jahrhundert weit verbreitet. Besonders die Despoten Europas mit ihren Intrigen erwecken (diesen Gedanken) in der islamischen (Welt) in seiner negativen (nationalistischen) Form, sodass sie (diese Länder) spalten und (ihren Imperien) einverleiben können.
Ferner liegt im Nationalismus ein gewisser Reiz für die Seele (nefs),ein gottvergessenes Vergnügen, eine unheilvolle Macht (quvvet).Daher kann man in dieser Zeit denen, die sich mit dem gesellschaftlichen Leben beschäftigen, nicht sagen: "Lasst diesen nationalistischen Gedanken fahren!" Doch der nationale Gedanke hat seine zwei Seiten (im Gefolge). Der eine ist negativ, unheilvoll, schädlich und ernährt sich dadurch, dass er den anderen verschlingt; besteht fort in der Aggression gegen den anderen; liegt immer auf der Lauer und ist ständig auf dem Sprung. Darin liegt der Grund zu Streit und Hass. Deshalb heißt es in einem ehrwürdigen Hadith
اَ ْلاِسْلاَمِيَّةُ جَبَّتِ الْعَصَبِيَّةَ الْجَاهِلِيَّةَ
{"Der Islam hat den Nationalismus der Vorzeit (Cahiliyya) abgeschafft."}
Und der Qur'an bestimmt:
اِذْ جَعَلَ الَّذِينَ كَفَرُوا فِى قُلُوبِهِمُ الْحَمِيَّةَ حَمِيَّةَ الْجَاهِلِيَّةِ فَاَنْزَلَ اللّٰهُ سَكِينَتَهُ عَلٰى رَسُولِهِ وَعَلَى الْمُؤْمِنِينَ وَاَلْزَمَهُمْ كَلِمَةَ التَّقْوٰى وَكَانُوآ اَحَقَّ بِهَا وَاَهْلَهَا وَكَانَ اللّٰهُ بِكُلِّ شَىْءٍ عَلِيمًا
{"Damals, als die Ungläubigen es zuließen, dass ihre Herzen die Flamme des Nationalismus der Vorzeit erfüllte, worauf Gott Seine Ruhe auf den Propheten und die Gläubigen herabsandte und sie auf das Wort der Gottesfurcht verpflichtete. Und sie waren dazu die geeigneten Leute. Und Gott kennt alle Dinge."}
So weisen denn diese ehrwürdige Hadith und diese ehrenwerte Ayah den schlechten Rassismus und Nationalismus kategorisch zurück. Denn der gute und heilige Gedanke einer islamischen Nation lässt dafür keine Notwendigkeit über. Und welches Volk gäbe es denn, das dreihundertundfünzig Millionen Mitglieder zählte? Und was für ein Rassismus könnte seinen Anhängern so viele Brüder - und noch dazu Brüder für Zeit und Ewigkeit! - bescheren wie der Islam? Und dabei hat noch der Gedanke
des Nationalismus in der Geschichte sehr viel Unheil angerichtet.
Zum Beispiel:
Die Omayyaden beleidigten die islamische Welt, indem sie nationalistische Gedanken mit ihrer Politik vermischten und zogen dadurch zugleich sehr viel Unheil auf sich herab. So hat sich auch unter den Völkern Europas der Rassismus sehr weit verbreitet und dadurch hat sich neben der so unheilvollen ewigen Feindschaft zwischen Franzosen und Deutschen in den fürchterlichen Ereignissen während des Weltkrieges gezeigt, welch eine zerstörerische (Wirkung) der Nationalismus über die Menschheit gebracht hat. Zudem wurden auch hier bei uns zu Beginn der Freiheit (also der zweiten Verfassung seit 1908 - A.d.Ü.) - wie in der Zeit der Zerstörung des Turms von Babel die "Verästelung der Völker", die auch als die Babylonische Sprachverwirrung bezeichnet wird und durch welche Verästelung sie dann (in alle Welt) zerstreut wurden - aus nationalistischen Gedanken heraus vor allem bei den Griechen und Armeniern sehr viele Flüchtlingsorganisationen, sogenannte "Clubs" gebildet, welche dann ihrerseits wieder eine Spaltung der Herzen herbeiführten. Und von da an bis heute hat der Zustand derer, die den Fremdlingen auf den Leim gekrochen waren und verloren gegangen sind, gezeigt, welche Zerstörungen der Nationalismus angerichtet hat.
Heute, wo die Völker und Stämme der islamischen Welt einander am meisten brauchen und eines noch mehr unterdrückt ist als das andere, noch ärmer ist als das andere und unter der Fremdherrschaft zu leiden hat, einander unter nationalistischen Gedanken als Ausländer anzusehen und einander als Feinde zu betrachten, ist eine solche Katastrophe, wie sie gar nicht beschrieben werden kann. Wollte jemand, weil er nicht von einer Mücke gestochen werden will, einer gefährlichen Schlange den Rücken kehren, um sich gegen einen Mückenstich zur Wehr zu setzen, so wäre das der gleiche Wahnsinn wie, der Idee des Rassismus entsprechend, den Staaten Europas,
riesenhaften Drachen vergleichbar, keine Aufmerksamkeit schenken zu wollen, zu einer Zeit, wo diese in ihrer unersättlichen Gier ihre Krallen öffnen, ja sogar ihnen auch noch zu helfen, und dabei den Mitbürgern in den östlichen Provinzen, oder den Glaubensbrüdern im Süden gegenüber Feindschaft zu nähren und Front gegen sie zu machen, verursacht einen Schaden bis hin zur Vernichtung. Grundsätzlich gibt es unter denen dort im Süden keinen Feind, gegen den wir Front machen müssten. Was aus dem Süden zu uns gelangt ist, sind die Strahlen des Qur'an. Zu uns gekommen ist das Licht des Islam. Es ist in uns und findet sich überall.
Was also die Feindschaft gegen unsere Glaubensbrüder betrifft, berührt den Islam und damit indirekt auch den Qur'an. Eine Feindschaft gegenüber Islam und Qur'an ist eine Art Feindschaft gegenüber dem Leben in dieser Welt und gegenüber dem Leben in jener Welt aller unserer Mitbürger. Zu behaupten, man wolle als guter Patriot dem gesellschaftlichen Leben dienen und dabei doch die beiden Fundamente des Lebens zu zerstören, ist kein Patriotismus sondern eine Idiotie!...
Viertes Thema:
Positiver Nationalismus erwächst aus einem inneren Bedürfnis nach sozialem Leben und ist der Grund für eine stillschweigende Hilfeleistung und Solidarität, stellt eine wohltuende Macht (quvvet)sicher und ist ein Mittel zu einer weiteren Stärkung islamischer Bruderschaft.
Diese positive nationale Gesinnung muss dem Islam dienen, seine Festung sein, seine Panzerwehr sein, darf nicht seine Stelle einnehmen. Denn es gibt da innerhalb der islamischen Bruderschaft noch eine tausendfache Bruderschaft. In der bleibenden Welt und in der Welt des Zwischenreiches (Berzah)bleibt diese Bruderschaft weiterhin bestehen. Doch wie stark auch immer eine Bruderschaft in nationalem Sinne sein mag, sie kann immer nur eine Art Umkleidung für sie sein. Doch sie an ihrer Stelle aufzurichten, käme einem törichten Verbrechen
gleich, als wollte man mit den Steinen einer Burg die Juwelen aus dem Schatz dieser Burg ersetzen und statt dessen die Juwelen fortwerfen.
Wohlan denn, ihr Kinder dieses Landes, die ihr doch das Volk des Qur'an seid! Als Bannerträger des Ehrwürdigen Qur'an habt ihr nicht sechshundert Jahre, nein tausend Jahre, seit der Zeit der Abbassiden, die ganze Welt herausgefordert und den Qur'an bekannt gemacht. Ihr habt eure Nation (milliyet)zu einer Burg für den Qur'an und den Islam (Islamiyet)gemacht. Ihr habt das ganze Diesseits zum Schweigen gebracht und alle die furchtbaren Angriffe zurückgeschlagen.
فَسَوْفَ يَاْتِى اللّٰهُ بِقَوْمٍ يُحِبُّهُمْ وَيُحِبُّونَهُ اَذِلَّةٍ عَلَى الْمُؤْمِنِينَ اَعِزَّةٍ عَلَى الْكَافِرِينَ يُجَاهِدُونَ فِى سَبِيلِ اللّٰهِ
{"Gott wird ein Volk hervorbringen und es lieben und es wird Ihn lieben. Sie werden auf Gottes Wegen streiten, bescheiden gegenüber den Gläubigen, kraftvoll gegenüber den Ungläubigen." (Sure 5, 54)}
Diese Ayah habt ihr aufs Beste bestätigt. Nun solltet ihr euch davor hüten, ja geradezu fürchten, den Ränkespielen der Europäer und aller fränkisch gesinnten Heuchler zu folgen, dadurch dass ihr diese oben zitierte Ayah bestätigt!...
Hier noch ein bemerkenswerter Umstand:
Obwohl das Volk der Türken unter den islamischen Völkern das am weitesten (d.h. über halb Asien - A.d.Ü.) verbreitete ist, sind doch Türken an allen Enden der Erde Muslime. Sie sind nicht so wie die anderen Völker in Muslime und Nichtmuslime unterschieden und aufgeteilt in zwei Gruppen. Wo immer ein türkischer Volksstamm lebt, sind es Muslime. Türken, die aus der islamischen Gemeinschaft ausgetreten oder nicht Muslime geworden sind, sind damit gleichzeitig auch aus der Gemeinschaft der Turkvölker ausgeschieden, wie z.B. die Ungarn. Dabei leben doch selbst unter den kleinen Volksgemeinschaften
Muslime und Nichtmuslime.
Oh mein türkischer Bruder! Achte ganz besonders darauf! Bei dir sind Milliyet und Islamiyet eine Einheit miteinander eingegangen und können nicht mehr voneinander getrennt werden. Willst du sie voneinander trennen, gehst du unter! Alle deine ruhmreichen Taten sind in das Buch dieser Islamiyet eingegangen. Obwohl diese ruhmreichen Taten durch keine Macht der Welt ausgelöscht werden können, sollst du sie doch auch nicht durch die Listen und Einflüsterungen des Teufels aus deinem Herzen löschen!..
Fünftes Thema:
In Asien sind die Völker erwacht, halten am nationalen Gedanken fest und ahmen Europa in jeder Hinsicht haargenau nach, ja verhalten sich dabei so, dass sie auf diese Weise selbst die ihnen heiligen Ideale zum Opfer bringen. Dabei trägt ein jedes Volk seinen besonderen Umständen entsprechend ein unterschiedliches Gewand. Und wenn auch der Stoff dabei der gleiche wäre, muss doch der Stil notwendigerweise immer wieder anders ausfallen. Eine Frau kann nicht die Uniform eines Polizisten anziehen, sowie man auch einem alten Hodja nicht das Kleid einer Tangotänzerin anziehen würde. "Blinde Nachahmung gerät leicht zur Maskerade." Denn:
Erstens:
Gleicht Europa einer Handelsniederlassung oder einem Heerlager, so Asien einem Acker oder einer Moschee. Kann ein Kaufherr (am Abend) einen Ball besuchen, ein Bauer kann es nicht. Die Atmosphäre in einem Heerlager kann nicht gleich sein der Atmosphäre in einer Moschee.
Zudem ist (die Tatsache, dass) die meisten Propheten (alter Zeit) in Asien erschienen sind, während die Mehrzahl der Philosophen (neuerer Zeit) aus Europa kamen, ein Zeichen, ein Hinweis urewigen Vorauswissens (qader),dass es der Glaube und das Herz sein werden, die den Völkern Asiens ein geistiges Erwachen schenken, eine innere Entwicklung bringen, eine eigenverantwortliche
Regierung lehren werden. Was aber ihre (alte) Philosophie und Weisheit betrifft, so sollen sie dem Glauben und dem Herzen helfen und nicht sie ersetzen.
Zweitens:
Den islamischen Glauben mit dem christlichen Glauben zu vergleichen und dann ebenfalls dem Glauben gegenüber abständig zu werden, so wie das in Europa bereits geschehen, ist ein sehr großer Fehler. Denn Europa hat zunächst einmal seine beherrschende Religion. So zeigen vor allem die Großen Europas wie Wilson, Lord George oder Veniselos, (in deren Leben) die Religion eine ebenso beherrschende Rolle spielt wie bei ihren Priestern: Europa hat seine beherrschende Religion und praktiziert sie auch in gewisser Weise.
Drittens:
Ein Vergleich zwischen dem muslimischen Glauben und dem christlichen ist ein unpassender Vergleich. Dieser Vergleich ist einfach falsch. Denn zu einer Zeit, in der Europa noch zutiefst religiös war, da kannte es noch kaum eine Zivilisation. Erst nach (der Reformation und) dem Bruch mit dem (katholischen) Glauben begann die (moderne) Zivilisation.
Überdies verursachte der Glaube (din)(von der Reformation 1517 bis zur Revolution 1789 - A.d.Ü.) jahrhundertelange Kämpfe zwischen (den Nationen). Er wurde zu einem Mittel in der Hand der ungerechten Tyrannen, welche die Ungebildeten, die Armen wie die Gebildeten (in gleicher Weise) unterdrückten, woraus bei ihnen allen vorübergehend ein Unwille gegenüber dem Glauben (din)erwuchs. Was aber den Islam betrifft, so bezeugt die Geschichte, dass er außer einer einmaligen (bewaffneten) Auseinandersetzung niemals Ursache (eines Krieges zwischen islamischen Nationen) war. Wann immer also das islamische Volk ernsthaft seinem Glauben anhing, machte es auch dementsprechend große (zivilisatorische) Fortschritte. Dafür ist der größte Lehrer Europas, der islamische Staat in Andalusien Zeuge.
Und wann immer die islamische Gemeinde in einen Zustand
der Gleichgültigkeit gegenüber ihrem Glauben verfiel, so stürzte sie auch in einen Zustand des Elends und des Verfalls.
Zudem hat der Islam durch die Verpflichtung zum Zekat und das Zinsverbot und Tausender ähnlicher Gebote der Barmherzigkeit (shefqat)die Armen und Ungebildeten beschützt.
اَفَلاَ يَعْقِلُونَ ٭ اَفَلاَ يَتَفَكَّرُونَ ٭ اَفَلاَ يَتَدَبَّرُونَ
{"Haben sie denn keinen Verstand?" (Sure 36, 68) "Wollen sie denn nicht nachdenken?" (Sure 6, 50) "Wollen sie denn nicht aufmerken?" (Sure 4, 82)}
Mit diesen und ähnlichen Worten ruft (der Qur'an) Verstand und Wissenschaft als Zeugen an, ermahnt (die Gläubigen), beschützt ihre Wissenschaftler. Auf diese Weise war der Islam stets eine feste Burg und ein Zufluchtsort für die Armen und (zugleich auch Hort der Bildung für die) Leute der Wissenschaft. Darum gibt es auch keinen Grund zum Unmut gegenüber dem Islam.
Die Weisheit und der Grund dafür, dass das Christentum und alle anderen Religionen sich vom Islam unterscheiden, ist folgender:
Die Basis des Islam ist die lautere Einheit Gottes (Tauhid).Er spricht den Mitteln und Ursachen keine tatsächliche Wirkung zu, spricht ihnen hinsichtlich Erschaffung und Rang (maqam)keinen Wert zu. Was aber das Christentum betrifft, so misst es den Ursachen und Wirkungen einen Wert bei, weil es den Gedanken der Sohnschaft angenommen hat. Es bricht nicht mit dem Egoismus (enaniyet).Es ist, als ob es einen Funken der Herrschaft Gottes seinen Großen und seinen Heiligen zuspräche. So bestätigen sie die Ayah:
اِتَّخَذُوآ اَحْبَارَهُمْ وَرُهْبَانَهُمْ اَرْبَابًا مِنْ دُونِ اللّٰهِ
{"Sie haben ihre Gelehrten und ihre Mönche zu Herren an Gottes statt angenommen." (Sure 9, 31)}
Aus diesem Grund haben sich die Christen, welche in irdischer Hinsicht die höchsten Positionen einnehmen, ihren Stolz und ihren Egoismus (gurur ve enaniyet)bewahrt und können doch, wie der letzte amerikanische Präsident, Wilson, praktizierende Anhänger ihres Glaubens sein. Im Islam hingegen, der die Religion der lauteren Einheit Gottes (Tauhid)ist, müssen diejenigen, welche in irdischer Hinsicht eine hohe Position einnehmen, entweder ihren Egoismus und ihren Stolz aufgeben, oder aber ihren Glauben wenigstens teilweise aufgeben. Aus diesem Grund bleibt ein Teil von ihnen gleichgültig oder verliert seinen Glauben.
Sechstes Thema:
Zu denen, die in ihren üblen nationalistischen und rassistischen Gedanken jedes Maß verlieren, sagen wir:
Erstens:
Unsere Erde und besonders dieses, unser Land, hat von alters her ganze Völkerwanderungen, Vertreibungen und Flüchtlingsströme gesehen. Seitdem der Sitz der islamischen Regierung in diesem Lande aufgerichtet worden ist, sind viele (Menschen) aus fremden Völkern wie die Motten in unser Land eingefallen und haben sich darin niedergelassen. Unter diesen Umständen kann man die verschiedenen Völker nur noch voneinander unterscheiden, wenn die Wohlverwahrte Tafel (lauh-i mahfudh)enthüllt wird. Weil dies aber so ist, ist es nicht nur sinnlos, nein, geradezu gefährlich, auf dem Boden einer pur rassistischen Idee eine nationalistische Bewegung zu errichten. Aus diesem Grunde fühlte sich einer der Anführer dieser unseligen Rassisten und Nationalisten, einer, dem seine Religion gleichgültig geworden ist, dazu gezwungen, zu sagen: "Wenn Glaube (din)und Sprache (dil)eins sind, ist das Volk eins." Da dies aber so ist, muss man sich nicht um die Reinerhaltung der Rasse kümmern, sondern um das Verhältnis von Glaube (din),Sprache (dil)und Heimat (vatan).Wenn diese drei eins sind, dann ist auch das Volk stark. Selbst wenn eines von ihnen fehlt, bleibt dennoch die Nation per definitionem gewahrt.
Zweitens:
Wir wollen hier nun zwei Beispiele von Hunderten
von Vorzügen aufzeigen, wie das soziale Leben der Kinder dieses Landes (aus dieser Idee einer Zugehörigkeit) zum geheiligten Volk des Islam gewonnen hat:
Erstens:
Was es dem islamischen Staat mit seinen zwanzig-dreißig Millionen (Bürgern) entgegen allen großen Staaten Europas ermöglichte, sein Leben und Dasein zu bewahren, war folgender Gedanke, wie er das Heer des Staates (beseelte) und der dem Qur'an entstammt: "Werde ich getötet, falle ich als ein Zeuge (Schehid) und habe ich getötet, (so kehre ich wieder heim) als ein Bekenner (Ghasi)."Im Feuer ihrer Liebe (ashk)und Begeisterung gingen sie dem Tod entgegen und lachten ihm ins Gesicht. Stets brachten sie Europa zum Zittern. Was in aller Welt könnte man der Seele (ruh)eines einfach denkenden Soldaten mit reinem Herzen als Grund für eine so erhabene Opferbereitschaft anbieten? Was für eine Art Patriotismus könnte man an seine Stelle setzen und ihn so dazu bringen, sein Leben, alles, was er ist und hat, freiwillig zum Opfer zu bringen?
Zweitens:
Wann immer der europäische Drache (die Großmächte) diesem islamischen Reich einen Schlag versetzte, schrien dreihundertfünfzig Millionen Muslime auf und weinten. So haben denn die Kolonialherren, um ihnen keine Schmerzen und Leiden zuzufügen, ihre Hände wieder zurückgezogen, ihre (bereits zum Schlag) erhobene Hand wieder sinken lassen. Was für eine Kraft (quvvet)könnte man an die Stelle einer solchen inneren, beständigen, moralischen, doch in keiner Weise zu unterschätzenden Kraft setzen? Sollen sie uns das doch einmal sehen lassen! Diese gewaltige innere moralische Kraft darf nicht durch einen üblen Nationalismus und selbstherrlichen Patriotismus beleidigt werden!
Siebentes Thema:
Denen, die ihren üblen Nationalismus und ihre übertriebene Begeisterung für die Heimat hervorkehren, möchte ich sagen:
Wenn ihr dieses Land wirklich liebt (shefqat)und euch
so sehr dafür begeistern könnt, so soll euer Patriotismus in der Weise sein, dass eure Liebe der Mehrheit (seiner Bewohner) gelten möge. Andernfalls ist ein Dienst, der sich einer Mehrheit gegenüber unbarmherzig (merhamet)verhält, um einer Minderheit, die gar kein Mitleid (shefqat)braucht, zu einem vorübergehenden Zusammenleben in Gottvergessenheit (ghaflet)zu verhelfen, überhaupt gar kein Patriotismus. Denn ein Patriotismus, der aus diesem unseligen rassistischen Gedankengut gespeist wird, kann vielleicht zwei unter acht (Gruppen) vorübergehend von Nutzen sein. Sie empfangen von diesen Patrioten jene Liebe (shefqat),derer sie gar nicht würdig sind, während doch (die anderen sechs Gruppen), all die Alten, Siechen und Kranken, die Elenden und Unglückseligen, aber auch alle Kinder und alle die Gottesfürchtigen, die mit großem Ernst an das Jenseits denken, nach dem Licht verlangen, dem Trost und der Liebe (shefqat)für das Leben im Zwischenreich und im Jenseits, dem sie mehr als dem irdischen Leben zugewandt sind und einer gesegneten, zu Opfern bereiten Hand bedürfen. Was für eine vaterländische Gesinnung könnte es erlauben, ihr Licht auszulöschen und sie ihres Trostes zu berauben? Oh weh! Wo ist denn nun diese Liebe zur Nation? Wo bleibt hier die Opferbereitschaft zum Wohle des Volkes!
Die Hoffnung auf Gottes Barmherzigkeit darf nicht verloren gehen. Denn Gott der Gerechte will inscha-a'llah das ruhmreiche Heer und die machtvolle Gemeinde all der Leute dieses Landes, die Er seit Tausend Jahren in den Dienst am Qur'an gestellt und zu seinem Bannerträger ernannt hat, infolge eines zeitlich begrenzten Zwischenfalls nicht zu Grunde gehen lassen. Er wird dieses Licht noch einmal wieder anzünden und sie ihre Aufgabe fortsetzen lassen...
Viertes Kapitel
Anmerkung:
Die zehn Fragestellungen dieses Vierten Kapitels sind in gleicher Weise nicht miteinander verbunden wie auch die vier Kapitel des Sechsundzwanzigsten Briefes nicht miteinander verbunden sind. Deshalb sollte man auch nicht nach einem Zusammenhang suchen. Sie wurden aufgezeichnet, wie sie mir eingefallen sind und sind Teil eines wichtigen Briefes an einen meiner Schüler, Antwort auf fünf, sechs Fragen, die er mir gestellt hatte.
Erste Fragestellung
Zweitens:
In deinem Brief erwähnst du, dass in den Erklärungen und Auslegungen zu رَبُّ الْعَالَمِينَ {"Herr der Welten" (Sure 1, 1)} von achtzehn Welten die Rede ist. Du fragst nach dem Sinn dieser Zahl.
Bruder, ich weiß im Augenblick auch nicht den Sinn dieser Zahl. Doch so viel kann ich jetzt schon sagen: Die Sätze des Weisen Qur'an sind nicht auf eine einzige Bedeutung beschränkt. Denn da er all die verschiedenen Schichten des Menschengeschlechts anspricht, gibt es für eine jede dieser Schichten eine Art Ganzes, dass eine solche Bedeutung in sich enthält. Die Bedeutung, die jeweils ausgesprochen wird, ist Teil eines allgemein gültigen Gesetzes. Jeder Kommentator und jeder (Schrift-)gelehrte erwähnt jeweils nur einen Teil des Ganzen. Je nach Eingebung, Beweislage oder Schulung wählt er die eine oder die andere Bedeutung aus. Auf diese Weise gelangte
denn auch die eine oder andere Gruppe zu der Meinung, die dieser Zahl entsprach.
Zum Beispiel reicht die individuelle Bedeutung der folgenden Sätze
مَرَجَ الْبَحْرَيْنِ يَلْتَقِيَانِ ٭ بَيْنَهُمَا بَرْزَخٌ لاَ يَبْغِيَانِ
{"Er ließ die beiden Meere strömen, dass sie einander treffen. Zwischen ihnen ist eine Trennwand, die sie nicht überwinden können." (Sure 55, 19-20)}
auf die die Freunde Gottes solchen Nachdruck legen, die sie in ihren Anrufungen so oft rezitieren (dhikr)und wiederholen, vom Meer der göttlichen Herrschaft (rububiyet)und dem Meer des Dienstes und der Anbetung (ubudiyet)im Bereich des Notwendigen (vudjub)und im Bereich des Möglichen (imkan)bis zu den Meeren des Diesseits und des Jenseits, den Meeren der (für uns) unsichtbaren (alem-i ghayb)und der (von uns) bezeugten Welt (alem-i shehadet),den Ozeanen des Ostens und des Westens, des Nordens und des Südens, zum Adriatischen Meer und zum persischen Golf, zum Mittelmeer, dem Schwarzen Meer und dem Bosporus - woher die Fische stammen, die man Brassen nennt - zum Mittelmeer, dem Roten Meer und dem Suezkanal, zu den Seen mit süßem und salzigem Wasser, zu den Seen über und unter der Erde mit süßem und verschiedenen anderen Gewässern, zu den Salzseen und ganzen Seenlandschaften, bis zu den kleinen Seen, welche von den großen Strömen, wie dem Nil, oder Euphrat und Tigris gebildet werden, bis zu den großen Meeren, in die sie schließlich münden. All das kann wörtlich damit gemeint sein, oder sinnbildlich so zum Ausdruck gebracht werden.
In gleicher Weise umfasst auch (die Ayah) اَلْحَمْدُ لِلّٰهِ رَبِّ الْعَالَمِينَ {"Lob und Preis sei Gott, dem Herrn der Welten" (Sure 1, 1)} sehr viele Wahrheiten. Leute geistiger Entdeckungen (ehl-i keshf)
und Kenner der Wahrheit erklären sie je nach ihren Entdeckungen ganz verschieden.
Ich selbst denke mir, dass es im Himmel Tausende von Welten gibt. Unter seinen Sternen könnte so mancher eine Welt für sich sein. Auch hier auf Erden kann eine jede Art, unter allen, die erschaffen wurden, eine Welt für sich sein. Ja sogar jeder Mensch ist eine kleine Welt für sich.
Was den Ausdruck رَبُّ الْعَالَمِينَ {"Herr der Welten" (Sure 1, 1)} betrifft, so bedeutet er, dass "eine jede Welt unmittelbar durch die Herrschaft Gottes des Gerechten regiert, verwaltet und versorgt wird."
Drittens:
Der Ehrenwerte Gesandte Gottes, mit dem Friede und Segen sei, sagte:
اِذَآ اَرَادَ اللّٰهُ بِقَوْمٍ خَيْرًا اَبْصَرَهُمْ بِعُيوُبِ اَنْفُسِهِمْ
{"Wenn Gott einem Volk Gutes erweisen will, lässt er es seine eigenen Fehler erkennen."}
Und im Weisen Qur'an sagt der Ehrenwerte Yusuf, mit dem der Friede sei:
وَمَآ اُبَرِّئُ نَفْسِى اِنَّ النَّفْسَ لاَمَّارَةٌ بِالسُّوءِ
{"Und nicht spreche ich meine Seele frei, denn wahrlich, die Seele verlangt gierig nach dem Bösen." (Sure 12, 53)}
In der Tat ist, wer sich selbst gefällt und auf sich selbst vertraut, ein unglückseliger Mensch. Doch wer die Fehlerhaftigkeit seiner Seele erkennt, ist ein glücklicher Mensch. So gehörst du also zu den Glücklichen. Doch manchmal geschieht es, dass die eigenwillige Seele (nefs-i emmare)sich in eine klagende Seele (levvame)oder eine ruhige Seele (mutmainne)verwandelt, doch dabei Waffen und Ausrüstung an die Nerven weiter gibt. Diese Adern und Nerven aber setzen ihre Aufgabe
noch bis zum Ende des Lebens fort. Und obwohl die eigenwillige Seele schon längst gestorben ist, bleiben ihre Spuren dennoch weiterhin sichtbar. Es gibt große Heilige (auliya)und Gelehrte (asfiya),die sich über ihre eigenwillige Seele beklagen, wo ihre Seele doch längst schon zur Ruhe gekommen war. Obwohl ihre Herzen längst von Ruhe und Frieden erfüllt waren, klagten sie noch immer über die Qual ihres Herzens. So handelt es sich also bei solchen Persönlichkeiten nicht um ihre eigenwillige Seele, sondern um eine Funktion, welche diese eigenwillige Seele auf die Nerven übertragen hat. Was die Krankheit selbst betrifft, so befällt sie nicht das Herz, sie ist vielmehr eine Qual in unserer Vorstellung (hayal).Was also, mein lieber Mitbruder, dich angreift, ist - möge Gott es so wollen - nicht deine Seele und die Qual deines Herzens, vielmehr - wie gesagt - ein Zustand (hal),der - um den Kampf fortzusetzen - infolge der menschlichen Natur auf die Nerven übertragen wurde und die Ursache ständiger Weiterentwicklung bildet.
* * *
Zweite Fragestellung
An verschiedenen Stellen der Risale-i Nur finden sich Antworten auf drei Fragen, die ein alter Hodja gestellt hatte. Wir wollen nun hier einen kurz zusammengefassten Hinweis geben.
Er fragt: Muhyiddin Arabi schreibt in einem Brief an Fachru-d'Din Rasi: "Gott zu kennen ist etwas anderes, als von Seinem Dasein zu wissen." Was meint er damit? Was ist der Sinn seiner Frage?
Erstens:
In der Einführung zum Zweiundzwanzigsten Wort, die du ihm vorgelesen hast, verweisen Vergleiche und Beispiele für den Unterschied zwischen einer wahrhaftigen Erkenntnis der Einheit Gottes (Tauhid)und einer nur scheinbaren Erkenntnis auf diesen Sinn, während das Zweite und Dritte Kapitel des Dreiunddreißigsten Wortes
in den entsprechenden Abschnitten diesen Sinn näher erläutern.
Zweitens:
Muhyiddin Arabi, in dessen Augen die Erläuterungen der führenden Gelehrten zu den Grundlagen des Glaubens (usul-ud din)und zur Theologischen Wissenschaft (ilm-i kelam)über die Grundpfeiler des Glaubens, die Existenz des Notwendig-Seienden und die Einheit Gottes (Tauhid)als nicht ausreichend erschienen, machte (diese Aussage) gegenüber Fahru-d'Din Rasi, einem der führenden Theologen.
Eine mit Hilfe der Theologie (ilm-i kelam)erworbene Gotteserkenntnis verhilft in der Tat nicht zu einer vollkommenen Erkenntnis und dem absoluten Bewusstsein göttlicher Gegenwart. Wenn sie jedoch mit den Mitteln des Qur'an erfolgt, der in seiner Verkündigung ein Wunder ist, so vermittelt sie sowohl eine vollkommene Kenntnis und bewirkt zugleich auch das absolute Bewusstsein göttlicher Gegenwart. Möge Gott es wollen, dass all die Abschnitte der Risale-i Nur als Positionslampen auf der leuchtenden Straße des Qur'an, dessen Verkündigung ein Wunder ist, dienen werden. Des Weiteren ist die Erkenntnis Gottes, die Fachru-d'Din Rasi mit Hilfe der Theologie (ilm-i kelam)erworben hat, so mangelhaft sie in den Augen Muhyi-d'Din Arabis auch sein mochte, gegenüber der Erkenntnis Gottes, erworben mit den Methoden der Sufis, in gleicher Weise mangelhaft, verglichen mit der Erkenntnis, wie sie durch das Geheimnis des Erbes des Propheten unmittelbar aus dem Weisen Qur'an erlangt wird. Denn Muhyi-d'Din Arabi ging auf seinem Weg in gewisser Weise so weit, dass er, um die beständige Gegenwart Gottes zu gewinnen, sagte: لاَ مَوْجُودَ اِلاَّ هُوَ {"Es gibt kein Sein außer Ihm."} wobei er schließlich die Existenz des Weltalls leugnete. Und was (all die anderen Mystiker) betrifft, so gingen auch sie, in ihrem Bestreben, die beständige Gegenwart
Gottes zu erlangen, in einer gewissen recht merkwürdigen Art so weit, zu sagen: لاَ مَشْهُودَ اِلاَّ هُوَ {"Es gibt nichts (gar keine Welt, die wir bezeugen könnten) außer Ihm."} wobei sie schließlich das Weltall unter einem Mantel völligen Vergessens bedeckten. Was aber jene Erkenntnis betrifft, die dem Weisen Qur'an entnommen wird, so schenkt sie eine immerwährende Gegenwart Gottes, ohne gleichzeitig das All zum Nichtsein zu verdammen, noch es in einer völligen Vergessenheit einzusperren. Vielmehr befreit sie (das All) aus seiner Herrenlosigkeit und nimmt es im Namen Gottes des Gerechten in seinen Dienst. Alles wird zu einem Spiegel der Erkenntnis. So wie Sa'adi Schirasi sagte:
دَرْ نَظَرِ هُوشِيَارْ هَرْ وَرَقِى دَفْتَرِيسْت أَزْ مَعْرِفَتِ گِرْدِگَارْ
{"In den Augen eines wachen Menschen ist jedes Blatt ein Brief in der Erkenntnis des Meisters."}
Mit jedem Ding öffnet sich ein Fenster zur Erkenntnis.
In einigen der "Sözler"(Worte) haben wir die Unterschiede zwischen dem Weg der gelehrten Theologen (ilm-i kelam)und der dem Qur'an entnommenen wahren Hochstraße anhand des folgenden Gleichnisses dargestellt. Beispiel: Wenn es darum geht, Wasser herbeizuschaffen, so graben einige unter den Bergen und bringen so von weit entfernten Orten durch Leitungsrohre Wasser herbei. Andere graben überall einen Brunnen und schöpfen Wasser. Die erste Art ist mit vielen Mühen verbunden, mit Verstopfungen und mit Versickerungen. Diejenigen aber, die überall Brunnen zu graben und Wasser zu fördern wissen, können Wasser überall ohne Mühe herbeischaffen.
In gleicher Weise schneiden die Theologen die Kette der Ursachen am Ende der Welt bei der Unmöglichkeit ihrer Umkehrung ab und beweisen damit das Sein dessen, der
notwendigerweise sein muss (Vadjibul Vudjudun vudjudunu).So folgen sie einem langen Weg. Was aber die Hochstraße des Weisen Qur'an betrifft, so findet und schöpft er Wasser überall. Jede seiner Ayat schlägt wie der Stab des Mosis überall und lässt lebendiges Wasser empor strömen. Das lässt jedes Ding den folgenden Grundsatz rezitieren:
وَفِى كُلِّ شىْءٍ لَهُ اٰيَةٌ تَدُلُّ عَلٰى اَنَّهُ وَاحِدٌ
{"und in jedem Ding findet er ein Zeichen, das beweist, dass Er ein Einziger ist."}
Des Weiteren gehört zum Glauben nicht nur das Wissen (ilim);im Glauben verbunden sind auch noch all die vielen feinsinnigen Organe (des Menschen; letaif).So wie Nahrung in den Magen gelangt und von dort über die verschiedenen Venen in die einzelnen Organe verteilt wird, so gelangen auch die Dinge des Glaubens, welche durch Wissen erworben wurden, nachdem sie durch den Magen des Verstandes (aql)gegangen sind, in den Geist (ruh),das Herz (qalb),die innere Wahrnehmung (sirr),die Seele (nefs)usw. und jedes (Organ) erhält seinen Anteil und nimmt ihn in sich auf. Wenn nicht jedes seinen Anteil erhält, ist (die Versorgung des menschlichen Organismus) nur mangelhaft. In dieser Weise gab also Muhyi-d'Din Arabi seine Erklärung für Fahru-d'Din Rasi ab.
* * *
Dritte Fragestellung
وَلَقَدْ كَرَّمْنَا بَنِٓى اٰدَمَ
{"Wir haben die Söhne Adams geehrt." (Sure 17, 70)}
اِنَّهُ كَانَ ظَلُومًا جَهُولاً
{"Er war in der Tat ungerecht und unwissend." (Sure 33, 72)}
In welcher Weise können diese beiden Ayat miteinander in Übereinstimmung gebracht werden?
Antwort:
Im Elften und im Dreiundzwanzigsten Wort und in der Zweiten Frucht am Fünften Ast des Vierundzwanzigsten Wortes folgt die Erklärung dazu. Hier eine Zusammenfassung dieser Wahrheit (sirr):
Gott der Gerechte in Seiner Allmacht (qudret)formt viele Dinge aus einem einzigen Ding, lässt sie viele Aufgaben versehen und schreibt tausend Bücher auf eine einzige Seite. Genauso erschuf er auch den Menschen als eine Konzentration in seiner Art statt vieler verschiedener Arten. Das heißt, Er wollte, dass durch den Menschen in einer einzelnen Art so viele Funktionen ausgeübt würden, wie sie der Zahl der Arten, Gruppen und Familien all der verschiedenen Tierarten entspricht. Daher hat Er den Sinnen und Fähigkeiten (quvalar ve hissiyatlar)des Menschen von Natur aus keine Grenzen gesetzt, ihnen von Natur aus keine Fesseln angelegt, sondern ihn frei gelassen. Die Sinne und Fähigkeiten der Tiere sind begrenzt. Ihre Natur ist gebunden, während hingegen eine jede der menschlichen Kräfte (quva)über eine unendliche Entfernung frei in Richtung Ewigkeit zu schweifen vermag. Denn da der Mensch ein Spiegel der unendlichen Manifestationen der Namen des Schöpfers des Universums ist, wurde auch seinen Kräften (quva)eine grenzenlose Fähigkeit zu deren Entfaltung gegeben.
Wenn dem Menschen in seiner Gier z.B. die ganze Welt gegeben würde, sagte er doch
هَلْ مِنْ مَزِيدٍ
{"Gibt es denn da nicht mehr?" (Sure 50, 30)}
Des Weiteren findet er es in seinem Egoismus für annehmbar, dass Tausend Leute zu seinem eigenen Nutzen Schaden erleiden sollten usw... Es gibt grenzenlose Möglichkeiten, sich im Bereich seiner schlechten Gesinnung zu verbreiten. Er kann selbst die Stufe eines Nimrod
oder Pharao erreichen. In Übereinstimmung mit dem Elativ der Ayah am Anfang des Kapitels ist er besonders ungerecht. In gleicher Weise liegt es auch in seiner Fähigkeit, grenzenlose Fortschritte in seiner guten Gesinnung zu machen und sich bis zur Stufe der Propheten und Seiner Getreuen zu entfalten.
Des Weiteren ist der Mensch im Gegensatz zu den Tieren unwissend in Bezug auf alle lebensnotwendigen Dinge und muss alles erst noch lernen. Da er unendlich viele Dinge braucht, ist er in Übereinstimmung mit dem obigen Elativ der gleichen Ayah besonders unwissend. Was aber das Tier betrifft, so braucht es, sobald es zur Welt kommt nur ganz wenige Dinge. Ferner kann es die Dinge, die es braucht, um alle Bedingungen seines Lebens (zu meistern), in ein, zwei Monaten, ein, zwei Tagen, ja sogar in nur ein, zwei Stunden erlernen. Es ist, als habe es schon in einer anderen Welt Vollkommenheit erlangt und sei nun mit ihr hier angelangt. Doch der Mensch kommt erst in ein, zwei Jahren auf die Beine und lernt erst mit fünfzehn zwischen Gut und Böse zu unterscheiden. Der Elativ "besonders unwissend" zeigt dies an.
* * *
Vierte Fragestellung
جَدِّدُوآ اِيمَانَكُمْ بِلآَ اِلٰهَ اِلاَّ اللّٰهُ
{"Erneuert euren Glauben durch: Es gibt keine Gottheit außer Gott."}
Du fragst nach dem Sinn dieser Hadith.
Die Weisheit (dieser Hadith) wurde schon in vielen "Sözler"(Worten) erwähnt. Ihr Geheimnis und einer ihrer Aspekte ist der folgende:
Da sich der Mensch und seine Welt ständig erneuern, bedarf auch sein Glaube einer beständigen Erneuerung. Denn in jeder einzelnen Person kann man sich viele einzelne
Persönlichkeiten vorstellen. Je nach der Anzahl seiner Jahre, ja nach der Anzahl seiner Tage, ja sogar nach der Zahl der Stunden kann man ihn stets wieder als eine andere Persönlichkeit betrachten. Denn da der Mensch der Zeit unterworfen ist, gilt er jeweils einer bestimmten Persönlichkeit als Modell, das sich jeden Tag mit einer anderen Persönlichkeit bekleidet.
Ferner gibt es gleich der Multiplizität und Erneuerungsfähigkeit im Menschen selbst, auch eine Mobilität in der Welt, in der er lebt. Sie vergeht, während eine andere an ihre Stelle tritt. Sie verändert sich ständig. Jeden Tag öffnet eine neue Welt ihre Pforten. Was nun aber den Glauben betrifft, so ist er sowohl das Licht, das das Leben eines jeden Individuums erleuchtet, als auch der Lichtstrahl, den er erblickt, wenn er zur Welt kommt.
لآَ اِلٰهَ اِلاَّ اللّٰهُ
{"Es gibt keine Gottheit außer Gott."}
Das ist die Flamme, um dieses Licht zu entzünden.
Da aber nun ferner die Seele (nefs),die Begierde (heva),die Einbildung und der Satan ihren Einfluss auf den Menschen ausüben, so nutzen sie seine Nachlässigkeit (ghaflah),um seinen Glauben zu zerstören, suchen ihn auf vielfältige Weise zu überlisten und löschen so das Licht des Glaubens mit ihren Zweifeln und mit ihren Einflüsterungen. Des Weiteren ist er dazu geneigt, mit seinen Worten und Taten, die in den Augen mancher Imame geradezu Unglaube (kufr)sind, ganz offensichtlich dem Gesetz (Schari'a)zuwider zu handeln. Darum ist es auch notwendig, dass er jederzeit seinen Glauben erneuert, zu jeder Stunde und an jedem Tag.
Frage:
Die gelehrten Theologen verpacken die Welt in ein kurz zusammengefasstes Konzept eines Seins von "huduth"(von Gott geschaffen, von Ihm abhängig und vergänglich) und "imkan"(möglich und veränderlich, weil
Gott es aus dem Nichtsein gerufen hat), verfügen so in ihren Gedanken über sie und beweisen daraufhin Gottes Einheit (Vahdaniyet).
Ein Teil der Mystiker (ehl-i tasauvvuf)sagt hingegen, um Gottes Gegenwart (huzur)zur Gänze zu erfahren لاَ مَشْهُودَ اِلاَّ هُوَ {"Es gibt nichts (gar keine Welt, die wir bezeugen könnten) außer Ihm."} vergisst die ganze Welt, deckt den Mantel des Vergessens über sie und erfährt danach dann die völlige Gegenwart. Und ein anderer Teil von ihnen sagt, um die wahrhaftige Einheit und Gottes Gegenwart zur Gänze zu erfahren لاَ مَوْجُودَ اِلاَّ هُوَ {"Es gibt kein Sein außer Ihm."} hüllt die ganze Welt in seine Phantasie (hayal)ein und schleudert sie ins Nichtsein. Dann erst erfährt er die völlige Gegenwart. Stattdessen zeigst du uns außer diesen drei Arten eine Hochstraße (djadde-i kubra)im Qur'an. Und als ihr Kennzeichen sagst du
لاَ مَعْبُودَ اِلاَّ هُوَ ٭ لاَ مَقْصُودَ اِلاَّ هُوَ
{"Es gibt keinen Angebeteten außer Ihm!" "Es gibt kein Ziel außer Ihm!"}
Kannst du uns ein Zeugnis der Einheit (Tauhid)und, zusammengefasst, einen kurzen Weg zu ihr zeigen?
Antwort:
Alle "Worte" und alle "Briefe" zeigen diese Straße. Aber für dieses Mal wollen wir, so wie du das gewünscht hast, auf die machtvollen Zeugnisse und die umfangreichen Beweise mit einer kompakten Zusammenfassung verweisen. Folgendermaßen:
In dieser Welt verweist ein jedes Ding alle Dinge auf seinen eigenen Schöpfer. Und hier im Diesseits zeigt ein
jedes Werk, dass alle Kunstwerke die Werke seines eigenen Schöpfers sind. Und im Universum beweist ein jedes Schöpfungswerk, dass alle Werke der Schöpfung Handlungen dessen sind, der es selbst bewirkt hat. Und jeder Name, der sichtbar wird in allem Sein, ist ein Zeichen, dass alle Namen Namen und Titel des Trägers dieses Namens sind. Das heißt: jedes Ding ist ein Zeugnis für die Einheit und Allgegenwart (burhan-i vahdaniyet)und ein Fenster zur Erkenntnis Gottes. In der Tat ist jedes Werk, besonders aber wenn es sich um ein Lebewesen handelt, ein verkleinertes Abbild des Kosmos und eine Frucht, die der Erdball hervorgebracht hat und zugleich auch der Kern in ihr. Wenn dies aber so ist, so muss auch der, der dieses verkleinerte Abbild, diese Frucht und den Kern in ihr erschaffen hat, in jedem Fall derselbe sein, der auch den ganzen Kosmos erschaffen hat. Denn der Schöpfer einer Frucht kann kein anderer sein, als der Schöpfer des Baumes (der diese Frucht trägt).
Wenn es aber nun so ist, dann verweist jedes einzelne Werk auf alle Werke seines Schöpfers und schreibt auch jede einzelne Handlung alle übrigen Handlungen dem zu, der sie selbst verrichtet. Denn wir sehen, dass jeder Schöpfungsakt sich als Endpunkt eines langen Schöpfungsprozesses zeigt, der so weitreichend und umfangreich ist, dass er die meisten Formen des Seins von den Atomen bis zu den Sonnen umfasst. Das heißt, dass der, der einen Schöpfungsakt vollzieht, auch der sein muss, der alle Handlungen verrichtet, die an ein universelles Gesetz gebunden sind, das alles Sein umfasst und sich von den Atomen bis zu den Sonnen erstreckt.
Denn sicherlich muss derjenige, der auch nur eine Fliege ins Leben ruft, zugleich auch derjenige sein, der alle Insekten und alle kleinen Tiere erschafft und die ganze Erde mit Leben erfüllt. Des Weiteren muss derjenige, der ein Atom sich wie ein Mewlewi-Derwisch drehen lässt, auch der sein, der in Folge alles Sein in Bewegung versetzt, so wie die Sonne mit all ihren Planeten durch
den Weltraum eilt. Denn das Gesetz wirkt in Folge auf alle Reaktionen ein und verbindet sie miteinander der Reihe nach.
Das heißt: So wie ein jedes Werk alle Werke seinem Schöpfer zuschreibt und ein jeder Akt der Schöpfung alle Schöpfung als einen Akt dessen beansprucht, der ihn bewirkt hat, so ist auch ein jeder Name, der sichtbar wird in allem Sein, ein Zeichen, dass alle Namen Namen und Titel des Trägers dieses Namens sind. Denn alle Namen, die sich im Universum zeigen, gleichen konzentrischen Kreisen und den sieben Farben des Lichts, die ineinander über gehen und einander helfen, in ihrem Tun einander ergänzen und ausgestalten.
Zum Beispiel: wenn der Name "Lebensspender" (Muhyi)in einem Ding erscheint und in dem Augenblick, in dem ihm das Leben geschenkt wird, erscheint zugleich auch der Name "Allweiser" (Hakiem)und ordnet das Nest dieses Lebewesens, das sein Körper ist, in Weisheit. Zugleich erscheint auch der Name "Freigiebiger" (Keriem).Er gestaltet das Nest. Zu gleicher Zeit erkennt man auch die Erscheinung des Namens "Erbarmer" (Rahiem)der liebevoll (shefqat)für alle Bedürfnisse dieses Körpers sorgt. Zu gleicher Zeit wird auch die Erscheinung des Namens "Versorger" (Rezzaq)sichtbar, der dem Lebewesen auf unerwartete Weise all das gibt, was für seinen Fortbestand an körperlicher und geistiger Nahrung notwendig ist. Usw...
Das heißt also, wem der Name "Lebendiger" (Muhyi)gehört, dem gehört auch der Name dessen, dem der Name "Allweiser" (Hakiem)gehört und das Licht allen Seins ist, es umfasst. Auch der Name "Erbarmer" (Rahiem)gehört Ihm, der alles Sein in Liebe (shefqat)umsorgt. Auch der Name "Versorger" (Rezzaq)gehört Ihm, und ist der Titel dessen, der alle Lebewesen freigiebig mit allem ausstattet. Usw...
Das heißt: jeder Name, jede Handlung, jedes Werk ist
ein solches Zeugnis für die Allgegenwart Gottes (Vahdaniyet),dass es darauf hinweist, dass alle Worte, die auf den Seiten des Alls und den Zeilen der Jahrhunderte geschrieben stehen und das "Sein (maudjudat)"genannt werden, Stempel und Siegel Seiner Allgegenwart (Vahdaniyet)und Einheit (Ahadiyet)sind und Ornamenten gleich aus der Feder ihres Schreibers hervorgegangen sind.
اَللّٰهُمَّ صَلِّ عَلٰى مَنْ قَالَ: اَفْضَلُ مَا قُلْتُ اَنَا وَالنَّبِيُّونَ مِنْ قَبْلِى لآَ اِلٰهَ اِلاَّ اللّٰهُ... وَعَلٰٓى اٰلِهِ وَصَحْبِهِ وَسَلِّمْ
{"Oh Gott segne den, der gesagt hat: 'Das beste von allem, was ich und die Propheten vor mir gesagt haben, ist: Es gibt keine Gottheit außer Gott.' Friede sei mit ihm, seiner Familie und seinen Gefährten!"}
* * *
Fünfte Fragestellung
In deinem Brief stellst du noch eine andere Frage zu einem weiteren Thema. (Du fragst nämlich), ob allein schon لآَ اِلٰهَ اِلاَّ اللّٰهُ {"Es gibt keine Gottheit außer Gott"} zu sagen, bereits genügt. Denn kann man, ohne مُحَمَّدٌ رَسُولُ اللّٰهِ {"Mohammed ist Gottes Gesandter."} zu sagen, zu denen gehören, die gerettet (ehl-i nedjat)sind?
Diese (Frage erfordert eigentlich eine) längere Antwort. Doch für heute wollen wir nur so viel sagen:
Diese beiden Teile des Glaubensbekenntnisses kann man nicht voneinander trennen. Sie beweisen sich gegenseitig. Sie ergänzen einander. Sie können nicht ohne
einander sein. Weil aber nun der Prophet, mit dem Friede und Segen sei, das Siegel und Erbe aller Propheten ist, ist er mit Sicherheit auch das Haupt aller Wege, die (zu Gott hin) führen. Außerhalb seiner hohen Straße (djadde-i kubra)kann es keinen Weg zu Wahrheit (haqiqat)und Erlösung (nedjat)geben. Alle Leute der Erkenntnis (marifet)alle Imame, die sich, wie Sa'di Schirasi, mit ihrer Erforschung und Bewahrheitung (tahqiq)beschäftigt haben, sagen:
مُحَالَسْتِ سَعْدِى بَرَاهِ نَجَاتْ ٭ ظَفَرْ بُرْدَنْ جُزْ دَرْ پَىِ مُصْطَفٰى
{"Unmöglich ist, Sa'di, der Sieg auf dem Weg zur Erlösung, einzig, es sein denn, du folgst Mustafa und seiner Spur!"}
Ferner haben sie gesagt:
كُلُّ الطُّرُقِ مَسْدُودٌ اِلاَّ الْمِنْهَاجَ الْمُحَمَّدِىَّ
{Alle Wege sind verschlossen, ausgenommen die hohe mohammedanische Straße.}
Doch geschieht es manchmal, dass (Menschen) die Straße Mohammeds, mit dem Friede und Segen sei, wandeln, ohne zu wissen, dass es die Straße Mohammeds ist, und sie selbst mitten auf dieser Straße.
Desgleichen geschieht es zuweilen: Sie kennen den Propheten nicht. Doch während sie des Weges ziehen, ist dieser ein Teil der Straße Ahmeds.
Und weiter geschieht es zuweilen, während sie sich in einem Zustand der Ekstase befinden, oder in Meditation versunken sind, als Einsiedler leben oder als Wandermönche umherziehen, ohne auch nur an die mohammedanische Straße zu denken. Nur das لآَ اِلٰهَ اِلاَّ اللّٰهُ {"Es gibt keine Gottheit außer Gott."} genügt ihnen. Bei allem ist dennoch der wichtigste Aspekt folgender: etwas nicht anzunehmen (aus seiner Unwissenheit heraus = adem-i kabul)ist die eine Sache, etwas anzunehmen (aus seinem Unglauben heraus = kabul-u adem)ist die andere Sache. Diese Art Eremiten und Ekstatiker, oder solche, die von nichts gehört oder gewusst haben, kennen den Propheten
nicht oder denken nicht an ihn, sodass sie ihn annehmen könnten. In diesem Punkt bleiben sie unwissend (djahil).Was ihre Gotteserkenntnis betrifft, so wissen sie nur: لآَ اِلٰهَ اِلاَّ اللّٰهُ {"Es gibt keine Gottheit ohne Gott."}
So könnten sie zu denen gehören, die gerettet werden (ehl-i nedjat).Wenn hingegen Menschen den Propheten gehört haben und seine Botschaft vernommen haben und ihn dennoch nicht annehmen, so kennen sie Gott den Gerechten nicht. Für sie drückt das Wort: لآَ اِلٰهَ اِلاَّ اللّٰهُ {"Es gibt keine Gottheit außer Gott."} nicht die Einheit Gottes (Tauhid)aus, was die Voraussetzung zu ihrer Rettung (sebeb-i nedjat)wäre. Denn ihr Zustand (hal)ist keine Unwissenheit, sodass es noch in gewisser Weise zu entschuldigen wäre, wenn sie den Glauben nicht annehmen (adem-i kabul),sondern die Annahme des Unglaubens (kabul-u adem)und eine Verleugnung (inkar).Ein Mensch, der Mohammed verleugnet, mit dem Friede und Segen sei, der mit all seinen Wundern und Werken der Stolz des Weltalls und der Ruhm des Menschengeschlechtes ist, kann sicherlich in keiner Weise irgendein Licht empfangen und Gott nicht erkennen. Wie dem auch immer sei... dies möge für jetzt genügen.
* * *
Sechste Fragestellung
Einige der Ausdrücke, die im Ersten Kapitel, (mit der Überschrift:) "Streitgespräch mit einem Teufel" verwendet wurden (und worin es um die Wege und) Methoden des Teufels geht, waren doch reichlich grob ausgefallen. Trotzdem einige Ausdrücke mit Interjektionen wie: "Um Himmels willen!", "Gott bewahre!" oder "den unmöglichen
Fall einmal angenommen" schon etwas abgeschwächt worden sind, lassen sie mich trotzdem noch erzittern. In dem Abschnitt, den ich dir geschickt habe, finden sich einige kleinere Abschwächungen. Hast du deine Abschrift entsprechend korrigieren können? Ich überlasse es dir, von diesen Ausdrücken, diejenigen zu streichen, die du für unnötig hältst.
Mein lieber Bruder! Dieses Kapitel ist besonders wichtig, denn der Meister aller Gottesleugner ist der Teufel. Wenn der Teufel nicht zum Schweigen gebracht wird, lassen sich seine Nachahmer nicht überzeugen. Da der Weise Qur'an die groben Ausdrücke der Gottlosen erwähnt und sie zurückweist, ermutigt mich das. Zitternd und in Form einer Annahme des Unmöglichen habe ich diese törichten Ausdrücke verwendet, wie sie diese Parteigänger aller Anhänger des Teufels zwangsläufig annehmen mussten, weil ihr Weg das so erfordert, und die sie mit ihrem eigenen Mund aussprechen müssen, ob sie wollen oder nicht, um auf diese Weise die völlige Verdorbenheit des satanischen Weges zu demonstrieren. Doch indem wir sie gebrauchten, haben wir sie bis zum Boden des Brunnens verfeinert und von dem ganzen Gebiet für den Qur'an Besitz ergriffen und ihre Listen bloßgestellt. Betrachte einmal diesen Sieg in dem folgenden Gleichnis:
Lasst uns doch z.B. einmal uns ein sehr hohes Minarett vorstellen, das bis an den Himmel reicht, zu dessen Füßen aber ein Brunnen gegraben wurde, der bis zum Mittelpunkt der Erde reichen solle. Zwei Gruppen streiten nun darüber, wo zwischen der Spitze des Minaretts und dem Boden des Brunnens ein Mann stehen sollte, dessen Ruf zum Gebet von allen Menschen im ganzen Lande gehört werde! Die erste Gruppe sagt: "Sein Platz sollte an der Spitze des Minaretts sein, von wo er den Aufruf zum Gebet für den ganzen Kosmos rezitieren werde. Weil wir seinen Ruf hören, ist er auch lebendig und er ist erhaben. Natürlich kann ihn nicht jeder sehen dort droben in seiner
hohen Position. Doch entsprechend ihrem eigenen Standpunkt kann jedermann ihn dort oben sehen, auf einer bestimmten Stufe (maqam),während er hinauf oder hinunter steigt. So wissen sie entsprechend alle: Jetzt steigt er hinauf! Und ganz gleich, wo man ihn gerade sehen kann: er ist doch der Herr der höchsten Stufe (maqam)!Die andere, teuflische, törichte Gruppe aber sagt: "Nein! Sein Platz ist nicht an der Spitze des Minaretts. Ganz gleich wo man ihn gerade sehen kann: sein Platz ist auf dem Grund des Brunnens." Doch in Wirklichkeit hat ihn gar niemand auf dem Grunde des Brunnens gesehen, noch können sie jemals ihn dort erblicken. Stellen wir uns doch einmal vor, er sei schwer und willenlos wie ein Stein! Dann würde er sicherlich auf dem Grunde des Brunnens liegen und dort würde jemand ihn auch sehen.
Das Schlachtfeld dieser beiden einander entgegengesetzten Gruppen ist also nun der weite Abstand zwischen der Spitze des Minaretts und dem Boden des Brunnens. Die Gemeinschaft der Leute des Lichts, die man die Gefolgschaft Gottes nennt, zeigt allen weitsichtigen (Menschen) den Muezzin auf der Spitze des Minaretts. Und denen, deren Blicke in ihrer Kurzsichtigkeit nicht so hoch empor reichen, zeigen sie den Muezzin auf einer Stufe, die ihrem jeweiligen Standpunkt entspricht. Ein kleines Zeichen genügt ihnen schon als ein Beweis dafür, dass der Muezzin keine leblose Masse wie ein Stein ist, sondern ein vollkommener Mensch (insan-i kamil),der zu seiner Zeit nach oben steigt, sichtbar wird und zum Gebet ruft. Was aber die andere Gruppe, die man die Gefolgschaft des Satans nennt, urteilt törichter Weise so: "Zeigt ihn entweder allen auf der Spitze des Minaretts, oder aber sein Platz ist am Grunde des Brunnens." In ihrer Dummheit wissen sie nicht, dass es nur an denen liegt, deren Blick nicht so weit empor reicht, wenn man ihn nicht jedermann auf der Spitze des Minaretts zeigen kann. In ihrer Spitzfindigkeit wollen sie den ganzen Bereich für sich in Anspruch nehmen, allein die Spitze des Minaretts
davon ausgenommen.
So tritt dann also jemand hervor, um den Streit zwischen den beiden Gemeinschaften zu schlichten und sagt zu dieser Gefolgschaft des Satans: "Oh unglückselige Gruppe! Wäre der Platz (maqam)dieses gewaltigen Muezzins am Grunde des Brunnens, so müsste er wie ein Stein so leblos und kraftlos sein. Und der auf den Stufen, die im Brunnen hinunter führen und denen, die im Minarett hinauf führen, sichtbar wird, könnte nicht er sein. Da ihr ihn aber dort sehen könnt, kann er sicherlich nicht so kraftlos, tot und wesenlos sein. Die Spitze des Minaretts muss sein Platz (maqam)sein. Da dies aber nun einmal so ist, zeigt ihn also nun auf dem Grunde des Brunnens - wo ihr ihn aber auf gar keinen Fall zeigen könnt und ihr werdet auch niemanden glauben machen können, er sei dort, oder aber schweigt! Das Gebiet, das ihr verteidigt, ist der Grund des Brunnens. Was aber den übrigen Bereich und den weiten Zwischenraum betrifft, so ist er der Bereich dieser gesegneten Gemeinschaft. Wo immer sie diese Persönlichkeit zeigt, es sei denn am Grunde des Brunnens, dort werden sie auch den Fall für sich entscheiden."
So wird denn wie in diesem Gleichnis, worin mit dem Kapitel über die Diskussion mit dem Teufel vom Throne Gottes bis hinab auf den Grund dieser weite Zwischenraum der Gefolgschaft des Satans aus der Hand genommen, die gesamte Gefolgschaft des Satans in die Ecke getrieben und zum Schweigen gebracht. Ihr bleibt ein Platz überlassen, der zuhöchst irrational, der völlig unmöglich, der so ganz und gar verabscheuungswürdig ist. Man treibt sie in einem Loch zusammen, das so eng ist, dass kaum jemand hinein gelangen kann, während der gesamte Zwischenraum im Namen des Qur'an (von seiner Gefolgschaft) in Anspruch genommen wird.
Sagt man zu ihr: "Was ist der Qur'an?", so sagen sie: "Ein schönes Buch (von und über) einen Menschen, das in den guten Sitten Unterricht erteilt." Dann wird man ihnen
auch sagen: "Weil dies so ist, darum ist es auch das Wort Gottes und als ein solches müsst ihr es auch annehmen. Denn nach der Lehre (meslek),der ihr angehört, werdet ihr nicht sagen: es ist ein schönes (Buch)."
Und wenn man sie ferner fragte: "Was wisst ihr über den Propheten?" dann sagen sie: "Er ist ein hochintelligenter Mensch von guter Gesinnung." Dann wird man ihnen sagen: "Wenn dies so ist, dann kommt zum Glauben. Denn war er von guter Gesinnung und auch klug, dann war er in jedem Fall auch der Gesandte Gottes. Denn mit eurer bloßes Aussage: er ist ein guter (Mensch), bleibt ihr nicht in eurem Rahmen. Denn eure Lehre sagt so etwas nicht." Usw.... Diesem Beispiel können noch andere Hinweise und weitere Aspekte der Wahrheit beigefügt werden.
Auf Grund dieses Geheimnisses werden die Leute des Glaubens, die mit dem Teufel diskutieren, im Ersten Kapitel nicht dazu gezwungen, die Wunder Ahmeds und die unbestreitbaren Beweise dafür kennen zu lernen, um so ihren Glauben bestätigen zu können. Ein kurzer Wink, ein kleiner Hinweis rettet ihren Glauben. Alle Taten Ahmeds, alle Qualitäten Mohammeds, das ganze Verhalten des Propheten, mit dem Friede und Segen sei, gleichen einem Wunder und beweisen, dass ihm ein Rang (maqam)unter den Höchsten aller Großen (a'la-yi illiyyin)gebührt und nicht unter den Niedrigsten der Niedrigen (esfel-i safilin)am Grunde des Brunnens.
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Siebente Fragestellung
Eine Problemstellung als Lehrbeispiel:
Für einige meiner Freunde, die in ihrer abgrundtiefen Furcht den Mut verloren haben, sehe ich mich dazu veranlasst, sie mit sieben Beispielen in ihrer geistigen Verfassung zu stärken und dabei einen Gunsterweis (ikram)des Herrn anzuführen, als ein (Zeichen für
den) Schutz Gottes über diejenigen, welche im Dienst am Qur'an stehen, und um jenen Teil der Freunde zu retten, die schon dabei sind, die Nerven zu verlieren. Vier dieser sieben Beispiele zeigen, wie sie ganz entgegen ihren Absichten eine Ohrfeige bekommen haben, weil sie, die meine Freunde waren, einzig um eines weltlichen Vorteils willen, aufgrund meines Dienstes am Qur'an und nicht gegen mich persönlich, aber doch eine feindselige Haltung eingenommen haben. Was die restlichen drei dieser sieben Beispiele betrifft, so waren sie wirklich meine Freunde und sind es noch heute. Doch zeigten sie vorübergehend nicht jene mannhafte Haltung, wie sie eine Freundschaft erfordert, weil sie sich darum bemühten, die Zuwendung der Weltleute zu gewinnen, weltliche Vorteile zu erlangen und für ihre eigene Sicherheit zu sorgen. Statt dessen mussten diese drei Freunde unglücklicherweise entgegen ihren Absichten einen schweren Tadel erfahren.
Von den zuerst erwähnten vier, die zunächst Freunde gewesen waren, dann aber eine feindselige Haltung angenommen haben,
war der erste ein Kreisdirektor, der bei verschiedenen Gelegenheiten darum gebeten hatte, eine Kopie des Zehnten Wortes zu erhalten. Ich habe ihm eine gegeben. Doch dann brach er meine Freundschaft, weil er befördert werden wollte, ab und nahm eine feindselige Haltung gegen mich ein. Er übergab (das Buch) dem Gouverneur, verbunden mit einer Anklage und einer Anzeige. Doch als ein Gunsterweis (ikram)
für den Dienst am Qur'an (hizmet-i qur'an)wurde er nicht befördert, sondern abgesetzt.
Der zweite war ebenfalls ein Direktor, war zunächst mein Freund und später mein Gegner, nahm mir gegenüber, nicht aus persönlichen Gründen, sondern auf Grund meines Dienstes eine feindselige Haltung ein, um sich bei seinem Vorgesetzten in Erinnerung zu bringen und die
Sympathien der Weltleute zu gewinnen und erhielt entgegen seinen Absichten eine Ohrfeige. Er wurde in einer unerwarteten Angelegenheit zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt. Da bat er denn einen Diener am Qur'an um sein Gebet. Möge Gott es so wollen, dass er um der Gebete willen, die für ihn verrichtet werden, gerettet wird.
Der dritte war ein Lehrer.
Da er sich mir gegenüber als Freund erwies, betrachtete auch ich ihn als meinen Freund. Doch später wählte er stattdessen eine feindselige Haltung, um nach Barla versetzt zu werden und dort zu leben. Doch entgegen seinen Absichten erhielt er eine Ohrfeige. Er wurde von seiner Lehrtätigkeit zum Militärdienst versetzt. So hat man ihn aus Barla entfernt.
Der vierte war auch ein Lehrer.
(Weil er ein Hafidh war und ich in ihm einen praktizierenden Gläubigen sah), erwies ich ihm meine innige Freundschaft, in der Absicht, dass er mir im Dienst am Qur'an seine Freundschaft bezeigen möge. Doch dann wurde er auf ein einziges Wort eines Beamten hin unsicher und zeigte uns die kalte Schulter, um so wieder die Sympathien der Weltleute zu gewinnen. Auch er erhielt entgegen seinen Absichten eine Ohrfeige. Er wurde von seinem Schulrat ziemlich heftig zurecht gewiesen und verlor seinen Posten.
So empfingen denn diese vier Männer auf Grund ihrer feindseligen Haltung ihre Ohrfeigen. Auch drei Freunde bekamen zwar nicht gerade eine Ohrfeige, weil sie nicht jene mannhafte Haltung gezeigt hatten, wie man sie von wahren Freunden erwartet, aber doch entgegen ihren Absichten eine ernsthafte Warnung.
Der Erste:
Als eine geachtete Persönlichkeit, die ein sehr bedeutender, ernsthafter und treuer Schüler von mir war, schrieb er ständig die "Worte" ab und verteilte sie. Als ein hoher, aber leicht verwirrter, Beamter kam und sich dabei auch noch ein kleiner Zwischenfall ereignete, versteckte er die "Worte", die er bereits abgeschrieben hatte und hörte auch vorübergehend damit auf, neue abzuschreiben,
um bei den Weltleuten nicht in Schwierigkeiten zu geraten und keine Unannehmlichkeiten von ihnen zu bekommen und vor ihren Bosheiten sicher zu sein. Doch als ein Zeichen seines Irrtums, in dem er zeitweilig seinen Dienst am Qur'an unterbrach, litt er nun ein Jahr lang beständig unter einer Katastrophe, die über seinem Haupt schwebte, nämlich eine Strafe von Tausend Lira bezahlen zu müssen. Wann immer er die Absicht äußerte, mit den Abschriften fortzufahren und zu seiner früheren Aufgabe zurückkehrte, wurde der Schuldspruch über ihn aufgehoben, bis er - Gott sei's gedankt - schließlich freigesprochen wurde. So wurde er in all seiner Armut davor bewahrt, die Tausend Lira bezahlen zu müssen.
Der Zweite:
Er war mir fünf Jahre lang ein mutiger, ernsthafter und tapferer Freund gewesen. Danach dachte er einige Monate nicht mehr daran, mich zu besuchen, obwohl wir doch Nachbarn waren und "zufällig" begegneten wir einander auch nicht. Er wollte das Wohlwollen und die Sympathien der Weltleute und des erst kürzlich erschienen Distriktkommissars gewinnen. So besuchte er mich nicht im Ramadan und an den Festtagen. Doch die Ereignisse in seinem Dorf verliefen entgegen seinen Absichten und am Ende verlor er seinen Einfluss.
Der Dritte:
Ein Hafidh, der mich ein, zwei Mal in der Woche besuchen kam, war Imam geworden. Um nun auch noch einen Turban tragen zu dürfen, verließ er mich für zwei Monate. Er besuchte mich noch nicht einmal während der Festtage. Doch entgegen seinen Absichten und ganz gegen die sonst übliche Gewohnheit gestattete man ihm, auch nachdem er schon sieben, acht Monate Imam gewesen war, nicht, einen Turban tragen zu dürfen.
So gibt es denn eine ganze Reihe ähnlicher Ereignisse. Doch um die Gefühle einiger Leute nicht zu verletzen, möchte ich sie hier nicht erwähnen. So schwach nun diese Hinweise auch im Einzelnen sein mögen, so spürt man doch insgesamt eine Kraft (quvvet)in ihnen. Es erwächst
aus ihnen die Überzeugung, dass zwar nicht ich selbst - denn ich halte mich nicht selbst für eines besonderen Gunsterweises (ikram)für würdig - aber doch wir alle rein im Hinblick auf unseren Dienst am Qur'an als einen solchen Gunsterweis Gottes verstehen dürfen, dass wir diesen Dienst unter dem Schutz des Herrn verrichten. Daran sollen meine Freunde denken und nicht in Panik geraten. Weil aber unser Dienst ein Gunsterweis Gottes ist und nicht ein Grund, stolz, sondern vielmehr dankbar zu sein, und weil es da einen Erlass (ferman)gibt:
وَاَمَّا بِنِعْمَةِ رَبِّكَ فَحَدِّثْ
{"...doch vielmehr verkündige die Gnadenerweise deines Herrn." (Sure 93, 11)}
auf Grund dieses Geheimnisses erkläre ich dies lediglich meinen Freunden persönlich.
* * *
Achte Fragestellung
Eine Anmerkung zum Dritten Beispiel des Dritten Punktes des Fünften Hindernisses der Hindernisse zur persönlichen Meinungsfindung im Siebenundzwanzigsten Wort.
Eine wichtige Frage:
Einige von den Erforschern der Wahrheit sagen: Jedes der Worte im Qur'an, Dhikr und Lobpreisungen (tesbih)erleuchten die feinen inneren Organe (Latife)des Menschen in vielerlei Hinsicht und versorgen sie mit geistiger Nahrung. Kennt man nicht ihre Bedeutung, so genügen bloße Worte allein noch nicht sie auszudrücken. Worte sind nur wie ein Kleid. Könnte man sie ändern, wäre es dann nicht weit zweckmäßiger, wenn ein jedes Volk diesen Bedeutungen ein Kleid in seiner eigenen Sprache anzöge?
Antwort:
Die Worte des Qur'an und die Lobpreisungen (tesbihat)
des Propheten sind nicht ein lebloses Kleid, sondern wie die lebendige Haut eines Körpers, sind in der Tat im Laufe der Zeit zu einer Haut geworden. Kleider kann man wechseln. Wollte man aber seine Haut wechseln, würde dies dem Körper schaden. Segensreiche Worte, wie sie im Ruf zum Gebet (ezan)oder beim Gebet (namaz)selbst gebraucht werden, sind zu Merkmalen und Kennzeichen ihrer Bedeutung geworden. Diese Kennzeichen und Merkmale aber kann man nicht auswechseln. Ich selbst habe schon oft in mir einen Zustand (hal)beobachtet und untersucht und dabei festgestellt: dieser Zustand, das ist die Wahrheit. Und es ist folgender Zustand:
Ich habe einmal in der Nacht (Arefe)vor dem Opferfest (Kurban)Hunderte Male die Sure "Ikhlas" rezitiert und bemerkt: Ein Teil von meinen feinen innerlichen Organen (manevi duygular)empfing daraus seine Nahrung, wurde ruhiger und schließlich still. Ein anderer Teil, schon mit der Fähigkeit zu innerer Wahrnehmung (quvve-i mufekkir)begabt, wendet sich noch eine längere Zeit der Bedeutung zu, entnimmt sich seinen Anteil und wird ruhig. Wieder ein anderer Teil, wie das Herz (qalb),entnimmt sich seinen Anteil an inneren Werten, der zu einer Quelle geistlicher Freude wird und geht sodann in das Schweigen ein. Usw... Schritt für Schritt bleiben bei der beständigen Wiederholung nur noch wenige dieser feinen geistigen Organe über, die sich erst sehr spät satt und zufrieden zeigen und bis dahin weiter machen, bis am Ende kein Bedürfnis nach innerer Wahrnehmung (letaif)und Bedeutung mehr übrig bleibt. So wie Unaufmerksamkeit (ghafla)die Kraft der inneren Wahrnehmung (quvve-i mufekkir)schwächt, so kann sie doch letzteren keine Schwäche (zarar)zufügen. Ihnen genügt schon ein bloßes (Segens) Wort, die bloße Erfassung von Sinn und Verständnis in einem befriedigenden Wort, Merkmale und Kennzeichen für allgemein gebräuchliche Ausdrücke. Denkt man an diesem Punkt noch weiter über den Sinn (der Worte) nach, so entsteht schließlich ein Überdruss, der (nur noch) destruktiv wirkt. Und diese feinen geistigen Organe (latife)brauchen keine Lehre
und kein Verständnis, vielmehr bedürfen sie (einer beständigen) Erinnerung, Hinwendung und Ermutigung. Und diese Worte, die gleich einer Haut sind, genügen ihnen und versehen die Aufgabe des Sinnes. Und besonders dann, wenn diese arabischen Worte gemahnen, dass sie Worte Gottes und göttliche Verkündigung sind, so sind sie eine Quelle immerwährender Segensfülle.
So zeigt denn dieser Zustand (hal),den ich selbst erfahren habe: Den Ezan, die Lobpreisungen (tesbihat)nach dem Gebet und Wahrheiten wie die Fatiha und die Sure-i Ikhlas, die stets wiederholt werden, in einer anderen Sprache zum Ausdruck zu bringen, bringt einen großen Schaden. Denn nachdem die immer sprudelnde Quelle der Worte Gottes und Seines Propheten versiegt ist, dann ist auch der beständige Anteil dieser beständigen feinen innerlichen Organe (letaif)gleichfalls verloren. Ferner gehen auch mit jedem Wort mindestens zehn Verdienste (sevab)verloren und nicht jeder kann (das Bewusstsein) der beständigen Gegenwart Gottes (huzur-u daimi)während des ganzes Gebetes aufrecht erhalten. So entsteht denn in dieser Unaufmerksamkeit durch die menschlichen Worte der Übersetzung ein Schaden, als legte sich Finsternis über den Geist.
So wie schon Imam-i A'dham gesagt hat, ist لآَ اِلٰهَ اِلاَّ اللّٰهُ {"Es gibt keine Gottheit außer Gott."}
Kennzeichen und Merkmal der Göttlichen Einheit (Tauhid).Desgleichen sagen auch wir: Die übergroße Mehrheit aller Worte der Lobpreisungen (tesbih)und des Gedenkens (dhikr),besonders aber der Ruf zum Gebet (ezan)und das Gebet (namaz)selbst sind zu solchen Kennzeichen und Merkmalen geworden. Und wie Zeichen werden sie nicht nur in ihrer wörtlichen Bedeutung sondern mehr noch in ihrer üblichen, den religiösen Vorschriften entsprechenden Bedeutung betrachtet. Weil dies aber so ist, kann man diese Worte nach der Schari'a nicht verändern. Selbst ein ungebildeter
Mensch ist in der Lage, jene Bedeutung, die ein jeder Muslim kennen muss, kurz zusammengefasst, rasch zu erlernen. Wie können Menschen, die ihr ganzes Leben im Islam verbringen und dabei ihre Köpfe mit Tausenden sinn- und nutzloser Dinge füllen sich entschuldigen, wenn sie nicht in ein, zwei Wochen eine Zusammenfassung der Bedeutung jener gesegneten Worte lernen, die der Schlüssel zum Ewigen Leben sind? Wie können sie Muslime sein? Wie können sie verständige Menschen genannt werden?... Und es ist nicht verständig, die Fassung der Quelle des Lichtes um solch fauler Kerle willen zu zerstören!...
Des Weiteren versteht, wer " Subhanallah"(Gott sei gelobt!) sagt, von welchem Volk auch immer er sein mag, dass er Gott den Gerechten damit preist. Genügt denn das nicht bereits? Wenn er die Bedeutung (dieser Worte) auch nur einmal in seine eigene Sprache überträgt, lernt er sie für alle Male mit seinem Verstand (aqil).Statt dessen wiederholt er sie hundert Mal am Tag. Diese hundert Mal sind, von dem Lernanteil des Verstandes einmal abgesehen, zusammen mit der kurzgefassten Bedeutung des Ausdrucks und dem in ihn übergegangenen und mit ihm verschmolzenen Ausdruck eine Quelle vieler Lichter und der Fülle des Segens. Besonders die Heiligkeit, die er aus den Worten in der Sprache Gottes empfängt, die Segensfülle (feyz)und das Licht (nur),das ihm aus dieser Heiligkeit erwächst sind von höchster Wichtigkeit...
Zusammenfassung:
Die wesentlichen Elemente des Glaubens sind die schützende Fassung der Heiligen Worte Gottes. Nichts vermag an deren Stelle zu treten und sie zu ersetzen, nichts ihren Platz einzunehmen und ihre Aufgabe zu erfüllen. Selbst wo es zeitweilig eine andere Ausdrucksmöglichkeit gibt, so ist es doch nicht ein ständiger, ein erhabener, ein heiliger Ausdruck.
Was die Worte betrifft, welche die schützende Fassung für die Auslegung der Vorschriften des Glaubens bilden, so ist es nicht notwendig, sie zu ändern, denn eine solche
Notwendigkeit wird durch gute Ratschläge und andere Belehrungen, Unterweisung, Studium und Predigt aufgehoben.
Kurzum:
Der Aufbau der arabischen Sprache in ihrem Wortschatz und in ihrem Satzbau und der Qur'an, der in seiner Vielfältigkeit und in seiner Ausdruckskraft ein Wunder ist, sind von solcher Art, dass es keine Möglichkeit gibt, sie zu übersetzen! Ja, ich kann sogar sagen, dass es unmöglich ist. Wer daran einen Zweifel hat, möge im Fünfundzwanzigsten Wort über den Qur'an und das Wunder seiner Verkündigung darüber nachschlagen. Was da eine Übersetzung genannt wird, ist nur eine kurz zusammengefasste, mangelhafte Auslegung. Wo bleibt da nun Ausdeutung und Sinn? Wo findet sich die wahre Bedeutung der Ayat, die sich so lebendig und in vielerlei Hinsicht um sie herum gruppieren?
* * *
Neunte Fragestellung
Eine wichtige, persönliche Angelegenheit und ein Geheimnis der Gottesfreundschaft.
Eine riesengroße Gruppe der Leute der Wahrheit und Rechtschaffenheit in der islamischen Welt wird die der Leute der Tradition (Sunnah)und der Gemeinschaft (Cemaat)genannt und hat die Wahrheit von Qur'an und Glaube im Rahmen dieser Rechtschaffenheit buchstäblich allen in Ehren gehaltenen Bräuchen (Sünnet-i Seniyye)entsprechend bewahrt. Die überwiegende Mehrheit der Gottesfreunde erwuchs aus diesem Kreis. Ein anderer Teil der Gottesfreunde erschien auf einem Weg außerhalb einiger Grundsätze der Leute der Sunnah und Cemaat und zeigte sich im Gegensatz zu deren Fundamenten. So haben sich denn in der Betrachtung dieser Gruppe der Gottesfreunde zwei (extreme) Richtungen gebildet:
Was die eine Richtung betrifft, so hat sie ihnen (den Status) der Gottesfreunde aberkannt, weil sie sich im Gegensatz zu den Grundsätzen der Leute der Sunnah verhielten. Ja, sie gingen sogar so weit, dass sie einen Teil von ihnen geradezu als Ungläubige bezeichneten.
Die zweite Gruppe ist die derjenigen, die ihnen nachfolgen. Da diese deren Heiligkeit anerkennen, sagen sie: "Die Wahrheit beschränkt sich nicht auf die Leute der Sunnah ve Cemaat." Sie haben eine Gruppe von Reformatoren gebildet und sind in ihr bis zum Irrtum fortgeschritten. Sie wissen nicht: Nicht jeder, der recht geführt ist, ist ein Führer. Ihre Scheichs konnte man wegen ihrer Fehler entschuldigen, wenn sie in Ekstase waren. Was aber sie selbst betrifft, so sind sie nicht zu entschuldigen.
Was (darüber hinaus) eine gemäßigte Richtung betrifft, so leugnet sie nicht die Heiligkeit der Gottesfreunde, erkennt aber den Weg (den sie eingeschlagen haben) und ihre Schulen (meslek)nicht an. Sie sagen: "Soweit ihre Aussagen den Grundsätzen (des Glaubens) widersprechen, so befanden sie sich entweder, von ihrem ekstatischen Zustand (hal)übermannt, in einem Irrtum, oder aber es handelte sich dabei um metaphorische Umschreibungen, deren Bedeutung unbekannt ist."
Leider hat die erste Gruppe und unter ihnen, besonders die der Gelehrten unter den Anhängern, einer oft allzu wörtlichen Schriftauslegung, um die Schule der Anhänger der Sunnah in Schutz zu nehmen, viele bedeutende Gottesfreunde verleugnet, ja sich geradezu gezwungen gesehen, sie der Irreführung zu beschuldigen. Was aber Anhänger und Nachfolger betrifft, welche die zweite Gruppe bilden, so hat sie den wahren Weg (meslek)verlassen, weil sie ihren verschiedenen Scheichs gegenüber eine viel zu gute Meinung hatten, und waren einer Art Reformation (bid'a),ja geradezu einem Irrweg (dalalet)verfallen.
Es gab da in Verbindung mit diesem Geheimnis einen Zustand (hal),der mich in meinen Gedanken und Überlegungen
sehr lange Zeit beschäftigt hat: Ich habe einmal einen Teil dieser Leute des Irrweges in einer Zeit heiliger Gebete geradezu verflucht. Da trat meinem Fluch (beddua)eine gewaltige innere Kraft (quvvet-i manevi)entgegen. Sie gab mir nicht nur mein Gebet wieder zurück, sie untersagte es mir sogar.
Danach erkannte ich: Dieser Teil der Leute des Irrweges, welcher der Wahrheit (des Islam) entgegen arbeitet, zieht das Volk, von einer geistigen Kraft unterstützt, mit sich mit. Und hatte dabei Erfolg. Nicht allein (nur infolge der äußeren) Gewalt, vielmehr verbunden mit jener Sehnsucht, die aus der Kraft der Heiligkeit erwächst, sieht ein Teil der Leute des Glaubens, von eben dieser Sehnsucht getrieben stillschweigend darüber hinweg und hält (das Ganze am Ende) gar nicht mehr für so schlecht.
Da ich also nunmehr dieser beiden Geheimnisse gewahr wurde, ergriff mich Furcht. "Gepriesen sei Gott! (fesubhanallah)",sagte ich. "Kann es denn Heiligkeit geben, außer auf dem Weg der Wahrheit? Besonders aber auf diesem fürchterlichen Strom des Irrtums, können denn da die Leute der Wahrheit vorankommen?" Dann wiederholte ich nach islamischem Brauch an dem gesegneten Arefe-Tag die Sure-i Ichlas und rezitierte sie hundert Mal. So gesegnet stellte sich die später durch Gottes Barmherzigkeit zusammen mit der folgenden Tatsache als "Antwort auf eine wichtige Frage" niedergeschriebene Fragestellung in meinem armen Herzen ein. Und die Wahrheit ist folgende:
Zu Zeiten Sultan Mehmeds des Eroberers erzählte man sich die berühmte und lehrreiche Geschichte von "Cibali Baba". Ähnlich wie er gibt es unter den Gottesfreunden einige, die äußerlich besonnen und vernünftig erscheinen und trunken sind in Gott. Und ein anderer Teil von ihnen erscheint dagegen manchmal nüchtern und Herr seiner Sinne zu sein und manchmal in einen Zustand (hal)völlig außerhalb ihres Verstandes und Urteilsvermögens zu geraten. Unter diesen wiederum gibt es einige, die alle Dinge miteinander verwechseln und sie nicht voneinander
unterscheiden können. Sie behandeln eine Angelegenheit, die sie in einem solchen Zustand göttlicher Trunkenheit wahrgenommen haben, im Zustande der Nüchternheit. Sie befinden sich im Irrtum und wissen nicht, dass sie sich im Irrtum befinden. Einige dieser Gottesnarren leben unter Gottes besonderem Schutz und geraten nicht auf Irrwege. Andere aber werden nicht bewahrt und können sich unter der Schar der Ketzer und Neuerer (bid'a ve dalalet)wiederfinden. Es wird sogar für möglich gehalten, dass sie selbst unter die Ungläubigen (kafir)geraten können.
So kommt es denn, dass solche, die zeitweilig oder andauernd von Gott berauscht sind, als von Ihm gesegnet und als Gottesnarren (mubarek medjnun)angesehen werden. Und weil diese Gottesnarren als ungebunden und gesegnet gelten, sind sie auch nicht verantwortlich. Da man sie aber nicht zur Verantwortung ziehen kann, kann man sie auch nicht kritisieren. Während sie zwar stets Heilige und Gottesnarren sind und bleiben, stellen sie sich doch gleichzeitig auf die Seite der Leute des Irrweges und der Neuerer. Sie gehen ihren Weg (meslek),machen ihn in gewissem Grade populär und unglückseligerweise bewirken sie so, dass einige Leute des Glaubens und der Wahrheit gleichfalls diesen Weg einschlagen.
* * *
Zehnte Fragestellung
In Zusammenhang mit einer Eingebung meines Herzens wurde von Seiten einiger Freunde darum gebeten, einen Grundsatz bezüglich der Besucher zu erklären. Darum wurde das folgende niedergeschrieben.
Es sollte eigentlich bekannt sein, dass diejenigen, die uns besuchen, entweder kommen um der Dinge des irdischen Lebens willen. Diese Tür ist ihnen verschlossen. Oder aber sie kommen um des jenseitigen Lebens willen. In dieser Hinsicht gibt es zwei Türen: Entweder sie kommen, weil sie meine Person für gesegnet halten und glauben,
dass ich einen geistlichen Rang (maqam)inne hätte. Auch diese Türe ist geschlossen. Denn ich bin keineswegs stolz auf mich. Ich bin auch keineswegs stolz auf diejenigen, die auf mich stolz sind. Vielmals Dank sei Gott dem Gerechten, dass er mich nicht hat stolz werden lassen. Der zweite Aspekt ist jedoch der, dass ich einzig der Verkünder des weisen Qur'an bin. Die durch diese Pforte eintreten, sind mir wie mein Augapfel. Ich heiße sie mit allem schuldigen Respekt willkommen. Auch unter ihnen gibt es drei Arten. Sie sind entweder Freunde, oder Brüder, oder Schüler.
Die charakteristischen Merkmale und die Bedingungen für Freunde sind:
Sie müssen uns mit aller Entschlossenheit im Dienst an den Worten (Sözler)und Lichtern (Envar)des Qur'an ernsthaft zur Seite stehen und sie dürfen in ihrem Herzen nicht für Ungerechtigkeit, ketzerische Erneuerungen und Irrlehren eintreten. Sie sollen sich auch darum bemühen, für sich selbst einen Nutzen zu gewinnen.
Die charakteristischen Merkmale und die Bedingungen für die Brüder sind:
Sie sollen ernsthaft daran mitarbeiten, die Worte (Sözler)zu verbreiten, die fünf Pflichtgebete zu verrichten und die sieben Todsünden zu meiden.
Die charakteristischen Merkmale und die Bedingungen für die Schüler sind:
Sie sollen die Worte (Sözler)so für sich empfinden, als wären es ihre eigenen und sie hätten sie selbst verfasst, und wissen, dass die Aufgabe ihres Lebens darin besteht, sie zu verbreiten und ihnen zu dienen.
Diese drei Ebenen sind mit meinen drei Personen verbunden. Der Freund ist mit meiner individuellen und essentiellen Person verbunden. Der Bruder ist vom Standpunkt des Dienstes und der Anbetung mit der Persönlichkeit in mir verbunden. Was den Schüler betrifft, so ist sie in meiner Person als Lehrer (hodja)und Verkünder des Weisen Qur'an verbunden.
Solche Besuche bringen auch drei Früchte hervor:
Erstens:
In Anbetracht (meiner Tätigkeit als) Verkünder von mir oder aus den Worten (Sözler)eine Lesung in den Juwelen aus dem Qur'an erhalten; und sei es auch nur eine einzige Lektion.
Zweitens:
Im Hinblick auf den Dienst und die Anbetung im Jenseits einen Anteil an meinen Verdiensten zu haben.
Drittens:
Sich gemeinsam der Schwelle (Dergah)Gottes zuzuwenden und unsere Herzen im Dienste des Weisen Qur'an Hand in Hand zu verbinden und miteinander um Erfolg und Rechtleitung (hidayat)zu bitten.
Wenn es ein Schüler ist, so ist er allmorgendlich mit seinem Namen bei mir anwesend und manchmal sogar in meiner Vorstellung und empfängt seinen Anteil.
Wenn es ein Bruder ist, so ist er mehrmals, mit seinem besonderen Namen und seiner Gestalt in meinem Gebeten (dua)und erhält seinen Anteil. Danach ist er mit allen Brüdern verbunden und ich übergebe ihn der göttlichen Barmherzigkeit, sodass er, wenn ich im Gebet "Brüder und Schwestern" sage, er mit dazu gehört. Auch wenn ich es nicht weiß, so weiß doch Gott in Seiner Barmherzigkeit um sie und sieht sie.
Wenn es ein Freund ist und er seine Pflichtgebete verrichtet und die Todsünden meidet, ist er in meinen Gebeten in die Gemeinschaft aller Brüder mit eingeschlossen.
Die Bedingung dabei ist, dass diese drei Arten (von Besuchern) mich in ihren innerlichen Gebeten und in ihre Verdienste mit einschließen.
اَللّٰهُمَّ صَلِّ عَلٰى مَنْ قَالَ (اَلْمُؤْمِنُ لِلْمُؤْمِنِ كَالْبُنْيَانِ يَشُدُّ بَعْضُهُ بَعْضًا) وَعَلٰٓى اٰلِهِ وَصَحْبِهِ وَسَلِّمْ
سُبْحَانَكَ لاَعِلْمَ لَنَآ اِلاَّ مَاعَلَّمْتَنَآ اِنَّكَ اَنْتَ الْعَلِيمُ الْحَكِيمُ
وَقَالُوا الْحَمْدُ لِلّٰهِ الَّذِى هَدٰينَا لِهٰذَا وَمَا كُنَّا لِنَهْتَدِىَ لَوْلآَ اَنْ هَدٰينَا اللّٰهُ لَقَدْ جَآءَتْ رُسُلُ رَبِّنَا بِالْحَقِّ
اَللّٰهُمَّ يَا مَنْ اَجَابَ نُوحًا فِى قَوْمِهِ ٭ وَيَا مَنْ نَصَرَ اِبْرَاهِيمَ عَلٰى اَعْدَآئِهِ ٭ وَيَا مَنْ اَرْجَعَ يُوسُفَ اِلٰى يَعْقُوبَ ٭ وَيَا مَنْ كَشَفَ الضُّرَّ عَنْ اَيُّوبَ ٭ وَيَا مَنْ اَجَابَ دَعْوَةَ زَكَرِيَّا ٭ وَيَا مَنْ تَقَبَّلَ يُونُسَ ابْنَ مَتّٰى.. نَسْئَلُكَ بِاَسْرَارِ اَصْحَابِ هٰذِهِ الدَّعَوَاتِ الْمُسْتَجَابَاتِ اَنْ تَحْفَظَنِى وَتَحْفَظَ نَاشِرَ هٰذِهِ الرَّسَآئِلِ وَرُفَقَآءَهُمْ شَرِّ شَيَاطِينِ الْاِنْسِ وَالْجِنِّ وَانْصُرْنَا عَلٰى اَعْدَآئِنَا وَلاَ تَكِلْنَآ اِلٰى اَنْفُسِنَا وَاكْشِفْ كُرْبَتَنَا وَكُرْبَتَهُمْ وَاشْفِ اَمْرَاضَ قُلُوبِنَا وَقُلُوبِهِمْ اٰمِينَ اٰمِينَ اٰمِينَ
{"Oh Gott verleihe Deinen Segen dem, der gesagt hat: 'Der Gläubige ist dem Gläubigen wie ein Bauwerk, in dem die einzelnen Steine bleiverfugt einander Halt und Stütze gewähren.' Friede sei ihm und seiner Familie und seinen Gefährten."
"Gepriesen seist Du! Wir haben kein Wissen, außer dem, das Du uns gelehrt hast. Denn Du bist der Allwissende, der Allweise." (Sure 2, 32)
"Und sie sagten: Dank sei Gott, der uns bis hierher geführt hat. Wir hätten keine Rechtleitung finden können, hätte nicht Gott selbst uns geführt. In der Tat sind die Propheten zu uns gekommen mit der Wahrheit." (Sure 7, 43)
"Oh Gott, der Du Noah unter seinem Volk geantwortet hast, der Du Abraham gegen seine Feinde geholfen hast, der Du Joseph zu Jakob zurückgebracht hast, der Du Jobs Leiden von ihm genommen hast, der Du das Gebet des Zacharias beantwortet hast, der Du von Junus ben Mette angenommen hast, worum er Dich gebeten hat! Bei dem Geheimnis derer, die Dir diese Gebete dargebracht haben, mich zu bewahren, zu zerstreuen, die mir übel wollen und meine Gefährten vor allem Übel der Teufel unter Dschinnen und Menschen zu bewahren, uns zu helfen im Angesichte unserer Feinde, uns nicht unserer eigenen Ratlosigkeit zu überlassen, unsere Ängste und ihre Ängste von uns wegzunehmen, die Krankheiten unsrer Herzen und ihrer Herzen zu heilen. Amen. Amen. Amen!..."}
Siebenundzwanzigster Brief
Dieser Brief besteht aus einer Reihe wunderschöner und reichhaltiger Briefe, welche die reine Wahrheit sind, geschrieben von dem Autor der Risale-i Nur an seine Schüler, als auch einige von Schülern der Risale-i Nur an ihren Meister und einige, die sie sich gegenseitig geschrieben haben, worin sie ihre bemerkenswerten und segensreichen Eindrücke vom Studium der Risale-i Nur beschreiben. Drei, vier Mal umfangreicher als der vorliegende Band wurde diese Sammlung nicht diesem Band beigefügt, sondern getrennt unter dem jeweiligen Titel als Nachtrag aus Barla, Kastamonu oder Emirdag herausgegeben.
* * *
Achtundzwanzigster Brief
Dieser Brief besteht aus acht Problemstellungen
Erste Problemstellung, zugleich erste Abhandlung
بِسْمِ اللّٰهِ الرَّحْمٰنِ الرَّحِيمِ ٭ اِنْ كُنْتُمْ لِلرُّءْيَا تَعْبُرُونَ
{"Im Namen Gottes, des Erbarmers, des Barmherzigen. Falls ihr Traumgesichte deuten könnt." (Sure 12, 43)}
Als wir uns vor drei Jahren einmal getroffen haben, erfüllte sich drei Tage später ein Traum, um dessen Deutung du heute bittest. Dieser schöne, gesegnete, verheißungsvolle Traum von damals ist nun heute längst verjährt. Habe ich also nicht recht, wenn ich angesichts dieses Traumes, der seine Bedeutung inzwischen enthüllt hat, Folgendes sage:
نَه شَبَمْ نَه شَبْ پَرَسْتَمْ مَنْ غُلاَمِ شَمْسَمْ اَزْشَمْسِ مِى كُويَمْ خَبَرْ
اٰنْ خَيَالاٰتِى كِه دَامِ اَوْلِيَاسْت عَكْسِ مَهْرُويَانِ بُوسْتَانِ خُدَاسْت
{"Ich bin weder die Nacht, noch liebe ich die Nacht. Ich bin ein Verehrer der Sonne und bringe Kunde von der Sonne. Jene Träume, welche eine Falle für die Heiligen waren, sind die Widerspiegelungen der Blumen aus dem Garten Gottes."}
Mein Bruder, ich habe mich in der Tat daran gewöhnt, mit dir die Lektionen über die reine Erkenntnis zu besprechen. Da es nun einmal nicht so ganz der Art und Weise der Wahrheitssuche entspricht, Träume, deren Türen für jede Art von Phantasie offen stehen, auf der Suche nach der Wahrheit zu durchforschen, wollen wir nun hier im Zusammenhang mit deinem Traum in sechs Anmerkungen Kenntnisse des Schlafes und die allgemeinen Erfahrungen mit ihm, der der kleine Bruder des Todes ist, den Versen des Qur'an entsprechend erläutern. Im siebenten werden wir dann eine kurze Auslegung deines Traumes geben.
Erstens:
Ein wichtiges Element in der Sure "Yusuf" ist Josephs Traum, wie die Ayah وَجَعَلْنَا نَوْمَكُمْ سُبَاتًا {"Wir gaben euch den Schlaf zu eurer Erholung." (Sure 78, 9)} gleich vielen anderen Ayat zeigt, dass in Traum und Schlaf viele bedeutende Wahrheiten verschleiert enthalten sind.
Zweitens:
Kenner der Wahrheit befürworten es nicht gerade, sich auf eine (nach dem Zufallsprinzip ausgewählte) Stelle im Qur'an als Orakel oder Deutung eines Traumes zu verlassen, denn der Weise Qur'an schlägt die Leute des Unglaubens häufig und heftig. Wenn sich also ein solches Orakel in all seiner Strenge gegenüber
den Ungläubigen einem Menschen zeigt, der gerade einen solchen Orakelspruch sucht, treibt es ihn in die Verzweiflung, bringt es sein Herz in Verwirrung. Auch Träume, selbst wenn sie gut sind, erscheinen manchmal als böse, weil sie als der Wahrheit entgegengesetzt betrachtet werden, bringen zur Verzweiflung, zerstören die moralische Kraft, verführen zu negativer Deutung. Es gibt viele Träume, die nach Form und Inhalt schrecklich, verletzend oder unrein, ihrer Bedeutung und Auslegung nach aber sehr schön sind. Da nicht jeder den Zusammenhang zwischen einem Traum, seiner Form, seiner Wahrheit und seiner Bedeutung finden kann, wird er unnötig ängstlich, verzweifelt, traurig und besorgt. Es ist einzig und allein aus diesem Grunde, dass ich anfänglich wie die Kenner der Wahrheit und nach dem Beispiel von Imam Rabbani gesagt habe
نَه شَبَمْ نَه شَبْ پَرَسْتَمْ
{"Ich bin weder die Nacht, noch liebe ich die Nacht."}
Drittens:
Einer wahren Überlieferung entsprechend zeigte sich eines von vierzig Merkmalen des Prophetentums in Form eines wahren Traums im Schlaf. Das heißt, dass Träume sowohl wahr sind, als auch verbunden mit der Aufgabe der Erfüllung des Prophetentums. Diese dritte Anmerkung ist besonders wichtig, sehr lang, mit dem Prophetentum verbunden und zudem auch tiefschürfend. Wir wollen sie für ein andermal aufheben und öffnen diese Türe jetzt nicht.
Viertens:
Träume sind von dreierlei Art. Zwei von ihnen sind nach den Worten des Qur'an اَضْغَاثُ اَحْلاَمٍ {"...wirre Träume." (Sure 12, 44)}
In diesen mit eingeschlossen sind sie es nicht wert,
erklärt zu werden. Auch wenn sie einen Sinn haben, sind sie nicht wichtig. Entweder stellt die jeweilige Person infolge einer Abweichung in der Stimmung und kraft ihrer Einbildung entsprechend ihrer Krankheit etwas zusammen und schildert es dann, oder diese Einbildungskraft ruft irgendein aufregendes Ereignis des gleichen Tages oder davor, ja sogar eines, das ihn zu gleicher Zeit ein, zwei Jahre zuvor getroffen hat ins Gedächtnis, verformt und verändert es und gibt ihm wieder eine andere Gestalt. So sind denn auch diese beiden Arten اَضْغَاثُ اَحْلاَمٍ {"...wirre Träume." (Sure 12, 44)} und es nicht wert, erklärt zu werden.
Was aber die dritte Art betrifft, so handelt es sich hier um wahre Träume. Durch die Sinne, die den Menschen an die von ihm bezeugte Welt binden und die in dieser Welt umherschweifen, sie schließen oder fortsetzen, finden die Blumen des Herrn (latife-i Rabbaniyye)im Wesen des Menschen eine Öffnung, eine unmittelbare Verbindung zur Unsichtbaren Welt. Durch diese Öffnung betrachtet er die kommenden Ereignisse, wie sie sich vorbereiten, begegnet den Erscheinungen auf der Wohlverwahrten Tafel (lauh-i mahfudh),trifft auf ein Beispiel von der Art der Briefe des Göttlichen Vorherwissens (mektubat-i qader)und sieht dort einige wahre Ereignisse. Und gerade über diese Ereignisse verfügt manchmal unsere Einbildungskraft, gewandet sie in das Kleid einer bestimmten Gestalt. Diese Art (Träume) umfasst viele verschiedene Ebenen. Manche von ihnen erweisen sich später als genau das, als was sie zuvor gesehen worden sind. Von anderen erscheint (die Bedeutung) wie hinter einem dünnen Schleier verborgen. Bei wiederum anderen scheint (die Bedeutung) wie unter einer Decke versteckt zu sein.
Es gibt eine ehrenwerte Hadith: Die Träume, die der
Ehrenwerte Gesandte, mit dem Friede und Segen sei, zu Beginn der Offenbarung geschaut hatte, waren so klar und wahr und deutlich wie die Morgendämmerung.
Fünftens:
Ein wahrer Traum gleicht diesem Heraufdämmern einer fortgeschrittenen Vorahnung (hiss-i qabl-el vuku).Was aber diese Vorahnung betrifft, so hat sie mehr oder weniger ein jeder. Es gibt sie auch bei den Tieren. Ich hatte sogar einmal, diese Vorahnung mit eingeschlossen, zusätzlich zu den schon bekannten äußeren und inneren Sinnesorganen, nach wissenschaftlichen Maßstäben bei Menschen und Tieren noch zwei weitere Sinne entdeckt, die leitenden (saika)und stimulierenden (shaika)Kräfte genannt, vergleichbar dem Gesicht (basira)und dem Gehör (samia).Die Leute des Irrweges und die (modernen) Philosophen nennen diese weniger bekannten Sinne fälschlicher und törichter Weise "Naturinstinkte". Gott bewahre! Nicht naturgegebene Instinkte, sondern eine Art schöpferische Eingebung (ilham)göttlichen Vorherwissens (qader-i ilahi)lenkt und leitet den Menschen und die Tiere. Zum Beispiel: So gehen einige Tiere, wie die Katzen, wenn ihre Augen zu erblinden beginnen, in der Führung göttlicher Vorherbestimmung und finden ein Kraut als Heilmittel für ihre Augen, reiben es in ihre Augen und finden Heilung.
Auch Greifvögel wie die Adler, die gleich einer öffentlichen Gesundheitspolizei der Erde den Auftrag haben, die Kadaver umherziehender Tiere zu beseitigen, werden durch diese Führung göttlicher Vorherbestimmung, diesen intuitiven Sinn (hiss-i qabl-el vuku)einer Vorahnung, diesen göttlichen Antrieb (saika-i ilahi),ausgelöst durch irgendwelche Überreste in einer Entfernung von einer ganzen Tagesreise geleitet und finden (so ihre Beute).
Auch eine kleine, junge Biene, sobald sie in die Welt gekommen und noch keinen Tag alt ist, unternimmt eine ganze Tagesreise durch die Luft, ohne in der Luft ihre Spur zu verlieren und kehrt in der Führung dieser göttlichen Vorherbestimmung und dieses intuitiven Sinnes (saika ilham)zurück zu dem Stock (ihres Volkes). Und es wird ein jeder
schon häufig erlebt haben, dass während er von jemandem spricht, die Tür aufgeht und eben diese Person völlig unerwartet hereinkommt. Ja es gibt sogar ein kurdisches Sprichwort
نَافِ گُرْبِينَه پَالاَنْدَارْ لِى وَرِينَه
d.h. "wenn du von einem Wolf sprichst, halte deinen Stock bereit zu schlagen; denn der Wolf kommt." Das heißt in einer Vorahnung (hiss-i qabl-el vuku)verspüren die Blumen des Herrn (latife-i rabbani;in Form eines) allgemeinen Eindrucks das Kommen dieses Mannes. Da aber das Bewusstsein (aql;diesen Vorgang) nicht in seinem Geist (shuur)umfasst, veranlasste es ihn nicht absichtlich, sondern ungewollt, von ihm zu sprechen. Intuitiv begabte Menschen (ehl-i feraset)sagen manchmal ein solches Kommen wie ein Wunder (keramet)voraus. Eine Zeitlang war sogar bei mir eine solche Art Sensitivität besonders gesteigert. Ich wollte schon diesen Zustand in eine Regel fassen, fand jedoch nichts dergleichen Treffendes; und so unterließ ich es denn. Unter den Gerechten und besonders den Gottesfreunden findet sich eine solche Vorahnung (hiss-i qabl-el vuku)jedoch besonders hoch entwickelt und zeigt ihre Früchte auf wunderbare Weise.
So gibt es denn auch für gewöhnliche Menschen die Erfahrung einer Art Gottesfreundschaft, sodass sie gleich den Gottesfreunden in wahren Träumen unsichtbare und künftige Dinge schauen können. So wie der Schlaf in der Tat für gewöhnliche Leute durch einen wahren Traum einer Stufe der Gottesfreundschaft gleicht, so ist er auch für alle der wunderschöne und prächtige Vorführraum des Herrn dieses Schauspielhauses. Wer jedoch von guter Gesinnung (akhlaq)ist, der denkt auch gut. Wer gut denkt, der schaut auch schöne Bilder. Wer in seiner üblen Gesinnung (akhlaq)schlecht denkt, schaut auch schlechte Bilder. Ferner ist er für einen jeden ein Fenster in der (von ihm) bezeugten Welt, das in die unsichtbare Welt hinüberblickt. Ferner ist er ein Platz von unbegrenzter Weite und ein Zuschauerraum,
der eine Art der Beständigkeit (beqa)zeigt und in dem Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft für alle Menschen gleich sind, die (in dieser Welt) gebunden und vergänglich sind. Ferner ist er ein Erholungsort aller beseelten Wesen, die unter der Last und Mühsal des Lebens gebeugt gehen. Es ist aus dergleichen Geheimnissen, dass der Weise Qur'an mit Ayat wie وَجَعَلْنَا نَوْمَكُمْ سُبَاتًا {"Wir gaben euch den Schlaf zu eurer Erholung. (Sure 78, 9)} nachdrücklich über die Bedeutung des Schlafes unterrichtet.
Sechstens und als wichtigstes:
Der wahre Traum hat für mich den Grad einer wahrheitsgemäßen Gewissheit (haqqa l-yaqien)erreicht und ist mir durch vielfältige Erfahrung zu einem sicheren Beweis dafür geworden, dass das göttliche Vorherwissen (qader-i ilahi)alles umfasst. Besonders in diesen letzten Jahren haben diese Träume in der Tat einen solchen Grad erreicht, dass es für mich sicher geworden ist, dass z.B. selbst das kleinste Ereignis, das ich morgen erleben werde, die unbedeutendsten Handlungen und selbst noch das gewöhnlichste Gespräch bereits aufgeschrieben und (Gott bereits) bekannt ist, bevor es geschieht und während ich es im Traume sehe, ist es für mich zur Sicherheit geworden, dass ich mit meinen Augen lese und nicht mit meinem Mund. Nicht einmal, nicht hundert Mal, ja tausend Mal erwies es sich, dass ich manchmal (im Traum) Menschen gesehen habe, an die ich zuvor noch nicht einmal gedacht hatte oder Dinge, über die ich (im Traum) gesprochen hatte, mir an dem Tag, der dieser Nacht folgte, mit ein wenig Ausdeutung genauso begegneten und sich genauso ereigneten. Das heißt, dass auch noch das unbedeutendste Ereignis (im Vorherwissen Gottes bereits) festgelegt und aufgezeichnet ist. Das heißt also, dass es keinen Zufall gibt, dass Ereignisse nicht herrenlos sind und Dinge nicht ohne jede Ordnung geschehen.
Siebentens:
Die Ausdeutung deines wunderschönen, gesegneten, uns Gutes verkündenden Traumes ist sehr gut für (den Dienst) am Qur'an und für uns. Des Weiteren hat die Zeit ihn ausgedeutet und deutet ihn noch weiterhin aus, sodass es für mich nicht mehr notwendig ist, ihn noch weiter auszudeuten. Und ferner hat sich bereits seine teilweise Ausdeutung als schön erwiesen. Wenn du aufmerksam bist, kannst du sie verstehen. Wir werden also nur auf ein oder zwei Punkte hinweisen, d.h. wir wollen ihren Sinn erklären. Die Ereignisse, die von der Art der Realität deines Traumes sind, spiegeln diesen ihren Sinn wieder. Das ist wie folgt:
Dieses weite Feld ist die Welt des Islam. Die Moschee an seinem Ende ist der Regierungsbezirk Isparta. Das schlammige Wasser rundum ist der Sumpf der Ausschweifung, des Müßiggangs und der ketzerischen Neuerungen unter den Verhältnissen (hal)unserer heutigen Zeit. Dass du selbst diese Moschee sicher, unbefleckt und zugleich so rasch erreicht hast, ist ein Zeichen, dass du dich vor allen anderen für die Lichter des Qur'an in die Bresche geschlagen hast, unversehrt und mit unbeflecktem Herzen.
Was aber die kleine Gemeinde in der Moschee betrifft, so handelt es sich dabei um die Träger des Wortes (Sözler),um Hakki, Hulusi, Sabri, Suleyman, Rüschtü, Bekir, Mustafa, Ali, Sühtü, Lutfi, Husrev und Re'fet. Was das Lesepult (in dieser Moschee) betrifft, so versinnbildlicht es ein kleines Dorf, so wie Barla. Was die laute Stimme betrifft, so ist sie ein Hinweis auf die Kraft in den "Worten" (Sözler)und auf deren rasche Verbreitung. Was den dir zugesprochene Platz (maqam)in der ersten Reihe betrifft, so ist er (der Platz) Abdurrahmans, der nun für dich frei geworden ist. Was aber den Hinweis und die Tatsache betrifft, dass diese Gemeinschaft die ganze Welt wie durch den Telefonhörer eines drahtlosen Gerätes ihren Unterricht hören lassen will, so wird sich das mit Gottes Hilfe später vollständig herausstellen. Noch ist jeder
einzelne wie ein kleines Samenkorn; doch wird er in Zukunft mit dem Erfolg von Gott wie ein hoher und mächtiger Baum werden. Und er wird wie ein ganzes Telegrafenamt sein. Was aber den kleinen jungen Mann mit dem Turban betrifft, so ist es einer, der mit Hulusi Seite an Seite arbeitet und ihm vielleicht (eines Tages) voraus sein wird. Er ist dazu bestimmt, einmal den Schülern beizutreten und einer ihrer Multiplikatoren zu werden. Es kämen mehrere dafür in Frage, doch mit Sicherheit kann ich das nicht bestimmen. Dieser junge Mann wird eine Persönlichkeit sein, die in der Kraft ihrer Heiligkeit hervortreten wird. Alle übrigen Punkte magst du nun statt meiner ausdeuten.
Nun ist es mir sowohl angenehm mit Freunden wie mit dir lange Gespräche zu führen, und ich weiß es auch zu schätzen. Deswegen habe ich mich auch so lang über dieses kurze Thema ausgelassen. Ja vielleicht war dies auch Verschwendung (israf).Weil ich aber in der Absicht begonnen habe, eine Art Hinweis auf die qur'anischen Ayat zu geben, die den Schlaf betreffen, möge Gott es wollen, dass diese Verschwendung vergeben werde; aber vielleicht ist es ja auch gar keine Verschwendung...
* * *
Zweite Problemstellung, zugleich zweite Abhandlung
Dies wurde geschrieben, um ein wichtiges Streitgespräch über ein Hadith zu beenden, in dem es sinngemäß heißt, dass Hasret-i Musa, mit dem der Friede sei, Hasret-i Asrail, mit dem der Friede sei, einen Schlag aufs Auge versetzt habe usw. und (dieses Problem schließlich am Ende) abzuschließen.
Ich hörte von einem wissenschaftlichen Disput in Egridir. Dieser Disput war falsch; und das besonders in dieser
Zeit. Doch ich wusste noch nichts von diesem Disput. So stellte man auch mir diese Frage.
Dabei zeigte man mir in einem durchaus ernst zu nehmendem Buch eine Hadith, die mit einem "Q"- ق als dem Merkmal der Übereinstimmung der beiden Scheichs (Bukhari und Muslim) gekennzeichnet war. Man fragte mich also: "Ist dies eine Hadith oder ist es keine Hadith?" Ich antwortete ihnen: "Man sollte sich auf eine Person, die in einem so vertrauenswürdigen Buch auf die Übereinstimmung der beiden Scheis verweist, verlassen können. Es ist also Hadith. Doch bei einer Hadith tauchen genauso wie im Qur'an Allegorien auf. Nur die Gelehrten können solche Sinnbilder erkennen. So sagte ich, dass es möglich sei, dass auch diese Hadith, auch wenn ihr Sinn ganz offensichtlich ist, zu jener Art Hadithe gehört, die allegorisch zu verstehen und mehrdeutig sind. Hätte ich damals bereits gewusst, dass es sich hierbei um den Gegenstand eines Disputes handelte, hätte ich keine so kurze Antwort gegeben, vielmehr Folgendes gesagt:
Erstens:
Die erste Bedingung für einen Disput bei dieser Art Problemstellungen ist Mäßigung und die Absicht, die Wahrheit zu finden, ohne sich auf sie zu versteifen (inadsiz),geführt unter Fachleuten. Und es ist nur erlaubt, (auf eine Weise) zu disputieren, die keinen Anlass zu Missverständnissen bietet. Der Beweis dafür, dass ein solcher Disput (tatsächlich nur) um der Wahrheit willen geführt wurde, ist folgender: Sobald die Wahrheit in der Hand des Gegners offensichtlich wird, wird (sein Diskussionspartner) nicht aufgebracht sondern ist zufrieden, denn er hat nun gelernt, was er zu wissen begehrte. Wäre sie hingegen in seiner eigenen Hand offenbar geworden, so hätte die Möglichkeit bestanden, dass er nichts Neues mehr hinzugelernt hätte und stattdessen dem Stolz (gurur)verfallen wäre.
Zweitens:
Wenn es sich bei dem Gegenstand für einen Disput um eine Hadith handelt, muss man die Stufen der Hadithe und die Grade der in ihr verborgenen Offenbarung
und die Ausdrucksformen prophetischer Redeweise kennen. Vor dem einfachen Volk ist es nicht erlaubt, die allegorische (Bedeutung) einer Hadith zu disputieren, die Überlegenheit des eigenen Standpunktes nach Art eines Advokaten unter Beweis zu stellen, sein Ego (enaniyet)herauszustreichen und dafür gegen Recht und Mäßigung nach Beweisen zu suchen. Da aber diese Angelegenheit nun schon einmal offengelegt und zum Anlass eines Disputes wurde und nun eine negative Auswirkung auf die Vorstellungswelt der armen und einfachen Leute hat, weil sie solche allegorische Hadithe nicht verstehen können, und falls sie (die Echtheit der Hadithe) bestreiten, sich ihnen eine schreckliche Türe öffnet, das heißt, es sich ihnen ein Weg öffnet, auch die zuverlässigen Hadithe, die sie mit ihrem kleinen Verstand nicht verstehen können, abzustreiten, und weil sich den Leuten des Irrglaubens, wenn sie anderenfalls die offensichtliche Bedeutung dieser Hadith anerkennen und sie so weiter verbreiten, ein Weg zur Kritik öffnet und sie dann sagen können, dass sie ein Aberglaube sei, und da nun einmal die Aufmerksamkeit in unnötiger und in negativer Weise auf (die Möglichkeit einer) allegorischen (Ausdeutung) dieser Hadith gelenkt wurde und es viele Hadithe dieser Art gibt, ist es sicherlich notwendig, eine Ausdeutung zu bringen, die ihre Zweifel wieder ausräumt, und auch erforderlich, unabhängig von der Authentizität dieser Hadith, (im Folgenden) deren Sinn herauszustellen.
So wollen wir denn hier die ausführlichen Erklärungen in den bereits niedergeschriebenen Abhandlungen, wie z.B. die Zwölf Pfeiler des Dritten Astes, den Vierten Ast im Vierundzwanzigsten Wort, den Zweiten Grundsatz im Vierten Hinweispunkt des Neunzehnten Briefes, wo die beiden Arten der Offenbarung (vahiy)behandelt wurden, als ausreichend betrachten und mit einem kurzen und bündigen Hinweis auf den Sinn (dieser Hadith) hinweisen. Es ist dies wie folgt:
Die Engel sind nicht an eine einzige Gestalt gebunden
wie die Menschen. Obwohl sie einzelne Personen sind, ist doch jeder auch eine Gesamtheit (wie z.B. Spiegelbilder - A.d.Ü.). Hasret-i Asrail, mit dem der Friede sei, ist der oberste der Engel, die damit beauftragt sind, die Seelen (ruh)herauszuziehen.
"Zieht Hasret-i Asrail, mit dem der Friede sei, die Seele eines jeden Verstorbenen persönlich heraus? oder ziehen seine Helfer sie heraus?" In dieser Angelegenheit gibt es drei Auffassungen (meslek):
Erste Auffassung:
Asrail, mit dem der Friede sei, zieht die Seele eines jeden heraus. Eine Arbeit behindert eine andere Arbeit nicht, denn er ist eine Lichtgestalt. Wenn (eine Gestalt) aus Licht ist, so kann sie in zahllosen Spiegeln an zahllosen Orten als Person anwesend sein und sich an ihnen verkörpern. Die Verkörperung eines Lichtwesens besitzt die selben charakteristischen Eigenschaften des Lichtwesens selbst. Sie wird als ein und dasselbe Wesen betrachtet und ist kein anderes. So wie das Spiegelbild der Sonne ihr Licht und ihre Wärme ausstrahlt, so sind auch die Abbildungen der Geistwesen, wie die der Engel in den verschiedenen Spiegeln der Bilderwelt ihnen gleich und strahlen ihre persönlichen Eigenschaften aus. Doch entspricht ihre Rückspiegelung der jeweiligen Eigenschaft des reflektierenden Hintergrundes. So wie Hasret-i Cebrail (Gabriel), mit dem der Friede sei, zur gleichen Zeit in der Gestalt Dihyes vor den Sahabis erschien, so war er im selben Augenblick auch an tausend anderen Orten in verschiedenen Gestalten zugleich zugegen und warf sich zugleich auch mit seinen gewaltigen, den Osten wie den Westen umspannenden Flügeln, vor Gottes gewaltigem Throne nieder. Seine Verkörperung zeigte sich entsprechend den Eigenschaften des betreffenden Ortes und war zugleich an Tausenden von Orten gegenwärtig.
So wäre es denn nach dieser Lehre (meslek)im Augenblick der Entnahme der Seele (ruh)für den Engel des Todes, der sich eines Menschenkörpers als Spiegel bedient,
keineswegs unmöglich, wenn dieses Spiegelbild (in Menschengestalt) und (für diesen Menschen) persönliche Abbild von einer so gewaltigen, kurz entschlossenen, majestätischen und zugleich energischen Persönlichkeit wie Hasret-i Musa (Mosis), mit dem der Friede sei, eine Ohrfeige bekommt und wenn das Auge dieses Spiegelbildes, das dem Kleid des Todesengels gleicht, dabei ausgeschlagen wird, es wäre nicht außergewöhnlich oder unvorstellbar.
Zweite Auffassung:
Erzengel wie Gabriel, Michael oder Asrail gleichen einem Minister und haben Helfer, die von der gleichen Art aber kleiner als sie selbst sind. Diese Helfer sind entsprechend den Arten der Geschöpfe verschieden. Diejenigen, welche die Geister der Gerechten
{(*): Bei uns war ein großer Heiliger (veliyy-i adhim), bekannt unter dem Titel "Seyda". Während er auf dem Sterbebett lag, kam jener Engel des Todes zu ihm, der dafür zuständig war, die Seelen der Heiligen herauszuziehen. Da rief Seyda ihm mit lauter Stimme zu: "Da ich die Schüler der Wissenschaft sehr gern habe, soll einer aus der Gruppe derer, die dafür bestimmt sind, die Seelen der Schüler herauszuziehen, kommen, um meine Seele herauszuziehen!" So flehte er an der Schwelle Gottes. Diejenigen, welche bei ihm saßen, wurden Zeugen dieses Ereignisses.}
herausziehen, sind von der einen Art, die, welche Geister der Leute der Qual herausziehen, wieder von einer anderen Art.
Dementsprechend weisen auch die folgenden Ayat darauf hin
وَالنَّازِعَاتِ غَرْقًا ٭ وَالنَّاشِطَاتِ نَشْطًا
{"Bei denen, die gewaltsam herausreißen. Bei denen, die mit sanfter Hand hinausführen." (Sure 79, 1-2)}
So gehören denn diejenigen, welche die Geister herausziehen, verschiedenen Gruppen an. Dieser Lehre (meslek)entsprechend war es für Hasret-i Musa, mit dem der Friede sei, durchaus verständlich, wenn er nicht Asrail,
mit dem der Friede sei, sondern der spiegelgleichen Verkörperung einer seiner Helfer infolge seiner natürlichen Reizbarkeit, seiner Unerschrockenheit und zugleich seiner Verehrung gegenüber Gott dem Gerechten eine Ohrfeige versetzt hat.
{(*): Es gab da in unserem Land einmal einen sehr tapferen Mann, der sah den Todesengel an seinem Sterbelager und sagte: "Überfällst du mich hier in meinem Bett?" sprang auf, bestieg sein Pferd, zog sein Schwert und forderte (ihn zum Kampf) heraus. So starb er zu Pferde wie ein Mann.}
Dritte Auffassung:
Wie bereits im Vierten Grundsatz des Neunundzwanzigsten Wortes erklärt wurde, gibt es, entsprechend einem Hinweis der ehrwürdigen Hadithe, Engel mit vierzigtausend Köpfen. In jedem Kopf sind vierzigtausend Zungen. Das heißt, dass sie auch achtzigtausend Augen haben. Und mit jeder Zunge sprechen sie vierzigtausend Lobpreisungen." Da die Engel nun einmal mit Aufgaben betraut werden entsprechend den Arten in der (von uns) bezeugten Welt, repräsentieren sie diese Art Lobpreisungen auch in der Welt der Geister (alem-i ervah).Das muss sicherlich auch so sein, denn so ist z.B. die Erde ein Geschöpf. Sie lobpreist Gott den Gerechten. Es gibt auf ihr vielleicht nicht vierzigtausend sondern Hunderttausende von Arten, den (oben erwähnten) Häuptern vergleichbar. Jede Art hat Hundertausende Glieder, den (oben erwähnten) Zungen vergleichbar usw... Das heißt, dass der Engel, der für unsere Erde zuständig ist, vierzigtausend, ja vielleicht sogar Hunderttausende Häupter haben muss. Und jeder Kopf muss wieder Hunderttausende Zungen haben usw... Also hat denn nach dieser Lehre (meslek)Hasret-i Asrail, mit dem der Friede sei, ein Gesicht, das jedem einzelnen zugewandt ist, mit Augen, die alles sehen. Was aber nun die Ohrfeige betrifft, die Hasret-i Musa, mit dem der Friede sei - Gott bewahre! - (dem Engel) Asrail, mit dem der Friede sei, versetzt hat, so war sie nicht gegen dessen wahres Selbst, nicht gegen dessen wahre Gestalt gerichtet, nicht als eine Beleidigung und
auch nicht als eine Zurückweisung (adem-i kabul)gedacht, sondern als ein Ausdruck seiner Sehnsucht, seine Botschaft als Aufgabe beizubehalten und fortzusetzen, um seine Todesstunde im Auge zu behalten und - damals wie heute - als ein Schlag ins Auge dessen, der ihn von seinem Dienst abhalten will...
اَللّٰهُ اَعْلَمُ بِالصَّوَابِ ٭ لاَ يَعْلَمُ الْغَيْبَ اِلاَّ هُوَ ٭ قُلْ اِنَّمَا الْعِلْمُ عِنْدَ اللّٰهِ
هُوَ الَّذِى اَنْزَلَ عَلَيْكَ الْكِتَابَ مِنْهُ اٰيَاتٌ مُحْكَمَاتٌ هُنَّ اُمُّ الْكِتَابِ وَاُخَرُ مُتَشَابِهَاتٌ فَاَمَّا الَّذِينَ فِى قُلُوبِهِمْ زَيْغٌ فَيَتَّبِعُونَ مَاتَشَابَهَ مِنْهُ ابْتِغَآءَ الْفِتْنَةِ وَابْتِغَآءَ تَأْويِلِهِ وَمَا يَعْلَمُ تَأْوِيلَهُ اِلاَّ اللّٰهُ وَالرَّاسِخُونَ فِى الْعِلْمِ يَقُولُونَ اٰمَنَّا بِهِ كُلٌّ مِنْ عِنْدِ رَبِّنَا وَمَا يَذَّكَّرُ اِلاَّ اُولوُا الْاَلْبَابِ
{"Gott weiß, was richtig ist. Niemand kennt das Verborgene außer Gott. Sprich: Fürwahr, das Wissen ist bei Gott. Er ist es, der dir das Buch herabgesandt hat. In ihm sind eindeutige Verse. Sie sind die Mutter des Buches. Andere sind mehrdeutig. Diejenigen aber, deren Herzen dem Irrtum zugeneigt sind, folgen dem, was daran mehrdeutig ist. Sie suchen nach Gespaltenheit und trachten nach eigener Deutung. Doch die Deutung kennt niemand außer Gott. Die aber, die fest stehen in ihrem Wissen sagen: Wir glauben daran. Alles ist von unserem Herrn. Doch nur die Verständigen beherzigen es." (Sure 3, 7)}
* * *
Dritte Problemstellung, zugleich dritte Abhandlung
Bei dieser Problemstellung handelt es sich um eine allgemeine Frage, die die meisten all meiner Brüder nonverbal (lisan-i hal),ein Teil von ihnen jedoch auch verbal (lisan-i qal)geäußert haben, worauf denn die Antwort teils persönlich oder privat oder auch familiär ausgefallen ist.
Frage:
Du sagst zu jedem, der zu dir zu Besuch kommt:
"Erwartet von meiner Person nicht einen besonderen Beistand (himmet)und betrachtet meine Person nicht als besonders gesegnet. Ich bekleide keinen besonderen Rang (maqam).So wie ein einfacher Soldat nur die Befehle seines Marschalls weiter gibt, so verkündige auch ich gleichsam nur die Befehle eines geistlichen Marschalls. Ich bin nur wie ein Bankrotteur, der die teuren und kostbaren Diamanten aus seinem Juwelierladen auspreist."
"Doch so wie unser Verstand der Erkenntnis bedarf, so sehnen sich auch unsere Herzen nach dem Segen (feyiz).Unsere Seele (ruh)sehnt sich nach dem Licht (nur)usw.... Wir sehnen uns in vielerlei Hinsicht nach vielerlei Dingen. Wir haben geglaubt, du seiest der Mann, der unseren Bedürfnissen entgegen käme und sind darum gekommen, dich zu besuchen. Mehr als einen Gelehrten brauchen wir einen Gottesfreund, jemanden, der über allen Segen, einen, der über alle Vollkommenheit (kemalat)verfügt.
Wenn die Sache (hal)aber so ist, wie du uns gesagt hast, war es dann falsch, dass wir gekommen sind, dich zu besuchen?" Dies alles brachten sie in ihrer Haltung (hal)zum Ausdruck.
Antwort:
"Hört euch erst einmal die folgenden fünf Punkte an. Dann erst urteilt darüber, ob euer Besuch vergeblich war, oder euch einen Nutzen gebracht hat."
Erster Punkt:
Bekanntlich überreicht ein einfacher Diener oder der (ansonsten) mittellose Soldat eines Königs einem General oder Marschall königliche Geschenke und Orden und empfängt dafür deren Dankbarkeit. Wollten diese Generäle und Marschäle aber nun sagen: "Warum erniedrigen wir uns denn vor diesem einfachen Soldaten, nehmen diese Gunsterweise und Orden aus seiner Hand an?" so wäre das nichts als Dummheit und Arroganz. Auch wenn dieser Soldat außerhalb seines Dienstes nicht vor dem Marschall aufstünde und nicht anerkennte, dass er ihm gegenüber von höherem Rang ist, so wäre auch das eine ganz törichte Dummheit. Wenn ferner einer dieser
zufriedenen Generäle in seiner Dankbarkeit in die bescheidene Hütte des Soldaten hinabstiege und der Soldat hätte nichts als trockenes Brot, so würde doch der König, um ihm aus der Verlegenheit zu helfen, da er doch die Lage (seines Soldaten) sieht und kennt, für den verehrten Gast seines treuen Dieners aus der königlichen Küche ein Tablett (mit Speisen) senden, um ihn nicht in Verlegenheit zu bringen.
In gleicher Weise wird auch ein treuer Diener des Weisen Qur'an, was für ein einfacher (Mensch) er auch immer sein mag, im Namen des Qur'an ohne zu zögern auch den höchstgestelltesten Menschen seine Befehle verkünden und auch denen, die schon alle Reichtümer des Geistes besitzen, nicht in Erniedrigung wie ein Bettler die erhabenen Diamanten des Qur'an verkaufen, sondern stolz und in Unabhängigkeit. Wie groß und bedeutend sie auch immer sein mögen, so können sie sich doch nicht überheblich verhalten gegenüber diesem einfachen Diener, der (nur still) seine Pflicht erfüllt. Und auch dieser Diener darf nicht, wenn sie sich an ihn wenden, dies für sich zu einer Quelle seines Stolzes machen und seine Grenzen überschreiten.
Wenn nun einige der Kunden an diesem heiligen Schatz diesen armseligen Diener wie einen Heiligen betrachten und ihn als einen ihrer Großen erkennen, so ist es doch das Merkmal eines heiligen Mitleids der qur'anischen Wahrheiten, ihnen zu helfen, ihnen beizustehen und sie mit allem Segen (feyiz)aus Gottes königlichem Schatz zu erfüllen, ohne dass sein Diener seiner Mitwirkung gewahr wird, um nicht seinen Diener in Verlegenheit zu bringen.
Zweiter Punkt:
Imam Rabbani und der Erneuerer (mudjeddid)des zweiten Jahrtausends, Ahmed Faruqi, mit dem Gott zufrieden sein möge, sagt: "Nach meiner Meinung ist die Entfaltung und Verdeutlichung einer einzigen Thematik unter den Glaubenswahrheiten Tausenden Freuden, Ekstasen und Wundern (keramet)vorzuziehen. Ferner ist das Ziel und Ergebnis aller Sufi Wege die Entfaltung und
Verdeutlichung der Glaubenswahrheiten." Da nun einmal ein so großer Geist unter den Sufis auf diese Weise urteilt, mögen nun auch die "Worte" (Sözler),die die Glaubenswahrheiten mit einer so vollkommenen Klarheit ausdrücken und dabei von den Geheimnissen des Qur'an ausgehen, die Ergebnisse hervorbringen, die man von einer Gottesfreundschaft erwarten darf.
Dritter Punkt:
Dreißig Jahre zuvor hagelte es auf den Kopf des Alten Said in seiner Sorglosigkeit fürchterliche Schläge herab. Er dachte an seinen Urteilsspruch:
اَلْمَوْتُ حَقٌّ
{"Der Tod ist die Wahrheit."}
Er sah sich selbst in Schlamm und Schmutz, erwartete Hilfe, suchte einen Weg, hielt Ausschau nach einem Retter, sah, wie verschieden die Wege waren, zögerte unentschlossen. Da wandte er sich an Scheich Geylani, der ein Gausul a'dham ist, griff zu seinem Futuhu-l'ghayb, schlug das Buch auf und der Satz sprang ihm die Augen:
اَنْتَ فِى دَارِ الْحِكْمَةِ فَاطْلُبْ طَبِيبًا يُدَاوِى قَلْبَكَ
{"Du bist im Hause der Weisheit (Daru-l'Hikmet). Suche einen Arzt, der dein Herz heilen kann!"}
Das war merkwürdig! Denn ich war damals Mitglied der Daru-l'Hikmeti-l'islamiye. Es war, als sei ich ein Arzt, der sich darum bemüht, die Wunden der Muslime zu heilen. Aber die schwerste Krankheit hatte ich selbst. Ein Kranker muss sich zuerst um sich selbst kümmern, bevor er andere Kranke besuchen kann.
So also sagte mir Hazret-i Scheich: "Du selbst bist krank. Suche einen Arzt für dich!" Ich antwortete: "Sei du mein Arzt!" Es war mir, als spräche er selbst zu mir, ich las das Buch so, als redete es mit mir. Aber sein Buch war fürchterlich. Und schrecklich war es, wie es meinen Stolz (gurur)zerbrach. Es vollzog in meiner Seele (nefs)eine fürchterliche
Wundoperation. Ich konnte dem nicht länger standhalten. Ich las es bis zur Hälfte, machte es zu meinem Gesprächspartener, hatte keine Ausdauer mehr, es zu Ende zu lesen. Ich legte das Buch in den Schrank. Aber danach vergingen die Schmerzen, die diese heilbringende Operation verursacht hatte. Ich bekam Geschmack an diesem Buche meines ersten Lehrers (Ustadh),las es jetzt ganz durch und zog einen großen Nutzen daraus. Ich lauschte seinen Hymnen und Gebeten und empfing viel Segen und Gewinn.
Danach habe ich die "Mektubat" vom Imam Rabbani gesehen. Ich nahm es in meine Hand, bat in reiner Absicht um ein Zeichen und schlug es auf. Seltsamer Weise gibt es im ganzen Mektubat nur zwei Stellen, wo von einem "Bediuzzaman" die Rede ist. Unerwartet öffneten sich mir diese beiden Briefe "Mektup". Meines Vaters Name war Mirza und ich sah, dass als Titel auf dem ersten dieser Briefe "Brief an Mirza Bediuzzaman" geschrieben stand. "Lobpreis und Dank sei Allah! (fesubhanallah)"sagte ich: diese Rede gilt mir. Ein Beiname des Alten Said war damals "Bediuzzaman".Denn außer Bediuzzaman-i Hemedani, der im dritten Jahrhundert nach der Hidjra unter diesem Beinamen berühmt geworden war, kannte ich keine Persönlichkeiten mit diesem Titel. Das heißt, es hatte zu Imams Zeiten noch einen Mann gegeben, dem diese beiden Briefe geschrieben worden waren. Der Zustand dieses Mannes ähnelte meinem eigenen Zustand so, dass ich in diesen beiden Briefen ein Heilmittel für meinen Kummer fand. Der Imam empfiehlt in diesen beiden Briefen das, was er auch in vielen anderen Briefen empfohlen hat, nämlich: "Tauhid sei deine Qibla!" das heißt: "Nimm dir nur einen einzigen Meister, folge ihm nach und kümmere dich um keinen anderen!" Dieser sein wichtigster Rat entsprach meiner Begabung und meinem Geisteszustand nicht. Ich dachte lange nach... sollte ich diesem folgen? oder sollte ich einem anderen folgen? Ich blieb unschlüssig. Jeder von ihnen hatte seine besonderen Eigenarten, von denen ich mich angezogen fühlte.
Nur einer von ihnen genügte mir nicht. Während ich noch unschlüssig war, gab Gott der Gerechte meinem Herzen ein: "Der Anfang dieser verschiedenen Wege (Tariqat),die Sonne inmitten der Planeten und die Quelle, aus der die Bewässerungskanäle gespeist werden, ist der Weise Qur'an, die wahrhaftige Tauhid-i Qibla findet sich in ihm. Wenn dem so ist, dann ist auch er der erhabenste Lehrer (Murschid)und der heiligste Meister (Ustadh),an dem ich mich festhalte." Meine mangelhafte, nicht gesammelte Veranlagung kann sicherlich nicht den Nutzen, den Segen, gleich dem Wasser des Lebens von diesem wahrhaften Lehrer so aufsaugen wie es sich gebührt. Wir können diesen Segen aber dem Grade der Leute des Herzens (der Sufis) und der Besitzer des Zustandes (der Ekstatiker) entsprechend, dieses Wasser des Lebens wiederum mit seinem Segen sichtbar machen. Das heißt: diese "Sözler(Worte)" und "Nurlar(Lichter)", die aus dem Qur'an entstanden, sind nicht nur wissenschaftliche Fragestellungen, sondern des Herzens, des Geistes, des (ekstatischen) Zustandes Fragestellungen nach dem Glauben und gelten als eine sehr hohe und wertvolle Gotteserkenntnis.
Vierter Punkt:
Alle die Persönlichkeiten, die sich als Sahabis, als deren Schüler (Tabiine)und als die Schüler der Tabiine auf der höchsten Stufe einer Großen Gottesfreundschaft befanden, entnahmen ihren Anteil für alle Feinheiten direkt aus dem Qur'an und da der Qur'an ein wahrer und ihnen in allem entsprechender Führer (kafi bir Murschid)war, so zeigt uns dies, dass der Weise Qur'an, so wie er jeder Zeit der Wahrheit Ausdruck verleiht, auch die Segnungen (feyiz)der Großen Gottesfreundschaft denen verleiht, die dafür empfänglich sind.
Der Übergang vom nur Äußerlichen zur Wirklichkeit geschieht in der Tat auf zweierlei Weise:
Der eine ist der, in das Zwischenreich (Berzah)der Sufis (tariqat)einzutreten und die wahre (Erkenntnis) auf einer spirituellen Reise zu erreichen, wobei man alle Stufen
(des Weges) hinter sich lässt.
Der andere aber ist der, auf dem direkten Wege, ohne erst das Zwischenreich auf dem Wege der Sufis zu betreten, mit der Gnade Gottes (lutf-u ilahi)zur wahren (Erkenntnis; haqiqat)zu gelangen. Dies ist der hohe Pfad und der kurze Weg, der für die Sahabis und die Tabiine bestimmt war.
Das aber heißt, dass die Lichter, die aus der qur'anischen Wahrheit heraus sickern und die "Worte" (Sözler),welche diese Lichter interpretieren, diese Besonderheiten besitzen könnten. Und sie besitzen sie in der Tat.
Fünfter Punkt:
Wir wollen nun hier an fünf persönlichen Beispielen darstellen, dass die "Worte" (Sözler)sowohl die Wahrheit (haqaiq)lehren, als auch die Funktion eines Führers (irshad)wahrnehmen.
Erstes Beispiel:
Ich selbst bin nicht zehn, nicht hundert, nein Tausende Male durch meine eigene Erfahrung zu der Überzeugung gelangt, dass die "Worte" und die Lichtstrahlen, die vom Qur'an ausgehen, mich nicht nur dem Verstande nach belehren, sondern auch den Zustand (hal)des Glaubens in meinem Herzen aufrichten, meinem Geist (ruh)den Geschmack am Glauben eingeben usw.... Ja sogar in Angelegenheiten, die diese Welt betreffen, geschah es häufig, und zwar in der gleichen Weise, in der ein Schüler (Muried)von seinem wundertätigen Scheich Hilfe und Segen (himmet)(in seinen alltäglichen Nöten und) Bedürfnissen erwartet, dass all meine Nöte, noch während ich eine Antwort aus den wunderwirkenden Geheimnissen des Weisen Qur'an erwartete, alles für mich auf eine Weise geregelt wurde, die ich nicht erhofft und nicht erwartet hatte. Dafür hier nun zwei kleine Beispiele, die ich selbst erlebt habe:
Erstens:
Wie dies bereits im Sechzehnten Brief ausführlich erzählt worden ist, hatte man einem meiner Gäste, mit Namen Suleyman, auf dem Wipfel einer mächtigen Zeder auf wundersame Weise einen riesigen Laib Brot gezeigt. Zwei Tage aßen wir beide von diesem Geschenk
aus dem Unsichtbaren.
Zweitens:
Ich will hier ein ganz persönliches und recht eigenartiges Beispiel erzählen, dass sich kürzlich ereignet hatte. Es war wie folgt:
Es war noch vor der Morgendämmerung als mir der Gedanke kam, dass ich zu jemandem ein paar Worte gesagt hatte, auf eine Weise, die sein Herz (qalb)hätte beunruhigen (vesvese)können. "Ach könnte ich ihn doch noch einmal sehen!", sagte ich zu mir selbst, "und könnte diese Unruhe aus seinem Herzen vertreiben." Und im gleichen Augenblick sagte ich zu mir: "Ich benötige einen Teil jenes Buches, dass nach Nis gesandt worden war. Ach könnte ich es doch wieder in meiner Hand haben!" Nach dem Morgengebet setzte ich mich. Da sah ich, wie eben dieser Mann zur Türe hereinkam und diesen Teil meines Buches in seiner Hand hielt. Ich sagte zu ihm: "Was hast du da in deiner Hand?" Er antwortete mir: "Ich weiß es nicht. Jemand hat es mir hier vor der Türe gegeben und mir gesagt, es käme aus Nis. So gebe ich es nun dir." Da sagte ich: "Ehre sei Gott! (fesubhanallah)",da kommt doch dieser Mann um diese Tageszeit aus seinem Haus und es sieht nicht gerade wie ein Zufall aus, dass dieser Teil der "Worte" aus Nis hierher kommt. Und so dachte ich mir: Es war dies sicher ein Segen des Weisen Qur'an, der einem Mann wie diesem, einen solchen Teil eines Buches wie dieses in die Hand gab, und sagte: "Lobpreis und Dank sei Gott (elhamdulillah)!Der, welcher auch noch den persönlichsten, geheimsten und unbedeutendsten Wunsch meines Herzens kennt, wird mir sicherlich Seine Barmherzigkeit erweisen und mich beschützen. Da dies aber nun so ist, werde ich von dieser Welt noch keine fünf Para Dankesschuld annehmen."
Zweites Beispiel:
Obwohl mein verstorbener Neffe Abdurrahman seit acht Jahren von mir getrennt von Gottvergessenheit und irrigen Vorstellungen von der Welt besudelt war, hatte er eine weit bessere Meinung von mir, als mir zukam. Er wollte von mir einen Segen (himmet),den ich weder besaß, noch über ihn verfügen konnte und
erwartete meinen geistigen Beistand. Der Segen des weisen Qur'an eilte ihm jedoch zu Hilfe und ließ drei Monate vor seinem Tod das "Zehnte Wort" über die Wiederauferstehung in seine Hand gelangen. Wobei dieses Wort ihn von allem geistigen Unrat, irrigen Vorstellungen und der Gottvergessenheit gereinigt hatte, so als wäre er bereits zur Stufe der Gottesfreunschaft emporgestiegen, offenbarte er in seinem Brief vor seinem Tod drei offensichtliche Zeichen seiner Wunderkraft (keramet).Dieser (Brief) wurde unter die im Siebenundzwanzigsten Brief enthaltenen Auszüge eingereiht. Dort kann man jetzt nachlesen.
Drittes Beispiel:
Ich hatte einmal einen Mitbruder aus Burdur, Schüler der (Leute, die aufrechten) Herzens (sind), mit Namen Hassan Efendi. Er hatte eine weit über alle Maßen gute Meinung von mir und erwartete von mir allen Segen (himmet)wie von einem großen Heiligen (Veli).Da traf ich eines Tages einen Mann aus einem Dorf in der Gegend von Burdur und übergab ihm, noch vorläufig ohne irgendeinen näheren Zusammenhang, das "Zweiunddreißigste Wort", damit er es studieren möge. Sodann erinnerte ich mich wieder an Hassan Efendi und sagte: "Solltest du einmal nach Burdur (in die Stadt) kommen, gib es Hassan Efendi, damit er es drei bis sechs Tage studieren kann." Da ging dieser Mann und gab es sogleich Hassan Efendi. Hassan Efendi blieben damals noch dreißig, vierzig Tage bis zu seinem Ende. Wie ein Mann, der einen schrecklichen Durst leidet, plötzlich auf eine Quelle trifft, deren Wasser süß ist wie Kauthar (im Paradies) und sich an ihr sogleich nahezu festsaugt, so saugte er sich gleichsam an diesem "Zweiunddreißigsten Wort" fest, studierte es eifrig, empfing ständig seinen Segen, fand schließlich im Dritten Kapitel, in dem die LIEBE GOTTES (MUHABBETULLAH)behandelt wird, eine vollständige Heilung für seinen Schmerz. Er fand in diesem (Kapitel) den Segen, den er von einem gewaltigen Pol (qutbu a'dham)erwartet hätte. Er hatte das Heil (saghlam)gefunden, ging nun
zur Moschee, verrichtete das Gebet und gab danach in (die Hände des) Allbarmherzigen seinen Geist (ruh)auf. (Möge Gott ihm Erbarmen schenken. (Rahmetullah aleyh))
Viertes Beispiel:
So wie Hulusi Bey in einem Abschnitt des Siebenundzwanzigsten Briefes bezeugt, fand er in diesen erleuchteten "Worten", die die Geheimnisse des Qur'an interpretieren, mehr Beistand und Hilfe, Segen und Licht als auf dem Naqshi-Weg, dem (Weg des) bedeutendsten und einflussreichsten Sufi-Ordens.
Fünftes Beispiel:
Mein Bruder Abdulmecid litt ganz schrecklich bei dem Tode Abdurrahmans (möge Gott ihm Erbarmen schenken (Rahmetullah aleyh)) und noch anderen schmerzlichen Ereignissen. Auch er erwartete von mir geistlichen Beistand und Hilfe, die ich ihm nicht geben konnte. Ich unterhielt keinen (Brief)-Kontakt mit ihm. Doch übersandte ich ihm (unabhängig davon) einige wichtige "Worte". Nachdem er sie studiert hatte, schrieb er mir: "Lobpreis und Dank sei Gott (elhamdulillah),ich bin gerettet! Ich wäre sonst noch wahnsinnig geworden! Jedes dieser Worte ist mir zum Lehrer (Murschid)geworden. Ich hatte mich von dem einen Lehrer getrennt; doch habe ich nun auf einmal viele Lehrer gefunden und bin gerettet." Ich sah, dass Abdulmecid tatsächlich in eine gute Schule (meslek)eingetreten war und aus seiner früheren Lage (vaziyet)befreit worden war.
Es gibt zahlreiche andere Beispiele außer diesen "Fünf Beispielen", die zeigen, dass dort, wo die Wissenschaft des Glaubens auf Grund eines Bedürfnisses und als Heilung für die Wunden direkt als eine geistliche Medizin aus dem Geheimnis des Weisen Qur'an erfahren wurde, diese Wissenschaft des Glaubens zur geistlichen Medizin wird, ausreichend und genügend für die, welche ihre Bedürfnisse verspüren und (diese Medizin) ernsthaft und aufrichtig anwenden. Wem auch immer der Apotheker gleicht, der sie verkauft und der Ausrufer, der sie bekannt macht, sei er nun gewöhnlich, bankrott, reich, hoch gestellt oder von niederem Rang (maqam)macht dabei wenig Unterschied.
Es ist in der Tat nicht notwendig, im Kerzenlicht zu wandeln, wenn doch die Sonne scheint! Da ich nun einmal auf die Sonne hinweise, ist es sinnlos und unnötig, von mir Kerzenlicht zu erwarten, besonders da ich (gar keine Kerzen) habe. Statt dessen wäre es notwendig, dass sie mich durch ihr Gebet, durch ihren geistigen Beistand, ja ihren Segen (himmet)unterstützen. Wenn ich sie um ihre Hilfe bitte und Beistand von ihnen erwarte, so ist dies (im Rahmen meiner Rechte und) Pflichten, während mit dem Segen, den sie aus den "Lichtern" empfangen, zufrieden zu sein, (zu den Rechten und) Pflichten gehört (die man von ihnen erwartet).
سُبْحَانَكَ لاَعِلْمَ لَنَآ اِلاَّ مَاعَلَّمْتَنَآ اِنَّكَ اَنْتَ الْعَلِيمُ الْحَكِيمُ ٭ اَللّٰهُمَّ صَلِّ عَلٰى سَيِّدِنَا مُحَمَّدٍ صَلٰوةً تَكُونُ لَكَ رِضَآءً وَلِحَقِّهِ اَدَآءً وَعَلٰٓى اٰلِهِ وَصَحْبِهِ وَسَلِّمْ
{"Gepriesen seist Du! Wir haben kein Wissen, außer dem, das Du uns gelehrt hast. Denn Du bist der Allwissende, der Allweise." (Sure 2, 32) "Oh Gott segne unseren Herrn Mohammed mit dem Segen, den wir zu Deiner Zufriedenheit und in Erfüllung (seines Rechtes und) unserer Pflicht (für ihn erbitten), seine Familie und seine Gefährten und gib ihnen Frieden."}
* * *
(Ein kleiner, privater Brief, der als Anhang zur Dritten Problemstellung dem Achtundzwanzigsten Brief beigefügt werden kann.)
An meine Mitbrüder und fleißigen Schüler Hüsrew Efendi und Re'fet Bey
Angesichts der "Sözler(Worte)" genannten Lichter aus dem Qur'an ahnten wir drei Wunder (keramet)des Qur'an. Ihr aber habt ihnen mit eurem Eifer und eurer Begeisterung noch ein viertes hinzugefügt. Die uns bekannten drei sind folgende:
Erstens:
Die außergewöhnliche Schnelligkeit und Leichtigkeit bei ihrer Abfassung. Ja, der Neunzehnte Brief, der aus fünf Teilen besteht, wurde sogar in nur zwei, drei Tagen abgefasst, wobei wir täglich nur drei, vier Stunden, also insgesamt zwölf Stunden, ohne ein Buch auf einem Berg oder in einem Weingarten gearbeitet haben. Das Dreißigste Wort wurde zu einer Zeit, in der ich krank war, in fünf, sechs Stunden abgefasst. Die Abhandlung über das Paradies, also das Achtundzwanzigste Wort, wurde in ein, zwei Stunden in Suleymans Garten am Bach abgefasst. Ich, Tewfik und Suleyman waren über diese Geschwindigkeit erstaunt. Und so weiter...
Gleich diesem Wunder des Qur'an bei der Abfassung war da
Zweitens:
auch noch eine außerordentliche Leichtigkeit, Begeisterung und Unverdrossenheit bei der Niederschrift. Zu dieser Zeit, da es viele Ursachen dafür gab, Geist und Verstand Verdrossenheit zu bereiten, erscheint einer dieser "Sözler" und an vielen Orten beginnt man mit vollkommener Begeisterung, sie niederzuschreiben. Mitten in anderen noch wichtigen Arbeiten werden sie allen anderen Dingen vorgezogen. Und so weiter...
Drittes Wunder des Qur'an:
Auch ihre Lesung bereitet keinen Verdruss. Besonders aber dann, wenn man das Bedürfnis dazu verspürt, wird das Lesen zum Genuss und lässt keine Verdrossenheit aufkommen.
Damit habt auch ihr einen Beweis für ein viertes Wunder des Qur'an erbracht. Wenn ein Mann wie unser Bruder Husrew, der sich selbst einen Faulpelz nennt und in der Tat so faul ist, dass er nicht mit dem Abschreiben begonnen hat, obwohl er doch fünf Jahre lang die "Sözler" gehört hatte, in einem Monat vierzehn Bücher schön und ordentlich abschreibt, dann ist das ohne Zweifel das vierte Wunder dieses geheimnisvollen Qur'an. Besonders der Wert der Dreiunddreißig Fenster, die den Dreiunddreißigsten Brief bilden, wurde so hoch eingeschätzt,
dass dieser sehr schön und sorgfältig abgeschrieben wurde. In der Tat ist diese Risala wegen ihrer Erkenntnis Gottes und des Glaubens an Gott eine ganz starke und überaus glänzende Abhandlung. Diese "Fenster" wurden besonders im Anfang ganz kurz und bündig abgehandelt. Doch im späteren Verlauf öffneten sie sich immer weiter, um die ganze Fülle des Lichtes hereinzulassen. Es sind ja ohnehin schon die ersten "Sözler" im Gegensatz zu den übrigen Abhandlungen kurz und bündig, werden aber dann im weiteren Verlauf ausführlicher, klarer und strahlender.
* * *
Vierte Problemstellung, zugleich vierte Abhandlung
بِاسْمِهِ ٭ وَاِنْ مِنْ شَىْءٍ اِلاَّ يُسَبِّحُ بِحَمْدِهِ
{"In Seinem Namen." "Und es gibt kein Ding, das nicht lobend Ihn preist." (Sure 17, 44)}
An meine Brüder eine Antwort auf ihre Frage in einer privaten Angelegenheit als ein Grund zur Wachsamkeit.
Meine lieben Brüder!
Ihr fragt:
Bei der Ankunft eines so gesegneten Gastes wurde diese ehrenwerte Moschee in der Nacht zum Freitag ohne jeden Grund geschändet. Was war der Anlass zu diesem Vorfall? Weshalb hat man dich belästigt?
Antwort:
Ich werde hier vier Punkte erläutern, und zwar notwendigerweise in der Sprache des alten Said. Vielleicht ist dies ein Grund zur Wachsamkeit für meine Brüder und so werdet auch ihr dadurch eure Antwort finden.
Erster Punkt:
Der Grund hinter diesem ungesetzlichen und rein "zufälligen" Zwischenfall war eine Einflüsterung des Teufels und ein Angriff der Heuchler zu Gunsten des
Atheismus, mit dem Zweck, unsere Herzen in der Nacht zum Freitag in Aufregung zu versetzen, die Gemeinde einzuschüchtern und mich daran zu hindern, mich mit den Gästen zu unterhalten. Es war schon recht merkwürdig, dass ich an jenem Donnerstag vor der Nacht (zum Freitag) ein wenig hinausgegangen war, um Luft zu schöpfen. Auf dem Rückweg erschien eine schwarze Schlange, groß als wären zwei Schlangen aneinander gebunden zu meiner linken und bewegte sich zwischen mir und meinem Begleiter hindurch. Um meinen Begleiter zu fragen, ob er sich denn über die Schlange erschrocken und sich gefürchtet habe, sagte ich zu ihm: "Hast du sie gesehen?" Er antwortete: "Was denn?" ich sagte zu ihm: "Diese fürchterliche Schlange!" Er antwortete: "Nein, ich habe sie nicht gesehen. Ich kann nichts erkennen." "Gepriesen sei Gott! (fesubhanallah)"sagte ich da, "Wie konntest du nur eine so große Schlange nicht bemerken, als sie sich zwischen uns beiden hindurchwand?"
Damals habe ich mir noch nichts dabei gedacht. Doch später tauchte in meinem Herzen (der Gedanke) auf: "Das ist ein Zeichen für dich. Pass auf!" Ich dachte mir, dass dies eine von den Schlangen war, die ich (manchmal) des Nachts sehen konnte. Denn was diese Schlangen betraf, die ich in der Nacht sah, so war es immer, wenn ein Beamter in böswilliger Absicht zu mir kam, dass ich ihn in der Gestalt einer Schlange erblickte. Ja ich habe tatsächlich einmal zu einem Distriktsdirektor gesagt: "Wann immer du in böser Absicht zu mir kommst, erblicke ich dich als eine Schlange. Pass also auf!" Schon seinen Vorgänger habe ich oft so gesehen. Das aber heißt, dass die Schlange, die ich da leibhaftig vor mir sah, ein Zeichen war, dass ihre Böswilligkeit dieses Mal keine bloße Absicht bleiben würde, sondern in die Form eines wirklichen Angriffs umgesetzt werden würde. Sicherlich war der Angriff dieses Mal noch sichtlich klein und man (war sichtlich darum bemüht, ihn) herunterzuspielen, doch aufgestachelt und gefolgt von einem skrupellosen
(Schul)Lehrer befahl der Beamte seinen Feldjägern: "Bringt diese Gäste herbei!", während sie noch in der Moschee die Tesbihat-Gebete verrichteten.
Es war seine Absicht, mich zu provozieren. Nach Art des alten Said sollte ich sie nun eigentlich wegen ihres gesetzwidrigen und rein willkürlichen Verhaltens hinaustreiben. In Wirklichkeit aber wusste der Kerl nicht, dass dieser Said sich nicht mit dem zerbrochenen hölzernen (Schwert) in seiner Hand verteidigen würde, wo doch auf seiner Zunge das diamantene Schwert von der Werkbank des Qur'an lag. Und er würde dieses Schwert in der Tat auf diese Weise gebraucht haben. Denn da die Feldjäger ihre fünf Sinne beieinander hatten und da kein Staat und keine Regierung Leute in der Moschee beim Gebet stört, während sie noch ihre religiöse Pflicht erfüllen, so warteten sie noch, bis Gebet (namaz)und Lobpreis (tesbihat)beendet waren. Darüber ärgerte sich nun dieser Beamte, sagte sich: "diese Feldjäger hören nicht auf mich." und schickte seine Waldwächter hinter ihnen her. Doch Gott der Gerechte zwingt mich nicht dazu, mich mit solchen Schlangen abzugeben.
So ist denn die Empfehlung für meine Brüder folgende: Solange noch keine zwingende Notwendigkeit besteht, sollt ihr euch nicht mit solchen (Leuten) abgeben.
جَوَابُ اْلاَحْمَقِ السُّكُوتُ
{"Die beste Antwort, die man einem dummen Menschen geben kann, ist das Schweigen."}
Diesem Sprichwort sollt ihr folgen und euch nicht entblöden, mit ihnen zu sprechen. Aber achtet darauf, dass Schwäche, einem wilden Tier gegenüber gezeigt, es dazu ermutigt, anzugreifen. Auch sich gegenüber denen, die das Gemüt (vidjdan)eines solchen wilden Tieres haben, schwach zu zeigen und ihnen schmeicheln zu wollen, ermutigt sie dazu, anzugreifen. Da dies aber so ist, müssen die Freunde wachsam sein, sodass diejenigen, die den Atheismus unterstützen, die Gleichgültigkeit und die Unachtsamkeit (der Freunde) nicht ausnutzen können.
Zweiter Punkt:
Mit dem Ferman der ehrenwerten Ayah:
وَلاَ تَرْكَنُوآ اِلَى الَّذِينَ ظَلَمُوا فَتَمَسَّكُمُ النَّارُ
{"und sucht keine Annäherung an die Übeltäter; denn sonst ergreift euch das Feuer!" (Sure 11, 113)}
werden in furchtbarer und strenger Weise nicht nur diejenigen, welche die Tyrannen unterstützen und sich ihnen als Werkzeug andienen, sondern auch solche bedroht, die dazu geneigt wären.
Denn: So wie jede Zustimmung zum Unglauben Unglaube ist, so ist auch jede Zustimmung zu einem Verbrechen (zulm)ein Verbrechen (zulm).
So erklärt denn einer der Leute der Vollkommenheit unter den vielen Juwelen der obigen Ayah das folgende Juwel in vollkommener Weise:
Ein Helfer der Tyrannen in dieser Welt ist ein gemeiner Mensch, ein Hund, der seine Freude daran findet, einem ungerechten Jäger zu dienen.
Manche von ihnen benehmen sich in der Tat wie Schlangen, andere wie Hunde... Wer in einer segensreichen Nacht, wenn ein segensreicher Gast segensreiche Gebete (dua)verrichtet, Spitzeldienste verrichtet, so als hätten wir ein Verbrechen begangen, und denunziert und uns so entgegen arbeitet, so verdient er sicherlich eine Ohrfeige entsprechend der Bedeutung des obigen Gedichtes.
Dritter Punkt:
Frage:
Da du dich nun einmal auf den segensreichen und erleuchtenden Einfluss des Qur'an stützt, der auch noch die widerspenstigsten und hartnäckigsten Atheisten zu leiten vermag, was du ja auch tatsächlich tust, warum rufst du dann nicht diese aggressiven Leute in deiner Nähe zu Dir und leitest sie zum Glauben und auf den rechten Weg?
Antwort:
Einer der wichtigsten Grundpfeiler des islamischen
Gesetzes (Schari'a)lautet:
اَلرَّاضِى بِالضَّرَرِ لاَ يُنْظَرُ لَهُ
Das heißt: "Wer wissentlich mit einem Schaden einverstanden ist, den darf ich nicht lieben (shefqat)und mich für ihn einsetzen."
So versichere ich denn gestützt auf die Kraft des Weisen Qur'an: "unter der Bedingung, dass jemand nicht allzu niederträchtig ist und nicht wie eine Schlange seine Freude daran hat, das Gift seines Irrglaubens überall zu verbreiten, auch noch den hartnäckigsten Ungläubigen in nur wenigen Stunden, wenn schon nicht zu überzeugen, so doch zum Schweigen zu bringen." Jedoch zu jemandem über die Wahrheit zu sprechen, der in seinem Gewissen so tief hinab ins Bodenlose gefallen ist, zu einer Schlange in Menschengestalt, die einen solchen Grad der Heuchelei erreicht hat, dass sie ihren Glauben wissentlich an die Welt verkauft, dass sie wissentlich die Diamanten der Wahrheit gegen diese schmutzigen und gefährlichen Glasscherben eintauscht, ist ein Mangel an Respekt gegenüber dieser Wahrheit. Das gleicht dem Sprichwort:
كَتَعْلِيقِ الدُّرَرِ فِى اَعْنَاقِ الْبَقَرِ
{"...als wollte man Perlen um den Hals der Kühe hängen."}
Denn diejenigen, welche diese Dinge tun, haben die Wahrheit schon oft aus der Risale-i Nur vernommen und versuchen nun diese Wahrheit wissentlich im Interesse ihres Irrglaubens zu widerlegen. Solche Leute schöpfen wie die Schlangen Freude aus ihrem Gift.
Vierter Punkt:
Die Behandlung, die ich sieben Jahre lang erfahren habe, war rein willkürlich und außerhalb des Gesetzes. Denn die Gesetze für die Verbannten, die Kriegsgefangenen und die Strafgefangenen sind eindeutig.
Sie können nach dem Gesetz sich mit ihren Verwandten treffen und sie werden nicht daran gehindert, einander zu schreiben. In jedem Land und in jedem Volk sind Dienst, Anbetung und Gehorsam gegenüber Gott vor allen Belästigungen geschützt. Andere, gleich mir (in der selben Lage), blieben mit ihren Verwandten und mit ihren Freunden zusammen. Sie wurden weder daran gehindert, zu schreiben, noch Neuigkeiten mit ihnen auszutauschen, noch sich frei umher zu bewegen. Mich hat man behindert. Ja man hat mich sogar in der Moschee (belästigt) und vom Gebet abgehalten. Und während es nach der Schule (Mesheb)der Schafis Sunnah ist, im Tesbihat die Worte des Tauhid zu wiederholen, hat man sich darum bemüht, mich dazu zu veranlassen, damit aufzuhören. Ja es kam sogar einer von denen, die nach Burdur ausgewandert waren, ein Mann ohne jede Schulbildung mit Namen Schebab, zusammen mit seiner Schwiegermutter hierher, weil sie eine Luftveränderung brauchten. Sie kamen zu mir, weil wir Landsleute sind. Sie wurden von drei bewaffneten Feldjägern aus der Moschee hinausgeführt. Danach versuchte dann der Beamte, (den Umstand) zu überspielen, dass er gegen das Gesetz gehandelt und also einen Fehler begangen hatte und sagte: "Verzeihen Sie mir bitte und nehmen Sie mir das bitte nicht übel! Doch es war meine Pflicht!" Sodann entließ er sie mit dem Befehl: "Geht jetzt!"
Wenn man diesen Vorfall und noch andere Dinge dieser Art mit einer solchen Behandlung vergleichen will, dann wird verständlich, dass man rein willkürlich mit mir umgegangen ist und Hunde und Schlangen auf mich losgelassen hat. Doch ich habe mich nicht entblödet, mich mit ihnen abzugeben. Ich überlasse es aber Gott dem Gerechten, weitere Untaten dieser Übeltäter zu verhindern. In der Tat sind die, welche diesen Zwischenfall verschuldet haben, der zu meiner Umsiedlung geführt hat, längst wieder in ihre Heimat zurückgekehrt und wieder mächtige Häuptlinge an der Spitze ihres Stammes geworden.
Ein jeder von ihnen ist (aus der Verbannung) entlassen worden. Nur mich und noch zwei anderen Personen hat man (von dieser Entlassung) ausgenommen. Ich habe kein Interesse an ihren weltlichen (Angelegenheiten). Mögen sie ihnen ihre Köpfe abnagen! Für mich selbst habe ich schon mein OK (ist schon in Ordnung in dieser Angelegenheit) gegeben. Doch von den anderen beiden Personen ist der eine irgendwo zum Mufti ernannt worden. Er kann überall hinfahren, außer in seine Heimat, ja sogar nach Ankara reisen. Den anderen hat man nach Istanbul (verbannt, wo er) mit vierzigtausend Landsleuten und auch noch mit jedem anderen verkehren kann. Im Gegensatz zu mir sind diese beiden Personen nicht so wie ich völlig allein gelassen und solche, um die sich niemand kümmert... Wie wunderbar hat Gott es doch gewollt (mashallah),dass sie so großen Einfluss haben. Des Weiteren... und ferner...
Mich aber haben sie in ein Dorf gesteckt und Menschen über mich gesetzt, die sich daraus überhaupt gar kein Gewissen machen. Ich konnte nur ins Nachbardorf gehen, zwanzig Minuten von hier, zwei Mal in sechs Jahren. Sie haben mir noch nicht einmal erlaubt für ein paar Tage Luftwechsel dahin zu gehen, mich vielmehr mit ihrer Tyrannei nur noch mehr unter Druck gesetzt. Doch was für eine Regierungsform auch immer (ein Land) annehmen mag: das Gesetz ist immer dasselbe für alle. Da kann es doch nicht für die verschiedenen Dörfer und die einzelnen Personen so ganz verschiedene Gesetze geben. Das heißt, bei dieser Rechtslage ist das Gesetz für mich die Gesetzlosigkeit. Die hiesigen Beamten gebrauchen ihren Einfluss auf die Regierung für ihre persönlichen eigennützigen Absichten. Doch ich bringe Gott dem Herrn in Seiner Allbarmherzigkeit hunderttausend Mal meine Danksagung dar, mache die Wohltaten bekannt, die Er mir erweist und sage: "All ihre Unterdrückung und die ganze Tyrannei wird mir zu Holzscheiten, deren Kraft und Hilfe die Lichter des Qur'an erleuchtet, sie entzündet und
erstrahlen lässt. Und diese Lichter des Qur'an, welche eine solche Verfolgung erlitten und sich in dieser Kraft und in diesem Feuer ausgebreitet haben, haben diesen Bezirk, ja selbst den größten Teil des Landes zu einer Schule (Medrese)anstelle von Barla gemacht. Man hat geglaubt, ich sei ein Gefangener in einem Dorf. Doch den Ungläubigen zum Trotz, wurde Barla zu einem Lehrstuhl, und viele Plätze wie auch Isparta sind zu einer Medrese geworden..."
اَلْحَمْدُ لِلّٰهِ هٰذَا مِنْ فَضْلِ رَبِّى
{"Lobpreis und Dank sei Gott! Dies ist von der Gnade meines Herrn!"}
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Fünfte Problemstellung, zugleich fünfte Abhandlung
Eine Abhandlung über die Dankbarkeit
بِسْمِ اللّٰهِ الرَّحْمٰنِ الرَّحِيمِ ٭ وَاِنْ مِنْ شَىْءٍ اِلاَّ يُسَبِّحُ بِحَمْدِهِ
{"Im Namen Gottes, des Erbarmers, des Allbarmherzigen. Und es gibt kein Ding, das nicht in Dankbarkeit ihn lobpreist"}
In der Wiederholung des Qur'an, der in seiner Verkündigung ein Wunder ist:
اَفَلاَ يَشْكُرُونَ ٭ اَفَلاَ يَشْكُرُونَ ٭ وَسَنَجْزِى الشَّاكِرِينَ ٭ لَئِنْ شَكَرْتُمْ لَاَزِيدَنَّكُمْ ٭ بَلِ اللّٰهَ فَاعْبُدْ وَكُنْ مِنَ الشَّاكِرِينَ
{"Wollen sie etwa nicht Dank sagen?" (Sure 36, 35) "Wollen sie etwa nicht dankbar sein?" (Sure 36, 73) "Und wir werden sicherlich die belohnen, die dankbar sind." (Sure 3, 145) "Wenn ihr Dank sagt, werde ich euch noch mehr (Gnade) erweisen." (Sure 14, 7) "Doch bete Gott an, diene Ihm und sei einer von denen, die Ihm ihren Dank erweisen." (Sure 39, 66)}
Diese und ähnliche Ayat zeigen uns: die wichtigste Sache, die der Barmherzige Schöpfer (Khaliq-i Rahman)von Seinen Dienern
erwartet, ist Dankbarkeit (shukur).Mit der Weisen Unterscheidung (Furkan-i Hakiem)lädt Er uns mit allem Nachdruck zur Danksagung ein. Er zeigt, dass es eine Art Leugnung und Zurückweisung Seiner Gnadengaben ist, nicht Dank zu sagen und warnt auf fürchterliche und schreckliche Weise einunddreißig Mal mit dem Ferman in der Sure vom Allbarmherzigen (er-Rahman),und zwar mit dieser (folgenden) Ayah:
فَبِاَىِّ اٰلآَءِ رَبِّكُمَا تُكَذِّبَانِ
{"Doch welchen Gnadenerweis eures Herrn wollt ihr nun leugnen?" (Sure 55, 13)}
Damit wird gezeigt, dass es eine Verleugnung und Zurückweisung (tekzib ve inkar)ist, nicht Dank zu sagen.
So wie der Weise Qur'an zeigt, dass die Folge der Schöpfung Dankbarkeit ist, so zeigt in der Tat auch das Weltall als der Große Qur'an, dass die bedeutendste Folge der Erschaffung der Welt Dankbarkeit ist. Denn wenn man das Universum aufmerksam beobachtet, so sieht man, dass alle Dinge in Dank münden, in der Weise, dass ein jedes Ding in gewisser Weise auf Dank ausgerichtet und ihm zugewandt ist. Es ist so, als ob die wichtigste Frucht am Baum der Schöpfung der Dank ist und das erhabenste Produkt, das in der Fabrik des Universums hergestellt wird, der Dank ist. Denn in der geschaffenen Welt sehen wir, dass in der Welt allen Seins alle Dinge in einem Kreislauf angeordnet sind, mit dem Leben als seinem Mittelpunkt. Alle Dinge sind auf das Leben hin ausgerichtet und dienen dem Leben und produzieren alles, was zum Leben notwendig ist. Das heißt, der Herr, der den Kosmos erschuf, erwählte aus ihm das Leben.
Sodann sehen wir, dass Er die Welt alles Lebendigen in Form eines Kreises erschuf und den Menschen in seine Mitte setzte. Es war, als wolle Er das Ziel, das (im Reich des) Lebendigen angestrebt war, im Menschen konzentrieren und (zugleich dieses ganze Reich alles) Lebendigen
um ihn herum versammeln, es ihm unterwerfen, ihm zu Diensten machen und ihn selbst zum Herrn (Hâkim)über es setzen. Das heißt, der Glorreiche Schöpfer (Khaliq-i Dhu l-Djelal)wählte unter allen Lebewesen den Menschen aus und wollte (irade)und bestimmte (ihtiyar)diese Stellung für ihn in der Welt.
Sodann sehen wir, dass die Welt der Menschen und auch das Tierreich in einem Kreis angeordnet ist, mit der Versorgung als ihrem Mittelpunkt. Er hat die Menschheit und sogar die Tiere mit einer Liebe (ashk)zu ihrer Versorgung ausgestattet, hat sie davon abhängig gemacht und sie in ihren Dienst gestellt. Was sie regiert ist ihre Versorgung. Und Er hat ihre Versorgung zu einem so weiten und reichen Schatz gemacht, dass er grenzenlos viele Gnadengaben (ni'met)umfasst. Ja um auch nur eine unter all den vielen möglichen Geschmacksrichtungen unterscheiden zu können, hat er entsprechend der Anzahl der Speisen ebensoviele Geschmacks- (und Geruchs) empfindungen gleich unendlich hochempfindlichen Messinstrumenten auf der Zunge (und in der Nase) angeordnet. Das heißt, dass sich die bemerkenswerteste, wertvollste, wundervollste, schönste, angenehmste und umfassendste, ja nachgerade einzigartige Wahrheit in der Versorgung (offenbart).
So sehen wir denn nun: So wie sich alles rund um die Versorgung herum gruppiert und darauf ausgerichtet ist, so besteht auch die Versorgung in all ihren materiellen wie spirituellen, verbalen wie nonverbalen Ausdrucksmöglichkeiten durch die Dankbarkeit weiter, setzt sich in Dankbarkeit fort, lässt die Dankbarkeit weiter wachsen und bezeigt Dankbarkeit. Denn der Hunger und das Verlangen nach Versorgung ist eine Art naturgegebener Dankbarkeit. Freude und Genuss zu empfinden ist auch eine Art unbewusster Dankbarkeit und diese Art Dankbarkeit findet sich auch bei allen Tieren. Nur der Mensch weicht durch Irrglaube und Unglaube vom Wesen dieser natürlichen Dankbarkeit ab und begibt sich von der Dankbarkeit in die Abgötterei.
Des Weiteren laden die überaus schön verzierten Formen, die überaus schönen Düfte, der überaus delikate Geschmack der Gnadengaben, die unsere Versorgung sind, zur Dankbarkeit ein, fordern alles Lebendige zur Bewunderung auf, führen in dieser Bewunderung zu einer Art von Begeisterung und Hochachtung und erwecken so in uns das Gefühl einer tiefen inneren Dankbarkeit. Sie lenken die Aufmerksamkeit aller fühlenden Wesen auf sich und erregen deren Bewunderung. Sie ermuntern sie, alle diese Gnadengeschenke zu achten. Dadurch leiten sie sie dazu an, in Worten und in ihrer Haltung (hal)ihre Dankbarkeit zu erweisen, dankbar zu sein und führen sie auf diese Weise dazu, in aller Dankbarkeit die süßeste Freude und das höchste Vergnügen zu erleben. Das heißt, sie zeigen damit, dass sie zusammen mit dieser wohlschmeckenden Versorgung und den Gnadengaben, die einem kurzen, vorübergehenden oberflächlichen Vergnügen (verbunden sind), die Gunst des Allerbarmers (iltifat-i Rahman),die einen immerwährenden, wahrhaftigen, unendlichen Genuss und Freude in sich trägt, durch diese Dankbarkeit erwerben. Das heißt: Sie erinnern an die Gunst des freigiebigen Königs (Malik-i Keriem)der Schatzkammern der Barmherzigkeit, die von so unendlicher Süße ist und veranlassen so, die ewig währenden Freuden des Paradieses noch in dieser Welt zu verkosten. Wenn also auf diese Weise unsere Versorgung durch unsere Dankbarkeit zu einem wertvollen, reichen, alles umfassenden Schatz wird, so wird sie durch unsere Undankbarkeit vollkommen wertlos.
Wie im Sechsten Wort bereits erklärt wurde, wird der Geschmackssinn von Zunge (und Nase), wenn er nach dem Willen Gottes des Gerechten, das heißt mit unserer inneren Aufgabe zur Dankbarkeit, der Versorgung zugewandt, so wird dieser Geschmackssinn von Zunge (und Nase) zu einem zufriedenen Küchenchef der zahllosen Küchen der unerschöpflichen Barmherzigkeit Gottes und zu einem begeistert (Gott lobpreisenden), besonders
befähigten Verwalter. Wenn (dieser Geschmackssinn) aber nach eigenem (nefs)Willen nur der Versorgung zugewandt ist, das heißt, wenn er ohne an seine Dankespflicht gegenüber dem zu denken, der sie geschenkt hat, so wird dieser Geschmackssinn der Zunge vom Rang eines besonders befähigten Verwalters auf die Stufe eines Wachmanns am Tore der Fabrik des Bauches und Mundschenks an der Pforte des Magens herabsinken. So wie der Diener der Versorgung (der Geschmackssinn) durch seine Undankbarkeit auf eine solche Stufe hinabsteigt, so sinken auch der Wert der Versorgung und all ihrer Diener (d.h. der Wert des gesamten Versorgungssystems, des Verdauungssystems, der Sinnesorgane und des gesamten Organsystems - A.d.Ü.) von der höchsten Stufe (maqam)auf die niedrigste Stufe (maqam)herab auf eine Ebene, die der der Weisheit des Schöpfers des Alls zuwider und ihr entgegengesetzt ist.
Der Maßstab der Dankbarkeit ist Genügsamkeit, Sparsamkeit, Einwilligung und Zufriedenheit. Prüfstein aller Undankbarkeit aber ist die Habsucht, die Verschwendung, die Respektlosigkeit und der (gleichgültige) Verzehr (aller Speisen), ohne (die Gesetze von) haram und helal zu beachten.
So wie die Habsucht Undankbarkeit ist, so ist sie in der Tat auch ein Grund zur Entbehrung und zugleich auch ein Fahrzeug, das direkt ins Elend führt. Ja es ist sogar so, als würden die gesegneten Ameisen, die doch über ein ganzes Gemeinschaftsleben verfügen, durch ihre Habsucht stets unter unseren Füßen bleiben und zertreten. Denn obwohl ihnen doch schon einige wenige Weizenkörner für ein ganzes Jahr genügen könnten, sind sie dennoch nicht damit zufrieden, sondern würden selbst Tausende davon sammeln, wenn sie nur könnten. Hingegen fliegt die gesegnete Biene wegen ihrer Genügsamkeit über uns. Weil sie so genügsam ist, bereitet sie in ihrer Güte (ihsan)auf Gottes Geheiß Honig für die Menschen und gibt ihn ihnen zu essen.
Der Name des Allerbarmers (Rahman),der nach Seinem allumfassenden Namen "Allah", dem Eigennamen des Allheiligen Herrn, der gewaltigste ist, bezieht sich in der Tat auf die Versorgung (rizq).Und durch die Dankbarkeit, (die eine Folge) der Versorgung ist, kann dieser Name erreicht werden. Ferner ist von dem Namen "der Allerbarmer (Rahman)"die offensichtlichste Bedeutung "der Versorger (Rezzaq)".
Überdies gibt es verschiedene Arten der Dankbarkeit. Von diesen Arten ist die umfassendste und gleichsam deren allgemeines Verzeichnis das Gebet (namaz).
Des Weiteren gibt es innerhalb der Dankbarkeit einen reinen Glauben und ein aufrechtes (Bekenntnis) zur Einheit (Tauhid).Denn ein Mensch, der einen Apfel isst und dann: "Dank sei Gott! (elhamdulillah)"sagt, gibt durch seinen Dank bekannt: "Dieser Apfel ist eine unmittelbare Erinnerung an die Hand des Allmächtigen (qudret),ein Geschenk direkt aus dem Schatz Seiner Barmherzigkeit." Während er dies sagt und fest davon überzeugt ist, übergibt er alles, ob klein oder groß, der Hand des Allmächtigen. Er erkennt in jedem Ding die Erscheinung Seiner Barmherzigkeit. Er gibt durch seine Dankbarkeit seinen wahren Glauben bekannt und legt so ein aufrichtiges (Bekenntnis) zur Einheit (Tauhid)ab.
Von den vielen Aspekten dieses großen Verlustes, den gottvergessene Menschen durch ihre Undankbarkeit gegenüber den Gnadengaben Gottes erleiden, wollen wir hier nur einen einzigen anführen. Es ist dies wie folgt:
Wenn ein Mensch ein wohlschmeckendes Geschenk (ni'met)isst und dafür dankt, so wird ihm das Geschenk, das er gegessen hat, durch seinen Dank zu einem Licht und zu einer Frucht des Paradieses in der anderen Welt. Dieser Geschmack, der ihn daran denken lässt, dass dies ein Werk der Gunst der Barmherzigkeit Gottes des Gerechten ist, gibt ihm einen großen Genuss und eine beständige Freude. Auf diese Weise sendet er geistige Extrakte und Essenzen und geistige Stoffe hinauf in die
höheren Welten (maqam),während die materiellen Überreste, der Treber und die Schale, welche ihre Aufgabe erfüllt haben, die unnütz gewordene Materie, alle überflüssigen Stoffe zurückkehren zu (Staub und Asche, ihren ursprünglichen) Elementen. Wenn er aber nicht dankt, dann hinterlassen die zeitlichen Vergnügungen Kummer und Schmerz in ihrem Vorübergehen und werden zu Unrat. Geschenke im Werte von Diamanten verlieren (dann ihren Wert und ihre Bedeutung wird gleich) der Kohle. Durch den Dank erhält unsere vergängliche Versorgung (den Wert) einer ewig bleibenden Freude und niemals verderbender Früchte. Doch eine Gabe ohne Dankbarkeit verwandelt sich von ihrer allerschönsten Form in eine ganz hässliche Form. Denn für den Gottvergessenen ist das Ende aller Versorgung nach einem vorübergehenden Vergnügen die Entsorgung.
Versorgung ist in der Tat eine Art Körper, der der Liebe (ashk)wert ist. Und dieser Körper wird durch die Dankbarkeit sichtbar. Anderenfalls ist die Liebe der Gottvergessenen und Irregeleiteten für ihre Versorgung einfach tierisch. Ihr könnt nun noch weiter vergleichen (und sehen), was für einen Verlust die Irregeleiteten und Gottvergessenen erfahren.
Unter den vielen Arten alles Lebendigen ist diejenige, die am meisten der verschiedenen Arten der Versorgung bedarf, die menschliche Gattung. Gott der Gerechte erschuf den Menschen in Form eines Sammelspiegels für all Seine Namen, als ein Wunderwerk Seiner Macht, das die Anlagen besitzt, den Inhalt aller Schätze Seiner Barmherzigkeit zu wägen und kennenzulernen und (Er erschuf ihn) als Seinen Kalifen hier auf Erden, der die Werkzeuge besitzt, um die Erscheinungen all Seiner Namen und alle die Feinheiten Seiner Kunstwerke auf die Waage zu stellen. Daher gab Er ihm ein grenzenloses Bedürfnis, machte ihn bedürftig für die endlos vielen Arten der Versorgung, materiell wie geistig. Das Mittel, das den Menschen entsprechend seiner vielfältigen Begabung
zur höchsten Stufe alles Geschaffenen (ahsan-i taqwiem)emporführt, ist die Dankbarkeit. Gibt es keine Dankbarkeit, so stürzt er auf die niedrigste der niedrigen (Stufen) herab und begeht eine gewaltig große Ungerechtigkeit.
Kurzum:
Der bedeutendste Grundsatz unter vier Grundsätzen der Orden derer auf dem Weg des Dienstes, der Anbetung und der Erlangung der Liebe Gottes (tariq-i ubudiyet ve mahbubiyet),und zugleich auch der höchste und erhabenste Weg, ist die Dankbarkeit. Diese vier Grundsätze sind folgendermaßen formuliert:
"In dem Orden der Besitzlosen (acz-i mendi) sind vier Dinge notwendig:
vollkommene Armut,
vollkommene Unterwerfung (acz = die Schwachheit des Menschen gegenüber der göttlichen Allmacht),
vollkommene Dankbarkeit und
vollkommene Hingabe (shauk = die Begeisterung des Herzens für Gott, seinen Herrn),
Oh ihr Freunde! (aziz = ein Mensch, der die Heiligkeit Gottes respektiert und Seine göttlichen Geschenke nicht zu irdischen Zwecken missbraucht)."
اَللّٰهُمَّ اجْعَلْنَا مِنَ الشَّاكِرِينَ بِرَحْمَتِكَ يَآ اَرْحَمَ الرَّاحِمِينَ ٭ سُبْحَانَكَ لاَعِلْمَ لَنَآ اِلاَّ مَاعَلَّمْتَنَآ اِنَّكَ اَنْتَ الْعَلِيمُ الْحَكِيمُ ٭ اَللّٰهُمَّ صَلِّ وَسَلِّمْ عَلٰى سَيِّدِنَا مُحَمَّدٍ سَيِّدِ الشَّاكِرِينَ وَالْحَامِدِينَ وَعَلٰٓى اٰلِهِ وَصَحْبِهِ اَجْمَعِينَ. اٰمِينَ ٭ وَاٰخِرُ دَعْوٰيهُمْ اَنِ الْحَمْدُ لِلّٰهِ رَبِّ الْعَالَمِينَ
{"Oh Gott, setze uns unter diejenigen, die Dir dankbar sind, durch Dein Erbarmen, oh Barmherziger aller Barmherzigen!" "Gepriesen seist Du! Wir haben kein Wissen außer dem, was Du uns gelehrt hast. Denn Du bist der Allwissende, der Allweise." (Sure 2, 32) "Oh Gott, gib Deinen Segen unserem Herrn Mohammed, dem Haupt all derer, die (Gott) Dank sagen und Ihn lobpreisen, ihm und seiner Familie und allen seinen Gefährten. Amen." "Und ihr letztes Gebet wird sein: Aller Lob und Preis sei Gott, dem Herrn der Welten."}
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Sechste Problemstellung, zugleich Sechste Abhandlung
Diese Abhandlung ist der Sammlung osmanischer Briefe beigefügt und deswegen hier nicht weiter aufgeführt.
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Siebente Problemstellung, zugleich siebente Abhandlung
بِسْمِ اللّٰهِ الرَّحْمٰنِ الرَّحِيمِ ٭ قُلْ بِفَضْلِ اللّٰهِ وَبِرَحْمَتِهِ فَبِذٰلِكَ فَلْيَفْرَحُوا هُوَ خَيْرٌ مِمَّا يَجْمَعُونَ
{"Im Namen Gottes, des Erbarmers, des Barmherzigen. Sprich: Bei dem Wohlgefallen (fadl) Gottes und Seiner Barmherzigkeit; wahrlich: Sie können sich daran erfreuen, denn Er ist besser, als all das, was sie sammeln!" (Sure 10, 58)}
Diese Problemstellung kann man in siebenfacher Weise angehen.
Als erstes wollen wir die sieben Ursachen, welche einige Geheimnisse der göttlichen Gnadengaben (inayet)erkennen lassen, in der Form einer Verkündigung der Wohltaten Gottes (tahdis-i nimet)besprechen.
Erste Ursache:
Im vergangenen Weltkrieg oder noch davor erblickte ich mich inmitten einer echten Erscheinung (vakia-i sadiqa)am Fuße des bekannten großen Berges im Araratgebirge. Plötzlich zerbarst der Berg mit gewaltigem Krachen und riesige Felsbrocken wurden überall umhergeschleudert. Inmitten dieses Entsetzens erblickte ich meine verstorbene Mutter an meiner Seite und sagte zu ihr: "Fürchte dich nicht, oh meine Mutter. Dies ist auf Befehl Gottes des Gerechten. Er ist sowohl barmherzig, als auch weise." Und während ich mich noch in diesem Zustand befand, schaute ich eine bedeutende Persönlichkeit, die mir gebot: "Erkläre den Qur'an! Groß
ist er und wunderbar."
Da erwachte ich und verstand: "Es wird sich ein großer Umsturz ereignen. Und nach diesem Umsturz wird eine Erneuerungsbewegung einsetzen und die Mauern zerbrechen, die den Qur'an bisher umgeben haben. Und unmittelbar darauf wird der Qur'an sich selbst verteidigen. Man wird den Qur'an angreifen. Sein Wunder wird wie ein stählerner Panzer sein; und dieses Wunder wird sich in jeder Zeit als über alles Maß hinaus erweisen und sich der Gestalt eines Mannes wie mich als Anwalt bedienen. Und ich verstand, dass ich dieser Kandidat sein sollte."
Da also nun einmal durch die "Sözler" bewirkt wurde, dass das Wunder, welches der Qur'an ist, klar zu Tage trat, bedeutet es sicherlich eine Hilfe, wenn wir die Gnadengaben aufzeigen, die sich bei unserem Dienst eingestellt haben und die diesem Wunder zugerechnet, gewissermaßen aus ihm hervorgegangen und als dessen Segen betrachtet werden können und die wir deshalb auch aufzeigen müssen.
Zweite Ursache:
Da also nun einmal der Weise Qur'an unser Lehrer (Murschid),unser Meister (Ustadh),unser Vorsteher (Imam)und unsere Richtschnur (Rehber)im untadeligen Benehmen ist und ein Hymnus, der seinen eigenen Lobpreis besingt, werden auch wir, seiner Belehrung folgend, seine Auslegung (tefsir)loben.
Da nun einmal die Worte (Sözler),welche niedergeschrieben wurden, eine Art seiner Auslegung sind und diese Abhandlungen das Eigentum und die Realität der Wahrheiten des Qur'an, und da nun einmal der Weise Qur'an in den meisten seiner Suren, besonders aber in den Chiffren wie "Elif-Lam-Ra" oder "Ha-Mim" sich selbst in seiner ganzen Vollkommenheit und Größe zeigt, über seine Vollkommenheit spricht und den Lobpreis, der ihm gebührt, sich selbst bereitet, sind auch wir dazu verpflichtet, die Gnadengaben (inayat)des Herrn aufzuzeigen, welche ein Zeichen setzen auf das Wunder der Funken
des Weisen Qur'an, die sich in den "Sözler" widerspiegeln und auch dafür, dass unser Dienst angenommen wurde. Denn unser Meister (Ustadh)tut so und unterrichtet so.
Dritte Ursache:
Ich spreche über die "Sözler" nicht in Bescheidenheit, sondern sage, um die Wahrheit klarzulegen: "Die Wahrheit und Vollkommenheit der "Sözler" stammt nicht von mir, sondern aus dem Qur'an, ist ein Tropfen aus dem Qur'an." Auch das "Zehnte Wort" besteht aus solchen Tropfen, die aus hunderten von Ayat aus dem Qur'an herausgefiltert worden sind. Das gleiche gilt auch für die übrigen Abhandlungen. Da ich dies also weiß und weil ich sterblich bin und dahingehen werde, darf man ganz gewiss nicht eine Sache und ein Werk, das bleiben wird, mit mir in Verbindung bringen. Es darf nicht an mich gebunden sein und werden. Und da es nun einmal eine Gewohnheit der Leute des Irrweges und der Übertretung ist, ein Werk, das ihnen nicht gelegen kommt, dadurch zu kritisieren, dass sie den Verfasser dieses Werkes kritisieren, sollte man die Abhandlungen, die an die Sterne über dem Himmel des Qur'an gebunden sind, gewiss nicht an einem so morschen Pfosten wie mir festmachen, der ich ein Anlass zu Widerspruch und Kritik bin und fallen kann. Da es nun einmal unter Menschen üblich ist, die Vorzüge eines Werkes in dem Verhalten seines Verfassers zu suchen, den sie als Ursprung und Quelle ansehen, und da es gegenüber der Wahrheit eine Unwahrheit wäre, wollte man dieser Gewohnheit entsprechend diese hohen Wahrheiten und kostbaren Juwelen einer Persönlichkeit zuschreiben, die dermaßen bankrott ist, dass sie davon noch nicht einmal ein Tausendstel vorzeigen kann, muss ich offenlegen, dass diese Abhandlungen nicht mein Eigentum sind, vielmehr ihre Vorzüge Tropfen aus dem Qur'an sind und Eigentum des Qur'an. Man kann doch die Ursache für die Qualität wohlschmeckender Weintrauben wirklich nicht in einem verdorrten Weinstock suchen! Und doch bin gerade auch ich so ein
vertrockneter Stab.
Vierte Ursache:
Manchmal führt Bescheidenheit zur Undankbarkeit für ein Geschenk, ist vielmehr selbst eine Undankbarkeit für das Geschenk. Manchmal artet auch die Verkündigung der Wohltaten Gottes (tahdis-i nimet)in Selbstgefälligkeit aus. Beides ist vom Übel. Der einzige Ausweg ist der, weder Undankbarkeit für ein Geschenk aufkommen zu lassen, noch selbstgefällig zu werden. Man muss also Qualität und Vollendung anerkennen, darf sie aber nicht sich selbst zuschreiben, sondern muss aufzeigen, dass sie Gnade und Werk dessen sind, der in Wahrheit der Geber aller guten Gaben ist. Zum Beispiel: Zöge dir jemand ein wunderhübsches Kleid an, das mit kostbaren Steinen geschmückt ist und auf das du mit Recht stolz sein darfst und in dem du auch sehr gut aussiehst und die Leute dir dann sagten: "Mascha-a'llah! Wie hübsch du aussiehst und wie wundervoll es dich kleidet!" und wenn du dann in deiner Bescheidenheit sagtest: "Gott bewahre!... Was bin ich schon? Nichts bin ich. Was ist das schon? Wo ist Schönheit?" dann ist das Undankbarkeit für das Geschenk und eine Beleidigung gegenüber dem begnadeten Künstler, der dich mit einem solchen Gewand bekleidet hatte. Sagst du aber in deinem Stolz: "Recht habt ihr. Ich bin wirklich schön. Wo gibt es eine, die so schön wäre wie ich. Zeigt mir doch eine, die mir gliche!..." so wäre dies eine überhebliche Selbstgefälligkeit.
Sich also vor dem Stolz und der Undankbarkeit zu bewahren, muss man antworten: "Ja, ich bin wirklich sehr schön geworden. Aber diese Schönheit steckt in dem Kleid und gebührt durch seine Vermittlung dem, der mich mit diesem Gewand bekleidet hat, nicht mir."
So möchte auch ich, würde meine Stimme dazu ausreichen, über den ganzen Erdball hinweg ausrufen: "Die Sözler sind wunderschön, sie sind die Wahrheit. Aber sie entstammen nicht mir. Blitzstrahlen sind es, die aus der Wahrheit des Ehrwürdigen Qur'an aufleuchten..."
وَمَامَدَحْتُ مُحَمَّدًا بِمَقَالَتِى ٭ وَلٰكِنْ مَدَحْتُ مَقَالَتِى بِمُحَمَّدٍ
{"Ich konnte mit meinem Artikel Mohammed keine Schönheit verleihen. Doch Mohammed hat meinem Artikel seine Schönheit verliehen."}
Dementsprechend sage auch ich:
وَمَامَدَحْتُ الْقُرْاٰنَ بِكَلِمَاتِى ٭ وَلٰكِنْ مَدَحْتُ كَلِمَاتِى بِالْقُرْاٰنِ
{"Ich konnte mit meinen Worten dem Qur'an keine Schönheit verleihen. Doch der Qur'an hat meinen Worten seine Schönheit verliehen."}
Das heißt: "Ich konnte dem Wunder der Wahrheit des Qur'an keine Schönheit mehr hinzufügen, seine Schönheit nicht aufzeigen. Vielmehr haben die schönen Wahrheiten des Qur'an meine Auslegungen verschönt und erhöht." Auf Grund dieser Tatsache ist die Schönheit der Reflexionen, die "Sözler" genannt werden, eine Schönheit im Namen des Qur'an und diese Gnadengabe Gottes (inayat),welche aus dieser Spiegelung erhellt, darzustellen, ist ein Lobpreis der göttlichen Gnadengaben (nimet),der auch angenommen wird.
Fünfte Ursache:
Vor langem habe ich einmal von einem Gottesfreund gehört, dass dieser auf Grund von Voraussagen der Heiligen aus alter Zeit die Schlussfolgerung gezogen habe und zu der Überzeugung gelangt sei: "Aus dem Osten wird ein Licht aufstrahlen und die Finsternis der verderblichen Neuerungen zerstören." Ich habe sehr darauf gewartet, dass ein solches Licht kommen werde und warte noch darauf. Aber Blumen kommen im Frühling. Für solche heiligen Blumen den Boden zu bereiten, ist notwendig. Und wir haben verstanden, dass wir mit diesem unseren Dienst den Boden für solche erleuchteten Persönlichkeiten bereiten. Da dies aber nun nicht unsere Angelegenheit ist, kann auch die Verkündigung der "Sözler"genannten, dem Bereich der göttlichen Gnade (inayat)zugehörigen Lichter keine Quelle des Stolzes oder der Selbstgefälligkeit sein. Man kann vielmehr darin nur eine Quelle der Lobpreisung und des Dankes erblicken.
Sechste Ursache:
Aus der Gnade (inayat),welche Gott uns in der Abfassung der "Sözler" als unserem Dienst am Qur'an erwiesen hat, um uns im voraus zu belohnen und um unseren Eifer weiter anzufachen, resultiert unser Erfolg. Wo aber ein Erfolg ist, kann man ihn auch vorweisen. Handelt es sich aber nicht um einen Erfolg, so ist es doch wenigstens ein Geschenk (ikram),mit dem Gott uns beehrt hat. Handelt es sich aber um ein göttliches Geschenk (ikram-i ilahi),so ist, es zu zeigen, eine innere Dankespflicht (shukur manevi).Handelt es sich aber auch darum nicht, so ist es doch wenigstens ein Wunder des Qur'an (keramet-i qur'an),mit dem wir willentlich (ihtiyar)gar nichts zu tun haben. Es hat sich nur an uns gezeigt. Eine solche Art Wunder, das sich ohne unser Wissen und Wollen ereignet hat, vorzuweisen, schadet aber nicht. Sollte es aber mehr sein, als ein ganz gewöhnliches Wunder (keramet),dann ist es wenigstens eine Flamme eines geistigen Wunders ('idjaz)des Qur'an. Wo man aber ein Wunder ('idjaz)vorweisen kann, da gehört es sicherlich zu diesem Wunder hinzu, bei dessen Bekanntmachung mitzuwirken. Darin liegt keineswegs eine Quelle des Stolzes und der Selbstgefälligkeit, es wird vielmehr zu einer Quelle des Lobpreises und der Danksagung.
Siebente Ursache:
Achtzig Prozent der Menschheit gehört nicht zu den Quellenforschern (ehl-i tahqiq),sodass sie in die Wahrheit eindringen und Wahrheit auch als Wahrheit erkennen und anerkennen könnte. Vielmehr nehmen sie der Form nach an und stützen sich in ehrlicher Überzeugung auf das, was sie von anerkannten und vertrauenswürdigen Menschen gehört haben. Ja, sie werden sogar eine starke Wahrheit als schwach ansehen, wenn sie sich in der Hand eines schwachen Mannes befindet und eine wertlose Sache als wertvoll betrachten, wenn sie sich in der Hand eines wertvollen Menschen befindet. Deshalb also sage ich, so unwert und schwach ich in meiner Armseligkeit bin, während sich in meinen Händen
die Wahrheiten des Glaubens und der Wert des Qur'an befindet und weil es notwendig ist, dass sie nicht den Blicken der meisten Menschen entschwinden, mit aller Klarheit: Wir werden ohne unser Wissen und ohne unser Zutun zum Dienst geführt. Es gibt da Einen, der uns eine wichtige Arbeit tun lässt, ohne dass wir es wissen. Dies ist unser Zeugnis: Auch wenn wir uns dessen nicht bewusst sind, so erhalten wir doch ganz ohne unser Zutun manche Hilfe (inayat)und wird uns vieles leicht gemacht. Das ist es, weshalb wir diese Gnadengaben mit lauter Stimme ausrufen müssen.
So wollen wir nun - gestützt auf die oben dargestellten sieben Ursachen - einige Hinweise auf einige universelle Gnadengaben des Herrn geben.
Erster Hinweis:
Im Ersten Punkt der Achten Problemstellung zum Achtundzwanzigsten Brief haben wir erklärt, was Übereinstimmung (tevafuqat)ist. Kurz gesagt: In dem "Brief über die Wunder Mohammeds" finden sich in dem Text eines Schreibers zwischen dem dritten und dem achten Hinweis auf sechzig Seiten, zwei Seiten davon ausgenommen, ohne dass wir etwas davon wussten oder ahnten in vollkommener Ausgewogenheit die Worte "Resul-u Ekrem Aleyhissalatu Vesselam" mehr als zweihundert Mal in Entsprechung zueinander. Wer zwei dieser Seiten aufmerksam betrachtet, wird gerechterweise zugeben, dass dies kein Zufall sein kann. Wäre es aber Zufall, könnte dieser bestenfalls halb und halb auf einer Seite auftreten, wenn die Beispielwörter mehrheitlich vorhanden sind, sodass vielleicht auf ein, zwei Seiten eine völlige Entsprechung zu Stande käme. Wenn aber die Worte "Resul-u Ekrem Aleyhissalatu Vesselam" einander anschauen, sei es zwei Mal, drei Mal, vier Mal oder noch öfter, wie mit der Exaktheit einer Waage gemessen, dann ist es gewiss unmöglich, dass dies noch Zufall sein könnte. Wenn noch dazu diese Entsprechungen auch von acht ganz verschiedenen Schreibern nicht beeinträchtigt werden konnte, dann ist dies ein starker Hinweis
auf das Verborgene (isharet-i gaybiyye).So kennen wir die "Ehl-i Belagat"(= Menschen, die zur rechten Zeit das rechte Wort finden). Die Prägnanz ihres Ausdrucks (Belagat)findet sich in ihren Büchern in verschiedenen Abstufungen ausgeprägt. In dem Weisen Qur'an steigert sich die "Belagat" noch bis zur Stufe eines Wunders (i'djaz).Dort finden wir jene Schranke, die niemand mehr zu erreichen vermag. Ebenso finden wir diese Entsprechungen im Neunzehnten Brief, der ein Spiegel der Wunder Mohammeds ist, im Fünfundzwanzigsten Wort, das der Dolmetscher für die Wunder (Mu'djizat)des Qur'an ist, und in den Bänden der Risale-i Nur, die eine Art Auslegung (tefsir)des Qur'an darstellen in einem über alle anderen Bücher erstaunlichen Grade. Daraus aber erhellt Folgendes: was in diesen Spiegeln deutlich sichtbar reflektiert wird, ist eine Art Wunder (keramet)der Wunder (Mu'djizat)des Qur'an und der Wunder (Mu'djizat)Mohammeds.
Zweiter Hinweis:
Die zweite Gnadengabe des Herrn (inayet-i rabbani),die den Dienst am Qur'an betrifft, ist folgende: Gott der Gerechte hat einem Manne wie mir, der ich doch kaum mit der Feder umzugehen verstehe und nie eine Schule besucht habe, an diesen Ort der Fremde, wo ich niemanden habe und mir selbst der Briefwechsel untersagt wurde, in Seiner Güte (ihsan)starke, ernsthafte, aufrichtige, fleißige, ideal gesonnene Brüder als Helfer gesandt, die ihre Federn einem diamantenen Schwerte gleich zu gebrauchen wissen. Er hat den Dienst am Qur'an, der so schwer auf meinen, zu dieser Aufgabe untauglichen, schwachen Schultern lastete, deren starken Schultern aufgeladen und in Seiner vollkommenen Güte (kerim)meine Bürde leicht gemacht. Diese gesegnete Gemeinschaft aber, die einem Kopfhörer in der drahtlosen Telegraphie vergleichbar ist, wie Hulusi sagt, oder auch einem Stromkraftwerk, wie Sabri es nennt, deren Glieder alle unterschiedliche Vorzüge und verschiedene Besonderheiten haben und die tiefen Wahrheiten des Qur'an und
die Lichter des Glaubens um sich mit der Lust und Liebe, mit dem Eifer und Ernst, in dem sie einander gleichen, verbreiten und dabei jeden Winkel erreichen, die, zu einer Zeit, da das Alphabet bereits geändert worden war und es (für die alte Schriftform) keine Druckereien mehr gab, einer Zeit, in der jedoch jeder der Lichter des Glaubens bedurfte, es statt dessen aber viele Gründe dafür gab, die ihren Mut hätte brechen und die Lust hätte nehmen können, ist dieser große Eifer und ihre vollendete Begeisterung (kemal-i shauk)für die Dienste (hizmet)ganz unmittelbar ein Wunder (keramet)des Qur'an und eine offensichtliche Gnade Gottes (inayet).
So wie es in der Tat das Wunder der Freundschaft mit Gott (velayetin kerameti)gibt, so gibt es auch das Wunder einer reinen Absicht (niyet-i halisenin kerameti)und das Wunder der Aufrichtigkeit (samimiyetin kerameti= arbeiten ohne Hinter- oder Nebengedanken)... Besonders im Kreise von Brüdern innerhalb einer Bruderschaft (uhuvvet)um Gottes willen kann es wahre Wunder einer echten und aufrichtigen gegenseitigen Hilfeleistung geben. Die geistige Körperschaft einer solchen Gemeinschaft kann sogar die Gestalt einer reifen Freundschaft (veliyy-i kamil)annehmen und die Gnade Gottes (inayet)offenbaren.
Nun also meine Brüder und ihr, meine Weggefährten im Dienst am Qur'an! Es wäre doch ein Unrecht, einem Feldwebel nach der Eroberung einer Burg die ganze Ehre und die ganze Beute zu geben; und genauso wie das ein Fehler wäre, so dürft auch ihr die Gnaden, die ihr mit dieser Herausgabe und Veröffentlichung kraft eurer geistigen Körperschaft (shas-i manevi)und mit euren Federn erlangt habt, nicht einem so Hilflosen wie mir verleihen!... Sicherlich gibt es in einer so gesegneten Gemeinschaft noch stärkere Zeichen des Verborgenen (isharet-i gaybiyye)als derartige geheimnisvolle Entsprechungen (tevafukat-i gaybiyye)und ich kann sie auch erkennen; aber ich kann sie nicht allen und jedem zeigen.
Dritter Hinweis:
Es ist ein sehr starkes Zeichen des Verborgenen (isharet-i gaybiyye)und ein Geschenk der göttlichen Gnade, dass alle bedeutenden Wahrheiten des Glaubens und des Qur'an in den einzelnen Kapiteln der Risale-i Nur auch noch für den unbelehrbarsten glänzend bewiesen werden. Denn unter den Wahrheiten des Glaubens (iman)und des Qur'an gibt es solche, angesichts derer selbst Ibn-i Sina (Avicenna), den man als einen der genialsten und bedeutendsten Geister ansieht, sein Unvermögen eingesteht, sie verstehen zu können, wenn er bekennt: "Für den Verstand führt kein Weg dorthin." In der als "Zehntes Wort" bezeichneten Abhandlung werden diese Wahrheiten, welche diesem genialen Geist unzugänglich geblieben waren, selbst dem einfachen Volk und den Kindern erklärt.
Dafür zwei Beispiele:
Wenn ein so gewaltiger Gelehrter wie Sad Teftazani zur Lösung des Problems um das (göttliche) Vorauswissen (Qader)und dieses Stückchen (menschlicher) Willensfreiheit (djuz-i ihtiyari)in seinem berühmten "Der zwölfte Schritt" genannten Kapitel aus dem Buch "Telvih"(= Die verborgenen Andeutungen) vierzig, fünfzig Seiten nur für diese Lösung benötigt und das nur für die Gebildeten, dann aber im Zweiten Kapitel des Sechsundzwanzigsten Wortes, dem Kapitel über das göttliche Vorauswissen (Qader),schon zwei Seiten genügen, um das gleiche Problem vollständig zu lösen und für jedermann verständlich zu erklären und dies dann kein Werk der göttlichen Gnade ist, was ist es dann?
So wurde auch dieses über alles Verstehen hinaus wundersame Geheimnis der Schöpfung der Welt, das bisher noch keines Philosophen Hand zu entschleiern vermochte, dieser verborgene Sinn des Kosmos, dieses, die Wunder des hochehrwürdigen Qur'an enthüllende, alle Probleme lösende Koan, dieses Staunen erweckende Rätsel wurde in dem letzten symbolträchtigen Punkt des Neunundzwanzigsten Wortes, im Vierundzwanzigsten Brief und in der sechsteiligen Weisheit des Dreißigsten
Wortes über die Erneuerung der Zellen (d.h. über das Fließgleichgewicht) enthüllt.
Das Staunen erregende, tiefe, verborgene Geheimnis der Bewegung des Kosmos, das Rätsel von der Erschaffung des Kosmos und seinem Apex (akibet),die Weisheit, die sich hinter dem Geheimnis des Fließgleichgewichts verbirgt, wurde in ihnen enthüllt und erklärt und für jedermann sichtbar vor Augen gestellt.
Und so wie im Sechzehnten und Zweiunddreißigsten Wort mit vollkommener Klarheit die staunenswürdigen Wahrheiten vom Geheimnis sowohl der Ahadiyet(= Gott ist unteilbar eins und allgegenwärtig) in der Verbindung mit der Vahdet(es gibt keinen Herrn, keinen König, keinen Gott außer Allah) Seiner Herrschaft ohne Teilhaberschaft (shirk)einerseits erklärt wurde, als auch, dass Gott uns unendlich nahe ist, wo wir doch so unendlich weit von Ihm entfernt sind, so wurde auch im Zwanzigsten Brief mit vollkommener Klarheit aufgezeigt, dass für die Macht Gottes Atome und Planeten gleich sind, dass für Ihn die Wiederbelebung alles Beseelten bei der Gewaltigen Versammlung ebenso leicht ist, wie eine einzige Seele wiederzubeleben und dass eine Teilhaberschaft bei der Erschaffung des Alls unserem Verstande bis zur Unmöglichkeit fremd ist und dieses gewaltige Geheimnis der Einheit (Vahdet)in dem Abschnitt und seinem Anhang, der drei Beispiele enthält, aufgedeckt, wo das Wort: وَهُوَ عَلٰى كُلِّ شَىْءٍ قَدِيرٌ {"Er hat Macht über alle Dinge"} erklärt wird.
Da die Wahrheiten des Glaubens und des Qur'an so umfangreich sind, dass auch nicht der größte menschliche Geist sie zu umfassen vermag, ist es ein Werk, das als ein Wunder unmittelbar aus dem Geiste des Qur'an (Qur'an-i Hakiem'in 'idjaz-i manevi)hervorgeht, eine Erscheinung der Gnade des Herrn (inayet-i Rabbani)und
ein starkes Zeichen aus dem Verborgenen, wenn sich in einem Mann wie mir, dessen Geist mit so vielen Problemen überlastet ist, dessen Situation so ungeklärt ist, der seine Bücher dermaßen schnell und unter so bedrückenden Umständen schreibt, ohne dabei ein Nachschlagewerk zu besitzen, wenn sich in einem solchen Manne diese Wahrheiten in allen Einzelheiten mit so überwältigender Vollkommenheit offenbaren.
Vierter Hinweis:
Da die fünfzig, sechzig Abhandlungen {(*): Nun sind es 130 Abhandlungen} ein Geschenk der Güte (ihsan)Gottes sind, in der Art, dass sie nicht von mir, einem Mann, der von so vielen Umständen abhängig ist und so wenig Zeit findet, noch einmal gründlich über alles nachzudenken und zu korrigieren, noch von einem Team großer und genialer Forscher, die sie mit Anstrengung und Einsatzfreudigkeit zu Stande gebracht hätte, in dieser Art abgefasst worden wäre, zeigt, dass sie unmittelbar ein Werk der Gnade Gottes sind. Denn in allen diesen Abhandlungen werden alle diese tiefen Wahrheiten durch Beispiele vermittelt und so auch denen, die bislang noch nicht sehen und verstehen konnten, Unterricht erteilt. Hatten doch bis dahin die meisten großen Gelehrten gesagt, dass sie diese selbst nicht mit dem Verstande erfassen und auch weder dem einfachen Volk noch den Gebildeten lehren konnten.
Da solche Wahrheiten, die bisher noch zu hoch waren, nunmehr den Menschen so nahe gebracht werden können, dass ihre Unterrichtung auch noch einem Blinden unter die Haut geht, von Hand eines Mannes, der so wie ich, kaum des Türkischen mächtig ist, dem die Worte nur schwer über die Zunge kommen, sodass die meisten ihn gar nicht verstehen und dessen frühere Werke seinen traurigen Ruhm bestätigt haben, eine offensichtliche Wahrheit so darzustellen, dass sie nur noch mühsam verständlich ist, mit einer geradezu wunderbaren Einfachheit und Leichtigkeit erklärt werden, so ist dies ohne Zweifel ein Werk der Gnade Gottes und kein Produkt seiner Begabung, ein Wunder (i'djaz),das aus dem Geiste des Edlen
Qur'an aufstrahlt, eine Manifestation und eine Reflexion über die Gleichnisse des Qur'an.
Fünfter Hinweis:
So wie die Risalat, obwohl sie in ihrer Gesamtheit weit verbreitet sind und alle Schichten und Gruppen von Leuten, vom größten Gelehrten bis hin zum einfachsten, ungebildeten Menschen und von den großen Heiligen unter den Sufis (ehl-i kalb)angefangen bis hin zu den verbohrtesten Ungläubigen unter den Philosophen die Risalat gesehen und gelesen haben und manche von ihnen deshalb eine Strafe erhalten haben, dennoch nicht kritisiert werden, vielmehr eine jede Gruppe ihrer Stufe entsprechend ihren Nutzen aus ihnen zieht, was unmittelbar ein Werk der Gnade des Herrn (inayat-i Rabbani)und ein Wunder des Qur'an (keramet-i Qur'an)ist, so wurden auch alle diese verschiedenen Risalat, die doch nur nach sehr gründlichen Untersuchungen und Studien hätten zu Stande kommen können, trotz dieser belastenden, bedrückenden und beengenden Umstände, da ich doch Mühe hatte, meine Gedanken und meine Eindrücke zu ordnen, in dieser so außerordentlichen Geschwindigkeit geschrieben, was wiederum ein Werk der Gnade Gottes und ein Geschenk des Herrn (inayet ve ikram-i Rabbani)ist.
In der Tat wissen die meisten meiner Brüder und alle die Gefährten, die bei mir sind und die Schreiber, dass die fünf Abschnitte des Neunzehnten Briefes in nur wenigen Tagen geschrieben wurde, wobei wir an jedem Tag nur zwei, drei Stunden, also insgesamt etwa zwölf Stunden gearbeitet haben, ohne dass wir dabei in irgendeinem Buch hätten nachschlagen können. Ja, der vierte Absatz, welcher der wichtigste davon ist, der Absatz, indem der Ausdruck "Resul-u Ekrem Aleyhissalatu Vesselam" ganz offensichtlich das Siegel des Propheten zeigt, wurde in drei, vier Stunden auswendig, auf einem Berge im Regen niedergeschrieben. Auch eine so bedeutende und feinsinnige Risala wie das Dreißigste Wort, wurde in sechs Stunden in einem Weinberg geschrieben; und so wie das Achtundzwanzigste Wort in einer, höchstens in zwei Stunden in Suleymans Garten niedergeschrieben
wurde, so geschah es auch mit den meisten Risalat. Dabei wissen meine engsten Freunde, dass ich schon seit langem unter bedrückenden und beengenden Umständen noch nicht einmal ganz offensichtliche Wahrheiten klar zum Ausdruck bringen konnte, ja noch nicht einmal um sie wusste. Kam dann unter diesen bedrückenden Umständen noch eine Krankheit hinzu, die mich noch mehr daran hinderte, Unterricht zu erteilen und etwas zu verfassen, so wurden dennoch die wichtigsten "Sözler" und Abhandlungen auch in Zeiten äußerster Bedrängnis und Krankheit in einer ungewöhnlich raschen Art niedergeschrieben. Wenn das nicht unmittelbar göttliche Gnade (inayet-i illahi),ein Geschenk des Herrn (ikram-i Rabbani)und ein Wunder (keramet)des Qur'an ist, was sollte es denn dann sein?
Nun aber schadet ein Teil der Fragestellungen einem Teil der Menschen, ganz gleich, um welches Buch es sich dabei handeln mag (wenn darin die göttlichen Wahrheiten und Glaubenswahrheiten behandelt werden), in jedem Fall... Weil es ihnen aber schadet, wird nicht jede Fragestellung jedermann zugänglich gemacht. Was aber die Risalat betrifft, so haben sie bisher - wen auch immer ich gefragt habe - bei niemandem eine gegenteilige Wirkung ausgelöst, schlimme Folgen gezeigt, eine Beunruhigung des Gemüts bewirkt, oder sonst irgendeinen Schaden angerichtet, weshalb es für uns absolut sicher ist, dass es sich hier um ein Zeichen aus dem Verborgenen (isharet-i gaybiyye)handelt und um eine Gnade des Herrn (inayet-i Rabbani).
Sechster Hinweis:
Ich bin heute davon überzeugt, dass es mir bestimmt war, den größten Teil meines Lebens in der Weise zu verbringen, dass er nicht von mir selbst, von meinem Wissen, Wollen und Bewusstsein bestimmt wurde und ihm ein solch seltsamer Verlauf gegeben wurde, dass er solche Art Abhandlungen zum Ergebnis brachte, wie sie dem Dienst am Qur'an dienlich sein sollten. Es ist, als wäre mein ganzes wissenschaftliches Leben nur ein Grundkursus oder eine Vorbereitungsstufe gewesen und als sollte sein Ergebnis darin bestehen, in
den "Sözler" die Wunder ('idjaz)des Qur'an aufzuzeigen. Ja ich zweifle keineswegs daran, dass ich in diese meine Lage: diese Verbannung und das Leben in der Fremde seit sieben Jahren, diese Isolation ohne Grund und gegen meinen Wunsch, mein Leben im Gegensatz zu meiner Natur ganz allein in einem Dorf zu verbringen, um am Ende gar alle Bindungen an das gesellschaftliche Leben, an das ich mich seit langem gewöhnt hatte, zu verabscheuen und alle bisherigen Grundsätze aufzugeben, nur deshalb versetzt wurde, um mich in reiner und aufrichtiger Weise einzig und allein dem Dienst am Qur'an zu widmen. Ja, ich bin der Überzeugung, dass sich hinter dem Schleier der Unterdrückung, hinter all diesen Schikanen und dem Unrecht, das man mir angetan hat, eine gnädige Hand verbirgt, die mich in ihrer Barmherzigkeit dazu veranlassen will, meine Gedanken auf die Geheimnisse des Qur'an zu konzentrieren, ohne meine Blicke von ihnen abzuwenden. Ja, obwohl ich früher aufs Lesen geradezu versessen war, wurde meiner Seele eingegeben, mich des Lesens aller anderen Bücher zu enthalten und es ganz und gar zu vermeiden. So verstand ich, dass es mir bestimmt war, den vertrauten Umgang mit den Büchern aufzugeben, der mir doch sonst eine Quelle des Trostes hier in dieser Fremde hätte sein können, damit mir einzig und allein die Ayat des Qur'an ein vollkommener Lehrer (Ustadh)sein sollten.
Zudem wurden mir die Werke, die Risalat, welche niedergeschrieben wurden - die überwältigende Mehrheit von ihnen - ohne dass irgendeine Ursache von außen hinzugetreten wäre, rein auf Grund eines Bedürfnisses, das aus meiner Seele erwuchs, plötzlich und unvermittelt von der Güte Gottes (ihsan)zum Geschenk gegeben. Wenn ich sie dann einigen meiner Freunde zeigte, sagten sie zu mir: "Sie sind ein Heilmittel für die Wunden unserer Zeit." So wurde mir nach ihrer Verbreitung klar, dass sie in dieser Zeit für die meisten meiner Brüder das Heilmittel sind, das ihren Bedürfnissen am besten entspricht
und die Medizin, die in ihren Schmerzen vollkommen für sie geeignet ist.
So blieb in mir gar kein Zweifel mehr daran zurück, dass die oben erwähnten Umstände und der Verlauf meines Lebens - ohne es zu wissen noch zu wollen - die verschiedenen Zweige der Wissenschaft, die ich ganz außer der Reihe und ohne eine feste Absicht studiert habe, ein solch geheiligtes Ergebnis herbeigeführt haben, dass es zu einem starken Geschenk der göttlichen Gnade wurde und einer Gabe des Herrn (ikram-i Rabbani).
Siebenter Hinweis:
Während unseres Dienstes (hizmet),also im Verlaufe von etwa fünf, sechs Jahren, haben wir ohne zu übertreiben hundert Werke mit eigenen Augen gesehen, die ein Geschenk Gottes (ikram-i ilahi),eine Gnade des Herrn (inayet-i Rabbani)und ein Wunder des Qur'an (keramet-i Qur'an)sind. Auf einen Teil davon haben wir im Sechzehnten Brief hingewiesen, einen anderen in den verschiedenen Problemstellungen des Vierten Kapitels des Sechsundzwanzigsten Briefes, einen anderen in der Dritten Problemstellung des Achtundzwanzigsten Briefes erörtert. Meine nächsten Freunde wissen davon. Suleyman Efendi, mein engster Freund und Vertrauter, kennt viele davon. Besonders bei der Abfassung der "Worte" und "Abhandlungen", bei ihrer Korrektur, Zusammenstellung, der Niederschrift und der Reinschrift erlebten wir, wie sich ganz unerwartet alles mit geradezu wunderbarer Leichtigkeit ergab. Wir haben gar keinen Zweifel daran, dass es sich dabei um ein Wunder des Qur'an gehandelt hat. Dafür gibt es hunderte von Beispielen.
Auch was unseren Lebensunterhalt betrifft, werden wir mit so viel Liebe (shefqat)ernährt und versorgt, weil der Herr der Gnade, der unsere Arbeiten lenkt und leitet, uns in unerwarteter Weise mit seiner Güte beschenkt, um uns auch noch den geringsten Wunsch unseres Herzens zu erfüllen. Usw.... Alle diese Umstände sind ein so starkes Zeichen aus dem Verborgenen (isharet-i gaybiyye),dass wir geleitet und geführt sind nach Seinem Wohlgefallen (riza),
und Seine Gnade (inayet)ist es, in der der Dienst am Qur'an (hizmet-i Qur'aniye)von uns erfüllt wird.
اَلْحَمْدُ لِلّٰهِ هٰذَا مِنْ فَضْلِ رَبِّى ٭ سُبْحَانَكَ لاَعِلْمَ لَنَآ اِلاَّ مَاعَلَّمْتَنَآ اِنَّكَ اَنْتَ الْعَلِيمُ الْحَكِيمُ ٭ اَللّٰهُمَّ صَلِّ عَلٰى سَيِّدِنَا مُحَمَّدٍ صَلٰوةً تَكُونُ لَكَ رِضَآءً وَلِحَقِّهِ اَدَآءً وَعَلٰٓى اٰلِهِ وَصَحْبِهِ وَسَلِّمْ تَسْلِيمًا كَثِيرًا ٭ اٰمِينَ
{"Lob und Preis sei Allah! Dies kommt durch den Segen meines Herrn." "Gepriesen seist Du! Wir haben kein Wissen, außer dem, das Du uns gelehrt hast. Denn Du bist der Allwissende, der Allweise." (Sure 2, 32) "O Gott, segne unseren Herrn Mohammed, mit dem Segen, der Dir wohlgefällig sein und sich in Wahrheit an ihm erfüllen möge, an ihm und seiner Familie und seinen Gefährten, und schenke ihnen Deinen Frieden in Fülle und Sicherheit. Amen."}
* * *
Antwort auf eine vertrauliche Frage
Dieses Geheimnis der Gnade wurde ehedem als Geheimsache aufgezeichnet. Sie wurde am Ende des Zehnten Wortes angefügt. Doch die meisten Schreiber haben sie, aus welchen Gründen auch immer, abzuschreiben vergessen. Hier wäre eigentlich der rechte und geeignete Platz dafür gewesen. Der Artikel blieb aber den Schreibern verborgen.
Man hat mir folgende Frage gestellt:
"Warum geht von den "Worten", die du über den Qur'an geschrieben hast, eine solche Kraft, ein solcher Einfluss aus, wie sie sich in den Worten anderer Theologen (arif)und Kommentatoren (mufessir)nur selten findet. Manchmal geht von einer Zeile so viel Kraft aus wie von einer ganzen Seite, von einer Seite so viel Einfluss wie von einem ganzen Buch..."
Anwort:
Weil die Ehre dem Wunder des Qur'an gebührt und nicht mir zukommt, antworte ich ohne zu zögern: "Bei den meisten Abschnitten ist das so."
Denn: Die "Sözler", so wie sie niedergeschrieben wurden, basieren nicht auf einer Theorie (tasavvur),sondern auf einer Überzeugung (tasdiq);nicht auf einer (blinden) Anhängerschaft (teslim),sondern auf einem Glauben (iman);nicht auf wissenschaftlicher Erkenntnis (marifet),sondern auf eigenen Zeugnissen (shehadet, shuhud);nicht auf blinder Gefolgschaft (taqlid),sondern auf Überprüfung (tahqiq);nicht auf Parteilichkeit (iltizam),sondern auf Anteilnahme (aus Überzeugung = iz'an);nicht auf mystischer Schau (tasavvuf),sondern auf der Wahrnehmung der Realitäten (haqiqat);sie sind keine Lehre (da'wa),sondern das Zeugnis (burhan)für eine Lehre (da'wa).
Das Geheimnis dieser Weisheit ist Folgendes:
In alter Zeit wurden die Glaubensgrundsätze noch gehütet und ihre Gefolgschaft war stark. Die Aussagen der Wissenschaftler und ihre Erkenntnisse, mochten sie nun auch im Einzelnen unbewiesen bleiben, wurden angenommen und das genügte. Aber in dieser unserer Zeit, da die Irrlehre der Naturwissenschaften ihre Hand nach den Glaubensgrundsätzen und den Pfeilern des Islam ausgestreckt, hat der barmherzige König (Hakîm-i Rahiem)und Herr in Seiner Majestät (Dhat-i Dhu l-Djelal),der ein Heilmittel für jede Krankheit geschenkt hat, meinen Schriften im Dienste des Qur'an einen Strahl von Gleichnissen als das offensichtlich glänzendste Wunder des Ehrwürdigen Qur'an geschenkt, mir in meiner Hilflosigkeit und Schwäche, Armut und Bedürftigkeit eine Barmherzigkeit zu sein. Aber Dank sei Gott (felillahilhamd),mit Hilfe des Fernglases der tiefen Weisheit, die in den Gleichnissen liegt, wurden die höchsten Wahrheiten ganz nahe gebracht. Ja, unter dem vereinigenden Gesichtspunkt dieser tiefen Weisheit, die in den Gleichnissen liegt, werden auch noch die fernliegendsten Dinge gesammelt. Ja, mit Hilfe der Leiter dieser tiefen Weisheit, die in den Gleichnissen liegt, kann man auch noch die höchsten Wahrheiten ganz leicht erreichen. Ja, durch das Fenster dieser tiefen Weisheit, durch das man die verborgenen Wahrheiten betrachtet, werden die Glaubensgrundsätze des
Islam zu einer Glaubensgewissheit (yaqien-i iman),fester als Zeugnisse (shuhud).Gleich wie sich mein Verstand (aqil),meine Phantasie (vehim),meine Vorstellungskraft (hayal)und meine Seele (nefs)mit all ihren Neigungen (heva)ergeben mussten (teslim),so musste auch der Teufel die Waffen strecken und sich gleichfalls ergeben (teslim).
Kurz gesagt:
Was immer an Schönheit und Wirksamkeit von meinen Schriften ausgeht, ist nur ein Blitzstrahl, der von den Beispielen zum Qur'an ausgeht. Mein Anteil daran ist einzig mein Verlangen im Bewusstsein meiner großen Bedürftigkeit und mein flehentliches Gebet im Bewusstsein meiner tiefen Hilflosigkeit. Ich habe die Krankheit (derd)und der Qur'an hat das Heilmittel.
* * *
Anhang zur Siebenten Problemstellung
dient, die Zweifel zu beseitigen, die auftauchen oder auftauchen könnten, daran, dass die acht göttlichen Gnadengaben sichtbar gewordene Zeichen aus dem Verborgenen (isharat-i gaybiyye)sind, und der Verkündigung der tiefen Weisheit dieser gewaltigen Gnadengabe. Dieser Anhang enthält vier Punkte:
Erster Punkt:
In der Siebenten Problemstellung des Achtundzwanzigsten Briefes hatten wir die Behauptung aufgestellt, dass wir unter dem Titel "Achte Gnadengabe" und "Entsprechungen" ein Schmuckstück gesehen haben, das die Offenbarung eines Zeichens ist, welches wir als die sieben, acht umfassenden, innerlichen Gnadengaben Gottes und einen Hinweis aus dem Verborgenen wahrgenommen haben.
Und wir behaupten ferner, dass diese sieben, acht umfassenden Gnadengaben so stark und so überzeugend sind, dass jede einzelne bereits für sich allein Beweis eines Zeichens aus dem Verborgenen ist. - Nehmen wir einmal den unmöglichen Fall an, dass einer dieser Beweise als schwach angesehen oder gar zurückgewiesen werden müsste, so würde doch
die Sicherheit dieser Zeichen aus dem Verborgenen nicht davon beeinträchtigt werden. Lassen sich aber diese acht Gnadengaben nicht leugnen, so kann man auch die Zeichen nicht abstreiten. Weil aber die Menschen verschieden sind, die meisten von ihnen aber der Schicht der einfachen, ungebildeten Leute angehören, die mehr noch dem Augenschein vertrauen, die Entsprechungen unter den acht Gnadengaben aber zwar nicht die stärksten, wohl aber die offensichtlichsten Beweise liefern - und in der Tat sind die übrigen zwar stärker, doch die Entsprechungen allgemeingültiger - sehe ich mich, um auftretende Zweifel auszuräumen, dazu gezwungen, mit einem Vergleich eine Tatsache klar herauszustellen. Es ist dies Folgendes:
Wir hatten über diese offensichtliche Gnadengabe gesagt: In den Abhandlungen, die wir geschrieben haben, werden bei den Worten "Qur'an" und "Resul-u Ekrem Aleyhissalatu Vesselam" Entsprechungen in einem solchen Maße sichtbar, dass kein Zweifel an ihnen mehr zurückbleibt. Derart, wie sie angeordnet wurden und der Figur, die sie bilden, liegt eine Absicht zu Grunde. Beweis dafür, dass Wille und Absicht dazu nicht bei uns lagen, ist, dass wir es erst drei, vier Jahre später bemerkt haben. Ist dies aber so, dann kommen Wille und Absicht aus dem Verborgenen und sind ein Werk der Gnade. Den beiden Worten wurde die Form einer Entsprechung (tevafuq)gegeben, einzig dem Wunder des Qur'an und dem Wunder Mohammeds (ASM) in Form einer Verstärkung zu dienen. Der Segen, welcher auf diesen beiden Worten ruht und dem Wunder des Qur'an und dem Wunder Mohammeds (ASM) das Siegel der Bestätigung aufprägt, offenbart sich auch an anderen ähnlichen Wörtern, deren überwältigende Mehrheit eine Entsprechung (tevafuq)zeigt. Doch findet man dies nur auf einzelnen Seiten. Bei diesen zwei Wörtern zeigt es sich jedoch in ein, zwei Abhandlungen durchgehend und bei den übrigen Abhandlungen mehrheitlich. Doch haben wir immer wieder darauf hingewiesen, dass
derartige Entsprechungen (tevafuq)sich häufig auch in anderen Büchern ansatzweise finden können, doch nicht in diesem seltsamen Ausmaß, das eine Absicht (qasd)und einen erhabenen Willen (irade)aufweist. Obwohl es nun unmöglich ist, unsere Behauptung zu widerlegen, könnte es doch aus zwei Gesichtspunkten möglich sein, sie oberflächlich betrachtet als widerlegt anzusehen.
Erstens:
Jemand könnte sagen: "Ihr habt auch eine solche Übereinstimmung ausgedacht und sie herbeigeführt. Wollte man so etwas absichtlich tun, wäre dies einfach und leicht." Wir setzen dagegen: In einem Streitfall genügen zwei zuverlässige Zeugen. Doch dafür, dass wir in unserem Falle nicht mit Wunsch und Wille beteiligt gewesen sind, vielmehr die Sache erst drei, vier Jahre später bemerkt haben, ließen sich hundert zuverlässige Zeugen finden. In diesem Zusammenhang möchte ich noch einen Punkt einfügen. Das Wunder (keramet)an diesem Wunder ('idjaz)des Ehrwürdigen Qur'an nicht in der gleichen Art zu betrachten wie seine sprachliche Prägnanz (belaghat).Denn zu diesem Wunder des Qur'an führt kein Weg menschlicher Macht, es in diesem Grade zu erreichen. Menschenmacht kann das Wunder dieses Wunders nicht zu Stande bringen. Macht ist an diesem Werk nicht beteiligt.
{(*): Im Achtzehnten Hinweis des Neunzehnten Briefes fanden wir auf der Seite einer Kopie das Wort "Qur'an" neunmal in Entsprechung zueinander, dergestalt, dass am Ende der Schriftzug "Mohammed" erschien, als wir die einzelnen Worte durch eine Linie miteinander verbanden. Auf der gegenüberliegenden Seite fanden wir das Wort "Qur'an" achtmal in Entsprechung zu einander, wobei am Ende der Schriftzug "Allah" erschien. Solche einzigartigen Dinge wie diese Entsprechungen gab es viele. Wir haben die Übertragung der dieser Anmerkung zu Grunde liegenden Entsprechungen mit eigenen Augen gesehen.
Bekir, Taufiq, Suleyman, Galib, Said}
Dritter Punkt:
Dieses Verhältnis zwischen einem besonderen Zeichen und einem allgemeinen Zeichen soll
uns auf das Geheimnis der subtilen Herrschaft (rububiyet)Gottes und Seiner Barmherzigkeit hinweisen.
Von einem Mitbruder stammt ein schönes Wort. Dieses Wort soll in dem nachfolgenden Beispiel unser Thema sein. Er sagte nämlich, als ich ihm eines Tages eine schöne Tevafuqat (Entsprechung) zeigte: "Wie schön das ist! Eine jede Wahrheit ist in sich selbst schön. Aber die gegenseitigen Übereinstimmungen und die Entsprechungen zwischen den Wörtern sind ganz besonders schön." Da habe dann auch ich gesagt: "Es ist in der Tat ein jedes Ding schön entweder vom Standpunkt der Wahrhaftigkeit (haqiqat)aus betrachtet, oder für sich selbst gesehen oder hinsichtlich seines Ergebnisses." Und diese Schönheit betrifft die allgemeine Herrschaft (rububiyet)Gottes, Seine allumfassende Barmherzigkeit und Seine Erscheinung in ihrer Wirkung auf die Allgemeinheit. So wie du gesagt hast, sind diese Entsprechungen als ein Zeichen aus dem Verborgenen ganz besonders schön. Denn sie weisen in ihrer Form auf Seine besondere Barmherzigkeit, Seine individuelle göttliche Herrschaft und Seine Erscheinung in ihrer ganz persönlichen Wirkung hin. Wir wollen dies mit einem Gleichnis näher verständlich machen. Es handelt sich um Folgendes:
Ein Herrscher kann seine königliche Gnade durch Staatsautorität und allgemeines Gesetz auf jeden Einzelnen seines Volkes ausdehnen. Dann offenbart sich an jedem Einzelnen unmittelbar die königliche Huld und die staatliche Autorität dieses Herrschers. Auf diese Weise kommen ganz allgemein für den Einzelnen viele persönliche Beziehungen zum Tragen.
In zweiter Hinsicht gibt es für einen Herrscher die Möglichkeit zu einem persönlichen Gunsterweis, einem persönlichen Befehl. Dann erweist er einem Einzelnen über das allgemeine Gesetz hinaus seine Huld, bezeigt ihm seine Gunst, erteilt ihm seinen Befehl.
So ist also jedes Ding unserem Beispiel entsprechend
und vom Standpunkte der allgemeinen Herrschaft des Notwendig-Seienden (Vadjibu-l'Vudjud),des königlichen Schöpfers und Seiner Barmherzigkeit (Khaliq-i Hakîm ve Rahiem)und Seines allumfassenden Erbarmens Anteilhaber. Es steht mit Ihm in seiner persönlichen Beziehung entsprechend seinem Anteil, den es von Ihm erhält. Entsprechend Seiner Macht, Seinem Willen und Seinem alles umfassenden Wissen verfügt Er über alle Dinge, wirkt auch noch auf die unbedeutendsten Vorgänge ein und übt Seine Herrschaft über sie aus. Er ist notwendig für alle Dinge und in jedem Geschehen. Unter Seinem Wissen und mit Seiner Weisheit geschieht alles und wird alles geordnet. Die Natur ist weder dazu in der Lage, sich dem Herrschaftsbereich Seiner Verfügungsgewalt zu entziehen und der Herr ihrer eigenen Auswirkungen zu sein, noch unterliegt eine Einwirkung auf die Dinge innerhalb des empfindlichen Messbereichs der Weisheit dem Zufall. Wir haben in unseren Abhandlungen - an zwanzig Stellen - durch absolut zuverlässige Zeugnisse die Natur und den Zufall entmachtet, sie mit dem Schwert des Qur'an gerichtet und gezeigt, dass sie keine Einwirkung hat. Aber in den Augen der Sorglosen (Ehl-i gaflet)werden die im Bereich der alles umfassenden Herrschaft Gottes liegenden äußerlichen Gründe (esbab),deren Weisheit und Hintergrund sie nicht kennen, als Zufall bezeichnet. Und weil sie die Weisheit nicht erfassen und einige Gesetze göttlichen Handelns (verborgen hinter dem Vorhang der Natur) nicht sehen konnten, haben sie zur Natur ihre Zuflucht genommen.
Zweitens gibt es den privaten Herrschaftsbereich Gottes, Seine persönliche Zuwendung und die Hilfe Seines Erbarmens. Diejenigen, welche den Druck der allgemeinen Gesetze nicht tragen können, erlangen die Hilfe im Namen Gottes nach der Überfülle Seiner Erbarmungen als eine Hilfe für den Einzelnen. Ihnen wird eine persönliche Unterstützung zuteil, die sie von dem Druck befreit. Darum kann alles, was da lebt, besonders aber der Mensch, Ihn jeden Augenblick zu Hilfe rufen und Beistand
von Ihm erhalten.
Nun aber kann sich diese Güte in Seiner individuellen Herrschaft auch nicht vor den Sorglosen hinter dem Zufall verstecken und der Natur zugeschrieben werden.
Es ist also auf Grund dieses Geheimnisses, dass wir die Zeichen aus dem Verborgenen in dem Wunder des "Qur'an" und in dem Wunder "Mohammeds" als einen persönlichen Hinweis angesehen haben und durch ihn überzeugt worden sind. Und wir sind zu der Gewissheit gelangt, dass er eine individuelle Hilfe und eine persönliche Gnade ist, die sich auch den Verstockten zeigen wird. Wir haben es nur um Allahs willen bekannt gemacht. Sollten wir einen Fehler begangen haben, möge Allah uns verzeihen. Amen...
رَبَّنَا لاَ تُؤَاخِذْنَآ اِنْ نَسِينَآ اَوْ اَخْطَاْنَا
{"Herr, strafe uns nicht für unsere Vergesslichkeit und Fehlerhaftigkeit!" (Sure 2, 286)}
* * *
Achte Abhandlung, zugleich achte Problemstellung
Diese Problemstellung besteht aus den Antworten auf sechs Fragen (und umfasst) sechs Punkte.
Erster Punkt:
Wir haben schon bei vielen Gelegenheiten das Gefühl gehabt, einen Hinweis aus dem Unsichtbaren zu empfangen, unter der Hand der göttlichen Gnade zum Dienst am Qur'an beauftragt zu sein und auch einige (dieser Hinweise bereits) erläutert. Nun zeigt sich unter den neuerlichen Hinweisen auch Folgendes: es gibt da in den meisten "Worten" (Sözler)eine verborgene
Übereinstimmung (tevafukat-i ghaybiyye).
{(*): Was diese Übereinstimmungen (tevafuqat) betrifft, so sind sie ein Hinweis auf einen gewissen Einklang (ittifaq). Was diesen Einklang betrifft, so ist er ein Wink einer Gemeinsamkeit (ittihad), ein Zeichen einer (göttlichen) Allgegenwart (vahdet). Was aber diese Allgegenwart betrifft, so ist sie eine Bestätigung der Einheit (Tauhid). Was aber diese Einheit betrifft, so ist sie der bedeutendste der vier Grundpfeiler des Qur'an (Tauhid, Prophetentum, Auferstehung, Gerechtigkeit aller und ubudiyet jedes Einzelnen).}
Zum Beispiel:
Es gibt einen Hinweis darauf, dass die jeweilige (Art) des Wortes "Resul-u Ekrem (der ehrenwerte Prophet)", oder des Ausdrucks "Aleyhissalatu Vesselam (Friede und Segen sei mit ihm)", oder des gesegneten Wortes "Qur'an" (auf bestimmten Seiten eines bestimmten Exemplars miteinander zu korrespondieren) eine Art Erscheinung eines Wunders ('idjaz)darstellt. Wie versteckt und schwach auch immer solche Zeichen aus dem Unsichtbaren sein mögen, so sind sie nach meiner Meinung von großer Kraft und Bedeutung für den Wert unseres Dienstes und die Richtigkeit unserer Auslegungen. Ferner brechen sie meinen Stolz und haben mir ohne jeden Zweifel gezeigt, dass ich nur ihr Dolmetscher bin. Sie lassen für mich nichts zurück, worauf ich stolz sein könnte. Sie zeigen mir nur die Dinge, für die ich dankbar sein darf. Da sie dem Qur'an zugehörig sind und auf seine Rechnung in Erscheinung treten, um dieses Wunder aufzuzeigen, das der Qur'an ist, und da sie auftreten, ohne dass sich auch nur ein Bruchteil unseres freien Willens dabei hätte einmischen können, und da sie diejenigen ermuntern, die nachlässig in ihrem Dienste waren, und da sie uns die Gewissheit geben, dass unsere Abhandlungen (risala),der Wahrheit entsprechen, und da sie eine Art göttlichen Gnadenerweises (ikram)für uns sind, und da es eine besondere Gnade (ni'met)ist, von ihnen erzählen zu dürfen und dies zu tun, das Schweigen jener hartnäckigen Leute mildert, die nur verstehen können,
was sie sehen können, ist es sicherlich notwendig, sie bekannt zu machen, und das wird mit Gottes Wohlwollen niemandem etwas schaden.
So ist denn eines der Zeichen aus dem Unsichtbaren auch das Folgende:
In Seiner vollkommenen Barmherzigkeit (rahmet)und Großzügigkeit (kerem)hat Gott der Gerechte, um uns zu ermuntern, die wir im Dienst am Qur'an und am Glauben stehen, und unseren Herzen Frieden zu verleihen, uns die Gnade (ikram)von Ihm, unserem Herrn, zu schenken und uns für all das, was wir geschrieben haben, besonders aber "Die Wunder Mohammeds", "Die Wunder des Qur'an", die Abhandlung über "Die Fenster", Seine Güte (ihsan)zu gewähren und uns in Form eines Zeichens aus dem Unsichtbaren zu deuten, dass unser Dienst vor Ihm angenommen ist und dass das, was wir geschrieben haben, die Wahrheit ist. Das heißt, Er veranlasst, dass Wörter auf einer bestimmten Seite mit dem gleichen Wort auf der selben oder auch einer anderen Seite korrespondieren. Darin liegt ein Zeichen aus dem Unsichtbaren, dass sie von einem unsichtbaren Willen so angeordnet worden sind... "Verlasst euch nicht auf euren Willen und auf euer Bewusstsein. Denn auch ohne euer Wissen und Wollen werden die wunderschönsten Kunstwerke gestaltet und angefertigt." Besonders die Worte: "Resul-i Ekrem" und "lafz-i salavat" gestalten sich zu Spiegeln, in denen sich ganz klar die Zeichen einer solchen Übereinstimmung (tevafuqat)aus dem Unsichtbaren zeigen. In der Abschrift eines neuen, noch unerfahrenen Schreibers, zeigte es sich, mit Ausnahme von fünf Seiten, auf allen übrigen Seiten, dass die mehr als zweihundert salavat-i scherief stets wieder miteinander korrespondieren.
Diese Übereinstimmungen (tevafuqat)können nicht das Werk des Zufalls sein, der unbeabsichtigterweise vielleicht zu zwei Übereinstimmungen unter zehn führen könnte, noch können sie dem Gedanken eines so hilflosen und völlig untalentierten Mannes entsprungen sein, der sich doch stets nur auf den Inhalt seines Textes konzentriert und dabei in
ein, zwei Stunden manchmal dreißig, vierzig Seiten sehr schnell diktiert, weil er ja selbst nicht schreibt, sondern (andere für sich) schreiben lässt.
So bin ich denn sechs Jahre, nachdem ich diese Übereinstimmungen wiederum aus dem Qur'an erfahren hatte und in meinem Kommentar: "Hinweise auf das Wunder (isharat-ul 'idjaz)"neun Mal bei dem Wort "inna"-اِنَّا diese Übereinstimmung bemerkt hatte, aufmerksam geworden. Als die Schreiber dies von mir vernahmen, waren sie sehr erstaunt. Die Worte "Resul-i Ekrem" und die dazu gehörigen Segensworte im Neunzehnten Brief wurden zu einer Art kleinem Spiegel für eine Art "Wunder Mohammeds". In ähnlicher Weise zeigte sich auch das Wort "Qur'an" im Fünfundzwanzigsten Wort, den "Wundern des Qur'an" und im Achtzehnten Hinweis des Neunzehnten Briefes als solch eine Art Wunder: unter den vierzig Klassen der Menschheit ereignete sich bei einer, und zwar bei der, welche sich doch sonst immer nur auf das verlässt, was man mit eigenen Augen sehen kann, eine Art dieser Wunder des Qur'an in allen Abhandlungen in der Form dieser Übereinstimmungen mit dem Unsichtbaren, was doch nur eine Art unter vierzig Arten dieser Form von Wundern ist. Und unter den vierzig Arten dieser Form zeigte es sich in dem Wort "Qur'an". Es ist dies wie folgt:
Das Wort "Qur'an" wiederholt sich im Fünfundzwanzigsten Wort und im Achtzehnten Hinweis des Neunzehnten Briefes. Mit nur wenigen, vielleicht ein oder zwei Ausnahmen, korrespondieren alle übrigen (Worte) miteinander. So findet sich z.B. auf der dreiundvierzigsten Seite des Zweiten Strahls das Wort "Qur'an" insgesamt sieben Mal, und sie alle korrespondieren (auf die eine oder andere Weise) miteinander. Auf der sechsundfünfzigsten Seite korrespondieren acht miteinander und nur das neunte ist eine Ausnahme. Die fünf Beispiele dieses Wortes auf Seite Neunundsechzig, die jetzt vor mir aufgeschlagen liegt, korrespondieren alle miteinander. Usw.... Das Wort "Qur'an", wann immer es auf irgendeiner
Seite auftaucht, korrespondiert mit einem anderen. Nur selten einmal findet sich eines außerhalb dieses Musters von fünf oder sechs.
Was die übrigen Übereinstimmungen betrifft, so sehen wir auf der Seite dreiunddreißig - also hier vor unseren Augen - fünfzehn Mal das Wort "am"- اَمْ (Fragepartikel), wovon vierzehn miteinander korrespondieren. Außerdem findet sich hier auf dieser Seite vor unseren Augen neun Mal das Wort "iman"(Glaube); und (diese Wörter) korrespondieren miteinander. Nur einmal ist infolge eines etwas größeren Abstandes eine leichte Verschiebung entstanden. Und weiter steht auf dieser Seite - hier vor unseren Augen - zwei Mal das Wort "mahbub"(Geliebter), das erste Mal in der dritten Zeile und das zweite Mal in der fünfzehnten Zeile, und korrespondieren dabei in vollkommener Harmonie. Zwischen ihnen finden wir vier Mal das Wort "ashk"(Liebe); (und auch diese Wörter) korrespondieren miteinander. Noch andere dieser Übereinstimmungen magst du nun (als Zeichen) aus dem Unsichtbaren miteinander vergleichen...
Wer auch immer der Schreiber sein mag und welche Form auch immer ihre Zeilen, ihre Seiten annehmen mochten: diese Übereinstimmungen aus dem Unsichtbaren ereigneten sich in einem solchen Umfang, dass kein Zweifel mehr bestehen bleibt, dass dies weder ein Werk des Zufalls sein kann, noch ein (bewusst gewollter) Einfall ihres Verfassers oder ihres Schreibers. Nur sind in der Handschrift des einen diese Übereinstimmungen augenfälliger als in anderen. Das heißt, dass es eine Art der Niederschrift gibt, die für die Risala besonders passend ist. Einige von ihnen kommen dieser Abfassung besonders nahe. Dabei ist es besonders merkwürdig, dass dies nicht bei den geübtesten Schreibern, sondern besonders in den Abschriften gerade der Anfänger am deutlichsten hervortritt... Von daher wird es verständlich, dass die Kunst, die Anmut und alle hervorragenden Eigenschaften, die uns aus den "Worten" (Sözler)entgegen
treten, die eine Art Kommentar zum Qur'an sind, nicht jemandes (Werk) sind, sondern die Kleider, die in ihrem harmonischen, wohl angemessenen Stil, der für gerade diese gesegnete Verkörperung dieser so schönen und harmonischen qur'anischen Wahrheiten am besten passen und die nicht mit Wissen und Wollen (einer bestimmten Persönlichkeit) angepasst und zugeschnitten worden sind. Es ist vielmehr diese Figur, diese Verkörperung selbst, welche (nach gerade diesen Kleidern) verlangt, und es ist die Hand aus dem Unsichtbaren, die dieser Figur entsprechend Maß nimmt, anpasst, zuschneidet und ankleidet. Was uns selbst betrifft, so sind wir dabei allein der Übersetzer, der Diener.
(Zweiter und Dritter Punkt fehlen im Original)
Vierter Punkt:
Mit deiner ersten Frage hattest du fünf oder sechs Fragen zusammengefasst:
Wie wird die Große Wiederversammlung zu Stande kommen? (Werden die Menschen) nackt sein? Wie werden wir dort unsere Freunde wiederfinden? und wie können wir den Ehrenwerten Gesandten, mit dem Friede und Segen sei, finden, um unser Anwalt zu sein? Wie kann eine einzige Person so unendlich vielen Menschen begegnen? Wie werden die Kleider der Leute des Paradieses und der Hölle beschaffen sein? Und wer wird uns den Weg weisen?
Antwort:
Auf diese Frage finden sich ganz klare, eindeutige und ausführliche Antworten in den Ahadith (Überlieferungen). Wir wollen hier nur ein oder zwei Punkte anführen, soweit sie unserer Lebensart (meshreb)und Schule (meslek)entsprechen. Es ist dies wie folgt:
Erstens:
In einem der Briefe wird erklärt, dass sich der Platz der Auferstehung innerhalb der Erdumlaufbahn befindet. Und so wie die Erde jetzt ihren spirituellen Ertrag zu den Tafeln auf diesem Platz entsendet, so beschreibt sie auch mit ihrem jährlichen Umlauf einen Anfang der Verkörperung eines Existenzbereiches und durch die Erträge
dieses Existenzbereiches bildet sie einen Ort der Wiederversammlung. Die Kleinere Hölle im Zentrum dieses königlichen Schiffes, das unsere Erde ist, wird in die Größere Hölle umgefüllt werden, während seine Bewohner auf den Platz der Auferstehung entleert werden.
Zweitens:
Besonders im Zehnten und im Neunundzwanzigsten Wort, aber auch in anderen Worten wurde bereits mit vollkommener Sicherheit bewiesen, dass es eine Wiederversammlung geben wird und zugleich mit ihr, an welchem Platz dies geschehen wird.
Drittens:
Was die Begegnungen (im Jenseits) betrifft, so wurde bereits im Sechzehnten, Einunddreißigsten und Dreiunddreißigsten Wort mit absoluter Sicherheit bewiesen, dass eine Person im Geheimnis des Lichtes gleichzeitig an Tausenden von Plätzen anwesend sein und Millionen Menschen begegnen kann.
Viertens:
So wie Gott der Gerechte allen beseelten Geschöpfen ein natürliches Kleid angezogen hat, so wird er ihnen auch auf dem Platz der Wiederversammlung, nachdem sie der künstlichen Kleider entledigt und nackt gewesen waren, wieder neue, aber natürliche Kleider anziehen, so wie es sein Name "der Allweise" (Hakiem)erfordert. In dieser Welt beschränkt sich die Weisheit künstlich (angefertigter) Kleider nicht darauf, gegen Hitze und Kälte zu schützen, uns zu schmücken und unsere Scham zu verhüllen, vielmehr (gibt es daneben noch) eine andere bedeutende Weisheit, die darin besteht, dass (Kleidung zugleich auch) ein Index oder eine Liste ist, die darauf hinweist, dass der Mensch über die anderen Lebewesen verfügt, zu ihnen in einer gewissen Beziehung steht und sie gleichsam befehligt. Anderenfalls hätte er auch in ein einfaches und billiges Kleid gehüllt sein können. Denn gäbe es diese Weisheit nicht, so würde sich der Mensch in verschiedene Arten von Lumpen hüllen und so sich selbst in den Augen verständiger Tiere und im Vergleich zu ihnen zur Vogelscheuche machen und sie würden ihn in diesem Sinne auslachen. Auf dem Platz der Wiederauferstehung
gibt es eine solche Weisheit, einen solchen Zusammenhang nicht, und auch eine solche Liste ist dort nicht mehr nötig.
Fünftens:
Was den Wegweiser betrifft, so ist es für solche, die wie ihr in das Licht des Qur'an eingetreten sind, der Qur'an. Schau dir den Anfang (der Suren) an, wenn sie mit "Elif-Lam-Mim", "Elif-Lam-Ra"oder "Ha-Mim"beginnen! Du wirst sehen, was für ein geschätzter Anwalt der Qur'an ist, was für ein getreuer Führer, welch heiliges Licht!
Sechstens:
Was nun die Kleidung der Leute des Paradieses und die Kleidung der Leute der Hölle betrifft, so kann man das Prinzip aus dem Achtundzwanzigsten Wort, in dem die Huris geschildert werden, die siebzig Kleider übereinander tragen, hier gleichfalls anwenden. Und zwar folgendermaßen:
Ein Mensch, der zu den Leuten des Paradieses gehört, möchte natürlich ständig aus all den Möglichkeiten, die sich den Wesen im Paradies anbieten, seinen Nutzen ziehen. All die schönen Dinge des Paradieses werden sich ihm in einer großen Variationsbreite zeigen. Er wird zu jeder Zeit mit all den verschiedenen Arten und Wesen des Paradieses kommunizieren. Da dies aber so ist, wird er sich selbst und alle seine Huris in verkleinerte Musterbeispiele all der guten Dinge des Paradieses kleiden und ein jeder (Mensch) wird einem verkleinerten Abbild des Paradieses gleichen.
So wie zum Beispiel ein Mensch in seinem kleinen Garten von allen Blumenarten, wie sie überall im Lande wachsen, einige Exemplare sammelt, wie ein Ladenbesitzer Beispiele von all seinen Waren in einer Liste aufführt und wie ein jeder Mensch sich mit Hilfe all der Exemplare der Schöpfung, mit denen er in irgendeiner Weise verbunden ist, über sie verfügt und sie beherrscht, sich ein Kleid macht und noch viele andere Dinge zum Gebrauch in seinem Hause, genauso wird auch dem Menschen, der
zu den Leuten des Paradieses gehört, besonders aber dann, wenn er all seine Sinne, seine geistigen Fähigkeiten in den Dienst und die Anbetung (Gottes) gesetzt und damit das Recht erworben hat, alle Freuden des Paradieses zu erfahren, so wird ihm und allen seinen Huris durch Gottes Barmherzigkeit ein Kleid angezogen werden, das jede einzelne von all den vielen Arten von Wundern des Paradieses zur Darstellung bringt, um so allen seinen Sinnen zu schmeicheln, allen seinen Gliedern zu gefallen und all seine innerlichen Fähigkeiten zu erfreuen. Ein Beweis dafür, dass all die vielen Kleider nicht von ein und derselben Art oder Sorte sind, ist die Hadith, deren Bedeutung folgende ist: "Obwohl die Huris siebzig Kleider übereinander tragen, kann man trotzdem (noch durch sie hindurch) das Mark in ihren Knochen erkennen. Sie verhüllen sie nicht." Das also heißt, dass es von dem obersten Kleid bis hin zum untersten verschiedene Stufen von Wahrnehmungen und Empfindungen geben wird, welche all die verschiedenen Sinne und Glieder (des menschlichen Leibes) in unterschiedlicher, doch stets wunderbarer Weise und auf verschiedene Arten ansprechen.
Was aber die Leute der Hölle betrifft, so scheint es doch der Weisheit und der Gerechtigkeit (hikmet ve adalet)nicht zu widersprechen, wenn sie, die doch in dieser Welt mit allen ihren Sinnen gesündigt haben mit ihren Augen, mit ihren Ohren, mit ihren Herzen, mit ihren Händen, mit ihrem Verstand usw., sie nun in der Hölle ein Kleid tragen müssen, das aus verschiedenen, unterschiedlichen Teilen zusammengesetzt ist, die einer kleinen Hölle gleichen und ihnen Qualen und Schmerzen bereiten, entsprechend ihren Sünden.
Fünfter Punkt:
Du fragst, ob die Vorväter des Ehrenwerten Gesandten, mit dem Friede und Segen sei, in den Zeiten zwischen den Propheten (zaman-i fetret)einer Religion angehört haben, oder überhaupt religiös gewesen wären.
Antwort:
Nach der Überlieferung folgten sie den Spuren der Religion Abrahams (mit dem der Friede sei) und
waren und blieben in seinem Sinne Gläubige. (Dieser Glaube) verbarg sich später unter dem Schleier der Gottvergessenheit und geistigen Finsternis und setzte sich stets nur in einigen wenigen Menschen (wie eine Art unterirdischer) Strömung fort. (Diese wenigen Menschen) die eine Art Lichterkette (Silsilah)bilden, die mit Abraham (mit dem der Friede sei) begann und in dem Ehrenwerten Gesandten (mit dem Friede und Segen sei) gipfelt, sind gegenüber diesem Licht des wahren Glaubens mit Sicherheit nicht gleichgültig geblieben und von der Finsternis des Unglaubens nicht besiegt worden. Doch nach dem Geheimnis der Ayah
وَمَا كُنَّا مُعَذِّبِينَ حَتّٰى نَبْعَثَ رَسُولاً
{"Und wir bestrafen niemals, hätten wir nicht zuvor einen Propheten gesandt." (Sure 17, 15)}
sind die Menschen, die in einer Zeit zwischen den Propheten (zaman-i fetret)leben, gerettet (ehl-i nedjat).Und es wird allgemein bestätigt, dass sie für ihre kleineren Fehler nicht bestraft werden. Nach Imam Schafi und Imam Eshari sind sie selbst wenn sie dem Unglauben verfallen sind und sich nicht an die Grundlagen des Glaubens halten, dennoch gerettet. Denn die Verantwortung vor Gott erfolgt aus der Sendung (eines Propheten). Aus der Sendung erfolgt die Verantwortung durch die Erkenntnis. Da Gottvergessenheit und der Ablauf der Zeit den Glauben der vorhergegangenen Propheten verdunkelt hatte, war er für diese Menschen der Zwischenzeit nicht mehr beweiskräftig genug. Wenn sie dennoch gehorchen, empfangen sie ihren Lohn (sevab),falls nicht, werden sie doch nicht bestraft. Denn da (ihnen ihr Glaube) verborgen blieb, konnte er ihnen auch nicht als Beweis dienen.
Sechster Punkt:
Du fragst: "Hat es unter den Vorvätern des Ehrenwerten Gesandten, mit dem Friede und Segen sei, einen Propheten (Nabi)gegeben?
Antwort:
Es gibt keine gesicherte Aussage, dass es
nach Isma'il (mit dem der Friede sei) noch einen gegeben hätte. Es erschienen nur zwei Propheten, der eine mit Namen Khalid b. Sinan und Hansele der andere, die aber nicht zu den Vorvätern gehören. Doch einer seiner Vorväter, Ka'b b. Lu'ayy, der das folgende berühmte und durchaus eindeutige Gedicht geschrieben hat, als rezitiere er eine Schriftstelle
عَلٰى غَفْلَةٍ يَأْتِى النَّبِىُّ مُحَمَّدٌ ٭ فَيُخْبِرُ اَخْبَارًا صَدُوقًا خَبِيرُهَا
{"Der Prophet Mohammed kommt zu einer Zeit, da die Menschen Gott vergessen haben. Und er wird eine zuverlässig berichtende Botschaft verkünden."}
erscheint wie eine wunderbare, prophetische Aussage. Auf Grund seiner Beweisführung (delil)und Entdeckungen (keshf)sagte Imam Rabbani, dass in Indien viele Propheten erschienen seien. Aber einige von ihnen hatten keine Gemeinde hinter sich, oder sie sind nicht berühmt geworden, weil ihre Gefolgschaft nur aus einigen wenigen Männern bestand, oder man sie nicht als Propheten bezeichnet hat.
Und so ist es denn, folgt man dem Prinzip dieses Imams wohl möglich, dass es unter den Vorvätern des Propheten auch einige Propheten dieser Art gegeben hat.
Siebenter Punkt:
Du fragst: Welcher von den Berichten über den Glauben der Eltern des Ehrenwerten Gesandten, mit dem Friede und Segen sei, und den seines Großvaters Abdu-l'Muttalib, ist am glaubwürdigsten und überzeugendsten?
Antwort:
Der Neue Said hat seit zehn Jahren kein anderes Buch bei sich als den Qur'an und sagt, ihm genüge das. In so zweitrangigen Dingen wie diesem, habe ich keine Zeit, alle Ahadith (Überlieferungen) durchzustudieren und dann darüber zu schreiben, welche davon glaubwürdig und überzeugend sind. Nur so viel möchte ich sagen, dass die Eltern des Ehrenwerten Gesandten, mit dem Friede und Segen sei, zu denen gehören, welche gerettet sind (ehl-i nedjat)und die zu den Leuten des Paradieses gehören (ehl-i djennet),
den Leuten des Glaubens (ehl-i iman).Gott der Gerechte würde sicherlich das gesegnete Herz seines Ehrenwerten Gesandten und die zärtliche Sohnesliebe (shefqat)in seinem Herzen nicht verletzen.
Wenn man also fragte:
Da dies nun einmal so ist, warum waren sie dann nicht in der Lage, an den Ehrenwerten Gesandten, mit dem Friede und Segen sei, zu glauben? Warum haben sie dann nicht bis zum Beginn seiner Sendung (bi'set)gelebt?
Antwort:
Gott der Gerechte wollte in Seiner Freigiebigkeit (kerem)nicht die Eltern Seines Ehrenwerten Geliebten unter dem Zwang zur Dankbarkeit halten, damit so das Gefühl zärtlicher Sohnesliebe des Ehrenwerten Gesandten, mit dem Friede und Segen sei, ruhig bleiben möge. Sein Erbarmen (rahmet)erforderte es, sie glücklich zu machen und seinen Ehrenwerten Geliebten zufrieden zu stellen.
Sein Erbarmen erforderte es, sie "in die reine Dankbarkeit Seiner Herrschaft aufzunehmen" (d.h. seine Eltern zu sich zu nehmen - A.d.Ü.) und sie glücklich zu machen, um sie nicht von der Stufe ihres Elternseins auf die Stufe einer geistigen Kindschaft herabzusetzen und dabei Seinen Ehrenwerten Geliebten zufrieden zu stellen. Daher versetzte (Er) seine Eltern und seinen Großvater nicht in seine sichtbare Gemeinschaft (hier auf Erden, sondern nahm sie von dieser Erde hinweg). Doch alle die Vorzüge, Tugenden und auch die ewige Glückseligkeit (die sie sich in seiner Gemeinschaft verdient hätten) wurden ihnen zum Geschenk (ihsan)gemacht. Wenn der Vater des hohen Herrn Feldmarschalls, der den Rang eines Hauptmanns bekleidet, in dessen Audienz gerufen wird, so befindet er sich in der Tat mitten zwischen zwei einander entgegenlaufenden Gefühlen. So unterstellt der König in Seiner Barmherzigkeit nicht den Vater Seinem Ehrenwerten Adjutanten, dem Feldmarschall.
Achter Punkt:
Du fragst: Wie lautet die Überlieferung, wenn es um den Glauben seines Onkels Abu Talib geht?
Antwort:
Die Schiiten sind von seinem Glauben überzeugt. Die meisten Sunniten sind nicht von seinem Glauben überzeugt. Was ich in meinem Herzen empfinde, ist Folgendes: Abu Talib mochte die Botschaft (Risalah)des Ehrenwerten Gesandten, mit dem Friede und Segen sei, nicht. Er liebte dagegen sehr in seiner Eigenschaft als eine Persönlichkeit und als Mensch. Diese seine - durchaus ernsthafte - Liebe und Zärtlichkeit wird sicherlich nicht ohne Wirkung geblieben sein. Abu Talib hatte in der Tat Gottes Ehrenwerten Geliebten stets in wahrhaft aufrechter Weise geliebt, sich stets für ihn eingesetzt und ihn beschützt. Wenn Abu Talib, der nicht wegen seines Unglaubens (inkar)oder aus Verstocktheit (inad),vielmehr auf Grund von Gefühlen der Scham und mit Rücksicht auf sein Ansehen im Stamm nie ein formales Glaubensbekenntnis abgelegt hatte, auch zur Hölle gegangen wäre, so hätte doch Gott der Gerechte zum Lohn für seine guten Taten eine Art persönliches Paradies inmitten der Hölle erschaffen können. So wie Er manchmal an einigen Plätzen mitten im Winter einen Frühling zu erschaffen und den Kerker eines Gefangenen durch den Schlaf in einen Palast zu verwandeln vermag, so vermag er auch eine persönliche Hölle in ein persönliches Paradies zu verwandeln...
وَالْعِلْمُ عِنْدَ اللّٰهِ ٭ لاَ يَعْلَمُ الْغَيْبَ اِلاَّ اللّٰهُ ٭ سُبْحَانَكَ لاَعِلْمَ لَنَآ اِلاَّ مَاعَلَّمْتَنَآ اِنَّكَ اَنْتَ الْعَلِيمُ الْحَكِيمُ
{"Und alles Wissen ist bei Gott. Und das Verborgene kennt niemand außer Gott." "Gepriesen seist Du! Kein Wissen haben wir, außer dem das Du uns gelehrt hast. Fürwahr, Du bist der Allwissende, der Allweise." (Sure 2, 32)}
Neunundzwanzigster Brief
Erstes Kapitel, zugleich erste Abhandlung
Dieses Kapitel besteht aus Neun Punkten
بِسْمِ اللّٰهِ الرَّحْمٰنِ الرَّحِيمِ ٭ وَاِنْ مِنْ شَىْءٍ اِلاَّ يُسَبِّحُ بِحَمْدِهِ
{"Im Namen Gottes, des Erbarmers, des Barmherzigen. Und es gibt kein Ding, das nicht lobend Ihn preist."}
Mein lieber, treuer Bruder und treuer Freund im Dienst am Qur'an!
In deinem letzten Brief möchtest du auf eine wichtige Frage eine Antwort, die zu geben mir weder meine Zeit noch mein Zustand (hal)es erlauben.
Mein Bruder! Dank sei Gott, dass in diesem Jahr die Anzahl der Schreiber für unsere Risalas sehr gewachsen ist. Die Kopien kommen zu mir für die zweite Korrektur und ich bin von morgens bis abends emsig damit beschäftigt. Andere wichtige Arbeiten bleiben dabei liegen. Doch ich halte diese Aufgabe für weitaus wichtiger. Besonders in den Monaten Scha'ban und Ramadan nimmt das Herz (qalb)mehr daran Anteil als der Verstand (aql)und der Geist (ruh)gerät in Bewegung. Ich verschiebe daher diese Angelegenheit auf einen anderen Zeitpunkt. Wann immer ich mit der Gnade Gottes des Gerechten einen Einfall in meinem Herzen verspüre, werde ich ihn dir absatzweise schreiben. Jetzt werde ich dir erst einmal drei Punkte erläutern.
Erster Punkt
"Die Geheimnisse des Weisen Qur'an sind unbekannt.
Die Kommentatoren haben seine Wahrheit nicht verstanden."
Mit diesen (Worten) werden zwei verschiedene Aspekte einer Idee zum Ausdruck gebracht und die, welche sie vertreten, bilden zwei Gruppen.
Die ersten sind die Leute der Wahrheit und die Forscher. Sie sagen; "Der Qur'an ist ein niemals endender, unerschöpflicher Schatz. Jedes Jahrhundert empfängt und bestätigt (in ihm) die Grundsätze und Vorschriften und entnimmt (ihm) auch als Ergänzung seinen Anteil an verborgenen Wahrheiten, wobei es den noch verborgen gebliebenen Anteil der anderen nicht stört." Das heißt, dass im Laufe der Zeit stets mehr Wahrheiten des Weisen Qur'an entdeckt werden. Dies geschieht keineswegs, um - was Gott verhüten möge - die offensichtlichen Wahrheiten des Qur'an, die die vorausgegangenen Imame bereits erklärt haben, in Zweifel zu ziehen. Denn der Glaube an sie ist notwendig. Sie stehen fest und sicher, sind Pfeiler und Fundament. Der Qur'an verkündet mit dem Ferman عَرَبِىٌّ مُبِينٌ {"...in klarem Arabisch." (Sure 16, 103)} dass seine Aussage klar und deutlich ist. Vom Anfang bis zum Ende dreht sich diese göttliche Aussage um diese Bedeutungen, bekräftigt sie und macht sie offensichtlich. Solche (von Gott) autorisierte Aussagen nicht anzunehmen, führt dazu - was Gott verhüten möge - Gott den Gerechten der Lüge zu bezichtigen und das Verständnis des Ehrenwerten Botschafters (Hasret-i Risalah)für gering zu achten. Das heißt, solche feststehenden, autorisierten Aussagen wurden über die Kette der Überlieferungen (Silsilah)der Quelle, die der Ehrenwerte Botschafter (Risalah)ist, entnommen. Sogar Ibn Jarir at-Tabari führte alle Bedeutungen des Qur'an, schrittweise und namentlich der Kette der Überlieferungen folgend bis auf
ihre Quelle, den Ehrenwerten Botschafter (Risalah),zurück und verfasste auf diese Weise seinen großen bedeutenden Kommentar.
Die zweite Gruppe sind entweder ziemlich törichte Freunde, die "das Auge entfernen, wenn sie eine Braue machen wollen" (d.h. also das Kind mit dem Bade ausschütten - A.d.Ü.), oder aber es sind Feinde von geradezu teuflischer Klugheit, die den islamischen Sitten und den Glaubenswahrheiten entgegenarbeiten wollen. Sie suchen einen Weg in die fest ummauerten Suren des Allweisen Qur'an zu finden, die - nach deinen Worten - stählernen Burgen gleichen. Leute wie diese verbreiten Ideen wie die obigen, um - was Gott verhüten möge - Zweifel an Glaube und Qur'an zu säen.
Zweiter Punkt
Gott der Gerechte schwört im Qur'an bei vielen Dingen. Zu diesen Beschwörungen des Qur'an gibt es viele bedeutende Anmerkungen und in ihnen liegen viele Geheimnisse.
Zum Beispiel: In dem Schwur: وَالشَّمْسِ وَضُحٰيهَا {"Bei der Sonne und ihrem Glanz." (Sure 91, 1)} erfolgt ein Hinweis auf den Kern dieses glänzenden Vergleichs, der im Elften Wort (behandelt wird). Er zeigt das Universum in der Gestalt eines Schlosses oder einer Stadt.
Des Weiteren w ird mit dem Schwur يٰسٓ ٭ وَالْقُرْاٰنِ الْحَكِيمِ {"Ya-Sin; und bei dem Weisen Qur'an. (Sure 36, 1-2)} auf die Heiligkeit des Qur'anischen Wunders hingewiesen. Er ist so sehr aller Verehrung wert, dass man auf ihn
schwören kann.
وَالنَّجْمِ اِذَا هَوٰى ٭ فَلاَ اُقْسِمُ بِمَوَاقِعِ النُّجُومِ ٭ وَاِنَّهُ لَقَسَمٌ لَوْ تَعْلَمُونَ عَظِيمٌ
{"Bei dem Stern, wenn er fällt." (Sure 53, 1) "Und so schwöre ich denn bei dem Ort, an dem die Sterne niedergehen. Und dies ist fürwahr ein gewaltiger Schwur, wenn ihr es nur wüsstet." (Sure 56, 75-76)}
Diese Schwüre weisen darauf hin, dass diese Sternschnuppen ein Zeichen dafür sind, dass die Dschinnen und die Teufel daran gehindert werden, Nachrichten aus dem Unsichtbaren zu empfangen, sodass sie über die Offenbarung keine Zweifel säen können. Die Sterne in ihrer Furcht erregenden (Größe) werden in perfekter Ordnung an ihren Platz gesetzt und die Planeten auf eine Staunen erregende Weise in Umdrehung versetzt. Die gewaltige Macht und vollkommene Weisheit, mit der dies alles geschieht, wird mit diesem Schwur wieder in Erinnerung gebracht...
وَالذَّارِيَاتِ ٭ وَالْمُرْسَلاَتِ
{"Bei denen, die aufwirbeln." (Sure 51, 1) "Bei denen, die ausgesandt werden." (Sure 77, 1)}
(Hier schwört Gott) bei Seinen Engeln, die Er zu Seinen Beauftragten für die Winde (gemacht hat) und die mit einer sehr subtilen Weisheit an besonders wichtigen Aufgaben arbeiten, lenkt so die Aufmerksamkeit auf die Elemente und erinnert dadurch an die Wogen der Luft und den Wechsel (der Winde), die (doch sonst für rein) zufällig gehalten werden usw...
Jeder dieser Schwüre berührt wieder andere, unterschiedliche Punkte und dient wieder anderen Zwecken. Da die Zeit (im Augenblick) nicht gerade günstig ist, wollen wir hier nur auf eine Anmerkung unter vielen Anmerkungen, auf die sich dieser Schwur
وَالتِّينِ وَالزَّيْتُونِ {"Bei der Feige und bei der Olive." (Sure 95, 1)} (bezieht), kurz hinweisen. Es ist dies wie folgt:
(Hier schwört) Gott der Gerechte also bei der Feige und bei der Olive und erinnert zugleich an Seine ungeheure Macht, die Vollkommenheit Seines Erbarmens und Seine großen Gnadengaben gegenüber denen, die in Richtung der Niedersten aller Niedrigen gehen, wendet sodann ihr Gesicht von dieser Richtung um und verweist sie auf die Möglichkeit ihres geistigen Fortschritts durch Dankbarkeit, Nachsinnen, Glaube und gute Werke bis hin zu den höchsten aller Erhabenen. Der Grund dafür, dass unter den Gnadengaben (Gottes) ganz besonders die Feige und die Olive erwähnt werden, ist der, dass diese (beiden) Früchte ganz besonders gesegnet und nutzbringend sind und dass in (der Art) ihrer Erschaffung viele Dinge liegen, die eine Quelle allen Interesses und der Segensfülle (ni'met)sind. Denn die Olive gehört zu den wichtigsten Gütern im privaten wie im kommerziellen Leben, für Beleuchtung sowohl wie für die Ernährung. Das gleiche gilt auch für die Feige. Nach ihrer Erschaffung ist sie ein Wunder der göttlichen Allmacht, da in ihren winzig kleinen Saatkörnern alle Bestandteile eines riesigen Feigenbaumes gespeichert und verborgen sind. Durch (Gottes) Schwur ruft sie die göttlichen Gnadengaben ins Gedächtnis, ist sie Nahrung und Segen, überdauert im Gegensatz zu anderen Früchten und hat darüber hinaus noch viele andere Vorteile. So unterrichtet sie denn den Menschen, daraus eine Lehre zu ziehen, damit er glaube und gute Werke tue und nicht (auf die Stufe) der Niedrigsten aller Niedrigen hinabstürze.
Dritter Punkt
Alleinstehende Buchstaben am Anfang einiger Suren sind göttliche Chiffren. Durch sie gibt (Gott) seinem besonderen
Diener einige Zeichen aus dem Unsichtbaren. Der Schlüssel zu diesen Chiffren liegt bei Seinem besonderen Diener (= Mohammad ASM), als gleichsam Seinem "Erben" (und Kalifen). Da der Weise Qur'an aber nun einmal zu allen Zeiten und Völkern spricht, können (diese Buchstaben) sehr unterschiedliche Aspekte und Bedeutungen haben und alle Bevölkerungsschichten können in jedem Jahrhundert darin ihren Anteil haben. Was aber die früheren Gelehrten (Selef-i Salihin)betrifft, so ist ihrer der reinste Anteil, den sie auch verkündet haben. Die Leute der Erforschung und der Gottesfreundschaft haben in ihnen viele Hinweise und (Anleitungen) zum Umgang mit dem Unsichtbaren gefunden, wie sie zu ihrer spirituellen Reise gehören. In meinem Kommentar: "Zeichen eines Wunders (isharat-ul 'idjaz)"am Anfang der Sure "el-Baqara" haben wir sie im Hinblick auf die wundersame Beredsamkeit des Qur'an zum Teil bereits behandelt. Dort kann man also nachschlagen.
Vierter Punkt
Das Fünfundzwanzigste Wort hat bereits bewiesen, dass eine wahrheitsgemäße Übersetzung des Weisen Qur'an nicht möglich ist. Zudem kann der erhabene Stil (ulviyet-i uslub),wie er sich in seiner geistigen Wundersamkeit (manevi i'djaz)findet, nicht übertragen werden. Es wäre auch besonders schwer, die Freude und die Erfahrung, die aus dem erhabenen Stil erwächst, der sich in seiner geistigen Wundersamkeit findet, zu erklären und verständlich zu machen. Doch um den Weg dahin aufzuzeigen, wollen wir auf ein, zwei Aspekte (dieses Stils) hinweisen. Es ist dies wie folgt:
وَمِنْ اٰيَاتِهِ خَلْقُ السَّمٰوَاتِ وَالْاَرْضِ وَاخْتِلاَفُ اَلْسِنَتِكُمْ وَاَلْوَانِكُمْ ٭ وَالسَّمٰوَاتُ مَطْوِيَّاتٌ بِيَمِينِهِ ٭ يَخْلُقُكُمْ فِى بُطُونِ اُمَّهَاتِكُمْ خَلْقًا مِنْ بَعْدِ خَلْقٍ فِى ظُلُمَاتٍ ثَلاَثٍ ٭ خَلَقَ السَّمٰوَاتِ وَالْاَرْضَ فِى سِتَّةِ اَيَّامٍ
يَحُولُ بَيْنَ الْمَرْءِ وَقَلْبِهِ ٭ لاَ يَعْزُبُ عَنْهُ مِثْقَالُ ذَرَّةٍ ٭ يُولِجُ الَّيْلَ فِى النَّهَارِ وَيُولِجُ النَّهَارَ فِى الَّيْلِ وَهُوَ عَلِيمٌ بِذَاتِ الصُّدُورِ
{"Und unter Seinen Zeichen ist die Erschaffung der Himmel und der Erde und die Verschiedenheit eurer Sprachen und Hautfarben." (Sure 30, 22) "Und die Himmel werden aufgerollt sein in Seiner rechten." (Sure 39, 67) "Er erschafft euch im Schoße eurer Mütter, Schöpfung nach Schöpfung in dreifacher Finsternis." (Sure 39, 6) "Er erschuf die Himmel und die Erde in sechs Tagen." (Sure 7, 54) "Er dringt zwischen den Menschen und sein Herz." (Sure 8, 24) "Vor Ihm ist auch nicht das kleinste Stäubchen verborgen." (Sure 34, 3) "Er lässt die Nacht in den Tag übergehen; und Er lässt den Tag in die Nacht übergehen; und Er hat Kenntnis über das Innere der Herzen." (Sure 57, 6)}
Der Qur'an, dessen Verkündigung ein Wunder ist, beschreibt mit dergleichen Versen die Wahrheit von der Schöpfung in einem so wunderbar erhabenen Stil (uslub)und mit einer so umfassenden Vielseitigkeit, damit wir eine Vorstellung davon bekommen können und zeigt uns: "Mit welchem Hammer auch immer der Gestalter dieser Welt und Baumeister des Universums bei Seiner Arbeit die Sonne und den Mond an ihren Plätzen befestigte: mit dem selben Hammer und im selben Augenblick (befestigt Er auch) die Atome an ihren Plätzen, zum Beispiel im Augapfel eines lebenden Wesens. Und mit welchem Maßstab, mit welchem unsichtbaren Instrument auch immer Er die Himmel ordnet und entfaltet, mit dem gleichen Maßstab und in der gleichen Reihenfolge öffnet Er unsere Augen, zieht den Schleier vor unseren Augen hinweg, Er erschafft sie, ordnet sie und weist ihnen ihren Platz an. Und mit welchem unsichtbaren Hammer Seiner Macht der ruhmreiche Meister (Sani-i dhu-l'Djelal)die Sterne am Firmament befestigt, mit der gleichen geistigen Kraft, mit dem gleichen unsichtbaren Hammer befestigt Er die zahllosen Unterscheidungsmerkmale im Gesicht des Menschen und seine inneren und äußeren Sinne an ihren Plätzen." Das heißt, um bei Seiner Arbeit Seine Werke sowohl dem Auge als auch dem Ohr vorzuführen, schlägt
Er mit dem Hammer einer Ayah des Qur'an auf ein Atom und schlägt mit dem Hammer eines anderen Wortes derselben Ayah auf die Sonne, in einem erhabenen Stil (uslub),als schlüge er mitten hinein ins Zentrum, um seine Einheit (Vahdaniyet)in Seiner Allgegenwart (Ahadiyet)und Seine grenzenlose Majestät (Djelal)in Seiner grenzenlosen Schönheit (Djemal)und Seine unendliche Gewalt (azamet)in Seiner unendlichen Verborgenheit, und Seine unendliche Allumfassendheit in Seiner unendlich genauen Aufmerksamkeit, Seine unendliche Majestät in Seiner grenzenlosen Barmherzigkeit (rahmet),Sein Unendlich-Entfernt-Sein in Seinem Unendlich-Nahe-Sein, drückt die äußerste Stufe der Vereinigung der Gegensätze in einer Form aus, die bei aller scheinbaren Unmöglichkeit doch den Grad einer Notwendigkeit (vadjib)erreicht. So ist es denn diese Art Ausdruck und der Stil, der selbst noch die größten und bedeutendsten Dichter und Literaten dazu veranlasst, sich vor einer solchen Eloquenz niederzuwerfen (sedjde).
Und noch ein weiteres Beispiel:
وَمِنْ اٰيَاتِهِ اَنْ تَقُومَ السَّمَآءُ وَالْاَرْضُ بِاَمْرِهِ ثُمَّ اِذَا دَعَاكُمْ دَعْوَةً مِنَ الْاَرْضِ اِذَآ اَنْتُمْ تَخْرُجُونَ
{"Und es gehört zu Seinen Zeichen, dass der Himmel und die Erde durch Seinen Befehl bestehen: dann, wenn Er euch aus der Erde herausruft, kommt ihr hervor." (Sure 30, 25)}
Durch diese Ayah zeigt Er uns die Majestät der Herrschaft Seines Königreichs (saltanat-i rububiyet)in Seinem erhabenen Stil (uslub)auf folgende Weise:
"Vom Himmel herab und aus der Erde herauf, erscheinen wie aus zwei Standorten oder Heerlagern, die zwei gehorsame und wohlgeordnete Hauptquartiere bilden, wie auf einen einzigen Befehl oder eine Fanfare hin mit vollendeter Schnelligkeit alle Lebewesen (maudjudat),die in diesen beiden Kasernen unter der Decke der Vergänglichkeit
und des Nicht-Seins liegen, sagen gehorsam: "Hier sind wir!" und treten auf den Platz der Versammlung und der Prüfung."
So ist es denn dieser so wunderbare (mu'djizane),erhabene Stil (uslub),in dem Auferstehung und Wiederversammlung ausgedrückt werden und auf den in dem folgenden überzeugenden Beweis hingewiesen wird, der in der folgenden Bestätigung enthalten ist: Offensichtlich werden die Saatkörner, die wie tot im Dunkel der Erde verborgen sind, und die Wassertropfen, die sich in der Luft verteilt wie versteckt halten, als ob sie gar nicht da wären, mit vollendeter Schnelligkeit wohlgeordnet in jedem Frühling wieder versammelt und treten auf dem Platz der Erfahrung und Prüfung hervor. So nehmen die Saatkörner in der Erde und die Wassertropfen unter dem Himmel jederzeit eine Form an, die an die Wiederauferstehung erinnert. In gleicher Weise wird auch die Große Wiederversammlung ebenso leicht zu Stande kommen. Da ihr also dies seht, könnt ihr auch jene nicht bestreiten. Usw....
Mit diesen Ayat kann man den Grad der Beredsamkeit in anderen Ayat vergleichen. Könnte etwa nun eine wahre Übersetzung dieser Art Ayat möglich sein? Mit Sicherheit nicht! Höchstenfalls könnte es entweder eine kurz zusammengefasste, sinngemäße Übertragung sein, oder man müsste für jeden Satz einer Ayah eine Art Kommentar von fünf, sechs Zeilen schreiben.
Fünfter Punkt
Zum Beispiel: "Elhamdu li'llah"(Lobpreis und Dank sei Gott) ist ein Satz im Qur'an. Seine kürzeste Bedeutung ist, entsprechend den Regeln, die der arabische Satzbau- und seine Ausdruckslehre erfordern, folgende:
كُلُّ فَرْدٍ مِنْ اَفْرَادِ الْحَمْدِ مِنْ اَىِّ حَامِدٍ صَدَرَ وَعَلٰى اَىِّ مَحْمُودٍ وَقَعَ مِنَ الْاَزَلِ اِلَى الْاَبدِ خَاصٌّ وَمُسْتَحِقٌّ لِلذَّاتِ الْوَاجِبِ الْوُجُودِ الْمُسَمّٰى بِاللّٰهِ
Das heißt: "Wie viel Lobpreis und Dank es auch immer
geben möge, von wem auch immer er kommen möge, an wem auch immer er von Ewigkeit zu Ewigkeit gerichtet sein möge: Er ist dem zu Eigen und dessen würdig, der da notwendiger Weise sein muss (Vadjibu-l'Vudjud)und der ALLAH genannt wird."
Das aber heißt:
"Wie viel Lobpreis und Dank es auch immer geben möge" ergibt sich in Konsequenz aus dem Artikel "al"-اَلْ
"Von wem auch immer er kommen möge." ist ein Zitat, verbunden mit dem Verbalsubstantiv "Dank"- حَمْدُ zu dem das aktive Partizip weggelassen wurde, wodurch in diesem Zusammenhang eine Allgemeinheit ausgedrückt wird.
Aber auch durch die Weglassung des passiven Partizips in dem Ausdruck: "An wen auch immer er gerichtet sein möge." ist das Zitat, unter der wiederum eine Allgemeinheit und Allumfassendheit angesprochen wird.
"Von Ewigkeit zu Ewigkeit" ist das Zitat, mit dem durch die Regel von der Transponierung eines Verbalsatzes in einen Nominalsatz Fortdauer und Zeitlosigkeit dargestellt wird.
Das "li"-لِ wird "Harf djar"genannt und benennt (als eine Präposition) in Verbindung mit dem Objekt "Allah"-اَللّٰه seinen Besitzer, also den, der gewürdigt ist.
"Das Wesen, das da notwendigerweise sein muss (Vadjibu-l'Vudjud)"ist ein Zitat, das die Notwendigkeit des Seins (Vudjub-u vudjud)als zwangsläufige Notwendigkeit aus der Gottheit (Uluhiyet)ableitet, eine treffende Bezeichnung für den Majestätischen Herrn (Dhat-i dhu-l'Djelal)in Anbetracht dessen, dass das Wort "Allah"-اَللّٰه (neben Seiner Uluhiyet)auch alle anderen Namen und Eigenschaften umfasst und der Gewaltig Große Name (Ism-i A'dham)ist, so wie (der Name Allah) mit einem kategorischen Beweis (die Gottheit) beweist, so beweist Er gleichermaßen die Bezeichnung "der Notwendig Seiende" mit dem selben kategorischen Beweis.
Wenn dies also nun die kürzeste offensichtliche Bedeutung des Satzes "Lobpreis und Dank sei Gott"- اَلْحَمْدُ لِلّٰهِ ist, auf die sich die arabischen Gelehrten geeinigt haben, wie könnte man sie dann mit den gleichen Zeichen der Kraft und des Wunders (die sich in ihm offenbart) in eine andere Sprache übertragen?
Des Weiteren gibt es neben der arabischen Sprache in der Welt der Sprachen nur eine einzige mit einer vergleichbaren Grammatik; und auch diese hat zu keiner Zeit den Umfang und die Ausdrucksfähigkeit der arabischen Sprache erreicht. Ja wäre es denn möglich, dass in dieser so einzigartigen und so vollkommenen Sprache dessen, der ihre wunderbare Gestalt mit all ihren grammatikalischen Regeln, die in dieser so umfassenden Sprache erscheinenden Worte des Qur'an (und alle Dinge) in all ihren Aspekten gleichermaßen kennt und (über sie auch entsprechend) mit Seinem Willen (irade)verfügt, in einer anderen Sprache (erscheinen), die nach einer völlig anderen Satzbau- und Ausdruckslehre (erstellt wird), durch einige Menschen, deren Bewusstsein begrenzt und deren Verständnis gestört ist und deren Herzen düster sind, wo dann andere den Platz dieser Heiligen Worte einnehmen? Ja, ich kann sogar sagen und vielleicht sogar beweisen, dass jeder einzelne Buchstabe des Qur'an einer ganzen Schatzkammer der Wahrheit gleichkommt. Ja, manchmal kann ein einziger Buchstabe über eine ganze Seite lang die Wahrheit unterrichten.
Sechster Punkt
Um auf diese Ansicht ein etwas deutlicheres Licht zu werfen, möchte ich von einem lichtvollen Erlebnis berichten, das mir selbst (hal)widerfahren und mir in einer Art Vision (hayal)deutlich (haqiqat)geworden ist; und zwar folgendermaßen:
اِيَّاكَ نَعْبُدُ وَاِيَّاكَ نَسْتَعِينُ
{"Dich allein beten wir an und von Dir allein erbitten wir Hilfe." (Sure 1, 4)}
Einmal habe ich über den Sinn des Buchstabens "nun"-ن als dem Zeichen der ersten Person Plural (vor einem Verbum) nachgedacht und mein Herz gefragt, warum hier die erste Person Singularis in die erste Person Pluralis ("wir beten") transponiert worden ist. Plötzlich wurde mir in diesem "nun"-ن die Besonderheit der Gemeinschaft im Gebet und ihr Geheimnis enthüllt. Da sah ich: meine Teilnahme in der Gemeinschaft in der Beyazid-Moschee, in der ich betete, machte jeden Einzelnen zu meinem Fürsprecher, der in meinem Gebet (qiraat)jede meiner Erklärungen und Behauptungen bezeugte und bestätigte. Inmitten der großen, vielfachen Anbetung dieser Gemeinde bekam ich den Mut, meine mangelhafte Anbetung an der Schwelle Gottes darzubringen. Dann öffnete sich plötzlich noch ein anderer Vorhang. Das heißt, all die großen Moscheen Istanbuls vereinigten sich miteinander. Die ganze Stadt wurde der Beyazid-Moschee gleich. Und plötzlich war es mir, als würde ich ihre Anbetung und all ihre Bestätigungen gleichsam in mir empfangen. Danach sah ich mich selbst auf dieser unserer Erde, die insgesamt zur Moschee geworden war, im Kreise der Reihen rund um die Ehrenwerte Kaaba stehen. اَلْحَمْدُ لِلّٰهِ رَبِّ الْعَالَمِينَ {"Lobpreis und Dank sei Gott, dem Herrn der Welten." (Sure 1, 1)} sagte ich. Ich habe so viele Fürsprecher. Sie sagen genau das gleiche, was auch ich im Gebet sage und bestätigen mich. Da aber nun einmal in meiner Vorstellung (hayal)dieser Vorhang sich geöffnet hatte, wurde auch die Ehrenwerte Kaaba zum Mihrab. Da nutzte ich diese Gelegenheit aus, rief diese Reihen zu Zeugen an, (kniete nieder zum) Tahayyat und vertraute das
اَشْهَدُ اَنْ لآَ اِلٰهَ اِلاَّ اللّٰهُ وَاَشْهَدُ اَنَّ مُحَمَّدًا رَسُولُ اللّٰهِ
{"Ich bezeuge, dass es keine Gottheit gibt außer Gott; und ich bezeuge, dass Mohammed der Prophet Gottes ist."}
als Sprachrohr meines Glaubens dem Schwarzen Stein an. Und während ich dies sagte, öffnete sich plötzlich vor mir noch eine weitere Szene: Da sah ich, dass die Gemeinschaft der ich angehöre, sich in drei Kreisen entfaltete:
Erster Kreis:
Die riesige Gemeinschaft aller Gläubigen und derer, die sich auf dem ganzen Erdenrund zur Einheit Gottes (muvahhit)bekennen.
Zweiter Kreis:
Ich blickte mich um (und erkannte, dass) ich ein Teil jener ganzen, großen Gemeinschaft alles Geschaffenen (maudjudat)bin, in der ein jeder Teil mit seinem eigenen Gebet (salavat)und Lobpreis (tesbihat)beschäftigt ist. Ihr Dienst besteht aus den Tätigkeiten, wie wir sie beobachten können und die als die "Aufgaben der Dinge" bezeichnet werden. Daraufhin sagte ich: "Gott ist groß!" und voll Bewunderung beugte ich mein Haupt und betrachtete mich selbst (nefs),und da sah ich in einem
Dritten Kreis einen erstaunlichen Mikrokosmos,
der augenscheinlich und nach seiner Eigenschaft klein, in Wirklichkeit aber, seiner Zahl und seinen Aufgaben entsprechend groß ist. In ihm erkannte ich eine Gemeinschaft, worin eine jede Gruppe, von den Zellen meines Körpers angefangen bis zu seinen Sinnesorganen mit ihren Aufgaben des Dienstes, der Anbetung und der Danksagung beschäftigt ist. In diesem Kreis sprachen die Blumen des Herrn (latife-i Rabbaniye)in meinem Herzen (qalb)zu mir:
اِيَّاكَ نَعْبُدُ وَاِيَّاكَ نَسْتَعِينُ
{"Dich allein beten wir an und von Dir allein erbitten wir Hilfe." (Sure 1, 4)}
Das sagten sie zu mir im Auftrag dieser Gemeinschaft, genauso wie meine Zunge dies in den beiden vorigen Gemeinschaften gesagt hatte, in der Absicht, für diese beiden großen Gemeinschaften zu sprechen.
Zusammenfassung:
Der (Buchstabe) "nun"-ن in dem Wort
"na'budu"-نَعْبُدُ verweist auf diese drei Gemeinschaften. Während ich also noch in diesem Zustand (hal)war, verkörperte sich plötzlich der Ehrenwerte Gesandte, mit dem Friede und Segen sei, der Interpret und Verkünder des Weisen Qur'an, auf seinem geistigen, die "Leuchtende Stadt" (Medinatu-l'Munauver)genannten Mimber, in seiner spirituellen Gestalt (shahs-i manevi)und in all seiner Majestät und in meinem Inneren hörte ich wie jeder andere, seine Zusprache يَآ اَيُّهَا النَّاسُ اعْبُدُوا {"Oh ihr Menschen, betet euren Herrn an!" (Sure 2, 21)} und gleich mir antwortete jeder in diesen drei Gemeinschaften: اِيَّاكَ نَعْبُدُ {"Dich allein beten wir an." (Sure 1, 4)}
Und entsprechend dem Gesetz, nachdem
اِذَا ثَبَتَ الشَّىْءُ ثَبَتَ بِلَوَازِمِهِ
{"Wenn etwas feststeht, so steht es fest auf Grund seiner Voraussetzungen."}
erkannte ich in mir (fikr)die folgende Wahrheit:
Da nun einmal der Herr aller Welten die Menschen zu seinem Ansprechpartner erwählt hatte und nun (durch ihn) mit allem Sein (maudjudat)spricht, verkündet nun Sein Ehrenwerter Gesandter, mit dem Friede und Segen sei, diese ehrenvolle Ansprache dem Menschengeschlecht, ja allem, was über Geist (ruh)und Bewusstsein verfügt. So werden denn nun die ganze Vergangenheit und auch die Zukunft der Gegenwart gleich. Seine Ansprache richtet sich an das ganze Menschengeschlecht als eine einzige (große) Versammlung, deren unterschiedliche
Reihen auf diese Weise (doch zusammen) eine (einzige) Gemeinde bilden. Und dann sah ich, dass jede einzelne Ayah des Qur'an über eine erhabene Macht verfügt, eine sprachliche Eleganz und Schönheit, die sie aus der ganzen Größe und Weite ihres Status (maqam)empfangen hat, ihren außerordentlich zahlreichen, verschiedenen, bedeutenden Ansprechpartnern, durch ihren Sprecher von Ewigkeit her, dem einen von unendlicher Größe und Majestät (azamet ve djelal),und von ihrem erhabenen Interpreten, der den Rang (maqam)des Geliebten Gottes einnimmt. Und ich sah jede einzelne Ayah in strahlendem, dem fürwahr strahlenden Licht seiner Wunderhaftigkeit (i'djaz).Und dann erscheint nicht nur der ganze Qur'an, oder eine Sure, oder eine Ayah, sondern jedes einzelne Wort als ein Wunder.
اَلْحَمْدُ لِلّٰهِ عَلٰٓى نُورِالْا۪يمَانِ وَالْقُرْاٰنِ
{"Lobpreis und Dank sei Gott für das Licht des Glaubens und für den Qur'an!",}
sagte ich da und erwachte aus meiner inneren Schau (hayal),welche doch reine Wahrheit war, die gleiche wie die, in die ich mit dem "nun"-ن des نَعْبُدُ eingetreten war, und ich verstand, dass nicht nur die Ayat des Qur'an und seine Worte, sondern auch einige seiner Buchstaben wie das " nun"-ن in نَعْبُدُ ein leuchtender Schlüssel zu bedeutenden Wahrheiten waren. Nachdem Intuition (qalb)und Imagination (hayal)aus dem "nun"-ن des "na'budu"-نَعْبُدُ herausgetreten waren, trat ihnen nun auch der Verstand (aqil)entgegen und sagte: "Auch ich möchte meinen Anteil. Doch ich kann nicht fliegen, so wie ihr. Meine Füße sind dafür der Beweis (delil),das Zeugnis (huddjet).Genauso wie in نَعْبُدُ und نَسْتَعِينُ ist es notwendig, den Weg, der zum Schöpfer (Khaliq)führt, welcher Ma'bud- مَعْبُدْ (der Angebetete) und Muste'an- مُسْتَعَانْ (der um Hilfe Angeflehte) ist, aufzuzeigen, damit ich mit euch gehen kann." Und dann geschah es, dass es in meinem Herzen aufkam: Sage zu diesem verwunderten Verstand:
Betrachte alles (maudjudat),was es da im Universum gibt: ob es lebend oder leblos ist: in vollkommenem Gehorsam und einer perfekten Ordnung hat alles seine Aufgabe und betet an, indem es seine Pflicht (vasife)erfüllt. Obwohl manche Dinge kein Bewusstsein und kein Gefühl haben, erfüllen sie doch ihre Aufgabe (vazife),wie gesteuert von einem, der über Bewusstsein verfügt, die Ordnung liebt und sie zu Dienst und Anbetung anleitet. Das aber heißt: es gibt einen in Wahrheit Angebeteten (Ma'budu bi-l'Haq)und Obersten Befehlshaber (Amir-i Mutlaq),der sie in Dienst (ibadet)nimmt und leitet.
Betrachte ferner alles (maudjudat),was da ist und besonders, was da lebt. Alle (lebenden Dinge) haben sehr viele und sehr verschiedene Bedürfnisse und besonders viele unterschiedliche Wünsche für ihren Fortbestand und die Erhaltung ihrer Existenz. Ihre Hände können auch nicht den kleinsten von ihnen erfüllen. Doch ihnen allen wird alles, dessen sie unentwegt bedürfen, regelmäßig und zu rechter Zeit aus einer unerwarteten Quelle in die Hände gelegt. Das kann man ganz klar erkennen...
So zeigt denn diese grenzenlose Bedürftigkeit und Not und die außerordentliche Hilfe aus dem Unsichtbaren und der Beistand des Erbarmers (Rahman)offensichtlich, dass sie einen Beschützer und Versorger haben, dessen Reichtum (Ghaniyy)vollkommen, dessen Freigiebigkeit (Keriem)vollkommen, dessen Macht (Qadir)vollkommen ist. Er ist es, von dem alle Dinge und alles, was da lebt, Hilfe erwartet und Beistand erfleht.
اِيَّاكَ نَسْتَعِينُ
{"Von Dir allein erbitten wir Hilfe." (Sure 1, 4)}
Sagen (alle Dinge, wenn auch) ohne Worte. Da sagte auch der Verstand: "Wir glauben und bestätigen es. (amenna ve saddaqna)"
Siebenter Punkt:
Als ich sodann sagte:
اِهْدِنَا الصِّرَاطَ الْمُسْتَقِيمَ ٭ صِرَاطَ الَّذِينَ اَنْعَمْتَ عَلَيْهِمْ
{"Führe uns den rechten Weg, den Weg derer, denen Du Gnade erwiesen hast." (Sure 1, 5-6)}
sah ich in der Karawane der Menschheit, die sich in Richtung auf die Vergangenheit hin ziehend bewegte, auch die leuchtende, glänzende Karawane der Propheten, der Getreuen, der Märtyrer, der Gottesfreunde und aller Aufrichtigen. Sie zerstreuen die Dunkelheit der Zukunft und reisen auf dem Weg in die Ewigkeit, auf der Großen Straße, die der Rechte Weg (djadd-i kubra mustaqiem)ist. Dieses Wort zeigt mir den Weg, der Karawane nicht zu folgen, vielmehr verbindet es mich mit ihr... Da rief ich denn plötzlich aus: "Gepriesen sei Gott! (fesubhanallah)"Ein jeder, der auch nur über ein Körnchen Bewusstsein verfügt, muss wissen, welch ein Verlust, ja was für eine Katastrophe es ist, dieser gewaltigen, lichtvollen Karawane nicht zu folgen, welche die Finsternis der Zukunft erleuchtet und in vollkommener Sicherheit dahinzieht. Woher sollte aber einer, der sich von dieser gewaltigen Karawane trennt, indem er Neuerungen (bid'a)erfindet, denn noch ein Licht finden? welchen Weg sollte er einschlagen? Der (unsere Karawane) anführt (rehber),der Ehrenwerte Gesandte, mit dem Friede und Segen sei, erließ den Ferman
كُلُّ بِدْعَةٍ ضَلاَلَةٌ وَكُلُّ ضَلاَلَةٍ فِى النَّارِ
{"Jede Neuerung ist eine Irreführung und jede Irreführung ist im Feuer."}
Was für einen Vorteil finden denn einige Unglückselige, die man mit dem Ausdruck "Gelehrte des Bösen (ulema-us su)"bezeichnen könnte, angesichts dieses gesicherten Fermans? was für eine Fetwa sprechen sie damit aus, dass sie unnötiger- und gefährlicherweise den unumstrittenen Kennzeichen des Islam widersprechen und es auch noch für möglich halten, sie zu verändern? Vielleicht war es so, dass ein vorübergehendes Erwachen, hervorgerufen
durch die flüchtige Erscheinung einer Übersetzung (mana)diese "Gelehrten des Bösen (ulema-us su)"betrogen hat. Zum Beispiel: wenn man einem Tier oder einer Frucht die Haut abzieht, sieht das Fleisch zunächst noch frisch aus. Doch schon nach ganz kurzer Zeit wird das frische Fleisch und die schöne Frucht unter der fremd und wie rostig, hart, dunkel und nun nebensächlich gewordenen Haut bereits schwarz und verrottet. Genauso sind die Worte Gottes und Seines Propheten, (eingehüllt) in die Zeichen des Islam, wie eine lebendige Haut, eine verdienstbringende (sevab)Schale. Schält man sie ab, so liegt die Leuchtkraft der (darunter verborgenen) Bedeutung vorübergehend bloß und wird teilweise sichtbar. Doch gleich einer Frucht, die von ihrer Schale getrennt wurde, verflüchtigt sich der Geist ihrer gesegneten Bedeutung, lässt die menschliche Haut in der Finsternis ihres Herzens und ihres Kopfes zurück und geht... das Licht entflieht, während der Rauch (seiner Flamme) zurückbleibt. Wie dem auch sei...
Achter Punkt:
(Zu diesem oben angeführten Punkt) ist es notwendig noch ein Prinzip der Wahrheit zu erklären. Damit verhält es sich folgendermaßen:
So wie es zwei verschiedene Arten von Recht gibt, das "Persönliche Recht" und eine Art von "Recht Gottes", als welches das "Öffentliche Recht" bezeichnet wird. Desgleichen betrifft in den Angelegenheiten der Schari'a ein Teil der Angelegenheiten die Privatpersonen, ein anderer Teil betrifft die im allgemeinen Interesse liegenden Angelegenheit der Öffentlichkeit. Diese werden die "Kennzeichen des Islam (sheair-i islamiye)"genannt. Da aber diese Kennzeichen die Allgemeinheit betreffen, haben alle daran ihren Anteil. In sie ohne das Einverständnis der Allgemeinheit einzugreifen, ist ein Angriff gegen die Rechte der Allgemeinheit. Das allerkleinste dieser Zeichen (eine Angelegenheit die Art einer Sunnah betreffend) hat hinsichtlich ihrer Bedeutung den selben Wert wie die allergrößte Angelegenheit. Weil aber diese Dinge unmittelbar die ganze
islamische Welt betreffen, sollten diejenigen, welche die Lichterkette, die seit dem Glücklichen Zeitalter (des Propheten) bis heute alle bedeutenden Persönlichkeiten des Islam bindet, zu erbrechen, zu zerstören, zu korrumpieren und alle, die ihnen dabei auch noch helfen, einmal darüber nachdenken, was für einen schrecklichen Fehler sie damit begehen. Und wenn sie auch nur ein Körnchen Bewusstsein dabei haben, mögen sie zittern!...
Neunter Punkt:
Es gibt im islamischen Gesetz (Schari'a)gewisse Angelegenheiten, welche die Anbetung (Taabudi)betreffen. Sie sind nicht an den Verstand (aqil)gebunden und werden erledigt, weil sie befohlen wurden. Ihr eigentlicher Grund (ilet)ist der Befehl (emr).
Ein anderer Teil wird als ein solcher mit einer "verständlichen Bedeutung" (Makulu-l'Mana)bezeichnet. Das heißt, sie enthalten eine gewisse Weisheit und einen Nutzen, dessen Logik dazu führte, dass auch sie in die Schari'a mit aufgenommen wurden. Doch ist dies nicht die wahre Ursache oder der eigentliche Grund, denn der wahre Grund ist der Befehl oder das Verbot Gottes.
Jener Teil der Zeichen, der den Dienst und die Anbetung betrifft, kann durch Weisheit oder Nutzen nicht verändert werden. Der Aspekt des Dienstes und der Anbetung überwiegt hier und bleibt daher stets unberührt. Und täten sich auch hunderttausend mögliche Nutzanwendungen auf, so werden dennoch (die Zeichen) nicht geändert. In gleicher Weise kann man nicht sagen, dass der Sinn der "Zeichen" auf jene Art von Nutzen beschränkt bleibt, der uns bekannt ist. So etwas anzunehmen, ist falsch. Was vielmehr ihren Sinn und Zweck betrifft, so kann es einer der vielen Weisheiten und Nutzanwendungen sein. Wollte man z.B. sagen: "Die Weisheit des Rufes zum Gebet liegt darin, die Muslime zum Gebet einzuladen. Zu diesem Zweck genügt ein Schuss mit einem Gewehr." Doch weiß dieser törichte Mensch nicht, dass dies nur einer der Vorzüge ist, die in dem Ruf zum Gebet (ezan)enthalten sind. Auch wenn der Schuss aus einem
Gewehr diesen Zweck erfüllt, wie könnte er denn an die Stelle des Rufes zum Gebet (ezan)treten, der ein Mittel ist, um der Verkündigung der Einheit Gottes (Tauhid)und Seiner göttlichen Herrschaft (rububiyet)willen, im Namen des Menschengeschlechtes oder doch wenigstens im Namen der Bewohner dieser Stadt den Dienst und die Anbetung vor Ihm zu verkünden, was doch das gewaltigste Ergebnis der Erschaffung des Weltalls und der Zweck der Erschaffung des Menschengeschlechtes ist?...
Kurzum:
Die Hölle ist nicht unnötig. Es gibt viele Dinge, die mit aller Kraft ausrufen: "Es lebe die Hölle!" Das Paradies ist auch nicht billig. Es verlangt nach einem hohen Preis.
لاَيَسْتَوِى اَصْحَابُ النَّارِ وَ اَصْحَابُ الْجَنَّةِ اَصْحَابُ الْجَنَّةِ هُمُ الْفَآئِزُونَ... الخ
{"Nicht gleich sind die Gefährten des Feuers und die Gefährten des Paradieses. Die Gefährten des Paradieses sind es, die glückselig sein werden." (Sure 59, 20)}
Zweites Kapitel, zugleich zweite Abhandlung
Das Fasten im Monat Ramadan
Nachdem am Ende des ersten Kapitels die Kennzeichen des Islam (sheair-i Islamiye)bereits kurz besprochen worden waren, soll nun im zweiten Kapitel ein Teil der Weisheiten des Heiligen Monats Ramadan behandelt werden, welcher das glänzendste und prächtigste aller Kennzeichen ist. Dieses Kapitel umfasst neun Abschnitte, in denen neun der sehr zahlreichen Weisheiten erklärt werden.
بِسْمِ اللّٰهِ الرَّحْمٰنِ الرَّحِيمِ ٭ شَهْرُ رَمَضَانَ الَّذِٓى اُنْزِلَ فِيهِ الْقُرْاٰنُ هُدًى للِنَّاسِ وَبَيِّنَاتٍ مِنَ الْهُدٰى وَالْفُرْقَانِ
{"Im Namen Gottes, des Erbarmers, des Allbarmherzigen. Es war im Monat Ramadan, in dem der Qur'an herabgesandt wurde, als Rechtleitung für die Menschen und als deutliche Zeichen für Rechtleitung und Unterscheidung." (Sure 2, 185)}
Erster Abschnitt:
Das Fasten im Monat Ramadan ist einer der ersten der fünf Säulen des Islam. Es ist gleichzeitig eine der markantesten Äußerungen der islamischen Lebensart (sheair-i Islamiye).Das Fasten im Monat Ramadan birgt viele Geheimnisse in sich, welche sowohl den Herrschaftsanspruch (rububiyet)Gottes des Gerechten, als auch das soziale Leben des Menschen, als auch das persönliche Leben der Gläubigen, als auch eine Schule der Selbstdisziplin (nefsin terbiye),als auch (eine Zeit der kraftvollen) Dankbezeigung für die von Allah erhaltenen Gaben ist.
Im Hinblick auf den Herrschaftsanspruch (rububiyet)Gottes des Gerechten ist eine der vielen Weisheiten des Fastens die Folgende:
Gott der Gerechte hat das Antlitz der Erde zu einer Tafel voller Gaben (ni'met)für die Menschen gemacht. Auf dieser Tafel bieten sich
مِنْ حَيْثُ لاَ يَحْتَسِبُ
{"...von Orten, von denen er dies nicht erwartet hatte. (Sure 65, 3)"}
alle erdenklichen Arten Seiner Gaben (ni'met)an. Auf diese Weise bringt Er die Vollkommenheit Seiner Herrschaft (rububiyet),Seines Erbarmens (rahmaniyet)und Seiner Barmherzigkeit (rahimiyet)zum Ausdruck. Die Menschen, in Trägheit verfallen und von äußeren Ursachen und Wirkungen geblendet, übersehen entweder die Tatsache, die in dieser Wahrheit zum Ausdruck kommt, oder vergessen sie manchmal sogar. Im Monat Ramadan gleichen die Gläubigen plötzlich einer gut organisierten Armee. Sie alle sind dann zum Gastmahl des ewigen Sultans eingeladen und warten bis zur beginnenden Abenddämmerung auf die Aufforderung: "Bitte, greift zu (Buyurunuz)!"Indem sie so ihre Haltung als Diener in der Anbetung Gottes erweisen, erwidern sie auf diese Weise die liebevolle (shefqatli),majestätische (hashmetli),allumfassende Barmherzigkeit (rahmaniyet)mit einem alles umfassenden, wohlgeordneten und erhabenen Dienst und Anbetung. Darf man wohl jene Menschen, die sich diesem erhabenen Dienst, der Anbetung und vor diesen ehrenvollen Gastfreundschaft (sheref-i keramet)verschließen, ihres menschlichen Namens für würdig erachten?
Zweiter Abschnitt:
In Anbetracht der Tatsache, dass das Fasten im segensreichen Monat Ramadan, der Dankbarkeit für die Gnadengaben (ni'met)Gottes des Gerechten dient, ist eine Weisheit unter vielen Weisheiten die folgende:
Wie bereits im Ersten Wort erwähnt wurde, erfordern die Speisen, die der Kellner aus der kaiserlichen Küche bringt, ihren Preis. So wie es im höchsten Grade eine
Torheit wäre, hat man dem Kellner bereits ein Trinkgeld gegeben, nun zu glauben, dass diese so kostbaren Gnadengaben wertlos seien und den, der sie uns gespendet hat, nicht zu kennen. So hat auch Gott der Gerechte für das Menschengeschlecht zahllose verschiedene Gaben über die Erde ausgebreitet und erwartet von uns nun als Preis für Seine Gnadengaben unseren Dank. Die äußerlichen Ursachen, Dinge und Umstände dienen dabei, wie der Kellner, nur als Träger. Diesen Kellnern zahlen wir einen Preis, ja wir sind ihnen zu Dank verpflichtet. Unser Dank und Respekt geht zuweilen noch weit über das erforderliche Maß hinaus, während doch der Wahre Geber (Mun'im)aller Gaben in unendlichem Grade mehr als alle Ursachen würdig ist, unseren Dank entgegen zu nehmen. Ihm zu danken bedeutet also, zu wissen, dass jene Gaben unmittelbar von Ihm kommen, ihren Wert zu schätzen wissen und dabei seine eigene Bedürftigkeit wahr zu nehmen.
So ist denn das Fasten im Heiligen Monat Ramadan der Schlüssel zu wahrer (haqiqi),reiner (khalis),tiefer (azametli)und allumfassender Dankbarkeit. Denn zu anderen Zeiten, wenn die meisten Menschen sich nicht gerade in einer Zwangslage befinden, sind sie auch kaum in der Lage, den Wert der vielen Gnadengaben zu erkennen, weil sie echten Hunger gar nicht verspüren. Für einen Menschen der satt ist und ganz besonders, wenn er reich ist, ist der Grad der Gnade völlig unverständlich, der sich schon allein in einem trockenen Stück Brot verbirgt. Zur Stunde des Fastenbrechens (iftar)aber bezeugt uns der Geschmackssinn, welch wertvolle Gabe Gottes jenes trockene Stück Brot in den Augen eines Gläubigen ist. Während des Heiligen (Monats) Ramadan gelingt es einem jeden, vom König bis zum Ärmsten durch sein Verständnis des Wertes solcher Gnadengaben innere Dankbarkeit zu gewinnen.
Wenn er sodann, weil ja tagsüber das Essen verboten ist, sagt: "Diese Gaben sind nicht mein Eigentum. Ich bin nicht so frei, sie zu mir zu nehmen. Das heißt, sie sind Eigentum
eines anderen und Sein Geschenk. Ich warte auf Seinen Befehl." erkennt er das Geschenk als ein Geschenk und bringt so seine innere Dankbarkeit (shukr-u manevi)zum Ausdruck. Auf diese Weise wird das Fasten zu einem Schlüssel der Dankbarkeit, die in vielerlei Hinsicht die eigentliche Aufgabe des Menschen ist.
Der dritte Abschnitt:
Was das Fasten hinsichtlich des Gemeinschaftslebens für den Menschen betrifft, so ist eine Weisheit unter vielen Weisheiten, folgende:
Die Menschen sind, was ihren Lebensunterhalt betrifft, verschieden. Gott der Gerechte fordert in Anbetracht dieser Verschiedenheit die Reichen auf, den Armen zu helfen. Doch die Reichen können nur durch ihren Hunger während des (eigenen) Fastens den bedauernswerten, bitteren Zustand der Armen erspüren. Gäbe es kein Fasten, so gäbe es (statt dessen) viele selbstsüchtige Reiche, die nicht begreifen (idrak)können, wie weh Hunger und Armut tun können und wie vieler Liebe (shefqat)diejenigen bedürfen, (die darunter leiden).
In dieser Hinsicht bildet die Liebe zum Mitmenschen, so wie sie sich im menschlichen Wesen findet, die Grundlage wahrer Dankbarkeit. Wie auch immer ein Mensch sein mag, er wird immer einen anderen finden können, der in gewisser Hinsicht noch ärmer ist als er. Ihm gegenüber ist es seine Pflicht, ihm Mitleid (shefqat)zu erweisen.
Wenn er selbst noch nie dazu gezwungen war, Hunger zu leiden, kann er auch die Güte (ihsan)und Hilfe nicht aufbringen, zu der er allein schon aus Mitleid (shefqat)verpflichtet ist. Und wenn er es auch könnte, so wäre (seine Hilfe dennoch) unvollkommen, da er ja diesen Zustand (hal)nicht wirklich in seiner eigenen Seele (nefs)verspürt hat...
Vierter Abschnitt:
Betrachten wir einmal das Fasten vom Standpunkt der Diätetik der Seele (nefsin terbiye),so ist auch hier eine Weisheit unter vielen Weisheiten folgende:
Die Seele (nefs)möchte frei und unabhängig sein und versteht
sich selbst auch so. Ja sie sehnt sich sogar nach einer, (wenn auch nur) erträumten Herrschaft und hält es geradezu für selbstverständlich, nach eigenem Gutdünken zu handeln. Sie denkt nicht ohne weiteres daran, sich in der grenzenlosen Gnade (Gottes) erziehen (ni'metlerle terbiye)und durch Seine Gaben versorgen zu lassen. Hat sie überdies Macht und Reichtum (zusammengerafft) und ihre Gottvergessenheit ihr auch noch dazu verholfen, so reißt sie die Gnadengaben Gottes an sich, stiehlt sie wie ein Dieb und verschlingt sie wie ein Tier.
Nun begreift aber im Heiligen (Monat) Ramadan ein jeder in seiner Seele, vom reichsten bis zum ärmsten, dass er nicht der Eigentümer ist, sondern selbst das Eigentum, dass er also nicht frei ist, sondern (Gottes) Diener und Anbeter. Erhält er keinen Befehl, so kann er noch nicht einmal die einfachsten und leichtesten Dinge tun. Wenn er noch nicht einmal seine Hand nach dem Wasser ausstrecken kann, bricht seine eingebildete Selbstherrlichkeit zusammen. Nun beginnt er in Dienst und Anbetung jene Dankbarkeit darzubringen, die seine ureigenste Aufgabe ist.
Fünfter Abschnitt:
Hinsichtlich des Fastens im Heiligen (Monat) Ramadan ist, was die ethische Vervollkommnung der Seele und die Aufgabe ihrer Widersetzlichkeiten betrifft, eine von vielen Weisheiten folgende:
Die menschliche Seele vergisst sich selbst in ihrer Gottvergessenheit (und weiß dann nicht mehr, wer sie ist). Sie verkennt leicht die unendliche Ohnmacht, die unsagbare Armut und die hochgradige Fehlerhaftigkeit ihres Wesens und will sie auch gar nicht sehen. Zudem denkt der Mensch ungern daran, wie schwach er ist, wie sehr er dem Verfall ausgesetzt ist, wie oft er vom Unglück verfolgt ist und dass er nur Fleisch ist über einem Skelett, das zerfällt und vermodert. Als hätte er einen Körper aus Stahl und wäre unsterblich, klammert er sich an diese Welt und stellt sich vor, er wäre ewig. Mit einer Gier und Habsucht, mit ungezügelter Liebe (muhabbet)und Leidenschaft
stürzt er sich in die Welt. Er ist gefesselt von allen Dingen, die ihm Vorteile bringen und Genuss bereiten. Dabei vergisst er seinen Schöpfer, der ihn mit vollkommener Liebe (shefqat)versorgt. Auch das Fazit seines (diesseitigen) Lebens und das jenseitige Leben liegen nicht in seinem Blickfeld und er wälzt sich im Morast seiner Unmoral.
So lässt denn das Fasten im Heiligen (Monat) Ramadan alle, selbst die in tiefster Gottvergessenheit und die Starrköpfigsten ihre Schwäche (da'if),Ohnmacht (adjz)und Armseligkeit (faqr)erkennen. Der Hunger treibt sie, an ihren Magen zu denken und seine Bedürfnisse wahrzunehmen. Sie beginnen zu begreifen, in welch hohem Maße ihr Körper schwach und anfällig ist. Es wird ihnen klar, wie sehr sie des Mitleids und der Güte (merhamet ve shefqat)bedürfen. So beginnt (der Mensch) die pharaonengleiche Selbstherrlichkeit loszulassen und verspürt den Wunsch in Anbetracht der vollkommenen Ohnmacht und Armseligkeit an der Schwelle Gottes Zuflucht zu suchen und bereitet sich vor, mit dankbarem Herzen an der Pforte der Barmherzigkeit (rahmah)anzuklopfen, soweit nicht sein Herz in seiner Gottvergessenheit schon verdorben ist.
Sechster Abschnitt:
Eine von vielen Weisheiten des Fastens im Heiligen (Monat) Ramadan ist in Anbetracht der Herabsendung des Weisen Qur'an, und weil der Heilige (Monat) Ramadan hinsichtlich der Herabsendung des Weisen Qur'an die wichtigste Zeit ist, die folgende:
Da der Weise Qur'an nun einmal im Heiligen (Monat) Ramadan herabgesandt wurde, sollte man, um sich die Zeit, in der der Qur'an geoffenbart wurde, zu vergegenwärtigen, wodurch dieses göttliche Buch auf das schönste willkommen geheißen wird, im Heiligen (Monat) Ramadan seine Seele (nefs)von den niederen Begierden zurück halten, vor unsinnigen Zuständen (halat)bewahren, und so unter ähnlichen Umständen (vaziyet)verkehren, wie die Engel, die weder Speise noch Trank bedürfen, sollte den Qur'an lesen und hören, so als wäre er neu herabgesandt worden, und in ihm die Ansprache Gottes hören, so wie sie
der Ehrenwerte Gesandte, mit dem Friede und Segen sei, von dem Ehrenwerten Engel Gabriel, oder vielmehr dem Urewigen Sprecher gehört hat und so einen heiligen Zustand (quds-i halet)verwirklichen. Er sollte sich selbst zu seinem Sprecher machen, damit andere ihn hören können und so andere in gewissen Grade die Weisheit erkennen lassen, die in der Herabsendung des Qur'an liegt.
Es ist in der Tat so, als verwandele sich die islamische Welt im Heiligen (Monat) Ramadan gewissermaßen in eine Moschee. Sie wird zu einem Gebetshaus, in dem Millionen Rezitatoren (Hafidh),in allen Ecken dieser gewaltigen Moschee den Qur'an, diese göttliche Ansprache, den Erdenbewohnern zu Gehör bringen. In jedem Ramadan wird in glänzender, strahlender Weise die Ayah dargestellt:
شَهْرُ رَمَضَانَ الَّذِٓى اُنْزِلَ فِيهِ الْقُرْاٰنُ
{"Der Monat Ramadan, in dem der Qur'an herabgesandt wurde." (Sure 2, 185)}
Der Ramadan beweist, dass er der Monat des Qur'an ist. Einige Mitglieder dieser gewaltigen Gemeinschaft lauschen den Vorträgen eines Hafidh mit Hingabe, andere lesen still, jeder für sich. Sich unter den gegebenen Umständen (vaziyet)wie denen in einer Moschee, den niederen Trieben seiner Seele (nefs)hingeben und so durch Essen oder Trinken diese lichterfüllte Situation zu verlassen, ist dermaßen verabscheuungswürdig, dass es unter der Gemeinschaft in der Moschee verständlicherweise eine innerliche Verachtung hervorruft und (Leute, die so etwas tun) deshalb zu deren Zielscheibe werden. Genau so machen sich im Heiligen (Monat) Ramadan diejenigen, die den Leuten, die fasten, zuwiderhandeln im gleichen Grade auch zur Zielscheibe des innerlichen Abscheus und der Verachtung der ganzen islamischen Welt.
Siebenter Abschnitt:
Eine Weisheit unter vielen Weisheiten des Ramadanfastens hinsichtlich des Verdienstes für das Menschengeschlecht, das in diese Welt kommt, um für das Jenseits zu ackern und zu handeln, ist folgende:
Im Heiligen (Monat) Ramadan werden gute Taten von Gott tausendfach vergolten (sevab).Nach einem Hadith bringt jeder Buchstabe im Weisen Qur'an zehn Pluspunkte (Sevab)und zehn Früchte des Paradieses bei Gott ein und wird für zehn gute Werke (Hassanah)gezählt. Im Heiligen (Monat) Ramadan sind es nicht zehn sondern tausend. Der Gotteslohn für die gelesenen Qur'anstellen, wie für Ayatu-l'Kursi (2, 255) ist Tausend für jeden Buchstaben und an den Freitagen im Heiligen (Monat) Ramadan ist es sogar noch mehr. Und in der Nacht der Offenbarung (des Qur'an) ist er selbst dreißigtausendfach. In der Tat gleicht jeder Buchstabe einem ganzen Qur'an, der dreißigtausend Früchte hervorbringt, wie der leuchtende Baum der Glückseligkeit (shedjere-i tuba).Auf diese Weise können die Gläubigen im Monat Ramadan Millionen von Früchten ernten.
Nun komm und siehe diesen heiligen, ewigen, verdienstvollen Handel! Bedenke, welch großem Schaden jene sich aussetzen, die den Wert dieser (arabischen!) Buchstaben nicht begreifen.
Der Heilige (Monat) Ramadan gleicht also einer außerordentlich ertragreichen Handels- und Messeveranstaltung für das jenseitige Leben. Er gleicht einem außerordentlich fruchtbaren Stück Land für die Ernte im Jenseits und einem Frühlingsregen für das Wachstum und Gedeihen all unserer Handlungen. Er gleicht einer glänzenden heiligen Festveranstaltung des Königs mit einem Vorbeizug der Menschheit in Seinem Dienst, in Seiner Anbetung, veranstaltet zu Ehren ihres göttlichen Herrschers (Saltanat-i rububiyet-i ilahiye).Und da dies nun einmal so ist, wurde die Seele in ihrer Gottvergessenheit dazu verpflichtet, nicht ihren tierischen Bedürfnissen, wie Essen und Trinken, oder irgendwelchen anderen sinnlosen, egoistischen Interessen und Begierden zu verfallen, sondern statt dessen besser zu fasten.
Es ist, als ob sie vorübergehend ihrer tierischen Verhaftung entschlüpfe, den Status (vaziyet)eines Engels einnähme, bzw. einen Handel mit der jenseitigen (Welt) einginge, die irdischen Bedürfnisse vorübergehend hinter sich ließe, oder aber die Gestalt eines Menschen annähme, der für das Jenseits (lebt) und den Status eines Geistes (ruh)auf sich nähme, der in einem Körper sichtbar geworden ist. Durch ihr Fasten wird sie zu einer Art Spiegel der Unwandelbarkeit (samedaniyetGottes). Der Heilige (Monat) Ramadan trägt fürwahr schon in dieser vergänglichen Welt, während dieser kurzen, vorübergehenden Lebensspanne, in diesem kurzen irdischen Leben, eine Spanne ewigen, unvergänglichen Lebens in sich, das es zu gewinnen gilt.
Ein einziger Ramadan kann uns in der Tat die Früchte eines achtzigjährigen Lebens gewinnen lassen. Nach dem ausdrücklichen Wortlaut des Qur'an ist die Nacht der Bestimmung (Laylatu-l'Qadr)
besser als tausend Monate, was ein sicherer Beweis für dieses Geheimnis ist. So wie also ein König im Verlauf seiner Regierungszeit jährlich oder gelegentlich, z.B. anlässlich Seiner Thronbesteigung Festtage ausrufen und eine glanzvolle Feier veranstalten kann, Seinen Untertanen an einem solchen Tag außerhalb der allgemein gültigen Gesetze (eine allgemeine Amnestie verkünden), ihnen Seine Huld erweisen; Er zeigt sich höchstderoselbst in der Öffentlichkeit, gewährt Privataudienzen und ehrt die treuen und verdienten Bürger seines Reiches durch Sein persönliches Wohlwollen und sein königliches Interesse. Genauso hat auch der König, der in Seiner Majestät und Herrlichkeit über die achtzehntausend Welten herrscht von Ewigkeit zu Ewigkeit in diesem Heiligen (Monat) Ramadan den hochehrwürdigen Qur'an als einen königlichen Erlass für diese achtzehntausend Welten herabgesandt. Darum ist es mit Sicherheit ein Erfordernis Seiner Weisheit, diesen Monat mit Recht, ein besonderes Fest Gottes, eine Messe des Herrn und eine Versammlung und Vereinigung der Seelen
(zu Gottes Gedenken) zu nennen. Da nun einmal der Ramadan ein solches Fest (ein solches feierliches Gedenken Gottes) ist, wurde mit Sicherheit auch ein Fasten befohlen, um die Menschen in gewissem Grade von ihren niederen, tierischen Bedürfnissen zurückzuhalten.
Das vollkommenste Fasten heißt, nicht nur dem Magen, sondern mit ihm zugleich auch allen Organen des Menschen, wie den Augen, den Ohren, der Zunge, aber auch dem Herzen, der Phantasie und den Gedanken ein Fasten aufzuerlegen, also mit anderen Worten: all den verbotenen, aber auch allen nichtigen Dingen aus dem Wege zu gehen und jedes Organ auf seine Art Dienst und Anbetung hin zu orientieren, seine Zunge vor der Lüge, vor übler Nachrede, vor groben und hässlichen Worten zu bewahren und in dieser Form ein Fasten zu halten und die Zunge statt dessen darin zu üben, den Qur'an zu lesen, die Heiligen Namen Gottes immer wieder zu rezitieren, Ihn zu loben, zu rühmen und zu preisen, Segenswünsche (für den Propheten) auszusprechen und Allah um Verzeihung anzurufen; die Augen vor unerlaubten Dingen zu bewahren und sie statt dessen auf lehrreiche Dinge zu lenken; das Ohr vom Hören schlechter Dinge abzuwenden und es auf schöne und wahrhaftige Reden zu richten, den Qur'an anzuhören - dies alles ist (in dem ganz allgemeinen Begriff) "Fasten" mit eingeschlossen.
Weil aber nun der Bauch die größte Industrieanlage in unserem Körper darstellt, ist es um so leichter, alle die anderen kleinen Werkstätten zur Nachfolge anzuregen, hat man erst einmal diese große Anlage stillgelegt (und ihre Arbeiter in Urlaub geschickt).
Achter Abschnitt:
Eine Weisheit unter vielen Weisheiten des Heiligen (Monats) Ramadan hinsichtlich des individuellen menschlichen Lebens ist folgende:
Eines der wirksamsten Heilmittel in der Gestaltung eines gesunden Lebens ist es, eine Diät einzuhalten für Leib und Seele. Medizinisch wie diätetisch gesehen schädigt ein Mensch, der seiner Seele bei der Einnahme von Speisen freien
Lauf lässt, seinen Körper, weil er der Maßlosigkeit nicht mehr Herr werden kann und das Erlaubte von dem Verbotenen (helal-haram)nicht zu unterscheiden vermag. Einem solchen Menschen fällt es mit der Zeit schwer, sich nach den feinen Empfindungen des Herzens zu richten und dem Geist (ruh)zu folgen. Nun nehmen die Vagabunden in ihm selbst die Zügel in die Hand und der Mensch kann (seine Begierde) nicht mehr bezwingen. Jetzt reitet sie ihn vielmehr.
Im Ramadan gewöhnt sich (der Gläubige) mit Hilfe des Fastens an seine Art von Diät. Er unterwirft sich der Askese und lernt, Befehle zu befolgen. Er beugt den Krankheiten vor, indem er seinen armen, schwachen Magen keinen Überlastungen aussetzt und ihn nicht schon wieder füllt, noch bevor er überhaupt leer geworden ist. Dadurch, dass er lernt, sich einem Befehl zu unterwerfen, auf Erlaubtes zu verzichten und von Verbotenem Abstand zu nehmen, befähigt er sich, Befehle, die aus der Vernunft und dem Gesetz erwachsen, leichter zu befolgen. Er bemüht sich somit, sein spirituelles Leben (hayat-i manevi)nicht zugrunde zu richten.
Des Weiteren wird der überwiegende Teil der Menschheit sehr häufig von Hunger geplagt. Darum braucht (der Mensch) Hunger und Askese, um Geduld und Ausdauer zu lernen und zu üben. Im Heiligen (Monat) Ramadan ist ein Fasten, wo der Hunger fünfzehn Stunden oder selbst vierundzwanzig Stunden fortdauert, falls man auf das Frühstück (sahur)verzichtet, eine ausgezeichnete Schule der Geduld und der Askese. Mit anderen Worten: das Fasten ist das Heilmittel gegen die Ungeduld und den Mangel an Ausdauer, welche das Übel des Menschen verdoppeln.
Des Weiteren gibt es in der Fabrik des Bauches auch sehr viele Arbeiter. Ferner gibt es im Bauch des Menschen auch noch sehr viele Organe, die unter einander verbunden sind. Wenn nun die Seele nicht im Verlauf eines Monats tagsüber Urlaub von ihrer Arbeit erhält,
vergessen auch die Arbeiter in jener Fabrik und alle ihre Organe ihren besonderen Dienst und die Anbetung. Sie sind weiterhin ständig beschäftigt und bleiben so der Zwangsherrschaft (der Seele) verhaftet. Auch die übrigen menschlichen Organe werden durch das Getöse der unsichtbaren Zahnräder und die Dunstschwaden in der Fabrik ganz verwirrt. So sind sie ständig mit sich selbst beschäftigt und vergessen vorübergehend ihre erhabenen Aufgaben (vasife).So kommt es denn, dass sich schon von alters her die Freunde Gottes zu ihrer Vervollkommnung einer Askese mit stets nur wenig Essen und Trinken zu unterziehen pflegten.
Im Zuge des Fastens im Heiligen (Monat) Ramadan beginnen jene Fabrikarbeiter zu begreifen, dass sie nicht allein für die "Fabrik" erschaffen worden sind. Auch die übrigen Organe genießen im Heiligen (Monat) Ramadan statt der niederen Freuden jener Fabrik die Freuden der Engel und Geister. Und ihre Blicke sind unverwandt darauf gerichtet. Dadurch lässt es sich erklären, dass im Heiligen (Monat) Ramadan die Gläubigen vielfach verschiedene (Stufen) der Erleuchtung, der Fülle und geistigen Freude erfahren, und zwar entsprechend dem jeweiligen Grad ihrer geistigen Entwicklung. Alle innerlichen und äußerlichen Sinne und Kräfte des Menschen, Herz (qalb),Verstand, und Gemüt, die geheimnisvollen, feinen inneren Kräfte des Geistes werden in diesem gesegneten Monat durch das Fasten entfaltet und gesegnet. Während der vor Hunger leere Magen weint, füllt sich die Seele mit unschuldiger innerer Freude.
Neunter Abschnitt:
Unter den Weisheiten des Fastens im Heiligen (Monat) Ramadan hinsichtlich der unmittelbaren Zerstörung der eingebildeten Selbstherrlichkeit der Seele und der Bekanntgabe ihres Dienstes und ihrer Anbetung durch einen Hinweis auf ihre Schwäche ist eine Weisheit die folgende:
Die Seele ist von sich aus nicht geneigt, ihren Herrn (Rabb)zu erkennen. Wie Pharao will sie ihre eigene Herrschaft aufrichten.
Wievielen Qualen sie auch immer ausgesetzt würde, dieser Charakterzug bliebe dennoch in ihr erhalten. Durch den Hunger wird jedoch diese ihre Grundneigung gebrochen. So wird denn im Heiligen (Monat) Ramadan ein direkter Schlag gegen die Frontlinie der Seele und ihr pharaonengleiches Verhalten geführt. Ihre Schwäche, Ohnmacht und Armseligkeit werden aufgedeckt. So erfährt sie, dass sie ein Diener und Anbeter ihres Herrn ist.
In den Ahadith begegnen wir folgender Überlieferung:
Gott befragte die Seele (nefs):"Was bin ich? was bist du?" Die Seele sagte: "Ich bin ich! Du bist Du!" Gott unterzog sie darauf einer Strafe. Sie wurde in die Hölle geworfen. Dann stellte Er wieder dieselbe Frage. Sie erwiderte auch diesmal: "Ich bin ich! Du bist Du!" Welcher Strafe Er sie auch unterzog, sie ließ von ihrem Trotz nicht ab. Da verhängte Er über sie die Strafe des Hungers. Mit anderen Worten: Er ließ sie hungern. Dann befragte Er sie von neuem: "men ene wa ma ente?" (Wer bin ich und was bist du?) Nun sagte die Seele:
اَنْتَ رَبِّى الرَّحِيمُ ٭ وَاَنَا عَبْدُكَ الْعَاجْزُ
Das heißt: "Du bist mein barmherziger Herr. Ich hingegen bin Dein schwacher Diener."
اَللّٰهُمَّ صَلِّ وَسَلِّمْ عَلٰى سَيِّدِنَا مُحَمَّدٍ صَلٰوةً تَكُونُ لَكَ رِضَآءً وَلِحَقِّهِ اَدَآءً بِعَدَدِ ثَوَابِ حُرُوفِ الْقُرْاٰنِ فِى شَهْرِ رَمَضَانِ وَعَلٰٓى اٰلِهِ وَصَحْبِهِ وَسَلِّمْ ٭ سُبْحَانَ رَبِّكَ رَبِّ العِزَّةِ عَمَّا يَصِفُونَ ٭ وَسَلاَمٌ عَلَى الْمُرْسَلِينَ ٭ وَ الْحَمْدُ لِلّٰهِ رَبِّ الْعَالَمِينَ ٭ اٰمِينَ
{"Oh Gott gib Friede unseren Herrn Mohammed und segne ihn mit Segen, wie es auch Deinem Wohlgefallen entspricht. Verleihe ihm die Erfüllung in Deiner Wahrheit nach der Anzahl der Verdienste der im Monat Ramadan gelesenen Worte im Qur'an. Schenke ihm Frieden, seiner Familie und seinen Gefährten. Lob sei Deinem Herrn, dem Herrn der Macht. Erhaben ist Er über das, was sie da sagen. Und Friede sei über die Gesandten und Preis und Dank sei Gott, dem Herrn der Welten! Amen!" (Sure 37, 180-182)}
Entschuldigung:
Da dieses zweite Kapitel in vierzig Minuten, also sehr schnell geschrieben worden ist, während ich und mein Schreiber, dem ich diktierte, beide krank waren. So finden sich darin mit Sicherheit Fehler und Ungereimtheiten. Wir erwarten daher von unseren Brüdern, dass sie (dieses Kapitel) mit Nachsicht betrachten mögen. Wo sie das für nötig halten, mögen sie es aber korrigieren!
* * *
Drittes Kapitel, zugleich dritte Abhandlung
Ich habe dieses Kapitel geschrieben, um meinen Mitbrüdern einen wichtigen Plan zur Begutachtung vorzulegen. Diese Absicht betrifft die Niederschrift eines Qur'anexemplars in der Art, dass sie in der Beibehaltung eines Maßstabs eine der zweihundert Arten einer Darstellung der Wunderhaftigkeit des Qur'an zur Anschauung bringt, wobei die Seiten in der Weise niedergeschrieben werden, dass sie in Übereinstimmung mit der Schreibweise von Hafis Osman sind, wobei der Mudayana-Vers als Maßstab für die Seite Verwendung findet, und die Suratu-l'Ikhlas als Maßstab für eine Standard-Zeile. Diesen dritten Abschnitt habe ich geschrieben, um mich mit euch über diese Angelegenheit zu beraten, eure Meinung einzuholen und mich auch selbst dabei zu kontrollieren.
Der hochehrwürdige Qur'an ist ein Wunder, und das auf verschiedene Arten und bis zu vierzig Weisen. Dies wurde im Fünfundzwanzigsten Wort, genannt die "Wunderhaftigkeit des Qur'an", anhand von Zeugnissen bewiesen. Einige von ihnen wurden ausführlich, andere nur in aller Kürze dargestellt, sodass es selbst noch die Engstirnigen erkennen können.
Des Weiteren wurde im Achtzehnten Hinweis des Neunzehnten Briefes erklärt, dass die Wunderhaftigkeit des Qur'an vierzig verschiedenen Klassen unter den menschlichen Schichten ihr jeweils für sie geeignetes Wunder zeigt und dabei der spezielle Anteil an Wunderhaftigkeit für zehn von diesen (vierzig) Schichten bewiesen. Die übrigen dreißig Klassen sind die Gottesfreunde und ihre Schüler nach den verschiedenen Richtungen (meshreb),sowie die Schüler der verschiedenen Wissenszweige. Ihr auf Forschung beruhender Glaube (iman-i tahqiq)hat
mit wissenschaftlicher, augenscheinlicher und wahrhaftiger Gewissheit (ilme l-yaqien, ayne l-yaqien, haqqa l-yaqien)gezeigt, dass der Qur'an das wahre Wort Gottes (kelamu'llah)ist und für eine jede Richtung ein besonderes Wunder darstellt. Mit anderen Worten: eine jede (dieser Schichten) muss also auf eine jeweils andere Weise einen anderen Aspekt seiner Wunderhaftigkeit erkannt haben. So ist denn in der Tat die Wunderhaftigkeit, so wie sie ein Heiliger erlebt, der Gott auf dem Wege der Erkenntnis (marifet)sucht und die Schönheit der Wunderhaftigkeit, so wie sie ein Gottesfreund als Sein Geliebter (ashk)erlebt, nicht dasselbe. Genauso ändert sich auch den verschiedenen Richtungen entsprechend die Erscheinung der Schönheit der Wunderhaftigkeit (djemal-i i'djaz).Der Aspekt der Wunderhaftigkeit, wie sie ein Gelehrter mit profunder Kenntnis des Glaubens (Ilm-i usul-ud din allame)und ein Imam erfährt, ist nicht derselbe, wie der Aspekt der Wunderhaftigkeit, wie sie ein Rechtsgelehrter (mutschtehid)und Kenner aller Einzelheiten des islamischen Rechts erfährt, usw... Ich bin nicht im Stande, alle diese verschiedenen Aspekte einer derartigen Wunderhaftigkeit ausführlich darzustellen. Mein Verständnisvermögen kann sie nicht alle umfassen, denn mein Blick ist dafür zu kurz. Aus diesem Grunde wurden nur zehn Klassen erklärt und die übrigen nur kurz angedeutet. Was aber nun die beiden Schichten dieser (dreißig) Schichten betrifft, so sind sie in der Abhandlung "Die Wunder Mohammeds" nur sehr kurz behandelt worden, obwohl sie doch einer längeren Erklärung bedurft hätten.
Erste Schicht:
Das einfache, ungebildete Volk, das wir die Schicht "mit den Ohren" nennen, hört den Qur'an und erkennt dessen Wunderhaftigkeit mit Hilfe seiner Ohren, denn es sagt: "Dieser Qur'an, den ich höre, gleicht keinen anderen Büchern. Er muss entweder allen andern überlegen oder aber unterlegen sein. Er sei unterlegen, kann niemand behaupten und hat auch noch nie einer behauptet. Noch nicht einmal der Teufel kann so etwas behaupten. So muss er denn allen anderen überlegen
sein." In der Weise kurz zusammengefasst wurde das bereits im Achtzehnten Hinweis beschrieben. Um es näher zu beleuchten, schildert und beweist das Erste Kapitel des Sechsundzwanzigsten Briefes, "Zeugnis des Qur'an gegen den Teufel und seinen Anhang", die Art des Verständnisses der Wunderhaftigkeit dieser (ersten) Schicht.
Zweite Schicht:
Die Schicht derer "mit den Augen", das heißt, für das einfache, ungebildete Volk oder die Materialisten, denen der Verstand in die Augen gerutscht ist, gibt es einen Aspekt der Wunderhaftigkeit des Qur'an, den man schon mit bloßem Auge erkennen kann, wie bereits im Achtzehnten Hinweis des Neunzehnten Briefes dargelegt worden ist. Um diese Behauptung richtig zu beleuchten und sie zu beweisen, war eine ziemlich ausführliche Erklärung notwendig. Diese Erklärung wurde auf Grund einer tiefen Weisheit des Herrn, die wir jetzt verstehen können, nicht gegeben. Nur auf ein paar unbedeutende Einzelheiten wurden bereits hingewiesen. Jetzt ist diese tiefe Weisheit verständlich geworden und wir sind jetzt sicher, dass diese frühere Verschiebung besser war. Um das Verständnis und die Wahrnehmung dieses einen unter vierzig Aspekten der Wunderhaftigkeit (des Qur'an), den man mit den Augen wahrnehmen kann, für diese Schicht zu erleichtern, haben wir einen Qur'an schreiben lassen, der (diesen Aspekt) für das Auge sichtbar macht.
Viertes Kapitel, zugleich vierte Abhandlung
Anmerkung:
Da die übrigen Abschnitte dieses dritten Kapitels und das vierte Kapitel von der symmetrischen Übereinstimmung im Qur'an handelt, begnügen wir uns hier mit einer kurzen Zusammenfassung. Hier wurde nur eine Anmerkung und der dritte Punkt zum vierten Kapitel angeführt.
Anmerkung:
In den Erklärungen zu dem bedeutenden Punkt, der das Wort "Rasul(Prophet, Botschafter, Gesandter)" betrifft, wurden einhundertsechzig Ayat zusammengestellt. Da (die Zusammenstellung) dieser Ayat, die eine ganz besondere Bedeutung haben, sich mit Hinsicht auf ihre Bedeutung gegenseitig beweisen und vervollständigen, auch noch einen besonderen Sinn haben, sind sie zudem auch ein Auszug aus dem Qur'an für diejenigen, die verschiedene Ayat lesen oder auswendig lernen wollen. Auch der Grad der Beredsamkeit der neunundsechzig Ayat, in denen das Wort "Qur'an"vorkommt, und welche in einem besonders wichtigen Punkt zusammengefasst worden sind, ist ebenfalls höchst wunderbar und die Kraft ihrer fließenden (Sprache) erhaben. Sie mögen unseren Brüdern als eine zweite Zusammenstellung aus dem Qur'an empfohlen sein. Was das Wort "Qur'an"betrifft, das in den sieben Linien (silsilahder Korrespondenz) des Wortes auftaucht, die sie alle umfassen mit der Ausnahme von zweien, welche in der Bedeutung von "lesen" verwendet werden, so stärkt ihre Randstellung (noch den oben dargestellten) Hinweis. Was nun das Wort "Rasul"betrifft, so kommt dieses Wort hauptsächlich in der Sure "Mohammed"und in der Sure "Fath"vor, weshalb wir uns auf die Korrespondenzlinien dieser beiden Suren beschränkt und die übrig bleibenden "Rasul"außer Betracht gelassen haben. Falls es die Zeit noch zulässt, werden wir noch einmal über das Geheimnis ihrer
Randstellung schreiben, insoweit es Gott gefallen möge.
Dritter Punkt:
Er besteht aus vier Anmerkungen
Erste Anmerkung:
Das Wort "Allah"wird uns im ganzen Qur'an 2806 Mal erwähnt (dhikr).Rechnet man (die Anrufung) "im Namen Gottes, des Barmherzigen, des Allerbarmers" (am Anfang einer jeden Sure) mit hinzu, so wird das Wort "Erbarmer" (Rahman)159 Mal, das Wort "Barmherziger" (Rahiem)220 Mal, das Wort "Verzeihender" (Ghafur)160 Mal, das Wort "Herr" (Rabb)846 Mal, das Wort "Weiser" (Hakiem)86 Mal, das Wort "Wissender" (Aliem)126 Mal, das Wort "Mächtig" (Qadir)130 Mal, "Er" (Hu)in "Es gibt keine Gottheit außer Ihm (Hu)"26 Mal erwähnt (dhikr).
{(*): Die Gesamtzahl der Ayat im Qur'an mit 6666 und die obenerwähnte Zahl der göttlichen Namen, die mit der Zahl "6" verbunden sind, deutet ein bedeutendes Geheimnis an, das jedoch für den Augenblick außer Acht gelassen wurde.}
In der Anzahl des Namens Allah liegen viele Geheimnisse und subtile Anmerkungen. So sind zum Beispiel nach den Worten "Allah" und "Herr" die am häufigsten erwähnten Namen "der Barmherzige", "der Erbarmer", "der Verzeihende" und "der Weise". Sie bilden zusammen mit dem Wort "Allah" die Hälfte der Ayat im Qur'an. Ferner sind das Wort "Allah" und das anstelle des Wortes "Allah" erwähnte Wort "Herr" zusammen wiederum die Hälfte. Obwohl das Wort "Herr" 846 Mal erwähnt wird, so wird es jedoch, aufmerksam betrachtet, nur 500 und noch einige Male an Stelle von "Allah" erwähnt, also zweihundert und noch einige Male nicht in diesem Sinne.
Ferner ist die Anzahl von "Allah", "Erbarmer",
"Barmherziger", "Wissender" und "Er" in "Es gibt keine Gottheit außer Ihm" zusammen wieder die Hälfte; der Unterschied ist nur vier. Mit "Mächtig" an Stelle von "Er" zusammengezählt ergibt wiederum die Hälfte der Ayat; der Unterschied beträgt neun. Das Wort "Majestät (Lafz-i Djelalals Inbegriff des Göttlichen)" hat viele Aspekte. Doch für den Augenblick wollen wir uns hier damit begnügen.
Zweite Anmerkung:
Sie bezieht sich auf die Suren. Auch hier gibt es wieder vielerlei subtile Anmerkungen. Auch sie stehen in einer gewissen Übereinstimmung (tevafuqat),die auf eine Ordnung, eine Absicht, einen Willen (irade)hinweist.
In der Sure Baqarah ist die Anzahl der Ayat gleich der Anzahl der Ausdrücke für "Lafz-i Djelal".Der Unterschied ist nur vier. Jedoch steht auch vier Mal "Hu"anstelle von "Allah".Zum Beispiel: das "Hu"in "Es gibt keine Gottheit außer Ihm." gleicht das hier vollständig wieder aus. In der Sure "Ali Imran"stimmen wiederum die Anzahl der Ayat mit (der Anzahl) der Ausdrücke für "Lafz-i Djelal"überein, sind also gleich. Nur (die Anzahl) der Ausdrücke für "Lafz-i Djelal"ist 209 und die der Ayat zweihundert. Der Unterschied ist neun. Wenn es hier um eine derartige Differenzierung in der Ausdruckskunst und Redegewandtheit geht, so machen kleinere Unterschiede kaum etwas aus. Eine auch nur ungefähre Übereinstimmung genügt bereits. In den Suren "en-Nisa'", "El-ma'ida"und "el-En'am"stimmt die Anzahl der Ayat dieser drei insgesamt mit der (Anzahl) der Ausdrücke für (Lafz-i Djelal)überein: die Anzahl der Ayat ist 464 und die Anzahl der Ausdrücke für "Lafz-i Djelal"461, was mit den drei Ausdrücken für "Lafz-i Djelal"in der Formel "im Namen Gottes" zusammengerechnet eine exakte Übereinstimmung ergibt.
Zum Beispiel ist die Anzahl der Ausdrücke für "Lafz-i Djelal"in den fünf oben erwähnten Suren das Doppelte der Anzahl in den Suren "el-A'raf", "el-Enfal", "at-Taubah", "Yunus"und "Hud".Das heißt, in den letzteren fünf
(sind es) die Hälfte der ersten fünf. In den folgenden Suren "Yusuf", "Ra'd", "Ibrahim", "Hidjr",und "Nahl"ist die Anzahl der Ausdrücke für "Lafz-i Djelal"die Hälfte von dieser Hälfte. In den folgenden Suren "Isra", "Kehf", "Meryem", "Taha", "el-Enbiya'"und "el-Hadj"
{(*): In dieser Fünferreihe hat sich ein Geheimnis enthüllt. Ohne dass es auch nur einer von uns bemerkt hätte, wurden hier sechs Suren niedergeschrieben. Wir haben gar keinen Zweifel daran, dass aus dem Unsichtbaren heraus, (eine Sure) ganz ohne unseren Willen hinzugefügt worden ist, damit dieses bedeutende Geheimnis der Fünfergruppen nicht verloren gehe.}
(ist es) die Hälfte von der Hälfte der Hälfte.
Die danach folgenden fünf zu fünf setzen sich in ungefähr diesem Verhältnis fort. Dabei gibt es nur einige kleinere Abweichungen. Solche Unterschiede sind aber bei diesen Stufen (maqam),die wir hier besprechen, kaum von Bedeutung. So sind einige z.B. 121, andere sind 125 und einige 154 und andere 159. Schließlich vermindert sich die Gruppe der fünf Suren, die mit der Sure "es-Suchruf"beginnen, bis hinunter auf die Hälfte der Hälfte der Hälfte der Hälfte. Bei den fünf mit der Sure "en-Nedjm"beginnenden fünf Suren ist es die Hälfte der Hälfte der Hälfte der Hälfte der Hälfte, jedoch nur ungefähr. Solche Unterschiede sind aber bei diesen Stufen (maqam),die wir hier besprechen, kaum von Bedeutung. Bei den folgenden drei Fünfergruppen kurzer Suren finden wir nur dreimal den Ausdruck "Lafz-i Djelal".Diese Erscheinung (vaziyet)zeigt uns, dass es sich bei der Anzahl des Ausdrucks "Lafz-i Djelal"nicht um Zufall handeln kann, diese Anzahl wurde vielmehr von einer gewissen Weisheit und Ordnung bestimmt.
Dritte Anmerkung
zu dem Wort "Allah":bezieht sich auf das Verhältnis der Seiten, und zwar folgendermaßen:
Die Anzahl der Ausdrücke "Lafz-i Djelal"auf einer Seite steht in Verbindung mit deren Rückseite und diese wiederum
steht in Verbindung mit ihrer gegenüberliegenden Seite. Manchmal steht sie in Verbindung mit der links gegenüberliegenden Seite und mit der Rückseite der gegenüberliegenden Seite. Ich habe daraufhin mein eigenes Qur'an-Exemplar auf derartige Symmetrieerscheinungen untersucht. Meistens habe ich dabei eine besonders schöne zahlenmäßige Entsprechung vorgefunden. Ich habe mir auch in meinem Exemplar entsprechende Zeichen gemacht. Sehr häufig sind sie gleich und manchmal die Hälfte oder auch ein drittel. Es gibt hier also eine Erscheinung (vaziyet),die eine gewisse Weisheit und Ordnung erahnen lässt.
Vierte Anmerkung:
Hier handelt es sich um Symmetrieerscheinungen auf der selben Seite. Ich habe hierbei mit den Brüdern zwei, drei verschiedene Ausgaben miteinander verglichen. Dabei sind wir zu der Überzeugung gelangt, dass bei allen eine gewisse Übereinstimmung (tevafuqat)beabsichtigt war. Nur dort, wo die Schreiber einer Druckerei andere Ziele vor Augen hatten, ist diese Übereinstimmung in gewissem Grade in Unordnung geraten. Brächte man das wieder in Ordnung, könnte man, von einigen ganz seltenen Ausnahmen einmal abgesehen, im ganzen Qur'an 2806 Übereinstimmungen bei dem Ausdruck "Lafz-i Djelal"entdecken. Und darin erglänzt uns ein Funke der Wunderhaftigkeit. Denn der menschliche Intellekt vermag eine so umfangreiche Seitenzahl nicht zu umfassen und sich in sie einzumischen. Und was den Zufall betrifft, so kann sich keine Hand nach einer Erscheinung (vaziyet)voll so viel Weisheit und Bedeutung ausstrecken.
Um diesen vierten Punkt in gewissem Grade aufzuzeigen, wollen wir ein neues Exemplar schreiben lassen, wobei dann unter Beibehaltung der gleichen Seiten- und Zeileneinteilung der am weitesten verbreiteten Kopien des Qur'an die durch die Unaufmerksamkeit des Schreibers in Unordnung geratenen Stellen wieder in Ordnung gebracht werden sollen. Möge es dann Gottes Wille sein,
dass die wirkliche Ordnung wieder aufgezeigt werden kann!... und so ist es auch geschehen.
اَللّٰهُمَّ يَامُنْزِلَ الْقُرْاٰنِ بِحَقِّ الْقُرْاٰنِ فَهِّمْنَآ اَسْرَارَ الْقُرْاٰنِ مَا دَارَ الْقَمَرَانِ وَصَلِّ وَسَلِّمْ عَلٰى مَنْ اَنْزَلْتَ عَلَيْهِ الْقُرْاٰنَ وَعَلٰٓى اٰلِهِ وَصَحْبِهِ اَجْمَعِينَ ٭ اٰمِينَ
{"Oh unser Gott und Offenbarer des Qur'an! Lass uns um des Qur'an willen die Geheimnisse des Qur'an verstehen, solange die beiden Lichter (am Himmel) sich drehen. Schenke Friede und Segen dem, dem Du den Qur'an herabgesandt hast, ihm und seiner Familie und all seinen Gefährten. Amen."}
Fünftes Kapitel, zugleich fünfte Abhandlung
بِسْمِ اللّٰهِ الرَّحْمٰنِ الرَّحِيمِ ٭ اَللّٰهُ نُورُ السَّمٰوَاتِ وَالْاَرْضِ
{"Im Namen Gottes, des Erbarmers, des Allbarmherzigen. Gott ist das Licht der Himmel und der Erde. Usw." (Sure 24, 35)}
Ich sah dieses Licht aus den so vielen leuchtenden Geheimnissen einer so lichterfüllten Ayah, während ich mich im Heiligen (Monat) Ramadan in einem spirituellen und daher in einem so halb und halb kontemplativen Zustand (hal)fühlte. Es war dies wie folgt:
اِلٰهِى اَنْتَ رَبِّى وَاَنَا الْعَبْدُ ٭ وَاَنْتَ الْخَالِقُ وَاَنَا الْمَخْلوُقُ ٭ وَاَنْتَ الرَّزَّاقُ وَاَنَا الْمَرْزُوقُ... الخ
{"Oh Gott, Du bist mein Herr und ich bin Dein Knecht. Du bist der Schöpfer und ich Dein Geschöpf. Du bist der Versorger und ich der Umsorgte."}
Ich erlebte da einmal in meinem Herzen eine visionäre Schau (vakia-i qalbiye-i hayal),die mich zu der Überzeugung brachte, dass, wie in dem berühmten Bittgebet von Uvaysa-l'Qarani, alle lebenden Wesen Gott dem Gerechten das gleiche Bittgebet darbringen und dass das, was jede der achtzehntausend Welten erleuchtet, jeweils ein Name Gottes ist. Es ist dies wie folgt:
Ich sah, dass in dieser Welt Tausende von Welten in Schleier um Schleier gehüllt sind, einer wiederum in einer anderen, wie die zahlreichen Blütenblätter in einer Rosenknospe. Jedesmal wenn ein Schleier sich mir öffnete, sah ich wieder eine andere Welt. Es war so, wie es in der Ayah heißt, die der Licht-Ayah folgt:
اَوْ كَظُلُمَاتٍ فِى بَحْرٍ لُجِّىٍّ يَغْشٰيهُ مَوْجٌ مِنْ فَوْقِهِ مَوْجٌ مِنْ فَوْقِهِ سَحَابٌ ظُلُمَاتٌ بَعْضُهَا فَوْقَ بَعْضٍ اِذَآ اَخْرَجَ يَدَهُ لَمْ يَكَدْ يَرٰيهَا وَمَنْ لَمْ يَجْعَلِ اللّٰهُ لَهُ نُورًا فَمَا لَهُ مِنْ نُورٍ
{"...oder er gleicht den Finsternissen in der Tiefe des Meeres, überdeckt von Wogen über Wogen und über ihnen eine Wolke. Finsternisse, eine über der anderen. Wenn einer seine Hand ausstreckt, kann er sie kaum sehen. Und der, dem Gott kein Licht gibt, für den gibt es nichts von dem Licht." (Sure 24, 40)}
Mir erschien diese Welt in Finsternis und Einöde und im Dunkel der Furcht. Plötzlich zeigte sich mir die Erscheinung eines Göttlichen Namens wie ein gewaltiges Licht und erleuchtete sie... Welcher Vorhang auch immer vor meinem Geist (aql)zurückgeschlagen wurde: in meiner Imagination (hayal)erschien wiederum eine andere Welt. Doch weil sie den Gottvergessenen als eine dunkle Welt erschien, leuchtete ein Name Gottes auf wie die Sonne und erfüllte diese Welt von oben bis unten mit Licht usw.... Diese Reise des Herzens (qalb)und Fahrt in meiner Imagination (hayal)setzte sich noch lange fort. Kurz gesagt:
Als ich die Welt der Tiere erblickte, zeigte sich mir die grenzenlose Bedürftigkeit und der so große Hunger der Tiere, zugleich mit ihrer Schwäche und Hilflosigkeit als eine besonders finstere und leidvolle Welt. Plötzlich ging der Name des Erbarmers (er-Rahman)einer strahlenden Sonne gleich über dem Sternzeichen (d.h. in der Bedeutung) des Versorgers (er-Rezzaq)auf und vergoldete diese Welt von oben bis unten mit dem Lichte des Erbarmens.
Danach sah ich innerhalb der Welt der Tiere noch eine andere düstere Welt, in der ihre schwach, hilflos und bedürftig darin zappelnden Nachkommen und ihre Jungtiere mit ihrem Schmerz jeden zu Bedauern und Mitgefühl bewegen. Plötzlich ging der Name "Barmherziger" (Rahiem)über dem Sternbild der Liebe (shefqat)auf. Da verwandelte sich diese so bittere Welt auf eine so schöne und liebliche Weise in eine freundliche Welt, wurde von Licht überstrahlt und die Tränen meiner Klage, Bitternis und Trauer wurden in Freudentränen voller Begeisterung und Dankbarkeit verwandelt.
Danach öffnete sich mir wie eine Kinoleinwand ein weiterer Vorhang und die Welt der Menschen zeigte sich mir. Diese Welt war so finster und schrecklich, dass ich vor Schreck aufschrie. "Oh weh!" rief ich, denn ich sah, dass die Wünsche und Hoffnungen der Menschen auf eine Ewigkeit hin ausgerichtet sind, dass ihre Vorstellungen
und Gedanken das ganze Weltall umfassen, und wie sehr ihre Strebungen und natürlichen Antriebe das ewig Bleibende und die Ewige Glückseligkeit des Paradieses ersehnen. Seine natürlichen Fähigkeiten kennen keine Grenze und können sich frei entfalten. Doch trotz aller auf ungezählte Ziele gerichteten Bedürfnisse, aller Schwäche und Hilflosigkeit sind sie zahllosen Unglücksfällen und Leiden ausgesetzt; von Feinden verfolgt ist ihr Leben außerordentlich kurz. Sie leben ein verwirrendes und hektisches Leben mit ungesichertem Unterhalt. Sie leiden in ihrem Herzen und mit allen Sinnen ständig unter den Übeln des Abschieds und der Vergänglichkeit, verbunden mit einem Höchstmaß an Leid und Angst. Denn das Leben der Gottvergessenen Iäuft auf Grab und Friedhof hinaus, was ihnen wie die Pforte zu ewiger Finsternis erscheint. Sie wurden einer nach dem anderen, scharenweise in diese finstere Grube hinuntergeworfen. Doch siehe, in diesem Augenblick, da ich diese Welt der Menschen in dieser Finsternis geschaut hatte, Herz (qalb),Sinn (ruh),Verstand (aql)und alle meine menschlichen Sinne (letaif-i insaniye),ja jede Faser meines Körpers aufschreien wollte und zu weinen begann, ging plötzlich der Name Gottes, des Wahrhaftigen und Gerechten (Haqq'in Adil)über dem Sternbild der Weisheit (Hakiem),der Name des Erbarmers (Rahman)über dem Sternbild der Freigiebigkeit (Keriem),der Name des Barmherzigen (Rahiem)über dem Sternbild der Verzeihung (Ghafur),der Name des Verlebendigers (Baith)über dem Sternbild des Nachlassverwalters (Varith),der Name des Lebenspenders (Muhyi)über dem Sternbild des Wohltäters (Muhsin),der Name des Herrn (Rabb)über dem Sternbild des Eigentümers (Malik)auf; und jeder einzelne Name erstrahlte, wobei hier jedes Sternbild die Bedeutung des Namens angibt. Die Menschenwelt insgesamt, wie sie so viele Welten in sich enthält, wurde plötzlich beleuchtet. Die Fenster zur jenseitigen lichtvollen Welt taten sich auf und die finstere Welt des Menschen wurde von Licht übergossen.
Danach wurde ein weiterer, gewaltig großer Vorhang
geöffnet und die Welt hier auf diesem Erdenrund zeigte sich. Die dunklen Gesetze der (materialistischen) Wissenschaft und ihrer Philosophie malte vor meinem geistigen Auge eine furchtbare Welt. Mit einer Bewegung, siebzig Mal schneller als eine Kanonenkugel, durcheilt eine armselige Menschheit auf dieser unserer uralten und hochbetagten Erde, die zu jeder Zeit von Unruhen geschüttelt und von inneren Beben erschüttert wird, den unendlichen leeren Raum mit einer Ausdehnung von fünfundzwanzigtausend Jahren in einem einzigen Jahr. Ein Zustand Furcht erregender Verlassenheit in dieser Finsternis tauchte vor mir auf. Der Kopf drehte sich mir und vor meinen Augen wurde es schwarz. Die Namen des Schöpfers Himmels und der Erden (Khaliq-i 'Ard-i ve Semevat),Allmächtiger (Qadir),Allweiser (Alim),Herr (Rabb),Gott (Allah),Herr der Himmel und der Erden (Rabb-us Semevati ve l-'Ard),Dienstherr über Sonne und Mond (Musakhir-us shemsi ve l-qamer)gingen auf über dem Sternbild des Erbarmers (rahmet),des Gewaltigen (azamet),dem Zeichen Seiner göttlichen Herrschaft (rububiyet).Sie erleuchteten diese Welt so, dass die Erde mir vor dem Auge meines Glaubens wie ein Schiff erschien, das in schönster Ordnung und bestem Zustand für eine sichere Reise ausgestattet ist, beladen mit Proviant für jeden Einzelnen, vorbereitet für einen Ausflug, für Handel und Erholung.
Zusammenfassung:
Jeder Name unter Tausend und einem Namen Gottes, die dem Universum zugewandt sind, erleuchtet wie eine Sonne je eine Welt und alle Welten, die (verbunden mit den Namen Gottes) in dieser Welt noch mit enthalten sind, und nach dem Geheimnis der Einheit (ahadiyet)erscheint in der Manifestation jedes einzelnen Namens in gewissem Grade auch die Manifestationen aller übrigen Namen. Da nun mein Herz hinter jeder Finsternis wieder ein anderes Licht erblickte, wuchs in mir die Sehnsucht, die Reise fortzusetzen. Da wollte ich (auf dem Einhorn) meiner Phantasie in den Himmel empor reiten. In diesem Augenblick eröffnete sich mir noch
ein weiterer, besonders breiter Vorhang und mein Herz trat in die Welt der Himmel ein. Da erblickte es die Sterne, die aussahen, als hätten sie die Gestalt eines strahlenden Lächelns. Größer als die Erde bewegen sie sich mit einer noch größeren Geschwindigkeit als diese und kreisen (geozentrisch betrachtet) auf einander kreuzenden Bahnen. Würde auch nur einer von ihnen auch nur für eine Minute seine Bahn verlassen, würden sie zusammenstoßen und das würde zu einer solchen Explosion führen, dass die Galle des Kosmos zum Überlaufen käme und die Welt auseinanderfallen müsste. Da würden sie dann Feuer und nicht Licht um sich verbreiten. So betrachten sie mich nicht mehr mit einem Lächeln, sondern sehen mich böse an. Ich sah die Himmel in eine grenzenlos große und weite, öde, leere, schreckliche, Furcht und Staunen erregende Finsternis gehüllt und es tat mir tausend Mal leid, dass ich dorthin gekommen war.
رَبُّ السَّمٰوَاتِ وَالْاَرْضِ ٭ رَبُّ الْمَلٰٓئِكَةِ وَالرُّوحِ
{"Herr der Himmel und der Erde". (Sure 44, 7) "Herr der Engel und der Geister."}
Da gingen plötzlich diese Schönen Namen in den Sternzeichen der Bedeutung von
وَلَقَدْ زَيَّنَّا السَّمَآءَ الدُّنْيَا بِمَصَابِيحَ ٭ وَسَخَّرَ الشَّمْسَ وَالْقَمَرَ
{"...und wir haben in der Tat den Himmel über der Erde mit Leuchten geschmückt." (Sure 41, 12) "...und Er hat die Sonne und den Mond unterworfen." (Sure 13, 2)}
auf. In diesem Sinne nahmen sich die Sterne, nachdem sie in diese Finsternis gehüllt worden waren, wieder je einen Funken von diesen gewaltig großen Lichtern und so wurde diese Welt der Himmel wieder erleuchtet, als habe man entsprechend der Anzahl der Sterne ebenso viele elektrische Lampen entzündet. Und auch die Himmel, die man für leer und öde gehalten hatte, füllten sich wieder mit Engeln und Geistern und wurden neu wieder belebt.
Und ich sah, wie die Sonnen und die Sterne, die sich wie ein Heer unter den zahllosen Heeren des Königs von Ewigkeit zu Ewigkeit (Sultan-i edhel ve ebed)bewegen, den Ruhm des majestätischen Königs (Sultan-i Dhu l-Djelal)und den Glanz Seiner Herrschaft (rububiyet)in der Art eines erhabenen Manövers darstellten. Und so erklärte ich mit ganzer Kraft und, wäre es möglich gewesen, mit allen Zellen (meines Körpers) und, wenn sie mir zuhörten, mit den Zungen aller Geschöpfe, ja sogar in ihrer aller Namen:
اَللّٰهُ نُورُ السَّمٰوَاتِ وَالْاَرْضِ مَثَلُ نُورِهِ كَمِشْكٰوةٍ فِيهَا مِصْبَاحٌ اَلْمِصْبَاحُ فِى زُجَاجَةٍ اَلزُّجَاجَةُ كَاَنَّهَا كَوْكَبٌ دُرِّىٌّ يُوقَدُ مِنْ شَجَرَةٍ مُبَارَكَةٍ زَيْتُونَةٍ لاَ شَرْقِيَّةٍ وَلاَغَرْبِيَّةٍ يَكَادُ زَيْتُهَا يُضِىءُ وَلَوْ لَمْ تَمْسَسْهُ نَارٌ نُورٌ عَلٰى نُورٍ يَهْدِى اللّٰهُ لِنُورِهِ مَنْ يَشَآءُ
{"Allah ist das Licht der Himmel und der Erde. Sein Licht ist mit einer Nische zu vergleichen. In ihr befindet sich eine (brennende) Lampe und die (Flamme) der Lampe in einem Glas und das Glas gleicht einem funkelnden Stern. (Sie brennt mit einem Öl), das entzündet wurde und von einem gesegneten Baum (her stammt), einem Ölbaum, der weder im Osten noch im Westen (steht) und dessen Öl beinahe schon leuchtet, ohne dass Feuer es berührt hätte. Licht über Licht. Gott führt zu Seinem Licht, wen immer Er will." (Sure 24, 35)}
las diese Ayah, drehte mich um, stieg ab, wachte auf und sagte:
اَلْحَمْدُ لِلّٰهِ عَلٰٓى نُورِالْا۪يمَانِ وَالْقُرْاٰنِ
{"Lobpreis und Dank sei Gott für das Licht des Glaubens und den Qur'an."}
Sechstes Kapitel, zugleich sechste Abhandlung
Es wurde geschrieben, um die Schüler und die Diener des Allweisen Qur'an zu warnen und sie davor zu bewahren, getäuscht zu werden.
بِسْمِ اللّٰهِ الرَّحْمٰنِ الرَّحِيمِ ٭ تَرْكَنُوآ اِلَى الَّذِينَ ظَلَمُوا فَتَمَسَّكُمُ النَّارُ
{"Im Namen Gottes, des Erbarmers, des Allbarmherzigen. Und wendet euch nicht den Ungerechten zu, sonst erfasst euch das Feuer." (Sure 11, 113)}
Möge es Gottes Wille sein, dass dieses Sechste Kapitel Sechs Listen des Satans in Dschinnen- und Menschengestalt wirkungslos werden und sechs ihrer Angriffsmethoden scheitern lässt.
Erste List:
Infolge des Unterrichts, den die Teufel in Menschengestalt von den Teufeln in der Gestalt der Dschinnen erhalten haben, versuchen diese selbstlose Diener aus der Gruppe um den Qur'an mit Hilfe ihrer Neigung zu einer (besonderen) Position zu betrügen und sie dazu zu bringen, diesen heiligen Dienst und diesen inneren erhabenen Streit (Djihad)wieder aufzugeben. Es ist dies wie folgt:
Unter der Mehrheit aller Menschen findet sich ein Wunsch, den man das Streben nach einer Sonderstellung (hubb-u djah (= maqam))nennen könnte, das Verlangen (hirs),berühmt zu werden und sich selbst herauszustreichen, ein Wunsch, den wir mehr oder weniger bei jedem einzelnen Weltmenschen antreffen, sich wie ein Heuchler (riyakarane)vor allen Leuten sehen zu lassen, in den Augen der Öffentlichkeit eine Stellung zu bekleiden, (die verbunden ist mit dem,) was man Ehre und Ansehen nennt. Dieses Verlangen danach, etwas ganz besonderes zu sein und sich großartig zu fühlen,
treibt die Menschen letztendlich sogar dazu, selbst ihr Leben zu opfern. Für Menschen, die nach dem Jenseits streben, ist dieses Gefühl geradezu gefährlich. Weltleute treibt es auf eine Art Achterbahn. Es ist auch die Quelle von vielerlei schlechter Gesinnung (akhlaq-i seyyi'e)und der schwächste Nerv des Menschen. Das heißt, um einen Menschen an sich zu ziehen, ja ihn an sich zu binden, genügt es, ihn dadurch zu fesseln, dass man seinen Gefühlen schmeichelt und ihn auf diese Weise besiegt. Was ich daher am meisten für meine Brüder befürchte, ist, dass die Ungläubigen ihren Vorteil aus dieser ihrer Nervenschwäche ziehen könnten. Diese ihre Lage (hal)hat mich doch recht besorgt werden lassen. Denn auf diese Weise haben sie einige angezogen, die in ihrer Freundschaft nicht ganz aufrichtig waren, und sie innerlich in eine ziemlich schwierige Situation gebracht.
{(*): Diese Ärmsten glauben, mit dem Gedanken: "Unser Herz ist bei unserem Lehrer." in keiner Gefahr zu sein. Denn indem sie der Strömung der Gottlosen ihre Kraft verleihen, sich von ihrer Propaganda hinreißen und, wenn vielleicht auch unwissentlich, in Gefahr geraten, sich zu Spionagediensten missbrauchen lassen und dann sagen: "Mein Herz ist rein. Ich stehe treu zur Sache meines Meisters." so gleichen sie damit dem Mann in dem folgenden Beispiel: Wenn jemand während des Gebetes die Winde in seinem Bauch nicht halten kann und fahren lässt, so verliert er damit seine Reinheit. Sagt man ihm nun aber: "Dein Gebet ist ungültig." so antwortet er: "Warum sollte mein Gebet nicht gültig sein? Mein Herz ist doch rein."}
Oh meine Brüder und ihr, meine Freunde im Dienst am Qur'an! Sagt diesen listigen Spionen der Weltleute, den Propagandisten der Leute der Irreführung, den Schülern des Teufels, die euch mit eurer Sehnsucht nach einer höheren Stellung (hubb-u djah)in die Irre führen wollen: "Zunächst einmal bedeuten die Zufriedenheit Gottes, ein Gunsterweis des Erbarmers und die Anerkennung des Herrn einen solchen Rang (maqam),dass im Vergleich damit die Beachtung der Menschen und ihre Bewunderung nur noch einem
Staubkorn gleicht. Dort wo der Blick der göttlichen Barmherzigkeit hinfällt, ist dies genug. Die Zuwendung der Menschen ist annehmbar, insoweit sie die Widerspiegelung und der Schatten der Zuwendung göttlicher Barmherzigkeit ist. Andernfalls ist sie nichts, was man sich wünschen sollte. Denn sie erlischt am Eingangstor zum Grab, keine fünf Para mehr wert!"
Wenn sich dieser Wunsch nach der Verbesserung der eigenen Lage (hubb-u djah)nicht zum Schweigen bringen und nicht aus der Welt schaffen lässt, muss man sein Gesicht in eine andere Richtung drehen. Es ist dies wie folgt:
Wenn es um den Lohn im Jenseits geht, oder um die Absicht, Gebete zu gewinnen, oder darum, dass der Dienst doch einen guten Einfluss haben möge, dann könnte wie in dem folgenden Beispiel dieses Gefühl vielleicht doch noch eine erlaubte Seite haben. Zum Beispiel:
Zu einer Zeit, wenn die Ayasofya Moschee mit gesegneten und ehrenwerten Leuten, Menschen von Tugend und Vollkommenheit gefüllt ist und in den Gängen und an den Türen treiben sich einige nichtsnutzige Kinder und ein paar ungesittete Schelmen herum und vor den Fenstern und in deren Nähe gucken ein paar neugierige Ausländer, Urlauber und Touristen zu, die sich amüsieren möchten, betritt ein Mann diese Moschee, schließt sich der Gemeinde (der Gläubigen) an und beginnt mit einer wohllautenden Stimme und in einer schönen und angenehmen Weise einen Abschnitt aus dem Qur'an vorzutragen, worauf Tausende Kenner der Wahrheit auf ihn aufmerksam werden, sich ihm voll Hochachtung und Bewunderung zuwenden. So empfängt er durch sie und ihr stummes Gebet seinen (himmlischen) Lohn und nur ein paar nichtsnutzigen Kindern und gottlosen Schelmen und den wenigen Ausländern wird (seine Rezitation) nicht gefallen. Ginge der Mann aber in diese ehrwürdige Moschee, zu dieser gewaltigen Gemeinde und beginnt nun lauthals gemeine, sittenlose, unzüchtige Liedchen zu gröhlen und dazu zu hopsen und zu tanzen, so würden diese nichtsnutzigen
Kinder lachen und den sittenlosen Schelmen würde es gefallen, weil es sie zur Unzucht ermuntert, und er würde den Ausländern ein süffisantes Lächeln entlocken, wenn sie die Fehler im Islam entdecken und sich darüber freuen. Aber er wird auch von jedem einzelnen dieser ganzen, großen, gesegneten Gemeinde Blicke des Abscheus und der Missbilligung auf sich lenken. Er wird in ihren Augen auf die Stufe der Niedrigsten aller Niedrigen gefallen sein.
Genau wie in diesem Beispiel ist auch Asien und die islamische Welt eine gewaltige große Moschee. Und in ihr sind die Leute des Glaubens und der Wahrheit die ehrenwerte Gemeinde dieser Moschee (in unserem Beispiel). Was die nichtsnutzigen Kinder betrifft, so sind es die Speichellecker mit dem Verstand eines Kindes. Die sittenlosen Schelmen sind alle diese fränkisch (d.h. westlich) gesinnten Strolche, die ihr (türkisches) Vaterland und ihren (islamischen) Glauben nicht mehr kennen. Was die Touristen aus dem Ausland betrifft, so handelt es sich hier um Journalisten, die fremdländische Ideen verbreiten. Jeder Muslim aber, besonders wenn er einer von den tugendhaften und vollendeten ist, hat seinen Platz in der Moschee entsprechend seinem Grad und Rang, der allen sichtbar ist, sodass er die allgemeine Aufmerksamkeit auf sich lenkt. Wenn die Taten und Handlungen (dieses Muslims) aus den heiligen Wahrheiten und den Gesetzen heraus entstehen, die der Weise Qur'an lehrt, und sie der Wahrhaftigkeit und dem Wohlwollen Gottes entsprechen, die das grundlegende Geheimnis des Islam sind, so liest (er in dieser Weise gewissermaßen) innerlich und ohne Worte die qur'anischen Ayat, dann schließt er sich damit innerlich auch in das immerwährende Gebet (vird-i sebani)eines jeden in der islamischen Welt mit ein
اَللّٰهُمَّ اغْفِرْ لِلْمُؤْمِنِينَ وَالْمُؤْمِنَاتِ
{"Oh Gott vergib allen gläubigen Männern und Frauen!" (Du'a)}
und erhält seinen Anteil an ihm und wird so mit der ganzen Gemeinde (umma)brüderlich verbunden. Nur in den Augen einiger törichter Leute, die in die Irre gehen und von denen einige wilden Tieren, andere bärtigen Kindern gleichen, kann einen solchen Wert nicht erkennen. Wenn einer von ihnen sich von seinen Vorvätern lossagt, dem Urgrund, aus dem seine Ehre und seine Geschichte erwächst, auf die er stolz ist, und in seinem Geist die leuchtende Straße seiner rechtschaffenen Vorgänger verlässt, den sie doch für ihren Stützpunkt gehalten hatten, und dann Dinge tut, durch die er seiner eigenen Lust und Laune folgt und wie ein Heuchler (riya)nach Ruhm sucht und nach Neuerungen (bid'a)strebt, so wird er in den Augen der Leute der Wahrheit und des Glauben auf die allerunterste Stufe herabsinken.
Nach dem Geheimnis des Hadith
اِتَّقُوا فِرَاسَةَ الْمُؤْمِنِ فَاِنَّهُ يَنْظُرُ بِنُورِ اللّٰهِ
{"Achte die Einsicht eines Gläubigen, denn er schaut im Lichte Gottes!"}
schaut das Herz selbst noch eines einfachen und unwissenden Gläubigen, auch wenn sein Verstand es nicht bewusst wahrnimmt, mit Kälte und Abscheu, auf solche eigensinnige und selbstsüchtige Menschen.
Und so steigt denn der Mann, der doch eigentlich fortgetrieben wird, von seinem Willen aufzusteigen und besessen (hubb-u djaha)ist von der Gier nach Ruhm (shöret),jener zweite Mann, in den Augen einer zahllosen Gemeinde hinab zu den Niedrigsten der Niedrigen. Und gewinnt in den Augen einiger bedeutungsloser, spöttelnder, zuchtloser Schelmen einen vorübergehenden, unansehnlichen Platz.
In dem Geheimnis
اَ ْلاَخِلآَّءُ يَوْمَئِذٍ بَعْضُهُمْ لِبَعْضٍ عَدُوٌّ اِلاَّ الْمُتَّقِينَ
{"Freunde werden an jenem Tag einer des anderen Feind sein, außer den Aufrechten." (Sure 43, 67)}
wird er nur einige wenige falsche Freunde finden, die ihm in dieser Welt ein Schaden (zarar),in der Zwischenwelt (Berzah)eine Qual und in jener Welt seine Feinde sein werden.
Der Mensch in unserem ersten Bild wird, auch wenn er dieses Bestreben etwas besseres zu sein (hubb-u djah),nicht aus dem Herzen zu reißen vermag, doch unter der Bedingung, dass er ehrlich und aufrichtig (ihlas)nach Gottes Wohlgefallen sucht und sich dieses Bestreben, stets ein Aufsteiger zu sein, nicht zur Richtschnur macht, doch eine Art geistlichen Rang (maqam)erlangen, der ihn, getrieben von seinem Wunsch, mehr zu sein, als nur ein Emporkömmling, voll und ganz zufrieden stellt. Dieser Mensch wird wenige Dinge, ja eigentlich nur sehr wenige Dinge, nur etwas Bedeutungsloses verlieren und an seiner Stelle viele Dinge, und in der Tat sehr viele Dinge, etwas wirklich Wertvolles gewinnen, das keine Gefahr für ihn birgt. Er wird vielleicht einige Schlangen von sich fortjagen und an ihrer Stelle viele gesegnete Geschöpfe zu Freunden gewinnen und Vertrautheit mit ihnen erlangen. Er wird die Hornissen vertreiben, die ihn ja doch nur stechen können, und dafür die gesegneten Honigbienen, diese Serviererinnen süßer Getränke der göttlichen Barmherzigkeit, zu sich hin ziehen. Er wird Honig aus ihrer Hand essen und solche Freunde finden, dass seinem Geist (ruh)durch ihre ständigen Gebete aus allen Teilen der Islamischen Welt Segnungen (feyz)wie Kauthar-Wasser (aus dem Brunnen im Paradies) zu trinken gereicht wird, die ihm im Buch seiner Taten gutgeschrieben werden.
Als ich einmal jenem Menschen, der, wenn auch bar jeder Größe (küçük bir insan)doch einen hohen Rang in dieser Welt bekleidete, während er in seiner Sucht nach Ruhm und Ehre (shöhret)schon auf dem Weg war, einen großen Fehler zu begehen und auf diese Weise in der Islamischen Welt all seine Würde verlor, den Inhalt des obigen Gleichnisses zur Lehre erteilte, ja sie ihm geradezu um die Ohren schlug, war er zwar zutiefst erschüttert, doch weil ich mich selbst
nicht von meinem Streben nach Höherem (hubb-u djaht)zu befreien vermochte, konnte auch ihn meine Ermahnung nicht wach rütteln.
Zweite List:
Eines der wichtigsten und fundamentalsten Gefühle des Menschen ist die Empfindung der Furcht (khauf).Arglistige Tyrannen ziehen einen großen Nutzen aus einem derartigen Flöz voller Furcht. Mit ihrer Hilfe legen sie den Angsthasen die Zügel an. Die Spione der Weltleute und die Propagandisten der Leute des Irrweges ziehen einen großen Nutzen aus einem derartigen Flöz der armen Leute und besonders der Gelehrten. Sie treiben sie in ihre Ängste hinein und rufen Wahnvorstellungen in ihnen wach. Zum Beispiel: Um jemanden, der auf einem Dach steht, in Gefahr zu bringen, zeigt ein arglistiger Mensch einem ängstlichen Menschen etwas, das er für gefährlich hält. So treibt er ihn in seiner Angst Schritt für Schritt vor sich her bis zum Rand des Daches, wo er schließlich kopfüber hinab stürzt und sich das Genick bricht. In gleicher Weise treiben sie (die Menschen) dazu, auf Grund völlig unbedeutender Befürchtungen sehr bedeutende Dinge zu opfern und indem sie sagen, eine Mücke solle sie nicht stechen, fliehen sie in den Rachen eines Drachens.
Einmal fürchtete sich eine bedeutende Persönlichkeit - möge Gott (seiner Seele) gnädig sein - in ein Ruderboot einzusteigen. Eines Abends gingen wir miteinander zu der (damals noch einzigen) Brücke in Istanbul. Dort wollten wir ein Boot nehmen. Ein Auto gab es nicht. Wir mussten nach (dem Stadtteil) Sultan Eyyüb. Also drängte ich ihn.
Er aber sagte: "Nein, ich habe Angst. Vielleicht wird (das Boot) untergehen!"
Ich sagte ihm: "Was denkst du denn, wieviele Boote es hier am Goldenen Horn gibt?"
Er sagte: "Vielleicht tausend."
Ich sagte zu ihm: "Und wieviele gehen davon jedes Jahr unter?"
Er sagte: "Vielleicht ein oder zwei, in manchem Jahr gar keines."
Ich fragte ihn: "Wieviel Tage hat das Jahr?"
Er sagte: "Etwa dreihundertsechzig."
Ich sagte ihm: "Die (Gefahr mit diesem Boot) unterzugehen, die (wie in einem Alptraum) in dir aufsteigt ist 1 zu 360.000. Sich vor einer derartigen Möglichkeit zu fürchten, ist nicht menschlich. (Noch nicht einmal) ein Tier kann das!... Und weiter sagte ich zu ihm: "Wie lange glaubst du, dass du noch leben wirst?"
Er sagte: "Ich bin schon alt. Doch wäre es möglich, dass ich noch zehn Jahre lebe."
Ich sagte zu ihm: "Da deine Todesstunde unbekannt ist, könntest du jeden Tag sterben. Also ist dein Tod an einem der nächsten 3600 Tagen möglich. So ist denn deine Chance nicht 300.000 zu 1, wie bei diesem Boot, sondern die Möglichkeit ist 3000 zu 1 und es ist möglich, dass du noch heute stirbst. Also zittere! weine! mach dein Testament!"
So sagte ich zu ihm. Da kam er denn zitternd zu Verstand und stieg in das Boot. Auf dem Boot sagte ich zu ihm: "Gott der Gerechte hat dir die Nerven gegeben, dich zu fürchten (khauf),damit du dein Leben retten sollst und nicht, um es zu zerstören!" Er hat dir das Leben nicht gegeben, um es dir schwer zu machen, zu einer Last und zu einer Strafe für dich. Sich zu fürchten, wenn das Risiko eins zu zwei, drei, vier, oder selbst eins zu fünf oder sechs ist, ist eine vorausschauende Furcht und mag deshalb auch erlaubt sein. Sich aber zu fürchten, wenn das Risiko eins zu zwanzig, dreißig oder vierzig ist, gleicht einem Albtraum und das Leben in ihr einer Folterqual!"...
Also denn meine Brüder! Wenn diese Speichellecker der Atheisten euch angreifen und euch Angst einjagen wollen, damit ihr innerlich euren heiligen Kampf aufgeben
sollt, so sollt ihr ihnen sagen: "Wir haben uns um den Qur'an geschart und leben nach dem Geheimnis
اِنَّا نَحْنُ نَزَّلْناَ الذِّكْرَ وَاِنَّا لَهُ لَحَافِظُونَ
{"Fürwahr, Wir sind es, die (den Qur'an als) eine Ermahnung herabgesandt haben, und Wir sind es auch, die sie zu bewahren wissen." (Sure 15, 9)}
und (leben im Schutz des) Qur'an als unserer Burg.
حَسْبُنَا اللّٰهُ وَنِعْمَ الْوَكِيلُ
{"Gott ist unser Genügen und unser bester Anwalt." (Sure 3, 176)}
Er umgibt uns wie mit einem festen Wall. Ihr könnt uns nicht mit dieser Angst (gebunden) an ein Risiko von eins unter Tausenden vor einem kleineren Schaden, der uns in diesem kurzen, flüchtigen Leben treffen könnte, freiwillig einen Weg hinunterführen, der uns mit hundertprozentiger Sicherheit im Ewigen Leben einen vieltausendfältigen Schaden einbringen wird!"... Und weiter sollt ihr sagen:
"Gibt es etwa unter den Leuten der Wahrheit einen wie wir, der auf dem Weg der Wahrheit um unseres Freundes Said Nursi willen, der im Dienst am Qur'an unser Mitstreiter und in der Führung dieses heiligen Dienstes unser Meister und Lehrer ist, irgend einen Schaden erlitten hat? Ist da etwa irgendeiner unter seinen persönlichen Schülern, dem ein Übel widerfahren wäre, das auch wir zu erleiden hätten? und sollten wir dann ob der Aussicht, dies auch zu erleiden, in Panik geraten?... Dieser unser Bruder hat Tausende Freunde und Mitbrüder. Und obwohl er sich zwanzig, dreißig Jahre lang in nachdrücklicher Weise um das soziale Leben in dieser Welt bemüht hat, haben wir doch nie von einem Bruder gehört, dem seinetwegen Böses widerfahren wäre. Und gerade zu seiner Zeit hielt er doch die politische Keule (= das Machtinstrument) in seiner Hand. Doch nun hält er an Stelle dieser Keule das Licht der Wahrheit. Zwar hatten sie auch ihn
vor langer Zeit im Zusammenhang mit den Ereignissen um den einundreißigsten März (die Absetzung des Sultans - A.d.Ü.) in diese Sache mit hineingezogen. Auch einige seiner Freunde hat man damals kalt gestellt. Doch später hat es sich dann herausgestellt, dass die ganze Angelegenheit von anderen angezettelt worden war. Seine Freunde sind damals nicht um seinetwillen, sondern auf Grund seiner Feinde zu Schaden gekommen. Ja mehr noch hat er damals viele seiner Freunde (vor der Verurteilung - A.d.Ü.) gerettet. Deswegen sollte es solchen Teufeln wie ihr es seid nicht in den Kopf kommen, dass wir einen ewigen Schatz fortwerfen werden aus Furcht vor einer Gefahr, deren Risiko nicht eins zu Tausend, nein, vielmehr ein Risiko von eins zu (vielen) Tausenden ist!" So solltet ihr sagen und diesen Speichelleckern der Irregehenden eins auf den Mund geben und sie dann davon jagen.
Und weiter sollt ihr diesen Speichelleckern sagen:
"Wenn auch die Möglichkeit, zu Grunde zu gehen nicht eine unter hunderttausenden wäre, sondern eine hundert prozentige Sicherheit, so werden wir dennoch, wenn wir auch nur ein Fünkchen Verstand haben, ihn nicht vor Angst verlassen und davon laufen
"Denn wir haben in stets wiederkehrenden Erfahrungen immer wieder gesehen und erleben es stets wieder: wer seinen großen Bruder oder Meister in Zeiten der Gefahr verrät, erfährt das herankommende Übel, wie es zuerst in seinem eigenen Kopf explodiert. Sodann erteilte man ihnen gnadenlos ihre Strafe und blickte man auf sie als Verräter herab. So sind sie denn sowohl leiblich gestorben, als auch in ihrer Verachtung gleichsam geistig tot. Diejenigen, welche sie bestraft haben, fühlen in ihren Herzen kein Mitleid, denn sie sagen: "Da sie nun einmal ihren Meister, der sich ihnen gegenüber aufrichtig und wohlwollend verhalten hatte, verraten haben, müssen sie folglich verachtenswert sein und verdienen deshalb keine Gnade sondern nur die Verachtung."
So ist denn die Wahrheit von solcher Art. Wenn also nun ein despotischer, gewissenloser Mensch jemanden zu Boden wirft und nun mit erhobenem Fuß über ihm steht, bereit ihm den Kopf zu zertreten, und der Mann, der nun auf dem Boden liegt, wollte den Fuß dieses grausamen Tyrannen küssen, so wird durch diese Erniedrigung sein Herz noch vor seinem Kopf zertreten sein und sein Geist noch vor seinem Körper sterben... Er wird sowohl seinen Kopf verlieren und zugleich wird auch seine Ehre und seine Würde zerstört. Ferner ermuntert es ein solch gewissenloses Ungeheuer nur noch, ihn in seiner Bosheit zu zertreten, zeigt man sich ihm gegenüber als schwach. Wenn aber der Mensch, der unterdrückt unter seinen Füßen liegt, nun in das Gesicht des Tyrannen spuckt, wird er Herz und Geist retten und auch sein Leib wird in der Unterdrückung das Martyrium erfahren. Also spuckt jetzt in das schamlose Gesicht dieser Tyrannen!...
Einmal, als die Briten die Kanonen am Bosporus zerstört und Istanbul besetzt hatten, stellte (der Erzbischof von Canterbury) als Oberhaupt der Anglikanischen Kirche sechs Fragen an das Amt des Scheichu-l'Islam. Auch ich war damals Mitglied des Hauses der Islamischen Wissenschaften. Sie sagten zu mir: "Gib eine Antwort." Sie wollten auf ihre sechs Fragen eine Antwort von sechshundert Worten. Ich sagte: "Ich werde ihnen nicht mit sechshundert Worten, auch nicht mit sechs Worten, ja noch nicht einmal mit einem Wort, sondern mit meiner Spucke antworten! Denn diese Regierung hat, wie ihr hier seht, in diesem Augenblick ihren Fuß auf unseren Nacken gesetzt. Man muss ihrem Bischof für seine hochmütige Art, uns so von oben herab Fragen zu stellen, ins Gesicht speien. Also spuckt in dieses gnadenlose Gesicht solcher Tyrannen!"... sagte ich damals. Doch heute sage ich:
Oh meine Brüder! Da in einer Zeit, wenn eine despotische Regierung wie die britische (unser Land) besetzt hielt, ihnen auf diese Weise in der Sprache der Printmedien zu antworten, eine Gefahr von hundert Prozent in
sich enthielt, mir der Schutz des Qur'an bereits genügte, sollte er euch bei einer Möglichkeit von eins zu hundert, angesichts der Ungelegenheiten, die euch aus der Hand der Despoten (in heutiger Zeit) erwarten, sicherlich hundert Mal mehr genügen.
Ferner, meine Brüder! Die meisten von euch haben ihren Militärdienst bereits abgeleistet. Aber auch diejenigen, welche ihn noch nicht abgeleistet haben, werden sicherlich auch schon das folgende gehört haben. Und die es noch nicht gehört haben, mögen es nun von mir hören: "Die am häufigsten verwundet worden sind, waren die, welche den Schützengraben verlassen haben und davongelaufen sind. Am seltensten verwundet wurden die, welche in ihrem Schützengraben ausgeharrt haben!"
قُلْ اِنَّ الْمَوْتَ الَّذِى تَفِرُّونَ مِنْهُ فَاِنَّهُ مُلاَقِيكُمْ
{"Sprich: der Tod, vor dem ihr flieht, wird euch mit Sicherheit einholen." (Sure 62, 8)}
Das Geheimnis dieser Ayah verweist uns darauf: "Diejenigen, welche davonlaufen, werden ihm auf ihrer Flucht um so sicherer begegnen!"...
Dritte teuflische List:
Sie fangen viele (meiner Brüder) wegen ihrer Gier (tama').
Aus den Ayat und den Erklärungen des Weisen Qur'an haben wir unseren Segen empfangen und in vielen Abhandlungen mit zuverlässigen Zeugnissen bewiesen: "Legale Versorgung kommt nicht entsprechend der Macht und dem Willen, sondern im Verhältnis zur Schwäche und Armut." Es gibt zahlreiche Zeichen, Hinweise und Belege, die auf diese Wahrheit hinweisen. Zum Beispiel:
Die Bäume, die auf ihre Art lebendig sind und der Versorgung bedürfen, bleiben fest an ihrem Platz und ihre Versorgung kommt eilig zu ihnen gelaufen. Die Tiere aber, weil sie gierig hinter ihrer Nahrung her laufen, werden
nicht, den Bäumen gleich, in so vollkommener Weise ernährt.
Des Weiteren werden auch die Fische, die doch von allen Tierarten die dümmsten und willenlosesten sind und im Sand gefunden werden, dennoch auf vollkommene Weise versorgt und sehen im Allgemeinen wohlgenährt aus, während so kluge und fähige Tiere, wie der Affe und der Fuchs, durch ihre kümmerliche Ernährung nur mager und schwächlich sind, was zeigt, dass das Mittel ihrer Versorgung nicht ihre Fähigkeit ist, sondern ihre Armut.
Des Weiteren zeigt die gute Ernährung aller Tier- und Menschenkinder und das allerfeinste Geschenk aus dem Schatz der Barmherzigkeit, wie die Milch, die ihnen in ihrer Schwäche und Ohnmacht aus Mitleid (shefqat)in unerwarteter Weise dargeboten wird, und die schwierigen Umstände (ihrer Versorgung) bei den Raubtieren in der Wildnis, dass die Mittel legaler Versorgung, Schwäche und Armut sind und nicht Klugheit und Kraft.
Des Weiteren zeigen die armseligen Verhältnisse vieler Dichter und Gelehrten und der Besitz und der Reichtum so vieler ungelehrter, dass die Quelle, aus der sich ihre Versorgung speist, nicht Intelligenz und Macht ist, sondern Schwäche und Armut, es ist die Hingabe an Gott (teslim)im Vertrauen auf Ihn (tevvekul),ein Gebet (dua)mit Worten (lisan-i qal),mit Werken (lisan-i fiil)und mit ihrer ganzen Haltung (lisan-i hal).
اِنَّ اللّٰهَ هُوَ الرَّزَّاقُ ذُو الْقُوَّةِ الْمَتِينُ
{"Denn Gott ist es, der der Versorger ist und der Herr aller unerschütterlichen Macht." (Sure 51, 58)}
So ist denn die Ayah, welche diese Wahrheit verkündet, ein zuverlässiges und unerschütterliches Zeugnis für unsere Behauptung, das in der Sprache aller Pflanzen und Tiere und ihrer Jungen vorgetragen wird. Und jede Gruppe, die ihren Unterhalt verlangt, trägt ohne Worte (lisan-i hal)auf ihre Weise diese Ayah vor.
Da nun einmal die Versorgung festgesetzt ist und aus
Güte (ihsan)geschenkt wird und Gott der Gerechte ist, und Er sowohl der Allbarmherzige (Rahiem)als auch der Freigiebige (Keriem)ist, so lass denn die, welche sich durch unrechtmäßigen Erwerb in einer Weise erniedrigen, die Seine Barmherzigkeit anklagt und Seine Freigiebigkeit beschuldigt, ja die ihr Gewissen (vidjdan)und selbst einige heilige Dinge zur Bestechung anbieten, um dafür Dinge anzunehmen, die ungesetzlich und als verbotene Dinge auch ohne Heil und Segen sind, lass sie denn darüber nachdenken, was für ein vielfältiger Irrsinn das ist.
Weltleute und besonders die Leute des Irrweges geben in der Tat ihr Vermögen nicht billig weg; sie verkaufen es gegen einen hohen Preis. Manchmal wird etwas, das vielleicht ein wenig zu einem irdischen Leben von einem Jahr zu verhelfen mag, zu einem Mittel zur Zerstörung eines unendlichen Ewigen Lebens. Und durch diese schmutzige Gier (hirs)zieht der Mensch den Zorn Gottes (ghadab-i Ilahi)auf sich und versucht dabei das Wohlwollen der Leute des Irrweges auf sich zu lenken.
Oh meine Brüder! Wenn die Speichellecker der Heuchler (munafiq)und die Leute des Irrweges euch wegen der Habsucht (tama'),die der schwache Nerv in der menschlichen Natur ist, an sich zu binden versuchen, dann denkt an die oben angeführten Wahrheiten und nehmt euch diesen euren armen Bruder zum Beispiel. Ich versichere euch mit allem Nachdruck, dass Zufriedenheit und Sparsamkeit (kanaat ve iktisad)mehr zu eurem Leben und Unterhalt beitragen werden, als irgendeine Gehaltsauszahlung. Besonders ein euch unrechtmäßig ausgezahltes Geld verlangt von euch dafür einen tausendfach höheren Preis. Ja es kann sogar ein Hindernis sein für den Dienst am Qur'an, der doch für euch in jeder Stunde für ewig einen Schatz öffnen könnte, oder euch in ihm verdrießlich werden lassen. Das aber wäre für euch solch ein Verlust und hinterließe (in euren Seelen) eine solche Leere, dass selbst zahlte man euch Tausende Monatsgehälter, sie dafür keinen Ersatz bieten würden.
Anmerkung:
Die Leute des Irrweges, da sie nicht in
der Lage sind, sich selbst zu verteidigen und etwas auf die Wahrheiten des Glaubens zu entgegnen, die wir aus dem Weisen Qur'an entnommen haben und verbreiten, stellen heuchlerisch und arglistig Fallen von Lug und Trug auf. So wollen sie meine Freunde durch deren Neigung emporzustreben (hubb-u djah),ihre Habsucht (tama')und ihre Furcht (khauf)verführen und mich durch mancherlei Anschuldigungen in Misskredit bringen. Doch wir in unserem Heiligen Dienst reagieren stets in positivem Sinne. Dabei veranlasst uns jedoch manchmal die Aufgabe, Hindernisse zu beseitigen, die jedes gute Werk mit sich bringt, ein paar negative Dinge zu tun. So ist es denn aus diesem Grunde, dass ich meine Brüder, hinsichtlich der drei oben erwähnten Punkte, vor der arglistigen Propaganda der Leute der Zwietracht warnen muss. Dabei bemühe ich mich darum, die auf sie gerichteten Angriffe zurückzuschlagen.
Im Augenblick richtet sich der wichtigste Angriff gegen meine Person. Sie sagen: "Said ist Kurde." Warum erweist ihr ihm solchen Respekt und folgt ihm? So muss ich nun leider die vierte teuflische List in der Sprache des Alten Said erklären, auch wenn ich das gar nicht will, nur um diese Gauner zum Schweigen zu bringen.
Vierte teuflische List:
Um meine Brüder zu verführen und ihr Nationalgefühl anzustacheln, sagen gewisse Atheisten, die hohe Positionen einnehmen und mich mit ihrer Propaganda angreifen wollen, durch die Einflüsterungen des Teufels, aufgehetzt durch die Leute des Irrwegs: "Ihr seid Türken, so wie es Gott gewollt hat (mascha-a'llah).Bei den Türken gibt es jede Art von Gelehrten und Leuten der Vollendung. Said aber ist Kurde. Widerspricht es denn nicht eurem Nationalstolz, mit einem zusammenzuarbeiten, der nicht von eurem Volk ist?"
Antwort:
Oh du unglückseliger Atheist! Ich bin, Dank sei Gott! (felillahilhamd),ein Muslim. In dieser Zeit gibt es dreihundertfünfzig Millionen Mitglieder meines heiligen Volkes. Hunderttausend Mal nehme ich meine Zuflucht zu Gott, nicht dreihundertundfünfzig Millionen Brüder zu opfern, die eine
solche ewige Bruderschaft bilden, und die mir (während ihrer täglichen) Gebete (dua)helfen und zu denen auch die überwiegende Mehrzahl aller Kurden gehören, für ein rassistisches und nationalistisches Gedankengut und an Stelle dieser zahllosen gesegneten Brüder, um eine völlig unbedeutende Minderheit solcher zu gewinnen, die sich zum kurdischen Volk zählen und Kurden genannt werden, die auf einen Weg geraten sind, auf dem sie keinen Glauben oder doch keine Glaubensschule (medhheb)kennen.
Oh du Ungläubiger! Es muss jemand schon so ein Dummkopf sein wie du, die ewig währende Bruderschaft einer Gemeinschaft von dreihundertundfünfzig lichtvollen, segenbringenden, wahrhaftigen Brüdern aufzugeben, um dafür die Bruderschaft einiger Handvoll ungläubiger Ungarn oder fränkisch gesinnter (= assimilierter) Türken zu gewinnen, die ihren Glauben verloren haben und selbst schon in dieser Welt nichts gewinnen können. Nachdem wir bereits im Dritten Kapitel des Sechsundzwanzigsten Briefes das Wesen des Nationalismus und seine negativen Folgen mit Beweisen aufgezeigt haben, wollen wir hier auf diesen hinweisen und zugleich eine Wahrheit erläutern, die schon am Ende des Dritten Kapitels kurz erwähnt worden war. Es ist dies wie folgt:
Zu denen, die sich unter dem Deckmantel eines türkischen Nationalismus verborgen halten, in Wirklichkeit aber Feinde der Türken und glaubenslose, nationalistische Eiferer sind, möchte ich sagen: Ich bin durch das Volk des Islamischen Glaubens in einer ewigen und wahren Bruderschaft mit den Leuten des Glaubens in diesem Lande, die man Türken nennt, eng und wahrhaftig verbunden. Und ich bin mit den Kindern dieses Landes, welche seit fast tausend Jahren das Banner des Qur'an siegreich in die sechs Richtungen getragen haben, um des Islams willen stolz und mit innerer Anteilnahme in Liebe (muhabbet)verbunden. Was aber dich betrifft, du Betrüger, der du dich als Patriot aufspielst! Du lebst in einer
Weise, die dich alles, worauf das türkische Volk mit recht stolz sein kann, vergessen lässt, in einer rein metaphorischen (medjazi),rassistischen, vorübergehenden und hinterhältigen Bruderschaft. Ich frage dich also: besteht denn das türkische Volk nur aus gottvergessenen, von Lust besessenen jungen Leuten zwischen zwanzig und vierzig? Und erwächst etwa der Dienst, der für sie nutz- und gewinnbringend sein soll, so wie er von ihnen gemäß ihrer patriotischen Gesinnung erwartet wird, aus einer fränkisch ausgerichteten (= westlichen) Erziehung, die ihre Gottvergessenheit nur noch vermehrt, sie an Unmoral gewöhnt und sie zu verbotenen Dingen ermuntert? oder etwa in einem vorübergehenden Lachen, das sie im Alter zum Weinen bringen wird? Wenn das der wahre Patriotismus sein soll, wenn das der Fortschritt und das Glück im Leben sein soll und wenn dein Türkentum so aussieht und deine Volksverbundenheit sich so ausdrückt, dann möchte ich doch lieber vor einem solchen Türkentum davonlaufen, und auch du magst dann ruhig von mir wegrennen! Wenn du aber noch einen Funken Vaterlandsliebe in dir hast, wenn du noch bewusst und recht und billig denken kannst, dann betrachte einmal die heutigen Gesellschaftsschichten und antworte mir dann:
Die Kinder unseres Vaterlandes, die man das türkische Volk nennt, bestehen aus sechs Schichten. Die erste Schicht sind die Aufrechten und die Frommen. Die zweite Schicht sind die Opfer von Unglücksfällen, Heimsuchungen und Krankheiten. Die dritte Schicht sind die alten Leute. Die vierte Schicht sind die Kinder. Die fünfte Schicht sind die Armen und Schwachen. Die sechste Schicht sind die jungen Leute. Sind etwa all die fünf ersten Schichten keine Türken? Haben sie etwa keinen Anteil an unseren patriotischen Empfindungen? Wenn man nun etwa der sechsten Gruppe ihren Rausch und ihr Vergnügen lässt, die übrigen fünf Gruppen aber kränkt und beleidigt, ihnen das Leben vergällt und sie ihres Trostes beraubt, nennt man das dann eine patriotische Gesinnung
gegenüber dem Volk? oder Feindschaft gegenüber dem Volk?... Der tiefen Weisheit (sirr)entsprechend: اَلْحُكْمُ لِلْاَكْثَرِ {"Das Urteil liegt bei der Mehrheit."} ist der, welcher der Mehrheit einen Schaden (zarar)zufügt, ein Feind und kein Freund!
So frage ich dich denn:
Findet man etwa die höchsten Interessen der Leute des Glaubens und der Frömmigkeit, welche die erste Volksschicht bilden, in der fränkischen (= westlichen) Zivilisation? Oder findet man sie nicht vielmehr im Gedanken an die Ewige Seligkeit im Lichte der Glaubenswahrheiten, wenn man den Weg der Wahrheit beschreitet, wo sie besonders ersehnt und geliebt (ashk)
wird und wo man einen wahren Trost findet? Doch der Weg, den Irregeleitete und solche Patrioten, wie du einer bist, eingeschlagen haben, löscht das innere Licht der aufrechten Leute des Glaubens, zerstört jede echte Tröstung und zeigt stattdessen den Tod als eine Verurteilung für ewig und das Grab als das Tor zu einer immerwährenden Trennung.
Findet man etwa Segen für die zweite Volksschicht, die Gruppe derer, die von Unglücksfällen heimgesucht wurden, der Kranken und derer, die den Mut zum Leben verloren haben und verzweifelt sind, durch eine fränkisch geartete (= westliche), gottlose Erziehung? Denn diese Unglückseligen suchen nach einem Licht, verlangen nach einer Tröstung. Sie schauen nach einer Art Wiedergutmachung für ihr Leiden aus. Sie möchten gerne Rache nehmen an denen, die sie unterdrückt haben. Sie wollen all den Terror an der Pforte des Grabes, dem sie sich nähern, zurückweisen. Durch ihren falschen Patriotismus aber stoßen solche, wie ihr es seid, denen, die doch so sehr der Liebe (shefqat),
der Zärtlichkeit und der Heilung bedürfen und ihrer würdig sind, diesen armen, unglückseligen (Menschen) noch eine Nadel ins Herz! Ihr schlagt sie noch auf die Köpfe! Ihr zerbrecht ihre Hoffnungen ohne Erbarmen! Ihr stürzt sie noch in die äußerste Verzweiflung!... Sieht so euer Patriotismus aus? Ist das eure Art, Wohltaten unter dem Volk zu verteilen?
Nun kommen wir zu den alten Leuten, welche die dritte Volksschicht bilden, um sie als pars tertium zu betrachten. Sie nähern sich dem Grabe, sie nähern sich dem Tode, sie entfernen sich aus dieser Welt und gehen hinüber ins Jenseits. Finden sie ihren Segen, Licht und Tröstung, wenn sie die grauenvollen Abenteuer verrohter Tyrannen wie Hulagu (der Eroberer von Baghdad 1258 - A.d.Ü.) und Dschingis Khan (sein Großvater - A.d.Ü.) mit anhören? Habt etwa ihr in eurer neuzeitlichen Bewegung ohne Sinn, ohne Zweck, innerlich zerfallen, während sie sich nach außen auch noch fortschrittlich nennt, die das Jenseits vergessen macht und dabei an das Diesseits bindet, noch einen Platz für sie? Kann man das jenseitige Licht im Kino finden? Kann man den wahren Trost im Theater finden? Wenn Patriotismus in Wirklichkeit heißt, sie mit einem unsichtbaren Messer zu schlachten, und ihnen die Vorstellung zu geben: "ihr werdet jetzt zu einer Verurteilung auf ewig getrieben" und das Grab, das sie als Tor zur Barmherzigkeit betrachten, in ein Drachenmaul zu verwandeln und dabei in ihre Ohren zu blasen: "auch ihr werdet dort eintreten!", dann gibt es - während diese unglücklichen alten Leute von den Patrioten Respekt verlangen - angesichts eines solchen Vaterlands nur noch ein hunderttausendfaches: اَلْعِيَاذُبِللّٰهِ {"Ich nehme meine Zuflucht zu Gott!"}
Die vierte Volksschicht ist die der Kinder. Sie erbitten von unseren Patrioten Barmherzigkeit, erwarten von ihnen Mitleid (shefqat).
Auch in Hinsicht auf ihre Schwäche (da'if),Hilflosigkeit (adjz)und Machtlosigkeit (iktidarsiz)möge sich ihr Geist (ruh)ausdehnen, wenn sie einen mitfühlenden (merhamet)mächtigen Schöpfer kennen. Ihre Fähigkeiten mögen sich glücklich entfalten. Wenn sie mit einem Vertrauen auf Gott erfüllt werden, das aus dem Glauben (tevvekul-u iman)erwächst und in der Unterwerfung im Islam (teslim-i Islam),der schrecklicher Furcht und den Verhältnissen in dieser und in der künftigen Welt zu widerstehen vermag, dann mögen diese Unschuldigen mit Eifer nach dem Leben Ausschau halten. Könnte dies etwa
dadurch erreicht werden, dass man sie Dinge lehrt, die den Fortschritt der Zivilisation betreffen, mit dem sie kaum etwas zu tun haben, und die Prinzipien einer lichtlosen, rein materialistischen Philosophie, die ihre Moral (akhlaq)zerstört und ihren Geist auslöscht? Wenn der Mensch nur aus dem Körper eines Tieres bestünde und er keinen Verstand im Kopf hätte, dann könnten vielleicht diese fränkischen (= westlichen) Prinzipien, die ihr phantasievollerweise eine zivilisierte Erziehung und eine nationale Erziehung nennt, diesen unschuldigen Kindern einigen irdischen Nutzen und einige Vorteile in Form einiger vorübergehender kindischer Vergnügungen bringen. Da diese Kinder aber einmal in das Auf und Ab des Lebens geworfen werden, und da sie nun einmal Menschen sind, werden sie sicherlich auch in ihren kleinen Herzen viele weitreichende Sehnsüchte haben und in ihren kleinen Köpfen große Pläne und Ziele sich entfalten. Weil aber die Wirklichkeit nun einmal so ist, so ist auch das, was Mitleid (shefqat)für sie erfordert: den Glauben an Gott und den Glauben an das Jenseits in ihre Herzen zu pflanzen, ein außerordentlicher Stützpfeiler und eine unerschöpfliche Quelle der Zuflucht angesichts ihrer unendlichen Schwäche und Hilflosigkeit. Erbarmen und Mitleid (merhamet ve shefqat)ihnen gegenüber vollzieht sich auf diese Weise. Anderenfalls gleicht diese Trunkenheit der Nationalisten einer wahnsinnig gewordenen Mutter, die ihre Kinder schlachtet, indem sie dem spirituellen Leben dieser armen, unschuldigen (Kinder) den Hals abschneidet. Es ist eine wilde Grausamkeit und geradezu ein Verbrechen, so als wolle man ihnen Herz und Gehirn herausreißen, um damit ihren Körper zu ernähren.
Die fünfte Schicht ist die Volksschicht der Armen und Schwachen. Empfangen etwa die Armen, die auf Grund ihrer Armut sehr unter der Last und Bürde ihres Lebens leiden, und die Schwachen, die unter diesem schrecklichen Auf und Ab des Lebens besonders betrübt sind, ihren Anteil an den nationalen Gefühlen dieser Patrioten?
Findet er sich etwa in den Bewegungen, die ihr unter dem Titel eurer Vernarrtheit in eine fränkische (= westliche), schamlose, pharaonengleiche Zivilisation aufgerichtet habt, welche die Verzweiflung (ye's)und das Leid dieser Hilflosen nur noch vermehrt und ein Spielplatz für die Lust und Laune eines Teiles der Reichen ist und ein Fahrzeug für Ruhm und Raub eines Teiles der despotischen Machthaber? Die Salbe für die Wunde der Armut dieser hilflosen Bedürftigen könnte gefunden werden, nicht in einer rassistischen Idee, sondern in der heiligen Apotheke des Islam. Der Schwache kann nicht Stärke und Widerstandskraft in einer naturalistischen Philosophie finden, die nur finster ist, eines Bewusstseins entbehrt und an den Zufall gebunden ist, sondern aus ihrem Eifer für den Islam und ihrer Zugehörigkeit zur heiligen islamischen Nation!
Die sechste Volksschicht ist die der jungen Leute. Würde die Jugendlichkeit dieser jungen Leute ewig währen, dann würde auch der Wein, den ihr (diesen jungen Leuten) mit eurem nationalistischen (Gedankengut) eingeflößt habt, einen vorübergehenden Nutzen, eine Art guten Zweck erfüllt haben. Wenn aber die süße Trunkenheit ihrer Jugendlichkeit einer schmerzlichen Ernüchterung im Greisenalter, der erquickende Schlaf am Morgen des Greisenalters einem bedauernden Erwachen (gewichen ist), wird der Kater, der dem Rausch ihrer Trunkenheit folgt, sie bitterlich weinen lassen und der Schmerz im Vorüberrauschen ihrer süßen Träume ihnen viel Trauer und Betrübnis einflößen. "Oh weh! Sowohl meine Jugendzeit ist vorübergegangen, als auch meine Lebenszeit ist vergangen. Und nun nähere ich mich dem Grab, bankrott. Ach hätte ich doch einmal meinen Verstand gebraucht!" Besteht etwa der Anteil an dem Patriotismus dieser Schicht darin, sich eine kurze, vorübergehende Zeit zu amüsieren, um danach für eine sehr lange Zeit bitterlich zu weinen, oder liegt ihr irdisches Glück und ihre Freude am Leben vielleicht in der Art, ihre Dankbarkeit für das schöne Geschenk einer blühenden Jugendzeit zu erweisen
und dieses Geschenk (einer solchen Jugendzeit) nicht auf dem Wege der Ausschweifung, vielmehr auf dem Wege der Rechtleitung auszugeben und so in sich diese vergängliche Jugend im Dienst und in der Anbetung (Gottes) zu verewigen und so durch eine in Rechtleitung (verbrachte) Jugendzeit eine ewige Jugendzeit im Haus der Glückseligkeit zu gewinnen. Wenn du also nun noch über ein Körnchen Verstand verfügst, dann sprich!
Zusammenfassung:
Bestünde das türkische Volk nur aus diesen jungen Leuten der sechsten Schicht und würde die Jugendzeit niemals vergehen und gäbe es außer dieser Welt keinen anderen Ort, so könnte man eure ganze, unter einem Deckmantel alltürkische, (in Wirklichkeit aber) fränkische (= verwestlichte) Bewegung, als eine patriotische anführen. Dann könntet ihr zu einem Mann wie mir, der wenig Wert auf das Leben in dieser Welt legt, Rassismus als eine Seuche, wie die "fränkische Krankheit" (Syphilis) betrachtet, junge Leute von unerlaubten Vergnügungen und Gelüsten abzuhalten versucht und in einem anderen Land zur Welt gekommen ist, sagen: "Er ist ein Kurde. Folgt ihm nicht!" und so könntet ihr ein Recht haben, es zu sagen. Da aber nun einmal die Kinder dieses Landes, die man Türken nennt, aus sechs verschiedenen Volksschichten bestehen, ist es, wenn man fünf Schichten Schaden zufügt, ihr Wohlbefinden zerstört, einer einzigen dieser Schichten jedoch, ein vorübergehendes, weltliches Vergnügen bereitet, dessen Folge noch dazu unheilvoll ist, ja sie geradezu betrunken macht, so ist dies keineswegs ein Freundschaftsdienst für das türkische Volk, sondern Feindschaft.
Meiner Rasse nach, werde ich in der Tat nicht zu den Türken gezählt. Jedoch habe ich unter den Türken für die Leute der Gottesfürchtigen, die Gruppe der vom Unglück betroffenen, die Schicht der Alten, die Klasse der Kinder und die Schar der Schwachen und der Armen mit all meiner Kraft, völlig freiwillig, mit viel Liebe (shefqat)und in brüderlicher Gesinnung gearbeitet und arbeite ich noch
immer. Auch die jungen Leute, welche die sechste Volksschicht bilden, möchte ich von ungesetzlichen Handlungen abhalten, die ihr irdisches Leben vergiften, das jenseitige Leben zerstören und für eine Stunde lachen ein Jahr weinen zur Folge haben. Alle meine Werke, und zwar nicht nur das, was ich in den letzten sechs, sieben Jahren, sondern in zwanzig Jahren dem Qur'an entnommen und in türkischer Sprache veröffentlicht habe, liegt für jedermann offen zu Tage.
Lobpreis und Dank sei Gott (lillahilhamd)dafür, dass mit diesen Werken (und allem, was ich) aus dieser Lichtquelle, dem Weisen Qur'an, in der Tat entnommen habe, ein Licht gezeigt worden ist, das diese Volksschicht der alten Leute mehr als alles andere ersehnt. Die wirksamsten Heilmittel für die vom Unglück heimgesuchten und die Kranken werden in der heiligen Apotheke des Qur'an dargeboten. Durch diese Lichter des Qur'an wird das Tor des Grabes, das die alten Leute mehr als sonst etwas zum Nachdenken anregt, als das Tor der Barmherzigkeit gezeigt und nicht als ein Tor, durch das es zur Hinrichtung geht. Ein besonders mächtiger Stützpunkt angesichts so zahlloser Unglücke und gefährlicher Dinge, denen die so empfindsamen Herzen der Kinder ausgesetzt sind, und ein Ort der Zuflucht, der all den zahllosen Hoffnungen und Wünschen offen steht, wurden auf dem Fundament des Weisen Qur'an errichtet, aufgezeigt und in der Tat auch praktisch genutzt. Und die schwere Verantwortung, die die Schicht der Armen und Schwachen am meisten bedrückt, die schwere Bürde, die nahezu ihr Leben zerstört, wird durch die Glaubenswahrheiten des Weisen Qur'an erleichtert.
Es sind also diese fünf Gruppen fünf Schichten der sechs Volksschichten der türkischen Nation, für deren Wohlergehen wir arbeiten. Die sechste Schicht aber ist seine Jugend. Mit den guten unter ihnen haben wir eine ernsthafte brüderliche Verbundenheit. Aber mit solch Glaubenslosen, wie du einer bist, haben wir in gar keiner
Weise irgendeine freundschaftliche Beziehung! Denn Männer, welche den Gottlosen beigetreten sind und sich aus der Gemeinschaft islamischer Völker ausschließen wollen, welche doch alles umfasst, worauf auch das türkische Volk in Wahrheit stolz sein mag, betrachten wir nicht als Türken. Wir halten sie vielmehr für Franken, die (ihre Verwestlichung) unter einem türkischen Schleier verstecken wollen. Auch sollten sie hunderttausend Mal behaupten, national-türkisch gesinnt zu sein, können sie doch die Leute der Wahrheit nicht täuschen. Denn ihre Taten und Handlungen strafen ihre Behauptungen Lügen.
Wohlan denn, oh ihr Anhänger dieser Franken (und ihrer Lebensweise) und all ihr Glaubenslosen, die ihr euch darum bemüht, meine aufrichtigen Mitbrüder mit eurer Propaganda dahin zu bringen, mir nur noch die kalte Schulter zu zeigen! Was tut ihr zum Wohle dieser Nation?
Ihr löscht das Licht der Gottesfürchtigen und der Frommen, die die erste Volksschicht bilden.
Ihr streut noch Gift auf die Wunden der zweiten Schicht, die doch der Güte und Fürsorge bedürftig sind.
Ihr zerstört den Trost der dritten Schicht, die doch so sehr euren Respekt (hurmet)verdient, und werft sie in die völlige Verzweiflung (ye's-i mutlaq).
Ihr brecht ganz und gar die geistige Kraft der vierten Schicht, die doch so sehr eure Zärtlichkeit (shefqat)braucht und löscht ihre wahre Menschlichkeit aus.
Ihr lasst die Hoffnungen der fünften Schicht, die doch so nötig Hilfe, Trost und Unterstützung braucht, in ihrer Hoffnung, in ihrem Ruf nach Hilfe ohne Frucht sein und verwandelt das Leben in ihren Augen in etwas, das noch furchtbarer ist als der Tod.
Und der sechsten Schicht, die ihr doch eigentlich ermahnen und wachrütteln müsstet, gebt ihr in ihrem Jugendrausch auch noch Wein zu trinken, einen Wein, der sie in eine besonders schmerzliche und besonders schreckliche Trunkenheit versetzt.
Ist das etwa euer patriotischer Eifer, dass ihr um dessentwillen, so vieles opfert, was euch heilig ist? Ist es das, was eine national-türkische Gesinnung den Türken zu bieten hat? Hunderttausend Mal Zuflucht bei Gott!
Ihr Herren! Ich weiß, dass ihr eure Zuflucht zu eurer Macht nehmt, wenn ihr angesichts der Wahrheit verloren habt. In dem Geheimnis, dass die Macht sich auf die Wahrheit stützt (und auf den, der aus ihr lebt) und nicht die Wahrheit sich auf die Macht stützt (und auf den, der sie in Händen hält), könnt ihr rund um mich die Welt in Brand setzen, doch mein Kopf (rund um den herum die Welt in Flammen steht), der sich opfert für die qur'anischen Wahrheiten, wird sich nicht vor euch beugen. Zudem will ich euch auch dies noch sagen: auch wenn nicht nur eine begrenzte Anzahl Leute wie ihr, die doch das Volk in seinem Innern verachtet, sondern Tausende euresgleichen mir selbst tätlich ihre Feindschaft zeigten, würde ich ihnen dennoch keine Beachtung schenken, ja ihnen nicht mehr Wert beimessen als einem Haufen wilder Tiere. Denn was könnt ihr schon gegen mich ausrichten? Alles, was ihr tun könnt, ist, entweder meinem Leben ein Ende setzen, oder aber mein Werk zerstören. Außer diesen beiden Dingen verbindet mich nichts mit dieser Welt. Was die Stunde betrifft, die für dieses Leben vorherbestimmt (muqadder)ist, so glaube ich mit der Sicherheit eines Zeugen, dass sie sich nicht ändert. Sie ist bereits bestimmt. Da dies aber nun einmal so ist, scheue ich nicht davor zurück, als Märtyrer auf dem Weg der Wahrheit zu sterben, sondern erwarte sie mit Sehnsucht. Besonders da ich schon alt bin, glaube ich, dass es schwer für mich werden wird, noch ein weiteres Jahr zu leben. Ein Jahr dieses äußerlichen (Lebens) durch den Märtyrertod in ein immerwährendes Ewiges Leben zu verwandeln, ist für Leute wie mich der letzte Wunsch und das erhabenste Ziel. Was aber mein Werk betrifft, so hat mir Gott der Gerechte in Seiner Barmherzigkeit solche Brüder im Dienste
am Glauben und am Qur'an geschenkt, dass es nach meinem Tode nicht mehr in nur einem Zentrum, sondern in vielen Zentren versehen werden wird. Wenn meine Zunge mit dem Tode zum Schweigen gebracht werden wird, werden sehr viele mächtige Zungen an Stelle meiner Zunge sprechen und dieses Werk fortsetzen. Ja ich kann sogar sagen: So wie ein Samenkorn in die Erde fällt und stirbt und dadurch einem neuen Halm das Leben schenkt und so schließlich hundert Körner mit ihrer Aufgabe beginnen, so nähre auch ich die Hoffnung, dass mein Tod der Anlass zu einem Werk sein wird, dass über mein Leben hinauswachsen wird!...
Fünfte teuflische List:
Die Gefolgschaft der Leute des Irrwegs wollte meine Brüder, indem sie aus deren Selbstgefälligkeit (enaniyet)ihren Nutzen zogen, (aus meinem Kreis) zurückziehen. Tatsächlich ist ja die für den Menschen gefährlichste Ader ihre Selbstgefälligkeit. Und es ist zugleich auch ihr schwächster (da'if)Nerv. Wird er gestreichelt, so kann man ihn dazu bringen, ganz schlechte Dinge zu tun. Oh meine Brüder! Gebt Acht! Lasst euch nicht bei eurer Selbstgefälligkeit (enaniyet)treffen. Lasst euch nicht in ihr gefangen nehmen! Ferner sollt ihr wissen, dass in diesem Jahrhundert die Leute des Irrweges die Selbstgefälligkeit bestiegen haben und auf ihr durch das Tal des Irrglaubens galoppieren. Die Leute der Wahrheit können nur dann der Wahrheit dienen, wenn sie ihre Selbstgefälligkeit aufgeben müssen. Auch sollten sie glauben, das Recht zu haben, von ihrem Ego Gebrauch zu machen, weil sie meinen, damit genauso zu handeln wie alle anderen und weil (die Leute des Irrweges dadurch glauben), dass (die Leute der Wahrheit) genauso selbstsüchtig seien wie sie selbst, so ist dies dennoch eine Unwahrheit im Dienst an der Wahrheit. In jedem Fall akzeptiert der Dienst am Qur'an, um den herum wir uns versammelt haben, nicht dieses "Ich", sondern verlangt nach einem "Wir". Er sagt: "Sagt nicht 'Ich', sondern sagt 'Wir'".
Sie sind mit Sicherheit zu der Überzeugung gelangt,
dass dieser euer Bruder nicht durch sein Ego auf den Platz getreten ist. Und er macht euch auch nicht zu einem Diener an seinem Ego. Vielmehr zeigte er sich euch als ein Diener am Qur'an ganz ohne sein Ego. Nicht selbstgefällig zu sein und nicht an der Seite seines Egos zu stehen, hat er als seinen Weg (meslek)erwählt. In jedem Fall hat er euch mit absolut sicheren Zeugnissen bewiesen, dass die Werke, die zum allgemeinen Nutzen verfasst worden sind, öffentliches Eigentum, d.h. Tropfen aus dem Weisen Qur'an sind. Niemand darf in seiner Selbstgefälligkeit einen Anspruch an ihnen erheben! Nehmen wir doch einmal den unmöglichen Fall an, ich wollte mich in meiner Selbstgefälligkeit als der Eigentümer dieser Werke ausgeben, wie einer meiner Mitbrüder gemeint hat: seit sich nun die Türen des Qur'an geöffnet haben, sollten doch die Leute der Wissenschaft und aller Vollkommenheit nicht zögern und nicht erklären, sie hätten all dies gar nicht nötig, sondern ohne meine Fehlerhaftigkeit und die Bedeutungslosigkeit (meiner Person) zu beachten, sich hinter mich stellen. Die Werke der Rechtschaffenen (selef-i salihin)und der Forscher unter den Gelehrten sind wie eine riesengroße Schatzkammer, zur Genüge ausreichend für eine jede Art von Kummer. Doch geschieht es zuweilen, dass ein Schlüssel dazu noch wichtiger ist, als diese Schatzkammer. Denn wenn eine Schatzkammer geschlossen ist, könnte doch ein Schlüssel viele solche Kammern öffnen.
So denke ich denn, dass diejenigen, deren Selbstgefälligkeit ihnen allzusehr aus ihrer Bildung erwächst (enaniyet-i ilmiye),verstanden haben, dass die Worte (Sözler),die veröffentlicht worden sind, jedes für sich ein Schlüssel zu den qur'anischen Wahrheiten und je ein diamantenes Schwert sind, dass solchen den Kopf abschlägt, die diese Wahrheiten bestreiten wollen. Die Leute der Tugend und der Vollkommenheit und solche, deren Selbstgefälligkeit ihnen allzusehr aus ihrer Bildung erwächst, sollten wissen, dass sie nicht Studenten von mir, sondern Schüler des Weisen
Qur'an sind und dass auch ich mit ihnen ein Studienkollege bin.
Nehmen wir doch einmal den unmöglichen Fall an, ich würde den Rang eines Lehrmeisters (ustadh)für mich beanspruchen, da wir ja nun einmal einen Weg gefunden haben, all die Schichten der Leute des Glaubens von heute, von den ungebildeten bis hinauf zu den oberen Klassen, von all den Zweifeln und Unsicherheiten, von denen sie befallen sind, zu erretten, dann sollen doch alle diese Gelehrten entweder einen einfacheren Weg finden, oder aber unseren Weg für nötig erachten, ihn lehren und auf unsere Seite treten. Doch es hängt eine sehr schwere und düstere Wolke über all den schlechten Gelehrten (Ulema-us Su).So müssen denn die (wahren) Wissenschaftler in unserer Zeit ganz besonders aufmerksam sein.
Nehmt also einmal an, ich würde so, wie unsere Feinde sich das vorstellen, einen solchen Dienst um meiner Selbstgefälligkeit willen verrichten. Da aber nun einmal eine große Anzahl Leute ihren Egoismus aufgeben und sich um irgendeines irdischen, nationalen Zieles willen vollkommen loyal um einen solchen Mann wie um einen Pharao scharen und in großer Solidarität ihren Dienst versehen, sollte da nicht etwa auch euer Bruder im Glauben das Recht haben, von euch um eurer Solidarität rund um die Glaubenswahrheiten willen erwarten, dass ihr euren Egoismus aufgeben werdet, so wie jene Feldwebel einer weltlichen Gesellschaft, solange wie dieser nur seinen eigenen Egoismus zu verbergen weiß? Und wenn noch nicht einmal die größten eurer Gelehrten ihm "Da bin ich! (Labbeyk)"sagen sollten, wären sie dann nicht im Unrecht?
Meine Brüder! Einer der gefährlichsten Aspekte des Egoismus in unserem Werk ist der Neid. Geschieht etwas nicht pur um Gottes willen, so tritt der Neid dazwischen und zerstört alles. Wie die Hand eines Menschen nicht neidisch auf seine andere Hand sein kann und sein Auge nicht auf sein Ohr und das Herz nicht in Streit treten kann
mit dem Verstand, so ist auch ein jeder von euch ein Sinn, ein Glied innerhalb einer geistigen Körperschaft (shahs-i manevi),dessen Ganzheit ihr alle formt. Es geht nicht darum, miteinander in Streit zu liegen. Vielmehr solltet ihr im Gegenteil stolz sein auf die gemeinsamen guten Eigenschaften. Sich über sie zu freuen ist eine grundlegende Gewissenspflicht.
Aber es gibt da noch ein Ding das bleibt und äußerst gefährlich ist: untereinander und unter euren Freunden Eifersucht gegenüber diesem euren armen Mitbruder zu empfinden, ist äußerst gefährlich. Es gibt unter euch auch einige sehr bedeutende Wissenschaftler (ehl-i ilim).Bei einem Teil dieser Wissenschaftler finden sich solche, deren Selbstgefälligkeit ihnen allzusehr aus ihrer Bildung erwächst (enaniyet-i ilmiye).Auch wenn diese ganz allgemein gesehen doch recht bescheiden sein mögen, so sind sie doch gerade in dieser Hinsicht ziemlich selbstgefällig. Sie können diese Selbstgefälligkeit nicht so schnell aufgeben. Wie sehr sich auch Herz und Verstand (an die Risale-i Nur)anklammern mögen, ihre Seele (nefs)sucht doch hinsichtlich ihrer Selbstgefälligkeit in der Wissenschaft einen Vorrang, um sich selbst verkaufen zu können, ja sogar, um über die abgehandelten und niedergeschriebenen Themen disputieren zu können. Und wenn auch ihr Herz diese Abhandlungen liebt und sie sich verstandesmäßig für sie begeistern und sie als erhaben einschätzen, wünscht ihre Seele (nefs),als nährte sie eine heimliche Feindschaft (adavet)gegen sie, wegen ihrer Selbstgefälligkeit auf Grund ihrer Bildung, die Herabsetzung der Worte (Sözler),sodass der Ertrag ihres Denkvermögens mit ihnen konkurrieren und gleich ihnen verkauft werden könne. Dabei muss ich ihnen doch gezwungenermaßen Folgendes mitteilen:
Selbst wenn diese (Leute) in den Kreisen qur'anischer Unterweisung Koryphäen der Wissenschaft (allame)und der Rechtsgelehrtheit (mutschtehid)wären, so besteht doch ihre Aufgabe in theologischer Hinsicht (ulum-u imaniye djihet)lediglich darin, die bereits niedergeschriebenen Worte (Sözler)zu erklären (sherh)und zu erläutern (izah)
und sie zu ordnen (tanzim).Denn auf Grund sehr vieler Hinweise ist uns klar geworden, dass wir mit der Aufgabe betraut worden sind, Etwas herauszugeben (fetwa),die sich auf die verschiedenen Glaubensartikel (ulum-u imaniye)beziehen. Wenn irgendjemand aus unserem Kreis auf Grund eines Gefühls, das ihm aus seiner Selbstgefälligkeit hinsichtlich seiner Bildung erwächst (nefsin enaniyet-i ilmiye),etwas schreibt, das außerhalb der Erläuterungen und Erklärungen (sherh ve izah;der Risale-i Nur)liegt, so gilt dies als ein eiskaltes Konkurrenzbestreben oder als der fehlerhafte Versuch einer Nachahmung. Ist doch anhand vieler Beweise und Zeichen erwiesen, dass die einzelnen Abschnitte der Risale-i Nur Tropfen aus dem Qur'an sind, denn in Übereinstimmung mit dem Gesetz der Arbeitsteilung, hat jeder von uns eine Aufgabe übernommen, indem wir uns darum bemühen, dass die Tropfen vom Wasser des Lebens, die (aus dem Qur'an) hindurchgesickert sind, für einen jeden erreichbar gemacht werden können, der ihrer bedarf!...
Sechste teuflische List:
Es ist dies folgendermaßen: Er nutzt die nur allzu menschliche Ader seiner Faulheit, seine Leidenschaft für äußerlichen Komfort und sein Verhaftetsein an alle nur erdenklichen Pflichten. Diese Teufel in Menschen- und in Dschinnengestalt greifen (den Menschen) in der Tat in jeder Hinsicht an. Wenn sie solche Leute unter uns erblicken, deren Herzen stark, deren Treue unerschütterlich, deren Absichten aufrichtig und deren Eifer erhaben ist, so greifen sie diese von einer anderen Richtung her an. Dies geschieht folgendermaßen:
Um unsere Arbeit ins Stocken zu bringen und uns in unserem Dienst zu entmutigen, ziehen sie ihren Nutzen aus der Faulheit, der Bequemlichkeit (unserer Brüder einerseits) und deren Pflichtversessenheit (andererseits). Mit derlei Listen halten sie (unsere Brüder) von ihrem Dienst am Qur'an ab, sodass sie für einen Teil von ihnen, ohne es zu merken, noch mehr Arbeit finden, damit sie für den Dienst am Qur'an keine Zeit mehr haben. Anderen wiederum zeigen sie alle faszinierenden Dinge dieser
Welt, womit ihre Lust geweckt wird, damit in ihnen eine Gleichgültigkeit (ghafla)dem Dienst gegenüber aufsteigen solle usw.
Diese Angriffsmethoden können sich in die Länge ziehen. Um aber diese Länge kurz abzuschneiden, überlassen wir das eurem aufmerksamen Verständnis.
Oh meine Brüder! Merkt gut auf: eure Aufgabe ist heilig. Euer Dienst ist erhaben. Jede Stunde eurer Zeit kann so wertvoll sein wie ein Tag der Anbetung. Gebt also gut Acht, damit sie euch nicht zwischen den Fingern zerrinnt!...
يَآ اَيُّهَا الَّذِينَ اٰمَنُوا اصْبِرُوا وَصَابِرُوا وَرَابِطُوا وَاتَّقُوا اللّٰهَ لَعَلَّكُمْ تُفْلِحُونَ ٭ وَلاَتَشْتَرُوا بِآيَاتِى ثَمَنًا قَلِيلاً ٭ سُبْحَانَ رَبِّكَ رَبِّ الْعِزَّةِ عَمَّا يَصِفُونَ ٭ وَسَلاَمٌ عَلَى الْمُرْسَلِينَ ٭ وَ الْحَمْدُ لِلّٰهِ رَبِّ الْعَالَمِينَ ٭ سُبْحَانَكَ لاَعِلْمَ لَنَآ اِلاَّ مَاعَلَّمْتَنَآ اِنَّكَ اَنْتَ الْعَلِيمُ الْحَكِيمُ ٭ اَللّٰهُمَّ صَلِّ وَسَلِّمْ عَلٰى سَيِّدِنَا مُحَمَّدٍ. اَلنَّبِىِّ الْاُمِّىِّ الْحَبِيبِ الْعَالِى الْقَدْرِ الْعَظِيمِ الْجَاهِ وَعَلٰٓى اٰلِهِ وَصَحْبِهِ وَسَلِّمْ ٭ اٰمِينَ
{"Oh ihr Gläubigen! Seid geduldig und harrt miteinander aus in Geduld und fürchtet Gott, damit es euch wohl ergehe!" (Sure 3, 200) "Und verkauft Meine Verse nicht um ein Geringes." (Sure 2, 41) "Preis sei deinem Herrn, dem Herrn der Macht. Erhaben ist Er über das, was sie Ihm zuschreiben. Und Friede den Gesandten! Und Lob sei Gott, dem Herrn der Welten!" (Sure 37, 180/182) "Gepriesen seist Du! Wir haben kein Wissen, außer dem, das Du uns gelehrt hast. Denn Du bist der Allwissende, der Allweise." (Sure 2, 32) "Oh Gott, gib Friede und Segen unserem Herrn Mohammed, Deinem geliebten ungebildeten Propheten, von großem Ansehen und hohem Rang, seiner Familie und seinen Gefährten. Amen"}
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Ein heiliges (Jahr) in der Geschichte
Ein Jahr in der Geschichte, in dem ein bedeutendes Geheimnis des Weisen Qur'an offenbar wurde, findet sich wiederum in einem Wort des Qur'an. Es ist dies wie folgt:
Entsprechend dem Abdjed-System entspricht der numerische Wert des Wortes "Qur'an" 351. In ihm sind zwei Elif enthalten. Liest man das verborgene Elif als "elfun", so ist es ein "elfun" mit der Bedeutung von Tausend.
{(*): Nach den grammatikalischen Regeln wird "Failun"- فَئِلٌ "fa'lun"- فَأْلٌ gelesen, so wie man "katifun"- كَتِفٌ "katfun"- كَتْفٌ liest. Deswegen liest man auch "elifun"- اَلِفٌ als "elfun"- اَلْفٌ (= arab. tausend). Auf diese Weise errechnet sich dann 1351.}
Damit soll gesagt sein, dass das Jahr 1351 als das Jahr des Qur'an bezeichnet werden kann. Das ist so, weil in diesem Jahr das merkwürdige Geheimnis der Übereinstimmungen in dem Wort "Qur'an" in denjenigen Teilen der Risale-i Nur offenbar wurde, die ein Kommentar zum Qur'an sind. Das wunderbare Geheimnis dieser Übereinstimmungen (tevafuqat)in dem Wort "Allah" im Qur'an erschien in demselben Jahr. Ein Qur'anexemplar, das dieses wunderbare Muster aufweist, zusammengestellt und geschrieben entsprechend der neuen Gestaltungsweise, erschien noch im selben Jahr. Im gleichen Jahr setzten sich die Schüler des Qur'an mit ihrer ganzen Kraft für die Erhaltung der qur'anischen (= arabischen) Schreibweise ein, angesichts ihrer Umwandlung (in die lateinische Schreibweise). Bedeutende Feinheiten der Wunderhaftigkeit des Qur'an wurden gleichfalls im selben Jahr offenbar. Ferner ereigneten sich in diesem Jahr noch viele Dinge, die mit dem Qur'an in Verbindung stehen; und es sieht so aus, als wollten sie sich auch noch weiterhin ereignen...
* * *
Anhang zum Sechsten Kapitel, zugleich auch Anhang zur sechsten Abhandlung
Sechs Fragen
Dieser Anhang wurde geschrieben, um den Abscheu und die Verachtung zu vermeiden, die sich andernfalls hier in künftiger Zeit ausbreiten werden. Das heißt, er wurde geschrieben, sodass, wollte da eine sagen: "Pfui über all diese geistlosen Faulpelze in unserem Zeitalter!", ihre Spucke unser Gesicht nicht treffen möge, bzw. um sie von ihm wieder abzuwischen. Mögen die tauben Ohren dieser wilden Leiter eines Europa hinter ihrer humanistisch gesinnten Maske davon widerklingen!... Und möge es diesen maßlosen Tyrannen, welche uns mit diesen gewissenlosen Gewaltmenschen heimgesucht haben, in ihre nichtssehenden Augen gesteckt werden! Es ist dies eine Petition, geschrieben, um damit den Anhängern einer mehr ärgerlichen als bürgerlichen Zivilisation (mimsiz medeniyet)über die Köpfe zu hauen, die es in diesem Jahrhundert mehr als hunderttausend Mal nötig gemacht haben, zu rufen: "Es lebe die Hölle!"
بِسْمِ اللّٰهِ الرَّحْمٰنِ الرَّحِيمِ ٭ وَمَا لَنَآ اَلاَّ نَتَوَكَّلَ عَلَى اللّٰهِ وَقَدْ هَدٰينَا سُبُلَنَا وَلَنَصْبِرَنَّ عَلٰى مَآ اٰذَيْتُمُونَا وَعَلَى اللّٰهِ فَلْيَتَوَكَّلِ الْمُتَوَكِّلوُنَ
{"Im Namen Gottes, des Erbarmers, des Allbarmherzigen" "Und es gibt da für uns nichts, warum wir nicht auf Gott vertrauen sollten. Denn Er hat uns in der Tat auf unserem Weg geleitet und sicherlich werden wir geduldig alle Leiden ertragen, die Er uns auferlegt hat. Und wer immer vertraut, der vertraue auf Gott!" (Sure 14, 12)}
In letzter Zeit haben die versteckten Angriffe der Glaubenslosen eine ganz besonders hässliche Form angenommen, wobei sie mit ihren erbärmlichen, ungerechten Angriffen gegen die so unglücklichen Leute des Glaubens (vorgingen und sich sogar) in unseren privaten und keineswegs offiziellen Ruf zum Gebet (ezan ve iqamah),also in dieses unser privates Gebet einmischten, das ich mit noch zwei mir eng verbundenen Brüdern in einem privaten Raum verrichtete, den ich mir selbst dafür hergerichtet hatte. Man sagte also zu mir: "Warum rezitierst du den Ruf zum Gebet in arabischer Sprache und wieso versuchst du das geheim zu halten?" Da war denn doch meine Geduld erschöpft. So richte ich mich denn nicht etwa an diese unzivilisierten, gottlosen (Leute), die einer Antwort gar nicht wert sind, sondern an den pharaonengleichen Vorstand einer Gesellschaft, der mit einer geradezu despotischen Willkür mit dem Schicksal einer ganzen Nation spielt, (mit dem Ruf): "Oh ihr Leute einer ketzerischen Neuerung und der Gottlosigkeit (Ey ehl-i bid'a veilhad!)...Ich erwarte eine Antwort auf (die folgenden) sechs Fragen.
Erstens:
Jede Regierung in der Welt, jedes Volk und jeder Stamm, ja selbst ein Stamm Menschenfleisch essender Kannibalen, ja sogar ein Räuberhauptmann in all seiner Wildheit und Grausamkeit herrscht und regiert auf seine Weise und urteilt nach seinen Prinzipien. Ihr aber, nach welchen Prinzipien führt ihr diese außerordentlichen Angriffe aus? Legt mir die Artikel eures Gesetzes vor! Oder akzeptiert ihr die willkürlichen Einfälle einer Handvoll niederträchtiger Beamter? Denn für ein solches privates Gebet gibt es kein Gesetz und kann es ein solches Gesetz nicht geben!...
Zweitens:
Auf welche Macht stützt ihr euch und woher nehmt ihr diese Unverschämtheit, das Prinzip der "Freiheit des Gewissens" zu verletzen, das fast überall in der Menschheit herrscht, besonders in diesem Zeitalter der Freiheit und in zivilisierten Kreisen, es auf die leichte
Schulter zu nehmen und auf diese Weise indirekt die Menschheit zu verletzen und ihre Vorstellungen zurückzuweisen? Was für eine Macht gibt es denn, dass ihr, obwohl ihr euch doch Laien nennt und behauptet, ihr wolltet euch nicht in Glaube noch Unglaube einmischen, die Religion und die religiösen Menschen in einer Weise angreifen könnt, als hättet ihr die Glaubenslosigkeit in geradezu fanatischer Weise für euch selbst zu eurer Religion gemacht, was sicherlich nicht verborgen bleiben wird?!... Danach werdet ihr noch einmal gefragt werden... Was für eine Antwort werdet ihr dann geben?... Obwohl ihr noch nicht einmal gegen einen Einwand auch der kleinsten von zwanzig (verschiedenen internationalen) Regierungen standhalten könnt, versucht ihr dennoch gewaltsam die Freiheit des Gewissens zu verletzen, als ob ihr die Einwände von zwanzig Regierungen vollständig missachten wolltet.
Drittens:
Welchem Prinzip entsprechend fordert ihr, dass Leute wie ich, die der Rechtsschule der Schafis folgen, eine irrige Fetwa annehmen sollen, die einige schlechte Gelehrte (ulema-us Su),die ihr Gewissen an die Welt verkauft haben, im Widerspruch zur Lauterkeit und Erhabenheit der Hanefitischen Rechtsschule erlassen haben?... Wenn nun, nachdem die Rechtsschule der Schafis geschlossen worden ist, die doch einige Millionen Anhänger hat, jetzt alle der Hanefitischen Schule folgen müssen und mir dies in diktatorischer Weise auferlegt wird, so könnte man vielleicht sagen, dass dies ein Prinzip areligiöser Menschen ist, wie ihr es seid. Andernfalls ist es (ein Akt) der Willkür und der Gemeinheit. Wir aber folgen nicht derartigen Willkürakten von Leuten wie diesen und wir erkennen sie auch nicht an!
Viertens:
In Übereinstimmung mit welchen Prinzipien verlangt ihr denn durch eine verfälschte, ketzerische (bid'a)Fetwa den Aufruf zum Gebet (iqama)in türkischer Sprache, auf eine Weise, die nationalen türkischen Interessen vollkommen widerspricht, welche pur religiös und
voll Respekt gegenüber dem Glauben sind und sich schon in alten Zeiten mit dem Islam vereint und vermischt haben, im Namen sogenannter national-türkischer (Interessen), welche (in Wirklichkeit) nur fränkische Interessen (d.h. also eine verwestlichte Gesinnung) sind, von solchen, die wie ich doch einem anderen Volk angehören? Obwohl ich in der Tat freundschaftliche und brüderliche Beziehungen mit wahren Türken unterhalte, habe ich doch in gar keiner Hinsicht irgendeine Beziehung mit solchen national-türkisch gesinnten Anhängern der Franken (d.h. der Verwestlichung), wie ihr es seid. Wie könnt ihr auch so etwas von mir verlangen? und nach welchem Gesetz?... Falls ihr etwa den Kurden ihr Volkstum aberkennen wolltet, deren es Millionen gibt und die seit Tausenden von Jahren ihr Volkstum und ihre Sprache nicht vergessen haben und welche von Alters her die treuen Volksgenossen und Kampfgefährten der Türken sind, und wenn ihr wollt, dass sie nun ihre Sprache vergessen sollen, dann könnte vielleicht eure Forderung gegenüber solchen, die wie ich einem anderen Volk zugezählt werden, in Übereinstimmung mit irgendeiner Art grausamem Prinzip sein. Andernfalls wären sie rein willkürlich. Diesen völlig willkürlichen Launen einiger Individuen sollte man nicht folgen und wir werden ihnen auch nicht folgen!
Fünftens:
Eine Regierung mag gegenüber ihren Staatsbürgern und gegenüber denjenigen, die sie als ihre Bürger ansieht, alle Gesetze in Anwendung bringen; aber sie kann diese Gesetze nicht gegenüber denjenigen anwenden, die sie nicht als ihre Bürger anerkennt. Denn sie können sagen: "Da wir nicht eure Bürger sind, seid ihr auch nicht unsere Regierung!"
Ferner kann keine Regierung zwei Strafen zu gleicher Zeit verhängen. Sie wird einen Mörder entweder einsperren oder ihn hinrichten. Jemanden gleichzeitig zu einer Haftstrafe zu verurteilen und ihn gleichzeitig zum Tode zu verurteilen, gibt es nirgendwo auf der Welt. Ein solches Gesetz gibt es nicht!
Dennoch habt ihr, obwohl ich doch diesem Land und seinem Volk in keiner Weise irgendeinen Schaden zugefügt habe, mich acht Jahre lang in Gefangenschaft gehalten, unter Strafbedingungen, wie man sie noch nicht einmal dem rohesten (Gefangenen) einer ausländischen Nation auferlegt hätte. Obwohl ihr selbst noch Verbrecher begnadigt habt, habt ihr jedoch meine Freiheit mit Füßen getreten und mich in einer Weise behandelt, dass ihr mich all meiner bürgerlichen Rechte beraubt habt. Wenn ihr also nun nicht gesagt habt: "Auch dieser ist ein Sohn unseres Landes.", in Übereinstimmung mit welchem Prinzip oder Gesetz habt ihr dann unter diesem armen Volk gegen ihren Willen diese Prinzipien, welche die Freiheit zerstören, jemandem wie mir auferlegt, der doch für euch in jeder Hinsicht ein Ausländer ist? Seit dem Weltkrieg habt ihr all diese Heldentaten, deren Vollbringer diese Person war und die von dem kommandierenden General bestätigt worden sind, für nichts erachtet und seinen selbstlosen, opferwilligen Kampf im Dienste des Vaterlandes als ein Verbrechen betrachtet. Danach habt ihr all seine ernsthaften und wirklich erfolgreichen Bemühungen, die guten Sitten dieses armen Volkes zu wahren und sein Glück in dieser und der künftigen Welt sicherzustellen, für Verrat erklärt. Danach habt ihr jemanden, der eure ungerechte, gefährliche, willkürliche Art, die doch so vollkommen sinnlos ist und die aus eurem Unglauben und eurer fränkischen (= westlichen) Gesinnung erwächst, für sich selbst nicht akzeptiert, dennoch zu acht Jahren (Haft) verurteilt (aus welcher Strafe inzwischen achtundzwanzig Jahre geworden sind). Dabei blieb das Strafurteil selbst stets das gleiche. Ich habe diese Vollstreckung niemals angenommen. Dennoch habt ihr diese Bestrafung ganz einfach durchgeführt. Welches ist aber nun das Prinzip, nachdem ihr eine Verurteilung auf diese Weise brutal ein zweites Mal vollstreckt
Sechstens:
Angesichts der Behandlung, die ihr mir habt angedeihen lassen und euren eigenen Ansichten
entsprechend, muss ich euch in allen Punkten widersprechen. Ihr opfert euren Glauben und verzichtet auf das Jenseits um des Diesseits willen. In jedem Fall sind auch wir, was nun uns und was dabei eure Ansichten betrifft, wenn es um das Geheimnis der Gegensätze (muchalefet sirr)geht, weil ja nun einmal ein Gegensatz zwischen uns besteht, dazu bereit, das Diesseits um unseres Glaubens willen und für das Jenseits jederzeit zum Opfer zu bringen. Zwei, drei Jahre eines Lebens unter eurer despotischen und brutalen Herrschaft im Elend aufzuopfern, um so ein geheiligtes Martyrium für uns zu gewinnen, gilt uns gleich dem Wasser aus der Quelle des Kauthar. Jedoch gestützt auf die Segnungen des Weisen Qur'an und seine Hinweise bringe ich euch, damit ihr zittern sollt, diese folgende zuverlässige Nachricht:
Nachdem ihr mich getötet habt, werdet auch ihr nicht mehr weiter leben können! Ihr werdet von einer unbesiegbaren (Qahhar)Hand aus dieser Welt, die euer Paradies und eure Geliebte ist, vertrieben und sehr schnell in die ewige Finsternis geworfen werden! Hinter mir werden auch eure, einem Nimrod gleichenden Anführer sehr schnell zu Grunde gehen und zu mir geschickt werden. Dann werde auch ich sie in der Gegenwart Gottes am Kragen packen. Und während die Göttliche Gerechtigkeit (adalet-i Ilahi)sie ganz hinab in den aller tiefsten Abgrund (esfela safilin)schleudert, werde ich meine Rache nehmen!
Oh ihr elenden Schufte, die ihr euren Glauben und das Jenseits um dieser Welt willen verkauft! Wenn ihr weiter leben wollt, so fasst mich nicht an!... Wenn ihr mich anfasst, so wisset, dass man für mich hundertfältig an euch Rache nehmen wird; und zittert davor!... Dabei erhoffe ich von der Göttlichen Barmherzigkeit, dass mein Tod dem Glauben mehr dienen wird als mein Leben. Mein Tod wird über euren Köpfen wie eine Bombe explodieren und er wird eure Köpfe zerschmettern! Fasst mich nur an, wenn ihr den Mut dazu habt!... Wenn ihr etwas zu tun habt, werdet ihr auch etwas zu erleben haben!... Ich werde
entgegen all euren Drohungen diese Ayah euch mit ganzer Kraft ins Gesicht lesen:
اَلَّذِينَ قَالَ لَهُمُ النَّاسُ اِنَّ النَّاسَ قَدْ جَمَعُوا لَكُمْ فَاخْشَوْهُمْ فَزَادَهُمْ اِيمَانًا وَقَالوُا حَسْبُنَا اللّٰهُ وَنِعْمَ الْوَكِيلُ
{"Zu ihnen haben die Menschen gesagt: 'Die Menschen haben sich gegen euch versammelt. Also fürchtet euch vor ihnen.' Doch das hat ihren Glauben nur noch gestärkt und so sagten sie: 'Es genügt uns Gott und Er ist unser bester Anwalt.'" (Sure 3, 173)}
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Siebentes Kapitel
Die sieben Hinweise
بِسْمِ اللّٰهِ الرَّحْمٰنِ الرَّحِيمِ ٭ فَاٰمِنُوا بِاللّٰهِ وَرَسُولِهِ النَّبِىِّ الْاُمِّىِّ الَّذِى يُؤْمِنُ بِاللّٰهِ وَكَلِمَاتِهِ وَاتَّبِعُوهُ لَعَلَّكُمْ تَهْتَدُونَ ٭ يُرِيدُونَ اَنْ يُطْفِئُوا نُورَ اللّٰهِ بِاَفْوَاهِهِمْ وَيَأْبَى اللّٰهُ اِلاَّ اَنْ يُتِمَّ نُورَهُ وَلَوْ كَرِهَ الْكَافِروُنَ
{"Im Namen Gottes, des Erbarmers, des Allbarmherzigen" "So glaubt denn an Gott und seinen Gesandten, den ungelehrten Propheten, der an Gott und Sein Wort glaubt. Folgt ihm, damit ihr recht geleitet sein mögt." (Sure 7, 158) "Sie möchten das Licht Gottes mit ihrem Munde ausblasen. Doch Gott besteht darauf, sein Licht zu vollenden, auch wenn es den Ungläubigen zuwider ist." (Sure 9, 32)}
Diese sieben Hinweise sind die Antwort auf drei Fragen. Die Erste Fragestellung besteht aus (den folgenden) vier Hinweisen.
Erster Hinweis:
Die Begeisterung und die Argumente derer, welche die Kennzeichen des Islam (sheair-i islamiye)verändern wollen, entstammen wieder einmal, wie alle diese üblen Dinge, aus der unbesehen blinden Nachahmung der Ausländer. Sie sagen nämlich: "Ausländer, die in London zur Rechtleitung gelangt sind und den Glauben angenommen haben, übersetzen in ihrem Lande viele Dinge, wie den Ruf zum Gebet (ezan ve qamet),und übertragen sie in ihre eigene Sprache. Und die islamische Welt schweigt dazu und widerspricht dem nicht. Das aber
heißt, dass es eine gesetzliche Erlaubnis dazu geben muss, weshalb man denn dazu schweigt..."
Antwort:
Bei diesem Vergleich gibt es einen so offensichtlichen Unterschied, dass kein mit einem Bewusstsein begabtes Wesen derartige Dinge in irgendeiner Weise miteinander vergleichen oder nachahmen könnte. Denn das Land der Ausländer wird nach islamischer Terminologie als "offenes Land" (Daru-l'harb)deklariert. In einem solch "offenen Land" können viele Dinge erlaubt sein, die in einem "befriedeten Land" (Diyar-i Islam)ungesetzlich sind.
Darüber hinaus sind die fränkischen Lande der Herrschaftsbereich der allerchristlichsten Majestäten. Da dies nicht die Umgebung ist, in der der Geist des Gesetzes und die heilige Sprache ganz allgemein in wortloser Weise (lisan-i hal)zum Ausdruck gebracht, übermittelt, spürbar gemacht werden kann, musste man notwendigerweise die heilige Bedeutung den heiligen Worten vorziehen. Um dieser Bedeutung willen hat man schließlich auf die Worte verzichtet. So hat man denn das kleinere Übel (ehven-us sherr)gewählt. Handelt es sich aber statt dessen um ein Daru-l'Islam, so unterweist allein schon die Umgebung die Leute des Islam auf nonverbale Weise (lisan-i hal)in der sinngemäßen Zusammenfassung der heiligen Worte. Die islamische Tradition und die islamische Geschichte, alle islamischen Kennzeichen und die Gespräche der Leute des Islam über die Grundpfeiler des Islam lehren die Leute des Glaubens ständig die kurz zusammengefasste Bedeutung der heiligen Worte. In diesem Lande sind neben den Moscheen und Medressen selbst noch die Grabsteine in den Friedhöfen gleich Lehrern, die diese heiligen Inhalte den Leuten des Glaubens einprägen und sie in Erinnerung rufen. Fällt denn etwa ein Mann, der sich selbst einen Muslim nennt und um irgendeines irdischen Vorteils willen, wenn er täglich fünfzig Worte irgendeiner fränkischen Sprache auswendig lernt, dabei aber solch heilige Worte wie "Gepriesen sei Gott! (Subhanallah)","Dank sei Gott! (Elhamdulillah)","Es
gibt keine Gottheit außer Gott. (La Ilaha illallah)"und "Gott ist groß. (Allahu akbar)",die in fünfzig Jahren täglich fünfzig Mal wiederholt werden, nicht lernt und ihre Bedeutung nicht kennt, nicht fünfzig Mal tiefer als ein Tier? Diese Heiligen Worte können nicht für derartige Tiere übersetzt, verfälscht und (aus dem islamischen Wortschatz) gestrichen werden! Sie umzuwandeln und auszustreichen hieße alle Gräber einzuebnen und die Bewohner dieser Gräber, die ob einer solchen Beleidigung zittern, gegen sich aufzubringen.
Die schlechten religiösen Führer (ulema-us Su),die durch die Leute des Unglaubens verführt worden sind, sagen nun, um das Volk zu täuschen, dass Imam A'dham im Gegensatz zu allen anderen Imamen gesagt hat: "Wenn in entfernten Landen die Not es erforderlich macht, ist es für diejenigen, die des Arabischen nicht mächtig sind, keineswegs verboten, an Stelle dessen die Suratu-l'Fatiha auch in persischer Übersetzung zu rezitieren." Wenn das aber so ist, dürfen denn dann nicht auch wir, wenn wir doch auch in Not sind, auf Türkisch beten?...
Antwort:
Gegen ('aks)diese Fetwa des Imam-i A'dham haben die bedeutendsten der führenden Autoritäten, wie auch die zwölf leitenden Imame (der vier Rechtsschulen) eine Fetwa erlassen. Die große Straße (djadd-i kubra)der Islamischen Welt ist die Straße all dieser Imame. Die islamische Gemeinde (umma)in ihrer großen Masse bewegt sich auf dieser Großen Straße (djadd-i kubra).Solche, die sie durch eine andere, besondere, enge Straße leiten wollen, führen sie in die Irre. Diese Fetwa von Imam-i A'dham ist in fünffacher Hinsicht etwas besonderes:
Erstens:
Sie betrifft diejenigen, die weit entfernt von einem islamischen Zentrum leben.
Zweitens:
Es handelt sich um eine echte Notlage
Drittens:
(Diese Fetwa) gilt nur für eine Übersetzung ins Persische, was nach einer Überlieferung zu den Sprachen der Leute des Paradieses gezählt wird.
Viertens:
Diese Ausnahmeregelung wurde ausschließlich
für die Suratu-l'Fatiha erteilt, damit diejenigen, welche die Suratu-l'Fatiha nicht können, nicht deswegen das Gebet unterlassen.
Fünftens:
Eine solche Ausnahmegenehmigung wurde erteilt, um damit einer Begeisterung für den Islam zu entsprechen, welche aus der Kraft des Glaubens erwächst, sodass die heilige Bedeutung auch von den einfachen Leuten verstanden werden konnte. Jedoch das arabische Original aufzugeben für eine bloße Übersetzung, aus einer gewissen Glaubensschwäche heraus, gepaart mit nationalistischen Gedanken und einem Hass auf die arabische Sprache, getrieben von einem destruktiven Bedürfnis, heißt andere zur Aufgabe des Glaubens (dini terk)zu veranlassen!...
Zweiter Hinweis:
Die Leute einer ketzerischen Erneuerung (ehl-i bid'a),welche die Kennzeichen des Islam (shear-i Islamiye)verändern möchten, wollten zunächst von ihren schlechten Gelehrten (ulema-us Su)eine Fetwa erhalten. Sodann haben sie obige Fetwa vorgezeigt, deren Besonderheiten, wir bereits in fünffacher Hinsicht aufgezeigt haben. Zweitens: Die Leute der ketzerischen Erneuerung (ehl-i bid'a)übernahmen nun von den ausländischen Reformatoren folgende unglückselige Idee: Unzufrieden mit der Katholischen Kirche versuchten die Reformatoren (Martin Luther 1517 - A.d.Ü.) eine christliche Erneuerung. Für die Katholische Kirche waren die Reformatoren Ketzer, ähnlich den Mutesiliten. Nach dem Dreißigjährigen Krieg (1648) erhielten die Länder der Reformation ihre Eigenständigkeit. Die Französische Revolution (1789) zerstörte den Kirchenstaat und beraubte die Katholische Kirche ihrer Machtposition. Nun sagen aber heute diese Pseudopatrioten hier, die nur blindlings nachahmen: "Da es nun einmal in der Katholischen Kirche Männer mit Ketzerischen Ideen gegeben hat, aus denen sich dann die Kirchen der Reformation entwickelt haben, die sich nun heute um Verständnis füreinander bemühen, warum sollte es dann nicht auch im Islam eine solche Art Reformation geben?"...
Antwort:
Bei diesem Vergleich ist der Unterschied vergleichsweise größer als im "Ersten Zeichen". Denn in der Religion Jesu wurden nur die Fundamente des Glaubens von Jesus, mit dem der Friede sei, übernommen. Die meisten Grundsätze des sozialen Lebens und die Ausführungsbestimmungen zum Gesetz wurden von seinen Jüngern und Aposteln und den Kirchenvätern geformt. Der größte Teil wurde aus den vorausgegangenen Heiligen Schriften (Taurat, Sebur)entnommen. Da Jesus, mit dem Friede sei, kein weltlicher Herrscher und kein Sultan war und auch nicht die Quelle eines allgemeinen Gesellschaftsrechts, wurden die Fundamente seines Glaubens mit Gewändern allgemeiner Gesetze und des bürgerlichen Rechts von außen umkleidet, wodurch sie verschiedene Formen annahmen und nun als das Gesetz Christi bezeichnet werden. Ändert man diese Form und wechselt man die Kleider, so bleibt doch das Fundament des Glaubens Jesu, mit dem der Friede sei, weiter erhalten. Und so verleugnet (wer sich zu ihm bekennt) Hasret Isa, mit dem der Friede sei, nicht und widerspricht ihm auch nicht.
Denn da der Stolz der Welt, mit dem Friede und Segen sei, der der König beider Welten, der Herr des islamischen Glaubens und Gesetzes ist, und seine Herrschaft den Osten und den Westen, Andalusien und Indien umfasst, zeigte er die Grundsätze des islamischen Glaubens und brachte die Bestimmungen zur Durchführung dieses Glaubens, was selbst noch die allerkleinsten Formen des Verhaltens mit einschließt. Er selbst lehrte sie und befahl sie zugleich. Das heißt: auch die Bestimmungen zu seiner Durchführung gleichen nicht etwa einem Gewand, das man auswechseln kann, wobei dann der ursprüngliche Glaube noch erhalten bleibt. Vielmehr bilden sie zusammen den Leib für die Fundamente des Glaubens oder doch wenigstens deren Haut. Vereinigt und ineinander verwoben kann man sie unmöglich voneinander trennen. Sie voneinander zu trennen, verursacht unmittelbar den
Herrn des Gesetzes zu verleugnen (inkar)oder ihm zu widersprechen (tekzib).
Was die Unterschiede zwischen den einzelnen Rechtsschulen betrifft, so erwachsen sie aus dem unterschiedlichen Verständnis der theoretischen Grundsätze, die der Herr des Gesetzes (sahib-i Schari'a)unterwiesen hat. Was aber die Prinzipien (Muhkemat)betrifft, die als unentbehrlich für den Glauben (zaruriyat-i diniye)betrachtet und nicht mehr verändert werden können, so gelten sie als unverrückbar und sind keiner weiteren Auslegung zugänglich. Wer sie verändert, zieht sich aus dem Glaubensleben zurück und wechselt hinüber in ein Leben entsprechend dem Hadith:
يَمْرُقوُنَ مِنَ الدِّينِ كَمَا يَمْرُقُ السَّهْمُ مِنَ الْقَوْسِ
{"Sie verwerfen denn Glauben wie der Pfeil von der Sehne schwirrt."}
Die Leute der ketzerischen Erneuerung (ehl-i bid'a)und der Gottlosigkeit haben sich eine Ausrede zurechtgelegt, indem sie sagen: "Die französische Revolution war der Auslöser für eine Reihe von Ereignissen in der Geschichte der Menschheit und durch sie erfolgte ein Angriff auf die Priester, Bischöfe und Mönche der Katholischen Kirche, die ihre Kirche war und nun ihre Autorität verlor. Das wurde dann später von vielen gutgeheißen. Und dann erst nahm bei den Franken (also in der westlichen Welt) der Fortschritt seinen Lauf.
Antwort:
Auch bei diesem Vergleich ist genauso wie bei den vorigen Vergleichen der Unterschied offensichtlich: Denn in Frankreich lagen schon seit langem alle Mittel der Herrschaft, ja der Unterdrückung in Händen des Adels und der Herrschenden christlichen Glaubens, und das waren (in Frankreich) die Katholiken, und es war der Adel, der auf diese Weise seinen Einfluss über das einfache Volk ausbreitete. Und da sie alle Mittel der Unterdrückung patriotischer Gesinnung und derer, die im einfachen Volk aufgeklärt waren, der Freidenker und derer, die im Revolutionsrat saßen und den Adel und die Despoten
angriffen, in Händen hielten, hatte es jahrhundertelanger Unruhen und Kämpfe bedurft, um schließlich die alte soziale Ordnung über Bord zu werfen. So glomm denn ein Gefühl tiefster Kränkung und Beleidigung unter dem einfachen Volk und seinen Denkern und mündete in den oben erwähnten historischen Ereignissen.
Es hat jedoch niemand unter den armen, bedauernswerten Menschen und ihren Denkern das Recht, sich über die Religion Mohammeds mit dem Friede und Segen sei, den Islam und sein Gesetz (Schari'a)zu beschweren. Denn es verletzt sie nicht, sondern beschützt sie. Die islamische Geschichte liegt dafür allen offen. Von ein oder zwei Ereignissen abgesehen hat es im Islam kaum jemals einen innerislamischen Religionskrieg gegeben. Wohingegen sich die katholischen Länder und die Länder der Reformation ständig bekriegten.
Des Weiteren war der Islam schon immer der Zufluchtsort der einfachen Leute mehr denn als der der höheren Kreise. Durch die Verpflichtung zum Zekat und das Verbot von Zins und Wucher hat er die Oberschicht nicht zu Diktatoren der einfachen Leute werden lassen, sondern in gewisser Weise zu deren Dienern. So heißt es:
سَيِّدُ الْقَوْمِ خَادِمُهُمْ ٭ خَيْرُ النَّاسِ مَنْ يَنْفَعُ النَّاسَ
{"Der Herr eines Volkes ist sein Diener." "Der beste unter den Menschen ist der ihnen am hilfreichsten ist."}
Des Weiteren heißt es mit den Worten des Weisen Qur'an:
اَفَلاَ تَعْقِلُونَ ٭ اَفَلاَ يَتَدَبَّرُونَ ٭ اَفَلاَ يَتَفَكَّرُونَ
{"Haben sie denn keinen Verstand." (Sure 2, 44) "Warum achtet ihr nicht darauf?" (Sure 4, 82) "Warum denken sie nicht nach?" (Sure 6, 50)}
und fordert so den Verstand (aql)mit heiligen Hinweisen zum Zeugen auf, verwarnt uns, wendet sich an unser Urteilsvermögen und regt zu Untersuchungen an. Dadurch gibt
er den Leuten der Wissenschaft (ehl-i ilim)und den Leuten von Verstand (ashab-i aql)eine besondere Stellung (maqam)im Glauben und eine eigene Bedeutung. Er lehnt nicht wie die (alten) christlichen Kirchen den Verstand ab, bringt seine Wissenschaftler nicht zum Schweigen und fordert von ihnen keine blinde Nachahmung.
Da sich nun Christentum und Islam in ihrer heutigen Form grundsätzlich voneinander unterscheiden und in vielfacher Hinsicht ihre eigenen Wege gehen, nicht so aber das wahre Christentum, ergeben sich daraus die oben erwähnten Unterschiede.
Der entscheidende Punkt aber ist:
Islam ist die wahre Religion der göttlichen Einheit (Tauhid),weshalb er Mittler und Ursachen (neben oder außer Gott) verwirft. Er zerbricht den Egoismus (enaniyet)und errichtet (an seiner Statt) einen reinen Dienst und eine aufrechte Anbetung (ubudiyet).Er zerstört (jegliche Herrschaft) angefangen von der (ganz offensichtlichen) Herrschaft der Seele (nefs)bis hin zu (einer noch so versteckten) Herrschaft und weist sie zurück. Es ist aus diesem Grund, dass ein großer Mensch in gehobener Stellung, wenn er den Glauben vollständig annehmen möchte, unbedingt seinen Egoismus aufgeben muss. Wer von seinem Egoismus nicht ablassen kann, der wird von seiner Glaubenskraft und zum Teil von seinem Glauben selbst ablassen.
Was nun das Christentum heutzutage betrifft, so schreibt es den Mittlern und Ursachen (esbab)eine tatsächliche Wirkung zu, nachdem es einmal das Dogma von der Sohnschaft Gottes angenommen hat. Es kann mit den Egoismus im Namen des Glaubens brechen. Vielmehr verleiht es dem Egoismus eine Heiligkeit, indem (der Papst als Gottes) geheiligter Stellvertreter von Hasret Isa, mit dem der Friede sei, genannt wird. Aus diesem Grunde können christliche Honoratioren in dieser Welt die höchsten Posten einnehmen und dennoch religiös sein. Ja es gibt in der Tat viele wie den früheren amerikanischen
Präsidenten Wilson und den ehemaligen britischen Premierminister Lord George, die genauso fanatisch waren wie ihre Priester. Wer als Muslim zu einer derartigen Stellung aufsteigt, der bleibt selten derart gläubig und standhaft, denn sie können ihren Stolz und ihren Egoismus nicht aufgeben. Was aber wahre Gottesfurcht (taqwa-yi haqiqi)betrifft, so lässt sie sich nicht mit Stolz und Selbstgefälligkeit (gurur ve enaniyet)kombinieren.
So wie denn in der Tat der Fanatismus des christlichen Adels und die Kraftlosigkeit der muslimischen Oberschicht einen bedeutenden Unterschied aufweisen, so zeigt die Tatsache, dass (die heutigen) Philosophen im (ehemals) Christlichen Abendland dem Glauben gleichgültig oder ablehnend gegenüber stehen, während die überwiegende Mehrheit der aus dem Islam hervorgegangenen Denker ihr philosophisches (Lehrgebäude) auf den Fundamenten des Islam aufgebaut haben, wiederum einen solchen bedeutenden Unterschied.
Des Weiteren können gewöhnliche Christen, die ins Gefängnis geraten oder sonst in ein Unglück gestürzt sind, von ihrer Religion im Allgemeinen kaum Hilfe erwarten. Früher verloren die meisten von ihnen ihren Glauben. Ja sogar die gottlosen Jakobiner, diese durch die Geschichte berühmt gewordenen Aufständischen der Französischen Revolution, gehörten zu diesen vom Unglück verfolgten einfachen Leuten. Was jedoch den Islam betrifft, so erwartet die übergroße Mehrheit von denen, die ins Gefängnis geraten oder sonst ein Unglück gestürzt sind, Hilfe aus ihrem Glauben und werden religiös. Auch diese Situation zeigt wiederum einen bedeutenden Unterschied auf.
Dritter Hinweis:
Die Leute der ketzerischen Erneuerung (ehl-i bid'a)sagen: Dieser religiöse Fanatismus hat uns rückschrittlich gemacht. Um in dieser unserer Zeit leben zu können, muss man diesen Fanatismus aufgeben. Ist Europa nicht ein fortschrittliches (Land) geworden, nachdem es seinen Fanatismus aufgegeben hat?
Antwort:
Ihr irrt euch und man hat euch getäuscht! Oder ihr täuscht euch deshalb, weil Europa am Glauben festhält. Sage doch einmal einem ganz gewöhnlichen Bulgaren oder einem englischen Soldaten oder irgendeinem dahergelaufenen Franzosen: "Setze einen Turban auf oder ich werde dich ins Gefängnis werfen!", und seine Bindung an den (christlichen) Glauben wird ihn zu der Antwort zwingen: "Nicht das Gefängnis, ja noch nicht einmal der Tod kann mich dazu veranlassen, meinen Glauben und mein Volk zu verraten!". (Eine Anspielung auf die damaligen Bekleidungsvorschriften in der Türkei. - A.d.Ü.)
Darüber hinaus bezeugt die Geschichte, dass wann immer die islamischen Völker an ihrem Glauben festhielten, sie auch in ihrer Stärke vorangeschritten sind. Und wann immer sie ihn in ihrer Schwäche vernachlässigt haben, hat es (eine Periode des) Verfalls gegeben. Im Christentum ist aber das Gegenteil der Fall. Auch das erwächst aus einem fundamentalen Unterschied.
Des Weiteren lässt sich der Islam nicht mit anderen Religionen vergleichen. Wenn ein Muslim den Islam aufgibt und seinen Glauben vernachlässigt, so kann er keinen anderen Propheten mehr anerkennen, ja noch nicht einmal (die Existenz) eines allmächtigen Gottes annehmen, und vielleicht ist ihm danach gar nichts mehr heilig. Ja vielleicht ist ihm noch nicht einmal mehr sein Gewissen (vidjdan)die Quelle eigener Vollkommenheit und so verdirbt es denn auch. Deswegen hat in den Augen des Islam auch der sich offen für ungläubig erklärt ein Recht auf sein Leben. Ist er im Ausland und schließt er Frieden, oder aber ist er im Inland und bezahlt seine Steuer (djizye),so ist auch sein Leben nach islamischem (Recht) geschützt. Nur der Apostat hat kein Recht auf sein Leben, denn sein Gewissen (vidjdan)ist bereits verdorben und wird so zu Gift für das gesellschaftliche Leben. Dementgegen kann ein Christ auch dann noch für ein soziales Gemeinschaftsleben nützlich bleiben, nachdem er seinen Glauben bereits
verloren hat. Es können für ihn (auch weiterhin) einige Dinge heilig sein. Er kann an einige (Persönlichkeiten als) Propheten glauben. Er kann auf seine Weise (die Existenz) eines allmächtigen Gottes bestätigen.
Ich möchte gerne wissen, welchen Vorteil diese Leute ketzerischer Erneuerung (ehl-i bid'a),oder genauer gesagt: Gottlosigkeit von ihrer Glaubenslosigkeit haben?... Wenn sie dabei an Regierung und öffentliche Ordnung denken, so ist es noch schwieriger zehn glaubenslose Anarchisten zu regieren, die keinen Gott kennen und sich von ihrer Bosheit zu wehren, als tausend Leute des Glaubens zu regieren. Wenn sie an Fortschritt denken, so sind religionslose Leute wie diese ein Hindernis für den Fortschritt, genauso wie sie zum Schaden sind für Regierung und Verwaltung. Sie zerstören die Sicherheit und die öffentliche Ordnung, welche die Grundlage für Fortschritt und Handel sind. In Wahrheit richten sie viel Schaden an durch die Gesinnung, die sie zum Ausdruck bringen. In dieser Welt ist der größte Dummkopf der, der Fortschritt und Glück im Leben von solchen glaubenslosen Anarchisten wie diesen erwartet. Einer dieser Toren, der eine hohe Position besetzt hatte, sagte: "Wir sagten immer nur Allah, Allah und sind dabei rückständig geblieben. Europa aber sagte immerzu: Kanonen und Gewehre, und schreitet dabei stets voran."
Nach dem Grundsatz:
جَوَابُ اْلاَحْمَقِ السُّكُوتُ
{"Die Antwort für einen Toren ist Schweigen." }
ist die Antwort für solche (Leute) das Schweigen. Da aber hinter einigen unter diesen Toren auch einige recht kluge, aber bedauernswerte (Menschen) sich befinden, wollen wir sagen:
Oh ihr Hilflosen! Diese Welt ist ein Gasthaus. Jeden Tag unterzeichnen dreißigtausend Zeugen mit ihren Leichnamen das Urteil: اَلْمَوْتٌ حَقٌ {"Der Tod ist wahr."} und legen für diese Behauptung Zeugnis ab. Könnt ihr den Tod töten? Könnt ihr diesen Zeugen widersprechen?... Da ihr es nicht könnt, lässt der Tod die Menschen "Allah! Allah!" sagen. Welches eurer Gewehre und Kanonen kann auf dem
Sterbebett eines (Menschen) an Gottes statt (Allah! Allah!)die Ewige Finsternis seiner Agonie erleuchten, und seine absolute Verzweiflung in eine vollkommene Hoffnung verwandeln?... Da es nun einmal den Tod gibt und wir einmal ins Grab hinabsteigen werden, weil das Leben vergeht und dann ein beständiges Leben beginnt, wird es notwendig, wenn Gewehre und Kanonen sprechen, tausend Mal "Allah! Allah!"zu sagen. Sollte es dann auf Gottes Wegen sein, wird auch die Kanone (im Ramadan) zum Iftar (am Abend) und zum Imsak (am Morgen) "Allah!"sprechen...
Vierter Hinweis:
Es gibt zwei verschiedene destruktive Gruppen von Ketzern (ehl-i bid'a).
Die erste sagt, als spräche sie im Namen ihres Glaubens und in Treuen zum Islam, als wolle sie den Glauben durch ihren Nationalismus stärken: "Wir wollen den lichtvollen Baum der Religion im Boden unseres nationalen Glaubens wieder neu einpflanzen, nachdem er schwach geworden ist, und ihm so wieder Kraft geben." So zeigen sie sich selbst in ihrer Haltung an der Seite des Glaubens.
Der zweite Teil sagt im Namen des Volkes und im Interesse des Nationalismus und mit dem Gedanken, den Rassismus zu stärken: "Wir wollen (den Zweig) des Islam in (den Baum) unseres Volkes einpflanzen." und begehen (auf diese Weise) eine Ketzerei.
Zu der ersten Gruppe sagen wir:
Oh ihr hilflosen, schlechten Gelehrten (ulema-us Su),die ihr eure Bezeichnung als "aufrichtige Toren (sadiq ahmaq)"bestätigt, ihr gottvernarrten (medjzub),hirnlosen (aqilsız),vorislamischen (djahil)Sufis! Der Tuba-Baum des Islam, dessen Wurzeln in der Wahrheit des Universums fest verankert sind und der (einem Brombeerstrauch gleich) in den Weiten des Universums neue Wurzeln geschlagen hat, kann nicht in der Erde eines eingebildeten, vergänglichen, exklusiven (hususi),ausschließlichen, negativen... ja eigentlich bodenlosen, hinterhältigen, despotischen und finsteren Rassismus wieder eingepflanzt werden! Ihn dort einpflanzen
zu wollen, ist eine törichte, destruktive und ketzerische Unternehmung.
Zu der zweiten Gruppe von Nationalisten sagen wir:
Oh ihr betrunkenen Pseudopatrioten! Vielleicht hätte ja das vergangene Jahrhundert ein solches Jahrhundert des Nationalismus sein können. Doch dieses Jahrhundert ist kein Jahrhundert des Rassismus. Der Bolschewismus und der Sozialismus überlagern alle Dinge und zerbrechen den rassistischen Gedanken. Das Jahrhundert des Rassismus geht vorüber... Ein ewiger und beständiger Islamnationalismus kann nicht an einen vorübergehenden, schwankenden Rassismus gebunden oder in ihn eingepflanzt werden. Auch könnte man ihn einpflanzen, so würde er doch, so wie er das islamische Volk verdürbe, auch den rassistischen Nationalismus nicht verbessern, ihm nicht zu seinem Fortbestand verhelfen... Und wenn auch eine solche vorübergehende Okulierung Freude bringen und eine vorübergehende Stärke zeigen könnte, so wäre sie doch nur sehr kurzlebig und ihre Folgen gefährlich.
Des Weiteren würde im türkischen Volk eine derartige Spaltung aufbrechen, dass sie in Ewigkeit nicht wieder geheilt werden könnte. Dann aber wird die Stärke des Volkes zunichte werden, da die Macht der Einen die Macht der anderen brechen würde. Befänden sich zwei Berge in zwei Waagschalen einander gegenüber, so könnte ein Gewicht von einem Batman (etwa 8 kg) mit diesen beiden Gewichten spielen, das eine heben und das andere senken.
Nun folgt die Zweite Fragestellung, welche aus zwei Hinweisen besteht. Der "Erste Hinweis" (dieser zweiten Fragestellung) bildet zugleich den "Fünften Hinweis"
Fünfter Hinweis:
Eine ganz kurze Antwort auf eine wichtige Frage.
Frage:
Es gibt zahlreiche authentische Berichte über das Erscheinen des Mehdi, wie er einer zugrunde gehenden Welt am Ende der Zeiten Heilung bringen wird. Jedoch ist unsere gegenwärtige Zeit eine Zeit der Gemeinschaft und nicht die Zeit einer einzelnen Person. Wie genial nun immer eine Persönlichkeit sein mag, selbst wenn
sie den Grad von hundert Genien hätte, so wird sie von der geistigen Körperschaft (shahs-i manevi)besiegt werden, die sich ihr entgegenstellt, wäre sie nicht der Vertreter einer Gemeinschaft, der Repräsentant einer geistigen Körperschaft (shahs-i manevi).Wie sollte er in dieser Zeit, unabhängig davon, wie groß und erhaben auch die Macht seiner Heiligkeit sein möge, eine Welt verbessern können, wenn die menschliche Gesellschaft in einem so gewaltigen Ausmaß verdorben ist?... Selbst wenn alle Werke dieses Mehdi wahre Wundertaten sein sollten, so wären sie doch der göttlichen Weisheit und den Gesetzen der göttlichen Gewohnheit (adetullah)entgegengesetzt. Wir möchten gerne das Geheimnis hinter dieser Frage nach dem Mehdi verstehen.
Antwort:
Gott der Gerechte in Seiner vollkommenen Barmherzigkeit hat immer dann, wenn die islamische Gemeinschaft ins Verderben (fesad)zu geraten drohte, einen Reformator (Muslih),einen Erneuerer (Mudjeddid),einen Exegeten, einen ehrenwerten Kalifen, einen gewaltigen Pol (Qutub-u a'dham),einen vollkommenen Lehrer (Murschid-i ekmel)gesandt, oder andere, gesegnete Persönlichkeiten, die einem Mehdi gleichen, als ein Zeichen dafür, dass Er das islamische Gesetz (Schari'a)in Ewigkeit beschirmen wird. Sie haben das Verderben bereinigt, das Volk wieder auf den rechten Weg geführt und die Religion Ahmeds, mit dem Friede und Segen sei, bewahrt. Da nun einmal Seine Gewohnheit in dieser Weise verläuft, wird Er mit Sicherheit in der Zeit des größten Verderbens am Ende der Zeiten eine lichtvolle Persönlichkeit senden, die sowohl der größte Exeget der Gesetze (Mutschtehid),der größte Erneuerer (Mudjeddid),ein Herrscher (Hâkim)und ein Mehdi sein wird, als einen Lehrer (Murschid)und gewaltigen Pol (Qutub-u a'dham).Diese Persönlichkeit wird aus dem Hause des Propheten kommen. So wie Gott der Gerechte, die Welt zwischen Himmel und Erde mit Wolken füllt und leert und in einem Augenblick den Sturm auf dem Meere stillt und in einer Stunde im Frühling ein Musterbeispiel für den Sommer, und im Sommer in einer Stunde einen Wintersturm hervorbringt, so kann auch der Allmächtige
in Seiner Majestät (Qadir-i Dhu l-Djelal)durch den Mehdi die Finsternis der islamischen Welt zerstreuen. Dies hat Er versprochen. Was Er versprochen hat, wird Er mit Sicherheit auch halten.
Vom Standpunkt der göttlichen Macht aus betrachtet, ist das sehr leicht. Betrachtet man aber (dies alles) aus dem Blickwinkel der Ursachen und der Weisheit des Herrn, so ist es wiederum genauso verständlich und sogar notwendig, dass Denker gefolgert haben, dass selbst dann, wenn dies alles nicht von einem wahren Berichterstatter überliefert worden wäre, es dennoch so geschehen muss. Und so wird es sein. Es ist dies wie folgt:
اَللّٰهُمَّ صَلِّ عَلٰى سَيِّدِنَا مُحَمَّدٍ وَعَلٰٓى اٰلِ سَيِّدِنَا مُحَمَّدٍ كَمَا صَلَّيْتَ عَلٰٓى اِبْرَاهِيمَ وَعَلٰٓى اٰلِ اِبْرَاهِيمَ فِى الْعَالَمِينَ اِنَّكَ حَمِيدٌ مَجِيدٌ
{"Oh Gott segne unseren Herrn Mohammed und die Familie unsres Herrn Mohammed, so wie Du Abraham und die Familie Abrahams gesegnet hast in allen Welten. Denn Du bis allen Lobes und Ruhmes würdig."}
Dies ist das Gebet (dua),das täglich fünf Mal, das heißt bei allen Gebeten (namaz)von allen islamischen Gemeinschaften wiederholt und (von Gott) offensichtlich angenommen wird. Denn so wie die Familie Abrahams, mit dem der Friede sei, hat auch die Familie Mohammeds, mit dem Friede und Segen sei, eine solche Bedeutung erlangt, dass (eine Schar) lichtvoller Persönlichkeiten bei allen Versammlungen an allen Orten und in allen Jahrhunderten als Kommandanten an der Spitze aller gesegneten Ketten (= die Silsilahder Meister aller islamischen Orden) dienen.
{(*): Seyyid Ahmed as-Sunusi, um auch nur einen von ihnen zu nennen, war Kommandant von Millionen von Schülern (Murids). Auch Seyyid Idris war ein anderer von ihnen, der mehr als hunderttausend Muslime befehligte. Wieder ein anderer Seyyid, der Seyyid Yahya, kommandierte einige hunderttausend Mann, usw. So wie es unter den Angehörigen des Stammes der Seyyid viele offensichtliche Helden gab, so gab es unter diesen Helden auch solche Helden des Geistes, wie Seyyid Abdulqadir-i Geylani, Seyyid Abu-l'Hassan esch-Schaseli und Seyyid Ahmed Bedewi.}
Sie sind so zahlreich, dass alle diese Kommandanten insgesamt ein gewaltig großes Heer bilden. (Könnten sie alle zusammen kommen und) leibliche Gestalt annehmen, sich solidarisch erklären und zu einer Division formieren, und würden sie dann im islamischen Glauben, in Einheit (rabita)verbunden, eine heilige Nation erwecken: die Armee keiner anderen Nation könnte ihr widerstehen!... So ist denn dies die zahlreiche und mächtige Armee der Familie Mohammeds, mit dem der Friede und Segen sei, und das erlesenste Heer von Hasret Mehdi.
Es gibt heute in der Welt in der Tat keine Familie, die sich durch solch eine große Ehre, ein so hohes Ansehen und solchen Adel auszeichnet, wie es vorzüglicher eine Generation nicht gibt, die in ungebrochener Folge und bestens beurkundeter Abstammung so bedeutend und mächtig ist, wie die Linie der Seyyids aus der Familie des Propheten. Seit alten Zeiten sind sie es, die an der Spitze aller Gruppen von Leuten der Wahrheit standen und die angesehensten Führer aller Leute der Vollkommenheit waren. Heutzutage sind sie eine ganze gesegnete Generation, die in ihrer Anzahl bereits die Millionengrenze überschreitet. Mit wachen Sinnen und das Herz voll des Glaubens und der Liebe zu dem Propheten sind sie es, die es weltweit wert sind, durch ihre ehrenwerte Zugehörigkeit hochgeschätzt zu werden. Gewaltige Dinge werden sich ereignen, welche eine solche heilige Macht in dieser gewaltigen Gemeinde wachrufen und sie begeistern werden... Sicherlich wird die hohe Begeisterung, die in dieser gewaltigen Kraft zum Ausdruck kommt, (sich zu einer gewaltigen Bewegung) emporschwingen; dann wird Hasret Mehdi kommen, sie zu leiten und sie auf den
Weg der Wahrheit und Gerechtigkeit führen. Entsprechend der Gewohnheit Gottes (adetullah)und von seiner göttlichen Barmherzigkeit erwarten wir, dass dies so geschehen wird, dass dies so sein wird, so wie nach diesem Winter der Frühling kommen wird; und wir tun recht daran, dies zu erwarten...
Der Zweite Hinweis, der zugleich den "Sechsten Hinweis" bildet:
Die erleuchtete Gemeinschaft des Mehdi wird die ketzerische (bid'a),durch Sufyans Komitee verdorbene Verfassung wiederherstellen, die anerkannte Tradition (Sünnet-i seniye)wieder beleben; das heißt, sie wird Sufyans Komitee, das sich darum bemüht, das mohammedanische Gesetz (Scheriat-i Ahmediye)zu zerstören, indem es Mohammeds Prophetenamt in der islamischen Welt leugnet, mit dem wundertätigen Schwert des Geistes in der Hand der Gemeinschaft des Hasret Mehdi richten und zerschlagen.
Außerdem wird eine Gemeinschaft unter der Bezeichnung einer zu Opfer und Verteidigung bereiten christlichen Gemeinde und würdig des Titels "Muslimische Christen", die sich darum bemüht, die wahre Lehre Jesu Christi mit der Lehre des Islam in Übereinstimmung zu bringen, Deddjals Komitee, das die Kultur und alles, was den Menschen heilig ist, zu Grunde gerichtet hat, in der Absicht, Gott unter den Menschen zu verleugnen, unter der Führung von Hasret Isa, mit dem der Friede sei, richten und zerschlagen und so die Menschheit vor der Verleugnung Gottes retten.
Dieses Geheimnis zu erklären ist sehr langwierig. Da ich es aber an anderen Stellen schon ein wenig beschrieben habe, begnüge ich mich hier mit diesem kurzen Hinweis.
Dritte Fragestellung
Siebenter Hinweis:
Frage: Sie sagen: "Deine Verteidigung und dein Kampf für den Islam, so wie du ihn in alten Zeiten geführt hast, entspricht nicht deiner heutigen Art und Weise. Du verhältst dich auch nicht in der Weise wie die Denker, die den Islam gegenüber Europa verteidigen.
Warum hast du die Methoden des Alten Said verändert? Warum verhältst du dich nicht in der Art der geistigen Kämpfer für den Islam?
Antwort:
Der Alte Said und einige Denker akzeptierten einige Grundsätze menschlicher (= weltlicher) Philosophie und europäischer Weisheit und stellten sich ihnen mit deren eigenen Waffen entgegen. Sie akzeptierten sie teilweise. Sie blieben einigen ihrer Grundsätze in Form der positiven (Natur)wissenschaften unerschütterlich treu und konnten daher den wahren Wert des Islam nicht aufzeigen. Es war ganz einfach so, als wollten sie die Zweige ihrer Weisheit (und Wissenschaft), deren Wurzeln sie für sehr tief hielten, in den (Baum des) Islam einpflanzen, als wollten sie ihn damit stärken. Da aber diese Methode nur wenige Siege erbrachte und den Wert des Islam in gewisser Weise verminderte, gab ich diesen Weg (meslek)wieder auf. Und ich habe in der Tat nachgewiesen, dass die Grundsätze des Islam so tief hinunter führen, dass selbst die tiefsten Grundsätze der (westlichen) Philosophie sie nicht erreichen können, vielmehr an der Oberfläche bleiben. Das Dreißigste Wort, der Vierundzwanzigste Brief und auch das Neunundzwanzigste Wort haben diese Tatsache anhand von Zeugnissen bewiesen. Auf dem alten Weg galt Philosophie als tiefschürfend und die Grundsätze des Islam als nur oberflächlich. Man dachte, dass der Islam durch eine Okulierung mit den Zweigen der Philosophie überdauern und überleben werde. Was sind aber in Wirklichkeit die Grundsätze (westlicher) Philosophie, dass sie die (des Islam) erreichen könnten!..
سُبْحَانَكَ لاَعِلْمَ لَنَآ اِلاَّ مَاعَلَّمْتَنَآ اِنَّكَ اَنْتَ الْعَلِيمُ الْحَكِيمُ ٭ وَقَالُو الْحَمْدُ لِلّٰهِ الَّذِى هَدٰينَا لِهٰذَا وَمَا كُنَّا لِنَهْتَدِىَ لَوْلآَ اَنْ هَدٰينَا اللّٰهُ لَقَدْ جَاءَتْ رُسُلُ رَبِّنَا بِالْحَقِّ
اَللّٰهُمَّ صَلِّ عَلٰى سَيِّدِنَا مُحَمَّدٍ وَعَلٰٓى اٰلِ سَيِّدِنَا مُحَمَّدٍ كَمَا صَلَّيْتَ عَلٰى سَيِّدِنَآ اِبْرَاهِيمَ وَعَلٰٓى اٰلِ اِبْرَاهِيمَ فِى الْعَالَمِينَ اِنَّكَ حَمِيدٌ مَجِيدٌ
{"Gepriesen seist Du. Wir haben kein Wissen außer dem, das Du uns gelehrt hast. Du bist der Allwissende und der Allweise." (Sure 2, 32) "Dank sei Gott, der uns bis hierher geführt hat. Wir hätten keine Rechtleitung finden können, hätte nicht Gott selbst uns geführt. In der Tat sind die Propheten zu uns gekommen mit der Wahrheit." (Sure 7, 43) "Oh Gott segne unseren Herrn Mohammed und die Familie unsres Herrn Mohammed, so wie Du Abraham und die Familie Abrahams gesegnet hast in allen Welten. Denn Du bist allen Lobes und Ruhmes würdig."}
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Das Achte Kapitel
Die Acht Hinweise
Dieses Kapitel enthält acht kleine Abschnitte. Die Grundlage dieser Hinweise ist die symmetrische Übereinstimmung, welche ein wichtiges Prinzip der Zahlensymbolik (ilm-i djfr),ein wichtiger Schlüssel hermeneutischen Wissens und ein wichtiger Zugang zu einem Teil der tiefen Geheimnisse des Qur'an ist. Es ist hier nicht mit eingeschlossen, weil es einmal in einer separaten Ausgabe erscheinen soll.
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Das Neunte Kapitel
Neun Andeutungen
بِسْمِ اللّٰهِ الرَّحْمٰنِ الرَّحِيمِ ٭ اَلآَ اِنَّ اَوْلِيَآءَ اللّٰهِ لاَ خَوْفٌ عَلَيْهِمْ وَلاَ هُمْ يَحْزَنوُنَ
{"Im Namen Gottes, des Erbarmers, des Allbarmherzigen" "Siehe, für die Freunde Gottes gibt es weder Angst, noch werden sie traurig sein." (Sure 10, 62)}
Dieses Kapitel enthält neun Andeutungen und handelt von den Wegen der Gottesfreundschaft.
Erste Andeutung:
Es gibt unter der Bezeichnung "Mystik (tasavvuf)","Orden (tariqat)","Gottesfreundschaft (velayet)","Heiligkeit" und "spirituelle Reise" eine Heilige Wahrheit, die lieblich, voller Licht, voller Freude und vom Geist erfüllt ist. Diese heilige Wahrheit wurde von den Forschern unter den Leuten der meditativen Wahrnehmung und geistigen Entdeckung (ehl-i zevk ve keshf)in Tausenden von Büchern und Bänden verkündigt, unterwiesen und dargestellt. So haben sie diese Wahrheit der Gemeinde (umma)und auch uns mitgeteilt.
جَزَاهُمُ اللّٰهُ خَيْرًا كَثِيرًا
{Möge Gott sie dafür mit allem Guten reichlich entlohnen!}
Und auch wir wollen unter manchen bedrängenden Umständen heutiger Zeit aus dem weiten Ozean einige Tropfen, ja nur ein paar Spritzer, zur Darstellung bringen.
Frage:
Was ist ein Orden?
Antwort:
Ziel und Zweck eines Ordens ist das Wissen um Gott und die Entfaltung der Glaubenswahrheiten durch eine innere Reise, unternommen mit den Füßen
des Herzens und im Schatten der Himmelfahrt Mohammeds, mit dem der Friede sei, um die Wahrheiten des Glaubens und des Qur'an durch Erleuchtung, in gewissen Stadien und teilweise durch eigenes Zeugnis. Dies ist ein erhabenes Geheimnis der Menschheit und menschlicher Vollkommenheit und wird "Orden (tariqat)"oder auch "Mystik (tasavvuf)"genannt.
Da der Mensch in der Tat ein umfassendes Inhaltsverzeichnis des Universums ist, ähnelt sein Herz einer inneren Landkarte von Tausenden von Welten. Denn so wie die zahllosen menschlichen Wissenschaften und Wissensgebiete zeigen, dass das Gehirn im menschlichen Schädel eine Art geistiges Zentrum des Universums ist, so wie ein Telefon oder Fernschreiber für unzählige Leitungen, so zeigen auch Millionen erleuchtender Bücher, geschrieben von unzähligen Heiligen, dass das menschliche Herz in seinem Kern und Wesen der Ort ist, wo sich ungezählte Wahrheiten des Universums manifestieren, ihre Bedeutung und ihre Saat.
So wollte denn der Schöpfer des Herzens sicherlich, da ja das menschliche Herz und Hirn in diesem Zentrum sind und die Glieder eines mächtigen Baumes in Gestalt eines Samenkorns umfassen, in dem Partikel und Bestandteile einer ewigen, majestätischen Maschine, die dem Jenseits angehört, eingeschlossen sind, dass das Herz aus dem Stadium der Möglichkeit in den der Aktualität hinüber gebracht werden solle, ausgearbeitet und entwickelt weden solle und in Tätigkeit versetzt werden solle. Denn genau das war es, was Er getan hat. Da Er dies aber so wollte, wird das Herz sicherlich genauso arbeiten wie der Geist (aqil).Und die wirkungsvollste Art, das Herz in Bewegung zu versetzen, ist die, sich auf dem Weg eines Ordens, der Sprossenleiter der Heiligkeit, durch die Erinnerung an Gott (dhikr)den Glaubenswahrheiten zuzuwenden.
Zweite Andeutung:
Der Schlüssel und das Mittel zu dieser Reise des Herzens und geistigen (ruh)Voranschreitens sind das Gedenken Gottes (dhikr)und die Kontemplation (tefekkur).
Die Tugenden, die daraus erwachsen, sind zu zahlreich, um sie noch zählen zu können. Neben zahllosen Gnadengaben im Jenseits, menschlichen Vorzügen und Vollkommenheiten, gibt es noch eine kleinere Vergünstigung, die dem Auf und Ab dieser Welt angehört und dies ist Folgendes: Jeder sehnt sich nach Tröstung und sucht nach Vergnügungen, um mit seiner schweren Bürde in den Kämpfen dieses Lebens ein klein wenig Erleichterung zu finden und aufatmen zu können. Ein jeder sucht nach ein wenig Geborgenheit, um die Einsamkeit zu vertreiben. Die sozialen Veranstaltungen im bürgerlichen Leben verhelfen zu einer Art von zeitweiliger, jedoch gottvergessener, trunkener Familiarität, Vertrautheit und Geborgenheit für ein oder zwei unter zehn Leuten. Jedoch achtzig Prozent leben ein einsames Leben auf den Bergen und in den Tälern, oder werden an entfernte Plätze getrieben, um sich ihren Lebensunterhalt verdienen zu können, oder Umstände wie die Wechselfälle des Lebens und das Alter lassen sie an das Jenseits denken. Sie sind der Geborgenheit in einer menschlichen Gruppe beraubt. Dieser Zustand bietet ihnen keine Geborgenheit und keine Tröstung.
So liegt denn der wahre Trost, alle Geborgenheit, Lieblichkeit und Frohsinn eines solchen Menschen, der sich an so weit entfernten Orten, abgelegenen Bergen und trostlosen Tälern befindet, im Gedenken Gottes (dhikr)und in der Kontemplation (fikir),die das Herz in Bewegung versetzen. Er wendet sich dem Herzen zu, gedenkt Gottes (wenn er "Allah!"ruft), findet die Geborgenheit im eigenen Herzen. Und in dieser Geborgenheit bedenkt er die Dinge um sich herum, die ihn feindselig betrachten, so als wollten sie über seine Geborgenheit lachen und so sagt er: "Dieser, mein Schöpfer, an den ich stets denke, hat hier an meinem Platz der Einsamkeit, wie auch sonst überall, unzählige Diener. Ich bin nicht allein. Einsamkeit ist ohne jede Bedeutung." Aus seinem Leben im Glauben empfängt er die Freude einer Geborgenheit. Nun erst versteht
er, was Glück im Leben wahrhaft bedeutet. Und so dankt er Gott.
Dritte Andeutung:
Freundschaft mit Gott (velayet)ist ein Zeugnis Seiner Botschaft (Risalah).Denn die Gottesfreundschaft sieht und bestätigt die Wahrheit des Glaubens, die die Botschaft (Risalah)verkündet hat, in einer Art Zeugnis des Herzens (shuhud-u qalb)und der meditativen Wahrnehmung (zevk-i ruh)im Grade augenscheinlicher Gewissheit (ayne l-yaqien).Ihre Bestätigung ist ein sicheres Zeugnis für die Wahrheit der Botschaft. Der Orden ist ein Beweis der Schari'a. Durch meditative Wahrnehmung (zevk)und geistige Entdeckung (keshf)und durch den Segen und die Wirkung, die von ihnen ausgehen, ist der Orden (= der Sufi-Weg) ein klarer Beweis der Wahrheit der Gesetze, die die Schari'a unterweist, und auch dafür, dass diese Gesetze der Schari'a wahr sind und aus der Wahrheit kommen. So wie die Gottesfreundschaft und der Orden (velayet ve tariqat= die Heiligkeit eines Sufis und sein Weg) in der Tat Zeugnis und Beweis der Botschaft (Gottes und Seines Gesetzes) und der Schari'a sind, so sind sie auch das Geheimnis der Vollkommenheit des Islam und die Quelle seines Lichtes und durch den Islam ein Mittel für die Entwicklung und eine Quelle für die seelische Entfaltung der Menschen.
Nun aber versuchen trotz der großen Bedeutung dieses gewaltigen Geheimnisses einige Gruppen von Irrenden gerade dies leugnen zu wollen. Sie sind seines Lichtes beraubt geblieben und zugleich auch die Ursache dafür geworden, dass auch andere beraubt wurden. Quelle des höchsten Bedauerns aber ist Folgendes: Ein Teil fundamentalistischer Gelehrter (zahiri ulema)unter den Leuten von Tradition und Gemeinschaft (Sunna ve Djemaat)und ein Teil der ihnen zugehörigen, gottvergessenen Leute unter den Politikern, bemühen sich einige Missbräuche und Fehler, die sie unter den Sufis bemerkt haben, als Vorwand dafür zu gebrauchen, um diese gewaltige Schatzkammer zu schließen oder gar zu zerstören und so diesen Brunnen von Kauthar, aus dem das Wasser des Lebens strömt,
trocken zu legen. Es gibt jedoch einige wenige Dinge, Wege und Pfade, die in jeder Hinsicht gut und fehlerfrei sind. Es gibt aber auch einige Fehler und Missbräuche. Denn wo inkompetente (Leute) erst einmal in eine Sache einsteigen, dort machen sie auch mit Sicherheit Missbrauch von ihr. Jedoch bei der Abrechnung der Taten im Jenseits zeigt Gott der Gerechte Seine königliche Gerechtigkeit (adalet-i Rabbani)dadurch, dass Er alles Gute und Böse wägt. Das heißt, wenn die guten (Taten) überwiegen und schwer wiegen, so belohnt Er sie und nimmt sie an. Überwiegen aber die schlechten Taten, so bestraft Er sie und weist sie zurück. Das Gleichgewicht zwischen guten und schlechten Taten richtet sich nicht nach der Quantität, sondern nach der Qualität. Und manchmal geschieht es auch, dass eine einzige gute Tat schwerer wiegt als tausend schlechte und dann dahin führt, dass sie vergeben werden.
Da nun einmal die göttliche Gerechtigkeit auf diese Weise richtet und auch die Wahrheit das so als gerecht ansieht, ist es denn offensichtlich, dass die guten Werke eines Ordens, d.h. also eines Ordens im Rahmen der Gelobten Sitten (des Propheten) mit Sicherheit dessen schlechte (Taten) überwiegen, ein Beweis dafür, dass die Ordensleute in Zeiten der Verfolgung durch die Leute des Irrweges ihren Glauben aufrecht erhalten. Ein einziger aufrichtiger Ordensschüler schützt sich besser, als ein oberflächlicher Fundamentalist mit einem bloßen Schulwissen. In der Freude seines Ordenslebens und in seiner Liebe zu den Gottesfreunden, rettet er seinen Glauben. Auf Grund schwerer Verfehlungen (kebair)wird er ein Sünder (fasiq),jedoch kein Ungläubiger. Er wird auch nicht so einfach in die Gottlosigkeit hinabgezogen. Keine Macht kann in seinen Augen die Kette (Silsilah)der Scheichs widerlegen, die er in seiner starken Liebe und mit unerschütterlicher Überzeugung zu Polen (qutub)(seines Lebens) angenommen hat. Und da er sie nicht widerlegen kann, kann auch sein Vertrauen in sie nicht zerstört werden. Und solange
sein Vertrauen unerschütterlich bleibt, kann er nicht in die Gottlosigkeit hinabgezogen werden. Angesichts des Listenreichtums heutiger Atheisten ist es für Leute, die nicht einem Orden verbunden sind und deren Herzen noch nicht in Bewegung gekommen sind, auch wenn sie Forscher und Gelehrte sind, schwierig geworden, sich vollständig zu bewahren.
Aber es gibt da noch etwas anderes: Einige Wege (meshreb),sollten nicht auf Grund der üblen Praktiken solcher verurteilt werden, die zum Teil außerhalb des Islam stehen und außerhalb der Grenzen der Gottesfurcht (daire-i taqwa)liegen. Manche von ihnen haben sich fälschlicherweise selbst den Namen eines Sufi-Ordens umgehängt. Ziemlich abseits der bedeutenden, erhabenen religiösen und spirituellen Ergebnisse der Sufi-Orden, welche die ersten und wirkungsvollsten, begeisterten Mittel der Entwicklung und Verbreitung von Bruderschaft (uhuvvet)und ein heiliges Band innerhalb der islamischen Welt sind, sind sie also eine der drei wichtigsten, nicht zu erschütternden Eckpfeiler des Islam gegen die furchtbaren Angriffe der Welt des Unglaubens und die "christliche" Politik und ihre Angriffe, um das Licht des Islam auszulöschen. Was Istanbul, Sitz des Kalifats für 550 Jahre gegen die gesamte christliche Welt aufrecht hielt, war das Licht des Glaubens an den einen Gott (Tauhid),das fünfhundert Plätzen in Istanbul entströmte, und die Stärke des Glaubens derer, die in ihren Klöstern hinter den Moscheen "Allah! Allah!" rezitierten, ein starker Stützpunkt für die Leute des Glaubens in diesem Zentrum des Islam und ihrer geistigen Liebe, die ihnen aus ihrem Wissen um Gott und dem glühenden Eifer ihrer Gebete erwächst.
Oh ihr unverständigen Pseudopatrioten und falschen Nationalisten! Welches Übel der Sufi-Orden könnte all das Gute im Leben eurer Gesellschaft zunichte machen? Nun sagt selbst!?
Vierte Andeutung:
Obwohl der Weg zur Heiligkeit (meslek-i velayet)so leicht ist, ist er doch ziemlich schwierig. Obwohl er so
kurz ist, ist er doch so lang. Obwohl er so kostbar ist, ist er doch zugleich auch so gefährlich. Obwohl er so breit ist, ist er doch so eng.
So ist es denn aus diesem Grund, dass Einige, die auf diesem Pfade reisen, unterwegs ertrinken, andere erleiden irgendeinen anderen Schaden oder stürzen in ein Unglück, andere kehren zurück und bringen dann wieder Andere auf Abwege.
Zum Beispiel:
Im Sufi-Orden gibt es zwei Wege unter der Bezeichnung: Reise nach innen (enfusi)und Reise nach außen (afaki).
Der erste Weg (meshreb)ist der Weg nach innen (enfusi).Er beginnt in der eigenen Seele (nefs),zieht die Sinne ab von der äußeren Welt (afaki)und richtet sie in das eigene Herz. So durchbohrt er den Egoismus (enaniyet),öffnet einen Weg zum Herzen und findet dort zur Wahrheit. Von dort führt er wieder nach außen zum Horizont (afaki)und (unser Reisender) erblickt das Licht. Nun schließt er die Reise schnell ab. Die im inneren Kreis (enfusi)erschaute Welt erblickt er nun im größeren Maßstab in der Außenwelt. Die meisten stillen, geheimen Sufi-Orden (turuk-u hafiye),folgen diesem stillen, inneren Weg. Die wichtigste Voraussetzung dafür ist, das Ego zu brechen, die Leidenschaften (heva)aufzugeben und ihre (eigenwillige) Seele (nefs)zu töten.
Der zweite Weg (meshreb)beginnt in der Außenwelt (afaki),betrachtet die Widerspiegelung der Namen und Eigenschaften Gottes über dem großen Bereich Seines Gartens und dann betritt (auch hier der Reisende) schließlich den inneren Bereich (der Seele, nefs = enfusi).Dort beobachtet er dann diese Lichter in einem kleineren Maßstab im Bereich seines Herzens und öffnet den kürzesten Weg zu ihnen. So sieht das Herz den Unwandelbaren (Samad)in einem Spiegel und vereinigt sich mit dem Ziel, das er gesucht hat.
Wenn also Leute, die auf dem ersten Weg reisen, keinen Erfolg darin haben, ihre eigenwillige Seele (nefs-i emmare)zu töten, und wenn sie ihre Leidenschaften (heva)nicht aufgeben und das
Ego zerbrechen können, so fallen sie aus dem Rang der Dankbarkeit (shukur)auf die Stufe der Überheblichkeit (fakhr)und von der Stufe der Überheblichkeit (fakhr)hinunter auf die der Selbstgefälligkeit (gurur).Wenn eine solche Person eine Ergriffenheit erlebt, die aus ihrer Liebe (muhabbet)erwächst, und eine Art Rauschzustand, der aus dieser Ergriffenheit kommt, so ergeben sich für sie daraus so hochgesteckte Ansprüche, die bei weitem ihre Grenzen überschreiten, verbunden mit Äußerungen von höchster Ekstase, was sowohl ihr selbst Schaden zufügt, als auch zur Ursache eines solchen Schadens für andere wird.
Wenn zum Beispiel ein Leutnant vor Begeisterung über seine eigene Kommandostellung stolz wird und schon sich selbst für einen Feldmarschall hält, und seinen kleinen Einflussbereich mit einem universellen verwechselt, so wird er zur Ursache einer Sonne, die in einem kleinen Spiegelchen erscheint und sich nun mit der Sonne verwechselt, die in gewisser Hinsicht durch einen Aspekt der Ähnlichkeit in all ihrem Glanz im Meeresspiegel sichtbar wird.
In gleicher Weise gibt es unter den Leuten der Gottesfreundschaft (ehl-i velayet)viele, die sich für größer halten als andere, die in Wirklichkeit im Verhältnis eines Fasans zu einer Fliege größer sind als sie, die sich selbst auch in dieser Weise betrachten und fest davon überzeugt sind, dass sie recht haben. Ich habe selbst einmal jemanden gesehen, dessen Herz gerade eben erst erwacht war und der gerade eben erst ganz von Ferne in sich selbst das Geheimnis der Gottesfreundschaft verspürte und nun sich selbst für einen gewaltigen Pol (qutub-u a'dham)hielt und sich auch dementsprechend aufführte. Ich habe zu ihm gesagt: "Mein Bruder, so wie die Gesetze eines Königreichs vom ersten Minister bis zum letzten Abteilungsleiter verschiedene Formen annehmen und mal mehr oder weniger umfangreich sein können, so gibt es auch für die Pole und Gottesfreunde solche verschiedenartige Gebiete und Wahrnehmungsbereiche. Und jede Stufe (maqam)hat ihre
eigenen Schattenseiten und viele verschiedene dunkle Bereiche. Du hast nun die gewaltige Erscheinungsform eines Qutub, entsprechend der eines Ministers gesehen. Und du hast diese Erscheinungsform von deinem eigenen Bereich aus, der dem eines Abteilungsleiters entspricht, wahrgenommen und dich dabei getäuscht. Was du gesehen hast, war zwar richtig, nur dein Urteil darüber war falsch. Für eine Fliege ist eine Tasse mit Wasser wie ein Swimmingpool (deniz)."Dieser Mann kam über meiner Antwort mit Gottes Hilfe zur Besinnung und wurde vor einem Abgrund gerettet.
So habe ich auch einige Leute gesehen, die sich selbst für eine Art Mehdi gehalten haben und die auch sagten: "Ich werde einmal der Mehdi sein." Diese Leute sind keine Lügner und Betrüger. Sie sind selbst Betrogene. Sie glauben, das, was sie da sehen, sei die Wirklichkeit. So wie es bei den Erscheinungen der Namen Gottes von den Sphären des gewaltigen Thrones bis hinab zu den Atomen verschiedene Abstufungen gibt und auch die Orte ihrer Manifestationen sich dementsprechend voneinander unterscheiden, so unterscheiden sich auch die verschiedenen Stufen der Gottesfreundschaft, die aus der unterschiedlichen Art, wie diese Namen Gottes empfangen werden, voneinander.
So ist denn der wichtigste Grund für diese Verwirrung folgender:
Auf einigen Stufen (maqam)der Gottesfreundschaft finden sich auch die Charakteristika der Aufgaben (vazifah)des Mehdi oder es besteht eine besondere Beziehung mit dem gewaltigen Pol (qutub-u a'dham)oder mit Khidr. Es gibt auch einige Stufen, die mit besonders bekannten Persönlichkeiten verbunden sind. Tatsächlich werden diese Stufen "maqam-i Khidr", "maqam-i Uvays"oder "maqam-i Mehdiyet"genannt.
Es geschieht aus diesem Geheimnis heraus, dass (Menschen), die diese Stufe erlangt haben, oder doch eine andere Stufe, die dieser Stufe oder doch wenigstens ihrem Schatten ähnlich sieht, glauben, sie seien selbst
diese berühmte Persönlichkeit, die mit dieser Stufe verbunden ist. Sie verstehen sich als Khidr, oder glauben der Mehdi zu sein, oder stellen sich vor, der gewaltige Pol zu sein. Wenn ein solcher Mensch kein Ego hat, das nach Rang und Ansehen (hubb-u djah)verlangt, so wird er von diesem Zustand nicht gefangen genommen. Seine exzessiven Höhenflüge werden als die Äußerungen eines Ekstatikers bewertet. Er ist für sie vielleicht noch nicht einmal verantwortlich. Wenn sein Ego jedoch sich vielleicht versteckt nach Ruhm und Ansehen gesehnt hat (hubb-u djah),so wird (dieser Mensch) von seinem Ego (enaniyet)besiegt, unterlässt es, zu danken (shukur),wird stolz (fakhr),fällt von seinem Stolz Schritt um Schritt herab bis zur Selbstgefälligkeit (gurur).So verfällt er schließlich dem (religiösen) Wahnsinn, oder irrt vom rechten Wege ab. Denn er stellt sich die großen Heiligen als Seinesgleichen vor und verliert am Ende all seinen Respekt und seine gute Meinung über sie. Denn in dem Maße, in dem sich die Seele (nefs)in ihrem Stolz erhebt, erkennt sie selbst auch ihre eigenen Fehler. Er vergleicht diese großen Persönlichkeiten mit sich selbst und hält sie für fehlerhaft. Ja sogar sein Respekt vor den Propheten schwindet.
So ist es denn für solche, die in einen derartigen Zustand (hal)hineingeraten sind, notwendig, sich nach der Waage des Gesetzes (Schari'a)auszurichten und die Regeln der Gelehrten und Kenner der Vorschriften des Glaubens (usul-ud Din)als Richtschnur und die Anweisungen der Gelehrten unter den Heiligen, wie Imam Ghasali und Imam-i Rabbani als Wegweiser zu befolgen. Sie sollten ständig ihre eigene Seele (nefs)anklagen und ihren Seelen nichts anderes zuschreiben als ihre Fehler, ihre Unfähigkeit und ihre Armseligkeit. Alle ekstatischen Äußerungen auf diesem Weg entstehen aus der Eigenliebe (hubb-u nefis),denn das Auge der Liebe erkennt keine Fehler. Da ein solcher Mensch sich selbst liebt, glaubt er, dass dieses fehlerhafte, wertlose Stückchen Glas ein Diamant oder sonst ein Edelstein sein müsse. Der gefährlichste Fehler unter diesen ist der,
dass er sich vorstellt, diese Art Meinungen und Ansichten, die zuweilen wie Eingebungen (ilham)in seinem Herzen auftauchen, seien "Gottes Wort und Wunderzeichen" (Kelamullah ve Ayat).Daraus erwächst eine Respektlosigkeit gegenüber der Offenbarung Gottes in all ihrer Erhabenheit und Heiligkeit. Nun sind in der Tat alle Eingebungen (ilham)von den Eingebungen der Biene und anderer Tiere bis zu den Eingebungen gewöhnlicher Leute und der geistlichen Elite, den Eingebungen einfacher Engel bis zu den (Engeln nahe dem Throne Gottes) Cherubim eine Art Wort des Herrn. Doch sie sind Wort des Herrn in der Übereinstimmung mit der Fähigkeit des Empfängers und seiner individuellen Stufe (maqam),wie sie gleich Funken in verschiedenen Formen der Ansprache des Herrn durch siebzigtausend Schleier zu uns hindurchdringen.
Jedoch solche Eingebungen mit derart besonderen Ausdrücken wie "Vahiy"(Offenbarung), "Kelamullah"(Wort Gottes) oder "Ayat"(Wunderzeichen) zu bezeichnen, wie sie nur den Sternen des Qur'an zukommen, dem klarsten und konkretesten Beispiel für Gottes Wort, ist völlig falsch. Wie bereits im Zwölften, Fünfundzwanzigsten und Einunddreißigsten Wort erklärt und bewiesen wurde, ist, was immer nun die Beziehung dieses kleinen, trüben und verschleierten Bildes der Sonne, wie es in dem gefärbten Spiegel in deiner Hand erscheint, mit der Sonne am Himmel sein mag, vergleichbar mit der Eingebung in den Herzen derer, welche die obigen Ansprüche erheben und den Ayat der Sonne des Qur'an, welche das unmittelbare Wort Gottes ist. Wenn man sagt, dass die Abbilder der Sonne in allen Spiegeln erscheinen und mit ihr in Beziehung stehen, so wäre das richtig. Aber die Erdkugel kann nicht mit den Spiegeln jener winzig kleinen Sonnen verbunden sein und kann nicht durch deren Anziehungskraft gebunden werden!...
Fünfte Andeutung:
Einer der besonders wichtigen Wege im Orden ist die "Einheit im Zeugnis (vahdet-ul vudjud)",welche die "Einheit im Sein (vahdet-us shuhud)"genannt wird. Dieser Weg beschränkt
den Blick auf die Existenz des notwendig Seienden (Vadjibu-l'Vudjudun Vudjuduna)und hält alles andere im Vergleich mit dem, der da notwendigerweise Sein muss, für so schwach und nur schattenhaft in seinem Dasein, dass er es nicht für würdig erachtet, mit dem Ausdruck "Dasein" (vudjud)bezeichnet zu werden. (Auf diesem Weg) wird alles in den Schleier einer (bloßen) Vorstellung (hayal)gewickelt, sodass es auf der Stufe der Aufgabe (und des Loslassens = terk-i masiva maqam)von allem als nichts zählt, ja als gar nicht vorhanden vorgestellt (tasavvur)wird, wobei man letzten Endes so weit geht, den Erscheinungen der Namen Gottes die Gestalt eines nur vorgestellten (hayal)Spiegels zu geben.
So ist denn ein wesentlicher Faktor dieses Weges der, dass durch die Existenz des Notwendig Seienden, die sich mit der Stärke des Glaubens durch eine hohe Gottesfreundschaft im Grade einer wahrhaftigen Gewissheit entfaltet, das Dasein möglicher Wesen in einem Maße heruntergespielt wird, dass außer einer bloßen Vorstellung (hayal)und dem Nichtsein kein Platz in ihren Augen mehr bleibt. Es ist, als ob (dieser Weg) das Universum zu Gunsten des Einen Notwendig Seienden bestreitet.
Aber dieser Weg birgt auch seine Gefahren. Die erste davon ist diese:
Die Anzahl der Pfeiler des Glaubens beträgt sechs. So gibt es Träger des Glaubens wie den Glauben an Gott und den Glauben an den letzten Tag. Was diese Träger des Glaubens betrifft, so erfordern sie die Existenz von Möglichkeiten. Diese fest begründeten Pfeiler des Glaubens können nicht über einer Einbildung errichtet werden. Aus diesem Grunde sollte einer, der diesem Weg folgt und aus dieser Welt der Höhenflüge und der Ekstase wieder in diese unsere nüchterne Welt zurückkehrt, nicht seine neue Einstellung mit sich nehmen und er sollte nicht entsprechend seiner neuen Einstellung handeln.
Darüber hinaus sollte er nicht den Weg des Herzens, der Vorstellungen und meditativen Wahrnehmungen in eine verstandesgemäße, vernunftgemäße, wissenschaftliche Form umgießen, denn die Prinzipien, die zum Bereich
des Verstandes, die Gesetze, die zum Bereich des Wissens gehören und die Wurzeln des Wortes (Theologie), die vom Qur'an und der Sunna des Propheten ausgehen, können ihn auf diesem Weg nicht begleiten; es gibt hier keine Anwendungsmöglichkeiten für sie. Aus diesem Grund finden wir diesen Weg nicht ausdrücklich bei den (vier) rechtgeleiteten Kalifen, den führenden Imamen und Interpreten und den Großen unter den Rechtschaffenen (der ersten beiden Generationen = selef-i salihin).Das heißt, dies ist nicht der Hohe Weg (meshreb)!Vielleicht ist es eine der hohen Straßen; doch hat sie ihre Mängel. Es ist dies ein sehr wichtiger Weg. Aber er ist auch sehr gefährlich. Er ist zwar sehr schwierig; aber er ist zugleich auch sehr befriedigend. Die ihn in Freude wandeln, wollen ihn nicht wieder verlassen. Dank ihrer Selbstzufriedenheit, halten sie (diesen Weg) für die höchste Stufe. Da wir nun aber Grundlage und Natur dieses Weges in dem "Punkt der Botschaft" (Nokta Risalesi)und zum Teil auch in unseren "Worten" (Sözler)und "Briefen" (Mektubat)erklärt haben, wollen wir uns insoweit damit begnügen und hier nun noch einen der bedeutenden Abgründe erklären.
Für die edelsten der Edlen, die den Bereich der Ursachen (daire-i esbab)
verlassen haben und nach dem Geheimnis des Loslassens und der Aufgabe (terk-i masiva)aller Bindungen an die Möglichkeiten (der Schöpfung) in einen Zustand (hal)völliger Auflösung und Einswerdung eingegangen sind, ist dies der Weg der Reinheit (salih).Diesen Weg aber denen, die im (Meer der) Ursachen versunken sind, sich in diese Welt verliebt (ashk)haben und durch ihre materialistische Philosophie (im Sumpf) des Naturalismus stecken geblieben sind, in Form einer Wissenschaft anzubieten, hieße sie in diesem Naturalismus und Materialismus zu ertränken und sie von den Wahrheiten des Islam zu entfremden. Denn der, dessen Blick in Liebe an die Welt und das Reich der Ursachen (daire-i esbab)gefesselt ist, möchte dieser vergänglichen Welt eine Art Beständigkeit verleihen. Er möchte ja seine Geliebte (mahbub)Welt nicht aus seinen
Händen verlieren. Unter dem Vorwand, es handle sich hierbei um die Einheit allen Seins (vahdetu-l'vudjud),stellt er sich ihr (vergängliches) Dasein als Ewiges Sein (baqi vudjud)vor. In Anbetracht dieser Welt als seiner Geliebten und auf Grund dessen, dass er ihr Beständigkeit und Ewigkeit wie einen Besitz zuschreibt, erhebt er sie auf die Stufe seiner Angebeteten (ma'budiyet).So wollen wir denn unsere Zuflucht zu Gott nehmen (na'udhu bi'llah!),aber dies öffnet nun den Weg in den Abgrund der Leugnung Gottes selbst.
In diesem Jahrhundert beherrscht die materialistische Einstellung so weit (alles Denken), dass sie Materie für den Ursprung aller Dinge hält. Wenn in einem solchen Zeitalter die Leute des Glaubens Materie im Grade einer Nichtigkeitserklärung als völlig unbedeutend betrachten und auf diese Weise die Einheit allen Seins (Vahdetu-l'Vudjud)ins Gespräch bringen, so werden vielleicht die Materialisten den Anspruch erheben, zu sagen: "Auch wir behaupten genau das gleiche". Wohingegen doch der Weg, der von allen Wegen dieser Welt derjenige, der von dem der Materialisten und Natur-Anbeter am weitesten entfernte Weg der Weg der Einheit allen Seins ist. Denn die Anhänger dieser Einheit allen Seins messen in der Kraft ihres Glaubens der Existenz Gottes eine solche Bedeutung bei, dass sie (eine tatsächliche Existenz) des Alls und allen Daseins bestreiten. Was aber die Materialisten betrifft, so messen sie allem Sein eine solche Bedeutung bei, dass sie auf Kosten des Universums Gott verleugnen. Wo also sind nun diese (Materialisten) und wo jene (Sufi-Mystiker)?...
Die sechste Andeutung:
Besteht aus drei Punkten.
Erster Punkt:
Unter den Wegen zur Gottesfreundschaft (velayet)besteht der schönste, unmittelbarste, reichste und strahlendste in der Befolgung der Gelobten Sitten (Sunnet-i seniye).Das heißt: bei all seinen Handlungen und in all seinem Verhalten an die Gelobten Sitten zu denken, sie zu befolgen und nachzuahmen und in seinem ganzen Umgang und
bei allen Tätigkeiten an die Gesetze des Islam (ahkam-i schari'a)zu denken und sie sich zur Richtschnur zu nehmen.
Wer ihnen also nun in dieser Weise folgt und ihnen nacheifert, dessen alltägliche Haltung und all seine Handlungen und sein natürlicher Umgang werden zu einem Gottesdienst. Durch diese Befolgung der Tradition und des Gesetzes erinnert ihn jede seiner Taten daran, dass er unter der Herrschaft des Gesetzes steht. Diese Erinnerung lässt ihn an den Herrn des Gesetzes denken. Dieses Denken ruft ihm Gott den Gerechten in Erinnerung. Diese Erinnerung wiederum ruft in ihm eine Gegenwart (hudhur)wach. In diesem Zustand können alle Minuten seines Lebens ständig in dieser Gegenwart als eine Art Gottesdienst gelten. Diese große Straße (djadd-i kubra)ist die Straße der Gefährten (Sahabis)des Propheten und der vorausgegangenen aufrechten Persönlichkeiten (selef-i salihin),welche die Leute des Erbes des Prophetentums sind, das die große Gottesfreundschaft (velayet-i kubra)ist.
Zweiter Punkt:
Der wichtigste Grundsatz auf dem Weg der Gottesfreundschaft und in den verschiedenen Richtungen der Sufi-Orden ist die Wahrhaftigkeit (ikhlas);denn durch die Aufrichtigkeit kann man sich von versteckter (khafi)Abgötterei befreien. Wer diese Wahrhaftigkeit noch nicht erworben hat, kann auch nicht auf dieser Straße fahren. Die mächtigste Kraft auf dieser Straße ist die Liebe (muhabbet).Liebe sucht bei ihrem Geliebten (mahbub)in der Tat nicht nach Schwächen und will seine Fehler nicht sehen. Schwache Hinweise auf die Vollkommenheit des Geliebten sieht sie als starke Beweise an. Immer steht sie auf der Seite ihres Geliebten.
So ist es denn auf Grund dieses Geheimnisses, dass diejenigen, die sich auf den Füßen der Liebe dem Wissen um Gott (marifetullah)zuwenden, Zweifel und Kritik kein Gehör schenken. Sie retten sich leicht (vor ihnen). Sollten sich selbst Tausende von Teufeln versammeln, könnten sie doch in den Augen (eines Liebenden) kein einziges Zeichen der Vollkommenheit seines wahren Geliebten
leugnen. Wäre da keine Liebe, kämpfte er verzweifelt gegen die Kritik seiner eigenen Seele (nefs),seines Teufels und aller Teufel um ihn herum. Er müsste geradezu eine heldenhafte Standhaftigkeit (metanet),Glaubensstärke und Aufmerksamkeit haben, um sich retten zu können.
So ist es denn um dieses Geheimnisses willen, dass die Liebe (muhabbet),die aus dem Wissen um Gott (marifetullah)aufsteigt, auf allen Stufen der Heiligkeit die bedeutendste Hefe und das wichtigste Elixier ist. Aber die Liebe enthält einen Abgrund: sie springt von einem inständigen (Bitten und) Flehen und jener (Demut), Nichtigkeit (und Anspruchslosigkeit), die das Geheimnis der Anbetung ist, zu (einem Seelenzustand, wo sie am liebsten nur noch gebeten werden und nur noch Ansprüche stellen möchte) einer (reinen) Unausgewogenheit in ihrem Handeln. Wenn sie sich allen außergöttlichen Dingen (dieser Welt) zuwendet und dabei von der präpositionalen Bedeutung (der Dinge) zu deren eigentlicher nomineller Bedeutung übergeht, so verwandelt sie sich von einem Heilmittel in ein Gift. Das aber heißt, dass jemand, obwohl er andere Dinge liebt als Gott, dennoch sein Herz um Gottes des Gerechten und um Seines Namens willen und weil sie ja Spiegel Seiner Namen sind, an sie binden sollte. So denkt er denn manchmal an die Objekte seiner Liebe um der Objekte und der ihnen eigenen Vollkommenheit und ihrer essentiellen Schönheit willen. Er liebt sie um ihrer selbst willen. So kann er sie, auch wenn er nicht an Gott und seinen Propheten denkt, dennoch lieben. Diese Liebe ist kein Mittel, um Gott zu lieben. Sie ist ein Schleier vor ihm. Geschieht dies jedoch in ihrer präpositionalen Bedeutung, so geschieht es um der Liebe Gottes willen; ja man kann hier sogar von einer ihrer Manifestationen sprechen.
Dritter Punkt:
Diese Welt ist das Haus der Weisheit, das Haus des Dienstes. Es ist kein Haus der Bezahlung und der Belohnung. Der Sold für hier geleisteten Dienst und hier verrichtete Arbeit liegt im Zwischenreich und im
Jenseits. Die hier geleistete Arbeit trägt im Zwischenreich und im Jenseits ihre Früchte. Da dies nun einmal Tatsache ist, sollten wir die Ergebnisse unserer Handlungen, die ja dem Jenseits angehören, nicht im Diesseits suchen. Würden sie ausgeteilt, sollten sie nicht in Zufriedenheit, sondern mit Bedauern entgegengenommen werden. Denn nach dem Geheimnis, dass die Früchte des Paradieses, sobald sie gepflückt werden, an gleicher Stelle wieder nachwachsen, ist es nicht vernünftig, die Früchte der Taten, die dem Jenseits gehören und als immerwährend gelten, schon in dieser Welt in ihrer vergänglichen Form zu verzehren. Es ist, als wolle man eine ewig brennende Lampe gegen eine Lampe austauschen, die nur eine Minute brennt und dann wieder verlischt.
So ist es denn auf Grund dieses Geheimnisses, dass die Leute der Gottesfreundschaft (ehl-i velayet)alle Arbeiten, Schwierigkeiten und Unglücke als angenehm empfinden, sich nicht beklagen noch beschweren, sondern sagen:
اَلْحَمْدُ لِلَّهِ عَلَى كُلِّ حَالٍ
{"Lobpreis und Dank sei Gott für einen jeden Zustand!"}
Wenn ihnen Erleuchtung und Wunder (keshf ve keramet),die Entfaltung (des Geistes) und das Licht (der Seele) geschenkt wird, so nehmen sie (diese Dinge) als göttliche Gunsterweisungen an und versuchen sie zu verbergen. Sie werden darüber nicht stolz (fakhr),vielmehr dankbar (shukr)und (vermehren statt dessen) ihren Dienst und ihre Anbetung. Viele von ihnen haben sich gewünscht, dieser Zustand möge verborgen bleiben oder aufhören, da sonst die Reinheit ihres Tuns beschmutzt werden könnte. Die bedeutendste göttliche Gnade (ihsan)für einen (bei Gott) angesehenen Menschen besteht in der Tat darin, ihn Seine Gnadengaben (und Vorzüge) nicht verspüren zu lassen, damit er nicht vom Bitten zum Fordern und von der Dankbarkeit in den Stolz überwechseln möge.
So ist es denn auf Grund dieser Wahrheit, dass solche die nach Gottesfreundschaft und (dem Weg) im Orden streben, wenn sie dies denn tun, weil sie sich ein paar Tropfen, die aus dieser Gottesfreundschaft heraussickern,
ein wenig Freude und (vielleicht) ein paar Wunder (keramet)erhoffen, sich diesen Dingen zuwenden und sie willkommen heißen, sie sodann mit der Möglichkeit, diese immerwährenden Früchte des Jenseits in einer vergänglichen Welt auf eine vergängliche Weise zu verzehren, zugleich die Aufrichtigkeit (ikhlas)als Hefe der Gottesfreundschaft verlieren, womit sich zugleich der Weg öffnet, dass diese Gottesfreundschaft wieder von ihnen entweicht.
Siebente Andeutung:
Besteht aus vier Anmerkungen.
Erste Anmerkung:
Die Schari'a ist unmittelbar, schattenlos und unverschleiert das Ergebnis einer Ansprache Gottes im Geheimnis Seiner Einheit (ahadiyet)und absoluten Herrschaft (rububiyet-i mutlaq).Die höchsten Stufen auf dem Weg des Ordens und der Wahrheit gelten als Teile der Schari'a. Oder sie gelten stets als Mittel, als eine Einführung, eine Hilfe (für das Gesetz). Ihr Ziel sind die Ausführungsbestimmungen zum Gesetz. Das heißt, um zu den Wahrheiten des Gesetzes zu gelangen, sind Weg und Wahrheit des Ordens ein Mittel, eine Hilfe, eine Sprossenleiter, um dann auf der höchsten Stufe in die Bedeutung der Wahrheit und das Geheimnis des Ordens in der Seele des Gesetzes verwandelt zu werden. Dort werden sie dann zu Bestandteilen des großen Gesetzes. Anderenfalls wäre es nicht recht, wie einige Mystiker meinen, sich vorzustellen, die Schari'a sei nur die äußerliche Schale und die Wahrheit ihr Inneres, ihr Ziel und Ergebnis. Nun ist in der Tat die Entfaltung des Gesetzes entsprechend den verschiedenen Schichten der Menschen höchst unterschiedlich. Es wäre jedoch falsch, anzunehmen, was die Masse des Volkes sich so vorstellt, sei jener äußere Aspekt der Schari'a, den sie ihre Wahrheit nennen und die Bezeichnung "Wahrheit" und "Orden" den verschiedenen Stufen des Gesetzes zu geben, welche sich nur für die Elite entfalten. Das Gesetz hat aber verschiedene Stufen, die sich an alle Volksschichten wenden.
So entspricht es denn diesem Geheimnis, dass die Leute des Ordens und die Wahrheitssucher, je nachdem, wie
weit sie bereits fortgeschritten waren, sich mehr und mehr nach der Wahrheit der Schari'a sehnten, von ihr fasziniert waren und ihr folgten. Selbst noch die kleinste Gelobte Sitte (sunnet-i seniye)betrachteten sie als ihr höchstes Ziel, bemühten sich, ihr zu folgen und ihr nachzueifern. Denn in welchem Grade auch immer Offenbarung höher ist als Inspiration, genauso ist auch die Praxis des Gesetzes, welche die Frucht der Offenbarung ist, um so viel höher und wichtiger als die Praxis des Ordens als Frucht der Inspiration. Deswegen ist es auch die wichtigste Basis für den Orden, der Gelobten Sitte zu folgen.
Zweite Anmerkung:
Der Weg des Ordens und der Wahrheit sollte nicht über seine Funktion, ein Mittel zu sein, hinausgehen. Wenn sie selbst sich zum Ziel und Zweck steigern, dann bleiben die Gesetze und die Praxis der Schari'a und die Befolgung der Gelobten Sitte eine bloße Formel, während zugleich sich das Herz in eine andere Richtung wendet. Das heißt, man denkt mehr an seinen Kreis für Gottes Gedenken (dhikr),als an das Gebet (namaz).So fühlt man sich mehr zu diesem Gedenken (dhikr)hingezogen als zu den Geboten Gottes, ist mehr damit beschäftigt, eine Übertretung der Regeln des Ordens zu vermeiden, als sich vor einer schweren Sünde (kebair)zu hüten. Dementgegen kann das Gedenken (dhikr)des Ordens nicht ein Äquivalent für das Gebet (namaz)sein, das zu den Pflichten (fard)des Gesetzes gehört. Es kann nicht dessen Platz einnehmen. Die Regeln für das Verhalten (adab-i tariqat)im Orden und die Anrufungen der Mystiker (evrad-i tasavvuf)sollten eine Tröstung sein und ein Mittel zu wahrer innerer Freude innerhalb dieser pflichtgemäßen Handlungen (fard),nicht aber deren Quelle. Das heißt, das Kloster sollte (dem Sufi) die Gelegenheit geben, seine Freude beim Gebet in der Moschee zu empfinden und dabei auch auf die rechte Haltung (tadil-i erkan)im Gebet (namaz)zu achten. Einer, der seine Gebete in der Moschee als eine bloße Formalität herunterhaspelt und dabei glaubt, er könne auf diese Weise die wahre innere Freude und Vollkommenheit
im Kloster finden, entfernt sich (auf diese Weise) von der Wahrheit...
Dritte Anmerkung:
Manchmal wird danach gefragt, ob ein Orden außerhalb der Gelobten Sitte und den Gesetzen der Schari'a möglich sei.
Antwort:
So etwas gibt es und gibt es dennoch nicht. Es gibt so etwas, denn einige vollendete Gottesfreunde wurden durch das Schwert der Schari'a hingerichtet. Und zugleich gibt es das nicht, denn die Forscher unter den Gottesfreunden sind unter dem Gesetz von Sa'd-i Schirasi übereingekommen:
مَحَالَسْتِ سَعْدِى بَرَاهِ صَفَا ٭ ظَفَرْ بُرْدَنْ چُزْ دَرْ پَى مُصْطَفٰى
{"Es ist unmöglich, Sa'di, auf dem Weg der Glückseligkeit siegreich zu sein, außer dem, der Mustafa (= der Auserwählte, gemeint ist Mohammad ASM) folgt."}
Das heißt, für jemanden außerhalb der großen Straße des Ehrenwerten Propheten, mit dem Friede und Segen sei, der ihm nicht nachfolgt, ist es unmöglich, die wahren Lichter der Wahrheit zu erlangen. Das Geheimnis in dieser Angelegenheit ist Folgendes:
Da nun einmal der Ehrenwerte Prophet, mit dem Friede und Segen sei, das Siegel der Propheten und der Ansprechpartner Gottes für das Ganze Menschengeschlecht ist, kann das Menschengeschlecht nicht außerhalb seiner Straße gehen und muss sich daher unter seiner Fahne sammeln. Da aber die Ekstatiker (ehl-i djezbe)und die Gottesnarren für ihre Opposition nicht verantwortlich sein können, und da es nun einmal im Menschen einige subtile Organe (letaif)gibt, die nicht zur Rechenschaft gezogen werden können, und wenn nun diese subtilen Organe die Herrschaft übernehmen, so kann (ein solcher Mensch) nicht dafür verantwortlich gemacht werden, wenn er sich den Vorschriften der Schari'a entgegen stellt. Und da es nun einmal im Menschen solche subtilen Organe gibt, die, so wenig man sie zur Rechenschaft ziehen kann, sie auch nicht (bewusst) durch unseren Willen (ihtiyar)beherrscht
werden, ja noch nicht einmal von unserem Verstand (aqil)kontrolliert werden können, da sie nicht (auf die Stimme) des Herzens und des Verstandes hören, besonders dann nicht, wenn diese subtilen Organe einen Menschen beherrschen, jedoch nur zu dieser besonderen Zeit, so fällt er nicht von seiner Stufe der Gottesfreundschaft herunter, wenn er sich der Schari'a entgegen stellt; und somit ist er denn entschuldigt. Dies jedoch nur unter der Bedingung, dass er die Wahrheiten der Schari'a und die Grundregeln des Glaubens nicht leugnet, nicht kritisiert, nicht verachtet. Auch wenn er nach dem Gesetz lebt, so muss er doch das Gesetz als richtig anerkennen. Würde er jedoch von einem derartigen Zustand überwältigt und würde er dann eine Haltung annehmen, die erkennen lässt - und hier nehme ich meine Zuflucht zu Gott! - diese feststehenden Wahrheiten leugnet und bestreitet (inkar ve tekzib),so wäre dies ein Zeichen seines Absturzes!
Zusammenfassung:
Unter denen, die sich auf einem Sufi-Weg außerhalb des Bereiches der Schari'a befinden, gibt es zwei Gruppen.
Erste Gruppe:
Sowie oben bereits beschrieben wurde, sind (diese Menschen) entweder von ihrer Befindlichkeit (hal),oder von einer Art Rauschzustand, Trunkenheit oder Ekstase (djezbe)überwältigt oder aber sie werden von ihren subtilen Organen (latifeler)beherrscht, welche die Vorschriften des Glaubens nicht beachten oder auf einen willentlichen (Befehl) nicht hören, weshalb sie dann den Bereich der Schari'a verlassen. Was aber dieses Verlassen betrifft, so hat es jedoch nichts damit zu tun, dass sie die Anordnungen der Schari'a nicht mehr mögen oder ihnen nicht mehr (folgen) wollen. Sie verlassen ihn vielmehr gezwungenermaßen und gewissermaßen gegen ihren Willen (ihtiyar).Diese Gruppe sind Leute der Gottesfreundschaft. Ja es gab unter ihnen sogar gelegentlich bedeutende Heilige. Ja es haben sogar Forscher unter den Gottesfreunden bestätigt, dass sich einige unter diesen (Heiligen) nicht nur außerhalb des
Bereiches der Schari'a, sondern sogar außerhalb des Bereiches des Islam befunden haben. Dies jedoch nur unter der Bedingung, dass sie niemals eines der Gesetze bestritten haben, die Mohammed, mit dem Friede und Segen sei, gebracht hatte. Sie haben entweder nicht weiter darüber nachgedacht, oder sie einfach aus den Augen verloren, nichts von ihnen gewusst, oder nicht wissen können. Hätten sie darum gewusst und sie trotzdem nicht angenommen, (so wäre diese Bedingung) nicht erfüllt!...
Was nun aber die zweite Gruppe betrifft:
Diese (Menschen) sind geradezu hingerissen von den glänzenden Freuden des Ordens und der Wahrheiten und, da sie die Freuden der Wahrheiten der Schari'a nicht erreichen können, welche weit über sie erhaben sind, so glauben sie, es handle sich dabei nur um langweilige Formalitäten und zeigen sich ihnen gegenüber gleichgültig. Schritt für Schritt meinen sie, die Schari'a sei nur eine äußere Schale, die Wahrheit, die sie gefunden haben, hingegen die eigentliche Basis und das Ziel. So sagen sie denn: "Ich habe sie gefunden und sie genügt mir." und handeln entsprechend den Anordnungen der Schari'a entgegengesetzt. Diejenigen, die in dieser Gruppe ihre Sinne beieinander haben, sind dafür verantwortlich; sie stürzen ab, ja werden teilweise zu einer Maskerade des Teufels!...
Vierte Anmerkung:
Einige Personen unter den Leuten des Irrwegs und in der Sekte der ketzerischen Erneuerung (bid'a)werden in den Augen der Gemeinde (umma)für akzeptabel gehalten. Genauso gibt es aber auch einige Personen, die sich äußerlich in nichts von ihnen unterscheiden, die aber von der Gemeinde zurückgewiesen werden. Ich habe mich darüber gewundert. So war zum Beispiel in der Schule (mesheb)der Mu'tesila ein gewisser Samahschari, den, obwohl er doch einer der eifrigsten (Mitglieder) in dieser Sekte war, die Erforscher der Wahrheit unter den Leuten der Sunnah dennoch und trotz seiner kritischen Anmerkungen, nicht zum Ungläubigen oder Irrgläubigen erklärten, vielmehr nach einem Ausweg suchten, um ihn zu retten. Wohingegen sie andere
Imame der Mu'tesiliten, wie Abu Ali Cubbai, obwohl er doch in seinem Eifer noch weit unterhalb von Samahschari stand, ablehnten und zurückwiesen. Mich hat dieses Geheimnis eine lange Zeit neugierig gemacht. Dann aber verstand ich durch die Gnade Gottes: Samahscharis Einwände gegen die Leute der Sunnah erwuchsen aus seiner Liebe zur Wahrheit auf seinem Weg, den er für den richtigen hielt. Das also heißt zum Beispiel (in der Lehre von) der Theodizee, dass die Tiere in seinen Augen selbst Schöpfer ihrer eigenen Handlungen sind. Deshalb akzeptierte er in seiner Liebe zu Gott dem Gerechten und Seiner Rechtfertigung, insoweit es um das Thema schöpferischen Handelns geht, nicht den Grundsatz der Leute der Sunnah. Dementgegen wurden die anderen Imame der Mu'tesiliten weniger um ihrer Liebe zur Wahrheit willen abgelehnt, als vielmehr weil ihr viel zu kurzer Verstand die erhabenen Grundsätze der Leute der Sunnah nicht erreichen konnte und sie (auch nicht dazu in der Lage waren), die umfangreichen Gesetze der Leute der Sunnah in ihrer eigenen engen Vorstellung unterzubringen und sie daher abgelehnt haben. In genau der gleichen Weise wie die Mu'tesilah den Leuten der Tradition und der Gemeinschaft (Sunnah ve Djemaat)in theologischer Hinsicht widersprach, ist auch der Widerspruch einiger, die einem Sufi-Weg außerhalb der Gelobten Sitte folgen, von zweierlei Art.
Erstens:
Sie bleiben ähnlich wie Samahschari, hingerissen von ihrem eigenen Seelenzustand (hal)und begeistert für ihre Schule (meshreb)ein wenig gleichgültig gegenüber dem Verhaltenskodex (der Schari'a),weil sie (auf diesem Wege) nicht den gleichen Grad an innerer Zufriedenheit erlangen konnten.
Was die zweite Art betrifft,
so betrachten (diese Leute) den Verhaltenskodex (der Schari'a)im Vergleich zu den (entsprechenden) Regeln des Ordens - Gott bewahre! - als unbedeutend. Denn ihr beschränktes Auffassungsvermögen kann eine solche weitreichende Zufriedenheit
nicht umspannen und sie können auf ihrer niedrigen Stufe (maqam)diese hohe Sittlichkeit (adab)nicht erreichen...
Achte Andeutung:
Beschreibt acht Abgründe.
Erstens:
Ein Teil der Leute, die sich zwar auf dem geistigen Weg befinden, sich jedoch nicht vollkommen an die Gelobten Sitten halten, stürzen so in einen Abgrund, weil sie ihre Gottesfreundschaft dem Prophetentum vorziehen. Im Vierundzwanzigsten und Einunddreißigsten Wort wurde bereits bewiesen, wie erhaben das Prophetentum ist, und wie geradezu öde demgegenüber eine Gottesfreundschaft.
Zweitens:
Ein Teil der Leute des Ordens ziehen einen Exzentriker als Gottesfreund (mufrit auliya)einem Sahabi vor, ja betrachten ihn sogar als einem Propheten gleichwertig und stürzen so in einen Abgrund. Im Zwölften und Siebenundzwanzigsten Wort und im Anhang dazu, über die Sahabis, wurde bereits mit Sicherheit bewiesen: die Sahabis unterhielten miteinander eine so besondere Gemeinschaft (sohbet),dass sie nicht durch eine Gottesfreundschaft erreicht werden kann. Die Sahabis können also niemals übertroffen werden und die Gottesfreunde niemals einem Propheten gleichkommen!
Drittens:
Ein Teil derer, die geradezu übereifrig (ifrat)ihrem Orden anhängen, opponieren den Gelobten Sitten und geben diese auf, weil sie die Sitten, die Lebensweise und die Rezitationen ihres Ordens (evrad-i tariqat)vorziehen. Auf diese Weise werden sie in der Befolgung des Verhaltenskodex (der Schari'a)nachlässig und fallen so in den Abgrund.
Wie bereits in vielen Worten (Sözler)bewiesen, sagten schon manche führende Gelehrte der Ordensleute, wie Imam Ghasali und Imam Rabbani: "Der Grad der Annahme (bei Gott), der durch die Befolgung einer einzigen der Gelobten Sitten erlangt wird, kann auch durch die Beobachtung von hundert guten Gewohnheiten und persönlichen Übungen nicht erreicht werden! Und so wie auch
nur eine einzige Pflichtübung (fard)tausend freiwilligen Übungen (Sunnah)überlegen ist, so ist auch eine einzige der Gelobten Sitten (Sunnet-i seniye)tausend guten Gewohnheiten der Mystiker (adab-i tasavvuf)überlegen!"
Viertens:
Einige Extremisten (Mufrit)unter den Leuten der Sufis glauben Inspiration (ilham)sei das gleiche wie eine Offenbarung (vahy)und die Inspiration von der gleichen Art wie eine Offenbarung und fallen so in den Abgrund. Es wurde aber bereits im Zwölften Wort und im Fünfundzwanzigsten Wort über die Wunderhaftigkeit des Qur'an mit unwiderlegbarer Sicherheit bewiesen, wie erhaben, allumfassend und heilig eine Offenbarung, und wie unbedeutend und öde dahingegen eine Eingebung ist.
Fünftens:
Ein Teil der Sufis, die das Geheimnis des Ordensweges nicht verstehen, finden ihre Freude, Licht (nur)und (Gottes wunderbare) Gnade (keramat),die ihnen ungebeten geschenkt wurden so schön und sind davon so hingerissen, wenn sie die Schwachen stärken, die Gleichgültigen ermuntern und so allen Überdruss und alle Mühsal erleichtern, die aus dem strengen Dienstreglement erwachsen, dass sie der Anbetung, dem Dienst und den Rezitationen den Vorzug geben und so in den Abgrund stürzen. Es wurde schon im Dritten Punkt der Sechsten Andeutung dieses Kapitels kurz und bündig erklärt und in andern Worten (Sözler)unwiderlegbar bewiesen: Das Haus, das diese Welt ist, ist ein Haus des Dienstes und nicht das Haus der Entlohnung! Für die, welche ihre Entlohnung schon hier erwarten, wobei sie die ewig bleibenden, immerwährenden Früchte in ihre vergängliche, nur vorübergehende Form verwandeln, ist ihr Bleiben in dieser Welt recht angenehm. Sie schauen nicht sehnsüchtig nach dem Zwischenreich (Berzah)aus. In gewisser Weise lieben sie dieses irdische Leben, denn sie finden in ihm eine gewisse Art des jenseitigen (Lebens).
Sechstens:
Unter einem Teil der Leute des geistigen Weges, die keine Leute der Wahrheit sind, gibt es einige,
die das Dämmerlicht, die Schatten und die bruchstückhaften Beispiele für einige Stufen (maqam)der Heiligkeit mit den ursprünglichen, allumfassenden Stufen verwechseln und so in den Abgrund stürzen. Bereits im Zweiten Ast des Vierundzwanzigsten Wortes und auch in anderen Worten (Sözler)wurde unwiderlegbar bewiesen: Sowie die Sonne sich mit Hilfe einiger Spiegel vervielfältigen lässt, die nun Tausende von Abbildern haben, so werden diese nun der Sonne gleich zu Eigentümern von Licht und Wärme. Doch diese abgebildeten Sonnen sind im Vergleich zu der wahren Sonne nur sehr schwach. In gleicher Weise haben die Stufen der Propheten und die Stufen der großen Gottesfreunde ihre dunklen und ihre zwielichtigen Seiten. Die Leute auf ihrer spirituellen Reise treten in diese ein und sehen sich selbst als noch gewaltiger als diese gewaltigen Heiligen, ja glauben, inzwischen schon weiter fortgeschritten zu sein als die Propheten und fallen so in einen Abgrund. Um jedoch zu vermeiden, an all diesen oben angeführten Abgründen zu Schaden zu kommen, muss man die Grundsätze des Glaubens (usul-u imaniye)und die Fundamente der Schari'a stets zur Richtschnur und Basis wählen und sich immer das, was bezeugt wurde und seine Freuden als dem entgegengesetzt vorstellen.
Siebentens:
Einige Leute der meditativen Wahrnehmung und der Ekstase (ehl-i zevk ve shauk)ziehen auf ihrer geistigen Reise Stolz (fakhr),Hochnäsigkeit, übertriebene Ansprüche, die Zuneigung der Menschen und (den Wunsch, ihr) Mittelpunkt zu sein, der Dankbarkeit, dem inständigen Flehen und inbrünstigen Bitten und der bescheidenen Zurückhaltung vor den Menschen vor und stürzen so in den Abgrund. Wohingegen der höchste Grad doch der des Mohammedanischen Dienstes und seiner Anbetung ist, den man (den Grad) des Geliebten Gottes (Mahbubiyet)nennt. Was aber diesen Dienst, diese Anbetung betrifft, so ist ihre tiefste, geheime Absicht, die Manifestation der Vollendung dieser Wahrheit durch inständiges Bitten, Dankbarkeit, inbrünstiges Flehen, Ehrfurcht, Schwäche,
Armseligkeit und eine bescheidene Zurückhaltung vor den Menschen zu erlangen. Einige der großen Gottesfreunde sind unabsichtlich und wenn auch nur vorübergehend stolz (fakhr),hochnäsig und übertrieben in ihren Ansprüchen geworden. Aber in diesem Punkt darf man ihnen nicht in voller Absicht folgen. Sie sind rechtgeleitet, doch selbst keine Führer; und so darf man ihnen nicht nachfolgen!
Der achte Abgrund:
Einige unter denen, die auf ihrer spirituellen Reise sind, selbstsüchtig und voreilig, wollen die Früchte der Gottesfreundschaft, die sie doch erst im Jenseits pflücken sollten, schon in dieser Welt genießen und fallen so in einen Abgrund, indem sie (nach diesen Früchten schon) während ihrer spirituellen Reise suchen. Doch:
وَمَا الْحَيٰوةُ الدُّنْيَآ اِلاَّ مَتَاعُ الْغُرُورِ
{"Doch das Leben in dieser Welt gleicht einer berauschenden Leihgabe." (Sure 3, 185)}
Durch dergleichen Ayat, und wie bereits in vielen Worten (Sözler)zuverlässig bewiesen wurde, ist eine einzige Frucht aus der beständigen Welt tausend Gärten dieser vergänglichen Welt vorzuziehen. Aus diesem Grund sollten solche gesegneten Früchte nicht schon hier verzehrt werden. Werden sie hier unverlangt zu essen angeboten, sollte man dafür danken und sie als eine göttliche Gnadengabe (ihsan-i Ilahi)betrachten, nicht als eine Belohnung, sondern als eine Ermunterung.
Neunte Andeutung:
Wir wollen hier kurz neun der so zahlreichen Früchte und Vorzüge auf dem Ordensweg beschreiben.
Die erste ist die Entfaltung und das Aufscheinen der Glaubenswahrheiten auf dem Ordensweg, welcher der gerade Weg (istikamet)
ist, und welche der Schlüssel, die Quelle und der Brunnen der unerschöpflichen Schätze in der Ewigen Glückseligkeit sind. Es ist eine Erscheinung mit dem Grad augenscheinlicher Gewissheit (ayne l-yaqien).
Die zweite Frucht:
Es geschieht auf dem Ordensweg, der ein Mittel ist, das Herz in Betrieb zu setzen, das Schwungrad in der menschlichen Maschine, welcher der Anlasser des Herzens ist, um alle übrigen subtilen Organe (letaif-i insaniye)in Bewegung zu bringen, um sie dazu anzutreiben, den Zweck ihrer Erschaffung zu erfüllen: (die Vollendung) wahrer Menschlichkeit.
Die dritte Frucht:
Auf der Reise ins Zwischenreich (Berzah)und das Jenseits bedeutet dies, sich einem Orden in der Kette (silsilah)einer seiner Ketten anzuschließen und ein Gefährte in solch einer erleuchteten Karawane auf dem Weg in die Ewigkeit zu sein und so erlöst zu werden von der furchtbaren Einsamkeit und so eine Vertrautheit mit ihr in dieser Welt und im Zwischenreich zu finden und sich auf ihren Konsens zu verlassen und ihre Übereinstimmung angesichts der Angriffe von Furcht und Zweifel und jeden ihrer Meister als einen mächtigen (lebenden) Beweis und als ein mächtiges Zeugnis zu betrachten und durch sie alle Zweifel und irrigen Vorstellungen zurückzuweisen.
Die vierte Frucht
besteht darin, im Glauben das Wissen um Gott (marifetullah)und das Wissen um Gott in der Freude über die Liebe Gottes (muhabbetullah)mit Hilfe eines lauteren Ordensweges zu verstehen, um dann in diesem Verständnis von der absoluten Isolation in dieser Welt und von diesem absoluten Exil des Menschen in diesem Universum errettet zu werden. Wir haben bereits in vielen Worten (Sözler)bewiesen, dass die Glückseligkeit beider Welten, eine Freude ohne jeden Schmerz, eine Vertrautheit ohne jede Verlassenheit, wahre Freude und echtes Glück in der Wahrheit des Glaubens und des Islam gefunden werden. Wie bereits im Zweiten Wort erklärt wurde, birgt der Glaube den Samenkern des paradiesischen Tubabaumes.
So wächst und gedeiht denn dieses Samenkorn unter der Einhaltung der Regeln des Ordensweges.
Die fünfte Frucht ist
die subtilen Wahrheiten zu empfangen,
die sich auf dem Weg des Ordens und dem Gedenken Gottes (dhikr)aus der Einhaltung der Gebote der Schari'a ergeben und sie zu schätzen wissen... Dann wird er nicht unter Zwang gehorchen, sondern seinen Dienst und die Anbetung in Sehnsucht verrichten.
Die sechste Frucht ist:
Die Stufe (maqam)des Gottvertrauens (tevvekul),den Rang der Hingabe (teslim)und den Grad göttlichen Wohlgefallens (riza)zu erlangen, welche die wahren Mittel und Werkzeuge wahrhaftiger Freude, aufrichtiger Tröstung und einer inneren Heiterkeit ohne jeden Kummer und eine Vertrautheit ohne jede Verlassenheit ist.
Die siebente Frucht ist:
die wichtigste Bedingung, um in Aufrichtigkeit (ikhlas)auf dem Ordensweg zu fahren, und zugleich auch sein bedeutendstes Ergebnis, um aus den Niederungen (der Seele) wie einer versteckten Abgötterei, Scheinheiligkeit (riya)und allem unechten (Gehabe) befreit zu werden. Und es ist zugleich auch die Errettung durch eine Reinigung der Seele (nefs)von den Gefahren dieser eigenwilligen Seele (nefs-i emmare)und den Gefahren des Egoismus (enaniyet),was einer chirurgischen Operation auf dem Ordensweg gleichkommt.
Die achte Frucht ist:
durch Gottes Gedenken in seinem Herzen (dhikr-i qalbi)und kontemplative Versenkung (tefekkur-u aqli)auf dem Ordensweg Gottes Wohlwollen, seine göttliche Gegenwart (huzur)und eine feste Absicht (niyet)zu gewinnen und so seine Gewohnheiten in Dienst und Anbetung zu verwandeln, zugleich aus seinen irdischen Handlungen Wohltaten für das Jenseits zu machen, auf diese Weise das Kapital seines Lebens aufs Schönste anzulegen und so jede Minute der Spanne seines Lebens in Samenkörner umzuwandeln, welche die Ähren des Ewigen Lebens tragen werden.
Die neunte Frucht ist:
der Einsatz, um durch diese spirituelle Reise seines Herzens, unter dem Einsatz seines Geistes (ruh)und seine innere Reifung ein Vollkommener Mensch (insanu-l'kamil)zu werden, nämlich ein wahrer
Gläubiger und ein ganzer Muslim, das heißt, nicht nur einen oberflächlichen Glauben, sondern einen echten Glauben (haqiqat-i iman)und wahren Islam (haqiqat-i islam)zu gewinnen, das heißt, in diesem Weltall und gewissermaßen als der Repräsentant in diesem Weltall unmittelbar der Diener und Anbeter des Schöpfers in Seiner Majestät (Khaliq-i Dhu l-Djelal)und Sein Ansprechpartner zu werden, Sein Freund zu werden, Sein Gefährte (khalil)zu werden, seine Abspiegelung zu sein und sich als das beste aller Geschöpfe (ahesen-i taqwiem)zu erweisen und auf diese Weise den Grund für die Bevorzugung der Söhne Adams vor den Engeln zu beweisen. So wird er sich auf den Flügeln der Schari'a, d.h. dem Glauben und den guten Werken zu den hohen Stufen (maqam)emporschwingen und noch in dieser Welt die Ewige Glückseligkeit schauen, ja sogar in diese Glückseligkeit eingehen...
سُبْحَانَكَ لاَعِلْمَ لَنَآ اِلاَّ مَاعَلَّمْتَنَآ اِنَّكَ اَنْتَ الْعَلِيمُ الْحَكِيمُ ٭ اَللّٰهُمَّ صَلِّ وَسَلِّمْ عَلَى الْغَوْثِ الْاَكْبَرِ فِى كُلِّ الْعُصُورِ وَالْقُطْبِ الْاَعْظَمِ فِى كُلِّ الدُّهُورِ سَيِّدِنَا مُحَمَّدٍ. اَلَّذِى تَظَاهَرَتْ حِشْمَةُ وَلاَيَتِهِ وَمَقَامُ مَحْبُوبِيَّتِهِ فِى مِعْرَاجِهِ وَاِنْدَرَجَ كُلُّ الْوَلاَيَاتِ فِى ظِلِّ مِعْرَاجِهِ وَعَلٰٓى اٰلِهِ وَصَحْبِهِ اَجْمَعِينَ ٭ اٰمِينَ ٭ وَ الْحَمْدُ لِلّٰهِ رَبِّ الْعَالَمِينَ
{"Gepriesen seist Du! Wir haben kein Wissen außer dem, das Du uns gelehrt hast. Du bist der Allwissende und der Allweise." (Sure 2, 32) "Oh Gott gib Deinen Frieden und Segen unserem Herrn Mohammed, dem größten Retter über allen Äonen, dem mächtigsten Pol durch alle Zeitalter hin, unseren Herrn Mohammed, dessen majestätischer Glanz seiner Gottesfreundschaft und Rang als Geliebter Gottes bei seiner Himmelfahrt sichtbar wurde, in dessen Schatten seiner Himmelfahrt sich alle Ordenswege wiederfinden, ihn und seine Familie und alle seine Gefährten insgesamt." "Und aller Lobpreis und Dank gebührt Gott, dem Herrn aller Welten."}
Anhang
بِسْمِ اللّٰهِ الرَّحْمٰنِ الرَّحِيمِ
{"Im Namen Gottes, des Erbarmers, des Barmherzigen."}
Dieser kleine Anhang ist von großer Bedeutung. Jeder kann daraus seinen Nutzen ziehen.
Es gibt viele Wege, die zu Gott dem Gerechten führen. Alle wahrhaftigen Wege sind aus dem Qur'an entnommen. Aber manche dieser Wege sind kürzer als andere, noch sicherer, noch umfassender. Hier handelt es sich um den Weg "Schwäche (adjz),Armseligkeit (fakr),selbstlose Liebe (shefqat)und Nachdenken (tefekkur)",den ich neben anderen durch meinen Verstand (fehm)in meiner Wenigkeit aus dem Qur'an herausgefunden habe. Ja, die Schwäche (adjz)ist auch ein Weg wie die Liebe (ashk),ja sogar ist sie noch sicherer: Dank des Weges des Gottesdienstes führt sie hin, bis man Geliebter Gottes wird. Die Armseligkeit (fakr)führt auch zu dem Namen Gottes "der Erbarmer (Rahman)".Ferner ist die selbstlose Liebe (shefqat)ein Weg wie die Liebe (ashk),ja sogar noch schärfer und noch umfassender. Er führt zu dem Namen Gottes "der Barmherzige (Rahim)".Ferner ist das Nachdenken (tefekkur)auch ein Weg wie die Liebe (ashk),ja sogar noch reicher, noch glänzender und noch umfassender. Er führt zu dem Namen Gottes "der Weise (Hakiem)".Dieser Weg besteht nicht aus zehn Schritten, die man auf dem esoterischen Weg als "Zehn Feinheiten" nennt, oder nicht Schritte auf sieben Stufen, die man auf dem exoterischen Weg als "Sieben Seelen" bezeichnet, sondern vielmehr besteht er aus "vier Schritten". Er ist mehr als Mystik (tariqat),er ist die Erkenntnis der Wahrheit. Er ist die Schari'a, der Weg der Gebote Gottes. Man soll nicht falsch verstehen: Das heißt, dass man seine Schwäche, Armseligkeit und Fehler
Gott dem Gerechten gegenüber erkennt. Das heißt nicht, dass man sie vorführt oder den Leuten zur Schau stellt. Die Gebete (evrad)dieses kurzen Weges sind: Dem Vorbild des Propheten (sünnet)folgen, die Pflichtgebote (fard)einhalten, die großen Sünden (kebair)verlassen und besonders die Pflichtgebete vorschriftgetreu (tadil-i erkan)verrichten und an deren Ende die besonderen Rezitationen (tesbihat)vollziehen.
Auf den ersten Schritt weist die Ayah فَلاَ تُزَكُّوٓا اَنْفُسَكُمْ {"Erklärt euch nicht selbst für rein!" (Sure 53, 32)}
hin. Auf den zweiten Schritt weist die Ayah وَلاَ تَكُونُوا كَالَّذِينَ نَسُوا اللّٰهَ فَاَنْسٰيهُمْ اَنْفُسَهُمْ {"Und seid nicht wie diejenigen, die Gott vergessen haben, worauf Er sie sich selber vergessen ließ." (Sure 59, 19)} hin. Auf den dritten Schritt weist die Ayah: مَآ اَصَابَكَ مِنْ حَسَنَةٍ فَمِنَ اللّٰهِ وَمَآ اَصَابَكَ مِنْ سَيِّئَةٍ فَمِنْ نَفْسِكَ {"Was dich an Gutem trifft, kommt von Gott, was dich an Schlimmen trifft, von dir selbst." (Sure 4, 79)} hin. Auf den vierten Schritt weist die Ayah كُلُّ شَىْءٍ هَاِلكٌ اِلاَّ وَجْهَهُ {"Alles ist dem Untergang geweiht, nur Er (wörtlich: Sein Antlitz) nicht." (Sure 28, 88)} hin. Eine kurze Erläuterung zu diesen vier Schritten ist folgend:
Erster Schritt:
Man soll sich nicht für geläutert halten, wie die Ayah
فَلاَ تُزَكُّوٓا اَنْفُسَكُمْ
{"Erklärt euch nicht selbst für rein!" (Sure 53, 32)}
hinweist. Denn der Mensch liebt von seinem Wesen und seiner Veranlagung her sich selbst. Ja vielmehr liebt er an erster Stelle und direkt sein Wesen. Er opfert alles andere seinem Selbst. Er lobt sich selbst auf einer Art, wie es dem Angebeteten gebührt. Er erklärt sich selbst von schändlichen Handlungen frei und spricht sich frei, wie dies dem Angebeteten zukommt. Soweit wie möglich hält er sich nicht als geeignet für Fehler und er nimmt sie nicht an. Er verteidigt sich heftig in der Art einer Selbstverehrung. Sogar verwendet er die Anlagen und Fähigkeiten, die seinem Wesen anvertraut sind und ihm dazu verliehen wurden, um den wahren Angebeteten (Mabud-u Haqiqi)zu loben und zu preisen (hamd ve tesbih),für sich selbst. So erfährt er das Geheimnis von
مَنِ اتَّخَذَ اِلٰهَهُ هَوٰيهُ
{"Einem, der seine persönliche Neigung sich zu seinem Gott gemacht hat." (Sure 25, 43)}
Er sieht sich selbst, er vertraut auf sich selbst, er gefällt sich selbst. So ist auf dieser Stufe und in diesem Schritt die Läuterung und Reinigung der Seele, dass man sich nicht für geläutert und gereinigt hält.
Zweiter Schritt:
Wie die Ayah
وَلاَ تَكُونُوا كَالَّذِينَ نَسُوا اللّٰهَ فَاَنْسٰيهُمْ اَنْفُسَهُمْ
{"Und seid nicht wie diejenigen, die Gott vergessen haben, worauf Er sie sich selber vergessen ließ." (Sure 59, 19)}
diesen Unterricht erteilt: Er hat sich selbst vergessen, er hat keine Ahnung von sich selbst. Denkt er an den Tod, so gibt er ihn den anderen. Sieht er das Vergehen und den Untergang, so will er sie nicht auf sich beziehen. Wo es um Mühe und Dienst (hizmet)geht, so vergisst er sich, aber wo es um die Belohnung und um die Freude geht, denkt er an sich selbst und bezieht es sehr stark auf sich. Das ist charakteristisch für eine eigenwillige Seele (nefs-i emmare).An dieser
Stelle wird sie geläutert, gereinigt und wohlerzogen (terbiye)durch das Gegenteil dieser Haltung. Das heißt, wo die Seele sich vergessen will, soll man sie nicht vergessen. Das heißt, man soll sich vergessen, wo es um Freude und Wünsche geht, und an sich denken, wenn es sich um Tod und Dienst (maut ve hizmet)handelt.
Dritter Schritt:
Wie die Ayah
مَآ اَصَابَكَ مِنْ حَسَنَةٍ فَمِنَ اللّٰهِ وَمَآ اَصَابَكَ مِنْ سَيِّئَةٍ فَمِنْ نَفْسِكَ
{"Was dich an Gutem trifft, kommt von Gott, was dich an Schlimmen trifft, von dir selber." (Sure 4, 79)}
diesen Unterricht erteilt: Die Besonderheit der Seele ist es, das Gute sich selbst zu vermachen und darauf stolz und hochmütig (fakhr ve udjbe)zu sein. In diesem Schritt soll man bei seiner Seele nur Fehler, Mängel, Schwäche und Armseligkeit erkennen und verstehen, dass alle Schönheiten und Vollkommenheiten Geschenke (ihsan)sind, die von dem majestätischen Schöpfer (Fatir-i Dhu l-Djelal)gegeben wurden. Man soll an der Stelle von Stolz (fakhr)Gott danken (shukur)und an der Stelle von Selbstruhm Gott loben (hamd).Auf dieser Stufe ist ihre Läuterung nach dem Geheimnis قَدْ اَفْلَحَ مَنْ زَكّٰيهَا {"Wohl ergeht es dem, der sie von sich aus rein hält." (Sure 91, 9)} Folgendes: Man soll seine Vollkommenheit in seiner Unvollkommenheit, seine Macht in seiner Schwäche, und sein Reichtum in seiner Armseligkeit wissen.
Vierter Schritt:
Wie die Ayah كُلُّ شَىْءٍ هَاِلكٌ اِلاَّ وَجْهَهُ {"Alles ist dem Untergang geweiht, nur Er (wörtlich: Sein Antlitz) nicht." (Sure 28, 88)} diesen Unterricht erteilt: Die Seele hält sich für frei und selbständig und unabhängig existent. Daher beansprucht
sie eine Art Herrschaft (rububiyet).Sie ist ihrem Angebeteten (Mabud)gegenüber feindselig (adavet)und aufständisch (isyan)gesinnt. Sie kann sich so davor retten, indem sie diese folgende Wahrheit begreift. Die Wahrheit ist folgendermaßen: Jedes Ding ist in seinem Wesen, wenn man es aus sich selbst heraus sinnvoll betrachtet, vergänglich, nicht vorhanden, eine Eingebung und nicht existent. Aber wenn man es wie ein Verhältniswort in der Grammatik betrachtet und dass es als ein Spiegel für die Namen des majestätischen Schöpfers (Sani-i Dhu l-Djelal)dient und beauftragt ist, so ist es ein Zeuge, ein Bezeugter, es hat einen Körper und es existiert. An dieser Stelle ist ihre Läuterung und Reinigung folgendermaßen: In ihrer Anwesenheit (vudjud)ist sie abwesend (adem)und in ihrer Abwesenheit (adem)ist die anwesend (vudjud).Das heißt: Wenn sie sich für etwas hält und denkt, sie würde selbständig existieren, so sitzt sie in einer dermaßen großen Finsternis der Abwesenheit im Umfang des ganzen Kosmos. Das heißt, wenn sie auf ihre persönliche Existenz vertraut und Denjenigen, der sie in Wahrheit ins Dasein brachte, vergisst, so liegt sie wie ein Leuchtkäfer mit einem persönlichen Licht im Körper in grenzenloser Finsternis der Abwesenheit und der Trennungen. So ertrinkt sie. Wenn sie aber den Egoismus verlässt und einsieht, dass sie persönlich nichts ist und nur ein Spiegelbild dessen, der alles in Wahrheit erschafft, da gewinnt sie die ganze Schöpfung und einen grenzenlosen Körper.
Denn derjenige, der den Herrn, den Notwendigseienden findet, dessen Namen in allen Schöpfungen in Erscheinung treten, findet alles.
Schlusswort
Die Erklärung dieser vier Schritte von dem Weg "der Erkenntnis der eigenen Schwäche (adjz),Armseligkeit (fakr),selbstlosen Liebe (shefqat)und des Nachdenkens (tefekkur)"findet sich in den Sechsundzwanzig Worten, die für das Erkennen der Wahrheit, für die Wahrheit der Schari'a, des Weges der
Gesetzgebung, und über die Weisheit des Qur'an verfasst wurden. Hier wollen wir auf ein, zwei Punkte nur kurz hinweisen. Es ist dies wie folgt:
In der Tat ist dieser Weg noch kürzer. Denn er besteht aus vier Schritten. Wenn die Schwäche (adjz)die Hand der Begierde von der Seele wegnimmt, schreibt die Seele alles unmittelbar auf Gott den Allmächtigen, den Majestätischen (Qadir-i Dhu l-Djelal)zu. Stattdessen lässt die Liebe (ashk),die als wirksamer Weg betrachtet wird, die Hand der Begierde von der Seele wegziehen, so hält sich die Seele dennoch an einer irdischen Geliebten (mashuk-u medjazi)fest. Nachdem sie ihren Untergang erfahren hat, richtet sie sich nach dem wahren Geliebten (Mahbub-u Haqiqi).Ferner ist dieser Weg noch sicherer. Denn auf diesem Weg kann die Seele nicht in einen geistigen Rausch verfallen und keine überheblichen Ansprüche erheben. Denn man sieht in der eigenen Seele nichts anderes als Schwäche, Armseligkeit und Fehler, sodass man überheblich werden könnte. Ferner ist dieser Weg noch umfassender und eine große Straße (djadd-i kubra).Denn, auf diesem Weg wird nicht gedacht, dass die Welt zum Nichtsein verurteilt ist, wie die Leute "der Einheitslehre des Seins (ehl-i vahdet-ul vudjud)"tun, um ständig mit der Gegenwart Gottes zu leben, und muss nicht urteilen: "La maudjuda illa hu (Es gibt nichts Existentes außer Ihm.)" Oder man muss sich nicht wie die Leute der "Einheitslehre der Bezeugten (ehl-i vahdet-us shuhud)"vorstellen, dass die Welt in die Haft der absoluten Vergessenheit verurteilt ist, und sagen "La mashhuda illa hu (Es gibt nichts Bezeugtes außer Ihm.)", um ständig mit der Gegenwart Gottes leben zu können. Vielmehr, da der Qur'an der Welt ganz eindeutig ihr Nichtsein und ihre Haft erlässt, richtet sich unser Weg auch dementsprechend. Er entbindet alle Existenzen vom Dienst auf eigene Rechnung und stellt sie auf die Rechnung des majestätischen Schöpfers (Fatir-i Dhu l-Djelal)in Dienst. Dieser Weg setzt die Existenzen ein, im Auftrag als Erscheinungsort und Spiegel für die Schönen Namen Gottes zu dienen, und er betrachtet sie wie ein Verhältniswort zu seinem Substantiv, dem Schöpfer. Auf diesem
Weg kann man sich vor der absoluten Gottvergessenheit retten, in die ständige Gegenwart Gottes eintreten und in jedem Ding einen Weg zu Gott dem Gerechten finden.
Zusammenfassung:
Hier handelt es sich darum, die Dinge vom Dienst auf die eigene Rechnung zu entbinden und sie nicht von sich aus als sinnvoll zu betrachten.
Dreißigster Brief
Gedruckt in Arabisch, "Hinweise auf die Wunderhaftigkeit des Qur'an, Ein Kommentar (Isharatul Idjaz)"
Einunddreißigster Brief
Einunddreißig Blitze (Lem'a)
Zweiunddreißigster Brief
Eine Abhandlung, gedruckte "Schlaglichter (Lemaat)", die sich aus sich selbst heraus in Gedichten geformt haben.
Gleichzeitig auch "Zweiunddreißigster Blitz", der am Ende der "Worte" angeführt und herausgegeben wurde.
Dreiundreißigster Brief
Abhandlung in Dreiunddreißig Fenstern
Fenster, die sich zur Erkenntnis Gottes öffnen.
Gleichzeitig "Dreiundreißigstes Wort", herausgegeben in der Sammlung der "Worte", an dieser Stelle nicht mit eingefügt.
Buchgebet
بِسْمِ اللّٰهِ الرَّحْمٰنِ الرَّحِيمِ
يَا اَللّٰهُ ٭ يَا رَحْمٰنُ ٭ يَا رَحِيمُ ٭ يَا فَرْدُ ٭ يَا حَىُّ ٭ يَا قَيُّومُ ٭ يَا حَكَمُ ٭ يَا عَدْلُ ٭ يَا قُدُّوسُ
{"Im Namen Gottes, des Barmherzigen, des Allerbarmers." "Oh Gott! Oh Barmherziger! Oh Allerbarmer! Oh Einzigartiger! Oh Lebendiger! Oh Unwandelbarer! Oh Gerechter! Oh Heiliger!"}
Um Deines Gewaltigen Namens willen und um der Ehre des Qur'an, der in seiner Verkündigung ein Wunder ist, und um der Würde Deines ehrenwerten Gesandten willen, mit dem Friede und Segen sei, geleite diejenigen, welche dieses Buch gedruckt haben, ihre gesegneten Helfer und die Schüler der Risale-i Nur zur Ewigen Glückseligkeit in den Gärten des Paradieses. Amin. Verleihe ihnen immerwährenden Erfolg im Dienste am Glauben und am Qur'an. Amin. Und schreibe ihnen für jeden Buchstaben dieses Buches tausendmal Gutes in das Buch ihrer Guten Taten. Amin. Und gewähre ihnen Ausdauer, Stetigkeit und Aufrichtigkeit in der Verbreitung der "Licht"-Abhandlungen. Amin.
Oh Barmherziger Allerbarmer!... Schenke allen Schülern der Risale-i Nur Glück und Zufriedenheit in Beiden Welten. Amin. Beschütze sie vor der Bosheit des Teufels in Dschinnen- und Menschengestalt. Amin. Und verzeihe diesem schwachen und hilflosen Said seine Fehler. Amin...