Aus dem Risale-Nur Gesamtwerk
Briefe
Kommentare zum Qur'an
von
Bediüzzaman Said Nursi
Said Nursi (1877-1960)
...erhielt vom Scheichu-l'Islam den Ehrentitel Bediüzzaman (sprich: Bedius-Saman), welcher besagt, dass er zu seiner Zeit seinesgleichen nicht hatte. ...Zeigte schon als Knabe erstaunliches, wissenschaftliches Interesse und lernte viele Bücher auswendig. Versuchte dem Niedergang der Türkei durch Besinnung auf die Werte des Islam entgegen zu wirken. ...Schrieb 130 Abhandlungen über den Qur'an, welche in viele Sprachen übersetzt wurde. ...Lehrte entsprechend dem islamischen Glauben, dass die Schöpfung selbst stets aufs Beste über ihren Schöpfer unterrichtet und somit sogar moderne Wissenschaften Kunde geben von Gott.
Titel der Originalausgabe:Mektubat
Herausgeber:VFJH e.V.
Druck:Ebner Spiegel, Ulm
Übersetzt von:Davut Korkmaz
Lichtstraße 6 - 50825 Köln
http://www.lichtstr.de
Mitarbeiter:R. Wagner, U. Grünberg
(c) Alle Rechte vorbehalten Urheberrechtlich geschützt
Regeln für die Schreibweise und Aussprache für die in diesem Buch verwendeten Fremdwörter:
Dhentspricht der engl. Aussprache in "there"
Ghentspricht dem deutschen "r"
Khentspricht dem "ch" in "Acht"
Shdeutsches "sch"
Thentspricht der engl. Aussprache in "thing"
Djentspricht der Aussprache des "dsch"
Tjentspricht der Aussprache des "tsch"
Qhauchloses "k"
Rwird grundsätzlich gerollt
Swird scharf ausgesprochen wie "ß"
Hwird grundsätzlich ausgesprochen
Vwird "w" ausgesprochen
Ywie in deutsch "Ja"
Zwie deutsches "s" am Silbenanfang
Doppelkonsonanten werden separat ausgesprochen. Die Verse im Qur'an (Einzahl: Ayah, Mehrzahl: Ayat) wurden nur in arabischer Schrift mit nachfolgender deutscher Übersetzung angeführt.
بِسْمِ اللّٰهِ الرَّحْمٰنِ الرَّحِيمِ ٭ وَبِهِ نَسْتَعِينُ
{"Im Namen Allahs, des Erbarmers, des Barmherzigen." "Und mit Seiner Hilfe."}
Erster Brief
بِاسْمِهِ سُبْحَانَهُ ٭ وَاِنْ مِنْ شَىْءٍ اِلاَّ يُسَبِّحُ بِحَمْدِهِ
{"Im Namen dessen, der gepriesen sei. Und es gibt kein Ding, das nicht lobend Ihn preist." (Sure 17, 44)}
Eine kurze Antwort auf vier Fragen
Erste Frage:
Lebt Hasret Chider, mit dem der Friede sei? Und wenn er lebt, warum stimmen dann einige bedeutende Gelehrte darin nicht überein, dass er lebt?
Antwort:
Er lebt zwar, doch gibt es fünf Lebensbereiche. Er ist im zweiten Bereich. Aus diesem Grund haben einige Gelehrte daran gezweifelt, dass er lebt.
Erster Lebensbereich:
Dies ist derjenige unseres Lebens, in dem man abhängig ist von vielerlei Umständen.
Zweiter Lebensbereich:
Dies ist derjenige, in dem Hasret Chider und Iljas leben, mit denen der Friede sei, und in dem sie bis zu einem gewissen Grade frei sind,
denn sie können an vielen Orten gleichzeitig anwesend sein. Sie sind nicht wie wir ständig von menschlichen Lebensumständen abhängig. Sie können manchmal essen und trinken wie wir, wenn sie das möchten, doch anders als wir, müssen sie das nicht. Erlebnisse der Heiligen in ihren geistigen Entdeckungen (shuhud)und Schauungen (Keshif)mit Chider, mit dem der Friede sei, und der Grad ihrer allgemeinen Bekanntheit, erleuchten und beweisen diesen Lebensbereich. Es gibt sogar eine Stufe (maqam)der Heiligkeit, die als "Chiders maqam" bezeichnet wird. Ein Heiliger, der diesen Maqam erlangt hat, empfängt von Chider Unterricht und trifft sich deshalb mit Chider. Jedoch werden manche, die sich auf dieser Stufe befinden, fälschlicher Weise für Chider gehalten.
Dritter Lebensbereich:
Dies ist der Bereich, in dem Hasret Idris und Isa leben, mit denen der Friede sei. Sie sind, frei von menschlichen Lebensbedingungen, in ein engelgleiches Leben eingegangen und haben einen Körper von der Feinheit des Lichtes erlangt. Sie befinden sich im Himmel mit einer Art irdischem Körper, in seiner Feinheit vergleichbar dem Körper in unseren Träumen und in seiner Leuchtkraft dem des Astralkörpers. In der Endzeit wird Hasret Isa, mit dem der Friede sei, wiederkommen, nach dem islamischen Gesetz leben, wie dies ein Hadith sagt, dessen Sinn der folgende ist:
In der Endzeit wird sich die christliche Religion reinigen, sich gegen den Materialismus und Naturalismus, der die Verleugnung Gottes und die atheistischen Strömungen hervorgebracht hat, zur Wehr setzen, sich so vom Aberglauben befreien und in den Islam umwandeln. Während also diese furchtbaren atheistischen Kräfte durch die christlichen Kräfte mit dem Schwert der göttlichen Offenbarung zerstört werden, wird auch Hasret Isa - Friede sei mit ihm - als das Haupt der geistigen Kräfte des Christentums, den Deddjal töten, der die gottlosen Kräfte verkörpert; das heißt, er wird die gottlose Gesinnung vernichten.
Vierter Lebensbereich:
Das Leben der Märtyrer. Es ist dies ein Lebensbereich, der nach Aussage des Qur'ans eine Stufe höher liegt als der der übrigen Toten in ihren Gräbern. Denn weil die Märtyrer ihr irdisches Leben der Wahrheit geopfert haben, beschenkt Gott der Gerechte sie in Seiner vollkommenen Freigebigkeit im Zwischenreich in der Tat mit einem Leben, das dem irdischen gleicht, jedoch ohne Kummer und Sorgen. Sie wissen noch nicht, dass sie gestorben sind... Sie wissen nur, dass sie in eine bessere Welt gelangt sind... Sie erfreuen sich vollkommener Glückseligkeit... Sie spüren in ihrem Totenreich nicht den Schmerz der Trennung. Zwar bleiben die Seelen (ruh)der Bewohner der Gräber drüben weiter bestehen, doch sie wissen, dass sie tot sind. Sie verkosten nicht die Freuden, die den Freuden und der Glückseligkeit, die den Märtyrern zuteil werden, gleich wären. Es ist, als ob zwei Menschen im Traum in ein schönes Schloss gingen, das dem Paradiese gleicht. Der eine von ihnen beiden weiß, dass er nur träumt. Die Freuden und Vergnügen, die er empfängt, sind recht mangelhaft. Er denkt: "Sobald ich aufwache, ist der ganze Spaß vorbei." Der andere aber weiß nicht, dass er träumt. So erlebt er eine wahre Freude und eine wirkliche Glückseligkeit.
So unterscheidet sich denn auch das Leben, das die Toten im Berzah genießen, von dem der Märtyrer im Berzah. Auf Grund zahlloser Ereignisse und Überlieferungen steht mit Sicherheit fest, dass das Leben den Märtyrern in dieser Weise erscheint und sie selbst es lebendig erfahren. Ja durch viele Ereignisse ist dieser Lebensbereich beleuchtet und auf Grund wiederholter Erlebnisse durch Männer bewiesen worden, die bei Hasret-i Hamza, mit dem Gott zufrieden sein möge, dem Haupt aller Märtyrer, Zuflucht gesucht haben, der sie beschützte und ihre weltlichen Angelegenheiten erledigte, oder den Auftrag dazu gab, sie zu erledigen. Ja, ich hatte sogar einmal einen Neffen mit Namen Ubeyd als Schüler.
Nachdem er neben mir gefallen und an meiner Stelle gestorben war, stieg ich zu einer Zeit, in der ich bereits drei Monate (von diesem Platz) entfernt in Gefangenschaft geraten war, im Traum in sein Grab, obwohl ich gar nicht wusste, wo er begraben war, so als träte ich in Wirklichkeit in seine unterirdische Behausung ein. Dort erblickte ich ihn im Lebensbereich der Märtyrer. Er glaubte, ich sei gestorben. Er sagte, dass er viel um mich geweint habe. Er glaubte, dass er noch am Leben sei. Doch um sich vor der russischen Invasion zu verbergen, hatte er sich unter der Erde ein gutes Zuhause geschaffen. So haben mir also dieser ganz persönliche Traum und verschiedene Umstände und Hinweise auf die oben geschilderten Tatsachen eine Überzeugung im Grade einer eigenen Beobachtung vermittelt.
Fünfter Lebensbereich:
Es ist das innere (ruh)Leben der Bewohner des Grabes. Der Tod ist in der Tat ein Ortswechsel, die Befreiung der Seele (ruh),eine Entlassung aus dem Dienst. Er ist nicht eine Hinrichtung, ein Verlöschen, ein Nichts. Zahllose Ereignisse, wie die Erscheinung der Geister (ruh)der Heiligen, die sich den geistigen Forschern gezeigt haben, und andere Bewohner des Grabes, die im Wachen oder im Träumen mit uns Verbindung aufgenommen und uns von Ereignissen berichtet, Nachrichten überbracht und uns so viele Beweise erbracht haben, bestätigen uns und werfen ein Licht auf diesen Lebensbereich. Tatsächlich beweist das "Neunundzwanzigste Wort" über die Fortdauer des Geistes (beqa-i ruh)mit sicheren Zeugnissen (das Bestehen) dieses Lebensbereiches.
Zweite Frage:
Im weisen Qur'an (Furkan)wird (mit den Worten):
اَلَّذِى خَلَقَ الْمَوْتَ وَالْحَيٰوةَ لِيَبْلُوَكُمْ اَيُّكُمْ اَحْسَنُ عَمَلاً
{"Er, der den Tod und das Leben schuf, um euch zu prüfen, wer von euch am besten handelt." (Sure 67, 2)}
und anderen Ayat verständlich gemacht, dass Leben und Tod
gleichermaßen erschaffen wurden und gleichermaßen eine Gnade (ni'met)sind. Wohingegen der Tod doch ganz offensichtlich eine Auflösung, die Vernichtung, Verfall, Erlöschen der Lebensfunktionen, das Ende jeglicher Freude ist... wie also könnte er erschaffen und eine Gnade sein?
Antwort:
Wie wir bereits am Ende der "Ersten Frage" gesagt haben, ist der Tod eine Dienstentlassung, das Ende der Arbeit, ein Ortsveränderung, ein Zustandswechsel, eine Einladung zu einem beständigen Leben, ein Anfang, eine Einführung in ein beständiges Leben. So wie das Leben durch Erschaffung und Planung in die Welt kommt, so geschieht auch der Weggang aus dieser Welt durch eine Erschaffung und Planung, in weiser und sinnvoller Leitung. Denn auf der untersten Ebene des Lebens ist der Tod eines Pflanzenlebens ein Zeichen für ein noch besser ausgeführtes Kunstwerk als das Leben. Denn obwohl der Tod von Früchten, Kernen und Körnern äußerlich als Zerfall, Auflösung, Fäulnis erscheint, ist er vielmehr gleich dem Kneten ein überaus wohlgeordneter chemischer Prozess, eine wohlausgewogene Vermischung von Bestandteilen und eine weisheitsvolle Zusammenstellung von Molekülen, die nach der unsichtbaren Weisheit des Todes im neu aufkeimenden Leben wieder erscheint. Das heißt also, dass der Tod eines Saatkorns der Beginn des Lebens ist für die neue, grünende Saat, ja sogar dem Leben selber gleich kommt, weil der Tod ebenso wie das Leben erschaffen worden und wohlgeordnet ist.
Was aber den Tod als eine Gnadengabe betrifft, so wollen wir hier auf vier Aspekte unter all den vielen Aspekten hinweisen.
Erstens:
Er ist eine große Gnade, als eine Befreiung von den schweren Pflichten des Lebens, entbindet von der drückenden Verantwortung im Leben und ist ein Eingangstor zum Berzah, um neunundneunzig seiner hundert Freunde wieder zu treffen.
Zweitens:
Er ist ein Weg heraus aus diesem engen, bedrückenden, unruhevollen irdischen Kerker mit all seinen Erschütterungen, um zur vollen Entfaltung eines Lebens, das beständig voll Freude ohne Leiden ist, zu gelangen und in eine Sphäre des Erbarmens des Ewigen Geliebten (Mahbub-u Baqi)einzugehen.
Drittens:
Neben dem Alter gibt es noch viele Faktoren, welche die Lebensbedingungen erschweren und den Tod weit mehr als das Leben als eine Gnade erscheinen lassen. Ein Beispiel: Wenn deine Eltern, dein Großvater und dessen Vorväter schon hochbetagt sind und dir viel Kummer und Mühe bereiten hier und heute vor deinen Augen in ihrem erbärmlichen Zustand lebten: du würdest verstehen, welch großen Schaden das Leben, welch große Gnaden der Tod geben kann! - Ein anderes Beispiel: Verständlich ist auch, wie schwierig das Leben der schönen, geflügelten Insekten, den Lieblingen der schönen Blumen, unter winterlichen Bedingungen wäre und welch eine Gnade doch ihr Tod ist!
Viertens:
So wie auch der Schlaf eine Erholung, eine Barmherzigkeit, eine Ruhepause besonders für alle Opfer von Unfällen und Krankheiten ist, so ist auch des Schlafes großer Bruder, der Tod für alle Opfer von Unglücken und solche, die vom Schicksal verfolgt, den Tod herbeisehnen, in gleicher Weise ein Gnadengeschenk. Wenn demgegenüber für die Leute des Irrweges, wie wir bereits in verschiedenen "Worten" unwiderlegbar bewiesen haben, der Tod Qual über Qual und Strafe über Strafe ist, so steht das jetzt hier nicht zur Debatte.
Dritte Frage:
Wo ist die Hölle?
قُلْ اِنَّمَا الْعِلْمُ عِنْدَ اللّٰهِ ٭ لاَ يَعْلَمُ الْغَيْبَ اِلاَّ اللّٰهُ
{"Sprich: Fürwahr, das Wissen ist bei Gott." (Sure 67, 26) "Niemand kennt das Verborgene außer Gott."}
Der Platz für die Hölle wird nach einigen Überlieferungen als "unter der Erde" angegeben.
Wie wir schon an anderer Stelle erörtert haben, umkreist der Erdball in seiner jährlichen Umrundung einen Bereich, der in der Zukunft die Arena für die Große Wiederversammlung und des Letzten Gerichtes sein wird. Was aber die Hölle betrifft, so heißt das: sie liegt unterhalb der Ebene, welche die Erde jährlich umkreist. Sie ist nicht sichtbar und nicht erfahrbar, weil sie aus einem Feuer besteht, das lichtlos und verschleiert ist. Innerhalb dieses riesigen Bereiches, den die Erde umrundet, gibt es sehr viele Geschöpfe, die wir nicht sehen können, weil sie lichtlos sind. So wie uns die Gestalt des Mondes entschwindet, wenn das Licht sich von ihm zurückzieht, so sind vor unseren Augen noch viele lichtlose Gestirne und andere Objekte, die wir nicht sehen.
Es gibt zwei Arten von Höllen. Die eine ist klein, die andere ist groß. In Zukunft wird sich die kleine in die große verwandeln und, gleichsam als ihr Kern, in Zukunft innerhalb ihrer eine Wohnstatt bilden. Die kleine Hölle ist unter der Erdoberfläche, das heißt in deren Mitte. Das Untere der Erde ist deren Mitte. Nun ist es aber in der Geologie bekannt, dass die Temperatur an den meisten Stellen unserer Erde jeweils alle dreiunddreißig Meter Tiefe um ein Grad zunimmt. Das also heißt, dass bei einem Radius von sechstausend Kilometern und etwas eine Temperatur von 200.000 Grad erreicht, das heißt zweihundertfach stärker als irdische Hitze, so wie es einem Hadith entspricht. Diese kleine Hölle versieht in dieser Welt und im Berzah viele Aufgaben der großen Hölle, worauf auch in den Ahadith hingewiesen wird. So wie in der jenseitigen Welt die Erde ihre Bewohner auf den Platz der Wiederversammlung innerhalb ihrer alljährlichen Umlaufbahn gießen wird, so wird sie auch diese kleine Hölle in ihrem Inneren auf Gottes Weisung der großen Hölle übergeben.
Wenn nun manche Imame der Mu'tesiliten sagten, dass die Hölle später erschaffen werden würde, so ist dies ein Fehler, ein Irrtum, weil die Hölle z.Zt. noch nicht in ihrer
vollen Ausdehnung besteht und noch nicht den Zustand erreicht hat, der ihren (zukünftigen) Bewohnern entsprechen würde. Wenn wir nun mit unseren irdischen Augen die Wohnstätten der jenseitigen Welt in dem Schleier des Unsichtbaren sehen und zeigen wollen, müssen wir entweder diese Welt (kainat)auf die Größe zweier Provinzen schrumpfen lassen, oder aber unsere Augen wachsen lassen, bis schließlich unsere Augen die Größe von Sternen erreicht haben, sodass wir die (jenseitigen Plätze schauen und sie unterscheiden können. Und das Wissen ist bei Gott. Wir können die Wohnstätten der jenseitigen Welt nicht mit unseren irdischen Augen erblicken. Doch wissen wir aus Hinweisen in einigen Erzählungen, dass die Hölle in der jenseitigen Welt mit unserer Welt verbunden ist. In einem Hadith wird von einem glühend heißen Sommertag gesagt: er gemahnt uns an den Gluthauch der Hölle. Das heißt, wir können diese große Hölle mit unseren winzig kleinen trüben irdischen Augen nicht wahrnehmen. Doch können wir sie im Lichte des Namens "der Allweise (Hakiem)"betrachten, und zwar wie folgt: Die große Hölle, die unter der jährlichen Umlaufbahn der Erde liegt, hat die kleine Hölle in der Mitte der Erde gleichsam zu ihrem Stellvertreter gemacht, um einige ihrer Aufgaben an sie zu übertragen. Das Reich des Allmächtigen in Seiner Majestät ist ungeheuer weit ausgestreckt. Wo auch immer es die göttliche Weisheit angegeben hat, dort breitet sich die große Hölle aus. Er ist der Allmächtige in Seiner Majestät, der vollkommene Allweise, der über den Befehl: كُنْ فَيَكُونُ {"Sei! Und es ist."} verfügt, der vor unseren Augen in vollkommener Weisheit und Wohlordnung den Mond mit der Erde verbunden, in gewaltig großer Macht und Wohlausgewogenheit die Erde mit der Sonne verbunden und die Sonne mit all ihren Planeten mit einer Geschwindigkeit, die sich der Geschwindigkeit
der Erde in ihrer jährlichen Umlaufbahn annähert in der Pracht Seiner Herrschaft, wie man annimmt, in Richtung zur Sonne der Sonnen in Bewegung gebracht und der die Sterne wie die elektrischen Lampen zu einer Flotte lichtausstrahlender Zeugen für das Reich Seiner Herrschaft gemacht hat und so das Königreich Seiner Herrschaft und die Größe Seiner Macht dadurch präsentiert. So ist es denn nicht weit entfernt von Seiner vollkommenen Weisheit, von der Größe Seiner Macht und dem Königreich seiner Herrschaft, dass Er die große Hölle zu einem Reaktorblock für eine Fabrik (zur Herstellung) elektrischer Lampen macht und die Sterne im Himmel, die auf das Jenseits hin ausgerichtet sind, damit entflammt und ihnen Hitze und Kraft verleiht. Das heißt, dass er aus dem Paradies, das die Welt des Lichtes ist, den Sternen Licht gibt und von der Hölle Feuer und Hitze sendet. Gleichzeitig macht Er einen Teil dieser Hölle zur Wohnstatt und zum Gefängnis für die Leute der Qual (ehl-i adhab).Des Weiteren ist Er ein allweiser Schöpfer, der einen Baum, riesengroß wie ein Berg, in einem Kern von der Größe eines Fingernagels verbirgt. So ist es auch mit Sicherheit von der Macht und Weisheit dieses majestätischen Herrn nicht weit entfernt, dass er in der kleinen Hölle, die im Herzen der Erdkugel liegt die große Hölle wie in einem Kern verbirgt.
Zusammenfassung:
Paradies und Hölle sind die beiden Früchte an einem verzweigten Ast des Schöpfungsbaumes, der sich in die Ewigkeit hinüber erstreckt. Was aber nun die Stelle betrifft, an der eine Frucht entsteht, so ist sie an der Spitze eines Zweiges. Des Weiteren sind (beide Früchte) das Ergebnis der Kette des Lebens aus dem Universum und der Platz für die beiden Ergebnisse findet sich an den beiden Enden dieser Kette - die verdorbenen, schweren, an der Unterseite, die leuchtenden, erhabenen, an der Oberseite. Des Weiteren sind sie zwei Speicher, in welche sich der Strom der Geschehnisse und der immateriellen Erzeugnisse dieser Welt ergießt.
Was den Ort dieser Speicher betrifft, so finden sich (seine Erzeugnisse) ihrer Qualität entsprechend: die Schlechten unten und die Guten oben. Sie sind außerdem zwei Becken der Ewigkeit in welche die Wellen vom Strom allen Seins münden. Was nun den Ort dieser Becken betrifft, so befindet er sich dort, wo die Strömung aufhört und (die Wasser) sich sammeln. So sind denn dort die schmutzigen, unreinen Wasser unten und die reinen, sauberen oben. Des Weiteren ist dies ein Erscheinungsort der Güte (lutuf)und des Zorns (qahhar),von (Gottes) Allbarmherzigkeit (rahmet)und Seiner Allgewalt (azamet).Was den Ort Seiner Erscheinung betrifft, so kann dieser sich überall befinden. Der Barmherzige in all Seiner Schönheit (Rahman-i Dhu l-Djemal)und der Zornige in all Seiner Majestät (Qahhar-i Dhu l-Djelal)kann Seinen Erscheinungsort überall begründen.
Was aber die Existenz von Himmel (djennet)und Hölle betrifft, so wurden sie bereits im "Zehnten", "Achtundzwanzigsten" und "Neunundzwanzigsten Wort" mit unwiderlegbaren Zeugnissen bewiesen. Hier wollen wir daher nur Folgendes sagen: Die Existenz einer Frucht ist so sicher und gewiss wie der Ast; des Ergebnisses, wie die der Kette; des Speichers wie die des Erzeugnisses; die des Beckens wie die des Stromes und die des Erscheinungsortes wie die Seiner Barmherzigkeit (rahmet)und Seines Zornes (qahhar).
Vierte Frage:
Wenn sich eine rein platonische Liebe in eine echte Liebe verwandeln kann, kann sich dann etwa eine rein platonische Liebe zur Welt, wie sie sich bei den meisten Menschen findet, auch in eine echte Liebe verwandeln?
Antwort:
Ja, wenn ein Liebender, der sich in einer platonischen Liebe dem vergänglichen Gesicht dieser Welt zugewandt hat, wenn er erkannt hat, wie abstoßend dieses Gesicht ist, und den Verfall und die Vergänglichkeit in ihm sieht, und sich von ihm abwendet. Wenn er nach einem ewigen Geliebten (mahbub)sucht und es ihm gelingt, die beiden anderen so schönen Gesichter dieser Welt zu erkennen, welche ein Spiegel der Namen Gottes und ein Saatfeld
für das Jenseits sind, so wird seine unerlaubte (weil nicht auf Gott gerichtete) platonische Liebe beginnen, sich in eine wahre Liebe umzuwandeln, jedoch unter der Bedingung, dass er seine eigene, vergängliche, unbeständige, an sein irdisches Leben gebundene Welt nicht mit der Außenwelt verwechselt. Wenn er aber wie die Leute des Irrtums und der Gottvergessenheit sich selbst vergisst, sich in der Außenwelt verliert und nun annimmt, die allgemeine Welt sei seine eigene, ganz private Welt und sich in sie verliert, so wird er in den Sumpf der Naturgläubigkeit fallen und in ihm ersticken, falls ihn nicht die Hand der Gnade wunderbarer Weise errettet. Um diese Wahrheit näher zu beleuchten, betrachte das folgende Gleichnis:
Beispiel:
Fänden sich an den vier Wänden dieses bestens eingerichteten Zimmers vier mannshohe Spiegel, deren jeder einem von uns gehörte, so hätten wir fünf Zimmer. Eines davon wäre das wirkliche, das allgemeine, die anderen vier aber virtuell und ganz persönlich... Jeder von uns könnte durch seinen eigenen Spiegel die Gestalt seines persönlichen Zimmers, seine Form, Gestalt und Farbe verändern. Streichst du sie rot, dann wird sie rot, streichst du sie grün, so sieht sie grün aus usw. In dieser Weise können wir ihm mit Hilfe des Spiegels stets wieder ein anderes Aussehen geben. Wir könnten es schön oder hässlich aussehen lassen, oder ihm eine andere Gestalt verleihen. Doch das äußere, allen gemeinsame Zimmer ließe sich nicht so leicht verändern und verwandeln. Während in Wirklichkeit das allgemeine Zimmer und die Privaträume ein und dasselbe sind, sind sie doch in der Praxis voneinander verschieden. Du kannst dein eigenes Zimmer mit einem Fingerdruck zerstören, doch in den anderen noch nicht einmal einen Stein bewegen.
So ist denn diese Welt eine schön eingerichtete Wohnstatt. Das Leben eines jeden von uns gleicht einem solchen mannshohen Spiegel. Von dieser Welt hat jeder von uns eine Welt, einen Kosmos. Doch ihr Pfosten, ihr Zentrum,
ihre Pforte ist unser Leben. Und sicherlich ist unsere eigene Welt, unser Kosmos wie eine Seite. Unser Leben ist der Stift, mit dem viele Dinge niedergeschrieben werden, die auf die Seite unseres Lebens hinüber wechseln. Wenn wir diese Welt geliebt haben, so sehen wir später: Da unsere Welt über unserem Leben aufgebaut ist, spüren und erfahren wir, dass sie flüchtig, vergänglich und unstet ist gleich unserem Leben. Unsere Liebe zu ihr wendet sich den Ornamenten der Gottesnamen zu, denen unsere Welt als Spiegel dient und die sie uns vorstellt. Wenn wir darüber hinaus verstehen, dass unsere persönliche Welt nur ein vorübergehendes Pflanzbeet für das Jenseits und das Paradies ist und wir unsere Empfindungen für sie, wie brennendes Verlangen, Sehnsucht und Liebe, dem jenseitigen Nutzen zuwenden, ihrem Ergebnis, Frucht und Spross, dann verwandelt sich diese platonische Liebe in eine echte Liebe. Im anderen Fall wird jemand in Bestätigung der Ayah:
نَسُوا اللّٰهَ فَاَنْسَيهُمْ اَنْفُسَهُمْ أُوْلَـٰٓئِكَ هُمُ الْفَاسِقُونَ
{"Sie vergaßen Gott und Er ließ sie sich selbst vergessen. Sie sind die Frevler." (Sure 59,19)}
sich selbst vergessen, nicht mehr an die flüchtige Natur des Lebens denken, seine eigene, unstete Welt für beständig halten wie die allgemeine Welt und sich selbst für unsterblich halten, er wird sich in dieser Welt festkrallen und sie mit heftigen Gefühlen umarmen, er wird in ihr ersticken und untergehen. Diese Art von Liebe wird für ihn ein grenzenloses Unglück, wird ihm zur Qual. Denn aus dieser Liebe (muhabbet)wird eine Liebe (shefqat)wie zu Waisenkindern, ein geradezu verzweifeltes Mitleiden geboren. Er wird alles bedauern, was da lebt, ja sogar Mitleid und den Schmerz der Trennung gegenüber allen Geschöpfen, die so schön und doch dem Verfall ausgeliefert sind. Er hat nichts in Händen, was er tun könnte. So leidet er nur in völliger Verzweiflung.
Doch ersterer, der sich aus seiner Gottvergessenheit gerettet hatte, findet ein erhabenes Gegenmittel für diesen Schmerz seiner Liebe (shefqat).Denn in dem Tod und dem Verfall aller Lebewesen sieht er die Spiegel ihrer Seelen (ruh),welche uns die ständigen Erscheinungen der ewigen Namen des ewigen Herrn, vorstellen und dadurch verwandelt seine Liebe sich in Frohsinn. Er sieht auch hinter all den schönen Geschöpfen, die dem Tod und dem Verfall ausgeliefert sind, ein Ornament, eine Feinheit, eine Kunstfertigkeit, eine Verzierung, eine Güte und ein immerwährendes Licht, welches eine reine Schönheit und heilige Güte erahnen lässt. Er sieht Tod und Verfall unter der Gestalt einer Erneuerung, um die Schönheit zu steigern, die Freude zu erneuern und die Kunstwerke auszustellen und steigert, seine Freude, seine Begeisterung und seine Bewunderung.
اَلْبَاقِى هُوَ الْبَاقِى
{"Der Beständige ist der, der bleibt und besteht."}
Said Nursi
Zweiter Brief
بِاسْمِهِ سُبْحَانَهُ ٭ وَاِنْ مِنْ شَىْءٍ اِلاَّ يُسَبِّحُ بِحَمْدِهِ
{"Im Namen dessen, der gepriesen sei. Und es gibt kein Ding, das nicht lobend Ihn preist." (Sure 17, 44)}
(Teil einer Antwort auf ein Geschenk eines oben erwähnten wohlbekannten Schülers)
Drittens:
Du hast mir ein Geschenk geschickt. Du möchtest damit eines meiner äußerst wichtigen Prinzipien durchbrechen. Ich möchte damit nicht sagen: "Von Dir nehme ich Geschenke ebenso wenig an wie ich sie auch von meinem Bruder Abdulmecid oder von meinem Neffen Abdurrahman nicht annehmen würde." weil du schon weiter fortgeschritten bist und mir innerlich (ruh)näher stehst als sie. Auch würden die Geschenke von jedem abgelehnt, soll doch deines, wenn auch nur für dieses Mal, nicht abgelehnt werden. Doch möchte ich in diesem Zusammenhang über das Geheimnis meines Prinzips sprechen. Es ist dies wie folgt:
Der Alte Said hat niemals Vergünstigungen angenommen. Anstatt Vergünstigungen anzunehmen, zog er es lieber vor zu sterben. Trotz all der Mühen und Anstrengungen, die er erleiden musste, hat er sein Gesetz dennoch nie gebrochen. Dieser Charakterzug, den dieser dein armseliger Bruder gewissermaßen als Erbe des Alten Said übernommen hat, ist kein Asketizismus oder eine erkünstelte Selbstbeschränkung, sondern beruht auf vier oder fünf ernsthaften Gründen.
Erstens:
Die Leute des Irrweges behaupten, dass die Leute des Wissens ihr Wissen zu einem Erwerbsmittel gemacht hätten. Sie greifen sie unfairer Weise an, indem sie behaupten: "Sie machen ihr Wissen und ihren Glauben zur Geldquelle für ihren Lebensunterhalt." Ihnen muss man mit der Tat beweisen, dass dies eine Lüge ist.
Zweitens:
Wir sind dafür verantwortlich, den Propheten in der Verbreitung der Wahrheit zu folgen. Im Weisen Qur'an wird über die Verkünder der Wahrheit gesagt:
إِنْ اَجْرِىَ إِلاَّ عَلَى اللّٰهِ ٭ اِنْ اَجْرِىَ اِلاَّ عَلَى اللّٰهِ
{"Mein Lohn kommt nur von Gott. Denn mein Lohn kommt einzig und allein von Gott." (Sure 10, 72)}
So haben sie ihre Unabhängigkeit bewiesen und ihre Zurückhaltung gegenüber den Menschen gezeigt. Auch in der Sure Ya-Sin lesen wir:
اِتَّبِعوُا مَنْ لاَ يَسْئَلُكُمْ اَجْراً وَهُمْ مُهْتَدُونَ
{"Folgt denen, die von euch keinen Lohn fordern und rechtgeleitet sind!" (Sure 36, 21)}
ein Satz, der für unser Thema von hoher Bedeutung ist...
Drittens:
Im "Ersten Wort" haben wir bereits dargelegt: Man muss im Namen Gottes geben. Man muss im Namen Gottes nehmen. Dem gegenüber ist entweder der Geber gottvergessen und gibt in seinem eigenen Namen und erwartet dafür im Gegenzug eine diskrete Vergünstigung, oder aber der Nehmende ist gottvergessen und erweist so den Dank, das Lob, das dem Wahren Geber gebührt, den äußerlichen Ursachen und begeht so einen Fehler.
Viertens:
Gottvertrauen (tevekkul),Bescheidenheit (kanaat)und Sparsamkeit (iktisad)sind ein solcher Schatz, ein Reichtum, das man sie gegen kein Ding eintauschen kann. Ich möchte keine Güter von den Menschen annehmen und mir so diesen unerschöpflichen Schatz, diese Goldmine versperren. Ich danke dem majestätischen Versorger (Rezzaq)viele hunderttausend Mal, dass er mich niemals in eine Notlage gebracht hat, die mich dazu gezwungen hätte, mich Vergünstigungen und Erniedrigungen zu unterziehen.
Auf Seine Großzügigkeit (kerem)gestützt, erbitte ich von Seiner Barmherzigkeit (rahmet),auch den Rest meines Lebens in Übereinstimmung mit dieser Regel verbringen zu dürfen.
Fünftens:
Seit ein, zwei Jahren bin ich durch viele Zeichen und Erfahrungen zu der sicheren Überzeugung gelangt, dass es mir nicht erlaubt ist, Eigentum von Leuten, besonders aber Geschenke von den Reichen oder von Beamten anzunehmen. Manche von ihnen machen mich krank... bedrücken, belasten mich; ich darf sie nicht zu mir nehmen. Manche von ihnen verändern sich zu meinem Schaden. Das aber heißt, dass es in der Tat einen innerlichen Befehl (emir)gibt, anderer Leute Eigentum nicht anzunehmen, ein Verbot sie anzunehmen. Darüber hinaus habe ich eine solche Scheu vor Menschen, dass ich nicht jeden jederzeit empfangen kann. Geschenke von Leuten anzunehmen macht es notwendig, auf ihre Launen Rücksicht zu nehmen und sie dabei doch zu einer Zeit zu empfangen, in der ich es nicht wünsche... und auch das ist mir nicht angenehm. Des Weiteren ist es mir weit angenehmer, zwar ein Stückchen trockenes Brot zu essen und hundertmal geflickte Kleidung zu tragen, mich dafür aber vor Kriecherei und Sklaverei zu bewahren. Von einem anderen die feinste Baklava zu essen und die kostbarsten Kleider zu tragen und dabei dazu gezwungen zu sein, ihre Launen zu berücksichtigen, ist mir zuwider.
Sechstens:
Der wichtigste Grund zur Selbstgenügsamkeit ist, wie Ibn-i Hacer, der zuverlässigste unserer Schule (medhheb)sagt: "Etwas anzunehmen, dass dir gegeben wurde, in der Absicht es einem Reinen und Gerechten (salih)zu geben, wenn du doch nicht rein bist, ist verboten (haram)."
So verkaufen denn die Menschen unserer Zeit ein kleines Geschenk in ihrer Habsucht und Gier zu einem hohen Preis. Sie stellen sich vor, dass ein armseliger, sündiger Mensch wie ich, ein Gerechter oder ein Heiliger sei und geben ihm dann ein Stück Brot. Hielte ich mich selbst,
was Gott verhüten möge, für gerecht (salih),so wäre das ein Zeichen von Stolz (gurur)und ein Hinweis auf das Fehlen jeder Gerechtigkeit. Wenn ich aber weiß, dass ich nicht zu den Gerechten (salih)zähle, dann ist es mir auch nicht erlaubt, derartige Güter anzunehmen. Des Weiteren heißt es, wenn jemand Spenden (sadaqa)und Geschenke für Dinge annimmt, die er mit Blick auf das Jenseits getan hat, dass er schon in dieser Welt die unvergänglichen Früchte des Jenseits in einer Weise verzehrt, die sie wieder vergänglich macht.
اَلْبَاقِى هُوَ الْبَاقِى
{"Der Beständige ist der, der bleibt und besteht."}
Said Nursi
Dritter Brief
بِاسْمِهِ سُبْحَانَهُ ٭ وَاِنْ مِنْ شَىْءٍ اِلاَّ يُسَبِّحُ بِحَمْدِهِ
{"Im Namen dessen, der gepriesen sei. Und es gibt kein Ding, dass ihn nicht lobt und preist."}
(Teil eines Briefes an seinen wohlbekannten Schüler)
Fünftens:
Du schreibst in einem Deiner Briefe an mich, dass Du meine Gefühle hier mit mir teilen möchtest. Höre nun hier über eines unter tausend von ihnen!
Eines Nachts betrachtete ich aus der Höhe meines Baumhauses im Gipfel einer Zeder in das wunderschöne Antlitz des Himmels, von den Sternen vergoldet, und erkannte in dem Schwur des weisen Qur'an:
فَلَآ اُقْسِمُ بِالْخُنَّسِ ٭ اَلْجَوَارِ الْكُنَّسِ
{"Fürwahr, ich schwöre bei den Planeten, wenn sie vor oder zurück laufen oder sich verbergen." (Sure 81,15-16)}
das erhabene Licht des Wunders und das glänzende Geheimnis der Beredsamkeit. Dieser Vers, der sich auf die Planeten bezieht, wenn sie sich verbergen oder ausschwärmen, führt den Blicken der Beobachter ein ganz besonders schön gesticktes Kunstwerk, eine hocherhabene Tafel mit Beispielen vor Augen. In der Tat treten diese Planeten im Umkreis der Sonne, ihres Kommandanten, treten in den Kreis der Fixsterne hinüber und zeigen uns am Himmel immer wieder neue kunstvolle Muster. Manchmal zeigen sie sich Schulter an Schulter mit anderen Sternen, ebenso glänzend wie sie, und bilden eine besonders schöne Konstellation. Und manchmal treten sie unter die kleinen Sterne und nehmen die Position des Kommandanten ein. Besonders in dieser Jahreszeit bietet
die Venus am späten Abend, dicht über dem westlichen Horizont und am Osthimmel, ganz früh, noch vor der Morgendämmerung ihr strahlender Bruder ein wahrhaft liebenswertes und prächtiges Schauspiel. Später, nachdem sie ihre Pflicht als Inspektoren oder als Weberschiffchen in der Kunstwerkstatt erfüllt haben, kehren sie wieder in die prächtige Sphäre der Sonne, ihres Sultans, zurück und verbergen sich dort. Jetzt demonstrieren sie, ebenso glänzend wie die Sonne die Pracht der Herrschaft und den Glanz des göttlichen Königreiches des Herrn, der unsere Erde zusammen mit den genannten vor und zurück laufenden Planeten in den Tiefen des Alls wie Schiffe oder Flugzeuge in vollkommener Ordnung, kreisen, segeln und reisen lässt. Siehe die Pracht eines Königreiches unter dessen Schiffen und Flugzeugen es solche gibt, die tausend Mal größer als unsere Erde sind und in einer Sekunde eine Entfernung von acht Stunden überbrücken können. So kannst du denn nun einen Vergleich ziehen, welch hohes Glück und was für eine große Ehre es ist, einem solchen König in Dienst, Anbetung und Glaube verbunden und in dieser Welt sein Gast zu sein.
Danach betrachtete ich den Mond und sah das hell strahlende Licht eines Wunders ausgedrückt in der Ayah:
وَالْقَمَرَ قَدَّرْناَهُ مَنَازِلَ حَتّٰى عَادَ كَالْعُرْجُونِ الْقَدِيمِ
{"Und dem Mond haben wir seine Phasen und Stationen bestimmt, bis er schließlich einem alten Dattelrispenstiel gleicht." (Sure 36, 39)}
In der Tat ist die Bestimmung, die Rotation, die Regulierung, die Lichteinstrahlung des Mondes und seine Stellung im Verhältnis zu unserer Erde und zur Sonne mit einer so außerordentlichen Präzision so wunderbar, so erstaunlich, dass für den Allmächtigen, der (seine Daten und Bahnelemente) in dieser Weise ordnete und bestimmte, nichts schwer sein kann. (Der Mond) unterrichtet alle mit Bewusstsein begabten Wesen in der Vorstellung:
"Der ihn so gemacht hat, vermag alles zu tun."
Und weiter folgt er der Sonne in der Weise, dass er auch nicht für eine Sekunde von seiner Bahn abweicht, noch auch nur ein Stäubchen hinter seiner Aufgabe zurück bleibt. Er lässt die ihn aufmerksam beobachten ausrufen:
سُبْحَانَ مَنْ تَحَيَّرَ فِى صُنْعِهِ الْعُقُولُ
{"Gepriesen sei der, durch dessen Kunst der Verstand in Erstaunen versetzt wird!"}
Besonders aber dann, wenn es Ende Mai gelegentlich geschieht, dass er in der Form einer schmalen Sichel in das Haus des Siebengestirns eintritt, was dann so aussieht, wie ein weißer, gebogener Palmwedel und das Siebengestirn wie eine Dattelrispe, was in der Phantasie die Vorstellung wachruft, als wäre da ein riesiger leuchtender Baum hinter dem Schleier eines grünen Himmels. Es ist als habe die Phantasie die Vorstellung von einem solchen Baum hervorgerufen, der sich mit dem spitzen Ende eines Zweiges (ein Loch) durch diesen Vorhang gebohrt und da seinen Kopf hervor gestreckt habe, woraus nun das Siebengestirn und die Mondsichel entstanden seien und all die anderen Sterne, welche die Früchte dieses verborgenen Baumes geworden sind. So siehe denn nun die subtile Ausdruckskraft dieser Metapher:
كَالْعُرْجُونِ الْقَدِيمِ
{"Gleicht einem alten Dattelrispenstiel." (Sure 36, 39)}
Dann kam mir die folgende Ayah ins Gedächtnis:
هُوَ الَّذِى جَعَلَ لَكُمُ الْاَرْضَ ذَلُولاً فَامْشُوا فِى مَنَاكِبِهَا
{"Er ist es, der euch die Erde untertan gemacht hat. So geht denn auf ihren Schultern!" (Sure 67, 15)}
die darauf hinweist, dass die Erde einem Schiff oder einem Reittier gleicht,
das in euren Dienst gestellt ist. In diesem Zeichen habe ich mich denn hoch droben auf einem riesigen Schiff gesehen, das mit großer Geschwindigkeit durch die Tiefen des Alls eilt. Da habe ich die Ayah gelesen, die zu rezitieren Sunnah ist, wenn man ein Transportmittel, also ein Pferd oder Schiff benutzt:
سُبْحاَنَ الَّذِى سَخَّرَلَنَا هٰذَا وَمَا كُنَّا لَهُ مُقْرِنِينَ
{"Gepriesen sei der, der dies in unseren Dienst gestellt hat. Wir wären nie dazu in der Lage gewesen." (Sure 43, 13)}
Des Weiteren habe ich gesehen, dass die Erde durch diese Bewegung einem Projektor glich, welcher Bilder auf eine Leinwand wirft. Sie versetzte die Himmel in Bewegung und begann alle Sterne wie ein prächtiges Heer aufmarschieren zu lassen. Das brachte einen solch schönen und erhabenen Anblick zu Stande, dass die, welche nachdenken, davon berauscht und in Bewunderung geraten. "Ehre sei Gott!" (Fesubhanallah!)habe ich da gesagt. Mit wie wenig Aufwand werden doch so viele, große, einzigartige, erstaunliche, erhabene und kostbare Werke verrichtet! An dieser Stelle tauchten in meinem Gedächtnis zwei Anmerkungen zum Glauben auf:
Erste Anmerkung:
Vor einigen Tagen hat mir einer meiner Gäste eine Frage gestellt. Im Wesentlichen beruhte seine Frage auf dem folgenden Zweifel: Himmel (djennet)und Hölle sind sehr weit von hier entfernt. Nun sagen wir einmal, dass die Leute des Paradieses durch die Gnade Gottes den Ort der Auferstehung schnell wie Blitz und Buraq durcheilen und ins Paradies eingehen werden. Wie aber werden die Leute der Hölle mit ihren schweren Leibern und unter der Last ihrer großen und schweren Sünden dahin gelangen? Durch welches Mittel?
Woran ich mich nun erinnerte, war das folgende: Wie zum Beispiel von allen Völkern, die zu einem allgemeinen Kongress nach Amerika eingeladen worden sind, ein jedes Volk an Bord eines großen Schiffes geht und dorthin fährt,
so lädt auch die Erde, die es gewohnt ist, den Ozean des Alls auf ihrer langen Reise von fünfundzwanzig Tausend Jahren Entfernung in einem einzigen Jahre zurückzulegen, ihre Bewohner ein, bringt sie zum Ort der Auferstehung und lädt sie dort wieder aus. Des Weiteren wird sie das Feuer der Hölle, die einige Aufgaben der großen Hölle in dieser Welt und im Berzah versieht und die in der Mitte der Erde liegt, entsprechend dem Hinweis, dass (ihre Temperatur) alle dreiunddreißig Meter um ein Grad zunimmt und so 200.000 Grad Hitze erreicht, (der Temperatur), die einem Hadith entsprechend als die Hitze des Höllenfeuers erklärt wird, in das Feuer der Hölle entleeren und sich dann auf den Befehl Gottes in eine noch schönere, ewige Form umwandeln und eine Wohnstatt der jenseitigen Welt werden.
Zweite der Anmerkungen, die in meinem Gedächtnis aufgetaucht sind:
Es ist eine Gewohnheit des Allmächtigen Meisters (Sani-i Qadir),des Allweisen Schöpfers (Fatir-i Hakiem),des Einen und Einzigartigen (Vahid-i Ahad),um die Vollkommenheit Seiner Macht (kemal-i qudret),die Schönheit Seiner Weisheit (djemal-i hikmet)und die Beweise Seiner Allgegenwart (Vahdet)zu zeigen, viele Werke mit sehr wenig Mitteln zu bewirken und sehr große Aufgaben mit sehr wenig Einsatz ausführen zu lassen. Ich hatte bereits in einigen Abhandlungen (Sözler)gesagt: Wenn alle Dinge auf ein einziges Wesen zurückgeführt werden, so werden alle Dinge in dem Maße leicht, wie es ihrer Notwendigkeit entspricht. Wenn aber alle Dinge auf verschiedene Meister und Ursachen zurückgeführt werden, so entstehen so viele Schwierigkeiten, dass sie schließlich den Grad der Unmöglichkeit erreichen. Denn während eine einzige Person, wie ein Offizier oder ein Meister, einer Vielzahl von Einzelpersonen oder vielen einzelnen Steinen durch eine einzige Handlung, eine einzige Bewegung mit Leichtigkeit formieren und so zu einem Ergebnis führen kann, könnte man dies nur mit sehr vielen Handlungen, unter erheblichen Schwierigkeiten
und großen Wirrungen bewerkstellingen, überließe man es den Einzelnen im Heer oder den Steinen, die sich ohne stützende Säulen in einer Kuppel befinden, sich selbst zu formieren und so zu einem Ergebnis zu kommen.
Wenn man also nun Werke, wie alles Wirbeln und Kreisen, alle Umdrehungen und Umwälzungen, ein Lob und Ruhm versprühendes Schauspiel, den Ablauf der vier Jahreszeiten und den Wechsel von Tag und Nacht im Universum dem einen Allgegenwärtigen (vahdet)zuschreibt, so vermag eine einzige Person mit einem einzigen Befehl eine Kugel in Bewegung zu versetzen, im Wechsel der Jahreszeiten die einzigartigen Kunstwerke, im Wechsel von Tag und Nacht außerordentliche Weisheit, durch die augenscheinlichen Bewegungen von Sonne und Mond schöne Szenen und andere erhebende Auftritte und kostbare Ergebnisse zu bewirken. Denn Ihm gehört das ganze Heer des Seins. Wenn Er will, kann Er einen einfachen Soldaten wie die Erde zum Kommandanten aller Sterne ernennen, die riesengroße Sonne für deren Bewohner zu einer Lampe, die Licht und Wärme ausstrahlt, die vier Jahreszeiten zu Weberschiffchen für die Bildtafeln der göttlichen Macht, Tag und Nacht zu einer Feder für die Seiten der göttlichen Weisheiten machen. Indem Er den Mond jedem Tag in einer anderen Form zeigt, macht er ihn zu einem Kalender für die Berechnung der Zeit. Und so wie Er die Sterne zu verzierten, wunderschönen, strahlenden Fackeln in den Händen zum Tanze angetretener und in Ekstase tanzender Engel gemacht hat, so führt Er noch viele andere Seiner Weisheiten auf der Erde vor. Wenn dergleichen Dinge nicht von einer einzigen Person nachgefragt werden, deren Autorität, Disziplin, Gesetze und Maßnahmen allem Sein zugewandt sind, dann müssten alle Sonnen und alle Sterne in einer tatsächlichen Bewegung und einer unendlich hohen Geschwindigkeit täglich eine unendlich weite Entfernung zurücklegen.
Es ist auf Grund dieser unendlichen Leichtigkeit die in
der Einheit (vahdet) und auf Grund einer unendlichen Schwierigkeit, die in der Vielheit liegt, dass Geschäftsleute und Handwerker aus der Vielheit zur Einheit kommen, um Erleichterungen und Vereinfachungen zu bewirken, das heißt, sie bilden Handelsgesellschaften.
Kurzum:
Es gibt unendlich viele Schwierigkeiten auf den Wegen des Irrtums und eine unendliche Leichtigkeit auf dem Wege der Rechtleitung und Einheit.
اَلْبَاقِى هُوَ الْبَاقِى
{"Der Beständige ist der, der bleibt und besteht."}
Said Nursi
Vierter Brief
بِاسْمِهِ سُبْحَانَهُ ٭ وَاِنْ مِنْ شَىْءٍ اِلاَّ يُسَبِّحُ بِحَمْدِهِ ٭ سَلاَمُ اللّٰهِ وَرَحْمَتُهُ وَبَرَكَاتُهُ عَلَيْكُمْ وَعَلٰى اِخْوَانِكُمْ لاَسِيَّمَا... اِلٰى آخِرِهِ
{"Im Namen dessen, der gepriesen sei; und fürwahr, es gibt kein Ding, das nicht lobend Ihn preist." "Gottes Friede, Sein Erbarmen und Segen sei über euch und über eure Brüder in Fülle usw."}
Meine lieben Brüder,
Ich befinde mich gerade in den Tscham-Bergen, auf einem hohen Gipfel, auf dem Wipfel einer riesigen Tanne in meiner Behausung. Die Grausamkeit von Menschen und Bestien ist mir vertraut geworden. Wenn ich einen Wunsch nach der Gesellschaft der Menschen verspüre, seid ihr in meinen Träumen und Gedanken bei mir, wir unterhalten uns miteinander und ich finde meinen Trost bei euch. Wenn nichts dazwischen kommt, möchte ich hier ein, zwei Monate allein bleiben. Wenn ich dann wieder nach Barla zurückkehre, werden wir nach einer Möglichkeit suchen, wie wir zusammen kommen und eurem Wunsch entsprechend miteinander reden können, wonach ich mich mehr sehne als ihr. Ich will jetzt hier auf dieser Tanne ein, zwei Gedanken niederschreiben, die mir in Erinnerung gekommen sind.
Erstens:
Ein Arcanum privatum (mahrem bir sırr= eine Wahrheit von geheimnisvoller Tiefe, die nur Eingeweihten verständlich wird), das jedoch für euch kein Geheimnis ist. Es handelt sich um Folgendes:
So wie ein Teil derer, denen die Wahrheit zuteil geworden ist, den Namen " Vedud(= Freund)" offenbaren und durch die Fenster allen Seins hindurch den "notwendigerweise Seienden (Vadjibu-l'Vudjud)"in überwältigendem Grade unter der Gestalt dieses Namens betrachtet, so wurde diesem eurem Bruder, der doch ein Nichts ist
von einem Nichts, der Status verliehen, ausschließlich zur Zeit seines Dienstes am Qur'an und während er der Herold dieser unendlichen Schatzkammer ist, eine Offenbarung der göttlichen Namen "Rahim(= Barmherziger)" und "Hakiem(= Allweiser)" zu sein. Alle Sözler(= Worte) offenbaren sich in dieser Gestalt. Inscha-a'llah offenbaren alle "Sözler"das Geheimnis der Ayah:
وَمَنْ يُؤْتَ الْحِكْمَةَ فَقَدْ اُوتِىَ خَيْرًا كَثِيرًا
{"Wem die Weisheit gegeben wurde, dem wurde mit Sicherheit die Fülle alles Guten gegeben." (Sure 2, 269)}
Zweitens:
Es kam mir plötzlich das folgende schöne Gedicht in den Sinn, worin über den Naqshi-Orden ausgesagt wird: "Im Naqshibandi Orden muss man auf vier Dinge verzichten: Verzicht auf das Diesseits (als Stätte irdischer Genüsse), Verzicht auf das Jenseits (als Stätte himmlischer Genüsse), Verzicht auf das Dasein (als Wunsch, Wille und Vorstellung aller Genüsse in dieser und in jener Welt), Verzicht auf den Verzicht (auf Diesseits und Jenseits, Da-Sein und Nicht-Sein und überhaupt jede nur mögliche Ausdrucksform des Egoismus). Es kam mir dieser Gedanke in den Sinn und zugleich stieg auch folgende Erinnerung in mir auf: "In dem Orden der Besitzlosen (adjz-i mendi)sind vier Dinge notwendig: vollkommene Armut, vollkommene Unterwerfung (adjz= die Schwachheit des Menschen gegenüber der göttlichen Allmacht), vollkommene Dankbarkeit und vollkommene Hingabe (shauk= die Begeisterung des Herzens für Gott, seinen Herrn), ihr Freunde! (aziz= ein Mensch, der die Heiligkeit Gottes respektiert und Seine göttlichen Geschenke nicht zu irdischen Zwecken missbraucht).
Danach fiel mir dieses farbenfrohe und reiche Gedicht wieder ein, das du geschrieben hast: "Betrachte jenen farbenreichen Band aus dem Gesamtwerk der Schöpfung... usw." An dieses Gedicht musste ich wieder denken, als ich den gestirnten Himmel über mir betrachtete.
"Ach wäre ich doch ein Dichter und könnte dies vollenden", sagte ich. Aber obwohl ich für Poesie und Dichtung nicht begabt bin, habe ich wieder damit begonnen. Doch konnte ich Poesie und Dichtung nicht gestalten. So wie es mir einfiel, habe ich es geschrieben. Du als mein Erbe magst es in Poesie verwandeln, einen Reim darauf machen. Dies war es, was mir plötzlich einfiel:
Lausche der Sterne Gesang, ihrer berauschenden Predigt (hutbe)!
Entnimm ihrer leuchtenden Schrift die Weisheit, die sie verkündet!
Gekommen sind sie und sagen, alle gemeinsam einen Ausdruck der Wahrheit:
{"Wir sind das strahlende Zeugnis des großartigen Königreiches einer allmächtigen Majestät.}
Wir sind dafür Zeuge, dass es einen Meister gibt in Seiner Einheit und in Seiner Kraft...
Den Engeln gleich betrachten wir vom Himmel herab die Erde, schauen das Antlitz der Erde
voll tiefer und feinsinniger Wunder, halten stets das Paradies auch im Blick.
Des Himmels tausend aufmerksame Augen sind wir.
{(*): Das heißt: So wie die Engel in den himmlischen Welten diese Staunen erregenden Wunder der Macht, diese Blumen des Paradieses in den Gärten und auf den Feldern unserer Erde betrachten, so betrachten auch die Sterne, welche am Himmel die Augen sind, den Engeln gleich, die feinsinnigen Kunstwerke hier auf Erden, schauen in die Welt des Paradieses und erblicken dort die wundervollen unvergänglichen Urbilder jener vergänglichen Abbilder. Sie betrachen zu gleicher Zeit Himmel und Erde; das heißt, sie haben einen Blick für beide Welten.}
Es wuchs der Tuba-Baum der Schöpfung und seine Äste strecken sich durch einen Spalt der Himmel
und seine Zweige bilden die Milchstraße.
Schönheit und Majestät heißt die Hand der göttlichen Weisheit, die uns an ihnen aufgehängt hat
als seine wundervollen Früchte.
Für die Bewohner des Himmels sind wir eine wandelnde Moschee,
ein Haus, das seine Kreise zieht und ein erhabenes Nest,
ein strahlender Leuchter, ein gewaltiges Schiff;
Flugzeugen gleich sind wir alle und ein jeder von uns.
Eines Allmächtigen in Seiner Vollkommenheit, eines Allweisen in Seiner Majestät
wunderbare Kraft und Staunen erregendes Kunstwerk Seiner Schöpfung,
ein Kleinod Seiner Weisheit und Ingenium Seiner Schöpfung,
eine Welt voller Licht sind wir, jeder von uns eine Welt aus Licht.
So zeigen wir mit hunderttausenden von Zungen hunderttausende Beweise
lassen sie vernehmlich werden dem Menschen, der Mensch ist.
Mit Blindheit geschlagen das Auge der Gottlosen, vermag es nicht mehr zu schauen unser Antlitz
und vernimmt er unsere Stimme nicht. Doch sind wir die Zeichen, die Wahrheit verkünden.
Eines ist unsere Prägung, einer unser Siegel.
Immerwährend wiederholen wir den Lobpreis unseres Herrn, wir seine Diener
gedenken Seines Namens, Ihn verehrend alle Zeit.
In Ihm versunken reihen wir uns ein als die Glieder in der Kette der endlosen Milchstraße."
اَلْبَاقِى هُوَ الْبَاقِى
{"Der Beständige ist der, der bleibt und besteht."}
Said Nursi
Fünfter Brief
بِاسْمِهِ سُبْحَانَهُ ٭ وَاِنْ مِنْ شَىْءٍ اِلاَّ يُسَبِّحُ بِحَمْدِهِ
{"Im Namen dessen, der gepriesen sei; und fürwahr; es gibt kein Ding, das nicht lobend Ihn preist."}
In seinen "Mektubat"sagt Imam Rabbani (möge Gott mit ihm zufrieden sein), einer der Großen in der Kette (silsilah)des Naqshibandi-Ordens und seine Sonne: "Ich ziehe die Entfaltung einer einzigen Glaubenswahrheit allen Freuden, Ekstasen und tausend Wundern (keramet)vor."
Er sagte auch: "Der Endpunkt allen Sufi Weges ist die Verdeutlichung und die Entfaltung der Glaubenswahrheiten."
Und er sagte weiter: "Heiligkeit (Vilayat)ist von dreierlei Art: die erste ist die kleine Heiligkeit, welche die bekannte Heiligkeit ist. Eine andere ist die mittlere Heiligkeit eine weitere die große Heiligkeit. Was die große Heiligkeit betrifft, so besteht sie darin, durch das Erbe des Prophetentums einen direkten Weg zur Wahrheit einzuschlagen, ohne in die Zwischenwelt (Berzah)der Mystik einzutreten."
Des Weiteren sagt er: "Der Naqshibandi-Orden marschiert mit zwei Flügeln voran." Nämlich: "mit dem festen Vertrauen in die Glaubenswahrheiten und in der Erfüllung der religiösen Pflichten. Ist einer dieser beiden Flügel fehlerhaft, ist ein Voranschreiten auf dem Wege nicht möglich." Wenn dies aber so ist, so unterscheiden wir auf dem Naqshibandi-Weg drei Stufen (perde):
Die erste, zuvorderste und größte: der unmittelbare Dienst an den Glaubenswahrheiten. Imam Rabbani (mit dem Gott zufrieden sein möge) ging diesen Weg in seinen späten Jahren.
Der zweite Weg ist der des Dienstes in der Erfüllung der religiösen Pflichten und der gelobten Sunna unter dem Schatten des Ordens.
Der dritte besteht darin, auf dem mystischen Wege die Wunden des Herzens zu heilen und dem Weg des Herzens zu folgen. Von diesen ist der erste gleich einer Pflicht (fard),der zweite notwendig (vadjib)und der dritte Sunna.
Da aber die Sachlage nun einmal so ist, bin ich nun folgender Meinung: Würden Scheich Abdulqadir-i Geylani, Shah-i Naqshiband und Imam Rabbani (möge Gott mit ihnen zufrieden sein) in heutiger Zeit leben, sie würden ihre ganze Kraft dafür einsetzen, die Glaubenswahrheiten und die Grundpfeiler des Islam zu verstärken. Denn sie sind die Quelle der ewigen Glückseligkeit. Wenn es an ihnen mangelt, ist dies die Ursache zu ewiger Qual. Ohne Glaube gelangt man nicht ins Paradies, doch gibt es viele, die ohne jede Mystik ins Paradies gelangen. Der Mensch lebt nicht ohne Brot, doch kann er auch ohne Obst leben. Die Mystik gleicht dem Obst, doch die islamischen Glaubenswahrheiten sind wie die Grundnahrungsmittel. In alten Zeiten konnte man nur durch eine spirituelle Reise von vierzig Tagen bis zu vierzig Jahren die eine oder andere Glaubenswahrheit erlangen. Wenn es aber heute durch das Erbarmen Gottes des Gerechten einen Weg gibt, der in vierzig Minuten zu der selben Wahrheit führen könnte, ist es mit Sicherheit nicht vernünftig, vor einem solchen Weg gleichgültig zu bleiben...
So bestätigen denn diejenigen, welche die dreiunddreißig Abhandlungen ("Sözler")aufmerksam gelesen haben, dass diese letzteren einen solchen qur'anischen Weg eröffnen. Von dieser Tatsache ausgehend bin ich davon überzeugt, dass diese "Sözler",die über die Geheimnisse des Qur'an geschrieben worden sind, das am besten geeignete Medikament ist, eine Salbe für die Wunden dieser Zeit, das segensreichste Licht für die islamische Gemeinschaft, die den Angriffen finsterer Mächte
ausgesetzt ist, und der aufrichtigste Führer für die verwundert durch das Tal der Verirrungen Wandernden. Wenn ihr wisst, dass Irreführung aus Unwissenheit erwächst, so kann diese leicht beseitigt werden. Entsteht sie jedoch aus der Philosophie und der Wissenschaft, so ist sie nur schwer zu beendigen. In alter Zeit fand sich die zweite Art nur in einer unter tausend Fällen. Unter ihnen konnte nur einer unter Tausenden durch Rechtleitung zur Besinnung gelangen, denn solche Leute halten sich selbst für überlegen. Zwar wissen sie nichts, doch glauben sie, sie wüssten etwas. Ich kann mir jedoch vorstellen, dass Gott der Gerechte uns diese bekannten "Sözler" als Funken aus dem wundersamen Qur'an in unserer Zeit als ein Gegengift gegen diese atheistische Irreführung gegeben hat.
اَلْبَاقِى هُوَ الْبَاقِى
{"Der Beständige ist der, der bleibt und besteht."}
Said Nursi
Sechster Brief
بِاسْمِهِ سُبْحَانَهُ ٭ وَاِنْ مِنْ شَىْءٍ اِلاَّ يُسَبِّحُ بِحَمْدِهِ ٭ سَلاَمُ اللّٰهِ وَرَحْمَتُهُ وَبَرَكَاتُهُ عَلَيْكُمَا وَعَلٰى اِخْوَانِكُمَا مَادَامَ الْمَلَوَانِ وَتَعَاقَبَ الْعَصْرَانِ وَمَادَامَ الْقَمَرَانِ وَاسْتَقْبَلَ الْفَرْقَدَانِ
{"Im Namen des Hochgelobten; und fürwahr gibt es kein Ding, das Ihn nicht lobpreist." "Der Friede Allahs, Sein Erbarmen und Sein Segen sei mit Euch beiden und Euren Brüdern, solange Tag und Nacht einander ablösen, die Tage sich neigen, Sonne und Mond einander ablösen und die Polarsterne uns den Weg weisen."}
Meine Brüder, die ihr so voll Begeisterung seid und meine Gefährten, die ihr so voller Eifer seid und die Quelle meines Trostes in dieser Fremde, die man die Welt nennt.
Denn Gott der Gerechte hat euch ja schon euren Anteil am Verständnis meiner Abhandlungen und Auslegungen geschenkt, die Er mir in Seiner Güte zuteil werden ließ; und darum habt ihr sicherlich auch ein Anrecht darauf, auch an meinen Empfindungen Anteil zu nehmen. Um euch nicht allzu sehr zu betrüben, will ich den überaus leidvollen Teil meines Schmerzes über die Trennung und über die Fremde beiseite lassen und euch nur einen Teil davon erzählen. Es ist nun Folgendes:
Ich bin in diesen zwei, drei Monaten ganz allein geblieben. Manchmal fand sich einmal in fünfzehn, zwanzig Tagen ein Gast bei mir ein. Die übrige Zeit bin ich allein. Ja seit fast zwanzig Tagen waren selbst die Hirten in den Bergen hier nicht mehr in meiner Nähe, haben sich zerstreut...
So habe ich zur Nachtzeit, auf diesen Bergen, fremd, still, stumm und allein im Raunen und Rauschen der Bäume mich inmitten einer fünffach farbig verschlungenen Fremde gesehen.
Erstens:
Es ist ein Geheimnis des Alters, dass die überwältigende Mehrheit derer, die mir nahe standen, Freunde und Verwandte, mich in der Fremde allein gelassen hat. Sie sind in die Zwischenwelt (Alem-i Berzah)hinüber gegangen und haben mich hier zurückgelassen. In mir blieb nichts als Heimweh. So öffnete sich mir in dieser Fremde noch ein weiterer Bereich dieser Fremde. Es entstand in mir ein Gefühl der Trennung und der Fremde gegenüber den meisten Geschöpfen, mit denen ich noch im vergangenen Frühling verbunden war und die mich nun verlassen hatten. Und inmitten dieser Fremde öffnete sich mir noch ein weiterer Kreis der Fremde: man hatte mich in die Trennung von meiner Heimat und den Lieben daheim fallen und darin allein gelassen, sodass mich ein Gefühl der Trennung überkam und noch eine neue Fremde in mir geboren wurde. Und in dieser Fremde legte sich mir die Fremde der Nacht und der Berge wie noch eine neue Fremde auf mein Gemüt. Und aus dieser Fremde heraus erkannte ich nun, dass meine Seele (ruh),die bereit ist, aus diesem vergänglichen Gasthaus die Reise in die unendliche Ewigkeit anzutreten, sich hier in einer überwältigenden Fremde befindet. "Fasubhana'llah"(gepriesen sei Gott!) sagte ich da und dachte darüber nach, wie man diese Fremde und Dunkelheit ertragen könne. Da schrie mein Herz:
"Oh Herr! Ich bin in der Fremde, ein Nichts, schwach und ohne Macht, ohne Kraft.
Alt und krank und hilflos bin ich; und keine Wahl mehr ist mir geblieben.
Ich flehe zu Dir um Deine Gnade! Ich suche Deine Vergebung.
Vor Deinen Toren, oh Du Mein Gott, stehe ich und rufe zu Dir um Deine Hilfe."
Da kamen mir plötzlich das Licht des Glaubens, der Segen des Qur'an und die Freigiebigkeit des Allbarmherzigen (lutf-u Rahman)zu Hilfe. Sie verwandelten diese fünf Fremdheiten,
die mir so voll Dunkelheit gewesen waren und es öffnete sich mir ein lichtvoller, vertrauter Kreis.
Mein Mund sprach:
حَسْبُنَا اللّٰهُ وَنِعْمَ الْوَكِيلُ
{"Allah ist unser Genügen und der vortrefflichste Anwalt."}
Mein Herz zitierte die Ayah:
فَاِنْ تَوَلَّوْا فَقُلْ حَسْبِىَ اللّٰهُ لآَ اِلٰهَ اِلاَّ هُوَ عَلَيْهِ تَوَكَّلْتُ وَهُوَ رَبُّ الْعَرْشِ الْعَظِيمِ
{"Wenn sie sich von dir abwenden, sprich: Allah ist mein Genügen. Es gibt keinen Gott außer Ihm. Auf Ihn vertraue ich und Er ist der Herr des gewaltigen Thrones." (Sure 9, 129)}
Auch mein Verstand wandte sich an meine Seele (nefs),die da schrie in ihrer Qual und in ihrer Angst und sagte zu ihr:
Lass du Ärmster deine Klagen! Vertraue auf Gott vor dem Unglück! Denn wisse, dass ein Fehler ist, zu klagen, sich im Unglück noch zu plagen.
Hast du gefunden den, der dich plagte, wisse: Glück und Freundschaft und ein Geschenk umhüllt dir die Plage.
So lass denn nun dein Klagen! Danke! Es lächeln die Rosen. Es freut sich die Nachtigall.
Findest du Ihn nicht, dann wisse, dass die Welt liegt in Qualen, Vernichtung in ihr, Zerstörung in ihr.
Es droht dir eine Welt voll Unglück (= Hölle)! Was klagst du über dein kleines Missgeschick? Komm doch, vertraue!
Voll Vertrauen lache ihr ins Gesicht, der Plage! Auch sie wird lachen, die Plage. Wird lächelnd sich umwandelnd dir entschwinden.
Ich sprach auch wie einer meiner Lehrer, Maulana Djelaleddin einmal zu seiner Seele (nefs)gesagt hatte:
اُو گُفْتِ أَلَسْتُ وَتُوگُفْتِى بَلٰى شُكْرِ بَلٰى چِيسْتْ كَشِيدَنْ بَلاَ ٭ سِرِّ بَلاَ چِيسْتْ كِه يَعْنِى مَنَمْ حَلْقَه زَنِ دَرْگَهِ فَقْرُ وفَنَا
{"Er sagte: 'Bin Ich nicht dein Herr?' Du hast gesagt: 'Doch! Du bist mein Herr.' Was also ist nun deine Dankespflicht in 'Bela! ( = in jenem Augenblick, wo du ja gesagt hast)'? Was hast du auf dich genommen in 'Bela'? was ruht für ein Geheimnis in 'Bela'?" "Es heißt gleichsam: Ich klopfe an Seine Tür in meiner Armseligkeit und Nichtigkeit."}
Nun antwortete mir auch meine Seele: "Wahrlich, meine Hilfsbedürftigkeit und mein Vertrauen und die Zuflucht, die ich in meiner Armseligkeit suche, öffnen in der Tat die Tore des Lichtes und vertreiben alle Finsternis. Gepriesen sei Allah für das Licht des Glaubens und den Islam." Und ich erkannte, welch hohe Wahrheit der folgende Ausspruch von Hikem-i Ataiyye enthält, wenn er sagt:
مَاذاَ وَجَدَ مَنْ فَقَدَهُ ٭ وَمَاذَا فَقَدَ مَنْ وَجَدَهُ
{"Was hat der gefunden, welcher Ihn verloren hat und was hat der verloren, der Ihn gefunden hat?"}
Das heißt: "Wer Gott den Gerechten gefunden hat, was kann er noch verlieren? Und wer Ihn verloren hat, was kann er noch gewinnen?"
Denn: "Wer Ihn gefunden hat, hat alles gefunden. Wer Ihn nicht gefunden hat, kann nichts mehr finden; und hätte er etwas gefunden, käme es gleich einem Unglück auf ihn herab." Nun verstand ich das Geheimnis des Hadith:
طُوبـٰى لِلْغُرَبآَءِ
{"Selig sind die Fremdlinge (ghuraba')"}
und dankte dafür.
Nun also meine Brüder sind diese Fremdheiten,
die mir so voll Dunkelheit gewesen waren, durch das Licht des Glaubens wirklich erhellt und erleuchtet worden. Doch wirken sie immer noch in gewissem Grade auf mich ein und haben mir den folgenden Gedanken eingegeben: Ist denn nun, da ich nun einmal ein Fremdling bin, der in der Fremde lebt und in die Fremde geht, meine Aufgabe in dieser Herberge beendet, sodass ich nun euch und meine "Sözler" zu Stellvertretern ernennen und alle meine Bindungen sämtlich abbrechen kann...
Dieser Gedanke war mir in den Sinn gekommen und darum hatte ich euch auch gefragt: Sind die bereits niedergeschriebenen "Sözler" schon ausreichend? Fehlt daran noch etwas? Das heißt: Ist meine Aufgabe nun beendet? sodass ich in der Ruhe meines Herzens mich in eine leuchtende, wohltuende, wahrhaftige Fremde stürzen und die Welt vergessen könnte, so wie Maulana Djelaluddin gesagt hat:
دَانِى سَمَاعِ چِه بُودْ؟ بِى خُودْ شُدَنْ زِ هَسْتِى أَنْدَرْ فَنَاىْ مُطْلَقْ ذَوْقِ بَقَا چَشِيدَنْ
{"Weißt du, was Ekstase (sema') ist? Sich selbst verlieren, in der völligen Vergänglichkeit einen Vorgeschmack der Ewigkeit genießen."}
Darf auch ich so sagen und nach einer erhabenen Fremde suchen? Darum also habe ich euch mit dieser Frage belästigt.
اَلْبَاقِى هُوَ الْبَاقِى
{"Der Beständige ist der, der bleibt und besteht."}
Said Nursi
Siebenter Brief
بِاسْمِهِ سُبْحَانَهُ ٭ وَاِنْ مِنْ شَىْءٍ اِلاَّ يُسَبِّحُ بِحَمْدِهِ ٭ اَلسَّلاَمُ عَلَيْكُمْ وَرَحْمَةُ اللّٰهِ وَبَرَكَاتُهُ اَبَداً دَآئِمًا
{"Im Namen dessen, der gepriesen sei. Und es gibt kein Ding, das nicht lobend Ihn preist." (Sure 17, 44) "Friede mit euch und Gottes Erbarmen und Sein Segen für immer und ewig."}
Meine lieben Brüder!
Ein Wort zu den beiden Fragen, die mir Schamli Hafis von euch überbracht hat:
Erstens:
Ihr fragt mich: "Gleich den Heuchlern alter Zeit nehmen auch die Leute des Irrweges in neuer Zeit die Heirat des Ehrenwerten Propheten, mit dem Friede und Segen sei, mit Zeyneb zum Vorwand ihrer Kritik, indem sie meinen, es handle sich hier um eine Befriedigung seines Verlangens."
Antwort:
Gott bewahre! Hunderttausend Mal: Keineswegs! Den Saum dieses erhabenen Gewandes vermögen solche niederträchtigen Zweifel nicht zu berühren. Denn es ist in der Tat ein Zeugnis und ein Beweis für einen jeden billig denkenden Menschen, dass eine solche Persönlichkeit, die von ihrem fünfzehnten bis zu ihrem vierzigsten Lebensjahr, also zu einer Zeit, in der das Feuer der Leidenschaft auflodert und das Verlangen in der Seele (nefs)brennt, sich in absoluter Keuschheit und vollkommener Ehrenhaftigkeit, worin Freund und Feind übereinstimmen, mit einer einzigen, bereits älteren Frau, wie Khadidscha der Großen, mit der Gott zufrieden sein möge, zufrieden gab und begnügte, erst nach seinem vierzigsten Lebensjahr, also zu einer Zeit, wo das Feuer der Leidenschaft zu erlöschen und das Verlangen der Seele zu verstummen beginnt, viele Frauen zu ehelichen, sie zu heiraten begann, dass dies zwangsläufig und
offensichtlich nicht geschah, um seine Seele (nefs)zu befriedigen, sondern anderen, wichtigeren Gründen (hikmet)diente.
Einer dieser Gründe ist der folgende: So wie die Worte des Herrn der Botschaft sind auch seine Taten, seine Haltung, seine Verhaltensweise und sein Umgang eine Quelle des Glaubenslebens mit all seinen Gesetzen und Maßstab unseres Verhaltens. Während die Sahabis die Grundregeln des äußerlichen und öffentlichen Verhaltens übermittelten, waren seine ehrbaren Frauen als Trägerinnen der Überlieferung die Übermittlerinnen der Geheimnisse des Glaubens und gesetzestreuen Verhaltens in seinem privaten Leben und Betragen. Sie waren es, die in der Tat diese Aufgabe übernommen haben. Denn beinahe die Hälfte aller Geheimnisse und Maßstäbe des Glaubenslebens gehen auf sie zurück. Das heißt, zur Erfüllung dieser gewaltigen Aufgabe waren mehrere ehrbare Frauen von verschiedenem Charakter erforderlich.
Doch nun zu der Heirat mit Hazret-i Zeyneb: Im Fünfundzwanzigsten Wort wurde als Beispiel für den Dritten Strahl der Ersten Flamme in Bezug auf die Ayah
ماَكاَنَ مُحَمَّدٌ اَبآَ اَحَدٍ مِنْ رِجاَلِكُمْ وَلٰكِنْ رَسوُلَ اللّٰهِ وَخَاتَمَ النَّبِيِّنَ
{"Mohammed ist nicht der Vater einer eurer Männer, sondern Gottes Gesandter und das Siegel der Propheten." (Sure 33, 40)}
Folgendes geschrieben: Eine einzelne Ayah hat mit Rücksicht auf die verschiedenen Schichten der Bevölkerung auch unterschiedliche Bedeutungen je nach dem Verständnis jeder einzelnen Bevölkerungsschicht. Nach dem Verständnis der einen Schicht bedeutet die obige Ayah Folgendes: entsprechend einem zuverlässigen Hadith hat Seyd, der Diener des Ehrenwerten Gesandten, mit dem Friede und Segen sei, und den er mit "mein Sohn" anredete, nach eigener Aussage seine ehrwürdige Gattin als ihm nicht ebenbürtig empfunden und deshalb auf einer Scheidung von ihr bestanden. Das heißt, Seyd bemerkte, dass Hazret-i Zeyneb nach seinem Empfinden
und im Unterschied zu ihm von edlem Charakter war und dazu geboren, die Gattin eines Propheten zu sein. Da er sich, als ihr Gatte, von Natur aus als ihr nicht ebenbürtig empfand, was dann schließlich zur Unverträglichkeit zwischen ihnen führte, schied er sich von ihr. Im Auftrag Gottes nahm nun der Ehrenwerte Gesandte, mit dem Friede und Segen sei, sie zu sich. Dies wird ausgedrückt in der Ayah: زَوَّجْناَكَهَا {"Wir haben sie dir ehelich angetraut." (Sure 33, 37)} was heißt, dass diese Eheschließung auf Grund eines himmlischen Vertrages eine außergewöhnliche, außerhalb jeder Tradition stehende, bis dahin noch nie gesehene Handlung war und nur kraft göttlicher Vorhersehung zu Stande kam. Der Ehrenwerte Gesandte, mit dem Friede und Segen sei, folgte nur diesem Urteilsspruch göttlicher Vorhersehung. Er war genötigt, sich ihm zu unterwerfen. Es entsprach nicht dem Verlangen seiner Seele (nefs).Was diesen Urteilsspruch der göttlichen Vorhersehung betrifft, so weist die ehrwürdige Ayah
لِكَىْ لاَ يَكُونَ عَلَى الْمُؤْمِنِينَ حَرَجٌ فِى اَزْواَجِ اَدْعِيآَئِهِمْ
{"Damit die Gläubigen nicht in Ungelegenheiten kommen sollen, wenn sie die Frauen ihrer Adoptivsöhne heiraten." (Sure 33, 37)}
welche eine wichtige Bestimmung des Gesetzes (Schari'a)und eine Begründung von allgemeiner Bedeutung in einer allgemeingültigen, umfassenden Angelegenheit zum Inhalt hat, darauf hin, dass für den Fall, dass einer der Alten zu einem von den Jungen "mein Sohn"sagte, es sich hier nicht um einen Fall von "Sihar"handelt, also um einen Mann, der zu seiner Frau gesagt hat: "Du bist für mich gleich wie meine Mutter", wodurch seine Frau für ihn haram (verboten) geworden und sein Rechtsverhältnis zu ihr sich geändert hat.
Und ferner liegt es innerhalb des Aufgabenbereichs eines Botschafters, wenn die Obrigkeit ihre Untergebenen, wenn die Propheten ihre Gemeinde in väterlicher Weise betrachten und anreden. Ja wäre es denn nun hinsichtlich ihrer menschlichen Identität für sie unangemessen, aus deren Mitte eine Frau zu ehelichen!?
Was die zweite Schicht darunter versteht, ist: Ein großer Gebieter betrachtet seine Untertanen mit väterlicher Liebe. Wenn dieser Gebieter auch im übertragenen Sinne König der äußerlichen wie innerlichen Welt ist, dann übersteigt seine Barmherzigkeit hundertfach die Liebe eines Vaters und jeder seiner Untertanen betrachtet ihn als seinen Vater, als ob er tatsächlich sein Kind wäre. Da der väterliche Blick sich nicht zum Blick eines Bräutigams verändert, und da der Blick einer Tochter sich nicht leicht in den Blick einer Braut verwandelt, passt es der allgemeinen Vorstellung nicht, dass der Prophet, mit dem Friede und Segen sei, Töchter der Gläubigen heiratet. Aus diesem Grund sagt der Qur'an, um diese irrige Vorstellung zu korrigieren: "Der Prophet, mit dem Friede und Segen sei, hegt für euch selbstlose Liebe, die aus der Barmherzigkeit Gottes entspringt, und geht mit euch väterlich um. Von der Haltung eines Gottesgesandten her seid ihr wie seine Kinder. Aber von seiner Identität als Mensch ist er nicht euer Vater, sodass es für ihn unpassend sein könnte, eine eurer Frauen zu ehelichen. Und wenn er euch als "mein Sohn" anspricht, könnt ihr nach dem Rechtsverhältnis des Gesetzes nicht seine Kinder werden."
اَلْبَاقِى هُوَ الْبَاقِى
{"Der Beständige ist der, der bleibt und besteht."}
Said Nursi
Achter Brief
بِاسْمِهِ ٭ وَاِنْ مِنْ شَىْءٍ اِلاَّ يُسَبِّحُ بِحَمْدِهِ
{"Im Seinem Namen. Und es gibt kein Ding, das nicht lobend Ihn preist."}
Es liegt viel Weisheit in den Namen اَلرَّحْمٰنِ الرَّحِيمِ {"der Erbarmer, der Allbarmherzige"} die in
بِسْمِ اللّٰهِ الرَّحْمٰنِ الرَّحِيمِ
{"Im Namen Gottes, des Erbarmens, des Allbarmherzigen"}
eingegangen sind, und zu Beginn einer jeden guten (mubarek)Sache erwähnt werden. Während ich die Erklärung dafür auf einen anderen Zeitpunkt verschiebe, möchte ich doch jetzt schon meine eigenen diesbezüglichen Empfindungen zum Ausdruck bringen:
Bruder, die Namen اَلرَّحْمٰنِ الرَّحِيمِ {"der Erbarmer, der Allbarmherzige"} zeigen sich mir als ein gewaltiges Licht, welches das ganze Universum umfasst und alle Bedürfnisse eines jeden Geistes (ruh)in der Ewigkeit zu befriedigen vermag, und ein Licht, dass sich als so strahlend und mächtig zeigt, dass es sie vor den zahllosen Feinden zu bewahren (emin)vermag. Um zu diesen Namen, die zwei gewaltige Lichter sind, voranschreiten zu können, ist das wichtigste Mittel, das ich gefunden habe Armut in Dankbarkeit (fakr ile shukr)und
eine Ohnmächtigkeit verbunden mit Liebe (acz ile shefqat),d.h. Dienst, Anbetung (ibadet)und das Bewusstsein der eigenen Bedürftigkeit. Und was mir noch zu diesem Thema einfällt, sage ich im Gegensatz zu den Kennern der Wahrheit, ja sogar zu Imam-i Rabbani, der mein Lehrer ist: Dieses mächtige, strahlende Empfinden, das der Prophet Jakob, mit dem der Friede sei, gegenüber Joseph, mit dem der Friede sei, empfand, war nicht Liebe (muhabbet)oder Leidenschaft (ashk),sondern Mitgefühl (shefqat),denn Mitgefühl (shefqat)ist weit wirksamer, strahlender, erhabener und reiner als Liebe (muhabbet)und Leidenschaft (ashk)und dem Stande (maqam)eines Propheten würdiger, doch wenn Liebe (muhabbet)und Leidenschaft (ashk)zu Personen (mahbub)und Geschöpfen im weltlichen Sinne allzu heftig wird, sind sie dem erhabenen Rang (maqam)eines Propheten nicht mehr würdig. Das heißt, dass die Empfindungen Jakobs (mit dem Friede sei), die der weise Qur'an auf eine so glänzende, so wunderbare Art, in einer so glänzenden Weise aufzeigt und die ein Mittel sind, um zu dem Namen "er-Rahiem(der Erbarmer)" zu gelangen, eine erhabene Stufe (maqam)des Mitgefühls (shefqat)darstellen.
Was aber die Leidenschaft (ashk)betrifft, die ein Mittel ist, um zu dem Namen "der Freund (Vedud)"zu gelangen, so findet sie sich in der Geschichte von der Liebe (muhabbet)Suleichas zu Joseph, mit dem der Friede sei. Das heißt, der Qur'an als ein Wunder in seiner Verkündigung zeigt, in welchem Grade die Empfindungen von Hazret-i Yakub, mit dem der Friede sei, höher sind als die entsprechenden Empfindungen Suleichas, sodass Mitgefühl (shefqat)in gleichem Grade höher anzusehen ist als Leidenschaft (ashk).Weil aber mein Meister, Imam Rabbani, Leidenschaft im weltlichen Sinne für den Rang (maqam)eines Propheten als nicht ganz passend erachtete, sagte er: "Da die Schönheit Josephs, mit dem Friede sei, von der Art jenseitiger Schönheit war, so war auch die Liebe zu ihm nicht von weltlicher Art,
sodass sie hätte ein Fehler sein können." Ich aber sage: "Meister! Das ist eine diffizile Auslegung. Die Wahrheit aber sollte folgendermaßen sein: Dies ist keine Liebe (muhabbet),sondern eine Stufe des Mitgefühls (shefqat),die noch hundertfach strahlender, intensiver und erhabener ist als die Liebe (muhabbet)."In der Tat ist das Mitgefühl in all seinen Arten subtiler und reiner. Was aber Liebe und Leidenschaft betrifft, so sollte man sich für viele ihrer Arten nicht erniedrigen.
Und weiter umfasst das Mitgefühl sehr viele Dinge. Durch das Mitgefühl, das jemand für sein Kind empfindet, umfängt er auch alle Jungtiere, ja überhaupt alles, was da lebt, mit dieser Liebe und zeigt so sich selbst als eine Art Spiegel für die ganze Breite des göttlichen Namens "Rahiem".Dem entgegen beschränkt die Leidenschaft (ashk)ihren Blick auf den Geliebten (mahbub),opfert alles für ihren Geliebten auf. Oder aber sie erniedrigt andere, verletzt sie innerlich, kränkt sie in ihrer Ehre, nur um den Geliebten (aus den andern) herauszuheben und ihn (über sie hinaus) zu loben. So sagt z.B. jemand: "Die Sonne hat die Schönheit meiner Geliebten geschaut und hat in ihrer Verlegenheit den Wolkenvorhang vor ihr Gesicht gezogen, um sie nicht zu sehen." Oh, he, Geliebter, edler Herr! Was für ein Recht hast du denn, dass du die Sonne, dieses von Licht erfüllte Blatt mit den acht gewaltigen Namen, so in Verlegenheit bringen willst?
Außerdem ist selbstlose Liebe (shefkat)aufrichtig (halis).Sie erwartet keine Gegenleistung, ist rein und unentgeltlich... ja selbst die Liebe der Tiere zu ihren Jungen ist in ihrer selbstlosen Bereitschaft, sich zu opfern, noch auf dieser so einfachen Stufe ein Beweis dafür. Leidenschaft (ashk)hingegen wünscht ein Entgelt, verlangt eine Gegenleistung. Tränen der Liebe drücken eine Art von Verlangen aus, betteln um Lohn.
Das also heißt nun, dass die Liebe Jakobs, mit dem der Friede sei, welche das strahlendste Licht der Sure Yusuf, die strahlendste unter den Suren des Qur'an ist, auf die Namen "der Erbarmer, der Allbarmherzige" verweist
und erkennen lässt, dass der Weg des Mitleids zugleich der Weg der Barmherzigkeit ist und als ein Mittel gegen diesen Schmerz des Mit-einander-leidens ausrufen lässt:
فاَللّٰهُ خَيْرٌحاَفِظًا وَهُوَ اَرْحَمُ الرَّاحِمِينَ
{"Denn Gott ist der beste aller Beschützer und Er ist der Erbarmer, der Allbarmherzige." (Sure 12, 64)}
اَلْبَاقِى هُوَ الْبَاقِى
{"Der Beständige ist der, der bleibt und besteht."}
Said Nursi
Neunter Brief
بِاسْمِهِ سُبْحَانَهُ ٭ وَاِنْ مِنْ شَىْءٍ اِلاَّ يُسَبِّحُ بِحَمْدِهِ
{"Im Namen des Hochgelobten; und fürwahr gibt es kein Ding, das Ihn nicht lobpreist."}
Wiederum ein Teil aus einem Brief, den er an den bekannten aufrichtigen Schüler schickte.
Zweitens:
Dein Erfolg, dein Eifer, deine Begeisterung bei der Verbreitung der Lichter des Qur'an ist eine Gabe (ikram)Gottes, ja mehr noch ein Wunder (keramet)des Qur'an, eine Gunst (inayat)des Herrn. Ich gratuliere dir dazu. Da wir aber nun schon einmal über Wunder (keramet),Geschenk (ikram)und Gunst (inayet)gesprochen haben, möchte ich hier noch etwas zu dem Unterschied zwischen einem Wunder (keramet)und einer Gabe (ikram)Gottes sagen. Es ist dies wie folgt:
Wunder zu wirken und darüber zu reden, obwohl kein Schaden befürchtet wurde, ist schädlich. Wenn es jedoch darum geht, eine Gabe Gottes auch zu nutzen und darüber zu reden, so ist dies ein Ausdruck der Freude über Gottes Gnade (ni'met).Wenn jemand, der mit einem Wunder beehrt wurde, dieses wunderbare Ereignis bewusst erlebt und doch dabei seine Seele (nefs-i emmare)an ihrer Eigenwilligkeit festhält, dann kann dies eine Verlockung ins Verderben (istidradj)sein, wenn er nur sich selbst vertraut, wenn er sich auf sich selbst (nefs)und seine Entdeckung (keshf)verlässt und dem Hochmut (gurur)verfällt. Erlebt er aber dieses Wunder nicht bewusst, so z.B. wenn jemand eine (unausgesprochene) Frage im Herzen trägt und ein anderer, einer plötzlichen Eingebung folgend, ihm eine genaue Antwort darauf gibt und er dies erst im nachhinein begreift; hat er dies aber verstanden, so wächst nun sein Vertrauen nicht etwa in sich selbst (nefs),
sondern in seinen Herrn und er sagt: "Ich habe einen Wächter (hafidh)über mir, der für mich besser sorgt als ich selbst." Das stärkt sein Vertrauen in Gott. Und es ist in dieser Art ohne Gefahr. Er ist nicht dazu verpflichtet, es zu verheimlichen, sollte sich aber, des Stolzes (fakhr)wegen, auch nicht darum bemühen, es besonders herauszustellen. Denn: Er könnte es ja auf sich selbst (nefs)beziehen, weil ja die menschliche Fähigkeit ganz offensichtlich damit verbunden ist. Wenn es sich aber um eine Gabe (ikram)handelt, so ist diese noch weniger gefährlich als die (oben beschriebene) zweite, ungefährlichere Art eines Wunders und meiner Meinung nach auch die höher stehende. Etwas herauszustellen heißt, eine Wohltat (ni'met)bekanntzumachen. Mit ihr ist eigenes Zutun nicht verbunden. So kann sich die Seele (nefs)auch nicht darauf berufen.
So ist denn also, mein Bruder, die Güte (ihsan)Gottes, die ich seit langer Zeit an dir sowohl als auch an mir, besonders aber in unserem Dienst am Qur'an beobachtet und darüber berichtet habe, Sein Geschenk (ikram).Das herauszustellen heißt, eine Wohltat (ni'met)bekanntzumachen. Aus diesem Grunde schreibe ich dir über unser beider Erfolg in unserem Dienst, um diese Wohltat (ni'met)bekanntzumachen. Ich wusste ja, dass dies nicht deinen Nerv, stolz zu sein, erregen würde, vielmehr deine Dankbarkeit.
Drittens:
Ich habe beobachtet, dass der glücklichste Mensch in diesem weltlichen Leben derjenige ist, der diese Welt als ein Feldlager ansieht und auch so versteht und sich dementsprechend verhält. Mit diesem Verständnis kann er dann sehr schnell bis zur Stufe der Zufriedenheit (Gottes) aufsteigen, welche die höchste Stufe ist, und wird nicht den Preis eines unvergänglichen Diamanten für den Wert einer Glasscherbe geben. So wird er sein Leben in einer freudigen und geradlinigen Gesinnung verbringen. In der Tat sind die Dinge, die dieser Welt angehören so vergänglich wie zerbrechliches Glas. Was aber die Dinge betrifft, die wir für das Jenseits tun,
so haben sie den Wert harter, unzerstörbarer Diamanten. Starke Gefühle wie heftige Neugier, brennende Liebe (muhabbet),schreckliche Gier und ein unstillbares Verlangen sind uns gegeben, um sie im Dienst der für das Jenseits erforderlichen Dinge (wie Beten und Fasten) einzusetzen. Diese Gefühle mit einer so starken energetischen Ladung für vergängliche irdische Dinge einzusetzen hieße also, vergängliches, zerbrechliches Glas um den Preis unzerstörbarer Diamanten zu geben. In diesem Zusammenhang ist mir etwas eingefallen, was ich hier erzählen möchte. Es ist dies wie folgt:
Leidenschaft (ashk)ist heftige Liebe (muhabbet).Richtet sie sich auf einen irdischen Geliebten (mahbub),verursacht sie entweder ihrem Träger beständige Qual und Leid, oder aber sie veranlasst ihn, den ewigen (baqi)Geliebten zu suchen, weil (der irdische) den Preis einer solchen starken Liebe (muhabbet)nicht wert ist. So verwandelt sich vergängliche (platonische) Liebe (ashk)in wahre Liebe (ashk).
So gibt es denn im Menschen tausenderlei Gefühle. Jedes von ihnen hat wie die Liebe (ashk)zwei Aspekte, einen irdischen (also nur imaginären) und einen wahren (himmlischen). Zum Beispiel: Ein Gefühl der Sorge um die Zukunft gibt es in jedem. Macht sich aber jemand besonders heftige Sorgen, so sieht er, dass er nichts in der Hand hat, um dieser Sorge um seine Zukunft begegnen zu können. Des Weiteren ist es, in Anbetracht dessen, dass für unsere Versorgung ein Unterhalt gegeben und unser Blick in eine Zukunft nur kurz ist, nicht wert, uns darüber so heftig Sorgen zu machen. So wendet er denn sein Gesicht davon ab und statt dessen der Zukunft zu, welche die wahre ist und sich bis weiter hinter dem Grab (ins Unendliche) erstreckt, jedoch nicht die der gottvergessenen ist, denen kein (Unterhalt) zugesichert ist. Des Weiteren zeigt er eine große Begierde um Würde und Besitz... doch sieht er, dass dieser vergängliche Besitz, der ihm nur vorübergehend unter seine Verwaltung gestellt worden ist, dieser fatale Ruhm, seine Würde,
die so gefährlich ist und eine Quelle des Hochmuts, einer so heftigen Begierde nach ihr nicht wert ist. So wendet er sich davon ab und den geistigen Ebenen einer wahren Würde zu, den Stufen der Nähe zu Gott, die seine Wegzehrung (auf der Reise) ins Jenseits sind und den guten Werken, die sein wahres Besitztum. Irdisches Streben im Sinne einer schlechten Charaktereigenschaft wandelt sich dadurch in eine echte, wahre Bestrebung um.
Ein anderes Beispiel: In unnachgiebigem Starrsinn (inad)vergeudet man seine Gefühle für bedeutungslose, flüchtige, vergängliche Dinge. Danach bemerkt er, dass er ein Jahr lang hartnäckig (inad)auf einer Sache bestanden hat, die nicht eine Minute einer solchen Verbohrtheit (inad)wert gewesen wäre. Und weiter besteht er aus reinem Trotz (inad)auf Dingen, die schädlich, giftig sind. Dann bemerkt er, dass ein so starkes Gefühl ihm nicht für solche Dinge gegeben worden war. Es für sie zu vergeuden widerspricht der Weisheit und der Wahrhaftigkeit. So wendet er diese hartnäckige Beharrlichkeit (inad)nicht mehr für so nutzlose und flüchtige Dinge auf, sondern für die hohen und ewigen Glaubenswahrheiten, die Prinzipien des Islam und Werke um ewigen Lohn. So verwandelt sich irdische Hartnäckigkeit als primitive Eigenschaft in eine aufrichtige Beharrlichkeit, die eine schöne und erhabene Eigenschaft ist.
Wenn der Mensch also, wie diese drei Beispiele zeigen, die dem Menschen gegebenen geistigen Anlagen zugunsten seiner eigenen Seele (nefs)und für weltliche Zwecke missbraucht und sich in seiner Gottlosigkeit so verhält, als würde er für ewig in dieser Welt verweilen, so werden sie zu einer Quelle der niederen Gesittung, der Verschwendung und der Sinnlosigkeit. Setzt er sie jedoch nur in abgeschwächter Form für die weltlichen Dinge.... jedoch mit ganzer Kraft für Dinge, die das Jenseits und die geistige Welt betreffen, so werden sie ihm zu einer Quelle lobenswerter Gesittung, entsprechend der Weisheit und Wahrhaftigkeit und dadurch Anlass für die Glückseligkeit in beiden Welten.
So stelle ich mir also vor, dass ein Grund dafür, dass die Vorschläge von Ratgebern in unserer Zeit wirkungslos verhallt sind, darin zu suchen ist, dass sie den sittenlosen Menschen sagen: "Beneidet nicht! Seid nicht gierig! Hasst nicht! Seid nicht verbohrt! Liebt die Welt nicht!" Das heißt, dass sie ihnen vorschlagen, ihre Natur zu verändern, was ihnen als scheinbar unmöglich vorkommt. Sagten sie ihnen statt dessen lediglich: "Gebt doch diesen (emotionalen Energien) einen guten Aspekt; kehrt ihre Stromrichtung um!" So hätte dieser Rat Erfolg und wäre zugleich ein Vorschlag im Rahmen ihrer Entscheidungsmöglichkeiten...
Viertens:
Die Unterschiede zwischen "Islam" und "Glaube" sind seit langem ein Diskussionsthema unter den Gelehrten. Ein Teil von ihnen sagt: "beides ist das gleiche", ein anderer Teil "beides ist nicht das gleiche; doch das eine kann ohne das andere nicht sein" und noch viele andere ähnliche Gedanken geäußert. Ich selbst habe den Unterschied zwischen beiden so verstanden:
Der Islam ist eine Wahl (iltizam),der Glaube eine Gewissheit (iz'an).Mit anderen Worten: Islam(iyet) ist Parteinahme (tarafgirlik)für die Wahrheit, Hingabe (teslim)an sie und Gehorsam ihr gegenüber. Der Glaube (iman)hingegen ist die Annahme und Bestätigung dieser Wahrheit. Ich habe einmal einige Atheisten getroffen, die mit Eifer für die Anordnungen im Qur'an Partei ergriffen. Das heißt, dass diese Atheisten dadurch, dass sie für die Wahrheit (Haqq)Partei ergriffen, zur Islam(iyet) gelangt sind, weshalb man sie als "atheistische Muslime" bezeichnen könnte. Später habe ich dann einige Gläubige getroffen, die nicht für die Anordnungen im Qur'an Partei ergreifen wollten, dies für unnötig hielten... Dies würde also dem Ausdruck "nicht-muslimische Gläubige" entsprechen.
Könnte also ein Glaube ohne Islam(iyet) etwa ein Mittel zur Rettung sein?
Antwort:
So wie eine Islam(iyet) ohne Glaube nicht das
Mittel der Rettung sein kann, so kann auch ein Glaube (iman)ohne die Islam(iyet) nicht das Mittel zur Rettung sein. Lobpreis und Dank sei Gott dafür, dass die Beispiele aus der Risale-i Nur durch die Segensfülle des geistigen Wunders des Qur'an die Früchte, die Ergebnisse des islamischen Glaubens (din)und der Wahrheiten des Qur'an in der Weise klar und deutlich aufgezeigt haben, dass es selbst für einen Ungläubigen unmöglich ist, nicht für sie einzutreten, nachdem er sie einmal verstanden hat. Darüber hinaus haben sie die Beweise und Zeugnisse des Islam in einer so kraftvollen Weise aufgezeigt, dass auch wer kein Jlem ist, sie in jedem Fall bestätigen wird, nachdem er sie einmal verstanden hat. Und auch wenn er kein Muslim bleibt, so wird er doch glauben. Die "Worte (Sözler)"zeigen in der Tat die Früchte des Glaubens und des Islam, welche so wohlschmeckend und schön sind wie die Früchte am Tubabaum des Paradieses, und ihre Ergebnisse, welche so schön und süß wie die Schönheit der Glückseligkeit in beiden Welten sind, in der Weise, dass sie denen, die sie sehen und kennen das Gefühl einer unendlichen Bereitschaft vermitteln, sich für ihn einzusetzen, sich ihm hinzugeben und ihm Gehorsam zu leisten. Sie weisen Zeugnisse für den Glauben und den Islam auf, so kraftvoll wie die Kette allen Lebens (in Folge) und so zahllos wie Staubkörnchen, so dass sie für unendlich lange (Zeit) Gewissheit und Stärke im Glauben vermitteln. Ja, ich verspüre sogar manchmal, wenn ich mit dem Gebet von Schah-i Naqshiband Zeugnis ablege und sage:
عَلٰى ذٰلِكَ نَحْيٰى وَعَلَيْهِ نَمُوتُ وَعَلَيْهِ نُبْعَثُ غَدًا
{"Wir leben in Übereinstimmung mit diesem (Glauben) und werden in ihm sterben und in ihm werden wir wieder auferstehen."}
eine grenzenlose Einsatzbereitschaft. Würde auch die ganze Welt mir dafür gegeben, wollte ich doch nicht eine einzige Glaubenswahrheit dafür opfern. Mir auch nur eine
einzige Minute das Gegenteil von einer Wahrheit vorzustellen, bereitet mir große Schmerzen. Ja, meine Seele (nefs) wäre damit einverstanden, gehörte mir auch die ganze Welt, sie zu geben, damit auch nur eine einzige Glaubenswahrheit entstehen kann.
Sobald ich sage:
وَاٰمَنَّا بِمَآ اَرْسَلْتَ مِنْ رَسُولٍ وَاٰمَنَّا بِمَآ اَنْزَلْتَ مِنْ كِتَابٍ وَصَدَّقْنَا
{"Wir glauben an das, was Du uns durch unseren Propheten gesandt hast; und wir glauben an das, was Du uns durch das Buch geoffenbart hast, und stimmen dem zu."}
So verspüre ich die grenzenlose Kraft des Glaubens. Nach meiner Vorstellung ist das Gegenteil einer jeden Glaubenswahrheit unserem Verstand nicht zugänglich und ich glaube, dass die Leute des Irrtums grenzenlos töricht und verblendet sind.
Ich sende deinen Eltern sehr viele Grüße und spreche ihnen meine Ehrerbietung aus. Sie mögen auch für mich beten. Da du mir ein Bruder bist, erachte ich sie auch als meinen Vater und meine Mutter. Auch sende ich Selam deinem ganzen Dorf, besonders aber all denen, die durch dich die "Worte (Sözler)"hören.
اَلْبَاقِى هُوَ الْبَاقِى
{"Der Beständige ist der, der bleibt und besteht."}
Said Nursi
Zehnter Brief
بِاسْمِهِ سُبْحَانَهُ ٭ وَاِنْ مِنْ شَىْءٍ اِلاَّ يُسَبِّحُ بِحَمْدِهِ
{" In Seinem Namen; Und es gibt kein Ding, das nicht lobend ihn preist."}
Erstens:
Dies ist die Anmerkung, die sich auf den langen Satz im Zweiten Kapitel des Dreißigsten Wortes bezieht, indem die Umwandlung der kleinen Teilchen beschrieben wird.
Im weisen Qur'an wird mehrmals von "einem Klaren Vorbild (Imam-i Mubin,Sure 36, 12)" und von "einer Klaren Schrift (Kitab-i Mubin,Sure 6, 59)" gesprochen. Ein Teil der Kommentatoren meint: "Beide bedeuten das gleiche.", ein anderer Teil hingegen: "Sie sind völlig verschieden." Ihre Aussagen über deren Bedeutung sind also verschieden. Kurz gesagt meinen sie jedoch: "Es sind Bezeichnungen für das Wissen Gottes." Mit den Segen des Qur'an kam ich zu der Überzeugung, dass mit dem Klaren Vorbild eine Art Wissen (ilm)und ein Befehl (emr)Gottes bezeichnet werden soll und sich mehr auf die unsichtbare Welt (alem-i ghaib)als auf die sichtbare Welt (alem-i shehadet)bezieht, d.h. mehr auf die Vergangenheit und die Zukunft als auf die Gegenwart. (Dieser Ausdruck) bezieht sich mehr auf die Ursprünge, die Wurzeln, die Samen und Früchte und die Nachkommen als auf die äußerliche Erscheinungsform der Dinge, bezeichnet ein Buch Seiner Vorherbestimmung. Die Existenz dieses Buches wurde bereits im Sechsundzwanzigsten Wort und in einer Anmerkung des Zehnten Wortes bewiesen.
So ist das Klare Vorbild (Imam-i Mubin)in der Tat eine Bezeichnung für eine Art Wissen und Befehl Gottes. Da die Anfänge aller Dinge, ihre Wurzeln und ihre Ursprünge alles mit einer solchen Meisterschaft und in so
vollkommener Ordnung zu Ende führen, beweist auf jeden Fall, dass sie auf Grund der Prinzipien göttlichen Wissens und nach Seinem Plan bestimmt worden sind. Und da die Ergebnisse aller Dinge, die Samen und Früchte (der Pflanzen) und die Nachkommen (der Tiere) die Programme, Verzeichnisse allen künftigen Seins in sich tragen, lässt uns begreifen, dass sie Katalogen der Befehle Gottes gleichen. Man kann sagen, dass zum Beispiel ein Kern, der die Programme und Inhaltsverzeichnisse für das Wachstum eines ganzen Baumes und die Befehle des Seins (= die Naturgesetze) enthält, welche diese Inhaltsverzeichnisse und Programme bestimmen, deren winzig kleine Verkörperung ist.
Zusammenfassung:
Imam-i Mubin (das Klare Vorbild) gleicht einem Programm oder Inhaltsverzeichnis des Schöpfungsbaumes, der seine Äste und Zweige in die Vergangenheit und die Zukunft und in alle Richtungen der unsichtbaren Welt hinein ausbreitet. In diesem Sinne ist das Klare Vorbild ein Buch, eine Sammlung der Prinzipien der Vorherbestimmung Gottes. Nach der Aufzeichnung dieser Prinzipien und nach ihren Bestimmungen werden die kleinen Teilchen in den Körpern der Dinge in Dienst gestellt und ihren Funktionen zugeführt.
Was aber die Klare Schrift (Kitab-i Mubin)betrifft, so bezieht sie sich mehr auf die sichtbare als auf die unsichtbare Welt. Sie ist mehr auf die gegenwärtige Zeit, als auf die Vergangenheit oder Zukunft gerichtet. Sie ist mehr ein Heft, ein Buch, eine Bezeichnung für die Macht und die Entscheidungsgewalt Gottes als für Sein Wissen und Seinen Befehl. Wie das Klare Vorbild (Imam-i Mubin)das Buch der Vorherbestimmung Gottes ist, so ist die Klare Schrift (Kitab-i Mubin)das Buch Seiner Macht. Das Wesen, die Eigenschaften und Begabungen im Körper eines jeden Dinges sind vollkommen kunstvoll und wohlgeordnet. Das zeigt uns, dass jedes Ding nach den Prinzipien einer vollkommenen Macht und nach den Gesetzen eines einflussreichen Entscheidungswillens mit seiner Form bekleidet wird.
Seine Gestalt wird bestimmt und festgelegt. Sie bekommt ein bestimmtes Maß und eine individuelle Form. Also hat diese Macht und dieser Entscheidungswille eine umfassende, allgemeine Gesetzessammlung, ein Hauptbuch, nach dem eine geeignete Form für jedes Ding und ein ihm eigenes Aussehen zugeschnitten, geschneidert und ihm angezogen wird. Die Existenz dieses Buches ist bei der Abhandlung über das Vorherwissen (Qader)und die Entscheidungsfreiheit (djüz-i ihtiyari)wie auch die des Klaren Vorbildes (Imam-i Mubin)bewiesen. Siehe die Torheit der Gottvergessenen und der Leute des Irrweges und der Philosophen, wie sie die "Wohlverwahrte Tafel" (Lauh-i Mahfuz)der Macht des Schöpfers und die Erscheinungen, Reflexionen und Nachbildungen dieses Buches der Weisheit und des Entscheidungswillen des Herrn in den Dingen verspürten und - Gott bewahre! - mit "Natur" bezeichneten und aus dem Blickfeld gerückt haben. Also schreibt die Macht Gottes mit der Aufzeichnung des Klaren Vorbildes (Imam-i Mubin),d.h. mit der Geltung und dem Gesetz des Vorherwissens (qader)bei der Erschaffung der Dinge die Wogen allen Seins, deren jede ein klares Zeichen ist, auf die Seite der Zeit, die die Tafel vom Aufbau und der Zerstörung (Lauh-i Mahv-Isbat)genannt wird. Sie erschafft und bringt die kleinsten Teilchen in Bewegung.
Also ist die Umwandlung der kleinsten Teilchen eine Schwingung, eine Bewegung, die während dieser Aufzeichnung, dieser Niederschrift entsteht, und alles Sein geht aus der Welt des Unsichtbaren in die bezeugte Welt und aus dem Wissen (Gottes) in Seine Macht hinüber. Was die Tafel vom Aufbau und der Zerstörung (Lauh-i Mahv-Isbat)betrifft, so dient sie der verwahrten Tafel von gewaltiger Größe (Lauh-i Mahfuz-u A'zam),die beständig und fortdauernd ist, als ein Buch, eine Tafel im Bereich der Möglichkeiten, d.h. in den Dingen, die dem Tod und dem Leben, dem Dasein und dem Vergehen ständig ausgesetzt sind, was ja auch der Sinn der Zeit ist.
Wie jedes Ding seine eigene Wahrheit hat, so gilt auch die Wahrheit des gewaltigen Flusses im Kosmos, den wir Zeit nennen, als Blatt und Tinte für die Niederschrift der Macht auf der Tafel vom Aufbau und der Zerstörung (Lauh-i Mahv-Isbat).
لاَ يَعْلَمُ الْغَيْبَ اِلاَّ اللّٰهُ
{"Niemand kennt das Verborgene außer Gott!"}
Zweite Frage:
Wo ist der Platz der Auferstehung?
Antwort:
وَالْعِلْمُ عِنْدَ اللّٰهِ
{"Das Wissen ist bei Gott." (Sure 67, 26)}
In Seiner erhabenen Weisheit, die der allweise Schöpfer in jedem Ding aufzeigt, ja dadurch, dass Er sehr große Weisheiten mit einem sehr kleinen Ding verbindet, setzt Er im Grade der Offensichtlichkeit ein Zeichen, dass unsere Erde ihre gewaltigen Kreise nicht in sinn- und ziellosem Umherschweifen zieht... sie kreist vielmehr um etwas von Bedeutung, zieht ihre Bahnen um ein großes Feld. Während sie so um ein gewaltiges Ausstellungsgelände herumreist, übergibt sie ihm die geistigen Erzeugnisse, die einmal später auf diesem Ausstellungsgelände vor den Augen der Menschen gezeigt werden sollen. Das heißt, dass sich dort das Gelände für die Wiederversammlung ausbreiten und dabei ein Gebiet gefüllt werden wird, (in dessen Mitte) einer alten Überlieferung nach Damakus liegen soll, und dessen Umkreis zu umschreiten fünfundzwanzigtausend Jahre dauern soll. Alle geistigen Erzeugnisse der Erde werden dann zu den Büchern und Tafeln auf diesem Platz gesandt, der jetzt noch hinter dem Schleier des Unsichtbaren verborgen liegt. Wird dann später dieser Platz eröffnet, wird auch sie ihre Bewohner auf diesen Platz entleeren und ihre geistigen
Erzeugnisse werden aus der Verborgenheit heraus zu ihrer Zeugenschaft überführt werden. In der Tat gleicht die Erde einem Acker, der Erzeugnisse genug hervorgebracht hat, um diesen ganzen, großen Platz damit zu füllen, einem Brunnen, aus dem genug Geschöpfe herausgeströmt sind, ihn einzunehmen, einem Scheffel, alle Kunstwerke damit zu messen und ihn damit zu bedecken. Das heißt, dass die Erde wie ein Kern ist und der Auferstehungsplatz mit allem, was sich auf ihm versammelt, wie ein Baum, eine Ähre, ein Kornspeicher. So wie sich in der Tat ein Lichtpunkt in schneller Bewegung zu einer Linie oder einem Kreis aus Licht ausdehnt, so wird auch die Erde durch ihre rasche, zweckmäßige Bewegung zu einer Quelle, aus der heraus der Kreis allen Seins sichtbar wird und der Platz der Großen Wiedersammlung zusammen mit den Erzeugnissen dieses Kreises allen Seins entsteht.
قُلْ اِنَّماَ الْعِلْمُ عِنْدَ اللّٰهِ
{"Sprich: Das Wissen darüber ist bei Gott." (Sure 67, 26)}
اَلْبَاقِى هُوَ الْبَاقِى
{"Der Beständige ist der, der bleibt und besteht."}
Said Nursi
Elfter Brief
بِاسْمِهِ ٭ وَاِنْ مِنْ شَىْءٍ اِلاَّ يُسَبِّحُ بِحَمْدِهِ
{"Im Namen des Hochgelobten; und fürwahr gibt es kein Ding, das Ihn nicht lobpreist."}
Dieser Brief ist ein wichtiges Heilmittel und weist auf vier kleine Juwelen aus der Schatzkammer von vier Ayat hin.
Lieber Bruder!
Über diese vier verschiedenen Dinge hat mich der Weise Qur'an zu verschiedenen Zeiten unterwiesen. Ich habe sie aufgeschrieben, damit auch diejenigen meiner Brüder, die danach das Bedürfnis haben, hieraus ihre Unterweisung empfangen oder eine Lehre daraus ziehen mögen. Es wird hier in diesem Zusammenhang je ein Juwel aus der Schatzkammer der Wahrheiten dieser vier verschiedenen ehrwürdigen Verse gezeigt. Von diesen vier Themen hat jedes Thema eine andere Form und bringt einen anderen Gewinn.
Erstes Thema:
اِنَّ كَيْدَ الشَّيْطاَنِ كَانَ ضَعِيفًا
{"Es sind in der Tat die Listen des Teufels nur schwach." (Sure 4, 76)}
Oh du, meine Seele, die du über den bösen Einflüsterungen (su-i vesvese)verzweifelt bist! Die Gedankenverbindungen und das Nachdenken über Vermutungen sind eine Art von unwillkürlicher Bildformung. Was aber diese Bildformung betrifft und es sich dabei um etwas Gutes und Lichtvolles handelt, so geht ihre Auswirkung in gewissem Grade zu ihren Reflektierungen hinüber, so wie ja auch das Licht und die Wärme der Sonne in das sie reflektierende Spiegelbild hinüber gehen. Wenn es sich dabei aber um etwas Schlechtes handelt, um etwas, das kein Licht durchlässt,
so geht ihre Auswirkung und Eigenschaft nicht in ihre Form hinüber und kann ihr Bild nicht erreichen. So ist z.B. etwas, das schmutzig und verdorben ist, in seinem Spiegelbild weder schmutzig noch verdorben. Auch kann das Spiegelbild einer Schlange nicht beißen.
So ergibt sich denn aus diesem Geheimnis, dass ein nur vorgestellter Unglaube noch kein Unglaube und eine nur vorgestellte Beleidigung keine Beleidigung ist. Und ferner liegt der Grund dafür, dass etwas hässlich, abscheulich oder schmutzig ist, den Leuten der Schule der Tradition und Gemeinschaft (Ehl-i Sünnet ve Djemaat)zufolge, welche die Leute der Wahrheit sind, im Verbot Gottes. Da es sich hier aber nun einmal um ein Nachdenken über Mutmaßungen, eine Ideenverknüpfung gegen Wunsch und Willen handelt, kann man es nicht auf ein Verbot (Gottes) beziehen. Wie abscheulich und schmutzig auch immer ein Ding sein mag, so kann doch dessen Bild nicht abscheulich oder schmutzig sein.
Zweites Thema:
Es sind dies die Früchte von Tannen und Lärchen, Wacholder und Pappel auf der Alm von Barla. Da sie bereits im Band der "Worte (Sözler)"angeführt wurden, sind sie hier nicht nochmals erwähnt.
Drittes Thema:
Dieses und das folgende Thema sind Teile von Beispielen aus dem Fünfundzwanzigsten Wort, welche die Unfähigkeit unserer heutigen Zivilisation gegenüber dem Wunder des Qur'an aufzeigen. Es sind zwei unter Tausenden von Beispielen, die beweisen, wie ungerecht die Gesetze heutiger Zivilisation sind, die dem Qur'an widersprechen.
So ist die Satzung: فَلِلذَّكَرِ مِثْلُ حَظِّ الْاُنْثَيَيْنِ {"Und für einen Mann einen Anteil, entsprechend dem zweier Frauen." (Sure 4, 176)} qur'anisches Recht und absolute Gerechtigkeit und zugleich auch eine Barmherzigkeit. Es ist dies in der Tat
billig und recht, denn die überwältigende Mehrheit aller Männer nimmt sich eine Frau und übernimmt es damit zugleich auch, für sie zu sorgen. Was aber die Frau betrifft, so geht sie zu ihrem Mann, bürdet ihm die Sorge für sich selbst auf, und genau das gleicht den Unterschied zwischen dem, was sie ererbt haben wieder aus. Es ist dies zugleich auch eine Barmherzigkeit, denn das schwächere Geschlecht bedarf in hohem Maße aller Liebe (shefqat)ihres Vaters und von ihren Brüdern. Entsprechend dem Recht des Qur'an empfängt ein Mädchen die Liebe ihres Vaters völlig problemlos. So kann ihr Vater sie ohne jede Sorge betrachten und braucht nicht zu sagen: "Sie ist ein Kind der Sorge, denn aus ihrer Hand wird die Hälfte meines Erbes (als ihr Erbteil) in die Hände eines Fremdlings übergehen." So mischen sich Kummer und Sorge nicht mit seiner Liebe. So empfängt sie auch die Liebe und Fürsorge ihres Bruders ohne (einen Gedanken von) Rivalität und Neid. Er braucht sie nicht mit seinen Augen wie "eine Rivalin, welche die Hälfte meiner Familie zu Grunde richten und einen bedeutenden Teil unseres Besitztums aus ihrer Hand einer anderen Hand übergeben wird" betrachten. So werden sich in dieses Gefühl der Liebe und der Fürsorge keine Vorbehalte oder gar Feindseligkeit einmischen. So ist denn dieses von Natur aus zierliche und leicht empfindliche, in ihrer Art schwache, anfällige Mädchen zwar offensichtlich ein wenig benachteiligt, doch statt dessen gewinnt sie einen unerschöpflichen Reichtum an Liebe und Mitleid (merhamet ve shefqat)all derer, die ihr nahe stehen. Ihr also mehr zu geben, als ihr eigentlich zustünde, der Meinung, ihr so mehr Barmherzigkeit zu erweisen als das Wahrhaftige Erbarmen, ist gar keine Barmherzigkeit (merhamet),sondern ein großes Übel (dhulum).
So vermag denn in der Tat die wilde Gier unserer Zeit (eine Erinnerung) an die offensichtliche Grausamkeit in vorislamischer Zeit (wachzurufen), als Mädchen noch in wilder Eifersucht lebendig begraben wurden und das Tor zu erbarmungsloser Ruchlosigkeit zu öffnen.
Und so bestätigen denn gleich diesem alle qur'anischen Satzungen das Gebot:
وَمَآ اَرْسَلْناَكَ اِلاَّ رَحْمَةً لِلْعَالَمِينَ
{"Wir haben dich einzig als Barmherzigkeit für alle Welten gesandt." (Sure 21, 107)}
Viertes Thema:
فَـِلاُمِّهِ السُّدُسُ
{"Und der Mutter ein Sechstel." (Sure 4, 11)}
So hat denn diese Art einer mehr ärgerlichen als bürgerlichen Zivilisation (mimsiz medeniyet),so wie sie den Töchtern einen größeren Anteil gibt, als das, was ihr gerechter Anteil ist, ein großes Unrecht begangen und begeht sie ein noch weit größeres Unrecht, indem sie der Mutter nicht den gerechten Anteil gibt, der ihr gerechterweise zusteht. Ist doch in der Tat die Liebe (shefqat)der Mutter, welche des Herrn Allbarmherzigkeit in ihrer ehrenvollsten, süßesten, tiefgründigsten und lieblichsten Form ist, unter den Grundgesetzen des Alls das ehrenwerteste und ehrwürdigste Gesetz (haqiqat).Eine Mutter ist eine Freundin, so großzügig (kerim)und so barmherzig und zu jedem Opfer bereit, dass eine Mutter, von dieser Liebe getrieben, all ihr Hab und Gut, Leib und Leben, für ihr Kind zum Opfer bringt. Noch auf der einfachsten und untersten Ebene der Mütterlichkeit wird selbst noch ein ängstliches Huhn in einem (Ausdruck eines) winzig kleinen Fünkleins dieser (göttlichen) Liebe (shefqat)selbst noch einen Hund anspringen, sich einem Löwen entgegenwerfen, um ihr Junges zu verteidigen.
Eine Mutter, die Trägerin einer so ehrenwerten und erhabenen Wahrheit, des Eigentums ihres Kindes zu berauben, ist eine so schreckliche Ungerechtigkeit, eine so fürchterliche Ehrlosigkeit, eine solche Undankbarkeit gegenüber der göttlichen Gnade, dass der Thron der
Göttlichen Barmherzigkeit darüber ins Wanken gerät und ein Gift, dass sich unter den so strahlenden, genesenden Heiltrank menschlichen Gemeinschaftslebens mischt, dass selbst dann, wenn solch menschliche Ungeheuer, die behaupten, dass die Liebe zur Menschheit ihnen am Herzen läge, dies nicht verstehen können, es doch ein wahrer Mensch versteht. Sie wissen, dass die Satzung des Allweisen Qur'an: فَـِلاُمِّهِ السُّدُسُ {"Der Mutter ein Sechstel." (Sure 4, 11)} absolutes Recht und die reinste Gerechtigkeit ist.
اَلْبَاقِى هُوَ الْبَاقِى
{"Der Beständige ist der, der bleibt und besteht."}
Said Nursi
Zwölfter Brief
بِاسْمِهِ سُبْحَانَهُ ٭ وَاِنْ مِنْ شَىْءٍ اِلاَّ يُسَبِّحُ بِحَمْدِهِ ٭ اَلسَّلاَمُ عَلَيْكُمْ وَعَلٰى رُفَقَآئِكُمْ
{"Im Namen dessen, der gepriesen sei. Und es gibt kein Ding, dass ihn nicht in Dankbarkeit lobpreist. Friede sei mit euch und mit euren Freunden!"}
Meine geliebten Brüder!
Ihr habt mir in der letzten Nacht eine Frage gestellt, auf die ich euch keine Antwort gegeben habe, denn es ist nicht erlaubt, die Glaubensfragen nach Art eines Streitgesprächs zu behandeln. Ihr habt jedoch ein solches Streitgespräch miteinander geführt. Deshalb schreibe ich jetzt eine ganz kurze Antwort auf die drei Fragen, über die ihr euch gestritten habt. Eine ausführliche Erklärung könnt ihr in den "Sözler" finden, deren Titel sich der Herr Apotheker notiert hatte. Dabei war mir aber das Sechsundzwanzigste Wort nicht mehr eingefallen, das vom Vorauswissen Gottes und von der menschlichen Entscheidungsfreiheit handelt. Ihr könnt dort nachlesen; das hatte ich euch noch nicht gesagt. Lest das aber nicht so wie eine Zeitung! Der Grund (sirr)dafür, dass ich den Herrn Apotheker empfohlen hatte, diese "Sözler" zu lesen, ist jedoch der: Bei solcher Art Fragen kommen die Zweifel aus einer Glaubensschwäche gegenüber den Grundsätzen des Glaubens. Diese "Sözler" aber sind ein vollkommener Beweis für diese Glaubensgrundsätze.
Eure erste Frage:
Wo findet sich der Sinn (hikmet)dafür, dass Hasret Adam aus dem Paradies vertrieben wurde und ein Teil der Adamssöhne zur Hölle verdammt wird?
Antwort:
Die Weisheit (hikmet)liegt in dem (mit ihr verbundenen) Auftrag... Adam wurde mit einer Aufgabe betraut und dazu gesandt, dass der Geist des Menschen sich vollkommen entwickle, der Same aller menschlichen Begabung sich öffne und entfalte und das Wesen des Menschen zu einem Spiegel werde, in dem sich alle Namen Gottes sammeln.
Dies war der Zweck seiner Aufgabe. Wäre Adam im Paradies geblieben, wäre seine Stellung (maqam)der eines Engels gleich geblieben, hätten sich seine menschlichen Begabungen nicht entfalten können. Dagegen aber ist die Zahl der Engel, die permanent auf der selben Stufe (maqam)verharren, groß. Für diese Art Anbetung ist der Mensch nicht notwendig. Vielmehr verlangt die Weisheit Gottes nach einem Ort der Prüfung, welcher den Fähigkeiten des Menschen entspricht. Ist er doch dafür bestimmt, auf unendlich vielen Stufen emporzusteigen. Aus diesem Grunde wurde er nach dem bekannten Sündenfall, so wie er nun einmal im Gegensatz zu den Engeln in seiner Natur lag, aus dem Paradies vertrieben. Das aber heißt, dass so, wie die Vertreibung Adams aus dem Paradiese lautere Weisheit und Barmherzigkeit war, auch die Verdammung der Ungläubigen zur Höllenstrafe nur recht und billig (haq ve adalet)ist.
Wir haben schon in der "Dritten Anmerkung" zum "Zehnten Wort" gesagt: Hätte ein Ungläubiger in seinem kurzen Leben nur diese eine einzige Sünde (seines Unglaubens) begangen, so läge dennoch in dieser Sünde ein grenzenloses Verbrechen (als dessen Folge), denn Unglaube heißt, die ganze Schöpfung zu beleidigen, ihren Wert herabzusetzen und das Zeugnis, das aller Kunstwerke (also alles Geschaffenen) für die Einheit Gottes zu leugnen und alle Namen Gottes, die in allem, was da ist, wie in einem Spiegel in Erscheinung treten, zu verachten. Wo also alles Sein gegenüber den Ungläubigen sein Recht fordert und wenn Gott dann in Seinem Zorn (Qahhar)und in all Seiner Majestät (Djelal)diese Ungläubigen für ewig in die Hölle wirft, so ist dies nur recht und billig (haq ve adalet),denn ein grenzenloses Verbrechen erfordert auch eine unendliche Strafe.
Eure zweite Frage:
Wofür wurde der Teufel erschaffen und weshalb ist er da? Zu welchem Zweck (hikmet)hat Gott der Gerechte den Teufel und das Böse geschaffen? Ist die Schaffung des Bösen böse und Schaffung des Schlechten schlecht?
Antwort:
Gott bewahre!...Nicht die Erschaffung des Bösen ist böse, vielmehr das Böse zu tun ist böse. Denn Erschaffung und Dasein beziehen sich auf ihren Sinn und den ganzen Zweck. Das Tun aber steht in einem bestimmten Zusammenhang, geschieht zu einem besonderen Zweck. Zum Beispiel: Die Regenwolken, die heraufziehen, kommen aus tausenderlei Gründen und jede dient einem guten Zweck. Wenn jedoch einzelne (Personen) durch ihr falsches Verhalten (su-i ihtiyar)zu Schaden kommen, so dürfen sie deswegen nicht etwa sagen: "Die Existenz des Regens ist keine Barmherzigkeit." Es wäre ungerecht, wollte einer behaupten: "Die Erschaffung des Regens ist böse." Vielmehr ist das falsche, das verkehrte Tun, der Missbrauch böse für ihn. So liegt auch in der Erschaffung des Feuers eine Fülle von Segen. Segen aber ist gut. Wenn jedoch eine durch ihr falsches Verhalten und ihr verkehrtes Tun einen Feuerschaden erleidet, so darf sie dann nicht sagen: "Die Erschaffung des Feuers ist schlecht." Denn das Feuer ist nicht einzig dazu erschaffen, sie zu brennen, denn sie hat durch ihr eigenes falsches Verhalten (su-i ihtiyar)ihre Hand in das Feuer gesteckt, das ihr das Essen kochen sollte und sich so einen Diener zum Feind gemacht.
Zusammenfassung:
Wenn ein großes Gut mit ein wenig Schlechtem verbunden ist, so ist dies akzeptabel. Wollte also jemand, weil ein wenig Schlechtes nicht sein soll, das jedoch viel Gutes hervorbrächte, nun das Schlechte vermeiden, so hieße dies doch, viel Schlechtes zu tun. Zum Beispiel: Werden Soldaten für den Kampf ausgehoben, so entsteht dabei mit Sicherheit auch ein wenig Schaden an Hab und Gut, an Leib und Leben.
Doch in diesem Kampf liegt auch viel Gutes, sodass der Islam vor einem Angriff der Ungläubigen gerettet werden kann. Unterbleibt aber um dieses kleinen Schadens willen der Kampf, so entsteht daraus durch den Verlust eines großen Gutes ein großes Übel. Das aber kommt der Tyrannei gleich. Oder, um ein anderes Beispiel anzuführen: Wenn es bei einem Gasbrand notwendig geworden ist, den Finger abzuschneiden, so ist dies gut und schön, denn es ist nur ein äußerliches Übel. Schneidet man nicht den Finger ab, muss man (statt dessen später) die ganze Hand abnehmen. Das aber wäre ein großes Übel.
So ist denn die Erschaffung und das Dasein des Bösen, des Unheils, der Zerstörung und des Zerfalls, der Teufel und jeglicher Art Schädlinge weder böse noch hässlich. Denn sie sind zu vielen bedeutenden Zwecken erschaffen worden. Zum Beispiel: Da die Engel nicht von den Teufeln gequält werden, gibt es für sie auch keine Fortentwicklung. Ihre Stellung (maqam)ist festgelegt und unterliegt keinem Wandel. Genauso werden auch die Tiere nicht von den Teufeln gequält, ihre Rangordnung ist festgelegt, mangelhaft. Was aber die Menschenwelt betrifft, so ist ihre Stufenleiter (merteb)nach oben und unten hin ohne Grenze. Von Nimrod angefangen über die Pharaonen bis hin zu den Heiligen und Propheten führt ein sehr langer Weg in vielen Stufen aufwärts.
So wurde denn bei der Erschaffung der Teufel, im Geheimnis (sirr)unserer Verantwortung, verbunden mit der Sendung der Propheten, ein Ort der Prüfung eröffnet, um Erfahrungen zu sammeln, sich zu bemühen (Djihad),(ja in guten Werken miteinander) zu wetteifern, um die niederen, kohlengleichen Geister von den diamantengleichen, erhabenen Geistern zu scheiden und zu trennen. Wenn dieses Bemühen und der Wetteifer nicht wären, würden die (verschiedenen) Begabungen des menschlichen Geistes, die den Diamanten und der Kohle gleichen, beieinander bleiben. Der Geist von Abu Baqr as-Siddiq in den höchsten Höhen und der Geist von Abu Djahil
in der tiefsten Tiefe befänden sich miteinander auf der gleichen Stufe. Das heißt, die Erschaffung der Teufel und allen Unheils sind, da sie sich auf große und allgemeine Belange erstrecken, nicht von ihrem Dasein her böse, nicht hässlich, sondern führen durch das, aus ihrem Missbrauch und dem persönlichen Umgang mit ihnen, durch das eigene Tun entstandene Böse, Hässliche, zu dem, was dem menschlichen Daseinsbereich zugehört, nicht zu dem, was dem Bereich der göttlichen Schöpfung zugehört.
Nun könnte man aber die folgende Frage stellen:
Durch die Sendung der Propheten bei gleichzeitiger Existenz der Teufel werden die meisten Menschen zu Ungläubigen, verfallen dem Unglauben, erleiden Schaden. Zieht man nun die Schlussfolgerung im Hinblick auf die Masse, jene Mehrheit, die dabei den Schaden davongetragen hat, kann man dann nicht sagen, dass die Erschaffung des Bösen böse, ja sogar die Sendung der Propheten gar keine Barmherzigkeit ist?
Antwort:
Die Quantität hat keine Bedeutung gegenüber der Qualität. Die eigentliche Mehrheit bezieht sich auf die Qualität. Zum Beispiel: Gäbe es hundert Dattelkerne und würde man diese nicht in die Erde stecken und mit Wasser begießen und würde sodann nicht der Wachstumsprozess in Gang kommen und der Kampf ums Leben stattfinden, so würde der Wert von hundert Dattelkernen hundert Para betragen. Wenn man sie aber mit Wasser begießt und nun der Kampf ums Überleben beginnt, wobei dann achtzig von ihnen infolge schlechter Qualität verderben, während nur zwanzig von ihnen zu zwanzig fruchttragenden Dattelpalmen werden, würdest du dann sagen: "Sie zu begießen war schlecht, weil es die meisten von ihnen verdorben hat?" Das wirst du sicherlich nicht sagen. Denn aus diesen zwanzig sind zwanzigtausend geworden. Wo also zwar achtzig verdorben, jedoch zwanzigtausend gewonnen wurden, ist kein Schaden entstanden, ist nichts Schlechtes geschehen.
Oder um ein anderes Beispiel zu bringen: Hätten wir hundert Pfaueneier, betrüge der Wert der Eier fünfhundert Kurusch. Ließe man jedoch diese hundert Eier ausbrüten und würden achtzig von ihnen dabei verderben, während aus zwanzig von ihnen zwanzig Küken schlüpfen und jedes von ihnen zu einem Pfau heranwachsen würde, könnte man dann etwa sagen: "Das hat viel Schaden angerichtet. Es war hässlich, so zu handeln. Das Bebrüten der Eier war schlecht, war böse?" Nein, sicherlich nicht; es war gut so. Denn den Pfauenvögeln ging zwar aus der Zahl ihrer Eier achtzig Stück im Werte von vierhundert Kurusch verloren, stattdessen konnte jedoch ein Gewinn von zwanzig Vögeln im Werte von achtzig Lira erzielt werden.
So hat denn das Menschengeschlecht durch die Entsendung der Propheten im Geheimnis (sirr)unserer Verantwortung, durch unsere Bemühungen, im Kampf gegen die Teufel Hunderttausende von Propheten, Millionen von Heiligen und Milliarden von Gottesgelehrten gewonnen, welche zu Sonnen, Monden und Sternen in der Welt der Menschen wurden, während die Ungläubigen und die Heuchler zwar zahlenmäßig viele, von ihrer Qualität jedoch bedeutungslos sind.
Ihre dritte Frage:
Gott der Gerechte schickt das Unglück, bringt Katastrophen (über die Welt). Ist das nicht eine Ungerechtigkeit gegenüber allen unschuldigen (Menschen), ja sogar gegenüber den Tieren?
Antwort:
Gott bewahre! Sein ist das Reich. Er verfügt über Sein Eigentum so wie Er will. Ja, ließe dich ein Künstler gegen ein Honorar Modell stehen, hieße dich ein künstlerisch entworfenes und ausgestaltetes Gewand anziehen und würde Er es nun, um Seine Kunstfertigkeit und Geschicklichkeit vor Augen zu führen, ausmessen und zuschneiden, es kürzen oder verlängern, ließe dich hinsetzen oder aufstehen, würdest du dann etwa zu Ihm sagen: "Du hast aus dem Kleid, das mich doch so geschmückt hatte, ein hässliches gemacht, mir dadurch,
dass du mich aufstehen und wieder hinsetzen hießest, Umstände gemacht"? Du wirst es sicherlich nicht sagen. Sagtest du es aber, hättest du einen Unsinn gesagt. Genauso aber ist es, wenn der Schöpfer in Seiner Herrlichkeit dich mit einem künstlerisch gestalteten Körper bekleidet und ihn mit solchen Sinnen wie Gesicht, Gehör, Geruch Geschmack ausgeschmückt hat, um zu zeigen, wie Seine verschiedenen Namen so schön verziert sind, dich krank werden lässt, dich einem Unglück aussetzt, dich hungrig oder satt werden lässt oder dich durstig macht und dich zwischen diesen verschiedenen Zuständen hin und her wirft. Um das Wesen des Lebens stärker hervortreten zu lassen und dir die Erscheinungsweisen Seiner Namen vor Augen zu führen, lässt er dich in so vielen Lebensumständen herumwirbeln. Wolltest du aber nun sagen: "Warum hast du mir dieses Unglück zustoßen lassen?" würden dich hundert Weisheiten schweigen heißen, wie wir ja in unserem Beispiel darauf hingewiesen haben. Es ist in der Tat das Verweilen, die Ruhe, die Trägheit, die Eintönigkeit, der Stillstand eine Art des Nicht-Seins und also ein Schaden. Bewegung und Veränderung bilden das Dasein und also dessen Güte (d.h. Qualität). Das Leben findet seine Vollendung in der Bewegung, entfaltet sich mit den Unglücken. Das Leben wird mit den Namen Gottes, die dabei durch mannigfaltige Ereignisse in Erscheinung treten, herausdestilliert, gewinnt seine Kraft, wächst, blüht und gedeiht, und gestaltet sich zu der Feder, die (über die Seiten des Lebens) geführt wird, um das eigene künftige Geschick damit niederzuschreiben, erfüllt so seinen Sinn, erlangt ein Recht auf seinen jenseitigen Lohn.
Dies also sind kurzgefasst die Antworten auf die (oben angeführten) drei Streitfragen. Weitere Erklärungen finden sich in den dreiunddreißig "Worten" (Sözler).
Lieber Bruder, lies diesen Brief bitte dem Apotheker und denen, die du unter denen, welche diese Disputation mit angehört haben, für geeignet hältst, vor! Grüße (Selam)
meinerseits diesem Apotheker, der mein neuer Schüler ist, und sage ihm auch:
"Derart kritische Fragen über den Glauben gleich diesen oben erwähnten Fragen, darf man innerhalb einer Gemeinschaft nicht nach Art eines unausgewogenen Streitgesprächs behandeln, weil derartige unausgewogenen Streitgespräche, obwohl sie doch ein Heiltrank sein könnten, zu Gift werden für diejenigen welche derartige Disputationen durchführen, als auch für deren Zuhörer und ihnen zum Schaden gereichen. Man sollte derartige Glaubensfragen vielmehr mit einem gewissen Gleichmut, mit Wohlausgewogenheit und Gerechtigkeit und der Bereitschaft zu einem echten Dialog besprechen." Und sage ihm weiter: "Wenn in deinem Herzen Zweifel über derartige Disputationen auftauchen und ihr auch in den "Worten" (Sözler)die Antwort nicht findet, könnt ihr mir jederzeit persönlich schreiben." Des Weiteren sage dem Herrn Apotheker: "Was den Traum von seinem verstorbenen Vater betrifft, so habe ich in meiner Vorstellung die folgende Deutung gefunden: Da sein verstorbener Vater ein Arzt war, hat er bestimmt auch vielen frommen und gesegneten, ja heiligmäßigen Menschen helfen können und die Seelen (ervah)dieser Gesegneten, die mit ihm zufrieden waren und nun verstorben sind, und die sein Sohn als dessen nächster Verwandter bei dessen Hinscheiden in der Gestalt von Vögeln gesehen hat, sind nun als seine Fürsprecher zu ihm gekommen, um ihm ihr Willkommen zu entbieten. Das war es, was mir dazu eingefallen ist."
Allen Freunden, die in jener Nacht da waren, meinen Gruß (Selam)und mein Gebet.
اَلْبَاقِى هُوَ الْبَاقِى
{"Der Beständige ist der, der bleibt und besteht."}
Said Nursi
Dreizehnter Brief
بِاسْمِهِ سُبْحَانَهُ ٭ وَاِنْ مِنْ شَىْءٍ اِلاَّ يُسَبِّحُ بِحَمْدِهِ ٭ اَلسَّلاَمُ عَلٰى مَنِ اتَّبَعَ الْهُدٰى ٭ وَالْمَلاَمُ عَلٰى مَنِ اتَّبَعَ الْهَوٰى
{"In Seinem Namen. Und fürwahr gibt es kein Ding, das Ihn nicht lobpreist." "Friede allen, die der Rechtleitung folgen und Schande über alle, die ihrem Gelüste folgen."}
Meine lieben Brüder,
Ihr fragt mich so oft nach meinem Befinden, nach meinem Wohlergehen, warum ich mich nicht um einen Ausweis bemühe und warum ich der politischen Lage der Welt gegenüber gleichgültig bleibe. Weil mir aber dergleichen Fragen wiederholtermaßen gestellt wurden und auch in meinem Inneren aufgetaucht sind, sehe ich mich dazu gezwungen, die nachstehenden drei Fragen nicht in der Sprache des Neuen Said, aber doch in der Sprache des Alten Said zu beantworten.
Eure erste Frage:
Befindest du dich wohl und wie fühlst du dich?
Antwort:
Dem Herrn sei hunderttausend Mal Dank gesagt dafür, dass Er nach der Überfülle Seiner Erbarmungen alle die Arten von Ungerechtigkeit, welche die Weltleute mir angetan haben, in Arten Seines Erbarmens umgewandelt hat. Und das geschah so:
Nachdem ich mich von der Politik und den weltlichen Dingen zurückgezogen hatte, um in einer Berghöhle über das Jenseits nachzudenken, haben die Weltleute in ihrer Ungerechtigkeit mich da wieder herausgeholt und verbannt. Doch der weise und barmherzige Schöpfer hat diese Verbannung für mich umgewandelt und mir Barmherzigkeit erwiesen. Er hat mir dieses Einsiedlerleben auf dem Berg mit der Unsicherheit, der ich dort ausgesetzt
war und all den Gründen, die die Reinheit meiner Absicht (ihlas) hätten zerstören können, in eine sichere und aufrichtige Rüstzeit (halvet) in den Bergen von Barla umgewandelt. Während ich mich in Russland in Gefangenschaft befand, fasste ich den Vorsatz (niya) und flehte, mich die letzte Zeit meines Lebens in eine Höhle zurückzuziehen. Er hat mir nach der Überfülle Seiner Erbarmungen Barla als meine Höhle bereitet, mir einer Höhle gleich zum Lohn gegeben. Doch hat Er meinem schwachen Körper die mühselige Anstrengung einer Höhle nicht aufgelastet. Es hatten aber in Barla zwei, drei Männer Verdacht geschöpft. Ich wurde auf Grund dieser Verdächtigungen unter Druck gesetzt. Und dabei hatten doch diese meine Freunde angeblich nur an mein Wohlergehen gedacht. Sie haben aber mit ihren Verdächtigungen sowohl meinem Herzen als auch dem Dienst am Qur'an geschadet. Obwohl die Weltleute allen Verbannten ihre Ausweise gegeben, sie amnestiert und aus den Gefängnissen entlassen haben, haben sie mir ungerechterweise nichts gegeben. Mein Herr, der mich in Seiner Barmherzigkeit in dieser Fremde vor allen Unruhen diese Wirren Zeit bewahrt hat, um mich in meiner Arbeit am Qur'an noch mehr in den Dienst zu nehmen und damit ich über das Licht (envar) des Qur'an in meinen "Sözler" noch mehr niederschreiben könne, hat mein Los umgewandelt und mir so eine große Barmherzigkeit erwiesen.
Die Weltleute haben noch dazu alle einflussreichen und mächtigen Führer und Scheiche, die sich in ihre weltlichen Angelegenheiten einmischen könnten, erlaubt, in ihren kleinen und großen Städten zu bleiben und mit ihren Verwandten und überhaupt mit jedermann zu verkehren; mich hingegen haben sie ungerechterweise isoliert und aufs Dorf geschickt. Man hat meinen Verwandten und den Landsleuten aus meiner näheren Heimat, ein, zwei von ihnen ausgenommen, noch nicht einmal eine Besuchserlaubnis erteilt. Mein Schöpfer hat mir diese Isolation in Seiner Barmherzigkeit in ein ganz großes Erbarmen umgewandelt.
Dadurch hat Er mir mein Denken rein erhalten, meinen Verstand von jeglicher Verwirrung befreit und mich den Segen aus dem Weisen Qur'an unverfälscht schöpfen lassen. Überdies haben es die Weltleute am Anfang als zu viel angesehen, dass ich in einem Zeitraum von zwei Jahren zwei einfache Briefe geschrieben habe. Ja sogar noch heute sehen sie es gar nicht gerne, wenn alle zehn oder zwanzig Tage oder ein Mal im Monat ein, zwei Gäste kommen, nur um des Jenseits willen (d.h. um über das Himmelreich und andere religiöse Dinge zu sprechen). So setzen sie mich unter Druck. Mein Herr in Seinen Erbarmen und Schöpfer hat mir diese Ungerechtigkeit in Seiner Weisheit in eine Barmherzigkeit umgewandelt. Denn in meiner Isolierung hat Er mir diese heiligen drei Monate (= Redjeb, Sha'ban, Ramadan),aus denen man den inneren Gewinn eines neunzig jährigen Lebens ziehen kann, umgewandelt und einer ersehnten Rüstzeit gleich auferlegt wie ein willkommenes Einsiedlerdasein. Lobpreis und Dank sei Allah für einen jeglichen Zustand und jede Lage. So also ist mein Wohlergehen und wie ich mich befinde...
Eure zweite Frage:
Warum bemühst du dich nicht darum, einen Ausweis zu erhalten?
Antwort:
In dieser Angelegenheit wurde ich von der Macht Gottes (qader)gerichtet. Nicht ein weltliches Gericht hat mich verurteilt. Beim Herrn des Schicksals (qader)muss ich vorstellig werden. Erteilt Er mir die Erlaubnis, stellt Er meine Versorgung hier ein, werde ich gehen. Diese Tatsache erklärt sich folgendermaßen:
Für jedes Ereignis, das über einen kommt, gibt es zwei Gründe: der eine ist ein äußerlicher, der andere der wahre. Die Weltleute sind der äußerliche Grund dafür, dass man mich hierher gebracht hat. Was aber die Macht Gottes (qader)betrifft, so ist sie der wahre Grund dafür, dass ich zu dieser Rüstzeit verurteilt worden bin. Die äußere Veranlassung hat mir ein Unrecht getan, was aber den wahren Grund betrifft, so bin ich gerecht behandelt.
Äußerlich betrachtet hat man sich gedacht: "Dieser Mann setzt sich bis zum Äußersten für die Wissenschaft und den Glauben ein. Vielleicht mischt er sich noch in unsere weltlichen Angelegenheiten ein." Auf Grund dieser Vermutung hat man mich verbannt und mir in dreifacher Hinsicht ein Unrecht getan. Doch die Macht Gottes hat gesehen, dass ich nicht in Wahrhaftigkeit und Aufrichtigkeit der Wissenschaft und dem Glauben diene und mich um meinetwillen zu dieser Verbannung verurteilt. Sie hat ihr vielfaches Unrecht in hundertfältiges Erbarmen umgewandelt.
Da also nun einmal die Konsequenz (qader)in meiner Verbannung der Richter ist und das Schicksal (qader)gerecht ist, muss ich bei ihm vorstellig werden. Was aber den äußeren Grund betrifft, so ist er in der Tat eine Sache von der Art eines Vorwandes. Das heißt also, dass bei ihnen vorstellig zu werden, sinnlos wäre. Wären sie im Recht, oder hätten sie einen zutreffenden Grund zur Hand, dann könnte ich auch bei ihnen vorstellig werden. Obwohl ich ihre Welt vollständig aufgegeben habe und mich von ihrer Politik ganz und gar abgewandt habe, erfinden sie dennoch Einwände, Ausreden und Verdächtigungen, die ganz gewiss grundlos sind, weshalb ich um nichts weiter bei ihnen nachfragen möchte, um ihren Verdächtigungen nicht einen Anstrich von Wahrheit zu verleihen. Hätte ich dazu Lust verspürt, mich in weltliche Politik einzumischen, deren Fäden in den Händen der Fremden zusammenlaufen, würde es keine acht Jahre, ja vielleicht nicht einmal acht Stunden dauern, bis das durchsickern und sich selbst verraten würde. Doch habe ich seit acht Jahren nicht mehr den Wunsch gehabt, eine Zeitung zu lesen und habe auch keine gelesen. Ich stehe hier schon seit vier Jahren unter Kuratel und nicht ein Tröpfchen ist durchgesickert und hat sich verraten. Das heißt: der Dienst am Weisen Qur'an ist von einer solchen Erhabenheit über alle Politik, dass darinnen kein Platz mehr bleibt, sich zu einer weltlichen Politik herabzulassen, die zum größten Teil aus Lüge besteht.
Der zweite Grund dafür, dass ich bei Weltleuten nicht vorstellig werden will, ist der, dass ich kein Recht von denen fordern will, die das Unrecht für Recht ansehen, was auch eine Art Ungerechtigkeit wäre. Diese Art Unrecht zu begehen aber will ich nicht.
Eure dritte Frage:
Warum verhältst du dich weltlicher Politik gegenüber so gleichgültig? Warum kümmert dich nicht das verbotene Vergnügen dieser Welt? Willst du über diese Vergnügungen wohlwollend hinwegsehen? Oder fürchtest du dich, sodass du schweigst?
Antwort:
Der Dienst am Weisen Qur'an hat mir die Welt der Politik streng verboten. Ja sie lässt mich sogar jeden Gedanken daran vergessen. Im Gegenteil: mein ganzes Leben ist ein Zeugnis dafür, dass Furcht mich nicht an meinen Platz fesseln und daran hindern konnte, den einmal als wahr erkannten Weg zu beschreiten, mich gar nicht daran hindern kann. Und wovor sollte ich mich denn auch fürchten? Ich bin durch nichts an dieses irdische Leben gebunden außer durch eine Frist. Ich brauche nicht an Frau und Kinder zu denken. Ich brauche nicht an Hab und Gut zu denken. Ich brauche nicht an die Ehre meines Hauses zu denken. Nicht über denen, die mir helfen, Ruhm und Ehre dieser Welt zu bewahren, die ja doch nur aus Heuchelei und trügerischer Berühmtheit bestehen, sei das Erbarmen, nein, vielmehr über denen, die mir helfen, sie zu zerbrechen... Es verbleibt mir noch eine Frist. Sie ruht in den Händen der Majestät (Gottes) des Schöpfers. Wer könnte es wagen, an ihr zu rühren, bevor sie abgelaufen ist? Gewiss gehören wir zu denen, die "einen Tod in Würde vor einem Leben in Schmach bevorzugen." Einer, der so war wie der "alte Said", hat einmal gesagt:
وَنَحْنُ اُنَاسٌ لاَ تَوَسُّطَ بَيْنَنَا لَنَا الصَّدْرُ دُونَ الْعَالَمِينَ اَوِ الْقَبْرُ
{"Wir sind diejenigen, für die es keinen Mittelweg gibt. Uns gehört entweder ein Ehrenplatz unter den Menschen oder das Grab."}
Ja der Dienst am Qur'an hat mir sogar verboten, an das öffentliche und soziale Leben der Menschen zu denken. Das ist folgendermaßen:
Das Menschenleben ist eine Reise. Ich habe im Lichte des Qur'an gesehen, dass dieser Weg heute in einen Sumpf hineingeraten ist. In diesem fauligen und schlammigen Sumpfgelände zieht die Schar der Menschen dahin, bald fallend, bald wieder aufstehend. Nur ein Teil von ihnen schreitet auf sicherem Pfad. Ein anderer Teil versucht, sich so weit wie möglich zu behelfen, um sich aus dem Schlamm und dem Sumpf zu befreien. Der größte Teil von ihnen aber watet im Dunkel durch diesen fauligen, schmutzigen, schlammigen Sumpf. Zwanzig Prozent von ihnen schmiert sich gleich wie ein Rausch diesen fauligen Schlamm ins Gesicht und in die Augen, der Meinung, es handele sich um Moschus und Amber... Bald fallend, bald wieder aufstehend setzen sie ihren Weg fort, bis sie ersticken. Achtzig Prozent von ihnen bemerken zwar den Sumpf, verspüren, wie er fault und stinkt, doch in ihrer Ratlosigkeit können sie den sicheren Weg nicht erkennen...
Nun aber kann man ihnen zwei Mögliche Hilfen anbieten.
Erstens:
Man kann diese zwanzig mit einer Keule aus ihrem Rauschzustand erwecken.
Zweitens:
Man kann den Ratlosen ein Licht zeigen, das ihnen den sicheren Weg weist.
Ich sehe aber, dass achtzig Mann für die zwanzig eine Keule in ihren Händen halten. Doch man zeigt diesen hilf- und ratlosen achtzig nicht das Licht der Wahrheit entsprechend... zeigte man es ihnen, würden sie dennoch verunsichert werden, weil die Hand sowohl den Stock als auch das Licht daran hält. Der Mensch in seiner Ratlosigkeit wird unruhig und fragt sich: "Will man mich etwa mit dem Licht anlocken und dann mit dem Stock schlagen der es hält?" Hinzu kommt, dass manchmal durch einen
Zwischenfall der Stock zerbricht... Das Licht, das an ihm hängt, entschwindet und verlischt.
Nun aber ist dieser Sumpf den Ausschweifungen im menschlichen Gemeinschaftsleben vergleichbar, das in Sorglosigkeit (gafletkarane)und Irrtum verläuft. Es gleicht einem Rausch, in dem die verstockte Menschheit ihren eigenen Irrtum genießt. Was aber die Ratlosen betrifft, so handelt es sich bei ihnen um solche, die zwar einen Abscheu vor dem Irrtum empfinden, doch sie können nicht aussteigen... sie möchten sich retten, doch sie finden den Weg nicht... es sind ratlose Menschen. Die Keule hinwiederum entspricht den politischen Strömungen. Das Licht aber bezeichnet die Wahrheit des Qur'an. Gegen das Licht aber gibt es keinen Kampf, ihm bringt man keine Feindschaft entgegen. Den gesteinigten Satan ausgenommen gibt es niemanden, der davor Abscheu hätte. So habe ich denn, um das Licht des Qur'an in meiner Hand bewahren zu können,
اَعُوذُ بِاللّٰهِ مِنَ الشَّيْطَانِ وَالسِّيَاسَةِ
{"Ich nehme meine Zuflucht zu Allah vor dem Satan und vor der Politik."}
gesagt, die Keule der Politik weggeworfen und das Licht mit beiden Armen umfasst. Ich habe gesehen, dass es in den politischen Strömungen, sowohl auf Seiten der Regierung wie der Opposition glühende Verehrer des Lichtes gibt. Keine Partei und keine Gruppierung darf vor einem Qur'an-Unterricht zurückschrecken oder ihn in irgendeiner Weise verdächtigen, der auf einer Stufe (maqam)erteilt wird, die hoch und weit über allen politischen Strömungen und jeglicher Parteilichkeit liegt und rein und frei ist von jeglicher Eigensüchtelei und auf das Licht des Qur'an (envar-i Kuraniye)hinweist. Davon ausgenommen sind nur jene Teufel in Menschengestalt oder Wölfe im Schafspelz, die ihren Unglauben und ihre Gottlosigkeit für Politik halten und für sie Partei ergreifen. Elhamdu-li'llah! ich wollte, dass durch meinen Rückzug aus der Politik
der Wert der Wahrheiten des Qur'an, die einem Diamanten gleichen, nicht durch den Verdacht, bloße politische Propaganda zu sein, auf den Wert von Glasscherben herabgesetzt wird. Aber vielleicht werden diese Diamanten mit der Zeit ihren Wert in den Augen einer jeden Gruppe zu noch größerem Glanze erhöhen.
وَقَالوُا الْحَمْدُ لِلّٰهِ الَّذِى هَدٰينَا لِهٰذَا وَمَا كُنَّا لِنَهْتَدِىَ لَوْ لآَ اَنْ هَدٰينَا اللّٰهُ لَقَدْ جَآءَتْ رُسُلُ رَبِّنَا بِالْحَقِّ
{"Und sie sagten: Lob und Preis und Dank sei Allah, der uns bis hierher geführt hat. Stünden wir nicht unter Seiner Führung, könnten wir nicht auf den rechten Weg gelangen. Wahrlich, die Propheten unseres Herrn sind zu uns gekommen mit der Wahrheit."}
اَلْبَاقِى هُوَ الْبَاقِى
{"Der Beständige ist Er, der bleibt und besteht."}
Said Nursi
Vierzehnter Brief
Dieser Brief ist nicht geschrieben worden!
* * *
Fünfzehnter Brief
بِاسْمِهِ سُبْحَانَهُ ٭ وَاِنْ مِنْ شَىْءٍ اِلاَّ يُسَبِّحُ بِحَمْدِهِ
{"Im Namen dessen, der gepriesen sei. Und es gibt kein Ding, das nicht lobend Ihn preist." (Sure 17, 44)}
Mein lieber Bruder!
Zu deiner ersten Frage:
Warum konnten die Sahabis mit ihren Augen der Gottesfreunde (velayet)die Übeltäter (mufsidine)nicht entdecken, sodass es sich am Ende ergab, dass drei der vier rechtgeleiteten Kalifen zu Märtyrern geworden sind? Denn es wird doch gesagt, dass selbst die geringsten unter den Sahabis größer sind als die größten Heiligen?
Antwort:
Es gilt hier, zwei Punkte (maqam)zu beachten.
Erster Punkt:
Diese Frage lässt sich beantworten, wenn man das folgende feinsinnige Geheimnis der Heiligkeit erklärt. Es ist dies wie folgt:
Die Heiligkeit der Sahabis, bekannt geworden als die "größere Gottesfreundschaft", ist eine Art der Heiligkeit, die aus der Erbschaft des Prophetentums erwuchs und die, indem sie am Engpass der Mystik vorbei direkt vom Augenscheinlichen zur Wirklichkeit führt, sich auf die Entfaltung der göttlichen Unmittelbarkeit (akrebiyet)richtet; und obwohl dieser Weg der Gottesfreundschaft sehr kurz ist, so ist er doch ein sehr erhabener Weg. Seiner Wunder sind wenige, doch seiner Tugenden viele.
Erleuchtung und Wunder (keschif ve keramet)gibt es auf ihm wenige. Was jedoch die Wunder der Heiligen (späterer Jahrhunderte) betrifft, so geschehen sie gewöhnlich ohne Absicht. Wunder (harika)geschehen völlig unerwartet als Gnadenerweis (ikram)Gottes. Erleuchtungen und Wunder ereignen sich meistens zu Zeiten spiritueller Reisen, wenn sich ihnen in der Absonderung ihrer Ordensschulung (tariqat Berzahi),in der sie sich in gewissem Grade vom normalen menschlichen Leben zurückgezogen haben, außergewöhnliche Zustände (hal)öffnen. Was aber die Sahabis betrifft, so war es für sie, dank der Widerspiegelung, der Anziehungskraft, dem Elixier ihrer Gemeinschaft (sohbet)mit dem Propheten nicht erforderlich, den riesigen Bereich spiritueller Reisen eines Ordenslebens (tariqat)zu überqueren. Sie konnten mit einem Schritt, in einem Gespräch (sohbet)von der Augenscheinlichkeit zur Wirklichkeit (haqiqat)hinüber gelangen. Zum Beispiel: Es gibt zwei Wege, um in die vergangene Nacht der Bestimmung zurückkehren zu können:
Der erste Weg ist der, ein Jahr zu durchreisen und zu durchwandern, bis man wieder zu dieser Nacht gelangt. Um in ihre Nähe gelangen zu können, muss man eine Entfernung von einem Jahr durchqueren. Dies ist der Weg derer, die eine spirituelle Reise unternehmen, so wie dies die meisten derer tun, die einem Ordensweg folgen.
Der zweite (Weg aber ist der), aus der leiblichen Hülle, welche durch die Zeit begrenzt ist, hinauszuschlüpfen, sich im Aussteigen geistig zu erheben und so die gestrige Nacht der Bestimmung zusammen mit der Nacht vor dem Festtag übermorgen zugleich im gegenwärtigen Augenblick zu erleben. Denn der Geist ist nicht von der Zeit begrenzt. Wenn das menschliche Wahrnehmungsvermögen sich zur Stufe des Geistes steigert, dehnt sich unsere gegenwärtige Zeit aus. Zeit, die für andere Vergangenheit und Zukunft ist, bedeutet für ihn (ruh)Gegenwart.
So muss man denn, diesem Beispiel entsprechend, um zu der gestrigen Nacht der Bestimmung gelangen zu können,
die Stufenleiter des Geistes emporklimmen und die Vergangenheit als gegenwärtig wahrnehmen. Der Kern aller Hermetik dieses Geheimnisses findet sich in der Enthüllung Göttlicher Nähe (akrebiyet-i Ilahiyenin).Zum Beispiel: Die Sonne ist uns nahe, denn ihre Strahlen, ihre Wärme, ihre Reflektion halten wir durch einen Spiegel in unserer Hand. Und doch sind wir weit von ihr entfernt. Wenn wir, was ihre Lichtausstrahlung betrifft, ihre Nähe empfinden und unsere Beziehung zu ihrem Bild in unserem Spiegel verstehen und auf diese Weise das Wesen ihres Lichtes, und ihrer Wärme und woraus sie zusammengesetzt ist, erkennen können, dann entfaltet sich uns ihre Unmittelbarkeit (akrebuyetini)und wir begreifen so, dass sie uns nahe ist und zu uns in Beziehung steht. Wollten wir aber angesichts unserer Entfernung von ihr versuchen, ihr nahe zu kommen und sie kennen zu lernen, so müssten wir mit unserem Verstand und in unseren Gedanken sehr viele Reisen unternehmen, um auf diese Weise anhand wissenschaftlicher Prinzipien in unserer Vorstellung zum Himmel aufsteigen und die Sonne dort oben am Himmel betrachten zu können, wonach wir dann ihr Licht, ihre Wärme und die sieben Farben ihres Lichtes des Langen und Breiten wissenschaftlich erforschen könnten, um am Ende zu der gleichen innerlichen Nähe (kurbiyet-i manevi)zu gelangen, die bereits jener Mensch mit ein wenig Nachdenken erlangt hatte, der zum ersten Mal einen Spiegel zur Sonne richtete.
So verhält es sich denn wie in obigem Beispiel mit dem Prophetentum und der Heiligkeit, die im Erbe des Prophetentums liegt, im Bezug zu dem Geheimnis der Entfaltung göttlicher Unmittelbarkeit. Die andere Art Heiligkeit aber geht gewöhnlich von dem Versuch einer Annäherung (kurbiyet)aus und ist deshalb gezwungen, über viele Stufenleitern hinweg spirituelle Reisen zu unternehmen.
Zweiter Punkt:
Diejenigen, welche diese Ereignisse verursacht hatten und die Drahtzieher der Unruhen waren, das waren nicht nur ein paar Juden, sodass man die Unruhen durch ihre rechtzeitige Entdeckung hätte verhindern können.
Denn dadurch dass sehr viele verschiedene Stämme der islamischen Gemeinschaft (Islamiyet)beitraten, haben sich auch viele einander entgegengesetzte, einander zuwiderlaufende Strömungen untereinander vermischt. Besonders nachdem der Nationalstolz einiger unter ihnen durch den Schlag, den Hasret Omar, mit dem Gott zufrieden sein möge, ihnen versetzt hatte, zutiefst verletzt worden waren, warteten diese nun natürlich auf eine Gelegenheit zur Rache. Denn er hatte nicht nur ihren alten Glauben zunichte gemacht, sondern auch ihre alte Herrschaft und Souveränität, auf die sie so stolz gewesen waren, hinweggefegt. Wissentlich oder unwissentlich gerieten sie in die Lage, Rache an der islamischen Herrschaft emotional den Vorzug zu geben. Es war aus diesem Grunde, dass man sagt, ein Teil besonders intelligenter Intriganten und Heuchler, worunter auch Juden, habe die Gelegenheit, welche ihnen der damalige Zustand der Gesellschaft bot, beim Schopfe gepackt. Das aber heißt, dass es möglich gewesen wäre, die damaligen Ereignisse durch eine Reform der sozialen Verhältnisse und Anschauungsweisen zu verhindern. Andererseits aber wäre das durch die Enttarnung von ein oder zwei Aufständischen nicht möglich gewesen.
Wenn man sich erzählt:
Warum konnte Omar, mit dem Gott zufrieden sein möge, der von seiner Kanzel (Mimber)herab zu einem seiner Kommandanten mit Namen Sariya sagen konnte: يَاسَارِيَةُ اَلْجَبَلَ اَلْجَبَلَ {"Oh Sariya, der Berg, der Berg!"} und bewirken konnte, dass Sariya, der eine Monatsreise von ihm entfernt war, ihn hörte und so auf wunderbare Weise einen strategischen Sieg errang, was die Scharfsinnigkeit des Auges seiner Heiligkeit unter Beweis stellt, dennoch seinen Mörder nicht erkennen, der doch neben ihm stand?
Antwort:
Wir wollen hierauf die Antwort geben mit der Antwort von Hasret Jakob, mit dem der Friede sei. Man hatte Hasret Jakob die Frage gestellt: "Warum hast du den Geruch seines Hemds aus Ägypten wahrgenommen, den im nahebei gelegenen Joseph in seiner Zisterne aber nicht gesehen?" und als Antwort erhalten: "Unser Zustand gleicht dem Blitz: das eine macht er sichtbar und das andere verhüllt er. Manchmal geschieht es, dass wir uns an der höchsten Stelle befinden, von wo aus wir alles überschauen können. Ein andermal können wir noch nicht einmal den Spann unserer Füße erkennen."
Kurz gesagt:
Wie sehr sich der Mensch auch bemüht auszuwählen, so bleibt doch der göttliche Wille grundlegend, die göttliche Vorausschau entscheidend, entsprechend der Ayah
وَمَا تَشَآؤُنَ اِلآَّ اَنْ يَشَآءَ اللّٰهُ
{"Doch du kannst das nicht wollen, so nicht Gott es will." (Sure 76, 30)}
Der göttliche Wille gibt den menschlichen Willen zurück. Er bestätigt den Ausspruch:
اِذَا جَآءَ الْقَدَرُ عَمِىَ الْبَصَرُ
{"Wenn die göttliche Vorausschau spricht, schweigt der menschliche Wille."}
Zur Auslegung deiner zweiten Frage:
Welches war die Natur der Kriege, die zur Zeit von Hasret Ali, mit dem Gott zufrieden sein möge, begannen? Wie können wir diejenigen beschreiben, die in einem solchen Krieg gefallen sind und diejenigen, die daran teilgenommen und getötet haben?
Antwort:
Der Kampf, zwischen Hasret Ali und Talha, Hasret Subeyr und Aischa, der Wahrhaftigen (möge der Höchste Gott mit ihnen allen zufrieden sein), den man als die Kamelschlacht bezeichnet, war ein Ringen zwischen der Reinen Gerechtigkeit und einer relativen Gerechtigkeit.
Es ist dies wie folgt:
Hasret Ali betrachtete die absolute Gerechtigkeit als grundlegend und focht wie in der Zeit der beiden Scheiche vor ihm entsprechend diesem Grundsatz von der absoluten Gerechtigkeit. Was aber seine Gegner betrifft, so sagten sie: In der Zeit dieser beiden Kalifen erlaubte die Reinheit des Islam noch die Reinheit der Gerechtigkeit. Doch mit dem Fortschreiten der Zeit wurde es sehr schwierig noch diese absolute Gerechtigkeit walten zu lassen, weil nun verschiedene Völker der islamischen Gemeinschaft (Islamiyet)beitraten, die noch im islamischen sozialen Leben schwach waren, weshalb nun ein relatives sogenanntes Recht des "geringeren Übels" angewandt werden musste. Um diesen Streit über Rechtsauslegung in die Politik einzuführen, wurde sogar ein Krieg geführt. Weil aber nun die Auslegung rein um Gottes willen und zum Wohle des Islam erfolgt war und der Streit nun aber über der Auslegung des Gesetzes entbrannt war, können wir sicherlich sagen, dass sowohl die, welche töteten, als auch die, welche getötet wurden, Gefährten des Paradieses und auch beide Empfänger ihres Lohnes geworden sind. Wie richtig auch immer Hasret Alis Auslegung (idjtihad)und wie falsch auch immer seine Gegner gelegen haben mögen, so haben sie dennoch keine Strafe dafür verdient, denn wer mit seiner Auslegung die Wahrheit findet, erwirbt zwei Verdienste; wer sie nicht findet, hat doch einen Verdienst, nämlich das Verdienst für seine Auslegung, was auch eine Art Gottesdienst ist. Sein Irrtum wird ihm vergeben. Bei uns zuhause hat ein sehr berühmter Mann in bestem Kurdisch gesagt und dabei die Wahrheit gesprochen:
ژِى شَرِّ صَحَابَانْ مَكَه قَالُ وقِيلْ لَوْرَا جَنَّتِينَه قَاتِلُ وهَمْ قَتِيلْ
Das heißt: Zerreiß dir nicht das Maul über den Kampf unter den Sahabis, denn sowohl die, welche töteten, als auch die, welche getötet wurden, sind doch beide
Gefährten des Paradieses geworden.
Die absolute Gerechtigkeit und eine relative Gerechtigkeit, können entsprechend der Ausdeutung der Ayah:
مَنْ قَتَلَ نَفْسًا بِغَيْرِ نَفْسٍ اَوْ فَسَادٍ فِى الْاَرْضِ فَكَاَنَّمَا قَتَلَ النَّاسَ جَمِيعًا
{"Wer einen Menschen tötet, es sei denn einen Mörder oder wegen eines Verbrechens gegen die Menschlichkeit, der ist gleich einem, der die Menschheit getötet hat." (Sure 5, 32)}
vielleicht folgendermaßen erklärt werden: Die Rechte eines Unschuldigen können nicht zum Wohle der Menschheit für ungültig erklärt werden. Auch darf ein Einzelner nicht dem Wohle der Allgemeinheit geopfert werden. In den Augen Gottes des Gerechten und vor Seiner Barmherzigkeit ist Recht gleich Recht, unbesehen ob groß oder klein. Das kleine darf nicht für das große gelöscht werden. Für das Allgemeinwohl dürfen Leben und Recht eines Einzelnen nicht ohne dessen Zustimmung geopfert werden. Ist er bereit, sie zu opfern, so ist dies eine andere Sache.
Was aber das relative Recht betrifft, so wird der Einzelne dem Wohl aller zum Opfer gebracht. Vor der Gemeinschaft fällt das Recht des Einzelnen außer Betracht. Man bemüht sich darum, eine Art relativer Gerechtigkeit als das geringere Übel zur Anwendung zu bringen. Wo es jedoch möglich ist, absolutes Recht walten zu lassen, darf man eine relative Gerechtigkeit nicht zulassen. Es wäre ein Verbrechen, dies zu tun.
So kann man also sagen, dass Imam Ali, mit dem Gott zufrieden sein möge, wie in der Zeit der beiden Kalifen vor ihm, absolutes Recht zur Anwendung gebracht und so ein Gebäude auf der Grundlage des islamischen Kalifats errichtet hat. Was aber seine Gegner und Widersacher betrifft, so sagen sie, dass dies nicht möglich war, weil es da zu viele Differenzen gab, so urteilten sie dementsprechend auf Grund eines relativen Rechts. Was aber die übrigen Gründe betrifft, welche die Geschichte aufzeigt,
so handelt es sich hier nicht um die wahren Gründe. Es sind Vorurteile.
Wenn man sagt:
Aus der Perspektive des islamischen Kalifats war Imam Ali eine Persönlichkeit mit außergewöhnlichen Fähigkeiten, einer wunderbaren Intelligenz und einer hohen Qualifikation (für sein Amt). Warum aber blieb er dann im Vergleich zu seinen Vorgängern so ohne Erfolg?
Antwort:
Diese gesegnete Persönlichkeit war über seine politischen und hochherrschaftlichen Aufgaben hinaus noch weit bedeutenderer Aufgaben würdig. Wäre er auch noch ein perfekter Politiker und ein vollendeter Herrscher gewesen, so hätte er nie zu recht den bedeutenden Titel eines "Königs der Heiligkeit" (Shah-i Velayet)erlangen können. Dagegen erlangte er ein geistiges Königreich, das weit über ein äußerliches, rein politisches Kalifat hinausreicht und wurde zu einem universalen Meister; ja, dieses geistige Königreich wird noch bis zum Ende der Welt fortbestehen.
Wenn es aber nun um die Schlacht von Hasret Imam Ali gegen Hasret Muaviye und seine Gefolgsleute bei Siffin geht, so handelte es sich dabei um den Kampf zwischen dem Kalifat und dem Sultanat (Königsherrschaft). Das heißt: Hasret Imam Ali nahm die Gesetze des Glaubens (din),
die islamischen Glaubenswahrheiten und (die Sorge um das Leben im) Jenseits zur Grundlage und opferte ihr einen Teil der Gesetze des Königreichs und der gnadenlosen Erfordernisse der Politik. Was aber Hasret Muaviye und seine Gefolgschaft betrifft, so vernachlässigten sie alle Erschwernisse (islamischer Vorschriften), bevorzugten hingegen die (zugestandenen) Erleichterungen, um so das islamische soziale Leben mit ihrer Regierungspolitik zu stärken und glaubten, im politischen Leben dazu gezwungen zu sein; und indem sie Zugeständnisse machten, verfielen sie dem Irrtum.
Was aber nun den Kampf von Hasret Hassan und Husseyn gegen die Omajaden betrifft, so handelte es sich
hier um einen Streit zwischen religiösen und nationalen Interessen. Das heißt: die Omajaden bauten den islamischen Staat auf der Grundlage des arabischen Nationalismus, setzten ihre Bindungen an den islamischen Glauben (Islamiyet)nach ihrer Bindung an die Nation hinten an und richteten so einen zweifachen Schaden an:
Erstens:
Sie beleidigten die anderen Nationen und versetzten sie in Furcht.
Zweitens:
Da die Prinzipien des Rassismus und Nationalismus nicht den Gesetzen von Recht und Gerechtigkeit folgen, sind sie verbrecherisch. Sie folgen nicht den Rechtsprinzipien, denn als Nationalist zieht ein Herrscher die eigene Nation vor, handelt nicht rechtmäßig.
اَ ْلاِسْلاَمِيَّةُ جَبَّتِ الْعَصَبِيَّةَ الْجَاهِلِيَّةَ لاَ فَرْقَ بَيْنَ عَبْدٍ حَبَشِىٍّ وَسَيِّدٍ قُرَيْشِىٍّ اِذَآ اَسْلَمَا
{"Die Islamiyet hat abgeschafft, was ihr (in der Zeit der) Unwissenheit voraus ging. Es gibt keinen Unterschied zwischen einem abyssinischen Sklaven und seinem Herrn vom (Stamme der) Quraysch, nachdem sie einmal den Islam angenommen haben."}
Nach diesem Ferman steht fest: Man kann nicht an Stelle der religiösen Bindungen nationale Bindungen setzen. Tut man dies, so kann es keine Gerechtigkeit geben, das Recht entschwindet.
So bestimmte denn Hasret Husseyn die Bindung an den Glauben zum Grundgesetz und kämpfte als ein Gerechter gegen (die Omajaden) bis er den Rang eines Märtyrers erlangt hatte.
Wenn man sagt:
Wenn er denn so rechtschaffen und gerecht denkend war, warum denn hatte er dann keinen Erfolg? Und warum erlaubte es dann die göttliche Vorausschau und auch die göttliche Barmherzigkeit, dass sie einem so schrecklichen Ende entgegen gingen?
Antwort:
Es waren nicht Hasret Husseyns nächste Gefolgsleute,
sondern Angehörige fremder Nationen, die sich seiner Gemeinschaft angeschlossen hatten und die nun dank ihres gekränkten Nationalstolzes dem arabischen Volk gegenüber Gefühle der Rache hegten, was nun der reinen und klaren Sache Hasret Husseyns und seiner Gefolgsleute diesen Schaden zufügte und der Anlass zu ihrer Niederlage wurde.
Was nun aber die Weisheit hinter ihrem tragischen Ende, aus dem Blickwinkel der göttlichen Vorausschau betrachtet, betrifft: Hassan und Husseyn, ihre Familien und ihre Nachkommen waren für eine spirituelle Herrschaft vorbestimmt. Es ist sehr schwer, weltliche und geistliche Herrschaft miteinander zu vereinbaren. So bewirkte es denn die göttliche Vorausschau, dass sie einen Ekel gegenüber der Welt empfanden. Sie zeigte ihnen das hässliche Gesicht dieser Welt, sodass sie sich in ihren Herzen nicht zu dieser Welt hingezogen fühlen sollten. So entglitt denn eine flüchtige und nur oberflächliche Herrschaft ihren Händen; doch wurde ihnen eine glänzende und immerwährende Herrschaft gegeben. An Stelle gewöhnlicher Gouverneure wurden sie zum geistigen Pol unter allen Heiligen.
Zu deiner dritten Frage:
"Worin liegt die Weisheit hinter der Grausamkeit, mit der man diese gesegneten Persönlichkeiten behandelt hat und all der Tragik, die ihnen widerfahren ist?"
Antwort:
Wie bereits oben erklärt, gab es während der Herrschaft der Omajaden vier Grundsätze, welche zur Ursache für die gnadenlose Grausamkeit der Gegner Husseyns wurden.
Der eine war der gnadenlose Grundsatz der Politik: "Für das Wohl der Regierung und die Aufrechterhaltung der Ordnung dürfen einzelne Personen geopfert werden."
Der zweite war der grausame Grundsatz des Nationalismus, dessen Herrschaft auf der Basis von Volk und
Nation beruht: "Dem nationalen Wohl darf jedermann geopfert werden."
Der dritte findet sich in dem Gift der Rivalität zwischen den Omajaden und den Haschimiten, einigen Leuten wie Yesid gleich, die eine erbarmungslose Fähigkeit zeigten, grausam zu sein.
Und ein vierter Grund findet sich unter der Anhängerschaft von Hasret Husseyn, welche - da die Herrschaft der Omajaden auf dem Nationalismus der Araber beruhte, welche einzelne Personen anderer Völker als "Ausländer" bezeichneten und als Sklaven betrachteten, welche ihren Nationalstolz kränkten, während diese anderen Volksstämme sich der Gemeinschaft von Hasret Husseyn aus verschiedenen Gründen oder aber um Rache zu nehmen angeschlossen hatten - da sie den nationalen Fanatismus der Omajaden nur allzu sehr berührte, nun Grund genug war für außergewöhnliche Grausamkeit und diese uns wohlbekannte Tragödie.
Die vier oben erwähnten Gründe sind offensichtlich. Betrachtet man sie unter dem Gesichtspunkt der göttlichen Vorausschau, so ist das Ergebnis im Jenseits, die geistige Königsherrschaft und der spirituelle Fortschritt, welchen Hasret Husseyn und seine Gefolgsleute auf Grund dieser Tragödie erlangten, von so hohem Wert, dass die Anstrengung, der sie sich bei dieser Tragödie unterziehen mussten, geradezu als billig und einfach erscheint. Es ist so, als ob ein Soldat nach einer Stunde Folter den Rang eines Märtyrers erlangt, wo er doch andererseits ein Jahr hätte kämpfen müssen, um diesen Rang zu erwerben. Könnte man diesen Soldaten, nachdem er das Martyrium erlangt hatte, noch fragen, so würde er sagen: "Ich habe mit nur sehr wenigem sehr viel gewonnen."
Zur Auslegung deiner vierten Frage:
Nachdem Hasret Isa (Jesus), mit dem der Friede sei, in der Endzeit den Antichrist (Deddjal)getötet hat, werden die meisten Menschen dem wahren Glauben beitreten; und doch gibt es
eine Überlieferung, die besagt: Solange sich noch auf der Welt Menschen finden, die Gott anrufen, wird das Ende noch nicht kommen. Wie aber können nun, nachdem die meisten zum Glauben gelangt sind, die meisten von ihnen Ungläubige werden?
Antwort:
Einer zuverlässigen Überlieferung (Hadith-i Sahih)entsprechend wird berichtet: "Hasret Isa, mit dem der Friede sei, wird kommen, unter dem islamischen Gesetz leben und den Deddjal töten." Denen, deren Glaube schwach ist, erscheint dies jedoch als unwahrscheinlich. Ist (diese Voraussage jedoch erst einmal) Wirklichkeit geworden, bleibt kein Raum mehr für deren Unwahrscheinlichkeit. Es ist dies wie folgt:
Die Auslegung der Hadithe, die sich mit der Hadith vom Sufyan und vom Mehdi befassen, ist folgende: In der Endzeit werden zwei gottlose Strömungen an Macht gewinnen:
Erstens:
Unter dem Schleier der Zwietracht wird ein fürchterliches Wesen mit dem Namen Sufyan erscheinen, die Botschaft Ahmeds, mit dem der Friede sei, leugnen, sich an die Spitze der Heuchler (ehl-i nifak)setzen und versuchen, das islamische Gesetz aufzuheben. Gegen ihn wird sich ein lichtvolles Wesen mit Namen Mohammed Mehdi aus der Familie des Propheten erheben, um das Haupt der Heiligen und Vollendeten zu werden. Er wird die geistigen Strömungen der Heuchler, die den Sufyan verkörpern, zerstören und vernichten.
Was nun die zweite Strömung betrifft:
Sie wird eine aus der naturalistischen, materialistischen Philosophie entstehende Strömung sein, dem Nimrod gleich, in der Endzeit allmählich mit der materialistischen Weltanschauung wachsen und bis zum Grade der Gottesleugnung erstarken.
Gleich wie ein Barbar, der den König nicht kennt und nicht akzeptiert, dass die Offiziere und Mannschaften im Heere seine Soldaten sind, alle, jeden einzelnen Soldaten
als eine Art von König und wie einen Herrscher betrachtet, ebenso betrachten auch die einzelnen Angehörigen jener Strömung derer, die Allah verleugnen, sich selbst als eine Art kleiner Nimrod und maßen sich dessen Herrschaft an. Was aber den Deddjal betrifft, welcher der größte unter ihnen ist und sich an ihre Spitze gesetzt hat und furchterregende Wunder, den Manifestationen der Spiritisten und Magnetiseure vergleichbar, zeigt, so wird er sogar so weit gehen, sich seine nach Außen in Erscheinung tretende Gewaltherrschaft als Gottesherrschaft vorzustellen und seine Gottheit zu verkünden. Wenn jedoch ein armer Mensch, der von einer Mücke besiegt werden kann, und noch nicht einmal den Flügel einer Mücke zu erschaffen vermag, behauptet, ein Gott zu sein, was für eine ganz offensichtliche, törichte Maskerade ist das doch dann!?
So wird denn in einer solchen Zeit, in der sich diese Strömung als so stark erweist, der wahre christliche Glaube in Erscheinung treten, der die geistige Kraft von Hasret Isa ist, mit dem der Friede sei, das heißt, er wird aus dem Himmel der göttlichen Barmherzigkeit herabsteigen, der derzeitige christliche Glaube wird sich zu dieser Wahrheit hin reinigen, den Aberglauben und die Missdeutungen der Schrift aufgeben, sich mit der Wahrheit des Islam vereinigen, und die christliche Religion wird sich innerlich in eine Art von Islam umwandeln... Und sie wird dem Qur'an nacheifern; die geistige Kraft des Christentum wird in der Gefolgschaft des Islam und der Islam sein Vorbild bleiben. Der wahre Glaube wird aus dieser Vereinigung eine gewaltig große Kraft schöpfen.
Solange Christentum und Islam noch voneinander getrennt sind, werden sie den gottlosen Strömungen unterlegen sein. Sobald sie sich aber vereinigt haben, werden sie die gottlosen Strömungen besiegen und vernichten.
Hasret Isa, mit dem der Friede sei, der sich in seiner menschlichen Erscheinung in der himmlichen Welt befindet, wird sich an die Spitze dieser Bewegung des wahren Glaubens stellen.
Davon hat uns der getreue Herold, gestützt auf die Verheißung Dessen, Der aller Dinge mächtig ist, Kunde gebracht. Da er uns diese Kunde gebracht hat, ist dies wahr. Da der Allmächtige über allen Dingen es verheißen hat, wird es mit Sicherheit geschehen.
Der Allweise in Seiner Herrlichkeit, der allezeit vom Himmel herab Seine Engel zur Erde sendet, und ihnen manchmal menschliche Gestalt verleiht, (sowie der Erzengel Gabriel in Gestalt des Sahabi Dihye erschien), der die Geister aus ihrer Welt in menschlicher Gestalt erscheinen lässt, ja sogar die Geister von vielen verstorbenen Heiligen in ihrer irdischen Gestalt wieder zur Erde herabsendet, wird mit Sicherheit auch Hasret Isa, mit dem der Friede sei, der in seiner irdischen Gestalt weiter im erdnahen Himmel lebt, um den christlichen Glauben in bester und schönster Form abzuschließen, zur Erde senden. Auch wenn Hasret Isa in den entferntesten Winkel der jenseitigen Welt gegangen sein sollte, oder wenn Er ihn aus dem Totenreich zurückholen müsste, Er würde ihn um dieser gewaltigen Aufgabe willen mit einem neuen Körper bekleiden und zur Erde senden, was der Weisheit des Allweisen nicht ferne liegt, Er es vielmehr versprochen hat, weil Seine Weisheit es erfordert; und weil Er es so versprochen hat, wird Er ihn sicher senden.
Es ist nicht notwendig, dass jeder Hasret Isa, mit dem der Friede sei, wenn er kommt, als den wahren Herrn Jesus wiedererkennt. Die ihm nahe stehen und die Auserwählten werden ihn im Lichte des Glaubens erkennen. Doch mit letzter Sicherheit wird nicht jeder ihn erkennen.
Frage:
In der Überlieferung heißt es: "Der Deddjal hat ein erlogenes Paradies. Die ihm folgen, wirft er da hinein. Er hat auch eine falsche Hölle; und die ihm nicht folgen wollen, wirft er da hinein. Er hat sogar ein Reittier, dessen eines Ohr er dem Paradies gleich, das andere Ohr aber wie die Hölle gemacht hat. Seine gewaltigen Körpermaße sind ...solcher Art, ...dieser Art..." Wie verhält es sich mit einer solchen Darstellung?
Antwort:
Die äußere Erscheinung des Deddjals ist die eines Menschen. In seinem Pharaonenstolz und seiner Gottvergessenheit hat er die Idee seiner angemaßten Gewaltherrschaft zum Gott erhoben. In dieser Torheit ist er ein Teufel und ein Verführer. Betrachtet man ihn jedoch als die geistige Kraft (shas-i manevi)einer gewaltigen gottlosen Strömung, so sind seine Ausmaße riesig. Darauf wird in den Überlieferungen mit solchen fürchterlichen Kennzeichen, wie sie dem Deddjal zu Eigen sind, hingewiesen.
In einer Karikatur wurde einmal der japanische Oberkommandierende mit einem Bein im Pazifik, dem anderen auf der zehn Tagereisen entfernten Hafenfestung Port Arthur dargestellt. Mit der Art dieser Darstellung des kleinen japanischen Kommandanten wurde die geistige Kraft (shas-i manevi)seines Heeres zum Ausdruck gebracht.
Was aber Deddjals verlogenes Paradies betrifft, so besteht es in den Verlockungen seiner Vergnügungsstätten und seinen Phantastereien. Was nun sein Reittier betrifft, so ist es ein Verkehrsmittel wie die Eisenbahn, an deren Kopf sich ein Feuerloch findet, wobei dann der Deddjal zuweilen die Ungehorsamen in dieses Feuer wirft. Ein Ohr dieses Reittiers, nämlich das andere Ende des Zuges ist wie ein Paradies ausgestattet, wobei dann der Deddjal seine Gefolgsleute dort Platz zu nehmen heißt. Die Eisenbahn ist ja tatsächlich schon ein wichtiges Verkehrsmittel, gleich einem Reittier der zivilisierten Welt mit ihren Ausschweifungen und ihrer Ichsucht, welche die Weltleute mit ihrer Vergnügungssucht in ein trügerisches Paradies bringt. Die hilflosen Gläubigen und Muslime aber sind in der Gefahr, mit ihr wie durch Höllenwächter in der Hand der Zivilisation in Elend und Gefangenschaft geworfen zu werden.
So wird denn der wahre christliche Glaube offenbar werden und nach seiner Umwandlung in den Islam zwar über die absolute Mehrheit in dieser Welt sein Licht ausbreiten, doch kurz vor dem Anbruch des Weltendes, sobald die gottlosen Strömungen wieder ihr Haupt erheben,
die Oberhand gewinnen, wird es auf Erden, urteilt man nach der Mehrheit, niemanden mehr geben, der noch Gott anruft, das heißt, es wird keine Gemeinschaft von Bedeutung, die Gott noch anruft, mehr geben, die auf Erden noch eine wichtige Stellung einnimmt. Am Ende wird schließlich eine zur Bedeutungslosigkeit herabgesunkene Minderheit von Leuten der Wahrheit bis zum Weltuntergang übrig bleiben und nur im Augenblick des Weltunterganges werden die Seelen der Gläubigen als ein Akt der Barmherzigkeit hinweggenommen werden, um die Schrecken des Weltunterganges nicht wahrzunehmen. Dann wird der Weltuntergang über den Häuptern der Ungläubigen hereinbrechen.
Die Bedeutung der fünften Frage:
Werden die Geister der Verstorbenen über die Ereignisse des Weltunterganges betroffen sein?
Antwort:
Ihre Betroffenheit wird sich nach dem Grad ihrer eigenen Beteiligung richten. Sie werden genauso wie die Engel, die bei der Erscheinung des göttlichen Zornes auf ihre jeweils eigene Art betroffen sind, auch selbst mit betroffen sein. So wie ein Mensch, der sich an einem warmen Ort befindet und die, welche draußen in Schnee und Wind zittern, sieht und sich nun selbst in Herz und Verstand betroffen fühlt, so sind auch die Seelen der Verstorbenen in gleicher Weise von der Schwere der Ereignisse im Universum betroffen, weil sie ja mit dem Universum verbunden sind. Hinweise im Qur'an zeigen uns, dass die Leute, die bestraft werden sollen, schmerzlich betroffen, die Gefährten der Ewigen Glückseligkeit verwundert, von Staunen überwältigt sein, ja sich sogar wie über den Empfang einer frohen Botschaft betroffen fühlen werden. Denn der Weise Qur'an erwähnt stets die außerordentlichen Ereignisse des Weltuntergangs in der Form einer Drohung, indem er sagt: "Ihr werdet sehen..." Wobei doch die Menschen, die den Weltuntergang noch im Leibe schauen, ihn so auch erleben werden. Das aber heißt, das auch die Seelen, deren Leiber in den Gräbern
vermodert sind, ihren Anteil an dieser Drohung des Qur'an haben werden.
Die Bedeutung der sechsten Frage:
كُلُّ شَىْءٍ هاَلِكٌ اِلاَّ وَجْهَهُ
{"Alle Dinge werden vergehen, außer Seinem Antlitz." (Sure 28, 88)}
Schließt dieser Vers das Jenseits, Himmel (djennet)und Hölle und deren Bewohner mit ein, oder nicht?
Antwort:
Diese Frage war bereits häufig unter den Forschern, den Entdeckern und Heiligen Diskussionsthema. Sie haben bei dieser Frage das Wort. Außerdem ist (die Materie, um die es) in dieser Ayah geht, sehr weitläufig und umfasst mehrere Ebenen. Die Mehrheit der Forscher sagen: Die beständige Welt ist nicht mit eingeschlossen. Es gibt aber auch andere, (die sagen): Es wird dort, wenn auch nur für eine kurze Zeit, einen Augenblick geben, in der eine Art Untergang Platz greifen wird. Diese Zeit wird so kurz sein, dass (die Menschen) gar nicht mehr wahrnehmen werden, dass sie in diesen Untergang (fena)mit hineingesogen und von dort wieder zurückgekehrt sind. Was aber diese vollständige Vernichtung (fena)betrifft, sowie dies einige extrem denkende Entdecker beurteilen, so entspricht sie nicht der Tatsache (haqiqat).Denn da Gott (ilah),der Heilige in Seinem Wesen, ewig und immerwährend ist, sind sicherlich auch Seine Namen und Eigenschaften ewig und immerwährend. Und weil also Seine Namen und Eigenschaften ewig und immerwährend sind, so können sicherlich auch deren Spiegelbilder, Erscheinungsformen, Abdrücke und Manifestationen, also alles, was ewig ist in dieser ewigen Welt und die Gefährten der Ewigkeit zwangsläufig nicht der ewigen Vernichtung anheim fallen.
Wir wollen nun kurz zwei Punkte aus der Fülle des Weisen Qur'an niederschreiben, die mir eingefallen sind.
Erstens:
Gott der Gerechte ist von so vollkommener
Allmacht (Qadir),dass er ganz leicht etwas ins Nichtsein oder Dasein bringen kann, als gäbe es zwei Häuser, die durch Seine Macht (qudret)und Seinen Willen (irade)miteinander in Beziehung stehen und Er könne etwas in sie hinein bringen oder aus ihnen herausholen. Wenn er es wünscht, kann er diese Umwandlung in einem Tag, wenn er es wünscht, in einem Augenblick vollziehen. Darüber hinaus gibt es eigentlich gar nicht so etwas wie eine absolute Nichtexistenz, weil es ein alles umfassendes Wissen gibt. Es gibt keinen (Bereich eines) Nichtseins, der außerhalb Seines Wissensbereiches läge und in den man (wie in einen Abgrund etwas hinunter)werfen könnte. Was diesen Bereich des Nichtseins innerhalb Seines Wissensbereiches betrifft, so handelt es sich dabei um ein Nichtsein als eine Exklave, eine Bezeichnung für einen Existenzbereich, der vom göttlichen Wissen umhüllt ist. Ja, einige Schüler haben das, was sich in diesem Wissensbereich befindet, als eine Art von latentem Dasein bezeichnet. In diesem Falle gliche die Auflösung (fena)dem vorübergehenden Ablegen einer Kleidung und dem Eintritt in einen Zustand von Wissen und Bedeutung (manevi).Das aber hieße, was geschaffen wurde und wieder vergeht, gibt äußerlich seine Existenz auf, geht im Kern in den Zustand seiner eigentlichen Bedeutung über, verlässt den Bereich der göttlichen Macht (qudret)und geht über in den Zustand göttlichen Wissens (ilm).
Zweitens:
Wie wir bereits in vielen "Worten (Sözler)"erklärt haben, sind alle Dinge hinsichtlich ihrer Bedeutung, insoweit ihr Blick auf sie selbst gerichtet bleibt, nichtig. Sie besitzen kein eigenes Dasein, keine in sich selbst ruhende Existenz. Und es gibt auf Dauer keine Realität (haqiqat),die einzig in sich selbst begründet wäre. Was aber ihren, auf Gott den Gerechten gerichteten Aspekt betrifft, soweit er eine Art präpositionaler Funktion erfüllt, so ist dieser nicht nichts. Denn unter diesem Aspekt wären die Manifestationen Seiner beständigen Namen zu betrachten. Dieser Aspekt fällt also nicht der Vernichtung anheim,
denn er trägt den Schatten eines ewigen Seins in sich. Er hat eine Wirklichkeit (haqiqat),ist beständig und erhaben. Denn er ist die Manifestation einer Art beständigen Schattens von einem bleibenden Namen. Zudem ist er ein Schwert, das mit der Parole كُلُّ شَىْءٍ هاَلِكٌ اِلاَّ وَجْهَهُ {"Alle Dinge werden vergehen, außer Seinem Antlitz." (Sure 28, 88)} die Hand des Menschen von allen Dingen abschneidet, die nicht als zu dem Bereich dessen gehörig betrachtet werden, der von Ihm getrennt ist, (Dingen), über die das Urteil der Vergänglichkeit dieser Welt gesprochen ist. Das heißt, was um Gottes willen besteht und von Ihm eine Art präpositionaler Funktion erhält, für Ihn da ist und vor Seinem Antlitz, dem wird nicht der Kopf mit dem Schwert des كُلُّ شَىْءٍ هاَلِكٌ اِلاَّ وَجْهَهُ {"Alle Dinge werden vergehen, außer Seinem Antlitz." (Sure 28, 88)} abgeschlagen, weil sie nicht zu dem Bereich dessen gehörig betrachtet werden, der von Ihm getrennt ist.
Kurz gesagt:
Wenn es um Gottes willen ist, dass jemand Gott findet, so bleibt nichts anderes, dessen Kopf abgeschlagen werden sollte. Wo Gott nicht gefunden wird, und nicht, was um Seinetwillen ist, so ist alles von Ihm unterschieden. Hier ist das Schwert des كُلُّ شَىْءٍ هاَلِكٌ اِلاَّ وَجْهَهُ {"Alle Dinge werden vergehen, außer Seinem Antlitz." (Sure 28, 88)} von Nöten, um den Vorhang zu zerspellen und so Ihn zu finden.
اَلْبَاقِى هُوَ الْبَاقِى
{"Der Beständige ist der, der bleibt und besteht."}
Said Nursi
Sechzehnter Brief
اَلَّذِينَ قاَلَ لَهُمُ النَّاسُ اِنَّ النَّاسَ قَدْ جَمَعُوا لَكُمْ فاَخْشَوْهُمْ فَزَادَهُمْ اِيمَانًا وَقاَلوُا حَسْبُنَا اللّٰهُ وَنِعْمَ الْوَكِيلُ
{"Im Namen Gottes, des Erbarmers, des Barmherzigen." "Man sagte zu ihnen, dass die Menschen sich grade gegen die Menschen gesammelt haben. Fürchtet euch vor ihnen. Doch das bestärkte sie im Glauben und sie sagten: "Es genügt uns Allah und Er ist unser bester Anwalt (Vekil)."" (Sure 3, 173)}
Dieser Brief verdeutlicht den Sinn der Ayah (Sure 20, 44):
فَقُولاَ لَهُ قَوْلاً لَيِّنًا
{"Sprich mit sanften Worten zu ihm!"}
und ist deshalb nicht in scharfe Worte gesetzt. Er ist die Antwort auf eine Frage, die in wörtlichem oder übertragenem Sinne von vielen gestellt wurde.
Es ist mir keineswegs angenehm, diese Antwort zu geben und eigentlich wollte ich es gar nicht. Ich hatte mein ganzes Vertrauen (tevekkül)in Gott den Gerechten gesetzt. Weil man mich aber nicht mir selbst und in meiner Welt in Frieden leben lassen, vielmehr mir das Gesicht zur Welt (dünya)hin drehen wollte, will ich hier nun in "Fünf Punkten" eine Erklärung abgeben; nicht jedoch als der Neue Said, sondern erzwungenermaßen in der Sprache des Alten Said; und das nicht um meinetwillen, sondern um meine Freunde wie auch meine Worte (Sözler)vor den Weltleuten mit ihren Verdächtigungen und Nachstellungen zu retten und den wirklichen Sachverhalt sowohl meinen Freunden als auch den Leuten von Welt und
den Leuten von Urteil Klarheit zu verschaffen.
Erster Punkt:
Es wurde gesagt: Warum hast du dich aus der Politik zurückgezogen? Warum zeigst du dich so wenig entgegenkommend?
Antwort:
Vor neun oder zehn Jahren hatte sich der Alte Said einmal ein wenig mit Politik befasst. Doch der Dienst, den er dem Glauben und der Wissenschaft mit der Politik hatte erweisen wollen, erwies sich als eine vergebliche Mühe und so musste er einsehen, dass dieser Weg zweifelhaft und schwierig und für ihn ein unnötiger Weg ist, dass er für seine wichtigsten Aufgaben ein Hindernis und ein gefährlicher Weg ist. Das meiste (an der Politik) ist Lüge und es besteht die Möglichkeit, dass man, ohne es zu bemerken, zum Werkzeug in der Hand des (nichtislamischen) Auslands wird. Zudem wird, wer sich mit der Politik beschäftigt, entweder für sie oder gegen sie sein. Wollte ich für sie sein, wäre, da ich ja kein Beamter oder Abgeordneter bin, die Beschäftigung mit der Politik eine nutz- und zwecklose Sache. Man benötigt mich nicht, sodass ich mich vergeblich mit ihr beschäftige. Wollte ich aber in den Reihen der Opposition Politik machen, müsste ich dies entweder in Gedanken tun, oder aber die Macht dazu haben. Täte ich es in Gedanken, so wäre ich dazu nicht vonnöten. Denn die Problematik ist allgemein bekannt. Jeder kennt sie so gut wie ich. Zweckloses Gerede aber ist zugleich auch sinnlos. Wollte ich aber mit Macht Widerstand leisten und den Lauf der Dinge herausfordern, dann bestünde die Möglichkeit, Tausende von Sünden zu begehen, um eines Zweckes willen, dessen Erreichung unsicher ist. So würden um eines Einzelnen willen viele ins Unglück gestürzt. Weil aber das Gewissen (vidjdan)sich weigert, wegen ein, zwei Möglichkeiten unter zehn Möglichkeiten eine Sünde zu begehen und Unschuldige mit in eine Sünde hineinzureißen, hat es der Alte Said aufgegeben, zu rauchen, Zeitungen zu lesen, Politik zu betreiben, oder auch nur bei privaten Zusammenkünften über derartige weltliche Dinge wie die Politik zu reden.
Ein sicheres Zeugnis dafür ist, dass ich seit acht Jahren keine einzige Zeitung mehr gelesen habe oder mit hätte vorlesen lassen. Hätte mich jemals wieder irgendeiner eine Zeitung lesen sehen, oder gehört, wie mir jemand daraus berichtete, so möge er hierher kommen und es sagen. Dagegen hatte der Alte Said vor acht Jahren noch täglich vielleicht acht Zeitungen gelesen. Außerdem wird meine ganze Lebens- und Verhaltensweise seit fünf Jahren mit großer Aufmerksamkeit unter die Lupe genommen... Wer bei mir jemals bemerkt haben sollte, ich hätte etwas anklingen lassen, was nach Politik schmeckt, der möge es sagen! Denn der Gedanke eines Menschen, der so hochempfindlich ist wie ich, der nach dem Motto: اِنَّمَا الْحِيلَةُ فِى تَرْكِ الْحِيَلِ {"Der größte Betrug liegt in der Aufgabe des Betruges."} einsam, furchtlos und alleine lebt, kann nicht acht Jahre lang, ja noch nicht einmal acht Tage verborgen bleiben. Hätte er die Lust verspürt, den Wunsch gehabt, Politik zu treiben, hätte das einen Donnerschlag gleich einem Kanonenschuss ausgelöst, ohne dass es dabei noch irgendwelche Nachforschungen oder Untersuchungen gegeben hätte.
Zweiter Punkt:
Warum hält sich der Neue Said so streng von jeglicher Politik zurück?
Antwort:
Er möchte sich um ein Ewiges Leben, das mehr als eine Milliarde Jahre währt, bemühen und es sich verdienen und es nicht für ein irdisches Leben von ein, zwei Jahren dahingeben, das sinn- und zwecklos mit einer Einmischung (in die Politik) verbunden ist. Deshalb flieht er für den Dienst am Glauben und am Qur'an, der der wichtigste, notwendigste, reinste und wahrhaftigste Dienst ist, so unbeirrbar vor der Politik. Denn er sagt: Ich werde alt. Ich weiß nicht, wie lange ich noch zu leben habe.
Weil dies nun so ist, ist die wichtigste Aufgabe für mich, mich um ein Ewiges Leben zu bemühen. Das Ewige Leben zu verdienen, ist das allererste Mittel und der Schlüssel zur Ewigen Glückseligkeit ist der Glaube. Es ist notwendig, dass ich mich um ihn bemühe. Um mich aber auch den anderen Menschen als Wissenschaftler nützlich zu erweisen, möchte ich meinen Dienst versehen als einer der dem (islamischen) Gesetz verpflichtet ist. Natürlich könnte ich diesen Dienst auch im gesellschaftlichen und sozialen Leben tun. Doch bin ich dazu nicht befähigt. Doch in stürmischer Zeit ist ein unverfälschter Dienst nicht gewährleistet. Deshalb habe ich diesen Gedanken wieder fallen gelassen und gebe nur dem Gedanken an einen Dienst im Glauben, der der wichtigste, notwendigste und reinste Dienst ist, den Vorzug. Mögen diese Glaubenswahrheiten, die ich mir selbst erworben habe und diese geistigen Heilmittel, welche ich selbst ausprobiert habe, auch noch anderen Menschen zugänglich sein! Für sie lasse ich das Tor offen. Vielleicht nimmt Gott der Gerechte diesen Dienst an und macht mir daraus eine Buße für meine Sünden. Es hat niemand, der gesteinigte Satan ausgenommen, das Recht, sei er nun ein Gläubiger oder ein Leugner, einer von den Getreuen oder einer von den Gottlosen, das Recht, gegen einen solchen Dienst etwas zu unternehmen. Doch Glaubenslosigkeit ist eine Sache, die sich nicht mit anderen Sachen vergleichen lässt. In Sachen Ungerechtigkeit, leichter Verfehlungen oder schwerer Sünde findet sich ein wenn auch abscheulich, teuflicher Wohlgeschmack. Doch in der Glaubenslosigkeit findet sich in gar keiner Weise irgendein Wohlgeschmack. Sie ist Schmerz über Schmerz. Sie ist Finsternis über Finsternis. Sie ist Qual über Qual.
Einen solch lichtvollen Dienst aufzugeben, wie es der Glaube ist und das Bemühen um ein unendliches und ewiges Leben, sich im Alter auf nutzlose und gefährliche Spielereien zu werfen, was das für einen Menschen wie mich, der einsam und zurückgezogen für seine früheren
Sünden Buße tun muss, für ein Unverstand, eine Unvernunft, eine Unklugheit und in welchem Grade ein Wahnsinn ist, das vermag selbst noch ein Wahnsinniger zu verstehen.
Wenn du sagst:
"Warum sollten der Dienst am Glauben und am Qur'an mir die Politik verbieten?" so sage ich: Die Wahrheiten des Glaubens und des Qur'an sind in der Tat jede einzelne wie ein Juwel. Hätte ich mich mit der Politik besudelt, müssten die einfachen Leute, die sich doch so leicht verführen lassen, über diese Juwelen in meiner Hand denken: "Ist das vielleicht politische Propaganda, um Anhänger zu gewinnen?" Sie würden diese Diamanten für gewöhnliche Glassplitter ansehen. Sobald ich also mit der Politik in Berührung käme, wäre das so, als würde ich diesen Juwelen Unrecht tun und ihren Wert herabmindern. Nun also, Ihr Weltleute! Warum lasst Ihr mich nicht zufrieden? Gebt Ihr keine Ruhe? Lasst mich nicht wo wie ich bin?
Wenn Ihr aber sagt:
"Auch unsere Scheiche müssen sich manchmal mit unseren Angelegenheiten befassen. Und auch du wirst manchmal ein Scheich genannt..."
Ich aber sage Euch:
Meine Herren! Ich bin kein Scheich. Ich bin ein Hoca. Beweis dafür ist, dass ich seit vier Jahren hier bin. Hätte ich auch nur einem einzigen Menschen Ordensunterricht (tariqat)erteilt, hättet ihr das Recht, mich zu verdächtigen. Doch wisst ihr, dass ich jedem, der zu mir gekommen ist, gesagt habe: Glaube ist nötig; Islam ist nötig; für Ordensunterricht ist es nicht die Zeit.
Wenn ihr sagt:
"Man nennt dich Said-i Kürdi (= Kurde). Vielleicht vertrittst du einen rassistischen Standpunkt. Das aber dient nicht unserer Sache."
Ich aber sage:
Meine Herren! Was der Alte Said und was der Neue Said geschrieben haben, liegt offen vor. Ich bezeuge, dass ich bekanntlich, entsprechend dem unbedingten Erlass (ferman):
اَ ْلاِسْلاَمِيَّةُ جَبَّتِ الْعَصَبِيَّةَ الْجَاهِلِيَّةَ
{"Die Religion des Islam (islamiyet) hat die Merkmale vorislamischer Zeit (djahiliyet) ausgelöscht."}
seit alter Zeit Nationalismus und Rassismus, welche eine Art fränkischer (= in Europa endemischer) Krankheit in Europa darstellen, als ein mörderisches Gift angesehen habe. Und Europa hat diese fränkische Krankheit in den Islam hineingeworfen, um ihn zu spalten und zu teilen und denkt nun, dass es ihn so leichter hinunterschlucken könne. Dass ich mich schon seit langem darum bemühe, diese fränkische Krankheit zu heilen, das wissen meine Schüler und alle, die mit mir in Berührung gekommen sind. Wenn die Sache aber nun so ist, was ist dann wohl der Grund dafür, meine Herren, dass sie jedes Ereignis zum Vorwand dafür nehmen, mich zu belästigen? Wenn ein Soldat im Osten einen Fehler begeht und man bestraft dafür einen Soldaten im Westen und bereitet ihm Schwierigkeiten, bloß weil er auch in der Wehrmacht dient... oder aber, wenn ein Kaufmann in Istanbul ein Verbrechen begeht und man misst nun auch einem Händler in Bagdad eine Art von Schuld zu, weil auch er dem Stande der Kaufleute angehört, und wenn Ihr mich wegen eines jeden Vorfalles in dieser Welt belästigt, nach welchem Gesetz geht das dann? Welches Gewissen urteilt hier? Welcher Vorteil wird dadurch gewonnen?
Dritter Punkt:
Freunde, die an meine Ruhe denken und meine Haltung befremdlich finden, mit der ich jedem Übel in schweigender Geduld begegne, stellen sich folgende Frage: "Wie kannst du diese Umstände und all die Schwierigkeiten, die über dich gekommen sind, ertragen? Denn früher warst du doch so jähzornig und so auf deine Ehre bedacht und konntest noch nicht einmal eine harmlose Kränkung verkraften."
Meine Antwort:
Ich möchte Euch zwei kleine Erlebnisse und Geschichten zu Gehör bringen. Daraus könnt Ihr die Antwort entnehmen.
Erste Geschichte:
Vor zwei Jahren hatte sich ein Direktor in meiner Abwesenheit grundlos in abschätziger Weise und mit beleidigenden Worten gegen mich ausgesprochen. Man teilte mir das später mit. Da stieg die Natur des Alten Said wieder in mir hoch und überwältigte mich fast eine Stunde lang. Danach aber ergriff durch die Barmherzigkeit Gottes des Gerechten eine Wahrheit mein Herz, vertrieb aus ihm jede Missstimmung, löschte meine Ansprüche gegenüber diesem Mann und ich trug ihm nichts mehr nach. Diese Wahrheit aber war die folgende:
Ich sprach zu meiner Seele: Wenn seine Beschimpfungen und die Fehler, die er bloßgestellt hat, mich selbst, meine Person (shahis)und meine Seele (nefis)betreffen, so möge Allahs Wohlgefallen über ihm sein, dafür, dass er die Ungebührlichkeiten meiner Seele ausgesprochen hat. Hat er recht gesprochen, so wird dies meine Seele zur Zucht führen und mir helfen, mich vor dem Stolz zu bewahren. Hat er aber falsch gesprochen, so ist er mir eine Hilfe, mich vor Heuchelei und trügerischem Ruhm zu bewahren, der die Grundlage aller Heuchelei ist. Ich habe in der Tat noch keinen Frieden mit meiner Seele geschlossen, denn ich habe meine Erziehung noch nicht vollendet. Sagte mir jemand, es säße ein Skorpion an meinem Hals oder auf meiner Brust, oder zeigte er darauf, so sollte man deswegen nicht gekränkt, vielmehr dafür dankbar sein. Beziehen sich jedoch die Beleidigungen dieses Mannes auf mich in meiner Eigenschaft als Diener am Glauben und am Qur'an, so betrifft mich dies nicht. Diesen Mann überlass ich dem Herrn des Qur'an, der mich in Seinen Dienst genommen hat. Er ist der Allmächtige (Aziz)und Allweise (Hakiem).Wäre es aber nur, um mich zu beschimpfen, beleidigen, erniedrigen, so träfe mich auch dies nicht. Als ein Verbannter, ein Gefangener, ein Fremdling, dem die Hände gebunden sind, fällt es mir nicht mehr zu, selber meine eigenen Ehre wieder
herstellen zu wollen. Es ist dies vielmehr die Aufgabe derer, die mich als Regierungsräte und Ratsherren in diesem Dorf, dieser Stadt, diesem Vilayat als ihren Gast im Auge behalten sollen. Die Beleidigung eines Gefangenen, der sich in der Hand irgendeines Menschen befindet, betrifft dessen Herrn und diesem obliegt die Verteidigung. So sind nun einmal die Tatsachen und so kam auch mein Herz zur Ruhe. Ich sagte:
وَاُفَوِّضُ اَمْرِٓى اِلَى اللّٰهِ اِنَّ اللّٰهَ بَصِيرٌ باِلْعِبَادِ
{"Ich stelle meine Sache Allah anheim. Denn fürwahr, Allah schaut auf Seine Diener und Verehrer." (Sure 40, 44)}
Also habe ich dieses Ereignis so hingenommen, als wäre es nie geschehen und es wieder vergessen. Leider stellte es sich dann später doch noch heraus, dass der Qur'an ihm nicht verziehen (helal)hatte...
Zweite Geschichte:
In diesem Jahr habe ich von einem Zwischenfall gehört. Nachdem sich dieser Zwischenfall ereignet hatte, hörte ich zwar nur kurz von diesem Geschehnis, wurde jedoch so behandelt, als wäre ich ernsthaft in dieses Geschehnis verwickelt gewesen. Ich tausche schon seit langem keine Nachrichten mehr aus. Wenn ich es dennoch tue, schreibe ich höchst selten einmal an einen Freund über Glaubensdinge. Selbst an meinen Bruder habe ich in vier Jahren nur einen einzigen Brief geschrieben. Ich habe diese Beziehungen sowohl mir selbst untersagt, als auch die Weltleute ihn mir untersagt haben. Nur ein, zwei Freunde konnte ich einmal in der Woche wiedersehen. Was die Gäste im Dorf - ein, zwei im Monat - betrifft, so sprachen sie mit mir ein, zwei Minuten über ein religiöses (ahiret)Thema. Hier in dieser Fremde, wo es für Leute wie mich, einen Fremdling, der allein ist und keine Menschenseele kennt, nicht möglich ist, für ihren Lebensunterhalt zu arbeiten, bin ich von allen Menschen ausgeschlossen und alle Dinge sind mir verboten.
Ich habe sogar vor vier Jahren eine halb verfallene Moschee wieder in Stand setzen lassen. Doch obwohl man mir in meiner Heimat die Urkunden für meinen Dienst als Prediger und Imam ausgestellt und ausgehändigt hatte und ich dort in dieser Moschee vier Jahre meinen Dienst als Imam versehen hatte (möge Allah diesen Dienst von mir annehmen), konnte ich in diesem letzten gesegneten Monat Ramadan nicht mehr in diese Moschee gehen. Mein Gebet habe ich manchmal allein verrichtet. So bin ich der fünfundzwanzig Sevab (= Verdienste) und Wohltaten eines in der Gemeinschaft verrichteten Gebetes verlustig geblieben.
So habe ich denn auch diese beiden Ereignisse, von denen ich betroffen wurde, genau so wie vor zwei Jahren das Verhalten, das dieser Beamte mir gegenüber an den Tag legte, geduldig ertragen und ausgeharrt. Und wolle es Gott, dass ich es auch in Zukunft so halten werde. Dabei denke ich und sage ich mir: Wenn dieses Leid, diese Plage, diese Unterdrückung, wie sie mir von Leuten zugefügt werden, meine Seele (nefs)betreffen, die so voller Fehler und Mängel ist, so trage ich nichts nach. Vielleicht wird meine Seele dadurch eine bessere Haltung (hal)annehmen. Und es ist zudem auch noch eine Buße für die Sünden. Ich habe in diesem irdischen Gasthaus sehr viele Vergnügungen genossen. Wenn man mich nun ein ganz klein wenig misshandelt, so bin ich auch wiederum dankbar dafür. Wenn mich die Weltleute unterdrücken, weil ich dem Glauben und dem Qur'an diene, so ist es nicht meine Sache, mich dagegen zu verteidigen. Das überlasse ich dem Allgewaltigen in Seiner Allmacht (Aziz-i Djebbar).Falls die Absicht darin besteht, die mir überwiesene allgemeine Aufmerksamkeit von mir abzulenken, um jenen eitlen Ruhm zu zerbrechen, der unbegründet und Ursache zur Heuchelei ist und die Aufrichtigkeit (ihlas)zerstört, dann möge das Erbarmen (rahmet)mit ihnen sein. Denn ich denke, dass es für Menschen wie mich schädlich ist, in den Blickpunkt der allgemeinen Aufmerksamkeit
zu geraten und in den Augen der Leute ein berühmter Mann zu sein. Leute, die mit mir in Verbindung stehen, wissen, dass ich keine Ehrerbietung für meine Person wünsche, vielmehr sie verabscheue. Ja, ich habe dies sogar einem achtbaren Freund, der mir etwas bedeutet, vielleicht fünfzig Mal verwiesen. Falls sie beabsichtigen, mich zu diffamieren, mich in der öffentlichen Meinung verächtlich zu machen und herabzuwürdigen, um damit die Wahrheiten des Glaubens und des Qur'an, dessen Dolmetscher ich bin, zu treffen, so ist dies vergeblich. Denn die Sterne des Qur'an kann man nicht hinter einem Vorhang verstecken. "Wer seine Augen verschließt, kann nur selbst nichts sehen, andere kann er nicht in Nacht stürzen."
Vierter Punkt:
Antwort auf einige Fragen, die auf irrigen Vorstellungen beruhen.
Erste Frage:
Weltleute fragen mich immer wieder: "Wovon lebst du? Wie findest du dein Auskommen ohne zu arbeiten? Wir wollen in unserem Lande keine Leute, die faul herumsitzen und sich auf anderer Leute Kosten durchbringen!..."
Antwort:
Ich bin sparsam und mein Leben ist gesegnet. Ich nehme von niemandem außer meinem Versorger (Rezzaq)etwas an, keine Gefälligkeiten und nichts, was mich zu Dank verpflichten könnte, und habe mir das auch für die Zukunft vorgenommen. Es braucht in der Tat ein Mann, der von hundert Para, ja sogar von vierzig Para täglich lebt, von anderen keine Gefälligkeiten anzunehmen. Auf diese Frage einzugehen, war überhaupt nicht meine Absicht. Denn eine Erklärung abgeben zu müssen, die in den Gedanken anderer vielleicht den Eindruck erweckt, stolz (gurur)und selbstgefällig (enaniyet)zu sein, ist mir besonders peinlich. Doch Weltleute haben mich in einer Weise verdächtigt und ausgefragt, dass ich nun sagen muss: Es ist ein Prinzip, das ich in meinem ganzen Leben stets eingehalten habe, schon von meiner Kindheit an, nichts von den Leuten anzunehmen (auch nicht, wenn es Zekat sein sollte),
auch mein monatliches Gehalt nicht anzunehmen (nur ein, zwei Jahre wurde ich an der Daru-l'Hikmeti-l'Islamiye unter dem Druck meiner Freunde dazu gezwungen, es anzunehmen), nicht für mein monatliches Auskommen eine Dankesschuld auf mich zu laden. Meine Landsleute und auch die mich anderen Orts kennen, wissen das. In diesen fünf Jahren meiner Verbannung haben sich viele Freunde sehr darum bemüht, mir ihre Geschenke aufzudrängen. Ich habe sie nicht angenommen. Wenn sie mich dann fragen: "Wie kannst du dich unter diesen Umständen noch über Wasser halten?" antworte ich ihnen: "Ich lebe durch Gottes Segen (bereket)und Seine Freigiebigkeit (ikram)."Obwohl meine Seele eigentlich jegliche Verachtung verdient hätte und dass man ihr alle Treue aufkündige, habe ich dennoch jenen Segen erfahren, welcher in der Versorgung durch Gottes Freigiebigkeit besteht und ein Wunder (keramet)des Dienstes am Qur'an ist. Dem Geheimnis (der Ayah):
وَأَمَّا بِنِعْمَةِ رَبِّكَ فَحَدِّثْ
{"Doch erzähle von der Gnade deines Herrn!" (Sure 93, 11)}
folgend, möchte ich die Gnadengeschenke, die Gott der Gerechte mir erwiesen hat, erwähnen. Möge es eine Art von Danksagung sein, wenn ich hier einige Beispiele erzähle! Doch wenn ich es auch tue, damit es eine Danksagung sein solle, so fürchte ich doch, selbstgefällig (riya)und stolz (gurur)zu erscheinen und so des Segens verlustig zu gehen. Denn wenn einer, sich selber rühmend, einen geheimen Segen ausposaunt, so verursacht er damit dessen erlöschen. Doch was hilft das, ich muss es dennoch sagen.
Erstens:
Seit sechs Monaten komme ich mit einem Scheffel (35,27 kg) Weizen aus. Es reicht für sechsunddreißig Brote. Es ist noch etwas davon da, noch nicht alles aufgebraucht. Wie lange es noch reichen wird, weiß ich nicht.
{Es reichte noch ein Jahr}
Zweitens:
In diesem gesegneten Monat Ramadan haben mir nur zwei Häuser Essen gebracht. Und beide haben mich krank gemacht. So habe ich verstanden, dass es mir verboten ist, Speisen von anderen zu essen. Übrigens berichtete mir Abdullah Tschawusch, der Herr des Hauses und das Oberhaupt dieses ganzen gesegneten Hauses, mein getreuer Freund, der sich den ganzen Ramadan über um meine Verpflegung kümmerte, und er bezeugte, dass mir drei Laib Brot und eine Kiyye (1283 g) Reis genügten. Dieser Reis ging sogar erst fünfzehn Tage nach dem Ramadan zu Ende.
Drittens:
Auf dem Berg genügte mir und meinen Gästen eine Kiyye Butter für drei Monate, obwohl wir doch jeden Tag Butterbrote gegessen haben. Einer meiner gesegneten Gäste hieß Suleyman. Mein Brot und auch sein Brot gingen zu Ende. Es war an einem Mittwoch, als ich zu ihm sagte: "Gehe und bringe Brot!" Es gab aber zwei Stunden weit im Umkreis niemanden, von dem man hätte Brot holen können. Er sagte zu mir: "Ich habe den Wunsch, die Freitagsnacht bei dir auf dem Berge im Gebet zu verbringen." Ich gab ihm zur Antwort: "Wir vertrauen auf Gott. Bleib also." Danach stiegen wir beide, ohne dass wir dazu eine Veranlassung gehabt hätten, oder es dafür einen Grund gegeben hätte, immer weiter wandernd bis zum Gipfel eines Berges hinauf. Bei uns hatten wir eine Kanne mit etwas Wasser. Auch hatten wir ein bisschen Zucker und etwas Tee bei uns. Ich sagte: "Mein Bruder, mach ein wenig Tee." Während er damit beschäftigt war, den Tee zuzubereiten, saß ich unter einer Zeder, die sich hoch über einem Bach erhob. Traurig dachte ich bei mir: "Wir haben noch etwas schimmeliges Brot. Es reicht heute abend noch für uns beide. Wie sollen wir das zwei Tage lang machen und wie soll ich das diesem Mann in seiner Herzensreinheit beibringen?"
Während ich noch darüber nachdachte, wendete ich meinen Kopf, und es war mir, als drehte sich mir der Kopf wie von selbst, und da sah ich: In den Zweigen der Zeder über mir lag ein riesengroßer Laib Brot für uns bereit. "Suleyman, eine Überraschung (müjde)!"rief ich, "Gott der Gerechte hat für uns gesorgt." Wir holten das Brot herunter, betrachteten es und sahen, dass Vögel oder andere frei lebende Tiere es nicht angerührt hatten. Seit zwanzig, dreißig Tagen war kein Mensch mehr auf diesen Gipfel gestiegen. Dieses Brot reichte uns beiden für zwei Tage. Während wir davon aßen und es fast schon aufgegessen hatten, kam (ein anderer) Suleyman, der mir schon seit vier Jahren ein wahrer und treuer Freund ist, von unten herauf mit Brot.
Viertens:
Diese Jacke, die ich hier jetzt trage, habe ich vor sieben Jahren gebraucht gekauft. In fünf Jahren habe ich für Oberkleidung, Unterwäsche, Schuhe und Strümpfe viereinhalb Lira ausgegeben. Es genügten mir der Segen Gottes, die Sparsamkeit und Seine Barmherzigkeit.
So gibt es diesen Beispielen entsprechend noch viele dergleichen Dinge und sehr viele Erscheinungsweisen göttlichen Segens. Die Bewohner dieses Dorfes kennen viele von ihnen. Es soll aber niemand meinen, dass ich all dies erzähle, um mich zu rühmen; vielmehr wurde ich dazu gezwungen. Und denken Sie bitte nicht, es habe sich mir eine Quelle aufgetan, weil ich ein so guter Mensch bin. Diese Segnungen sind entweder ein Gnadenerweis für die Lauterkeit der Freunde, welche zu mir kommen, oder ein Gastgeschenk für den Dienst am Qur'an, oder der segensreiche Gewinn der Sparsamkeit. Vielleicht ist es auch die Versorgung der vier Katzen, die bei mir sind und mit ihrem "Ya Rahim, Ya Rahim" ständig der Barmherzigkeit Allahs gedenken (dhikr)und die in Form dieses Segens zu mir kommt, wovon dann auch ich meinen Nutzen habe. Wenn du aufmerksam ihrem melancholischen schnurren zuhörst, kannst du in der Tat verstehen, wie sie "Ya Rahim, Ya Rahim" rezitieren. Die Geschichte mit der
Katze bringt mir die Sache mit dem Huhn in Erinnerung. Ich habe nämlich ein Huhn. Es brachte mir während des Winters, einer Eiermaschine gleich, mit sehr seltenen Unterbrechungen an jedem Tag ein Ei aus der Schatzkammer der göttlichen Barmherzigkeit. Ja, an einem Tag legte es sogar zwei Eier. Ich war erstaunt und fragte meine Freunde: "Gibt es so etwas?" Sie sagten: "Vielleicht ist es ein Gnadenerweis Gottes!" Im Sommer hatte dieses Huhn auch noch ein kleines Kücken ausgebrütet. Dieses begann dann zu Anfang des heiligen Monats Ramadan mit dem Eierlegen und setzte das vierzig Tage so fort. Weder ich, noch die, welche mir dienten, hatten einen Zweifel daran, dass dieser gesegnete Umstand (hal),sowohl seine Kleinheit, als auch der Winter, als auch der Ramadan ein Gastgeschenk (ikram)des Herrn war. Als dann seine Mutter das Eierlegen einstellte, begann es sofort wieder und ließ mich nicht ohne Eier.
Die zweite irrtümliche Frage:
Die Weltleute fragen mich: "Wie können wir uns darauf verlassen, dass du dich in unsere weltlichen Angelegenheiten nicht einmischen wirst? Wenn wir dich freilassen, wirst du dich vielleicht in unsere weltlichen Angelegenheiten einmischen. Woher sollen wir wissen, was du mit deiner Schläue im Schilde führst? Woher sollen wir wissen, ob du mit deiner Schläue nicht vielleicht nur so tust, als habest du die Welt verlassen und ob du Volkseigentum nur öffentlich nicht nimmst, es aber sehr wohl im Geheimen an dich bringst?"
Meine Antwort:
Ich wurde vor zwanzig Jahren vor ein Kriegsgericht gestellt. Und auch schon früher, in der Zeit vor der Hürriyet (= die Zeit der konstitutionellen Monarchie, genannt "Hürriyet"= Freiheit) waren meine innere und äußere Haltung vielen bekannt. Desgleichen zeigt auch meine Verteidigungsrede vor dem Gericht mit dem Titel: "Mein Zeugnis an zwei Schulen des Unglücks" ganz deutlich, dass ich mein Leben in der Weise verbracht habe, dass ich mich nicht dazu erniedrigt habe,
irgendwelche Manöver anzuwenden oder einen Hinterhalt anzulegen, ja noch nicht einmal zu einer harmlosen Lobhudelei. Hätte es eine solche Lobhudelei gegeben, so wäre in diesen fünf Jahren schon eine Anmeldung angedient worden. Mit einer solchen Lobhudelei möchte ein Mann sich beliebt machen. Er nimmt sich nicht zurück. Er hat immer eine Hinterlist, irgedeinen Betrug im Sinn. Ich aber habe mich trotz schwerer Angriffe und Kritiken zu keiner Würdelosigkeit erniedrigt. "Ich vertraue auf Gott", sagte ich und habe den Weltleuten den Rücken gekehrt. Wer zudem das Jenseits kennt und die Realitäten in dieser Welt erkannt hat, wird da nicht bedauern, kehrt nicht wieder in die Welt zurück, strebt nicht nach ihr. Nach fünzig Jahren opfert ein Mann, der ganz auf sich allein gestellt und am irdischen nicht interessiert ist, nicht sein Ewiges Leben um in dieser Welt ein, zwei Jahre für leeres Gerede und politische Kurpfuscherei zu opfern... opferte er es aber, wäre das keineswegs besonders intelligent, vielmehr irrsinniger Wahnwitz. Was aber sollte aus der Hand eines solchen wahnwitzigen Irren schon kommen, dass man sich mit ihm beschäftigen sollte?
Was jedoch den Zweifel daran betrifft, ob ich nicht äußerlich zwar die Welt verlassen habe, mich aber doch innerlich noch nach der Welt sehne, so sage ich entsprechend dem Geheimnis:
وَمَآ اُبَرِّئُ نَفْسِىٓ اِنَّ النَّفْسَ َلاَمَّارَةٌ بِالسُّوٓءِ
{"Ich will mein Herz (nefs) nicht freisprechen von Schuld; denn das menschliche Herz (nefsu l-emmare: das Tier in uns) ist dem Bösen zugeneigt." (Sure 12, 53),}
dass ich mich (nefs)nicht für schuldlos erklären will... denn das Tier in mir (nefs)verlangt ja nach all dem, was doch nicht gut ist. Aber in dieser vergänglichen Welt, in diesem behelfsmäßigen Gasthaus, in meinem vorgerückten Alter, ein ewiges, unvergängliches Leben und die Ewige Glückseligkeit innerhalb einer kurzen Lebensspanne
für ein wenig Genuss zu zerstören, ist nicht Art eines Menschen von Verstand. Weil es aber nicht die Art eines Menschen von Verstand ist, hat sich dieses Tier in mir (nefsu l-emmare),mochte es nun wollen oder nicht, dem Verstand unterworfen.
Dritte irrtümliche Frage:
Die Weltleute fragen mich: Liebst du uns? Sind wir dir genehm? Wenn du uns liebst, warum bist du uns dann böse und kümmerst dich nicht um uns? Wenn wir dir nicht genehm sind, bist du unser Gegner. Gegner aber werden von uns niedergeworfen.
Meine Antwort:
Hätte ich nicht nur euch, sondern auch eure Welt geliebt, so hätte ich mich nicht aus der Welt zurückgezogen. Ihr seid mir nicht genehm und eure Welt gefällt mir auch nicht. Aber da mische ich mich nicht ein. Denn ich habe eine andere Zielsetzung. Mein Herz ist von anderen Dingen erfüllt. An andere Dinge zu denken, bleibt in meinem Herzen kein Platz mehr übrig. Eure Aufgabe ist es, auf die Hand zu achten (d.h. auf das, was tatsächlich geschieht) und nicht das Herz zu beurteilen. Denn eure Angelegenheit ist das Regierungsgeschäft und die allgemeine Sicherheit im Lande. Mischt sich jemand nicht in eure Angelegenheiten ein, welches Recht habt ihr dann noch, zu verlangen, er solle euch auch noch mit dem Herzen lieben?... Ihr mischt euch in Herzensangelegenheiten ein. In der Tat will ich und wünsche ich den Frühling zu dieser Winterzeit. Aber ich kann ihn nicht herbeiführen, ja es noch nicht einmal versuchen. In ähnlicher Weise wünsche ich auch die Erlösung der Welt und bete darum und wünsche Erlösung für alle Menschen in dieser Welt. Aber ich kann sie nicht herbeiführen... Denn das liegt nicht in meiner Hand. Tatsächlich kann ich es noch nicht einmal versuchen... Denn das ist weder meine Aufgabe, noch bin ich dazu überhaupt in der Lage.
Vierte irrtümliche Frage:
Die Weltleute sagen zu mir: Wir haben schon so viel Schwierigkeiten bekommen, dass wir niemandem mehr Vertrauen schenken können. Wie können wir deiner sicher sein, dass du dich nicht in
unsere Angelegenheiten einmischen wirst, sobald sich dir nur eine entsprechend günstige Gelegenheit dazu bietet?
Meine Antwort:
Die oben angeführten Punkte sollten euch diese Sicherheit geben. Zudem habe ich mich auch nicht in eure Angelegenheiten eingemischt, als ich noch inmitten meiner Freunde und Verwandten, die mir auf mein Wort folgten, lebte und die Ereignisse aufregend genug dazu waren. Jetzt, wo ich einsam und verlassen und ganz auf mich allein gestellt als ein Fremdling schwach und hilflos in der Verbannung lebe, isoliert von allen Menschen, die sich mit ganzer Kraft nach einer anderen Welt sehnen und von jeder Nachricht abgeschnitten lebe, hier, wo es nur wenige Freunde und Glaubensbrüder gibt, die selten genug und von weit her um des Glaubens und einer besseren Welt willen zu mir kommen und wo einer dem anderen fremd ist und sich die Menschen mit misstrauischen Blicken betrachten, mich in eure gefährlichen weltlichen Angelegenheiten einzumischen, wäre in mehrfacher Hinsicht Wahnsinn...
Fünfter Punkt:
Betrifft fünf kürzere Fragen:
Erstens:
Die Weltleute fragen mich: Warum übernimmst du nicht unsere Art zu leben und uns zu bekleiden, kurz, den Stil unserer Kultur und die Form unserer Zivilisation? Willst du damit zum Ausdruck bringen, dass du gegen uns bist?
Ich halte dem entgegen:
Meine Herren! Mit welchem Recht erwarten Sie von mir, dass ich von Ihnen lernen soll, was Kultur und Zivilisation ist? Haben doch gerade Sie mich von jeglichem Recht auf Zivilisation ausgeschlossen und dazu gezwungen, fünf Jahre rechtlos in einem Dorf zu leben, eine Kontakt- und Nachrichtensperre über mich verhängt. Allen Verbannten haben Sie erlaubt, in den Städten mit ihren Freunden und verwandten zusammenzukommen. Sie haben ihnen danach die Ausweispapiere ausgehändigt, mich aber ohne Grund isoliert und, von ein, zwei Ausnahmen abgesehen, keinen Verkehr
mit meinen Landsleuten zugelassen. Das heißt doch wohl, dass Ihr mich nicht zu Euren Untertanen und Volksgenossen zählt. Wie könnt Ihr da noch von mir erwarten, dass ich die Gesetze Eurer Zivilisation übernehmen werde? Die Welt habt Ihr mir zu einem Kerker gemacht. Von einem Mann, der im Kerker sitzt, kann man aber derartige Dinge nicht erwarten. Die Türe zur Welt habt Ihr mir verschlossen. Ich aber habe an die Pforten einer anderen Welt (ahiret)angeklopft. Gottes Barmherzigkeit hat mir aufgetan. Wie aber kann man von einem Mann, der schon an den Pforten jener Welt (ahiret)angeklopft hat, die doch so schwierigen Sitten und Gebräuche dieser Welt erwarten? Erst wenn Ihr mir meine Freiheit wiedergegeben und das Recht gegeben habt, wieder in meine Heimat zurückzukehren, erst dann mögt Ihr wünschen, dass ich Eure Sitten übernehmen solle...
Zweite Frage:
Die Weltleute sagen zu mir: Wir haben ein offizielles Amt, dass dafür zuständig ist, über den Glauben (din)und die Wahrheiten des Islam zu unterrichten. Du aber, in wessen Vollmacht betreibst du denn religiöse Propaganda? Denn da du nun einmal zur Verbannung verurteilt worden bist, hast du auch kein Recht mehr, dich in diese Angelegenheiten einzumischen.
Meine Antwort:
Das Recht und die Wahrheit unterliegen keiner Beschränkung. Wie kann man Glaube (iman)
und Qur'an einer Beschränkung unterwerfen? Ihr könnt eure weltlichen Prinzipien und Gesetze einer Beschränkung unterwerfen. Doch die Glaubenswahrheiten und die Grundsätze des Qur'an können nicht nach Art der öffentlichen Angelegenheiten und gleich einem irdischen Geschäft, das man gegen Entgelt verrichtet, in eine Form gepresst werden. Denn diese Geheimnisse, die eine Gnadengabe Gottes sind, können nur reinen Herzens (niyet)empfangen werden. Diese Segnungen erlangt man nur, wenn man sich aus diesen irdischen Geschäften zurückzieht und nur dadurch, dass man über allen weltlichen (nefs)Genüssen nach Erlösung strebt.
Darüber hinaus hat mich sogar Ihre eigene öffentliche Behörde, damals, als ich noch in meiner Heimat lebte, zum Prediger bestellt und anerkannt. Ich habe damals diese Predigerstelle angenommen, auf mein Gehalt aber verzichtet. Eine entsprechende Urkunde trage ich bei mir. Mit dieser Urkunde kann ich überall als Prediger oder Imam tätig werden. Denn meine Verbannung ist zu Unrecht erfolgt. Überdies sind ja all die Verbannten längst schon heimgekehrt und diese meine Urkunde hat Wert und Gültigkeit immer noch behalten.
Zweitens:
Durch die Glaubenswahrheiten, welche ich niedergeschrieben habe, wollte ich nur unmittelbar meine eigene Seele (nefs)ansprechen. Ich habe nicht jedermann dazu eingeladen. Vielmehr suchen diejenigen, deren Seele (ruh)ihrer bedarf und deren Herzen verwundet sind nach diesen Heilmitteln im Qur'an und finden sie dort. Zu meinem Lebensunterhalt habe ich nur die Risala über die Auferstehung drucken lassen, und zwar noch vor der Einführung der neuen Schrift. Sie wurde auch von diesem ehemaligen Gouverneur (vali),der sich mir gegenüber ungerecht verhalten hat, geprüft. Doch blieb diese Risala unbeanstandet, weil er nichts darin finden konnte, was einer Kritik wert gewesen wäre.
Dritte Infragestellung:
Manche meiner Freunde haben sich ganz offensichtlich von mir distanziert, weil ich bei den Weltleuten in Verdacht geraten bin und weil sie nun ihrerseits bei diesen Weltleuten gut angesehen sein möchten; ja sie kritisieren mich vielleicht. Doch sind diese Weltleute schlau genug, diese äußerliche Zurückhaltung und die kühle Distanziertheit solcher Leute mir gegenüber nicht als ein Zeichen der Treue gegenüber den Weltleuten anzusehen, sie vielmehr als eine Art von Heuchelei, als eine Gewissenlosigkeit zu betrachten und verfolgen solche Freunde daher mit bösen Blicken.
Ich halte dem entgegen:
Oh Ihr meine Freunde im Glauben! Wenn ich dem Qur'an diene, so braucht ihr euch deswegen nicht gleich von mir zurückzuziehen und
vor mir davonzulaufen! Denn von mir droht auch insha-a'llah keine Gefahr. Denn selbst angenommen, es würde sich irgend etwas Schlimmes ereignen, oder mir ein Unrecht zustoßen, so könntet ihr euch doch nicht retten dadurch, dass ihr euch vor mir zurückzöget. Denn in diesem Falle hättet ihr das Unglück und den Schlag, der euch getroffen hat, nur noch um so mehr verdient. Und was ist denn eigentlich passiert, dass ihr so sehr euren Wahnideen verfallen seid?
Vierte Frage:
In dieser Zeit meiner Verbannung sehe ich, dass manche Menschen, die in den Sumpf der Politik hineingeraten sind, sich selbst aber gerne ein wenig herausheben möchten, mich mit Blicken betrachten, als stünde ich auf der gegnerischen Seite, so als ob auch ich so wie sie in den Strom dieser Welt mit hinein verwickelt wäre.
Meine Herren! Der Strom, der mich bewegt, ist der Strom des Glaubens. Und der Strom, der sich mir entgegenstellt, ist der Strom des Unglaubens. Eine andere Strömung ist für mich nicht von Interesse. Männer, die sich zu einer solchen Arbeit für Lohn verdingen, mögen sich vielleicht selbst für entschuldigt halten. Mich aber ohne allen Lohn, in patriotischem Übereifer, aus einer Haltung der Parteilichkeit oder Gegnerschaft heraus anzugreifen und zu schikanieren, ist ein ganz besonders übler Fehler. Denn wie ich bereits weiter oben bewiesen habe, habe ich mich auf die Politik dieser Welt überhaupt nicht eingelassen. Ich habe all meine Zeit und mein ganzes Leben auf die Glaubenswahrheiten und den Qur'an beschränkt und nur ihm allein gewidmet. Und weil dies nun einmal so ist, möge doch derjenige, der mich in dieser Weise schikaniert und sich mir entgegenstellt, denken, dass er im Namen seiner Gottlosigkeit und Glaubenslosigkeit so handelt und damit den Glauben angreift.
Fünfte Frage:
Die Welt ist nun einmal vergänglich. Außerdem ist das Leben nun einmal kurz. Außerdem gibt es nun einmal viele wichtige Aufgaben. Außerdem muss
man sich nun einmal das Ewige Leben hier verdienen. Außerdem ist nun einmal diese Welt nicht ohne Besitzer. Außerdem hat nun einmal diese unsere irdische Herberge einen Lenker und Leiter von großer Weisheit und Freigiebigkeit. Außerdem bleibt nun einmal das Gute und das Schlechte nicht ohne seinen Lohn. Außerdem gibt es nun einmal entsprechend dem Geheimnis von
لاَ يُكَلِّفُ اللّٰهُ نَفْسًا اِلاَّ وُسْعَهَا
{"Gott verlangt von keiner Seele (nefs) mehr, als sie zu tragen vermag." (Sure 2, 286)}
keine unerträglichen Belastungen. Außerdem ist nun einmal ein gefahrloser Weg immer einem gefährlichen Weg vorzuziehen. Außerdem reichen nun einmal Freundesbande und Standesverpflichtungen nur bis zum Rand des Grabes...
Der Glücklichste aber ist sicherlich derjenige, der das Jenseits nicht um des Diesseits willen vergisst, der das Jenseits nicht dem Diesseits zum Opfer bringt, der das Ewige Leben nicht um des irdischen Lebens willen zerstört, der sein Leben nicht mit nutzlosen Dingen vertändelt, der sich selbst nur als einen Gast betrachtet und der sich den Weisungen seines Gastherrn entsprechend verhält. Er wird heil und sicher das Tor seines Grabes öffnen und in die Ewige Glückseligkeit eingehen.
{(*): Was ich mit den obigen "außerdem..."-Sätzen zum Ausdruck bringen möchte, ist Folgendes: Ich kümmere mich nicht um all das Unrecht, das man mir zufügt und messe den Schikanen keine Bedeutung bei. Ich sage mir: "Es ist die ganze Aufregung nicht wert." und mische mich nicht in wetliche Angelegenheiten.}
Anhang zum "Sechzehnten Brief"
بِاسْمِهِ ٭ وَاِنْ مِنْ شَىْءٍ اِلاَّ يُسَبِّحُ بِحَمْدِهِ
{"Im Namen dessen, außer dem es fürwahr kein Ding gibt, das Ihn nicht dankend lobpreist."}
Die Weltleute verdächtigen mich, einen armseligen Fremdling, ohne jeden Grund. In ihrer Phantasie meinen sie, ich sei stark wie tausend Mann und halten mich unter vielen Vorbehalten gefangen. Sie haben mir nicht erlaubt, ein, zwei Nächte an einem Ort in der Gegend von Badre oder auf einem Berg in der Nähe von Barla zu bleiben. Ich habe sie sagen gehört: "Said hat die Macht von fünfzigtausend einfachen Soldaten. Darum können wir ihn nicht frei lassen."
Ich halte dem entgegen: Oh ihr unglückseligen Weltleute! Warum versteht ihr die Dinge dieser Welt noch immer nicht, obwohl ihr euch doch mit all eurer Kraft für eure weltlichen Angelegenheiten einsetzt? Ihr urteilt einem Geisteskranken gleich. Wenn ihr in Bezug auf meine Person irgendwelche Befürchtungen habt, so können doch fünfzigtausend Soldaten nicht, nein, es kann vielleicht schon ein einzelner Soldat fünfzig Mal mehr an Arbeit verrichten als ich. Denn er kann vor der Tür zu meiner Kammer Posten beziehen und zu mir sagen: "Hier kommst du nicht mehr raus!"
Wenn ihr euch vor meiner Berufung fürchtet, wenn ihr Angst habt, weil ich der öffentliche Ausrufer des Qur'an bin und die Kraft des Glaubens in mir ist, dann bin ich fünfzigtausend Soldaten nicht gleichzusetzen. Da irrt ihr euch! Angesichts meiner Berufung bin ich so stark wie fünfzig Millionen von ihnen. Das sollt ihr wissen! Denn in der Kraft des Weisen Qur'an fordere ich mitsamt all euren Gottlosen auch ganz Europa heraus. Denn durch den
Glauben (iman),dessen Lichter (envar)ich überall verbreitet habe, habe ich ihre positiven Wissenschaften, diese feste Burg, welche sie als Natur bezeichnen, zunichte gemacht. Die größten unter den atheistischen Wissenschaftlern habe ich dahin geführt, dass sie (in ihrem Unverständnis) noch unter die Tiere hinabgerutscht sind. Wolltet ihr all eure Atheisten mitsamt dem ganzen Europa zusammenrufen, so könntet ihr mich durch die Führung Allahs, der mir den Erfolg verleiht, doch nicht in auch nur einer einzigen Fragestellung von meiner Berufung abbringen. Sie werden insha-a'llah nicht den Sieg davontragen!...
Weil dies aber nun einmal so ist, mische ich mich nicht in eure weltlichen Angelegenheiten ein. Doch sollt auch ihr euch nicht in meine Angelegenheiten einmischen, welche das Jenseits betreffen. Zudem ist diese eure Einmischung auch vergeblich.
Was Gott bestimmt hat, lässt sich nicht abwenden mit des Armes Kraft.
So besitzt doch die Gerechtigkeit einen unbeugsamen Arm, ein Antlitz, das sich nicht abwendet.
Über mich nähren die Weltleute in ganz ausnehmender Weise völlig irrige Vorstellungen, als ob sie mich fürchteten. Sie bilden sich ein, ich wäre, was ich gar nicht bin und selbst wenn ich es wäre, bildete es doch nicht den Gegenstand einer politischen Verfehlung und wäre gar kein Grund zur Anklage, Dinge wie die Würde eines Scheichs, Größe, Vornehmheit, Adel, ein Stammesfürst zu sein, Einfluss und eine persönliche Ausstrahlung zu besitzen, viele Anhänger zu haben, mit seinen Landsleuten Umgang zu pflegen, sich für die Ereignisse in dieser Welt zu interessieren, ja sogar politisch aktiv zu sein und das selbst auf Seiten der Opposition, Dinge, die gar nicht auf mich zutreffen und über die sie dennoch in Aufregung geraten. Ja, während sie schon darüber reden, diejenigen zu amnestieren, die noch im Gefängnis sitzen oder schon
wieder draußen sind und die doch nach ihrer Meinung gar nicht für eine Amnestie in Frage kommen, verbieten sie mir selbst nahezu alles. Ein Mann von schlechtem Ruf und obzwar sein Ruhm schon vergänglich war, hat einmal das folgende schöne unvergängliche Wort geprägt:
Wenngleich auch das Unrecht eine Kanone hätte, eine Kugel hätte, eine Burg hätte,
So besitzt doch die Gerechtigkeit einen unbeugsamen Arm, ein Antlitz, das sich nicht abwendet.
Dementsprechend sage auch ich:
Wenngleich auch sich auf Seiten der Weltleute die Souveränität findet, die Majestät sichtbar wird, die Macht zum Ausdruck kommt,
so besitzt doch durch den Segen des Qur'an sein Diener ein unbeirrbares Wissen und ein Wort, das man nicht zum Verstummen bringen kann, einen untrüglichen Sinn und ein unauslöschliches Licht.
Viele meiner Freunde haben mir ebenso wie der Kommandant, der mich überwachte, immer wieder die Frage vorgelegt: Warum kommst du nicht um einen Ausweis nach, stellst keinen Antrag?
Meine Antwort:
Es gibt fünf, sechs Gründe dafür, dass ich einen solchen Antrag nicht stelle und auch gar nicht stellen darf.
Erstens:
Ich habe mich in die weltlichen Angelegenheiten der Weltleute nicht eingemischt, sodass ich nun in ihrer Schuld stünde und bei ihnen vorstellig werden müsste. Ich bin ein Schuldner der göttlichen Allmacht (Qader)und habe mich gegen sie versündigt, sodass ich nun bei ihr vorstellig werden muss.
Zweitens:
Ich habe mit absoluter Sicherheit geglaubt und erkannt, dass diese Welt eine Herberge ist, die sich schnell verwandelt. Deswegen ist sie keine wahre Heimat. Das ist überall das gleiche. Da ich aber nun einmal nicht ewig in meiner Heimat (Bitlis) bleiben kann, bringt es
auch gar nichts ein, sich vergeblich darum zu bemühen, dorthin zu gelangen. Es ist nun einmal jeder Platz einer Herberge gleich. Ist aber der Herr dieser Herberge in Seiner Barmherzigkeit mir freundlich gesinnt, so ist mir jedermann freundlich gesinnt und jeder Platz ist mir ein freundlicher Ort. Ist Er mir aber nicht freundlich gesinnt, so lastet mir jeder Ort auf der Seele (qalb)und jedermann ist mein Feind.
Drittens:
Ein Anmeldeantrag kann nur im Rahmen des Gesetzes erfolgen. Doch seit sechs Jahren hat man mich stets nur mit Willkür behandelt und außerhalb der Gesetze gestellt. Nach dem Gesetz für die Verbannten wurde ich nicht behandelt. Man hat mich so betrachtet, als sei ich vom bürgerlichen Recht, ja sogar von den Menschenrechten ausgeschlossen. Es ist daher einfach widersinnig, im Namen des Gesetzes bei denen einen Antrag auf Anmeldung einzureichen, die sich selbst gesetzwidrig verhalten.
Viertens:
In diesem Jahr hat der Herr Distriktsdirektor in meinem Namen einen Antrag eingereicht, mit der Bitte, mir für einige Tage in Badre, einem zur Stadtgemeinde von Barla gehörigen Stadtbezirk, Aufenthalt und Luftveränderung zu gestatten. Man hat mir diese Aufenthaltsgenehmigung nicht erteilt. Wenn aber bereits bei derart unwichtigen Angelegenheiten ein Antrag abgelehnt wird, wie kann ich denn dann bei solchen Leuten noch vorstellig werden? Wollte ich bei ihnen noch einen Antrag einreichen, wäre dies eine fruchtlose Erniedrigung in einer entwürdigenden Lage.
Fünftens:
Gegenüber Leuten, die Unrecht für Recht hinstellen, sein Recht zu fordern und bei ihnen vorstellig zu werden, ist eine Ungerechtigkeit. Es wäre eine Respektlosigkeit gegenüber der Gerechtigkeit. Eine solche Ungerechtigkeit und eine solche Respektlosigkeit gegenüber dem Recht will ich nicht begehen und damit Friede. {Selam! = Gruß beim Abschiednehmen (A.d.Ü.).}
Sechster Grund:
Die Schwierigkeiten, die Weltleute mir bereiten, haben keine politischen Gründe. Denn diese Leute wissen, dass ich mich nicht in die Politik einmische, dass ich die Politik fliehe. Vielleicht gehen ihre Schikanen bewusst oder unbewusst auf die Rechnung ihres Atheismus, weil ich doch dem Glauben (din)verbunden bin. Wenn dies aber so ist, dann hieße, bei ihnen vorstellig zu werden, sich mit Bedauern vom Glauben (din)abzuwenden und statt seiner dem Atheismus in die Arme zu werfen. Wollte ich aber bei ihnen vorstellig und kniefällig werden, so würde mich dennoch die Allmacht (Qader)Gottes in ihrer Gerechtigkeit durch ihre eigene Hand bestrafen. Denn sie schikanieren mich ja, weil ich ein im Glauben (diyanet)gebundener Mensch bin. Denn nach (Gottes) Bestimmung (Qader)werde ich gepeinigt, weil mein religiöses Leben (diyanet)und meine Aufrichtigkeit (ihlas)fehlerhaft sind und ich ab und zu einmal versucht habe, mich bei Weltleuten beliebt zu machen. Wenn dies aber so ist, dann gibt es hier und jetzt keine Rettung vor dieser Pein. Wollte ich aber bei diesen Weltleuten vorstellig werden, so sagte mir Gottes Bestimmung (Qader):"Du Heuchler! Verkoste nun die Strafe dafür, dass du dich zu ihnen hingewandt hast!" Wenn ich mich aber ihnen nicht zuwende, dann sagen die Weltleute: "Du willst uns nicht kennen. Nun denn, so lass es und plage dich weiter!"
Siebenter Grund:
Es ist bekannt, dass die Aufgabe eines Beamten darin besteht, denjenigen, welche gesellschaftlichen Schaden zufügen, keinen Platz einzuräumen und denen, welche ihm dienen, Hilfe zu gewähren. Dennoch kam jener Beamte, bei dem ich unter Kuratel gestellt wurde, während ich einmal einem alten Mann, der als Gast zu mir gekommen war und schon am Rande des Grabes stand, die Süße des Geheimnisses (latif)darbot, das der Glaube (iman)im "La ilaha illa'llah (Niemand und nichts ist anbetungs- und verehrungswürdig außer Gott allein)" in sich enthält, trotzdem er lange Zeit nicht mehr
bei mir gewesen war, zu mir, so als habe er mich gerade eben auf frischer Tat ertappt und als ob ich ein Verbrechen begangen hätte. Er hat diesen armen alten Mann, der mir aufrichtig (ihlas)zuhörte, frustriert und leer ausgehen lassen und mich selbst auch noch in Wut gebracht. Dabei gab es hier noch einige andere Leute, denen er gar keine Beachtung schenkte. Als es schließlich so weit kam, dass sie in ihrer Sittenlosigkeit im gesellschaftlichen Leben des Dorfes ihr Gift verstreuten, hat er auch noch begonnen, ihnen seine Sympathie und seine Anerkennung zu bezeigen. Dabei ist doch allgemein bekannt, dass ein Mann, und säße er auch für hundert Verbrechen im Kerker, jederzeit mit den Wache habenden Beamten sprechen kann, seien sie nun Offiziere oder einfache Soldaten. Doch schon seit einem Jahr gehen sowohl der Befehlshaber als auch der wachhabende Beamte von der Nationalregierung, also zwei hohe Persönlichkeiten, jedes Mal an meiner Zelle vorüber, ohne sich auch nur im geringsten um mich zu kümmern oder gar nach mir zu erkundigen. Ich hatte zunächst einmal vermutet, das läge vielleicht daran, dass sie mir feindlich gesinnt sind. Später wurde mir dann klar, dass sie in ihrem Wahn vor mir davonlaufen, als wollte ich sie verschlingen. Eine solche Regierung, die aus derartigen Leuten zusammengesetzt ist und solche Beamten beschäftigt, überhaupt noch eine Regierung nennen zu wollen, sie als Meldebehörde anzuerkennen und dort vorstellig zu werden, widerspricht dem gesunden Menschenverstand, ist eine fruchtlose Erniedrigung. Der Alte Said hätte mit (dem französischen Dichter) Antere dazu gesagt:
مَآءُ الْحَياَةِ بِذِلَّةٍ كَجَهَنَّمَ ٭ وَجَهَنَّمُ باِلْعِزِّ فَخْرُ مَنْزِلىِ
{"Wasser des Lebens in Erniedrigung ist wie die Hölle; Hölle in Ehren ist ein Ort, stolz darauf zu sein."}
Es gibt den Alten Said nicht mehr. Der Neue Said aber hält es für sinnlos, mit den Weltleuten Umgang zu pflegen.
Möge ihre Welt sie den Kopf kosten! Mögen sie mit mir machen, was sie wollen! Am Tag des Großen Gerichtes wird er mit ihnen vor den Richter kommen, sagt er und schweigt.
Der Verweigerung, meine Anmeldung vornehmen zu lassen, achter Grund:
Entsprechend dem Grundsatz: "Die Folge gesetzloser Liebe ist gnadenloser Hass." wird die Allmacht (Qader)Gottes in ihrer Gerechtigkeit mich durch die ungerechte Hand dieser Weltleute bestrafen, wenn ich ihnen meine Sympathie erweise, obwohl sie derer doch gar nicht würdig sind. So denke ich denn, dass ich diese Strafe verdient habe und schweige. Denn als ich während des Ersten Weltkrieges Kommandeur eines Freiwilligenregimentes war, habe ich mich zwei Jahre lang eingesetzt und gekämpft. Ich habe unter dem Befehl vom Enver Pascha und seinem Obersten Kommandanten wertvolle Schüler und Freunde geopfert. Ich wurde verwundet und gefangen. Nach meiner Entlassung aus der Gefangenschft habe ich mich durch meine "Sechs Schritte (Hutuvat-i Sitte)"und andere, ähnliche Werke in Gefahr gebracht und zu der Zeit, als die Engländer Istanbul besetzt hielten, die Engländer vor den Kopf gestoßen. So habe ich damals denen, die mich heute schikanieren und grundlos gefangen halten, Hilfe geleistet. So lohnen sie mir heute diese meine Hilfe auf diese ihre Weise. All die Strapazen und Schwierigkeiten unter denen ich in russischer Gefangenschaft drei Jahre lang gelitten, haben mit hier meine "Freunde" in drei Monaten zugefügt. Denn die Russen haben mir damals, als ich noch Kommandant eines kurdischen Freicorps war und obwohl sie mich als Kosakenmörder und Gefangenenschlächter betrachteten, nicht verboten, Unterricht abzuhalten. So habe ich damals den meisten der neunzig Offiziere, die meine Kriegskameraden waren, Unterricht erteilt. Einmal kam auch der russische Kommandant und hörte mit zu. Weil er kein türkisch verstand, glaubte er, ich gäbe politischen Unterricht. So verbot er mir dies zunächst, erteilte mir
aber später doch wieder die Erlaubnis. Auch haben wir noch im selben Winter einen Raum als Moschee hergerichtet. Ich habe dort als Imam gedient. Man hat uns nicht dabei gestört. Man hat Besuche mir nicht untersagt. Eine Nachrichtensperre gab es nicht. Doch meine heutigen "Freunde", obwohl sie doch meine Landsleute und Mitgläubigen sind und Männer, denen im Glauben einen Dienst zu erweisen ich mich bemühe und die doch wissen, dass ich mich nicht für Politik interessiere und um weltliche Angelegenheiten nicht kümmere, haben mich nicht nur drei, nein sechs Jahre lang gefangen gehalten, mich grundlos schikaniert und mir jeden Umgang verboten. Sie haben mir den Unterricht verboten, obwohl meine Papiere in Ordnung sind, ja sogar Privatstunden in meinem eigenen Zimmer untersagt und mich von der Außenwelt abgeschottet. Ja sie haben mir sogar ungeachtet meiner Urkunden und Diplome meinen Gebetsraum verboten, den ich mir selbst hergerichtet hatte und in dem ich vier Jahre lang Imam gewesen bin. Ja, sie erlaubten mir jetzt noch nicht einmal, den drei Leuten, die meine Glaubensbrüder sind und mit mir eine feste Gemeinschaft bilden, ganz privat Imam zu sein, damit mir der Lohn des Gemeinschafsdienstes versagt bleibe.
Selbst wenn irgendjemand gegen meinen eigenen Willen etwas Gutes zu mir sagt, wird der Beamte, der mich überwachen soll, blass vor Neid und rot vor Wut und ergreift gewissenlos Maßnahmen, um meinen Einfluss zu brechen und schikaniert mich in der Absicht, bei seinen Vorgesetzten besser angeschrieben dazustehen.
Bei wem anders soll also nun ein Mann in meiner Lage vorstellig werden, denn bei Gott dem Gerechten? Wenn der Richter selber zugleich auch der Ankläger ist, bei wem denn soll man da noch seine Klage vorbringen? Komm nun und sprich zu mir, was ich in diesem Falle sagen sollte!? Was du auch sagen magst... ich halte dem entgegen: Es gibt unter diesen meinen Freunden viele Heuchler. Ein Heuchler ist schlimmer als ein Ungläubiger.
Darum verursachen sie mir Qualen, die mir die Russen nicht zugefügt haben.
Oh ihr Unglückseligen! Was habe ich euch denn getan oder tue ich denn? Ich erweise euch einen Dienst zur Rettung eures Glaubens und für eure Ewige Glückseligkeit! Mein Dienst war also nicht lauter und rein. Weil ich ihn nicht um Allahs willen verrichtet habe, ist nun eine Gegenreaktion eingetreten. Im Gegenzug kränkt ihr mich nun bei jeder Gelegenheit... Sicherlich werden wir uns vor dem Großen Gericht wiedersehen!...
حَسْبُناَ اللّٰهُ وَنِعْمَ الْوَكِيلُ ٭ نِعْمَ الْمَوْلٰى وَنِعْمَ النَّصِيرُ
{"Es genügt uns Allah und Er ist unser bester Anwalt (wakil), unser bester Herr (maula) und unser bester Helfer (nasir)."}
sage ich!
اَلْبَاقِى هُوَ الْبَاقِى
{"Der Beständige ist Er, der bleibt und besteht."}
Said Nursi
Siebzehnter Brief
(Anhang zum Fünfundzwanzigsten Blitz)
Ein Beileidsbrief zum Tode eines Kindes
بِسْمِهِ ٭ وَاِنْ مِنْ شَىْءٍ اِلاَّ يُسَبِّحُ بِحَمْدِهِ
{"In Seinem Namen und fürwahr; es gibt kein Ding, das nicht lobend Ihn preist!" (Sure 17, 44)}
Lieber Mitbruder Hafiz Halid Efendi,
وَبَشِّرِ الصَّابِرِينَ ٭ اَلَّذِينَ اِذَآ اَصَابَتْهُمْ مُصِيبَةٌ قاَلوُآ اِنَّا لِلّٰهِ وَاِنَّآ اِلَيْهِ رَاجِعُونَ
{"Im Namen Allahs, des Erbarmers, des Barmherzigen; Und verkündige den Geduldigen, wenn ein Unglück sie trifft, dann sagen sie: Von Allah sind wir und zu Ihm werden wir zurückkehren." (Sure 2, 155-156)}
Mein lieber Bruder! Über den Tod deines Kindes bin ich sehr betroffen. Aber اَلْحُكْمُ لِلّٰهِ {"Der Urteilsspruch ist Allahs Sache."} sich einzufügen in den Willen Gottes (qadha),sich zu ergeben in den Ratschluss des Herrn (qader),ist Kennzeichen des Islam. Gott der Gerechte möge Ihnen Geduld zum Guten (sabr-i djemil)verleihen! Er möge es zum Quartiermeister und zu Ihrem Fürsprecher im Jenseits machen! Ihnen und anderen aufrechten Gläubigen, die in der gleichen Lage sind wie Sie, eine hohe und frohe Botschaft zu verkünden und eine
wahrhaftige Tröstung aufzuzeigen, werden wir "Fünf Punkte" darlegen.
Erster Punkt:
Das Geheimnis von وِلْدَانٌ مُخَلَّدُونَ {"Ewige Jünglinge" (Sure 76, 19)} im Weisen Qur'an ist Folgendes, kurz erklärt: Die noch als Minderjährige verstorbenen Kinder der Gläubigen werden im Paradies ewig als beständig liebenswerte Kinder mit einem des Paradieses würdigen Aussehen verbleiben. Sie werden ihrem Vater und ihrer Mutter, wenn sie dereinst ins Paradies eingehen, auf ihrem Schoße ein ewiger Anlass zur Freude sein. Kinder werden ihren Eltern eine sichere Quelle zartester Empfindungen wie kindlicher Liebe und Liebkosungen sein. Behauptungen derer, welche sagen, es könne im Paradiese Kindesliebe und Liebkosungen nicht geben, weil dies ein Ort für Zeugung nicht sei, obwohl doch im Paradiese jede Art des Frohgenießens sich findet, entbehren der Wahrheit. Zudem bedeutet für ein kurzes Leben von zehn Jahren in dieser Welt Kindesliebe und Liebkosungen, vermischt mit Schmerz, millionenjahrelange Kindesliebe und Liebkosungen, unvermischt, rein und ohne Schmerz zu gewinnen, für Leute des Glaubens die größte Quelle der Glückseligkeit. Dafür gibt der Ausdruck وِلْدَانٌ مُخَلَّدُونَ {"Ewige Jünglinge" (Sure 76, 19)} aus dem ehrwürdigen Qur'anvers einen Hinweis und frohe Kunde.
Zweiter Punkt:
Es war einmal ein Mann. Der saß in einem Gefängnis. Man schickte ihm eines seiner geliebten Kinder. Der arme Gefangene litt eines Teils unter seinem eigenen Kummer, zum anderen auch darunter, dass er
seinem Kinde keine Bequemlichkeiten verschaffen konnte. Und darüber war er traurig. Da schickte der barmherzige Herrscher (merhametkar Hakiem)ihm einen Mann und ließ ihm sagen: "Dieses Kind ist zwar dein Sohn, aber es ist auch einer der Untertanen meines Volkes. Ich werde es zu mir nehmen und in einem schönen Schloss für es sorgen." Da beginnt der Mann zu klagen und zu jammern und sagt: "Mein Sohn ist mir die Quelle meines Trostes. Ich gebe ihn nicht her." Seine Mitgefangenen sagen zu ihm: "Dein Schmerz ist unsinnig. Anstatt dein Kind zu bedauern, solltest du lieber bedenken, dass es nicht länger in diesem dreckigen, stinkenden, bedrückenden Gefängnis zu verbleiben braucht. Es wird in ein Schloss gelangen und darinnen froh und glücklich sein. Wenn du um deiner selbst Willen traurig bist und deinen eigenen Vorteil suchst, so wisse, dass du außer einem zweifelhaften Gewinn nur Mühen, Sorgen und Bedrängnisse für das Kind haben wirst, wenn dein Sohn hier bleibt. Geht er aber dahin, wirst du tausend Vorteile haben. Denn er wird die Barmherzigkeit des Königs auf dich herabziehen und als dein Fürsprecher bei ihm gelten. Und der König wird wünschen, dass dein Sohn dich wieder sieht. Sicherlich wird er ihn nicht ins Gefängnis schicken, damit ihr euch hier begegnet, sondern dich aus dem Gefängnis holen und ins Schloss bringen lassen, um dich dort mit ihm zusammenzuführen. Das alles aber unter der Bedingung, dass du auf den König vertraust und ihm Gehorsam leistest."
So wie in diesem Gleichnis, mein lieber Bruder, soll man, wenn einem Gläubigen wie dir, ein Kind stirbt, so denken: "dieses Kind ist unschuldig. Sein Schöpfer ist zudem barmherzig und freigiebig. Er hat ihm, statt meiner mangelhaften Fürsorge und Zärtlichkeit, Seine so vollkommene Gnade (inayet)und Barmherzigkeit (rahmet)geschenkt und es zu sich genommen. Er hat es aus diesem irdischen Kerker mit seinen Mühen, Sorgen und Plagen herausgeholt und in den Garten Seines Paradieses geführt. Wie glücklich ist doch dieses Kind! Wäre es in dieser Welt geblieben,
wer weiß, was aus ihm geworden wäre. Deswegen bedauere ich es nicht, sondern wisse, dass es glücklich ist. Bleibt noch zu sagen, dass - was mich und meinen eigenen Vorteil betrifft - so bedauere ich mich ebenfalls nicht, werde ich nicht traurig und betrübt, denn wäre es in der Welt geblieben, so hätte es mir für zehn Jahre seine vorübergehende, mit Sorgen vermischte kindliche Liebe geschenkt. Wäre es aufrichtig geblieben, begabt für einen weltlichen Beruf, hätte es mir wahrscheinlich geholfen. Doch durch seinen Tod wird es in der Ewigkeit des Paradieses zehn Millionen Jahre eine Quelle kindlicher Liebe sein und als ein Fürsprecher zur ewigen Glückseligkeit dienen. Wer einen augenblicklichen zweifelhaften Vorteil verloren, dafür aber tausend zukünftige, unzweifelhafte Vorteile gewonnen hat, ja, sicher und bestimmt wird derjenige nicht Trauer und Schmerz zeigen, nicht hoffnungslos jammern.
Dritter Punkt:
Das verstorbene Kind war Geschöpf, Eigentum, Diener und Anbeter des barmherzigen Schöpfers, war ganz und gar Sein Werk und Ihm gehörig, den Eltern als ein Freund gegeben, der ihnen für kurze Zeit zur Betreuung überantwortet wurde. Vater und Mutter waren ihm zum Dienst bestellt. Den Eltern wurde für ihren Dienst als gegenwärtiger Lohn ein Wohlempfinden bei ihrer Liebe und Güte verliehen. Wenn nun der barmherzige Schöpfer, Herr über 999 Anteile von tausend, es in Seiner Barmherzigkeit und Weisheit für notwendig erachtet, dieses Kind aus deinen Händen zu nehmen und deinen Dienst an ihm zu beenden, ist es für Leute des Glaubens nicht angemessen, mit einem einzigen, scheinbaren Anteil gegen den Herrn der tausend wahrhaftigen Anteile mit deinem Jammern und Weinen zu klagen, vielmehr gleicht dies den Gottvergessenen und denen, die auf Irrwegen gehen (ehl-i gaflet ve dalalet).
Vierter Punkt:
Wenn die Welt ewig wäre, auch der Mensch ewig darinnen bleiben könnte und auch die Trennung ewig wäre, dann hätten Kummer, Schmerz und
hoffnunglose Betrübnis ihren Sinn. Da aber nun einmal diese Welt ein Gasthaus ist, darum werden Sie, werden auch wir dahin gehen, wohin das verstorbene Kind gegangen ist.
Außerdem ist der Tod nicht nur deinem Kind bestimmt, sondern ein Weg, den ein jeder gehen wird. Und da nun einmal die Trennung nicht ewig ist, werden wir uns später einmal im Zwischenreich oder auch im Paradiese wiedersehen. Man soll اَلْحُكْمُ لِلّٰهِ {"Der Urteilsspruch ist Allahs Sache."} sagen. Er hat gegeben. Er hat genommen. اَلْحَمْدُ لِلّٰهِ عَلَى كُلِّ حَالٍ {"Lob, Preis und Dank sei Allah für eine jede Lage!"} man soll in Geduld danken.
Fünfter Punkt:
Die selbstlose Liebe (shefqat)ist unter den Erscheinungsformen der göttlichen Barmherzigkeit (rahmet-i Ilahi)die zarteste, schönste, willkommenste, anmutigste und ein Erleuchtung schenkender Heiltrank. Sie ist stärker als jede Liebessehnsucht (ashk).Sie ist das Fahrzeug, mit dem man rasch Gott den Gerechten erreicht. So wie sich die irdische (= platonische), diesseitige Liebe (ashk-i mecazi ve ashk-i dunyevi)nach sehr vielen Mühen in die wahre Liebe verwandelt und Gott den Gerechten findet, so auch die selbstlose Liebe (shefqat),jedoch verbindet sie ohne Mühe das Herz mit Gott dem Gerechten in einer noch kürzeren, reineren Weise. Sowohl der Vater als auch die Mutter lieben ihr Kind über alles in der Welt. Wird ihnen ihr Kind aus den Händen genommen, und sind sie wahre Gläubige, so wenden sie ihren Blick von der Welt ab, und finden den wahren Wohltäter (Gott). "Weil also nun die Welt vergänglich ist", sagen sie, "ist sie es nicht wert, dass wir unser Herz an sie hängen." Wohin nun auch immer das Kind gegangen ist, es entsteht die Neigung, dorthin zu gehen. Und so erlangen sie eine Haltung von geistiger Größe.
Leute, die in Gottvergessenheit dahin leben und auf Irrwegen gehen, sind von der Glückseligkeit und der frohen Botschaft dieser fünf Wahrheiten ausgeschlossen. Vergleichen Sie damit, wie schmerzlich ihre Lage ist!
Eine ältere Dame sieht ihr einziges, so vielgeliebtes Kind auf dem Sterbebett. Und weil sie sich die Welt in ihrer Gottvergessenheit und in ihrem Irrtum als ewig vorstellt, erscheint ihr der Tod als das Nicht-mehr-sein und die ewige Trennung, und sie sieht nicht mehr vor sich ein weiches Bett, sondern denkt an die Erde des Grabes. In ihrer Gottvergessenheit und in ihrem Irrtum denkt sie nicht an das Paradies der Barmherzigkeit, des Erbarmers, des Barmherzigen und die Gnade der ewigen Gärten.
So können Sie ermessen, in welcher Hoffnungslosigkeit sie Trauer und Schmerz erleidet. Aber Glaube und Islam, das Fahrzeug der Glückseligkeit beider Welten spricht zum Gläubigen: "Der barmherzige Schöpfer dieses Kindes, das auf dem Sterbebett liegt, wird es aus dieser schmutzigen Welt heraus in Sein Paradies führen, für dich sowohl zum Fürsprecher machen als auch zu einem ewigen Sohn. Die Trennung ist nur eine vorübergehende. Darum mache dir keine Sorgen! Sprich:
اَلْحُكْمُ لِلّٰهِ ٭ اِنَّا لِلّٰهِ وَاِنَّآ اِلَيْهِ رَاجِعُونَ
{"Der Urteilsspruch ist Allahs Sache." "Denn Allahs sind wir und zu Ihm kehren wir zurück." (Sure 2, 156)}
Sei geduldig!
اَلْبَاقِى هُوَ الْبَاقِى
{"Der Beständige ist Er, der bleibt und besteht."}
Said Nursi
Achtzehnter Brief
بِاسْمِهِ سُبْحَانَهُ ٭ وَاِنْ مِنْ شَىْءٍ اِلاَّ يُسَبِّحُ بِحَمْدِهِ
{"Im Namen dessen, der gepriesen sei. Und es gibt kein Ding, das nicht lobend Ihn preist." (Sure 17, 44)}
(Dieser Brief enthält drei wichtige Fragestellungen.)
Die erste bedeutende Fragestellung:
Berühmte Heilige, wie Muhyiddin al-Arabi (möge Gott seine Geheimnisse heiligen), der Verfasser des "Futuhat al-Mekkiya(Die Eröffnung der islamischen Welt)" oder das berühmte "Der vollkommene Mensch" genannte Buch des Seyyid Abdulkerim (möge Gott seine Geheimnisse heiligen), berichten von den sieben Schichten der Erde und von der Weißen Erde hinter dem Berg Qaf und von merkwürdigen Dingen, die im "Futuhat"Meschmeschiye genannt werden und die sie gesehen haben wollen. Doch ist das, wovon sie da berichten auch wahr? Doch auch wenn es wahr wäre, so haben diese Plätze keinen Platz auf unserer Erde. Darüber hinaus sind diese Dinge, von denen sie da berichten, von den Geographen und anderen Wissenschaftlern nicht bestätigt. Wenn aber (diese Dinge) nicht wahr sind, wie können dann (diese Menschen) noch Heilige sein? Wie können Leute, die Dinge erzählen, die der Wahrheit zuwiderlaufen, die nicht den Tatsachen (Haqq)entsprechen, Leute der Wahrheit sein?
Antwort:
Sie sind Leute der Wahrheit und der Tatsachen. Sie sind auch Leute der Heiligkeit und der inneren Schau (shuhud).Was sie geschaut haben, haben sie korrekt gesehen, doch da sie sich bei ihren Erklärungen noch immer im Zustande dieser ihrer inneren Schau befanden, drückten sie das, was sie geschaut hatten, gleich Träumenden aus, weshalb ihre Perspektive eingeschränkt und ihr Urteil in einzelnen Abschnitten falsch war. So wie der Träumende seinen Traum nicht auszulegen vermag, so konnten
auch diese Art Leute der Entdeckungen und Schauungen (ehl-i keshf ve shuhud)nicht ihre eigenen Visionen (ru'ya)auslegen, während sie selbst sich noch im selben Zustand befanden. Diejenigen, welche sie auszulegen vermochten, werden die "Reinen (Asfiya)"genannt und sind die wahren Schüler der Erben der Propheten. Sobald diese Art Zeugen erst einmal zum Rang (maqam)der Asfiya aufgestiegen waren, verstanden sie in der Rechtleitung durch das Buch und die Sunnah die Irrtümer und konnten sie so korrigieren; und das taten sie dann auch.
Höre als Beispiel die nachstehende Erzählung, welche diese Wahrheit darlegen wird. Es ist dies wie folgt:
Es waren einmal unter den Hirten zwei Leute des Herzens (ehl-i qalb).Sie molken die Milch in einen hölzernen Zuber und stellten ihn dann beiseite. Dann legten sie ihre Hirtenflöte auf den Milchzuber und der eine von beiden sagte: "Ich bin müde." und legte sich schlafen. So schlief er denn eine Weile. Während der andere ihn noch beobachtete, sah er, wie ein Ding, das einer Fliege glich, aus der Nase des Schlafenden hervorkroch, den Milchzuber betrachtete, schließlich an dem einen Ende in die Flöte hinein und am anderen Ende wieder heraus krabbelte, worauf es in einem Loch unter einem Dornstrauch verschwand. Einige Zeit später kam das Ding von dort wieder hervor, krabbelte wieder durch die Flöte hindurch und zurück in die Nase des Schläfers; worauf dieser erwachte und sagte: "Mein Freund! Ich hatte einen sonderbaren Traum." Der antwortete ihm: "Möge Gott es für dich etwas Gutes sein lassen! Was war es denn?" Da erzählte er: "Ich habe ein Meer von Milch gesehen, über dem sich eine merkwürdige Brücke erstreckte. Diese Brücke war von oben überdacht und sie hatte auch noch Fenster. Ich bin durch diese Brücke hindurch gegangen. Ich habe einen Hain von Eichen gesehen, deren Wipfel alle spitz zuliefen. Darunter erblickte ich eine Höhle. Ich bin hinein gegangen. Da entdeckte ich einen ganzen Schatz von Gold. Nun möchte ich wissen, wie man das auslegen soll."
Sein Freund, der wach geblieben war, antwortete ihm: "Das Meer von Milch, das du gesehen hast, ist hier in diesem Zuber. Die Brücke ist unsere Flöte hier. Der Eichenhain mit den spitz zulaufenden Wipfeln ist der Dornbusch dort und die Höhle das kleine Loch (unter ihm). Bring mir eine Hacke, dann werde ich dir auch den Schatz zeigen!" Er holt eine Hacke herbei. Dann gruben sie unter dem Dornstrauch nach und fanden unter ihm genug Goldstücke, um sie für diese Welt zufrieden zu stellen.
So war denn das, was der Schläfer geträumt hatte, richtig und ebenfalls war richtig, was er gesehen hatte. Weil es ihm aber an Verständnis fehlte, während er noch träumte, und weil er deswegen kein Recht hatte, den Traum selbst zu deuten, er auch nicht unterscheiden konnte zwischen der materiellen Welt und einer Welt von Symbolen (manevi)und sein Urteil deswegen zum Teil falsch war, sagte er: "Ich habe tatsächlich ein richtiges Meer gesehen." Weil aber der Mann, der wach geblieben war, zwischen der physischen Welt und der Welt der Bilder unterscheiden konnte und so das Recht hatte, (Träume) zu deuten, sagte er: "Was du gesehen hast, war zwar richtig, aber doch kein echtes Meer, vielmehr erschien dir unser Milchzuber in deiner Vorstellung wie ein Meer, unsere Flöte wie eine Brücke usw..." Das also heißt: man muss die materielle Welt (alem-i maddi)und die geistige Welt (alem-i ruh)voneinander unterschieden. Vermischt man sie aber miteinander, so erscheinen unsere Urteile als falsch.
Wenn du zum Beispiel ein kleines Zimmer hast, dessen vier Wände jedoch mit vier großen Spiegeln verkleidet sind, und du gehst in dieses Zimmer hinein, so scheint dir dein kleines Zimmer so groß wie ein Platz zu sein. Wenn du nun sagst: "Ich sehe mein Zimmer, groß wie einen Platz", so hast du es richtig gesagt. Sagst du aber statt dessen: "Mein Zimmer ist so groß wie ein Platz", so sagst und beurteilst du (die Lage) falsch, denn du verwechselst die Welt der Gleichnisse (alem-i misal)mit der Welt der Tatsachen (alem-i haqiq).
Was also die Beschreibung der sieben Schichten der Erde betrifft, die einige der Entdecker (ehl-i keshf)abgegeben haben, ohne sie auf der Waage des Buches und der Sunna zu wägen, so befasst sich diese nicht allein mit den physikalischen Verhältnissen, betrachtet aus dem Blickwinkel der Geographie. So sagen sie z.B.: "Eine der Schichten unserer Erde ist die der Dschinnen und Dämonen (ifrits).Sie erstreckt sich über Tausende von Jahren." Dabei kann es doch auf unserem Globus, den man schon in ein, zwei Jahren umrunden könnte, eine solch merkwürdige Schicht gar nicht geben. Jedoch entsprechend der Vorstellung, dass unser Globus in der Welt der Bedeutungen (mana),der Symbole (misal),der Geister (ruh)und in der Zwischenwelt (berzah)nur (so klein) wie der Same einer Tanne ist und das Bild des Baumes, das sich daraus ergibt und aus ihm entsteht, im Vergleich zu diesem Samenkern ein riesiger Tannenbaum, erschienen einem Teil der Leute der geistigen Schau auf ihrer inneren Reise in der Welt der Symbole einige Schichten der Erde als sehr weit ausgedehnt. Sie erschienen ihnen, als erstreckten sie sich über eine Reise von Tausenden von Jahren. Was sie gesehen haben, ist richtig. Da aber die Welt der Bilder (alem-i misal)in ihren Gestalten der physischen Welt (alem-i maddi)gleicht, schauten sie die beiden Welten ineinander vermischt und erklärten sie in dieser Weise. In unsere alltägliche Welt wieder zurückgekehrt und, weil sie (die Dinge) nicht abwägen konnten, und, weil sie genau beschrieben, was sie erschaut hatten, dachte man, (diese Dinge) widersprächen der Realität (haqiqat).
So wie das Abbild eines großen Parks mit einem großen Schloss darinnen in einem kleinen Spiegel Platz finden kann, so kann auch in dieser unserer physischen Welt mit einer Entfernung von nur einem Jahr die Spiegelgestalt und eine innerliche Realität (haqaik-i manevi)mit einer Ausdehnung von Tausenden von Jahren ihren Platz finden.
Schlussfolgerung:
So ergibt sich denn aus dieser Fragestellung,
dass der Grad einer inneren Schau weit niedriger ist, als der Glaube an das Unsichtbare. Das heißt: Entdeckungen von einigen Heiligen, die einzig auf ihrer inneren Schau ohne (Kenntnis der) Zusammenhänge beruhen, können nicht (den Wert) von Aussagen von Theologen und Forschern (asfiya ve muhaqqiqin)erreichen, welche die Erben des Propheten sind und (deren Kenntnisse) der Glaubenswahrheiten, die zwar unbesehen überliefert, aber doch rein, umfassend und wahrheitsgemäß sind, nicht auf innerer Schau sondern auf dem Qur'an und der Offenbarung fußen. Und das heißt auch, dass die Ausgewogenheit zwischen allen Zuständen (ahval),Entdeckungen (keshf),Verzückungen (ezvak)und Schauungen (mushaheda)auf dem Buch und der Sunna beruht. Und ihr Prüfstein sind die geheiligten Grundsätze, (abgeleitet) aus dem Buch und der Sunnah und die (mit klarem Blick) erfassten Lehrsätze der Theologen und Forscher (asfiya ve muhaqqiqin).
Zweite bedeutende Fragestellung:
Folgendes Problem: Die Frage der Einheit allen Seins (Vahdetu l-Vudjud)wird von vielen als die höchste Stufe (maqam)betrachtet. Doch diese Art Einheit allen Seins wurde unter den Sahabis, vor allem aber unter den vier Kalifen, die auf der Stufe der Großen Heiligkeit
{"Heiligkeit (Vilayat) ist von dreierlei Art: die erste ist die kleine Heiligkeit, welche die bekannte Heiligkeit ist. Eine andere ist die mittlere Heiligkeit eine weitere die große Heiligkeit. Was die große Heiligkeit betrifft, so besteht sie darin, durch das Erbe des Prophetentums einen direkten Weg zur Wahrheit einzuschlagen, ohne in die Zwischenwelt (berzah) der Mystik einzutreten." (Aus dem Fünften Brief}
stehen, ferner unter den Imamen aus dem Hause des Propheten insbesondere den Fünf Leuten des Mantels, ferner unter den großen Interpreten des Gesetzes, insbesondere den vier Imamen (der großen Rechtsschulen), ferner unter den Nachfolgern der Sahabis (Tabiine)nicht immer so deutlich gesehen. Sind etwa die, welche ihnen gefolgt sind, auf ihrem Wege weiter voran geschritten, und haben sie etwa eine noch
vollkommenere Große Straße gefunden?
Antwort:
Gott bewahre! Es steht niemandem zu, weiter als die Reinen (Asfiya)voranzuschreiten, die doch hinter der Sonne des Prophetentums die nächsten Sterne und seine voranstehenden Erben waren; denn ihnen gebührt in der Tat die Große Straße.
Was aber die Einheit allen Seins (Vahdetu l-Vudjud)betrifft, so ist sie eine Methode und ein Zustand, jedoch eine Stufenleiter mit Fehlern. Weil (diese Methode) aber mit Freude und Frohsinn verbunden ist, wollen viele, die auf ihrer geistigen Reise diese Stufe erlangt haben, sie nicht wieder verlassen. Sie verbleiben dort und stellen sich vor, dass sie die letzte Stufe erreicht hätten.
Wenn also nun jemand, welcher der obigen Methode folgt, des Geistes ist, der sich der Materie entledigt, sein Fahrzeug hinter sich gelassen und den Schleier der Ursachen zerrissen hat und so zu (einem Zustand) innerer Schauungen (shuhud)gelangt und darin versunken ist, so mag ihm (eine Art) der Erfahrung (hal)und nicht der Erkenntnis (ilm)der Einheit allen Seins (Vahdetu l-Vudjud),die nicht aus (der Lehre von) der Einheit allen Seins sondern aus (der Lehre von) der Einheit alles Erschauten (Vahdetu s-Shuhud)erwächst, einen (gewissen Zustand) der Vollkommenheit (kemal),einen Rang (maqam)sicher stellen. Ja, er kann sogar dahin gelangen, dass er um Gottes willen den Kosmos verleugnet. Wenn er andererseits in die (Welt der) Ursachen eingetaucht und von der Materie überwältigt ist und dann über die Einheit allen Seins (Vahdetu l-Vudjud)spricht, kann ihn das schließlich dahin führen, dass er um des Kosmos willen Gott verleugnet.
So ist denn die große Straße in der Tat die Straße der Sahabis, der Tabiine und der Asfiya. Ihr allgemein gültiges Grundprinzip ist der Satz:
حَقَآئِقُ الْاَشْيَآءِ ثَابِتَةٌ
{"Die Wahrheit in allen Dingen steht fest."}
Und der Aussage entsprechend: لَيْسَ كَمِثْلِهِ شَىْءٌ gibt es kein Ding, das eine Ähnlichkeit mit Ihm hätte (Sure 42, 11). Er ist frei von Teilung und Spaltung. Seine Beziehung zum Dasein (maudjudat)besteht in Seiner Schöpferkraft (Khalikiyet).Das Dasein ist nicht Traum oder Vorstellung, wie das die Vertreter (der Lehre von) der Einheit allen Seins (Ehl-i Vahdetu l-Vudjud)sagen. Auch die sichtbaren Dinge sind die Werke Gottes des Gerechten. Alle Dinge sind nicht "Er", sondern alle Dinge sind von Ihm. Denn die Ereignisse können nicht ohne Anfang (qadim)sein. Wir wollen diese Angelegenheit dem Verständnis etwas näher bringen mit zwei Vergleichen:
Im ersten Vergleich gibt es da einen König. Dank seines Namens als der "gerechte Richter" (Hakiem-i adil)
gehört ihm das Justizministerium, das die Manifestation seines Namens darstellt. Ein anderer Name ist "der Kalif". Das Amt eines Scheich al-Islam und das Ministerium der Wissenschaften sind der Erscheinungsort dieses Namens. Er hat außerdem auch noch den Namen eines Oberkommandierenden. Unter diesem Namen zeigt er alle die Aktivitäten im militärischen (Bereich). Das Heer tritt auf unter diesem Namen. Wollte da nun jemand kommen und sagen: "Dieser König ist nur gerechter Richter. Es gibt kein anderes Amt als nur das Justizministerium." In diesem Falle müssten die Eigenschaften der Gelehrten und ihre Arbeitsbedingungen im Amt des Scheich al-Islam - zwar nicht tatsächlich, aber doch in der Theorie - den Justizbeamten zugeschrieben werden. Ein nur zweitrangiges Schattenministerium eines Scheich al-Islam hätte nur noch eine imaginäre Existenz in dem tatsächlichen Ministerium für Justiz. Des Weiteren hätten wir wieder den angenommenen Fall, dass die Angelegenheiten und Zuständigkeiten im militärischen Bereich beim Justizministerium als eine Art von irrealem Militäramt angesiedelt
wären. Usw... So ist denn in diesem Fall der wahre Name des Königs der "Gerechte Richter" und seine wahre Herrschaft läge im Justizministerium. Namen, wie "der Kalif, der Oberkommandierende, der Sultan" usw. wären nicht wirklich, sondern nur hypothetisch. Das Wesen des Königtums und die Wirklichkeit des Königreiches erfordern jedoch alle seine Namen als real und was die wahren Namen betrifft, so erfordern sie tatsächliche Ämter.
So erfordert denn die Göttliche Herrschaft, dass all die vielen Heiligen Namen, wie: der Erbarmer (Rahman),der Versorger (Rezzaq),der Spender (Vahhab),der Schöpfer (Khallaq),der Tätige (Fa'al),der Freigiebige (Kerim),der Barmherzige (Rahim)wirklich sind. Und diese wirklich (existenten) Namen erfordern auch, dass es tatsächlich (vorhandene) Spiegel gibt. Während aber nun die Vertreter der (Lehre von) der Einheit allen Seins (Vahdetu l-Vudjud)sagen لاَ مَوْجُودَ اِلاَّ هُوَ {"Es gibt kein Sein außer Ihm."} reduzieren sie die Wirklichkeit der Dinge auf die Stufe einer Vorstellung (hayal).Die Namen Gottes des Gerechten "der notwendig Seiende (Vadjibu-l'vudjud),der Daseiende (Maudjud),der Allgegenwärtige (Vahid),der Einzigartige (Ahad),haben eine reale Erscheinungsform und einen (tatsächlichen) Anwendungsbereich. Wären ihre Reflexionen und ihre Anwendungsbereiche nicht wirklich vorhanden, also wären sie nur in der Vorstellung oder überhaupt nicht vorhanden, könnte es ihnen nicht schaden. Hätte das, was dem, der da in Wahrheit ist, als Reflexionsfläche dient, nicht die Eigenschaft, existent zu sein, dann hätte sie (als Spiegel) einen noch (höheren Grad) von Reinheit und Glanz. Was jedoch Seine Namen wie: der Erbarmer (Rahman),der Versorger (Rezzaq),der Zornige (Qahhar),der Bezwinger (Djebbar),der Schöpfer (Khallaq)usw. betrifft, so wären sie nicht wirklich, sondern nur vorgestellt. Tatsächlich aber sind auch diese Namen genau so wirklich
wie der Name "der Seiende (Maudjud)".Sie können keine bloßen Schatten sein. Sie sind existentiell und nicht akzidentiell.
So sagen denn die Sahabis, die Exegeten (asfya-i mutschtehid)und die Imame aus dem Hause des Propheten
حَقَآئِقُ الْاَشْيَآءِ ثَابِتَةٌ
{"Die Wahrheit aller Dinge steht fest."}
Gott der Gerechte hat in all Seinen Namen eine tatsächlich vorhandene Erscheinungsform. Für alle Dinge gibt es in Seiner Schöpfung eine akzidentielle Existenz. Nun ist zwar deren Existenz im Vergleich zu dem, der da notwendigerweise Sein muss, nur ein sehr schwacher, vergänglicher Schatten, nur ein Hauch, aber dennoch nicht nur eine Vorstellung, ein Phantasiegebilde. Gott der Allmächtige verleiht ihnen in Seinem Namen "der Schöpfer (Khallaq)"ein Dasein und diesem Dasein eine Dauer.
Zweiter Vergleich:
Stellen wir uns z.B. an den vier Wänden dieses Zimmers vier Spiegel in voller Länge vor, so würde jeder einzelne von ihnen zugleich mit den anderen drei Spiegeln auch diesen Raum abbilden... doch enthielte jeder einzelne Spiegel entsprechend seiner Form und Farbe ein ihm eigenes Abbild des Zimmers. Kämen also nun zwei Leute in dieses Zimmer hinein, so könnte der eine von ihnen sagen, während er in einen der Spiegel hinein blickt: "Alles ist in ihm enthalten." Wenn er dann von den anderen Spiegeln und den Bildern in ihnen hört, so schreibt er das, worüber er etwas gehört hat, einer kleinen Ecke dieses einen Spiegels zu, wodurch es gleich dem Schatten über einem Schatten (zu einem weiteren Abbild) wird, sich seine reale Existenz ein weiteres Mal abschwächt und umwandelt. Dann sagt er: "Ich sehe es auf diese Weise, und wenn das so ist, dann ist auch die Wirklichkeit dem gleich." Doch sagt jetzt der andere zu ihm: "Du siehst das in der Tat so, und so wie du es
siehst, ist es auch wahr. Doch die Wirklichkeit und die Wahrheit, so wie sie dir deine Seele (nefs)befiehlt, entspricht nicht dem wirklichen Bild der Wahrheit. Es gibt neben dem Spiegel, dem du deine Aufmerksamkeit schenkst, auch noch andere Spiegel. Sie sind nicht so winzig klein, wie du sie siehst, und nicht nur der Schatten eines Schattens."
Und so verlangt denn jeder einzelne der Göttlichen Namen nach seinem jeweils eigenen Spiegel. So verlangt z.B. der Erbarmer (Rahman)und der Versorger (Rezzaq),weil sie ja wahr und ursprünglich sind, nach Wesen, die selbst würdig und der Versorgung und des Erbarmens bedürftig sind. So wie der Allerbarmer nach den der Versorgung tatsächlich bedürftigen Wesen (ruh)in einer wirklichen Welt verlangt, so verlangt auch der Allbarmherzige (Rahim)nach einem eben so wirklichen Paradies. Würde man nur die Namen "der Da-Seiende (maudjud)"und "der notwendigerweise Seiende (vadjibu-l'vudjud)"und "der Allgegenwärtig-Einzige (Vahid-i Ahad)"als real betrachten und dabei annehmen, dass alle die übrigen Namen in ihnen nur ein Schattendasein hätten, so müsste man dies als Ungerechtigkeit gegenüber diesen anderen Namen betrachten.
So entspricht es denn diesem Geheimnis, dass die Große Straße sicherlich die Straße der Gefährten (Sahabis),der Reinen (Asfiya),der Schüler der Sahabis (Tabiine),der Imame aus der Familie des Propheten und der Imame der großen Rechtsschulen ist, welche die Große Heiligkeit (velayet-i kubra)inne hatten und die erste Schicht der unmittelbaren Schüler des Qur'an bildeten.
سُبْحَانَكَ لاَعِلْمَ لَنَآ اِلاَّ مَاعَلَّمْتَنَآ اِنَّكَ اَنْتَ الْعَلِيمُ الْحَكِيمُ ٭ رَبَّناَ لاَ تُزِغْ قُلُوبَنَا بَعْدَ اِذْ هَدَيْتَنَا وَهَبْ لَنَا مِنْ لَدُنْكَ رَحْمَةً اِنَّكَ اَنْتَ الْوَهَّابُ ٭ اَللّٰهُمَّ صَلِّ وَسَلِّمْ عَلٰى مَنْ اَرْسَلْتَهُ رَحْمَةً لِلْعَالَمِينَ وَعَلٰٓى اٰلِهِ وَصَحْبِهِ اَجْمَعِينَ
{"Gepriesen seist Du! Wir haben kein Wissen, außer dem, das Du uns gelehrt hast. Du bist der Allwissende und der Allweise." (Sure 2, 32) "Unser Herr! Lass unsere Herzen nicht wieder abirren, nachdem Du uns recht geleitet hast. Gieße Dein Erbarmen (Rahmah) über uns aus. Denn Du allein bist der Geber aller guten Gaben (Vahhab)." (Sure 3, 8) "Oh Gott, schenke Deinen Frieden und Deinen Segen dem, den Du gesandt hast als ein Erbarmen für die Welt, seiner Familie und allen seinen Gefährten!"}
Dritte Fragestellung:
Ein wichtiges Problem, das nicht mit Vernunft und Verstand zu lösen ist.
كُلَّ يَوْمٍ هُوَ فِى شَاْنٍ ٭ فَعَّالٌ لِمَا يُرِيدُ
{"Er ist den ganzen Tag über tätig." (Sure 55, 29) "Er tut, was er will." (Sure 11, 107)}
Frage:
Was ist der Grund und die Weisheit in dieser erstaunlichen, ununterbrochenen Aktivitäten im Weltall? Warum hören diese unbeständigen Dinge nicht auf, zu bestehen, sondern drehen sich vielmehr beständig und bilden sich immer wieder von neuem?
Antwort:
Um diese Weisheit (darzulegen), die sich dahinter verbirgt, wären tausend Seiten erforderlich. Weil dies nun so ist, wollen wir uns in unseren Darlegungen darauf beschränken, deren nur sehr kurze Zusammenfassung auf zwei Seiten zusammenzustreichen.
Wenn also nun eine Person eine natürliche Funktion erfüllt oder einer sozialen Aufgabe nachkommt und an dieser Aufgabe mit glühendem Eifer arbeitet, so wird jemand, der ihn dabei beobachtet, sicherlich verstehen, dass es zwei Dinge gibt, die ihn dazu antreiben, diese Aufgabe zu erfüllen:
Erstens:
Das erste sind die Verdienste, die Früchte, die Vorteile, die ihm aus der Aufgabe erwachsen, und die man als den letztendlichen Grund bezeichnet.
Zweitens:
Es gibt eine Liebe, eine Sehnsucht, ja geradezu ein Vergnügen, das ihn dazu antreibt, seine Aufgabe mit Begeisterung zu erfüllen, und das nennt man dann den notwendigen, den verständlichen Grund. Zum Beispiel:
Bei der Einnahme einer Mahlzeit treibt der Genuss, der aus dem Appetit erwächst, einen Menschen dazu an, etwas zu essen. Danach ist dann das Ergebnis der Einnahme der Mahlzeit die Ernährung des Leibes und somit die Fortsetzung des Lebens. In gleicher Weise liegt in وَ لِلّٰهِ الْمَثَلُ الْاَعْلٰى {"Und Gottes ist das höchste Beispiel." (Sure 6, 91)} gestützt auf zwei Arten von Göttlichen Namen der Ehrfurcht erweckende Schauer unendlichen Schaffens im Universum in der Kraft zweier Weisheiten, deren jede wiederum grenzenlos ist:
Erstens:
Die schönen Namen Gottes des Gerechten haben grenzenlos und unberechenbar viele Arten von Manifestationen. Die Vielzahl der Geschöpfe erwächst aus dieser Vielfalt an Manifestationen. Was diese Namen betrifft, so verlangen sie danach, sich in einer beständigen Weise zu manifestieren, das heißt, sie wollen ihren Schmuck zur Geltung bringen, das heißt, sie wollen die Manifestation ihrer Schönheit im Spiegel ihres Schmuckes sehen und zur Darstellung bringen, das heißt, sie wollen das Buch der Schöpfung und die Briefe des Seins in jedem Augenblick wieder erneuern, das heißt, (diese Namen) erfordern es, dass (die Bücher) in ihrer Bedeutung immer wieder neu geschrieben werden und dass jeder Brief zugleich mit dem Herrn der Heiligkeit und Träger aller Heiligen Namen von allen mit Bewusstsein begabten Wesen mit forschenden Blicken betrachtet und ihnen zu lesen gegeben werde.
Der zweite Grund und seine Weisheit:
So wie die Tätigkeiten der Geschöpfe abhängig ist von ihrer Motivation, ihrer Lust, ihrer Begeisterung und also eine jede Tätigkeit mit einem gewissen Maß an Lust verbunden ist, ja jede Tätigkeit geradezu eine Art Vergnügen ist, so hat auch der Notwendig Seiende in einer ihm würdigen Weise und entsprechend Seiner ihm gemäßen Autarkie, Seinem
vollendeten Reichtum, Seiner absoluten (kemal)Vollkommenheit eine Zuneigung (shefqat)von grenzenloser Heiligkeit, eine Liebe (muhabbet)von grenzenloser Heiligkeit. Und aus dieser heiligen Zuneigung, dieser heiligen Liebe erwächst eine grenzenlose heilige Begeisterung (shauk).Und aus dieser heiligen Begeisterung erwächst eine grenzenlose heilige Freude (surur).Und aus dieser heiligen Freude erwächst, mit Verlaub zu sagen, ein hoher Genuss (lezzet)von unendlicher Heiligkeit. Und aus diesem heiligen Genuss, diesem grenzenlosen Erbarmen, der Zufriedenheit und Vollkommenheit Seiner Geschöpfe innerhalb des Tätigkeitsbereiches Seiner Macht, die aus der Entfaltung und Vervollkommnung ihrer Fähigkeiten erwächst und dem Herrn allen Erbarmens und aller Barmherzigkeit zu Eigen ist, entfaltet sich, mit Verlaub zu sagen, eine grenzenlose heilige Befriedigung (memnuniyet)und ein grenzenloser heiliger Stolz (iftikhar),der in grenzenloser Weise eine grenzenlos fortdauernde Aktivität erfordert.
So geschieht denn dies alles, weil die (westliche) Naturwissenschaft, ihre Philosophie und Weisheit in ihrer Unkenntnis der obigen feinsinnigen Weisheit (behaupten, dass) die unbewusste Natur, der blinde Zufall und die starren Ursachen sich in diese in so hohem Grade mit Wissen, Weisheit und (einer klaren) Sichtweise (erfüllte) Handlungsweise eingemischt hätten, wodurch sie der Finsternis des Irrtums verfallen sind und das Licht der Wahrheit nicht finden konnte.
قُلِ اللّٰهُ ثُمَّ ذَرْهُمْ فِى خَوْضِهِمْ يَلْعَبوُنَ ٭ رَبَّناَ لاَ تُزِغْ قُلُوبَناَ بَعْدَ اِذْ هَدَيْتَناَ وَهَبْ لَناَ مِنْ لَدُنْكَ رَحْمَةً اِنَّكَ اَنْتَ الْوَهَّابُ ٭ اَللّٰهُمَّ صَلِّ وَسَلِّمْ عَلٰى كاَشِفِ طِلْسِمِ كآَئِناَتِكَ بِعَدَدِ ذَرَّاتِ الْمَوْجُوداَتِ وَعَلٰٓى اٰلِهِ وَصَحْبِهِ ماَداَمَ الْاَرْضُ وَالسَّمٰوَاتُ
{"Sag: Gott! Dann lass sie weiter in ihrem Sumpf miteinander spielen!" (Sure 6, 91) "Herr, lass unsere Herzen nicht in die Irre gehen, nachdem Du uns rechtgeleitet hast. Schenke uns Deine Barmherzigkeit, denn Du bist der Spender (aller Wohltaten)." (Sure 3, 8)"Oh Gott gib Deinen Frieden und schenke dem, der das Geheimnis des Talismans (Tilsim) des Kosmos gelöst hat, so viele Segnungen wie es Stäubchen allen Seins gibt, ihm, seiner Familie und seinen Gefährten, so lange wie der Himmel und die Erde bestehen."}
اَلْبَاقِى هُوَ الْبَاقِى
{"Der Beständige ist der, der bleibt und besteht."}
Said Nursi
Neunzehnter Brief
Diese Abhandlung erklärt mehr als dreihundert Wunder. So wie sie das Wunder erklärt, dass Mohammeds Sendung darstellt, so ist sie selbst auch die wunderbare Wirkung (keramet)
dieses Wunders. Sie ist in drei-, vierfacher Hinsicht ein wundervolles Ergebnis:
Erstens:
Sie wurde, einschließlich Zitaten und Quellenangaben, ohne in Büchern nachzuschlagen, bei einem Umfang von mehr als hundert Seiten in drei, vier Tagen aus dem Kopf abgefasst. Bei einer täglichen Arbeit von zwei, drei Stunden auf allen Bergen und in allen Ecken und Hecken in zwölf Stunden zusammengestellt, ist sie selbst ein wunderbares Ereignis.
Zweitens:
Diese Abhandlung führte trotz ihrer Länge weder zu Langeweile beim Schreiben, noch verlor sich beim Durchlesen die Lust an ihr. Sie brachte diese faulen Besitzer des Stiftes dermaßen in Eifer und Begeisterung, dass sie selbst noch in einer Zeit von Verdruss und Bedrängnis innerhalb eines Jahres nahezu siebzig Abschriften verfertigten, was die wunderbare Wirkung dieser Abhandlung über die Wunder des Gesandten ist und denen, die darum wussten, ihre Überzeugung gab.
Drittens:
Ohne eine Kenntnis von der Kunst des Schreibens und den Gesetzen der Übereinstimmung (tevafuk)und bevor wir noch selbst eine solche Übereinstimmung wahrnehmen konnten, zeigte sich auf der Niederschrift und acht weiteren Abschriften, ohne dass die Schreiber einander gesehen hätten, bei dem Wort "Rasul-u Ekrem (der Ehrenwerte Gesandte)" in der ganzen Abhandlung und bei dem Wort "Qur'an" im fünften Teil eine Übereinstimmung auf eine solche Weise, dass für den, der auch nur über ein Fünkchen klaren Denkens verfügt, ein Zufall ausgeschlossen bleibt. Wer das gesehen hat, urteilt mit Bestimmtheit, dass hier ein Geheimnis aus der unsichtbaren Welt (sirr-i ghayb)vorliegt, ein Wunder (keramet),das von dieser Abhandlung
über die Wunder Mohammeds ausgegangen ist. Die am Anfang dieser Risala stehenden Grundsätze sind besonders wichtig. Auch die in dieser Risala angeführten Hadithe künden zugleich mit den von fast allen Imamen der Hadithe als zuverlässig angenommenen die zuverlässigsten Ereignisse aus dem Leben des Propheten. Wäre es notwendig, zu sagen, welche Vorzüge diese Abhandlung besitzt, müsste man ein Werk vom Umfang dieser Abhandlung schreiben, weshalb wir denen, die den Wunsch dazu verspüren, empfehlen, sie doch nur einmal zu lesen.
Said Nursi
Hinweis:
In dieser Abhandlung habe ich viele Ehrwürdige Ahadith angeführt. Ich habe aber keine Hadith-Sammlung bei mir. Sollte im Wortlaut der von mir abgefassten Hadithe ein Fehler auftauchen, möge man sie, bitte, verbessern, oder aber, es soll heißen: "Hadith dem Sinne nach" (hadith-i bil ma'na).Denn nach der vorherrschenden Meinung gilt: "Es ist erlaubt ein Hadith sinngemäß zu zitieren." Das heißt: Man entnimmt dem Hadith den Sinn und kleidet ihn in eigene Worte. In diesem Fall möge man dort, wo der Wortlaut nicht stimmt, ihn als sinngemäßen Hadith betrachten.
* * *
Wunder Ahmeds
(Friede und Segen sei mit ihm!)
{Die Übersetzung eines Segenswunsches im Arabischen "Alaihi-s'Salatu wa-s'Salam", dessen Abkürzung "ASM", die wir in kommenden Stellen gebrauchen. - Der Name Ahmed ist einer von den allgemein bekannten Namen des Propheten, nämlich: Ahmed, Mahmud, Mohammed, Mustafa. (A.d.Ü.)}
بِاسْمِهِ سُبْحَانَهُ ٭ وَاِنْ مِنْ شَىْءٍ اِلاَّ يُسَبِّحُ بِحَمْدِهِ ٭ بِسْمِ اللّٰهِ الرَّحْمٰنِ الرَّحِيمِ ٭ هُوَ الَّذِٓى اَرْسَلَ رَسُولَهُ باِلْهُدٰى وَدِينِ الْحَقِّ لِيُظْهِرَهُ عَلَى الدِّينِ كُلِّهِ وَكَفٰى باِللّٰهِ شَهِيدًا ٭ مُحَمَّدٌ رَسُولُ اللّٰهِ
{"Im Namen dessen, der gepriesen sei. Und es gibt kein Ding, das Ihn nicht dankend lobpreist." "Im Namen Allahs, des Erbarmers, des Barmherzigen. Er, der Seinen Propheten mit der Rechtleitung gesandt hat und mit dem wahren Glauben, damit er ihn über jedem Glauben zeigen solle. Und es genügt Allah als Zeuge. Mohammed (ASM) ist der Gesandte Allahs... (usw.)" (Sure 48, 28-29)}
Wir haben das Prophetentum Mohammeds, mit dem Friede und Segen sei, bereits im Neunzehnten und Einunddreißigsten Wort, der Abhandlung über Mohammeds (ASM) Sendung mit unbezweifelbaren Zeugnissen bewiesen. Wir lassen deshalb die Beweislast dort und zeigen hier nur noch einige Schlaglichter zu dieser großen Wahrheit in neunzehn Hinweispunkten zur Ergänzung auf.
Erster Hinweispunkt
Er, welcher der Eigentümer und Verwalter des Alls ist, handelt sicher mit Wissen, verwaltet mit Weisheit, führt Seine Geschäfte mit einer allseitigen Umsicht, besorgt sie allwissend und allsehend und leitet sie mit der Weisheit und Zielstrebigkeit und zu dem Nutzen, den wir überall erblicken, entsprechend Seinem Willen. Da aber nun derjenige, der es getan hat, es auch weiß, redet sicherlich auch derjenige, der es weiß. Da Er aber nun einmal reden wird, wird er sicherlich auch mit denjenigen reden, die Bewusstsein und Verstand haben und zu reden wissen. Da Er aber nun einmal mit den Verständigen reden wird, wird Er sicherlich auch mit dem Menschengeschlecht reden, das im Kreise der bewusstseintragenden Geschöpfe das vielfältigste ist und über das umfassendste Bewusstsein verfügt. Da Er aber nun einmal mit dem Menschengeschlecht reden wird, wird Er sicherlich auch mit denjenigen Menschen reden, die für Ihn ansprechbar und vollkommene Menschen sind. Da Er aber nun einmal mit denjenigen reden wird, die am vollkommensten sind, deren Fähigkeit am höchsten entwickelt ist, deren Gesittung erhaben ist und die die Führer des Menschengeschlechtes sein werden, wird Er sicherlich mit Mohammed (ASM) reden und hat auch mit ihm geredet, ihn zu Seinem Gesandten machen, was Er auch getan hat und ihn für das Menschengeschlecht zu dessen Führer machen. Dies hat Er auch getan. Mit ihm sei Segen und Frieden, mit ihm, der in Übereinstimmung von Freund und Feind die besten Fähigkeiten und die höchste Gesinnung hat, dem sich ein Fünftel der Menschheit unterordnet und dessen geistiger Herrschaftsbereich die halbe Erde umfasst und von den Lichtstrahlen, die er gebracht hat, in eine Zukunft von 1300 Jahren hinein erleuchtet worden ist, mit dem der erleuchtete Teil der Menschheit und die Leute des Glaubens ununterbrochen fünf Mal täglich ihren Bund erneuern, über ihn ihre Gebete um Frieden und Segen aussprechen,
ihm ihr Lob und ihre Liebe entgegenbringen.
Zweiter Hinweispunkt
Der Ehrenwerte Gesandte, mit dem Frieden und Segen sei, hat für sich den Anspruch erhoben, ein Prophet zu sein, den Ruhmreichen Qur'an als einen Ferman vorgewiesen und nach Ansicht islamischer Gelehrter an die tausend offensichtlicher Wunder gewirkt. Die Existenz dieser Wunder ist insgesamt ein Faktum von der gleichen Sicherheit, wie sein Anspruch auf das Prophetentum. Der an vielen Stellen im Weisen Qur'an angeführte Hinweis, dass ganz besonders verbohrte Ungläubige von Zauberei berichteten, zeigt, dass selbst diese so verbohrten Ungläubigen solche Ereignisse und die Existenz dieser Wunder nicht leugnen konnten. Doch sie haben sich selbst etwas vorgemacht und ihre Untertanen zu betören versucht. Daher sprachen sie, Gott sei geklagt, von Zauberei.
Es gibt diese Wunder Mohammeds, mit dem Friede und Segen sei, tatsächlich mit der Sicherheit von der Kraft einer hundertfach bezeugten Übereinstimmung (tevatur).Es ist aber ein Wunder, die Bestätigung seines Anspruchs durch den Schöpfer des Alls und gilt wie ein "Sadaqt!(d.h. er hat die Wahrheit gesagt.)" Sagtest du also in königlicher Versammlung und in seiner Gegenwart: "Der König hat mich mit dieser oder jener Arbeit beauftragt." und wollte man von dir eine Bestätigung deiner Behauptung, und sagte dann der König "Ja!", so wäre dies für dich eine Bestätigung. Desgleichen würde es deine Behauptung bestätigen, wenn er aufgrund deiner Vorrangstellung seine Gewohnheiten oder seine Haltung änderte, stärker noch und mit noch größerer Gewissheit als durch ein bloßes "Ja"-sagen. Desgleichen hat auch der Ehrenwerte Gesandte, mit dem Friede und Segen sei, verkündet: "Ich bin der Botschafter des Schöpfers dieser Welt. Mein Beweis dafür
ist dies: Er wird Seinen immerwährenden Brauch, Seine ewigen Gesetze auf mein Gebet und um meines Ranges willen ändern. So schaut denn einmal auf meine Finger! Er lässt sie wie einen Brunnen mit fünf Ausläufen fließen. Seht dort den Mond! Auf ein Zeichen meines Fingers hin spaltet Er ihn entzwei. Betrachtet den Baum dort! Um mich zu bestätigen, kommt er zu mir und legt sein Zeugnis (Shahada)ab. Betrachtet diese Stückchen einer Mahlzeit hier! Obwohl dies kaum genug für zwei, drei Mann ist, seht doch, wie Er damit zwei-, dreihundert Mann sättigt." so vollbrachte er noch hunderte anderer, ähnlicher Wunder.
Die Zeugnisse für die Wahrhaftigkeit dieser Persönlichkeit und die Beweise für seine Sendung sind jedoch nicht nur auf seine Wunder beschränkt. Vielmehr beweisen nahezu alle seine Handlungen und Taten, seine Reden, seine Haltung, seine Gesinnung und sein Umgang, seine innere und äußere Erscheinung dem aufmerksamen Beobachter seine Wahrhaftigkeit und Ernsthaftigkeit. Sogar Abdullah ibn Selam, ein berühmter Gelehrter unter den Söhnen Israels und viele andere gleich ihm kamen zum Glauben, beeindruckt von dieser Ehrwürdigen Persönlichkeit, mit der Friede und Segen sei, und einer Begegnung mit ihm und sagten: "Diese Persönlichkeit kennt kein Falsch! In seinem Gesicht kann Trug nicht sein."
Forscher und Gelehrte haben gesagt, dass es etwa tausend Wunder und Beweise für sein Prophetentum gibt. Es gibt aber dennoch tausende, ja vielleicht hunderttausende von Beweisen für sein Prophetentum. Und hunderttausende verschieden denkender Menschen haben das Prophetentum dieser Persönlichkeit auf hunderttausenden von Wegen bestätigt. Der Weise Qur'an allein zeigt mit tausend Belegen das Prophetentum Mohammeds (ASM) auf, abgesehen davon, dass er selbst in vierzigfacher Hinsicht ein Wunder ist.
Darüber hinaus hat es immer in der Geschichte der Menschheit immer wieder Propheten gegeben und Hunderttausende
sind gekommen, haben den Anspruch erhoben, Propheten zu sein, Wunder gezeigt und sind wieder gegangen. Das Prophetentum Mohammeds (ASM) steht mit einer Sicherheit fest, die über der aller anderen zuverlässig ist. Denn das, was als Beweis für die Sendung Jesu und Mosis, mit denen der Friede sei, und für alle anderen Propheten wie sie, zur Grundlage dient, und in ihren Eigenschaften , ihrer Haltung und in ihrem Wirken innerhalb ihrer Gemeinde zum Ausdruck kam, findet sich bei dem Ehrwürdigen Gesandten, mit dem Friede und Segen sei, in noch vorzüglicherer Weise.
Dritter Hinweispunkt
Die Wunder des Ehrenwerten Botschafters, mit dem Friede und Segen sei, sind sehr unterschiedlich. Da sein Prophetentum allumfassend ist, hat er auf fast allen Gebieten der Schöpfung ein Wunder gewirkt. Es ist wie bei der Ankunft des ehrenwerten Botschafters eines Königs, der mit vielen Geschenken in eine Stadt kommt, die von Angehörigen verschiedener Nationen bewohnt ist, wobei jedes Volk ihm durch seine Vertreter einen Empfang bereitet und ihn in der diesem Volk eigenen Sprache Willkommen heißt und ihm Beifall spendet. Genauso war es auch bei der Ankunft des Ehrenwerten Gesandten, mit dem Friede und Segen sei, als er in seiner Eigenschaft als oberster Botschafter des Königs von Ewigkeit zu Ewigkeit die Welt mit seinem Besuch beehrte und zu dem Menschengeschlecht, das die Bewohner der Erde bildet, als Beauftragter kam und ihr von dem Schöpfer des Alls das Licht der Wahrheit und geistige Gaben brachte, die eng verbunden sind mit der Wahrheit über das ganze All. Gesteine, Gewässer, Gesträuch und Getier, sie alle, die Menschen, und hin bis zum Mond, der Sonne und den Gestirnen, eine jede Art spendete ihm als ihrem Botschafter in der ihr eigenen Sprache ihren Beifall, brachte ihm in ihren Händen ein Wunder entgegen und entbot ihm Willkommen.
Es würde aber nun ein umfangreiches Werk erfordern, wollte man von allen seinen Wundern erzählen. Theologen und Erforscher der Wahrheit haben über die Beweise für sein Prophetentum im Einzelnen mannigfaltige Bände verfasst. Wir wollen hier nur als einen kurz zusammengefassten Hinweis auf diejenigen Wunder, welche sicher bezeugt sind und hinsichtlich derer eine inhaltliche Übereinstimmung (manevi mutevatur)besteht, einen ganz allgemeinen Überblick geben.
Es zerfallen aber die Beweise für das Prophetentum Mohammeds (ASM) hauptsächlich in zwei Gruppen:
Erstens:
Die erste wird Irhasat genannt und umfasst die wunderbaren Ereignisse in der Zeit vor seiner Berufung zum Propheten und die während seiner Geburt.
Zweitens:
Es sind die übrigen Beweise für sein Prophetentum. Auch diese zweite Gruppe zerfällt in zwei Arten:
Erstens:
Solche, die sich nach seiner Berufung zum Propheten ereignet haben, wunderbare Ereignisse jedoch, die offenbart wurden, um sein Prophetentum abermals zu bestätigen.
Zweitens:
Wunder, die er in der "Glücklichen Zeit" gewirkt hat. Diese zweite Gruppe zerfällt wiederum in zwei Arten.
Erstens:
Beweise für sein Prophetentum, die durch seine Persönlichkeit, seine innere und äußere Erscheinung, seine Gesittung und durch seine Vollkommenheit zum Ausdruck kamen.
Zweitens:
Es sind dies die Wunder, die sich an Objekten vollzogen, an äußerlichen Dingen in Erscheinung traten. Diese zweite Gruppe zerfällt wiederum in zwei Arten.
Erstens:
Sie betrifft das spirituelle Leben und den Qur'an.
Zweitens:
Sie betrifft den materiellen Bereich und das irdische Leben. Auch dieser zweite Bereich umfasst zwei Gruppen.
Erstens:
Sie betrifft die Wunder und die außerordentlichen Geschehnisse, die sich während der Zeit seiner prophetischen Sendung gezeigt haben, um den Starrsinn der Ungläubigen zu brechen oder aber die Kraft des Glaubens der Gläubigen zu vermehren. Es gibt hier zwanzig verschiedene Arten, wie die Spaltung des Mondes, das Strömen des Wassers aus seinen Fingern, die Sättigung vieler mit nur wenig Nahrung und das Reden der Tiere, Bäume und Steine. Jede Art hat den Sicherheitsgrad einer geistigen Übereinstimmung und es gibt auch für jede Art ein Beispiel, das sich oftmals wiederholt hat.
Zweitens:
Es sind dies zukünftige Ereignisse, die er vorausgesagt hat, nachdem Gott der Gerechte ihn darüber in Kenntnis gesetzt hatte und die sich dann genau so ereignet haben, wie er es angekündigt hatte. Wir wollen nun mit dieser letzten Gruppe beginnen und eine derartige Liste zusammenfassen.
{(*): Leider konnte ich nicht so schreiben, wie ich es mir vorgenommen hatte. So habe ich denn, ohne es zu wollen, das geschrieben, was mir ins Herz kam. So konnte ich meiner Gliederung (des Stoffes) nicht ganz ordnungsgemäß folgen.}
Vierter Hinweispunkt
Die Berichte, die uns der Ehrwürdige Botschafter, mit dem Friede und Segen sei, aus nicht unmittelbar einsehbaren Bereichen durch die Übermittlung des Herrn alles Unsichtbaren mitgeteilt hat, lassen sich weder zählen noch berechnen. Entsprechend unserem Hinweis auf die Arten dieser Berichte im Fünfundzwanzigsten Wort, das den Charakter des Qur'an als Wunder betrifft und dieses zum Teil erklärt und beweist, beziehen wir jetzt dieses Wort auf die Erklärung des Berichtes, den er aus der verborgenen Welt über die vergangenen Zeiten und deren Propheten gegeben hat,
als auch auf die Wahrheiten über Gott, über die Welt und über das Jenseits und wollen auch auf einige der vielen genauen Voraussagen hinweisen, die Gottes Botschafter über seine Gefährten gemacht hat, seine Familie und seine Gemeinde. Doch zuerst wollen wir sechs Grundsätze zur Einleitung erklären, damit diese Wahrheit vollständig verstanden werden kann.
Erster Grundsatz:
Es könnte in der Tat jede Haltung und Handlung des Ehrwürdigen Propheten, mit dem Friede und Segen sei, Zeugnis für seine Wahrhaftigkeit und für sein Prophetentum ablegen, doch braucht nicht jede Haltung und Handlung wunderbar zu sein. Denn Gott der Gerechte hat ihn uns in Menschengestalt gesandt, sodass er den Menschen in ihren gesellschaftlichen Verhältnissen Führer und Vorbild sein möge, um sich durch ihren Umgang und durch ihre Handlungen das Glück in dieser und in jener Welt zu verdienen und damit er die Kunst des Herrn und das Wirken der Macht Gottes aufzeigen möge, das wunderbar und von dem jedes ein Wunder der Macht Gottes ist, obwohl wir es für alltäglich halten. Wäre er in seinen Handlungen aus seiner Menschlichkeit herausgetreten und wären alle seine Taten Wunder, hätte er kein Führer sein können. Er hätte in seinen Haltungen, Handlungen und durch seine Lebensweise kein Vorbild sein können. Doch um sein Prophetentum den Verstockten gegenüber unter Beweis zu stellen, hat er wunderbare Taten vollbracht und manchmal in Notfällen Wunder gezeigt. Da wir in dieser Welt in einer Prüfung sind, die nur bei Verantwortung einen Sinn hat, dürfte ein Wunder nicht so offensichtlich sein, dass die Ungläubigen gezwungenermaßen ihn bestätigen müssten. Denn in Übereinstimmung mit dem Sinn der Prüfung und der Weisheit, die aus der Verantwortung erwächst, ist es erforderlich, dass das Tor der Vernunft offen bleibt und die Freiheit zu vernunftgemäßer Entscheidung uns nicht aus der Hand genommen wird. Wären seine Wunder in ganz offensichtlicher Weise geschehen, wäre dem Verstand
keine Wahl mehr geblieben. Abu Djahil würde gleich Abu Baqr ihn bestätigen. Die Prüfung hätte keinen Nutzen und die Verantwortung keinen Sinn mehr. Kohle und Diamanten hätten den gleichen Wert.
Obwohl tausende verschiedener Menschen mit tausenden Gesinnungen - unübertrieben - jeder mit einem einzigen Wunder des Ehrenwerten Botschafters, mit dem Friede und Segen sei, oder mit einem Beweis für sein Prophetentum oder mit einem seiner Worte oder mit einem Blick in sein Gesicht usw... je mit einem Zeichen zum Glauben gelangten, gehen manche unglückselige Menschen von heute erstaunlicher Weise in die Irre, als sollten all diese tausende Beweise seines Prophetentums, welche alle diese tausende verschiedene Menschen und kritisch betrachtenden Denker durch zuverlässige Überlieferung und sicheren Werken zum Glauben geführt hatten, für sie nicht genügen!
Zweiter Grundsatz:
Der Ehrenwerte Botschafter, mit dem Friede und Segen sei, ist einerseits ein Mensch, der sich hinsichtlich seines Menschseins wie ein Mensch verhält, andererseits ist er aber auch ein Gesandter, der hinsichtlich seiner Sendung der Botschafter Gottes des Gerechten und sein Prophet ist. Seine Botschaft beruht auf dem, was ihm offenbart wurde. Diese Offenbarung umfasst zweierlei:
Die erste Art ist "direkte Offenbarung".
Hier ist der Ehrwürdige Gesandte, mit dem Friede und Segen sei, nur der Dolmetscher, der Verkündiger, der keinen Kommentar gibt. Beispiele dafür sind der Qur'an und einige außerqur'anische Worte Gottes (hadith-i qudsiy).
Die zweite Art ist "sinngemäße Offenbarung".
Auch sie ist in ihrem Kern und Wesen Eingebung und Offenbarung, doch die Einzelheiten und Erklärungen dazu stammen von dem Ehrwürdigen Gesandten, mit dem Friede und Segen sei. Wenn er solche Offenbarungen erklärt und beschreibt, stützt er sich auch hier manchmal auf
Offenbarung und Eingebung, manchmal spricht er gemäß seiner eigenen Einsicht. Wenn er aber auf seine eigenen Erklärungen zurückgreift, verkündet er entweder in der heiligen und erhabenen Vollmacht, die ihm aufgrund seines prophetischen Auftrags zu Eigen ist, oder er äußert sich als Mensch entsprechend Sitte, Gewohnheit und Ebene allgemeinen Verständnisses.
So sollte man denn nicht alle Einzelheiten eines Hadith so betrachten, als seien sie die lautere Offenbarung. Man sollte auch nicht die erhabenen Zeichen seiner Sendung in solchen Gedanken und Handlungen suchen, die aus seiner Menschlichkeit erwachsen sind. Da einige Wahrheiten ihm in kurzer und abstrakter Form offenbart worden sind und er sie selbst im Lichte seiner eigenen Einsicht und allgemeinem Verständnis entsprechend beschreibt, benötigen die bildlichen Ausdrücke und Gleichnisse in seinen Beschreibungen manchmal der Erklärung oder sogar der Ausdeutung. Denn es gibt zuweilen Wahrheiten, die dem Verstand nur durch Gleichnissen nahe gebracht werden können. So hörte man zum Beispiel einmal während eines Beisammenseins mit dem Propheten ein Geräusch aus der Tiefe. Der Prophet sagte: "Dieses Geräusch entstammt der Tiefe der Hölle, von dort wo ein Stein, der siebzig Jahre lang hinab gerollt ist, dort aufgeschlagen und dieses Geräusch verursacht hat." Eine Stunde später kam die Nachricht: "Ein berühmter Heuchler ist im Alter von siebzig Jahren verstorben und zur Hölle gefahren." Dieser Bericht zeigt die Ausdeutung von einem Geschehnis, das Mohammed, mit dem Friede und Segen sei, in einem so prägnanten Gleichnis mitgeteilt hatte.
Dritter Grundsatz:
Berichte, die uns in Form einer allgemeinen Übereinstimmung überliefert worden sind, sind fest und zuverlässig. Es gibt zwei Arten solcher Überlieferungen. Die eine wird als "eindeutige" die andere als eine "sinngemäße" Überlieferung bezeichnet. Auch unter den sinngemäßen Überlieferungen gibt es zwei Arten.
Die eine wird "stillschweigende" genannt, denn sie zeigt sich als eine, die stillschweigend akzeptiert wird. Zum Beispiel: In einer Gemeinschaft erzählt jemand ein Ereignis, das vor den Augen dieser Leute geschehen ist. Widersprechen die Leute seiner Erzählung nicht, nehmen diese mit Stillschweigen auf, so bedeutet dies so viel wie Zustimmung. Wenn nun auch noch diese Gemeinschaft von dem berichteten Ereignis selbst betroffen und zudem bereit ist, zu kritisieren, aber nicht dazu, Falschheit zu decken, vielmehr eine Lüge als besonders hässlich betrachtet, so ist ihr Stillschweigen sicherlich ein starker Beweis für das geschehene Ereignis. Zum Beispiel: Wenn über ein geschehenes Ereignis berichtet wird: "Mit einem Pfund einer Mahlzeit wurden zweihundert Menschen gesättigt.", jedoch die Berichterstatter auf unterschiedlicher Weise berichten, der eine auf diese, der andere auf jene Art, der dritte wieder auf eine andere Art erzählt, sie alle aber über das gleiche geschehene Ereignis übereinstimmen, so ist also eine solche Erzählung zwar nicht klar umrissen, jedoch dem Inhalt nach stimmig und zuverlässig. Die Unterschiede in der Darstellung sind dabei nicht von Nachteil. Ja, es kommt sogar manchmal vor, dass eine Überlieferung zwar nur einen einzigen Garanten hat, jedoch unter gewissen Bedingungen die Kraft einer allgemeinen Überlieferung in sich trägt. Ja es kommt auch zuweilen vor, dass eine Überlieferung trotz dieses nur einen Garanten infolge noch anderer, zusätzlicher Dinge eine gleiche Zuverlässigkeit in sich trägt.
So besteht denn über die meisten Berichte, die sich auf die Wunder und die Beweise für das Prophetentum des Ehrwürdigen Gesandten, mit dem Friede und Segen sei, beziehen, eine entweder eindeutige oder sinngemäße oder stillschweigende Überlieferung. Ein Teil von ihnen ist jedoch "Bericht nur eines Garanten". Aber auch diesen muss man unter den gegebenen Umständen, nachdem er die Billigung durch das kritische Auge der Kenner der Hadithe erfahren hat, gleichfalls die Zuverlässigkeit einer
allgemein anerkannten Überlieferung zusprechen. Es gab in der Tat unter den Kennern der Hadithe Forscherpersönlichkeiten, die man Hafidh nannte, die wenigstens hunderttausend Hadithe auswendig kannten, die fünfzig Jahre ihr Morgengebet mit dem Abdest des Nachtgebets verrichteten, welche die Autoren der sechs Hadithsammlungen, angeführt von Bukhari und Muslim waren, Koryphäen der Wissenschaft auf dem Gebiete der Hadithe, Gelehrte, die solche Berichte nur eines Garanten verifiziert und akzeptiert haben, sodass diese in ihrer Zuverlässigkeit nicht hinter den als allgemein anerkannten Überlieferungen zurückbleiben. Denn sie haben sich in der Tat dermaßen auf die Hadithe des Ehrwürdigen Botschafters, mit dem Friede und Segen sei, spezialisiert, wurden so vertraut mit dessen Ausdrucksweise, seinem überragenden Stil und seiner Art, sich zu äußern, dass ihnen daraus die Fähigkeit erwuchs, sobald sie unter hundert Hadith ein "hinzugefügtes" entdeckten, zu sagen: "Es ist hinzugefügt. Das kann kein Hadith sein, kein Wort des Propheten." So wiesen sie es zurück. Wie ein Juwelier kannten sie die Perlen der Überlieferung und verwechselten sie nicht mit gewöhnlichen Worten. Es gab nur wenige Forscher wie Ibn Djausi, die in ihrer Kritik so weit gingen, selbst einige Echte Hadithe als hinzugefügt anzusehen. Man darf jedoch nicht sagen: "Jedes hinzugefügte Wort ist seinem Inhalt nach falsch", man muss vielmehr sagen: "Dieses Wort ist kein Hadith."
Frage:
Welcher Nutzen liegt darin, die Kette der Überlieferung einer Tradition zu rezitieren, indem man selbst dann, wenn es im Falle eines wohlbekannten Ereignisses nicht nötig ist, sagt: "Dieser und jener informierte diesen und jenen... usw."?
Antwort:
Der Nutzen ist vielfältig. Er ist kurz gesagt folgender: Die Rezitierung der Kette zeigt die Übereinstimmung der treuen, zuverlässigen Kenner der Hadithe und die Einmütigkeit der urteilgebenden Autoritäten, deren Namen darin eingeschlossen sind. Jeder der Gelehrten
und Imame zeichnet gewissermaßen für die Genauigkeit der Überlieferung und setzt seinen Stempel darunter.
Frage:
Warum sind die wunderbaren Ereignisse nicht in der Form einer zuverlässigen Überlieferung weitergegeben worden und das auf ebenso vielen Wegen und mit dem gleichen Nachdruck wie die grundlegenden Bestimmungen des islamischen Gesetzes?
Antwort:
Dies geschah, weil die Mehrheit der Bestimmungen des islamischen Gesetzes von den meisten Menschen bei den meisten Ereignissen in Anwendung kommen, denn sie können an jeden Einzelfall angepasst werden. Aber nicht jeder muss jedes Wunder kennen, und selbst wenn er es kennt, genügt es ihm es einmal gehört zu haben. Es ist hier ähnlich wie bei den Verpflichtungen einer Gemeinschaft: Es genügt, wenn ein Teil von ihnen sie kennt.
Es ist aus diesem Grunde, dass Wunder uns nur von ein, zwei Erzählern berichtet werden, selbst wenn die Tatsache eines solchen Ereignisses mit einer zehnfach höheren Zuverlässigkeit feststeht als eine Bestimmung aus der Schari'a, wohingegen dergleichen Bestimmungen von zehn oder zwanzig Personen überliefert werden.
Vierter Grundsatz:
Künftige Ereignisse, die der Ehrwürdige Botschafter, mit dem Friede und Segen sei, vorausgesagt hat, waren keine eng abgegrenzten Geschehnisse, vielmehr sagte er allgemeine, sich wiederholende Ereignisse nach Art eines umgrenzten Geschehnisses voraus. Dieses Geschehnis hatte jedoch verschiedene Gesichter. Dabei erklärte er jedes Mal einen Aspekt. Am Ende aber vereinigte der Haditherzähler diese Betrachtungspunkte. Das scheint dann den Tatsachen zu widersprechen.
Es gibt zum Beispiel über Hasret Mehdi verschiedene Überlieferungen. Dabei sind die Schilderungen der Einzelheiten und die Beschreibungen der Zusammenhänge völlig verschieden voneinander. Wie wir jedoch bereits in
einem Abschnitt des Vierundzwanzigsten Wortes erklärt haben, hat der Ehrwürdige Botschafter, mit dem Friede und Segen sei, gestützt auf eine Offenbarung (vahy),einen Mehdi verkündet, der in jedem Jahrhundert kommen werde, um die geistigen Kräfte der Gläubigen zu erhalten und zu bewahren, ihnen zu helfen, angesichts von Katastrophen nicht in Verzweiflung zu verfallen und die Gläubigen innerlich mit den Nachkommen aus dem Hause des Propheten (al-i beyt)zu verbinden, die in der Welt des Islam eine leuchtende Kette durch alle Zeiten bilden. Dem Mehdi vergleichbar, der am Ende der Zeiten (akhirazama)kommt, fanden sich in jedem Jahrhundert aus dem Hause des Propheten ein oder mehrere Mehdis. Ja sogar einer der Kalifen von den Abbasiden, die mit dem Hause des Propheten verbunden waren, vereinigte in sich eine ganze Reihe Eigenschaften des großen Mehdi.
So haben denn die vielen Vorbilder des großen Mehdi, die ihm vorausgingen und für welche die Mehdis unter den Kalifen und die Mehdis unter den geistigen Polen Beispiele waren, dazu geführt, dass ihre Eigenschaften mit den Eigenschaften des eigentlichen Mehdi verwechselt wurden, weshalb die Überlieferungen einander zu widersprechen scheinen.
Fünfter Grundsatz:
Der Ehrwürdige Gesandte selbst, mit dem Friede und Segen sei, konnte entsprechend dem Geheimnis
لاَ يَعْلَمُ الْغَيْبَ اِلاَّ اللّٰهُ
{"Niemand kennt das Verborgene außer Allah."}
das Verborgene nicht kennen. Stattdessen offenbarte Gott der Gerechte es ihm und so offenbarte auch er es. Gott der Gerechte ist sowohl der Allweise als auch der Allbarmherzige. Was aber Seine Weisheit und Seine Barmherzigkeit betrifft, so erfordern die meisten verborgenen Dinge verhüllt zu bleiben, unbekannt zu sein. Denn in dieser Welt gibt es viele Dinge, die den Menschen nicht angenehm sind.
Sie schon vorauszuwissen, bevor sie geschehen, ist schmerzlich.
So liegt es denn in diesem Geheimnis, dass der Tod und die Stunde des Abschieds im Dunkel bleiben und auch das Unglück, das auf den Menschen zukommt, unter dem Vorhang des verborgenen verhüllt bleiben. So ist es denn auch ein solches Erfordernis der Weisheit des Herrn und der göttlichen Barmherzigkeit den Ehrwürdigen Botschafter, mit dem Friede und Segen sei, in der großen Empfindsamkeit seines Erbarmens für seine Gemeinde nicht allzu sehr zu verletzen und ihn in seiner Liebe zu seiner Familie
{(*): Um Ahmed (= Mohammed), mit dem Friede und Segen sei, in seiner tiefen Liebe und Zuneigung zu seiner Gattin Aischa as'Siddiqa nicht zu verletzen, wurde ihm nicht eindeutig gezeigt, dass sie in der "Kamel-Schlacht" mit beteiligt sein würde. Ein Beweis dafür ist, dass er seinen Gattinen einmal sagte: "Ach wüsste ich doch, wer von euch in dieser Schlacht beteiligt sein wird!" Später jedoch sollte er durch einen kleinen Wink etwas erfahren, sodass er Hasret Ali (RA = Radya'llahu anh, Gott möge mit ihm zufrieden sein!) sagte: "Es könnte sein, dass sich einmal etwas zwischen dir und Aischa ereignen wird..."}
und zu seinen Gefährten nicht allzu sehr zu verwunden, wenn er ihm die furchtbaren Ereignisse, welche seinen Gefährten und seiner Gemeinde nach dem Weggang des Propheten bevorstehen würden, diesem Erfordernis Seiner Weisheit und Barmherzigkeit entsprechend nicht umfassend und in allen Einzelheiten zeigte. Zwar hat Er ihm aufgrund Seiner Weisheit einige bedeutende Ereignisse bekannt gemacht, jedoch nicht in ihrer ganzen Grausamkeit. Diese hat er auch verkündet. Desgleichen hat Er ihm auch von den schönen Ereignissen teilweise in einer Zusammenfassung, teilweise in ihren Einzelheiten Kunde gegeben. Auch diese hat er bekannt gemacht. Diese Mitteilung haben auch die Kenner der Ahadith, Vollendete, die in höchstem Grade in Gerechtigkeit, Rechtschaffenheit und Wahrhaftigkeit arbeiteten, vor der Hadith:
وَمَنْ كَذَبَ عَلَىَّ مُتَعَمِّدًا فَلْيَتَبَوَّأْ مَقْعَدَهُ مِنَ النَّارِ
{"Wer immer absichtlich eine Lüge über mich erdichtet, der bereite sich auf seinen Platz in der Hölle vor."}
zitterten und sich fürchteten und vor der furchtbaren Drohung der Ayah:
فَمَنْ اَظْلَمُ مِمَّنْ كَذَبَ عَلَى اللّٰهِ
{"Wer begeht ein größeres Verbrechen als der, welcher eine Lüge über mich erdichtet?!" (Sure 39, 32)}
ungestürm flohen, uns auf zuverlässige Weise überliefert.
Sechster Grundsatz:
Der ehrenwerte Botschafter, mit dem Friede und Segen sei, sein Verhalten nach außen hin und seine innere Haltung, wurden uns in den Geschichtsbüchern und in seiner Biographie geschildert. Seine Eigenschaften und sein Auftreten sind jedoch gewöhnlich mit seiner Menschlichkeit verknüpft. Hingegen ist Hasret, der Gesegnete, in der Vergeistigung seiner Persönlichkeit und in der Heiligkeit seines Wesens von einer so erhabenen und leuchtenden Ausstrahlung, dass die Beschreibung seiner Eigenschaften in den Geschichtsbüchern und Biographien der überragenden Größe und Bedeutung seiner Persönlichkeit nicht gerecht zu werden vermögen. Denn entsprechend der tieferen Bedeutung des Grundsatzes: اَسَّبَبُ كَالْفَاعِلِ {"Der, welcher etwas veranlasst, ist dem gleich, der es ausführt."} werden auch heute noch täglich Dienst und Anbetung in dem gleich großen und gewaltigen Umfang wie der Dienst und die Anbetung seiner ganzen Gemeinde (umma)dem Buch seiner Vollendungen gutgeschrieben. So wie er Gottes grenzenlose Barmherzigkeit in unendlicher
Weise und entsprechend seiner grenzenlosen Fähigkeit diese zu erhalten auch empfängt, so empfängt er auch von seiner unendlich großen Umma täglich unendlich viele Gebete. Er, der das Ergebnis der Schöpfung und dessen vornehmste (mükemmel)Frucht ist, das Sprachrohr des Schöpfers aller Welten und Sein Geliebter, diese gesegnete Persönlichkeit kann in ihrem ganzen Wesen und in ihrer wahren Vollendung nicht in der Terminologie von Haltung und Verhaltung von Menschen in der Geschichte und ihren Biographien adäquat zur Darstellung gebracht werden. So kann man diese gesegnete Persönlichkeit, wo wir sie z.B. in der Schlacht von Badr mit Hasret Gabriel und Michael als seinen zwei Helfern und Wächtern an ihrer Seite sehen, nicht in der Gestalt dessen wiederfinden, der auf dem Marktplatz mit einem Beduinen um den Preis eines Pferdes handelt und feilscht, wofür wir Huseyfe als den einzigen Zeugen sehen, und nicht mit ihr in Übereinstimmung bringen. Um nicht einem Irrtum zu verfallen, sollte man seinen Kopf über seine gewöhnliche Erscheinung emporheben, von deren Menschsein wir immer wieder hören, und stattdessen sein wahres Wesen und seine lichtvolle, geistige Persönlichkeit betrachten, die auf der Stufe und dem Rang seiner Sendung fußt. Anderenfalls begeht man entweder eine Unehrerbietigkeit, oder aber man verfällt dem Zweifel. Um dieses Geheimnis verstehen zu können, merke auf das folgende Gleichnis:
Nehmen wir einmal an, wir hätten einen Dattelkern in die Erde gelegt und dieser habe sich zu einer mächtigen Dattelpalme voller Früchte entfaltet, die stets noch größer und mächtiger wird. Oder aber: Wir hätten ein Ei von einem Pfau. Dieses Ei wäre nun ausgebrütet worden und daraus ein Küken geschlüpft. Dieses sei zu einem vollendet schönen, allseits mit den Zeichen der Macht verzierten und vergoldeten Pfauenvogel geworden, der noch dazu stets größer und schöner geworden sei.
Dieser Kern und dieses Ei hat aber nun bestimmte Eigenschaften, Maße und Formen. In seinem Inneren finden sich Stoffe von unendlicher Feinheit. Desgleichen hat aber auch der Baum und der Vogel, der daraus hervorgegangen ist, im Vergleich zu der Kleinheit und Einfachheit der Eigenschaften, Maße und Formen, wie sie sich in dem Kern und dem Ei vorfinden, große und überragende Attribute und Qualitäten. Beschreibt man also jetzt die Eigenschaften des Kerns und des Eies und zugleich die Eigenschaften des Baumes und des Vogels, so ist es notwendig, darauf zu achten, dass man jederzeit das Auge des menschlichen Verstandes über den Kern erhebt und auf den Baum richtet und den Blick von dem Ei hinweg auf den Vogel hin wendet, sodass der Verstand diese Dinge, von denen er gehört hat, als annehmbar empfindet. Er wird anderenfalls, sagt man: "Ich habe aus einem Dirhem Kerne (etwa 3 g) tausend Batman (etwa 8 t) Datteln gewonnen" oder aber: "Dieses Ei ist der König der Vögel unter dem Himmelszelt", dies bestreiten, es leugnen.
So ist denn nun die rein menschliche Erscheinung des Ehrenwerten Botschafters, mit dem Friede und Segen sei, diesem Kern, diesem Ei vergleichbar. Was jedoch sein inneres Wesen betrifft, das im Glanz der ihm aufgetragenen Botschaft erstrahlt, so gleicht es dem Tubabaum und dem glückbringenden königlichen Vogel im Paradies. Zudem nimmt es noch ständig an Vollkommenheit zu. Deshalb sollte man bei dem Gedanken an diese Person, die auf dem Marktplatz mit einem Beduinen handelt und feilscht, innerlich seine Augen erheben und auf jene strahlende Persönlichkeit richten, die Refref bestieg, Gabriel hinter sich ließ und davon ritt. Anderenfalls würde man entweder eine Respektlosigkeit begehen oder aber die herrische Seele würde nicht glauben.
Fünfter Hinweispunkt
Was diese unsichtbaren Dinge betrifft, so wollen wir hier einige Beispiele aus der Überlieferung (Hadith)anführen.
Der ehrenwerte Botschafter, mit dem Friede und Segen sei, geruhte in der Versammlung der Sahabis wie folgt zu erklären:
اِبْنِى حَسَنٌ هٰذاَ سَيِّدٌ سَيُصْلِحُ اللّٰهُ بِهِ بَيْنَ فِئَتَيْنِ عَظِيمَتَيْنِ
{"Dieser mein Enkel Hassan wird der Herr sein, durch den Gott zwei große Gruppen miteinander versöhnen wird."}
was durch eine echte Überlieferung im Grade allgemeiner Übereinstimmung auf uns gekommen ist.
Als vierzig Jahre später die beiden bedeutendsten Armeen des Islam aufeinander stießen, schloss Hasret Hassan (RA) Frieden mit Hasret Muawiye (RA), womit er die Voraussage seines ehrenwerten Großvaters bestätigte.
Einer anderen, gleichfalls echten Überlieferung, zufolge hat er einmal zu Hasret Ali gesagt:
سَتُقَاتِلُ النَّاكِثِينَ وَالْقاَسِطِينَ وَالْمَارِقِينَ
{"Du wirst gegen die Treulosen, die Unterdrücker, die Abgefallenen kämpfen."}
womit er sowohl die Kamelschlacht voraussagte, als auch die bei Siffin und die Schlacht gegen die Abgefallenen (Haridjin).Außerdem hat er zu Hasret Ali (RA), als dieser sich Hasret Subeyr huldvoll zuwandte, gesagt: "Dieser wird gegen dich kämpfen, jedoch im Unrecht sein."
Des Weiteren hat er zu seinen Ehegattinnen gesagt: "Eine von euch wird sich an die Spitze eines bedeutenden Aufstands setzen. Viele an ihrer Seite werden getötet werden."
وَتَنْبَحُ عَلَيْهَا كِلاَبُ الْحَوْأَبِ
{"Während Hunde am (Brunnen) Haw'eb um sie bellen,..."}
Alle diese echten und zuverlässigen Überlieferungen haben dreißig Jahre später in der Kamelschlacht von Hasret Ali gegen Aischa, Subeyr und Talha, gegen Muawiye bei Siffin und gegen die Haridjine bei Haraura und Nehruwan ihre tatsächliche Bestätigung als eine Kunde aus dem Verborgenen erhalten.
Darüber hinaus hat er Hasret Ali mit den Worten: "Der Mann, der deinen Bart mit dem Blut deines Hauptes tränken wird!" auf jenen Mann aufmerksam gemacht, den Hasret Ali bereits kannte: es war Abdurrahman Ibn Muldschem, der Haridjite.
Außerdem hat er angekündigt, dass sich unter den Haridjiten ein Mann namens Sussedye befinden werde, gekennzeichnet mit einem eigenartigen Mal.
Als dieser unter den gefallenen Haridjiten gefunden wurde, hat ihn Hasret Ali als Beweis seiner Rechtmäßigkeit vorgeführt und auch dies als ein Wunder des Propheten bekannt gemacht.
Auch hat der ehrenwerte Gesandte, mit dem Friede und Segen sei, entsprechend einer anderen echten Überlieferung von Umm Seleme vorausgesagt: "Hasret Husseyn wird bei Taff (Kerbela)getötet werden."
Fünfzig Jahre später geschah eben dieser herzzerreißende Vorfall und bestätigte diese Nachricht aus dem Unsichtbaren.
Außerdem hat er mehrfach geäußert:
يَلْقَوْنَ قَتْلاً وَتَشْرِيدًا
{"Mein Haus wird nach mir Mord, Unheil und Verbannung ausgesetzt sein."}
Dabei gab er auch einige Einzelheiten an. Und genauso geschah es.
An dieser Stelle taucht nun eine wichtige Frage auf. Man sagt: Hasret Ali war seines Kalifats in hohem Grade würdig, war verwandt mit dem Ehrenwerten Botschafter,
mit dem Frieden und Segen sei. Sein Mut, sein Wissen und seine Kenntnis waren wunderbar. Warum denn hat man dann sein Kalifat nicht gefördert und warum zeigte sich schließlich zur Zeit seines Kalifats ein derartiges Tohuwabohu?
Antwort:
Eine gewaltige Säule (Qutub-u A'dham)aus dem Hause des Propheten äußerte einmal: "Der Ehrenwerte Gesandte, mit dem Friede und Segen sei, hat sich Hasret Alis (RA) Kalifat gewünscht. Aus dem Unsichtbaren erhielt er jedoch die Mitteilung: Nach dem Willen Gottes ist das anders. Da gab auch er seinen Wunsch auf, machte sich eins mit dem Willen Gottes." Gottes unerforschlicher Ratschluss mag vielleicht der folgende gewesen sein:
Nach dem Hinscheiden des Propheten bedurften die Sahabis ganz besonders der Gemeinschaft und der Einigkeit. Hätte sich Hasret Ali an ihre Spitze gesetzt, so würde dies höchstwahrscheinlich, wie dies die Ereignisse, die aus der Zeit des Kalifats von Hasret Ali bezeugt worden sind, deutlich gemacht haben, bei Hasret Alis duldsamer, unerschrockener, gottesfürchtiger, einsatzfreudiger, bedürfnisloser Art und seinem all überall bekannten Mut, viele Leute und ganze Völkerstämme zum Widerstand aufgestachelt haben, die Ursache zu einer Spaltung geworden sein.
Ein weiterer Grund für Hasret Alis verspätetes Kalifat war zudem dieser:
In einer Zeit, da bereits jene Ereignisse am Horizont aufstiegen, die dann später zu einer Spaltung führen sollten, wozu der wechselseitige Einfluss vieler verschiedener Völker geführt hatte, so wie es der Prophet, mit dem Friede und Segen sei, vorausgesagt hatte, Völker, die in sich schon die Keime zu den Ideen trugen, die sich dann in dreiundsiebzig Richtungen fortentwickelten, musste jemand da sein, der wie Hasret Ali mit seinem wunderbaren Mut und Scharfsinn als ein Herr in der Autorität der Hashimiten, aus dem Hause des Propheten (Al-i Beyt),Macht und Respekt besaß, um dem widerstehen zu können. Genau dies tat er...
entsprechend der Voraussage des Ehrenwerten Gesandten, mit dem Friede und Segen sei: "Ich habe mich während der Herabkunft des Qur'an eingesetzt und gestritten, du wirst während seiner Ausdeutung streiten und dich einsetzen."
Wäre Hasret Ali nicht da gewesen, so hätte zudem noch die Möglichkeit bestanden, dass die rein irdische Königsherrschaft die ganze Dynastie der Omajaden vollständig vom rechten Wege abgebracht hätte. Da sie sich jedoch Hasret Ali und dem Hause des Propheten (Al-i Beyt)gegenüber sahen, strebten alle die Führer des Omajadengeschlechtes danach, wenn auch nicht immer persönlich, so doch in jedem Falle dadurch, dass sie ihre Untertanen und Anhänger dazu anspornten und ermunterten, schon um des Gleichgewichtes willen und um ihr Ansehen in den Augen der Muslime aufrecht erhalten zu können, nolens volens jedoch mit ganzer Kraft danach, die islamischen Wahrheiten, die Glaubenslehren und die qur'anischen Gesetze zu bewahren und zu verbreiten. So haben sie hunderttausende von Kritikern, Exegeten (mutschtehid-i Muhaqqaqin)und Hadithgelehrten (Muhaddithin-i kamilin),reine (asfiya),heilige (auliya)und vollendete Persönlichkeiten, herangebildet. Hätte es ihnen gegenüber nicht die machtvolle Heiligkeit, den Glauben (diyanet)und die Vollendung des Al-i Beyt gegeben, sie wären - wie die Dynastie der Abbassiden und Omajaden nach ihnen - von allem Anfang an ihren eigenen Weg gegangen.
Man könnte sagen:
Weshalb ist das islamische Kalifat nicht bei der Familie des Propheten (Al-i Beyt)geblieben? Eigentlich waren sie diejenigen, die am besten dafür geeignet waren und es gebührte ihnen auch.
Antwort:
Die irdische Königsherrschaft ist verführend. Das Haus des Propheten war beauftragt damit, die islamischen Wahrheiten und die qur'anischen Gesetze zu bewahren. Wer Kalifat oder Königsherrschaft besteigt, soll entweder so rein sein wie ein Prophet, oder eine außerordentliche Entbehrung von irdischen Interessen gehabt haben wie die (ersten vier) rechtgeleiteten
Kalifen (Hulefa-i Rashidin),Omar ibn Abdulasis der Omajade und Mahdi der Abbaside, damit er keiner Verführung unterliegen konnte. In der Tat zeigte uns die Dynastie der Fatimiten, die in Ägypten auf den Namen des Hauses des Propheten gegründet worden war, und die Regierung der Muvahhidin (Ein-Gott-Gläubigen) in Afrika und die Dynastie der Safewiden in Iran, dass die irdische Königsherrschaft bei dem Haus des Propheten (Al-i Beyt)nicht dienlich ist. Sie veranlasst das Haus des Propheten die ursprüngliche Aufgabe die Bewahrung des Glaubens und den Dienst am Islam zu vernachlässigen. In Wahrheit leistete es in einer glänzenden und erhabenen Weise einen Dienst für den Islam und den Qur'an, wenn es auf Königsherrschaft verzichtete.
So siehe! Die Pole (Aqtab)aus den Nachkommen von Hasret Hassan, besonders die Vier Pole (Aqtab Erbaa)und insbesondere Scheich Abdulkadir Geylani der Ghaus A'dham (der große Helfer der Heiligen) und Imame (Vorbilder) aus den Nachkommen von Hasret Husseyn, besonders Seyn al-Abidin und Djafar al-Sadiq, deren jeder im Reiche des Geistes die Geltung eines Mahdis (manevi mehdi;derjenige, der auf den rechten Weg weist) hatte, welche geistige Grausamkeiten und Finsternisse (dhulm ve dhulumet)beseitigten und die qur'anischen Lichter und Glaubenswahrheiten verbreiteten. Sie bewiesen, dass sie die Erben ihres Urgroßvaters waren.
Man könnte sagen:
Worin liegt die Weisheit und das Gesicht der Barmherzigkeit in jener fürchterlichen blutigen Spaltung (Fitna),welche dem gesegneten Islam und dem leuchtenden Glücklichen Zeitalter zugestoßen war? Denn sie hatten keinen Zorn verdient.
Antwort:
So wie im Frühling ein fürchterlicher Regensturm die in allen Arten von Pflanzen und ihren Samen wie auch die in den Bäumen schlummernden Fähigkeiten weckt und entfaltet und alle Blüten entsprechend ihrer Art öffnet, sodass sie mit ihrer naturgemäßen Tätigkeit beginnen, so wurden auch die in den Sahabis (die erste
Schülergeneration) und den Tabiin (die zweite Schülergeneration), schlummernden Samenkernen gleichenden, verschiedenartigen Fähigkeiten durch die über sie hereinbrechenden Wirren wie vom Sturmwind gepeitscht und zur Entfaltung gebracht. Eine jede Gruppe befürchtete und schrie: "Feurio! Der Glaube (islamiyet)ist in Gefahr!" und eilte, diese Islamiyet zu schützen. Jede Gruppe lud sich die ihrer Begabung entsprechende Aufgabe innerhalb der islamischen Gemeinschaft auf die Schulter und bemühte sich ehrlich und aufrichtig darum. Ein Teil bemühte sich um die Wahrung der Tradition (Hadith),ein Teil um die Wahrung der Gesetze (Schari'a),ein Teil um die Wahrung der Glaubenswahrheiten (iman),ein Teil um die Erhaltung (muhafasa)des Qur'an usw... Jede Gruppe übernahm eine Aufgabe. Fieberhaft setzten sie sich für die Aufgaben des Glaubens (islamiyet)ein. Viele Blumen unterschiedlichster Farbe erblühten. An allen Enden der großen, weiten Welt des Islam wurde der Same im Sturmwind verstreut. Die halbe Erde verwandelte sich in einen Rosengarten. Doch in diesem Rosengarten kamen leider mit den Rosen auch die Dornen des Sektierertums (bid'a)und seines Anhangs hervor.
Es war, als hätte die Majestät Gottes dieses Jahrhundert mit starker Hand mächtig geschüttelt, alle idealgesinnten wachgerüttelt und in Begeisterung versetzt. Und in dieser von einem Kraftzentrum ausgehenden Bewegung brachen sehr viele glänzende Exegeten (Muçtehid),erleuchtete Gelehrte und Kenner der Hadithe und des Qur'an (Muhaddis ve Hafidh),ihre Theologen (asfiya)und ihre Pole (aqtab)nach allen Ecken der islamischen Welt auf, wanderten aus. Von Ost bis West wurden die Muslime in Aufregung versetzt, ihre Augen wurden geöffnet, sodass sie den Wert des Qur'an erkannten... Doch nun zurück zum Thema.
Der Ehrenwerte Botschafter, mit dem Frieden und Segen sei, hat tausende von Dingen aus dem Unsichtbaren richtig vorausgesagt, sehr vieles. Davon wollen wir hier nur einige wenige als Beispiel anführen:
Da sind allen voran Bukhari und Muslim, die Herausgeber der berühmten, als zuverlässig bekannten sechs Bücher mit gesammelten Aussprüchen (Kutub-u Sitte-i Hadith),die sich in den meisten der hier angeführten Mitteilungen einig sind, von denen wiederum viele dem Sinne nach als übereinstimmend (tavatur)gelten, während ein Teil von ihnen gleichfalls als so sicher gelten wie Mutevatur, weil die Forscher sich über deren Zuverlässigkeit einig sind.
Da wäre z.B. die Mitteilung an seine Gefährten, welche als zuverlässig überliefert gilt: "Ihr werdet alle eure Feinde besiegen. Sowohl bei der Eroberung von Mekka, von Khaibar, von Damaskus, des Irak, des Iran und Jerusalems werdet ihr erfolgreich sein. Ihr werdet auch die Schätze der Könige der zu damaliger Zeit größten Reiche, des Iran und von Byzanz unter euch aufteilen..." Diese Voraussage machte er nicht mit den Worten: "ich nehme an" oder: "ich vermute", vielmehr sprach er mit der Sicherheit dessen, der die Dinge vor seinen Augen sieht.
Doch während er diese Voraussage machte, war er gerade zur Flucht (Hidjra)gezwungen. Er hatte nur wenige Gefährten und Medina und die ganze Welt standen ihm feindselig gegenüber.
Und weiter hat er oftmals geäußert, und auch dies gilt als zuverlässig überliefert:
عَلَيْكُمْ بِسِيرَةِ الَّذَيْنِ مِنْ بَعْدِى اَبِى بَكْرٍ وَعُمَرَ
{"Euch obliegt es, denen zu folgen, die nach mir sein werden: Abu Baqr und Omar."}
So sagte er voraus, dass Abu Baqr und Omar ihn überleben werden, dass sie sowohl seine Nachfolger sein, als auch in vollkommener Weise nach Gottes Wohlgefallen leben und handeln werden, auch, dass Abu Baqr nur kurze Zeit und dass Omar längere Zeit regieren und viele Eroberungen machen werde.
Und weiter verkündete er:
زُوِيَتْ لِىَ الْاَرْضُ فَاُرِيتُ مَشَارِقَهَا وَمَغَارِبَهَا وَسَيَبْلُغُ مُلْكُ اُمَّتِى مَا زُوِىَ لِى مِنْهَا
{"Die Erde lag ausgebreitet vor mir. Ihr Osten und ihr Westen wurden vor mir sichtbar. Mein Volk (umma) wird erlangen, was vor mir ausgebreitet lag."}
d.h. von Ost bis West wird meine Umma ihre Hand ausstrecken. Noch kein Volk hat je ein solches Reich besessen. Es geschah so, wie er es vorausgesagt hatte.
Zudem hat er, was als zuverlässig überliefert gilt, vor der Schlacht von Badr vorhergesagt:
هٰذَا مَصْرَعُ اَبِى جَهْلٍ, هٰذَا مَصْرَعُ عُتْبَةَ, هٰذَا مَصْرَعُ اُمَيَّةَ, هٰذَا مَصْرَعُ فُلاَنٍ وَفُلاَنٍ
{"Hier wird Abu Djahl fallen. Dort wird Utbah fallen. Hier wird Umeyyeh fallen. Dort wird dieser und da wird jener fallen."}
So sagte er von allen Führern der Quraysh voraus, wo sie fallen würden. Und es geschah so, wie er es gesagt hatte.
Zudem hat er, was ebenfalls als zuverlässig überliefert gilt, über seine Gefährten bei der berühmten Schlacht in dem eine Monatsreise weit entfernten Ort namens Mute in der Nähe von Damaskus berichtet, so als ob er es sehen könne:
اَخَذَ الرَّايَةَ زَيْدٌ فَاُصِيبَ, ثُمَّ اَخَذَهَا جَعْفَرُ فَاُصِيبَ, ثُمَّ اَخَذَهَآ اِبْنُ رَواَحَةَ, فَاُصِيبَ ثُمَّ اَخَذَهَا سَيْفٌ مِنْ سُيُوفِ اللّٰهِ
{"Seyd hat die Fahne übernommen und ist gefallen. Nun hat Ibn Ravaha die Fahne übernommen und ist gefallen. Nun hat Dja'far die Fahne übernommen und ist gefallen. Nun hat ein Schwert der Schwerter Gottes sie übernommen."}
So berichtete er über das, was einem seiner Gefährten nach dem anderen geschah. Zwei drei Wochen danach
kam Ja'la Ibn Munabbih vom Schlachtfeld zurück. Noch bevor er etwas gesagt hatte, verkündete der Getreue Berichterstatter (ASM) alle Einzelheiten des Gefechtes. Und Ja'la schwur: "Genauso wie du es gesagt hast, ist es geschehen."
Und weiter sagte er, und auch dies wird als zuverlässig überliefert:
اِنَّ الْخِلاَفَةَ بَعْدِى ثَلٰثوُنَ سَنَةً ثُمَّ تَكُونُ مُلْكًا عَضُوضًا وَاِنَّ هٰذَا الْاَمْرَ بَدَاَ نُبُوَّةً وَرَحْمَةً ثُمَّ يَكُونُ رَحْمَةً وَخِلاَفَةً ثُمَّ يَكُونُ مُلْكًا عَضُوضًا ثُمَّ يَكُونُ عُتُوًّا وَجَبَرُوتًا
{"Fürwahr, das Kalifat wird nach mir noch dreißig Jahre währen. Danach wird eine habsüchtige Monarchie daraus werden. Und fürwahr, diese Dinge werden als Prophetentum und Barmherzigkeit beginnen. Dann wird Barmherzigkeit und das Kalifat sein. Dann wird eine habgierige Monarchie sein. Dann wird Hochmut sein und Gewaltherrschaft."}
So sagte er die sechs Monate des Kalifats von Hasret Hassan voraus, die Zeit der vier rechtgeleiteten Kalifen und danach die Umwandlung des Kalifats in eine Monarchie, sodann, dass das Königtum durch Gewalttätigkeit zum Verderben der Umma führen werde. Und so wie er es gesagt hatte, geschah es.
Und weiter sagte er, und auch dies ist zuverlässig überliefert:
يُقْتَلُ عُثْمَانُ وَهُوَ يَقْرَاُ الْمُصْحَفَ وَاَنَّ اللّٰهَ عَسٰٓى اَنْ يُلْبِسَهُ قَمِيصًا وَاِنَّهُمْ يُرِيدُونَ خَلْعَهُ
{"Othman wird ermordet werden, während er den Qur'an liest; und es könnte sein, dass Gott es wolle, dass er dabei mit einem Hemd bekleidet sein solle. Auch werden sie versuchen, ihn abzusetzen."}
Und so wie er es gesagt hatte, geschah es.
Und weiter sagte er, und auch dies ist zuverlässig überliefert,
als er zur Ader gelassen wurde (hadjamat)und Abdullah ibn Subeyr sein gesegnetes Blut gleich einem Heiltrank genoss:
وَيْلٌ لِلنَّاسِ مِنْكَ وَوَيْلٌ لَكَ مِنَ النَّاسِ
{"Wehe den Menschen um deinetwillen und wehe dir um der Menschen willen."}
So sagte er voraus, dass er mit einem wunderbaren Mut an die Spitze der Umma treten werde, dass sie fürchterlichen Angriffen ausgesetzt sein würden und dass die Menschen um seinetwillen in schreckliche Geschehnisse geraten würden. Und es geschah so, wie er es vorausgesagt hatte. Abdullah ibn Subeyr erklärte sich zur Zeit der Omajaden in Mekka zum Kalifen und focht heroisch in mehreren Schlachten, bis schließlich Haddschadsch der Schreckliche ihn mit einem großen Heer angriff, wobei dieser ruhmreiche Held nach heftigem Kampf den Märtyrertod fand.
Und weiter sagte er, und auch dies ist zuverlässig überliefert, die Errichtung der Herrschaft der Omajaden voraus und dass die meisten ihrer Könige grausame Herrscher sein werden, Jasid und Valid einbegriffen (unter deren Herrschaft Hassan und Husseyn ums Leben kamen - A.d.Ü.), dass sich an ihre Spitze Hasret Mu'awiya (der Begründer der Dynastie und Gegenspieler Ali's - A.d.Ü.) setzen werde und riet:
وَاِذاَ مَلَكْتَ فَاَسْجِحْ
{"Seid nachsichtig in eurer Regierung!"}
ermahnte so zu Billigkeit und Güte.
Des Weiteren sagte er voraus:
يَخْرُجُ وَلَدُ الْعَبَّاسِ بِالرَّايَاتِ السُّودِ وَيَمْلِكُونَ اَضْعَافَ مَا مَلَكوُا
{"Es werden die Söhne der Abbassiden kommen mit einer schwarzen Fahne und länger regieren, als man regiert hatte."}
d.h. die Abbassiden werden ihre Herrschaft aufrichten und für lange Zeit aufrecht erhalten. Und es geschah so, wie er es gesagt hatte.
Und weiter sagte er, und auch dies ist zuverlässig überliefert:
وَيْلٌ لِلْعَرَبِ مِنْ شَرٍّ قَدِ اقْتَرَبَ
{"Wehe den Arabern wegen des Unheils, das ihnen naht."}
So sagte er die schrecklichen Stürme des Dschingis Khan und Hulagu und den Untergang des Abbassidenreiches durch sie voraus.
Und weiter sagte er zu Sa'd ibn Abu Waqqas, als dieser sehr schwer krank war und auch dies ist zuverlässig überliefert:
لَعَلَّكَ تُخَلَّفُ حَتّٰى يَنْتَفِعَ بِكَ اَقْوَامٌ وَيَسْتَضِرَّ بِكَ اٰخَرُونَ
{"Es mag sein, dass du verschont bleibst, sodass manche durch dich einen Vorteil und andere einen Nachteil erfahren werden."}
So sagte er ihm voraus, dass er später ein großer Kommandant sein und viele Siege erlangen werde, und dass viele Menschen, ja Völker Gutes von ihm erfahren, d.h. zum Islam gelangen würden und dass viele zu Schaden kommen, d.h. durch seine Hand ihre Herrschaft verlieren würden. Es geschah so, wie er es gesagt hatte. Hasret Sa'd setzte sich an die Spitze des islamischen Heeres, fegte das iranische Herrschaftshaus hinweg und bewirkte so, dass viele in den Kreis islamischer Völker eintraten und Rechtleitung fanden.
Und weiter gab er seinen Gefährten, und auch dies ist zuverlässig überliefert, an dem Tage, da der Negus von Abessinien, der zum Glauben gelangt war, im siebenten Jahre nach der Hidjra verstarb, davon Kunde, ja sprach für ihn die Totengebete. Eine Woche später kam die
Nachricht, dass er genau an diesem Tage verschieden war.
Und weiter, und auch dies ist zuverlässig überliefert, zitterte der Berg Uhud (oder auch Hira), als der Prophet mit seinen vier engsten Vertrauten (den vier rechtgeleiteten Kalifen - A.d.Ü.) auf dessen Gipfel verweilte. Da richtete er das Wort an den Berg:
اُثْبُتْ فَاِنَّمَا عَلَيْكَ نَبِىٌّ وَصِدِّيقٌ وَشَهِيدٌ
{"Sei ruhig! Denn auf dir stehen ein Prophet, ein Vertrauter (= Siddiq) und (drei) Märtyrer."}
so die Blutzeugenschaft von Hasret Omar, Othman und Ali vorherverkündend. Es geschah, wie er es vorausgesagt hatte.
Nun denn, du unglückseliger, herzloser, armseliger Mensch, der du sagst, Mohammed-i Arabi sei ein kluger Mann und bist doch ein armseliger Mensch, der seine Augen vor dieser Sonne der Wahrheit verschließt! Unter fünfzehn von all den Arten seiner Wunder hast du bisher nur von einer Art, von den Dingen der unsichtbaren Welt, nur einen Teil unter fünfzehn oder vielleicht hundert Beispielen gehört. Du hast von jenem Teil gehört, dessen Überlieferung so sicher ist wie eine allgemeine Übereinstimmung. Eine Persönlichkeit, die auch nur ein Hundertstel der Dinge der unsichtbaren Welt mit den Augen seines Verstandes schaut, bezeichnet man als einen überragenden Genius, dessen scharfer Blick die Zukunft entschleiert. Aber selbst dann, wenn man ihn so wie du einfach nur ein Genie nennen wollte, wie könnte dann ein Mann, der die geheiligte Genialität eines noch hundert Mal gewaltigeren Genius in sich trägt, etwas falsches erschaut haben? Könnte er sich dazu erniedrigt haben, falsche Kunde zu geben? Auf das Wort des Trägers eines solch hundertfältigen überragenden Genius, über die Glückseligkeit in beiden Welten nicht zu achten, ist sicherlich ein Zeichen hundertfacher Torheit.
Sechster Hinweispunkt
Es gilt als zuverlässig überliefert, dass er zu Hasret Fatima (möge sie Allahs Wohlgefallen finden) gesagt hat:
اَنْتِ اَوَّلُ اَهْلِ بَيْتِى لُحُوقًا بِى
{"Du bist die erste aus meiner Familie, die mir nach meinem Tode nachfolgen wird."}
Sechs Monate danach geschah es so, wie er es vorausgesagt hatte.
Und weiter hat er zu Ebadher gesagt:
سَتُخْرَجُ مِنْ هُنَا وَتعِيشُ وَحْدَكَ وَتَمُوتُ وَحْدَكَ
{"Du wirst von hier vertrieben werden und einsam leben und einsam sterben."}
Zwanzig Jahre später geschah es so, wie er es vorausgesagt hatte.
Und weiter hat er, als er einmal im Hause von Umm Haram, der Tante von Ennes ibn Malik, vom Schlaf erwachte, lächelnd gesagt:
رَاَيْتُ اُمَّتِى يَغْزُونَ فِى الْبَحْرِ كَالْمُلوُكِ عَلَى الْاَسِرَّةِ
{"Ich habe mein Volk (umma) einen Seekrieg führen sehen, Königen gleich, die auf Thronen sitzen."}
Da bat Umm Haram ihn: "Bete, dass auch ich unter ihnen sein werde." Da geruhte er zu sagen: "Du wirst unter ihnen sein." Vierzig Jahre später begleitete sie Ubade ibn Samit als dessen Gattin bei der Eroberung Zyperns. Sie starb auf Zypern und ihr Grab wurde zur Pilgerstätte. So also geschah es, wie er es vorausgesagt hatte.
Und weiter, und auch dies ist zuverlässig überliefert, sagte er vorher:
يَخْرُجُ مِنْ ثَقِيفٍ كَذَّابٌ وَمُبِيرٌ
{"Aus dem Stamme Thaqif werden ein Lügner hervorgehen und ein Tyrann."}
d.h. aus dem Stamme Thaqif wird einer den Anspruch erheben, ein Prophet zu sein und es wird ein blutdürstiger Tyrann auftreten... So sagte er den berühmten Muhtar voraus, der den Anspruch erhob, ein Prophet zu sein, und auch Haddjadj, den Tyrannen, der hunderttausend Menschen umgebracht hat.
Und weiter, und auch dies gilt als zuverlässig überliefert, sagte er voraus:
سَتُفْتَحُ الْقُسْطَنْطِينِيَّةُ فَنِعْمَ الْاَمِيرُ اَمِيرُهَا وَنِعْمَ الْجَيْشُ جَيْشُهَا
{"Konstantinopel wird erobert werden. Gesegnet der Befehlshaber, der die Befehle erteilt und gesegnet die Soldaten, die in seinem Sold stehen."}
So verkündete er, dass Istanbul durch islamische Hand erobert werden würde und dass Hasret Sultan Mehmet, der Eroberer einen hohen geistigen Rang einnehmen werde. Und es geschah so, wie er es vorhergesagt hatte.
Und weiter, und auch dies ist zuverlässig überliefert, sagte er vorher:
اِنَّ الدِّينَ لَوْكَانَ مَنوُطًا بِالثُّرَيَّا لَنَالَهُ رِجاَلٌ مِنْ اَبْنَآءِ فاَرِسَ
{"Fürwahr, selbst wenn der Glaube am Siebengestirn befestigt wäre, wird einer der Söhne Persiens ihn herunterholen."}
Somit wies er auf die unvergleichlichen Gelehrten und Heiligen des Iran, allen voran aber Abu Hanifa hin, sagte ihn voraus.
Und weiter sagte er:
عاَلِمُ قُرَيْشٍ يَمْـَلأُ طِباَقَ الْاَرْضِ عِلْمًا
{"Er ist ein Schüler der Gelehrten von Quraysch, der alle Gegenden der Erde mit seinem Wissen und mit seiner Erkenntnis füllen wird."}
Mit diesem Ausspruch wies er auf Imam Schafi hin und sagte ihn voraus.
Und weiter, und auch dies ist zuverlässig überliefert, sagte er:
سَتَفْتَرِقُ اُمَّتِى ثَلاَثًا وَسَبْعِينَ فِرْقَةً اَلنَّاجِيَةُ وَاحِدَةٌ مِنْهَا، قِيلَ: مَنْ هُمْ قاَلَ: ماَ اَناَ عَلَيْهِ وَاَصْحاَبِى
{"Meine Umma wird in dreiundsiebzig Sekten zerspalten sein. Aber nur eine von ihnen wird Erlösung erlangen. Da fragten sie ihn: Welche von diesen wird das sein? Er antwortete ihnen: Diejenige, welche mir und meinen Gefährten folgt."}
So sagte er voraus, dass nur die Anhänger der Tradition und die Gemeindemitglieder (ehl-i Sunna ve Djemaat)vollkommene Erlösung finden werden.
Und weiter sagte er:
اَلْقَدَرِيَّةُ مَجُوسُ هٰذِهِ الْاُمَّةِ
{"Die Qaderiyye sind die Magier (Parsen) meiner Umma."}
Damit wies er auf eine Gruppe hin, welche sich in viele Abspaltungen verzweigt hat und Gottes Vorherbestimmung (Qadr)verleugnet. Auch sagte er die Rafidine voraus, welche sich ebenfalls stark verzweigt haben.
Und weiter sagte er zu Imam Ali (RA), und auch dies ist zuverlässig überliefert: "Auch für dich gilt, was für Hasret Isa (Jesus, mit dem der Friede sei) galt: zwei Arten von Menschen werden deinetwegen zu Grunde gehen: die eine durch allzugroße Liebe, die andere durch allzugroßen Hass. Die Christen nannten Hasret Isa in ihrer Liebe, doch in Überschreitung der durch das Gesetz bestimmten Grenzen, den Sohn Gottes. Doch da sei Gott vor! Doch auch die Juden überschritten in ihrem Hass jedes Maß,
sodass sie seine Vollkommenheit und sein Prophetentum leugneten (insanu-l'kamil, der Prophet Gottes ist der vollkommene Mensch - A.d.Ü.). Auch um deinetwillen werden zwei Arten von Menschen die gesetzlich festgesetzten Grenzen überschreiten und ihre Liebe wird sie zu Grunde richten.
لَهُمْ نَبْزٌ يُقاَلُ لَهُمُ الرَّافِضَةُ
{"Ihre Schande ruft ihnen: Rafidiyye (Gesetzesbrecher, Fahnenflüchtige, Verräter, Dissidenten) zu."}
Ein anderer Teil dagegen wird in seiner Feindschaft gegen dich zu weit gehen. Das sind die Havaridjine (Renegaten) und die Extremisten unter den Gefolgsleuten der Omajaden, welche man Nasibe nennt."
Eine Frage könnte hier gestellt werden:
Der Qur'an befiehlt die Liebe für das Haus des Propheten und auch unser verehrungswürdiger Prophet, mit dem Friede und Segen sei, hat das sehr empfohlen. Diese Liebe könnte deshalb für die Schiiten als Entschuldigung gelten. Denn Verliebte sind gewissermaßen berauscht. Warum dann können die Schiiten und besonders die Rafidiyye keinen Nutzen aus ihrer Liebe ziehen, ja werden sie sogar durch diesen Hinweis des Propheten wegen ihrer übertriebenen Liebe verurteilt?
Antwort:
Es gibt zwei Arten von Liebe. Die erste ist eine den Buchstaben übergreifende Liebe (mana-yi harfi),d.h. um des Ehrenwerten Botschafters, mit dem Friede und Segen sei, willen und im Namen Gottes, des Gerechten Hasret Ali, Hassan und Husseyn und das Al-i Beyt zu lieben. Diese Liebe vermehrt noch die Liebe für den Ehrenwerten Gesandten, mit dem Friede und Segen sei und wird zu einem Fahrzeug für die Liebe zu Gott, dem Gerechten. Diese Liebe ist erlaubt (meshru'),ihr Übermaß schadet nicht, verletzt nicht, hat keine Herabsetzung oder Feindschaft gegenüber anderen zur Folge.
Die zweite Art Liebe beschränkt sich auf den Genannten (mana-yi ismi),d.h. sie liebt ihn in seiner Person, liebt Hasret Ali im Gedanken an seine Tapferkeit und Vollkommenheit und Hasret Hassan und Husseyn um ihrer hohen Tugenden willen, ohne einen Gedanken an den Ehrenwerten Gesandten, mit dem Friede und Segen sei. Sie liebt, selbst ohne Gott zu kennen oder seinen Propheten. Diese Art der Liebe wird nicht zum Anlass, den Ehrenwerten Gesandten, mit dem Friede und Segen sei, zu lieben, erweckt auch nicht die Liebe zu Gott dem Gerechten. Im Übermaß führt sie zur Herabsetzung oder zur Feindschaft gegenüber anderen. So haben sie denn, der Voraussage des Propheten entsprechend, im Übermaß ihrer Liebe zu Hasret Ali, Hasret Abu Baqr as-Siddiq und Hasret Omar den Rücken gekehrt und sind ins Unglück gestürzt. Und diese falsche Liebe veranlasste dieses Unglück.
Und weiter, und auch dies gilt als zuverlässig überliefert, sagte er:
اِذاَ مَشَوُا الْمُطَيْطَآءَ وَخَدَمَتْهُمْ بَنَاتُ فاَرِسَ وَالرُّومِ رَدَّ اللّٰهُ بَاْسَهُمْ بَيْنَهُمْ وَسَلَّطَ شِرَارَهُمْ عَلٰى خِياَرِهِمْ
{"Wenn euch persische und römische Mädchen dienen, werden sich Unglück und Gespaltenheit unter euch ausbreiten, der Kampf wird in euren eigenen Reihen stattfinden, die Übeltäter werden sich an die Spitze setzen und alle die guten und tugendhaften Menschen heimsuchen!"}
Dreißig Jahre später geschah es so, wie er es vorausgesagt hatte.
Und weiter, und auch dies ist zuverlässig überliefert, sagte er:
وَتُفْتَحُ خَيْبَرُ عَلٰى يَدَىْ عَلِىٍّ
{"Die Eroberung der Festung Khaibar wird durch Alis Hand erfolgen."}
Als ein Wunder seines Prophetentums und entgegen aller
Erwartung riss Hasret Ali am folgenden Tag das Tor der Feste Khaibar heraus und gebrauchte es als einen Schild. Nachdem der Sieg errungen war, warf er das Tor zu Boden und acht starke Männer konnten es nicht mehr vom Boden aufheben. Nach einer anderen Überlieferung waren es vierzig Leute.
Des Weiteren tat er den Ausspruch:
لاَ تَقُومُ السَّاعَةُ حَتَّى تَقْتَتِلَ فِئَتَانِ دَعْوَاهُمَا وَاحِدَةٌ
{"Die Stunde wird nicht kommen, bis zwei Parteien mit dem gleichen Anspruch einander befehden."}
Damit sagte er die Schlacht von Siffin zwischen Hasret Ali und Muawiye voraus.
Des Weiteren sagte er voraus:
اِنَّ عَمَّارًا تَقْتُلُهُ الْفِئَةُ الْباَغِيَةُ
{"Siehe, Ammar wird von einer Gruppe Rebellen (gegen Gott) umgebracht werden."}
Als er dann in der Schlacht von Siffin getötet wurde, sah Hasret Ali dies als einen Beweis dafür an, dass die Anhänger von Muawiye Aufständische sind. Doch Muawiye deutete dies anders. Denn Amr ibnu-l'As (sein Kommandant - A.d.Ü.) sagte: "Nur die Aufständischen sind seine Mörder, nicht wir alle."
Des Weiteren tat er den Ausspruch:
اِنَّ الْفِتَنَ لاَ تَظْهَرُ ماَداَمَ عُمَرُ حَيًّا
{"Siehe, kein Gespaltensein wird unter euch aufkommen, solange Hasret Omar noch lebt."}
Und so wie er es vorausgesagt hatte, kam es auch.
Und weiter geschah es, dass einmal Sehl ibn Amr, noch bevor er zum Glauben gelangt war, in Gefangenschaft geriet. Da sagte Hasret Omar zu dem Ehrenwerten Botschafter,
mit dem Friede und Segen sei: "Wenn du es mir gestattest, werde ich diesem die Zähne einschlagen. Denn dieser hat immer mit seiner glatten Zunge die Ungläubigen vom Stamme der Quraysch zum Kampf gegen uns aufgehetzt." Der Ehrenwerte Botschafter, mit dem Friede und Segen sei, aber entgegnete ihm:
وَعَسٰى اَنْ يَقُومَ مَقاَمًا يَسُرُّكَ ياَعُمَرُ
{"Es möchte ja sein, dass er sich aufrichten wird zu einem Zustand (maqam), der dir gefällt, oh Omar!"}
In der Tat hat eben dieser Sehl im Gesegneten Mekka (M.Mükerreme)unter den Ereignissen der Zeit, da der Ehrenwerte Botschafter, mit dem Friede und Segen sei, dahingeschieden war, was Bestürzung verbreitete und die Geduld aller verzehrte, gleich wie Abu Baqr-i as-Siddiq im Strahlenden Medina (M.Münevvere)die Sahabis beruhigt und getröstet. Ebenso hat er ihnen mit seiner bekannten Wortgewalt eine Rede gehalten gleich der Hutbe von Abu Baqr-i as-Siddiq. Selbst die Worte der beiden Hutbe glichen einander.
Und weiter verkündete er Suraqa:
كَيْفَ بِكَ اِذاَ اُلْبِسْتَ سُوَارَىْ كِسْرٰى
{"Du wirst Chosros beide Armringe anlegen!"}
Zur Zeit des Hasret Omar wurde das Königreich von Chosro zerstört. Als seine Schätze und auch seine wundervollen Armringe gebracht wurden, streifte Hasret Omar sie dem Suraqa über und sagte:
اَلْحَمْدُ لِلّٰهِ الَّذِى سَلَبَهُمَا كِسْرٰى وَاَلْبَسَهُمَا سُرَاقَةَ
{"Elhamdulillah (Preis sei Gott!), der sie Chosro abgenommen und sie Suraqa übergestreift hat."}
und bestätigte damit die Voraussage des Propheten.
Des Weiteren tat er den Ausspruch:
اِذَا ذَهَبَ كِسْرٰى فَلاَ كِسْرٰى بَعْدَهُ
{"Nachdem der Chosro gegangen ist, wird es keinen Chosro mehr nach ihm geben."}
Wie er es vorausgesagt hatte, so geschah es auch.
Auch hatte er dem Botschafter des Chosro einmal gesagt: "Gerade hat Chosros Sohn Shirviye Pervis den Chosro umgebracht." Als der Botschafter Nachforschungen anstellte und herausfand, dass dies tatsächlich zur gleichen Zeit geschehen war, nahm auch er den Islam an. Nach einigen Überlieferungen hieß dieser Botschafter Feyrus.
Und weiter, und auch dies ist zuverlässig überliefert, hat er einen Brief vorausgesagt, den Khatib ibn Beltea heimlich an den Stamm der Quraysch gesandt hatte. Er schickte Hasret Ali und Mikdad mit den Worten: "Es gibt an einem bestimmten Ort eine bestimmte Person mit einem bestimmten Brief. Geht zu ihm und bringt mir diesen!" Sie gingen und brachten den besagten Brief von dem angegebenen Ort herbei. Dann ließ er Khatib kommen und fragte ihn: "Warum hast du das getan?" Dieser brachte eine Entschuldigung hervor und seine Entschuldigung wurde angenommen.
Und weiter, und auch dies ist als zuverlässig überliefert, äußerte er einmal gegenüber Utbe ibn Abu Laheb: يَاْكُلُهُ كَلْبُ اللّٰهِ {"Gottes Hund möge ihn fressen!"} und sagte so Utbes schreckliches Ende voraus. Als dieser später in den Jemen reiste, kam ein Löwe und fraß ihn auf. So bewahrheitete sich die Verfluchung des Propheten, mit dem Friede und Segen sei, und zugleich auch seine Voraussage.
Und weiter, und auch dies ist zuverlässig überliefert,
stieg bei der Eroberung von Mekka Hasret Bilal Habeshi auf das Dach der Kaaba und rief zum Gebet, während Abu Sufyan, Attab ibn Assid und Harith ibn Hisham, Fürsten vom Stamme der Quraysch beieinander saßen und miteinander plauderten. Da sagte Attab: "Mein Vater Assid hatte das Glück, diesen Tag nicht zu schauen." Harith entgegnete ihm: "Konnte Mohammed keinen anderen Mann finden als diese schwarze Krähe, der Muezzin zu sein?" Und er machte so Hasret Bilal Habeshi verächtlich. Abu Sufyan wandte ein: "Ich würde mich hüten, etwas dergleichen zu sagen. Selbst wenn es niemanden gäbe, so würden doch die Steine von Batha (Mekka)ihm Nachricht geben und so wird er es erfahren." In der Tat begegnete ihnen wenig später der Ehrenwerte Gesandte, mit dem Friede und Segen sei und wiederholte ihnen buchstäblich, was sie zueinander gesprochen hatten. Da legten nun auch Attab und Harith Zeugnis ab und wurden Muslime.
Oh du armseliger Gottesleugner! Du herzloser Mensch, der du den Propheten, mit dem Friede und Segen sei, nicht anerkennen willst! Siehe, wie diese beiden verstockten Fürsten der Quraysch durch einen einzigen Fingerzeig aus der verborgenen Welt zum Glauben gelangten! Was muss doch dein Herz verdorben sein, wenn es immer noch nicht zur vollen Überzeugung gelangt, nachdem du von tausenden von Wundern gehört hast, die durch allgemeine Übereinstimmung einem solchen Fingerzeig aus dem Verborgenen gleich sind!... Doch wie dem auch sei - kehren wir zu unserem eigentlichen Thema zurück!
Und weiter, und auch dies ist als zuverlässig überliefert, geriet einmal Hasret Abbas während der Schlacht von Badr in die Hände der Sahabis und man forderte von ihm Lösegeld. Doch entgegnete er: "Ich habe kein Geld." Da sagte der Ehrenwerte Botschafter, mit dem Friede und Segen sei: "Du hast aber bei deiner Frau Umm Fadl eine bestimmte Summe Geldes zurückgelassen." Und er nannte ihm die Höhe der Summe und bezeichnete
dessen Versteck. Hasret Abbas bestätigte ihm dies und fügte hinzu: "Niemand außer uns beiden kannte dieses Geheimnis." So erlangte er damals den vollkommenen Glauben und wurde ein Muslim.
Und weiter, und auch dies ist zuverlässig überliefert, hatte einmal ein Jude namens Lebid, der ein böser Zauberer war, ein seltsames starkes Zaubermittel verfertigt, um den Ehrenwerten Botschafter, mit dem Friede und Segen sei, damit zu plagen. Er hatte einen Kamm mit Haaren umwickelt, eine Verwünschung darüber ausgesprochen und ihn in einen Brunnen geworfen. Da beauftragte der Ehrenwerte Botschafter, mit dem Friede und Segen sei, Hasret Ali und die Sahabis: "Geht zu dem Brunnen, fischt den Zauber heraus und bringt ihn mir her!" Und er nannte den Brunnen und bezeichnete genau den verwunschenen Gegenstand. Sie gingen hin, fanden ihn dort genauso, wie er es ihnen beschrieben hatte und brachten ihn herbei. Und mit jedem Haar, das sie lösten, verschwand auch die Unruhe von dem Ehrenwerten Botschafter, mit dem Segen und Frieden sei.
Und weiter, und auch dies ist zuverlässig überliefert, äußerte sich der Ehrenwerte Botschafter, mit dem Friede und Segen sei, während einer Versammlung, an der auch so bedeutende Persönlichkeiten wie Abu Huraira und Husaifa teilnahmen:
ضِرْسُ اَحَدِكُمْ فِى النَّارِ اَعْظَمُ مِنْ اُحُدٍ
{"Die Zähne eines von euch werden im Feuer noch größer sein als der Berg Uhud." (Die Hauer des wilden Ebers gelten als das Symbol der Auflehnung gegen Gott. - A.d.Ü.).}
So sagte er das schreckliche Ende eines Renegaten unter ihnen voraus. Abu Huraira berichtet dazu: "Als später aus dieser Versammlung bloß noch zwei Personen übrig geblieben waren, also nur noch ein Mann außer mir, da fürchtete ich mich. Als dann später der andere Mann in der Schlacht von Jamama überlief und auf der Seite von
Museylime fiel, da wurde die Voraussage des Propheten deutlich."
Und weiter, und auch dies ist zuverlässig überliefert, hatten sich einmal Umair und Safwan, als sie noch nicht den Islam angenommen hatten, dazu entschlossen, für eine bedeutende Summe den Propheten (ASM) umzubringen. Als aber Umair in der Absicht, den Propheten (ASM) zu ermorden in Medina ankam und der Ehrenwerte Gesandte, mit dem Friede und Segen sei, ihn erblickte, rief er ihn zu sich und sagte zu ihm: "Es ist dies dein Abenteuer mit Safwan!" und legte seine Hand auf Umairs Brust. Der gab es zu und wurde Muslim.
Es hat noch viele andere dergleichen als zuvelässig bezeugte Vorhersagen aus dem Verborgenen gegeben. Sie werden in den berühmten Sechs Büchern, mit als zuverlässig bezeugten Hadithen, unter Angabe der Quelle erwähnt. Die meisten in dieser (hier vor uns liegenden) Abhandlung erwähnten Ereignisse sind uns einer allgemeinen dem Sinne nach entsprechenden Übereinstimmung (tevatur-u manevi)gemäß, als sicher und zuverlässig überliefert worden. (Die Bücher von) Bukhari und Muslim sind von den Forschern (ehl-i tahqiq)nach dem Qur'an als die zuverlässigsten Bücher bestätigt worden. In der Folge werden nach ihnen die als zuverlässig anerkannten (Bücher von) Tirmidhi, Nessai, Abu Davud, das "Musnad" von Hakiem, das "Musnad" von Ahmed ibn Hanbal und das "Delail" von Beyhaqi und dergleichen Bücher mit Quellenangabe zitiert.
Wohlan denn, oh du schwachsinniger Gottesleugner! Du sollst es nicht dabei bewenden lassen, zu sagen: "Mohammed-i Arabi (ASM) war ein kluger Mann." Denn für diese zuverlässigen Aussagen Ahmeds (ASM) über Dinge aus der verborgenen Welt gibt es nur zwei mögliche Erklärungen. Du sagst entweder: "Dieser Heilige Gottes verfügt über einen solchen Scharfblick, ist eine Geistesgröße mit einem derartigen Weitblick, dass er Vergangenheit und Zukunft und die ganze Welt zu überblicken
und zu erkennen weiß, dessen Auge den Osten und den Westen erschaut und aller Welt Zeuge ist, ein Genius, der alle vergangenen und künftigen Ereignisse zu entschleiern vermag". Ein Mensch kann solche Qualitäten (hal)nicht besitzen. Hätte er sie aber, kann er sie als eine wunderbare Fähigkeit vom Schöpfer der Welt verliehen, als eine Gabe Gottes erhalten haben. Dies aber wäre für sich alleine schon ein ganz großes Wunder. Oder aber du musst glauben, dass dieser Gottbegnadete der Schüler und Beauftragte eines Herrn ist, der alles sieht und alles in Händen hält. Alles was da ist gehorcht Seinen Weisungen und alle Zeiten unterstehen Seinem Befehl. Alle Dinge stehen aufgezeichnet in dem Großen Buch. Wann immer Er will, macht Er sie Seinem Schüler bekannt, führt sie ihm vor Augen. Das heißt: Mohammed, der Araber, mit dem Friede und Segen sei, empfängt von dem Urewigen Meister (ustadh-i edheli)seine Lehren und so gibt er sie weiter.
Und weiter, und auch dies ist zuverlässig überliefert, hat er verlautbart, als er Hasret Khalid nach Ukeydir entsandte, um gegen den Fürsten der Daumatu-l'Dschendal zu kämpfen:
اِنَّكَ تَجِدُهُ يَصِيدُ الْبَقَرَ
{"Siehe, du wirst ihn auf einer Ochsenjagd finden."}
Er sagte ihm voraus, dass er ihn ohne Kampf gefangen nehmen werde. Hasret Khalid ging, fand alles so wie vorausgesagt und führte den Gefangenen mit sich mit.
Und weiter, und auch dies ist zuverlässig überliefert, hat er, auf die Seite bezugnehmend, auf welche die Quraysch etwas gegen die Bani Hashim geschrieben hatten und das sie an eine Wand der Kaaba gehängt hatten, verlautbart: "Die Würmer haben eure Schrift aufgefressen und nur die Teile mit den Namen Gottes darauf ausgespart." Da untersuchten sie das Blatt und fanden die Dinge so, wie er es ihnen mitgeteilt hatte.
Und weiter, und auch dies ist zuverlässig überliefert, hat er verlautbart, dass während der Belagerung von Jerusalem (Beytu'l-Maqdis)eine große Pestepidemie ausbrechen werde. Zur Zeit von Hasret Omar wurde Beytu'lMaqdis erobert. Dabei brach eben jene Pestepidemie aus, die binnen drei Tagen siebzigtausend Opfer forderte.
Und weiter, und auch dies ist zuverlässig überliefert, hat er davon Kunde gegeben, dass Basra und Bagdad, die es damals noch gar nicht gab, erbaut werden würden und dass sich alle Schätze der Welt in Bagdad ansammeln werden, dass die Araber mit den Türken und anderen Völkern am Kaspischen Meer kämpfen werden, später jedoch die meisten von ihnen den Islam annehmen und mitten unter den Arabern über die Araber herrschen werden. Er sagte:
يُوشِكُ اَنْ يَكْثُرَ فِيكُمُ الْعَجَمُ يَاْكُلُونَ فَيْئَكُمْ وَيَضْرِبوُنَ رِقَابَكُمْ
{"Über die Vermehrung der Fremden unter euch werdet ihr euch beklagen, welche verzehren, was ihr habt, und euch enthaupten."}
Und weiter sagte er:
هَلاَكُ اُمَّتِى عَلٰى يَدِ اُغَيْلِمَةٍ مِنْ قُرَيْشٍ
{"Verderben über meine Umma wird von den Händen der ungezogenen Kinder der Quraysch kommen."}
Damit gab er Kunde, dass es von den schlechten Fürsten der Omajaden, wie Walid und Jasid, ausgehen werde.
Desgleichen hat er für bestimmte Orte, wie Jamama, das Auftreten von Apostasie vorausgesagt.
Und weiter sagte er während der berühmten Grabenschlacht: {bei der die Muslime als erste Verteidigungsgräben aushoben, die bis dahin bei den Arabern noch unbekannt waren. - A.d.Ü.}
اِنَّ قُرَيْشًا وَالْاَحْزاَبَ لاَ يَغْزُونِى اَبدًا وَاَناَ اَغْزُوهُمْ
{"Von nun an werden mich die Quraysch und ihre Verbündeten nie wieder angreifen. Doch ich werde sie angreifen."}
Und alles gestaltete sich so, wie er es vorausgesagt hatte.
Und weiter verlautbarte er ein, zwei Monate vor seinem Dahinscheiden, und auch dies ist als zuverlässig überliefert:
اِنَّ عَبْداً خُيِّرَ فاَخْتاَرَ ماَ عِنْدَ اللّٰهِ
{"Einem Diener und Verehrer wurde die Wahl gelassen und er wählte was Gottes ist."}
So sagte er sein Ableben voraus.
Und weiter sagte er über Seyd ibn Suwahan:
يَسْبِقُ عُضْوٌ مِنْهُ اِلَى الْجَنَّةِ
{"Eines seiner Glieder wird ihm ins Paradies vorausgehen."}
Kurze Zeit später wurde ihm in der Schlacht von Nihawend eine Hand abgeschlagen. Das heißt, seine Hand legte zuerst Zeugnis für seinen Glauben ab, was in übertragenem Sinne bedeutet: sie kam ins Paradies.
So sind denn alle die hier besprochenen Geschehnisse aus der verborgenen Welt nur eine unter zehn Arten seiner Wunder. Wir haben von diesen zehn Arten noch nicht einmal eine besprochen. Doch haben wir im Fünfundzwanzigsten Wort, wo der Qur'an entsprechend seinem Charakter als ein Wunder besprochen wird, aus dem so umfangreichen Gebiet der Geschehnisse aus der verborgenen Welt, vier Arten kurz angeführt. So fasse denn die hier angeführten Arten mit den anderen vier bedeutenden Arten, wo in der Sprache des Qur'an aus der verborgenen
Welt berichtet wird, zusammen. Siehe, welch ein zweifelsfrei sicheres, glänzendes, unwiderlegbares und beweiskräftiges Zeugnis seines Prophetentums das ist, sodass jeder, der nicht mit Herz und Verstand ganz und gar verdorben ist, mit Sicherheit glauben wird, dass diese Persönlichkeit, Ahmed, mit dem Friede und Segen sei, der Gesandte jener majestätischen Persönlichkeit ist, die der Herr alles Geschaffen ist und der Kenner alles Verborgenen. Von ihm hat er uns Kunde gebracht.
Siebenter Hinweispunkt
Unter den Wundern des Propheten, welche die Segensfülle über den Speisen betreffen, wollen wir hier nur auf einige wenige Beispiele hinweisen, welche als gesichert und ihrer Bedeutung nach als allgemeine Überlieferung gelten. Doch bevor wir damit beginnen, erscheint uns zunächst noch eine Vorbemerkung angebracht.
Vorwort:
Von den folgenden Beispielen der Wunder an Fülle und Segen ist jedes auf verschiedenen Wegen, ja das eine oder andere sogar auf sechzehn verschiedenen Wegen überliefert worden. Die meisten von ihnen haben sich mitten in einer Gemeinschaft vieler Menschen ereignet. Sie wurden von ehrlichen und angesehenen Menschen einer solchen Gemeinschaft berichtet und überliefert. Zum Beispiel berichtet da einer von ihnen: "Es haben siebzig Mann von vier handvoll eines Gerichtes gegessen, das man Sa' nennt und sind satt geworden." Diese siebzig Mann hören seine Worte und leugnen es nicht, d.h. sie bestätigen ihn durch ihr Schweigen.
In der Tat hätten die Sahabis, diese geradlinigen, zuverlässigen und wahrheitsliebenden Menschen, in jener Zeit der Wahrhaftigkeit und Geradlinigkeit, jede Spur einer Unwahrhaftigkeit als solche bemerkt, zurückgewiesen und als Lüge erklärt. Die Ereignisse, von denen wir hier berichten wollen, sind jedoch von vielen überliefert worden, während andere sie durch ihr Schweigen bestätigten.
Das heißt also, dass ein jedes dieser Ereignisse so sicher ist wie eine in ihrer Bedeutung allgemeine Überlieferung. Außerdem bezeugen die Geschichte und die Biographie (des Propheten), dass die Sahabis nächst der treulichen Bewahrung des Qur'an und seiner Ayat, alle ihre Bemühungen darauf gerichtet haben, die Worte und Taten und insbesondere solche Handlungen des Ehrenwerten Gesandten, mit dem Friede und Segen sei, im Gedächtnis zu bewahren, die sich auf seine Wunder und auf die Grundlagen des Islam beziehen, und ihre ganze Aufmerksamkeit deren Richtigkeit zugewandt haben. Auch nicht die kleinste Bewegung, der unbedeutendste Charakterzug oder das ganz Gewöhnliche in seiner Haltung wurde vernachlässigt. Und dafür, dass sie es nicht vernachlässigt haben und dass sie es aufgeschrieben haben, geben die Bücher der Ahadith ein Zeugnis. Zudem haben sie und vor allem die sieben "Abdullah", unter ihnen besonders Abdullah ibn Abbas, der das Sprachrohr des Qur'an genannt wird, und Abdullah ibn Amr ibnu-l'As, noch während des Glücklichen Zeitalters die Wunder und die Ahadith, welche die Quellen des islamischen Rechtes bilden, in Büchern aufgezeichnet und niedergeschrieben. Dreißig, vierzig Jahre nach ihnen haben dann tausende von Muhaqqiqin (Forscher) unter den Tabiinen (also die zweite Schülergeneration - A.d.Ü.) diese Ahadith und die Wunder schriftlich niedergelegt. Und weiter haben diese dann noch später tausende Erforscher der Hadithe und ihnen allen voran die vier Imame der Gesetzeslehrer (Muçtehid)weitergegeben und schriftlich festgehalten.
Danach haben dann zweihundert Jahre nach der Hidjra die Autoren der hochgeschätzten Sechs Bücher (Kutub-u Sitte)vor allem Bukhari und Muslim die Aufgabe, Hüter zu sein, auf ihre Schultern geladen. Tausende scharfsinniger Kritiker (Munekkid)wie Ibn Djausi traten auf und fanden die Unterscheidungsmerkmale der unechten Hadithe heraus, die sich durch einige Irregeleitete (Mulhid),Gedankenlose, Vergessliche oder Dilettanten eingeschlichen
hatten, heraus und zeigten sie auf. Später hat dann der Ehrenwerte Gesandte, mit dem Friede und Segen sei, siebzig Mal wieder Gestalt angenommen, was auch von den Entdeckern (im Reiche des Geistes) bestätigt worden ist, und hat große Forscher und Gelehrte wie Djalaluddin as-Suyuti in ihrem wachen Zustand mit einem vertrauten Gespräch beehrt. Diese haben die Diamanten echter Überlieferungen (Hadith-i Sahih)von anderen Aussprüchen und falschen Aussagen geschieden. So sind denn die Geschehnisse und Wunder, die wir hier behandeln wollen, von Hand zu Hand, von vielen verschiedenen, ja vielleicht zahllosen starken und zuverlässigen Händen wohlbehalten tradiert, bis auf uns gelangt.
اَلْحَمْدُ لِلّٰهِ هٰذَا مِنْ فَضْلِ رَبِّى
{"Lobpreis und Dank sei Gott! Dies geschah durch die Gnade meines Herrn."}
So ist es denn aus diesem Grunde, dass es uns nicht in den Sinn kommen sollte, zu sagen: "Wie können wir denn wissen, ob diese Hadithe, die einer so weit zurückliegenden Zeit entstammen, uns aus jener Zeit bis in unsere Zeit hinüber, rein und unverfälscht überliefert sind?"
Erstes Beispiel
für ein als zuverlässig überliefertes Wunder an Segensfülle (bereket):
Die Sechs Bücher zuverlässiger Überlieferungen (Kutub-u Sitte-i Sahiha),besonders aber Bukhari und Muslim, berichten übereinstimmend, dass während der Hochzeit des Ehrenwerten Botschafters, mit dem Friede und Segen sei, mit Hasret Zeyneb, die Mutter von Hasret Ennes, Umm Suleym, ein, zwei Handvoll Datteln in etwas Fett backte, sie in eine Schüssel füllte und sie durch Hasret Ennes dem Ehrenwerten Botschafter, mit dem Frieden und Segen sei, schickte. Dieser befahl Ennes: "Rufe diesen und jenen herbei. Auch lade jeden ein, dem du begegnest." Da rief Ennes sie und alle, denen er begegnete herbei. Es kamen
an die dreihundert Sahabis und füllten Hochzeitssaal und Vorraum (Suffe).Ihnen befahl er:
تَحَلَّقُوا عَشَرَةً عَشَرَةً
{"Lagert euch in Gruppen zu zehn Personen!"}
Sodann hielt er seine gesegnete Hand über dieses karge Mahl, sprach ein Gebet und forderte alle auf, zuzulangen. Da aßen alle diese dreihundert Menschen und waren satt geworden, als sie sich wieder erhoben. Nun gab er Ennes die Weisung: "Sammle wieder ein!" Und Ennes berichtet davon: "Ich weiß nicht, ob dieses Mahl, als ich es in die Schüssel füllte, ein reichliches Mahl war. Doch konnte ich keinen Unterschied finden, als ich es wieder einsammelte."
Zweites Beispiel:
Es gab da den Gastherrn des Propheten, Abu Eyyub al-Ansari (der den Propheten nach seiner geglückten Flucht in Medina gastfrei aufgenommen hatte - A.d.Ü.). Dieser Abu Eyyub sagte anlässlich eines Besuches, mit dem der Prophet sein Haus beehrte: "Ich habe für den Ehrenwerten Botschafter, mit dem Friede und Segen sei, und für Abu Baqr as-Siddiq eine Mahlzeit zubereitet, ausreichend für zwei Personen." Doch dieser befahl:
اُدْعُ ثَلاَثِينَ مِنْ اَشْرَافِ الْاَنْصَارِ
{"Lade dreißig unter den Vornehmen der Helfer (d.h. Medinenser, die den Flüchtlingen aus Mekka Asyl gewährt hatten - A.d.Ü.) ein."}
Es kamen dreißig Personen und aßen. Danach befahl er: اُدْعُ سِتِّينَ {"Lade sechzig ein!"}
Da lud er noch sechzig ein und sie kamen und aßen. Danach befahl er:
اُدْعُ سَبْعِينَ {"Lade siebzig ein!"}
Da lud er noch siebzig ein und sie kamen und aßen. Es war aber noch Essen in den Schüsseln übrig geblieben. Alle, die gekommen waren, nahmen wegen dieses Wunders den Islam an und leisteten ihm den Treue-Eid. Von diesem Mahl für zwei Personen hatten einhundertundachtzig Personen gegessen.
Drittes Beispiel:
Von Hasret Omar ibnu-l'Khattab, Abu Huraira, Seleme ibnu-l'Eqwa, Abu Amratu-l'Ensari und aus noch vielen anderen Quellen stammt der folgende Bericht: Während einer Schlacht hatte das Heer nichts zu essen. Da wandten sie sich an den Ehrenwerten Botschafter, mit dem Friede und Segen sei. Dieser befahl: "Sammelt, was bei eurem Gepäck noch an Lebensmitteln übrig geblieben ist!" Da brachte ein jeder noch ein paar Datteln herbei. Die größte Menge, die jemand noch beizusteuern vermochte, waren vier Handvoll. Sie schütteten das alles auf eine Matte. Seleme sagt: "Ich schätzte die Größe des aufgehäuften Berges auf nicht mehr als etwa die einer liegenden Ziege." Sodann sprach der Ehrenwerte Botschafter, mit dem Friede und Segen sei, ein Gebet um den Segen und befahl: "Jeder bringe seine Schüssel!" Da kamen sie alle herbeigelaufen. In diesem Heere blieb keine Schüssel übrig. Sie wurden alle gefüllt. Es blieb sogar noch etwas übrig. Dies überliefert uns einer der Sahabis mit den Worten: "Nach der Art, wie dieser Segen seinen Fortgang nahm und sich ausbreitete, wurde mir klar: Wären auch alle Bewohner dieser Erde gekommen, es hätte für sie alle gereicht."
Viertes Beispiel:
Die Bücher zuverlässiger Überlieferungen, besonders aber Bukhari und Muslim, berichten: Abdurrahman Ibn Abu Baqr-i as-Siddiq sagt: "Wir waren einmal mit einhundertdreißig Sahabis zusammen mit dem Ehrenwerten Botschafter, mit dem Friede und Segen sei.
Es wurde Brotteig aus vier Handvoll Mehl bereitet. Auch eine Ziege wurde geschlachtet und gekocht. Nur die Leber und die Nieren wurden gebraten. Ich schwöre, dass er von diesem Braten jedem Sahabi ein Stück abgeschnitten und gegeben hat. Sodann füllte der Ehrenwerte Botschafter, mit dem Friede und Segen sei, das gekochte Fleisch in zwei Töpfe. Wir alle aßen, bis wir satt waren. Es blieb noch ein Rest übrig. Diesen Rest lud ich dann auf ein Kamel.
Fünftes Beispiel:
Die Bücher zuverlässiger Überlieferungen künden mit großer Bestimmtheit: Während der Schlacht der Völkerstämme Medinas, an dem berühmten Tag der Grabenschlacht (Khandaq)berichtet Hasret Djabiru-l'Ansari unter Eid: "An jenem Tage aßen tausend Mann von einem Brot, gebacken aus vier Handvoll Gerste und einem einjährigen Zicklein und es blieb noch genauso viel über." Und Hasret Djabir erzählt: "An jenem Tage war das Essen in meinem Hause zubereitet worden. Alle tausend Mann aßen von dem Brot und von dem Lamm und gingen wieder. Doch es kochte noch immer und der Topf war noch voll und von dem Teig wurde weiter Brot gebacken. Er hatte in den Teig und den Topf aus seinem gesegneten Munde etwas Speichel gegeben und dabei ein Gebet um Segen gesprochen."
Dies sagte Hasret Djabir in Gegenwart von tausend Personen unter Eid aus, wodurch er sie in dieses Wunder der Segensfülle mit einbezog, was bedeutet, dass dieses Geschehnis als so zuverlässig angesehen werden darf, als wäre es von tausend Menschen überliefert worden.
Sechstes Beispiel:
Nach einer absolut zuverlässigen Überlieferung sagt der berühmte Abu Talha, der Onkel von Hasret Ennes, dem Diener des Propheten: Der Ehrenwerte Gesandte, mit dem Friede und Segen sei, speiste einmal sechzig, siebzig Leute mit einem kleinen Gerstenbrot, das Ennes unter dem Arm herbeigebracht hatte, und alle wurden sie satt." Er hatte befohlen: "Brecht dieses Brot in kleine Stücke!" und ein Gebet um
Segen darüber gesprochen. Da sein Haus eng war, aßen sie in Gruppen zu zehn Personen und gingen jeweils wieder, nachdem sie satt geworden waren.
Siebentes Beispiel:
Nach einer absolut zuverlässigen Überlieferung wird in so zuverlässigen Büchern wie Shifa esh-Sherif und Muslim berichtet: Djabiru-l'Ensari erzählt: "Ein Mann bat den Ehrenwerten Botschafter, mit dem Friede und Segen sei, um etwas zu essen für seine Familie. Der Ehrenwerte Botschafter, mit dem Friede und Segen sei, gab ihm einen halben Sack Gerste. Lange Zeit aßen der Mann mit seiner Familie und seinen Gästen von dieser Gerste. Sie bewahrten sie und sie ging nicht zur Neige. Da versuchten sie deren Abnahme durch Nachmessen herauszufinden. Da hörte der Segensstrom auf und die Abnahme begann. So ging er wieder zu dem Ehrenwerten Gesandten, mit dem Friede und Segen sei und berichtete ihm von dem Vorfall. Der aber gab ihm zur Antwort:
لَوْ لَمْ تَكِلْهُ لَأَ كَلْتُمْ مِنْهُ وَلَقَامَ بِكُمْ
{"Hättet ihr nicht mit der Waage nachgemessen, hättet ihr bis an euer Lebensende Genüge gehabt."}
Achtes Beispiel:
In so zuverlässigen Büchern, wie Tirmidhi, Nessa'i, Beyhaqi und Shifa esh'Sherif, wird berichtet: Hasret Semura ibn Djundub sagt: "Zu dem Ehrenwerten Botschafter, mit dem Friede und Segen sei, wurde ein Topf Fleisch gebracht. Vom Morgen bis zum Abend kamen die Leute in Scharen und aßen."
Folgen wir also dem Sinn (sirr)der Erklärung in unserem Vorwort, so ist dieses Beispiel für einen Segen nicht einzig eine Überlieferung von Semura, vielmehr erzählt es uns Semura als Vertreter der Gemeinschaft derer, die alle gegessen haben, also in deren Namen und mit deren Billigung.
Neuntes Beispiel:
Nach der Überlieferung zuverlässiger
Forscher wie der des Autors von Shifa esch'Scherif, des berühmten Ibn Abi Scheyba und Tabarani und anderer Autoritäten, sagt Hasret Abu Huraira: "Der Ehrenwerte Botschafter, mit dem Friede und Segen sei, hat mir befohlen: Lade die mehr als hundert Asylanten (Muhadjirin)ein, welche im Hof (Suffe)der Berühmten Moschee (Mesdjid-i Sherif)ihr Lager aufgeschlagen haben, ein! Da habe ich sie aufgesucht und habe sie zusammengerufen. Es wurde uns allen auf einer Platte eine Mahlzeit vorgesetzt. Wir haben gegessen, so viel wie wir wollten und sind wieder aufgestanden. So wie der Topf gewesen war, als man ihn vorgesetzt hatte, so voll war er jedoch geblieben. Man sah darin nur die Spuren unserer Finger (mit denen wir das Essen aus dem Topf genommen hatten - A.d.Ü.)."
So also hat es uns Hasret Abu Huraira berichtet, gestützt auf die Billigung all der vollendeten Leute des Hofes (Ehl-i Suffe)und in deren Namen. Das heißt also, dass es ebenso sicher ist, als wäre es sinngemäß von allen Ehl-i Suffe überliefert worden. Ja wäre es denn überhaupt möglich, dass diese geradlinigen und vollendeten Menschen geschwiegen und nicht widersprochen hätten, wenn dieser Bericht nicht aufrichtig und wahrhaftig gewesen wäre?
Zehntes Beispiel:
Einer absolut zuverlässigen Überlieferung nach sagt Hasret Imam Ali: "Der Ehrenwerte Gesandte, mit dem Friede und Segen sei, versammelte einmal die Söhne der Abdulmuttalib. Es waren vierzig Personen. Einige von ihnen hätten ein ganzes Kamelkalb aufessen und vier Kiyye (etwa fünf Liter) Milch austrinken können. Er hatte jedoch für sie alle nur eine Handvoll Essen zubereitet. Sie alle aßen und wurden satt. Das Mahl aber blieb wie zuvor. Danach brachte man in einer hölzernen Schüssel etwas Milch herbei, was auch nur für drei, vier Leute gereicht hätte. Davon tranken alle ihre Genüge. Es blieb jedoch so, als hätten sie nicht getrunken.
So also war dies ein Wunder, gewiss wie Hasret Alis Mut (shedjaat)und Ergebenheit (sadaqat)selbst.
Elftes Beispiel:
Einer zuverlässigen Überlieferung nach hat der Ehrenwerte Botschafter, mit dem Friede und Segen sei, Bilal-i Habeshi anlässlich der Hochzeit von Hasret Ali mit Fatimatu-s'Zehra befohlen: "Lass Brot aus vier, fünf Handvoll Mehl backen und ein Kamelkalb schlachten!" Hasret Bilal sagt: "Ich brachte das Mahl herbei und er berührte es mit seiner gesegneten Hand. Dann kamen die Sahabis Gruppe für Gruppe herbei, aßen und gingen wieder. Über das, was davon übrig geblieben war, sprach er abermals den Segen, sandte jeder seiner Frauen eine Schüssel voll und befahl: "Jede soll davon essen und auch allen denjenigen etwas davon abgeben, die noch kommen werden."
In der Tat ist einer solch gesegneten Hochzeitsfeier sicherlich ein solcher Überfluss angemessen! Und dieses Geschehnis steht fest!
Zwölftes Beispiel:
Hasret Imam Djafer as-Sadiq berichtet von seinem Vater, Imam Mohammed al-Baqir, welcher von seinem Vater Imam Seyn al-Abidin, welcher von Imam Ali berichtet: Fatimat-us-Zehra hatte eine Mahlzeit bereitet, die nur für zwei Personen reichte. Dann sandte sie Ali, damit er den Ehrenwerten Gesandten, mit dem Friede und Segen sei, herbeihole, mit ihm zu essen. Er gab ihm die Ehre und befahl sodann, dass für jede seiner Frauen eine Schüssel voll von dem Essen gesandt werden solle. Danach teilte er noch für sich, Ali, Fatima und die Kinder eine Schüssel ab. Davon erzählt Hasret Fatima: "Als wir den Topf aufhoben, war er noch immer gefüllt bis zum Rand. Mit der Gnade Gottes aßen wir noch lange Zeit."
Warum denn nur willst du dieses Wunder an Segensfülle, dass dir durch eine solch leuchtende Reihe (Silsile)von Überlieferern berichtet wurde, nicht genauso glauben, als hättest du es mit eigenen Augen gesehen? In der
Tat vermag selbst der Satan in dieser Angelegenheit keine Ausrede mehr zu finden.
Dreizehntes Beispiel:
Zuverlässige Lehrer (imam)wie Abu Davud, Ahmed ibn Hanbal und Imam Beyhaqi berichten von Dukeynu'l-Ahmesi ibn Sa'idu'l-Museni, Nu'man ibn Muqarrinu'l-Ahmesiyyu'l-Museni, der mit seinen sechs Brüdern die Ehre eines Gesprächs hatte und zu den Sahabis gehörte, und aufgrund verschiedener Quellen auch von Hasret Omar ibnu'l-Khattab, dass der Ehrenwerte Botschafter, mit dem Friede und Segen sei, Hasret Omar befohlen habe: "Versorge die vierhundert Reiter vom Stamme Ahmesi mit Proviant für ihre Reise!" Hasret Omar entgegnete ihm: "Oh Botschafter Gottes! Alles was wir noch an Vorrat haben, sind nur noch einige Scheffel (etwa 5 kg). Die Menge ist etwa so groß wie ein liegendes Kamelkalb."
Da gab er Weisung: "Geh und gib es!" Er ging und gab ihnen von dieser halben Kamellast Datteln Reiseproviant ausreichend für vierhundert Reiter und sagte danach: Es blieb noch die alte Menge übrig, so als hätte man gar nichts davon weggenommen.
So ereignete sich also dieses Wunder der Segensfülle, an dem vierhundert Mann und insbesondere Hasret Omar beteiligt waren. Sie sind es, auf denen diese Erzählung beruht. Ihr Schweigen ist deren Bestätigung. So geh denn nicht darüber hinweg, indem du sagst, dies sei ja nur der Bericht von zwei, drei Einzelpersonen! Doch selbst wenn solche Ereignisse nur einzelstehende Berichte wären, gäben sie dennoch die Überzeugung einer sinngemäßen allgemeinen Überlieferung.
Vierzehntes Beispiel:
Die Zuverlässigen Bücher (Kutub-u Sahiha),vor allem Bukhari und Muslim, berichten: Hasret Djabirs Vater starb. Er war hoch verschuldet, ein großer Schuldner bei seinen jüdischen Gläubigern. Djabir bot seines Vaters ganzen Besitz dagegen auf. Doch sie nahmen ihn nicht an. Denn der Ertrag des Gartens konnte
auf Jahre hinaus seine Schulden nicht decken. Da ordnete der Ehrwürdige Gesandte, mit dem Friede und Segen sei, an: "Bringt die Ernte ein und tragt sie zusammen!" und so geschah es. Der Ehrenwerte Gesandte, mit dem Friede und Segen sei, besichtigte die Ernte und betete. Als dann später Djabir die gesamte Schuld seines Vaters bezahlt hatte, blieb immer noch gleich viel übrig, wie die Ernte eines Jahres erbracht hätte (oder nach einer anderen Überlieferung: genauso viel, wie er seinen Gläubigern gegeben hatte). Über dieses Geschehnis waren seine jüdischen Gläubiger höchst erstaunt und verblüfft.
So ist denn dieses ganz offensichtliche Wunder der Segensfülle nicht bloß ein Bericht einiger weniger, wie Hasret Djabir, vielmehr haben diese ihn wie eine allgemeine sinngemäße Übereinstimmung (tevatur)stellvertretend für viele Menschen, die von diesem Ereignis mit betroffen waren, überliefert, sodass es bereits an Übereinstimmung grenzt.
Fünfzehntes Beispiel:
Forscher (muhaqqiq)wie besonders Tirmidhi und Imam Beyhaqi berichten aus zuverlässiger Quelle, dass Hasret Abu Huraira sagt: In einer Schlacht (nach einer anderen Überlieferung soll dies die Schlacht von Tebuk gewesen sein) hatte das Heer nichts zu essen. Da fragte der Ehrenwerte Botschafter, mit dem Friede und Segen sei: هَلْ مِنْ شَىْءٍ {"Ist noch etwas da?"}
Ich sagte: "In meiner Satteltasche sind noch ein paar Datteln." (Nach einer anderen Überlieferung sollen es fünfzehn gewesen sein). Er sagte: "Bring sie mir!" und ich brachte sie ihm. Er griff mit seiner segensreichen Hand hinein, zog eine Handvoll heraus und legte sie in eine Schüssel. Dann geruhte er, ein Segensgebet darüber auszusprechen, wonach er die Soldaten in Gruppen zu
zehn herbeirief; und sie alle aßen. Danach befahl er:
خُذْمَا جِئْتَ بِهِ وَاقْبِضْ عَلَيْهِ وَلاَ تَكُبَّهُ
{"Behalte, was du noch hast und bewahre es! Leere es aber nicht aus!"}
Da nahm ich (die Tasche), griff mit der Hand hinein und brachte noch einmal soviel zum Vorschein. Ich habe von diesen Datteln, solange wie der Ehrenwerte Botschafter, mit dem Friede und Segen sei, am Leben war und noch zu Lebzeiten von Abu Baqr, Omar und Othman, gegessen. (Aus einer anderen Quelle wird überliefert: Ich habe von diesen Datteln noch manche Menge verschenkt in Gottes Namen. Später dann, nach der Ermordung von Hasret Othman, fiel diese Satteltasche Räubern in die Hände und wurde geplündert. Da verschwanden auch die Datteln.)
So sollte denn ein solches Wunder der Segensfülle, wie es sich an einem derartigen Sammelplatz wie dem Schlachtfeld bei Tebuk ereignet hat und von dem uns Hasret Abu Huraira berichtet, der ein ständiger Schüler jener Heiligen Medresse, ein bedeutender Novize der Suffa (= Hof der Moschee von Medina) war, ein Murid der Tekke des Lehrers des Alls, eines Lehrers, auf den die ganze Welt stolz ist (Friede und Segen sei mit ihm), dem die Bitte um das Gebet des Propheten für die Stärkung seines Erinnerungsvermögens gewährt worden war, es sollte ja ein solches Wunder in seiner Bedeutung die gleiche Kraft und Sicherheit besitzen wie das Wort eines ganzen Heeres von Soldaten.
Sechzehntes Beispiel:
In zuverlässigen Büchern, vor allem Bukhari, wird aufgrund authentischer Quellen mitgeteilt, dass einmal Hasret Abu Huraira, als er hungrig war, dem Ehrenwerten Botschafter, mit dem Friede und Segen sei, in dessen Glückliche Heimstatt folgte.
Dort sahen sie, dass jemand einen Becher Milch gebracht hatte. Da befahl der Ehrenwerte Botschafter,
mit dem Friede und Segen sei: "Rufe die Leute aus dem Hof (Ehl-i Suffe)herbei!" Ich dachte in meinem Herzen: "Ich könnte die ganze Milch austrinken. Ich benötige sie noch dringender." Doch um des Befehls des Propheten willen, rief ich sie, versammelte sie. Es waren ihrer mehr als hundert. Da gab er Weisung: "Gib ihnen zu trinken!" So gab ich denn einem nach dem anderen von der Milch zu trinken. Jeder einzelne von ihnen trank solange, bis er genug hatte; dann gab ich dem nächsten davon. So tranken sie einer nach dem anderen. Alle Ehl-i Suffe tranken von dieser lauteren Milch. Danach wies er mich an:
بَقِىَ اَنَا وَاَنْتَ فاَشْرَبْ
{"Der Rest ist für mich und für dich. Trink!"}
So trank ich denn und er befahl mir: "Trink nur, trink!" bis ich sagte: "Ich schwöre dir bei dem Herrn der Herrlichkeit, der dich mit der Wahrheit gesandt hat, dass ich nicht mehr im Stande bin, noch mehr zu trinken." Da nahm er selbst, sagte: "Im Namen Gottes!" dankte und trank den Rest. Möge es ihm hunderttausend Mal gesegnet sein (yüzbin afiyet olsun)!
So ist denn dieses unverfälschte, zweifelsfreie, unbestreitbare Wunder der Segensfülle, rein und lauter wie die Milch selbst, wie es in den Sechs Zuverlässigen Büchern und allen voran von Hasret Bukhari berichtet wird, der fünfhunderttausend Hadithe auswendig wusste, so sicher als habe man es mit eigenen Augen gesehen. Wer als Muslim einen solchen Bericht, wie er von Abu Huraira überliefert wird, der ein berühmter und treu ergebener Schüler und Hafidh der Suffe in der geheiligten Medresse Ahmeds (ASM) war und gleichsam alle Leute der Suffe als Zeugen anführt, so als ob er sie alle repräsentiere, nicht für ebenso sicher hält, wie es allgemeiner Überlieferung entspricht, der müsste entweder in seinem Herzen verdorben sein, oder aber keine Vernunft besitzen.
Ja wäre es denn überhaupt möglich, dass jemand, so vertrauensvoll wie Abu Huraira, der sein ganzes Leben der Hadith
und dem Glauben geweiht hatte, der die Hadith:
وَمَنْ كَذَبَ عَلَىَّ مُتَعَمِّدًا فَلْيَتَبَوَّاْ مَقْعَدَهُ مِنَ النَّارِ
{"Wer immer absichtlich eine Lüge über mich erdichtet, der bereite sich auf seinen Platz in der Hölle vor."}
gehört hatte und sie weiter gab, eine Überlieferung, die er in seinem Gedächtnis aufbewahrte, in ihrem Wert als Hadith des Propheten herabsetzen, ihre Unanfechtbarkeit einem Zweifel aussetzen könnte? Oder durch ein abweichendes Wort, eine Erzählung, die gar nicht fundiert ist, den Widerspruch der Ehl-i Suffe herausfordern würde? Undenkbar!
Oh Herr! Im ehrfürchtigen Gedenken an diese Deine Segnungen für den Ehrenwerten Botschafter, mit dem Friede und Segen sei, schenke auch uns Segen für den materiellen und geistigen Unterhalt, den Du uns geschenkt hast!
Eine wichtige Anmerkung:
Es ist ja bekannt, dass schwache Dinge, miteinander verbunden, einander stärken. Dünne Fäden, miteinander versponnen, bilden ein starkes Seil. Starke Seile, miteinander verflochten, kann keiner zerreißen. So haben wir denn von fünfzehn Arten Wundern nur solche, die sich mit einer wunderbaren Vermehrung befassen, und von dieser Art wiederum, nur eine von fünfzehn Unterarten anhand von sechzehn Beispielen dargestellt. Jedes Beispiel, für sich betrachtet, wäre allein schon beweiskräftig genug gewesen, das Prophetentum zu bestätigen. Selbst einmal den unmöglichen Fall angenommen, wir würden einige von ihnen nur für ein schwaches Beispiel halten, könnte man ein solches dennoch nicht ein schwaches Beispiel nennen, denn wenn es mit beweiskräftigen verbunden wird, gewinnt es an Stärke.
Zudem stellen diese sechzehn Beispiele in ihrer Gesamtheit durch ihre sinngemäße, absolut zweifelsfreie
Übereinstimmung ein einziges, beweiskräftiges, bedeutsames Wunder dar. Fasst man nun aber mit diesem einen, bedeutsamen Wunder die übrigen vierzehn, nicht erwähnten Unterarten einer wunderbaren Vermehrung zusammen, so entsteht daraus ein überaus großes Wunder, das einem starken Tau gleicht, welches man unmöglich zerreißen kann. Füge nun zu diesem übergroßen Wunder die anderen vierzehn Arten Wunder hinzu, dann siehe, welch ein beweiskräftiges, unerschütterlich sicheres Zeugnis für das Prophetentum Ahmeds (ASM) nun sichtbar wird! So ist denn die Säule, die das Prophetentum Ahmeds (ASM) stützt, eine Säule, so stark wie ein Berg, gebildet aus dieser (oben dargestellten) Zusammenfassung. Daraus magst du jetzt ersehen, was für ein Unverstand es ist, einen derart solide abgestützten Kuppelbau (mit den Wundern als Säulen und dem Prophetentum als Dach - A.d.Ü) aufgrund von angezweifelten Beispielen und missverstandenen Einzelheiten als schwankend und baufällig zu betrachten.
In der Tat erweisen es diese (oben dargestellten) Vermehrungswunder:
Mohammed-i Arabi, mit dem Friede und Segen sei, ist der Geliebte und Beauftragte des Allbarmherzigen und Freigiebigen Herrn, der allen ihre Versorgung verleiht und ihre Versorgung (vermehrt und) erschafft. Er ist Sein hochgeehrter Diener und Verehrer, dem Er aus dem Nichts, allein aus dem Unsichtbaren und entgegen allem Gewohnten, mit verschiedenen Speisen das Mahl bereitet. Es ist ja bekannt, dass die Halbinsel Arabien ein Landstrich ist, wo das Wasser und der Ackerboden rar sind. Darum waren seine Bewohner und besonders zu Beginn der islamischen Zeit die Sahabis einer Nahrungsmittelknappheit ausgesetzt, zusätzlich zu dem Wassermangel, von dem sie so häufig betroffen waren. So ereigneten sich denn auch aus diesem Grunde die bedeutendsten unter den offensichtlichen Wundern Ahmeds, mit dem Friede und Segen sei, in Verbindung mit Essen und Trinken. So gelten denn diese Wunder, mehr
als nur ein Zeugnis und ein Wunder zur Bestätigung seines Prophetentums in einer Notlage, als ein Hulderweis Gottes, eine Gabe des Herrn, ein Gastmahl des Allerbarmers für den Ehrenwerten Botschafter, mit dem Friede und Segen sei. Denn die diese Wunder gesehen haben, haben sein Prophetentum bestätigt. Aber wenn ein Wunder in Erscheinung trat, mehrte es ihren Glauben. Licht über Licht!
Achter Hinweispunkt
Erklärt einen Teil der Wunder, die mit dem Wasser in Verbindung stehen.
Einleitung:
Es ist ja bekannt, dass die Richtigkeit von Geschehnissen, die sich in einer Gemeinschaft ereignet haben, insoweit sie nur von einer einzigen Quelle (ahadi)überliefert wurden und insofern dabei kein Widerspruch erfolgte, dennoch als erwiesen gilt. Denn es liegt im Wesen (fitrat)des Menschen, eine Lüge Lüge zu nennen und entspricht seinem natürlichen Interesse. Handelt es sich dabei insbesondere um Sahabis, die mehr als andere Leute vor einer Lüge nicht schweigen, und bezieht sich dann dieses Ereignis noch dazu auf den Ehrenwerten Gesandten, mit dem Friede und Segen sei, und ist dann auch noch der, welcher es überliefert, unter den Sahabis besonders bekannt, so wird dieser eine, welcher die Kunde überliefert, diese ganz sicher als ein Vertreter dieser Gemeinschaft weitergeben, die das Ereignis gesehen hat.
Was nun die Wunder betrifft, bei denen es um Wasser geht und die wir nun hier behandeln wollen, so ist ein jedes Beispiel, das wir hier anführen werden, über viele Kanäle, durch die Hände vieler Sahabis gegangen und von Tausenden Tabiine (= den Schülern der Sahabis) wiederum zur Hand genommen worden und diese haben es wiederum unversehrt den Händen der mutschtehide (d.h. ihren Schülern) im zweiten Jahrhundert der Hidjra übergeben.
Auch diese haben es wiederum mit großem Ernst und aller Ehrerbietung als authentisch übernommen und es den Händen der Muhaqqiqin (Forscher) im nächstfolgenden Jahrhundert tradiert. So sind sie denn alle durch viele tausend zuverlässiger Hände gegangen, bis sie schließlich am Ende auch unser Jahrhundert erreichten. In der Tat wurden die Bücher mit den Ahadith unversehrt weitergereicht, bis sie in die Hände solch genialer Imame auf dem Gebiete der Ahadith (ilm-i hadith)wie Bukhari und Muslim gelangten. Diese haben dann solche, deren Richtigkeit zweifelsfrei war, nach genauer Erforschung und Einteilung nach Abstufungen gesammelt, uns in ihnen unterrichtet und sie uns so übermittelt.
جَزَاهُمُ اللّٰهُ خَيْرًا كَثِيرًا
{"Möge Gott sie dafür überreichlich belohnen!"}
So ist es denn eine allgemeine Überlieferung, dass den Fingern des Ehrenwerten Gesandten, mit dem Friede und Segen sei, Wasser entströmte und er sehr vielen Menschen davon zu trinken gegeben hat. So wurde es von einer Gemeinschaft überliefert, deren Übereinstimmung in einer Lüge unmöglich ist. Diese Wunder sind überaus sicher. Sie haben sich z.B. drei Mal in drei sehr großen Gemeinschaften wiederholt. Eine Anzahl sehr vieler zuverlässiger Leute, wie vor allem Bukhari, Muslim, Imam Malik, Imam Shu'ayb und Imam Qatada überliefern aufgrund von sicheren und zuverlässigen Berichten von einer Anzahl berühmter Sahabis, wie vor allem Hasret Ennes, einem Diener des Propheten, Hasret Djabir, Hasret ibn Mes'ud, dass Wasser in Mengen von seinen Fingern strömte und er es dem Heere zu trinken gab. Wir wollen hier nur neun von sehr vielen Beispielen dieser Art Wasserwunder anführen.
Erstes Beispiel:
In zuverlässigen Büchern, besonders von Bukhari und Muslim, wird von Hasret Ennes aus zuverlässiger Quelle berichtet: Hasret Ennes erzählt: "Wir
waren unserer dreihundert Mann mit dem Ehrenwerten Gesandten, mit dem Friede und Segen sei, in der Gegend von Saura. Da befahl er uns, die Waschungen für das Nachmittagsgebet zu vollziehen. Wir hatten aber kein Wasser mehr dafür. Da ordnete er an, ihm ein klein wenig Wasser zu bringen, was wir auch taten. Er tauchte seine gesegneten Hände hinein. Darauf sah ich, wie seinen Fingern Wasser wie ein Brunnen entströmte. Seine dreihundert Mann kamen herbei, vollzogen alle die Waschungen und tranken."
So erzählt uns denn Hasret Ennes dieses Beispiel stellvertretend für dreihundert Leute. Ja wäre es denn möglich, dass diese dreihundert Mann an diesem Bericht nicht innerlich Anteil genommen hätten, oder aber, falls sie davon Abstand genommen hätten, ihm nicht auch widersprochen hätten?
Zweites Beispiel:
Die Zuverlässigen Bücher, vor allem aber Bukhari und Muslim berichten: Hasret Djabir ibn Abdullah al-Ansari erzählt: "Wir, tausendfünfhundert Leute in der Schlacht von Hudeybiya, waren durstig geworden. Da bediente sich der Ehrenwerte Gesandte, mit dem Friede und Segen sei, eines ledernen Wassersackes, Qirba genannt, um sich zu waschen (Abdest).Sodann tauchte er seine Hand hinein. Nun sah ich, wie seinen Fingern Wasser wie ein Brunnen entströmte... Tausendfünfhundert Leute tranken davon und füllten auch ihre eigenen Wassersäcke daraus." Salim ibn Abil Dja'd fragte einmal Djabir: "Wieviele Leute wart ihr?" Djabir gab ihm zur Antwort: "Wären es auch hunderttausend gewesen, hätte es für sie gereicht. Doch wir waren fünfzehnhundert (also: tausendfünfhundert)."
So sind es denn sinngemäß bis zu tausendfünfhundert, die dieses offensichtliche Wunder überliefern. Denn die menschliche Natur hat den Wunsch und die Neigung, eine Lüge eine Lüge zu nennen. Was aber die Sahabis betrifft, so wäre es bei ihnen, nachdem sie um der Wahrheit und Aufrichtigkeit willen Leib und Leben, Haus und Hof,
Hab und Gut, Vater und Mutter, Volk und Vaterland geopfert hatten, unmöglich gewesen, dass sie trotz der Warnung (ausgesprochen in) der Ehrwürdigen Überlieferung (hadithi sherif):"Wer immer absichtlich eine Lüge über mich erdichtet, der bereite sich auf seinen Platz in der Hölle vor." einer Lüge gegenüber geschwiegen hätten. Da sie aber geschwiegen haben, so bedeutet dies, dass sie an diesem Bericht innerlich Anteil genommen, ihn angenommen und bestätigt haben.
Drittes Beispiel:
Von der Schlacht bei Buvat berichten die Zuverlässigen Bücher und wiederum besonders Bukhari und Muslim. Hasret Djabir erzählt:
Der Ehrenwerte Gesandte, mit dem Friede und Segen sei, befahl:
ناَدِ بِالْوُضُوءِ
{"Rufe (die Leute) zu den Waschungen (abdest)!"}
Man sagte ihm: "Es gibt kein Wasser." Da entgegnete der Ehrwürdige Gesandte, mit dem Friede und Segen sei: "Dann sucht ein wenig Wasser!" Man brachte ihm ein ganz klein wenig Wasser. Da breitete er seine Hände über dieses bisschen Wasser, trug etwas vor, was ich nicht verstehen konnte und befahl sodann:
رِدْنَا بِجَفْنَةِ الرَّكْبِ
{"Bringt den großen Wassertrog der Truppe herbei!"}
Man brachte ihn mir und ich stellte ihn vor den Ehrenwerten Gesandten, mit dem Friede und Segen sei, hin. Da hielt er seine Hände hinein und öffnete sie. Ich aber goss das bisschen Wasser über seinen gesegneten Händen aus. Und siehe: seinen gesegneten Fingern entströmte eine große Menge Wassers. Der Trog wurde voll. Ich rief alle herbei, die Wasser brauchten und alle kamen, nahmen Abdest und tranken. Als ich sagte: "Es ist keiner
mehr übrig geblieben." hob er seine Hände auf und der Trog blieb noch gefüllt bis zum Rand.
So ist denn dieses offensichtliche Wunder Ahmeds (ASM) dem Sinne nach allgemein überliefert. Denn da Hasret Djabir in dieser Angelegenheit an erster Stelle fungiert, war es auch sein Recht, als erster davon zu erzählen. Und er berichtet darüber im Namen aller. Denn er war damals derjenige, der den Dienst versah. Also war es auch sein Recht, vor allen anderen davon zu verkünden. Auch Ibn Mes'ud berichtet in gleicher Weise: "Ich sah, dass den Fingern des Ehrenwerten Gesandten, mit dem Friede und Segen sei, Wasser entströmte." Ja wäre es denn möglich, dass eine Gruppe ganz bekannter, getreuer Sahabis, wie Ennes, Djabir oder Ibn Mes'ud sagen könnte: "Ich habe das gesehen." und hätte es nicht gesehen?
Fasse nun diese drei Beispiele zusammen und erkenne daraus die Beweiskräftigkeit des Berichtes über ein so offensichtliches Wunder! Denn wenn man einen solchen Bericht aus drei verschiedenen Quellen zusammensetzt, so erhält man einen zuverlässigen Beweis dafür, dass seinen Fingern Wasser entströmte, der einer detaillierten Übereinstimmung (hakiki tevatur)gleichkommt. Wenn Hasret Musa (Mosis), mit dem der Friede sei, einem Felsen aus zwölf Quellen gleich Brunnen Wasser entströmen ließ, so kann dies nicht die gleiche Bedeutung erlangen, wie das Wasser, das den zehn Fingern des Ehrenwerten Gesandten, mit dem Friede und Segen sei, gleich zehn Wasserhähnen entströmte. Denn es ist zwar möglich, dass einem Felsen Wasser entspringt, wofür sich Beispiele im alltäglichen Leben finden, dass jedoch Fleisch und Bein Ströme von Wasser wie Kauthar (= der Strom im Paradies) entspringen, dafür gibt es im Alltag kein Beispiel.
Viertes Beispiel:
Neben anderen berichtet uns vor allem auch Imam Malik in seinem bekannten Buch "Muvatta" von Mu'adh ibn Djebel, einem berühmten Sahabi,
dass Hasret Mu'adh ibn Djebel erzählt:
Während der Schlacht bei Tabuk kamen wir an einen Brunnen. Daraus floss ein Rinnsal dünn wie ein Bindfaden. Da befahl der Ehrenwerte Gesandte, mit dem Friede und Segen sei: "Sammelt etwas Wasser!" Sie sammelten ein wenig davon in ihren Händen. Der Ehrenwerte Gesandte, mit dem Friede und Segen sei, wusch seine Hände und sein Gesicht. (Den Rest) Wasser schütteten wir in den Brunnen (wieder zurück). Da öffnete sich plötzlich der Auslass des Brunnens. (Das Wasser) floss in Strömen und reichte für das ganze Heer.
Imam Ibn Ishaq sagt sogar: Das Wasser des Brunnens verursachte unter der Erde ein Getöse wie Donnergrollen. Der Ehrenwerte Gesandte, mit dem Friede und Segen sei, sagte zu Hasret Mu'adh:
يُوشِكُ ياَ مُعاَذُ اِنْ طَالَتْ بِكَ حَيَاةٌ اَنْ تَرٰى ماَهٰهُنٰا قَدْ مُلِئَ جِنَانًا
{"Dieses durch ein wunderbares Geschehen hervorgerufene Wasser wird weiter strömen und diese Gegend hier in Gärten verwandeln. So weit du es erleben kannst, wirst du das noch sehen."}
Und so geschah es.
Fünftes Beispiel:
Von Hasret Bera berichtet vor allem Bukhari und von Hasret Salama ibn Equa berichtet Muslim und auch andere Zuverlässige Bücher erzählen übereinstimmend von noch weiteren Überlieferern:
Während der Schlacht von Hudeybiya kamen wir zu einer Zisterne. Wir waren vierhundert Leute. Das Wasser in der Zisterne reichte jedoch nur für fünfzig Leute. Wir schöpften das Wasser aus und ließen nichts mehr darinnen. Der Ehrenwerte Gesandte, mit dem Friede und Segen sei, kam, setzte sich auf den Brunnenrand und bat um einen Eimer Wasser. Wir brachten ihm einen. Er tat ein wenig Speichel aus seinem gesegneten Munde hinein und sprach ein Gebet. Dann leerte er den Eimer in die Zisterne aus. Sofort brauste das Wasser in der Zisterne auf, rauschte empor und füllte sie bis zum Rand. Das
ganze Heer trank mit allen Tieren daraus; und sie füllten auch noch ihre Wassersäcke.
Sechstes Beispiel:
Und wiederum berichten Zuverlässige Bücher, besonders solche von so hervorragenden Imamen der Hadith-Forschung wie Muslim und Ibn Djerir at-Tabari, aus authentischer Quelle von dem berühmten Abu Qatada, dass Abu Qatada erzählte:
Als in der berühmten Schlacht von Muta die Führer gefallen waren, eilten wir zu Hilfe. Ich hatte einen Wassersack bei mir. Da gab der Ehrenwerte Gesandte, mit dem Friede und Segen sei, die Anweisung:
اِحْفَظْ عَلَىَّ مِيضَئَتَكَ فَسَيَكُونُ لَهاَ نَبَأٌ عَظِيمٌ
{"Hebe deinen Wassersack gut auf! Wir werden ihn noch dringend brauchen."}
Dann kam der Durst. Wir waren zweiundsiebzig Leute (nach der Überlieferung von Taberi waren es dreihundert Leute) und wir hatten Durst. Da sagte der Ehrenwerte Gesandte, mit dem Friede und Segen sei: "Bring deinen Wassersack!" Ich brachte ihn. Er nahm ihn und brachte dessen Öffnung an seinen Mund. Ob er hineingeblasen hat oder nicht, weiß ich nicht. Doch dann kamen die zweiundsiebzig Leute, tranken, füllten ihre Wassersäcke. Zum Schluss nahm ich ihn wieder: er war geblieben wie gegeben.
Siehe nun dieses offensichtliche Wunder Ahmeds (ASM) und sprich:
اَللّٰهُمَّ صَلِّ وَسَلِّمْ عَلَيْهِ وَعَلٰٓى اٰلِهِ بِعَدَدِ قَطَراَتِ الْمَآءِ
{"Oh Gott, schenke nach der Anzahl der Wassertropfen ihm und seiner Familie Friede und Segen."}
Siebentes Beispiel:
Die Zuverlässigen Bücher, vor allem Bukhari und Muslim berichten von Hasret Imran Ibn Husseyn, dass Imran erzählt:
Während einer Reise gingen dem Ehrenwerten Gesandten, mit dem Friede und Segen sei, und auch uns das Wasser aus. Da gab er Ali und mir Anweisung: "An einem bestimmten Ort geht eine Frau mit ihrem Lasttier, das zwei Säcke Wasser geladen hat. Geht und bringt sie mir her." Ali und ich gingen, fanden die Frau mit ihren Wassersäcken an dem bezeichneten Ort und brachten sie ihm. Nun befahl er: "Füllt etwas Wasser in ein Gefäß!" Das taten wir. Er betete um den Segen. Daraufhin gossen wir das Wasser wieder in den Sack des Tieres zurück. Sodann erteilte er die Anordnung: "Es soll ein jeder herbeikommen und seinen Wassersack füllen." Die ganze Truppe kam herbei. Alle füllten ihre Wassersäcke und jeder trank. Sodann wies er sie an: "Macht eine Sammlung für die Frau!" Da füllten sie ihre Schürze. Imran erzählt weiter: Ich bemerkte, wie das Wasser langsam die beiden Säcke wieder füllte, ja sogar noch mehr wurde. Nun wandte sich der Ehrenwerte Botschafter, mit dem Friede und Segen sei, zu der Frau mit den Worten:
اِذْهَبِى فَاِنَّا لَمْ نَاْخُذْ مِنْ مَآئِكِ شَيْئًا وَلٰكِنَّ اللّٰهَ سَقَانَا
{"Du magst nun gehen. Wir haben dir nichts von dem Wasser genommen, vielmehr hat Gott der Gerechte uns aus Seinem Speicher damit getränkt."}
Achtes Beispiel:
Es wird von Erzählern, besonders so berühmten wie Ibn Hasm in seinem Buche von Hasret Omar Folgendes berichtet:
Während der Schlacht bei Tebuk ging uns das Wasser aus. Ja einige schlachteten sogar schon ihre Kamele und tranken in ihrem Durst deren Inneres. Da bat Abu Baqr as-Siddiq den Ehrenwerten Gesandten, mit dem Friede und Segen sei, um sein Gebet. Da erhob der Ehrenwerte Gesandte, mit dem Friede und Segen sei, seine Hände (zum Gebet) und noch bevor er sie wieder gesenkt hatte, zogen sich Wolken zusammen und es strömte eine solche Menge Regen herab, dass wir unsere Wassersäcke
füllen konnten. Unser Heer hatte seinen Anteil erhalten, als sich die Wolken verzogen, ohne unser Gebiet zu verlassen.
Dies also heißt, dass es sich nicht um einen Zufall gehandelt hatte, sondern einzig ein Wunder Ahmeds (ASM) gewesen war.
Neuntes Beispiel:
Aus zuverlässiger Quelle wird berichtet, dass vier Imame, Hadith-Forscher, von Amr ibn Schu'ayb, einem Nachkommen des berühmten Abdullah ibn Amr ibn As erzählen: Vor dem Prophetentum ritt der Ehrenwerte Botschafter, mit dem Friede und Segen sei, mit seinem Onkel Abu Talib auf einem Kamel. Als sie zu einem Ort namens Dhil Hidjas kamen, sagte Abu Talib: "Ich habe Durst." Da stieg der Ehrenwerte Gesandte, mit dem Friede und Segen sei, ab und stampfte mit seinem Fuß auf den Boden. Abu Talib trank.
Einer der Hadithforscher sagte: Dieses Ereignis liegt zwar noch vor seiner Berufung zum Propheten, aber trotz das es als Irhasat (= ein Zeichen aus der Zeit noch vor seiner Berufung) gilt, kann es dennoch als ein Wunder Ahmeds (ASM) betrachtet werden, weil noch nach tausend Jahren dort an dieser Stelle der Brunnen "Arafat" zu finden ist.
So wird denn von diesen neun Beispielen, auch wenn es sich dabei nicht um neunzig Beispiele handelt, dennoch auf neunzig verschiedene Weisen berichtet und uns so von diesen Wasser-Wundern Kunde gegeben. Die letzten beiden Beispiele sind nicht auf die gleiche überzeugende Weise überliefert worden, es gibt auch nicht viele Überlieferer, was jedoch das Wunder betrifft, das im achten Beispiel von Hasret Omar überliefert wird, so wird doch von Hasret Omar ein zweites Wunder in Zuverlässigen Büchern überliefert, und zwar vor allem von Imam Beyhaqi und Hakiem. Hasret Omar bat den Ehrenwerten Gesandten, mit dem Friede und Segen sei, um Regen zu beten, denn das Heer brauchte Wasser. Der Ehrenwerte Gesandte, mit dem Friede und Segen sei, erhob seine Hände.
Plötzlich zogen sich Wolken zusammen, brachten den Regen und dem Heer so viel Wasser, wie es benötigte und verzogen sich wieder.
So wie diese Erzählung das achte Beispiel bestätigt und mit Sicherheit beweist, so sagt selbst ein Forscher wie Ibn Djausi, einer der berühmten Gelehrten, der bei der Korrektur besonders anspruchsvoll war, der sogar viele Zuverlässige Überlieferungen als falsch betrachtete und zurückwies, über diese Erzählung, dass dies während der berühmten Schlacht von Badr so geschah.
وَيُنَزِّلُ عَلَيْكُمْ مِنَ السَّمآءِ مآءً لِيُطَهِّرَكُمْ بِهِ
{"Und er sandte euch Wasser vom Himmel, sodass ihr euch durch dieses reinigen könntet." (Sure 8, 11)}
Diese Ayah erklärt dieses Ereignis und bringt es zum Ausdruck. Da nun einmal diese Ayah auf dieses Ereignis verweist, bleibt an seiner Richtigkeit kein Zweifel mehr. Es geschah oftmals, dass plötzlich durch ein Gebet des Propheten Regen herabströmte, noch bevor er seine Hände wieder gesenkt hatte. Das ist schon für sich allein ein Wunder mit allgemeiner Übereinstimmung. Manchmal erhob er seine Hände, wenn er in der Moschee auf dem Minber (Kanzel) stand und es begann zu regnen, noch bevor er seine Hände wieder gesenkt hatte. Auch dies ist allgemein übereinstimmend überliefert.
Neunter Hinweispunkt
Eine der Arten Wunder des Ehrewerten Gesandten, mit dem Friede und Segen sei, war, dass die Bäume sich von ihrem Platz weg bewegten und zu ihm kamen. Dieses Wunder der Bäume ist genauso dem Sinne nach allgemein überliefert, wie die Wunder, bei denen seinen gesegneten Fingern Wasser entströmte. Es gibt verschiedene Formen und es wurde auch aus verschiedenen Quellen überliefert. In der Tat kann man sagen, dass die
Nachricht darüber, dass ein Baum auf Befehl des Ehrenwerten Gesandten, mit dem Friede und Segen sei, seinen Platz verließ und zu ihm kam, offensichtlich allgemein übereinstimmend ist. Denn von den berühmten Getreuen unter den Sahabis Hasret Ali, Hasret Ibn Abbas, Hasret Ibn Mes'ud, Hasret Ibn Omar, Hasret Ja'la Ibn Murra, Hasret Djabir, Hasret Ennes Ibn Malik, Hasret Bureyda, Hasret Ussama Bin Seyd und Hasret Geylan Ibn Salama hat jeder mit Sicherheit vom gleichen Baum-Wunder berichtet. Hunderte von Imamen unter den Tabiin haben solche Berichte von jedem der oben erwähnten Sahabis über ein Baum-Wunder erhalten, und zwar jedes Mal wieder aus einer anderen Quelle. Sie haben sie uns sozusagen in Form einer vielfach beweiskräftigen Übereinstimmung überbracht. So sind denn diese Baum-Wunder dem Sinne nach zuverlässige allgemeine Überlieferungen, an denen kein Zweifel möglich ist.
Wir wollen hier nun für dieses große Wunder einige Beispiele unter vielen anführen, so wie sie zuverlässig überliefert sind:
Erstes Beispiel:
Vor allem Imam Madja Darini und Imam Beyhaqi berichten aus authentischer Quelle von Hasret Ennes ibn Malik und zudem berichten Hasret Ali und Besas und Imam Beyhaqi von Hasret Omar, dass die drei Sahabis gesagt haben:
Der Ehrenwerte Gesandte, mit dem Friede und Segen sei, stand noch unter dem Eindruck des Widerspruchs von Seiten der Ungläubigen und war deswegen betrübt. Da sagte er:
ياَرَبِّ اَرِنِى اٰيَةً لاَ اُباَلِى مَنْ كَذَّبَنىِ بَعْدَهَا
{"Oh Herr, gib mir ein Zeichen, sodass es danach niemanden mehr geben wird, der mir noch widerspricht!"}
Nach der Überlieferung von Ennes war der Erzengel Gabriel da. Ein Baum wuchs an einem Hang. Auf Anweisung
des Erzengels Gabriel rief der Ehrenwerte Gesandte, mit dem Friede und Segen sei, diesen Baum zu sich. Dieser kam und als er zu ihm sagte: "Geh!" ging er wieder zurück und verwurzelte sich erneut.
Zweites Beispiel:
In dem Buch "Shifa esh-Sherif" berichtet Qadi Iyas, ein Gelehrter aus dem Westen, aufgrund einer Reihe von Überlieferern von hohem und höchstem Rang, einer richtigen und zuverlässigen Quelle:
Hasret Abdullah Ibn Omar erzählt: Einmal kam ein Beduine zu dem Ehrenwerten Gesandten, mit dem Friede und Segen sei. Er fragte ihn:
اَيْنَ تُرِيدُ
{"Wohin gehst du?"}
Der Beduine antwortete ihm: "Zu meiner Familie." Er sagte ihm:
هَلْ لَكَ اِلٰى خَيْرٍ مِنْ ذٰلِكَ
{"Willst du nicht besseres als dies?"}
Der Beduine entgegnete ihm: "Was ist es?" Er sagte ihm:
اَنْ تَشْهَدَ اَنْ لآٰ اِلٰهَ اِلاَّ اللّٰهُ وَحْدَهُ لاٰ شَرِيكَ لَهُ وَاَنَّ مُحَمَّدًا عَبْدُهُ وَرَسُولُهُ
{"Gib Zeugnis, dass es keinen Gott außer Allah gibt, den Einzigen, der keinen Partner hat. Wahrlich, Mohammed ist Sein Diener, Sein Verehrer und Sein Gesandter."}
Der Beduine entgegnete ihm: "Welches ist der Beweis für dieses Zeugnis?" Er sagte ihm:
هٰذِهِ الشَّجَرَةُ السَّمُرَةُ
{"Der Baum an jenem Abhang wird dieses Zeugnis ablegen."}
Ibn Omar sagt: "Der Baum schüttelte sich, brach die Erde
auf und näherte sich dem Ehrenwerten Gesandten, mit dem Friede und Segen sei. Drei Mal forderte der Ehrenwerte Gesandte, mit dem Friede und Segen sei, ihn auf, die Schehada (= das Zeugnis) abzulegen. Jedes Mal bezeugte der Baum seine Richtigkeit. Dann gab er ihm erneut Befehl. Der Baum ging und verwurzelte sich wieder. Hasret Bureyde Ibn Hasib Al-Eslemi sagt: "Als wir einmal bei dem Ehrenwerten Gesandten, mit dem Friede und Segen sei, waren, kam einmal ein Bauer und verlangte ein Zeichen, also ein Wunder. Der Ehrenwerte Gesandte, mit dem Friede und Segen sei, befahl ihm:
قُلْ لِتِلْكَ الشَّجَرَةِ رَسُولُ اللّٰهِ يَدْعُوكِ
{"Sprich zu diesem Baum: Der Gesandte Gottes ruft dich!"}
Er zeigte auf einen Baum. Der Baum schwankte nach rechts und links, zog seine Wurzeln aus der Erde, begab sich in die Gegenwart des Propheten und sagte zu ihm:
اَلسَّلاَمُ عَلَيْكَ يَارَسُولَ اللّٰهِ
{"Friede sei mit dir, oh Gesandter Gottes!"}
Sodann sagte der Bauer: "Er soll wieder zurück an seinen Platz gehen!" Er befahl es ihm und der Baum begab sich zurück an seinen Platz. Da sagte der Bauer: "Erlaube mir, mich vor dir niederzuwerfen!" Er entgegnete ihm: "Das ist niemandem erlaubt." Da sagte er: "So möchte ich denn deine Hände und Füße küssen." Dies erlaubte er ihm.
Drittes Beispiel:
Die Zuverlässigen Bücher, vor allem das Buch von Muslim, berichten: Djabir sagt: Einmal befanden wir uns mit dem Ehrenwerten Gesandten, mit dem Friede und Segen sei, auf einer Reise. Da suchte er einen Platz, um seine Notdurft zu verrichten. Es gab aber dort kein Fleckchen, um sich dorthin zurückzuziehen. Da begab er sich zu zwei Bäumen. Er ergriff den einen an einem
Ast und zog an ihm. Der Baum gehorchte ihm und ging mit ihm. Er brachte ihn zu dem anderen Baum. So wie ein gehorsames Kamel am Zügel geführt folgt, so brachte er die beiden Bäume zueinander. Dann sagte er zu ihnen:
اِلْتَئِمَا عَلَىَّ بِاِذْنِ اللّٰهِ
{"Vereinigt euch über mir, mit Gottes Erlaubnis!"}
Da vereinigten sich die beiden miteinander und bildeten einen Schirm. Nachdem er hinter ihnen seine Notdurft verrichtet hatte, gab er ihnen einen Befehl und sie kehrten an ihren Ort zurück. Nach einer anderen Überlieferung erzählt wiederum Hasret Djabir:
Er hat mir befohlen:
ياَجاَبِرُ قُلْ لِهٰذِهِ الشَّجَرَةِ يَقُولُ لَكِ رَسُولُ اللّٰهِ اِلْحَقِى بِصَاحِبَتِكِ حَتّٰى اَجْلِسَ خَلْفَكُمَا
{"Oh Djabir! Sage zu diesen Bäumen: Der Gesandte Gottes spricht zu euch: Vereinigt euch miteinander, damit er sich hinter euch beiden niedersetzen kann."}
Ich sagte es so. Da vereinigten sie sich. Während ich noch wartete, kam plötzlich der Ehrenwerte Gesandte, mit dem Friede und Segen sei, wieder hervor. Er gab mit seinem Kopf ein Zeichen nach rechts und links. Da kehrten die beiden Bäume an ihre Plätze zurück.
Viertes Beispiel:
Nach einer zuverlässigen Überlieferung erzählte Usama bin Seyd, der einer von den tapferen Kommandanten und gleichzeitig ein Diener des Ehrenwerten Gesandten war: Auf einer Reise waren wir mit dem Ehrenwerten Gesandten, mit dem Friede und Segen sei, zusammen. Für seine Notdurft gab es keinen einsamen, abgeschirmten Platz. Er fragte mich:
هَلْ تَرٰى مِنْ نَخْلٍ اَوْحِجاَرَةٍ
{"Kannst du irgendwelche Bäume oder Felsen sehen?"}
Ich entgegnete ihm: "Ja, die gibt es." Da befahl er, indem er sagte:
اِنْطَلِقْ وَقُلْ لَهُنَّ اِنَّ رَسُولَ اللّٰهِ يَاْمُرُكُنَّ اَنْ تَاْتِينَ لِمَخْرَجِ رَسُولِ اللّٰهِ وَقُلْ لِلْحِجاَرَةِ مِثْلَ ذٰلِكَ
{"Sprich zu diesen Bäumen: Vereinigt euch für die Notdurft des Gesandten Gottes! Und sprich zu den Felsen: Versammelt euch wie eine Mauer."}
Da ging ich und sprach so. Ich schwöre, dass die Bäume sich vereinigten und die Steine eine Mauer bildeten. Nachdem der Ehrenwerte Gesandte seine Notdurft verrichtet hatte, gab er wiederum Befehl:
قُلْ لَهُنَّ يَفْتَرِقْنَ
{"Sage zu ihnen, dass sie sich wieder voneinander trennen sollen."}
Ich schwöre bei dem Herrn in Seiner Majestät, in dessen Macht meine Seele liegt: Die Bäume und Steine trennten sich und kehrten an ihre Plätze zurück. Diese beiden Berichte, die Hasret Djabir und Ussama überliefern, erzählen in ähnlicher Weise auch Ja'la Ibn Murra, Ghayla Ibn Salama as-Saqafi und Hasret ibn Mes'ud von der Schlacht bei Huneyn.
Fünftes Beispiel:
Imam Ibn Furek, der berühmteste Gelehrte seiner Zeit, der als Zeichen seiner Fähigkeiten bei der Koranexegese (kemal-i idjtihad)und wegen seiner Tugenden "der zweite Schafi" genannt wurde, berichtet mit Sicherheit: Während der Schlacht von Taif schlief der Ehrenwerte Gesandte, mit dem Friede und Segen sei, einmal nachts auf dem Pferde reitend ein. In diesem Zustand ritt er auf
einen Baum zu. Da öffnete ihm der Baum einen Weg, indem er sich entzwei teilte, um das Pferd nicht zu verletzen. Der Ehrenwerte Gesandte, mit dem Friede und Segen sei, ritt mit seinem Reittier mitten durch ihn hindurch. Bis in unsere Tage verharrte dieser Baum so in Ehrerbietung in seinen zwei Stämmen.
Sechstes Beispiel:
Hasret Ja'la berichtet aus zuverlässiger Quelle: Auf einer Reise kam ein Baum, der Talha oder auch Samura genannt wird. Er umwandelte den Ehrenwerten Gesandten, mit dem Friede und Segen sei, verehrungsvoll und kehrte dann wieder an seinen Platz zurück. Der Ehrenwerte Gesandte, mit dem Friede und Segen sei, sagte:
اِنَّهَآ اِسْتَاْذَنَتْ اَنْ تُسَلِّمَ عَلَىَّ
{"Dieser Baum bat Gott den Gerechten um die Erlaubnis, mich zu grüßen."}
Siebentes Beispiel:
Die Hadith-Gelehrten berichten aus authentischer Quelle von Ibn Mes'ud: Ibn Mes'ud sagte: In einem Ort namens Batn Nahl kamen eines Tages die Dschinnen von Nussaybin zu dem Ehrenwerten Gesandten, mit dem Friede und Segen sei, um den Islam anzunehmen. Da meldete ein Baum ihre Ankunft. Außerdem überliefert Imam Mudjahid zu diesem Bericht von Ibn Mes'ud, dass diese Dschinnen ein Zeichen wollten. Der Ehrenwerte Gesandte, mit dem Friede und Segen sei, befahl einem Baum, der kam aus seinem Platz im Boden heraus zu ihm. Danach kehrte er wieder an seinen Platz zurück.
Also genügte für diese Gruppe von Dschinnen schon ein einziges Wunder. Wenn demnach ein Mensch, der von tausenden Wundern gleich diesem Wunder vernommen hat, dennoch nicht zum Glauben gelangt, würde der etwa nicht noch teuflischer sein als die Teufel unter den Dschinnen, die sagten:
يَقُولُ سَفِيهُنَا عَلَى اللّٰهِ شَطَطًا
{"Es sagte einer der Toren unter uns eine Unwahrheit gegen Gott." (Sure 72, 4)}
Achtes Beispiel:
Tirmidhi berichtet aus authentischen Quellen von Hasret Ibn Abbas. Ibn Abbas sagt:
Der Ehrenwerte Gesandte, mit dem Friede und Segen sei, sagte einmal einem Beduinen:
اَرَاَيْتَ اِنْ دَعَوْتُ هٰذاَ الْعِذْقَ مِنْ هٰذِهِ النَّخْلَةِ اَتَشْهَدُ اَنِّى رَسُولُ اللّٰهِ
{"Wenn ich diesen Ast an diesem Baum rufe, und wenn er zu mir kommt, würdest du dann den Glauben annehmen?"}
Der antwortete: "Ja!" Der Ehrenwerte Gesandte, mit dem Friede und Segen sei, rief ihn. Der Ast löste sich aus der Krone des Baumes und kam zu ihm gesprungen. Danach befahl er ihm erneut. Da ging er wieder zurück an seinen Platz.
So wie die oben angeführten acht Beispiele gibt es noch viele ähnliche Beispiele, welche uns aus unterschiedlichen Quellen überliefert worden sind. Es ist ja bekannt, dass sieben, acht Schnüre miteinander verflochten ein starkes Seil bilden. Dementsprechend sind solche Baum-Wunder, die von diesen so berühmten unter den getreuen Sahabis durch so verschiedenen Quellen überliefert worden sind, ebenso beweiskräftig wie eine sinngemäße, oder sogar eine tatsächliche allgemeine Übereinstimmung. Sie erhalten in der Tat die Form einer allgemeinen Überlieferung, wenn sie von den Sahabis in die Hände der Tabiine übergehen. Besonders die Zuverlässigen Bücher, wie Bukhari, Muslim, Ibn Hibban und Tirmidhi bildeten und bewahrten eine Kette, die bis in die Zeit der Sahabis zurückreicht, so zuverlässig, dass in ihnen, z.B. in Bukhari einen Bericht zu finden, gleichbedeutend ist, ihn direkt von den Sahabis zu hören.
Wenn also Bäume diesen Ehrenwerten Gesandten,
mit dem Friede und Segen sei, wie aus den obigen Beispielen zu ersehen ist, erkennen und seine Sendung bestätigen, ihn besuchen, ihn grüßen, seine Befehle hören und ihnen gehorchen, einige herz- und hirnlose Geschöpfe, die sich Menschen nennen, ihn aber nicht anerkennen, nicht an ihn glauben, würden sie dann, unbedeutend und wertlos wie ein Stück Holz, ja noch wertloser als ein vertrockneter Baum, nicht das Feuer (der Hölle) verdienen?
Zehnter Hinweispunkt
Hier handelt es sich um das Wunder von Haninu-l'Djis', welches allgemein überliefert ist und die Baum-Wunder noch weiter bestätigt. Denn es unterstreicht in der Tat noch die oben angeführten Beispiele von Baum-Wundern und bekräftigt sie noch dazu, wenn in der Heiligen Moschee des Propheten ein vertrockneter Baumstumpf vor einer großen Gemeinschaft wegen einer vorübergehenden Trennung von Ahmed (ASM) zu weinen beginnt. Denn er war ja auch einmal ein Baum, ist von der gleichen Art. Aber es ist besonders in dieser Weise allgemein überliefert. Was die anderen Arten betrifft, so gehört jedes einzelne Wunder durch seine Gruppe zu den Überlieferungen allgemeiner Art. Viele erreichen einzeln für sich nicht den Grad einer eindeutigen Überlieferung.
Der Ehrenwerte Gesandte, mit dem Friede und Segen sei, lehnte sich in der Tat gegen den trockenen Stumpf einer Dattelpalme, wenn er eine Hutba (Predigt) gab. Später wurde dann ein ehrwürdiger Minber errichtet und der Ehrenwerte Gesandte, mit dem Friede und Segen sei, bestieg diesen Minber, um seine Hutba zu beginnen. Während er noch sprach, begann der Palmstumpf zu weinen, so wie wenn ein Kamel stöhnt. Die ganze Gemeinde konnte es hören. Erst als der Ehrenwerte Gesandte, mit dem Friede und Segen sei, zu ihm hin ging, seinen Arm auf ihn stützte, ihm zusprach, ihn tröstete, hörte er wieder auf. Dieses Wunder Ahmeds (ASM) wird uns aus sehr
vielen verschiedenen Quellen mit der Sicherheit einer Übereinstimmung überliefert.
Dieses Wunder, Haninu-l'Djis', ist in der Tat weithin bekannt und berühmt und seine Überlieferung ist eindeutig (haqiq-i mutevatur).Die führenden Persönlichkeiten unter den Sahabis und ihre Gelehrten haben dieses Wunder über fünfzehn verschiedene Kanäle und durch hunderte von Imamen der Tabiine den nächsten Jahrhunderten berichtet. Berühmte Gelehrte aus dieser Gemeinschaft der Sahabis und führende Persönlichkeiten der Hadith-Überlieferungen wie Hasret Ennes Ibn Malik (ein Diener des Propheten), Hasret Djabir Bin Abdullah al-Ensari (ebenfalls ein Diener des Propheten), Hasret Abdullah ibn Omar, Hasret Abdullah Bin Abbas, Hasret Sahl Bin Sa'd, Hasret Abu Sa'id Al-Chudri, Hasret Ubeyy Ibn Al-Ka'b, Hasret Bureyda und die Mutter der Gläubigen, Hasret Ummu Salama haben der Islamischen Gemeinschaft (Ummah)von demselben Wunder berichtet, und zwar ein jeder von ihnen auf unterschiedlichem Wege. Auch die zuverlässigen Bücher, vor allem Bukhari und Muslim haben den Jahrhunderten nach ihnen von diesem als zuverlässig überlieferten großen Wunder unter Angabe der Quelle berichtet.
So heißt es in der Überlieferung von Hasret Djabir: Der Ehrenwerte Gesandte, mit dem Friede und Segen sei, pflegte, wenn er in der ehrwürdigen Moschee eine Hutba gab, an einen Palmstumpf, Djis'un-Nachl, gelehnt, zu predigen. Nachdem der ehrwürdige Minber (Kanzel) errichtet worden war, ging der Prophet zu diesem Minber. Doch da konnte der Palmstumpf nicht länger an sich halten und begann wie ein trächtiges Kamel laut aufstöhnend zu weinen. In der Überlieferung von Hasret Ennes heißt es hier: Er stöhnte gleich einem Büffel, sodass die Moschee erzitterte. In der Überlieferung von Sehl Ibn Sa'd heißt es: Auf sein Weinen hin, verbreitete sich dieses Weinen auch unter dem Volk. In der Überlieferung von Hasret Ubeyy Ibn Al-Ka'b heißt es: Er weinte so sehr, dass er sich spaltete. Wieder in einer anderen Überlieferung
sagte der Ehrwürdige Gesandte, mit dem Friede und Segen sei:
اِنَّ هٰذَا بَكٰى لِمَا فَقَدَ مِنَ الذِّكْرِ
{"Siehe, er weint über seine Trennung von dem Gedenken Gottes (dhikr)."}
Und wiederum in einer anderen Überlieferung sagte er:
لَوْ لَمْ اَلْتَزِمْهُ لَمْ يَزَلْ هٰكَذَآ اِلٰى يَوْمِ الْقِيٰمَةِ تَحَزُّنًا عَلٰى رَسُولِ اللّٰهِ
{"Hätte ich ihn nicht umarmt und getröstet, würde er bis zum Auferstehungstage weiter geweint haben."}
In der Überlieferung von Hasret Bureyda heißt es: Als der Palmstumpf zu weinen begann, legte der Ehrwürdige Gesandte, mit dem Friede und Segen sei, seine Hand auf ihn und sagte zu ihm:
اِنْ شِئْتَ اَرُدُّكَ اِلَى الْحآَئِطِ الَّذِى كُنْتَ فِيهِ تَنْبُتُ لَكَ عُرُوقُكَ وَيَكْمُلُ خَلْقُكَ وَيُجَدَّدُ خُوصُكَ وَثَمَرُكَ وَاِنْ شِئْتَ اَغْرِسُكَ فِى الْجَنَّةِ يَاْكُلُ اَوْلِيٓاَءُ اللّٰهِ مِنْ ثَمَرِكَ
{"Wenn du willst, werde ich dich wieder in den Garten zurückversetzen, in dem du gefällt worden bist. Deine Wurzeln werden treiben, deine Zweige sich entfalten und du wirst wieder Frucht tragen. Aber wenn du so willst, werde ich dich auch ins Paradies versetzen und die Freunde Gottes, die Heiligen werden von deinen Früchten essen."}
Dann hörte er, was der Palmstumpf sagte und auch die Leute hinter ihm, hörten, wie der Palmstumpf sprach:
اِغْرِسْنِى فِى الْجَنَّةِ يَاْكُلْ مِنِّى اَوْلِيَآءُ اللّٰهِ فِى مَكَانٍ لاَ يَبْلٰى
{"Pflanze mich ins Paradies, sodass die geliebten Diener Gottes, des Gerechten von meinen Früchten essen können. Außerdem ist dies ein Ort, wo es keinen Verfall gibt."}
Da sagte der Ehrenwerte Gesandte Gottes, mit dem Friede und Segen sei: قَدْ فَعَلْتُ {"Ich will es."}
Danach sagte er:
اِخْتاَرَ داَرَ الْبَقَآءِ عَلٰى داَرِ الْفَنَآءِ
{"Er hat die Welt der Ewigkeit der Vergänglichkeit vorgezogen."}
Der berühmte Abu Ishaq Isfarani, einer der großen Imame der Theologie, überliefert: Der Ehrwürdige Gesandte, mit dem Friede und Segen sei, ist nicht zu dem Palmstumpf gegangen, vielmehr ist der Palmstumpf auf seinen Befehl zu ihm gekommen. Sodann hat er ihm befohlen. Da kehrte er wieder an seinen Ort zurück. Hasret Ubeyy Ibn Al-Ka'b sagt: Nach diesem wunderbaren Ereignis hat der Ehrwürdige Gesandte, mit dem Friede und Segen sei, befohlen: "Dieser Palmstumpf soll unter den Minber gestellt werden." Da wurde er unter den Minber gestellt, bis dieser bei der Renovierung der Moschee herausgenommen wurde. Da bewahrte ihn Hasret Ubeyy Ibn Al-Ka'b bei sich auf, bis er zerfiel. Der berühmte Hassan Basri weinte immer, wenn er seine Schüler über dieses wunderbare Ereignis unterrichtete, und sagte jedes Mal: Ein Baumstumpf bezeigt dem Ehrwürdigen Gesandten, mit dem Friede und Segen sei, Liebe und Zuneigung. Ihr aber müsstet diese Liebe und Zuneigung noch weit mehr empfinden. Das heißt für uns: Ja, und in der Tat ist Sehnsucht, Zuneigung und Liebe zu ihm nur im Gehorsam zu seiner Sunna (Tradition) und seiner leuchtenden Schari'a (dem heiligen Gesetz) möglich.
Ein wichtiger Punkt:
Man könnte vielleicht fragen: Warum wurde das Wunder, das sich bei der Grabenschlacht ereignete, jenes Speisewunder, bei dem tausend Mann mit vier Handvoll Nahrung gesättigt wurden, und jenes
Wasser-Wunder, bei dem sich fünftausend Leute an dem Wasser satt tranken, das seinen gesegneten Fingern entströmte, nicht so ausführlich berichtet und über so viele Kanäle überliefert wie jenes Wunder von Hanin-i Djis'? Und dabei hatten sich doch jene beiden Wunder angesichts einer weit größeren Menge ereignet!
Antwort:
Die Wunder, die in Erscheinung treten, sind von zweierlei Art. Ein Teil von ihnen wurde als ein Beweis für sein Prophetentum gezeigt, manifestierte sich durch die Hand des Ehrwürdigen Gesandten, mit dem Friede und Segen sei. Hanin-i Djis' ist von jener Art, die einzig sich ereignete, um sein Prophetentum zu bestätigen, um dafür als Beweis zu dienen, um den Glauben der Gläubigen zu stärken, die Heuchler zu Aufrichtigkeit und Glauben zu führen und die Ungläubigen zum Glauben zu bekehren. Deswegen haben es alle Leute, einfache wie gebildete, gesehen und es wurde großen Wert darauf gelegt, die Kunde davon weithin zu verbreiten.
Was jedoch die Wunder betrifft, die sich über Speise und Trank ereigneten, so sind sie mehr das Wunder eines Heiligen (keramet)als das eines Propheten (mu'djise),ja mehr ein Erweis göttlicher Huld (ikram),ja mehr ein Gastmahl des Allbarmherzigen angesichts einer Notlage. Deswegen liegt, obwohl Beweis für seinen Anspruch auf das Prophetentum und ein Wunder, ihre eigentliche Bedeutung darin: So wie Gott der Gerechte aus einem Dattelkern ein Batman Datteln erschafft, so bereitet Er auch, als das Heer hungrig ist, aus vier Handvoll seiner unsichtbaren Schatzkammer ein Gastmahl für tausend Mann und ebenso spendet Er einem Heer, das Durst hat, Wasser, das durch die Finger Seines großen Kommandanten wie Kauthar (der Strom des Paradieses) strömt. Es ist also aus diesem Grund (Sirr),dass jedes Beispiel eines Wunders über Speise und Trank nicht die Bedeutung von Haninu-l'Djis' erreicht. Doch sind die verschiedenen Beispiele dieser beiden Arten Wunder in ihrer Gesamtheit ebenso zahlreich und mit einer solch allgemeinen Übereinstimmung
überliefert wie Haninu-l'Djis'. Zudem konnte nicht ein jeder die Vermehrung der Speisen und den Wasserstrom von seinen Fingern sehen, sondern nur dessen Ergebnis (nämlich die vollen Gefäße - A.d.Ü). Das Stöhnen des Palmstumpfes jedoch konnte ein jeder hören. Deswegen fand die Kunde davon auch eine so weite Verbreitung.
Und weiter könnte man vielleicht fragen:
Die Sahabis haben die Art und Weise des Ehrenwerten Gesandten, mit dem Friede und Segen sei, sich zu bewegen, sich auszudrücken und zu verhalten, mit vollendeter Sorgfalt in sich aufgenommen, bewahrt und weiter gegeben. Wie kommt es dann, dass so gewaltige Wunder nur aus zehn, zwanzig Quellen überliefert werden? Sie müssten aus hundert Quellen berichtet werden. Und wie kommt es, dass von Hasret Ennes, Djabir und Abu Huraira so viele, von Hasret Abu Baqr und Omar aber nur wenige berichtet werden?
Antwort:
Die Antwort auf den ersten Teil der Frage wurde bereits im dritten Grundsatz des vierten Hinweispunktes behandelt. Nun aber, was den zweiten Teil der Frage betrifft: So wie ein Mensch, der eine Medizin benötigt, zu einem Arzt geht, oder, wenn er einen Bauplan braucht, zu einem Architekten geht und dann von seinem Architekten erzählt, oder aber die Behandlung von Gesetzesfragen von einem Mufti erbittet u.dgl., so waren auch unter den Sahabis zur Unterrichtung künftiger Generationen ein Teil der Gelehrten der Sahabis innerlich aufgerufen. Darum bemühten sie sich dann mit ganzer Kraft. Und tatsächlich hat Hasret Abu Huraira sein ganzes Leben dem Auswendiglernen der Ahadith gewidmet. Hasret Omar hat sich mit der Welt der Politik und der "Großen Nachfolge" (dem Kalifat) beschäftigt. Deshalb vertraute er solchen Persönlichkeiten wie Abu Huraira, Ennes und Djabir die Unterrichtung der Umma in den Ahadith an und überlieferte selbst nur wenige von ihnen. Wenn also nun in einem Bericht über ein Ereignis ein
durchaus bekannter und zudem als treu, zuverlässig und aufrichtig erprobter Mann unter den gebildeten Sahabis als Quelle angeführt wird, so darf man sagen, dass dies genügt und es ist nicht mehr notwendig, noch einen weiteren als Quelle anzugeben. Deswegen auch werden einige, bedeutende Ereignisse nur durch zwei, drei Kanäle überliefert.
Elfter Hinweispunkt
So wie der zehnte Hinweispunkt die Wunder des Propheten aufzeigt, die sich unter Bäumen ereignet haben, soll nun im elften Hinweispunkt gezeigt werden, welche Wunder des Propheten sich unter den unbelebten Dingen, wie Steinen, Felsen und Bergen ereignet haben. So wollen wir denn nun hier unter vielen, zahlreichen Beispielen, sieben, acht Beispiele anführen.
Erstes Beispiel:
Hasret Qadi Iyad, der Gelehrte aus dem Westen, berichtet in seinem Buch "Heilige Genesung (Shifa ash-Sherif)"unter Angabe hochstehender Persönlichkeiten, desgleichen auch so bedeutende Imame wie Bukhari aus zuverlässiger Quelle: Hasret Ibn Mes'ud, ein Diener des Propheten erzählt: Während wir mit dem Ehrenwerten Gesandten, mit dem Friede und Segen sei, zusammen aßen, hörten wir, wie die Speisen Gott lobten und priesen (tesbih).
Zweites Beispiel:
Aus zuverlässiger Quelle berichten die Zuverlässigen Bücher von Ennes und Abu Dharr: Hasret Ennes (ein Diener des Propheten) erzählt: Wir befanden uns neben dem Ehrenwerten Gesandten, mit dem Friede und Segen sei. Da nahm er Steinchen in seine Hand. Sie begannen in seiner gesegneten Hand Gott zu loben und zu preisen (tesbih).Sodann legte er sie Abu Baqr as-Siddiq in die Hand und wiederum begannen sie ihr Tesbih. Eine Quelle gibt an, dass Abu Dharr el-Ghiffari sagt: Danach gab er sie Hasret Omar in die Hand. Wieder begannen sie den Tesbih. Dann nahm er sie und legte sie auf die Erde. Sie schwiegen. Dann nahm er sie wieder auf und legte sie Hasret Othman in die Hand.
Wieder begannen sie den Tesbih. Weiter berichten Hasret Ennes und Abu Dharr: "Er legte sie in unsere Hand und sie schwiegen."
Drittes Beispiel:
Einer zuverlässigen Überlieferung über Hasret Ali, Hasret Djabir und Hasret Aischa as-Siddiqa zufolge steht fest, dass Steine und Felsen zu dem Ehrenwerten Gesandten, mit dem Friede und Segen sei, sagten:
اَلسَّلاَمُ عَلَيْكَ يَارَسُولَ اللّٰهِ
{"Friede sei mit dir, oh Gesandter Gottes!"}
Eine andere Quelle überliefert von Hasret Ali (RA): "Wann immer wir zu Beginn seiner prophetischen Sendung mit dem Ehrenwerten Gesandten, mit dem Friede und Segen sei, in der Gegend von Mekka umhergehend an Bäumen und Felsen vorüberkamen, sprachen sie:
اَلسَّلاَمُ عَلَيْكَ يَارَسُولَ اللّٰهِ
{"Friede sei mit dir, oh Gesandter Gottes!"}
Nach einer anderen Quelle sagt Hasret Djabir: Wenn der Ehrenwerte Gesandte, mit dem Friede und Segen sei, an Felsen und Bäumen vorüber kam, verneigten sie sich vor ihm (sie machten ihm einen Diener) und sagten:
اَلسَّلاَمُ عَلَيْكَ يَارَسُولَ اللّٰهِ
{"Friede sei mit dir, oh Gesandter Gottes!"}
Und nach wieder einer anderen Überlieferung von Hasret Djabir sagte der Ehrenwerte Gesandte, mit dem Friede und Segen sei:
اِنِّى َلأَعْرِفُ حَجَرًا كَانَ يُسَلِّمُ عَلَىَّ
{"Ich weiß einen Stein, der mich grüßt."}
Einige sagen, er habe damit den Schwarzen Stein bezeichnet. Nach wiederum einer anderen Quelle hat Hasret Aischa erzählt:
لَمَّا اسْتَقْبَلَنِى جَبْرَآئِيلُ بِالرِّسَالَةِ جَعَلْتُ لاَ اَمُرُّ بِحَجَرٍ وَلاَ شَجَرٍ اِلاَّ قَالَ: اَلسَّلاَمُ عَلَيْكَ يَارَسُولَ اللّٰهِ
{"Der Ehrenwerte Gesandte, mit dem Friede und Segen sei, sagte: Nachdem Gabriel mir die Botschaft überbracht hatte, ereignete es sich, dass ich an keinem Felsen oder Baum mehr vorüber kam, ohne dass dieser zu mir sagte: Friede sei mit dir, oh Prophet Gottes."}
Viertes Beispiel:
Aus zuverlässiger Quelle wird von Hasret Abbas berichtet, dass der Ehrenwerte Gesandte, mit dem Friede und Segen sei, Hasret Abbas und seine vier Söhne (Abdullah, Ubeydullah, Fadl, Kussem) mit einem Überwurf, den man Mulaat nennt, bedeckte und über sie betete, indem er sagte:
ياَ رَبِّ هٰذاَ عَمِّى وَصِنْوُ اَبِى وَهٰؤُلآٰءِ بَنوُهُ فَاسْتُرْهُمْ مِنَ النَّارِ كَسَتْرِى اِيَّاهُمْ بِمُلآٰئَتِى
{"Oh Herr, dies ist mein Onkel. Behüte durch mich diese seine Söhne und bewahre sie vor dem Feuer, so wie ich sie jetzt mit diesem Überwurf bedecke."}
Da sagten das Dach, die Türe und die Wände des Hauses "Amin, Amin." und schlossen sich sogleich dem Gebet an.
Fünftes Beispiel:
Die Zuverlässigen Bücher, vor allem aber Bukhari, Ibn Hibban, Davud, Tirmidhi berichten übereinstimmend von Hasret Ennes, Abu Huraira,
Othman Dhinnureyn, Sa'id Ibn Seyd (einer der zehn Glückseligen): Der Ehrenwerte Gesandte, mit dem Friede und Segen sei, stieg zusammen mit Abu Baqr as-Siddiq, Omaru-l'Faruq und Othman Dhinnureyn auf den Berg Uhud. Der Berg Uhud erzitterte entweder aus Respekt vor ihrer Größe oder vor Freude.
Da sagte der Ehrenwerte Gesandte, mit dem Friede und Segen sei:
اُثْبُتْ ياَ اُحُدُ فَاِنَّمَا عَلَيْكَ نَبِىٌّ وَصِدِّيقٌ وَشَهِيداَنِ
{"Bleibe ruhig, oh Uhud! Denn auf dir steht ein Prophet, einer seiner Getreuen und zwei seiner Blutzeugen."}
Diese Hadith ist eine Voraussage aus dem Unsichtbaren, dass Hasret Omar und Othman Märtyrer werden würden. In Ergänzung zu diesem Beispiel wurde überliefert, dass der Ehrenwerte Gesandte, mit dem Friede und Segen sei, als er von Mekka nach Medina auswanderte und verfolgt von den Ungläubigen, auf einen Berg namens Sebir stieg. Sebir aber sagte: "Oh Gesandter Gottes, steige wieder herab von mir! Denn ich habe Angst davor, dass Gott mich strafen wird, wenn Sie auf meinem Rücken fallen werden. Und davor fürchte ich mich." Da aber entgegnete der Berg Hira: ياَ رَسُولَ اللّٰهِ اِلَىَّ {"Oh Prophet Gottes, komm zu mir."}
Es ist aus diesem Grunde, dass Menschen mit Herz (= innerer Wahrnehmung) auf dem Berge Sebir eine Furcht verspüren, auf dem Berg Hira dagegen sich sicher fühlen.
Aus diesem Beispiel wird verständlich, dass auch diese großen Berge, jeder für sich, Diener und Verehrer Gottes sind, die Gott loben und preisen und ihm ergeben sind. Sie kennen den Ehrenwerten Gesandten, mit dem Friede und Segen sei, lieben ihn und sind nicht ohne einen Sinn und Nutzen.
Sechstes Beispiel:
Aus zuverlässiger Quelle wird von Abdullah Ibn Omar berichtet, er habe gesagt: Während der Ehrenwerte Gesandte, mit dem Friede und Segen sei, vom Minber die Hutba hielt, zitierte er die Ayah 39, 67:
وَماَ قَدَرُوا اللّٰهَ حَقَّ قَدْرِهِ وَالْاَرْضُ جَمِيعًا قَبْضَتُهُ يَوْمَ الْقِيٰمَةِ وَالسَّمٰوَاتُ مَطْوِيَّاتٌ بِيَمِينِهِ
{"Sie haben Gott nicht recht eingeschätzt. Doch die Erde wird nur noch eine Handvoll sein am Tage der Auferstehung und die Himmel wird Er zusammengefaltet in Seiner Rechten halten."}
und er sprach:
اِنَّ الْجَبَّارَ يُعَظِّمُ نَفْسَهُ وَيَقُولُ اَنَا الْجَبَّارُ اَنَا الْجَبَّارُ اَنَا الْكَبِيرُ الْمُتَعَالْ
{"Siehe es rühmt der Allgewaltige sich selbst. Und Er sagt: Ich bin der Allmächtige, Ich bin der Allgewaltige, Ich bin der Hohe, der Erhabene."}
Als er dies sagte, erzitterte, schwankte und wankte der Minber so sehr, dass wir befürchteten, der Ehrenwerte Gesandte, mit dem Friede und Segen sei, würde von seinem Beben herunterfallen.
Siebentes Beispiel:
Aus zuverlässiger Quelle wird von Hasret ibn Abbas, dem Lehrer der Umma (Khabr-ul Umma) und Sprachrohr des Qur'an (Terdjuman-ul Qur'an), und von Ibn Mes'ud , einem Diener des Propheten und großem Wissenschaftler (Ulema-i adhim)unter den Sahabis berichtet, dass sie sagten:
Am Tage der Eroberung von Mekka gab es in der Kaaba und seiner Umgebung dreihundertundsechzig Götzen, die mit Blei an den Felsen befestigt waren. Der Ehrenwerte Gesandte, mit dem Friede und Segen sei, deutete mit seinem Krummstab auf jeden einzelnen Götzen von ihnen und sprach:
جَاءَ الْحَقُّ وَزَهَقَ الْباَطِلُ اِنَّ الْباَطِلَ كاَنَ زَهُوقاً
{"Es kam die Wahrheit und schwand was nichtig ist. Denn was nichtig ist, muss vergehen." (Sure 17, 81)}
Auf den er aber deutete, der stürzte zur Erde. Deutete er auf die Fratze des Götzen, stürzte der hintenüber, deutete er auf dessen Rücken, so fiel er aufs Gesicht usw. So purzelten sie alle herunter.
Achtes Beispiel:
Dies ist die berühmte Geschichte von dem berühmten Mönch Bahira. Noch vor seiner Berufung kam der Ehrenwerte Gesandte, mit dem Friede und Segen sei, einmal auf einer Handelsreise mit seinem Onkel, Abu Talib, und einigen anderen vom Stamme Quraysch nach Damaskus. Als sie in die Nähe der Kirche des Mönches Bahira kamen, ließen sie sich nieder. Da kam der Mönch Bahira , der als Einsiedler nie mit den Menschen Umgang pflegte, plötzlich zu ihnen heraus. Er hatte in der Karavane Mohammed, den Vertrauenswürdigen (ASM) gesehen. Da sagte er zu der Gesellschaft: "Dieser ist der Erste der Schöpfung und wird ein Prophet werden." Da fragten ihn die Qurayschis: "Woher weißt du das?" Der ehrwürdige Mönch entgegnete ihnen: "Als ich euch ankommen sah, erblickte ich über euch ein Wölkchen. Als ihr euch niederließet, bewegte sich die Wolke zu diesem Vertrauenswürdigen Mohammed (ASM) hin und spendete ihm Schatten. Außerdem sah ich noch: Die Felsen und Bäume verneigten sich vor ihm wie seine Diener. Dies aber tun sie nur vor den Propheten."
So gibt es denn vielleicht achtzig Beispiele ähnlich den oben angeführten acht Beispielen. Fügt man sie alle zueinander, so bilden sie miteinander ein unzerreißbares Seil. Was dieses Seil hält, vermag kein Zweifel mehr zu erschüttern. Diese Art Wunder als Ganzes betrachtet, d.h., dass unbelebte Dinge gesprochen haben, um seinem Anspruch, ein Prophet zu sein, als Beweis zu dienen, bringt die Sicherheit und Gewissheit einer sinngemäßen allgemeinen Übereinstimmung zum Ausdruck. Jedes Beispiel erhält durch die Beweiskraft des Ganzen eine zusätzliche Kraft, die noch stärker ist als die eigene Kraft.
In der Tat gewinnt eine schwache Säule, wenn sie gleichsam Schulter an Schulter neben andere, stärkere Säulen tritt, auch selbst noch an Festigkeit. Und ein schwacher Mann, wenn er als Soldat in ein Heer eintritt, erhält dadurch eine solche Macht, dass er (als General) tausend Mann herausfordern kann.
Zwölfter Hinweispunkt
Folgende drei Beispiele stehen noch in Verbindung mit dem elften Hinweis, sind jedoch besonders wichtige Beispiele.
Erstes Beispiel:
وَمَا رَمَيْتَ اِذْ رَمَيْتَ وَلٰكِنَّ اللّٰهَ رَمٰى
{"Nicht du warfst, als du geworfen hast, sondern Gott warf." (Sure 8, 17)}
Mit diesem unmissverständlichen Hinweis berichtet diese Ayah entsprechend den Nachforschungen aller Kommentatoren und Erklärungen aller Hadith-Forscher: Der Ehrenwerte Gesandte, mit dem Friede und Segen sei, nahm eine Handvoll Erde mit Steinchen und schleuderte sie in das Gesicht des Heeres der Ungläubigen mit den Worten: شَاهَتِ الْوُجُوهُ {"Abscheulich ist sein Gesicht!"}
Sobald dieses Wort: شَاهَتِ الْوُجُوهُ {"Abscheulich ist sein Gesicht!"} in die Ohren eines jeden einzelnen drang, drang auch diese Handvoll Erde in die Augen eines jeden einzelnen Ungläubigen. Jeder war mit seinen Augen beschäftigt; und so flohen sie plötzlich mitten in ihrem Angriff.
Und weiter überliefern die Hadith-Gelehrten, vor allem Imam Muslim: In der Schlacht von Huneyn warf er genauso wie bei Badr, während die Ungläubigen bereits einen Sturmangriff liefen, wiederum eine Handvoll Erde, indem er ausrief: شَاهَتِ الْوُجُوهُ {"Abscheulich ist sein Gesicht!"}
Sobald dieses Wort: شَاهَتِ الْوُجُوهُ {"Abscheulich ist sein Gesicht!"} in die Ohren eines jeden einzelnen drang, flog, mit der Erlaubnis Gottes, auch in eines jeden einzelnen Gesicht eine Handvoll Erde. Beschäftigt mit ihren Augen, flohen sie. So also liegen diese wunderbaren Vorfälle von Badr und Huneyn nicht innerhalb gewöhnlicher Ursachen und des menschlichen Vermögens. Deshalb auch erklärt der Qur'an, der in seiner Verkündigung ein Wunder ist:
وَمَا رَمَيْتَ اِذْ رَمَيْتَ وَلٰكِنَّ اللّٰهَ رَمٰى
{"Nicht du warfst, als du geworfen hast, sondern Gott warf." (Sure 8, 17)}
Das heißt, diese Vorfälle liegen außerhalb des menschlichen Vermögens. Sie ereigneten sich nicht durch Menschenkraft, sondern auf übernatürliche Weise durch die Allmacht Gottes.
Zweites Beispiel:
Die zuverlässigen Bücher, vor allem Bukhari und Muslim berichten: Während der Schlacht von Khaibar röstete eine Jüdin eine Ziege und versetzte sie mit einem besonders starken Gift. Dann schickte sie das dem Ehrenwerten Gesandten, mit dem Friede und Segen sei. Die Sahabis begannen mit dem Mahl. Plötzlich aber sagte er:
اِرْفَعُوآ اَيْدِيَكُمْ اِنَّهَآ اَخْبَرَتْنِى اَنَّهَا مَسْمُومَةٌ
{"Lasst eure Finger davon! Sie hat mir gerade Mitteilung gemacht, dass sie vergiftet ist."}
Jeder zog sofort seine Hände zurück. Doch infolge der starken Wirkung des Giftes verschied Bischr ibn Berra', welcher, wenn auch nur einen Bissen, gegessen hatte. Der Ehrenwerte Gesandte, mit dem Friede und Segen sei, ließ die Frau, welche Zeyneb hieß, kommen und fragte sie: "Warum hast du das getan?" Da antwortete ihm die Unheilbringerin: "Wenn du wirklich der Prophet bist, wird es dir nicht schaden. Wenn du jedoch ein König bist, so habe ich es getan, um die Menschen von dir zu befreien." Nach einigen Überlieferungen hat er sie nicht dem Tode überliefert, nach einigen anderen Quellen sehr wohl. Die Kommentatoren (ehl-i tahqiq)meinen, er habe sie nicht zum Tode verurteilt, sie jedoch der Familie Bischrs übergeben, welche sie dann zum Tode verurteilten. Um aber nun bei diesem Wunder das Besondere des Geschehens aufzuzeigen, vernimm nun zwei, drei Gesichtspunkte:
Erstens:
Es gibt eine Überlieferung, die besagt, dass die Worte, mit der diese Ziege Mitteilung machte, auch von einigen unter den Sahabis gehört wurden.
Zweitens:
Es gibt jedoch auch eine andere Überlieferung, nach welcher der Ehrenwerte Gesandte, mit dem Friede und Segen sei, nachdem er Mitteilung gemacht hatte, sagte: "Sagt: in Gottes Namen (bismillah!),dann esst! Dann wird das Gift nicht mehr wirken." Diese Überlieferung, wird zwar von Ibn Hadjar Askalani nicht akzeptiert, von anderen jedoch sehr wohl.
Drittens:
Wenn auch hinterhältige Juden dem Ehrenwerten Gesandten, mit dem Friede und Segen sei, und seinen nächsten Sahabis einen überraschenden Schlag versetzen wollten, so hatte doch ihre böse Absicht keinen Erfolg,
wie die Entwicklung der Ereignisse der Nachricht entsprechend zeigt, die er plötzlich aus der unsichtbaren Welt erhalten hatte. Der Inhalt jener Kunde stellte sich als wahr heraus und ein jeder, der zu keiner Zeit erlebt hatte, dass sich eine Mitteilung vor den Augen der Sahabis als ihr Gegenteil herausgestellt hätte, kam zu einer festen Überzeugung, als er Mohammed (ASM) sagen hörte: "Die Aussage dieser Ziege teilt mir mit...", so als habe ein jeder die Worte dieser Ziege mit eigenen Ohren gehört.
Drittes Beispiel:
Drei Ereignisse, von denen jedes ein Wunder Ahmeds ist, die an die Wunder Mosis, mit dem Friede und Segen sei, erinnern, nämlich das mit der Weißen Hand und das mit seinem Stab:
Erstens:
Imam Ahmed Ibn Hanbal zitiert nach Abu Sa'id al-Khudri mit Quellenangabe:
Der Ehrwürdige Gesandte, mit dem Friede und Segen sei, gab in einer dunklen Regennacht Qatada Ibn Nu'man einen Stab und sagte: "Der soll dir gleich einer Lampe nach allen Seiten zehn Meter weit Licht spenden. Kommst du nach Hause, wirst du dort ein schwarzes Schattenwesen erblicken. Das ist der Satan. Wirf ihn aus dem Haus, vertreibe ihn!" Jener nahm den Stab und ging. Der spendete ihm Licht wie die Weiße Hand. So trat jener in sein Haus ein, sah dieses schwarze Wesen und trieb es hinaus.
Zweitens:
Während der Großen Schlacht von Badr, welche eine Quelle einzigartiger Ereignisse ist, zerbrach das Schwert von Ukkasha Ibn Mihsan Al-Esedi im Kampf mit den Götzendienern. Da gab ihm der Ehrwürdige Gesandte, mit dem Friede und Segen sei, einen kräftigen Knüppel an Stelle seines Schwertes und sagte: "Kämpfe damit!" Plötzlich wurde aus dem Knüppel mit Gottes Erlaubnis ein langes, silberglänzendes Schwert. Mit ihm kämpfte er. Er trug es auch noch während seines weiteren Lebens, bis er in der Schlacht von Jemame
den Märtyrertod erlitt, an seiner Seite. Dieses Ereignis gilt als sicher, denn Ukkasha war ein Leben lang stolz auf es, und dieses Schwert mit dem Namen "Helfer (el Aun)"wurde berühmt. So sind denn der Stolz von Hasret Ukkasha und sein Schwert mit dem Namen "Helfer (el Aun)",berühmt über allen Schwertern, zwei Zeugnisse dieses Ereignisses.
Drittens:
Ibn Abdu-l'Berr, einer der großen Gelehrten seiner Zeit und zugleich ein großer Forscher überliefert unter Angabe der Quelle:
Während der Schlacht von Uhud zerbrach dem Abdullah Ibn Djahsch, einem Vetter des Ehrwürdigen Gesandten, mit dem Friede und Segen sei, im Kampf das Schwert. Der Ehrenwerte Gesandte, mit dem Friede und Segen sei, gab ihm einen Stock. Dieser Knüppel wurde in seiner Hand zu einem Schwert. Mit diesem kämpfte er weiter. Dieses Schwert, entstanden aus einer Wundertat, behielt seine Beständigkeit (Baqi).Der berühmte Ibn Seyyid an-Nas berichtet in einer Schrift darüber, dass Abdullah einige Zeit später dieses Schwert für zweihundert Lira an einen Mann namens Bughay Türki verkauft hat.
So ist denn jedes dieser beiden Schwerter gleich einem Wunder wie der Stab Mosis. Dieser Stab Mosis jedoch behielt nach Mosis Tod nicht länger seine wundersame Eigenschaft. Jene aber erlangten Beständigkeit.
Dreizehnter Hinweispunkt
Eine andere Art Wunder Mohammeds, mit dem Friede und Segen sei, die sowohl allgemein überliefert sind und von denen es zugleich auch sehr viele Beispiele gibt, ist die, dass viele Kranke und Verletzte durch seinen gesegneten Atem Genesung fanden. Diese Art Wunder Ahmeds (ASM) erhalten durch ihre Vielzahl den Charakter einer allgemeinen Übereinstimmung. Bei einem Teil von ihnen gelten auch einzelne wie allgemein überliefert. Was die übrigen betrifft, so erhalten sie, selbst wenn sie nur von
einem einzigen überliefert wurden, dadurch, dass sie von kritisch betrachtenden Imamen und Hadith-Gelehrten angeführt und bestätigt wurden, gleichwohl die Kraft einer wissenschaftlichen Überzeugung. Auch wir wollen hier aus der Fülle der Beispiele nur einige erwähnen:
Erstes Beispiel:
Hasret Qadi Iyadh, der Gelehrte aus dem Westen, berichtet in seinem Buch "Heilige Genesung" unter Angabe hochstehender Persönlichkeiten und verschiedener Quellen von Hasret Sa'd ibn Abi Waqqas, einem Diener des Ehrwürdigen Gesandten, mit dem Friede und Segen sei, und auch einer seiner Kommandanten, sowie Oberkommandierender des islamischen Heeres in der Zeit von Hasret Omar und Eroberer des Iran, und einer der Zehn Empfänger (der Verheißung des Paradieses), der sagte:
Ich war in der Schlacht von Uhud an der Seite des Ehrenwerten Gesandten, mit dem Friede und Segen sei. Er schoss an diesem Tage mit Pfeilen, bis sein Bogen brach. Danach reichte er mir die Pfeile und sagte: "Schieß!" Dabei gab er mir Pfeile ohne Feder, also solche, die nicht mit Flügeln versehen waren, um den Flug von der Sehne zu steuern und befahl mir: "Schieß!" Da schoss ich. Sie flogen, als ob sie Flügel hätten und durchbohrten die Leiber der Ungläubigen. Derweil wurde Qatada ibn Nu'man von einem Pfeil am Auge getroffen. Das Auge sprang heraus und der Augapfel rutschte ihm übers Gesicht. Der Ehrenwerte Gesandte, mit dem Friede und Segen sei, nahm das Auge mit seiner gesegneten, heilenden Hand, fügte es seinem alten Platz wieder ein, wo es als das bessere der beiden Augen Heilung erfuhr, als sei nichts geschehen. Dieses Ereignis wurde so bekannt, dass ein Sohn von Qatada, als er einmal Omar ibn Abdulasis besuchte, sich selbst folgendermaßen vorstellte: "Ich bin der Sohn jenes Mannes, dessen ausgeschossenes Auge der Ehrenwerte Gesandte, mit dem Friede und Segen sei, wieder in seine Höhle einfügte, wo es sogleich wieder geheilt war." Dies sagte er zu Hasret Omar in Form eines Gedichtes
und stellte sich ihm auf diese Weise vor.
{ اَنَا ابْنُ الَّذِى سَالَتْ عَلَى الْخَدِّ عَيْنُهُ فَرُدَّتْ بِكَفِّ الْمُصْطَفٰى اَحْسَنَ الرَّدِّفَعاَدَتْ كَمَا كَانَتْ لاَوَّلِ اَمْرِهاَ فَياَ حُسْنَ ماَ عَيْنٍ وَياحُسْنَ ماَرَدٍّ }
Es wird auch einer zuverlässigen Überlieferung entsprechend berichtet: Der berühmte Abu Qatada wurde in der Schlacht von Jaum al-Siqarad durch einen Pfeil in seinem gesegneten Gesicht getroffen. Der Ehrenwerte Gesandte, mit dem Friede und Segen sei, strich mit seiner gesegneten Hand darüber. Abu Qatada sagt: "Ich habe niemals und zu keiner Zeit unter Schmerzen oder Entzündungen gelitten."
Zweites Beispiel:
Die Zuverlässigen Bücher, vor allem Bukhari und Muslim berichten: In der Schlacht von Khaibar hatte der Ehrenwerte Gesandte, mit dem Friede und Segen sei, Ali Khaidari zum Bannerträger ernannt. Alis Augen hatten sich jedoch entzündet und schmerzten ihn sehr. Als ihm jedoch der Ehrenwerte Gesandte, mit dem Friede und Segen sei, gleich einer Salbe seinen Speichel über die Augen strich, wurden sie im gleichen Augenblick gesund und nichts blieb zurück. Am nächsten Morgen riss er das außerordentlich schwere eiserne Tor der Feste Khaibar aus seiner Verankerung, hielt es gleich einem Schild und eroberte so die Feste Khaibar. In der gleichen Schlacht wurde Salama Ibn Aqwa an seinem Bein durch einen Schwertstreich getroffen und schwer verletzt. Der Ehrenwerte Gesandte, mit dem Friede und Segen sei, blies darüber hin und sogleich ward die Wunde geheilt.
Drittes Beispiel:
Nach einer Mitteilung von Othman Ibn Huneyf berichten Historiker (Erbab-i Siyer)wie vor allem Nesa'i aus dem Leben des Propheten: Othman erzählt: Zu dem Ehrenwerten Gesandten, mit dem Friede und Segen sei, kam einmal ein Blinder und sagte: "Bete darum, dass sich meine Augen öffnen mögen." Da befahl ihm der Ehrenwerte Gesandte, mit dem Friede und Segen sei:
فَانْطَلِقْ وَتَوَضَّأْ ثُمَّ صَلِّ رَكْعَتَيْنِ وَقُلِ اللّٰهُمَّ اِنِّى اَسْئَلُكَ وَاَتَوَجَّهُ اِلَيْكَ بِنَبِىِّ مُحَمَّدٍ نَبِىِّ الرَّحْمَةِ ياَ مُحَمَّدُ اِنِّى اَتَوَجَّهُ بِكَ اِلٰى رَبِّكَ اَنْ يَكْشِفَ عَنْ بَصَرِى اَللّٰهُمَّ شَفِّعْهُ فِىَّ
{"Geh und vollziehe die Waschungen, verrichte zwei Rekat und bete sodann: Oh Gott, ich bitte Dich und wende mein Angesicht um des Botschafters Deiner Barmherzigkeit willen Dir zu! Oh Mohammed! Ich wende, wie du gesagt hast, mein Angesicht zu deinem Herrn, dass Er den Schleier vor meinen Augen wegnehmen möge! Oh Gott, möge er mein Fürsprecher sein!"}
So ging er, tat wie ihm geheißen, kehrte zurück, sehenden Auges, und wir sahen das und wie gut er nun sehen konnte.
Viertes Beispiel:
Ibn Wahab, der ein großer Imam war, berichtet: Einer der vierzehn Märtyrer der Schlacht von Badr, Mu'awwis Ibn Afra', hatte mit Abu Djahil gekämpft. Da schlug Abu Djahil, dieser Elende, diesem Helden eine Hand ab. Der nahm sie mit der anderen Hand auf und lief zu dem Ehrenwerten Gesandten, mit dem Friede und Segen sei. Der Ehrenwerte Gesandte, mit dem Friede und Segen sei, setzte dessen Hand wieder zurück an ihre Stelle, bestrich sie mit seinem Speichel und sogleich trat auch die Heilung ein. Jener kehrte in die Schlacht zurück und kämpfte weiter, bis er schließlich fiel.
Desgleichen berichtet Imam Djelil Ibn Wahab: In der selben Schlacht erhielt Hubeyb Ibn Jesaf einen solchen Schwertstreich auf seine Schulter, dass sie ihm entzwei gehauen wurde und sich eine fürchterliche Wunde öffnete. Der Ehrenwerte Gesandte, mit dem Friede und Segen sei, drückte dessen Arm jedoch mit seiner Hand wieder gegen die Schulter, blies darüber hin und sogleich trat die Heilung ein.
Wenn nun auch diese beiden Ereignisse aus nur einer Quelle und auch nur ein einziges Mal berichtet werden, so kann man dennoch, da sie von einem solchen Imam
wie Djelil Ibn Wahab bestätigt werden und da sie sich in der Schlacht von Badr ereignet haben, die selbst wieder eine Quelle von Wundern ist, und da es noch viele andere Beispiele gibt, welche diesen beiden Ereignissen ähneln, sicherlich sagen, dass auch diese beiden Ereignisse als gesichert und tatsächlich geschehen gelten dürfen.
So sind es denn also vielleicht tausend Beispiele, die durch authentische Überlieferungen als gesichert gelten müssen, wo die gesegnete Hand des Ehrenwerten Gesandten, mit dem Friede und Segen sei, Heilung gebracht hat.
Dieser Absatz verdiente es, dass er in Gold und Diamanten gefasst werde.
Es wurde fürwahr dies schon zuvor beschrieben: In seiner Hand loben und preisen Gott selbst noch die kleinen Steinchen. Dem Geheimnis von:
وَمَا رَمَيْتَ اِذْ رَمَيْتَ
{"Nicht du warst es, der da warf, als du geworfen hast."}
gemäß, schlugen Erde und kleine Steinchen den Feind gleich Kugeln und Granaten in die Flucht. Der Feststellung entsprechend: وَانْشَقَّ الْقَمَرُ {"Als der Mond gespalten wurde..." (Sure 54, 1)} spaltete er mit einem Finger der gleichen Hand den Mond in zwei Teile; und mit der selben Hand ließ er aus seinen zehn Fingern Wasser strömen wie aus einem Brunnen und ließ ein ganzes Heer davon trinken; durch die selbe Hand fanden die Kranken und die Verwundeten Heilung. Dies zeigt mit Sicherheit, wie sehr diese gesegnete Hand
ein Wunder über allen Wundern der Allmacht Gottes ist. Unter seinen Freunden wird die Fläche dieser Hand zu einem kleinen Haus des Gottesgedenkens (Dhikirhane)des Hochgelobten, in dem kleine Steinchen Gottes gedenken und Ihn preisen, wenn sie darin eintreten. Gegen seine Feinde wird sie zu einem kleinen Zeughaus des Herrn, in dem Steine und Erde, wenn man sie dort hineinbringt, zu Bomben und Granaten werden. Für die Verwundeten und die Kranken wird sie zu einer kleinen Apotheke des Allbarmherzigen, durch die alles Leid, das sie berührt, geheilt wird. Emporgehoben mit Majestät (Djelal)spaltet sie den Mond und gibt ihm die Gestalt von zwei Bogen. Wenn sie sich in Schönheit (Djemal)neigt, wird sie einem Brunnen des Allbarmherzigen gleich, dem wie aus zehn Hähnen paradiesisches Wasser (Kauthar)entströmt. Da es aber nur die Hand dieser Persönlichkeit ist, welche die Quelle und der Erscheinungsort solcher außerordentlichen Wunder ist, sollte es dann nicht sonnenklar zu verstehen sein, wie sehr eine solche Persönlichkeit bei dem Schöpfer der Welt anerkannt, wie glaubwürdig sein Ruf und sein Anliegen (dava)ist und wie glücklich jene sein werden, die in diese Hand das Versprechen ihres Bundes gegeben haben.
Frage:
Man sagt: Du sagst, dass viele Dinge allgemein überliefert sind. Doch von vielen Dingen haben wir das erste Mal gehört. Wie kann etwas, das als allgemein überliefert gilt, so unbekannt sein?
Antwort:
Es gibt viele Dinge, die unter den Kennern des Gesetzes (Schari'a)allgemein bekannt und selbstverständlich sind, solchen aber, die nicht zu ihnen gehören, unbekannt sind. Es gibt viele Dinge, die unter den Hadith-Gelehrten allgemein bekannt sind, von denen man jedoch in anderen Kreisen noch nie etwas gehört hat, usw. Es gibt in jedem Wissensgebiet Fachleute und es gibt Tatsachen und Ansichten, die diesem Wissensgebiet entsprechend erklärt werden. Was nun die Allgemeinheit betrifft, so stützen und verlassen sie sich entweder auf die Autoritäten
des betreffenden Fachgebietes, oder aber machen selbst ihre Beobachtungen und Erfahrungen. Nun werden jedoch die angeführten Berichte, die allgemein überliefert wurden, und dem Wortlaut nach oder auch sinngemäß, oder in ihrer Art als gesichert betrachtet werden können, sowohl von den Hadith-Gelehrten, als auch den Kennern des Gesetzes (Schari'a),als auch von den Theologen und den Gelehrten der meisten Fakultäten in dieser Weise dargestellt und betrachtet. Wenn einfache Leute sich nicht für dergleichen interessieren oder in ihrem Desinteresse ihre Augen davor verschließen, so liegt der Fehler auf ihrer Seite.
Fünftes Beispiel:
Imam Baghawi berichtet in seinem Buch und bestätigt: Ali Ibn Al-Hakem wurde während der Graben-Schlacht durch den Schlag eines Ungläubigen das Bein gebrochen. Der Ehrenwerte Gesandte, mit dem Friede und Segen sei, strich ihm darüber hin. Da wurde es im gleichen Augenblick geheilt, ohne dass jener vom Pferde gestiegen war.
Sechstes Beispiel:
Die Hadith-Forscher, vor allem Imam Beyhaqi, berichten: Imam Ali war sehr krank. Darum betete er für sich selbst unter Schmerzen und stöhnte. Da kam der Ehrenwerte Gesandte, mit dem Friede und Segen sei, zu ihm und betete: اَللّٰهُمَّ اشْفِهِ {"Oh Gott, schenke ihm Gesundheit!"}
Dabei rührte er ihn mit seinem Fuß an, hieß ihn aufstehen und sofort ward er gesund. Imam Ali sagt: "Diese Krankheit habe ich danach niemals mehr wieder bekommen."
Siebentes Beispiel:
Dies ist die berühmte Geschichte von Shurahbil Al-Dju'fi: Dieser hatte eine Geschwulst in seiner Hand, sodass er Schwert oder Zügel nicht halten konnte. Der Ehrenwerte Gesandte, mit dem Friede und Segen sei, strich mit seiner gesegneten Hand über die
Geschwulst in dessen Hand hin und rieb sie, und von der Geschwulst blieb keine Spur mehr zurück.
Achtes Beispiel:
An sechs voneinander verschiedenen Kindern offenbarte sich jeweils ein anderes Wunder Ahmeds.
Erstens:
Ibn Abu Shayba, (ein überaus genauer Forscher und berühmter Hadith-Gelehrter) berichtet: Eine Frau brachte einmal ihr Kind zu dem Ehrenwerten Gesandten, mit dem Friede und Segen sei. Dieses Kind war geistig behindert und konnte nicht sprechen. Da nahm der Ehrenwerte Gesandte, mit dem Friede und Segen sei, etwas Wasser. Damit spülte er sich den Mund aus und wusch sich die Hände. Dann gab er der Frau dieses Wasser und befahl ihr: "Gib dies dem Kind zu trinken!" Nachdem das Kind dieses Wasser getrunken hatte, waren Unheil und Krankheit von ihm gewichen. Es besaß nun soviel Verstand und Reife, dass es sogar noch über den Menschenverstand hinauswuchs.
Zweitens:
Nach authentischen Quellen hat Hasret Ibn Abbas gesagt: Dem Ehrenwerten Gesandten, mit dem Friede und Segen sei, wurde einmal ein geisteskrankes Kind gebracht. Diesem legte er seine gesegnete Hand auf die Brust, worauf sich das Kind plötzlich erbrach. Es kam ein schwarzes Ding, ähnlich einer kleinen Gurke, zum Vorschein. Das Kind ging geheilt.
Drittens:
Imam Beyhaqi und Nesa'i berichten aus authentischer Quelle: Über den Arm eines Kindes namens Mohammed ibn Khatib hatte sich ein Topf kochenden Wassers ergossen, wobei ihm der ganze Arm verbrüht worden war. Der Ehrenwerte Gesandte, mit dem Friede und Segen sei, strich ihm seinen Speichel darüber und im gleichen Augenblick ward er geheilt.
Viertens:
Ein Kind, das bereits groß geworden und schon erwachsen, jedoch stumm war, kam zu dem Ehrwürdigen Gesandten, mit dem Friede und Segen sei. Dieser fragte das Kind: "Wer bin ich?" Da sagte dieses
stumme Kind, das noch nie gesprochen hatte: اَنْتَ رَسُولُ اللّٰهِ {"Du bist der Gesandte Gottes!"} und fing an zu reden.
Fünftens:
Djelaleddin Suyuti, der sich mit dem Ehrwürdigen Gesandten, mit dem Friede und Segen sei, oftmals in der Welt der Erwachten zusammen getroffen hatte, zitiert und bestätigt, dass eine berühmte Persönlichkeit namens Mubarek Al-Jamama, als sie gerade eben erst zur Welt gekommen war, zu dem Ehrenwerten Gesandten, mit dem Friede und Segen sei, gebracht worden war. Der Ehrenwerte Gesandte, mit dem Friede und Segen sei, neigte sein Antlitz über ihn. Da fing der Knabe an zu sprechen:
اَشْهَدُ اَنَّكَ رَسُولُ
{"Ich bezeuge, dass du wahrhaftig Gottes Gesandter bist."}
Da sagte der Ehrenwerte Gesandte, mit dem Friede und Segen sei, zu ihm: "Gott segne dich! (Barakallah)"Von da an sprach das Kind bis es das dementsprechende Alter erreicht hatte nicht wieder. Da dieses Kind ein solches Wunder Ahmeds erlebt hatte, Wunsch und Gebet des Propheten: "Gott segne dich (Barakallah)!"ihm offenbar geworden war, wurde es auch unter dem Namen: "Der gesegnete Jamama" berühmt.
Sechstens:
Eine Frau mit einem kindischen Gemütszustand und Mangel an Sinn für Scham und Anstand, wollte, als sie einmal den Ehrenwerten Gesandten, mit dem Friede und Segen sei, beim Essen erblickte, auch einen Bissen haben und bekam ihn auch. Doch sagte sie; "Nein, ich will von dem haben, was du gerade im Mund hast." Da gab er ihr auch davon. Da wurde diese Frau, die doch so ganz ohne jedes Schamgefühl gewesen war, nachdem sie den Bissen gegessen hatte, zur verschämtesten
Frau und die, welche unter den Frauen Medinas mehr Anstand besaß als sie alle.
So gibt es denn, ähnlich diesen acht Beispielen, nicht achtzig sondern achthundert solcher Beispiele. Die meisten von ihnen werden uns in den Büchern über das Leben, Lehren und Wirken des Propheten (Sijer ve Ahadith)erzählt. In der Tat gleicht die gesegnete Hand des Ehrwürdigen Gesandten, mit dem Friede und Segen sei, der Apotheke des Arztes und Weisen (Hakiem)Luqman, sein Speichel dem lebensspendenden Brunnen von Hasret Khidir (Elias).Sein Atem wirkte helfend und heilend wie bei Hasret Isa (Jesus),mit dem der Friede sei, sodass natürlicher Weise angesichts des von so viel Unglück und Leid geplagten Menschengeschlechtes alle die vielen körperlich, seelisch oder geistig Kranken, und unter ihnen viele Kinder in Scharen zu ihm kamen, sich an ihn wandten und geheilt wieder von dannen zogen. Denn selbst der große Arzt der Tabiine, Abu Abdurrahman al-Jamani, den man Taus nennt, der noch viele Sahabis gekannt hatte und der vierzig Mal die Hadj vollzogen hat und vierzig Jahre lang das Morgengebet mit dem Abdest des Nachtgebetes verrichtet hat, mit Bestimmtheit berichtet, bestätigt und sagt: "Wieviele auch immer verstörte und schwer gestörte Menschen zu dem Ehrenwerten Gesandten, mit dem Friede und Segen sei, gekommen sein mögen, sobald der Ehrwürdige Gesandte, mit dem Friede und Segen sei, seine Hand auf ihre Brust gelegt hatte, fanden sie mit Sicherheit Heilung und es blieb niemand übrig, der nicht geheilt worden wäre."
Wenn nun also ein solcher Imam, der noch selbst mit dem Glücklichen Zeitalter (Asr-i Sa'adet)in Verbindung gestanden hatte, derart sicher und allumfassend urteilte, dann gab es da mit Sicherheit niemanden, der gekommen wäre und seine Krankheit behalten hätte, der keine Heilung gefunden hätte. Da sie aber nun einmal geheilt wurden, muss es sicherlich tausende von Hilfesuchenden gegeben haben.
Vierzehnter Hinweispunkt
Unter den Wundern, welche der Ehrenwerte Gesandte, mit dem Friede und Segen sei, gewirkt hat, ist jene Art von ganz besonderer Bedeutung, welche sich auf sein Gebet (dua)hin gezeigt haben. Das sind in der Tat jene, welche allgemein als genau und zuverlässig überliefert gelten. Die Beispiele dafür und die Einzelheiten dazu sind so zahlreich, dass man sie nicht zählen kann. Unter ihnen sind zahlreiche Beispiele so bekannt geworden, dass auch sie als allgemein überliefert gelten können, während andere so weit verbreitet sind, dass sie als nahezu allgemein überliefert angesehen werden dürfen. Einen Teil von ihnen haben so bedeutsame Imame berichtet, dass diese Erzählungen die Zuverlässigkeit einer berühmten, allgemein bekannten Überlieferung erlangt haben. Wir wollen hier unter den so zahlreichen Beispielen einige weit verbreitete, als nahezu sicher überlieferte, allgemein bekannte Beispiele stellvertretend für alle anführen und dabei aus jeder Gruppe nur einige wenige herausgreifen.
Erstes Beispiel:
Die Gebete des Ehrenwerten Gesandten, mit dem Friede und Segen sei, wurden stets sogleich erhört, wenn er um Regen betete, was oftmals geschehen ist. Dies wird uns von Hadith-Gelehrten besonders aber von Imam Bukhari und Imam Muslim überliefert und gilt als allgemeine Überlieferung. Ja manchmal erhob er von der ehrwürdigen Kanzel herab seine Hände zum Gebet um Regen und es regnete, noch bevor er sie wieder sinken ließ. Wie wir oben bereits erwähnt haben, zogen ein, zwei Mal Wolken herauf, als das Heer unter Durst litt, und spendeten ihren Regen. Ja noch bevor seiner Berufung zum Propheten, als der Ehrenwerte Gesandte, mit dem Friede und Segen sei, noch ein Kind war, nahm Abdul-Muttalib, der Großvater des Propheten, ihn um seines heiligen Antlitz willen mit zum Gebet um den Regen. Und der kam um seiner Erscheinung willen hernieder. Dieses Geschehnis ist durch ein Gedicht von Abdulmuttalib berühmt geworden.
Auch noch nach dem Hinscheiden des Propheten sagte Hasret Omar unter Berufung auf Hasret Abbas: "Oh Herr! Dies ist der Onkel dessen, der Dir wohlgefällig (Habib)war. Um der Ehre seines Namens willen lass es regnen!" Da ließ Er es regnen.
Auch berichten die Imame Bukhari und Muslim: Als es einmal notwendig wurde, um Regen zu beten, da betete der Ehrwürdige Gesandte, mit dem Friede und Segen sei, darum. Und es kam ein solcher Regen auf sie herab, dass sie ihn anriefen: "Erbarmen! So bete doch, dass es wieder aufhört!" Da betete er und sofort hörte es auf.
Zweites Beispiel:
Dies ist so bekannt, dass es als nahezu allgemein überliefert gilt: Der Ehrenwerte Gesandte, mit dem Friede und Segen sei, betete einmal, und das war, als die ersten Gefährten und die, welche zum Glauben gelangt waren, an Zahl noch nicht die Vierzig erreicht hatten und sie noch im Geheimen beteten:
اَللّٰهُمَّ اَعِزَّ الْاِسْلاَمَ بِعُمَرِ بْنِ الْخَطَّابِ اَوْ بِعَمْرِو بْنِ هِشَامِ
{"Oh Gott! Stärke die Sache des Islam durch die Hilfe von Omar ibn Khattab oder Amr ibn Hisham!"}
Ein, zwei Tage später nahm Omar Ibn Khattab den Glauben an, stellte sich in den Dienst des Islam und verkündete ihn. So erwarb er sich den erhabenen Titel eines Faruq (d.h. der, welcher die Wahrheit von der Lüge zu scheiden vermag).
Drittes Beispiel:
Der Prophet betete für verschiedene, besonders qualifizierte Gefährten um ganz unterschiedliche Dinge. Alle seine Gebete wurden auf eine so glänzende Weise erhört, dass die so erflehten Gnadengaben (Keramet)schon das Ausmaß eines wahren Wunders (Mu'djise)angenommen hatten. So berichten besonders Bukhari und Muslim , dass er für Ibn Abbas folgendermaßen gebetet habe:
اَللّٰهُمَّ فَقِّهْهُ فِى الدِّينِ وَعَلِّمْهُ التَّاْوِيلَ
{"Oh Gott, schenke ihm die Kenntnis der Gesetze (Fiqh) des Glaubens (Din) und das Wissen (Ilm) um ihre Auslegung!"}
Sein Gebet wurde in der Weise angenommen, dass Ibn Abbas sich den Ruhm erwarb, "Sprachrohr des Qur'an (terdjuman-ul Qur'an)"zu sein und den hohen Rang eines Lehrmeisters der Gemeinde (Kabr-ul Umme, yani Allame-i Ummah)erlangte. Obwohl er noch sehr jung war, ließ Hasret Omar ihn bereits an den Versammlungen der Großen und der Gelehrten unter den Sahabis teilnehmen.
Des Weiteren berichten die Verfasser der Zuverlässigen Bücher, besonders aber Imam Bukhari, dass die Mutter von Ennes den Ehrenwerten Botschafter, mit dem Friede und Segen sei, ersucht habe: "Bete um den Segen für Ennes, der dein Diener ist, seine Kinder, sein Hab und sein Gut!" Da betete er:
اَللّٰهُمَّ اَكْثِرْ مَالَهُ وَوَلَدَهُ وَبَارِكْ لَهُ فِى مَا اَعْطَيْتَهُ
{"Oh Gott, schenke ihm Überfluss an Reichtum und Nachkommen und Segen in all dem, was du ihm gegeben hast."}
Hasret Ennes erklärte in seinen alten Tagen und schwor: "Ich habe hundert meiner Kinder mit eigener Hand begraben. Auch im Vergleich zu meinem Vermögen und meinem Reichtum gab es keinen, der in seinem Leben so glücklich gewesen wäre wie ich. Meinen Überfluss an Reichtümern könnt ihr sehen. Das alles ist der Segen aus dem Gebet des Propheten."
Des Weiteren berichten die Hadith-Gelehrten, besonders aber Imam Beyhaqi, dass der Ehrenwerte Gesandte, mit dem Friede und Segen sei, für Abdurrahman bin Awf, einen der Zehn Empfänger (der Verheißung des Paradieses) um Überfülle an Reichtum und Segen gebetet habe. Durch den Segen dieses Gebetes empfing er solche Reichtümer,
dass er davon einmal siebenhundert vollbeladene Kamele um Gotteslohn (fi sabili'llah)spenden konnte. So betrachtet denn nun, welch einen Segen das Gebet des Propheten erwirkt hat und sprecht es auch aus: "Gott gab Seinen Segen (baraka'llah)!"
Des Weiteren berichten die Überlieferer, besonders aber Imam Bukhari: "Der Ehrenwerte Gesandte, mit dem Friede und Segen sei, betete einmal, dass Urwa ibn Abu Dja'da Erfolg und Gewinn im Handel haben möge. Urwa erzählt selbst: Ich stand zuweilen im Basar von Kufa und hatte tagsüber vierzigtausend verdient, wenn ich am Abend nach Hause ging." Imam Bukhari sagt dazu: "Selbst noch mit dem Staub, den er in seine Hand nehmen würde, hätte er sein Geschäft gemacht."
Des Weiteren hat er auch für Abdullah Ibn Dja'fer um die Fülle an Reichtum und Segen gebetet. Da erwarb Hasret Abdullah Ibn Dja'fer einen solchen Reichtum, dass er zu seiner Zeit dadurch berühmt wurde. Doch in gleicher Weise wie er durch das Segensgebet des Propheten zu Reichtum gelangt war, so wurde er auch berühmt durch seine Freigiebigkeit. Von dieser Art gibt es noch viele Beispiele. Als Musterbeispiele mögen uns jedoch diese vier angeführten Ereignisse genügen.
Des Weiteren berichtet vor allem Imam Tirmidhi: Für Sa'd Ibn Abu Waqqas betete der Ehrenwerte Gesandte, mit dem Friede und Segen sei:
اَللّٰهُمَّ اَجِبْ دَعْوَتَهُ
{"Oh Gott, erhöre sein Gebet!"}
So betete er, dass Sa'ds Gebet erhört werden möge. Zu jener Zeit fürchtete sich jedermann vor Sa'ds Fluch. Doch auch die Erhörung seines Gebetes wurde berühmt.
Des Weiteren sagte der Prophet zu dem berühmten Abu Qatada:
اَفْلَحَ اللّٰهُ وَجْهَكَ اَللّٰهُمَّ بَارِكْ لَهُ فِى شَعْرِهِ وَبَشَرِهِ
{"Gott schenke Dir Glück! Segne ihm, oh Gott, sein Haar und segne ihm seine Haut!"}
So betete er für ihn, dass ihm die Schönheit seiner Jugend erhalten bleiben möge. Als Abu Qatada im Alter von siebzig Jahren verstarb, sah er noch immer so aus wie ein fünfzehnjähriger. Dieses Geschehnis ist berühmt geworden und gilt als zuverlässig überliefert.
Des Weiteren gibt es da die berühmt gewordene Erzählung über den bekannten Dichter Nabigha, der dem Ehrenwerten Gesandten, mit dem Friede und Segen sei, die folgenden Verses seines Gedichtes vortrug:
بَلَغْنَا السَّمَآءَ مَجْدُنَا وَسَنَآئُنَا ٭ وَاِنَّا نُرِيدُ فَوْقَ ذٰلِكَ مَظْهَرًا
{"Unser Ruhm ist bis zum Himmel emporgestiegen. Doch wir möchten noch darüber hinaus gelangen."}
Da fragte ihn der Ehrwürdige Gesandte, mit dem Friede und Segen sei, wie im Scherz:
اِلَى اَيْنَ يَآ اَبَا لَيْلٰى؟
{"Wohin denn, oh Vater der Leyla"}
Antwortete der:
اِلَى الْجَنَّةِ يَا رَسُولَ اللّٰهِ
{"In das Paradies, oh Botschafter Gottes!"}
Sodann trug er noch ein weiteres seiner bedeutsamen Gedichte vor und der Ehrwürdige Gesandte, mit dem Friede und Segen sei, betete:
لاَ يَفْضُضِ اللّٰهُ فَاكَ
{"Möge Gott Deinen Mund nicht dem Verderben anheim geben!"}
So bewirkte denn das Gebet des Propheten und sein Segen, dass dieser Nabigha mit hundertundzwanzig Jahren noch keinen Zahn verloren hatte, sogar für jeden, der ihm ausgefallen war, ein neuer an seine Stelle trat.
Des Weiteren betete der Prophet, wie eine zuverlässige Überlieferung berichtet, einmal für Imam Ali:
اَللّٰهُمَّ اكْفِهِ الْحَرَّ وَالْقَرَّ
{"Oh Gott, beschütze ihn vor Hitze und Kälte!"}
So kam es denn, dass Imam Ali durch den Segen dieses Gebetes im Sommer Winterkleidung und im Winter Sommerkleidung trug. Er sagte: "Durch den Segen dieses Gebetes verspüre ich niemals die Unbilden der Kälte oder der Hitze."
Des Weiteren betete der Prophet einmal für Hasreti Fatima:
اَللّٰهُمَّ لاَتُجِعْهَا
{"Oh Gott, lass sie nicht unter Hunger leiden!"}
Hasreti Fatima sagte: "Auf dieses Gebet hin habe ich niemals wieder unter Hungerqualen gelitten."
Des Weiteren hat einmal Tufail Ibn Amr den Ehrenwerten Gesandten, mit dem Friede und Segen sei, um ein Wunder gebeten, das er seinem Volke zeigen wollte. Da betete der Ehrenwerte Gesandte, mit dem Friede und Segen sei:
اَللّٰهُمَّ نَوِّرْ لَهُ
{"Oh Gott, schenke ihm Licht!"}
Daraufhin zeigte sich in der Mitte zwischen seinen beiden Augen ein Licht. Später wurde dieses dann an seinem Stock befestigt. Mit diesem wurde er dann als "Dhin-nur (Lichtträger)" berühmt. Dies also sind jene Ereignisse,
die zu den berühmt gewordenen Ahadith gehören und deswegen als gesichert gelten dürfen.
Des Weiteren beklagte sich einmal Abu Huraira bei dem Ehrenwerten Gesandten, mit dem Friede und Segen sei: "Mein Gedächtnis lässt mich im Stich." Da hieß ihn der Ehrenwerte Gesandte, mit dem Friede und Segen sei, ein Tuch ausbreiten. Sodann, so als hole er mit seinen gesegneten Händen etwas aus dem Unsichtbaren herbei, entleerte er diese, wiederholte diesen Vorgang zwei, drei Mal und sagte dann zu Abu Huraira: "Nun nimm es auf!" Da nahm er es auf. Abu Huraira schwur später einmal: "Es war das Geheimnis, das aus dem Geist dieses Gebetes erwuchs, das der Prophet gesprochen hat, dass ich niemals mehr etwas vergessen habe." Dies also sind jene Ereignisse, die zu den berühmt gewordenen Ahadith hinzugezählt werden.
Viertes Beispiel:
Wir wollen hier einige Geschehnisse anführen, welche Verwünschungen des Ehrenwerten Gesandten, mit dem Friede und Segen sei, zum Gegenstand haben.
Erstens:
Der Schah von Persien mit dem Namen Pervis, hatte den Brief des Ehrenwerten Gesandten, mit dem Friede und Segen sei, zerrissen. Man überbrachte dem Ehrenwerten Gesandten, mit dem Friede und Segen sei, davon die Nachricht. Da richtete sich der Prophet gegen den Schah von Persien mit dem folgenden Gebet: اَللّٰهُمَّ مَزِّقْهُ {"Oh Gott, so wie dieser meinen Brief zerrissen hat, so richte auch Du ihn und sein Reich zu Grunde!"}
Dies aber war nun die Wirkung seiner Verwünschung: Der Chosro Pervis wurde durch seinen Sohn Shirviye mit dem Dolch in Stücke geschnitten und Sa'd Ibn Abu Waqqas zerstörte sein Reich von Grund auf. Vom Reich der Sasaniden und all seiner Macht blieb nirgendwo mehr eine Spur zurück. Dem Kaiser von Byzanz und anderen
Königen jedoch, blieben Krone und Reich erhalten, weil sie die Botschaft des Propheten in Ehren aufgenommen hatten.
Zweitens:
Ein Ereignis, das beinahe ebenso berühmt ist wie eine allgemeine Überlieferung und auf das auch im Qur'an eine Ayah hinweist, ist dieses: In islamischer Frühzeit, als einmal der Ehrenwerte Gesandte, mit dem Friede und Segen sei, in der "Masdjid al-Haram(der Kaaba)" das Gebet verrichtete, versammelten sich die Stammesfürsten der Qurayshiten und spielten ihm ziemlich übel mit. Damals hatte er sie daraufhin verwünscht. Ibn Mes'ud erzählt: "Ich schwöre, dass ich in der Schlacht von Badr die Leichen all derer gesehen habe, die ihm damals so übel mitgespielt hatten und nun seine Verwünschungen an sich erfahren haben."
Drittens:
Einmal wünschte der Prophet den Mudaria, einem großen arabischen Volksstamm, weil er den Ehrenwerten Gesandten, mit dem Friede und Segen sei, verleugnet hatte, eine Zeit der Dürre. Da kam kein Regen mehr, Dürre breitete sich aus und eine Hungersnot erhob ihr Haupt. Daraufhin wandte sich der Stamm der Qurayshiten, welcher gleichfalls zum Volk der Mudaria gehört, mit einer Bitte an ihn. Da betete der Prophet für sie. Der Regen kam und die Dürre schwand. Dieses Ereignis erlangte die gleiche Berühmtheit wie eine allgemeine Überlieferung.
Fünftes Beispiel:
Welch furchtbare Folgen es hatte, wenn die Verwünschung von bestimmten einzelnen Personen Erhörung fand, dafür gibt es viele Beispiele. Von diesen wollen wir hier drei zuverlässige Berichte als Beispiele anführen:
Erstens:
Gegen Utba Ibn Abu Lahab richtete er das folgende Gebet:
اَللّٰهُمَّ سَلِّطْ عَلَيْهِ كَلْبًا مِنْ كِلاَبِكَ
{"Oh Gott, lass einen Deiner Hunde über ihn herfallen!"}
Als später einmal Utba eine Reise unternahm, kam ein Löwe herbei, suchte ihn mitten aus der Karawane heraus und zerriss ihn. Dieses Ereignis ist berühmt. Die Hadith-Gelehrten haben dies so überliefert und es bestätigt.
Zweitens:
Muhallim Ibn Dschussama hatte Amir Ibn Asbat auf grausame Weise ermordet. Denn der Ehrenwerte Gesandte, mit dem Friede und Segen sei, hatte Amir als seinen Kommandanten mit einer Abteilung Soldaten in den Kampf für den Glauben geschickt. Unter ihnen war auch Muhallim gewesen. Auf die Nachricht von dem Attentat hin, wandte sich der Zorn des Ehrwürdigen Gesandten, mit dem Friede und Segen sei, gegen ihn mit dem Gebet:
اَللّٰهُمَّ لاَ تَغْفِرْ لِمُحَلِّمِ
{"Oh Gott, verzeihe dies Muhallim nicht!"}
Sieben Tage danach starb Muhallim. Man begrub ihn, doch die Erde wies ihn von sich. So oft man ihn auch ins Grab legte: das Grab nahm ihn nicht auf. Schließlich sah man sich dazu gezwungen, zwei Steine mit einer festen Mauer zu überbrücken und ihn auf diese Weise darunter zu beerdigen.
Drittens:
Der Ehrenwerte Gesandte, mit dem Friede und Segen sei, sah einmal einen Mann, wie er mit der Linken aß. Da sagte er zu ihm: كُلْ بِيَمِينِكَ {"Iss mit deiner Rechten!"}
Doch der Mann warf ihm entgegen: لاَ اَسْتَطِيعُ {"Das kann ich nicht!"} لاَ اسْتَطَعْتَ {"Und du wirst es auch nicht mehr können!"}
war daraufhin die Verwünschung des Ehrenwerten Gesandten, mit dem Friede und Segen sei. Und siehe: von Stund an konnte der Mann seine rechte Hand nicht mehr hochheben!
Sechstes Beispiel:
Der Ehrenwerte Gesandte, mit dem Friede und Segen sei, hat sehr viele Wunder durch ein Gebet oder durch eine bloße Berührung bewirkt. Wir wollen von ihnen nur einige hier anführen, die als gesichert gelten dürfen.
Erstens:
Der Prophet gab einmal Khaled ibn Walid (gen. das Schwert Gottes) einige seiner Haare, wobei er ein Schutzgebet gesprochen hatte. Hasret Khaled bewahrte diese Haare in seiner Mütze (küllah).Und siehe: dies ward ihm zur Ehre! Unter dem Segen des Gebetes, gesprochen über diese Haare, zog er niemals in eine Schlacht, aus der er nicht siegreich wieder hervorgegangen wäre.
Zweitens:
Salman al-Farisi war ein Sklave aus jüdischem Hause. Als er sich freikaufen wollte, verlangte sein Herr von ihm eine Menge Dinge. "Du musst dreihundert Dattelpalmstecklinge einpflanzen. Haben sie erst einmal Frucht getragen und du gibst mir dann noch vierzig Okka Gold (etwa 65 kg) dazu, so sollst du frei sein." Da ging al-Farisi zu dem Ehrenwerten Gesandten, mit dem Friede und Segen sei, und erklärte ihm seine Lage. Da pflanzte der Ehrenwerte Gesandte, mit dem Friede und Segen sei, in der Gegend von Medina dreihundert Setzlinge mit eigener Hand ein. Einen einzigen pflanzte ein anderer. Noch im selben Jahr brachten alle die Stecklinge, die der Ehrenwerte Gesandte, mit dem Friede und Segen sei, angepflanzt hatte, ihre Frucht. Nur ein einziger, der, den ein anderer gepflanzt hatte, jener eine brachte keine Frucht. Der Ehrenwerte Gesandte, mit dem Friede und Segen sei, zog ihn heraus und pflanzte ihn noch einmal wieder ein und auch er brachte seine Frucht. Er gab Salman auch etwas Gold, etwa von der Größe eines Hühnereis, nachdem er es mit seinem Speichel bestrichen und ein
Gebet darüber gesprochen hatte und sagte zu ihm: "Nun geh und gib dies dem Juden!" Da ging Salman Farisi und gab seinem Herrn vierzig Okka von dem Gold und er behielt noch immer so viel Gold zurück, wie er zuvor gehabt hatte, also etwa eine Menge in der Größe eines Hühnereis. So war denn dieses Ereignis der bedeutendste Vorfall im Leben des Hasret Salman al-Paq. Durch ihn wurde ein Wunder bewirkt. Davon haben uns anerkannte und angesehene Autoritäten Kunde gebracht.
Drittens:
Eine Sahabiye namens Umm Malik pflegte dem Ehrenwerten Gesandten, mit dem Friede und Segen sei, aus einem kleinen Säckchen, das man Ukka nennt, Butter zu schenken. Als der Ehrenwerte Gesandte, mit dem Friede und Segen sei, ihr wieder einmal diese Ukka mit einem Segensgebet zurückreichte, gab er ihr dabei die Anweisung: "Wenn du dieses leerst, so presse es niemals aus!" Da nahm Umm Malik die Ukka und wann immer ihre Kinder Butter wünschten, fanden sie durch das Segensgebet des Propheten etwas Butter in der Ukka. Dies ging eine lange Zeit so weiter. Als man sie dann eines Tages auspresste, hörte auch der Segen auf.
Siebentes Beispiel:
Der Ehrenwerte Gesandte, mit dem Friede und Segen sei, konnte durch sein Gebet und durch sein physisches Dazwischentreten Wasser Süßigkeit und Wohlgeruch verleihen. Von den zahlreichen Beispielen, die es dafür gibt, wollen wir hier nur zwei, drei als Musterbeispiele anführen.
Erstens:
Hadith-Gelehrte wie vor allem Imam Beyhaqi berichten, dass das Wasser eines Brunnens, Quba mit Namen, zuweilen versiegte. Dann wurde der Brunnen leer. Der Ehrenwerte Gesandte, mit dem Friede und Segen sei, nahm Abdest, leerte das Wasser wieder in den Brunnen zurück, es begann wieder reichlich zu fließen und versiegte danach niemals mehr.
Zweitens:
Hadith-Gelehrte und vor allem Abu Nuaym in seinem Buch "Beweise des Prophetentums" berichten:
Der Ehrenwerte Gesandte, mit dem Friede und Segen sei, gab in den Brunnen, den Ennes vor seinem Hause hatte, etwas Speichel hinein und betete. Da wurde es zum süßesten Wasser im Strahlenden Medina.
Drittens:
Ibn Madja berichtet: Man brachte dem Ehrenwerten Gesandten, mit dem Friede und Segen sei, einen Eimer Wasser aus dem Brunnen Semsem. Er nahm einen Schluck davon in seinen Mund und entleerte ihn dann wieder in den Eimer zurück. Danach verströmte der Eimer einen Duft wie von Moschus.
Viertens:
Imam Ahmed Ibn Hanbal berichtet: Man hatte aus einem Brunnen einen Eimer Wasser heraufgezogen. Der Ehrenwerte Gesandte, mit dem Friede und Segen sei, gab etwas von dem Wasser seines Mundes hinein. Nachdem man es in den Brunnen geleert hatte, begann dieser einen Duft wie von Moschus zu verbreiten.
Fünftens:
Hammad Ibn Salama, einer der Heiligen und Gottesmänner, auf den sich Imam Muslim und die maghrebinischen Gelehrten stützten und den sie hochschätzten, berichtet: Der Ehrenwerte Gesandte, mit dem Friede und Segen sei, füllte einen Lederschlauch mit Wasser, blies hinein und sprach ein Gebet. Dann band er ihn zu und gab ihn einigen Sahabis mit den Worten: "Öffnet ihn erst wieder, wenn die Zeit zum Gebet gekommen ist!" Da gingen sie und als die Zeit gekommen war, um Abdest zu nehmen, öffneten sie den Wasserschlauch und fanden in ihm lautere Milch und sogar noch Sahne an seiner Öffnung.
So sind denn von diesen fünf kleinen Erzählungen einige berühmt, einige von bedeutenden Imamen überliefert. Diese und solche, die hier nicht erwähnt worden sind, haben sich, gleich den nach allgemeiner Übereinstimmung sinngemäß überlieferten, ebenso insgesamt als Wunder bewahrheitet.
Achtes Beispiel:
Der Ehrenwerte Gesandte, mit dem Friede und Segen sei, bewirkte durch Berührung und Gebet,
dass Ziegen, die unfruchtbar waren oder trocken standen, durch die Berührung seiner gesegneten Hand und sein Gebet plötzlich Milch gaben und sie reichlich gaben. Davon handeln viele Erzählungen und Überlieferungen. Wir wollen hier unter den berühmten, als sicher überlieferten Berichten nur zwei, drei Beispiele anführen:
Erstens:
Alle anerkannten Bücher der Biographen (Siyer)berichten, dass der Ehrenwerte Gesandte, mit dem Friede und Segen sei, und Abu Baqr as-Siddiq auf ihrer gemeinsamen Flucht (hidjret)zum Hause von Umm Ma'bed, die man auch Atiket Bint al-Husaiyye nennt, gelangten. Sie hatte eine magere Ziege, die unfruchtbar und trocken war. Der Ehrenwerte Gesandte, mit dem Friede und Segen sei, fragte Umm Ma'bed: "Gibt sie keine Milch?" Umm Ma'bed antwortete ihm: "Sie hat noch nicht einmal Blut im Leib. Wie sollte sie da Milch geben?" Da ging der Ehrenwerte Gesandte, mit dem Friede und Segen sei, zu der Ziege, streichelte ihr den Rücken, strich ihr über die Zitzen, sprach ein Gebet dabei und sagte dann: "Bringt eine Schüssel und melkt sie!" Da molken sie die Ziege und nachdem der Ehrenwerte Gesandte, mit dem Friede und Segen sei, und Abu Baqr as-Siddiq getrunken hatten, trank auch noch die ganze Familie des Hauses bis sie satt waren. Die Ziege aber wurde kräftig und stark und bewahrte den Segen, den sie empfangen hatte.
Zweitens:
Dies ist die berühmte Erzählung von Schat Ibn Mes'ud: Zu einer Zeit als Ibn Mes'ud den Islam noch nicht angenommen hatte, verdingte er sich als Hirte bei verschiedenen Leuten. Eines Tages begaben sich der Ehrenwerte Gesandte, mit dem Friede und Segen sei, und Abu Baqr as-Siddiq, zu dem Ort, an dem Ibn Mes'ud seine Ziegen hütete. Da erbat der Ehrenwerte Gesandte, mit dem Friede und Segen sei, Milch von Ibn Mes'ud. Dieser entgegnete ihm jedoch: "Dies hier sind nicht meine Ziegen. Sie gehören anderen." Da sagte der Ehrenwerte Gesandte, mit dem Friede und Segen sei, zu ihm: "So bringe mir eine trockene, unfruchtbare Ziege!"
Da brachte dieser ihm eine Ziege, die zwei Jahre nicht mehr geworfen hatte." Der Ehrenwerte Gesandte, mit dem Friede und Segen sei, strich ihr mit der Hand über die Zitzen und sprach ein Gebet. Als sie daraufhin gemolken wurde und eine Milch gab, die sie tranken und die ihnen wohlschmeckend war und nachdem Ibn Mes'ud dieses Wunder gesehen hatte, da nahm er den Glauben an.
Drittens:
Dies ist die berühmte Geschichte der Ziegen von Khalima Sa'diye, welche die Amme des Ehrenwerten Gesandten, mit dem Friede und Segen sei, gewesen ist: In ihrem Stammesgebiet war damals eine Zeit der Dürre, sodass die Tiere schwach wurden und keine Milch mehr gaben, weil sie nicht mehr genug Weideland zum Grasen fanden. Als man jedoch den Ehrenwerten Gesandten, mit dem Friede und Segen sei, zu seiner Amme schickte, kehrten die Ziegen von Khalima Sa'diye abends im Gegensatz zu denen der anderen satt und mit prallen Eutern zurück.
Es gibt nun in den Biographien (Siyer)noch andere Berichte dieser Art, doch sollen die hier erzählten Beispiele unserem Zweck (= als Beweis) genügen.
Neuntes Beispiel:
Der Ehrenwerte Gesandte, mit dem Friede und Segen sei, hat verschiedentlich Leuten mit seiner gesegneten Hand über Kopf und Wange gestrichen und dabei ein Gebet gesprochen. Aus einer ganzen Reihe von Wundern, die sich dabei ereigneten, will ich hier nur einige der bekanntesten als Beispiele anführen.
Erstens:
Einmal strich er Omar Ibn Sa'd mit seiner Hand über den Kopf und betete dabei. Als dieser Mann im Alter von achtzig Jahren starb, hatte er dank dieses Segensgebetes noch kein weißes Haar auf dem Kopf.
Zweitens:
Einmal legte er Qays Ibn Seyd die Hand aufs Haupt, strich ihm über das Haar und sprach ein Gebet. Durch die Wirkung dieses Gebetes war - und das obwohl alle seine Haare weiß geworden waren, denn er hatte schon sein hundertstes Jahr erreicht - nur jene Stelle
auf die der Ehrenwerte Gesandte, mit dem Friede und Segen sei, die Hand gelegt hatte, pechschwarz geblieben.
Drittens:
Abdurahman ibn Seyd Ibn Khattab war auffallend klein und hässlich. Da legte ihm der Ehrenwerte Gesandte, mit dem Friede und Segen sei, die Hand aufs Haupt und sprach ein Gebet. Durch den Segen dieses Gebetes erlangte er nach Form und Gestalt eine ebenso auffallende Körpergröße und besondere Schönheit.
Viertens:
A'is Ibn Amr wurde in der Schlacht von Huneyn im Gesicht verletzt. Da strich ihm der Ehrenwerte Gesandte, mit dem Friede und Segen sei, mit der Hand das Blut aus dem Gesicht. So erhielt er an der Stelle, wo ihn die Hand des Ehrenwerten Gesandten, mit dem Friede und Segen sei, berührt hatte, einen hellglänzenden Fleck, den die Hadith-Gelehrten als die Berührungsstelle beschrieben, die glänzte wie die Stirnblässe eines Fuchspferdes.
Fünftens:
Einmal strich er Qatada Ibn Salman mit der Hand über die Wange und betete dabei. Da begann Qatadas Gesicht wie ein Spiegel zu glänzen.
Sechstens:
Als Zeyneb, die Tochter von Umm Salama, der Mutter der Gläubigen, und zugleich auch Stieftochter des Ehrenwerten Gesandten, mit dem Friede und Segen sei, noch klein war, spritzte ihr der Ehrenwerte Gesandte einmal wie im Spiel etwas Abdestwasser ins Gesicht. Die Berührung dieses Wassers verlieh Zeyneb ein solches Aussehen von so blühender Schönheit, dass sie selbst zu einer einzigartigen Schönheit wurde.
So gibt es denn gleich diesen Erzählungen noch viele ähnliche Beispiele. Die meisten sind uns von hadithkundigen Imamen überliefert worden. Wollten wir auch davon ausgehen, dass jede einzelne Erzählung nur einmal berichtet und für sich allein betrachtet nur einen schwachen Beweis bedeutet, so bewahrheiten sie sich doch alle gemeinsam nach Art einer allgemeinen Überlieferung dem
Sinne nach übereinstimmend als Wunder Ahmeds, mit dem Friede und Segen sei.
Denn ein Ereignis, das auf unterschiedlichen und mannigfaltigen Wegen überliefert wurde, darf auf diese Weise dennoch im Kern des Ereignisses als gesichert gelten. Mag auch jede Form der Überlieferung für sich allein betrachtet nur einen schwachen Beweis darstellen, so beweisen sie doch alle das Ereignis in seinem Kern.
Wurde z.B. ein Donnerschlag gehört und berichtet danach der eine vom Einsturz eines ganz bestimmten Hauses, der andere vom Einsturz eines ganz anderen Hauses, ein dritter vom Einsturz wiederum eines dritten Hauses usw., so ist jeder Bericht für sich allein betrachtet nur ein schwacher Beweis oder möglicherweise unwahr, so ist dennoch im Kern der Sache eines richtig: es gilt als sicher, dass ein Haus eingestürzt ist, denn darin stimmen sie alle überein. Was nun die oben angeführten sechs Beispiele betrifft, so sind sie einerseits authentisch und andererseits sind einige von ihnen berühmt geworden. Nehmen wir einmal an, dass jedes von ihnen nur ein schwacher Beweis ist, so bewahrheiten sie doch, so wie in dem Beispiel oben angeführt wurde, dass tatsächlich ein Haus eingestürzt ist, alle gemeinsam, dass Mohammed, mit dem Friede und Segen sei, tatsächlich dergleichen Wunder gewirkt hat.
Sie gibt es also ganz offensichtlich, diese oben angeführten Arten von Wundern des Ehrenwerten Gesandten, mit dem Friede und Segen sei, mit Sicherheit. Auch ist jedes einzelne von ihnen in seiner Art und als ein Beispiel für alle von ihnen ein tatsächliches Wunder. So wie "die Hände, die Finger, der Speichel" des Ehrenwerten Gesandten, mit dem Friede und Segen sei, "sein Wort und sein Hauch" zum Anlass vieler Wunder wurden, so waren innere und äußere Sinne und Organe auch des Ehrenwerten Gesandten, mit dem Friede und Segen sei, ebenfalls die Quelle vieler Wunder. Von solchen Wundern berichten uns die biographischen und historischen Werke (siyer ve hadith)
seiner Zeit. Sie zeigen uns, wie durch seine inneren wie äußeren Sinne und Organe auch viele Beweise für sein Prophetentum erbracht wurden...
Fünfzehnter Hinweispunkt
So wie Felsen, Bäume, Sonne und Mond ihn erkennen und sein Prophetentum bestätigen, indem jedes von ihnen ein Wunder seiner Art hervorbringt, so erkennt auch das Tierreich, das Totenreich, die Reiche der Engel und Geister (Dschinn)diese gesegnete Persönlichkeit und bestätigen sein Prophetentum. Ein jedes dieser Reiche zeigt durch mancherlei Wunder, dass es ihn erkennt und verkündigt so, dass es sein Prophetentum bestätigt.
Dieser Fünfzehnte Hinweis untergliedert sich in drei Abschnitte.
Erster Abschnitt:
Das Tierreich erkennt den Ehrenwerten Gesandten, mit dem Friede und Segen sei, und zeigt seine Wunder auf. Dafür gibt es in diesem Abschnitt viele Beispiele. Wir wollen hier nur einige dieser Berichte, soweit sie berühmt geworden sind und ihnen die Zuverlässigkeit einer sinngemäßen allgemeinen Überlieferung zu Eigen ist, oder sie von Hadith-Kennern als solche anerkannt bzw. von der Ummah anerkannt wurden, als Beispiele anführen.
Erster Bericht:
Dies ist eine Begebenheit, die so berühmt geworden ist, dass sie einer gesicherten Überlieferung gleich kommt. Während sich der Ehrenwerte Gesandte, mit dem Friede und Segen sei, mit Abu Baqr as-Siddiq, um sich vor seinen Verfolgern zu retten, in der Höhle von Hira verborgen hielt, kamen zwei Tauben herbeigeflogen und postierten sich zwei Wächtern gleich wartend am Höhleneingang. Gleichzeitig verschloss eine Spinne, einem Vorhanghüter gleich, auf wundersame Weise den Eingang der Höhle mit ihrem dichten Netz. Ja, als Ubeyy Ibn Khalaf, ein Anführer der Qurayschiten,
den der Ehrenwerte Gesandte, mit dem Friede und Segen sei, später in der Schlacht von Badr mit eigener Hand töten sollte, die Höhle inspizieren wollte und schon seine Kameraden zu ihm sagten: "Gehen wir hinein!" entgegnete er ihnen: "Wie sollten wir das? Man sieht doch hier ein Netz, das so aussieht, als habe eine Spinne noch vor der Geburt von Hasret Mohammed dieses Netz gesponnen. Und auch diese beiden Tauben, die ihr dort seht, wären sie da sitzen geblieben, wenn jemand dort drinnen wäre?"
So also hat in ähnlicher Weise auch eine gesegnete Schar von Tauben bei der Eroberung von Mekka dem Ehrenwerten Gesandten, mit dem Friede und Segen sei, Schatten über seinem Haupte gespendet. Dies berichtet uns Imam Djelil Ibn Vahhab.
Und weiter wird uns als zuverlässig berichtet, dass Hasreti Aischa as-Siddiqa erzählt: "Wir hatten zu Hause einen Vogel, ähnlich einer Taube, den wir Dadjin nannten. War der Ehrenwerte Gesandte, mit dem Friede und Segen sei, anwesend, so verharrte er bewegungslos ruhig sitzend. Sobald der Ehrenwerte Gesandte, mit dem Friede und Segen sei, fort war, setzte er sich in Bewegung und trippelte ruhelos hin und her. D.h., dass dieser Vogel auf den Ehrenwerten Gesandten, mit dem Friede und Segen sei, hörte, in seiner Gegenwart still und ruhig verharrte.
Zweiter Bericht:
Dies ist die Geschichte von dem Wolf, welche über fünf, sechs Kanäle die Gestalt einer sinngemäßen Überlieferung angenommen hat. Diese wundersame Erzählung wurde über viele Kanäle von berühmten Sahabis überliefert. Eine von ihnen geht so: Von Abu Sa'id al-Khudri, Salama Ibn Aqwa, Ibn Abi Vahhab, Abu Huraira und Uhban, dem Hirten und Helden in unserer Geschichte wird über verschiedene Kanäle berichtet: Ein Wolf hatte sich ein Zicklein gefangen. Der Hirte errettete es aus den Fängen des Wolfs. Da sagte der Wolf zu ihm: "Fürchtest du denn nicht Gott, da du mir meinen Anteil aus den Fängen nimmst?" Der Hirte antwortete:
"Seltsam! Kann ein Wolf denn sprechen?" Da erzählte ihm der Wolf: "Nein, es ist vielmehr merkwürdig an euch, dass es an einer Stelle auf der anderen Seite von hier eine Persönlichkeit gibt, die euch in das Paradies einlädt, einen Propheten, und ihr ihn nicht kennt." Hier endet diese Erzählung. Und alle sind sich darin einig, dass der Wolf gesprochen hat. Nur Abu Huraira, der jedoch selbst ein glaubwürdiger Berichterstatter ist, fügt noch hinzu: Da sprach der Hirte zu dem Wolf: "Ich würde ja gerne zu ihm hingehen. Doch wer sollte sich dann um meine Ziegen kümmern?" Der Wolf antwortete ihm: "Ich werde mich um sie kümmern." Da hieß der Hirte den Wolf seine Herde zu überwachen und ging. Er fand den Ehrenwerten Gesandten, mit dem Friede und Segen sei, nahm den Glauben an und kehrte wieder zurück. Dort fand er den Wolf, wie er seine Ziegen bewachte. Keine von ihnen fehlte. So schlachtete ihm der Hirte eine davon, denn der Wolf war ihm ein Lehrer geworden.
Aus einer anderen Quelle hören wir, dass Abu Sufyan und Safwan, zwei von den Anführern der Quraysch, einen Wolf gesehen haben, der in Verfolgung einer Gazelle nach Haram Sherif (= Mekka) herein lief. Als der Wolf zurückkehrte, wunderten sie sich über ihn sehr: der Wolf sprach! Er verkündigte das Prophetentums Ahmeds. Da sagte Abu Sufyan zu Safwan: "Wir wollen diese Geschichte niemandem weiter erzählen, denn ich fürchte, dass alle Bewohner von Mekka zu ihm überlaufen werden."
Wir gelangen also zu der Schlussfolgerung, dass diese Geschichte mit dem Wolf so überzeugend ist, wie eine zuverlässige sinngemäße allgemeine Überlieferung.
Dritter Bericht:
Dies sind Berichte von Kamelen, von denen uns über fünf, sechs Kanäle von berühmten Sahabis erzählt wird, und dies waren Abu Huraira, Sa'laba Ibn Malik, Djabir Ibn Abdullah, Abdullah Ibn Dja'fer und Abdullah Ibn Abu Aufa und andere. Diese Sahabis stehen am Anfang einer Kette von Überlieferern,
welche alle gemeinsam das folgende berichten: Einst kam ein Kamel zu dem Ehrenwerten Gesandten, mit dem Friede und Segen sei, kniete zum Ausdruck seiner Ehrerbietung vor ihm nieder und sprach zu ihm. Und einigen Quellen zufolge wird berichtet, dass dieses Kamel in einem Garten gestanden habe, unruhig, ja wütend geworden sei und niemanden an sich heran gelassen, vielmehr jeden angegriffen habe. Da aber trat der Ehrwürdige Gesandte, mit dem Friede und Segen sei, ein, das Kamel trat zu ihm hin, grüßte ihn ehrerbietig und ließ sich vor ihm nieder. So legte ihm der Ehrenwerte Gesandte, mit dem Friede und Segen sei, das Halfter um. Das Kamel aber sagte zu dem Ehrenwerten Gesandten, mit dem Friede und Segen sei: "Man hat mir viele mühevolle Arbeiten auferlegt. Jetzt wollen sie mich sogar schlachten. Darüber bin ich wütend." So fragte er denn den Besitzer des Kamels: "Stimmt das so?" Da sagte er : "Ja."
Des Weiteren hat das Kamel des Ehrenwerten Gesandten, mit dem Friede und Segen sei, das Adba hieß, nach dem Verscheiden des Propheten, vor Kummer nichts mehr gefressen noch getrunken, bis es starb. Außerdem berichten einige bedeutende Imame, wie Abu Ishaq Isfarani, dass dieses Kamel mit dem Ehrenwerten Gesandten, mit dem Friede und Segen sei, über eine wichtige Angelegenheit gesprochen habe.
Des Weiteren wird aus authentischer Quelle berichtet, dass Djabir ibn Abdullahs Kamel während einer Reise so erschöpft wurde, dass es nicht mehr weiter gehen konnte. Da stieß es der Ehrenwerte Gesandte, mit dem Friede und Segen sei, leicht an. Durch diese Zuwendung Ahmeds gewann dieses Kamel eine solche Behändigkeit und Freudigkeit, dass man es vor Schnelligkeit nicht mehr zügeln und in seinem Lauf nicht mehr einholen konnte. Das berichtet uns Hasret Djabir.
Vierter Bericht:
Hadithkundige Imame, vor allem aber Bukhari berichten: Es gingen einmal in einer Nacht so wilde Gerüchte um, als stünde draußen vor der Glanzvollen
Stadt (=Medina) der Feind zum Angriff bereit. Tapfere Reiter saßen nun auf und ritten hinaus. Da sahen sie eine Gestalt auf sich zukommen. Es war der Ehrenwerte Gesandte, mit dem Friede und Segen sei. Er unterrichtete sie: "Es ist alles in Ordnung." Er war auf das Pferd des berühmten Abu Talha gestiegen, war so wie es seiner heiligmäßigen Tapferkeit entsprach, allen vorangeritten und nach Beendigung seiner Patrouille wieder zurückgekehrt. Sodann sagte er zu Abu Talha:
وَجَدْتُ فَرَسَكَ بَحْرًا
{"Dein Pferd flog geschwind wie ein Pfeil dahin."}
Abu Talhas Pferd jedoch war eine armselige Mähre und langsam wie ein Ackergaul. Seit dieser Nacht aber konnte es ihm kein Pferd mehr an Schnelligkeit gleich tun.
Des Weiteren wird aus zuverlässiger Quelle berichtet, dass der Ehrenwerte Gesandte, mit dem Friede und Segen sei, einmal während einer Reise zur Gebetszeit seinem Pferd ein "Halt!" zugerufen hat. Daraufhin war das Pferd stehen geblieben und hatte mit keinem Muskel mehr gezuckt, bis der Prophet das Gebet beendet hatte.
Fünfter Bericht:
Safina, ein Diener des Ehrenwerten Gesandten, mit dem Friede und Segen sei, der zu Mu'adh Ibn Djebel, dem Statthalter des Jemen reisen sollte, hatte Befehl von dem Ehrenwerten Gesandten, mit dem Friede und Segen sei, erhalten und sich auf den Weg gemacht. Unterwegs aber begegnete er einem Löwen. Safina sprach zu ihm: "Ich bin ein Diener des Ehrenwerten Gesandten, mit dem Friede und Segen sei." Da wandte sich der Löwe von ihm ab, gab zwar noch einen Laut von sich, ließ ihn jedoch unbehelligt.
Eine andere Überlieferung berichtet hingegen, Safina habe sich auf dem Rückweg verlaufen, den Löwen getroffen und der Löwe habe ihn unbehindert ziehen lassen, ja ihm sogar noch den Weg gewiesen.
Des Weiteren wird von Hasret Omar Folgendes erzählt: Zu dem Ehrenwerten Gesandten, mit dem Friede und Segen sei, kam einmal ein Beduine mit einer Eidechse in seiner Hand und sagte zu ihm: "Wenn dieses Tier vor dir die Schehada (= das Zeugnis des Glaubens) ablegt, werde ich vor dir meinen Glauben (=iman)bekennen. Anderenfalls werde ich dir keinen Glauben schenken." Da befragte der Ehrenwerte Gesandte, mit dem Friede und Segen sei, das Tier und die Eidechse legte vor ihm mit klarer und deutlicher Stimme Zeugnis für seine Sendung ab.
Des Weiteren berichtet Umm Salama, die Mutter der Gläubigen: Eine Gazelle hat mit dem Ehrenwerten Gesandten, mit dem Friede und Segen sei, gesprochen und vor ihm Zeugnis für seine Sendung abgelegt.
So gibt es denn viele Geschehnisse dieser Art. Wir haben hier einige Berichte darüber, die berühmt geworden sind und als gesichert gelten können, als Musterbeispiele angeführt. Darum wollen wir auch all denen, die den Ehrenwerten Gesandten, mit dem Friede und Segen sei, nicht anerkennen und ihm nicht Gehorsam leisten wollen, sagen:
"Oh ihr Menschen! Lasset euch ermahnen und nehmt euch ein Beispiel! Wolf und Löwe haben den Ehrenwerten Gesandten, mit dem Friede und Segen sei, anerkannt und wurden ihm gehorsam. Bemüht euch vielmehr darum, nicht noch tierischer als die Tiere, als die Wölfe zu sein!"
Zweiter Abschnitt:
Auch das Reich der Toten, der Geister (Dschinn)und der Engel haben den Ehrenwerten Gesandten, mit dem Friede und Segen sei, anerkannt. Auch darüber gibt es viele Berichte. Als Beispiel wollen wir einige Berichte, die besonders bekannt geworden und von zuverlässigen Imamen erzählt wurden, anführen. Wir wollen dabei zu erst ein paar Beispiele anführen, die das Totenreich betreffen. Soweit sie Dschinnen und Engel betreffen,
gelten sie als ganz allgemein überliefert. Für sie gibt es nicht nur ein, nein tausend Beispiele. Doch hier zunächst ein Beispiel für eine Stimme aus dem Totenreich:
Erster Bericht:
Hassan Basri, welcher zur Zeit der Tabiine der Fürst der großen und bedeutenden Gelehrten unter den Theologen und Mystikern (Ulema-i dhahir ve batin),und ein treuer und zuverlässiger Schüler von Imam Ali war, berichtet: "Ein Mann kam zu dem Ehrenwerten Gesandten, mit dem Friede und Segen sei, weinte und klagte ihm: "Ich hatte eine kleine Tochter. Sie starb dort drüben an jenem Bach. Der hat sie auch mitgenommen." Der Ehrenwerte Gesandte, mit dem Friede und Segen sei, sprach ihm sein Beileid aus und sagte dann zu ihm: "Komm, gehen wir dorthin!" Da gingen sie dorthin. Der Ehrenwerte Gesandte, mit dem Friede und Segen sei, rief nun die Seele des verstorbenen Mädchens bei ihrem Namen. Sofort antwortete ihm das verstorbene Mädchen:
لَبَّيْكَ وَسَعْدَيْكَ
{"Hier bin ich und bin bereit!"}
Da befragte sie der Ehrenwerte Gesandte, mit dem Friede und Segen sei: "Hast du den Wunsch, zu deinem Vater und zu deiner Mutter zurückzukehren?" Sie aber entgegnete: "Nein, ich habe es hier besser gefunden als dort."
Zweiter Bericht:
Einige bedeutende Imame, wie der Imam Beyhaqi und Imam Ibn Adiy berichten von Hasret Ennes Ibn Malik: Ennes sagt: Eine alte Frau hatte einen einzigen Sohn, der aber plötzlich verstarb. Diese fromme Frau war darüber sehr betrübt und betete: "Oh Herr! Um Deines Wohlgefallens willen bin ich ausgewandert und hierher gekommen, um durch Deinen Ehrenwerten Gesandten, mit dem Friede und Segen sei, den Bund zu schließen und ihm zu dienen. Um der Ehre dieses Deines Propheten willen erbitte ich von Dir mein Söhnchen, welcher mir
der einzige Trost in meinem Alter war." Ennes sagt: "Da stand der Verstorbene auf und aß mit uns."
So entstand denn das folgende Zitat von Imam Busiri (eine Kasside für die er von dem Propheten ein Gewand, eine Burda, zum Geschenk erhielt und die deshalb Kasside el-Burda genannt wird - A.d.Ü), mit dem er auf dieses Ereignis hinweist und es besingt:
لَوْنَاسَبَتْ قَدْرَهُ اٰيَاتُهُ عِظَمًا ٭ اَحْيَى اسْمُهُ حِينَ يُدْعٰى دَارِسَ الرِّمَمِ
{"Würden seine Wunder der Größe und Bedeutung seines Ansehens und seiner Vorzüge entsprechen, so würden in seinem Namen nicht nur die soeben verstorbenen, ja sogar längst vermoderte Gebeine wieder auferstehen."}
Dritter Bericht:
Überlieferer wie vor allem Imam Beyhaqi berichten von Abdullah Ibn Ubeydullah al-Ensari: Abdullah sagt: Als Sabit Ibn Qays ibn Schemmas in der Schlacht von Jamama fiel und ins Grab gebettet werden sollte, war auch ich einer der Anwesenden. Noch während wir dabei waren, ihn ins Grab zu legen, vernahmen wir plötzlich seine Stimme, die da sagte:
مُحَمَّدٌ رَسُولُ اللّٰهِ وَاَبوُ بَكْرِ الصِّدِّيقُ وَعُمَرُ الشَّهِيدُ وَعُثْمَانُ الْبَرُّ الرَّحِيمُ
{"Mohammed ist der Prophet Gottes, Abu Bakr der Getreue, Omar ein Märtyrer und Othman ein Frommer und ein Erbarmer."}
Da öffneten wir noch einmal das Leichentuch und sahen nach. Doch er lag darinnen, tot und entseelt. So hatte er denn, noch ehe bevor Hasret Omar zum Kalifen erwählt worden war, dessen Märtyrertod vorausgesagt.
Vierter Bericht:
Imam Taberani berichtet von Nu'man Ibn Beshir und auch Abu Nu'aym berichtet von diesem in seinem Buch Delaili Nübüvvet(= Beweise des Prophetentums): Seyd Ibn Haridj war plötzlich auf dem Marktplatz umgefallen und verstorben. Wir brachten ihn nach Hause. Während aber zwischen dem Abendgebet und dem Nachtgebet die Frauen alle um ihn herum weinten,
sagte er plötzlich: اَنْصِتُوا اَنْصِتُوا {"Schweigt doch! Seid doch still!"} und fügte dann mit klarer Stimme hinzu:
مُحَمَّدٌ رَسُولُ اللّٰهِ اَلسَّلاَمُ عَلَيْكَ يَا رَسُولَ اللّٰهِ
{"Mohammed ist der Gesandte Gottes. Friede sei mit dir, oh Prophet Gottes!"}
So redete er noch eine Weile weiter. Doch als wir dann nach ihm sahen, da war seine Seele entflohen, dahingeschieden.
Wenn also nun die entseelten Leiber der Verstorbenen seine Botschaft bestätigen, die Lebenden aber sie nicht bestätigen, so sind doch diese lebendigen Räuber des Lebens seelenloser als die Entseelten und erstorbener als die schon Verstorbenen.
Was aber die Engel, ihre Erscheinung und den Dienst betrifft, den sie dem Ehrenwerten Gesandten, mit dem Friede und Segen sei, erwiesen haben, sowie die Dschinnen, die aus seiner Hand den Glauben empfangen und ihm Gehorsam geleistet haben, so sind diese Dinge allgemein überliefert. Sie werden im Qur'an mit vielen Ayat dargelegt und beschrieben. So haben ihm nach Aussage des Qur'an in der Schlacht von Badr fünftausend Engel, den Sahabis gleich, jedoch in vorderster Front als Soldaten gedient. Ja, diese Engel sind sogar unter den übrigen Engeln gleichfalls der Ehre der "Ashab-i Badr(Kameraden von Badr)" teilhaftig geworden.
In dieser Hinsicht müssen zwei Gesichtspunkte in Betracht gezogen werden:
Erster Gesichtspunkt:
Die Existenz des Engelreiches und der Dschinnen ist ebenso wie die Existenz des Tierreiches und der Menschen eine feststehende Tatsache.
Dies und welches unsere Verbindungen mit ihnen sind, haben wir bereits im Neunundzwanzigsten Wort so sicher bewiesen wie zwei mal zwei vier ist. Was diesen Beweis anbelangt, so verweisen wir auf dieses Wort.
Zweiter Gesichtspunkt:
Zu Ehren des Ehrenwerten Gesandten, mit dem Friede und Segen sei, und infolge der Wirkung seines Wunders haben Menschen aus seiner Ummah sie gesehen und mit ihnen gesprochen.
So berichten alle hadithkundigen Imame, vor allem aber Bukhari und Imam Muslim übereinstimmend: So kam einmal ein Engel in Menschengestalt zu ihm, gekleidet in weiß. Es war dies der Erzengel Gabriel. Während der Ehrenwerte Gesandte, mit dem Friede und Segen sei, inmitten seiner Sahabis saß, kam er zu ihm und fragte ihn:
مَا الْاِسْلاَمُ وَمَا الْاِيمَانُ وَمَا الْاِحْسَانُ
{"Was ist Islam? Was ist Glaube? Was ist Güte? Erkläre das!"}
Der Ehrenwerte Gesandte, mit dem Friede und Segen sei, erklärte es ihm. Die dort anwesende Gemeinde der Sahabis erhielten nicht nur eine Vorlesung, sie konnten auch diese Persönlichkeit recht deutlich sehen. Obwohl sie ein Reisender zu sein schien, konnte man doch keine Spuren einer Reise an ihr bemerken. Schließlich stand sie auf und war plötzlich verschwunden. Da geruhte der Ehrenwerte Gesandte, mit dem Friede und Segen sei, anzumerken: "Es war dies Gabriel, der so gehandelt hat, um euch zu unterrichten."
Des Weiteren berichten die hadithkundigen Imame mit zuverlässigen Quellenangaben im Grade einer sinngemäßen allgemeinen Überlieferung: "Hasret Gabriel wurde des öfteren von den Sahabis in der Gestalt von Dihya, einem Sahabi von vollendeter Schönheit, in der Nähe des Ehrenwerten Gesandten, mit dem Friede und Segen sei, gesehen." So steht mit Sicherheit fest, dass Hasret Omar, Ibn Abbas, Ussama ibn Sayd, Haris, Aischa Siddiqa
und Umm Salama zuverlässig berichten: "Wir sehen Hasret Gabriel des öfteren an der Seite des Ehrenwerten Gesandten, mit dem Friede und Segen sei, in der Gestalt von Dihya."
Ja wäre es denn etwa möglich, dass diese Menschen "wir haben gesehen" gesagt und nichts gesehen hätten?
Des Weiteren berichtet Sa'd ibn Abi Waqqas, einer der Zehn Empfänger (der Verheißung des Paradieses) und Eroberer des Iran, unter Angabe einer authentischen Quelle: "In der Schlacht von Uhud haben wir zu beiden Seiten des Ehrenwerten Gesandten, mit dem Friede und Segen sei, zwei weißgekleidete Gestalten gleich Wächtern gesehen, die ihn beschützten. Es war uns klar, dass dies zwei Engel waren und gelangten zu der Überzeugung, dass es Gabriel und Michael waren." Ja wäre es denn möglich, dass dieser Streiter für den Islam "wir haben gesehen" sagen sollte und sie nichts gesehen hätten?
Des Weiteren berichtet Abu Sufyan ibn Kharith ibn Abdul Muttalib (der Neffe des Propheten), wie zuverlässig überliefert wird: "Wir haben in der Schlacht von Badr zwischen Himmel und Erde weißgekleidete Reiter gesehen."
Des Weiteren bat Hasret Hamsa einmal den Ehrenwerten Gesandten, mit dem Friede und Segen sei: "Ich möchte Gabriel sehen." Da zeigte er ihn ihm in der Kaaba. Doch er konnte es nicht ertragen, verlor das Bewusstsein und stürzte zur Erde.
Dergleichen Ereignisse, wo Engel sichtbar wurden, gibt es viele. Doch alle diese Ereignisse zeigen nur einen Aspekt der Wunder Ahmeds, mit dem Friede und Segen sei, und beweisen, dass vor dem Licht seines Prophetentums selbst Engel wie Falter sind.
Was aber die Dschinnen betrifft, so gibt es viele Ereignisse, wo nicht nur Sahabis sie gesehen und mit ihnen gesprochen haben, sondern selbst einfache Leute aus
der Gemeinde mit vielen von ihnen verkehrt haben. Derjenige Bericht jedoch, welcher durch hadithkundige Imame bestens gesichert und bestätigt ist und von Ibn Mes'ud überliefert: "Ich habe einmal bei Batn Nachl in der Nacht eine Bekehrung von Dschinnen miterlebt. Diese Dschinnen, die ich gesehen habe, glichen den hochgewachsenen Gestalten aus jenem Stamme im Sudan, den man die Sutt nennt."
Des Weiteren wurde der folgende Bericht von Hasret Khaled Ibn Walid berühmt, den die hadithkundigen Imame anführen und bestätigen: "Zu der Zeit, da der Götze namens Usa zerstört wurde, kam aus diesem Götzen eine Dschinn in Gestalt einer schwarzen Frau heraus. Hasret Khaled schlug diese Dschinn mit seinem Schwert entzwei. Der Ehrenwerte Gesandte, mit dem Friede und Segen sei, sagte über dieses Ereignis: "Man hatte sie in diesem Götzen Usa angebetet. Doch von nun an wird man sie nicht mehr anbeten."
Des Weiteren gibt es von Hasret Omar folgende berühmte Überlieferung: "Als wir einmal mit dem Ehrenwerten Gesandten, mit dem Friede und Segen sei, beisammen waren, kam ein Dschinn namens Hama in der Gestalt eines Greises, einen Stock in seiner Hand, und nahm den Glauben an. Der Ehrenwerte Gesandte, mit dem Friede und Segen sei, unterrichtete ihn über einige Suren von den kurzen Suren. Nachdem er die Unterweisung empfangen hatte, ging er wieder. Obwohl einige hadithkundige Imame die Authentizität dieses letzten Berichtes anzweifeln, gibt es andere, namenhafte Imame, welche dessen Glaubhaftigkeit bestätigen. Wie dem auch sei: es ist nicht notwendig, sich in langen Erörterungen darüber aufzuhalten, da es genügend andere Beispiele dafür gibt.
Was wir dem nur noch hinzusetzen wollen, ist Folgendes:
Im Lichte des Ehrenwerten Gesandten, mit dem Friede
und Segen sei, durch seine Belehrung und die seiner Nachfolger haben tausende Pole (des Geisteslebens) und Theologen wie Scheich Geylani mit Engeln und Dschinnen verkehrt und tun es noch heute und solche Geschehnisse haben durch ihre Vielzahl hundertfach den Wert allgemeiner Überlieferungen (Tavatur).Dieser vertraute Umgang der Gemeinde (Ummah)Mohammeds (ASM) mit Engeln und Dschinnen und ihre Gespräche mit ihnen sind jedoch in der Tat ein Werk des Ehrenwerten Gesandten, mit dem Friede und Segen sei, und ein Wunder seiner Erziehung, Bildung und Rechtleitung.
Dritter Abschnitt:
Der Schutz, unter dem der Ehrenwerte Gesandte, mit dem Friede und Segen sei, stand, seine Unangreifbarkeit und Ehrenhaftigkeit, waren ein offensichtliches Wunder und die ebenso offensichtliche Wahrheit der ehrwürdigen Ayah (Sure 5, 70):
وَاللّٰهُ يَعْصِمُكَ مِنَ النَّاسِ
{"Gott wird dich vor den Menschen beschützen." (Sure 5, 70)}
kommt in vielen Wundern zum Ausdruck. Als der Ehrenwerte Gesandte, mit dem Friede und Segen sei, an die Öffentlichkeit trat, da trat er in der Tat nicht nur gegen ein einzelnes Volk oder eine Nation, einige wenige Parteien oder eine besondere Religion an, vielmehr trat er ganz allein gegen alle Könige und die Anhänger aller Religionen auf. Denn obwohl sein Onkel sein größter Feind war und auch sein Stamm und sein Volk ihm feindlich gesinnt waren, konnte er dennoch nach dreiundzwanzig Jahren ohne Wächter, ohne Maßnahmen zu seinem Schutz oder Beschützer und obwohl er doch mannigfachen Attentaten ausgesetzt gewesen war, in vollendeter Zufriedenheit auf seinem Ruhelager sterben und über die Welt der Engel emporsteigen. Welch eine Macht und Wahrheit in diesem Schutz, seiner Unangreifbarkeit und Ehrenhaftigkeit durch die ehrwürdige Ayah:
وَاللّٰهُ يَعْصِمُكَ مِنَ النَّاسِ
{"Gott wird dich vor den Menschen beschützen." (Sure 5, 70)}
zum Ausdruck kommt und welch ein festes Fundament in ihr gelegt ist, das wird hierin sonnenklar gezeigt. Hier wollen wir nur einige Berichte, die als authentisch überliefert sind, als Beispiele dafür anführen.
Erster Bericht:
Hadithkundige und Biographen (ehl-i siyer ve hadith)berichten übereinstimmend: Der Stamm der Quraysch hatte sich zusammengetan, entschlossen, den Ehrenwerten Gesandten, mit dem Friede und Segen sei, zu töten. Ja auf den Vorschlag eines Teufels, der in Menschengestalt sich verkörperte, wählten sie aus jeder Sippe mindestens einen Mann, damit es später nicht etwa unter den Qurayschiten zu einer Spaltung käme, aus. Das waren insgesamt etwa zweihundert Leute. Unter der Führung von Abu Djahil und Abu Laheb zogen sie zu dem seligen Hause des Ehrenwerten Gesandten, mit dem Friede und Segen sei, und wollten es umstellen. An der Seite des Ehrenwerten Gesandten, mit dem der Friede und Segen sei, befand sich Ali. Zu diesem sagte er: "Schlafe du diese Nacht auf meinem Lager." Sodann wartete der Ehrenwerte Gesandte, mit dem Friede und Segen sei, bis die Qurayschiten herangerückt waren und das ganze Haus umzingelt hatten. Erst danach trat er heraus, warf ein wenig Erde über sie, worauf niemand ihn erkannte, ging dann mitten durch sie hindurch und verschwand. In der Höhle von Hira wurden ihm dann zwei Tauben und eine Spinne allen Qurayschiten entgegen zum Wächter und gaben ihm Schutz.
Zweiter Bericht:
Dieser gilt als zuverlässig überliefert und erzählt, dass die Anführer der Quraysch nun, als sie die Höhle wieder verließen und sich in Richtung Medina wandten, ihnen gegen ein bedeutendes Vermögen einen besonders tapferen Mann namens Suraqa nachsandten, der sie verfolgen und umbringen sollte.
Der Ehrenwerte Gesandte, mit dem Friede und Segen sei, und Abu Baqr as-Siddiq hatten jedoch, als sie miteinander die Höhle verließen, bereits erkannt, dass Suraqa ihnen folgte. Wiederum verfiel Abu Baqr as-Siddiq in große Sorge und Bedrängnis. Doch wie zuvor in der Höhle sagte der Ehrenwerte Gesandte, mit dem Friede und Segen sei, zu ihm:
لاَ تَحْزَنْ اِنَّ اللّٰهَ مَعَنَا
{"Bekümmere dich nicht! Gott ist mit uns." (Sure 9, 40)}
Er sah Suraqa nur an. Das Pferd von Suraqa aber blieb mit seinen Hufen wie an die Erde angewurzelt stehen. Er befreite sich und wiederum verfolgte er sie. Doch diesmal stieg aus der Erde, dort wo die Hufe des Pferdes angefesselt waren, etwas wie Rauch empor. Diesmal begriff er: "Es ist nicht in deine noch in irgendjemand anderen Hand gegeben, Hand an ihn zu legen." - "Gnade!" schrie er da, und der Ehrenwerte Gesandte, mit dem Friede und Segen sei, schenkte ihm Gnade, sagte aber zu ihm: "Geh nun! Aber sorge dafür, dass kein weiterer mehr kommt!"
In Ergänzung zu diesem Bericht möchten wir auch noch das folgende mitteilen: in einer authentischen Erzählung wird berichtet: Ein Hirte, der sie gesehen hatte, eilte nach Mekka, um den Qurayschiten davon zu berichten. Als er jedoch in Mekka angekommen war, da hatte er vergessen, wozu er gekommen war. Wie sehr er sich auch darum bemühte, er konnte es sich nicht mehr ins Gedächtnis zurückrufen. Gezwungenermaßen musste er umkehren. Da erst begriff er, dass ihm das Vergessen, dem er anheim gefallen, eingegeben worden war.
Dritter Bericht:
Die hadithkundigen Imame geben von der Schlacht bei Gatafan und Enmar den folgenden Bericht, den sie durch verschiedene Kanäle erhalten haben: Ein tapferer Stammesführer namens Ghauras hatte sich dem Ehrenwerten Gesandten, mit dem Friede und Segen sei,
unbemerkt genähert und sagte, dem Ehrenwerten Gesandten, mit dem der Friede und Segen sei, das blanke Schwert über sein Haupt haltend: "Wer wird dich nun vor mir retten?" Jener sagte: "Allah!" und betete sodann:
اَللّٰهُمَّ اكْفِنِيهِ بِمَا شِئْتَ
{"Oh Gott, sei Du mir mein Genügen, so Du es willst!"}
Da empfing Ghauras plötzlich mitten zwischen seine beiden Schultern einen Streich aus dem Unsichtbaren, sodass ihm das Schwert aus der Hand fiel und er zur Erde stürzte. Da ergriff der Ehrenwerte Gesandte, mit dem Friede und Segen sei, das Schwert mit seiner Hand und fragte zurück: "Und wer ist es, der dich nun retten wird?" Doch dann verzieh er ihm. Da ging dieser Mann zu seinem Stamm zurück. Jeder war über diesen so kühnen und tapferen Mann erstaunt. "Was ist mit dir geschehen?" fragten sie ihn, "Warum hast du denn nichts ausrichten können?" Da erzählte er ihnen, wie die Ereignisse verlaufen waren und fügte noch hinzu: "Ich komme gerade von dem besten aller Menschen zurück."
Desgleichen kam einmal, wie in der obigen Erzählung, einer der Ungläubigen in der Schlacht von Badr, zu dem Ehrwürdigen Gesandten, mit dem Friede und Segen sei, ohne dass dies jemand bemerkt oder es einer gesehen hätte, trat hinter ihn und hob das Schwert zum Schlag, als plötzlich der Ehrenwerte Gesandte, mit dem Friede und Segen sei, den Kopf wandte und ihn ansah. Da befiel ihn ein Zittern und das Schwert entfiel seinen Händen.
Vierter Bericht:
Auch dieser Vorfall ist ebenso berühmt geworden wie eine sinngemäße Überlieferung und wird von den meisten Kommentatoren als Grund für die Offenbarung dieser Ayah angesehen:
اِنَّا جَعَلْنَا فِى اَعْنَاقِهِمْ اَغْلاَلاً فَهِىَ اِلَى الْاَذْقَانِ فَهُمْ مُقْمَحُونَ ٭ وَجَعَلْنَا مِنْ بَيْنِ اَيْدِيهِمْ سَدًّا وَمِنْ خَلْفِهِمْ سَدًّا فَاَغْشَيْنَاهُمْ فَهُمْ لاَ يُبْصِرُونَ
{"Siehe, wir haben ihnen die Halsfesseln bis an das Kinn hinauf angelegt, sodass sie nun ihre Nasen hoch tragen müssen. Und wir haben vor ihnen einen Wall aufgerichtet und einen Wall hinter ihnen, der ihnen den Blick verstellt, sodass sie nicht sehen können." (Sure 36, 8-9)}
So berichten denn die Fachgelehrten unter den Kommentatoren und die hadithkundigen Imame wie folgt: Abu Djahil hatte sich geschworen: "Sobald ich sehe, dass Mohammed sich zum Gebet niedergeworfen (sedjde)hat, will ich ihn mit diesem Stein erschlagen!" Sodann nahm er diesen Stein und machte sich mit ihm auf den Weg. Als er jedoch den Propheten in der Sedjde erblickte und den Stein emporhob, um zuzuschlagen, verharrten seine Arme weiterhin emporgereckt. Erst nachdem der Ehrenwerte Gesandte, mit dem Friede und Segen sei, das Gebet vollendet hatte und wieder aufgestanden war, bekam Abu Djahil seine Hände endlich wieder frei. Sei es nun, dass der Ehrenwerte Gesandte, mit dem Friede und Segen sei, ihm die Erlaubnis dazu erteilt hatte, sei es, dass für das Gegenteilige keine weitere Notwendigkeit mehr gegeben war, wurden ihm nun die Hände entbunden.
Des Weiteren hatte einmal, und dies soll nach einer der Überlieferungen Velid ibn Mughira gewesen sein, und zwar wiederum aus dem Stamme Abu Djehils, den Ehrenwerten Gesandten, mit dem Friede und Segen sei, erschlagen wollen und der sich dazu einen großen Stein aussuchte und ging, um den Propheten während der Sedjde damit zu erschlagen. Doch da waren ihm die Augen verschlossen. Da er den Ehrenwerten Gesandten, mit dem Friede und Segen sei, in der Mesdjid al-Haram (= die Kaaba, d.h. die Verbotene Moschee, in der auch kein Verfolgter erschlagen werden durfte - A.d.Ü.) nicht sehen konnte, kehrte er um, konnte jedoch auch die, welche ihn ausgeschickt hatten, nicht mehr wahrnehmen, hörte vielmehr nur ihre Stimmen. Als danach dann der Ehrenwerte Gesandte, mit dem Friede und Segen sei, nach dem Gebet wieder herauskam und somit die Notsituation vorüber gegangen war, gingen auch Velid ibn Mughira die Augen auf.
Des Weiteren wird auch von Abu Baqr as-Siddiq der folgende Bericht als authentisch überliefert:
Nach der Offenbarung der Sure 111: تَبَّتْ يَدَآ اَبِى لَهَبٍ {"Verderben der Hand des Abu Laheb!"} nahm Umm Djemil (Mutter der Schönheit), die Frau des Abu Laheb, genannt die "Holzträgerin" حَمَّالَةَ الْحَطَبِ einen Stein und ging zur Mesjid al-Haram. Dort saß Abu Baqr as-Siddiq mit dem Ehrenwerten Gesandten, mit dem Friede und Segen sei. Sie erblickte dort Abu Baqr as-Siddiq und fragte ihn: "Oh Abu Baqr! Wo ist dein Freund? Ich habe gehört, dass er über mich gespottet hätte. Wenn ich ihn sehe, werde ich ihm mit diesem Stein auf den Mund schlagen." Den neben ihm sitzenden Gesandten, mit dem Friede und Segen sei, aber sah sie nicht. Natürlich konnte sie, der Hölle Holzträgerin, ihn, Sultan Laulaak (der König mit dem Titel: "Um deinetwillen habe ich die Welt erschaffen." - A.d.Ü.), der unter Gottes Schutz stand, nicht sehen, nicht in seine friedvolle Gegenwart (Hudhur)gelangen. Und sie sollte auch nie zu Gegenwart dessen mündig werden, in dessen Mund das Wort gegen sie von Gott gelegt worden war.
Fünfter Bericht:
Einer zuverlässigen Überlieferung zufolge wird berichtet, dass Amir Ibn Tuffeyl und Erbed Ibn Qais übereingekommen waren, zu dem Ehrenwerten Gesandten, mit dem Friede und Segen sei, zu gehen. Dabei sagte Amir: "Ich werde ihn ablenken und während dessen erschlägst du ihn." Doch dann sah er, dass sein Kamerad nichts dergleichen tat. So fragte er ihn denn, nachdem sie wieder gegangen waren: "Warum hast du ihn nicht erschlagen?" Der erwiderte ihm: "Wie sollte ich denn?
Wie sehr ich auch dazu entschlossen gewesen war, so sah ich doch ständig dich dazwischentreten. Wie aber hätte ich dich erschlagen können?"
Sechster Bericht:
Einer zuverlässigen Überlieferung zufolge wird berichtet: Während der Schlacht von Uhud oder Huneyn kam Sheyba ibn Othman Al-Hadjebi, dessen Onkel und dessen Vater von Hasret Hamsa umgebracht worden waren, heimlich herbeigeschlichen, um Rache zu nehmen. Als er jedoch bereits sein blankes Schwert hinter dem Ehrenwerten Gesandten, mit dem Friede und Segen sei, erhob, fiel ihm plötzlich das Schwert aus den Händen. Der Ehrenwerte Gesandte, mit dem Friede und Segen sei, blickte ihn an und legte ihm seine Hand auf die Brust. Sheyba erzählte später: "In diesem Augenblick hätte es keinen Menschen auf der Welt geben können, der mir teurer gewesen wäre als er." Er nahm den Glauben an und der Ehrenwerte Gesandte, mit dem Friede und Segen sei, befahl ihm: "Jetzt geh und kämpfe!" Und Sheyba erzählt weiter: "Da ging ich und kämpfte vor dem Ehrenwerten Gesandten, mit dem Friede und Segen sei. Wäre mir zu der Zeit mein eigener Vater entgegengetreten, ich hätte selbst ihn erschlagen."
Des Weiteren kam am Tag der Eroberung von Mekka ein Mann namens Fedala zu dem Ehrenwerten Gesandten, mit dem Friede und Segen sei, ihn umzubringen. Doch der Ehrenwerte Gesandte, mit dem Friede und Segen sei, blickte ihn lächelnd an und fragte ihn: "Was hattest du dir in deiner Seele gesagt?" Dabei tat er für Fedala den Wunsch um Vergebung. Fedala gelangte zum Glauben und erzählte darüber später: "In diesem Augenblick gab es niemanden mehr auf der Welt, der mir teurer gewesen wäre als er."
Siebenter Bericht:
Einer zuverlässigen Überlieferung entsprechend hatten die Juden einmal geplant, ein Attentat gegen den Ehrenwerten Gesandten, mit dem Friede und Segen sei, zu verüben. Als er sich jedoch einmal an einem Platz niedergelassen hatte, und sie gerade von
oben einen Felsbrocken auf ihn herabschleudern wollten, da hieß Gott, der Beschützer, ihn im gleichen Augenblick aufstehen und machte so ihren Anschlag zunichte.
So wie diese sieben Beispiele gibt es noch viele andere Berichte. So überliefern vor allem Imam Bukhari und Imam Muslim und die hadithkundigen Imame von Hasret Aischa: Nach der Offenbarung der Ayah (Sure 5, 70):
وَاللّٰهُ يَعْصِمُكَ مِنَ النَّاسِ
{"Gott wird dich vor den Menschen beschützen."}
sagte der Ehrenwerte Gesandte, mit dem Friede und Segen sei, zu den Leuten, die ihn gelegentlich bewachten:
ياَ اَيُّهاَ النَّاسُ انْصَرِفوُا فَقَدْ عَصَمَنِى رَبِّى عَزَّ وَجَلَّ
{"Oh ihr Leute! Lasst mich nur! Denn Gott in Seiner Größe und Majestät behütet mich." }
So zeigt denn auch diese Abhandlung von Anfang an bis hierher: Alle die Welten und Reiche im All kennen den Ehrenwerten Gesandten, mit dem Friede und Segen sei, und stehen mit ihm in Verbindung. In all diesen Welten wurden seine Wunder offenbar. Das also heißt, dass diese Persönlichkeit, Ahmed (ASM), von Gott dem Gerechten eingesetzt und beauftragt ist, dies jedoch in Hinblick auf den Schöpfer des Alls, unter dem Titel des Herrn aller Geschöpfe und als sein Gesandter. Es ist ja der hochgestellte Inspektor und Revisor des Königs in jedem seiner Verwaltungsbereiche bekannt und geachtet und, wo immer er eintritt, berechtigt, Anweisungen zu erteilen, weil er der oberste Beamte im Dienste des Königs ist. Wäre er dagegen nur ein Justizinspektor, könnte er seine Anweisungen nur im Justizbereich erteilen. In anderen Abteilungen wäre er hingegen kaum bekannt. In ähnlicher Weise könnte ein Beamter der Militärverwaltung im Bereich der Zivilverwaltung unbekannt sein. In gleicher
Weise wird nun auch verständlich, dass er, der in allen Bereichen des Königreiches Gottes bekannt und geachtet ist, bzw. bekannt gemacht worden ist, von den Engeln angefangen bis zu den Mücken und Spinnen, dem entsprechend das Siegel der Propheten und der Gesandte des Herrn der Welten ist und seine Sendung erstreckt sich über die all Seiner Botschafter.
Sechzehnter Hinweispunkt
Die Wunder, die "Irhasat" genannt werden und sich noch vor dem Beginn seines Prophetentums jedoch in Bezug auf sein Prophetentum ereignet haben, gelten gleichfalls als ein Beweis für sein Prophetentum. Es gibt ihrer drei Arten.
Erste Art:
Diese umfasst, wie dies auch im Qur'an ausdrücklich bestätigt wird, Hinweise in der Thora, den Evangelien, dem Psalter und den Prophetischen Schriften auf das Prophetentums Ahmeds, mit dem Friede und Segen sei. Da es sich hierbei jedoch um Heilige Schriften handelt, die vom Himmel herab gesandt worden und von Gottes Gesandten der Menschheit verkündet worden sind, müssen sie ja auch mit Sicherheit und Notwendigkeit jene Persönlichkeit vorherverkündigt haben, der ihren Glauben von Grund auf reformieren, den Kosmos anders erscheinen lassen und mit seinem Licht die halbe Menschheit erleuchten werde. Ja wäre es denn möglich, dass Propheten, die in diesen Büchern kleine Ereignisse voraussagen, das größte Ereignis in der Geschichte der Menschheit, das Erscheinen Mohammeds, mit dem Friede und Segen sei, nicht schon vorausgesagt hätten? Da sie also ganz offensichtlich eine derartige Voraussage gemacht haben, werden sie in jedem Fall entweder seinen Anspruch, ein Prophet zu sein, bestreiten, um die Menschen davor zu beschützen, ihren Glauben zu verlieren und die Heiligen Bücher davor zu bewahren,
ihre Gültigkeit zu verlieren, oder aber sie werden ihn in seinem Prophetentum bestätigen, sodass der wahre Glaube durch die Wahrhaftigkeit einer solchen Persönlichkeit vor Aberglaube und Verfälschung bewahrt bleibe. Denn da nun einmal Freund und Feind darin übereinstimmen, dass es in keiner der Heiligen Schriften einen Hinweis auf dessen Widerlegung gibt, muss sich also eine derartige Bestätigung in ihnen finden. Da sich aber nun einmal eine derartige Bestätigung in ihnen finden muss, weil es also einen ganz bestimmten Grund und eine grundsätzliche Notwendigkeit für eine solche Bestätigung gibt, wollen auch wir hier drei Beweise als unwiderlegbare Zeugnisse für das Vorhandensein derartiger Bestätigungen anführen.
Erster Beweis:
Der Ehrenwerte Gesandte, mit dem Friede und Segen sei, sagt in der Sprache des Qur'an: "Eure Bücher verweisen auf mich und bestätigen mich und das, was ich euch verkündige, das bestätigen euch auch eure Bücher."
قُلْ فَاْتوُا بِالتَّوْرٰيةِ فَاتْلوُهَآ اِنْ كُنْتُمْ صاَدِقِينَ ٭ قُلْ تَعَالَوْا نَدْعُ اَبْنَآءَنَا وَاَبْنَآءَكُمْ وَنِسَآءَنَا وَنِسَآءَكُمْ وَاَنْفُسَنَا وَاَنْفُسَكُمْ ثُمَّ نَبْتَهِلْ فَنَجْعَلْ لَعْنَةَ اللّٰهِ عَلَى الْكاَذِبِينَ
{"Sage: Bringt doch einmal eure Thora herbei und lest darin, wenn ihr wahrhaftig seid!" (Sure 3, 93) "Sage: Kommt! Wir wollen unsere Söhne und eure Söhne, unsere Frauen und eure Frauen zusammenrufen und alle unsere Leute und die eurigen. Dann wollen wir schwören, dass der Fluch Gottes herabkommen solle über diejenigen, welche lügen." (Sure 3, 61)}
Mit dergleichen Versen forderte er sie heraus. Doch obwohl er sie ihnen beständig um die Ohren schlug, konnte ihm kein jüdischer Gelehrter oder christlicher Geistlicher einen Irrtum nachweisen. Hätten sie ihm einen aufzeigen können, hätten diese verstockten Ungläubigen in ihrem Neid,
und von ihnen gab es sehr viele, die Heuchler unter den Juden und diese ganze ungläubige Welt es all überall bekannt gemacht.
Und weiter sagte ihnen der Prophet: "Entweder ihr findet meinen Irrtum heraus, oder aber ich werde in Heiligem Bestreben (Djihad)bis zu eurer Niederlage nicht nachlassen." Doch da sie den Kampf, den Untergang und die Auswanderung wählten, heißt dies, dass sie keinen Irrtum bei ihm entdecken konnten. Hätten sie einen Irrtum bei ihm entdeckt, es wäre ihre Rettung gewesen.
Zweiter Beweis:
Die Ausdrucksweise in der Thora, den Evangelien und dem Psalter weisen nicht jenen selben wunderbaren Charakter auf wie ihn der Qur'an hat, diese sind auch immer wieder und wieder neu übersetzt worden, wobei dann jedes Mal wieder sehr viele fremde Worte unter den alten Text gemischt wurden. Ebenso sind die Auslegungen und Missdeutungen der Kommentatoren unter die ursprünglichen Verse geraten. Außerdem wurden dem auch noch die Verfälschungen einiger Ungebildeter und einiger übel gesinnter Leute hinzugefügt. Auf diese Weise vermehrten sich in diesen Büchern die Irrtümer und die Fälschungen. Ja Scheich Rahmatullah el-Hindi (ein berühmter Gelehrter) hat sogar einmal den jüdischen wie den christlichen Geistlichen und Gelehrten in den Büchern der Alten an tausenden von Stellen Verfälschungen nachgewiesen und sie so zum Verstummen gebracht. Dennoch hat schon in damaliger Zeit der berühmte Husseyn al-Djisri (Gottes Erbarmen über ihn) in diesen Büchern einhundertundvierzehn Stellen entdeckt, welche Beweise für das Prophetentum Ahmeds betreffen und sie in seiner "Risale-i Hamidiye" zusammengefasst. Diese Risala ist von Ismail Haqqi aus Manastir ins Osmanische übersetzt. Jeder, der will, kann in diesem Buch nachschlagen und nachlesen.
Des Weiteren haben sehr viele jüdische Gelehrte und auch christliche Gelehrte eingestanden und zugegeben: "In unseren Büchern werden die Kennzeichen des
Arabers Mohammed, mit dem Friede und Segen sei, beschrieben." Unter den Nicht-Muslimen war es vor allem der berühmte Kaiser Heraklios, der dies zugab, indem er sagte: "Jesus, mit dem der Friede sei, hat uns von Mohammed, mit dem Friede und Segen sei, Kunde gebracht."
Ein anderer byzantinischer Herrscher, Muqauqis, Stadthalter von Ägypten und die berühmtesten jüdischen Gelehrten, wie Ibn Suriya und Ibn Ahtab und sein Bruder Ka'b Ibn Asad und Subeyr ibn Batiya, aber auch andere berühmte Gelehrte und führende Persönlichkeiten, haben, obwohl sie Nicht-Muslime blieben, dennoch zugegeben: "Es gibt in unseren Büchern in der Tat Stellen, die von ihm künden."
Des Weiteren haben diejenigen unter den berühmten jüdischen Gelehrten, wie auch unter den berühmten christlichen Geistlichen, die in den Schriften der Alten die Hinweise auf Mohammed (Friede und Segen sei mit ihm!) gefunden hatten, ihren Widerstand aufgegeben und den Glauben angenommen, sodann auf diese Hinweise in der Thora und in den Evangelien aufmerksam gemacht und so die jüdischen und christlichen Gelehrten zum Verstummen gebracht. Unter ihnen waren die berühmten Abdullah Ibn Selam, Veheb Ibn Munabbih, Abu Jasir, Schamul (dieser lebte in der Zeit von Tubba', König von Jemen . Tubba' nahm den Glauben noch vor der Berufung des Propheten und in dessen Abwesenheit an, desgleichen Schamul) und die beiden Söhne von Sa'ye, namens Essid und Sa'lebe. Auch war einmal ein Bekenner des Einen Gottes, Ibn Heyban genannt, noch in vorprophetischer Zeit zu Gast bei dem Stamme der Bani Nadir. Diesen sagte er:
قَرِيبٌ ظُهُورُ نَبِىٍّ هٰذَا داَرُ هِجْرَتِهِ
{"Die Zeit der Erscheinung eines Propheten ist nahe. Zu diesem Platz hier wird er auswandern."}
Dann starb er dort. Während dann später dieser Stamm gegen den Ehrenwerten Gesandten, mit dem Friede und Segen sei, kämpfte, traten Essid und Sa'lebe hervor und riefen ihrem Stamme zu:
وَاللّٰهِ هُوَ الَّذِى عَهِدَ اِلَيْكُمْ فِيهِ اِبْنُ هَيَبَانَ
{"Bei Gott! Dieser ist es, dessen Ankunft Ibn Heyban vorausgesagt hatte."}
Sie sollten nicht mit ihm kämpfen. Doch sie haben nicht auf sie gehört und so ihr Unheil heraufbeschworen.
Des Weiteren sind jüdische Gelehrte wie Ibn Bunyamin, Muchayriq und Ka'b Al-Achbar und viele andere jüdische Gelehrte, nachdem sie in ihren Büchern die Kennzeichen des Propheten gesehen hatten, zum Glauben gelangt und haben so die übrigen, welche nicht zum Glauben gelangt waren, zum Verstummen gebracht.
Was den bekannten Vorfall mit dem berühmten Mönch Bahira, einem christlichen Gelehrten betrifft, so war der Ehrwürdige Gesandte, mit dem Friede und Segen sei, als er damals mit seinem Onkel nach Damaskus reiste, gerade erst zwölf Jahre alt. Der Mönch Bahira lud damals um seinetwillen die Qurayschiten zu sich ein. Er hatte jedoch bemerkt, dass jenes Wölkchen, das der Karawane Schatten spendete, auch weiterhin seinen Schatten auf diese Karawane warf, deshalb sagte er sich: "Dies bedeutet, dass der Mann, den ich suche, dort geblieben ist." So sandte er einen Mann, um auch ihn herbeiholen zu lassen. Zu Abu Talib aber sagte er: "Kehre um! Reise zurück nach Mekka! Die Juden sind eifersüchtig. In der Thora werden die Hinweise auf ihn beschrieben. Sie könnten ihn verraten."
Desgleichen haben Nasturu-l'Habesh und der Negus von Äthiopien, als sie in ihren Büchern die Hinweise auf den Ehrenwerten Gesandten, mit dem Friede und Segen sei, entdeckten, beide gemeinsam den Glauben angenommen.
Desgleichen hat ein berühmter christlicher Wissenschafter namens Daghatir diese Hinweise gesehen und den Glauben angenommen. Diesen verkündigte er dann unter den Byzantinern und erlitt dafür den Märtyrertod
Desgleichen haben Harith Ibn Abu Schumar Al-Ghassani, ein christlicher Herrscher und große religiöse Führer und Könige, nämlich Sahib Ilya, Heraklios, Ibn Natur, Djarud und dergleichen berühmte Persönlichkeiten in ihren Büchern diese Hinweise gesehen und den Glauben angenommen. Nur Heraklios bekannte sich um seines irdischen Reiches willen nicht offen zum Glauben.
Desgleichen war auch Salman al-Farisi (= der Perser) zuvor Christ gewesen. Nachdem er die Zeichen gefunden hatte, welche auf den Ehrenwerten Gesandten, mit dem Friede und Segen sei, hinweisen, suchte er ihn auf.
Desgleichen erklärten ein bedeutender Gelehrter, namens Temim, auch der berühmte Negus von Abessinien und die abessinischen Christen und die Priester von Nedjran alle übereinstimmend: "Wir haben die Zeichen seines Prophetentums in unseren Büchern gesehen. Darum haben wir den Glauben angenommen."
Dritter Beweis:
Als Beispiel wollen wir hier einige Verse aus der Thora, den Evangelien und dem Psalter anführen, die wir in ihrer Beziehung zu dem Ehrenwerten Gesandten, mit dem Friede und Segen sei, anschaulich machen wollen.
Erstens:
Unter den Psalmen findet sich der Vers:
اَللّٰهُمَّ ابْعَثْ لَنَا مُقِيمَ السُّنَّةِ بَعْدَ الْفَتْرَةِ
{"Oh Gott sende uns einen, der nach diesem Verfall der Sitten das Gesetz wieder aufrichten wird."}
"Muqim as-Sunna" ist einer der Namen Ahmeds (ASM). Und in den Evangelien heißt es:
قاَلَ الْمَسِيحُ اِنِّى ذَاهِبٌ اِلٰى اَبِى وَاَبِيكُمْ لِيَبْعَثَ لَكُمُ الْفاَرَقْلِيطَا
{"Es sprach der Messias: Ich gehe zu meinem Vater und zu eurem Vater, damit Er euch den Paraklet sende."}
Das heißt, "Ich gehe, damit der Paraklet zu euch kommen kann," das heißt, damit Ahmed (dann nach mir) kommen kann.
Ein weiterer Vers:
اِنِّى اَطْلُبُ مِنْ رَبِّى فَارَقْلِيطًا يَكُونَ مَعَكُمْ اِلَى الْاَبَدِ
{"Ich erbitte von meinem Herrn einen Paraklet, der für ewig bei euch bleiben soll." (Vgl. Joh. 14, 16!)}
Hierbei bezeichnet "Paraklet" in der Bedeutung eines, der zwischen Recht und Unrecht unterscheidet, in diesen Büchern den Namen des Propheten.
In der Thora lautet ein Vers:
اِنَّ اللّٰهَ قَالَ ِلاِبْرَاهِيمَ اِنَّ هَاجَرَ تَلِدُ وَيَكُونُ مِنْ وَلَدِهَا مَنْ يَدُهُ فَوْقَ الْجَمِيعِ وَيَدُ الْجَمِيعِ مَبْسُوطَةٌ اِلَيْهِ بِالْخُشُوعِ
{"Gott sprach fürwahr zu Abraham: Hagar wird fürwahr empfangen und die Hand ihres Sohnes wird über allen sein und die Hände aller werden sich ihm in Ergebung auftun."}
Ein anderer Vers in der Thora heißt:
وَقاَلَ ياَ مُوسٰى اِنِّى مُقِيمٌ لَهُمْ نَبِيًّا مِنْ بَنِى اِخْوَتِهِمْ مِثْلَكَ وَاُجْرِى قَوْلِى فِى فَمِهِ وَالرَّجُلُ الَّذِى لاَ يَقْبَلُ قَوْلَ النَّبِىِّ الَّذِى يَتَكَلَّمُ بِاِسْمِى فَاَنَا اَنْتَقِمُ مِنْهُ
{"Und er sagte: Oh Mosis, ich werde ihnen einen Propheten wie dich aus den Söhnen ihrer Brüder senden und werde Mein Wort in seinen Mund legen. Den Mann aber, der das Wort Meines Propheten, das er in Meinem Namen sprechen wird, nicht annimmt, werde ich zur Rechenschaft ziehen." (vgl. Deut. 18, 18-19!)}
Und hier noch ein dritter Vers aus der Thora:
قاَلَ مُوسٰى رَبِّ اِنِّى اَجِدُ فِى التَّوْرَيةِ اُمَّةً هُمْ خَيْرُ اُمَّةٍ اُخْرِجَتْ لِلنَّاسِ يَاْمُرُونَ بِالْمَعْرُوفِ وَيَنْهَوْنَ عَنِ الْمُنْكَرِ وَيُؤْمِنُونَ بِاللّٰهِ فَاجْعَلْهُمْ اُمَّتِى قاَلَ تِلْكَ اُمَّةُ مُحَمَّدٍ
{"Mosis sprach: Mein Herr, ich finde in der Thora eine Gemeinde (Ummah), welche die beste Gemeinde ist, die zum Wohle der Menschheit entstehen wird. Sie wird gebieten, was recht ist und verbieten, was unrecht ist. Sie werden an Allah glauben und ich werde sie zu Meiner Gemeinde machen. Er sprach: Dies ist die Gemeinde Mohammeds."}
Der Name "Mohammed" wird in diesen Büchern in der Form syrischer Namen, wie Himyata, oder Al-Munhamenna oder auch Muscheffah wiedergegeben, was in Form hebräischer Namengebung "Mohammed" bedeutet. Im übrigen wird der Name "Mohammed" nur an wenigen Stellen ausdrücklich erwähnt, welche ebenfalls von den neidischen Juden verändert worden sind.
Ein weiterer Vers aus dem Psalter:
ياَ دَاوُدُ يَاْتِى بَعْدَكَ نَبِىٌّ يُسَمّٰى اَحْمَدَ وَمُحَمَّدًا صَادِقًا سَيِّدًا اُمَّتُهُ مَرْحُومَةٌ
{"Oh David, nach dir wird ein Prophet kommen, der Ahmed oder Mohammed heißen wird. Er wird ein Getreuer sein und ein Herr. Seine Gemeinde wird Erbarmen finden."}
Des Weiteren haben die sieben Abdullahs, sowie Abdullah Ibn Amr Ibn As, der in den Büchern der Alten viel geforscht hat, Abdullah Ibn Selam, welcher der erste unter den berühmten jüdischen Gelehrten war, die den Islam angenommen haben, der berühmte Ka'b Al-Achbar, ebenfalls einer der jüdischen Gelehrten, den folgenden Vers aus der Thora, die damals noch nicht so verfälscht war, aufgezeigt und bekannt gemacht. Darin wird zunächst Mosis angesprochen, wonach dann das Wort an den künftigen Propheten lautet:
ياَ اَيُّهاَ النَّبِىُّ اِنَّآ اَرْسَلْناَكَ شَاهِدًا وَمُبَشِّرًا وَنَذِيرًا وَحِرْزًا لِلْاُمِّيِّينَ اَنْتَ عَبْدِى وَرَسُولِى سَمَّيْتُكَ الْمُتَوَكِّلَ لَيْسَ بِفَظٍّ وَلاَ غَلِيظٍ وَلاَ صَخَّابٍ فِى الْاَسْواَقِ وَلاَ يَدْفَعُ باِلسَّيِّئَةِ السَّيِّئَةَ بَلْ يَعْفوُ وَيَغْفِرُ وَلَنْ يَقْبِضَهُ اللّٰهُ حَتّٰى يُقِيمَ بِهِ الْمِلَّةَ الْعَوْجَآءَ بِاَنْ يَقُولُوا لآَ اِلٰهَ اِلاَّ اللّٰهُ
{"Oh Prophet! Wir haben dich gesandt als Zeugen, als Verkünder einer frohen Botschaft, als Ermahner und als Stütze für Unwissende. Du bist mein Diener und Verehrer. Ich habe dich als 'der Vertraute' genannt. Ich habe dich als ein solcher gemacht, der auf mich vertraut, nicht schroff, noch finster ist, noch auf den Straßen arrogant geht, nicht Böses mit Bösem vergeltet, sondern verzeiht und vergibt. Gott wird sein Leben nicht nehmen, bis er den Weg des Glaubens, der in krumme Bahnen geraten war, wieder richtig stellt, bis jeder sagt: Es gibt keine Gottheit außer dem Einen Gott!"}
Ein weiterer Vers aus der Thora:
مُحَمَّدٌ رَسُولُ اللّٰهِ مَوْلِدُهُ بِمَكَّةَ وَهِجْرَتُهُ بِطَيْبَةَ وَمُلْكُهُ باِلشَّامِ وَاُمَّتُهُ الْحَمَّادُونَ
{"Mohammed ist der Gesandte Gottes, geboren in Mekka, ausgewandert nach Tayba, sein Reich schließt Damaskus ein und seine Gemeinde wird gepriesen sein."}
In diesem Vers erscheint das Wort "Mohammed" als ein syrischer Name mit der Bedeutung "der Gepriesene".
Ein weiterer Vers aus der Thora:
اَنْتَ عَبْدِى وَرَسُولِى سَمَّيْتُكَ الْمُتَوَكِّلَ
{"Du bist mein Diener, Verehrer und Gesandter, der auf mich vertraut."}
In diesem Vers wird der Prophet, der aus den Söhnen Ismaels, den Brüdern der Söhnen Isaaks und nach Mosis kommen wird, angesprochen.
Ein weiterer Vers aus der Thora:
عَبْدِىَ الْمُخْتاَرُ لَيْسَ بِفَظٍّ وَلاَ غَلِيظٍ
{"Mein auserwählter (muchtar) Diener und Verehrer wird nicht schroff und finster sein."}
Hier ist die Bedeutung von "Muchtar(Auserwählter)" gleich "Mustafa"und dies ist auch ein Name des Propheten.
In den Evangelien findet sich die Beschreibung des Propheten, der nach Jesus kommen wird und den er in einigen Versen mit dem Titel "der Herr der Welt" verkündet:
مَعَهُ قَضِيبٌ مِنْ حَدِيدٍ يُقاَتِلُ بِهِ وَاُمَّتُهُ كَذٰلِكَ
{"Er wird ein Eisenstab haben, womit er schlagen wird, und seine Gemeinde auch."}
Dieser Vers zeigt: "Der Prophet, welcher der Herr über das Schwert ist, wird mit Djihad beauftragt kommen." "Qadib-i hadid(Eisenstab)" ist die Bezeichnung für ein Schwert. Seine Gemeinde wird auch wie er Herr über das Schwert sein, das heißt, dass sie mit dem Djihad beauftragt werden.
وَمَثَلُهُمْ فِى الْاِنْجِيلِ كَزَرْعٍ اَخْرَجَ شَطْئَهُ فَاٰزَرَهُ فاَسْتَغْلَظَ فَاسْتَوٰى عَلٰى سُوقِهِ يُعْجِبُ الزُّرَّاعَ لِيَغِيظَ بِهِمُ الْكُفَّارَ
{"Und im Evangelium werden sie mit Getreide verglichen, dessen Triebe Er (aus dem Boden) hervorkommen und (immer) stärker werden lässt, worauf es verdickt und aufrecht auf den Halmen steht, zur Freude derer, die (vorher) die Saat ausgestreut haben, damit Er mit ihnen den Groll der Ungläubigen hervorruft, (worin sie vergrämen)." (Sure 48, 29)}
Diese Ayah aus der Sure "Feth(der Sieg)" weist auf noch andere Verse aus dem Evangelium wie dieser Vers hin und gibt durch das Evangelium bekannt, dass Mohammed, mit dem Friede und Segen sei, der Herr über das Schwert ist und mit Djihad beauftragt wird.
Im dreiunddreißigsten Kapitel aus dem fünften Buch der Thora findet sich ein solcher Vers: "Die Wahrheit ist vom Berge Sinai gekommen und ist uns aufgegangen von Seir (ein Gebirge in Palästina) und erschienen vom Gebirge Pharan." (Vgl. Deut. 33, 2!)
Hiermit verkündet dieser Vers das Prophetentum Mosis mit dem Ausdruck "Die Wahrheit ist vom Berge Sinai gekommen." und das Prophetentum Jesu mit dem Ausdruck "Die Wahrheit ist vom Seir aufgegangen." Genauso benachrichtigt er die Sendung Ahmeds (ASM) mit dem Ausdruck "Die Wahrheit ist erschienen vom Gebirge Pharan", das allgemein bekannt unter dem Namen Hidjas-Gebirge (arab. Küstengebirge am Roten Meer) ist. Des Weiteren steht der folgende Vers in der Thora über die Sahabis (= Jünger) des Propheten vom Gebirge Pharan, um den Ausdruck in der letzten Ayah von der Sure "Feth(der Sieg)" ذٰلِكَ مَثَلُهُمْ فِى التَّوْرٰيةِ {"So werden sie in der Thora beschrieben." (Sure 48, 29)} zu bestätigen: "Die Fahnen der Heiligen sind mit ihm und an seiner Rechten." Darin sind sie als "Heilige" beschrieben. Das heißt: "Seine Sahabis sind heilige, wahrhaftige Gottesfreunde."
Im Buche des Propheten Jesajas, Kap. 42 steht der Vers: "Gott der Gerechte und der Gepriesene wird in der letzten Zeit Seinen auserwählten und auserlesenen Diener senden. Er wird zu ihm Hasret Gabriel, den Vertrauten Geist schicken und ihm (durch ihn) Seinen Eingott-Glauben (din)lehren. Er wird auch das, was der Vertraute Geist ihm lehrte, den Menschen lehren. Er wird den Völkern das Recht bringen. Er ist das Licht und wird die Völker aus der Finsternis erretten. Das, was der Herr mir offenbart hat, bevor es in Erscheinung tritt, mache ich euch bekannt."
So gibt dieser Vers ganz offensichtlich die
Beschreibung Mohammeds, mit dem Friede und Segen sei, welcher der Prophet der Endzeit ist.
Im Buche des Propheten Micha in dem 4. Kapitel gibt es diesen Vers: "Am Ende der Tage wird eine wohltätige Gemeinde vorhanden sein. Sie werden den heiligen Berg wählen, um Gott dem Gerechten zu dienen und Ihn anzubeten. Viele Völker von allen Klimazonen werden sich dort versammeln, um den Einen Herrn zu lobpreisen und Ihn anzubeten. Sie gesellen Ihm keine anderen Götter bei."
So beschreibt dieser Vers in offensichtlicher Weise den Berg Arafat als heiligsten Berg der Welt und wie die Pilger dort, die von allen Klimazonen kommen und Gott mit den Rufen: "Gott ist der größte! (Allahu Akbar)"anbeten und als die wohltätige Gemeinde Mohammeds (Friede und Segen sei mit ihm) berühmt ist.
In dem Psalter im 72. Kapitel steht folgender Vers: "Er wird von Meer zu Meer Untertanen haben und von den Strömen bis zu den Enden der Erde... Und die Könige von Jemen und Algerien werden ihm Geschenke bringen... Und vor ihm werden sich alle Könige beugen und niederwerfen. Für ihn mögen beständig Gebete gesprochen werden; den ganzen Tag werde er gesegnet... Und Seine Lichter mögen aus Medina (= Stadt) erstrahlen... Und die Rezitation seines Namens möge sich bis in alle Ewigkeiten fortsetzen... Sein Name war vor dem Dasein der Sonne vorhanden. Vor der Sonne möge sein Name zunehmen..."
So bezeichnet dieser Vers in einer ganz klaren Weise den Stolz der Welt, mit dem Friede und Segen sei. Welch anderer Prophet sollte nach David, mit dem Friede sei, gekommen sein, der wie Mohammed aus Arabien, mit dem Friede und Segen sei, seine Botschaft (din)vom Osten bis nach Westen verbreitete und die Kaiser zu Tribut gezwungen hat und die Könige unterworfen wie sie sich vor ihm beugen und Segen und Gebete ein fünftel der
Menschheit an jedem Tag zu sich verdient hat und dessen Licht aus Medina erstrahlt? Wen gibt es? Könnte jemand einen anderen zeigen?
Überdies lautet der 30. Vers im 14. Kapitel aus dem Johannes Evangelium in der türkischen Übersetzung: "Ich werde nicht mehr viel mit euch reden, denn der Fürst dieser Welt kommt. Und Ich kann ihm nicht beikommen!" Der Ausdruck "der Fürst der Welt" heißt hier "der Stolz der Welt". Die Bezeichnung "der Stolz der Welt (Fahr-i Alem)"ist ein berühmter Name von Mohammed aus Arabien, mit dem Friede und Segen sei.
Im Johannes Evangelium 16. Kapitel, 7. Vers heißt es: "Aber ich sage euch die Wahrheit: es ist euch gut, dass ich hingehe. Denn wenn ich nicht hingehe, so kommt der Tröster nicht zu euch." Hier beachten Sie! Wer außer Mohammed dem Araber, mit dem Friede und Segen sei, ist es, welcher der Fürst der Welt ist und der, der den Menschen wahrhaft tröstet? In der Tat ist er es, der Stolz der Welt und er ist es, welcher sterbliche Menschen von Ewiger Verlorenheit (idam-i ebedi)errettet und sie tröstet.
Des Weiteren heißt im Johannes Evangelium 16. Kapitel, 8. Vers: "Und wenn derselbe kommt, wird er der Welt die Augen auftun über die Sünde und über die Gerechtigkeit und über die Macht." Wer ist gekommen außer Mohammed dem Araber, mit dem Friede und Segen sei, der das Verderbnis der Welt in Gerechtigkeit umwandelt, von den Sünden und Abgötterei errettet und die Politik und die Herrschaft der Welt ändert?
Darüber hinaus lautet der 11. Vers im 16. Kapitel aus dem Johannes Evangelium: "Denn es ist schon beschlossen worden, dass der Fürst dieser Welt kommen soll." Hier ist "der Fürst der Welt" mit Sicherheit Ahmed, Mohammed, mit dem Friede und Segen sei, der der Herr der Menschen ist (Seyyid-ul Besher)
{(*): In der Tat ist diese Persönlichkeit ein solcher Fürst und König, dass er im Laufe der 1350 Jahre und in jedem Jahrhundert mindestens 350 Millionen Untertanen und Gefolgschaft hat. Sie gehorchen seinen Befehlen in vollkommener Ergebenheit und Zuversicht und erneuern ihren Bund mit ihm, indem sie ihn jeden Tag im Gebet grüßen und für ihn Frieden wünschen.}
Darüber hinaus lautet der 13. Vers im 16. Kapitel aus dem Johannes Evangelium: "Wenn aber jener, der Geist der Wahrheit, gekommen ist, wird er euch in die ganze Wahrheit leiten; denn er wird nicht aus eigenem Antrieb reden, sondern was er hört, wird er reden, und er wird euch die kommenden Dinge verkünden." Dieser Vers ist eindeutig klar. Wer ist es, der die ganze Menschheit zusammen zu der Wahrheit einlädt, der jede seine Botschaft anhand einer Offenbarung (vahy)bringt, der das sagt, was er vom Engel Gabriel hört, der von dem Weltuntergang und dem Jenseits eingehend verkündet, wer außer Mohammed dem Araber, mit dem Friede und Segen sei, ist es? Und wer könnte es sein?
Außerdem finden sich in den Schriften der Alten Propheten die Namen des Ehrenwerten Botschafters, mit dem Friede und Segen sei, in syrische und hebräische Namen in der Bedeutung "der Gepriesene (Mohammed, Himada),der Ersehnte (Ahmed, Paraclit)und der Auserwählte (Muhtar)".
In den Schriften von Jethro (Shuayb)ist im Sinne von Mohammed (dem Gepriesenen) der Name "Muscheffah"erwähnt.
In der Thora ist wiederum im Sinne vom Mohammed (dem Gepriesenen) der Name "Munhamanna";im Sinne von Nebiy-yul Haram (der Gesandte von Mekka) "Himyata"; in dem Psalter wird er mit dem Namen "Al Muchtar(der Auserwählte)" bezeichnet. Wiederum in der Thora wird er als "Mas Mas"erwähnt des Weiteren heißt er in der Thora "Ahyed".
Der Ehrenwerte Botschafter, mit dem Friede und Segen sei, sagte:
اِسْمِى فِى الْقُرْاٰنِ مُحَمَّدٌ، وَفِى الْاِنْجِيلِ اَحْمَدُ، وَفِى التَّوْرٰيةِ اَحْيَدُ
{"Mein Name im Qur'an ist Mohammed, im Evangelium Ahmed und in der Thora Ahyed."}
Des Weiteren ist im Evangelium einer der Namen des Propheten als
صَاحِبُ الْقَضِيبِ وَالْهِرَاوَةِ
{"Herr des Schwerts und des Zepters"}
erwähnt. In der Tat ist der größte unter den Propheten, die über das Schwert verfügt haben, der mit seiner Gemeinde (umma)mit dem Kampf beauftragt war, der Ehrenwerte Botschafter, mit dem Friede und Segen sei. Im Evangelium ist er "der Herr der Krone" , diese Bezeichnung ist auf den Ehrenwerten Botschafter, mit dem Friede und Segen sei, bestimmt. Die Krone heißt der Turban. In der Vergangenheit war unter den Völkern das Volk mit der meisten Bevölkerung, die einen Turban und Kopfbedeckung getragen haben, das arabische Volk. "Der Herr der Krone", wie im Evangelium erwähnt ist, heißt mit Sicherheit der Ehrenwerte Botschafter, mit dem Friede und Segen sei.
Zudem ist im Evangelium "Al-Baraklit" oder "Al-Faraklit", was in den Bibelkommentaren als "der die Wahrheit und den Irrweg voneinander unterscheidende Wahrheitsverehrer" ausgelegt ist, der Name dessen, der die Menschen, die später kommen, in die Wahrheit leiten wird.
An einer Stelle im Evangelium sagt Jesus, mit dem Friede und Segen sei: "Ich werde gehen, damit der Fürst der Welt kommt." Welch anderer als Mohammed, mit dem Friede und Segen sei, ist nach Jesus, mit dem Friede sei, gekommen, der dazu würdig ist, der Fürst der Welt zu sein, der die Wahrheit von dem Irrtum unterscheidet
und an Stelle von Jesus, mit dem Friede und Segen sei, den Menschen rechtleitet? Das heißt, Jesus, mit dem Friede und Segen sei, verkündet seiner Gemeinde ständig und berichtet: "Einer wird kommen und ich werde nicht mehr benötigt. Ich bin ein Anfang dessen und sein Verkünder." Genauso lautet diese folgende Ayah:
وَاِذْ قاَلَ عِيسَى ابْنُ مَرْيمَ يَابَنِٓى اِسْرآَئِيلَ اِنِّى رَسُولُ اللّٰهِ اِلَيْكُمْ مُصَدِّقًا لِمَا بَيْنَ يَدَىَّ مِنَ التَّوْرٰيةِ وَمُبَشِّرًا بِرَسُولٍ يَاْتِى مِنْ بَعْدِى اسْمُهُ اَحْمَدُ
{"Und da Jesus, der Sohn der Maria, sprach: Oh ihr Kinder Israels, siehe, ich bin Gesandter Allahs an euch, bestätigend die Thora, die vor mir war, und einen Gesandten verkündigend, der nach mir kommen soll, dessen Name Ahmed ist." (Sure 61, 6)}
In der Tat verkündet Jesus, mit dem Friede und Segen sei, seiner Gemeinde öfters frohe Botschaft. Er erinnert, dass der bedeutendste Herr der Menschen kommen wird, und erwähnt einige seiner Namen.
Diese Namen sind sicherlich in syrischer und hebräischer Sprache. Erkunder der Schriften (ehl-i tahqiq)sahen es. Diese Namen sind in der Bedeutung von "Ahmed(der Ersehnte), Mohammed(der Gepriesene), Farikun Beynel Haqqi vel Batil(Der, der die Wahrheit vom Irrtum unterscheidet)". Das heißt, Jesus, mit dem Friede sei, verkündet öfters über Ahmed, mit dem Friede und Segen sei.
{(*): Ummatuhul Hammadun (Die Gemeinde des Gepriesenen). Der berühmte Reisende Evliya Tschelebi hat in dem Mausoleum von Petrus (Shem'un-us'Safa) in dem heiligen Evangelium, das auf dem Gazellenleder geschrieben war, den folgenden Vers gelesen. Dieser Vers, der über den Ehrenwerten Botschafter, mit dem Friede und Segen sei, geoffenbart wurde, lautet folgendermaßen: ietun (ein Sohn), esribyun (er ist aus den Nachkommen von Abraham), piruftun (er ist ein Prophet), lewghaslin (er ist kein Lügner), nebt efsulat (sein Geburtsort ist Mekka), gekaluschschier (er ist ein Wohltätiger), tunumenien mevamiet (sein heiliger Name ist Ahmed Mohammed) (*) isfedus takerdis (seine Anhänger sind Könige der Erde), bießbieth (Er ist auch der König der Welt).
(*) "Mevamiet" ist von "Mehmed" und "Memed" von "Mohammed" abgeleitet.}
Frage:
Wenn man fragt: "Warum verkündet ihn Jesus, mit dem Friede sei, besonders, mehr als die anderen Propheten? Die anderen bringen über ihn nur Nachricht, die Ausdrucksform einer Verkündung ist gering."
Antwort:
Ahmed, mit dem Friede und Segen sei, befreit Jesus, mit dem Friede und Segen sei, von den heftigen Verleugnungen und heftigen Verleumdungen der Juden und seine Religion von starken Verfälschungen. Er bringt ein erhabenes Gesetz (Schari'a),das leicht erfüllbar, umfassend ist im Gegensatz zum schwer erfüllbaren Gesetz der Kinder Israels, die Jesus, mit dem Friede und Segen sei, nicht anerkannten. Sein Gesetz hat die Wirkung, die Fehler des christlichen Gesetzes zu entfernen. Deshalb verkündet Jesus, mit dem Friede sei, an vielen Stellen: "Der Fürst der Welt wird kommen!"
So sind in der Thora, im Evangelium, im Psalter und in den Schriften der anderen Propheten betonende Nachrichten und viele Verse über den letzten Propheten, der kommen wird. Wie wir es mit einigen Beispielen gezeigt haben, ist er in diesen Büchern unter verschiedenen Namen erwähnt. Wer könnte es sein, der in den gesamten Heiligen Schriften der Propheten erwähnt wird, den sie betonend in vielen Versen ankündigen, ein anderer als der Prophet der Endzeit, Mohammed, mit dem Friede und Segen sei?...
Zweite Art:
Die Hinweise auf sein Prophetentum aus der Vorzeit und die Beweise dafür nach seiner Berufung haben Folgendes zum Inhalt: In der Zeit vor dem Auftreten Ahmeds, also in jener Zeit, die man als "Fetret" bezeichnet, haben diejenigen, die man gewissermaßen als die Heiligen und die Theologen (auliya ve arif)ihrer Zeit bezeichnen könnte,
das Kommen des Ehrenwerten Gesandten, mit dem Friede und Segen sei, vorausgesagt, ihre Voraussagen niedergeschrieben und so, z.B. in Form von Gedichten, der Nachwelt überliefert. Es gab viele von ihnen. Wir wollen jedoch hier nur einige berühmte und weit verbreitete Beispiele anführen, die von den Biographen und Historikern (Ehli Siyer ve Tarih)bestätigt und überliefert worden sind. Zum Beispiel:
Erstens:
Ein jemenitischer König namens Tubba' erkannte die Hinweise auf den Ehrenwerten Gesandten, mit dem Friede und Segen sei, in den Schriften der Alten und nahm den Glauben an. Dies verkündet er mit folgendem Gedicht:
شَهِدْتُ عَلٰى اَحْمَدَ اَنَّهُ رَسُولٌ مِنَ اللّٰهِ باَرِى النَّسَمِ
فَلَوْ مُدَّ عُمْرِى اِلٰى عُمْرِهِ لَكُنْتُ وَزِيرًا لَهُ وَابْنَ عَمٍّ
{"Ich gebe Zeugnis für Ahmed. Denn er ist der Gesandte von Gott, dem Schöpfer der Menschen. Könnte mein Leben andauern bis zu seinem Leben, so würde ich ein Minister werden oder sein Vetter."}
Das heißt, ich würde ihm ein ergebener Diener gleich Ali sein.
Zweitens:
Quss Ibn Sa'ide war der berühmteste und bedeutendste Redner des arabischen Volkes, ein Verehrer des Einen Gottes und ein Mann von erleuchtetem Geist. Siehe, noch vor dem Erscheinen des Propheten, verkündete er Ahmeds Sendung mit dem folgenden Gedicht:
اَرْسَلَ فِينَآ اَحْمَدَ خَيْرَ نَبِىٍّ قَدْ بُعِثَ صَلّٰى عَلَيْهِ اللّٰهُ ماَعَجَّ لَهُ رَكْبٌ وَحُثَّ
{"Gesandt wird uns Ahmed, der beste Botschafter unter denen, die uns gesandt wurden. Gottes Segen über ihn, wann immer eine Schar ausreitet mit Hochrufen."}
Drittens:
Ka'b Ibn Luayy, einer der Vorväter des Ehrenwerten Gesandten, mit dem Friede und Segen sei, verkündete das Prophetentums Ahmeds (Friede und Segen
sei mit ihm), einer Eingebung folgend, so:
عَلٰى غَفْلَةٍ يَاْتِى النَّبِىُّ مُحَمَّدٌ فَيُخْبِرُ اَخْبَارًا صَدُوقًا خَبِيرُهَا
{"Es wird plötzlich der Prophet Mohammed kommen und er wird rechte Kunde verkünden."}
Viertens:
Seyf Ibn Siyesen, König des Jemen erkannte die Hinweise auf den Ehrenwerten Gesandten, mit dem Friede und Segen sei, in den Büchern der Alten, und voll Sehnsucht nach ihm nahm er den Glauben an. Als dann später Abdu-l'Muttalib, der Großvater des Ehrenwerten Gesandten, mit dem Friede und Segen sei, mit noch einigen anderen Qurayschiten in einer Karawane durch den Jemen zog, rief er sie zu sich und eröffnete ihnen:
اِذَا وُلِدَ بِتِهَامَةَ وَلَدٌ بَيْنَ كَتْفَيْهِ شَامَةٌ كَانَتْ لَهُ الْاِماَمَةُ وَاِنَّكَ ياَعَبْدَ الْمُطَّلِبِ لَجَدُّهُ
{"Im Hidjas wird ein Kind zur Welt kommen. Zwischen seinen Schultern wird er ein Mal tragen gleich einem Siegel und ihm wird die Führerschaft (imam) gehören."}
Sodann nahm er Abdu-l'Muttalib heimlich beiseite und sagte zu ihm: "Du bist der Großvater dieses Kindes." und gab so in wunderbarer Weise noch vor seiner Ankunft von ihm Kunde.
Fünftens:
Waraqa Ibn Naufal war der Vetter von Khatidscha der Großen. Als der Ehrenwerte Gesandte, mit dem Friede und Segen sei, durch die erste Offenbarung, die ihm zuteil wurde, zutiefst erschüttert war, teilte Khatidscha die Große dieses Ereignis Waraqa ibn Naufal mit. Da sagte Waraqa zu ihr: "Lass ihn zu mir kommen!" Als dann der Ehrenwerte Gesandte, mit dem Friede und Segen sei, zu Waraqa kam, erzählte er ihm von dem Erlebnis, in dem ihm die erste Offenbarung wiederfuhr." Da entgegnete ihm Waraqa:
بَشِّرْ ياَ مُحَمَّدُ اِنِّى اَشْهَدُ اَنَّكَ اَنْتَ النَّبِىُّ الْمُنْتَظَرُ وَبَشَّرَ بِكَ عِيسٰى
{"Oh Mohammed, freue dich! Ich bezeuge, dass du wahrhaftig der erwartete Prophet bist, von dem uns Jesus die frohe Botschaft gebracht hat."}
Sechstens:
Ein Kenner Gottes namens Asqalan al-Himyeri pflegte vor der Zeit des Propheten, wenn er die Qurayschiten sah, sie zu fragen: "Gibt es unter euch einen, der beansprucht, ein Prophet zu sein?" Sie sagten: "Nein!" Als dann später die Zeit des Propheten angebrochen war, fragte er sie abermals und diesmal sagten sie: "Ja, es gibt da einen, der behauptet, ein Prophet zu sein." Da sagte er zu ihnen: "Dies ist der, auf den die Welt wartet."
Siebentens:
Einer der berühmten christlichen Gelehrten, namens Ibn Ala, gab von dem Propheten Kunde noch vor seiner Zeit und ohne ihn gesehen zu haben. Als er dann später kam und er den Ehrenwerten Gesandten, mit dem Friede und Segen sei, erblickte, sagte er zu ihm:
وَالَّذِى بَعَثَكَ باِلْحَقِّ لَقَدْ وَجَدْتُ صِفَتَكَ فِى الْاِنْجِيلِ وَبَشَّرَ بِكَ اِبْنُ الْبَتوُلِ
{"Bei dem, der dich in Wahrheit gesandt hat: Ich habe die Zeichen, die auf dich hinweisen, in den Evangelien gefunden und auch der Sohn der Reinen Magd (= Betul, Maria) hat dich vorherverkündet."}
Achtens:
Der obenerwähnte Negus von Abessinien sagte:
لَيْتَ لِى خِدْمَتَهُ بَدَلاً عَنْ هٰذِهِ السَّلْطَنَةِ
{"Ach wäre mir doch statt der Stellung eines Königs bei Mohammed, dem Araber, mit dem Friede und Segen sei, die Stellung eines Dieners! Denn ihm ein Diener zu sein, ist weit mehr, als ein König zu sein."}
Nun haben jedoch außer den Gottesgelehrten, die durch göttliche Eingebung aus dem Unsichtbaren Kunde erhielten, auch die Wahrsager, die die Kunde mit Hilfe von
Dschinnen und Geistern aus dem Unsichtbaren erhielten, in ganz eindeutiger Weise das Kommen des Ehrenwerten Gesandten, mit dem Friede und Segen sei, und sein Prophetentum vorausgesagt. Dafür gibt es viele Beispiele. Wir wollen hier nur einige, die berühmt geworden und die Beweiskraft allgemeiner sinngemäßer Überlieferung erlangt haben und die in den meisten Geschichtsbüchern und Biographien (Tarih ve Siyer)angeführt werden, erwähnen. Wir überlassen deren langatmige und ausführliche Darstellung diesen Büchern und begnügen uns hier statt dessen mit einer kurzen Fassung.
Erstens:
Ein berühmter Wahrsager namens Shiqq, sah mit nur einem Auge, einer Hand und einem Bein mehr wie ein halber Mensch aus.
Doch siehe, dieser Wahrsager hat mit einer Sicherheit vom Grade einer allgemeinen sinngemäßen Überlieferung dadurch seinen Platz in den Geschichtsbüchern gefunden, dass er die prophetische Sendung Ahmeds, mit dem Friede und Segen sei, vorausgesagt und des öfteren wiederholt hat.
Zweitens:
Dies war der berühmte Wahrsager Satih aus Damaskus. In seiner Gestalt gleich einem Monster, ohne Knochen, ja selbst ohne Glieder, sein Gesicht in der Brust, war er dennoch ein Wahrsager von hoher Lebensdauer. Seine zutreffenden Berichte aus dem Unsichtbaren waren unter den Menschen seiner Zeit berühmt. Selbst der Chosro, also der Schah von Persien, sandte nach einem seltsamen Traum und nachdem zur Zeit der Geburt Ahmeds (ASM) die vierzehn Säulen seines Palastes umgestürzt waren, seinen gelehrten Botschafter Muysan aus, um Satih nach diesem Geheimnis zu befragen. Satih sagte ihm: "In eurem Lande werden noch vierzehn Herrscher regieren. Danach wird das Reich zerstört werden. Des Weiteren wird einer kommen. Der wird eine Religion (din)stiften. Dieser ist es, der eure Religion beseitigen und euer Reich vernichten wird." In diesem Sinne erteilte er dem Chosro seine Antwort. Auf diese Weise also sagte Satih in klarer und deutlicher Weise das Kommen eines Propheten der Endzeit voraus.
Des Weiteren haben auch noch einige andere berühmte Wahrsager wie Sevad Ibn Qarib ad-Daussi, Chunafir, Af'asiyye Nedjran, Djisl Ibn Djisl al-Kindi, Ibn Chalassat ad-Dausi und Fatima Bint an-Nu'man an-Nadjariyya, wie die Biographien und Geschichtsbücher (Siyer ve Tarih)ausführlich berichten, vorausgesagt, dass der Prophet der Endzeit kommen und sein Name Mohammed, mit dem Friede und Segen sei, sein werde.
Des Weiteren hat Sa'd Ibn Bint Al-Kureys, einer der Verwandten von Hasret Othman, durch eine Weissagung aus dem Unsichtbaren über die Botschaft des Ehrenwerten Gesandten, mit dem Friede und Segen sei, Kunde erhalten. Bei Anbeginn des islamischen Zeitalters sagte er zu Hasret Othman Dhinnureyn: "Gehe du nun und nimm den Glauben an." So ging Othman und nahm gleich am Anfang den Glauben an. Dieses Geschehnis beschreibt Sa'd mit dem folgenden Vers:
هَدَى اللّٰهُ عُثْمَانَ بِقَوْلِى اِلَى الَّتِى بِهَا رُشْدُهُ وَاللّٰهُ يَهْدِى اِلَى الْحَقِّ
{"Gott hat Othman durch mein Wort dorthin geleitet, woher Rechtleitung kommt; und Gott führt zur Wahrheit (Haqq)."}
Des Weiteren haben auch Dschinnen, die man "Hatif" nennt, deren Gestalt man nicht sehen, deren Stimme man jedoch hören kann, den Wahrsagern gleich oftmals das Kommen des Ehrenwerten Gesandten, mit dem Friede und Segen sei, vorhergesagt. Zum Beispiel:
Für Seyyab ibn Harith wurde ein Hatif-i Dschinn durch den folgenden Ruf zum Anlass, zusammen mit noch einigen anderen den Islam anzunehmen:
ياَ ذَيَابُ ياَ ذَيَابُ اِسْمَعِ الْعَجَبَ الْعُجَابَ
بُعِثَ مُحَمَّدٌ بِالْكِتَابِ يَدْعُو بِمَكَّةَ فَلاَ يُجَابُ
{"Oh Seyyab! Oh Seyyab! Höre von einer sonderbaren Merkwürdigkeit! Mohammed wurde mit einem Buch gesandt. Er ruft die Stadt Mekka. Doch sie nehmen ihn nicht auf."}
Des Weiteren rief ein Hatif-i Dschinn Sami'a Ibn Qarrat al-Ghatafani das folgende zu und führte dadurch verschiedene zum Glauben:
جَاءَ الْحَقُّ فَسَطَعَ وَدُمِّرَ باَطِلٌ فَانْقَمَعَ
{"Die Wahrheit ist gekommen und hat sich ausgebreitet. Die Lüge wurde zunichte und ward entwurzelt."}
Diese frohen Botschaften und Verkündigungen, welche von den Hatifen überbracht wurden, sind hochberühmt und es gibt sehr viele von ihnen.
So wie die Wahrsager und die Hatifen solche Botschaften überbracht haben, so haben auch die Götzen und die Opfer, die diesen Götzen dargebracht wurden, die Sendung des Ehrenwerten Gesandten, mit dem Friede und Segen sei, vorherverkündet. Zum Beispiel:
Eine berühmte Erzählung ist diese: Der Götze des Stammes Masen rief mit lauter Stimme:
هٰذَا النَّبِىُّ الْمُرْسَلُ جَآءَ باِلْحَقِّ الْمُنْزَلِ
{"Dies ist der Prophet, der gesandt wurde und kam mit der Wahrheit, für die er gesandt wurde."}
und verkündete so die Sendung Ahmeds (ASM).
Des Weiteren war dies der berühmte Vorfall, der dazu führte, dass Abbas ibn Mirdas den Islam annahm: Er hatte nämlich einen Götzen mit Namen Dimar. Aus diesem Götzen sprach eines Tages eine Stimme, die sagte:
اَوْدٰى ضِمَارُ وَكَانَ يُعْبَدُ مُدَّةً قَبْلَ الْبَيَانِ مِنَ النَّبِىِّ مُحَمَّدٍ
{"Man hat mich angebetet, bevor die Botschaft des Propheten Mohammed kam."}
Das heißt, bevor Mohammed kam, hat man mich angebetet.
Nun ist von Mohammed Kunde gekommen. Deshalb kann es nun einen solchen Irrtum nicht mehr geben. Hasret Omar hörte vor seiner Bekehrung einmal, wie das Opfer, das einem Götzen geschlachtet worden war, sprach:
ياَ اٰلَ الذَّبِيحْ اَمْرٌ نَجِيحْ رَجُلٌ فَصِيحْ يَقُولُ لآَ اِلٰهَ اِلاَّ اللّٰهُ
{"Oh du, der du das Opfer darbringst: das Mittel zum Sieg ist ein Mann, der klar sagt: Es gibt keine Gottheit außer Gott (La ilaha illa'llah)."}
So gibt es denn viele Geschehnisse gleich diesen Beispielen. Sie sind von zuverlässigen Büchern verifiziert und überliefert worden.
So wie Weissager, Gottesgelehrte, Hatife, ja sogar Götzen und Götzenopfer die Botschaft Ahmeds (ASM) verkündet haben, so ist auch jedes dieser Ereignisse einem Teil der Menschen zum Anlass geworden, den Glauben anzunehmen. Desgleichen befand sich auf einigen Steinen, auf den Grabsteinen und den Wänden der Gräber in den Schriftzeichen der Alten geschrieben: مُحَمَّدٌ مُصْلِحٌ اَمِينٌ {"Mohammed, der Friedensstifter, der Betraubare"} und andere, ähnliche Hinweise. Auch durch sie ist ein Teil der Menschen zum Glauben gelangt. In der Tat weist dieses مُحَمَّدٌ مُصْلِحٌ اَمِينٌ {"Mohammed, der Friedensstifter, der Betraubare."} das sich in den Schriftzeichen der Alten auf einigen Steinen findet, auf den Ehrenwerten Gesandten, mit dem Friede und Segen sei, hin. Denn vor ihm hatte es, besonders in allerletzter Zeit, nur sieben Männer mit dem Namen Mohammed gegeben, nicht mehr. Diese sieben
Männer aber verdienten in gar keiner Weise, etwa als "zuverlässiger Friedensstifter" bezeichnet zu werden.
Dritte Art:
Hierunter fallen alle jene Wunder und diejenigen Ereignisse aus der Irhassat des Ehrenwerten Gesandten, mit dem Friede und Segen sei, die sich um seine Geburt gezeigt haben. Es sind dies Geschehnisse, die sich im Zusammenhang mit seiner Geburt ereignet haben.
Des Weiteren gab es manche Ereignisse vor der Zeit seiner Berufung, von denen jedes einzelne ganz unmittelbar ein Wunder von ihm ist. Es gibt viele von ihnen. Als Beispiel wollen wir hier einige anführen, die besonders berühmt geworden sind und von den Hadithkundigen bestätigt wurden, zuverlässige Erzählungen von hoher Authentizität.
Erstens:
In der Nacht, in welcher der Prophet geboren wurde, sahen sowohl seine Mutter, als auch die gleichfalls anwesende Mutter von Othman Ibn al-As und die Mutter von Abdurrahman ibn Auf, ein gewaltiges Licht und sagten später alle drei: "Wir haben zur Stunde seiner Geburt ein Licht erschaut. Es war dies ein Licht, von dem wir sahen, wie es den Osten und den Westen erleuchtete."
Zweitens:
In dieser Nacht stürzten viele der Götzen in der Kaaba kopfüber herab.
Drittens:
In jener Nacht erbebte der berühmte Palast des Chosro von Persien, spaltete sich und seine vierzehn Säulen stürzten um.
Viertens:
Ein kleiner See in der Gegend von Sava, der als heilig galt, versank in dieser Nacht in der Erde und das Heilige Feuer, das die Parsen verehrt und seit tausend Jahren bewacht hatten, das immer gebrannt hatte und nie ausgelöscht war, erlosch in dieser Nacht seiner Geburt.
So sind denn diese drei, vier Ereignisse ein Zeichen hierfür: Diese soeben zur Welt gekommene Persönlichkeit
wird einmal der Verehrung des Feuers ein Ende setzen, die Zerstörung des Palastes des Schahs von Persien bewirken und es verbieten, Dinge als heilig verehren, die es nicht durch Gottes Erlaubnis sind.
Fünftens:
Es gibt Geschehnisse, welche sich nicht unmittelbar in der Nacht seiner Geburt ereignet haben, dennoch aber zu den Irhassat-i Ahmediyye (ASM) hinzugezählt werden, weil sie zeitlich sehr nahe seiner Geburt lagen, wie z.B. der Zwischenfall mit dem Elefanten, der in der Sure 105 ("Fil")mit eindeutiger Klarheit beschrieben wird:
Abraha, so hieß der König von Abessinien, war aufgebrochen, um die Kaaba zu zerstören. Da ritt er auf einem riesigen Elefanten voraus. Der Elefant hieß Mahmudi. Doch als sie in die Nähe von Mekka gekommen waren, ging dieser Elefant nicht mehr weiter. Und weil sie sich nicht mehr zu helfen wussten, traten sie den Rückzug an. Nun aber wurden sie von Scharen von Vögeln überfallen, vernichtend geschlagen und in die Flucht gejagt.
Diese wunderbare Geschichte wurde so berühmt, dass sie in die Geschichtsbücher eingegangen ist, wo sie in Einzelheiten berichtet wird. So gehört denn auch dieses Ereignis zu den Beweisen für die prophetische Sendung des Ehrenwerten Gesandten, mit dem Friede und Segen sei. Denn in dieser Zeit so kurz vor seiner Geburt wurde die Hochgeachtete Kaaba (mukerrem),die einmal seine Gebetsrichtung, sein geliebter Geburts- und Heimatort werden sollte, wie von unsichtbarer Hand auf wundersame Weise vor der Zerstörung durch Abraha bewahrt.
Sechstens:
Über dem Ehrenwerten Gesandten, mit dem Friede und Segen sei, haben Halima und ihr Gatte, zu einer Zeit, als jener noch ein Kind war und noch bei Halima Sa'diya weilte, oftmals ein kleines Wölkchen bemerkt, das ihm Schatten spendete, damit ihn die Sonne nicht belästige. Sie hatten den Leuten davon erzählt und so bekam dieses Geschehnis durch ihr Zeugnis seine Zuverlässigkeit und seine Berühmtheit.
In gleicher Weise sah und bezeugte der Mönch Bahira, als der Ehrenwerte Gesandte, mit dem Friede und Segen sei, im Alter von zwölf Jahren in die Gegend von Damaskus kam, ein kleines Wölkchen über seinem Haupte, das ihm Schatten spendete und wies auch die anderen darauf hin.
Desgleichen erblickte einmal Khatidja die Große, als der Ehrenwerte Gesandte, mit dem Friede und Segen sei, und auch dies war noch in der Zeit vor seiner Berufung zum Propheten, von einer Handelsreise mit dem Diener Khatidjas der Großen, welcher Meyssara hieß, zurückkehrte, wie zwei Engel in Wolkengestalt dem Haupte des Ehrenwerten Gesandten, mit dem Friede und Segen sei, Schatten spendeten. Sie sagte dies zu Meyssara, der ihr Diener war, und Meyssara sagte nun seinerseits zu Khatidja der Großen: "Auf unserer ganzen Reise habe ich das gleiche beobachtet."
Siebentens:
Aufgrund einer authentischen Überlieferung steht fest, dass der Ehrenwerte Gesandte, mit dem Friede und Segen sei, noch vor seiner Berufung sich einmal unter einem Baume niederließ. Und obwohl doch der Platz dort trocken war, wurde er nun plötzlich grün. Die Äste des Baumes aber bogen sich herab, neigten sich über sein Haupt und spendeten ihm ihren Schatten.
Achtens:
Der Ehrenwerte Gesandte, mit dem Friede und Segen sei, verbrachte seine Kindheit im Hause seines Onkels Abu Talib. Saßen Abu Talib mit Kind und Kegel mit ihm zusammen, so nahmen sie miteinander das Mahl ein und wurden alle satt. Nahm er jedoch nicht am gemeinsamen Mahle teil, so blieben sie hungrig. Auch dieses Ereignis ist berühmt geworden. Die Berichte darüber sind authentisch.
Des Weiteren berichtete Umm Eyman, die sich während der Kindheit des Ehrenwerten Gesandten, mit dem Friede und Segen sei, um ihn kümmerte und ihn versorgte:
"Niemals beklagte sich der Ehrenwerte Gesandte, mit dem Friede und Segen sei über Hunger oder Durst, nicht solange er noch klein war und auch später nicht, als er schon groß war."
Neuntens:
Halima Sa'diya, seine Amme, war im Gegensatz zu den übrigen ihres Stammes mit Überfluss gesegnet. Sie verfügte über Besitz und über Ziegen, die ihnen Milch gaben. Diese Lebensumstände waren durchaus bekannt und die Berichte darüber sind authentisch.
Noch nicht einmal die Mücken taten ihm etwas. Sie setzten sich nicht auf seine gesegnete Haut und berührten auch nicht seine Kleidung. Diese Eigenart zeigte sich auch bei Seyyid Abdulqadir Geylani (Allah heilige ihm sein Geheimnis) als ein Erbe seines großen Ahnen. Auch ihn berührte keine Fliege.
Zehntens:
Nachdem der Ehrenwerte Gesandte, mit dem Friede und Segen sei, zur Welt gekommen war, besonders aber in der Nacht seiner Geburt, konnte man einen Meteorregen beobachten. Dergleichen Ereignisse haben wir bereits im Fünfzehnten Wort mit unwiderlegbaren Beweisen erklärt. Diese Meteoritenschwärme waren Zeichen und Hinweis darauf, dass die Mitteilungen, welche die Satane und die Dschinnen aus der unsichtbaren Welt empfingen, nun abgebrochen wurden. Da nun einmal der Ehrenwerte Gesandte, mit dem Friede und Segen sei, mit einer Offenbarung in diese Welt gekommen war, wurde es nun sicherlich notwendig, die Weissagungen der Wahrsager, der Medien der Unsichtbaren Welt und der Dschinnen, welche vermischt waren mit Halbwahrheiten und Lügen, abzuschirmen, sodass sie keinen Schatten des Zweifels auf die göttliche Offenbarung werfen konnten oder ihr ähnlich hätten erscheinen können. Denn es war ja in der Tat die Wahrsagerei in der Zeit vor dem Auftreten des Propheten weit verbreitet. Nachdem der Qur'an herabgesandt worden war, wurde dem jedoch ein Ende gesetzt. Ja es gelangten sogar viele Wahrsager zum Glauben. Denn sie konnten nun die Kontakte zu ihren
Informanten unter dem Geschlecht der Dschinnen nicht mehr herstellen, d.h. der Qur'an hatte dies beendet. Doch erhebt nun auch heute wieder, gleich den Wahrsagern der alten Zeit in Europa eine neue Art Wahrsagerei in der Gestalt der Medien spiritistischer Gesellschaften ihr Haupt. Doch sei's drum...
Zusammenfassung:
Es haben sich sehr viele Geschehnisse ereignet und sehr viele Persönlichkeiten sind aufgetreten, welche das Prophetentum des Ehrenwerten Gesandten, mit dem Friede und Segen sei, noch vor seiner Berufung zum Propheten bestätigten und auch anderen ein Anlass wurden, es zu bestätigen. Ja in der Tat sollte alles denjenigen, welcher der geistige Führer der Welt
{(*): Er ist in der Tat der König mit dem Titel: "Um deinetwillen habe ich die Welt erschaffen." (Laulaka laulak) und der Regent eines Königreiches, das seit 1350 Jahren fortbesteht. Nach dem ersten Jahrhundert hatte er in jedem Jahrhundert mindestens 350 Millionen Untertanen und Gefolgsleute. Er scharte den halben Erdkreis unter seinem Banner und seine Untertanen bringen ihm jeden Tag ihre Segnungen und Friedenswünsche dar, wodurch sie ihren Bund mit ihm erneuern. Sie folgen seinen Befehlen in vollendeter Ergebenheit.}
werden sollte und der das Antlitz der Erde geistig umformen und sie zu einem Saatfeld für die jenseitige Welt umgestalten, den Wert der Geschöpfe deutlich machen, Dschinnen und Menschen den Weg in die Ewige Glückseligkeit aufzeigen, die sterblichen Menschen und Dschinnen davor bewahren sollte, auf ewig verloren zu sein, die Weisheit hinter der Erschaffung der Welt entdecken, ihre Rätsel entschlüsseln und ihre Geheimnisse entschleiern, die Pläne des Schöpfers mit seiner Schöpfung verstehen und erklären, seinen Schöpfer erkennen und sie lehren sollte Ihn zu erkennen, seine Ankunft mit Sehnsucht erwarten, noch bevor er gekommen war, ihn festlich empfangen und freudig willkommen heißen. So sollte jedes Ding und alles, was da ist, jedes in seiner Art und alles, was da lebt, sobald es durch seinen Schöpfer
davon Kunde erhalten hat, diese Botschaft auch weitergeben. So wie wir schon den oben erwähnten Hinweisen und Beispielen entnehmen konnten, alles, was da erschaffen worden war, ihm durch seine Wunder seinen Willkommen erwies, so bestätigte es auch seine prophetische Sendung in der Sprache dieser Wunder.
Siebzehnter Hinweispunkt
Nebst dem Qur'an war das größte Wunder des Ehrenwerten Gesandten, mit dem Friede und Segen sei, seine eigene Persönlichkeit (dhat).Denn in ihm vereinigten sich alle Eigenschaften von hoher Moral (akhlaq-i aliye).Freund und Feind waren sich darin einig, dass er eine jegliche Tugend im höchstmöglichen Grade besaß. Ja selbst Hasret Ali, einer seiner tapfersten Helden, sagte des öfteren:
"Wenn wir einmal im heftigsten Kampfgetümmel unsere Verteidigungsstellung wieder aufbauen mussten, suchten wir hinter dem Ehrenwerten Gesandten, mit dem Friede und Segen sei, unseren Schutz." u.dgl. In allen gepriesenen Tugenden nahm er auch den höchsten Rang ein, stand er auf einer unerreichbar hohen Stufe. Bezüglich dieses außerordentlichen Wunders verweisen wir auf das Buch "Heilung und Heiligung (Shifa-i Sherif)"des großen andalusischen Gelehrten Kadi 'Iyas. Darin hat er dieses Wunder an preiswürdigen Tugenden zu recht sehr schön dargestellt und bewiesen.
Ein weiteres Wunder Ahmeds (ASM), dessen überragende Größe Freund und Feind bestätigt haben, ist "Das Große Gesetz (sheri'at-i kubra)",welches nicht seinesgleichen hat und auch niemals haben wird. Hinsichtlich einer teilweisen Darlegung dieses gewaltigen Wunders verweisen wir auf sämtliche von uns verfassten Schriften, nämlich die dreiunddreißig "Worte (Sözler)",die dreiunddreißig "Briefe (Mektubat)",die einunddreißig "Blitze (Lem'alar)"und die dreizehn "Strahlen (Shu'alar)"...
Des Weiteren ist die Spaltung des Mondes ein Wunder des Ehrenwerten Gesandten, mit dem Friede und Segen sei, welches allgemein überliefert und zuverlässig bezeugt wurde. Diese Spaltung des Mondes wurde in der Tat durch verschiedene Kanäle in allgemeiner Übereinstimmung von Ibn Mes'ud, Ibn Abbas, Ibn Omar, Imam Ali, Anas, Hudheyfa und noch vielen anderen großen Sahabis überliefert und außerdem wurde der Welt durch die eindeutige Aussage des Qur'an, nämlich durch die Ayah:
اِقْتَرَبَتِ السَّاعَةُ وَانْشَقَّ الْقَمَرُ
{"Es nahte die Stunde, da der Mond gespalten wurde." (Sure 54, 1)}
dieses Große Wunder verkündigt. In damaliger Zeit reagierten die Heiden unter den Qurayschiten in ihrer Verbohrtheit nicht etwa mit einer Leugnung auf die in dieser Ayah enthaltene Mitteilung, sondern behaupteten statt dessen nur: "Es ist Zauberei!" Das heißt also, dass die Spaltung des Mondes selbst für die Ungläubigen eine Tatsache war. Im Übrigen verweisen wir hinsichtlich dieses Großen Wunders der Spaltung des Mondes auf unsere Abhandlung im Anhang an das Einunddreißigste Wort "Die Spaltung des Mondes".
So wie der Ehrenwerte Gesandte, mit dem Friede und Segen sei, den Bewohnern des Erdenrunds das Wunder der Spaltung des Mondes zeigte, so zeigte er auch den Bewohnern der Himmel das Große Wunder seiner Himmelfahrt. Was aber dieses gewaltige Wunder betrifft, welches Himmelfahrt genannt wird, so verweisen wir hier auf unsere Abhandlung über die Himmelfahrt, welche das Einunddreißigste Wort ist. Denn in dieser Abhandlung wird mit sicheren Zeugnissen sogar gegenüber den Ungläubigen die Richtigkeit und Erhabenheit und der Glanz dieses Großen Wunders bewiesen. Wir wollen hier nur von einem Wunder erzählen, das sich im Zusammenhang mit seiner Reise ereignete, die mit dem Wunder seiner Himmelfahrt von der El-Aqsa-Moschee aus ihren Anfang
nahm, als nämlich am Morgen der Stamm der Qurayschiten eine Beschreibung der El-Aqsa-Moschee von ihm wünschte. Und dies geschah also folgendermaßen:
Der Prophet hatte die Qurayschiten am Morgen nach der Nacht seiner Himmelfahrt darüber informiert. Doch sie hatten seine Mitteilung bestritten und zu ihm gesagt: "Wenn du zur El-Aqsa-Moschee gereist bist, dann schildere uns doch einmal das Aussehen seiner Mauern und Tore!"
Der Ehrenwerte Gesandte, mit dem Friede und Segen sei, schildert dies später mit den Worten:
فَكَرَبْتُ كَرْباً لَمْ اَكْرُبْ مِثْلَهُ قَطُّ فَجَلَّى اللّٰهُ لِى بَيْتَ الْمَقْدِسِ وَكَشَفَ الْحُجُبَ بَيْنِى وَبَيْنَهُ حَتّٰى رَاَيْتُهُ فَنَعَتُّهُ وَاَنَا اَنْظُرُ اِلَيْهِ
{"Ich war über diese ihre Art, mir keinen Glauben zu schenken, mich der Lüge zu beschuldigen und mir peinliche Fragen zu stellen aufs Äußerste aufgebracht, wie noch nie zuvor in meinem Leben. Da aber enthüllte Gott die El-Aqsa-Moschee vor meinen Augen, zeigte sie mir, ich erblickte sie vor mir und so schilderte ich sie ihnen in all ihren Einzelheiten."}
Da erkannten denn die Qurayschiten, dass er ihnen von der El-Aqsa-Moschee eine völlig richtige, genaue und umfassende Beschreibung gab...
Des Weiteren sagte der Ehrenwerte Gesandte, mit dem Friede und Segen sei, zu den Qurayschiten: "Auf dem Wege habe ich eine eurer Karawanen gesehen. Morgen um so und soviel Uhr wird eure Karawane hier eintreffen." So kamen und blieben und warteten sie denn zur angegebenen Zeit auf das Eintreffen der angekündigten Karawane. Doch die Karawane verspätete sich um eine Stunde. Damit sich nun aber die Voraussage des Ehrenwerten Gesandten, mit dem Friede und Segen sei, als richtig erweisen könne, verharrte, wie die Forscher bestätigen, die Sonne für eine Stunde in ihrem Lauf, d.h. um sein Wort als richtig zu erweisen, hielt die Erde für eine
Stunde in ihrer Aufgabe inne, unterbrach ihre Reise für eine Stunde und diese Stunde erschien dann gleich wie ein Anhalten der Sonne.
So verstehe also nun, wenn schon diese riesengroße Erde in ihrer Aufgabe inne hält, um ein einziges Wort des Ehrenwerten Gesandten, mit dem Friede und Segen sei, zu bestätigen und die riesige Sonne Zeuge dessen wird, was für ein Unglück es dann für diejenigen bedeuten muss, welche eine solche Persönlichkeit nicht bestätigen und seine Anordnungen nicht befolgen, und welche Glückseligkeit es dann für diejenigen bedeuten muss, welche ihn bezeugen und bestätigen, seine Weisungen mit: سَمِعْنَا وَاَطَعْنَا {"Wir hören und wir gehorchen!"} beantworten und so sage denn:
اَلْحَمْدُ لِلّٰهِ عَلَى الْاِيمَانِ وَالْاِسْلاَمِ
{"Lobpreis und Dank sei Gott (Allah) für die Hingabe (Islam) und den Glauben (Iman)!"}
Achtzehnter Hinweispunkt
Das größte und ewige Wunder des Ehrenwerten Gesandten, mit dem Friede und Segen sei, ist der Weise Qur'an, welcher hunderte von Beweisen für dessen Prophetentum in sich enthält und selbst in vierzigfacher Hinsicht ein Wunder ist. So haben wir denn zur Erklärung dieses Großen Wunders im Fünfundzwanzigsten Wort auf nahezu hundertundfünfzig (handschriftlich abgefassten) Seiten die vierzig Aspekte dieses Wunders bündig zusammengefasst, erläutert und bewiesen. Was dieses gewaltige Wunder, das ein Kompendium von Wundern ist, betrifft, so begnügen wir uns mit einem Hinweis auf
dieses "Fünfundzwanzigste Wort" und wollen hier nur zwei, drei dieser (vierzig) Aspekte erklären.
Erster Aspekt:
Man könnte sagen: Das Wunder des Qur'an liegt in der Schönheit seiner Ausdrucksweise (Belaghat).Nun sollten aber alle Schichten der Bevölkerung ein Recht darauf haben, an diesem Wunder ihren Anteil zu erhalten. Scheint es aber nicht vielmehr so, als fände sich unter tausenden nur ein Kritiker oder ein Gelehrter, der dieses Wunder an Schönheit qur'anischer Ausdrucksweise zu erfassen vermag?
Antwort:
Der Weise Qur'an hält für alle Bevölkerungskreise die ihnen eigene Art Wunder bereit und lässt in jedem Kreis der Bevölkerung wieder auf eine andere Art dieses Dasein eines Wunders verspüren.
So zeigt er z.B. in den Kreisen von Leuten sprachlicher Klarheit und Ausdrucksfähigkeit (belaghat ve fesahat)das Wunder seiner außergewöhnlichen Sprachgewalt (belaghat).
In den Kreisen der Dichter und Redner offenbart er das Wunder seines einzigartig schönen und erhabenen Stils (Uslub)und seiner Ästhetik. Obwohl dieser Stil einem jeden wohlgefällt, vermag doch keiner ihn nachzuahmen. Im Strom der Zeit altert dieser Stil nicht. Er bleibt ewig frisch, jung und lebendig. Er besteht aus (einhundertundvierzehn Suren in) einer Art rhythmischer Prosa oder auch Gedichten in Prosa. Sie sind zugleich sowohl erhaben als auch von einem besonderen Reiz.
Des Weiteren zeigt er in den Kreisen der Wahrsager und derer, die aus dem Unsichtbaren berichten, das Wunder seiner außergewöhnlichen Verkündigung über die unsichtbaren Welten.
In den Kreisen der Historiker und der Paläontologen zeigt der Qur'an das Wunder seiner Aussagen über die Geschichte der Völker vergangener Zeiten und ihre Lebensumstände, über zukünftige Ereignisse, über das Zwischenreich (Berzah)und das Jenseits.
In den Kreisen der Soziologen und Politologen zeigt der Qur'an das Wunder seiner heiligen Satzungen. In der Tat zeigt das Große Gesetz (sheri'at-i Kubra),das aus dem Qur'an erwächst, das Geheimnis dieses Wunders.
In den Kreisen der Gottesgelehrten und derer, die sich in die kosmischen Wahrheiten (Haqq)vertiefen, zeigt der Qur'an das Wunder seiner Heiligen Göttlichen Wahrheiten (Haqq)oder lässt sie doch das Dasein dieses Wunders verspüren.
Für die Ordensleute (tariqat)und Gottesfreunde (velayat)zeigt der Qur'an das Wunder seiner Ayat, die geheimnisvoll sind, wie das beständig wogende Meer.
Und so könnte man immer weiter fortfahren.
Aus vierzig Kreisen öffnet sich für jeden Kreis ein Fenster und offenbart ein Wunder. Ja sogar in den Kreisen der einfachen Leute, die nur zuhören und den Sinn ein wenig verstehen können, wird der, welcher ein Ohr hat zu hören, wenn der Qur'an vorgetragen wird, bestätigen, dass dieser nicht gleich anderen Büchern ist. Und dieser Ungebildete wird sagen: "Dieser Qur'an ist entweder noch weniger Wert als alle die Bücher, von denen wir hören. Das aber kann von keinem seiner Gegner behauptet werden, es ist zudem auch hundert Mal unmöglich. Wenn dies aber so ist, dann steht er über all den Büchern, von denen wir gehört haben." So wollen wir denn nun, diesem Ungebildeten, der ein Ohr hat, um zu hören, helfen, dieses Wunder ein wenig zu erklären, das er entdeckt hatte. Es ist dies aber wie folgt:
Zu der Zeit, da der Qur'an, der in seiner Verkündigung ein Wunder ist, hervortrat und alle Welt herausforderte, rührte er zwei starke Empfindungen auf:
Erstens:bei Freunden den Wunsch zur Nachahmung, d.h. die Sehnsucht, dem geliebten Qur'an in seiner Ausdrucksweise (uslub)gleich zu werden und den Wunsch, in der gleichen Weise zu sprechen wie er.
Zweitens:bei seinen Feinden den Wunsch, ihn zu kritisieren
und mit ihm zu konkurrieren, d.h. den Wunsch, dem Stil (uslub)des Qur'an etwas entgegenzusetzen und seinen Anspruch, ein Wunder zu sein, zurückzuweisen...
So wurden denn unter dem Einfluss dieser beiden starken Empfindungen Millionen arabischer Bücher verfasst und herausgegeben. Liest man aber nun von all diesen Büchern diejenigen, deren Ausdruck am schönsten, stärksten und klarsten ist, im Vergleich mit dem Qur'an, so wird gewiss ein jeder, der es gehört hat, sagen, dass der Qur'an sich mit keinem von ihnen vergleichen lässt. D.h. also, dass der Qur'an nicht auf der gleichen Stufe mit all diesen Büchern steht.
{(*): Das bedeutsame erste Kapitel des Sechsundzwanzigsten Briefes ist eine Anmerkung und eine Erklärung zu diesem Satz!}
Wenn dies aber so ist, dann muss der Qur'an entweder unter ihnen allen stehen, was aber hundertfach unmöglich ist und niemand, selbst der Teufel nicht behaupten kann.
Wenn dies aber nun so ist, dann steht der Qur'an, dessen Verkündigung ein Wunder ist, über allen diesen Büchern. Ja selbst für den Kreis der einfachen, ungebildeten Leute, welche seine Bedeutung nicht verstehen können, zeigt sich der Weise Qur'an dadurch als ein Wunder, dass er sie niemals ermüdet. Diese einfachen Leute sagen in der Tat: "Höre ich auch das schönste und berühmteste Gedicht zwei, drei Mal, so langweilt es mich schon. Es wird mir jedoch nie langweilig, den Qur'an zu hören. Dies bereitet mir im Gegenteil immer mehr Freude. Da dies aber so ist, kann es das Wort eines Menschen nicht sein."
Selbst im Kreise der Kinder, die sich darum bemühen, etwas auswendig zu lernen, zeigt der Weise Qur'an, in der Art, wie er sogar diesen kleinen Köpfchen der Kinder, die noch so einfach, zart und feinfühlend und noch nicht dazu in der Lage sind, eine Buchseite im Kopf zu behalten, dennoch mit vollkommener Leichtigkeit den ganzen großen Qur'an mit seinen vielen einander ähnlichen,
Verwirrungen und Verwechslungen verursachenden Versen und Sätzen, wie er sich diesen Kindern dermaßen einfach in ihr Gedächtnis einprägt, dass er auch für sie ein Wunder ist.
Selbst für Kranke und Sterbende, die sich schon von wenigen Worten belästigt oder durch ein leichtes Geräusch gestört fühlen, klingt das Murmeln (semseme)der Suren des Qur'an süß und sanft wie der Geschmack des Wassers aus dem Brunnen Semsem und lässt auch sie auf ihre Weise verspüren, dass er ein Wunder ist.
Zusammenfassung:
In vierzig verschiedenen Kreisen und bei ganz unterschiedlichen Menschen zeigt der Weise Qur'an, dass er in vierzig verschiedenen Hinsichten ein Wunder ist und lässt sie das Dasein dieses Wunders verspüren. Keiner bleibt davon ausgeschlossen. Ja es gibt sogar für die Kreise derer, die nur Augen haben
{(*): Für diejenigen, die nur Augen haben, aber keine Ohren und kein Herz, ist der Aspekt des Qur'an als ein Wunder hier sehr kurz und bündig und nur unvollkommen geblieben. Dieser Aspekt seines Wunders wurde jedoch im Neunundzwanzigsten und im Dreißigsten Brief (*) auf eine so glanzvolle, auf eine so liebvolle, so offensichtliche und eindeutige Weise aufgezeigt, dass sogar Blinde das sehen können. Wir haben ein Qur'an-Exemplar kalligraphisch schreiben lassen, worin dieser Aspekt seines Wunders sichtbar wird. Dieses Exemplar wird insha-a'llah eines Tages gedruckt werden, sodass ein jeder die Schönheit dieses Aspekts erkennen kann.
(*) Diesen Dreißigsten Brief hatte ich mir als besonders prächtig vorgestellt. Diese meine Absicht gelangte jedoch nicht zur Verwirklichung sondern musste einer anderen Abhandlung, "Die Zeichen des Wunders", Platz machen, die nun seine Stelle einnehmen.}
aber keine Ohren, kein Herz, kein Wissen, dennoch ein Zeichen dafür, dass er ein Wunder ist. Und dies geschieht auf folgende Weise:
In dem Qur'an-Exemplar, das Hafith Othman kalligraphisch verfasst hatte und welches danach auch gedruckt erschienen ist, stehen manche Worte des Qur'an, dessen Verkündigung ein Wunder ist, an mit einander korrespondierenden Stellen des Buches geschrieben.
So finden wir z.B. in der Sure 18 (Kahf, die Höhle), Ayah 22 die Worte: وَثَامِنُهُمْ كَلْبُهُمْ {"Der achte unter ihnen aber war ihr Hund."} und darunter - wollten wir mit einer Nadel durch die Seiten des Buches stechen - eine Zeile tiefer in der Sure 35 (el-Fatir,der Schöpfer) den Namen dieses Hundes: "Qitmir".
Desgleichen finden wir in der Sure 36 (Ya-Sin)das Wort: مُحْضَرُونَ {"vorgeführt"} in der Ayah 53 und gleich auf dem nächsten Blatt darunter in der selben Spalte in Ayah 75 das selbe Wort wieder. Diese beiden Worte begegnen uns wieder drei Seiten weiter in der Sure 37 (Saffat,die Reihen), Ayah 57 und drei Seiten weiter, Ayah 127, immer wieder in der selben Spalte.
Desgleichen finden wir den Ausdruck: مَثْنٰى {"in Paaren"} in der Sure 34 (die Bewohner von Saba),Ayah 46 und Sure 35, 1 deckungsgleich auf den beiden korrespondierenden Seiten, was kein Zufall sein kann, da dieser Ausdruck nur drei Mal im ganzen Qur'an erscheint.
Und dergleichen Beispiele gibt es noch viele. Ja es gibt sogar Worte, die sich auf den einander folgenden Seiten mit nur geringfügigen Verschiebungen fünf, sechs Mal hintereinander wiederfinden. Ich habe einmal ein Exemplar gesehen, worin die Sätze, welche miteinander korrespondieren,
mit Rotstift auf den beiden gegenüberliegenden Seiten markiert waren. Ich hatte mir damals gesagt: "Auch diese Erscheinung ist ein Merkmal für eine Art Wunder." Später sah ich: Es gibt im Qur'an verschiedene Seiten, welche miteinander korrespondieren, auf denen sich viele Sätze finden, die auch inhaltlich aufeinander abgestimmt sind. Da sich aber nun die Niederschrift des Qur'an unter der Leitung des Propheten und sich auch die Herausgabe und der Druck der einzelnen Exemplare unter göttlicher Eingebung (ilham)vollzieht, findet sich auch in der künstlerischen Gestaltung (Design) und der Kalligraphie des Weisen Qur'an ein Hinweis auf eine Art Wunderzeichen ('idjaz),denn diese Erscheinung kann weder das Produkt eines Zufalls noch das Resultat menschlichen Denkens sein. Es gibt zwar einige leichte Abweichungen, doch haben diese in kalligraphischen Mängeln ihre Ursache. Wäre diese formvollendet ausgefallen, stünden auch die entsprechenden Wörter genau übereinander.
Des Weiteren wiederholt sich auf jeder der Seiten, auf denen die mittleren und die längeren Suren stehen, also diejenigen welche in Medina herabgesandt wurden, das Wort "Allah" in höchst auffälliger Weise, d.h. es erscheint dort häufig fünf, sechs, sieben, acht, neun, ja sogar elf Mal, wobei diese Wiederholungen auf der Vorderseite sowohl mit denen auf der Rückseite als auch mit denen auf der Nachbarseite korrespondieren und darüber hinaus auch noch eine inhaltliche Übereinstimmung aufzeigen.
{(Anmerkung-1): Des Weiteren finden sich in der Ausdrucksweise des Qur'an mannigfaltige Qualitäten, welche die Aufmerksamkeit des Lesers auf sich lenken, wie z.B. seine blumenreiche und vielfach ausgeschmückte Sprache (fesehat), sein Reim und sein Rhythmus, seine Eloquenz (belaghat), sein künstlerischer Stil (uslub). Dies verleiht den Sufis (ehl-i dhikr ve munadjat) in ihrem Gottesgedenken (dhikr) und bei ihren Gebetsübungen eine erhabene Ernsthaftigkeit, versetzt sie in Gottes Gegenwart (huzur), schenkt ihnen eine innere Sammlung ohne irgendeine Unterbrechung. Denn gewöhnlich stören Rhetorik (fesehat) und Eloquenz, Poesie (nazm), Reim und Rhythmus die Ernsthaftigkeit, wirken gekünstelt, verfälschen die Gemütsruhe, lenken den Blick ab. Ich las sogar des Öfteren ein berühmtes Gebet von Imam Schafi, das feinsinnigste seiner Art, das mit all seinem hohen Ernst und seiner Erhabenheit und zugleich auch mit seinem Wohlklang zur Abwendung einer Dürrekatastrophe, einer Hungersnot, verrichtet wurde. Doch ich sah, dass es durch Reim und Rhythmus die erhabene Ernsthaftigkeit dieses Gebetes beeinträchtigt, und trotzdem ich es während acht oder neun Jahren beständig gelesen habe, konnte ich seinen wahren Ernst nicht mit seinem Reim und Rhytmus vereinbaren. Daraus habe ich ersehen, dass der Qur'an in dem ihm eigenen, natürlichen und doch einzigartigen Reim und Rhythmus eine Art Wunder ist, der die wahre Ernsthaftigkeit und den Frieden des Geistes wahrt und nicht beeinträchtigt. Wenn also die Sufis (ehl-i munadjat ve dhikr) in ihrem Gottesdenken (dhikr) und bei ihren Gebetsübungen diese Art Wunder nicht mit dem Verstand wahrnehmen, so verspüren sie es dennoch in ihren Herzen.
Anmerkung 2: Ein weiteres Geheimnis dieses Wunders, das in Geist und Sinn (mana) des Qur'an zum Ausdruck kommt, der in seiner Verkündigung ein Wunder ist, zeigt sich uns in Folgendem: Der Qur'an bringt den Glauben des Ehrenwerten Gesandten, mit dem Friede und Segen sei, jenes Propheten, der unter dem Schatten des Gewaltigen Namens Gottes (Ism-i A'zam) steht, auf der Stufe seines höchsten und strahlendsten Glanzes zum Ausdruck.
Des Weiteren bringt er die so großen, umfassenden und erhabenen Glaubenswahrheiten von erhabener Stufe aus, ihrem ursprünglichen und originären Charakter entsprechend zum Ausdruck, unterrichtet uns in ihnen gleich einer Heiligen Landkarte, welche uns die hohen Wahrheiten nicht nur der jenseitigen Welt, nein, des gesamten Herrschaftsbereiches Gottes erklärt.
Des Weiteren ist er der Ausdruck dessen, der in Seiner allumfassenden Größe und Majestät als Schöpfer des Alls und Herrn über alles Sein zur Menschheit spricht.
Mit Sicherheit kann man dieser Form der Offenbarung (Furqan), dieser Art der Verkündigung des Qur'an nichts entgegen setzen, was mit ihm konkurrieren könnte, auch, wenn sich die gesamte Intelligenz der Menschheit in einem einzigen Geist gegen ihn vereinigte, was auch in der Sure 17, 88 ausgedrückt wird, mit den Worten:
قُلْ لَئِنِ اجْتَمَعَتِ الْاِنْسُ وَالجِنُّ عَلٰٓى اَنْ يَاْتُوا بِمِثْلِ هٰذَا الْقُرْاٰنِ لاَيَاْتُونَ بِمِثْلِهِ
("Sage: Auch wenn Menschen und Dschinnen sich vereinigt hätten, um diesem Qur'an ein Gleiches entgegenzusetzen, könnten sie dennoch nichts Ähnliches schaffen.")
اَيْنَ الثَّرَا مِنَ الثُّرَيَّا
("Wo ist da nun die Erde und wo ist der Sirius (d.h. sie sind so unvergleichlich voneinander entfernt wie Gotteswort von Menschenwort. - A.d.Ü.)?")
Denn vom Blickpunkt dieser drei Grundsätze aus gibt es mit Sicherheit keine Möglichkeit einer Nachahmung und kann es auch niemals geben!
Anmerkung 3: In den Exemplaren des Qur'an enden alle Seiten zugleich auch mit dem Ende einer Ayah und finden schließlich in einem schönen Reim ihren Abschluss. Der Grund dafür ist folgender: Die Ayah Mudayenah (2, 282), welche die längste ist, dient als Maßstab für alle Seiten, während die Suren Ihlas (112) und Kauthar (108) jeweils den Zeilenmaßstab abgeben. Auf diese Weise wird die schöne Besonderheit des Weisen Qur'an und das Merkmal seines Wunders sichtbar.
Anmerkung 4: Auf Grund einer unglückseligen Hast, mussten wir uns in diesem Abschnitt leider mit einigen sehr wenigen und sehr kurzen Andeutungen, kleinen Beispielen und winzig kleinen Hinweisen auf dieses doch so wichtige, große und glänzende Wunder begnügen. Es verleiht einen wunderschönen, erleuchtenden und ermutigenden Aspekt zum Erfolg der Risale-i Nur. Nun gibt es aber etwa fünf oder sechs Arten eines Zusammentreffens (tevafuk), diese Wahrheit in ihrer Größe und dieses Wunder in seiner Schönen und sie alle zusammen bilden eine Kette von Wundern (keramet) in der Risale-i Nur, Blitze einer offensichtlichen Art Wunder des Qur'an und eine Quelle von Hinweisen, die eine Art qur'anischen Kode dechiffrieren, der die unsichtbare Welt betrifft. Später haben wir ein Exemplar schreiben lassen, das einem Blitz gleich das Wunder des Qur'an aufzeigt, welches in Goldschrift die Übereinstimmung des Wortes "Allah" im ganzen Qur'an markiert. Wir haben sodann auch acht kleine Abhandlungen unter dem Titel "Die acht Chiffren" verfasst, worin ein geheimer Zusammenhang und Zeichen aus dem Unsichtbaren erklärt werden, die sich aus der Übereinstimmung der Buchstaben im Qur'an ergeben. Des Gleichen haben wir auch fünf Abhandlungen, nämlich "Die Wunder Scheichs Geylani", drei Abhandlungen über "Die Wunder des Imams Ali" und "Hinweise aus dem Qur'an" geschrieben, welche alle einige Wunder erklären, die in Form einer Übereinstimmung auf eine Bestätigung, einem Lob und einer Empfehlung der Risale-i Nur hinweise. D.h. also, dass bei der Abfassung der "Wunder Ahmeds" jene große Wahrheit kurz aufgeleuchtet ist, der Verfasser aber nur ein Streiflicht dieser Wahrheit erfasst und weitergegeben hat, sodann aber davon geeilt ist, ohne noch einmal umzublicken.}
Zweiter Aspekt:
Da in der Zeit des Mosis die Magie in hohem Ansehen stand, geschahen seine bedeutendsten Wunder in dieser Art. Zur Zeit Jesu hingegen war es die Heilkunde, die in hohem Ansehen stand. So geschahen denn seine Wunder gewöhnlich in dieser Hinsicht. Desgleichen gab es auch in der Zeit des Ehrenwerten Gesandten, mit dem Friede und Segen sei, auf der arabischen Halbinsel vier Dinge, die vor allen anderen geschätzt wurden:
Erstens:
Schönheit und Klarheit des Ausdrucks (belaghat ve fesahat)
Zweitens:
Dichtkunst und Vortragskunst
Drittens:
Wahrsagekunst und Verkündigung des Verborgenen
Viertens:
Kenntnis historischer Geschehnisse und kosmischer Ereignisse.
So war denn also der Qur'an, ein Wunder in seiner Verkündigung, in seinem Kommen eine Herausforderung gegenüber all denen, welche diese vier Arten von Kenntnis besaßen:
Allen voran waren es die Sprachkenner und Wissenschaftler, die sich vor ihm als ihrem Lehrmeister verneigten. Und sie lauschten ihm mit Bewunderung.
Als zweites erfüllte er die Kenner der Dicht- und Vortragskunst, d.h. diejenigen, welche eine Rede einwandfrei und formvollendet halten und ein gutes Gedicht verfassen konnten, mit einer solchen Verwunderung, dass sie sich nur noch sprachlos auf die Finger bissen. Ihre schönsten Gedichte, geschrieben in goldenen Lettern und die berühmten "Sieben Gedichte", die an den Wänden der Kaaba aufgehängt waren (Muallakat-i Seb'a)und auf die sie so stolz gewesen waren, nahmen sie ab, weil sie ihren Wert verloren hatten.
Des Weiteren brachte er die Hellseher und Wahrsager zum Verstummen. Er ließ sie ihre Enthüllungen verborgenen Wissens vergessen. Er verscheuchte ihre Dschinnen. Er setzte ihrer Wahrsagekunst ein Ende.
Er befreite sie vom Aberglauben und von den Mythen über die Geschichte der Völker längst vergangener Zeiten und den Ablauf der Ereignisse in der Welt und die Kosmologie und unterrichtete sie statt dessen über die tatsächlichen historischen Geschehnisse und schenkte ihnen ein leuchtendes Wissen über das Werden der Welt.
So waren es also diese vier Kreise von Bewunderern, die sich in vollendeter Hochachtung vor dem Qur'an verneigten und zu seinen Schülern wurden. Niemand von ihnen wagte es jemals wieder sich auch nur gegen eine einzige seiner Suren zu erheben...
Nun könnte man aber sagen:
Woher wissen wir, dass niemand gegen ihn aufgestanden ist? dass es unmöglich ist, sich gegen ihn zu erheben?
Antwort:
Wäre irgendein Widerstand gegen den Qur'an in irgendeiner Weise möglich gewesen, hätte man dies in jedem Falle versucht, denn das Bedürfnis danach, Widerstand zu leisten war riesengroß. Ihr Glaube (din),ihr Besitztum, ihr Leben und ihre Familie waren in Gefahr. Hätten sie dem entgegentreten können, hätten sie versucht,
dem entgegenzutreten. Hätte es eine Möglichkeit zum Widerstand gegeben, hätten sie es in jedem Falle versucht, einen Aufstand dagegen zu unternehmen. Hätten sie aber einen Aufstand dagegen unternommen, hätten die Aufrührer, da die Ungläubigen und die Heuchler in großer Zahl, ja in der Überzahl waren, in jedem Falle deren Partei ergriffen und ihren Erfolg all überall verbreitet, so wie sie immer dem Islam ihre Propaganda entgegengesetzt haben. Hätte sich aber ein solcher Erfolg ausgebreitet, wäre das sicherlich in die Geschichte eingegangen und man hätte das in den Büchern großartig herausgestrichen. Siehe, es sind nun alle Bücher mit Geschichten und Berichten offen erhältlich! Doch außer einigen Anekdoten von Museylime, dem Lügner, findet sich darüber nirgendwo irgendetwas. Statt dessen forderte der Weise Qur'an ganze dreiundzwanzig Jahre lang ständig dazu heraus, stachelte sie an, reizte sie, forderte sie in ihrer Verbohrtheit immer wieder heraus und sagte zu ihnen:
Lasst doch durch einen einfachen, ungebildeten Menschen (d.h. einen Analphabeten) wie Mohammed, den Zuverlässigen, ein Buch verfassen, das diesem Qur'an gleicht, und zeigt es vor! Doch ach, ihr könnt es nicht! Wenn es also kein einfacher, ungebildeter Mann ist, dann soll es ein großer Gelehrter sein und ein Dichter! Doch ach, auch ihn könnt ihr nicht herbeibringen! So soll es denn nicht ein einziger Mann sein! Versammelt also eure sämtlichen Gelehrten und alle eure Dichter, sie sollen einander helfen! Und auch eure Götter, auf die ihr vertraut, mögen euch beistehen! Doch ach, auch mit ihrer Hilfe könnt ihr es nicht zu Stande bringen! So greift denn auf die Dichtungen der Alten zurück! Ruft auch diejenigen künftiger Zeiten noch zu Hilfe und zeigt uns ein Buch gleich diesem Qur'an, bringt doch ein solches hervor! Ach, ihr werdet auch das nicht zuwege bringen! Wenn es denn nicht der ganze Qur'an sein soll, so bringt doch nur zehn Suren herbei, die ihm gleichen! Ach, auch das, was auch nur zehn Suren in Wert und Wahrheit gliche,
vermögt ihr nicht herbeizuschaffen! Auf denn! Erfindet eine Erzählung! Schreibt irgendeine Geschichte! Sie sollte ihnen nur an Schönheit und Ausdruckskraft gleichen. Doch ach, auch das könnt ihr ja nicht! Also ahmt doch nur eine einzige Sure nach! Doch ach, eine lange Sure kann es nicht sein! So bringt denn etwas, das einer kurzen Sure gleicht! Wenn nicht, dann steht euer Glaube, eurer Leben, euer Hab und Gut auf dem Spiel und eure Familien sind in dieser und in jener Welt in Gefahr. (Vgl. auch Suren 2, 23; 10, 38; 11, 13; 17, 89!)
So hat denn der Weise Qur'an in seiner Art, die Menschen mit acht Schritten stufenweise zum Verstummen zu bringen, nicht nur während dreiundzwanzig Jahren, nein, während dreizehn Jahrhunderten alle Menschen und Dschinnen herausgefordert und das tut er auch noch heute. Dagegen haben Ungläubige in vergangenen Zeiten Hab und Gut und ihre ganze Familie in Gefahr gebracht, den Machtkampf zu ihrem Weg gewählt, welcher der furchtbarste von allen ist. Den kurzen und einfachen Weg des geistigen Widerstandes haben sie dagegen aufgegeben. Das aber bedeutet doch, dass der Weg der Disputationen nicht gangbar ist...
Hätte denn ein Mensch von Verstand, besonders in damaliger Zeit einer von der arabischen Halbinsel, noch dazu einer jener intelligenten Männer aus dem Stamme der Quraysch, jenen kurzen und leichten Weg verlassen, Hab und Gut, Leib und Leben und seine ganze Familie einer Gefahr ausgesetzt und den schwierigsten Weg eingeschlagen, wenn einer der literarisch gebildeten unter ihnen im Stande gewesen wäre, etwas hervorzubringen, das auch nur einer einzigen Sure aus dem Qur'an vergleichbar gewesen wäre, um sie so vor den Angriffen des Qur'an zu retten?
Zusammenfassung:
Der berühmte Djahis hat das einmal so formuliert: "Da ein Widerstand mit der Feder nicht möglich war, waren sie zu einem Kampf mit dem Schwert gezwungen."
Wenn man nun aber sagte:
Einige echte Forscher und wahre Gelehrte haben gesagt: "Man kann dem Qur'an nicht eine Sure, keine Ayah, ja noch nicht einmal einen Satz, ein einziges Wort entgegensetzen und wird dies auch niemals können." Dieser Ausspruch erscheint übertrieben. Der Verstand kann ihn nicht annehmen, denn es gibt unter Menschenwort so viele Sätze, die denen aus dem Qur'an gleichen. Welche Weisheit steckt hinter dem Geheimnis dieses Wortes?
Antwort:
Über das Wunder, welches der Qur'an ist, gibt es zwei Lehrmeinungen (radjih ve merdjuh).Die meisten bevorzugen (radjih)jene Lehrmeinung, nach welcher die literarischen Feinheiten und der inhaltliche Reichtum im Qur'an menschliche Fähigkeiten übersteigt.
Die zweite, weniger bevorzugte (merdjuh)Lehrmeinung ist die, dass es zwar menschenmöglich ist, einer Sure des Qur'an etwas entgegenzusetzen, Gott der Gerechte das jedoch um jenes Wunders willen und mit Rücksicht auf Seinen Propheten (ASM) verhindere. So könnte z.B. ein Mann zwar aufstehen, wollte jedoch ein Prophet, um ein Beispiel für ein solches Wunder zu geben, sagen: "Du kannst nicht aufstehen!" und könnte er nun tatsächlich nicht aufstehen, so ist dies ein Wunder. Diese zweite Lehrmeinung (medhheb-i merdjuha)wird Sarfe Medhheb (= Fixstern-Schule) genannt, denn da Gott der Gerechte Menschen und Dschinnen daran hindert, sind sie auch nicht imstande, etwas hervorzubringen, das einer Sure gleich wäre. Hätte Er sie nicht daran gehindert, hätten Menschen und Dschinnen etwas, einer Sure Gleichwertiges, hervorgebracht. Demnach entspricht also, nach ihrer Lehrmeinung, die Aussage der Gelehrten: "Sie können ihr selbst einem einzigen Wort nichts entgegensetzen", denn wenn sie Gott der Gerechte um eines Wunders willen daran hindert, können sie ihren Mund nicht öffnen. Auch wenn sie ihn öffnen, können sie ohne Gottes Einwilligung kein Wort hervorbringen.
Nach Ansicht der Medhheb-i radjih jedoch, welche die
erste ist und die Meinung der Mehrheit vertritt, entspringt der von den Wissenschaftlern aufgestellte Lehrsatz dem folgenden feinsinnigen Gedankengang: Die Sätze des Weisen Qur'an und die Wörter darin, stehen alle in Beziehung zueinander. Manchmal kommt es vor, dass ein Wort mit zehn anderen in Verbindung steht. Dabei können sich zehn verschiedene Beziehungen finden und zugleich auch zehn verschiedene Punkte literarischer Feinheiten. Wir haben ja schon in unserem Kommentar (tefthir)mit dem Titel "Hinweise auf das Wunder (Isharatu-l'I'djas)"einige Beispiele für derartige Feinheiten in den Beziehungen zwischen manchen Sätzen der Suratu-l'Fatiha und der Suratu-l'Baqara (Suren 1 und 2) aufgezeigt.
Zum Beispiel:
Wollte jemand in dem künstlerisch ausgestalteten Kuppelbau eines Schlosses den Schlussstein setzen, der inmitten vieler verschiedener Kunstwerke jenen Platz einnimmt, der mit allen anderen Steinen in Verbindung ist, so wäre es dabei notwendig, das gesamte Kunstwerk als Ganzes zu kennen. Desgleichen müsste jemand, der das Auge im Kopf eines Menschen einsetzen wollte, alle die Zusammenhänge im menschlichen Körper, die erstaunlichen, vielfältigen Zusammenhänge in dem letzten und alle Funktionen des ersteren innerhalb all dieser Aufgaben kennen.
Genauso haben jene unter den Kennern der Wahrheit, die in deren Erforschung besonders weit vorgedrungen waren, die vielen verschiedenen Zusammenhänge unter den Worten im Qur'an und deren Aspekten aufgezeigt, so wie sie sich auf die Sätze in verschiedenen Ayat beziehen und zu ihnen verhalten. Besonders diejenigen Gelehrten, welche sich auf den Sinngehalt der Buchstaben spezialisiert haben und in dieser Wissenschaft besonders weit vorgedrungen sind, haben den Fachleuten erklärt, den Sinn eines einzigen Buchstabens im Qur'an zuweilen eine ganze Seite lang erklärt und bewiesen. Und da nun einmal der Qur'an das Wort des Schöpfers aller Dinge ist, kann jedes Wort als deren Herz oder deren Kern gelten (d.h. ein Wort kann einem
Herzen inmitten eines geistigen Körpers gleichen, der aus diesen Geheimnissen heraus Gestalt angenommen hat, oder aber als das Samenkorn eines Baumes, gebildet aus den weitverzweigten Bedeutungen dieses Wortes). So kann man also unter den Worten eines Menschen Wörter finden, die denen im Qur'an gleichen, ja sogar ganze Sätze oder Verse. Da man sich jedoch im Qur'an viele Zusammenhänge gleichzeitig vor Augen halten muss, um ein Wort in der rechten Weise einfügen zu können, ist dazu ein allumfassendes Wissen notwendig, sodass dieses an seinem richtigen Platz eingefügt werden kann.
Dritter Aspekt:
Um mich mit einer ganz kurz konzentrierten Zusammenfassung auf das Wesen des Qur'an hinzuweisen, dessen Verkündigung ein Wunder ist, hat mir einmal Gott der Gerechte die nachstehende Kontemplation der Wahrheit in arabischer Sprache als ein Gnadengeschenk Seiner Güte ins Herz gesenkt. Wir wollen hier diesen Kontemplationstext zunächst Arabisch bringen und diesen danach erklären.
سُبْحاَنَ مَنْ شَهِدَ عَلٰى وَحْدَانِيَّتِهِ وَصَرَّحَ بِاَوْصاَفِ جَمَالِهِ وَجَلاَلِهِ وَكَمَالِهِ الْقُرْاٰنُ الْحَكِيمُ الْمُنَوَّرُجِهَاتُهُ السِّتُّ الْحَاوِى لِسِرِّ اِجْمَاعِ كُلِّ كُتُبِ الْاَنْبِيَآءِ وَالْاَوْلِيآءِ وَالْمُوَحِّدِينَ الْمُخْتَلِفِينَ فِى الْاَعْصَارِ وَالْمَشَارِبِ وَالْمَسَالِكِ الْمُتَّفِقِينَ بِقُلُوبِهِمْ وَعُقُولِهِمْ عَلٰى تَصْدِيقِ اَسَاسَاتِ الْقُرْاٰنِ وَكُلِّيَاتِ اَحْكَامِهِ عَلٰى وَجْهِ الْاِجْماَلِ وَهُوَ مَحْضُ الْوَحْىِ بِاِجْمَاعِ الْمُنْزِلِ وَالْمُنْزَلِ وَالْمُنَزَّلِ عَلَيْهِ وَعَيْنُ الْهِدَايَةِ بِالْبَدَاهَةِ وَمَعْدَنُ اَنْوَارِ الْاِيمَانِ بِالضَّرُورَةِ وَمَجْمَعُ الْحَقَآئِقِ باِلْيَقِينِ وَمُوصِلٌ اِلَى السَّعَادَةِ بِالْعَيَانِ وَذُو الْاَثْمَارِ الْكَامِلِينَ باِلْمُشَاهَدَةِ وَمَقْبوُلُ
الْمَلَكِ وَالْاِنْسِ وَالْجَانِّ بِالْحَدْسِ الصَّادِقِ مِنْ تَفَارِيقِ الْاَمَارَاتِ وَالْمُؤَيَّدُ بِالدَّلآَئِلِ الْعَقْلِيَّةِ بِاِتِّفَاقِ الْعُقَلآَءِ الْكاَمِلِينَ وَالْمُصَدَّقُ مِنْ جِهَةِ الْفِطْرَةِ السَّلِيمَةِ بِشَهَادَةِ اِطْمِئْنَانِ الْوِجْدَانِ وَالْمُعْجِزَةُ الْاَبَدِيَّةُ اَلْبَاقِى وَجْهُ اِعْجَازِهِ عَلٰى مَرِّ الزَّمَانِ بِالْمُشَاهَدَةِ وَالْمُنْبَسِطُ دآَئِرَةُ اِرْشَادِهِ مِنَ الْمَلإِ الْاَعْلٰٓى اِلٰى مَكْتَبِ الصِّبْيَانِ يَسْتَفِيدُ مِنْ عَيْنِ دَرْسٍ اَلْمَلٰٓئِكَةُ مَعَ الصَّبِيِّينَ وَكَذَا هُوَ ذُو الْبَصَرِ الْمُطْلَقِ يَرَى الْاَشْيَآءَ بِكَمَالِ الْوُضُوحِ وَالظُّهُورِ وَيُحِيطُ بِهَا وَيُقَلِّبُ الْعَالَمَ فِى يَدِهِ وَيُعَرِّفُهُ لَنَا كَمَا يُقَلِّبُ صَانِعُ السَّاعَةِ السَّاعَةَ فِى كَفِّهِ وَيُعَرِّفُ لِلنَّاسِ فَهٰذاَ الْقُرْاٰنُ الْعَظِيمُ الشَّانِ هُوَ الَّذِى يَقُولُ مُكَرَّرًا:اَللّٰهُ لآَ اِلٰهَ اِلاَّ هُوَ ٭ فَاعْلَمْ اَنَّهُ لآَ اِلٰهَ اِلاَّ اللّٰهُ
{"Gepriesen sei der, welcher seine Einheit bezeugt und seine Schönheit offenbart und seine Majestät und seine Vollkommenheit. Der Weise Qur'an leuchtet an allen seinen sechs Seiten. In ihm liegt die Essenz (sirr) aller Schriften der Propheten und Heiligen und der Verehrer des Einen Gottes, unterschieden durch die Jahrhunderte, durch ihre Lebens- und Betrachtungsweise, ihre Berufung, und derer, die einstimmig in Herz und Gemüt die Grundsätze des Qur'an bestätigen. Sein sind alle die Gesetze in zusammengefasster Form. Er ist die reine Offenbarung, welche herabgesandt wurde, von dem, der sie sandte durch Seinen Gesandten und zugleich auch die offensichtliche Rechtleitung und notwendigerweise auch die Quelle der Lichter des Glaubens und ganz gewiss auch die Sammlung der Wahrheiten. Ganz ohne Zweifel führt er zur Glückseligkeit in beiden Welten. Die Früchte, die er hervorbringt, sind vollkommen und, wie bezeugt, geschätzt von Menschen, Engeln und Dschinnen, und bestätigt durch verschiedene Hinweise, bekräftigt durch die Beweise der Vernunft, durch die Einheit unter den Vollendeten unter den Denkern und durch die Bestätigung von Seiten derer, die reinen Herzens sind, durch das Zeugnis derer, die Frieden gefunden haben für ihre Seelen (vicdan). Der Qur'an ist ein immerwährendes Wunder und seine wunderbare Erscheinung besteht über dem Ablauf der Zeit. Sein Zeugnis und der Rahmen seiner Rechtleitung gilt von den höchsten der Hohen Geister bis zu den jüngsten Schulkindern, von den Engeln bis zu den kleinsten Kindern. Sie alle ziehen ihren Nutzen aus dem Brunnen seines Unterrichts. Zudem ist er auch das allsehende Auge, das alle Dinge in vollkommener Klarheit erschaut und aufzeigt. Er ist es, der alle Dinge, sie schauend und betrachtend, umfasst und sie in seiner Hand hält. Er beschreibt den Menschen so, wie ein Uhrmacher, der die Uhr in seiner Hand hält und sie durchschaut und erfasst. Dies ist der Glorreiche Qur'an, der immer wieder sagt: Es gibt keinen Gott außer Ihm! So wisse es denn: Es gibt keine Gottheit außer Gott!"}
Die kurz zusammengefasste Erklärung dieser arabischen Abhandlung aber ist nun folgende:
Der Qur'an, ein Wunder in seiner Verkündigung, ist in sechsfacher Hinsicht strahlend und leuchtend. Darum kann (das Dunkel) des Zweifels und der Täuschungen auch nicht in ihn eindringen. Denn von seiner Rückseite her ist er gestützt auf die Autorität vom Throne Gottes, von woher das Licht der Offenbarung Gottes leuchtet. An seiner Vorderseite finden wir als Ziel das Glück beider Welten. Seine Hand hält er ausgestreckt nach der jenseitigen, der ewigen Welt. Dort ist das Paradies und die ewige Glückseligkeit. Das Wunder (seiner Verkündigung) glänzt auf ihm als sein Siegel. Als tragende Säulen aber halten wir die Zeugnisse und die Beweise. In seinem Inneren wohnt die lautere Rechtleitung. Auf seiner Rechten verhört er die Verständigen mit der Frage: اَفَلاَ يَعْقِلُونَ {"Habt ihr denn keinen Verstand?"} und lässt sie: "Du hast recht." sagen. Auf seiner Linken lässt er die, die reinen Herzens sind, freudig für Gottes reichsten Segen danken ("baraka'llah")und schenkt ihnen die reinen Freuden des Geistes. Auf welcher Seite, an welcher Ecke also könnten nun die Diebe des Zweifels und der Täuschungen noch in (das Haus) des Qur'an eindringen, der in seiner Verkündigung ein Wunder ist?
Der Qur'an, der in seiner Verkündigung ein Wunder ist,
fasst in der Tat das Wesen (sirr)aller Schriften der Propheten und Heiligen und der Verehrer des Einen Gottes (muvahhidin),unterschieden durch die Jahrhunderte, durch ihre Lebens- und Betrachtungsweise, ihre Berufung, in sich zusammen. Das aber heißt, dass alle diese Männer von Herz und Verstand, welche eine Zusammenfassung der Gesetze und Grundlagen des Weisen Qur'an in ihren Büchern erwähnt und angenommen haben, diese Grundlagen auf diese Weise bestätigt haben. Das aber heißt hinwiederum, dass sie die Wurzeln jenes Himmelsbaumes sind, welcher der Qur'an ist. Des Weiteren stützt sich der Weise Qur'an auf seine Offenbarung und ist selbst eine Offenbarung, denn der Herr in Seiner Majestät, der den Qur'an herabgesandt hat, zeigt durch die Wunder Ahmeds (ASM), dass der Qur'an eine Offenbarung ist, und beweist es. Und der offenbarte Qur'an zeigt durch dieses Wunder (seiner Offenbarung) auch, dass er vom Throne (des Allerhöchsten) kommt. Und der, dem er herabgesandt wurde, der Ehrenwerte Gesandte, mit dem Friede und Segen sei, in seiner Erschütterung zu Beginn der Offenbarung, jenem Zustand zur Zeit der Herabsendung der Offenbarung, in dem er seiner selbst nicht mächtig war, wie auch durch seine Aufrichtigkeit und durch seine Ehrerbietung gegenüber dem Qur'an, welche die jedes anderen überstieg, durch all dies zeigt der Prophet, dass er den Qur'an, der als eine Offenbarung aus der Ewigkeit herabgekommen ist, (in seinem Herzen empfangen, in seiner Seele) aufgenommen hat.
Des Weiteren ist der Qur'an eine lautere Rechtleitung, denn das Gegenteil davon ist ganz offensichtlich der Irrweg des Unglaubens. Des Weiteren ist der Qur'an von seinem Wesen her die Quelle der Lichter des Glaubens. Der Gegensatz zu dem Lichte des Glaubens aber ist sicherlich die Finsternis. Das haben wir in vielen Abhandlungen (Sözler)als feststehende Tatsache bewiesen.
Des Weiteren ist der Qur'an ein handliches und zuverlässiges Kompendium der (Glaubens)wahrheiten.
Einbildung und Aberglaube finden darin keinen Eingang. Die wahrhaftige Welt des islamischen Glaubens, die er gestaltet hat, das grundlegende islamische Gesetz, das er hervorgebracht hat und die erhabenen Vollkommenheiten, die er herausgestellt hat, legen dafür Zeugnis ab, dass seine Thematik hinsichtlich der unsichtbaren Welt genauso den Tatsachen entspricht, wie auch seine Thematik hinsichtlich der bezeugten Welt und beweist, dass es nichts darin gibt, das dem widerspricht.
Des Weiteren führt der Qur'an offensichtlich und zweifelsohne zum Glück in beiden Welten und leitet die Menschheit dahin. Wer daran zweifelt, soll einmal den Qur'an lesen und hören, was er sagt! Des Weiteren sind die Früchte, die der Qur'an hervorbringt, sowohl vollkommene als auch lebende (Früchte). Weil dies aber so ist, darum ist auch die Wurzel des Baumes, welcher der Qur'an ist, wahrhaftig und lebendig, denn die Früchte, die an einem Baum wachsen und reifen, sind ein Beweis für das Leben des Baumes. Nun aber siehe, welch ein vollendetes Leben, welch lichterfüllte Früchte er jedes Jahrhundert in all seinen Heiligen und Gelehrten hervorgebracht hat!
Der Qur'an wird infolge jener Intuition und Überzeugung, wie sie aus zahllosen verschiedenen Hinweisen und Merkmalen entsteht, sowohl von Menschen, als auch von Dschinnen und Engeln hoch geschätzt. So erstrebenswert erscheint er vor ihnen, dass sie sich, wenn der Qur'an vorgetragen wird, den Faltern um ein Licht herum gleich, voll Sehnsucht um ihn herum versammeln.
Der Qur'an ist jedoch nicht nur reine Offenbarung. Er wird auch durch verstandgemäße Beweise bestärkt und bestätigt. Dafür ist die Einheit unter den Meistern philosophischen Denkens in der Tat ein Zeugnis. Allen voran haben Koryphäen unter den Gelehrten der theologischen Wissenschaften und auch so geniale Philosophen wie Ibn Sina und Averroes übereinstimmend die (Richtigkeit) der Grundsätze des Qur'an (= des Islam) mit jeweils ihren
Methoden und Beweisen nachgewiesen. Des Weiteren wird der Qur'an von denen bestätigt, die reinen Herzens sind. Einmal abgesehen von denen, die an einer Schwäche oder Krankheit ihrer Seele leiden, werden alle, die ein reines Herz haben, dies bestätigen, denn Friede für die Seelen (vidjdan)und Ruhe des Herzens gibt es nur in seinem Lichte. Das heißt, dass alle, die ein reines Herz haben, ihn mit dem Zeugnis des Friedens ihrer Seelen bestätigen. Ja, ihr ganzes Wesen (fitrat)sagt gegenüber dem Qur'an auch ohne Worte: "Die Vollendung unseres Wesens kann ohne dich nicht sein." Diese Tatsache haben wir in vielen Abhandlungen bewiesen.
Des Weiteren ist der Qur'an, wie bezeugt, ganz offensichtlich ein ewiges und immerwährendes Wunder. Er offenbart allzeit, dass er ein Wunder ist. Seine Wunder sind nicht zeitgebunden, sie enden nicht im Verlaufe der Zeit, sie sind ewig.
Des Weiteren ist der Grad der Rechtleitung durch den Qur'an so hoch und die Ausstrahlung seiner Lehre so breit, dass während einer einzigen Unterrichtsstunde der Erzengel Gabriel und ein noch ganz kleines Kind nebeneinander dem Unterricht zuhören und ihren Anteil daran empfangen können. Selbst noch die erlauchtesten Philosophen, wie Ibn Sina, lesen kniend nebeneinander mit einem gänzlich ungebildeten Vorleser die gleiche Lektion und empfangen ihren Anteil. Ja es kann zuweilen geschehen, dass ein einfacher Mensch durch seinen starken und reinen Glauben größeren Nutzen zieht als selbst Ibn Sina.
Des Weiteren vermittelt der Qur'an auch jene Betrachtungsweise, die das ganze Weltall sieht, seine Grenzen umfasst, sich den ganzen Kosmos wie die Seiten eines Buches vor Augen hält und sodann dessen Sphären und dessen Bereiche erklärt. Es ist dies so, als öffne ein Uhrmacher seine Uhr: so wie er sie betrachtet, zeigt und beschreibt, so tut dies auch der Qur'an, in dessen Händen das Weltall ruht.
So also ist nun der Glorreiche Qur'an und er ist es, der sagt:
فَاعْلَمْ اَنَّهُ لآَ اِلٰهَ اِلاَّ اللّٰهُ
{"Wisset: Es gibt keine Gottheit außer Gott!"}
und der so Gottes Einheit (Vahdaniyet)verkündet.
اَللّٰهُمَّ اجْعَلِ الْقُرْاٰنَ لَنَا فِى الدُّنْيَا قَرِينًا وَفِى الْقَبْرِ مُونِسًا وَفِى الْقِيٰمَةِ شَفِيعًا وَعَلَى الصِّراَطِ نُورًا وَمِنَ النَّارِ سِتْرًا وَحِجاَباً وَفِى الْجَنَّةِ رَفِيقاً وَاِلَى الْخَيْرَاتِ كُلِّهَا دَلِيلاً وَاِمَامًا ٭ اَللّٰهُمَّ نَوِّرْ قُلُوبَنَا وَقُبوُرَنَا بِنوُرِ الْاِيمَانِ وَالْقُرْاٰنِ وَنَوِّرْ بُرْهَانَ الْقُرْاٰنِ بِحَقِّ وَبِحُرْمَةِ مَنْ اُنْزِلَ عَلَيْهِ الْقُرْاٰنُ عَلَيْهِ وَعَلٰٓى اٰلِهِ الصَّلاَةُ وَالسَّلاَمُ مِنَ الرَّحْمٰنِ الْحَنَّانِ اٰمِينَ
{"Oh Gott, mache uns den Qur'an zu unserem Gesellen in dieser Welt, zu unserem Vertrauten im Grabe, zu unserem Anwalt am Tage der Auferstehung, zu einem Licht auf der Sirrat(brücke), zu einem Schutzwall und -kleid gegen das Feuer, zu einem Begleiter durch das Paradies, zu einem Paten und Führer für alle Wohltaten! Oh Gott, erleuchte uns unser Herz und unsere Grabstätte mit dem Lichte des Glaubens und des Qur'an und lass uns das Zeugnis des Qur'an Licht werden zur Ehre dessen, dem Du den Qur'an herabgesandt hast! Ihm und seiner Familie Friede und Segen von dem Erbarmer, dem Barmherzigen (hannan). Amin"}
Neunzehnter Hinweispunkt
In den vorangegangenen Hinweisen wurde auf absolut sichere und zweifelsfreie Weise bewiesen, dass der Ehrenwerte Gesandte, mit dem Friede und Segen sei, der Gesandte Gottes des Gerechten ist. So ist denn Mohammed, der Araber, mit dem der Friede sei, durch seine Sendung, welche mit Sicherheit durch tausend Beweise feststeht, selbst der glänzendste Beweis und das sicherste Zeugnis für die Einheit (Vahdaniyyet)Gottes und die Ewige Glückseligkeit. In diesem Kapitel wollen wir nun für diesen glänzenden, strahlenden Beweis, für dieses Zeugnis, das für die Wahrheit spricht, eine Beschreibung in einer
ganz kurz zusammengefassten Kurzfassung geben. Denn da er nun einmal selbst der Beweis ist, aus dem die Erkenntnis Gottes (marifet-i Ilahi)hervorsprießt, ist es sicherlich notwendig, diesen Beweis kennen zu lernen und seinen Standpunkt in dieser Beweisführung zu erfahren. Da dies aber nun einmal so ist, wollen auch wir seinen Standpunkt in dieser Beweisführung und seine Zuverlässigkeit mit einer ganz kurzen Zusammenfassung zur Darstellung bringen. Es verhält sich dies aber nun folgendermaßen:
Der Ehrenwerte Gesandte, mit dem Friede und Segen sei, hat genauso wie alles, was in der Schöpfung existiert, durch sein eigenes Dasein den Beweis für die Existenz und die Einheit des Schöpfers des Alls erbracht und zugleich mit dem Beweis in seiner eigenen Persönlichkeit und dem Beweis der gesamten Schöpfung, dies auch in Worten erklärt. Da er aber nun einmal selbst ein Beweis ist, wollen auch wir mit "Fünfzehn Grundpfeilern" darauf hinweisen, wie zuverlässig, treffend, wahr und richtig dieser Beweis ist:
Erster Pfeiler:
Dieser Beweis (= der Prophet), der sowohl mit seiner Persönlichkeit, als auch mit seinem Wort, seinem einem solchen Beweis entsprechenden Ausdruck (kal)und Verhalten (hal)auf den Schöpfer des Kosmos hinweist, wird durch die Schöpfung (in ihrer Existenz, ihrer Natur, ihrem Wesen) bestätigt und ist zugleich auch wahr (in sich selbst), denn die Beweise allen Seins für die Einheit Gottes (Vahdaniyet)gelten mit Sicherheit auch für die Person dessen, der diese Einheit Gottes verkündet. Das aber heißt, dass sein Ruf an die Welt (da'wa)vom ganzen Universum bestätigt wird. Und da nun die Einheit Gottes, die er verkündet, vollendete Vollkommenheit (Kemal)und die Ewige Glückseligkeit vollkommene Güte ist und sie mit der Schönheit und Vollkommenheit aller Gegebenheiten dieser Welt übereinstimmen und sich mit ihnen in Einklang befinden, so ist auch sein Ruf (da'wa)mit Sicherheit wahr. Das aber heißt nun wiederum, dass auch
der Ehrenwerte Gesandte, mit dem Friede und Segen sei, der Einheit Gottes und der Ewigen Glückseligkeit ein beredtes Zeugnis ist, wahr und als wahr erwiesen.
Zweiter Pfeiler:
Da dieser wahre Beweis, und erwiesenermaßen wahre Beweis (= der Prophet) mit tausend Wundern über all den Propheten und mit einem Gesetz (Schari'a),das nicht aufgehoben werden kann, und einem Ruf (da'wa),der sich an alle Engel und Dschinnen richtet, ausgestaltet erscheint, ist er mit Sicherheit auch der Herr (reys)über allen Propheten. Da dies aber nun einmal so ist, besitzt er auch das Geheimnis (sirr)der Wunder aller Propheten und befindet sich mit ihnen in Übereinstimmung (ittifaq).Dies wiederum heißt, dass die Kraft der Übereinstimmung aller Propheten und das Zeugnis ihrer Wunder den Stützpfeiler seiner Aufrichtigkeit und Wahrhaftigkeit bilden. Des Weiteren ist er der Scheich (Sultan)und der Lehrmeister aller Heiligen und Gelehrten, die durch seine Weisung und Leitung (irshad)und durch das Licht (nur)seines Beispiels (Schari'a)zur Vollendung (kemal)gelangt sind. Da dies aber nun so ist, so findet sich in ihm auch das Geheimnis (sirr)ihrer Wunder, (der Grund) ihrer übereinstimmenden Bestätigung und die Kraft für ihre Forschungen, denn sie sind dem Weg gefolgt, den ihr Meister ihnen geöffnet und zu dem er den Zugang für sie offen gelassen hat und haben so zur Wahrheit gefunden. Wenn dies aber so ist, dann bilden alle ihre Wunder, Forschungen, Entdeckungen und der Konsens aller ebenfalls einen Stützpfeiler für die Aufrichtigkeit und Wahrhaftigkeit dieses ihres Heiligen Lehrers. Des Weiteren gibt es für dieses Zeugnis der Einheit Gottes, wie aus den oben angeführten Hinweisen ersichtlich wurde, solche sichere, zuverlässige und offensichtliche, staunenswerte Wunder (Mu'djise ve Irhassat)und zweifelsfreie Beweise seines Prophetentums und er (der Prophet selbst) hat sie auf eine solche Weise bestätigt, dass das Weltall, wollte es sich gegen ihn versammeln, diese Beweise nicht widerlegen könnte!
Dritter Pfeiler:
Des Weiteren sind ihm, der so offensichtlich Wunder wirkte, dem Herold der Einheit Gottes und Verkünder der Ewigen Glückseligkeit, in seiner derart gesegneten Persönlichkeit eine so hohe Gesittung, in seiner prophetischen Sendung ein so hoher Charakter, in Gesetz (Schari'a)und Glaube (din),so wie er ihn verkündet hat, so reiche Vorzüge zu eigen, dass selbst seine erbittertsten Feinde dies bestätigen mussten, es zu leugnen nicht im Stande waren. Und da sich nun einmal in seiner Persönlichkeit, seiner Sendung, seinem Glauben, eine Gesittung im höchsten und schönsten Grade, ein Charakter von höchster Erhabenheit und Vollkommenheit und so hoch geschätzte Vorzüge finden, ist diese Persönlichkeit mit Sicherheit ein Beispiel, ein Muster, ein Vorbild und ein Lehrer der Vollkommenheit und hoher schöpferischer Vollendung alles Geschaffenen. Wenn dies aber so ist, wenn sich in seiner Persönlichkeit, seiner Sendung (Vasifa)und seinem Glauben diese Vollendung zeigt, seine Aufrichtigkeit und Wahrhaftigkeit einen so starken Stützpfeiler bilden, so können sie auch unter gar keinen Umständen in irgendeiner Weise erschüttert werden.
Vierter Pfeiler:
Des Weiteren spricht dieser Herold der Einheit Gottes und der Glückseligkeit, welcher Quelle aller Vollkommenheiten und Lehrer hoher Gesittung ist, nicht aus sich selbst heraus, vielmehr ist er das Sprachrohr eines anderen. Und in der Tat ist er das Sprachrohr des Schöpfers der Welten. Er bekommt zunächst Unterricht von seinem urewigen Lehrer. Danach gibt er diesen Unterricht weiter. Denn der Schöpfer des Kosmos hat mit den tausenden Beweisen für sein Prophetentum, die wir zum Teil durch die oben erwähnten Hinweise dargestellt haben, und mit all diesen Wundern, die durch Seine Hand hervorgebracht worden sind, gezeigt, dass der Prophet in Seinem Namen spricht, dass er Seine Worte verkündet. Was aber nun den Qur'an betrifft, der ihm herabgesandt worden ist, so zeigt dieser in den vierzig Blickwinkeln, ihn äußerlich oder von innen heraus als ein Wunder zu begreifen,
dass jener das Sprachrohr Gottes des Gerechten ist. Denn jener selbst zeigt in seiner gänzlichen Aufrichtigkeit, Rechtschaffenheit, Ernsthaftigkeit, Vertrauenswürdigkeit und seinem ganzen übrigen Verhalten, in seiner ganzen Haltung, dass er nicht in eigenem Namen spricht, nicht seine private Meinung zum Ausdruck bringt, vielmehr im Namen des Schöpfers spricht. Des Weiteren haben dies auch alle Leute von Wahrheit, die ihn gehört haben, durch ihre Forschungen und Entdeckungen bestätigt und sind auf dem Wege ihrer Wissenschaft zu dem Glauben gelangt, dass der Prophet nicht aus sich selbst spricht, dass vielmehr der Schöpfer des Alls ihn zu sprechen heißt, ihm Unterricht erteilt, sodass er nun seinerseits durch Ihn den Unterricht erteilt.
Da dies aber nun so ist, so wird seine Aufrichtigkeit und Wahrhaftigkeit durch das Gebäude dieser vier so festen Grundpfeiler getragen.
Fünfter Pfeiler:
Des Weiteren sieht dieses Sprachrohr des Ewigen Wortes die Geister, verkehrt mit den Engeln, unterrichtet Dschinnen und Menschen. Der Unterricht, den er erteilt, umgreift nicht nur die Welt der Menschen und Dschinnen, sondern selbst die Welt der Engel und Geister. Er steht in Verbindung mit den Welten jenseits der ihren und hat davon Kenntnis. Die oben angeführten Wunder und die Geschichte seines Lebens, welche die Zuverlässigkeit einer allgemeinen Überlieferung besitzt, beweisen diese Tatsache. Da dies aber nun einmal so ist, können sich in seine Verkündigung, nicht wie bei gewöhnlichen Wahrsagern und anderen Menschen, die hellsichtig eine Botschaft empfangen, weder Dschinnen noch Engel oder Geister, ja nicht einmal die Erzengel mit Ausnahme des Erzengels Gabriel einmischen. Doch selbst der Erzengel Gabriel, sein Begleiter, bleibt die meiste Zeit hinter ihm zurück.
Sechster Pfeiler:
Des Weiteren ist diese Persönlichkeit das Haupt (Seyyid)der Engel, Dschinnen und Menschen, die vollkommenste, leuchtende Frucht am Weltenbaum,
eine Verkörperung der göttlichen Barmherzigkeit, eine Widerspiegelung der Liebe des Herrn, das glänzendste Zeugnis göttlicher Gerechtigkeit und die strahlendste Leuchte seiner Wahrheit, der Schlüssel zum Rätsel des Kosmos, der Entdecker der verborgenen Wahrheit hinter dem Universum, der Erläuterer des Sinnes (hikmah)der Welt, der Herold des Königreiches Gottes und der Darsteller der Schönheiten in der Kunst des Herrn. Hinsichtlich der Vielseitigkeit seiner Begabung ist diese Persönlichkeit das vollkommenste Beispiel der Vollendung des Seins. Da dies aber nun einmal so ist, weisen die Charaktereigenschaften dieser Persönlichkeit, zeigt die Persönlichkeit seines Geistes: Diese Persönlichkeit ist das vornehmste Ziel der Schöpfung, das heißt: der Schöpfer des Alls erschuf das All bereits vorausschauend, weshalb man auch sagen kann: hätte Er ihn nicht ins Dasein gerufen, Er hätte auch das All nicht erschaffen. Die qur'anischen Wahrheiten und Lichter des Glaubens, die er den Dschinnen und Menschen gebracht hat, und die hohe Gesittung und erhabene Vollkommenheit, die in seiner Persönlichkeit sichtbar wurden, sind ein sicheres Zeugnis dieser Wahrheit.
Siebenter Pfeiler:
Des Weiteren hat dieses Zeugnis des Gerechten, diese Leuchte der Wahrheit (= der Prophet) einen Glauben (din),ein Gesetz (Schari'a)von der Art aufgezeigt, welche die Grundlagen der Glückseligkeit in beiden Welten in sich umfasst. Neben diesen Grundlagen erklärte er jedoch auch die Wahrheiten des Kosmos und dessen Aufgaben und die Namen und Attribute des Schöpfers des Alls in vollkommener Wahrhaftigkeit. So ist denn dieser islamische Glaube und sein Gesetz so umfassend und so vollkommen und beschreibt den Kosmos auf eine Weise, die sich mit diesem in Übereinstimmung befindet, sodass jeder, der sein Wesen beachtet, mit Sicherheit versteht, dass dieser Glaube die Erklärung desjenigen Herrn ist, der diese schöne Welt geschaffen hat, und behandelt diese im Namen ihres Schöpfers. Wie ein
Schlossbaumeister eine Beschreibung seines Schlosses anfertigt und zur Feder greift, um seine eigenen Fähigkeiten zur Darstellung zu bringen, so lassen auch der Glaube (din)und das Gesetz (Schari'a)Mohammeds (ASM), indem sie alles umfassen, erhaben und wahrhaftig sind, erkennen, dass sie aus der Feder dessen, der den Kosmos erschaffen hat, der ihn lenkt und leitet, hervorgegangen sind. Der aber nun diesen Kosmos so schön geordnet und gestaltet hat, ist derselbe, der auch diesen Glauben so schön geordnet und ihm Gestalt verliehen hat. Diese vollendete Ordnung und Gestaltung aber verlangt nun in der Tat auch mit Sicherheit nach einer solch überaus schönen Darstellung (= der Qur'an).
Achter Pfeiler:
Ausgestattet mit diesen oben angeführten guten Eigenschaften, gestützt auf diese in jeder Hinsicht unerschütterlich festen Grundpfeiler, der sichtbaren Welt zugewandt (alem-i shehadet),jedoch im Namen der unsichtbaren Welt (alem-i ghaib),verkündet er (seine Botschaft) Menschen und Dschinnen, wendet sich an die Völker und Nationen, die noch im Schoße kommender Jahrhunderte verborgen sind und ruft ihnen mit lauter Stimme zu. So verschafft er sich Gehör bei Menschen und Dschinnen aller Orte und aller Zeitepochen. Und so hören wir in der Tat ihn (und seinen Ruf).
Neunter Pfeiler:
Des Weiteren spricht er mit so lauter und starker Stimme, dass alle Jahrhunderte ihn hören. In der Tat vernimmt noch jedes Jahrhundert das Echo seiner Stimme...
Zehnter Pfeiler:
Des Weiteren wird aus der Haltung dieser Persönlichkeit ersichtlich, dass sie schaut und dann weiter übermittelt, was sie erschaut hat. Denn selbst in den gefährlichsten Zeiten spricht er mit großer Festigkeit, ohne jede Verzögerung oder Furcht. Manchmal geschieht es, dass er allein die ganze Welt herausfordert...
Elfter Pfeiler:
Des Weiteren lädt er ein, ruft mit ganzer Kraft, und so machtvoll ist sein einladender Ruf (da'wa),
dass er mit seiner Stimme den halben Erdkreis und ein Fünftel der Menschheit dazu brachte, dass sie: "Herr, da bin ich!" sagten und: سَمِعْنَا وَاَطَعْنَا {"Wir haben gehört und gehorchen."} sprachen.
Zwölfter Pfeiler:
Des Weiteren lädt er mit so großem Ernst ein und bildet ein solches Fundament, dass er seine Grundsätze jedem Jahrhundert auf die Stirne und dessen Ecksteine prägt und im Antlitz einer jeden Epoche seine für immer bleibenden Spuren hinterlässt...
Dreizehnter Pfeiler:
Des Weiteren lädt er ein und spricht dabei mit so vollkommener Zuversicht und im Vertrauen auf die Vortrefflichkeit der Gesetze, die er zuvor verkündet hatte, dass auch die ganze Welt, käme sie gegen ihn zusammen, ihn nicht dazu bewegen könnte, auch nur ein einziges Gesetz zurückzunehmen oder es zu bedauern. Das bezeugt die ganze Geschichte seines Lebens und sein ganzer erhabener Lebenswandel.
Vierzehnter Pfeiler:
Des Weiteren spricht er seine Einladung (da'wa)und seine Verkündigung (tebligh)mit großer Überzeugung, Herzensruhe und Zuversicht und schuldet dabei niemandem (für dessen Unterstützung) irgendeinen Dank. Niemals gerät er wegen irgendwelcher Schwierigkeiten in Bedrängnis. Ohne zu zögern, in vollkommener Aufrichtigkeit und Herzensreinheit nimmt er die Gesetze (ahkam),die er überbringt, zunächst selbst an und setzt sie dann vor allen anderen in die Tat um, noch bevor er sie verkündigt. Dafür sind seine - Freund und Feind gleichermaßen bekannte - Frömmigkeit und Entsagung ein Zeugnis. Dies hat ihn berühmt gemacht. Nie hat er sich für Schmuck und Eitelkeiten dieser vergänglichen Welt erniedrigt.
Fünfzehnter Pfeiler:
Stets der Erste im Gehorsam gegenüber dem Gesetz (Din),das er brachte, stets der
Erste im Dienst und in der Anbetung gegenüber seinem Schöpfer, stets der Erste, sich vor dem Verbotenen zu hüten, lassen es ganz offenkundig sichtbar werden, dass er der Gesandte, der Botschafter des Königs von Ewigkeit zu Ewigkeit und der wahrhafte Diener und Verehrer dessen, dem zu Recht alle Anbetung gebührt und der Verkünder des Urewigen Wortes ist.
Die Schlussfolgerung aus diesen fünfzehn (oben angeführten und erläuterten) Grundpfeilern aber ist die folgende:
Diese Persönlichkeit, Träger der oben angeführten Eigenschaften, hat mit seiner ganzen Kraft, in seinem ganzen Leben ständig wiederholt:
فَاعْلَمْ اَنَّهُ لآَ اِلٰهَ اِلاَّ اللّٰهُ
{"Dies sollt ihr wissen: Es gibt keine Gottheit (ilah) außer Gott (Allah)"}
Auf diese Weise verkündet er die Einheit Gottes (Vahdaniyet).
اَللّٰهُمَّ صَلِّ وَسَلِّمْ عَلَيْهِ وَعَلٰٓى اٰلِهِ عَدَدَ حَسَنَاتِ اُمَّتِهِ
سُبْحَانَكَ لاَعِلْمَ لَنَآ اِلاَّ مَاعَلَّمْتَنَآ اِنَّكَ اَنْتَ الْعَلِيمُ الْحَكِيمُ
{"Oh Gott, schenke ihm Deinen Segen und sende ihm Deinen Frieden, ihm und seinem ganzen Hause, nach der Zahl der Wohltaten seiner Gemeinde (Ummah)!" "Gepriesen seist Du! Wir haben kein Wissen, außer dem, das Du uns gelehrt hast. Denn Du bist der Allwissende, der Allweise."}
Ein göttliches Gastgeschenk und ein Werk der göttlichen Güte
وَاَمَّا بِنِعْمَةِ رَبِّكَ فَحَدِّثْ
{"Doch erzähle von den Gnadengaben deines Herrn!" (Sure 93, 11)}
In dem Wunsch, dem Sinn dieser Ayah zu entsprechen, sagen wir: Ich möchte bei der Abfassung dieser Abhandlung ein Geschenk der Güte Gottes des Gerechten und seiner Barmherzigkeit in Erinnerung rufen, damit die Leser dieser Abhandlung sie mit Aufmerksamkeit betrachten.
So hatte ich denn die Abfassung dieser Abhandlung gar nicht in meinem Sinn (kalb)gehabt, denn über das Prophetentum Ahmeds (ASM) war ja bereits im Einunddreißigsten und im Neunzehnten Wort geschrieben worden. Doch stieg plötzlich ein Gedanke in meinem Herzen (kalb)auf, der mich dazu zwang, diese Risala zu schreiben. Zudem war die Kraft meines Gedächtnisses durch die Folgen all der unglücklichen Ereignisse weitgehend erloschen. Darüber hinaus war es auch nicht meine Art, in den von mir verfassten Werken Zitate ("er sagte", "es wurde gesagt" usw.) anzugeben. Desgleichen hatte ich auch keine Bücher über die Hadithe oder das Leben des Propheten (Siyer)bei mir. Trotzdem habe ich schließlich: "Tewekkeltu 'ala-llah(ich vertraue auf Gott)" gesagt und angefangen. Der Erfolg war dergestalt, dass mir mein Gedächtnis mehr zu Hilfe kam, als die Gedächtniskraft des "Eski Said(des alten Said)". Alle zwei, drei Stunden wurden schnell dreißig, vierzig Seiten niedergeschrieben. In einer einzigen Stunde wurden fünfzehn Seiten abgefasst. Es wurde meistens aus Büchern wie Bukhari, Muslim, Beyhaqi, Tirmidhi, Shifa esh-Sherif, Abu Na'im, Tabari zitiert. Sollte sich dabei jedoch in ein Zitat ein Fehler eingeschlichen haben, so hätte dies eine Sünde sein müssen,
da es sich ja um ein Hadith handelt; und darum zitterte mein Herz. Doch habe ich nun verstanden, dass die Gnade Gottes dabei im Spiel und diese Abhandlung eine Notwendigkeit war. Insha-a'llah (gebe es Gott,) dass alles auf rechte Weise niedergeschrieben wurde. Falls sich in einigen Worten in den Ahadith oder in manchen Namen der Überlieferer (Ravi)Fehler finden, bitte ich meine Brüder darum, mir diese nachsehen und richtig stellen zu wollen.
Said Nursi
{Wir haben in der Tat dieses Manuskript niedergeschrieben, so wie es unser Meister gesagt hatte. Er hatte keine Nachschlagewerke bei sich und hatte auch niemals das Bedürfnis, etwas nachschlagen zu wollen. Er bagann einfach ganz plötzlich zu sprechen, und das sehr schnell. Gleichzeitig schrieben wir. In zwei, drei Stunden schrieben wir dreißig, vierzig Seiten und mehr. Auch wir sind zu der Überzeugung gelangt, dass dieser Erfolg ein Wunder (keramet) aus den Wundern (mu'djise) des Propheten war.
Sein beständiger Diener: Abdullah Tschavusch
Sein Diener und Schreiber: Suleyman Sami
Sein Schreiber und Mitbruder: Hafis Chalid
Sein Schreiber und Kopierer: Hafis Taufiq}
Anhang
Erster Teil
Diese Abhandlung "Neunzehtes Wort" (Das Prophetentum Ahmeds) wurde hier in diesem Zusammenhang eingefügt. Ein Anhang dazu behandelt "das Wunder der Spaltung des Mondes".
بِسْمِ اللّٰهِ الرَّحْمٰنِ الرَّحِيمِ
{"Im Namen Gottes, des Erbarmers, des Barmherzigen."}
Dies ist der Vierzehnte Blitz, eine Abhandlung aus vierzehn Teilen, Tropfen gleich.
Erster Tropfen:
Es gibt drei große universale Quellen, die uns Kunde geben von unserem Herrn:
Eine ist das Buch des Universums, über dessen Zeugnis wir in der dreizehnten Lektion des arabischen Gesamtwerkes (Nur Risalesi)zum Teil gehört haben, welches aus dreizehn "Blitzstrahlen" (Abschnitten) besteht.
Eine weitere ist der, mit dem der Friede und Segen sei, das Siegel der Propheten, das größte Zeichen in diesem Großen Buch, eine weitere, der hochehrwürdige Qur'an.
Zuerst müssen wir den kennenlernen und vernehmen, welchen wir hier an zweiter Stelle als beredtes Zeugnis aufgeführt haben, ihn, mit dem der Friede und Segen sei, das Siegel der Propheten.
Betrachten wir zuerst seine geistige Erscheinung. Mit der Erde als seiner Moschee, Mekka als seinem Mihrab (Gebetsnische) und Medina als seinem Minber (Kanzel) ist unser Prophet, mit dem der Friede und Segen sei - wie ein strahlendes Zeugnis - der Imam aller Gläubigen, der Prediger vor allen Menschen, der Vorsteher aller Propheten,
der Herr aller Heiligen, der Dhikr-Leiter im Kreise der Propheten und Heiligen, ein lichtvoller Baum, dessen lebensspendende Wurzeln die Propheten und dessen Früchte die Heiligen sind. Alle Propheten mit ihren Wundern, alle Heiligen mit ihren Gnadengaben bestätigen und unterstreichen seine Botschaft. Denn er verkündet: لآَ اِلٰهَ اِلاَّ اللّٰهُ {"Es gibt keinen Gott außer Allah!"} und daran hält er fest. Das gleiche Wort wiederholen alle die erleuchteten Teilnehmer der Dhikr-Feier zur Rechten und zur Linken, nämlich die auf Seiten der Vergangenheit und der Zukunft in der Reihe stehen, vereinigen sich, sagen im Geiste: Du hast Wahrheit und Recht gesprochen. Was für eine hohle Behauptung ist es doch, ein solches Argument zu bestreiten, das durch solche zahllosen Zeugen bestätigt ist!...
Zweiter Tropfen:
Und gerade so wie dieses leuchtende Zeugnis der Einheit Gottes (Tauhid)durch die Übereinstimmung der beiden Flügel (der vergangenen und der künftigen Zeit) und ihre gemeinsame Kunde bestätigt ist, so bestätigen und versichern dies auch die hunderte von Zeichen in den von Gott offenbarten Büchern wie Thora und Evangelium, die tausenden von Hinweisen der Irhasat, Hinweise auf sein Prophetentum vor seiner Berufung, die berühmten Hatife, Dschinnen, die zu den Menschen reden, die übereinstimmende Kunde der Wahrsager, die Hinweise seiner tausenden von Wundern - wie die Spaltung des Mondes - die Gerechtigkeit der Schari'a (das isl. Gesetz). Auf gleiche Weise wird die Wahrhaftigkeit seines Anspruches mit sonnenklarer Deutlichkeit bezeugt durch seine Persönlichkeit, seine hohe Vollendung, seinen allseits gepriesenen Charakter, die außergewöhnliche Schönheit seiner reichen Gesinnung in der Erfüllung seiner Aufgabe, seine absolute Zuverlässigkeit, die Stärke seines Glaubens, die große Zuversicht, die hohe Festigkeit,
die sich in seiner außergewöhnlichen Gottesfurcht, seiner außerordentlichen Ergebenheit, seinem besonderen Ernst und seiner großen Standhaftigkeit zeigen.
Dritter Tropfen:
Wenn du willst, dann komm: Wir gehen auf die arabische Halbinsel in die "Glückliche Zeit" (des Propheten)! Besuchen wir ihn in unserer Phantasie und beobachten wir ihn bei seiner Aufgabe! Siehe, da ist ein Mann, herausragend durch seine edle Gesinnung und seine vollkommene Gestalt, ein wunderweisendes Buch in seiner Hand, das Wissen um die Wahrheit auf seiner Zunge und in seiner Rede, wie er eine Hutbe (Predigt) von Ewigkeit her an alle Adamssöhne, ja Dschinnen, Menschen und Engel, ja sogar an alles Sein gerichtet hält. Er beschreibt das wundersame Rätsel um die Erschaffung der Welt und löst es. Er entdeckt den undurchdringlichen Zauber des kosmischen Geheimnisses und lichtet ihn. Auf die drei großen, schwierigen und beunruhigenden Fragen, die - von allem Sein gestellt - alle Vernunftbegabten mit Staunen beschäftigt haben: "Was bist du? Woher kommst du? Wohin gehst du?", auf diese Fragen gibt er einsichtige und zufriedenstellende Antworten.
Vierter Tropfen:
Siehe, er strahlt ein solches Licht der Wahrheit aus, dass du in Betrachtung des Weltalls außerhalb seines lichten Führungskreises der Wahrheit, das Weltall als ein allgemeines Trauerhaus ansehen wirst, in dem sich die einzelnen Wesen und Dinge einander fremd, ja sogar feindlich sind; die toten Dinge sind Furcht erregende Leichnahme; alles Lebendige weint als Waisen unter den Schlägen des Verfalls und der Trennung. Nun aber siehe: Durch das Licht, das von ihm ausstrahlt, wurde dieses allgemeine Haus der Trauer in ein Haus verwandelt, wo im Feuer der Begeisterung Dhikr gefeiert wird. Diese fremdartigen, einander feindlichen Wesen und Dinge haben die Gestalt von Freunden und Brüdern angenommen. Diese stummen und toten Objekte haben jede die Haltung von freundlichen Dienern und gefügigen
Gehilfen angenommen. Und diese weinenden und klagenden, verlassenen Waisenkinder bekamen jedes den Ausdruck von Teilnehmern an einer Dhikr-Feier in ihrem Lobpreis oder von Danksagenden am Feierabend nach der Arbeit.
Fünfter Tropfen:
So also wurden die Bewegungen, Variationen, Veränderungen, Umwandlungen im Weltall durch dieses Licht aus ihrer Inhaltslosigkeit, Fruchtlosigkeit und ihrem Zustand als Spielball des Zufalls herausgeführt und jede von ihnen auf die Stufe eines Briefes des Herrn, einer Seite voll Wunderzeichen des Seins, eines Spiegels der Gottesnamen heraufgeführt und mit ihnen die Welt in den Rang eines Buches einzigartiger Weisheit erhoben. Und so wie der Mensch durch seine grenzenlose Schwäche und Hilflosigkeit, Armseligkeit und Bedürftigkeit unter alle Tiere erniedrigt wurde und noch unglücklicher wurde als alle Tiere durch seinen Verstand, der ihm wie ein Übertragungsgerät zu Kummer, Sorge und Schmerz wurde, so wurde der Mensch - erleuchtet mit diesem Licht - über alle Tiere, ja über die gesamte Schöpfung emporgehoben. Erleuchtet in seiner Hilflosigkeit und Armut und auch in seinem Verstand, wird er zu einem hochempfindlichen Sultan, in seinem Flehen, zu einem Kalifen über die Erde, der in seinem Aufschrei alles erhellt, das heißt, gäbe es nicht dieses Licht, stiege auch das Weltall, auch der Mensch, ja alles, was ist, hinab in das Nichts. Ja, sicherlich ist in einem so einzigartigen Kosmos auch eine solche Persönlichkeit notwendig. Anderenfalls gäbe es den Kosmos mit all seinen Welten nicht.
Sechster Tropfen:
Dies also ist der Mann, welcher der Herold und Verkünder der Ewigen Seligkeit ist, der die unendliche Barmherzigkeit (Gottes) aufdeckt und bekannt macht, der Ausrufer der Schönheiten des Reiches Gottes und ihr Betrachter, der die Schätze der Gottesnamen offen legt und sie zeigt. Wenn du deine Aufmerksamkeit ihm zuwendest, seinem Dienst, seiner Anbetung, wirst du
ihn als ein Beispiel der Liebe, eine Verkörperung der Barmherzigkeit sehen. In ihm siehst du die Ehre der Menschheit, eine leuchtende Frucht am Baume der Schöpfung. Wendest du deine Aufmerksamkeit abermals ihm zu, seinem Prophetentum, kannst du ihn als ein Zeugnis für das Recht, eine Lampe für die Wahrheit, eine Sonne für die Rechtleitung, ein Fahrzeug zur Glückseligkeit sehen. Dies also ist er, dessen Ruf sich aus dem Unsichtbaren blitzschnell verbreitete und dessen Licht vom Osten nach Westen alles überstrahlte. Die halbe Welt - ein Fünftel der Menschheit - hat das Geschenk seiner Rechtleitung angenommen und wie ihren Augapfel gehütet. Was ist das nur mit unserer Seele und unserem Dämon (sheytan),dass sie لآَ اِلٰهَ اِلاَّ اللّٰهُ {"Es gibt keinen Gott außer Allah!"} in all seinen Abstufungen nicht annehmen wollen, was doch der Wesenskern aller Lehre (da'wa)einer solchen Persönlichkeit ist.
Siebenter Tropfen:
Wie schnell hat er doch den verschiedenen Stämmen dieser weiten Halbinsel - so wild, starrköpfig und ihren Sitten verhaftet wie sie waren! - ihre rohen und grausamen Sitten und Gebräuche ohne alle Umschweife genommen und sie mit der Wurzel ausgerottet. Stattdessen hat er sie mit allen guten Sitten ausgestattet und sie in aller Welt zu Lehrern und zu Meistern über zivilisierte Nationen gemacht. Und siehe! Es war dies keine bloße Unterwerfung nach außen hin, er hat sich vielmehr Verstand, Geist, Herz und Gemüt erobert und erschlossen. So wurde er Geliebter der Herzen, Lehrer der Intelligenzen, Erzieher der Gemüter, Souverän der Geister.
Achter Tropfen:
Wenn man aber weiß, wie ein großer Herrscher mit großer Anstrengung kaum eine unbedeutende Gewohnheit - wie das Rauchen - selbst in einem
kleinen Stamm für die Dauer aufzuheben vermag, dann betrachte man, wie diese Persönlichkeit viele und starke Gewohnheiten selbst bei diesen starrköpfigen, ihren Sitten verhafteten großen Stämmen, mit äußerlich nur geringer Macht, mit nur geringer Anstrengung in kurzer Zeit überwandt. An ihre Stelle pflanzte und befestigte er in ihnen höchste moralische Werte, welche ihnen bei weitem in Fleisch und Blut übergegangen und verwachsen sind. Und noch sehr viel dergleichen Wunderbares bringt er zur Durchführung. Wer aber nun diese "Glückliche Zeit" (des Propheten) nicht sehen will, dem sei die Halbinsel Arabien vor Augen geführt! Möge er hunderte von Philosophen mit sich nehmen, dorthin gehen, hundert Jahre arbeiten. Könnte er auch nur ein Hundertstel dessen vollbringen, was diese Persönlichkeit unter den Umständen seiner Zeit in einem einzigen Jahr geschaffen hat?
Neunter Tropfen:
Wenn man zudem weiß, dass selbst ein kleiner Mann von wenig Ehrgefühl nicht während eines Streitgesprächs inmitten einer kleinen Gemeinschaft und auch nicht in einer unbedeutenden Angelegenheit eine Behauptung aufstellen und unverhüllt-unbekümmert eine kleine Lüge aussprechen kann, deren man sich schämen muss, ohne seinen Feinden neben sich seine Sorge und Beunruhigung zu zeigen und sie so die Täuschung verspüren zu lassen, dann betrachte man diese Persönlichkeit, betraut mit einer großen Aufgabe, ein großer Beauftragter mit einem großen Ehrgefühl, in einer Lage, wo er der Sicherheit so notwendig bedarf, inmitten einer sehr großen Gemeinschaft, angesichts einer sehr großen Feindschaft vor sehr bedeutenden Aufgaben, einer großen Mission spricht er mit sehr großem Freimut, ohne Angst, ohne Zweifel, Verlegenheit oder Unruhe zu zeigen, mit aufrichtiger Lauterkeit, mit einem großen Ernst, mit majestätischer Strenge, mit Worten, die seine Feinde in Wut versetzen. Vermag man darin wohl einen Widerspruch zu entdecken? Kann mit ihnen wohl eine Lüge vermengt sein? Keineswegs!
اِنْ هُوَ اِلاَّ وَحْىٌ يُوحٰى
{"Es ist dies nichts Anderes als das, was als Offenbarung eingegeben wurde." (Sure 53, 4)}
Ja, die Wahrheit betrügt nicht und der die Wahrheit schaut, wird nicht betrogen. Und Wahrheit als Berufung ist frei von Betrug. Wie könnte vor seinen die Wahrheit schauenden Augen eine Illusion als Realität (= Wahrheit) erschienen sein, ihn betrogen haben...
Zehnter Tropfen:
Wie spannend und mitreißend ist es doch, wenn er die Realitäten schildert; welch dringendem Bedürfnis entspricht doch die Wahrheit, die er bringt und welch großartige Dinge sind es, die er aufzeigt und für die er den Beweis erbringt. Man weiß ja, dass das stärkste Antriebsmotiv des Menschen die Neugierde ist. Sagte ihm jemand, er solle sein halbes Leben, sein halbes Vermögen hingeben; es werde jemand vom Mond oder vom Jupiter kommen; er werde berichten, wie es auf dem Mond oder auf dem Jupiter aussieht und was dort geschieht; er werde dir ganz genaue Kenntnisse darüber vermitteln, wie deine Zukunft aussehen wird und dir vollkommen richtig darüber Mitteilung machen, was mit dir geschehen wird: Wenn er neugierig ist, wird er es ihm geben.
In der Tat, dieser Mann bringt uns Kunde von einem König, in dessen Reich der Mond einer Fliege gleich um einen Falter kreist. Dieser Falter, der unsere Erde ist, umrundet eine Lampe und diese Lampe, die unsere Sonne darstellt, ist eine Lampe unter tausenden von Leuchtern in einer Herberge unter tausenden von Häusern dieses Königs. Und es ist dies eine so wundervolle Welt, von der er uns wahrheitsgetreu berichtet und eine solche Revolution, von der er berichtet, dass - wären auch tausende Erdbälle explodierende Bomben - dies nicht bewundernswert wäre. Und nun merke auf die Suren in seinem Munde wie:
اِذَا الشَّمْسُ كُوِّرَتْ ٭ اِذَا السَّمَآءُ انْفَطَرَتْ ٭ اَلْقَارِعَةُ
{"Wenn die Sonne zusammengefaltet wird..." (Sure 81, 1) "Wenn sich der Himmel spaltet..." (Sure 82, 2) "Das Poltern..." (Sure 101, 1 = eine Sure von Weltuntergang und -gericht.)}
Und er berichtet wahrheitsgemäß von einer derartigen Zukunft, dass unsere eigene Zukunft hier auf Erden daneben nur wie eine schwache Luftspieglung erscheint. Er berichtet in völligem Ernst von einer solchen Glückseligkeit, dass daneben alles Glück der Welt einem flüchtigen Aufblitzen neben der Urewigkeit der Sonne gleicht.
Elfter Tropfen:
Unter dem äußeren Schleier dieses Kosmos voller Wunder und Rätsel erwarten uns ohne Zweifel mit Sicherheit ebensolche Wunder. Um uns von solchen Wundern Kunde zu bringen, ist auch eine solche geniale, außergewöhnliche, wunderwirkende Persönlichkeit notwendig. Aus dem Verhalten dieses Mannes erschauen wir, was er geschaut hat und noch schaut und über das Geschaute aussagt. Was der Herr dieser Himmel und der Erde, der uns mit Seinen Gnadengaben nährt, von uns verlangt und was Ihm wohlgefällig ist, darüber unterrichtet er uns äußerst zuverlässig. Was aber ist mit den meisten Menschen geschehen, dass sie statt um dieser Persönlichkeit willen, welche über dergleichen äußerst interessante und notwendige Wahrheiten unterrichtet, alles verlassen, zu ihm hinlaufen, ihm lauschen sollten, nun taub und blind, oder gar wahnsinnig geworden sind, sodass sie von dieser Wahrheit nichts sehen, über diese Tatsache nichts hören und nicht davon verstehen!...
Zwölfter Tropfen:
Siehe da ist eine Persönlichkeit, ein beredtes Zeugnis für die Einheit des Schöpfers allen Seins, nach dem Grade seiner eigenen Wahrhaftigkeit ein zuverlässiges Zeugnis und ein sicherer Beweis für die Auferstehung und die Ewige Seligkeit. Zudem ist diese Persönlichkeit - so wie sie selbst rechtgeleitet war -
Grund zur Stiftung Ewiger Seligkeit und ihr Fahrzeug dorthin. In gleicher Weise ist er durch sein Gebet und seine Fürbitte die Verkörperung der Ursache der Glückseligkeit und die Veranlassung zu ihrer Schaffung. Wir wiederholen in diesem Zusammenhang das folgende Geheimnis, das wir schon im Zusammenhang mit der Auferstehung behandelt hatten.
Siehe: Er betet in einer so gewaltigen Gemeinschaft, dass es so aussieht, als ob alle erleuchteten vollkommenen Menschen unter den Söhnen Adams von Adams Zeiten bis in unsere Zeit und weiter bis zum Jüngsten Tag mit ihm verbunden seien und ihm im Gebete folgend "Amen" sagten.
Und siehe weiter: Er betet so um das Wohl der Allgemeinheit, dass nicht nur die Bewohner der Erde, sondern auch die Bewohner des Himmels, ja sogar alles Sein sich seinem Gebet anschließt und spricht: "Ja, oh Herr! Verleihe es ihm, so wie auch wir es wünschen!" In seinem Gebet findet eine solche Anmut, eine solche Trauer, eine solche Liebe, eine solche Sehnsucht, ein solches Verlangen ihren Ausdruck, dass er die ganze Welt dazu bringt, mit ihm zu weinen und zu beten.
Siehe, er betet für ein solches Ziel, ein solches Ideal, dass er den Menschen und die Welt, ja sogar alles Geschaffene, aus niedrigsten Niederungen, der Gefallenheit, Wertlosigkeit, Nutzlosigkeit zu höchsten Höhen, d.h. zu Wert, Beständigkeit und erhabenem Dienst emporführt.
Siehe, er trägt seine Bitte mit solcher Inbrunst vor, fleht, stellt seine Hilfsbedürftigkeit dar, bringt seine Fürbitte so wohlgefällig und mit so viel Ehrerbietung dar, dass er alles Geschaffene, die Himmel und den Thron (Gottes) dazu bewegt, ihn anzuhören, erschüttert zu werden, "Amin, Allahumma, amin" zu beten.
Siehe, er betet zu dem Allhörenden, Freigiebigen, Allmächtigen, Allsehenden, Barmherzigen,
Allwissenden (Semi', Kerim, Qadir, Basir, Rahim, Alim)in seiner Bedürftigkeit, dass Er - wie wir selbst sehen können - auch das verborgenste Lebewesen in seinem Bittgebet hört, sieht, es annimmt, sich seiner erbarmt. Er gibt ihm, worum er bittet, und sei es auch unausgesprochen. Er gibt ihm in der Weise, dass kein Zweifel an Seiner weisen, allsehenden und barmherzigen Art bleibt. Diese Umsicht und Fürsorge ist einzig dem Allhörenden und Allsehenden in Seiner Freigiebigkeit und Barmherzigkeit zu Eigen.
Dreizehnter Tropfen:
Worum aber betet nun der, der auf der Erde steht, die Hände im Gebet zum Throne des Gewaltigen (Gottes) erhoben, alle auserwählten Söhne Adams hinter sich, er, die Ehre des Menschengeschlechtes und der beispiellos Einzige in Welt und Zeit und in Wahrheit der Stolz des Universums (Fahr-i Kainat)?...Merke auf und höre: Er betet um die Ewige Glückseligkeit, er betet um Beständigkeit, er betet um das Paradies, er verlangt, das Antlitz seines Herrn zu sehen. Gleichzeitig bittet er um alle die Heiligen Gottesnamen, deren Widerpart und Schönheit im Spiegel alles Geschaffenen erscheint. Gäbe es nicht diese Barmherzigkeit, Gnadenhilfe, Weisheit, Gerechtigkeit und dergleichen zahllose Berechtigungen das Erwünschte zu erhalten, alleine das Gebet dieser Persönlichkeit hätte die Berechtigung, das Paradies zu erbauen, geschaffen, was mit gleicher Leichtigkeit in Seiner Macht steht, wie den Frühling hervorzubringen. Ja, so wie sein Prophetentum die Berechtigung dazu gab, dieses Haus der Prüfung zu eröffnen, so gibt auch sein anbetender Dienst die Berechtigung dazu, das andere Haus zu eröffnen. Ja, wäre es denn überhaupt denkbar, dass diese unübertroffene Ordnung, welche man beobachten kann, und die Männer von Geist und Wissenschaft sagen lässt:
لَيْسَ فِى الْاِمْكَانِ اَبْدَعُ مِمَّا كَانَ
{"Es ist nicht im Bereich des Möglichen, dass es etwas Besseres gäbe, als das, was ist."}
ja wäre es möglich, dass diese segensreich, fehlerlos schöne Kunst und die beispiellos vollkommene Herrschaft (Gottes) irgendeine Hässlichkeit, irgendeine Erbarmungslosigkeit, irgendeine Ordnungslosigkeit, dulden könnte. Es heißt dies, dem kleinsten, unbedeutendsten Wunsch und Geräusch Bedeutung, Gehör und Erfüllung zu schenken. Es hieße dies, der größten, schreienden Not keine Bedeutung beizumessen, sie nicht zu hören, nicht zu verstehen, nichts zu unternehmen. Um Gottes willen nein! Gott verhüte es hunderttausend Mal! Eine solche Vollkommenheit duldet keine solche Hässlichkeit, und kann nicht selbst hässlich werden.
Bei Ihm! Du mein imaginärer Freund! Es ist jetzt genug. Wir müssen zurückkehren, denn verweilten wir in dieser Zeit auch hundert Jahre auf dieser Halbinsel, wir könnten von den wunderbaren Taten und bemerkenswerten Diensten dieses Mannes auch nicht ein Hundertstel völlig begreifen, uns nicht daran satt sehen.
Komm jetzt! Wir wollen auf unserer Rückreise von oben jedes Jahrhundert einzeln betrachten. Siehe, wie sich in jedem Jahrhundert die Blumen unter dem Gnadensegen der Sonne und der Rechtleitung geöffnet haben. Sie haben Millionen von Früchten wie Abu Hanifa, Schafii, Bayasid al-Bistami, Scheich Geylani, Scheich Naqschibandi, Imam Ghasali, Imam Rabbani usw. hervorgebracht.
Wir müssen die Betrachtung der Einzelheiten auf ein andermal verschieben. Jetzt wollen wir ein Gebet darbringen für den, der Wunder wirkt und rechtleitet, und dabei einen Teil seiner absolut sicheren Wunder erwähnen.
عَلٰى مَنْ اُنْزِلَ عَلَيْهِ الْفُرْقَانُ الْحَكِيمُ مِنَ الرَّحْمٰنِ الرَّحِيمِ مِنَ الْعَرْشِ الْعَظِيمِ، سَيِّدِنَا مُحَمَّدٍ اَلْفُ اَلْفِ صَلاَةٍ وَاَلْفُ اَلْفِ سَلاَمٍ بِعَدَدِ حَسَنَاتِ اُمَّتِهِ. عَلٰى مَنْ بَشَّرَ بِرِسَالَتِهِ التَّوْرٰيةُ وَالْاِنْجِيلُ وَالزَّبُورُ وَبَشَّرَ بِنُبُوَّتِهِ
الْاِرْهَاصَاتُ وَهَوَاتِفُ الْجِنِّ وَاَوْلِيَآءُ الْاِنْسِ وَكَوَاهِنُ الْبَشَرِ وَانْشَقَّ بِاِشَارَتِهِ الْقَمَرُ سَيِّدِنَا مُحَمَّدٍ اَلْفُ اَلْفِ صَلاَةٍ وَسَلاَمٍ بِعَدَدِ اَنْفَاسِ اُمَّتِهِ عَلٰى مَنْ جَآئَتْ لِدَعْوَتِهِ الشَّجَرُ، وَنَزَلَ سُرْعَةً بِدُعَآئِهِ الْمَطَرُ، وَاَظَلَّتْهُ الْغَمَامَةُ مِنَ الْحَرِّ وَشَبَعَ مِنْ صَاعٍ مِنْ طَعَامِهِ مِآٰتٌ مِنَ الْبَشَرِ، وَنَبَعَ الْمَآءُ مِنْ بَيْنِ اَصَابِعِهِ ثَلاَثَ مَرَّاتٍ كَالْكَوْثَرِ، وَاَنْطَقَ اللّٰهُ لَهُ الضَّبَّ وَالظَّبْىَ وَالْجِذْعَ وَالزِّرَاعَ وَالْجَمَلَ وَالْجَبَلَ وَالْحَجَرَ وَالْمَدَرَ صَاحِبِ الْمِعْرَاجِ وَمَا زَاغَ الْبَصَرُ سَيِّدِنَا وَشَفِيعِنَا مُحَمَّدٍ اَلْفُ اَلْفِ صَلاَةٍ وَسَلاَمٍ بِعَدَدِ كُلِّ الْحُروُفِ الْمُتَشَكِّلَةِ فِى الْكَلِمَاتِ الْمُتَمَثِّلَةِ بِاِذْنِ الرَّحْمٰنِ فِى مَرَايَا تَمَوُّجاَتِ الْهَوَآءِ عِنْدَ قِرَاءَةِ كُلِّ كَلِمَةٍ مِنَ الْقُرْاٰنِ مِنْ كُلِّ قَارِئٍ مِنْ اَوَّلِ النُّزُولِ اِلٰٓى اٰخِرِ الزَّماَنِ. وَاغْفِرْ لَناَ وَارْحَمْناَ يَآ اِلٰهَنَا بِكُلِّ صَلاَةٍ مِنْهَا.. اٰمِينَ
{"Dem, welchem herabgesandt wurde die Weise Unterscheidung (der Qur'an) von dem Barmherzigen, dem Erbarmer, von dem Throne des Allgewaltigen: Unserem Herrn Mohammed tausend Mal tausend Segen und tausend Mal tausend Frieden so viel wie die schönen Taten seiner Gemeinschaft für ihn, dessen (prophetische) Botschaft vorherverkündigt wurde in der Thora, den Psalmen und den Evangelien und dessen Prophetentum vorherverkündigt wurde durch Irhasat (Hinweise vor seiner Berufung) und die Hatife (Stimmen) der Dschinnen und den Gottesfreunden (den Heiligen) und den Wahrsagern der Menschen, dem, auf dessen Wink der Mond gespalten wurde. Unserem Herrn Mohammed tausend Mal tausend Frieden und Segen so viel wie Odem in seiner Gemeinschaft, dem, dessen Ruf die Bäume folgten, auf dessen Gebet plötzlich der Regen einsetzte, dem die Wolken vor der Hitze Schatten spendeten, dem, der mit einer Handvoll Speise tausend Mann sättigte, aus dessen Fingern drei Mal Wasser sprudelte wie der Strom von Kauthar (die Quelle des Überflusses im Paradies), dem, um dessentwillen Allah sprechen ließ die Eidechse, die Gazelle, den Baumstumpf, den Wasserschlauch, das Kamel, den Berg, den Stein, den Mist, ihm der mit der Himmelfahrt begnadet wurde (es war die Reise eines Augenblicks!), unserem Herrn und Fürsprecher Mohammed tausend Mal tausend Frieden und Segen so viel wie Buchstaben, die Worte bilden, die sich mit Erlaubnis des Barmherzigen (Gottes) in der Luft spiegeln, jedes Mal wenn jemand ein Wort aus dem Qur'an rezitiert, von Anbeginn der Offenbarung bis zum Ende der Zeit. Verzeihe uns und erbarme Dich unser - Oh Gott - in all unseren Gebeten. Amen." (*)}
(*) In einer türkischen Abhandlung mit dem Titel: "Strahlen des Wissens über den Propheten" - kurz zusammengefasst im "Neunzehnten Brief" und in diesem "Neunzehnten Wort" - habe ich die Beweise für das Prophetentum Mohammeds, mit dem der Friede und Segen sei, erklärt. Darin wurden auch die Aspekte des Wunders, das der Weise Qur'an ist, kurz erwähnt. In einer anderen türkischen Abhandlung "Blitzstrahlen" (Lemaat) genannt und im "Fünfundzwanzigsten Wort" habe ich in vierzig Aspekten kurz erklärt, dass der Qur'an ein Wunder ist, und dieses Wunder, das der Qur'an ist, in vierzig Aspekten erläutert. Eines dieser vierzig Aspekte liegt schon alleine in seiner Prägnanz und dichterischen Schönheit, worüber ich einen vierzig Seiten langen arabischen Kommentar mit dem Titel "Kennzeichen des Wunders" (Isharatu-l i'djas) verfasst habe. Wer ein Interesse daran hat, kann in diesen drei Büchern nachschlagen.
Vierzehnter Tropfen:
Der Weise Qur'an, ein Schatzhaus an Wundern und selber das große Wunder, beweist in einem solchen Grade der Sicherheit das Prophetentum Ahmeds {Einer von den allgemein bekannten vier Namen des Propheten, nämlich: Ahmed, Mahmud, Mohammed, Mustafa (ASM). (A.d.Ü.)} und die Einheit Gottes, dass er die Notwendigkeit eines anderen Beweises nicht offen lässt. Auch wir wollen seine Lehrmethode und aus ein, zwei Funken dieses Wunders, das er ist, die Ansatzpunkte einer Kritik aufzeigen.
Das also ist nun der Weise Qur'an, der uns Kunde gibt von unserem Herrn, "eine urewige Übersetzung aus dem
großen Buch des Kosmos... Er enthüllt uns die Schätze der Gottesnamen, verborgen in den Seiten des Himmels und der Erde... ein Schlüssel zur Wahrheit, versteckt zwischen den Zeilen der Ereignisse... in ihm spricht der Barmherzige von jener unsichtbaren Seite der Welt aus, die hinter dem Schleier der bezeugten (d.h. sichtbaren) Welt liegt - aufgespeichert in ihm eine urewige Predigt - Sonne, Fundament, und Bauplan der geistigen Welt des Islam und Landkarte der jenseitigen Welten... ein klärendes Wort und ein eindeutiger Kommentar zum Wesen Gottes, Seinen Eigenschaften und Taten, Sein beredtes Zeugnis und Sein einfühlsamer Übersetzer... in dieser Welt der Menschen der Herr und Lehrer, die Weisheit in der Wahrheit, ein geistiger Lehrer und Seelenführer... sowohl ein Buch der Weisheit und des Gesetzes, als auch ein Buch für Gebet und Gottesdienst, ein Buch der Gebote und Ermahnungen, ein Buch Heiligen Gedenkens, der Erkenntnis, eine heilige Bibliothek, die für jede einzelne Geistesart einen geeigneten Titel bereithält, für die Heiligen und Gerechten, für die Sucher, Bekenner und Lehrer der Wahrheit, kurzum für Menschen jeglicher Berufung und Geistesart."
Betrachten wir einen Funken jenes Wunders, das der Qur'an ist, und das sich in eben den Wiederholungen zeigt, welche man als eine Fehlerquelle entdeckt zu haben glaubt: Weil der Qur'an sowohl ein Buch Heiligen Gedenkens ist, als auch ein Gebetbuch und ein Buch zur Ermahnung, sind Wiederholungen geradezu schön, ja in höchstem Grade notwendig und einprägsam, im Gegensatz zu dem, was "die mit den Fehlern" annehmen... denn in der Tat führt Dhikr durch Wiederholung zur Erleuchtung, das Gebet wird in der Tat durch Wiederholung intensiviert, Gebote und Ermahnungen werden in der Tat durch Wiederholung bekräftigt... Es ist auch nicht jedermann jederzeit möglich, den ganzen Qur'an zu lesen, doch kann er meistens eine Sure lesen. Deswegen sind die wichtigsten Aussagen des Qur'an in den meisten
langen Suren enthalten. Jede einzelne Sure gleicht einem kleinen Qur'an. Das heißt, manche Aussagen wie Einheit, Auferstehung oder die Geschichte Mosis, werden wiederholt, damit niemand ein "Außenstehender" werde... Zudem sind die seelischen Nöte, genauso auch die leiblichen Bedürfnisse verschieden. Manches braucht der Mensch mit jedem Atemzug, wie der Körper die Luft, so braucht der Geist "Hu"(Er), manches jede Stunde, wie "Bismillah"(Im Namen Gottes) u. dgl...
Das heißt also: Die Wiederholung der Ayat entstand aus der Wiederholung des Bedürfnisses. Wenn der Qur'an auf ein solches Bedürfnis hinweisen will, erweckt und erregt er es, und wiederholt dies darüber hinaus, um die Sehnsucht und den Hunger danach hervorzurufen. Desgleichen legt der Qur'an die Elemente einer klar-verständlichen Religion fest und begründet die Fundamente der Welt des Islam. Er verändert das menschliche Gemeinschaftsleben und gibt so die Antwort auf die wiederholten Fragen aus ihren verschiedenen Schichten. Ein Fundament zu festigen, tut Wiederholung Not. Zur Befestigung ist Repetition notwendig. Zur Verankerung ist Rekapitulation notwendig. Zum Studium tut Wiederholung Not. Der Qur'an behandelt die großen Fragen einerseits, andererseits subtile Wahrheiten, sodass es notwendig ist, viel und oft in verschiedener Form zu wiederholen, um sie in die Herzen der Gemeinde einzusenken. Dies erscheint oberflächlich betrachtet als Wiederholung, doch dem Sinne nach hat jede Ayah viele Bedeutungen, viele Nutzanwendungen, viele Aspekte und Ebenen. Sie wird in jeder Textstelle mit einer anderen Bedeutung, Nutzanwendung oder Aussage erwähnt. Was aber die kurze Zusammenfassung mancher, weniger bedeutender Gegenstände des Seins betrifft, so ist sie ein Funke aus dem Wunder des Qur'an in der Rechtleitung. Das aber ist kein Ansatzpunkt für eine Kritik, wie die Ketzer meinen, und auch kein Grund, darin einen Fehler zu erblicken.
Wenn du fragst:
"Warum denn nur spricht der Weise
Qur'an nicht über das Sein, so wie die Philosophie das tut? Er behandelt manche Gegenstände nur kurz. Andere behandelt er, wie um der allgemeinen Anschauung entgegenzukommen, die Gefühle der Öffentlichkeit nicht zu verletzen und die Gedanken des einfachen Mannes nicht länger zu belasten und zu beschweren?"
Als Antwort sagen wir:
Die Philosophie hat sich auf dem Pfade der Wahrheit verirrt, darum... Sicherlich hast du durch die vorigen Lektion und "Worte" verstanden, dass der Weise Qur'an über den Kosmos spricht, damit du Wesen, Eigenschaften und Namen Gottes kennenlernst. Das will sagen: Er betrachtet das Sein nicht um des Seins willen, sondern seines Meisters wegen... in diesem Sinne spricht er zur Allgemeinheit. Was aber das Wissen über die Weisheit (= die Philosophie) betrifft, betrachtet sie das Sein um des Seins willen... in diesem Sinne spricht sie insbesondere zu den Philosophen. Weil aber nun der Weise Qur'an das Sein als einen Beweis gebraucht, als ein Zeugnis gebraucht, ist es notwendig, dass der Beweis einsichtig ist, damit er in den Augen der Allgemeinheit rasch verstanden werden kann. Da der Qur'an zudem auch ein Lehrer ist, der sich an alle Schichten der Bevölkerung wendet, unter denen die zahlenmäßig größte Schicht aber die Schicht der einfachen Leute ist, erfordert seine Führung sicherlich, weniger bedeutende Dinge kurz zusammenzufassen und die schwerer verständlichen Dinge mit Gleichnissen näher zu bringen. Um aber nicht in Spiegelfechterei zu verfallen, sollte man Dinge, die offensichtlich klar vor Augen stehen, nicht in einer unnötigen, ja vielleicht sogar schädlichen Weise uminterpretieren. Er sagt z.B. über die Sonne: "Sie ist eine kreisende Leuchte, eine Lampe." Denn er spricht von der Sonne nicht um der Sonne willen, ihrer Gegenständlichkeit willen, sondern er spricht von ihr, weil sie eine Art von Zahnrad in einem Regulator und der Mittelpunkt eines Systems ist, weil System und Regelmaß ein Spiegel zur Erkenntnis des Meisters sind. Ja er sagt:
وَالشَّمْسُ تَجْرِى
{"Die Sonne läuft..." (Sure 36, 38)}
das heißt, die Sonne dreht sich. Mit diesem Ausdruck "dreht sich" macht er die Größe des Meisters verständlich, der in dem Wechsel von Sommer und Winter, Tag und Nacht an Seine ordnungsgemäße Verfügungsgewalt gemahnt.
Was nun auch immer die Wahrheit dieser Bewegung sein mag, es ändert dies nichts an der Ordnung, von der hier die Rede ist und deren verknüpftes Muster man beobachten kann.
Weiter sagt er:
وَجَعَلَ الشَّمْسَ سِراَجاً
{"Und Wir haben die Sonne zu einer Lampe gemacht." (Sure 71, 16)}
Mit dem Ausdruck "Siradj"(Lampe) erinnert er daran, dass die Welt wie ein Schloss ist, in dem aller Schmuck, die Nahrung und alle Dinge des täglichen Bedarfs für die Menschen und alles Leben bereitgestellt ist; dazu dient die Sonne als eine Leuchte. So macht er die Barmherzigkeit und Gnadengabe des Schöpfers verständlich.
Und nun sieh einmal: Was sagt diese benebelte und geschwätzige Philosophie? Schau, sie sagt: "Die Sonne ist eine gewaltige Masse aus flüssigem Feuer. Sie bewirkt, dass die Planeten, die aus ihr herausgeschleudert wurden, um sie kreisen. Ihre Größe ist so und so und ihre Eigenschaften sind diese und jene..." Außer entsetzlichem Schrecken und fürchterlicher Verwunderung, gibt dies dem Geiste nichts. Dieses Wissen dient nicht zur Vollkommenheit, es behandelt das Thema nicht, wie der Qur'an dies tut. Wenn du einen Vergleich ziehst, wirst du begreifen, welchen Wert die wissenschaftliche Fragestellung hat. Sie ist nach innen hohl und taub, nach außen großartig. Lass dich von diesem äußerlichen Glanz nicht
verwirren und werde nicht respektlos gegenüber der wundergleichen Darlegung des Qur'an.
اَللّٰهُمَّ اجْعَلِ الْقُرْاٰنَ شِفَآءً لَنَا وَلِكَاتِبِهِ وَاَمْثاَلِهِ مِنْ كُلِّ دَآءٍ، وَمُونِساً لَنَا وَلَهُمْ فِى حَيَاتِنَا وَبَعْدَ مَمَاتِنَا، وَفِى الدُّنْياَ قَريِنًا، وَفِى الْقَبْرِ مُونِسًا، وَفِى الْقِيَامَةِ شَفِيعًا، وَعَلَى الصِّرَاطِ نُوراً، وَمِنَ النَّارِ سِتْراً وَحِجَاباً، وَفِى الْجَنَّةِ رَفِيقًا، وَاِلَى الْخَيْراَتِ كُلِّهاَ دَلِيلاً وَاِمَامًا، بِفَضْلِكَ وَجُودِكَ وَكَرَمِكَ وَرَحْمَتِكَ يَآ اَكْرَمَ الْاَكْرَمِينَ وَيَآ اَرْحَمَ الرَّاحِمِينَ، اٰمِينَ ٭ اَللّٰهُمَّ صَلِّ وَسَلِّمْ عَلٰى مَنْ اُنْزِلَ عَلَيْهِ الْفُرْقاَنُ الْحَكِيمُ وَعَلٰٓى اٰلِهِ وَصَحْبِهِٓ اَجْمَعِينَ، اٰمِينَ
{"Oh Gott, manche den Qur'an ein Heilmittel für uns gegen alle Krankheiten, einen Vertrauten in unserem Leben und nach unserem Tode, einen Freund in dieser Welt und einen Vertrauten im Grabe, einen Fürsprecher am Tage der Auferstehung und ein Licht auf der Brücke von Sirrat, einen Schutz und Schirm gegen das Feuer, einen Begleiter im Paradiese, einen Zeugen für alle guten Werke und einen Imam durch Deine Gnadenfülle, Deine Großmut, Deine Freigiebigkeit, Dein Erbarmen, oh Freigiebigster aller Freigiebigen, oh Barmherzigster aller Barmherzigen, Amen! Oh Gott, gib Frieden und Segen ihm, dem Du die Weise Unterscheidung (den Qur'an) herabgesandt hast; ihm und seiner Familie und seinen Gefolgsleuten insgesamt! Amen!"}
Anmerkung:
In der arabischen Ausgabe von Risale-i Nur gliedert sich der vierzehnte Tropfen in sechs Punkte. Der vierte Punkt gliedert sich in sechs Anmerkungen. Er erklärt fünfzehn von insgesamt vierzig verschiedenen Beweisen dafür, dass der Qur'an ein Wunder ist. Wir begnügen uns hier mit einer kurzen Fassung. Wer es wünscht, kann dort nachschlagen: er wird einen Schatz an Wundern finden...
Zweiter Teil
Das Wunder der Spaltung des Mondes
(Anhang zum Neunzehnten und Einunddreißigsten Wort)
بِسْمِ اللّٰهِ الرَّحْمٰنِ الرَّحِيمِ ٭ اِقْتَرَبَتِ السَّاعَةُ وَانْشَقَّ الْقَمَرُ وَاِنْ يَرَوْا اٰيَةً يُعْرِضُوا وَيَقُولُوا سِحْرٌ مُسْتَمِرٌّ
{"Im Namen Allahs, des Erbarmers, des Barmherzigen. Genaht hat sich die Stunde und gespalten der Mond. Doch wenn sie ein Zeichen sehen, wenden sie sich ab und sagen: fortgesetzte Magie." (Sure 54, 1)}
Die Philosophen, die ein Wunder Ahmeds, mit dem Friede und Segen sei, wie die Spaltung des Mondes, das doch so strahlend ist wie der Mond, mit ihren schlimmen Zwangsvorstellungen gerne in eine Mondfinsternis verwandeln möchten, und ihre verständnislosen Nachahmer sagen: "Hätte sich die Spaltung des Mondes wirklich ereignet, wäre sie in der ganzen Welt bekannt geworden und die Geschichte der ganzen Menschheit müsste darüber berichten!"
Antwort:
Die Spaltung des Mondes wurde vor Menschen, die sich versammelt, seinen Anspruch ein Prophet zu sein vernommen hatten und ihn leugneten, plötzlich - inmitten in der Nacht, während der Zeit des Schlafens - vorgeführt, um zu beweisen, dass dieser Anspruch zu Recht bestand. Es gibt Gründe, die verhindern, ein solches Ereignis zu sehen, wie unterschiedliche Aufgangszeiten, Nebel oder Wolken. Zudem wurden die Wissenschaften
damals nicht so allgemein, sondern mehr privat betrieben, sodass Himmelsbeobachtungen selten stattfanden. Es ist deshalb sicherlich nicht notwendig, dass dieses Ereignis von allen Völkern überall in der Welt beobachtet und berichtet wurde. Vernimm nun "Fünf Punkte" unter vielen Punkten, die die Wolken solcher Zwangsvorstellungen angesichts der Spaltung des Mondes zerstreuen sollen.
Erster Punkt:
Obwohl es zu damaliger Zeit eine allgemein bekannte geschichtliche Tatsache war, dass die Uneinsichtigen in jener Gegend in einem solchen Ausmaße starrköpfig waren, öffneten sie ihren Mund nicht, als der Weise Qur'an mit dem Ausdruck:
وَانْشَقَّ الْقَمَرُ
{"...als der Mond gespalten wurde." (Sure 54, 1)}
diesen Vorfall aller Welt verkündete. Niemand unter den Uneinsichtigen, die den Qur'an verleugneten, widersprach diesem Vers, das heißt, niemand bestritt diesen Vorfall, über den diese Nachricht kam. Wenn in jener Zeit dieser Vorfall für die Uneinsichtigen nicht tatsächlich ein unbestreitbarer Vorfall gewesen wäre, würden sie dieses Wort zum Anlass genommen haben mit aller Macht dagegen zu protestieren und einen Angriff gegen den Propheten vorzutragen, um seinen Anspruch für nichtig zu erklären. Jedoch haben weder Siyer noch Tarih (die allgemeine Geschichte und die Geschichte des Propheten im besonderen) von Seiten der Uneinsichtigen hinsichtlich einer Nichtigkeitserklärung bezüglich dieses Vorfalles irgendetwas vorgetragen. Was die Geschichte berichtet, ist lediglich das, was auch der Qur'anvers erklärt:
وَيَقُولُوا سِحْرٌ مُسْتَمِرٌّ
{"Und sie sagten, es ist fortgesetzte Magie." (Sure 54, 2)}
nämlich: Die Uneinsichtigen nannten es "Magie" und
sagten "Er hat einen magischen Zauber für uns angewendet. Wenn Handels- und Reisekarawanen auch anderen Orts dieses Ereignis gesehen haben, ist es eine Tatsache. Anderenfalls ist es Magie.", sagten sie. Am anderen Morgen aber kamen Karawanen aus dem Jemen und anderen Gegenden und berichteten: "Wir haben einen solchen Vorfall bemerkt." Nun sagten die Uneinsichtigen über den Stolz des Universums (Fahr-i Alem),mit dem Friede und Segen sei - man möge mir verzeihen! - : "Nun hat Abu Talibs Waisenjunge seine Magie sogar auf den Himmel ausgedehnt."
Zweiter Punkt:
Die meisten großen Lehrer der Wahrheit wie Sa'd Taftazani haben gesagt: "Die Spaltung des Mondes ist allgemeine übereinstimmende Überlieferung (tevatur)wie die Versorgung einer ganzen Armee mit Wasser, Wasser, das seinen Fingern entströmte; der vertrocknete Baumstumpf, der bei der Trennung von Ahmed, mit dem Friede und Segen sei, weinte, weil dieser sich bis dahin an ihn gelehnt hatte, wenn er in der Moschee Freitagspredigt (hutbe)hielt; ein Klagen, das die ganze Gemeinde vernahm. Dieses Geschehnis wurde so durch eine große Gemeinde von Generation zu Generation weitergegeben, weshalb es absolut undenkbar wäre, dass ihre Übereinstimmung auf einer Lüge beruhen sollte. Es ist allgemeine übereinstimmende Überlieferung, wie die berühmte Erscheinung eines Kometen vor tausend Jahren, etwa dem Halleyschen Kometen vergleichbar. So wie das Vorhandensein der Insel Ceylon (Sri Lanka),die wir nicht gesehen haben, für uns in der Realität gegeben ist, so ist auch die Spaltung des Mondes für uns in der Realität gegeben." In einer so sicheren und gut bezeugten Angelegenheit noch Verdächtigungen und Zweifel hervorzubringen, ist Unverstand. Es genügt bereits, wenn sie nicht unmöglich ist. Denn die Spaltung des Mondes ist ebenso gut möglich, wie die Spaltung eines Berges durch einen Vulkanausbruch.
Dritter Punkt:
Wunder ereignen sich, um den Anspruch
auf das Prophetentum zu beweisen und die Ungläubigen zu überzeugen, aber nicht, um sie zu zwingen. Dementsprechend ist es notwendig, ein Wunder in dem Maße zu zeigen, das klar genug ist, denjenigen, die vom Anspruch auf das Prophetentum gehört haben, dies auch zu beweisen. Es auch in anderen Gegenden zu zeigen, oder es so offensichtlich darzustellen, dass es zwingend wäre, wäre der Weisheit des Erhabenen Allweisen entgegengesetzt und im Gegensatz zum Sinn der Prüfung. Denn der Sinn der Prüfung macht es notwendig: "Dem Verstand eine Türe zu öffnen, ohne den Willen aus der Hand zu nehmen." Hätte der Allweise Schöpfer die Spaltung des Mondes nach dem Geschmack der Philosophen ein, zwei Stunden bestehen lassen, um sie aller Welt vorzuführen, dann wäre sie in die Geschichte der Menschheit eingegangen, einem astronomischen Ereignis gleich gewesen und kein Beweis für den Anspruch des Prophetentums, keine Besonderheit der Botschaft Ahmeds, mit dem Friede und Segen sei. Oder es wäre dies in einem solchen Grade offensichtlich ein Wunder gewesen, dass es den Verstand bezwungen hätte; es hätte dem Verstand die Wahl aus der Hand genommen, wäre - wolle es oder nicht - eine Bestätigung für das Prophetentum gewesen. Männer von einem Geist wie Kohle - gleich Abu Djahil - oder Diamant - gleich Abu Baqri as-Siddiq - wären einander gleich geblieben und der Sinn der Prüfung wäre verloren gegangen. Dies also ist der Grund dafür, dass die Plötzlichkeit des Vorfalls, die Nacht, die Zeit, in der viele schliefen, die Unterschiede in den Aufgangszeiten, Nebel, Wolken und dergleichen Hindernisse zu einem Vorhang wurden und der Vorfall nicht aller Welt gezeigt werden und somit nicht in die Weltgeschichte eingehen konnte...
Vierter Punkt:
Dieser Vorfall ereignete sich plötzlich in der Nacht, während viele schliefen, sodass er sicherlich nicht von allen gesehen werden konnte, und hätten es einige Leute gesehen, so hätten sie ihren Augen nicht getraut.
Und hätten sie ihnen getraut, wäre ein solcher - wenn auch sicherlich bedeutender Vorfall - von einem einzelnen berichtet, nicht zum festen Bestandteil der Weltgeschichte geworden.
In einigen Büchern ist der Zusatz: "Der Mond ist, nachdem er sich entzwei geteilt hatte, auf die Erde hinabgestiegen." von den Forschern abgelehnt worden. Man sagt: "Wahrscheinlich habe ein Heuchler dies hinzugefügt, in der Absicht, dieses strahlende Wunder in seinem Wert herabzumindern."
Außerdem war zum Beispiel damals in England und Spanien, den Ländern unter dem Nebel der Unwissenheit (djehalet),gerade Abend, in Amerika Mittag, in China und Japan Morgen. Sicherlich wurde dieser Vorfall auch anderen Orts wegen anderer Hinderungsgründe nicht gesehen. Nun schau einmal an, was dieser gedankenlose Kritiker sagt: "Die Geschichte der Völker in England, China, Japan und Amerika erzählt nichts davon. Also hat es auch nichts dergleichen gegeben." Tausend Mal verflucht seien solche Schmeichler der Europäer!...
Fünfter Punkt:
Die Spaltung des Mondes erfolgte nicht von selbst aus irgendwelchen Gründen, ist kein zufälliges, natürliches Ereignis, das mit den normalen Gesetzen der Natur erklärt werden kann. Vielmehr hat der Allweise Schöpfer der Sonne und des Mondes dieses Ereignis in wunderbarer Weise bewirkt, um den Anspruch Seines Propheten auf das Prophetentum zu bestätigen und zu erleuchten. Das Geheimnis der Führung und das Geheimnis der Prüfung und die Weisheit des Prophetentums erfordern, dass den Menschen, die von der Weisheit der (Gottes)herrschaft ausersehen wurden, ein Zeugnis gebracht werde, vor dem sie verstummen müssen. Für diejenigen Menschen überall in der Welt, für die es das Geheimnis der Weisheit nicht erforderte und nicht verlangte und die von dem Prophetentum noch gar nicht gehört hatten, gab es eine Reihe von Hinderungsgründen wie Nebel oder Wolken oder Unterschiede in den Auf-
und Untergangszeiten des Mondes. So war in verschiedenen Ländern der Mond noch nicht aufgegangen, in anderen die Sonne noch nicht untergegangen, in einigen Ländern war es schon Morgen und in anderen noch nicht Abend, sodass den Menschen dort dieses Ereignis nicht gezeigt werden konnte. Hätte man dieses Ereignis ihnen allen zeigen wollen, hätte man es ihnen als ein Zeichen Ahmeds, mit dem Friede und Segen sei, und ein Wunder seines Prophetentums vor Augen führen müssen. In diesem Falle wäre seine Stellung als Gesandter ganz klar hervorgetreten und jeder hätte sie bestätigen müssen. Der Verstand hätte keine Wahl mehr gehabt. Was aber den Glauben betrifft, so wird er vom Verstand frei erwählt. Damit wäre der Sinn der Prüfung verloren gegangen. Wäre aber dieses Ereignis als ein rein astronomisches gezeigt worden, dann wäre dadurch der Zusammenhang mit dem Prophetentum Ahmeds, mit dem Friede und Segen sei, zerstört worden, es wäre nicht mehr als eine Besonderheit von ihm geblieben.
Zusammenfassung:
An der Möglichkeit einer Spaltung des Mondes besteht kein Zweifel mehr. Sie wurde ganz klar bewiesen. Wir weisen jetzt auf sechs unter vielen Zeugnissen hin, welche diesen Vorfall beweisen.
{(*): Es gibt nämlich unter einer sechsfachen Bestätigung für dieses Ereignis sechs Beweise. Diese Textstelle ist leider kurz gefasst worden, obwohl sie eine viel längere Behandlung erforderte.}
Es sind die folgenden:
Die Übereinstimmung der Sahabis (Gefährten des Propheten), Ehl-i Adalet {Ehl-i Adalet: Leute, die ein Unrecht niemals dulden.} über diesen Vorfall...
Die Übereinstimmung aller Mufessirin, {Mufessirin: Qur'an- oder Hadithkommentator}
Ehl-i Tahqiq {Ehl-i Tahqiq: Leute, die nach den Quellen suchen.} über die Auslegung dieses Qur'anverses
وَانْشَقَّ الْقَمَرُ {"...als der Mond gespalten wurde." (Sure 54, 1)} in Bezug auf dieses Ereignis...
Die Erzählungen aller Muhaddisin, {Muhaddisin: Kenner, Sammler und Kommentatoren der Hadithe.}
Ehl-i Rivayet-i Sadiqa, {Ehl-i Rivayet-i Sadiqa: Kenner der Quellen und Wege der Hadithe.} die zuverlässige Berichte mit sehr vielen Belegen aus verschiedenen Quellen besitzen. Das Zeugnis aller Heiligen und Gerechten, Ehl-i Keshf ve Ilham. {Ehl-i Keshf: Heilige und Gerechte mit der besonderen Begabung einer hellsichtig, klaren geistigen Schau. Ehl-i Ilham: Leute, welche die Botschaft Gottes in ihren Herzen empfangen. (*)
(*) Diese fünf genannte "Ehli" zusammen mit den "Mufessirin" und "Muhaddisin" garantieren für die Echtheit des vorgefallenen Ereignisses. (A.d.Ü.)}
Die Bestätigung der - von ihrer Berufung her einander sehr weit fernstehenden - Imame und der ozeangleichen Gelehrten der Wissenschaft des Wortes (= Qur'an).
Des Weiteren dient als unwiderlegbarer Beweis (= anhand von Aussagen in Qur'an und Hadith), dass die Gemeinde Mohammeds, mit dem Friede und Segen sei, niemals in einem Irrtum übereinstimmt, dieses Ereignis aber bestätigt und angenommen hat. Dies alles beweist sonnenklar die Spaltung des Mondes.
Zusammenfassung:
Das bisher gesagte diente der Untersuchung des Vorfalls und der Widerlegung von Einwänden. Die folgenden Sätze sollen der Wahrheit und dem Glauben dienen. Bis hierhin also das, was unsere Untersuchungen ergaben. Nun also das, was aus dieser Wahrheit folgt:
Die Auserwählung und die Mahbubiyet (= Stufe der Heiligkeit,
auf welcher Allah den Menschen in den Rang Seines Geliebten erhebt) des Siegels im Rate der Propheten, welcher der strahlende Mond am Himmel der Gesandten (Gottes) ist, wurde den Bewohnern des Himmels und denen in den erhabenen Welten als ein Mensch gezeigt, der in seinem irdischen Körper durch die Himmel reiste. Diese seine Himmelfahrt ist das Wunder seiner Heiligkeit, welche in seiner dienenden Anbetung zum Ausdruck kommt, durch welche er sich zur Mahbubiyet erhebt. Damit beweist er seine Heiligkeit. In gleicher Weise wurde der Mond, gebunden an die Erde, aufgehängt im Himmel, auf das Zeichen eines Irdischen hin entzwei geteilt und so den Bewohnern der Erde durch das Prophetentum dieses irdischen ein solches Wunder gezeigt, dass die Persönlichkeit Ahmeds, mit dem Friede und Segen sei, sich gleich den ausgebreiteten leuchtenden Flügeln des Mondes auf den beiden leuchtenden Flügeln seines Prophetentums und seiner Heiligkeit gleich wie mit zwei strahlenden Schwingen zu den höchsten Höhen der Vollkommenheit erhob und bis Qab-i Qauseyn gelangte, ein Stolz sowohl für die Bewohner der Himmel als auch für die Bewohner der Erde...
عَلَيْهِ وَعَلٰٓى اٰلِهِ الصَّلاَةُ وَالتَّسْلِيمَاتُ مِْلأَ الْاَرْضِ وَالسَّمٰوَاتِ ٭ سُبْحَانَكَ لاَعِلْمَ لَنَآ اِلاَّ مَاعَلَّمْتَنَآ اِنَّكَ اَنْتَ الْعَلِيمُ الْحَكِيمُ
{"Ihm und seiner Familie eine Erde und einen Himmel voll Frieden und Geborgenheit!" "Gepriesen seist Du! Wir haben kein Wissen, außer dem, das Du uns gelehrt hast. Denn Du bist der Allwissende, der Allweise!" (Sure 2, 32)}
Dritter Teil
Dieser Teil betrifft die Beweise für das Prophetentum Ahmeds, mit dem Friede und Segen sei, und bildet eine Antwort in Form einer kurz zusammengefassten Liste auf die Frage, die schon am Ende der Abhandlung über die Himmelfahrt (31. Wort) angeführt wurde.
Erstens:
Warum ist diese große Himmelfahrt (Mi'radj)ein Privileg Mohammeds, mit dem Friede und Segen sei?
Zweitens:
Wie kann diese Persönlichkeit der Keim des Kosmos sein? Sie sagen: "Der Kosmos wurde aus seinem Licht erschaffen. Außerdem ist er seine höchste und leuchtendste Frucht." Was bedeutet das?
Drittens:
In den obigen Erklärungen sagen Sie: Er ist emporgestiegen, um in den hohen Welten die Maschinen, die Werkbänke und die Speicherkammern der Ergebnisse der Werke dieser irdischen Welt zu sehen. Was heißt das?
Antwort:
Zu ihrem ersten Problem:
Es wurde in den dreiunddreißig Abhandlungen der "Sözler(Worte)" ausführlich behandelt. Wir wollen hier aber noch einmal eine kurz zusammengefasste Liste der Vollkommenheiten der Persönlichkeit Mohammeds, mit dem Friede und Segen sei, und den Beweis für sein Prophetentum aufstellen und auch dafür, dass er für die große Himmelfahrt der würdigste ist.
Erstens:
Obwohl die Heiligen Schriften wie Thora, Psalmen und Evangelien sehr stark entstellt worden sind, hat ein Quellenforscher wie Husayin Djisri in unseren Tagen in seinem Werk "Risale-i Hamidiye" 114 Botschaften
in der Form von Zeichen, die das Prophetentum Mohammeds, mit dem Friede und Segen sei, betreffen, zusammengestellt.
{In diesem Sinne empfehlen wir unseren Lesern auch das Buch von Abdu l-Ahad Davud (David Benjamin) "Mohammed in der Bibel" in deutscher Übersetzung. (A.d.Ü.)}
Zweitens:
Die Geschichte berichtet in zuverlässiger Weise, dass gleich zwei berühmten Wahrsagern wie Shik und Satih, viele Verkündigungen kurz vor Beginn der prophetischen Zeit Mohammeds, mit dem Friede und Segen sei, sein Prophetentum vorausgesagt haben und auch, dass er der Prophet der letzten Zeitepoche sein werde.
Drittens:
In der Nacht, in der Ahmed, mit dem Friede und Segen sei, geboren wurde, stürzten die Götzen in der Kaaba vom Sockel und auch die Säulenhalle des berühmten Palastes der Könige von Persien stürzte ein. Und noch hunderte anderer, Irhasat genannter Wunder wurden geschichtlich bekannt.
Viertens:
Er tränkte eine Armee mit dem Wasser, das seinen Fingern entströmte. Ein trockener Baumstumpf weinte und stöhnte gleich einem Kamel vor einer gewaltigen Gemeinde in der Moschee über die Trennung von Ahmed, mit dem Friede und Segen sei, als dieser eine richtige Kanzel (Minber) erhalten hatte. Mehr als Tausende solcher Wunder, wie die Spaltung des Mondes entsprechend des Qur'anverses وَانْشَقَّ الْقَمَرُ {"Als der Mond gespalten wurde..." (Sure 54, 1)} sind von den Quellenforschern untersucht und bestätigt worden und zeigen seine Erhabenheit und Größe in seiner eigenen wie in der allgemeinen Geschichte.
Fünftens:
Freund und Feind bestätigen gleichermaßen, dass sich bei ihm gute moralische Qualitäten in
höchstem Grade finden. Sein gesamtes Verhalten bezeugt, dass er einen überragenden Charakter in der Erfüllung seines Auftrages und in seiner Lehrverkündigung im höchstem Grade besitzt. Seine moralischen Werte islamischen Glaubens bezeugen, dass unter seinem Gesetz Eigenschaften, preiswürdig in hohem Maße, im Grade höchster Vollkommenheit vorhanden sind. Leute von Recht, Billigkeit und Sorgfalt werden dies nicht zurückweisen.
Sechstens:
Wie wir in der Zweiten Anmerkung des "Zehnten Wortes" aufgezeigt haben, hat Ahmed, mit dem Friede und Segen sei, der in überragendem Grade eine Persönlichkeit war, jene göttliche Erhabenheit und Größe, die - und das ist ein Erfordernis ihrer Weisheit - sichtbar werden will, mit seinem Glauben in seiner dienenden Anbetung auf höchst glänzende Weise gezeigt.
Überdies erfordert es die Weisheit und Wahrheit des Schöpfers der Welten, Seine unendliche Schönheit und Vollkommenheit in einer geeigneten Weise zu offenbaren. Und wer sie in ihrer schönsten Gestalt aufzuzeigen und darzustellen vermag, das ist ganz ohne allen Zweifel diese Persönlichkeit.
Überdies möchte der Meister der Welten Sein unendlich schönes und vollkommenes Kunstwerk ausstellen und die aufmerksamen Blicke darauf lenken. Und wer es mit der lautesten Stimme öffentlich auszurufen vermag, das ist ganz offensichtlich diese Persönlichkeit.
Überdies möchte der Herr der Welten Seine Einheit (Vahdaniyet)der Vielzahl der Ebenen (Seiner Schöpfung) verkünden. Und wer diese Einheit (Tauhid)auf allen Stufen im äußersten Grade zu verkünden vermag, das ist wiederum mit Naturnotwendigkeit diese Persönlichkeit.
Überdies möchte der Besitzer der Welten im Zeichen Seiner im unendlichen Grade vollkommenen Werke Seine unendliche Schönheit in Seinen wesentlichen Eigenschaften (husn-u dhati),Seine Schönheit in Seinen besten Eigenschaften,
Seine Schönheit in Seinen feinsten Eigenschaften, die in Wahrheit und Weisheit nach einem Spiegel verlangen, sehen und sehen lassen. Und wer sie (= die Schönheit) auf das allerprächtigste widerspiegelt und selbst wie ein Spiegel ist, sie liebt und andere dazu veranlasst, sie zu lieben, das ist wiederum offensichtlich diese Persönlichkeit.
Überdies möchte der Baumeister dieses Weltenschlosses Seine unsichtbaren Schatzkammern, die angefüllt sind mit außergewöhnlichen und einzigartigen Wunderwerken und kostbaren Juwelen, zeigen und ausstellen... in ihnen Seine Vollkommenheit wissen und erkennen lassen. Und wer sie in überragender Weise auszustellen, darzustellen und zu erklären vermag, das ist wiederum offensichtlich diese Persönlichkeit.
Überdies möchte der Baumeister des Kosmos, der diesen Kosmos erbaut und mit allerlei Besonderheiten und Ornamenten verziert hat... der Seine Geschöpfe mit Bewusstsein begabt und ihnen darin Wohnung gegeben hat, damit sie darin umher wandeln, umher schauen, anbeten und nachdenken sollen... diesen Geschöpfen, die Seine Werke und Kunstgegenstände sehen und darüber nachdenken - wie es Seine Weisheit erfordert - ihren Sinn und Wert zu erkennen geben. Und wer in überragender Weise Dschinnen und Menschen, ja sogar Engel und Geister mit Hilfe des Weisen Qur'an führt, das ist offensichtlich wieder diese Persönlichkeit.
Überdies möchte der Allweise König dieses Kosmos, dass das verschlossene Geheimnis von Ziel und Zweck aller Verwandlungen in diesem Kosmos... das Rätsel dieser drei schweren Fragen nach dem Woher? und Wohin? jeden Seins und was es überhaupt ist, durch einen Botschafter allen Bewusstsein tragenden Wesen enthüllen lassen. Und wer dieses Geheimnis enthüllt und dieses Rätsel mit der Wahrheit des Qur'an auf eine klare Weise und in alles überragendem Grade löst, das ist wiederum offensichtlich diese Persönlichkeit.
Überdies möchte der erhabene Baumeister dieser Welt sich selbst allen Bewusstsein tragenden Wesen in Seinen schönen Kunstwerken zu erkennen geben und von ihm für Seine kostbaren Geschenke geliebt werden. Deshalb möchte Er, dass allen Bewusstsein tragenden Wesen durch einen Botschafter Seine göttlichen Wünsche und auch das, womit sie Sein Wohlgefallen erlangen können, verkündet werden. Und wer durch den Qur'an in höchster und vollkommenster Weise zu erklären und zu übermitteln vermag, worin Sein Wunsch und Wohlgefallen besteht, das ist wiederum offensichtlich diese Persönlichkeit.
Überdies möchte der Herr der Welten, weil der Mensch, der die Frucht der Schöpfung ist und dem Er eine umfassende Begabung mitgegeben hat, welche die ganze Schöpfung umschließt, und den Er zu einem anbetenden Dienst stellvertretend für alle vorbereitet hat, der durch seine Seelenlage mit vielem verbunden ist, und weil er der Welt verhaftet ist, dass er mit Hilfe eines Seelenführers sein Antlitz von der Vielheit weg zur Einheit hin und vom Vergänglichen weg zum Beständigen hin wenden soll. Und wer in höchstem Grade und in der prägnantesten Form mit Hilfe des Qur'an auf das Beste zu führen vermag und seinen Auftrag als Prophet auf das Vollkommenste zu erfüllen weiß, das ist wiederum offensichtlich diese Persönlichkeit.
Nun aber ist das erhabenste unter allem Dasein das belebte, und unter allem, was lebt, ist das erhabenste das bewusste, und unter allem was bewusst ist, ist das erhabenste der wahre Mensch, und er, der unter den wahren Menschen die oben erwähnten Aufgaben in höchstem Grade und auf vollkommenste Weise erfüllt... sicherlich wird er bei einer Großen Himmelfahrt aufsteigen bis Qab-i Qauseyn, an die Pforten der Ewigen Glückseligkeit klopfen, die Schatzkammer der Barmherzigkeit öffnen, die unsichtbare Wahrheit des Glaubens schauen: das wird "er" sein.
Siebentens:
Wie wir beobachten können, ist dieses Kunstwerk besonders schön ausgestaltet und mit Verzierungen versehen, die es in unendlichem Maße veredeln. Offensichtlich zeigt diese Gestaltung und Veredelung, dass sein Meister eine große Macht besitzt und den starken Wunsch hat (= irade:der Wille Gottes und Seiner Bewusstsein tragenden Geschöpfe), auszugestalten und zu veredeln. Diese Macht und dieser Wunsch auszugestalten und zu veredeln zeigen aber mit Notwendigkeit ein starkes Interesse an Seiner Kunst und Seine (reine und) heilige Liebe zu ihr. Wer aber im Mittelpunkt dieses Kunstwerkes steht und alle Feinheiten dieses Kunstwerkes in sich zeigt, sie kennt und zur Kenntnis bringt und (seinen Nächsten) dazu bringt, Ihn zu lieben, und die Schönheiten in den übrigen Kunstwerken "Mashaallah" sagend, bewundernd preist, der wird in den Augen des Meisters, der ein Kunstverehrer ist und Seine eigenen Kunstwerke sehr liebt, offensichtlich in höchstem Grade der Geliebte sein.
Wer also die Himmel vor den mit Tugenden und Werten vergoldeten Kunstwerken, den Feinheiten und Vollkommenheiten, die alles Sein erleuchten, "Subhanallah! Mashaallah! Allahu Ekber!" sagend widerhallen lässt, das Weltall durch den Klang des Qur'an in Erregung versetzt und wer durch seinen Lobpreis und mit seiner Bewunderung, durch die Tiefe seiner Gedanken und Darlegungen, durch das Gottesgedenken (dhikr)und die Vergegenwärtigung Seiner Einheit (tauhid)Land und See in Ekstase versetzt, das ist wiederum augenscheinlich diese Persönlichkeit.
So ist es diese Persönlichkeit, die, entsprechend dem Geheimnis:
اَلسَّبَبُ كَا لْفَاعِلِ
{"Der, welcher veranlasst, ist gleich dem, welcher ausführt."}
ebenso viele gute Werke in seiner Waagschale vorfindet,
wie die gesamte Gemeinde verrichtet hat... dessen innere Vollkommenheit durch die Gebete der gesamten Gemeinde noch wächst... der die Früchte seines Auftrages als Prophet gesehen hat und darüber hinaus mit dem geistigen Lohn auch den unendlichen Segen der Barmherzigkeit und göttlichen Liebe empfangen hat. Und es ist sicherlich volle Gerechtigkeit, Wahrheit in sich selbst und reine Weisheit, wenn diese Persönlichkeit auf der Leiter "Mi'radj(Himmelfahrt)" ins Paradies, bis zum "Sidratu l-Munteha(Himmelslotos)", zum Thron (Gottes), ja bis " Qab-i Qauseyn(gleich der Gegenwart Gottes)" emporsteigt.
Anmerkung:
Die nachstehende Übersetzung entstammt dem original arabischen Text, welcher in einer der wichtigsten islamischen Zeitschriften erschien, die Artikel aus der gesamten islamischen Welt bringt, und referiert über das islamische Gesetz (Sheriat-i Muhammediye ASM),die Meinung bedeutender außenstehender Philosophen unter den besonders bedeutenden Politikern und allen den Juristen, die besonders am sozialen Leben interessiert waren und sich 1927 in Europa zu einem Kongress versammelt hatten. Wir fügen den im Anhang an die "Nur Tjeshmesi(der Lichtbrunnen)" aufgeführten 43 außenstehenden Philosophen noch zwei weitere an, sodass es nun mit diesen beiden mutigen Philosophen zusammen 45 zuverlässige Zeugen sind.
الْفَضْلُ مَاشَهِدَتْ بِهِ الْاَعْدَآءُ
{"Solcher Art ist die Tugend, dass sogar die Feinde für sie Zeugnis ablegen."}
وَقَدِ اعْتَرَفَ حَتّٰى عُلَمَآءُ الْغَرْبِ بِسُمُوِّ مَبَادِى الْاِسْلاَمِ وَصَلاَحِهَا لِلْعَالَمِ.. قَالَ عَمِيدُ كُلِّيَّةِ الْحُقُوقِ بِجَامِعَةِ فِيَنَا الْاُسْتَاذُ شَبُولْ فِى مُؤْتَمَرِ الْحُقُوقِيِّيِّنَ الْمُنْعَقِدِ فِى سَنَةِ اَلْفٍ وَتِسْعِ مِئَةٍ وَسَبْعَةٍ وَعِشْرِينَ: (اَنَّ الْبَشَرِيَّةَ لَتَفْتَخِرُ بِاِنْتِسَابِ رَجُلٍ كَمُحَمَّدٍ (صلى عليه وسلم) اِلَيْهَا اِذْ اَنَّهُ رَغْمَ اُمِّيَّتِهِ اِسْتَطَاعَ قَبْلَ بِضْعَةَ عَشَرَ قَرْنًا اَنْ يَأْتِىَ بِتَشْرِيعٍ سَنَكوُنُ نَحْنُ الْاَوْرُوبَائِيِّينَ اَسْعَدَ مَانَكوُنُ لَوْ وَصَلْنَا اِلٰى قِيْمَتِهِ بَعْدَ اَلْفَىْ عَامٍ.) وَقَالَ بَرْنَارْدْ شَوْ: (لَقَدْ كَانَ دِينُ مُحَمَّدٍ (صلى اللّٰهُ عليه وسلم) مَوْضِعُ التَّقْدِيرِى السَّامِى دَائِمًا لِمَا يَنْطَوِى عَلَيْهِ مِنْ حَيَوِيَّةٍ مُدْهِشَةٍ ِلاَنَّهُ عَلٰى مَا يَلُوحُ لِى هُوَ الدِّينُ الْوَحِيدُ الَّذِى لَهُ مَلَكَةُ الْهَضْمِ ِلاَطْوَارِ الْحَيَاةِ الْمُخْتَلِفَةِ وَالَّذِى يَسْتَطِيعُ لِذٰلِكَ اَنْ يُجْذَبَ إِلَيْهِ كُلُّ جَيْلِ مِنَ النَّاسِ وَاَرٰى وَاجِبًا اَنْ يُدْعٰى مُحَمَّدٌ (صلى اللّٰهُ عليه وسلم) مُنْقِذَ الْاِنْسَانِيَّةِ وَاَعَتْقِدُ اَنَّ رَجُلاً مِثْلَهُ اذَا تَوَلّٰى زَعَامَةَ الْعَالَمِ الْحَدِيثِ يَنْجَحُ فِى حَلِّ مُشْكِلاَتِهِ وَاَحَلَّ فِى الْعَالَمِ السَّلاَمَةَ وَالسَّعَادَةَ (يَعْنِى اَلْمُسَالَمَةَ وَالصُّلْحَ الْعُمُومِىَّ) وَمَا اَشَدَّ حَاجَةُ الْعَالَمِ الْيَوْمَ اِلَيْهَا
Ja, die westlichen Gelehrten und Philosophen bekennen und gestehen es:
"Die islamischen Gesetze genügen in hohem Maße, die Menschheit auf den richtigen Weg zu führen."
So sagte auf der Versammlung des Kongresses für allgemeine Rechtsfragen ihr Präsident, der Philosoph Shebol, vor der Versammlung sämtlicher Juristen:
"Die ganze Menschheit ist mit Recht stolz darauf, Mohammed (ASM) zu einem der Ihrigen zählen zu können. Denn - obwohl Analphabet - hat er vor 13 Jahrhunderten ein solches Gesetz gebracht, dass wir Europäer vollkommen glücklich und zufrieden sein dürfen, wenn wir zweitausend Jahre danach seinen Wert und seine Gerechtigkeit erfasst haben."
Der zweite, oder der fünfundvierzigste, entsprechend dem Anhang zum "Nur Tjeshmesi", Bernard Shaw, sagte:
"Der Grund dafür, dass die Religion des Islam in ihrer Hochschätzung den obersten Platz einnimmt, ist der: sie garantiert ein nur ihr eigenes, geordnetes Leben. Mir ist klar geworden, dass diese Religion, welche einsam und allein ein einzigartiger
und beispielloser Glaube ist, die Menschen dazu anleitet, einander und ihre so verschiedenen Lebens- und Verhaltensweisen zu tolerieren. D.h. sie bringt den Menschen dazu, auf den rechten Weg zurückzukehren, seine Gesinnung zu wandeln und sich dergestalt zu reinigen und so auf dem geistigen Wege voranzuschreiten. Zudem ist die Religion des Islam ein Glaube, der die verschiedensten Menschen und Völker zu sich hinzuziehen vermag. Ich habe es gesehen und mich davon überzeugt, dass es für den Menschen nötig ist, zu sagen: 'Mohammed ist der Retter der Menschheit. Er darf den Titel eines Retters beanspruchen.'"
Weiter sagt er: "Ich bin davon überzeugt, wenn heute ein neuer Mohammed käme, d.h. ein Mann von seinen Charakterzügen und seiner Lebensweise Präsident einer neuen Welt werden würde, sie regierte: er würde die Probleme unserer heutigen Welt meistern; er wäre die Ursache für einen allgemeinen Frieden und ein glückseliges Leben in einer von Unruhen und Krisen geschüttelten Welt. Ja, wie dringend notwendig unsere heutige Welt den Frieden braucht und ein glückseliges Leben, das vermag ein jeder selbst zu ermessen.")
Vierter Teil
Sechzehnte Stufe aus der Risale "Ayetül-Kübra" (Das große Zeichen), die das Prophetentum Ahmeds, mit dem Friede und Segen sei, behandelt. Dieser Text wurde seiner Zusammengehörigkeit wegen hier angeführt.
Dann sagte der Reisende zu seinem Verstand:
"Da suche ich also hinter allem Sein in diesem Kosmos meinen Herrn, Dem ich angehöre und Der mein Schöpfer ist. Sicherlich muss ich zuerst, um Mohammed (ASM) zu besuchen und ihn nach Dem zu fragen, Den ich suche, in die "Glückliche Zeit" (asr-i saadet)eingehen." So nahm er seinen Verstand und ging dahin. Mohammed-i Arabi (ASM), der der berühmteste unter allem Sein und - wie auch seine Feinde es bestätigen - der vollkommenste, der größte Befehlshaber und der bekannteste Herrscher, der mächtigste in der Rede, der brillanteste von Verstand, erleuchtete vierzehn Jahrhunderte durch sein Leben, durch seine Lehre und durch sein Buch (= Qur'an). Und er sah, dass diese Zeit durch diese Persönlichkeit tatsächlich eine "Glückliche Zeit" für die Menschheit war, denn durch das Licht, das er brachte, machte er in kurzer Zeit aus einem Volk von primitiven Wilden eine Nation von Gelehrten, die die Welt beherrschte.
Dann sagte er weiter zu seinem Verstand:
"Zuerst müssen wir in gewissem Grade den Wert dieser außerordentlichen Persönlichkeit und den Wahrheitsgehalt seiner Worte und die Zuverlässigkeit seiner Aussagen kennenlernen. Dann müssen wir ihn nach unserem Schöpfer fragen", und begann mit seiner Untersuchung. Von den zahllosen schlüssigen Beweisen, die er fand, wollen wir hier nur neun von den allgemein gültigen einzeln kurz aufzeigen.
Erstens:
In dieser Persönlichkeit finden sich - wie selbst seine Feinde bestätigen - alle schönen und guten Charakterzüge und Eigenschaften. Entsprechend der eindeutigen Aussage der Ayat:
وَانْشَقَّ الْقَمَرُ ٭ وَمَا رَمَيْتَ إِذْ رَمَيْتَ وَلٰكِنَّ اللّٰهَ رَمٰى
{"Der Mond hat sich gespalten." (Sure 54, 1) "Nicht du warst es, der geworfen hat, als du geworfen hast, sonden Allah hat geworfen." (Sure 8, 17)}
wurde der Mond mit einem Fingerzeig gespalten und mit ein wenig Staub in seiner Hand, das er dem Heer seiner Feinde, dem der Staub in die Augen drang, entgegenwarf, jagte er das ganze Heer in die Flucht. Als sein eigenes Heer ohne Wasser war, tränkte er es ausreichend mit dem Wasser, das wie Kauther (= der Strom des Paradieses) seinen fünf Fingern entströmte. Durch seine Hand geschahen hunderte dergleichen von Wundern, die zum Teil im Qur'an erwähnt werden (nass-r Kat'i),zum Teil dennoch unbestreitbar sind (= tevatur).Da ein Teil von ihnen - und zwar mehr als dreihundert in einer außerordentlichen, die Wunder (des Qur'an) aufzeigenden Risala, die "Neunzehnter Brief über die Wunder Ahmeds (ASM)" genannt wird, mit zuverIässigen Quellenhinweisen belegt, lässt er (= der Reisende) es damit bewenden und sagt: "Eine Persönlichkeit, die so viele gute und vollkommene Charakterzüge hat und so viele offensichtliche Wunder gewirkt, spricht sicherlich nichts als die reine Wahrheit. Es ist unmöglich, dass er sich auf die Ebene der Charakterlosen herabbegeben und lügen, täuschen, fälschen könnte."
Zweitens:
In seiner Hand befindet sich ein Erlass des Besitzers des Universums. Diesen Erlass erkennen in jedem Jahrhundert dreihundert Millionen Menschen an. Dieser Erlass ist der Hocherhabene Qur'an, welcher in siebenfacher Hinsicht ein Wunder (harika)ist. In einer berühmten
Risale, in der im "Fünfundzwangzigsten Wort - der Qur'an als ein Wunder" bezeichnet wird und in der Risale-i Nur wie die Sonne ist, wurde ausführlich und mit nicht zu widerlegenden Beweisen dargelegt, dass dieser Qur'an in vierzigfacher Hinsicht ein Wunder (mudjize)ist und als das Wort des Schöpfers des Universums gilt. Er (= der Reisende) lässt es damit bewenden und sagt: "Eine Persönlichkeit, die der lautere Überbringer und Ausrufer eines solchen wahren und wahrhaftigen Erlasses ist, kann nicht Iügen und keine Lüge kann an ihm gefunden werden, die ein Verston gegen den Erlass und ein Verrat an dem Erlassgeber wäre."
Drittens:
Diese Persönlichkeit (ASM) brachte das islamische Gesetz (Schari'a),den Islam, den anbetenden Dienst, die Fürbitte, den Ruf (zum Glauben) und den Glauben (iman)in einer solchen Weise, wie es bis dahin noch nie dagewesen, noch jemals wieder sein wird. Niemals wurde je etwas Vollkommeneres gefunden, noch könnte es je gefunden werden. Denn diese Schari'a, die, von einer Persönlichkeit erlassen, welche selbst des Lesens und Schreibens unkundig war, seit vierzehn Jahrhunderten ihre Menschen und heute ein Fünftel der Menschheit mit zahllosen Gesetzen in Gerechtigkeit, Wahrhaftigkeit und Genauigkeit leitet, lässt keinen Vergleich zu. Überdies ist der Islam, der durch Worte, Taten und die Wesensart eines Analphabeten geprägt und in jedem Jahrhundert Zuflucht und Leitung für dreihundert Millionen Menschen wurde, Weisung und Leitung in ihrem Denken, Reinigung und Erleuchtung für ihre Herzen, Erziehung und Läuterung für ihre Seelen, der Angelpunkt für die Entfaltung und der Grundstoff für die Entwicklung ihrer Seelen auch in dieser Hinsicht ohne Beispiel und wird es bleiben...
Zudem findet er sich in seinem Glauben bei allen Arten jeglicher Anbetung in vorderster Reihe... und er findet sich in seiner frommen Zurückhaltung über allen anderen... und in seiner Gottesfurcht... und obwohl immer und
überall in Kampf und Streit verwickelt, war er dennoch in seinem Dienst und seiner Anbetung bis ins innerste Geheimnis hinein sorgfältig und genau... wie er niemanden nachahmte, so begann er in gleicher Vollkommenheit und verknüpfte in gleicher Vollkommenheit den Anfang und das Ende... sicherlich wird gleich ihm einer nicht geschaut und kann nicht geschaut werden.
Des Weiteren zeigt er in seinem Djaushenu-l'Kebir, welches nur eines ist unter tausenden von seinen Gebeten und Fürbitten, dass er seinen Herrn in einem solchen Grade mit einer derartigen Erkenntnis seines Herrn zu beschreiben vermag, dass seit jener Zeit alle Männer von Gotteserkenntnis und Heiligkeit zusammen genommen ihn nicht auf der Stufenleiter der Erkenntnis noch im Grade seiner Beschreibung zu erreichen vermochten; also hat er auch im Gebet nicht seinesgleichen. Ein Mensch, der auch nur einen Abschnitt betrachtet aus dem Anfang der Risale-i Munadjat (= Abhandlung in Form einer Fürbitte), in dem ein Abschnitt von neunundneunzig Abschnitten des Djaushenu-l'Kebir kurz in seiner Bedeutung erklärt wird, wird sagen: auch der Djaushen ist ohne Beispiel.
Des Weiteren zeigte er in seiner prophetischen Verkündung und in seiner Art, wie er den Menschen zur Wahrheit rief, einen solchen Grad von Unerschütterlichkeit, Ausdauer und Tapferkeit, dass er, trotzdem die großen Staaten, die großen Religionen, ja sogar sein Volk, Stamm, Onkel ihm furchtbar feindselig gesinnt waren, nicht im mindesten eine Spur von Unschlüssigkeit, Unruhe oder Furcht. Er trat allein gegen die ganze Welt auf den Plan, trotzte ihr, bot ihr die Stirn... machte den Islam zur Krone der Welt. Das alles beweist, dass er auch mit seiner Verkündigung und seinem Aufruf ohne Beispiel ist und bleibt. In seinem Glauben war eine so außerordentliche Kraft, eine so ungewöhnliche Gewissheit, eine so wunderbare Weite und eine so erhabene, die Welt erleuchtende Überzeugung, dass keine der Ansichten und
Bekenntnisse, die damals die Welt beherrschten, keine Weisheit der Philosophen und keine Lehre der geistigen Führer, trotz Feindschaften, Widerständen und Ablehnungen ihn in seiner Gewissheit, seiner Überzeugung, seinem Vertrauen, seiner Ruhe erschüttern und zu einem Zweifel, einer Unschlüssigkeit, einer Schwäche, einer Unruhe veranlassen konnten... Ja mehr noch: seine Sahabis (Bundesgenossen), alle Heiligen, die in den Geisteswissenschaften und auf der Stufenleiter des Glaubens vorangeschritten sind, haben alle Zeit von seiner Stufe des Glaubens herab ihren Segen empfangen, ihn stets im höchsten Range gefunden. All dies zeigt klar, dass auch sein Glaube ohne Beispiel ist. Und so verstand er (= der Reisende) also, dass ein Mann, der solch eine beispiellose Schari'a (= isl. Gesetz), einen so unvergleichlichen Islam, einen so außergewöhnlichen anbetenden Dienst, ein so überragendes Gebet, einen solchen Ruf (da'wa)aller Welt entgegen, einen so wunderbaren Glauben vorzuweisen vermag, sicherlich keineswegs eine Lüge aussprechen oder einen Betrug begehen kann. Auch sein Verstand bestätigte dies.
Viertens:
So wie die Übereinstimmung der Propheten als ein voll überzeugender Beweis für die Existenz und die Einheit Gottes gilt, so auch als ein besonders sicheres Zeugnis für die Aufrichtigkeit und das Prophetentum dieser Persönlichkeit. Denn die Geschichte bestätigt, dass all das, was an heiligen Eigenschaften, Wundern und Heilstaten den Eckstein der Propheten bildet, mit denen der Friede sei, und der Aufrichtigkeit der Gesandten, bei dieser Persönlichkeit unübertroffen waren. Das heißt, so wie die Thora, die Evangelien, der Psalter und die Schriften der übrigen Propheten mit ihrem Wort das Kommen dieser Persönlichkeit vorhergesagt und den Menschen hierüber frohe Botschaft gebracht haben, was wir im "Neunzehnten Brief" in mehr als zwanzig recht offensichtlichen Ausschnitten dieser frohe Botschaft verkündenden Zeichen aus den Heiligen Schriften recht
schön dargelegt und bewiesen haben, so bestätigen sie (= die Propheten) auch in ihren Heilstaten, nämlich mit ihrem Prophetentum und durch ihre Wunder, dass diese Persönlichkeit in ihrer Berufung und ihren Heilstaten den ersten Platz einnimmt und höchst vollkommen ist; und sie unterstreichen seinen Ruf. So verstand er (= der Reisende), dass sie (= die Propheten), so wie sie in der Übereinstimmung ihrer Aussagen einen Beweis liefern für die Einheit (Gottes = Vahdaniyet),so auch mit ihrer Übereinstimmung in ihren Heilstaten die Aufrichtigkeit dieser Persönlichkeit bezeugen.
Fünftens:
Und so wie tausende von Heiligen durch die Grundsätze, die Lehren und die Nachfolge dieser Persönlichkeit zur Wahrheit, Wirklichkeit und Vollkommenheit gelangten, Gnadengaben (keramet),geistige Klarsicht (keshfiyat)und innere Schau (mushaheda)erlangten und gleich einem Beweis der Einheit (Gottes = Vahdaniyet)wurden, so bezeugen sie auch alle durch ihre Übereinstimmung die Aufrichtigkeit und das Prophetentum dieser Persönlichkeit, die ihr Lehrer ist. Ihr Zeugnis, das sie im Lichte der Heiligkeit (nur-u velayet)über einen Teil der Berichte geben, welche ihnen (der Prophet) aus der Welt des Unsichtbaren überbracht hatte, ihre Überzeugung und Bestätigung alles dessen im Lichte des Glaubens, und zwar in der Form tatsächlichen Wissens (ilmelyaqin),tatsächlicher Wahrnehmung (aynelyaqin)und tatsächlicher Wahrheit (haqqalyaqin)legt sonnenklar den Grad der Wahrhaftigkeit und Aufrichtigkeit dieser Persönlichkeit offen, die ihr Lehrer ist.
Sechstens:
Und so wie Millionen von Forschern (Asfiya-i mudaqqiqin),Gelehrten (Siddiqin-i muhaqqiqin)und Philosophen (Dahi-i hukema-i mu'minin)durch die Heilige Wahrheit (Haqaiq-i qudsiye),die er - obwohl selbst Analphabet - brachte, durch die Hohe Wissenschaft (Ulum-u a'Iiye),die er begründete, durch seine Unterweisungen und Belehrungen in der Erkenntnis Gottes, die ihm in seiner geistigen Schau zuteil wurde, auf der Leiter der Wissenschaft zur höchsten Stufe emporstiegen, die Einheit
(Gottes = Vahdaniyet),welche das Fundament seiner Sendung darstellt, mit einstimmig unumstößlichen Beweisen belegen und bestätigen, so ist auch ihr übereinstimmendes Zeugnis für die Wahrhaftigkeit dieses gewaltigen Lehrers und großen Meisters und für die Wahrhaftigkeit seiner Worte ein Beweis seines Prophetentums und seiner Aufrichtigkeit, klar wie der lichte Tag. So ist auch die Risale-i Nur mit all ihren 130 Teilen ein einziges Zeugnis seiner Aufrichtigkeit.
Siebentens:
Die gewaltig große Gruppe jener, welche man die Familienangehörigen und die Bundesgenossen (des Propheten ASM) nennt und die nach den Propheten alle Menschheit dank ihrer Einsicht, ihres Verständnisses und ihrer Vollkommenheit überragt an Ruhm, Ruf, Ehre, Frömmigkeit und wacher Aufmerksamkeit, beobachtete, prüfte und untersuchte sein gesamtes Verhalten - privat und in der Öffentlichkeit - seine Haltung und seine Denkweise mit höchstem Interesse, mit großer Aufmerksamkeit und tiefem Ernst, mit dem Ergebnis, dass sie übereinstimmend zu der festen Überzeugung gelangten und bestätigten, dass er die aufrichtigste, erhabenste, rechtschaffenste und wahrhaftigste Persönlichkeit in dieser Welt ist. Er (unser Reisender) verstand, dass ihre Bestätigung und ihr unerschütterlicher und fester Glaube aufgrund ihrer allen gemeinsamen Übereinstimmung ein Beweis ist, gleich wie der Tag ein Beweis ist für das Sonnenlicht.
Achtens:
Wie dieser Kosmos ein Beweis ist für den Baumeister, Schreiber und Dekorationsmaler, der ihn schuf, lenkt und leitet und über ihn verfügt wie über ein Schloss, das Er geplant, oder ein Buch, das Er verfasst, oder ein Museum, das Er entworfen hat, oder über ein Theater, über das Er Regie führt, so ist er zugleich auch ein Beweis für das Bedürfnis, ja für die Notwendigkeit eines Schlossverwalters, eines Buchverlegers, eines Museumsleiters, eines Forschers, eines Gelehrten, eines zuverlässigen Lehrers, der das Wissen über die Absichten
Gottes bei der Erschaffung der Welt hat und vermitteln soll, der die Weisheit des Herrn über allem Wechsel lehren soll, der darüber belehren soll, welchem Zweck alle diese weisungsgemäßen Bewegungen dienen, der Wesen und Bedeutung allen Seins und die in ihnen verborgene Vollkommenheit aufzeigen soll, der den Sinn des großen Buches erklären soll. Er (unser Reisender) verstand, dass (der Kosmos) in Anbetracht all dessen die Wahrhaftigkeit dieser Persönlichkeit bezeugt und auch, dass er der höchste und aufrichtigste Beamte des Schöpfers dieses Kosmos ist, der seine Aufgaben in höherem Maße als alle anderen erfüllt.
Neuntens:
Es ist da hinter dem Vorhang Einer, der Seine eigene Geschicklichkeit und Kunstfertigkeit in ihrer Vollkommenheit darstellen will durch Seine Werke voll Schönheit und Weisheit, um sich selbst mit ihnen bekannt zu machen. In all dem, was Er geschaffen, mit Schmuck und Ornamenten verziert hat, möchte Er sich vorstellen und geliebt werden. Für alle Seine zahllosen, kostbaren, wohlschmeckenden Gottesgaben erwartet Er von uns Lobpreis und Dank. Er schützt, versorgt und ernährt alle Seine Geschöpfe mit Zärtlichkeit (shefqat),deckt ihnen den Tisch, bereitet ihnen ein Festmahl, welches jede Art von Geschmack - selbst den feinsten und auch die verwöhnteste Nase zu befriedigen vermag, damit sie Ihm mit Lob und Preis und Dank ihre Anbetung darbringen sollen. Er zeigt Seine Göttlichkeit, wenn Er in majestätischer Pracht schaltet und waltet, lenkt und leitet, schafft und verändert, z.B. den Wandel der Zeiten und den Wechsel von Tag und Nacht hervorbringt. Ob Seiner Hoheit (uluhiyet)sollen wir Ihm Glaube (iman),Hingabe (teslim),Demut (inqiyad)und Gehorsam (itaat)entgegenbringen. Er möchte alle Zeit das Gute und die Guten beschützen, das Böse und die Bösen vernichten und mit Schlägen von oben die Tyrannen und die Lügner zu Grunde richten und so Seine Wahrhaftigkeit und Gerechtigkeit erweisen. An der Seite dessen, der da verborgen ist, steht sicher und gewiss das Geschöpf Seines höchsten
Wohlgefallens, Sein über alles rechtschaffener Diener und Verehrer, der den oben erwähnten Zielen vollauf gerecht wird, der den verborgenen Sinn und die verschlossene Wahrheit hinter der Erschaffung des Alls zu enträtseln und zu verhüllen vermag... der immer im Namen seines Schöpfers handelt... von Ihm Hilfe erbittet... und Erfolg erwartet... von Ihm Hilfe empfängt und dem von Ihm der Erfolg gegeben wird. Das ist jene Persönlichkeit, die Mohammed-i Qurayschi (ASM) genannt wird.
Da sagte (unser Reisender) zu seinem Verstand:
"Da also nun diese oben erwähnten neun Tatsachen die Aufrichtigkeit dieser Persönlichkeit bestätigen, gereicht dieser Mann den Söhnen Adams zum Ruhm und aller Welt zur Ehre. Er verdient völlig zu Recht, der Würdenträger der Welt und der Stolz der Söhne Adams genannt zu werden. Die Ausdehnung des königlichen Einflussbereiches des Geistes der Verkündigung des Wunders, das der Qur'an ist, über die halbe Erde, ein Erlass des Allbarmherzigen, den er in der Hand hält, seine eigene Vollkommenheit und seine ihm angeborenen überragenden Eigenschaften bezeigen, dass er in dieser Welt die bedeutendste Persönlichkeit ist. Das bedeutendste Wort über unseren Schöpfer ist sein."
Nun also komm und sieh:
Das, was allen seinen Absichten zu Grunde liegt und Ziel seines ganzen Lebens war, beruht auf der Kraft von hunderten allgemein bekannter, unleugbarer Wunder dieser außerordentlichen Persönlichkeit sowie tausender Tatsachen von fundamentaler Bedeutung in seinem Glauben, nämlich: ein Zeuge zu sein und das lebendige Beweisstück für jenes Sein, welches zwangsläufig allem Sein zu Grunde liegt, die Einheit, Attribute und Namen Gottes, und dieses Sein hinter allem Sein zu beweisen, zu erklären und zu verkündigen. Da heißt es also, dass diese Persönlichkeit, welche Habibullah (= der Geliebte Gottes) genannt wird, die geistige Sonne des Alls und das strahlendste Zeugnis über unseren Schöpfer ist.
Es gibt drei bedeutende Personengruppen,
deren Konsensus nicht irrt und die nicht getäuscht werden können. Seine Zeugenschaft bestärken, bestätigen und unterstreichen sie.
Erstens:
"Würde der Schleier des Verborgenen hinweggezogen, meine Sicherheit würde sich nicht erhöhen", sagte Imam Ali (möge er Allahs Wohlgefallen finden). Ghauthu-l-A'zam (Abdul Qadir Geylani, Allah heilige ihm sein Geheimnis!), sah von der Erde aus den Höchsten Thron und die überragende Gestalt des Erzengels Israfil.
{Erzengel, der am Jüngsten Tag die Posaune blasen wird. (A.d.Ü.)}
Ihr Zeugnis und das Zeugnis tausender Aqtab (= Personen, die den Mittelpunkt eines geistigen Zentrums bilden) und gewaltiger Heiliger, begabt mit Scharfsicht und einem Blick, der in das Unsichtbare dringt, im Kreise jener erleuchtenden Gemeinschaft, die als Familie Mohammeds (ASM) berühmt geworden ist, bilden den ersten Konsens.
Zweitens:
Der Konsensus einer weltberühmten Gemeinschaft mit einem festen Glauben, der es ihr ermöglichte, ihr Leben, ihren Besitz, ihre Väter und ihre Stammesgemeinschaft aufzugeben, die Bundesgenossen des Propheten (ashab)genannt, welche sich inmitten eines nicht zivilisierten Volkes ohne sozialen Zusammenhalt, ohne höhere kulturelle oder politische Bildung, ohne jedes Schrifttum in einem dunklen Zeitalter zwischen den Propheten (fetret)befanden und in ganz kurzer Zeit Lehrer, Führer, Diplomaten und gerechte Richter über Völker und Staaten wurden, die in ihrem sozialen und politischen Leben bereits weit voran geschritten waren, sodass sie von Ost bis West die Bewunderung der ganzen Welt erlangten.
Drittens:
Der Konsensus tatsächlichen Wissens (ilmel yaqin)der gewaltigen Gemeinschaft (djemaat)zahlloser Forscher und Gelehrter mit profundem Wissen, die ihrer Gemeinschaft (= in der Umma des Propheten ASM)
herangebildet wurden. In jedem Jahrhundert fanden sich tausende von ihnen, waren in jeder Wissenschaft außerordentlich fortgeschritten und arbeiteten auf verschiedenen Gebieten.
Das heißt also, dass das Zeugnis, welches diese Persönlichkeit von der Einheit (Gottes = Vahdaniyet)bringt, nicht sein eigenes persönliches ist, sondern ein allgemeines, umfassendes und nicht zu erschütterndes. Sollten sich auch alle Teufel dagegen versammeln, sie könnten es nicht im geringsten von der Stelle rücken. So urteilte unser Reisender. Als eine kurze Anmerkung zu der Lektion, die der Gast in dieser Welt und Reisende durch das Leben auf seiner Reise, die er zusammen mit seinem Verstand in die "Glückliche Zeit" unternommen hatte, in der Schule der Erleuchtung empfing, wurde nun auf der "sechzehnten Stufe" des ersten Kapitels Folgendes gesagt:
لآَ اِلٰهَ إِلاَّ اللّٰهُ الْوَاجِبُ الْوُجُودِ الْوَاحِدُ الْاَحَدُ الَّذِى دَلَّ عَلَى وُجُوبِ وُجُودِهِ فِى وَحْدَتِهِ: فَخْرُ عَالَمٍ وَشَرَفُ نَوْعِ بَنِى اٰدَمَ، بِعَظَمَةِ سَلْطَنَةِ قُرْاٰنِهِ، وَحَشْمَةِ وُسْعَةِ دِينِهِ، وَكَثْرَةِ كَمَالاَتِهِ، وَعُلْوِيَّةِ اَخْلاَقِهِ، حَتّٰى بِتَصْدِيقِ أَعْدَآئِهِ وَكَذَا شَهِدَ وَبَرْهَنَ بِقُوَّةِ مِئَآتِ الْمُعْجِزَاتِ الظَّاهِرَاتِ الْبَاهِرَاتِ الْمُصَدَّقَةِ الْمُصَدِّقَةِ، وَبِقُوَّةِ اٰلاَفِ حَقَآئِقِ دِينِهِ السَّاطِعَةِ الْقَاطِعَةِ، بِاِجْمَاعِ اٰلِهِ ذَوِى الْاَنْوَارِ، وَبِاِتِّفَاقِ اَصْحَابِهِ ذَوِى الْاَبْصَارِ، وَبِتَوَافُقِ مُحَقِّقِى أُمَّتِهِ ذَوِى الْبَرَاهِينِ وَالْبَصَآئِرِ النَّوَّارَةِ
{"Es gibt keinen Gott (ilah) außer Gott (Allah), der da notwendiger Weise sein muss. Die Notwendigkeit Seiner Existenz in Seiner Allgegenwart beweist der Stolz der Welt und die Ehre der Söhne Adams durch die Größe des Herrschaftsbereichs (Sultanat) Seines Qur'an, die Majestät der Ausdehnung seiner Religion, durch die Vielzahl seiner vollkommenen Eigenschaften, die Erhabenheit seiner Gesittung, selbst noch in der Bestätigung seiner Feinde, und genau so bezeugt und beweist (der Prophet) durch die Kraft hunderter offensichtlicher, eindeutiger, bestätigter und bestätigender Wunder und in der Kraft Tausender glänzender, zuverlässiger Wahrheiten seines Glaubens, entsprechend dem Konsens aller Erleuchteten seiner Familie, im Einklang mit den kritisch betrachtenden Sahabis, entsprechend den Forschern (muhaqqiq) seiner Gemeinde (umma) und den scharfsichtigen, erleuchteten Beweisträgern."}
اَلْبَاقِى هُوَ الْبَاقِى
{"Der Beständige ist der, der bleibt und besteht."}
Said Nursi
Zwanzigster Brief
بِاسْمِهِ سُبْحَانَهُ ٭ وَاِنْ مِنْ شَىْءٍ اِلاَّ يُسَبِّحُ بِحَمْدِهِ ٭ بِسْمِ اللّٰهِ الرَّحْمٰنِ الرَّحِيمِ ٭ لآَ اِلٰهَ اِلاَّ اللّٰهُ وَحْدَهُ لاَ شَرِيكَ لَهُ لَهُ الْمُلْكُ وَلَهُ الْحَمْدُ يُحْيِى وَيُمِيتُ وَهُوَ حَىٌّ لاَ يَمُوتُ بِيَدِهِ الْخَيْرُ وَهُوَ عَلٰى كُلِّ شَىْءٍ قَدِيرٌ وَاِلَيْهِ الْمَصِيرُ
{"Im Namen dessen, der gepriesen sei! Und es gibt wahrlich kein Ding, das Ihn nicht in Dankbarkeit preist." "Im Namen Gottes, des Erbarmens, des Barmherzigen." "Es gibt keinen Gott (ilah) außer Gott (Allah). Er ist der Einzige, Er hat keinen Partner. Ihm ist das Reich und Ihm gebührt der Dank. Er gibt das Leben und den Tod. Er ist der Lebendige. Nicht stirbt Er. Alles Gute liegt in Seiner Hand und Er ist aller Dinge mächtig und bei Ihm ist unsere Bestimmung."}
Dieser Satz, dessen Wiederholung nach dem Morgen und Abendgebet sehr viel Segen (fauilet)bringt, der die Einheit Gottes (tauhid)ausdrückt, und der nach einer zuverlässigen Überlieferung (des Propheten; rivayeti sahiha)die höchste Stufe des Gewaltigen Namens Gottes (ism-i 'adham)in sich enthält, besteht aus elf Worten. In jedem seiner Worte liegt sowohl eine frohe Botschaft, als auch eine Stufe zur Einheit in Seiner Herrschaft (Tauhid-i Rububiyet),wie auch die Größe und die Vollkommenheit Seiner Einheit (kibriya-i Vahdet)in Seiner Allgegenwart (kemal-i vahdaniyet)um Seines gewaltigen Namens (ism-i 'adham)willen. Wir überlassen die Erklärung dieser großen und erhabenen Wahrheit anderen "Worten (Abhandlungen)" und wollen hier wegen eines Versprechens kurz zusammengefasst eine sinngemäße Wiedergabe des Inhaltes in zwei "Kapiteln" und einer "Einführung" geben.
Einführung
Wisse mit Sicherheit: Das höchste Ziel der Schöpfung und die erhabenste Frucht der Natur ist der Glaube an Gott. Die erhabenste Stufe der Humanität und der Menschheit höchster Rang (maqam)liegt in der Gotteserkenntnis (marifetullah),die aus dem Glauben an Gott erwächst. Überaus strahlende Glückseligkeit und süßeste Gnadengabe (ni'met)für Dschinnen und Menschen liegt in der Gottesliebe (muhabbetullah),die in der Gotteserkenntnis liegt. Die reinste Freude für die Seele (ruh)und ungetrübter Frohsinn für das Herz des Menschen liegt in dem Wohlgeschmack des Geistes (lezzet-i ruhaniye),der in der Gottesliebe liegt.
In der Tat liegt alle wahre Glückseligkeit, reine Freude, angenehmer und ungetrübter Genuss mit Sicherheit in der Gotteserkenntnis und der Gottesliebe. Eines kann ohne das andere nicht sein. Wer Gott den Gerechten kennt und liebt, empfängt ohne alle Grenzen Glückseligkeit, Gnadengeschenke, Licht und (die Erkenntnis) der Geheimnisse entsprechend seinen Fähigkeiten oder Taten. Wer Ihn nicht wirklich kennt und liebt, muss hingegen physisch wie psychisch Qualen, Leiden und Sorgen ohne alle Grenzen erfahren.
Ein Mensch in dieser (von Katastrophen) geschüttelten Welt, unter dem ratlosen Menschengeschlecht, der in diesem seinem fruchtlosen Leben, so herrenlos, schutzlos, schwach und besitzlos, zwar der König der ganzen Welt wäre, was könnte es ihm bringen? So kann denn, wenn ein Mensch unter diesem ratlosen Menschengeschlecht, in dieser (von Katastrophen) geschüttelten Welt seinen Herrn nicht fände, seinen Meister nicht kennte, jeder verstehen, in was für einem Zustand heilloser Verwirrung er sich dann befindet. Wenn er seinen Herrn erkannt, seinen Meister gefunden hat, so kann er jederzeit zu Seiner Barmherzigkeit Zuflucht nehmen und sich auf Seine Macht stützen. Dann verwandelt sich diese öde Welt für
ihn in einen Ausflugsort (zu dem er aus dem Paradies gekommen ist) und einen Marktplatz (an dem er seinen Handel für das Jenseits betreibt).
Erstes Kapitel
In jedem der Elf Wörter dieses Satzes, die das "Wort der Einheit (Tauhid)"formen, liegt eine frohe Botschaft. Und in jeder Botschaft liegt eine Genesung (shifa)und in jeder Genesung eine innere Freude (lezzet-i manevi).
Erstes Wort:
In dem Wort لآَ اِلٰهَ اِلاَّ اللّٰهُ {"Es gibt keinen Gott außer Allah!"}
"La ilaha illa'llah" liegt folgende frohe Botschaft: Die Menschenseele (ruh),die grenzenlos vielen Bedürfnissen verfallen und den Angriffen von grenzenlos vielen Feinden ausgesetzt ist, findet in diesem Wort den Punkt, von dem aus sie um Hilfe bitten kann, der ihr das Tor zur Schatzkammer der Barmherzigkeit öffnet, die all ihre Bedürfnisse zu decken vermag, und sie findet darin den Stützpunkt, der ihr ihren Angebeteten und Schöpfer, der der Herr über die absolute Macht ist, die ihr Sicherheit vor allem Übel ihrer Feinde gewährt, zu verstehen gibt und ihr bekannt macht. Es zeigt ihr ihren Herrn und verweist darauf, wer ihr König ist. Dieser Hinweis befreit das Herz von ihrer vollständigen Einsamkeit und die Seele (ruh)von zerstörender Trauer und verschafft ewige Freude und bleibenden Frohsinn.
Zweites Wort:
وَحْدَهُ
{"Er ist ein einziger."}
"Vahdahu", in diesem Wort liegt eine heilende, glückliche, frohe Botschaft. Es ist dies wie folgt: Die Menschenseele (ruh-u besher)
und das Menschenherz, die mit den meisten Arten im Kosmos verbunden sind und durch diese Verbundenheit bis zum Ersticken ins Elend und in Verwirrung geraten, finden in dem Wort وَحْدَهُ {"Er ist ein einziger."} "Vahdahu" eine Burg und ihre Rettung, so dass sie aus aller Verwirrung und allem Elend befreit werden. Das heißt: وَحْدَهُ {"Er ist ein einziger."}
"Vahdahu" sagt sinngemäß: Gott ist einer. Mach dir nicht solch vergebliche Mühe, indem du dich anderen Dingen (außer Gott) zuwendest. Verpflichte dich ihnen nicht zur Dankbarkeit, indem du sie anbettelst. Unterwirf dich ihnen nicht, indem du ihnen hinterher läufst. Zittere nicht vor ihnen in deiner Angst. Denn: Der König des Kosmos ist einer. Die Schlüssel aller Dinge liegen bei Ihm. Die Zügel aller Dinge liegen in Seiner Hand. Alles geschieht durch Seinen Befehl. Findest du Ihn, so hast du alles gefunden, was du wünschst und dich vor grenzenlos vielen Dankesschulden und Ängsten gerettet.
Drittes Wort:
لاٰشَرِيكَ لَهُ
{"Er hat keinen Partner."}
"La scharika lahu", das heißt: So wie Seine Gottheit und Seine Herrschaft keinen Teilhaber kennt, so kann es Gott nur in der Einzahl, nie in der Mehrzahl geben. Genauso braucht Er auch bei der Erschaffung (aller Dinge), der Versorgung (aller Lebewesen), und der Ausführung (all Seiner Pläne) keinen Teilhaber. Manchmal geschieht es, dass der König zwar nur einer ist, es in seiner Herrschaft
auch keine Teilhaberschaft gibt, die Beamten aber in der Ausführung (seiner Pläne) sich als seine Teilhaber zählen und verhindern, dass ein jeder (frei und ungehindert) vor ihn hin treten kann. Sie sagen: "Du musst auch bei uns vorsprechen!" Gott der Gerechte, der der König aller Ewigkeiten ist, der keinen Teilhaber in Seiner Herrschaft kennt, braucht auch bei der Ausübung Seiner Herrschaft keine Helfer und keine Teilhaber. Ohne Seinen Befehl und Seinen Willen, ohne Seine Macht und Seine Kraft kann kein Ding an keinem Ding etwas bewirken. Jeder kann sich unmittelbar an Ihn wenden. Da Er keinen Teilhaber und keine Helfer hat, wird dem Mann, der sich an Ihn wenden will, nicht gesagt: "Das ist verboten. Du darfst nicht vor Ihn hin treten." So bringt denn jedes Wort für die Menschenseele folgende frohe Botschaft:
Die Menschenseele (ruh-u besher),die den Glauben mit ihren Händen ergriffen hat, kann ohne Hindernis, ohne Einmischung, ohne Sperre, ohne Widerstand, in jeder Lage, für jeden Wunsch, in jeder Zeit, an jedem Platz, in die Audienz des majestätischen Schönen (Djemil-i Dhu l-Djelal),vollkommen Allmächtigen (Qadir-i Dhu l-Kemal),der alle Ewigkeiten und die Schatzkammern der Barmherzigkeit besitzt und Herr über die Schätze der Glückseligkeit ist, treten und ihre Bedürfnisse vortragen. Indem sie Seine Barmherzigkeit findet und sich auf Seine Macht stützt, kann sie vollkommene Freude und Frohsinn erlangen.
Viertes Wort:
لَهُ الْمُلْكُ
{"Sein ist das Reich."}
"Lahul'mulk", das heißt: Das ganze Reich ist Sein Eigentum. Du bist sowohl Sein Eigentum. Ihm gehört, was du hast und was du bist, die Arbeit, die du verrichtest und der Platz, an dem du arbeitest. So verkündet dieses Wort eine solche heilende Botschaft und sagt dir: Oh Mensch! Halte dich nicht selbst für dein Eigentum. Denn du kannst dich selbst nicht verwalten. Diese Bürde ist dir zu schwer.
Allein kannst du dich nicht schützen. Vor Unglücken kannst du dich nicht behüten und die elementaren Notwendigkeiten nicht herbeischaffen. Daher verfalle nicht unnötig in Sorge und quäle dich nicht! Das Reich gehört einem anderen. Jener Eigentümer ist sowohl allmächtig als auch barmherzig. Verlasse dich auf Seine Macht und bezweifele nicht seine Barmherzigkeit. Lass die Sorgen los und fühle dich wohl. Wirf die Mühsal von dir weg und finde zur Freude.
Darüber hinaus besagt es: Diese Welt, die du in deinem Inneren liebst und dich mit ihr verbunden fühlst, über deren desolaten Zustand du traurig bist und der du doch nicht helfen kannst, ist das Eigentum des barmherzigen Allmächtigen (Qadir-i Rahim).Vertraue (teslim)dieses Gut Seinem Eigentümer an. Überlass es Ihm! Ziehe nicht Anstrengung und Qual daraus, sondern Freude. Er ist sowohl der Weise als auch der Barmherzige. In Seinem Reiche verfügt Er nach Seinem Wohlgefallen, lenkt und leitet es, so wie Er es will. Im Moment des Schreckens sage wie Ibrahim Hakki "Wollen wir doch einmal sehen, was der Herr macht und wie schön Er es macht." Beobachte doch einmal vom Fenster aus und begib dich nicht hinein in die Dinge.
Fünftes Wort:
لَهُ الْحَمْدُ
{"Sein ist der Dank."}
"Lahul'Hamd", das heißt: Alles Lob, Preis und Dank gehört und gebührt Ihm. Also sind die Gnadengeschenke (ni'met)von Ihm und kommen aus Seiner Schatzkammer. Was aber die Schatzkammer betrifft, so ist sie immer vorhanden. Nun bringt dieses Wort eine frohe Kunde und sagt dir:
Oh Mensch! Gräme dich nicht, wenn Geschenke verfallen. Denn die Schatzkammer der Barmherzigkeit erschöpft sich nicht. Denke nicht an das Ende der Freude und klage nicht über dein Leid. Denn dieses Geschenk ist
die Frucht einer unendlichen Barmherzigkeit. Solange noch der Baum lebt, gibt es immer wieder eine neue Frucht an Stelle der vorangegangenen. Wenn du in deiner Freude über ein Gnadengeschenk in Dankbarkeit an deine Freude über diese Gunst Seiner Barmherzigkeit denkst, welche eine noch hundert Mal größere Freude mit sich bringt, kannst du deine Freude mit einem Mal noch hundertfach steigern. Wie das Geschenk eines Apfels, welches ein ruhmreicher König dir macht, dich die Freude Seiner königlichen Huld erleben lässt, die die Freude über den Geschmack eines Apfels hundert, ja tausend Mal übersteigt, so öffnet dir das Wort
لَهُ الْحَمْدُ
{"Sein ist der Dank."}
"Lahul'Hamd", das heißt mit Lob und Dank, d. h. indem du in der Gabe, in dem Geschenk die Schenkung verspürst, in ihr seinen Geber erkennst, und an die Gunst Seiner Barmherzigkeit denkst, d.h. an die Zuwendung Seiner Liebe und an die Fortdauer Seiner Schenkung, das Tor zu einer inneren Freude, die die Freude über das Geschenk tausendfach übersteigt.
Sechstes Wort:
يُحْيِى
{"Er belebt."}
"Yuhyi", das heißt: Derjenige der das Leben gibt, ist Er. Derjenige, der das Leben durch Versorgung fortsetzt, ist auch Er. Derjenige, der die Bedingungen für das Leben gewährleistet, ist wiederum Er. Die hohen Ziele des Lebens gehören Ihm und die bedeutenden Ergebnisse sind auf Ihn hin ausgerichtet. Neunundneunzig Prozent seiner Frucht gehören Ihm. Also ruft jenes Wort dem vergänglichen und schwachen Menschen, von weitem folgendermaßen zu, bringt ihm die frohe Botschaft und sagt:
Oh Mensch! Mühe und plage dich nicht, die schwere Last des Lebens auf deine Schultern zu nehmen! Verfalle nicht in Trübsal, wenn du an das Vergehen des Lebens denkst. Bereue nicht, dass du in die Welt gekommen bist, wenn du nur ihre irdischen und unbedeutenden Früchte siehst. Vielmehr gehört die Lebensmaschine in dem Schiff, das dein Körper ist, dem Aus-sich-selbst-bestehenden und Lebendigen (Hayy-u Qayyum).Er deckt alle Ausgaben und sorgt für alles Lebensnotwendige. Dieses Leben kennt sehr viele Zielsetzungen und (ebenso viele) Ergebnisse und Sein sind sie alle. Du bist nur ein Steuermann auf diesem Schiff. Versieh deine Aufgabe gut, dann nimm deinen Lohn und danach ruh dich aus! Denke daran, wie kostbar dieses Lebensschiff ist, welch schönen Nutzen es bringt, wie gastfreundlich und barmherzig der Herr ist, der der Eigentümer dieses Schiffes ist, freue dich, danke und verstehe, dass alle Ergebnisse, die dieses Schiff erbringt, in gewisser Weise in das Buch deiner Taten eingetragen werden und dir das Leben geben und sichern, das dir für die Ewigkeit bleibt und dauert, wenn du deine Aufgabe aufrichtig erfüllst.
Siebentes Wort:
وَيُمِيتُ
{"Und Er gibt den Tod."}
"Wa yumit", das heißt: Derjenige, der den Tod gibt, ist Er, d.h.: Er entbindet dich von der Aufgabe deines Lebens, tauscht deinen Platz in dieser vergänglichen Welt und befreit dich von den Anstrengungen deines Dienstes. Das heißt: Er versetzt dich aus dem vergänglichen Leben ins ewig bleibende Leben. Dieses Wort ruft den Menschen und Dschinnen mit lauter Stimme zu und sagt:
Gute Nachricht für Euch! Der Tod ist keine Hinrichtung, er ist nicht das Nichts, kein Verwehen und Vergehen, kein Ende, keine ewige Trennung, keine völlige Leere, kein Zufall, kein Abbruch ohne einen, der wieder aufbaut, im
Gegenteil: er ist eine Entlassung durch einen allweisen und allbarmherzigen Schaffer (fa'il),ein Platzwechsel. Er ist ein Transport zur ewigen Glückseligkeit, zu Eurer eigentlichen Heimat. Er ist ein Tor, (hinter dem die Menschen) zusammenkommen, um (hinüber zugehen) in die Welt des Zwischenreiches (Berzah),ein Versammlungsort für Neunundneunzig Prozent Eurer Freunde.
Achtes Wort:
وَهُوَ حَىٌّ لاَ يَمُوتُ
{"Und Er ist der Lebendige, der nicht stirbt."}
"Wa huva hayyulla yamut", das heißt: Der unvergängliche Angebetete (Ma'budu Lamyesal),der immerwährende Geliebte (Mahbubu Layesal),der Schönheit (Djemal),Vollkommenheit (Kemal)und Güte (ihsan)besitzt, die unendlich hoch über aller Vollkommenheit, Schönheit und Güte steht, die in allem Sein der ganzen Schöpfung sichtbar wird und Anlass zur Liebe ist. Ein einziger Funke Seiner Schönheit ist genug für alle Geliebten. Sein immerwährendes Leben reicht von Ewigkeit zu Ewigkeit. Es ist rein von allem Unrat des Zerfalls und der Vergänglichkeit, ungetrübt von allen Störungen, verursacht durch Fehler und Mängel. So macht also dieses Wort allen Menschen und Dschinnen, allen, die über ein Bewusstsein verfügen, und allen (Gott)liebenden bekannt:
Gute Nachricht für Euch! Ihr habt einen Geliebten, der euch ewig bleibt, der die Wunden der grenzenlos vielen Trennungen von euren Geliebten heilt und mit Salbe bestreicht. Weil es Ihn aber gibt und da Er für ewig bleibt, soll euch kein Kummer quälen, was immer auch geschehen mag. Vielmehr sind die Schönheit und die Güte, die edlen Vorzüge und die Vollkommenheit, die der Grund eurer Liebe zu euren Geliebten ist, nur der Schatten eines überaus schwachen Schattens des Abglanzes ewiger Schönheit, der die vielen Schleier des Geliebten durchdringt, der für ewig bleibt. Ihr Untergang soll euch nicht
verletzen. Denn sie sind eine Art Spiegel. Der Wechsel dieser Spiegel erneuert und verschönert die prachtvolle Erscheinung Seiner Schönheit. Ist Er aber da, so ist alles da.
Neuntes Wort:
بِيَدِهِ الْخَيْرُ
{"In Seiner Hand ist das Gute."}
"Biyedihil'khayr", das heißt: Alle Wohltaten liegen in Seiner Hand. Alles, was ihr Gutes tut, wird auf Seinem Konto gebucht. Alle guten Taten, die ihr verrichtet, werden bei Ihm registriert. Dieses Wort ruft also den Menschen und Dschinnen zu und verkündet ihnen frohe Botschaft. Es sagt:
Oh ihr Hilflosen! Wenn ihr auf den Friedhof umzieht, sollt ihr nicht verzweifeln und wehklagen: "Oh weh! Unser Besitz wurde zerstört, und unsere Arbeit wurde zunichte. Wir sind aus dieser schönen und weiten Welt heraus und in jene enge Erde hineingekommen." Denn alles was euch gehört, wird für euch aufbewahrt. Alle eure Taten wurden aufgezeichnet. Alle eure Dienste wurden eingetragen. Der majestätische Herr (Dhat-i Dhu l-Djelal),der eure Dienste belohnen wird und in dessen Hand alles Gute liegt und der alle Wohltaten hervorzubringen weiß, nimmt Euch hinweg und lässt euch vorübergehend unter der Erde verweilen. Dann lässt er euch in Seine Audienz bringen. Welch ein Glück für euch, dass ihr eure Dienste und eure Aufgaben zu Ende gebracht habt. Eure Mühe ist zu Ende und ihr geht in Seine Ruhe und Barmherzigkeit ein. Dienst und Anstrengung sind beendet und ihr geht, euren Lohn zu empfangen. Mit Sicherheit wird der majestätische Allmächtige (Qadir-i Dhu l-Djelal),der die Samenkerne und Körner aufbewahrt, die die Seiten des Buches der Taten des vergangenen Frühlings und die kleinen Speicher seiner Dienste sind, und in dem kommenden Frühling überaus prachtvoll, ja hundertfach ertragreicher als den ursprünglichen
Kern wieder aufkeimen lässt und ausbreitet, auch die Ergebnisse eures Lebens genauso aufbewahren und eure Dienste in Überfülle belohnen.
Zehntes Wort:
وَهُوَ عَلٰى كُلِّ شَىْءٍ قَدِيرٌ
{"Und Er ist aller Dinge mächtig."}
"Wa huva ala kulli shay'in Qadir", das heißt: Er ist der Eine in Seinem Herrschaftsbereich und in Seinem Wesen. Er ist aller Dinge mächtig. Nichts fällt Ihm schwer. Die Erschaffung eines Frühlings ist Ihm so leicht wie die Erschaffung einer Blume. Die Erschaffung des Paradieses ist Ihm so leicht wie die Erschaffung eines Frühlings. Die grenzenlos vielen Kunstwerke die Er an jedem Tag, in jedem Jahr und in jedem Jahrhundert von Grund auf neu erschafft, bezeugen mit unendlich vielen Zungen Seine unendliche Macht. Auch dieses Wort bringt eine gute Nachricht. Es sagt:
Oh Mensch! Die Dienste, die du versiehst, und die Anbetung Gottes, die du verrichtest, ist nicht vergeblich. Ein Ort der Belohnung, ein Land der Glückseligkeit sind für dich bereitgestellt. Anstelle dieser deiner vergänglichen Welt erwartet dich ein ewig bleibendes Paradies. Glaube an das Versprechen des majestätischen Schöpfers, den du anbetest, und den du erkennst, und verlass dich darauf. Es ist Ihm unmöglich, Seinem Versprechen entgegengesetzt zu handeln. Seine Macht kennt in keiner Hinsicht irgend eine Unvollkommenheit. In Seiner Tätigkeit kann eine Schwäche nicht aufkommen. Wie Er deinen Garten erschafft, so vermag Er auch das Paradies für dich zu erschaffen und hat es sogar erschaffen und es dir versprochen. Da Er es dir versprochen hat, wird Er dich auf jeden Fall auch dahin bringen.
Nun aber ist es ganz offensichtlich, dass in jedem Jahr mehr als dreihunderttausend Arten und Völker unter den
Tieren und Pflanzen auf der Erde in vollkommener Ordnung und Wohlausgewogenheit, in höchster Geschwindigkeit und mit vollendeter Leichtigkeit wieder versammelt und verbreitet werden. Mit Sicherheit ist einer, der in Seiner Majestät so allmächtig (Qadir-i Dhu l-Djelal)ist (dies alles zu bewirken), auch dazu in der Lage, Sein Versprechen einzulösen. Da also nun ein so absolut Allmächtiger (Qadir-i mutlaq)in jedem Jahr tausenderlei Musterbeispiele der Wiederversammlung und des Paradieses erschafft, und da Er nun einmal durch alle Seine vom Himmel herab gesandten Erlasse die ewige Glückseligkeit verspricht und das Paradies verkündet, und da alle Seine Ausführungen und Handlungen nun einmal wahr und wirklich, aufrichtig gemeint und ernst zu nehmen sind, und da alle Vollkommenheit (soweit wir sie wahrnehmen können) nun einmal durch das Zeugnis Seiner Werke auf Seine unendliche Vollkommenheit (jenseits unseres Fassungsvermögens) hinweisen und für sie Zeugnis ablegen und es bei Ihm keinerlei Fehler und Mängel gibt, und da als hässlichste Eigenschaften, als Fehler und Mängel gelten, nicht zu seinem Wort zu stehen, es zu brechen, zu lügen und zu täuschen, wird dieser Allmächtige in Seiner Majestät (Qadir-i Dhu l-Djelal),der Allweise in Seiner Vollkommenheit (Hakiem-i Dhu l-Kemal),der Allbarmherzige in Seiner Schönheit (Rahim-i Dhu l-Djemal)mit Sicherheit und in jedem Fall Sein Versprechen einlösen, die Pforte zur ewigen Glückseligkeit öffnen und euch, oh Ihr Leute des Glaubens, ins Paradies, in die ursprüngliche Heimat eures Vaters Adam führen.
Elftes Wort:
وَ اِلَيْهِ الْمَصِيرُ
{"Und zu Ihm ist unsere Bestimmung."}
"Wa ilaihil'masier", das heißt: Die Menschen, die für Geschäft und dienstlichen Auftrag mit wichtigen Aufgaben in diese Welt, an diesen Ort der Prüfung, gesandt werden, und ihr Geschäft abgeschlossen, ihren Auftrag erfüllt und ihren Dienst vollendet haben, werden wieder zu dem
majestätischen Schöpfer, der sie gesandt hat, zurückkehren und sich mit ihrem gastfreundlichen (keriem)Herrn begegnen. Das heißt: Sie verlassen diesen vergänglichen Ort und werden mit der Gegenwart Seiner Hoheit (Kibriya)an dem ewig bleibenden Ort beehrt. Das heißt: Sie befreien sich von dem Gewirr aus (bewirkenden) Ursachen und von dem verfinsternden Schleier aus (bewirkenden) Mitteln und werden sich mit dem allbarmherzigen Herrn (Rabb-i Rahim)am Sitz Seines ewigen Königreiches ohne alle verschleiernde (Mittel und Ursachen) treffen. Jeder wird unmittelbar (und ganz) persönlich den kennen lernen, der sein Schöpfer, Angebeteter, Versorger, Herr und Besitzer ist, und Ihn finden. Nun bringt dieses Wort eine solch frohe Botschaft, wie sie über jeglichen frohen Botschaft steht. Und sie besagt:
Oh Mensch! Weißt du eigentlich, wohin du gehst? Und wohin du geführt wirst? Du gehst in das Land der Barmherzigkeit und in die Gegenwart des majestätischen Schönen (Djemil-i Dhu l-Djelal),dessen Schönheit eine Stunde zu schauen nicht einmal einem tausendjährigen Leben im Paradies gleichkommt, wo eine einzige Stunde im Paradies zu leben aber nicht einmal einem glücklichen Leben von tausend Jahren auf Erden gleichwertig ist, wie bereits am Schluss des Zweiunddreißigsten Wortes gesagt wurde. Was die Schönheit und Vollkommenheit allen Seins auf Erden und derer, in die ihr verliebt und denen ihr verfallen seid, und nach denen ihr sehnsüchtig verlangt, betrifft, so sind sie eine Art Schatten der Erscheinung Seiner Schönheit und kommen von der Vollkommenheit Seiner Namen. Das ganze Paradies ist mit all seinen Feinheiten eine Erscheinung Seiner Barmherzigkeit. Was all die Arten von Liebe und Begeisterung, Zuneigung (des Schülers) und Anziehungskraft (des Lehrers) betrifft, so sind sie ein Funke Seiner Liebe. Ihr geht zu dem immerwährenden Angebeteten, dem für ewig Geliebten in das Land Seiner Gegenwart. Und ihr werdet eingeladen in das Paradies, wo Sein ewiges Gastmahl ist. Daher sollt ihr durch
das Tor des Grabes nicht weinend gehen, sondern in Heiterkeit. Außerdem bringt dieses Wort folgende frohe Botschaft. Es besagt:
Oh ihr Menschen! Ihr sollt euch nicht vorstellen und nicht denken, dass ihr in die Vergänglichkeit, in das Nichts, in die Verlorenheit, in die Finsternis, in die Vergessenheit, in die Verwesung, in die Auflösung, geht, oder in der Vielfalt (der Ursachen) ertrinken werdet! Ihr geht nicht in die Vergänglichkeit (fena),sondern in die Beständigkeit (beqa),werdet nicht in das Nichts, das Fernesein, sondern in die immerwährende Anwesenheit geführt werden, tretet nicht in die Finsternis, sondern in die Welt des Lichtes ein. Ihr seid auf dem Weg zu eurem wahren Besitzer und Eigentümer und kehrt zur Residenz des ewigen Königs zurück. Ihr werdet nicht in der Vielfalt ertrinken, sondern im Lande der Einheit des Allgegenwärtigen wieder aufatmen dürfen. Ihr seid nicht auf Trennung, sondern auf eine Zusammenkunft hin angelegt.
*-*-*
Zweites Kapitel
Aus dem Blickwinkel des Großen Namens (ism-i 'adham), ein kurz zusammengefasster Hinweis auf den Beweis der göttlichen Einheit (Tauhid).
Erstes Wort:
لآَ اِلٰهَ اِلاَّ اللّٰهُ
{"Es gibt keine Gottheit außer Gott"}
In diesem Wort liegt (eine Bestätigung) der göttlichen Einheit (tauhid-i uluhiyet)und Seiner Anbetung (mabubiyet).Wir möchten hier auf einen besonders mächtigen Beweis für diese Stufe folgendermaßen hinweisen:
Auf dem Antlitz des Alls, besonders aber auf der Blattseite
unserer Erde wird eine ganz besondere Ordnung sichtbar. Und wir beobachten auch eine Schöpfertätigkeit von besonderer Weisheit. Und wir erkennen auch mit augenscheinlicher Gewissheit eine sehr sorgfältige Entfaltung, d.h. eine jedem einzelnen Ding entsprechende Öffnung und Formgebung. Und ferner beobachten wir (Handlungen) eines besonders liebevollen (shefqat),großzügigen (kerem)und erbarmungsvollen (rahmet)Gebens (Vahhab)und Schenkens (ihsan).Weil dies aber so ist, so beweist diese Sachlage, diese Gegebenheit, das geradezu zwangsläufige Vorhandensein und die Gegenwart (Vahdet)der Aktivität, der schöpferischen (Khallaq),eröffnenden (Fattah)und schenkenden (Vahhab)Tätigkeit des majestätischen Herrn (Dhat-i Dhu l-Djelal),ja lässt diese geradezu verspüren. In der Tat zeigt der beständige Verfall und die Erneuerung in allem Sein, dass in allem Sein die Manifestationen der Heiligen Namen eines allgewaltigen Künstlers (Sani-i Qadir),die Schatten des Lichtes Seiner Namen sichtbar werden, die Spuren Seiner Taten, die Schmuckstücke und die Seiten, beschrieben mit der Feder göttlichen Vorauswissens und Seiner Macht, und die Spiegel aller Schönheit (Djemal)und Vollkommenheit (Kemal).
Gerade so wie der Herr des Alls diese gewaltige Wahrheit und die überwältigende Stufe Seiner Einheit mit allen offenbarten Heiligen Büchern und Schriften unter Beweis stellt, so zeigen auch alle Kenner der Wahrheit und Vollendeten der Menschheit durch ihre Forschungen und Entdeckungen die gleiche Stufe der Einheit. Auch das Universum verweist durch das unablässige Zeugnis der Wunder seiner Kunst, der Wunder seiner Macht, all der Schätze des Reichtums, die es ausstellt trotz aller Schwäche und Armseligkeit auf diese gleiche Stufe. Das aber heißt, dass die Heiligen Bücher und Schriften des Zeugen von Urzeit, die Forschungen und Entdeckungen der Gemeinschaft der Zeugen, der ordentliche Zustand, all die Funktionen voll Weisheit und Zweckmäßigkeit in dieser Welt, die wir bezeugen, in der Übereinstimmung,
was diese Stufe der Einheit betrifft, und in deren Bestätigung vereinigt sind.
So müssen denn diejenigen, die den Einen und Allgegenwärtigen (Vahid-i Ahad)nicht anerkennen, entweder unendlich viele Götter anerkennen, oder aber, so wie die törichten Sophisten sowohl ihre eigene Existenz als auch die des ganzen Universums bestreiten.
Zweites Wort:
وَحْدَهُ
{"Er ist der Eine"}
Dieses Wort zeigt uns eine deutlich erkennbare Stufe der Einheit. Dabei weisen wir auf ein besonders kraftvolles Zeugnis hin, das diese Stufe auf eine machtvolle Weise darlegt:
Wenn wir unsere Augen öffnen, das Universum unsere Blicke an sein Antlitz fesselt, so ist das erste, worauf sich unsere Augen richten, eine universelle und vollkommene Ordnung und wir erblicken ein allumfassendes, empfindliches Gleichgewicht. Alles befindet sich in einer präzisen Ordnung, einem empfindlichen Gleichgewicht und Maß.
Schauen wir dann noch ein wenig genauer hin, so fällt uns immer wieder aufs neue eine Ordnung und Ausgewogenheit ins Auge. Das heißt, jemand verändert diese Ordnung mit Sorgfalt und erneuert dieses Gleichmaß in Ausgewogenheit. Jedes Ding ist ein Modell und in einer sehr großen Anzahl wohlgeordneter und ausgewogener Formen gestaltet.
Wenn wir jetzt noch ein wenig aufmerksamer hinschauen, so wird hinter dieser Ordnung und Ausgewogenheit eine Weisheit und Gerechtigkeit sichtbar. Mit jeder Bewegung wird eine Weisheit, ein Zweck verfolgt... eine Wahrheit, ein Nutzen folgt daraus.
Schauen wir noch ein wenig aufmerksamer hin, so fällt uns die Offenlegung einer Macht innerhalb einer außerordentlich weisen Aktivität ins Auge, die Manifestation eines
allumfassenden Wissens, das alle Dinge zugleich mit ihren Attributen einschließt.
Das heißt, diese Ordnung und Ausgewogenheit, die in allen Dingen sind, zeigen uns klar eine universelle Ordnung und Ausgewogenheit; und diese Ordnung und Ausgewogenheit zeigen uns eine universelle Weisheit und Gerechtigkeit; und diese Weisheit und Gerechtigkeit zeigen uns ihrerseits wieder eine Macht und eine Kenntnis. Das heißt, einer, der aller Dinge mächtig ist und alle Dinge kennt, wird hinter diesen Schleiern erkennbar.
Des Weiteren betrachten wir Anfang und Ende aller Dinge und erkennen, wie besonders in allem Lebendigen, Beginn, Ursprung und Wurzeln von solcher Art sind, als ob ihre Samen in Form einer Liste, eines Programms alle Anlagen der jeweiligen Art enthielten. Und wiederum sind ihre Früchte, ihre Produkte von der Art, dass die Bedeutung eines jeden lebenden Exemplars sich in ihnen gefiltert und konzentriert findet und die Geschichte ihres Lebens in ihnen bewahrt ist. Es ist, als ob ihre Samen eine Sammlung jener Grundprinzipien wären, nach denen sie erschaffen wurden. Was ihre Früchte, ihre Produkte betrifft, so gleichen sie einer Art Index, nach dem sie bei ihrer Erschaffung programmiert wurden. Wenn wir danach nun das Äußere und das Innere lebendiger Dinge betrachten, so wird ersichtlich, wie eine ganz besonders weise Macht, die Ordnung und Gestaltung eines ganz besonders wirkungsvollen Willens am Werk sind, d.h. eine Kraft, eine Macht, die erschafft, ein Befehl, ein Wille, der Gestalt annimmt.
Wenn wir also auf diese Weise alles Sein mit Sorgfalt betrachten, so können wir bezeugen, dass ihr Anfang einem Konstruktionsplan entspricht, der vorbereitet wurde von einem, der über Kenntnis verfügt, und ihr Ende Plan und Ergebnis eines Meisters sind, dass ihr äußerlicher Aspekt mit Sorgfalt und in wunderschönen Proportionen gestaltet wurde von einem, der über Willens- und Entscheidungsfreiheit verfügt, und dass ihre innere
Gestaltung einer sehr gut entworfenen Maschine eines Allmächtigen (Qadir)gleicht.
So macht denn diese Situation, diese Gegebenheit notwendigerweise und ganz offensichtlich bekannt, dass es kein Ding, keine Zeit und keinen Ort geben kann, der sich außerhalb des Verfügungsbereichs des einen und einzigen Meisters in Seiner Majestät (Sani-i Dhu l-Djelal)befinden könnte. Jedes und alle Dinge mit all ihren Eigenschaften werden innerhalb des Verfügungsbereiches eines Allmächtigen und Allwollenden (Qadir-i Murid)verwaltet. Sie erhalten ihre Schönheit auf Anordnung und in der Gnade eines gnädigen Erbarmens (Rahman-i Rahim),werden bekleidet mit dem Schmuck eines liebenden Wohltäters (Hannan-i Mannan).In der Tat zeigt die Ordnung und Ausgewogenheit, die Sorgfalt und Ausgeglichenheit im Universum und in allem Sein jedem, der über Bewusstsein verfügt und Augen im Kopf hat, einen Herrn, der allgegenwärtig (Vahid),ein Einziger (Ahad),allmächtig (Qadir),allwollend (Murid),allwissend (Alim)und allweise (Hakiem)ist, auf der Stufe Seiner Einheit.
So ist zum Beispiel die Sonne, einzig als Leuchte unserer Erde. So ist denn einzig auch der Besitzer (Malik)unserer Welt. Zum Beispiel sind die Diener alles dessen, was auf unserer Erde lebt, Luft, Feuer und Wasser eins. So ist denn auch der einzig, der sie in Seinen Dienst genommen und uns dienstbar gemacht hat.
Drittes Wort:
لاَ شَرِيكَ لَهُ
{"Er hat keinen Partner"}
Da wir dieses Wort bereits im ersten Kapitel des 32. Wortes bereits in sehr nachdrücklicher und prächtiger Weise bewiesen haben, (begnügen wir uns hier mit) einem Hinweis darauf. Eine Erklärung, die noch darüber hinausginge, gibt es nicht. Eine noch darüber hinausgehende Erklärung gibt es nicht und würde auch zu nichts weiter führen.
Viertes Wort:
لَهُ الْمُلْكُ
{"Sein ist das Reich."}
Das heißt, das alles Sein vom (Antlitz) der Erde bis zum Thron (des Himmels), von einem Stäubchen bis zu den Plejaden, von Ewigkeit zu Ewigkeit, der Himmel und die Erde, Diesseits und Jenseits Sein Herrschaftsbereich sind. Sein ist die höchste Stufe Seiner Herrschaft, so wie sie in Form einer allgewaltigen Einheit (zum Ausdruck kommt). Das Große Zeugnis dieser höchsten Stufe Seiner Herrschaft, des gewaltigen Ranges (maqam)Seiner Einheit wurde zu einer angenehmen Zeit und unter angenehmen Umständen meinem armseligen Geist in arabischer Form eingeprägt. Um dieser angenehmen Erinnerung willen wollen wir hier zunächst den arabischen Text niederschreiben und danach dann eine Auslegung anfügen.
لَهُ الْمُلْكُ لِاَنَّ ذَاكَ الْعَالَمَ الْكَبِيرَ كَهٰذَا الْعَالَمِ الصَّغِيرِ. مَصْنُوعُ قُدْرَتِهِ مَكْتوُبُ قَدَرِهِ. اِبْدَاعُهُ لِذَاكَ صَيَّرَهُ مَسْجِدًا. اِيجَادُهُ لِهٰذَا صَيَّرَهُ سَاجِدًا. اِنْشَآؤُهُ لِذَاكَ صَيَّرَ ذَاكَ مِلْكًا. اِيجَادُهُ لِهٰذَا صَيَّرَهُ مَمْلُوكًا. صَنْعَتُهُ فِى ذَاكَ تَظَاهَرَتْ كِتَابًا. صِبْغَتُهُ فِى هٰذَا تَزَاهَرَتْ خِطَابًا. قُدْرَتُهُ فِى ذَاكَ تُظْهِرُ حِشْمَتَهُ. رَحْمَتُهُ فِى هٰذَا تُنَظِّمُ نِعْمَتَهُ. حِشْمَتُهُ فِى ذَاكَ تَشْهَدُ هُوَ الْوَاحِدُ. نِعْمَتُهُ فِى هٰذَا تُعْلِنُ هُوَ الْاَحَدُ. سِكَّتُهُ فِى ذَاكَ فِى الْكُلِّ وَالْاَجْزَآءِ. خَاتَمُهُ فِى هٰذَا فِى الْجِسْمِ وَالْاَعْضَآءِ
{"Sein ist das Reich, weil der Makrokosmos dem Mikrokosmos gleicht. Was von Seiner Macht gestaltet wurde, drückt sich aus in Seinem Vorauswissen. In Seiner Erschaffung wird der Makrokosmos zu einem Ort der Anbetung, während Er den Mikrokosmos ins Dasein ruft und ihn so zu Seiner Anbetung zwingt. Während er den ersteren ins Dasein ruft, macht er ihn zu Seinem Besitztum. Während er letzteren ins Dasein ruft, macht er ihn sich zu Seinem Diener. Seine Kunst erscheint in ersterem als ein Buch, während er letzterem die Farbe gibt, die durch Sein Wort hindurchschimmert. Seine Macht offenbart in ersterem Seine Majestät, während Sein Erbarmen in letzterem Seine Gnade (ni'met) errichtet. Seine Majestät bezeugt durch ersteren, dass Er ein Einziger (in seiner Allgegenwart = Vahid) ist; und so verkündet Seine Gnade auch in letzterem, dass Er ein Einziger (in seiner Person = Ahad) ist. Sein Stempelaufdruck findet sich auf allen Dingen des ersteren, den großen wie den kleinen und Sein Siegel auf dem Körper des letzteren und seinen Gliedern."}
Erster Abschnitt:
ذاَكَ الْعَالَمَ الْكَبِيرَ... الخ
{"Sein ist das Reich, weil der Makrokosmos dem Mikrokosmos gleicht. Was von Seiner Macht gestaltet wurde, drückt sich aus in Seinem Vorauswissen."}
Das heißt, dieser Kosmos, sowie wir unsere Welt im Großen nennen, und der Mensch, als dessen verkleinertes Musterbeispiel wir den Mikrokosmos bezeichnen, zeigen uns die Beweise göttlicher Allgegenwart (Vahdaniyet)innerhalb und außerhalb der menschlichen Seele (nefs),so wie sie uns von der Feder der göttlichen Allmacht und Seines Vorauswissens aufgezeichnet wurden.
So finden wir in der Tat im Menschen in verkleinertem Maßstab wohlgeordnet die Kunst des ganzen Weltalls. Und so wie die Kunst, die wir im großen und weiten Bereich vorfinden, die Allgegenwart des Meisters (Sani-i Vahid)bezeugt, so zeigt auch im Menschen eine Kunst, wenn auch im mikroskopisch kleinen Maßstab, wiederum die Allgegenwart Seines göttlichen Künstlers. Ja, mehr als das: so wie dieser Mensch ein besonders bedeutungsvoller Brief des Herrn ist, eine schön gesetzte Kasside göttlichen Vorherwissens, so ist auch das Universum eine ebenso wohlgesetzte Kasside göttlichen Vorherwissens, geschrieben mit dem gleichen Stift göttlichen Vorherwissens, nur in einem größeren Maßstab.
Ja, wäre es denn überhaupt möglich, dass irgendetwas anderes, es sei denn der Einzigartige in Seiner Allgegenwart,
seine Hand im Spiel gehabt haben könnte, als Er diesen Stempel Seiner Allgegenwart dem Gesicht aufprägte, das trotz all seiner zahllosen Unterscheidungsmerkmale dem aller Menschen gleicht, als Er das Siegel Seiner Allgegenwart dem Universum verlieh und so bewirkt hat, dass alles Sein Schulter an Schulter, Hand in Hand, Kopf an Kopf zu stehen kommt.
Zweiter Abschnitt:
اِبْدَاعُهُ لِذَاكَ... الخ
{"In Seiner Erschaffung wird der Makrokosmos zu einem Ort der Anbetung, während Er den Mikrokosmos ins Dasein ruft und ihn so zu Seiner Anbetung zwingt."}
Das heißt sinngemäß: Der Allweise Künstler (Sani-i Hakiem)hat den Makrokosmos in so einzigartiger Weise zu einer Stätte der Anbetung erschaffen und das Große Zeichen (ayat-i kibriya)über ihm eingestickt, dass Er die Gestalt des Alls zu einer Großen Moschee umwandelte, und Er hat auch den Menschen in der Weise ins Dasein gerufen und ihm Verstand verliehen, dass er sich vor Seinen wunderbaren Werken und Seiner einzigartigen Macht anbetend und bewundernd beugt, lässt ihn dieses Große Zeichen lesen, seine Hände im Gebet verschränken und ihn seiner Natur (fitrat)entsprechend als ein in Anbetung versunkener Diener niederfallen. Ja, wäre es denn überhaupt möglich, dass derjenige, vor dem sich alle in dieser Großen Moschee in Anbetung verneigen und in Wahrhaftigkeit niederwerfen, ein anderer sein könnte als dieser Meister in der Einzigartigkeit Seiner Allgegenwart (Sani-i Vahid-i Ahad)?
Dritter Abschnitt:
اِنْشَآؤُهُ لِذاَكَ...الخ
{"Während er den ersteren ins Dasein ruft, macht er ihn zu Seinem Besitztum. Während er letzteren ins Dasein ruft, macht er ihn sich zu Seinem Diener."}
Das heißt sinngemäß: Dieser König des Königreichs in all Seiner Majestät (Malik-ul Mulk-i Dhu l-Djelal)hat den ganzen Makrokosmos und besonders das Antlitz der Erde in einer Weise geformt und gestaltet, dass er zahllose konzentrische Kreise bildet, deren jeder einen Acker darstellt, wo Er zu Seiner Zeit von Abschnitt zu Abschnitt, von Periode zu Periode, von Zeitalter zu Zeitalter (Sein Feld) bestellt, pflügt, sät und erntet. Fortwährend lässt Er auf Seinem Besitztum arbeiten und betreibt seine Verwaltung.
Die Welt der Atome, welche den größten Kreis bildet, hat Er sich zu Seinem Acker bestellt, wo Er ständig einen ganzen Kosmos an Ernte einbringt und auf dem Er in Seiner Macht und Weisheit pflügt, sät und erntet. Sodann hat Er das Antlitz der Erde als einen mittleren Kreis zu einem Acker gemacht, den er pflügt und bestellt und auf dem Er von Jahreszeit zu Jahreszeit Welten und Arten aussät und von dem Er sie wieder erntet. Auch die geistige Ernte schickt Er zu den verborgenen, jenseitigen, Traum (misal),Geist (manevi)und Beispielwelten.
Auch einen Garten, der einem noch kleineren Kreis angehört, füllt Er hundert Mal und tausend Mal durch Seine Kraft und leert ihn wieder in Seiner Weisheit. Und aus dem noch kleineren Kreis eines lebendigen Daseins, eines Baumes z.B. oder eines Menschen bringt Er eine hundert Mal vielfältigere Ernte hervor. Das also heißt, dass der König Seines Reiches in Seiner Majestät (Malik-ul Mulk-i Dhu l-Djelal)alle die großen und die kleinen, die individuellen und die universellen Dinge als Modell erschafft und sie dann in hundertfältiger Weise immer wieder neu mit Seinen kunstvoll verzierten Tuchen bekleidet und somit die Erscheinungen Seiner Namen und Wunderwerke Seiner Macht zur Schau stellt. Jedes einzelne Ding in Seinem Reich hat er wie eine Blattseite erschaffen und schreibt auf jeder dieser Seiten in hundertfältiger Weise bedeutungsvolle Briefe, stellt die Verse (Ayat)Seiner Weisheit aus und lässt sie von Seinen mit Bewusstsein begabten Wesen lesen.
Während Er sich also diese ganze große Welt zu
Seinem Eigentum erschuf, hat Er auch den Menschen in der Weise ins Dasein gerufen und ihm solche Anlagen und Fähigkeiten, Sinne und Gefühle und insbesondere eine solche Selbstsucht (nefs),Lust, Verlangen, Ansprüche und Begierden gegeben, dass er zu einem Diener in (Gottes) Riesenreich wurde, der nach diesem ganzen Reich verlangt.
Ja wäre es denn überhaupt möglich, dass neben diesem König des Reiches in Seiner Majestät, der diese so große Welt, angefangen von einem Stäubchen oder einer Fliege bis hin zu ihrem großen Ganzen zu Seinem Besitz und Eigentum und zu Seinem Acker gemacht hat, der diesen kleinen Menschen zum Verwalter Seines Großen Reiches, zu Seinem Aufsichtsbeamten, zu Seinem Landmann und Gärtner, zu Seinem Handelsvertreter, zu Seinem Herold, zu Seinem Diener und Anbeter, zu einem, der Sein ehrenwerter Gast und Gesprächspartner sein soll, noch irgendein anderer über sein Königreich verfügen, Herr Seiner Untertanen sein könnte?!
Vierter Abschnitt:
صَنْعَتُهُ فِى ذَاكَ... الخ
{"Seine Kunst erscheint in ersterem als ein Buch, während er letzterem die Farbe gibt, die durch Sein Wort hindurchschimmert."}
Dies bedeutet Folgendes: Die Kunst des Ruhmreichen Meisters (Sani-i Dhu l-Djelal)im Makrokosmos hat eine solche Fülle von Bedeutungen, dass diese Kunst, wollte man sie sich in Form eines Buches, das Weltall als ein riesiges Buch vorstellen, der menschliche Geist seine ganze Bibliothek aus dieser wahren Weisheit der Wissenschaft geschöpft und ihr entsprechend niedergeschrieben hätte. Und dieses Buch der Weisheit ist in solchem Maße der Wirklichkeit (haqiqat)verbunden und bedarf so sehr ihrer Hilfe, dass es in Form einer Kopie jenes Großen Klaren Buches, das der Allweise Qur'an ist, veröffentlicht worden ist.
Ja, mehr noch: so wie die Kunst im Universum die Form eines Buches angenommen hat, das ihr vollendetes Regelmaß in sich enthält, so hat auch ihre Färbung und der Schmuck ihrer Weisheit im Menschen, (diesem Kunstwerk), die Blume Seiner Zusprache geöffnet. Das heißt, dieses Kunstwerk, (der Mensch) ist von einer solchen Bedeutung, voll so viel Anmut und Schönheit, dass es die Bestandteile dieser lebendigen Maschine, als wäre sie ein Grammophon, zum sprechen bringt. Und weil es mit dem besten aller Geschöpfe (ahsen-i taqvim)eine so hochherrschaftliche Färbung (sibgha-i Rabbani)erhält, hat es auch die Blume des Ausdrucks und der Sprache, die geistig (manevi),unsichtbar und lebendig ist, in seinem (des Menschen) materiellen, leiblichen, (an und für sich) toten Kopf geöffnet. Und es hat die Fähigkeit, zu sprechen und sich auszudrücken, die im Kopf des Menschen angesiedelt ist, mit solch hochwertigen Anlagen und Organen ausgestattet, dass sie ihn dazu veranlasst hat, sich bis zu einer Stufe (maqam)hin zu entwickeln, dass er Gesprächspartner (muhatab)des urewigen Sultans wurde. Das heißt, die in der Natur (fitrat)des Menschen bereits vorhandene Farbe seines Herrn (sibghat-i Rabbani),öffnete ihm die Blume göttlicher Ansprache (hitab).
Ja, wäre es denn überhaupt möglich, dass irgendetwas anderes außer dem Einzig Allgegenwärtigen (Vahid-i Ahad)sich an der Kunstfertigkeit, die in allem, was da ist, als Buch (der Schöpfung) sichtbar wird, an der Farbe (sibghat;d.h. der Taufe Gottes), die den Menschen bis zur Stufe (maqam)eines Ansprechpartners (hitab)empor hebt, beteiligen könnte... Keineswegs!..
Fünfter Abschnitt:
قُدْرَتُهُ فِى ذَاكَ... الخ
{"Seine Macht offenbart in ersterem Seine Majestät, während Sein Erbarmen in letzterem Seine Gnade (ni'met) errichtet."}
Dies bedeutet Folgendes: Es ist die göttliche Macht im
Makrokosmos, welche die Majestät Seiner königlichen Herrschaft zeigt und die Barmherzigkeit des Herrn (rahmet-i Rabbani),die sie Seine Gnadengaben im Menschen verteilt, der wie ein Mikrokosmos ist. Denn die Macht des Meisters erschafft den Kosmos hinsichtlich Seiner Größe und Majestät (kibriya ve djelal)in Form eines fürstlichen Schlosses, indem die Sonne die große elektrische Flutlichtanlage und der Mond ein Leuchter ist, während sie die Sterne wie goldene Kerzen oder Glühbirnen einschaltet. Zugleich ist die Erde gedeckt wie ein Tisch, gleicht einem Feld, einem Garten, ist wie ein Kleid... Ihre Berge sind ein jeder wie ein Vorratsspeicher, ein Mast, eine Burg usw...
So wie Er einerseits die Majestät Seiner Herrschaft durch die reiche und großzügige Ausstattung dieses großen Schlosses in prächtiger Weise darstellt, so verleiht Er hinsichtlich Seiner Schönheit (Djemal)auch die verschiedenen Arten Seiner Gnadengaben allen beseelten Wesen bis hinunter zu den allerkleinsten und zeichnet sie auf diese Weise aus... Er schmückt sie ganz und gar mit Seinen Gnadengaben, stattet sie mit Wohlwollen und Seiner Großzügigkeit aus und bringt dem Glanz Seiner Majestät, als Seinem Großen Wort, die Schönheit Seiner Barmherzigkeit als vielen kleinen Worten entgegen.
Denn die Sonne und der Thron Gottes und andere gewaltige Gebilde sagen mit dem Ausdruck ihrer Majestät: "Oh Majestätischer (Djelil)!Oh Mächtiger (Kebir!)!Oh Gewaltiger (Adhim)!"während alle kleinen Tiere Wie Fliegen und Ziegen mit dem Ausdruck der Barmherzigkeit (rahmet)"Oh Schöner (Djemil)!Oh Erbarmer (Rahim)!Oh Gnadenreicher (Kerim)!"sagen und sich so mit süßem Klang und sanfter Stimme dem ganzen Großen Orchester anschließen.
Ja wäre es denn überhaupt möglich, dass ein anderer als der majestätische in Seiner Schönheit (Djelil-i Dhu l-Djemal)und der Schöne in Seiner Majestät (Djemil-i Dhu l-Djelal)nach seinem eigenen Kopf einen Anteil an der Erschaffung der großen und kleinen Welten gehabt haben könnten?... Gott behüte!...
Sechster Abschnitt:
حِشْمَتُهُ فِى ذَاكَ... الخ
{"Seine Majestät bezeugt durch ersteren, dass Er ein Einziger (in seiner Allgegenwart = Vahid) ist; und so verkündet Seine Gnade auch in letzterem, dass Er ein Einziger (in seiner Person = Ahad) ist."}
Dies bedeutet Folgendes: So wie der Glanz Seiner Herrschaft, der sich im ganzen Kosmos zeigt, die göttliche (Einheit in Seiner) Allgegenwart (Vahdaniyyet)zeigt und beweist, so zeigt und beweist auch die Gnade (ni'met)des Herrn, welche jedem einzelnen Geschöpf seine beständige Versorgung zukommen lässt, die göttliche Einheit (Ahadiyyet,in Seiner Person). Was Seine Allgegenwart (Vahidiyet)betrifft, so kann man sagen, dass alles Sein auf den Einen zurückzuführen ist, auf den Einen hin ausgerichtet ist und von diesem Einen erschaffen worden ist. Seine Einheit (Ahadiyet)hingegen besagt, dass die meisten Namen des Schöpfers aller Dinge in jedem Ding in Erscheinung treten. So können z.B. die Strahlen der Sonne, weil sie das gesamte Antlitz der Erde umfassen, als ein Beispiel für diese Allgegenwart aufgefasst werden, während das Licht, die Wärme und der siebenfarbige Strahlenkranz, der sich als ein Abglanz der Sonne in jedem glänzenden Ding, wie auch in einem jeden Wassertropfen findet, als ein Beispiel für Seine Einheit dient. Da nun in jedem Ding, besonders in allen lebenden (Geschöpfen) und ganz besonders in jedem Menschen die meisten Namen seines Meisters in Erscheinung treten, so zeigt sich hierin Seine Einheit.
So weist denn dieser Abschnitt darauf hin, dass der Glanz der Herrschaft, wie sie über das All verfügt und welche diese riesengroße Sonne zu einem Diener aller Lebewesen auf dem Globus, zu ihrer Lampe, ihrer Feuerstätte gemacht hat und diesen ganzen, großen Erdball zu ihrer Wiege, ihrer Wohnstätte, ihrem Marktplatz, das Feuer zu einem stets überall gegenwärtigen Freund und Koch, die Wolken zu einem Filter und einer Amme,
die Berge zu Lagerhäusern und Speicherhallen, die Luft zu einem Fächer und den Lebewesen, sie ein und auszuatmen, das Wasser, um denen, die neu in das Leben eingetreten sind, wie ein Kindermädchen zu sein, das ihnen die Milch gibt, gleich einem Getränkehändler, der den Tieren lebendiges Wasser reicht, in ganz offensichtlicher Weise auf die göttliche Allgegenwart (vahdaniyet-i ilahiye)verweist.
Wer also außer dem einen und einzigen Schöpfer könnte nun die Sonne zu einer gehorsamen Dienerin aller Erdenbewohner machen!? Und wer außer dem Einen und Allgegenwärtigen (Vahid-i Ahad)könnte den Wind in Seiner Hand halten, ihn mit so vielen Aufgaben betrauen und ihn zu einem pfeilgeschwind hin und herfliegenden Diener auf dem ganzen Globus machen?! Und wer außer dem Einen und Allgegenwärtigen könnte es wagen, das Feuer als Seinen Koch in Dienst zu nehmen, und ein Feuerchen von der Größe eines Streichholzköpfchens dazu veranlassen, Tausende Tonnen Güter zu verschlingen usw.!? Jedes einzelne Ding, jedes einzelne Element, jeder einzelne Himmelskörper verweist auf den Allgegenwärtigen (Vahid)in Seiner Majestät im Kleide des Ruhmes Seiner göttlichen Herrschaft.
So wie also denn im Hinblick auf Seine Größe (Djelal)und Majestät (hashmet)die göttliche Allgegenwart (Vahidiyet)offensichtlich wird, so verkündigen auch Seine Gnade (ni'met)und Seine Güte (ihsan)hinsichtlich Seiner Schönheit (Djemal)und Seines Erbarmens (rahmet)Seine göttliche Einheit (Ahadiyet).Und dies ist so, weil es bei Seiner alles umfassenden Kunst in den Lebewesen und insbesondere den Menschen Fähigkeiten und Möglichkeiten gibt, mit denen es so unendlich viele Formen von Gnadengaben zu verstehen, anzunehmen und zu erwünschen gilt, wie sie im ganzen Universum in all Seinen heiligen Namen manifestiert sind. Wie ein Brennspiegel stellt (der Mensch) alle Schönen Namen gleichzeitig wie in einem Spiegel seines eigenen Wesens dar und verkündigt so die göttliche Einheit.
Siebenter Abschnitt:
سِكَّتُهُ فِى ذَاكَ فِى الْكُلِّ وَالْاَجْزَآءِ. خَاتَمُهُ فِى هٰذَا فِى الْجِسْمِ وَالْاَعْضَآءِ
{"Sein Stempelaufdruck findet sich auf allen Dingen des ersteren, den großen wie den kleinen und Sein Siegel auf dem Körper des letzteren und seinen Gliedern."}
Dies bedeutet Folgendes: So wie der ruhmreiche Meister (Sani-i Dhu l-Djelal)der ganzen großen Welt Seinen Stempel aufgeprägt hat, so hat Er auch den Stempel Seiner Einheit (Vahdaniyet)jedem ihrer Teile und der verschiedenen Arten in ihr aufgeprägt. Und so wie auch im Mikrokosmos, welcher der Mensch ist, sein Körper und (besonders) sein Gesicht das Siegel Seiner Einheit (Vahdaniyet)trägt, so tragen auch alle Teile seines Körpers dieses Siegel Seiner Einheit (vahdet).
In der Tat hat der Allmächtige in Seiner Majestät (Qadir-i Dhu l-Djelal)einem jeden Ding, in seiner Ganzheit, wie auch in seinen einzelnen Teilen, jedem Stern und jedem Stäubchen, Sein jeweils eigenes Siegel der Einheit (vahdet)aufgeprägt, das für Ihn Zeugnis ablegt. Auf ein jedes von ihnen hat Er das Siegel Seiner Einheit gesetzt, das Ihn bezeugt. Da diese Große Wahrheit bereits im Zweiundzwanzigsten Wort, im Zweiunddreißigsten Wort und in den dreiunddreißig Fenstern des Dreiunddreißigsten Briefes erklärt und bewiesen wurde, wollen wir hier nur noch darauf verweisen, und so zum Schluss kommend, enden.
Fünftes Wort:
لَهُ الْحَمْدُ
{"Ihm gebührt aller Lobpreis."}
Das heißt: "Alle Vollkommenheit, die man überall im Sein vorfindet, ist Grund, Ihn zu loben und zu preisen." Da dies so ist, gebührt Ihm auch all unser Dank. Von Ewigkeit zu Ewigkeit gebührt Ihm aller Lobpreis, von wem auch immer er je gekommen sein mag und noch kommen oder an wen auch immer er sich richten wird. So wie in
der Tat die Verse im Qur'an darauf hinweisen, ist alles Sein, was sich auf ständige Weise zur Schwelle Gottes (dergah)empor richtet, Dienst, Anbetung (ubudiyet),Lobpreis (tesbih),Niederwerfung (sedjde),Bittgebet (dua)und Dankgebet (hamd).(Alle diese Gebete) richten sich ständig an der Schwelle zu Gott empor. Das nun Folgende ist eine zusammengefasste Beweisführung für eine Wahrheit, welche die Göttliche Einheit (Tauhid)bestätigt:
Wenn wir diese unsere Welt betrachten, so erscheint sie uns wie eine Parklandschaft, deren Gärten vom Goldglanz der erhabenen Sterne überkuppelt sind, während die Erde der Schmuck der Pflanzen und Tiere belebt. So sagen denn alle diese wohlgeordneten, lichtvollen, erhabenen Himmelskörper und die mit Weisheit und Schönheit geschmückten Pflanzen und Tiere hier unten alle gemeinsam und doch ein jedes in seiner eigenen Sprache: "Wir sind die Wunderwerke der Macht des majestätischen Allmächtigen (Qadir-i Dhu l-Djelal).Und wir bezeugen die Einheit (vahdet)des allweisen Schöpfers (Khaliq-i Hakiem)und allmächtigen Meisters (Sani-i Qadir)."
Dann betrachten wir in dieser Parklandschaft unseren Globus und sehen, dass er einen Garten bildet, in dem Hunderttausende Arten wohlgeschmückter blühender Pflanzen ausgesät wurden und über ihn verstreut Hunderttausende ganz verschiedener Arten von Tieren (leben).
Und so verkündigen denn diese Pflanzen mit all ihren Verzierungen und Tiere in all ihrem Schmuck in diesem Erdengarten durch ihre wohlgeordneten Formen und mit ihren wohlausgewogenen Gestalten: Wir alle sind jeweils ein Wunder, ein Kunstwerk des einen und einzigartigen Meisters, seine Ausrufer und seine Zeugen.
Wenn wir nun die Kronen der Bäume in diesem Garten betrachten, so sehen wir: sie sind in hohem Grade mit Wissen und Weisheit, großzügig, feinsinnig und schön gebildet. Und wir erblicken Blumen und Früchte in verschiedenen Farben. Und siehe: sie verkündigen einmütig
wie mit einem Munde: wir sind die wunderbaren Geschenke des Allerbarmers in Seiner Schönheit (Rahman-i Dhu l-Djemal),des Allbarmherzigen in Seiner Vollkommenheit (Rahim-i Dhu l-Kemal).Wir sind die staunenerregenden (Gaben) Seiner Güte.
Und so bezeugen denn die Gestirne und alle Himmelskörper, die Tiere und Pflanzen im Garten unserer Erde, die Blumen und Früchte in den Kronen der Bäume und verkündigen mit einer unendlich viele Male widerhallenden Stimme: der uns geschaffen (Khaliq)und gebildet (Musauvir)und zu Geschenken bestimmt hat, der Allmächtige in Seiner Majestät (Qadir-i Dhu l-Djemal),der Allweise (Hakiem)ohne gleichen, der Allgütige (Keriem)Geber aller guten Gaben ist aller Dinge mächtig. Nichts ist schwierig für Ihn. Kein Ding liegt außerhalb Seiner Möglichkeiten. Vor Seiner Macht sind Sterne und Stäubchen gleich. Vom Universellen bis zum Individuellen sind alle Dinge einfach. Von einem Teil bis zu seinem Ganzen sind alle Dinge gleich wertvoll. Vom größten bis zum kleinsten Ding sind alle vor Seiner Macht leicht. Vom Großen bis zum Kleinen ist jedes Ding von Seiner Kunst beseelt, ja geradezu ein Kunstwerk. Und manchmal sind die kleinen Dinge ein größeres Kunstwerk als die großen.
Alle Dinge, die in vergangener Zeit als Wunderwerke Seiner Macht entstanden, bezeugen, dass der vollkommene Allmächtige auch bis in alle künftigen Zeiten zu allen staunenswerten Dingen in der Lage ist. Der das Gestern vollbrachte, wird auch das Morgen heraufführen. Der Allmächtige, der die Vergangenheit erschuf, wird auch die Zukunft erschaffen. Der Weise Meister, der die Welt erschuf, wird auch das Jenseits erschaffen.
Und so wie der einzige, zu recht Anbetungswürdige der majestätische Allmächtige ist, so ist auch Er der einzig absolut Preisenswerte (Mahmud).So wie Dienst und Anbetung Ihm allein gebühren, so gehören auch Lob und Preis (hamd ve sena)allein Ihm.
Wäre es denn möglich, dass der allweise Meister (Sani-i Hakiem),der
Himmel und Erde erschaffen hat, die Menschen, welche das wichtigste Ziel Himmels und der Erde und die vollendete Frucht des Universums sind, sich selbst überlassen hätte, sie den Ursachen und dem Zufall überlassen sollte und so Seine offensichtliche Weisheit in Sinnlosigkeit verwandelt hätte?! Keineswegs!...Wäre es denn möglich, dass derjenige, welcher der Allweise (Hakiem),der Allwissende (Aliem)ist, der einen Baum geplant und geformt und ihm eine solche Bedeutung zugemessen hat, der ihn mit der größtmöglichen Weisheit versorgt und ihn hat groß werden lassen, nun dessen Früchte, die doch sein Ziel und Zweck sind, nicht mehr anschauen und nicht beachten sollte, dass Er sie der Hand eines Diebes überlassen, oder sie ganz einfach zu Boden fallen und verderben lassen sollte?! Natürlich würde Er sie niemals aus den Augen verlieren, ihnen niemals keine Aufmerksamkeit mehr schenken. Denn es sind doch seine Früchte, um deretwillen Er dem Baum Seine Aufmerksamkeit schenkt...
So ist denn Ziel und Zweck des Universums und seine vollkommenste Frucht, mit Bewusstsein begabt, der Mensch. Wäre es denn möglich, dass der allweise Meister des Universums (es zulassen sollte, dass) Lobpreis und Anbetung, Dank und Liebe, diese Früchte Seiner mit Bewusstsein begabten Frucht, anderen gegeben würde und Er so Seine Weisheit offensichtlich zunichte machen sollte...oder dass Er vielleicht Seine unbegrenzte Macht in Schwäche umwandeln könnte...oder dass Er vielleicht Sein allumfassendes Wissen zu Torheit pervertieren könnte? Keineswegs und Hunderttausend Mal: auf keinen Fall!
Wäre es denn möglich, dass die Anbetung und der geschuldete Dank für die empfangenen Gnadengaben eines mit Bewusstsein beehrten Menschgeschlechtes, dessen Bewusstsein im Mittelpunkt der Absicht des Herrn bei der Erbauung dieses kosmischen Schlosses stand, einem anderen zukommen sollte, als dem Künstler, der dieses
kosmische Schloss (erbaut hat) und dass dieser majestätische Künstler es erlauben könnte, dass Dank und Anbetung, die doch Ziel aller Ziele sind, einem anderen zukommen sollte?
Ja, wäre es denn überhaupt möglich, dass Er mit Bewusstsein begabte Wesen durch zahllose Arten Seiner Gnadengeschenke dazu veranlassen sollte, Ihn zu lieben, sich Ihnen durch zahllose, wunderbare Kunstwerke bekannt machen sollte, und ihnen sodann keine Beachtung mehr schenken und es statt dessen ihnen überlassen sollte, wenn sie ihren Dank, ihre Anbetung, ihren Lobpreis und ihre Liebe, all ihre Erkenntnis und ihre Anerkennung der Natur und den bloßen Ursachen (zuwenden) und damit die Herrschaft Seines Königreiches wieder zunichte machte?! Hunderttausend Mal nein und Gott bewahre!...
Wäre es denn möglich, dass einer, der keinen Frühling zu erschaffen vermag, und alle die Früchte nicht erschaffen kann, und alle die Äpfel auf Erden nicht zu erschaffen vermag, deren Siegel stets das gleiche ist, auch nur einen einzigen Apfel zu erschaffen vermöchte, der doch nur ein Musterbeispiel von ihnen allen ist, und diesen Apfel dann jemandem als Geschenk (ni'met)anböte und so dessen Dankbarkeit erwürbe, und so einen Anteil an dem Lobpreis hätte, der allein dem zukommt, dem aller Lobpreis gebührt!? Keineswegs!...Denn, wer auch nur einen einzigen Apfel erschaffen kann, der könnte auch alle die Äpfel erschaffen, die in der ganzen Welt wachsen. Denn ihr Siegel ist dasselbe.
Überdies ist der, welcher alle Äpfel erschaffen hat, derselbe, der allen Samen und alle Früchte in der ganzen Welt erschafft, welche unserer Versorgung dienen. Das heißt, wer auch nur dem kleinsten Lebewesen auch nur das kleinste Geschenk gibt, ist unmittelbar der Schöpfer des ganzen Universums und Sein majestätischer Versorger (Rezzaq-i Dhu l-Djelal).Weil dies aber so ist, gehören Lobpreis und Dank (shukr ve hamd)unmittelbar Ihm. Und weil dies so ist, sagt jene
Wahrheit, die das Universum zum Ausdruck bringt, unaufhörlich in dieser ihrer Sprache der Wahrheit:
لَهُ الْحَمْدُ مِنْ كُلِّ اَحَدٍ مِنَ الْاَزَلِ اِلَى الْاَبَدِ
{"Ihm gebührt aller Lobpreis jedes einzelnen Dinges von Ewigkeit zu Ewigkeit."}
Sechstes Wort:
يُحْيِى
{"Er belebt"}
Das heißt: Er allein ist es, der das Leben schenkt. Weil dies aber so ist, ist es auch Er allein, der alle Dinge erschafft. Denn der Geist des Universums, sein Licht, die Hefe, die Basis, Ziel und Zusammenfassung ist das Leben. Wer also das Leben schenkt, der ist auch der Schöpfer des ganzen Universums. Er ist der Lebendige und der Unwandelbare (Hayy-u Qayyum).
So verweisen wir denn auf das gewaltige Zeugnis für jene Stufe der Einheit (Tauhid)und erklären wie folgt:
Wie wir bereits in einem anderen "Wort" erklärt und bewiesen haben, sehen wir vor uns das so ruhmreiche Heer der Lebewesen, das seine Zelte über die weite Fläche der Erde hin aufgeschlagen hat. In der Tat sehen wir in jedem Frühling ein neues Heer, eines jener ungezählten Armeen des Lebendigen und Beständigen (Hayy-u Qayyum),aus der Welt des Unsichtbaren emporstreben, unter die Waffen treten und Aufstellung nehmen. Wenn wir dieses Heer betrachten, so erkennen wir mehr als zweihunderttausend verschiedene Stämme Pflanzenvölker und noch einmal mehr als hunderttausend völlig verschiedene Tiervölker. Und obwohl doch jedes Volk, jeder Stamm seine eigene Uniform, seine eigene Verpflegung, seine eigene Ausbildung, seine eigene Musterung, seine eigene Dienstzeit und seine eigene Entlassung, seine eigene Ausrüstung empfängt, kann doch ein jeder, der Augen hat, erkennen
und mit seinem Herzen bestätigen, dass ein großer und allmächtiger Kommandant mit grenzenloser Macht und Weisheit, mit unendlichem Wissen und Wollen (ilim ve irade),aus einer nie endenden Barmherzigkeit und mit Hilfe Seiner unerschöpflichen Reichtümer für alle diese verschiedenen Bedürfnisse Sorge trägt, ohne auch nur ein einziges (Seiner Geschöpfe) zu vergessen, in vollendeter Ordnung, in makelloser Ausgewogenheit, zur jeweils rechten Zeit, ohne sich jemals zu irren, ohne je etwas zu verwechseln. ohne sich jemals zu verspäten...
Ja wäre es denn möglich, dass sich irgendetwas in dieses umfassende Wissen, diese vollkommene Macht einmischen, sich an ihr beteiligen, einen Beitrag zu ihr leisten könnte, welche dieses Heer mit all seinen Funktionen umfasst, ihm Leben verleiht, es lenkt und leitet, (seine Soldaten) ausbildet und sie versorgt, sie mit allem Notwendigen versorgt, wenn nicht der, welcher sie besitzt!?... Gott behüte: hunderttausend Mal, nein!...
Es ist ja ganz offensichtlich, dass die Schwierigkeit, zehn verschiedene Völkerstämme in einem Bataillon jeweils einzeln auszurüsten, zu der Schwierigkeit anwachsen würde, gleich zehn Bataillone auszurüsten, weshalb Menschen in ihrer Unfähigkeit dazu gezwungen waren, sie alle nolens volens ganz einheitlich auszurüsten. Statt dessen versorgt der Lebendige und Beständige die mehr als fünfhunderttausend Völker dieses ganzen, prächtigen Heeres mit ihrer für ihr jeweils verschiedenes Leben eigenen Ausrüstung. Ja Er gibt ihnen (diese Dinge) sogar ohne jede Anstrengung, Schwierigkeit, auf eine ganz leichte Art und in einer ganz einfachen Weise, mit einer tiefen Weisheit und großen Ordnungsliebe. Und Er lässt dieses ganze große Heer in einer einzigen Sprache
هُوَ الَّذِى يُحْيِى
{"Er ist es, der das Leben schenkt" (Sure 23, 80)}
sagen und diese ganze gewaltige Gemeinschaft in dieser kosmischen Moschee rezitieren:
اَللّٰهُ لآَ اِلٰهَ اِلاَّ هُوَ الْحَىُّ الْقَيُّومُ لاَ تَاْخُذُهُ سِنَةٌ وَلاَ نَوْمٌ... الخ
{"Gott, es gibt keine Gottheit außer Ihm. Er ist der Lebendige, der Beständige. Nicht befällt Ihn Schlummer noch Schlaf..." (Sure 2, 255)}
Siebentes Wort:
وَ يُمِيتُ
{"Er gibt den Tod"}
Das heißt, der den Tod gibt, ist Er. Das heißt, so wie Er es ist, der das Leben gibt, so ist auch Er es, der das Leben wieder nimmt und den Tod gibt. Tod ist in der Tat nicht nur Verfall und Verlöschen, sodass man ihn auf die Ursachen zurückführen, der Natur zuschreiben könnte. Denn so wie ein Samenkorn, oberflächlich betrachtet, stirbt und zerfällt, während doch in seinem Innern ein Keim ins Leben hinein geknetet wird... das heißt, er wechselt vom individuellen Leben eines einzelnen Samenkorns hinüber in das universelle Leben eines neuen aufkeimenden Sprosses. Während also der Tod nach außen hin Ausgliederung und Verbannung zu sein scheint, so wird er doch in Wahrheit für den Menschen Titel, Einführung und Anfang eines ewigen (baqi)Lebens.
Weil das aber so ist, muss der Vollkommene Allmächtige (Qadir-i mutlaq),der das Leben gibt und es leitet, auch derjenige sein, der den Tod gibt. Auf ein großes und bedeutendes Zeugnis für diese große und bedeutende Stufe der Einheit (Tauhid)wollen wir in diesem (siebenten) Wort folgendermaßen hinweisen:
Wie im Vierundzwanzigsten Fenster des Dreiunddreißigsten Briefes erklärt wurde, ist die Existenz allen Seins nach göttlichem Willen (irade)eine fließende. Dieses Universum befindet sich auf Befehl seines Herrn im Fluss. Alles Sein gleitet mit der Erlaubnis Gottes unaufhörlich
durch den Strom der Zeit... Es wird aus der Welt des Unsichtbaren ausgesandt und in der (von uns) bezeugten Welt mit einem äußerlich sichtbaren Dasein umkleidet. Dann regnet es (wieder) in die Welt des Unsichtbaren (hinab). Und auf den Befehl seines Herrn kommt es beständig aus der Zukunft, verweilt für einen Atemzug in der Gegenwart, mündet wieder in die Vergangenheit...
So ist denn dieser Fluss allen Seins überaus weisheitsvoll in Barmherzigkeit und Güte gestaltet, strömt von einem überaus großen Wissen, erfüllt von Weisheit und Wohlordnung und einer überaus großen Barmherzigkeit, zieht von der Quelle bis zur Mündung in Liebe (shefqat)und Ausgewogenheit, voll Weisheit, getragen von Zielstrebigkeit und Zweckmäßigkeit, dahin. Das heißt also, dass ein Allmächtiger in Seiner Majestät (Qadir-i Dhu l-Djelal),ein Allweiser in Seiner Vollkommenheit (Hakiem-i Dhu l-Kemal)den einzelnen Gruppen allen Seins, den einzelnen Exemplaren in diesen Gruppen und den Welten, die sich aus diesen Gruppen bilden, ständig Leben schenkt und ihnen Aufgaben erteilt und sie dann nach Seiner Weisheit wieder entlässt, ihnen nun den Tod schenkt und sie wieder in die Welt des Unsichtbaren schickt. Er führt sie aus dem Bereich der Macht (qudret)in den Bereich des Wissens (ilm).
Ja wäre es denn möglich, dass derjenige, der nicht dazu in der Lage ist, das All in seiner Gesamtheit zu lenken, dessen Herrschaft (hukum)nicht alle Zeiten umfasst, dessen Macht (qudret)über Leben und Tod nicht alle Welten genau so erfasst, wie jedes einzelne Lebewesen, der nicht jeden Frühling ins Leben rufen könnte, als sei er nur eine einzelne Blume, mit der er das Antlitz der Erde schmückt und die er schließlich im Tode wieder pflückt und zu sich nimmt, der Herr über Sterben und Tot sein sollte?... So ist es denn in der Tat notwendig, dass der Tod selbst noch des kleinsten Lebewesens genau so wie sein Leben sich nach dem Gesetz, nach dem Willen, auf Befehl, in der Kraft, in dem Wissen des Herrn in Seiner
Majestät (Dhat-i Dhu l-Djelal)vollzieht, in dessen Hand alle Wahrheit des Lebens und jede Art des Todes liegt.
Achtes Wort:
وَهُوَ حَىٌّ لاَ يَمُوتُ
{"Und Er ist der Lebendige, der nicht stirbt."}
Das heißt, sein Leben ist immerwährend und währt von Ewigkeit zu Ewigkeit. Tod und Verfall, Untergang und Nicht-mehr-Sein betreffen Ihn nicht. Denn das Leben ist Teil Seines Wesens (Dhat).Was aber zu Seinem Wesen gehört, kann niemals vergehen. Was von Urewigkeit her besteht, das wird in der Tat auch in Ewigkeit weiter bestehen. Was ohne Anfang (qadim)ist, wird sicherlich auch ohne Ende (baqi)sein. Der da notwendigerweise sein muss (vadjibu-l'vudjud),ist sicherlich auch von ewigem Bestand. Wie könnte denn in der Tat ein Leben, neben dem alles Sein in all seinen Arten nur noch ein Schatten ist, vom Nicht-Sein bedroht sein? Es kann ja in der Tat ein Leben, von dem alles Dasein abhängig und die Hoffnung aller Notwendigkeit ist, sicherlich in keiner Weise von Untergang und Verfall bedroht sein. In der Tat kann ein Leben, durch dessen Erscheinung alles, was da lebt, ins Dasein tritt und auf das sich jede beständige Wirklichkeit des Alls stützt, aus ihm seine Beständigkeit erhält, sicherlich in gar keiner Weise von Untergang und Zerfall bedroht sein. In der Tat kann sich einem Leben, aus dem ein Funke, der aus ihm hervorgeht, allen Dingen, die in ihrer Vielfältigkeit von Untergang und Zerfall bedroht sind, ihre Einheit gibt, sie beständig macht, sie vor dem Verfall bewahrt, sie in ihrem Dasein erhält und ihnen eine Art von Beständigkeit sichert, das heißt, der einem Leben, das alles Lebendige von der Vielfalt zur Einheit führt und ihm Bestand verleiht, wenn das Leben entschwindet, zerfällt, vergeht, mit Sicherheit kann sich diesen grenzenlos vielen Lebensfunken, die eine Erscheinung jenes Lebens sind, das eine Notwendigkeit (und nicht nur eine der
möglichen Erscheinungsformen) ist, Untergang und Zerfall nicht nahen. Ein sicheres Zeugnis für diese Wahrheit sind Untergang und Zerfall des Universums. Denn so wie alles Sein und Leben schon durch sein bloßes Sein und Leben das Leben dessen, der niemals stirbt, und das notwendige Sein des Lebens beweist und bezeugt, so beweist und bezeugt es auch, wenn es stirbt und vergeht, Beständigkeit und Fortbestand des Lebens.
{(*): Als der Prophet Abraham, mit dem der Friede sei, während seines Streitgesprächs mit Nimrod über Leben und Tod auf das Thema der auf- und untergehenden Sonne kam, ging es um den Übergang und eine Steigerung von der Verfügung über Leben und Tod eines Einzelnen zu der über alles (was da lebt). Es ging darum, dafür im weitesten Rahmen den glänzendsten Beweis darzulegen und nicht etwa darum, wie einige Kommentatoren behauptet haben, die verdeckten Beweise zu vernachlässigen, um ihnen die offensichtlichen vorzuziehen.}
Denn dadurch, dass alles Leben, was vergangen ist, in gleicher Weise wieder zu neuem Leben erwacht und an die Stelle des vergangenen tritt, zeigt uns, dass es ein ewiges Leben gibt, das immer wieder das In-Erscheinung-treten dieses Lebens erneuert.
Denn genau so wie auf einem Strom, der unter der Sonne dahin fließt, Wasserblasen und Tropfen aufglänzen und vergehen, kommende (Geschlechter) aufglänzen, sich zeigen, eine Gruppe nach der anderen aufstrahlt, verlischt und wieder geht, in diesem Aufstrahlen und Glänzen auf das fort und fort Scheinen einer immerwährenden Sonne verweisen, so bezeugt diese Karawane eines vorbeiziehenden Daseins im Wechsel und dem stetigen Wandel ihres Lebens und Sterbens auch Dauer und Bestand des Lebendigen und Beständigen (Hayy-i Baqi).
Es ist in der Tat alles Seiende wie ein Spiegel. Aber so wie die Finsternis den Gegenpol zum Licht bildet, ja die Finsternis, in welchem Grade sie tiefer wird, in gleichem Grade den Glanz des Lichtes sichtbar macht, so dient (alles Sein) vom Standpunkt der Gegensätzlichkeit aus betrachtet
in vielfacher Hinsicht gleichsam als Gegenpol. Zum Beispiel: So wie alle Lebewesen in ihrer Schwäche einen Gegenpol zur Macht des Schöpfers (Sani)bilden, in ihrer Armseligkeit einen Gegenpol zu Seinem Reichtum, genau so werden sie in ihrer Vergänglichkeit (fena)auch zum Gegenpol Seiner Beständigkeit. In der Tat wirkt das Antlitz der Erde im Winter, gleichen die Bäume auf dieser Erde mit ihrem armseligen Aussehen, aber auch die prachtvolle Ausstattung, der reiche (Schmuck, den sie) im Frühling (wieder empfangen haben), mit einer ganz besonders großen Sicherheit einem Gegenpol zu der Macht und Barmherzigkeit des absolut Allmächtigen und grenzenlos Reichen. Es ist in der Tat, als ob alles, was da lebt, mit der Sprache seines Zustandes, wie Uvaysel Qarani das folgende Bittgebet sagte:
"Oh unser Gott! Du bist unser Herr! Denn wir sind Deine Diener. Wir sind zu schwach, unsere Seele (nefs)zu erziehen. Das heißt, dass Du es bist, der uns erzieht!... Und Du bist auch unser Schöpfer! Denn wir sind Deine Geschöpfe. Wir werden (ständig immer wieder neu) gestaltet... Und Du bist auch unser Versorger! Denn wir bedürfen Deiner Versorgung. Denn unsere Hände können sie nicht erreichen. Das heißt, dass Du es bist, der uns gestaltet. Und der uns unsere Versorgung zukommen lässt, bist Du... Und Du bist auch unser König (Malik)!Denn wir sind Dein königliches Eigentum. Ein anderer als wir ist es, der darüber verfügt. Das heißt, Du bist unser Herr und Besitzer (Malik)...Und Du bist auch der Allmächtige (Aziz)!Du bist der Herr aller Ehren (Izzet)und voll Majestät (Azamet)!Wir betrachten unsere Niedrigkeit. Über uns (erstrahlt der Glanz Deiner) Ehre. Das heißt, wir sind der Gegenpol Deines Ruhmes... Und Du bist auch der Vollkommene Reiche (Ghaniyyi Mutlaq)!Denn wir sind die Armen. Uns ward ein Reichtum geschenkt, nachdem sich unsere Hände in ihrer Armseligkeit nicht ausstrecken könnten. Das heißt, Du bist reich, Du bist der Geber... Und Du bist auch der lebendige, der
Beständige! Denn wir werden einmal sterben. In unserem Sterben und Wiederauferstehen sehen wir die Erscheinung dessen, der ständig Leben verleiht... Und Du bist auch der Beständige! Denn wir sehen in unserer Hinfälligkeit (fena)und Vergänglichkeit Deine Dauer und Beständigkeit... Und Du bist es, der uns Antwort gibt und der uns beschenkt! Denn wir alle, die wir (vor Dir) leben, rufen mit Worten oder durch unsere Haltung (ohne Worte) ständig, bitten, beten und flehen zu Dir. Und unsere Wünsche gelangen zu Dir. Unsere Bedürfnisse werden gestillt. Das heißt, dass Du es bist, der uns Antwort gibt... Und so weiter..."
Alles Sein und Leben, das Große und Allgemeine, wie das kleine und besondere bringt, wie Uvaysel Qarani ein stilles Gebet dar und stellt in dieser Form einen Gegenpol dar. Arm und schwach und in all ihrer Mangelhaftigkeit verkünden sie die Macht und Vollkommenheit Gottes (Qudret ve Kemal)...
Neuntes Wort:
بِيَدِهِ الْخَيْرُ
{"In Seiner Hand ist das Gute"}
Das heißt: Alle Wohltaten liegen in Seiner Hand, alle guten Taten sind auf Seinem Konto gebucht, alle Seine guten Gaben liegen in Seiner Schatzkammer. Weil dies aber so ist, müssen die das Gute wünschen, es von Ihm erbitten, die Wohltaten ersehnen, sie von Ihm erflehen. Um die Wahrheit dieses Wortes auf zuverlässige Art zu beweisen, wollen wir unter zahllos vielen Beweisen auf die Spuren, Lichtfunken, die uns zu einem umfangreichen Beweis für das göttliche Wissen (hinführen werden) folgendermaßen hinweisen und sagen nun:
Dieser Meister, der mit Seinen für uns sichtbaren Handlungen das ganze Universum erschafft und es lenkt, verfügt über ein umfangreiches Wissen. Und dieses Wissen ist Seine ganz besondere, Ihm innewohnende,
unabdingbare Qualität. Sie als von Ihm getrennt zu betrachten, ist unmöglich. So wie es nicht möglich ist, dass wir die Sonne antreffen, aber ihr Licht nicht antreffen, so ist es auch noch Tausend Mal mehr unmöglich, dass das Wissen jenes Wesens (Dhat),der alles Sein so wohlgeordnet erschafft, von Ihm getrennt sein sollte.
So aber wie umfassendes Wissen für dieses Wesen unabdingbar ist, ist vom Standpunkt ihrer Zugehörigkeit zu Ihm, auch für alle Dinge (Sein Wissen um diese Dinge) unabdingbar. Das heißt, dass es für kein Ding möglich ist, vor Ihm verborgen zu bleiben. So wie es nicht möglich ist, dass Dinge auf der Erdoberfläche, die unverhüllt der Sonne ausgesetzt sind, sie nicht sehen sollten, so ist es noch Tausend Mal mehr unmöglich, unvorstellbar, dass Dinge sich vor dem Licht des Wissens des Majestätischen Allmächtigen verstecken könnten. Denn es gibt eine Allgegenwart (hudhur).Das heißt, alle Dinge sind innerhalb Seiner Sichtweite, in Seinem Gesichtskreis stets vor Ihm, durch Ihn bezeugt und Er durchdringt alle Dinge.
Wenn sogar leblose Dinge, wie die Strahlen der Sonne, das menschliche (Augenlicht) in all seiner Schwäche, der Röntgenstrahl, der über kein Bewusstsein verfügt, obwohl sie nur geschaffen, mangelhaft, akzidentiell sind, alle Dinge erblicken und sie durchdringen können, so kann sich mit Sicherheit nichts vor dem Lichte des Wissens des Urewigen, das notwendig (weil ursprünglich), allumfassend und essentiell ist, verbergen, nichts außerhalb dieses (Lichtkegels) sein. Für diese Tatsache (haqiqat)gibt es grenzenlos viele und unzählbare Merkmale und Zeichen im Universum.
Zum Beispiel:
Alle Weisheit, so wie sie in allem, was da ist, sichtbar wird, weist auf dieses Wissen hin. Denn eine Arbeit in Weisheit zu verrichten ist nur mit dem (dabei erforderlichen) Wissen möglich. Überdies weisen alle Gnadengaben (Gottes; inayet)und ihre künstlerische Gestaltung (tezyinat)auf ein solches Wissen hin. Der, welche Seine Arbeit in
Güte (inayet)und all Seiner Freundlichkeit (lutuf)verrichtet, tut dies sicherlich wissentlich und absichtlich. Überdies weist alles, was da ist, in seiner Ausgewogenheit und Wohlgeordnetheit, jedes Ding in seiner wohlausgewogenen und abgemessenen Form und Gestalt, wiederum auf dieses allumfassende Wissen hin. Denn ein Werk wohlausgewogen zu verrichten, geschieht (mit dem dazu erforderlichen) Wissen. Wer ein Meisterstück mit Messlatte und Waage vollbringt, muss sich mit Sicherheit auf eine präzise Kenntnis stützen können. Überdies weisen auch Maß und Ordnung, wie wir sie in allem sehen, was da ist, (alle Dinge, die) nach Maß und Zweck geformt und gestaltet sind, alle die Formen und Gestalten, die ihre Frucht hervorgebracht haben dem Kreis göttlichen Vorherwissens (qader)und seiner Erscheinung (qadha)entsprechend auf ein allumfassendes Wissen hin.
So geschieht es denn in der Tat dadurch, dass allen Dingen ihre jeweils entsprechende Form gegeben wird, einem jeden Sein die für die Umstände seines Lebens und seines Daseins passende Gestalt aufgrund eines allumfassenden Wissens verliehen wird. Anders ist das unmöglich...
Überdies geschieht es, dass allem, was da lebt, in unerwarteter Weise seine Versorgung, einem jeden in der ihm entsprechenden Art und zu der für es richtigen Zeit gegeben wird. Und dies geschieht aufgrund eines allumfassenden Wissens. Denn der die Nahrung sendet, muss um die wissen, die Seiner Versorgung bedürfen, sie kennen, ihre Zeit kennen, eine Kenntnis ihrer Bedürfnisse besitzen. Danach kann Er ihnen ihre Nahrung in der ihnen gemäßen Form geben.
Überdies wird dadurch, dass auch das Ende, der Tod, mit dessen Gesetz alles Leben, wenn auch unter dem Titel seiner Unbestimmtheit, gebunden ist, aufgezeigt, dass es ein allumfassendes Wissen gibt. Denn für jede Gruppe ist ihre Lebensspanne zwischen zwei bestimmten Grenzen festgesetzt, wenn auch die Todesstunde des
einzelnen Lebewesens offensichtlich nicht erkennbar ist. Für diese Zeit des Vergehens wird eine Frucht, ein Kern aufbewahrt, der in ein neues Leben umgewandelt wird und der die Aufgabe dieses Lebewesens, seinen Zweck nach ihm, fortführen wird; was wiederum ein allumfassendes Wissen aufzeigt.
Überdies zeigt sich in der Zuwendung, wie sie jedem einzelnen Wesen entspricht und alles umfasst, was da lebt, ein allumfassendes Wissen innerhalb eines weit ausgebreiteten Erbarmens. Denn der, welcher die Jungen der Tiere mit Milch versorgt und den Pflanzen der Erde, wenn sie Wasser brauchen, mit Seinem Regen hilft, kennt sicherlich die Jungtiere und weiß um ihre Bedürfnisse, sieht die Pflanzen, versteht, wie notwendig der Regen für sie ist und sendet ihn sodann, usw.... Alle diese grenzenlosen Erscheinungen Seiner Weisheit und Güte verweisen auf ein allumfassendes Wissen.
Überdies weisen die Sorgfalt, die handwerkliche Leistung, die kunstvolle Ausgestaltung in der Verfertigung aller Dinge auf ein allumfassendes Wissen hin. Denn um unter Tausenden möglicher Ausführungen eine wohlausgewogene, kunstvoll gestaltete, schön verzierte, solide handwerkliche und mit Weisheit ausgeführte Gestaltung zu wählen, kann nur durch ein tiefes Wissen geschehen. Doch unter (allen möglichen) Ausführungen gerade diese zu wählen, zeigt ein allumfassendes Wissen.
Überdies weist die vollendete Leichtigkeit in der Erschaffung und Hervorbringung der Dinge auf ein überaus vollkommenes Wissen hin. Denn die Leichtigkeit in einer Sache und die Einfachheit bei ihrer Ausführung ist proportional dem Grad des Wissens und der Geschicklichkeit. Denn je mehr jemand über das (nötige) Wissen verfügt, desto einfacher wird für ihn die Umsetzung.
So sehen wir denn aufgrund dieses Geheimnisses, wenn wir die einzelnen Dinge betrachten, von denen jedes einzelne ein Wunderwerk ist, in welch Staunen erregendem
Grade einfach und leicht, ohne alle Schwierigkeiten und Komplikationen, in kurzer Zeit und doch in welch wunderbarer Weise sie ins Dasein gerufen worden sind. Das heißt also, dass es ein grenzenloses Wissen gibt, welches (alle Dinge) mit grenzenloser Leichtigkeit verfertigt, usw... Entsprechend den oben erwähnten Zeichen gibt es noch Tausende anderer echter Zeichen dafür, dass jenes Wesen, welches über das All verfügt, ein allumfassendes Wissen besitzt. Er kennt (bereits im voraus) alle Dinge mit allem, was zu ihnen gehört, wonach Er sie dann gestaltet. Da aber nun einmal der Herr des Alls über ein solches Wissen verfügt, so sieht er auch mit Sicherheit die Menschen und die Handlungen der Menschen und weiß, was den Menschen gebührt und wessen sie würdig sind und handelt so an ihnen Seiner Weisheit und Barmherzigkeit entsprechend und wird dies auch (im Jenseits) tun.
Oh Mensch! Nimm deinen Verstand zusammen... merk auf, wer der ist, der um dich weiß und auf dich acht gibt, wisse dies und komm zur Vernunft!
Würdest du nun aber sagen:
Das Wissen allein genügt noch nicht, auch der gute Wille (irade)ist notwendig. Fehlt es am guten Willen, wäre denn dann das Wissen allein schon genug?
So ist die Antwort:
So wie alles Sein auf ein allumfassendes Wissen hinweist und es bezeugt, so weist es auch auf den alles umgreifenden Willen des Herrn hin, der über ein allumfassendes Wissen verfügt. Das ist folgendermaßen: Einem jeden Ding, besonders aber jedem lebenden Wesen wurde unter sehr vielen (oft recht) schwierigen Entstehungsmöglichkeiten durch eine bestimmte Möglichkeit, unter so vielen Sackgassen durch einen erfolgversprechenden Weg in seiner Ratlosigkeit angesichts so vieler verschiedener Formen eine so wohlgeordnete Gestalt verliehen, dass sie in unendlich vielen Hinsichten auf einen alles umgreifenden Willen hinweist. Denn die unendlich vielen Möglichkeiten und Wahrscheinlichkeiten,
die ein jedes Sein in sich enthält, die Sackgassen, die ergebnislos ins Nirgendwo führen, die unbelebten Elemente, die unberechenbar gleich einer stumpfsinnigen Sturmflut dahinbrausen, wurde mit einem hochempfindlichen Messgerät, einer Art Mikrowaage oder Mikrometerschraube, durch ein ausgeklügeltes System von Ordnung und Disziplin in eine so wohlausgewogene Form, in eine so wohlgeordnete Gestalt gegossen, dass dies notwendigerweise und ganz offensichtlich, ja geradezu greifbar auf das Vorhandensein eines allumgreifenden Willens hinweist. Denn die Wahl unter so unendlich vielen Formen und Möglichkeiten kann nur durch Bestimmung, Auswahl, Absicht und einen Entschluss (irade)erfolgen. Diese Bestimmung erfolgt sowohl durch eine (bestimmte) Absicht als auch durch einen (ausdrücklichen) Wunsch. Denn mit Sicherheit erfordert die Bestimmung einen, der bestimmt, die Auswahl einen, der auswählt. Doch der, welcher bestimmt und auswählt, ist der Wille (irade).So wie zum Beispiel der menschliche Körper, verglichen mit einer Maschinerie, aus hunderterlei verschiedenen Apparaten und Instrumenten zusammengesetzt und doch nur aus einem Tropfen Flüssigkeit entstanden, ein Vogel mit seinen Hunderten verschiedener Glieder doch nur aus einem einzigen Ei, ein Baum, bestehend aus Hunderten verschiedener Bestandteile, doch nur aus einem einfachen Kern erschaffen wurde, Zeugnis ablegen für Macht und Wissen, so weisen sie sicherlich und zwangsläufig auch auf den allumfassenden Willen des Meisters hin, der mit Seinem Willen alles für jedes Ding bestimmt und der mit Seinem Willen einem jeden Partikel, einem jeden Glied, einem jeden Bestandteil seine ihm eigene Form verleiht, ihn mit seiner (eigenen) Gestalt bekleidet.
Zusammenfassung:
So wie alle Dinge, z.B. die Glieder der Tiere in ihren wesentlichen Komponenten, Bestandteilen, Funktionen einander ähneln und darin übereinstimmen und so das gleiche Siegel Seiner Einheit zeigen, so beweisen sie auch mit absoluter Sicherheit, dass
der Schöpfer aller Tiere ein einziger ist, der Allgegenwärtige (Vahid),der Einzige (Ahad).So beweist auch die Art, wie die oft völlig verschiedene Gestalt und das Aussehen dieser Tiere durch Seine Weisheit unterschieden und von ihr bestimmt werden, dass ihr Schöpfer in Seiner Einzigartigkeit ein Meister (muhtar)ist, der über einen freien Willen (irade)verfügt. Er tut, was Er will und macht nicht, was Er nicht will und handelt mit Willen und mit Absicht. Da es nun einmal dafür, dass es für das göttliche Wissen und den Willen des Herrn so viele Beweise und so viele Zeugnisse gibt, ja so viele wie Möglichkeiten des Daseins, ist mit Sicherheit die Verneinung des göttlichen Willens durch einen Teil der Philosophen, die Leugnung des Vorherwissens (qader)Gottes durch einige Leute, die Neuerungen (bid'a)anstreben, und die Behauptung eines Teils der Irregeleiteten, Gott nehme kleine Dinge nicht zur Kenntnis, und der Naturalisten, die einen Teil der Erscheinungen auf Naturphänomene oder auf Ursächlichkeiten zurückführen, eine Lüge, vervielfältigt nach der Anzahl all dieser Gegebenheiten, ein wahnwitziger Irrglaube, vervielfältigt nach der Anzahl der Eigenschaften solcher Gegebenheiten. Denn wer so viele echte Zeugnisse leugnet, macht sich einer grenzenlosen Lüge (schuldig).
So magst du denn nun, sagte einer über Dinge, die durch Gottes Willen ins Dasein treten, statt zu sagen: "so wie Gott es gewollt hat, Gott es wollte (insha-a'llah insha-a'llah )"wissentlich: "ja natürlich, natürlich (tabii tabii)",vergleichen, wie falsch (hata),ja der Wahrheit zuwiderlaufend (mukhalif-i haqiqat)das ist...
Zehntes Wort:
وَهُوَ عَلٰى كُلِّ شَىْءٍ قَدِيرٌ
{"Und Er ist aller Dinge mächtig."}
"Wa huva ala kulli schay'in kadier", das heißt: Nichts fällt Ihm schwer. Wie viele Dinge es auch im Bereich des Möglichen geben mag: Er vermag sie ganz leicht mit einem
Dasein zu umkleiden. Und es ist dies so einfach und leicht, dass Er nach dem Geheimnis des
اِنَّمَآ اَمْرُهُ اِذَآ اَرَادَ شَيْئًا... الخ
{"Wahrlich, Sein Befehl ist, wenn er ein Ding will, so sagt Er zu ihm nur: Sei! Und es ist." (Sure 36, 82),}
dass Er nur zu befehlen braucht und es geschieht. Es ist als ob ein besonders geschickter Künstler mit einer solchen Leichtigkeit seine Hand nach seinem Werk ausstreckte, es berührte und sie wieder zurückzöge, sie einer Maschine gleich funktionierte. Und um dieser Geschwindigkeit und Geschicklichkeit Ausdruck zu verleihen, sagt man: diese Arbeit, dieses Kunstwerk ist ihm in der Weise dienstbar geworden, dass Seine Arbeit auf Seinen Befehl, durch Seine Berührung geschieht, Sein Kunstwerk ins Dasein tritt. In gleicher Weise sagt die königliche Order (ferman)als einen Hinweis auf die grenzenlose Dienstbarkeit und Gehorsamkeit aller Dinge gegenüber der (göttlichen) Macht (qudret)des majestätischen Allmächtigen (Qadir-i Dhu l-Djelal)und die unendliche Einfachheit und Leichtigkeit, mit der sie (qudret)Ihr Werk verrichtet:
اِنَّمَآ اَمْرُهُ اِذَآ اَرَادَ شَيْئًا اَنْ يَقُولَ لَهُ كُنْ فَيَكُونُ
{"Wahrlich, Sein Befehl ist, wenn er ein Ding will, so sagt Er zu ihm nur: Sei! Und es ist." (Sure 36,82)}
Wir wollen nun fünf tiefe Wahrheiten (sirr)aus unzähligen Geheimnissen (sirr),wie sie in dieser mächtigen Wahrheit enthalten sind, in "Fünf Punkten" erläutern.
Erstens:
Für Gottes Macht (qudret)ist das größte Ding genau leicht wie das kleinste Ding. Für sie ist die Erschaffung einer ganzen Art mit allen ihren Unterarten genau so einfach und leicht wie die nur einer einzelnen Gattung. Das Paradies zu erschaffen ist ihr genau so leicht wie einen Frühling. Den Frühling zu kreieren ist für sie genau so einfach wie eine Blume. Hinsichtlich dieses Geheimnisses
wurde bereits am Ende des Zehnten Wortes über die Auferstehung und im Neunundzwanzigsten Wort über die Engel, das Fortleben der Seele (beqa-i ruh)und auch über die Auferstehung, und darin besonders im zweiten Kapitel über die Frage der Auferstehung und in ihm wiederum im dritten "Grundsatz", wo mit sechs Beispielen die sechs Tiefen Wahrheiten von der "Lichtausstrahlung", der "Spiegelung", dem "Gleichgewicht", der "Ordnung", von der "Abstraktion" und über den "Gehorsam" bewiesen worden sind, aufgezeigt, dass für die göttliche Macht die (Erschaffung) der Sterne ebenso leicht wie die der Atome ist. Unzählige Gattungen vermag sie ebenso leicht und einfach zu erschaffen wie eine einzige Gattung. Da wir aber nun einmal im Zweiten Wort diese sechs Geheimnisse bewiesen haben, wollen wir hier nur noch darauf hinweisen und können uns daher kurz fassen.
Zweitens:
Ein sicherer Beweis und ein glänzendes Zeugnis, dass vor der göttlichen Macht alle Dinge gleich sind, ist folgender: Bei der Erschaffung der Tiere und Pflanzen können wir mit eigenen Augen sehen, dass sich in einer unendlichen Freiheit und Vielfalt ein Höchstmaß an Schönheit und vollendeter Kunst findet. Und weiter zeigt sich in allem, was so unendlich voneinander verschieden und so bunt miteinander vermischt ist, eine ebenso unendlicher Grad von Erlesenheit und der Unterscheidung. Und weiter findet sich trotz Überfluss und Weitläufigkeit in Unendlichkeit doch eine Kunst von höchstem Wert und Schönheit der Schöpfung. Und weiter werden sie, obwohl sie doch eigentlich für eine so überaus kunstvolle Art, einen so hohen Aufwand (an Material und Werkzeug) und soviel Zeit nötig gehabt hätten, wurden sie dennoch ganz schnell erschaffen. Es ist, als wären sie plötzlich aus dem Nichts heraus in den Stand eines Wunderwerkes gerückt worden.
Wenn wir also nun zu jeder Jahreszeit auf dem Antlitz der Erde die Taten der göttlichen Allmacht beobachten
können, so beweisen sie uns mit absoluter Sicherheit, dass für diese Macht, welche die Quelle all dieser Taten ist, die größte Sache ebenso leicht wie die kleinste Sache ist. Auch all diese zahllosen Einzelwesen zu erschaffen und sie zu verwalten, geschieht ebenso leicht wie nur ein einziges von ihnen zu erschaffen und zu verwalten.
Drittens:
Vor der Macht des allmächtigen Meisters (Sani-i Qadir)ist in diesem Kosmos, den er lenkt und leitet und dessen Werke und Handlungen wir hier sehen können, (die Erschaffung) auch der größten Gesamtheit so leicht wie die eines kleinsten Teiles davon. Eine Gesamtheit, die aus vielen Einzelexemplaren zusammengesetzt ist, zu erschaffen, ist so einfach, wie die Erschaffung eines einzelnen Exemplars und noch in dem unscheinbarsten Einzelexemplar lässt sich der höchste künstlerische Wert aufzeigen. Sinn und Weisheit dieser Tatsache ergibt sich aus den folgenden drei Quellen:
Erstens:aus dem Beistand, der aus der Einheit des Allgegenwärtigen (Vahidiyet)erwächst.
Zweitens:aus der Leichtigkeit, die aus der Einheit Seiner Schöpfung (vahdet)erwächst.
Drittens:aus der Erscheinung, die Seine Einheit (Ahadiyet)widerspiegelt.
Erste Quelle: Der Beistand des Allgegenwärtigen:
Das heißt: Wenn ein jedes Ding und alle Dinge das Eigentum eines einzigen Wesens sind, so kann mit Hilfe Seiner Allgegenwart einem einzelnen Wesen mit der Kraft aller Wesen der Rücken gestärkt werden und alle Dinge lassen sich so leicht erschaffen wie ein einzelnes Ding. Wir wollen diese tiefe Wahrheit durch ein Beispiel verständlich machen. Zum Beispiel: Wenn ein Land von einem einzigen König beherrscht wird, so kann dieser König kraft Gesetzes der Einheit (vahdet)seines Königreiches einen jeden Soldaten mit der Heeresmacht einer ganzen Armee stärken und so gestärkt kann ein einzelner Soldat einen Fürsten gefangen nehmen und im Namen seines Königs
beherrschen und befehligen. Ferner kann dieser König, sowie er nach dem Geheimnis der Einheit (Vahidiyet)seines Königreiches einen Soldaten oder Beamten in Dienst nehmen und befehligen kann, auch ein ganzes Heer und alle seine Beamten (zusammengenommen) kommandieren und verwalten und verfügt so nach dem Geheimnis seines Königreiches über die Möglichkeit einem jeden Einzelnen alles und jeden zu Hilfe zu senden. Und so kann auch jeder Einzelne sich auf die mächtige (quvvet)Hilfe all dieser Einzelnen verlassen, d.h. von ihnen Unterstützung erhalten. Würde das Seil einer solchen königlichen Einheit gelöst, so würde sie sich in Führungslosigkeit verwandeln und so verlöre jeder Soldat plötzlich eine grenzenlose Macht und stürzte von seinem einflussreichen Posten auf die Stufe eines einfachen Mannes herab, und (solche Leute insgesamt wieder) in Dienst zu nehmen und zu befehligen würde wieder so schwierig wie (die Indienstnahme einer entsprechenden) Anzahl einzelner Mannen.
وَ لِلّٰهِ الْمَثَلُ الْاَعْلٰى
{"Und Gottes sind die erhabensten Gleichnisse." (Sure 16, 60)}
Ebenso vereinigt der Meister des Alls, weil Er ja ein Einziger (Vahid)ist, um jedes einzelnen Dinges wegen all Seine Namen, die nach allen Dingen hin ausgerichtet sind, und Er erschafft jedes einzelne Ding mit grenzenloser Kunstfertigkeit und (verleiht ihr eine) kostbare Gestalt. Notfalls versorgt er ein einzelnes Ding mit allen Dingen, lässt es versorgen, verleiht ihm Hilfe und Stärke. Und im Geheimnis dieser Einheit (Vahidiyet)erschafft Er alle Dinge, so wie Er ein einziges Ding erschafft, verfügt über sie und verwaltet sie.
So geschieht es denn, dass wir entsprechend dieser tiefen Wahrheit (sirr)vom Beistand des Allgegenwärtigen (Vahidiyet)im gesamten Weltall eine Qualität von hoher Erhabenheit offensichtlich ist, was Kunstfertigkeit und
Kostbarkeit betrifft, und zwar im Überfluss und zu geringem Preis.
Zweite Quelle:
Die Leichtigkeit der Einheit Seiner Schöpfung (vahdet):
Das heißt: Arbeiten, die entsprechend den Prinzipien der Einheit verrichtet werden, von einer Zentrale aus, wobei alle an einem Strang ziehen, nach dem gleichen Gesetz handeln, geschehen mit einer ganz außerordentlichen Leichtigkeit. Werden sie auf verschiedene Zentren verteilt und werden sie nach verschiedenen Gesetzen (verrichtet) und verschiedenen Händen (überlassen), so erwachsen daraus Schwierigkeiten. Zum Beispiel: Wenn die Ausrüstung aller Soldaten einer Armee von einer Zentrale aus, unter einem (einheitlichen) Gesetz und dem Befehl eines Oberkommandierenden angefertigt wird, so ist dies ebenso leicht wie die (Ausrüstung) eines einzelnen Soldaten. Würde sie in verschiedenen Fabriken, von verschiedenen Zentralen aus angefertigt, dann wären alle die Fabriken, die notwendig sind, um ein ganzes Heer auszurüsten, für die Ausrüstung eines einzigen Soldaten notwendig. Das heißt: stützt man sich auf die Einheit (Vahdet),so wird (die Versorgung) einer ganzen Armee so leicht wie die eines einzelnen Soldaten. Gibt es diese Einheit nicht, so entstehen ebenso viele Schwierigkeiten, um einen einzigen Soldaten auszurüsten, wie (bei der Ausrüstung) eines ganzen Heeres.
Wenn nun desgleichen die (Versorgung) der Früchte eines Baumes mit Nährstoffen vom Standpunkt der Einheit (vahdet nokta)aus betrachtet von einer Zentrale aus, nach einem einzigen Gesetz und von einer (gemeinsamen) Wurzel aus erfolgt, so können Tausende von Früchten so leicht (versorgt werden) wie eine einzige Frucht. Wäre hingegen jede einzelne Frucht mit einem anderen Zentrum verbunden und würden ihr die (erforderlichen) Nährstoffe von ganz verschiedenen Stellen aus zugesandt, so entstünden einer jeden Frucht ebenso viele Schwierigkeiten wie einem ganzen Baum. Denn die Nährstoffe, die für einen
ganzen Baum notwendig sind, sind auch für jede einzelne Frucht erforderlich.
وَ لِلّٰهِ الْمَثَلُ الْاَعْلٰى
{"Und Gottes sind die erhabensten Gleichnisse." (Sure 16, 60)}
So wie denn nun in den beiden obigen Gleichnissen der Erbauer des Alls der Eine und Allgegenwärtige (Sani-i Vahid-i Ahad)ist, handelt Er nach dem Prinzip der Einheit (Vahdet)und da Er entsprechend dem Prinzip der Einheit handelt, ist (die Erschaffung) aller Dinge so leicht wie die eines einzigen Dinges. Zudem kann Er ein einziges Ding vom künstlerischen Standpunkt aus betrachtet genau so wertvoll machen wie alle Dinge. Und so erschafft Er unendlich viele einzelne Dinge und verleiht ihnen eine besonders wertvolle Gestalt und zeigt so Seine absolute Freigiebigkeit, wobei Er zugleich Seinen grenzenlosen Überfluss zu einem geringen Preis anbietet, erweist so Seine unendliche Großzügigkeit und Seine grenzenlose Kreativität.
Dritte Quelle:
Die Widerspiegelung Seiner Einheit (Ahadiyet):
Da der Glorreiche Künstler nicht körperlich in Erscheinung tritt und der Körperwelt nicht angehört, können Zeit und Raum Ihn nicht begrenzen, Ort und Dasein Ihn nicht in Seiner Zeugenschaft und Gegenwart behindern, kein Körper und keine Instrumente keine Scheidewand zwischen Ihm und Seinen Werken aufrichten. (Er wendet sich Seiner Schöpfung zu) und Er kennt in Seiner Zuwendung keine Zerteilung und keine Zersplitterung. Kein Ding kann Ihn (in der Erschaffung eines anderen) Dinges behindern. Er schafft unendlich viele Dinge wie ein einziges. Daher kommt es, dass Er, so wie Er einen riesigen Baum in einen Kern hineinprogrammiert, so auch in einem einzelnen Menschen eine ganze Welt einschließen kann. So kann Er eine ganze Welt gleich einem einzelnen Individuum in der Macht Seiner Hand halten. So wie wir
diese tiefe Wahrheit in anderen "Worten" (Sözler)bereits behandelt haben, können wir (auch hier) sagen: So ist z.B. das Spiegelbild der Sonne in seiner Leuchtkraft in gewissem Grade uneingeschränkt und erscheint so auf jeder polierten Oberfläche. Wenn auch Tausende, ja Millionen Spiegel sich ihrem Licht entgegenstreckten, fände sich dennoch ihr Spiegelbild ungeteilt in jedem von ihnen wie in einem einzigen Spiegel. Soweit dies der Kapazität des Spiegels entspricht, vermag die Sonne ihre ganze Wirkung in ihm mit all ihrer Kraft zu zeigen. Kein Ding (und das Spiegelbild in ihm) vermag dabei ein anderes Ding (und dessen Spiegelbild) zu behindern. Tausende (Spiegelbilder) erscheinen so leicht wie ein einziges an Tausenden Orten (= Spiegeln) gleich wie an einem. Jeder Ort kann die Erscheinung der Sonne empfangen wie Tausende Orte.
وَ لِلّٰهِ الْمَثَلُ الْاَعْلٰى
{"Und Gottes sind die erhabensten Gleichnisse." (Sure 16, 60)}
So ist denn die Erscheinung des Erbauers des Alls (kainat)in Seiner Majestät (Sani-i Dhu l-Djelal)entsprechend dem tiefen Geheimnis der Zuwendung Seiner Einheit (Ahadiyet),Licht in allen Seinen Eigenschaften und leuchtend in all Seinen Namen, in der Weise, dass Er, obwohl Er doch an keinem Ort ist, doch an jedem Ort allgegenwärtig und allsehend ist. Es gibt bei Seiner Zuwendung keine Zerteilung. Im gleichen Augenblick vollbringt Er all Seine Werke ohne Mühe und Anstrengung.
So geschieht es denn aus dem tiefen Geheimnis des Beistandes, der aus der Einheit des Allgegenwärtigen (Vahidiyet),der Leichtigkeit, die aus der Einheit Seiner Schöpfung (vahdet)erwächst und der Erscheinung, die Seine Einheit (Ahadiyet)widerspiegelt, dass, wenn alles Sein auf den einen Meister zurückgeführt wird, das gesamte, pluriforme Dasein ebenso leicht und einfach wie in seiner singulären Form ins Dasein tritt. Und jede einzelne
Form kann vom künstlerischen Standpunkt aus genau so kostbar sein wie alles Sein insgesamt, wie diese Tatsache durch die Kunstfertigkeit bestätigt wird, dass sich in der endlosen Fülle des Seins eine ebenso endlose künstlerische Detailarbeit selbst noch in jedem einzelnen Dasein findet. Wird jedoch das Sein nicht unmittelbar auf einen einzigen Meister zurückgeführt, so wird (die Entstehung) jeder einzelnen Form so schwierig wie die des gesamten Daseins und dieses gesamte Dasein stürzt in seinem Wert, sinkt auf den einer einzelnen Form herab. In diesem Fall entsteht entweder überhaupt nichts, oder wenn aber, würde es wertlos sein, auf die Stufe eines Nichts hinabfallen.
So geschah es denn aus diesem tiefen Geheimnis heraus, dass die Sophisten als die fortschrittlichsten unter den Philosophen, weil sie ihr Gesicht von der Wahrheit abgewandt hatten, nun auf dem Wege des Unglaubens und Irrtums genau hinsahen und erkannten, dass der Weg der Abgötterei hunderttausend mal schwieriger ist als der Weg der Wahrheit und Einheit (Tauhid)und grenzenlos unverständig. Daher leugneten sie nun zwangsläufig jedwede Existenz und kündigten (so am Ende noch) ihrem Verstand.
Viertens:
Für die Kraft (qudret)des Allmächtigen (Qadir),der dieses Weltall mit Taten regiert, die wir erkennen können, ist die Erschaffung des Paradieses so leicht wie die des Frühlings und die Erschaffung des Frühlings so leicht wie die einer Blume. Und für eine Blume in ihrer künstlerischen Schönheit und das Subtile in ihrer Erschaffung gilt das gleiche wie für alles, was subtil und kostbar an einem Frühling ist. Die tiefe Wahrheit (sirr),welche dieser Tatsache zugrunde liegt, ist eine dreifache:
Erstens:
Die seinsgemäße Stärke (vudjub)des Meisters und Seine Unabhängigkeit
Zweitens:
Die Andersartigkeit in Seiner Essenz und
das Fehlen einer Beschränkung
Drittens:
Die Unmöglichkeit (aus Gott) etwas herauszulösen oder (Ihn) zu teilen.
Das erste Geheimnis:
Es ist eine tiefe und sehr subtile Wahrheit (sirr),dass Unabhängigkeit und Stärke (vudjub)zu unendlicher Leichtigkeit und grenzenloser Einfachheit führen. Das wollen wir nun mit einem Beispiel verständlich machen. Es ist dies wie folgt:
Es gibt verschiedene Stufen des Seins (vudjud).Und es gibt im Dasein ganz verschiedene Welten. Weil sie aber voneinander verschieden sind, kann ein Atom, das auf der einen Ebene des Daseins tief und bleibend verankert ist, auf einer anderen Ebene aber, welche eine schwächere Ebene des Daseins ist (in der es minder tiefe und bleibende Spuren hinterlässt), gleich einem Berg sein und in diesem Berg enthalten sein. Zum Beispiel: Die Erinnerungsfähigkeit in unserem Kopf, die in dieser von uns bezeugten Welt etwa die Größe eines Senfkorns ausmacht, kann in der Welt der (Ideen) und Bedeutungen (alem-i mana)den Daseinszustand einer ganzen Bibliothek annehmen.
Und ein reflektierender Körper von der Größe eines Fingernagels in der äußerlichen Welt nimmt auf der Ebene der Gleichnisse (und der Spiegelungen = alem-i misal)die Größe einer riesigen Stadt in sich auf. Hätten der Spiegel in dieser unserer äußerlichen Welt und unser Erinnerungsvermögen ein Bewusstsein und schöpferische Kräfte, so könnten sie in dem gleichnishaften Sein (der gespiegelten Welt) und im Dasein der Bedeutungen (als dem Wesen all unserer Gedanken, Ideen und Vorstellungen) aus der Kraft dieses unseres äußerlichen Daseins unendlich viele Handlungen und Wandlungen zustande bringen. Das heißt: je mehr das Sein an Tiefe und Umfang zunimmt, desto mehr wächst auch seine Kraft. Eine kleine Sache (z.B. ein mit Bewusstsein begabter Spiegel) vermag (z.B. auf eine Stadt, die er in sich aufnimmt) einen entscheidenden Einfluss auszuüben. Besonders dann, wenn das Sein (endlich auf seiner höchsten Stufe, wo) es am tiefsten, fest
verankert ist, von aller Materie befreit und keiner Beschränkung mehr unterworfen ist, kann ein winzig kleines Aufleuchten viele Welten auf einer anderen, schwächeren Ebene des Seins, verwandeln.
وَ لِلّٰهِ الْمَثَلُ الْاَعْلٰى
{"Und Gottes sind die erhabensten Gleichnisse." (Sure 16, 60)}
So ist denn der Schöpfer des Alls (kainat)in Seiner Majestät (Sani-i Dhu l-Djelal)der Notwendig-Seiende (Vadjibu l'Vudjud).Das heißt: in Ihm ist das Sein essentiell, ohne Anfang, ohne Ende. Nicht-Sein ist für Ihn unmöglich. Bei Ihm ist ein Untergang (gleich dem, der Gestirne) unvorstellbar und die Ebene des Seins am tiefsten, unendlich, unwandelbar, stark, ursprünglich und vollkommen. Das Sein aller anderen Ebenen gleicht neben Seiner eigenen Seinsebene nur einem sehr schwachen Schatten. Wo das Sein in Seiner Notwendigkeit (Vudjud-u Vadjib)so tief und so beständig und so wahr ist, und daneben das Sein in seiner Möglichkeitsform (vudjud-u mumkinat)so schwach und vergänglich, dass Forscher und Kenner der Wahrheit wie Muhyiddini Arabi alle übrigen Ebenen des Seins als eine Stufe bloßer Vorstellungen und Träume behandelt haben. لاَ مَوْجُودَ اِلاَّ هُوَ {"Es gibt kein Sein außer Ihm."} sagten sie. Denn: man darf nicht sagen, dass es neben dem Notwendig-Seienden noch ein Sein für andere Dinge gebe. Sie urteilten, dass sie es nicht würdig seien, mit dem Titel "Sein" bezeichnet zu werden.
So ist denn in der Kraft (qudret)des Notwendig-Seienden, die zugleich notwendig als auch wesensgemäß ist, ein Dasein, das nur aus dem Sein entstanden und Ihm allein hinzugefügt ist, Wesen in einer (Welt des) Möglichen, die sowohl unbeständig als auch machtlos ist, mit Sicherheit unendlich einfach und leicht (zu erschaffen usw.).
Alle Seelen am Gewaltigen (Tag der) Wiederversammlung ins Leben zu rufen und vor Gericht zu stellen ist ebenso leicht, wie die Auferstehung und Wiederversammlung der Blätter, Blüten und Früchte an einem Baum, ja sogar im ganzen Garten, ja selbst in einem Frühling insgesamt.
Das zweite Geheimnis:
Die Andersartigkeit in Seiner Essenz und das Fehlen einer Beschränkung, die der Leichtigkeit (in der Schöpfung usw.) zugrunde liegt, lässt sich folgendermaßen erklären: Der Schöpfer des Weltalls ist sicherlich nicht von der Art des Weltalls. Sein Wesen ist dem Wesen (Seiner Schöpfung) nicht ähnlich. Da dies so ist, können (alle die) Hindernisse und Beschränkungen (die es) im Bereich dieses Weltalls (gibt) Ihm nicht im Wege stehen, Ihn in Seinem Werk nicht einschränken. Er kann das ganze Weltall zur gleichen Zeit lenken und leiten. Wenn all das, was wir im Antlitz des Alls an (Erscheinungen göttlichen) Tun und Waltens erblicken, auf dieses Weltall (selbst) zurückgeführt werden könnte, wäre das Ursache zu so viel Schwierigkeiten und Verwirrungen, dass nichts an Ordnung mehr übrig bliebe, nichts mehr fortbestehen könnte, ja (noch nicht einmal mehr) ins Dasein treten könnte. Zum Beispiel: wenn das Meisterwerk von Kuppeln überwölbter Sakralbauten den Steinen in der Kuppel selbst überlassen und das Kommando eines Bataillons, das doch eigentlich seinem Kommandeur gehörte, seinen Soldaten übertragen würde, so käme entweder gar nichts zustande, oder aber es entstünde unter großen Schwierigkeiten und Verwirrungen ein Zustand ohne jegliche Ordnung. Wenn hingegen (die Aufgabe), den Steinen die Form einer Kuppel anzunehmen, einem Meister übertragen wird, der selbst nicht zum Geschlecht der Steine gehört, und das Kommando über die Soldaten eines Bataillons einem Kommandeur übertragen wird, der Offiziersrang hat und über die Qualitäten eines Kommandeurs verfügt, dann wird sowohl das Kunstwerk leicht, als auch die Lenkung und Leitung einfach, denn die Steine und auch die Soldaten untereinander behindern sich
gegenseitig, während der Meister sich überall ungehindert um alles bekümmern und der Offizier die Führung übernehmen kann.
وَ لِلّٰهِ الْمَثَلُ الْاَعْلٰى
{"Und Gottes sind die erhabensten Gleichnisse." (Sure 16, 60)}
Die Heiligkeit des Wesens des Notwendig-Seienden ist nicht von der gleichen Art wie das Wesen der (Welt des) Möglichen. Vielmehr sind alle Wahrheiten im ganzen Universum Strahlen des Namens "Wahrheit" (Haqq),der zu den Schönen Namen des Heiligen gehört. Denn da der Allheilige in Seinem Wesen sowohl der Notwendig-Seiende, als auch frei von (jeglicher Anhaftung an) die Materie, als auch dem Wesen (alles Geschaffenen) entgegengesetzt ist, gibt es für Ihn nicht Seinesgleichen, nichts Vergleichbares und nichts Ähnliches. So ist denn die Lenkung, Leitung und Versorgung des gesamten Universums hinsichtlich dieses Wesens in Seiner Majestät und Seiner urewigen Macht so leicht wie die des Frühlings, ja eines einzelnen Baumes. Die gewaltige Auferstehung und das Haus des Jenseits (dar-i Ahiret),Himmel (djennet)und Hölle ins Dasein zu rufen, ist so leicht wie die Bäume im Frühling wieder ins Leben zu rufen, die im Herbst noch wie tot gewesen sind.
Drittes Geheimnis:
Der Grund dafür, dass das (völlige) Fehlen einer räumlichen (Begrenzung) und das (gleichzeitige) Fehlen (jeglicher) Zerspaltenheit eine ebenso durch nichts begrenzte Leichtigkeit bewirken, beruht auf folgendem tiefen Geheimnis: Da nun einmal der Allmächtige Meister frei ist von jeglicher Gebundenheit an einen Ort, lässt sich sagen, dass Er in Seiner Macht als an jedem Ort anwesend gilt. Und da es bei Ihm nun einmal keine Spaltung und keine Teilung gibt, vermag Er auch für jedes Ding mit all Seinen Namen zugegen zu sein... Weil dies aber so ist und Ihn (geschaffene) Dinge (nicht aufhalten), Hindernisse Ihm (Ihm einen Zugang nicht verwehren),
die Himmelskörper Ihn (Ihm nicht den Weg versperren können), so verzögern sie nichts; ja es ist dies auch gar nicht notwendig. Angenommen aber, dies sei nötig, so würden sie doch wie der elektrische Draht, der Ast eines Baumes, die Adern und Nerven eines Menschen gleich den Mitteln sein, Sein (Wirken) zu erleichtern, gleich Fahrzeugen, die das Leben herbeibringen, ein Anlass sein, Sein Handeln noch zu beschleunigen. Das heißt, es gibt hinsichtlich des Gehorsams und der Unterwerfung aller Dinge unter die Herrschaft der Macht des Glorreichen Allmächtigen (Qadir-i Dhu l-Djelal)keine Notwendigkeit; gäbe es eine solche Notwendigkeit, so wäre sie nur ein Mittel der Erleichterung.
Zusammenfassung:
Der allmächtige Meister (Sani-i Qadir)erschafft alles ohne Anstrengung in der entsprechenden Form, mühelos und leicht und schnell und ohne dabei in den Ablauf des Geschehens verwickelt zu werden. Er erschafft ein Ganzes so leicht wie einen Teil davon. Er gestaltet ein Detail genau so kunstvoll wie ein Ganzes. Derjenige, der das Ganze erschaffen hat, den Himmel und die Erde, ist in der Tat derselbe, der dessen Teile und die einzelnen Lebewesen darin erschaffen hat und ein anderer kann es nicht sein. Denn all diese winzig kleinen Unterteile sind die Früchte, Samenkörner und Abbilder des großen Ganzen.
Wer auch immer diese Unterteile erschafft, muss auch der sein, der alle Elemente Himmels und der Erden erschaffen hat, welche alle Unterteile umfassen. Denn wir sehen, dass alle diese Unterteile im Vergleich zum Ganzen wie kleine Kerne und Abbilder sind. Da dies aber so ist, müssen die Elemente, Himmel und Erde in der Hand des Allseienden ruhen, der auch die Unterteile erschafft, sodass Er entsprechend den Prinzipien Seiner Weisheit und der Ausgewogenheit Seines Wissens gleichsam auch ein Konzentrat, die Bedeutungen, die Muster des universalen und allumfassenden Seins in diese kleinen Teile, welche als ihre Abbilder gelten können, einfügen kann.
Angesichts der Wunder Seiner Kunst und staunenswerten Beispiele Seiner Schöpferkraft stehen die Unterteile nicht hinter dem Ganzen zurück, noch sind die Blumen geringer als die Sterne, oder die Samenkerne minder als die Bäume. Vielmehr ist der Baum, welcher nach göttlichem Vorherwissen unsichtbar in seinem Kern vorprogrammiert ist, noch weit erstaunlicher als der Baum, der gleich einem Gewebe göttlicher Allmacht im Garten steht. Und die Schöpfung des Menschen ist noch wundervoller als die Erschaffung des Universums. Würde ein weiser Qur'an mit den Teilen des Äthers auf ein Atom geschrieben, es würde dies noch bei weitem einen gewaltigen Qur'an, geschrieben mit den Sternen in das Antlitz des Himmels, an Wert übersteigen. Genauso gibt es noch sehr viele, winzig kleine Teile, die hinsichtlich ihrer wunderbaren Kunst noch über dem Ganzen stehen.
Fünftens:
In unseren obigen Erklärungen haben wir bereits bis zu einem gewissen Grade die unendliche Leichtigkeit, die in Seinen Geschöpfen erkennbar wird, den besonderen Grad der Geschwindigkeit, die grenzenlose Schnelligkeit Seiner Handlungen, die grenzenlose Einfachheit bei der Erschaffung aller Dinge aufgezeigt, zugleich mit dem tiefen Sinn und der Weisheit. So hat denn dieses Dasein der Dinge, die mit einer so grenzenlosen Geschwindigkeit, mit einer so unendlichen Leichtigkeit (erschaffen wurden) den Leuten der Rechtleitung eine so sichere Überzeugung vermittelt, dass in Anbetracht der göttlichen Allmacht dessen, der die Geschöpfe ins Dasein ruft, die (Erschaffung) des Paradieses so leicht gelingt, wie die eines Frühlings, die eines Frühlings so leicht wie die eines Gartens und die der Gärten so leicht wie die der Blumen.
مَا خَلْقُكُمْ وَلاَ بَعْثُكُمْ اِلاَّ كَنَفْسٍ وَاحِدَةٍ
{"Euer aller Erschaffung und Wiederversammlung ist nur wie die einer einzelnen Seele." (Sure 31, 28)}
Entsprechend dieser tiefen Wahrheit ist die Auferstehung und Wiederversammlung des Menschengeschlechtes ebenso leicht, wie eine einzelne Seele sterben zu lassen und sie sodann wiederzubeleben.
اِنْ كَانَتْ اِلاَّ صَيْحَةً وَاحِدَةً فَاِذَا هُمْ جَمِيعٌ لَدَيْنَا مُحْضَرُونَ
{"Es wird aber sein, wie ein einziger Schrei und sie werden alle zusammen vor uns gegenwärtig erscheinen." (Sure 36, 53)}
Nach dieser Erklärung ist es ebenso leicht, alle Menschen am Jüngsten Tage wiederzubeleben, wie ein Heer, das sich zur Ruhe gelagert hat, auf eine Fanfare hin wieder zu versammeln.
So ist denn, obwohl doch diese unendliche Geschwindigkeit und grenzenlose Einfachheit, die doch ein unwiderlegbarer Beweis und ein zuverlässiges Zeugnis dafür ist, dass die Macht des Meisters vollkommen und für Ihn alle Dinge leicht sind, in den Augen der Leute des Irrweges die Formung und Schaffung der Dinge durch die Macht des Meisters, die doch im Grade der Notwendigkeit leicht ist, Anlass zu dieser Verwechslung geworden, als habe sich alles ganz von selbst geformt, was doch tausendfach unmöglich ist. Das heißt, dass manche einfache Dinge so ganz einfach ins Dasein zu treten scheinen, dass (sich diese Leute) ihre Gestaltung als deren Entstehung (aus sich selbst heraus) vorstellen. Das heißt, sie werden nicht erschaffen, sondern treten ganz von sich allein ins Dasein. Also komm denn nun und betrachte und betrachte einmal diese Torheit auf ihrer äußersten Stufe! Sie machen den Beweis für Gottes unendliche Macht zum Beweis für deren Abwesenheit und öffnen so das Tor zu unendlich vielen Unmöglichkeiten. Denn in diesem Fall wäre es notwendig, vollkommene Eigenschaften wie unendliche Macht und ein umfangreiches Wissen, die für den Meister des Alls notwendig sind, jedem Teilchen eines jeden Geschöpfes zuzuschreiben, sodass sie aus sich selbst heraus entstehen könnten.
Elftes Wort:
وَ اِلَيْهِ الْمَصِيرُ
{"Und zu Ihm ist unsere Bestimmung."}
"Wa ileyhil'masier", das heißt: alles wird aus dem Reich der Vergänglichkeit (dar-i fani)in das Reich der Beständigkeit (dar-i baqiye)zurückkehren, an den ewigen Sitz im Königreich (saltanat)des von Urzeit an Bleibenden (Qadim-i Baqi),aus der Vielzahl der Ursachen in den Bereich der Macht des Glorreichen-Einen (Vahid-i Dhu l-Djelal)hinüber wechseln, aus dieser Welt (dunya)in die jenseitige (akhira)übertragen werden. Der Ort eurer Bestimmung ist an Seiner Schwelle, der Platz eurer Zuflucht Seine Barmherzigkeit (rahma)usw...
Es gibt noch sehr viele Wahrheiten, wie es dieses Wort und andere gleich ihm ausdrückt. Was unter diesen Wahrheiten diejenige betrifft, die ausdrückt, dass wir in ewiger Glückseligkeit zum Paradies eingehen werden, so wurde bereits durch die Gewissheit der zwölf Zeugnisse im "Zehnten Wort" und die Sechs Grundsätze, welche die so zahlreichen einschneidenden Beweise aus dem "Neunundzwanzigsten Wort" zusammenfassen, mit einer so hohen Sicherheit klargestellt, dass sich weitere Erklärungen dazu erübrigen. Mit der Sicherheit, wonach die Sonne nach ihrem Untergang am nächsten Morgen wieder aufgehen wird, haben diese beiden "Sözler"(Worte) bewiesen, dass auch das Leben, das die geistige Sonne dieser Welt ist, mit seinem Untergang bei der Zerstörung der Welt sich am Morgen der Wiederversammlung in einer beständigen Form wieder erheben wird. Und ein Teil der Dschinnen und Menschen wird die ewige Glückseligkeit erlangen, während ein anderer Teil in die ewige Pein eingehen wird. Da nun aber das zehnte und das neunundzwanzigste "Wort" diese Wahrheit bereits zur Gänze bewiesen haben, wollen wir sie hier diesen "Sözler"überlassen und sagen daher nur:
Wie in der obigen Erklärung bereits mit Bestimmtheit bewiesen wurde, hat der Allweise Meister (Sani-i Hakiem)dieses Universums und Barmherzige Schöpfer (Khaliq-i Rahiem)der Menschheit, der über ein grenzenloses und allumfassendes Wissen, einen unendlichen und alles bewirkenden Willen und eine unbegrenzte Macht verfügt, in Seinen Himmlischen Büchern und durch Seine Erlasse (ferman)der ganzen glaubenden Gefolgschaft des Menschengeschlechtes das Paradies und Ewige Glückseligkeit versprochen. Und da Er nun einmal Sein Versprechen gegeben hat, wird Er es mit Sicherheit auch halten. Denn dass Er Sein Versprechen bricht, ist unmöglich. Denn dem, was Er einmal versprochen hat, nicht nachzukommen, ist ein ganz besonders hässlicher Fehler, und der Absolut Vollkommene (Kamil-i Mutlaq)ist frei von allen Fehlern und heilig. Ein Versprechen nicht zu halten, geschieht entweder aus Unkenntnis oder aus Schwäche.
Da es aber für den Vollkommen Allmächtigen (Qadir-i Mutlaq)und Allwissenden (Aliem)Unkenntnis und Schwäche unvorstellbar ist, ist es auch unvorstellbar, dass Er Sein Versprechen bricht, und dies gerade und vor allem deswegen, weil der Stolz der Welt, mit dem Friede und Segen sei und alle Propheten, die Gottesfreunde, die Reinen (Theologen) und die Gläubigen den Freigebigen Barmherzigen (Rahim-i Kerim)ständig im Gebet die Ewige Glückseligkeit, die Er ihnen versprochen hat, erbitten, erwünschen, erflehen. Und sie bitten darum auch zugleich mit allen Seinen Schönen Namen, denn diese, vor allem aber Seine Liebe (shefqat),Barmherzigkeit (rahma),Gerechtigkeit (adalet)und Weisheit (hikmet)und Seine Namen: der Erbarmer (Rahman),der Barmherzige (Rahim),der Gerechte (Adl)und der Weise (Hakiem),dazu auch Seine Herrschaft (rububiyet)und Sein Königreich (saltanat),dazu auch Seine Namen: Herr und Gott (Rabb ve Allah)machen das jenseitige Reich (Akhiret)und die Ewige Glückseligkeit notwendig und erforderlich und bezeigen und bezeugen ihre Wirklichkeit. So weist denn das
ganze Sein in all seiner Realität, wie bereits im "Zehnten Wort" bewiesen wurde, auf das jenseitige Reich (Akhiret)hin. Zudem weist auch der Weise Qur'an, welcher der Gewaltige Erlass (ferman-i a'dham)ist, mit Tausenden Ayat, Erklärungen und zuverlässigen, sicheren Zeugnissen auf diese Wahrheit hin und verkündet sie. Und (Gottes) ehrenwerter Geliebter (Habib-i Ekrem),der Stolz des ganzen Menschengeschlechtes, gestützt auf Tausende offensichtlicher Wunder, hat in seinem ganzen Leben, mit seiner ganzen Kraft diese Wahrheit gelehrt, sie bewiesen, verkündigt, erschaut und gezeigt...
اَللّٰهُمَّ صَلِّ وَسَلِّمْ وَبَارِكْ عَلَيْهِ وَعَلٰٓى اٰلِهِ وَصَحْبِهِ بِعَدَدِ اَنْفَاسِ اَهْلِ الْجَنَّةِ فِى الْجَنَّةِ وَاحْشُرْنَا وَنَاشِرَ -هٰذَا الْمَكْتوُبِ- وَرُفَقَآئَهُ وَصَاحِبَهُ سَعِيدًا وَوَالِدَيْنَا وَاِخْوَانَنَا وَاَخَوَاتِنَا تَحْتَ لِوآَئِهِ وَارْزُقْنَا شَفَاعَتَهُ وَاَدْخِلْنَا الْجَنَّةَ مَعَ اٰلِهِ وَاَصْحَابِهِ بِرَحْمَتِكَ يَآ اَرْحَمَ الرَّاحِمِينَ اٰمِينَ اٰمِينَ ٭ رَبَّنَا لاَ تُؤَا خِذْنَآ اِنْ نَسِينَآ اَوْ اَخْطَاْنَا ٭ رَبَّنَا لاَ تُزِغْ قُلُوبَنَا بَعْدَ اِذْ هَدَيْتَنَا وَهَبْ لَنَا مِنْ لَدُنْكَ رَحْمَةً اِنَّكَ اَنْتَ الْوَهَّابُ ٭ رَبِّ اشْرَحْ لِى صَدْرِى ٭ وَيَسِّرْلِٓى اَمْرِى ٭ وَاحْلُلْ عُقْدَةً مِنْ لِسَانِى ٭ يَفْقَهُوا قَوْلِى ٭ رَبَّناَ تَقَبَّلْ مِنَّآ اِنَّكَ اَنْتَ السَّمِيعُ الْعَلِيمُ ٭ وَتُبْ عَلَيْناَ اِنَّكَ اَنْتَ التَّوَّابُ الرَّحِيمُ ٭ سُبْحَانَكَ لاَعِلْمَ لَنَآ اِلاَّ مَاعَلَّمْتَنَآ اِنَّكَ اَنْتَ الْعَلِيمُ الْحَكِيمُ
{"Oh Gott schenke ihm Deinen Segen, Heil und Frieden, seiner Familie und seinen Gefährten, so viel und so oft wie die Bewohner des Paradieses Atem schöpfen im Paradies und lass uns auferstehen und lass auferstehen ihn, seine Freunde und seine Gefährtinnen zur Glückseligkeit, zusammen mit unseren Eltern, unseren Brüdern und Schwestern unter seiner Fahne. Lass ihn unseren Fürsprecher sein und geleite uns ins Paradies, zusammen mit seiner Familie und seinen Gefährten in Deiner Barmherzigkeit, oh Erbarmungsvollster aller Barmherzigen! Amen. Amen." "Unser Herr! Strafe uns nicht, wenn wir uns vergangen und vergessen haben!" (Sure 2, 286) "Unser Herr! Lass unsere Herzen nicht wieder in die Irre gehen, nachdem Du uns recht geleitet hast und beschenke uns von Dir mit Deiner Barmherzigkeit (Rachma)! Denn Du bist der Geber aller Gaben (Vahhab)." (Sure 3, 8) "Unser Herr! Weite mir die Brust und mache mir meine Aufgabe leicht! Löse den Knoten in meiner Zunge, damit sie meine Worte verstehen können." (Sure 20, 25-28) "Unser Herr! Nimm dies von uns an! Denn Du bist der Allhörende, der Allweise. Wende Dich uns zu, denn Du bist es, der sich uns immer wieder zuwendet, der Allbarmherzige." (Sure 2, 127-128) "Gepriesen seist Du! Wir haben kein Wissen, außer dem, das Du uns gelehrt hast. Denn Du bist der Allwissende, der Allweise." (Sure 2, 32)}
Anhang zum Zehnten Wort des Zwanzigsten Briefes
بِاسْمِهِ سُبْحَانَهُ ٭ وَاِنْ مِنْ شَىْءٍ اِلاَّ يُسَبِّحُ بِحَمْدِهِ ٭ بِسْمِ اللّٰهِ الرَّحْمٰنِ الرَّحِيمِ ٭ اَلاَ بِذِكْرِاللّٰهِ تَطْمَئِنُّ الْقُلُوبُ ٭ ضَرَبَ اللّٰهُ مَثَلاً رَجُلاً فِيهِ شُرَكآءُ مُتَشَاكِسُونَ
{"Im Namen des Hochgelobten! Und es gibt kein Ding, das Ihn nicht rühmt und lobpreist." "Im Namen des Erbarmers, des Allbarmherzigen! ... und nur im Gedenken Gottes (dhikru'llah) gibt es die Geborgenheit der Herzen." (Sure 13, 28) "Und Gott prägte für uns das Gleichnis von einem Mann, der das Eigentum mehrerer zänkischer Partner war..." (Sure 39, 29)}
Frage:
Du hast bereits an mehreren Stellen gesagt:
"Aus der Einheit Gottes (Vahdet)entsteht eine Einfachheit in unendlichem Grade und unendlich viele Schwierigkeiten aus einer Vielheit Seiner Partner (shirk).Aus der Einheit Gottes erwächst eine Leichtigkeit im Grade einer Notwendigkeit, aus einer Partnerschaft mit Ihm (shirk)dagegen Schwierigkeiten im Grade einer Unmöglichkeit."
Dem entgegen hast du uns jedoch Schwierigkeiten und Unmöglichkeiten aufgezeigt, die zugleich mit der Einheit einher gehen. So sagst du zum Beispiel:
"Wären die Atome keine Beamten (Gottes), wäre es notwendig, dass jedes ein umfassendes Wissen besäße, oder eine vollkommene Macht, oder zahllose Maschinen, bzw. Druckereien. Das ist aber hundertfach unmöglich."
Wären jedoch diese Atome göttliche Angestellte, so müssten sie dennoch die gleichen Möglichkeiten zu ihrer Verfügung haben, damit sie ihre zahllosen Aufgaben
ordentlich erfüllen könnten. Ich hätte hierfür gerne eine Auflösung.
Antwort:
Wir haben bereits in vielen "Sözler"(Worten) erklärt und bewiesen, dass alles Sein (maudjudat),sobald man es auf den einen Künstler zurückführt, so einfach und leicht (erklärt) werden kann wie eine einzige (Schöpfung). Führt man es hingegen auf Vielfältige Ursachen und auf die Natur zurück, so wird die (Erschaffung) einer einzigen Fliege so schwierig und kompliziert wie die aller Himmel, die einer Blume wie die des ganzen Frühlings, die einer einzigen Frucht wie die eines ganzen Gartens. Da diese Thematik bereits in anderen "Sözler"(Worten) erforscht und erklärt worden ist, wollen wir sie hier auf ihnen beruhen lassen und sie anhand von drei Beispielen zu drei Hinweisen erläutern, welche es der Seele ermöglichen, sich von dieser Wahrheit zu überzeugen:
Erstes Beispiel:
Ein kleines durchscheinendes glänzendes Stäubchen kann, allein und für sich selbst gelassen, noch nicht einmal einem Lichtfunken (von der Größe) eines Streichholzköpfchens Platz bieten und ihm als Quelle dienen. Seiner Kapazität und der eigenen Größe entsprechend kann es nicht mehr Licht in sich beherbergen, als es einem so winzig kleinen Stäubchen entspricht. Wenn sich dieses Stäubchen aber mit der Sonne verbindet, ihr sein Gesicht zuwendet, sein Auge öffnet und sie anblickt, kann es diese riesige Sonne mit ihren Strahlen, mit ihren sieben Farben, mit ihrer Wärme, ja sogar mit ihrer Entfernung (virtuell) in sich aufnehmen und so eine Art riesiger Erscheinungsform darstellen. Das also heißt, dass ein solches Stäubchen, sich selbst überlassen, nicht mehr zu leisten vermag, als das, was einem solchen Stäubchen entspricht, während es in seiner Funktion als Beamter der Sonne, ihr zugehörig und ihr Spiegelbild, wie die Sonne, bei der Ausführung (der Aufgaben) der Sonne selbst ein winzig kleines Musterbeispiel von ihr darstellen kann.
وَ لِلّٰهِ الْمَثَلُ الْاَعْلٰى
{"Bei Gott sind die erhabensten Gleichnisse." (Sure 16, 60)}
Sobald sich also alles Sein, ja sogar jedes einzelne Atom auf eine Vielheit, auf Ursachen, Partner, die Natur, auf sich selbst stützen müsste, so müsste auch jedes Atom und alles Sein entweder über ein umfassendes Wissen und eine absolute Macht verfügen können, oder aber unendlich viele unsichtbare Maschinen oder Druckereien in sich enthalten, damit es die ihm übertragenen wundervollen Aufgaben ausführen könnte. Wenn sich aber diese Atome auf den Einen-Allgegenwärtigen (Vahid-i Ahad)stützen können, dann ist auch jedes einzelne Kunstwerk, ein jedes Atom mit Ihm verbunden. Es gilt als Sein Beamter. Diese Zugehörigkeit lässt es Seine Erscheinung zum Ausdruck bringen. Und durch seine Erscheinungsweise und durch seine Verbundenheit kann es sich auf sein unbegrenztes Wissen und Seine Allmacht stützen. In der Kraft seines Schöpfers kann es dann Arbeiten und Aufgaben erfüllen, die millionenfach mehr als seine eigene Kraft erfordern, entsprechend dem Geheimnis und aus dieser Verbundenheit heraus.
Zweites Beispiel:
Da sind z.B. zwei Brüder. Der eine ist kühn und sicher seiner selbst, der andere aber voll Begeisterung und Hingabe seinem Land verbunden. Zur Zeit eines Krieges fühlte sich der eine in seiner Selbstsicherheit nicht seinem Land verbunden und wollte die Sache für sich selbst regeln. So musste er denn seine eigenen Ressourcen selbst auf sich nehmen, Ausrüstung und Bewaffnung seiner eigenen Stärke entsprechend selber transportieren. Mit seinen eigenen kümmerlichen Kräften konnte er auch gegen das feindliche Heer nur mit einem Unteroffizier kämpfen. Für mehr hatte er die Mittel nicht. Der andere Bruder aber vertraute nicht auf sich selbst, wusste, dass er selbst nur schwach und kraftlos war... So setzte er sich denn mit dem König in Verbindung und wurde
zu dessen Soldaten eingezogen. Und durch diese Verbindung wurde ein ganzes großes Heer sein Rückhalt. Und einen solchen Stützpunkt im Rücken und mit der Unterstützung seines Königs konnte er die moralische Kraft des Heeres auf sich vereinigen und sich durch dieser inneren Kraft in die Schlacht werfen und als er schließlich im Heer des befeindeten Fürsten einem hohen General begegnete, zu diesem im Namen des eigenen Königs sagen: "Sie sind mein Gefangener!... Folgen Sie mir!" So nahm er ihn gefangen und lieferte ihn aus. Die tiefe Wahrheit (sirr),die dieser Situation zugrunde liegt, ist folgende Weisheit:
Während der obige Dummkopf seine eigene Ausrüstung und Bewaffnung selbst schultern musste und so nur ganz unbedeutende Dinge tun konnte, brauchte der Diener (des Königs) seine Ressourcen nicht selbst zu transportieren, vielmehr wurden sie durch das Heer und vom König übernommen. Gerade so wie man den bereits vorhandenen Telegraphenschreiber und das Telefonkabel durch eine kleine Schnur mit dem Empfänger verbindet, so stellte dieser Mann eine Verbindung zwischen sich und der grenzenlosen Kraft her.
وَ لِلّٰهِ الْمَثَلُ الْاَعْلٰى
{"Bei Gott sind die erhabensten Gleichnisse." (Sure 16, 60)}
Sobald also alle Geschöpfe, ja selbst jede einzelne Zelle sich unmittelbar auf den Einen-Allgegenwärtigen (Vahid-i Ahad)stützen können und sich mit ihm verbunden haben, kann eine Ameise in der Kraft einer solchen Verbindung und auf den Befehl ihres Herrn, sein Kommando, den Kommandanten des Palastes des Pharao zugrunde richten, seinen Kopf rollen lassen... eine Mücke Nimrod elend zugrunde gehen lassen und ihn in die Hölle werfen... eine Mikrobe den mächtigsten Tyrannen ins Grab steigen lassen... der Same einer Tanne, klein wie ein Weizenkorn zur Werkbank, ja zu einer Maschinenhalle für
eine Tanne zu werden, mächtig wie ein Berg... ein Luftmolekül vermag in allen Blumen und Früchten die verschiedensten Arbeiten zu verrichten und an ihrer Gestaltung ordentlich und genau mitzuwirken. Alle diese einfachen Dinge werden ganz offensichtlich erst in göttlichem Auftrag und durch eine solche Verbindung möglich. Wenden sich aber die Dinge nach Art eines Dummkopfes den Ursachen und der Vielheit zu und gehen sie dann, sich selbst überlassen, den partnerschaftlichen Weg (shirk)hinunter, dann verlaufen alle Dinge ihrer eigenen Kapazität und dem Vermögen ihres eigenen Bewusstseins entsprechend.
Drittes Beispiel:
Es waren einmal zwei Freunde. Die wollten über ein Land, das sie noch nie gesehen hatten, eine erdkundliche Arbeit mit statistischen Angaben verfassen. Der eine von ihnen begab sich in den Dienst des Königs dieses Landes und begab sich in das Telephon und Telegraphenamt. Mit einer Telephonleitung für zehn Para verband er sein eigenes Gerät mit der staatlichen Leitung und nimmt nun überall hin Verbindung auf, tauscht Nachrichten aus und empfängt Informationen. So kann er nun ein ganz vorzügliches erdkundliches Werk von künstlerischer Vollendung abfassen und mit allen statistischen Angaben versehen.
Was aber den anderen (der beiden) Freunde betrifft, so wird dieser entweder fünfzig Jahre lang ständig auf Reisen sein, sich unter vielen Strapazen überall umschauen und jeder Erzählung lauschen oder aber Millionen Pfund für ein landesweites Telephon und Telegraphennetz ausgeben müssen, um auch ein solches wie der König zu besitzen und dann, gleich seinem oben erwähnten Freund, ein so vollkommenes Werk schreiben zu können.
وَ لِلّٰهِ الْمَثَلُ الْاَعْلٰى
{"Bei Gott sind die erhabensten Gleichnisse." (Sure 16, 60)}
Sobald also all die zahllosen Geschöpfe und alles Sein
auf den Einen-Allgegenwärtigen (Vahid-i Ahad)zurückgeführt werden, so wird zu gleicher Zeit ein jedes Ding zu Seinem Erscheinungsort und dadurch, dass es zu diesem Erscheinungsort der Urewigen Sonne wird, erlangt es Kontakt zu den Gesetzen Seiner Weisheit, den Grundsätzen Seines Wissens und den Bestimmungen Seiner Macht. Zugleich empfängt es den Göttlichen Funken, der durch die Kraft und Macht Gottes zu einem alles sehenden Auge, einem allschauenden Antlitz und einem alles bewirkenden Wort wird. Reißt jedoch diese Verbindung ab, so wird es zugleich auch von allen anderen Dingen abgeschnitten und schrumpft auf die Winzigkeit seiner bloßen Existenz zusammen. In diesem Fall müsste es über eine absolute Göttlichkeit verfügen, um die Funktionen ausüben zu können, die es in seinem früheren Zustand erfüllt hatte.
Zusammenfassung:
Auf dem Wege der göttlichen Einheit (Vahdet)und des Glaubens (iman)liegt eine Einfachheit und Leichtigkeit im Grade einer Notwendigkeit, auf dem der Abgötterei (shirk)und der Ursachen dagegen Schwierigkeiten und Umständlichkeiten im Grade einer Unmöglichkeit. Denn ein einziger kann ohne Mühe vielen Dingen eine Form geben und ein Ergebnis zustande bringen. Wenn es dagegen vielen Dingen überlassen bliebe, eine solche Form zustande zu bringen und dieses Ergebnis zu erreichen, könnte dies nur mit sehr vielen Anstrengungen und sehr vielen Unternehmungen zuwege gebracht und ein Ergebnis erreicht werden. Wie wir bereits im Dritten Brief gesagt haben, setzt sich das Heer der Sterne unter dem Kommando der Sonne und des Mondes in Bewegung, wobei in jeder Nacht und in jedem Jahr ein prächtiger Umzug, eine Prozession zum Lobpreise (tesbih)Gottes zustande kommt. Ein faszinierendes, wunderschönes himmlisches Schauspiel! Führt man alle diese großartigen Geschehnisse, wie den Wechsel der Jahreszeiten und dergleichen erhabenen und weisheitsvollen Ergebnisse (der Bewegungen) der Erde auf
die Einheit (Vahdet)Gottes zurück, so kann dieser Urewige Sultan leicht einer Soldatin wie der Erde als Kommandantin den Befehl zu diesem Schauspiel mit diesem Ergebnis unter den erhabenen Himmelskörpern erteilen. Dann wird die Erde, sobald sie ihren Befehl erhalten hat, vor Freude über ihren Auftrag wie ein Mewlewi(Derwisch) zu singen (Sema')und zu tanzen (dhikr)beginnen. So vollzieht sich dieses Schauspiel mit nur wenig Mühe und ein so wichtiges Ereignis kommt zustande. Würde statt dessen der Erde gesagt: "Halt an! Misch dich nicht ein!", dann müsste (zu diesem gleichen) Ergebnis, für dieses Schauspiel, welches dann dem Himmel überlassen bliebe und statt der Einheit (Vahdet)Gottes der Vielheit und seinen Partnern (shirk)zugeschrieben würde, sich jeden Tag und jedes Jahr Millionen von Sternen, die tausendfach größer sind als der Erdball, in Bewegung setzen und Tag für Tag und Jahr für Jahr) eine Entfernung von Milliarden Lichtjahren in vierundzwanzig Stunden, bzw. einem Jahr zurücklegen.
Schlussfolgerung:
Der Qur'an und die Gläubigen führen unendlich viele Kunstwerke auf den einen und allgegenwärtigen Meister (Sani-i Vahid)zurück und erblicken die Basis eines jeden Werkes unmittelbar in Ihm. So ziehen sie denn ihres Weges mit einer Leichtigkeit, die der Notwendigkeit (vudjub)gleich kommt und führen auf ihm... Doch die Leute der Abgötterei und des Aufstandes sehen die Basis auch nur eines einzigen Kunstwerkes in unendlich vielen Dingen und gehen einen Weg, der schwierig ist bis zum Grade der Unmöglichkeit. So finden sie sich denn auf dem Wege des Qur'an zusammen mit allen Kunstwerken, dagegen finden sich auf dem Wege der Irrungen sie sich mit nur einem Kunstwerk zusammen. Ja, es ist bei weitem leichter und einfacher, wenn alle Dinge aus einem einzigen hervorgehen, als das ein einziges Ding aus unendlich vielen Dingen hervorgehen sollte. In gleicher Weise ist es für einen Offizier ebenso leicht tausend Soldaten zu führen wie einen einzelnen, wo hingegen die Führung eines
einzigen Soldaten, vertraut man ihn tausend Offizieren an, so schwierig wird wie die Führung von Tausend Soldaten, was ein Chaos heraufbeschwören würde.
So spaltet denn die folgende gewaltige Ayah den Leuten der Abgötterei mit dieser Wahrheit den Schädel:
ضَرَبَ اللّٰهُ مَثَلاً رَجُلاً فِيهِ شُرَكَآءُ مُتَشَاكِسُونَ وَرَجُلاً سَلَمًا لِرَجُلٍ هَلْ يَسْتَوِيَانِ مَثَلاً اَلْحَمْدُ لِلّٰهِ بَلْ اَكْثَرُهُمْ لاَ يَعْلَمُونَ ٭ سُبْحَانَكَ لاَعِلْمَ لَنَآ اِلاَّ مَاعَلَّمْتَنَآ اِنَّكَ اَنْتَ الْعَلِيمُ الْحَكِيمُ ٭ اَللّٰهُمَّ صَلِّ وَسَلِّمْ عَلٰى سَيِّدِنَا مُحَمَّدٍ بِعَدَدِ ذَرَّاتِ الْكَآئِنَاتِ وَعَلٰٓى اٰلِهِ وَصَحْبِهِ اَجْمَعِينَ اٰمِينَ، وَ الْحَمْدُ لِلّٰهِ رَبِّ الْعَالَمِينَ
اَللّٰهُمَّ ياَ اَحَدُ ياَ واَحِدُ ياَ صَمَدُ ياَ مَنْ لآَ اِلٰهَ اِلاَّ هُوَ وَحْدَهُ لاَ شَرِيكَ لَهُ ٭ ياَ مَنْ لَهُ الْمُلْكُ وَلهُ الْحَمْدُ.. وَياَ مَنْ يُحْيِى وَيُمِيتُ.. ياَ مَنْ بِيَدِهِ الْخَيْرُ ٭ ياَ مَنْ هُوَ عَلٰى كُلِّ شَىْءٍ قَدِيرٌ.. ياَ مَنْ اِلَيْهِ الْمَصِيرُ.. بِحَقِّ اَسْرَارِ هٰذِهِ الْكَلِمَاتِ اِجْعَلْ نَاشِرَ هٰذِهِ الرِّسَالَةِ وَرُفَقَآئَهُ وَصَاحِبَهَا سَعِيدًا مِنَ الْمُوَحِّدِينَ الْكَامِلِينَ وَمِنَ الصِّدِّيقِينَ الْمُحَقِّقِينَ وَمِنَ الْمُؤْمِنِينَ الْمُتَّقِينَ اٰمِينَ ٭ اَللّٰهُمَّ بِحَقِّ سِرِّ اَحَدِيَّتِكَ اِجْعَلْ نَاشِرَ هٰذَا الْكِتَابِ ناَشِرًا لِاَسْرَارِ التَّوْحِيدِ وَقَلْبَهُ مَظْهَرًا ِلاَنْوَارِ الْاِيمَانِ وَلِسَانَهُ ناَطِقًا بِحَقَآئِقِ الْقُرْاٰنِ. اٰمِينَ اٰمِينَ اٰمِينَ
{"Gott hat das folgende Gleichnis geprägt von einem Mann, der das Eigentum mehrerer zänkischer Herren war, und einem Mann, der ganz und gar einem (einzigen) Herrn gehörte. Sind die beiden etwa als einander gleich betrachtet werden? Gepriesen sei Gott! Doch die meisten von ihnen verstehen das nicht." (Sure 39, 29)
"Gepriesen seist Du! Wir haben kein Wissen, außer dem, das Du uns gelehrt hast. Denn Du bist der Allwissende, der Allweise." (Sure 2, 32)
"Oh Gott, gib Deinen Frieden und Segen unserem Herrn (Seyyidina) Mohammed nach der Zahl der Atome im All, seiner Familie und allen seinen Gefährten. Amen Und aller Lobpreis und Dank sei Gott, dem Herrn (Rabb) der Welten."
"Oh Gott! Oh Einziger (Ahad)! Allgegenwärtiger (Vahid)! Einzigartiger! Oh Du, außer dem es keinen Gott gibt. Er ist der Einzige, Er hat keinen Partner. Oh der, dem das Reich gehört und dem aller Dank gebührt! Oh Du, der das Leben gibt und den Tod! Oh Du, in dessen Händen alles Gute liegt und der aller Dinge mächtig ist! Oh Du, bei dem unsere Bestimmung ist! Um der tiefen Wahrheit (sirr) dieser Worte willen zähle diejenigen, welche diese Abhandlung veröffentlichen und ihre Gefährtinnen und Freunde zu den Glückseligen unter denen, welche die Vollkommenheit Deiner Einheit bekennen, den wahrhaft Getreuen, den aufrichtigen Gläubigen. Amen"
"Oh Gott! Um des Geheimnisses Deiner Einheit willen lass diejenigen, welche dieses Buch herausgeben, die tiefen Wahrheiten (esrar) Deiner göttlichen Einheit verbreiten, mache ihre Herzen zu einem Ort, an dem das Licht Deines Glaubens aufscheint, lasse ihre Zungen die Wahrheit des Qur'an aussprechen! Amen. Amen. Amen."}
Einundzwanzigster Brief
بِاسْمِهِ سُبْحَانَهُ ٭ وَاِنْ مِنْ شَىْءٍ اِلاَّ يُسَبِّحُ بِحَمْدِهِ ٭ بِسْمِ اللّٰهِ الرَّحْمٰنِ الرَّحِيمِ ٭ اِمَّا يَبْلُغَنَّ عِنْدَكَ الْكِبَرَ اَحَدُهُمَآ اَوْكِلاَ هُمَا فَلاَ تَقُلْ لَهُمَآ اُفٍّ وَلاَ تَنْهَرْهُمَا وَقُلْ لَهُمَا قَوْلاً كَرِيمًا ٭ وَاخْفِضْ لَهُمَا جَنَاحَ الذُّلِّ مِنَ الرَّحْمَةِ وَقُلْ رَبِّ ارْحَمْهُمَا كَمَا رَبَّيَانِى صَغِيرًا ٭ رَبُّكُمْ اَعْلَمُ بِمَا فِى نُفُوسِكُمْ اِنْ تَكُونُوا صَالِحِينَ فَاِنَّهُ كَانَ لِلْاَوَّابِينَ غَفُورًا
{"Im Namen des Hochgelobten und fürwahr; es gibt kein Ding, das nicht lobend Ihn preist!" (Sure 17, 44) "Im Namen Allahs, des Erbarmers, des Barmherzigen; Wenn eines von ihnen (Vater oder Mutter) oder (alle) beide bei dir (im Haus) hochbetagt geworden (und mit den Schwächen des Greisensalters behaftet) sind, dann sag nicht 'Pfui!' zu ihnen und fahr sie nicht an, sondern sprich ehrerbietig zu ihnen, und senke für sie in Barmherzigkeit den Flügel der (Selbst)erniedrigung (d.h. benimm dich ihnen gegenüber aus Barmherzigkeit freundlich und gefügig) und sag: 'Herr! Erbarm dich ihrer (ebenso mitleidig), wie sie mich aufgezogen haben, als ich klein (und hilflos) war!' Euer Herr weiß sehr wohl, was ihr in euch verbergt. (Er erkennt) falls ihr rechtschaffen seid (euren guten Willen an, auch wenn ihr seinen Geboten nicht durchweg nachzukommen vermögt). Den Bußfertigen ist Er bereit zu vergeben." (Sure 17, 23-25)}
Oh du, der du Gottvergessen lebst, in wessen Haus sich die alte Mutter oder Vater, oder ein pflegebedürftiger, oder ein hilfloser oder blinder Verwandter oder Glaubensbruder befindet!... Achte auf diesen ehrwürdigen Qur'anvers und siehe, wie in diesem Vers zur Zärtlichkeit gegenüber den altgewordenen Eltern aufgerufen wird. In der Tat ist die höchste Wahrheit in der Welt die selbstlose Liebe (shefqat)der Väter und der Mütter ihren Kindern gegenüber; und das
erhabenste Recht ist, dass sie dieser selbstlosen Liebe gegenüber von ihnen Hochachtung bekommen. Denn, sie opfern ihr Leben in vollkommener Freude für das Leben ihrer Kinder und geben es aus. Daher steht jedem Kind zu, das von dem Menschsein nicht abgefallen ist und sich nicht in ein Untier umgewandelt hat, jene verehrten, treuen und opferwilligen Freunde aufrichtig hochzuachten, ihnen innig zu dienen, ihre Wünsche zu erkennen und ihre Herzen zu erfreuen. Onkel und Tante der väterlichen Seite gilt als Vater und der mütterlichen Seite gilt als Mutter. So wisse, wie erbärmlich und gemein es ist, die Anwesenheit jener segensreichen Alten lästig zu finden und ihren Tod zu wünschen, und komme zur Besinnung. Verstehe, welch eine hässliche Ungerechtigkeit und Erbärmlichkeit es ist, den Untergang des Lebens dessen zu wünschen, der sein Leben für dein Leben geopfert hat!
Oh du Mensch, der du von der Sorge um den Lebensunterhalt betroffen bist! Wisse, dass die Säule des Segens (bereket),der Anlass der Fülle (rahmet)und der Vertreiber des Unglückes in deinem Haus dein alter oder blinder Verwandter ist, der in deinem Hause lebt und den du lästig findest. Sage nur ja nicht: "Mein Einkommen ist knapp, ich kann damit nicht auskommen." Denn, gäbe es den Segen (bereket)nicht, der ihretwegen kommt, auf jeden Fall würde die Knappheit bei deiner Lebenshaltung noch größer werden. Vertraue mir, dass das wahr ist. Ich kenne absolut sichere Beweise dafür und kann dich auch davon überzeugen. Um es nicht in die Länge zu ziehen, fasse ich mich hier kurz. Verlasse dich auf mein Wort. Ich versichere, diese Wahrheit ist absolut sicher, sogar meine Begierde und mein Teufel haben sich davor ergeben. Eine Wahrheit, die die Hartnäckigkeit (inad)meiner Begierde gebrochen und meinen Teufel zum Schweigen gebracht hat, muss dich überzeugen können.
In der Tat sendet der majestätische Schöpfer in Seiner Gastfreundschaft (Khaliq-i Dhu l-Djelal-i vel'Ikram),der durch das Zeugnis des Kosmos im
unendlichen Grade barmherzig (Rahman),gütig (Rahim),freundlich (Latif)und freigiebig (Keriem)ist, wie Er zu den Neugeborenen, die Er zur Welt sendet, ihre Nahrung in einer äußerst freundlichen Weise durch die Hähne der Brüste in ihre Münder fließen lässt, auch die Nahrung der Alten, die wie Kinder geworden sind und mehr als die Kinder die Barmherzigkeit verdient haben und der Zärtlichkeit und Liebe (merhamet ve shefqat)bedürftig sind, in Fülle. Er lädt ihre Versorgung nicht auf die habgierigen und geizigen Menschen.
اِنَّ اللّٰهَ هُوَ الرَّزَّاقُ ذُوالْقُوَّةِ الْمَتِينُ ٭ وَكَاَيِّنْ مِنْ دَآبَّةٍ لاَ تَحْمِلُ رِزْقَهَآ اَللّٰهُ يَرْزُقُهَا وَاِيَّاكُمْ
{"Gott ist es, der (allen) Unterhalt beschert und Macht und Festigkeit zu Eigen hat." (Sure 51, 58) "Wie viele Geschöpfe gibt es, die nicht selbst für ihren Unterhalt sorgen! Allah versorgt sie und euch und Er ist es, der alles hört und alles weiß." (Sure 29, 60)}
Die Wahrheit, die diese Verse zum Ausdruck bringen, machen alle Arten der Lebewesen ohne Worte (lisan-i hal)durch ihre Tat bekannt und verkünden die Wahrheit dieser gastfreundlichen Freigiebigkeit. Nicht nur die Nahrung der alten Verwandten, sogar auch die mancher Tiere wie Katzen, die dem Menschen als Freund gegeben wurden und deren Nahrung innerhalb der Versorgung der Menschen gesandt wird, kommt in Fülle. Ein Beispiel, das dieses bestätigt und welches ich erlebt habe:
Meine nächsten Freunde wissen auch: Vor zwei, drei Jahren hatte ich jeden Tag ein halbes Brot - das Brot in diesem Dorf war damals klein - als Ration, die mir meistens nicht ausreichte. Dann kamen zu mir vier Katzen als Gäste. Dieselbe Ration reichte sowohl für mich als auch für sie. Meistens blieb noch etwas übrig.
Es wiederholte sich dieser Umstand dermaßen oft, dass ich zu der Überzeugung gelangte, ich hätte einen Nutzen aus der Segensfülle der Katzen. Mit fester Überzeugung gebe ich bekannt: Sie waren mir keine Last und mir gegenüber keinen Dank schuldig, sondern ich war ihnen zu Dank verpflichtet.
Oh du Mensch! Wenn ein Tier in der Gestalt eines Raubtieres in das Haus eines Menschen zu Gast kommt und ein Anlass zum Segen wird, so kannst du das in das Verhältnis bringen, wenn sich ein Mensch, der unter den Geschaffenen der Ehrwürdigste ist, oder ein gläubiger Mensch, der unter den Menschen der Vollkommenste ist, oder ein hilfloser und siechender alter Gläubiger, der am meisten der Hochachtung und der Barmherzigkeit würdig ist, oder ein Verwandter, der unter den siechenden Alten am meisten Zärtlichkeit, Dienst und Liebe verdient, oder Mutter und Vater, die unter den Verwandten die wahrsten Freunde und treuesten Geliebten sind, in dem Zustand ihres Altseins mit dir im selben Haus befinden, in welchem Grade sie ein Anlass zur Fülle und ein Mittel der Barmherzigkeit sind, und nach dem Geheimnis von
لَوْلاَ الشُّيُوخُ الرُّكَّعُ لَصُبَّ عَلَيْكُمُ الْبَلآَءُ صَبًّ
d.h. "Gäbe es keine Alten mit gebeugten Rücken unter euch, so würden die Katastrophen wie die Sintflut auf euch niederregnen", kannst du dir vorstellen, in welchem Grade sie ein Grund für die Aufhebung (der Verhängung) eines Unglücks sind.
Also, oh du Mensch, komme zur Besinnung! Wenn du nicht vorher stirbst, wirst du ein Greis werden. Wenn du deinen Eltern gegenüber nicht respektvoll bist, so werden dir auch deine Kinder, nach dem Geheimnis von
اَلْجَزَآءُ مِنْ جِنْسِ الْعَمَلِ
{"Die Strafe entspricht der Art der Tat."}
nicht dienen. Magst du dein Leben im Jenseits, so ist hier für dich eine wichtige Fundgrube, stell dich in ihren Dienst, achte auf ihr Einverständnis! Magst du dein Leben in dieser Welt, stelle sie wiederum zufrieden, damit dein Leben ihretwegen wohl und dein Unterhalt segensreich
wird. Sonst wirst du, wenn du sie lästig findest, ihren Tod wünschst und ihre zärtlichen und leicht empfindlichen Herzen kränkst, der Fall für das Geheimnis von
خَسِرَ الدُّنْيَا وَالْاٰخِرَةَ
{"Verlierer der Welt und des Jenseits."}
Willst du die Barmherzigkeit des Erbarmers, so sollst du diesen Anvertrauten des Erbarmers und Seinen Pfändern gegenüber in deinem Haus barmherzig sein.
Es gab einen Mann unter meinen Mitbrüdern namens Mustafa Tjavush. Ich sah ihn in seinen religiösen und weltlichen Angelegenheiten erfolgreich. Das Geheimnis davon wusste ich nicht. Danach erkannte ich den Grund seines Erfolges: Dieser Mann kannte die Rechte seines alten Vaters und seiner alten Mutter, achtete auf dieses Recht vollständig und gelangte ihretwegen zu Wohlstand und Segen. Insha-al'lah, wolle es Gott, setzte er sein jenseitiges Leben in Stand. Wer glücklich sein will, soll ihm nacheifern!
اَللّٰهُمَّ صَلِّ وَسَلِّمْ عَلٰى مَنْ قاَلَ اَلْجَنَّةُ تَحْتَ اَقْدَامِ الْاُمَّهَاتِ وَعَلٰٓى اٰلِهِ وَصَحْبِهِ اَجْمَعِينَ ٭ سُبْحَانَكَ لاَعِلْمَ لَنَآ اِلاَّ مَاعَلَّمْتَنَآ اِنَّكَ اَنْتَ الْعَلِيمُ الْحَكِيمُ
{"Oh Allah! Segne den, der sagt: 'Das Paradies liegt unter den Füßen der Mütter', und seine Familie und alle seine Gefährten." "Gepriesen seist Du! Wir haben kein Wissen, außer dem, das Du uns gelehrt hast. Denn Du bist der Allwissende und der Allweise." (Sure 2, 32)}
Zweiundzwanzigster Brief
بِاسْمِهِ ٭ وَاِنْ مِنْ شَىْءٍ اِلاَّ يُسَبِّحُ بِحَمْدِهِ
{"Im Namen dessen, vor dem es kein Ding gibt, das Ihn nicht in Dankbarkeit lobpreist."}
Dieser Brief besteht aus zwei Kapiteln. Das Erste Kapitel ist eine Einladung an die Leute des Glaubens zur Brüderlichkeit und Liebe.
Erstes Kapitel
بِسْمِ اللّٰهِ الرَّحْمٰنِ الرَّحِيمِ ٭ اِنَّمَا الْمُؤْمِنُونَ اِخْوَةٌ فَاَصْلِحُوا بَيْنَ اَخَوَيْكُمْ ٭ اِدْفَعْ بِالَّتِى هِىَ اَحْسَنُ فَاِذَا الَّذِى بَيْنَكَ وَبَيْنَهُ عَدَاوَةٌ كَاَنَّهُ وَلِىٌّ حَمِيمٌ ٭ وَالْكَاظِمِينَ الْغَيْظَ وَالْعَافِينَ عَنِ النَّاسِ وَاللّٰهُ يُحِبُّ الْمُحْسِنِينَ
{"Im Namen Allahs, des Erbarmers, des Barmherzigen." "Fürwahr, die Gläubigen sind Brüder. Darum stifte Frieden zwischen deinen Brüdern!" (Sure 49, 10) "Überwinde das Böse durch das Gute, so wird der, mit dem du bisher verfeindet warst, dir ein vertrauter Freund werden." (Sure 41, 34) "Sie bezwingen ihren Groll und vergeben den Menschen; und Allah liebt die Rechtschaffenen." (Sure 3, 134)}
Betrachtet man die Dinge vom Standpunkt der Wahrhaftigkeit und Weisheit (haqqiqat ve hikmet)aus, vom Gesichtspunkt des Islam, der höchste Menschlichkeit ist, prüft sie hinsichtlich des individuellen Lebens, hinsichtlich des sozialen Lebens,
hinsichtlich des spirituellen Lebens, so ist es abscheulich und verwerflich, zerstörerisch und verbrecherisch, sich auf verschiedene Seiten zu stellen und so einander verbissen zu bekämpfen und zu beneiden (tarafgirlik ve inad ve hased).Hierin liegt der Grund für Zwist und Zwietracht, Hass und Feindschaft unter den Gläubigen. Solche Dinge sind Gift für das Leben der Menschheit. Diese Tatsache kann man unter vielen verschiedenen Aspekten betrachten. Wir wollen hier sechs von ihnen verdeutlichen.
Erster Aspekt:
Ein Verbrechen im Hinblick auf die Wahrhaftigkeit (haqiqat).
Oh Mensch, der du unbillig und ungerecht Hass und Feindschaft gegen die Gläubigen nährst! Angenommen, du befändest dich auf einem Schiff oder in einem Haus und mit dir zusammen wären neun Unschuldige und ein Verbrecher. Wenn nun ein Mann versuchen wollte, dieses Schiff zu versenken oder dieses Haus niederzubrennen, so weißt du, welch unverhältnismäßiges Unrecht das wäre. Du würdest über diesem Unrecht die Himmel anrufen, dass sie dich hören sollen. Und selbst wenn es nur einen einzigen Unschuldigen unter neun Verbrechern gäbe, wäre es dennoch gegen jedwedes Recht und Gesetz, dieses Schiff zu versenken.
In gleicher Weise gilt:
Vergleichen wir einen Gläubigen in seinem Wesen mit einem Haus des Herrn oder einem göttlichen Schiff, so finden sich darin nicht nur neun, nein, sogar zwanzig Attribute wie z.B. der Glaube, die Religion des Islam, eine gute nachbarschaftliche Gesinnung, deretwegen man ihn nicht verurteilen kann. Hegtest du nun etwa den Gedanken oder nährtest in dir gar den Wunsch, einem Gläubigen wegen einer schlechten Eigenschaft, die dich verletzt und dir nicht gefällt, Hass und Feindschaft entgegenzubringen und dieses unsichtbare Haus seiner Persönlichkeit im übertragenen Sinne zu zerstören, zu verbrennen, zu versenken, so wäre das wie in dem angeführten Beispiel eine gnadenlose, eine abscheuliche Ungerechtigkeit.
Zweiter Aspekt:
Ein weiteres Verbrechen; eines im Hinblick auf die Weisheit (hikmet).
Dies ist so, weil bekanntermaßen Liebe (muhabbet)und Hass (adavet)einander wie Licht und Finsternis entgegengesetzt sind. Beide können nicht miteinander gemeinsam in ihrem wahren Sinn und Wesen bestehen bleiben.
Wenn die Liebe im Herzen eines Menschen hinsichtlich der Qualität ihrer Beweggründe wirkliche Liebe ist, dann wird Hass unwirklich (adavet medjazi)und verwandelt sich in Mitgefühl. In der Tat liebt ein Gläubiger seinen Bruder und muss ihn auch lieben. Das Böse in seinem Bruder aber erregt in ihm nur Mitgefühl. Nicht mit Gewalt bemüht er sich darum, vielmehr in Güte (lutuf)ihn zu veredeln. Darum bringt ein Hadith ganz klar zum Ausdruck: "Ein Gläubiger soll einem anderen Gläubigen nicht länger als drei Tage zürnen, Gespräch und Beziehung zu ihm nicht abbrechen."
Gewinnen aber die Gründe für eine Feindschaft (adavet)die Oberhand und bewirkt diese Feindschaft im Herzen eines Menschen wirklichen Hass, dann wird die Liebe darin unwirklich (muhabbet medjazi)und führt zu Liebedienerei und Kriechertum.
Oh du ungerechter Mensch, betrachte jetzt, was für ein Verbrechen es ist, seinem Gläubigen Mitbruder Hass und Feindschaft entgegenzubringen. Denn wenn du ganz gewöhnliche kleine Steine für wertvoller hältst, als den schwarzen Stein in der Kaaba und behauptest, sie seien größer als der Felsen von Uhud, was für eine Geschmacklosigkeit und welch eine Dummheit ist das dann. Ebenso möge doch einmal jemand, der einem Gläubigen, der so viele islamische Eigenschaften besitzt wie den Glauben, der so verehrungswürdig ist, wie der schwarze Stein in der Kaaba und noch dazu eine Gottergebenheit, die so gewaltig ist wie der Felsen von Uhud und die doch nach Liebe und Eintracht verlangen, wegen einiger kleiner Fehler, gewöhnlichen Steinen vergleichbar, Hass und Feindschaft (adavet)entgegenbringt und diese vor dem Glauben und seiner Gottergebenheit bevorzugt, einsehen, was für
eine große Ungerechtigkeit, wie unverständlich und zuhöchst grausam das ist; wenn er Verstand dazu hat!...
In der Tat verlangt die Einheit im Glauben (tauhid-i iman)sicherlich auch nach der Einheit der Herzen (tauhid-i qulub);und die Übereinstimmung (vahdet)in den grundsätzlichen Anschauungen erfordert auch die Übereinstimmung (vahdet)im Gemeinschaftsleben. Du kannst in der Tat nicht abstreiten, dass du gegenüber einem Mann, mit dem du zusammen in der selben Kompanie dienst, dass du dich diesem Mann gegenüber freundlich verbunden fühlst. Einem Soldaten gegenüber, der an deiner Seite dem selben Kommando unterstellt ist, erwächst in dir ein Gefühl der Kameradschaft. Einem Landsmann, der aus deiner Heimat stammt gegenüber, wirst du eine brüderliche Beziehung empfinden. Deshalb gibt es im Lichte und im Bewusstsein, dass der Glaube dir verleiht, entsprechend der Anzahl der göttlichen Namen, die ihn zeigen und erklären, ein Gefühl der Übereinstimmung, einträchtige Verbundenheit und eine brüderliche Beziehung. Zum Beispiel:
Eurer beider Schöpfer ist eins, euer Herr ist eins, euer Angebeteter ist eins, euer Versorger ist eins... eins, eins, eins und bis zu tausend Mal eins und noch einmal eins. Auch euer Prophet ist eins, euer Glaube ist eins, eure Gebetsrichtung ist eins... eins, eins, eins und bis zu hundert Mal eins und noch einmal eins. Danach aber ist auch euer Dorf eins, euer Land ist eins, eure Heimat ist eins... bis zu zehn Mal eins und noch einmal eins. So viele Male Eins-sein verlangt nach Einheit und Allgegenwart (tauhid ve vahdet),Eintracht und Übereinstimmung (ittifaq),Liebe und Brüderlichkeit (muhabbet ve uhuvvet).Wenn aber jemand nun diesen geistigen Bindungen, mit denen man selbst das Weltall und die Planeten zu binden vermag, dennoch so unbeständige und bedeutungslose Dinge vorzieht, einem Spinnennetz vergleichbar, die der Anlass zu Zwist und Zwietracht, Hass und Feindschaft sind, einem Gläubigen gegenüber tatsächlich Hass und Feindschaft nährt, dann magst du verstehen, welch eine Unehrerbietigkeit gegenüber dem Band der Einheit,
welch eine Geringschätzung gegenüber den Grundsätzen der Liebe und was für eine Ungerechtigkeit und Missachtung gegenüber dieser brüderlichen Verbundenheit das ist, wenn dein Herz noch nicht tot (und zu Stein geworden) und (das Licht deiner) Vernunft noch nicht erloschen ist.
Dritter Aspekt:
Entsprechend dem Geheimnis der Ayah:
وَلاَ تَزِرُ وَازِرَةٌ وِزْرَ اُخْرٰى
{"Und nicht belastet wird die schon beladene (Seele) mit der Last einer anderen," (Sure 6, 164)}
welche Ausdruck absoluter Gerechtigkeit ist, stellt es ein großes Unrecht dar, wegen der schlechten Eigenschaft, die ein Gläubiger hat, alle seine übrigen guten Eigenschaften zu verurteilen, besonders aber, dem Gläubigen wegen einer solchen üblen Eigenschaft zu zürnen, gekränkt zu sein und seine Feindschaft auch noch auf die Angehörigen dieses Gläubigen zu übertragen, denn
اِنَّ الْاِنْسَانَ لَظَلُومٌ
{"Der Mensch ist wahrlich ungerecht!" (Sure 14, 34)}
Mit diesem Elativ (Hervorhebung) im übertragenen Sinne gemahnen dich die Wahrheit, das Gesetz und die Weisheit des Islam daran, was für ein gewaltiges Unrecht das ist. Wie kannst du dir da noch selbst gerecht vorkommen und behaupten: "Ich habe recht!"?
Vom Standpunkt der Wahrhaftigkeit (haqiqat)aus sind die Schlechtigkeiten, welche Feindschaft und Bosheit (adavet ve sherr)verursachen, böse und wie die Erde so dunkel und schwer. Sie dürfen nicht auf andere übergreifen und sich nicht in ihnen spiegeln. Wenn ein anderer aus ihnen seine Lehre zieht und böses tut, so ist dies ein anderes Problem. Das Gute aber, welches Ursache der Liebe ist, ist Licht wie die
Liebe. Es liegt in seiner Natur, sich auszubreiten und in anderen wiederzuspiegeln. Daher kommt es, dass das Wort: "Der Freund des Freundes ist ein Freund" zum Sprichwort geworden ist. Darum sagt man auch: "Um eines Auges willen werden viele Augen geliebt"; auch dies ist ein Wort, das in unserer Sprache geläufig ist.
Wohlan denn, du ungerechter Mensch! Wenn du nun angesichts dieser Tatsachen eines ungeliebten Menschen unschuldigem und liebenswerten Bruder und seinen Angehörigen immer noch Feindschaft entgegenbringst, so wirst du, wenn du die Wahrheit zu erkennen vermagst, verstehen, wie sehr dies der Wahrheit entgegengesetzt ist...
Vierter Aspekt:
Ein Verbrechen im Hinblick auf das persönliche Leben. Höre hierzu einige Grundsätze, welche die Basis dieses vierten Aspektes bilden:
Erster Grundsatz:
Wenn du weißt, dass dein Weg und deine Ansichten richtig sind, so hast du das Recht zu sagen: "Mein Weg ist der richtige und er ist schön." Doch: "Nur mein Weg ist der allein richtige" zu sagen, hast du kein Recht.
وَعَيْنُ الرِّضَا عَنْ كُلِّ عَيْبٍ كَلِيلَةٌ ٭ وَلٰكِنَّ عَيْنَ السُّخْطِ تُبْدِى الْمَسَاوِيَا
{"Das Auge der Zufriedenheit ist allen Fehlern gegenüber blind; doch das Auge des Ärgers deckt jeden Fehler auf."}
Diesem Geheimnis entsprechend kann dein ungerechter Blick und dein leidenschaftlicher Gedanke nicht Richter sein. Er kann nicht über Wert oder Unwert eines anderen Weges sein Urteil fällen.
Zweiter Grundsatz:
Deine Aufgabe besteht darin, dafür Sorge zu tragen, dass alles, was du sagst, auch wahr ist. Doch alles, was wahr ist, auch auszusprechen, ist nicht deine Aufgabe. Was immer du sagst, muss richtig sein. Aber es ist nicht richtig, alles zu sagen, was richtig
ist. Denn ein Mensch wie du, dessen Absichten nicht rein sind, geht anderen manchmal mit seinen Ratschlägen auf die Nerven und reizt sie zum Gegenteil.
Dritter Grundsatz:
Wenn du hassen möchtest (adavet),dann hasse den Hass in deinem Herzen und bemühe dich, ihn auszumerzen. Und überdies richte deinen Hass gegen deine eigensinnige Seele, gegen deine leidenschaftliche Seele, die dir den meisten Schaden verursacht, und bemühe dich, sie zu veredeln (islah).Bringe nicht den Gläubigen auf Grund deiner eigenen Bosheit Feindschaft entgegen. Willst du hassen, so gibt es viele Ungläubige und Gottlose. Ihnen bringe deine Feindschaft (adavet)entgegen! So wie in der Tat die Liebe als eine Eigenschaft der Liebe würdig ist, so ist auch der Hass ein Attribut, dass vor allen anderen Dingen selbst gehasst zu werden verdient. Willst du deinen Gegner besiegen, so erwidere seine Schlechtigkeiten mit Gutem! Denn erwiderst du sie mit Bosheit, so vermehrt sich das Übel. Mag er auch "äußerlich besiegt sein, so nährt er doch weiterhin Hass in seinem Herzen und seine Feindschaft setzt sich fort. Wenn du sie mit Gutem erwiderst, so tut es ihm leid und er wird dir zum Freund...
اِذَآ اَنْتَ اَكْرَمْتَ الْكَرِيمَ مَلَكْتَهُ ٭ وَاِنْ اَنْتَ اَكْرَمْتَ اللَّئِيمَ تَمَرَّدًا
{"Wenn du einen Vornehmen mit Vornehmheit behandelst, so wird er sich dir zur Verfügung stellen. Behandelst du aber einen Nichtswürdigen mit Vornehmheit, wird er sich dir entgegenstellen."}
Nach diesem Wahlspruch (hukum)ist es die Eigenschaft des Gläubigen, vornehm (keriem)zu sein. Deine Vornehmheit bewirkt, dass er sich dir zur Verfügung stellt. Auch wenn er äußerlich unwürdig erscheint, ist er doch vornehm mit Rücksicht auf seinen Glauben. Es kommt in der Tat oft genug vor, dass ein schlechter Mensch sich bessert, wenn du nur immer wieder zu ihm sagst: "Du bist gut, du bist gut", während ein guter Mensch dadurch schlechter wird, dass du immer wieder zu ihm sagst: "Du bist schlecht, du bist schlecht".
وَاِذَا مَرُّوا باِللَّغْوِ مَرُّوا كِرَامًا ٭ وَاِنْ تَعْفُوا وَتصْفَحُوا وَتَغْفِرُوا فَاِنَّ اللّٰهَ غَفُورٌ رَحِيمٌ
{"Kommen sie dort vorbei, wo leeres Geschwätz ist, gehen sie in vornehmer Gesinnung vorüber." (Sure 25, 72) "Wenn ihr verzeiht, vergebt und Nachsicht übt, so ist auch Allah es, der euch vergibt und sich eurer erbarmt." (Sure 64, 14)}
Weil dies so ist, neige dein Ohr den geheiligten Grundsätzen des Qur'an; denn in ihnen liegt die Glückseligkeit und das Heil (selamet)!
Vierter Grundsatz:
Die Leute des Hasses und der Feindschaft tun Unrecht sowohl gegenüber sich selbst, als auch gegenüber ihrem Gläubigen Bruder, als auch gegenüber der göttlichen Barmherzigkeit und versündigen (zulm)sich gegen sie. Denn durch seinen Hass und durch seine Feindschaft überlässt er sein Herz einer schmerzhaften Strafe. Über den Gnadengaben, welche sein Gegner empfängt, zieht er sich selbst einen Schmerz zu, welcher aus seiner Strafe und aus seiner Angst kommt und versündigt (zulm)sich gegen seine Seele. Entsteht Feindschaft aber aus Eifersucht (hased),so ist dies Strafe über Strafe. Denn Eifersucht erdrückt zunächst den Eifersüchtigen selbst, stürzt ihn ins Unglück, vernichtet ihn. Dem, der da beneidet wird aber schadet (zarar)das wenig oder überhaupt nicht.
Die Heilung der Eifersucht (Hased):
Wenn ein Mensch eifersüchtig (Hasid)ist, so soll er einmal darüber nachdenken, was das Ende all dessen ist, worum er den anderen beneidet (hased)und worauf er eifersüchtig ist. Dann wird er begreifen, dass irdische Schönheit, Macht, Ansehen und Reichtum, die seinem Gegner zu eigen sind, vergängliche Gaben sind, die ihm nur vorübergehend gehören. Ihr Nutzen ist nur gering, die Mühen, die mit ihnen verbunden sind, aber zahlreich. Handelt es sich stattdessen um transzendente (ukhrevi)
Werte, so gibt es hierbei ohnehin keinen Neid. Beneidet aber jemand einen anderen wegen dieser Dinge, so ist er entweder ein Heuchler (riyakar),der die Güter des Jenseits hier im Diesseits zerstören möchte, oder er hält den, welchen er beneidet, für einen Heuchler (riyakar)und ist auf diese Weise ungerecht ihm gegenüber, versündigt (zulm)sich an ihm.
Überdies freut er sich über ein Unglück, das ihn (seinen Gegner) getroffen hat, ärgert sich über die Gnadengaben, die dieser empfängt, grollt dem Schicksal (Qader)und der göttlichen Barmherzigkeit wegen der guten Gaben, die jener empfängt. Es ist, als wollte er das Schicksal kritisieren und gegen die Barmherzigkeit protestieren. Wer aber immer das Schicksal kritisiert, der schlägt sich seinen Kopf gegen einen Amboss und zerbricht daran. Wer gegen die Barmherzigkeit protestiert, schließt sich von der Barmherzigkeit aus.
Ja, wie kann denn überhaupt ein billig und gerecht denkender Mensch zugestehen, dass jemand auf eine Sache, die es nicht wert ist, dass man deswegen auch nur für einen Tag Feindschaft hegt, mit einem Jahr Hass und Feindseligkeit antwortet? Welches noch unverdorbene Gewissen hat für so etwas Raum? Du kannst in der Tat nicht deinem Mitbruder ganz und gar all das Übel zuschreiben, das dich durch ihn getroffen hat und ihn deswegen verurteilen. Denn:
Erstens:
Die göttliche Bestimmung (Qader)hat daran ihren Anteil. Nach Abzug dessen sollte man sich wegen dieses Anteils, den die göttliche Bestimmung und Zuteilung (Qader ve Qadha)daran hat, zufrieden geben und es so annehmen.
Zweitens:
Sodann sollte man den Anteil davon abziehen, den der Teufel und die eigene Begierde daran hat, und diesen Mann, anstatt ihm Feindschaft entgegenzubringen, vielmehr bedauern, weil er seiner eigenen Leidenschaft unterlag und sollte darauf warten, dass es ihm leid tut.
Drittens:
Betrachte auch den Fehler, den du im eigenen
Herzen (nefs)hast und nicht siehst, oder nicht sehen willst und gestehe ihm seinen Anteil zu. Wenn du dann auf den noch verbliebenen kleinen Anteil mit Verzeihung und Vergebung und Großherzigkeit antwortest, was die schnellste und sicherste Art ist, deinen Gegner zu besiegen, so wirst du vor Schaden bewahrt bleiben und vor Ungerechtigkeit gerettet sein. Wolltest du jedoch stattdessen, gleich einem verrückten und betrunkenen Juwelier, der Glasscherben und Eisstückchen ankauft, als wären es Diamanten, in der Weise reagieren, dass du um irdischer Dinge willen, die unwichtig, bedeutungslos und vergänglich sind, deren Wert nur ein vorläufiger und vorübergehender ist und keine fünf Pfennig beträgt, immerwährenden Hass und beständige Feindschaft (adavet)nährst, verbunden mit einer heftigen Wut, so als würdest du für immer in dieser Welt bleiben und ihr würdet ewig beieinander sein, so wäre das Trunkheit und Rausch und der hyperbolische Modus einer Ungerechtigkeit. Es wäre eine Art von Wahnsinn...
Wenn dir also dein Leben etwas wert ist, dann gib einer Feindschaft und dem Gedanken an Rache, der doch deinem persönlichen Leben dermaßen einen Schaden zufügt, in deinem Herzen keinen Raum. Sind aber (diese Gedanken) schon in dein Herz eingedrungen, so höre nicht auf sie. Hören wir stattdessen lieber, was Hafis Schirasi, der ein Auge für die Wahrheit hat, spricht:
دُنْيَا نَه مَتَاعِيسْتِى كِه اَرْزَدْبَنِزَاعِى
{"Nicht solch ein Ding ist die Welt, dass sie es wert wäre, sich um sie zu streiten."}
Denn das, was unbeständig und vergänglich ist, hat keinen Wert. Verhält es sich also schon mit dieser ganzen, großen Welt so, dann wirst du auch verstehen, wie bedeutungslos die kleinen Dinge in dieser Welt sind...
Und weiter sagt er:
آسَايِشِ دُوگِيتِى تَفْسِيرِ اِينْ دُو حَرْفَسْتْ
بٰا دُوسِتَانْ مُرُوَّتْ بٓا دُشْمَنَانْ مُدَارَا
{"Frieden und Sicherheit beider Welten gewinnt man in der Auslegung zweier Worte: Mit seinen Freunden soll man in Freundlichkeit und Güte umgehen, seine Feinde aber mit der Bereitschaft behandeln, mit ihnen Frieden zu schließen."}
Wenn du aber sagst:
"Ich habe gar keine andere Wahl. Die Feindseligkeit (adavet)liegt in meinem Wesen. Zudem ist der mir auf die Nerven gegangen und darüber kann ich nicht hinwegkommen."
Antwort:
Wenn ein schlechter Charakter und eine üble Gesinnungsart keine Spuren hinterlässt und solche Dinge, wie Zuträgerei und alles, was in Zusammenhang mit ihr steht, nicht praktiziert werden, weil man seinen Fehler einsieht, so schadet das nichts. Wenn du also schon keine andere Wahl hast und du (diese Dinge) nicht mehr los werden kannst, so tut es dir doch bereits innerlich leid, du bereust es im Stillen und bittest im geheimen um Vergebung. Dadurch ist dir dein Fehler bereits bewusst geworden und du hast verstanden, dass du durch diese deine Charaktereigenschaft ins Unrecht geraten bist. Das bewahrt dich vor ihren üblen Auswirkungen. Wir haben in der Tat diesen Abschnitt dieses Briefes geschrieben, um eine solche innere Bitte um Vergebung sicherzustellen, damit du nicht Unrecht für Recht erkennst und das Recht deines Gegners als Unrecht hinstellst.
Hier ein kleines bemerkenswertes Erlebnis dazu:
Ich habe in der Folge einer einseitig subjektiven Stellungnahme (tarafgirlik)einmal diese Erfahrung gemacht: Ein frommer Wissenschaftler hat einmal einen rechtschaffenen Gelehrten, dessen politische Gesinnung ihm zuwider war, in einer Art und Weise verächtlich gemacht, als habe er keinen Glauben. Und einen Heuchler, der seine Ansichten teilte, hat
er voll Hochachtung herausgestellt. Ich bin über diese bösen Folgen der Politik so sehr erschrocken, dass ich gebetet habe:
اَعُوذُ بِاللّٰهِ مِنَ الشَّيْطَانِ وَالسِّيَاسَةِ
{"Ich nehme meine Zuflucht zu Allah vor dem Satan und vor der Politik."}
Seit dieser Zeit habe ich mich aus dem politischen Leben zurückgezogen.
Fünfter Aspekt; erklärt, dass es einen außerordentlichen Schaden verursacht, wenn man sich im öffentlichen Leben hartnäckig (inad)und einseitig auf seinen Standpunkt versteift (tarafgirlik).
Wenn man sagt: اِخْتِلاَفُ اُمَّتِى رَحْمَةٌ {"Gegensätze in meiner Gemeinschaft sind eine Barmherzigkeit."} lautet ein Hadith, und wo Gegensätze bestehen, ist es notwendig, Partei zu ergreifen (tarafgirlik).Zudem befreit die Krankheit der Parteilichkeit das einfache, unterdrückte Volk von dem Übel einer ungerechten herrschenden Klasse. Denn wenn die herrschende Klasse in einem Dorf oder in einer Stadt sich zusammenschließt, so kann sie das unterdrückte, einfache Volk ausbeuten. Wo es aber Parteien gibt, sucht der Unterdrückte Schutz bei einer von ihnen und rettet sich so. Außerdem bewirken die Gegensätze im Denken und die Widersprüche in den Anschauungen, dass sich die Wahrheit vollkommen klar herausstellt.
Antwort:
Zur ersten Frage lässt sich sagen:
Wenn in diesem Hadith von Gegensätzen die Rede ist, so ist damit ein fruchtbarer Gegensatz gemeint, d.h. jeder bemüht sich, den eigenen Weg zu verbessern und den eigenen Ideen zum Erfolg zu verhelfen. Er strebt nicht danach, den der anderen zu zerstören und zu vernichten, sondern ihn zu verbessern und zu vervollkommnen. Ein fruchtloser
Gegensatz besteht aber darin, einander in egoistischer und feindseliger Absicht (adavetkarane)den Untergang zu bereiten. Das aber wird auch vom Standpunkt der Hadith verworfen. Denn die sich gegenseitig an die Kehle gehen, können nichts positives zustande bringen.
Zur zweiten Frage aber lässt sich sagen:
Wäre eine Parteilichkeit (tarafgirlik)im Namen der Gerechtigkeit (haq),so könnte sie denen, die ihr Recht suchen, zum Schutzdach dienen. Doch unsere Parteigängerschaft heutigen Tages, wie sie nur selbstsüchtigen Seelen dient, ist ein Schutzdach für die Ungerechten und bildet einen Stützpunkt für sie. Denn käme ein Teufel, einen Mann in dessen einseitig subjektiver Stellungnahme (tarafgirlik)zu unterstützen und ihm in seinen Gedanken behilflich zu sein und würde sich auf die Seite (dieses Mannes) stellen, so würde dieser für den Teufel um Barmherzigkeit beten. Käme aber stattdessen von gegnerischer Seite ein Mann gleich einem Engel, er würde ihm eine solche Ungerechtigkeit bezeigen, dass er ihn - Gott bewahre! - verfluchen würde.
Zur dritten Frage lässt sich nun sagen:
Wenn ein Widerstreit in den Anschauungen im Namen der Gerechtigkeit ausgefochten wird, um der Wahrhaftigkeit (haqiqat)willen entsteht, die Einheit (ittifak)zum Anlass und zum Ziel hat, dann besteht ein Gegensatz nur in den Mitteln. Dann wird in Wahrheit jede Ecke ausgeleuchtet. Das dient der Wahrhaftigkeit und der Gerechtigkeit. Ein Widerstreit in den Anschauungen aber, welcher in der Weise ausgetragen wird, dass er nur einseitig-subjektiver (tarafgirlik)und tendenziöser Stellungnahme, der eigenen Selbstgefälligkeit und dem persönlichen Ehrgeiz dient, welcher auf Rechnung einer eigenwilligen, pharaonengleichen Seele geht, entzündet nicht den "Funken der Wahrheit", sondern entfacht vielmehr die Flamme der Zwietracht.
Denn während es notwendig ist, sich im Ziel einig zu sein, findet sich in den Gedanken solcher Leute nirgendwo auf Erden ein konvergierender Punkt. Weil es nicht um der Wahrhaftigkeit willen geschieht, übertreiben sie bis ins Extrem. Somit sind sie die Ursache zu einer
Spaltung, die sich dann nicht mehr heilen lässt. Die heutige Situation in dieser Welt gibt davon Zeugnis...
Zusammenfassung:
Wenn die erhabenen Prinzipien:
اَلْحُبُّ لِلّٰهِ ٭ وَالْبُغْضُ فِى اللّٰهِ ٭ وَ الْحُكْمُ لِلّٰهِ
{"Liebe um Gottes willen, Zorn um Gottes willen, Rechtsprechung um Gottes willen."}
nicht zu Grundsätzen unseres Handelns werden, treten Unfrieden und Zwietracht (nifaq ve shiqaq)an ihre Stelle. In der Tat versündigt (zulm)sich, wer nicht:
وَالْبُغْضُ فِى اللّٰهِ ٭ وَالْحُكْمُ لِلّٰهِ
{"Zorn um Gottes willen, Rechtsprechung um Gottes willen."}
sagt, diese Grundprinzipien nicht ins Auge fasst, während er gleichzeitig gerecht zu sein versucht.
Hierzu nun ein lehrreiches Beispiel:
Einmal warf Imam Ali (möge Allahs Wohlgefallen auf ihm ruhen!) einen Ungläubigen zu Boden. Doch bevor er noch sein Schwert ziehen und ihn töten konnte, spuckte ihn dieser Ungläubige an. Da ließ er diesen Ungläubigen gehen und tötete ihn nicht. Der Ungläubige aber fragte ihn: "Warum hast du mich nicht getötet?"
Imam Ali antwortete ihm: "Ich hätte dich um Allahs willen getötet. Doch du hast mich angespuckt. So wurde ich zornig. Leidenschaft schlich sich in mein Herz und verdarb meine aufrechte Gesinnung (ikhlas).Darum habe ich dich nicht getötet."
Hierauf entgegnete der Ungläubige: "Damit du mich schnell töten solltest, habe ich dich in Zorn gebracht. Wenn aber euer Glaube nun solchermaßen rein und lauter ist, dann ist dieser Glaube wahr."
Hier noch ein Ereignis, das der Aufmerksamkeit wert ist:
Als einmal ein Richter, während er einem Dieb die Hand abschlug, dabei seine eigene Wut zu erkennen gab, enthob
ihn der gerechte Emir, der ihn dabei beobachtet hatte, seines Amtes. Denn hätte er im Namen der Schari'a, um des göttlichen Gesetzes willen zugeschlagen, so hätte ihm dies zwar in der Seele weh getan, in seinem Herzen aber wäre weder Zorn noch Mitleid aufgestiegen. D.h. er konnte das Urteil nicht in Gerechtigkeit vollstrecken, weil auch seine Seele daran ihren Anteil genommen hatte.
Eine bedauernswerte soziale Lage und eine fürchterliche Krankheit des öffentlichen Lebens, die das Herz des Islam zum Weinen bringt:
"Wo Feinde von außen her auftauchen und angreifen, hat dies zur Folge, dass die innerlichen Zwistigkeiten (adavet)vergessen und fallen gelassen werden." Dies ist eine Angelegenheit des allgemeinen Wohls, die auch noch von den wildesten Völkern beachtet und praktiziert wird. Was aber ist dann mit denen geschehen, die da behaupten, der islamischen Gemeinschaft einen Dienst zu erweisen, die aber ihre kleinlichen Zwistigkeiten nicht vergessen können, während es doch zahllose Feinde gibt, die einer hinter dem anderen zum Angriff bereit stehen und die so den feindlichen Angriffen den Boden bereiten. Dieser Zustand ist eine Verfallserscheinung, eine Barbarei, ein Verrat am islamischen Gemeinschaftsleben.
Dazu hier eine Erzählung, die des Nachdenkens wert ist:
Es gab einmal im Volke Hassenan, einem Beduinenvolk, zwei miteinander verfeindete Stämme. Obwohl sie einander bereits mehr als fünfzig Mann umgebracht hatten, vergaßen die beiden miteinander verfeindeten Sippen ihre alten Zwistigkeiten, wenn sie von einem Stamm wie aus dem Volke Hayderan oder Sipkan angegriffen wurden, und warfen Seite an Seite den Stamm, der sie von außen angegriffen hatte, nieder. Ihre inneren Zwistigkeiten (adavet)aber tauchten nicht mehr in ihrer Erinnerung auf.
Nun denn, ihr Gläubigen! Wisst ihr, wie viele Feinde, einem solchen Stamm gleich, bereit stehen, um den
Stamm der Leute des Glaubens anzugreifen? Es gibt mehr als hundert von ihnen, die alle konzentrisch ineinander liegen. Während man doch nun einander gegen jeden von ihnen unterstützen sollte, man sich eigentlich die Hand reichen müsste, um in Verteidigungsstellung zu gehen, passt es da für Leute des Glaubens in irgendeiner Weise einseitig und eigensüchtig Stellung zu beziehen (tarafgirlik)und sich in einer Zwietracht (adavet)zu versteifen, die dem Feind den Angriff erleichtert und ihm die Tore öffnet, so dass er in das geheiligte Innere des Islam einzudringen vermag? Von diesen feindlichen Kreisen gibt es, von den Leuten des Irrweges und den Abtrünnigen bis hin zu der Welt der Leute des Unglaubens und der Welt der Unglücke und Katastrophen, vielleicht siebzig verschiedene Arten von Feinden, die eine innerhalb der anderen, bereit stehen, euch zu schaden, und die eine hinter der anderen, euch mit gierigen und giftigen Blicken betrachten. Gegen sie alle ist die Bruderschaft des Islam wie eine starke Waffe, ein schützendes Dach und eine Burg. Wisset: Diese Festung des Islam durch kleinliche Zwistigkeiten (adavet)untereinander und gegenseitige haltlose Anschuldigungen zu erschüttern, ist in hohem Maße gewissenlos und ganz und gar gegen die Interessen des Islam. Bedenkt dies also und kommt zur Besinnung!
Es gibt da eine ehrwürdige Überlieferung:
Am Ende der Zeiten werden so grausame Unmenschen wie Sufyan und Deddjal kommen und sich an die Spitze aller Heuchler und aller Gottlosen setzen und sie werden viel Schaden anrichten. Sie werden aus den Leidenschaften und der Zerspaltenheit im Islam und in der gesamten Menschheit ihren Nutzen ziehen. Sie werden mit nur geringer Anstrengung ein Tohuwabohu unter den Menschen anrichten und die ganze gewaltige islamische Welt in ein Gefangenenlager verwandeln.
Oh ihr Leute des Glaubens! Wenn ihr nicht unter entwürdigenden Umständen in die Gefangenschaft gehen wollt, dann kommt zu Verstand! Um der Tyrannen willen,
die aus euren Konflikten ihren Nutzen ziehen wollen, tretet ein in die heilige Burg dieser folgenden Ayah: اِنَّمَا الْمُؤْمِنُونَ اِخْوَةٌ {"Fürwahr, die Gläubigen sind Brüder!" (Sure 49, 10)} und verschanzt euch darin. Wenn aber nicht, so könnt ihr weder euer Leben retten noch eure Rechte verteidigen. Es ist ja bekannt, dass selbst ein Kind zwei Helden (kahraman)erschlagen kann, wenn diese sich gegenseitig an die Kehle springen. Wenn sich zwei Berge in den Schalen einer Waage einander das Gleichgewicht hielten, könnte schon ein kleiner Stein dieses Gleichgewicht zerstören und sein Spiel mit ihnen treiben. Er könnte bewirken, dass (die eine Schale) nach oben steigt und sich die andere senkt.
Wohlan denn, ihr Leute des Glaubens! Durch eure Leidenschaften, eure Feindseligkeiten und durch euer Parteiengezänk (tarafgirlik)habt ihr eure Kraft zunichte gemacht. Mit nur geringer Kraft könnt ihr erdrückt werden. Wenn euch an eurem Gemeinschaftsleben etwas liegt, dann macht aus dem erhabenen Grundsatz
اَلْمُؤْمِنُ لِلْمُؤْمِنِ كَالْبُنْيَانِ الْمَرْصُوصِ يَشُدُّ بَعْضُهُ بَعْضًا
{"Der Gläubige ist dem Gläubigen gleich einem Bauwerk, in dem die einzelnen Steine bleiverfugt einander Halt und Stütze gewähren."}
einen Grundsatz fürs Leben. So werdet ihr vor dem Elend in dieser Welt bewahrt bleiben und vor der Strafe in jener Welt gerettet werden!...
Sechster Aspekt:
Geistiges Leben (hayat-i manevi),die natürliche Gottesverehrung und die Reinheit des Dienstes werden durch Feindschaft und Uneinsichtigkeit (adavet ve inad)getrübt und erschüttert.
Denn die Reinheit der Absicht, welche das Fahrzeug des Heils ist und Voraussetzung der Erlösung, wird verdorben. Ein uneinsichtiger (muannid)und einseitiger (tarafgir)Mensch verlangt danach, dass seine eigenen Handlungen besser
sein sollen als die seines Gegners. Ein Handeln rein um Allahs willen kann für ihn nicht von Erfolg sein. Zudem bevorzugt er in seinem Urteil und in seinem Handeln den Parteigenossen. Gerecht handeln kann er nicht. So wird die Reinheit der Absicht und die Gerechtigkeit (ikhlas ve adalet),welche die Grundlagen des Handelns und der guten Werke sind, durch Zwietracht und Feindschaft (adavet)zerstört.
Dieser sechste Aspekt ist besonders umfangreich. Doch haben wir uns in diesem Zusammenhang kurz gefasst.
Zweites Kapitel
بِسْمِ اللّٰهِ الرَّحْمٰنِ الرَّحِيمِ ٭ اِنَّ اللّٰهَ هُوَ الرَّزَّاقُ ذُو الْقُوَّةِ الْمَتِينُ ٭ وَكَاَيِّنْ مِنْ دَآبَّةٍ لاَ تَحْمِلُ رِزْقَهَآ اَللّٰهُ يَرْزُقُهَا وَاِيَّاكُمْ وَهُوَ السَّمِيعُ الْعَلِيمُ
{"Im Namen Allahs, des Erbarmers, des Barmherzigen; fürwahr, Allah ist es, der der Versorger ist und der Herr unerschütterlicher Macht." (Sure 51, 58) "Wie viele Geschöpfe gibt es, die nicht selbst für ihren Unterhalt sorgen! Allah versorgt sie und euch und Er ist es, der alles hört und alles weiß." (Sure 29, 60)}
Ihr Leute des Glaubens! Auf Grund dessen, was wir bisher ausgeführt haben, könnt ihr nun verstehen, was für einen Schaden die Feindschaft (adavet)anrichtet. Nun versteht auch, dass Leidenschaft (hirs)gleich wie die Feindschaft im Leben nach dem Islam eine ganz furchtbare Krankheit ist und sehr großes Unheil hervorbringt. Leidenschaft (hirs)ist die Ursache zu Enttäuschung, Kummer und Erniedrigung und bringt Entbehrung und Elend mit sich. In der Tat zeigt Leidenschaft und Habgier (hirs)in der Welt alles Lebendigen im weitesten und ganz allgemeinen Rahmen gesehen bis hin zu den kleinsten Einzelheiten seine üblen Auswirkungen. Stattdessen aber ist die vertrauensvolle Bitte (tevvekul)um Versorgung eine Quelle der Ruhe und des Friedens und bringt überall ihre guten Wirkungen hervor. So verharren die fruchttragenden Bäume und alle übrigen Pflanzen, die ja auch etwas Lebendiges sind und ihre Nahrung benötigen, fest an ihrem Platz und zeigen weder Gier noch Leidenschaft. So kommt die Nahrung (mit dem Wind, dem Wasser und dem Sonnenlicht) zu ihnen gelaufen. Sie bringen (in ihren Früchten) viel mehr Kinder hervor als die Tiere und ernähren sie. Die Tiere aber, weil sie gierig (hirs)hinter ihrer Nahrung herlaufen, können nur mit sehr großer
Mühe und stets nur unvollkommen ihrer Nahrung habhaft werden. Im Reich der Tiere jedoch wird den Jungen, welche in ihrer Armseligkeit und Schwäche unausgesprochen ihre Schwäche zum Ausdruck bringen, aus der Schatzkammer der göttlichen Barmherzigkeit ihre gesetzmäßige, vollkommene und zufriedenstellende Nahrung gereicht. Raubtiere aber, die sich gierig auf ihre Beute stürzen und ihre unappetitliche Nahrung auf ungesetzliche Weise und nur mit sehr großer Mühe erbeuten können, zeigen, dass Gier eine Ursache der Entbehrung, Gottvertrauen und Genügsamkeit (tevvekul ve kanaat)aber Anlass zur Barmherzigkeit ist.
Gier ist eine Quelle der Erniedrigung und des Schadens. Es gibt so viele Geschehnisse, wo ein habgieriger Mensch allzeit Schaden genommen hat, dass der Satz اَلْحَرِيصُ خَآئِبٌ خَاسِرٌ {"Der Habgierige hat das Elend und den Schaden."} schon zum Sprichwort geworden ist und in den Augen der Allgemeinheit eine Wahrheit darstellt, die auch allgemein akzeptiert wird. Da dies aber nun einmal so ist, strebe nach den Gütern nicht mit Leidenschaft und Habgier (hirs),sondern in Bescheidenheit (kanaat),damit die Güter, die du so liebst, in Fülle zu dir kommen.
Die Leute der Anspruchslosigkeit und die Leute der Gier sind zwei Personen vergleichbar, die in das Gästehaus einer bedeutenden Persönlichkeit eintreten. Der erste spricht in seinem Herzen: "Wenn er mich nur aufnimmt und ich der Kälte da draußen entrinnen kann, so genügt mir das. Selbst wenn man mir nur den geringsten Platz anbietet, so ist es doch noch eine Freundlichkeit."
Der zweite Mann aber sagt sich in seinem Stolz, so als habe er ein Recht erhalten und als ob jedermann dazu verpflichtet sei, ihm Ehre zu erweisen: "Mir muss er den obersten Platz einräumen." Mit diesem Anspruch tritt er ein, heftet seine Augen auf den obersten Platz und strebt
auf ihn zu. Doch der Herr des Hauses holt ihn zurück und weist ihm einen Platz weiter unten an. Wo er doch hätte dankbar sein sollen, ist er ihm nun von Herzen gram. Statt ihm zu danken, beschwert er sich im Gegenteil noch über den Hausherrn. So fällt er bei dem Herrn des Hauses in Ungnade.
Der erste Mann tritt mit Bescheidenheit ein. Er möchte an unterster Stelle sitzen. Diese seine Bescheidenheit ist dem Herrn des Hauses wohlgefällig. "Nehmen Sie doch bitte weiter oben Platz!" sagt er deshalb. So wächst seine Dankbarkeit ständig und seine Zufriedenheit vertieft sich noch.
So ist auch diese Welt gleich einem Gasthaus des Allerbarmers. Das Antlitz der Erde gleicht einem Tisch der Barmherzigkeit. Die verschiedenen Grade in der Versorgung und die unterschiedlichen Stufen in den Gnadengaben gleichen den Plätzen an der Tafel.
Zudem kann jeder selbst in den kleinsten Dingen die üblen Auswirkungen der Habgier verspüren.
So wird z.B. jeder den einen von zwei Bettlern, der etwas begehrt, frostig stehen lassen und nichts geben, wenn dieser unverschämt und aufdringlich wird, den anderen aber, der still und bescheiden bittet, von Herzen geben und ihm Barmherzigkeit erweisen.
Oder, wenn dich z.B. nachts der Schlaf flieht, wo du doch so gerne schlafen möchtest, kann es sein, dass der Schlaf zu dir zurückkehrt, wenn du ihn mit Gelassenheit erwartest. Wenn du aber in dem leidenschaftlichen Verlangen nach Schlaf: "Ich muss jetzt unbedingt schlafen, ich muss jetzt endlich schlafen" sagst, wird der Schlummer dir schließlich ganz und gar fern bleiben.
Oder um noch ein anderes Beispiel zu bringen: Wenn du wegen einer wichtigen Sache voll Ungeduld auf jemanden wartest und dabei ständig wiederholst: "Er ist noch nicht gekommen. Er ist immer noch nicht gekommen." so wird deine leidenschaftliche Erwartung schließlich
deine Geduld aufzehren. Aufstehen wirst du und hinausgehen. Dieser Mann wird eine Minute später kommen. Doch diese wichtige Gelegenheit, deretwegen du so gewartet hast, hast du nun verpasst.
Der tiefere Sinn all dieser Geschichten aber ist der folgende: Das Zustandekommen eines Brotes erfordert die Reihenfolge: Acker, Tenne, Mühle, Ofen. So gibt es auch in der Ordnung der Dinge eine weisheitsgemäße Stufenfolge. Wer in seiner Ungeduld diese Stufenfolge nicht einhält, in einer so wohlgeordneten Angelegenheit die unsichtbaren Stufen nicht einhält, sie entweder überspringt und dabei zu Fall kommt, oder aber eine dieser Stufen dabei verfehlt und auslässt, der kann nicht an sein Ziel gelangen.
Wohlan denn ihr Brüder, die ihr in eurer Sorge um das tägliche Brot ganz benommen und in eurer Leidenschaft für diese Welt trunken geworden seid! Wenn doch Leidenschaft und Habgier Dinge sind, die so viel Schaden und ein solches Unglück mit sich bringen, wie könnt ihr da noch auf den Wegen eurer Leidenschaft und Habgier euch in jeder Weise entwürdigen, ein jegliches Gut annehmen, ohne nach Verbotenem und Erlaubtem zu fragen und so viele für das Leben in der künftigen Welt notwendigen Dinge opfern, ja es sogar um eurer Habgier willen unterlassen Almosen zu geben, was doch einer der bedeutenden Grundpfeiler unter den Säulen des Islam ist?... Dabei ist doch Almosen für jeden Menschen ein Segen und ein Mittel, Unglück von sich fern zu halten. Dem, der Almosen nicht gibt, wird in jedem Fall so viel Gut zwischen den Fingern zerrinnen, wie er Almosen hätte geben sollen. Er wird (sein Geld) entweder für nutzlose Dinge ausgeben oder bei irgendeinem (Zufall?) verlieren.
Ein Traumgesicht
In einem Traumgesicht, das mir im fünften Jahre des ersten Weltkrieges geoffenbart wurde, und es war dies ein seltsamer Traum, wurde mir die folgende Frage gestellt:
"Welches ist der Grund für den Hunger, für all das verlorene Gut und für die körperliche Schwäche, welche über die Muslime gekommen ist?"
In diesem Traum hatte ich darauf die Antwort gegeben: "Gott der Gerechte verlangt von dem Gut, das Er uns gegeben hat, den zehnten Teil dieses Gutes {(*): z.B. ein Zehntel von der Weizenernte, die Er uns gerade geschenkt hat.} oder den vierzigsten Teil dieses Gutes. {(*): nämlich ein Vierzigstel dessen, was Er uns schon früher einmal geschenkt hat, in jedem Fall mindestens ein Vierzigstel dessen, was das Geschäft jährlich wieder neu an Gewinn abwirft und was die Herde an Jungtieren hervorgebracht hat.}
So mögen wir durch die Gebete der Armen Gewinn erwerben und vor ihrem Hass und Neid (hased)bewahrt bleiben. Doch in unserer Habgier (hirs)und in unserem Geiz haben wir nichts gegeben. Gott der Gerechte hat unser aufgelaufenes Almosen von uns genommen, dreißig Vierzigstel, acht Zehntel.
Zudem verlangte Er von uns jedes Jahr nur einen Monat Hunger, verbunden mit siebzig dahinter verborgenen Geheimnissen. Aber wir haben uns selbst bedauert. Wir haben uns diesem vorübergehenden Fasten, welches die Freude in uns erweckt, nicht unterzogen. Gott der Gerechte hat uns zur Strafe dafür dazu gezwungen, fünf Jahre lang eine Art von Fasten zu üben, das mit siebzig verschiedenen Arten Unglück belastet war.
Außerdem verlangte Er von uns eine von vierundzwanzig Stunden als eine Art von erhabener, erleuchtender, heilsamer Übung für den Herrn. Wir aber waren faul und haben uns diesem Ruf zu Gebet und Gottesdienst entzogen.
Diese eine Stunde haben wir unter die übrigen gemengt und verloren. Zur Strafe dafür hat uns Gott der Gerechte fünf Jahre lang im Laufschritt Pflichten und Übungen wie eine Art von Gottesdienst auferlegt."
Danach wachte ich auf, dachte nach und verstand, dass dieses Traumgesicht eine höchst bedeutsame Wahrheit enthielt. Es wurde im Fünfundzwanzigsten Wort bereits ein Vergleich zwischen (einem Leben nach den Maßstäben der europäischen) Zivilisation und (einem Leben) nach dem Gesetz des Qur'an abgehandelt und somit erklärt und bewiesen, dass jegliche Sittenlosigkeit und aller Aufstand unter den Menschen und in ihrem sozialen Leben seine Ursache in zwei Worten hat:
Das erste:
"Wenn ich satt geworden bin und ein anderer stürbe vor Hunger, was geht mich das dann an?"
Das zweite:
"Arbeite du, ich werde essen."
Was diesen zwei Worten ihre Dauer verleiht, ist der immerwährende Strom der Zinsen und die Aufgabe der Almosenspende. Der einzige Weg, diese beiden fürchterlichen Krankheiten des gesellschaftlichen Lebens zu heilen, besteht darin, Almosen als ein allgemein gültiges Prinzip einzuführen, also die absolute Notwendigkeit des Almosengebens und das Verbot des Zinsnehmens. Zudem ist Almosen nicht nur für bestimmte Einzelindividuen oder besondere Gesellschaftsformen, sondern für das Lebensglück der gesamten Menschheit ein bedeutender Stützpfeiler, ja für den Fortbestand der Menschheit die wichtigste Säule überhaupt. Denn in der Menschheit gibt es als die beiden Klassen eine Oberschicht und eine Unterschicht. Was die Oberschicht dazu veranlasst, sich der Unterschicht in Güte und Barmherzigkeit (merhamet ve ihsan)zuzuwenden, der Unterschicht aber, der Oberschicht Ehrerbietung und Gehorsam (hurmet ve itaat)entgegenzubringen, das ist Almosen. Anderenfalls ergießt sich von oben auf die Unterschicht herab Ungerechtigkeit und Unterdrückung; aus der Unterschicht reckt sich den Reichen Hass und Aufruhr (isyan)entgegen.
Diese beiden Schichten der Menschheit liegen in einem ständigen unsichtbaren Zwist miteinander, einem Zustand ratloser Verwirrung. Das führt schließlich dazu, dass sich, wie dies in Russland bereits geschehen ist, (die Menschen) infolge eines Kampfes zwischen Kapital und Arbeit an die Kehle gehen...
Oh ihr Leute des Edelmutes und des guten Gewissens! Und auch ihr Leute der Freigiebigkeit und Güte!
Wenn Wohltaten nicht im Sinne eines Almosens gespendet werden, so entsteht ein dreifacher Schaden. Manchmal erweisen sie sich als nutzlos. Denn wer nicht um Allahs willen gibt, legt (den anderen) unausgesprochen eine Verpflichtung auf. Der bedauernswerte Arme gerät in die Fesseln der Dankbarkeit. So gehst du seiner hochgeschätzten Fürbitte verlustig. Wenn nun auch noch du, der du doch in Wahrheit die Stellung eines Beamten inne hast, der von Gott dem Gerechten dazu beauftragt worden ist Seine Güter an Seine Diener und Anbeter weiterzureichen, dich selbst als Herrn und Eigentümer betrachtest, so verleugnest du in Undankbarkeit Seine Gnadengaben. Wenn du aber im Sinne eines Almosens gibst, so wirst du eine Belohnung erhalten, weil du im Namen Gottes des Gerechten gibst und bringst so deine Dankbarkeit in Anerkennung der Gnadengaben Gottes zum Ausdruck. Wenn dieser bedürftige Mann nun also nicht dazu gezwungen ist, vor dir zu kriechen, so bleibt sein Selbstwertgefühl (izzet-i nefsi)ungebrochen und seine Fürbitte um deinetwillen ist hochgeschätzt.
Wenn du so viel wie du als Almosen hättest geben sollen oder vielleicht noch mehr als freie Gabe, Gabe aus Güte oder in irgendeiner anderen Form gäbest, würdest du dann etwa nicht als Dankesschuld Ruhm oder Heuchelei (riya)ernten oder aber Schaden erleiden, z.B. in Form einer Erniedrigung? Tust du aber all das Gute im Sinne eines Almosens, wirst du dann etwa nicht sowohl ein Gebot Gottes erfüllen, als auch ein verdienstvolles Werk verrichten, als auch in der Wahrhaftigkeit wachsen, als auch hochgeschätzter
Gebete teilhaftig werden?...
سُبْحَانَكَ لاَعِلْمَ لَنَآ اِلاَّ مَاعَلَّمْتَنَا اِنَّكَ اَنْتَ الْعَلِيمُ الْحَكِيمُ ٭ اَللّٰهُمَّ صَلِّ وَسَلِّمْ عَلٰى سَيِّدِنَا مُحَمَّدٍ ۨالَّذِى قَالَ اَلْمُؤْمِنُ لِلْمُؤْمِنِ كَالْبُنْيَانِ الْمَرْصُوصِ يَشُدُّ بَعْضُهُ بَعْضًا ٭ وَقَالَ اَلْقَنَاعَةُ كَنْزٌ لاَ يَفْنَى وَعَلٰٓى اٰلِهِ وَصَحْبِهِٓ اَجْمَعِينَ اٰمِينَ ٭ وَ الْحَمْدُ لِلّٰهِ رَبِّ الْعَالَمِينَ
{"Gepriesen seist Du! Wir haben kein Wissen, außer dem, was Du uns gelehrt hast; denn Du bist der Allwissende und der Allweise. Oh Allah verleihe Deinen Segen und Deinen Frieden unserem Herrn Mohammed, welcher gesagt hat: ,Der Gläubige ist dem Gläubigen wie ein Bauwerk, indem die einzelnen Steine bleiverfugt einander Halt und Stütze gewähren.' und der auch gesagt hat: 'Zufriedenheit ist ein Schatz, der nie verdirbt.' Segne ihn und seine Familie und alle seine Gefährten. Amen. Lob und Preis und Dank sei Allah, dem Herrn der Welten!"}
Nachwort
Ein Kapitel über Zuträgerei
بِاسْمِهِ ٭ وَاِنْ مِنْ شَىْءٍ اِلاَّ يُسَبِّحُ بِحَمْدِهِ
{"Im Namen dessen, vor dem es kein Ding gibt, das Ihn nicht in Dankbarkeit lobpreist."}
Im Fünften Punkt des Ersten Strahls der Ersten Flamme des Fünfundzwanzigsten Wortes wurde mit einer einzigen Ayah, welche als ein Beispiel dafür angeführt wurde, wie der Qur'an mit den Themen Verbot und Herabsetzung umgeht, bereits erschöpfend dargestellt, wie wunderbar in ihr auf sechsfache Weise Abscheu gegenüber aller Zuträgerei zum Ausdruck gebracht wird und was für eine verwerfliche Sache die Zuträgerei, vom Standpunkte des Qur'an aus betrachtet, ist. Für weitere Erklärungen besteht keine Veranlassung. In der Tat kann im Anschluss an diese Erklärung des Qur'an keine weitere Erklärung mehr abgegeben werden und eine Notwendigkeit dafür gibt es nicht.
So wird auch in der Ayah
اَيُحِبُّ اَحَدُكُمْ اَنْ يَاْكُلَ لَحْمَ اَخِيهِ مَيْتًا
{"Würde etwa einer von euch gerne das Fleisch seines toten Bruders essen wollen?" (Sure 49, 12)}
die Herabsetzung über sechs verschiedene Stufen hinab fortgesetzt. Wendet man diese Ayah in der Praxis gegen die Ohrenbläser an, so ergibt sich daraus folgende Bedeutung:
Wie bekannt, hat das "Hemze", das vor dieser Ayah
steht, den Sinn einer Infragestellung. Dieser Charakter einer Infragestellung durchdringt alle Worte dieser Ayah wie Wasser. Er verleiht jedem Wort seinen hintergründigen Sinn.
So ist denn da zuerst das "Hemze", welches fragt: Habt ihr denn keinen Verstand, darinnen Fragen zu stellen und Antworten zu finden, so dass ihr eine derart abscheuliche Sache nicht verstehen könnt?
Das zweite Wort, يُحِبُّ {"er liebt"} fragt: Ist denn etwa euer Herz, jener Ort aller Zuneigung und jeglicher Abneigung, so verkommen, dass es etwas so Ekelhaftes zu lieben vermag?
Das dritte Wort, اَحَدُكُمْ {"einer von euch"} fragt: Was ist aus eurem gesellschaftlichen Leben und seiner Kultur geworden, die doch die Quelle (menschlichen) Zusammenlebens ist, dass ihr eine solche Handlungsweise, welche euer Leben vergiftet, akzeptieren könnt?
Das vierte Wort, اَنْ يَاْكُلَ لَحْمَ {"Fleisch zu essen"} fragt: Was ist aus eurer Menschlichkeit geworden, dass ihr euren Kollegen mit euren Zähnen wie ein Raubtier in Stücke reißen könnt?
Das fünfte Wort, اَخِيهِ {"seines Bruders"} fragt: Ist euch denn jedes mitmenschliche Empfinden fremd geworden, habt ihr denn gar kein Gefühl für Verwandtschaftsbeziehungen mehr, dass ihr derart erbarmungslos die Persönlichkeit eures Nächsten zerreißt, welche auf vielfältige Weise euer Bruder ist? Und habt ihr denn keinen Verstand, dass ihr eure eigenen Glieder mit euren eigenen Zähnen beißt wie ein Wahnsinniger?
Das sechste Wort, مَيْتًا {"tot"} fragt: Wo ist euer Gewissen geblieben? Ist eure Natur so verdorben, dass ihr dem gegenüber, der doch als euer Bruder einen höchst ehrenwerten Status inne hat, eine so ekelerregende Handlung begehen könnt, sein Fleisch zu essen?
Dem Sinn dieser Ayah und dem einzelnen ihrer Worte entsprechend heißt das also, dass jede Art von Herabsetzung und Zuträgerei mit Herz und Verstand, aus Gründen der Menschlichkeit und aus Gewissensgründen, um der Natur und um des Volkes willen abgeschafft und verworfen werden muss. So siehst du denn nun, wie diese Ayah eine solche Schandtat kurz und prägnant, sechs Stufen hinunter, herabsetzt und sie auf wunderbare Weise in sechs verschiedenen Stufen verbietet.
Zuträgerei ist in den Händen der Leute von Feindschaft, Neid und Uneinsichtigkeit (ehl-i adavet ve hased ve inad)eine primitive Waffe, wie sie (von diesen Leuten) meistens verwendet wird. Ein Mann von Selbstachtung (izzet-i nefsi)wird sich niemals dazu herabwürdigen, eine solch schmutzige Waffe zu verwenden. Darum sagte einmal ein berühmter Mann:
وَ اُكَبِّرُ نَفْسِى عَنْ جَزَاءٍ بِغِيْبَةٍ ٭ فَكُلُّ اِغْتِيَابٍ جَهْدُ مَنْ لاَ لَهُ جَهْدٌ
{"Ich habe mich immer zu gut dafür gehalten, meinen Feind ins Gerede zu bringen. Ich habe mich niemals dazu erniedrigt, ihn mit Ehrabschneidung zu bestrafen. Verleumdung ist die Waffe der Schwachen, der Würdelosen und (der Leute von) niedriger Gesinnung."}
Zuträgerei besteht darin, dass ein Mensch, wäre er anwesend und könnte hören, was anderen über ihn zugetragen wird, das Übel aufnehmen und sich gekränkt fühlen würde. Hat jemand die Wahrheit gesagt, so nennt man dies Zuträgerei. Hat er eine Lüge verbreitet, so ist dies sowohl Zuträgerei als auch Verleumdung. Das ist dann eine doppelt hässliche Sünde.
Zuträgerei kann in einigen Ausnahmefällen erlaubt sein:
Erstens:
Wer vor einem dafür zuständigen Mann eine Klage vorzubringen hat, damit er Hilfe erfahre und der Beklagte von Schuld und Sünde ablassen solle und deshalb aussagt, um sein Recht von ihm in Anspruch zu nehmen.
Zweitens:
(Ein Beispiel als Anmerkung der Übersetzer: Ali möchte mit Mehmet zusammenarbeiten.) Der eine möchte sich bei dir über den anderen einen Rat holen. Wenn du ihm nun rein zu seinem Vorteil und ohne einen bösen Unterton sagst: "Arbeite nicht mit ihm zusammen! Du wirst dabei zu Schaden kommen."
Drittens:
Wenn jemand, nicht etwa um einen anderen zu beschimpfen oder ihn bloßzustellen, sondern zu dem Zweck, ihn zu beschreiben und vorzustellen, sagt: "Dieser lahmende Trinker ist da und da hingegangen."
Viertens:
Der Mann, der ins Gerede gekommen ist, ist ein öffentlicher Sünder (fasiq).D.h. er schämt sich nicht, Schlechtes zu tun, sondern rühmt sich sogar noch seiner üblen Taten, findet Geschmack an seinem Unrecht, begeht seine Schandtaten in aller Öffentlichkeit ohne sich dessen zu schämen.
So kann Zuträgerei in bestimmten Ausnahmefällen erlaubt
sein, wenn es ohne jeden bösen Unterton und nur um der Wahrheit und der guten Sache willen geschieht. Anderenfalls verzehrt Zuträgerei, so wie Feuer das Holz verzehrt, auch alle guten Werke.
Wer ein Ohrenbläser gewesen ist, oder einem solchen willig sein Ohr geliehen hat, der muss sagen
اَللّٰهُمَّ اغْفِرْ لَناَ وَلِمَنِ اغْتَبْنَاهُ
{"Oh Allah verzeihe mir und dem, über den ich geklatscht habe!"}
und danach, sobald er den Menschen sieht, über den er geklatscht (giybet)hat, zu ihm sagen: "Bitte, trage mir nichts nach!"
{wörtlich: "Lösche deinen Rechtsanspruch (beni helal et)"}
اَلْبَاقِى هُوَ الْبَاقِى
{"Der Beständige ist der, der bleibt und besteht."}
Said Nursi
Dreiundzwanzigster Brief
بِاسْمِهِ سُبْحَانَهُ ٭ وَاِنْ مِنْ شَىْءٍ اِلاَّ يُسَبِّحُ بِحَمْدِهِ ٭ اَلسَّلاَمُ عَلَيْكُمْ وَرَحْمَةُ اللّٰهِ وَبَرَكَاتُهُ اَبَدًا بِعَدَدِ عَاشِرَاتِ دَقَآئِقِ عُمْرِكَ وَذَرَّاتِ وُجُودِكَ
{"Im Namen dessen, der gepriesen sei. Und es gibt nichts, dass nicht dankend Ihn lobpreist." "Friede sei mit Euch und das Erbarmen Gottes und Sein Segen, immer und soviel wie Dein Leben Zehntelaugenblicke und Dein Körper Atome zählt."}
Mein lieber, fleißiger, ernsthafter, wahrhaftiger, aufrechter, entschlossener Bruder.
Für die Brüder, welche die Erkenntnis der Wahrheit und den Glauben an das Jenseits mit uns teilen und für die alle Unterschiede von Zeit und Raum kein Hindernis für unsere Gemeinschaft (sohbet)und den vertrauten Umgang mit uns bilden. Auch wenn einer von ihnen im Osten und ein anderer im Westen, der eine in der Vergangenheit und ein anderer in der Zukunft, der eine in diesem und der andere in jenem Leben sein sollte, so können sie doch als beieinander betrachtet werden und Gemeinschaft (sohbet)miteinander pflegen. Besonders können diejenigen, welche die gleiche Aufgabe unternommen haben, ein gemeinsames Ziel zu erreichen, als einander gleich betrachtet werden. An jedem Morgen stelle ich mir vor, dass Sie bei mir sind und widme Ihnen einen Teil, etwa ein Drittel (möge Gott es annehmen) meiner geistigen Übungen. In meinem Gebet sind Sie mit Abdulmecid und Abdurrahman zusammen. Möge es Gottes Wille sein, dass Sie dann jedes Mal auch Ihren Anteil bekommen... Es hat mich um ihretwillen ein wenig traurig gemacht, dass Sie hinsichtlich ihres irdischen Lebens unter einigen
Schwierigkeiten gelitten haben. Da aber diese Welt nicht ewig ist und in allem Unglück immer auch etwas Gutes liegt, kam mir für Sie in mein Herz: "Oh Gott (Ya Hu),aber auch das vergeht."
Und so dachte ich mir:
لاَ عَيْشَ اِلاَّ عَيْشُ الْاٰخِرَةِ
{"Es gibt kein wahres Leben außer dem jenseitigen."}
und so rezitierte ich die Ayah
اِنَّ اللّٰهَ مَعَ الصَّابِرِينَ
{"Wahrlich, Gott ist mit den Geduldigen." (Sure 2, 153)}
und ich zitierte weiter
اِنَّا لِلّٰهِ وَاِنَّآ اِلَيْهِ رَاجِعُونَ
{"Gottes sind wir und zu Ihm kehren wir zurück." (Sure 2, 156)}
So habe ich mich an Ihrer Stelle getröstet.
Wenn Gott der Gerechte einen Seiner Diener liebt, macht Er ihm die Welt zum Ekel und lässt sie ihm hässlich sein. Möge Gott es wollen, dass auch Sie zu dieser Schar Seiner Geliebten gehören. Lassen Sie sich durch eine solche Anhäufung von Hindernissen gegenüber einer Veröffentlichung der "Sözler"(Worte) nicht beunruhigen. Möge Gott es wollen, dass, sobald die Menge der durch Sie veröffentlichten (Schriften) sich als eine Barmherzigkeit (rahma)erwiesen haben, auch diese lichterfüllten Samenkörner sich in einer besonders segensreichen Form zu einer Vielzahl von Blüten öffnen werden.
Sie haben mir da einige Fragen gestellt. Mein lieber Bruder! Die meisten der (bisher) aufgezeichneten "Sözler"(Worte) und Briefe gelangten ohne mein Zutun ganz plötzlich und unerwartet in mein Herz und so war es gut. Wenn ich Ihnen nach Art des Alten Said wissenschaftlich,
wissentlich und willentlich meine Antwort schriebe, so wäre sie mangelhaft und blass. Doch seit einiger Zeit sind diese Eingebungen in meinem Herzen ausgeblieben und die Peitsche meiner Erinnerung gebrochen. Damit Sie jedoch trotzdem nicht ohne eine Antwort bleiben, will ich auf jede von ihren (Fragen) hier eine kurze Antwort geben:
Zu Ihrer Ersten Frage:
Wie sollten Gläubige am besten für andere Gläubige beten?
Antwort:
(Gebete) müssen im Rahmen der gegebenen Umstände annehmbar sein. Denn ein Gebet wird unter bestimmten Bedingungen annehmbar (makbul).Ihre Annehmbarkeit wächst je nach der Zahl annehmbarer Umstände. Zum Beispiel: Wenn man beten will, beginne man damit, um Verzeihung zu bitten und sich so innerlich zu reinigen. Danach spreche man den Segen über unseren Propheten aus, ein Gebet, das stets angenommen wird und verbinde es sodann als eine Art Fürsprache (mit dem eigenen Gebet) und schließe mit einem erneuten Segen für den Propheten. Denn ein Gebet, das zwischen den beiden (Segnungen des Propheten, die allzeit angenommen werden) ausgesprochen wurde, wird gleichfalls stets angenommen. بِظَهْرِ الْغَيْبِ Zudem "soll man (ehrlicherweise) in seiner Abwesenheit für ihn beten." Und man soll auch jene einflussreichen Gebete verwenden, wie sie in Qur'an und Hadith zu finden sind. Zum Beispiel:
اَللّٰهُمَّ اِنِّى اَسْئَلُكَ الْعَفْوَ وَالْعَافِيَةَ لِى وَلَهُ فِى الدِّينِ وَالدُّنْيَا وَالْاٰخِرَةِ
رَبَّنَآ اٰتِنَا فِى الدُّنْيَا حَسَنَةً وَفِى الْاٰخِرَةِ حَسَنَةً وَقِنَا عَذَابَ النَّارِ
{"Oh Gott, ich bitte Dich um die Vergebung und das Wohlbefinden für mich und für ihn (N.N.) in dieser und in jener Welt. Unser Herr, gib uns Gutes in der diesseitigen und in der jenseitigen Welt und bewahre uns vor der Strafe des Feuers!"}
(Von solchen) ganz allgemeinen Bittgebeten gleich diesen, die aufrichtig und ehrlich, demütigen und ruhigen Herzens dargebracht werden, nach den täglichen Gebeten (Namaz)und besonders nach dem Morgengebet, besonders an heiligen (mubarak)Orten, in einer Moschee, an einem Freitag, besonders in (jener, zwar geheimen) Stunde, in der (freitags die Gebete) erhört werden, in den heiligen drei Monaten (Radjab, Scha'aban, Ramadan),besonders in den heiligen Nächten, besonders in der Nacht der Bestimmung (qadir,im Ramadan) dargebracht werden, darf man mit Recht erwarten, dass sie von der göttlichen Gnade und Barmherzigkeit (rahma)angenommen werden. Das Ergebnis solch annehmbarer Gebete zeigt sich entweder schon in dieser Welt, und zwar genau in der erwünschten Weise, oder sie werden doch angenommen in einer dem Gebet entsprechenden Weise nach der Art des Jenseits und des Ewigen Lebens. Das heißt also, wenn etwas nicht genau in der gewünschten Weise geschieht, sollte man nicht sagen, dass das Gebet nicht erhört wurde, sondern dass es in einer besseren Form erhört worden ist.
Zu Ihrer zweiten Frage:
Da der Ausdruck "möge Gott mit ihm zufrieden sein (radiyallahu anh)"für die Gefährten des Propheten gebraucht wird, ist es dann angemessen, ihn auch für andere in dieser Bedeutung zu verwenden?
Antwort:
Man kann hier "Ja" sagen, denn anders als das "mit dem Friede und Sein Segen sei (aleyhissalatu vesselam)",was über den Ehrenwerten Gesandten ausgesprochen wird, ist die Hinzufügung "möge Gott mit ihm zufrieden sein" keineswegs charakteristisch für die Sahabis, sondern sollte vielmehr gebraucht werden für Persönlichkeiten wie die vier Imame (der Rechtsschulen), Abdulkadir el-Geylani, Imam-i Rabbani, Imam Ghasali, die sich wie die Sahabis auf der Stufe der großen Heiligen befinden, die man als die Nachfahren des Prophetentums bezeichnet, welche Gottes Zufriedenheit erlangt haben. Doch im Allgemeinen ist es der Brauch unter den Gelehrten, über die Sahabis:
"Möge Gott mit ihm zufrieden sein! (radiyallahu anh)",über die Gefährten der zweiten und dritten Generation (Tabiin ve Tebe-i Tabiin):"Gott hab' ihn selig! (rahimullah)"zu sagen, und: "Möge Gott ihm vergeben! (Ghaferehullah)"über die folgenden Generationen und über die Heiligen, die Gottesfreunde: "Möge Gott sein Geheimnis heiligen! (kuddise sirruh)"zu sagen.
Zu ihrer dritten Frage:
Hatten die großen Imame und Exegeten (mutschtehidin-i idham)eine höhere Bedeutung (efdal)oder hatten die Scheichs und Pole (qutb)der wahren Orden (tariqat)eine größere Bedeutung (efdal)?
Antwort:
Nicht alle Exegeten. Doch Abu Hanifa, Malik, Schafi und Ahmed Ibn Hanbal stehen über allen Scheichs und den Polen. Aber in gewisser Hinsicht haben einige wundertätige Pole, wie Scheich Geylani auf Grund ihrer besonderen persönlichen Eigenschaften (hususi Fazilet)eine besonders strahlende Position (maqam)inne. Dagegen sind die allgemeinen besonderen Eigenschaften (kulli fazilet)(gerade besonders charakteristisch) für die Imame (der Rechtsschulen). Zudem waren einige Persönlichkeiten (Sufis) in den Orden zugleich auch Exegeten. Doch deswegen sollte man nicht allen Exegeten einen höheren Vorzug (fadhl)vor den Polen einräumen. Doch lässt sich sagen, dass die vier Imame (der Rechtsschulen) die vorzüglichsten nach den Sahabis und dem Mehdi sind.
Ihre vierte Frage:
اِنَّ اللّٰهَ مَعَ الصَّابِرِينَ
{"Gott ist mit den Geduldigen." (Sure 2, 153)}
Was ist Sinn und Zweck dieser Weisheit?
Antwort:
Gott, der Gerechte hat als Erfordernis Seines Namens "der Allweise (Hakiem)"bei der Entstehung der Dinge eine Anordnung wie die Stufen einer Leiter festgelegt. Ein ungeduldiger Mensch handelt unsorgfältig und überspringt so (die einzelnen Sprossen), lässt sie aus, und kann so sein Ziel nicht erreichen. So kommt er durch
seinen Ehrgeiz (hirs)zu Fall. Geduld jedoch ist der Schlüssel zu allen Schwierigkeiten.
اَلْحَرِيصُ خَآئِبٌ خَاسِر ٭ وَالصَّبْرُ مِفْتَاحُ الْفَرَجِ
{"Der Ehrgeizige ist das Subjekt seiner Enttäuschung und des erlittenen Schadens." "Geduld ist der Schlüssel zur Rettung."}
Diese Ahadith sind zu Sprichwörtern geworden!
Das heißt, die Güte (inayat)und der Erfolg (taufiq)sind mit den Geduldigen.
Nun aber ist die Geduld von Dreierlei Art:
Erstens:
Geduld üben in der Zurückhaltung von den Sünden. Diese Art der Geduld wird Gottesfurcht (taqwa)genannt und führt uns zu der tiefen Wahrheit (sirr)von اِنَّ اللّٰهَ مَعَ الْمُتَّقِينَ {"Fürwahr Gott ist mit den Gottesfürchtigen." (Sure 2, 194)}
Zweitens:
Geduld üben im Unglück heißt Gott vertrauen (tewekkul)und sich (Seinem Willen) zu unterwerfen (teslim),das heißt, wir erfahren die Ehre der Offenbarung der Ayat
اِنَّ اللّٰهَ يُحِبُّ الْمُتَوَكِّلِينَ ٭ وَاللّٰهُ يُحِبُّ الصَّابِرِينَ
{"Fürwahr Gott liebt die Ihm vertrauen." (Sure 3, 159) "Fürwahr, Gott liebt die Geduldigen." (Sure 3, 146)}
Was hingegen die Ungeduld betrifft, so enthält sie eine Vorwurf gegen Gott, woraus eine Kritik an Seiner Handlungsweise, eine Klage gegen Seine Barmherzigkeit (rahmet)und eine Missachtung Seiner Weisheit (hikmet)resultiert. Denn der Mensch weint in der Tat in seiner Schwäche und Hilflosigkeit, wenn er sich über einen Schicksalsschlag (musibet)beklagt. Doch sollte er seine Klage vor Ihm ausschütten und nicht gegen Ihn. Seine Worte sollten so sein wie die des ehrenwerten Jakob, mit dem der Friede sei:
اِنَّمَآ اَشْكُوا بَثِّى وَحُزْنِى اِلَى اللّٰهِ
{"Fürwahr ich schütte meine Klage und meinen Kummer vor Gott aus." (Sure 12, 86)}
Das heißt, man sollte seine Klage vor Gott ausschütten statt: "Ach und oh weh!" zu stöhnen und zu sagen: "Was habe ich denn getan, dass dies über mein Haupt gekommen ist." so als wolle er sich vor den Menschen über Gott beklagen. Auf diese Weise das Mitleid der Menschen zu erregen, ist negativ (zarardir)und sinnlos.
Die dritte Art von Geduld ist die Geduld im Dienst und in der Anbetung (ibadet).
Diese Form von Geduld erhebt ihn zu der Stufe eines Geliebten (maqam-i mahbubiyet).Sie führt schließlich (auf die Stufe) eines vollkommenen Dieners (ubudiyet),welches die höchste Stufe (maqam)ist.
Ihre fünfte Frage:
Man nimmt im allgemeinen an, dass das Alter, in dem (das Kind) zu eigener Verantwortlichkeit heranreift (mukellefiyet),das fünfzehnte Lebensjahr ist. In welcher Form verrichtete der Ehrenwerte Prophet, mit dem Friede und Segen sei, damals das Gebet (ibadet),noch ehe er zum Propheten berufen worden war (und damit die genauen Anweisungen dazu erhalten hatte)?
Antwort:
Er betete entsprechend der alten religiösen Tradition, so wie sie sich hinter vielen Schleiern verborgen in Arabien seit der Zeit des Ehrenwerten Ibrahim, mit dem der Friede sei, erhalten hatte. Dies geschah damals jedoch nicht als Pflicht (farz)oder Zwang, sondern freiwillig und aus seiner eigenen positiven Haltung zum Gebet heraus. Doch das ist eine lange Geschichte, weshalb ich mich hier kurz fassen möchte.
Ihre sechste Frage:
Was war die Weisheit (hikmet)hinter dem Umstand, dass die Zeit seines Prophetentums erst in seinem vierzigsten Lebensjahr begann, dem Jahr,
das als das Jahr der Reife und Vollendung angesehen wird, während doch die gesamte Spanne seines Lebens nur dreiundsechzig Jahre betrug?
Antwort:
Dafür gibt es viele Gründe (hikmet).Einer davon ist der folgende: Das Prophetentum bringt eine große und schwere Verantwortung (mutekellefiyet)mit sich. Eine solch schwere Verantwortung kann nur der auf seine Schultern laden, dessen intellektuelle Fähigkeiten und Gemütskräfte (qalb)sich bereits ganz und vollkommen entfaltet haben. Die Zeit dieser Vervollkommnung aber ist das vierzigste Lebensjahr. Zudem ist die Zeit der Jugend und des ersten Mannesalters, wenn die unruhige Phase der Leidenschaft der Seele, die Zeit, wenn das Blut im Körper noch heiß schäumt und der Abschnitt, wo noch Ehrgeiz und weltliche Interessen empor lodern, völlig ungeeignet für die Erfüllung eines prophetischen Auftrags, der nur auf Gott und das Jenseits gerichtet und durch Ihn geheiligt ist. Wie ernsthaft und aufrichtig ein Mann vor seinem vierzigsten Lebensjahr auch sein mag, er gerät doch bei denen, die für sich selbst in ihrer Vorstellung nach Ruhm suchen, in den Verdacht, dass er in dieser Welt vielleicht nach Ehre und Ansehen strebt. Da kann er sich nicht so schnell vor ihren Beschuldigungen retten. Doch nach vierzig beginnt der Abstieg zum Grabe und das Jenseits tritt ihm deutlicher als das Diesseits vor Augen. So kann er sich selbst rasch und mit Erfolg vor derlei Beschuldigungen retten, wenn er im Hinblick auf das Jenseits handelt und sich bewegt, und auch die anderen bleiben frei und vor bösartigen Vermutungen bewahrt.
Was aber die dreiundsechzig Jahre eines glücklichen (weil fruchtbaren und erfolgreichen) Lebens betrifft, so ist eine der vielen Weisheiten (die ihm zu Grunde liegen) folgende: Alle Gläubigen sind durch das Gesetz (ihres Glaubens) gehalten, den Ehrenwerten Propheten, mit dem Friede und Segen sei, über alles zu lieben und zu ehren, in gar keiner Weise Ekel vor ihm zu empfinden und alles an ihm (hal)für gut und schön zu erachten. Darum ließ Er
Seinen Ehrenwerten Geliebten in der so schwierigen und mühseligen Zeit nach sechzig nicht (länger auf Erden zurück), sondern berief ihn mit dreiundsechzig Jahren zu sich in die erhabene (Gemeinschaft der) Edlen, welche Lebensspanne damals offensichtlich die gewöhnliche der Gemeinschaft war, der er ein Vorbild (Imam)war, und zeigte so, dass er ihr Imam in jeglicher Hinsicht war...
Ihre siebente Frage:
خَيْرُ شَبَابِكُمْ مَنْ تَشَبَّهَ بِكُهُولِكُمْ ٭ وَشَرُّ كُهُولِكُمْ مَنْ تَشَبَّهَ بِشَبَابِكُمْ
{"Die besten unter euren Jünglingen sind die, welche den Greisen unter euch ähnlich und die schlimmsten unter euren Greisen diejenigen, welche euren Jünglingen ähnlich sind."}
Ist das ein Hadith und was ist damit gemeint?
Antwort:
Ich habe gehört, dass es ein Hadith ist. Was damit gemeint ist, ist Folgendes: "Der beste der Jugendlichen ist derjenige, der sich wie ein Alter an den Tod erinnert und für sein Jenseits arbeitet, der sich nicht von der jugendlichen Lust und Laune gefangennehmen und in der Gottvergessenheit ersticken lässt. Und der schlechteste der Alten unter euch ist derjenige, der in Gottvergessenheit, Lust und Laune den Jugendlichen nachahmen will, und sich wie ein Kind den Wünschen seiner Begierde unterwirft."
Die richtige Form des zweiten Abschnitts, den Du an Deiner Merktafel sahst, ist die folgende: Ich hing es als eine Merktafel der Weisheit über das Kopfende (meines Bettes). An jedem Morgen und an jedem Abend gucke ich danach und nehme meinen Unterricht:
"Wünschst Du Dir einen Freund, so genügt Dir Allah." Tatsächlich sind alle Dinge Freunde, wenn Er Freund ist.
"Wünschst Du Dir einen Helfer und Gefährten, so genügt Dir der Qur'an." Tatsächlich begegnet man darin die Gottesgesandten und den Engeln seiner
Vorstellung entsprechend, betrachtet ihre Erlebnisse und macht sich mit ihnen vertraut.
"Wünschst Du dir Reichtum, so genügt dazu eine bescheidene (kanaat)
Haltung." Tatsächlich ist derjenige, der genügsam lebt, sparsam. Wer sparsam ist, findet Segen.
"Suchst Du nach einem Feind, so genügt Dir Deine Begierde (nefis)."Tatsächlich wird der, welcher sich selbst gefällt, vom Unglück heimgesucht und vom Unheil geplagt. Derjenige, der nicht selbstgefällig ist, findet seine Freude und empfängt Gottes Barmherzigkeit.
"Suchst Du einen Ratgeber, so genügt Dir der Tod." Tatsächlich löst sich derjenige, der über den Tod nachdenkt, von der Weltliebe und arbeitet ernsthaft für das Jenseits.
Ich füge zu Ihren sieben Fragestellungen noch eine achte hinzu.
Es handelt sich um Folgendes:
Vor ein paar Tagen rezitierte ein gewisser Hafidh die Sure "Jusuf" bis zu der Ayah:
تَوَفَّنِى مُسْلِمًا وَاَلْحِقْنِى باِلصَّالِحِينَ
{"Lass mich als Muslim sterben und nimm mich unter die Rechtschaffenen auf!" (Sure 12, 101)}
Ganz plötzlich und unerwartet tauchte in meinem Herzen die folgende Anmerkung auf: Alles was den Qur'an und den Glauben betrifft, ist wertvoll. Wie klein es auch äußerlich betrachtet sein mag, so ist sein Wert doch groß. In der Tat ist, was der Ewigen Glückseligkeit dienlich ist, nicht klein. Weil dies aber so ist, darf man nicht sagen, es sei dies doch nur ein kleiner Punkt, nicht wert einer Erklärung, und verdiene keine Aufmerksamkeit. Und sicherlich möchte der, welcher in den verschiedenen Angelegenheiten dieser Art der erste Schüler und Ansprechspartner war, Ibrahim Hulusi, auch diese Anmerkung hören. So höre denn nun:
Es ist eine gute Anmerkung zu einer der schönsten Geschichten,
eine erhabene, anmutige, eine frohe Kunde berichtende, wunderbare Anmerkung zu der Ayah
تَوَفَّنِى مُسْلِمًا وَاَلْحِقْنِى باِلصَّالِحِينَ
{"Lass mich als Muslim sterben und nimm mich unter die Rechtschaffenen auf!" (Sure 12, 101)}
die das Ende der Geschichte Josephs, mit dem Friede sei, und die schönste aller Geschichten berichtet und folgendermaßen lautet: In anderen frohen und glücklichen Erzählungen verbittern Tod und Trennung, Leid und Schmerz in diesen Erzählungen am Ende die Freude, empfangen aus der Vorstellung, welche die Erzählung erweckt, und zerstören sie. Und dies immer dann besonders, wenn sie gerade dann von Tod und Trennung berichten, wenn sie gerade über vollkommene Freude und Glück berichten, wodurch diese Nachricht dann um so schmerzhafter ist und die Zuhörer: "Oh weh!" rufen lässt. Gerade auf dem strahlenden Höhepunkt dieser Erzählung, als Joseph, mit dem der Friede sei, bereits der mächtigste Mann in Ägypten geworden ist, wieder vereint mit seinen Eltern, nach einem Wiedersehen und vertrauten Gesprächen mit seinen Brüdern und die größte Freude und das höchste Glück dieser Welt erfährt, berichten diese Ayat in der folgenden Weise von seinem Tode, indem sie erzählen: In diesem glücklichen und frohen Zustand erbat sich Hazret Yusuf selbst von Gott dem Gerechten den Tod, um einen noch strahlenderen Zustand zu erfahren; und so starb er. Das heißt: jenseits der Freuden und Vergnügungen dieser Welt gibt es jenseits des Grabes ein Glück, das noch anziehender und einen Zustand, der von noch mehr Freude erfüllt ist, sodass eine Persönlichkeit mit Augen, die die Wahrheit schauen wie Hazret-i Yusuf, mit dem der Friede sei, inmitten dieses Zustandes einer so großen Freude in dieser Welt diesen doch so bitteren Tod ersehnte, damit er diese andere Glückseligkeit erlangen könne. So betrachte denn diese
besondere Beredsamkeit des weisen Qur'an, in welcher Weise er das Ende der Geschichte von Joseph erzählt. Wer dieser Erzählung lauscht, erfährt nicht Kummer und Schmerz, sondern verkündigt frohe Kunde und fügt noch Freude hinzu. Er gibt auch Führung und Leitung, indem er sagt: Bemüht euch um das, was jenseits des Grabes liegt. Dort findet ihr die wahre Glückseligkeit und eine echte Freude. Zudem zeigt er uns die erhabene Treue von Hazret-i Yusuf und sagt: Auch der glänzendste und freudigste Zustand (hal)der Welt kann ihn nicht in Gottvergessenheit (ghafla)verfallen lassen, ihn nicht berauschen; er sehnt sich auch weiterhin nach dem Jenseits.
اَلْبَاقِى هُوَ الْبَاقِى
{"Der Beständige ist der, der bleibt und besteht."}
Said Nursi
Vierundzwanzigster Brief
بِسْمِ اللّٰهِ الرَّحْمٰنِ الرَّحِيمِ ٭ يَفْعَلُ اللّٰهُ مَا يَشَآءُ وَيَحْكُمُ مَا يُرِيدُ
{"Im Namen Gottes, des Allerbarmers, des Allbarmherzigen." "Allah handelt entsprechend Seinem Entschluss und entscheidet entsprechend Seinem Willen."}
Frage:
Wie und auf welche Weise lässt sich eine Erziehung (terbiye),die mit Liebe (shefqat)gepaart geht, eine Anordnung in Weisheit, eine Gastfreundschaft in aller Herzlichkeit (muhabbet),so wie sie "der wahrhaft Barmherzige (Rahim),Weise (Hakiem),Freund (Vedud)",wie sie also von jenen gewaltigen göttlichen Namen gefordert werden, mit dem Tode, der Vernichtung, mit Trennung und Untergang, Mühsal und Fron in all ihrer Furchtbarkeit und ihrem Schrecken vereinbaren?
Nun wollen wir einmal davon ausgehen, dass wir den Tod, durch den der Mensch hindurchgeht, um zur Ewigen Glückseligkeit zu gelangen, willkommen heißen. Wo aber finden wir dann die Liebe (shefqat)und das Erbarmen, Weisheit, Sinn, Güte und Erbarmen, wenn Bäume, Blumen und all die anderen Pflanzenarten und die Tiere, die auch ein Recht auf Leben haben und das Leben lieben (ashik)und sich danach sehnen, es für ewig zu behalten, ständig vergehen, ohne dass eines von ihnen übrig bliebe, so schnell vernichtet werden, dass (ihnen keine Zeit mehr dazu bleibt, noch einmal) ihre Augen zu öffnen, sich ständig mühen und anstrengen müssen, ohne (Zeit für) eine Atempause zu haben, durch die Wechselfälle des Lebens Veränderungen erfahren, ohne Ruhe zu finden, ihren Tod finden, ohne dass es eine Ausnahme davon gäbe,
zu Grunde gehen, ohne dass es dabei ein Halten gäbe, voneinander getrennt werden, was keines von ihnen wünscht?
Antwort:
Wir wollen uns nun darum bemühen, die gewaltige Wahrheit, welche diese Frage in ihrer ganzen Breite, in ihrer großen Tiefe, in ihrer erhabenen Höhe zu beantworten vermag und welche die fünf Hinweise, welche die Gründe und Erfordernisse erklärt, und die fünf Zeichen, welche Ziel und Nutzen erläutert, wenn auch nur ganz von Ferne her, zu zeigen und zu betrachten.
Erstes Kapitel
Es besteht aus fünf Hinweisen.
Erster Hinweis:
Wie bereits im Anhang zum Sechsundzwanzigsten Wort erwähnt wurde, gab es da einen geschickten Meister, der ein kostbares Gewand mit vielen Ausschmückungen und allen Verzierungen anfertigen wollte. Dazu bestellte er sich einen armen Mann gegen einen angemessenen Lohn als Modell. Um seine Kunstfertigkeit und Geschicklichkeit zu zeigen, misst er, schneidet, kürzt, verlängert er über diesem armen Mann das Gewand, lässt ihn auch sich hinsetzen oder wieder aufstehen und lässt ihn noch manch andere Stellungen einnehmen. Ja hat denn dieser arme Mann überhaupt ein Recht dazu, diesem Künstler zu sagen: "Warum fasst du denn dieses Kleid, das mich doch so schmückt, an und änderst es und machst mir derartige Umstände, dadurch, dass du mich aufstehen und wieder hinsetzen heißt und mich so in meiner Ruhe störst?"
Genauso aber ist es, wenn der Schöpfer in Seiner Herrlichkeit (Sani-i Dhu l-Djelal)das Wesen eines jeden Dinges zu Seinem Modell annimmt, um daran aufzuzeigen, wie Seine Namen so herrlich verziert sind und wie vollendet seine Kunst ist. Jedes Ding und alles, was da lebt umkleidet Er mit einem Körper, ausgestattet mit Sinnesorganen und einem Empfindungsvermögen. Darauf zeichnet Er Ornamente mit Seiner Feder allen Geschehens (qadha)und allen Vorherwissens (qader)und zeigt so die Manifestationen
Seiner Namen. So gibt Er allem Sein auch den Lohn, der ihm zukommt, in Gestalt seiner Vollendung, in Form von Genuss, durch Seinen Segen (feyz).
Ja hat denn irgendein Lebewesen oder Ding das Recht dem Schöpfer in Seiner Herrlichkeit, welcher das Geheimnis (sirr)des Wortes:
مَالِكُ الْمُلْكِ يَتَصَرَّفُ فِى مُلْكِهِ كَيْفَ يَشَاءُ
{"Der König des Reiches verfügt in Seinem Königreich so, wie Er will."}
offenbart, entgegenzuhalten: "Du bereitest mir Schwierigkeiten. Du störst mich in meiner Ruhe."? Gott bewahre! Dinge und Lebewesen haben in der Tat gegenüber dem, der da notwendiger Weise sein muss, in gar keiner Form irgendein Recht, Klage zu erheben. Vielmehr ist es billig und recht, dass sie allezeit mit Preis und Dank (shukr ve hamd)der ihnen verliehenen Stufe des Seins die Ehre geben. Denn alle diese ihnen verliehenen Stufen des Seins sind eine bereits vorgegebene Tatsache und verlangen nach dem, der sie hervorgerufen hat. Die jedoch nicht verliehenen Stufen sind eine bloße Wahrscheinlichkeit.
Eine bloße Wahrscheinlichkeit besitzt jedoch keine wahre Existenz und die Zahl der Möglichkeiten ist unendlich. Was aber keine Existenz, kein Dasein hat, das erfordert auch niemanden, verlangt nach keinem, der es ins Dasein gerufen hätte. Was lediglich möglich wäre, wahrscheinlich sein könnte, das kann auch keine Ursache haben. So kann z.B. ein Stückchen unbelebter Materie nicht fragen: "Warum bin ich keine Pflanze?" Es kann sich nicht beklagen. Da es jedoch als ein Stückchen Materie ins Dasein getreten ist, steht es ihm wohl an, seinem Schöpfer dafür zu danken. Eine Pflanze kann nicht fragen,
warum sie kein Tier ist und sich nicht darüber beklagen. Da sie jedoch ins Dasein gelangt und zugleich mit ihm das Leben empfangen hat, steht es ihr wohl an, Dank zu sagen. Was nun die Tiere betrifft, so können sie nicht danach fragen, warum sie keine Menschen geworden sind und sich auch nicht darüber beklagen. Da sie jedoch ins Dasein gelangt und zugleich mit ihm Leben und das kostbare Juwel des Geistes (ruh)empfangen haben, steht es ihnen darüber hinaus nur noch wohl an, dafür Dank zu sagen. Diese Beispiele ließen sich noch weiter vermehren.
Oh du Ankläger-Mensch! Du bist nicht im Unerschaffenen geblieben. Du hast dich mit dem Geschenk eines Körpers bekleidet, hast das Leben verkostet. Du bist nicht starr und leblos geblieben, kein Tier geworden. Du hast zur Gnade des islamischen Glaubens gefunden, bist nicht im Irrtum verblieben, hast Gesundheit und Geborgenheit als Geschenk erfahren, usw.
Oh du Undankbarer! Woher nimmst du dir denn das Recht dazu, so nichtig und gierig Gott den Gerechten anzuklagen, weil Er dir die hohen und erhabenen Gnadengaben nicht verliehen hat, die du auch gar nicht verdient hast, weil sie im Bereich des bloß Möglichen und gar nicht Vorhandenen geblieben und nicht in deine Hand gelangt sind, und so Seine Gnadengaben in Undankbarkeit zu verkehren, anstatt Ihm für alle die Stufen des Daseins (das unbelebte wie das belebte, das vegetative, animalische, wie das menschliche), die Er dir als reine Gnadengabe verliehen hat, Dank zu sagen?! Stiege also ein Mann zu der erhabenen Stufe eines hohen Ranges empor, etwa so wie man in einem Minarett hinauf steigt, und empfinge dieser an jedem Treppenabsatz ein großes Geschenk und würde er dann anstatt für die empfangenen Geschenke zu danken vielmehr sagen: "Warum kann ich denn nicht in einem noch höheren Minarett noch weiter hinaufsteigen?" sich darüber beklagen, weinen und seufzen, so würden selbst die Toren begreifen, welches Unrecht er damit beginge, in welch einen Abgrund der Undankbarkeit er dadurch fiele, was für eine große Dummheit er damit machte.
Oh du gottvergessener Mensch, der du dich beklagst, ohne ein Recht dazu zu haben, gierig (hirs)bist und nie genug
bekommst, verschwendest ohne Maß zu halten! Wisse und sei dir dessen sicher, dass Bescheidenheit (kanaat)auch eine Form der Dankbarkeit (shukr)ist, die ihren Lohn in sich enthält, während die Gier (hirs)eine Form der Undankbarkeit ist, die dich zugleich noch zum Verlierer macht, dass Mäßigung (iktisad)eine schöne und lohnende Weise ist, ein Geschenk in Ehren zu halten, während Verschwendung (israf)eine hässliche und nachteilige Weise ist, ein Geschenk zu missachten. Hättest du Verstand, würdest du dich um Bescheidenheit bemühen und nach der Zufriedenheit streben. Wenn dir die Dinge unerträglich vorkommen, so sage: "Ya Sabur(Oh Du, der Geduld schenkt)!" und bitte so um Geduld, sei zufrieden mit deinem Anteil und beklage dich nicht! Bedenke, wen du hier anklagst und vor wem, und schweig still! Wenn du dich aber nun schon beklagen willst, dann klage deine Seele (nefs)vor Gott dem Gerechten an, denn der Fehler liegt bei ihr.
Zweiter Hinweis:
Wie bereits am Ende des letzten Abschnitts des Achtzehnten Briefes erwähnt wurde, ist der Sinn (hikmet)dessen, dass der Schöpfer in Seiner Majestät (Khaliq-i Dhu l-Djelal),wenn Er Sein Herrscheramt auf eine so erstaunliche und zugleich Furcht erregende Weise versieht, Seine Schöpfung ständig verwandelt und wieder erneuert, der folgende: Bekanntermaßen erwachsen alle die Aktivitäten und Bewegungen der Geschöpfe entweder aus Bedürfnissen, oder Instinkten, oder aus Liebe (muhabbet)oder einer Freude. Ja man kann sogar sagen: Jede Art von Tätigkeit enthält in sich eine Art von Freude. Ja jede Art etwas zu tun, ist zugleich auch eine Art sich zu freuen und zu genießen. Und diese Freude, dieser Genuss ist wiederum auf Vollendung (kemal)hin ausgerichtet, ja in sich bereits eine Stufe der Vollendung (kemal).Da aber nun einmal eine Tätigkeit auf ihre Vollendung hinweist, auf die Schönheit, die in ihr liegt, hindeutet, ein Ausdruck der Freude und Hinweis auf ihren Genuss ist, und da nun einmal Gott, in der Notwendigkeit Seines Seins, in Seiner absoluten Vollendung, in Seiner majestätischen Vollkommenheit,
in Seinem Wesen, in Seinen Attributen, in Seinen Handlungen alle Arten der Vollendung in sich vereint, hat dieses Wesen, in der Notwendigkeit Seines Seins entsprechend der Notwendigkeit Seines Seins und Seiner Heiligkeit und gemäß dem Reichtum Seines Wesens nach innen und der Vollendung Seines Reichtums nach außen und bezüglich Seiner absoluten Vollendung und Seiner wesensgemäßen Reinheit eine unendlich heilige Liebe (shefqat),eine grenzenlose, einmalige und unvergleichliche Liebe (muhabbet).
Sicherlich vermag Er auch sich in Seiner unendlichen Heiligkeit zu sehnen, was aus der Heiligkeit Seiner Liebe (shefqat),dieser Seiner unvergleichlichen Liebe (muhabbet)geschieht. Und in Seiner unendlichen Heiligkeit vermag Er auch sich zu freuen, was aus dieser Seiner heiligen Sehnsucht geschieht. Und in dieser Seiner unendlichen Heiligkeit hat Er, wenn man so sagen darf, sogar auch die Gabe des Genusses, die aus dieser Seiner heiligen Freude erwächst. Sicherlich vermag Er in Seiner unendlichen Heiligkeit, wenn man so sagen darf, zugleich mit der Heiligkeit Seines Genusses auch in Seiner unendlichen Heiligkeit so zufrieden zu sein, wie es Ihm, dem Erbarmer gebührt, und in dieser Seiner unendlichen Heiligkeit stolz zu sein, wie dies zugleich auch Ihm, dem Allbarmherzigen entspricht, wenn sich die Fähigkeiten Seiner Geschöpfe angesichts Seiner Barmherzigkeit und im Rahmen Seiner Macht entfalten, ins Dasein treten und zu ihrer Vollendung heranreifen, wenn Seine Geschöpfe zufrieden sind und zur Vollendung gelangen, was jedoch zugleich auch auf grenzenlose Weise eine unendliche Aktivität erfordert. Und diese unendliche Aktivität erfordert weiterhin eine unendliche Verwandlung und Veränderung, einen andauernden Umbau und Abbau. Und diese unendliche Veränderung und Verwandlung erfordert weiterhin Tod und Trennung, Untergang und Vernichtung.
Einmal kam mir der Nutzen, den mir die menschliche Philosophie als das Ziel der Schöpfung vor Augen stellte,
so ganz unbedeutend vor. Auf Grund dessen wurde mir dann auch klar, dass diese "Weisheit" auf einen Abgrund zusteuert. Darum verfallen auch die bereits weiter fortgeschrittenen unter diesen Philosophen entweder dem Irrtum ihrer eigenen Naturphilosophie und der Sophisterei, leugnen Wille und Weisheit des Meisters oder nennen den Schöpfer eine notwendige Folge seiner eigenen Person (mudjib-i bizzat).
So hat mir denn damals die göttliche Barmherzigkeit Ihren Namen "der Allweise" (Hakiem)zu Hilfe gesandt. Diese hat mir dann auch die großen Ziele aller geschaffenen Wesen und Dinge (gleich Briefen) aufgezeigt. Das heißt, dass alles Geschaffene ein Brief des Herrn (mit seinem Ziel) ist, den alle Bewusstsein tragenden Wesen lesen können. Dieses Ziel hat mir dann ein Jahr lang genügt. Danach aber entfalteten sich mir deren künstlerische Feinheiten. Da begann mir dieses Ziel nicht mehr länger zu genügen. So wurde mir ein anderes, noch größeres Ziel gezeigt. Das heißt, dass die bedeutendsten Ziele aller Wesen und Dinge auf ihren Meister (Sani')ausgerichtet sind. Da erkannte ich Seine vollendete Kunstfertigkeit, die Ornamente Seiner Namen, Seine Weisheit, wie sie in aller Ziel- und Zweckgerichtetheit zum Ausdruck kommt, und die Geschenke Seiner Barmherzigkeit, wie sie sich Seinen Blicken darstellt und Spiegel Seiner Schönheit (djemal)und Vollkommenheit (kemal)ist. Auch dieses Ziel hat mir dann für lange Zeit genügt. Dann aber erschien mir das Wunder der Macht und des Wirkens des Herrn, der alle Dinge, wenn Er sie in Seiner Staunen erregenden Schöpferkraft ins Dasein ruft und sie künstlerisch gestaltet, in so großer Schnelligkeit verändert und verwandelt. Da begann mir dieses Ziel nicht mehr länger zu genügen. Ich erkannte vielmehr, dass für ein solches Ziel notwendigerweise etwas da sein muss, ein Grund vorhanden sein muss, der es notwendig macht, ein solch großes Ziel zu setzen. So wurden mir denn damals die Erfordernisse des "Zweiten Hinweises" und die Ziele in den nachstehenden
"Zeichen" deutlich gemacht und ich gelangte zu der sicheren Erkenntnis: "Das Wirken der göttlichen Allmacht im Kosmos, der Ablauf der Dinge und die Entwicklung aller Wesen sind von einer derartigen Bedeutung, dass der allweise Meister (Sani-i Hakiem)in dieser Art Seines Wirkens allen Wesen und Dingen im All Sprache und Ausdruck verleiht." Es ist, als ob die Himmelskörper und ihre Bewegungen und alles, was sich auf Erden befindet und sich bewegt, Wort und Ausdruck einer Sprache wäre und das, was sie in Bewegung versetzt, in ihnen ihren Ausdruck findet. Das aber heißt, dass Auf- und Untergang, wie sie aus dieser Tätigkeit entstehen, Worte des Gotteslobes und -gedenkens (tesbihat)sind. Was im Kosmos geschieht aber ist wie eine wortlose Rede des Alls und all seiner Arten und seine Weise, (unser Herz) zum Reden zu bewegen.
Dritter Hinweis:
Die Dinge gehen nicht ihrem Untergang und ihrer Vernichtung entgegen, sondern wechseln vielmehr aus dem Bereich göttlicher Verfügung (qudret)hinüber in den Bereich Seines Gedenkens (ilm),aus dieser bezeugten (shehadet)Welt in die unsichtbare (ghayb)hinüber, wechseln aus der Welt der Umwandlungen und des Vergehens (fena)in die Welt des Lichtes (nur)und der Beständigkeit (beqa).Wenn man es richtig betrachtet, ist also die Schönheit und Vollkommenheit in den Dingen mit den Göttlichen Namen verbunden. Diese (Dinge) bilden ihren (= der göttlichen Namen) Schmuck und jene (göttliche Namen) treten durch sie (= die Dinge) in Erscheinung. Da diese Namen unvergänglich und ihre Erscheinungsformen beständig sind, wird sicherlich auch ihr Schmuck wieder aufgefrischt, wieder neu und schön. Er fällt nicht der Vernichtung und dem Untergang anheim, ändert vielmehr nur seine äußere Erscheinungsform. Doch im Kern und Grunde ihres Wesens und der Abbilder ihres So-Seins, welche die Quelle der Schönheit und Vollkommenheit sind und wodurch ihr Segen und ihre Vollendung sichtbar werden, bleiben sie beständig (baqi).Was aber die unbelebten Dinge betrifft, so ist die Schönheit und
Vollkommenheit, die in ihnen sichtbar wird, unmittelbar mit den Namen Gottes verbunden, ihnen gebührt die Ehre, ihnen wird aller Lobpreis zugesprochen, ihnen kommt alle Schönheit zu, die Liebe betrifft sie und die Veränderungen, welche mit ihren Abbildern vor sich gehen, fügen ihnen keinen Schaden zu. Wo es sich um beseelte Dinge handelt, jedoch solche ohne Verstand, so ist Tod und Trennung für sie nicht Untergang noch Vergehen, sondern eine Befreiung von den Wirren des körperlichen Daseins und der Aufgaben des Lebens. Die Früchte, welche sie in der Erfüllung ihrer Aufgaben erworben haben, werden ihrem unvergänglichen Geiste (ruh)gutgeschrieben. Dieser Geist bleibt dadurch beständig, dass er jeweils einen der göttlichen Namen reflektiert und in ihm weiter lebt, ja sogar in seine ihm gemäße Seligkeit eingeht. Handelt es sich stattdessen um Lebewesen mit Geist und Verstand, so sind sie auf einer Reise zur ewigen Glückseligkeit, in eine ewige Welt, die Quelle leiblicher und seelischer Vollkommenheit ist, in andere Wohnstätten und in Länder des allweisen Schöpfers (Sani-i Hakiem),wie z.B. in die Zwischenwelt (alem-i berzah),die Traumwelt (alem-i misal),die Welt der Geister (alem-i ervah),welche viel schöner und weit leuchtender als diese unsere Welt sind. Eine solche Reise ist weder Tod noch Vernichtung, weder Untergang noch Trennung, sondern die Erlangung der Vollkommenheit.
Zusammenfassung:
Wollen wir einmal davon ausgehen, dass es den Schöpfer in Seiner Majestät (Sani-i Dhu l-Djelal)gibt, dass Er beständig da ist, dass Seine Eigenschaften und Seine Namen ewig sind und für immer währen, und dass der Schmuck und die Ornamente Seiner Namen sich mit Bestimmtheit innerhalb eines geistigen Bestandes immer wieder erneuern, so gibt es weder Zerstörung und Vernichtung, noch den Untergang und das Vergehen. Und weiterhin ist ja bekannt, dass der Mensch als Geschöpf mit den meisten seiner Mitgeschöpfe in Verbindung steht. Er freut sich an reiner, ursprünglicher Natur und bemerkt schmerzlich ihr Verschwinden, ihre Vernichtung. Er empfindet
diesen Schmerz noch stärker im Schmerz der empfindsamen Lebewesen und besonders der Menschen und besonders der Vollendeten unter ihnen, die er liebt und hochschätzt. Auch ist seine Freude über ihre Glückseligkeit noch stärker. Ja gleich einer liebenden Mutter opfert er sein eigenes Glück und Wohlergehen (rahat)für anderer (Menschen) Wohl. So also kann jeder Gläubige, seiner Stufe entsprechend, im Lichte des Qur'an und im Geheimnis des Glaubens freudig Anteil nehmen am Wohlergehen aller Geschöpfe und ihrem Fortleben, an ihrer Rettung vor dem Nichts und daran, dass sie kostbare Briefe des Herrn sind (d.h. eine Botschaft vom Ewigen Gott, also eine Urkunde mit dem königlichen Siegel und nicht etwa ein Zettel voll wertlos gewordener Notizen, ein welkes Blatt - A.d.Ü.). Auf diese Weise kann er (in der Wahrnehmung des Lichtes Gottes in allen Geschöpfen - A.d.Ü.) ein Licht gewinnen so groß wie die Welt. Jeder zieht, seiner Stufe entsprechend, Nutzen aus diesem Licht (des Qur'an). Ist er hingegen ein Kind des Irrglaubens, so wird er neben seinem eigenen Leiden auch noch den Schmerz über das Verschwinden ursprünglicher Natur, die Vernichtung der Schöpfung, ihren offensichtlichen Untergang, und soweit es sich dabei um Lebewesen handelt, über ihr Leiden empfinden. Das heißt, sein Unglaube erfüllt seine Welt mit Untergang (d.h. er kann nichts anderes erkennen, weil er an nichts anderes glaubt - A.d.Ü.), versetzt ihn selbst in eine solche Weltuntergangsstimmung, dass ihm (die Welt) bereits zur Hölle wird, bevor er selbst zur Hölle fährt.
Vierter Hinweis:
Wie wir bereits an verschiedenen Stellen gesagt haben, unterstehen einem Kaiser, einem König (Sultan),einem Kalifen, einem Herrscher (Hakem)oder Kommandanten mehrere, ganz und gar unterschiedliche Amtsbereiche, die sich aus ihren verschiedenen Titeln und Eigenschaften ergeben. In gleicher Weise sind auch Gott dem Gerechten in Seinen Schönen Namen unerfassbar und unberechenbar viele, ganz verschiedene
Erscheinungsformen zu Eigen. Die Verschiedenheiten und die Unterschiede zwischen den einzelnen Geschöpfen sind ein Ergebnis der Verschiedenheiten dieser Erscheinungsformen. So möchten denn auch, entsprechend dem Geheimnis, dass alles, was Vollkommenheit (kemal)und Schönheit (djemal)besitzt, von Natur aus diese Schönheit und Vollkommenheit sehen und zeigen möchte, diese verschiedenen Namen, weil sie für immer und ewig bestehen, sich mit Hinblick auf den Heiligen (aqdes)in einer dauerhaften Form manifestieren, das heißt also, dass sie ihren Schmuck betrachten, das heißt aber, dass sie das Aufstrahlen ihrer Schönheit und den Widerschein ihrer Vollkommenheit im Abglanz ihres eigenen Schmuckes sehen und zeigen möchten, was wiederum heißt, dass es nötig ist, dass das große Buch der Schöpfung und die verschiedenen Briefe der Geschöpfe (d.h. die Schöpfung als Ganzes ist ein Buch und die einzelnen Geschöpfe sind darin wie Briefe Gottes - A.d.Ü.) sich von Zeit zu Zeit erneuern, d.h. in ihrer Bedeutung immer wieder von Neuem aufgezeichnet werden, d.h. auf einer einzigen Seite Tausende ganz verschiedener Briefe (wie Tausende von Blättern an einem Baum - A.d.Ü.) niederzuschreiben und in jedem einzelnen Brief im Angesichte dessen, der da heilig (muqaddes)ist und der Heilige (aqdes)genannt wird, aufscheinen und zugleich auch vor den Augen aller Bewusstsein tragenden Wesen dargeboten und ihnen zu lesen gegeben wird. Um dieser Wahrheit ein Zeichen zu setzen betrachte dieses Gedicht, das der Wahrheit Ausdruck verleiht:
Die Seiten im Buche der Welt sind ihre unendlichen Maße.
Die Zeilen der Geschehnisse darinnen sind ihre Werke ohne Zahl,
Geschrieben an der Werkbank der Wohlbewahrten Tafel der Wahrheit,
Die Verkörperung eines bedeutungsvollen Wortes - in der Welt - ein jedes Geschöpf.
تَاَمَّلْ سُطُورَ الْكَآئِنَاتِ فَاِنَّهَا مِنَ الْمَلَاِ الْاَعْلَى اِلَيْكَ رَسَآئِلُ
{"Gib Acht auf die Zeilen des Kosmos, denn sie sind von dem Höchsten an dich ein Brief."}
Fünfter Hinweis, bestehend aus zwei Anmerkungen
Erste Anmerkung:
Da nun einmal die Wahrheit (haqq)und Wirklichkeit Gottes besteht, bestehen alle Dinge (d.h. die Existenz der Dinge ist von der Existenz Gottes abgeleitet - A.d.Ü.). Da nun einmal eine Verbindung mit dem Herrn besteht, der da notwendigerweise (vadjib)sein (vudjud)muss, sind alle Dinge für jedes Ding. Denn durch seine Verbindung mit dem, der da notwendigerweise sein muss, erhält eine jede Existenz im Geheimnis der Einheit (vahdet)ihre Verbundenheit mit allen Existenzen. Das heißt, dass jede Existenz, die um ihre (eigene) Verbindung weiß oder diese Verbindung (der unbelebten Natur) kennt, mit dem, der da notwendigerweise sein muss, auch im Geheimnis dieser Einheit (sirr-i vahdet)mit allen Existenzen in Verbindung kommt, die dem Notwendig-Seienden zugehörig sind. Das heißt: jedes Ding kann hinsichtlich dieser Beziehung (wie ein Brennpunkt) zahllose Lichter (Verbindungen) der Existenzen empfangen. Trennung oder Untergang gibt es in dieser Hinsicht (d.h. in diesem Brennpunkt) nicht. Ein Augenblick des Lebens ist Quelle zahlloser Lichter der Existenzen (d.h. der Verbindung mit ihnen). Gäbe es diese Beziehung und dieses Wissen um sie nicht, entstünde (statt ihrer) zahllose Trennung, Untergang und Nicht-mehr-sein. Denn an die Stelle einer möglichen Verbundenheit mit allen Existenzen tritt nun Trennung, Abschied und Untergang. Das heißt, dass die eigene Existenz zahllose Male mit Nicht-mehr-sein und Trennung belastet wird. Blieben auch eine Million Jahre einer solchen Existenz (ohne jede Beziehung), so könnte sie dennoch nicht einem Augenblick eines Lebens gleich
sein, das man vom obigen Standpunkt aus betrachtet. Deshalb haben die Leute der Wahrheit gesagt: "Ein einziger Augenblick lichtvoller Existenz ist einer Existenz von einer Million Jahren ohne ein Fortleben vorzuziehen." das heißt: "Ein einziger Augenblick des Lebens verbunden mit dem Notwenig-Seienden ist einem beziehungslosen Leben von einer Million Jahren vorzuziehen." Ebenso haben die Forscher (tahqiq)auf Grund dieses Geheimnisses gesagt: "Die Lichter des Seins bestehen in der Kenntnis des Notwendig-Seienden." Das heißt: "In diesem Zustand (hal)sieht man in den Lichtern der Existenzen die ganze Welt erfüllt von Engeln, Geistern und Bewusstsein tragenden Wesen. Ohne sie umhüllt eine jede Existenz die Finsternis des Nicht-mehr-seins, des Leidens, der Trennung und des Untergangs. Die Welt erscheint vor den Augen eines solchen Menschen in der Gestalt einer leeren, verlassenen Einöde." Es ist in der Tat so, dass jede Frucht eines Baumes mit jeder anderen Frucht an diesem Baum in Verbindung steht. In dieser Verbindung gibt es für sie Freunde und Geschwister, die ihr entsprechend ihrer Zahl ebenso viele weitere Existenzen verleihen. In dem Augenblick, da man diese Frucht vom Baume löst, wird ihr Untergang und Trennung von jeder anderen Frucht. Darum ist jede andere Frucht für sie wie nicht mehr vorhanden. Daraus erwächst ihr eine äußerliche Finsternis eines Nicht-mehr-seins. Ebenso gibt es für jedes Ding, hinsichtlich seiner Verbundenheit mit der Macht des Einen und Einzigartigen (ahad-i samad)auch alle die anderen Dinge. Gäbe es diese Verbundenheit nicht, bestünde für jedes Ding äußerlich ein Nicht-mehr-sein, so zahlreich wie alle die anderen Dinge.
So betrachte denn in diesem Abschnitt die gewaltige Größe der Lichter des Glaubens und siehe die schreckliche Finsternis des Irrglaubens! Das heißt, der Glaube ist eine Bezeichnung für die erhabenen Wahrheiten, so wie sie der Natur der Dinge entspricht und wie wir sie in diesem Absatz beschrieben haben und aus ihnen kann man
im Glauben seinen Nutzen ziehen. Wo kein Glaube ist, da sind alle Dinge, so wie sie für einen blinden, tauben, stummen, unverständigen Menschen nicht vorhanden sind, gleichfalls auch für einen glaubenslosen Menschen wie in Finsternis getaucht und nicht vorhanden.
Zweite Anmerkung:
Die Welt und die Dinge in ihr haben drei Gesichter (Aspekte):
Erster Aspekt:
Das eine Gesicht der Welt ist den göttlichen Namen zugewandt und widerspiegelt sie. Dieses Antlitz kennt weder Tod noch Trennung noch Zerfall, sondern nur Erneuerung und Wiederherstellung.
Zweiter Aspekt:
Ein anderes Gesicht ist auf das Jenseits gerichtet, betrachtet die beständige Welt, deren Saatfeld sie ist. Demzufolge wird diese Welt für den Anbau unvergänglicher Früchte und bleibender Erträge genutzt, dient der Ewigkeit, verwandelt die vergänglichen Dinge in ewige. Auch dieses Antlitz kennt weder Tod noch Untergang, sondern nur die Erscheinung des Lebens und der Ewigkeit.
Dritter Aspekt:
Das dritte Gesicht betrachtet die Vergänglichkeit, blickt auf uns, ist der Liebling aller Sterblichen und Kinder ihrer Gelüste, ein Handelsplatz für alle mit Bewusstsein begabten Wesen, ein Ort der Prüfung für (uns alle, die wir von Gott) beauftragt sind. Dieses dritte Gesicht ist von Untergang, Tod, Zerfall und Nicht-mehr-sein gezeichnet. Als heilende Salbe für diesen Schmerz und diese Wunden gibt es die Erscheinung der Ewigkeit und des (ewigen) Lebens als den inneren Aspekt dieses dritten Aspektes.
Zusammenfassung:
Dieser Strom der Existenzen, diese reisenden Geschöpfe sind die Spiegel, die sich bewegen und der Abglanz, der sich wandelt, um die Lichter der Erschaffung und des Daseins dessen, der da notwendigerweise Sein muss, zu erneuern.
Zweites Kapitel:
Es besteht aus der Einleitung und fünf Zeichen, die Einleitung aus zwei Abschnitten.
Erster Abschnitt:
Mit den folgenden fünf "Zeichen" soll je ein Beispiel in der Art eines kleinen, unscheinbaren Fernglases geschildert werden, um in diesem die Attribute des Herrn beobachten zu können. Diese Beispiele können die Wahrheit über die Attribute des Herrn nicht erfassen, nicht umgreifen, ihr nicht zum Vergleich dienen, sie jedoch veranschaulichen. Diese Begriffe in den folgenden Beispielen und den bereits erwähnten Hinweisen entsprechen infolge der Unzulänglichkeit alle Beispiele den Attributen des Heiligen (aqdes)nur unvollkommen.
Zum Beispiel:
Die uns bekannte Bedeutung solcher Begriffe wie Freude, Genuss und Zufriedenheit können nicht die Attribute des Heiligen (muqaddes)wiedergeben, sie sind nur Anhaltspunkt für unsere Betrachtungen, eine Art Beobachtungsturm für unsere Überlegungen. Des Weiteren beweisen diese Beispiele auch die Richtigkeit eines Gesetzes, wie es im Wirken des Herrn erkennbar wird, indem sie anhand eines kleines Beispiels einen Zipfel dieses allumfassenden gewaltigen Gesetzes des Herrn aufzeigen. Wenn zum Beispiel eine Blume aus dem Dasein scheidet, sagt man, dass sie dieses Dasein (in ihrem Samen) tausendfach zurücklässt. Damit wird ein gewaltiges Gesetz des Herrn aufgezeigt. In jedem Herbst und sogar in allen Geschöpfen in der ganzen Welt ist dieses Gesetz des Herrn am Werk.
In der Tat ist das Gesetz, nach dem der Allbarmherzige Schöpfer (Khaliq-i Rahiem)das Federkleid eines Vogels wechselt und erneuert, das gleiche Gesetz, nach dem der Allweise Meister (Sani-i Hakiem)in jedem Jahr das Kleid der Erde erneuert. Es ist auch das gleiche Gesetz, nachdem Er mit jeder Epoche das Gesicht der Welt verändert. Nach dem gleichen Gesetz wird Er auch am Tage der Auferstehung das All umwandeln und verändern.
Nach den gleichen Gesetzen, nach denen er die Elektronen wie die Mevlevi-Derwische tanzen lässt, nach eben dem selben Gesetz lässt er auch den Erdball sich drehen wie einen Derwisch, der sich in Ekstase erhoben
hat. Und nach dem selben Gesetz lässt Er die Welten kreisen und die Galaxien sich drehen.
Des Weiteren erneuert Er auch, nach dem selben Gesetz, nach dem Er die Zellen in den Organen Deines Körpers regeneriert, repariert oder demontiert, deinen Garten oftmals in jedem Jahr und zu jeder Jahreszeit nach dem gleichen Gesetz. Nach dem selben Gesetz erneuert Er jeden Frühling das Antlitz der Erde und überdeckt es mit einem frischen Schleier.
Nach dem selben Gesetz, nach dem der Allmächtige Schöpfer (Sani-i Qadir)einer Mücke in Weisheit (hikmet)das Leben schenkt, nach dem gleichen Gesetz belebt Er in jedem Frühling auch die Platane vor unseren Augen, nach dem selben Gesetz belebt Er in jedem Frühling auch den Erdball und nach dem gleichen Gesetz wird Er auch am Auferstehungstage die Geschöpfe wieder beleben.
Auf dieses Geheimnis weist auch der Qur'an hin, wenn er sagt:
مَا خَلْقُكُمْ وَلاَ بَعْثُكُمْ اِلاَّ كَنَفْسٍ وَاحِدَةٍ
{"Eure Erschaffung und eure Wiedererweckung ist nicht mehr als die einer einzelnen Seele."}
und so weiter, vergleiche entsprechend!
Gleich diesem gibt es noch viele andere Gesetze des Herrn, die von den Elektronen angefangen bis zum gesamten Weltall hin wirksam sind. So betrachte denn die Größe dieser Gesetze, die im Wirken des Herrn sichtbar werden, achte auf den Umfang ihrer Gültigkeit und erkenne darin das Geheimnis der Einheit (vahdet)!Wisse, dass jedes Gesetz ein Zeugnis für diese Einheit ist! Diese so zahlreichen und so großartigen Gesetze sind in der Tat, da jedes von ihnen eine Erscheinungsform des Wissens (ilim)und Wollens (irade),überall einheitlich (vahid)gültig und allumfassend ist, ein absolut sicherer Beweis für die Einheit (vahdaniyet)des Meisters (Sani'),für sein Wissen
und Wollen. So weisen denn die meisten Beispiele in den meisten "Worten" (Sözler)auf die Richtigkeit desselben Gesetzes hin, indem sie jeweils mit einem kleinen Beispiel auf den Zipfel eines solchen Gesetzes hinweisen, was zu beweisen war. Da aber nun einmal durch ein solches Beispiel die Richtigkeit des Gesetzes aufgezeigt wird, kann es nach Art einer logischen Beweisführung (mantik)mit Gewissheit den Beweis für das erbringen, was zu beweisen war. Das heißt, dass die meisten Beispiele in den "Worten" (Sözler)die Kraft je eines sicheren Zeugnisses, eines unwiderlegbaren Beweises haben.
Zweiter Abschnitt:
Wie wir bereits in der zehnten "Wahrheit" (Hakikat)des Zehnten "Wortes" (Söz)gesagt haben, ist die Zahl der Ziele und Bedeutungen (hikmet)jeder einzelnen Blüte, jeder einzelnen Frucht (eines Baumes) ebenso groß wie die Zahl der Blüten und Früchte, die dieser Baum trägt. Von diesen Bedeutungen aber gibt es drei Arten. Die erste Art ist dem Meister (Sani')zugewandt, weist auf die Ornamente Seiner Namen hin. Eine andere Art ist den bewusstseintragenden Wesen zugewandt, in deren Augen (diese Blüten und Früchte) kostbare Briefe und bedeutsame Worte (Gottes) sind. Eine letzte Art ist dem eigenen Sein (nefs)und Leben (hayat)und der Beständigkeit (beqa)zugewandt. Sind (diese Blüten und Früchte) nützlich für den Menschen, so richtet sich ihre Bedeutung auch nach dem Wert, den sie für den Menschen haben. Als ich also einmal darüber nachdachte, dass jedes Sein dergestalt viele Ziele haben sollte, stiegen die folgenden arabischen Sätze in Form einer Notiz als Grundlage der folgenden "fünf Zeichen" und als Hinweise auf die umfassenden Ziele (des Seins) vor meinem Geiste auf:
وَهٰذِهِ الْمَوْجُودَاتُ الْجَلِيلَةُ مَظَاهِرُ سَيَّالَةٌ وَمَرَايَا جَوَّالَةٌ لِتَجَدُّدِ تَجَلِّيَاتِ اَنْوَارِ اِيجَادِهِ سُبْحَانَهُ بِتَبَدُّلِ التَّعَيُّنَاتِ الْاِعْتِبَارِيَّةِ ٭ اَوَّلاً: مَعَ اِسْتِحْفَاظِ
الْمَعَانِى الْجَمِيلَةِ وَالْهُوِيَّاتِ الْمِثَالِيَّةِ ٭ وَثَانِيًا: مَعَ اِنْتَاجِ الْحَقَآئِقِ الْغَيْبِيَّةِ وَالنُّسُوجِ اللَّوْحِيَّةِ ٭ وَثَالِثًا: مَعَ نَشْرِ الثَّمَرَاتِ الْاُخْرَوِيَّةِ وَالْمَنَاظِرِ السَّرْمَدِيَّةِ ٭ وَرَابِعًا: مَعَ اِعْلاَنِ التَّسْبِيحَاتِ الرَّبَّانِيَّةِ وَاِظْهَارِ الْمُقْتَضَيَاتِ الْاَسْمَآئِيَّةِ ٭وَخَامِسًا: لِظُهُورِ الشُّؤُنَاتِ السُّبْحَانِيَّةِ وَالْمَشَاهِدِ الْعِلْمِيَّةِ
{"Diese sichtbar gewordenen Dinge (maudjudat) sind ein Abglanz, der fließt und ein Spiegel, der sich bewegt. In ihm erneuern sich die Erscheinungen der geschaffenen Lichter (aus der Hand) dessen, der gepriesen sei. Erstens; durch die Veränderung der äußerlichen Form, nachdem deren wunderbare Bedeutung (mana) und bildliche Vorstellung festgehalten (hafis) wurde. Zweitens; infolge der unsichtbaren Wahrheiten und der Aufzeichnungen auf der Tafel (lauh). Drittens; weil die Früchte dem Jenseits entwachsen und ihre Bilder unvergänglich sind. Viertens; weil alles Sein seinen Herrn lobpreist und das Wirken der Namen (Gottes) zeigt. Fünftens; weil sich die Attribute des Hochgepriesenen zeigen und Seinem Allwissen (ilm) Zeugnis geben."}
So enthalten denn diese fünf Sätze die Prinzipien dieser "Zeichen", die wir nachstehend behandeln wollen. Es hat in der Tat alles Sein (und das Belebte besonders) in fünf Schichten ganz und gar unterschiedliche Ziele und Bedeutungen (hikmet).Denn so, wie jeder fruchttragende Baum verschiedene, übereinander liegende Äste hervortreibt, so finden wir auch bei allem, was da lebt, Ziele und Bedeutungen in fünf verschiedenen Schichten vor.
Oh du vergänglicher Mensch! Möchtest du, dass deine Wahrheit, die einem kleinen Samenkorn gleicht, sich in einen dauerhaften (baqi)fruchttragenden Baum verwandelt und möchtest du in zehn Schichten die Früchte in Händen halten, die dir in fünf Hinweisen gezeigt werden und möchtest du die zehn Arten von Zielen erreichen, dann musst du den wahren Glauben in Händen halten. Anderenfalls wirst du all diese Dinge verlieren und eingeengt in diesen Kern verderben.
Erstes Zeichen:
فَاَوَّلاً: بِتَبَدُّلِ التَّعَيُّنَاتِ الْاِعْتِبَارِيَّةِ مَعَ اِسْتِحْفَاظِ الْمَعَانِى الْجَمِيلَةِ وَالْهُوِيَّاتِ الْمِثَالِيَّةِ
{"Erstens; durch die Veränderung der äußerlichen Form, nachdem deren wunderbare Bedeutung (mana) und bildliche Vorstellung festgehalten (hafis) wurde."}
Die Bedeutung dieses Satzes ist die: Das Sein, das aus dem Dasein geschieden ist, geht offensichtlich in seinen Untergang, in das Nichts (fena).Doch das, was es zum Ausdruck gebracht hat, bleibt bestehen und wird aufbewahrt. Seine Bildgestalt, sein Aussehen und auch sein Wesen wird in der Welt der Gleichnisse (alem-i misal)und auf einer wohlbewahrten Tafel (lauh-i mahfudh),welche ein Beispiel der Welt der Gleichnisse ist, und im Gedächtnis, welches ein Muster einer wohlbewahrten Tafel ist, aufbewahrt. Das heißt, es verliert seine körperliche Gestalt und gewinnt dafür Hunderte von Gestalten aus Wissen und Bedeutung (ilim ve manevi).Zum Beispiel: Zur Vorbereitung einer Druckvorlage setzt und formt man Buchstaben. Dann druckt man die Seite. Nachdem die Vorlage an viele bedruckte Blätter Form und Inhalt weiter gegeben hat und den Sinn in vielen Gehirnen verbreitet hat, werden Satz und Form der Vorlage verändert. Denn da man sie nun nicht mehr benötigt, müssen nun andere Druckvorlagen vorbereitet werden. Genauso wie in diesem Beispiel verleiht die Feder des göttlichen Vorherwissens (qader)allem Sein auf Erden, besonders aber den Pflanzen Satz und Form und Seine Macht bringt es auf der Seite des Frühlings ins Dasein. Dort bringt es seine wunderbare Bedeutung (mana)zum Ausdruck, seine Bildgestalt und sein Aussehen werden in das Heft der unsichtbaren Welt wie auch der Welt der Gleichnisse (alem-i misal)eingetragen. Die Weisheit (Gottes) erfordert, dass diese Form wieder verändert wird, damit im kommenden Frühling eine neue Seite geschrieben werden kann.
Auf ihr sollen dann wieder neue Existenzen ihrer Bedeutung Ausdruck verleihen.
Zweites Zeichen:
وَثَانِيًا: مَعَ اِنْتَاجِ الْحَقَآئِقِ الْغَيْبِيَّةِ وَالنُّسُوجِ اللَّوْحِيَّةِ
{"Zweitens; infolge der unsichtbaren Wahrheiten und der Aufzeichnungen auf der Tafel (lauh)."}
Dieser Satz weist darauf hin, dass alle Dinge, große wie kleine, nachdem sie dieses Dasein verlassen haben (und das gilt besonders für die belebten Dinge), einem Zweck dienen, hinter dem uns dessen größere Wahrheit oft verborgen bleibt. Darüber hinaus hinterlassen sie auf den Bildtafeln in den Heften aus der Welt der Gleichnisse (alem-i misal)so viele Bilder, wie es Handlungen oder Tätigkeiten in ihrem Leben gegeben hat. Nach diesen Aufzeichnungen wird dann ihr Lebenslauf in all seiner Bedeutsamkeit verfasst, der auch als die Bestimmung (muqadderat)ihres Lebens bezeichnet wird. Diese (Bibliothek der Lebensläufe) dient dann den beseelten Wesen (ruhaniyat)als Lesesaal. So scheidet z.B. eine Blume aus diesem Dasein. Doch sie hinterlässt Hunderte von Samenkörnchen und in diesen Samenkörnchen das Wesen ihrer eigenen Existenz. Darüber hinaus hinterlässt sie Tausende von Bildern auf kleinen wohlverwahrten Tafeln und in dem Gedächtnis, das ein kleines Muster einer wohlverwahrten Tafel ist. Die bewusstseinstragenden Wesen ziehen aus den Taten dieses Lebens ihren Nutzen. (Die Blume) bewirkt, dass sie den Lobpreis (tesbihat)ihres Herrn rezitieren und die Ornamente Seiner Namen besingen und geht von dannen. Genauso ist auch der Frühling in all seinem Schmuck einer Blume in der Erde (und diese Erde ist die Welt!) gleich. Er vergeht augenscheinlich, wird zu Nichts. Doch auch er hinterlässt im Dasein an seiner Statt so viele unsichtbare Wahrheiten wie die Zahl der Samenkörner, die sie zum Ausdruck bringt, und so viele bildhafte Gestalten wie die Zahl der Blumen, die sie verbreiten, und so viele
Weisheiten des Herrn wie die Zahl der Existenzen, die sie aufzeigen. Danach aber verbirgt er sich unseren Blicken. Sodann räumt dieser scheidende Frühling seinen Platz für andere Frühlingszeiten, die seine Kameraden sind, damit auch sie kommen und ihre Aufgabe erfüllen können. Das heißt also, dass dieser Frühling dem Augenschein nach sein Dasein ablegt, der Bedeutung (mana)nach aber tausendfach ins Dasein tritt.
Drittes Zeichen:
وَثَالِثًا: مَعَ نَشْرِ الثَّمَرَاتِ الْاُخْرَوِيَّةِ وَالْمَنَاظِرِ السَّرْمَدِيَّةِ
{"Drittens; weil die Früchte dem Jenseits entwachsen und ihre Bilder unvergänglich sind."}
Dieser Satz bedeutet: Die Welt ist eine Werkbank und ein Saatfeld. Sie bringt ihre Ernte ein, wie es dem Markt im Jenseits entspricht. Wir haben bereits in vielen "Worten" (Sözler)das folgende bewiesen: So wie die Taten der Dschinnen und Menschen auf den Markt geschickt werden, so erfüllen auch die übrigen Existenzen in der Welt viele Aufgaben in Erwartung (w. auf Rechnung) des Jenseits und bringen eine reiche Ernte ein. Vielleicht zieht die Erde um dieser (Existenzen) willen ihre Bahn. Ja man kann sogar sagen; deswegen. Dieses Schiff des Herrn durchläuft in einem Jahr eine Strecke, die einem Fußmarsch von vierundzwanzig tausend Jahren entspricht. So umrundet es den Platz der Wiederversammlung. Zum Beispiel wünschen die Kinder des Paradieses bestimmt, sich an ihre Erlebnisse auf Erden wieder zu erinnern und sie einander zu erzählen, ja sie werden sicherlich sehr daran interessiert sein, die Tafeln (lauh)und Bilder von diesen Erlebnissen wieder zu sehen. Und sie werden bestimmt ein großes Vergnügen daran empfinden, diese Tafeln, d.h. diese Geschehnisse auf einer Leinwand wieder zu sehen. Weil dies aber so ist, wird man im Paradies, wo der Ort der Freude und die Wohnstatt der Glückseligkeit ist, in jedem Fall auf den ewigen Bildern die Unterhaltungen
über die irdischen Geschehnisse und die Bilder von den irdischen Erlebnissen vorfinden, wie es in Sure 15, 47 heißt:
عَلٰى سُرُرٍ مُتَقَابِلِينَ
{"Sie sitzen einander auf Sesseln gegenüber."}
Wenn also alle diese schönen Dinge von einem Augenblick zum anderen in Sicht kommen und wieder verschwinden, nacheinander kommen und gehen, so gleicht dies den Werkbänken in einer Fabrik, die dazu dienen, ewige Bilder zu gestalten. Wenn also die Menschen unserer heutigen Zivilisation schöne oder einzigartige Bilder aufnehmen, um vergänglichen Dingen eine Art Dauer zu verleihen und künftigen Generationen eine Erinnerung zu hinterlassen, so sind dies Geschenke, die der Zukunft mit Hilfe der Leinwand gemacht werden. Sie zeigen vergangene Zeiten und transferieren sie in die Gegenwart und in die Zukunft. Nachdem also diese Geschöpfe eines Frühlings, ja die der ganzen Erde, ihr kurzes Leben dahingebracht haben, nimmt ihr allweiser Meister (Sani-i Hakiem)in gleicher Weise ihre Ziele, die ja der bleibenden Welt zugehörig sind, in diese Welt auf. Darüber hinaus nimmt Er auch ihre Lebensaufgaben, die sie mit ihren verschiedenen Handlungen erfüllt und den Lobpreis, den sie Ihm dargebracht haben als Erfordernisse Seiner Namen "der Allweise (Hakiem),der Allbarmherzige (Rahim),der Freund (Vedud)",in ewige Bilder auf.
Viertes Zeichen:
وَرَابِعًا: مَعَ اِعْلاَنِ التَّسْبِيحَاتِ الرَّبَّانِيَّةِ وَاِظْهَارِ الْمُقْتَضَيَاتِ الْاَسْمَآئِيَّةِ
{"Viertens; weil alles Sein seinen Herrn lobpreist und das Wirken der Namen (Gottes) zeigt."}
Dieser Satz bedeutet Folgendes: Alles was da ist, bringt durch die Handlungen seines Lebens dem Herrn die verschiedensten Arten seines Lobpreises dar. Des Weiteren zeigt es die Zustände (hal),welche die göttlichen Namen erfordern und notwendig machen. Zum Beispiel: Der Name "Allbarmherziger (Rahim)"möchte Seine Liebe (shefqat)zeigen. Der Name "Versorger (Rezzaq)"erfordert es, (allen Seine) Versorgung zukommen zu lassen. Der Name "Allgütiger (Latif)"
verlangt es, gütig zu sein. Usw. So haben alle Namen jeder für sich ihre Erfordernisse. So zeigt denn jedes Lebewesen durch sein Leben, durch sein Dasein die Erfordernisse dieser Namen auf und bringt seinen Lobpreis (tesbihat)entsprechend der Zahl seiner Organe dem allweisen Meister (Sani-i Hakiem)gegenüber dar.
Zum Beispiel: Ein Mensch isst gute und schöne Früchte. Diese Früchte werden im Magen nach außen hin zerstört, zermahlen, aufgelöst. Doch geben sie außer seinem Mund und Magen auch allen Zellen seines Körpers die Freude, den Genuss eines (gut funktionierenden) Stoffwechsels. Darüber hinaus sind sie Quelle zum Dasein sehr vieler Ziele (hikmet)wie ihr Dasein in allen Ecken des Körpers, die Erhaltung des Lebens und die Fortsetzung des Lebens. Ja die Speise steigt sogar von der pflanzlichen Existenz zur Stufe des menschlichen Lebens empor und entfaltet sich so. In gleicher Weise verbleiben an Stelle der Existenzen, wenn sie sich hinter dem Vorhang der Vergänglichkeit verbergen, jeweils sehr viele Lobpreisungen zurück. Auch sehr viele Ornamente und Erfordernisse der göttlichen Namen bleiben in Händen dieser Namen zurück. Das heißt, dass sie sich einer immerwährenden (baqi)Existenz anvertrauen und so von hinnen gehen. Wenn also nun eine vergängliche, vorübergehende Existenz aus dem Dasein scheidet und an ihrer Stelle Tausende von Existenzen zurückbleiben, durch die eine Art Beständigkeit (baqi)sichtbar wird, kann man dann etwa sagen, dass es ihr geschadet hätte oder sie sinnlos gewesen sei, oder fragen, warum dieses hübsche Geschöpf gehen musste? oder sich darüber beklagen? Nein! Vielmehr erfordert es die ihr zukommende Barmherzigkeit (rahmet),Weisheit (hikmet)und Liebe (muhabbet)so und so muss es auch sein. Anderenfalls wäre es notwendig, auf Tausende von Vorzügen zu verzichten, damit ein einziger Schaden nicht entstehen solle, wodurch aber tausendfacher Schaden entstünde. Das also heißt, dass die Namen "Allbarmherziger (Rahim),Allweiser (Hakiem),Freund (Vedud)"sich nicht gegen
Tod und Trennung richten, sie vielmehr notwendig machen, erfordern.
Fünftes Zeichen:
وَخَامِسًا: لِظُهُورِ الشُّؤُنَاتِ السُّبْحَانِيَّةِ وَالْمَشَاهِدِ الْعِلْمِيَّةِ
{"Fünftens; weil sich die Attribute des Hochgepriesenen zeigen und Seinem Allwissen (ilm) Zeugnis geben."}
Dieser Satz bedeutet: "Die Geschöpfe - und besonders die beseelten unter ihnen - hinterlassen, nachdem sie das Kleid ihres Daseins abgelegt haben, viele beständige Dinge; sodann gehen sie." Wie wir also bereits im zweiten Hinweis erklärt haben, kommt in den Taten Seiner Herrschaft Seine unendliche Liebe (muhabbet),Seine unbegrenzte Zuwendung (shefqat),Seine grenzenlose Genugtuung (Sein Stolz auf das Gelingen Seiner geliebten Schöpfung), Seine - mit Verlaub zu sagen - heilige unendliche Zufriedenheit, Seine Freude, Sein - man verzeihe den Ausdruck! - grenzenlos heiliger Genuss, Seine lautere Freude zum Ausdruck, so wie es der Heiligkeit des Notwendig-Seienden gemäß ist und Seiner durch nichts zu schmälernden Vollkommenheit gebührt, dessen Spuren ja auch ganz offensichtlich zu erkennen sind. So werden denn die Existenzen durch dieses Wirken in einer Staunen erregenden Bewegung, schnell durch alle Veränderungen und Verwandlungen, durch Tod und Vergehen hindurchgeführt und in ununterbrochener Folge aus der bezeugten Welt heraus in die unsichtbare Welt hinübergesandt, so wie es (Gottes) Taten erfordern. Und durch die Erscheinung dieses Wirkens (Gottes) werden die Geschöpfe gleich Reisenden zu Wasser und zu Lande ständig hin und her geworfen, gestoßen, geschleudert.
Sie lassen die Ohren der Kinder des Gottvergessens vom Wehgeschrei der Trennung und des Todes gellen und im Gehör der Kinder der Rechtleitung die Rufe und den Gesang des Gottesgedenkens (dhikr)und Seines Lobpreises (tesbih)ertönen. Auf Grund dieses Geheimnisses lässt eine
jede Existenz ihre Bedeutungen, Qualitäten und Formen im Dasein zurück, wird zu einer immerwährenden Quelle der Erscheinungen der immerwährenden Attribute des Notwendig-Seienden und geht so aus dem Dasein. Zudem hinterlässt diese Existenz alle Formen und Gestalten, die sie in ihrem ganzen Leben getragen hat in den Daseinsbereichen des Wissens (ilm),d.h. den deutlichen Büchern (imam-i mubin;das Buch vom Wissen Gottes und kitab-i mubin;das Buch von Seinen Plänen, welche zusammen die Wohlverwahrte Tafel, lauh-i mahfudh,bilden), die man auch als das Urwissen (ilm-i ezel)bezeichnet, als ein umfassendes Beispiel ihres äußerlichen Daseins und geht so hinüber in das andere Sein. Das heißt also, dass alles, was vergänglich ist, ein Dasein zurück lässt, jedoch Tausende von Seinsformen gewinnt und sie andere gewinnen lässt.
Zum Beispiel:
In einer Fabrik steht eine Wundermaschine. In sie werden mancherlei ganz gewöhnliche Stoffe hineingeworfen, wo sie ganz offensichtlich zu verbrennen und dadurch vernichtet zu werden scheinen. Doch werden in dieser Fabrik aus ihnen sehr kostbare Chemikalien und Medikamente herausdestilliert. Außerdem werden die Zahnräder dieser Maschine durch die mit ihrer Hilfe erzeugte Energie und durch den so gewonnenen Dampf angetrieben, wodurch einerseits Stoffe gewebt werden können, während andererseits eine Druckerei betrieben, Zucker gewonnen und noch andere kostbare Dinge produziert werden. Das heißt also, dass durch die Umwandlung (Verbrennung, Verdampfung, Sublimation usw.) ganz gewöhnlicher Stoffe und ihre augenscheinliche Vernichtung, Tausende anderer Dinge ihr Dasein erhalten. Das aber heißt wiederum, dass ein gewöhnliches Ding verschwindet, jedoch viele Dinge als Erben im Dasein zurücklässt. Könnte man also in diesem Falle etwa sagen, dass es um diesen Stoff schade gewesen sei? Wollte man etwa den Besitzer einer solchen Fabrik anklagen, weil er kein Mitleid mit all diesen schönen Dingen gehabt,
sie verbrannt, vernichtet habe? In gleicher Weise betreibt auch der Schöpfer, Er, der Allweise, der Allbarmherzige, der Freund (Khaliq-i Hakim ve Rahim ve Vedud),Er, der erhaben ist über alle Beispiele und über jeden Vergleich in Seiner Allweisheit (hikmet),Seiner Allbarmherzigkeit (rahmet),Seiner Freundschaft (vedudiyet)diese kosmische Fabrik, macht darin alle vergänglichen Dinge zu einem Samenkorn der ewigen Dinge, zu einem Quellgrund Seiner ewigen Zwecke, zu Dingen, in denen das Wirken des Hochgepriesenen sichtbar wird, gebraucht sie wie Tinte für die Feder Seines Vorauswissens (qader),wie ein Weberschiffchen für das Weben Seiner Macht und für noch sehr viele andere, uns nicht bekannte, reichliche Gnadengaben, Ziele und Zwecke, wodurch Er in der Allmacht Seines Wirkens das All in Bewegung versetzt. Er lässt die Elektronen in den Atomen kreisen, schickt die Dinge auf die Reise, die Tiere auf ihre Wanderung, lässt die Planeten ihre Bahnen ziehen. Durch Ihn verkündigt Ihn das All, rezitiert im Schweigen Seine Zeichen (Ayat;Verse) und schreibt sie nieder (im Buch der Schöpfung). So tut Er auch mit den vier irdischen Geschöpfen (Elementen) vom Standpunkte Seiner Herrschaft aus. Er macht die Luft zum Thron Seiner Befehle und Seines Willens (emir ve irade),das Element "Licht" (Feuer, Energie) zu einem weiteren Thron für Sein Wissen und Seine Weisheit (ilm ve hikmet),das Wasser zu einem weiteren Thron für Seine Güte und Barmherzigkeit (ihsan ve rahmet)und die Erde zu einer Art von Thron für die Bewahrung und Belebung (der Schöpfung). Drei dieser Throne, dieser vier Elemente (Licht, Luft und Regen) ziehen über uns dahin.
So sollst du denn nun wissen und dir sicher sein, dass diese leuchtende und erhabene Wahrheit, so wie wir sie in den obigen fünf Hinweisen und fünf Zeichen dargestellt haben, nur im Lichte des Qur'an gesehen und in der Kraft des Glaubens erlangt werden kann. Anderenfalls tritt an die Stelle dieser immerwährenden Wahrheit eine von Schrecken erfüllte Finsternis. Denn den Kindern des Irrtums lauert in dieser Welt überall Trennung und Tod, ist
für sie randvoll mit Nichts und mit Nichtigkeiten gefüllt. Die Welt bekommt schließlich für sie die Bedeutung (mana)der Hölle. Alles ist für sie im Augenblick des Daseins zugleich auch schon in ein grenzenloses Nichts gehüllt. Vergangenheit und Zukunft sind für sie von Finsternis erfüllt. Nur in diesem ganz kurzen gegenwärtigen Augenblick vermögen sie das traurige Licht des Daseins zu finden. Im Geheimnis des Qur'an und im Lichte des Glaubens jedoch wird ein Licht des Daseins von Ewigkeit zu Ewigkeit sichtbar, eine Verbindung zu ihm hergestellt und die Ewige Glückseligkeit zur Gewissheit.
Zusammenfassung:
Wir wollen nach Art eines ägyptischen Dichters sagen:
Wenn meine Seele (nefes; Atem) zum Ozean (des unendlichen Wissens) zurückkehrt
und aus dem engen Käfig meiner Brust entflieht,
werde ich dennoch bis meine Stimme bricht,
rufen: Oh Wahrhaftiger (haqq)! Allgegenwärtiger (maudjud)! Lebendiger (hayy)! Einzig Angebeteter (ma'bud)!
Oh Allweiser (Hakiem)! Einzig Erstrebter (maqsud)! Allbarmherziger (rahim)! Der einzige wahre Freund (vedud)!
Und so sprach ich denn mit lauter Stimme:
لآَ اِلٰهَ اِلاَّ اللّٰهُ الْمَلِكُ الْحَقُّ الْمُبِينُ مُحَمَّدٌ رَسُولُ اللّٰهِ صَادِقُ الْوَعْدِ الْاَمِينُ
{"Es gibt keine Gottheit außer Gott, dem König der offensichtlichen Wahrheit. Mohammed ist der Gesandte Gottes, der das zuverlässige Versprechen (Gottes den Menschen das Paradies zu schenken) bestätigt hat."}
Und diesen Glauben (an Gott, seinen Propheten und das
Jenseits) bekenne und beweise ich:
اِنَّ الْبَعْثَ بَعْدَ الْمَوْتِ حَقٌّ وَالْجَنَّةَ حَقٌّ وَالنَّارَ حَقٌّ وَاِنَّ السَّعَادَةَ الْاَبَدِيَّةَ حَقٌّ وَاِنَّ اللّٰهَ رَحِيمٌ حَكِيمٌ وَدُودٌ وَاِنَّ الرَّحْمَةَ وَالْحِكْمَةَ وَالْمَحَبَّةَ مُحِيطَةٌ بِجَمِيعِ الْاَشْيَآءِ وَشُؤُنَاتِهَا ٭ وَقَالُوا الْحَمْدُ لِلّٰهِ الَّذِى هَدٰينَا لِهٰذَا وَمَا كُنَّا لِنَهْتَدِىَ لَوْلاَ اَنْ هَدٰينَا اللّٰهُ لَقَدْ جَآءَتْ رُسُلُ رَبِّنَا بِالْحَقِّ ٭ سُبْحَانَكَ لاَعِلْمَ لَنَآ اِلاَّ مَاعَلَّمْتَنَآ اِنَّكَ اَنْتَ الْعَلِيمُ الْحَكِيمُ ٭ رَبَّنَا لاَ تُؤَاخِذْنَآ اِنْ نَسِينَآ اَوْ اَخْطَاْنَا ٭ اَللّٰهُمَّ صَلِّ عَلٰى سَيِّدِنَا مُحَمَّدٍ صَلٰوةً تَكُونُ لَكَ رِضَآءً وَلِحَقِّهِ اَدَآءً وَعَلٰٓى اٰلِهِ وَصَحْبِهِ وَسَلِّمْ اٰمِينَ وَ الْحَمْدُ لِلّٰهِ رَبِّ الْعَالَمِينَ ٭ سُبْحَانَ مَنْ جَعَلَ حَدِيقَةَ اَرْضِهِ مَشْهَرَ صَنْعَتِهِ مَحْشَرَ خِلْقَتِهِ مَظْهَرَ قُدْرَتِهِ مَدَارَ حِكْمَتِهِ مَزْهَرَ رَحْمَتِهِ مَزْرَعَ جَنَّتِهِ مَمَرَّ الْمَخْلوُقَاتِ مَسِيلَ الْمَوْجُودَاتِ مَكِيلَ الْمَصْنُوعَاتِ فَمُزَيَّنُ الْحَيَوَانَاتِ مُنَقَّشُ الطُّيُورَاتِ مُثَمَّرُ الشَّجَرَاتِ مُزَهَّرُ النَّبَاتَاتِ مُعْجِزَاتُ عِلْمِهِ خَوَارِقُ صُنْعِهِ هَدَايَآءُ جُودِهِ بَرَاهِينُ لُطْفِهِ دَلآَئِلُ الْوَحْدَةِ لَطَآئِفُ الْحِكْمَةِ شَوَاهِدُ الرَّحْمَةِ تَبَسُّمُ الْاَزْهَارِ مِنْ زِينَةِ الْاَثْمَارِ تَسَجُّعُ الْاَطْيَارِ فِى نَسْمَةِ الْاَسْحَارِ تَهَزُّجُ الْاَمْطَارِ عَلٰى خُدُودِ الْاَزْهَارِ تَزَيُّنُ الْاَزْهَارِ تَبَرُّجُ الْاَثْمَارِ فِى هٰذِهِ
الْجِنَانِ تَرَحُّمُ الْوَالِدَاتِ عَلَى الْاَطْفَالِ الصِّغَارِ فِى كُلِّ الْحَيَوَانَاتِ وَالْاِنْسَانِ تَعَرُّفُ وَدُودٍ تَوَدُّدُ رَحْمٰنٍ تَرَحُّمُ حَنَّانٍ تَحَنُّنُ مَنَّانٍ لِلْجِنِّ وَالْاِنْسَانِ وَالرُّوحِ وَالْحَيَوَانِ وَالْمَلَكِ وَالْجَانِّ
{"Denn die Auferstehung nach dem Tode ist wahr und das Paradies ist wahr und das Feuer ist wahr und auch die ewige Glückseligkeit ist wahr und fürwahr ist Gott der Allbarmherzige, der Allweise, der Freund (vedud) und fürwahr umfasst die Barmherzigkeit, die Weisheit und Liebe (muhabbet) alle Dinge und alle Seine Werke. Und sie sagten: Lobpreis und Dank sei Gott, der uns bis hierher geführt hat. Ohne Gottes Führung hätten wir nicht bis hierher gelangen können. Denn es kamen die Gesandten unseres Herrn mit der Wahrheit. Gepriesen seiest Du! Wir haben kein Wissen außer dem, das Du uns gelehrt hast. Du bist der Allwissende, der Allweise. Oh Herr, ziehe uns nicht zur Rechenschaft, wenn wir unachtsam oder vergesslich sind! Oh Gott, segne Mohammed, unseren Herrn (Seyyid)! Möge Dir unser Gebet (Salah) angenehm sein, erfüllt von seiner Wahrheit! Segne ihn und seine Familie und seine Gefährten und schenke ihnen Deinen Frieden. Amin. Lobpreis und Dank sei Gott, dem Herrn der Welten! Gepriesen sei der, welcher die Erde zu einem Garten gemacht hat, einem Messegelände zur Ausstellung Seiner Kunstwerke, einem Versammlungsort alles, dessen, was Er erschaffen hat, einem Erscheinungsort Seiner Macht, einem Quellgrund Seiner Weisheit, einem Garten für die Blumen Seiner Barmherzigkeit, einem Saatfeld für das Paradies, einer Zugstraße aller Geschöpfe, einem Bett für den Strom des Daseins, einem Scheffel für Seine Schätze, zu einer Festhalle verziert mit Tieren und geschmückt mit Vögeln. Hier bringen die Bäume ihre Früchte hervor und auch noch andere Pflanzen ihre Blüten, die Wunder Seines Allwissens und die Herrlichkeiten Seines Wirkens, die Geschenke Seiner Freigiebigkeit, die Zeugnisse Seiner Güte (lutuf), die Beweise für Seine Einheit und für Seine Weisheit in all ihren Feinheiten, Zeugen Seiner Barmherzigkeit. Das Lächeln der Blumen lebt weiter in ihren Früchten. Es zwitschern die Vögel in der Morgenluft. Es klopft der Regen an die Kelche der Blumen, ist ein Schmuck für die Blumen, lässt die Früchte gedeihen in diesen Gärten (der Welt). Es erbarmen sich die Mütter über die Kleinen unter den Tieren und den Menschen. Du bist es, der das Herz des Freundes durchforscht, in das Herz des Erbarmenden die Liebe senkt, dem Barmherzigen das Erbarmen schenkt, der dem Mitleidigen das Mitleid verleiht. Du gewährst es den Dschinnen und Menschen, allem, was da im Himmel und auf Erden lebt, den Engeln und allen, denen Du das Leben geschenkt hast."}
Erster Anhang zum Vierundzwanzigsten Brief
بِاسْمِهِ سُبْحَانَهُ ٭ وَاِنْ مِنْ شَىْءٍ اِلاَّ يُسَبِّحُ بِحَمْدِهِ ٭ بِسْمِ اللّٰهِ الرَّحْمٰنِ الرَّحِيمِ ٭ قُلْ مَا يَعْبَؤُا بِكُمْ رَبِّى لَوْلاَ دُعَآؤُكُمْ
{"Im Namen des Hochgelobten. Und fürwahr, es gibt kein Ding, das nicht lobend Ihn preist." "Im Namen Gottes des Erbarmers, des Barmherzigen." "Sprich: mein Herr würde sich nicht um dich kümmern, wäre es nicht um deines Gebetes willen." (Sure 25, 77)}
Das heißt: "Oh ihr Menschen! Wenn ihr nicht betet, welchen Wert habt ihr dann noch?" Höre nun fünf Anmerkungen zur Bedeutung dieser Ayah!
Erste Anmerkung:
Das Gebet (dua)ist ein großes Geheimnis des Dienstes und der Anbetung (ubudiyet),es ist in der Tat der Geist des Gottesdienstes. Wie wir bereits an mehreren Stellen erwähnt haben, gibt es drei Arten des Gebets.
Die erste Gebetsart:
Ein Ausdruck der Fähigkeit, sich zu entwickeln und zu entfalten, wodurch die Samenkerne und Körner (aller Pflanzen) in der Sprache ihrer Entwicklungsfähigkeit zu dem allweisen Schöpfer (Fatir-i Hakiem)beten: "Um die Zierde Deiner Namen ausführlich darstellen zu können, gib uns Wachstum und Gedeihen! Entfalte unser kleines Dasein (haqiqat)und verwandle es in das große Sein eines Baumes!"
Eine weitere Art dieses Gebetes in der Sprache der Entwicklungsfähigkeit ist folgende:
Das Zusammentreffen
der Ursachen ist ein Gebet um das Zustandekommen des Ergebnisses. Das heißt: die Ursachen vereinigen sich zu einem Zustand, und dieser Zustand wird zum Ausdruck ihres Tuns (hal).Und die Ursachen beten zu dem Allmächtigen in Seiner Majestät (Qadir-i Dhu l-Djelal)und flehen zu Ihm. Zum Beispiel: Wasser, Wärme, Erde und Licht vereinigen sich rund um ein Samenkorn und es entsteht ein Umstand (hal),und dieser Umstand sagt in der Sprache eines Gebetes: "Unser Schöpfer (Khaliq),mache aus diesem Samenkorn einen Baum!" Denn (die Entstehung) eines Baumes, der ein einzigartiges Wunder der Macht (Gottes) ist, kann nicht dieser primitiven Materie zugeschrieben werden, die weder über Verstand noch Bewusstsein verfügt. Das wäre unvorstellbar... Das also heißt, dass dieses Zusammentreffen der Ursachen ein Gebet ist.
Die zweite Gebetsart:
Es ist die Sprache der naturgegebenen Bedürfnisse aller Lebewesen, die ihre Ansprüche und Wünsche nicht nach eigenem Wollen und Vermögen befriedigen können und eine Art Gebet an den barmherzigen Schöpfer, ihnen dies aus Quellen, von denen man es nicht erwarten möchte, zu rechter Zeit zu gewähren. Denn der Allweise und Allbarmherzige sendet ihnen, was sie nicht aus eigenem Wünschen und Vermögen erreichen konnten, von einem ihnen unbekannten Ort und zur rechten Zeit. Da ihre Hände es nicht erlangen konnten, heißt dies, dass diese Gabe ein Ergebnis ihres Gebetes ist.
Kurzum:
Alles, was aus der ganzen Welt zum Throne Gottes aufsteigt, ist ein Gebet. Was als Ursache dazu dient, verlangt sein Ergebnis von Gott.
Die dritte Gebetsart:
Es ist dies das Gebet derer, die mit Bewusstsein begabt sind und aus deren Bedürfnis erwächst und ist gleichfalls von zweierlei Art.
Geschieht es aus einer Notlage heraus, oder entspricht es vollkommen einem naturgegebenen Bedürfnis, oder kommt es dem Ausdruck der (oben erwähnten) Entwicklungsfähigkeit
sehr nahe, oder wird es in der Sprache eines reinen und aufrichtigen Herzens dargebracht, so wird es in den meisten Fällen, ja fast immer erhört. Der größte Teil dessen, was menschliche Erfindungen, Entwicklungen und Entdeckungen hervorgebracht haben, sind das Ergebnis einer Art Gebet. Dinge, die als Wunder menschlicher Zivilisation bezeichnet werden und alle Angelegenheiten, von denen (die Menschen) glauben, auf ihre weitere Entwicklung besonders stolz sein zu können, sind das Ergebnis eines stummen Gebetes (manevi dua).Was sie in der lauteren Sprache ihrer Entwicklungsfähigkeit erbeten hatten, wurde ihnen gewährt. Auch Gebete in der Sprache unserer Entwicklungsfähigkeit oder in der Sprache unserer naturgegebenen Bedürfnisse werden, soweit keine Hindernisse oder andere Bedingungen dagegen sprechen, stets angenommen.
Die zweite Art ist unser allgemein bekanntes Gebet. Auch davon gibt es zwei Arten: das eine ist mit Taten, das andere mit Worten. Zum Beispiel: zu pflügen ist ein Gebet der Tat. Doch erwächst unsere Versorgung nicht aus der Erde. Vielmehr ist die Erde das Tor zur Schatzkammer der Barmherzigkeit, sodass (der Bauer) durch seinen Pflug an (der Pforte) der Erde anklopft, die das Tor zur göttlichen Barmherzigkeit ist.
Die Einzelheiten der übrigen Abschnitte wollen wir überspringen und nur noch ein, zwei Geheimnisse des mündlichen Gebets in den nun folgenden zwei, drei Abschnitten besprechen.
Zweite Anmerkung:
Die Wirkung des Gebetes ist gewaltig. Besonders dann, wenn das Gebet an Allgemeingültigkeit gewinnt und fortgesetzt wird, bringt es immer ein Ergebnis zu Stande, ja es führt immer zum Erfolg. Ja, man kann sogar sagen, dass einer der Gründe für die Erschaffung der Welt das Gebet (dua)war. Das heißt, nach der Erschaffung des Universums war vor allem die Erschaffung des Menschengeschlechtes und an ihrer Spitze die islamische Welt und an ihrer Spitze Mohammed der Araber,
mit dem Friede und Segen sei, mit seinem gewaltigen Gebet ein Grund für die Erschaffung der Welt. Das heißt: der Schöpfer der Welt wusste schon vorher, dass diese Persönlichkeit einmal im Namen der Menschheit, ja des gesamten Seins, um die ewige Glückseligkeit bitten werde, um die Erscheinung der göttlichen Namen; Er hat dieses zukünftige Gebet (bereits im voraus) angenommen und die Welt erschaffen.
Nun hat ja das Gebet einmal eine so gewaltige Bedeutung und Weite. Wäre es denn dann überhaupt möglich, dass die Gebete, die seit tausenddreihundert Jahren zu allen Zeiten von dreihundert Millionen Menschen und einer unübersehbaren Menge ungezählter gesegneter Wesen, Dschinnen, Menschen, Engeln und Geistwesen gemeinsam für die Persönlichkeit Mohammeds, mit dem Friede und Segen sei, um die allgewaltige göttliche Barmherzigkeit, um die ewige Glückseligkeit und die Verwirklichung ihrer Ziele dargebracht werden, nicht angenommen werden sollten? Ja wäre es denn in irgendeiner Weise möglich, dass ihre Gebete zurückgewiesen würden?
Da (diese Gebete) eine solche Universalität und Weite und Fortdauer erreicht und den Grad einer Sprache der Entwicklungsfähigkeit und natürlicher Bedürfnisse erlangt haben, hat Mohammed der Araber, mit dem Friede und Segen sei, nun als Ergebnis dieser Gebete einen solchen Rang (maqam),eine Stufe erlangt, dass der Verstand, auch könnte sich alle Vernunft zu einem einzigen Verstand vereinigen, diese Stufe (maqam)der Verwirklichung (haqiqat)nicht vollständig erfassen könnte.
So hast denn du, oh Muslim, am Tage der Wiederversammlung einen solchen Fürsprecher. Folge also, um die Fürsprache dieses Fürsprechers auf dich hin ziehen zu können, seinem Vorbild und Beispiel (sunnah)!
Wenn du sagst:
Er ist doch schon Gottes Geliebter (habibullah).Wozu braucht er dann noch all die vielen
Segnungen und Gebete (salavat ve dualar)?
Antwort:
Diese Persönlichkeit, mit der Friede und Segen sei, ist mit seiner ganzen Gemeinde verbunden, teilt das Glück jedes Einzelnen seiner Gemeinde und sorgt sich um jede Art von Unglück. Und wenn auch im Vergleich mit ihm die Stufen von Glück und Vollkommenheit unendlich sind, so ersehnt er doch heiß für die unendlich vielen einzelnen Mitglieder seiner Gemeinde unendlich viele Arten Glückseligkeit für eine unendlich lange Zeit und betrübt sich über die unendlich vielen Arten Unglück. So ist diese Persönlichkeit sicherlich unendlich vieler Segnungen, Gebete und des Erbarmens würdig und bedarf ihrer auch.
Wenn du sagst:
Manchmal spricht man ein Gebet für eine Sache, die bereits in sich abgeschlossen ist, wie z.B. das Gebet anlässlich einer Sonnen- oder Mondfinsternis. Ebenso wird manchmal auch ein Gebet verrichtet für Dinge die nie passieren.
Antwort:
Wie bereits in anderen Worten erklärt wurde, ist Gebet (dua)ein Dienst (ibadet)vor Gott. Ein Diener erklärt seine eigene Schwäche und Armseligkeit (vor Gott) im Gebet. Was die äußerlichen Umstände betrifft, so markieren sie die Zeit des Gebetes und anbetenden Dienstes. Sie stellen nicht den wahren Nutzen dar. Der Erfolg des Dienstes ist auf das Jenseits gerichtet. Stellt sich der Erfolg im Diesseits nicht ein, so sollte man nicht sagen: "Dieses Gebet wurde nicht erhört." Vielmehr sollte man sagen: "Die Zeit für das Gebet ist noch nicht vorüber."
Und wäre es denn des Weiteren möglich, dass die Ewige Glückseligkeit, die alle Gläubigen zu aller Zeit, unablässig, in vollkommener Aufrichtigkeit und voll Sehnsucht im Gebet erfleht haben, ihnen nicht zuteil werden sollte, und dass der Absolut Freigiebige (Kerim-i Mutlaq)und Barmherzige in Seiner Vollkommenheit (Rahim-i Mutlaq),der nach dem Zeugnis des ganzen Universums über grenzenloses Erbarmen (rahmet)verfügt, ihre Gebete
nicht annehmen sollte und dass es gar keine Ewige Glückseligkeit gäbe?...
Dritte Anmerkung:
Es gibt zwei Arten, wie ein bewusst in Worte gefasstes Gebet angenommen werden kann. Entweder wird es genau so angenommen, wie es gewünscht worden war, oder aber es wird etwas besseres gegeben.
Zum Beispiel: Jemand wünscht sich einen Sohn. Gott der Gerechte schenkt ihm eine Tochter wie Hazret-i Meryem (Maria). Er darf dann nicht sagen: "Mein Gebet wurde nicht angenommen." Er sollte vielmehr sagen: "Es wurde in einer besseren Form angenommen." Manchmal betet jemand auch für sein eigenes irdisches Glück. Sein Gebet wird für das Jenseits angenommen. "Mein Gebet wurde nicht angenommen." darf er nicht sagen. Vielmehr sollte er sagen: "Es wurde in einer sinnvolleren Weise angenommen." usw... Da nun Gott der Gerechte Allweise ist, erflehen wir etwas von ihm und Er ist es, der uns Antwort gibt. Doch entspricht es seiner Weisheit, in welcher Weise er mit uns umgeht. Wer krank ist, sollte der Weisheit seines Arztes nicht mit Argwohn begegnen. Der Kranke verlangt nach Honig. Der Arzt, der ihn behandelt, verabreicht ihm Chinin gegen Malaria. Jetzt darf er nicht sagen: "Der Arzt hat nicht auf mich gehört." Doch der Arzt hat auf sein Ächzen und Stöhnen gehört und auch seine Antwort darauf gegeben. Ja, er hat dem, was die Situation erforderte, auf beste Weise entsprochen.
Vierte Anmerkung:
Die schönste, feinste, süßeste, unmittelbar gegenwärtige Frucht des Gebetes und ihr Ergebnis ist Folgendes: Ein Mensch, der betet, weiß, dass da jemand ist, der auf seine Stimme hört, ein Heilmittel für seinen Kummer sendet, sich seiner erbarmt und dessen allmächtige Hand, alles erreichen kann. In dieser so großen Herberge dieser Welt ist er nicht allein. Es gibt einen freigiebigen (kerim)Herrn, der sich um ihn kümmert und ihm ein Gefühl der Geborgenheit vermittelt. Und weiter erlebt (tassavvur)er sich selbst in der Gegenwart (huzur)
seines Herrn, der all seine zahllosen Bedürfnisse zu befriedigen und seine zahllosen Feinde zu vertreiben vermag. So verspürt er Freude und Erleichterung, wirft eine Last, so schwer wie die ganze Welt, von seinen Schultern und sagt
اَلْحَمْدُ لِلّٰهِ رَبِّ الْعَالَمِينَ
{"Lob und Preis sei Gott, dem Herrn der Welten!" (Sure 1, 1)}
Fünfte Anmerkung:
Das Gebet (dua)ist die Seele (ruh)des Gottesdienstes (ubudiyet)und das Ergebnis eines aufrichtigen Glaubens (imam).Denn ein Mensch, der betet, zeigt damit, dass es Einen gibt, Der das ganze Universum regiert, Der mich kennt und auch die unbedeutendsten Dinge über mich weiß, Der auch noch die Dinge zustande zu bringen vermag, die weit (außerhalb meiner Möglichkeiten) liegen, Der stets sieht, wie ich mich befinde (hal)und meine Stimme hört. Ja weil dies so ist und weil Er die Stimmen allen Seins hört, so hört Er auch meine Stimme.
All diese Dinge tut Er, sodass ich auch noch die kleinsten Dinge von Ihm erwarten darf, von Ihm erbitten darf. So betrachte nun die Weite eines aufrichtigen Glaubens in Gottes Einheit (Tauhid),wie sie das Gebet vermittelt und die Süßigkeit und Klarheit des Lichtes des Glaubens (iman),das es zeigt und versteh das Geheimnis von
قُلْ مَا يَعْبَؤُا بِكُمْ رَبِّى لَوْلاَ دُعَآؤُكُمْ
{"Sprich: Mein Herr würde sich nicht um dich kümmern, wäre es nicht um deines Gebetes willen." (Sure 25, 77)}
und höre auf den Erlass (Ferman):
وَ قَالَ رَبُّكُمُ ادْعُونِٓى اَسْتَجِبْ لَكُمْ
{"und Er sagte: rufe mich an und ich werde dir antworten." (Sure 40, 60)}
So wie gesagt wurde:
اَكَرْنَه خَواهِى دَادْ نَه دَادِى خَواهْ
{"Wenn Er nicht hätte geben wollen, hätte Er nicht gegeben zu wünschen."}
سُبْحَانَكَ لاَعِلْمَ لَنَآ اِلاَّ مَاعَلَّمْتَنَآ اِنَّكَ اَنْتَ الْعَلِيمُ الْحَكِيمُ ٭ اَللّٰهُمَّ صَلِّ عَلٰى سَيِّدِنَا مُحَمَّدٍ مِنَ الْاَزَلِ اِلَى الْاَبَدِ عَدَدَ مَا فِى عِلْمِ اللّٰهِ وَعَلٰٓى اٰلِهِ وَصَحْبِهِ وَسَلِّمْ سَلِّمْنَا وَسَلِّمْ دِينَنَآ اٰمِينَ ٭ وَ الْحَمْدُ لِلّٰهِ رَبِّ الْعَالَمِينَ
{"Gepriesen seist Du. Wir haben kein Wissen, außer dem, das Du uns gelehrt hast. Denn Du bist der Allwissende, der Allweise." (Sure 2, 32) "Oh Gott gieße Deinen Segen aus über unseren Herrn Mohammed, von Ewigkeit zu Ewigkeit nach der Anzahl der Dinge, die das göttliche Wissen umfasst, und über seine Familie und seine Gefährten und Deinen Frieden über sie und über uns alle Gläubigen (din). Amen. ...und Lob und Preis sei Gott, dem Herrn der Welten."}
Zweiter Anhang zum Vierundzwanzigsten Brief
(Über die Himmelfahrt des Propheten)
بِاسْمِهِ ٭ وَاِنْ مِنْ شَىْءٍ اِلاَّ يُسَبِّحُ بِحَمْدِهِ ٭ بِسْمِ اللّٰهِ الرَّحْمٰنِ الرَّحِيمِ ٭ وَلَقَدْ رَاٰهُ نَزْلَةً اُخْرٰى ٭ عِنْدَ سِدْرَةِ الْمُنْتَهٰى ٭ عِنْدَهَا جَنَّةُ الْمَأْوٰى ٭ اِذْ يَغْشَى السِّدْرَةَ مَا يَغْشٰى ٭ مَا زَاغَ الْبَصَرُ وَمَا طَغٰى ٭ لَقَدْ رَاٰى مِنْ اٰيَاتِ رَبِّهِ الْكُبْرٰى
{"Im Seinem Namen! Und es gibt kein Ding, das nicht lobend ihn preist." "Im Namen Gottes, des Erbarmers, des Allbarmherzigen. Hatte er ihn doch ein andermal bei dem Lotusbaum gesehen, dort wo der Garten der Einkehr ist, damals als der Lotusbaum verhüllt wurde. Nicht wandte er den Blick ab, noch überschritt er seine Grenzen. So sah er das Große Zeichen seines Herrn." (Sure 53, 13-18)}
(Wir werden den Abschnitt über die Himmelfahrt des Propheten aus einem Gesang (kasside) zu seinem Geburtstag (Maulid) in Fünf Punkten erläutern.)
Erste Anmerkung:
Suleyman Efendi, der diese Kasside (Maulid)geschrieben hat, erzählt eine traurige Liebesgeschichte über Buraq, der aus dem Paradies herbeigebracht wurde. Da (Suleyman Efendi) ein Freund Gottes ist und (seine Kasside) auf einer Überlieferung basiert, drückt sie sicherlich auf diese Weise (der Darstellung) eine Wahrheit (haqiqat)aus.
Bei der Wahrheit, um die es hier geht, muss es sich um Folgendes handeln: Die Geschöpfe der Ewigen Welt sind eng verbunden mit dem Licht des Ehrenwerten Gesandten, mit dem Frieden und Segen sei. Denn es geschieht durch dieses Licht, das er gebracht hat, dass sich das Paradies mit Dschinnen und Menschen bevölkern wird. Wenn es dieses Licht nicht gäbe, käme auch die Ewige Glückseligkeit nicht zu Stande und Dschinnen und Menschen, welche die Fähigkeit haben, den Wert aller Arten alles Geschaffenen schätzen zu können, wären nicht im Stande gewesen, es zu beleben und es wäre in gewisser Hinsicht eine herrenlose Einöde geblieben.
Wir haben bereits im Vierten Ast des Vierundzwanzigsten Wortes erläutert, wie die legendäre Liebe (ashk)der Nachtigall zur Rose, vom Herrn als Sprecherin (beauftragt) das heftige Verlangen der Tiere bekannt macht, worin sich deren Liebe zu den Scharen der Pflanzen ausdrückt, mit welchen sie bis zur Liebe verbunden sind, und welche aus der Schatzkammer der Barmherzigkeit hervortreten und deren Versorgung produzieren und wie, gleich der Nachtigall der Rose, für eine jede Tierart auch eine Art Nachtigall ausgewählt wurde, deren Gesang ein Willkommen, ein Jubellied, eine Art Lobgesang (gegenüber Gott), ein prächtiger Empfang für alle Pflanzen ist.
In einer ähnlichen Weise diente der Engel Gabriel, mit dem der Friede sei, in vollkommener Liebe Mohammed, dem Araber, mit dem Friede und Segen sei, dem Geliebten des Herrn der Welten, welcher der Grund zur Erschaffung des Kosmos und der Glückseligkeit in beiden Welten ist und verweist damit auf die Engel, die sich Hasret-i Adam (mit dem der Friede sei) unterwerfen und ihm gehorchen und auf das Geheimnis, um dessentwillen sie sich vor ihm niederwerfen (sudjud).In Gleicher Weise empfanden auch die Bewohner des Paradieses, ja sogar ein Teil der Tiere dort eine Verbundenheit, die gerade auch Buraq leidenschaftlich (ashik)zu dieser Persönlichkeit empfand, als der ihn bestieg.
Zweite Anmerkung:
Eines der Erlebnisse während der "Himmelfahrt des Propheten" (wie sie in unserer Kasside besungen wird) betrifft die makellose Liebe (muhabbet)Gottes des Gerechten zu Seinem Ehrenwerten Propheten, mit dem Friede und Segen sei, ausgedrückt in den Worten: "Ich bin Dir in Liebe (ashik)verbunden." Diese Worte passen in ihrem ganz banalen Sinn nicht zu der Heiligkeit des notwendigerweise Seienden (vadjibu l'vudjud)und der Unvergleichlichkeit Seines Wesens. Suleyman Efendis Kasside erfreut sich großer Beliebtheit. Von daher mag man verstehen, dass er zu den Gottesfreunden und Kennern der Wahrheit gezählt wird. Von daher gesehen ist der Sinn, auf den hier angespielt wird, sicherlich richtig. Dieser Sinn aber ist der:
Der, welcher notwendigerweise Sein muss, verfügt über unendliche Schönheit (Djemal)und Vollkommenheit (Kemal).Denn alle Arten von Schönheit und Vollkommenheit, die in allen Bereichen des Alls verstreut sind, sind Spuren, Hinweise und Zeichen (ayat)Seiner Schönheit und Vollkommenheit. Wie jemand, der offensichtlich über Schönheit und Vollkommenheit verfügt, diese Schönheit und Vollkommenheit auch liebt, so liebt auch der Herr in Seiner Majestät (Dhat-i Dhu l-Djelal)Seine eigene Schönheit ganz besonders. Und Er liebt sie in einer Art, die Seiner würdig ist. Und ferner liebt Er auch Seine Namen, die die Strahlen Seiner Schönheit sind. Da Er aber nun einmal Seine Namen liebt, so liebt Er mit Sicherheit auch Seine Kunstwerke, welche die Schönheit Seiner Namen zur Darstellung bringt. Da dies aber nun einmal so ist, liebt Er auch die Kunstwerke, die Seiner Schönheit und Vollkommenheit als ein Spiegel dienen. Da Er aber nun einmal denjenigen liebt, der Seine Schönheit und Vollkommenheit zur Darstellung bringt, liebt Er mit Sicherheit auch die vorzüglichen Eigenschaften alles Geschaffenen, die auf die Schönheit und Vollkommenheit Seiner Namen hinweisen. Auf diese fünf (oben angeführten) Erscheinungsformen der Liebe (muhabbet)weist der weise Qur'an mit seinen Ayat hin.
Da also nun der Ehrenwerte Prophet, mit dem Friede und Segen sei, das vollkommenste unter allen Kunstwerken und das vornehmste unter allen Geschöpfen ist,
Und da er die göttlichen Kunstwerke unter lautem Lobpreis (dhikr)Gottes und mit Lobgesang (tesbih)ausstellt und preist,
Und da er in der Sprache des Qur'an die majestätischen (Djemal),vollkommenen (Kemal)Schätze der Namen Gottes geöffnet hat,
Und da er in der Sprache des Qur'an auf glänzende und schlüssige Weise die Vollkommenheit seines Meisters und Seine Zeichen der Erschaffung des Alls verkündet,
Und da er durch seinen umfassenden Dienst und seine universelle Anbetung zum Spiegel der göttlichen Herrschaft (rububiyet-i Ilahi)wurde,
Und da er durch seine alles umschließende Natur ein vollkommener Ort der Erscheinungen aller Göttlichen Namen geworden ist, kann man mit Sicherheit sagen: da der Majestätische in all Seiner Schönheit (Djemil-i Dhu l-Djelal)Seine Schönheit liebt, so liebt er auch Mohammed den Araber, mit dem Segen und Frieden sei, welcher der vollkommenste, mit Bewusstsein begabte Spiegel dieser Schönheit ist.
Und da er Seine Namen liebt, so liebt er auch Mohammed den Araber, mit dem Friede und Segen sei, den glänzendsten Spiegel dieser Namen und Er liebt auch die, welche Mohammed, dem Araber, mit dem Friede und Segen sei, ähnlich sind, entsprechend (ihrer Ähnlichkeit mit ihm).
Und da Er Seine Kunst liebt, so liebt Er sicherlich auch Mohammed den Araber, mit dem Friede und Segen sei, der dem ganzen Universum Seine Kunst in höchsten Tönen verkündete und der Land und Meer mit laut schallendem
Lobpreis (dhikr)und Lobgesang (tesbih)in Ekstase versetzte, sodass er in den Ohren der Himmel wiederklang.
Und da Er Seine Kunstwerke liebt, so liebt Er auch alle Lebewesen, die vollkommensten Seiner Kunstwerke, und alle die von Bewusstsein erfüllt sind, die vollkommensten aller Lebewesen, und die Menschen, welche die edelsten unter allen mit Bewusstsein begabten Wesen sind, und sicherlich noch viel mehr Mohammed, den Araber, mit dem Friede und Segen sei, welcher übereinstimmend der vollkommenste aller Menschen ist.
Und da Er die moralischen Tugenden und Werte (akhlaq)Seiner Geschöpfe liebt, so liebt Er auch Mohammed den Araber, mit dem Friede und Segen sei, dessen moralische Tugenden und Werte sicherlich den höchsten Grad erreichen, und auch die ihm ähnlich sind entsprechend dem Grade (ihrer Ähnlichkeit).
Das heißt, dass die Liebe Gottes des Gerechten genauso wie Seine Barmherzigkeit den ganzen Kosmos umfasst.
So gehört denn auch der höchste Rang (maqam)Mohammed dem Araber, mit dem Friede und Segen sei, in jedem der obigen erwähnten Aspekte der zahllosen (Erscheinungsformen) Seiner Liebe, weshalb ihm der Titel "Geliebter Gottes (Habibullah)"verliehen wurde.
So war es denn aus diesem Grunde, dass Suleyman Efendi den höchsten Rang in der Liebe Gottes (mahkam-i mahbubiyet)mit den Worten zum Ausdruck brachte: "Ich bin dir in Liebe (ashik)verbunden." Dieser Ausdruck dient unseren Gedanken als eine Art Teleskop, ist ein Hinweis auf eine sehr weit entfernte Wahrheit. Da dieser Ausdruck nun aber trotzdem in unserer Vorstellung vom Wirken des Herrn (Rububiyet)unpassende Bilder heraufbeschwört, sollte man statt dessen besser sagen: "Ich bin mit dir zufrieden."
Dritte Anmerkung:
Die Geschehnisse während der
Himmelfahrt können diese heiligen, transzendenten Wahrheiten nicht mit uns geläufigen Worten zum Ausdruck bringen. Doch gleichen solche Dialoge entweder einem Beobachtungsposten, gleich einem Observatorium unserer Betrachtungsweisen, ein Hinweis auf erhabene, tiefe Wahrheiten, eine Art Hinweis auf den Glauben und einen Teil der Wahrheiten und ein Hinweis auf Bedeutungen, die unaussprechlich sind. Es sind keine Geschehnisse mit einer uns bekannten Bedeutung. Wir können die Wahrheit hinter solchen Gesprächen nicht mit unserer Vorstellungskraft verstehen, sondern empfangen statt dessen nur eine freudige Erregung, verbunden mit dem Glauben in unserem Herzen, eine lichtvolle Freude in unserer Seele (ruh).Denn so wie dem Wesen und den Eigenschaften (dhat ve sifat)Gottes des Gerechten nichts als Ihm gleich oder ähnlich zur Seite gestellt werden kann, so gibt es auch im Wirken Seiner Herrschaft (rububiyet)nichts, was Ihm gleich wäre. So wie Seine Eigenschaften nicht den Eigenschaften Seiner Schöpfung ähneln, so gleicht die Liebe, die in Ihm ist, auch nicht der Liebe, die in ihr ist. Da dies aber so ist, betrachten wir diese Ausdrücke als metaphorisch und sagen:
Er, der notwendigerweise Sein muss besitzt aus der Notwendigkeit Seines Seins heraus (Zat-i Vadjib-ul Vudjudun Vucubu Vudjuduna),in einer Weise, die Seiner Heiligkeit angemessen und der Einzigartigkeit Seines Wesens und Seiner absoluten Vollkommenheit (kemal-i mutlaq)würdig ist, bestimmte Eigenschaften wie Liebe (muhabbet),an die die Kasside (von Suleyman Efendi) mit den Erlebnissen während der Himmelfahrt erinnert. Das Einunddreißigste Wort, das von der Himmelfahrt des Propheten handelt, erklärt die Gegebenheiten (haqaiq)dieser Himmelfahrt den Grundsätzen des Glaubens entsprechend. So wollen wir uns hier somit begnügen und es dabei bewenden lassen.
Vierte Anmerkung:
Der Satz: "Er erblickte Gott den Gerechten hinter siebzigtausend Schleiern." bringt eine
Art räumlichen Abstand zum Ausdruck. Während der Notwendig Seiende (Vadjibu-l'Vudjud)nicht an Zeit und Raum gebunden und allen Dingen näher ist, als sie es sich selbst sind. Was soll damit ausgesagt sein?
Antwort:
Diese Wahrheit wurde bereits im "Einunddreißigsten Wort" ausführlich erklärt und bewiesen. So wollen wir hier nur noch sagen:
Gott der Gerechte steht uns sehr nahe. Wir sind aber von Ihm unendlich weit entfernt. Die Sonne ist uns durch den Spiegel in unserer Hand unendlich nahe und jedes glänzende Objekt auf Erden gleicht einem Thron und ist für sie eine Art Wohnstatt. Hätte die Sonne ein Bewusstsein, so könnte sie durch den Spiegel in unserer Hand mit uns reden, obwohl sie doch viertausend Jahre von uns entfernt ist. Und obwohl wir hier keine Ähnlichkeiten sehen und keine Vergleiche (mit Gott) aufstellen wollen, so ist doch auch die Urewige Sonne einem jeden Ding näher als sie sich selbst. Denn Er ist der Notwendig Seiende (Vadjibu-l'Vudjud),frei von Raum und Zeit. Nichts kann eine Hülle vor Ihm sein und doch ist ein jedes Ding unendlich weit von Ihm entfernt.
So entsteht denn dieses Geheimnis einer weiten Entfernung im Zusammenhang mit diesem völligen Fehlen von Zeit und Raum, ausgedrückt in der Ayah:
وَنَحْنُ اَقْرَبُ اِلَيْهِ مِنْ حَبْلِ الْوَرِيدِ
{"Wir sind ihm näher als seine Schlagader." (Sure 50, 16)}
aus (der Tatsache, dass) Gottes Ehrenwerter Prophet, mit dem Friede und Segen sei, zu seiner Himmelfahrt aufbrach, eine riesige Entfernung im Flug zurücklegte und in einem Augenblick wieder zurückkehrte. Die Himmelfahrt des Ehrenwerten Gesandten, mit dem Friede und Segen sei, war eine spirituelle Reise und ein Ausdruck seiner Heiligkeit (velayet).Denn die Freunde Gottes (velayet)schreiten auf der Stufenleiter ihres Glaubens in einer spirituellen
Reise von vierzig Tagen bis zu vierzig Jahren bis zum Grade absoluter Gewissheit (haqqa-l'yaqin)fort.
In gleicher Weise öffnete Gottes Ehrenwerter Gesandter, mit dem Friede und Segen sei, Sultan über allen Gottesfreunden, eine Große Straße mit seiner Himmelfahrt, die (nach einer anderen Überlieferung - A.d.Ü.) nur vierzig Minuten statt vierzig Jahren währte und das Große Wunder (keramet-i kübra)seiner Heiligkeit war und die er nicht nur mit seinem Herzen und mit seiner Seele (ruh)unternahm, sondern auch mit seinem Körper, mit all seinen äußerlichen Sinnen und innerlichen Wahrnehmungsorganen (letaif)und erreichte so die höchsten Stufen der Glaubenswahrheiten. Über die Himmelsfahrtsleiter stieg er bis zum Thron (Gottes) empor und bezeugte schließlich auf der Stufe der "Zwei Bogenlängen (Qab-i Qauseyn)"mit dem Blick augenscheinlicher Gewissheit (ayne l-yaqien)den Glauben an Gott und den Glauben an das Jenseits, welche die größten Glaubenswahrheiten sind, trat in das Paradies ein und schaute die Ewige Glückseligkeit. Das Himmelfahrtstor zur großen Straße ließ er offen und alle Heiligen seiner Gemeinde gehen im Schatten dieser Himmelfahrt ihren Fähigkeiten entsprechend mit Herz und Seele (ruh)auf ihre spirituelle Reise.
Fünfte Anmerkung:
Die Geburt des Propheten (maulid)und seine Himmelfahrt zu besingen ist eine besonders schöne und segensreiche Gewohnheit und eine besonders angesehene islamische Tradition, ja mehr noch im gesellschaftlichen islamischen Leben eine sehr sinnvolle (latif),glanzvolle und überaus angenehme Art der Unterhaltung (sohbet),ja mehr noch der willkommenste, heitere Unterricht, um die Glaubenswahrheiten wieder in Erinnerung zu bringen, ja mehr noch die wirksamste und anregendste Möglichkeit, das Licht des Glaubens, die Liebe zu Gott (muhabbet)und die hohe Verehrung (ashk)für den Propheten darzustellen und zu ihr zu ermuntern.
Möge Gott der Gerechte diese Tradition ewig weiter bestehen
lassen und möge Gott der Gerechte all denen gnädig sein, die wie Suleyman Efendi eine solche (Kasside wie) "Maulid"geschrieben haben und ihnen das Paradies als Wohnstätte bereiten, amen...
Nachwort
Da der Schöpfer des Alls nun einmal von jeder Art ein besonders erlesenes Exemplar erschaffen hat, das alle Vollkommenheit in sich enthält, und es als ein Musterbeispiel zum Stolz seiner ganzen Art gemacht hat. So ist es denn mit Sicherheit notwendig, dass Er durch die Erscheinung des Gewaltigsten unter all Seinen Namen (Ism-i A'dham)auch aus dem gesamten Universum ein besonders erlesenes und vollkommenes Exemplar erschaffen wird. So wie es unter Seinen Namen den einen gibt, welcher "der gewaltige Name (Ism-i A'dham)"genannt wird, so muss es auch unter Seinen Kunstwerken ein besonders vollkommenes Exemplar geben, ein Einzelstück, in dem sich alle Vollkommenheit des Universums vereinigt und besonders auf dieses Seinen Blick lenken. Dieses Musterexemplar wird in jedem Fall ein Lebewesen sein. Denn unter den Arten im Universum die vollkommensten sind die Lebewesen. Und unter diesen Lebewesen wird dieses Exemplar in jedem Fall mit Bewusstsein begabt sein. Denn unter den Arten von Lebewesen die vollkommensten sind die bewusstseintragenden. Und dieses außergewöhnliche Individuum wird in jedem Fall ein Mensch sein. Denn unter den mit Bewusstsein begabten ist der, welcher zu höchster Entfaltung fähig ist, der Mensch. Und unter den Menschen wird in jedem Fall dieses eine Individuum Mohammed sein, mit dem Friede und Segen sei. Denn seit Adams Zeiten hat es bis heute noch niemals eine Geschichte gegeben, die uns eine Persönlichkeit gleich ihm vorgestellt hätte und wird uns auch nie von ihm berichten können. Denn diese Persönlichkeit hat das halbe Erdenrund
und ein Fünftel der Menschheit unter seine geistliche Leitung genommen und seine geistliche Leitung in vollkommener Majestät über eintausenddreihundertfünfzig Jahre fortbestehen lassen und ist für alle Vollendeten (kemal)in allen Arten der Wahrheit zu einem Universalgenie geworden. Freunde und Feinde stimmten (zu seiner Zeit - A.d.Ü.) darin überein, dass er den höchsten Grad an guter Sitte und Moral besaß. Zu Beginn seines Auftrags hat er auf sich allein gestellt die ganze Welt herausgefordert. Er, der den Qur'an vorgestellt hat, der in seiner Verkündigung ein Wunder ist und in jeder Minute von mehr als hundert Millionen Menschen rezitiert wird, ist mit Sicherheit diese außergewöhnliche einmalige Persönlichkeit. Es könnte ein Anderer nicht sein. Er ist zugleich Saat und Frucht dieser Welt.
عَلَيْهِ وَعَلٰٓى اٰلِهِ وَاَصْحَابِهِ الصَّلاَةُ وَالسَّلاَمُ بِعَدَدِ اَنوَاعِ الْكَآئِنَاتِ وَمَوْجُودَاتِهَا
{"Friede und Segen sei über ihm und seinen Gefährten nach der Anzahl der Arten des Kosmos und allem, was in ihm ist."}
So magst du denn nun verstehen, was für eine frohe, stolze, lichtvolle, heitere, wohltuende, unterhaltende, erhabene, religiöse Veranstaltung es für die Gläubigen ist, welche diese Persönlichkeit als ihren Fürsten (re'is),ihren Herrn (seyyid),ihr Vorbild (imam)und ihren Anwalt (shefi')betrachten, (dieser Kasside über) seine Geburt (maulid)und seine Himmelfahrt zu lauschen, d.h. über Anfang und Ende seiner Laufbahn zu hören, d.h. die Geschichte seines geistlichen Lebens zu kennen.
Oh Herr! Zum Ruhme Deines Ehrenwerten Geliebten, mit dem Friede und Segen sei, und um Deines Gewaltigen Namens (Ism-i A'dham)willen, lass in den Herzen derer, die diese Abhandlung veröffentlichen und ihrer Gefährten das Licht des Glaubens offenbar werden und lass ihre Federn die Geheimnisse des Qur'an veröffentlichen und schenke ihnen Leitung auf dem geraden Weg (sirata-l'mustaqim).Amen
سُبْحَانَكَ لاَعِلْمَ لَنَآ اِلاَّ مَاعَلَّمْتَنَآ اِنَّكَ اَنْتَ الْعَلِيمُ الْحَكِيمُ
{"Gepriesen seist Du! Wir haben kein Wissen außer dem, das Du uns gelehrt hast. Denn Du bist der Allwissende, der Allweise." (Sure 2, 32)}
اَلْبَاقِى هُوَ الْبَاقِى
{"Der Beständige ist der, der bleibt und besteht."}
Said Nursi
Fünfundzwanzigster Brief
wurde nicht niedergeschrieben.
Sechsundzwanzigster Brief
(Dieser Sechsundzwanzigste Brief besteht aus vier Kapiteln, die jedoch unabhängig voneinander sind.)
Erstes Kapitel
بِاسْمِهِ سُبْحَانَهُ ٭ وَاِنْ مِنْ شَىْءٍ اِلاَّ يُسَبِّحُ بِحَمْدِهِ
{"Im Namen dessen, der gepriesen sei!" "Und kein Ding ist, das Ihn nicht in Dankbarkeit lobpreist." (Sure 17, 44)}
بِسْمِ اللّٰهِ الرَّحْمٰنِ الرَّحِيمِ ٭ وَاِمَّا يَنْزَغَنَّكَ مِنَ الشَّيْطَانِ نَزْغٌ فَاسْتَعِذْ بِاللّٰهِ اِنَّهُ هُوَ السَّمِيعُ الْعَلِيمُ
{"Im Namen Allahs, des Erbarmers, des Barmherzigen; Und wenn du vom Satan angestachelt wirst, so nimm deine Zuflucht zu Allah! Siehe, Er ist der Allhörende, der Allwissende." (Sure 41, 36)}
Zeugnis des Qur'an gegen den Teufel und seinen Anhang, um Iblis zum Schweigen zu bringen, den Teufel zur Vernunft zu rufen und die Anhänger der Auflehnung verstummen zu lassen. Dieses Erste Kapitel betrifft ein Erlebnis, durch das endgültig jene fürchterliche Intrige des Teufels widerlegt wurde, welche sich in der Neutralität des Urteils findet. Vor zehn Jahren hatte ich bereits einen Extrakt dieses Erlebnisses in den "Lemaat(Blitze)" niedergeschrieben. Es ist dies folgendermaßen:
Einmal, im Heiligen Monat Ramadan, elf Jahre vor der Abfassung dieser Abhandlung lauschte ich in der ehrwürdigen
Bayezid Moschee in Istanbul der Rezitation der Hafidhe. Plötzlich war mir, als hörte ich eine Stimme von jemand, den ich aber nicht sah. Sie lenkte meinen Geist auf sich. Innerlich hörte ich ihr zu. Da sprach sie zu mir:
"Du betrachtest den Qur'an als sehr hoch, als besonders glänzend. Denke neutral und betrachte ihn dann! Das heißt, stell dir vor, er sei das Wort eines Menschen. Siehst du etwa noch jene Besonderheiten und jenen Schmuck?" Ich wurde tatsächlich in die Irre geführt, stellte ihn mir als Menschenwort vor und betrachtete ihn so. Da sah ich: Es war, als wäre in der Bayezid Moschee der Lichtschalter herumgedreht worden und alles in Dunkelheit versunken und ausgelöscht. Genauso begannen sich die glänzenden Strahlen des Qur'an bei dieser Annahme zu verbergen. Nun verstand ich, dass es der Teufel war, der mit mir sprach. Er versuchte mich in einen Abgrund zu stürzen. Da rief ich den Qur'an um Hilfe. Sofort drang Licht in mein Herz. Es gab mir die ganze Macht zur Verteidigung. Da nahm ich den Kampf gegen den Teufel auf, indem ich sagte:
Oh Satan! Neutral zu denken bedeutet, einen Platz zwischen zwei Fronten einzunehmen, wohingegen aber das, was von dir und deinen Schülern unter den Menschen als neutral zu denken bezeichnet wird, eine Bevorzugung der Gegenseite ist. Es ist keine Neutralität. Eine solche zeitweilige Annahme ist Glaubenslosigkeit. Denn den Qur'an als Menschenwort zu bezeichnen und zu betrachten und in dieser Weise zu denken, heißt, die entgegengesetzte Möglichkeit als Grundlage anzunehmen. Es ist die falsche Seite. Es ist keine Neutralität im Denken, vielmehr eine Parteinahme (iltizam)für die falsche Seite. Der Teufel antwortete:
"Wenn das so ist, dann sage, es ist nicht Allahs Wort, nicht das eines Menschen. Stelle dir einmal die Mitte vor!" Ich entgegnete:
Das ist auch unmöglich. Denn, wenn um ein Eigentum
ein Rechtsstreit besteht und die beiden Kontrahenten nahe beieinander sind, eine örtliche Nachbarschaft besteht, dann wird dieses Eigentum in die Hand eines Dritten gegeben oder an einen Ort verbracht, der beiden zugänglich ist. Wer den Beweis erbringt, der erhält es. Wenn aber die beiden Kontrahenten sehr weit voneinander entfernt sind, einer im Osten, einer im Westen ist, dann verbleibt es prinzipiell in der Hand dessen, der der augenblickliche Besitzer ist. Denn es in der Mitte zu lassen, ist nicht möglich.
Nun ist aber der Qur'an ein kostbarer Besitz. Die beiden Kontrahenten jedoch sind so weit voneinander entfernt, wie das Wort eines Menschen vom Worte Gottes des Gerechten, ja sie sind vielmehr unendlich weit voneinander entfernt. So ist es also nicht möglich, ihn in der Mitte zwischen den beiden, wie Himmel und Erde voneinander entfernten Seiten, zu lassen. Ja es gibt gar keine Mitte. Denn da sie zwei Gegensätze sind, wie Sein oder Nichtsein, oder zwei Gegenpole, gibt es zwischen ihnen keine Mitte. Wenn das aber so ist, dann ist der augenblickliche Besitzer des Qur'an auf der Seite Gottes. Wenn das aber so ist, dann wird sein Verbleib in dessen Hand akzeptiert und dies ist dann der Status quo für die Beweisaufnahme. Kann die Gegenseite alle Beweise dafür, dass er das Wort Allahs ist, nacheinander widerlegen, mag sie ihre Hand nach ihm ausstrecken. Anderenfalls darf sie es nicht. Ohoh! Wer vermöchte diese tausenden unumstößlicher Beweise, mit denen gleich zwölfzölligen Nägeln dieser gewaltige, strahlende Diamant am Throne des Allgewaltigen befestigt ist, welche Hand vermöchte alle diese Nägel herauszureißen, seine Stützpfeiler abzusägen, um ihn herabzustürzen?
Nun also, oh Teufel! Leute, die dir zum Trotz mit Herz und Verstand ein gerechtes Urteil zu fällen vermögen, werden auf diese Weise urteilen. Ja, bei dem geringsten Beweis verstärken sie noch ihren Glauben an den Qur'an. Was aber den Weg betrifft, den du und deine
Schüler zeigen: Stellt man sich einmal den Qur'an als Menschenwort vor, das heißt, wenn jener herrliche Diamant, der mit dem Thron Gottes verbunden ist, zur Erde geworfen würde, so wäre anstelle all der Macht der Nägel und der Festigkeit vieler Beweise ein einziger Beweis dazu notwendig, ihn wieder von der Erde aufzuheben und am Throne des Geistes zu befestigen, um ihn aus der Finsternis des Unglaubens zu erretten und zu den Lichtern des Glaubens zu gelangen. Das zu erreichen ist jedoch sehr schwer. Deswegen verlieren in dieser Zeit durch deine Einflüsterung unter der Vorstellung, neutral zu denken, viele ihren Glauben.
Da wandte sich der Teufel wieder zu mir und sagte:
"Der Qur'an gleicht dem Wort der Menschen. Er ist nach Art menschlicher Redewendung. Also ist er Menschenwort. Wäre er Gotteswort, müsste er auch für Ihn schicklich sein, müsste in jeder Hinsicht einen außergewöhnlichen Stil haben. Geradeso wie Seine Kunst nicht der Kunst der Menschen ähnelt, so dürften auch Seine Worte ihnen nicht ähnlich sein."
Ich antwortete ihm:
So wie unser Prophet, mit dem Friede und Segen sei, außer in seinen Wundern und Tugenden, doch Mensch blieb in seinen Handlungen, seinem Verhalten und in seinem Benehmen, so war er auch wie ein Mensch den alltäglichen Gesetzen Gottes und Seiner Schöpfung unterworfen und an sie gebunden. Auch er war der Kälte ausgesetzt, litt unter Schmerzen usw... Er nahm in all seinem Verhalten und Benehmen keine Sonderstellung ein, sodass er seiner Gemeinde durch seine Handlungen ein Vorbild, durch seine Haltung ein Wegweiser, in seinem ganzen Umgang ein Lehrer hätte sein können. Wäre er in seinem ganzen Verhalten außergewöhnlich gewesen, hätte er nicht ganz persönlich und in jeder Hinsicht ein Vorbild sein können, nicht für jeden der vollkommene Lehrer sein können, nicht in seiner ganzen Haltung
Segen und Erbarmen für die Welt sein können.
In gleicher Weise gilt: Auch der höchstweise Qur'an ist ein Führer für alle bewusstseintragenden Wesen, ein Meister für alle Menschen und Dschinnen, ein Führer für die Vollendeten, ein Lehrer für die Leute der Wahrheit. Weil dies so ist, muss er notwendigerweise sicherlich von der gleichen Art sein wie die Ausdrucks- und Redeweise der Menschen. Denn Menschen und Dschinnen lernen von ihm zu bitten und zu beten, diskutieren ihre Probleme in seiner Sprache, gestalten ihm gemäß ihren sozialen Umgang usw... Er ist die Autorität für alle. Wäre der Qur'an in der gleichen Weise das Wort Gottes, wie Mosis, mit dem Friede sei, es auf dem Berg Sinai hörte, die Menschen hätten nicht ertragen, ihn anzuhören, ihm zu lauschen, ihn als Autorität anzunehmen. Ein so großer Prophet wie Mosis konnte es nicht ertragen, mehr als einige wenige Worte zu hören. Mosis, mit dem Friede sei, sagte:
اَهٰكَذَا كَلاَمُكَ؟ قَالَ اللّٰهُ لِى قُوَّةُ جَمِيعِ الْاَلْسِنَةِ
{"Ist so Dein Wort? Gott sagte: Ich habe die Macht über alle Zungen."}
Der Satan wendete sich mir wiederum zu und sagte:
"Solche Probleme, wie die im Qur'an angeführten, behandeln viele Leute, wenn sie über den Glauben sprechen. Ist es etwa nicht möglich, dass ein Mensch deswegen im Namen des Glaubens so etwas verfassen könnte?"
Als Antwort erwiderte ich ihm im Lichte des Qur'an:
Erstens:
Ein religiöser Mensch sagt in seiner Liebe zum Glauben: "Das ist richtig. Dies ist die Wahrheit. So lautet der Befehl Gottes." Er wird aber nicht seine eigenen Worte Gott in den Mund legen. Er wird seine Grenzen nicht so grenzenlos weit überschreiten, selbst Gott zu spielen, an Seiner Statt zu sprechen.
فَمَنْ اَظْلَمُ مِمَّنْ كَذَبَ عَلَى اللّٰهِ
{"Wer ist ungerechter als der, der über Gott Lügen erdichtet." (Sure 39, 32)}
Er wird vor diesem Gesetz und Urteil zittern!
Und zweitens:
Es ist keineswegs möglich, ja sogar hundertfach unmöglich, dass ein Mensch ganz allein dergleichen zu Stande gebracht und dabei auch noch erfolgreich gewesen sein könnte. Denn nur zwei einander nahe stehende Persönlichkeiten können einander nachahmen. Wenn sie von gleicher Art sind, können sie einer in des anderen Rolle schlüpfen. Zwei einander im Rang nahe stehende können einander in ihrer Stellung nachahmen. Vorübergehend können sie die Menschen täuschen. Sie können sie jedoch nicht für immer täuschen. Denn den Blicken der Aufmerksamen wird sich der Betrug in jedem Fall durch ihr Gehabe und die gezwungene Art in ihrem Verhalten und Benehmen zeigen. Ihre Täuschung wird sich nicht fortsetzen.
Hat ein Hochstapler nicht die geringste Ähnlichkeit mit dem, den er zu spielen versucht, zum Beispiel, ein gewöhnlicher (adi)Mensch, der versuchte ein Genie wie Avicenna in seinem Wissen nachzuahmen oder ein Schafhirte, der versuchte, in die Rolle eines Königs zu schlüpfen, wird er sicherlich niemanden täuschen können, sich vielmehr zum Gespött machen. Seine ganze Erscheinung schreit es hinaus: Er ist ein Hochstapler!
Wollte man sich also nun aber - Gott bewahre, das ist hunderttausend Mal unmöglich! - den Qur'an als das Wort eines Menschen vorstellen: Wie könnte dann ein Glühwürmchen sich tausend Jahre lang einem Observator ganz ungezwungen wie ein richtiger Stern darstellen? Und weiter, wie eine Mücke sich ein Jahr lang vor den Zuschauern ganz ungekünstelt wie ein Pfau aufspielen? Und weiter, wie ein Betrüger als einfacher Soldat die Haltung eines berühmten, hohen Generals zur Schau tragen,
seinen Rang einnehmen, diesen lange Zeit beibehalten, ohne dass sein Betrug deutlich würde? Und weiter, wie ein Betrüger, ein verlogener Ungläubiger sich sein ganzes Leben lang, ohne irgendeine Unruhe zu zeigen, vor den Augen seiner Kritiker stets in seiner Erscheinung nach innen und nach außen hin als der getreueste und gläubigste Mensch aufspielen, sein unechtes Gehabe vor den Augen der Intelligenz verbergen?! Das ist aber hundert Mal unvorstellbar! Das kann kein vernünftiger Mensch für möglich halten. Dergleichen anzunehmen, ist zudem eine Wahnvorstellung wie die Annahme einer offensichtlichen Unmöglichkeit.
Desgleichen, wollte man sich den Qur'an als das Wort eines Menschen vorstellen, dann müsste das Wesen des "Deutlichen Buches", das doch der so glänzende Stern der Gerechtigkeit am Himmel der islamischen Welt ist, der klar ersichtlich und immerwährend das Licht der Wahrheit ausstrahlt, oder vielmehr als die Sonne der Vollkommenheit verstanden wird - Gott bewahre! - die erfundene und gefälschte Dichtung eines Betrügers in Gestalt eines Glühwürmchens sein, ohne dass diejenigen, die sich zunächst und eingehend mit ihr befassen, einen Unterschied bemerkt hätten, sie ihn vielmehr immer für einen hohen und erhabenen Stern und die Quelle der Wahrheit gehalten hätten. Das aber ist hundert Mal unmöglich und du Satan könntest überdies, auch wenn du deine Teufeleien noch hundertfach weiter triebest, niemanden dazu bringen, der das für möglich hielte! Du kannst einen unverdorbenen Verstand nicht betrügen! Du kannst die Leute nur dadurch täuschen, dass du sie dazu bringst, die Dinge mit einem großen Abstand zu betrachten! So zeigst du ihnen einen Stern, der so klein geworden ist wie ein Glühwürmchen!
Drittens:
Wollte man außerdem den Qur'an als das Wort eines Menschen betrachten, so müsste diese für die Menschenwelt durch ihre Kultur, in ihrer Wirkung und in ihren Ergebnissen so geistvolle und Leben spendende,
wie bezeugt, so konkrete, glückverheißende, so essentielle, wunderbare, mit so hohen Vorzügen so glänzend beschriebene, verborgene Wahrheit der "Unterscheidung" - Gott bewahre! - die primitive Gedankenspielerei eines einzelnen unbeholfenen und ungebildeten Betrügers sein, ohne dass die ihm zunächst stehenden und ihn eingehend betrachtenden großen Gelehrten und die verehrungswürdigen Koryphäen der Wissenschaft seine Fälschungen und das Werk seines Betruges jemals auf irgendeine Weise bemerkt haben sollten! Sie haben jedoch immer Vertrauenswürdigkeit, Aufrichtigkeit und Wahrhaftigkeit an ihm gefunden!
In Anbetracht dessen, dass dies hundertfach unmöglich ist, wäre es, eine Persönlichkeit, die in ihrer ganzen Haltung, ihren Worten und Taten und in ihrem ganzen Leben Zuverlässigkeit, Glaube, Vertrauen, Wahrhaftigkeit, Aufrichtigkeit und Geradlinigkeit gezeigt und gelehrt, alle großen Persönlichkeiten darin unterrichtet hat, der selbst als der größte, strahlendste, erhabenste Charakter angesehen und betrachtet wird, als vollkommen unzuverlässig, vollkommen unehrlich und vollkommen glaubenslos zu betrachten, so als hielte man eine zur Potenz erhobene Unmöglichkeit für eine Realität, was jedoch einem Fieberwahn des Unglaubens gleich kommt, dessen sich selbst noch der Teufel schämen würde. Denn bei diesem Problem gibt es keine mittlere Lösung. Denn einmal den unmöglichen Fall angenommen, der Qur'an wäre nicht Gotteswort, es wäre, als fiele er in seinem Werte wie vom Throne Gottes zur Erde herabgestürzt. Einen Mittelwert gäbe es nicht. Anstelle einer Sammlung von Wahrheiten wäre er eine Quelle des Aberglaubens und der Wert jener Persönlichkeit, welche diesen wunderbaren Ferman aufgezeigt hat, müsste, wenn es - Gott bewahre, es ist keineswegs so! - nicht der Prophet wäre, von den Höchsten Höhen zum Niedrigsten aller Niedrigen herabstürzen und von seinem Rang, Quelle der Vollkommenheit zu sein, auf die Stufe eines Brunnens der Hinterlist hinabsinken.
Einen Mittelwert gäbe es nicht. Denn wer im Namen Gottes eine Falschaussage macht, eine Lüge ausspricht, der fällt bis zur niedrigsten Stufe hinunter. Eine Mücke immer für einen Pfau anzusehen und in ihr ständig die Besonderheiten eines Pfaues zu erblicken, ist dermaßen unvorstellbar, dass auch ein solches Problem unvorstellbar wird. Es wäre dazu schon ein von Natur aus wahnsinniger, berauschter Dummkopf notwendig, der so etwas für möglich halten könnte.
Viertens:
Des Weiteren wäre es notwendig, wollte man sich den Qur'an als das Wort eines Menschen vorstellen, obwohl doch der heilige Kommandant der mohammedanischen Gemeinschaft, der größten und herrlichsten Armee unter den Söhnen Adams, der Qur'an, der mit den offensichtlich machtvollsten Gesetzen, grundlegendsten Vorschriften, wirksamsten Anordnungen dieser ganzen großen Armee eine Disziplin gegeben hat, die sie befähigt, beide Welten zu erobern, seiner Befehlsgewalt unterstellt hat, der sie innerlich wie äußerlich dafür gerüstet hat und ihnen allen, jedem Einzelnen seiner Stufe entsprechend, Erkenntnis gelehrt, ihnen Herzensbildung gegeben, sich ihre Seelen dienstbar gemacht, ihr Gewissen gereinigt, ihre inneren und äußeren Organe, des Leibes und der Seele in den rechten Nutzen und Gebrauch genommen hat, dennoch die hundertfache Unmöglichkeit annehmen zu wollen, dass - Gott bewahre, möge Er es mir hunderttausend Mal verzeihen! - der Qur'an eine kraftlose, bedeutungslose und jeder Grundlage entbehrende Erdichtung, eine Fälschung sein sollte; und weiter wäre es notwendig, sich eine Persönlichkeit, die in ihrem ganzen Leben durch ihre ernsthaften Bemühungen die Söhne Adams in den Gesetzen des Gerechten unterrichtet und durch ihr bescheidenes Verhalten den Menschen die Prinzipien der Wahrheit gelehrt hat und mit ihren klaren und vernünftigen Worten den Weg zur Geradlinigkeit und Glückseligkeit aufgezeigt und grundgelegt hat und die sich, wie die Geschichte ihres ganzen Lebens bezeugt,
sehr vor der Strafe Gottes gefürchtet hat, Gott besser kannte und verkündete als jeder andere, die ein Fünftel der Menschheit über die halbe Erde hin seit 1350 Jahren ruhmreich befehligt hat, die eine Welt in Aufregung versetzt hat und auf die wegen ihrer ruhmreichen Taten mit Recht die ganze Menschheit, ja sogar die Welt stolz sein kann, sich dennoch - Gott bewahre, möge Er es mir hunderttausend Mal verzeihen! - als einen Betrüger, der nicht an Gott glaubt und Ihn nicht fürchtet, keine Ehre kennt, auf der untersten Stufe der Menschheit vorzustellen und so hundert Unmöglichkeiten gleichzeitig als möglich anzunehmen. Denn bei diesem Problem gibt es keine mittlere Lösung. Denn den unmöglichen Fall einmal angenommen, der Qur'an wäre nicht Gottes Wort, so fiele er von Seinem Thron, könnte nicht in der Mitte bleiben. Vielmehr müsste man zugeben, dass er auf Erden Besitz eines Lügners würde. Weil aber das so ist, du Satan, kannst du, wärest du auch hundertfach ein Doppelter Satan, einen unverdorbenen Verstand nicht betrügen, ein aufrechtes Herz nicht überzeugen.
Wiederum sagte der Satan zu mir: "Wie könnte ich nicht? Ich habe die meisten Menschen getäuscht und viele berühmte Denker unter ihnen dazu gebracht, den Qur'an und auch Mohammed zu verleugnen."
Antwort:
Erstens:
Betrachtet man etwas aus großer Entfernung, so sieht das größte Ding so aus wie das kleinste Ding. Einen Stern kann man eine bloße Kerze nennen.
Zweitens:
Betrachtet man etwas mit einem nur oberflächlichen und beiläufigen Blick, so erscheint ein ganz unmögliches Ding als möglich. So betrachtete einmal ein alter Mann im Ramadan den Himmel, um den Mond zu sehen. Da geriet ihm ein weißes Haar vor das Auge. Weil er jedoch ganz und gar damit beschäftigt war, nach dem Mond Ausschau zu halten und deswegen das Haar nur in der Folge, im Nachhinein, in zweiter Hinsicht wahrnahm,
hielt er das Unmögliche für möglich.
Drittens:
Nichtannahme ist eine Sache und Verneinung (inkar)eine andere. Nichtannahme ist eine Gleichgültigkeit, ein Augenschließen und eine Urteilsunfähigkeit aus Unwissenheit. Auf diese Weise bleibt ihm die Unmöglichkeit vieler Dinge verborgen. Sein Verstand beschäftigt sich nicht damit. Was aber eine Leugnung (inkar)betrifft, so handelt es sich dabei nicht darum, zu bestreiten, dass etwas da ist, sondern um die Annahme, dass etwas nicht da ist. Es ist ein Urteil. Um dieses muss sich sein Verstand bemühen. In dieser Lage beraubt ihn solch ein Teufel wie du seines Verstandes. Danach flößt er ihm seine Leugnung ein. Wohlan denn, oh du Satan! Du hast durch Gottvergessenheit (ghaflet),Irrglaube (dalalet),Spitzfindigkeit, Eigensinn (inad),Missdeutung, Stolz, Betrug, Verfall der guten Sitten und noch andere teuflische Listen und Ränke, die Falschheit als Wahrheit, Unmöglichkeit als Möglichkeit erscheinen lassen, diesen Tieren in der Gestalt unglückseliger Menschen Leugnung und Unglaube, die viele Unmöglichkeiten zur Folge haben, eingeflößt.
Viertens:
Des Weiteren wäre es notwendig, wollte man sich den Qur'an als das Wort eines Menschen vorstellen, sich dieses Buch, das die Theologen, die Gelehrten und die Pole unter den Heiligen, die in der Welt der Menschen glänzen wie die Sterne am Himmel, sich klarsichtig zu einer Art Führer erwählt haben, das offensichtlich und fortwährend alle vollendeten Persönlichkeiten mit ihren verschiedenen Charakteren Recht und Gerechtigkeit, Wahrheit und Wahrhaftigkeit, Sicherheit und Geborgenheit lehrt, durch das die Glückseligkeit in beiden Welten, wie sie auf den Grundpfeilern der Glaubenswahrheiten und den Pfeilern der Lehren des Islam ruht, vermittelt wird, das durch seine Wirkung, wie sie oben angeführt ist und bezeugt wurde, notwendigerweise Recht ist, reine und lautere Wahrheit ist, ganz und gar richtig und vollkommen zuverlässig, als Träger des Gegenteils seiner eigenen Eigenschaften, Wirkungen und lichtvollen Ausstrahlung vorstellen,
als - Gott bewahre, es ist keineswegs so! - eine Erdichtung und Fälschung, eine Sammlung von Lügen betrachten, wovor sich selbst die Sophisten und die Teufel schämen und so etwas nicht wagen würden, und was zudem ein abscheulicher Fieberwahn des Unglaubens ist, und müsste sich zudem eine Persönlichkeit, die, wie der Glaube und das islamische Gesetz bezeigt und bezeugt, wie ihre außerordentliche Aufrichtigkeit nach der Übereinstimmung aller, ihre Reinheit und Lauterkeit in Dienst und Anbetung, die sie während ihres ganzen Lebens gezeigt hat, beweist, wie es die guten Sitten, die sie nach der Übereinstimmung aller gezeigt hat, erfordern, wie alle die Wahrhaftigen und die Vollendeten, die sie herangebildet hat, bestätigen, in höchstem Maße gläubig, standhaft, zuverlässig und getreu war, als - Gott bewahre, es ist keineswegs so! - ungläubig, in höchstem Maße unzuverlässig und ohne jede Furcht vor Gott vorstellen und damit eine Unmöglichkeit in ihrer allerhässlichsten und abscheulichsten Art begehen und einen Irrtum, der in seiner Weise finster und völlig ungerecht ist.
Zusammenfassung:
Wie bereits im Achtzehnten Hinweispunkt des Neunzehnten Briefes erwähnt wurde, sagen Leute aus den unteren Bevölkerungsschichten über ihr Verständnis jenes Wunders, das der Qur'an ist, den sie nur allein durch Zuhören kennen: "Der Qur'an hat mit allen anderen Büchern der Welt, von denen ich gehört habe, keine Ähnlichkeit und nicht eines von ihnen kommt ihm an Wert gleich. Dementsprechend liegt der Wert des Qur'an entweder unter ihnen allen oder über ihnen allen. Da nun aber der Fall, dass er unter ihnen allen läge, unmöglich ist, kann dies kein Feind, ja noch nicht einmal der Teufel selbst behaupten, dies nicht akzeptieren. Dementsprechend steht der Qur'an über allen anderen Büchern. Dementsprechend ist er ein Wunder.
In gleicher Weise können dementsprechend auch wir mit absoluter Sicherheit, wie sie sich in der Methodologie (ilm-i usul)und in der Logik aus der Grundlagenforschung (fenn-i mantik)und aus
der Analyse ergibt, sagen:
Oh du Satan und ihr Satansschüler! Der Qur'an ist entweder Gottes Wort, das von Seinem gewaltigen Thron und Seinem gewaltigen Namen her gekommen ist, oder aber - Gott bewahre! Das ist keineswegs so! Möge Er es mir hunderttausend Mal verzeihen! - die betrügerische Erdichtung und Erfindung eines glaubenslosen Menschen, der auf Erden Gott nicht kennt und Gott nicht fürchtet. Dies aber oh du Satan, konntest du wegen der obigen Beweise nicht sagen, kannst es nicht sagen und wirst es nicht sagen können. Da dies aber so ist, ist der Qur'an zwangsläufig und ohne allen Zweifel das Wort des Schöpfers aller Welten, denn ein Mittelding gibt es nicht, kann es nicht geben und ist auch unmöglich. Dies haben wir deutlich genug bewiesen. Das hast auch du gesehen und hast es gehört.
In gleicher Weise ist Mohammed, mit dem Friede und Segen sei, entweder der Gesandte Gottes, der vollkommenste unter allen Propheten und der gesegneteste unter allen Geschöpfen, oder aber man müsste ihn sich als einen Menschen vorstellen, der - Gott bewahre! Möge Er es mir hunderttausend Mal verzeihen! - weil er Gott fälschlicher Weise bezichtigte, Ihn gar nicht kannte und nichts von Ihm wusste, an Seine Strafe nicht glaubte, als ein Glaubensloser auf die Stufe eines Niedrigsten aller Niedrigen herabstürzte.
{(*): Da nun einmal der Weise Qur'an die Glaubenslosigkeiten der Ungläubigen und ihre grobschlächtigen Ausdrücke zitiert, um sie zu widerlegen, habe auch ich mich dazu gezwungen gesehen, zitternd diese Ausdrücke in Form einer unmöglichen Annahme zu verwenden, um die ganz und gar unmöglichen Gedanken der Ungläubigen und Irregeleiteten aufzuzeigen und darauf hinzuweisen, wie sie so ganz und gar hohl und wurmstichig sind.}
Und dies, oh Teufel und ihr Philosophen Europas und Heuchler Asiens, die ihr seine Vertrauten seid! Ihr könnt das nicht sagen, nie gesagt haben, werdet es nicht sagen und nie sagen können. Denn in
dieser Welt gibt es niemanden, der von einem solchen Fall hören will und so etwas akzeptieren könnte. Deswegen sagen selbst die schärfsten Gegner, Kritiker, Leugner und Zyniker unter den Philosophen, auf die du vertraust: "Mohammed der Araber, mit dem der Friede sei, war ein überaus kluger Mensch. Er war von einer ganz besonderen, edlen Wesensart."
Da es nun bei diesem Problem nur zwei mögliche Lösungen gibt und da nun einmal die zweite Lösung nicht möglich ist und niemand für diese eintreten will, und da nun einmal der Beweis dafür schon mit unwiderlegbaren Zeugnissen erbracht worden ist, dass es eine Mittellösung nicht gibt, ist Mohammed der Araber, mit dem der Friede sei, zwangsläufig dir und deinen Teufelsgenossen zum Trotz ganz offensichtlich und mit der Sicherheit eigener Erfahrung (haqqa l-yaqien)der Botschafter Gottes und der edelste (ekmel)unter allen Seinen Gesandten. Er ist das vornehmste (efdal)unter allen Seinen Geschöpfen.
عَلَيْهِ الصَّلاَةُ وَالسَّلاَمُ بِعَدَدِ الْمَلَكِ وَالْاِنْسِ وَالْجَانِّ
{"Mit ihm seien der Friede und so viele Segnungen wie es Engel, Menschen und Dschinnen gibt."}
Ein zweiter kleiner Einwand des Satans
مَا يَلْفِظُ مِنْ قَوْلٍ اِلاَّ لَدَيْهِ رَقِيبٌ عَتِيدٌ ٭ وَجَآءَتْ سَكْرَةُ الْمَوْتِ بِالْحَقِّ ذٰلِكَ مَا كُنْتَ مِنْهُ تَحِيدُ ٭ وَنُفِخَ فِى الصُّورِ ذٰلِكَ يَوْمُ الْوَعِيدِ ٭ وَجَآءَتْ كُلُّ نَفْسٍ مَعَهَا سَآئِقٌ وَشَهِيدٌ ٭ لَقَدْ كُنْتَ فِى غَفْلَةٍ مِنْ هٰذَا فَكَشَفْنَا عَنْكَ غِطَآءَكَ فَبَصَرُكَ الْيَوْمَ حَدِيدٌ ٭ وَقَالَ قَريِنُهُ هٰذَا مَا لَدَىَّ عَتِيدٌ ٭ اَلْقِيَا فِى جَهَنَّمَ كُلَّ كَفَّارٍ عَنِيدٍ
{"Kein Wort äußert er, ohne dass jemand die Aufsicht darüber führte. Doch die Stunde des Todes wird ihm die Wahrheit vor Augen führen. Das ist es, wovor du zeitlebens ausgewichen bist. Und die Trompete wird geblasen; das ist der angedrohte Tag. Und jede Seele wird kommen und mit ihr ein Fährmann und ein Zeuge. Du hast dich fürwahr nicht darum bekümmert. Doch nun haben wir dir die Binde abgenommen und nun siehst du heute scharf. Dann sagte sein Gefährte: 'Hier ist nun das, was mir bereit gehalten ist!' Werft, werft in die Hölle jeden widerspenstigen Ungläubigen!" (Sure 50, 18-24)}
Während ich diese Ayat der Sure Qaf rezitierte, sagte der Satan: "Ihr glaubt, dass die allgemeine Verständlichkeit des Qur'an in seinem klaren (fesehat)und flüssigen (selaset)Stil läge. Aber was springt er doch in diesem Qur'anvers von einem Gegenstand zum anderen! Vom Todeskampf springt er zur Auferstehung über. Vom Ertönen der Posaune leitet er zum Ende des Verfahrens über. Danach erwähnt er die Einfahrt zur Hölle. Wo bleibt bei dieser sprunghaften Erzählweise noch die Flüssigkeit (selaset)des Stils? Der Qur'an vereinigt an den meisten Stellen solche weit voneinander entfernt liegenden Themen. Wo bleibt bei einer solchen unzusammenhängenden Formgebung noch der klare (selaset)und flüssige (fesehat)Stil?"
Antwort:
Unter den wichtigsten Wundern, wie sie für den Qur'an kennzeichnend sind, der in seiner Verkündigung selbst ein Wunder ist, findet sich seine Prägnanz (belaghat)und nach ihr seine Kürze (idjaz).Kürze, das ist: Für das Wunder des Qur'an ein unumstößliches, unverwechselbares Kennzeichen von ganz besonderer Bedeutung. Dieses Wunder an Kürze ist im Weisen Qur'an so vielfältig und von einer solchen Schönheit, dass Wissenschaftler und Forscher darüber in Erstaunen geraten. Zum Beispiel:
وَقِيلَ يَآ اَرْضُ ابْلَعِى مَآءَكِ وَيَا سَمَآءُ اَقْلِعِى وَغِيضَ الْمَآءُ وَقُضِىَ الْاَمْرُ وَاسْتَوَتْ عَلَى الْجُودِىِّ وَقِيلَ بُعْدًا لِلْقَوْمِ الظَّالِمِينَ
{"Dann erging das Wort: Erde, verschlinge dein Wasser! Himmel, halt ein! Und das Wasser verschwand, und die Angelegenheit war zu Ende. Die Arche setzte am Berge Djudi auf. Es wurde gesagt: Die Ferne sei mit dem Volk der Frevler!" (Sure 11, 44)}
Hier wird die ganze, lange Geschichte der Flut und ihrer Auswirkungen in wenigen Sätzen so konzentriert und so wundervoll erzählt, dass sich viele Literaturkenner (ehl-i belaghat)wegen einer solchen Kürze (idjaz)und Prägnanz (belaghat)in Verehrung niederwarfen.
Ein anderes Beispiel:
كَذَّبَتْ ثَمُودُ بِطَغْوٰيهَا ٭ اِذِ انْبَعَثَ اَشْقٰيهَا ٭ فَقَالَ لَهُمْ رَسوُلُ اللّٰهِ نَاقَةَ اللّٰهِ وَسُقْيٰهَا ٭ فَكَذَّبُوهُ فَعَقَرُوهَا ٭ فَدَمْدَمَ عَلَيْهِمْ رَبُّهُمْ بِذَنْبِهِمْ فَسَوّٰيهَا ٭ وَلاَ يَخَافُ عُقْبٰيهَا
{"Das Volk Thamud leugnete in seiner Widersetzlichkeit, als der Gemeine aufstand. Und es sagte zu ihnen der Gesandte Gottes: Die Kamelstute Gottes lasst trinken. Sie aber beschuldigten ihn und lähmten sie. Doch da kam ihr Herr in Seinem Zorn über sie und machte alles eben. Und Er fürchtete nicht die Folgen." (Sure 91, 11-15)}
Auf diese Weise also werden hier die bemerkenswerten und bedeutsamen Ereignisse, ihre Folgen und das böse Ende in wenigen Sätzen in wunderbarer Kürze (idjaz)klar (beyan)und flüssig (selaset)berichtet, ohne dass das Verständnis darunter leidet.
Noch ein weiteres Beispiel:
وَذَالنُّونِ اِذْ ذَهَبَ مُغَاضِبًا فَظَنَّ اَنْ لَنْ نَقْدِرَ عَلَيْهِ فَنَادٰى فِى الظُّلُمَاتِ اَنْ لآَ اِلٰهَ اِلاَّ اَنْتَ سُبْحَانَكَ اِنِّى كُنْتُ مِنَ الظَّالِمِينَ
{"Und gedenke Dhulnuns (wörtl. Fischmann, gemeint ist der Prophet Jonas), wie er im Zorn wegging und meinte, Wir hätten keine Gewalt über ihn. Er aber schrie aus der Dunkelheit (Bauch des Wals). Es gibt keinen Gott außer dir. Gepriesen seiest Du. Ich war in der Tat einer der Übeltäter." (Sure 21, 87)}
Wie viele Sätze sind doch zwischen اَنْ لَنْ نَقْدِرَ عَلَيْهِ {"...Wir hätten keine Gewalt über ihn."} und فَنَادٰى فِى الظُّلُمَاتِ {"Er aber schrie aus der Dunkelheit."} ausgelassen worden! Was aber die nicht angeführten Sätze betrifft, so beeinträchtigen sie das Verständnis
nicht. Sie schaden dem Ablauf nicht. In der Erzählung von Hasret Yunus sind die wichtigen und wesentlichen Dinge erwähnt. Alles Weitere bleibt der Phantasie überlassen.
In gleicher Weise sind einige sieben oder acht Sätze zwischen فَاَرْسِلوُنِ {"Sende mich!" (Sure 12, 45)} und يُوسُفُ اَيُّهَا الصِّدِّيقُ {"Oh Yusuf, du Wahrhaftiger!" (Sure 12, 46)} in der Sura Yusuf um der Kürze willen übersprungen worden. Das Verständnis wurde dadurch in nichts beeinträchtigt. Dem Ablauf (selaset)hat es nicht geschadet. Eine derart wunderbare Prägnanz findet sich im Qur'an sehr häufig. Sie ist auch sehr schön.
Was aber die Ayat in der Sura Qaf betrifft, so sind diese von einer einzigartigen und bezaubernden Prägnanz (idjaz).Denn sie legen den Finger auf eine Zukunft, in der für die Ungläubigen ein Tag gleich fünfzigtausend ganz entsetzliche und furchtbar lange Jahre sein werden und nacheinander auf die bedeutenden, schmerzhaften Ereignisse, die in schrecklichen Revolutionen über den Häuptern der Ungläubigen hereinbrechen werden. Sie lassen unsere Vorstellung blitzschnell über sie hinwegeilen. Sie führen uns diese so sehr lange Zeit, wie auf einem Bogen Papier gemalt, vor Augen. Die Ereignisse werden unter Nichterwähnung des der Phantasie überlassenen in einer hohen und flüssigen Ausdrucksweise (selasete beyan)erzählt.
وَاِذَا قُرِئَ الْقُرْاٰنُ فَاسْتَمِعُوا لَهُ وَاَنْصِتُوا لَعَلَّكُمْ تُرْحَمُونَ
{"Wenn der Qur'an gelesen wird, höret ruhig und aufmerksam zu, sodass ihr Barmherzigkeit erlangen möget!" (Sure 7, 204)}
Wohlan nun, oh du Satan! Sprich, wenn du noch etwas zu sagen hast!
Und der Teufel sagte: "Ich kann nicht dagegen ankommen. Ich kann nichts mehr zu meiner Verteidigung anführen. Doch gibt es noch viele Dumme, die mir zuhören und viele Teufel in Menschengestalt, die mir helfen und viele Pharaonenstolze unter den Philosophen, die in diesen Fragen von mir Unterricht erhalten, der ihrer Ichsucht schmeichelt. Sie werden die Verbreitung von solchen Worten wie den deinen verhindern. Deshalb strecke ich vor dir nicht die Waffen."
سُبْحَانَكَ لاَعِلْمَ لَنَآ اِلاَّ مَاعَلَّمْتَنَآ اِنَّكَ اَنْتَ الْعَلِيمُ الْحَكِيمُ
{"Gepriesen seist Du! Wir haben kein Wissen außer dem, das Du uns gelehrt hast. Denn Du bist der Allwissende, der Allweise." (Sure 2, 32)}
Zweites Kapitel
Dieses Kapitel wurde auf Grund des Erstaunens derer geschrieben, die mir ständig zu Dienst sind und sich über mein so seltsam widersprüchliches Verhalten (wunderten) und um die über die Maßen gute Meinung wieder zurechtzurücken, die zwei meiner Schüler über mich (hatten).
Ich sehe, dass einige so vollkommene Dinge, die eigentlich den Wahrheiten des Allweisen Qur'an entstammen, dem Überbringer zugeschrieben werden, der diese Wahrheiten verkündigt. Und das ist falsch. Denn die Heiligkeit der Quelle erweist sich als ebenso kraftvoll wie viele Beweise, wodurch ein Urteil für die Allgemeinheit annehmbar wird. Wann immer der Verkünder oder Anwalt sie in den Schatten stellt, das heißt, sich selbst in den Mittelpunkt rückt, geht die Wirksamkeit der Heiligkeit der Quelle verloren. Es ist auf Grund dieses Geheimnisses, dass ich meinen Brüdern, die mir weit mehr Aufmerksamkeit zuwenden, als mir zukommt, eine Wahrheit erklären möchte. Es ist dies wie folgt:
Ein Mensch kann verschiedene Persönlichkeiten verkörpern. Diese Persönlichkeiten können ganz verschiedene Charaktere darstellen. Zum Beispiel: ein hoher Beamter trägt in seiner Amtsstube eine Persönlichkeit, die Würde (vakar)erfordert. Seine Haltung erfordert es von ihm, die Ehre seines Amtes zu wahren. Zum Beispiel: wollte er sich seinen Besuchern gegenüber bescheiden zeigen, so wäre das eine Herabwürdigung seines Amtes. Doch wird in seinem eigenen Hause von seiner Persönlichkeit erwartet, dass diese entgegen seiner Amtsperson andere Verhaltensweisen zeigt und es wäre gut für ihn, je bescheidener er ist. Zeigte er hier etwas von seiner Würde (vakar),so wäre es Stolz. u.dgl... Das heißt, dass ein Mensch im Verhältnis zu seinen Aufgaben eine Persönlichkeit hat, die seiner wahren Persönlichkeit in vielen
Punkten widerspricht. Wenn der Herr seiner Aufgabe wahrhaft würdig ist und sie vollkommen auszufüllen vermag, kommen diese zwei Persönlichkeiten einander näher. Wenn er seiner Aufgabe nicht gewachsen ist, z.B. ein einfacher Soldat auf den Posten eines Marschalls erhoben wird, so klaffen diese beiden Persönlichkeiten weit auseinander. Die Persönlichkeit eines einfachen Soldaten mit ihren bescheidenen, untergeordneten Eigenschaften ist unvereinbar mit der Persönlichkeit eines Marschalls und dem hohen und edlen Charakter, den sein Stand (maqam)erfordert.
So gibt es denn in diesem euren niederen Bruder drei Persönlichkeiten. Sie sind voneinander weit entfernt, ja in der Tat wirklich sehr weit voneinander entfernt.
Die erste Person:
In Anbetracht dessen, dass ich der Verkünder jenes erhabenen Schatzes bin, welcher der Qur'an ist, ist mir vorübergehend eine Persönlichkeit zu Eigen, die ganz allein dem Qur'an gehört. Der hoch erhabene Charakter, der von einer solchen Stellung eines Verkünders verlangt wird, ist nicht mein Charakter; ich besitze ihn nicht. Vielmehr ist es ein Charakter, den diese Stellung, diese Aufgabe erfordert. Was immer von dieser Art ihr in mir sehen mögt, gehört nicht mir. So betrachtet mich denn nicht in diesem Zusammenhang. Es gehört zu meinem Stand (maqam).
Die zweite Person:
Zur Gebetszeit wird mir durch die Güte (ihsan)Gottes des Gerechten für die Zeit, die ich mich der Schwelle Gottes zuwende, eine Person gegeben, eine Persönlichkeit, die gewisse Kennzeichen trägt. Diese Persönlichkeit erwächst aus dem, was die Wesenselemente des Dienstes und der Anbetung sind: "Seine Fehler kennen, seine Schwäche und Armseligkeit verstehen, in seiner Niedrigkeit an der Schwelle Gottes Zuflucht suchen." Mit Hilfe dieser (zweiten) Person erkenne ich mich selbst mehr als jeder andere als niedrig, schwach, armselig und fehlerhaft. Sollte auch die ganze Welt mich feiern und lobpreisen, sie könnten mich nicht
davon überzeugen, dass ich ein guter und vollkommener (Mensch) bin.
Die dritte Person:
Dies ist meine wahre Persönlichkeit, d.h. die Persönlichkeit des Alten abgetakelten Said, also einige Adern aus dem Erbe des Alten Said. Der neigt manchmal zur Heuchelei (riya)und Geltungssucht. Und weil ich auch nicht aus vornehmem Hause stamme, so kann man bisweilen niedere Charakterzüge, wie eine Neigung zur Sparsamkeit bis zum Geiz, beobachten.
Meine Brüder! Ich möchte euch nun nicht ganz vertreiben, wenn ich euch noch alle meine verborgenen Fehler und Schlechtigkeiten beschreibe.
Und da ich also nun nicht so begabt bin wie meine Brüder und auch keinen hohen Rang (maqam)bekleide, so ist denn diese (dritte) Person sehr weit davon entfernt, den Charakter und die Merkmale zu zeigen, die bei einem Verkünder oder im Dienst und in der Anbetung Gottes (erwartet werden).
Des Weiteren hat Gott der Gerechte nach dem Grundsatz
دَادِ حَقْ رَاقَابِلِيَّتْ شَرْطْ نِيسْت
{"Wo Gott geben will, ist keine Fähigkeit eine Bedingung."}
in Seinem Erbarmen Seine Macht (qudret)über mir in der Weise gezeigt, dass er diese meine Persönlichkeit wie den niedersten einfachen Soldaten in den Dienst an den Geheimnissen des Qur'an gestellt hat wie auf den höchsten Platz (maqam),einem Marschall entsprechend. Hunderttausend Mal Dank (shukur)!...
Die Seele (nefs)ist niederer als alles, die Aufgabe ist höher als alles...
اَلْحَمْدُ لِلّٰهِ هٰذَا مِنْ فَضْلِ رَبِّى
{"Lob und Dank sei Gott! Dies ist von der Güte (fadl) meines Herrn."}
Drittes Kapitel
بِسْمِ اللّٰهِ الرَّحْمٰنِ الرَّحِيمِ ٭ يَآ اَيُّهَا النَّاسُ اِنَّا خَلَقْنَاكُمْ مِنْ ذَكَرٍ وَاُنْثٰى وَجَعَلْنَاكُمْ شُعُوبًا وَقَبَآئِلَ لِتَعَارَفُوا
{"Im Namen Gottes, des Erbarmers, des Barmherzigen. Oh ihr Menschen! Wir haben euch aus einem männlichen und einem weiblichen (Wesen) erschaffen und euch zu Völkern und Stämmen gemacht, damit ihr euch kennen lernt." (Sure 49, 13)}
das heißt:
لِتَعَارَفوُا مُنَاسَبَاتِ الْحَيَاةِ الْاِجْتِمَاعِيَّةِ فَتَعَاوَنُوا عَلَيْهَا لاَ لِتَنَاكَرُوا فَتَخَاصَمُوا
"Ich habe euch als Völker, Stämme und Nationen erschaffen, damit ihr euch untereinander und eure Beziehungen zueinander im sozialen Leben kennenlernen und einander helfen sollt. Ich habe euch nicht zu verschiedenen Völkerstämmen erschaffen, damit ihr einander als Fremdlinge betrachten und verleugnen und einander in Feindschaft und als Gegner behandeln sollt."
Dieses Kapitel enthält "Sieben Themen".
Erstes Thema:
Da die erhabene Wahrheit, welche in den obigen Versen zum Ausdruck kommt, sich mit dem sozialen Leben beschäftigt, war ich dazu gezwungen, ihr nicht mit den Worten des Neuen Said Ausdruck zu verleihen, der sich doch aus dem öffentlichen Leben zurückgezogen hat, sondern sie mit den Worten des Alten Said zu beschreiben, der noch mit dem islamischen Gemeinschaftsleben verbunden war, in der Absicht, dem doch so ruhmreichen Qur'an einen Dienst zu erweisen und zugleich mit dem Gedanken, ihm eine Schutzmauer gegen die ungerechten Angriffe zu errichten.
Zweites Thema:
Um den Grundsatz eines "gegenseitigen sich Kennenlernens und einander Helfens" zu erläutern, auf den diese Ayah verweist, sagen wir: Eine Armee unterteilt sich in Divisionen, eine Division in Regimenter, ein Regiment in Bataillone und Kompanien und dann in Züge, sodass jeder einfache Soldat seine verschiedenen und vielfältigen Rangordnungen kennen möge und wissen, welches die diesen Rangordnungen entsprechenden Funktionen sind... sodass die Offiziere je nach Rang und Stellung dem Grundsatz gegenseitiger Hilfeleistung entsprechend ihre alles umfassende Aufgabe versehen können und so ihr Leben in der Gemeinschaft vor den Angriffen des Feindes geschützt sein möge. Denn anderenfalls käme es zu Zerwürfnissen und Spaltungen. Die eine Kompanie würde gegen eine andere Kompanie streiten; das eine Bataillon wäre mit einem anderen verfeindet; und das eine Regiment würde gegen ein anderes Regiment zu Felde ziehen. In der selben Weise gleicht die islamische Gesellschaft insgesamt einer riesigen Armee, die in verschiedene Stämme und Völker unterteilt ist. Und doch gibt es in ihr Tausende und abermals noch einen einigende Aspekte. Ihr Schöpfer ist eins. Ihr Versorger ist eins. Ihr Prophet ist eins. Ihre Gebetsrichtung ist eins. Ihr Buch ist eins. Das (jeweilige) Land (in dem sie miteinander leben) ist eins. Tausend Male eins. So viele Male Eins-sein verlangt nach Brüderlichkeit (uhuvvet),Liebe (muhabbet),Einheit (vahdet).Das heißt, die Unterteilung in Völker und Stämme, wie sie in der Ayah erklärt wird, sollte dem gegenseitigen Kennenlernen und einander Helfen dienen und nicht dazu, (diese Verschiedenheit) einander abzustreiten, und nicht dazu, einander Feindschaft entgegenzubringen!...
Drittes Thema:
Der nationale Gedanke hat sich in diesem Jahrhundert weit verbreitet. Besonders die Despoten Europas mit ihren Intrigen erwecken (diesen Gedanken) in der islamischen (Welt) in seiner negativen (nationalistischen) Form, sodass sie (diese Länder) spalten und (ihren Imperien) einverleiben können.
Ferner liegt im Nationalismus ein gewisser Reiz für die Seele (nefs),ein gottvergessenes Vergnügen, eine unheilvolle Macht (quvvet).Daher kann man in dieser Zeit denen, die sich mit dem gesellschaftlichen Leben beschäftigen, nicht sagen: "Lasst diesen nationalistischen Gedanken fahren!" Doch der nationale Gedanke hat seine zwei Seiten (im Gefolge). Der eine ist negativ, unheilvoll, schädlich und ernährt sich dadurch, dass er den anderen verschlingt; besteht fort in der Aggression gegen den anderen; liegt immer auf der Lauer und ist ständig auf dem Sprung. Darin liegt der Grund zu Streit und Hass. Deshalb heißt es in einem ehrwürdigen Hadith
اَ ْلاِسْلاَمِيَّةُ جَبَّتِ الْعَصَبِيَّةَ الْجَاهِلِيَّةَ
{"Der Islam hat den Nationalismus der Vorzeit (Cahiliyya) abgeschafft."}
Und der Qur'an bestimmt:
اِذْ جَعَلَ الَّذِينَ كَفَرُوا فِى قُلُوبِهِمُ الْحَمِيَّةَ حَمِيَّةَ الْجَاهِلِيَّةِ فَاَنْزَلَ اللّٰهُ سَكِينَتَهُ عَلٰى رَسُولِهِ وَعَلَى الْمُؤْمِنِينَ وَاَلْزَمَهُمْ كَلِمَةَ التَّقْوٰى وَكَانُوآ اَحَقَّ بِهَا وَاَهْلَهَا وَكَانَ اللّٰهُ بِكُلِّ شَىْءٍ عَلِيمًا
{"Damals, als die Ungläubigen es zuließen, dass ihre Herzen die Flamme des Nationalismus der Vorzeit erfüllte, worauf Gott Seine Ruhe auf den Propheten und die Gläubigen herabsandte und sie auf das Wort der Gottesfurcht verpflichtete. Und sie waren dazu die geeigneten Leute. Und Gott kennt alle Dinge."}
So weisen denn diese ehrwürdige Hadith und diese ehrenwerte Ayah den schlechten Rassismus und Nationalismus kategorisch zurück. Denn der gute und heilige Gedanke einer islamischen Nation lässt dafür keine Notwendigkeit über. Und welches Volk gäbe es denn, das dreihundertundfünzig Millionen Mitglieder zählte? Und was für ein Rassismus könnte seinen Anhängern so viele Brüder - und noch dazu Brüder für Zeit und Ewigkeit! - bescheren wie der Islam? Und dabei hat noch der Gedanke
des Nationalismus in der Geschichte sehr viel Unheil angerichtet.
Zum Beispiel:
Die Omayyaden beleidigten die islamische Welt, indem sie nationalistische Gedanken mit ihrer Politik vermischten und zogen dadurch zugleich sehr viel Unheil auf sich herab. So hat sich auch unter den Völkern Europas der Rassismus sehr weit verbreitet und dadurch hat sich neben der so unheilvollen ewigen Feindschaft zwischen Franzosen und Deutschen in den fürchterlichen Ereignissen während des Weltkrieges gezeigt, welch eine zerstörerische (Wirkung) der Nationalismus über die Menschheit gebracht hat. Zudem wurden auch hier bei uns zu Beginn der Freiheit (also der zweiten Verfassung seit 1908 - A.d.Ü.) - wie in der Zeit der Zerstörung des Turms von Babel die "Verästelung der Völker", die auch als die Babylonische Sprachverwirrung bezeichnet wird und durch welche Verästelung sie dann (in alle Welt) zerstreut wurden - aus nationalistischen Gedanken heraus vor allem bei den Griechen und Armeniern sehr viele Flüchtlingsorganisationen, sogenannte "Clubs" gebildet, welche dann ihrerseits wieder eine Spaltung der Herzen herbeiführten. Und von da an bis heute hat der Zustand derer, die den Fremdlingen auf den Leim gekrochen waren und verloren gegangen sind, gezeigt, welche Zerstörungen der Nationalismus angerichtet hat.
Heute, wo die Völker und Stämme der islamischen Welt einander am meisten brauchen und eines noch mehr unterdrückt ist als das andere, noch ärmer ist als das andere und unter der Fremdherrschaft zu leiden hat, einander unter nationalistischen Gedanken als Ausländer anzusehen und einander als Feinde zu betrachten, ist eine solche Katastrophe, wie sie gar nicht beschrieben werden kann. Wollte jemand, weil er nicht von einer Mücke gestochen werden will, einer gefährlichen Schlange den Rücken kehren, um sich gegen einen Mückenstich zur Wehr zu setzen, so wäre das der gleiche Wahnsinn wie, der Idee des Rassismus entsprechend, den Staaten Europas,
riesenhaften Drachen vergleichbar, keine Aufmerksamkeit schenken zu wollen, zu einer Zeit, wo diese in ihrer unersättlichen Gier ihre Krallen öffnen, ja sogar ihnen auch noch zu helfen, und dabei den Mitbürgern in den östlichen Provinzen, oder den Glaubensbrüdern im Süden gegenüber Feindschaft zu nähren und Front gegen sie zu machen, verursacht einen Schaden bis hin zur Vernichtung. Grundsätzlich gibt es unter denen dort im Süden keinen Feind, gegen den wir Front machen müssten. Was aus dem Süden zu uns gelangt ist, sind die Strahlen des Qur'an. Zu uns gekommen ist das Licht des Islam. Es ist in uns und findet sich überall.
Was also die Feindschaft gegen unsere Glaubensbrüder betrifft, berührt den Islam und damit indirekt auch den Qur'an. Eine Feindschaft gegenüber Islam und Qur'an ist eine Art Feindschaft gegenüber dem Leben in dieser Welt und gegenüber dem Leben in jener Welt aller unserer Mitbürger. Zu behaupten, man wolle als guter Patriot dem gesellschaftlichen Leben dienen und dabei doch die beiden Fundamente des Lebens zu zerstören, ist kein Patriotismus sondern eine Idiotie!...
Viertes Thema:
Positiver Nationalismus erwächst aus einem inneren Bedürfnis nach sozialem Leben und ist der Grund für eine stillschweigende Hilfeleistung und Solidarität, stellt eine wohltuende Macht (quvvet)sicher und ist ein Mittel zu einer weiteren Stärkung islamischer Bruderschaft.
Diese positive nationale Gesinnung muss dem Islam dienen, seine Festung sein, seine Panzerwehr sein, darf nicht seine Stelle einnehmen. Denn es gibt da innerhalb der islamischen Bruderschaft noch eine tausendfache Bruderschaft. In der bleibenden Welt und in der Welt des Zwischenreiches (Berzah)bleibt diese Bruderschaft weiterhin bestehen. Doch wie stark auch immer eine Bruderschaft in nationalem Sinne sein mag, sie kann immer nur eine Art Umkleidung für sie sein. Doch sie an ihrer Stelle aufzurichten, käme einem törichten Verbrechen
gleich, als wollte man mit den Steinen einer Burg die Juwelen aus dem Schatz dieser Burg ersetzen und statt dessen die Juwelen fortwerfen.
Wohlan denn, ihr Kinder dieses Landes, die ihr doch das Volk des Qur'an seid! Als Bannerträger des Ehrwürdigen Qur'an habt ihr nicht sechshundert Jahre, nein tausend Jahre, seit der Zeit der Abbassiden, die ganze Welt herausgefordert und den Qur'an bekannt gemacht. Ihr habt eure Nation (milliyet)zu einer Burg für den Qur'an und den Islam (Islamiyet)gemacht. Ihr habt das ganze Diesseits zum Schweigen gebracht und alle die furchtbaren Angriffe zurückgeschlagen.
فَسَوْفَ يَاْتِى اللّٰهُ بِقَوْمٍ يُحِبُّهُمْ وَيُحِبُّونَهُ اَذِلَّةٍ عَلَى الْمُؤْمِنِينَ اَعِزَّةٍ عَلَى الْكَافِرِينَ يُجَاهِدُونَ فِى سَبِيلِ اللّٰهِ
{"Gott wird ein Volk hervorbringen und es lieben und es wird Ihn lieben. Sie werden auf Gottes Wegen streiten, bescheiden gegenüber den Gläubigen, kraftvoll gegenüber den Ungläubigen." (Sure 5, 54)}
Diese Ayah habt ihr aufs Beste bestätigt. Nun solltet ihr euch davor hüten, ja geradezu fürchten, den Ränkespielen der Europäer und aller fränkisch gesinnten Heuchler zu folgen, dadurch dass ihr diese oben zitierte Ayah bestätigt!...
Hier noch ein bemerkenswerter Umstand:
Obwohl das Volk der Türken unter den islamischen Völkern das am weitesten (d.h. über halb Asien - A.d.Ü.) verbreitete ist, sind doch Türken an allen Enden der Erde Muslime. Sie sind nicht so wie die anderen Völker in Muslime und Nichtmuslime unterschieden und aufgeteilt in zwei Gruppen. Wo immer ein türkischer Volksstamm lebt, sind es Muslime. Türken, die aus der islamischen Gemeinschaft ausgetreten oder nicht Muslime geworden sind, sind damit gleichzeitig auch aus der Gemeinschaft der Turkvölker ausgeschieden, wie z.B. die Ungarn. Dabei leben doch selbst unter den kleinen Volksgemeinschaften
Muslime und Nichtmuslime.
Oh mein türkischer Bruder! Achte ganz besonders darauf! Bei dir sind Milliyet und Islamiyet eine Einheit miteinander eingegangen und können nicht mehr voneinander getrennt werden. Willst du sie voneinander trennen, gehst du unter! Alle deine ruhmreichen Taten sind in das Buch dieser Islamiyet eingegangen. Obwohl diese ruhmreichen Taten durch keine Macht der Welt ausgelöscht werden können, sollst du sie doch auch nicht durch die Listen und Einflüsterungen des Teufels aus deinem Herzen löschen!..
Fünftes Thema:
In Asien sind die Völker erwacht, halten am nationalen Gedanken fest und ahmen Europa in jeder Hinsicht haargenau nach, ja verhalten sich dabei so, dass sie auf diese Weise selbst die ihnen heiligen Ideale zum Opfer bringen. Dabei trägt ein jedes Volk seinen besonderen Umständen entsprechend ein unterschiedliches Gewand. Und wenn auch der Stoff dabei der gleiche wäre, muss doch der Stil notwendigerweise immer wieder anders ausfallen. Eine Frau kann nicht die Uniform eines Polizisten anziehen, sowie man auch einem alten Hodja nicht das Kleid einer Tangotänzerin anziehen würde. "Blinde Nachahmung gerät leicht zur Maskerade." Denn:
Erstens:
Gleicht Europa einer Handelsniederlassung oder einem Heerlager, so Asien einem Acker oder einer Moschee. Kann ein Kaufherr (am Abend) einen Ball besuchen, ein Bauer kann es nicht. Die Atmosphäre in einem Heerlager kann nicht gleich sein der Atmosphäre in einer Moschee.
Zudem ist (die Tatsache, dass) die meisten Propheten (alter Zeit) in Asien erschienen sind, während die Mehrzahl der Philosophen (neuerer Zeit) aus Europa kamen, ein Zeichen, ein Hinweis urewigen Vorauswissens (qader),dass es der Glaube und das Herz sein werden, die den Völkern Asiens ein geistiges Erwachen schenken, eine innere Entwicklung bringen, eine eigenverantwortliche
Regierung lehren werden. Was aber ihre (alte) Philosophie und Weisheit betrifft, so sollen sie dem Glauben und dem Herzen helfen und nicht sie ersetzen.
Zweitens:
Den islamischen Glauben mit dem christlichen Glauben zu vergleichen und dann ebenfalls dem Glauben gegenüber abständig zu werden, so wie das in Europa bereits geschehen, ist ein sehr großer Fehler. Denn Europa hat zunächst einmal seine beherrschende Religion. So zeigen vor allem die Großen Europas wie Wilson, Lord George oder Veniselos, (in deren Leben) die Religion eine ebenso beherrschende Rolle spielt wie bei ihren Priestern: Europa hat seine beherrschende Religion und praktiziert sie auch in gewisser Weise.
Drittens:
Ein Vergleich zwischen dem muslimischen Glauben und dem christlichen ist ein unpassender Vergleich. Dieser Vergleich ist einfach falsch. Denn zu einer Zeit, in der Europa noch zutiefst religiös war, da kannte es noch kaum eine Zivilisation. Erst nach (der Reformation und) dem Bruch mit dem (katholischen) Glauben begann die (moderne) Zivilisation.
Überdies verursachte der Glaube (din)(von der Reformation 1517 bis zur Revolution 1789 - A.d.Ü.) jahrhundertelange Kämpfe zwischen (den Nationen). Er wurde zu einem Mittel in der Hand der ungerechten Tyrannen, welche die Ungebildeten, die Armen wie die Gebildeten (in gleicher Weise) unterdrückten, woraus bei ihnen allen vorübergehend ein Unwille gegenüber dem Glauben (din)erwuchs. Was aber den Islam betrifft, so bezeugt die Geschichte, dass er außer einer einmaligen (bewaffneten) Auseinandersetzung niemals Ursache (eines Krieges zwischen islamischen Nationen) war. Wann immer also das islamische Volk ernsthaft seinem Glauben anhing, machte es auch dementsprechend große (zivilisatorische) Fortschritte. Dafür ist der größte Lehrer Europas, der islamische Staat in Andalusien Zeuge.
Und wann immer die islamische Gemeinde in einen Zustand
der Gleichgültigkeit gegenüber ihrem Glauben verfiel, so stürzte sie auch in einen Zustand des Elends und des Verfalls.
Zudem hat der Islam durch die Verpflichtung zum Zekat und das Zinsverbot und Tausender ähnlicher Gebote der Barmherzigkeit (shefqat)die Armen und Ungebildeten beschützt.
اَفَلاَ يَعْقِلُونَ ٭ اَفَلاَ يَتَفَكَّرُونَ ٭ اَفَلاَ يَتَدَبَّرُونَ
{"Haben sie denn keinen Verstand?" (Sure 36, 68) "Wollen sie denn nicht nachdenken?" (Sure 6, 50) "Wollen sie denn nicht aufmerken?" (Sure 4, 82)}
Mit diesen und ähnlichen Worten ruft (der Qur'an) Verstand und Wissenschaft als Zeugen an, ermahnt (die Gläubigen), beschützt ihre Wissenschaftler. Auf diese Weise war der Islam stets eine feste Burg und ein Zufluchtsort für die Armen und (zugleich auch Hort der Bildung für die) Leute der Wissenschaft. Darum gibt es auch keinen Grund zum Unmut gegenüber dem Islam.
Die Weisheit und der Grund dafür, dass das Christentum und alle anderen Religionen sich vom Islam unterscheiden, ist folgender:
Die Basis des Islam ist die lautere Einheit Gottes (Tauhid).Er spricht den Mitteln und Ursachen keine tatsächliche Wirkung zu, spricht ihnen hinsichtlich Erschaffung und Rang (maqam)keinen Wert zu. Was aber das Christentum betrifft, so misst es den Ursachen und Wirkungen einen Wert bei, weil es den Gedanken der Sohnschaft angenommen hat. Es bricht nicht mit dem Egoismus (enaniyet).Es ist, als ob es einen Funken der Herrschaft Gottes seinen Großen und seinen Heiligen zuspräche. So bestätigen sie die Ayah:
اِتَّخَذُوآ اَحْبَارَهُمْ وَرُهْبَانَهُمْ اَرْبَابًا مِنْ دُونِ اللّٰهِ
{"Sie haben ihre Gelehrten und ihre Mönche zu Herren an Gottes statt angenommen." (Sure 9, 31)}
Aus diesem Grund haben sich die Christen, welche in irdischer Hinsicht die höchsten Positionen einnehmen, ihren Stolz und ihren Egoismus (gurur ve enaniyet)bewahrt und können doch, wie der letzte amerikanische Präsident, Wilson, praktizierende Anhänger ihres Glaubens sein. Im Islam hingegen, der die Religion der lauteren Einheit Gottes (Tauhid)ist, müssen diejenigen, welche in irdischer Hinsicht eine hohe Position einnehmen, entweder ihren Egoismus und ihren Stolz aufgeben, oder aber ihren Glauben wenigstens teilweise aufgeben. Aus diesem Grund bleibt ein Teil von ihnen gleichgültig oder verliert seinen Glauben.
Sechstes Thema:
Zu denen, die in ihren üblen nationalistischen und rassistischen Gedanken jedes Maß verlieren, sagen wir:
Erstens:
Unsere Erde und besonders dieses, unser Land, hat von alters her ganze Völkerwanderungen, Vertreibungen und Flüchtlingsströme gesehen. Seitdem der Sitz der islamischen Regierung in diesem Lande aufgerichtet worden ist, sind viele (Menschen) aus fremden Völkern wie die Motten in unser Land eingefallen und haben sich darin niedergelassen. Unter diesen Umständen kann man die verschiedenen Völker nur noch voneinander unterscheiden, wenn die Wohlverwahrte Tafel (lauh-i mahfudh)enthüllt wird. Weil dies aber so ist, ist es nicht nur sinnlos, nein, geradezu gefährlich, auf dem Boden einer pur rassistischen Idee eine nationalistische Bewegung zu errichten. Aus diesem Grunde fühlte sich einer der Anführer dieser unseligen Rassisten und Nationalisten, einer, dem seine Religion gleichgültig geworden ist, dazu gezwungen, zu sagen: "Wenn Glaube (din)und Sprache (dil)eins sind, ist das Volk eins." Da dies aber so ist, muss man sich nicht um die Reinerhaltung der Rasse kümmern, sondern um das Verhältnis von Glaube (din),Sprache (dil)und Heimat (vatan).Wenn diese drei eins sind, dann ist auch das Volk stark. Selbst wenn eines von ihnen fehlt, bleibt dennoch die Nation per definitionem gewahrt.
Zweitens:
Wir wollen hier nun zwei Beispiele von Hunderten
von Vorzügen aufzeigen, wie das soziale Leben der Kinder dieses Landes (aus dieser Idee einer Zugehörigkeit) zum geheiligten Volk des Islam gewonnen hat:
Erstens:
Was es dem islamischen Staat mit seinen zwanzig-dreißig Millionen (Bürgern) entgegen allen großen Staaten Europas ermöglichte, sein Leben und Dasein zu bewahren, war folgender Gedanke, wie er das Heer des Staates (beseelte) und der dem Qur'an entstammt: "Werde ich getötet, falle ich als ein Zeuge (Schehid) und habe ich getötet, (so kehre ich wieder heim) als ein Bekenner (Ghasi)."Im Feuer ihrer Liebe (ashk)und Begeisterung gingen sie dem Tod entgegen und lachten ihm ins Gesicht. Stets brachten sie Europa zum Zittern. Was in aller Welt könnte man der Seele (ruh)eines einfach denkenden Soldaten mit reinem Herzen als Grund für eine so erhabene Opferbereitschaft anbieten? Was für eine Art Patriotismus könnte man an seine Stelle setzen und ihn so dazu bringen, sein Leben, alles, was er ist und hat, freiwillig zum Opfer zu bringen?
Zweitens:
Wann immer der europäische Drache (die Großmächte) diesem islamischen Reich einen Schlag versetzte, schrien dreihundertfünfzig Millionen Muslime auf und weinten. So haben denn die Kolonialherren, um ihnen keine Schmerzen und Leiden zuzufügen, ihre Hände wieder zurückgezogen, ihre (bereits zum Schlag) erhobene Hand wieder sinken lassen. Was für eine Kraft (quvvet)könnte man an die Stelle einer solchen inneren, beständigen, moralischen, doch in keiner Weise zu unterschätzenden Kraft setzen? Sollen sie uns das doch einmal sehen lassen! Diese gewaltige innere moralische Kraft darf nicht durch einen üblen Nationalismus und selbstherrlichen Patriotismus beleidigt werden!
Siebentes Thema:
Denen, die ihren üblen Nationalismus und ihre übertriebene Begeisterung für die Heimat hervorkehren, möchte ich sagen:
Wenn ihr dieses Land wirklich liebt (shefqat)und euch
so sehr dafür begeistern könnt, so soll euer Patriotismus in der Weise sein, dass eure Liebe der Mehrheit (seiner Bewohner) gelten möge. Andernfalls ist ein Dienst, der sich einer Mehrheit gegenüber unbarmherzig (merhamet)verhält, um einer Minderheit, die gar kein Mitleid (shefqat)braucht, zu einem vorübergehenden Zusammenleben in Gottvergessenheit (ghaflet)zu verhelfen, überhaupt gar kein Patriotismus. Denn ein Patriotismus, der aus diesem unseligen rassistischen Gedankengut gespeist wird, kann vielleicht zwei unter acht (Gruppen) vorübergehend von Nutzen sein. Sie empfangen von diesen Patrioten jene Liebe (shefqat),derer sie gar nicht würdig sind, während doch (die anderen sechs Gruppen), all die Alten, Siechen und Kranken, die Elenden und Unglückseligen, aber auch alle Kinder und alle die Gottesfürchtigen, die mit großem Ernst an das Jenseits denken, nach dem Licht verlangen, dem Trost und der Liebe (shefqat)für das Leben im Zwischenreich und im Jenseits, dem sie mehr als dem irdischen Leben zugewandt sind und einer gesegneten, zu Opfern bereiten Hand bedürfen. Was für eine vaterländische Gesinnung könnte es erlauben, ihr Licht auszulöschen und sie ihres Trostes zu berauben? Oh weh! Wo ist denn nun diese Liebe zur Nation? Wo bleibt hier die Opferbereitschaft zum Wohle des Volkes!
Die Hoffnung auf Gottes Barmherzigkeit darf nicht verloren gehen. Denn Gott der Gerechte will inscha-a'llah das ruhmreiche Heer und die machtvolle Gemeinde all der Leute dieses Landes, die Er seit Tausend Jahren in den Dienst am Qur'an gestellt und zu seinem Bannerträger ernannt hat, infolge eines zeitlich begrenzten Zwischenfalls nicht zu Grunde gehen lassen. Er wird dieses Licht noch einmal wieder anzünden und sie ihre Aufgabe fortsetzen lassen...
Viertes Kapitel
Anmerkung:
Die zehn Fragestellungen dieses Vierten Kapitels sind in gleicher Weise nicht miteinander verbunden wie auch die vier Kapitel des Sechsundzwanzigsten Briefes nicht miteinander verbunden sind. Deshalb sollte man auch nicht nach einem Zusammenhang suchen. Sie wurden aufgezeichnet, wie sie mir eingefallen sind und sind Teil eines wichtigen Briefes an einen meiner Schüler, Antwort auf fünf, sechs Fragen, die er mir gestellt hatte.
Erste Fragestellung
Zweitens:
In deinem Brief erwähnst du, dass in den Erklärungen und Auslegungen zu رَبُّ الْعَالَمِينَ {"Herr der Welten" (Sure 1, 1)} von achtzehn Welten die Rede ist. Du fragst nach dem Sinn dieser Zahl.
Bruder, ich weiß im Augenblick auch nicht den Sinn dieser Zahl. Doch so viel kann ich jetzt schon sagen: Die Sätze des Weisen Qur'an sind nicht auf eine einzige Bedeutung beschränkt. Denn da er all die verschiedenen Schichten des Menschengeschlechts anspricht, gibt es für eine jede dieser Schichten eine Art Ganzes, dass eine solche Bedeutung in sich enthält. Die Bedeutung, die jeweils ausgesprochen wird, ist Teil eines allgemein gültigen Gesetzes. Jeder Kommentator und jeder (Schrift-)gelehrte erwähnt jeweils nur einen Teil des Ganzen. Je nach Eingebung, Beweislage oder Schulung wählt er die eine oder die andere Bedeutung aus. Auf diese Weise gelangte
denn auch die eine oder andere Gruppe zu der Meinung, die dieser Zahl entsprach.
Zum Beispiel reicht die individuelle Bedeutung der folgenden Sätze
مَرَجَ الْبَحْرَيْنِ يَلْتَقِيَانِ ٭ بَيْنَهُمَا بَرْزَخٌ لاَ يَبْغِيَانِ
{"Er ließ die beiden Meere strömen, dass sie einander treffen. Zwischen ihnen ist eine Trennwand, die sie nicht überwinden können." (Sure 55, 19-20)}
auf die die Freunde Gottes solchen Nachdruck legen, die sie in ihren Anrufungen so oft rezitieren (dhikr)und wiederholen, vom Meer der göttlichen Herrschaft (rububiyet)und dem Meer des Dienstes und der Anbetung (ubudiyet)im Bereich des Notwendigen (vudjub)und im Bereich des Möglichen (imkan)bis zu den Meeren des Diesseits und des Jenseits, den Meeren der (für uns) unsichtbaren (alem-i ghayb)und der (von uns) bezeugten Welt (alem-i shehadet),den Ozeanen des Ostens und des Westens, des Nordens und des Südens, zum Adriatischen Meer und zum persischen Golf, zum Mittelmeer, dem Schwarzen Meer und dem Bosporus - woher die Fische stammen, die man Brassen nennt - zum Mittelmeer, dem Roten Meer und dem Suezkanal, zu den Seen mit süßem und salzigem Wasser, zu den Seen über und unter der Erde mit süßem und verschiedenen anderen Gewässern, zu den Salzseen und ganzen Seenlandschaften, bis zu den kleinen Seen, welche von den großen Strömen, wie dem Nil, oder Euphrat und Tigris gebildet werden, bis zu den großen Meeren, in die sie schließlich münden. All das kann wörtlich damit gemeint sein, oder sinnbildlich so zum Ausdruck gebracht werden.
In gleicher Weise umfasst auch (die Ayah) اَلْحَمْدُ لِلّٰهِ رَبِّ الْعَالَمِينَ {"Lob und Preis sei Gott, dem Herrn der Welten" (Sure 1, 1)} sehr viele Wahrheiten. Leute geistiger Entdeckungen (ehl-i keshf)
und Kenner der Wahrheit erklären sie je nach ihren Entdeckungen ganz verschieden.
Ich selbst denke mir, dass es im Himmel Tausende von Welten gibt. Unter seinen Sternen könnte so mancher eine Welt für sich sein. Auch hier auf Erden kann eine jede Art, unter allen, die erschaffen wurden, eine Welt für sich sein. Ja sogar jeder Mensch ist eine kleine Welt für sich.
Was den Ausdruck رَبُّ الْعَالَمِينَ {"Herr der Welten" (Sure 1, 1)} betrifft, so bedeutet er, dass "eine jede Welt unmittelbar durch die Herrschaft Gottes des Gerechten regiert, verwaltet und versorgt wird."
Drittens:
Der Ehrenwerte Gesandte Gottes, mit dem Friede und Segen sei, sagte:
اِذَآ اَرَادَ اللّٰهُ بِقَوْمٍ خَيْرًا اَبْصَرَهُمْ بِعُيوُبِ اَنْفُسِهِمْ
{"Wenn Gott einem Volk Gutes erweisen will, lässt er es seine eigenen Fehler erkennen."}
Und im Weisen Qur'an sagt der Ehrenwerte Yusuf, mit dem der Friede sei:
وَمَآ اُبَرِّئُ نَفْسِى اِنَّ النَّفْسَ لاَمَّارَةٌ بِالسُّوءِ
{"Und nicht spreche ich meine Seele frei, denn wahrlich, die Seele verlangt gierig nach dem Bösen." (Sure 12, 53)}
In der Tat ist, wer sich selbst gefällt und auf sich selbst vertraut, ein unglückseliger Mensch. Doch wer die Fehlerhaftigkeit seiner Seele erkennt, ist ein glücklicher Mensch. So gehörst du also zu den Glücklichen. Doch manchmal geschieht es, dass die eigenwillige Seele (nefs-i emmare)sich in eine klagende Seele (levvame)oder eine ruhige Seele (mutmainne)verwandelt, doch dabei Waffen und Ausrüstung an die Nerven weiter gibt. Diese Adern und Nerven aber setzen ihre Aufgabe
noch bis zum Ende des Lebens fort. Und obwohl die eigenwillige Seele schon längst gestorben ist, bleiben ihre Spuren dennoch weiterhin sichtbar. Es gibt große Heilige (auliya)und Gelehrte (asfiya),die sich über ihre eigenwillige Seele beklagen, wo ihre Seele doch längst schon zur Ruhe gekommen war. Obwohl ihre Herzen längst von Ruhe und Frieden erfüllt waren, klagten sie noch immer über die Qual ihres Herzens. So handelt es sich also bei solchen Persönlichkeiten nicht um ihre eigenwillige Seele, sondern um eine Funktion, welche diese eigenwillige Seele auf die Nerven übertragen hat. Was die Krankheit selbst betrifft, so befällt sie nicht das Herz, sie ist vielmehr eine Qual in unserer Vorstellung (hayal).Was also, mein lieber Mitbruder, dich angreift, ist - möge Gott es so wollen - nicht deine Seele und die Qual deines Herzens, vielmehr - wie gesagt - ein Zustand (hal),der - um den Kampf fortzusetzen - infolge der menschlichen Natur auf die Nerven übertragen wurde und die Ursache ständiger Weiterentwicklung bildet.
* * *
Zweite Fragestellung
An verschiedenen Stellen der Risale-i Nur finden sich Antworten auf drei Fragen, die ein alter Hodja gestellt hatte. Wir wollen nun hier einen kurz zusammengefassten Hinweis geben.
Er fragt: Muhyiddin Arabi schreibt in einem Brief an Fachru-d'Din Rasi: "Gott zu kennen ist etwas anderes, als von Seinem Dasein zu wissen." Was meint er damit? Was ist der Sinn seiner Frage?
Erstens:
In der Einführung zum Zweiundzwanzigsten Wort, die du ihm vorgelesen hast, verweisen Vergleiche und Beispiele für den Unterschied zwischen einer wahrhaftigen Erkenntnis der Einheit Gottes (Tauhid)und einer nur scheinbaren Erkenntnis auf diesen Sinn, während das Zweite und Dritte Kapitel des Dreiunddreißigsten Wortes
in den entsprechenden Abschnitten diesen Sinn näher erläutern.
Zweitens:
Muhyiddin Arabi, in dessen Augen die Erläuterungen der führenden Gelehrten zu den Grundlagen des Glaubens (usul-ud din)und zur Theologischen Wissenschaft (ilm-i kelam)über die Grundpfeiler des Glaubens, die Existenz des Notwendig-Seienden und die Einheit Gottes (Tauhid)als nicht ausreichend erschienen, machte (diese Aussage) gegenüber Fahru-d'Din Rasi, einem der führenden Theologen.
Eine mit Hilfe der Theologie (ilm-i kelam)erworbene Gotteserkenntnis verhilft in der Tat nicht zu einer vollkommenen Erkenntnis und dem absoluten Bewusstsein göttlicher Gegenwart. Wenn sie jedoch mit den Mitteln des Qur'an erfolgt, der in seiner Verkündigung ein Wunder ist, so vermittelt sie sowohl eine vollkommene Kenntnis und bewirkt zugleich auch das absolute Bewusstsein göttlicher Gegenwart. Möge Gott es wollen, dass all die Abschnitte der Risale-i Nur als Positionslampen auf der leuchtenden Straße des Qur'an, dessen Verkündigung ein Wunder ist, dienen werden. Des Weiteren ist die Erkenntnis Gottes, die Fachru-d'Din Rasi mit Hilfe der Theologie (ilm-i kelam)erworben hat, so mangelhaft sie in den Augen Muhyi-d'Din Arabis auch sein mochte, gegenüber der Erkenntnis Gottes, erworben mit den Methoden der Sufis, in gleicher Weise mangelhaft, verglichen mit der Erkenntnis, wie sie durch das Geheimnis des Erbes des Propheten unmittelbar aus dem Weisen Qur'an erlangt wird. Denn Muhyi-d'Din Arabi ging auf seinem Weg in gewisser Weise so weit, dass er, um die beständige Gegenwart Gottes zu gewinnen, sagte: لاَ مَوْجُودَ اِلاَّ هُوَ {"Es gibt kein Sein außer Ihm."} wobei er schließlich die Existenz des Weltalls leugnete. Und was (all die anderen Mystiker) betrifft, so gingen auch sie, in ihrem Bestreben, die beständige Gegenwart
Gottes zu erlangen, in einer gewissen recht merkwürdigen Art so weit, zu sagen: لاَ مَشْهُودَ اِلاَّ هُوَ {"Es gibt nichts (gar keine Welt, die wir bezeugen könnten) außer Ihm."} wobei sie schließlich das Weltall unter einem Mantel völligen Vergessens bedeckten. Was aber jene Erkenntnis betrifft, die dem Weisen Qur'an entnommen wird, so schenkt sie eine immerwährende Gegenwart Gottes, ohne gleichzeitig das All zum Nichtsein zu verdammen, noch es in einer völligen Vergessenheit einzusperren. Vielmehr befreit sie (das All) aus seiner Herrenlosigkeit und nimmt es im Namen Gottes des Gerechten in seinen Dienst. Alles wird zu einem Spiegel der Erkenntnis. So wie Sa'adi Schirasi sagte:
دَرْ نَظَرِ هُوشِيَارْ هَرْ وَرَقِى دَفْتَرِيسْت أَزْ مَعْرِفَتِ گِرْدِگَارْ
{"In den Augen eines wachen Menschen ist jedes Blatt ein Brief in der Erkenntnis des Meisters."}
Mit jedem Ding öffnet sich ein Fenster zur Erkenntnis.
In einigen der "Sözler"(Worte) haben wir die Unterschiede zwischen dem Weg der gelehrten Theologen (ilm-i kelam)und der dem Qur'an entnommenen wahren Hochstraße anhand des folgenden Gleichnisses dargestellt. Beispiel: Wenn es darum geht, Wasser herbeizuschaffen, so graben einige unter den Bergen und bringen so von weit entfernten Orten durch Leitungsrohre Wasser herbei. Andere graben überall einen Brunnen und schöpfen Wasser. Die erste Art ist mit vielen Mühen verbunden, mit Verstopfungen und mit Versickerungen. Diejenigen aber, die überall Brunnen zu graben und Wasser zu fördern wissen, können Wasser überall ohne Mühe herbeischaffen.
In gleicher Weise schneiden die Theologen die Kette der Ursachen am Ende der Welt bei der Unmöglichkeit ihrer Umkehrung ab und beweisen damit das Sein dessen, der
notwendigerweise sein muss (Vadjibul Vudjudun vudjudunu).So folgen sie einem langen Weg. Was aber die Hochstraße des Weisen Qur'an betrifft, so findet und schöpft er Wasser überall. Jede seiner Ayat schlägt wie der Stab des Mosis überall und lässt lebendiges Wasser empor strömen. Das lässt jedes Ding den folgenden Grundsatz rezitieren:
وَفِى كُلِّ شىْءٍ لَهُ اٰيَةٌ تَدُلُّ عَلٰى اَنَّهُ وَاحِدٌ
{"und in jedem Ding findet er ein Zeichen, das beweist, dass Er ein Einziger ist."}
Des Weiteren gehört zum Glauben nicht nur das Wissen (ilim);im Glauben verbunden sind auch noch all die vielen feinsinnigen Organe (des Menschen; letaif).So wie Nahrung in den Magen gelangt und von dort über die verschiedenen Venen in die einzelnen Organe verteilt wird, so gelangen auch die Dinge des Glaubens, welche durch Wissen erworben wurden, nachdem sie durch den Magen des Verstandes (aql)gegangen sind, in den Geist (ruh),das Herz (qalb),die innere Wahrnehmung (sirr),die Seele (nefs)usw. und jedes (Organ) erhält seinen Anteil und nimmt ihn in sich auf. Wenn nicht jedes seinen Anteil erhält, ist (die Versorgung des menschlichen Organismus) nur mangelhaft. In dieser Weise gab also Muhyi-d'Din Arabi seine Erklärung für Fahru-d'Din Rasi ab.
* * *
Dritte Fragestellung
وَلَقَدْ كَرَّمْنَا بَنِٓى اٰدَمَ
{"Wir haben die Söhne Adams geehrt." (Sure 17, 70)}
اِنَّهُ كَانَ ظَلُومًا جَهُولاً
{"Er war in der Tat ungerecht und unwissend." (Sure 33, 72)}
In welcher Weise können diese beiden Ayat miteinander in Übereinstimmung gebracht werden?
Antwort:
Im Elften und im Dreiundzwanzigsten Wort und in der Zweiten Frucht am Fünften Ast des Vierundzwanzigsten Wortes folgt die Erklärung dazu. Hier eine Zusammenfassung dieser Wahrheit (sirr):
Gott der Gerechte in Seiner Allmacht (qudret)formt viele Dinge aus einem einzigen Ding, lässt sie viele Aufgaben versehen und schreibt tausend Bücher auf eine einzige Seite. Genauso erschuf er auch den Menschen als eine Konzentration in seiner Art statt vieler verschiedener Arten. Das heißt, Er wollte, dass durch den Menschen in einer einzelnen Art so viele Funktionen ausgeübt würden, wie sie der Zahl der Arten, Gruppen und Familien all der verschiedenen Tierarten entspricht. Daher hat Er den Sinnen und Fähigkeiten (quvalar ve hissiyatlar)des Menschen von Natur aus keine Grenzen gesetzt, ihnen von Natur aus keine Fesseln angelegt, sondern ihn frei gelassen. Die Sinne und Fähigkeiten der Tiere sind begrenzt. Ihre Natur ist gebunden, während hingegen eine jede der menschlichen Kräfte (quva)über eine unendliche Entfernung frei in Richtung Ewigkeit zu schweifen vermag. Denn da der Mensch ein Spiegel der unendlichen Manifestationen der Namen des Schöpfers des Universums ist, wurde auch seinen Kräften (quva)eine grenzenlose Fähigkeit zu deren Entfaltung gegeben.
Wenn dem Menschen in seiner Gier z.B. die ganze Welt gegeben würde, sagte er doch
هَلْ مِنْ مَزِيدٍ
{"Gibt es denn da nicht mehr?" (Sure 50, 30)}
Des Weiteren findet er es in seinem Egoismus für annehmbar, dass Tausend Leute zu seinem eigenen Nutzen Schaden erleiden sollten usw... Es gibt grenzenlose Möglichkeiten, sich im Bereich seiner schlechten Gesinnung zu verbreiten. Er kann selbst die Stufe eines Nimrod
oder Pharao erreichen. In Übereinstimmung mit dem Elativ der Ayah am Anfang des Kapitels ist er besonders ungerecht. In gleicher Weise liegt es auch in seiner Fähigkeit, grenzenlose Fortschritte in seiner guten Gesinnung zu machen und sich bis zur Stufe der Propheten und Seiner Getreuen zu entfalten.
Des Weiteren ist der Mensch im Gegensatz zu den Tieren unwissend in Bezug auf alle lebensnotwendigen Dinge und muss alles erst noch lernen. Da er unendlich viele Dinge braucht, ist er in Übereinstimmung mit dem obigen Elativ der gleichen Ayah besonders unwissend. Was aber das Tier betrifft, so braucht es, sobald es zur Welt kommt nur ganz wenige Dinge. Ferner kann es die Dinge, die es braucht, um alle Bedingungen seines Lebens (zu meistern), in ein, zwei Monaten, ein, zwei Tagen, ja sogar in nur ein, zwei Stunden erlernen. Es ist, als habe es schon in einer anderen Welt Vollkommenheit erlangt und sei nun mit ihr hier angelangt. Doch der Mensch kommt erst in ein, zwei Jahren auf die Beine und lernt erst mit fünfzehn zwischen Gut und Böse zu unterscheiden. Der Elativ "besonders unwissend" zeigt dies an.
* * *
Vierte Fragestellung
جَدِّدُوآ اِيمَانَكُمْ بِلآَ اِلٰهَ اِلاَّ اللّٰهُ
{"Erneuert euren Glauben durch: Es gibt keine Gottheit außer Gott."}
Du fragst nach dem Sinn dieser Hadith.
Die Weisheit (dieser Hadith) wurde schon in vielen "Sözler"(Worten) erwähnt. Ihr Geheimnis und einer ihrer Aspekte ist der folgende:
Da sich der Mensch und seine Welt ständig erneuern, bedarf auch sein Glaube einer beständigen Erneuerung. Denn in jeder einzelnen Person kann man sich viele einzelne
Persönlichkeiten vorstellen. Je nach der Anzahl seiner Jahre, ja nach der Anzahl seiner Tage, ja sogar nach der Zahl der Stunden kann man ihn stets wieder als eine andere Persönlichkeit betrachten. Denn da der Mensch der Zeit unterworfen ist, gilt er jeweils einer bestimmten Persönlichkeit als Modell, das sich jeden Tag mit einer anderen Persönlichkeit bekleidet.
Ferner gibt es gleich der Multiplizität und Erneuerungsfähigkeit im Menschen selbst, auch eine Mobilität in der Welt, in der er lebt. Sie vergeht, während eine andere an ihre Stelle tritt. Sie verändert sich ständig. Jeden Tag öffnet eine neue Welt ihre Pforten. Was nun aber den Glauben betrifft, so ist er sowohl das Licht, das das Leben eines jeden Individuums erleuchtet, als auch der Lichtstrahl, den er erblickt, wenn er zur Welt kommt.
لآَ اِلٰهَ اِلاَّ اللّٰهُ
{"Es gibt keine Gottheit außer Gott."}
Das ist die Flamme, um dieses Licht zu entzünden.
Da aber nun ferner die Seele (nefs),die Begierde (heva),die Einbildung und der Satan ihren Einfluss auf den Menschen ausüben, so nutzen sie seine Nachlässigkeit (ghaflah),um seinen Glauben zu zerstören, suchen ihn auf vielfältige Weise zu überlisten und löschen so das Licht des Glaubens mit ihren Zweifeln und mit ihren Einflüsterungen. Des Weiteren ist er dazu geneigt, mit seinen Worten und Taten, die in den Augen mancher Imame geradezu Unglaube (kufr)sind, ganz offensichtlich dem Gesetz (Schari'a)zuwider zu handeln. Darum ist es auch notwendig, dass er jederzeit seinen Glauben erneuert, zu jeder Stunde und an jedem Tag.
Frage:
Die gelehrten Theologen verpacken die Welt in ein kurz zusammengefasstes Konzept eines Seins von "huduth"(von Gott geschaffen, von Ihm abhängig und vergänglich) und "imkan"(möglich und veränderlich, weil
Gott es aus dem Nichtsein gerufen hat), verfügen so in ihren Gedanken über sie und beweisen daraufhin Gottes Einheit (Vahdaniyet).
Ein Teil der Mystiker (ehl-i tasauvvuf)sagt hingegen, um Gottes Gegenwart (huzur)zur Gänze zu erfahren لاَ مَشْهُودَ اِلاَّ هُوَ {"Es gibt nichts (gar keine Welt, die wir bezeugen könnten) außer Ihm."} vergisst die ganze Welt, deckt den Mantel des Vergessens über sie und erfährt danach dann die völlige Gegenwart. Und ein anderer Teil von ihnen sagt, um die wahrhaftige Einheit und Gottes Gegenwart zur Gänze zu erfahren لاَ مَوْجُودَ اِلاَّ هُوَ {"Es gibt kein Sein außer Ihm."} hüllt die ganze Welt in seine Phantasie (hayal)ein und schleudert sie ins Nichtsein. Dann erst erfährt er die völlige Gegenwart. Stattdessen zeigst du uns außer diesen drei Arten eine Hochstraße (djadde-i kubra)im Qur'an. Und als ihr Kennzeichen sagst du
لاَ مَعْبُودَ اِلاَّ هُوَ ٭ لاَ مَقْصُودَ اِلاَّ هُوَ
{"Es gibt keinen Angebeteten außer Ihm!" "Es gibt kein Ziel außer Ihm!"}
Kannst du uns ein Zeugnis der Einheit (Tauhid)und, zusammengefasst, einen kurzen Weg zu ihr zeigen?
Antwort:
Alle "Worte" und alle "Briefe" zeigen diese Straße. Aber für dieses Mal wollen wir, so wie du das gewünscht hast, auf die machtvollen Zeugnisse und die umfangreichen Beweise mit einer kompakten Zusammenfassung verweisen. Folgendermaßen:
In dieser Welt verweist ein jedes Ding alle Dinge auf seinen eigenen Schöpfer. Und hier im Diesseits zeigt ein
jedes Werk, dass alle Kunstwerke die Werke seines eigenen Schöpfers sind. Und im Universum beweist ein jedes Schöpfungswerk, dass alle Werke der Schöpfung Handlungen dessen sind, der es selbst bewirkt hat. Und jeder Name, der sichtbar wird in allem Sein, ist ein Zeichen, dass alle Namen Namen und Titel des Trägers dieses Namens sind. Das heißt: jedes Ding ist ein Zeugnis für die Einheit und Allgegenwart (burhan-i vahdaniyet)und ein Fenster zur Erkenntnis Gottes. In der Tat ist jedes Werk, besonders aber wenn es sich um ein Lebewesen handelt, ein verkleinertes Abbild des Kosmos und eine Frucht, die der Erdball hervorgebracht hat und zugleich auch der Kern in ihr. Wenn dies aber so ist, so muss auch der, der dieses verkleinerte Abbild, diese Frucht und den Kern in ihr erschaffen hat, in jedem Fall derselbe sein, der auch den ganzen Kosmos erschaffen hat. Denn der Schöpfer einer Frucht kann kein anderer sein, als der Schöpfer des Baumes (der diese Frucht trägt).
Wenn es aber nun so ist, dann verweist jedes einzelne Werk auf alle Werke seines Schöpfers und schreibt auch jede einzelne Handlung alle übrigen Handlungen dem zu, der sie selbst verrichtet. Denn wir sehen, dass jeder Schöpfungsakt sich als Endpunkt eines langen Schöpfungsprozesses zeigt, der so weitreichend und umfangreich ist, dass er die meisten Formen des Seins von den Atomen bis zu den Sonnen umfasst. Das heißt, dass der, der einen Schöpfungsakt vollzieht, auch der sein muss, der alle Handlungen verrichtet, die an ein universelles Gesetz gebunden sind, das alles Sein umfasst und sich von den Atomen bis zu den Sonnen erstreckt.
Denn sicherlich muss derjenige, der auch nur eine Fliege ins Leben ruft, zugleich auch derjenige sein, der alle Insekten und alle kleinen Tiere erschafft und die ganze Erde mit Leben erfüllt. Des Weiteren muss derjenige, der ein Atom sich wie ein Mewlewi-Derwisch drehen lässt, auch der sein, der in Folge alles Sein in Bewegung versetzt, so wie die Sonne mit all ihren Planeten durch
den Weltraum eilt. Denn das Gesetz wirkt in Folge auf alle Reaktionen ein und verbindet sie miteinander der Reihe nach.
Das heißt: So wie ein jedes Werk alle Werke seinem Schöpfer zuschreibt und ein jeder Akt der Schöpfung alle Schöpfung als einen Akt dessen beansprucht, der ihn bewirkt hat, so ist auch ein jeder Name, der sichtbar wird in allem Sein, ein Zeichen, dass alle Namen Namen und Titel des Trägers dieses Namens sind. Denn alle Namen, die sich im Universum zeigen, gleichen konzentrischen Kreisen und den sieben Farben des Lichts, die ineinander über gehen und einander helfen, in ihrem Tun einander ergänzen und ausgestalten.
Zum Beispiel: wenn der Name "Lebensspender" (Muhyi)in einem Ding erscheint und in dem Augenblick, in dem ihm das Leben geschenkt wird, erscheint zugleich auch der Name "Allweiser" (Hakiem)und ordnet das Nest dieses Lebewesens, das sein Körper ist, in Weisheit. Zugleich erscheint auch der Name "Freigiebiger" (Keriem).Er gestaltet das Nest. Zu gleicher Zeit erkennt man auch die Erscheinung des Namens "Erbarmer" (Rahiem)der liebevoll (shefqat)für alle Bedürfnisse dieses Körpers sorgt. Zu gleicher Zeit wird auch die Erscheinung des Namens "Versorger" (Rezzaq)sichtbar, der dem Lebewesen auf unerwartete Weise all das gibt, was für seinen Fortbestand an körperlicher und geistiger Nahrung notwendig ist. Usw...
Das heißt also, wem der Name "Lebendiger" (Muhyi)gehört, dem gehört auch der Name dessen, dem der Name "Allweiser" (Hakiem)gehört und das Licht allen Seins ist, es umfasst. Auch der Name "Erbarmer" (Rahiem)gehört Ihm, der alles Sein in Liebe (shefqat)umsorgt. Auch der Name "Versorger" (Rezzaq)gehört Ihm, und ist der Titel dessen, der alle Lebewesen freigiebig mit allem ausstattet. Usw...
Das heißt: jeder Name, jede Handlung, jedes Werk ist
ein solches Zeugnis für die Allgegenwart Gottes (Vahdaniyet),dass es darauf hinweist, dass alle Worte, die auf den Seiten des Alls und den Zeilen der Jahrhunderte geschrieben stehen und das "Sein (maudjudat)"genannt werden, Stempel und Siegel Seiner Allgegenwart (Vahdaniyet)und Einheit (Ahadiyet)sind und Ornamenten gleich aus der Feder ihres Schreibers hervorgegangen sind.
اَللّٰهُمَّ صَلِّ عَلٰى مَنْ قَالَ: اَفْضَلُ مَا قُلْتُ اَنَا وَالنَّبِيُّونَ مِنْ قَبْلِى لآَ اِلٰهَ اِلاَّ اللّٰهُ... وَعَلٰٓى اٰلِهِ وَصَحْبِهِ وَسَلِّمْ
{"Oh Gott segne den, der gesagt hat: 'Das beste von allem, was ich und die Propheten vor mir gesagt haben, ist: Es gibt keine Gottheit außer Gott.' Friede sei mit ihm, seiner Familie und seinen Gefährten!"}
* * *
Fünfte Fragestellung
In deinem Brief stellst du noch eine andere Frage zu einem weiteren Thema. (Du fragst nämlich), ob allein schon لآَ اِلٰهَ اِلاَّ اللّٰهُ {"Es gibt keine Gottheit außer Gott"} zu sagen, bereits genügt. Denn kann man, ohne مُحَمَّدٌ رَسُولُ اللّٰهِ {"Mohammed ist Gottes Gesandter."} zu sagen, zu denen gehören, die gerettet (ehl-i nedjat)sind?
Diese (Frage erfordert eigentlich eine) längere Antwort. Doch für heute wollen wir nur so viel sagen:
Diese beiden Teile des Glaubensbekenntnisses kann man nicht voneinander trennen. Sie beweisen sich gegenseitig. Sie ergänzen einander. Sie können nicht ohne
einander sein. Weil aber nun der Prophet, mit dem Friede und Segen sei, das Siegel und Erbe aller Propheten ist, ist er mit Sicherheit auch das Haupt aller Wege, die (zu Gott hin) führen. Außerhalb seiner hohen Straße (djadde-i kubra)kann es keinen Weg zu Wahrheit (haqiqat)und Erlösung (nedjat)geben. Alle Leute der Erkenntnis (marifet)alle Imame, die sich, wie Sa'di Schirasi, mit ihrer Erforschung und Bewahrheitung (tahqiq)beschäftigt haben, sagen:
مُحَالَسْتِ سَعْدِى بَرَاهِ نَجَاتْ ٭ ظَفَرْ بُرْدَنْ جُزْ دَرْ پَىِ مُصْطَفٰى
{"Unmöglich ist, Sa'di, der Sieg auf dem Weg zur Erlösung, einzig, es sein denn, du folgst Mustafa und seiner Spur!"}
Ferner haben sie gesagt:
كُلُّ الطُّرُقِ مَسْدُودٌ اِلاَّ الْمِنْهَاجَ الْمُحَمَّدِىَّ
{Alle Wege sind verschlossen, ausgenommen die hohe mohammedanische Straße.}
Doch geschieht es manchmal, dass (Menschen) die Straße Mohammeds, mit dem Friede und Segen sei, wandeln, ohne zu wissen, dass es die Straße Mohammeds ist, und sie selbst mitten auf dieser Straße.
Desgleichen geschieht es zuweilen: Sie kennen den Propheten nicht. Doch während sie des Weges ziehen, ist dieser ein Teil der Straße Ahmeds.
Und weiter geschieht es zuweilen, während sie sich in einem Zustand der Ekstase befinden, oder in Meditation versunken sind, als Einsiedler leben oder als Wandermönche umherziehen, ohne auch nur an die mohammedanische Straße zu denken. Nur das لآَ اِلٰهَ اِلاَّ اللّٰهُ {"Es gibt keine Gottheit außer Gott."} genügt ihnen. Bei allem ist dennoch der wichtigste Aspekt folgender: etwas nicht anzunehmen (aus seiner Unwissenheit heraus = adem-i kabul)ist die eine Sache, etwas anzunehmen (aus seinem Unglauben heraus = kabul-u adem)ist die andere Sache. Diese Art Eremiten und Ekstatiker, oder solche, die von nichts gehört oder gewusst haben, kennen den Propheten
nicht oder denken nicht an ihn, sodass sie ihn annehmen könnten. In diesem Punkt bleiben sie unwissend (djahil).Was ihre Gotteserkenntnis betrifft, so wissen sie nur: لآَ اِلٰهَ اِلاَّ اللّٰهُ {"Es gibt keine Gottheit ohne Gott."}
So könnten sie zu denen gehören, die gerettet werden (ehl-i nedjat).Wenn hingegen Menschen den Propheten gehört haben und seine Botschaft vernommen haben und ihn dennoch nicht annehmen, so kennen sie Gott den Gerechten nicht. Für sie drückt das Wort: لآَ اِلٰهَ اِلاَّ اللّٰهُ {"Es gibt keine Gottheit außer Gott."} nicht die Einheit Gottes (Tauhid)aus, was die Voraussetzung zu ihrer Rettung (sebeb-i nedjat)wäre. Denn ihr Zustand (hal)ist keine Unwissenheit, sodass es noch in gewisser Weise zu entschuldigen wäre, wenn sie den Glauben nicht annehmen (adem-i kabul),sondern die Annahme des Unglaubens (kabul-u adem)und eine Verleugnung (inkar).Ein Mensch, der Mohammed verleugnet, mit dem Friede und Segen sei, der mit all seinen Wundern und Werken der Stolz des Weltalls und der Ruhm des Menschengeschlechtes ist, kann sicherlich in keiner Weise irgendein Licht empfangen und Gott nicht erkennen. Wie dem auch immer sei... dies möge für jetzt genügen.
* * *
Sechste Fragestellung
Einige der Ausdrücke, die im Ersten Kapitel, (mit der Überschrift:) "Streitgespräch mit einem Teufel" verwendet wurden (und worin es um die Wege und) Methoden des Teufels geht, waren doch reichlich grob ausgefallen. Trotzdem einige Ausdrücke mit Interjektionen wie: "Um Himmels willen!", "Gott bewahre!" oder "den unmöglichen
Fall einmal angenommen" schon etwas abgeschwächt worden sind, lassen sie mich trotzdem noch erzittern. In dem Abschnitt, den ich dir geschickt habe, finden sich einige kleinere Abschwächungen. Hast du deine Abschrift entsprechend korrigieren können? Ich überlasse es dir, von diesen Ausdrücken, diejenigen zu streichen, die du für unnötig hältst.
Mein lieber Bruder! Dieses Kapitel ist besonders wichtig, denn der Meister aller Gottesleugner ist der Teufel. Wenn der Teufel nicht zum Schweigen gebracht wird, lassen sich seine Nachahmer nicht überzeugen. Da der Weise Qur'an die groben Ausdrücke der Gottlosen erwähnt und sie zurückweist, ermutigt mich das. Zitternd und in Form einer Annahme des Unmöglichen habe ich diese törichten Ausdrücke verwendet, wie sie diese Parteigänger aller Anhänger des Teufels zwangsläufig annehmen mussten, weil ihr Weg das so erfordert, und die sie mit ihrem eigenen Mund aussprechen müssen, ob sie wollen oder nicht, um auf diese Weise die völlige Verdorbenheit des satanischen Weges zu demonstrieren. Doch indem wir sie gebrauchten, haben wir sie bis zum Boden des Brunnens verfeinert und von dem ganzen Gebiet für den Qur'an Besitz ergriffen und ihre Listen bloßgestellt. Betrachte einmal diesen Sieg in dem folgenden Gleichnis:
Lasst uns doch z.B. einmal uns ein sehr hohes Minarett vorstellen, das bis an den Himmel reicht, zu dessen Füßen aber ein Brunnen gegraben wurde, der bis zum Mittelpunkt der Erde reichen solle. Zwei Gruppen streiten nun darüber, wo zwischen der Spitze des Minaretts und dem Boden des Brunnens ein Mann stehen sollte, dessen Ruf zum Gebet von allen Menschen im ganzen Lande gehört werde! Die erste Gruppe sagt: "Sein Platz sollte an der Spitze des Minaretts sein, von wo er den Aufruf zum Gebet für den ganzen Kosmos rezitieren werde. Weil wir seinen Ruf hören, ist er auch lebendig und er ist erhaben. Natürlich kann ihn nicht jeder sehen dort droben in seiner
hohen Position. Doch entsprechend ihrem eigenen Standpunkt kann jedermann ihn dort oben sehen, auf einer bestimmten Stufe (maqam),während er hinauf oder hinunter steigt. So wissen sie entsprechend alle: Jetzt steigt er hinauf! Und ganz gleich, wo man ihn gerade sehen kann: er ist doch der Herr der höchsten Stufe (maqam)!Die andere, teuflische, törichte Gruppe aber sagt: "Nein! Sein Platz ist nicht an der Spitze des Minaretts. Ganz gleich wo man ihn gerade sehen kann: sein Platz ist auf dem Grund des Brunnens." Doch in Wirklichkeit hat ihn gar niemand auf dem Grunde des Brunnens gesehen, noch können sie jemals ihn dort erblicken. Stellen wir uns doch einmal vor, er sei schwer und willenlos wie ein Stein! Dann würde er sicherlich auf dem Grunde des Brunnens liegen und dort würde jemand ihn auch sehen.
Das Schlachtfeld dieser beiden einander entgegengesetzten Gruppen ist also nun der weite Abstand zwischen der Spitze des Minaretts und dem Boden des Brunnens. Die Gemeinschaft der Leute des Lichts, die man die Gefolgschaft Gottes nennt, zeigt allen weitsichtigen (Menschen) den Muezzin auf der Spitze des Minaretts. Und denen, deren Blicke in ihrer Kurzsichtigkeit nicht so hoch empor reichen, zeigen sie den Muezzin auf einer Stufe, die ihrem jeweiligen Standpunkt entspricht. Ein kleines Zeichen genügt ihnen schon als ein Beweis dafür, dass der Muezzin keine leblose Masse wie ein Stein ist, sondern ein vollkommener Mensch (insan-i kamil),der zu seiner Zeit nach oben steigt, sichtbar wird und zum Gebet ruft. Was aber die andere Gruppe, die man die Gefolgschaft des Satans nennt, urteilt törichter Weise so: "Zeigt ihn entweder allen auf der Spitze des Minaretts, oder aber sein Platz ist am Grunde des Brunnens." In ihrer Dummheit wissen sie nicht, dass es nur an denen liegt, deren Blick nicht so weit empor reicht, wenn man ihn nicht jedermann auf der Spitze des Minaretts zeigen kann. In ihrer Spitzfindigkeit wollen sie den ganzen Bereich für sich in Anspruch nehmen, allein die Spitze des Minaretts
davon ausgenommen.
So tritt dann also jemand hervor, um den Streit zwischen den beiden Gemeinschaften zu schlichten und sagt zu dieser Gefolgschaft des Satans: "Oh unglückselige Gruppe! Wäre der Platz (maqam)dieses gewaltigen Muezzins am Grunde des Brunnens, so müsste er wie ein Stein so leblos und kraftlos sein. Und der auf den Stufen, die im Brunnen hinunter führen und denen, die im Minarett hinauf führen, sichtbar wird, könnte nicht er sein. Da ihr ihn aber dort sehen könnt, kann er sicherlich nicht so kraftlos, tot und wesenlos sein. Die Spitze des Minaretts muss sein Platz (maqam)sein. Da dies aber nun einmal so ist, zeigt ihn also nun auf dem Grunde des Brunnens - wo ihr ihn aber auf gar keinen Fall zeigen könnt und ihr werdet auch niemanden glauben machen können, er sei dort, oder aber schweigt! Das Gebiet, das ihr verteidigt, ist der Grund des Brunnens. Was aber den übrigen Bereich und den weiten Zwischenraum betrifft, so ist er der Bereich dieser gesegneten Gemeinschaft. Wo immer sie diese Persönlichkeit zeigt, es sei denn am Grunde des Brunnens, dort werden sie auch den Fall für sich entscheiden."
So wird denn wie in diesem Gleichnis, worin mit dem Kapitel über die Diskussion mit dem Teufel vom Throne Gottes bis hinab auf den Grund dieser weite Zwischenraum der Gefolgschaft des Satans aus der Hand genommen, die gesamte Gefolgschaft des Satans in die Ecke getrieben und zum Schweigen gebracht. Ihr bleibt ein Platz überlassen, der zuhöchst irrational, der völlig unmöglich, der so ganz und gar verabscheuungswürdig ist. Man treibt sie in einem Loch zusammen, das so eng ist, dass kaum jemand hinein gelangen kann, während der gesamte Zwischenraum im Namen des Qur'an (von seiner Gefolgschaft) in Anspruch genommen wird.
Sagt man zu ihr: "Was ist der Qur'an?", so sagen sie: "Ein schönes Buch (von und über) einen Menschen, das in den guten Sitten Unterricht erteilt." Dann wird man ihnen
auch sagen: "Weil dies so ist, darum ist es auch das Wort Gottes und als ein solches müsst ihr es auch annehmen. Denn nach der Lehre (meslek),der ihr angehört, werdet ihr nicht sagen: es ist ein schönes (Buch)."
Und wenn man sie ferner fragte: "Was wisst ihr über den Propheten?" dann sagen sie: "Er ist ein hochintelligenter Mensch von guter Gesinnung." Dann wird man ihnen sagen: "Wenn dies so ist, dann kommt zum Glauben. Denn war er von guter Gesinnung und auch klug, dann war er in jedem Fall auch der Gesandte Gottes. Denn mit eurer bloßes Aussage: er ist ein guter (Mensch), bleibt ihr nicht in eurem Rahmen. Denn eure Lehre sagt so etwas nicht." Usw.... Diesem Beispiel können noch andere Hinweise und weitere Aspekte der Wahrheit beigefügt werden.
Auf Grund dieses Geheimnisses werden die Leute des Glaubens, die mit dem Teufel diskutieren, im Ersten Kapitel nicht dazu gezwungen, die Wunder Ahmeds und die unbestreitbaren Beweise dafür kennen zu lernen, um so ihren Glauben bestätigen zu können. Ein kurzer Wink, ein kleiner Hinweis rettet ihren Glauben. Alle Taten Ahmeds, alle Qualitäten Mohammeds, das ganze Verhalten des Propheten, mit dem Friede und Segen sei, gleichen einem Wunder und beweisen, dass ihm ein Rang (maqam)unter den Höchsten aller Großen (a'la-yi illiyyin)gebührt und nicht unter den Niedrigsten der Niedrigen (esfel-i safilin)am Grunde des Brunnens.
* * *
Siebente Fragestellung
Eine Problemstellung als Lehrbeispiel:
Für einige meiner Freunde, die in ihrer abgrundtiefen Furcht den Mut verloren haben, sehe ich mich dazu veranlasst, sie mit sieben Beispielen in ihrer geistigen Verfassung zu stärken und dabei einen Gunsterweis (ikram)des Herrn anzuführen, als ein (Zeichen für
den) Schutz Gottes über diejenigen, welche im Dienst am Qur'an stehen, und um jenen Teil der Freunde zu retten, die schon dabei sind, die Nerven zu verlieren. Vier dieser sieben Beispiele zeigen, wie sie ganz entgegen ihren Absichten eine Ohrfeige bekommen haben, weil sie, die meine Freunde waren, einzig um eines weltlichen Vorteils willen, aufgrund meines Dienstes am Qur'an und nicht gegen mich persönlich, aber doch eine feindselige Haltung eingenommen haben. Was die restlichen drei dieser sieben Beispiele betrifft, so waren sie wirklich meine Freunde und sind es noch heute. Doch zeigten sie vorübergehend nicht jene mannhafte Haltung, wie sie eine Freundschaft erfordert, weil sie sich darum bemühten, die Zuwendung der Weltleute zu gewinnen, weltliche Vorteile zu erlangen und für ihre eigene Sicherheit zu sorgen. Statt dessen mussten diese drei Freunde unglücklicherweise entgegen ihren Absichten einen schweren Tadel erfahren.
Von den zuerst erwähnten vier, die zunächst Freunde gewesen waren, dann aber eine feindselige Haltung angenommen haben,
war der erste ein Kreisdirektor, der bei verschiedenen Gelegenheiten darum gebeten hatte, eine Kopie des Zehnten Wortes zu erhalten. Ich habe ihm eine gegeben. Doch dann brach er meine Freundschaft, weil er befördert werden wollte, ab und nahm eine feindselige Haltung gegen mich ein. Er übergab (das Buch) dem Gouverneur, verbunden mit einer Anklage und einer Anzeige. Doch als ein Gunsterweis (ikram)
für den Dienst am Qur'an (hizmet-i qur'an)wurde er nicht befördert, sondern abgesetzt.
Der zweite war ebenfalls ein Direktor, war zunächst mein Freund und später mein Gegner, nahm mir gegenüber, nicht aus persönlichen Gründen, sondern auf Grund meines Dienstes eine feindselige Haltung ein, um sich bei seinem Vorgesetzten in Erinnerung zu bringen und die
Sympathien der Weltleute zu gewinnen und erhielt entgegen seinen Absichten eine Ohrfeige. Er wurde in einer unerwarteten Angelegenheit zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt. Da bat er denn einen Diener am Qur'an um sein Gebet. Möge Gott es so wollen, dass er um der Gebete willen, die für ihn verrichtet werden, gerettet wird.
Der dritte war ein Lehrer.
Da er sich mir gegenüber als Freund erwies, betrachtete auch ich ihn als meinen Freund. Doch später wählte er stattdessen eine feindselige Haltung, um nach Barla versetzt zu werden und dort zu leben. Doch entgegen seinen Absichten erhielt er eine Ohrfeige. Er wurde von seiner Lehrtätigkeit zum Militärdienst versetzt. So hat man ihn aus Barla entfernt.
Der vierte war auch ein Lehrer.
(Weil er ein Hafidh war und ich in ihm einen praktizierenden Gläubigen sah), erwies ich ihm meine innige Freundschaft, in der Absicht, dass er mir im Dienst am Qur'an seine Freundschaft bezeigen möge. Doch dann wurde er auf ein einziges Wort eines Beamten hin unsicher und zeigte uns die kalte Schulter, um so wieder die Sympathien der Weltleute zu gewinnen. Auch er erhielt entgegen seinen Absichten eine Ohrfeige. Er wurde von seinem Schulrat ziemlich heftig zurecht gewiesen und verlor seinen Posten.
So empfingen denn diese vier Männer auf Grund ihrer feindseligen Haltung ihre Ohrfeigen. Auch drei Freunde bekamen zwar nicht gerade eine Ohrfeige, weil sie nicht jene mannhafte Haltung gezeigt hatten, wie man sie von wahren Freunden erwartet, aber doch entgegen ihren Absichten eine ernsthafte Warnung.
Der Erste:
Als eine geachtete Persönlichkeit, die ein sehr bedeutender, ernsthafter und treuer Schüler von mir war, schrieb er ständig die "Worte" ab und verteilte sie. Als ein hoher, aber leicht verwirrter, Beamter kam und sich dabei auch noch ein kleiner Zwischenfall ereignete, versteckte er die "Worte", die er bereits abgeschrieben hatte und hörte auch vorübergehend damit auf, neue abzuschreiben,
um bei den Weltleuten nicht in Schwierigkeiten zu geraten und keine Unannehmlichkeiten von ihnen zu bekommen und vor ihren Bosheiten sicher zu sein. Doch als ein Zeichen seines Irrtums, in dem er zeitweilig seinen Dienst am Qur'an unterbrach, litt er nun ein Jahr lang beständig unter einer Katastrophe, die über seinem Haupt schwebte, nämlich eine Strafe von Tausend Lira bezahlen zu müssen. Wann immer er die Absicht äußerte, mit den Abschriften fortzufahren und zu seiner früheren Aufgabe zurückkehrte, wurde der Schuldspruch über ihn aufgehoben, bis er - Gott sei's gedankt - schließlich freigesprochen wurde. So wurde er in all seiner Armut davor bewahrt, die Tausend Lira bezahlen zu müssen.
Der Zweite:
Er war mir fünf Jahre lang ein mutiger, ernsthafter und tapferer Freund gewesen. Danach dachte er einige Monate nicht mehr daran, mich zu besuchen, obwohl wir doch Nachbarn waren und "zufällig" begegneten wir einander auch nicht. Er wollte das Wohlwollen und die Sympathien der Weltleute und des erst kürzlich erschienen Distriktkommissars gewinnen. So besuchte er mich nicht im Ramadan und an den Festtagen. Doch die Ereignisse in seinem Dorf verliefen entgegen seinen Absichten und am Ende verlor er seinen Einfluss.
Der Dritte:
Ein Hafidh, der mich ein, zwei Mal in der Woche besuchen kam, war Imam geworden. Um nun auch noch einen Turban tragen zu dürfen, verließ er mich für zwei Monate. Er besuchte mich noch nicht einmal während der Festtage. Doch entgegen seinen Absichten und ganz gegen die sonst übliche Gewohnheit gestattete man ihm, auch nachdem er schon sieben, acht Monate Imam gewesen war, nicht, einen Turban tragen zu dürfen.
So gibt es denn eine ganze Reihe ähnlicher Ereignisse. Doch um die Gefühle einiger Leute nicht zu verletzen, möchte ich sie hier nicht erwähnen. So schwach nun diese Hinweise auch im Einzelnen sein mögen, so spürt man doch insgesamt eine Kraft (quvvet)in ihnen. Es erwächst
aus ihnen die Überzeugung, dass zwar nicht ich selbst - denn ich halte mich nicht selbst für eines besonderen Gunsterweises (ikram)für würdig - aber doch wir alle rein im Hinblick auf unseren Dienst am Qur'an als einen solchen Gunsterweis Gottes verstehen dürfen, dass wir diesen Dienst unter dem Schutz des Herrn verrichten. Daran sollen meine Freunde denken und nicht in Panik geraten. Weil aber unser Dienst ein Gunsterweis Gottes ist und nicht ein Grund, stolz, sondern vielmehr dankbar zu sein, und weil es da einen Erlass (ferman)gibt:
وَاَمَّا بِنِعْمَةِ رَبِّكَ فَحَدِّثْ
{"...doch vielmehr verkündige die Gnadenerweise deines Herrn." (Sure 93, 11)}
auf Grund dieses Geheimnisses erkläre ich dies lediglich meinen Freunden persönlich.
* * *
Achte Fragestellung
Eine Anmerkung zum Dritten Beispiel des Dritten Punktes des Fünften Hindernisses der Hindernisse zur persönlichen Meinungsfindung im Siebenundzwanzigsten Wort.
Eine wichtige Frage:
Einige von den Erforschern der Wahrheit sagen: Jedes der Worte im Qur'an, Dhikr und Lobpreisungen (tesbih)erleuchten die feinen inneren Organe (Latife)des Menschen in vielerlei Hinsicht und versorgen sie mit geistiger Nahrung. Kennt man nicht ihre Bedeutung, so genügen bloße Worte allein noch nicht sie auszudrücken. Worte sind nur wie ein Kleid. Könnte man sie ändern, wäre es dann nicht weit zweckmäßiger, wenn ein jedes Volk diesen Bedeutungen ein Kleid in seiner eigenen Sprache anzöge?
Antwort:
Die Worte des Qur'an und die Lobpreisungen (tesbihat)
des Propheten sind nicht ein lebloses Kleid, sondern wie die lebendige Haut eines Körpers, sind in der Tat im Laufe der Zeit zu einer Haut geworden. Kleider kann man wechseln. Wollte man aber seine Haut wechseln, würde dies dem Körper schaden. Segensreiche Worte, wie sie im Ruf zum Gebet (ezan)oder beim Gebet (namaz)selbst gebraucht werden, sind zu Merkmalen und Kennzeichen ihrer Bedeutung geworden. Diese Kennzeichen und Merkmale aber kann man nicht auswechseln. Ich selbst habe schon oft in mir einen Zustand (hal)beobachtet und untersucht und dabei festgestellt: dieser Zustand, das ist die Wahrheit. Und es ist folgender Zustand:
Ich habe einmal in der Nacht (Arefe)vor dem Opferfest (Kurban)Hunderte Male die Sure "Ikhlas" rezitiert und bemerkt: Ein Teil von meinen feinen innerlichen Organen (manevi duygular)empfing daraus seine Nahrung, wurde ruhiger und schließlich still. Ein anderer Teil, schon mit der Fähigkeit zu innerer Wahrnehmung (quvve-i mufekkir)begabt, wendet sich noch eine längere Zeit der Bedeutung zu, entnimmt sich seinen Anteil und wird ruhig. Wieder ein anderer Teil, wie das Herz (qalb),entnimmt sich seinen Anteil an inneren Werten, der zu einer Quelle geistlicher Freude wird und geht sodann in das Schweigen ein. Usw... Schritt für Schritt bleiben bei der beständigen Wiederholung nur noch wenige dieser feinen geistigen Organe über, die sich erst sehr spät satt und zufrieden zeigen und bis dahin weiter machen, bis am Ende kein Bedürfnis nach innerer Wahrnehmung (letaif)und Bedeutung mehr übrig bleibt. So wie Unaufmerksamkeit (ghafla)die Kraft der inneren Wahrnehmung (quvve-i mufekkir)schwächt, so kann sie doch letzteren keine Schwäche (zarar)zufügen. Ihnen genügt schon ein bloßes (Segens) Wort, die bloße Erfassung von Sinn und Verständnis in einem befriedigenden Wort, Merkmale und Kennzeichen für allgemein gebräuchliche Ausdrücke. Denkt man an diesem Punkt noch weiter über den Sinn (der Worte) nach, so entsteht schließlich ein Überdruss, der (nur noch) destruktiv wirkt. Und diese feinen geistigen Organe (latife)brauchen keine Lehre
und kein Verständnis, vielmehr bedürfen sie (einer beständigen) Erinnerung, Hinwendung und Ermutigung. Und diese Worte, die gleich einer Haut sind, genügen ihnen und versehen die Aufgabe des Sinnes. Und besonders dann, wenn diese arabischen Worte gemahnen, dass sie Worte Gottes und göttliche Verkündigung sind, so sind sie eine Quelle immerwährender Segensfülle.
So zeigt denn dieser Zustand (hal),den ich selbst erfahren habe: Den Ezan, die Lobpreisungen (tesbihat)nach dem Gebet und Wahrheiten wie die Fatiha und die Sure-i Ikhlas, die stets wiederholt werden, in einer anderen Sprache zum Ausdruck zu bringen, bringt einen großen Schaden. Denn nachdem die immer sprudelnde Quelle der Worte Gottes und Seines Propheten versiegt ist, dann ist auch der beständige Anteil dieser beständigen feinen innerlichen Organe (letaif)gleichfalls verloren. Ferner gehen auch mit jedem Wort mindestens zehn Verdienste (sevab)verloren und nicht jeder kann (das Bewusstsein) der beständigen Gegenwart Gottes (huzur-u daimi)während des ganzes Gebetes aufrecht erhalten. So entsteht denn in dieser Unaufmerksamkeit durch die menschlichen Worte der Übersetzung ein Schaden, als legte sich Finsternis über den Geist.
So wie schon Imam-i A'dham gesagt hat, ist لآَ اِلٰهَ اِلاَّ اللّٰهُ {"Es gibt keine Gottheit außer Gott."}
Kennzeichen und Merkmal der Göttlichen Einheit (Tauhid).Desgleichen sagen auch wir: Die übergroße Mehrheit aller Worte der Lobpreisungen (tesbih)und des Gedenkens (dhikr),besonders aber der Ruf zum Gebet (ezan)und das Gebet (namaz)selbst sind zu solchen Kennzeichen und Merkmalen geworden. Und wie Zeichen werden sie nicht nur in ihrer wörtlichen Bedeutung sondern mehr noch in ihrer üblichen, den religiösen Vorschriften entsprechenden Bedeutung betrachtet. Weil dies aber so ist, kann man diese Worte nach der Schari'a nicht verändern. Selbst ein ungebildeter
Mensch ist in der Lage, jene Bedeutung, die ein jeder Muslim kennen muss, kurz zusammengefasst, rasch zu erlernen. Wie können Menschen, die ihr ganzes Leben im Islam verbringen und dabei ihre Köpfe mit Tausenden sinn- und nutzloser Dinge füllen sich entschuldigen, wenn sie nicht in ein, zwei Wochen eine Zusammenfassung der Bedeutung jener gesegneten Worte lernen, die der Schlüssel zum Ewigen Leben sind? Wie können sie Muslime sein? Wie können sie verständige Menschen genannt werden?... Und es ist nicht verständig, die Fassung der Quelle des Lichtes um solch fauler Kerle willen zu zerstören!...
Des Weiteren versteht, wer " Subhanallah"(Gott sei gelobt!) sagt, von welchem Volk auch immer er sein mag, dass er Gott den Gerechten damit preist. Genügt denn das nicht bereits? Wenn er die Bedeutung (dieser Worte) auch nur einmal in seine eigene Sprache überträgt, lernt er sie für alle Male mit seinem Verstand (aqil).Statt dessen wiederholt er sie hundert Mal am Tag. Diese hundert Mal sind, von dem Lernanteil des Verstandes einmal abgesehen, zusammen mit der kurzgefassten Bedeutung des Ausdrucks und dem in ihn übergegangenen und mit ihm verschmolzenen Ausdruck eine Quelle vieler Lichter und der Fülle des Segens. Besonders die Heiligkeit, die er aus den Worten in der Sprache Gottes empfängt, die Segensfülle (feyz)und das Licht (nur),das ihm aus dieser Heiligkeit erwächst sind von höchster Wichtigkeit...
Zusammenfassung:
Die wesentlichen Elemente des Glaubens sind die schützende Fassung der Heiligen Worte Gottes. Nichts vermag an deren Stelle zu treten und sie zu ersetzen, nichts ihren Platz einzunehmen und ihre Aufgabe zu erfüllen. Selbst wo es zeitweilig eine andere Ausdrucksmöglichkeit gibt, so ist es doch nicht ein ständiger, ein erhabener, ein heiliger Ausdruck.
Was die Worte betrifft, welche die schützende Fassung für die Auslegung der Vorschriften des Glaubens bilden, so ist es nicht notwendig, sie zu ändern, denn eine solche
Notwendigkeit wird durch gute Ratschläge und andere Belehrungen, Unterweisung, Studium und Predigt aufgehoben.
Kurzum:
Der Aufbau der arabischen Sprache in ihrem Wortschatz und in ihrem Satzbau und der Qur'an, der in seiner Vielfältigkeit und in seiner Ausdruckskraft ein Wunder ist, sind von solcher Art, dass es keine Möglichkeit gibt, sie zu übersetzen! Ja, ich kann sogar sagen, dass es unmöglich ist. Wer daran einen Zweifel hat, möge im Fünfundzwanzigsten Wort über den Qur'an und das Wunder seiner Verkündigung darüber nachschlagen. Was da eine Übersetzung genannt wird, ist nur eine kurz zusammengefasste, mangelhafte Auslegung. Wo bleibt da nun Ausdeutung und Sinn? Wo findet sich die wahre Bedeutung der Ayat, die sich so lebendig und in vielerlei Hinsicht um sie herum gruppieren?
* * *
Neunte Fragestellung
Eine wichtige, persönliche Angelegenheit und ein Geheimnis der Gottesfreundschaft.
Eine riesengroße Gruppe der Leute der Wahrheit und Rechtschaffenheit in der islamischen Welt wird die der Leute der Tradition (Sunnah)und der Gemeinschaft (Cemaat)genannt und hat die Wahrheit von Qur'an und Glaube im Rahmen dieser Rechtschaffenheit buchstäblich allen in Ehren gehaltenen Bräuchen (Sünnet-i Seniyye)entsprechend bewahrt. Die überwiegende Mehrheit der Gottesfreunde erwuchs aus diesem Kreis. Ein anderer Teil der Gottesfreunde erschien auf einem Weg außerhalb einiger Grundsätze der Leute der Sunnah und Cemaat und zeigte sich im Gegensatz zu deren Fundamenten. So haben sich denn in der Betrachtung dieser Gruppe der Gottesfreunde zwei (extreme) Richtungen gebildet:
Was die eine Richtung betrifft, so hat sie ihnen (den Status) der Gottesfreunde aberkannt, weil sie sich im Gegensatz zu den Grundsätzen der Leute der Sunnah verhielten. Ja, sie gingen sogar so weit, dass sie einen Teil von ihnen geradezu als Ungläubige bezeichneten.
Die zweite Gruppe ist die derjenigen, die ihnen nachfolgen. Da diese deren Heiligkeit anerkennen, sagen sie: "Die Wahrheit beschränkt sich nicht auf die Leute der Sunnah ve Cemaat." Sie haben eine Gruppe von Reformatoren gebildet und sind in ihr bis zum Irrtum fortgeschritten. Sie wissen nicht: Nicht jeder, der recht geführt ist, ist ein Führer. Ihre Scheichs konnte man wegen ihrer Fehler entschuldigen, wenn sie in Ekstase waren. Was aber sie selbst betrifft, so sind sie nicht zu entschuldigen.
Was (darüber hinaus) eine gemäßigte Richtung betrifft, so leugnet sie nicht die Heiligkeit der Gottesfreunde, erkennt aber den Weg (den sie eingeschlagen haben) und ihre Schulen (meslek)nicht an. Sie sagen: "Soweit ihre Aussagen den Grundsätzen (des Glaubens) widersprechen, so befanden sie sich entweder, von ihrem ekstatischen Zustand (hal)übermannt, in einem Irrtum, oder aber es handelte sich dabei um metaphorische Umschreibungen, deren Bedeutung unbekannt ist."
Leider hat die erste Gruppe und unter ihnen, besonders die der Gelehrten unter den Anhängern, einer oft allzu wörtlichen Schriftauslegung, um die Schule der Anhänger der Sunnah in Schutz zu nehmen, viele bedeutende Gottesfreunde verleugnet, ja sich geradezu gezwungen gesehen, sie der Irreführung zu beschuldigen. Was aber Anhänger und Nachfolger betrifft, welche die zweite Gruppe bilden, so hat sie den wahren Weg (meslek)verlassen, weil sie ihren verschiedenen Scheichs gegenüber eine viel zu gute Meinung hatten, und waren einer Art Reformation (bid'a),ja geradezu einem Irrweg (dalalet)verfallen.
Es gab da in Verbindung mit diesem Geheimnis einen Zustand (hal),der mich in meinen Gedanken und Überlegungen
sehr lange Zeit beschäftigt hat: Ich habe einmal einen Teil dieser Leute des Irrweges in einer Zeit heiliger Gebete geradezu verflucht. Da trat meinem Fluch (beddua)eine gewaltige innere Kraft (quvvet-i manevi)entgegen. Sie gab mir nicht nur mein Gebet wieder zurück, sie untersagte es mir sogar.
Danach erkannte ich: Dieser Teil der Leute des Irrweges, welcher der Wahrheit (des Islam) entgegen arbeitet, zieht das Volk, von einer geistigen Kraft unterstützt, mit sich mit. Und hatte dabei Erfolg. Nicht allein (nur infolge der äußeren) Gewalt, vielmehr verbunden mit jener Sehnsucht, die aus der Kraft der Heiligkeit erwächst, sieht ein Teil der Leute des Glaubens, von eben dieser Sehnsucht getrieben stillschweigend darüber hinweg und hält (das Ganze am Ende) gar nicht mehr für so schlecht.
Da ich also nunmehr dieser beiden Geheimnisse gewahr wurde, ergriff mich Furcht. "Gepriesen sei Gott! (fesubhanallah)",sagte ich. "Kann es denn Heiligkeit geben, außer auf dem Weg der Wahrheit? Besonders aber auf diesem fürchterlichen Strom des Irrtums, können denn da die Leute der Wahrheit vorankommen?" Dann wiederholte ich nach islamischem Brauch an dem gesegneten Arefe-Tag die Sure-i Ichlas und rezitierte sie hundert Mal. So gesegnet stellte sich die später durch Gottes Barmherzigkeit zusammen mit der folgenden Tatsache als "Antwort auf eine wichtige Frage" niedergeschriebene Fragestellung in meinem armen Herzen ein. Und die Wahrheit ist folgende:
Zu Zeiten Sultan Mehmeds des Eroberers erzählte man sich die berühmte und lehrreiche Geschichte von "Cibali Baba". Ähnlich wie er gibt es unter den Gottesfreunden einige, die äußerlich besonnen und vernünftig erscheinen und trunken sind in Gott. Und ein anderer Teil von ihnen erscheint dagegen manchmal nüchtern und Herr seiner Sinne zu sein und manchmal in einen Zustand (hal)völlig außerhalb ihres Verstandes und Urteilsvermögens zu geraten. Unter diesen wiederum gibt es einige, die alle Dinge miteinander verwechseln und sie nicht voneinander
unterscheiden können. Sie behandeln eine Angelegenheit, die sie in einem solchen Zustand göttlicher Trunkenheit wahrgenommen haben, im Zustande der Nüchternheit. Sie befinden sich im Irrtum und wissen nicht, dass sie sich im Irrtum befinden. Einige dieser Gottesnarren leben unter Gottes besonderem Schutz und geraten nicht auf Irrwege. Andere aber werden nicht bewahrt und können sich unter der Schar der Ketzer und Neuerer (bid'a ve dalalet)wiederfinden. Es wird sogar für möglich gehalten, dass sie selbst unter die Ungläubigen (kafir)geraten können.
So kommt es denn, dass solche, die zeitweilig oder andauernd von Gott berauscht sind, als von Ihm gesegnet und als Gottesnarren (mubarek medjnun)angesehen werden. Und weil diese Gottesnarren als ungebunden und gesegnet gelten, sind sie auch nicht verantwortlich. Da man sie aber nicht zur Verantwortung ziehen kann, kann man sie auch nicht kritisieren. Während sie zwar stets Heilige und Gottesnarren sind und bleiben, stellen sie sich doch gleichzeitig auf die Seite der Leute des Irrweges und der Neuerer. Sie gehen ihren Weg (meslek),machen ihn in gewissem Grade populär und unglückseligerweise bewirken sie so, dass einige Leute des Glaubens und der Wahrheit gleichfalls diesen Weg einschlagen.
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Zehnte Fragestellung
In Zusammenhang mit einer Eingebung meines Herzens wurde von Seiten einiger Freunde darum gebeten, einen Grundsatz bezüglich der Besucher zu erklären. Darum wurde das folgende niedergeschrieben.
Es sollte eigentlich bekannt sein, dass diejenigen, die uns besuchen, entweder kommen um der Dinge des irdischen Lebens willen. Diese Tür ist ihnen verschlossen. Oder aber sie kommen um des jenseitigen Lebens willen. In dieser Hinsicht gibt es zwei Türen: Entweder sie kommen, weil sie meine Person für gesegnet halten und glauben,
dass ich einen geistlichen Rang (maqam)inne hätte. Auch diese Türe ist geschlossen. Denn ich bin keineswegs stolz auf mich. Ich bin auch keineswegs stolz auf diejenigen, die auf mich stolz sind. Vielmals Dank sei Gott dem Gerechten, dass er mich nicht hat stolz werden lassen. Der zweite Aspekt ist jedoch der, dass ich einzig der Verkünder des weisen Qur'an bin. Die durch diese Pforte eintreten, sind mir wie mein Augapfel. Ich heiße sie mit allem schuldigen Respekt willkommen. Auch unter ihnen gibt es drei Arten. Sie sind entweder Freunde, oder Brüder, oder Schüler.
Die charakteristischen Merkmale und die Bedingungen für Freunde sind:
Sie müssen uns mit aller Entschlossenheit im Dienst an den Worten (Sözler)und Lichtern (Envar)des Qur'an ernsthaft zur Seite stehen und sie dürfen in ihrem Herzen nicht für Ungerechtigkeit, ketzerische Erneuerungen und Irrlehren eintreten. Sie sollen sich auch darum bemühen, für sich selbst einen Nutzen zu gewinnen.
Die charakteristischen Merkmale und die Bedingungen für die Brüder sind:
Sie sollen ernsthaft daran mitarbeiten, die Worte (Sözler)zu verbreiten, die fünf Pflichtgebete zu verrichten und die sieben Todsünden zu meiden.
Die charakteristischen Merkmale und die Bedingungen für die Schüler sind:
Sie sollen die Worte (Sözler)so für sich empfinden, als wären es ihre eigenen und sie hätten sie selbst verfasst, und wissen, dass die Aufgabe ihres Lebens darin besteht, sie zu verbreiten und ihnen zu dienen.
Diese drei Ebenen sind mit meinen drei Personen verbunden. Der Freund ist mit meiner individuellen und essentiellen Person verbunden. Der Bruder ist vom Standpunkt des Dienstes und der Anbetung mit der Persönlichkeit in mir verbunden. Was den Schüler betrifft, so ist sie in meiner Person als Lehrer (hodja)und Verkünder des Weisen Qur'an verbunden.
Solche Besuche bringen auch drei Früchte hervor:
Erstens:
In Anbetracht (meiner Tätigkeit als) Verkünder von mir oder aus den Worten (Sözler)eine Lesung in den Juwelen aus dem Qur'an erhalten; und sei es auch nur eine einzige Lektion.
Zweitens:
Im Hinblick auf den Dienst und die Anbetung im Jenseits einen Anteil an meinen Verdiensten zu haben.
Drittens:
Sich gemeinsam der Schwelle (Dergah)Gottes zuzuwenden und unsere Herzen im Dienste des Weisen Qur'an Hand in Hand zu verbinden und miteinander um Erfolg und Rechtleitung (hidayat)zu bitten.
Wenn es ein Schüler ist, so ist er allmorgendlich mit seinem Namen bei mir anwesend und manchmal sogar in meiner Vorstellung und empfängt seinen Anteil.
Wenn es ein Bruder ist, so ist er mehrmals, mit seinem besonderen Namen und seiner Gestalt in meinem Gebeten (dua)und erhält seinen Anteil. Danach ist er mit allen Brüdern verbunden und ich übergebe ihn der göttlichen Barmherzigkeit, sodass er, wenn ich im Gebet "Brüder und Schwestern" sage, er mit dazu gehört. Auch wenn ich es nicht weiß, so weiß doch Gott in Seiner Barmherzigkeit um sie und sieht sie.
Wenn es ein Freund ist und er seine Pflichtgebete verrichtet und die Todsünden meidet, ist er in meinen Gebeten in die Gemeinschaft aller Brüder mit eingeschlossen.
Die Bedingung dabei ist, dass diese drei Arten (von Besuchern) mich in ihren innerlichen Gebeten und in ihre Verdienste mit einschließen.
اَللّٰهُمَّ صَلِّ عَلٰى مَنْ قَالَ (اَلْمُؤْمِنُ لِلْمُؤْمِنِ كَالْبُنْيَانِ يَشُدُّ بَعْضُهُ بَعْضًا) وَعَلٰٓى اٰلِهِ وَصَحْبِهِ وَسَلِّمْ
سُبْحَانَكَ لاَعِلْمَ لَنَآ اِلاَّ مَاعَلَّمْتَنَآ اِنَّكَ اَنْتَ الْعَلِيمُ الْحَكِيمُ
وَقَالُوا الْحَمْدُ لِلّٰهِ الَّذِى هَدٰينَا لِهٰذَا وَمَا كُنَّا لِنَهْتَدِىَ لَوْلآَ اَنْ هَدٰينَا اللّٰهُ لَقَدْ جَآءَتْ رُسُلُ رَبِّنَا بِالْحَقِّ
اَللّٰهُمَّ يَا مَنْ اَجَابَ نُوحًا فِى قَوْمِهِ ٭ وَيَا مَنْ نَصَرَ اِبْرَاهِيمَ عَلٰى اَعْدَآئِهِ ٭ وَيَا مَنْ اَرْجَعَ يُوسُفَ اِلٰى يَعْقُوبَ ٭ وَيَا مَنْ كَشَفَ الضُّرَّ عَنْ اَيُّوبَ ٭ وَيَا مَنْ اَجَابَ دَعْوَةَ زَكَرِيَّا ٭ وَيَا مَنْ تَقَبَّلَ يُونُسَ ابْنَ مَتّٰى.. نَسْئَلُكَ بِاَسْرَارِ اَصْحَابِ هٰذِهِ الدَّعَوَاتِ الْمُسْتَجَابَاتِ اَنْ تَحْفَظَنِى وَتَحْفَظَ نَاشِرَ هٰذِهِ الرَّسَآئِلِ وَرُفَقَآءَهُمْ شَرِّ شَيَاطِينِ الْاِنْسِ وَالْجِنِّ وَانْصُرْنَا عَلٰى اَعْدَآئِنَا وَلاَ تَكِلْنَآ اِلٰى اَنْفُسِنَا وَاكْشِفْ كُرْبَتَنَا وَكُرْبَتَهُمْ وَاشْفِ اَمْرَاضَ قُلُوبِنَا وَقُلُوبِهِمْ اٰمِينَ اٰمِينَ اٰمِينَ
{"Oh Gott verleihe Deinen Segen dem, der gesagt hat: 'Der Gläubige ist dem Gläubigen wie ein Bauwerk, in dem die einzelnen Steine bleiverfugt einander Halt und Stütze gewähren.' Friede sei ihm und seiner Familie und seinen Gefährten."
"Gepriesen seist Du! Wir haben kein Wissen, außer dem, das Du uns gelehrt hast. Denn Du bist der Allwissende, der Allweise." (Sure 2, 32)
"Und sie sagten: Dank sei Gott, der uns bis hierher geführt hat. Wir hätten keine Rechtleitung finden können, hätte nicht Gott selbst uns geführt. In der Tat sind die Propheten zu uns gekommen mit der Wahrheit." (Sure 7, 43)
"Oh Gott, der Du Noah unter seinem Volk geantwortet hast, der Du Abraham gegen seine Feinde geholfen hast, der Du Joseph zu Jakob zurückgebracht hast, der Du Jobs Leiden von ihm genommen hast, der Du das Gebet des Zacharias beantwortet hast, der Du von Junus ben Mette angenommen hast, worum er Dich gebeten hat! Bei dem Geheimnis derer, die Dir diese Gebete dargebracht haben, mich zu bewahren, zu zerstreuen, die mir übel wollen und meine Gefährten vor allem Übel der Teufel unter Dschinnen und Menschen zu bewahren, uns zu helfen im Angesichte unserer Feinde, uns nicht unserer eigenen Ratlosigkeit zu überlassen, unsere Ängste und ihre Ängste von uns wegzunehmen, die Krankheiten unsrer Herzen und ihrer Herzen zu heilen. Amen. Amen. Amen!..."}
Siebenundzwanzigster Brief
Dieser Brief besteht aus einer Reihe wunderschöner und reichhaltiger Briefe, welche die reine Wahrheit sind, geschrieben von dem Autor der Risale-i Nur an seine Schüler, als auch einige von Schülern der Risale-i Nur an ihren Meister und einige, die sie sich gegenseitig geschrieben haben, worin sie ihre bemerkenswerten und segensreichen Eindrücke vom Studium der Risale-i Nur beschreiben. Drei, vier Mal umfangreicher als der vorliegende Band wurde diese Sammlung nicht diesem Band beigefügt, sondern getrennt unter dem jeweiligen Titel als Nachtrag aus Barla, Kastamonu oder Emirdag herausgegeben.
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Achtundzwanzigster Brief
Dieser Brief besteht aus acht Problemstellungen
Erste Problemstellung, zugleich erste Abhandlung
بِسْمِ اللّٰهِ الرَّحْمٰنِ الرَّحِيمِ ٭ اِنْ كُنْتُمْ لِلرُّءْيَا تَعْبُرُونَ
{"Im Namen Gottes, des Erbarmers, des Barmherzigen. Falls ihr Traumgesichte deuten könnt." (Sure 12, 43)}
Als wir uns vor drei Jahren einmal getroffen haben, erfüllte sich drei Tage später ein Traum, um dessen Deutung du heute bittest. Dieser schöne, gesegnete, verheißungsvolle Traum von damals ist nun heute längst verjährt. Habe ich also nicht recht, wenn ich angesichts dieses Traumes, der seine Bedeutung inzwischen enthüllt hat, Folgendes sage:
نَه شَبَمْ نَه شَبْ پَرَسْتَمْ مَنْ غُلاَمِ شَمْسَمْ اَزْشَمْسِ مِى كُويَمْ خَبَرْ
اٰنْ خَيَالاٰتِى كِه دَامِ اَوْلِيَاسْت عَكْسِ مَهْرُويَانِ بُوسْتَانِ خُدَاسْت
{"Ich bin weder die Nacht, noch liebe ich die Nacht. Ich bin ein Verehrer der Sonne und bringe Kunde von der Sonne. Jene Träume, welche eine Falle für die Heiligen waren, sind die Widerspiegelungen der Blumen aus dem Garten Gottes."}
Mein Bruder, ich habe mich in der Tat daran gewöhnt, mit dir die Lektionen über die reine Erkenntnis zu besprechen. Da es nun einmal nicht so ganz der Art und Weise der Wahrheitssuche entspricht, Träume, deren Türen für jede Art von Phantasie offen stehen, auf der Suche nach der Wahrheit zu durchforschen, wollen wir nun hier im Zusammenhang mit deinem Traum in sechs Anmerkungen Kenntnisse des Schlafes und die allgemeinen Erfahrungen mit ihm, der der kleine Bruder des Todes ist, den Versen des Qur'an entsprechend erläutern. Im siebenten werden wir dann eine kurze Auslegung deines Traumes geben.
Erstens:
Ein wichtiges Element in der Sure "Yusuf" ist Josephs Traum, wie die Ayah وَجَعَلْنَا نَوْمَكُمْ سُبَاتًا {"Wir gaben euch den Schlaf zu eurer Erholung." (Sure 78, 9)} gleich vielen anderen Ayat zeigt, dass in Traum und Schlaf viele bedeutende Wahrheiten verschleiert enthalten sind.
Zweitens:
Kenner der Wahrheit befürworten es nicht gerade, sich auf eine (nach dem Zufallsprinzip ausgewählte) Stelle im Qur'an als Orakel oder Deutung eines Traumes zu verlassen, denn der Weise Qur'an schlägt die Leute des Unglaubens häufig und heftig. Wenn sich also ein solches Orakel in all seiner Strenge gegenüber
den Ungläubigen einem Menschen zeigt, der gerade einen solchen Orakelspruch sucht, treibt es ihn in die Verzweiflung, bringt es sein Herz in Verwirrung. Auch Träume, selbst wenn sie gut sind, erscheinen manchmal als böse, weil sie als der Wahrheit entgegengesetzt betrachtet werden, bringen zur Verzweiflung, zerstören die moralische Kraft, verführen zu negativer Deutung. Es gibt viele Träume, die nach Form und Inhalt schrecklich, verletzend oder unrein, ihrer Bedeutung und Auslegung nach aber sehr schön sind. Da nicht jeder den Zusammenhang zwischen einem Traum, seiner Form, seiner Wahrheit und seiner Bedeutung finden kann, wird er unnötig ängstlich, verzweifelt, traurig und besorgt. Es ist einzig und allein aus diesem Grunde, dass ich anfänglich wie die Kenner der Wahrheit und nach dem Beispiel von Imam Rabbani gesagt habe
نَه شَبَمْ نَه شَبْ پَرَسْتَمْ
{"Ich bin weder die Nacht, noch liebe ich die Nacht."}
Drittens:
Einer wahren Überlieferung entsprechend zeigte sich eines von vierzig Merkmalen des Prophetentums in Form eines wahren Traums im Schlaf. Das heißt, dass Träume sowohl wahr sind, als auch verbunden mit der Aufgabe der Erfüllung des Prophetentums. Diese dritte Anmerkung ist besonders wichtig, sehr lang, mit dem Prophetentum verbunden und zudem auch tiefschürfend. Wir wollen sie für ein andermal aufheben und öffnen diese Türe jetzt nicht.
Viertens:
Träume sind von dreierlei Art. Zwei von ihnen sind nach den Worten des Qur'an اَضْغَاثُ اَحْلاَمٍ {"...wirre Träume." (Sure 12, 44)}
In diesen mit eingeschlossen sind sie es nicht wert,
erklärt zu werden. Auch wenn sie einen Sinn haben, sind sie nicht wichtig. Entweder stellt die jeweilige Person infolge einer Abweichung in der Stimmung und kraft ihrer Einbildung entsprechend ihrer Krankheit etwas zusammen und schildert es dann, oder diese Einbildungskraft ruft irgendein aufregendes Ereignis des gleichen Tages oder davor, ja sogar eines, das ihn zu gleicher Zeit ein, zwei Jahre zuvor getroffen hat ins Gedächtnis, verformt und verändert es und gibt ihm wieder eine andere Gestalt. So sind denn auch diese beiden Arten اَضْغَاثُ اَحْلاَمٍ {"...wirre Träume." (Sure 12, 44)} und es nicht wert, erklärt zu werden.
Was aber die dritte Art betrifft, so handelt es sich hier um wahre Träume. Durch die Sinne, die den Menschen an die von ihm bezeugte Welt binden und die in dieser Welt umherschweifen, sie schließen oder fortsetzen, finden die Blumen des Herrn (latife-i Rabbaniyye)im Wesen des Menschen eine Öffnung, eine unmittelbare Verbindung zur Unsichtbaren Welt. Durch diese Öffnung betrachtet er die kommenden Ereignisse, wie sie sich vorbereiten, begegnet den Erscheinungen auf der Wohlverwahrten Tafel (lauh-i mahfudh),trifft auf ein Beispiel von der Art der Briefe des Göttlichen Vorherwissens (mektubat-i qader)und sieht dort einige wahre Ereignisse. Und gerade über diese Ereignisse verfügt manchmal unsere Einbildungskraft, gewandet sie in das Kleid einer bestimmten Gestalt. Diese Art (Träume) umfasst viele verschiedene Ebenen. Manche von ihnen erweisen sich später als genau das, als was sie zuvor gesehen worden sind. Von anderen erscheint (die Bedeutung) wie hinter einem dünnen Schleier verborgen. Bei wiederum anderen scheint (die Bedeutung) wie unter einer Decke versteckt zu sein.
Es gibt eine ehrenwerte Hadith: Die Träume, die der
Ehrenwerte Gesandte, mit dem Friede und Segen sei, zu Beginn der Offenbarung geschaut hatte, waren so klar und wahr und deutlich wie die Morgendämmerung.
Fünftens:
Ein wahrer Traum gleicht diesem Heraufdämmern einer fortgeschrittenen Vorahnung (hiss-i qabl-el vuku).Was aber diese Vorahnung betrifft, so hat sie mehr oder weniger ein jeder. Es gibt sie auch bei den Tieren. Ich hatte sogar einmal, diese Vorahnung mit eingeschlossen, zusätzlich zu den schon bekannten äußeren und inneren Sinnesorganen, nach wissenschaftlichen Maßstäben bei Menschen und Tieren noch zwei weitere Sinne entdeckt, die leitenden (saika)und stimulierenden (shaika)Kräfte genannt, vergleichbar dem Gesicht (basira)und dem Gehör (samia).Die Leute des Irrweges und die (modernen) Philosophen nennen diese weniger bekannten Sinne fälschlicher und törichter Weise "Naturinstinkte". Gott bewahre! Nicht naturgegebene Instinkte, sondern eine Art schöpferische Eingebung (ilham)göttlichen Vorherwissens (qader-i ilahi)lenkt und leitet den Menschen und die Tiere. Zum Beispiel: So gehen einige Tiere, wie die Katzen, wenn ihre Augen zu erblinden beginnen, in der Führung göttlicher Vorherbestimmung und finden ein Kraut als Heilmittel für ihre Augen, reiben es in ihre Augen und finden Heilung.
Auch Greifvögel wie die Adler, die gleich einer öffentlichen Gesundheitspolizei der Erde den Auftrag haben, die Kadaver umherziehender Tiere zu beseitigen, werden durch diese Führung göttlicher Vorherbestimmung, diesen intuitiven Sinn (hiss-i qabl-el vuku)einer Vorahnung, diesen göttlichen Antrieb (saika-i ilahi),ausgelöst durch irgendwelche Überreste in einer Entfernung von einer ganzen Tagesreise geleitet und finden (so ihre Beute).
Auch eine kleine, junge Biene, sobald sie in die Welt gekommen und noch keinen Tag alt ist, unternimmt eine ganze Tagesreise durch die Luft, ohne in der Luft ihre Spur zu verlieren und kehrt in der Führung dieser göttlichen Vorherbestimmung und dieses intuitiven Sinnes (saika ilham)zurück zu dem Stock (ihres Volkes). Und es wird ein jeder
schon häufig erlebt haben, dass während er von jemandem spricht, die Tür aufgeht und eben diese Person völlig unerwartet hereinkommt. Ja es gibt sogar ein kurdisches Sprichwort
نَافِ گُرْبِينَه پَالاَنْدَارْ لِى وَرِينَه
d.h. "wenn du von einem Wolf sprichst, halte deinen Stock bereit zu schlagen; denn der Wolf kommt." Das heißt in einer Vorahnung (hiss-i qabl-el vuku)verspüren die Blumen des Herrn (latife-i rabbani;in Form eines) allgemeinen Eindrucks das Kommen dieses Mannes. Da aber das Bewusstsein (aql;diesen Vorgang) nicht in seinem Geist (shuur)umfasst, veranlasste es ihn nicht absichtlich, sondern ungewollt, von ihm zu sprechen. Intuitiv begabte Menschen (ehl-i feraset)sagen manchmal ein solches Kommen wie ein Wunder (keramet)voraus. Eine Zeitlang war sogar bei mir eine solche Art Sensitivität besonders gesteigert. Ich wollte schon diesen Zustand in eine Regel fassen, fand jedoch nichts dergleichen Treffendes; und so unterließ ich es denn. Unter den Gerechten und besonders den Gottesfreunden findet sich eine solche Vorahnung (hiss-i qabl-el vuku)jedoch besonders hoch entwickelt und zeigt ihre Früchte auf wunderbare Weise.
So gibt es denn auch für gewöhnliche Menschen die Erfahrung einer Art Gottesfreundschaft, sodass sie gleich den Gottesfreunden in wahren Träumen unsichtbare und künftige Dinge schauen können. So wie der Schlaf in der Tat für gewöhnliche Leute durch einen wahren Traum einer Stufe der Gottesfreundschaft gleicht, so ist er auch für alle der wunderschöne und prächtige Vorführraum des Herrn dieses Schauspielhauses. Wer jedoch von guter Gesinnung (akhlaq)ist, der denkt auch gut. Wer gut denkt, der schaut auch schöne Bilder. Wer in seiner üblen Gesinnung (akhlaq)schlecht denkt, schaut auch schlechte Bilder. Ferner ist er für einen jeden ein Fenster in der (von ihm) bezeugten Welt, das in die unsichtbare Welt hinüberblickt. Ferner ist er ein Platz von unbegrenzter Weite und ein Zuschauerraum,
der eine Art der Beständigkeit (beqa)zeigt und in dem Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft für alle Menschen gleich sind, die (in dieser Welt) gebunden und vergänglich sind. Ferner ist er ein Erholungsort aller beseelten Wesen, die unter der Last und Mühsal des Lebens gebeugt gehen. Es ist aus dergleichen Geheimnissen, dass der Weise Qur'an mit Ayat wie وَجَعَلْنَا نَوْمَكُمْ سُبَاتًا {"Wir gaben euch den Schlaf zu eurer Erholung. (Sure 78, 9)} nachdrücklich über die Bedeutung des Schlafes unterrichtet.
Sechstens und als wichtigstes:
Der wahre Traum hat für mich den Grad einer wahrheitsgemäßen Gewissheit (haqqa l-yaqien)erreicht und ist mir durch vielfältige Erfahrung zu einem sicheren Beweis dafür geworden, dass das göttliche Vorherwissen (qader-i ilahi)alles umfasst. Besonders in diesen letzten Jahren haben diese Träume in der Tat einen solchen Grad erreicht, dass es für mich sicher geworden ist, dass z.B. selbst das kleinste Ereignis, das ich morgen erleben werde, die unbedeutendsten Handlungen und selbst noch das gewöhnlichste Gespräch bereits aufgeschrieben und (Gott bereits) bekannt ist, bevor es geschieht und während ich es im Traume sehe, ist es für mich zur Sicherheit geworden, dass ich mit meinen Augen lese und nicht mit meinem Mund. Nicht einmal, nicht hundert Mal, ja tausend Mal erwies es sich, dass ich manchmal (im Traum) Menschen gesehen habe, an die ich zuvor noch nicht einmal gedacht hatte oder Dinge, über die ich (im Traum) gesprochen hatte, mir an dem Tag, der dieser Nacht folgte, mit ein wenig Ausdeutung genauso begegneten und sich genauso ereigneten. Das heißt, dass auch noch das unbedeutendste Ereignis (im Vorherwissen Gottes bereits) festgelegt und aufgezeichnet ist. Das heißt also, dass es keinen Zufall gibt, dass Ereignisse nicht herrenlos sind und Dinge nicht ohne jede Ordnung geschehen.
Siebentens:
Die Ausdeutung deines wunderschönen, gesegneten, uns Gutes verkündenden Traumes ist sehr gut für (den Dienst) am Qur'an und für uns. Des Weiteren hat die Zeit ihn ausgedeutet und deutet ihn noch weiterhin aus, sodass es für mich nicht mehr notwendig ist, ihn noch weiter auszudeuten. Und ferner hat sich bereits seine teilweise Ausdeutung als schön erwiesen. Wenn du aufmerksam bist, kannst du sie verstehen. Wir werden also nur auf ein oder zwei Punkte hinweisen, d.h. wir wollen ihren Sinn erklären. Die Ereignisse, die von der Art der Realität deines Traumes sind, spiegeln diesen ihren Sinn wieder. Das ist wie folgt:
Dieses weite Feld ist die Welt des Islam. Die Moschee an seinem Ende ist der Regierungsbezirk Isparta. Das schlammige Wasser rundum ist der Sumpf der Ausschweifung, des Müßiggangs und der ketzerischen Neuerungen unter den Verhältnissen (hal)unserer heutigen Zeit. Dass du selbst diese Moschee sicher, unbefleckt und zugleich so rasch erreicht hast, ist ein Zeichen, dass du dich vor allen anderen für die Lichter des Qur'an in die Bresche geschlagen hast, unversehrt und mit unbeflecktem Herzen.
Was aber die kleine Gemeinde in der Moschee betrifft, so handelt es sich dabei um die Träger des Wortes (Sözler),um Hakki, Hulusi, Sabri, Suleyman, Rüschtü, Bekir, Mustafa, Ali, Sühtü, Lutfi, Husrev und Re'fet. Was das Lesepult (in dieser Moschee) betrifft, so versinnbildlicht es ein kleines Dorf, so wie Barla. Was die laute Stimme betrifft, so ist sie ein Hinweis auf die Kraft in den "Worten" (Sözler)und auf deren rasche Verbreitung. Was den dir zugesprochene Platz (maqam)in der ersten Reihe betrifft, so ist er (der Platz) Abdurrahmans, der nun für dich frei geworden ist. Was aber den Hinweis und die Tatsache betrifft, dass diese Gemeinschaft die ganze Welt wie durch den Telefonhörer eines drahtlosen Gerätes ihren Unterricht hören lassen will, so wird sich das mit Gottes Hilfe später vollständig herausstellen. Noch ist jeder
einzelne wie ein kleines Samenkorn; doch wird er in Zukunft mit dem Erfolg von Gott wie ein hoher und mächtiger Baum werden. Und er wird wie ein ganzes Telegrafenamt sein. Was aber den kleinen jungen Mann mit dem Turban betrifft, so ist es einer, der mit Hulusi Seite an Seite arbeitet und ihm vielleicht (eines Tages) voraus sein wird. Er ist dazu bestimmt, einmal den Schülern beizutreten und einer ihrer Multiplikatoren zu werden. Es kämen mehrere dafür in Frage, doch mit Sicherheit kann ich das nicht bestimmen. Dieser junge Mann wird eine Persönlichkeit sein, die in der Kraft ihrer Heiligkeit hervortreten wird. Alle übrigen Punkte magst du nun statt meiner ausdeuten.
Nun ist es mir sowohl angenehm mit Freunden wie mit dir lange Gespräche zu führen, und ich weiß es auch zu schätzen. Deswegen habe ich mich auch so lang über dieses kurze Thema ausgelassen. Ja vielleicht war dies auch Verschwendung (israf).Weil ich aber in der Absicht begonnen habe, eine Art Hinweis auf die qur'anischen Ayat zu geben, die den Schlaf betreffen, möge Gott es wollen, dass diese Verschwendung vergeben werde; aber vielleicht ist es ja auch gar keine Verschwendung...
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Zweite Problemstellung, zugleich zweite Abhandlung
Dies wurde geschrieben, um ein wichtiges Streitgespräch über ein Hadith zu beenden, in dem es sinngemäß heißt, dass Hasret-i Musa, mit dem der Friede sei, Hasret-i Asrail, mit dem der Friede sei, einen Schlag aufs Auge versetzt habe usw. und (dieses Problem schließlich am Ende) abzuschließen.
Ich hörte von einem wissenschaftlichen Disput in Egridir. Dieser Disput war falsch; und das besonders in dieser
Zeit. Doch ich wusste noch nichts von diesem Disput. So stellte man auch mir diese Frage.
Dabei zeigte man mir in einem durchaus ernst zu nehmendem Buch eine Hadith, die mit einem "Q"- ق als dem Merkmal der Übereinstimmung der beiden Scheichs (Bukhari und Muslim) gekennzeichnet war. Man fragte mich also: "Ist dies eine Hadith oder ist es keine Hadith?" Ich antwortete ihnen: "Man sollte sich auf eine Person, die in einem so vertrauenswürdigen Buch auf die Übereinstimmung der beiden Scheis verweist, verlassen können. Es ist also Hadith. Doch bei einer Hadith tauchen genauso wie im Qur'an Allegorien auf. Nur die Gelehrten können solche Sinnbilder erkennen. So sagte ich, dass es möglich sei, dass auch diese Hadith, auch wenn ihr Sinn ganz offensichtlich ist, zu jener Art Hadithe gehört, die allegorisch zu verstehen und mehrdeutig sind. Hätte ich damals bereits gewusst, dass es sich hierbei um den Gegenstand eines Disputes handelte, hätte ich keine so kurze Antwort gegeben, vielmehr Folgendes gesagt:
Erstens:
Die erste Bedingung für einen Disput bei dieser Art Problemstellungen ist Mäßigung und die Absicht, die Wahrheit zu finden, ohne sich auf sie zu versteifen (inadsiz),geführt unter Fachleuten. Und es ist nur erlaubt, (auf eine Weise) zu disputieren, die keinen Anlass zu Missverständnissen bietet. Der Beweis dafür, dass ein solcher Disput (tatsächlich nur) um der Wahrheit willen geführt wurde, ist folgender: Sobald die Wahrheit in der Hand des Gegners offensichtlich wird, wird (sein Diskussionspartner) nicht aufgebracht sondern ist zufrieden, denn er hat nun gelernt, was er zu wissen begehrte. Wäre sie hingegen in seiner eigenen Hand offenbar geworden, so hätte die Möglichkeit bestanden, dass er nichts Neues mehr hinzugelernt hätte und stattdessen dem Stolz (gurur)verfallen wäre.
Zweitens:
Wenn es sich bei dem Gegenstand für einen Disput um eine Hadith handelt, muss man die Stufen der Hadithe und die Grade der in ihr verborgenen Offenbarung
und die Ausdrucksformen prophetischer Redeweise kennen. Vor dem einfachen Volk ist es nicht erlaubt, die allegorische (Bedeutung) einer Hadith zu disputieren, die Überlegenheit des eigenen Standpunktes nach Art eines Advokaten unter Beweis zu stellen, sein Ego (enaniyet)herauszustreichen und dafür gegen Recht und Mäßigung nach Beweisen zu suchen. Da aber diese Angelegenheit nun schon einmal offengelegt und zum Anlass eines Disputes wurde und nun eine negative Auswirkung auf die Vorstellungswelt der armen und einfachen Leute hat, weil sie solche allegorische Hadithe nicht verstehen können, und falls sie (die Echtheit der Hadithe) bestreiten, sich ihnen eine schreckliche Türe öffnet, das heißt, es sich ihnen ein Weg öffnet, auch die zuverlässigen Hadithe, die sie mit ihrem kleinen Verstand nicht verstehen können, abzustreiten, und weil sich den Leuten des Irrglaubens, wenn sie anderenfalls die offensichtliche Bedeutung dieser Hadith anerkennen und sie so weiter verbreiten, ein Weg zur Kritik öffnet und sie dann sagen können, dass sie ein Aberglaube sei, und da nun einmal die Aufmerksamkeit in unnötiger und in negativer Weise auf (die Möglichkeit einer) allegorischen (Ausdeutung) dieser Hadith gelenkt wurde und es viele Hadithe dieser Art gibt, ist es sicherlich notwendig, eine Ausdeutung zu bringen, die ihre Zweifel wieder ausräumt, und auch erforderlich, unabhängig von der Authentizität dieser Hadith, (im Folgenden) deren Sinn herauszustellen.
So wollen wir denn hier die ausführlichen Erklärungen in den bereits niedergeschriebenen Abhandlungen, wie z.B. die Zwölf Pfeiler des Dritten Astes, den Vierten Ast im Vierundzwanzigsten Wort, den Zweiten Grundsatz im Vierten Hinweispunkt des Neunzehnten Briefes, wo die beiden Arten der Offenbarung (vahiy)behandelt wurden, als ausreichend betrachten und mit einem kurzen und bündigen Hinweis auf den Sinn (dieser Hadith) hinweisen. Es ist dies wie folgt:
Die Engel sind nicht an eine einzige Gestalt gebunden
wie die Menschen. Obwohl sie einzelne Personen sind, ist doch jeder auch eine Gesamtheit (wie z.B. Spiegelbilder - A.d.Ü.). Hasret-i Asrail, mit dem der Friede sei, ist der oberste der Engel, die damit beauftragt sind, die Seelen (ruh)herauszuziehen.
"Zieht Hasret-i Asrail, mit dem der Friede sei, die Seele eines jeden Verstorbenen persönlich heraus? oder ziehen seine Helfer sie heraus?" In dieser Angelegenheit gibt es drei Auffassungen (meslek):
Erste Auffassung:
Asrail, mit dem der Friede sei, zieht die Seele eines jeden heraus. Eine Arbeit behindert eine andere Arbeit nicht, denn er ist eine Lichtgestalt. Wenn (eine Gestalt) aus Licht ist, so kann sie in zahllosen Spiegeln an zahllosen Orten als Person anwesend sein und sich an ihnen verkörpern. Die Verkörperung eines Lichtwesens besitzt die selben charakteristischen Eigenschaften des Lichtwesens selbst. Sie wird als ein und dasselbe Wesen betrachtet und ist kein anderes. So wie das Spiegelbild der Sonne ihr Licht und ihre Wärme ausstrahlt, so sind auch die Abbildungen der Geistwesen, wie die der Engel in den verschiedenen Spiegeln der Bilderwelt ihnen gleich und strahlen ihre persönlichen Eigenschaften aus. Doch entspricht ihre Rückspiegelung der jeweiligen Eigenschaft des reflektierenden Hintergrundes. So wie Hasret-i Cebrail (Gabriel), mit dem der Friede sei, zur gleichen Zeit in der Gestalt Dihyes vor den Sahabis erschien, so war er im selben Augenblick auch an tausend anderen Orten in verschiedenen Gestalten zugleich zugegen und warf sich zugleich auch mit seinen gewaltigen, den Osten wie den Westen umspannenden Flügeln, vor Gottes gewaltigem Throne nieder. Seine Verkörperung zeigte sich entsprechend den Eigenschaften des betreffenden Ortes und war zugleich an Tausenden von Orten gegenwärtig.
So wäre es denn nach dieser Lehre (meslek)im Augenblick der Entnahme der Seele (ruh)für den Engel des Todes, der sich eines Menschenkörpers als Spiegel bedient,
keineswegs unmöglich, wenn dieses Spiegelbild (in Menschengestalt) und (für diesen Menschen) persönliche Abbild von einer so gewaltigen, kurz entschlossenen, majestätischen und zugleich energischen Persönlichkeit wie Hasret-i Musa (Mosis), mit dem der Friede sei, eine Ohrfeige bekommt und wenn das Auge dieses Spiegelbildes, das dem Kleid des Todesengels gleicht, dabei ausgeschlagen wird, es wäre nicht außergewöhnlich oder unvorstellbar.
Zweite Auffassung:
Erzengel wie Gabriel, Michael oder Asrail gleichen einem Minister und haben Helfer, die von der gleichen Art aber kleiner als sie selbst sind. Diese Helfer sind entsprechend den Arten der Geschöpfe verschieden. Diejenigen, welche die Geister der Gerechten
{(*): Bei uns war ein großer Heiliger (veliyy-i adhim), bekannt unter dem Titel "Seyda". Während er auf dem Sterbebett lag, kam jener Engel des Todes zu ihm, der dafür zuständig war, die Seelen der Heiligen herauszuziehen. Da rief Seyda ihm mit lauter Stimme zu: "Da ich die Schüler der Wissenschaft sehr gern habe, soll einer aus der Gruppe derer, die dafür bestimmt sind, die Seelen der Schüler herauszuziehen, kommen, um meine Seele herauszuziehen!" So flehte er an der Schwelle Gottes. Diejenigen, welche bei ihm saßen, wurden Zeugen dieses Ereignisses.}
herausziehen, sind von der einen Art, die, welche Geister der Leute der Qual herausziehen, wieder von einer anderen Art.
Dementsprechend weisen auch die folgenden Ayat darauf hin
وَالنَّازِعَاتِ غَرْقًا ٭ وَالنَّاشِطَاتِ نَشْطًا
{"Bei denen, die gewaltsam herausreißen. Bei denen, die mit sanfter Hand hinausführen." (Sure 79, 1-2)}
So gehören denn diejenigen, welche die Geister herausziehen, verschiedenen Gruppen an. Dieser Lehre (meslek)entsprechend war es für Hasret-i Musa, mit dem der Friede sei, durchaus verständlich, wenn er nicht Asrail,
mit dem der Friede sei, sondern der spiegelgleichen Verkörperung einer seiner Helfer infolge seiner natürlichen Reizbarkeit, seiner Unerschrockenheit und zugleich seiner Verehrung gegenüber Gott dem Gerechten eine Ohrfeige versetzt hat.
{(*): Es gab da in unserem Land einmal einen sehr tapferen Mann, der sah den Todesengel an seinem Sterbelager und sagte: "Überfällst du mich hier in meinem Bett?" sprang auf, bestieg sein Pferd, zog sein Schwert und forderte (ihn zum Kampf) heraus. So starb er zu Pferde wie ein Mann.}
Dritte Auffassung:
Wie bereits im Vierten Grundsatz des Neunundzwanzigsten Wortes erklärt wurde, gibt es, entsprechend einem Hinweis der ehrwürdigen Hadithe, Engel mit vierzigtausend Köpfen. In jedem Kopf sind vierzigtausend Zungen. Das heißt, dass sie auch achtzigtausend Augen haben. Und mit jeder Zunge sprechen sie vierzigtausend Lobpreisungen." Da die Engel nun einmal mit Aufgaben betraut werden entsprechend den Arten in der (von uns) bezeugten Welt, repräsentieren sie diese Art Lobpreisungen auch in der Welt der Geister (alem-i ervah).Das muss sicherlich auch so sein, denn so ist z.B. die Erde ein Geschöpf. Sie lobpreist Gott den Gerechten. Es gibt auf ihr vielleicht nicht vierzigtausend sondern Hunderttausende von Arten, den (oben erwähnten) Häuptern vergleichbar. Jede Art hat Hundertausende Glieder, den (oben erwähnten) Zungen vergleichbar usw... Das heißt, dass der Engel, der für unsere Erde zuständig ist, vierzigtausend, ja vielleicht sogar Hunderttausende Häupter haben muss. Und jeder Kopf muss wieder Hunderttausende Zungen haben usw... Also hat denn nach dieser Lehre (meslek)Hasret-i Asrail, mit dem der Friede sei, ein Gesicht, das jedem einzelnen zugewandt ist, mit Augen, die alles sehen. Was aber nun die Ohrfeige betrifft, die Hasret-i Musa, mit dem der Friede sei - Gott bewahre! - (dem Engel) Asrail, mit dem der Friede sei, versetzt hat, so war sie nicht gegen dessen wahres Selbst, nicht gegen dessen wahre Gestalt gerichtet, nicht als eine Beleidigung und
auch nicht als eine Zurückweisung (adem-i kabul)gedacht, sondern als ein Ausdruck seiner Sehnsucht, seine Botschaft als Aufgabe beizubehalten und fortzusetzen, um seine Todesstunde im Auge zu behalten und - damals wie heute - als ein Schlag ins Auge dessen, der ihn von seinem Dienst abhalten will...
اَللّٰهُ اَعْلَمُ بِالصَّوَابِ ٭ لاَ يَعْلَمُ الْغَيْبَ اِلاَّ هُوَ ٭ قُلْ اِنَّمَا الْعِلْمُ عِنْدَ اللّٰهِ
هُوَ الَّذِى اَنْزَلَ عَلَيْكَ الْكِتَابَ مِنْهُ اٰيَاتٌ مُحْكَمَاتٌ هُنَّ اُمُّ الْكِتَابِ وَاُخَرُ مُتَشَابِهَاتٌ فَاَمَّا الَّذِينَ فِى قُلُوبِهِمْ زَيْغٌ فَيَتَّبِعُونَ مَاتَشَابَهَ مِنْهُ ابْتِغَآءَ الْفِتْنَةِ وَابْتِغَآءَ تَأْويِلِهِ وَمَا يَعْلَمُ تَأْوِيلَهُ اِلاَّ اللّٰهُ وَالرَّاسِخُونَ فِى الْعِلْمِ يَقُولُونَ اٰمَنَّا بِهِ كُلٌّ مِنْ عِنْدِ رَبِّنَا وَمَا يَذَّكَّرُ اِلاَّ اُولوُا الْاَلْبَابِ
{"Gott weiß, was richtig ist. Niemand kennt das Verborgene außer Gott. Sprich: Fürwahr, das Wissen ist bei Gott. Er ist es, der dir das Buch herabgesandt hat. In ihm sind eindeutige Verse. Sie sind die Mutter des Buches. Andere sind mehrdeutig. Diejenigen aber, deren Herzen dem Irrtum zugeneigt sind, folgen dem, was daran mehrdeutig ist. Sie suchen nach Gespaltenheit und trachten nach eigener Deutung. Doch die Deutung kennt niemand außer Gott. Die aber, die fest stehen in ihrem Wissen sagen: Wir glauben daran. Alles ist von unserem Herrn. Doch nur die Verständigen beherzigen es." (Sure 3, 7)}
* * *
Dritte Problemstellung, zugleich dritte Abhandlung
Bei dieser Problemstellung handelt es sich um eine allgemeine Frage, die die meisten all meiner Brüder nonverbal (lisan-i hal),ein Teil von ihnen jedoch auch verbal (lisan-i qal)geäußert haben, worauf denn die Antwort teils persönlich oder privat oder auch familiär ausgefallen ist.
Frage:
Du sagst zu jedem, der zu dir zu Besuch kommt:
"Erwartet von meiner Person nicht einen besonderen Beistand (himmet)und betrachtet meine Person nicht als besonders gesegnet. Ich bekleide keinen besonderen Rang (maqam).So wie ein einfacher Soldat nur die Befehle seines Marschalls weiter gibt, so verkündige auch ich gleichsam nur die Befehle eines geistlichen Marschalls. Ich bin nur wie ein Bankrotteur, der die teuren und kostbaren Diamanten aus seinem Juwelierladen auspreist."
"Doch so wie unser Verstand der Erkenntnis bedarf, so sehnen sich auch unsere Herzen nach dem Segen (feyiz).Unsere Seele (ruh)sehnt sich nach dem Licht (nur)usw.... Wir sehnen uns in vielerlei Hinsicht nach vielerlei Dingen. Wir haben geglaubt, du seiest der Mann, der unseren Bedürfnissen entgegen käme und sind darum gekommen, dich zu besuchen. Mehr als einen Gelehrten brauchen wir einen Gottesfreund, jemanden, der über allen Segen, einen, der über alle Vollkommenheit (kemalat)verfügt.
Wenn die Sache (hal)aber so ist, wie du uns gesagt hast, war es dann falsch, dass wir gekommen sind, dich zu besuchen?" Dies alles brachten sie in ihrer Haltung (hal)zum Ausdruck.
Antwort:
"Hört euch erst einmal die folgenden fünf Punkte an. Dann erst urteilt darüber, ob euer Besuch vergeblich war, oder euch einen Nutzen gebracht hat."
Erster Punkt:
Bekanntlich überreicht ein einfacher Diener oder der (ansonsten) mittellose Soldat eines Königs einem General oder Marschall königliche Geschenke und Orden und empfängt dafür deren Dankbarkeit. Wollten diese Generäle und Marschäle aber nun sagen: "Warum erniedrigen wir uns denn vor diesem einfachen Soldaten, nehmen diese Gunsterweise und Orden aus seiner Hand an?" so wäre das nichts als Dummheit und Arroganz. Auch wenn dieser Soldat außerhalb seines Dienstes nicht vor dem Marschall aufstünde und nicht anerkennte, dass er ihm gegenüber von höherem Rang ist, so wäre auch das eine ganz törichte Dummheit. Wenn ferner einer dieser
zufriedenen Generäle in seiner Dankbarkeit in die bescheidene Hütte des Soldaten hinabstiege und der Soldat hätte nichts als trockenes Brot, so würde doch der König, um ihm aus der Verlegenheit zu helfen, da er doch die Lage (seines Soldaten) sieht und kennt, für den verehrten Gast seines treuen Dieners aus der königlichen Küche ein Tablett (mit Speisen) senden, um ihn nicht in Verlegenheit zu bringen.
In gleicher Weise wird auch ein treuer Diener des Weisen Qur'an, was für ein einfacher (Mensch) er auch immer sein mag, im Namen des Qur'an ohne zu zögern auch den höchstgestelltesten Menschen seine Befehle verkünden und auch denen, die schon alle Reichtümer des Geistes besitzen, nicht in Erniedrigung wie ein Bettler die erhabenen Diamanten des Qur'an verkaufen, sondern stolz und in Unabhängigkeit. Wie groß und bedeutend sie auch immer sein mögen, so können sie sich doch nicht überheblich verhalten gegenüber diesem einfachen Diener, der (nur still) seine Pflicht erfüllt. Und auch dieser Diener darf nicht, wenn sie sich an ihn wenden, dies für sich zu einer Quelle seines Stolzes machen und seine Grenzen überschreiten.
Wenn nun einige der Kunden an diesem heiligen Schatz diesen armseligen Diener wie einen Heiligen betrachten und ihn als einen ihrer Großen erkennen, so ist es doch das Merkmal eines heiligen Mitleids der qur'anischen Wahrheiten, ihnen zu helfen, ihnen beizustehen und sie mit allem Segen (feyiz)aus Gottes königlichem Schatz zu erfüllen, ohne dass sein Diener seiner Mitwirkung gewahr wird, um nicht seinen Diener in Verlegenheit zu bringen.
Zweiter Punkt:
Imam Rabbani und der Erneuerer (mudjeddid)des zweiten Jahrtausends, Ahmed Faruqi, mit dem Gott zufrieden sein möge, sagt: "Nach meiner Meinung ist die Entfaltung und Verdeutlichung einer einzigen Thematik unter den Glaubenswahrheiten Tausenden Freuden, Ekstasen und Wundern (keramet)vorzuziehen. Ferner ist das Ziel und Ergebnis aller Sufi Wege die Entfaltung und
Verdeutlichung der Glaubenswahrheiten." Da nun einmal ein so großer Geist unter den Sufis auf diese Weise urteilt, mögen nun auch die "Worte" (Sözler),die die Glaubenswahrheiten mit einer so vollkommenen Klarheit ausdrücken und dabei von den Geheimnissen des Qur'an ausgehen, die Ergebnisse hervorbringen, die man von einer Gottesfreundschaft erwarten darf.
Dritter Punkt:
Dreißig Jahre zuvor hagelte es auf den Kopf des Alten Said in seiner Sorglosigkeit fürchterliche Schläge herab. Er dachte an seinen Urteilsspruch:
اَلْمَوْتُ حَقٌّ
{"Der Tod ist die Wahrheit."}
Er sah sich selbst in Schlamm und Schmutz, erwartete Hilfe, suchte einen Weg, hielt Ausschau nach einem Retter, sah, wie verschieden die Wege waren, zögerte unentschlossen. Da wandte er sich an Scheich Geylani, der ein Gausul a'dham ist, griff zu seinem Futuhu-l'ghayb, schlug das Buch auf und der Satz sprang ihm die Augen:
اَنْتَ فِى دَارِ الْحِكْمَةِ فَاطْلُبْ طَبِيبًا يُدَاوِى قَلْبَكَ
{"Du bist im Hause der Weisheit (Daru-l'Hikmet). Suche einen Arzt, der dein Herz heilen kann!"}
Das war merkwürdig! Denn ich war damals Mitglied der Daru-l'Hikmeti-l'islamiye. Es war, als sei ich ein Arzt, der sich darum bemüht, die Wunden der Muslime zu heilen. Aber die schwerste Krankheit hatte ich selbst. Ein Kranker muss sich zuerst um sich selbst kümmern, bevor er andere Kranke besuchen kann.
So also sagte mir Hazret-i Scheich: "Du selbst bist krank. Suche einen Arzt für dich!" Ich antwortete: "Sei du mein Arzt!" Es war mir, als spräche er selbst zu mir, ich las das Buch so, als redete es mit mir. Aber sein Buch war fürchterlich. Und schrecklich war es, wie es meinen Stolz (gurur)zerbrach. Es vollzog in meiner Seele (nefs)eine fürchterliche
Wundoperation. Ich konnte dem nicht länger standhalten. Ich las es bis zur Hälfte, machte es zu meinem Gesprächspartener, hatte keine Ausdauer mehr, es zu Ende zu lesen. Ich legte das Buch in den Schrank. Aber danach vergingen die Schmerzen, die diese heilbringende Operation verursacht hatte. Ich bekam Geschmack an diesem Buche meines ersten Lehrers (Ustadh),las es jetzt ganz durch und zog einen großen Nutzen daraus. Ich lauschte seinen Hymnen und Gebeten und empfing viel Segen und Gewinn.
Danach habe ich die "Mektubat" vom Imam Rabbani gesehen. Ich nahm es in meine Hand, bat in reiner Absicht um ein Zeichen und schlug es auf. Seltsamer Weise gibt es im ganzen Mektubat nur zwei Stellen, wo von einem "Bediuzzaman" die Rede ist. Unerwartet öffneten sich mir diese beiden Briefe "Mektup". Meines Vaters Name war Mirza und ich sah, dass als Titel auf dem ersten dieser Briefe "Brief an Mirza Bediuzzaman" geschrieben stand. "Lobpreis und Dank sei Allah! (fesubhanallah)"sagte ich: diese Rede gilt mir. Ein Beiname des Alten Said war damals "Bediuzzaman".Denn außer Bediuzzaman-i Hemedani, der im dritten Jahrhundert nach der Hidjra unter diesem Beinamen berühmt geworden war, kannte ich keine Persönlichkeiten mit diesem Titel. Das heißt, es hatte zu Imams Zeiten noch einen Mann gegeben, dem diese beiden Briefe geschrieben worden waren. Der Zustand dieses Mannes ähnelte meinem eigenen Zustand so, dass ich in diesen beiden Briefen ein Heilmittel für meinen Kummer fand. Der Imam empfiehlt in diesen beiden Briefen das, was er auch in vielen anderen Briefen empfohlen hat, nämlich: "Tauhid sei deine Qibla!" das heißt: "Nimm dir nur einen einzigen Meister, folge ihm nach und kümmere dich um keinen anderen!" Dieser sein wichtigster Rat entsprach meiner Begabung und meinem Geisteszustand nicht. Ich dachte lange nach... sollte ich diesem folgen? oder sollte ich einem anderen folgen? Ich blieb unschlüssig. Jeder von ihnen hatte seine besonderen Eigenarten, von denen ich mich angezogen fühlte.
Nur einer von ihnen genügte mir nicht. Während ich noch unschlüssig war, gab Gott der Gerechte meinem Herzen ein: "Der Anfang dieser verschiedenen Wege (Tariqat),die Sonne inmitten der Planeten und die Quelle, aus der die Bewässerungskanäle gespeist werden, ist der Weise Qur'an, die wahrhaftige Tauhid-i Qibla findet sich in ihm. Wenn dem so ist, dann ist auch er der erhabenste Lehrer (Murschid)und der heiligste Meister (Ustadh),an dem ich mich festhalte." Meine mangelhafte, nicht gesammelte Veranlagung kann sicherlich nicht den Nutzen, den Segen, gleich dem Wasser des Lebens von diesem wahrhaften Lehrer so aufsaugen wie es sich gebührt. Wir können diesen Segen aber dem Grade der Leute des Herzens (der Sufis) und der Besitzer des Zustandes (der Ekstatiker) entsprechend, dieses Wasser des Lebens wiederum mit seinem Segen sichtbar machen. Das heißt: diese "Sözler(Worte)" und "Nurlar(Lichter)", die aus dem Qur'an entstanden, sind nicht nur wissenschaftliche Fragestellungen, sondern des Herzens, des Geistes, des (ekstatischen) Zustandes Fragestellungen nach dem Glauben und gelten als eine sehr hohe und wertvolle Gotteserkenntnis.
Vierter Punkt:
Alle die Persönlichkeiten, die sich als Sahabis, als deren Schüler (Tabiine)und als die Schüler der Tabiine auf der höchsten Stufe einer Großen Gottesfreundschaft befanden, entnahmen ihren Anteil für alle Feinheiten direkt aus dem Qur'an und da der Qur'an ein wahrer und ihnen in allem entsprechender Führer (kafi bir Murschid)war, so zeigt uns dies, dass der Weise Qur'an, so wie er jeder Zeit der Wahrheit Ausdruck verleiht, auch die Segnungen (feyiz)der Großen Gottesfreundschaft denen verleiht, die dafür empfänglich sind.
Der Übergang vom nur Äußerlichen zur Wirklichkeit geschieht in der Tat auf zweierlei Weise:
Der eine ist der, in das Zwischenreich (Berzah)der Sufis (tariqat)einzutreten und die wahre (Erkenntnis) auf einer spirituellen Reise zu erreichen, wobei man alle Stufen
(des Weges) hinter sich lässt.
Der andere aber ist der, auf dem direkten Wege, ohne erst das Zwischenreich auf dem Wege der Sufis zu betreten, mit der Gnade Gottes (lutf-u ilahi)zur wahren (Erkenntnis; haqiqat)zu gelangen. Dies ist der hohe Pfad und der kurze Weg, der für die Sahabis und die Tabiine bestimmt war.
Das aber heißt, dass die Lichter, die aus der qur'anischen Wahrheit heraus sickern und die "Worte" (Sözler),welche diese Lichter interpretieren, diese Besonderheiten besitzen könnten. Und sie besitzen sie in der Tat.
Fünfter Punkt:
Wir wollen nun hier an fünf persönlichen Beispielen darstellen, dass die "Worte" (Sözler)sowohl die Wahrheit (haqaiq)lehren, als auch die Funktion eines Führers (irshad)wahrnehmen.
Erstes Beispiel:
Ich selbst bin nicht zehn, nicht hundert, nein Tausende Male durch meine eigene Erfahrung zu der Überzeugung gelangt, dass die "Worte" und die Lichtstrahlen, die vom Qur'an ausgehen, mich nicht nur dem Verstande nach belehren, sondern auch den Zustand (hal)des Glaubens in meinem Herzen aufrichten, meinem Geist (ruh)den Geschmack am Glauben eingeben usw.... Ja sogar in Angelegenheiten, die diese Welt betreffen, geschah es häufig, und zwar in der gleichen Weise, in der ein Schüler (Muried)von seinem wundertätigen Scheich Hilfe und Segen (himmet)(in seinen alltäglichen Nöten und) Bedürfnissen erwartet, dass all meine Nöte, noch während ich eine Antwort aus den wunderwirkenden Geheimnissen des Weisen Qur'an erwartete, alles für mich auf eine Weise geregelt wurde, die ich nicht erhofft und nicht erwartet hatte. Dafür hier nun zwei kleine Beispiele, die ich selbst erlebt habe:
Erstens:
Wie dies bereits im Sechzehnten Brief ausführlich erzählt worden ist, hatte man einem meiner Gäste, mit Namen Suleyman, auf dem Wipfel einer mächtigen Zeder auf wundersame Weise einen riesigen Laib Brot gezeigt. Zwei Tage aßen wir beide von diesem Geschenk
aus dem Unsichtbaren.
Zweitens:
Ich will hier ein ganz persönliches und recht eigenartiges Beispiel erzählen, dass sich kürzlich ereignet hatte. Es war wie folgt:
Es war noch vor der Morgendämmerung als mir der Gedanke kam, dass ich zu jemandem ein paar Worte gesagt hatte, auf eine Weise, die sein Herz (qalb)hätte beunruhigen (vesvese)können. "Ach könnte ich ihn doch noch einmal sehen!", sagte ich zu mir selbst, "und könnte diese Unruhe aus seinem Herzen vertreiben." Und im gleichen Augenblick sagte ich zu mir: "Ich benötige einen Teil jenes Buches, dass nach Nis gesandt worden war. Ach könnte ich es doch wieder in meiner Hand haben!" Nach dem Morgengebet setzte ich mich. Da sah ich, wie eben dieser Mann zur Türe hereinkam und diesen Teil meines Buches in seiner Hand hielt. Ich sagte zu ihm: "Was hast du da in deiner Hand?" Er antwortete mir: "Ich weiß es nicht. Jemand hat es mir hier vor der Türe gegeben und mir gesagt, es käme aus Nis. So gebe ich es nun dir." Da sagte ich: "Ehre sei Gott! (fesubhanallah)",da kommt doch dieser Mann um diese Tageszeit aus seinem Haus und es sieht nicht gerade wie ein Zufall aus, dass dieser Teil der "Worte" aus Nis hierher kommt. Und so dachte ich mir: Es war dies sicher ein Segen des Weisen Qur'an, der einem Mann wie diesem, einen solchen Teil eines Buches wie dieses in die Hand gab, und sagte: "Lobpreis und Dank sei Gott (elhamdulillah)!Der, welcher auch noch den persönlichsten, geheimsten und unbedeutendsten Wunsch meines Herzens kennt, wird mir sicherlich Seine Barmherzigkeit erweisen und mich beschützen. Da dies aber nun so ist, werde ich von dieser Welt noch keine fünf Para Dankesschuld annehmen."
Zweites Beispiel:
Obwohl mein verstorbener Neffe Abdurrahman seit acht Jahren von mir getrennt von Gottvergessenheit und irrigen Vorstellungen von der Welt besudelt war, hatte er eine weit bessere Meinung von mir, als mir zukam. Er wollte von mir einen Segen (himmet),den ich weder besaß, noch über ihn verfügen konnte und
erwartete meinen geistigen Beistand. Der Segen des weisen Qur'an eilte ihm jedoch zu Hilfe und ließ drei Monate vor seinem Tod das "Zehnte Wort" über die Wiederauferstehung in seine Hand gelangen. Wobei dieses Wort ihn von allem geistigen Unrat, irrigen Vorstellungen und der Gottvergessenheit gereinigt hatte, so als wäre er bereits zur Stufe der Gottesfreunschaft emporgestiegen, offenbarte er in seinem Brief vor seinem Tod drei offensichtliche Zeichen seiner Wunderkraft (keramet).Dieser (Brief) wurde unter die im Siebenundzwanzigsten Brief enthaltenen Auszüge eingereiht. Dort kann man jetzt nachlesen.
Drittes Beispiel:
Ich hatte einmal einen Mitbruder aus Burdur, Schüler der (Leute, die aufrechten) Herzens (sind), mit Namen Hassan Efendi. Er hatte eine weit über alle Maßen gute Meinung von mir und erwartete von mir allen Segen (himmet)wie von einem großen Heiligen (Veli).Da traf ich eines Tages einen Mann aus einem Dorf in der Gegend von Burdur und übergab ihm, noch vorläufig ohne irgendeinen näheren Zusammenhang, das "Zweiunddreißigste Wort", damit er es studieren möge. Sodann erinnerte ich mich wieder an Hassan Efendi und sagte: "Solltest du einmal nach Burdur (in die Stadt) kommen, gib es Hassan Efendi, damit er es drei bis sechs Tage studieren kann." Da ging dieser Mann und gab es sogleich Hassan Efendi. Hassan Efendi blieben damals noch dreißig, vierzig Tage bis zu seinem Ende. Wie ein Mann, der einen schrecklichen Durst leidet, plötzlich auf eine Quelle trifft, deren Wasser süß ist wie Kauthar (im Paradies) und sich an ihr sogleich nahezu festsaugt, so saugte er sich gleichsam an diesem "Zweiunddreißigsten Wort" fest, studierte es eifrig, empfing ständig seinen Segen, fand schließlich im Dritten Kapitel, in dem die LIEBE GOTTES (MUHABBETULLAH)behandelt wird, eine vollständige Heilung für seinen Schmerz. Er fand in diesem (Kapitel) den Segen, den er von einem gewaltigen Pol (qutbu a'dham)erwartet hätte. Er hatte das Heil (saghlam)gefunden, ging nun
zur Moschee, verrichtete das Gebet und gab danach in (die Hände des) Allbarmherzigen seinen Geist (ruh)auf. (Möge Gott ihm Erbarmen schenken. (Rahmetullah aleyh))
Viertes Beispiel:
So wie Hulusi Bey in einem Abschnitt des Siebenundzwanzigsten Briefes bezeugt, fand er in diesen erleuchteten "Worten", die die Geheimnisse des Qur'an interpretieren, mehr Beistand und Hilfe, Segen und Licht als auf dem Naqshi-Weg, dem (Weg des) bedeutendsten und einflussreichsten Sufi-Ordens.
Fünftes Beispiel:
Mein Bruder Abdulmecid litt ganz schrecklich bei dem Tode Abdurrahmans (möge Gott ihm Erbarmen schenken (Rahmetullah aleyh)) und noch anderen schmerzlichen Ereignissen. Auch er erwartete von mir geistlichen Beistand und Hilfe, die ich ihm nicht geben konnte. Ich unterhielt keinen (Brief)-Kontakt mit ihm. Doch übersandte ich ihm (unabhängig davon) einige wichtige "Worte". Nachdem er sie studiert hatte, schrieb er mir: "Lobpreis und Dank sei Gott (elhamdulillah),ich bin gerettet! Ich wäre sonst noch wahnsinnig geworden! Jedes dieser Worte ist mir zum Lehrer (Murschid)geworden. Ich hatte mich von dem einen Lehrer getrennt; doch habe ich nun auf einmal viele Lehrer gefunden und bin gerettet." Ich sah, dass Abdulmecid tatsächlich in eine gute Schule (meslek)eingetreten war und aus seiner früheren Lage (vaziyet)befreit worden war.
Es gibt zahlreiche andere Beispiele außer diesen "Fünf Beispielen", die zeigen, dass dort, wo die Wissenschaft des Glaubens auf Grund eines Bedürfnisses und als Heilung für die Wunden direkt als eine geistliche Medizin aus dem Geheimnis des Weisen Qur'an erfahren wurde, diese Wissenschaft des Glaubens zur geistlichen Medizin wird, ausreichend und genügend für die, welche ihre Bedürfnisse verspüren und (diese Medizin) ernsthaft und aufrichtig anwenden. Wem auch immer der Apotheker gleicht, der sie verkauft und der Ausrufer, der sie bekannt macht, sei er nun gewöhnlich, bankrott, reich, hoch gestellt oder von niederem Rang (maqam)macht dabei wenig Unterschied.
Es ist in der Tat nicht notwendig, im Kerzenlicht zu wandeln, wenn doch die Sonne scheint! Da ich nun einmal auf die Sonne hinweise, ist es sinnlos und unnötig, von mir Kerzenlicht zu erwarten, besonders da ich (gar keine Kerzen) habe. Statt dessen wäre es notwendig, dass sie mich durch ihr Gebet, durch ihren geistigen Beistand, ja ihren Segen (himmet)unterstützen. Wenn ich sie um ihre Hilfe bitte und Beistand von ihnen erwarte, so ist dies (im Rahmen meiner Rechte und) Pflichten, während mit dem Segen, den sie aus den "Lichtern" empfangen, zufrieden zu sein, (zu den Rechten und) Pflichten gehört (die man von ihnen erwartet).
سُبْحَانَكَ لاَعِلْمَ لَنَآ اِلاَّ مَاعَلَّمْتَنَآ اِنَّكَ اَنْتَ الْعَلِيمُ الْحَكِيمُ ٭ اَللّٰهُمَّ صَلِّ عَلٰى سَيِّدِنَا مُحَمَّدٍ صَلٰوةً تَكُونُ لَكَ رِضَآءً وَلِحَقِّهِ اَدَآءً وَعَلٰٓى اٰلِهِ وَصَحْبِهِ وَسَلِّمْ
{"Gepriesen seist Du! Wir haben kein Wissen, außer dem, das Du uns gelehrt hast. Denn Du bist der Allwissende, der Allweise." (Sure 2, 32) "Oh Gott segne unseren Herrn Mohammed mit dem Segen, den wir zu Deiner Zufriedenheit und in Erfüllung (seines Rechtes und) unserer Pflicht (für ihn erbitten), seine Familie und seine Gefährten und gib ihnen Frieden."}
* * *
(Ein kleiner, privater Brief, der als Anhang zur Dritten Problemstellung dem Achtundzwanzigsten Brief beigefügt werden kann.)
An meine Mitbrüder und fleißigen Schüler Hüsrew Efendi und Re'fet Bey
Angesichts der "Sözler(Worte)" genannten Lichter aus dem Qur'an ahnten wir drei Wunder (keramet)des Qur'an. Ihr aber habt ihnen mit eurem Eifer und eurer Begeisterung noch ein viertes hinzugefügt. Die uns bekannten drei sind folgende:
Erstens:
Die außergewöhnliche Schnelligkeit und Leichtigkeit bei ihrer Abfassung. Ja, der Neunzehnte Brief, der aus fünf Teilen besteht, wurde sogar in nur zwei, drei Tagen abgefasst, wobei wir täglich nur drei, vier Stunden, also insgesamt zwölf Stunden, ohne ein Buch auf einem Berg oder in einem Weingarten gearbeitet haben. Das Dreißigste Wort wurde zu einer Zeit, in der ich krank war, in fünf, sechs Stunden abgefasst. Die Abhandlung über das Paradies, also das Achtundzwanzigste Wort, wurde in ein, zwei Stunden in Suleymans Garten am Bach abgefasst. Ich, Tewfik und Suleyman waren über diese Geschwindigkeit erstaunt. Und so weiter...
Gleich diesem Wunder des Qur'an bei der Abfassung war da
Zweitens:
auch noch eine außerordentliche Leichtigkeit, Begeisterung und Unverdrossenheit bei der Niederschrift. Zu dieser Zeit, da es viele Ursachen dafür gab, Geist und Verstand Verdrossenheit zu bereiten, erscheint einer dieser "Sözler" und an vielen Orten beginnt man mit vollkommener Begeisterung, sie niederzuschreiben. Mitten in anderen noch wichtigen Arbeiten werden sie allen anderen Dingen vorgezogen. Und so weiter...
Drittes Wunder des Qur'an:
Auch ihre Lesung bereitet keinen Verdruss. Besonders aber dann, wenn man das Bedürfnis dazu verspürt, wird das Lesen zum Genuss und lässt keine Verdrossenheit aufkommen.
Damit habt auch ihr einen Beweis für ein viertes Wunder des Qur'an erbracht. Wenn ein Mann wie unser Bruder Husrew, der sich selbst einen Faulpelz nennt und in der Tat so faul ist, dass er nicht mit dem Abschreiben begonnen hat, obwohl er doch fünf Jahre lang die "Sözler" gehört hatte, in einem Monat vierzehn Bücher schön und ordentlich abschreibt, dann ist das ohne Zweifel das vierte Wunder dieses geheimnisvollen Qur'an. Besonders der Wert der Dreiunddreißig Fenster, die den Dreiunddreißigsten Brief bilden, wurde so hoch eingeschätzt,
dass dieser sehr schön und sorgfältig abgeschrieben wurde. In der Tat ist diese Risala wegen ihrer Erkenntnis Gottes und des Glaubens an Gott eine ganz starke und überaus glänzende Abhandlung. Diese "Fenster" wurden besonders im Anfang ganz kurz und bündig abgehandelt. Doch im späteren Verlauf öffneten sie sich immer weiter, um die ganze Fülle des Lichtes hereinzulassen. Es sind ja ohnehin schon die ersten "Sözler" im Gegensatz zu den übrigen Abhandlungen kurz und bündig, werden aber dann im weiteren Verlauf ausführlicher, klarer und strahlender.
* * *
Vierte Problemstellung, zugleich vierte Abhandlung
بِاسْمِهِ ٭ وَاِنْ مِنْ شَىْءٍ اِلاَّ يُسَبِّحُ بِحَمْدِهِ
{"In Seinem Namen." "Und es gibt kein Ding, das nicht lobend Ihn preist." (Sure 17, 44)}
An meine Brüder eine Antwort auf ihre Frage in einer privaten Angelegenheit als ein Grund zur Wachsamkeit.
Meine lieben Brüder!
Ihr fragt:
Bei der Ankunft eines so gesegneten Gastes wurde diese ehrenwerte Moschee in der Nacht zum Freitag ohne jeden Grund geschändet. Was war der Anlass zu diesem Vorfall? Weshalb hat man dich belästigt?
Antwort:
Ich werde hier vier Punkte erläutern, und zwar notwendigerweise in der Sprache des alten Said. Vielleicht ist dies ein Grund zur Wachsamkeit für meine Brüder und so werdet auch ihr dadurch eure Antwort finden.
Erster Punkt:
Der Grund hinter diesem ungesetzlichen und rein "zufälligen" Zwischenfall war eine Einflüsterung des Teufels und ein Angriff der Heuchler zu Gunsten des
Atheismus, mit dem Zweck, unsere Herzen in der Nacht zum Freitag in Aufregung zu versetzen, die Gemeinde einzuschüchtern und mich daran zu hindern, mich mit den Gästen zu unterhalten. Es war schon recht merkwürdig, dass ich an jenem Donnerstag vor der Nacht (zum Freitag) ein wenig hinausgegangen war, um Luft zu schöpfen. Auf dem Rückweg erschien eine schwarze Schlange, groß als wären zwei Schlangen aneinander gebunden zu meiner linken und bewegte sich zwischen mir und meinem Begleiter hindurch. Um meinen Begleiter zu fragen, ob er sich denn über die Schlange erschrocken und sich gefürchtet habe, sagte ich zu ihm: "Hast du sie gesehen?" Er antwortete: "Was denn?" ich sagte zu ihm: "Diese fürchterliche Schlange!" Er antwortete: "Nein, ich habe sie nicht gesehen. Ich kann nichts erkennen." "Gepriesen sei Gott! (fesubhanallah)"sagte ich da, "Wie konntest du nur eine so große Schlange nicht bemerken, als sie sich zwischen uns beiden hindurchwand?"
Damals habe ich mir noch nichts dabei gedacht. Doch später tauchte in meinem Herzen (der Gedanke) auf: "Das ist ein Zeichen für dich. Pass auf!" Ich dachte mir, dass dies eine von den Schlangen war, die ich (manchmal) des Nachts sehen konnte. Denn was diese Schlangen betraf, die ich in der Nacht sah, so war es immer, wenn ein Beamter in böswilliger Absicht zu mir kam, dass ich ihn in der Gestalt einer Schlange erblickte. Ja ich habe tatsächlich einmal zu einem Distriktsdirektor gesagt: "Wann immer du in böser Absicht zu mir kommst, erblicke ich dich als eine Schlange. Pass also auf!" Schon seinen Vorgänger habe ich oft so gesehen. Das aber heißt, dass die Schlange, die ich da leibhaftig vor mir sah, ein Zeichen war, dass ihre Böswilligkeit dieses Mal keine bloße Absicht bleiben würde, sondern in die Form eines wirklichen Angriffs umgesetzt werden würde. Sicherlich war der Angriff dieses Mal noch sichtlich klein und man (war sichtlich darum bemüht, ihn) herunterzuspielen, doch aufgestachelt und gefolgt von einem skrupellosen
(Schul)Lehrer befahl der Beamte seinen Feldjägern: "Bringt diese Gäste herbei!", während sie noch in der Moschee die Tesbihat-Gebete verrichteten.
Es war seine Absicht, mich zu provozieren. Nach Art des alten Said sollte ich sie nun eigentlich wegen ihres gesetzwidrigen und rein willkürlichen Verhaltens hinaustreiben. In Wirklichkeit aber wusste der Kerl nicht, dass dieser Said sich nicht mit dem zerbrochenen hölzernen (Schwert) in seiner Hand verteidigen würde, wo doch auf seiner Zunge das diamantene Schwert von der Werkbank des Qur'an lag. Und er würde dieses Schwert in der Tat auf diese Weise gebraucht haben. Denn da die Feldjäger ihre fünf Sinne beieinander hatten und da kein Staat und keine Regierung Leute in der Moschee beim Gebet stört, während sie noch ihre religiöse Pflicht erfüllen, so warteten sie noch, bis Gebet (namaz)und Lobpreis (tesbihat)beendet waren. Darüber ärgerte sich nun dieser Beamte, sagte sich: "diese Feldjäger hören nicht auf mich." und schickte seine Waldwächter hinter ihnen her. Doch Gott der Gerechte zwingt mich nicht dazu, mich mit solchen Schlangen abzugeben.
So ist denn die Empfehlung für meine Brüder folgende: Solange noch keine zwingende Notwendigkeit besteht, sollt ihr euch nicht mit solchen (Leuten) abgeben.
جَوَابُ اْلاَحْمَقِ السُّكُوتُ
{"Die beste Antwort, die man einem dummen Menschen geben kann, ist das Schweigen."}
Diesem Sprichwort sollt ihr folgen und euch nicht entblöden, mit ihnen zu sprechen. Aber achtet darauf, dass Schwäche, einem wilden Tier gegenüber gezeigt, es dazu ermutigt, anzugreifen. Auch sich gegenüber denen, die das Gemüt (vidjdan)eines solchen wilden Tieres haben, schwach zu zeigen und ihnen schmeicheln zu wollen, ermutigt sie dazu, anzugreifen. Da dies aber so ist, müssen die Freunde wachsam sein, sodass diejenigen, die den Atheismus unterstützen, die Gleichgültigkeit und die Unachtsamkeit (der Freunde) nicht ausnutzen können.
Zweiter Punkt:
Mit dem Ferman der ehrenwerten Ayah:
وَلاَ تَرْكَنُوآ اِلَى الَّذِينَ ظَلَمُوا فَتَمَسَّكُمُ النَّارُ
{"und sucht keine Annäherung an die Übeltäter; denn sonst ergreift euch das Feuer!" (Sure 11, 113)}
werden in furchtbarer und strenger Weise nicht nur diejenigen, welche die Tyrannen unterstützen und sich ihnen als Werkzeug andienen, sondern auch solche bedroht, die dazu geneigt wären.
Denn: So wie jede Zustimmung zum Unglauben Unglaube ist, so ist auch jede Zustimmung zu einem Verbrechen (zulm)ein Verbrechen (zulm).
So erklärt denn einer der Leute der Vollkommenheit unter den vielen Juwelen der obigen Ayah das folgende Juwel in vollkommener Weise:
Ein Helfer der Tyrannen in dieser Welt ist ein gemeiner Mensch, ein Hund, der seine Freude daran findet, einem ungerechten Jäger zu dienen.
Manche von ihnen benehmen sich in der Tat wie Schlangen, andere wie Hunde... Wer in einer segensreichen Nacht, wenn ein segensreicher Gast segensreiche Gebete (dua)verrichtet, Spitzeldienste verrichtet, so als hätten wir ein Verbrechen begangen, und denunziert und uns so entgegen arbeitet, so verdient er sicherlich eine Ohrfeige entsprechend der Bedeutung des obigen Gedichtes.
Dritter Punkt:
Frage:
Da du dich nun einmal auf den segensreichen und erleuchtenden Einfluss des Qur'an stützt, der auch noch die widerspenstigsten und hartnäckigsten Atheisten zu leiten vermag, was du ja auch tatsächlich tust, warum rufst du dann nicht diese aggressiven Leute in deiner Nähe zu Dir und leitest sie zum Glauben und auf den rechten Weg?
Antwort:
Einer der wichtigsten Grundpfeiler des islamischen
Gesetzes (Schari'a)lautet:
اَلرَّاضِى بِالضَّرَرِ لاَ يُنْظَرُ لَهُ
Das heißt: "Wer wissentlich mit einem Schaden einverstanden ist, den darf ich nicht lieben (shefqat)und mich für ihn einsetzen."
So versichere ich denn gestützt auf die Kraft des Weisen Qur'an: "unter der Bedingung, dass jemand nicht allzu niederträchtig ist und nicht wie eine Schlange seine Freude daran hat, das Gift seines Irrglaubens überall zu verbreiten, auch noch den hartnäckigsten Ungläubigen in nur wenigen Stunden, wenn schon nicht zu überzeugen, so doch zum Schweigen zu bringen." Jedoch zu jemandem über die Wahrheit zu sprechen, der in seinem Gewissen so tief hinab ins Bodenlose gefallen ist, zu einer Schlange in Menschengestalt, die einen solchen Grad der Heuchelei erreicht hat, dass sie ihren Glauben wissentlich an die Welt verkauft, dass sie wissentlich die Diamanten der Wahrheit gegen diese schmutzigen und gefährlichen Glasscherben eintauscht, ist ein Mangel an Respekt gegenüber dieser Wahrheit. Das gleicht dem Sprichwort:
كَتَعْلِيقِ الدُّرَرِ فِى اَعْنَاقِ الْبَقَرِ
{"...als wollte man Perlen um den Hals der Kühe hängen."}
Denn diejenigen, welche diese Dinge tun, haben die Wahrheit schon oft aus der Risale-i Nur vernommen und versuchen nun diese Wahrheit wissentlich im Interesse ihres Irrglaubens zu widerlegen. Solche Leute schöpfen wie die Schlangen Freude aus ihrem Gift.
Vierter Punkt:
Die Behandlung, die ich sieben Jahre lang erfahren habe, war rein willkürlich und außerhalb des Gesetzes. Denn die Gesetze für die Verbannten, die Kriegsgefangenen und die Strafgefangenen sind eindeutig.
Sie können nach dem Gesetz sich mit ihren Verwandten treffen und sie werden nicht daran gehindert, einander zu schreiben. In jedem Land und in jedem Volk sind Dienst, Anbetung und Gehorsam gegenüber Gott vor allen Belästigungen geschützt. Andere, gleich mir (in der selben Lage), blieben mit ihren Verwandten und mit ihren Freunden zusammen. Sie wurden weder daran gehindert, zu schreiben, noch Neuigkeiten mit ihnen auszutauschen, noch sich frei umher zu bewegen. Mich hat man behindert. Ja man hat mich sogar in der Moschee (belästigt) und vom Gebet abgehalten. Und während es nach der Schule (Mesheb)der Schafis Sunnah ist, im Tesbihat die Worte des Tauhid zu wiederholen, hat man sich darum bemüht, mich dazu zu veranlassen, damit aufzuhören. Ja es kam sogar einer von denen, die nach Burdur ausgewandert waren, ein Mann ohne jede Schulbildung mit Namen Schebab, zusammen mit seiner Schwiegermutter hierher, weil sie eine Luftveränderung brauchten. Sie kamen zu mir, weil wir Landsleute sind. Sie wurden von drei bewaffneten Feldjägern aus der Moschee hinausgeführt. Danach versuchte dann der Beamte, (den Umstand) zu überspielen, dass er gegen das Gesetz gehandelt und also einen Fehler begangen hatte und sagte: "Verzeihen Sie mir bitte und nehmen Sie mir das bitte nicht übel! Doch es war meine Pflicht!" Sodann entließ er sie mit dem Befehl: "Geht jetzt!"
Wenn man diesen Vorfall und noch andere Dinge dieser Art mit einer solchen Behandlung vergleichen will, dann wird verständlich, dass man rein willkürlich mit mir umgegangen ist und Hunde und Schlangen auf mich losgelassen hat. Doch ich habe mich nicht entblödet, mich mit ihnen abzugeben. Ich überlasse es aber Gott dem Gerechten, weitere Untaten dieser Übeltäter zu verhindern. In der Tat sind die, welche diesen Zwischenfall verschuldet haben, der zu meiner Umsiedlung geführt hat, längst wieder in ihre Heimat zurückgekehrt und wieder mächtige Häuptlinge an der Spitze ihres Stammes geworden.
Ein jeder von ihnen ist (aus der Verbannung) entlassen worden. Nur mich und noch zwei anderen Personen hat man (von dieser Entlassung) ausgenommen. Ich habe kein Interesse an ihren weltlichen (Angelegenheiten). Mögen sie ihnen ihre Köpfe abnagen! Für mich selbst habe ich schon mein OK (ist schon in Ordnung in dieser Angelegenheit) gegeben. Doch von den anderen beiden Personen ist der eine irgendwo zum Mufti ernannt worden. Er kann überall hinfahren, außer in seine Heimat, ja sogar nach Ankara reisen. Den anderen hat man nach Istanbul (verbannt, wo er) mit vierzigtausend Landsleuten und auch noch mit jedem anderen verkehren kann. Im Gegensatz zu mir sind diese beiden Personen nicht so wie ich völlig allein gelassen und solche, um die sich niemand kümmert... Wie wunderbar hat Gott es doch gewollt (mashallah),dass sie so großen Einfluss haben. Des Weiteren... und ferner...
Mich aber haben sie in ein Dorf gesteckt und Menschen über mich gesetzt, die sich daraus überhaupt gar kein Gewissen machen. Ich konnte nur ins Nachbardorf gehen, zwanzig Minuten von hier, zwei Mal in sechs Jahren. Sie haben mir noch nicht einmal erlaubt für ein paar Tage Luftwechsel dahin zu gehen, mich vielmehr mit ihrer Tyrannei nur noch mehr unter Druck gesetzt. Doch was für eine Regierungsform auch immer (ein Land) annehmen mag: das Gesetz ist immer dasselbe für alle. Da kann es doch nicht für die verschiedenen Dörfer und die einzelnen Personen so ganz verschiedene Gesetze geben. Das heißt, bei dieser Rechtslage ist das Gesetz für mich die Gesetzlosigkeit. Die hiesigen Beamten gebrauchen ihren Einfluss auf die Regierung für ihre persönlichen eigennützigen Absichten. Doch ich bringe Gott dem Herrn in Seiner Allbarmherzigkeit hunderttausend Mal meine Danksagung dar, mache die Wohltaten bekannt, die Er mir erweist und sage: "All ihre Unterdrückung und die ganze Tyrannei wird mir zu Holzscheiten, deren Kraft und Hilfe die Lichter des Qur'an erleuchtet, sie entzündet und
erstrahlen lässt. Und diese Lichter des Qur'an, welche eine solche Verfolgung erlitten und sich in dieser Kraft und in diesem Feuer ausgebreitet haben, haben diesen Bezirk, ja selbst den größten Teil des Landes zu einer Schule (Medrese)anstelle von Barla gemacht. Man hat geglaubt, ich sei ein Gefangener in einem Dorf. Doch den Ungläubigen zum Trotz, wurde Barla zu einem Lehrstuhl, und viele Plätze wie auch Isparta sind zu einer Medrese geworden..."
اَلْحَمْدُ لِلّٰهِ هٰذَا مِنْ فَضْلِ رَبِّى
{"Lobpreis und Dank sei Gott! Dies ist von der Gnade meines Herrn!"}
* * *
Fünfte Problemstellung, zugleich fünfte Abhandlung
Eine Abhandlung über die Dankbarkeit
بِسْمِ اللّٰهِ الرَّحْمٰنِ الرَّحِيمِ ٭ وَاِنْ مِنْ شَىْءٍ اِلاَّ يُسَبِّحُ بِحَمْدِهِ
{"Im Namen Gottes, des Erbarmers, des Allbarmherzigen. Und es gibt kein Ding, das nicht in Dankbarkeit ihn lobpreist"}
In der Wiederholung des Qur'an, der in seiner Verkündigung ein Wunder ist:
اَفَلاَ يَشْكُرُونَ ٭ اَفَلاَ يَشْكُرُونَ ٭ وَسَنَجْزِى الشَّاكِرِينَ ٭ لَئِنْ شَكَرْتُمْ لَاَزِيدَنَّكُمْ ٭ بَلِ اللّٰهَ فَاعْبُدْ وَكُنْ مِنَ الشَّاكِرِينَ
{"Wollen sie etwa nicht Dank sagen?" (Sure 36, 35) "Wollen sie etwa nicht dankbar sein?" (Sure 36, 73) "Und wir werden sicherlich die belohnen, die dankbar sind." (Sure 3, 145) "Wenn ihr Dank sagt, werde ich euch noch mehr (Gnade) erweisen." (Sure 14, 7) "Doch bete Gott an, diene Ihm und sei einer von denen, die Ihm ihren Dank erweisen." (Sure 39, 66)}
Diese und ähnliche Ayat zeigen uns: die wichtigste Sache, die der Barmherzige Schöpfer (Khaliq-i Rahman)von Seinen Dienern
erwartet, ist Dankbarkeit (shukur).Mit der Weisen Unterscheidung (Furkan-i Hakiem)lädt Er uns mit allem Nachdruck zur Danksagung ein. Er zeigt, dass es eine Art Leugnung und Zurückweisung Seiner Gnadengaben ist, nicht Dank zu sagen und warnt auf fürchterliche und schreckliche Weise einunddreißig Mal mit dem Ferman in der Sure vom Allbarmherzigen (er-Rahman),und zwar mit dieser (folgenden) Ayah:
فَبِاَىِّ اٰلآَءِ رَبِّكُمَا تُكَذِّبَانِ
{"Doch welchen Gnadenerweis eures Herrn wollt ihr nun leugnen?" (Sure 55, 13)}
Damit wird gezeigt, dass es eine Verleugnung und Zurückweisung (tekzib ve inkar)ist, nicht Dank zu sagen.
So wie der Weise Qur'an zeigt, dass die Folge der Schöpfung Dankbarkeit ist, so zeigt in der Tat auch das Weltall als der Große Qur'an, dass die bedeutendste Folge der Erschaffung der Welt Dankbarkeit ist. Denn wenn man das Universum aufmerksam beobachtet, so sieht man, dass alle Dinge in Dank münden, in der Weise, dass ein jedes Ding in gewisser Weise auf Dank ausgerichtet und ihm zugewandt ist. Es ist so, als ob die wichtigste Frucht am Baum der Schöpfung der Dank ist und das erhabenste Produkt, das in der Fabrik des Universums hergestellt wird, der Dank ist. Denn in der geschaffenen Welt sehen wir, dass in der Welt allen Seins alle Dinge in einem Kreislauf angeordnet sind, mit dem Leben als seinem Mittelpunkt. Alle Dinge sind auf das Leben hin ausgerichtet und dienen dem Leben und produzieren alles, was zum Leben notwendig ist. Das heißt, der Herr, der den Kosmos erschuf, erwählte aus ihm das Leben.
Sodann sehen wir, dass Er die Welt alles Lebendigen in Form eines Kreises erschuf und den Menschen in seine Mitte setzte. Es war, als wolle Er das Ziel, das (im Reich des) Lebendigen angestrebt war, im Menschen konzentrieren und (zugleich dieses ganze Reich alles) Lebendigen
um ihn herum versammeln, es ihm unterwerfen, ihm zu Diensten machen und ihn selbst zum Herrn (Hâkim)über es setzen. Das heißt, der Glorreiche Schöpfer (Khaliq-i Dhu l-Djelal)wählte unter allen Lebewesen den Menschen aus und wollte (irade)und bestimmte (ihtiyar)diese Stellung für ihn in der Welt.
Sodann sehen wir, dass die Welt der Menschen und auch das Tierreich in einem Kreis angeordnet ist, mit der Versorgung als ihrem Mittelpunkt. Er hat die Menschheit und sogar die Tiere mit einer Liebe (ashk)zu ihrer Versorgung ausgestattet, hat sie davon abhängig gemacht und sie in ihren Dienst gestellt. Was sie regiert ist ihre Versorgung. Und Er hat ihre Versorgung zu einem so weiten und reichen Schatz gemacht, dass er grenzenlos viele Gnadengaben (ni'met)umfasst. Ja um auch nur eine unter all den vielen möglichen Geschmacksrichtungen unterscheiden zu können, hat er entsprechend der Anzahl der Speisen ebensoviele Geschmacks- (und Geruchs) empfindungen gleich unendlich hochempfindlichen Messinstrumenten auf der Zunge (und in der Nase) angeordnet. Das heißt, dass sich die bemerkenswerteste, wertvollste, wundervollste, schönste, angenehmste und umfassendste, ja nachgerade einzigartige Wahrheit in der Versorgung (offenbart).
So sehen wir denn nun: So wie sich alles rund um die Versorgung herum gruppiert und darauf ausgerichtet ist, so besteht auch die Versorgung in all ihren materiellen wie spirituellen, verbalen wie nonverbalen Ausdrucksmöglichkeiten durch die Dankbarkeit weiter, setzt sich in Dankbarkeit fort, lässt die Dankbarkeit weiter wachsen und bezeigt Dankbarkeit. Denn der Hunger und das Verlangen nach Versorgung ist eine Art naturgegebener Dankbarkeit. Freude und Genuss zu empfinden ist auch eine Art unbewusster Dankbarkeit und diese Art Dankbarkeit findet sich auch bei allen Tieren. Nur der Mensch weicht durch Irrglaube und Unglaube vom Wesen dieser natürlichen Dankbarkeit ab und begibt sich von der Dankbarkeit in die Abgötterei.
Des Weiteren laden die überaus schön verzierten Formen, die überaus schönen Düfte, der überaus delikate Geschmack der Gnadengaben, die unsere Versorgung sind, zur Dankbarkeit ein, fordern alles Lebendige zur Bewunderung auf, führen in dieser Bewunderung zu einer Art von Begeisterung und Hochachtung und erwecken so in uns das Gefühl einer tiefen inneren Dankbarkeit. Sie lenken die Aufmerksamkeit aller fühlenden Wesen auf sich und erregen deren Bewunderung. Sie ermuntern sie, alle diese Gnadengeschenke zu achten. Dadurch leiten sie sie dazu an, in Worten und in ihrer Haltung (hal)ihre Dankbarkeit zu erweisen, dankbar zu sein und führen sie auf diese Weise dazu, in aller Dankbarkeit die süßeste Freude und das höchste Vergnügen zu erleben. Das heißt, sie zeigen damit, dass sie zusammen mit dieser wohlschmeckenden Versorgung und den Gnadengaben, die einem kurzen, vorübergehenden oberflächlichen Vergnügen (verbunden sind), die Gunst des Allerbarmers (iltifat-i Rahman),die einen immerwährenden, wahrhaftigen, unendlichen Genuss und Freude in sich trägt, durch diese Dankbarkeit erwerben. Das heißt: Sie erinnern an die Gunst des freigiebigen Königs (Malik-i Keriem)der Schatzkammern der Barmherzigkeit, die von so unendlicher Süße ist und veranlassen so, die ewig währenden Freuden des Paradieses noch in dieser Welt zu verkosten. Wenn also auf diese Weise unsere Versorgung durch unsere Dankbarkeit zu einem wertvollen, reichen, alles umfassenden Schatz wird, so wird sie durch unsere Undankbarkeit vollkommen wertlos.
Wie im Sechsten Wort bereits erklärt wurde, wird der Geschmackssinn von Zunge (und Nase), wenn er nach dem Willen Gottes des Gerechten, das heißt mit unserer inneren Aufgabe zur Dankbarkeit, der Versorgung zugewandt, so wird dieser Geschmackssinn von Zunge (und Nase) zu einem zufriedenen Küchenchef der zahllosen Küchen der unerschöpflichen Barmherzigkeit Gottes und zu einem begeistert (Gott lobpreisenden), besonders
befähigten Verwalter. Wenn (dieser Geschmackssinn) aber nach eigenem (nefs)Willen nur der Versorgung zugewandt ist, das heißt, wenn er ohne an seine Dankespflicht gegenüber dem zu denken, der sie geschenkt hat, so wird dieser Geschmackssinn der Zunge vom Rang eines besonders befähigten Verwalters auf die Stufe eines Wachmanns am Tore der Fabrik des Bauches und Mundschenks an der Pforte des Magens herabsinken. So wie der Diener der Versorgung (der Geschmackssinn) durch seine Undankbarkeit auf eine solche Stufe hinabsteigt, so sinken auch der Wert der Versorgung und all ihrer Diener (d.h. der Wert des gesamten Versorgungssystems, des Verdauungssystems, der Sinnesorgane und des gesamten Organsystems - A.d.Ü.) von der höchsten Stufe (maqam)auf die niedrigste Stufe (maqam)herab auf eine Ebene, die der der Weisheit des Schöpfers des Alls zuwider und ihr entgegengesetzt ist.
Der Maßstab der Dankbarkeit ist Genügsamkeit, Sparsamkeit, Einwilligung und Zufriedenheit. Prüfstein aller Undankbarkeit aber ist die Habsucht, die Verschwendung, die Respektlosigkeit und der (gleichgültige) Verzehr (aller Speisen), ohne (die Gesetze von) haram und helal zu beachten.
So wie die Habsucht Undankbarkeit ist, so ist sie in der Tat auch ein Grund zur Entbehrung und zugleich auch ein Fahrzeug, das direkt ins Elend führt. Ja es ist sogar so, als würden die gesegneten Ameisen, die doch über ein ganzes Gemeinschaftsleben verfügen, durch ihre Habsucht stets unter unseren Füßen bleiben und zertreten. Denn obwohl ihnen doch schon einige wenige Weizenkörner für ein ganzes Jahr genügen könnten, sind sie dennoch nicht damit zufrieden, sondern würden selbst Tausende davon sammeln, wenn sie nur könnten. Hingegen fliegt die gesegnete Biene wegen ihrer Genügsamkeit über uns. Weil sie so genügsam ist, bereitet sie in ihrer Güte (ihsan)auf Gottes Geheiß Honig für die Menschen und gibt ihn ihnen zu essen.
Der Name des Allerbarmers (Rahman),der nach Seinem allumfassenden Namen "Allah", dem Eigennamen des Allheiligen Herrn, der gewaltigste ist, bezieht sich in der Tat auf die Versorgung (rizq).Und durch die Dankbarkeit, (die eine Folge) der Versorgung ist, kann dieser Name erreicht werden. Ferner ist von dem Namen "der Allerbarmer (Rahman)"die offensichtlichste Bedeutung "der Versorger (Rezzaq)".
Überdies gibt es verschiedene Arten der Dankbarkeit. Von diesen Arten ist die umfassendste und gleichsam deren allgemeines Verzeichnis das Gebet (namaz).
Des Weiteren gibt es innerhalb der Dankbarkeit einen reinen Glauben und ein aufrechtes (Bekenntnis) zur Einheit (Tauhid).Denn ein Mensch, der einen Apfel isst und dann: "Dank sei Gott! (elhamdulillah)"sagt, gibt durch seinen Dank bekannt: "Dieser Apfel ist eine unmittelbare Erinnerung an die Hand des Allmächtigen (qudret),ein Geschenk direkt aus dem Schatz Seiner Barmherzigkeit." Während er dies sagt und fest davon überzeugt ist, übergibt er alles, ob klein oder groß, der Hand des Allmächtigen. Er erkennt in jedem Ding die Erscheinung Seiner Barmherzigkeit. Er gibt durch seine Dankbarkeit seinen wahren Glauben bekannt und legt so ein aufrichtiges (Bekenntnis) zur Einheit (Tauhid)ab.
Von den vielen Aspekten dieses großen Verlustes, den gottvergessene Menschen durch ihre Undankbarkeit gegenüber den Gnadengaben Gottes erleiden, wollen wir hier nur einen einzigen anführen. Es ist dies wie folgt:
Wenn ein Mensch ein wohlschmeckendes Geschenk (ni'met)isst und dafür dankt, so wird ihm das Geschenk, das er gegessen hat, durch seinen Dank zu einem Licht und zu einer Frucht des Paradieses in der anderen Welt. Dieser Geschmack, der ihn daran denken lässt, dass dies ein Werk der Gunst der Barmherzigkeit Gottes des Gerechten ist, gibt ihm einen großen Genuss und eine beständige Freude. Auf diese Weise sendet er geistige Extrakte und Essenzen und geistige Stoffe hinauf in die
höheren Welten (maqam),während die materiellen Überreste, der Treber und die Schale, welche ihre Aufgabe erfüllt haben, die unnütz gewordene Materie, alle überflüssigen Stoffe zurückkehren zu (Staub und Asche, ihren ursprünglichen) Elementen. Wenn er aber nicht dankt, dann hinterlassen die zeitlichen Vergnügungen Kummer und Schmerz in ihrem Vorübergehen und werden zu Unrat. Geschenke im Werte von Diamanten verlieren (dann ihren Wert und ihre Bedeutung wird gleich) der Kohle. Durch den Dank erhält unsere vergängliche Versorgung (den Wert) einer ewig bleibenden Freude und niemals verderbender Früchte. Doch eine Gabe ohne Dankbarkeit verwandelt sich von ihrer allerschönsten Form in eine ganz hässliche Form. Denn für den Gottvergessenen ist das Ende aller Versorgung nach einem vorübergehenden Vergnügen die Entsorgung.
Versorgung ist in der Tat eine Art Körper, der der Liebe (ashk)wert ist. Und dieser Körper wird durch die Dankbarkeit sichtbar. Anderenfalls ist die Liebe der Gottvergessenen und Irregeleiteten für ihre Versorgung einfach tierisch. Ihr könnt nun noch weiter vergleichen (und sehen), was für einen Verlust die Irregeleiteten und Gottvergessenen erfahren.
Unter den vielen Arten alles Lebendigen ist diejenige, die am meisten der verschiedenen Arten der Versorgung bedarf, die menschliche Gattung. Gott der Gerechte erschuf den Menschen in Form eines Sammelspiegels für all Seine Namen, als ein Wunderwerk Seiner Macht, das die Anlagen besitzt, den Inhalt aller Schätze Seiner Barmherzigkeit zu wägen und kennenzulernen und (Er erschuf ihn) als Seinen Kalifen hier auf Erden, der die Werkzeuge besitzt, um die Erscheinungen all Seiner Namen und alle die Feinheiten Seiner Kunstwerke auf die Waage zu stellen. Daher gab Er ihm ein grenzenloses Bedürfnis, machte ihn bedürftig für die endlos vielen Arten der Versorgung, materiell wie geistig. Das Mittel, das den Menschen entsprechend seiner vielfältigen Begabung
zur höchsten Stufe alles Geschaffenen (ahsan-i taqwiem)emporführt, ist die Dankbarkeit. Gibt es keine Dankbarkeit, so stürzt er auf die niedrigste der niedrigen (Stufen) herab und begeht eine gewaltig große Ungerechtigkeit.
Kurzum:
Der bedeutendste Grundsatz unter vier Grundsätzen der Orden derer auf dem Weg des Dienstes, der Anbetung und der Erlangung der Liebe Gottes (tariq-i ubudiyet ve mahbubiyet),und zugleich auch der höchste und erhabenste Weg, ist die Dankbarkeit. Diese vier Grundsätze sind folgendermaßen formuliert:
"In dem Orden der Besitzlosen (acz-i mendi) sind vier Dinge notwendig:
vollkommene Armut,
vollkommene Unterwerfung (acz = die Schwachheit des Menschen gegenüber der göttlichen Allmacht),
vollkommene Dankbarkeit und
vollkommene Hingabe (shauk = die Begeisterung des Herzens für Gott, seinen Herrn),
Oh ihr Freunde! (aziz = ein Mensch, der die Heiligkeit Gottes respektiert und Seine göttlichen Geschenke nicht zu irdischen Zwecken missbraucht)."
اَللّٰهُمَّ اجْعَلْنَا مِنَ الشَّاكِرِينَ بِرَحْمَتِكَ يَآ اَرْحَمَ الرَّاحِمِينَ ٭ سُبْحَانَكَ لاَعِلْمَ لَنَآ اِلاَّ مَاعَلَّمْتَنَآ اِنَّكَ اَنْتَ الْعَلِيمُ الْحَكِيمُ ٭ اَللّٰهُمَّ صَلِّ وَسَلِّمْ عَلٰى سَيِّدِنَا مُحَمَّدٍ سَيِّدِ الشَّاكِرِينَ وَالْحَامِدِينَ وَعَلٰٓى اٰلِهِ وَصَحْبِهِ اَجْمَعِينَ. اٰمِينَ ٭ وَاٰخِرُ دَعْوٰيهُمْ اَنِ الْحَمْدُ لِلّٰهِ رَبِّ الْعَالَمِينَ
{"Oh Gott, setze uns unter diejenigen, die Dir dankbar sind, durch Dein Erbarmen, oh Barmherziger aller Barmherzigen!" "Gepriesen seist Du! Wir haben kein Wissen außer dem, was Du uns gelehrt hast. Denn Du bist der Allwissende, der Allweise." (Sure 2, 32) "Oh Gott, gib Deinen Segen unserem Herrn Mohammed, dem Haupt all derer, die (Gott) Dank sagen und Ihn lobpreisen, ihm und seiner Familie und allen seinen Gefährten. Amen." "Und ihr letztes Gebet wird sein: Aller Lob und Preis sei Gott, dem Herrn der Welten."}
* * *
Sechste Problemstellung, zugleich Sechste Abhandlung
Diese Abhandlung ist der Sammlung osmanischer Briefe beigefügt und deswegen hier nicht weiter aufgeführt.
* * *
Siebente Problemstellung, zugleich siebente Abhandlung
بِسْمِ اللّٰهِ الرَّحْمٰنِ الرَّحِيمِ ٭ قُلْ بِفَضْلِ اللّٰهِ وَبِرَحْمَتِهِ فَبِذٰلِكَ فَلْيَفْرَحُوا هُوَ خَيْرٌ مِمَّا يَجْمَعُونَ
{"Im Namen Gottes, des Erbarmers, des Barmherzigen. Sprich: Bei dem Wohlgefallen (fadl) Gottes und Seiner Barmherzigkeit; wahrlich: Sie können sich daran erfreuen, denn Er ist besser, als all das, was sie sammeln!" (Sure 10, 58)}
Diese Problemstellung kann man in siebenfacher Weise angehen.
Als erstes wollen wir die sieben Ursachen, welche einige Geheimnisse der göttlichen Gnadengaben (inayet)erkennen lassen, in der Form einer Verkündigung der Wohltaten Gottes (tahdis-i nimet)besprechen.
Erste Ursache:
Im vergangenen Weltkrieg oder noch davor erblickte ich mich inmitten einer echten Erscheinung (vakia-i sadiqa)am Fuße des bekannten großen Berges im Araratgebirge. Plötzlich zerbarst der Berg mit gewaltigem Krachen und riesige Felsbrocken wurden überall umhergeschleudert. Inmitten dieses Entsetzens erblickte ich meine verstorbene Mutter an meiner Seite und sagte zu ihr: "Fürchte dich nicht, oh meine Mutter. Dies ist auf Befehl Gottes des Gerechten. Er ist sowohl barmherzig, als auch weise." Und während ich mich noch in diesem Zustand befand, schaute ich eine bedeutende Persönlichkeit, die mir gebot: "Erkläre den Qur'an! Groß
ist er und wunderbar."
Da erwachte ich und verstand: "Es wird sich ein großer Umsturz ereignen. Und nach diesem Umsturz wird eine Erneuerungsbewegung einsetzen und die Mauern zerbrechen, die den Qur'an bisher umgeben haben. Und unmittelbar darauf wird der Qur'an sich selbst verteidigen. Man wird den Qur'an angreifen. Sein Wunder wird wie ein stählerner Panzer sein; und dieses Wunder wird sich in jeder Zeit als über alles Maß hinaus erweisen und sich der Gestalt eines Mannes wie mich als Anwalt bedienen. Und ich verstand, dass ich dieser Kandidat sein sollte."
Da also nun einmal durch die "Sözler" bewirkt wurde, dass das Wunder, welches der Qur'an ist, klar zu Tage trat, bedeutet es sicherlich eine Hilfe, wenn wir die Gnadengaben aufzeigen, die sich bei unserem Dienst eingestellt haben und die diesem Wunder zugerechnet, gewissermaßen aus ihm hervorgegangen und als dessen Segen betrachtet werden können und die wir deshalb auch aufzeigen müssen.
Zweite Ursache:
Da also nun einmal der Weise Qur'an unser Lehrer (Murschid),unser Meister (Ustadh),unser Vorsteher (Imam)und unsere Richtschnur (Rehber)im untadeligen Benehmen ist und ein Hymnus, der seinen eigenen Lobpreis besingt, werden auch wir, seiner Belehrung folgend, seine Auslegung (tefsir)loben.
Da nun einmal die Worte (Sözler),welche niedergeschrieben wurden, eine Art seiner Auslegung sind und diese Abhandlungen das Eigentum und die Realität der Wahrheiten des Qur'an, und da nun einmal der Weise Qur'an in den meisten seiner Suren, besonders aber in den Chiffren wie "Elif-Lam-Ra" oder "Ha-Mim" sich selbst in seiner ganzen Vollkommenheit und Größe zeigt, über seine Vollkommenheit spricht und den Lobpreis, der ihm gebührt, sich selbst bereitet, sind auch wir dazu verpflichtet, die Gnadengaben (inayat)des Herrn aufzuzeigen, welche ein Zeichen setzen auf das Wunder der Funken
des Weisen Qur'an, die sich in den "Sözler" widerspiegeln und auch dafür, dass unser Dienst angenommen wurde. Denn unser Meister (Ustadh)tut so und unterrichtet so.
Dritte Ursache:
Ich spreche über die "Sözler" nicht in Bescheidenheit, sondern sage, um die Wahrheit klarzulegen: "Die Wahrheit und Vollkommenheit der "Sözler" stammt nicht von mir, sondern aus dem Qur'an, ist ein Tropfen aus dem Qur'an." Auch das "Zehnte Wort" besteht aus solchen Tropfen, die aus hunderten von Ayat aus dem Qur'an herausgefiltert worden sind. Das gleiche gilt auch für die übrigen Abhandlungen. Da ich dies also weiß und weil ich sterblich bin und dahingehen werde, darf man ganz gewiss nicht eine Sache und ein Werk, das bleiben wird, mit mir in Verbindung bringen. Es darf nicht an mich gebunden sein und werden. Und da es nun einmal eine Gewohnheit der Leute des Irrweges und der Übertretung ist, ein Werk, das ihnen nicht gelegen kommt, dadurch zu kritisieren, dass sie den Verfasser dieses Werkes kritisieren, sollte man die Abhandlungen, die an die Sterne über dem Himmel des Qur'an gebunden sind, gewiss nicht an einem so morschen Pfosten wie mir festmachen, der ich ein Anlass zu Widerspruch und Kritik bin und fallen kann. Da es nun einmal unter Menschen üblich ist, die Vorzüge eines Werkes in dem Verhalten seines Verfassers zu suchen, den sie als Ursprung und Quelle ansehen, und da es gegenüber der Wahrheit eine Unwahrheit wäre, wollte man dieser Gewohnheit entsprechend diese hohen Wahrheiten und kostbaren Juwelen einer Persönlichkeit zuschreiben, die dermaßen bankrott ist, dass sie davon noch nicht einmal ein Tausendstel vorzeigen kann, muss ich offenlegen, dass diese Abhandlungen nicht mein Eigentum sind, vielmehr ihre Vorzüge Tropfen aus dem Qur'an sind und Eigentum des Qur'an. Man kann doch die Ursache für die Qualität wohlschmeckender Weintrauben wirklich nicht in einem verdorrten Weinstock suchen! Und doch bin gerade auch ich so ein
vertrockneter Stab.
Vierte Ursache:
Manchmal führt Bescheidenheit zur Undankbarkeit für ein Geschenk, ist vielmehr selbst eine Undankbarkeit für das Geschenk. Manchmal artet auch die Verkündigung der Wohltaten Gottes (tahdis-i nimet)in Selbstgefälligkeit aus. Beides ist vom Übel. Der einzige Ausweg ist der, weder Undankbarkeit für ein Geschenk aufkommen zu lassen, noch selbstgefällig zu werden. Man muss also Qualität und Vollendung anerkennen, darf sie aber nicht sich selbst zuschreiben, sondern muss aufzeigen, dass sie Gnade und Werk dessen sind, der in Wahrheit der Geber aller guten Gaben ist. Zum Beispiel: Zöge dir jemand ein wunderhübsches Kleid an, das mit kostbaren Steinen geschmückt ist und auf das du mit Recht stolz sein darfst und in dem du auch sehr gut aussiehst und die Leute dir dann sagten: "Mascha-a'llah! Wie hübsch du aussiehst und wie wundervoll es dich kleidet!" und wenn du dann in deiner Bescheidenheit sagtest: "Gott bewahre!... Was bin ich schon? Nichts bin ich. Was ist das schon? Wo ist Schönheit?" dann ist das Undankbarkeit für das Geschenk und eine Beleidigung gegenüber dem begnadeten Künstler, der dich mit einem solchen Gewand bekleidet hatte. Sagst du aber in deinem Stolz: "Recht habt ihr. Ich bin wirklich schön. Wo gibt es eine, die so schön wäre wie ich. Zeigt mir doch eine, die mir gliche!..." so wäre dies eine überhebliche Selbstgefälligkeit.
Sich also vor dem Stolz und der Undankbarkeit zu bewahren, muss man antworten: "Ja, ich bin wirklich sehr schön geworden. Aber diese Schönheit steckt in dem Kleid und gebührt durch seine Vermittlung dem, der mich mit diesem Gewand bekleidet hat, nicht mir."
So möchte auch ich, würde meine Stimme dazu ausreichen, über den ganzen Erdball hinweg ausrufen: "Die Sözler sind wunderschön, sie sind die Wahrheit. Aber sie entstammen nicht mir. Blitzstrahlen sind es, die aus der Wahrheit des Ehrwürdigen Qur'an aufleuchten..."
وَمَامَدَحْتُ مُحَمَّدًا بِمَقَالَتِى ٭ وَلٰكِنْ مَدَحْتُ مَقَالَتِى بِمُحَمَّدٍ
{"Ich konnte mit meinem Artikel Mohammed keine Schönheit verleihen. Doch Mohammed hat meinem Artikel seine Schönheit verliehen."}
Dementsprechend sage auch ich:
وَمَامَدَحْتُ الْقُرْاٰنَ بِكَلِمَاتِى ٭ وَلٰكِنْ مَدَحْتُ كَلِمَاتِى بِالْقُرْاٰنِ
{"Ich konnte mit meinen Worten dem Qur'an keine Schönheit verleihen. Doch der Qur'an hat meinen Worten seine Schönheit verliehen."}
Das heißt: "Ich konnte dem Wunder der Wahrheit des Qur'an keine Schönheit mehr hinzufügen, seine Schönheit nicht aufzeigen. Vielmehr haben die schönen Wahrheiten des Qur'an meine Auslegungen verschönt und erhöht." Auf Grund dieser Tatsache ist die Schönheit der Reflexionen, die "Sözler" genannt werden, eine Schönheit im Namen des Qur'an und diese Gnadengabe Gottes (inayat),welche aus dieser Spiegelung erhellt, darzustellen, ist ein Lobpreis der göttlichen Gnadengaben (nimet),der auch angenommen wird.
Fünfte Ursache:
Vor langem habe ich einmal von einem Gottesfreund gehört, dass dieser auf Grund von Voraussagen der Heiligen aus alter Zeit die Schlussfolgerung gezogen habe und zu der Überzeugung gelangt sei: "Aus dem Osten wird ein Licht aufstrahlen und die Finsternis der verderblichen Neuerungen zerstören." Ich habe sehr darauf gewartet, dass ein solches Licht kommen werde und warte noch darauf. Aber Blumen kommen im Frühling. Für solche heiligen Blumen den Boden zu bereiten, ist notwendig. Und wir haben verstanden, dass wir mit diesem unseren Dienst den Boden für solche erleuchteten Persönlichkeiten bereiten. Da dies aber nun nicht unsere Angelegenheit ist, kann auch die Verkündigung der "Sözler"genannten, dem Bereich der göttlichen Gnade (inayat)zugehörigen Lichter keine Quelle des Stolzes oder der Selbstgefälligkeit sein. Man kann vielmehr darin nur eine Quelle der Lobpreisung und des Dankes erblicken.
Sechste Ursache:
Aus der Gnade (inayat),welche Gott uns in der Abfassung der "Sözler" als unserem Dienst am Qur'an erwiesen hat, um uns im voraus zu belohnen und um unseren Eifer weiter anzufachen, resultiert unser Erfolg. Wo aber ein Erfolg ist, kann man ihn auch vorweisen. Handelt es sich aber nicht um einen Erfolg, so ist es doch wenigstens ein Geschenk (ikram),mit dem Gott uns beehrt hat. Handelt es sich aber um ein göttliches Geschenk (ikram-i ilahi),so ist, es zu zeigen, eine innere Dankespflicht (shukur manevi).Handelt es sich aber auch darum nicht, so ist es doch wenigstens ein Wunder des Qur'an (keramet-i qur'an),mit dem wir willentlich (ihtiyar)gar nichts zu tun haben. Es hat sich nur an uns gezeigt. Eine solche Art Wunder, das sich ohne unser Wissen und Wollen ereignet hat, vorzuweisen, schadet aber nicht. Sollte es aber mehr sein, als ein ganz gewöhnliches Wunder (keramet),dann ist es wenigstens eine Flamme eines geistigen Wunders ('idjaz)des Qur'an. Wo man aber ein Wunder ('idjaz)vorweisen kann, da gehört es sicherlich zu diesem Wunder hinzu, bei dessen Bekanntmachung mitzuwirken. Darin liegt keineswegs eine Quelle des Stolzes und der Selbstgefälligkeit, es wird vielmehr zu einer Quelle des Lobpreises und der Danksagung.
Siebente Ursache:
Achtzig Prozent der Menschheit gehört nicht zu den Quellenforschern (ehl-i tahqiq),sodass sie in die Wahrheit eindringen und Wahrheit auch als Wahrheit erkennen und anerkennen könnte. Vielmehr nehmen sie der Form nach an und stützen sich in ehrlicher Überzeugung auf das, was sie von anerkannten und vertrauenswürdigen Menschen gehört haben. Ja, sie werden sogar eine starke Wahrheit als schwach ansehen, wenn sie sich in der Hand eines schwachen Mannes befindet und eine wertlose Sache als wertvoll betrachten, wenn sie sich in der Hand eines wertvollen Menschen befindet. Deshalb also sage ich, so unwert und schwach ich in meiner Armseligkeit bin, während sich in meinen Händen
die Wahrheiten des Glaubens und der Wert des Qur'an befindet und weil es notwendig ist, dass sie nicht den Blicken der meisten Menschen entschwinden, mit aller Klarheit: Wir werden ohne unser Wissen und ohne unser Zutun zum Dienst geführt. Es gibt da Einen, der uns eine wichtige Arbeit tun lässt, ohne dass wir es wissen. Dies ist unser Zeugnis: Auch wenn wir uns dessen nicht bewusst sind, so erhalten wir doch ganz ohne unser Zutun manche Hilfe (inayat)und wird uns vieles leicht gemacht. Das ist es, weshalb wir diese Gnadengaben mit lauter Stimme ausrufen müssen.
So wollen wir nun - gestützt auf die oben dargestellten sieben Ursachen - einige Hinweise auf einige universelle Gnadengaben des Herrn geben.
Erster Hinweis:
Im Ersten Punkt der Achten Problemstellung zum Achtundzwanzigsten Brief haben wir erklärt, was Übereinstimmung (tevafuqat)ist. Kurz gesagt: In dem "Brief über die Wunder Mohammeds" finden sich in dem Text eines Schreibers zwischen dem dritten und dem achten Hinweis auf sechzig Seiten, zwei Seiten davon ausgenommen, ohne dass wir etwas davon wussten oder ahnten in vollkommener Ausgewogenheit die Worte "Resul-u Ekrem Aleyhissalatu Vesselam" mehr als zweihundert Mal in Entsprechung zueinander. Wer zwei dieser Seiten aufmerksam betrachtet, wird gerechterweise zugeben, dass dies kein Zufall sein kann. Wäre es aber Zufall, könnte dieser bestenfalls halb und halb auf einer Seite auftreten, wenn die Beispielwörter mehrheitlich vorhanden sind, sodass vielleicht auf ein, zwei Seiten eine völlige Entsprechung zu Stande käme. Wenn aber die Worte "Resul-u Ekrem Aleyhissalatu Vesselam" einander anschauen, sei es zwei Mal, drei Mal, vier Mal oder noch öfter, wie mit der Exaktheit einer Waage gemessen, dann ist es gewiss unmöglich, dass dies noch Zufall sein könnte. Wenn noch dazu diese Entsprechungen auch von acht ganz verschiedenen Schreibern nicht beeinträchtigt werden konnte, dann ist dies ein starker Hinweis
auf das Verborgene (isharet-i gaybiyye).So kennen wir die "Ehl-i Belagat"(= Menschen, die zur rechten Zeit das rechte Wort finden). Die Prägnanz ihres Ausdrucks (Belagat)findet sich in ihren Büchern in verschiedenen Abstufungen ausgeprägt. In dem Weisen Qur'an steigert sich die "Belagat" noch bis zur Stufe eines Wunders (i'djaz).Dort finden wir jene Schranke, die niemand mehr zu erreichen vermag. Ebenso finden wir diese Entsprechungen im Neunzehnten Brief, der ein Spiegel der Wunder Mohammeds ist, im Fünfundzwanzigsten Wort, das der Dolmetscher für die Wunder (Mu'djizat)des Qur'an ist, und in den Bänden der Risale-i Nur, die eine Art Auslegung (tefsir)des Qur'an darstellen in einem über alle anderen Bücher erstaunlichen Grade. Daraus aber erhellt Folgendes: was in diesen Spiegeln deutlich sichtbar reflektiert wird, ist eine Art Wunder (keramet)der Wunder (Mu'djizat)des Qur'an und der Wunder (Mu'djizat)Mohammeds.
Zweiter Hinweis:
Die zweite Gnadengabe des Herrn (inayet-i rabbani),die den Dienst am Qur'an betrifft, ist folgende: Gott der Gerechte hat einem Manne wie mir, der ich doch kaum mit der Feder umzugehen verstehe und nie eine Schule besucht habe, an diesen Ort der Fremde, wo ich niemanden habe und mir selbst der Briefwechsel untersagt wurde, in Seiner Güte (ihsan)starke, ernsthafte, aufrichtige, fleißige, ideal gesonnene Brüder als Helfer gesandt, die ihre Federn einem diamantenen Schwerte gleich zu gebrauchen wissen. Er hat den Dienst am Qur'an, der so schwer auf meinen, zu dieser Aufgabe untauglichen, schwachen Schultern lastete, deren starken Schultern aufgeladen und in Seiner vollkommenen Güte (kerim)meine Bürde leicht gemacht. Diese gesegnete Gemeinschaft aber, die einem Kopfhörer in der drahtlosen Telegraphie vergleichbar ist, wie Hulusi sagt, oder auch einem Stromkraftwerk, wie Sabri es nennt, deren Glieder alle unterschiedliche Vorzüge und verschiedene Besonderheiten haben und die tiefen Wahrheiten des Qur'an und
die Lichter des Glaubens um sich mit der Lust und Liebe, mit dem Eifer und Ernst, in dem sie einander gleichen, verbreiten und dabei jeden Winkel erreichen, die, zu einer Zeit, da das Alphabet bereits geändert worden war und es (für die alte Schriftform) keine Druckereien mehr gab, einer Zeit, in der jedoch jeder der Lichter des Glaubens bedurfte, es statt dessen aber viele Gründe dafür gab, die ihren Mut hätte brechen und die Lust hätte nehmen können, ist dieser große Eifer und ihre vollendete Begeisterung (kemal-i shauk)für die Dienste (hizmet)ganz unmittelbar ein Wunder (keramet)des Qur'an und eine offensichtliche Gnade Gottes (inayet).
So wie es in der Tat das Wunder der Freundschaft mit Gott (velayetin kerameti)gibt, so gibt es auch das Wunder einer reinen Absicht (niyet-i halisenin kerameti)und das Wunder der Aufrichtigkeit (samimiyetin kerameti= arbeiten ohne Hinter- oder Nebengedanken)... Besonders im Kreise von Brüdern innerhalb einer Bruderschaft (uhuvvet)um Gottes willen kann es wahre Wunder einer echten und aufrichtigen gegenseitigen Hilfeleistung geben. Die geistige Körperschaft einer solchen Gemeinschaft kann sogar die Gestalt einer reifen Freundschaft (veliyy-i kamil)annehmen und die Gnade Gottes (inayet)offenbaren.
Nun also meine Brüder und ihr, meine Weggefährten im Dienst am Qur'an! Es wäre doch ein Unrecht, einem Feldwebel nach der Eroberung einer Burg die ganze Ehre und die ganze Beute zu geben; und genauso wie das ein Fehler wäre, so dürft auch ihr die Gnaden, die ihr mit dieser Herausgabe und Veröffentlichung kraft eurer geistigen Körperschaft (shas-i manevi)und mit euren Federn erlangt habt, nicht einem so Hilflosen wie mir verleihen!... Sicherlich gibt es in einer so gesegneten Gemeinschaft noch stärkere Zeichen des Verborgenen (isharet-i gaybiyye)als derartige geheimnisvolle Entsprechungen (tevafukat-i gaybiyye)und ich kann sie auch erkennen; aber ich kann sie nicht allen und jedem zeigen.
Dritter Hinweis:
Es ist ein sehr starkes Zeichen des Verborgenen (isharet-i gaybiyye)und ein Geschenk der göttlichen Gnade, dass alle bedeutenden Wahrheiten des Glaubens und des Qur'an in den einzelnen Kapiteln der Risale-i Nur auch noch für den unbelehrbarsten glänzend bewiesen werden. Denn unter den Wahrheiten des Glaubens (iman)und des Qur'an gibt es solche, angesichts derer selbst Ibn-i Sina (Avicenna), den man als einen der genialsten und bedeutendsten Geister ansieht, sein Unvermögen eingesteht, sie verstehen zu können, wenn er bekennt: "Für den Verstand führt kein Weg dorthin." In der als "Zehntes Wort" bezeichneten Abhandlung werden diese Wahrheiten, welche diesem genialen Geist unzugänglich geblieben waren, selbst dem einfachen Volk und den Kindern erklärt.
Dafür zwei Beispiele:
Wenn ein so gewaltiger Gelehrter wie Sad Teftazani zur Lösung des Problems um das (göttliche) Vorauswissen (Qader)und dieses Stückchen (menschlicher) Willensfreiheit (djuz-i ihtiyari)in seinem berühmten "Der zwölfte Schritt" genannten Kapitel aus dem Buch "Telvih"(= Die verborgenen Andeutungen) vierzig, fünfzig Seiten nur für diese Lösung benötigt und das nur für die Gebildeten, dann aber im Zweiten Kapitel des Sechsundzwanzigsten Wortes, dem Kapitel über das göttliche Vorauswissen (Qader),schon zwei Seiten genügen, um das gleiche Problem vollständig zu lösen und für jedermann verständlich zu erklären und dies dann kein Werk der göttlichen Gnade ist, was ist es dann?
So wurde auch dieses über alles Verstehen hinaus wundersame Geheimnis der Schöpfung der Welt, das bisher noch keines Philosophen Hand zu entschleiern vermochte, dieser verborgene Sinn des Kosmos, dieses, die Wunder des hochehrwürdigen Qur'an enthüllende, alle Probleme lösende Koan, dieses Staunen erweckende Rätsel wurde in dem letzten symbolträchtigen Punkt des Neunundzwanzigsten Wortes, im Vierundzwanzigsten Brief und in der sechsteiligen Weisheit des Dreißigsten
Wortes über die Erneuerung der Zellen (d.h. über das Fließgleichgewicht) enthüllt.
Das Staunen erregende, tiefe, verborgene Geheimnis der Bewegung des Kosmos, das Rätsel von der Erschaffung des Kosmos und seinem Apex (akibet),die Weisheit, die sich hinter dem Geheimnis des Fließgleichgewichts verbirgt, wurde in ihnen enthüllt und erklärt und für jedermann sichtbar vor Augen gestellt.
Und so wie im Sechzehnten und Zweiunddreißigsten Wort mit vollkommener Klarheit die staunenswürdigen Wahrheiten vom Geheimnis sowohl der Ahadiyet(= Gott ist unteilbar eins und allgegenwärtig) in der Verbindung mit der Vahdet(es gibt keinen Herrn, keinen König, keinen Gott außer Allah) Seiner Herrschaft ohne Teilhaberschaft (shirk)einerseits erklärt wurde, als auch, dass Gott uns unendlich nahe ist, wo wir doch so unendlich weit von Ihm entfernt sind, so wurde auch im Zwanzigsten Brief mit vollkommener Klarheit aufgezeigt, dass für die Macht Gottes Atome und Planeten gleich sind, dass für Ihn die Wiederbelebung alles Beseelten bei der Gewaltigen Versammlung ebenso leicht ist, wie eine einzige Seele wiederzubeleben und dass eine Teilhaberschaft bei der Erschaffung des Alls unserem Verstande bis zur Unmöglichkeit fremd ist und dieses gewaltige Geheimnis der Einheit (Vahdet)in dem Abschnitt und seinem Anhang, der drei Beispiele enthält, aufgedeckt, wo das Wort: وَهُوَ عَلٰى كُلِّ شَىْءٍ قَدِيرٌ {"Er hat Macht über alle Dinge"} erklärt wird.
Da die Wahrheiten des Glaubens und des Qur'an so umfangreich sind, dass auch nicht der größte menschliche Geist sie zu umfassen vermag, ist es ein Werk, das als ein Wunder unmittelbar aus dem Geiste des Qur'an (Qur'an-i Hakiem'in 'idjaz-i manevi)hervorgeht, eine Erscheinung der Gnade des Herrn (inayet-i Rabbani)und
ein starkes Zeichen aus dem Verborgenen, wenn sich in einem Mann wie mir, dessen Geist mit so vielen Problemen überlastet ist, dessen Situation so ungeklärt ist, der seine Bücher dermaßen schnell und unter so bedrückenden Umständen schreibt, ohne dabei ein Nachschlagewerk zu besitzen, wenn sich in einem solchen Manne diese Wahrheiten in allen Einzelheiten mit so überwältigender Vollkommenheit offenbaren.
Vierter Hinweis:
Da die fünfzig, sechzig Abhandlungen {(*): Nun sind es 130 Abhandlungen} ein Geschenk der Güte (ihsan)Gottes sind, in der Art, dass sie nicht von mir, einem Mann, der von so vielen Umständen abhängig ist und so wenig Zeit findet, noch einmal gründlich über alles nachzudenken und zu korrigieren, noch von einem Team großer und genialer Forscher, die sie mit Anstrengung und Einsatzfreudigkeit zu Stande gebracht hätte, in dieser Art abgefasst worden wäre, zeigt, dass sie unmittelbar ein Werk der Gnade Gottes sind. Denn in allen diesen Abhandlungen werden alle diese tiefen Wahrheiten durch Beispiele vermittelt und so auch denen, die bislang noch nicht sehen und verstehen konnten, Unterricht erteilt. Hatten doch bis dahin die meisten großen Gelehrten gesagt, dass sie diese selbst nicht mit dem Verstande erfassen und auch weder dem einfachen Volk noch den Gebildeten lehren konnten.
Da solche Wahrheiten, die bisher noch zu hoch waren, nunmehr den Menschen so nahe gebracht werden können, dass ihre Unterrichtung auch noch einem Blinden unter die Haut geht, von Hand eines Mannes, der so wie ich, kaum des Türkischen mächtig ist, dem die Worte nur schwer über die Zunge kommen, sodass die meisten ihn gar nicht verstehen und dessen frühere Werke seinen traurigen Ruhm bestätigt haben, eine offensichtliche Wahrheit so darzustellen, dass sie nur noch mühsam verständlich ist, mit einer geradezu wunderbaren Einfachheit und Leichtigkeit erklärt werden, so ist dies ohne Zweifel ein Werk der Gnade Gottes und kein Produkt seiner Begabung, ein Wunder (i'djaz),das aus dem Geiste des Edlen
Qur'an aufstrahlt, eine Manifestation und eine Reflexion über die Gleichnisse des Qur'an.
Fünfter Hinweis:
So wie die Risalat, obwohl sie in ihrer Gesamtheit weit verbreitet sind und alle Schichten und Gruppen von Leuten, vom größten Gelehrten bis hin zum einfachsten, ungebildeten Menschen und von den großen Heiligen unter den Sufis (ehl-i kalb)angefangen bis hin zu den verbohrtesten Ungläubigen unter den Philosophen die Risalat gesehen und gelesen haben und manche von ihnen deshalb eine Strafe erhalten haben, dennoch nicht kritisiert werden, vielmehr eine jede Gruppe ihrer Stufe entsprechend ihren Nutzen aus ihnen zieht, was unmittelbar ein Werk der Gnade des Herrn (inayat-i Rabbani)und ein Wunder des Qur'an (keramet-i Qur'an)ist, so wurden auch alle diese verschiedenen Risalat, die doch nur nach sehr gründlichen Untersuchungen und Studien hätten zu Stande kommen können, trotz dieser belastenden, bedrückenden und beengenden Umstände, da ich doch Mühe hatte, meine Gedanken und meine Eindrücke zu ordnen, in dieser so außerordentlichen Geschwindigkeit geschrieben, was wiederum ein Werk der Gnade Gottes und ein Geschenk des Herrn (inayet ve ikram-i Rabbani)ist.
In der Tat wissen die meisten meiner Brüder und alle die Gefährten, die bei mir sind und die Schreiber, dass die fünf Abschnitte des Neunzehnten Briefes in nur wenigen Tagen geschrieben wurde, wobei wir an jedem Tag nur zwei, drei Stunden, also insgesamt etwa zwölf Stunden gearbeitet haben, ohne dass wir dabei in irgendeinem Buch hätten nachschlagen können. Ja, der vierte Absatz, welcher der wichtigste davon ist, der Absatz, indem der Ausdruck "Resul-u Ekrem Aleyhissalatu Vesselam" ganz offensichtlich das Siegel des Propheten zeigt, wurde in drei, vier Stunden auswendig, auf einem Berge im Regen niedergeschrieben. Auch eine so bedeutende und feinsinnige Risala wie das Dreißigste Wort, wurde in sechs Stunden in einem Weinberg geschrieben; und so wie das Achtundzwanzigste Wort in einer, höchstens in zwei Stunden in Suleymans Garten niedergeschrieben
wurde, so geschah es auch mit den meisten Risalat. Dabei wissen meine engsten Freunde, dass ich schon seit langem unter bedrückenden und beengenden Umständen noch nicht einmal ganz offensichtliche Wahrheiten klar zum Ausdruck bringen konnte, ja noch nicht einmal um sie wusste. Kam dann unter diesen bedrückenden Umständen noch eine Krankheit hinzu, die mich noch mehr daran hinderte, Unterricht zu erteilen und etwas zu verfassen, so wurden dennoch die wichtigsten "Sözler" und Abhandlungen auch in Zeiten äußerster Bedrängnis und Krankheit in einer ungewöhnlich raschen Art niedergeschrieben. Wenn das nicht unmittelbar göttliche Gnade (inayet-i illahi),ein Geschenk des Herrn (ikram-i Rabbani)und ein Wunder (keramet)des Qur'an ist, was sollte es denn dann sein?
Nun aber schadet ein Teil der Fragestellungen einem Teil der Menschen, ganz gleich, um welches Buch es sich dabei handeln mag (wenn darin die göttlichen Wahrheiten und Glaubenswahrheiten behandelt werden), in jedem Fall... Weil es ihnen aber schadet, wird nicht jede Fragestellung jedermann zugänglich gemacht. Was aber die Risalat betrifft, so haben sie bisher - wen auch immer ich gefragt habe - bei niemandem eine gegenteilige Wirkung ausgelöst, schlimme Folgen gezeigt, eine Beunruhigung des Gemüts bewirkt, oder sonst irgendeinen Schaden angerichtet, weshalb es für uns absolut sicher ist, dass es sich hier um ein Zeichen aus dem Verborgenen (isharet-i gaybiyye)handelt und um eine Gnade des Herrn (inayet-i Rabbani).
Sechster Hinweis:
Ich bin heute davon überzeugt, dass es mir bestimmt war, den größten Teil meines Lebens in der Weise zu verbringen, dass er nicht von mir selbst, von meinem Wissen, Wollen und Bewusstsein bestimmt wurde und ihm ein solch seltsamer Verlauf gegeben wurde, dass er solche Art Abhandlungen zum Ergebnis brachte, wie sie dem Dienst am Qur'an dienlich sein sollten. Es ist, als wäre mein ganzes wissenschaftliches Leben nur ein Grundkursus oder eine Vorbereitungsstufe gewesen und als sollte sein Ergebnis darin bestehen, in
den "Sözler" die Wunder ('idjaz)des Qur'an aufzuzeigen. Ja ich zweifle keineswegs daran, dass ich in diese meine Lage: diese Verbannung und das Leben in der Fremde seit sieben Jahren, diese Isolation ohne Grund und gegen meinen Wunsch, mein Leben im Gegensatz zu meiner Natur ganz allein in einem Dorf zu verbringen, um am Ende gar alle Bindungen an das gesellschaftliche Leben, an das ich mich seit langem gewöhnt hatte, zu verabscheuen und alle bisherigen Grundsätze aufzugeben, nur deshalb versetzt wurde, um mich in reiner und aufrichtiger Weise einzig und allein dem Dienst am Qur'an zu widmen. Ja, ich bin der Überzeugung, dass sich hinter dem Schleier der Unterdrückung, hinter all diesen Schikanen und dem Unrecht, das man mir angetan hat, eine gnädige Hand verbirgt, die mich in ihrer Barmherzigkeit dazu veranlassen will, meine Gedanken auf die Geheimnisse des Qur'an zu konzentrieren, ohne meine Blicke von ihnen abzuwenden. Ja, obwohl ich früher aufs Lesen geradezu versessen war, wurde meiner Seele eingegeben, mich des Lesens aller anderen Bücher zu enthalten und es ganz und gar zu vermeiden. So verstand ich, dass es mir bestimmt war, den vertrauten Umgang mit den Büchern aufzugeben, der mir doch sonst eine Quelle des Trostes hier in dieser Fremde hätte sein können, damit mir einzig und allein die Ayat des Qur'an ein vollkommener Lehrer (Ustadh)sein sollten.
Zudem wurden mir die Werke, die Risalat, welche niedergeschrieben wurden - die überwältigende Mehrheit von ihnen - ohne dass irgendeine Ursache von außen hinzugetreten wäre, rein auf Grund eines Bedürfnisses, das aus meiner Seele erwuchs, plötzlich und unvermittelt von der Güte Gottes (ihsan)zum Geschenk gegeben. Wenn ich sie dann einigen meiner Freunde zeigte, sagten sie zu mir: "Sie sind ein Heilmittel für die Wunden unserer Zeit." So wurde mir nach ihrer Verbreitung klar, dass sie in dieser Zeit für die meisten meiner Brüder das Heilmittel sind, das ihren Bedürfnissen am besten entspricht
und die Medizin, die in ihren Schmerzen vollkommen für sie geeignet ist.
So blieb in mir gar kein Zweifel mehr daran zurück, dass die oben erwähnten Umstände und der Verlauf meines Lebens - ohne es zu wissen noch zu wollen - die verschiedenen Zweige der Wissenschaft, die ich ganz außer der Reihe und ohne eine feste Absicht studiert habe, ein solch geheiligtes Ergebnis herbeigeführt haben, dass es zu einem starken Geschenk der göttlichen Gnade wurde und einer Gabe des Herrn (ikram-i Rabbani).
Siebenter Hinweis:
Während unseres Dienstes (hizmet),also im Verlaufe von etwa fünf, sechs Jahren, haben wir ohne zu übertreiben hundert Werke mit eigenen Augen gesehen, die ein Geschenk Gottes (ikram-i ilahi),eine Gnade des Herrn (inayet-i Rabbani)und ein Wunder des Qur'an (keramet-i Qur'an)sind. Auf einen Teil davon haben wir im Sechzehnten Brief hingewiesen, einen anderen in den verschiedenen Problemstellungen des Vierten Kapitels des Sechsundzwanzigsten Briefes, einen anderen in der Dritten Problemstellung des Achtundzwanzigsten Briefes erörtert. Meine nächsten Freunde wissen davon. Suleyman Efendi, mein engster Freund und Vertrauter, kennt viele davon. Besonders bei der Abfassung der "Worte" und "Abhandlungen", bei ihrer Korrektur, Zusammenstellung, der Niederschrift und der Reinschrift erlebten wir, wie sich ganz unerwartet alles mit geradezu wunderbarer Leichtigkeit ergab. Wir haben gar keinen Zweifel daran, dass es sich dabei um ein Wunder des Qur'an gehandelt hat. Dafür gibt es hunderte von Beispielen.
Auch was unseren Lebensunterhalt betrifft, werden wir mit so viel Liebe (shefqat)ernährt und versorgt, weil der Herr der Gnade, der unsere Arbeiten lenkt und leitet, uns in unerwarteter Weise mit seiner Güte beschenkt, um uns auch noch den geringsten Wunsch unseres Herzens zu erfüllen. Usw.... Alle diese Umstände sind ein so starkes Zeichen aus dem Verborgenen (isharet-i gaybiyye),dass wir geleitet und geführt sind nach Seinem Wohlgefallen (riza),
und Seine Gnade (inayet)ist es, in der der Dienst am Qur'an (hizmet-i Qur'aniye)von uns erfüllt wird.
اَلْحَمْدُ لِلّٰهِ هٰذَا مِنْ فَضْلِ رَبِّى ٭ سُبْحَانَكَ لاَعِلْمَ لَنَآ اِلاَّ مَاعَلَّمْتَنَآ اِنَّكَ اَنْتَ الْعَلِيمُ الْحَكِيمُ ٭ اَللّٰهُمَّ صَلِّ عَلٰى سَيِّدِنَا مُحَمَّدٍ صَلٰوةً تَكُونُ لَكَ رِضَآءً وَلِحَقِّهِ اَدَآءً وَعَلٰٓى اٰلِهِ وَصَحْبِهِ وَسَلِّمْ تَسْلِيمًا كَثِيرًا ٭ اٰمِينَ
{"Lob und Preis sei Allah! Dies kommt durch den Segen meines Herrn." "Gepriesen seist Du! Wir haben kein Wissen, außer dem, das Du uns gelehrt hast. Denn Du bist der Allwissende, der Allweise." (Sure 2, 32) "O Gott, segne unseren Herrn Mohammed, mit dem Segen, der Dir wohlgefällig sein und sich in Wahrheit an ihm erfüllen möge, an ihm und seiner Familie und seinen Gefährten, und schenke ihnen Deinen Frieden in Fülle und Sicherheit. Amen."}
* * *
Antwort auf eine vertrauliche Frage
Dieses Geheimnis der Gnade wurde ehedem als Geheimsache aufgezeichnet. Sie wurde am Ende des Zehnten Wortes angefügt. Doch die meisten Schreiber haben sie, aus welchen Gründen auch immer, abzuschreiben vergessen. Hier wäre eigentlich der rechte und geeignete Platz dafür gewesen. Der Artikel blieb aber den Schreibern verborgen.
Man hat mir folgende Frage gestellt:
"Warum geht von den "Worten", die du über den Qur'an geschrieben hast, eine solche Kraft, ein solcher Einfluss aus, wie sie sich in den Worten anderer Theologen (arif)und Kommentatoren (mufessir)nur selten findet. Manchmal geht von einer Zeile so viel Kraft aus wie von einer ganzen Seite, von einer Seite so viel Einfluss wie von einem ganzen Buch..."
Anwort:
Weil die Ehre dem Wunder des Qur'an gebührt und nicht mir zukommt, antworte ich ohne zu zögern: "Bei den meisten Abschnitten ist das so."
Denn: Die "Sözler", so wie sie niedergeschrieben wurden, basieren nicht auf einer Theorie (tasavvur),sondern auf einer Überzeugung (tasdiq);nicht auf einer (blinden) Anhängerschaft (teslim),sondern auf einem Glauben (iman);nicht auf wissenschaftlicher Erkenntnis (marifet),sondern auf eigenen Zeugnissen (shehadet, shuhud);nicht auf blinder Gefolgschaft (taqlid),sondern auf Überprüfung (tahqiq);nicht auf Parteilichkeit (iltizam),sondern auf Anteilnahme (aus Überzeugung = iz'an);nicht auf mystischer Schau (tasavvuf),sondern auf der Wahrnehmung der Realitäten (haqiqat);sie sind keine Lehre (da'wa),sondern das Zeugnis (burhan)für eine Lehre (da'wa).
Das Geheimnis dieser Weisheit ist Folgendes:
In alter Zeit wurden die Glaubensgrundsätze noch gehütet und ihre Gefolgschaft war stark. Die Aussagen der Wissenschaftler und ihre Erkenntnisse, mochten sie nun auch im Einzelnen unbewiesen bleiben, wurden angenommen und das genügte. Aber in dieser unserer Zeit, da die Irrlehre der Naturwissenschaften ihre Hand nach den Glaubensgrundsätzen und den Pfeilern des Islam ausgestreckt, hat der barmherzige König (Hakîm-i Rahiem)und Herr in Seiner Majestät (Dhat-i Dhu l-Djelal),der ein Heilmittel für jede Krankheit geschenkt hat, meinen Schriften im Dienste des Qur'an einen Strahl von Gleichnissen als das offensichtlich glänzendste Wunder des Ehrwürdigen Qur'an geschenkt, mir in meiner Hilflosigkeit und Schwäche, Armut und Bedürftigkeit eine Barmherzigkeit zu sein. Aber Dank sei Gott (felillahilhamd),mit Hilfe des Fernglases der tiefen Weisheit, die in den Gleichnissen liegt, wurden die höchsten Wahrheiten ganz nahe gebracht. Ja, unter dem vereinigenden Gesichtspunkt dieser tiefen Weisheit, die in den Gleichnissen liegt, werden auch noch die fernliegendsten Dinge gesammelt. Ja, mit Hilfe der Leiter dieser tiefen Weisheit, die in den Gleichnissen liegt, kann man auch noch die höchsten Wahrheiten ganz leicht erreichen. Ja, durch das Fenster dieser tiefen Weisheit, durch das man die verborgenen Wahrheiten betrachtet, werden die Glaubensgrundsätze des
Islam zu einer Glaubensgewissheit (yaqien-i iman),fester als Zeugnisse (shuhud).Gleich wie sich mein Verstand (aqil),meine Phantasie (vehim),meine Vorstellungskraft (hayal)und meine Seele (nefs)mit all ihren Neigungen (heva)ergeben mussten (teslim),so musste auch der Teufel die Waffen strecken und sich gleichfalls ergeben (teslim).
Kurz gesagt:
Was immer an Schönheit und Wirksamkeit von meinen Schriften ausgeht, ist nur ein Blitzstrahl, der von den Beispielen zum Qur'an ausgeht. Mein Anteil daran ist einzig mein Verlangen im Bewusstsein meiner großen Bedürftigkeit und mein flehentliches Gebet im Bewusstsein meiner tiefen Hilflosigkeit. Ich habe die Krankheit (derd)und der Qur'an hat das Heilmittel.
* * *
Anhang zur Siebenten Problemstellung
dient, die Zweifel zu beseitigen, die auftauchen oder auftauchen könnten, daran, dass die acht göttlichen Gnadengaben sichtbar gewordene Zeichen aus dem Verborgenen (isharat-i gaybiyye)sind, und der Verkündigung der tiefen Weisheit dieser gewaltigen Gnadengabe. Dieser Anhang enthält vier Punkte:
Erster Punkt:
In der Siebenten Problemstellung des Achtundzwanzigsten Briefes hatten wir die Behauptung aufgestellt, dass wir unter dem Titel "Achte Gnadengabe" und "Entsprechungen" ein Schmuckstück gesehen haben, das die Offenbarung eines Zeichens ist, welches wir als die sieben, acht umfassenden, innerlichen Gnadengaben Gottes und einen Hinweis aus dem Verborgenen wahrgenommen haben.
Und wir behaupten ferner, dass diese sieben, acht umfassenden Gnadengaben so stark und so überzeugend sind, dass jede einzelne bereits für sich allein Beweis eines Zeichens aus dem Verborgenen ist. - Nehmen wir einmal den unmöglichen Fall an, dass einer dieser Beweise als schwach angesehen oder gar zurückgewiesen werden müsste, so würde doch
die Sicherheit dieser Zeichen aus dem Verborgenen nicht davon beeinträchtigt werden. Lassen sich aber diese acht Gnadengaben nicht leugnen, so kann man auch die Zeichen nicht abstreiten. Weil aber die Menschen verschieden sind, die meisten von ihnen aber der Schicht der einfachen, ungebildeten Leute angehören, die mehr noch dem Augenschein vertrauen, die Entsprechungen unter den acht Gnadengaben aber zwar nicht die stärksten, wohl aber die offensichtlichsten Beweise liefern - und in der Tat sind die übrigen zwar stärker, doch die Entsprechungen allgemeingültiger - sehe ich mich, um auftretende Zweifel auszuräumen, dazu gezwungen, mit einem Vergleich eine Tatsache klar herauszustellen. Es ist dies Folgendes:
Wir hatten über diese offensichtliche Gnadengabe gesagt: In den Abhandlungen, die wir geschrieben haben, werden bei den Worten "Qur'an" und "Resul-u Ekrem Aleyhissalatu Vesselam" Entsprechungen in einem solchen Maße sichtbar, dass kein Zweifel an ihnen mehr zurückbleibt. Derart, wie sie angeordnet wurden und der Figur, die sie bilden, liegt eine Absicht zu Grunde. Beweis dafür, dass Wille und Absicht dazu nicht bei uns lagen, ist, dass wir es erst drei, vier Jahre später bemerkt haben. Ist dies aber so, dann kommen Wille und Absicht aus dem Verborgenen und sind ein Werk der Gnade. Den beiden Worten wurde die Form einer Entsprechung (tevafuq)gegeben, einzig dem Wunder des Qur'an und dem Wunder Mohammeds (ASM) in Form einer Verstärkung zu dienen. Der Segen, welcher auf diesen beiden Worten ruht und dem Wunder des Qur'an und dem Wunder Mohammeds (ASM) das Siegel der Bestätigung aufprägt, offenbart sich auch an anderen ähnlichen Wörtern, deren überwältigende Mehrheit eine Entsprechung (tevafuq)zeigt. Doch findet man dies nur auf einzelnen Seiten. Bei diesen zwei Wörtern zeigt es sich jedoch in ein, zwei Abhandlungen durchgehend und bei den übrigen Abhandlungen mehrheitlich. Doch haben wir immer wieder darauf hingewiesen, dass
derartige Entsprechungen (tevafuq)sich häufig auch in anderen Büchern ansatzweise finden können, doch nicht in diesem seltsamen Ausmaß, das eine Absicht (qasd)und einen erhabenen Willen (irade)aufweist. Obwohl es nun unmöglich ist, unsere Behauptung zu widerlegen, könnte es doch aus zwei Gesichtspunkten möglich sein, sie oberflächlich betrachtet als widerlegt anzusehen.
Erstens:
Jemand könnte sagen: "Ihr habt auch eine solche Übereinstimmung ausgedacht und sie herbeigeführt. Wollte man so etwas absichtlich tun, wäre dies einfach und leicht." Wir setzen dagegen: In einem Streitfall genügen zwei zuverlässige Zeugen. Doch dafür, dass wir in unserem Falle nicht mit Wunsch und Wille beteiligt gewesen sind, vielmehr die Sache erst drei, vier Jahre später bemerkt haben, ließen sich hundert zuverlässige Zeugen finden. In diesem Zusammenhang möchte ich noch einen Punkt einfügen. Das Wunder (keramet)an diesem Wunder ('idjaz)des Ehrwürdigen Qur'an nicht in der gleichen Art zu betrachten wie seine sprachliche Prägnanz (belaghat).Denn zu diesem Wunder des Qur'an führt kein Weg menschlicher Macht, es in diesem Grade zu erreichen. Menschenmacht kann das Wunder dieses Wunders nicht zu Stande bringen. Macht ist an diesem Werk nicht beteiligt.
{(*): Im Achtzehnten Hinweis des Neunzehnten Briefes fanden wir auf der Seite einer Kopie das Wort "Qur'an" neunmal in Entsprechung zueinander, dergestalt, dass am Ende der Schriftzug "Mohammed" erschien, als wir die einzelnen Worte durch eine Linie miteinander verbanden. Auf der gegenüberliegenden Seite fanden wir das Wort "Qur'an" achtmal in Entsprechung zu einander, wobei am Ende der Schriftzug "Allah" erschien. Solche einzigartigen Dinge wie diese Entsprechungen gab es viele. Wir haben die Übertragung der dieser Anmerkung zu Grunde liegenden Entsprechungen mit eigenen Augen gesehen.
Bekir, Taufiq, Suleyman, Galib, Said}
Dritter Punkt:
Dieses Verhältnis zwischen einem besonderen Zeichen und einem allgemeinen Zeichen soll
uns auf das Geheimnis der subtilen Herrschaft (rububiyet)Gottes und Seiner Barmherzigkeit hinweisen.
Von einem Mitbruder stammt ein schönes Wort. Dieses Wort soll in dem nachfolgenden Beispiel unser Thema sein. Er sagte nämlich, als ich ihm eines Tages eine schöne Tevafuqat (Entsprechung) zeigte: "Wie schön das ist! Eine jede Wahrheit ist in sich selbst schön. Aber die gegenseitigen Übereinstimmungen und die Entsprechungen zwischen den Wörtern sind ganz besonders schön." Da habe dann auch ich gesagt: "Es ist in der Tat ein jedes Ding schön entweder vom Standpunkt der Wahrhaftigkeit (haqiqat)aus betrachtet, oder für sich selbst gesehen oder hinsichtlich seines Ergebnisses." Und diese Schönheit betrifft die allgemeine Herrschaft (rububiyet)Gottes, Seine allumfassende Barmherzigkeit und Seine Erscheinung in ihrer Wirkung auf die Allgemeinheit. So wie du gesagt hast, sind diese Entsprechungen als ein Zeichen aus dem Verborgenen ganz besonders schön. Denn sie weisen in ihrer Form auf Seine besondere Barmherzigkeit, Seine individuelle göttliche Herrschaft und Seine Erscheinung in ihrer ganz persönlichen Wirkung hin. Wir wollen dies mit einem Gleichnis näher verständlich machen. Es handelt sich um Folgendes:
Ein Herrscher kann seine königliche Gnade durch Staatsautorität und allgemeines Gesetz auf jeden Einzelnen seines Volkes ausdehnen. Dann offenbart sich an jedem Einzelnen unmittelbar die königliche Huld und die staatliche Autorität dieses Herrschers. Auf diese Weise kommen ganz allgemein für den Einzelnen viele persönliche Beziehungen zum Tragen.
In zweiter Hinsicht gibt es für einen Herrscher die Möglichkeit zu einem persönlichen Gunsterweis, einem persönlichen Befehl. Dann erweist er einem Einzelnen über das allgemeine Gesetz hinaus seine Huld, bezeigt ihm seine Gunst, erteilt ihm seinen Befehl.
So ist also jedes Ding unserem Beispiel entsprechend
und vom Standpunkte der allgemeinen Herrschaft des Notwendig-Seienden (Vadjibu-l'Vudjud),des königlichen Schöpfers und Seiner Barmherzigkeit (Khaliq-i Hakîm ve Rahiem)und Seines allumfassenden Erbarmens Anteilhaber. Es steht mit Ihm in seiner persönlichen Beziehung entsprechend seinem Anteil, den es von Ihm erhält. Entsprechend Seiner Macht, Seinem Willen und Seinem alles umfassenden Wissen verfügt Er über alle Dinge, wirkt auch noch auf die unbedeutendsten Vorgänge ein und übt Seine Herrschaft über sie aus. Er ist notwendig für alle Dinge und in jedem Geschehen. Unter Seinem Wissen und mit Seiner Weisheit geschieht alles und wird alles geordnet. Die Natur ist weder dazu in der Lage, sich dem Herrschaftsbereich Seiner Verfügungsgewalt zu entziehen und der Herr ihrer eigenen Auswirkungen zu sein, noch unterliegt eine Einwirkung auf die Dinge innerhalb des empfindlichen Messbereichs der Weisheit dem Zufall. Wir haben in unseren Abhandlungen - an zwanzig Stellen - durch absolut zuverlässige Zeugnisse die Natur und den Zufall entmachtet, sie mit dem Schwert des Qur'an gerichtet und gezeigt, dass sie keine Einwirkung hat. Aber in den Augen der Sorglosen (Ehl-i gaflet)werden die im Bereich der alles umfassenden Herrschaft Gottes liegenden äußerlichen Gründe (esbab),deren Weisheit und Hintergrund sie nicht kennen, als Zufall bezeichnet. Und weil sie die Weisheit nicht erfassen und einige Gesetze göttlichen Handelns (verborgen hinter dem Vorhang der Natur) nicht sehen konnten, haben sie zur Natur ihre Zuflucht genommen.
Zweitens gibt es den privaten Herrschaftsbereich Gottes, Seine persönliche Zuwendung und die Hilfe Seines Erbarmens. Diejenigen, welche den Druck der allgemeinen Gesetze nicht tragen können, erlangen die Hilfe im Namen Gottes nach der Überfülle Seiner Erbarmungen als eine Hilfe für den Einzelnen. Ihnen wird eine persönliche Unterstützung zuteil, die sie von dem Druck befreit. Darum kann alles, was da lebt, besonders aber der Mensch, Ihn jeden Augenblick zu Hilfe rufen und Beistand
von Ihm erhalten.
Nun aber kann sich diese Güte in Seiner individuellen Herrschaft auch nicht vor den Sorglosen hinter dem Zufall verstecken und der Natur zugeschrieben werden.
Es ist also auf Grund dieses Geheimnisses, dass wir die Zeichen aus dem Verborgenen in dem Wunder des "Qur'an" und in dem Wunder "Mohammeds" als einen persönlichen Hinweis angesehen haben und durch ihn überzeugt worden sind. Und wir sind zu der Gewissheit gelangt, dass er eine individuelle Hilfe und eine persönliche Gnade ist, die sich auch den Verstockten zeigen wird. Wir haben es nur um Allahs willen bekannt gemacht. Sollten wir einen Fehler begangen haben, möge Allah uns verzeihen. Amen...
رَبَّنَا لاَ تُؤَاخِذْنَآ اِنْ نَسِينَآ اَوْ اَخْطَاْنَا
{"Herr, strafe uns nicht für unsere Vergesslichkeit und Fehlerhaftigkeit!" (Sure 2, 286)}
* * *
Achte Abhandlung, zugleich achte Problemstellung
Diese Problemstellung besteht aus den Antworten auf sechs Fragen (und umfasst) sechs Punkte.
Erster Punkt:
Wir haben schon bei vielen Gelegenheiten das Gefühl gehabt, einen Hinweis aus dem Unsichtbaren zu empfangen, unter der Hand der göttlichen Gnade zum Dienst am Qur'an beauftragt zu sein und auch einige (dieser Hinweise bereits) erläutert. Nun zeigt sich unter den neuerlichen Hinweisen auch Folgendes: es gibt da in den meisten "Worten" (Sözler)eine verborgene
Übereinstimmung (tevafukat-i ghaybiyye).
{(*): Was diese Übereinstimmungen (tevafuqat) betrifft, so sind sie ein Hinweis auf einen gewissen Einklang (ittifaq). Was diesen Einklang betrifft, so ist er ein Wink einer Gemeinsamkeit (ittihad), ein Zeichen einer (göttlichen) Allgegenwart (vahdet). Was aber diese Allgegenwart betrifft, so ist sie eine Bestätigung der Einheit (Tauhid). Was aber diese Einheit betrifft, so ist sie der bedeutendste der vier Grundpfeiler des Qur'an (Tauhid, Prophetentum, Auferstehung, Gerechtigkeit aller und ubudiyet jedes Einzelnen).}
Zum Beispiel:
Es gibt einen Hinweis darauf, dass die jeweilige (Art) des Wortes "Resul-u Ekrem (der ehrenwerte Prophet)", oder des Ausdrucks "Aleyhissalatu Vesselam (Friede und Segen sei mit ihm)", oder des gesegneten Wortes "Qur'an" (auf bestimmten Seiten eines bestimmten Exemplars miteinander zu korrespondieren) eine Art Erscheinung eines Wunders ('idjaz)darstellt. Wie versteckt und schwach auch immer solche Zeichen aus dem Unsichtbaren sein mögen, so sind sie nach meiner Meinung von großer Kraft und Bedeutung für den Wert unseres Dienstes und die Richtigkeit unserer Auslegungen. Ferner brechen sie meinen Stolz und haben mir ohne jeden Zweifel gezeigt, dass ich nur ihr Dolmetscher bin. Sie lassen für mich nichts zurück, worauf ich stolz sein könnte. Sie zeigen mir nur die Dinge, für die ich dankbar sein darf. Da sie dem Qur'an zugehörig sind und auf seine Rechnung in Erscheinung treten, um dieses Wunder aufzuzeigen, das der Qur'an ist, und da sie auftreten, ohne dass sich auch nur ein Bruchteil unseres freien Willens dabei hätte einmischen können, und da sie diejenigen ermuntern, die nachlässig in ihrem Dienste waren, und da sie uns die Gewissheit geben, dass unsere Abhandlungen (risala),der Wahrheit entsprechen, und da sie eine Art göttlichen Gnadenerweises (ikram)für uns sind, und da es eine besondere Gnade (ni'met)ist, von ihnen erzählen zu dürfen und dies zu tun, das Schweigen jener hartnäckigen Leute mildert, die nur verstehen können,
was sie sehen können, ist es sicherlich notwendig, sie bekannt zu machen, und das wird mit Gottes Wohlwollen niemandem etwas schaden.
So ist denn eines der Zeichen aus dem Unsichtbaren auch das Folgende:
In Seiner vollkommenen Barmherzigkeit (rahmet)und Großzügigkeit (kerem)hat Gott der Gerechte, um uns zu ermuntern, die wir im Dienst am Qur'an und am Glauben stehen, und unseren Herzen Frieden zu verleihen, uns die Gnade (ikram)von Ihm, unserem Herrn, zu schenken und uns für all das, was wir geschrieben haben, besonders aber "Die Wunder Mohammeds", "Die Wunder des Qur'an", die Abhandlung über "Die Fenster", Seine Güte (ihsan)zu gewähren und uns in Form eines Zeichens aus dem Unsichtbaren zu deuten, dass unser Dienst vor Ihm angenommen ist und dass das, was wir geschrieben haben, die Wahrheit ist. Das heißt, Er veranlasst, dass Wörter auf einer bestimmten Seite mit dem gleichen Wort auf der selben oder auch einer anderen Seite korrespondieren. Darin liegt ein Zeichen aus dem Unsichtbaren, dass sie von einem unsichtbaren Willen so angeordnet worden sind... "Verlasst euch nicht auf euren Willen und auf euer Bewusstsein. Denn auch ohne euer Wissen und Wollen werden die wunderschönsten Kunstwerke gestaltet und angefertigt." Besonders die Worte: "Resul-i Ekrem" und "lafz-i salavat" gestalten sich zu Spiegeln, in denen sich ganz klar die Zeichen einer solchen Übereinstimmung (tevafuqat)aus dem Unsichtbaren zeigen. In der Abschrift eines neuen, noch unerfahrenen Schreibers, zeigte es sich, mit Ausnahme von fünf Seiten, auf allen übrigen Seiten, dass die mehr als zweihundert salavat-i scherief stets wieder miteinander korrespondieren.
Diese Übereinstimmungen (tevafuqat)können nicht das Werk des Zufalls sein, der unbeabsichtigterweise vielleicht zu zwei Übereinstimmungen unter zehn führen könnte, noch können sie dem Gedanken eines so hilflosen und völlig untalentierten Mannes entsprungen sein, der sich doch stets nur auf den Inhalt seines Textes konzentriert und dabei in
ein, zwei Stunden manchmal dreißig, vierzig Seiten sehr schnell diktiert, weil er ja selbst nicht schreibt, sondern (andere für sich) schreiben lässt.
So bin ich denn sechs Jahre, nachdem ich diese Übereinstimmungen wiederum aus dem Qur'an erfahren hatte und in meinem Kommentar: "Hinweise auf das Wunder (isharat-ul 'idjaz)"neun Mal bei dem Wort "inna"-اِنَّا diese Übereinstimmung bemerkt hatte, aufmerksam geworden. Als die Schreiber dies von mir vernahmen, waren sie sehr erstaunt. Die Worte "Resul-i Ekrem" und die dazu gehörigen Segensworte im Neunzehnten Brief wurden zu einer Art kleinem Spiegel für eine Art "Wunder Mohammeds". In ähnlicher Weise zeigte sich auch das Wort "Qur'an" im Fünfundzwanzigsten Wort, den "Wundern des Qur'an" und im Achtzehnten Hinweis des Neunzehnten Briefes als solch eine Art Wunder: unter den vierzig Klassen der Menschheit ereignete sich bei einer, und zwar bei der, welche sich doch sonst immer nur auf das verlässt, was man mit eigenen Augen sehen kann, eine Art dieser Wunder des Qur'an in allen Abhandlungen in der Form dieser Übereinstimmungen mit dem Unsichtbaren, was doch nur eine Art unter vierzig Arten dieser Form von Wundern ist. Und unter den vierzig Arten dieser Form zeigte es sich in dem Wort "Qur'an". Es ist dies wie folgt:
Das Wort "Qur'an" wiederholt sich im Fünfundzwanzigsten Wort und im Achtzehnten Hinweis des Neunzehnten Briefes. Mit nur wenigen, vielleicht ein oder zwei Ausnahmen, korrespondieren alle übrigen (Worte) miteinander. So findet sich z.B. auf der dreiundvierzigsten Seite des Zweiten Strahls das Wort "Qur'an" insgesamt sieben Mal, und sie alle korrespondieren (auf die eine oder andere Weise) miteinander. Auf der sechsundfünfzigsten Seite korrespondieren acht miteinander und nur das neunte ist eine Ausnahme. Die fünf Beispiele dieses Wortes auf Seite Neunundsechzig, die jetzt vor mir aufgeschlagen liegt, korrespondieren alle miteinander. Usw.... Das Wort "Qur'an", wann immer es auf irgendeiner
Seite auftaucht, korrespondiert mit einem anderen. Nur selten einmal findet sich eines außerhalb dieses Musters von fünf oder sechs.
Was die übrigen Übereinstimmungen betrifft, so sehen wir auf der Seite dreiunddreißig - also hier vor unseren Augen - fünfzehn Mal das Wort "am"- اَمْ (Fragepartikel), wovon vierzehn miteinander korrespondieren. Außerdem findet sich hier auf dieser Seite vor unseren Augen neun Mal das Wort "iman"(Glaube); und (diese Wörter) korrespondieren miteinander. Nur einmal ist infolge eines etwas größeren Abstandes eine leichte Verschiebung entstanden. Und weiter steht auf dieser Seite - hier vor unseren Augen - zwei Mal das Wort "mahbub"(Geliebter), das erste Mal in der dritten Zeile und das zweite Mal in der fünfzehnten Zeile, und korrespondieren dabei in vollkommener Harmonie. Zwischen ihnen finden wir vier Mal das Wort "ashk"(Liebe); (und auch diese Wörter) korrespondieren miteinander. Noch andere dieser Übereinstimmungen magst du nun (als Zeichen) aus dem Unsichtbaren miteinander vergleichen...
Wer auch immer der Schreiber sein mag und welche Form auch immer ihre Zeilen, ihre Seiten annehmen mochten: diese Übereinstimmungen aus dem Unsichtbaren ereigneten sich in einem solchen Umfang, dass kein Zweifel mehr bestehen bleibt, dass dies weder ein Werk des Zufalls sein kann, noch ein (bewusst gewollter) Einfall ihres Verfassers oder ihres Schreibers. Nur sind in der Handschrift des einen diese Übereinstimmungen augenfälliger als in anderen. Das heißt, dass es eine Art der Niederschrift gibt, die für die Risala besonders passend ist. Einige von ihnen kommen dieser Abfassung besonders nahe. Dabei ist es besonders merkwürdig, dass dies nicht bei den geübtesten Schreibern, sondern besonders in den Abschriften gerade der Anfänger am deutlichsten hervortritt... Von daher wird es verständlich, dass die Kunst, die Anmut und alle hervorragenden Eigenschaften, die uns aus den "Worten" (Sözler)entgegen
treten, die eine Art Kommentar zum Qur'an sind, nicht jemandes (Werk) sind, sondern die Kleider, die in ihrem harmonischen, wohl angemessenen Stil, der für gerade diese gesegnete Verkörperung dieser so schönen und harmonischen qur'anischen Wahrheiten am besten passen und die nicht mit Wissen und Wollen (einer bestimmten Persönlichkeit) angepasst und zugeschnitten worden sind. Es ist vielmehr diese Figur, diese Verkörperung selbst, welche (nach gerade diesen Kleidern) verlangt, und es ist die Hand aus dem Unsichtbaren, die dieser Figur entsprechend Maß nimmt, anpasst, zuschneidet und ankleidet. Was uns selbst betrifft, so sind wir dabei allein der Übersetzer, der Diener.
(Zweiter und Dritter Punkt fehlen im Original)
Vierter Punkt:
Mit deiner ersten Frage hattest du fünf oder sechs Fragen zusammengefasst:
Wie wird die Große Wiederversammlung zu Stande kommen? (Werden die Menschen) nackt sein? Wie werden wir dort unsere Freunde wiederfinden? und wie können wir den Ehrenwerten Gesandten, mit dem Friede und Segen sei, finden, um unser Anwalt zu sein? Wie kann eine einzige Person so unendlich vielen Menschen begegnen? Wie werden die Kleider der Leute des Paradieses und der Hölle beschaffen sein? Und wer wird uns den Weg weisen?
Antwort:
Auf diese Frage finden sich ganz klare, eindeutige und ausführliche Antworten in den Ahadith (Überlieferungen). Wir wollen hier nur ein oder zwei Punkte anführen, soweit sie unserer Lebensart (meshreb)und Schule (meslek)entsprechen. Es ist dies wie folgt:
Erstens:
In einem der Briefe wird erklärt, dass sich der Platz der Auferstehung innerhalb der Erdumlaufbahn befindet. Und so wie die Erde jetzt ihren spirituellen Ertrag zu den Tafeln auf diesem Platz entsendet, so beschreibt sie auch mit ihrem jährlichen Umlauf einen Anfang der Verkörperung eines Existenzbereiches und durch die Erträge
dieses Existenzbereiches bildet sie einen Ort der Wiederversammlung. Die Kleinere Hölle im Zentrum dieses königlichen Schiffes, das unsere Erde ist, wird in die Größere Hölle umgefüllt werden, während seine Bewohner auf den Platz der Auferstehung entleert werden.
Zweitens:
Besonders im Zehnten und im Neunundzwanzigsten Wort, aber auch in anderen Worten wurde bereits mit vollkommener Sicherheit bewiesen, dass es eine Wiederversammlung geben wird und zugleich mit ihr, an welchem Platz dies geschehen wird.
Drittens:
Was die Begegnungen (im Jenseits) betrifft, so wurde bereits im Sechzehnten, Einunddreißigsten und Dreiunddreißigsten Wort mit absoluter Sicherheit bewiesen, dass eine Person im Geheimnis des Lichtes gleichzeitig an Tausenden von Plätzen anwesend sein und Millionen Menschen begegnen kann.
Viertens:
So wie Gott der Gerechte allen beseelten Geschöpfen ein natürliches Kleid angezogen hat, so wird er ihnen auch auf dem Platz der Wiederversammlung, nachdem sie der künstlichen Kleider entledigt und nackt gewesen waren, wieder neue, aber natürliche Kleider anziehen, so wie es sein Name "der Allweise" (Hakiem)erfordert. In dieser Welt beschränkt sich die Weisheit künstlich (angefertigter) Kleider nicht darauf, gegen Hitze und Kälte zu schützen, uns zu schmücken und unsere Scham zu verhüllen, vielmehr (gibt es daneben noch) eine andere bedeutende Weisheit, die darin besteht, dass (Kleidung zugleich auch) ein Index oder eine Liste ist, die darauf hinweist, dass der Mensch über die anderen Lebewesen verfügt, zu ihnen in einer gewissen Beziehung steht und sie gleichsam befehligt. Anderenfalls hätte er auch in ein einfaches und billiges Kleid gehüllt sein können. Denn gäbe es diese Weisheit nicht, so würde sich der Mensch in verschiedene Arten von Lumpen hüllen und so sich selbst in den Augen verständiger Tiere und im Vergleich zu ihnen zur Vogelscheuche machen und sie würden ihn in diesem Sinne auslachen. Auf dem Platz der Wiederauferstehung
gibt es eine solche Weisheit, einen solchen Zusammenhang nicht, und auch eine solche Liste ist dort nicht mehr nötig.
Fünftens:
Was den Wegweiser betrifft, so ist es für solche, die wie ihr in das Licht des Qur'an eingetreten sind, der Qur'an. Schau dir den Anfang (der Suren) an, wenn sie mit "Elif-Lam-Mim", "Elif-Lam-Ra"oder "Ha-Mim"beginnen! Du wirst sehen, was für ein geschätzter Anwalt der Qur'an ist, was für ein getreuer Führer, welch heiliges Licht!
Sechstens:
Was nun die Kleidung der Leute des Paradieses und die Kleidung der Leute der Hölle betrifft, so kann man das Prinzip aus dem Achtundzwanzigsten Wort, in dem die Huris geschildert werden, die siebzig Kleider übereinander tragen, hier gleichfalls anwenden. Und zwar folgendermaßen:
Ein Mensch, der zu den Leuten des Paradieses gehört, möchte natürlich ständig aus all den Möglichkeiten, die sich den Wesen im Paradies anbieten, seinen Nutzen ziehen. All die schönen Dinge des Paradieses werden sich ihm in einer großen Variationsbreite zeigen. Er wird zu jeder Zeit mit all den verschiedenen Arten und Wesen des Paradieses kommunizieren. Da dies aber so ist, wird er sich selbst und alle seine Huris in verkleinerte Musterbeispiele all der guten Dinge des Paradieses kleiden und ein jeder (Mensch) wird einem verkleinerten Abbild des Paradieses gleichen.
So wie zum Beispiel ein Mensch in seinem kleinen Garten von allen Blumenarten, wie sie überall im Lande wachsen, einige Exemplare sammelt, wie ein Ladenbesitzer Beispiele von all seinen Waren in einer Liste aufführt und wie ein jeder Mensch sich mit Hilfe all der Exemplare der Schöpfung, mit denen er in irgendeiner Weise verbunden ist, über sie verfügt und sie beherrscht, sich ein Kleid macht und noch viele andere Dinge zum Gebrauch in seinem Hause, genauso wird auch dem Menschen, der
zu den Leuten des Paradieses gehört, besonders aber dann, wenn er all seine Sinne, seine geistigen Fähigkeiten in den Dienst und die Anbetung (Gottes) gesetzt und damit das Recht erworben hat, alle Freuden des Paradieses zu erfahren, so wird ihm und allen seinen Huris durch Gottes Barmherzigkeit ein Kleid angezogen werden, das jede einzelne von all den vielen Arten von Wundern des Paradieses zur Darstellung bringt, um so allen seinen Sinnen zu schmeicheln, allen seinen Gliedern zu gefallen und all seine innerlichen Fähigkeiten zu erfreuen. Ein Beweis dafür, dass all die vielen Kleider nicht von ein und derselben Art oder Sorte sind, ist die Hadith, deren Bedeutung folgende ist: "Obwohl die Huris siebzig Kleider übereinander tragen, kann man trotzdem (noch durch sie hindurch) das Mark in ihren Knochen erkennen. Sie verhüllen sie nicht." Das also heißt, dass es von dem obersten Kleid bis hin zum untersten verschiedene Stufen von Wahrnehmungen und Empfindungen geben wird, welche all die verschiedenen Sinne und Glieder (des menschlichen Leibes) in unterschiedlicher, doch stets wunderbarer Weise und auf verschiedene Arten ansprechen.
Was aber die Leute der Hölle betrifft, so scheint es doch der Weisheit und der Gerechtigkeit (hikmet ve adalet)nicht zu widersprechen, wenn sie, die doch in dieser Welt mit allen ihren Sinnen gesündigt haben mit ihren Augen, mit ihren Ohren, mit ihren Herzen, mit ihren Händen, mit ihrem Verstand usw., sie nun in der Hölle ein Kleid tragen müssen, das aus verschiedenen, unterschiedlichen Teilen zusammengesetzt ist, die einer kleinen Hölle gleichen und ihnen Qualen und Schmerzen bereiten, entsprechend ihren Sünden.
Fünfter Punkt:
Du fragst, ob die Vorväter des Ehrenwerten Gesandten, mit dem Friede und Segen sei, in den Zeiten zwischen den Propheten (zaman-i fetret)einer Religion angehört haben, oder überhaupt religiös gewesen wären.
Antwort:
Nach der Überlieferung folgten sie den Spuren der Religion Abrahams (mit dem der Friede sei) und
waren und blieben in seinem Sinne Gläubige. (Dieser Glaube) verbarg sich später unter dem Schleier der Gottvergessenheit und geistigen Finsternis und setzte sich stets nur in einigen wenigen Menschen (wie eine Art unterirdischer) Strömung fort. (Diese wenigen Menschen) die eine Art Lichterkette (Silsilah)bilden, die mit Abraham (mit dem der Friede sei) begann und in dem Ehrenwerten Gesandten (mit dem Friede und Segen sei) gipfelt, sind gegenüber diesem Licht des wahren Glaubens mit Sicherheit nicht gleichgültig geblieben und von der Finsternis des Unglaubens nicht besiegt worden. Doch nach dem Geheimnis der Ayah
وَمَا كُنَّا مُعَذِّبِينَ حَتّٰى نَبْعَثَ رَسُولاً
{"Und wir bestrafen niemals, hätten wir nicht zuvor einen Propheten gesandt." (Sure 17, 15)}
sind die Menschen, die in einer Zeit zwischen den Propheten (zaman-i fetret)leben, gerettet (ehl-i nedjat).Und es wird allgemein bestätigt, dass sie für ihre kleineren Fehler nicht bestraft werden. Nach Imam Schafi und Imam Eshari sind sie selbst wenn sie dem Unglauben verfallen sind und sich nicht an die Grundlagen des Glaubens halten, dennoch gerettet. Denn die Verantwortung vor Gott erfolgt aus der Sendung (eines Propheten). Aus der Sendung erfolgt die Verantwortung durch die Erkenntnis. Da Gottvergessenheit und der Ablauf der Zeit den Glauben der vorhergegangenen Propheten verdunkelt hatte, war er für diese Menschen der Zwischenzeit nicht mehr beweiskräftig genug. Wenn sie dennoch gehorchen, empfangen sie ihren Lohn (sevab),falls nicht, werden sie doch nicht bestraft. Denn da (ihnen ihr Glaube) verborgen blieb, konnte er ihnen auch nicht als Beweis dienen.
Sechster Punkt:
Du fragst: "Hat es unter den Vorvätern des Ehrenwerten Gesandten, mit dem Friede und Segen sei, einen Propheten (Nabi)gegeben?
Antwort:
Es gibt keine gesicherte Aussage, dass es
nach Isma'il (mit dem der Friede sei) noch einen gegeben hätte. Es erschienen nur zwei Propheten, der eine mit Namen Khalid b. Sinan und Hansele der andere, die aber nicht zu den Vorvätern gehören. Doch einer seiner Vorväter, Ka'b b. Lu'ayy, der das folgende berühmte und durchaus eindeutige Gedicht geschrieben hat, als rezitiere er eine Schriftstelle
عَلٰى غَفْلَةٍ يَأْتِى النَّبِىُّ مُحَمَّدٌ ٭ فَيُخْبِرُ اَخْبَارًا صَدُوقًا خَبِيرُهَا
{"Der Prophet Mohammed kommt zu einer Zeit, da die Menschen Gott vergessen haben. Und er wird eine zuverlässig berichtende Botschaft verkünden."}
erscheint wie eine wunderbare, prophetische Aussage. Auf Grund seiner Beweisführung (delil)und Entdeckungen (keshf)sagte Imam Rabbani, dass in Indien viele Propheten erschienen seien. Aber einige von ihnen hatten keine Gemeinde hinter sich, oder sie sind nicht berühmt geworden, weil ihre Gefolgschaft nur aus einigen wenigen Männern bestand, oder man sie nicht als Propheten bezeichnet hat.
Und so ist es denn, folgt man dem Prinzip dieses Imams wohl möglich, dass es unter den Vorvätern des Propheten auch einige Propheten dieser Art gegeben hat.
Siebenter Punkt:
Du fragst: Welcher von den Berichten über den Glauben der Eltern des Ehrenwerten Gesandten, mit dem Friede und Segen sei, und den seines Großvaters Abdu-l'Muttalib, ist am glaubwürdigsten und überzeugendsten?
Antwort:
Der Neue Said hat seit zehn Jahren kein anderes Buch bei sich als den Qur'an und sagt, ihm genüge das. In so zweitrangigen Dingen wie diesem, habe ich keine Zeit, alle Ahadith (Überlieferungen) durchzustudieren und dann darüber zu schreiben, welche davon glaubwürdig und überzeugend sind. Nur so viel möchte ich sagen, dass die Eltern des Ehrenwerten Gesandten, mit dem Friede und Segen sei, zu denen gehören, welche gerettet sind (ehl-i nedjat)und die zu den Leuten des Paradieses gehören (ehl-i djennet),
den Leuten des Glaubens (ehl-i iman).Gott der Gerechte würde sicherlich das gesegnete Herz seines Ehrenwerten Gesandten und die zärtliche Sohnesliebe (shefqat)in seinem Herzen nicht verletzen.
Wenn man also fragte:
Da dies nun einmal so ist, warum waren sie dann nicht in der Lage, an den Ehrenwerten Gesandten, mit dem Friede und Segen sei, zu glauben? Warum haben sie dann nicht bis zum Beginn seiner Sendung (bi'set)gelebt?
Antwort:
Gott der Gerechte wollte in Seiner Freigiebigkeit (kerem)nicht die Eltern Seines Ehrenwerten Geliebten unter dem Zwang zur Dankbarkeit halten, damit so das Gefühl zärtlicher Sohnesliebe des Ehrenwerten Gesandten, mit dem Friede und Segen sei, ruhig bleiben möge. Sein Erbarmen (rahmet)erforderte es, sie glücklich zu machen und seinen Ehrenwerten Geliebten zufrieden zu stellen.
Sein Erbarmen erforderte es, sie "in die reine Dankbarkeit Seiner Herrschaft aufzunehmen" (d.h. seine Eltern zu sich zu nehmen - A.d.Ü.) und sie glücklich zu machen, um sie nicht von der Stufe ihres Elternseins auf die Stufe einer geistigen Kindschaft herabzusetzen und dabei Seinen Ehrenwerten Geliebten zufrieden zu stellen. Daher versetzte (Er) seine Eltern und seinen Großvater nicht in seine sichtbare Gemeinschaft (hier auf Erden, sondern nahm sie von dieser Erde hinweg). Doch alle die Vorzüge, Tugenden und auch die ewige Glückseligkeit (die sie sich in seiner Gemeinschaft verdient hätten) wurden ihnen zum Geschenk (ihsan)gemacht. Wenn der Vater des hohen Herrn Feldmarschalls, der den Rang eines Hauptmanns bekleidet, in dessen Audienz gerufen wird, so befindet er sich in der Tat mitten zwischen zwei einander entgegenlaufenden Gefühlen. So unterstellt der König in Seiner Barmherzigkeit nicht den Vater Seinem Ehrenwerten Adjutanten, dem Feldmarschall.
Achter Punkt:
Du fragst: Wie lautet die Überlieferung, wenn es um den Glauben seines Onkels Abu Talib geht?
Antwort:
Die Schiiten sind von seinem Glauben überzeugt. Die meisten Sunniten sind nicht von seinem Glauben überzeugt. Was ich in meinem Herzen empfinde, ist Folgendes: Abu Talib mochte die Botschaft (Risalah)des Ehrenwerten Gesandten, mit dem Friede und Segen sei, nicht. Er liebte dagegen sehr in seiner Eigenschaft als eine Persönlichkeit und als Mensch. Diese seine - durchaus ernsthafte - Liebe und Zärtlichkeit wird sicherlich nicht ohne Wirkung geblieben sein. Abu Talib hatte in der Tat Gottes Ehrenwerten Geliebten stets in wahrhaft aufrechter Weise geliebt, sich stets für ihn eingesetzt und ihn beschützt. Wenn Abu Talib, der nicht wegen seines Unglaubens (inkar)oder aus Verstocktheit (inad),vielmehr auf Grund von Gefühlen der Scham und mit Rücksicht auf sein Ansehen im Stamm nie ein formales Glaubensbekenntnis abgelegt hatte, auch zur Hölle gegangen wäre, so hätte doch Gott der Gerechte zum Lohn für seine guten Taten eine Art persönliches Paradies inmitten der Hölle erschaffen können. So wie Er manchmal an einigen Plätzen mitten im Winter einen Frühling zu erschaffen und den Kerker eines Gefangenen durch den Schlaf in einen Palast zu verwandeln vermag, so vermag er auch eine persönliche Hölle in ein persönliches Paradies zu verwandeln...
وَالْعِلْمُ عِنْدَ اللّٰهِ ٭ لاَ يَعْلَمُ الْغَيْبَ اِلاَّ اللّٰهُ ٭ سُبْحَانَكَ لاَعِلْمَ لَنَآ اِلاَّ مَاعَلَّمْتَنَآ اِنَّكَ اَنْتَ الْعَلِيمُ الْحَكِيمُ
{"Und alles Wissen ist bei Gott. Und das Verborgene kennt niemand außer Gott." "Gepriesen seist Du! Kein Wissen haben wir, außer dem das Du uns gelehrt hast. Fürwahr, Du bist der Allwissende, der Allweise." (Sure 2, 32)}
Neunundzwanzigster Brief
Erstes Kapitel, zugleich erste Abhandlung
Dieses Kapitel besteht aus Neun Punkten
بِسْمِ اللّٰهِ الرَّحْمٰنِ الرَّحِيمِ ٭ وَاِنْ مِنْ شَىْءٍ اِلاَّ يُسَبِّحُ بِحَمْدِهِ
{"Im Namen Gottes, des Erbarmers, des Barmherzigen. Und es gibt kein Ding, das nicht lobend Ihn preist."}
Mein lieber, treuer Bruder und treuer Freund im Dienst am Qur'an!
In deinem letzten Brief möchtest du auf eine wichtige Frage eine Antwort, die zu geben mir weder meine Zeit noch mein Zustand (hal)es erlauben.
Mein Bruder! Dank sei Gott, dass in diesem Jahr die Anzahl der Schreiber für unsere Risalas sehr gewachsen ist. Die Kopien kommen zu mir für die zweite Korrektur und ich bin von morgens bis abends emsig damit beschäftigt. Andere wichtige Arbeiten bleiben dabei liegen. Doch ich halte diese Aufgabe für weitaus wichtiger. Besonders in den Monaten Scha'ban und Ramadan nimmt das Herz (qalb)mehr daran Anteil als der Verstand (aql)und der Geist (ruh)gerät in Bewegung. Ich verschiebe daher diese Angelegenheit auf einen anderen Zeitpunkt. Wann immer ich mit der Gnade Gottes des Gerechten einen Einfall in meinem Herzen verspüre, werde ich ihn dir absatzweise schreiben. Jetzt werde ich dir erst einmal drei Punkte erläutern.
Erster Punkt
"Die Geheimnisse des Weisen Qur'an sind unbekannt.
Die Kommentatoren haben seine Wahrheit nicht verstanden."
Mit diesen (Worten) werden zwei verschiedene Aspekte einer Idee zum Ausdruck gebracht und die, welche sie vertreten, bilden zwei Gruppen.
Die ersten sind die Leute der Wahrheit und die Forscher. Sie sagen; "Der Qur'an ist ein niemals endender, unerschöpflicher Schatz. Jedes Jahrhundert empfängt und bestätigt (in ihm) die Grundsätze und Vorschriften und entnimmt (ihm) auch als Ergänzung seinen Anteil an verborgenen Wahrheiten, wobei es den noch verborgen gebliebenen Anteil der anderen nicht stört." Das heißt, dass im Laufe der Zeit stets mehr Wahrheiten des Weisen Qur'an entdeckt werden. Dies geschieht keineswegs, um - was Gott verhüten möge - die offensichtlichen Wahrheiten des Qur'an, die die vorausgegangenen Imame bereits erklärt haben, in Zweifel zu ziehen. Denn der Glaube an sie ist notwendig. Sie stehen fest und sicher, sind Pfeiler und Fundament. Der Qur'an verkündet mit dem Ferman عَرَبِىٌّ مُبِينٌ {"...in klarem Arabisch." (Sure 16, 103)} dass seine Aussage klar und deutlich ist. Vom Anfang bis zum Ende dreht sich diese göttliche Aussage um diese Bedeutungen, bekräftigt sie und macht sie offensichtlich. Solche (von Gott) autorisierte Aussagen nicht anzunehmen, führt dazu - was Gott verhüten möge - Gott den Gerechten der Lüge zu bezichtigen und das Verständnis des Ehrenwerten Botschafters (Hasret-i Risalah)für gering zu achten. Das heißt, solche feststehenden, autorisierten Aussagen wurden über die Kette der Überlieferungen (Silsilah)der Quelle, die der Ehrenwerte Botschafter (Risalah)ist, entnommen. Sogar Ibn Jarir at-Tabari führte alle Bedeutungen des Qur'an, schrittweise und namentlich der Kette der Überlieferungen folgend bis auf
ihre Quelle, den Ehrenwerten Botschafter (Risalah),zurück und verfasste auf diese Weise seinen großen bedeutenden Kommentar.
Die zweite Gruppe sind entweder ziemlich törichte Freunde, die "das Auge entfernen, wenn sie eine Braue machen wollen" (d.h. also das Kind mit dem Bade ausschütten - A.d.Ü.), oder aber es sind Feinde von geradezu teuflischer Klugheit, die den islamischen Sitten und den Glaubenswahrheiten entgegenarbeiten wollen. Sie suchen einen Weg in die fest ummauerten Suren des Allweisen Qur'an zu finden, die - nach deinen Worten - stählernen Burgen gleichen. Leute wie diese verbreiten Ideen wie die obigen, um - was Gott verhüten möge - Zweifel an Glaube und Qur'an zu säen.
Zweiter Punkt
Gott der Gerechte schwört im Qur'an bei vielen Dingen. Zu diesen Beschwörungen des Qur'an gibt es viele bedeutende Anmerkungen und in ihnen liegen viele Geheimnisse.
Zum Beispiel: In dem Schwur: وَالشَّمْسِ وَضُحٰيهَا {"Bei der Sonne und ihrem Glanz." (Sure 91, 1)} erfolgt ein Hinweis auf den Kern dieses glänzenden Vergleichs, der im Elften Wort (behandelt wird). Er zeigt das Universum in der Gestalt eines Schlosses oder einer Stadt.
Des Weiteren w ird mit dem Schwur يٰسٓ ٭ وَالْقُرْاٰنِ الْحَكِيمِ {"Ya-Sin; und bei dem Weisen Qur'an. (Sure 36, 1-2)} auf die Heiligkeit des Qur'anischen Wunders hingewiesen. Er ist so sehr aller Verehrung wert, dass man auf ihn
schwören kann.
وَالنَّجْمِ اِذَا هَوٰى ٭ فَلاَ اُقْسِمُ بِمَوَاقِعِ النُّجُومِ ٭ وَاِنَّهُ لَقَسَمٌ لَوْ تَعْلَمُونَ عَظِيمٌ
{"Bei dem Stern, wenn er fällt." (Sure 53, 1) "Und so schwöre ich denn bei dem Ort, an dem die Sterne niedergehen. Und dies ist fürwahr ein gewaltiger Schwur, wenn ihr es nur wüsstet." (Sure 56, 75-76)}
Diese Schwüre weisen darauf hin, dass diese Sternschnuppen ein Zeichen dafür sind, dass die Dschinnen und die Teufel daran gehindert werden, Nachrichten aus dem Unsichtbaren zu empfangen, sodass sie über die Offenbarung keine Zweifel säen können. Die Sterne in ihrer Furcht erregenden (Größe) werden in perfekter Ordnung an ihren Platz gesetzt und die Planeten auf eine Staunen erregende Weise in Umdrehung versetzt. Die gewaltige Macht und vollkommene Weisheit, mit der dies alles geschieht, wird mit diesem Schwur wieder in Erinnerung gebracht...
وَالذَّارِيَاتِ ٭ وَالْمُرْسَلاَتِ
{"Bei denen, die aufwirbeln." (Sure 51, 1) "Bei denen, die ausgesandt werden." (Sure 77, 1)}
(Hier schwört Gott) bei Seinen Engeln, die Er zu Seinen Beauftragten für die Winde (gemacht hat) und die mit einer sehr subtilen Weisheit an besonders wichtigen Aufgaben arbeiten, lenkt so die Aufmerksamkeit auf die Elemente und erinnert dadurch an die Wogen der Luft und den Wechsel (der Winde), die (doch sonst für rein) zufällig gehalten werden usw...
Jeder dieser Schwüre berührt wieder andere, unterschiedliche Punkte und dient wieder anderen Zwecken. Da die Zeit (im Augenblick) nicht gerade günstig ist, wollen wir hier nur auf eine Anmerkung unter vielen Anmerkungen, auf die sich dieser Schwur
وَالتِّينِ وَالزَّيْتُونِ {"Bei der Feige und bei der Olive." (Sure 95, 1)} (bezieht), kurz hinweisen. Es ist dies wie folgt:
(Hier schwört) Gott der Gerechte also bei der Feige und bei der Olive und erinnert zugleich an Seine ungeheure Macht, die Vollkommenheit Seines Erbarmens und Seine großen Gnadengaben gegenüber denen, die in Richtung der Niedersten aller Niedrigen gehen, wendet sodann ihr Gesicht von dieser Richtung um und verweist sie auf die Möglichkeit ihres geistigen Fortschritts durch Dankbarkeit, Nachsinnen, Glaube und gute Werke bis hin zu den höchsten aller Erhabenen. Der Grund dafür, dass unter den Gnadengaben (Gottes) ganz besonders die Feige und die Olive erwähnt werden, ist der, dass diese (beiden) Früchte ganz besonders gesegnet und nutzbringend sind und dass in (der Art) ihrer Erschaffung viele Dinge liegen, die eine Quelle allen Interesses und der Segensfülle (ni'met)sind. Denn die Olive gehört zu den wichtigsten Gütern im privaten wie im kommerziellen Leben, für Beleuchtung sowohl wie für die Ernährung. Das gleiche gilt auch für die Feige. Nach ihrer Erschaffung ist sie ein Wunder der göttlichen Allmacht, da in ihren winzig kleinen Saatkörnern alle Bestandteile eines riesigen Feigenbaumes gespeichert und verborgen sind. Durch (Gottes) Schwur ruft sie die göttlichen Gnadengaben ins Gedächtnis, ist sie Nahrung und Segen, überdauert im Gegensatz zu anderen Früchten und hat darüber hinaus noch viele andere Vorteile. So unterrichtet sie denn den Menschen, daraus eine Lehre zu ziehen, damit er glaube und gute Werke tue und nicht (auf die Stufe) der Niedrigsten aller Niedrigen hinabstürze.
Dritter Punkt
Alleinstehende Buchstaben am Anfang einiger Suren sind göttliche Chiffren. Durch sie gibt (Gott) seinem besonderen
Diener einige Zeichen aus dem Unsichtbaren. Der Schlüssel zu diesen Chiffren liegt bei Seinem besonderen Diener (= Mohammad ASM), als gleichsam Seinem "Erben" (und Kalifen). Da der Weise Qur'an aber nun einmal zu allen Zeiten und Völkern spricht, können (diese Buchstaben) sehr unterschiedliche Aspekte und Bedeutungen haben und alle Bevölkerungsschichten können in jedem Jahrhundert darin ihren Anteil haben. Was aber die früheren Gelehrten (Selef-i Salihin)betrifft, so ist ihrer der reinste Anteil, den sie auch verkündet haben. Die Leute der Erforschung und der Gottesfreundschaft haben in ihnen viele Hinweise und (Anleitungen) zum Umgang mit dem Unsichtbaren gefunden, wie sie zu ihrer spirituellen Reise gehören. In meinem Kommentar: "Zeichen eines Wunders (isharat-ul 'idjaz)"am Anfang der Sure "el-Baqara" haben wir sie im Hinblick auf die wundersame Beredsamkeit des Qur'an zum Teil bereits behandelt. Dort kann man also nachschlagen.
Vierter Punkt
Das Fünfundzwanzigste Wort hat bereits bewiesen, dass eine wahrheitsgemäße Übersetzung des Weisen Qur'an nicht möglich ist. Zudem kann der erhabene Stil (ulviyet-i uslub),wie er sich in seiner geistigen Wundersamkeit (manevi i'djaz)findet, nicht übertragen werden. Es wäre auch besonders schwer, die Freude und die Erfahrung, die aus dem erhabenen Stil erwächst, der sich in seiner geistigen Wundersamkeit findet, zu erklären und verständlich zu machen. Doch um den Weg dahin aufzuzeigen, wollen wir auf ein, zwei Aspekte (dieses Stils) hinweisen. Es ist dies wie folgt:
وَمِنْ اٰيَاتِهِ خَلْقُ السَّمٰوَاتِ وَالْاَرْضِ وَاخْتِلاَفُ اَلْسِنَتِكُمْ وَاَلْوَانِكُمْ ٭ وَالسَّمٰوَاتُ مَطْوِيَّاتٌ بِيَمِينِهِ ٭ يَخْلُقُكُمْ فِى بُطُونِ اُمَّهَاتِكُمْ خَلْقًا مِنْ بَعْدِ خَلْقٍ فِى ظُلُمَاتٍ ثَلاَثٍ ٭ خَلَقَ السَّمٰوَاتِ وَالْاَرْضَ فِى سِتَّةِ اَيَّامٍ
يَحُولُ بَيْنَ الْمَرْءِ وَقَلْبِهِ ٭ لاَ يَعْزُبُ عَنْهُ مِثْقَالُ ذَرَّةٍ ٭ يُولِجُ الَّيْلَ فِى النَّهَارِ وَيُولِجُ النَّهَارَ فِى الَّيْلِ وَهُوَ عَلِيمٌ بِذَاتِ الصُّدُورِ
{"Und unter Seinen Zeichen ist die Erschaffung der Himmel und der Erde und die Verschiedenheit eurer Sprachen und Hautfarben." (Sure 30, 22) "Und die Himmel werden aufgerollt sein in Seiner rechten." (Sure 39, 67) "Er erschafft euch im Schoße eurer Mütter, Schöpfung nach Schöpfung in dreifacher Finsternis." (Sure 39, 6) "Er erschuf die Himmel und die Erde in sechs Tagen." (Sure 7, 54) "Er dringt zwischen den Menschen und sein Herz." (Sure 8, 24) "Vor Ihm ist auch nicht das kleinste Stäubchen verborgen." (Sure 34, 3) "Er lässt die Nacht in den Tag übergehen; und Er lässt den Tag in die Nacht übergehen; und Er hat Kenntnis über das Innere der Herzen." (Sure 57, 6)}
Der Qur'an, dessen Verkündigung ein Wunder ist, beschreibt mit dergleichen Versen die Wahrheit von der Schöpfung in einem so wunderbar erhabenen Stil (uslub)und mit einer so umfassenden Vielseitigkeit, damit wir eine Vorstellung davon bekommen können und zeigt uns: "Mit welchem Hammer auch immer der Gestalter dieser Welt und Baumeister des Universums bei Seiner Arbeit die Sonne und den Mond an ihren Plätzen befestigte: mit dem selben Hammer und im selben Augenblick (befestigt Er auch) die Atome an ihren Plätzen, zum Beispiel im Augapfel eines lebenden Wesens. Und mit welchem Maßstab, mit welchem unsichtbaren Instrument auch immer Er die Himmel ordnet und entfaltet, mit dem gleichen Maßstab und in der gleichen Reihenfolge öffnet Er unsere Augen, zieht den Schleier vor unseren Augen hinweg, Er erschafft sie, ordnet sie und weist ihnen ihren Platz an. Und mit welchem unsichtbaren Hammer Seiner Macht der ruhmreiche Meister (Sani-i dhu-l'Djelal)die Sterne am Firmament befestigt, mit der gleichen geistigen Kraft, mit dem gleichen unsichtbaren Hammer befestigt Er die zahllosen Unterscheidungsmerkmale im Gesicht des Menschen und seine inneren und äußeren Sinne an ihren Plätzen." Das heißt, um bei Seiner Arbeit Seine Werke sowohl dem Auge als auch dem Ohr vorzuführen, schlägt
Er mit dem Hammer einer Ayah des Qur'an auf ein Atom und schlägt mit dem Hammer eines anderen Wortes derselben Ayah auf die Sonne, in einem erhabenen Stil (uslub),als schlüge er mitten hinein ins Zentrum, um seine Einheit (Vahdaniyet)in Seiner Allgegenwart (Ahadiyet)und Seine grenzenlose Majestät (Djelal)in Seiner grenzenlosen Schönheit (Djemal)und Seine unendliche Gewalt (azamet)in Seiner unendlichen Verborgenheit, und Seine unendliche Allumfassendheit in Seiner unendlich genauen Aufmerksamkeit, Seine unendliche Majestät in Seiner grenzenlosen Barmherzigkeit (rahmet),Sein Unendlich-Entfernt-Sein in Seinem Unendlich-Nahe-Sein, drückt die äußerste Stufe der Vereinigung der Gegensätze in einer Form aus, die bei aller scheinbaren Unmöglichkeit doch den Grad einer Notwendigkeit (vadjib)erreicht. So ist es denn diese Art Ausdruck und der Stil, der selbst noch die größten und bedeutendsten Dichter und Literaten dazu veranlasst, sich vor einer solchen Eloquenz niederzuwerfen (sedjde).
Und noch ein weiteres Beispiel:
وَمِنْ اٰيَاتِهِ اَنْ تَقُومَ السَّمَآءُ وَالْاَرْضُ بِاَمْرِهِ ثُمَّ اِذَا دَعَاكُمْ دَعْوَةً مِنَ الْاَرْضِ اِذَآ اَنْتُمْ تَخْرُجُونَ
{"Und es gehört zu Seinen Zeichen, dass der Himmel und die Erde durch Seinen Befehl bestehen: dann, wenn Er euch aus der Erde herausruft, kommt ihr hervor." (Sure 30, 25)}
Durch diese Ayah zeigt Er uns die Majestät der Herrschaft Seines Königreichs (saltanat-i rububiyet)in Seinem erhabenen Stil (uslub)auf folgende Weise:
"Vom Himmel herab und aus der Erde herauf, erscheinen wie aus zwei Standorten oder Heerlagern, die zwei gehorsame und wohlgeordnete Hauptquartiere bilden, wie auf einen einzigen Befehl oder eine Fanfare hin mit vollendeter Schnelligkeit alle Lebewesen (maudjudat),die in diesen beiden Kasernen unter der Decke der Vergänglichkeit
und des Nicht-Seins liegen, sagen gehorsam: "Hier sind wir!" und treten auf den Platz der Versammlung und der Prüfung."
So ist es denn dieser so wunderbare (mu'djizane),erhabene Stil (uslub),in dem Auferstehung und Wiederversammlung ausgedrückt werden und auf den in dem folgenden überzeugenden Beweis hingewiesen wird, der in der folgenden Bestätigung enthalten ist: Offensichtlich werden die Saatkörner, die wie tot im Dunkel der Erde verborgen sind, und die Wassertropfen, die sich in der Luft verteilt wie versteckt halten, als ob sie gar nicht da wären, mit vollendeter Schnelligkeit wohlgeordnet in jedem Frühling wieder versammelt und treten auf dem Platz der Erfahrung und Prüfung hervor. So nehmen die Saatkörner in der Erde und die Wassertropfen unter dem Himmel jederzeit eine Form an, die an die Wiederauferstehung erinnert. In gleicher Weise wird auch die Große Wiederversammlung ebenso leicht zu Stande kommen. Da ihr also dies seht, könnt ihr auch jene nicht bestreiten. Usw....
Mit diesen Ayat kann man den Grad der Beredsamkeit in anderen Ayat vergleichen. Könnte etwa nun eine wahre Übersetzung dieser Art Ayat möglich sein? Mit Sicherheit nicht! Höchstenfalls könnte es entweder eine kurz zusammengefasste, sinngemäße Übertragung sein, oder man müsste für jeden Satz einer Ayah eine Art Kommentar von fünf, sechs Zeilen schreiben.
Fünfter Punkt
Zum Beispiel: "Elhamdu li'llah"(Lobpreis und Dank sei Gott) ist ein Satz im Qur'an. Seine kürzeste Bedeutung ist, entsprechend den Regeln, die der arabische Satzbau- und seine Ausdruckslehre erfordern, folgende:
كُلُّ فَرْدٍ مِنْ اَفْرَادِ الْحَمْدِ مِنْ اَىِّ حَامِدٍ صَدَرَ وَعَلٰى اَىِّ مَحْمُودٍ وَقَعَ مِنَ الْاَزَلِ اِلَى الْاَبدِ خَاصٌّ وَمُسْتَحِقٌّ لِلذَّاتِ الْوَاجِبِ الْوُجُودِ الْمُسَمّٰى بِاللّٰهِ
Das heißt: "Wie viel Lobpreis und Dank es auch immer
geben möge, von wem auch immer er kommen möge, an wem auch immer er von Ewigkeit zu Ewigkeit gerichtet sein möge: Er ist dem zu Eigen und dessen würdig, der da notwendiger Weise sein muss (Vadjibu-l'Vudjud)und der ALLAH genannt wird."
Das aber heißt:
"Wie viel Lobpreis und Dank es auch immer geben möge" ergibt sich in Konsequenz aus dem Artikel "al"-اَلْ
"Von wem auch immer er kommen möge." ist ein Zitat, verbunden mit dem Verbalsubstantiv "Dank"- حَمْدُ zu dem das aktive Partizip weggelassen wurde, wodurch in diesem Zusammenhang eine Allgemeinheit ausgedrückt wird.
Aber auch durch die Weglassung des passiven Partizips in dem Ausdruck: "An wen auch immer er gerichtet sein möge." ist das Zitat, unter der wiederum eine Allgemeinheit und Allumfassendheit angesprochen wird.
"Von Ewigkeit zu Ewigkeit" ist das Zitat, mit dem durch die Regel von der Transponierung eines Verbalsatzes in einen Nominalsatz Fortdauer und Zeitlosigkeit dargestellt wird.
Das "li"-لِ wird "Harf djar"genannt und benennt (als eine Präposition) in Verbindung mit dem Objekt "Allah"-اَللّٰه seinen Besitzer, also den, der gewürdigt ist.
"Das Wesen, das da notwendigerweise sein muss (Vadjibu-l'Vudjud)"ist ein Zitat, das die Notwendigkeit des Seins (Vudjub-u vudjud)als zwangsläufige Notwendigkeit aus der Gottheit (Uluhiyet)ableitet, eine treffende Bezeichnung für den Majestätischen Herrn (Dhat-i dhu-l'Djelal)in Anbetracht dessen, dass das Wort "Allah"-اَللّٰه (neben Seiner Uluhiyet)auch alle anderen Namen und Eigenschaften umfasst und der Gewaltig Große Name (Ism-i A'dham)ist, so wie (der Name Allah) mit einem kategorischen Beweis (die Gottheit) beweist, so beweist Er gleichermaßen die Bezeichnung "der Notwendig Seiende" mit dem selben kategorischen Beweis.
Wenn dies also nun die kürzeste offensichtliche Bedeutung des Satzes "Lobpreis und Dank sei Gott"- اَلْحَمْدُ لِلّٰهِ ist, auf die sich die arabischen Gelehrten geeinigt haben, wie könnte man sie dann mit den gleichen Zeichen der Kraft und des Wunders (die sich in ihm offenbart) in eine andere Sprache übertragen?
Des Weiteren gibt es neben der arabischen Sprache in der Welt der Sprachen nur eine einzige mit einer vergleichbaren Grammatik; und auch diese hat zu keiner Zeit den Umfang und die Ausdrucksfähigkeit der arabischen Sprache erreicht. Ja wäre es denn möglich, dass in dieser so einzigartigen und so vollkommenen Sprache dessen, der ihre wunderbare Gestalt mit all ihren grammatikalischen Regeln, die in dieser so umfassenden Sprache erscheinenden Worte des Qur'an (und alle Dinge) in all ihren Aspekten gleichermaßen kennt und (über sie auch entsprechend) mit Seinem Willen (irade)verfügt, in einer anderen Sprache (erscheinen), die nach einer völlig anderen Satzbau- und Ausdruckslehre (erstellt wird), durch einige Menschen, deren Bewusstsein begrenzt und deren Verständnis gestört ist und deren Herzen düster sind, wo dann andere den Platz dieser Heiligen Worte einnehmen? Ja, ich kann sogar sagen und vielleicht sogar beweisen, dass jeder einzelne Buchstabe des Qur'an einer ganzen Schatzkammer der Wahrheit gleichkommt. Ja, manchmal kann ein einziger Buchstabe über eine ganze Seite lang die Wahrheit unterrichten.
Sechster Punkt
Um auf diese Ansicht ein etwas deutlicheres Licht zu werfen, möchte ich von einem lichtvollen Erlebnis berichten, das mir selbst (hal)widerfahren und mir in einer Art Vision (hayal)deutlich (haqiqat)geworden ist; und zwar folgendermaßen:
اِيَّاكَ نَعْبُدُ وَاِيَّاكَ نَسْتَعِينُ
{"Dich allein beten wir an und von Dir allein erbitten wir Hilfe." (Sure 1, 4)}
Einmal habe ich über den Sinn des Buchstabens "nun"-ن als dem Zeichen der ersten Person Plural (vor einem Verbum) nachgedacht und mein Herz gefragt, warum hier die erste Person Singularis in die erste Person Pluralis ("wir beten") transponiert worden ist. Plötzlich wurde mir in diesem "nun"-ن die Besonderheit der Gemeinschaft im Gebet und ihr Geheimnis enthüllt. Da sah ich: meine Teilnahme in der Gemeinschaft in der Beyazid-Moschee, in der ich betete, machte jeden Einzelnen zu meinem Fürsprecher, der in meinem Gebet (qiraat)jede meiner Erklärungen und Behauptungen bezeugte und bestätigte. Inmitten der großen, vielfachen Anbetung dieser Gemeinde bekam ich den Mut, meine mangelhafte Anbetung an der Schwelle Gottes darzubringen. Dann öffnete sich plötzlich noch ein anderer Vorhang. Das heißt, all die großen Moscheen Istanbuls vereinigten sich miteinander. Die ganze Stadt wurde der Beyazid-Moschee gleich. Und plötzlich war es mir, als würde ich ihre Anbetung und all ihre Bestätigungen gleichsam in mir empfangen. Danach sah ich mich selbst auf dieser unserer Erde, die insgesamt zur Moschee geworden war, im Kreise der Reihen rund um die Ehrenwerte Kaaba stehen. اَلْحَمْدُ لِلّٰهِ رَبِّ الْعَالَمِينَ {"Lobpreis und Dank sei Gott, dem Herrn der Welten." (Sure 1, 1)} sagte ich. Ich habe so viele Fürsprecher. Sie sagen genau das gleiche, was auch ich im Gebet sage und bestätigen mich. Da aber nun einmal in meiner Vorstellung (hayal)dieser Vorhang sich geöffnet hatte, wurde auch die Ehrenwerte Kaaba zum Mihrab. Da nutzte ich diese Gelegenheit aus, rief diese Reihen zu Zeugen an, (kniete nieder zum) Tahayyat und vertraute das
اَشْهَدُ اَنْ لآَ اِلٰهَ اِلاَّ اللّٰهُ وَاَشْهَدُ اَنَّ مُحَمَّدًا رَسُولُ اللّٰهِ
{"Ich bezeuge, dass es keine Gottheit gibt außer Gott; und ich bezeuge, dass Mohammed der Prophet Gottes ist."}
als Sprachrohr meines Glaubens dem Schwarzen Stein an. Und während ich dies sagte, öffnete sich plötzlich vor mir noch eine weitere Szene: Da sah ich, dass die Gemeinschaft der ich angehöre, sich in drei Kreisen entfaltete:
Erster Kreis:
Die riesige Gemeinschaft aller Gläubigen und derer, die sich auf dem ganzen Erdenrund zur Einheit Gottes (muvahhit)bekennen.
Zweiter Kreis:
Ich blickte mich um (und erkannte, dass) ich ein Teil jener ganzen, großen Gemeinschaft alles Geschaffenen (maudjudat)bin, in der ein jeder Teil mit seinem eigenen Gebet (salavat)und Lobpreis (tesbihat)beschäftigt ist. Ihr Dienst besteht aus den Tätigkeiten, wie wir sie beobachten können und die als die "Aufgaben der Dinge" bezeichnet werden. Daraufhin sagte ich: "Gott ist groß!" und voll Bewunderung beugte ich mein Haupt und betrachtete mich selbst (nefs),und da sah ich in einem
Dritten Kreis einen erstaunlichen Mikrokosmos,
der augenscheinlich und nach seiner Eigenschaft klein, in Wirklichkeit aber, seiner Zahl und seinen Aufgaben entsprechend groß ist. In ihm erkannte ich eine Gemeinschaft, worin eine jede Gruppe, von den Zellen meines Körpers angefangen bis zu seinen Sinnesorganen mit ihren Aufgaben des Dienstes, der Anbetung und der Danksagung beschäftigt ist. In diesem Kreis sprachen die Blumen des Herrn (latife-i Rabbaniye)in meinem Herzen (qalb)zu mir:
اِيَّاكَ نَعْبُدُ وَاِيَّاكَ نَسْتَعِينُ
{"Dich allein beten wir an und von Dir allein erbitten wir Hilfe." (Sure 1, 4)}
Das sagten sie zu mir im Auftrag dieser Gemeinschaft, genauso wie meine Zunge dies in den beiden vorigen Gemeinschaften gesagt hatte, in der Absicht, für diese beiden großen Gemeinschaften zu sprechen.
Zusammenfassung:
Der (Buchstabe) "nun"-ن in dem Wort
"na'budu"-نَعْبُدُ verweist auf diese drei Gemeinschaften. Während ich also noch in diesem Zustand (hal)war, verkörperte sich plötzlich der Ehrenwerte Gesandte, mit dem Friede und Segen sei, der Interpret und Verkünder des Weisen Qur'an, auf seinem geistigen, die "Leuchtende Stadt" (Medinatu-l'Munauver)genannten Mimber, in seiner spirituellen Gestalt (shahs-i manevi)und in all seiner Majestät und in meinem Inneren hörte ich wie jeder andere, seine Zusprache يَآ اَيُّهَا النَّاسُ اعْبُدُوا {"Oh ihr Menschen, betet euren Herrn an!" (Sure 2, 21)} und gleich mir antwortete jeder in diesen drei Gemeinschaften: اِيَّاكَ نَعْبُدُ {"Dich allein beten wir an." (Sure 1, 4)}
Und entsprechend dem Gesetz, nachdem
اِذَا ثَبَتَ الشَّىْءُ ثَبَتَ بِلَوَازِمِهِ
{"Wenn etwas feststeht, so steht es fest auf Grund seiner Voraussetzungen."}
erkannte ich in mir (fikr)die folgende Wahrheit:
Da nun einmal der Herr aller Welten die Menschen zu seinem Ansprechpartner erwählt hatte und nun (durch ihn) mit allem Sein (maudjudat)spricht, verkündet nun Sein Ehrenwerter Gesandter, mit dem Friede und Segen sei, diese ehrenvolle Ansprache dem Menschengeschlecht, ja allem, was über Geist (ruh)und Bewusstsein verfügt. So werden denn nun die ganze Vergangenheit und auch die Zukunft der Gegenwart gleich. Seine Ansprache richtet sich an das ganze Menschengeschlecht als eine einzige (große) Versammlung, deren unterschiedliche
Reihen auf diese Weise (doch zusammen) eine (einzige) Gemeinde bilden. Und dann sah ich, dass jede einzelne Ayah des Qur'an über eine erhabene Macht verfügt, eine sprachliche Eleganz und Schönheit, die sie aus der ganzen Größe und Weite ihres Status (maqam)empfangen hat, ihren außerordentlich zahlreichen, verschiedenen, bedeutenden Ansprechpartnern, durch ihren Sprecher von Ewigkeit her, dem einen von unendlicher Größe und Majestät (azamet ve djelal),und von ihrem erhabenen Interpreten, der den Rang (maqam)des Geliebten Gottes einnimmt. Und ich sah jede einzelne Ayah in strahlendem, dem fürwahr strahlenden Licht seiner Wunderhaftigkeit (i'djaz).Und dann erscheint nicht nur der ganze Qur'an, oder eine Sure, oder eine Ayah, sondern jedes einzelne Wort als ein Wunder.
اَلْحَمْدُ لِلّٰهِ عَلٰٓى نُورِالْا۪يمَانِ وَالْقُرْاٰنِ
{"Lobpreis und Dank sei Gott für das Licht des Glaubens und für den Qur'an!",}
sagte ich da und erwachte aus meiner inneren Schau (hayal),welche doch reine Wahrheit war, die gleiche wie die, in die ich mit dem "nun"-ن des نَعْبُدُ eingetreten war, und ich verstand, dass nicht nur die Ayat des Qur'an und seine Worte, sondern auch einige seiner Buchstaben wie das " nun"-ن in نَعْبُدُ ein leuchtender Schlüssel zu bedeutenden Wahrheiten waren. Nachdem Intuition (qalb)und Imagination (hayal)aus dem "nun"-ن des "na'budu"-نَعْبُدُ herausgetreten waren, trat ihnen nun auch der Verstand (aqil)entgegen und sagte: "Auch ich möchte meinen Anteil. Doch ich kann nicht fliegen, so wie ihr. Meine Füße sind dafür der Beweis (delil),das Zeugnis (huddjet).Genauso wie in نَعْبُدُ und نَسْتَعِينُ ist es notwendig, den Weg, der zum Schöpfer (Khaliq)führt, welcher Ma'bud- مَعْبُدْ (der Angebetete) und Muste'an- مُسْتَعَانْ (der um Hilfe Angeflehte) ist, aufzuzeigen, damit ich mit euch gehen kann." Und dann geschah es, dass es in meinem Herzen aufkam: Sage zu diesem verwunderten Verstand:
Betrachte alles (maudjudat),was es da im Universum gibt: ob es lebend oder leblos ist: in vollkommenem Gehorsam und einer perfekten Ordnung hat alles seine Aufgabe und betet an, indem es seine Pflicht (vasife)erfüllt. Obwohl manche Dinge kein Bewusstsein und kein Gefühl haben, erfüllen sie doch ihre Aufgabe (vazife),wie gesteuert von einem, der über Bewusstsein verfügt, die Ordnung liebt und sie zu Dienst und Anbetung anleitet. Das aber heißt: es gibt einen in Wahrheit Angebeteten (Ma'budu bi-l'Haq)und Obersten Befehlshaber (Amir-i Mutlaq),der sie in Dienst (ibadet)nimmt und leitet.
Betrachte ferner alles (maudjudat),was da ist und besonders, was da lebt. Alle (lebenden Dinge) haben sehr viele und sehr verschiedene Bedürfnisse und besonders viele unterschiedliche Wünsche für ihren Fortbestand und die Erhaltung ihrer Existenz. Ihre Hände können auch nicht den kleinsten von ihnen erfüllen. Doch ihnen allen wird alles, dessen sie unentwegt bedürfen, regelmäßig und zu rechter Zeit aus einer unerwarteten Quelle in die Hände gelegt. Das kann man ganz klar erkennen...
So zeigt denn diese grenzenlose Bedürftigkeit und Not und die außerordentliche Hilfe aus dem Unsichtbaren und der Beistand des Erbarmers (Rahman)offensichtlich, dass sie einen Beschützer und Versorger haben, dessen Reichtum (Ghaniyy)vollkommen, dessen Freigiebigkeit (Keriem)vollkommen, dessen Macht (Qadir)vollkommen ist. Er ist es, von dem alle Dinge und alles, was da lebt, Hilfe erwartet und Beistand erfleht.
اِيَّاكَ نَسْتَعِينُ
{"Von Dir allein erbitten wir Hilfe." (Sure 1, 4)}
Sagen (alle Dinge, wenn auch) ohne Worte. Da sagte auch der Verstand: "Wir glauben und bestätigen es. (amenna ve saddaqna)"
Siebenter Punkt:
Als ich sodann sagte:
اِهْدِنَا الصِّرَاطَ الْمُسْتَقِيمَ ٭ صِرَاطَ الَّذِينَ اَنْعَمْتَ عَلَيْهِمْ
{"Führe uns den rechten Weg, den Weg derer, denen Du Gnade erwiesen hast." (Sure 1, 5-6)}
sah ich in der Karawane der Menschheit, die sich in Richtung auf die Vergangenheit hin ziehend bewegte, auch die leuchtende, glänzende Karawane der Propheten, der Getreuen, der Märtyrer, der Gottesfreunde und aller Aufrichtigen. Sie zerstreuen die Dunkelheit der Zukunft und reisen auf dem Weg in die Ewigkeit, auf der Großen Straße, die der Rechte Weg (djadd-i kubra mustaqiem)ist. Dieses Wort zeigt mir den Weg, der Karawane nicht zu folgen, vielmehr verbindet es mich mit ihr... Da rief ich denn plötzlich aus: "Gepriesen sei Gott! (fesubhanallah)"Ein jeder, der auch nur über ein Körnchen Bewusstsein verfügt, muss wissen, welch ein Verlust, ja was für eine Katastrophe es ist, dieser gewaltigen, lichtvollen Karawane nicht zu folgen, welche die Finsternis der Zukunft erleuchtet und in vollkommener Sicherheit dahinzieht. Woher sollte aber einer, der sich von dieser gewaltigen Karawane trennt, indem er Neuerungen (bid'a)erfindet, denn noch ein Licht finden? welchen Weg sollte er einschlagen? Der (unsere Karawane) anführt (rehber),der Ehrenwerte Gesandte, mit dem Friede und Segen sei, erließ den Ferman
كُلُّ بِدْعَةٍ ضَلاَلَةٌ وَكُلُّ ضَلاَلَةٍ فِى النَّارِ
{"Jede Neuerung ist eine Irreführung und jede Irreführung ist im Feuer."}
Was für einen Vorteil finden denn einige Unglückselige, die man mit dem Ausdruck "Gelehrte des Bösen (ulema-us su)"bezeichnen könnte, angesichts dieses gesicherten Fermans? was für eine Fetwa sprechen sie damit aus, dass sie unnötiger- und gefährlicherweise den unumstrittenen Kennzeichen des Islam widersprechen und es auch noch für möglich halten, sie zu verändern? Vielleicht war es so, dass ein vorübergehendes Erwachen, hervorgerufen
durch die flüchtige Erscheinung einer Übersetzung (mana)diese "Gelehrten des Bösen (ulema-us su)"betrogen hat. Zum Beispiel: wenn man einem Tier oder einer Frucht die Haut abzieht, sieht das Fleisch zunächst noch frisch aus. Doch schon nach ganz kurzer Zeit wird das frische Fleisch und die schöne Frucht unter der fremd und wie rostig, hart, dunkel und nun nebensächlich gewordenen Haut bereits schwarz und verrottet. Genauso sind die Worte Gottes und Seines Propheten, (eingehüllt) in die Zeichen des Islam, wie eine lebendige Haut, eine verdienstbringende (sevab)Schale. Schält man sie ab, so liegt die Leuchtkraft der (darunter verborgenen) Bedeutung vorübergehend bloß und wird teilweise sichtbar. Doch gleich einer Frucht, die von ihrer Schale getrennt wurde, verflüchtigt sich der Geist ihrer gesegneten Bedeutung, lässt die menschliche Haut in der Finsternis ihres Herzens und ihres Kopfes zurück und geht... das Licht entflieht, während der Rauch (seiner Flamme) zurückbleibt. Wie dem auch sei...
Achter Punkt:
(Zu diesem oben angeführten Punkt) ist es notwendig noch ein Prinzip der Wahrheit zu erklären. Damit verhält es sich folgendermaßen:
So wie es zwei verschiedene Arten von Recht gibt, das "Persönliche Recht" und eine Art von "Recht Gottes", als welches das "Öffentliche Recht" bezeichnet wird. Desgleichen betrifft in den Angelegenheiten der Schari'a ein Teil der Angelegenheiten die Privatpersonen, ein anderer Teil betrifft die im allgemeinen Interesse liegenden Angelegenheit der Öffentlichkeit. Diese werden die "Kennzeichen des Islam (sheair-i islamiye)"genannt. Da aber diese Kennzeichen die Allgemeinheit betreffen, haben alle daran ihren Anteil. In sie ohne das Einverständnis der Allgemeinheit einzugreifen, ist ein Angriff gegen die Rechte der Allgemeinheit. Das allerkleinste dieser Zeichen (eine Angelegenheit die Art einer Sunnah betreffend) hat hinsichtlich ihrer Bedeutung den selben Wert wie die allergrößte Angelegenheit. Weil aber diese Dinge unmittelbar die ganze
islamische Welt betreffen, sollten diejenigen, welche die Lichterkette, die seit dem Glücklichen Zeitalter (des Propheten) bis heute alle bedeutenden Persönlichkeiten des Islam bindet, zu erbrechen, zu zerstören, zu korrumpieren und alle, die ihnen dabei auch noch helfen, einmal darüber nachdenken, was für einen schrecklichen Fehler sie damit begehen. Und wenn sie auch nur ein Körnchen Bewusstsein dabei haben, mögen sie zittern!...
Neunter Punkt:
Es gibt im islamischen Gesetz (Schari'a)gewisse Angelegenheiten, welche die Anbetung (Taabudi)betreffen. Sie sind nicht an den Verstand (aqil)gebunden und werden erledigt, weil sie befohlen wurden. Ihr eigentlicher Grund (ilet)ist der Befehl (emr).
Ein anderer Teil wird als ein solcher mit einer "verständlichen Bedeutung" (Makulu-l'Mana)bezeichnet. Das heißt, sie enthalten eine gewisse Weisheit und einen Nutzen, dessen Logik dazu führte, dass auch sie in die Schari'a mit aufgenommen wurden. Doch ist dies nicht die wahre Ursache oder der eigentliche Grund, denn der wahre Grund ist der Befehl oder das Verbot Gottes.
Jener Teil der Zeichen, der den Dienst und die Anbetung betrifft, kann durch Weisheit oder Nutzen nicht verändert werden. Der Aspekt des Dienstes und der Anbetung überwiegt hier und bleibt daher stets unberührt. Und täten sich auch hunderttausend mögliche Nutzanwendungen auf, so werden dennoch (die Zeichen) nicht geändert. In gleicher Weise kann man nicht sagen, dass der Sinn der "Zeichen" auf jene Art von Nutzen beschränkt bleibt, der uns bekannt ist. So etwas anzunehmen, ist falsch. Was vielmehr ihren Sinn und Zweck betrifft, so kann es einer der vielen Weisheiten und Nutzanwendungen sein. Wollte man z.B. sagen: "Die Weisheit des Rufes zum Gebet liegt darin, die Muslime zum Gebet einzuladen. Zu diesem Zweck genügt ein Schuss mit einem Gewehr." Doch weiß dieser törichte Mensch nicht, dass dies nur einer der Vorzüge ist, die in dem Ruf zum Gebet (ezan)enthalten sind. Auch wenn der Schuss aus einem
Gewehr diesen Zweck erfüllt, wie könnte er denn an die Stelle des Rufes zum Gebet (ezan)treten, der ein Mittel ist, um der Verkündigung der Einheit Gottes (Tauhid)und Seiner göttlichen Herrschaft (rububiyet)willen, im Namen des Menschengeschlechtes oder doch wenigstens im Namen der Bewohner dieser Stadt den Dienst und die Anbetung vor Ihm zu verkünden, was doch das gewaltigste Ergebnis der Erschaffung des Weltalls und der Zweck der Erschaffung des Menschengeschlechtes ist?...
Kurzum:
Die Hölle ist nicht unnötig. Es gibt viele Dinge, die mit aller Kraft ausrufen: "Es lebe die Hölle!" Das Paradies ist auch nicht billig. Es verlangt nach einem hohen Preis.
لاَيَسْتَوِى اَصْحَابُ النَّارِ وَ اَصْحَابُ الْجَنَّةِ اَصْحَابُ الْجَنَّةِ هُمُ الْفَآئِزُونَ... الخ
{"Nicht gleich sind die Gefährten des Feuers und die Gefährten des Paradieses. Die Gefährten des Paradieses sind es, die glückselig sein werden." (Sure 59, 20)}
Zweites Kapitel, zugleich zweite Abhandlung
Das Fasten im Monat Ramadan
Nachdem am Ende des ersten Kapitels die Kennzeichen des Islam (sheair-i Islamiye)bereits kurz besprochen worden waren, soll nun im zweiten Kapitel ein Teil der Weisheiten des Heiligen Monats Ramadan behandelt werden, welcher das glänzendste und prächtigste aller Kennzeichen ist. Dieses Kapitel umfasst neun Abschnitte, in denen neun der sehr zahlreichen Weisheiten erklärt werden.
بِسْمِ اللّٰهِ الرَّحْمٰنِ الرَّحِيمِ ٭ شَهْرُ رَمَضَانَ الَّذِٓى اُنْزِلَ فِيهِ الْقُرْاٰنُ هُدًى للِنَّاسِ وَبَيِّنَاتٍ مِنَ الْهُدٰى وَالْفُرْقَانِ
{"Im Namen Gottes, des Erbarmers, des Allbarmherzigen. Es war im Monat Ramadan, in dem der Qur'an herabgesandt wurde, als Rechtleitung für die Menschen und als deutliche Zeichen für Rechtleitung und Unterscheidung." (Sure 2, 185)}
Erster Abschnitt:
Das Fasten im Monat Ramadan ist einer der ersten der fünf Säulen des Islam. Es ist gleichzeitig eine der markantesten Äußerungen der islamischen Lebensart (sheair-i Islamiye).Das Fasten im Monat Ramadan birgt viele Geheimnisse in sich, welche sowohl den Herrschaftsanspruch (rububiyet)Gottes des Gerechten, als auch das soziale Leben des Menschen, als auch das persönliche Leben der Gläubigen, als auch eine Schule der Selbstdisziplin (nefsin terbiye),als auch (eine Zeit der kraftvollen) Dankbezeigung für die von Allah erhaltenen Gaben ist.
Im Hinblick auf den Herrschaftsanspruch (rububiyet)Gottes des Gerechten ist eine der vielen Weisheiten des Fastens die Folgende:
Gott der Gerechte hat das Antlitz der Erde zu einer Tafel voller Gaben (ni'met)für die Menschen gemacht. Auf dieser Tafel bieten sich
مِنْ حَيْثُ لاَ يَحْتَسِبُ
{"...von Orten, von denen er dies nicht erwartet hatte. (Sure 65, 3)"}
alle erdenklichen Arten Seiner Gaben (ni'met)an. Auf diese Weise bringt Er die Vollkommenheit Seiner Herrschaft (rububiyet),Seines Erbarmens (rahmaniyet)und Seiner Barmherzigkeit (rahimiyet)zum Ausdruck. Die Menschen, in Trägheit verfallen und von äußeren Ursachen und Wirkungen geblendet, übersehen entweder die Tatsache, die in dieser Wahrheit zum Ausdruck kommt, oder vergessen sie manchmal sogar. Im Monat Ramadan gleichen die Gläubigen plötzlich einer gut organisierten Armee. Sie alle sind dann zum Gastmahl des ewigen Sultans eingeladen und warten bis zur beginnenden Abenddämmerung auf die Aufforderung: "Bitte, greift zu (Buyurunuz)!"Indem sie so ihre Haltung als Diener in der Anbetung Gottes erweisen, erwidern sie auf diese Weise die liebevolle (shefqatli),majestätische (hashmetli),allumfassende Barmherzigkeit (rahmaniyet)mit einem alles umfassenden, wohlgeordneten und erhabenen Dienst und Anbetung. Darf man wohl jene Menschen, die sich diesem erhabenen Dienst, der Anbetung und vor diesen ehrenvollen Gastfreundschaft (sheref-i keramet)verschließen, ihres menschlichen Namens für würdig erachten?
Zweiter Abschnitt:
In Anbetracht der Tatsache, dass das Fasten im segensreichen Monat Ramadan, der Dankbarkeit für die Gnadengaben (ni'met)Gottes des Gerechten dient, ist eine Weisheit unter vielen Weisheiten die folgende:
Wie bereits im Ersten Wort erwähnt wurde, erfordern die Speisen, die der Kellner aus der kaiserlichen Küche bringt, ihren Preis. So wie es im höchsten Grade eine
Torheit wäre, hat man dem Kellner bereits ein Trinkgeld gegeben, nun zu glauben, dass diese so kostbaren Gnadengaben wertlos seien und den, der sie uns gespendet hat, nicht zu kennen. So hat auch Gott der Gerechte für das Menschengeschlecht zahllose verschiedene Gaben über die Erde ausgebreitet und erwartet von uns nun als Preis für Seine Gnadengaben unseren Dank. Die äußerlichen Ursachen, Dinge und Umstände dienen dabei, wie der Kellner, nur als Träger. Diesen Kellnern zahlen wir einen Preis, ja wir sind ihnen zu Dank verpflichtet. Unser Dank und Respekt geht zuweilen noch weit über das erforderliche Maß hinaus, während doch der Wahre Geber (Mun'im)aller Gaben in unendlichem Grade mehr als alle Ursachen würdig ist, unseren Dank entgegen zu nehmen. Ihm zu danken bedeutet also, zu wissen, dass jene Gaben unmittelbar von Ihm kommen, ihren Wert zu schätzen wissen und dabei seine eigene Bedürftigkeit wahr zu nehmen.
So ist denn das Fasten im Heiligen Monat Ramadan der Schlüssel zu wahrer (haqiqi),reiner (khalis),tiefer (azametli)und allumfassender Dankbarkeit. Denn zu anderen Zeiten, wenn die meisten Menschen sich nicht gerade in einer Zwangslage befinden, sind sie auch kaum in der Lage, den Wert der vielen Gnadengaben zu erkennen, weil sie echten Hunger gar nicht verspüren. Für einen Menschen der satt ist und ganz besonders, wenn er reich ist, ist der Grad der Gnade völlig unverständlich, der sich schon allein in einem trockenen Stück Brot verbirgt. Zur Stunde des Fastenbrechens (iftar)aber bezeugt uns der Geschmackssinn, welch wertvolle Gabe Gottes jenes trockene Stück Brot in den Augen eines Gläubigen ist. Während des Heiligen (Monats) Ramadan gelingt es einem jeden, vom König bis zum Ärmsten durch sein Verständnis des Wertes solcher Gnadengaben innere Dankbarkeit zu gewinnen.
Wenn er sodann, weil ja tagsüber das Essen verboten ist, sagt: "Diese Gaben sind nicht mein Eigentum. Ich bin nicht so frei, sie zu mir zu nehmen. Das heißt, sie sind Eigentum
eines anderen und Sein Geschenk. Ich warte auf Seinen Befehl." erkennt er das Geschenk als ein Geschenk und bringt so seine innere Dankbarkeit (shukr-u manevi)zum Ausdruck. Auf diese Weise wird das Fasten zu einem Schlüssel der Dankbarkeit, die in vielerlei Hinsicht die eigentliche Aufgabe des Menschen ist.
Der dritte Abschnitt:
Was das Fasten hinsichtlich des Gemeinschaftslebens für den Menschen betrifft, so ist eine Weisheit unter vielen Weisheiten, folgende:
Die Menschen sind, was ihren Lebensunterhalt betrifft, verschieden. Gott der Gerechte fordert in Anbetracht dieser Verschiedenheit die Reichen auf, den Armen zu helfen. Doch die Reichen können nur durch ihren Hunger während des (eigenen) Fastens den bedauernswerten, bitteren Zustand der Armen erspüren. Gäbe es kein Fasten, so gäbe es (statt dessen) viele selbstsüchtige Reiche, die nicht begreifen (idrak)können, wie weh Hunger und Armut tun können und wie vieler Liebe (shefqat)diejenigen bedürfen, (die darunter leiden).
In dieser Hinsicht bildet die Liebe zum Mitmenschen, so wie sie sich im menschlichen Wesen findet, die Grundlage wahrer Dankbarkeit. Wie auch immer ein Mensch sein mag, er wird immer einen anderen finden können, der in gewisser Hinsicht noch ärmer ist als er. Ihm gegenüber ist es seine Pflicht, ihm Mitleid (shefqat)zu erweisen.
Wenn er selbst noch nie dazu gezwungen war, Hunger zu leiden, kann er auch die Güte (ihsan)und Hilfe nicht aufbringen, zu der er allein schon aus Mitleid (shefqat)verpflichtet ist. Und wenn er es auch könnte, so wäre (seine Hilfe dennoch) unvollkommen, da er ja diesen Zustand (hal)nicht wirklich in seiner eigenen Seele (nefs)verspürt hat...
Vierter Abschnitt:
Betrachten wir einmal das Fasten vom Standpunkt der Diätetik der Seele (nefsin terbiye),so ist auch hier eine Weisheit unter vielen Weisheiten folgende:
Die Seele (nefs)möchte frei und unabhängig sein und versteht
sich selbst auch so. Ja sie sehnt sich sogar nach einer, (wenn auch nur) erträumten Herrschaft und hält es geradezu für selbstverständlich, nach eigenem Gutdünken zu handeln. Sie denkt nicht ohne weiteres daran, sich in der grenzenlosen Gnade (Gottes) erziehen (ni'metlerle terbiye)und durch Seine Gaben versorgen zu lassen. Hat sie überdies Macht und Reichtum (zusammengerafft) und ihre Gottvergessenheit ihr auch noch dazu verholfen, so reißt sie die Gnadengaben Gottes an sich, stiehlt sie wie ein Dieb und verschlingt sie wie ein Tier.
Nun begreift aber im Heiligen (Monat) Ramadan ein jeder in seiner Seele, vom reichsten bis zum ärmsten, dass er nicht der Eigentümer ist, sondern selbst das Eigentum, dass er also nicht frei ist, sondern (Gottes) Diener und Anbeter. Erhält er keinen Befehl, so kann er noch nicht einmal die einfachsten und leichtesten Dinge tun. Wenn er noch nicht einmal seine Hand nach dem Wasser ausstrecken kann, bricht seine eingebildete Selbstherrlichkeit zusammen. Nun beginnt er in Dienst und Anbetung jene Dankbarkeit darzubringen, die seine ureigenste Aufgabe ist.
Fünfter Abschnitt:
Hinsichtlich des Fastens im Heiligen (Monat) Ramadan ist, was die ethische Vervollkommnung der Seele und die Aufgabe ihrer Widersetzlichkeiten betrifft, eine von vielen Weisheiten folgende:
Die menschliche Seele vergisst sich selbst in ihrer Gottvergessenheit (und weiß dann nicht mehr, wer sie ist). Sie verkennt leicht die unendliche Ohnmacht, die unsagbare Armut und die hochgradige Fehlerhaftigkeit ihres Wesens und will sie auch gar nicht sehen. Zudem denkt der Mensch ungern daran, wie schwach er ist, wie sehr er dem Verfall ausgesetzt ist, wie oft er vom Unglück verfolgt ist und dass er nur Fleisch ist über einem Skelett, das zerfällt und vermodert. Als hätte er einen Körper aus Stahl und wäre unsterblich, klammert er sich an diese Welt und stellt sich vor, er wäre ewig. Mit einer Gier und Habsucht, mit ungezügelter Liebe (muhabbet)und Leidenschaft
stürzt er sich in die Welt. Er ist gefesselt von allen Dingen, die ihm Vorteile bringen und Genuss bereiten. Dabei vergisst er seinen Schöpfer, der ihn mit vollkommener Liebe (shefqat)versorgt. Auch das Fazit seines (diesseitigen) Lebens und das jenseitige Leben liegen nicht in seinem Blickfeld und er wälzt sich im Morast seiner Unmoral.
So lässt denn das Fasten im Heiligen (Monat) Ramadan alle, selbst die in tiefster Gottvergessenheit und die Starrköpfigsten ihre Schwäche (da'if),Ohnmacht (adjz)und Armseligkeit (faqr)erkennen. Der Hunger treibt sie, an ihren Magen zu denken und seine Bedürfnisse wahrzunehmen. Sie beginnen zu begreifen, in welch hohem Maße ihr Körper schwach und anfällig ist. Es wird ihnen klar, wie sehr sie des Mitleids und der Güte (merhamet ve shefqat)bedürfen. So beginnt (der Mensch) die pharaonengleiche Selbstherrlichkeit loszulassen und verspürt den Wunsch in Anbetracht der vollkommenen Ohnmacht und Armseligkeit an der Schwelle Gottes Zuflucht zu suchen und bereitet sich vor, mit dankbarem Herzen an der Pforte der Barmherzigkeit (rahmah)anzuklopfen, soweit nicht sein Herz in seiner Gottvergessenheit schon verdorben ist.
Sechster Abschnitt:
Eine von vielen Weisheiten des Fastens im Heiligen (Monat) Ramadan ist in Anbetracht der Herabsendung des Weisen Qur'an, und weil der Heilige (Monat) Ramadan hinsichtlich der Herabsendung des Weisen Qur'an die wichtigste Zeit ist, die folgende:
Da der Weise Qur'an nun einmal im Heiligen (Monat) Ramadan herabgesandt wurde, sollte man, um sich die Zeit, in der der Qur'an geoffenbart wurde, zu vergegenwärtigen, wodurch dieses göttliche Buch auf das schönste willkommen geheißen wird, im Heiligen (Monat) Ramadan seine Seele (nefs)von den niederen Begierden zurück halten, vor unsinnigen Zuständen (halat)bewahren, und so unter ähnlichen Umständen (vaziyet)verkehren, wie die Engel, die weder Speise noch Trank bedürfen, sollte den Qur'an lesen und hören, so als wäre er neu herabgesandt worden, und in ihm die Ansprache Gottes hören, so wie sie
der Ehrenwerte Gesandte, mit dem Friede und Segen sei, von dem Ehrenwerten Engel Gabriel, oder vielmehr dem Urewigen Sprecher gehört hat und so einen heiligen Zustand (quds-i halet)verwirklichen. Er sollte sich selbst zu seinem Sprecher machen, damit andere ihn hören können und so andere in gewissen Grade die Weisheit erkennen lassen, die in der Herabsendung des Qur'an liegt.
Es ist in der Tat so, als verwandele sich die islamische Welt im Heiligen (Monat) Ramadan gewissermaßen in eine Moschee. Sie wird zu einem Gebetshaus, in dem Millionen Rezitatoren (Hafidh),in allen Ecken dieser gewaltigen Moschee den Qur'an, diese göttliche Ansprache, den Erdenbewohnern zu Gehör bringen. In jedem Ramadan wird in glänzender, strahlender Weise die Ayah dargestellt:
شَهْرُ رَمَضَانَ الَّذِٓى اُنْزِلَ فِيهِ الْقُرْاٰنُ
{"Der Monat Ramadan, in dem der Qur'an herabgesandt wurde." (Sure 2, 185)}
Der Ramadan beweist, dass er der Monat des Qur'an ist. Einige Mitglieder dieser gewaltigen Gemeinschaft lauschen den Vorträgen eines Hafidh mit Hingabe, andere lesen still, jeder für sich. Sich unter den gegebenen Umständen (vaziyet)wie denen in einer Moschee, den niederen Trieben seiner Seele (nefs)hingeben und so durch Essen oder Trinken diese lichterfüllte Situation zu verlassen, ist dermaßen verabscheuungswürdig, dass es unter der Gemeinschaft in der Moschee verständlicherweise eine innerliche Verachtung hervorruft und (Leute, die so etwas tun) deshalb zu deren Zielscheibe werden. Genau so machen sich im Heiligen (Monat) Ramadan diejenigen, die den Leuten, die fasten, zuwiderhandeln im gleichen Grade auch zur Zielscheibe des innerlichen Abscheus und der Verachtung der ganzen islamischen Welt.
Siebenter Abschnitt:
Eine Weisheit unter vielen Weisheiten des Ramadanfastens hinsichtlich des Verdienstes für das Menschengeschlecht, das in diese Welt kommt, um für das Jenseits zu ackern und zu handeln, ist folgende:
Im Heiligen (Monat) Ramadan werden gute Taten von Gott tausendfach vergolten (sevab).Nach einem Hadith bringt jeder Buchstabe im Weisen Qur'an zehn Pluspunkte (Sevab)und zehn Früchte des Paradieses bei Gott ein und wird für zehn gute Werke (Hassanah)gezählt. Im Heiligen (Monat) Ramadan sind es nicht zehn sondern tausend. Der Gotteslohn für die gelesenen Qur'anstellen, wie für Ayatu-l'Kursi (2, 255) ist Tausend für jeden Buchstaben und an den Freitagen im Heiligen (Monat) Ramadan ist es sogar noch mehr. Und in der Nacht der Offenbarung (des Qur'an) ist er selbst dreißigtausendfach. In der Tat gleicht jeder Buchstabe einem ganzen Qur'an, der dreißigtausend Früchte hervorbringt, wie der leuchtende Baum der Glückseligkeit (shedjere-i tuba).Auf diese Weise können die Gläubigen im Monat Ramadan Millionen von Früchten ernten.
Nun komm und siehe diesen heiligen, ewigen, verdienstvollen Handel! Bedenke, welch großem Schaden jene sich aussetzen, die den Wert dieser (arabischen!) Buchstaben nicht begreifen.
Der Heilige (Monat) Ramadan gleicht also einer außerordentlich ertragreichen Handels- und Messeveranstaltung für das jenseitige Leben. Er gleicht einem außerordentlich fruchtbaren Stück Land für die Ernte im Jenseits und einem Frühlingsregen für das Wachstum und Gedeihen all unserer Handlungen. Er gleicht einer glänzenden heiligen Festveranstaltung des Königs mit einem Vorbeizug der Menschheit in Seinem Dienst, in Seiner Anbetung, veranstaltet zu Ehren ihres göttlichen Herrschers (Saltanat-i rububiyet-i ilahiye).Und da dies nun einmal so ist, wurde die Seele in ihrer Gottvergessenheit dazu verpflichtet, nicht ihren tierischen Bedürfnissen, wie Essen und Trinken, oder irgendwelchen anderen sinnlosen, egoistischen Interessen und Begierden zu verfallen, sondern statt dessen besser zu fasten.
Es ist, als ob sie vorübergehend ihrer tierischen Verhaftung entschlüpfe, den Status (vaziyet)eines Engels einnähme, bzw. einen Handel mit der jenseitigen (Welt) einginge, die irdischen Bedürfnisse vorübergehend hinter sich ließe, oder aber die Gestalt eines Menschen annähme, der für das Jenseits (lebt) und den Status eines Geistes (ruh)auf sich nähme, der in einem Körper sichtbar geworden ist. Durch ihr Fasten wird sie zu einer Art Spiegel der Unwandelbarkeit (samedaniyetGottes). Der Heilige (Monat) Ramadan trägt fürwahr schon in dieser vergänglichen Welt, während dieser kurzen, vorübergehenden Lebensspanne, in diesem kurzen irdischen Leben, eine Spanne ewigen, unvergänglichen Lebens in sich, das es zu gewinnen gilt.
Ein einziger Ramadan kann uns in der Tat die Früchte eines achtzigjährigen Lebens gewinnen lassen. Nach dem ausdrücklichen Wortlaut des Qur'an ist die Nacht der Bestimmung (Laylatu-l'Qadr)
besser als tausend Monate, was ein sicherer Beweis für dieses Geheimnis ist. So wie also ein König im Verlauf seiner Regierungszeit jährlich oder gelegentlich, z.B. anlässlich Seiner Thronbesteigung Festtage ausrufen und eine glanzvolle Feier veranstalten kann, Seinen Untertanen an einem solchen Tag außerhalb der allgemein gültigen Gesetze (eine allgemeine Amnestie verkünden), ihnen Seine Huld erweisen; Er zeigt sich höchstderoselbst in der Öffentlichkeit, gewährt Privataudienzen und ehrt die treuen und verdienten Bürger seines Reiches durch Sein persönliches Wohlwollen und sein königliches Interesse. Genauso hat auch der König, der in Seiner Majestät und Herrlichkeit über die achtzehntausend Welten herrscht von Ewigkeit zu Ewigkeit in diesem Heiligen (Monat) Ramadan den hochehrwürdigen Qur'an als einen königlichen Erlass für diese achtzehntausend Welten herabgesandt. Darum ist es mit Sicherheit ein Erfordernis Seiner Weisheit, diesen Monat mit Recht, ein besonderes Fest Gottes, eine Messe des Herrn und eine Versammlung und Vereinigung der Seelen
(zu Gottes Gedenken) zu nennen. Da nun einmal der Ramadan ein solches Fest (ein solches feierliches Gedenken Gottes) ist, wurde mit Sicherheit auch ein Fasten befohlen, um die Menschen in gewissem Grade von ihren niederen, tierischen Bedürfnissen zurückzuhalten.
Das vollkommenste Fasten heißt, nicht nur dem Magen, sondern mit ihm zugleich auch allen Organen des Menschen, wie den Augen, den Ohren, der Zunge, aber auch dem Herzen, der Phantasie und den Gedanken ein Fasten aufzuerlegen, also mit anderen Worten: all den verbotenen, aber auch allen nichtigen Dingen aus dem Wege zu gehen und jedes Organ auf seine Art Dienst und Anbetung hin zu orientieren, seine Zunge vor der Lüge, vor übler Nachrede, vor groben und hässlichen Worten zu bewahren und in dieser Form ein Fasten zu halten und die Zunge statt dessen darin zu üben, den Qur'an zu lesen, die Heiligen Namen Gottes immer wieder zu rezitieren, Ihn zu loben, zu rühmen und zu preisen, Segenswünsche (für den Propheten) auszusprechen und Allah um Verzeihung anzurufen; die Augen vor unerlaubten Dingen zu bewahren und sie statt dessen auf lehrreiche Dinge zu lenken; das Ohr vom Hören schlechter Dinge abzuwenden und es auf schöne und wahrhaftige Reden zu richten, den Qur'an anzuhören - dies alles ist (in dem ganz allgemeinen Begriff) "Fasten" mit eingeschlossen.
Weil aber nun der Bauch die größte Industrieanlage in unserem Körper darstellt, ist es um so leichter, alle die anderen kleinen Werkstätten zur Nachfolge anzuregen, hat man erst einmal diese große Anlage stillgelegt (und ihre Arbeiter in Urlaub geschickt).
Achter Abschnitt:
Eine Weisheit unter vielen Weisheiten des Heiligen (Monats) Ramadan hinsichtlich des individuellen menschlichen Lebens ist folgende:
Eines der wirksamsten Heilmittel in der Gestaltung eines gesunden Lebens ist es, eine Diät einzuhalten für Leib und Seele. Medizinisch wie diätetisch gesehen schädigt ein Mensch, der seiner Seele bei der Einnahme von Speisen freien
Lauf lässt, seinen Körper, weil er der Maßlosigkeit nicht mehr Herr werden kann und das Erlaubte von dem Verbotenen (helal-haram)nicht zu unterscheiden vermag. Einem solchen Menschen fällt es mit der Zeit schwer, sich nach den feinen Empfindungen des Herzens zu richten und dem Geist (ruh)zu folgen. Nun nehmen die Vagabunden in ihm selbst die Zügel in die Hand und der Mensch kann (seine Begierde) nicht mehr bezwingen. Jetzt reitet sie ihn vielmehr.
Im Ramadan gewöhnt sich (der Gläubige) mit Hilfe des Fastens an seine Art von Diät. Er unterwirft sich der Askese und lernt, Befehle zu befolgen. Er beugt den Krankheiten vor, indem er seinen armen, schwachen Magen keinen Überlastungen aussetzt und ihn nicht schon wieder füllt, noch bevor er überhaupt leer geworden ist. Dadurch, dass er lernt, sich einem Befehl zu unterwerfen, auf Erlaubtes zu verzichten und von Verbotenem Abstand zu nehmen, befähigt er sich, Befehle, die aus der Vernunft und dem Gesetz erwachsen, leichter zu befolgen. Er bemüht sich somit, sein spirituelles Leben (hayat-i manevi)nicht zugrunde zu richten.
Des Weiteren wird der überwiegende Teil der Menschheit sehr häufig von Hunger geplagt. Darum braucht (der Mensch) Hunger und Askese, um Geduld und Ausdauer zu lernen und zu üben. Im Heiligen (Monat) Ramadan ist ein Fasten, wo der Hunger fünfzehn Stunden oder selbst vierundzwanzig Stunden fortdauert, falls man auf das Frühstück (sahur)verzichtet, eine ausgezeichnete Schule der Geduld und der Askese. Mit anderen Worten: das Fasten ist das Heilmittel gegen die Ungeduld und den Mangel an Ausdauer, welche das Übel des Menschen verdoppeln.
Des Weiteren gibt es in der Fabrik des Bauches auch sehr viele Arbeiter. Ferner gibt es im Bauch des Menschen auch noch sehr viele Organe, die unter einander verbunden sind. Wenn nun die Seele nicht im Verlauf eines Monats tagsüber Urlaub von ihrer Arbeit erhält,
vergessen auch die Arbeiter in jener Fabrik und alle ihre Organe ihren besonderen Dienst und die Anbetung. Sie sind weiterhin ständig beschäftigt und bleiben so der Zwangsherrschaft (der Seele) verhaftet. Auch die übrigen menschlichen Organe werden durch das Getöse der unsichtbaren Zahnräder und die Dunstschwaden in der Fabrik ganz verwirrt. So sind sie ständig mit sich selbst beschäftigt und vergessen vorübergehend ihre erhabenen Aufgaben (vasife).So kommt es denn, dass sich schon von alters her die Freunde Gottes zu ihrer Vervollkommnung einer Askese mit stets nur wenig Essen und Trinken zu unterziehen pflegten.
Im Zuge des Fastens im Heiligen (Monat) Ramadan beginnen jene Fabrikarbeiter zu begreifen, dass sie nicht allein für die "Fabrik" erschaffen worden sind. Auch die übrigen Organe genießen im Heiligen (Monat) Ramadan statt der niederen Freuden jener Fabrik die Freuden der Engel und Geister. Und ihre Blicke sind unverwandt darauf gerichtet. Dadurch lässt es sich erklären, dass im Heiligen (Monat) Ramadan die Gläubigen vielfach verschiedene (Stufen) der Erleuchtung, der Fülle und geistigen Freude erfahren, und zwar entsprechend dem jeweiligen Grad ihrer geistigen Entwicklung. Alle innerlichen und äußerlichen Sinne und Kräfte des Menschen, Herz (qalb),Verstand, und Gemüt, die geheimnisvollen, feinen inneren Kräfte des Geistes werden in diesem gesegneten Monat durch das Fasten entfaltet und gesegnet. Während der vor Hunger leere Magen weint, füllt sich die Seele mit unschuldiger innerer Freude.
Neunter Abschnitt:
Unter den Weisheiten des Fastens im Heiligen (Monat) Ramadan hinsichtlich der unmittelbaren Zerstörung der eingebildeten Selbstherrlichkeit der Seele und der Bekanntgabe ihres Dienstes und ihrer Anbetung durch einen Hinweis auf ihre Schwäche ist eine Weisheit die folgende:
Die Seele ist von sich aus nicht geneigt, ihren Herrn (Rabb)zu erkennen. Wie Pharao will sie ihre eigene Herrschaft aufrichten.
Wievielen Qualen sie auch immer ausgesetzt würde, dieser Charakterzug bliebe dennoch in ihr erhalten. Durch den Hunger wird jedoch diese ihre Grundneigung gebrochen. So wird denn im Heiligen (Monat) Ramadan ein direkter Schlag gegen die Frontlinie der Seele und ihr pharaonengleiches Verhalten geführt. Ihre Schwäche, Ohnmacht und Armseligkeit werden aufgedeckt. So erfährt sie, dass sie ein Diener und Anbeter ihres Herrn ist.
In den Ahadith begegnen wir folgender Überlieferung:
Gott befragte die Seele (nefs):"Was bin ich? was bist du?" Die Seele sagte: "Ich bin ich! Du bist Du!" Gott unterzog sie darauf einer Strafe. Sie wurde in die Hölle geworfen. Dann stellte Er wieder dieselbe Frage. Sie erwiderte auch diesmal: "Ich bin ich! Du bist Du!" Welcher Strafe Er sie auch unterzog, sie ließ von ihrem Trotz nicht ab. Da verhängte Er über sie die Strafe des Hungers. Mit anderen Worten: Er ließ sie hungern. Dann befragte Er sie von neuem: "men ene wa ma ente?" (Wer bin ich und was bist du?) Nun sagte die Seele:
اَنْتَ رَبِّى الرَّحِيمُ ٭ وَاَنَا عَبْدُكَ الْعَاجْزُ
Das heißt: "Du bist mein barmherziger Herr. Ich hingegen bin Dein schwacher Diener."
اَللّٰهُمَّ صَلِّ وَسَلِّمْ عَلٰى سَيِّدِنَا مُحَمَّدٍ صَلٰوةً تَكُونُ لَكَ رِضَآءً وَلِحَقِّهِ اَدَآءً بِعَدَدِ ثَوَابِ حُرُوفِ الْقُرْاٰنِ فِى شَهْرِ رَمَضَانِ وَعَلٰٓى اٰلِهِ وَصَحْبِهِ وَسَلِّمْ ٭ سُبْحَانَ رَبِّكَ رَبِّ العِزَّةِ عَمَّا يَصِفُونَ ٭ وَسَلاَمٌ عَلَى الْمُرْسَلِينَ ٭ وَ الْحَمْدُ لِلّٰهِ رَبِّ الْعَالَمِينَ ٭ اٰمِينَ
{"Oh Gott gib Friede unseren Herrn Mohammed und segne ihn mit Segen, wie es auch Deinem Wohlgefallen entspricht. Verleihe ihm die Erfüllung in Deiner Wahrheit nach der Anzahl der Verdienste der im Monat Ramadan gelesenen Worte im Qur'an. Schenke ihm Frieden, seiner Familie und seinen Gefährten. Lob sei Deinem Herrn, dem Herrn der Macht. Erhaben ist Er über das, was sie da sagen. Und Friede sei über die Gesandten und Preis und Dank sei Gott, dem Herrn der Welten! Amen!" (Sure 37, 180-182)}
Entschuldigung:
Da dieses zweite Kapitel in vierzig Minuten, also sehr schnell geschrieben worden ist, während ich und mein Schreiber, dem ich diktierte, beide krank waren. So finden sich darin mit Sicherheit Fehler und Ungereimtheiten. Wir erwarten daher von unseren Brüdern, dass sie (dieses Kapitel) mit Nachsicht betrachten mögen. Wo sie das für nötig halten, mögen sie es aber korrigieren!
* * *
Drittes Kapitel, zugleich dritte Abhandlung
Ich habe dieses Kapitel geschrieben, um meinen Mitbrüdern einen wichtigen Plan zur Begutachtung vorzulegen. Diese Absicht betrifft die Niederschrift eines Qur'anexemplars in der Art, dass sie in der Beibehaltung eines Maßstabs eine der zweihundert Arten einer Darstellung der Wunderhaftigkeit des Qur'an zur Anschauung bringt, wobei die Seiten in der Weise niedergeschrieben werden, dass sie in Übereinstimmung mit der Schreibweise von Hafis Osman sind, wobei der Mudayana-Vers als Maßstab für die Seite Verwendung findet, und die Suratu-l'Ikhlas als Maßstab für eine Standard-Zeile. Diesen dritten Abschnitt habe ich geschrieben, um mich mit euch über diese Angelegenheit zu beraten, eure Meinung einzuholen und mich auch selbst dabei zu kontrollieren.
Der hochehrwürdige Qur'an ist ein Wunder, und das auf verschiedene Arten und bis zu vierzig Weisen. Dies wurde im Fünfundzwanzigsten Wort, genannt die "Wunderhaftigkeit des Qur'an", anhand von Zeugnissen bewiesen. Einige von ihnen wurden ausführlich, andere nur in aller Kürze dargestellt, sodass es selbst noch die Engstirnigen erkennen können.
Des Weiteren wurde im Achtzehnten Hinweis des Neunzehnten Briefes erklärt, dass die Wunderhaftigkeit des Qur'an vierzig verschiedenen Klassen unter den menschlichen Schichten ihr jeweils für sie geeignetes Wunder zeigt und dabei der spezielle Anteil an Wunderhaftigkeit für zehn von diesen (vierzig) Schichten bewiesen. Die übrigen dreißig Klassen sind die Gottesfreunde und ihre Schüler nach den verschiedenen Richtungen (meshreb),sowie die Schüler der verschiedenen Wissenszweige. Ihr auf Forschung beruhender Glaube (iman-i tahqiq)hat
mit wissenschaftlicher, augenscheinlicher und wahrhaftiger Gewissheit (ilme l-yaqien, ayne l-yaqien, haqqa l-yaqien)gezeigt, dass der Qur'an das wahre Wort Gottes (kelamu'llah)ist und für eine jede Richtung ein besonderes Wunder darstellt. Mit anderen Worten: eine jede (dieser Schichten) muss also auf eine jeweils andere Weise einen anderen Aspekt seiner Wunderhaftigkeit erkannt haben. So ist denn in der Tat die Wunderhaftigkeit, so wie sie ein Heiliger erlebt, der Gott auf dem Wege der Erkenntnis (marifet)sucht und die Schönheit der Wunderhaftigkeit, so wie sie ein Gottesfreund als Sein Geliebter (ashk)erlebt, nicht dasselbe. Genauso ändert sich auch den verschiedenen Richtungen entsprechend die Erscheinung der Schönheit der Wunderhaftigkeit (djemal-i i'djaz).Der Aspekt der Wunderhaftigkeit, wie sie ein Gelehrter mit profunder Kenntnis des Glaubens (Ilm-i usul-ud din allame)und ein Imam erfährt, ist nicht derselbe, wie der Aspekt der Wunderhaftigkeit, wie sie ein Rechtsgelehrter (mutschtehid)und Kenner aller Einzelheiten des islamischen Rechts erfährt, usw... Ich bin nicht im Stande, alle diese verschiedenen Aspekte einer derartigen Wunderhaftigkeit ausführlich darzustellen. Mein Verständnisvermögen kann sie nicht alle umfassen, denn mein Blick ist dafür zu kurz. Aus diesem Grunde wurden nur zehn Klassen erklärt und die übrigen nur kurz angedeutet. Was aber nun die beiden Schichten dieser (dreißig) Schichten betrifft, so sind sie in der Abhandlung "Die Wunder Mohammeds" nur sehr kurz behandelt worden, obwohl sie doch einer längeren Erklärung bedurft hätten.
Erste Schicht:
Das einfache, ungebildete Volk, das wir die Schicht "mit den Ohren" nennen, hört den Qur'an und erkennt dessen Wunderhaftigkeit mit Hilfe seiner Ohren, denn es sagt: "Dieser Qur'an, den ich höre, gleicht keinen anderen Büchern. Er muss entweder allen andern überlegen oder aber unterlegen sein. Er sei unterlegen, kann niemand behaupten und hat auch noch nie einer behauptet. Noch nicht einmal der Teufel kann so etwas behaupten. So muss er denn allen anderen überlegen
sein." In der Weise kurz zusammengefasst wurde das bereits im Achtzehnten Hinweis beschrieben. Um es näher zu beleuchten, schildert und beweist das Erste Kapitel des Sechsundzwanzigsten Briefes, "Zeugnis des Qur'an gegen den Teufel und seinen Anhang", die Art des Verständnisses der Wunderhaftigkeit dieser (ersten) Schicht.
Zweite Schicht:
Die Schicht derer "mit den Augen", das heißt, für das einfache, ungebildete Volk oder die Materialisten, denen der Verstand in die Augen gerutscht ist, gibt es einen Aspekt der Wunderhaftigkeit des Qur'an, den man schon mit bloßem Auge erkennen kann, wie bereits im Achtzehnten Hinweis des Neunzehnten Briefes dargelegt worden ist. Um diese Behauptung richtig zu beleuchten und sie zu beweisen, war eine ziemlich ausführliche Erklärung notwendig. Diese Erklärung wurde auf Grund einer tiefen Weisheit des Herrn, die wir jetzt verstehen können, nicht gegeben. Nur auf ein paar unbedeutende Einzelheiten wurden bereits hingewiesen. Jetzt ist diese tiefe Weisheit verständlich geworden und wir sind jetzt sicher, dass diese frühere Verschiebung besser war. Um das Verständnis und die Wahrnehmung dieses einen unter vierzig Aspekten der Wunderhaftigkeit (des Qur'an), den man mit den Augen wahrnehmen kann, für diese Schicht zu erleichtern, haben wir einen Qur'an schreiben lassen, der (diesen Aspekt) für das Auge sichtbar macht.
Viertes Kapitel, zugleich vierte Abhandlung
Anmerkung:
Da die übrigen Abschnitte dieses dritten Kapitels und das vierte Kapitel von der symmetrischen Übereinstimmung im Qur'an handelt, begnügen wir uns hier mit einer kurzen Zusammenfassung. Hier wurde nur eine Anmerkung und der dritte Punkt zum vierten Kapitel angeführt.
Anmerkung:
In den Erklärungen zu dem bedeutenden Punkt, der das Wort "Rasul(Prophet, Botschafter, Gesandter)" betrifft, wurden einhundertsechzig Ayat zusammengestellt. Da (die Zusammenstellung) dieser Ayat, die eine ganz besondere Bedeutung haben, sich mit Hinsicht auf ihre Bedeutung gegenseitig beweisen und vervollständigen, auch noch einen besonderen Sinn haben, sind sie zudem auch ein Auszug aus dem Qur'an für diejenigen, die verschiedene Ayat lesen oder auswendig lernen wollen. Auch der Grad der Beredsamkeit der neunundsechzig Ayat, in denen das Wort "Qur'an"vorkommt, und welche in einem besonders wichtigen Punkt zusammengefasst worden sind, ist ebenfalls höchst wunderbar und die Kraft ihrer fließenden (Sprache) erhaben. Sie mögen unseren Brüdern als eine zweite Zusammenstellung aus dem Qur'an empfohlen sein. Was das Wort "Qur'an"betrifft, das in den sieben Linien (silsilahder Korrespondenz) des Wortes auftaucht, die sie alle umfassen mit der Ausnahme von zweien, welche in der Bedeutung von "lesen" verwendet werden, so stärkt ihre Randstellung (noch den oben dargestellten) Hinweis. Was nun das Wort "Rasul"betrifft, so kommt dieses Wort hauptsächlich in der Sure "Mohammed"und in der Sure "Fath"vor, weshalb wir uns auf die Korrespondenzlinien dieser beiden Suren beschränkt und die übrig bleibenden "Rasul"außer Betracht gelassen haben. Falls es die Zeit noch zulässt, werden wir noch einmal über das Geheimnis ihrer
Randstellung schreiben, insoweit es Gott gefallen möge.
Dritter Punkt:
Er besteht aus vier Anmerkungen
Erste Anmerkung:
Das Wort "Allah"wird uns im ganzen Qur'an 2806 Mal erwähnt (dhikr).Rechnet man (die Anrufung) "im Namen Gottes, des Barmherzigen, des Allerbarmers" (am Anfang einer jeden Sure) mit hinzu, so wird das Wort "Erbarmer" (Rahman)159 Mal, das Wort "Barmherziger" (Rahiem)220 Mal, das Wort "Verzeihender" (Ghafur)160 Mal, das Wort "Herr" (Rabb)846 Mal, das Wort "Weiser" (Hakiem)86 Mal, das Wort "Wissender" (Aliem)126 Mal, das Wort "Mächtig" (Qadir)130 Mal, "Er" (Hu)in "Es gibt keine Gottheit außer Ihm (Hu)"26 Mal erwähnt (dhikr).
{(*): Die Gesamtzahl der Ayat im Qur'an mit 6666 und die obenerwähnte Zahl der göttlichen Namen, die mit der Zahl "6" verbunden sind, deutet ein bedeutendes Geheimnis an, das jedoch für den Augenblick außer Acht gelassen wurde.}
In der Anzahl des Namens Allah liegen viele Geheimnisse und subtile Anmerkungen. So sind zum Beispiel nach den Worten "Allah" und "Herr" die am häufigsten erwähnten Namen "der Barmherzige", "der Erbarmer", "der Verzeihende" und "der Weise". Sie bilden zusammen mit dem Wort "Allah" die Hälfte der Ayat im Qur'an. Ferner sind das Wort "Allah" und das anstelle des Wortes "Allah" erwähnte Wort "Herr" zusammen wiederum die Hälfte. Obwohl das Wort "Herr" 846 Mal erwähnt wird, so wird es jedoch, aufmerksam betrachtet, nur 500 und noch einige Male an Stelle von "Allah" erwähnt, also zweihundert und noch einige Male nicht in diesem Sinne.
Ferner ist die Anzahl von "Allah", "Erbarmer",
"Barmherziger", "Wissender" und "Er" in "Es gibt keine Gottheit außer Ihm" zusammen wieder die Hälfte; der Unterschied ist nur vier. Mit "Mächtig" an Stelle von "Er" zusammengezählt ergibt wiederum die Hälfte der Ayat; der Unterschied beträgt neun. Das Wort "Majestät (Lafz-i Djelalals Inbegriff des Göttlichen)" hat viele Aspekte. Doch für den Augenblick wollen wir uns hier damit begnügen.
Zweite Anmerkung:
Sie bezieht sich auf die Suren. Auch hier gibt es wieder vielerlei subtile Anmerkungen. Auch sie stehen in einer gewissen Übereinstimmung (tevafuqat),die auf eine Ordnung, eine Absicht, einen Willen (irade)hinweist.
In der Sure Baqarah ist die Anzahl der Ayat gleich der Anzahl der Ausdrücke für "Lafz-i Djelal".Der Unterschied ist nur vier. Jedoch steht auch vier Mal "Hu"anstelle von "Allah".Zum Beispiel: das "Hu"in "Es gibt keine Gottheit außer Ihm." gleicht das hier vollständig wieder aus. In der Sure "Ali Imran"stimmen wiederum die Anzahl der Ayat mit (der Anzahl) der Ausdrücke für "Lafz-i Djelal"überein, sind also gleich. Nur (die Anzahl) der Ausdrücke für "Lafz-i Djelal"ist 209 und die der Ayat zweihundert. Der Unterschied ist neun. Wenn es hier um eine derartige Differenzierung in der Ausdruckskunst und Redegewandtheit geht, so machen kleinere Unterschiede kaum etwas aus. Eine auch nur ungefähre Übereinstimmung genügt bereits. In den Suren "en-Nisa'", "El-ma'ida"und "el-En'am"stimmt die Anzahl der Ayat dieser drei insgesamt mit der (Anzahl) der Ausdrücke für (Lafz-i Djelal)überein: die Anzahl der Ayat ist 464 und die Anzahl der Ausdrücke für "Lafz-i Djelal"461, was mit den drei Ausdrücken für "Lafz-i Djelal"in der Formel "im Namen Gottes" zusammengerechnet eine exakte Übereinstimmung ergibt.
Zum Beispiel ist die Anzahl der Ausdrücke für "Lafz-i Djelal"in den fünf oben erwähnten Suren das Doppelte der Anzahl in den Suren "el-A'raf", "el-Enfal", "at-Taubah", "Yunus"und "Hud".Das heißt, in den letzteren fünf
(sind es) die Hälfte der ersten fünf. In den folgenden Suren "Yusuf", "Ra'd", "Ibrahim", "Hidjr",und "Nahl"ist die Anzahl der Ausdrücke für "Lafz-i Djelal"die Hälfte von dieser Hälfte. In den folgenden Suren "Isra", "Kehf", "Meryem", "Taha", "el-Enbiya'"und "el-Hadj"
{(*): In dieser Fünferreihe hat sich ein Geheimnis enthüllt. Ohne dass es auch nur einer von uns bemerkt hätte, wurden hier sechs Suren niedergeschrieben. Wir haben gar keinen Zweifel daran, dass aus dem Unsichtbaren heraus, (eine Sure) ganz ohne unseren Willen hinzugefügt worden ist, damit dieses bedeutende Geheimnis der Fünfergruppen nicht verloren gehe.}
(ist es) die Hälfte von der Hälfte der Hälfte.
Die danach folgenden fünf zu fünf setzen sich in ungefähr diesem Verhältnis fort. Dabei gibt es nur einige kleinere Abweichungen. Solche Unterschiede sind aber bei diesen Stufen (maqam),die wir hier besprechen, kaum von Bedeutung. So sind einige z.B. 121, andere sind 125 und einige 154 und andere 159. Schließlich vermindert sich die Gruppe der fünf Suren, die mit der Sure "es-Suchruf"beginnen, bis hinunter auf die Hälfte der Hälfte der Hälfte der Hälfte. Bei den fünf mit der Sure "en-Nedjm"beginnenden fünf Suren ist es die Hälfte der Hälfte der Hälfte der Hälfte der Hälfte, jedoch nur ungefähr. Solche Unterschiede sind aber bei diesen Stufen (maqam),die wir hier besprechen, kaum von Bedeutung. Bei den folgenden drei Fünfergruppen kurzer Suren finden wir nur dreimal den Ausdruck "Lafz-i Djelal".Diese Erscheinung (vaziyet)zeigt uns, dass es sich bei der Anzahl des Ausdrucks "Lafz-i Djelal"nicht um Zufall handeln kann, diese Anzahl wurde vielmehr von einer gewissen Weisheit und Ordnung bestimmt.
Dritte Anmerkung
zu dem Wort "Allah":bezieht sich auf das Verhältnis der Seiten, und zwar folgendermaßen:
Die Anzahl der Ausdrücke "Lafz-i Djelal"auf einer Seite steht in Verbindung mit deren Rückseite und diese wiederum
steht in Verbindung mit ihrer gegenüberliegenden Seite. Manchmal steht sie in Verbindung mit der links gegenüberliegenden Seite und mit der Rückseite der gegenüberliegenden Seite. Ich habe daraufhin mein eigenes Qur'an-Exemplar auf derartige Symmetrieerscheinungen untersucht. Meistens habe ich dabei eine besonders schöne zahlenmäßige Entsprechung vorgefunden. Ich habe mir auch in meinem Exemplar entsprechende Zeichen gemacht. Sehr häufig sind sie gleich und manchmal die Hälfte oder auch ein drittel. Es gibt hier also eine Erscheinung (vaziyet),die eine gewisse Weisheit und Ordnung erahnen lässt.
Vierte Anmerkung:
Hier handelt es sich um Symmetrieerscheinungen auf der selben Seite. Ich habe hierbei mit den Brüdern zwei, drei verschiedene Ausgaben miteinander verglichen. Dabei sind wir zu der Überzeugung gelangt, dass bei allen eine gewisse Übereinstimmung (tevafuqat)beabsichtigt war. Nur dort, wo die Schreiber einer Druckerei andere Ziele vor Augen hatten, ist diese Übereinstimmung in gewissem Grade in Unordnung geraten. Brächte man das wieder in Ordnung, könnte man, von einigen ganz seltenen Ausnahmen einmal abgesehen, im ganzen Qur'an 2806 Übereinstimmungen bei dem Ausdruck "Lafz-i Djelal"entdecken. Und darin erglänzt uns ein Funke der Wunderhaftigkeit. Denn der menschliche Intellekt vermag eine so umfangreiche Seitenzahl nicht zu umfassen und sich in sie einzumischen. Und was den Zufall betrifft, so kann sich keine Hand nach einer Erscheinung (vaziyet)voll so viel Weisheit und Bedeutung ausstrecken.
Um diesen vierten Punkt in gewissem Grade aufzuzeigen, wollen wir ein neues Exemplar schreiben lassen, wobei dann unter Beibehaltung der gleichen Seiten- und Zeileneinteilung der am weitesten verbreiteten Kopien des Qur'an die durch die Unaufmerksamkeit des Schreibers in Unordnung geratenen Stellen wieder in Ordnung gebracht werden sollen. Möge es dann Gottes Wille sein,
dass die wirkliche Ordnung wieder aufgezeigt werden kann!... und so ist es auch geschehen.
اَللّٰهُمَّ يَامُنْزِلَ الْقُرْاٰنِ بِحَقِّ الْقُرْاٰنِ فَهِّمْنَآ اَسْرَارَ الْقُرْاٰنِ مَا دَارَ الْقَمَرَانِ وَصَلِّ وَسَلِّمْ عَلٰى مَنْ اَنْزَلْتَ عَلَيْهِ الْقُرْاٰنَ وَعَلٰٓى اٰلِهِ وَصَحْبِهِ اَجْمَعِينَ ٭ اٰمِينَ
{"Oh unser Gott und Offenbarer des Qur'an! Lass uns um des Qur'an willen die Geheimnisse des Qur'an verstehen, solange die beiden Lichter (am Himmel) sich drehen. Schenke Friede und Segen dem, dem Du den Qur'an herabgesandt hast, ihm und seiner Familie und all seinen Gefährten. Amen."}
Fünftes Kapitel, zugleich fünfte Abhandlung
بِسْمِ اللّٰهِ الرَّحْمٰنِ الرَّحِيمِ ٭ اَللّٰهُ نُورُ السَّمٰوَاتِ وَالْاَرْضِ
{"Im Namen Gottes, des Erbarmers, des Allbarmherzigen. Gott ist das Licht der Himmel und der Erde. Usw." (Sure 24, 35)}
Ich sah dieses Licht aus den so vielen leuchtenden Geheimnissen einer so lichterfüllten Ayah, während ich mich im Heiligen (Monat) Ramadan in einem spirituellen und daher in einem so halb und halb kontemplativen Zustand (hal)fühlte. Es war dies wie folgt:
اِلٰهِى اَنْتَ رَبِّى وَاَنَا الْعَبْدُ ٭ وَاَنْتَ الْخَالِقُ وَاَنَا الْمَخْلوُقُ ٭ وَاَنْتَ الرَّزَّاقُ وَاَنَا الْمَرْزُوقُ... الخ
{"Oh Gott, Du bist mein Herr und ich bin Dein Knecht. Du bist der Schöpfer und ich Dein Geschöpf. Du bist der Versorger und ich der Umsorgte."}
Ich erlebte da einmal in meinem Herzen eine visionäre Schau (vakia-i qalbiye-i hayal),die mich zu der Überzeugung brachte, dass, wie in dem berühmten Bittgebet von Uvaysa-l'Qarani, alle lebenden Wesen Gott dem Gerechten das gleiche Bittgebet darbringen und dass das, was jede der achtzehntausend Welten erleuchtet, jeweils ein Name Gottes ist. Es ist dies wie folgt:
Ich sah, dass in dieser Welt Tausende von Welten in Schleier um Schleier gehüllt sind, einer wiederum in einer anderen, wie die zahlreichen Blütenblätter in einer Rosenknospe. Jedesmal wenn ein Schleier sich mir öffnete, sah ich wieder eine andere Welt. Es war so, wie es in der Ayah heißt, die der Licht-Ayah folgt:
اَوْ كَظُلُمَاتٍ فِى بَحْرٍ لُجِّىٍّ يَغْشٰيهُ مَوْجٌ مِنْ فَوْقِهِ مَوْجٌ مِنْ فَوْقِهِ سَحَابٌ ظُلُمَاتٌ بَعْضُهَا فَوْقَ بَعْضٍ اِذَآ اَخْرَجَ يَدَهُ لَمْ يَكَدْ يَرٰيهَا وَمَنْ لَمْ يَجْعَلِ اللّٰهُ لَهُ نُورًا فَمَا لَهُ مِنْ نُورٍ
{"...oder er gleicht den Finsternissen in der Tiefe des Meeres, überdeckt von Wogen über Wogen und über ihnen eine Wolke. Finsternisse, eine über der anderen. Wenn einer seine Hand ausstreckt, kann er sie kaum sehen. Und der, dem Gott kein Licht gibt, für den gibt es nichts von dem Licht." (Sure 24, 40)}
Mir erschien diese Welt in Finsternis und Einöde und im Dunkel der Furcht. Plötzlich zeigte sich mir die Erscheinung eines Göttlichen Namens wie ein gewaltiges Licht und erleuchtete sie... Welcher Vorhang auch immer vor meinem Geist (aql)zurückgeschlagen wurde: in meiner Imagination (hayal)erschien wiederum eine andere Welt. Doch weil sie den Gottvergessenen als eine dunkle Welt erschien, leuchtete ein Name Gottes auf wie die Sonne und erfüllte diese Welt von oben bis unten mit Licht usw.... Diese Reise des Herzens (qalb)und Fahrt in meiner Imagination (hayal)setzte sich noch lange fort. Kurz gesagt:
Als ich die Welt der Tiere erblickte, zeigte sich mir die grenzenlose Bedürftigkeit und der so große Hunger der Tiere, zugleich mit ihrer Schwäche und Hilflosigkeit als eine besonders finstere und leidvolle Welt. Plötzlich ging der Name des Erbarmers (er-Rahman)einer strahlenden Sonne gleich über dem Sternzeichen (d.h. in der Bedeutung) des Versorgers (er-Rezzaq)auf und vergoldete diese Welt von oben bis unten mit dem Lichte des Erbarmens.
Danach sah ich innerhalb der Welt der Tiere noch eine andere düstere Welt, in der ihre schwach, hilflos und bedürftig darin zappelnden Nachkommen und ihre Jungtiere mit ihrem Schmerz jeden zu Bedauern und Mitgefühl bewegen. Plötzlich ging der Name "Barmherziger" (Rahiem)über dem Sternbild der Liebe (shefqat)auf. Da verwandelte sich diese so bittere Welt auf eine so schöne und liebliche Weise in eine freundliche Welt, wurde von Licht überstrahlt und die Tränen meiner Klage, Bitternis und Trauer wurden in Freudentränen voller Begeisterung und Dankbarkeit verwandelt.
Danach öffnete sich mir wie eine Kinoleinwand ein weiterer Vorhang und die Welt der Menschen zeigte sich mir. Diese Welt war so finster und schrecklich, dass ich vor Schreck aufschrie. "Oh weh!" rief ich, denn ich sah, dass die Wünsche und Hoffnungen der Menschen auf eine Ewigkeit hin ausgerichtet sind, dass ihre Vorstellungen
und Gedanken das ganze Weltall umfassen, und wie sehr ihre Strebungen und natürlichen Antriebe das ewig Bleibende und die Ewige Glückseligkeit des Paradieses ersehnen. Seine natürlichen Fähigkeiten kennen keine Grenze und können sich frei entfalten. Doch trotz aller auf ungezählte Ziele gerichteten Bedürfnisse, aller Schwäche und Hilflosigkeit sind sie zahllosen Unglücksfällen und Leiden ausgesetzt; von Feinden verfolgt ist ihr Leben außerordentlich kurz. Sie leben ein verwirrendes und hektisches Leben mit ungesichertem Unterhalt. Sie leiden in ihrem Herzen und mit allen Sinnen ständig unter den Übeln des Abschieds und der Vergänglichkeit, verbunden mit einem Höchstmaß an Leid und Angst. Denn das Leben der Gottvergessenen Iäuft auf Grab und Friedhof hinaus, was ihnen wie die Pforte zu ewiger Finsternis erscheint. Sie wurden einer nach dem anderen, scharenweise in diese finstere Grube hinuntergeworfen. Doch siehe, in diesem Augenblick, da ich diese Welt der Menschen in dieser Finsternis geschaut hatte, Herz (qalb),Sinn (ruh),Verstand (aql)und alle meine menschlichen Sinne (letaif-i insaniye),ja jede Faser meines Körpers aufschreien wollte und zu weinen begann, ging plötzlich der Name Gottes, des Wahrhaftigen und Gerechten (Haqq'in Adil)über dem Sternbild der Weisheit (Hakiem),der Name des Erbarmers (Rahman)über dem Sternbild der Freigiebigkeit (Keriem),der Name des Barmherzigen (Rahiem)über dem Sternbild der Verzeihung (Ghafur),der Name des Verlebendigers (Baith)über dem Sternbild des Nachlassverwalters (Varith),der Name des Lebenspenders (Muhyi)über dem Sternbild des Wohltäters (Muhsin),der Name des Herrn (Rabb)über dem Sternbild des Eigentümers (Malik)auf; und jeder einzelne Name erstrahlte, wobei hier jedes Sternbild die Bedeutung des Namens angibt. Die Menschenwelt insgesamt, wie sie so viele Welten in sich enthält, wurde plötzlich beleuchtet. Die Fenster zur jenseitigen lichtvollen Welt taten sich auf und die finstere Welt des Menschen wurde von Licht übergossen.
Danach wurde ein weiterer, gewaltig großer Vorhang
geöffnet und die Welt hier auf diesem Erdenrund zeigte sich. Die dunklen Gesetze der (materialistischen) Wissenschaft und ihrer Philosophie malte vor meinem geistigen Auge eine furchtbare Welt. Mit einer Bewegung, siebzig Mal schneller als eine Kanonenkugel, durcheilt eine armselige Menschheit auf dieser unserer uralten und hochbetagten Erde, die zu jeder Zeit von Unruhen geschüttelt und von inneren Beben erschüttert wird, den unendlichen leeren Raum mit einer Ausdehnung von fünfundzwanzigtausend Jahren in einem einzigen Jahr. Ein Zustand Furcht erregender Verlassenheit in dieser Finsternis tauchte vor mir auf. Der Kopf drehte sich mir und vor meinen Augen wurde es schwarz. Die Namen des Schöpfers Himmels und der Erden (Khaliq-i 'Ard-i ve Semevat),Allmächtiger (Qadir),Allweiser (Alim),Herr (Rabb),Gott (Allah),Herr der Himmel und der Erden (Rabb-us Semevati ve l-'Ard),Dienstherr über Sonne und Mond (Musakhir-us shemsi ve l-qamer)gingen auf über dem Sternbild des Erbarmers (rahmet),des Gewaltigen (azamet),dem Zeichen Seiner göttlichen Herrschaft (rububiyet).Sie erleuchteten diese Welt so, dass die Erde mir vor dem Auge meines Glaubens wie ein Schiff erschien, das in schönster Ordnung und bestem Zustand für eine sichere Reise ausgestattet ist, beladen mit Proviant für jeden Einzelnen, vorbereitet für einen Ausflug, für Handel und Erholung.
Zusammenfassung:
Jeder Name unter Tausend und einem Namen Gottes, die dem Universum zugewandt sind, erleuchtet wie eine Sonne je eine Welt und alle Welten, die (verbunden mit den Namen Gottes) in dieser Welt noch mit enthalten sind, und nach dem Geheimnis der Einheit (ahadiyet)erscheint in der Manifestation jedes einzelnen Namens in gewissem Grade auch die Manifestationen aller übrigen Namen. Da nun mein Herz hinter jeder Finsternis wieder ein anderes Licht erblickte, wuchs in mir die Sehnsucht, die Reise fortzusetzen. Da wollte ich (auf dem Einhorn) meiner Phantasie in den Himmel empor reiten. In diesem Augenblick eröffnete sich mir noch
ein weiterer, besonders breiter Vorhang und mein Herz trat in die Welt der Himmel ein. Da erblickte es die Sterne, die aussahen, als hätten sie die Gestalt eines strahlenden Lächelns. Größer als die Erde bewegen sie sich mit einer noch größeren Geschwindigkeit als diese und kreisen (geozentrisch betrachtet) auf einander kreuzenden Bahnen. Würde auch nur einer von ihnen auch nur für eine Minute seine Bahn verlassen, würden sie zusammenstoßen und das würde zu einer solchen Explosion führen, dass die Galle des Kosmos zum Überlaufen käme und die Welt auseinanderfallen müsste. Da würden sie dann Feuer und nicht Licht um sich verbreiten. So betrachten sie mich nicht mehr mit einem Lächeln, sondern sehen mich böse an. Ich sah die Himmel in eine grenzenlos große und weite, öde, leere, schreckliche, Furcht und Staunen erregende Finsternis gehüllt und es tat mir tausend Mal leid, dass ich dorthin gekommen war.
رَبُّ السَّمٰوَاتِ وَالْاَرْضِ ٭ رَبُّ الْمَلٰٓئِكَةِ وَالرُّوحِ
{"Herr der Himmel und der Erde". (Sure 44, 7) "Herr der Engel und der Geister."}
Da gingen plötzlich diese Schönen Namen in den Sternzeichen der Bedeutung von
وَلَقَدْ زَيَّنَّا السَّمَآءَ الدُّنْيَا بِمَصَابِيحَ ٭ وَسَخَّرَ الشَّمْسَ وَالْقَمَرَ
{"...und wir haben in der Tat den Himmel über der Erde mit Leuchten geschmückt." (Sure 41, 12) "...und Er hat die Sonne und den Mond unterworfen." (Sure 13, 2)}
auf. In diesem Sinne nahmen sich die Sterne, nachdem sie in diese Finsternis gehüllt worden waren, wieder je einen Funken von diesen gewaltig großen Lichtern und so wurde diese Welt der Himmel wieder erleuchtet, als habe man entsprechend der Anzahl der Sterne ebenso viele elektrische Lampen entzündet. Und auch die Himmel, die man für leer und öde gehalten hatte, füllten sich wieder mit Engeln und Geistern und wurden neu wieder belebt.
Und ich sah, wie die Sonnen und die Sterne, die sich wie ein Heer unter den zahllosen Heeren des Königs von Ewigkeit zu Ewigkeit (Sultan-i edhel ve ebed)bewegen, den Ruhm des majestätischen Königs (Sultan-i Dhu l-Djelal)und den Glanz Seiner Herrschaft (rububiyet)in der Art eines erhabenen Manövers darstellten. Und so erklärte ich mit ganzer Kraft und, wäre es möglich gewesen, mit allen Zellen (meines Körpers) und, wenn sie mir zuhörten, mit den Zungen aller Geschöpfe, ja sogar in ihrer aller Namen:
اَللّٰهُ نُورُ السَّمٰوَاتِ وَالْاَرْضِ مَثَلُ نُورِهِ كَمِشْكٰوةٍ فِيهَا مِصْبَاحٌ اَلْمِصْبَاحُ فِى زُجَاجَةٍ اَلزُّجَاجَةُ كَاَنَّهَا كَوْكَبٌ دُرِّىٌّ يُوقَدُ مِنْ شَجَرَةٍ مُبَارَكَةٍ زَيْتُونَةٍ لاَ شَرْقِيَّةٍ وَلاَغَرْبِيَّةٍ يَكَادُ زَيْتُهَا يُضِىءُ وَلَوْ لَمْ تَمْسَسْهُ نَارٌ نُورٌ عَلٰى نُورٍ يَهْدِى اللّٰهُ لِنُورِهِ مَنْ يَشَآءُ
{"Allah ist das Licht der Himmel und der Erde. Sein Licht ist mit einer Nische zu vergleichen. In ihr befindet sich eine (brennende) Lampe und die (Flamme) der Lampe in einem Glas und das Glas gleicht einem funkelnden Stern. (Sie brennt mit einem Öl), das entzündet wurde und von einem gesegneten Baum (her stammt), einem Ölbaum, der weder im Osten noch im Westen (steht) und dessen Öl beinahe schon leuchtet, ohne dass Feuer es berührt hätte. Licht über Licht. Gott führt zu Seinem Licht, wen immer Er will." (Sure 24, 35)}
las diese Ayah, drehte mich um, stieg ab, wachte auf und sagte:
اَلْحَمْدُ لِلّٰهِ عَلٰٓى نُورِالْا۪يمَانِ وَالْقُرْاٰنِ
{"Lobpreis und Dank sei Gott für das Licht des Glaubens und den Qur'an."}
Sechstes Kapitel, zugleich sechste Abhandlung
Es wurde geschrieben, um die Schüler und die Diener des Allweisen Qur'an zu warnen und sie davor zu bewahren, getäuscht zu werden.
بِسْمِ اللّٰهِ الرَّحْمٰنِ الرَّحِيمِ ٭ تَرْكَنُوآ اِلَى الَّذِينَ ظَلَمُوا فَتَمَسَّكُمُ النَّارُ
{"Im Namen Gottes, des Erbarmers, des Allbarmherzigen. Und wendet euch nicht den Ungerechten zu, sonst erfasst euch das Feuer." (Sure 11, 113)}
Möge es Gottes Wille sein, dass dieses Sechste Kapitel Sechs Listen des Satans in Dschinnen- und Menschengestalt wirkungslos werden und sechs ihrer Angriffsmethoden scheitern lässt.
Erste List:
Infolge des Unterrichts, den die Teufel in Menschengestalt von den Teufeln in der Gestalt der Dschinnen erhalten haben, versuchen diese selbstlose Diener aus der Gruppe um den Qur'an mit Hilfe ihrer Neigung zu einer (besonderen) Position zu betrügen und sie dazu zu bringen, diesen heiligen Dienst und diesen inneren erhabenen Streit (Djihad)wieder aufzugeben. Es ist dies wie folgt:
Unter der Mehrheit aller Menschen findet sich ein Wunsch, den man das Streben nach einer Sonderstellung (hubb-u djah (= maqam))nennen könnte, das Verlangen (hirs),berühmt zu werden und sich selbst herauszustreichen, ein Wunsch, den wir mehr oder weniger bei jedem einzelnen Weltmenschen antreffen, sich wie ein Heuchler (riyakarane)vor allen Leuten sehen zu lassen, in den Augen der Öffentlichkeit eine Stellung zu bekleiden, (die verbunden ist mit dem,) was man Ehre und Ansehen nennt. Dieses Verlangen danach, etwas ganz besonderes zu sein und sich großartig zu fühlen,
treibt die Menschen letztendlich sogar dazu, selbst ihr Leben zu opfern. Für Menschen, die nach dem Jenseits streben, ist dieses Gefühl geradezu gefährlich. Weltleute treibt es auf eine Art Achterbahn. Es ist auch die Quelle von vielerlei schlechter Gesinnung (akhlaq-i seyyi'e)und der schwächste Nerv des Menschen. Das heißt, um einen Menschen an sich zu ziehen, ja ihn an sich zu binden, genügt es, ihn dadurch zu fesseln, dass man seinen Gefühlen schmeichelt und ihn auf diese Weise besiegt. Was ich daher am meisten für meine Brüder befürchte, ist, dass die Ungläubigen ihren Vorteil aus dieser ihrer Nervenschwäche ziehen könnten. Diese ihre Lage (hal)hat mich doch recht besorgt werden lassen. Denn auf diese Weise haben sie einige angezogen, die in ihrer Freundschaft nicht ganz aufrichtig waren, und sie innerlich in eine ziemlich schwierige Situation gebracht.
{(*): Diese Ärmsten glauben, mit dem Gedanken: "Unser Herz ist bei unserem Lehrer." in keiner Gefahr zu sein. Denn indem sie der Strömung der Gottlosen ihre Kraft verleihen, sich von ihrer Propaganda hinreißen und, wenn vielleicht auch unwissentlich, in Gefahr geraten, sich zu Spionagediensten missbrauchen lassen und dann sagen: "Mein Herz ist rein. Ich stehe treu zur Sache meines Meisters." so gleichen sie damit dem Mann in dem folgenden Beispiel: Wenn jemand während des Gebetes die Winde in seinem Bauch nicht halten kann und fahren lässt, so verliert er damit seine Reinheit. Sagt man ihm nun aber: "Dein Gebet ist ungültig." so antwortet er: "Warum sollte mein Gebet nicht gültig sein? Mein Herz ist doch rein."}
Oh meine Brüder und ihr, meine Freunde im Dienst am Qur'an! Sagt diesen listigen Spionen der Weltleute, den Propagandisten der Leute der Irreführung, den Schülern des Teufels, die euch mit eurer Sehnsucht nach einer höheren Stellung (hubb-u djah)in die Irre führen wollen: "Zunächst einmal bedeuten die Zufriedenheit Gottes, ein Gunsterweis des Erbarmers und die Anerkennung des Herrn einen solchen Rang (maqam),dass im Vergleich damit die Beachtung der Menschen und ihre Bewunderung nur noch einem
Staubkorn gleicht. Dort wo der Blick der göttlichen Barmherzigkeit hinfällt, ist dies genug. Die Zuwendung der Menschen ist annehmbar, insoweit sie die Widerspiegelung und der Schatten der Zuwendung göttlicher Barmherzigkeit ist. Andernfalls ist sie nichts, was man sich wünschen sollte. Denn sie erlischt am Eingangstor zum Grab, keine fünf Para mehr wert!"
Wenn sich dieser Wunsch nach der Verbesserung der eigenen Lage (hubb-u djah)nicht zum Schweigen bringen und nicht aus der Welt schaffen lässt, muss man sein Gesicht in eine andere Richtung drehen. Es ist dies wie folgt:
Wenn es um den Lohn im Jenseits geht, oder um die Absicht, Gebete zu gewinnen, oder darum, dass der Dienst doch einen guten Einfluss haben möge, dann könnte wie in dem folgenden Beispiel dieses Gefühl vielleicht doch noch eine erlaubte Seite haben. Zum Beispiel:
Zu einer Zeit, wenn die Ayasofya Moschee mit gesegneten und ehrenwerten Leuten, Menschen von Tugend und Vollkommenheit gefüllt ist und in den Gängen und an den Türen treiben sich einige nichtsnutzige Kinder und ein paar ungesittete Schelmen herum und vor den Fenstern und in deren Nähe gucken ein paar neugierige Ausländer, Urlauber und Touristen zu, die sich amüsieren möchten, betritt ein Mann diese Moschee, schließt sich der Gemeinde (der Gläubigen) an und beginnt mit einer wohllautenden Stimme und in einer schönen und angenehmen Weise einen Abschnitt aus dem Qur'an vorzutragen, worauf Tausende Kenner der Wahrheit auf ihn aufmerksam werden, sich ihm voll Hochachtung und Bewunderung zuwenden. So empfängt er durch sie und ihr stummes Gebet seinen (himmlischen) Lohn und nur ein paar nichtsnutzigen Kindern und gottlosen Schelmen und den wenigen Ausländern wird (seine Rezitation) nicht gefallen. Ginge der Mann aber in diese ehrwürdige Moschee, zu dieser gewaltigen Gemeinde und beginnt nun lauthals gemeine, sittenlose, unzüchtige Liedchen zu gröhlen und dazu zu hopsen und zu tanzen, so würden diese nichtsnutzigen
Kinder lachen und den sittenlosen Schelmen würde es gefallen, weil es sie zur Unzucht ermuntert, und er würde den Ausländern ein süffisantes Lächeln entlocken, wenn sie die Fehler im Islam entdecken und sich darüber freuen. Aber er wird auch von jedem einzelnen dieser ganzen, großen, gesegneten Gemeinde Blicke des Abscheus und der Missbilligung auf sich lenken. Er wird in ihren Augen auf die Stufe der Niedrigsten aller Niedrigen gefallen sein.
Genau wie in diesem Beispiel ist auch Asien und die islamische Welt eine gewaltige große Moschee. Und in ihr sind die Leute des Glaubens und der Wahrheit die ehrenwerte Gemeinde dieser Moschee (in unserem Beispiel). Was die nichtsnutzigen Kinder betrifft, so sind es die Speichellecker mit dem Verstand eines Kindes. Die sittenlosen Schelmen sind alle diese fränkisch (d.h. westlich) gesinnten Strolche, die ihr (türkisches) Vaterland und ihren (islamischen) Glauben nicht mehr kennen. Was die Touristen aus dem Ausland betrifft, so handelt es sich hier um Journalisten, die fremdländische Ideen verbreiten. Jeder Muslim aber, besonders wenn er einer von den tugendhaften und vollendeten ist, hat seinen Platz in der Moschee entsprechend seinem Grad und Rang, der allen sichtbar ist, sodass er die allgemeine Aufmerksamkeit auf sich lenkt. Wenn die Taten und Handlungen (dieses Muslims) aus den heiligen Wahrheiten und den Gesetzen heraus entstehen, die der Weise Qur'an lehrt, und sie der Wahrhaftigkeit und dem Wohlwollen Gottes entsprechen, die das grundlegende Geheimnis des Islam sind, so liest (er in dieser Weise gewissermaßen) innerlich und ohne Worte die qur'anischen Ayat, dann schließt er sich damit innerlich auch in das immerwährende Gebet (vird-i sebani)eines jeden in der islamischen Welt mit ein
اَللّٰهُمَّ اغْفِرْ لِلْمُؤْمِنِينَ وَالْمُؤْمِنَاتِ
{"Oh Gott vergib allen gläubigen Männern und Frauen!" (Du'a)}
und erhält seinen Anteil an ihm und wird so mit der ganzen Gemeinde (umma)brüderlich verbunden. Nur in den Augen einiger törichter Leute, die in die Irre gehen und von denen einige wilden Tieren, andere bärtigen Kindern gleichen, kann einen solchen Wert nicht erkennen. Wenn einer von ihnen sich von seinen Vorvätern lossagt, dem Urgrund, aus dem seine Ehre und seine Geschichte erwächst, auf die er stolz ist, und in seinem Geist die leuchtende Straße seiner rechtschaffenen Vorgänger verlässt, den sie doch für ihren Stützpunkt gehalten hatten, und dann Dinge tut, durch die er seiner eigenen Lust und Laune folgt und wie ein Heuchler (riya)nach Ruhm sucht und nach Neuerungen (bid'a)strebt, so wird er in den Augen der Leute der Wahrheit und des Glauben auf die allerunterste Stufe herabsinken.
Nach dem Geheimnis des Hadith
اِتَّقُوا فِرَاسَةَ الْمُؤْمِنِ فَاِنَّهُ يَنْظُرُ بِنُورِ اللّٰهِ
{"Achte die Einsicht eines Gläubigen, denn er schaut im Lichte Gottes!"}
schaut das Herz selbst noch eines einfachen und unwissenden Gläubigen, auch wenn sein Verstand es nicht bewusst wahrnimmt, mit Kälte und Abscheu, auf solche eigensinnige und selbstsüchtige Menschen.
Und so steigt denn der Mann, der doch eigentlich fortgetrieben wird, von seinem Willen aufzusteigen und besessen (hubb-u djaha)ist von der Gier nach Ruhm (shöret),jener zweite Mann, in den Augen einer zahllosen Gemeinde hinab zu den Niedrigsten der Niedrigen. Und gewinnt in den Augen einiger bedeutungsloser, spöttelnder, zuchtloser Schelmen einen vorübergehenden, unansehnlichen Platz.
In dem Geheimnis
اَ ْلاَخِلآَّءُ يَوْمَئِذٍ بَعْضُهُمْ لِبَعْضٍ عَدُوٌّ اِلاَّ الْمُتَّقِينَ
{"Freunde werden an jenem Tag einer des anderen Feind sein, außer den Aufrechten." (Sure 43, 67)}
wird er nur einige wenige falsche Freunde finden, die ihm in dieser Welt ein Schaden (zarar),in der Zwischenwelt (Berzah)eine Qual und in jener Welt seine Feinde sein werden.
Der Mensch in unserem ersten Bild wird, auch wenn er dieses Bestreben etwas besseres zu sein (hubb-u djah),nicht aus dem Herzen zu reißen vermag, doch unter der Bedingung, dass er ehrlich und aufrichtig (ihlas)nach Gottes Wohlgefallen sucht und sich dieses Bestreben, stets ein Aufsteiger zu sein, nicht zur Richtschnur macht, doch eine Art geistlichen Rang (maqam)erlangen, der ihn, getrieben von seinem Wunsch, mehr zu sein, als nur ein Emporkömmling, voll und ganz zufrieden stellt. Dieser Mensch wird wenige Dinge, ja eigentlich nur sehr wenige Dinge, nur etwas Bedeutungsloses verlieren und an seiner Stelle viele Dinge, und in der Tat sehr viele Dinge, etwas wirklich Wertvolles gewinnen, das keine Gefahr für ihn birgt. Er wird vielleicht einige Schlangen von sich fortjagen und an ihrer Stelle viele gesegnete Geschöpfe zu Freunden gewinnen und Vertrautheit mit ihnen erlangen. Er wird die Hornissen vertreiben, die ihn ja doch nur stechen können, und dafür die gesegneten Honigbienen, diese Serviererinnen süßer Getränke der göttlichen Barmherzigkeit, zu sich hin ziehen. Er wird Honig aus ihrer Hand essen und solche Freunde finden, dass seinem Geist (ruh)durch ihre ständigen Gebete aus allen Teilen der Islamischen Welt Segnungen (feyz)wie Kauthar-Wasser (aus dem Brunnen im Paradies) zu trinken gereicht wird, die ihm im Buch seiner Taten gutgeschrieben werden.
Als ich einmal jenem Menschen, der, wenn auch bar jeder Größe (küçük bir insan)doch einen hohen Rang in dieser Welt bekleidete, während er in seiner Sucht nach Ruhm und Ehre (shöhret)schon auf dem Weg war, einen großen Fehler zu begehen und auf diese Weise in der Islamischen Welt all seine Würde verlor, den Inhalt des obigen Gleichnisses zur Lehre erteilte, ja sie ihm geradezu um die Ohren schlug, war er zwar zutiefst erschüttert, doch weil ich mich selbst
nicht von meinem Streben nach Höherem (hubb-u djaht)zu befreien vermochte, konnte auch ihn meine Ermahnung nicht wach rütteln.
Zweite List:
Eines der wichtigsten und fundamentalsten Gefühle des Menschen ist die Empfindung der Furcht (khauf).Arglistige Tyrannen ziehen einen großen Nutzen aus einem derartigen Flöz voller Furcht. Mit ihrer Hilfe legen sie den Angsthasen die Zügel an. Die Spione der Weltleute und die Propagandisten der Leute des Irrweges ziehen einen großen Nutzen aus einem derartigen Flöz der armen Leute und besonders der Gelehrten. Sie treiben sie in ihre Ängste hinein und rufen Wahnvorstellungen in ihnen wach. Zum Beispiel: Um jemanden, der auf einem Dach steht, in Gefahr zu bringen, zeigt ein arglistiger Mensch einem ängstlichen Menschen etwas, das er für gefährlich hält. So treibt er ihn in seiner Angst Schritt für Schritt vor sich her bis zum Rand des Daches, wo er schließlich kopfüber hinab stürzt und sich das Genick bricht. In gleicher Weise treiben sie (die Menschen) dazu, auf Grund völlig unbedeutender Befürchtungen sehr bedeutende Dinge zu opfern und indem sie sagen, eine Mücke solle sie nicht stechen, fliehen sie in den Rachen eines Drachens.
Einmal fürchtete sich eine bedeutende Persönlichkeit - möge Gott (seiner Seele) gnädig sein - in ein Ruderboot einzusteigen. Eines Abends gingen wir miteinander zu der (damals noch einzigen) Brücke in Istanbul. Dort wollten wir ein Boot nehmen. Ein Auto gab es nicht. Wir mussten nach (dem Stadtteil) Sultan Eyyüb. Also drängte ich ihn.
Er aber sagte: "Nein, ich habe Angst. Vielleicht wird (das Boot) untergehen!"
Ich sagte ihm: "Was denkst du denn, wieviele Boote es hier am Goldenen Horn gibt?"
Er sagte: "Vielleicht tausend."
Ich sagte zu ihm: "Und wieviele gehen davon jedes Jahr unter?"
Er sagte: "Vielleicht ein oder zwei, in manchem Jahr gar keines."
Ich fragte ihn: "Wieviel Tage hat das Jahr?"
Er sagte: "Etwa dreihundertsechzig."
Ich sagte ihm: "Die (Gefahr mit diesem Boot) unterzugehen, die (wie in einem Alptraum) in dir aufsteigt ist 1 zu 360.000. Sich vor einer derartigen Möglichkeit zu fürchten, ist nicht menschlich. (Noch nicht einmal) ein Tier kann das!... Und weiter sagte ich zu ihm: "Wie lange glaubst du, dass du noch leben wirst?"
Er sagte: "Ich bin schon alt. Doch wäre es möglich, dass ich noch zehn Jahre lebe."
Ich sagte zu ihm: "Da deine Todesstunde unbekannt ist, könntest du jeden Tag sterben. Also ist dein Tod an einem der nächsten 3600 Tagen möglich. So ist denn deine Chance nicht 300.000 zu 1, wie bei diesem Boot, sondern die Möglichkeit ist 3000 zu 1 und es ist möglich, dass du noch heute stirbst. Also zittere! weine! mach dein Testament!"
So sagte ich zu ihm. Da kam er denn zitternd zu Verstand und stieg in das Boot. Auf dem Boot sagte ich zu ihm: "Gott der Gerechte hat dir die Nerven gegeben, dich zu fürchten (khauf),damit du dein Leben retten sollst und nicht, um es zu zerstören!" Er hat dir das Leben nicht gegeben, um es dir schwer zu machen, zu einer Last und zu einer Strafe für dich. Sich zu fürchten, wenn das Risiko eins zu zwei, drei, vier, oder selbst eins zu fünf oder sechs ist, ist eine vorausschauende Furcht und mag deshalb auch erlaubt sein. Sich aber zu fürchten, wenn das Risiko eins zu zwanzig, dreißig oder vierzig ist, gleicht einem Albtraum und das Leben in ihr einer Folterqual!"...
Also denn meine Brüder! Wenn diese Speichellecker der Atheisten euch angreifen und euch Angst einjagen wollen, damit ihr innerlich euren heiligen Kampf aufgeben
sollt, so sollt ihr ihnen sagen: "Wir haben uns um den Qur'an geschart und leben nach dem Geheimnis
اِنَّا نَحْنُ نَزَّلْناَ الذِّكْرَ وَاِنَّا لَهُ لَحَافِظُونَ
{"Fürwahr, Wir sind es, die (den Qur'an als) eine Ermahnung herabgesandt haben, und Wir sind es auch, die sie zu bewahren wissen." (Sure 15, 9)}
und (leben im Schutz des) Qur'an als unserer Burg.
حَسْبُنَا اللّٰهُ وَنِعْمَ الْوَكِيلُ
{"Gott ist unser Genügen und unser bester Anwalt." (Sure 3, 176)}
Er umgibt uns wie mit einem festen Wall. Ihr könnt uns nicht mit dieser Angst (gebunden) an ein Risiko von eins unter Tausenden vor einem kleineren Schaden, der uns in diesem kurzen, flüchtigen Leben treffen könnte, freiwillig einen Weg hinunterführen, der uns mit hundertprozentiger Sicherheit im Ewigen Leben einen vieltausendfältigen Schaden einbringen wird!"... Und weiter sollt ihr sagen:
"Gibt es etwa unter den Leuten der Wahrheit einen wie wir, der auf dem Weg der Wahrheit um unseres Freundes Said Nursi willen, der im Dienst am Qur'an unser Mitstreiter und in der Führung dieses heiligen Dienstes unser Meister und Lehrer ist, irgend einen Schaden erlitten hat? Ist da etwa irgendeiner unter seinen persönlichen Schülern, dem ein Übel widerfahren wäre, das auch wir zu erleiden hätten? und sollten wir dann ob der Aussicht, dies auch zu erleiden, in Panik geraten?... Dieser unser Bruder hat Tausende Freunde und Mitbrüder. Und obwohl er sich zwanzig, dreißig Jahre lang in nachdrücklicher Weise um das soziale Leben in dieser Welt bemüht hat, haben wir doch nie von einem Bruder gehört, dem seinetwegen Böses widerfahren wäre. Und gerade zu seiner Zeit hielt er doch die politische Keule (= das Machtinstrument) in seiner Hand. Doch nun hält er an Stelle dieser Keule das Licht der Wahrheit. Zwar hatten sie auch ihn
vor langer Zeit im Zusammenhang mit den Ereignissen um den einundreißigsten März (die Absetzung des Sultans - A.d.Ü.) in diese Sache mit hineingezogen. Auch einige seiner Freunde hat man damals kalt gestellt. Doch später hat es sich dann herausgestellt, dass die ganze Angelegenheit von anderen angezettelt worden war. Seine Freunde sind damals nicht um seinetwillen, sondern auf Grund seiner Feinde zu Schaden gekommen. Ja mehr noch hat er damals viele seiner Freunde (vor der Verurteilung - A.d.Ü.) gerettet. Deswegen sollte es solchen Teufeln wie ihr es seid nicht in den Kopf kommen, dass wir einen ewigen Schatz fortwerfen werden aus Furcht vor einer Gefahr, deren Risiko nicht eins zu Tausend, nein, vielmehr ein Risiko von eins zu (vielen) Tausenden ist!" So solltet ihr sagen und diesen Speichelleckern der Irregehenden eins auf den Mund geben und sie dann davon jagen.
Und weiter sollt ihr diesen Speichelleckern sagen:
"Wenn auch die Möglichkeit, zu Grunde zu gehen nicht eine unter hunderttausenden wäre, sondern eine hundert prozentige Sicherheit, so werden wir dennoch, wenn wir auch nur ein Fünkchen Verstand haben, ihn nicht vor Angst verlassen und davon laufen
"Denn wir haben in stets wiederkehrenden Erfahrungen immer wieder gesehen und erleben es stets wieder: wer seinen großen Bruder oder Meister in Zeiten der Gefahr verrät, erfährt das herankommende Übel, wie es zuerst in seinem eigenen Kopf explodiert. Sodann erteilte man ihnen gnadenlos ihre Strafe und blickte man auf sie als Verräter herab. So sind sie denn sowohl leiblich gestorben, als auch in ihrer Verachtung gleichsam geistig tot. Diejenigen, welche sie bestraft haben, fühlen in ihren Herzen kein Mitleid, denn sie sagen: "Da sie nun einmal ihren Meister, der sich ihnen gegenüber aufrichtig und wohlwollend verhalten hatte, verraten haben, müssen sie folglich verachtenswert sein und verdienen deshalb keine Gnade sondern nur die Verachtung."
So ist denn die Wahrheit von solcher Art. Wenn also nun ein despotischer, gewissenloser Mensch jemanden zu Boden wirft und nun mit erhobenem Fuß über ihm steht, bereit ihm den Kopf zu zertreten, und der Mann, der nun auf dem Boden liegt, wollte den Fuß dieses grausamen Tyrannen küssen, so wird durch diese Erniedrigung sein Herz noch vor seinem Kopf zertreten sein und sein Geist noch vor seinem Körper sterben... Er wird sowohl seinen Kopf verlieren und zugleich wird auch seine Ehre und seine Würde zerstört. Ferner ermuntert es ein solch gewissenloses Ungeheuer nur noch, ihn in seiner Bosheit zu zertreten, zeigt man sich ihm gegenüber als schwach. Wenn aber der Mensch, der unterdrückt unter seinen Füßen liegt, nun in das Gesicht des Tyrannen spuckt, wird er Herz und Geist retten und auch sein Leib wird in der Unterdrückung das Martyrium erfahren. Also spuckt jetzt in das schamlose Gesicht dieser Tyrannen!...
Einmal, als die Briten die Kanonen am Bosporus zerstört und Istanbul besetzt hatten, stellte (der Erzbischof von Canterbury) als Oberhaupt der Anglikanischen Kirche sechs Fragen an das Amt des Scheichu-l'Islam. Auch ich war damals Mitglied des Hauses der Islamischen Wissenschaften. Sie sagten zu mir: "Gib eine Antwort." Sie wollten auf ihre sechs Fragen eine Antwort von sechshundert Worten. Ich sagte: "Ich werde ihnen nicht mit sechshundert Worten, auch nicht mit sechs Worten, ja noch nicht einmal mit einem Wort, sondern mit meiner Spucke antworten! Denn diese Regierung hat, wie ihr hier seht, in diesem Augenblick ihren Fuß auf unseren Nacken gesetzt. Man muss ihrem Bischof für seine hochmütige Art, uns so von oben herab Fragen zu stellen, ins Gesicht speien. Also spuckt in dieses gnadenlose Gesicht solcher Tyrannen!"... sagte ich damals. Doch heute sage ich:
Oh meine Brüder! Da in einer Zeit, wenn eine despotische Regierung wie die britische (unser Land) besetzt hielt, ihnen auf diese Weise in der Sprache der Printmedien zu antworten, eine Gefahr von hundert Prozent in
sich enthielt, mir der Schutz des Qur'an bereits genügte, sollte er euch bei einer Möglichkeit von eins zu hundert, angesichts der Ungelegenheiten, die euch aus der Hand der Despoten (in heutiger Zeit) erwarten, sicherlich hundert Mal mehr genügen.
Ferner, meine Brüder! Die meisten von euch haben ihren Militärdienst bereits abgeleistet. Aber auch diejenigen, welche ihn noch nicht abgeleistet haben, werden sicherlich auch schon das folgende gehört haben. Und die es noch nicht gehört haben, mögen es nun von mir hören: "Die am häufigsten verwundet worden sind, waren die, welche den Schützengraben verlassen haben und davongelaufen sind. Am seltensten verwundet wurden die, welche in ihrem Schützengraben ausgeharrt haben!"
قُلْ اِنَّ الْمَوْتَ الَّذِى تَفِرُّونَ مِنْهُ فَاِنَّهُ مُلاَقِيكُمْ
{"Sprich: der Tod, vor dem ihr flieht, wird euch mit Sicherheit einholen." (Sure 62, 8)}
Das Geheimnis dieser Ayah verweist uns darauf: "Diejenigen, welche davonlaufen, werden ihm auf ihrer Flucht um so sicherer begegnen!"...
Dritte teuflische List:
Sie fangen viele (meiner Brüder) wegen ihrer Gier (tama').
Aus den Ayat und den Erklärungen des Weisen Qur'an haben wir unseren Segen empfangen und in vielen Abhandlungen mit zuverlässigen Zeugnissen bewiesen: "Legale Versorgung kommt nicht entsprechend der Macht und dem Willen, sondern im Verhältnis zur Schwäche und Armut." Es gibt zahlreiche Zeichen, Hinweise und Belege, die auf diese Wahrheit hinweisen. Zum Beispiel:
Die Bäume, die auf ihre Art lebendig sind und der Versorgung bedürfen, bleiben fest an ihrem Platz und ihre Versorgung kommt eilig zu ihnen gelaufen. Die Tiere aber, weil sie gierig hinter ihrer Nahrung her laufen, werden
nicht, den Bäumen gleich, in so vollkommener Weise ernährt.
Des Weiteren werden auch die Fische, die doch von allen Tierarten die dümmsten und willenlosesten sind und im Sand gefunden werden, dennoch auf vollkommene Weise versorgt und sehen im Allgemeinen wohlgenährt aus, während so kluge und fähige Tiere, wie der Affe und der Fuchs, durch ihre kümmerliche Ernährung nur mager und schwächlich sind, was zeigt, dass das Mittel ihrer Versorgung nicht ihre Fähigkeit ist, sondern ihre Armut.
Des Weiteren zeigt die gute Ernährung aller Tier- und Menschenkinder und das allerfeinste Geschenk aus dem Schatz der Barmherzigkeit, wie die Milch, die ihnen in ihrer Schwäche und Ohnmacht aus Mitleid (shefqat)in unerwarteter Weise dargeboten wird, und die schwierigen Umstände (ihrer Versorgung) bei den Raubtieren in der Wildnis, dass die Mittel legaler Versorgung, Schwäche und Armut sind und nicht Klugheit und Kraft.
Des Weiteren zeigen die armseligen Verhältnisse vieler Dichter und Gelehrten und der Besitz und der Reichtum so vieler ungelehrter, dass die Quelle, aus der sich ihre Versorgung speist, nicht Intelligenz und Macht ist, sondern Schwäche und Armut, es ist die Hingabe an Gott (teslim)im Vertrauen auf Ihn (tevvekul),ein Gebet (dua)mit Worten (lisan-i qal),mit Werken (lisan-i fiil)und mit ihrer ganzen Haltung (lisan-i hal).
اِنَّ اللّٰهَ هُوَ الرَّزَّاقُ ذُو الْقُوَّةِ الْمَتِينُ
{"Denn Gott ist es, der der Versorger ist und der Herr aller unerschütterlichen Macht." (Sure 51, 58)}
So ist denn die Ayah, welche diese Wahrheit verkündet, ein zuverlässiges und unerschütterliches Zeugnis für unsere Behauptung, das in der Sprache aller Pflanzen und Tiere und ihrer Jungen vorgetragen wird. Und jede Gruppe, die ihren Unterhalt verlangt, trägt ohne Worte (lisan-i hal)auf ihre Weise diese Ayah vor.
Da nun einmal die Versorgung festgesetzt ist und aus
Güte (ihsan)geschenkt wird und Gott der Gerechte ist, und Er sowohl der Allbarmherzige (Rahiem)als auch der Freigiebige (Keriem)ist, so lass denn die, welche sich durch unrechtmäßigen Erwerb in einer Weise erniedrigen, die Seine Barmherzigkeit anklagt und Seine Freigiebigkeit beschuldigt, ja die ihr Gewissen (vidjdan)und selbst einige heilige Dinge zur Bestechung anbieten, um dafür Dinge anzunehmen, die ungesetzlich und als verbotene Dinge auch ohne Heil und Segen sind, lass sie denn darüber nachdenken, was für ein vielfältiger Irrsinn das ist.
Weltleute und besonders die Leute des Irrweges geben in der Tat ihr Vermögen nicht billig weg; sie verkaufen es gegen einen hohen Preis. Manchmal wird etwas, das vielleicht ein wenig zu einem irdischen Leben von einem Jahr zu verhelfen mag, zu einem Mittel zur Zerstörung eines unendlichen Ewigen Lebens. Und durch diese schmutzige Gier (hirs)zieht der Mensch den Zorn Gottes (ghadab-i Ilahi)auf sich und versucht dabei das Wohlwollen der Leute des Irrweges auf sich zu lenken.
Oh meine Brüder! Wenn die Speichellecker der Heuchler (munafiq)und die Leute des Irrweges euch wegen der Habsucht (tama'),die der schwache Nerv in der menschlichen Natur ist, an sich zu binden versuchen, dann denkt an die oben angeführten Wahrheiten und nehmt euch diesen euren armen Bruder zum Beispiel. Ich versichere euch mit allem Nachdruck, dass Zufriedenheit und Sparsamkeit (kanaat ve iktisad)mehr zu eurem Leben und Unterhalt beitragen werden, als irgendeine Gehaltsauszahlung. Besonders ein euch unrechtmäßig ausgezahltes Geld verlangt von euch dafür einen tausendfach höheren Preis. Ja es kann sogar ein Hindernis sein für den Dienst am Qur'an, der doch für euch in jeder Stunde für ewig einen Schatz öffnen könnte, oder euch in ihm verdrießlich werden lassen. Das aber wäre für euch solch ein Verlust und hinterließe (in euren Seelen) eine solche Leere, dass selbst zahlte man euch Tausende Monatsgehälter, sie dafür keinen Ersatz bieten würden.
Anmerkung:
Die Leute des Irrweges, da sie nicht in
der Lage sind, sich selbst zu verteidigen und etwas auf die Wahrheiten des Glaubens zu entgegnen, die wir aus dem Weisen Qur'an entnommen haben und verbreiten, stellen heuchlerisch und arglistig Fallen von Lug und Trug auf. So wollen sie meine Freunde durch deren Neigung emporzustreben (hubb-u djah),ihre Habsucht (tama')und ihre Furcht (khauf)verführen und mich durch mancherlei Anschuldigungen in Misskredit bringen. Doch wir in unserem Heiligen Dienst reagieren stets in positivem Sinne. Dabei veranlasst uns jedoch manchmal die Aufgabe, Hindernisse zu beseitigen, die jedes gute Werk mit sich bringt, ein paar negative Dinge zu tun. So ist es denn aus diesem Grunde, dass ich meine Brüder, hinsichtlich der drei oben erwähnten Punkte, vor der arglistigen Propaganda der Leute der Zwietracht warnen muss. Dabei bemühe ich mich darum, die auf sie gerichteten Angriffe zurückzuschlagen.
Im Augenblick richtet sich der wichtigste Angriff gegen meine Person. Sie sagen: "Said ist Kurde." Warum erweist ihr ihm solchen Respekt und folgt ihm? So muss ich nun leider die vierte teuflische List in der Sprache des Alten Said erklären, auch wenn ich das gar nicht will, nur um diese Gauner zum Schweigen zu bringen.
Vierte teuflische List:
Um meine Brüder zu verführen und ihr Nationalgefühl anzustacheln, sagen gewisse Atheisten, die hohe Positionen einnehmen und mich mit ihrer Propaganda angreifen wollen, durch die Einflüsterungen des Teufels, aufgehetzt durch die Leute des Irrwegs: "Ihr seid Türken, so wie es Gott gewollt hat (mascha-a'llah).Bei den Türken gibt es jede Art von Gelehrten und Leuten der Vollendung. Said aber ist Kurde. Widerspricht es denn nicht eurem Nationalstolz, mit einem zusammenzuarbeiten, der nicht von eurem Volk ist?"
Antwort:
Oh du unglückseliger Atheist! Ich bin, Dank sei Gott! (felillahilhamd),ein Muslim. In dieser Zeit gibt es dreihundertfünfzig Millionen Mitglieder meines heiligen Volkes. Hunderttausend Mal nehme ich meine Zuflucht zu Gott, nicht dreihundertundfünfzig Millionen Brüder zu opfern, die eine
solche ewige Bruderschaft bilden, und die mir (während ihrer täglichen) Gebete (dua)helfen und zu denen auch die überwiegende Mehrzahl aller Kurden gehören, für ein rassistisches und nationalistisches Gedankengut und an Stelle dieser zahllosen gesegneten Brüder, um eine völlig unbedeutende Minderheit solcher zu gewinnen, die sich zum kurdischen Volk zählen und Kurden genannt werden, die auf einen Weg geraten sind, auf dem sie keinen Glauben oder doch keine Glaubensschule (medhheb)kennen.
Oh du Ungläubiger! Es muss jemand schon so ein Dummkopf sein wie du, die ewig währende Bruderschaft einer Gemeinschaft von dreihundertundfünfzig lichtvollen, segenbringenden, wahrhaftigen Brüdern aufzugeben, um dafür die Bruderschaft einiger Handvoll ungläubiger Ungarn oder fränkisch gesinnter (= assimilierter) Türken zu gewinnen, die ihren Glauben verloren haben und selbst schon in dieser Welt nichts gewinnen können. Nachdem wir bereits im Dritten Kapitel des Sechsundzwanzigsten Briefes das Wesen des Nationalismus und seine negativen Folgen mit Beweisen aufgezeigt haben, wollen wir hier auf diesen hinweisen und zugleich eine Wahrheit erläutern, die schon am Ende des Dritten Kapitels kurz erwähnt worden war. Es ist dies wie folgt:
Zu denen, die sich unter dem Deckmantel eines türkischen Nationalismus verborgen halten, in Wirklichkeit aber Feinde der Türken und glaubenslose, nationalistische Eiferer sind, möchte ich sagen: Ich bin durch das Volk des Islamischen Glaubens in einer ewigen und wahren Bruderschaft mit den Leuten des Glaubens in diesem Lande, die man Türken nennt, eng und wahrhaftig verbunden. Und ich bin mit den Kindern dieses Landes, welche seit fast tausend Jahren das Banner des Qur'an siegreich in die sechs Richtungen getragen haben, um des Islams willen stolz und mit innerer Anteilnahme in Liebe (muhabbet)verbunden. Was aber dich betrifft, du Betrüger, der du dich als Patriot aufspielst! Du lebst in einer
Weise, die dich alles, worauf das türkische Volk mit recht stolz sein kann, vergessen lässt, in einer rein metaphorischen (medjazi),rassistischen, vorübergehenden und hinterhältigen Bruderschaft. Ich frage dich also: besteht denn das türkische Volk nur aus gottvergessenen, von Lust besessenen jungen Leuten zwischen zwanzig und vierzig? Und erwächst etwa der Dienst, der für sie nutz- und gewinnbringend sein soll, so wie er von ihnen gemäß ihrer patriotischen Gesinnung erwartet wird, aus einer fränkisch ausgerichteten (= westlichen) Erziehung, die ihre Gottvergessenheit nur noch vermehrt, sie an Unmoral gewöhnt und sie zu verbotenen Dingen ermuntert? oder etwa in einem vorübergehenden Lachen, das sie im Alter zum Weinen bringen wird? Wenn das der wahre Patriotismus sein soll, wenn das der Fortschritt und das Glück im Leben sein soll und wenn dein Türkentum so aussieht und deine Volksverbundenheit sich so ausdrückt, dann möchte ich doch lieber vor einem solchen Türkentum davonlaufen, und auch du magst dann ruhig von mir wegrennen! Wenn du aber noch einen Funken Vaterlandsliebe in dir hast, wenn du noch bewusst und recht und billig denken kannst, dann betrachte einmal die heutigen Gesellschaftsschichten und antworte mir dann:
Die Kinder unseres Vaterlandes, die man das türkische Volk nennt, bestehen aus sechs Schichten. Die erste Schicht sind die Aufrechten und die Frommen. Die zweite Schicht sind die Opfer von Unglücksfällen, Heimsuchungen und Krankheiten. Die dritte Schicht sind die alten Leute. Die vierte Schicht sind die Kinder. Die fünfte Schicht sind die Armen und Schwachen. Die sechste Schicht sind die jungen Leute. Sind etwa all die fünf ersten Schichten keine Türken? Haben sie etwa keinen Anteil an unseren patriotischen Empfindungen? Wenn man nun etwa der sechsten Gruppe ihren Rausch und ihr Vergnügen lässt, die übrigen fünf Gruppen aber kränkt und beleidigt, ihnen das Leben vergällt und sie ihres Trostes beraubt, nennt man das dann eine patriotische Gesinnung
gegenüber dem Volk? oder Feindschaft gegenüber dem Volk?... Der tiefen Weisheit (sirr)entsprechend: اَلْحُكْمُ لِلْاَكْثَرِ {"Das Urteil liegt bei der Mehrheit."} ist der, welcher der Mehrheit einen Schaden (zarar)zufügt, ein Feind und kein Freund!
So frage ich dich denn:
Findet man etwa die höchsten Interessen der Leute des Glaubens und der Frömmigkeit, welche die erste Volksschicht bilden, in der fränkischen (= westlichen) Zivilisation? Oder findet man sie nicht vielmehr im Gedanken an die Ewige Seligkeit im Lichte der Glaubenswahrheiten, wenn man den Weg der Wahrheit beschreitet, wo sie besonders ersehnt und geliebt (ashk)
wird und wo man einen wahren Trost findet? Doch der Weg, den Irregeleitete und solche Patrioten, wie du einer bist, eingeschlagen haben, löscht das innere Licht der aufrechten Leute des Glaubens, zerstört jede echte Tröstung und zeigt stattdessen den Tod als eine Verurteilung für ewig und das Grab als das Tor zu einer immerwährenden Trennung.
Findet man etwa Segen für die zweite Volksschicht, die Gruppe derer, die von Unglücksfällen heimgesucht wurden, der Kranken und derer, die den Mut zum Leben verloren haben und verzweifelt sind, durch eine fränkisch geartete (= westliche), gottlose Erziehung? Denn diese Unglückseligen suchen nach einem Licht, verlangen nach einer Tröstung. Sie schauen nach einer Art Wiedergutmachung für ihr Leiden aus. Sie möchten gerne Rache nehmen an denen, die sie unterdrückt haben. Sie wollen all den Terror an der Pforte des Grabes, dem sie sich nähern, zurückweisen. Durch ihren falschen Patriotismus aber stoßen solche, wie ihr es seid, denen, die doch so sehr der Liebe (shefqat),
der Zärtlichkeit und der Heilung bedürfen und ihrer würdig sind, diesen armen, unglückseligen (Menschen) noch eine Nadel ins Herz! Ihr schlagt sie noch auf die Köpfe! Ihr zerbrecht ihre Hoffnungen ohne Erbarmen! Ihr stürzt sie noch in die äußerste Verzweiflung!... Sieht so euer Patriotismus aus? Ist das eure Art, Wohltaten unter dem Volk zu verteilen?
Nun kommen wir zu den alten Leuten, welche die dritte Volksschicht bilden, um sie als pars tertium zu betrachten. Sie nähern sich dem Grabe, sie nähern sich dem Tode, sie entfernen sich aus dieser Welt und gehen hinüber ins Jenseits. Finden sie ihren Segen, Licht und Tröstung, wenn sie die grauenvollen Abenteuer verrohter Tyrannen wie Hulagu (der Eroberer von Baghdad 1258 - A.d.Ü.) und Dschingis Khan (sein Großvater - A.d.Ü.) mit anhören? Habt etwa ihr in eurer neuzeitlichen Bewegung ohne Sinn, ohne Zweck, innerlich zerfallen, während sie sich nach außen auch noch fortschrittlich nennt, die das Jenseits vergessen macht und dabei an das Diesseits bindet, noch einen Platz für sie? Kann man das jenseitige Licht im Kino finden? Kann man den wahren Trost im Theater finden? Wenn Patriotismus in Wirklichkeit heißt, sie mit einem unsichtbaren Messer zu schlachten, und ihnen die Vorstellung zu geben: "ihr werdet jetzt zu einer Verurteilung auf ewig getrieben" und das Grab, das sie als Tor zur Barmherzigkeit betrachten, in ein Drachenmaul zu verwandeln und dabei in ihre Ohren zu blasen: "auch ihr werdet dort eintreten!", dann gibt es - während diese unglücklichen alten Leute von den Patrioten Respekt verlangen - angesichts eines solchen Vaterlands nur noch ein hunderttausendfaches: اَلْعِيَاذُبِللّٰهِ {"Ich nehme meine Zuflucht zu Gott!"}
Die vierte Volksschicht ist die der Kinder. Sie erbitten von unseren Patrioten Barmherzigkeit, erwarten von ihnen Mitleid (shefqat).
Auch in Hinsicht auf ihre Schwäche (da'if),Hilflosigkeit (adjz)und Machtlosigkeit (iktidarsiz)möge sich ihr Geist (ruh)ausdehnen, wenn sie einen mitfühlenden (merhamet)mächtigen Schöpfer kennen. Ihre Fähigkeiten mögen sich glücklich entfalten. Wenn sie mit einem Vertrauen auf Gott erfüllt werden, das aus dem Glauben (tevvekul-u iman)erwächst und in der Unterwerfung im Islam (teslim-i Islam),der schrecklicher Furcht und den Verhältnissen in dieser und in der künftigen Welt zu widerstehen vermag, dann mögen diese Unschuldigen mit Eifer nach dem Leben Ausschau halten. Könnte dies etwa
dadurch erreicht werden, dass man sie Dinge lehrt, die den Fortschritt der Zivilisation betreffen, mit dem sie kaum etwas zu tun haben, und die Prinzipien einer lichtlosen, rein materialistischen Philosophie, die ihre Moral (akhlaq)zerstört und ihren Geist auslöscht? Wenn der Mensch nur aus dem Körper eines Tieres bestünde und er keinen Verstand im Kopf hätte, dann könnten vielleicht diese fränkischen (= westlichen) Prinzipien, die ihr phantasievollerweise eine zivilisierte Erziehung und eine nationale Erziehung nennt, diesen unschuldigen Kindern einigen irdischen Nutzen und einige Vorteile in Form einiger vorübergehender kindischer Vergnügungen bringen. Da diese Kinder aber einmal in das Auf und Ab des Lebens geworfen werden, und da sie nun einmal Menschen sind, werden sie sicherlich auch in ihren kleinen Herzen viele weitreichende Sehnsüchte haben und in ihren kleinen Köpfen große Pläne und Ziele sich entfalten. Weil aber die Wirklichkeit nun einmal so ist, so ist auch das, was Mitleid (shefqat)für sie erfordert: den Glauben an Gott und den Glauben an das Jenseits in ihre Herzen zu pflanzen, ein außerordentlicher Stützpfeiler und eine unerschöpfliche Quelle der Zuflucht angesichts ihrer unendlichen Schwäche und Hilflosigkeit. Erbarmen und Mitleid (merhamet ve shefqat)ihnen gegenüber vollzieht sich auf diese Weise. Anderenfalls gleicht diese Trunkenheit der Nationalisten einer wahnsinnig gewordenen Mutter, die ihre Kinder schlachtet, indem sie dem spirituellen Leben dieser armen, unschuldigen (Kinder) den Hals abschneidet. Es ist eine wilde Grausamkeit und geradezu ein Verbrechen, so als wolle man ihnen Herz und Gehirn herausreißen, um damit ihren Körper zu ernähren.
Die fünfte Schicht ist die Volksschicht der Armen und Schwachen. Empfangen etwa die Armen, die auf Grund ihrer Armut sehr unter der Last und Bürde ihres Lebens leiden, und die Schwachen, die unter diesem schrecklichen Auf und Ab des Lebens besonders betrübt sind, ihren Anteil an den nationalen Gefühlen dieser Patrioten?
Findet er sich etwa in den Bewegungen, die ihr unter dem Titel eurer Vernarrtheit in eine fränkische (= westliche), schamlose, pharaonengleiche Zivilisation aufgerichtet habt, welche die Verzweiflung (ye's)und das Leid dieser Hilflosen nur noch vermehrt und ein Spielplatz für die Lust und Laune eines Teiles der Reichen ist und ein Fahrzeug für Ruhm und Raub eines Teiles der despotischen Machthaber? Die Salbe für die Wunde der Armut dieser hilflosen Bedürftigen könnte gefunden werden, nicht in einer rassistischen Idee, sondern in der heiligen Apotheke des Islam. Der Schwache kann nicht Stärke und Widerstandskraft in einer naturalistischen Philosophie finden, die nur finster ist, eines Bewusstseins entbehrt und an den Zufall gebunden ist, sondern aus ihrem Eifer für den Islam und ihrer Zugehörigkeit zur heiligen islamischen Nation!
Die sechste Volksschicht ist die der jungen Leute. Würde die Jugendlichkeit dieser jungen Leute ewig währen, dann würde auch der Wein, den ihr (diesen jungen Leuten) mit eurem nationalistischen (Gedankengut) eingeflößt habt, einen vorübergehenden Nutzen, eine Art guten Zweck erfüllt haben. Wenn aber die süße Trunkenheit ihrer Jugendlichkeit einer schmerzlichen Ernüchterung im Greisenalter, der erquickende Schlaf am Morgen des Greisenalters einem bedauernden Erwachen (gewichen ist), wird der Kater, der dem Rausch ihrer Trunkenheit folgt, sie bitterlich weinen lassen und der Schmerz im Vorüberrauschen ihrer süßen Träume ihnen viel Trauer und Betrübnis einflößen. "Oh weh! Sowohl meine Jugendzeit ist vorübergegangen, als auch meine Lebenszeit ist vergangen. Und nun nähere ich mich dem Grab, bankrott. Ach hätte ich doch einmal meinen Verstand gebraucht!" Besteht etwa der Anteil an dem Patriotismus dieser Schicht darin, sich eine kurze, vorübergehende Zeit zu amüsieren, um danach für eine sehr lange Zeit bitterlich zu weinen, oder liegt ihr irdisches Glück und ihre Freude am Leben vielleicht in der Art, ihre Dankbarkeit für das schöne Geschenk einer blühenden Jugendzeit zu erweisen
und dieses Geschenk (einer solchen Jugendzeit) nicht auf dem Wege der Ausschweifung, vielmehr auf dem Wege der Rechtleitung auszugeben und so in sich diese vergängliche Jugend im Dienst und in der Anbetung (Gottes) zu verewigen und so durch eine in Rechtleitung (verbrachte) Jugendzeit eine ewige Jugendzeit im Haus der Glückseligkeit zu gewinnen. Wenn du also nun noch über ein Körnchen Verstand verfügst, dann sprich!
Zusammenfassung:
Bestünde das türkische Volk nur aus diesen jungen Leuten der sechsten Schicht und würde die Jugendzeit niemals vergehen und gäbe es außer dieser Welt keinen anderen Ort, so könnte man eure ganze, unter einem Deckmantel alltürkische, (in Wirklichkeit aber) fränkische (= verwestlichte) Bewegung, als eine patriotische anführen. Dann könntet ihr zu einem Mann wie mir, der wenig Wert auf das Leben in dieser Welt legt, Rassismus als eine Seuche, wie die "fränkische Krankheit" (Syphilis) betrachtet, junge Leute von unerlaubten Vergnügungen und Gelüsten abzuhalten versucht und in einem anderen Land zur Welt gekommen ist, sagen: "Er ist ein Kurde. Folgt ihm nicht!" und so könntet ihr ein Recht haben, es zu sagen. Da aber nun einmal die Kinder dieses Landes, die man Türken nennt, aus sechs verschiedenen Volksschichten bestehen, ist es, wenn man fünf Schichten Schaden zufügt, ihr Wohlbefinden zerstört, einer einzigen dieser Schichten jedoch, ein vorübergehendes, weltliches Vergnügen bereitet, dessen Folge noch dazu unheilvoll ist, ja sie geradezu betrunken macht, so ist dies keineswegs ein Freundschaftsdienst für das türkische Volk, sondern Feindschaft.
Meiner Rasse nach, werde ich in der Tat nicht zu den Türken gezählt. Jedoch habe ich unter den Türken für die Leute der Gottesfürchtigen, die Gruppe der vom Unglück betroffenen, die Schicht der Alten, die Klasse der Kinder und die Schar der Schwachen und der Armen mit all meiner Kraft, völlig freiwillig, mit viel Liebe (shefqat)und in brüderlicher Gesinnung gearbeitet und arbeite ich noch
immer. Auch die jungen Leute, welche die sechste Volksschicht bilden, möchte ich von ungesetzlichen Handlungen abhalten, die ihr irdisches Leben vergiften, das jenseitige Leben zerstören und für eine Stunde lachen ein Jahr weinen zur Folge haben. Alle meine Werke, und zwar nicht nur das, was ich in den letzten sechs, sieben Jahren, sondern in zwanzig Jahren dem Qur'an entnommen und in türkischer Sprache veröffentlicht habe, liegt für jedermann offen zu Tage.
Lobpreis und Dank sei Gott (lillahilhamd)dafür, dass mit diesen Werken (und allem, was ich) aus dieser Lichtquelle, dem Weisen Qur'an, in der Tat entnommen habe, ein Licht gezeigt worden ist, das diese Volksschicht der alten Leute mehr als alles andere ersehnt. Die wirksamsten Heilmittel für die vom Unglück heimgesuchten und die Kranken werden in der heiligen Apotheke des Qur'an dargeboten. Durch diese Lichter des Qur'an wird das Tor des Grabes, das die alten Leute mehr als sonst etwas zum Nachdenken anregt, als das Tor der Barmherzigkeit gezeigt und nicht als ein Tor, durch das es zur Hinrichtung geht. Ein besonders mächtiger Stützpunkt angesichts so zahlloser Unglücke und gefährlicher Dinge, denen die so empfindsamen Herzen der Kinder ausgesetzt sind, und ein Ort der Zuflucht, der all den zahllosen Hoffnungen und Wünschen offen steht, wurden auf dem Fundament des Weisen Qur'an errichtet, aufgezeigt und in der Tat auch praktisch genutzt. Und die schwere Verantwortung, die die Schicht der Armen und Schwachen am meisten bedrückt, die schwere Bürde, die nahezu ihr Leben zerstört, wird durch die Glaubenswahrheiten des Weisen Qur'an erleichtert.
Es sind also diese fünf Gruppen fünf Schichten der sechs Volksschichten der türkischen Nation, für deren Wohlergehen wir arbeiten. Die sechste Schicht aber ist seine Jugend. Mit den guten unter ihnen haben wir eine ernsthafte brüderliche Verbundenheit. Aber mit solch Glaubenslosen, wie du einer bist, haben wir in gar keiner
Weise irgendeine freundschaftliche Beziehung! Denn Männer, welche den Gottlosen beigetreten sind und sich aus der Gemeinschaft islamischer Völker ausschließen wollen, welche doch alles umfasst, worauf auch das türkische Volk in Wahrheit stolz sein mag, betrachten wir nicht als Türken. Wir halten sie vielmehr für Franken, die (ihre Verwestlichung) unter einem türkischen Schleier verstecken wollen. Auch sollten sie hunderttausend Mal behaupten, national-türkisch gesinnt zu sein, können sie doch die Leute der Wahrheit nicht täuschen. Denn ihre Taten und Handlungen strafen ihre Behauptungen Lügen.
Wohlan denn, oh ihr Anhänger dieser Franken (und ihrer Lebensweise) und all ihr Glaubenslosen, die ihr euch darum bemüht, meine aufrichtigen Mitbrüder mit eurer Propaganda dahin zu bringen, mir nur noch die kalte Schulter zu zeigen! Was tut ihr zum Wohle dieser Nation?
Ihr löscht das Licht der Gottesfürchtigen und der Frommen, die die erste Volksschicht bilden.
Ihr streut noch Gift auf die Wunden der zweiten Schicht, die doch der Güte und Fürsorge bedürftig sind.
Ihr zerstört den Trost der dritten Schicht, die doch so sehr euren Respekt (hurmet)verdient, und werft sie in die völlige Verzweiflung (ye's-i mutlaq).
Ihr brecht ganz und gar die geistige Kraft der vierten Schicht, die doch so sehr eure Zärtlichkeit (shefqat)braucht und löscht ihre wahre Menschlichkeit aus.
Ihr lasst die Hoffnungen der fünften Schicht, die doch so nötig Hilfe, Trost und Unterstützung braucht, in ihrer Hoffnung, in ihrem Ruf nach Hilfe ohne Frucht sein und verwandelt das Leben in ihren Augen in etwas, das noch furchtbarer ist als der Tod.
Und der sechsten Schicht, die ihr doch eigentlich ermahnen und wachrütteln müsstet, gebt ihr in ihrem Jugendrausch auch noch Wein zu trinken, einen Wein, der sie in eine besonders schmerzliche und besonders schreckliche Trunkenheit versetzt.
Ist das etwa euer patriotischer Eifer, dass ihr um dessentwillen, so vieles opfert, was euch heilig ist? Ist es das, was eine national-türkische Gesinnung den Türken zu bieten hat? Hunderttausend Mal Zuflucht bei Gott!
Ihr Herren! Ich weiß, dass ihr eure Zuflucht zu eurer Macht nehmt, wenn ihr angesichts der Wahrheit verloren habt. In dem Geheimnis, dass die Macht sich auf die Wahrheit stützt (und auf den, der aus ihr lebt) und nicht die Wahrheit sich auf die Macht stützt (und auf den, der sie in Händen hält), könnt ihr rund um mich die Welt in Brand setzen, doch mein Kopf (rund um den herum die Welt in Flammen steht), der sich opfert für die qur'anischen Wahrheiten, wird sich nicht vor euch beugen. Zudem will ich euch auch dies noch sagen: auch wenn nicht nur eine begrenzte Anzahl Leute wie ihr, die doch das Volk in seinem Innern verachtet, sondern Tausende euresgleichen mir selbst tätlich ihre Feindschaft zeigten, würde ich ihnen dennoch keine Beachtung schenken, ja ihnen nicht mehr Wert beimessen als einem Haufen wilder Tiere. Denn was könnt ihr schon gegen mich ausrichten? Alles, was ihr tun könnt, ist, entweder meinem Leben ein Ende setzen, oder aber mein Werk zerstören. Außer diesen beiden Dingen verbindet mich nichts mit dieser Welt. Was die Stunde betrifft, die für dieses Leben vorherbestimmt (muqadder)ist, so glaube ich mit der Sicherheit eines Zeugen, dass sie sich nicht ändert. Sie ist bereits bestimmt. Da dies aber nun einmal so ist, scheue ich nicht davor zurück, als Märtyrer auf dem Weg der Wahrheit zu sterben, sondern erwarte sie mit Sehnsucht. Besonders da ich schon alt bin, glaube ich, dass es schwer für mich werden wird, noch ein weiteres Jahr zu leben. Ein Jahr dieses äußerlichen (Lebens) durch den Märtyrertod in ein immerwährendes Ewiges Leben zu verwandeln, ist für Leute wie mich der letzte Wunsch und das erhabenste Ziel. Was aber mein Werk betrifft, so hat mir Gott der Gerechte in Seiner Barmherzigkeit solche Brüder im Dienste
am Glauben und am Qur'an geschenkt, dass es nach meinem Tode nicht mehr in nur einem Zentrum, sondern in vielen Zentren versehen werden wird. Wenn meine Zunge mit dem Tode zum Schweigen gebracht werden wird, werden sehr viele mächtige Zungen an Stelle meiner Zunge sprechen und dieses Werk fortsetzen. Ja ich kann sogar sagen: So wie ein Samenkorn in die Erde fällt und stirbt und dadurch einem neuen Halm das Leben schenkt und so schließlich hundert Körner mit ihrer Aufgabe beginnen, so nähre auch ich die Hoffnung, dass mein Tod der Anlass zu einem Werk sein wird, dass über mein Leben hinauswachsen wird!...
Fünfte teuflische List:
Die Gefolgschaft der Leute des Irrwegs wollte meine Brüder, indem sie aus deren Selbstgefälligkeit (enaniyet)ihren Nutzen zogen, (aus meinem Kreis) zurückziehen. Tatsächlich ist ja die für den Menschen gefährlichste Ader ihre Selbstgefälligkeit. Und es ist zugleich auch ihr schwächster (da'if)Nerv. Wird er gestreichelt, so kann man ihn dazu bringen, ganz schlechte Dinge zu tun. Oh meine Brüder! Gebt Acht! Lasst euch nicht bei eurer Selbstgefälligkeit (enaniyet)treffen. Lasst euch nicht in ihr gefangen nehmen! Ferner sollt ihr wissen, dass in diesem Jahrhundert die Leute des Irrweges die Selbstgefälligkeit bestiegen haben und auf ihr durch das Tal des Irrglaubens galoppieren. Die Leute der Wahrheit können nur dann der Wahrheit dienen, wenn sie ihre Selbstgefälligkeit aufgeben müssen. Auch sollten sie glauben, das Recht zu haben, von ihrem Ego Gebrauch zu machen, weil sie meinen, damit genauso zu handeln wie alle anderen und weil (die Leute des Irrweges dadurch glauben), dass (die Leute der Wahrheit) genauso selbstsüchtig seien wie sie selbst, so ist dies dennoch eine Unwahrheit im Dienst an der Wahrheit. In jedem Fall akzeptiert der Dienst am Qur'an, um den herum wir uns versammelt haben, nicht dieses "Ich", sondern verlangt nach einem "Wir". Er sagt: "Sagt nicht 'Ich', sondern sagt 'Wir'".
Sie sind mit Sicherheit zu der Überzeugung gelangt,
dass dieser euer Bruder nicht durch sein Ego auf den Platz getreten ist. Und er macht euch auch nicht zu einem Diener an seinem Ego. Vielmehr zeigte er sich euch als ein Diener am Qur'an ganz ohne sein Ego. Nicht selbstgefällig zu sein und nicht an der Seite seines Egos zu stehen, hat er als seinen Weg (meslek)erwählt. In jedem Fall hat er euch mit absolut sicheren Zeugnissen bewiesen, dass die Werke, die zum allgemeinen Nutzen verfasst worden sind, öffentliches Eigentum, d.h. Tropfen aus dem Weisen Qur'an sind. Niemand darf in seiner Selbstgefälligkeit einen Anspruch an ihnen erheben! Nehmen wir doch einmal den unmöglichen Fall an, ich wollte mich in meiner Selbstgefälligkeit als der Eigentümer dieser Werke ausgeben, wie einer meiner Mitbrüder gemeint hat: seit sich nun die Türen des Qur'an geöffnet haben, sollten doch die Leute der Wissenschaft und aller Vollkommenheit nicht zögern und nicht erklären, sie hätten all dies gar nicht nötig, sondern ohne meine Fehlerhaftigkeit und die Bedeutungslosigkeit (meiner Person) zu beachten, sich hinter mich stellen. Die Werke der Rechtschaffenen (selef-i salihin)und der Forscher unter den Gelehrten sind wie eine riesengroße Schatzkammer, zur Genüge ausreichend für eine jede Art von Kummer. Doch geschieht es zuweilen, dass ein Schlüssel dazu noch wichtiger ist, als diese Schatzkammer. Denn wenn eine Schatzkammer geschlossen ist, könnte doch ein Schlüssel viele solche Kammern öffnen.
So denke ich denn, dass diejenigen, deren Selbstgefälligkeit ihnen allzusehr aus ihrer Bildung erwächst (enaniyet-i ilmiye),verstanden haben, dass die Worte (Sözler),die veröffentlicht worden sind, jedes für sich ein Schlüssel zu den qur'anischen Wahrheiten und je ein diamantenes Schwert sind, dass solchen den Kopf abschlägt, die diese Wahrheiten bestreiten wollen. Die Leute der Tugend und der Vollkommenheit und solche, deren Selbstgefälligkeit ihnen allzusehr aus ihrer Bildung erwächst, sollten wissen, dass sie nicht Studenten von mir, sondern Schüler des Weisen
Qur'an sind und dass auch ich mit ihnen ein Studienkollege bin.
Nehmen wir doch einmal den unmöglichen Fall an, ich würde den Rang eines Lehrmeisters (ustadh)für mich beanspruchen, da wir ja nun einmal einen Weg gefunden haben, all die Schichten der Leute des Glaubens von heute, von den ungebildeten bis hinauf zu den oberen Klassen, von all den Zweifeln und Unsicherheiten, von denen sie befallen sind, zu erretten, dann sollen doch alle diese Gelehrten entweder einen einfacheren Weg finden, oder aber unseren Weg für nötig erachten, ihn lehren und auf unsere Seite treten. Doch es hängt eine sehr schwere und düstere Wolke über all den schlechten Gelehrten (Ulema-us Su).So müssen denn die (wahren) Wissenschaftler in unserer Zeit ganz besonders aufmerksam sein.
Nehmt also einmal an, ich würde so, wie unsere Feinde sich das vorstellen, einen solchen Dienst um meiner Selbstgefälligkeit willen verrichten. Da aber nun einmal eine große Anzahl Leute ihren Egoismus aufgeben und sich um irgendeines irdischen, nationalen Zieles willen vollkommen loyal um einen solchen Mann wie um einen Pharao scharen und in großer Solidarität ihren Dienst versehen, sollte da nicht etwa auch euer Bruder im Glauben das Recht haben, von euch um eurer Solidarität rund um die Glaubenswahrheiten willen erwarten, dass ihr euren Egoismus aufgeben werdet, so wie jene Feldwebel einer weltlichen Gesellschaft, solange wie dieser nur seinen eigenen Egoismus zu verbergen weiß? Und wenn noch nicht einmal die größten eurer Gelehrten ihm "Da bin ich! (Labbeyk)"sagen sollten, wären sie dann nicht im Unrecht?
Meine Brüder! Einer der gefährlichsten Aspekte des Egoismus in unserem Werk ist der Neid. Geschieht etwas nicht pur um Gottes willen, so tritt der Neid dazwischen und zerstört alles. Wie die Hand eines Menschen nicht neidisch auf seine andere Hand sein kann und sein Auge nicht auf sein Ohr und das Herz nicht in Streit treten kann
mit dem Verstand, so ist auch ein jeder von euch ein Sinn, ein Glied innerhalb einer geistigen Körperschaft (shahs-i manevi),dessen Ganzheit ihr alle formt. Es geht nicht darum, miteinander in Streit zu liegen. Vielmehr solltet ihr im Gegenteil stolz sein auf die gemeinsamen guten Eigenschaften. Sich über sie zu freuen ist eine grundlegende Gewissenspflicht.
Aber es gibt da noch ein Ding das bleibt und äußerst gefährlich ist: untereinander und unter euren Freunden Eifersucht gegenüber diesem euren armen Mitbruder zu empfinden, ist äußerst gefährlich. Es gibt unter euch auch einige sehr bedeutende Wissenschaftler (ehl-i ilim).Bei einem Teil dieser Wissenschaftler finden sich solche, deren Selbstgefälligkeit ihnen allzusehr aus ihrer Bildung erwächst (enaniyet-i ilmiye).Auch wenn diese ganz allgemein gesehen doch recht bescheiden sein mögen, so sind sie doch gerade in dieser Hinsicht ziemlich selbstgefällig. Sie können diese Selbstgefälligkeit nicht so schnell aufgeben. Wie sehr sich auch Herz und Verstand (an die Risale-i Nur)anklammern mögen, ihre Seele (nefs)sucht doch hinsichtlich ihrer Selbstgefälligkeit in der Wissenschaft einen Vorrang, um sich selbst verkaufen zu können, ja sogar, um über die abgehandelten und niedergeschriebenen Themen disputieren zu können. Und wenn auch ihr Herz diese Abhandlungen liebt und sie sich verstandesmäßig für sie begeistern und sie als erhaben einschätzen, wünscht ihre Seele (nefs),als nährte sie eine heimliche Feindschaft (adavet)gegen sie, wegen ihrer Selbstgefälligkeit auf Grund ihrer Bildung, die Herabsetzung der Worte (Sözler),sodass der Ertrag ihres Denkvermögens mit ihnen konkurrieren und gleich ihnen verkauft werden könne. Dabei muss ich ihnen doch gezwungenermaßen Folgendes mitteilen:
Selbst wenn diese (Leute) in den Kreisen qur'anischer Unterweisung Koryphäen der Wissenschaft (allame)und der Rechtsgelehrtheit (mutschtehid)wären, so besteht doch ihre Aufgabe in theologischer Hinsicht (ulum-u imaniye djihet)lediglich darin, die bereits niedergeschriebenen Worte (Sözler)zu erklären (sherh)und zu erläutern (izah)
und sie zu ordnen (tanzim).Denn auf Grund sehr vieler Hinweise ist uns klar geworden, dass wir mit der Aufgabe betraut worden sind, Etwas herauszugeben (fetwa),die sich auf die verschiedenen Glaubensartikel (ulum-u imaniye)beziehen. Wenn irgendjemand aus unserem Kreis auf Grund eines Gefühls, das ihm aus seiner Selbstgefälligkeit hinsichtlich seiner Bildung erwächst (nefsin enaniyet-i ilmiye),etwas schreibt, das außerhalb der Erläuterungen und Erklärungen (sherh ve izah;der Risale-i Nur)liegt, so gilt dies als ein eiskaltes Konkurrenzbestreben oder als der fehlerhafte Versuch einer Nachahmung. Ist doch anhand vieler Beweise und Zeichen erwiesen, dass die einzelnen Abschnitte der Risale-i Nur Tropfen aus dem Qur'an sind, denn in Übereinstimmung mit dem Gesetz der Arbeitsteilung, hat jeder von uns eine Aufgabe übernommen, indem wir uns darum bemühen, dass die Tropfen vom Wasser des Lebens, die (aus dem Qur'an) hindurchgesickert sind, für einen jeden erreichbar gemacht werden können, der ihrer bedarf!...
Sechste teuflische List:
Es ist dies folgendermaßen: Er nutzt die nur allzu menschliche Ader seiner Faulheit, seine Leidenschaft für äußerlichen Komfort und sein Verhaftetsein an alle nur erdenklichen Pflichten. Diese Teufel in Menschen- und in Dschinnengestalt greifen (den Menschen) in der Tat in jeder Hinsicht an. Wenn sie solche Leute unter uns erblicken, deren Herzen stark, deren Treue unerschütterlich, deren Absichten aufrichtig und deren Eifer erhaben ist, so greifen sie diese von einer anderen Richtung her an. Dies geschieht folgendermaßen:
Um unsere Arbeit ins Stocken zu bringen und uns in unserem Dienst zu entmutigen, ziehen sie ihren Nutzen aus der Faulheit, der Bequemlichkeit (unserer Brüder einerseits) und deren Pflichtversessenheit (andererseits). Mit derlei Listen halten sie (unsere Brüder) von ihrem Dienst am Qur'an ab, sodass sie für einen Teil von ihnen, ohne es zu merken, noch mehr Arbeit finden, damit sie für den Dienst am Qur'an keine Zeit mehr haben. Anderen wiederum zeigen sie alle faszinierenden Dinge dieser
Welt, womit ihre Lust geweckt wird, damit in ihnen eine Gleichgültigkeit (ghafla)dem Dienst gegenüber aufsteigen solle usw.
Diese Angriffsmethoden können sich in die Länge ziehen. Um aber diese Länge kurz abzuschneiden, überlassen wir das eurem aufmerksamen Verständnis.
Oh meine Brüder! Merkt gut auf: eure Aufgabe ist heilig. Euer Dienst ist erhaben. Jede Stunde eurer Zeit kann so wertvoll sein wie ein Tag der Anbetung. Gebt also gut Acht, damit sie euch nicht zwischen den Fingern zerrinnt!...
يَآ اَيُّهَا الَّذِينَ اٰمَنُوا اصْبِرُوا وَصَابِرُوا وَرَابِطُوا وَاتَّقُوا اللّٰهَ لَعَلَّكُمْ تُفْلِحُونَ ٭ وَلاَتَشْتَرُوا بِآيَاتِى ثَمَنًا قَلِيلاً ٭ سُبْحَانَ رَبِّكَ رَبِّ الْعِزَّةِ عَمَّا يَصِفُونَ ٭ وَسَلاَمٌ عَلَى الْمُرْسَلِينَ ٭ وَ الْحَمْدُ لِلّٰهِ رَبِّ الْعَالَمِينَ ٭ سُبْحَانَكَ لاَعِلْمَ لَنَآ اِلاَّ مَاعَلَّمْتَنَآ اِنَّكَ اَنْتَ الْعَلِيمُ الْحَكِيمُ ٭ اَللّٰهُمَّ صَلِّ وَسَلِّمْ عَلٰى سَيِّدِنَا مُحَمَّدٍ. اَلنَّبِىِّ الْاُمِّىِّ الْحَبِيبِ الْعَالِى الْقَدْرِ الْعَظِيمِ الْجَاهِ وَعَلٰٓى اٰلِهِ وَصَحْبِهِ وَسَلِّمْ ٭ اٰمِينَ
{"Oh ihr Gläubigen! Seid geduldig und harrt miteinander aus in Geduld und fürchtet Gott, damit es euch wohl ergehe!" (Sure 3, 200) "Und verkauft Meine Verse nicht um ein Geringes." (Sure 2, 41) "Preis sei deinem Herrn, dem Herrn der Macht. Erhaben ist Er über das, was sie Ihm zuschreiben. Und Friede den Gesandten! Und Lob sei Gott, dem Herrn der Welten!" (Sure 37, 180/182) "Gepriesen seist Du! Wir haben kein Wissen, außer dem, das Du uns gelehrt hast. Denn Du bist der Allwissende, der Allweise." (Sure 2, 32) "Oh Gott, gib Friede und Segen unserem Herrn Mohammed, Deinem geliebten ungebildeten Propheten, von großem Ansehen und hohem Rang, seiner Familie und seinen Gefährten. Amen"}
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Ein heiliges (Jahr) in der Geschichte
Ein Jahr in der Geschichte, in dem ein bedeutendes Geheimnis des Weisen Qur'an offenbar wurde, findet sich wiederum in einem Wort des Qur'an. Es ist dies wie folgt:
Entsprechend dem Abdjed-System entspricht der numerische Wert des Wortes "Qur'an" 351. In ihm sind zwei Elif enthalten. Liest man das verborgene Elif als "elfun", so ist es ein "elfun" mit der Bedeutung von Tausend.
{(*): Nach den grammatikalischen Regeln wird "Failun"- فَئِلٌ "fa'lun"- فَأْلٌ gelesen, so wie man "katifun"- كَتِفٌ "katfun"- كَتْفٌ liest. Deswegen liest man auch "elifun"- اَلِفٌ als "elfun"- اَلْفٌ (= arab. tausend). Auf diese Weise errechnet sich dann 1351.}
Damit soll gesagt sein, dass das Jahr 1351 als das Jahr des Qur'an bezeichnet werden kann. Das ist so, weil in diesem Jahr das merkwürdige Geheimnis der Übereinstimmungen in dem Wort "Qur'an" in denjenigen Teilen der Risale-i Nur offenbar wurde, die ein Kommentar zum Qur'an sind. Das wunderbare Geheimnis dieser Übereinstimmungen (tevafuqat)in dem Wort "Allah" im Qur'an erschien in demselben Jahr. Ein Qur'anexemplar, das dieses wunderbare Muster aufweist, zusammengestellt und geschrieben entsprechend der neuen Gestaltungsweise, erschien noch im selben Jahr. Im gleichen Jahr setzten sich die Schüler des Qur'an mit ihrer ganzen Kraft für die Erhaltung der qur'anischen (= arabischen) Schreibweise ein, angesichts ihrer Umwandlung (in die lateinische Schreibweise). Bedeutende Feinheiten der Wunderhaftigkeit des Qur'an wurden gleichfalls im selben Jahr offenbar. Ferner ereigneten sich in diesem Jahr noch viele Dinge, die mit dem Qur'an in Verbindung stehen; und es sieht so aus, als wollten sie sich auch noch weiterhin ereignen...
* * *
Anhang zum Sechsten Kapitel, zugleich auch Anhang zur sechsten Abhandlung
Sechs Fragen
Dieser Anhang wurde geschrieben, um den Abscheu und die Verachtung zu vermeiden, die sich andernfalls hier in künftiger Zeit ausbreiten werden. Das heißt, er wurde geschrieben, sodass, wollte da eine sagen: "Pfui über all diese geistlosen Faulpelze in unserem Zeitalter!", ihre Spucke unser Gesicht nicht treffen möge, bzw. um sie von ihm wieder abzuwischen. Mögen die tauben Ohren dieser wilden Leiter eines Europa hinter ihrer humanistisch gesinnten Maske davon widerklingen!... Und möge es diesen maßlosen Tyrannen, welche uns mit diesen gewissenlosen Gewaltmenschen heimgesucht haben, in ihre nichtssehenden Augen gesteckt werden! Es ist dies eine Petition, geschrieben, um damit den Anhängern einer mehr ärgerlichen als bürgerlichen Zivilisation (mimsiz medeniyet)über die Köpfe zu hauen, die es in diesem Jahrhundert mehr als hunderttausend Mal nötig gemacht haben, zu rufen: "Es lebe die Hölle!"
بِسْمِ اللّٰهِ الرَّحْمٰنِ الرَّحِيمِ ٭ وَمَا لَنَآ اَلاَّ نَتَوَكَّلَ عَلَى اللّٰهِ وَقَدْ هَدٰينَا سُبُلَنَا وَلَنَصْبِرَنَّ عَلٰى مَآ اٰذَيْتُمُونَا وَعَلَى اللّٰهِ فَلْيَتَوَكَّلِ الْمُتَوَكِّلوُنَ
{"Im Namen Gottes, des Erbarmers, des Allbarmherzigen" "Und es gibt da für uns nichts, warum wir nicht auf Gott vertrauen sollten. Denn Er hat uns in der Tat auf unserem Weg geleitet und sicherlich werden wir geduldig alle Leiden ertragen, die Er uns auferlegt hat. Und wer immer vertraut, der vertraue auf Gott!" (Sure 14, 12)}
In letzter Zeit haben die versteckten Angriffe der Glaubenslosen eine ganz besonders hässliche Form angenommen, wobei sie mit ihren erbärmlichen, ungerechten Angriffen gegen die so unglücklichen Leute des Glaubens (vorgingen und sich sogar) in unseren privaten und keineswegs offiziellen Ruf zum Gebet (ezan ve iqamah),also in dieses unser privates Gebet einmischten, das ich mit noch zwei mir eng verbundenen Brüdern in einem privaten Raum verrichtete, den ich mir selbst dafür hergerichtet hatte. Man sagte also zu mir: "Warum rezitierst du den Ruf zum Gebet in arabischer Sprache und wieso versuchst du das geheim zu halten?" Da war denn doch meine Geduld erschöpft. So richte ich mich denn nicht etwa an diese unzivilisierten, gottlosen (Leute), die einer Antwort gar nicht wert sind, sondern an den pharaonengleichen Vorstand einer Gesellschaft, der mit einer geradezu despotischen Willkür mit dem Schicksal einer ganzen Nation spielt, (mit dem Ruf): "Oh ihr Leute einer ketzerischen Neuerung und der Gottlosigkeit (Ey ehl-i bid'a veilhad!)...Ich erwarte eine Antwort auf (die folgenden) sechs Fragen.
Erstens:
Jede Regierung in der Welt, jedes Volk und jeder Stamm, ja selbst ein Stamm Menschenfleisch essender Kannibalen, ja sogar ein Räuberhauptmann in all seiner Wildheit und Grausamkeit herrscht und regiert auf seine Weise und urteilt nach seinen Prinzipien. Ihr aber, nach welchen Prinzipien führt ihr diese außerordentlichen Angriffe aus? Legt mir die Artikel eures Gesetzes vor! Oder akzeptiert ihr die willkürlichen Einfälle einer Handvoll niederträchtiger Beamter? Denn für ein solches privates Gebet gibt es kein Gesetz und kann es ein solches Gesetz nicht geben!...
Zweitens:
Auf welche Macht stützt ihr euch und woher nehmt ihr diese Unverschämtheit, das Prinzip der "Freiheit des Gewissens" zu verletzen, das fast überall in der Menschheit herrscht, besonders in diesem Zeitalter der Freiheit und in zivilisierten Kreisen, es auf die leichte
Schulter zu nehmen und auf diese Weise indirekt die Menschheit zu verletzen und ihre Vorstellungen zurückzuweisen? Was für eine Macht gibt es denn, dass ihr, obwohl ihr euch doch Laien nennt und behauptet, ihr wolltet euch nicht in Glaube noch Unglaube einmischen, die Religion und die religiösen Menschen in einer Weise angreifen könnt, als hättet ihr die Glaubenslosigkeit in geradezu fanatischer Weise für euch selbst zu eurer Religion gemacht, was sicherlich nicht verborgen bleiben wird?!... Danach werdet ihr noch einmal gefragt werden... Was für eine Antwort werdet ihr dann geben?... Obwohl ihr noch nicht einmal gegen einen Einwand auch der kleinsten von zwanzig (verschiedenen internationalen) Regierungen standhalten könnt, versucht ihr dennoch gewaltsam die Freiheit des Gewissens zu verletzen, als ob ihr die Einwände von zwanzig Regierungen vollständig missachten wolltet.
Drittens:
Welchem Prinzip entsprechend fordert ihr, dass Leute wie ich, die der Rechtsschule der Schafis folgen, eine irrige Fetwa annehmen sollen, die einige schlechte Gelehrte (ulema-us Su),die ihr Gewissen an die Welt verkauft haben, im Widerspruch zur Lauterkeit und Erhabenheit der Hanefitischen Rechtsschule erlassen haben?... Wenn nun, nachdem die Rechtsschule der Schafis geschlossen worden ist, die doch einige Millionen Anhänger hat, jetzt alle der Hanefitischen Schule folgen müssen und mir dies in diktatorischer Weise auferlegt wird, so könnte man vielleicht sagen, dass dies ein Prinzip areligiöser Menschen ist, wie ihr es seid. Andernfalls ist es (ein Akt) der Willkür und der Gemeinheit. Wir aber folgen nicht derartigen Willkürakten von Leuten wie diesen und wir erkennen sie auch nicht an!
Viertens:
In Übereinstimmung mit welchen Prinzipien verlangt ihr denn durch eine verfälschte, ketzerische (bid'a)Fetwa den Aufruf zum Gebet (iqama)in türkischer Sprache, auf eine Weise, die nationalen türkischen Interessen vollkommen widerspricht, welche pur religiös und
voll Respekt gegenüber dem Glauben sind und sich schon in alten Zeiten mit dem Islam vereint und vermischt haben, im Namen sogenannter national-türkischer (Interessen), welche (in Wirklichkeit) nur fränkische Interessen (d.h. also eine verwestlichte Gesinnung) sind, von solchen, die wie ich doch einem anderen Volk angehören? Obwohl ich in der Tat freundschaftliche und brüderliche Beziehungen mit wahren Türken unterhalte, habe ich doch in gar keiner Hinsicht irgendeine Beziehung mit solchen national-türkisch gesinnten Anhängern der Franken (d.h. der Verwestlichung), wie ihr es seid. Wie könnt ihr auch so etwas von mir verlangen? und nach welchem Gesetz?... Falls ihr etwa den Kurden ihr Volkstum aberkennen wolltet, deren es Millionen gibt und die seit Tausenden von Jahren ihr Volkstum und ihre Sprache nicht vergessen haben und welche von Alters her die treuen Volksgenossen und Kampfgefährten der Türken sind, und wenn ihr wollt, dass sie nun ihre Sprache vergessen sollen, dann könnte vielleicht eure Forderung gegenüber solchen, die wie ich einem anderen Volk zugezählt werden, in Übereinstimmung mit irgendeiner Art grausamem Prinzip sein. Andernfalls wären sie rein willkürlich. Diesen völlig willkürlichen Launen einiger Individuen sollte man nicht folgen und wir werden ihnen auch nicht folgen!
Fünftens:
Eine Regierung mag gegenüber ihren Staatsbürgern und gegenüber denjenigen, die sie als ihre Bürger ansieht, alle Gesetze in Anwendung bringen; aber sie kann diese Gesetze nicht gegenüber denjenigen anwenden, die sie nicht als ihre Bürger anerkennt. Denn sie können sagen: "Da wir nicht eure Bürger sind, seid ihr auch nicht unsere Regierung!"
Ferner kann keine Regierung zwei Strafen zu gleicher Zeit verhängen. Sie wird einen Mörder entweder einsperren oder ihn hinrichten. Jemanden gleichzeitig zu einer Haftstrafe zu verurteilen und ihn gleichzeitig zum Tode zu verurteilen, gibt es nirgendwo auf der Welt. Ein solches Gesetz gibt es nicht!
Dennoch habt ihr, obwohl ich doch diesem Land und seinem Volk in keiner Weise irgendeinen Schaden zugefügt habe, mich acht Jahre lang in Gefangenschaft gehalten, unter Strafbedingungen, wie man sie noch nicht einmal dem rohesten (Gefangenen) einer ausländischen Nation auferlegt hätte. Obwohl ihr selbst noch Verbrecher begnadigt habt, habt ihr jedoch meine Freiheit mit Füßen getreten und mich in einer Weise behandelt, dass ihr mich all meiner bürgerlichen Rechte beraubt habt. Wenn ihr also nun nicht gesagt habt: "Auch dieser ist ein Sohn unseres Landes.", in Übereinstimmung mit welchem Prinzip oder Gesetz habt ihr dann unter diesem armen Volk gegen ihren Willen diese Prinzipien, welche die Freiheit zerstören, jemandem wie mir auferlegt, der doch für euch in jeder Hinsicht ein Ausländer ist? Seit dem Weltkrieg habt ihr all diese Heldentaten, deren Vollbringer diese Person war und die von dem kommandierenden General bestätigt worden sind, für nichts erachtet und seinen selbstlosen, opferwilligen Kampf im Dienste des Vaterlandes als ein Verbrechen betrachtet. Danach habt ihr all seine ernsthaften und wirklich erfolgreichen Bemühungen, die guten Sitten dieses armen Volkes zu wahren und sein Glück in dieser und der künftigen Welt sicherzustellen, für Verrat erklärt. Danach habt ihr jemanden, der eure ungerechte, gefährliche, willkürliche Art, die doch so vollkommen sinnlos ist und die aus eurem Unglauben und eurer fränkischen (= westlichen) Gesinnung erwächst, für sich selbst nicht akzeptiert, dennoch zu acht Jahren (Haft) verurteilt (aus welcher Strafe inzwischen achtundzwanzig Jahre geworden sind). Dabei blieb das Strafurteil selbst stets das gleiche. Ich habe diese Vollstreckung niemals angenommen. Dennoch habt ihr diese Bestrafung ganz einfach durchgeführt. Welches ist aber nun das Prinzip, nachdem ihr eine Verurteilung auf diese Weise brutal ein zweites Mal vollstreckt
Sechstens:
Angesichts der Behandlung, die ihr mir habt angedeihen lassen und euren eigenen Ansichten
entsprechend, muss ich euch in allen Punkten widersprechen. Ihr opfert euren Glauben und verzichtet auf das Jenseits um des Diesseits willen. In jedem Fall sind auch wir, was nun uns und was dabei eure Ansichten betrifft, wenn es um das Geheimnis der Gegensätze (muchalefet sirr)geht, weil ja nun einmal ein Gegensatz zwischen uns besteht, dazu bereit, das Diesseits um unseres Glaubens willen und für das Jenseits jederzeit zum Opfer zu bringen. Zwei, drei Jahre eines Lebens unter eurer despotischen und brutalen Herrschaft im Elend aufzuopfern, um so ein geheiligtes Martyrium für uns zu gewinnen, gilt uns gleich dem Wasser aus der Quelle des Kauthar. Jedoch gestützt auf die Segnungen des Weisen Qur'an und seine Hinweise bringe ich euch, damit ihr zittern sollt, diese folgende zuverlässige Nachricht:
Nachdem ihr mich getötet habt, werdet auch ihr nicht mehr weiter leben können! Ihr werdet von einer unbesiegbaren (Qahhar)Hand aus dieser Welt, die euer Paradies und eure Geliebte ist, vertrieben und sehr schnell in die ewige Finsternis geworfen werden! Hinter mir werden auch eure, einem Nimrod gleichenden Anführer sehr schnell zu Grunde gehen und zu mir geschickt werden. Dann werde auch ich sie in der Gegenwart Gottes am Kragen packen. Und während die Göttliche Gerechtigkeit (adalet-i Ilahi)sie ganz hinab in den aller tiefsten Abgrund (esfela safilin)schleudert, werde ich meine Rache nehmen!
Oh ihr elenden Schufte, die ihr euren Glauben und das Jenseits um dieser Welt willen verkauft! Wenn ihr weiter leben wollt, so fasst mich nicht an!... Wenn ihr mich anfasst, so wisset, dass man für mich hundertfältig an euch Rache nehmen wird; und zittert davor!... Dabei erhoffe ich von der Göttlichen Barmherzigkeit, dass mein Tod dem Glauben mehr dienen wird als mein Leben. Mein Tod wird über euren Köpfen wie eine Bombe explodieren und er wird eure Köpfe zerschmettern! Fasst mich nur an, wenn ihr den Mut dazu habt!... Wenn ihr etwas zu tun habt, werdet ihr auch etwas zu erleben haben!... Ich werde
entgegen all euren Drohungen diese Ayah euch mit ganzer Kraft ins Gesicht lesen:
اَلَّذِينَ قَالَ لَهُمُ النَّاسُ اِنَّ النَّاسَ قَدْ جَمَعُوا لَكُمْ فَاخْشَوْهُمْ فَزَادَهُمْ اِيمَانًا وَقَالوُا حَسْبُنَا اللّٰهُ وَنِعْمَ الْوَكِيلُ
{"Zu ihnen haben die Menschen gesagt: 'Die Menschen haben sich gegen euch versammelt. Also fürchtet euch vor ihnen.' Doch das hat ihren Glauben nur noch gestärkt und so sagten sie: 'Es genügt uns Gott und Er ist unser bester Anwalt.'" (Sure 3, 173)}
* * *
Siebentes Kapitel
Die sieben Hinweise
بِسْمِ اللّٰهِ الرَّحْمٰنِ الرَّحِيمِ ٭ فَاٰمِنُوا بِاللّٰهِ وَرَسُولِهِ النَّبِىِّ الْاُمِّىِّ الَّذِى يُؤْمِنُ بِاللّٰهِ وَكَلِمَاتِهِ وَاتَّبِعُوهُ لَعَلَّكُمْ تَهْتَدُونَ ٭ يُرِيدُونَ اَنْ يُطْفِئُوا نُورَ اللّٰهِ بِاَفْوَاهِهِمْ وَيَأْبَى اللّٰهُ اِلاَّ اَنْ يُتِمَّ نُورَهُ وَلَوْ كَرِهَ الْكَافِروُنَ
{"Im Namen Gottes, des Erbarmers, des Allbarmherzigen" "So glaubt denn an Gott und seinen Gesandten, den ungelehrten Propheten, der an Gott und Sein Wort glaubt. Folgt ihm, damit ihr recht geleitet sein mögt." (Sure 7, 158) "Sie möchten das Licht Gottes mit ihrem Munde ausblasen. Doch Gott besteht darauf, sein Licht zu vollenden, auch wenn es den Ungläubigen zuwider ist." (Sure 9, 32)}
Diese sieben Hinweise sind die Antwort auf drei Fragen. Die Erste Fragestellung besteht aus (den folgenden) vier Hinweisen.
Erster Hinweis:
Die Begeisterung und die Argumente derer, welche die Kennzeichen des Islam (sheair-i islamiye)verändern wollen, entstammen wieder einmal, wie alle diese üblen Dinge, aus der unbesehen blinden Nachahmung der Ausländer. Sie sagen nämlich: "Ausländer, die in London zur Rechtleitung gelangt sind und den Glauben angenommen haben, übersetzen in ihrem Lande viele Dinge, wie den Ruf zum Gebet (ezan ve qamet),und übertragen sie in ihre eigene Sprache. Und die islamische Welt schweigt dazu und widerspricht dem nicht. Das aber
heißt, dass es eine gesetzliche Erlaubnis dazu geben muss, weshalb man denn dazu schweigt..."
Antwort:
Bei diesem Vergleich gibt es einen so offensichtlichen Unterschied, dass kein mit einem Bewusstsein begabtes Wesen derartige Dinge in irgendeiner Weise miteinander vergleichen oder nachahmen könnte. Denn das Land der Ausländer wird nach islamischer Terminologie als "offenes Land" (Daru-l'harb)deklariert. In einem solch "offenen Land" können viele Dinge erlaubt sein, die in einem "befriedeten Land" (Diyar-i Islam)ungesetzlich sind.
Darüber hinaus sind die fränkischen Lande der Herrschaftsbereich der allerchristlichsten Majestäten. Da dies nicht die Umgebung ist, in der der Geist des Gesetzes und die heilige Sprache ganz allgemein in wortloser Weise (lisan-i hal)zum Ausdruck gebracht, übermittelt, spürbar gemacht werden kann, musste man notwendigerweise die heilige Bedeutung den heiligen Worten vorziehen. Um dieser Bedeutung willen hat man schließlich auf die Worte verzichtet. So hat man denn das kleinere Übel (ehven-us sherr)gewählt. Handelt es sich aber statt dessen um ein Daru-l'Islam, so unterweist allein schon die Umgebung die Leute des Islam auf nonverbale Weise (lisan-i hal)in der sinngemäßen Zusammenfassung der heiligen Worte. Die islamische Tradition und die islamische Geschichte, alle islamischen Kennzeichen und die Gespräche der Leute des Islam über die Grundpfeiler des Islam lehren die Leute des Glaubens ständig die kurz zusammengefasste Bedeutung der heiligen Worte. In diesem Lande sind neben den Moscheen und Medressen selbst noch die Grabsteine in den Friedhöfen gleich Lehrern, die diese heiligen Inhalte den Leuten des Glaubens einprägen und sie in Erinnerung rufen. Fällt denn etwa ein Mann, der sich selbst einen Muslim nennt und um irgendeines irdischen Vorteils willen, wenn er täglich fünfzig Worte irgendeiner fränkischen Sprache auswendig lernt, dabei aber solch heilige Worte wie "Gepriesen sei Gott! (Subhanallah)","Dank sei Gott! (Elhamdulillah)","Es
gibt keine Gottheit außer Gott. (La Ilaha illallah)"und "Gott ist groß. (Allahu akbar)",die in fünfzig Jahren täglich fünfzig Mal wiederholt werden, nicht lernt und ihre Bedeutung nicht kennt, nicht fünfzig Mal tiefer als ein Tier? Diese Heiligen Worte können nicht für derartige Tiere übersetzt, verfälscht und (aus dem islamischen Wortschatz) gestrichen werden! Sie umzuwandeln und auszustreichen hieße alle Gräber einzuebnen und die Bewohner dieser Gräber, die ob einer solchen Beleidigung zittern, gegen sich aufzubringen.
Die schlechten religiösen Führer (ulema-us Su),die durch die Leute des Unglaubens verführt worden sind, sagen nun, um das Volk zu täuschen, dass Imam A'dham im Gegensatz zu allen anderen Imamen gesagt hat: "Wenn in entfernten Landen die Not es erforderlich macht, ist es für diejenigen, die des Arabischen nicht mächtig sind, keineswegs verboten, an Stelle dessen die Suratu-l'Fatiha auch in persischer Übersetzung zu rezitieren." Wenn das aber so ist, dürfen denn dann nicht auch wir, wenn wir doch auch in Not sind, auf Türkisch beten?...
Antwort:
Gegen ('aks)diese Fetwa des Imam-i A'dham haben die bedeutendsten der führenden Autoritäten, wie auch die zwölf leitenden Imame (der vier Rechtsschulen) eine Fetwa erlassen. Die große Straße (djadd-i kubra)der Islamischen Welt ist die Straße all dieser Imame. Die islamische Gemeinde (umma)in ihrer großen Masse bewegt sich auf dieser Großen Straße (djadd-i kubra).Solche, die sie durch eine andere, besondere, enge Straße leiten wollen, führen sie in die Irre. Diese Fetwa von Imam-i A'dham ist in fünffacher Hinsicht etwas besonderes:
Erstens:
Sie betrifft diejenigen, die weit entfernt von einem islamischen Zentrum leben.
Zweitens:
Es handelt sich um eine echte Notlage
Drittens:
(Diese Fetwa) gilt nur für eine Übersetzung ins Persische, was nach einer Überlieferung zu den Sprachen der Leute des Paradieses gezählt wird.
Viertens:
Diese Ausnahmeregelung wurde ausschließlich
für die Suratu-l'Fatiha erteilt, damit diejenigen, welche die Suratu-l'Fatiha nicht können, nicht deswegen das Gebet unterlassen.
Fünftens:
Eine solche Ausnahmegenehmigung wurde erteilt, um damit einer Begeisterung für den Islam zu entsprechen, welche aus der Kraft des Glaubens erwächst, sodass die heilige Bedeutung auch von den einfachen Leuten verstanden werden konnte. Jedoch das arabische Original aufzugeben für eine bloße Übersetzung, aus einer gewissen Glaubensschwäche heraus, gepaart mit nationalistischen Gedanken und einem Hass auf die arabische Sprache, getrieben von einem destruktiven Bedürfnis, heißt andere zur Aufgabe des Glaubens (dini terk)zu veranlassen!...
Zweiter Hinweis:
Die Leute einer ketzerischen Erneuerung (ehl-i bid'a),welche die Kennzeichen des Islam (shear-i Islamiye)verändern möchten, wollten zunächst von ihren schlechten Gelehrten (ulema-us Su)eine Fetwa erhalten. Sodann haben sie obige Fetwa vorgezeigt, deren Besonderheiten, wir bereits in fünffacher Hinsicht aufgezeigt haben. Zweitens: Die Leute der ketzerischen Erneuerung (ehl-i bid'a)übernahmen nun von den ausländischen Reformatoren folgende unglückselige Idee: Unzufrieden mit der Katholischen Kirche versuchten die Reformatoren (Martin Luther 1517 - A.d.Ü.) eine christliche Erneuerung. Für die Katholische Kirche waren die Reformatoren Ketzer, ähnlich den Mutesiliten. Nach dem Dreißigjährigen Krieg (1648) erhielten die Länder der Reformation ihre Eigenständigkeit. Die Französische Revolution (1789) zerstörte den Kirchenstaat und beraubte die Katholische Kirche ihrer Machtposition. Nun sagen aber heute diese Pseudopatrioten hier, die nur blindlings nachahmen: "Da es nun einmal in der Katholischen Kirche Männer mit Ketzerischen Ideen gegeben hat, aus denen sich dann die Kirchen der Reformation entwickelt haben, die sich nun heute um Verständnis füreinander bemühen, warum sollte es dann nicht auch im Islam eine solche Art Reformation geben?"...
Antwort:
Bei diesem Vergleich ist der Unterschied vergleichsweise größer als im "Ersten Zeichen". Denn in der Religion Jesu wurden nur die Fundamente des Glaubens von Jesus, mit dem der Friede sei, übernommen. Die meisten Grundsätze des sozialen Lebens und die Ausführungsbestimmungen zum Gesetz wurden von seinen Jüngern und Aposteln und den Kirchenvätern geformt. Der größte Teil wurde aus den vorausgegangenen Heiligen Schriften (Taurat, Sebur)entnommen. Da Jesus, mit dem Friede sei, kein weltlicher Herrscher und kein Sultan war und auch nicht die Quelle eines allgemeinen Gesellschaftsrechts, wurden die Fundamente seines Glaubens mit Gewändern allgemeiner Gesetze und des bürgerlichen Rechts von außen umkleidet, wodurch sie verschiedene Formen annahmen und nun als das Gesetz Christi bezeichnet werden. Ändert man diese Form und wechselt man die Kleider, so bleibt doch das Fundament des Glaubens Jesu, mit dem der Friede sei, weiter erhalten. Und so verleugnet (wer sich zu ihm bekennt) Hasret Isa, mit dem der Friede sei, nicht und widerspricht ihm auch nicht.
Denn da der Stolz der Welt, mit dem Friede und Segen sei, der der König beider Welten, der Herr des islamischen Glaubens und Gesetzes ist, und seine Herrschaft den Osten und den Westen, Andalusien und Indien umfasst, zeigte er die Grundsätze des islamischen Glaubens und brachte die Bestimmungen zur Durchführung dieses Glaubens, was selbst noch die allerkleinsten Formen des Verhaltens mit einschließt. Er selbst lehrte sie und befahl sie zugleich. Das heißt: auch die Bestimmungen zu seiner Durchführung gleichen nicht etwa einem Gewand, das man auswechseln kann, wobei dann der ursprüngliche Glaube noch erhalten bleibt. Vielmehr bilden sie zusammen den Leib für die Fundamente des Glaubens oder doch wenigstens deren Haut. Vereinigt und ineinander verwoben kann man sie unmöglich voneinander trennen. Sie voneinander zu trennen, verursacht unmittelbar den
Herrn des Gesetzes zu verleugnen (inkar)oder ihm zu widersprechen (tekzib).
Was die Unterschiede zwischen den einzelnen Rechtsschulen betrifft, so erwachsen sie aus dem unterschiedlichen Verständnis der theoretischen Grundsätze, die der Herr des Gesetzes (sahib-i Schari'a)unterwiesen hat. Was aber die Prinzipien (Muhkemat)betrifft, die als unentbehrlich für den Glauben (zaruriyat-i diniye)betrachtet und nicht mehr verändert werden können, so gelten sie als unverrückbar und sind keiner weiteren Auslegung zugänglich. Wer sie verändert, zieht sich aus dem Glaubensleben zurück und wechselt hinüber in ein Leben entsprechend dem Hadith:
يَمْرُقوُنَ مِنَ الدِّينِ كَمَا يَمْرُقُ السَّهْمُ مِنَ الْقَوْسِ
{"Sie verwerfen denn Glauben wie der Pfeil von der Sehne schwirrt."}
Die Leute der ketzerischen Erneuerung (ehl-i bid'a)und der Gottlosigkeit haben sich eine Ausrede zurechtgelegt, indem sie sagen: "Die französische Revolution war der Auslöser für eine Reihe von Ereignissen in der Geschichte der Menschheit und durch sie erfolgte ein Angriff auf die Priester, Bischöfe und Mönche der Katholischen Kirche, die ihre Kirche war und nun ihre Autorität verlor. Das wurde dann später von vielen gutgeheißen. Und dann erst nahm bei den Franken (also in der westlichen Welt) der Fortschritt seinen Lauf.
Antwort:
Auch bei diesem Vergleich ist genauso wie bei den vorigen Vergleichen der Unterschied offensichtlich: Denn in Frankreich lagen schon seit langem alle Mittel der Herrschaft, ja der Unterdrückung in Händen des Adels und der Herrschenden christlichen Glaubens, und das waren (in Frankreich) die Katholiken, und es war der Adel, der auf diese Weise seinen Einfluss über das einfache Volk ausbreitete. Und da sie alle Mittel der Unterdrückung patriotischer Gesinnung und derer, die im einfachen Volk aufgeklärt waren, der Freidenker und derer, die im Revolutionsrat saßen und den Adel und die Despoten
angriffen, in Händen hielten, hatte es jahrhundertelanger Unruhen und Kämpfe bedurft, um schließlich die alte soziale Ordnung über Bord zu werfen. So glomm denn ein Gefühl tiefster Kränkung und Beleidigung unter dem einfachen Volk und seinen Denkern und mündete in den oben erwähnten historischen Ereignissen.
Es hat jedoch niemand unter den armen, bedauernswerten Menschen und ihren Denkern das Recht, sich über die Religion Mohammeds mit dem Friede und Segen sei, den Islam und sein Gesetz (Schari'a)zu beschweren. Denn es verletzt sie nicht, sondern beschützt sie. Die islamische Geschichte liegt dafür allen offen. Von ein oder zwei Ereignissen abgesehen hat es im Islam kaum jemals einen innerislamischen Religionskrieg gegeben. Wohingegen sich die katholischen Länder und die Länder der Reformation ständig bekriegten.
Des Weiteren war der Islam schon immer der Zufluchtsort der einfachen Leute mehr denn als der der höheren Kreise. Durch die Verpflichtung zum Zekat und das Verbot von Zins und Wucher hat er die Oberschicht nicht zu Diktatoren der einfachen Leute werden lassen, sondern in gewisser Weise zu deren Dienern. So heißt es:
سَيِّدُ الْقَوْمِ خَادِمُهُمْ ٭ خَيْرُ النَّاسِ مَنْ يَنْفَعُ النَّاسَ
{"Der Herr eines Volkes ist sein Diener." "Der beste unter den Menschen ist der ihnen am hilfreichsten ist."}
Des Weiteren heißt es mit den Worten des Weisen Qur'an:
اَفَلاَ تَعْقِلُونَ ٭ اَفَلاَ يَتَدَبَّرُونَ ٭ اَفَلاَ يَتَفَكَّرُونَ
{"Haben sie denn keinen Verstand." (Sure 2, 44) "Warum achtet ihr nicht darauf?" (Sure 4, 82) "Warum denken sie nicht nach?" (Sure 6, 50)}
und fordert so den Verstand (aql)mit heiligen Hinweisen zum Zeugen auf, verwarnt uns, wendet sich an unser Urteilsvermögen und regt zu Untersuchungen an. Dadurch gibt
er den Leuten der Wissenschaft (ehl-i ilim)und den Leuten von Verstand (ashab-i aql)eine besondere Stellung (maqam)im Glauben und eine eigene Bedeutung. Er lehnt nicht wie die (alten) christlichen Kirchen den Verstand ab, bringt seine Wissenschaftler nicht zum Schweigen und fordert von ihnen keine blinde Nachahmung.
Da sich nun Christentum und Islam in ihrer heutigen Form grundsätzlich voneinander unterscheiden und in vielfacher Hinsicht ihre eigenen Wege gehen, nicht so aber das wahre Christentum, ergeben sich daraus die oben erwähnten Unterschiede.
Der entscheidende Punkt aber ist:
Islam ist die wahre Religion der göttlichen Einheit (Tauhid),weshalb er Mittler und Ursachen (neben oder außer Gott) verwirft. Er zerbricht den Egoismus (enaniyet)und errichtet (an seiner Statt) einen reinen Dienst und eine aufrechte Anbetung (ubudiyet).Er zerstört (jegliche Herrschaft) angefangen von der (ganz offensichtlichen) Herrschaft der Seele (nefs)bis hin zu (einer noch so versteckten) Herrschaft und weist sie zurück. Es ist aus diesem Grund, dass ein großer Mensch in gehobener Stellung, wenn er den Glauben vollständig annehmen möchte, unbedingt seinen Egoismus aufgeben muss. Wer von seinem Egoismus nicht ablassen kann, der wird von seiner Glaubenskraft und zum Teil von seinem Glauben selbst ablassen.
Was nun das Christentum heutzutage betrifft, so schreibt es den Mittlern und Ursachen (esbab)eine tatsächliche Wirkung zu, nachdem es einmal das Dogma von der Sohnschaft Gottes angenommen hat. Es kann mit den Egoismus im Namen des Glaubens brechen. Vielmehr verleiht es dem Egoismus eine Heiligkeit, indem (der Papst als Gottes) geheiligter Stellvertreter von Hasret Isa, mit dem der Friede sei, genannt wird. Aus diesem Grunde können christliche Honoratioren in dieser Welt die höchsten Posten einnehmen und dennoch religiös sein. Ja es gibt in der Tat viele wie den früheren amerikanischen
Präsidenten Wilson und den ehemaligen britischen Premierminister Lord George, die genauso fanatisch waren wie ihre Priester. Wer als Muslim zu einer derartigen Stellung aufsteigt, der bleibt selten derart gläubig und standhaft, denn sie können ihren Stolz und ihren Egoismus nicht aufgeben. Was aber wahre Gottesfurcht (taqwa-yi haqiqi)betrifft, so lässt sie sich nicht mit Stolz und Selbstgefälligkeit (gurur ve enaniyet)kombinieren.
So wie denn in der Tat der Fanatismus des christlichen Adels und die Kraftlosigkeit der muslimischen Oberschicht einen bedeutenden Unterschied aufweisen, so zeigt die Tatsache, dass (die heutigen) Philosophen im (ehemals) Christlichen Abendland dem Glauben gleichgültig oder ablehnend gegenüber stehen, während die überwiegende Mehrheit der aus dem Islam hervorgegangenen Denker ihr philosophisches (Lehrgebäude) auf den Fundamenten des Islam aufgebaut haben, wiederum einen solchen bedeutenden Unterschied.
Des Weiteren können gewöhnliche Christen, die ins Gefängnis geraten oder sonst in ein Unglück gestürzt sind, von ihrer Religion im Allgemeinen kaum Hilfe erwarten. Früher verloren die meisten von ihnen ihren Glauben. Ja sogar die gottlosen Jakobiner, diese durch die Geschichte berühmt gewordenen Aufständischen der Französischen Revolution, gehörten zu diesen vom Unglück verfolgten einfachen Leuten. Was jedoch den Islam betrifft, so erwartet die übergroße Mehrheit von denen, die ins Gefängnis geraten oder sonst ein Unglück gestürzt sind, Hilfe aus ihrem Glauben und werden religiös. Auch diese Situation zeigt wiederum einen bedeutenden Unterschied auf.
Dritter Hinweis:
Die Leute der ketzerischen Erneuerung (ehl-i bid'a)sagen: Dieser religiöse Fanatismus hat uns rückschrittlich gemacht. Um in dieser unserer Zeit leben zu können, muss man diesen Fanatismus aufgeben. Ist Europa nicht ein fortschrittliches (Land) geworden, nachdem es seinen Fanatismus aufgegeben hat?
Antwort:
Ihr irrt euch und man hat euch getäuscht! Oder ihr täuscht euch deshalb, weil Europa am Glauben festhält. Sage doch einmal einem ganz gewöhnlichen Bulgaren oder einem englischen Soldaten oder irgendeinem dahergelaufenen Franzosen: "Setze einen Turban auf oder ich werde dich ins Gefängnis werfen!", und seine Bindung an den (christlichen) Glauben wird ihn zu der Antwort zwingen: "Nicht das Gefängnis, ja noch nicht einmal der Tod kann mich dazu veranlassen, meinen Glauben und mein Volk zu verraten!". (Eine Anspielung auf die damaligen Bekleidungsvorschriften in der Türkei. - A.d.Ü.)
Darüber hinaus bezeugt die Geschichte, dass wann immer die islamischen Völker an ihrem Glauben festhielten, sie auch in ihrer Stärke vorangeschritten sind. Und wann immer sie ihn in ihrer Schwäche vernachlässigt haben, hat es (eine Periode des) Verfalls gegeben. Im Christentum ist aber das Gegenteil der Fall. Auch das erwächst aus einem fundamentalen Unterschied.
Des Weiteren lässt sich der Islam nicht mit anderen Religionen vergleichen. Wenn ein Muslim den Islam aufgibt und seinen Glauben vernachlässigt, so kann er keinen anderen Propheten mehr anerkennen, ja noch nicht einmal (die Existenz) eines allmächtigen Gottes annehmen, und vielleicht ist ihm danach gar nichts mehr heilig. Ja vielleicht ist ihm noch nicht einmal mehr sein Gewissen (vidjdan)die Quelle eigener Vollkommenheit und so verdirbt es denn auch. Deswegen hat in den Augen des Islam auch der sich offen für ungläubig erklärt ein Recht auf sein Leben. Ist er im Ausland und schließt er Frieden, oder aber ist er im Inland und bezahlt seine Steuer (djizye),so ist auch sein Leben nach islamischem (Recht) geschützt. Nur der Apostat hat kein Recht auf sein Leben, denn sein Gewissen (vidjdan)ist bereits verdorben und wird so zu Gift für das gesellschaftliche Leben. Dementgegen kann ein Christ auch dann noch für ein soziales Gemeinschaftsleben nützlich bleiben, nachdem er seinen Glauben bereits
verloren hat. Es können für ihn (auch weiterhin) einige Dinge heilig sein. Er kann an einige (Persönlichkeiten als) Propheten glauben. Er kann auf seine Weise (die Existenz) eines allmächtigen Gottes bestätigen.
Ich möchte gerne wissen, welchen Vorteil diese Leute ketzerischer Erneuerung (ehl-i bid'a),oder genauer gesagt: Gottlosigkeit von ihrer Glaubenslosigkeit haben?... Wenn sie dabei an Regierung und öffentliche Ordnung denken, so ist es noch schwieriger zehn glaubenslose Anarchisten zu regieren, die keinen Gott kennen und sich von ihrer Bosheit zu wehren, als tausend Leute des Glaubens zu regieren. Wenn sie an Fortschritt denken, so sind religionslose Leute wie diese ein Hindernis für den Fortschritt, genauso wie sie zum Schaden sind für Regierung und Verwaltung. Sie zerstören die Sicherheit und die öffentliche Ordnung, welche die Grundlage für Fortschritt und Handel sind. In Wahrheit richten sie viel Schaden an durch die Gesinnung, die sie zum Ausdruck bringen. In dieser Welt ist der größte Dummkopf der, der Fortschritt und Glück im Leben von solchen glaubenslosen Anarchisten wie diesen erwartet. Einer dieser Toren, der eine hohe Position besetzt hatte, sagte: "Wir sagten immer nur Allah, Allah und sind dabei rückständig geblieben. Europa aber sagte immerzu: Kanonen und Gewehre, und schreitet dabei stets voran."
Nach dem Grundsatz:
جَوَابُ اْلاَحْمَقِ السُّكُوتُ
{"Die Antwort für einen Toren ist Schweigen." }
ist die Antwort für solche (Leute) das Schweigen. Da aber hinter einigen unter diesen Toren auch einige recht kluge, aber bedauernswerte (Menschen) sich befinden, wollen wir sagen:
Oh ihr Hilflosen! Diese Welt ist ein Gasthaus. Jeden Tag unterzeichnen dreißigtausend Zeugen mit ihren Leichnamen das Urteil: اَلْمَوْتٌ حَقٌ {"Der Tod ist wahr."} und legen für diese Behauptung Zeugnis ab. Könnt ihr den Tod töten? Könnt ihr diesen Zeugen widersprechen?... Da ihr es nicht könnt, lässt der Tod die Menschen "Allah! Allah!" sagen. Welches eurer Gewehre und Kanonen kann auf dem
Sterbebett eines (Menschen) an Gottes statt (Allah! Allah!)die Ewige Finsternis seiner Agonie erleuchten, und seine absolute Verzweiflung in eine vollkommene Hoffnung verwandeln?... Da es nun einmal den Tod gibt und wir einmal ins Grab hinabsteigen werden, weil das Leben vergeht und dann ein beständiges Leben beginnt, wird es notwendig, wenn Gewehre und Kanonen sprechen, tausend Mal "Allah! Allah!"zu sagen. Sollte es dann auf Gottes Wegen sein, wird auch die Kanone (im Ramadan) zum Iftar (am Abend) und zum Imsak (am Morgen) "Allah!"sprechen...
Vierter Hinweis:
Es gibt zwei verschiedene destruktive Gruppen von Ketzern (ehl-i bid'a).
Die erste sagt, als spräche sie im Namen ihres Glaubens und in Treuen zum Islam, als wolle sie den Glauben durch ihren Nationalismus stärken: "Wir wollen den lichtvollen Baum der Religion im Boden unseres nationalen Glaubens wieder neu einpflanzen, nachdem er schwach geworden ist, und ihm so wieder Kraft geben." So zeigen sie sich selbst in ihrer Haltung an der Seite des Glaubens.
Der zweite Teil sagt im Namen des Volkes und im Interesse des Nationalismus und mit dem Gedanken, den Rassismus zu stärken: "Wir wollen (den Zweig) des Islam in (den Baum) unseres Volkes einpflanzen." und begehen (auf diese Weise) eine Ketzerei.
Zu der ersten Gruppe sagen wir:
Oh ihr hilflosen, schlechten Gelehrten (ulema-us Su),die ihr eure Bezeichnung als "aufrichtige Toren (sadiq ahmaq)"bestätigt, ihr gottvernarrten (medjzub),hirnlosen (aqilsız),vorislamischen (djahil)Sufis! Der Tuba-Baum des Islam, dessen Wurzeln in der Wahrheit des Universums fest verankert sind und der (einem Brombeerstrauch gleich) in den Weiten des Universums neue Wurzeln geschlagen hat, kann nicht in der Erde eines eingebildeten, vergänglichen, exklusiven (hususi),ausschließlichen, negativen... ja eigentlich bodenlosen, hinterhältigen, despotischen und finsteren Rassismus wieder eingepflanzt werden! Ihn dort einpflanzen
zu wollen, ist eine törichte, destruktive und ketzerische Unternehmung.
Zu der zweiten Gruppe von Nationalisten sagen wir:
Oh ihr betrunkenen Pseudopatrioten! Vielleicht hätte ja das vergangene Jahrhundert ein solches Jahrhundert des Nationalismus sein können. Doch dieses Jahrhundert ist kein Jahrhundert des Rassismus. Der Bolschewismus und der Sozialismus überlagern alle Dinge und zerbrechen den rassistischen Gedanken. Das Jahrhundert des Rassismus geht vorüber... Ein ewiger und beständiger Islamnationalismus kann nicht an einen vorübergehenden, schwankenden Rassismus gebunden oder in ihn eingepflanzt werden. Auch könnte man ihn einpflanzen, so würde er doch, so wie er das islamische Volk verdürbe, auch den rassistischen Nationalismus nicht verbessern, ihm nicht zu seinem Fortbestand verhelfen... Und wenn auch eine solche vorübergehende Okulierung Freude bringen und eine vorübergehende Stärke zeigen könnte, so wäre sie doch nur sehr kurzlebig und ihre Folgen gefährlich.
Des Weiteren würde im türkischen Volk eine derartige Spaltung aufbrechen, dass sie in Ewigkeit nicht wieder geheilt werden könnte. Dann aber wird die Stärke des Volkes zunichte werden, da die Macht der Einen die Macht der anderen brechen würde. Befänden sich zwei Berge in zwei Waagschalen einander gegenüber, so könnte ein Gewicht von einem Batman (etwa 8 kg) mit diesen beiden Gewichten spielen, das eine heben und das andere senken.
Nun folgt die Zweite Fragestellung, welche aus zwei Hinweisen besteht. Der "Erste Hinweis" (dieser zweiten Fragestellung) bildet zugleich den "Fünften Hinweis"
Fünfter Hinweis:
Eine ganz kurze Antwort auf eine wichtige Frage.
Frage:
Es gibt zahlreiche authentische Berichte über das Erscheinen des Mehdi, wie er einer zugrunde gehenden Welt am Ende der Zeiten Heilung bringen wird. Jedoch ist unsere gegenwärtige Zeit eine Zeit der Gemeinschaft und nicht die Zeit einer einzelnen Person. Wie genial nun immer eine Persönlichkeit sein mag, selbst wenn
sie den Grad von hundert Genien hätte, so wird sie von der geistigen Körperschaft (shahs-i manevi)besiegt werden, die sich ihr entgegenstellt, wäre sie nicht der Vertreter einer Gemeinschaft, der Repräsentant einer geistigen Körperschaft (shahs-i manevi).Wie sollte er in dieser Zeit, unabhängig davon, wie groß und erhaben auch die Macht seiner Heiligkeit sein möge, eine Welt verbessern können, wenn die menschliche Gesellschaft in einem so gewaltigen Ausmaß verdorben ist?... Selbst wenn alle Werke dieses Mehdi wahre Wundertaten sein sollten, so wären sie doch der göttlichen Weisheit und den Gesetzen der göttlichen Gewohnheit (adetullah)entgegengesetzt. Wir möchten gerne das Geheimnis hinter dieser Frage nach dem Mehdi verstehen.
Antwort:
Gott der Gerechte in Seiner vollkommenen Barmherzigkeit hat immer dann, wenn die islamische Gemeinschaft ins Verderben (fesad)zu geraten drohte, einen Reformator (Muslih),einen Erneuerer (Mudjeddid),einen Exegeten, einen ehrenwerten Kalifen, einen gewaltigen Pol (Qutub-u a'dham),einen vollkommenen Lehrer (Murschid-i ekmel)gesandt, oder andere, gesegnete Persönlichkeiten, die einem Mehdi gleichen, als ein Zeichen dafür, dass Er das islamische Gesetz (Schari'a)in Ewigkeit beschirmen wird. Sie haben das Verderben bereinigt, das Volk wieder auf den rechten Weg geführt und die Religion Ahmeds, mit dem Friede und Segen sei, bewahrt. Da nun einmal Seine Gewohnheit in dieser Weise verläuft, wird Er mit Sicherheit in der Zeit des größten Verderbens am Ende der Zeiten eine lichtvolle Persönlichkeit senden, die sowohl der größte Exeget der Gesetze (Mutschtehid),der größte Erneuerer (Mudjeddid),ein Herrscher (Hâkim)und ein Mehdi sein wird, als einen Lehrer (Murschid)und gewaltigen Pol (Qutub-u a'dham).Diese Persönlichkeit wird aus dem Hause des Propheten kommen. So wie Gott der Gerechte, die Welt zwischen Himmel und Erde mit Wolken füllt und leert und in einem Augenblick den Sturm auf dem Meere stillt und in einer Stunde im Frühling ein Musterbeispiel für den Sommer, und im Sommer in einer Stunde einen Wintersturm hervorbringt, so kann auch der Allmächtige
in Seiner Majestät (Qadir-i Dhu l-Djelal)durch den Mehdi die Finsternis der islamischen Welt zerstreuen. Dies hat Er versprochen. Was Er versprochen hat, wird Er mit Sicherheit auch halten.
Vom Standpunkt der göttlichen Macht aus betrachtet, ist das sehr leicht. Betrachtet man aber (dies alles) aus dem Blickwinkel der Ursachen und der Weisheit des Herrn, so ist es wiederum genauso verständlich und sogar notwendig, dass Denker gefolgert haben, dass selbst dann, wenn dies alles nicht von einem wahren Berichterstatter überliefert worden wäre, es dennoch so geschehen muss. Und so wird es sein. Es ist dies wie folgt:
اَللّٰهُمَّ صَلِّ عَلٰى سَيِّدِنَا مُحَمَّدٍ وَعَلٰٓى اٰلِ سَيِّدِنَا مُحَمَّدٍ كَمَا صَلَّيْتَ عَلٰٓى اِبْرَاهِيمَ وَعَلٰٓى اٰلِ اِبْرَاهِيمَ فِى الْعَالَمِينَ اِنَّكَ حَمِيدٌ مَجِيدٌ
{"Oh Gott segne unseren Herrn Mohammed und die Familie unsres Herrn Mohammed, so wie Du Abraham und die Familie Abrahams gesegnet hast in allen Welten. Denn Du bis allen Lobes und Ruhmes würdig."}
Dies ist das Gebet (dua),das täglich fünf Mal, das heißt bei allen Gebeten (namaz)von allen islamischen Gemeinschaften wiederholt und (von Gott) offensichtlich angenommen wird. Denn so wie die Familie Abrahams, mit dem der Friede sei, hat auch die Familie Mohammeds, mit dem Friede und Segen sei, eine solche Bedeutung erlangt, dass (eine Schar) lichtvoller Persönlichkeiten bei allen Versammlungen an allen Orten und in allen Jahrhunderten als Kommandanten an der Spitze aller gesegneten Ketten (= die Silsilahder Meister aller islamischen Orden) dienen.
{(*): Seyyid Ahmed as-Sunusi, um auch nur einen von ihnen zu nennen, war Kommandant von Millionen von Schülern (Murids). Auch Seyyid Idris war ein anderer von ihnen, der mehr als hunderttausend Muslime befehligte. Wieder ein anderer Seyyid, der Seyyid Yahya, kommandierte einige hunderttausend Mann, usw. So wie es unter den Angehörigen des Stammes der Seyyid viele offensichtliche Helden gab, so gab es unter diesen Helden auch solche Helden des Geistes, wie Seyyid Abdulqadir-i Geylani, Seyyid Abu-l'Hassan esch-Schaseli und Seyyid Ahmed Bedewi.}
Sie sind so zahlreich, dass alle diese Kommandanten insgesamt ein gewaltig großes Heer bilden. (Könnten sie alle zusammen kommen und) leibliche Gestalt annehmen, sich solidarisch erklären und zu einer Division formieren, und würden sie dann im islamischen Glauben, in Einheit (rabita)verbunden, eine heilige Nation erwecken: die Armee keiner anderen Nation könnte ihr widerstehen!... So ist denn dies die zahlreiche und mächtige Armee der Familie Mohammeds, mit dem der Friede und Segen sei, und das erlesenste Heer von Hasret Mehdi.
Es gibt heute in der Welt in der Tat keine Familie, die sich durch solch eine große Ehre, ein so hohes Ansehen und solchen Adel auszeichnet, wie es vorzüglicher eine Generation nicht gibt, die in ungebrochener Folge und bestens beurkundeter Abstammung so bedeutend und mächtig ist, wie die Linie der Seyyids aus der Familie des Propheten. Seit alten Zeiten sind sie es, die an der Spitze aller Gruppen von Leuten der Wahrheit standen und die angesehensten Führer aller Leute der Vollkommenheit waren. Heutzutage sind sie eine ganze gesegnete Generation, die in ihrer Anzahl bereits die Millionengrenze überschreitet. Mit wachen Sinnen und das Herz voll des Glaubens und der Liebe zu dem Propheten sind sie es, die es weltweit wert sind, durch ihre ehrenwerte Zugehörigkeit hochgeschätzt zu werden. Gewaltige Dinge werden sich ereignen, welche eine solche heilige Macht in dieser gewaltigen Gemeinde wachrufen und sie begeistern werden... Sicherlich wird die hohe Begeisterung, die in dieser gewaltigen Kraft zum Ausdruck kommt, (sich zu einer gewaltigen Bewegung) emporschwingen; dann wird Hasret Mehdi kommen, sie zu leiten und sie auf den
Weg der Wahrheit und Gerechtigkeit führen. Entsprechend der Gewohnheit Gottes (adetullah)und von seiner göttlichen Barmherzigkeit erwarten wir, dass dies so geschehen wird, dass dies so sein wird, so wie nach diesem Winter der Frühling kommen wird; und wir tun recht daran, dies zu erwarten...
Der Zweite Hinweis, der zugleich den "Sechsten Hinweis" bildet:
Die erleuchtete Gemeinschaft des Mehdi wird die ketzerische (bid'a),durch Sufyans Komitee verdorbene Verfassung wiederherstellen, die anerkannte Tradition (Sünnet-i seniye)wieder beleben; das heißt, sie wird Sufyans Komitee, das sich darum bemüht, das mohammedanische Gesetz (Scheriat-i Ahmediye)zu zerstören, indem es Mohammeds Prophetenamt in der islamischen Welt leugnet, mit dem wundertätigen Schwert des Geistes in der Hand der Gemeinschaft des Hasret Mehdi richten und zerschlagen.
Außerdem wird eine Gemeinschaft unter der Bezeichnung einer zu Opfer und Verteidigung bereiten christlichen Gemeinde und würdig des Titels "Muslimische Christen", die sich darum bemüht, die wahre Lehre Jesu Christi mit der Lehre des Islam in Übereinstimmung zu bringen, Deddjals Komitee, das die Kultur und alles, was den Menschen heilig ist, zu Grunde gerichtet hat, in der Absicht, Gott unter den Menschen zu verleugnen, unter der Führung von Hasret Isa, mit dem der Friede sei, richten und zerschlagen und so die Menschheit vor der Verleugnung Gottes retten.
Dieses Geheimnis zu erklären ist sehr langwierig. Da ich es aber an anderen Stellen schon ein wenig beschrieben habe, begnüge ich mich hier mit diesem kurzen Hinweis.
Dritte Fragestellung
Siebenter Hinweis:
Frage: Sie sagen: "Deine Verteidigung und dein Kampf für den Islam, so wie du ihn in alten Zeiten geführt hast, entspricht nicht deiner heutigen Art und Weise. Du verhältst dich auch nicht in der Weise wie die Denker, die den Islam gegenüber Europa verteidigen.
Warum hast du die Methoden des Alten Said verändert? Warum verhältst du dich nicht in der Art der geistigen Kämpfer für den Islam?
Antwort:
Der Alte Said und einige Denker akzeptierten einige Grundsätze menschlicher (= weltlicher) Philosophie und europäischer Weisheit und stellten sich ihnen mit deren eigenen Waffen entgegen. Sie akzeptierten sie teilweise. Sie blieben einigen ihrer Grundsätze in Form der positiven (Natur)wissenschaften unerschütterlich treu und konnten daher den wahren Wert des Islam nicht aufzeigen. Es war ganz einfach so, als wollten sie die Zweige ihrer Weisheit (und Wissenschaft), deren Wurzeln sie für sehr tief hielten, in den (Baum des) Islam einpflanzen, als wollten sie ihn damit stärken. Da aber diese Methode nur wenige Siege erbrachte und den Wert des Islam in gewisser Weise verminderte, gab ich diesen Weg (meslek)wieder auf. Und ich habe in der Tat nachgewiesen, dass die Grundsätze des Islam so tief hinunter führen, dass selbst die tiefsten Grundsätze der (westlichen) Philosophie sie nicht erreichen können, vielmehr an der Oberfläche bleiben. Das Dreißigste Wort, der Vierundzwanzigste Brief und auch das Neunundzwanzigste Wort haben diese Tatsache anhand von Zeugnissen bewiesen. Auf dem alten Weg galt Philosophie als tiefschürfend und die Grundsätze des Islam als nur oberflächlich. Man dachte, dass der Islam durch eine Okulierung mit den Zweigen der Philosophie überdauern und überleben werde. Was sind aber in Wirklichkeit die Grundsätze (westlicher) Philosophie, dass sie die (des Islam) erreichen könnten!..
سُبْحَانَكَ لاَعِلْمَ لَنَآ اِلاَّ مَاعَلَّمْتَنَآ اِنَّكَ اَنْتَ الْعَلِيمُ الْحَكِيمُ ٭ وَقَالُو الْحَمْدُ لِلّٰهِ الَّذِى هَدٰينَا لِهٰذَا وَمَا كُنَّا لِنَهْتَدِىَ لَوْلآَ اَنْ هَدٰينَا اللّٰهُ لَقَدْ جَاءَتْ رُسُلُ رَبِّنَا بِالْحَقِّ
اَللّٰهُمَّ صَلِّ عَلٰى سَيِّدِنَا مُحَمَّدٍ وَعَلٰٓى اٰلِ سَيِّدِنَا مُحَمَّدٍ كَمَا صَلَّيْتَ عَلٰى سَيِّدِنَآ اِبْرَاهِيمَ وَعَلٰٓى اٰلِ اِبْرَاهِيمَ فِى الْعَالَمِينَ اِنَّكَ حَمِيدٌ مَجِيدٌ
{"Gepriesen seist Du. Wir haben kein Wissen außer dem, das Du uns gelehrt hast. Du bist der Allwissende und der Allweise." (Sure 2, 32) "Dank sei Gott, der uns bis hierher geführt hat. Wir hätten keine Rechtleitung finden können, hätte nicht Gott selbst uns geführt. In der Tat sind die Propheten zu uns gekommen mit der Wahrheit." (Sure 7, 43) "Oh Gott segne unseren Herrn Mohammed und die Familie unsres Herrn Mohammed, so wie Du Abraham und die Familie Abrahams gesegnet hast in allen Welten. Denn Du bist allen Lobes und Ruhmes würdig."}
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Das Achte Kapitel
Die Acht Hinweise
Dieses Kapitel enthält acht kleine Abschnitte. Die Grundlage dieser Hinweise ist die symmetrische Übereinstimmung, welche ein wichtiges Prinzip der Zahlensymbolik (ilm-i djfr),ein wichtiger Schlüssel hermeneutischen Wissens und ein wichtiger Zugang zu einem Teil der tiefen Geheimnisse des Qur'an ist. Es ist hier nicht mit eingeschlossen, weil es einmal in einer separaten Ausgabe erscheinen soll.
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Das Neunte Kapitel
Neun Andeutungen
بِسْمِ اللّٰهِ الرَّحْمٰنِ الرَّحِيمِ ٭ اَلآَ اِنَّ اَوْلِيَآءَ اللّٰهِ لاَ خَوْفٌ عَلَيْهِمْ وَلاَ هُمْ يَحْزَنوُنَ
{"Im Namen Gottes, des Erbarmers, des Allbarmherzigen" "Siehe, für die Freunde Gottes gibt es weder Angst, noch werden sie traurig sein." (Sure 10, 62)}
Dieses Kapitel enthält neun Andeutungen und handelt von den Wegen der Gottesfreundschaft.
Erste Andeutung:
Es gibt unter der Bezeichnung "Mystik (tasavvuf)","Orden (tariqat)","Gottesfreundschaft (velayet)","Heiligkeit" und "spirituelle Reise" eine Heilige Wahrheit, die lieblich, voller Licht, voller Freude und vom Geist erfüllt ist. Diese heilige Wahrheit wurde von den Forschern unter den Leuten der meditativen Wahrnehmung und geistigen Entdeckung (ehl-i zevk ve keshf)in Tausenden von Büchern und Bänden verkündigt, unterwiesen und dargestellt. So haben sie diese Wahrheit der Gemeinde (umma)und auch uns mitgeteilt.
جَزَاهُمُ اللّٰهُ خَيْرًا كَثِيرًا
{Möge Gott sie dafür mit allem Guten reichlich entlohnen!}
Und auch wir wollen unter manchen bedrängenden Umständen heutiger Zeit aus dem weiten Ozean einige Tropfen, ja nur ein paar Spritzer, zur Darstellung bringen.
Frage:
Was ist ein Orden?
Antwort:
Ziel und Zweck eines Ordens ist das Wissen um Gott und die Entfaltung der Glaubenswahrheiten durch eine innere Reise, unternommen mit den Füßen
des Herzens und im Schatten der Himmelfahrt Mohammeds, mit dem der Friede sei, um die Wahrheiten des Glaubens und des Qur'an durch Erleuchtung, in gewissen Stadien und teilweise durch eigenes Zeugnis. Dies ist ein erhabenes Geheimnis der Menschheit und menschlicher Vollkommenheit und wird "Orden (tariqat)"oder auch "Mystik (tasavvuf)"genannt.
Da der Mensch in der Tat ein umfassendes Inhaltsverzeichnis des Universums ist, ähnelt sein Herz einer inneren Landkarte von Tausenden von Welten. Denn so wie die zahllosen menschlichen Wissenschaften und Wissensgebiete zeigen, dass das Gehirn im menschlichen Schädel eine Art geistiges Zentrum des Universums ist, so wie ein Telefon oder Fernschreiber für unzählige Leitungen, so zeigen auch Millionen erleuchtender Bücher, geschrieben von unzähligen Heiligen, dass das menschliche Herz in seinem Kern und Wesen der Ort ist, wo sich ungezählte Wahrheiten des Universums manifestieren, ihre Bedeutung und ihre Saat.
So wollte denn der Schöpfer des Herzens sicherlich, da ja das menschliche Herz und Hirn in diesem Zentrum sind und die Glieder eines mächtigen Baumes in Gestalt eines Samenkorns umfassen, in dem Partikel und Bestandteile einer ewigen, majestätischen Maschine, die dem Jenseits angehört, eingeschlossen sind, dass das Herz aus dem Stadium der Möglichkeit in den der Aktualität hinüber gebracht werden solle, ausgearbeitet und entwickelt weden solle und in Tätigkeit versetzt werden solle. Denn genau das war es, was Er getan hat. Da Er dies aber so wollte, wird das Herz sicherlich genauso arbeiten wie der Geist (aqil).Und die wirkungsvollste Art, das Herz in Bewegung zu versetzen, ist die, sich auf dem Weg eines Ordens, der Sprossenleiter der Heiligkeit, durch die Erinnerung an Gott (dhikr)den Glaubenswahrheiten zuzuwenden.
Zweite Andeutung:
Der Schlüssel und das Mittel zu dieser Reise des Herzens und geistigen (ruh)Voranschreitens sind das Gedenken Gottes (dhikr)und die Kontemplation (tefekkur).
Die Tugenden, die daraus erwachsen, sind zu zahlreich, um sie noch zählen zu können. Neben zahllosen Gnadengaben im Jenseits, menschlichen Vorzügen und Vollkommenheiten, gibt es noch eine kleinere Vergünstigung, die dem Auf und Ab dieser Welt angehört und dies ist Folgendes: Jeder sehnt sich nach Tröstung und sucht nach Vergnügungen, um mit seiner schweren Bürde in den Kämpfen dieses Lebens ein klein wenig Erleichterung zu finden und aufatmen zu können. Ein jeder sucht nach ein wenig Geborgenheit, um die Einsamkeit zu vertreiben. Die sozialen Veranstaltungen im bürgerlichen Leben verhelfen zu einer Art von zeitweiliger, jedoch gottvergessener, trunkener Familiarität, Vertrautheit und Geborgenheit für ein oder zwei unter zehn Leuten. Jedoch achtzig Prozent leben ein einsames Leben auf den Bergen und in den Tälern, oder werden an entfernte Plätze getrieben, um sich ihren Lebensunterhalt verdienen zu können, oder Umstände wie die Wechselfälle des Lebens und das Alter lassen sie an das Jenseits denken. Sie sind der Geborgenheit in einer menschlichen Gruppe beraubt. Dieser Zustand bietet ihnen keine Geborgenheit und keine Tröstung.
So liegt denn der wahre Trost, alle Geborgenheit, Lieblichkeit und Frohsinn eines solchen Menschen, der sich an so weit entfernten Orten, abgelegenen Bergen und trostlosen Tälern befindet, im Gedenken Gottes (dhikr)und in der Kontemplation (fikir),die das Herz in Bewegung versetzen. Er wendet sich dem Herzen zu, gedenkt Gottes (wenn er "Allah!"ruft), findet die Geborgenheit im eigenen Herzen. Und in dieser Geborgenheit bedenkt er die Dinge um sich herum, die ihn feindselig betrachten, so als wollten sie über seine Geborgenheit lachen und so sagt er: "Dieser, mein Schöpfer, an den ich stets denke, hat hier an meinem Platz der Einsamkeit, wie auch sonst überall, unzählige Diener. Ich bin nicht allein. Einsamkeit ist ohne jede Bedeutung." Aus seinem Leben im Glauben empfängt er die Freude einer Geborgenheit. Nun erst versteht
er, was Glück im Leben wahrhaft bedeutet. Und so dankt er Gott.
Dritte Andeutung:
Freundschaft mit Gott (velayet)ist ein Zeugnis Seiner Botschaft (Risalah).Denn die Gottesfreundschaft sieht und bestätigt die Wahrheit des Glaubens, die die Botschaft (Risalah)verkündet hat, in einer Art Zeugnis des Herzens (shuhud-u qalb)und der meditativen Wahrnehmung (zevk-i ruh)im Grade augenscheinlicher Gewissheit (ayne l-yaqien).Ihre Bestätigung ist ein sicheres Zeugnis für die Wahrheit der Botschaft. Der Orden ist ein Beweis der Schari'a. Durch meditative Wahrnehmung (zevk)und geistige Entdeckung (keshf)und durch den Segen und die Wirkung, die von ihnen ausgehen, ist der Orden (= der Sufi-Weg) ein klarer Beweis der Wahrheit der Gesetze, die die Schari'a unterweist, und auch dafür, dass diese Gesetze der Schari'a wahr sind und aus der Wahrheit kommen. So wie die Gottesfreundschaft und der Orden (velayet ve tariqat= die Heiligkeit eines Sufis und sein Weg) in der Tat Zeugnis und Beweis der Botschaft (Gottes und Seines Gesetzes) und der Schari'a sind, so sind sie auch das Geheimnis der Vollkommenheit des Islam und die Quelle seines Lichtes und durch den Islam ein Mittel für die Entwicklung und eine Quelle für die seelische Entfaltung der Menschen.
Nun aber versuchen trotz der großen Bedeutung dieses gewaltigen Geheimnisses einige Gruppen von Irrenden gerade dies leugnen zu wollen. Sie sind seines Lichtes beraubt geblieben und zugleich auch die Ursache dafür geworden, dass auch andere beraubt wurden. Quelle des höchsten Bedauerns aber ist Folgendes: Ein Teil fundamentalistischer Gelehrter (zahiri ulema)unter den Leuten von Tradition und Gemeinschaft (Sunna ve Djemaat)und ein Teil der ihnen zugehörigen, gottvergessenen Leute unter den Politikern, bemühen sich einige Missbräuche und Fehler, die sie unter den Sufis bemerkt haben, als Vorwand dafür zu gebrauchen, um diese gewaltige Schatzkammer zu schließen oder gar zu zerstören und so diesen Brunnen von Kauthar, aus dem das Wasser des Lebens strömt,
trocken zu legen. Es gibt jedoch einige wenige Dinge, Wege und Pfade, die in jeder Hinsicht gut und fehlerfrei sind. Es gibt aber auch einige Fehler und Missbräuche. Denn wo inkompetente (Leute) erst einmal in eine Sache einsteigen, dort machen sie auch mit Sicherheit Missbrauch von ihr. Jedoch bei der Abrechnung der Taten im Jenseits zeigt Gott der Gerechte Seine königliche Gerechtigkeit (adalet-i Rabbani)dadurch, dass Er alles Gute und Böse wägt. Das heißt, wenn die guten (Taten) überwiegen und schwer wiegen, so belohnt Er sie und nimmt sie an. Überwiegen aber die schlechten Taten, so bestraft Er sie und weist sie zurück. Das Gleichgewicht zwischen guten und schlechten Taten richtet sich nicht nach der Quantität, sondern nach der Qualität. Und manchmal geschieht es auch, dass eine einzige gute Tat schwerer wiegt als tausend schlechte und dann dahin führt, dass sie vergeben werden.
Da nun einmal die göttliche Gerechtigkeit auf diese Weise richtet und auch die Wahrheit das so als gerecht ansieht, ist es denn offensichtlich, dass die guten Werke eines Ordens, d.h. also eines Ordens im Rahmen der Gelobten Sitten (des Propheten) mit Sicherheit dessen schlechte (Taten) überwiegen, ein Beweis dafür, dass die Ordensleute in Zeiten der Verfolgung durch die Leute des Irrweges ihren Glauben aufrecht erhalten. Ein einziger aufrichtiger Ordensschüler schützt sich besser, als ein oberflächlicher Fundamentalist mit einem bloßen Schulwissen. In der Freude seines Ordenslebens und in seiner Liebe zu den Gottesfreunden, rettet er seinen Glauben. Auf Grund schwerer Verfehlungen (kebair)wird er ein Sünder (fasiq),jedoch kein Ungläubiger. Er wird auch nicht so einfach in die Gottlosigkeit hinabgezogen. Keine Macht kann in seinen Augen die Kette (Silsilah)der Scheichs widerlegen, die er in seiner starken Liebe und mit unerschütterlicher Überzeugung zu Polen (qutub)(seines Lebens) angenommen hat. Und da er sie nicht widerlegen kann, kann auch sein Vertrauen in sie nicht zerstört werden. Und solange
sein Vertrauen unerschütterlich bleibt, kann er nicht in die Gottlosigkeit hinabgezogen werden. Angesichts des Listenreichtums heutiger Atheisten ist es für Leute, die nicht einem Orden verbunden sind und deren Herzen noch nicht in Bewegung gekommen sind, auch wenn sie Forscher und Gelehrte sind, schwierig geworden, sich vollständig zu bewahren.
Aber es gibt da noch etwas anderes: Einige Wege (meshreb),sollten nicht auf Grund der üblen Praktiken solcher verurteilt werden, die zum Teil außerhalb des Islam stehen und außerhalb der Grenzen der Gottesfurcht (daire-i taqwa)liegen. Manche von ihnen haben sich fälschlicherweise selbst den Namen eines Sufi-Ordens umgehängt. Ziemlich abseits der bedeutenden, erhabenen religiösen und spirituellen Ergebnisse der Sufi-Orden, welche die ersten und wirkungsvollsten, begeisterten Mittel der Entwicklung und Verbreitung von Bruderschaft (uhuvvet)und ein heiliges Band innerhalb der islamischen Welt sind, sind sie also eine der drei wichtigsten, nicht zu erschütternden Eckpfeiler des Islam gegen die furchtbaren Angriffe der Welt des Unglaubens und die "christliche" Politik und ihre Angriffe, um das Licht des Islam auszulöschen. Was Istanbul, Sitz des Kalifats für 550 Jahre gegen die gesamte christliche Welt aufrecht hielt, war das Licht des Glaubens an den einen Gott (Tauhid),das fünfhundert Plätzen in Istanbul entströmte, und die Stärke des Glaubens derer, die in ihren Klöstern hinter den Moscheen "Allah! Allah!" rezitierten, ein starker Stützpunkt für die Leute des Glaubens in diesem Zentrum des Islam und ihrer geistigen Liebe, die ihnen aus ihrem Wissen um Gott und dem glühenden Eifer ihrer Gebete erwächst.
Oh ihr unverständigen Pseudopatrioten und falschen Nationalisten! Welches Übel der Sufi-Orden könnte all das Gute im Leben eurer Gesellschaft zunichte machen? Nun sagt selbst!?
Vierte Andeutung:
Obwohl der Weg zur Heiligkeit (meslek-i velayet)so leicht ist, ist er doch ziemlich schwierig. Obwohl er so
kurz ist, ist er doch so lang. Obwohl er so kostbar ist, ist er doch zugleich auch so gefährlich. Obwohl er so breit ist, ist er doch so eng.
So ist es denn aus diesem Grund, dass Einige, die auf diesem Pfade reisen, unterwegs ertrinken, andere erleiden irgendeinen anderen Schaden oder stürzen in ein Unglück, andere kehren zurück und bringen dann wieder Andere auf Abwege.
Zum Beispiel:
Im Sufi-Orden gibt es zwei Wege unter der Bezeichnung: Reise nach innen (enfusi)und Reise nach außen (afaki).
Der erste Weg (meshreb)ist der Weg nach innen (enfusi).Er beginnt in der eigenen Seele (nefs),zieht die Sinne ab von der äußeren Welt (afaki)und richtet sie in das eigene Herz. So durchbohrt er den Egoismus (enaniyet),öffnet einen Weg zum Herzen und findet dort zur Wahrheit. Von dort führt er wieder nach außen zum Horizont (afaki)und (unser Reisender) erblickt das Licht. Nun schließt er die Reise schnell ab. Die im inneren Kreis (enfusi)erschaute Welt erblickt er nun im größeren Maßstab in der Außenwelt. Die meisten stillen, geheimen Sufi-Orden (turuk-u hafiye),folgen diesem stillen, inneren Weg. Die wichtigste Voraussetzung dafür ist, das Ego zu brechen, die Leidenschaften (heva)aufzugeben und ihre (eigenwillige) Seele (nefs)zu töten.
Der zweite Weg (meshreb)beginnt in der Außenwelt (afaki),betrachtet die Widerspiegelung der Namen und Eigenschaften Gottes über dem großen Bereich Seines Gartens und dann betritt (auch hier der Reisende) schließlich den inneren Bereich (der Seele, nefs = enfusi).Dort beobachtet er dann diese Lichter in einem kleineren Maßstab im Bereich seines Herzens und öffnet den kürzesten Weg zu ihnen. So sieht das Herz den Unwandelbaren (Samad)in einem Spiegel und vereinigt sich mit dem Ziel, das er gesucht hat.
Wenn also Leute, die auf dem ersten Weg reisen, keinen Erfolg darin haben, ihre eigenwillige Seele (nefs-i emmare)zu töten, und wenn sie ihre Leidenschaften (heva)nicht aufgeben und das
Ego zerbrechen können, so fallen sie aus dem Rang der Dankbarkeit (shukur)auf die Stufe der Überheblichkeit (fakhr)und von der Stufe der Überheblichkeit (fakhr)hinunter auf die der Selbstgefälligkeit (gurur).Wenn eine solche Person eine Ergriffenheit erlebt, die aus ihrer Liebe (muhabbet)erwächst, und eine Art Rauschzustand, der aus dieser Ergriffenheit kommt, so ergeben sich für sie daraus so hochgesteckte Ansprüche, die bei weitem ihre Grenzen überschreiten, verbunden mit Äußerungen von höchster Ekstase, was sowohl ihr selbst Schaden zufügt, als auch zur Ursache eines solchen Schadens für andere wird.
Wenn zum Beispiel ein Leutnant vor Begeisterung über seine eigene Kommandostellung stolz wird und schon sich selbst für einen Feldmarschall hält, und seinen kleinen Einflussbereich mit einem universellen verwechselt, so wird er zur Ursache einer Sonne, die in einem kleinen Spiegelchen erscheint und sich nun mit der Sonne verwechselt, die in gewisser Hinsicht durch einen Aspekt der Ähnlichkeit in all ihrem Glanz im Meeresspiegel sichtbar wird.
In gleicher Weise gibt es unter den Leuten der Gottesfreundschaft (ehl-i velayet)viele, die sich für größer halten als andere, die in Wirklichkeit im Verhältnis eines Fasans zu einer Fliege größer sind als sie, die sich selbst auch in dieser Weise betrachten und fest davon überzeugt sind, dass sie recht haben. Ich habe selbst einmal jemanden gesehen, dessen Herz gerade eben erst erwacht war und der gerade eben erst ganz von Ferne in sich selbst das Geheimnis der Gottesfreundschaft verspürte und nun sich selbst für einen gewaltigen Pol (qutub-u a'dham)hielt und sich auch dementsprechend aufführte. Ich habe zu ihm gesagt: "Mein Bruder, so wie die Gesetze eines Königreichs vom ersten Minister bis zum letzten Abteilungsleiter verschiedene Formen annehmen und mal mehr oder weniger umfangreich sein können, so gibt es auch für die Pole und Gottesfreunde solche verschiedenartige Gebiete und Wahrnehmungsbereiche. Und jede Stufe (maqam)hat ihre
eigenen Schattenseiten und viele verschiedene dunkle Bereiche. Du hast nun die gewaltige Erscheinungsform eines Qutub, entsprechend der eines Ministers gesehen. Und du hast diese Erscheinungsform von deinem eigenen Bereich aus, der dem eines Abteilungsleiters entspricht, wahrgenommen und dich dabei getäuscht. Was du gesehen hast, war zwar richtig, nur dein Urteil darüber war falsch. Für eine Fliege ist eine Tasse mit Wasser wie ein Swimmingpool (deniz)."Dieser Mann kam über meiner Antwort mit Gottes Hilfe zur Besinnung und wurde vor einem Abgrund gerettet.
So habe ich auch einige Leute gesehen, die sich selbst für eine Art Mehdi gehalten haben und die auch sagten: "Ich werde einmal der Mehdi sein." Diese Leute sind keine Lügner und Betrüger. Sie sind selbst Betrogene. Sie glauben, das, was sie da sehen, sei die Wirklichkeit. So wie es bei den Erscheinungen der Namen Gottes von den Sphären des gewaltigen Thrones bis hinab zu den Atomen verschiedene Abstufungen gibt und auch die Orte ihrer Manifestationen sich dementsprechend voneinander unterscheiden, so unterscheiden sich auch die verschiedenen Stufen der Gottesfreundschaft, die aus der unterschiedlichen Art, wie diese Namen Gottes empfangen werden, voneinander.
So ist denn der wichtigste Grund für diese Verwirrung folgender:
Auf einigen Stufen (maqam)der Gottesfreundschaft finden sich auch die Charakteristika der Aufgaben (vazifah)des Mehdi oder es besteht eine besondere Beziehung mit dem gewaltigen Pol (qutub-u a'dham)oder mit Khidr. Es gibt auch einige Stufen, die mit besonders bekannten Persönlichkeiten verbunden sind. Tatsächlich werden diese Stufen "maqam-i Khidr", "maqam-i Uvays"oder "maqam-i Mehdiyet"genannt.
Es geschieht aus diesem Geheimnis heraus, dass (Menschen), die diese Stufe erlangt haben, oder doch eine andere Stufe, die dieser Stufe oder doch wenigstens ihrem Schatten ähnlich sieht, glauben, sie seien selbst
diese berühmte Persönlichkeit, die mit dieser Stufe verbunden ist. Sie verstehen sich als Khidr, oder glauben der Mehdi zu sein, oder stellen sich vor, der gewaltige Pol zu sein. Wenn ein solcher Mensch kein Ego hat, das nach Rang und Ansehen (hubb-u djah)verlangt, so wird er von diesem Zustand nicht gefangen genommen. Seine exzessiven Höhenflüge werden als die Äußerungen eines Ekstatikers bewertet. Er ist für sie vielleicht noch nicht einmal verantwortlich. Wenn sein Ego jedoch sich vielleicht versteckt nach Ruhm und Ansehen gesehnt hat (hubb-u djah),so wird (dieser Mensch) von seinem Ego (enaniyet)besiegt, unterlässt es, zu danken (shukur),wird stolz (fakhr),fällt von seinem Stolz Schritt um Schritt herab bis zur Selbstgefälligkeit (gurur).So verfällt er schließlich dem (religiösen) Wahnsinn, oder irrt vom rechten Wege ab. Denn er stellt sich die großen Heiligen als Seinesgleichen vor und verliert am Ende all seinen Respekt und seine gute Meinung über sie. Denn in dem Maße, in dem sich die Seele (nefs)in ihrem Stolz erhebt, erkennt sie selbst auch ihre eigenen Fehler. Er vergleicht diese großen Persönlichkeiten mit sich selbst und hält sie für fehlerhaft. Ja sogar sein Respekt vor den Propheten schwindet.
So ist es denn für solche, die in einen derartigen Zustand (hal)hineingeraten sind, notwendig, sich nach der Waage des Gesetzes (Schari'a)auszurichten und die Regeln der Gelehrten und Kenner der Vorschriften des Glaubens (usul-ud Din)als Richtschnur und die Anweisungen der Gelehrten unter den Heiligen, wie Imam Ghasali und Imam-i Rabbani als Wegweiser zu befolgen. Sie sollten ständig ihre eigene Seele (nefs)anklagen und ihren Seelen nichts anderes zuschreiben als ihre Fehler, ihre Unfähigkeit und ihre Armseligkeit. Alle ekstatischen Äußerungen auf diesem Weg entstehen aus der Eigenliebe (hubb-u nefis),denn das Auge der Liebe erkennt keine Fehler. Da ein solcher Mensch sich selbst liebt, glaubt er, dass dieses fehlerhafte, wertlose Stückchen Glas ein Diamant oder sonst ein Edelstein sein müsse. Der gefährlichste Fehler unter diesen ist der,
dass er sich vorstellt, diese Art Meinungen und Ansichten, die zuweilen wie Eingebungen (ilham)in seinem Herzen auftauchen, seien "Gottes Wort und Wunderzeichen" (Kelamullah ve Ayat).Daraus erwächst eine Respektlosigkeit gegenüber der Offenbarung Gottes in all ihrer Erhabenheit und Heiligkeit. Nun sind in der Tat alle Eingebungen (ilham)von den Eingebungen der Biene und anderer Tiere bis zu den Eingebungen gewöhnlicher Leute und der geistlichen Elite, den Eingebungen einfacher Engel bis zu den (Engeln nahe dem Throne Gottes) Cherubim eine Art Wort des Herrn. Doch sie sind Wort des Herrn in der Übereinstimmung mit der Fähigkeit des Empfängers und seiner individuellen Stufe (maqam),wie sie gleich Funken in verschiedenen Formen der Ansprache des Herrn durch siebzigtausend Schleier zu uns hindurchdringen.
Jedoch solche Eingebungen mit derart besonderen Ausdrücken wie "Vahiy"(Offenbarung), "Kelamullah"(Wort Gottes) oder "Ayat"(Wunderzeichen) zu bezeichnen, wie sie nur den Sternen des Qur'an zukommen, dem klarsten und konkretesten Beispiel für Gottes Wort, ist völlig falsch. Wie bereits im Zwölften, Fünfundzwanzigsten und Einunddreißigsten Wort erklärt und bewiesen wurde, ist, was immer nun die Beziehung dieses kleinen, trüben und verschleierten Bildes der Sonne, wie es in dem gefärbten Spiegel in deiner Hand erscheint, mit der Sonne am Himmel sein mag, vergleichbar mit der Eingebung in den Herzen derer, welche die obigen Ansprüche erheben und den Ayat der Sonne des Qur'an, welche das unmittelbare Wort Gottes ist. Wenn man sagt, dass die Abbilder der Sonne in allen Spiegeln erscheinen und mit ihr in Beziehung stehen, so wäre das richtig. Aber die Erdkugel kann nicht mit den Spiegeln jener winzig kleinen Sonnen verbunden sein und kann nicht durch deren Anziehungskraft gebunden werden!...
Fünfte Andeutung:
Einer der besonders wichtigen Wege im Orden ist die "Einheit im Zeugnis (vahdet-ul vudjud)",welche die "Einheit im Sein (vahdet-us shuhud)"genannt wird. Dieser Weg beschränkt
den Blick auf die Existenz des notwendig Seienden (Vadjibu-l'Vudjudun Vudjuduna)und hält alles andere im Vergleich mit dem, der da notwendigerweise Sein muss, für so schwach und nur schattenhaft in seinem Dasein, dass er es nicht für würdig erachtet, mit dem Ausdruck "Dasein" (vudjud)bezeichnet zu werden. (Auf diesem Weg) wird alles in den Schleier einer (bloßen) Vorstellung (hayal)gewickelt, sodass es auf der Stufe der Aufgabe (und des Loslassens = terk-i masiva maqam)von allem als nichts zählt, ja als gar nicht vorhanden vorgestellt (tasavvur)wird, wobei man letzten Endes so weit geht, den Erscheinungen der Namen Gottes die Gestalt eines nur vorgestellten (hayal)Spiegels zu geben.
So ist denn ein wesentlicher Faktor dieses Weges der, dass durch die Existenz des Notwendig Seienden, die sich mit der Stärke des Glaubens durch eine hohe Gottesfreundschaft im Grade einer wahrhaftigen Gewissheit entfaltet, das Dasein möglicher Wesen in einem Maße heruntergespielt wird, dass außer einer bloßen Vorstellung (hayal)und dem Nichtsein kein Platz in ihren Augen mehr bleibt. Es ist, als ob (dieser Weg) das Universum zu Gunsten des Einen Notwendig Seienden bestreitet.
Aber dieser Weg birgt auch seine Gefahren. Die erste davon ist diese:
Die Anzahl der Pfeiler des Glaubens beträgt sechs. So gibt es Träger des Glaubens wie den Glauben an Gott und den Glauben an den letzten Tag. Was diese Träger des Glaubens betrifft, so erfordern sie die Existenz von Möglichkeiten. Diese fest begründeten Pfeiler des Glaubens können nicht über einer Einbildung errichtet werden. Aus diesem Grunde sollte einer, der diesem Weg folgt und aus dieser Welt der Höhenflüge und der Ekstase wieder in diese unsere nüchterne Welt zurückkehrt, nicht seine neue Einstellung mit sich nehmen und er sollte nicht entsprechend seiner neuen Einstellung handeln.
Darüber hinaus sollte er nicht den Weg des Herzens, der Vorstellungen und meditativen Wahrnehmungen in eine verstandesgemäße, vernunftgemäße, wissenschaftliche Form umgießen, denn die Prinzipien, die zum Bereich
des Verstandes, die Gesetze, die zum Bereich des Wissens gehören und die Wurzeln des Wortes (Theologie), die vom Qur'an und der Sunna des Propheten ausgehen, können ihn auf diesem Weg nicht begleiten; es gibt hier keine Anwendungsmöglichkeiten für sie. Aus diesem Grund finden wir diesen Weg nicht ausdrücklich bei den (vier) rechtgeleiteten Kalifen, den führenden Imamen und Interpreten und den Großen unter den Rechtschaffenen (der ersten beiden Generationen = selef-i salihin).Das heißt, dies ist nicht der Hohe Weg (meshreb)!Vielleicht ist es eine der hohen Straßen; doch hat sie ihre Mängel. Es ist dies ein sehr wichtiger Weg. Aber er ist auch sehr gefährlich. Er ist zwar sehr schwierig; aber er ist zugleich auch sehr befriedigend. Die ihn in Freude wandeln, wollen ihn nicht wieder verlassen. Dank ihrer Selbstzufriedenheit, halten sie (diesen Weg) für die höchste Stufe. Da wir nun aber Grundlage und Natur dieses Weges in dem "Punkt der Botschaft" (Nokta Risalesi)und zum Teil auch in unseren "Worten" (Sözler)und "Briefen" (Mektubat)erklärt haben, wollen wir uns insoweit damit begnügen und hier nun noch einen der bedeutenden Abgründe erklären.
Für die edelsten der Edlen, die den Bereich der Ursachen (daire-i esbab)
verlassen haben und nach dem Geheimnis des Loslassens und der Aufgabe (terk-i masiva)aller Bindungen an die Möglichkeiten (der Schöpfung) in einen Zustand (hal)völliger Auflösung und Einswerdung eingegangen sind, ist dies der Weg der Reinheit (salih).Diesen Weg aber denen, die im (Meer der) Ursachen versunken sind, sich in diese Welt verliebt (ashk)haben und durch ihre materialistische Philosophie (im Sumpf) des Naturalismus stecken geblieben sind, in Form einer Wissenschaft anzubieten, hieße sie in diesem Naturalismus und Materialismus zu ertränken und sie von den Wahrheiten des Islam zu entfremden. Denn der, dessen Blick in Liebe an die Welt und das Reich der Ursachen (daire-i esbab)gefesselt ist, möchte dieser vergänglichen Welt eine Art Beständigkeit verleihen. Er möchte ja seine Geliebte (mahbub)Welt nicht aus seinen
Händen verlieren. Unter dem Vorwand, es handle sich hierbei um die Einheit allen Seins (vahdetu-l'vudjud),stellt er sich ihr (vergängliches) Dasein als Ewiges Sein (baqi vudjud)vor. In Anbetracht dieser Welt als seiner Geliebten und auf Grund dessen, dass er ihr Beständigkeit und Ewigkeit wie einen Besitz zuschreibt, erhebt er sie auf die Stufe seiner Angebeteten (ma'budiyet).So wollen wir denn unsere Zuflucht zu Gott nehmen (na'udhu bi'llah!),aber dies öffnet nun den Weg in den Abgrund der Leugnung Gottes selbst.
In diesem Jahrhundert beherrscht die materialistische Einstellung so weit (alles Denken), dass sie Materie für den Ursprung aller Dinge hält. Wenn in einem solchen Zeitalter die Leute des Glaubens Materie im Grade einer Nichtigkeitserklärung als völlig unbedeutend betrachten und auf diese Weise die Einheit allen Seins (Vahdetu-l'Vudjud)ins Gespräch bringen, so werden vielleicht die Materialisten den Anspruch erheben, zu sagen: "Auch wir behaupten genau das gleiche". Wohingegen doch der Weg, der von allen Wegen dieser Welt derjenige, der von dem der Materialisten und Natur-Anbeter am weitesten entfernte Weg der Weg der Einheit allen Seins ist. Denn die Anhänger dieser Einheit allen Seins messen in der Kraft ihres Glaubens der Existenz Gottes eine solche Bedeutung bei, dass sie (eine tatsächliche Existenz) des Alls und allen Daseins bestreiten. Was aber die Materialisten betrifft, so messen sie allem Sein eine solche Bedeutung bei, dass sie auf Kosten des Universums Gott verleugnen. Wo also sind nun diese (Materialisten) und wo jene (Sufi-Mystiker)?...
Die sechste Andeutung:
Besteht aus drei Punkten.
Erster Punkt:
Unter den Wegen zur Gottesfreundschaft (velayet)besteht der schönste, unmittelbarste, reichste und strahlendste in der Befolgung der Gelobten Sitten (Sunnet-i seniye).Das heißt: bei all seinen Handlungen und in all seinem Verhalten an die Gelobten Sitten zu denken, sie zu befolgen und nachzuahmen und in seinem ganzen Umgang und
bei allen Tätigkeiten an die Gesetze des Islam (ahkam-i schari'a)zu denken und sie sich zur Richtschnur zu nehmen.
Wer ihnen also nun in dieser Weise folgt und ihnen nacheifert, dessen alltägliche Haltung und all seine Handlungen und sein natürlicher Umgang werden zu einem Gottesdienst. Durch diese Befolgung der Tradition und des Gesetzes erinnert ihn jede seiner Taten daran, dass er unter der Herrschaft des Gesetzes steht. Diese Erinnerung lässt ihn an den Herrn des Gesetzes denken. Dieses Denken ruft ihm Gott den Gerechten in Erinnerung. Diese Erinnerung wiederum ruft in ihm eine Gegenwart (hudhur)wach. In diesem Zustand können alle Minuten seines Lebens ständig in dieser Gegenwart als eine Art Gottesdienst gelten. Diese große Straße (djadd-i kubra)ist die Straße der Gefährten (Sahabis)des Propheten und der vorausgegangenen aufrechten Persönlichkeiten (selef-i salihin),welche die Leute des Erbes des Prophetentums sind, das die große Gottesfreundschaft (velayet-i kubra)ist.
Zweiter Punkt:
Der wichtigste Grundsatz auf dem Weg der Gottesfreundschaft und in den verschiedenen Richtungen der Sufi-Orden ist die Wahrhaftigkeit (ikhlas);denn durch die Aufrichtigkeit kann man sich von versteckter (khafi)Abgötterei befreien. Wer diese Wahrhaftigkeit noch nicht erworben hat, kann auch nicht auf dieser Straße fahren. Die mächtigste Kraft auf dieser Straße ist die Liebe (muhabbet).Liebe sucht bei ihrem Geliebten (mahbub)in der Tat nicht nach Schwächen und will seine Fehler nicht sehen. Schwache Hinweise auf die Vollkommenheit des Geliebten sieht sie als starke Beweise an. Immer steht sie auf der Seite ihres Geliebten.
So ist es denn auf Grund dieses Geheimnisses, dass diejenigen, die sich auf den Füßen der Liebe dem Wissen um Gott (marifetullah)zuwenden, Zweifel und Kritik kein Gehör schenken. Sie retten sich leicht (vor ihnen). Sollten sich selbst Tausende von Teufeln versammeln, könnten sie doch in den Augen (eines Liebenden) kein einziges Zeichen der Vollkommenheit seines wahren Geliebten
leugnen. Wäre da keine Liebe, kämpfte er verzweifelt gegen die Kritik seiner eigenen Seele (nefs),seines Teufels und aller Teufel um ihn herum. Er müsste geradezu eine heldenhafte Standhaftigkeit (metanet),Glaubensstärke und Aufmerksamkeit haben, um sich retten zu können.
So ist es denn um dieses Geheimnisses willen, dass die Liebe (muhabbet),die aus dem Wissen um Gott (marifetullah)aufsteigt, auf allen Stufen der Heiligkeit die bedeutendste Hefe und das wichtigste Elixier ist. Aber die Liebe enthält einen Abgrund: sie springt von einem inständigen (Bitten und) Flehen und jener (Demut), Nichtigkeit (und Anspruchslosigkeit), die das Geheimnis der Anbetung ist, zu (einem Seelenzustand, wo sie am liebsten nur noch gebeten werden und nur noch Ansprüche stellen möchte) einer (reinen) Unausgewogenheit in ihrem Handeln. Wenn sie sich allen außergöttlichen Dingen (dieser Welt) zuwendet und dabei von der präpositionalen Bedeutung (der Dinge) zu deren eigentlicher nomineller Bedeutung übergeht, so verwandelt sie sich von einem Heilmittel in ein Gift. Das aber heißt, dass jemand, obwohl er andere Dinge liebt als Gott, dennoch sein Herz um Gottes des Gerechten und um Seines Namens willen und weil sie ja Spiegel Seiner Namen sind, an sie binden sollte. So denkt er denn manchmal an die Objekte seiner Liebe um der Objekte und der ihnen eigenen Vollkommenheit und ihrer essentiellen Schönheit willen. Er liebt sie um ihrer selbst willen. So kann er sie, auch wenn er nicht an Gott und seinen Propheten denkt, dennoch lieben. Diese Liebe ist kein Mittel, um Gott zu lieben. Sie ist ein Schleier vor ihm. Geschieht dies jedoch in ihrer präpositionalen Bedeutung, so geschieht es um der Liebe Gottes willen; ja man kann hier sogar von einer ihrer Manifestationen sprechen.
Dritter Punkt:
Diese Welt ist das Haus der Weisheit, das Haus des Dienstes. Es ist kein Haus der Bezahlung und der Belohnung. Der Sold für hier geleisteten Dienst und hier verrichtete Arbeit liegt im Zwischenreich und im
Jenseits. Die hier geleistete Arbeit trägt im Zwischenreich und im Jenseits ihre Früchte. Da dies nun einmal Tatsache ist, sollten wir die Ergebnisse unserer Handlungen, die ja dem Jenseits angehören, nicht im Diesseits suchen. Würden sie ausgeteilt, sollten sie nicht in Zufriedenheit, sondern mit Bedauern entgegengenommen werden. Denn nach dem Geheimnis, dass die Früchte des Paradieses, sobald sie gepflückt werden, an gleicher Stelle wieder nachwachsen, ist es nicht vernünftig, die Früchte der Taten, die dem Jenseits gehören und als immerwährend gelten, schon in dieser Welt in ihrer vergänglichen Form zu verzehren. Es ist, als wolle man eine ewig brennende Lampe gegen eine Lampe austauschen, die nur eine Minute brennt und dann wieder verlischt.
So ist es denn auf Grund dieses Geheimnisses, dass die Leute der Gottesfreundschaft (ehl-i velayet)alle Arbeiten, Schwierigkeiten und Unglücke als angenehm empfinden, sich nicht beklagen noch beschweren, sondern sagen:
اَلْحَمْدُ لِلَّهِ عَلَى كُلِّ حَالٍ
{"Lobpreis und Dank sei Gott für einen jeden Zustand!"}
Wenn ihnen Erleuchtung und Wunder (keshf ve keramet),die Entfaltung (des Geistes) und das Licht (der Seele) geschenkt wird, so nehmen sie (diese Dinge) als göttliche Gunsterweisungen an und versuchen sie zu verbergen. Sie werden darüber nicht stolz (fakhr),vielmehr dankbar (shukr)und (vermehren statt dessen) ihren Dienst und ihre Anbetung. Viele von ihnen haben sich gewünscht, dieser Zustand möge verborgen bleiben oder aufhören, da sonst die Reinheit ihres Tuns beschmutzt werden könnte. Die bedeutendste göttliche Gnade (ihsan)für einen (bei Gott) angesehenen Menschen besteht in der Tat darin, ihn Seine Gnadengaben (und Vorzüge) nicht verspüren zu lassen, damit er nicht vom Bitten zum Fordern und von der Dankbarkeit in den Stolz überwechseln möge.
So ist es denn auf Grund dieser Wahrheit, dass solche die nach Gottesfreundschaft und (dem Weg) im Orden streben, wenn sie dies denn tun, weil sie sich ein paar Tropfen, die aus dieser Gottesfreundschaft heraussickern,
ein wenig Freude und (vielleicht) ein paar Wunder (keramet)erhoffen, sich diesen Dingen zuwenden und sie willkommen heißen, sie sodann mit der Möglichkeit, diese immerwährenden Früchte des Jenseits in einer vergänglichen Welt auf eine vergängliche Weise zu verzehren, zugleich die Aufrichtigkeit (ikhlas)als Hefe der Gottesfreundschaft verlieren, womit sich zugleich der Weg öffnet, dass diese Gottesfreundschaft wieder von ihnen entweicht.
Siebente Andeutung:
Besteht aus vier Anmerkungen.
Erste Anmerkung:
Die Schari'a ist unmittelbar, schattenlos und unverschleiert das Ergebnis einer Ansprache Gottes im Geheimnis Seiner Einheit (ahadiyet)und absoluten Herrschaft (rububiyet-i mutlaq).Die höchsten Stufen auf dem Weg des Ordens und der Wahrheit gelten als Teile der Schari'a. Oder sie gelten stets als Mittel, als eine Einführung, eine Hilfe (für das Gesetz). Ihr Ziel sind die Ausführungsbestimmungen zum Gesetz. Das heißt, um zu den Wahrheiten des Gesetzes zu gelangen, sind Weg und Wahrheit des Ordens ein Mittel, eine Hilfe, eine Sprossenleiter, um dann auf der höchsten Stufe in die Bedeutung der Wahrheit und das Geheimnis des Ordens in der Seele des Gesetzes verwandelt zu werden. Dort werden sie dann zu Bestandteilen des großen Gesetzes. Anderenfalls wäre es nicht recht, wie einige Mystiker meinen, sich vorzustellen, die Schari'a sei nur die äußerliche Schale und die Wahrheit ihr Inneres, ihr Ziel und Ergebnis. Nun ist in der Tat die Entfaltung des Gesetzes entsprechend den verschiedenen Schichten der Menschen höchst unterschiedlich. Es wäre jedoch falsch, anzunehmen, was die Masse des Volkes sich so vorstellt, sei jener äußere Aspekt der Schari'a, den sie ihre Wahrheit nennen und die Bezeichnung "Wahrheit" und "Orden" den verschiedenen Stufen des Gesetzes zu geben, welche sich nur für die Elite entfalten. Das Gesetz hat aber verschiedene Stufen, die sich an alle Volksschichten wenden.
So entspricht es denn diesem Geheimnis, dass die Leute des Ordens und die Wahrheitssucher, je nachdem, wie
weit sie bereits fortgeschritten waren, sich mehr und mehr nach der Wahrheit der Schari'a sehnten, von ihr fasziniert waren und ihr folgten. Selbst noch die kleinste Gelobte Sitte (sunnet-i seniye)betrachteten sie als ihr höchstes Ziel, bemühten sich, ihr zu folgen und ihr nachzueifern. Denn in welchem Grade auch immer Offenbarung höher ist als Inspiration, genauso ist auch die Praxis des Gesetzes, welche die Frucht der Offenbarung ist, um so viel höher und wichtiger als die Praxis des Ordens als Frucht der Inspiration. Deswegen ist es auch die wichtigste Basis für den Orden, der Gelobten Sitte zu folgen.
Zweite Anmerkung:
Der Weg des Ordens und der Wahrheit sollte nicht über seine Funktion, ein Mittel zu sein, hinausgehen. Wenn sie selbst sich zum Ziel und Zweck steigern, dann bleiben die Gesetze und die Praxis der Schari'a und die Befolgung der Gelobten Sitte eine bloße Formel, während zugleich sich das Herz in eine andere Richtung wendet. Das heißt, man denkt mehr an seinen Kreis für Gottes Gedenken (dhikr),als an das Gebet (namaz).So fühlt man sich mehr zu diesem Gedenken (dhikr)hingezogen als zu den Geboten Gottes, ist mehr damit beschäftigt, eine Übertretung der Regeln des Ordens zu vermeiden, als sich vor einer schweren Sünde (kebair)zu hüten. Dementgegen kann das Gedenken (dhikr)des Ordens nicht ein Äquivalent für das Gebet (namaz)sein, das zu den Pflichten (fard)des Gesetzes gehört. Es kann nicht dessen Platz einnehmen. Die Regeln für das Verhalten (adab-i tariqat)im Orden und die Anrufungen der Mystiker (evrad-i tasavvuf)sollten eine Tröstung sein und ein Mittel zu wahrer innerer Freude innerhalb dieser pflichtgemäßen Handlungen (fard),nicht aber deren Quelle. Das heißt, das Kloster sollte (dem Sufi) die Gelegenheit geben, seine Freude beim Gebet in der Moschee zu empfinden und dabei auch auf die rechte Haltung (tadil-i erkan)im Gebet (namaz)zu achten. Einer, der seine Gebete in der Moschee als eine bloße Formalität herunterhaspelt und dabei glaubt, er könne auf diese Weise die wahre innere Freude und Vollkommenheit
im Kloster finden, entfernt sich (auf diese Weise) von der Wahrheit...
Dritte Anmerkung:
Manchmal wird danach gefragt, ob ein Orden außerhalb der Gelobten Sitte und den Gesetzen der Schari'a möglich sei.
Antwort:
So etwas gibt es und gibt es dennoch nicht. Es gibt so etwas, denn einige vollendete Gottesfreunde wurden durch das Schwert der Schari'a hingerichtet. Und zugleich gibt es das nicht, denn die Forscher unter den Gottesfreunden sind unter dem Gesetz von Sa'd-i Schirasi übereingekommen:
مَحَالَسْتِ سَعْدِى بَرَاهِ صَفَا ٭ ظَفَرْ بُرْدَنْ چُزْ دَرْ پَى مُصْطَفٰى
{"Es ist unmöglich, Sa'di, auf dem Weg der Glückseligkeit siegreich zu sein, außer dem, der Mustafa (= der Auserwählte, gemeint ist Mohammad ASM) folgt."}
Das heißt, für jemanden außerhalb der großen Straße des Ehrenwerten Propheten, mit dem Friede und Segen sei, der ihm nicht nachfolgt, ist es unmöglich, die wahren Lichter der Wahrheit zu erlangen. Das Geheimnis in dieser Angelegenheit ist Folgendes:
Da nun einmal der Ehrenwerte Prophet, mit dem Friede und Segen sei, das Siegel der Propheten und der Ansprechpartner Gottes für das Ganze Menschengeschlecht ist, kann das Menschengeschlecht nicht außerhalb seiner Straße gehen und muss sich daher unter seiner Fahne sammeln. Da aber die Ekstatiker (ehl-i djezbe)und die Gottesnarren für ihre Opposition nicht verantwortlich sein können, und da es nun einmal im Menschen einige subtile Organe (letaif)gibt, die nicht zur Rechenschaft gezogen werden können, und wenn nun diese subtilen Organe die Herrschaft übernehmen, so kann (ein solcher Mensch) nicht dafür verantwortlich gemacht werden, wenn er sich den Vorschriften der Schari'a entgegen stellt. Und da es nun einmal im Menschen solche subtilen Organe gibt, die, so wenig man sie zur Rechenschaft ziehen kann, sie auch nicht (bewusst) durch unseren Willen (ihtiyar)beherrscht
werden, ja noch nicht einmal von unserem Verstand (aqil)kontrolliert werden können, da sie nicht (auf die Stimme) des Herzens und des Verstandes hören, besonders dann nicht, wenn diese subtilen Organe einen Menschen beherrschen, jedoch nur zu dieser besonderen Zeit, so fällt er nicht von seiner Stufe der Gottesfreundschaft herunter, wenn er sich der Schari'a entgegen stellt; und somit ist er denn entschuldigt. Dies jedoch nur unter der Bedingung, dass er die Wahrheiten der Schari'a und die Grundregeln des Glaubens nicht leugnet, nicht kritisiert, nicht verachtet. Auch wenn er nach dem Gesetz lebt, so muss er doch das Gesetz als richtig anerkennen. Würde er jedoch von einem derartigen Zustand überwältigt und würde er dann eine Haltung annehmen, die erkennen lässt - und hier nehme ich meine Zuflucht zu Gott! - diese feststehenden Wahrheiten leugnet und bestreitet (inkar ve tekzib),so wäre dies ein Zeichen seines Absturzes!
Zusammenfassung:
Unter denen, die sich auf einem Sufi-Weg außerhalb des Bereiches der Schari'a befinden, gibt es zwei Gruppen.
Erste Gruppe:
Sowie oben bereits beschrieben wurde, sind (diese Menschen) entweder von ihrer Befindlichkeit (hal),oder von einer Art Rauschzustand, Trunkenheit oder Ekstase (djezbe)überwältigt oder aber sie werden von ihren subtilen Organen (latifeler)beherrscht, welche die Vorschriften des Glaubens nicht beachten oder auf einen willentlichen (Befehl) nicht hören, weshalb sie dann den Bereich der Schari'a verlassen. Was aber dieses Verlassen betrifft, so hat es jedoch nichts damit zu tun, dass sie die Anordnungen der Schari'a nicht mehr mögen oder ihnen nicht mehr (folgen) wollen. Sie verlassen ihn vielmehr gezwungenermaßen und gewissermaßen gegen ihren Willen (ihtiyar).Diese Gruppe sind Leute der Gottesfreundschaft. Ja es gab unter ihnen sogar gelegentlich bedeutende Heilige. Ja es haben sogar Forscher unter den Gottesfreunden bestätigt, dass sich einige unter diesen (Heiligen) nicht nur außerhalb des
Bereiches der Schari'a, sondern sogar außerhalb des Bereiches des Islam befunden haben. Dies jedoch nur unter der Bedingung, dass sie niemals eines der Gesetze bestritten haben, die Mohammed, mit dem Friede und Segen sei, gebracht hatte. Sie haben entweder nicht weiter darüber nachgedacht, oder sie einfach aus den Augen verloren, nichts von ihnen gewusst, oder nicht wissen können. Hätten sie darum gewusst und sie trotzdem nicht angenommen, (so wäre diese Bedingung) nicht erfüllt!...
Was nun aber die zweite Gruppe betrifft:
Diese (Menschen) sind geradezu hingerissen von den glänzenden Freuden des Ordens und der Wahrheiten und, da sie die Freuden der Wahrheiten der Schari'a nicht erreichen können, welche weit über sie erhaben sind, so glauben sie, es handle sich dabei nur um langweilige Formalitäten und zeigen sich ihnen gegenüber gleichgültig. Schritt für Schritt meinen sie, die Schari'a sei nur eine äußere Schale, die Wahrheit, die sie gefunden haben, hingegen die eigentliche Basis und das Ziel. So sagen sie denn: "Ich habe sie gefunden und sie genügt mir." und handeln entsprechend den Anordnungen der Schari'a entgegengesetzt. Diejenigen, die in dieser Gruppe ihre Sinne beieinander haben, sind dafür verantwortlich; sie stürzen ab, ja werden teilweise zu einer Maskerade des Teufels!...
Vierte Anmerkung:
Einige Personen unter den Leuten des Irrwegs und in der Sekte der ketzerischen Erneuerung (bid'a)werden in den Augen der Gemeinde (umma)für akzeptabel gehalten. Genauso gibt es aber auch einige Personen, die sich äußerlich in nichts von ihnen unterscheiden, die aber von der Gemeinde zurückgewiesen werden. Ich habe mich darüber gewundert. So war zum Beispiel in der Schule (mesheb)der Mu'tesila ein gewisser Samahschari, den, obwohl er doch einer der eifrigsten (Mitglieder) in dieser Sekte war, die Erforscher der Wahrheit unter den Leuten der Sunnah dennoch und trotz seiner kritischen Anmerkungen, nicht zum Ungläubigen oder Irrgläubigen erklärten, vielmehr nach einem Ausweg suchten, um ihn zu retten. Wohingegen sie andere
Imame der Mu'tesiliten, wie Abu Ali Cubbai, obwohl er doch in seinem Eifer noch weit unterhalb von Samahschari stand, ablehnten und zurückwiesen. Mich hat dieses Geheimnis eine lange Zeit neugierig gemacht. Dann aber verstand ich durch die Gnade Gottes: Samahscharis Einwände gegen die Leute der Sunnah erwuchsen aus seiner Liebe zur Wahrheit auf seinem Weg, den er für den richtigen hielt. Das also heißt zum Beispiel (in der Lehre von) der Theodizee, dass die Tiere in seinen Augen selbst Schöpfer ihrer eigenen Handlungen sind. Deshalb akzeptierte er in seiner Liebe zu Gott dem Gerechten und Seiner Rechtfertigung, insoweit es um das Thema schöpferischen Handelns geht, nicht den Grundsatz der Leute der Sunnah. Dementgegen wurden die anderen Imame der Mu'tesiliten weniger um ihrer Liebe zur Wahrheit willen abgelehnt, als vielmehr weil ihr viel zu kurzer Verstand die erhabenen Grundsätze der Leute der Sunnah nicht erreichen konnte und sie (auch nicht dazu in der Lage waren), die umfangreichen Gesetze der Leute der Sunnah in ihrer eigenen engen Vorstellung unterzubringen und sie daher abgelehnt haben. In genau der gleichen Weise wie die Mu'tesilah den Leuten der Tradition und der Gemeinschaft (Sunnah ve Djemaat)in theologischer Hinsicht widersprach, ist auch der Widerspruch einiger, die einem Sufi-Weg außerhalb der Gelobten Sitte folgen, von zweierlei Art.
Erstens:
Sie bleiben ähnlich wie Samahschari, hingerissen von ihrem eigenen Seelenzustand (hal)und begeistert für ihre Schule (meshreb)ein wenig gleichgültig gegenüber dem Verhaltenskodex (der Schari'a),weil sie (auf diesem Wege) nicht den gleichen Grad an innerer Zufriedenheit erlangen konnten.
Was die zweite Art betrifft,
so betrachten (diese Leute) den Verhaltenskodex (der Schari'a)im Vergleich zu den (entsprechenden) Regeln des Ordens - Gott bewahre! - als unbedeutend. Denn ihr beschränktes Auffassungsvermögen kann eine solche weitreichende Zufriedenheit
nicht umspannen und sie können auf ihrer niedrigen Stufe (maqam)diese hohe Sittlichkeit (adab)nicht erreichen...
Achte Andeutung:
Beschreibt acht Abgründe.
Erstens:
Ein Teil der Leute, die sich zwar auf dem geistigen Weg befinden, sich jedoch nicht vollkommen an die Gelobten Sitten halten, stürzen so in einen Abgrund, weil sie ihre Gottesfreundschaft dem Prophetentum vorziehen. Im Vierundzwanzigsten und Einunddreißigsten Wort wurde bereits bewiesen, wie erhaben das Prophetentum ist, und wie geradezu öde demgegenüber eine Gottesfreundschaft.
Zweitens:
Ein Teil der Leute des Ordens ziehen einen Exzentriker als Gottesfreund (mufrit auliya)einem Sahabi vor, ja betrachten ihn sogar als einem Propheten gleichwertig und stürzen so in einen Abgrund. Im Zwölften und Siebenundzwanzigsten Wort und im Anhang dazu, über die Sahabis, wurde bereits mit Sicherheit bewiesen: die Sahabis unterhielten miteinander eine so besondere Gemeinschaft (sohbet),dass sie nicht durch eine Gottesfreundschaft erreicht werden kann. Die Sahabis können also niemals übertroffen werden und die Gottesfreunde niemals einem Propheten gleichkommen!
Drittens:
Ein Teil derer, die geradezu übereifrig (ifrat)ihrem Orden anhängen, opponieren den Gelobten Sitten und geben diese auf, weil sie die Sitten, die Lebensweise und die Rezitationen ihres Ordens (evrad-i tariqat)vorziehen. Auf diese Weise werden sie in der Befolgung des Verhaltenskodex (der Schari'a)nachlässig und fallen so in den Abgrund.
Wie bereits in vielen Worten (Sözler)bewiesen, sagten schon manche führende Gelehrte der Ordensleute, wie Imam Ghasali und Imam Rabbani: "Der Grad der Annahme (bei Gott), der durch die Befolgung einer einzigen der Gelobten Sitten erlangt wird, kann auch durch die Beobachtung von hundert guten Gewohnheiten und persönlichen Übungen nicht erreicht werden! Und so wie auch
nur eine einzige Pflichtübung (fard)tausend freiwilligen Übungen (Sunnah)überlegen ist, so ist auch eine einzige der Gelobten Sitten (Sunnet-i seniye)tausend guten Gewohnheiten der Mystiker (adab-i tasavvuf)überlegen!"
Viertens:
Einige Extremisten (Mufrit)unter den Leuten der Sufis glauben Inspiration (ilham)sei das gleiche wie eine Offenbarung (vahy)und die Inspiration von der gleichen Art wie eine Offenbarung und fallen so in den Abgrund. Es wurde aber bereits im Zwölften Wort und im Fünfundzwanzigsten Wort über die Wunderhaftigkeit des Qur'an mit unwiderlegbarer Sicherheit bewiesen, wie erhaben, allumfassend und heilig eine Offenbarung, und wie unbedeutend und öde dahingegen eine Eingebung ist.
Fünftens:
Ein Teil der Sufis, die das Geheimnis des Ordensweges nicht verstehen, finden ihre Freude, Licht (nur)und (Gottes wunderbare) Gnade (keramat),die ihnen ungebeten geschenkt wurden so schön und sind davon so hingerissen, wenn sie die Schwachen stärken, die Gleichgültigen ermuntern und so allen Überdruss und alle Mühsal erleichtern, die aus dem strengen Dienstreglement erwachsen, dass sie der Anbetung, dem Dienst und den Rezitationen den Vorzug geben und so in den Abgrund stürzen. Es wurde schon im Dritten Punkt der Sechsten Andeutung dieses Kapitels kurz und bündig erklärt und in andern Worten (Sözler)unwiderlegbar bewiesen: Das Haus, das diese Welt ist, ist ein Haus des Dienstes und nicht das Haus der Entlohnung! Für die, welche ihre Entlohnung schon hier erwarten, wobei sie die ewig bleibenden, immerwährenden Früchte in ihre vergängliche, nur vorübergehende Form verwandeln, ist ihr Bleiben in dieser Welt recht angenehm. Sie schauen nicht sehnsüchtig nach dem Zwischenreich (Berzah)aus. In gewisser Weise lieben sie dieses irdische Leben, denn sie finden in ihm eine gewisse Art des jenseitigen (Lebens).
Sechstens:
Unter einem Teil der Leute des geistigen Weges, die keine Leute der Wahrheit sind, gibt es einige,
die das Dämmerlicht, die Schatten und die bruchstückhaften Beispiele für einige Stufen (maqam)der Heiligkeit mit den ursprünglichen, allumfassenden Stufen verwechseln und so in den Abgrund stürzen. Bereits im Zweiten Ast des Vierundzwanzigsten Wortes und auch in anderen Worten (Sözler)wurde unwiderlegbar bewiesen: Sowie die Sonne sich mit Hilfe einiger Spiegel vervielfältigen lässt, die nun Tausende von Abbildern haben, so werden diese nun der Sonne gleich zu Eigentümern von Licht und Wärme. Doch diese abgebildeten Sonnen sind im Vergleich zu der wahren Sonne nur sehr schwach. In gleicher Weise haben die Stufen der Propheten und die Stufen der großen Gottesfreunde ihre dunklen und ihre zwielichtigen Seiten. Die Leute auf ihrer spirituellen Reise treten in diese ein und sehen sich selbst als noch gewaltiger als diese gewaltigen Heiligen, ja glauben, inzwischen schon weiter fortgeschritten zu sein als die Propheten und fallen so in einen Abgrund. Um jedoch zu vermeiden, an all diesen oben angeführten Abgründen zu Schaden zu kommen, muss man die Grundsätze des Glaubens (usul-u imaniye)und die Fundamente der Schari'a stets zur Richtschnur und Basis wählen und sich immer das, was bezeugt wurde und seine Freuden als dem entgegengesetzt vorstellen.
Siebentens:
Einige Leute der meditativen Wahrnehmung und der Ekstase (ehl-i zevk ve shauk)ziehen auf ihrer geistigen Reise Stolz (fakhr),Hochnäsigkeit, übertriebene Ansprüche, die Zuneigung der Menschen und (den Wunsch, ihr) Mittelpunkt zu sein, der Dankbarkeit, dem inständigen Flehen und inbrünstigen Bitten und der bescheidenen Zurückhaltung vor den Menschen vor und stürzen so in den Abgrund. Wohingegen der höchste Grad doch der des Mohammedanischen Dienstes und seiner Anbetung ist, den man (den Grad) des Geliebten Gottes (Mahbubiyet)nennt. Was aber diesen Dienst, diese Anbetung betrifft, so ist ihre tiefste, geheime Absicht, die Manifestation der Vollendung dieser Wahrheit durch inständiges Bitten, Dankbarkeit, inbrünstiges Flehen, Ehrfurcht, Schwäche,
Armseligkeit und eine bescheidene Zurückhaltung vor den Menschen zu erlangen. Einige der großen Gottesfreunde sind unabsichtlich und wenn auch nur vorübergehend stolz (fakhr),hochnäsig und übertrieben in ihren Ansprüchen geworden. Aber in diesem Punkt darf man ihnen nicht in voller Absicht folgen. Sie sind rechtgeleitet, doch selbst keine Führer; und so darf man ihnen nicht nachfolgen!
Der achte Abgrund:
Einige unter denen, die auf ihrer spirituellen Reise sind, selbstsüchtig und voreilig, wollen die Früchte der Gottesfreundschaft, die sie doch erst im Jenseits pflücken sollten, schon in dieser Welt genießen und fallen so in einen Abgrund, indem sie (nach diesen Früchten schon) während ihrer spirituellen Reise suchen. Doch:
وَمَا الْحَيٰوةُ الدُّنْيَآ اِلاَّ مَتَاعُ الْغُرُورِ
{"Doch das Leben in dieser Welt gleicht einer berauschenden Leihgabe." (Sure 3, 185)}
Durch dergleichen Ayat, und wie bereits in vielen Worten (Sözler)zuverlässig bewiesen wurde, ist eine einzige Frucht aus der beständigen Welt tausend Gärten dieser vergänglichen Welt vorzuziehen. Aus diesem Grund sollten solche gesegneten Früchte nicht schon hier verzehrt werden. Werden sie hier unverlangt zu essen angeboten, sollte man dafür danken und sie als eine göttliche Gnadengabe (ihsan-i Ilahi)betrachten, nicht als eine Belohnung, sondern als eine Ermunterung.
Neunte Andeutung:
Wir wollen hier kurz neun der so zahlreichen Früchte und Vorzüge auf dem Ordensweg beschreiben.
Die erste ist die Entfaltung und das Aufscheinen der Glaubenswahrheiten auf dem Ordensweg, welcher der gerade Weg (istikamet)
ist, und welche der Schlüssel, die Quelle und der Brunnen der unerschöpflichen Schätze in der Ewigen Glückseligkeit sind. Es ist eine Erscheinung mit dem Grad augenscheinlicher Gewissheit (ayne l-yaqien).
Die zweite Frucht:
Es geschieht auf dem Ordensweg, der ein Mittel ist, das Herz in Betrieb zu setzen, das Schwungrad in der menschlichen Maschine, welcher der Anlasser des Herzens ist, um alle übrigen subtilen Organe (letaif-i insaniye)in Bewegung zu bringen, um sie dazu anzutreiben, den Zweck ihrer Erschaffung zu erfüllen: (die Vollendung) wahrer Menschlichkeit.
Die dritte Frucht:
Auf der Reise ins Zwischenreich (Berzah)und das Jenseits bedeutet dies, sich einem Orden in der Kette (silsilah)einer seiner Ketten anzuschließen und ein Gefährte in solch einer erleuchteten Karawane auf dem Weg in die Ewigkeit zu sein und so erlöst zu werden von der furchtbaren Einsamkeit und so eine Vertrautheit mit ihr in dieser Welt und im Zwischenreich zu finden und sich auf ihren Konsens zu verlassen und ihre Übereinstimmung angesichts der Angriffe von Furcht und Zweifel und jeden ihrer Meister als einen mächtigen (lebenden) Beweis und als ein mächtiges Zeugnis zu betrachten und durch sie alle Zweifel und irrigen Vorstellungen zurückzuweisen.
Die vierte Frucht
besteht darin, im Glauben das Wissen um Gott (marifetullah)und das Wissen um Gott in der Freude über die Liebe Gottes (muhabbetullah)mit Hilfe eines lauteren Ordensweges zu verstehen, um dann in diesem Verständnis von der absoluten Isolation in dieser Welt und von diesem absoluten Exil des Menschen in diesem Universum errettet zu werden. Wir haben bereits in vielen Worten (Sözler)bewiesen, dass die Glückseligkeit beider Welten, eine Freude ohne jeden Schmerz, eine Vertrautheit ohne jede Verlassenheit, wahre Freude und echtes Glück in der Wahrheit des Glaubens und des Islam gefunden werden. Wie bereits im Zweiten Wort erklärt wurde, birgt der Glaube den Samenkern des paradiesischen Tubabaumes.
So wächst und gedeiht denn dieses Samenkorn unter der Einhaltung der Regeln des Ordensweges.
Die fünfte Frucht ist
die subtilen Wahrheiten zu empfangen,
die sich auf dem Weg des Ordens und dem Gedenken Gottes (dhikr)aus der Einhaltung der Gebote der Schari'a ergeben und sie zu schätzen wissen... Dann wird er nicht unter Zwang gehorchen, sondern seinen Dienst und die Anbetung in Sehnsucht verrichten.
Die sechste Frucht ist:
Die Stufe (maqam)des Gottvertrauens (tevvekul),den Rang der Hingabe (teslim)und den Grad göttlichen Wohlgefallens (riza)zu erlangen, welche die wahren Mittel und Werkzeuge wahrhaftiger Freude, aufrichtiger Tröstung und einer inneren Heiterkeit ohne jeden Kummer und eine Vertrautheit ohne jede Verlassenheit ist.
Die siebente Frucht ist:
die wichtigste Bedingung, um in Aufrichtigkeit (ikhlas)auf dem Ordensweg zu fahren, und zugleich auch sein bedeutendstes Ergebnis, um aus den Niederungen (der Seele) wie einer versteckten Abgötterei, Scheinheiligkeit (riya)und allem unechten (Gehabe) befreit zu werden. Und es ist zugleich auch die Errettung durch eine Reinigung der Seele (nefs)von den Gefahren dieser eigenwilligen Seele (nefs-i emmare)und den Gefahren des Egoismus (enaniyet),was einer chirurgischen Operation auf dem Ordensweg gleichkommt.
Die achte Frucht ist:
durch Gottes Gedenken in seinem Herzen (dhikr-i qalbi)und kontemplative Versenkung (tefekkur-u aqli)auf dem Ordensweg Gottes Wohlwollen, seine göttliche Gegenwart (huzur)und eine feste Absicht (niyet)zu gewinnen und so seine Gewohnheiten in Dienst und Anbetung zu verwandeln, zugleich aus seinen irdischen Handlungen Wohltaten für das Jenseits zu machen, auf diese Weise das Kapital seines Lebens aufs Schönste anzulegen und so jede Minute der Spanne seines Lebens in Samenkörner umzuwandeln, welche die Ähren des Ewigen Lebens tragen werden.
Die neunte Frucht ist:
der Einsatz, um durch diese spirituelle Reise seines Herzens, unter dem Einsatz seines Geistes (ruh)und seine innere Reifung ein Vollkommener Mensch (insanu-l'kamil)zu werden, nämlich ein wahrer
Gläubiger und ein ganzer Muslim, das heißt, nicht nur einen oberflächlichen Glauben, sondern einen echten Glauben (haqiqat-i iman)und wahren Islam (haqiqat-i islam)zu gewinnen, das heißt, in diesem Weltall und gewissermaßen als der Repräsentant in diesem Weltall unmittelbar der Diener und Anbeter des Schöpfers in Seiner Majestät (Khaliq-i Dhu l-Djelal)und Sein Ansprechpartner zu werden, Sein Freund zu werden, Sein Gefährte (khalil)zu werden, seine Abspiegelung zu sein und sich als das beste aller Geschöpfe (ahesen-i taqwiem)zu erweisen und auf diese Weise den Grund für die Bevorzugung der Söhne Adams vor den Engeln zu beweisen. So wird er sich auf den Flügeln der Schari'a, d.h. dem Glauben und den guten Werken zu den hohen Stufen (maqam)emporschwingen und noch in dieser Welt die Ewige Glückseligkeit schauen, ja sogar in diese Glückseligkeit eingehen...
سُبْحَانَكَ لاَعِلْمَ لَنَآ اِلاَّ مَاعَلَّمْتَنَآ اِنَّكَ اَنْتَ الْعَلِيمُ الْحَكِيمُ ٭ اَللّٰهُمَّ صَلِّ وَسَلِّمْ عَلَى الْغَوْثِ الْاَكْبَرِ فِى كُلِّ الْعُصُورِ وَالْقُطْبِ الْاَعْظَمِ فِى كُلِّ الدُّهُورِ سَيِّدِنَا مُحَمَّدٍ. اَلَّذِى تَظَاهَرَتْ حِشْمَةُ وَلاَيَتِهِ وَمَقَامُ مَحْبُوبِيَّتِهِ فِى مِعْرَاجِهِ وَاِنْدَرَجَ كُلُّ الْوَلاَيَاتِ فِى ظِلِّ مِعْرَاجِهِ وَعَلٰٓى اٰلِهِ وَصَحْبِهِ اَجْمَعِينَ ٭ اٰمِينَ ٭ وَ الْحَمْدُ لِلّٰهِ رَبِّ الْعَالَمِينَ
{"Gepriesen seist Du! Wir haben kein Wissen außer dem, das Du uns gelehrt hast. Du bist der Allwissende und der Allweise." (Sure 2, 32) "Oh Gott gib Deinen Frieden und Segen unserem Herrn Mohammed, dem größten Retter über allen Äonen, dem mächtigsten Pol durch alle Zeitalter hin, unseren Herrn Mohammed, dessen majestätischer Glanz seiner Gottesfreundschaft und Rang als Geliebter Gottes bei seiner Himmelfahrt sichtbar wurde, in dessen Schatten seiner Himmelfahrt sich alle Ordenswege wiederfinden, ihn und seine Familie und alle seine Gefährten insgesamt." "Und aller Lobpreis und Dank gebührt Gott, dem Herrn aller Welten."}
Anhang
بِسْمِ اللّٰهِ الرَّحْمٰنِ الرَّحِيمِ
{"Im Namen Gottes, des Erbarmers, des Barmherzigen."}
Dieser kleine Anhang ist von großer Bedeutung. Jeder kann daraus seinen Nutzen ziehen.
Es gibt viele Wege, die zu Gott dem Gerechten führen. Alle wahrhaftigen Wege sind aus dem Qur'an entnommen. Aber manche dieser Wege sind kürzer als andere, noch sicherer, noch umfassender. Hier handelt es sich um den Weg "Schwäche (adjz),Armseligkeit (fakr),selbstlose Liebe (shefqat)und Nachdenken (tefekkur)",den ich neben anderen durch meinen Verstand (fehm)in meiner Wenigkeit aus dem Qur'an herausgefunden habe. Ja, die Schwäche (adjz)ist auch ein Weg wie die Liebe (ashk),ja sogar ist sie noch sicherer: Dank des Weges des Gottesdienstes führt sie hin, bis man Geliebter Gottes wird. Die Armseligkeit (fakr)führt auch zu dem Namen Gottes "der Erbarmer (Rahman)".Ferner ist die selbstlose Liebe (shefqat)ein Weg wie die Liebe (ashk),ja sogar noch schärfer und noch umfassender. Er führt zu dem Namen Gottes "der Barmherzige (Rahim)".Ferner ist das Nachdenken (tefekkur)auch ein Weg wie die Liebe (ashk),ja sogar noch reicher, noch glänzender und noch umfassender. Er führt zu dem Namen Gottes "der Weise (Hakiem)".Dieser Weg besteht nicht aus zehn Schritten, die man auf dem esoterischen Weg als "Zehn Feinheiten" nennt, oder nicht Schritte auf sieben Stufen, die man auf dem exoterischen Weg als "Sieben Seelen" bezeichnet, sondern vielmehr besteht er aus "vier Schritten". Er ist mehr als Mystik (tariqat),er ist die Erkenntnis der Wahrheit. Er ist die Schari'a, der Weg der Gebote Gottes. Man soll nicht falsch verstehen: Das heißt, dass man seine Schwäche, Armseligkeit und Fehler
Gott dem Gerechten gegenüber erkennt. Das heißt nicht, dass man sie vorführt oder den Leuten zur Schau stellt. Die Gebete (evrad)dieses kurzen Weges sind: Dem Vorbild des Propheten (sünnet)folgen, die Pflichtgebote (fard)einhalten, die großen Sünden (kebair)verlassen und besonders die Pflichtgebete vorschriftgetreu (tadil-i erkan)verrichten und an deren Ende die besonderen Rezitationen (tesbihat)vollziehen.
Auf den ersten Schritt weist die Ayah فَلاَ تُزَكُّوٓا اَنْفُسَكُمْ {"Erklärt euch nicht selbst für rein!" (Sure 53, 32)}
hin. Auf den zweiten Schritt weist die Ayah وَلاَ تَكُونُوا كَالَّذِينَ نَسُوا اللّٰهَ فَاَنْسٰيهُمْ اَنْفُسَهُمْ {"Und seid nicht wie diejenigen, die Gott vergessen haben, worauf Er sie sich selber vergessen ließ." (Sure 59, 19)} hin. Auf den dritten Schritt weist die Ayah: مَآ اَصَابَكَ مِنْ حَسَنَةٍ فَمِنَ اللّٰهِ وَمَآ اَصَابَكَ مِنْ سَيِّئَةٍ فَمِنْ نَفْسِكَ {"Was dich an Gutem trifft, kommt von Gott, was dich an Schlimmen trifft, von dir selbst." (Sure 4, 79)} hin. Auf den vierten Schritt weist die Ayah كُلُّ شَىْءٍ هَاِلكٌ اِلاَّ وَجْهَهُ {"Alles ist dem Untergang geweiht, nur Er (wörtlich: Sein Antlitz) nicht." (Sure 28, 88)} hin. Eine kurze Erläuterung zu diesen vier Schritten ist folgend:
Erster Schritt:
Man soll sich nicht für geläutert halten, wie die Ayah
فَلاَ تُزَكُّوٓا اَنْفُسَكُمْ
{"Erklärt euch nicht selbst für rein!" (Sure 53, 32)}
hinweist. Denn der Mensch liebt von seinem Wesen und seiner Veranlagung her sich selbst. Ja vielmehr liebt er an erster Stelle und direkt sein Wesen. Er opfert alles andere seinem Selbst. Er lobt sich selbst auf einer Art, wie es dem Angebeteten gebührt. Er erklärt sich selbst von schändlichen Handlungen frei und spricht sich frei, wie dies dem Angebeteten zukommt. Soweit wie möglich hält er sich nicht als geeignet für Fehler und er nimmt sie nicht an. Er verteidigt sich heftig in der Art einer Selbstverehrung. Sogar verwendet er die Anlagen und Fähigkeiten, die seinem Wesen anvertraut sind und ihm dazu verliehen wurden, um den wahren Angebeteten (Mabud-u Haqiqi)zu loben und zu preisen (hamd ve tesbih),für sich selbst. So erfährt er das Geheimnis von
مَنِ اتَّخَذَ اِلٰهَهُ هَوٰيهُ
{"Einem, der seine persönliche Neigung sich zu seinem Gott gemacht hat." (Sure 25, 43)}
Er sieht sich selbst, er vertraut auf sich selbst, er gefällt sich selbst. So ist auf dieser Stufe und in diesem Schritt die Läuterung und Reinigung der Seele, dass man sich nicht für geläutert und gereinigt hält.
Zweiter Schritt:
Wie die Ayah
وَلاَ تَكُونُوا كَالَّذِينَ نَسُوا اللّٰهَ فَاَنْسٰيهُمْ اَنْفُسَهُمْ
{"Und seid nicht wie diejenigen, die Gott vergessen haben, worauf Er sie sich selber vergessen ließ." (Sure 59, 19)}
diesen Unterricht erteilt: Er hat sich selbst vergessen, er hat keine Ahnung von sich selbst. Denkt er an den Tod, so gibt er ihn den anderen. Sieht er das Vergehen und den Untergang, so will er sie nicht auf sich beziehen. Wo es um Mühe und Dienst (hizmet)geht, so vergisst er sich, aber wo es um die Belohnung und um die Freude geht, denkt er an sich selbst und bezieht es sehr stark auf sich. Das ist charakteristisch für eine eigenwillige Seele (nefs-i emmare).An dieser
Stelle wird sie geläutert, gereinigt und wohlerzogen (terbiye)durch das Gegenteil dieser Haltung. Das heißt, wo die Seele sich vergessen will, soll man sie nicht vergessen. Das heißt, man soll sich vergessen, wo es um Freude und Wünsche geht, und an sich denken, wenn es sich um Tod und Dienst (maut ve hizmet)handelt.
Dritter Schritt:
Wie die Ayah
مَآ اَصَابَكَ مِنْ حَسَنَةٍ فَمِنَ اللّٰهِ وَمَآ اَصَابَكَ مِنْ سَيِّئَةٍ فَمِنْ نَفْسِكَ
{"Was dich an Gutem trifft, kommt von Gott, was dich an Schlimmen trifft, von dir selber." (Sure 4, 79)}
diesen Unterricht erteilt: Die Besonderheit der Seele ist es, das Gute sich selbst zu vermachen und darauf stolz und hochmütig (fakhr ve udjbe)zu sein. In diesem Schritt soll man bei seiner Seele nur Fehler, Mängel, Schwäche und Armseligkeit erkennen und verstehen, dass alle Schönheiten und Vollkommenheiten Geschenke (ihsan)sind, die von dem majestätischen Schöpfer (Fatir-i Dhu l-Djelal)gegeben wurden. Man soll an der Stelle von Stolz (fakhr)Gott danken (shukur)und an der Stelle von Selbstruhm Gott loben (hamd).Auf dieser Stufe ist ihre Läuterung nach dem Geheimnis قَدْ اَفْلَحَ مَنْ زَكّٰيهَا {"Wohl ergeht es dem, der sie von sich aus rein hält." (Sure 91, 9)} Folgendes: Man soll seine Vollkommenheit in seiner Unvollkommenheit, seine Macht in seiner Schwäche, und sein Reichtum in seiner Armseligkeit wissen.
Vierter Schritt:
Wie die Ayah كُلُّ شَىْءٍ هَاِلكٌ اِلاَّ وَجْهَهُ {"Alles ist dem Untergang geweiht, nur Er (wörtlich: Sein Antlitz) nicht." (Sure 28, 88)} diesen Unterricht erteilt: Die Seele hält sich für frei und selbständig und unabhängig existent. Daher beansprucht
sie eine Art Herrschaft (rububiyet).Sie ist ihrem Angebeteten (Mabud)gegenüber feindselig (adavet)und aufständisch (isyan)gesinnt. Sie kann sich so davor retten, indem sie diese folgende Wahrheit begreift. Die Wahrheit ist folgendermaßen: Jedes Ding ist in seinem Wesen, wenn man es aus sich selbst heraus sinnvoll betrachtet, vergänglich, nicht vorhanden, eine Eingebung und nicht existent. Aber wenn man es wie ein Verhältniswort in der Grammatik betrachtet und dass es als ein Spiegel für die Namen des majestätischen Schöpfers (Sani-i Dhu l-Djelal)dient und beauftragt ist, so ist es ein Zeuge, ein Bezeugter, es hat einen Körper und es existiert. An dieser Stelle ist ihre Läuterung und Reinigung folgendermaßen: In ihrer Anwesenheit (vudjud)ist sie abwesend (adem)und in ihrer Abwesenheit (adem)ist die anwesend (vudjud).Das heißt: Wenn sie sich für etwas hält und denkt, sie würde selbständig existieren, so sitzt sie in einer dermaßen großen Finsternis der Abwesenheit im Umfang des ganzen Kosmos. Das heißt, wenn sie auf ihre persönliche Existenz vertraut und Denjenigen, der sie in Wahrheit ins Dasein brachte, vergisst, so liegt sie wie ein Leuchtkäfer mit einem persönlichen Licht im Körper in grenzenloser Finsternis der Abwesenheit und der Trennungen. So ertrinkt sie. Wenn sie aber den Egoismus verlässt und einsieht, dass sie persönlich nichts ist und nur ein Spiegelbild dessen, der alles in Wahrheit erschafft, da gewinnt sie die ganze Schöpfung und einen grenzenlosen Körper.
Denn derjenige, der den Herrn, den Notwendigseienden findet, dessen Namen in allen Schöpfungen in Erscheinung treten, findet alles.
Schlusswort
Die Erklärung dieser vier Schritte von dem Weg "der Erkenntnis der eigenen Schwäche (adjz),Armseligkeit (fakr),selbstlosen Liebe (shefqat)und des Nachdenkens (tefekkur)"findet sich in den Sechsundzwanzig Worten, die für das Erkennen der Wahrheit, für die Wahrheit der Schari'a, des Weges der
Gesetzgebung, und über die Weisheit des Qur'an verfasst wurden. Hier wollen wir auf ein, zwei Punkte nur kurz hinweisen. Es ist dies wie folgt:
In der Tat ist dieser Weg noch kürzer. Denn er besteht aus vier Schritten. Wenn die Schwäche (adjz)die Hand der Begierde von der Seele wegnimmt, schreibt die Seele alles unmittelbar auf Gott den Allmächtigen, den Majestätischen (Qadir-i Dhu l-Djelal)zu. Stattdessen lässt die Liebe (ashk),die als wirksamer Weg betrachtet wird, die Hand der Begierde von der Seele wegziehen, so hält sich die Seele dennoch an einer irdischen Geliebten (mashuk-u medjazi)fest. Nachdem sie ihren Untergang erfahren hat, richtet sie sich nach dem wahren Geliebten (Mahbub-u Haqiqi).Ferner ist dieser Weg noch sicherer. Denn auf diesem Weg kann die Seele nicht in einen geistigen Rausch verfallen und keine überheblichen Ansprüche erheben. Denn man sieht in der eigenen Seele nichts anderes als Schwäche, Armseligkeit und Fehler, sodass man überheblich werden könnte. Ferner ist dieser Weg noch umfassender und eine große Straße (djadd-i kubra).Denn, auf diesem Weg wird nicht gedacht, dass die Welt zum Nichtsein verurteilt ist, wie die Leute "der Einheitslehre des Seins (ehl-i vahdet-ul vudjud)"tun, um ständig mit der Gegenwart Gottes zu leben, und muss nicht urteilen: "La maudjuda illa hu (Es gibt nichts Existentes außer Ihm.)" Oder man muss sich nicht wie die Leute der "Einheitslehre der Bezeugten (ehl-i vahdet-us shuhud)"vorstellen, dass die Welt in die Haft der absoluten Vergessenheit verurteilt ist, und sagen "La mashhuda illa hu (Es gibt nichts Bezeugtes außer Ihm.)", um ständig mit der Gegenwart Gottes leben zu können. Vielmehr, da der Qur'an der Welt ganz eindeutig ihr Nichtsein und ihre Haft erlässt, richtet sich unser Weg auch dementsprechend. Er entbindet alle Existenzen vom Dienst auf eigene Rechnung und stellt sie auf die Rechnung des majestätischen Schöpfers (Fatir-i Dhu l-Djelal)in Dienst. Dieser Weg setzt die Existenzen ein, im Auftrag als Erscheinungsort und Spiegel für die Schönen Namen Gottes zu dienen, und er betrachtet sie wie ein Verhältniswort zu seinem Substantiv, dem Schöpfer. Auf diesem
Weg kann man sich vor der absoluten Gottvergessenheit retten, in die ständige Gegenwart Gottes eintreten und in jedem Ding einen Weg zu Gott dem Gerechten finden.
Zusammenfassung:
Hier handelt es sich darum, die Dinge vom Dienst auf die eigene Rechnung zu entbinden und sie nicht von sich aus als sinnvoll zu betrachten.
Dreißigster Brief
Gedruckt in Arabisch, "Hinweise auf die Wunderhaftigkeit des Qur'an, Ein Kommentar (Isharatul Idjaz)"
Einunddreißigster Brief
Einunddreißig Blitze (Lem'a)
Zweiunddreißigster Brief
Eine Abhandlung, gedruckte "Schlaglichter (Lemaat)", die sich aus sich selbst heraus in Gedichten geformt haben.
Gleichzeitig auch "Zweiunddreißigster Blitz", der am Ende der "Worte" angeführt und herausgegeben wurde.
Dreiundreißigster Brief
Abhandlung in Dreiunddreißig Fenstern
Fenster, die sich zur Erkenntnis Gottes öffnen.
Gleichzeitig "Dreiundreißigstes Wort", herausgegeben in der Sammlung der "Worte", an dieser Stelle nicht mit eingefügt.
Buchgebet
بِسْمِ اللّٰهِ الرَّحْمٰنِ الرَّحِيمِ
يَا اَللّٰهُ ٭ يَا رَحْمٰنُ ٭ يَا رَحِيمُ ٭ يَا فَرْدُ ٭ يَا حَىُّ ٭ يَا قَيُّومُ ٭ يَا حَكَمُ ٭ يَا عَدْلُ ٭ يَا قُدُّوسُ
{"Im Namen Gottes, des Barmherzigen, des Allerbarmers." "Oh Gott! Oh Barmherziger! Oh Allerbarmer! Oh Einzigartiger! Oh Lebendiger! Oh Unwandelbarer! Oh Gerechter! Oh Heiliger!"}
Um Deines Gewaltigen Namens willen und um der Ehre des Qur'an, der in seiner Verkündigung ein Wunder ist, und um der Würde Deines ehrenwerten Gesandten willen, mit dem Friede und Segen sei, geleite diejenigen, welche dieses Buch gedruckt haben, ihre gesegneten Helfer und die Schüler der Risale-i Nur zur Ewigen Glückseligkeit in den Gärten des Paradieses. Amin. Verleihe ihnen immerwährenden Erfolg im Dienste am Glauben und am Qur'an. Amin. Und schreibe ihnen für jeden Buchstaben dieses Buches tausendmal Gutes in das Buch ihrer Guten Taten. Amin. Und gewähre ihnen Ausdauer, Stetigkeit und Aufrichtigkeit in der Verbreitung der "Licht"-Abhandlungen. Amin.
Oh Barmherziger Allerbarmer!... Schenke allen Schülern der Risale-i Nur Glück und Zufriedenheit in Beiden Welten. Amin. Beschütze sie vor der Bosheit des Teufels in Dschinnen- und Menschengestalt. Amin. Und verzeihe diesem schwachen und hilflosen Said seine Fehler. Amin...