Ich aber sage:
Oh ihr unglückseligen! Würde die Welt (dunya)ewig bestehen und könnten die Menschen für immer in ihr bleiben und fänden sich die Aufgaben der Menschen lediglich in der Politik, dann könnte man hinter euren Verleumdungen vielleicht noch einen Sinn entdecken.
Wäre ich selbst aber in die Politik gegangen, so hättet ihr in hundert Abhandlungen (risalah)nicht nur zehn, sondern vielleicht Tausend Sätze politischen wie auch regierungsfeindlichen (Inhalts) gefunden. Doch nehmen wir einmal den unmöglichen Fall an, wir hätten uns genau so wie ihr auch mit aller Kraft für weltliche (dunya)Ziele, Lustbarkeiten und für die Politik eingesetzt - und noch nicht einmal der Teufel könnte sich dafür einsetzen, so etwas zu glauben oder irgendwen dazu veranlassen, so etwas anzunehmen - doch auf nun! auch wenn dem so wäre! - da wir nun einmal in den letzten zwanzig Jahren auch nicht ein einziges Ereignis haben sehen lassen, und dabei betrachtet die Regierung unsere Handlungen, da sie uns ja nicht ins Herz schauen kann, wobei sich ja doch in jeder Regierung einige ganz entschiedene Gegner befinden, könnt ihr uns dennoch mit Sicherheit nicht nach geltendem Gesetz (adliye kanun)dafür zur Verantwortung ziehen! Mein letztes Wort ist daher:
حَسْبُنَا اللّٰهُ وَنِعْمَ الْوَكِيلُ ٭ حَسْبِىَ اللّٰهُ لآَ إِلٰهَ اِلاَّ هُوَ عَلَيْهِ تَوَكَّلْتُ وَهُوَ رَبُّ الْعَرْشِ الْعَظِيمِ
{"Gott ist mein Genügen. Es gibt keinen Gott außer Ihm. Auf Ihn vertraue ich und Er ist der Herr des gewaltigen Thrones." (Sure 9, 129)}
Said Nursi
* * *
بِاسْمِهِ سُبْحَانَهُ
{"Im Namen dessen, der gepriesen sei."}
Ich möchte hier im Zusammenhang mit meiner Verteidigung von einer Erinnerung, einer amüsanten Anekdote berichten, die schon etwas länger zurück liegt und am Gerichtshof in Eskishehir nicht weiter erwähnt wurde und auch im offiziellen Prozessbericht oder in meiner Verteidigungsschrift nicht erscheint.
Sie fragten mich nämlich damals: "Wie denkst du über die Republik?" Ich antwortete ihnen: "Wie meine Biographie, die sie in ihren Händen halten, beweist, war ich schon
ein frommer und gläubiger Republikaner, ehe bevor einer von ihnen, der Präsident des Gerichtshofes ausgenommen, noch zur Welt gekommen war. Es war dies kurz gesagt Folgendes: Ich lebte damals wie heute zurückgezogen in einer leerstehenden Türbe. Man brachte mir gewöhnlich Suppe und ich fütterte gewöhnlich die Ameisen mit Brotkrumen. Ich tauchte mein Brot in meine Suppe. Sie fragten mich danach und ich sagte ihnen: "Das Volk der Ameisen und das Volk der Bienen sind Republikaner. Ich gebe die Brotkrumen den Ameisen aus Respekt vor ihrer republikanischen Gesinnung."
Dann sagten sie: "Deine Haltung widerspricht den rechtgesinnten Nachfolgern der Sahabis (selef-i salihin)."Daraufhin entgegnete ich ihnen: "Die vier rechtgeleiteten Kalifen waren nicht nur die Kalifen, sondern zugleich auch die Präsidenten ihres Volkes. Abu Bakr der Getreue, mit dem Gott zufrieden sein möge, war gewissermaßen der Präsident eines Volkes von Sahabis und der Zehn Glücklichen (denen das Paradies versprochen wurde). Sie waren keine bloßen Namen und Gestalten ohne Inhalt, sondern gleich Präsidenten, welche die Gerechtigkeit in Wahrhaftigkeit (haqiqat-i adalet)und die Freiheit in Gesetzlichkeit (hurriyet-i sher'iyeyi)repräsentierten."
Wohlan denn, Herr Staatsanwalt und Sie, meine Herren Vorsitzenden!
Sie beschuldigen mich einer Idee, die dem, was ich seit fünfzig Jahren vertrete, entgegengesetzt ist. Wenn Sie mich über eine laizistische Regierung befragen, so verstehe ich darunter, dass man mit laizistisch unparteilich meint, also eine Regierung, die in Übereinstimmung mit dem Grundsatz der Gewissensfreiheit die religiös gesinnten und frommen (Menschen) nicht belästigt, so wenig wie sie auch die areligiösen und freizügigen (Menschen) nicht stört. Ich habe mich aus dem politischen wie aus dem öffentlichen Leben vor fünfundzwanzig Jahren (1923) zurückgezogen. Was in der Zwischenzeit aus der Regierung dieser Republik geworden ist, weiß ich nicht. Doch wenn sie nun, was
Gott verhüten möge, in die fürchterliche Lage geraten ist, aufgrund ihrer Gottlosigkeit Gesetze anzunehmen und zu erlassen, um diejenigen, welche sich um ihren Glauben (din)und das Leben in der zukünftigen Welt (akhira)bemühen, zur Verantwortung zu ziehen, so gemahne ich Sie ohne Furcht und Säumen: Hätte ich selbst Tausend Leben, so wäre ich dennoch bereit, sie für meinen Glauben und das jenseitige Leben zu opfern. Tut also nun, was Ihr tun wollt! Doch mein letztes Wort ist: حَسْبُنَا اللّٰهُ وَنِعْمَ الْوَكِيلُ {"Gott ist unser genügender Anteil und Er ist unser bester Anwalt." (Sure 3, 173)} Wenn Sie mich ungerechter Weise zu Tod oder Zuchthaus verurteilen, so erwidere ich Ihnen: Die Risale-i Nur hat mir mit absoluter Sicherheit enthüllt, dass ich nicht hingerichtet sondern entlassen werde. Ich werde in die Welt des Lichtes und der Ewigen Glückseligkeit hinüber gehen. Ihr aber, unsere heimlichen Feinde und uns Bösgesinnten, die Ihr uns aufgrund Eurer Irreleitung unterdrückt! Da ich sehe und weiß, dass Ihr zu einer Hinrichtung auf ewig und einsamer Kerkerhaft verurteilt seid, nehme ich so meine vollkommene Rache an euch und bin dazu bereit, meinen Geist (ruh)in vollkommener Ruhe meines Herzens aufzugeben."
Der Häftling
Said Nursi
* * *
بِاسْمِهِ سُبْحَانَهُ
{"Im Namen dessen, der gepriesen sei!"}
Hohes Gericht, meine Herren! Aufgrund zahlreicher Hinweise bin ich zu der absoluten Überzeugung gelangt, dass wir nicht etwa im Interesse der Regierung angegriffen werden, weil wir die innere Sicherheit
dadurch gefährden, dass wir das religiöse Empfinden der Leute missbrauchen, sondern im Interesse des Atheismus, (der diesen Vorwurf) sowohl aufgrund unseres Glaubens, als auch aufgrund unseres Dienstes im Glauben und für die Sicherheit zum Vorwand nimmt. Ein Beweis dafür ist unter vielen anderen der, dass trotzdem zwanzig Tausend Leute zwanzig Tausend Abschriften verschiedener Teile der Risale-i Nur über zwanzig Jahre lang gesammelt, gelesen und (in ihrem Herzen) angenommen haben, die öffentliche Ordnung dennoch nicht von den Schülern der Risale-i Nur gestört worden, kein einziger Zwischenfall dieser Art von der Regierung registriert worden und weder vom vorigen noch vom gegenwärtigen Gerichtshof jemals aufgedeckt worden ist. Hätte es dem entgegen eine solche weitverbreitete mächtige Propaganda gegeben, sie hätte sich innerhalb von zwanzig Tagen durch entsprechende Ereignisse selbst bemerkbar gemacht. Das aber widerspricht dem Grundsatz über die Gewissensfreiheit, dem Art. Nr. 163 eines Gummigesetzes, das alle mit einschließt, die religiöse Ratschläge erteilen. Es ist eine Lügenmaske, hinter der die Atheisten gewisse Mitglieder der Regierung täuschen, ihre Justitiare in die Irre führen und uns so in jedem Fall zertreten wollen.
Da aber nun einmal die Tatsachen (haqiqat)so liegen, können wir mit voller Überzeugung sagen: Oh Ihr Unglückseligen, die Ihr den Glauben um irdischer Güter (dunya)willen verkauft und so dem absoluten Unglauben verfallen seid! Was immer euch zwischen die Finger gerät und was auch immer ihr damit tut: es sind eure eigenen weltlichen Angelegenheiten. Sie sollen und sie werden euch noch zum Halse heraushängen! Mögen unsere Köpfe einer heiligen Wahrheit zum Opfer gebracht werden, für die bereits Hunderte von Millionen tapferer Häupter geopfert und gefallen sind! Wir erwarten jede Art von Strafe und sind zu unserer Hinrichtung bereit! In unserer Lage (vaziyet)ist es außerhalb unseres Kerkers noch hundertmal schlimmer als in ihm zu sein. Da es nun einmal unter einem
absoluten Despotismus, der uns beständig unterdrückt, gar keine Freiheit geben kann - weder eine Freiheit der Wissenschaft (ilm),noch Gewissensfreiheit, noch Glaubensfreiheit - gibt es für alle anständigen und ehrenwerten Gläubigen und Anhänger der Freiheit keine Lösung, es sei denn zu sterben oder ins Gefängnis zu gehen. So sagen denn auch wir إِنَّا لِلَّهِ وَإِنَّا إِلَيْهِ رَاجِعُونَ {"Fürwahr Gottes sind wir und wahrlich zu Ihm ist unsere Rückkehr." (Sure 2, 156)} und halten uns fest an unserem Herrn (Rabb).
Der Gefangene
Said Nursi
* * *
بِاسْمِهِ سُبْحَانَهُ
{"Im Namen dessen, der gepriesen sei!"}
An den ehrenwerten Präsidenten des Gerichts
Herrn Ali Risa Beyefendi
Euer Ehren!
Um meine Rechte verteidigen zu können, habe ich einen Wunsch, eine wichtige Bitte: Ich kenne die neuen (lateinischen) Buchstaben nicht und auch die alte (arabische) Schreibweise kann ich nur recht mangelhaft. Zudem erlaubt man mir nicht, mit anderen (Menschen) zu verkehren, sodass ich jetzt de facto völlig isoliert bin. Selbst die Anklageschrift wurde mir schon nach fünfzehn Minuten wieder aus der Hand genommen. Ferner verfüge ich nicht über die notwendigen Mittel, mir einen Rechtsanwalt nehmen zu können. Selbst eines Teils der Verteidigungsschrift, die ich Ihnen bereits vorgelegt habe, konnte ich nur heimlich und mit großer Mühe dank eines in neuen Buchstaben abgefassten Exemplars habhaft werden. Ich hatte ferner auch
ein oder zwei Kopien der "Früchte des Glaubens" abschreiben lassen, eine Art Verteidigungsschrift der Risale-i Nur und eine Zusammenfassung ihres Weges, um sie dem öffentlichen Ankläger überreichen und an die entsprechende Abteilung der Regierung in Ankara senden zu können. Man hat sie mir plötzlich weggenommen und nicht wieder zurückgegeben. Die Justizbeamten in Eskishehir hatten uns (früher einmal schon) eine Schreibmaschine in unserem Gefängnis (leihweise) zur Verfügung gestellt. Damit hatten wir (damals) schon mit den neuen Buchstaben ein oder zwei Exemplare unserer Verteidigungsschrift getippt und auch das Gericht hatte sich (damals ein Exemplar) abgeschrieben. Meine dringende Bitte ist daher die, uns entweder (wieder) eine solche Schreibmaschine zur Verfügung zu stellen, oder aber uns wenigstens zu erlauben, uns selbst eine draußen zu besorgen, damit wir mit diesen neuen Buchstaben zwei oder drei Exemplare sowohl unserer Verteidigungsschrift als auch eine Abhandlung tippen können, welche ihrerseits wiederum eine Verteidigungsschrift der Risale-i Nur sein wird. Wir werden sie dann sowohl an das Justizministerium senden, als auch an das Kabinett, die Nationalversammlung und den Rat des Staates. Denn es ist ja die Risale-i Nur, welche der eigentliche Grund dafür ist, dass man uns angezeigt hat, und was man uns gegen die Risale-i Nur zur Last gelegt hat, und die Beschwerden die gegen sie eingegangen sind, sind keine armselige, rein persönliche Angelegenheit mehr, sodass man ihr keine weitere Bedeutung beimessen könnte. Im Gegenteil: es ist eine Angelegenheit von allgemeinem Belang, einer ernsten Bedeutung für die Nation, das Land und die Regierung, und wird deshalb in ernsthafter und bedeutender Weise die Aufmerksamkeit der Islamischen Welt auf sich lenken.
Diejenigen, welche die Risale-i Nur aus ihrem Versteck heraus angreifen, sind in der Tat die gleichen, die, um die Zuwendung der Islamischen Welt, die Liebe (muhabbet)und die Brüderlichkeit in ihr, die doch die stärkste Kraft der
Leute dieses Landes ist, zu untergraben und einen Widerwillen gegen sie zu erwecken, eine fremdländische (Nation), die heimlich aus ihrem Versteck heraus ihre Hände mit im Spiel hat, um einen absoluten Unglauben heraufzubeschwören und so die Politik als Werkzeug ihres Unglaubens gebraucht. Sie hintergehen die Regierung und verwirren die legalen Gerichte in zweifacher Weise, indem sie sagen: "Die Risale-i Nur und ihre Schüler missbrauchen den Glauben zu politischen Zwecken, und es besteht die Möglichkeit, dass sie die öffentliche Sicherheit und Ordnung in Gefahr bringen."
Oh ihr Unglückseligen! Die Risale-i Nur steht in gar keiner Verbindung mit der Politik. Aber seitdem sie den absoluten Unglauben zerstört hat, vernichtet sie auch jede Form von Anarchie (d.h. den Aufstand der Massen), der diesem absoluten Unglauben den Nährboden gibt, ebenso wie jede Form von Despotie, die ihn von oben beschirmt und weist sie zurück. Einer unter Hunderten von Beweisen dafür, dass sie ein Garant der öffentlichen Ordnung und Sicherheit ist, für Freiheit und Gerechtigkeit, ist "Die Frucht-Abhandlung", (eine Abhandlung über die Frucht des Glaubens) die zugleich auch ihre Verteidigungsschrift ist. Sie sollte von einem Komitee hervorragender Gelehrter unter allen Theologen und Soziologen sorgfältig untersucht werden. Wenn diese nicht bestätigen, was ich gesagt habe, will ich mit jeglicher Art, ja selbst noch einer hochnotpeinlichen Bestrafung zufrieden sein!
Der Gefangene
Said Nursi
* * *
بِاسْمِهِ سُبْحَانَهُ
{"Im Namen dessen, der gepriesen sei!"}
Ehrenwerter Herr Vorsitzender (Reis Beyefendi)!
Es wurden drei Punkte der Anklage zugrunde gelegt:
Erstens:
Die Vereinigung. Ich rufe alle Schüler der Risale-i Nur und all die übrigen, die mir bisher begegnet sind, und all diejenigen, welche die Risale-i Nur bisher gelesen oder auch abgeschrieben haben, zu Zeugen auf: Sie mögen sie befragen. Ich habe niemals zu irgendwem gesagt: "Wir werden eine Organisation im politischen Sinne oder eine Organisation im Sinne der Naqshis aufrichten." Was ich hingegen immer gesagt habe, ist Folgendes: "Wir werden uns immer darum bemühen, unseren Glauben zu retten."
Da neben dieser heiligen Gemeinschaft des Islam, die alle Gläubigen mit einschließt und mehr als dreihundert Millionen Mitglieder zählt, unter uns niemals irgendetwas anderes ein Gesprächsthema war, und da sie im Qur'an als Gefolgschaft Gottes (hisbu'llah)bezeichnet wird und da alle Gläubigen selbst bereits eine Bruderschaft sind, finden wir uns um unseres Dienstes am Qur'an willen in unserem Kreis als die Gefolgschaft des Qur'an, die Gefolgschaft Gottes (hisbu'llah)wieder. Wenn es dies sein sollte, weswegen wir angeklagt worden sind, so gestehen wir dies von ganzem Herzen! Und wir sind stolz darauf! Sollte irgendetwas anderes damit gemeint sein, so haben wir nichts damit zu tun!
Zweitens:
Wie bereits im (ersten) Gerichtsurteil festgestellt und in dem Bericht der Polizei von Kastamonu bestätigt worden war, hatte man einige Bücher, wie die Abhandlung über die islamische Kleidung (Tesettür Risalesi)und die Sechs Listen des Teufels (Hüdjumat-i Sitte)mit einem Anhang dazu und ähnliche Schriften zu einem Teil in zugenagelten Kisten gefunden, zu einem anderen Teil unter Brennholz und Kohle, in einem Zustand, der es in gar
keiner Weise gestatten würde, veröffentlicht zu werden. Der Gerichtshof in Eskishehir hatte sie kritisch behandelt und genau untersucht und danach auf eine nur leichte Bestrafung erkannt. So haben wir (die ganze Sache) als eine ausschließlich private Angelegenheit betrachtet. Nun will (das Gericht in Denizli) in einige Sätze eine verkehrte Auslegung hinein lesen, uns wiederum neun Jahre zurückführen und uns abermals die Verantwortung für ein Verbrechen aufhalsen, für das wir aber die Strafe bereits verbüßt hatten.
Drittens:
An einigen Stellen in dem (jetzigen) Gerichtsbeschluss wurden an Stelle realer Vorkommnisse bloße Wahrscheinlichkeiten, wie: "Er könnte die Sicherheit des Staates gefährden, oder wäre möglicher Weise dazu imstande." angeführt. Nun könnte da aber jeder irgendeinen Mord begehen. Doch könnte man ihn denn lediglich auf eine bloße Wahrscheinlichkeit hin schon zur Rechenschaft ziehen?
Der Gefangene
Said Nursi
* * *
بِاسْمِهِ سُبْحَانَهُ
{"Im Namen dessen, der gepriesen sei!"}
Ehrenwerter Herr Vorsitzender (Reis Beyefendi)!
Hiermit überreiche ich Ihnen meine Verteidigungsschrift. Ich habe sie in Form einer Petition abgefasst und schicke sie an die Regierungsabteilung in Ankara und ihren Präsidenten, zusammen mit dem Bescheid aus dem Büro des Premierministers, welcher zeigt, dass ihre Bedeutsamkeit anerkannt worden ist. In dieser Verteidigungsschrift mit enthalten sind die bestimmenden Antworten auf die unbegründeten, aggressiven Beschuldigungen, die der Öffentliche Ankläger gegen uns erhoben hat. Es gibt da einige unwahre und unlogische Dinge in dem Bericht des Komitees hiesiger Sachverständiger, welche auf oberflächlichen
und bösartigen Berichten von anderswoher basieren. Mein Einspruch dagegen wurde gleichfalls vorgelegt.
Zusammenfassung:
Wie ich Ihnen bereits zuvor dargelegt hatte, habe ich dem Gerichtshof in Eskishehir, als sie mich damals nach Artikel 163 verurteilen wollten, mitgeteilt: von zweihundert Abgeordneten der Regierung der Republik stimmte die gleiche Anzahl, nämlich 163 Abgeordnete damit überein, einhundertundfünfzig Tausend Lira an meine Medresse in Van zu überweisen. Aufgrund dessen hat die Regierung der Republik, die mich damals in Gewahrsam hielt, erklärt, dass dieser Artikel 163, insoweit er meine Person betrifft, nicht anzuwenden sei. Obwohl ich dies dem Gerichtshof bereits mitgeteilt habe, hat das Komitee der Sachverständigen entstellt, was ich gesagt hatte, und schrieb statt dessen: "163 der Abgeordneten haben ein Verfahren gegen Said eröffnet." Es ist aufgrund dieser völlig haltlosen Anschuldigungen dieses ersten Komitees von Sachverständigen, dass der Öffentliche Ankläger uns nun zur Rechenschaft ziehen will. Und dies geschieht im Gegensatz zu der Tatsache, dass die Risale-i Nur bereits auf Ihre Entscheidung hin den höchsten Gelehrten eines Komitees von Wissenschaftlern vorgelegt worden ist. Nach einer gründlichen Behandlung und eingehenden Untersuchung ihrer Teile hat dieses Komitee die folgende Erklärung über uns abgegeben: "In den Schriften von Said und den Schülern der Risale-i Nur findet sich nichts, was ausdrücklich oder auch nur andeutungsweise darauf schließen ließe, dass sie irgendeine Absicht hätten, den Glauben oder irgendeine religiöse Angelegenheit für ihre eigenen Zwecke zu missbrauchen, die Staatssicherheit zu gefährden, eine politische Partei zu gründen, oder in irgendeiner Weise gegen die Regierung zu konspirieren. Daraus wird verständlich, dass Saids Schüler in ihrem Briefwechsel keineswegs irgendwelche üblen Absichten gegen die Regierung nähren, die Absicht hätten, eine politische Partei zu gründen oder irgendeinen Sufi-Orden aufzurichten."
Ferner hat auch (ein weiteres) Komitee von Sachverständigen einstimmig erklärt, dass neunzig Prozent von Saids Abhandlungen sowohl aufrichtig als auch uneigennützig sind und in keiner Weise von den Grundsätzen der Wissenschaft, der Kenntnis der Wahrheit und des Glaubens abweichen. Es gibt da deutlich nichts in ihnen, was auf einen Missbrauch der Religion hindeuten, die Gründung einer politischen Partei betreffen würde oder die öffentliche Sicherheit gefährden könnte. Die (vorgefundenen) Briefe, also die Korrespondenz der Schüler untereinander, sowie auch die mit Said Nursi sind von der (oben dargestellten) Art. Mit Ausnahme von fünf oder zehn vertraulich gehaltenen Abhandlungen (risalah),Beschwerdebriefen oder Abhandlungen außerhalb des wissenschaftlichen Rahmens befassen sich alle Abhandlungen mit Versen aus dem Qur'an oder den Wahrheiten der ehrwürdigen Hadithe. Neunzig Prozent der aufgefundenen Abhandlungen bestehen aus Vergleichen, welche ganz klar die Grundsätze des Glaubens an Gott und Seine Propheten darstellen, ferner das Jenseits, aber auch die Terminologie, Lehrmeinungen, Ethik und Moral, sowie Ermahnungen für Ältere und Jüngere, für die Jugend und zudem einige Ereignisse ausgewählt aus seinen Lebenserfahrungen. Das alles aber enthält nichts, was dem Staat schaden könnte, seiner Regierung, seiner Verwaltung oder gar der öffentlichen Sicherheit.
So hat denn der Öffentliche Ankläger den Bericht dieses hohen Komitees ignoriert und statt dessen außerordentliche Anklagen gegen uns erhoben, die auf dem verworrenen, fehlerhaften ersten Bericht fußen, worüber wir denn nun wirklich sehr betroffen sind. Wir glauben, dass dies in keiner Weise passend ist für einen Gerichtshof, der dafür bekannt ist, recht und billig zu verfahren. Es erinnert dies, insoweit dieser Vergleich nicht unpassend erscheint, an den folgenden Vorfall:
Ein Bektashi- (Derwisch)wurde einmal gefragt: "Warum betest du nicht?" Der aber antwortete: "Es steht im Qur'an:
لاَ تَقْرَبُوا الصَّلٰوةَ
{"Nähert euch nicht dem Gebet!"(Sure 4, 43)}
Als man ihm aber entgegnete, er solle auch den Schluss der Ayah وَاَنْتُمْ سُكَارٰى {"... wenn ihr trunken seid."} lesen, wandte er dagegen ein: "Ja, ich bin doch kein Hafidh!" {Das heißt: "Ich kann doch nicht den ganzen Qur'an auswendig!" (A.d.Ü.)}
Sie nehmen also einen einzelnen Satz aus der Risale-i Nur heraus, achten nicht weiter darauf, was ihm folgt, ihn in den rechten Zusammenhang stellt und ihn erklärt, sondern verwenden ihn dann in dieser Form gegen uns. Dreißig, vierzig Beispiele dafür lassen sich, vergleicht man sie mit der Anklageschrift, in der Verteidigungsschrift finden, die ich vorlegen werde. Ich will hier nur einen subtilen Vorfall darlegen, der eines dieser Beispiele beleuchtet:
Der Öffentliche Ankläger des Gerichtshofes in Eskishehir gebraucht fälschlicherweise einen Ausdruck aus der Risale-i Nur, über die Unterweisung (ders)im Glauben, der gleichsam besagt: "Sie verdirbt das Volk." Und wenn er auch diesen Ausdruck später nicht mehr verwendet, so sagte doch einer der Schüler der Risale-i Nur mit Namen Abdurresak ein Jahr nach diesem Urteilsspruch:
"Du Unglückseliger! Die Risale-i Nur hat indirekt die Lobpreisungen von dreiunddreißig Ayat empfangen und ihr Wert für den Glauben wurde danach durch drei wunderbare Voraussagen von Imam Ali, mit dem Gott zufrieden sein möge, und die machtvollen Verkündigungen aus dem Unsichtbaren von Scheich Geylani (möge Gott seine Geheimnisse heiligen) bestätigt. In den letzten zwanzig Jahren hat sie der Regierung auch nicht den geringsten
Schaden zugefügt, und, außer dass sie dabei noch nie jemanden verletzt hat, hat sie doch Tausende Söhne dieses Landes erleuchtet und recht geleitet. Dennoch nennst du diese Rechtleitung ein Verderben und eine Irreleitung. Ja, fürchtest du dich denn überhaupt nicht mehr vor Gott!? Möge dir deine Zunge verdorren!"
Obwohl nun der öffentliche Ankläger diese durchaus berechtigten Worte des Schülers gelesen hat, möchte ich doch die von ihm gemachte Aussage: "Said hat in seiner Umgebung großes Unheil angerichtet." der Rechtmäßigkeit und Billigkeit Ihres Urteilsvermögens empfehlen.
In dem Gedanken, in die sozialen Lehren (ders)der Risale-i Nur eingreifen zu können, sagte der Öffentliche Ankläger: "Der Platz für den Glauben ist das Gewissen. Es kann nicht an Gesetze und Vorschriften gebunden werden. Es gab da früher einmal Unruhen, weil er an Gesetze gebunden war." Deswegen sage ich: "Religion besteht nicht nur aus dem Glauben allein. Seine zweite Hälfte ist das rechtmäßige Handeln. Genügt es etwa schon, wenn die Furcht, eingesperrt oder von einem Geheimagenten beobachtet zu werden, die Menschen daran zu hindern, eine ganze Reihe schwerer Sünden zu begehen, welche die Gesellschaft vergiften, wie Mord, alle Arten außerehelicher Beziehungen, Diebstahl, Spiel und Trunk? Wenn das so wäre, müsste ständig ein Polizist oder Geheimagent in jedem Haus oder sogar neben jedem einzelnen stehen, damit eine jede Seele in ihrer Begehrlichkeit sich vor derartigem Unrat zurückhielte. Währenddessen die Risale-i Nur einem jeden auf die Dauer aus dem Glauben heraus eine Art geistigen Wächter hinsichtlich seiner guten Werke gleichsam in den Kopf setzt. Der bewahrt ihn dadurch, dass er ihm (beständig) den höllischen Kerker und den Zorn Gottes in Erinnerung ruft, und bewahrt ihn mit Leichtigkeit vor allem Bösen."
Des weiteren gab der Öffentliche Ankläger infolge der Unterschrift unter einer der Abhandlungen (risalah),die eine schöne und ganz besonders wunderbare Übereinstimmung
aufweisen, einen sinnlosen Hinweis, indem er sagte, es sei hier von einem "Mitglied einer Organisation" die Rede. Ja, nennt man denn aufgrund solcher Unterschriften von Kaufleuten und Gastwirten in deren Geschäftsbüchern (solche Leute) etwa Mitglieder einer Organisation?! Es ist aber in Eskishehir schon ein Mal ein derartiger Verdacht aufgetaucht. Als ich dem entgegnete und dabei auf die "Abhandlung über die Wunder Mohammeds" hinwies, waren sie sehr erstaunt. Wären wir eine weltliche Organisation, wären diejenigen, die meinetwegen so viel Leid erfahren hatten, sich in völligem Abscheu vor mir davon gelaufen. Das aber heißt, dass genau so wie ich und wir alle in der Weise mit Imam Ghasali verbunden sind, dass (unser Bund) nicht gebrochen werden kann, weil er um des Jenseits (akhira)willen geschlossen wurde und nicht in Hinsicht auf das Diesseits (dunya).Deshalb auch haben diese frommen, reinen und unschuldigen, religiös gesinnten Leute einem so armseligen Menschen wie mir um seiner Unterweisung im Glauben willen eine so machtvolle Anhänglichkeit bezeigt. Das aber hat den Anlass zu derartig hohlen und absurden Verdächtigungen gegeben, eine politische Organisation zu sein. Mein letztes Wort:
حَسْبُنَا اللّٰهُ وَنِعْمَ الْوَكِيلُ
{"Gott ist unser befriedigender Anteil und unser bester Anwalt."}
Der Gefangene in Isolationshaft
Said Nursi
* * *
Der folgende Abschnitt ist von besonderer Bedeutung
بِاسْمِهِ سُبْحَانَهُ
{"Im Namen dessen, der gepriesen sei!"}
Ein bedeutungsvoller Absatz im letzten Wort
Meine Herren! Herr Präsident! Geben Sie einmal Acht!
Da eine Verurteilung der Risale-i Nur und ihrer Schüler darauf hinaus laufen würde, die Wahrheit des Qur'an und den Glauben (iman)selbst zu verurteilen, käme dies dem Versuch gleich - in unmittelbarer Folge eines völligen Unglaubens - jene Hochstraße zu sperren, auf der seit eintausend dreihundert Jahren dreihundert Millionen Moslems fahren und die zur Wahrheit und Glückseligkeit beider Welten führt. Damit aber werden Sie sich deren Abscheu und Protest zuziehen. Denn diejenigen, welche (heute) auf dieser Hochstraße kommen und gehen, unterstützen durch ihre Gebete (dua)und guten Werke (hasanat)diejenigen, die (vor ihnen hier vorüber) gekommen und gegangen sind. (Diese Verurteilung) würde zugleich auch wie eine Art Weltuntergang auf das Haupt dieses gesegneten Landes herabkommen. Was für eine Antwort wollen Sie denn am Tage des Jüngsten Gerichtes geben, wenn Sie im Angesicht von dreihundert Millionen (Menschen, die Sie) anklagen, gefragt werden: "Sie haben sich nicht um das französische Werk eines Dr. Dozy, mit dem Titel: "Die Geschichte des Islam" gekümmert, das vom Anfang bis zum Ende den Islam angreift, Ihr Land und seinen Glauben, noch um die Arbeit der Atheisten in Ihren Bibliotheken, auch nicht, dass sie dort frei zugänglich sind, noch um die Schüler derartiger Bücher, die sich zu illegalen Vereinigungen zusammengeschlossen haben, noch um die Vereinigungen, die sich Ihrer Politik entgegengestellt haben, die Kommunisten,
die Anarchisten und all die anderen revolutionären Vereinigungen, noch um die nationaltürkische Bewegung (Turandji)im negativen Sinne. Warum also sind Sie dann den Lesern eines Werkes der Wahrheit und Gerechtigkeit, wie der Risale-i Nur, einem wahrhaften Kommentar des Qur'an und seinen Schülern lästig gefallen, die doch gar keine Verbindung zur Politik, welcher Art auch immer, haben und die Hohe Straße des Qur'an und des Glaubens wandeln, einzig und allein um sich und ihre Mitbürger vor einer Hinrichtung für ewig und ihrer Isolationshaft (im Grabe) zu retten? Und warum haben Sie dann die Freundschaft und Bruderschaft dieser aufrichtigen, religiösen Menschen, die sich nur um das Jenseits bekümmern, eine politische Vereinigung genannt? Sie haben sie nun unter einem bizarren Gesetz angeklagt. Und genau das war es, was Sie gewollt haben." Auch wir wollen Sie hier genau das gleiche fragen. Unsere Gegner, die Atheisten und alle Heuchler betrügen Sie, führen das Gericht in die Irre und veranlassen die Regierung dazu, sich in einer Weise mit uns zu beschäftigen, die dem Volk schadet, indem sie einer völligen Unterdrückung das Etikett einer "Republik" aufkleben, eine alles umfassende Apostasie zur Staatsform erheben, eine schrankenlose Freizügigkeit als "Zivilisation" deklarieren, die Unterdrückung atheistischer Willkür als "Gesetz" bezeichnen. So werden Sie von ihnen in die Irre geführt. Auf diese Weise beschäftigen sie die Regierung, führen uns ins Elend und teilen so zugunsten fremdländischer Mächte Schläge aus gegen die islamische Herrschaft, gegen das Volk und sein Land.
Meine Herren! So wie dies bereits durch die vier schweren Erdbeben in vier aufeinander folgenden Jahren angezeigt worden ist, und zwar ganz genau im Zusammenhang mit vier schweren Verfolgungen von Schülern der Risale-i Nur und ihrer brutalen Behandlung, und die genau zu der Zeit einsetzten, als sich Ihre Angriffe (wieder einmal gegen) diese Schüler richteten und wieder aufhörten, wenn auch die Verfolgungen aufhörten, so sind Sie auch für diese
himmlischen wie irdischen Katastrophen verantwortlich, die sich ereignet haben, während wir eingekerkert waren!...
im Gefängnis von Denizli in Einzelhaft und völliger Isolation eingekerkerte Gefangene
Said Nursi
* * *
بِاسْمِهِ سُبْحَانَهُ
{"Im Namen dessen, der gepriesen sei!"}
Ein weiterer Teil meines letzten Wortes
Meine Herren!
Obwohl ich das öffentliche Leben von heute nicht kenne, hatte doch das Komitee der Sachverständigen in Ankara unsere so sicheren und dermaßen bestimmten Antworten auf die Anklageerhebung wegen der Bildung einer politischen Vereinigung, bestätigt, die Sie als einen Vorwand zu unserer Verurteilung so nachdrücklich nach vorne geschoben und über die Sie entschieden haben, als könne man sie von dem Weg ableiten, den der Öffentliche Ankläger eingeschlagen hatte. Während ich also noch überrascht und erstaunt darüber bin, dass Sie dermaßen auf diesem Punkt bestehen, entsteht nun in meinem Herzen die folgende Vorstellung: da nun einmal Freundschaft, brüderliche Vereinigungen und Versammlungen und aufrechte Verbindungen, soweit sie das Jenseits und die Brüderlichkeit betreffen, jede für sich sowohl der Grundstein sozialen Lebens und ein essentielles Bedürfnis der menschlichen Natur sind und ein Band (rabita)von großer Kraft, das bedeutendste unter den Menschen, angefangen vom Leben in der Familie, unter den Völkerstämmen, den Nationen, im Islam und in der ganzen Menschheit, ein Stützpunkt
und ein Trost angesichts aller Mühsal, die das spirituelle wie das materielle Leben verursacht und die Wurzel allen Schmerzes und aller Betroffenheit ist, die einem jeden einzelnen Menschen in der Welt begegnet und mit der er allein nicht fertig werden kann und die ihn daran hindert, seine Pflichten als Mensch und als Moslem zu erfüllen. Und da es nun einmal Leute gibt, die eine Zusammenkunft von Schülern der Risale-i Nur um der Lehren des Glaubens willen, was an und für sich höchst lobenswert und (ein Akt) der reinen Freundschaft rund um diese Lehren des Glaubens und des Qur'an ist und zur Glückseligkeit in dieser Welt, im Glaubensleben und im jenseitigen Leben führt und (nichts als) Kameradschaft auf dem Weg zur Wahrheit ist und eine (bloße) Zusammenarbeit, eine "politische Vereinigung" nennen, obwohl dies mit "Politik" gar nichts zu tun hat, so sind sie sicherlich und ohne allen Zweifel entweder auf eine ganz schlimme Weise betrogen worden, oder aber sie sind äußerst bösartige Anarchisten, die sowohl barbarische Feinde der Menschheit sind und nach der Art eines Nimrod Feinde des Islam und hegen Feindschaft gegenüber der Gemeinschaft in einer äußerst korrupten und entarteten Form von Anarchie und arbeiten als engstirnige und verbohrte Renegaten gegen dieses Land und sein Volk, die Souveränität des Islam und alle seine geheiligten Kennzeichen und Merkmale, oder sie sind wahre Teufel von Atheisten, die im Sinne fremdländischer Mächte daran arbeiten, die Lebensader dieser Nation zu zerstören. Sie betrügen die Regierung und bringen zugleich das gesamte Justizwesen in Verwirrung, indem sie unsere geistigen Waffen, die wir bis jetzt gegen den Teufel (in Menschengestalt, seine) Pharaonen und Anarchisten gerichtet haben, nun gegen uns verwenden, um unsere Brüder zugrunde zu richten und unser Land zu zerstören.
Der Gefangene
Said Nursi
* * *
Meine Herren!
Mit Ihrem Einverständnis möchte ich an Sie, und zwar offensichtlich in Ihrer Gegenwart, einige Worte richten, doch in Wirklichkeit an das geheime Komitee des Verderbens, welches im Gedanken an den Untergang viele Formen annimmt und in der Absicht, das Volk im Namen des Unglaubens und des Atheismus und im Interesse fremdländischer Mächte zugrunde zu richten seit dreißig, vierzig Jahren jede Gelegenheit ergriffen hat, den Qur'an und die Glaubenswahrheiten anzugreifen, aber auch an diese entmenschten, hirnlosen Beamten, hinter denen sie sich in dieser Angelegenheit wie hinter einem Vorhang verstecken, und auch an die Propagandisten (ihrer Interessen), die als Muslime verkleidet, diesen Gerichtshof in Verwirrung gebracht haben.
(Der Beschluss, uns bereits am folgenden Tag wieder zu entlassen, bewirkte, dass diese flammende Zusprache zurückgestellt wurde.)
Der in Einzelhaft und völliger Isolation eingekerkerte Gefangene
Said Nursi
* * *
Eine wahrheitsgetreue Antwort auf eine wichtige Frage:
Einige hochrangige Beamte haben mich gefragt: "Warum hast du nicht das Angebot von Mustafa Kemal angenommen, für ein Gehalt von dreihundert Lira anstelle von Scheich Sinusi das oberste Amt eines Predigers in Kurdistan und den östlichen Provinzen anzunehmen? Hättest du es angenommen, so hättest du auch veranlassen können, dass das Leben von hunderttausend Menschen gespart geblieben wäre, die dann während der Revolution ums Leben gekommen sind."
Ich gab ihnen zur Antwort: "Die Risale-i Nur, die für Hunderttausende unserer Landsleute der Weg war, auf dem sie für Millionen Jahre ein Leben im Jenseits gewinnen konnten, hat diese Aufgabe mehr als tausendmal erfüllt, und das anstelle eines weltlichen Lebens von zwanzig, dreißig Jahren, das ich nicht für diese Leute gewinnen konnte. Hätte ich dieses Angebot angenommen, wäre die Risale-i, die für nichts ein Werkzeug ist und niemandem unterstellt ist und das Geheimnis der Aufrichtigkeit umfasst, nicht zustande gekommen. Ich habe sogar meinen ehrenwerten Brüdern im Gefängnis gesagt: wenn diejenigen, die mich, nachdem sie eine schallende Ohrfeige durch die Risale-i Nur, die nach Ankara geschickt worden war, bekommen hatten, dazu verurteilt haben, hingerichtet zu werden, ihren Glauben mit Hilfe der Risale-i Nur retten werden und davor bewahrt werden, auf ewig hingerichtet zu werden, so sollt ihr meine Zeugen sein, dass ich ihnen von ganzem Herzen und ganzer Seele (ruh)vergeben (helal)werde!
Ich habe denjenigen, die mich nach unserem Freispruch in Denizli weiterhin verfolgt, belästigt und überwacht haben, den hochrangigen Beamten, dem Chef und den Inspektoren der Polizei gesagt: Es ist ein nicht zu leugnendes Wunder der Risale-i Nur, dass während einer neun Monate langen Untersuchungshaft bei Tausenden ihrer Schüler, in Hunderten von Abhandlungen und Briefen, während zwanzig Jahren meines Lebens in der Verfolgung keine Dokumente über irgendwelche Verbindungen mit irgendwelchen Organisationen oder sonstigen Vereinigungen irgendwelcher Art im Inland oder im Ausland gefunden werden konnten. Ja konnte denn eine derartige Situation durch irgendwelche Überlegungen oder das Ergreifen irgendwelcher Maßnahmen zustande gebracht werden? Wenn die privaten Belange eines Menschen über eine Anzahl von Jahren ans Licht gebracht werden, so finden sich darunter sicherlich zwanzig verschiedene Vorkommnisse, mit denen man ihn hätte in Verlegenheit bringen oder für die man
ihn hätte zur Verantwortung ziehen können. Da dies aber nun einmal so ist, werdet ihr entweder sagen: "Irgendein besonders brillanter, geradezu unbesiegbarer Genius schmiedet hier seine Pläne." Oder aber ihr müsst zugeben: "Dies ist ein ganz besonders gnadenreicher Schutz Gottes (hifdh-i Ilahi)."Und es wäre sicherlich ein Fehler, einen derartigen Genius bekämpfen zu wollen, und auch ein großer Schaden für Volk und Land. Sich aber einem derartigen Schutz Gottes und der Gnade des Herrn widersetzen zu wollen, käme der Verstocktheit eines Pharao gleich.
Wollten sie aber sagen:
"Wenn wir dich jetzt frei ließen und dich nicht weiter überwachen und unter Kuratel stellen würden, würdest du mit deinen Lehren und mit deinen geheimsinnigen (Machenschaften) im Verborgenen noch die ganze Gesellschaft anstecken."
So antworte ich ihnen:
Alle meine Lehren sind ohne Ausnahme auch durch die Hände der Regierung und des Justizwesens gegangen und man hat nicht ein einziges Vorkommnis entdecken können, für das man auch nur einen Tag Strafe hätte fordern können. Vierzig, fünfzig Tausend Kopien dieser Lehren sind von Hand zu Hand gegangen. Doch obwohl sie aufmerksam und mit großem Interesse untersucht wurden, haben ihre Leser nur davon profitiert und keinem von ihnen wurde dadurch irgendein Schaden zugefügt. Da aber nun weder der vorige noch der jetzige Gerichtshof irgendwelche indizierbare Verstöße registrieren konnte, ist es nun eine abscheuliche, sinn- und grundlose Ungerechtigkeit von Ihnen, gegen unseren Freispruch in Berufung zu gehen, der doch von dem neuen Gerichtshof einstimmig garantiert worden ist, mir gegenüber und gegen die Risale-i Nur, wie dies ja auch schon von dem früheren Gerichtshof mit Bestimmtheit bewiesen worden ist, der nur Urteile von sechs Monaten für fünfzehn unter hundertundzwanzig meiner Brüder fällen konnte, die damals eingekerkert waren, und das rein willkürlich, aufgrund von fünf oder zehn indizierten Worten in einhundertunddreißig
Abhandlungen und zugunsten einer Persönlichkeit, die in den Augen der Welt von besonderer Bedeutung ist. Des Weiteren habe ich keine neuen Lehren und keines meiner Geheimnisse ist verborgen geblieben, sodass sie es mir durch eine Überwachung entlocken könnten.
Nun aber brauche ich sehr meine Freiheit. Nachdem man mich zwanzig Jahre lang einer völlig unnötigen, ungerechten und sinnlosen Überwachung unterworfen hat, ist es nun endlich genug! Meine Geduld ist erschöpft. Es wäre möglich, dass ich jetzt in der Schwäche meines Alters alle die Flüche äußern könnte, vor denen ich mich bis jetzt zurückgehalten habe. "Die Seufzer der Unterdrückten steigen auf zu Gottes Thron." ist eine machtvolle Wahrheit.
Später dann sagten diese Despoten, welche in den Augen der Welt so hohe Plätze einnehmen: "Nicht ein Mal in zwanzig Jahren hast du eine unserer Kopfbedeckungen getragen. Nie hast du entblößten Hauptes vor einem der früheren Gerichtshöfe noch vor dem jetzigen Gerichtshof gestanden. Du hast dich uns stets in deiner alten Kostümierung präsentiert. Stattdessen haben siebzehn Millionen moderne Kleidung angelegt."
Ich aber antwortete ihnen: "Statt mich von der Schariah zu dispensieren und nun unter dem Zwang der Gesetze die Kleidung von nicht siebzehn Millionen, oder auch nur sieben Millionen Menschen zu tragen, sondern die von nur sieben Tausend in die Europäer vernarrter Trunkenbolde, ziehe ich es vor, in Übereinstimmung mit der Schariah und aus Furcht vor Gott die Kleidung von siebenhundert Millionen (Muslimen)
zu tragen. Man sollte nicht von einem Mann wie mir, der sich seit fünfundzwanzig Jahren vom öffentlichen Leben zurückgezogen hat, sagen: "Er ist verstockt und widersetzt sich uns." Und selbst wenn es meine Verbohrtheit wäre, und selbst Mustafa Kemal konnte (den Alten Said in seiner Verbohrtheit) nicht brechen, und zwei Gerichtshöfe konnten sie nicht brechen, und die Verwaltungshöfe dreier Provinzen konnten ihn darin nicht zerstören: wer bist dann du, dass du dich darum bemühst, mir diese Verstocktheit zum Schaden der ganzen Nation und ihrer
Regierung auszutreiben?! Selbst sollte er ein politischer Gegner gewesen sein, so hat er doch, wie du es selbst bestätigt hast, in diesen letzten zwanzig Jahren alle Verbindungen zur Welt abgebrochen; und du wirst ihn nicht wieder zum Leben erwecken, nachdem er nun gleichsam seit zwanzig Jahren (für die Welt) gestorben ist, und sich selbst einen solchen Tort antun, sich wiederum nutzlos ins politische Leben zu verwickeln und weiter gegen euch anzukämpfen. Es gleicht daher eher einer Geisteskrankheit, ihn eines politischen Widerstandes verdächtigen zu wollen. Da es aber einer Geisteskrankheit gleich kommt, mit geistig gestörten ernsthaft reden zu wollen, gebe ich es auf, mit Ihresgleichen noch weiter zu verhandeln. "Was immer Ihr unternehmen wollt," so habe ich gesagt, "ich fühle mich Ihnen gegenüber zu nichts verpflichtet.", was sie sowohl verärgert, als auch letztendlich zum Schweigen gebracht hat. Mein letztes Wort ist:
حَسْبُنَا اللّٰهُ وَنِعْمَ الْوَكِيلُ ٭ حَسْبِىَ اللّٰهُ لآَ إِلٰهَ اِلاَّ هُوَ عَلَيْهِ تَوَكَّلْتُ وَهُوَ رَبُّ الْعَرْشِ الْعَظِيمِ
{"Gott ist unser befriedigender Anteil und der beste Anwalt." (Sure 3, 173) "Gott ist mein befriedigender Anteil. Es gibt keine Gottheit außer Ihm. Auf Ihn vertraue ich und Er ist der Herr des gewaltigen Thrones." (9, 129)}
* * *
Während Bediüzzaman Said Nursi und die Nur-Schüler vor Gericht geführt werden, versuchen die Feinde des Islam die Leute einzuschüchtern und sie zu bedrohen, (weshalb sie nun) bei den öffentlichen Dienststellen völlig frei erfundene Mitteilungen zu Protokoll geben. Dabei bemühen sie sich, jedermann von Bediüzzaman fern zu halten. Sie alle sollen von der Risale-i Nur Abstand nehmen. Auch schmieden sie ihre Intrigen, um die Nur-Schüler untereinander zu spalten und ihre Solidarität zu brechen.
Wir wollen hier auch noch einen Teil der Briefe mit aufführen, die Bediüzzaman Said Nursi bereits im Gefängnis zu Denizli geschrieben hatte, damit sich die Nur-Schüler nicht von einer verlogenen Propaganda täuschen lassen und zugleich auch diesen Nur-Schülern, die sich zutiefst danach sehnten, ihrem geliebten Lehrer (Ustadh)zu begegnen, einen gewissen geistigen Trost zukommen zu lassen, wie er das ja auch schon früher getan hatte. Die Nur-Schüler besorgten sich insgeheim diese im Gefängnis geschriebenen Briefe und alle Werke ihres Lehrers (Ustadh)und brachten sie in Sicherheit. Denn Hazret-i Üstadh wurde in jedem Gefängnis in völliger Isolationshaft gehalten, weshalb ihm jede Begegnung mit anderen verboten war.
* * *
Da die nachstehende Schrift von einem Spion in die Hände der Behörden überliefert worden ist, wurde sie in die Sammlung "Lahiqa" aufgenommen.
بِاسْمِهِ سُبْحَانَهُ ٭ وَاِنْ مِنْ شَىْءٍ اِلاَّ يُسَبِّحُ بِحَمْدِهِ
{"Im Namen dessen, der gepriesen sei! Denn es gibt keines unter den Dingen, das nicht dankend Ihn lobpreist."}
Einen Tag vor dem Ehrwürdigen Ramadan, als das Fieber infolge einer Vergiftung, welche mir höchstwahrscheinlich meine gottlosen Feinde heimlich zugefügt hatten, was selbst der Arzt bestätigte, bereits die Vierzig-Grad-Grenze zu überschreiten begann, kamen die Staatsanwälte von Kastamonu mit einer Untersuchungskommission, um meine Unterkunft zu durchsuchen. Von diesem Augenblick an, nachdem dieser abscheuliche Anschlag über mich gekommen war, stieg in mir jenes Vorgefühl auf und ich sagte mir: "Diese Vergiftung hat mich schwer krank werden lassen und wird mir noch den Tod bringen. Da flehte ich in meinem Herzen, ich möge im Lande (vilayat)Isparta in
den Armen meiner kostbaren Brüder meinen Geist (ruh)aushauchen und dort in dieser gesegneten Erde begraben werden." Dann schlug ich meine Blütenlese (Hizb-ul Ekber)aus dem Qur'an auf und plötzlich fiel mein Blick auf die folgende Ehrwürdige Ayah:
وَاصْبِرْ لِحُكْمِ رَبِّكَ فَإِنَّكَ بِأَعْيُنِنَا وَسَبِّحْ بِحَمْدِ رَبِّكَ
{"So erwarte denn geduldig den Richtspruch deines Herrn. Denn du stehst vor unseren Augen. So preise nun deinen Herrn in Dankbarkeit!" (Sure 52, 48)}
Sie sagte zu mir: "Schau mich an!" Da blickte ich sie an (und siehe): Drei mächtige Hinweise (verwiesen mich) auf die Zeichen ihrer Bedeutung und spendeten uns ihren Trost. Da kam mir in den Sinn, dass diese Plage in gewisser Weise Null und nichtig geworden war. So verlegte man meine Haft nach Isparta, welches der fünfte Ort (meiner Verbannung) wurde und zugleich auch der Beweis dafür war, dass das Gebet meines Herzens (qalbi dua)erhört wurde.
Der erste Hinweis: Zählt man die Verdopplungszeichen (shedde)mit, so ergibt sich nach der Abdjed-Rechnung die Jahreszahl 1362, was nach arabischer Zählung zeitlich genau (mit dem Jahr) übereinstimmt (in dem wir uns jetzt befinden: 1942 n.C.). Sinngemäß heißt das: "Sei geduldig! Bezeuge, was dein Herr über dich bestimmt (kadha)hatte! Du stehst unter dem Auge Seiner Gnade (inayet).Sorge dich nicht! Setze in den Nächten auch weiterhin deine Lobpreisungen (tesbihat ve tahmidat)fort!"
Hier die exakte Analyse dazu:
3 ra-ر sechshundert; 4 nun-ن zweihundert; 1 sin-س eins mim-م einhundert; 1 sad-ص eins, 1 fe-ف , eins mim-م zweihundertundzehn; 4 kef-ك , ein 'ayn-ع einhundertfünfzig; 1 ha-ح , ein vav-و , ein ye-ى vierzig; 1 lam-ل , neun be-ب , ein dal-د , ein vav-و , vier elif-ا zweiundsechszig;
Alles zusammengerechnet ergibt 1362.
Es ist exakt dieselbe Zeit, in der dieses Unheil über uns gekommen ist, jetzt in diesem Augenblick, mit einer absolut genauen Übereinstimmung! Fürwahr ein mächtiges Zeichen!
..........
Da die Erklärung des dritten Hinweises z.Zt. nicht notwendig ist, kann ich sie hier jetzt nicht niederschreiben.
Said Nursi
* * *
بِاسْمِهِ سُبْحَانَهُ
{"Im Namen dessen, der gepriesen sei."}
Zu einer Zeit, als ich infolge der Auswirkungen dieses Ereignisses mich mit großem Ernst und in aller Bestimmtheit dazu entschloß, mich von ganzem Herzen für meine unschuldigen Brüder einzusetzen und nun nach einer Lösung (für dieses Problem) suchte, las ich die "Djeldjelutiye".Da kam mir plötzlich der Gedanke, dass ja dort Imam Ali, mit dem Gott zufrieden sein möge, betet: "Oh Herr, habe Mitleid (aman)mit uns!" Möge Gott es so wollen (insha-a'llah),dass auch ihr im Geheimnis dieser Anrufung (dua)in Frieden entlassen werdet.
In seinen "Qasidat-ul'Djeldjelutiye"berichtet uns Hazret Ali, mit dem Gott zufrieden sein möge, in der Tat auf zwei verschiedene Arten über die Risale-i Nur und weist auf "Das Große Zeichen" hin, indem er sagt:
وَبِاْلاٰيَةُ الْكُبْرٰى اَمِنِّى مِنَ الْفَجَتْ
{"Und durch "Das Große Zeichen" errette mich vor Unheil und Trübsaal!"}
Mit dieser Andeutung weist er darauf hin, dass ein großes Unheil die Schüler der Risale-i Nur aufgrund des "Großen Zeichens" überkommen werde und fleht, dass doch seine Schüler um des "Großen Zeichens" willen aus Unheil
und "fedjet"(Trübsaal) gerettet (aman)werden mögen. So macht er diese Abhandlung (Risalah)und die ihr zugrunde liegende Quelle (: Ayah 17,44) zu ihrem Fürsprecher. So war denn die Drucklegung des "Großen Zeichens" der Vorwand für das Unheil, das daraus folgte und bestätigte in der Tat genau diesen Hinweis aus dem Verborgenen.
Ferner heißt es dort in dieser Kasside auf der gegenüberliegenden Seite, am Ende des Hinweises auf die bedeutendsten Abschnitte der Risale-i Nur und ihrer Anordnung sinngemäß:
وَتِلْكَ حُرُوفُ النُّورِ فَاجْمَعْ خَوَاصَّهَا وَحَقِّق مَعَانِيهَا بِهَا الْخَيْرُ تُمِّمَتْ
{"Von den Worten des Lichtes sammle die besonderen und erforsche ihre Bedeutungen. Denn durch sie wird das Gute erfüllt."}
Das heißt also: "Dieses sind die Worte und Buchstaben (huruf)der Risale-i Nur, auf die wir verschiedene Hinweise gegeben haben. Lies die besonderen unter ihnen heraus und erforsche ihre Bedeutungen. Denn alles Glück und alles Gute wird durch sie vervollkommnet." Die Aufforderung: "Erforsche die Bedeutung der Buchstaben (huruf)!"bezieht sich nicht auf die alphabetische Reihenfolge der Buchstaben, die keinen Sinn ergibt, sondern auf die Abhandlungen (risalah),die auf Türkisch "Sözler", d.h. arabisch "kelimat"(: Worte) oder auch "bi-l'huruf"(: buchstäblich, wörtlich) genannt werden.
لاَ يَعْلَمُ الْغَيْبَ اِلاَّ اللّٰهُ
{"Niemand kennt das Verborgene außer Gott."}
رَبَّنَا لاَتُؤَاخِذْنَا اِنْ نَسِينَا اَوْ اَخْطَأْنَا
{"Unser Herr! Ziehe uns nicht zur Rechenschaft, wenn wir vergesslich waren oder uns versehen haben!" (Sure 2, 286)}
Diverse Briefe an seine Schüler
بِاسْمِهِ سُبْحَانَهُ
{"Im Namen dessen, der Gepriesen sei."}
Meine lieben, getreuen Brüder!
Zur vergangenen Nacht der Bestimmung (leylatu-l'-qadr)und den kommenden Festtagen (Bayram Ramadhan)gratuliere ich euch aus meinem ganzen Sein (maudjudiyet)heraus und vertraue euch der Einheit und dem Erbarmen Gottes, des Erbarmers, des Allbarmherzigen an. In Übereinstimmung mit dem Geheimnis (der Hadith) مَنْ اٰمَنَ بِالْقَدَرِ أَمِنَ مِنَ الكَدَرِ {"Wer dem göttlichen Vorherwissen vertraut, bleibt von Sorgen verschont."} sehe ich zwar nicht, dass ihr eines Trostes bedürftet, möchte euch aber dennoch sagen:
وَاصْبِرْ لِحُكْمِ رَبِّكَ فَأِنَّكَ بِأَعْيُنِنَا وَسَبِّحْ بِحَمْدِ رَبِّكَ
{"Erwarte nun in Geduld die Befehle deines Herrn! Denn fürwahr: wir haben dich stets vor unseren Augen! So lobe und preise nun deinen Herrn!" (Sure 52, 48)}
In der Bedeutung, auf die diese Ayah hinweist, habe ich gesehen, dass mir in ihr jegliche Tröstung gegeben wurde. Es ist dies wie folgt:
Während ich noch darüber nachdachte, die Welt zu vergessen und den Ramadan in aller Stille zu verbringen, ereignete sich plötzlich dieser unvorhergesehene und ganz und gar über alles Erträgliche hinaus schreckliche Zwischenfall. Dennoch bezeuge ich, dass er sowohl für mich, als auch für die Risale-i Nur, als auch für euch und für unseren Ramadan, als auch für unsere Bruderschaft die reine Gnade ist. Ich will hier nun nur zwei oder drei der großen Vorteile schildern, die er für mich selbst hat.
Erstens:
Eine geradezu ekstatische Ernsthaftigkeit und Einsatzbereitschaft, meine Zufluchtnahme und mein Flehen zu Gott ließen mich meine schwere Krankheit überwinden und (machten es mir möglich, mich auch) im Ramadan einzusetzen.
Zweitens:
Mein Wunsch, euch alle in diesem Jahr einmal wiederzusehen und mit euch beisammen zu sein, war besonders heftig. Auch nur einen von euch wiederzusehen und wieder einmal nach Isparta zu gehen, hätte ich jegliche Mühsal auf mich genommen.
Drittens:
Zudem änderten sich plötzlich auf eine ganz außerordentliche Weise alle diese schmerzlichen Zustände sowohl noch in Kastamonu, als auch schon auf dem Wege hierher, als jetzt auch hier (in Denizli).Im Gegensatz zu dem, was ich eigentlich erwartet und befürchtet hatte, wurde eine gnädige Hand sichtbar, was mich ausrufen lässt:
اَلْخَيْرُ فِيمَا اخْتَارَهُ اللّٰهُ
{"Das Gute liegt in dem, was Gott beschlossen hat."}
Was mich am meisten dazu brachte, mir dessen bewusst zu werden, war, dass Er selbst noch die gottvergessensten und sogar diejenigen, die in dieser Welt auf den höchsten Rängen sitzen, dazu bringt, die Risale-i Nur mit größter Aufmerksamkeit zu lesen und so noch weitere Bereiche für die Eroberung (der Herzen) öffnet. Ich habe jedermanns Schmerzen und allen Kummer wie mein eigenes Leiden erlitten. Doch seitdem eine jede Plage hundert Verdienste (sevab)einer Stunde Dienst und Anbetung auf Tausend erhöht, da ja im gesegneten Monat Ramadan eine jede Stunde so viel wie hundert Stunden entspricht, wurden mein Kummer und meine Sorge für Menschen, die so aufrichtig (ikhlas)sind wie ihr und die Lektionen der Risale-i Nur sorgfältig gelernt haben und nun wissen, dass die Welt flüchtig und vergänglich wie ein Marktplatz ist,
und die alles um ihres Glaubens willen und für das Jenseits zum Opfer bringen, und die glauben, dass alle diese vorübergehenden Plagen in der Schule Josefs ewige Freude und Gewinn erbringen werden, seitdem wurden sie in Glückwünsche, in Lob und Anerkennung eurer Standhaftigkeit umgewandelt. So erklärte ich denn
اَلْحَمْدُ لِلّٰهِ عَلٰى كُلِّ حَالٍ سِوَى الْكُفْرِ وَالضَّلاَلِ
{"Lobpreis und Dank sei Gott für eine jegliche Gegebenheit, es sei denn (für den Zustand) des Unglaubens und des Irrtums."}
Ich bin nun der Meinung, dass es in dieser Hinsicht sowohl für mich selbst als auch für unsere Bruderschaft als auch für uns alle jetzt im Ramadan, wie auch für die Risale-i Nur so viele Vorzüge gibt, dass wir, würde nun der Schleier hinweggezogen, ausrufen würden: "Oh Herr! Dank sei Dir! Dieses göttliche Vorauswissen (qadr)und seine Bewahrheitung (qadha)sind für uns ein Geschenk Deiner Güte (inayet)!"
So tadelt denn nicht diejenigen, die all die Umstände zuwege gebracht haben. Diese so weitreichenden und so furchterregenden Pläne zu diesen unheilvollen Geschehnissen waren schon seit langem (für euch) vorbereitet. Doch innerlich sind wir ganz leicht darüber hinweg gekommen. Möge Gott es wollen, dass dies alles schnell vorüber geht. Nach dem Geheimnis der Ayah
عَسٰى أَنْ تَكْرَهُوا شَيْئًا وَهُوَ خَيْرٌ لَكُمْ
{"Vielleicht ist euch etwas zuwider, und es ist doch gut für euch!" (2, 216)}
So seid also nicht betrübt!
Said Nursi
* * *
بِاسْمِهِ سُبْحَانَهُ ٭ وَاِنْ مِنْ شَىْءٍ اِلاَّ يُسَبِّحُ بِحَمْدِهِ
Meine lieben Brüder!
Ich bin sehr froh, wieder in eurer Nähe zu sein. In meiner Vorstellung unterhalte ich mich zuweilen mit euch und dann fühle ich mich dabei auch getröstet. Wisset, dass wenn es möglich wäre, ich es mir zur Ehre gereichen lassen, all eure Leiden mit Freuden auf mich zu nehmen. Euretwegen liebe ich Isparta und seine Umgebung bis hin zu seiner Erde und seinen Steinen. Ja ich sage sogar und werde das auch öffentlich erklären: sollte die Justizbehörde in Isparta mir irgendeine Strafe auferlegen, während irgendein anderer Bezirk mich freispräche, würde ich dennoch diese (Gegend) hier vorziehen.
Ich bin Isparta in der Tat in dreierlei Hinsicht verbunden. Ich kann es zwar geschichtlich nicht nachweisen, bin aber dennoch davon überzeugt, dass Saids in der Umgebung von Isparit (bei Bitlis) zur Welt gekommene Vorfahren von da hierher gekommen sind. Und die Stadt Isparta hat mir so treue Brüder geschenkt, dass ich glücklich wäre, für jeden von ihnen nicht nur Abdulmedjid und Abdurrahman, sondern auch Said zum Opfer zu bringen.
Ich vermute, dass es z.Zt. auf dem ganzen Erdenrund niemanden gibt, der sich in seinem Herzen, in seinem Geist, seinem Verstand weniger Leid zuzieht als die Schüler der Risale-i Nur. Denn Herz, Geist und Verstand ziehen sich im Lichte eines aufrechten Glaubens kein Leid zu. Was körperliche Leiden betrifft, so wissen sie aus den Lehren der Risale-i Nur, dass sie sowohl vergänglich als auch ohne jede Bedeutung, zugleich aber verdienstvoll sind und ein Mittel, durch das sich der Dienst am Glauben in anderen Kanälen weiter fortentwickelt, weshalb sie ihnen mit Dankbarkeit
und in Geduld begegnen. Sie beweisen durch ihren Gemütszustand, dass ein aufrechter Glaube (iman)noch in dieser Welt eine Quelle der Glückseligkeit ist. So sagen sie in der Tat: "Lasst uns sehen, was unser Herr (Maula)tut. Was immer Er tut, ist wohlgetan." Deshalb bemühen sie sich standhaft, diese vergängliche Mühsal in bleibende Labsal umzuwandeln.
Möge Gott der Erbarmer aller Barmherzigen die Zahl derer, die ihnen gleichen vermehren und sie zu einer Quelle des Glückes und des Stolzes für dieses Land machen und ihnen die ewige Glückseligkeit in den Gärten des Paradieses schenken! Amen
Said Nursi
* * *
بِاسْمِهِ سُبْحَانَهُ
{"Im Namen dessen, der Gepriesen sei."}
Nochmals gratuliere ich euch zu den Festtagen. Seid nicht traurig, dass wir uns nicht persönlich begegnen können. In Wahrheit sind wir ja allezeit beieinander. Möge Gott es wollen (insha-a'llah),dass dieses Zusammensein auf dem gemeinsamen Weg sich in Ewigkeit fortsetzen wird. Ich bin davon überzeugt, dass die ewigen Verdienste, die Tugenden und Freuden des Geistes und des Herzens, die dir im Dienst am Glauben zuteil werden die gegenwärtigen, zeitlichen, rein vorübergehenden Sorgen in nichts zusammenschmelzen lassen. Es hat bis jetzt noch nie jemanden gegeben, der so wenig unter den Schwierigkeiten gelitten hätte wie die Schüler der Risale-i Nur in ihrem heiligen Dienst. Das Paradies ist in der Tat nicht billig zu haben. Andere vom absoluten Unglauben zu erretten, der das Leben in beiden Welten zerstört, ist in unserer Zeit von allergrößter Wichtigkeit. Wenn auch ein klein wenig Mühe damit verbunden ist, sollte man dem doch mit Begeisterung, Dankbarkeit und Geduld begegnen. Da unser
Schöpfer, der uns in Dienst nimmt, allbarmherzig und weise ist, sollten wir auf Sein Erbarmen und Seine Weisheit vertrauen und allem mit Freude und Zufriedenheit begegnen.
Said Nursi
* * *
Was ich in meiner letzten kurzen Verteidigungsrede gesagt habe:
Was uns die Risale-i Nur über die Liebe (shefqat),das Gewissen, Wahrhaftigkeit (haqq)und Wirklichkeit (haqiqat)lehrt, hält uns von der Politik ab. Denn Unschuldige stürzen ins Unglück (bela).Wir aber würden ihnen gegenüber ungerecht sein. Einige Leute wollten dafür eine Erklärung hören. Ich sagte ihnen:
In unserem stürmischen Jahrhundert haben Rassismus und Egoismus, wie er aus der Grausamkeit der Kolonialmächte erwuchs, und die Militärdiktaturen, die aus dem letzten Weltkrieg hervorgegangen sind, und eine Gnadenlosigkeit als Folge der Irrleitung zu einer so außergewöhnlichen Ungerechtigkeit und zu einer so außergewöhnlichen Tyrannei geführt, dass, wollten die Leute der Wahrheit ihre Rechte mit physischer Gewalt verteidigen, oder mit einer außergewöhnlichen Ungerechtigkeit, würden viele Unglückliche unter dem Vorwand, Partisanen zu sein, verbrannt werden; und in dieser Lage werden auch sie höchst ungerecht sein und besiegt werden. Denn diejenigen, welche aus den obigen Gefühlen heraus reagieren, werden unter irgendeinem primitiven Vorwand für die Fehler von ein, zwei Leuten zwanzig, dreißig schlagen und sie vernichten. Wenn aber die Leute der Wahrheit auf dem Wege von Recht und Gerechtigkeit nur den schlagen, der schlug, so besiegen sie nur den einen angesichts des Verlustes von dreißig und befinden sich so in der Position des Unterlegenen. Wollten aber die Leute der Wahrheit in Übereinstimmung
mit dem ungerechten Gesetz der Vergeltung mit Gleichem gleichfalls zwanzig, dreißig Leute an die Wand stellen für ein oder zwei, die verkehrt gehandelt haben, so begingen sie im Namen der Gerechtigkeit eine fürchterliche Ungerechtigkeit.
So ist denn dies nun die Wahrheit und Weisheit und der Grund dafür, dass wir es auf Weisung des Qur'an stets mit solchem Nachdruck, ja Abscheu vermieden haben, uns um die Politik zu kümmern und in die Regierungsgeschäfte einzumischen. Denn die Macht der Wahrheit (haqq),über die wir verfügen, ist von der Art, dass wir unser Recht (haqq)ohne jede Einschränkung hätten verteidigen können. Da aber ein jedes Ding unbeständig und vergänglich ist und der Tod nicht stirbt und das Tor des Grabes sich nicht schließt, doch Leid sich in Barmherzigkeit umwandelt, werden wir sicherlich mit Geduld und in Dankbarkeit auf Gott vertrauen und schweigen. Dieses Schweigen aber unter Zwang und Druck zu brechen wäre der Einsicht in die Gerechtigkeit, dem Eifer für das Land und der Hingabe für das Volk ganz und gar konträr und entgegengesetzt.
Zusammenfassung:
Die Mitglieder der Regierung, die Politiker, die Verwaltungsbeamten, die Aufsichtsbeamten, die Polizei und die Organe der Justiz haben nichts, weswegen sie mit uns in Streit geraten sollten. Es könnte höchstens so sein, dass einige versteckte Atheisten in ihrem völligen Unglauben, den keine Regierung der Welt verteidigen könnte und der keinem verständigen Kopf irgendeines Menschen willkommen sein dürfte, und in ihrer fanatischen Glaubenslosigkeit, der aus ihrem Materialismus erwächst und eine fürchterliche Seuche für die Menschheit ist, und in ihrer Bosheit eine gewisse Anzahl von Regierungsbeamten betrügen, sie zu Verdächtigungen aufstacheln und sie gegen uns aufhetzen. Wir aber sagen dagegen: selbst wenn sie nicht nur ein paar argwöhnische Leute sondern selbst die ganze Welt in dieser Weise gegen uns aufhetzten, würden wir in der Kraft des Qur'an und mit der Gnade Gottes nicht fliehen; wir würden unsere Waffen nicht vor
dem völligen Unglauben dieser Renegaten und Agnostiker niederlegen!...
Said Nursi
* * *
بِاسْمِهِ سُبْحَانَهُ
{"Im Namen dessen, der Gepriesen sei."}
Meine lieben, getreuen Brüder!
Eure Standhaftigkeit und Unerschütterlichkeit lässt alle Pläne der Atheisten und Heuchler scheitern.
Meine Brüder, es gibt hier in der Tat nichts zu verbergen. Diese Atheisten vergleichen die Risale-i Nur und ihre Schüler mit den Sufi-Orden und besonders mit dem Naqshibandi-Orden. So schmiedeten sie ihre Pläne, uns zu verderben und zu vernichten, uns in einen Hinterhalt zu locken und letztendlich klein zu kriegen, so wie sie zuvor bereits die Sufis besiegt hatten.
Erstens:
Durch uns in Angst und Schrecken zu versetzen und einzuschüchtern und dabei aufzuzeigen, mit welch schlimmen Dingen der Sufi-Orden seine Zeit verschwendet.
Zweitens:
Um die Fehler ihrer Anführer und ihrer Angehörigen bekannt zu machen.
Drittens:
Indem sie sie durch ein zwar ausschweifendes, aber dennoch recht verlockendes (Leben) und das berauschende, aber durchaus wohlschmeckende Gift ihrer materialistischen Philosophie und Zivilisation verderben, ihre Bereitschaft, sich füreinander einzusetzen, untergraben, sie durch Lüge und Verrat gegen ihre Lehrmeister aufbringen und ihre Berufung (meslek)durch die Grundsätze ihrer Wissenschaft und Philosophie in deren Augen herabzuwürdigen. Sie haben uns mit den gleichen Waffen angegriffen, die sie auch gegen die Naqshibandis und andere Sufis verwendet hatten, haben sich aber dabei getäuscht. Denn da die Risale-i Nur von ihrer Basis her eine Berufung (meslek)
zu völliger Wahrhaftigkeit ist, Entsagung und ein selbstloses (Leben verlangt und dazu aufruft), Gottes Barmherzigkeit (rahmet)auch noch unter Schwierigkeiten zu entdecken, auch im Leid eine beständige Freude zu empfinden, auf den Schmerz und die Pein hinzuweisen, welche alle vergänglichen Vergnügungen eines ausschweifenden (Lebens) mit sich bringen, wobei der Glaube zugleich auch der Quellgrund zahlloser Freuden ist, und dabei alle die Punkte und Wahrheiten zu lehren, nach der alle westlichen Philosophien vergeblich ihre Hände ausstrecken, so möge Gott es auch wollen (insha-a'llah),dass alle ihre Pläne in Nichts zerrinnen werden. Was aber die Risale-i Nur betrifft, so braucht sie einen Vergleich mit den Sufi-Orden (tariqat)nicht zu scheuen und wird sie alle noch zum Schweigen bringen.
Said Nursi
* * *
بِاسْمِهِ سُبْحَانَهُ
{"Im Namen dessen, der gepriesen sei."}
Meine lieben, getreuen Brüder!
Ich bin davon überzeugt, dass diejenigen, die nicht durch die schwere Prüfung in den beiden "Schulen Josefs", die frühere und die jetzige, erschüttert worden sind, ihre Lektionen nicht versäumt haben und es doch nicht aufgegeben haben, weiter ihre Schüler zu sein, obwohl sie sich schon an der heißen Suppe ihren Mund verbrannt haben, und deren moralische Kraft trotz aller Widerstände noch ungebrochen geblieben ist, ihren Beifall sowohl bei allen Leuten der Wahrheit (haqiqat)dieser und künftiger Generationen finden, wie ihnen sicherlich auch alle Engel und guten Geister zujubeln werden. Weil aber einige unter euch krank, von empfindsamer Natur oder arm sind, ist die körperliche Anstrengung für sie beträchtlich. Wenn ich jedoch dabei an all die anderen denke, die ihnen Trost spenden,
die ihnen in gutem Benehmen (ahlak)und in der Geduld ein hervorragendes Beispiel geben, an die liebenswerten (shefqat)Brüder, die ihnen eine Stütze sind und ihnen voll Güte ihre Aufmerksamkeit schenken, die ihnen bei der Besprechung der einzelnen Lektionen geistreiche Partner (muhatab)sind, die ihnen in allen guten Sitten als ein Spiegel dienen und so alle körperliche Mühsal zu einer Nichtigkeit werden lassen, so fühle ich mich (in all meiner Sorge) um euch, die ich mehr liebe als mein Leben (ruh),wahrhaftig (haqq)getröstet.
Eines Tages werde ich euch Maulana Khalids (1779 - 1827) Gewand übersenden, das hundertundzwanzig Jahre alt ist. Ich werde jeden einzelnen von euch in seinem Namen damit einweihen, segnen und beschenken, so wie er auch mich einst eingeweiht hat. Ich werde es euch übersenden, wann immer ihr dies wünscht.
Said Nursi
* * *
Meine lieben, getreuen Brüder!
Die Weisheit (hikmet)hinter der Gerechtigkeit (adalet),mit der uns Göttliches Vorherwissen (Qader-i Ilahi)hierher in diese Schule Josefs in Denizli geführt hat, liegt darin, dass sowohl ihre Gefangenen, als auch ihre Leute, ja vielleicht sogar ihre Vollzugs- und Justizbeamten die Risale-i Nur und ihre Schüler nötiger haben als die Leute irgendwo anders. Aus diesem Grund werden wir hier dieser schweren Prüfung unterzogen als einer Aufgabe im Glauben und für das Jenseits. Nur ein oder zwei Gefangene unter zwanzig oder dreißig hatten vorher die Gebete (namaz)so verrichtet, wie es sich gehört (tadil-i erkan).Jetzt haben alle vierzig bis fünfzig ohne Ausnahme damit begonnen, den Nur-Schülern zu folgen und die Gebete (namaz)in aller Vollkommenheit zu verrichten. Dies ist eine solche Schulung (ders)und Führung (irshad)im Ausdruck ihrer Haltung und ihrer Tat (lisan-i hal ve fiil),dass sie alle Mühsal und alle Anstrengungen daneben in Nichts zerrinnen,
ja sie geradezu lieben lässt. Wir erhoffen von der Barmherzigkeit (rahmet)und Güte Gottes (inayet),dass, so wie die Schüler diese Lektion durch ihr Beispiel (ef'al)erteilt haben, sie auch durch den starken und wahrhaftigen Glauben (tahqiq-i iman)in ihren Herzen zu einer stählernen Festung werden, welche die hier anwesenden Leute des Glaubens von allen Zweifeln und Verdächtigungen durch die Leute des Irrweges befreit.
Die Weltleute, die uns hier davon abhalten wollen, miteinander zu reden und Kontakt miteinander zu halten, können uns nicht schaden. Der beredte Ausdruck unserer Haltung ist weitaus stärker als unser mündlicher Ausdruck und spricht mit einer größeren Wirkung. Da man nun einmal ins Gefängnis geht, um erzogen zu werden, sollten die Wärter, wenn sie das Volk lieben, doch den Gefangenen erlauben, sich mit den Schülern der Risale-i Nur zu treffen, sodass sie in einem Monat, ja vielleicht sogar schon an einem Tag mehr an Erziehung erhalten könnten, als sonst in einem ganzen Jahr und so zu Menschen werden könnten, zu Nutz und Frommen für sich selbst in ihrer eigenen Zukunft und im Jenseits, für ihr Land und sein Volk. Es wäre auch von großem Vorteil, wenn wir hier einen "Wegweiser für die Jugend (Gentjlik rehberi)"hätten. Möge Gott es so wollen (insha-a'llah),dass wir ihn eines Tages bekommen werden.
Said Nursi
* * *
Meine lieben, getreuen Brüder!
Heute erinnerte ich mich wieder an das euch ja bereits bekannte Gespräch zwischen meinem seligen älteren Bruder Molla Abdullah und Hasret-i Ziyaeddin. Danach aber dachte ich an euch und sagte in meinem Herzen zu mir selbst: "Sollte sich der Vorhang zur unsichtbaren Welt heben und ein jeder dieser wahrhaft gläubigen und wirklich ernst zu nehmenden Muslime, die in diesen unruhigen Zeiten eine solche Standhaftigkeit bewiesen haben und inmitten
dieser tosenden, flammenden Zustände unerschütterlich geblieben sind, würde sich als ein Freund Gottes (veli)oder gar als ein Pol im geistlichen Leben (qutub)herausstellen, so würde doch ihre Bedeutung und mein Interesse an ihnen in meinen Augen kaum etwas gesteigert werden. Auch sollte es sich herausstellen, dass sie ganz einfache, gewöhnliche Leute gewesen sind, so bliebe ich doch entschlossen, meine Wertschätzung ihnen gegenüber in keiner Weise zu verringern. Denn die Aufgabe, seinen Glauben unter derart extremen Bedingungen zu bewahren, ist größer als was sonst auch immer. In derartigen, von schweren Unruhen und Erschütterungen heimgesuchten Umständen verflüchtigen sich die Tugenden, die man Leuten in gehobener Stellung (maqam)zugeschrieben hatte und die gute Meinung anderer über sie, sobald ihr guter Ruf zerstört wurde und (ihre Schüler) in ihrer Liebe (muhabbet)nachlässig werden. Sodann fühlt sich derjenige, der diese Tugenden besitzt, dazu gezwungen, in seinem Auftreten zu Kunstgriffen und leeren Phrasen seine Zuflucht zu nehmen und ein besonders würdevolles Benehmen an den Tag zu legen, um seine Stellung in den Augen (seiner Schüler) zu retten. So sei denn ein unendlicher Dank (dem, der) uns nicht einem derartigen Bedürfnis nach solch kalten Kunstgriffen (überlassen hat)!
Said Nursi
* * *
Meine lieben Brüder!
Sicherlich hat die allgemeine Lage auf die Leute der Regierungspartei und einen Teil der Beamten abschreckend gewirkt und sie dazu bewegt, sich von der Risale-i Nur zurückzuziehen, doch zugleich auch die Aufmerksamkeit aller Anhänger der Oppositionspartei, sowie bei allen religiösen Leuten eine Sehnsucht und ein Interesse bei den zuständigen Beamten geweckt. Macht euch also keine Sorgen: diese Lichter werden noch aufgehen!
Said Nursi
* * *
Meine lieben Brüder!
Ich möchte doch einmal annehmen, dass unsere letzte, aufrichtige Verteidigungsschrift die kurze Abhandlung sein wird, welche eine Frucht unseres Gefängnisaufenthaltes in Denizli ist. Denn mit den Plänen, die in den letzten Jahren, die zunächst aufgrund einiger bloßer Verdächtigungen, dann aber in großem Umfang gegen uns geschmiedet wurden, verhält es sich folgendermaßen: "Man hat uns aufgrund einiger völlig haltloser Vorwürfe, wie der Gründung eines Sufi-Ordens oder der Aufrichtung eines Geheimbundes, oder aber ein Werkzeug in den Händen fremdländischer Mächte zu sein, der Ausnutzung religiöser Gefühle zu politischen Zwecken, einer Wühltätigkeit gegen die Republik oder einer Einmischung in die Angelegenheiten der Regierung und eine Störung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung, angegriffen. Gott dem Gerechten sei endlos Dank, dass ihre Pläne im Sand verlaufen sind. In einem derart weitläufigen Gebiet mit Hunderten von Schülern und Hunderten von Abhandlungen hatte man im Verlaufe von achtzehn Jahren außer den Wahrheiten (haqiqat)des Glaubens, dem Qur'an und einem steten Streben nach einem wahren (tahqiq)Jenseits und der Ewigen Glückseligkeit weiter nichts finden können. Um ihre wahren Absichten besser verheimlichen zu können, begannen sie, nach jedem nur möglichen Vorwand zu suchen. Doch denke ich einmal, dass angesichts dieser furchtsamen und feigen Atheisten und einer Organisation, die selbst schon einige leitende Persönlichkeiten unter der Regierung betrogen hat, um sie gegen uns aufzubringen, (einer Organisation) die sich gegen uns gewandt hat, möglicherweise, um uns anzugreifen, wir genötigt waren, eine Abhandlung über die Frucht des Glaubens (Meyve Risalesi:Fruchtabhandlung) als eine machtvolle Verteidigung gegen sie zu schreiben, die so klar wie die Sonne ist, alle Zweifel zerstreut und so fest und unerschütterlich ist wie ein Berg, um sie wieder zum Schweigen zu bringen.
Said Nursi
* * *
Meine lieben Mitbrüder!
Als ich am heutigen Freitag mit besonderer Aufmerksamkeit einen Abschnitt (hizb)aus dem Qur'an las, seid ihr mir wieder in Erinnerung gekommen. "Was sollen wir nur tun, um uns vor diesem Unheil retten zu können?", habt ihr mich mit eurer Haltung gefragt. Und in meinem Herzen entstand (die Vorstellung): In fester Verbundenheit sollt ihr Hand in Hand und Schulter an Schulter stehen. Denn diejenigen, welche sich voneinander, von der Risale-i Nur und von mir zurückziehen und mich verleugnen und statt dessen der versteckten Macht, die uns erdrücken will, heucheln und schmeicheln und dergleichen Dinge tun, haben nur ihren Schaden davon, aber keinen Vorteil. Doch ich versichere euch: wüsste ich, dass ihr euch von mir zurückziehen wollt, um euch zu retten, mich verachtet und verratet und schlecht über micht redet: ich gebe euch meine Erlaubnis dazu und spreche euch frei (helal).Doch diese versteckte Macht, die uns erdrücken will, kennt euch und täuscht sich nicht. Eure Schwäche, in der ihr euch (vor ihnen) zurückzieht, gibt ihnen Mut und so verstärken sie nur noch ihren Druck. Da nun aber Freundschaft und Bruderschaft unser Weg (meslek)ist, gibt es in Hinsicht auf Selbstsucht und persönliche Vorteile keine Rivalitäten. Dabei sollte man nicht die vielen Fehler, Schwächen und Mängel einer solch hilflosen (Person) wie mich betrachten, sondern stets die Vollkommenheit (kemalat)der Risale-i Nur im Auge behalten!
Said Nursi
* * *
Meine lieben getreuen Brüder!
Ein recht bedeutender Quell des Trostes angesichts dieser raschen Wechselfälle in diesem irdischen Leben, seinem Verfall und seinen flüchtigen, fruchtlosen Vergnügungen, mit seinen Ohrfeigen von Abschied und Trennung ist die Begegnung mit treuen Freunden. Manchmal reist in der Tat jemand zwanzig Tage weit und gibt unterwegs hundert
Lira aus, um einen einzigen Freund auch nur für ein oder zwei Stunden zu sehen. So macht denn heute, in diesen merkwürdigen, freundlosen Zeiten diese unverhoffte Möglichkeit, vierzig, fünfzig wahren Freunden zu begegnen und ein, zwei Monate mit ihnen beisammen sein und mit ihnen in Gott Gemeinschaft (sohbet)pflegen und einen echten Trost von ihnen empfangen und ihnen auch geben zu dürfen, die damit verbundenen Schwierigkeiten und den finanziellen Verlust geradezu billig und ohne jede weitere Bedeutung... Ich selbst würde alle diese Mühen bereits auf mich genommen haben, um auch nur einen einzigen meiner Freunde wiedersehen zu können, von dem ich doch nun schon seit zehn Jahren getrennt bin. Sich darüber beklagen zu wollen hieße, was Gott bestimmt hat, kritisieren zu wollen, während doch Dankbarkeit, sich ihm (qadr)anzuvertrauen (teslim)bedeutet.
Said Nursi
* * *
Meine lieben getreuen Brüder!
Die ihr euch nun einmal für das Jenseits, für das Gute, für die Anbetung (ibadet)und um der Verdienste (sevab)willen, für den Glauben und das Jenseits an die Risale-i Nur gebunden habt, ist es sicherlich auch notwendig, dafür zu danken, dass ihr hierher gekommen seid, um in Empfang zu nehmen, was Gott für euch vorbereitet hat (qismet)und die Speise (rizq)eurer Versorgung (muqadder)zu essen und die Verdienste (sevab)der genossenen Speisen zu ernten. Dies wurde von Gott für die Schule Josefs vorher bestimmt, einen Ort der Prüfung, an dem eine jede Stunde unter erschwerten Bedingungen zwanzig Stunden der Anbetung gleich gezählt wird. Da diese zwanzig Stunden aber gleich einem Streben am Dienst im Qur'an und im Glauben sind, so haben sie zugleich auch den Wert von hundert Stunden. Und diese hundert Stunden bestehen in einer Begegnung mit den Brüdern, die sich auf Gottes Wegen einsetzen, von denen ein jeder die Bedeutung
von hundert Leuten hat, die untereinander einen Bund als Brüder geschlossen haben, die einander stärken und voneinander Stärke empfangen, die einander trösten und voneinander Tröstung empfangen, die sich in diesem heiligen Dienst als standhaft erweisen durch eine wahre gegenseitige Hilfeleistung, die aus ihren besonderen Vorzügen ihren Nutzen ziehen und sich auf diese Weise als würdig erweisen Schüler der Medresetu-z'Zehra zu sein. Es ist durchaus notwendig, angesichts all dieser Mühsal auch an den oben erwähnten Nutzen zu denken und ihnen in Ausdauer und Geduld zu begegnen.
Said Nursi
* * *
Meine lieben, getreuen, standhaften und glaubensstarken Brüder!
Ich möchte euch etwas über die hiesigen Verhältnisse (hal)bekannt geben, nicht, damit ihr euch deswegen betrüben oder Gegenmaßnahmen ergreifen solltet, sondern um noch mehr von euren gemeinsamen Gebeten Nutzen zu haben und damit ihr ein wenig mehr Selbstdisziplin üben möget, Vorsicht, Ausdauer und Geduld, und damit eure gegenseitige Hilfeleistung euch bewahrt bleibe. All die Leiden und Qualen, die ich hier an einem Tag erdulden muss sind mehr als das, was ich im Gefängnis in Eskishehir in einem Monat zu erdulden hatte. Diese abscheulichen Atheisten haben einen von diesen unerbittlichen Atheisten auf mich angesetzt, damit ich in meiner Wut und wegen dieser ständigen Belästigungen "Jetzt reicht's aber!" ausrufen sollte, was sie dann wiederum zum Vorwand nehmen könnten, als Grund für ihre grausamen Angriffe benutzen, um dahinter ihre Lügen verstecken zu können. Als wunderbares Zeichen der Güte (ihsan)Gottes bringe ich in Geduld meine Dankbarkeit dar und habe mich entschlossen, auch weiterhin so fortzufahren.
Da wir uns aber nun einmal dem Göttlichen Ratschluss ergeben (qadere teslim)haben, nehmen wir all diese
Leiden in Übereinstimmung mit dem Geheimnis (der Hadith) خَيْرُ اْلاُمُورِ اَحْمَزُهَا {"Die besten Dinge sind die, welche unter ihnen die schwierigsten sind."} auf uns und wissen doch zugleich, dass sie ein geistiges Geschenk (ni'met)sind, um durch sie noch mehr Verdienste erwerben zu können. Und da uns nun einmal am Ende allen vergänglichen, stets nur irdischen Unglücks gewöhnlich die Heiterkeit (der Seele) und die Güte (Gottes) erwarten, und da wir die an eine wahrhaftige Gewissheit grenzende sichere Überzeugung haben, dass wir unser Leben einer Wahrheit geweiht haben, noch glänzender als die Sonne, so schön wie das Paradies und lieblich wie die Ewige Glückseligkeit, wissend, dass wir diesen Streit (mudjahede)im Geiste mit Sicherheit um Gottes willen führen, stolz und in Dankbarkeit trotz der unglückseligen Umstände, sollten wir uns wirklich nicht beklagen.
Meine lieben Brüder!
Meine erste und letzte Empfehlung ist die, einander in der gegenseitigen Hilfeleistung zu bewahren, sich vor Selbstsucht (enaniyet),Überheblichkeit (benlik)und Konkurrenzneid (rekabet)zu schützen und sich in Behutsamkeit und Selbstbeherrschung zu üben.
Said Nursi
* * *
Meine lieben getreuen Brüder!
Aus der Anklageschrift des Staatsanwalts wird ersichtlich, dass die Pläne der heimlichen Atheisten, die einige führende Persönlichkeiten in der Regierung hintergangen und sie dazu aufgehetzt haben, gegen uns vorzugehen, im Sande verlaufen sind und sich als erlogen herausgestellt haben. Sie versuchen jetzt ihre Lügen zu verschleiern, indem sie uns beschuldigen, eine politische Partei gründen und ein Revolutionskomitee aufrichten zu wollen. Das
Ergebnis davon ist nun, dass man mir nicht mehr erlaubt, noch mit irgendwem Kontakt zu haben, so als ob jeder, der mit uns Kontakt hat, allein deswegen schon zu uns gehörte. Selbst die hohen Beamten sind äußerst zurückhaltend geworden und versuchen, sich dadurch bei ihren Vorgesetzten beliebt zu machen, dass sie mir Steine in den Weg legen.
Said Nursi
* * *
Meine lieben getreuen Brüder!
Zwar kann ich mich nicht persönlich mit euch treffen, doch bin ich sehr glücklich und dankbar, dass ich ganz in eurer Nähe mit euch im selben Gebäude bin. Und so wurden denn auch ohne mein Zutun bereits einige notwendige Vorkehrungen getroffen. So haben z.B. die Atheisten in meine Nachbarzelle einen Gefangenen gesteckt, der ein Lügner ist und zugleich auch ein Spion. Und da es sehr leicht ist, etwas zu verderben, wurde mir durch die viele Unruhe, die mir dieser Kerl bereitete und das Verderben, das er unter diesen jungen abenteuerlustigen Leuten säte, klar, dass der Atheismus, entgegen eurer Rechtleitung und (euren Bemühungen), sie zu bessern, dennoch versucht, ihre Moral zu untergraben. Es ist also in dieser (besonderen) Lage auch eine besondere Vorsicht notwendig und soweit wie möglich erforderlich, die alten Gefangenen nicht zu beleidigen und sich selbst auch nicht durch sie beleidigt zu fühlen, jeden Anlass zu Zwietracht zu vermeiden, stets ruhig zu bleiben und sich nicht aus der Fassung bringen zu lassen, die Brüder so weit wie möglich durch Brüderlichkeit und gegenseitige Hilfsbereitschaft und Bescheidenheit zu stärken und seine eigene egoistische Haltung aufzugeben. Es ist mir sehr zuwider, mich mit weltlichen Angelegenheiten beschäftigen zu müssen. Doch verlasse ich mich in dieser Hinsicht auf eure Fähigkeiten, sodass ich mich nicht um diese Dinge kümmern muss, soweit dies nicht unbedingt erforderlich ist.
Said Nursi
* * *
Meine Brüder!
Entgegen aller Wahrscheinlichkeit fühle ich mich doch dazu gedrängt, euch etwas zu einer Angelegenheit zu erklären, die mir heute morgen eingegeben worden ist. Ich habe mich da gefragt: "Ich möchte doch gerne wissen, was die atheistischen Philosophen dazu sagen können und wie sie sich selbst verteidigen wollen." Zwanzig Jahre lang haben meine Seele (nefs)und mein Teufel (sheytan)Untersuchungen darüber angestellt, ob die Wahrheiten, die wir dem Qur'an entnommen haben, irgendeinen Raum für irgendeinen Zweifel oder eine Unsicherheit lassen, oder vielmehr doch klar und deutlich sind wie der Tag und das Sonnenlicht. Sie konnten nirgendwo irgendeinen Fehler entdecken und schwiegen still. Ich denke doch, dass eine Wahrheit, die meine Seele und den Teufel zum Schweigen bringen kann, die doch so verletzlich und in die ganze Angelegenheit mit hinein verwickelt sind, selbst noch die verbohrtesten unter ihnen zum Schweigen bringen wird. Da wir nun einmal auf dem Weg der Wahrheit arbeiten und uns für sie einsetzen, die so unverrückbar, erhaben und weit, so wichtig und von so unschätzbarem Wert ist, so käme uns doch der Preis (der Wahrheit) noch als gering vor, selbst müssten wir die ganze Welt, uns selbst und das Leben eines geliebten Menschen als Preis für sie zahlen. Wir sollten dennoch mit ganzer Standhaftigkeit auf alle Trübsal und Unbill und all unsere Feinde reagieren. Sie haben uns auch einer ganzen Reihe betrogener wie betrügerischer Scheichs und Hodjas und offensichtlicher Gläubiger konfrontiert. Wir müssen ihnen gegenüber unsere Einheit und unsere gegenseitige Hilfsbereitschaft wahren. Wir dürfen uns nicht mit ihnen herumstreiten und brauchen nicht mit ihnen zu argumentieren.
Said Nursi
* * *
Meine lieben getreuen Brüder!
Eine fromme Person in Kastamonu sagte, indem sie sich darüber beklagte: "Ich bin gestürzt. Ich habe meinen früheren spirituellen Status (hal)verloren, die Freude und das Licht, das mich einmal erfüllt hatte." Ich sagte zu ihm: "Im Gegenteil: du bist schon so weit fortgeschritten, dass du deine (äußerlichen) Freuden und (inneren) Wahrnehmungen, die der Seele (nefs)schmeicheln und dich den Geschmack jenseitiger Früchte schon in dieser Welt (dunya)verkosten ließen, und in dir ein Gefühl der Selbstsucht geweckt hatten, bereits hinter dir gelassen hast und nun in deiner grenzenlosen Bescheidenheit, zugleich mit der Aufgabe deiner Ichverhaftung nicht mehr nach flüchtigen (fani)Vergnügungen suchst, wodurch du dich nun vielleicht bereits auf eine höhere Stufe (maqam)erhoben hast." Es ist in der Tat ein wichtiges Gnadengeschenk Gottes (ihsani Ilahi),wenn Er dem Menschen, der seine Ichverhaftung noch nicht aufgegeben hat, das Geschenk Seiner Gnade (ihsan)nicht wahrnehmen lässt, damit er nicht stolz und überheblich werde.
Meine Brüder!
Aufgrund dieser Wahrheit schauen solche, die so ähnlich denken wie dieser Mensch, oder aber das Ansehen, das der Rang (maqam)in der guten Meinung anderer ihnen gibt, in Betracht ziehen, auf euch. Wenn sie aber die Schüler unter euch im Gewand der Bescheidenheit, der Selbstbeschränkung und Dienstbereitschaft erblicken und sehen, dass sie ganz gewöhnliche, einfache Leute sind, so sagen sie: "Sind dies etwa die Helden der Wahrheit (haqiqat)?Oho! Wer sind denn diese da? Wo sind denn diese Leute, die sich darum bemühen, diesen heiligen Dienst zu verrichten, zu dem selbst die Heiligen in dieser Zeit nicht imstande sind?" Wenn sie Freunde sind, so fühlen sie sich enttäuscht. Sind sie aber Gegner, so finden sie, dass ihr Widerstand berechtigt ist.
Said Nursi
* * *
Während Bediüzzaman Hazretleri sich in Denizli im Gefängnis befand, verfasste er zwischen zwei Freitagen die "Fruchtabhandlung (Meyve Risalesi)",ein sehr bedeutendes (Werk), welches neun Problemstellungen umfasst. Es ist ein Werk, das die Wahrheiten (haqiqat)der Risale-i Nur in sich umfasst und deshalb eine wertvolle Abhandlung (risalah).Die Nur-Schüler verbrachten ihre Zeit im Gefängnis, indem sie sich damit beschäftigten, diese Meyve Risalesi mehrmals abzuschreiben und miteinander zu lesen. Und zunächst einmal schrieb man heimlich auf das Innere von Streichholzschachteln und verteilte sie dann in den Zellen. Später verstand man dann, dass die "Meyve Risalesi" ganz besonders wertvoll und nützlich war und in den Gefängnissen gleichsam wie ein Gegengift wirkte, woraufhin diese Schreibtätigkeiten freigegeben wurden. So wurde sie auch an das Gericht in Denizli, an den Appellationsgerichtshof und an die Regierungsbehörde in Ankara gesandt, um dort als Verteidigungsschrift zu dienen.
Da sie im Gefängnis in Denizli eine besonders nachhaltige Wirkung ausübte und in Denizli in gewisser Weise zum Werkzeug ihres Freispruchs wurde, weil sie die heiligen Wahrheiten (haqaiq)des Glaubens (qudsi haqaiq-i imaniye)beinhaltet, halten wir es für angemessen, die sechste und siebente Fragestellung der Fruchtabhandlung (Meyve Risalesi)wegen ihrer Bedeutung an dieser Stelle einzufügen.
* * *
Aus der Fruchtabhandlung - Sechste Problemstellung
Den Erklärungen in den meisten Abschnitten der Risale-i Nur und dem Beweis durch zahllose unwiderlegbare Zeugnisse entsprechend wird hier nur ein Hinweis auf ein einziges Zeugnis unter tausend allgemeingültigen für den Glauben an Allah angeführt.
Ein Teil der Schüler des Gymnasiums in Kastamonu besuchte mich. Sie sagten: "Unterrichte uns bitte über unseren Schöpfer. Unsere Lehrer in der Schule sprechen von Allah überhaupt nicht."
Ich sagte ihnen: Jede Wissenschaft, die euch in der Schule gelehrt wird, spricht ständig auf ihre eigene Art von Allah und unterrichtet über den Schöpfer. Wendet also dieser eure Aufmerksamkeit zu und nicht Lehrern (die nicht von Allah sprechen).
Zum Beispiel: Eine vollkommen eingerichtete Apotheke, ausgestattet mit zahllosen Tuben und Gläsern, in denen sich lebensspendende Seren und Arzneimittel - zusammengestellt mit Hilfe einer hochempfindlichen Waage - befinden, weist ohne Zweifel auf einen hochgelehrten Chemiker, Arzt und Apotheker hin. Ebenso weisen auch die Seren und Arzneimittel in den Tuben und Gläsern, mit denen wir die vierhunderttausend verschiedenen Pflanzen- und Tierarten vergleichen können, die sich in der Apotheke unserer Erde finden, selbst noch blinde Augen darauf hin, in welchem Maße vollkommener und größer als diese Apotheke in unserer Straße die große Apotheke der Welt sein muss, und der Apotheker und Arzt in all Seiner Majestät in ihr, wenn ihr sie mit den Maßstäben der medizinischen Wissenschaft betrachtet, die ihr studiert.
Ein weiteres Beispiel: Eine wundervolle Fabrik, die tausender verschiedener Stoffe aus einfachem Material webt, unterrichtet uns zweifelsfrei über ihren Fabrikanten und hochgelehrten Maschinenbauer. Ebenso teilt uns auch diese
rollende Produktionsanlage des Herrn, die wir unsere Erde nennen, mit ihren hunderttausenden von Lieferungsausgängen und hunderttausenden vollständiger Fabriken an jedem einzelnen von ihnen, mit und unterrichtet uns darüber, in welchem Grade der Erbauer und Besitzer dieser Erdkugel, mit den Maßstäben der Maschinenbaukunde, die ihr studiert, größer und vollkommener ist, als diese Fabrik von Menschenhand.
Ein weiteres Beispiel: Ein vollständig eingerichtetes Depot, ein Lebensmittellager, ein Laden, in dem tausend und noch eine verschiedener Güter von allen Seiten herangeholt geordnet und bereitgestellt liegen, lässt uns zweifelsfrei erkennen, wer es verwaltet und sein Herr und Besitzer ist. Ebenso lässt uns dieses Depot, dieser Laden des Herrn mit seinen tausend und noch einem verschiedenen Geräten, Gütern und Konservenpaketen, erkennen, in welchem Maße dieses Raumschiff des Hochgelobten, das ein Lebensmittellager des Allerbarmers ist und das wir unsere Erde nennen, die in einem Jahr ihre regelmäßige Reise in einem Kreis von vierundzwanzigtausend Jahren Fußweg beschreibt, dabei noch hunderttausend Arten trägt, die der verschiedensten Speisen bedürfen, und das auf seiner Fahrt durch die Jahreszeiten reist, wobei der Frühling einem großen Waggon - gefüllt mit Tausenden verschiedenster Speisen für die notleidenden Lebewesen - gleicht, die ihre Nahrung im Winter aufgezehrt haben, verglichen mit den Maßstäben der Wirtschaftswissenschaften, die ihr studiert habt und noch studieren werdet, größer und vollkommener ist als diese Anlagen und unterrichtet uns dementsprechend mit vollkommener Sicherheit über den Herrn, der dieses Depot lenkt, leitet und verwaltet, das unsere Erdkugel ist, und weckt unsere Begeisterung für Ihn.
Ein Heer, in dem sich vierhunderttausend Völker zusammenfinden, deren jedes nach seiner eigenen Verpflegung verlangt, seine eigenen Waffen benötigt, seine eigene Kleidung trägt, deren jedes nach eigener Anordnung übt und nach einem anderen Zeitraum entlassen wird, dieses
Heer und sein Lager mit seinem Kommandanten, der einzig und allein allen diesen verschiedenen Völkern ihre ganz unterschiedliche Verpflegung und völlig verschiedenen Waffen, ihre Kleidung und Ausrüstung gibt, ohne dabei etwas zu vergessen oder zu verwechseln, weist offensichtlich und ohne allen Zweifel auf eben diesen wunderbaren Kommandanten hin und weckt unsere Begeisterung für ihn. Ebenso lässt auch das Heerlager, das sich in jedem Frühling über das Antlitz der Erde erhebt und aufs Neue seine Waffen aufnimmt, ein neues Heer des Hochgelobten aus vierhunderttausend Tier- und Pflanzenvölkern, die ganz verschiedene Bekleidung, Verpflegung und Ausrüstung erhalten und denen ein einziger allmächtiger Oberbefehlshaber in vollendeter Ordnung ihre Stellungs- und Entlassungsbefehle erteilt, ohne irgendetwas zu vergessen oder zu verwechseln, für jeden, der seinen Verstand beisammen hat, erkennen, in welchem Maße dieses Heerlager der Erde im Frühling, verglichen mit den Maßstäben der Militärwissenschaft, die ihr studieren wollt, größer und vollkommener ist als das obenerwähnte menschliche Heer und Heerlager, und unterrichtet uns dementsprechend, Ihn mit Lobpreis und Bewunderung als unseren Herrn und Herrscher, der die Welt lenkt und befehligt in Heiligkeit anzunehmen, erweckt in uns Dank und Verehrung und ruft unsere Begeisterung für Ihn wach.
In einer wunderbaren Stadt mit Millionen von kreisenden elektrischen Lampen, die überall hin gelangen, lassen diese Lampen, die immer mit Brennstoff versorgt sind, und ihre Fabrikation offensichtlich und ganz ohne Zweifel ihren wunderwirkenden Meister und über alles fähigen Elektriker, der die Fabrik erbaut und die kreisenden Lampen erschaffen hat und sie mit Brennstoff versorgt, der auch die elektrischen Anlagen überwacht, voll Bewunderung erkennen, segnen und sich für ihn begeistern.
Ebenso stoßen auch die Sternenlampen an der Schlossdecke der Welt in dieser kosmischen Stadt, obwohl doch einige von ihnen - nach Aussage der Astronomen -
tausendmal größer sind als unsere Erdkugel und sich siebzigmal schneller bewegen als eine Kanonenkugel, nicht miteinander zusammen, erlöschen nicht und sind stets mit Brennstoff versorgt. Auch unsere Sonne, die, wie ihr gehört habt, nach Aussage der Astronomen millionenmal größer als unsere Erde ist und viele Millionen Jahre alt und eine Lampe und ein Ofen in diesem Gasthaus des Allbarmherzigen und für die täglich so viele Meere an Heizöl notwendig wären, wie die Erde Ozeane enthält, oder ganze Gebirge von Kohle oder Holzstöße, so groß wie tausend Erden, um sie nicht ausgehen zu lassen, und die erhabenen Sterne, die wie sie ohne Öl, ohne Holz und ohne Kohle brennen und nicht auslöschen und rasch miteinander dahineilen, ohne aneinander zu stoßen, weisen mit ihren Lichtfingern auf die allumfassende Gewalt und Herrschaft Gottes hin und zeigen uns, um wie vieles größer und in welchem Maße vollkommener als in diesem unserem Beispiel, die Lampen und Leuchten dieses Weltenschlosses in unserer wundersamen kosmischen Stadt sind. Wenn ihr die Elektrotechnik dementsprechend studiert oder noch studieren werdet, wird sie uns in gleichem Maße über den König unterrichten, der dieses gewaltige Ausstellungsgelände des Kosmos eingerichtet hat und es verwaltet und dessen die leuchtenden Sterne Zeugen sind und deren Beleuchtungsmeister Er ist, und in Lobpreis und Verherrlichung unsere Begeisterung und Verehrung für Ihn wecken.
Gäbe es, um ein weiteres Beispiel anzuführen, ein Buch, in dessen einzelne Zeilen sehr klein ein ganzes Buch hineingeschrieben sei und in dessen einzelne Worte mit feinem Stift eine Sure des Qur'an hineingeschrieben sei, ein sehr bedeutungsvolles Buch, in dem sich alle Themen gegenseitig stützen und ergänzen, so zeigte dieser wunderbare Band die außerordentlichen Fähigkeiten und Begabungen seines Schreibers und Verfassers und ließe uns ohne Zweifel, klar wie der Tag, die Vollkommenheit seines Schreibers, seines Autors, erfahren und seine Kunstfertigkeit erkennen. Es würde uns dazu veranlassen, "Masha-a'llah, Barek-a'llah!"
{Masha-a'llah: Wie wunderbar ist es doch das, was mit Gottes Willen geschehen ist! Barek-a'llah: Segne es Gott!}
zu sagen und unsere Verehrung zum Ausdruck zu bringen.
Ebenso lässt auch dieses große Buch der Schöpfung, in dem eine einzige Seite die Oberfläche unserer Erde ist und auf ihr ein einzelner Bogen der Frühling mit seinen vierhunderttausend Tier- und Pflanzenarten, die vierhunderttausend Büchern gleichen, und in dem, wie wir mit eigenen Augen sehen, ein Wort gleich einem Baum wie eine Kasside oder ein Kern gleich einem Punkt fehlerlos, makellos, ohne sich zu irren oder etwas zu verwechseln, vollkommen und wohlgeordnet eines im anderen das vollständige Verzeichnis eines Buches niedergeschrieben wurde, von einer Feder bewerkstelligt, dieser Sammelband des Alls erkennen, dass diese Verkörperung des Großen Qur'an der Welt, in dem sich so unendlich viele Bedeutungen und mit jedem Wort so viele Weisheiten finden, so viel größer, vollkommener und bedeutender ist, als unser Buch in dem obenerwähnten Beispiel und wie im gleichen Grade, betrachtet mit dem großen Maßstab und dem scharfen Blick der Physik, die ihr lernt, und durch die Lese- und Rechtschreibkunde, die ihr in der Schule praktisch übt, der Designer dieses kosmischen Buches und sein Schreiber so grenzenlos vollkommen ist. Es macht Ihn durch das Wort "Allah-u Ekber"{Allah-u Ekber: Gott ist groß!} bekannt, heiligt und erhebt Ihn mit "Subhan-a'llah",{Subhan-a'llah: Gepriesen sei Gott!} lobpreist Ihn mit "Elhamdu-li'llah"{Elhamdu-li'llah: Lobpreis und Dank sei Gott!} und weckt unsere Begeisterung für Ihn.
So ermöglicht also einem Menschen jede von Hunderten von Wissenschaften sowie die obenerwähnten Wissensbereiche mit ihren geeichten Maßstäben, ihrem eigenen Spiegel und mit ihrer weitsichtigen Optik eine Betrachtungsweise, durch die er den glorreichen Schöpfer
dieses Kosmos in Seinen Namen erkennen, Ihn durch Seine Attribute und in Seiner Vollkommenheit schauen kann.
So ist es denn, um diesen obenerwähnten Beweis zu führen, der ein wunderbares und glänzendes Zeugnis der Einheit ist, dass der Qur'an, ein Wunder der Verkündigung, so häufig die folgenden Verse wiederholt:
رَبُّ السَّمٰوَاتِ وَاْلاَرْضِ
{"Herr der Himmel und der Erde."}
خَلَقَ السَّمٰوَاتِ وَاْلاَرْضَ
{"Er schuf die Himmel und die Erde."}
Mit solchen Versen unterrichtet uns der Qur'an über unseren Schöpfer, habe ich den jungen Schülern gesagt. Sie haben auch alles so angenommen und zur Bestätigung gesagt: "Unendlicher Dank sei unserem Herrn dafür, dass wir eine so reine und wahrheitsgetreue Lektion erhalten haben. Möge Allah mit dir zufrieden sein!"
Da habe auch ich zu ihnen gesagt: "Der Mensch, der unter tausend verschiedenen Schmerzen leiden und tausend unterschiedliche Arten von Freuden genießen kann, ist als ein lebendiger Organismus, der über seine große Schwäche hinaus auch noch zahllose innere und äußere Feinde und über seine grenzenlose Armseligkeit hinaus auch noch von unendlich vielen äußeren und inneren Faktoren abhängig ist, ein armseliges Geschöpf, auf das unablässig die Schläge des Untergangs und der Trennung herabprasseln.
Wenn er sich aber nun plötzlich dem König in Seiner Majestät voll Glaube und Anbetung verbindet und nun gegen alle seine Feinde einen Stützpunkt und in all seinen Bedürfnissen einen Quellgrund der Hilfe findet, so könnt ihr euch vorstellen, wie er, gleich jedem, der sich durch die Zugehörigkeit zu seinem Herrn geehrt fühlt und auf seinen Stand stolz ist, wenn er sich nur einem solchen allmächtigen
und allbarmherzigen König gläubig verbindet, anbetend in Seinen Dienst tritt und sein ewiges Verbannungsurteil in eine Entlassungsurkunde umwandelt, in einer großen Zufriedenheit und Dankbarkeit und mit einer tiefen Ehrerbietung stolz sein kann."
Was ich damals den jungen Schülern gesagt habe, das sage ich noch einmal genauso meinen vom Unglück betroffenen Mitgefangenen: Wer Ihn kennt und Ihm gehorcht, der ist ein Glückseliger, säße er auch in einem Gefängnis. Wer Ihn vergisst, und säße er auch in einem Schloss, der ist ein Unglückseliger. Ja, es sagte einmal ein solcher Glückseliger, der zu Unrecht verurteilt worden war, bei seiner Hinrichtung zu den unglückseligen Gewaltmenschen:
"Ich werde nicht hingerichtet, vielmehr gehe ich mit einer Entlassungsurkunde in die ewige Seligkeit ein. Ich sehe euch aber zu ewiger Verbannung verurteilt und das ist für mich eine vollständige Genugtuung." لآَ إِلٰهَ إِلاَّ اللّٰهُ {"Es gibt keinen Gott außer Allah!"} sagte er und gab freudig seine Seele hin.
سُبْحَانَكَ لاَعِلْمَ لَنَآ اِلاَّ مَاعَلَّمْتَنَآ اِنَّكَ اَنْتَ الْعَلِيمُ الْحَكِيمُ
{"Gepriesen seist Du! Wir haben kein Wissen, außer dem, das Du uns gelehrt hast. Denn Du bist der Allwissende, der Allweise." (Sure 2, 32)}
Aus der Fruchtabhandlung - Siebente Problemstellung
(Sie ist die Frucht eines Freitags im Gefängnis in Denizli)
بِسْمِ اللَّهِ الرَّحْمَنِ الرَّحِيمِ
وَمَا أَمْرُ السَّاعَةِ إِلاَّ كَلَمْحِ الْبَصَرِ أَوْ هُوَ أَقْرَبُ ٭ مَا خَلْقُكُمْ وَلاَ بَعْثُكُمْ إِلاَّ كَنَفْسٍ وَاحِدَةٍ ٭ فَانْظُرْ إِلٰٓى اٰثَارِ رَحْمَتِ اللّٰهِ كَيْفَ يُحْيِى اْلاَرْضَ بَعْدَ مَوْتِهَا إِنَّ ذٰلِكَ لَمُحْيِى الْمَوْتٰى وَهُوَ عَلٰى كُلِّ شَىْءٍ قَدِيرٌ
{"Im Namen Allahs, des Erbarmers, des Barmherzigen" "Es ist aber die Angelegenheit der 'Stunde' nur ein Augenblick oder noch weniger." (Sure 16, 77) "Euer aller Erschaffung und Wiederversammlung ist nur wie die einer einzelnen Seele" (Sure 31, 28) "Siehe die Male der Barmherzigkeit Allahs: wie Er die Erde nach ihrem Tode wieder lebendig macht! Fürwahr, Er ist es, der die Toten wieder belebt und Er hat Macht über alle Dinge." (Sure 30, 49)}
Einmal hatten mich die Schüler des Gymnasiums in Kastamonu gebeten: "Lehre uns, unseren Schöpfer zu erkennen!". Ich hatte ihnen daraufhin nach Art der Schulwissenschaften eine Unterweisung erteilt und diese in Form der vorangegangenen Sechsten Problemstellung den Gefangenen, die im Gefängnis von Denizli mit mir Verbindung halten konnten, vorgelesen. Nachdem sie so eine völlige Gewissheit im Glauben gewonnen hatten, verspürten sie eine brennende Sehnsucht nach dem Jenseits und sagten: "Lehre auch uns all das, was uns im Jenseits erwartet, sodass uns die Begierde (nefs)und die Teufel dieser Zeit nicht mehr vom Wege abbringen und so wieder ins Gefängnis bringen können."
Auf den Wunsch der Risale-i Nur Schüler und derer, die im Gefängnis die vorangegangene Sechste Problemstellung gelesen hatten, war es notwendig geworden, einen weiteren Pfeiler, nämlich den des Glaubens an das Jenseits
kurz zu erklären. So habe ich denn kurz und bündig aus der Risale-i Nur heraus gesagt:
In der Sechsten Problemstellung hatten wir bereits die Erde und die Himmel nach dem Schöpfer gefragt. Sie hatten uns ja den Schöpfer durch die Sprache der Wissenschaften sonnenklar zu erkennen gegeben. Ebenso wollen wir erst unseren Herrn, den wir bereits kennen gelernt haben, dann unseren Propheten, dann den Qur'an, und dann andere Propheten und heilige Bücher und dann die Engel und dann den ganzen Kosmos nach dem Jenseits befragen:
Also richten wir an erster Stelle die Frage nach dem Jenseits direkt an Allah. Er geruht durch alle gesandten Propheten und geoffenbarten Erlasse und durch alle Seine Namen und Seine Eigenschaften zu sagen: "Jawohl, es gibt das Jenseits und ich führe euch dorthin." Das "Zehnte Wort" hat bereits anhand von "Zwölf Wahrheiten" glänzend und sicher erklärt und bewiesen, wie ein Teil der Namen Gottes Antwort (auf die Frage) nach dem Jenseits gibt. Wir wollen uns hier mit dieser Erklärung begnügen und nur noch folgenden sehr kurzen Hinweis geben:
Da es nun einmal kein Königreich gibt, in dem diejenigen, die diesem Königreich gehorchen, keinen Lohn und die Aufständischen keine Strafe empfangen, werden auf jeden Fall in einem immerwährenden Königreich auf der Stufe der absoluten Herrschaft diejenigen, die sich mit diesem Königreich durch den Glauben verbinden und durch die Befolgung seiner Erlasse unterwerfen, einen Lohn und diejenigen, welche die Würde dieses Königreichs mit ihrem Unglauben und mit ihrer Aufsässigkeit in Abrede bringen, eine Strafe erhalten, wie es dieser Barmherzigkeit und dieser Schönheit und wie es dieser Würde und Majestät gebührt, welche Antwort uns Gott ja mit Seinen Namen "Herr aller Welten" und "Gerecht handelnder König" gibt.
Wir können nun einmal taghell und sonnenklar überall auf Erden eine alles umfassende Barmherzigkeit und eine
alles mit einschließende Liebe und Freigebigkeit mit Augen erblicken. Es ist diese Barmherzigkeit, die zum Beispiel alle Frucht tragenden Pflanzen, besonders die Bäume in jedem Frühling schön wie die paradiesischen Jungfrauen bekleidet, sie schmückt, in ihre Hände jede Art von Früchten gibt, sie anbietet und sagt: "Auf, nehmt und esst!" Zudem gibt sie uns aus der Hand der Biene, mit ihrem giftigen Stachel, einen gesunden und wohlschmeckenden Honig zu essen und die feinste Seide zu unserer Bekleidung aus der Hand eines Insektes, das keine Hände hat. Eine Barmherzigkeit und eine Liebe, die tausend Zentner Speisen in einer Handvoll winzig kleiner Kerne und Körner für uns aufbewahrt und wie eine Vorratskammer in diesen winzig kleinen Depots speichert, verurteilt auf keinen Fall - und daran kann es keinen Zweifel geben - diese liebenswürdigen gläubigen Menschen, die von ihr aufmerksam versorgt werden und die ihr gegenüber dankbar sind und sie verehren, zu (Tod und) Vernichtung. Vielmehr entlässt sie sie von ihrem Dienst im irdischen Leben, um sie zu einer noch glänzenderen (Erscheinung Seiner) Barmherzigkeit zu führen, wie Gott mit Seinen Namen "Der Barmherzige" und "der Freigiebige" auf unsere Frage Antwort gibt und sagt: "(Der Glaube) an das Paradies entspricht der Wahrheit."
Des Weiteren können wir mit eigenen Augen erkennen: Wir sehen, dass die Hand der Weisheit über der ganzen Schöpfung und dem Antlitz der Erde wirksam ist und alle Wirksamkeiten im Maßstab einer Gerechtigkeit zustande kommen, dass der menschliche Verstand nicht darüber hinaus denken kann.
Zum Beispiel: Betrachten wir einmal unter den vielen Weisheiten, die mit tausenderlei verschiedenen Bestandteilen des menschlichen Körpers verbunden sind, nur das Erinnerungszentrum, das vielleicht so groß sein mag wie eine Nussschale. In diesem winzig kleinen Raum stehen sein ganzer Lebenslauf und unendlich viele Ereignisse, die in seinem Leben stattgefunden haben, verzeichnet, und dieses
Zentrum wurde durch die Weisheit des Urewigen gleich einer Bibliothek gestaltet und im Gehirn des Menschen gleichsam wie in eine Tasche gesteckt, damit (diese Bibliothek) ihm am Tage der Wiederversammlung als ein Zeugnis für das Buch seiner Taten bei seinem Prozess vor dem großen Gericht in die Hand gelegt werden kann.
Und es ist die Gerechtigkeit des Immerwährenden, die allen Geschöpfen ihre Organe mit einem überaus empfindlichen Maß einsetzt, alles Geschaffene, angefangen von einer Mikrobe bis zu einem Nashorn, von einer Mücke bis zu einem Kondor, von einer Pflanze mit einer Blüte bis zu einem Milliarden, Trilliarden Heer von geöffneten Frühlingsblumen im richtigen Verhältnis, in großer Vielzahl und doch ohne Verschwendung, wohlausgewogen, wohlgeordnet und vollkommen zu einem Kunstwerk macht, jedem Lebewesen ein Lebensrecht mit gerechten Bedingungen gibt, die guten Taten mit guten Ergebnissen und die schlechten Taten mit schlechten Ergebnissen verbindet und mit den Schlägen, die sie seit den Zeiten Adams, mit dem Friede sei, gegen Gott rebellierenden, tyrannischen Völkern versetzt hat, sich Selbst mit großer Macht wieder in Erinnerung ruft. Auf jeden Fall und ohne allen Zweifel können diese Weisheit des Urewigen und diese Gerechtigkeit des Immerwährenden, wie Sonne und Tag nicht ohne einander sein können, ohne Jenseits nicht sein und die entsetzliche Ungerechtigkeit und Sinnlosigkeit keineswegs zulassen, sodass die extrem Ungerechten und die extrem Entrechteten durch den Tod gleichermaßen hinscheiden, wodurch Gott mit Seinen Namen "der Allweise, der Gerechte, der Richter und der Errichter der Gerechtigkeit" auf unsere Fragen eine sichere Antwort gibt.
Des Weiteren werden allen lebendigen Geschöpfen all ihre Bedürfnisse, und all ihre natürlichen Wünsche, alles was ihre Hände nicht erreichen können und was nicht im Rahmen ihrer Fähigkeiten liegt, in der gleichen Zeit, in der sie sich etwas in der Sprache ihrer natürlichen Anlagen und ausgedrückt durch ihre Bedürfnisse gleichsam wie in einem
Gebet wünschen, von einer überaus barmherzigen, hörenden, liebenden unsichtbaren Hand gegeben und erfüllt. Von den Bittgebeten der Menschen, besonders aber den Gebeten der Heiligen und Propheten werden sechs, sieben von zehn Gebeten wunderbar erhört. Daraus wird ganz klar verständlich: Es muss hinter dem Schleier (der Schöpfung verborgen) einen geben, der hört (Semi')und antwortet (Mudjib),der das Seufzen jedes Leidenden und das Gebet jedes Bedürftigen hört und beachtet, weil Er ja (ganz offensichtlich) das kleinste Bedürfnis des kleinsten Lebewesens sieht und dessen verborgenstes Seufzen hört, ihm liebevoll entgegentritt, mit der Tat antwortet und es zufrieden stellt.
Es bleibt mit Sicherheit und in gar keinem Fall irgendeine Möglichkeit zu einem Zweifel daran, dass Mohammed, mit dem Friede und Segen sei, der den Menschen, der unter allem Geschaffenen der bedeutendste ist, mit seinen wichtigsten und alles umfassenden Gebeten, wie sie sich auf den ganzen Kosmos, alle Namen und Eigenschaften Gottes beziehen und sich auf den ewigen Aufenthalt im Jenseits hin ausrichten, hinter dem alle Propheten, welche die Sonnen und Sterne, die Anführer des Menschengeschlechtes sind, stehen und zu seinen Gebeten "Amen, Amen" sagen und für den jeder einzelne Gläubige seiner Gemeinde täglich Segenswünsche ausspricht und so an dessen Gebet mit seinem "Amen, Amen" teil hat, ja vielmehr die ganze Schöpfung an seinem Gebet teil nimmt und sagt: "Ja, unser Herr! Gewähre ihm, worum er Dich bittet! Auch wir bitten Dich um das, wofür er zu Dir betet!" allein schon mit diesen seinen Gebeten um das ewige Sein im Jenseits und die ewige Glückseligkeit, unter allen diesen unwiderlegbaren Tatsachen ein ausreichender Grund ist, unter zahllosen Gründen, das Paradies ins Dasein und das Jenseits in seine Existenz zu berufen, was für die Macht Gottes so leicht ist, wie die Erschaffung eines Frühlings, wodurch Gott mit Seinen Namen "der Erschaffende, der Hörende und der Barmherzige" Antwort gibt auf unsere Fragen.
Des Weiteren ist so offensichtlich wie der Tag uns die Sonne zeigt, hinter dem Schleier dieses allgemeinen Werdens und Vergehens auf dem Antlitz der Erde und im Wechsel der Jahreszeiten, ein verborgener Lenker und Leiter erkennbar. Die riesige Erde verwaltet Er vollkommen wohlgeordnet und so leicht wie einen Garten, ja sogar wie einen Baum. Den großartigen Frühling bringt Er so leicht und so harmonisch verziert zustande wie eine Blume. Auf der Erde schreibt Er mit der Feder Seiner Macht wie auf einer Seite alle Pflanzen- und Tierarten, dreihunderttausend Büchern gleich, und zeigt dreihunderttausend Beispiele und Nachbildungen für die Auferstehung und Wiederversammlung am jüngsten Tag. Alle werden ohne jede Verwechslung gleichzeitig geschrieben, sind untereinander ohne ein Durcheinander bunt gemischt, gleichen einander ohne Fehler und werden vollkommen wohlgeordnet und sinnvoll aufgezeichnet. In diesem gewaltigen Ausmaß ist eine unbegrenzte Barmherzigkeit und eine grenzenlose Weisheit am Werk. Der riesige Kosmos steht dem Menschen wie eine Wohnung zur Verfügung, aufs Schönste verziert und ausgestattet. Diesem Menschen als Treuhänder über die Erde wurde das größte Pfand anvertraut, vor dem Berge, Himmel und Erde zurückschreckten, es zu tragen. Er bekam über die anderen Lebewesen eine Stellung, gleich der eines Aufsichtsbeamten, denn Gott, der Gepriesene richtete sich an ihn durch Seine Weisung (hitabat),
Sein Wort (sohbet)und verlieh ihm so einen hohen Rang (maqam).In allen vom Himmel geoffenbarten Erlassen wurde ihm die ewige Glückseligkeit und der ewige Verbleib im Jenseits versprochen und zugesichert. Auf jeden Fall und ohne allen Zweifel wird Er das Haus der ewigen Glückseligkeit, das für Seine Macht so leicht wie die Errichtung eines Frühlings ist, für diesen geehrten und gewürdigten Menschen errichten, es eröffnen und den Tag der Wiederversammlung und Wiederauferstehung anbrechen lassen, wodurch unser Schöpfer mit Seinen Namen "der Spender des Lebens und Schenker des Todes, der Lebendige, der Unwandelbare,
der Allmächtige und der Allwissende" auf unsere Fragen antwortet.
In der Tat belebt die Macht Gottes in jedem Frühling wieder alle Bäume und die Wurzeln der Gräser und erschafft Musterbeispiele für die Wiederversammlung und Wiederauferstehung von dreihunderttausend Arten Pflanzen und Tieren. Würde man die jeweils tausendjährige Ära der Gemeinden von Mohammed und Moses, mit denen Friede sei, einander gegenüberstellen, so könnte man beobachten, wie Er die tausend Beispiele für die Wiederversammlung und tausend Zeugnisse für den Weltuntergang und die Wiederauferstehung in zweitausend jahreszeitlichen Perioden {(*): Jeder Herbst (sonbahar) gleicht dem Untergang der Welt, dem Sterben und der darauf folgende Frühling (ilkbahar) seiner Wiederauferstehung.} (bahar)vorführt. Die leibliche Wiederauferstehung für eine solche Macht als unmöglich anzusehen, ist eine tausendfache Blindheit und Torheit.
Des Weiteren verkündigten die einhundertvierundzwanzigtausend Propheten, die die berühmtesten der Menschheit sind, übereinstimmend auf Grund von tausend Zusagen und Versprechen Gottes des Gerechten die ewige Glückseligkeit und den immerwährenden Aufenthalt im Jenseits und bewiesen die Wahrheit dessen durch die Wunder, die sie gewirkt haben. Ebenso setzt die unendlich große Anzahl der Heiligen durch ihre innere Wahrnehmung und geistige Schau ihre Unterschrift unter dieselbe Wahrheit. Mit Sicherheit wird diese Wahrheit klar erkennbar wie die Sonne. Wer dennoch zweifelt, ist ein Tor.
In der Tat bringt ein Gutachten oder die Ansicht über Kunst oder Wissenschaft, abgegeben von ein oder zwei Männern, die in der Kunst oder Wissenschaft Experten sind, die widersprechenden Ansichten von tausend Leuten, die nicht zu diesem Fachbereich gehören, - auch wenn sie in einer anderen Fakultät Gelehrte oder Experten sind - zu Fall. Wenn es sich zum Beispiel darum handelt, am Anfang des Fastenmonats
Ramadan das Erscheinen des neuen Mondes zu bestätigen, oder wenn es sich um die Behauptung handelt, dass es auf dieser Welt einen Kokosgarten gibt, in dem etwas heranwächst, was Milch in Dosen gleicht, überwiegen die Aussagen von zwei Leuten, die Beweise erbringen, die Aussagen von Tausenden, die das in Frage oder in Abrede stellen wollen. Denn derjenige, dem die Beweislast obliegt, kann eine Behauptung ganz leicht dadurch beweisen, dass er eine Kokosnuss vorweist, bzw. diesen Garten zeigt.
Derjenige aber, der das bestreitet und diese Behauptung widerlegen wollte, müsste zum Beweis dafür die ganze Erde durchforschen und durchkämmen und zeigen, das dergleichen nirgendwo zu finden ist. Derjenige, der uns über das Paradies und über den Ort der ewigen Glückseligkeit Nachricht bringt, braucht, um das zu beweisen, nur eine Spur, einen Tropfen, den Schattenriss einer Vision dessen, einer Projektion auf der Leinwand vergleichbar, vorzuzeigen. Wer dies aber bestreiten will, muss den ganzen Kosmos und von Urewigkeit an alle Zeiten bis in alle Ewigkeiten durchstreifen und vorweisen, um den Gegenbeweis antreten und die Nicht-Existenz beweisen zu können.
Auf diesem prinzipiellen Grundsatz fußend sind die Erforscher der Wahrheit in dem Theorem übereingekommen, dass eine Gegenbehauptung, bzw. die Behauptung einer Nicht-Existenz, insofern sie sich nicht auf einen bestimmten Ort bezieht, sondern, wie dies bei den Glaubenswahrheiten der Fall ist, den ganzen Kosmos umfasst, nicht bewiesen werden kann, bzw. insofern etwas als unmöglich oder unlogisch erscheint, nicht bewiesen zu werden braucht.
Also kannst du auf Grund dieser Tatsache verstehen, wie töricht und irrsinnig es ist, wenn ein paar Philosophen, deren Verstand ihnen in die Augen gerutscht ist, die ohne Herz, von den geistigen Dingen abständig und verblendet geworden sind, die Glaubensgrundsätze bestreiten, über die sich einhundertvierundzwanzigtausend Fachleute und
zuverlässige Berichterstatter, die dafür Beweise erbringen, unendlich viele kompetente Kenner und Erforscher der Wahrheit, die sie bestätigen, einig geworden sind. Verneinende Aussagen tausender Philosophen über solche Glaubensfragen sollten gegen die Aussagen eines einzigen zuverlässigen Berichterstatters überhaupt keinen Zweifel, ja nicht einmal eine Unsicherheit aufkommen lassen.
Des Weiteren nehmen wir sowohl bei uns selbst, als auch in unserer Umgebung mit Augen hell wie der Tag eine weltweite Barmherzigkeit und alles umfassende Weisheit und eine immerwährende Gnade wahr. Wir sehen die Spuren und Offenbarungen einer furchterregenden königlichen Herrschaft, einer aufmerksamen Hohen Gerichtsbarkeit und einer hoheitsvollen, majestätischen Vollzugsgewalt.
Ja es ist diese Weisheit, die einen Baum nach der Anzahl seiner Blüten und Früchte, welche die Krone dieses Baumes hervorbringt, mit Weisheit schmückt, diese Barmherzigkeit, die den Menschen nach der Anzahl seiner Organe, seiner Empfindungen und Kräfte mit so viel Güte und so vielen Gnadengaben ausstattet, und eine zwar hoheitsvolle, doch auch gnädige Gerechtigkeit, welche den aufständischen Völkern der Propheten Noah, Hud, und Ssalih, mit denen Friede sei, und dem Volk des Ad, des Thamud und des Pharao Schläge versetzt hat und das Recht auch noch des kleinsten Lebewesens schützt, wovon die folgende Ayah in machtvoller Bestimmtheit spricht:
وَ مِنْ اٰيَاتِهِ أَنْ تَقُومَ السَّمَآءُ وَ اْلاَرْضُ بِأَمْرِهِ ثُمَّ إِذَا دَعَاكُمْ دَعْوَةً مِنَ اْلاَرْضِ اِذَآ أَنْتُمْ تَخْرُجُونَ
{"Und zu Seinen Zeichen gehört es, dass Himmel und Erde fest stehen auf Sein Geheiß. Wenn Er Euch dann wieder aus der Erde hervorruft, so ersteht Ihr neu." (Sure 30, 25)}
Wie gehorsame Soldaten, die in zwei Kasernen liegen und sich darin aufhalten, beim Stoss der Posaune auf den Befehl ihres Kommandeurs zum Dienst und zu den Waffen
eilen, so sind auch die unendlich weiten Himmel und die Erde gleich diesen beiden Kasernen für die gehorsamen Soldaten des urewigen Sultans zwei Kasernen, gehorsam seinem Befehl. Wenn aber der Erzengel Israfil, mit dem Friede sei, durch einen Posaunenstoß die Toten ruft, die in diesen Kasernen (gleich schlafenden Soldaten) liegen, bekleiden sie sich sofort wieder mit ihren Leibern und eilen hervor.
Ein vergleichbares Verhalten zeigt in jedem Frühling mit dem Posaunenstoß des Donner-Engels (das ganze Königreich der Pflanzen) alles, was in der Erde gleich wie in einer Kaserne ruht.
Wenn aber das Königreich Seiner Herrschaft, dessen unendliche Größe in dieser Weise verstanden wurde, wenn das Jenseits und die Auferstehung, die jene Barmherzigkeit, Weisheit, Güte, Gerechtigkeit und das immerwährende Königreich absolut erfordern, wie bereits im Zehnten Wort bewiesen wurde, niemals anbrechen wird, verwandelt sich mit Sicherheit, in jedem Fall und ohne jeden Zweifel diese Barmherzigkeit von unendlicher Schönheit in eine unendlich hässliche Unbarmherzigkeit; diese Weisheit in grenzenloser Vollkommenheit in eine grenzenlos unvollkommene Sinnlosigkeit und nutzlose Verschwendung; diese überaus anmutige Güte in eine überaus bittere Bosheit; diese überaus wohl ausgewogene und wahre Gerechtigkeit in überaus grausame Ungerechtigkeit; und bricht dieses überaus majestätische und mächtige immerwährende Königreich in sich zusammen und wenn der Tag der Wiederauferstehung nicht anbricht, so verschwindet seine majestätische Größe und wird seine vollkommene Herrschaft mit Ohnmacht und Fehlern befleckt, was aber keineswegs möglich ist, keine Vernunft für möglich halten könnte und worin sich gleichzeitig alle hundert Unmöglichkeiten befinden. Dies wäre ein unsinniger Glaube, außerhalb des Bereiches aller Möglichkeiten.
Denn: Was für eine ungerechte Behandlung und Unbarmherzigkeit wäre es, die Menschen, die Er mit so viel
Aufmerksamkeit und Feingefühl versorgt und die mit Herz und Verstand so sehnsüchtig nach der ewigen Glückseligkeit und dem immerwährenden Aufenthalt im Jenseits verlangen, für ewige Zeiten hinzurichten, sie mit all ihren Organen, unter denen allein ihr Gehirn sie zu hunderterlei Weisheit und Nutzanwendungen befähigt und mit all den Fähigkeiten, die sie tausendfach zu nutzen wissen, ohne wieder aufzuerstehen, in einem Tod ohne Sinn, Zweck und Nutzen, ja ohne Weisheit, so völlig zu verschwenden, welch ein Widerspruch zu Seiner Weisheit wäre das doch und welch ein Gegensatz zu der Majestät Seines Königreiches und der Vollkommenheit Seiner Herrschaft, Seine tausend Drohungen und Versprechungen nicht einzuhalten, was - Gott behüte! - nur Seine Schwäche und Seine Unwissenheit zeigen würde, was ja jeder verstehen kann, der einen Funken Bewusstsein in sich trägt. Denke einmal über Seine Gnade und Gerechtigkeit in diesem Zusammenhang nach...
So beantwortet unser Schöpfer die Frage, die wir Ihm gestellt hatten, im Gedächtnis Seiner Namen "der Allbarmherzige, der Allweise, der Gerechte, der Freigiebige und der Herrscher", die ohne Verdacht noch Zweifel und in Wahrheit das Jenseits sonnenklar beweisen.
Des Weiteren sehen wir mit unseren eigenen Augen: Da ist eine alles umfassende, souveräne Logistik am Werk, sodass die Bilder von den Lebewesen und deren Lebenslauf, das Heft, in dem ihre naturgemäßen Aufgaben eingetragen werden und ihre Taten, durch die sie wortlos die Namen Gottes rezitieren, auf Tafeln für die Beispiele, in den Kernen und Körnern, in dem Erinnerungsvermögen des Menschen, das ein kleines Beispiel für die Wohlverwahrte Tafel ist, besonders in dem Gedächtnisvermögen im Gehirn des Menschen, welches eine überaus umfangreiche Bibliothek auf kleinstem Raum ist, und noch in verschiedenen anderen sichtbaren und unsichtbaren Spiegeln aufgenommen, bewahrt und gespeichert werden. Wenn dann ihre Jahreszeiten der Reihe nach kommen, zeigen
sich diese unsichtbaren Schriften in einer materiellen Form unseren Augen, und so kommt die überaus erstaunliche Wahrheit der Wiederauferstehung, die in der Ayah
وَاِذَا الصُّحُفُ نُشِرَتْ
{"Wenn die Seiten offen gelegt werden." (Sure 81, 10)}
bekannt gegeben wird, anhand von Millionen von Nachbildungen, Beweisen und Musterbeispielen in jedem Frühling zum Ausdruck, der eine Blüte der Macht Gottes ist, und der sie in dieser großen Blüte mit ihren Milliarden Zungen dem ganzen Kosmos bekannt macht. Das beweist, was vor allem das Menschengeschlecht betrifft und alle Lebewesen, und alles, was da ist, nicht um in das Vergehen zu fallen, in das Nichts zu stürzen, in der Nichtigkeit verloren zugehen, und dass vor allem das Menschengeschlecht wie alle Lebewesen nicht geschaffen wurde, um hingerichtet zu werden, vielmehr dass sie erschaffen wurden, um fortzuschreiten in ein ewiges Bestehen, sich zur Beständigkeit hin zu läutern und mit ihren Fähigkeiten in einen immerwährenden Dienst zu treten.
In der Tat beobachten wir in jedem Frühling, dass unendlich viele Pflanzen, die im Herbst gleich wie in einem Weltuntergang gestorben sind, am Wiederauferstehungstag
des Frühlings mit jedem Baum, jeder Wurzel, jedem Samenkern und Korn die Ayah
وَاِذَا الصُّحُفُ نُشِرَتْ
{"Wenn die Seiten offen gelegt werden." (Sure 81, 10)}
rezitieren, dessen Bedeutung jede in ihrer eigenen Art, in jeder einzelnen Facette erklärt, so wie sie in den vorausgegangenen Jahren ihre Aufgaben versehen hatte, und so eine souveräne Logistik bezeugt. Die vier gewaltigen Wahrheiten in der Ayah
هُوَ اْلأَوَّلُ وَاْلاٰخِرُ وَالظَّاهِرُ وَالْبَاطِنُ
{"Er ist der Erste und der Letzte, der Offenbare und der Verborgene." (Sure 57, 3)}
zeigen sich in allen Dingen und unterrichten uns über die Tatsache dieser Speicherung in gewaltigem Umfang und die Wiederauferstehung in der Leichtigkeit und Sicherheit der Erschaffung eines Frühlings. In der Tat umfassen die Erscheinungen dieser vier Namen Gottes alles vom Kleinsten bis zum Größten.
Zum Beispiel: Ein Samenkern, der der Ursprung eines Baumes ist, offenbart den Namen Gottes اَلْأَوَّلُ {"der Erste"}, indem er ein kleines Kästchen darstellt, das das absolut vollkommene Programm dieses Baumes, die Anlagen für seine einwandfreie Erschaffung und alle Bedingungen für seine Entfaltung enthält, beweist so Seine souveräne Logistik. Was seine Frucht betrifft, in der sich der Name Gottes وَاْلاٰخِرُ {"der Letzte"} offenbart, so ist sie ein kleines Kästchen, das in seinem Samenkern das Inhaltsverzeichnis aller natürlichen Aufgaben dieses Baumes, eine Liste seiner Funktionen und die Prinzipien seines zweiten Lebens (im Keim) enthält, und bezeugt so den Grad Seiner souveränen Logistik.
Was das Äußere dieses Baumes betrifft, in dem sich der Name Gottes وَالظَّاهِرُ {"der Äußere"} offenbart, so ist es ein dermaßen vortrefflich passendes, kunstvoll ausgestattetes und geschmücktes Hemd, ein Anzug ausgestattet mit den verschiedensten Ornamenten und Schmuckstücken, mit vergoldeten Orden, als wäre es das Kleid einer Paradiesesjungfrau mit siebzig verschiedenen
Farben, und zeigt so den Augen mit Seiner Logistik die souveräne Macht Gottes, Seine vollkommene Weisheit und Seine makellose Barmherzigkeit.
Was das Kraftwerk in diesem Baum betrifft, in dem sich der Name Gottes وَالْبَاطِنُ {"der Innere"} offenbart, so ist es eine einwandfreie, aufs beste geordnete, wunderbare Fabrik, eine Werkbank, ein Chemielabor und ein Speisekessel, der wohlausgewogen keinen Ast, keine Frucht und kein Blatt unversorgt lässt, und beweist mit Seiner Logistik sonnenklar die vollkommene Macht und Gerechtigkeit Gottes und Seine makellose Barmherzigkeit und Weisheit.
Genauso ist auch die Erde hinsichtlich ihrer Jahreszeiten gleich einem Baum. Im Herbst, in dem der Name اَلْأَوَّلُ {"der Erste"} in Erscheinung tritt, werden Samenkerne und Körner Seiner Logistik anvertraut. Sie sind kleine Sammelhefte der Befehle Gottes, für die Gestaltung der Erde, die das Kleid des Frühlings anzieht und einem Baum gleicht, der Milliarden Äste und Zweige ansetzt, Früchte trägt und blüht. Sie sind Inhaltsverzeichnisse der Prinzipien, die von der Vorherbestimmung Gottes aufgestellt wurden, und winzig kleine Dienstbücher und Berichtshefte der Arbeiten des vergangenen Sommers, welche offensichtlich zeigen, dass ein majestätischer, freigiebiger Bewahrer (und Herr aller Logistik) mit Macht, Gerechtigkeit, Weisheit und Barmherzigkeit am Werk ist.
Was das jährliche Ende dieses Baumes, der die Erde ist, im darauffolgenden Herbst betrifft, so werden alle Aufgaben, die dieser Baum versehen hat, alle natürlichen Lobpreisungen, in (der Offenbare) denen er die Namen Gottes
rezitiert hat, und alle Dienstbücher, die an seinem Auferstehungstag im kommenden Frühling geöffnet werden, in winzig kleinen Kästchen gespeichert und der weisen Hand des majestätischen Bewahrers anvertraut. Auf diese Weise trägt er mit unendlich vielen Zungen den Namen Gottes وَاْلاٰخِرُ {"Er ist der Letzte"} im Antlitz des Alls vor.
Was das Äußere dieses Baumes betrifft, so blüht er mit dreihunderttausend verschiedenen Arten von Blüten, die dreihunderttausend Beispiele und Zeichen der Wiederauferstehung setzen, bereitet (wenn die Seiten offen gelegt werden) zahllose Tische des Erbarmers, des Versorgers, des Barmherzigen und Freigiebigen und gibt den Lebewesen Gastmähler. So rezitiert er mit den vielen Zungen seiner Früchte und Blüten, mit seinen Speisen (z.B. Blätter) den Namen Gottes: وَالظَّاهِرُ {"Er ist der Offenbare"} gedenkt Seiner und zeigt so klar wie der Tag die Wahrheit von:
وَاِذَا الصُّحُفُ نُشِرَتْ
{"Wenn die Seiten offen gelegt werden." (Sure 81, 10)}
Was das Innere dieses großartigen Baumes betrifft, so ist es ein Kessel und eine Werkbank, die grenzenlos und unzählbar viele wohlgeordnete Maschinen und bestens organisierte Fabriken in vollkommener Aufmerksamkeit und Ordnung betreibt, sodass er aus einem Dirhem (etwa drei Gramm) tausend Batman (Zentner) Speisen bereitet und den Hungrigen überreicht. Seine Arbeit ist mit so viel Aufmerksamkeit und Organisation verbunden, dass auch nicht
für ein Stäubchen Zufall Platz bleibt. Wie manche Engel, die Gott mit hunderttausend Zungen preisen, macht die Erde durch ihr Inneres den Namen Gottes وَالْبَاطِنُ {"Er ist der Verborgene."} in hunderttausend verschiedenen Formen bekannt und beweist Ihn.
Sowie die Erde im Jahreslauf als ein Baum erscheint, der innerhalb dieser vier Namen eine Logistik offenbart, die als Schlüssel zur Wiederauferstehung im Jenseits gilt, so erscheint sie im Ablauf der Jahrhunderte und des irdischen Lebens wiederum als ein wohlgeordneter Baum, dessen Früchte auf den Markt des Jenseits exportiert werden. An ihm offenbaren sich diese vier Namen in der Weise, dass sie zu einem Spiegel werden und einen Weg ins Jenseits öffnen, den in seiner Breite zu überblicken und zu beschreiben, unser Verstand nicht ausreicht. Nur soviel können wir sagen:
Es sind ja die Zeiger einer Uhr, welche die Sekunden, Minuten, Stunden, Tage und Wochen anzeigen, voneinander abhängig und verweisen aufeinander. Wer die Bewegung des Sekundenzeigers sieht, kann die Bewegung der Spindel (auf der er sitzt) nicht abstreiten. Genauso gleicht diese Erde der Großen Uhr des majestätischen Schöpfers der Himmel und der Erde. Doch hier zählt der Sekundenzeiger die Tage, der Minutenzeiger zählt die Jahre, der Stundenzeiger die Jahrhunderte und der Tageszeiger die Epochen, (und die einzelnen Zeiger) sind voneinander abhängig und verweisen aufeinander. Wie aber nach dieser Nacht der Morgen anbricht und nach diesem Winter der Frühling beginnt, so wird mit der selben Sicherheit nach dieser vergänglichen Welt finsterem Winter der für ewig fortbestehende Frühling und ein immerwährender Morgen anbrechen, so wie uns der Schöpfer auf unsere Fragen nach der Wiederauferstehung im Jenseits mit der oben erwähnten
Wahrheit mit seinen Namen "der Bewahrer" (Al-Hafidh)und هُوَ اْلأَوَّلُ وَاْلاٰخِرُ وَالظَّاهِرُ وَالْبَاطِنُ {"Er ist der Erste und der Letzte der Offenbare und der Verborgene."} Antwort gibt.
Des Weiteren erkennen wir mit unseren Augen und begreifen mit unserem Verstand, dass der Mensch die höchste und vielseitigste Frucht dieses kosmischen Baumes ist. In mohammedanischer Wahrheit ist er der Same an seinem Ursprung, das Große Zeichen aus dem kosmischen Qur'an und der Thronvers, der den Namen der Göttlichen Souveränität enthüllt. Er ist der ehrenvoll empfangene Gast in diesem kosmischen Schloss und der tüchtigste Beamte, dem ein Handlungsspielraum über allen anderen Bewohnern dieses Schlosses gestattet worden ist. Er ist ein Minister in der kosmischen Stadt des Bezirks Erde, beauftragt mit der Aufsicht über Ertrag, Ausgaben und Bestellung der Samen in Acker und Garten, ausgestattet mit hunderterlei Wissen und tausenderlei Handwerk, und der Beobachter, der nicht nur den meisten Lärm macht, sondern auch die größte Verantwortung trägt. Er ist ein Inspektor des kosmischen Landes in der Provinz Erde, der unter aufmerksamer Aufsicht des Ewigen Königs der Ewigkeiten (Padishah-i Edhel ve Ebed)
dient, und Sein Statthalter, dessen Bewegungen, alle, ob klein oder groß, aufgenommen werden. Er ist derjenige, der das große ihm anvertraute Gut, das auf sich zu nehmen, Himmel, Erde und Berge sich scheuten, auf die Schulter nahm, und vor dem sich zwei eigenartige Wege öffnen, auf derem einen er das glücklichste, auf dem anderen aber das unglücklichste aller Geschöpfe ist. Er trägt als der Diener aller, die Verantwortung für einen alles umfassenden Gottesdienst, durch den sich der gewaltige Name des Königs des Kosmos offenbart, der eine Spiegelung all Seiner Namen ist, und er ist ein direkter Ansprechpartner, der die Ansprache des Gepriesenen und
Seine Worte am besten versteht. Er ist der Bedürftigste unter allen Lebewesen im Kosmos und ein bedauernswertes Lebewesen, das trotz seiner grenzenlosen Armseligkeit und Ohnmacht grenzenlos viele Ziele und Wünsche und grenzenlos viele Feinde hat. Und es gibt viele Dinge, die ihn beeinträchtigen, ja ihm schaden können. Er ist überaus reich, was seine Fähigkeiten betrifft, nicht so jedoch hinsichtlich seiner Freude am Leben, das ihm den tiefsten Schmerz bereitet, denn seine Freude ist mit schrecklichen Schmerzen vermischt. Er verlangt mit größter Sehnsucht nach einer ewigen Bleibe, die er am meisten verdient, ihrer am meisten bedarf und ihrer auch am würdigsten ist. Er erbittet und erfleht die ewige Glückseligkeit mit zahllosen Gebeten. Würden alle Freuden der Welt ihm gegeben, so könnten sie dennoch seinen Wunsch nach einer ewigen Bleibe nicht befriedigen. Seinem Herrn und Gastgeber gegenüber steigert sich seine Liebe, macht Ihn zu seinem Geliebten und in seiner Anbetung wird er selbst zu Seinem Geliebten. Er ist ein einzigartiges Wunderwerk der Macht Gottes des Einzigartigen. Er ist eine außerordentliche Schöpfung, die den ganzen Kosmos in sich trägt. Alle seine menschlichen Anlagen bezeugen, dass er für die Ewigkeit erschaffen wurde.
Für diese Menschen, die sich mit den oben erwähnten zwanzig umfassenden Wahrheiten dem Namen Gottes "der Gerechte" verbinden und deren Taten von dem majestätischen Bewahrer, der selbst das kleinste Bedürfnis auch noch des winzigsten Lebewesens kennt, sein Flehen hört, und mit Seinem Eingreifen beantwortet, wahrgenommen werden, deren Handlungen, die sich auf den ganzen Kosmos auswirken, durch die Engel, von dem ehrenwerten Sekretär des Bewahrers, aufgeschrieben werden, und die vor allen anderen Dingen die Aufmerksamkeit des Herrn gefunden haben, für diese Menschen wird ohne Zweifel und in jedem Fall nach der Schlussfolgerung aus den obigen zwanzig Wahrheiten der Tag der Wiederauferstehung und der Wiederversammlung im Jenseits anbrechen.
Unter dem Namen "der Gerechte" wird der Mensch seine Belohnung für die von ihm verrichteten Dienste und die Strafe für seine Fehler erhalten. Er wird für all seine Taten, ob groß, ob klein, die unter dem Namen "der Bewahrer" aufgenommen worden sind, verhört und zu Rechenschaft gezogen werden. Am Ort des ewigen Bleibens werden sich ihm die Tore zum Gastmahl der ewigen Glückseligkeit und zum Gefängnis der ewigen Verdammnis öffnen. Ein Offizier, der in dieser Welt über viele Völker das Kommando hat, sich in ihre (inneren) Angelegenheiten mischt und sie von Zeit zu Zeit in Unruhe versetzt, wird nicht zu Grabe gehen, sich (so einfach) hinlegen und verstecken können, ohne (wieder) auferweckt und nach all seinen Taten befragt zu werden.
Sollte Er, der selbst das Sirren einer Mücke hört, ihr das Lebensrecht gibt und ihr mit Seinem Eingreifen antwortet, das unbeschränkte Recht des Menschen auf eine Ewige Bleibe nicht achten, seine Gebete, die von den Zungen der obenerwähnten zwanzig Wahrheiten kraftvoll wie der Donner gesprochen werden und von der Erde herauf bis zum Thron Gottes schallen, nicht hören und dieses unbeschränkte Recht verletzen? Sollte die Weisheit, die - wie die Ausgewogenheit eines Mückenflügels bezeugt - noch nicht einmal etwas so groß wie ein Mückenflügel verschwendet, alle menschlichen Begabungen, mit denen alle diese Wahrheiten verbunden sind, und alle menschlichen Hoffnungen und Wünsche, die sich in die Ewigkeit hin erstrecken, und all die vielen Verbindungen und Gegebenheiten im Kosmos, die diese Begabungen und Wünsche nähren, ganz und gar unbeachtet lassen? Das aber wäre eine solche Ungerechtigkeit und eine so grausame Abscheulichkeit, dass sie als außerhalb jeglicher Möglichkeit von allen Existenzen zurückgewiesen werden müsste, die für die Namen Gottes "der Gerechte, der Bewahrer, der Weise, der Schöne und der Barmherzige" Zeugnis ablegen und sagen: "es ist hundertfach unvorstellbar und in tausenderlei Hinsicht unmöglich."
So gibt denn der Schöpfer auf unsere Frage nach dem Jenseits mit Seinen Namen "der Gerechte, der Bewahrer, der Allweise, der Schöne und der Barmherzige" Antwort, indem uns diese Namen sagen: "So wie wir wahr und wirklich sind und gleich der Wirklichkeit der Existenzen, die uns bezeugen, ist die Wiederauferstehung wahr und wirklich."
Des Weiteren... ich wollte noch mehr schreiben, weil aber alles schon sonnenklar erklärt worden ist, will ich hier jetzt abbrechen.
Wie jeder von den hundert, ja sogar tausend Namen Gottes des Gerechten, die die Welt betrachten, anhand ihrer Erscheinungen in allem, was da ist, - im Vergleich mit den obenerwähnten Beispielen und Abschnitten - eindeutig ihren Träger zeigen, genauso zeigen und beweisen sie auch die Wiederauferstehung und das Haus des Jenseits mit Gewissheit.
So wie unser Herr, der Schöpfer auf unsere Fragen mit all Seinen Erlassen, all den Büchern, die Er herab gesandt hat, mit den meisten Namen, die Er trägt, uns heilige und sichere Antwort gibt, genauso lässt Er uns, wenn auch auf andere Art und Weise, durch Seine Engel und ihre Zungen Antwort bringen. Sie sagen:
"Seit der Zeit Adams gibt es Hunderte von einstimmigen Überlieferungen (ahadith)dafür, dass es Begegnungen sowohl mit den Geistwesen, als auch mit uns gibt. Es gibt zahllos viele Zeichen und Beweise für unser eigenes als auch der Geistwesen Dasein und Gottesdienst. Während unserer Begegnungen mit euren Anführern (Propheten), sagten wir ihnen übereinstimmend und sagen immer noch, dass wir in den Sälen des Jenseits und noch manch anderen Bereichen umher wandeln. Wir haben keinen Zweifel daran, dass diese ewig bleibenden und vollkommenen Säle, in denen wir uns hier bewegen, und die Schlösser und Wohnstätten, die hinter diesen Sälen eingerichtet und vorbereitet sind, auf sehr bedeutende Gäste warten, die sich an diesen Orten ansiedeln werden. Dies ist die
Gewissheit, die wir euch mitteilen."
Und dies ist ihre Antwort, die sie uns bringen.
Des Weiteren müssen wir dieselben Fragen, die wir dem Schöpfer gestellt haben, vor allem an Mohammed, den Araber, mit dem Friede und Segen sei, den der Schöpfer für uns als größten Lehrer, als vollkommensten Lehrmeister und richtigen Wegweiser, der nicht irrt und nicht in die Irre führt, ernannte, und den Er zu uns als letzten Propheten sandte, richten, um von der Stufe einer Gewissheit, begründet durch wissenschaftliche Kenntnisse, auf die Stufe der augenscheinlich bezeugten und selbst erfahrenen, wahrhaftigen Gewissheit zu gelangen.
Denn: Wie diese Persönlichkeit mit ihren tausend Wundern, dessen jedes ein bestätigendes Zeichen durch den Schöpfer ist, als ein Wunder des Qur'an gilt und beweist, dass der Qur'an wahr und Gottes Wort ist, so ist auch der Qur'an mit seinen vierzig Arten Wundern ein Wunder dieser Persönlichkeit, und beweist, dass sie wahrhaftig und Gesandter Gottes ist. Die Wahrheit der Wiederauferstehung am Jüngsten Tag, die diese beiden, der eine als Sprecher der bezeugten Welt mit seinem ganzen Leben, bestätigt durch alle Propheten und Heiligen, der andere als Sprecher der unsichtbaren Welt, mit seinen tausend Versen, bestätigt durch alle vom Himmel geoffenbarten Erlasse und durch die Tatsache der Schöpfung, behaupten und beweisen, strahlt so sonnenhell und ist in jedem Fall so sicher wie der helle Tag.
In der Tat kann eine Frage wie die der Wiederauferstehung, welche so eigenartig und überwältigend ist und über jeden Verstand hinausgeht, allein und einzig durch die Unterweisungen dieser beiden wunderbaren Lehrmeister bewältigt und verstanden werden.
Der Grund dafür, dass die Propheten der früheren Zeiten ihren Gemeinden darüber keine ausführlichen Erklärungen wie die des Qur'an gegeben hatten, liegt darin, dass sich die Menschheit in damaliger Zeit noch im Kindheitsstadium
befand und auf der Stufe der Nomaden lebte. Und im Unterricht für Anfänger wird noch kaum etwas ausführlich erklärt.
Zusammenfassung:
Da die meisten Namen Gottes des Gerechten nun einmal das Jenseits (und damit die Ewigkeit) voraussetzen und erfordern, so verweisen mit Sicherheit auch alle Zeugnisse, wie sie einerseits diese Namen zu erkennen geben, andererseits auch auf die Bewahrheitung des Jenseits.
Da die Engel nun einmal berichten, dass sie die Bereiche des Jenseits und der ewig bestehenden Welt gesehen haben, gelten mit Sicherheit auch die Beweise, die für die Existenz der Engel, Geister und Geistwesen und für ihren Gottesdienst angeführt werden, für die Existenz des Jenseits.
Da sich Mohammed, mit dem Friede und Segen sei, nun einmal in seinem ganzen Leben, im Ansatz und den Fundamenten seiner Lehre immer erst auf die Einheit Gottes und dann auf das Jenseits bezogen hat, bezeugen alle Wunder und alle Beweise, die einerseits das Prophetentum und die Wahrhaftigkeit dieser Persönlichkeit aufzeigen, den Anbruch des Jüngsten Tages und die Bewahrheitung des Jenseits.
Da ein Viertel des Qur'an nun einmal von der Wiederauferstehung am Jüngsten Tag und dem Jenseits handelt und, es mit tausend Versen beweisen, und von ihm berichten, bezeugen und zeigen mit Sicherheit alle Zeugnisse und alle Beweise, die die Wahrheit des Qur'an bezeugen und aufzeigen, dabei auch die Existenz des Jenseits, seine Wahrheit und seinen Anbeginn.
Nun betrachte und sieh, wie stark und sicher dieser Glaubenspfeiler ist!
Sechster Abschnitt
Das Leben in Emirdagh
Einleitung
Nach dem Freispruch des Strafgerichtshofs in Denizli verbreitete sich die Risale-i Nur in den meisten Bezirken, Städten und Dörfern und die Zahl der Nur-Schüler stieg in kurzer Zeit auf mehr als hunderttausend. Man begann nun, alle Abhandlungen (risalah)maschinell zu kopieren.
Nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis kam Said Nursi zunächst für drei weitere Jahre in Emirdagh ins Exil. Gegen Ende des Jahres 1947 wurden unser Meister (Ustadh)und seine Schüler dann zum dritten Mal ins Gefängnis (nach Afyon) gebracht. Von dort 1949 wieder aus dem Gefängnis entlassen, kehrte er für weitere drei, vier Jahre nach Emirdagh ins Exil zurück und wurde sodann (als ein weiteres Exil) nach Isparta verlegt. Er war jetzt schon über achtzig Jahre alt und brauchte dringend einen Luftwechsel. Darum ging Ustadh nun gelegentlich (wieder nach) Emirdagh zurück und verblieb (dort für einige Zeit) in der Medresse (dershane-i Nuriye),die seine Wohnstatt wurde.
Wir erwähnen hier (zunächst einmal) den Teil seines Lebens, den er während seines ersten Exils in Emirdagh bis zu seiner Einlieferung ins Gefängnis zu Afyon verbrachte. Sein Leben im Gefängnis zu Afyon bis zu seiner Rückkehr (ins Exil) in Emirdagh und sein Leben (während seines zweiten Exils) dort in seinem Dienst (hizmet-i nuriye)soll (dann im folgenden Kapitel) behandelt werden. Sein Leben (dort im Exil) in Emirdagh stand im Vergleich mit seinem bisherigen Leben noch weit mehr im Lichte der Öffentlichkeit. Auch häuften sich nun noch die Unglücksfälle und falschen Verdächtigungen. Er wurde ständig beobachtet und man versuchte sogar, ihn (heimlich) aus dem
Wege zu räumen. Zugleich verbreitete sich die Risale-i Nur im weiten Umkreis. Selbst an den Hochschulen, unter Beamten und Politikern begann man sie zu lesen.
Nach seiner Entlassung aus dem Exil in Emirdagh hat man Üstadh auch weiterhin sehr ungerecht behandelt und verleumdet. Da man nun im weiten Kreise Lügen, Beschuldigungen und Verdächtigungen verbreitete während sich zu gleicher Zeit auch die Risale-i Nur auf wunderbare Weise ausbreitete, ist es hier nun notwendig geworden, in der Einleitung die Tatsachen klarzustellen. Und das war so:
Wenn wir hier nun das besondere, das Said Nursi in seiner ganzen Haltung, in all seinen Handlungen und durch seinen (geistlichen) Dienst zum Ausdruck bringt, darstellen wollen, so ist unsere Absicht dabei (folgende):
Wenn wir hier versuchen, die Blicke des bewundernden Lesers auf sich zu ziehen, so tun wir dies - Gott bewahre! - nicht, damit die Menschheit Bediüzzamans vergängliche Person bejubeln und beklatschen solle, sondern um gegenüber denjenigen, die seine Persönlichkeit schmähen und verleumden und seinen (geistlichen) Dienst besudeln wollen und sich auch darum bemühen, den Dienst am Glauben (din)und der Risale-i Nur zu verhindern, das Licht (Nur),die Wirkungsmächtigkeit und jenen Dienst an der Risale-i Nur ganz klar darzustellen, der von Glückseligkeit übersprüht und ihn dabei als einen Schüler des Qur'an in der Gemeinde unseres Ehrenwerten Propheten und als einen Diener Gottes zu erwähnen, der Seine Gunst (ikram)erfahren hat. Wir werden die vorgetäuschten Gründe der Feinde des Glaubens (din)und ihre rechtswidrigen Angriffe zurückweisen und die Unschuld eines Unschuldigen erklären. Ja wir können sogar sagen: Es hat bis heute seinesgleichen niemanden gegeben, der solchen, seiner Denkweise, seinen Idealen, seinem Dienst (am Glauben) und seinen Zielen vollkommen entgegengesetzten, der Wahrheit zuwiderlaufenden, fürchterlichen Verdächtigungen und Anschuldigungen ausgesetzt gewesen wäre. Es
ist, als wolle man ein Gegengift als Gift darstellen, (wenn man einen Menschen), der doch die Absicht hat, dieses Volk und die kommenden Generationen vor der Anarchie, der Glaubenslosigkeit und der Sittenlosigkeit zu bewahren und sich auch dementsprechend betätigt, aus dem Irssinn eines Irrglaubens heraus, wie er nur aus einer völligen Glaubenslosigkeit entstehen kann, des Landesverrates bezichtigt und (behauptet), er vergifte die Jugend und verführe sie zur Rückständigkeit, wobei es dann offensichtlich ist, wie bitter ein solcher Zustand ist, sodass er einsichtige Menschen vor Schmerz zum Weinen bringt. So ist Bediüzzaman denn ein solch Unschuldiger, der nicht einmal, nicht hundertmal, nein tausendmal derartige unwahre Anschuldigen erdulden musste. In seinem Dienst (am Glauben) war er von solcher Art, dass er in seiner Haltung und in seinem Charakter die außergewöhnlichsten Beispiele der hochgelobten Sitten vorgelebt hat, in seiner Seele (nefs)ein geradezu meisterliches Beispiel von Anstand und Tugenhaftigkeit zur Darstellung brachte und so ein Markstein der Moral und des guten Benehmens war. Wir, die wir seine Schüler sind und die für ihn notwendigen Dienste versehen und daher sein ganzes Leben und Wirken von innen und außen kennen geben hiermit allen laut, klar und deutlich zu verstehen:
Unser Meister (Ustadh)hat den Gläubigen (ehl-i iman)und der ganzen Menschheit zu ihrem Nutzen ein Wissen, das in einem Glauben (ulum-u imaniye)gründet, den er aus dem Qur'an schöpft, meisterhaft (ustadh)dargeboten und genau so wird auch durch seine edlen Umgangsformen, seine ganze Haltung und in seinem Privatleben sein guter Charakter (deutlich), so wie ihn der Weise Qur'an beschreibt und werden auch jene Spuren und die beständige erhabene Gegenwart (huzur)sichtbar, welche die Tropfsteine {Sie sind über Jahrtausende der sichtbare und fassbare Ausdruck einer Tätigkeit des Wassers, welche das Symbol allen Lebens ist. (A.d.Ü.)} einer erhabenen Gottesfreundschaft (vilayat)sind.
Menschen des Herzens (ehl-i qalb)und der Tugendhaftigkeit (erbab-i fadhilet),die sein Verhalten bei jeder sich bietenden Gelegenheit aufmerksam und verständnisvoll beobachteten, sahen mit völligem Erstaunen, dass sein erleuchtetes Herz (qalb-i munevver)wie eine Sonne der Wahrheit und Erkenntnis (shems-i haqiqat ve marifet)strahlte und wie die Wellen des Ozeans in ständiger Bewegung war, gaben daher allgmein bekannt, dass unsere Erde und unsere Zeit (zemin ve zaman)stolz sein dürfen auf diese letzte, vollendete (kamil),lichtstrahlende Frucht (meyve-i munevver)am Baume der Islamiyet.
Oh ihr Unglückseligen, die ihr versucht, in böser Absicht und entsprechend der Schlechtigkeit eures Geistes einen solchen Markstein des Anstandes, der Moral, des Glaubens (iman),der Wahrheit (haqiqat)und der Erkenntnis schlecht zu reden und ein solches Vorbild an Tugend zunichte zu machen und in einer Weise zu verleumden, deretwegen sich selbst noch der Teufel schämen müsste! All diese Verleumdungen, die ihr gegen diese Persönlichkeit verbreiten wolltet und all das Gift, das ihr überall ausgelegt habt, hat euch nichts eingebracht. Denn die Wahrheit (haqq)verbreitet ihr Licht (Nur)und strahlt es aus. Mit diesem Licht (Nur)hat sie nun ihren Glanz (ziya)über alle Welt (alem)ausgebreitet. Was aber euch betrifft, so seid ihr niedrig und gemein und die ganze Menschheit verabscheut eure innere Haltung (mana,nicht euere äußerliche Erscheinung!). Ihr solltet euch etwas schämen! Noch immer eines Menschen Kleid (auch Maske oder Antlitz) tragen zu müssen, sollte eigentlich für euch ein Schmerz und eine Schmach sein! Dennoch steht für euch noch ein Tor zur Befreiung offen. Wenn ihr an dieses Tor klopft, könnt ihr vielleicht noch gerettet werden. Denn Said Nursi hat einmal gelobt und verkündet: "Selbst diejenigen, die für meine Hinrichtung arbeiten, danach jedoch ihren Glauben durch die Risale-i Nur retten und weiterhin an der Risale-i Nur festhalten, mögen meine Brüder dessen die Zeugen sein, dass ich ihnen gegenüber auf meine Rechte (haqq)verzichten (helal)
werde." Es gibt in der Tat viele, die ihn erst hinrichten wollten. Die meisten von denen, die früher einmal gegen ihn waren, sind heute seine Freunde geworden, weshalb auch für euch, die ihr heute gegen ihn intrigiert und ihn verleumdet, wenn ihr bereut, den Lektionen (ders)aus der Risale-i Nur euer Ohr leiht, die Hoffnung besteht, dass dieser selbstlose (shefqat)Held für euch und für eure Vergebung bitten und beten (dua)wird. So kommt denn nun und seht, dass Said Nursi in der Tat ein solcher Held ohne Beispiel ist, der, so wie er als ein Held auf dem Schlachtfeld oder auch auf der Anklagebank gegen die Tyrannen aufgetreten ist, auch für die Feinde unter euch und diejenigen, die sich dafür angestrengt haben, ihn zu vernichten, wenn sie sich danach aber der Risale-i Nur zuwenden, seine Hände zu ihrem Heil (selamet)und zu ihrer Rettung erheben und mit Tränen in den Augen für sie beten wird. Und so versteht denn nun, wie er in seiner großen Bescheidenheit alle Schichten des Volkes mit vollkommener Liebe (kemal-i shefqat)behandelt hat. Und seht nun, auf welch erhabener Stufe der Menschlichkeit diese Person stand! Ihm gegenüber sind alle Loblieder und Preisreden nicht von der gleichen Art wie die Akklamationen der Weltleute (ehl-i dunya).Für seine geistige Persönlichkeit, die ein Abbild der Wirklichkeit des Kosmos (haqiqat-i kainat)ist, ein Beispiel für die Vollkommenheit des Menschen (ekmel insana),den hohen Wert des Menschen und die wahrhaftige Erscheinung eines Muslim, sind alles Lob und aller Applaus nur noch ein Zeichen der Anteilnahme. Said Nursi, der in der Tat ein Beispiel für die Lichter der Wahrheit (envar-i haqiqat)ist und für sie spricht, applaudiert nicht nur die ganze Menschheit, sondern vielmehr alle Arten und Gattungen dieser Welt (alem)und wünschen ihm Heil und Segen (tebrik).Seinen Dienst am Glauben (iman)wissen in der Tat Vergangenheit und Zukunft zu schätzen...
Said Nursi war in der Tat, soweit wie Gott der Gerechte (Djenab-i Haqq)es in die Natur des Menschen (mahiyeti insaniye)hineingelegt hatte, bei allen Arten und
Möglichkeiten, etwas Vollkommenes (zu erschaffen), stets an erster Stelle und handelte stets auf die bestmögliche Weise. Manchmal wandelte er über Bergeshöhen oder zwischen riesigen Felswänden dahin, schritt still und einsam für sich dahin, betrachtete dabei die Weinberge, die Gärten, die Pflanzen und Tiere und dachte über sie nach, kehrte sodann zurück, ging in die Stadt, wo er dann in den großen politischen Versammlungen mit erlesener Beredsamkeit und Gewandheit eine Rede vortrug, oder einen Vortrag über Moral und Anstand hielt und dabei stets seinen lebhaften Geist (ruh)sprühen ließ. Sein Leben im Osten vor und nach der Deklaration der Konstitutionellen Monarchie (Hürriyet 1908)wie auch all seine Aktivitäten in Istanbul sind dafür ein Zeugnis. So bereiste er einerseits Ost-Anatolien und unterrichtete dort die verschiedenen Volksstämme, hielt Unterricht (ders)über Glaube (iman)und Moral (ahlak)und beriet sie (in allen Fragen). Andererseits bestimmte er in Damaskus (im Jahre 1911) für alle Welt, vom Standpunkt islamischer Politik aus betrachtet, die Grundsätze der Entwicklung und Vervollkommnung für alle Muslime mit größtmöglicher Schärfe und Bestimmtheit und legte sie entsprechend fest und verkündigte 350 Millionen Muslimen den Sonnenaufgang (fedjr-i sadiq)der Glückseligkeit (saadet).Auch hielt er in der Zeit der Konstitutionellen Monarchie (meshrutiyet)eine Rede vor den Abgeordneten und verfasste zugleich Abhandlungen in den Zeitungen, in welchen er argumentierte, dass die heiligen (qudsi)Grundsätze des Qur'an für das Islamische Volk festgelegt und durchgeführt werden müssen, um die Glückseligkeit beider Welten (djihan)zu gewinnen, rief mit lauter Stimme hinaus, wo die Quelle des Fortschritts (zu finden) ist und wahre Vollkommenheit (haqiqi kemalat)und verteidigte seinen Standpunkt mit Heldenmut selbst noch vor dem Kriegsgericht (Divani Harb).
So erklärt sich denn hier ein klein wenig, wie diese wunderbare Persönlichkeit gelebt und gewirkt hat, so als habe sie den Geist einer Gemeinschaft inne, die aus
Menschen mit verschiedenen Begabungen, sowie ganz unterschiedlichen Denkweisen und Fähigkeiten besteht. Es ist, als besäße diese Persönlichkeit all das an Schönheit und Vollkommenheit (kemalat),womit alle Leute von Wahrheit (ehl-i haqq)und Verstand, die in den 1300 Jahren seit dem Entstehen des Islam gekommen und wieder gegangen sind, den strahlenden Baum der Islamiyet über die Jahrhunderte hinweg wie mit verschiedensten Blumen und Früchten geschmückt haben, trüge (dies alles) gleichsam wie Orden und Ehrenzeichen mit sich. Es ist, als würden islamische Wissenschaft und Bildung durch diese Person erneut wieder ins Leben gerufen.
Es ist, als ob die heiligen Meister (qudsi ustadh),Gelehrten und Exegeten, die durch den Unterricht (ders)und in der Führung des Großen Propheten zur Wahrheit (haqiqat)gelangt und bis zur Vollkommenheit (kemalat)fortgeschritten waren und nun jede Gruppe jeder einzelnen islamischen Gemeinschaft in den Kreis der Erleuchteten führen und leiten und als wäre nun diese Persönlichkeit zum Erben (varith)all dieser verschiedenen Wege (meslek)und Wissenschaften (ilim)ernannt worden. Mit allen Schönheiten und Vorzügen vergangener Zeiten bekleidet entstand nun in unserem Jahrhundert dieses Wunder unserer Zeit, Said Nursi Hazretleri, der auf diese Weise im Namen des Qur'an und mit Hilfe der Risale-i Nur begann, jenen Dienst am Glauben zu versehen und jenen inneren Kampf (djihad-i manevi)zu führen, dessen Aufgaben ansonsten nur eine Gemeinschaft, ein hohes Gremium, ja vielleicht ein gewaltiges Heer ausführen könnte, mit Gottes Hilfe (izn-i Ilahi)zu erfüllen und alle seine Pflichten zu übernehmen. Die geistige Körperschaft der Nur-Schüler, welche aus jener Kraft und Verbundenheit entstanden war, welche aus dem Licht der Islamiyet und der Bruderschaft des Glaubens (iman)erwächst, war angetreten, um den Leuten des Irrtums (ehl-i dalalet)gemeinsam Widerstand zu bieten, errichtete auf diese Weise als Stützpunkt aller Gläubigen die Mauer des Qur'an gegen die rote Gefahr
einer Besetzung des Vaterlandes und wurde nun der Schoß aller Liebe (muhabbet),Brüderlichkeit und Einheit (ittifaq)wie einst in der islamischen Welt (alem)eines tapferen türkischen Volkes.
Said Nursi ist eine Persönlichkeit, die über ganz besonders umfangreiche Begabungen verfügt. In all diesen Begabungen ist er allen weit voraus. Er erforscht mit großer Aufmerksamkeit jedes Einzelne und das Ganze, die äußere Welt in ihrem kleinsten Kreis und den inneren Kreis, z.B. die Atome und zugleich auch die Milchstraße, betrachtet sie und zeigt so in ihnen das Licht der Einheit (envar-i Tauhid)und beweist es zugleich. Dabei ist er einerseits mit der elementare Versorgung durch den Glauben (iman)beschäftigt, der die gesamte Islamische Welt (alem)und die ganze Menschheit umfasst.
{Der Glaube ist ein Grundelement im menschlichen Zusammenleben. (A.d.Ü.)}
Andererseits aber führt er ein Einsiedlerleben und betrachtet dabei die einzigartigen Werke der Natur (fitrat),welche Briefe sind, geschrieben mit der Feder des Allmächtigen (qudret)und Wunderwerke göttlicher Kunstfertigkeit, versenkt sich dabei in das Buch der Schöpfung, erfüllt so täglich dergleichen verschiedene erhabene Aufgaben und schreitet auf diese Weise in unendlicher Freude zur Erkenntnis Gottes und Seiner Gegenwart (marifet-i Ilahiye ve hudhur)in Seinem Lichte (envar)fort.
So sind denn diese Geisteshaltung (halet-i ruhiye)und die heiligmäßige Verfassung im Leben (hayat)unseres Meisters (Ustadh),wie wir sie in jedem seiner Abschnitte bezeugen können, so auch das Leben, das er in Emirdagh verbracht hat, stets von diesem oben dargestellten Sinn erfüllt. Und das, auch wenn es in seinen gesammelten Briefen, worin dies bis zu einem gewissen Grade bereits dargestellt worden ist, noch etwas zu kurz kommt. Man hat sich in dieser Biographie mit nur einem Tropfen aus diesem Ozean zufrieden gegeben.
Said Nursis Entlassung aus dem Gefängnis in Denizli und seine Verbannnung nach Emirdagh
Im Juni 1944 erfolgte der Freispruch durch den Hohen Strafgerichtshof in Denizli, danach die Entlassung aus dem Gefängnis, und so kehrten die Nur-Schüler wieder in ihre heimatlichen Provinzen zurück. Was jedoch unseren Meister (Ustadh)betrifft, so verblieb er im städtischen Hotel in Denizli bis ein neuer Befehl aus Ankara ergangen war. Doch wegen der Verhaftung der Schüler der Risale-i Nur und der Verhandlungen gegen sie, fühlte sich das Volk von Denizli mit der Risale-i Nur eng verbunden. So gab es selbst in der Justizbehörde zwei oder drei Beamte, die während der Verhandlungen am Gerichtshof ihre Verbundenheit mit der Risale-i Nur zum Ausdruck brachten und sich für deren Verbreitung in Denizli einsetzten. Später haben dann aus dem Kreise der Risale-i Nur jener als "gerecht" bezeichnete Richter ("hakim-i adil")als Vorsitzender des Gerichts und seine Beisitzer und alle Patrioten, die sich in dieser Angelegenheit eingesetzt hatten, mit ihrem gerechten Urteil und durch ihren Einsatz allen Leuten des Glaubens (ehl-i iman)nicht nur eine große Freude bereitet, sondern sich auch einen inneren, für ewig strahlenden Stand (maqam)erworben.
* * *
Nachdem Said Nursi noch zwei Monate in Denizli geblieben war, erhielt er den Auftrag (memur),seinen Wohnsitz (ikamet)in der Stadt Emirdagh in der Provinz (vilayat)Afyon zu nehmen. Und dort in Emirdagh musste er vom August 1944 an in der Verbannung leben. Dort blieb er also zunächst einmal vierzehn Tage lang in einem Hotel, danach mietete er sich ein Haus und bezahlte auch selbst die Miete für dieses Haus.
Sein Leben (hayat)dort in Emirdagh kann man auf folgende Weise zusammenfassen:
Er stand ständig unter polizeilicher Beobachtung. Und obwohl er doch vom Gericht freigesprochen worden war und man ihm auch seine Bücher wieder zurückgegeben hatte, ließ man ihn dennoch nicht frei. So stand er mehr als je zuvor unter Kontrolle und war sowohl durch sein Fenster als auch durch seine Türe einer ständigen Beobachtung ausgesetzt. So wie er bereits in seinen Briefen berichtet hatte, musste er in Emirdagh manchmal an einem Tag mehr Schikanen über sich ergehen lassen als in Denizli während eines ganzen Monats. Wie schlecht unser Meister (Ustadh)dort behandelt wurde und in welcher Weise man dort ständig mit ihm umging, konnten wir von der Bevölkerung dort in Emirdagh aus nächster Nähe erfahren. Da nun aber den heimlichen Komiteen der Gottlosen auf seinen Freispruch durch den Gerichtshof in Denizli hin und durch dessen Hände in der Verbreitung der Risale-i Nur und Said Nursis Dienst am Glauben (iman)eine Mauer entstanden war, versuchten sie nun ihn auf anderen Wegen bei den Ämtern der Regierung zu verdächtigen und dort gegen ihn zu hetzen, um ihn am Ende auf diese Weise gänzlich zu eliminieren. Und dieser Plan stand für sie fest.
Ein Wächter verließ nie den Platz vor seiner Tür. Daher war es immer schwer, sich mit unserem Lehrer (Ustadh)zu treffen. Die Familie Tjalishkan, welche in Emirdagh ein Haus besaß (Hanedan),nahm als erste näheren Kontakt mit unserem Meister (Ustadh)auf, erwies dieser alten und nicht nur gelehrten, sondern auch hochanständigen (fadl)Persönlichkeit, die in ihre Stadt verbannt worden war, ihre enge Freundschaft, eilte rein um Gottes willen (lillah)zu seinen Diensten und ließ niemals darin nach, ohne jemals darauf zu achten, dass diese Verbundenheit vielleicht missdeutet werden könnte und man vielleicht auch noch Lügen und Gerüchte über sie verbreiten könnte. Zugleich mit der Familie Tjalishkan wurden auch viele andere treue
Gläubige (sadiq mu'min)in Emirdagh zu Nur-Schülern, die sich am Nur-Dienst unseres Lehrers (Ustadh)beteiligen.
{(*): Heute sind die Einwohner von Emirdagh im Allgemeinen Freunde und Anhänger der Risale-i Nur. Und es gibt sehr viele Schüler. In Emirdagh und den umliegenden Dörfern wird ständig Unterricht gehalten und aus der Risale-i Nur gelesen.}
Sie begannen also nun, die Risale-i Nur zu lesen, zu schreiben und in ihrer Umgebung zu verbreiten. Es ist ja allgemein bekannt, dass ein bedeutender Teil des Volkes, nachdem unser Lehrer (Ustadh)seinen Aufenthalt (ikamet)in Emirdagh genommen hatte, durch seinen Unterricht in der Risale-i Nur hinsichtlich Wissenschaft (ilm),Glaube (iman),Ethik (ahlaq)und Moral (fadilet)Fortschritte gemacht hatte, was sogar die Leute von der Regierung ausdrücklich bestätigt haben.
{(*): Ustad Said Nursi sagte immer, dass er Emirdagh stets die Bedeutung einer Schule der Risale-i Nur (Dersane-i Nuriye) zuerkenne. Städte und Dörfer wie Sav, Barla, Emirdagh und Eflani, in denen die Risale-i Nur weitgehend verbreitet ist und gelesen wird, hat er diesen Titel einer Dersane-i Nuriye verliehen. Und so betet er denn für sein eigenes Dörfchen Nurs und alle seine Bewohner, die Lebenden und die Toten, für alle unschuldigen Kinder und die gesegneten Frauen und lässt sie an seinen inneren Verdiensten teilhaben.}
Die Schüler in Emirdagh berichten über das Leben (hayat)ihres Lehrers (Ustadh)in Emirdagh folgendes: Unser Lehrer (Ustadh)stand in Emirdagh ständig unter polizeilicher Überwachung. An sonnigen Tagen pflegte er spazieren zu gehen. Im Frühling und zur Sommerszeit war es die Gewohnheit unseres Meisters (Ustadh)auf jeden Fall ins offene Land hinaus zu gehen. Er ging stets allein, blieb für einige Stunden und kehrte danach wieder in sein Haus zurück. Häufig, sobald er ins offene Land hinaus trat, ließ man jemandem ihm nachgehen. Manchmal verfolgte ihn ein Wachmann, ein andermal ein Polizist. Ein Mal wurde sogar nach ihm geschossen; doch wurde er nicht getroffen. Eines Tages kam einmal ein Regierungsbeamter
hinter ihm her gelaufen: "Es ist verboten, hinaus zu gehen! Du darfst diese Mütze nicht aufsetzen! Du darfst keinen Turban tragen!" In dieser Art Befehlston pflegte er mit ihm umzugehen und sich aggressiv ihm gegenüber zu betragen. So kehrte denn Ustadh wieder nach Hause zurück. Dergleichen Arten ihn zu behandeln gab es viele.
Die Aufgaben und Arten der Beschäftigung, denen unser Meister (Ustadh)in Emirdagh nachging, waren so wie auch an anderen Orten nicht auf eine einzige Aufgabe (vazifah)beschränkt. Aus der Sammlung seiner Briefe, von seinen Freunden, die gelegentlich kamen, um ihn zu besuchen, von seinen alten Studienkollegen und Schülern, gelegentlich auch von einigen ihm besonders nahe stehenden Schülern, Nachbarn und anderen Mitbewohnern (seiner Stadt) haben uns viele berichtet und bezeugt: Es gab da die verschiedensten Dienste und Aufgaben (vazifah),die nach der Wahrheit hin ausgerichtet waren oder aus ihr hervorgingen und jeden Tag bemühte er sich darum, sie zu erfüllen. Und während er sich stets wieder damit beschäftigte, Werke wie die "Worte (Sözler)"oder die "Blitze (Lem'alar)",welche das Licht (Nur)der qur'anischen Wahrheit (haqaiq)sind, abzufassen, zu korrigieren und zu verbreiten. Dabei hatte er das sehnsüchtige Verlangen, alles Sein (maudjudat)zu betrachten, das ja ein Kunstwerk ist, entstanden aus einem Wort der Göttlichen Allmacht (kelimat-i qudret)und so das Buch der Schöpfung (kitab-i kainat)zu studieren. Die auf dem Antlitz der Erde geschriebenen, auf den Seiten des Frühlings dargestellten wunderbaren Werke der göttlichen Weisheit (hikmet)und Barmherzigkeit (rahmet),alle die staunenswerten Kunstwerke Gottes, die Bäume und die übrigen Pflanzen und alle Tiere wie Siegel der Göttlichen Einheit (Tauhid)zu lesen, die auf ihren Gesichtern erstrahlen, war er stets besonders hingerissen. So breitete er denn seine Schwingen, um auf den Stufen der Glaubenswahrheiten (haqaiq-i imaniye)den grenzenlosen Horizonten der Gotterkenntnis mit wahrhaftiger Gewissheit (haqqa-l'yaqin)entgegen zu schweben.
Überhaupt war das Nachsinnen (tefekkur)die Grundlage seiner Berufung (meslek),so wie er sie dem Qur'an entnommen hatte. In all seinen Werken weist er stets den Menschen an, nachzusinnen (tefekkur)und unterrichtet (ders)sie in der Besinnlichkeit (tefekkur).Die Erkenntnis Gottes (marifet-i Ilahiye),die man durch Wissenschaft (ilm)und Kontemplation (tefekkur)gewinnt, verleiht der Seele (ruh)eine Weite so ausgedehnt wie das Universum.
وَفِى كُلِّ شَىْءٍ لَهُ اَيَةٌ تَدُلُّ عَلٰٓى اَنَّهُ وَاحِدٌ
{Jahr der Anbetung."und in jedem Ding findet sich für ihn ein Zeichen, das beweist, das Er ein Einziger ist."}
Und in jedem Ding finden sich Hinweise auf jenen einen und einzigartigen Künstler (Sani'-i Vahid),die ausdrücken dass es solche Beweise und deutliche Zeichen (ayat)gibt.
تَفَكُّرُ سَاعَةٍ خَيْرٌ مِنْ عِبَادَةِ سَنَةٍ
{"Eine Stunde Nachdenkens ist besser als ein Jahr der Anbetung."}
So handelte er stets diesem tief, inneren Sinn (sirr)entsprechend.
* * *
Über den Versuch, unseren Meister (Ustadh) in Emirdagh zu vergiften
Ein Polit-Beamter sagte einmal zu dem Hauptwachman, um ihn zu täuschen: "Wir haben von oben Befehl erhalten, ihn zu erledigen.", woraufhin der so hintergangene sich eine Leiter nahm, des Nachts zum Fenster unseres Meisters (Ustadh)hinauf stieg und Gift in sein Essen streute. Anderen Tages begann unser Meister (Ustadh)sich infolge dieser Vergiftung in Krämpfen zu winden. Doch obwohl die Wirkung des Giftes gewaltig war, sagte er dennoch selbst:
"Durch den Segen (feyz)der geheiligten Rezitationen (evrad-i qudsiye),wie der Gebete unseres Propheten (Djevshenu-l'Kebir)werde ich vom Tode errettet werden. Doch die Qualen dieser Krankheit sind ganz entsetzlich." Obwohl er nun eine Woche lang kaum Nahrung oder etwas zu trinken zu sich nahm, sondern nur noch in seinem elendiglichen Zustand wimmernd und stöhnend liegen blieb, genaß er danach mit Gottes Erlaubnis (biiznillah)wieder, nahm seine Arbeit wieder auf und begann wieder mit seinen Aufgaben (vazifah),wie z.B. den Korrekturarbeiten an der Risale-i Nur. Doch auch z.Zt. seiner schweren Krankheit versäumte er niemals seine Gebete (namaz).Erst als man bereits zum zweiten und dritten Mal versuchte, ihn zu vergiften und er seine Krankheit kaum noch zu ertragen vermochte, konnte er seine Gebete (fardh)für zwei, drei Tage nur mehr liegend verrichten. Zwei Schüler, die in den Tagen, da er noch in Lebensgefahr schwebte, mit Tränen in den Augen bis zum Morgengrauen am Lager ihres Meisters (Ustadh)aufmerksam Wache hielten, sagten einmal: "Gegen Tagesanbruch richtete er sich auf, erhob, obwohl er seine Augen noch geschlossen hielt, seine Hände zu Gott (dergah-i Ilahiye)und sprach mit leiser Stimme zum Wohl des Dienstes an der (Risale-i Nur)und zum Segen (selamet)ihrer Schüler einige Worte im Gebet (dua).Danach versank er in einen Zustand der Bewusstlosigkeit und fiel auf sein Lager zurück."
Bei dem Dienst, den sie (an seinem Lager) versahen, wechselten sich stets zwei drei Schüler gegenseitig ab. Eine Zeitlang versuchte man, selbst das noch zu verbieten, doch seine Schüler ließen niemals in ihrem Eifer nach und zeigten stets eine hohe Opferbereitschaft.
Ein hoher Regierungsbeamter in Emirdagh sagte später einmal zu einem seiner Kollegen, der einer der tapferen Nur-Schüler war: "Es gibt da einen geheimen Plan und Befehl, Said Nursi insgeheim aus dem Wege zu räumen!" So liefen denn alle (Arten), wie man mit unserem Meister (Ustadh)umging, im Sinne genau dieses Planes ab. So
geschah es denn nicht ein, zwei Mal ausnahmsweise, sondern lange Jahre in folge immer wieder, dass man ihn körperlich quälte und unterdrückte, ihn auch seelisch schikanierte und dabei ständig beobachtete, was (für alle) stets sehr schmerzlich und bitter war.
Während der ersten beiden Jahre ging unser Meister (Ustadh)zur Moschee auf dem Marktplatz und nahm dort am gemeinsamen Gebet teil. An den meisten Tagen verrichtete er das Nachmittagsgebet (ikindi)in der Moschee und blieb dort bis zum Nachtgebet (yatsi).Danach kehrte er wieder nach Hause zurück. So gingen zwei Jahre dahin. Danach sagte der Landrat, dass er sich dort mit Leuten treffe und verbot ihm also den Besuch in der Moschee. Während seines Aufenthaltes in Emirdagh wurde die Risale-i Nur an vielen Orten, besonders aber in Isparta per Hand vervielfältigt. Es waren sehr viele, welche diese Abhandlungen (risalah)lasen, ihren Nutzen daraus zogen und nun kamen, um den Meister (Ustadh)zu besuchen. Doch von denen, die gekommen waren, um ihn zu besuchen, gelang es nur einem kleinen Teil, ihn zu sehen. Allein diejenigen, welche mit noch größerem (Eifer) der Risale-i Nur in vollkommener Treue und Aufrichtigkeit zu dienen vermochten und (diesen Dienst) rein um Gottes willen (lillah)in Liebe (muhabbet)und Brüderlichkeit (uhuvvet)auf sich nahmen, konnten ihn auch besuchen und an den Lektionen (ders)und an den Gesprächen (sohbet)unseres Lehrers (Ustadh)teilnehmen. Unser Lehrer (Ustadh)sprach mit den einzelnen Besuchern je nach deren unterschiedlichem Verständnis und dem Grad ihres Auffassungsvermögens (fehim),lenkte ihre Aufmerksamkeit auf die Risale-i Nur und ihren Dienst am Glauben (iman)und versicherte sich dabei betont und vollkommen überzeugt, dass das Volk aus den Wahrheiten der Risale-i Nur und dem Dienst am Glauben (iman)in ihrer äußerlichen und innerlichen (Lebensgestaltung) den größtmöglichen Nutzen erfahren konnte. Und dabei kamen die Besucher aus den verschiedensten Volksschichten, waren zum Teil Wissenschaftler (ehli ilim)
und zum Teil noch ganz junge Leute. Nach ihrem Freispruch in Denizli steigerte sich das Interesse (intibah)sogar unter den Beamten und auch die Zahl der Nur-Schüler wuchs.
Worüber unser Meister (Ustadh) mit seinen Besuchern sprach
Vor allem anderen und in großen Zusammenhängen erklärte er ihnen, dass das einzige Ziel des Dienstes an der Risale-i Nur darin besteht, den Glauben (iman)zu stärken (quvvet),um so von Volk und Vaterland die Gefahr abzuwenden, die ihm durch den Atheismus und Kommunismus droht; dass die Aufagabe (vazifah),die jetzt und vor allem jedem Einzelnen und der Gemeinschaft zukommt, die Pflicht ist, den Glauben (iman)zu stärken und zu retten; dass die größte Herausforderung in unserer Zeit darin besteht, am Qur'an festzuhalten; dass die Risale-i Nur sich mit aller Macht (quvvet)auf dieses Thema konzentriere, worin hinwiederum die Feinde von Volk und Vaterland, diese heimlichen Gottlosen einen Vorwand gefunden haben, zum Angriff überzugehen und andere zu provozieren; "denn schließlich müssen wir uns stets positiv verhalten. In unseren Händen halten wir das Licht, nicht die politische Keule. Und hätten wir auch hundert Hände, so sind sie doch allein für das Licht schon genug." Da ja die Feinde des Glaubens durch das Licht (Nur)besiegt werden können und zudem unser positives Verhalten, der Wirkung einer Atombombe vergleichbar ist, während gleichzeitig die Risale-i Nur sich nicht mit Politik beschäftigt, da ja die wichtigste Grundlage unserer Berufung (meslek)die Aufrichtigkeit (ikhlas)ist, dürfen wir uns unmöglich etwas anderes zum Ziel setzen, als das Wohlgefallen Gottes (riza-i Ilahi)zu erlangen. Allein darin liegt also die Kraft (quvvet)des Lichtes (Nur).Unsere Aufrichtigkeit (ikhlas),verbunden mit einem positiven Verhalten wird dabei zugleich mit der Gnade und
Barmherzigkeit Gottes (inayet ve rahmet-i Ilahiye)die Risale-i Nur beschützen! Usw...
Nach dem Zeugnis derer, welche am Unterricht (ders)und den Gesprächen (sohbet)mit unserem Lehrer (Ustadh)teilgenommen haben, können wir sagen:
So wie der Unterricht (ders)und das Gespräch mit ihrem Lehrer (Ustadh)für viele junge Leute zum Rettungsanker wurden, so wurde er zugleich auch eine Quelle immerwährender Hilfe im opferbereiten Dienst an der Risale-i Nur. Die Mehrheit opferbereiter Nur-Schüler fand sich vielleicht ein Mal oder höchstens ein paar Mal zu derartigen Unterweisungen (ders)und Ermahnungen ein. Während er sich noch in Emirdagh aufhielt, entsandte er einmal wegen des Dienstes an der Risale-i Nur einen Schüler nach Ankara, der dort die Weltlage (hal-i aleme)betrachtete und sich fragte: "Wann werden doch die Menschen auf die Wahrheiten der Risale-i Nur hören, wie die schweren Vorhänge der Finsternis zerreißen, wie ihre innerliche Dunkelheit überwinden?" und darüber in Hoffnungslosigkeit verfiel. Als er dann einige Zeit später wieder zu unserem Meister (Ustadh)nach Emirdagh zurückkehrte, sagte dieser große Lehrer (Ustadh)zu ihm: "Unsere Aufgabe (vazifah)ist der Dienst. In ihr erfolgreich zu sein und sie für die Menschen annehmbar zu machen, ist die Aufgabe (vazifah)Gottes des Gerechten (Djenab-i Haqq).Wir sind nur dazu verpflichtet, unsere Aufgabe (vazifah)zu erfüllen. Du verzweifle nicht dort, wann diese Menschen auf die Risale-i Nur hören werden und mach dir deswegen keine Sorgen! Aber wisse genau: Die unzähligen Einwohner der englischen Welten (Mele-i A'lanin)jubeln heute der Risale-i Nur zu. Darum hat (auch dies alles hier unten überhaupt) keine Bedeutung. Der wahre Wert zeigt sich nicht in der Masse sondern in der Qualität! Manchmal ist ein einziger, opferwilliger Schüler tausenden anderer gleich." So nahm er ihm seine Hoffnungslosigkeit weg.
Unser Meister (Ustadh)ging zunächst allein und zu Fuß ins Land hinein. Später begann er für seine Ausflüge eine
Pferdedroschke (fayton)zu benutzen. Doch hat man nie gesehen, dass er einmal den Wagen kostenlos gebrauchte. Dabei nannten wir ihm jedes Mal nur den Gegenwert in Höhe der tatsächlichen Unkosten und sagten ihm dabei: "Hier ist dies der ortsübliche Preis dafür." (Der Droschker erzählte uns dann später): "Er hat uns in jedem Fall mehr gegeben, als nur das, was wir mit einander abgesprochen hatten." Dabei sagte er dann: "Es geht unmöglich, dass ich den Preis nicht bezahle. So wie mich ein Bissen, den ich umsonst bekommen und nicht bezahlt habe, geradezu krank macht. Also muss ich den Gegenwert dafür geben und bin verpflichtet ihn zu bezahlen."
Er ging recht häufig im Frühling, im Sommer und im Herbst spazieren und nur im Winter ging er lediglich ab und zu einmal ins Land hinaus. Emirdagh ist nach vier Seiten hin offen. Es gibt dort verschiedene Lehrhäuser (dershane),wo man damit beschäftigt ist, (die Abschriften) der Risale-i Nur zu korrigieren. Seit er sich in Emirdag niedergelassen hatte, lebte er ständig unter polizeilicher Überwachung und da er immer dann, wenn er in das Land hinaus ging, häufig von Polizisten oder Wachleuten verfolgt wurde, ging er stets allein, saß für sich allein, arbeitete für sich allein. So ging es bis zum Jahre 1947 weiter. Nur einer seiner Schüler fuhr ihn mit der Droschke (fayton)hinaus. Doch wenn er sich dann setzte, blieb er wieder für sich allein. Draußen im Lande beschäftigte er sich meistens mit Korrekturarbeiten. So beschäftigte er sich eine Zeitlang damit, diese Korrekturen handschriftlich anzufertigen. Später schafften sich einige opferfreudige Schüler in Isparta und Inebolu eine Kopiermaschine an und begannen das Gesamtwerk der Risale-i Nur damit zu vervielfältigen. Und so begann denn nun auch unser Lehrer (Ustadh),einzelne Bände, die man ihm zur Korrektur gebracht hatte, zu verbessern. Unser Lehrer (Ustadh)legte (im Dienste der Risale)-i Nur auf die Schreib- und Korrekturarbeiten großen Wert. "Die Risale-i Nur ist ein Wunder des Qur'an, das dieses und die kommenden Jahrhunderte erleuchten wird.",
sagte er dabei. Diesen Dienst an der Risale-i Nur akzeptierte er als die größte Aufgabe (mes'ele)unserer Zeit und versah ihn denn auch dieser Bedeutung entsprechend.
Wenngleich auch unser Lehrer (Ustadh)für flüssiges Schreiben und kaligraphische Schriftzüge nicht begabt war, so war er doch bereit, sich an den alltäglichen Aufgaben jener segensreichen (bereket)und erleuchtenden (Nur)Korrekturarbeiten zu beteiligen. Wenn er auch oft stundenlang arbeitete, so wusste er doch nicht wozu er denn eigentlich ausruhen sollte. Für unseren Meister (Ustadh)war die Erfüllung (seines Dienstes an der Risale)-i Nur die reinste Seelennahrung. Selbst noch während seiner schweren Krankheit sah man ihn auch trotzdem weiter arbeiten. Doch zog er sich nun vom gesellschaftlichen Leben völlig zurück und empfing niemanden mehr. Auch der Briefverkehr wurde ihm verboten; so blieb er denn von allem Trost und vertrauten Umgang in einer menschlichen Gemeinschaft ausgeschlossen. Doch selbst noch in diesem absoluten Nichts an Etwas gelang es ihm, einen unerschöpflichen Reichtum zu erwerben: Göttliches Erbarmen (Rahmet-i Ilahiye)schenkte ihm in Seiner Güte (ihsan)die Lichter (Risale-i Nur).Er hatte nicht Weib noch Kind, nichts und niemanden, besaß weder Haus noch Hof auf dem ganzen Erdenrund und keine einzige Elle an eigenem Grund und Boden. Er hatte einzig und allein seine Risale-i Nur. Sie aber war sein ein und alles. Seine Freude und die Quelle seines Trostes war sie. Und alle seine Begabungen richteten sich nach diesen Lichtern (Risale-i Nur)aus. So sah er es auch als seine natürliche Aufgabe (fitri vazifah)an, über diese Lichter (Risale-i Nur)zu unterrichten (ders)und zu unterweisen und sie unter den Menschen zu verbreiten.
Die Worte unseres Lehrers (Ustadh)flossen von Milde (halavet)über und seine Ansprachen waren weit über jeder Redegewandtheit (beleghat).Während seiner Wanderungen traf er mit Menschen aus allen Volksschichten zusammen, von denen sehr viele aus den Bergen, den Steppen und Wäldern kamen, Landwirte oder Kaufleute
waren, und unterhielt sich (sohbet)mit ihnen. Trotzdem der Dienst unseres Lehrers (Ustadh)am Qur'an bereits sehr groß und umfangreich war, waren allein schon seine Unterweisung (ders)und seine Rechtleitung (irshad),einmal angenommen, all sein Dienst und seine ganze Beschäftigung mit den Leuten würden sich auf Besuche und Gespräche (sohbet)beschränken, bereits so bedeutsam und umfangreich, dass man allein deswegen schon von einem beispiellosen Dienst sprechen könnte. Sein Dienst in diesem Bereich war geradezu großartig. Solange er noch in Barla war, Männer und Frauen, die er als Brüder, Kollegen und Gefährten im gemeinsamen Glauben angenommen hatte, wie er später auch in Emirdagh und den umliegenden Dörfern wieder sehr viele Gefährten im gemeinsamen Glauben, Schüler und Mitbrüder hatte. Sein ganz besonderes Interesse galt auch den unschuldigen Kindern.
Die unbegrenzte Ehrenhaftigkeit und Rechtschaffenheit unseres Meisters (Ustadh)stand ohne allen Zweifel fest und sie zu leugnen wäre außerhalb der Möglichkeit. Sein Leben lang vermied er es, Kontakte mit Frauen zu unterhalten und vermied es auch allzeit streng, seine Blicke umherschweifen zu lassen. Aus einem seiner Briefe wird ersichtlich, dass er sich bereits in seiner Jugendzeit auf dem höchsten Gipfel seiner Ehrenhaftigkeit und Rechtschaffenheit befand. Darüber steht das Zeugnis derer, die ihn aus der Nähe kannten und mit seinem Leben (hayat)vertraut waren, fest.
Alle Leute nahmen sich diese Ehrenhaftigkeit und Rechtschaffenheit unseres Meisters (Ustadh)zum Vorbild und sie legten ihm gegenüber auch ein Interesse an jenseitigen und geistlichen Dingen an den Tag. Unser Lehrer (Ustadh)betete (dua)viel für die Frauen, die er als seine Gefährtinnen im gemeinsamen Glauben angenommen hatte, und auch für die unschuldigen Kinder, die er zu seinen geistigen Söhnen und Schülern zählte. Und er sagte zu ihnen ohne Umschweife, dass die Frauen Heldinnen der Liebe (shefqat)seien; dass es in unserer Zeit überaus
notwendig sei, sich der islamischen Sitte gemäß zu verhalten; sie sind für das jenseitige Leben ihrer heranwachsenden unschuldigen Kinder verantwortlich; wenn sie sie im Glauben (dindar)erziehen können, erhalten sie auch selbst ihren Anteil daran; auch bittet er sie um ihr Gebet (dua),da er jetzt sehr krank und hinfällig geworden ist, so wie er auch selbst für die alten Frauen betet (dua);auch betet (dua)er für all die jungen Frauen, die selbst ihre Gebete (namaz)verrichten und wird sie dereinst im Jenseits (akhira)als seine Schwestern begrüßen. Doch sprach er selbst nicht viel. Die gesegnete Gemeinschaft der Frauen empfand in der Reinheit ihrer Herzen (qalb),dass Said Nursi ein hochachtbarer Mann von Wahrheit und Gerechtigkeit (ehl-i haqq ve haqiqat)ist.
Was die Gespräche und den Umgang (sohbet)unseres Lehrers (Ustadh)mit den unschuldigen Kindern betrifft, so waren sie stets lehrreich und (die Kinder) immer fröhlich. Wenn diese unschuldigen (Kinder) in Emirdagh und aus den umliegenden Dörfern zu ihm kamen, nahm er sie ganau so wichtig wie die großen (Leute) und wandte sich ihnen von ganzem Herzen zu und sagte zu ihnen: "Meine Kinder! Ihr seid noch unschuldig. Ihr kennt noch keine Sünde. Ich bin sehr krank. Betet (dua)für mich, denn eure Gebete (dua)werden noch angenommen. Auch ich habe euch als meine geistigen Kinder und meine Schüler mit in mein Gebet (dua)aufgenommen." Diese Kinder grüßten ihren Meister (Ustadh)mit Augen, die in Liebe (muhabbet)überströmten und leuchteten (Nur).Unser Meister (Ustadh)grüßte (selam)sie mehr noch als die Erwachsenen in ihrer Gottvergessenheit (ghafil)mit Innigkeit und großem Ernst. Und er sagte: "Dies sind die zukünftigen Nur-Schüler. Der Grund dafür, warum sie sich für mich interessieren und sich mir zuwenden, ist folgender: Diese unschuldigen Seelen (ruh)spüren, dass die Risale-i Nur zu ihrer Hilfe gekommen ist. Weil aber nun ich der Interpret der Risale-i Nur bin, zeigen sie unbewusst diese opferfreudige Liebe und ein solches Interesse."
Auch empfahl unser Lehrer (Ustadh)die jungen Leute, die zu ihm kamen, immer wieder ihre Lektionen (Nur dersleri)zu lesen, um so die Gefahren der Sittenlosigkeit vermeiden zu können, woraus sie einen großen Nutzen ziehen und wodurch sie glücklich werden könnten und gemahnte sie zudem daran, dass es notwendig ist, das Gebet (namaz)zu verrichten. Durch dergleichen Unterweisungen sind vielleicht schon Tausende junger Leute zu Besinnung gekommen.
Wiederum erteilte er seinen Unterricht (ders)im Lande draußen und auf der Straße den Beamten und den Arbeitern, einem jeden im Vergleich mit seiner jeweiligen Tätigkeit entsprechend (munasib),sagte ihnen, wie wichtig es ist, das Gebet (namaz)zu verrichten und betonte dabei, dass ihre derzeitigen weltlichen Beschäftigungen einmal bei der Abrechnung im Jenseits (akhiret)mit einbezogen werden. Diese Art Unterricht zeigt ganz besonders, dass die Vorstellung derer, die behaupten, "der Glaube (din)verhindert den Fortschritt", nichts als Wahnvorstellungen sind. Denn zum Licht des Glaubens (iman nuruna)zu gelangen sichert im Gegenteil für den Menschen, sein Land und sein Volk das Glück nach innen und außen und zugleich auch den Fortschritt. Es ist doch ganz klar, wie sehr die Vorstellung, dass am Ende die Glückseligkeit und das ewige Licht (Nur)erhalten wird, wer das Gebet (namaz)verrichtet und dabei in seinem Betragen geradlinig (istikamet)ist, während ihm seine Arbeit in dieser Welt (dunya)und all seine Mühe für das Jenseits (akhiret)gut geschrieben wird, ihn sicherlich dazu motivieren wird, seine Aufgabe (vazifah)mit Liebe und Freude zu erfüllen. So müssen denn alle Beamten, Handwerker und Kaufleute diese Wahrheit als ihr Leitprinzip akzeptieren und diese Unterweisung muss der Allgemeinheit zugänglich gemacht werden. Dieses weiter oben dargelegte Thema ist wie ein Tropfen aus dem Meer und von all den nützlichen Diensten unseres Meisters (Ustadh)für das Volk, wie sie sich gar nicht alle aufzählen lassen nur ein Bruchteil. Wer die Islamiyet für
fortschrittsfeindlich und die Gläubigen für Feinde des Fortschritts hält, möge sich schämen!
{(*): Hier nun einige Beispiele für die Unterweisungen, die unser Lehrer (Ustadh) denen erteilte, die zu ihm kamen, (wobei er sie darin unterrichtete), dass auch weltliche Tätigkeiten, wenn sie nach Art religiöser Pflichten (fardh) verrichtet werden, die Form eines Gebetes (ibadet) annehmen.
1 - Einmal waren wir mit unserem Meister (Ustadh) Bediüzzaman Hazretleri im Hotel "Yildiz" in Eskishehir. Da sagte er ohne Umschweife zu einigen Arbeitern und Meistern, die aus einer Zuckerfabrik zu ihm kamen: Wenn ihr eure Gebete (fardh namazlar) verrichtet, werden zu gleicher Zeit auch alle eure Arbeiten, die ihr in dieser Fabrik verrichtet, zu einem Gebet (ibadet). Denn ihr verrichtet hier eine gesegnete (mubarek) Aufgabe, wodurch ihr eines der notwendigen Bedürfnisse des Volkes sicher stellt.
2 - Ein andermal saßen wir am Rande der Straße nach Eghirdir und lasen aus dem "Wegweiser für die Jugend". Da kam einer der dortigen Gleisarbeiter vorbei. Und wieder brachte unser Lehrer (Ustadh) in gleicher Weise ihm gegenüber zum Ausdruck: Wenn er die vorgeschriebenen Gebete (feraidh) verrichte, würden auch alle die Arbeiten, die er hier verrichte, zum Gebet (ibadet) werden, vorausgesetzt, dass er sich von den schweren Sünden enthalte. Denn diese Arbeit an einer Bahnstrecke, die einen Weg von zehn Stunden auf eine Stunde verkürzt, ist ein Dienst für alle Gläubigen, ein Dienst für alle Menschen, der nicht unbezahlt bleiben wird, ihm vielmehr im ewigen Leben Freude und Glück bringen wird.
3 - Und wieder ein anderes Mal erteilte er den Offizieren und den einfachen Soldaten der Luft- und Landstreitkräfte in Eskishehir in gleicher Weise die folgende Lektion: "Diese Flugzeuge werden eines Tages der Islamiyet einen großen Dienst erweisen. Wenn ihr eure Gebete verrichtet (fardh namazlar) oder sie wenigstens nachholt (qadha), falls ihr sie nicht rechtzeitig (zaman) verrichten konntet, so werdet ihr, die ihr ja Soldaten seid, mit einer Stunde (Dienst) den Lohn (sevab) von zehn Stunden, ja als Soldaten im fliegenden Dienst mit jeder Stunde sogar den Lohn (sevab) von dreißig Stunden der Anbetung (ibadet) gewinnen. Es genügt, wenn ihr in euren Herzen (qalb) das Licht des Glaubens (iman nuru) tragt und das Gebet (namaz) verrichtet, das ja ein Erfordernis des Glaubens (iman) ist.
4 - Auch in Barla, in Isparta und in Emirdagh sagte er zu den Hirten dort: "Diese Tiere zu hüten und zu versorgen ist ein erhabener Gottesdienst (ibadet). Es sind ja sogar einige Propheten Hirten gewesen. Wichtig ist nur, dass ihr dabei eure Gebete (fardh namazi) verrichtet, sodass ihr euren Dienst für Gott erfüllt."
5 - Wiederum sagte er eines Tages zu den Arbeitern und ihrem Polier, die am Bau eines Kraftwerkes in Eghridir arbeiteten: "Dieses Kraftwerk ist für das ganze Volk von großem Nutzen. Damit auch ihr von diesem Nutzen für die Allgemeinheit euren Anteil bekommen könnt, müsst ihr auch das Gebet (fardh) verrichten. Dann gilt all eure Mühe auch (vor Gott) als ein Handel und ein Dienst (ibadet).
Von dieser Art gibt es noch zehntausende Beispiele.
Seine Schüler, die ständig in seinem Dienst stehen (für ihn sorgen und sich um ihn kümmern)}
* * *
Ein Teil der Briefe, die unser Meister (Ustadh) während seines Aufenthalts in Emirdagh geschrieben hat, (sowie einige Briefe) seiner Schüler
An meine Brüder in Emirdagh
Sagt denen, die ihre Verdächtigungen gegen mich erheben: (Wir kennen) aufgrund unseres Dienstes alle Briefe und Bücher, mögen sie nun aus seinem Privatleben (mahrem)stammen oder für die Öffentlichkeit bestimmt gewesen sein und alle persönlichen Gegenstände (esrar)aus den letzten zwanzig Lebensjahren dieses Mannes, die der Regierung während einer gründlichen Hausdurchsuchung in die Hände gefallen sind. Während neun Monaten einer Untersuchung durch die Justizbehörden sowohl in Isparta, in Denizli als auch in Ankara konnte in fünf Kisten mit Büchern oder (verschiedenen anderen) Papieren kein einziger Gegenstand (der Anklage) gefunden werden,
dessentwegen man auch nur einem einzigen Schüler eine Strafe von auch nur einem einzigen Tag hätte erteilen müssen, sodass die Gutachter (ehl-i vukufu)des Gerichtes sowohl in Ankara als auch in Denizli einstimmig beschlossen, ihn freizusprechen.
Ferner erklärte dieser Mann, um dessen notwendige Angelegenheiten wir uns mit Rücksicht (hürmet)auf sein Alter kümmern, vor Gericht, und rief dabei alle anwesenden Brüder zu Zeugen auf und diese bestätigten ihm, dass er schon seit zwanzig Jahren Zeitungen oder politische Bücher weder gelesen, danach gefragt, oder sie auch nur erwähnt habe. Schon seit zehn Jahren kenne er außer (den Namen von) zwei Ministerpräsidenten, einem Gouverneur (vali)und einem Abgeordneten, keinen einzigen der Ministerialdirektoren oder anderer hoher Beamter, habe niemals einen von ihnen persönlich kennen gelernt und lege auch gar keinen Wert darauf. Und seit drei Jahren habe er sich nach diesem Weltkrieg weder erkundigt, noch wisse er sonst noch etwas darüber, interessiere sich auch nicht dafür und höre auch kein Radio. Unter dieser Regierung hat weder die Verwaltung, noch die öffentliche Sicherheit, auch nicht das Vaterland oder das Volk durch die einhundertdreißig bisher veröffentlichten Schriften, obwohl sie doch in den letzten zwanzig Jahren von hundert Tausend Menschen aufmerksam gelesen worden sind, auch nur den geringsten Schaden erlitten. Da in allen fünf Provinzen (vilayet)aufmerksame Polizisten, Untersuchungsbeamte, die Gerichtshöfe für Schwerverbrechen bei den vier Justizbehörden, drei davon in den Provinzen (vilayet)und einer am Sitz der Regierung, auch nicht die geringste Schuld finden konnten, mussten sie ihn (und seine Schüler) wieder entlassen. Wäre dieser Mann wirklich so gierig nach weltlichen (dunya)Dingen und so sehr an der Politik interessiert, wie kommt es dann, dass man davon keinen Niederschlag oder (sonst irgendwelche) Anzeichen findet?! Da man aber nun während der ganzen Gerichtsverhandlung überhaupt keine Anzeichen finden konnte, sah sich der Staatsanwalt in
seiner Verbohrtheit dazu gezwungen anstelle von Fakten zu Möglichkeiten zu greifen und sprach nun in seinem Plädoyer wiederholt davon, dass er "es" tun könnte, sagte aber nicht, dass er "es" getan hat. Was heißt hier: "Er hätte es vielleicht tun können?" Und wer sagt denn, dass er es wirklich getan hat? (Das ist doch ein himmelweiter Unterschied!) Deshalb sagte ihm Said vor Gericht: "Es kann jeder einen Mord begehen. Unter einer solchen Anklage muss man Sie und jeden anderen vor Gericht stellen..."
Kurz gesagt:
Dieser Mann (Ustadh)ist entweder so völlig geistesgestört, dass er für solch abscheuliche weltliche Dinge dermaßen gar kein Interesse zeigt, oder aber er will sich aufrichtig für das einzusetzen, was das größte Glück des Landes und seines Volkes ist, weshalb er sich auf nichts anderes mehr einlassen will und darauf auch gar keinen Wert legt. Dann aber ist, ihn dabei zu behindern und derart unter Druck zu setzen, eine Art von Verrat an Volk und Vaterland und seiner Sicherheit. Und gegen ihn auch nur irgendeinen Argwohn zu hegen, der reine Wahnsinn.
* * *
Sich selbst sein Herz ausschütten (hasb-i hal)
Ich überlasse es euch, dieses innerliche Zwiegespräch (hasb-i hal)den Behörden in Ankara zu Gehör zu bringen, nachdem ihr es korrigiert habt und wenn es euch gut dünkt.
Wäre der Richter zugleich auch der Kläger, müssten solch hilflose (Menschen) wie ich, sagen: "Über wen soll ich bei wem mich beklagen? Denn auch ich bin verwirrt." Meine jetzige Lage ist in der Tat noch weit bedrückender als das Gefängnis. In ihr ist ein Tag ebenso quälend wie ein ganzer Monat in Einzelhaft. Hier in der Einsamkeit, in meinem Alter, bei meiner Krankheit, in meinem Elend, meiner Schwäche und bei aller winterlichen (Kälte) hat man mir
auch noch alles verboten. Außer einem Kind und einem kranken Mann darf ich niemanden sehen. Schon seit zwanzig Jahren quält man mich mit dieser Gefangenschaft in vollständiger Isolation. Wollte man mich noch über diesen Zustand hinaus (mit noch mehr) Isolierung und Beobachtung quälen, müsste man befürchten, dass es die Würde Gottes verletzt und somit ein Unglück herbeiführt. Wie ich bereits vor Gericht gesagt habe, gibt es schon sehr viele Vorfälle, wie die vier schrecklichen Erdbeben, die sich in der gleichen Zeit ereigneten, wo wir dermaßen brutal überfallen wurden... Ja, ich nehme sogar an, dass es wahrscheinlich wäre, dass (der Umstand), dass die Justizbehörde in Afyon (während der Verhandlung vor) dem Gerichtshof in Denizli, der ich doch so sehr vertraut hatte, dass sie meine Rechte achten und mich beschützen werde, ganz im Gegenteil meinem Gesuch hinsichtlich der Risale-i Nur keine Beachtung geschenkt hat, was mich ganz verzweifelt gemacht hatte, der Anlass dazu wurde, dass das Gerichtsgebäude in Flammen aufging.
Dem gegenüber sage ich: Es ist eine der bedeutendsten Verpflichtungen der Verwaltung dieser Stadt, die sich mir gegenüber doch sonst so gewissenhaft und menschlich verhält, mich durch ihre Polizei und mit ihrer Justiz voll und ganz zu beschützen. Denn nachdem drei Justizbehörden und die Zentralregierung neun Monate lang all meine Werke und Briefe der letzten zwanzig Jahre untersucht hatten, entschieden sie sich, uns freizusprechen und dann zu entlassen. Jedoch versucht ein geheimes Komitee, das im Interesse des Auslands zum sehr großen Schaden an diesem Volk und seinem Land arbeitet, mich bei einem Teil der Beamten verdächtig zu machen, indem sie aus Mücken Elefanten machen, um so unseren Freispruch wieder zunichte zu machen. Eine ihrer Absichten ist es, mich dazu zu bringen, nun zu sagen: "Meine Geduld ist erschöpft. Jetzt reicht es mir endlich!" Ein Grund dafür, dass sie sich jetzt so über mich ärgern, ist mein Schweigen und dass ich mich nicht um weltliche (dunya)Dinge
kümmere. Es ist, als wollten sie sagen: "Warum kümmerst du dich nicht (um diese Dinge)? Misch dich doch da einmal ein! Und dann können wir auch unsere Pläne durchführen!" So möchte ich denn hier nun ein, zwei der Intrigen darlegen, die sie gebrauchen, um bei einem Teil der Beamten der Regierung einen Argwohn gegen mich zu schüren.
So sagen sie z.B.: "Said übt einen großen Einfluss aus. Seine Werke sind nicht nur sehr überzeugend, sie sind auch noch sehr zahlreich. Wer immer mit ihm in kontakt kommt, der wird auch sein Freund. Weil dies aber so ist, sollte man ihn von allen Dingen fern halten. Man muss ihn geradezu verraten, ihm keine Beachtung mehr schenken, jeden dazu bringen, vor ihm davonzulaufen, seinen Freunden Angst vor ihm einjagen und seinen Einfluss auf sie brechen. So werden wir die Regierung durcheinanderbringen." Mich aber wollen sie so in eine fürchterliche Verlegenheit stürzen. Dem entgegen sage ich:
Oh meine Brüder, die ihr dieses Volk und sein Land liebt! Es gibt, wie diese Heuchler behaupten, in der Tat einen solchen Einfluss. Doch der geht nicht von mir, er geht vielmehr von der Risale-i Nur aus. Und den kann man nicht brechen. Versucht man ihn zu zerstören, wird sie nur noch stärker. Niemals wurde er gegen dieses Volk und sein Land eingesetzt, darf es nicht und kann es auch gar nicht. Zwei verschiedene Justizbehörden haben, mit einer Unterbrechung von zehn Jahren, meine Papiere der letzten zwanzig Jahre eingehend und verbissen untersucht, mit dem Ergebnis, dass sie keinen wirklichen Grund zu einer Bestrafung entdeckt haben, was in dieser unserer Prozessführung ein unwiderlegbares Zeugnis ist.
Und dieses Werk ist in der Tat überzeugend. Doch dienen sie ganz und gar dem Wohl des Volkes und seines Landes. Hunderttausend Menschen haben diese Unterweisungen (ders)einen wahrhaft starken Glauben (iman)gegeben ohne je irgendeinen Schaden zu verursachen und sind deshalb in ihrem Aufgabenbereich für das Ewige
Leben und die Glückseligkeit in ihm volkommen überzeugend. Im Gefängnis zu Denizli sind hundert Mann, die teilweise als Schwerverbrecher verurteilt worden waren, einzig durch die "Fruchtabhandlung ("Meyve Risalesi")vollkommen ihre Haltung geändert haben und zu hochanständigen und gläubigen (mutedeyyin)Menschen geworden sind. Selbst Mörder, die zwei oder drei Menschen getötet hatten, zögerten nach solchen Unterweisungen sogar einen Holzwurm zu töten, sodass selbst der Gefängnisdirektor zugeben musste, dass sein Gefängnis sich in eine Erziehungsanstalt, einer Medresse gleich, umgewandelt hatte, was selbst noch für den Staatsanwalt ein Zeugnis, ein Dokument ist, das er nicht zurückweisen kann.
Mich hier von allem und jedem zu isolieren ist in der Tat eine stets quälende Schikane, eine vielfache Tyranei und an diesem Volk eine Ungerechtigkeit und ein Verrat. Denn obwohl ich dreißig, vierzig Jahre meines Lebens bei diesem Volk verbracht habe, was beweist, dass in dieser Zeit niemand durch mich irgendeinen Schaden erlitten hat, während doch andererseits dieses tiefreligiöse Volk, das dringend eine innere Kraft braucht, eine Tröstung und Stärke im Glauben (quvvet-i imaniye),viel zu seinem Vorteil von mir erhalten hat, was ein sicherer Beweis ist. Ungeachtet dessen, dass ständig dermaßen heftig gegen mich propagiert wird, findet die Risale-i Nur dennoch allseits überwältigend viel Anklang und Interesse. Ja, ich muss sogar gestehen, dass man mir über alles Maß hinaus hundert Mal mehr Hochachtung entgegen bringt, als ich es überhaupt verdient habe.
Ich habe gehört, dass die Regierung hier sich um meinen Unterhalt und meine Bequemlichkeit bekümmert und dafür auch die Genehmigung erhalten hat. Ich möchte ihr hier für diesen menschlichen Zug danken und sagen: "Was ich am allernotwendigsten brauche und was das grundlegendste Bedürfnis in meinem Leben ist, das ist meine Freiheit." Aufgrund von haltlosen Verdächtigungen wurde ich in meiner Freiheit in beispielloser Weise in Fesseln
geschlagen und Repressalien ausgesetzt. So bin ich denn nun allen Ernstes meines Lebens überdrüssig geworden. Diesem Zustand ziehe ich nicht etwa Kerker und Gefängnis vor, sondern das Grab. Da sich aber nun im Dienst am Glauben die Größe der Schwierigkeiten mit der Größe des Lohnes (sevab)verbinden, ist es mir gegeben, sie zu erdulden und halte ich sie aus. Da aber nun diese menschenfreundlichen Wesen mir gegenüber keine Tyranei wünschen, sollen sie auch zu allererst meine Freiheit im Rahmen des Erlaubten nicht antasten. Ohne Brot kann ich leben, ohne Freiheit kann ich nicht leben. Ein Mensch, der sich neunzehn Jahre lang in der Fremde mit nur zwei Hundertern in Banknoten, durch äußerste Sparsamkeit und in strengster Askese über Wasser gehalten hat und der, um seine Freiheit und seine Würde als Gelehrter (izzet-i ilmiye)zu wahren, gegenüber niemandem seine Bedürfnisse äußert, der sich keine Dankesschuld aufbürden lässt, der keine Spenden (sadaqa),keine Almosen (zekat),keinen Lohn und keine Geschenke annimmt, bedarf seiner rechtmäßigen Freiheit sicherlich mehr als seinen Lebensunterhalt. Ich stehe in der Tat unter einem beispiellosen Druck. Hierzu möchte ich ein, zwei kleine Beispiele anführen:
Erstens:
Die Fruchtabhandlung ("Meyve Risalesi"),welche als die wissenschaftlich (fundierte) Verteidigungsschrift der Risale-i Nur gilt und zusammen mit meiner eigenen Verteidigungsschrift zu sieben verschiedenen Ministerien und an den Staatspräsidenten in Ankara geschickt worden war und der Grund dafür wurde, dass die Sachverständigen (ehl-i vukuf)in Ankara durch ihre Wertschätzung am Ende unseren Freispruch bewirken konnten, wovon mir meine Gefährten im Gefängnis zum Andenken und zur Erinnerung einige Exemplare in Schönschrift kopiert haben, die sich noch in meiner Hand befinden, was die Polizei zwar gesehen, sich aber weiter nicht darum gekümmert hat, wohingegen sie eine Nacht lang auf der Polizeistation in Afyon und eine weitere Nacht offen bei der hiesigen Polizei gelegen haben. Da ich nun aber jeden Tag in Sorge bin,
dass sie mir diese Abhandlung zusammen mit meiner Verteidigungsschrift aus den Händen nehmen und dem Gericht (übergeben) würden, habe ich sie versteckt. Doch nun bin ich sehr beunruhigt, dass sie vielleicht (zu einer erneuten) Durchsuchung wiederkommen werden und es macht mich überaus traurig, dass ich hier in der Fremde keinen Menschen kenne, dem ich sagen könnte, dass er sie (für mich) verstecken solle.
Zweitens:
Die Abhandlung für die Alten ("Ihtiyarlar Risalesi"),an der das Gericht in Denizli nichts auszusetzen hatte und an der das Gericht in Eskishehir lediglich ein Wort beanstandet hatte, worauf es dann einen einzigen Buchstaben als Antwort erhielt, hat ein Mann aus Istanbul einem hiesigen Menschen gebracht, der sie mit nach Istanbul nahm. Wie dem auch sei: sie geriet einem der Atheisten, die gegen mich sind, in die Hände. Und der machte aus einem Korn eine Kuppel und führte die Polizeibehörde der Stadt in die Irre, worauf diese mich mit ihren Fragen unter Druck zu setzen begannen: "Mit wem treffen sie sich? Welche Leute kommen zu ihm?" Wie dem auch sei, dafür gibt es eine Reihe sehr bitterer Beispiele... Das sinnloseste (davon) ist jedoch folgendes: Um zu verhindern, dass irgendjemand noch mit mir spricht, (sorgen sie dafür), dass außer einem Kind, dass für mich einige Besorgungen und Handreichungen übernimmt, und einem kranken Mann, ein jeder vor mir zurückschreckt und davon läuft. Ich möchte jedoch dazu sagen:
Auch wenn zehn Leute vor mir in die Flucht gejagt werden, so gibt es doch zehn Tausende, ja vielleicht hunder Tausende Muslime, die keinem Hindernis irgendwelche Beachtung schenken und dem Unterricht in der Risale-i Nur auch weiterhin folgen wollen. Denn sowohl in diesem Land als auch außerhalb überall in der islamischen Welt (alemi islam)findet jedes einzelne der vielen Tausend Exemplare der Risale-i Nur aufgrund ihrer so machtvollen Wahrheiten (haqiqat)und kostbaren Beiträge so viel Anklang und eine solche Verbreitung, dass sie an meiner Stelle und weit
vollkommener spricht als ich. In meinem Schweigen schweigen sie nicht und sie lassen sich auch nicht zum Schweigen bringen.
Des Weiteren ist es gerichtlich erwiesen, dass ich seit zwanzig Jahren mein Interesse an der Politik abgebrochen habe und da nun keine Spur des Gegenteils mehr in Erscheinung tritt, macht irgendeine Verdächtigung derer, die mich jetzt noch besuchen kommen, sicherlich überhaupt gar keinen Sinn mehr.
* * *
(Anhang zu dem Artikel unter der obigen Überschrift eines Zwiegesprächs (hasb-i hal) mit mir selbst)
Ein Gespräch (hasb-i hal) mit dem Justizminister und den Richtern am Gerichtshof anlässlich der Prozessführung, die Risale-i Nur betreffend
Sehr geehrte Herren!
Warum verfolgen Sie uns wegen der Risale-i Nur ständig so völlig grundlos? Ich kann Ihnen mit Bestimmtheit versichern: Für mich und die Risale-i Nur liegt es außerhalb jeglicher Verpflichtung, mich mit Ihnen herumzustreiten, ja überhaupt auch nur an Sie zu denken. Denn die Risale-i Nur und ihre wahrhaftigen Schüler stehen in einem ganz besonders großen Dienst für die Generation, die in fünfzig Jahren kommen wird und sie bemühen sich darum, diese vor einem tiefen Abgrund und das Land und sein Volk vor einer ebenso großen Gefahr zu retten. Diejenigen, welche uns heute verfolgen, werden zu jener Zeit mit Sicherheit in ihren Gräbern liegen und zu Staub zerfallen. Nehmen wir einmal den unmöglichen Fall an, dieser Dienst am Glück und am Frieden (saadet ve selamet)wäre nun
(tatsächlich) ein solcher Kampf, so kann er unmöglich noch für diejenigen interessant sein, die bereits am Rande des Grabes stehen, um zu Staub zu zerfallen. Dabei zeigen sich die Republikaner in der Tat gegenüber der öffentlichen Moral (ahlaq-i itjtimaiye),dem Glauben (din)und der charakterlichen (Bildung) des Volkes doch ziemlich gleichgültig. Wenn man (heute, nach nur) zwanzig, dreißig Jahren die derzeitigen Verhältnisse hinsichtlich der Religion, der Ethik und einem ehrbaren Leben betrachtet, können sie sich bestimmt vorstellen, welche Verhältnsse in fünfzig Jahren hinsichtlich der Frömmigkeit, der Ehrbarkeit und der Charakterfestigkeit eines tapferen Volkes den religiösen Charakter und die öffentliche Moral einer künftigen Generation bestimmen werden und welche Formen das noch annehmen wird. Obwohl nun dieses heldenmütige Volk seit Tausend Jahren mit ganzer Seele (ruh)und mit ganzem Herzen im Dienst am Qur'an eine beispiellose Opferbereitschaft gezeigt hat, wird in fünfzig Jahren ein Teil der kommenden Generation diese glorreiche Vergangenheit in abscheulicher Weise besudeln, ja sogar zunichte machen, weshalb wir es mit Sicherheit als unsere größte Aufgabe (vazifah)gegenüber dem Volk und seinem Land erkennen, ihm eine derartige Wahrheit (haqiqat)wie die Risale-i Nur in die Hand zu geben, um es vor diesem schrecklichen Verfall zu retten, wobei wir nicht an die Menschen unserer Zeit, sondern vielmehr an die Menschen jener Zeit denken.
In der Tat, meine Herren! Zwar richtet die Risale-i Nur ihren Blick einzig auf das Jenseits, ihr Ziel ist jedoch das Wohlgefallen Gottes (riza-yi ilahi)und den Glauben (iman)zu wahren. Was dabei die Schüler betrifft, so gilt es, stets danach zu streben, sich selbst und ihre Landsleute vor der ewigen Verdammnis und ewiger Einzelhaft (im Grab) zu retten, doch betrifft dies in zweiter Linie auch diese Welt (dunya)und ist ein sehr wichtiger Dienst an ihr; desgleichen auch, dieses Volk und sein Land vor der Gefahr der Anarchie und einen Teil dieser hilflosen kommenden Generation vor einem grenzenlosen Irrtum zu retten. Denn ein
Muslim ist nicht mit den anderen zu vergleichen. Ein Muslim, der seinen Glauben aufgibt, dessen Charakter geht seiner Islamiyet verlustig, verfällt diesem grenzenlosen Irrtum, wird ein Anarchist und läuft aus dem Ruder. Fünfzig Prozent derer, die einmal eine islamische Erziehung erhalten haben, ist in der Tat noch stets auf dem Platz, während die anderen fünfzig Prozent ihren nationalen islamischen Traditionen gegenüber gleichgültig geworden sind. Es wäre nun die Möglichkeit denkbar, dass nach fünfzig Jahren neunzig Prozent ihrer eigenwilligen Seele (nefs-i emmare)folgen und Volk und Land in die Anarchie führen werden. Da mir auf der Suche nach einem Ausweg aus dieser Katastrophe vor zwanzig Jahren jede Beschäftigung mit der Politik und jeglicher Umgang mit Menschen unserer Zeit ausdrücklich verboten worden war, als auch um der Risale-i Nur willen für ihre Schüler das Interesse an dieser unserer Zeit abgebrochen wurde, so gibt es auch keinen Streit und keine Beschäftigung mit ihr mehr. Da dies aber nun einmal eine Tatsache (haqiqat)ist, ist es nunmehr die allererste Pflicht der Justizbehörden, nicht mich oder sie zu verdächtigen, sondern vielmehr die Risale-i Nur und ihre Schüler zu beschützen. Denn da sie das bedeutendste Recht (huquq)dieses Volkes und seines Landes bewahren, greifen ihretwegen die wahren Feinde dieses Volkes und ihres Landes die Risale-i Nur an, führen sie die Justizbehörden in die Irre und verleiten es zu fürchterlicher Gewalt und Ungerechtigkeit. Ich möchte dazu zwei ganz kleine Beispiele anführen.
Zum Beispiel:
Weges eines Briefes meiner Gefährten im Gefängnis, der aus einem Gruß und einigen wenigen Worten (selam kelam)bestand, um mitzuteilen, dass der Preis von zehn Banknoten für eine arabische Abhandlung an einen Mann hier übersandt worden sind, um dem Eigentümer dieser Exemplare in Isparta dessen Druckkosten zu erstatten, reagierten sowohl die Justizbehörde als auch die Verwaltung mit Schikanen und führten sogar bei dem Boten eine Hausdurchsuchung durch! Bei diesem simplen
Brief, der noch nicht einmal die Bedeutung eines Mückenflügels besitzt, wurde sogar solch eine einfache Mitteilung in sechs Monaten zur Form eines derart riesigen Problems hochstilisiert, dass es dieser Justizbehörde ganz gewiss nicht zu ihrer Ehre und Würde gereicht!
Ein zweites Beispiel:
Vor einem Gast wie mich, der fremd, alt und schwach ist und auch bereits freigesprochen wurde, einen jeden, ja sogar seine Bediensteten durch eine derart offene Propaganda zurückzuschrecken und ihn so in einen Zustand der Verwahrlosung versinken zu lassen, ist der vaterländischen Gesinnung der Verwaltung dieser Provinz (vilayat)nicht angemessen. Die Weisheit und Souveränität (hikmet ve hakimiyet)einer Regierung sollte sich nicht so weit auf einen derart merkwürdigen Zustand einlassen, dass sie einem nur eingebildeten Schaden von der Größe eines Mückenflügels die Bedeutung eines ganzen Berges verleiht, gegen (einen solchen Mann) öffentlich Propaganda macht und gegen ihn fragt: "Mit wem verkehrt der denn?" und "Wer kommt zu ihm?", und so jeden in Panik versetzt. Doch wie dem auch sei: so wie diese beiden Beispiele gibt es für den, der die Dinge kennt, noch viele andere Beispiele, die ihn in Erstaunen versetzen!
Meine Herren! Wenn alle Irrtümer (dalalet)und alle Schlechtigkeiten aus der Unwissenheit (djehalet)herrührten, wäre es einfacher, sie zu beseitigen. Doch die Aufklärung über eine Irrlehre (dalalet),die aus der Philosophie (fen)und der Wissenschaft (ilm)erwächst, ist sehr schwierig. Da also die Irrlehre (dalalet)unserer Zeit aus der Philosophie (fen)und der Wissenschaft (ilm)erwächst, brauchen wir, um darüber aufklären und künftige Generationen, die diesem Übel teilweise schon verfallen sind, noch retten zu können, ein allseitig vollkommenes Werk, wie die Risale-i Nur, die einzig dagegen standhalten kann. Der Beweis, dass die Risale-i Nur (tatsächlich) diesen Wert besitzt, ist folgender: In den letzten zwanzig Jahren ist noch niemals einer meiner vielen Gegner, auch der schärfste nicht, und auch kein einziger der Philosophen, (von denen
mancher) heftige Ohrfeigen einstecken musste, gegen die Risale-i Nur aufgestanden, um sie zu widerlegen und kann es auch gar nicht. Und in neun Monaten konnten drei Justizbehörden und die Herren Sachverständigen (ehl-i vukuf)am Sitz der Regierung in dem aus (derzeit) hundert Büchern bestehenden Werk nicht einen einzigen Punkt entdecken, für den sie uns zur Verantwortung hätten ziehen können. Und Tausenden von Schülern der Risale-i Nur, die doch aufmerksame Leute (ehl-i dikkat)sind, haben Hinweise (isharat)aus dem Qur'an und Voraussagen (ihbarat-i ghaybiye),die uns Imam Ali und Ghaus-i Adham aus dem Unsichtbaren (übermittelt haben), zu der absoluten Überzeugung geführt, die sie für die Wichtigkeit und Akzeptanz der Risale-i Nur in diesem unseren Jahrhundert unterschreiben lässt.
In Anbetracht der Tatsache, dass es eine Pflicht der Justizbehörden ist, die Rechte (huquq)zu schützen und die Ungerechten von irgendwelchen Übergriffen zurückzuhalten und es desgleichen fest steht, dass die hundert Abhandlungen (risalah)der Risale-i Nur seit zwanzig Jahren dem Glück von hundert Tausend Menschen gedient haben und hinsichtlich des Umstandes, dass weder zwei Gerichtshöfe, noch die Polizei am Sitz der Regierung und in einigen Provinzen (vilayat),noch der Gerichtshof zu Denizli während zehn Jahren, und das, obwohl sie doch neun Monate lang jedes, sei es für den privaten (mahrem)sei es für den öffentlichen Gebrauch, bestimmte Papier und jede Abhandlung untersucht haben, dennoch keinen Punkt entdeckt haben, der für das Volk und sein Land gefährlich gewesen wäre, oder sonst irgendetwas Unrichtiges, das eine Bestrafung verdient hätte, stehen der Risale-i Nur in diesem Lande sehr große und umfangreiche Rechte (huquq)zu. Dabei möchten wir Sie noch darauf aufmerksam machen, dass es in gar keiner Weise dem Wesen der Justiz und einer wahrhaftigen Gerechtigkeit (adliyenin mahiyeti ve adaletin haqiqati)entspricht, diese umfangreichen und so bedeutsamen Rechte (huquq)nicht in
Betracht zu ziehen und (die Risale-i Nur) statt dessen zu beschlagnahmen, als handle es sich dabei um ganz normale Schriftstücke, und zugleich diese so große Ungerechtigkeit gegenüber dem Volk und den armseligen (Menschen), die doch den Halt des Glaubens (taqviye-i iman)brauchen, außer Betracht zu lassen, hingegen das unbedeutende kleine bisschen Recht eines einfachen Mannes einer ganz besonderen Betrachtung zu unterziehen.
Wir befürchten, dass den Werken eines Dr. Dozi und anderer nicht entgegenzutreten, der Risale-i Nur aber sehr wohl entgegenzutreten, ein Grund sein könnte, sich den Zorn Gottes (ghazab-i Ilahi)zuzuziehen. Möge Gott der Gerechte (Djenab-i Haqq)in Seiner Güte (ihsan)Ihnen Einsicht und Barmherzigkeit (merhamet),uns aber Geduld und Standhaftigkeit schenken. Amin...
nicht offiziell (verurteilt), aber (dennoch) in völliger Isolationshaft
Said Nursi
* * *
(Dieses Gesuch wurde an drei Behörden (maqam) geschickt. Auch den Brüdern wurde (eine Kopie) zugeschickt, damit sie sich informieren können.)
Ich wünsche, dass Sie der Klage eines Unterdrückten, der sich seit zwanzig Jahren schweigend in Geduld übt, Ihre Aufmersamkeit schenken. Obwohl mir unter dieser demokratischen Regierung (Djumhuriyet),welche Freiheit (Hürriyet)im weitesten Rahmen gewährt, jegliche Freiheit untersagt wird, können meine Feinde alle Freiheiten gegen mich gebrauchen, um mich zu quälen. Die republikanische Regierung, welche die Freiheit des Gewissens und die Freiheit wissenschaftlichen Denkens (hürriyet-i fikr-i ilmiye)gewährleistet, sollte mich entweder voll und ganz beschützen, sodass meine gehässigen und misstrauischen
Feinde, gezwungen sind, stillzuhalten, oder aber mir ebenso wie meinen Feinden Schreibfreiheit erteilen, anstatt mich bei meiner Verteidigung zu behindern. Denn von oben herab hat man, um jeden (Austausch von) Nachrichten zu verhindern, (gewissermaßen) hinter vorgehaltener Hand, den Postämtern heimlich (entsprechend) Weisung erteilt. Zu einer Zeit, in der Weisung erteilt wurde, dass ich außer einem einzigen Kind, das mir Wasser und Brot brachte, niemanden sehen dürfte, habe ich gehört, dass meine langjährigen Gegner eine Gelegenheit fanden, während das Revisionsgericht fast schon bereit gewesen wäre, meinen Freispruch zu bestätigen, weil die Sachverständigen (ehl-i vukuf)des Gerichtshofs meine Bücher für gut befunden hatten und ich bereits darauf wartete, sie zurückzuerhalten, meine Feinde also zwei Abhandlungen (risalah)aus meinem ehemaligen Privatbesitz (mahrem),die ich inzwischen aus den Augen verloren hatte, wieder entdeckt und herausgebracht haben und sie sodann ein, zwei Sachverständigen (ehl-i vukuf)in die Hände gespielt haben sollen, die nun ihrerseits eine mir entgegengesetzte Einstellung hatten und deshalb auch einen bösen Bericht darüber vorbereitet haben. Nun habe ich keine Geduld mehr, (dies alles noch länger) zu ertragen. Darum gebe ich den tragenden Säulen aller Regierungsbehörden, ja der ganzen Welt bekannt:
Aufgrund wundersamer (i'djazi)Andeutungen (tilsim)im Weisen Qur'an und nach dem Geheimnis seiner Wahrheiten (sirr-i haqiqat)ist es unser Projekt (program),ja geradezu unsere Berufung (meslek),deren Frucht wir wachsen und reifen sehen wollen, für deren praktische Ergebnisse wir arbeiten wollen, ja Ziel und Zweck all unseres Tun und Handelns, alle Hilflosen und Armseligen vor der Verurteilung zum ewigen Tode zu erretten und auch dieses gesegnete Volk vor jeder Art Anarchie zu bewahren.
So hat denn nun die Risale-i Nur eine Untersuchung durch eine Kommission von drei Sachverständigen (ehl-i vukuf)und drei Gerichtshöfen überstanden; jedoch sind
zugleich auch mein Leben in den letzten zwanzig Jahren und hundertdreißig allgemein zugängliche Abhandlungen der Risale-i Nur ein unwiderlegbares Zeugnis dafür, dass sie über diese beiden heiligen Aufgaben {vazife-i qudsiye: Die Rettung der Hilflosen vor ihrer Verurteilung und die Bewahrung des Volkes vor der Anarchie (siehe oben!) (A.d.Ü.)} hinaus, die (zu erfüllen wir) ausdrücklich (geplant haben), (keineswegs) den Eindruck (hervorrufen kann, sie würde) die Welt, ihre Regierung und die öffentliche Sicherheit und Ordnung stören.
Ja wäre es denn überhaupt möglich, dass dieser armselige, unterdrückte Said, wie ich in der Tat bereits vor Gericht behauptet habe und wie alle meine Freunde, mit denen ich in Beziehung stehe, bestätigt haben, der seit zwanzig Jahren noch niemals einen Antrag gestellt hatte, der in zehn Jahren noch nie einen dieser Stützen des Regimes, von einen wenigen einmal abgesehen, (auch nur vom Hören-Sagen) kennen gelernt hatte, der seit vier Jahren niemals eine Nachricht über diesen Weltkrieg und das Kriegsgeschehen bekommen hat oder sich auch nur dafür interessiert hätte, der sich mit Politikern (ehl-i siyaset)nicht beschäftigte und sich in ihre Geschäfte nicht einmischte, die Neigung gehabt haben sollte, die Sicherheit (des Staates) zu schänden... Wäre davon in ihm auch nur ein Stäubchen zu finden gewesen, er hätte sofort Nachforschungen angestellt: "Wer sind die gegen mich? Was geschieht in der Welt? Wer wird mir helfen?", wäre an solchen Dingen interessiert gewesen, hätte sich eingemischt, hätte ein Hintertürchen gesucht, um sich bei den Großen einschleichen zu können. Eines von diesen zwar recht kleinen und doch recht schmerzhaften Ereignissen war folgendes:
Ich hatte einigen meiner Freunde durch die Hand eines geheimen Boten einen Brief geschickt, um ihnen zu sagen: "Ich lebe hier vollständig isoliert und von jeder Nachricht abgeschnitten. Findet also einen Weg, mich aus meiner
Lage zu befreien, damit ich wieder ins Gefängnis gebracht und von dieser Qual errettet werde." Da wollte ich mich dann darum bemühen, meine Bücher, die jetzt in Denizli auf dem Gericht liegen, wieder zurückzubekommen und sie wieder in meiner Nähe zu haben, (jene Bücher aus dem Gesamtwerk) der Risale-i Nur, die als mein Lebenswerk und das Kapital meines Lebens, (manchmal) sehr schön (von Künstlerhand) geschrieben und verziert worden sind. Doch leider hat man auch den Mann aus der dortigen Kommission der Sachverständigen (ehl-i vukuf),die gegen mich waren, während er mich verteidigte, meinen (obigen) Brief sehen lassen und dadurch dazu gezwungen, gegen mich zu urteilen, damit ich nicht wieder ins Gefängnis kommen solle.
Ein Vorwand meiner Gegner, die mich stets wieder ins Gefängnis gebracht haben, (ein Punkt der Anklage), bei dem ich vor Gericht einen Freispruch gewonnen habe, ist die Zugehörigkeit zu einem (Sufi)-Orden (tariqattjilik).Jedoch habe ich in der Risale-i Nur stets darauf bestanden und gesagt: "Diese Zeit ist keine Zeit der Orden (tariqat),sondern vielmehr eine Zeit, den Glauben zu retten. Es gibt viele (yoktur),die ins Paradies kommen, ohne einem Orden anzugehören. Ohne Glauben (iman)ins Paradies einzugehen, gibt es keinen (yoktur)."So arbeiten wir denn mit aller Kraft für den Glauben (iman).Ich bin ein Hodscha und kein Scheich. Und ich habe auf Erden (dunya)kein Haus (hanem).Wo also sollte mein Kloster (tekke)sein? In diesen Zwanzig Jahren, gab es keinen einzigen Mann, der hervorgetreten wäre und gesagt hätte: "Er hat mich (für den Eintritt) in einen Orden (tariqat)unterwiesen (ders)."Dergleichen haben auch die Gerichte und die Polizei nicht finden können. Es gibt nur die Abhandlung über die neun Andeutungen (Telvihat Risalesi),die ich früher einmal geschrieben habe, um die Richtlinien (haqiqat)der Orden (tariqat)wissenschaftlich (ilm)zu erläutern, eine Unterweisung in der Wahrheit (ders-i haqiqat)und eine Hochschule der Wissenschaft (ders-i ilmi),aber keine Unterweisung (ders)
in den (Regeln und Aufgaben) eines Ordens (tariqat).Es ist eine wichtige Aufgabe (vazifah)der Regierung dieser Republik die Freiheit des Gewissens (Hürriyet-i vidjdan)als Grundlage zu wahren und ein Werk und seine Diener zu beschützen, worin es um eine Wahrheit (haqiqat)geht, mit der sicherlich schon die Seelen (ruh)von Milliarden Vorvätern dieses Volkes verbunden waren. Auf dem Wege (dieser Wahrheit) haben sie die Welt (dunya)herauszufordern vermocht und bewiesen, dass ein wahrhaftiger Glaube (iman-i tahqiqi)der (westlichen) Philosophie überlegen ist. Einem schwachen Diener die Hände zu binden und Tausende seiner Feinde auf ihn loszulassen ist demgegenüber mit den Prinzipien dieser Republik in gar keiner Weise zu vereinbaren.
(In der Hoffnung), dass die Republik auf mich hören wird, habe ich diese Klage geschrieben. In der Tat ...
حَسْبُنَا اللّٰهُ وَنِعْمَ الْوَكِيلُ
{"Allah ist unser Genügen und der vortrefflichste Anwalt." (Sure 3, 173)}
* * *
Diverse Briefe an seine Schüler
بِاسْمِهِ سُبْحَانَهُ ٭ اَلسَّلاَمُ عَلَيْكُمْ وَرَحْمَةُ اللّٰهِ وَبَرَكَاتُهُ
{"Im Namen dessen der gepriesen sei. Friede sei mit euch, Gottes Erbarmen und sein Segen."}
Meine lieben getreuen Brüder!
(Eine Frage, die sich sowohl vom geistlichen als auch vom materiellen Standpunkt aus stellt und hier nun aufgrund ihrer Zwangsläufigkeit beantwortet werden soll.)
Frage:
Warum schenkst du weder den Strömungen im Inland, noch denen im Ausland und besonders den politischen Gemeinschaften irgendwelche Aufmersamkeit?
Und warum verbietest du, so weit wie möglich, deinen Schülern im Dienste der Risale-i Nur mit derartigen Strömungen in Kontakt zu treten?
Denn wenn du dich dafür interessiertest, würden auf einmal Tausende Menschen in den Kreis der Risale-i Nur eintreten und könnten dann diese glänzenden Wahrheiten (haqiqat)veröffentlichen; und du bräuchtest nicht derart sinnlos unter solchen Schikanen zu leiden.
Antwort:
Der wichtigste Grund für diese Zurückhaltung, ja geradezu Interesselosigkeit (ist darin zu suchen), dass unsere Aufrichtigkeit (ikhlas)als Grundlage unserer Berufung (meslek)uns das verbietet. Denn in dieser unserer Zeit der Gottvergessenheit (ghaflet),machen besonders einseitig denkende (mefkur)Leute (sahib)jedes Ding zu einem Werkzeug für ihre Überzeugung (meslek).Ja sie machen sogar ihren Glauben (din)und alles, was sie für das Jenseits (ukhrevi)tun, zu einer Art Mittel für ihre weltliche (dunyevi)Überzeugung. Doch die Glaubenswahrheiten (haqaiq-i imaniye)und der heilige Dienst an der Risale-i Nur (hizmet-i nuriye-i qudsiye)dürfen für nichts in der Welt (kainat)als Mittel verwendet werden. Außer dem Wohlgefallen Gottes (riza-yi Ilahi)darf nichts ihr Ziel sein. Jedoch ist es in einer Zeit wie der unsrigen unter den derzeitigen Kämpfen der verschiedenen Strömungen untereinander schwierig geworden, noch dieses Geheimnis der Aufrichtigkeit (sirr-i ikhlas)zu bewahren und nicht die Religion (din)zum Werkzeug für unsere weltlichen (Interessen) zu machen. Dabei ist der beste Ausweg der, sich nicht auf die Kraft (quvvet)der (jeweiligen) Strömungen (zu verlassen), sondern (stattdessen) der Gnade (inayet)und der Führung Gottes (taufiq-i Ilahiyye)zu vertrauen.
Ein Grund unter vielen Gründen für unsere Enthaltung ist unser Mitempfinden (shefqat),uns an Gewalttaten (nicht zu beteiligen) und keinen Schaden zu stiften, was eine der vier Grundprinzipien der Risale-i Nur ist.
وَلاَ تَزِرُ وَازِرَةٌ وِزْرَ اُخْرٰى
{"Denn es wird keinem die Last eines anderen aufgebürdet."}
Das heißt: "Hat einer einen Fehler begangen, so wird dadurch kein anderer, auch kein Verwandter fehlerhaft und
verdient auch keine Strafe." Auf dieses Grundprinzip göttlichen Willens (düstur-u irade-i Ilahiyye)antwortet (der Mensch) in unserer Zeit entsprechend dem Geheimnis (sirr):
اِنَّ اْلاِنْسَانَ لَظَلُومًا جَهُولًا
{"Denn der Mensch ist unwissend und grausam." (Sure 33, 72)}
mit (aller Schärfe), Härte und Grausamkeit. Sobald er in seinen Gefühlen Partei ergreift, hasst er einen Verbrecher nicht nur wegen seiner Vergehen, sondern auch dessen Verwandten und sogar noch dessen Parteigenossen. Gerät er ihm in die Hände, unterdrückt er ihn. Wenn er das Recht (hüküm)in Händen hat, wirft er wegen des Verbrechens eines (einzelnen) Menschen eine Bombe auf ein (ganzes) Dorf. Jedoch darf man das Recht eines Einzelnen, der unschuldig ist, auch um hundert Verbrecher willen nicht opfern. Man darf ihn auch nicht um ihretwillen terrorisieren. Unsere heutige Lage aber ist die, dass man wegen einiger Verbrecher hundert Unschuldige ins Unglück stürzt. Zum Beispiel: die Angehörigen eines verbrecherischen Menschen: seine arme alte Mutter, seinen Vater, seine Frau und die unschuldigen Kinder (tjoluk tjodjuk){tjoluk tjocuk: Kind und Kegel, oder Kreti und Pleti} niederzuknüppeln, ins Elend zu stürzen und kollektiv zu hassen ist den Grundsätzen jeglichen Mitgefühls diametral entgegen gesetzt. Aufgrund solcher Strömungen, wo immer die Muslime Partei ergreifen, können sich die Unschuldigen nicht aus ihrer Unterdrückung befreien. Besonders die Umstände, die Grund sind, einen Aufstand anzuzetteln, (sorgen dafür, dass auch) die Unterdrückung überall um sich greift und sich ausbreitet. Ein Kampf (djihad),auch wenn er um der Religion (din)willen geführt wird, versetzt auch die Familien (tjoluk tjodjuk)der Ungläubigen (kafir)in die selbe Lage. Sie können eine Beute werden. Die Muslime können sie in ihren Besitz nehmen. Doch auch wenn jemand im Umkreis der Muslime ohne eine Religion (din)wäre, dürfte man trotzdem seine Familie (tjoluk tjodjuk)in gar keiner Weise in Besitz nehmen,
darf man ihre Rechte nicht verletzen. Denn diese unschuldigen (Menschen) sind durch ihre Verbundenheit (rabita)mit der Islamiyet nicht an ihren religionslosen Vater, sondern vielmehr mit der Islamiyet und der islamischen Gemeinschaft verbunden.
Ich grüße (selam)alle meine Brüder, jeden einzeln, und wünsche ihnen Gottes Segen (tebrik)in der Nacht der Himmelfahrt (leyle-i mi'radj),deren Verdienst tausendfach ist. Re'fet Bey und allen Verwandten des verstorbenen Haddji Ibrahim spreche ich meinerseits (ein herzliches) Beileid aus und wir sagen: "Der Verstorbene (merhum)gehört zum Kreis der Schüler der Risale-i Nur und wird allzeit ihrer Gebete (dua)teilhaftig sein. Auch wir werden ihn mit Namen in unseren Gebeten (dua)erwähnen."
Said Nursi
* * *
بِاسْمِهِ سُبْحَانَهُ ٭ اَلسَّلاَمُ عَلَيْكُمْ وَرَحْمَةُ اللّٰهِ وَبَرَكَاتُهُ
{"Im Namen dessen der gepriesen sei. Friede sei mit euch, Gottes Erbarmen und sein Segen."}
Meine lieben getreuen Brüder!
(Ergänzung zu der notwendigen Antwort auf eine Frage)
Diese Sommerzeit (mausim)ist eine Zeit (zaman)der Nachlässigkeit (ghaflet)und zugleich eine Zeit (hengam)der Arbeit (meshghal)in der Sorge um den täglichen Lebensunterhalt. Auch sind diese drei Monate (shuhur-u selase)eine sehr fruchtbare Zeit des Dienstes und der Anbetung (sevabli ibadet).Wo es in einer Zeit, in der die Stürme über diese Erde hinwegfegen und die keine Zeit der Waffen, sondern eine Zeit diplomatischer Anstrengungen ist, an Kraft, Stärke (quvvet),Beständigkeit (metanet)und jener Festigkeit fehlt, welche diese heilige Aufgabe der Risale-i Nur (vazife-i nuriye-i qudsiyye)erfordert, wird der Dienst an der Risale-i Nur Schaden nehmen, (eine Zeit) der Trägheit und
des Überdrusses beginnen und es wird zum Stillstand kommen.
Meine lieben Brüder! Ihr sollt wissen, dass die Aufgabe (um die es in der Risale-i Nur) geht und womit sich ihre Schüler beschäftigen, größer ist, als alle gewaltigen Themen auf dem ganzen Erdenrund. Wenn ihr also alle diese Dinge betrachtet, die in dieser Welt (dunya)eure Neugier erregen, so lasst nicht nach in eurem Eifer für die Aufgaben im Ewigen Leben (vazife-i baqiye)!Lest immer wieder das Vierte Kapitel aus der Fruchtabhandlung (Meyve Risalesi),damit eure innere Kraft (quvve-i manevi)nicht gebrochen wird!
Alle diese riesengroßen Fragen der Weltleute (ehl-i dunya)bewegen sich im Kreis ihrer Regeln für den Kampf, die grausam in diesem vergänglichen Leben (fani hayat)sind. Da sie gnadenlos und unbarmherzig die heiligen (Werte) des Glaubens (muqaddesat-i diniye)für ihre weltlichen Interessen opfern, versetzt sie die göttliche Fügung (qader-i Ilahi)mitten hinein in die innere Hölle (manevi djehennem)ihrer eigenen Verbrechen. (Worum es aber in) der Risale-i Nur geht und woran ihre Schüler arbeiten müssen und wozu sie beauftragt (vazifedar)sind, ist, mit der Sicherheit, mit der zwei Mal zwei vier ist, zu beweisen, dass der Tod, der der Preis für dieses vergängliche Leben (fani hayat)ist und ein Schleier über dem Ewigen Leben (baqi hayat),für die Verehrer dieses weltlichen Lebens (hayat-i dunyeviye)dagegen der Henker eines überaus schecklichen Todes, der doch der Schleier über dem Ewigen Leben (hayat-i ebediye)und für die Leute des Glaubens (ehl-i iman)das Fahrzeug zur Ewigen Glückseligkeit ist. Diese Wahrheit (haqiqat)haben wir bis heute stets aufgezeigt.
Zusammenfassung:
Die Leute des Irrweges (ehl-i dalalet)setzen sich für dieses vergängliche Leben ein. Wir dagegen kämpfen mit dem Licht des Qur'an gegen den Tod. Ihr größtes Problem ist, weil es dabei nur um vergängliche Dinge geht, unser kleinstes Problem und vom Standpunkt der Ewigkeit (beqa)betrachtet, gar nicht zu
vergleichen. Wenn sie aber nun sich in ihrer Torheit nicht auf unsere gewaltigen Probleme einlassen und ihnen keine Beachtung schenken, warum dann sollen wir zum Nachteil unserer heiligen Aufgabe (qudsi vazife)ihren unbedeutenden Angelegenheiten mit Interesse folgen?
Denn die Ayah:
لاَيَضُرُّكُمْ مَنْ ضَلَّ اِذَا اهْتَدَيْتُمْ
{"Nicht schaden kann euch wer irrt, solange ihr rechtgeleitet seid." (Sure 5, 105)}
Was ein bedeutendes Prinzip in der islamischen Grundlagenlehre ist.
Denn
اَلرَّاضِى بِالضَّرَرِ لاَيُنْظَرُ لَهُ
{"Wer zufrieden ist mit seinem Schaden, der ist nicht zu verteidigen."}
Das heißt: "Der Irrtum eines anderen beeinträchtigt eure eigene Rechtleitung nicht, solange ihr euch nicht unsinniger Weise mit ihrem Irrtum beschäftigt."
Der Sinn dieses Grundsatzes ist folgender:
"Wer mit seinem Schaden einverstanden ist, den braucht man nicht zu verteidigen, noch zu bemitleiden oder zu bedauern."
Da nun einmal diese Ayah und dieser Grundsatz uns untersagt, denjenigen zu bemitleiden, der mit seinem Schaden einverstanden ist, müssen wir statt dessen all unsere Kraft, unsere Aufmersamkeit und unsere Zeit dieser heiligen Aufgabe (qudsi vazife)widmen. Alles, was außerhalb dessen liegt, müssen wir als sinnlos erkennen und dürfen unsere Zeit nicht damit vergeuden. Denn in unseren Händen halten wir das Licht und keine Keule. Wir dürfen nicht angreifen. Wer uns angreift, dem zeigen wir unser Licht (Nur).Unsere Haltung ist die einer Verteidigung mit Licht.
Einer der Gründe, wozu diese Ergänzung geschrieben wurde, ist folgender:
Ich habe einen Schüler der Risale-i Nur geprüft. Um herauszufinden, welche Ideen über die heutige Politik (die Ursache) seiner Aufregung sind, fragte ich ihn wegen seiner Schwatzhaftigkeit ein, zwei Dinge über (die Meerenge) am Bosporus und sah, dass er sachkundig und interessiert zu antworten wusste. In meinem Herzen sagte ich mir "Schade! Das wird unserem Dienst (vazifah)an der Risale-i Nur schaden." Ich habe ihn nachdrücklich ermahnt:
اَعُوذُ بِاللّٰهِ مِنَ الشَّيْطَانِ وَالسِّيَاسَةِ
{"Ich nehme meine Zuflucht zu Gott vor dem Teufel und seiner Politik."}
Das ist unser Grundsatz. Wenn du Mitleid mit (solchen politischen) Menschen hast, so hebt obiger Grundsatz ihr verdientes Mitgefühl wieder auf. So wie das Paradies (djennet)nach Menschen verlangt, so verlangt auch die Hölle (djehennem)nach Menschen.
(In den Kommentaren (zu einigen Hadithen), die teilweise bereits im Fünften Strahl (1908!) niedergeschrieben wurden (wird bereits vorausschauend über das) berichtet, was heute geschieht.)
Said Nursi
* * *
Meine lieben getreuen Brüder!
Eines möchte ich hiermit noch absolut klarstellen: die Risale-i Nur ist Eigentum (mal)des Qur'an. Es steht mir nicht zu, sie zu besitzen (sahib),sodass ich sie mit meinen Fehlern infizieren könnte. Ich bin nur ein unvollkommener Diener der Risale-i Nur und Makler der Diamanten eines Juwelierladens. Auch mein Zustand einer totalen Verwirrung kann sie nicht infizieren oder sie sonst irgendwie beeinträchtigen. Erteilt uns doch die Risale-i Nur ihren Unterricht (ders),wie wir wahrhaft aufrichtig (haqiqat-i ikhlas)sein, von unserer Selbstgefälligkeit lassen (terk-i enaniyet),uns stets unserer Fehlerhaftigkeit bewusst sein und unseren
Hochmut (hodfurushluk)überwinden können. Nicht uns selbst stellen wir also den Gläubigen (ehl-i iman)vor, sondern die geistige Körperschaft der Risale-i Nur. Wir sind denen, die unsere Fehler erkennen und uns mitteilen, wenn es ihnen denn dabei um die Wahrheit (haqiqat)geht, sehr dankbar. Und: möge es Gott wohlgefällig sein (Allah razi olsun!)werden wir dabei sagen! Wenn ein Skorpion auf unserer Schulter sitzt und man kann ihn von da herunterschleudern, wie sehr werden wir doch dann erleichtert sein! Wenn jemand an unseren Fehlern Kritik übt und wenn er denn dabei nicht wütend wird oder sich als halsstarrig erweist, sich auch nicht dabei für ketzerische Neuerungen (bid'a)oder Irrtümer (dalalet)einsetzt, so können wir das annehmen und sind auch dankbar dafür.
Meine lieben Brüder! In meiner Verteidigungsrede habe ich ihnen folgende Antwort erteilt: "(Diese Übereinstimmungen in Text und Inhalt der Risale-i Nur) sind nicht mir (als mein Werk) zugehörig. Und einen Anspruch (sahib)auf derartige Wunder (keramet)zu erheben, liegt nicht in meinem Bereich. Sie haben sich vielmehr (in der Art) von Tropfsteinen als ein spirituelles Wunder (mu'djize)verkörpert und sich als Blitzstrahlen aus dem Qur'an gezeigt. In der Risale-i Nur, die dessen wahrhaftige Auslegung (haqiqi tefthir)ist, nehmen sie die Form solcher Wunder (keramet)an, um die Schüler in ihrer innerlichen Kraft (quvve-i maneviye)zu stärken (taqva)und kommen deshalb einer Gnadengabe Gottes (ikramat-i Ilahiyye)gleich. Dafür, dass wir ein solches Geschenk (ikram)zeigen können, sind wir dankbar; das ist auch erlaubt und (vor Gott) wohlgefällig (maqbul)."
Nun will ich aber aus einem wichtigen Grunde diese Antwort teilweise noch weiter erläutern. Man hat mich nämlich gefragt, warum ich diese Dinge aufgezeigt habe und warum ich diesen Punkt mit solchem Nachdruck ins Rampenlicht gerückt habe.
Antwort:
Um in heutiger Zeit den vielen Tausenden, die (unser Werk) des Dienstes am Glauben (hizmet-i imaniye),
den die Risale-i Nur (leistet), wieder zerstören wollen, etwas entgegenzusetzen, bedarf es Hunderttausender, die (das, was bereits zerstört wurde), wieder instandsetzen wollen. Zudem brauche auch ich mindestens Hunderte von Schreibern und Helfern, die ich noch finden muss. Anstatt sich (vor dieser Arbeit) zurückzuziehen und sie zu vermeiden suchen, ist es vielmehr notwendig, dass das Volk und die Leute von der Regierung sie schätzen lernen und dazu ermuntert werden, Kontakte aufzunehmen und Hilfe zu leisten. Da es ja für alle Gläubigen (ehl-i iman)verpflichtend ist diesen Dienst am Glauben (hizmet-i imaniye),der sich doch auf ein Ewiges Leben (hayat-i baqiye)bezieht, der Beschäftigung (meshghal)und den Annehmlichkeiten eines vergänglichen Lebens (hayat-i faniye)vorzuziehen, möchte ich, indem ich mich selbst als Beispiel nehme, sagen:
Mir wurde alles, die Besprechungen und die Hilfeleistungen untersagt, während gleichzeitig meine Gegner mit aller Kraft daran arbeiten, die innerlichen Kräfte (quvve-i maneviye)meiner Gefährten zu zerbrechen, um sie von mir und der Risale-i Nur zu entfremden, sodass jemand wie ich, der alt, krank, schwach, im Exil, armselig, allein und verlassen ist, eine Aufgabe (vazifah),um die sich Tausende Menschen kümmern sollten, nun alleine schultern muss. Durch diese Isolation und den Druck (unter dem ich stehe) sehe ich mich nun selbst aufgrund meiner materiellen (Umstände) und meiner Krankheit dazu gezwungen, mich von allen Konferenzen und Korrespondenzen mit den Menschen zurückzuziehen, was nun schon so weit geht, dass Leute dermaßen nachdrücklich abgeschreckt worden sind, dass sogar einige Freunde, mit denen ich mich bisher ganz besonders eng verbunden gefühlt hatte, mich nun nicht mehr grüßen (selam),ja einige von ihnen schon so weit verschreckt sind, dass sie sogar das (gemeinsame) Gebet vernachlässigen. (Doch bei allen Versuchen) ihre geistige Kraft (quvve-i maneviye)zu brechen und aus den (oben erwähnten) Gründen habe ich (eigentlich) gegen
meinen Willen, jedoch gerade wegen all dieser Hindernisse, nämlich um die inneren Kräfte (quvve-i maneviye)der Schüler der Risale-i Nur zu stärken, mich dazu veranlasst gesehen, mit Hilfe der Verkündigung der göttlichen Gnade (ikramat-i Ilahiyye)ihre innere (manevi)Aufmerksamkeit darauf zu lenken und ihnen zu zeigen, dass die Risale-i Nur ganz allein und ganz aus sich selbst heraus, wie ein Heer, das keine Hilfe von außen braucht, stark genug ist. Doch musste ich jetzt all diese verschiedenen Dinge einmal aufschreiben! Andernfalls - Gott bewahre! - wollten wir also uns selbst verkaufen, uns nur beliebt machen wollen (die Risale-i Nur schreiben und verbreiten, nur weil wir) dafür gelobt werden wollen und weil wir ja so stolz (auf unsere eigene Leistung) sind, so würde dadurch die tiefe innere Weisheit (sirr)der Aurichtigkeit (ikhlas),welche ein bedeutender Grundsatz der Risale-i Nur ist, zerstört werden. Möge nun Gott es wollen (insha-a'llah),dass die Risale-i Nur so wie sie sich sowohl selbst verteidigen, als auch ihren umfassenden Wert aufzeigen wird, als auch uns selbst indirekt verteidigen und uns dazu verhelfen, dass uns unsere Fehler vergeben werden.
Meine lieben Brüder! Vierzig Jahre vor Offenbarung der Risale-i Nur hatte ich auf eine merkwürdige Art ein allumfassendes Vorgefühl (von künftigen großen Ereignissen und Taten), das sich sowohl bei mir, als auch in unserem Dorf, als auch in unserer kleinen Stadt zeigte und heute ist mir durch eine innere Eingebung (der Grund dafür) zu einer festen Überzeugung geworden. Ich hätte ja gerne meinen älteren Schülern, wie Shefik und meinem Bruder Abdulmedjid dieses Geheimnis (sirr)
mitgeteilt. Da euch aber nun Gott der Gerechte (Djenab-i Haqq)viele Abdulmedjid und viele Abdurrahman geschenkt hat, möchte ich es euch nun doch erklären.
Ich war damals zehn Jahre alt und meine Haltung (hal)war von einem großen Stolz, ja manchmal sogar durch eine Art von Selbstlob gekennzeichnet. Obwohl ich das eigentlich gar nicht wollte, verhielt ich mich so, als ob ich
eine große Tat, oder sogar eine große Heldentat geleistet hätte. So sagte ich denn zu mir selbst: "Du bist noch nicht einmal fünf Para wert. Was soll dann also dein Eigenlob und insbesondere dein Stolz, den du da allzu sehr zur Schau trägst?" Ich wusste es selbst nicht und war erstaunt darüber. Nun ist es ein, zwei Monate her, dass mir die Antwort (auf diese Frage) nach meinem Erstaunen gegeben wurde. Es war die Risale-i Nur, die selbst dieses Vorgefühl ausgelöst hatte (und nun zu mir sagte): "Obwohl du doch nur wie ein (Dattel)-Kern einem gewöhnlichen Holzspahn ähnelst, kommst du dir mit deinem Gefühl kommender (Ereignisse) in der Tat so vor, als könntest du selbst die Trauben des Paradieses (firdaus)erfinden (mal)und bist auch noch stolz (hodfurushluk)darauf." Was aber unser Dorf (Nurs Köyümüz)betrifft, so wissen doch sowohl meine alten Schüler, als auch meine Landsleute, dass man sich in unserem Dorf sehr gerne selber lobt, um so in seinem Heldenmut ganz vorne an zu sein und sich ganz oben zur Schau zu stellen. Es ist, als wollten sie ein großes Reich erobern, sodass sie sich nun wie tapfere Helden aufführen wollen. Da habe ich mich sehr sowohl über mich selbst als auch über sie gewundert. Nun wurde mir in einer wahrhaftigen inneren Wahrnehmung klar: diese einfachen (Bauern aus dem Dörfchen) Nurs werden noch einmal durch das Licht der Risale-i Nur zu großem Ruhm gelangen. (Zu einer Zeit, da die Menschen) noch nicht einmal den Namen dieser Provinz (vilayat),dieses Städtchens kannten, zeigten (seine Bewohner) bereits im Vorgefühl, dass (die Menschen) dereinst die Bedeutung dieses Dorfes (Nurs köyünü)erkennen würden, durch die göttliche Gnade (nimet-i Ilahiyye)ihre Dankbarkeit in der Form ihrer Selbstgefälligkeit.
............
Da ich euch, als meine ehemaligen Schüler und meine alten Gefährten und meine Brüder gekannt und Abdülmecid und Abdurrahman gleichgestellt hatte, habe ich euch auch mein privates Geheimnis (mahrem sirri)offenbart. Und
so möchte ich euch noch sagen: "So wie ich vor vierundzwanzig Stunden in meiner starken Empfindsamkeit und durch die (Reaktion) meiner Nerven auf die Feuchtigkeit das Nahen des göttlichen Erbarmens (rahmet)und das Kommen des Regens gespürt habe, so habe ich auch schon vor vierzig Jahren in meinem Dorf und in meiner kleinen Stadt den barmherzigen Regen der Risale-i Nur wie ein künftiges Ereignis im voraus gespürt."
Wir senden allen unseren Brüdern und Gefährten unsere Segenswünsche (selam)und unser Gebet (dua)und bitten gleichfalls auch um euer Gebet (dua).
Said Nursi
* * *
Ein wichtiger Brief, zudem ich mich als Antwort auf den Brief eines hochrangigen (maqam) Kommandanten gezwungen sah, der eine bedeutende Persönlichkeit ist
بِاسْمِهِ سُبْحَانَهُ ٭ اَلسَّلاَمُ عَلَيْكُمْ وَرَحْمَةُ اللّٰهِ وَبَرَكَاتُهُ
{"Im Namen dessen der gepriesen sei. Friede sei mit euch, Gottes Erbarmen und sein Segen."}
Mein lieber getreuer Bruder!
Auch wir wünschen Ihnen gleichfalls im Ramadan Gottes Segen (tebrik).Ihre Träume sind von sehr viel Segen (mubarek)erfüllt. Möge er ein Zeichen dafür sein, dass Gott der Gerechte (Djenab-i Haqq)Sie Seine große Güte (ihsan)erfahren lassen will (insha-a'llah).Für mich ist es in heutiger Zeit (Gottes) größtes Geschenk (ihsan),wenn man sich in der Weise bemüht, dass man den Glauben (iman)rettet und den Glauben der anderen dabei stärkt. Geben Sie acht, dass Sie dabei alles vermeiden, was Sie dazu veranlassen könnte, selbstsüchtig und stolz zu werden! Demut, Bescheidenheit und die Aufgabe seiner Selbstsucht (terk-i enaniyet)
sind in dieser Zeit für die Kenner der Wahrheit (ehl-i haqiqat)notwendig, ja geradezu zwangsläufig (lazim ve elzem).Denn die größte Gefahr in diesem Jahrhundert erwächst aus Ichsucht und Eigenlob. Die Leute der Wahrheit und Gerechtigkeit (ehl-i haqq ve haqiqat)müssen stets bescheiden ihre eigene Unzulänglichkeit im Auge behalten und die Schuld ihrer eigenen Seele (nefs)geben. So wie Sie unter solch erschwerenden Umständen weiter heldenmütig seinen Glauben (iman)zu bewahren und dabei seinen Dienst und seine Anbetung (ubudiyet)zu versehen, entspricht einem hohen Rang (maqam).Auch die Deutung ihrer Träume enthält, von diesem Standpunkt aus betrachtet, eine gute Nachricht. Besorgen Sie sich also einmal jene Abhandlung unter den Bänden der Risale-i Nur den 29. Brief, der sich mit der Mystik der Sufi-Orden (tariqat haqiqati)beschäftigt und die "Neun Andeutungen" ("Telvihat-i Tis'a")genannt wird und lesen Sie ihn! Des weiteren sollte auch Ihre Person, gleich den standhaften (metin),gläubigen (iman)und aufrechten (haqiqat)Persönlichkeiten in den Kreis der Risale-i Nur eintreten. Denn in diesem Jahrhundert konnte die Risale-i Nur trotz aller Angriffe nicht besiegt werden. Selbst noch die hartnäckigsten Gegner mussten ihre Freiheit offiziell bestätigen lassen. Ja schon seit zwei Jahren haben hochrangige (Persönlichkeiten) und Juristen aufgrund eingehender Untersuchungen beschlossen, dass sämtliche Teile der Risale-i Nur, und zwar sowohl die für den privaten (mahrem)als auch die für den öffentlichen Gebrauch ihren Besitzern zurückgegeben werden sollten. Denn die Gemeinschaft (meslek)der Schüler der Risale-i Nur konnte nicht wie die Sufi-Orden (tariqat)und andere Gemeinschaften (meslek)jemals besiegt werden, während auch noch ganz besonders hartnäckige Gegner von ihr besiegt wurden und zum Glauben (iman)gelangt sind, wobei zudem besonders viele Ereignisse bezeugen (shehadet),dass sie in unserem Jahrhundert ein spirituelles Wunder ist, das aus dem Qur'an (mu'djize-i ma'neviye-i Qur'aniye)hervorgegangen ist.
Dabei haben uns die Ereignisse zu der festen Überzeugung gebracht, dass außerhalb dieses Kreises in diesem Lande ein individueller Dienst, den jemand im kleinen, privaten (Rahmen leistet), verfolgt (und versteckt) hinter einem Vorhang, teilweise dazu gezwungen, ketzerische Neuerungen (bid'a)zu tolerieren oder (die Lehre) mit seinen Auslegungen in gewisser Weise zu verfälschen, dem Glauben (din)nicht mehr voll und ganz dienen kann.
Da aber Sie nun einmal einen großen Eifer und einen starken Glauben haben, sollten Sie nun auch ein ganz aufrichtiger (ikhlas)und ganz und gar demütiger und dennoch standhafter Schüler der Risale-i Nur sein, sodass Sie an der geistigen Gemeinschaft (shirket-i maneviye-i uhreviye)von Tausenden, ja sogar hundert Tausenden von Schülern (im Dienst) für das Jenseits teilhaben können, sodass alles, was Sie an Gutem und Schönen tun, aus Ihrem kleinen (privaten Rahmen) heraus ein Teil des Großen und Ganzen (der Nur-Schülerschaft) werden und im Jenseits ein ganz und gar verdienstvoller Handel sein möge.
Said Nursi
* * *
بِاسْمِهِ سُبْحَانَهُ ٭ وَاِنْ مِنْ شَىْءٍ اِلاَّ يُسَبِّحُ بِحَمْدِهِ
اَلسَّلاَمُ عَلَيْكُمْ وَرَحْمَةُ اللّٰهِ وَبَرَكَاتُهُ اَبَدًا دَآئِمًا
{"Im Namen dessen, der gepriesen sei. Es gibt kein Ding, das Ihn nicht lobt und preist. Friede sei mit euch, Gottes Erbarmen und sein Segen."}
Hochehrwürdiger, wertester und vielgeliebter Lehrer und Meister! Gott sei Lobpreis und Dank (elhamdulillah),dass in diesem Jahr Eure Schüler in Isparta durch ihre weltlichen Tätigkeiten (dunyevi meshaghil)nicht (wieder) so sehr in Gottvergessenheit (ghaflah)versunken sind.
Unser Einsatz für den Dienst am "Licht" setzt sich ernsthaft fort. Welche Anziehungskraft dieses "Licht (Nur)"auf die Herzen eines jeden Einzelnen von uns ausübt, lässt sich an unseren Gesichtern ablesen. Denn die Herzen Eurer Schüler sind von Freude erfüllt. In der Tat sagen alle Eure Schüler, unser geliebter Meister, einstimmig: Obwohl wir es ja eigentlich gar nicht verdient hätten und trotz unserer Nichtigkeit wurden wir in aller Aufrichtigkeit in Dienst gestellt. In diesem lichtvollen Dienst haben wir sowohl als Schüler, als auch Schreiber, Gesprächspartner, Verteiler und Verbreiter, Kämpfer, Ratgeber für das Volk, Anbeter des Gerechten (Haqq)und dergleichen mehr, alle Schönheiten und Kostbarkeiten der Welt auf einmal erhalten und nur wenig ist es, wie sehr wir auch unserem Herrn und Gott (Hazret-i Allah)dafür danken mögen. Dieser Dank, den wir abstatten möchten, erfüllt die Herzen von uns, Euren Schülern, mit Freude und Glück und erinnert uns dabei daran, dass auch er noch eine Güte (ihsan)unseres Schöpfers (Khaliq)ist, die im Überfluss in unsere Herzen (qalb)strömt. Und die gleiche Art von Dankbarkeit während des Lebens, das diese armseligen Bewohner und unser Meister (Ustadh),als er noch klein war (noch unbewusst in sich erfahren hatten), lässt (sich auch heute noch) aus unserer Haltung und aus unserem Verhalten ablesen. Unendliches Lob und grenzenloser Dank sei Gott dem Herrn in Seiner Majestät (Dhat-i Dhu-l'Djelal),der uns in Seiner Gnade und Freigiebigkeit (lutuf ve kerem)von jenem Rinnsal völliger Unwissenheit (djehl-i mutlaq)erlöst und aus dem Sumpf des Aufstandes und des Unglaubens (kufr)herausgezogen und zu Schülern jenes glänzendsten aller Lichter (Nur)gemacht hat, das die Augen blendet.
Wenn unser Meister (Ustadh)uns den Sinn der Duplizität (iktiran)zweier Gnadengaben (ni'met),die gleichzeitig miteinander in Erscheinung treten, nicht schon vorher einmal erklärt hätte, er hätte sie aus unseren Schreibfedern, welche die vielfache Dankbarkeit unserer Herzen zum Ausdruck bringen, herauslesen können.
Wir erkennen, unser geliebter Meister (Ustadh),unsere eigene Verfassung: wir können der Ansprechspartner der Risale-i Nur nicht sein. Trotzdem bezeugen wir (mushahede)mit wachsendem Bedürfnis das Erscheinen des Erbarmens des Allbarmherzigen Schöpfers (Khalik-i Rahimin merhametli tedjellileri).Das Herz unseres Meisters (qalbi Ustadh)ist ein glänzender Spiegel, ein Empfänger und ein Reflektor. Die Zunge des Meisters (Ustadh)ist ein hoher Botschafter, ein Lehrer und ein Wegweiser (murshid).Die Haltung des Meisters (hal-i Ustadh)ist das schönste, leibhaftig gewordene Beispiel, ein Muster und ein Vorbild. Die Bedürfnisse aller Schichten der menschlichen Gesellschaft werden von ihm aufgezeigt und beschrieben. So findet es sich denn, dass der Zustand (hal)der seit sieben Jahren Feuer speienden Gewaltmenschen heute eine noch schmerzlichere Form (hal)angenommen hat. Wer auch immer Verstand besitzt, hält sein Ohr an den Mund seines Rundfunkgerätes und denkt voll Sorge darüber nach, was der morgige Tag wohl bringen wird. Nachdem nun im Osten die Japaner besiegt worden waren, wartet man nun darauf, dass die Welt (dunya)einen dauerhaften Frieden (salah-i selamet)in Sicherheit und Geborgenheit (Emn-u eman)zustandebringen werde. Doch nun wurde sichtbar, dass sich im Norden eine teuflische (deddjal)Bewegung {der Warschauer Pakt?} zeigte. Dieser Sachverhalt hat jeden in Unruhe und Aufregung versetzt. In dem Gedanken, dass wir einer düsteren Zukunft entgegengehen werden, wurden (alle Menschen) dazu getrieben, voll Sorge (den Nachrichten) im Rundfunk zu folgen. Gott sei Lob und Dank (lillahi-l'hamd),dass die Risale-i Nur unsere Seelen (ruh)durch ihre Erhabene Verkündigung wieder beruhigt. Durch ihre wahrhaftige Unterweisung (haqiqi ders)stellt sie unser Herz (qalb)zufrieden. So werden wir denn dieser Tage durch eine spirituelle Anspielung (mana-yi ishari)ermahnt, dass nun solch eine entsetzliche Strömung entstanden ist, dass einzig und allein
dann, wenn die Welt (alem)der Christenheit in der Einheit mit den Muslimen, nämlich dadurch, dass sich die Evangelien mit dem Qur'an vereinigen und infolge dessen sich dem Qur'an unterordnen, die so entstandene himmlische Macht den Sieg erhalten wird, (welch obiger Sachverhalt) darauf hinzuweisen geruht, dass nun die Zeit gekommen ist, die Ankunft des hochehrwürdigen Jesus, mit dem der Friede sei (Hazret-i Isa Aleyhisselam),zu erwarten. Wie ich gehört habe, hat das heutige Amerika eine seiner vier Kommissionen in alle Ecken der Welt ausgesandt, mit dem Auftrag, zu erforschen, welches die wahre Religion (salim bir din)ist, die das Heil der heutigen Menschheit sicherstellen werde. Weil dem so ist, wird die Risale-i Nur eine zeitgemäße Auslegung (mudjeddid)des Qur'an mit den Worten des Gerichts überall bekannt machen und so für eine elende, leidende Menschheit jenes allumfassende Heil bringen, an das wir mit aller Macht glauben.
Solange noch unser geliebter Meister (Ustadh)über uns (wacht) und wir die Risale-i Nur, welche die erhabensten Wahrheiten (haqiqat)in sich enthält und worin sich die gesegnete Auslegung (mubarek tefthir)des Qur'an in ihrer höchsten (Form) vorfindet, kennt unsere Freude weder Schranken noch Grenzen.
Wenn also nun diese Wahrheiten (haqiqat)Abhandlung (djüz'ü)um Abhandlung an die Öffentlichkeit gelangen, werden sie auch (dafür Sorge tragen), dass sie überall mit Interesse, ja mit Freude gelesen werden. Dafür gibt es sehr viele ganz offensichtliche Beweise. Möge nun Gott es wollen (insha-a'llah),dass insbesondere die bereits im Druck (erschienenen) Exemplare des Zehnten Wortes (Onuncu Söz),das diese Idee (mefkure)von einer Leugnung der Auferstehung (inkar-i hashr)besiegt und besonders auch die Abhandlungen (risalah)über das Große Zeichen (Ayetu-l'-Kubra),das, obwohl einmal heimlich gedruckt, nun aber frei und offen von jedermann gelesen werden kann und sehr große, wunderbare Wirkungen zeigt, wodurch der Glaube (taqviye-i iman)gestärkt wird, sowie die Wohldurchdachten
Gottesbeweise (Huddjetul-Baligha)und die Fruchtabhandlung (Meyve Risalesi)und dergleichen Abhandlungen aus dem Gesamtwerk (Kulliyat-i Nur),die alle Ideen (mefkure)über die Leugnung Gottes (inkar-i uluhiyyet)ganz und gar zunichte machen, die gnadenlosen (emansiz)Mauern der Gottlosigkeit, die nun um den Qur'an herum aufgerichtet werden sollen, (durch die Hilfe) der Risale-i Nur mit der Wurzel ausgerissen werden, das gnadenlose (emansiz)Feuer der Gottlosigkeit gelöscht wird und der ganzen Welt (dunya)der überschäumende Trunk (sharab-i kauthar)von dem Leben schenkenden Elixier (ab-i hayat)eines gnadenreichen Glaubens (emanli iman)zu trinken gegeben werden kann!
اَلْبَاقِى هُوَ الْبَاقِى
{"Der Beständige ist der, der bleibt und besteht."}
Euer Schüler
Hüsrev
* * *
بِاسْمِهِ سُبْحَانَهُ ٭ اَلسَّلاَمُ عَلَيْكُمْ وَرَحْمَةُ اللّٰهِ وَبَرَكَاتُهُ اَبَداً دَآئِمًا
{"Im Namen dessen, der gepriesen sei. Friede sei mit euch, Gottes Erbarmen und Sein Segen immer und ewig."}
Meine lieben getreuen Brüder!
Wir beglückwünschen euch wieder und immer wieder zu euren Festtagen (bayram)und wünschen euch Gottes Segen (tebrik).Weil nun diese beiden sehr wichtigen Fragestellungen bereits an verschiedenen Stellen der Risale-i Nur vorzufinden sind, möchte ich sie doch noch einmal ganz kurz mit euch besprechen und vertraue dabei auf eure rasche Auffassungsgabe.
Erstens:
Ein Schüler der Risale-i Nur, der ehrlich und aufrichtig ist und auch den Qur'an kopiert, der in seiner Verkündigung ein Wunder (Qur'an-i Mudjizul-Beyan)ist, hat mich diesmal aufgrund seiner guten Meinung, die er von mir hat, obwohl das doch tausendmal über meine Grenzen
hinaus geht, in dem Brief, den er uns geschrieben hat, (in einer bestimmten Angelegenheit) nach der Wahrheit (haqiqat)gefragt. Da er den so wichtigen und heiligen Dienst (qudsi vazifah)an der geistigen Körperschaft der Risale-i Nur für einen Dienst (vazifah)an meiner eigenen, doch so gewöhnlichen Person hält, den er als einen ganz besonders erhabenen Dienst (ulvi vazifah)in der Nachfolgeschaft des Propheten (hilafet-i nubuvvet)ansieht und von seinem Standpunkt aus in seinem Meister (Ustadh)jenen Funken zu erkennen glaubt, möchte er in mir nun auch die (sichtbar gewordene) Erscheinung jenes geistigen Kalifats (hilafet-i maneviye)erblicken.
Erstens:
Man baut über einer Ewigen Wahrheit (baqi bir haqiqat)keine vergänglichen Repräsentanten (shahsiyet).Täte man dies, würde man der Wahrheit (haqiqat)damit Gewalt antun. Eine Aufgabe (vazifah),die in jeder Hinsicht vollkommen (kemal)und ewig ist, kann nicht an Repräsentanten (shahsiyet)gebunden sein, die dem Zerfall und der Kritik (tjürümeye ve tjürütülmeye)ausgesetzt sind. Denn eine solche Bindung schadet dem Wert einer solche Aufgabe (vazifah).
Zweitens:
Das Aufscheinen der Risale-i Nur bringt nicht nur ein innerliches Erfülltsein (feyz)mit sich, das einzig durch das Verständnis (fikr)ihres Interpreten oder als ein Ausdruck eines innerlichen Bedürfnisses (ihtiyadj-i manevi)aus dem Qur'an erwächst und sich allein nach der Begabung dieses Interpreten richtet, sondern entspricht vielmehr dem Wunsch nach Erfüllung (feyz)in den Herzen (ruh)aller reinen, standhaften und getreuen Personen, welche die Gesprächspartner dieses Interpreten und seine Gefährten im Unterricht (ders)des Qur'an sind. So wie sie weit mehr als die Begabung ihres Interpreten auf vielfache Weise zu dem Aufscheinen dieser Lichter (Nur)beitragen, indem sie diese annehmen, bestätigen und in die Praxis umsetzen, formen sie auch Wesen und Wirklichkeit der geistigen Manifestation (shahs-i manevisinin haqiqati)der Risale-i Nur und ihrer Schüler. Doch auch ein Interpret
leistet dazu seinen Beitrag. Insoweit er diesen nicht durch seine Unaufrichtigkeit schmälert oder wertlos macht, kann er sich mit ihm zuvortun und durch ihn zu Ehre und Ansehen gelangen.
Drittens:
Diese Zeit ist eine Zeit der Gemeinschaft (djemaat).Die Genialität einer einzelnen Persönlichkeit, wie wundervoll auch immer sie sein mag, kann doch durch die Genialität der geistigen Körperschaft (shahs-i manevi),die aus einer Gemeinschaft entsteht, überwunden werden. Wie dieser gesegnete Bruder geschrieben hat, darf man deshalb einen Dienst am Glauben (vazife-i imani),der in gewisser Hinsicht die ganze islamische Welt (alem)zu erleuchten vermag und ein Licht heiliger (qudsi)Genialität ist, nicht einer hilflosen, schwachen, unterdrückten Person aufbürden, die noch dazu zahllose Feinde und hartnäckige Gegener hat, die ihn durch Verrat und durch Beleidigungen in Misskredit zu bringen versuchen. Wollte man ihn ihr aber dennoch aufbürden und geriete diese (ohnehin schon) mit Fehlern behaftete Person nun durch den Verrat und unter den Schlägen ihrer Feinde ins Wanken, so würde sie unter dieser Bürde zusammenbrechen und ihre Last unter ihr auseinander fallen.
Viertens:
Schon von Alters her hatten viele Menschen eine besonders gute Meinung von ihren Lehrern und Meistern, von allen, die sie ausbildeten, schulten, unterwiesen, lehrten und unterrichteten und auch von ihren Fürsten (ustadh veya murshid veya muallim veya reis)und sie schätzten sie weit über den Wert ihrer eigenen Persönlichkeit. Da sie mit Hilfe ihres Unterrichts und durch deren geistliche und weltliche Führung einen Nutzen zu finden hofften, wurde ihre oft bei weitem übertriebene gute Meinung auch bis zu einem gewissen Grade entgegengenommen. Obwohl sie der Wahrheit (vakia)manchmal zuwiderlief, wurden sie dennoch nicht kritisiert. Wenn also nun die Nur-Schüler jene erhabene (ulvi)Stufe und alle Vorzüge, die einem Meister (ustadh)angemessen sind, der seiner Nur Schüler würdig ist, meiner armseligen, mit Fehlern und
Mängeln behafteten Persönlichkeit zuerkennen und so mit Eifer und Begeisterung ihre Arbeit tun, so kann man eine solch gute Meinung in dieser Hinsicht, auch wenn sie alle Grenzen bei weitem überschreitet, durchaus noch akzeptieren. Man sollte das jedoch so verstehen, dass sie gleichsam im Besitz der geistigen Körperschaft der Risale-i Nur ist und (nur auf diese Weise) in meinen Händen ruht. Wenn nun aber vor allem die Gottlosen, die irre Geleiteten (ehl-i dalalet),die Politiker (ehl-i siyaset)und die Gottvergessenen (ehl-i ghaflet),ja sogar etwas naive religiöse Leute (safi qalb ehl-i diyanet)einer Persönlichkeit zu viel Bedeutung beimessen, kurzum alle Ungerechten eine solche Persönlichkeit verderben und damit der Wahrheit und Gerechtigkeit (haqiqat)einen Schlag versetzen wollen, weil sie denken, dass ein armseliger (Mensch) wie ich die Quelle aller Lichter (Nur)sei und nun mit ganzer Kraft, danach streben, mich zu verderben, diese Lichter auszulöschen und selbst noch diejenigen, welche reinen Herzens (qalb)sind, davon zu überzeugen. Kurzum, ein Ereignis im Zusammenhang mit der nachstehenden Zweiten Fragestellung beleuchtet diese Wahrheit (haqiqat).
Zweite Fragestellung:
Während ich am zweiten Festtag (bayram)einen kleinen Ausflug in die Umgebung machte, um Luft zu schöpfen, wurde ich durch einen bedeutenden Beamten auf fünffache Art ungerechter Weise mit Angriffen verfolgt. Doch Gott der Gerechte (Djenab-i Haqq)in Seiner Barmherzigkeit (rahmet)und Freigiebigkeit (kerem)machte mir, um trotz all der Bände der Risale-i Nur, die auf meinem Rücken und meinen Schultern lastet und bei der Ehre und Würde, die Herz (qalb)und Seele (ruh)meiner Schüler belasten, dennoch die Ruhe zu bewahren, eine ganz außerordentliche Ausdauer und Geduld zum Geschenk (ihsan).Andernfalls hätten sie ihre Intrigen, verbunden mit der Absicht, mich in Wut zu versetzen, verwirklichen können und (aufgrund dessen) den Erfolg der Risale-i Nur und besonders auch des Großen Zeichens (Ayetu-l'Kubra)verhindert. Gebt nun Acht und hütet euch,
dass ihr euch keine Sorgen macht! Seid auch nicht ängstlich und nicht aufgeregt. Auch braucht ihr euch meinetwegen nicht zu beklagen und mich nicht zu bemitleiden. Möge die Gnade Gottes (inayet-i Ilahiyye)uns über allem Zweifeln und Schwanken, wenn auch im Verborgenen behüten und möge dadurch die Ayah
عَسٰى اَنْ تَكْرَهُوا شَيْئًا وَهُوَ خَيْرٌ لَكُمْ
{"Aber vielleicht verabscheut ihr etwas, das gut für euch ist!" (Sure 2, 216)}
sich an uns offenbaren und durch uns bestätigt werden.
Aber auch diesmal sind ihre Pläne wieder ohne Ergebnis geblieben. Doch gibt es auch in dieser Provinz (vilayet)Menschen, die ganz unmittelbar von einer hohen Behörde (maqam)die Macht (quvvet)erhalten haben, mich zu belästigen. Wäre es möglich, sollte man daher darauf hin wirken, dass der Gerichtshof in Denizli und das Revisionsgericht in Ankara meine Überstellung an einen anderen, für mich besser geeigneten Ort veranlassen, und zwar unter dem Aspekt als Begründung, dass ich das Klima hier leider nicht vertragen kann. Da ich selbst nichts dazu tun kann, wäre es gut, wenn Freunde in Denizli, die sich mir ganz besonders verbunden fühlen, (in dieser Richtung) etwas unternehmen würden. Wenigstens sollten sie (dafür Sorge tragen), dass ich unter irgendeinem Vorwand in das dortige Gefängnis seingeliefert werde.
Said Nursi
* * *
بِاسْمِهِ سُبْحَانَهُ
{"Im Namen dessen der gepriesen sei."}
Meine getreuen, standhaften und aufrichtigen Brüder!
Eine sehr wichtige Frage, die sowohl die materiellen als auch die geistigen Dinge betrifft und die ich mir sowohl
selber stelle, als sie mir auch von denen gestellt wird, mit denen ich in Verbindung stehe, ist folgende:
"Warum interessierst du dich, im Gegensatz zu allen anderen, nicht für all die vielen mächtigen (quvvet)
und bedeutungsvollen (Kräfte), die dir helfen wollen? Was doch kein anderer täte? Willst du etwa damit zeigen, dass du sie gar nicht nötig hast? Und warum nimmst du die hohen Ränge (maqam)nicht an, von denen die Elite der Schüler der Risale-i Nur sich einstimmig wünscht, dass du sie doch annehmen mögest, was doch ein jeder verlangt, ja geradezu fordert und es doch auch der Verbreitung, ja dem Sieg (futuhat)der Risale-i Nur durchaus dienlich sein würde? Warum weist du das denn so heftig zurück?"
Antwort:
In dieser Zeit brauchen die Gläubigen (ehl-i iman)eine Wahrheit (haqiqat),die so beschaffen sein muss, dass sie für nichts in der Welt (kainat)als ein Mittel (zum Zweck) oder als Sprungbrett verwendet werden kann, dass sie durch Groll oder irgendeine böse Absicht nicht beschmutzt werden kann, dass sie sich von keinem Zweifel und von keiner Philosophie unterwerfen lässt, eine Glaubenswahrheit (iman haqiqat),die nur auf diese Art unterrichtet werden soll, damit der Glaube (iman)gegen den Angriff der Irrtümer (dalalet),die sich seit Tausend Jahren angehäuft haben, von allen Gläubigen (ehl-i iman)bewahrt werden kann.
So misst denn, von diesem Punkt aus betrachtet, die Risale-i Nur allen inn- und ausländischen Helfern und ihrer an und für sich bedeutenden Macht (quvvet)keine weitere Bedeutung bei, sucht sie nicht auf und schließt sich ihnen nicht an, sodass sie in den Augen der einfachen Gläubigen (ehl-i iman)nicht als Sprungbrett für einige Ziele des irdischen Lebens (hayat-i dunyeviye)verstanden werden kann und - da sie außer unmittelbar für das ewige Leben (hayat-i baqiye)für nichts anderes als Fahrzeug dient - ihre außerordentliche Kraft und Wahrheit (haqiqat)die angreifenden Zweifel und Unsicherheiten beseitigen möge.
Obwohl aber diese geistlichen, hochgeschätzten, von allen
Kennern der Wahrheit (ehl-i haqiqat)ersehnten leuchtenden Ränge (maqam)und Sprossen (auf der Stufenleiter) zum Ewigen (ukhrevi)Leben doch nun keinem (Menschen) schaden und dir von unseren aufrichtigen Brüdern nur in guter Absicht zugeschrieben werden, dir in deiner Aufrichtigkeit auch gar keinen Schaden zufügen, falls du sie denn annehmen möchtest, obwohl es doch dafür unwiderlegliche Beweise und Zeugnisse gibt, weichst du nicht schlicht und bescheiden vor diesen Stufen und Rängen (maqam)zurück, sondern fliehst sie heftig, ja geradezu wütend und brichst dabei deinen Brüdern, die dir diesen Rang (maqam)andienen möchten, das Herz.
Antwort:
So wie ein opferbereiter Mensch (ehl-i hamiyet)sein eigenes Leben (hayat)für das seiner Freunde hingibt, so muss auch ich, um das Ewige Leben der Gläubigen (ehl-i imanin hayat-i ebediye)vor gefährlichen Feinden zu schützen, falls es notwendig werden sollte (und es ist in der Tat notwendig) nicht nur diese eigenen Ränge, derer ich auch gar nicht würdig bin, nein, vielmehr auch die wirklichen Stufen eines ewigen Lebens (haqiqi hayati ebediyenin maqamlari)zum Opfer darbringen, schon um der Unterweisungen in der Liebe (ders-i shefqat)willen, die ich von der Risale-i Nur empfangen habe, aufgeben. Zu allen Zeiten und besonders in dieser unserer Zeit, vor allem aber in einem vom Egoismus (enaniyet)und einer allgemeinen Gottvergessenheit (ghaflah),wie sie an allen Irrwegen (dalalet)wächst, aufgewühlten Jahrhundert, in dem (die Menschen) sich zur Schau stellen (hodfu-rushluk)und in dem Politik und (westliche) Philosophie obsiegen, machen die hohen Ränge (maqam)in der Tat alle anderen Dinge von sich abhängig und gebrauchen sie als Sprungbrett. Ja, für die Ränge im weltlichen Leben (dunyevi maqam)werden auch noch für heilig erachtete Werte (muqaddesat)als Werkzeug gebraucht. Was aber die geistlichen Ränge (maqam)betrifft, so werden sie sogar noch mehr als Werkzeug gebraucht. So bleibt denn eine Beschuldigung (im Raum) stehen, man wolle, um sich im
Rampenlicht der Öffentlichkeit halten zu können oder aber sich für einen derartigen Rang (maqam)als geeignet zu erweisen, einige heilige (qudsi)Dienste und sogar Wahrheiten (haqiqat)als Sprungbrett und Mittel (zum Zweck) gebrauchen, wodurch auch die dabei verbreiteten Wahrheiten (haqiqat)in Zweifel gezogen und nicht mehr Ernst genommen werden. Ist dabei der Nutzen eines derartigen Ranges (maqam)für eine solche Person nur ein einfacher, so ist doch der Verlust an Ansehen in der Öffentlichkeit ein Tausendfacher.
Zusammenfassung:
Es ist aufrichtige Wahrhaftigkeit (haqiqat-i ikhlas),die mir die Dinge verbietet, die mir als ein Mittel zu Ruhm und Ehre, zu weltlichem und geistlichem Rang dienen könnten. Zwar erleidet der Dienst an der Risale-i Nur dadurch einen großen Schaden, aber, da die Quantität im Vergleich zur Qualität keine Bedeutung hat, halte ich es doch als ein aufrichtiger Diener für viel wichtiger, zehn Männer in aufrichtiger Wahrhaftigkeit (haqiqat-i ikhlas)über die Wahrheit des Glaubens (haqaiq-i imaniye)zu unterweisen, die über allem steht, als Tausende Männer in der Kraft (der Geistlichkeit) eines großen Pols (qutbiyet)rechtzuleiten (irshad).
Denn diese zehn Männer, können, wenn sie genau diese Wahrheit (haqiqat)als über allen anderen Dingen stehend erkennen und darin standhaft sind, in ihren Herzen (qalb),die den Samenkernen gleichen, zu einem einzigen Baum werden. Doch diesen tausend Mann gegenüber, wenn sie denn infolge all der Zweifel und der Einflüsterungen dieser Welt (dunya)den Unterricht durch einen Pol (qutub)als etwas betrachten, das aus "dem eigenen Rang (maqam)und den eigenen, persönlichen Eindrücken erwachsen ist" und so besiegt und wieder zerstreut werden, ziehe ich es doch vor, ein Diener zu sein, statt einen besonderen Rang (maqam)einzunehmen. Ich habe mir sogar darüber Sorgen gemacht, dass jenem gewissen Mann, der mich fünf Mal wider Recht und Gesetz an einem Feiertag gemäß dem Plan meiner Feinde belästigt hatte, nun
ein Unglück zustoßen könnte. Denn da dieser Vorfall bereits publik geworden ist, sagte ich, weil mir die einfachen Leute unmittelbar danach wunderbare Fähigkeiten (keramet)zuschreiben und einen entsprechenden Rang (maqam)verleihen könnten: "Oh Herr (Ya Rabbi),führe ihn auf den rechten (islah)Weg und gib ihm seinen gerechten Lohn! Aber lass das bitte nicht auf wunderbare (keramet)Weise geschehen!" in diesem Zusammenhang möchte ich noch Folgendes erklären:
Ich entdeckte dieses Mal in den Briefen der Schüler, die uns vom Gericht wieder zurückgegeben worden waren, noch einen Brief mit vielen Unterschriften. Vielleicht findet er sich unter den gesammelten Briefen (lahiqa)wieder. Er handelte vom Segen, den die Schüler der Risale-i Nur bei ihrem Lebensunterhalt (erfahren haben), während andere eine Ohrfeige (zu ihrer Ermahnung) empfingen. Es besteht hier kein Zweifel daran, dass auch in Kastamonu einige solche Ohrfeigen bekommen haben. Und auch hier haben fünf Leute solche Ohrfeigen empfangen.
Said Nursi
* * *
بِاسْمِهِ سُبْحَانَهُ
{"Im Namen dessen, der gepriesen sei."}
Meine lieben getreuen Brüder! Seit ein paar Monaten sind einige der Ränke, die man gegen mich geschmiedet hatte, sichtbar geworden. Unter Gottes Schutz (hifdh-i ilahi)hat sich dieses Unheil auf ein Zwanzigstel verringert. Ich pflegte nämlich in der freien Zeit (zwischen den Gebeten) in die Moschee zu gehen. Ohne mich zu fragen haben die Schüler im inneren Gang (mahfel)dieser Moschee einen Unterschlupf eingerichtet, damit ich nicht frieren solle. Doch nach vier, fünf Tagen habe ich mich schließlich selbst dazu entschlossen, nicht mehr
dorthin zu gehen. Jener gewisse Offizier veranlasste aber nun, dass mein Unterschlupf (in dieser Moschee) wieder abgerissen wurde, worauf mir offiziell mitgeteilt wurde, dass ich nicht mehr in diese Moschee zu gehen habe! So bliesen sie ein Korn zu einer Kuppel auf und lösten dadurch eine Panik aus. Doch war (diese ganze Angelegenheit völlig) ohne jede Bedeutung. Macht euch also deshalb keine Sorgen. Nach meiner Meinung wollen sie mich mit irgendwelchen vorgeschobenen Gründen provozieren, damit dann in der Folge die Begeisterung der Leute, die ohnehin weit über das hinaus geht, was mir zusteht, umschlagen zu lassen. Sie denken dabei an die Zeit des alten (Said),als ob ich (ihre Schikanen) nicht (länger mehr) ertragen könnte. Ich würde jedoch, vorausgesetzt, dass dadurch die Sicherheit (selamet)und (die weitere) Verbreitung der Risale-i Nur nicht gestört wird, müsste ich auch jeden Tag selbst Tausende Provokationen und Schikanen über mich ergehen lassen, Gott dennoch Dank sagen. Und so wie ich selbst (diesen Dingen) keine Bedeutung beimesse, lassen sich auch meine Schüler hier durch nichts erschüttern. Denn die Dinge, die wir schon seit langem erwartet hatten, sind durch Gottes Gnade (inayet-i Ilahiyye)noch recht glimpflich abgelaufen.
Wir grüßen (selam)alle Brüder, jeden einzelnen von ihnen und beten (dua)für sie.
Said Nursi
* * *
Ein Brief des Meisters (Ustadh), in dem zusammengefasst die Intrigen derer erklärt werden, durch welche die Schüler von der Risale-i Nur abspenstig gemacht werden sollen, und behandelt, wie man diese beantworten sollte.
بِاسْمِهِ سُبْحَانَهُ
{"Im Namen dessen, der gepriesen sei."}
Meine lieben getreuen Brüder!
Ich habe eine machtvolle (quvvet)innere Ermahnung erhalten, euch nochmals eine ganz besonders wichtige Angelegenheit darzulegen (ich habe euch diese Angelegenheit schon früher einmal kurz zusammengefasst erklärt). Es ist dies wie folgt:
Heuchler, die uns feindselig gesinnt sind, haben es bisher immer hinter einem Deckmantel so gemacht, dass sie das Recht, die Politik und die Regierung als Mittel für ihre ganz offensichtliche Gottlosigkeit missbraucht haben. Doch sind sie mit ihren Angriffen gegen uns gescheitert. So haben sie denn von ihren früheren Plänen abgelassen, was denn zu einem Sieg (futuhat)der Risale-i Nur beigetragen hat. Doch schmieden sie nun schon wieder neue, noch verlogenere (munafik)Pläne, die selbst noch den Teufel in Erstaunen versetzen, deren Spuren bereits hier bei uns zu erkennen sind. Der wichtigste Grundsatz dieser Pläne besteht darin, unsere aufrichtigen und standhaften Brüder dazu zu bringen, in ihrem Eifer für die Risale-i Nur lau und (abständig) zu werden, und (ihren Dienst an ihr) so weit wie möglich aufzugeben. In dieser Hinsicht gebrauchen sie derart merkwürdige Lügen und Intrigen, dass unsere tapferen Schüler wie die in Isparta und Umgebung in ihrer Fabrik für Licht (Nur)und Rosen eine eiserne, ja eine stahlharte Ausdauer, Treue und Festigkeit (metanet)benötigen, um noch dagegen standhalten zu können.
Manche schleichen sich auch in der Gestalt von "Freunden" ein und versuchen dann, ein Korn zu einer Kuppel aufzublähen, um Verdacht zu erregen und sie so weit wie möglich einzuschüchtern. "Gebt acht und hütet euch wohl! Kommt diesem Said nicht zu nahe! Die Regierungsbehörden beobachten ihn bereits!" (Auf diese Weise) versuchen sie die Schwächeren (unter uns) abspenstig zu machen. Ja, einige jüngere Schüler hat man sogar durch ein paar junge Mädchen belästigt, die sie mit ihren Reizen ködern sollten. Selbst den Stützen der Risale-i Nur führt man alle meine Fehler und Schwächen vor Augen, führt ihnen dabei zugleich einige bedeutende Persönlichkeiten unter den nach außen hin frommen Ketzern (ehli-l bid'a)vor Augen, die von sich aus sagen: "Auch wir sind Muslime. Der Glaube (din)beschränkt sich nicht allein auf diesen Said und seine (angebliche) Berufung." Sie machen unter einem Deckmantel Front gegen uns und gebrauchen diese gutgläubigen Religionsdiener (ehl-i diyanet)und Hodjas als Werkzeug für ihre gottlosen und anarchistischen Interessen. Möge Gott es wollen (insha-a'llah),dass auch diese Pläne zum Scheitern verurteilt bleiben! Dabei sagen diese Schufte auch noch:
"Auch wir sind Schüler der Risale-i Nur. Auch Said ist ein Schüler wie wir. Quelle, Ursprung und Grundlage der Risale-i Nur ist der Qur'an. Zwanzig Jahre Forschung und (kritische) Beobachtung haben selbst noch dem hartnäckigsten Gegner ihren Wert und ihre Überlegenheit bewiesen. Dieser Said, was immer er auch sein (hal)mag, ist nichts anderes als ihr Interpret und ihr Diener. Und sollte auch dieser Said - ich nehme meine Zuflucht zu Gott (El'iyazubillah)!- sich selbst gegen die Risale-i Nur wenden, so möge doch Gott es wollen (insha-a'llah),dass unsere Treue und unsere Verbundenheit dadurch nie erschüttert wird." So sagen sie und damit könnt ihr nun die Türe schließen! Doch (bleibt es weiterhin) notwendig, so weit möglich, sich mit der Risale-i Nur zu beschäftigen; wer kann, möge sie abschreiben; dieser übertriebenen
Propaganda sollt ihr gar keine Beachtung schenken; doch stets wie auch früher schon dabei stets umsichtig bleiben!
Alle unsere Brüder grüßen (selam)wir, jeden einzelnen von ihnen, und beten (dua)für sie.
Said Nursi
* * *
Diejenigen, welche die Politik als ein Mittel für ihre Glaubenslosigkeit gebrauchen, um so jegliche Zuwendung, allen Eifer und auch die Brüderlichkeit (uhuvvet)seitens der Islamischen Welt (Alem-i Islam)zu brechen und stattdessen deren Abscheu zu erregen, obwohl sie doch in unserem Lande die stärkste Kraft (quvvet)unseres Volkes ist, möchten unter einem Deckmantel einen absoluten Unglauben (kufr-u mutlaq)in ihm einpflanzen, dabei auch noch die Regierung täuschen. Bereits zwei Mal haben sie die Justiz in die Irre geführt und dabei gesagt: "Die Schüler der Risale-i Nur machen aus ihrer Religion (din)ein Werkzeug für ihre Politik und es besteht die Möglichkeit, dass sie so die öffentliche Sicherheit und Ordnung gefährden." Denn dreiunddreißig Ayat im Qur'an weisen darauf hin, Imam Ali, mit dem Gott zufrieden sein möge, bestätigt (tahaqquq)mit drei wunderbaren (Hinweisen) aus dem Verborgenen (keramet-i ghaybiye)und Ghaus-i Adham gibt uns definitiv Bericht, dass die Risale-i Nur für dieses Land (memleket)im materiellen wie im geistlichen (Sinn) ein Segen (bereket)ist, ihm in ganz außerordentlicher Weise von Nutzen ist und für die gesamte Islamische Welt (Alem-i Islam)alle Wahrheiten (haqaiq),die sie betreffen, in sich enthält. Mit der Politik hat sie jedoch nichts zu tun. Da sie jedoch den totalen Unglauben (kufr-u mutlaq)zerbricht, vernichtet sie zugleich auch jene Anarchie, die sich unter diesem totalen Unglauben (kufr-u mutlaq)und die ebenso totale Despotie, die sich über ihm befindet und widerlegt ihn von Grund auf. Das garantiert für Frieden, Freiheit,
Sicherheit und Gerechtigkeit. Deshalb auch sollte man die Risale-i Nur nicht angreifen, unter dem Vorwand, sie könne eine Gefahr für Staat und Regierung bilden. Nun kann niemand mehr unter diesem Vorwand einen anderen dazu bewegen, so etwas zu glauben. Aber vielleicht werden ja nun die Heuchler (munafiq),nachdem sie erst einmal den Standort gewechselt haben, versuchen, unter dem Deckmantel ihres Glaubens (din)ein paar einfältige Hodjas, Anhänger irgendeiner Ketzerei (bid'a)oder irgendwelche engstirnige Verfechter eines Sufi-Gedankens (meshreb)mit der ihnen eigenen Schlauheit, wie vor zwei Jahren in Istanbul und in der Umgebung von Denizli gegen die Risale-i Nur einzusetzen. Möge Gott es wollen (insha-a'llah),dass sie damit keinen Erfolg haben!
* * *
Ich denke, dass jetzt die Zeit gekommen ist, oder aber es jetzt Zeit wird, dass die Risale-i Nur, hinsichtlich ihrer Aufgabe als geistliche (manevi)Retterin dieses gesegneten Landes im Druck zu erscheinen beginnt, sodass man nun unterrichten (ders)kann, um so das Übel dieser beiden fürchterlichen inneren (manevi)Haltungen abzuwehren.
Bei diesen fürchterlichen Übeln geht eszum Ersten
darum, dass man in der Risale-i Nur eine Art Wall sieht, vom Qur'an gebildet, in etwa Dhu-l'Karneyns Wall vergleichbar, der die Aufgabe (vazifah)hat, die aus dem Norden aufsteigende abscheuliche Flut einer Glaubenslosigkeit (aufzuhalten), welche das Land (vatan)innerlich (manevi)überschwemmt und jene Anarchie hervorruft, die den christlichen Glauben (din)besiegt.
Zum Zweiten
stieg in meinem Herzen (qalb)der Gedanke auf, dass es jetzt notwendig geworden ist, in gedruckter Sprache zu reden, um alle diese so schwerwiegenden Kritiken und Anschuldigungen der Islamischen Welt (Alem-i Islam)
gegen die Bewohner dieses gesegneten (mubarek)Landes (vatan)ausräumen zu können.
{(*): Diese Voraussage (haqiqat) hat sich zehn Jahre nachdem dieser Brief geschrieben wurde und die Risale-i Nur in Ankara gedruckt werden konnte, als wahr (tahaqquq) erwiesen.}
Ich kenne zwar nicht die Lage (hal)in dieser Welt (dunya),doch so wie die Wahrheiten (haqiqat)der Risale-i Nur gleich einer Burg sind, die sich dem Einbruch dieser fürchterlichen Strömung (entgegen stellt), die bereits ganz Europa überschwemmt hat und dort herrscht und sich keineswegs auf eine der vom Himmel geoffenbarten Heiligen Schriften (Edyan-i Semaviye)stützt, ist (die Risale-i Nur) zugleich auch ein Wunder des Qur'an, der in dieser gegenwärtigen Lage (hal)das Fahrzeug ist, um die Einwände und Anschuldigungen aus der Islamischen Welt (Alem-i Islam)und dem ganzen asiatischen Kontinent zu entkräften und ihre Freundschaft (muhabbet)und Brüderlichkeit (uhuvvet)von Altersher nun wiederherzustellen. Jetzt müssten aber noch alle vaterlandsliebenden Politiker in diesem Land (vatan)und dieses Volkes ganz schnell die Risale-i Nur offiziell drucken lassen, um sich so vor diesen beiden Übeln {Der Kommunismus (als Idee, Partei oder Staatsform) und die Kritik aus der Islamischen Welt am türkischen Volk. (A.d.Ü.)} schützen zu können.
{(*): Erst die neue Regierung konnte diese große, weltumspannende (dunya) Ehre und diesen gewaltigen Dienst am Islam für sich verbuchen. Dabei zeigte sie großes Verständnis, indem sie 1956 den Druck der Risale-i Nur gestattete, womit sie alle Sympathien des Islamischen Volkes für sich gewann und zugleich ihre Macht erfolgreich noch um ein Vielfaches steigern konnte.}
Said Nursi
* * *
Meiner inneren Eingebung folgend fühlte ich mich plötzlich gezwungen zur Feder zu greifen
بِاسْمِهِ سُبْحَانَهُ
{"Im Namen dessen der gepriesen sei."}
Meine lieben Mitbrüder!
Nun hat es sich also doch noch bestätigt (tahaqquq):man hatte heimlich Pläne geschmiedet, mich ganz offiziell zu provozieren und zu beleidigen, um (letztendlich) das allgemeine Interesse und Wohlwollen der Leute mir gegenüber zunichte zu machen. Sie haben sich - unter einem Deckmantel - darum bemüht, jedwede Freundschaft zu unterkühlen und in Abneigung (zu verwandeln). Dem entgegen hat aber das "Siegel der Bestätigungen aus dem Verborgenen (Sikke-i Tasdik-i Ghaybi)"all ihre Propaganda vollständig über den Haufen geworfen. Derartige Beleidigungen im Interesse der Glaubenslosigkeit beunruhigen mich zwar in gewissem Grade und gehen mir auf einige Nerven, die noch von dem Alten Said übrig geblieben sind. Die wunderbaren Siege (futuhat)der Risale-i Nur und ihre Schüler werden jedoch in den Augen der Kenner der Wahrheit (ehl-i haqiqat)und von Seiten der Engel und der Geister (ruhani)mit Ehrerbietung und in aller Güte (merhamet)entgegen genommen, wo hingegen für alle Schikanen und Beleidigungen, die man meiner Person entgegen bringt, noch nicht einmal die Bedeutung eines Fliegenflügels übrig bleibt. Da aber nun eine Verletzung der Ehre der Gläubigen (ehl-i din)und der Theologen (ehl-i ulum-u diniye)durch diese unglückseligen Provokatöre (ehl-i ihanet)vom religiösen (din)Standpunkt aus ein Verrat (ihanet)am Glauben (din)ist, sind sie in den Augen der Engel und Geister (ruhani),aller Leute des Glaubens und Kenner der Wahrheit (ehl-i iman ve ehl-i haqiqat)verflucht
und können sich dafür nur noch von einem unter Tausend ehrlosen Schuften und Gottlosen ein Lob verdienen. Diese Unglückseligen denken, sie könnten das Ansehen der Risale-i Nur dadurch schmälern, dass sie mich beleidigen, weil sie meine Person für deren Quelle halten und greifen daher meine Person an, weil sie törichter Weise denken, sie könnten das Ansehen der Risale-i Nur zu Fall bringen, indem sie mich zu verderben (trachten).
Dem entgegen sage ich: Oh ihr Unglückseligen, die ihr mich um eurer Glaubenslosigkeit willen quält und beleidigt! Ich kann euch mit absoluter Gewissheit versichern: wenn ihr nicht bald bereut, wird es für euch keinen Ausweg mehr geben, der zu eurer Errettung führt. Dich wird der Henker des Todes an den Galgen bringen und dein Todesurteil wird für die Ewigkeit sein. Danach wird deine böswillige Seele zu einer ewigen Einzelhaft verurteilt bleiben und du wirst nur noch den Abscheu der Gläubigen (ehl-i iman)und der Geister (ruhani)und ihren Fluch gewinnen können! Solltest du aber nicht bereuen, so weiß ich doch, dass dich meine Rache in vielfältiger Form ereilen wird; nicht etwa, weil ich wütend bin, ich habe vielmehr Mitleid mit dir.
Es können jedoch solche wie du, die noch nicht einmal die Bedeutung einer Fliege haben, aber die Risale-i Nur (am liebsten) verstecken möchten, deren Einfluss auch nicht um ein Stäubchen vermindern. Da bereits hundert Tausende durch sie ihren Glauben (iman)gerettet haben, erweisen sie ihr mit Herz und Verstand (ruh-u djanla)jegliche Achtung und alle Verehrung. Was jedoch das Leiden meiner eignen Person betrifft, so kann ich euch mit absoluter Gewissheit versichern: sollte ich auch in meinem Leiden für ein, zwei Minuten in Wut geraten, so finde ich doch sehr schnell wieder etwas, das mich tröstet. Und sollten sich auch eure Schikanen und eure Beleidigungen noch um das Tausendfache steigern, so können sie mir dennoch diesen Trost nicht rauben. Denn die Risale-i Nur hat uns mit absoluter Sicherheit zu der Entdeckung (keshf-i kat'i)geführt, dass diejenigen die uns aufgrund ihrer Glaubenslosigkeit
angreifen, als eine immerwährende Strafe in Einzelhaft (im Grabe) und ihre Hinrichtung für ewig, die (gleichen) Schikanen (an sich) erfahren werden. Die Schüler aber, die durch die Risale-i Nur ihren Glauben (iman)gerettet haben, werden im Tode ihren Entlassungsschein und ihren Eintrittsschein zur Ewigen Seligkeit in Empfang nehmen und für ewig Ehren, Gottes Barmherzigkeit (merhamet)und Seine (unendliche) Freigiebigkeit (ikram)erfahren. Das haben wir den (westlichen) Philosophen mit Tausenden von Beweisen klar gemacht und sie so zum Verstummen gebracht.
Desgleichen ist auch der Neue Sa'id gleich wie der Alte Sa'id mit Bestimmtheit gegen alle Auszeichnungen und Bekundungen von Zuneigung, die er erlangen könnte, den Ruhm und die Ehre, die er für sich gewinnen könnte und er nimmt (dergleichen) auch nicht an. Zwanzig Jahre lang hat er deswegen ein Einsiedlerleben vorgezogen.
Wollt ihr nun im Namen von Sicherheit und Ordnung einen derartigen Einfluss hintertreiben und euch darum bemühen, ihn in den Augen der Allgemeinheit zu verderben, so begeht ihr einen sehr großen Fehler... Denn in zwei Jahren haben drei Gerichte in den einhundertundzwanzig Werken eines zwanzigjährigen Lebens und bei hundertundzwanzig Tausend Schülern der Risale-i Nur nichts finden können, was Anlass zu einem Aufstand hätte geben können und Grund genug gewesen wäre, sie dafür zur Verantwortung zu ziehen und was gegen Volk und Land (hätte verwendet werden können). Darauf weisen unser Freispruch und die Rückgabe sämtlicher Bände der Risale-i Nur hin. Darum kann ich euch hier mit absoluter Sicherheit erklären: Ihr, die ihr uns aufgrund eurer Glaubenslosigkeit unter Druck setzen wollt, die ihr gegen alle Sicherheit und Ordnung des Volkes und im Lande (vatan)und für die Anarchie seid und mich wegen dieses fürchterlichen Fremden in die Enge treiben, Unruhe verbreiten wollt und eine Überflutung (mit seinen gottlosen Ideen) wünscht... Darum auch sind mir alle diese Schikanen und Beleidigungen keine fünf Para wert. Ich habe mich nun einmal dazu
entschlossen, zum Zweck der Aufrechterhaltung der öffentlichen Ruhe und Ordnung auch weiterhin ruhig und geduldig zu bleiben. So wie die Welt (dunya)mit Sicherheit nicht ewig besteht, so ist auch das, was sich in ihr ereignet von Stürmen und einem ewigen Wechsel bestimmt. Einige Verbrechen, die nur wenige Stunden in Anspruch nehmen, ziehen Tausende Zaqqum(: Höllenbäume) nach sich, die voll hängen mit Strafen in dieser und in jener Welt (dunyevi ve uhrevi).Dann werdet ihr hundert Tausend Mal vergeblich darüber seufzen und wehklagen. Wie ich bereits den staatlichen Behörden und den Staatsanwälten, die sich (mit unserem Fall) beschäftigen, geschrieben habe, so sage ich auch euch, oh ihr Unglückseligen:
Wir bemühen uns darum, durch die Risale-i Nur die beiden größten Gefahren für dieses Land (memleket)
und seine Zukunft (istiqbal)zu beseitigen... Und tatsächlich beweisen wir dies mit vielen Beispielen und teilweise sogar noch vor Gericht.
Dennals Erstes
müssen wir in diesem Lande (memleket)gegen die Gefahr einer Anarchie, die mit aller Macht von außen in es einzudringen versucht, einen Wall errichten.
Als Zweites
muss man den größten Stützpfeiler dieses Landes (memleket)absichern (temin),indem man den Abscheu von dreihundertundfünfzig Millionen Muslime (gegenüber den Türken) in Brüderlichkeit umwandelt.
Dem Polizeipräsidenten in Afyon sage ich: Herr Präsident! Warum bleiben Sie dermaßen gleichgültig, obwohl sich doch in dieser Welt (dunya)so viele ungesetzliche, noch dazu völlig sinn- und zwecklose Angriffe wie nie zuvor gegen mich richten? Dafür ein Beispiel: Obwohl ich doch, nur um am Gemeinschaftsgebet teilnehmen zu können, in eine ansonsten leer stehende Moschee gegangen bin, in der ich dann außer ein, zwei Männern niemandem erlaubt habe, zu mir zu kommen, hat man mir ganz offiziell gesagt: "Sie dürfen diese Moschee unter gar keinen Umständen betreten!" Auf welches Gesetz (kanun)stützt sich in meiner Einsamkeit, meiner Krankheit, in meinem
Alter und in all meinem Kummer eine derartige Schikane? Und zu welchem Zweck sollte das dienen? Irgendjemand hatte, ohne dass ich etwas davon wusste, irgendwo in diesem Moschee-Gebäude mit ein paar Brettern und einer Matte einen Unterschlupf für zwei Leute gebastelt, damit ich nicht frieren solle. Doch nach welchem Gesetz hat man denn nun für mich selbst daraus eine derart bedeutende Angelegenheit gemacht und alle Leute deswegen dermaßen in Panik versetzt? Und wozu sollte das gut sein, das frage ich mich.
Ich habe denen, die mich auf diese Weise schikanieren, gar keinen Vorwand dafür geliefert. Nur die allgemeine Zuneigung, die mir die Leute entgegenbringen, benutzen sie als solch einen Vorwand und fragen sie: "Warum erweist ihr diesem Verbannten eine solche Ehre?" Ich aber sage ihnen:
Alle meine Freunde wissen, dass ich für meine Person keine Verehrung und keine öffentliche Zuwendung wünsche, sie vielmehr zurückweise. Doch obwohl ich alle noch so freundlichen Gedanken nicht akzeptiere, mit denen mich andere bedenken (frage ich mich dennoch): welches Gesetz macht mich dafür verantwortlich? Wenn andere mir entgegen meinem Wissen und Wollen all ihre guten Gedanken entgegenbringen, warum schikaniert man mich dann? Einmal den unmöglichen Fall angenommen, dass diese allgemeine Zuwendung eine öffentlich anerkannte Tatsache wäre, so wäre dies trotzdem allein zum Wohle des Landes (vatan)und nicht etwa zu seinem Nachteil. Und würde auch ich ein Stückchen davon annehmen, worin läge denn dann das Übel, wenn ich in meinem Alter, meiner Krankheit, hier in der Verlassenheit und Kälte meiner Kammer, in dieser schrecklichen Einsamkeit meiner Zelle, um nun die doch einmal notwendige Hilfe zu erhalten, die Freundschaft von ein, zwei Menschen akzeptieren würde? Was für ein Gesetz sollte das verbieten. Was für ein Gesetz gibt es denn, das es nicht erlaubte, dass außer einigen Kindern irgendjemand Verbindung mit mir aufnimmt?
Da aber diese kindlichen Arbeiter mir nicht zu jeder Zeit zur Verfügung stehen, kann ich selbst mich nicht um meine Angelegenheiten kümmern. Es wäre demnach auch die Pflicht der Polizei, der Regierung und aller staatlichen Organe, in dieser abscheulichen Lage derart notwendige Dinge im Auge zu behalten. Ich teile Ihnen dies mit, um Sie darauf aufmerksam zu machen, dass (diese Angelegenheit) ein ernsthaftes Interesse (verdient)!
Völlig abgeschieden in Emirdagh eingeschlossen
Said Nursi
* * *
بِاسْمِهِ سُبْحَانَهُ
{"Im Namen dessen der gepriesen sei."}
Meine lieben getreuen, glücklichen Brüder! Entstanden im roten Russland speit ein rotes Feuer rote Funken, das nun in dieser Stadt, die unsere Welt (dunya)ist, einen Bezirk nach dem anderen umfängt, ihn ganz und gar verbrennt, dabei an einigen Orten Feuer der Unruhe und der Spaltung (in der Bevölkerung) verbreitet und zugleich dem Bruder zuruft: "Töte deinen Bruder!" und am Ende die christliche Welt (Alem-i Hiristiyaniye)völlig verbrennt und danach seine Ernte worfelt (und so die Spreu vom Weizen trennt), sodann nun auch jenen Bezirk umgibt, der die islamische Welt (alem)ist, sodass nun sein Funkenregen bis zu den Dachrinnen unserer Häuser empor stiebt, was ein großes und überaus fürchterliches Übel ist, gegen welche gewaltige Feuersbrunst, diesen Komunismus aber, die Risale-i Nur die Aufgabe (vazifah)einer Feuerwehr übernommen hat, welche für alle Muslime und die ganze Menschheit die größte, ja die einzige Burg und ihr größter Zufluchtsort ist.
Oh ihr, die ihr vom rechten Weg, den euch der "Stolz der Welt (Fahr-i Alemin)"gezeigt hat, abgeirrt seid! Die ihr euch in eurem Stolz auf die vergänglichen Güter dieser Welt (dunya)verliert! Oh ihr, die ihr vor dem Licht des Qur'an flieht, aus Furcht, es könne "unserer Welt (dunya)einen Schaden zufügen"! In einer Zeit, in der das Feuer des absoluten Unglaubens (kufr-u mutlaq)uns umfängt, könnt ihr euch einzig und allein noch retten, indem ihr unter den lichtvollen Schutzdächern der Risale-i Nur, welche die festeste und stärkste Burg ist, unzerstörbar und unerschütterlich, eure Zuflucht sucht und in ihren heiligen (qudsiye)Kreis eintretet... Dann werdet ihr den Tod, von dem ihr glaubt, er sei eine Hinrichtung für ewig, in ein bleibendes Leben (hayat-i baqiye)umwandeln. So werdet denn auch ihr, indem ihr die gesegnete Interpretation des Lichtes (Nur),seine gesegnete geistige Körperschaft (mubarek shahs-i manevi)und die Beispiele für seine Gebete (dua)
أَجِرْنَا وَأَجِرْ وَالِدَيْنَا وَأَجِرْ طَلَبَةَ رَسَآئِلِ النُّورِ وَوَالِدَيْهِمْ مِنَ النَّارِ
{"Bewahre uns und bewahre unsere Eltern und bewahre auch die Schüler der Risale-i Nur und deren Eltern vor dem Feuer!"}
annehmt und durch sie geheilt werdet und stets die Risale-i Nur weiter lest, gleich mir, der ich mich vor diesen fürchterlichen geistigen Krankheiten gerettet habe, in diesen gesegneten heiligen (qudsiye)Kreis eintreten, euch vor jeglichem Kummer in dieser und dem Feuer in jener (dunyevi ve ukhrevi)Welt retten und ihr werdet auch eure Kinder und eure ganze Familie, für die ihr ja eine Art Hirten seid, und ihr werdet so auch all eure Lieben retten können. Und indem ihr an dem "Licht (Nur)"mitarbeitet, werdet ihr alle, jeder einzelne von euch, an Leib, Leben und Seele Heil (felah),Segen und Glückseligkeit erfahren! Für diese Wahrheit sind Millionen von Nur-Schülern, die (dieses Glück an sich erfahren haben), zu Zeugen (shahit)geworden.
Oh ihr Schüler des Lichtes (Nurdjular)!Für diese ewige Huld, die Gott euch geschenkt (ihsan)hat, sollt ihr euer
Haupt in (der knieenden Haltung eurer stets) dankbaren Verbeugung vor Gott (sedjde-i shukran)nicht mehr erheben! Lasst euch auch durch die nächtliche Kälte (nicht von eurer Arbeit) abhalten! Erhebt euch auch in den gesegneten Stunden der Nacht und erweist unserem allbarmherzigen Herrn (Rabb-i Rahim),von dessen Huld und Beistand ihr niemals und nirgends ausgeschlossen seid, eure Dankespflicht (vazife-i shukr).Und zittert auch nicht und fürchtet euch nicht vor erschütternden Ereignissen, wie sie vor Sorge um die Zukunft vor den Geist treten und worauf schon so manche hereingefallen sind. Seid Zeugen (mushahede)der Wunder dieses heiligen Lichtes (qudsi keramat)und seiner Hilfe! Die Welt (dunya)ist vergänglich. Und könnte man auch Tausend Jahre leben, so ist das doch im Vergleich zu einem ewigen (baqi)Leben im Jenseits (hayat-i ukhreviye)nur ein Nichts-über-Nichts. Doch obwohl sie nur vergänglich (fani)ist, so ist sie doch auch ein Acker, der ewig bleibende (baqi)Früchte eines ewigen Lebens (baqi hayat)hervorbringt. Lasst euch durch heftige Stürme und stürmisches Wetter nicht erschüttern und in Angst versetzen! Bestellt also diesen Acker mit einer Fülle segenreicher, lichtvoller und errtragreicher Lichtsamen! Denn: "wer bestellt, der erntet" heißt eines unsrer bedenkenswerten Sprichwörter.
Oh ihr Schüler des Lichts (Nurdjular)!Lasst euch durch die Angriffe der Feinde des Glaubens in gar keiner Weise erschüttern! Verliert niemals euren Mut, sondern arbeitet, arbeitet, arbeitet! Seid völlig davon überzeugt, dass die Fürsprache des Lichtes (Nur),das Gebet des Lichtes (nurun duasi)und der Segen des Lichtes (nurun himmeti)euch retten wird!
Euer Bruder
Mustafa Osman
* * *
بِاسْمِهِ سُبْحَانَهُ
{"Im Namen dessen der gepriesen sei!"}
Meine lieben getreuen Brüder!
Die Aussage: "Wir hatten doch immer gedacht, dass es in dieser Provinz (vilayet)hinsichtlich des Glaubens (din)zu Unruhen (unter der Bevölkerung) kommen würde.", die der Herr Staatspräsident neulich in Afyon gemacht haben soll, ist ein Beweis dafür, welch weiten Umfang der Plan gehabt hat, den man im vergangenen Winter gegen mich in böser Absicht geschmiedet hatte und der dann durch Gottes Güte (inayet-i Ilahiyye)und mit Hilfe eurer Gebete (dua)und meine eigene Geduld und Ausdauer schließlich doch noch gescheitert ist.
Das aber heißt (nichts anderes), als dass ein Geheimkomitee mich in die Enge treiben wollte, um (auf diese Weise durch mich irgendeinen) Vorfall (hadithe)provozieren zu können. Doch alle Qual dieser Provokationen und einer Unterdrückung, die mir in ihrer ganz und gar ungesetzlichen und willkürlichen Art heftig auf die Nerven gehen und sich im Sinne der Einmischung eines gewissen Ausländers (Stalin?) mitten unter den Muslimen und (allen meinen) Landsleuten (ereignen, ist in Wirklichkeit doch nur für sie selbst und zwar noch) in dieser Welt (dunya)ein vollständiger Verlust, in jener Welt (akhirah)aber ein Höllenpfuhl (djehennem)und ein Land für die Verlierer (sakar).Wir aber werden noch in dieser Welt (dunya)den Sieg erhalten, einen vollkommenen Lohn erwerben und - möge Gott es wollen (insha-a'llah),dass wir auch in jener Welt (akhirah)das Paradies (djennet)und das Wasser aus dem Kauthar-Strom verdienen werden. Das aber heißt, dass der Präsident und der Ministerrat diesen geheimen Plan wohl geahnt haben müssen, sodass nun hier alle Beamten, ja sogar der Gouverneur (vali),der Landrat (kaymaqam)und die Polizei jede Begenung mit mir vermeiden und einem Gespräch mit mir aus dem Wege gehen. Das hat mich doch
sehr erstaunt! Dass wir jedoch in unseren Händen nur ein Licht (Nur)halten und sich da keine Keule findet, das haben sogar diejenigen verstanden, die auch nur ein Fünkchen Verstand besitzen. Merkwürdig ist nur, dass diejenigen Beamten, die sich doch eigentlich am meisten um mich kümmern sollten, gegen mich gebraucht und eingesetzt werden.
Ihr Nur-Schüler, ihr müsst sehr umsichtig, aufmerksam und besonnen sein! Denn es gibt geistige Unwetter und einige hinterlistige Heuchler können sich überall einschleichen. Und obwohl sie sich in ihrer Glaubenslosigkeit für die absolute Despotie einsetzen, treten sie in die demokratische Partei ein, um sie zu verderben, ihre Geheimnisse zu erfahren und zu vernichten.
Übringens möchten wir zu der Absicht von Salahaddin, den "Stab Mosis (Asa-yi Musa)"einem Amerikaner zu geben, sagen: "Alle Missionare, die Priester der Christen und die Nurdjus müssen äußerst vorsichtig sein. Denn in jedem Fall wird sich die nördliche Strömung (die Bolschewisten?) darum bemühen, jeden Einigungsversuch zwischen den Missionaren und dem Islam zu unterbinden, in dem Gedanken, sich vor einem Angriff der islamischen und der christlichen Religion (din)schützen zu müssen. Sie wird sich gegenüber den einfachen Volksschichten tolerant verhalten und die Muslime dadurch hinters Licht führen, dass sie die Bourgeoisie von ihrer Willkürherrschaft zurückhält und sie dazu auffordert, den einfachen Leuten dadurch zu helfen, dass sie ihrer Pflicht (nachkommen), die Armensteuer (vudjub-u zekat)entrichten und sich an das Verbot (halten), Zinsen (hurmet-i riba)zu nehmen. (Auf diese Weise erhalten die Bolschewisten von den Muslimen ihre) Privilegien und wissen (sodann selbst, die Muslime) auf ihre Seite zu ziehen." Doch wie dem auch sei: da habe ich doch nun um euretwillen meine Grundsätze gebrochen und einmal einen Blick auf diese Welt (dunya)geworfen.
Said Nursi
Während in diesen drangvollen Zeiten meine Seele (nefs) mich quälte, haben die folgenden Gedanken sie in Dankbarkeit verstummen lassen. Diesen Text, den ich hiermit für euch beifüge, damit er auch euch von Nutzen sein möge, habe ich über meinem Kopfende aufgehängt.
1 - Oh meine Seele (nefs)!
Bereits dreiundsiebzig Jahre lang hast du mehr als neunzig Anteile der Genüsse von hundert Menschen bereits bekommen. Einen Anspruch auf mehr hast du nicht.
2 - Du suchst in den augenblicklichen, vergänglichen (ani ve fani)
Genüssen nach Beständigkeit (beqa).Darum fängst du nun über ihrem Vergehen an zu weinen. Zu deinen blinden Gefühlen hinzu bekommst du nun noch eine Ohrfeige für deine Verfehlungen. Für eine Minute des Lächelns weinst du jetzt zehn Stunden lang.
3 - Auf dem Grunde all der Ungerechtigkeiten und Unglücksfälle, die über dich gekommen sind, liegt die Gerechtigkeit göttlicher Vorausschau (qaderin adaleti).
Menschen behandeln dich ungerecht für Dinge, die du nie getan hast. Doch Gottes Vorausschau (qader)erzieht dich aufgrund deiner verborgenen Fehler durch die Hand dieser Unglücksfälle und macht zugleich aus ihnen auch eine Buße für deine Fehler.
4 - Zudem bist du, meine ungeduldige Seele (nefs),
nun zu der festen Überzeugung gelangt, dass hinter allen augenscheinlichen Unglücksfällen letztendlich viele süße Früchte der göttlichen Gnade (inayet-i Ilahiyye)verborgen lagen.
عَسٰى اَنْ تَكْرَهُوا شَيْئًا وَهُوَ خَيْرٌ لَكُمْ
{"Es könnte doch sein, dass du ein Ding verabscheust und es ist dennoch gut für dich!" unterrichtet in einer absolut sicheren Wahrheit (haqiqat)}.
Erinnere dich stets an diese Lektion! Zudem kann das Gesetz Gottes (kanun-u Ilahi),um welches das Universum kreist, - dieses so weitläufige Gesetz göttlicher Vorausschau (kanun-u qaderi)- nicht auf deinen Wunsch hin geändert werden!
5 - Mache dir diesen heiligen (qudsi)
Grundsatz: مَنْ اٰمَنَ بِالْقَدَرِ اَمِنَ مِنَ الْكَدَرِ {"Wer von Gottes Vorausschau überzeugt ist, fühlt sich sicher von allen Sorgen."} zu deinem Wegweiser! Lauf nicht wie unverständige, spielende Kinder hinter vorübergehenden, bedeutungslosen Lustbarkeiten her! Denke immer, dass dir von diesen vergänglichen (fani)Genüssen nur innerliche (manevi)Qualen und ein Bedauern zurückbleiben! Was aber all die Qualen und Schmerzen betrifft, so schenken sie dir im Gegenteil innerliche (manevi)Freuden und einen Lohn im Jenseits (ukhrevi sevab).Wenn du nicht töricht sein willst, so solltest du nach allen vorübergehenden Freuden nur streben um deiner Dankbarkeit willen. Denn diese Freuden werden dir nur um deiner Dankbarkeit willen gegeben.
Said Nursi
* * *
بِاسْمِهِ سُبْحَانَهُ
{"Im Namen dessen der gepriesen sei!"}
Mein lieber, sehr geehrter Bruder!
Erstens:
Ihr hochgeschätzter Brief war so lang, umfangreich und ausführlich wie eine ganze Abhandlung. Ich fand ihn überaus fesselnd und habe ihn mit großem Interesse gelesen! Um sogleich damit zu beginnen, möchte ich Ihnen folgendes erklären:
Der Meister, der in seiner Kasside "Djeldjelutiye" mit verschlüsselten Hinweisen der Risale-i Nur eine sehr große
Aufmerksamkeit zuwendet, und der zugleich mein eigener Lehrer in Glaubenswahrheiten ist, ist Imam Ali, mit dem Gott zufrieden sein möge.
قُلْ لاَ اَسْئَلُكُمْ عَلَيْهِ اَجْرًا إِلاَّ الْمَوَدَّةَ فِى الْقُرْبٰى
{"Sag: Ich verlange von euch keinen Lohn außer eurer Freundschaft zu meinen Verwandten." (Sure 42, 23)}
Der Aussage dieser Ayah entsprechend ist die Liebe (muhabbet)zur Familie des Propheten (Al-i Beyt)ein Grundsatz der Risale-i Nur und für den Weg, dem wir folgen (meslek).Und der Leitgedanke (damar)der Wahhabiten darf unter den wahrhaftigen Schülern der Risale-i Nur unter gar keinen Umständen Anklang finden.
Da aber die Leute des Irrwegs (ehl-i dalalet)in dieser Zeit der Glaubenslosigkeit aus jedem Streit nur noch ihren Nutzen ziehen und dabei die Gläubigen (ehl-i iman)in Verwirrung bringen, auch alles abschaffen wollen, was für einen islamischen Gläubigen kennzeichnend ist (sheairi),es zudem auch noch derart starke Srömungen gegen den Qur'an und den Glauben (iman)gibt, ist es mit Sicherheit notwendig, diesen fürchterlichen Feinden nicht wegen einiger winziger Kleinigkeiten, die ein Anlass zu irgendwelchen Auseinandersetzungen sein könnten, das Tor des Streites zu öffnen.
Auch ist es vollkommen nutzlos, Menschen zu tadeln, die bereits gestorben sind. Sie sind im Jenseits (dar-i akhiret)bereits an den Ort ihrer Strafe (mahall-i djezaya)gegangen. Es ist sinnlos, ja sogar nachteilig, ihre Fehler bekannt zu machen. Es entspricht weder der empfohlenen Liebe zum Haus des Propheten (muhabbet-i Al-i Beyt),noch ist es überhaupt nötig, weshalb auch die Leute der islamischen Tradition und Gemeinschaft (Ehl-i Sunnet ve-l'Djemaat)es verboten haben, jenen Streit in der Zeit der Sahabis zum Thema zu machen. Denn während der Kamelschlacht (vak'a-i djemel),an der auch Zubeyr, Talha und die Getreue Aischa (Aishe-i Siddiqa),mit denen Gott zufrieden sein
möge, teilgenommen hatten, war es aufgrund einer Meinungsverschiedenheit (Itjtihad netidjesi)zum Kampf gekommen, wobei dann die Leute der islamischen Tradition und Gemeinschaft (Ehl-i Sunnet ve-l'Djemaat)gesagt hatten: "Hazret Ali, mit dem Gott zufrieden sein möge, hat recht und die andere Seite hat unrecht. Das ist jedoch verzeihlich, weil es sich hier ja nur um eine Meinungsverschiedenheit (Itjtihad netidjesi)gehandelt hat.
Außerdem glauben sie, dass es von Nachteil ist, auch nur das Kapitel von den Aufständischen in der Schlacht von Siffin anzuschneiden, sodass der islamischen Gemeinschaft (islamiyet)kein Schaden daraus entsteht, dass jemand den Nerv der extremistischen Sunniten (Vahhabis)oder die Lehre (mes'heb)der extremistischen Schiiten (mufrit Rafisi)anrührt. Über derartige Schurken, wie Haddjadj-i Zalim, Yezid ve Velid hat Sa'deddin-i Teftazani, der der größte Gelehrte unter den Theologen gesagt: "Es ist erlaubt, Yezid {Gilt als der Verantwortliche für die Ermordung Husseins, Enkel des Propheten. (A.d.Ü.)} zu verfluchen", er hat aber nicht gesagt, es sei eine Pflicht (vadjib),ihn zu verfluchen, auch nicht, dass dies gut sei, oder es dafür eine Belohnung (sevab)gäbe.
Denn es gibt ja solche, die in ihrer Ablehnung (inkar)des Qur'an, der Propheten, der Sahabis und ihres heiligmäßigen Umgangs mit einander (qudsi sohbet)jedes Maß überschreiten. Und es gibt von ihnen viele, die sich (sogar mit diesen Ideen in aller) Öffentlichkeit zeigen. Wenn jemand diejenigen Leute, die man doch eigentlich wirklich verfluchen sollte, nicht verflucht, ja noch nicht einmal erwähnt, so schadet dies keineswegs. Denn Tadel und Fluch kann man nicht mit Lob und Liebe (muhabbet)vergleichen. Mit ihnen kann man keine "guten Werke (amel-i salih)"verrichten. Richten sie aber Schaden an, so ist das umso schlimmer.
So zeigen sich denn nun diese versteckten Heuchler, die sich darum bemühen, einen Teil der Hodjas, die doch vor
allem dazu beauftragt und dazu verpflichtet sind, den Islam und die qur'anischen Wahrheiten (Haqiqat-i Qur'aniye)zu bewahren, mit Hilfe von Lehre und Leben der Vahhabis auf ihre Seite zu ziehen und so der islamischen Gemeinschaft (Islamiyet)einen gewaltigen Schlag zu versetzen, wobei sie auch noch die Leute der Wahrheit (ehl-i haqiqat)verdächtigen, Aleviten zu sein, und sie so alle gegen einander aufbringen, in aller Öffentlichkeit. Du hast ja selbst in deinem Brief bereits zum Teil darüber berichtet. Aber du weißt auch selbst, dass die wirksamsten Mittel, die sie gegen mich und die Risale-i Nur einsetzen lassen, bei den Hodjas zu finden sind. So sind schon seit langem (die Schriften) der Vahhabis, die in Mekka und Medina (Haremeyn-i sherif)herrschen, und diese so staunenswerten und recht attraktiven Werke von Ibn-i Teymiye und Ibn-ul Qayyim-il Djevzi, jener berühmten und wortgewaltigen Genies, in die Hände einiger Hodjas gelangt und in Istanbul im Umlauf, wobei besonders jener Teil von ihnen, der (die Verehrung) der Gottesfreunde (auliya)ablehnt und in gewissem Grade der Ketzerei (bid'a)nahe steht und sich dabei hinter seinen eigenen (Ansichten) zu verstecken sucht und so bereits mit seiner Ketzerei besudelt ist, deine Meinung (itjtihad),die zwar aus der Liebe zur Familie des Propheten (muhabbet-i Al-i Beyt)erwächst, jedoch jetzt besser nicht an die Öffentlichkeit gelangen sollte, als Mittel gebrauchen könnte, um sowohl dir als auch den Nur-Schülern einen Schlag zu versetzen. Zwar gibt es, was einen Tadel betrifft, den man doch besser unterlässt, oder die Behauptung, jemand sei ein Ungläubiger (tekfir),die man besser für sich behält, keinen dementsprechenden Artikel im Gesetz (emr-i sher'i),doch darüber, wie man einen Tadel aussprechen oder jemanden als einen Ungläubigen erklären (tekfir)sollte, gibt es sehr wohl ein Gerichtsurteil (hukm-u sher'i).Über jemanden zu Unrecht einen Tadel aussprechen oder ihn als einen Ungläubigen erklären (tekfir)ist eine große Sünde (zarar).Doch auch wenn es zurecht geschieht, ist dies kein "gutes Werk" und gibt es
dafür keine Belohnung (sevab).Denn es gibt zahllos viele, die man mit vollem Recht als Ungläubige bezeichnen (tekfir)und deswegen tadeln könnte. Spricht man jedoch keinen Tadel aus und erklärt (tekfir)man sie nicht für ungläubig, so gibt es darüber kein Gerichtsurteil (hukm-u sher'i)und ist das auch keine Sünde (zarar).
So haben denn die Leute der Wahrheit (ehl-i haqiqat)aufgrund eben dieser Wahrheit (haqiqat),und zwar sowohl die Eimme-i Erbaa (die vier Imame der vier Rechtsschulen) als auch besonders die zwölf (schiitischen) Imame der Schule des Hauses (Ehl-i Beytin Eimme-i Isna-Asher),indem sie das Heilige Gesetz (kanun-u qudsiye),das sich auf die oben erwähnte Wahrheit (haqiqat)der Leute der Tradition (Ehl-i Sunnet)stützt, zu ihrem Wegweiser (rehber)gemacht haben, es für nicht erlaubt (dja'iz)angesehen, unter Muslimen über die damaligen Spaltungen (fitna)zu sprechen und darüber zu streiten und gesagt, dass es nutzlos sei und nur schaden (zarar)könne.
Darüber hinaus fanden sich bei diesen Auseinandersetzungen, wie auch immer, besonders bedeutende Sahabis auf beiden Seiten. {d.h. sowohl unter den Anhängern Alis, des Kalifen, als auch unter seinen Gegnern. (A.d.Ü.)} Wenn man über diese Spaltungen (fitna)redet, ergreift das Herz spontan (Partei für die einen, während es zu gleicher Zeit die anderen) ablehnt und dabei noch solch wahrhaft aufrechte (haqiqi)Sahabis, wie Talha und Subeyr, kritisiert, mit denen Gott zufrieden sein möge und die zu jenen zehn gehören, denen das Paradies versprochen wurde (Ashere-i Mubeshshere).Und selbst, wenn sie einen Fehler gemacht haben sollten, ist doch die Wahrscheinlichkeit groß, dass ihnen bereits vergeben (taubah)wurde. In jene alte Zeit zurückzugehen ist nur unnötig und nachteilig (zarar)und das Gesetz (Schariah)empfielt uns auch nicht, diese Ereignisse zu erforschen. Heute und in
unserer Zeit denen keine Beachtung zu schenken, die der islamischen Gemeinschaft (Islamiyet)tatsächlich furchtbare Schläge versetzen und Tausende Flüche und unseren ganzen Abscheu verdienen, ist eine Haltung, die mit der heiligen Aufgabe (vazife-i qudsiye)einer gläubigen (mu'min)und großherzigen Persönlichkeit unvereinbar ist. Ich will dir auch keineswegs verheimlichen, dass selbst euer, wenn auch nur ganz kleiner, Streit mit Sabri sowohl der Risale-i Nur als auch der Verbreitung der Glaubenswahrheiten (haqaiq-i imaniye)einen ganz erheblichen Schaden zugefügt hat. Ich habe das hier zur gleichen Zeit leidvoll wahrgenommen und es hat mich sehr traurig gemacht.
Als dann später ein gelehrter Theologe (ehl-i tahqiq bir alim)wie du und Sabri dort zusammen kamen, um der Risale-i Nur einen bedeutenden Dienst zu erweisen, erwartete ich auch von euch beiden einen solch großen Dienst an der Risale-i Nur, ahnte aber bereits, dass im Gegenteil auf die Risale-i Nur in dreifacher Hinsicht Schaden (zarar)zukommen würde und habe das (dann auch tatsächlich so) erfahren. Während ich noch darüber nachdachte, weshalb ein solcher Schaden (zarar)entstanden sein könnte, erhielt ich zwei, drei Tage später die Nachricht, dass Sabri sich sinnloser und völlig unnötiger Weise mit dir zerstritten hatte, weshalb du dann in Wut geraten warst. "Oh weh!", sagte ich da, "Oh Herr!", betete (dua)ich dann, "Wandle doch den Streit dieser beiden Menschen, die mir aus Ersurum zu Hilfe gekommen sind, in Versöhnung!" Wie bereits in der Abhandlung der Risale-i Nur über die Wahrhaftigkeit (Ikhlas Lem'alar)erwähnt, müssen die Leute des Glaubens (ehl-i iman)heute nicht nur mit ihren muslimischen Brüdern sondern auch mit den frommen Geistlichen der Christen übereinkommen, Fragen, die nur Konflikte heraufbeschwören könnten, außer Betracht lassen und sollten also nicht mit ihnen streiten. Denn dieser völlige Unglaube gebärdet sich auch noch kämpferisch. Bei deinem Eifer für den Glauben (hamiyet-i diniye),aufgrund deiner Erfahrung als Wissenschaftler (tedjrube-i ilmiye)und um
deiner Verbundenheit mit der Risale-i Nur willen bitte ich dich: bemühe dich darum, diese ganze Angelegenheit mit Sabri zu vergessen, zu bereinigen (helal)und ihm zu verzeihen! Denn all diese Dinge hat er nicht aus eigener Erkenntnis heraus so gesagt, sondern lediglich aufgrund dessen, was er aus alten Zeiten von den Hodjas vernommen hatte, diesen Streit mit dir völlig unnötiger Weise vom Zaun gebrochen.
Du weißt ja, dass großzügig Wohltaten zu spenden und Gutes zu tun, die Verzeihung vieler Sünden erwirken kann. Es hat in der Tat dieser Sabri, unser Landsmann mit Hilfe der Risale-i Nur und der Nurdjus dem Glauben (iman)wahrhaftig einen solchen Dienst erwiesen, dass ihm dafür Tausend Fehler verziehen werden. In deiner Großmut und um des Dienstes willen, den er für die Risale-i Nur geleistet hat, solltest du ihn wie einen Freund, Landsmann und Kollegen im Dienste der Risale-i Nur betrachten. Als ein Teil der Sahabis auch noch während der damaligen Kämpfe (harb)an eine Gerechtigkeit dachte, die maßvoll und angemessen (adalet-i izafiye ve nisbiye)ist, und so die wahrhaftige Gerechtigkeit und Strenge des Gesetzes (adalet-i haqiqiye ve azimet-i sher'iyye){vgl. den Abschnitt über absolute und relative Gerechtigkeit im 15. Brief! (A.d.Ü.)} (notgezwungen) aufgab, welcher Hasret Ali, mit dem Gott zufrieden sein möge, auf dem Wege (meslek)seiner Frömmigkeit, seiner persönlichen Unabhängigkeit und ihm eigenen Sparsamkeit folgte, sich schließlich eine eigene Meinung (itjtihad)bildete und auf die Seite des Gegners über trat, unter ihnen sogar auch Okeyl, der Bruder von Imam Ali, mit dem Gott zufrieden sein möge, und Abdullah Ibn-i Abbas, genannt "der geisliche Führer der Gemeinde (Hibr-ul-umme)",welche sich vorübergehend auf der gegnerischen Seite wiederfanden, sagten die aufrichtigen Leute der Tradition und Gemeinschaft (ehl-i Sunnet ve-l'Djemaat)aufgrund eines Grundprinzips des Gesetzes:
مِنْ مَحَاسِنِ الشَّرِيعَةِ سَدُّ اَبْوَابِ الْفِتَنِ
{"Die Schönheiten des Gesetzes sind wie eine Mauer vor den Toren zu jeglichen Spaltungen."}
Und weiter: طَهَّرَ اللّٰهُ اَيْدِيَنَا فَنُطَهِّرُ اَلْسِنَتَنَا {"Gott möge unsere Hände reinigen, nachdem wir unsere Zungen gereinigt haben."}, und halten es dementsprechend nicht für legitim, die Tore zu solchen Spaltungen zu öffnen und über sie zu reden. Denn, wenn es einige gab, die eine Kritik verdienten, so sind es diejenigen, (die dadurch, dass sie für die eine Seite) Partei (taraf)ergriffen, den Nerv jener großen Sahabis, ja sogar eines Teiles der Angehörigen des Hauses (Al-i Beyt)trafen, die auf der gegnerischen Seite (taraf)waren, wie übrigens auch Talha und Subeyr, mit denen Gott zufrieden sein möge, die zu jenen zehn gehören, denen das Paradies versprochen worden war (Ashere-i Mubeshshere).Indem sie diese großen Persönlichkeiten kritisierten, wurde nun eine Neigung zu Tadel und Feindschaft geweckt, weshalb denn auch die Leute der Tradition (Ehl-i Sunnet)dafür (taraf)sind, diese Türe zuzuschließen.
Obwohl der berühmte Sa'deddin-i Teftazani, einer der großen Imame unter den Leuten der Tradition (Ehl-i Sunnet),wie auch unter den Theologen es erlaubt hatte, Yezid ve Velid als Irrgläubige zu verfluchen (tel'in-u tadlil),haben große Gelehrte (allam)unter den Leuten der Tradition und der Gemeinschaft (Ehl-i Sunnet ve-l'Djemaat)wie Seyyid-i sherif-i Djurdjani gesagt: "Zwar waren Yezid ve Velid gewalttätig, grausam und frevelhaft, doch ist es nicht bekannt, ob sie letztendlich auch ohne jeden Glauben (iman)dahingeschieden sind. Da dies aber nicht mit absoluter Sicherheit bekannt ist, also über diese Personen jede klare Aussage und ein sicherer Beweis fehlen, also die Möglichkeit
besteht, dass sie doch noch im Glauben (iman)verschieden sind und bereut (taubah)haben, darf man solche namentlich genannten Personen nicht verfluchen, vielmehr könnte es nur unter der ganz allgemeinen Formel:
لَعْنَةُ اللّٰهِ عَلَى الظَّالِمِينَ وَالْمُنَافِقِينَ
{"Der Fluch Gottes sei über den Tyrannen und den Heuchlern!"}
einmal erlaubt sein, einen Fluch auszusprechen. Andernfalls ist es vom Übel (zarar)und nicht vonnöten. Das haben sie Sa'deddin-i Teftazani entgegen gehalten.
Grund dafür, dass ich auf deinen kritischen und gelehrten Brief nicht mit einer ausführlichen Antwort entgegnet habe, ist sowohl in meiner ernsthaften Krankheit als auch in dringenden Arbeiten zu finden, weshalb ich in der Eile nur so viel schreiben konnte.
Euer Bruder
Said Nursi
* * *
Teil eines Gesprächs mit dem Innenminister
Einer Ungerechtigkeit, dergleichen in der Geschichte und auf Erden überhaupt noch nicht vorgekommen ist, für eine Unterdrückung und Greueltaten, wie sie in zehnfacher Hinsicht gesetzlos sind, bin ich zur Zielscheibe geworden. Es ist dies wie folgt:
Was für einen Sinn hat es eigentlich für Sie, dass Sie es für erforderlich halten, diesem hilflosen Said, der sowohl zufolge eines Giftmord-Anschlages nun in seinem einundsiebzigsten Lebensjahr bereits sehr alt, krank und schwach ist, ein Namenloser und beklagenswerter Heimatloser, der sich nun, nachdem er Mantel, Hemd und Pantoffel verkaufen musste, um so für seinen Lebensunterhalt
sorgen zu können, in einem armseligen Zustand befindet, der, da er seit fünfundzwanzig Jahren ein Einsiedlerleben führt, nur mit einem unter Tausend Männern, der noch dazu vollständig loyal sein muss, sprechen kann, der auf diese Weise menschenscheu geworden ist und vor allen Menschen zurück schreckt, einer dessen Leben, obwohl unschuldig, zwanzig Jahre lang überwacht wurde, dessen Werke von drei Provinzrichtern durch Sachverständige aus Ankara von vorn bis hinten durchforscht wurden, der dann übereinstimmend freigesprochen wurde und dessen Werke, die dem Land und Volk niemals geschadet haben, sondern ihm nur von Nutzen gewesen sind und nun (auf Gerichtsbeschluss) wieder frei gegeben wurden, der sowohl im Ersten Weltkrieg als Sohn seines Landes wichtige Dienste erwiesen hat und nun, der nun als wahrer Patriot mit all seiner Kraft daran arbeitet, dieses Volk, dieses Land vor der Anarchie und der Demoralisierung durch die Fremden zu bewahren, während (gleichzeitig) seine Werke im Umlauf sind, von dem vor Gericht siebzig Zeugen bewiesen haben, dass er in fünfundzwanzig Jahren nicht einmal eine Zeitung gelesen hat, ja nicht einmal daran interessiert war, der sich seit sieben Jahren nicht für den zweiten Weltkrieg interessierte, nicht danach fragte und nichts darüber wusste, von dem mit machtvollen Zeugnissen bewiesen wurde, dass er in all seinen Werken seine Beziehungen zur Politik ganz und gar gebrochen hat, ein völlig harmloser Mann, über den Eure Justizämter offiziell ausgesagt haben, dass er sich nicht in eure weltlichen Angelegenheiten einmischt, der, damit das Jenseits (akhira)und die Reinheit seiner Absicht (ikhlas)keinen Schaden (zarar)nehmen, der entschlossen vor den Huldigungen des Volkes (teveddjuh-u amme)flüchtet, der alle Bezeigungen der Hochachtung (husn-u zan)und Wertschätzung (medih)von Seiten seiner Mitbrüder meidet und sie gar nicht mag: welchen Sinn macht es denn vor allem für Sie, der Sie doch der Innenminister (vakil)sind, dass Sie es für erforderlich halten, den Gouverneur (vali)von Afyon (mit seiner
Überwachung zu beauftragen, die Polizei von Emirdagh gegen ihn aufzuhetzen, ihn Tag um Tag die Qual gleich einem Monat Einzelhaft erleiden zu lassen, ihn dazu zu zwingen, in vollkommener Isolation, ganz für sich allein in Einzelhaft zuzubringen? "Welches Gesetz erlaubt eine solche entsetzliche Greueltat?", das frage ich den Herrn Innenminister vor dem höchsten Amt der Justiz, der doch das öffentliche Recht (huquq-u umumiye)zu bewahren hat.
Der ungerechter Weise von allen bürgerlichen Rechten, Menschenrechten und dem Recht auf ein Leben (in Freiheit) ausgeschlossene
Said Nursi
* * *
An Hilmi Bey, ehemaliger Innenminister und jetziger Generalsekretär der Partei
Erstens:
In den letzten zwanzig Jahren habe ich nur ein einziges Mal ein Gesuch eingereicht. Und das war damals, als Sie noch der Herr Innenminister waren. Doch in diesen zwanzig Jahren bin ich meinen Grundsätzen niemals untreu geworden. Nun aber würde ich gerne einmal mit dem ehemaligen Innenminister und jetztigen Generalsekretär der Partei reden. Wenn nun ein Mann, der schon seit zwanzig Jahren nicht mehr mit der Regierung gesprochen hat, einmal (die Gelegenheit erhielte), mit einer der tragenden Säulen der Regierung zu reden, so wären selbst zehn Stunden nur wenig. Gestatten Sie mir daher, bitte, einmal zwei Stunden mit Ihnen zu reden!
Zweitens:
Da Sie jetzt Genralsekretär der Partei sind, fühle ich mich dazu genötigt, Ihnen einen Sachverhalt (haqiqat)zu erklären. Und dieser Sachverhalt (haqiqat)ist folgender:
Die Volkspartei, deren Generalsekretär Sie sind, hat gegenüber dem Volk eine sehr wichtige Aufgabe. Und auch diese ist folgende:
Das türkische Volk (millet)und seine Brüder im Glauben (din),die nun der türkischen Nation beigezählt werden, das seit Tausend Jahren durch seinen Heldenmut in der Islamischen Welt (Alem-i Islam)alle Sympathien gewann und die Einheit {Diese Einheit wurde durch den Kalifen repräsentiert. (A.d.Ü.)} der islamischen Gemeinschaft (vahdet-i Islamiye)bewahrte, hat (schließlich) auch bedeutendes geleistet, um die Menschenwelt (alem-i besheriye)vor dem absoluten Unglauben und Irrglauben (kufr-u mutlaq ve dalalet)in bewundernswerter Weise zu bewahren.
Wenn es jedoch heute nicht mehr wie in alten Zeiten heldenhaft den Qur'an und die Wahrheiten des Glaubens (haqaiq-i imana)bewahren wollte und nicht unmittelbar einsetzte, die Wahrheiten des Qur'an und des Glaubens (haqaiq-i Qur'aniye ve Imaniye)im Volke lebendig zu erhalten, so kann ich euch mit absoluter Sicherheit voraussagen und mit unwiderleglichen Zeugnissen beweisen, dass Ihr (auf diese Weise) bewirken werdet, dass euch die ganze Islamische Welt (Alem-i Islam)anstelle ihrer bisherigen Liebe und Brüderlichkeit (muhabbet ve uhuvvet)nur noch einen fürchterlichen Abscheu und dem türkischen Volk, das für sie bisher ein heldenmütiges Brudervolk und ihr Anführer gewesen ist, nur noch Feindseligkeit zeigen wird, während der Anarchismus, dem der absolute Unglaube als Nährboden dient und der heute die Islamische Welt (Alem-i Islam)zugrunde zu richten droht, euch überwältigen wird, das türkische Volk aber, das für die Islamische Welt (Alem-i Islam)eine Burg und ein ruhmreiches Heer ist, in sich zerfällt und dieser entsetzliche Drache, der aus dem Nordosten hervorkommt, (über das Land) herfällt.
In der Tat kann dieses heldenmütige Volk gegen die beiden entsetzlichen Strömungen aus dem Ausland {Gemeint sind der Atheismus und die Verwestlichung der islamischen Sitten. (A.d.Ü.)} nur in der Kraft (quvvet)des Qur'an stand halten.
Jedenfalls ist das, was eine solche Strömung aufzuhalten vermag, die diesen absoluten Unglauben, diese grenzenlose Gewaltherrschaft, diese maßlose Ausschweifung (kufr-u mutlaq, istibdad-i mutlaq, sefahet-i mutlaq)und die Überlassung des Vermögens ehrenwerter Leute an ehrlose Kerle mit sich bringt und daher mit einer fürchterlichen Kraft einherkommt, einzig die Kraft der Religiosität und Gemeinsamkeit im Glauben (din quvveti ve iman bütünlüghü)in diesem Volk, das mit der Wahrheit des Islam (Islamiyet haqiqati)verschmolzen, vereinigt ist und all dessen Ehre in der Geschichte in Seiner Gemeinschaft (Islamiyet)gefunden hat.
In der Tat können die einsatzfreudigen Patrioten in diesem Volk, insha-a'llah, diese Strömung noch aufhalten, indem sie vor allem die Wahrheiten des Qur'an (haqaiq-i Qur'aniyye),anstelle der Erziehung zur (westlichen) Zivilisation zum Grundprinzip der lebenspendenden Ader dieses mit ihnen verschmolzenen, vereinigten Volkes machen und in ihm verankern.
Zweite Strömung: Wenn hingegen solche einsatzfreudigen, patriotisch gesinnten Männer (von der Regierung), wie ihr (es seid), sich darum bemühen, eine Strömung, die durch die Art und Weise, in der drei, vier Personen mit all dem, was sie im Namen der Reformen (inkilab)bewirkt haben und im Interesse der Zivilisation (medeniyet)für wesentlich (esas)halten, womit sie aber alles, was heilig (muqaddesat)ist, mit Füßen treten, auch weiterhin aufrecht zu erhalten und dabei auch noch all das, was diese Reformen an guten Seiten (hasanah)und guten Ergebnissen hervorgebracht haben sollen (diesen drei Männern) zuschreiben, während alle Schlechtigkeiten dieser drei, vier Männer und ihre tatsächlichen, wirklich erschreckenden Fehler, wollte man sie dem Volke zuschreiben, zu drei, vier Millionen Schlechtigkeiten anwachsen müssten. Das aber wäre ganz und gar gegen das türkische Volk, dieses heldenhafte, aufrichtig gläubige Volk, welches das Heer des Islam ist, die Milliarden ehrenwerter, in vergangenen
hunderten selig verstorbener dieses Heeres und seine Millionen Märtyrer (shehid)gerichtet, für ihre Seelen (ervah)aber eine innere Qual und eine Entwürdigung, während zugleich drei, vier Millionen gute Werke (hasanah)und positive Ergebnisse, die doch nur in der Kraft und durch die Einsatzfreudigkeit des Volkes und seines Heeres zustande gekommen sind und an denen diese drei, vier reformatorisch gesinnten Männer nur sehr wenig Anteil gehabt haben, würden sie nur diesen drei, vier Männern zugeschrieben, auf drei, vier gute Taten zusammenschrumpfen, zunichte werden und nicht einmal mehr als Buße für (alle bis dahin begangenen) entsetzlichen Fehler gelten könnten.
Drittens:
Sie werden sicherlich in vielerlei Hinsicht Ihre Gegner im In- und Ausland haben. Wenn diese ihre Gegner im Interesse der Glaubenswahrheiten (haqaiq-i imaniye)auftreten würden, könnten Sie sie mit einem Schlag niederwerfen. Denn neunzig Prozent dieses Volkes ist den islamischen Traditionen seit Tausend Jahren mit Herz und Verstand (ruh ve qalb)verbunden. Wenn es sich auch einem Befehl, der seinem Wesen zuwider läuft, nach außen hin beugen und unterwerfen müsste, wird es sich ihm doch nicht in seinem Herzen binden.
Des Weiteren ist ein Muslim nicht gleich wie andere Menschen. Wenn er seinen Glauben (din)aufgibt, wird er Anarchist. Man kann ihn an kein Gesetz mehr binden. Außer in einer absoluten Despotie (istibdad-i mutlaq)oder durch eine alles umfassende Bestechung (rushvet-i mutlaq)kann er in keinerlei Weise erzogen oder mit irgendwelchen anderen Maßnahmen regiert werden. Für diese Tatsache (haqiqat)gibt es viele Zeugnisse und vielerlei Beispiele. Ich fasse hier nur kurz zusammen und appelliere im Übrigen an Ihren Scharfsinn:
In unserer Zeit (asr)ist es für euch dringend notwendig, nicht hinter dem starken Verlangen zurückzubleiben, das man in Schweden, Norwegen und Finnland nach dem Qur'an verspürt. Es ist vielmehr eure Pflicht, ihnen und
(Leuten) wie sie es sind, Wegweiser (rehber)zu sein. Wenn Sie die Fehler, welche die Reformen bis heute mit sich gebracht haben, diesen drei, vier Männern zuschreiben und die Zerstörungen (inkilab),welche dieser Weltkrieg und die nachfolgenden Ereignisse bis heute angerichtet haben, und zwar besonders hinsichtlich der religiösen Überlieferung (an'ane-i diniye),zu korrigieren versuchen, so wird es für euch in Zukunft eine sehr große Ehre und im Jenseits (akhira)sowohl eine Buße (kefaret)für Ihre großen Fehler sein, als auch ein anerkennenswerter Beitrag (zum Wohle für) Land und Volk und Sie würden wahrhaft (mustahak)den Titel "Patriot" verdienen, als einer, der sein Vaterland liebt.
Viertens:
Da nun einmal der Tod nicht stirbt und sich die Pforten des Grabes nicht schließen, und da nun einmal auch Sie, wie jeder andere dem Grabe zueilt, und da nun einmal der Tod, der für die Irrgläubigen (ehl-i dalalet)einer Hinrichtung für ewige Zeiten (idam-i ebedi)gleicht, mit Sicherheit (kommen wird), kann auch eine hunderttausendfache Organisation, die Anbetung der Welt (dunya)und alle politische Betriebsamkeit nichts daran ändern. Und da nun einmal der Qur'an sonnenklar beweist, dass diese Hinrichtung für ewige Zeiten (idam-i ebedi)für die Gläubigen (ehl-i iman)in eine Entlassungsurkunde umgewandelt wird, was sie ja auch durch die Risale-i Nur bereits in die Hand bekommen haben, konnte nun schon seit zwanzig Jahren kein einziger Philosoph und niemand unter den Gottlosen dagegen auftreten; im Gegenteil: Philosophen, welche (die Risale-i Nur) aufmerksam studiert haben, sind (durch sie) zum Glauben gelangt. Und in den letzten zwölf Jahren haben vier Ihrer großen Gerichtshöfe mit all ihren Sachverständigen, bestehend aus Philosophen und Rechtsgelehrten (ulema),die Risale-i Nur gewürdigt und bestätigt. Und sie konnten (die darin enthaltenen) Beweise für den Glauben (iman)nicht widerlegen. Zugleich kann ich auch dafür, dass sie dem Volk und dem Land nie einen Schaden zugefügt hat, im Gegenteil, stets den Angriffen all dieser fürchterlichen Strömungen den Qur'an als Schutzwall
gleich dem Schutzwall des Dhu-l'Karneyn entgegen gesetzt hat, Hunderttausend Zeugen aus dem türkischen Volk anführen, besonders von den jungen Leuten, die eine Schule besucht haben. Es ist selbstverständlich eure vordringliche Pflicht, diese meine Überlegungen (fikr),insoweit sie euch betreffen, sorgfältig in Betracht zu ziehen. Sie hören doch auch sonst in weltlichen Angelegenheiten jederzeit auf so viele Diplomaten. Es ist jedoch durchaus auch notwendig, ein wenig auf einen Armen zu hören, der gleich mir vor dem Tore des Grabes, über die Lage seiner Landsleute weinend, über die jenseitigen Dinge spricht.
Dieses Gesuch wurde von mir verfasst und in einem Augenblick der Wut an den Herrn Innenminister Hilmi adressiert, obwohl ich mich doch seit zwanzig Jahren nicht mehr an ihn gewandt habe, nachdem er mich einmal unterdrückt (und gedemütigt) hatte. (Auch wurde dieses Gesuch) zum Zwecke der Information an den Polizeipräsidenten in Afyon gesandt. Ohne jeden Sinn und Zweck haben Sie mich vier, fünf Mal gequält. Man zitierte mich zur Polizeidienststelle und sagte zu mir: "Dies ist nicht deine Handschrift. Wer hat dies für dich geschrieben?" Deswegen habe ich gesagt: "Bei solchen Leuten kann man (kein Gesuch) einreichen... Mein zwanzigjähriges Schweigen war also berechtigt."
Sehr geehrter Herr Bürgermeister und sehr geehrter Herr Polizeipräsident! Ich wollte ihnen ja eigentlich schon vor einem Jahr mein Herz ausschütten (und habe Ihnen daher diesen Brief) geschrieben, jedoch nicht (an Sie) abgeschickt, sondern versteckt. Jetzt aber ist man in meine eigene Wohnung (ikamet)eingedrungen, hat mir verboten einen Bediensteten zu beschäftigen und dergleichen mehr. Ich werde hier völlig unterdrückt (istibdad-i mutlaq)und in einer Weise behandelt, wie sie auf fünffache Weise ungesetzlich und in dieser Welt (dunya)ohne Beispiel ist. Ich möchte dies bekannt geben, in der Absicht (fikr),dadurch diejenigen, die im Namen des Gesetzes gesetzlos handeln, zur Einsicht zu bringen.
Diverse Briefe an seine Schüler
بِاسْمِهِ سُبْحَانَهُ
{"Im Namen dessen, der gepriesen sei!"}
Mein lieber getreuer Mitbruder, der mir in dieser vergänglichen Welt (fani dunya)ein hingebungsvoller und aufrechter Kamerad ist!
Erstens:
Ich bin dir wirklich sehr dafür dankbar, dass du dich unter all meinen Freunden und Landsleuten und einigen Leuten aus Ersurum in dieser meiner rechtlosen Lage mit all ihren Schikanen, mit deiner ganzen Persönlichkeit innig (shefqat)und aufrichtig mit mir verbunden fühlst und in deinen Gedanken (fikr)mir zu Hilfe eilen möchtest. Das werde ich dir bis zum Ende meines Lebens nicht vergessen und so sage ich tausend Mal: "Wie wunderbar hat Gott doch dies so eingerichtet (masha-a'llah)und möge Er dich dafür segnen (barekallah)!"
Zweitens:
Ganz und gar im Gegensatz zu meiner Berufung (meslek)und dem Unterricht, den ich von der Risale-i Nur bekomme, und im Gegensatz zu meinem Lebensprinzip, dem ich seit zehn Jahren folge, nämlich den vergänglichen und bedeutungslosen Ereignissen der vergänglichen Welt (fani dunya)keine Beachtung zu schenken, will ich dir hier, und zwar nur um deinetwillen, wegen deines Interesses und deines letzten, so langen Briefes, einige Punkte hinsichtlich der Schikanen dieser Gewaltmenschen erklären.
Erstens:
Als ich vor dreißig Jahren selbst noch Professor am "Haus der Weisheit (Daru-l'Hikmet)"war, sagte mein Kollege, Professor Seyyid Sadeddin Pasha, eines Tages zu mir: "Mir ist aus sicherer Quelle die Nachricht zugekommen, dass ein atheistisches Untergrundkommitee, das sich hier (im Lande) gefestigt, seine Wurzeln aber im Ausland hat, ein Werk von dir gelesen und dann gesagt hat: "Solange der Verfasser dieses Werkes noch auf Erden (dunya)existiert, können wir diesem Volk unseren Weg (meslek),nämlich den Atheismus, nicht annehmbar
machen. Er darf in diesem Dasein (vudjud)nicht länger existieren!" So haben sie denn dich verurteilt und deine Hinrichtung beschlossen. Gib also gut auf dich acht!" Ich habe ihm darauf entgegnet: "Ich vertraue auf Gott (Tevekkeltu Ala'llah)!Die Todesstunde (edjel)ist eins (und eindeutig bestimmt). Daran wird sich auch nichts ändern."
So hat denn dieses Komitee in den letzten dreißig, ja vielleicht vierzig Jahren nicht nur (seine Einflusssphäre) ausgedehnt, sondern nutzt in ihrem Kampf gegen mich auch jede nur mögliche Intrige. Zwei mal haben sie dafür gesorgt, dass ich ins Gefängnis gekommen bin, um mich zu vernichten, und elfmal haben sie versucht, mich zu vergiften. (Zur Durchführung) ihres letzten abscheulichen Planes haben sie den früheren Innenminister (vekil),den früheren Gouverneur (vali)von Afyon und den früheren Bürgermeister (kaymaqam)von Emirdagh gegen mich aufgehetzt und ihren Einfluss auf die ganz offiziellen (Ämter) der Regierung mit aller Macht gegen mich geltend gemacht. Gegen einen mittellosen (Menschen) wie mich, der schwach, alt, arm und menschenscheu in der Fremde auf den Dienst anderer dringend angewiesen ist, haben diese drei Regierungsbeamten eine derartige Propaganda in Szene gesetzt, dass sich unter allen (Menschen) eine solche Angst ausgebreitet hat, dass es kein Beamter mehr wagt, noch einmal bei mir hereinzuschauen, es sei denn, um mich auszuspionieren; denn falls ein Beamter mich noch begrüßt und jemand davon erfährt, wird er sogleich strafversetzt. Auch einige meiner Nachbarn wagen es vor Angst kaum noch, mich auch nur zu grüßen. Das alles habe ich erfahren müssen; und dennoch hat Gottes Gnade und Sein Schutz (inayet ve hifdh-i Ilahi)mir die Geduld verliehen, mich standhaft gemacht und mich nicht in die Zwangslage kommen lassen, sie aufgrund ihrer beispiellosen Schikanen (auch noch um Gnade) zu bitten.
Drittens:
Nachdem zwei Gerichte zwei Jahr lang sämtliche Teile der Risale-i Nur in ihren Händen gehabt und gründlich durchforscht hatten, ohne darin eine gesetzliche
Handhabe gegen sie zu finden, haben sie uns die Risale-i Nur zurückgegeben und uns freigesprochen. Es gelang aber dem atheistischen Untergrundkommitee dennoch, mit Hilfe einiger hinterhältiger Beamter am Sitz der Regierung, ganz offiziell Pläne zu schmieden, mich vollkommen entgegen allem Recht und Gesetz (hilaf-i kanun){(*): Kein einziges Gesetz, ja noch nicht einmal eines ihrer Willkürgesetze, betrifft uns oder die Risale-i Nur auch nur annähernd in irgendeiner Weise. Doch obwohl es die diesbezüglichen Gesetze inzwischen gibt (1925-1990); können es die Ämter der Hohen Justiz (adliye) und die großen Gerichtshöfe (mahkeme) dennoch nicht wagen, uns oder die Risale-i Nur zu verurteilen, wenn sie den vehementen Abscheu und den Fluch vermeiden wollten, der dann in der Zukunft auf sie zukommen würde. So haben sie denn einstimmig unser aller Freispruch und die Rückgabe der Risale-i Nur beschlossen. Und obwohl Justizämter (adliye), stark wie die Berge, davor zurückschreckten, haben dennoch gewisse böswillige Personen, die vorübergehend irgendein Amt inne hatten, derartige Ungerechtigkeiten begangen, dass sie so mit Sicherheit Himmel und Erde in Wut versetzt haben... So ist denn mein (eigener, persönlicher) Ärger nicht mehr nötig.} unter dem Titel einer Isolierung von allen meinen Freunden an einem Ort, der, was meine Gesundheit betrifft, am ungünstigsten für mein Leben ist, unter dem Deckmantel einer "Verbannung", jedoch im Sinne einer Einzelhaft und völliger Isolation, nach Emirdagh zu schicken. Es hat sich jetzt aber herausgestellt, dass sie diese Maßnahmen in zweierlei Absicht durchgeführt haben.
Erstens:
Da ich aber von Alters her keine Beleidigung vertragen konnte, wollten sie, um mich auf diese Weise in Wut versetzen zu können, einen Streit (mesele)vom Zaun brechen, um mich auf diese Weise aus dem Wege räumen zu können. Als ihnen dies aber nicht gelang, versuchten sie, mich durch einen Giftmord zu beseitigen. Doch Gottes Gnade (inayet-i Ilahiyye),verbunden mit den Gebeten (dua)
der Schüler der Risale-i Nur ließen, wie ein Lebenselixier, wie ein Gegengift, und meine Geduld und meine Standhaftigkeit diesen Plan wie durch eine Medizin erfolglos werden. So wurde die Gefahr einer äußerlichen Vergiftung (durch meine Gegner) wie auch einer innerlichen Vergiftung (durch meine eigene Wut) gebannt. Noch niemals in der Geschichte durfte jemals eine Regierung im Namen des Gesetzes, im Namen der Regierung (einen Menschen dermaßen) schikanieren und unterdrücken. Diese permanente Beobachtung ging mir auf die Nerven und es brachte mich in Wut, wenn man (die Leute dazu brachte, vor mir) zurückzuschrecken. Da erhielt ich plötzlich in meinem Herzen die Ermahnung: du solltest denen, die dich tyrannisieren, nicht auch noch zürnen, sondern vielmehr Mitleid mit ihnen haben! Denn ein jeder von ihnen wird nach einer sehr kurzen Zeit (zur Strafe für) die Qualen, die er dir zugefügt hat, Tausend mal mehr ständigen Qualen und Höllenpeinen für Leib und Seele ausgesetzt sein und bleiben. Noch tausendfach mehr wird deinetwegen an ihnen Rache genommen werden. Einige von ihnen werden, insoweit sie einsichtig sind, solange sie noch auf dieser Welt (dunya)sind und bis ans Ende ihres Lebens von Gewissensqualen geplagt und von der Furcht vor einer Hinrichtung auf ewige Zeit gequält werden. Da habe ich aufgehört, wütend auf sie zu sein und hatte nur noch Mitleid mit ihnen und habe gesagt: "Möge Gott sie zur Bekehrung führen."
Des Weiteren lassen diese Qualen und Schikanen mich sehr viel Segen (sevab)gewinnen, wobei sich dann (die Regierung), anstatt sich mit den Schülern der Risale-i Nur zu beschäftigen, sich an deren Stelle (nur noch um mich kümmern und mich) allein quälen, was für die Nurschüler ein großer Vorteil (faide)ist und ihnen zum inneren Frieden (selamet)dient, wofür ich Gott dem Gerechten (Djenab-i Haqq)dankbar bin. Und deswegen verspüre ich inmitten all meiner fürchterlichen Plagen und Anstrengungen sicherlich noch eine gewisse Freude.
Viertens:
Was nun deinen Brief betrifft (worin du schreibst), dass du dich meinetwegen mit einem Gesuch an die derzeitige Regierung wenden willst, in der Absicht (madde),mich, soweit ich körperlich dazu in der Lage bin (istirahat)und meine Gesundheit (iktidar)es mir erlaubt, nach Syrien oder ein anderes arabisches Land (sham ve hidjaz)auswandern zu lassen, so...
Erstens:
Ich müsste, um den Glauben (in den Herzen) zu bewahren und dem Qur'an zu dienen, selbst würde ich in Mekka (leben), dennoch hierher kommen. Denn hier besteht dafür das stärkste Bedürfnis. Hätte ich auch Tausende Leben (ruh),wäre ich von Tausenden Krankheiten geplagt und müsste ich ebenso viele Plagen und Anstrengungen auf mich nehmen, so bin ich dennoch entschlossen, auch weiterhin dem Glauben (iman)dieses Vokes zu dienen und haben wir alle uns dazu entschieden, in den Lehren (ders),die der Qur'an uns erteilt hat, für seine (Ewige) Glückseligkeit (saadet)zu wirken.
Zweitens:
Was jenen Punkt betrifft, worin Sie mir in Ihrem Brief schreiben, man bringe mir nur Verachtung anstelle des (mir geschuldeten) Respekts entgegen und (weiter): "wenn Sie in Ägypten oder in Amerika leben würden, so würde die Geschichte ihrer (sehr wohl mit dem ihnen geschuldeten) Respekt gedenken".
Mein lieber, einfühlsamer Bruder! Vor dem Respekt und der Hochachtung der Menschen, der guten Meinung, der Ehrerbietung und ihren Sympathiekundgebungen unserer Person gegenüber fliehen wir aufgrund unserer Berufung mit allem Nachdruck. Was dabei insbesondere die Ruhmsucht betrifft, die eine seltsame (Blüte) der Scheinheiligkeit ist, (die Sucht) mit Prunk und Pracht in die Geschichte eingehen und bei den Menschen einen guten Eindruck hinterlassen zu wollen, was eine Form der Selbstgefälligkeit ist, widerspricht der Wahrhaftigkeit (ikhlas),welche Ruf (meslek)und Basis der Risale-i Nur ist, und ist ihr diametral entgegengesetzt. Nein, wir hegen noch nicht einmal den Wunsch danach! Im Gegenteil: wir schrecken in unserem
eigenen Interesse davor zurück. Wir wollen nur, dass die Risale-i Nur, die aus der Fülle des Qur'an entsteht, die ein Funke ist, der aus dem Wunder entspringt, das er seiner Bedeutung (i'djaz-i manevi)nach ist und die die eine Auslegung (tefthir)seiner Wahrheiten (haqiqat)ist, deren Hermeneutik (tilsim)sie uns erschließt, in allen (Menschen) ihren Widerhall findet, dass sie ein Bedürfnis nach ihr verspüren, dass ein jeder ihren so hohen Wert zu schätzen weiß und dass ihre durchaus offensichtlichen geistigen Wunder (manevi keramat),was den Glauben (iman)betrifft jegliche Glaubenslosigkeit (dinsizlik)besiegen wird. Das alles wollen wir aufzeigen und erwarten es von der Barmherzigkeit Gottes (rahmet-i Ilahiyye).
Einen unbedeutenden, kleinen Punkt, der mich persönlich betrifft, möchte ich hier als (eine Art) Fußnote (hinzufügen) und erläutern.
Da Redjeb Bey und Kara Kazim nun einmal mit dir befreundet sind und nach meiner Vermutung auch mit dem "Alten Said" eine gewisse Beziehung hatten, möchte ich sie um keine Gefälligkeit bitten, vielmehr sollten sie (damit aufhören, für Gelegenheiten zu sorgen), mich sinn- und nutzlos unter Druck zu setzen und mich (weiterhin) ungerecht zu behandeln, wie das ihre Vorgänger (bisher immer) getan haben. In der Tat kann ich mit der materiellen und geistigen Luft dieses Ortes nicht leben. Meine Belastung hier wird mir einfach zu viel. Von meiner Wohnung schließe ich stets sowohl die Innen- als auch die Außentür. So bin ich in jeder Hinsicht allein. Und in jeder Hinsicht verbringe ich auch mein Leben ohne alle Nachbarn, in der bedrückenden (Atmosphäre) meines Zimmers und im Zustande meiner Krankheit. Manchmal quält mich ein (einziger) Tag hier mehr als ein (ganzer) Monat im Gefängnis zu Denizli. Es ist wahrlich schon genug, mir diese zwanzig Jahre lang durch solch eine entsetzliche Ungerechtigkeit meine Freiheit (hürriyet)und meine Ruhe (serbestiyet)zu nehmen. Nach einer zwei Jahre währenden Untersuchung durch die Gerichte und dem Scheitern aller
Pläne, die hinterhältige Leute (munafiq)gegen mich geschmiedet hatten, hat sich nun in aller Klarheit herausgestellt, dass sie mit der Annahme, ich würde mit der Risale-i Nur dem Volk und dem Land irgendeinen Schaden zufügen, niemanden mehr überzeugen können. Könnte auch ich, wie jeder andere, über meine Freiheit verfügen, wäre es in jedem Fall angebracht, gäbe es da irgendeinen Hinweis, der es mir erlaubte, vielleicht wegen einer Luftveränderung einige Dörfer in diesem Bezirk besuchen zu dürfen, wo die Luft doch recht angenehm ist!
Ich sende Ihnen und allen Freunden der Risale-i Nur, die sich bei Ihnen befinden, viele Grüße (selam)und meine Gebete (dua).
اَلْبَاقِى هُوَ الْبَاقِى
{"Der Beständige ist der, der bleibt und besteht."}
Said Nursi
* * *
بِاسْمِهِ سُبْحَانَهُ
{"Im Namen dessen, der gepriesen sei!"}
Meine lieben getreuen Brüder!
Eine Frage,
die sowohl die den Umständen entsprechend (gewissermaßen unausgesprochen) in der Luft (maddi ve manevi)liegt und deren Antwort mir in den Sinn gekommen ist.
Man sagt:
Warum akzeptierst du denn nicht diese unumstößliche gute Meinung der Nurschüler und ihre feste Überzeugung, was deine Person betrifft und ihre Begeisterung nur noch steigern könnte, wo es um deinen Rang und die Stufe deiner Vollkommenheit (maqam ve kemalat)geht? Schreibst du all dies nur der Risale-i Nur zu und siehst dich selbst nur als deren unvollkommenen Diener?
Antwort:
Unendliches Lob und Dank sei dafür, dass die Risale-i Nur über solche starken und unverrückbaren Stützpfeiler und über solch glänzende und scharfsinnige Beweise verfügt, dass es keiner weiteren Vorzüge und Fähigkeiten bedarf, die man sich als meiner Person zu eigen vorstellt. Sie sind im Gegensatz zu allen anderen Werken sonstiger Verfasser nicht von dessen Fähigkeit abhängig und entlehnen deren Akzeptanz und Stärke nicht von ihm. So stützt sich denn (die Risale-i Nur) schon seit zwanzig Jahren in aller Öffentlichkeit auf unwiderlegbare Zeugnisse und zwingt so meine äußeren (die gottlosen Lehren westlicher Philosophie) wie inneren (nefs)Feinde, sich zu ergeben. Wäre meine Person ein bedeutender Stützpfeiler für sie, würden meine Feinde, die Atheisten, gnadenlose Gegner, sich niemals geschlagen geben. Doch obwohl meine Feinde in ihrem Wahnsinn mit Lug und Trug auf jede Weise immer wieder versuchen, mich in Misskredit zu bringen und das allgemeine Wohlwollen der Leute mir gegenüber zu zerstören, können sie dennoch der allgemeinen Verbreitung der Risale-i Nur und dem Wert (den sie in den Augen der Leute hat) keinen Schaden zufügen. Selbst wenn es ihnen gelingt, einigen schwachen, erst noch anfänglich begeisterten den Kopf zu verdrehen, wird es ihnen dennoch nicht gelingen, sie dazu zu bringen, sich (von der Risale-i Nur) abzuwenden.
Aufgrund dieser Tatsache (haqiqat)kann ich die gute Meinung, die mir (diese Leute) entgegenbringen und die weit über das hinaus geht, was mir zusteht, nicht akzeptieren, weil ja in dieser Zeit der Egoismus (enaniyet)vorherrschend ist (und diese Leute daher eine Gegenleistung von mir erwarten). Ich selbst hege nicht so wie es meine Brüder tun eine solch "Gute Meinung" über mich. Und wäre denn die religiöse Stufe (maqam-i ukhrevi),die meine Brüder ihrem armseligen Mitbruder zuschreiben, wahrhaftig meine Stufe im Glaubensleben (haqiqi dini maqam),so gilt entsprechend (dem Satz) am Ende des Zweiten Briefes der gesammelten Briefe (mektubat):"Sollte ich - was Gott
verhüten möge! - in dieser Vollkommenheit (kemalat),die man meiner Person als geistliches (manevi)Geschenk zuerkennt, mich selbst wiedererkennen, so wäre dies ein Beweis dafür, dass ich dies nicht bin. Wüsste ich selbst aber nichts davon, so ist es notwendig, ein derartiges Geschenk nicht anzunehmen." Sollte ich aber selbst auf einen derartigen Rang (maqam)Anspruch erheben, so könnte hier der Egoismus (enaniyet)platzgreifen...
Bleibt noch als ein weiterer Punkt, dass man ja sagen könnte, dass jemand, der damit beauftragt (vazifedar)ist, die Glaubenswahrheiten (haqaiq-i imaniye)für diese Welt (dunya)zu verbreiten, einen entsprechenden Rang (maqam)innehaben sollte, um desto effektiver wirken zu können. Dem widersprechen jedochzwei Dinge.
Erstens:
Angenommen, es handle sich dabei um (den Rang) der Heiligkeit (velayet)und jemand strebe danach wissend und wollend, so widerspräche dies dem Wesen der Heiligkeit (velayet)und der Bescheidenheit. Niemand kann sich, wie die Sahabis, zu den Erben des Propheten (sahabis)rechnen oder dergleichen behaupten. Mit ihnen kann man sich nicht vergleichen.
Zweites Hindernis:
Wenn ein Mensch in vielerlei Hinsicht angreifbar ist, wenn er sterblich (fani)ist, wenn er nur für sich selbst reden kann, wenn er (an die Begrenzungen von Zeit und Raum) gebunden ist, (wenn er weiß, dass auch er) Fehler hat, so ist dies für (die Botschaft) der Risale-i Nur und die Verbreitung der Glaubenswahrheiten (haqaiqi imaniye)nur von Nachteil. Es gibt jedoch (in dieser Sache) dankenswerter Weise einen Punkt: weil meine politischen Gegner über diese oben erwähnten Tatsachen (haqiqat)kein Wissen haben, denken sie stets nur an den alten ehrwürdigen, hochachtbaren Said und beschäftigen sich ständig damit, anstelle der Risale-i Nur meine Person verächtlich zu machen und deren Fehler aufzuzeigen. Manche fanatische, selbstbezogene Lehrer (enaniyetli hodjalar)hetzten (die Leute) gegen mich auf, als wollten sie die Lichter (Nur)auslöschen. Stattdessen tragen sie dazu
bei, den Glanz der Lichter (Nur)nur noch zu erhöhen. Denn diese Lichter entströmen nicht meiner Wenigkeit, sondern aus der Quelle der qur'anischen Sonne.
..........
Said Nursi
* * *
بِاسْمِهِ سُبْحَانَهُ
{"Im Namen dessen, der gepriesen sei!"}
Meine lieben getreuen Brüder!
Um die Blütenpracht dieses Frühlings schauen zu können, fuhr ich ein, zwei Stunden im Wagen spazieren. Auf eine noch nie zuvor im Leben geschaute Weise wuchsen alle Blumen, Gräser und Kräuter mehr als je zuvor. Sie öffneten ihre Blüten, sangen ihren Lobpreis (tesbihat)und priesen (taqdir)ohne Worte (lisan-i hal)das Kunstwerk ihres Meisters in Seiner Majestät (Sani-i Dhu-l'Djelal)und jubelten Ihm im Empfinden einer wahrhaften Gewissheit (haqqa-l'yakin)zu. So stieg denn in meiner gottvergessenen (ghafil),ungeduldigen Seele (nefs)jenes Gefühl auf, das nach einem Leben in dieser Welt (hayat-i dunyeviye)verlangt. Doch in meinem Herzen (qalb),das in aller Vergänglichkeit (fani)nach der Ewigen (baqi)Seligkeit strebte und dabei die gegebene Gelegenheit ergriff, wuchs im Ekel vor dieser Welt (dunya),überdrüssig aller Krankheit und der Bedrängnis dieses Lebens (hayat)ein brennendes Verlangen, in jene Zwischenwelt (berzah)hinüberzugehen und dort 90/100 meiner Freunde wiederzusehen. Doch da erhob sich in meinem Inneren (nefs)ein Einwand. Wegen dieses Einwandes aber zeigte sich mir plötzlich das Licht des Glaubens (iman nuru)und breitete sich in all meinem Empfinden und Gespür aus. Da sich unseren fünf Sinnen (maddi djihetinde)in so vielen Kunstwerken
Schönheit (djemal),Barmherzigkeit (rahmet)und das Leben (hayat)offenbart, ist der Erdboden gleichsam ein Schleier vor Gottes grenzenloser Barmherzigkeit (rahmet)...und nichts, was sich uns durch ihn zeigt, bleibt dem Zufall (bashibosh)überlassen. Dabei hat der Erdboden sicherlich seinen Anteil an jener Art Werkbänken, aus deren geistige Zentren (manevi)all jene äußerlichen, materiellen Kunstwerke (hervorgehen), die ein Schleier über all der Pracht und Schönheit, der Vollkommenheit (djemal),der Barmherzigkeit (rahmet)und dem Leben (hayat)sind und auf sie zurückgeführt werden können. Sicherlich sollten wir deswegen mit Ehrfurcht über diesen Erdboden schreiten, der unsere (stets alles geduldig) ertragende Mutter ist, an deren Brust wir unsere Zuflucht suchen und uns dabei ihre wahren (haqq),unvergänglichen, himmlischen (manevi)Blumen vor Augen halten, die noch weit liebenswerter sind und nach denen wir sehnsüchtig zu verlangen. Auf diese Weise wurden denn diese blinden Gefühle und alle Einwände meiner in diese Welt vernarrten Seele ganz und gar beseitigt und überwunden.
اَلْحَمْدُ لِلّٰهِ عَلٰى نُورِ اْلاِيمَانِ مِنْ كُلِّ وَجْهٍ
{"Dank sei Gott für das Licht des Glaubens in all seinen Aspekten!"}
Said Nursi
* * *
بِاسْمِهِ سُبْحَانَهُ
{"Im Namen dessen, der gepriesen sei!"}
Meine lieben getreuen Mitbrüder!
Erstens:
Möge Gott es wollen (insha-a'llah),dass die geistige Körperschaft der Nurdjus zu jenen Glücklichen gehören wird, die im gesegneten Monat Ramadan das an Lohn gewinnen wird, was eine, von achtzig Jahren im
Gebet (ibadet)erfüllte Spanne des Leben an Lohn gewinnen lässt! Bis zu den Festtagen (bayram)sollten also die Nur-Schüler, soweit wie sie dazu imstande sind, aufrichtig (ikhlas)für einander beten (dua)und innerlich (manevi)"Amen!" dazu sagen, sodass ein jeder Einzelne, der sich daran beteiligt, seinen Fähigkeiten entsprechend, (seinen Anteil) an diesem achtzigjährigen (Leben) gewinnen möge. So werdet ihr sicherlich diesem, euren kranken Bruder, der unter euch der schwächste und am schwersten beladene ist, geistigen (manevi)Beistand leisten.
Zweitens:
Da sich ein, zwei Ärzte, die zu den Säulen der Risale-i Nur gehören, weil ich mich, trotz meiner schweren Krankheit nicht bei diesen aufrichtigen (halis)und treuen (sadiq)Seelen wegen meiner Krankheit gemeldet habe, keine Medizin genommen habe, trotz meiner so schweren Krankheit nicht um Rat gebeten, auch in dieser Zeit meines fortschreitenden Alters und in all meinen Schmerzen meine Krankheit nicht zum Thema gemacht habe, obwohl sie mich doch besucht hatten, viel Kummer und Sorgen um mich gemacht haben, sehe ich mich nun doch noch dazu gezwungen, diese ansonsten sehr persönliche (sirr)Tatsache (haqiqat)bekannt zu machen. So schreibe ich euch dies denn, damit es euch vielleicht von Nutzen sein könnte.
So habe ich ihnen denn gesagt: Sowohl meine heimlichen Feinde als auch mein Ego (nefs)suchen mit Hilfe des Satans bei mir die empfindliche Stelle, wo sie mich packen und so meinem völlig aufrichtigen (ikhlas)Dienst an der Risale-i Nur einen Schaden zufügen könnten. Mein schwächster Punkt und meine schrecklichste Behinderung ist aber (dort zu suchen), wo meine Krankheit (sitzt). Je wichtiger man aber diese Krankheit nimmt, desto mehr wird sie ihren Sieg über den Gemütszustand, den Leib und die Seele (nefs)davon tragen. "Das ist notwendig! Das ist zwangsläufig!", sagt sie und bringt so Herz (qalb)und Verstand (ruh)zum Schweigen. So macht sie den Arzt zu einem despotischen Herrscher (hakim).Der aber zwingt (den
Patienten) dazu, seine Vorschriften zu befolgen und die (vorgeschriebenen) Medizinen einzunehmen. Weil dies aber so ist, schadet sie so einem opferbereiten und aufrichtigen (ikhlas)Dienst. Zudem haben sich meine heimlichen Feinde auch darum bemüht, diesen schwachen Nerv (in mir zu ihren Gunsten) auszunutzen und tun dies noch heute. Und in gleicher Weise verfahren sie auch mit der Furcht, der Gier, mit Ruhm und Ehre... (Was jedoch die Angst, also den schwächsten Punkt im menschlichen (Leben), betrifft, so konnten sie damit bei mir nichts ausrichten, denn sie wissen genau, dass ich ihrer Todesstrafe keine fünf Para Wert beimesse).
Danach haben sie sich auch viel mit der Sorge um das tägliche Brot, einer anderen menschlichen Schwäche, beschäftigt und sich auch hinsichtlich der (menschlichen) Gier große Mühe gegeben. Doch bis heute konnten sie auch aus dieser Schwäche keinen Nutzen für sich ziehen. Danach ist es ihnen klar (tahaqquq)geworden, dass die irdischen (dunya)Güter, für die sie opfern, was (nach islamischem Verständnis) heilig (muqaddesat)ist, in unseren Augen überhaupt gar keinen Wert haben; und es waren viele Ereignisse an Hand derer ihnen das klar (tahaqquq)geworden ist! Ja, in diesen zehn letzten Jahren haben sie schon mehr als hundertmal an die Regierung eine offizielle Anfrage gerichtet: "Wovon lebt der denn eigentlich?" und über welche Rücklagen verfügt er denn?
Danach haben sie sich mit dem Ruhm und der Ehre des Menschen und mit seiner Stellung (beschäftigt), die auch mit zu seinen größten Schwächen (gehören), haben auch an dieser empfindlichen Stelle (versucht), mich zu provozieren, mir ihre abgekartete Verachtung gezeigt, mir auf eine besonders schmerzliche Weise Beleidigungen zugefügt und haben so (versucht), mir mit ihren Schikanen auf die Nerven zu gehen und haben doch damit in gar keiner Weise Erfolg gehabt. Endlich haben sie nun absolut verstanden, dass wir wissen, dass Ruhm und Ehre, die sie doch in dieser Welt (dunya)anbeten, nur eine Theatervorstellung und
eine gefährliche (Art) der Selbstgefälligkeit ist. Ihrer Sucht nach Ruhm, Ehre und einer (hohen) Stellung in dieser Welt (dunya),auf die sie einen so außergewöhnlichen Wert legen, messen wir keine fünf Para an Wert bei... wissen vielmehr, dass sie in dieser Hinsicht geradezu verrückt sind.
Sich also einen geistlichen Rang (manevi maqam)zuzuschreiben, halten wir daher letztendlich für eine Schwachstelle bei unserem Dienst, auch in Anbetracht der Tatsache (haqiqat),dass er von allen hochgeschätzt wird und jeder danach strebt, einen solchen zu erlangen und so auf der Leiter der Gottesfreundschaft (velayet)fortzuschreiten und zu wissen, dass man der Gnade Gottes (ni'met-i Ilahiyye)teilhaftig geworden ist, was den Menschen förderlich ist und ihnen darüber hinaus keinerlei Schaden zufügt. Doch in einer Zeit, in der ein derartiges Gefühl der Ich-Bezogenheit (benlik),des Egoismus (enaniyet),der Sucht nach dem eigenen Vorteil und der Sorge um die eigene (nefs)Sicherheit vorherrscht, erfordert es der Dienst am Glauben (iman),der auf dem Geheimnis der Aufrichtigkeit (ikhlas)beruht und keinem anderen Zweck als Mittel dienen darf, nicht für sich selbst einen geistigen Rang (maqam-i maneviye)anzustreben. Deswegen ist es notwendig, in all seinem Verhalten dergleichen nicht zu erstreben, ja nicht einmal daran zu denken, um das Geheimnis der wahren Aufrichtigkeit (haqiqi ikhlasin sirri)nicht dadurch zu beflecken.
Aus diesem Grunde haben diejenigen, die mich bei meinen Schwachstellen packen wollten, verstanden, dass ich, nach inneren Schauungen, Wundern und geistigen Vollkommenheiten (keshf-u keramati ve kemalat-i ruhiye),nach denen jedermann sucht, nicht suche, wo dies außerhalb meines Dienstes an der Risale-i Nur geschieht. So mussten sie sich denn auch in diesem Punkt geschlagen geben.
Friede (selam)jedem einzelnen unserer Brüder! Und für die kommende Nacht der Bestimmung (Leyle-i Qadir)erbitten wir von Gott, dem Allbarmherzigen (Rahmet-i Ilahiyye),
Er möge für jeden Schüler der Risale-i Nur, um dieser Nacht der Bestimmung (Leyle-i Qadir)willen, wahr (haqiqat)werden zu lassen, dass doch (diese Nacht) einem ganzen Leben von dreiundachtzig Jahren im Gebet (ibadet)verbracht, gleich kommen möge!
Euer Bruder
Said Nursi
* * *
بِاسْمِهِ سُبْحَانَهُ
{"Im Namen dessen, der gepriesen sei!"}
Meine lieben getreuen Brüder!
Erstens:
In der Nacht der Bestimmung (Leyle-i Qadir),ist mir eine Wahrheit lang und breit ins Herz gedrungen, die ich hier ganz kurz ausdeuten möchte. Es ist dies wie folgt:
Aufgrund der furchtbaren Ungerechtigkeiten und der furchtbaren Unterdrückung der Menschheit in diesem letzten Weltkrieg und seiner gnadenlosen Zerstörungen und der vielen hundert Unschuldigen, die wegen eines einzigen feindlichen Soldaten zu Grunde gerichtet wurden, und der schrecklichen Verzweiflung der Besiegten und der schrecklichen Panik der Sieger, weil sie ihren Herrschaftsbereich nicht verteidigen können, und ihrer schrecklichen Gewissensqualen, weil sie den großen Schaden nicht wieder gutmachen können, und der allgemeinen Einsicht in die totale und absolute Nichtigkeit und Vergänglichkeit des irdischen Lebens und in die Trug- und Traumbilder der Zivilisation, und der allgemein verbreiteten schrecklichen Verwüstungen in den großartigen Anlagen und im Kern humanistischer Gesinnung auf dem Grunde menschlichen Wesens, und der Vernichtung von Gottvergessenheit, Irrglaube und tauber, unfruchtbarer Naturphilosophie mit dem diamantenen Schwerte des Qur'an, und der Erkenntnis des so hässlichen und so erbärmlichen wahren Gesichts der
allgemein über die Erde verbreiteten Politik, deren trügerischer Schleier aus Gottvergessenheit und Irrtum alles überdeckt und erstickt, besteht sicher und gewiss kein Zweifel daran, dass die Menschheit, wie wir das im Norden, im Westen und in Amerika bereits in Spuren erkennen können, weil das irdische Leben, das ihre weltliche Geliebte ist, so abstoßend und vergänglich ist, auf ihrer Suche nach ihrem in Wahrheit geliebten Menschenwesen das ewige Leben mit ganzer Kraft suchen wird, und es besteht sicherlich auch kein Zweifel daran, dass es der Qur'an, ein Wunder der Verkündigung, der seit 1360 Jahren mit seinen 350 Millionen Schülern in jedem Jahrhundert und Millionen Kennern der Wahrheit, die alle seine Verordnungen und Lehren mit ihrer Unterschrift bestätigen, der in den Herzen von Millionen seiner Rezitatoren wohnt, mit deren Zungen er in jeder Minute die Menschen unterrichtet, der in einer Weise, die keinem anderen Buche vergleichbar ist, der Menschheit die frohe Botschaft vom ewigen Leben und der ewigen Glückseligkeit verkündet, der die Wunden der ganzen Menschheit heilt, dass es dieser Qur'an ist, den, weil er mit tausenden von Ayat mächtig und kraftvoll immer wieder, ja sogar zehntausend Mal ausdrücklich oder hinweisend einlädt und berichtet und mit unerschütterlich sicheren Beweisen, mit zahllosen, unbezweifelbaren Zeugnissen die frohe Gewissheit vom ewigen Leben ausruft und die Lehre von der ewigen Glückseligkeit bringt, die Menschheit sicherlich, falls sie nicht ganz und gar den Verstand verloren hat, oder der Untergang der materiellen oder geistigen Welt über sie hereingebrochen ist, wie die berühmten Schriftsteller, die sich darum bemühen, dass in Schweden, Norwegen, Finnland und England der Qur'an angenommen werden möge, und wie die bedeutende Gruppe in Amerika, die den wahren Glauben sucht, ja große Länder und ganze Staatenbünde diesen Qur'an, dieses Wunder der Verkündigung, suchen, und nachdem sie seine Wahrheit verstanden hat, mit ganzem Herzen und ganzer Seele annehmen wird.
Denn vom Standpunkt der Wahrheit aus betrachtet, hat der Qur'an mit Sicherheit nicht Seinesgleichen und nichts kann den Platz dieses so großen Wunders einnehmen.
Zweitens:
Die Risale-i Nur hat in der Hand des großen Wunders (d.h. des Qur'an) nicht nur als ein diamantenes Schwert gute Dienst erwiesen und ihre verstockten Feinde zur Aufgabe gezwungen, sondern vermag zudem auch das Herz, den Geist und auch die Gefühle vollständig zu erleuchten, ihnen Heilmittel zu bereiten und auf diese Weise die Schätze des Qur'an bekannt zu machen. Die Risale-i Nur kennt außer ihm kein Quellen- oder Nachschlagewerk, widerspiegelt vielmehr seine Bedeutung vollkommen, hat alle Gegenpropaganda überstanden und die so starrsinnigen Atheisten vollständig besiegt. Sie hat die so feste und starke Burg der Naturphilosophen mit ihrer "Natur Risale" in Stücke geschlagen und die sich bis in weite Fernen ausdehnende Finsternis einer völlig undurchdringlichen, erstickenden Gottvergessenheit vertrieben, die sich so weit ausdehnenden Schleier der Naturwissenschaften mit der sechsten Problemstellung der "Frucht Risale" und mit dem ersten, zweiten, dritten und achten Zeugnis in dem Band "Stab Mosis" auf eine wirklich glänzende Weise zerrissen und das Licht der Einheit Gottes aufscheinen lassen. So sind denn jetzt, nachdem die Erlaubnis, für den Religionsunterricht Privatschulen (dershane)zu eröffnen, offiziell erteilt worden ist, diese sicherlich für uns notwendig und noch notwendiger für das Volk und ist es jetzt, nachdem diese Erlaubnis erteilt worden ist, notwendig, dass alle Schüler der Risale-i Nur, soweit dies möglich ist, dafür überall solche winzig kleinen Schulen (dershane-i Nuriye)eröffnen. Natürlich kann dabei ein jeder auch für sich selbst seinen Nutzen daraus ziehen, doch kann nicht jeder jedes Thema voll und ganz begreifen. Weil aber (die Risale-i Nur)eine Erklärung der Glaubenswahrheiten (haqiqat)ist, ist sie zugleich sowohl Religionswissenschaft (ilim)als auch Gotterkenntnis (marifetullah)und Gottesdienst (ibadet).
Statt der fünf oder zehn Jahre an einer alten Medresse
wird man heute mit Gottes Hilfe (insha-a'llah)das gleiche Ergebnis an einer Medresse der Risale-i Nur schon in fünf oder zehn Wochen erreichen. Und so wird das schon seit zwanzig Jahren gemacht. Da die (göttlichen) Funken des Qur'an sowohl für die Regierung, das Volk, das Land, das irdische Leben (hayat-i dunyeviye),die Politik und das Jenseits (ukhreviye)von sehr großem Nutzen sind, ist es dringend notwendig, die Risale-i Nur als seinen Verkünder nicht zu belästigen, sondern sich vielmehr alle Mühe zu geben, deren Verbreitung in jeder Hinsicht zu fördern, damit sie zur Buße für alle vergangenen entsetzlichen Sünden und als ein Schutzwall gegen alle künftigen schrecklichen Plagen und gegen die Anarchie dienen kann.
Meine Brüder, macht euch keine Sorgen! Begnügt euch damit, (die Herzen) wie hinter einem Vorhang verborgen, für die Risale-i Nur zu gewinnen. Wir kennen aus der Geschichte bis heute kaum ein Werk, das unter solch schwierigen Umständen einen derartigen Einfluss gehabt hätte. Der Grund dafür, dass euch nicht die völlige Freiheit gegeben wird und die Weisheit (hikmet)dahinter ist die, dass man die außerordentliche Macht der Risale-i Nur fürchtet, ja es wurde sogar die Nachricht verbreitet, sie könne einen Aufstand zuwege bringen. Doch obwohl der Vorsitzende des Amtes (diyanet,für religiöse Angelegenheiten die Risale-i Nur) durchaus hochschätzt und anerkennt, geriet er dennoch (bei dem Gedanken an) eine derzeitige offizielle Druckerlaubnis in Panik und sprach sogleich deswegen bei dem Herrn Staatspräsidenten vor. Zwar will man jetzt (1944) nicht mehr wie in früheren Zeiten (1925) zum Angriff übergehen, sondern wünscht vielmehr den Frieden (musalah)zu bewahren. Möge aber Gott es wollen (insha-a'llah),dass die mächtigen Strömungen zugunsten der Risale-i Nur diese Befürchtungen in Begeisterung verwandeln und so (am Ende doch noch) eine offizielle Druckerlaubnis erteilt werden wird. {was dann 1950 tatsächlich geschah!}
Auch sind viele egoistisch (denkende Menschen, die lieber ihre eigenen) Werke veröffentlicht sehen möchten, weil sie die Eifersucht plagt, keineswegs dafür, dass die Risale-i Nur, eine allgemeine Verbreitung finden könnte.
Drittens:
Durch die Pilgerströme (Hadji)wird die Risale-i Nur nun auch in anderen Ländern der islamischen Welt bekannt. So gelangt sie jetzt (gewissermaßen) aus eigener Kraft in würdige Hände. Der "Stab Mosis (Asa-yi Musa)"und das "Dhu-l'Fikar"{1. Auferstehung (hashir), 2. Wunder Mohammeds (Mudjizati Ahmediye), 3. Der Qur'an als ein Wunder (Mudjizat-i Qur'aniye) aus dem Band "Worte (Sözler)": drei getrennte Bände.} haben wir als handschriftliche Kopie nach Damaskus gesandt, wo (diese Bände von den dortigen) Gelehrten (hey'et-i ilmiye)fünfzehn Tage lang studiert wurden. Danach brachten sie ihre Hochschätzung zum Ausdruck mit den Worten: "Das werden wir in unserer Zeitschrift in Fortsetzungen abdrucken lassen, da eine Gesamtausgabe dieser Werke zu viel Geld erfordern würde."
Said Nursi
* * *
بِاسْمِهِ سُبْحَانَهُ
{"Im Namen dessen, der gepriesen sei."}
Meine lieben getreuen Mitbrüder!
Erstens:
Ich möchte euch hier (zwei) Erlebnisse aus meinem, doch recht eigenartigen, sowohl oft leidvollen, zudem aber auch gestig orientierten (latif)Leben (erzählen), als auch von den Verleumdungen durch meine Feinde, die zwar ganz abscheulich sind, mit denen sie jedoch unter tausend Möglichkeiten mit keiner einzigen Möglichkeit auch nicht einen einzigen Teufel oder sonst jemanden täuschen können, was denn auch erklärt, warum sie überhaupt keine Waffen mehr haben, die sie gegen die Risale-i Nur einsetzen könnten. Es ist dies wie folgt:
Für die, die meinen Lebenslauf kennen, ist folgendes bekannt: Vor fünfundfünzig Jahren, als ich etwa zwanzig Jahre alt war, wohnte ich zwei Jahre in dem Haus des verstobenen Gouverneurs Ömer Pascha in Bitlis, weil er das Wissen hochschätzte und auf meinem Bleiben beharrte. Er hatte sechs Töchter. Drei davon waren noch klein und die anderen drei waren groß. Ich habe aber die drei großen niemals kennen gelernt und konnte sie noch nicht einmal von einander unterscheiden, obwohl wir zwei Jahre mit einander im selben Hause wohnten. Ich habe sie niemals lange genug aufmerksam betrachtet, um sie wiedererkennen zu können. Ein Gelehrter, der mich einmal besuchen kam und eine Zeitlang mein Gast war, konnte sie schon nach zwei Tagen voneinander unterscheiden und sie wiedererkennen. Jeder war über meine Haltung erstaunt und fragte mich: Warum siehst du sie denn nicht einmal an? Ich sagte immer: "Die Wahrung der Würde der Wissenschaft (ilmin izzetini)lässt es nicht zu, mir (die Mädchen) anzusehen."
Ein andermal stiegen wir, das heißt, der inzwischen verstorbene Abgeordnete Molla Seyyid Taha und der Abgeordnete Hadji Ilyas und ich, und das war vor vierzig Jahren und in Kagithane, einem Stadtteil von Istanbul und gerade an einem besonderen Feiertag, wo Tausende offen und freizügig bekleideter griechischer, armenischer und anderer Istanbuler Mädchen und Frauen zu beiden Ufern des Goldenen Hornes zwischen der Galata-Brücke bis nach Kagithane auf und ab flanierten, zusammen in ein Boot. Und so fuhren wir an diesen Frauen vorbei. Doch ich nahm sie überhaupt nicht wahr. Nach etwa einer Stunde gestanden mir dann Molla Taha und Hadji Ilyas, dass sie mich in Wirklichkeit hatten prüfen wollen und mich abwechselnd beobachtet hatten. Dabei sagten sie: "Wir haben uns sehr über dein Verhalten gewundert. Du hast noch nicht einmal geguckt!" Ich sagte: "Da die Folgen solch nutzloser, flüchtiger und zudem noch sündhafter Genüsse nur Leiden und ein (schmerzliches) Bedauern sind, will ich so etwas nicht."
Darüber hinaus wissen alle, die mit mir befreundet sind, dass ich mein ganzes Leben lang niemals Geschenke angenommen habe, mich auch stets geweigert habe, von irgendwelchen Leuten Almosen (sadaqa)oder sonstige gute Gaben (ihsan)entgegen zu nehmen, die mich ihnen gegenüber zu Dank verpflichtet hätten. Um der Ehre der Risale-i Nur, des Dienstes am Glauben (iman)und des Qur'an willen und um ihre Unabhängigkeit (selamet)zu wahren, habe ich auf alle weltlichen (dunya)Güter und das gesellschaftliche Leben verzichtet, mein Interesse an der Politik aufgegeben und auf den Zorn der Leute und ihre Morddrohungen keine fünf Para Wert gelegt, was auch aus den zwanzig Jahren qualvoller Gefangenschaft in zwei verschiedenen abscheulichen Kerkern und vor ihren Gerichtshöfen ohne Zweifel deutlich geworden ist.
Nachdem aber ich bereits fünfundsiebzig Jahre meines Lebens diesem Prinzip getreu verbracht hatte, setzte (so ein Kerl), der (auch noch) ein öffentliches Amt bekleidet, eine Verleumdung (in die Welt), um den außerordentlichen Wert der Risale-i Nur zu zerstören, (eine Verleumdung), wie sie sich selbst die Teufel nicht hätten erdenken oder erträumen können. Er sagte nämlich: "Nachts kommen Dirnen (fahishe)und Halunken mit Bergen von Kuchen (baklava)zu ihm!" In Wirklichkeit aber sind meine Türen nachts, und zwar (die erste) von außen und (die zweite) von innen verschlossen und diese (Doppel)-Türe wird auch noch auf Befehl dieses Unglückseligen bewacht. Zudem wissen selbst meine Nachbarn und alle meine Freunde, dass ich vom Nachtgebet (i'sha)bis zum Morgengebet (sabah)niemanden bei mir empfange. Also eine derartige Verleumdung würde doch noch nicht einmal ein armer unglückseliger Dummkopf, selbst wenn er noch dazu ein Esel wäre und danach auch noch ein dummer Teufel geworden wäre, für möglich halten! Doch dieser Mann musste es schließlich aufgeben, weiter seine Intrigen zu planen und ist von hier zu jenem anderen Ort gefahren, wo der Pfeffer (djehennem)wächst! Mit diesen Plänen, die er da geschmiedet
hat, wollte man öffentlich nicht etwa mich, sondern die Risale-i Nur in den Schmutz zerren und diese neue Geschichte zum Anlass nehmen, um auch die Nurdjus in Misskredit zu bringen. Doch unter dem Schutz und Schirm der Güte Gottes (inayet-i Ilahiyye)sind all diese Pläne auf wunderbare Weise wirkungslos geblieben. Ich möchte mit dieser Erklärung keineswegs meine Seele (nefs)reinwaschen. Ich möchte vielmehr sagen, dass dieser heilige Dienst am Glauben (qudsi hizmet-i imaniye)meine Seele (nefs)von allen Lustbarkeiten abgewandt hat und mir nun die innerliche (manevi)Freude an diesem Dienst genügt (kafi).Und somit erkläre ich, dass auch die Nurdjus aller Umsicht und Aufmerksamkeit bedürfen.
Zweitens:
Ich werde euch einen Schreiber senden, der mit einer Maschine erfahren ist und sie beherrscht. Denn ich selbst kann doch nur mit Mühe schreiben und werde mich von jetzt an kurz fassen. Seid also deswegen nicht enttäuscht!
............
Viertens:
Gerade in diesem Augenblick habe ich von Mehmet Feyzi, dem Hüsrev {Hüsrev in Isparta kann man in Kastamonu mit Mehmet Feyzi vergleichen.} von Kastamonu einen Brief erhalten, indem er uns vor Freude strahlend seine Glückwünsche (tebrik)mitteilt und uns die frohe Nachricht überbringt, dass die Risale-i Nur (alle Herzen) erobert. Und hiermit beglückwünschen wir vor allem unsere verehrten Brüder Hilmi und Emin, insgesamt fünf Brüder zusammen mit Zehra, Lütfiye und Ulviye und all die anderen Schwestern (im Dienste an) der Risale-i Nur, sowohl zu den zehn heiligen Nächten (leyali-i ashere)als auch zu den Fest- und Feiertagen (bayram)mit Herz und Verstand (ruh-u djan).Zugleich fügen wir auch noch die Briefe von Hulusi und Feyzi bei.
Said Nursi
* * *
بِاسْمِهِ سُبْحَانَهُ
{"Im Namen dessen, der gepriesen sei."}
Meine lieben getreuen Mitbrüder!
Erstens:
Herzlichen Glückwunsch an alle Nurdjus zu den segensreichen Festtagen und auch zu den Feiertagen der "Nur"-Schüler, die sich auf der großen Pilgerfahrt (Haddju-l'akbar)befinden, und aller Anhänger der "Nur" (Licht: Risale-i Nur),die auf Pilgerfahrt sind. Ebenso einen Glückwunsch zum Beginn des Festtages der islamischen Welt, an dem die großen Länder der islamischen Welt, wie Indien und Arabien, die seit langer Zeit unter Kolonialverwaltung gestanden und ihre Selbstständigkeit verloren hatten, wieder zur islamischen Gemeinschaft hinzutreten. Ein islamischer Staat mit hundert Millionen Einwohnern zu beiden Seiten des indischen Subkontinents, ein anderer islamischer Staat auf der indonesischen Inselwelt mit weiteren mehr als hundert Millionen Einwohnern, und vier, fünf Regierungen in den arabischen Ländern, die sich als vereinigte Republiken zu einer arabischen Gemeinschaft zusammenfanden, die sie in dieser islamischen Einheit miteinander verbindet. Dies alles ist für uns während dieser Festtage eine wirklich gute Nachricht (mujde).
Zweitens:
Wie Re'fet Bey und Mustafa Orutj mir geschrieben haben, finden sich an der Frontseite dieses riesengroßen (Gebäudes) des Kriegsministeriums, das lange Zeit die Verwaltung des islamischen Heeres beherbergte und das später in das "Haus der Wissenschaften (darul'fenun)"umgewandelt wurde, diese beiden bedeutungsvollen Ayat:
اِنَّا فَتَحْنَا لَكَ فَتْحًا مُبِينًا ٭ وَيَنْصُرَكَ اللّٰهُ نَصْرًا عَزِيزًا
{"Wir haben dir einen offenkundigen Sieg verliehen." (Sure 48, 1) "Gott möchte dir damit mächtige Hilfe leisten." (Sure 38, 3)}
Später wurden sie mit Marmorsteinen überdeckt, sodass
diese lichtvollen (Nur)Ayat nun darunter verborgen sind. Jetzt wurden sie wieder freigelegt, was ein Zeichen für die Wiederzulassung (1980!) der (ursprünglich für den Qur'an entwickelten) arabischen Schriftzeichen ist, ein günstiger Umstand für das von der Risale-i Nur verfolgte Ziel (einer Erhaltung der osmanischen Sprache) und ein Hinweis darauf, dass diese Universität (das oben erwähnte darul'fenun)in Zukunft eine "Nur"-Medresse(Schule der Risale-i Nur) werden wird.
Genauso schrieben mir die (beiden) Ahmeds, Nurdjus aus Denizli, ein Zitat aus einem Werk von Bismarck, der ein berühmter Gelehrter und in seinen sozialen Ideen der weitsichtigste unter den bedeutenden Denkern des 19. Jahrhunderts war. Und dieser große Bismarck sagt in seinem Werk:
"Ich habe den Qur'an von jedem Gesichtspunkt her erforscht (tetkik).Ich sah in jedem seiner Worte große Weisheiten (hikmet).Es gibt kein vergleichbares Werk, das in der Lage wäre, die Menschheit zu leiten, und kann es niemals geben."
Und er redet den Propheten direkt an indem er sagt:
"Oh Mohammed, ich bedauere es sehr, dass ich nicht zu deiner Zeit gelebt habe! Die Menschheit hat ein Mal eine so geniale und machtvolle (Persönlichkeit) wie dich schauen dürfen und wird sie danach nie wieder erleben."
Bismarck
Darunter hat er dann seine Unterschrift gesetzt. Da er jedoch aus diesem Gedanken (fikr)heraus die offenbarten Schriften (qutub-u munzele)als verfälscht und ungültig geworden sehr weit herabgewürdigt hatte, sollte man diese Sätze besser nicht schreiben. Darum habe ich sie auch (entsprechend) angemerkt.
Diese Persönlichkeit war eine der scharfsinnigsten und größten Philosophen des 19. Jahrhunderts und einer der bedeutendsten Personen im politischen wie im soziologischen Gesellschaftsleben (itjtimaiyat-i besheriye).Auch erhielt die islamische Welt in gewissem Grade ihre Unabhängigkeit (von den Kolonialmächten), die fremdländischen
Regierungen beginnen nach den Wahrheiten (haqq)des Qur'an zu suchen und im Westen (Amerika) wie im Nordwesten (Europa) entstanden bedeutende Strömungen (westlicher Philosophen) für den Qur'an. Desweiteren sagte Carlayl, einer der bedeutendsten und bekanntesten Philosophen Amerikas genau wie bereits Bismarck gesagt hatte: "Alle anderen Bücher können in keiner Weise dem Qur'an gleich kommen. Er ist das wahrhafte Wort (Gottes) und auf ihn müssen wir hören." Das war seine feste Überzeugung. Auch die Werke der Risale-i Nur haben überall (die Herzen) erobert und verbreiten sich weiter. Es ist ein gutes und bedeutendes Vorzeichen dafür, dass unter Ausländern viele (Leute) gleich Bismarck und Carlayl auftreten werden und dafür gibt es auch Hinweise. Als ein Festtagsgeschenk überreichen wir den Nurdjus diese Gedanken Bismarcks und fügen sie hier bei.
Zweitens:
Da die größte Kraft (quvvet)der Risale-i Nur gegenüber ihren so zahlreichen Gegnern die Wahrhaftigkeit (ikhlas)ist und da sie für keinerlei weltliche (dunya)Angelegenheiten als Werkzeug gebraucht werden darf, kann sie sich auch nicht mit Strömungen beschäftigen, die sich leidenschaftlich für die Interessen ihrer Partei einsetzen und das besonders immer dann, wenn es um Fragen der Hohen Politik geht. Denn die politische Blindheit in den Parteien zerstört die Wahrhaftigkeit und lässt die Wahrheit (haqiqat)in einem anderen Licht erscheinen.
So ist denn auch der Grund dafür, dass ich seit dreißig Jahren die Politik aufgegeben habe der, dass ein angesehener (mubarek)Gelehrter aufgrund der politischen Blindheit, mit der er einer (bestimmten) politischen Strömung folgt, einen anderen bedeutenden und durchaus aufrichtigen Gelehrten, weil er der entgegengesetzten Ansicht ist, dermaßen beleidigte, dass er ihn einen Abtrünnigen (tekfir)nannte, während er gleichzeitig einen bekannten, vorlauten Unruhestifter (munafiq)über die Maßen lobte und pries. Ich bin darüber aus tiefster Seele (ruh)erschrocken. Das heißt, wenn sich die leidenschaftliche Zuwendung zu
einer (bestimmten) Partei bei einer politschen (Diskussion) Bahn bricht und dann zu derartigen sonderbaren Verirrungen (hata)führt, kann ich nur noch sagen:
اَعُوذُ بِاللّٰهِ مِنَ الشَّيْطَانِ وَالسِّيَاسَةِ
{"Ich nehme meine Zuflucht zu Gott vor dem Teufel und seiner Politik."}
Seit dieser Zeit habe ich mich von der Politik zurückgezogen. Diese Haltung (hal)aber hatte zur Folge, dass ich, wie ihr, meine Brüder, wisst, seit fünfundzwanzig Jahren eine Zeitung weder selbst gelesen habe, noch hat sie mir jemand vorgelesen; ich hatte auch gar kein Interesse daran. Auch nach dem (zweiten) Weltkrieg (1939-45) habe ich mich zehn Jahre lang nicht danach erkundigt, nichts darüber gewusst und mich auch gar nicht dafür interessiert.
Und übrigens wisst ihr ja auch, dass ich während dieses zweiundzwanzig jährigen Exils, (verbunden mit) Gemeinheiten (jeglicher Art), von meiner Verteidigungsrede einmal abgesehen, niemals einen Antrag (muradja'at)auf Hafterleichterung (istirahat)gestellt habe, um gar nicht erst mit dem Streit der Parteien um die Politik in Berührung zu kommen und um der Aufrichtigkeit (ikhlas)im Dienste der Risale-i Nur nicht zu schaden.
Und weiterhin wisst ihr, wie ich euch bereits aus dem Gefängnis geschrieben habe, dass ich den Herren, die über meine "todeswürdigen Verbrechen (idam)"zu Gericht sitzen und mich dabei (dauernd) schikanieren, falls sie denn ihren Glauben (iman)mit Hilfe der Risale-i Nur retten sollten - und dessen sollt ihr meine Zeugen (shahit)sein - nichts nachtragen (helal)werde. Damit aber die Aufrichtigkeit (ikhlas)nicht in den politischen Quärelen zu schaden kommt, haben wir jede Berührung mit all den von innen oder außen kommenden stürmischen Ereignissen vermieden und so habe ich auch meine Brüder ermahnt, (in diesen Dingen) zurückhaltend zu sein.
Ihr müsst wissen, dass ich, da ich ja (niemals) Almosen (sadaqa)oder (sonstige) Hilfe angenommen habe, also
auch auf dergleichen Hilfsgelder nicht zurückgreifen kann, (stets) meine Kleider und andere Gebrausgegenstände verkauft habe, um dann mit dem Geld die Bücher zu kaufen, die mir von meinen Brüdern geschrieben wurden. Damit sich kein weltlicher (dunya)Nutzen in die Reinheit und Aufrichtigkeit (ikhlas)der Risale-i Nur einschleichen kann und auf diese Weise kein Schaden entstehen kann und damit sich die übrigen Brüder daran ein Beispiel (ibret)nehmen sollten, darf sie (niemals) zu irgendetwas als Mittel gebraucht werden. Für die wahrhaften Schüler des Lichtes (Nur)genügt das Licht (Nur).Sie sollen sich damit begnügen. Auf andere Ehren (sheref),auf geistige oder materielle Vorteile sollten sie ihre Augen nicht richten.
Außerdem sollte man keine Streitgespräche, keine Wortgefechte und keine Diskussionen über Glaubensfragen (mesail-i diniye)vom Zaun brechen, als wolle man Partei ergreifen, was doch nur zu Spannungen führt, sodass sich niemand gegen die Risale-i Nur provoziert fühlt. Ja, es stieg sogar einmal, mir selbst noch nicht einmal bewusst, in meinem Herzen vor Enttäuschung eine dermaßen heftige Wut auf, weil nämlich im selben Augenblick unser Bruder Mustafa Orutj mit irgendjemandem, ganz im Gegensatz zu seiner inneren Berufung (meslek)durch die Risale-i Nur eine heiße Diskussion führte. Und ich hatte sogar den Wunsch, ihn von seinem so bedeutenden Rang zu stürzen, den er sich durch die Risale-i Nur erworben hatte. Dann aber tat es mir doch im Herzen leid. Dabei war er mir doch (so lieb wie mein Neffe) Abdurrahman! Warum denn nur hatte ich mich (so über ihn) aufgeregt?
Später kam er dann an diesem Festtag (bayram)zu mir. Und Gott dem Gerechten (Djenab-i Haqq)sei Dank, hörte er (an diesem Tag) eine ganz besonders wichtige Lektion und sah so seinen großen Fehler ein. Und so gestand er nun seinen Fehler, über den ich (damals) im gleichen Augenblick so wütend geworden war. Gebe Gott (inshaa'llah),dass er nun Buße tut und so wieder rein geworden, gerettet wird.
Vier, fünf Monate lang hat mir jemand eine Zeitung hierher geschickt. Danach erhielt ich die Mitteilung, dass sie mir auch weiterhin geschickt werden solle. Da aber meine Freunde hier meine Gewohnheit kennen, keine Zeitung und, außer der Risale-i Nur, kein Buch und keine Illustrierte anzunehmen, ich auch von der neumodischen Schrift keinen einzigen Buchstaben kenne, so zögerten sie auch nicht, sie mir, ohne weiter ein Wort darüber zu verlieren, sie mir gar nicht erst zu zeigen. Nun hat mir jemand den Brief eines Journalisten, der ein Freund und Landsmann von mir ist, gezeigt, von dem aber nur eine Seite an mich gerichtet ist. Man sagte mir dabei: Dieser Mann hat Ihnen schon seit langem eine Zeitung geschickt. Wir haben uns aber gescheut, es Ihnen zu sagen. Ich sagte ihnen:
Bestellt dieser Person meinerseits viele Grüße (selam)!(Und sagt) meinem Freund, dass der alte Said, so wie er ihn noch in Erinnerung hat, sich inzwischen geändert hat. Er hat seine Beziehungen zur Welt (dunya)abgebrochen. Diese Person möge mir also nicht böse sein, wenn ich nun krank geworden bin und daher meinem Bruder auch nicht mehr selbst einen Brief schreiben kann. Hier nun allen unseren Freunden, besonders aber Hafidh Emin und Hafidh Fahreddin meine Grüße (selam)und zu den Fest und Feiertagen nochmals Gottes Segen (tebrik)!
Unendlicher Dank sei (Gott) dafür, dass die Risale-i Nur von den beiden Wallfahrtsorten (haremeyn-i sherifeyn)angenommen worden ist, wofür folgendes ein Zeichen ist: Der wackere Hafidh Mustafa aus Denizli hatte in Istanbul (die Bücher) "Dhu-l'Fikar(Alis Schwert)" und "Asa-yi Musa(Stab Mosis)" und "Siradju-n'Nur(Leuchte des Lichtes)", die den Gelehrten in Indien geschickt werden sollten, mit sich genommen, sie unterwegs einigen Pilgern (hadji)vorgelesen, die mit ihm zusammen nach Medine-i Münevvere fuhren, und sie schließlich einer sehr berühmten gelehrten Persönlichkeit aus Kaschmir, der auch ausgezeichnet türkisch verstand, übergeben. Diese Person wusste das auch durchaus zu würdigen und versprach, (diese
Bücher) einem Kreis indischer Gelehrter zu übersenden. So kamen die nach Medine-i Münevvere gesandten Bände sicher an den Ort ihrer Bestimmung und auch die übrigen Bände kamen sicher (selamet)an und so brachten mir die beiden jungen Leute, die auch Nurdjus sind und auch Pilger aus Afyon, die (auf ihrer Pilgerfahrt die Risale-i) Nur zusammen mit ihrem Weggefährten Hafidh Mustafa aus Denizli gelesen hatten, sowie auch die anderen Pilger (hadji)diese gute Nachricht. Dadurch erhielten wir die frohe Kunde, dass die Risale-i Nur auch im Ausland Ansehen und Anerkennung genießt.
Said Nursi
* * *
بِاسْمِهِ سُبْحَانَهُ
{"Im Namen dessen, der gepriesen sei!"}
Meine lieben getreuen Brüder!
Macht euch, bitte, gar keine Sorgen! Da wir in den letzten zwanzig Jahren bereits hunderte Male erfahren haben, wie uns die Gnade Gottes (inayet-i Ilahiyye)immer wieder beschützt und uns aus allen erdenklichen fürchterlichen Grausamkeiten errettet hat, dürfen wir völlig sicher sein, dass sie uns auch jetzt wieder vor diesen neuen, völlig sinnlosen und ganz und gar ungesetzlichen, fürchterlichen, böswilligen Grausamkeiten bewahren wird. Wenn wir dabei auch ein wenig Anstrengungen, Strapazen und Mühsal erfahren, wird uns doch als Lohn (sevab)dafür tausendfach mehr als alle Mühsal Gottes Erbarmen und Seine Güte (rahmet ve ihsan-i Ilahiyye)zuteil werden, wobei wir durch die Barmherzigkeit Gottes (Rahmet-i Ilahiyye)zugleich die sehr große Hoffnung haben, dass dies alles im Glauben sehr vieler, hilfloser Leute des Glaubens (ehl-i imanin imanlari)als eine andere Form eines heiligen (qudsi)Dienstes gilt. Im Folgenden möchte ich nun erklären, dass das nachstehende Ereignis (hadithe)auf zehnfache Weise ungesetzlich ist.
Erstens:
Obwohl doch die Risale-i Nur bereits vor drei Gerichtshöfen durch drei Kommiteen Sachverständiger, von sieben Ämtern in Ankara und durch die Hand ihrer Justizbeamten ganz genau untersucht und begutachtet worden war, wonach dann alle diese Abhandlungen freigegeben und zugleich auch Said und seine Fünfundsiebzig Mitgefangenen übereinstimmend und ohne jede Gegenstimme freigesprochen worden waren, ohne auch nur für einen einzigen Tag eine Freiheitsstrafe erhalten zu haben, wurden (dennoch alle Bände der Risale-i Nur), als handle es sich hier um gemeine (staatsfeindliche) Schriften, erneut beschlagnahmt. In welchem Maße das gegen jedes Gesetz ist, kann sich jeder, der auch nur ein Fünkchen Verstand hat, selbst ausmalen.
Zweitens:
Wenn (Leute) bei einem Mann, der dreieinhalb Jahre nach seinem Feispruch in Emirdagh isoliert und in der Fremde lebt, der seine Tür sowohl mit einem Schlüssel von außen abschließen lässt, als auch selbst noch zusätzlich von innen verriegelt und kaum einen von hundert Besuchern, ohne einen dringenden Grund zu sich herein lässt, der seine schriftstellerische Tätigkeit, mit der er seit zwanzig Jahren beschäftigt war, schließlich abbricht und nichts mehr weiter schreibt, aufgrund weltlich (dunya),politischer Angelegenheiten Schloss und Riegel aufbrechen, um zu ihm gelangen zu können und dann am Ende ihrer "Hausdurchsuchung" doch weiter nichts anderes finden als sein arabisches Gebetbuch und am Kopfende (seines Bettes) ein paar Plakate, die über den Glauben (din)handeln, so wird ein jeder, der auch nur über einen Funken Verstand verfügt, verstehen können, in welchem Grade eine derartige Belästigung gesetzwidrig (hilaf-i kanun)ist!
Drittens:
(Wenn man also nun) bei einem Mann, dem das Gericht aufgrund von siebzig Zeugen bestätigt hat, dass er sich sieben Jahre lang nicht um den Zweiten Weltkrieg gekümmert oder allein schon aus Neugierde danach gefragt, sich danach schon seit zehn Jahren eben diese Haltung bewahrt, vielmehr schon seit fünfundzwanzig Jahren
keine Zeitung mehr gelesen oder dergleichen gehört hat, stattdessen dreißig Jahre lang immer nur
اَعُوذُ بِاللّٰهِ مِنَ الشَّيْطَانِ وَالسِّيَاسَةِ
{"Ich nehme meine Zuflucht zu Gott vor dem Satan und seiner Politik"}
gesagt hat und vor der Politik stets mit aller Macht geflohen ist, der nun schon seit zweiundzwanzig Jahren alle Arten von Schikanen zu erdulden hat, sodass er es schon gar nicht mehr wagt, die aufmerksamen Augen der Politiker auf sich zu lenken und weil er endlich einmal seine Ruhe haben will, auch kein Gesuch bei der Regierung einreicht, (wenn man also nun bei einem solchen Mann), so als handle es sich hier um gemeingefährliche politische Intrigen (und einen hinterhältigen Ränkespieler), den Ort seines Aufenthaltes erstürmt, an dem er seine Verbannung (inzivagah)zubringt und ihn so mit seinem Leben (ruh)in eine beispiellose Bedrängnis versetzt, wie soll das denn nun mit dem "Gesetz" übereinstimmen? Jeder, der in seiner Seele (vidjdan)auch nur einen Hauch (von Gefühl) verspürt, wird dies nachempfinden können.
Viertens:
Obwohl nach einer sechsmonatigen Untersuchung vor dem Gerichtshof in Eskishehir, aufgrund der Befürchtung und unter dem Vorwand der Errichtung und Führung einer Ordensgemeinschaft (tariqat)und obwohl der große Führer (Kemal Pasha), weil er ja einen persönlichen Groll gegen (Ustadh)hegte und deshalb einige Justizbeamte gegen ihn aufgehetzt hatte, haben sie uns dennoch, was sowohl die Errichtung und Führung einer Ordensgemeinschaft (tariqat)als auch die Risale-i Nur betrifft, freigesprochen und lediglich die Abhandlung über die Verhüllung der Frau (Tesettür Risalesi),welche ja nur ein kleiner Abschnitt der Risale-i Nur ist, als Vorwand dazu verwandt, nicht etwa nach dem Gesetz, sondern lediglich aufgrund persönlicher Überzeugung (kanaat-i vidjdaniye)fünf oder zehn Schüler von insgesamt hundertundzwanzig
Schülern zu sechs Monaten Freiheitsstrafe zu verurteilen, wovon sie vier Monate in Untersuchungshaft und daran anschließend noch weitere anderthalb Monate Haftstrafe verbüßt haben. Trotzdem wurden sie zehn Jahre später durch den Gerichtshof in Denizli abermals wegen Errichtung und Führung einer Ordensgemeinschaft (tariqat)zu neun Monaten Haft (verurteilt). Anhand ähnlicher vorgeschobener Gründe wurden nun auch alle seine Briefe ("Mektubat")und alles, was er in den letzten zwanzig Jahren geschrieben hatte, Stück für Stück untersucht. Doch obwohl selbst der Gerichtshof für Kapitalverbrechen in Ankara, dem man fünf Kisten voller Bücher zugesandt hatte, nachdem die Gerichtshöfe in Ankara und Denizli alle diese Briefe und Bücher zwei Jahre lang haargenau unter die Lupe genommen hatten und alle diese Gerichtshöfe alle diese Bücher und Briefe hinsichtlich (des Vorwurfs) der Errichtung und Führung einer Ordensgemeinschaft (tariqat)und anderer ähnlich vorgeschobener Gründe freigegeben und ihren Besitzern unbeanstandet wieder ausgehändigt hatte, wonach Said und seine Gefährten (arkadash)wieder freigesprochen wurden, behielt man ihn dennoch (unter dem Verdacht), eine politische Organisation zu leiten, weiterhin im Auge, ja beschuldigte ihn (auch weiterhin) in der Politik durch die Errichtung und Führung einer Ordensgemeinschaft seine Ränke (gegen die Regierung) zu schmieden. Wenn es also bei diesem Punkt, den die Justizbeamten gegen ihn anführen, (wieder einmal um eine politische) Vereinigung geht, so vermag nun jeder, der noch nicht (seine Fähigkeit), gerecht und menschlich zu empfinden, verloren hat, zu erkennen, wie sehr (dies alles) gegen das "Gesetz" ist!
Fünftens:
Einen Mann ganz im Gegensatz zu seiner Haltung (hal),die er sich in den letzten zwanzig, dreißig Jahren seines Lebens zum Prinzip gemacht hatte, sodass sie für ihn zu seinem Weg und der Wahrheit seines Lebens (haqiqi meslek ve meshreb)geworden war, in einer Nacht und Nebel Aktion zu überfallen, als habe er sich in irgendeiner Weise verdächtig gemacht, ist ein Vorfall, dem
der folgende Sachverhalt zugrunde liegt:
In Anbetracht jener Liebe (shefqat),die die Grundlage des Weges ist, den uns die Risale-i Nur weist (Risale-i Nur mesleghinin esasi),kann ich, um dabei nicht noch einen Unschuldigen zu verletzen, auch den Übeltätern, die mich hier quälen, kein Leid zufügen, ja sie noch nicht einmal verfluchen. Ja obwohl ich in der Tat auf diese, in boshaften, ja selbst glaubenslosen Sünder, die mich in ihrer Wut auf das äußerste peinigten, richtig wütend war, verbietet gerade diese Liebe (shefqat)es mir, massiv darauf zu reagieren, oder sie auch nur zu verfluchen. Denn um solch bedauernswerten alten Leute, wie den Vater oder die Mutter von diesem grausamen Tyrannen oder solch Unschuldige, wie seine Kinder davor zu bewahren, von einem derartigen physischen oder psychischen Schlag mitbetroffen zu werden, möchte ich diesem grausamen Tyrannen kein Leid zufügen, ja ich könnte ihm sogar verzeihen (helal).
Es ist also das Geheimnis einer solchen Liebe (sirr-i shefqat),dass ich, so wie ich selbst nie und in gar keiner Weise die allgemeine Ruhe und Ordnung störe, dies auch immer allen Gefährten (arkadash)eindringlich ans Herz gelegt habe, sodass einige der recht und billig denkenden Polizeibeamten in drei Provinzen mir gegenüber gestanden haben: "Diese Nurdjus sind ihrer Gesinnung (manevi)nach selbst Polizeibeamte, indem sie auch selbst diese allgemeine Ruhe und Ordnung aufrecht erhalten." Obwohl also sie dies so gesagt haben und Tausende von Zeugen und mein eigenes Leben diese Tatsache seit zwanzig Jahren bestätigt, auch die Polizei selbst bestätigt und bekräftigt, dass sie unter Tausenden von Schülern nicht einen einzigen Vorfall zu vermelden hatten, haben trotzdem gewissenlose Kerle das Zimmer dieses armen Mannes gestürmt, ihn belästigt und beleidigt, als wäre er der gewissenlose, ungezügelte Anführer einer revolutionären Bande und haben, nachdem sie in seinem Zimmer nichts weiter finden konnten, sogar sein Gebetbuch und die Plakate über dem Kopfende (seines Bettes) beschlagnahmt, als
handele es sich dabei um die Dokumente einer Straftat und der Mann hätte hundert Verbrechen begangen. Ja, welches "Gesetz" könnte etwa in aller Welt dergleichen erlauben?
Sechstens:
Wenn ein Mann, der heute vor dreißig Jahren durch die Gnade Gottes des Gerechten (Djenab-i Haqqin inayeti)und mit dem Segen des Qur'ans in grenzenloser Dankbarkeit verstanden hat, wie heillos, sinnlos und nutzlos der vergängliche Ruhm und die Ehre dieser Welt (dunya),die selbstgefällige (enaniyet)Wichtigtuerei und Prahlsucht ist, und wenn er seit dieser Zeit mit ganzer Kraft gegen seine eigenwillige Seele (nefs-i emmare)ankämpft, um seine Ichsucht (benlik)aufzugeben, und sich (stattdessen), soweit ihm das möglich ist, darum bemüht, alles Unechte und (jede Art von) Verstellung von sich abzulegen und in aller Bescheidenheit (zu leben), was (auch all) die Leute, die ihm dienen und freundschaftlich (arkadash)mit ihm verkehren, absolut sicher wissen und auch bezeugen können, (wenn er also schon) seit zwanzig Jahren im Gegensatz zu all dem dieses übersteigerte Wohlwollen, das ihm ein jeder entgegen bringt, und die Zuwendung aller, den Lobpreis für seine Person, wenn sie ihm einen hohen geistigen Rang (maqam)zuerkennen, mit aller Macht flieht, wenn er darüber hinaus selbst noch das Wohlwollen seiner engsten Mitbrüder zurückweist und seine aufrichtigen Mitbrüder (auf diese Weise) kränkt, wenn er auch in seinen Briefen, die er ihnen als Antwort schreibt, alles Lob und jedes übertriebene Wohlwollen, das sie ihm in ihren Briefen entgegenbringen, zurückweist, alle Ehrerbietung (fadilet)und Wertschätzung ablehnt und stattdessen alle Ehrerbietung (fadilet)allein der Risale-i Nur, die ein Kommentar zum Qur'an ist, und damit indirekt auch der geistigen Körperschaft ihrer Schüler zuwendet, als deren einfacher Diener er sich versteht, so beweist dies alles mit Sicherheit, dass er sich nicht darum bemüht, immer und überall willkommen zu sein, es nicht will, es vielmehr ablehnt, obwohl selbst einige Freunde ganz ohne sein Einverständnis in weit entfernten Orten sich ganz besonders
wohlwollend über ihn äußern, ihn in den Himmel heben und ihm einen besonderen Rang (maqam)zuerkennen, und wenn auch ein ihm völlig unbekannter Hodja aus der Umgebung von Kütahya das eine oder andere Wort in dieser Richtung geäußert hat: welches "Gesetz" kann (diese Worte) zum Gegenstand einer Anklage (medar-i mes'uliyet)machen, um so in das Zimmer einzudringen, indem ein alter, hilfloser, kranker Greis ein Einsiedlerleben in der Fremde führt, und den Beamten (zu erlauben), Schloss und Riegel aufzubrechen, eine Hausdurchsuchung bei ihm durchzuführen, als habe er ein Kapitalverbrechen begangen, wobei sie dann als Vorwand nichts weiter finden konnten als sein Gebetbuch und einige Plakate (die den Islam betreffen). Ja, kann es denn auf dieser Welt irgendein "Gesetz" geben oder eine Politik, die derartige Übergriffe zulässt?
Siebentens:
Obwohl in heutiger Zeit im Inland - und im Ausland genau so viele - (allerlei) Aufregung hervorrufende, politische Strömungen an der Tagesordnung sind, schrieb er an seine Gefährten (arkadash),anstelle daraus zur Gänze ihren Nutzen zu ziehen, d.h. den Boden dafür zu bereiten, Tausende von Diplomaten für sich zu gewinnen statt einiger weniger Gefährten (arkadash),nur um sich nicht in die politischen Angelegenheiten einzumischen, die Wahrhaftigkeit (ikhlas)nicht zu verletzen, die Aufmerksamkeit der Regierung nicht auf sich zu lenken und sich mit weltlichen Dingen (dunya)nicht zu beschäftigen: "Gebt Acht, dass ihr euch nicht von derartigen Strömungen mit fortreißen lasst, nicht in (das Geschäft) mit der Politik eintretet und die öffentliche Sicherheit und Ordnung nicht stört!" Doch auch nachdem er dies gesagt hatte, und obwohl die beiden politischen Strömungen (die Volkspartei und die demokratische Partei) ihm wegen seiner zögerlichen Haltung das Leben schwer machten, die alte (Volkspartei) wegen ihres Misstrauens ihm gegenüber und die neue (demokratische Partei) mit der Begründung: "Er hilft uns nicht.", viel Sorge machten, kümmerte er sich auch weiterhin nicht um die Angelegenheiten der Leute in dieser Welt (ehl-i dunyanin dunyalarina),
sondern beschäftigte sich stattdessen mit den Dingen in jener Welt (akhira).Einen solch Hilflosen in seiner Beschäftigung mit der jenseitigen Welt (akhira)zu belästigen, ja welches Gesetz erlaubt denn so etwas? Und wenn schon die Verbreitung der Bücher der Atheisten, welche doch für das Land, das Volk und die guten Sitten sehr gefährlich sind, die Veröffentlichungen der Kommunisten dem Gesetz der Freiheit entsprechend aber dennoch nicht behindert werden, wie ist es dann überhaupt möglich, wo doch einige Bände der Risale-i Nur, wie der "Dhu-l'Fikar"und der "Stab Mosis (Asay-i Musa)",in denen drei Gerichte überhaupt nichts finden konnten, was ein Grund zur Anklage (medar-i mes'uliyet)hätte sein können, die aber seit zwanzig Jahren dazu beitragen, das gesellschaftliche Leben des Volkes, seine Sicherheit und Ordnung im Lande und seine guten Sitten zu festigen und bei der Erneuerung und Stärkung der Bruderschaft der islamischen Welt mit ihm und der Freundschaft mit ihm, welche Stützpfeiler und ein wahrer Halt für das Volk sind, wirksam zu unterstützen, wobei die Gelehrten (ulema)des Amtes für Religiöse Angelegenheiten (diese Werke) im Auftrag des Innenministeriums drei Monate lang untersucht haben, in der Absicht die kritischen Punkte darin herauszufinden, jedoch nichts darin gefunden haben, was zu kritisieren gewesen wäre, vielmehr den Wert (dieser Werke) voll und ganz zu schätzen wussten und sagten, dass dies ein "wertvolles Werk" sei, worauf es in die Bibliothek des Amtes für religiöse Angelegenheiten aufgenommen wurde, wie ist es dann überhaupt möglich, sie als gefährliche Dokumente zu beschlagnahmen und sie den Händen des Gerichtes zu überliefern, und könnte es denn überhaupt ein derartiges Gesetz geben, und könnte denn überhaupt eine Überzeugung, ein vernunftgemäßer Gedankengang etwas derartiges zulassen?
Achtens:
Gegen einen Mann, der - obwohl man ihn nach zwanzigjähriger qualvoller, (noch dazu) unbegründeter Verbannung wieder freigelassen hatte, nicht zurück ging in das Land, in dem
er geboren wurde und wo er Tausende Verwandte und Freunde hat, sondern es vorzog, in der Fremde zu bleiben, wo es niemanden gab, den er gekannt hätte (kimsesiz),um so jede Berührung mit der Welt (dunya),dem gesellschaftlichen wie dem politischen Leben zu vermeiden, es vorzug, auf das besonders verdienstvolle Gebet mit der Gemeinschaft in der Moschee zu verzichten und stattdessen allein in seinem Zimmer zu sitzen, d.h., jenen Seelenzustand (halet-i ruhiye)auf sich nahm, in dem er sich z.B. vor der Verehrung durch die Leute zurückzog dem Zeugnis seines Lebens in den letzten zwanzig Jahren, bestätigt von hundert Tausenden ehrenwerter türkischer Persönlichkeiten, entsprechend einen frommen, gläubigen Türken vielen abständig gewordenen Kurden vorzog, ja sogar vor Gericht versicherte, einen türkischen Mitbruder, wie Hafidh Ali mit seinem starken Glauben nicht gegen hundert Kurden tauschen zu wollen, gegen einen solchen Mann, der - insoweit dies nicht notwendig ist, nicht mit (anderen) Leuten zusammen kommt, weil er ihren Respekt und ihre Ehrerbietung nicht annehmen will, weswegen er auch nicht in die Moschee geht, sich jedoch seit vierzig Jahren mit aller Kraft und mit all seinen Werken für die Bruderschaft im Islam und die gegenseitige Liebe (muhabbet)der Muslime einsetzt und der sich selbst einem ernst zu nehmenden Feind gegenüber nicht ablehnend verhält, ja sich noch nicht einmal mit ihm beschäftigt, ihn auch nicht verflucht, gegen einen solchen Mann mit einem ganz offiziellen Propagandaorgan (resmi lisan)vorzugehen, nur um ihn damit zu ärgern und seinen Freunden zu sagen: "Er ist ein Kurde, ihr aber seid Türken. Er ist ein Schafi, ihr aber seid Hanefi", nur um sie von ihm abzuschrecken Leute von ihm abzuschrecken, damit sie sich von ihm zurückziehen sollen: was für eine Sache ist das, ja welches "Gesetz" kann das sein, das so etwas erlaubt?
Neuntens:
Ist von großer, ja überwältigender Bedeutung. Da (dieser Punkt jedoch) die Politik berührt, schweige ich darüber.
Zehntens:
Auch dies ist ein Angriff, den überhaupt kein Gesetz erlaubt und der garkeiner Sache dienlich ist, vielmehr nur aus sinnlosen Verdächtigungen besteht, die ein Korn zu einer Kuppel aufbauen, auf die sich dann überhaupt kein Gesetz mehr anwenden lässt. Da wir aber unserer Berufung (meslek)entsprechend nicht weiter darauf schauen dürfen, um nicht (auf diese Weise wieder) mit der Politik in Berührung zu kommen, schweigen wir davon weiter und sagen somit über derartige in zehnfacher Hinsicht gesetzlose Handlungen nur:
حَسْبُنَا اللّٰهُ وَنِعْمَ الْوَكِيلُ
{"Gott genügt uns und ist unser bester Sachwalter!" (Sure 3, 173)}
Said Nursi
* * *
بِاسْمِهِ سُبْحَانَهُ
{"Im Namen dessen, der gepriesen sei!"}
Meine lieben getreuen Brüder!
Erstens:
Unserem Mitbruder Hafiz Mustafa, der sich immer mit großem Mut (ehemmiyetli kahraman)für die Risale-i Nur einsetzt, sagen wir: wie wunderbar hat Gott dies doch eingerichtet (masha-a'llah),dass er diese so bedeutenden Bände der Risale-i Nur nach dem Ehrenwerten Mekka (Mekke-i Mukerreme)mitgenommen und sie dort dem so berühmten indischen Gelehrten (alim)Ahmed Ali shimshiriy anvertraut hat, mit der Zusicherung, dass er sie sowohl ins Urdu übersetzen als auch nach Indien schicken werde, tausend Mal Glück und Segen von Gott (Barekallah ve Es'adekallah)!Möge sich die Medresetu-z'Zehra {Gemeint ist die Schülerschaft der Risale-i Nur. (A.d.Ü.)} mit diesem bedeutenden Gelehrten im Ehrenwerten Mekka (Mekke-i Mukerreme)in Verbindung (muhabere)setzen!
Zweitens:
Bei dem Ereignis (um das es sich hier handelt) haben wir erfahren, dass sie ein Korn aufgrund einer bloßen Verdächtigung zu vielen Kuppeln ausgebaut haben. Ein Hinweis darauf ist das Folgende: Auf den Befehl des Innenministers kam der Gouverneur (vali)von Afyon mit seinem Polizei-Chef mitten in der Nacht hierher (nach Emirdagh), und noch in der Nacht wollten sie in mein Zimmer eindringen. Da aber der Staatsanwalt (in Emirdagh) dem nicht zustimmte, warteten sie da bis zum Morgen, beauftragten dann zwei unsrer erbittertsten Gegner, die Türe aufzubrechen und stürmten so plötzlich in mein Zimmer. Und ferner, als ich noch am gleichen Tag (wie zu damaliger Zeit allgemein üblich) mit einer Droschke ausfuhr, flogen fünf Flugzeuge, da sie (ganz offensichtlich) meine Droschke kannten, in einer hier noch nie zuvor erlebten Weise, zwei, drei Mal im Tiefflug
{(*): Wir Nur-Schüler bezeugen in der Tat, dass sich diese Dinge ganz genau so abgespielt haben.
Gezeichnet: Schneider Mustafa, Ismail, Mustafa, Diener Nuri, Hayri, Halil.}
über uns hinweg. Am nächsten Tag, während ich mit meiner Droschke in einer anderen Richtung fuhr, nämlich an einem Bach entlang, der (von Schatten spendenden Bäumen überdeckt) nur schwer einzusehen ist, umkreisten uns (abermals) fünf Flugzeuge im Tiefflug, so als suchten sie dort unten etwas. Und so verstanden wir denn, dass wir es waren, nach denen sie (da unten) suchten.
Ein andermal kreisten genau so wie vorgestern wieder die gleichen fünf Flugzeuge über unserem Städtchen (kasaba);und sobald wir in unser Zimmer zurückkehrten, drehten auch sie wieder ab; was ein deutlicher Hinweis darauf ist, dass hier aus einem Korn gleich hundert Kuppeln gemacht wurden. Was diese sinnlosen Verdächtigungen betrifft, deretwegen man mich hier belästigt, so teilt der Regierung und dem (Amt) für Justiz in Isparta mit, dass ich ihnen meinen Dank und meine Anerkennung (teshekkür ve minnetdar)
dafür (schulde), dass sie diese unerschrockenen Männer unserer Schülerschaft (Medreset-uz'Zehra)im Vergleich zu hier nur auf Stufe eins von zehn Stufen schmoren zu lassen, und dass ich ihnen alle diese Belästigungen verzeihe (helal),die sie mir (statt ihnen) zugefügt haben.
Said Nursi
* * *
Ein persönliches, jedoch bedeutsames Bittgesuch an den Herrn Kabinettsminister und den Präsidenten der Abgeordnetenkammer
Obwohl ich mich schon seit dreißig Jahren aus dem politischen Leben zurückgezogen habe, möchte ich hiermit ausnahmsweise auf ein Problem der öffentlichen Sicherheit und Ordnung verweisen, von dem das Land und das Volk in letzter Zeit betroffen ist. Es handelt sich um Folgendes:
Aufgrund vieler Hinweise sind wir zu der festen Überzeugung gelangt, dass gegen mich und diese Stadt (kasaba)Emirdagh ein Attentat geplant sei, was dieses Land in die Anarchie stürzen würde, auf welche Weise sie schließlich ein Korn zu ganzen Kuppeln aufgebauscht und ein Ereignis, das noch nicht einmal die Bedeutung eines Mückenflügels hatte, so dargestellt haben, als handle es sich dabei um einen ganzen Berg, während sie mich selbst in diesem Lande, das doch eigentlich Ruhe nötig hätte, zum Vorwand dafür gebraucht haben, um uns, d.h., die Nur-Schüler, die sich darum bemühen, unsere hilflosen Mitbürger vor einer Hinrichtung auf ewige Zeiten (idam-i ebedi)und vor Zweifeln am Jenseits (shubehat-i ukhreviye)zu retten, mit Hilfe eines fremdländischen Plans, der wiederum nur in die Anarchie führen würde, ganz gegen jedes Gesetz und vollkommen willkürlich anzugreifen. So haben sie mich denn in ihrem ganz offensichtlichen Groll und aufgrund ihrer Verdächtigungen zum Vorwand genommen, ein
Attentat gegen mich zu verüben, so wie man eine Lunte an ein Pulverfass hält, so als ginge es um das Land und die öffentliche Sicherheit. Es ist dies folgendermaßen:
Obwohl drei Gerichte, nachdem sie die Briefe und die Bücher, die ich in den letzten zwanzig Jahren geschrieben hatte und meine ganze Art und Weise, wie ich in dieser Zeit gelebt (hal)hatte, auf das genaueste untersucht und uns danach freigesprochen und auch meine Bücher wieder frei gegeben hatten, ich auch seit drei Jahren gar keinen Artikel mehr geschrieben habe, auch nur mehr einen Brief die Woche schreiben konnte, auch nur drei, vier Schneidergesellen erlaubte, mich abwechselnd täglich mit allen unbedingt notwendigen Dingen zu versorgen und die täglich erforderlichen Dienste zu verrichten, und obwohl ich nun freigesprochen wurde, aber dennoch nicht mehr nach Hause (memleket)zurückkehrte, haben sie dennoch, in einer Art, wie ich das noch nie zuvor in meinem Leben erlebt hatte, und nur um mich in Wut zu versetzen, ein Durcheinander anzurichten, und mit der Absicht, mich in aller Öffentlichkeit zu beleidigen und zu verärgern, ohne Rücksicht auf irgendwelche Gesetze, aus reiner Bosheit meine Tür aufgebrochen, mein ganzes Zimmer durchsucht, mir meinen Qur'an weggenommen, die arabisch geschriebenen Plakate (mit den Gebeten) beschlagnahmt, als wären es gefährliche Dokumente, alles und auch mich selbst mitgenommen, wonach dann noch einer der maßgeblichen Beamten zu dem zuständigen Justizvollzugsbeamten im Tone eines Befehlshabers sagte: "Ihr hättet diesen Said in aller Deutlichkeit zwischen zwei Polizeibeamten abführen müssen, ihm zwangsweise (den in der Türkei verbotenen Turban vom Kopf reißen und) eine Schirmmütze aufsetzen müssen und ihn in dieser Weise zur Verhandlung vorführen sollen! Auch hättet ihr alle, die gerade in seiner Nähe waren, gleich mitverhaften müssen." Das alles sagte er während einer wichtigen Versammlung (seiner Beamten), auf der auch meine Verteidigungsschrift vorgelesen wurde, die aber auch nur die reine Wahrheit enthielt.
Aus all dem geht hervor, dass dies alles nur aus reiner Bosheit geschah, um mich absichtlich zu beleidigen, zu verärgern und derart in Wut zu versetzen, dass am Ende durch mich die öffentliche Sicherheit in Gefahr zu geraten scheint.
Unendlicher Dank sei Gott dem Gerechten (Djenab-i Haqq),der mir in Seiner Güte (ihsan)einen Seelen- und Gemütszustand (halet-i ruhiye)geschenkt hat, der es mir ermöglicht, für das Wohl der Armen in diesem Land meine Ehre (sheref)und meinen guten Ruf tausendmal zu opfern, damit sie von allen Übeln verschont blieben. So habe ich mich denn auch dazu entschlossen, alle Beleidigungen und allen Ärger, den sie mir bisher angetan haben und noch antun werden, geduldig zu ertragen. Auch bin ich bereit, für die öffentliche Sicherheit dieses Volkes, besonders aber für seine schuldlosen Kinder, die verehrungswürdigen Alten und die hilflosen Kranken und die Armen (fakir),für sein Wohl in diesem Leben (dunyevi)und seine Ewige Glückseligkeit im Jenseits (ukhrevi)tausendmal mein Leben und tausendmal meinen guten Ruf (sheref)zu opfern.
Ein Hinweis darauf, dass sie aus einem Mückenflügel einen ganzen Berg gemacht haben, ist Folgendes:
Dass für einen Mann wie mich, der in der Fremde ist, krank, alt und schwach und der ganz allein lebt, innerhalb von zehn Tagen fünf Mal der Gouverneur (vali)von Afyon, der Polizeipräsident und zwei Mal der Staatsanwalt aus Afyon meinetwegen hierher gekommen sind und dass an zwei aufeinander folgenden Tagen, dem einen wie dem anderen Tag, fünf Flugzeuge in den Orten, immer dort, wo ich gerade einen Ausflug unternahm, ebenfalls gerade einen Aufklärungsflug durchführten, während zugleich auch noch fünf Polizeispitzel ausgeschickt wurden, um weitere Umstände meines Lebens (hal)auszuspionieren, zugleich auch in den Postämtern ganz offiziell angeordnet wurde, Briefe, die an mich gerichtet waren, zu beschlagnahmen, (das alles zeigt), dass sie sich dabei in ihrer Phantasie (auham)eine Art Aufstand (hadithe)ausgemalt hatten,
vergleichbar den "Aufständen (hadithe)"unter Scheich Said ve Menemen, nur zehn Mal schlimmer noch! So hat man (dem Kabinett und den Abgeordneten) ein Korn als eine Kuppel dargestellt, damit sie nun eine derartige Haltung (vaziyet)einnehmen sollen. Dabei haben sie (sicherlich) an mein früheres Leben gedacht und glauben nun, dass ich infolge all dieser Kränkungen in Wut geraten werde. Doch sie haben sich in ihren Erwartungen getäuscht! Denn wir arbeiten mit aller Kraft an der Errichtung einer qur'anischen Mauer gegen die Anarchie, der Mauer von Dhu-l'Karneyn {Hier soll eine vom Verfall bedrohte Mauer wieder instand gesetzt werden. (A.d.Ü.)} vergleichbar. Die uns aber dabei behindern, bereiten den Boden für eine Anarchie, ja vielleicht für den Kommunismus vor.
Ginge es in der Tat darum, so wie in meinem früheren Leben, um des Ansehens eines Wissenschaftlers (izzet-i ilmiye)willen, niemals eine Beleidigung zu dulden, und wäre meine Aufgabe in Wahrheit (vazife-i haqiqiye),nicht allein die Aufgabe (vazife),um des Jenseits willen, die Muslime vor der Verurteilung zu einem Tod für Zeit und Ewigkeit (idam-i ebedi)zu erretten, sondern so wie diejenigen, die mich (hier ständig) belästigen, allein für diese Welt (dunya)und (in ihr) für eine Politik zu arbeiten, die nur zerstört, so würden diejenigen, deren Interessen auf eine Anarchie hinzu steuern, einen Aufstand verursachen, von einem Ausmaß, wie es zehnfach dem Aufstand eines Menemen oder zehnfach dem eines Scheich Said gleichen würde.
Und wollte man nun des weiteren, nachdem drei Gerichte und zwanzig Jahre lang Polizisten vieler Provinzen sich nicht daran gestört haben, dass meine Bekleidung keineswegs den Vorschriften entsprach und es sowohl aufgrund meiner eigenen Rechtfertigung dafür, als auch aufgrund meines erzwungenen Einsiedlerlebens niemals deswegen eine Mahnung gegeben hat, meine Kleidung zu ändern, plötzlich heute willkürlich, wider Recht und Gesetz versuchen, mir unter Zwang, vor allen Leuten eine
Schirmmütze überzustülpen, so würde das die Erde (zemin)durch die Hunderttausenden, die mir in diesem Lande seit vierzig Jahren, besonders aber durch den Unterricht (ders)im wahrhaftigen Glauben (iman-i tahqiqi)brüderlich verbunden sind, durch ihr Weinen und Wehklagen ohne Beispiel und durch ihre gewaltig große Erregung in Wut versetzen. {D.h., ein Erdbeben verursachen (A.d.Ü.)} Wir sind anhand vieler Hinweise bereits zu der festen Überzeugung gelangt, dass hier ausländische Kräfte ihre Hand im Spiel haben, die anscheinend mit dem Gedanken das allgemeine Wohlwollen (teveddjuh-u amme)mir gegenüber zu zerstören gesetzwidrige Handlungen, die mir auf die Nerven gehen könnten, zu dem oben erwähnten Zweck zu begehen. Aber Gott dem Gerechten (Djenab-i Haqq)sei unendlicher Dank dafür, dass ihre gesetzwidrige Art mich zu belästigen, einen Mann wie mich, der an der Pforte des Grabes, ohne irgendwelche Angehörigen und der Welt bereits überdrüssig, die Respektbezeugungen und Gunsterweise (teveddjuh-u amme)der Leute flieht, nach Ruhm und Ehre gar kein Bedürfnis mehr hat, den es auch gar nicht mehr nach irgendeiner selbstgefälligen oder scheinheiligen Haltung verlangt: ein solcher Mann in einem derartigen Zustand misst diesen Dingen überhaupt gar keine Bedeutung mehr bei. So überlasse ich denn diese Dinge Gott dem Gerechten (Djenab-i Haqq).Wenn ich daran denke, wie diejenigen, die mir aufgrund sinnloser Verdächtigungen Qualen bereiten, in Kürze durch den Tod für Zeit und Ewigkeit ihrer Hinrichtung (idam-i ebediye)entgegengehen werden,
so tun sie mir wirklich leid! Oh Herr, rette ihren Glauben durch die Risale-i Nur! Verwandle den Tod für sie im Geheimnis des Qur'an von einer Hinrichtung ohne Wiederkehr (idam-i ebedi)in eine Entlassungs (aus diesem Erdenleben)! Und auch ich verzeihe ihnen und verzichte ihnen gegenüber auf mein Recht (haqqimi helal)!
Said Nursi
Siebenter Abschnitt
Das Leben in Afyon
Bediüzzamans Verhaftung
In den letzten Monaten des Jahres 1947 kamen drei Polizeibeamte (in Zivil) aus Afyon nach Emirdagh, um die Umtriebe eines angeblich religiösen Geheimbundes im ganzen Lande zu erforschen. Insbesondere versuchten sie Said Nursi und die Schüler der Risale-i Nur (bei ihren verbotenen Aktivitäten) zu überraschen. Am Ende erfanden sie einfach irgendwelche aus der Luft gegriffene Vorwände. Ein Beispiel dafür ist Folgendes:
Ein Zivilbeamter schreibt auf einen Zettel: "Saids Diener hat hier eine Flasche Raki für Said gekauft." Dann fordert er einen bereits betrunkenen und kaum mehr seiner Sinne mächtigen Mann auf, diesen Zettel zu unterschreiben. Doch dieser Mann entgegnet ihm: "Gott möge mir verzeihen! Wer sollte eine solche Lüge unterschreiben?" Aber der Polizist, der versucht hatte, diesen Zettel unterschreiben zu lassen, damit aber keinen Erfolg gehabt hatte, erhielt noch in selbiger Nacht bei einem merkwürdigen Zwischenfall die Ohrfeige für den Fehler, den er damit begangen hatte. Es ist dies wie folgt:
Als er mit den Männern, mit denen er selbst noch zuvor Raki getrunken hatte an einem Bach entlang ging, gerieten sie miteinander in Streit. Da verpassten sie diesem unglückseligen Mann eine gehörige Tracht Prügel und nahmen ihm auch noch seine Pistole weg.
* * *
Zwei Tage lang verfolgten fünf Flugzeuge den Meister (Ustadh)jedes Mal wenn er mit einer Droschke einen Ausflug machte. Sobald aber der Meister (Ustadh)sein Haus
betrat, zogen auch sie sich aus Emirdagh zurück. Da aber nun der Dienst, den der Meister (Ustadh)für den Qur'an (verrichtete), sich ausschließlich auf den Glauben und das Jenseits (ukhrevi)bezog, unterschoben sie ihm eine falsche Auslegung, machten auf diese Weise gegen ihn Propaganda und stellten ihn also bei den ihnen übergeordneten Behörden völlig falsch dar.
Aufgrund der Veröffentlichung der Risale-i Nur mit Hilfe eines Kopiergerätes und der Verbreitung ihrer Werke in Anatolien haben sich die atheistischen Untergrundorganisationen aufgemacht und begonnen, die Regierung mit falschen Vorstellungen herauszufordern, in der Absicht, diesen Dienst am Glauben zu stoppen. So wurde denn ein Befehl erlassen, die Häuser der Nurdjus in vielen Provinzen (vilayet),Städten (kasaba)und Dörfern, wie Emirdagh, Isparta, Kastamonu, Konya, Inebolu, Safranbolu, Aydin zu durchsuchen. So wurden denn im letzten Monat des Jahres 1947 Ustadh Said Nursi und etwa fünfzehn Nur-Schüler von Emirdagh nach Afyon gebracht und, nachdem man sie verhört hatte, gefangen gesetzt. Auch die Nur-Schüler in anderen Provinzen wurden gleichfalls verhaftet und nach Afyon überstellt. Damit begann also nun (nach Denizli und Eskishehir) das Leben in der dritten Schule Josefs (Medrese-i Yusufiye).
Bediüzzaman vor dem Gerichtshof in Afyon
Bediüzzaman wies immer, wenn er wieder einmal ins Gefängnis kam, seinen Mitgefangenen den rechten Weg (irshad).Dort im Gefängnis wurden dann selbst Mörder noch sanft wie die Lämmer. Trotzdem er im Gefängnis in Einzelhaft (tedjrid-i mutlaq)gehalten wurde, verlieh er dem Gefängnis dennoch den Zustand (vaziyet)einer Schule der Risale-i Nur. Deshalb nennt er auch die Gefängnisse, in die er eingeliefert wurde, eine Schule des ägyptischen
Josef (Medrese-i Yusufiye).Selbst ein Teil der in dieser im Gefängnis einsitzenden jungen Leute wollten diese "Medrese-i Yusufiye" nicht verlassen. Sie sagten: "Solange Bediüzzaman hier bleibt, werden auch wir uns als schuldig erweisen, unsere Strafe bekommen, von hier nicht mehr weg gehen und auch weiter in der Risale-i Nur unseren Unterricht (ders)empfangen.
Nachdem im Gefängnis zu Denizli das "Frucht-Abhandlung (Meyve Risalesi)"genannte Werk verfasst worden war, konnte man dort eine offensichtliche Verbesserung (der Verhältnisse) beobachten... Dieser Umstand brachte sogar eine Hochschätzung von Seiten ihrer Feinde zuwege.
Aufrichtige Nur-Schüler, die das Wesen der Risale-i Nur durch aufmerksames und besinnliches Lesen erfasst hatten und sich einen wahrheitsgemäßen Glauben zu eigen gemacht hatten (tahqiqi bir imana sahib olan halis Nur talebeleri),fürchteten sich weder vor dem Tod, der Gefangenschaft und dem Kerker, noch irgendeine menschliche Art der Bestrafung oder Qual. Wenn sie ihren Dienst am Heiligen Qur'an und am Glauben (iman)für die ewige Errettung des Landes, des Volkes, der islamischen Welt und der ganzen Menschheit verrichten, und wenn sie dabei die Ungerechtigkeit und alles Unheil, dass die Atheisten ihnen bereiten, über sich herabkommen sehen, geraten sie darüber doch keineswegs in Verzweiflung und geben niemals ihre Hoffnung auf. So gingen sie stolz (erhobenen Hauptes) und seelenruhig in ihr Gefängnis. Für sie gab es nur eines, was ihnen Halt gab, und das war der Dienst am Qur'an und am Glauben (iman)in Aufrichtigkeit (ikhlas)und einzig um des Wohlgefallens Gottes (riza-yi Ilahi)willen. Der Schutz (muhafiz)der Armen und der Unterdrückten ist Gott der Gerechte (Djenab-i Haqq).So erwarteten sie denn nach dem Vorbild ihres stets mutigen Meisters (Ustadh)keinerlei Gegenleistung, maßen keinem Hindernis irgendeine Bedeutung bei, lasen dabei einzig die Risale-i Nur und verbreiteten sie. So arbeiteten denn die Nur-Schüler während
einer fünfundzwanzig Jahre währenden fürchterlichen Gewaltherrschaft (istibdad-i mutlaq)für die Risale-i Nur und ließen sich nicht in ihrem Glauben (iman)und in ihrem Dienst an der Islamiyet erschüttern. "Die Dinge, die äußerlich betrachtet nachteilig erscheinen, sind in Wirklichkeit eine Gnade (haqiqatta ni'met).Darin, dass man sich bemüht, liegt der Segen (rahmet).Um des Dienstes am Glauben (iman)willen ist alles gut, was immer uns zustoßen mag. Unsere Pflicht ist nicht die Sorge um das, was uns zustoßen könnte. Unsere Pflicht ist vielmehr der Dienst am Qur'an. Wir stehen immer unter der Gnade unseres barmherzigen Herrn (Rabb-i Rahimi).Sterben wir, sind wir Märtyrer (shehid).Bleiben wir (im Leben), stehen wir im Dienst am Qur'an. Wenn die Feinde des Islam uns für Allezeit in einem irdischen (dunya)Gefängnis einsperren, stehen wir dennoch im Dienste der Risale-i Nur." Das war ihre feste Überzeugung (iman).Doch sind sie bei dieser Überzeugung (iman)allein nicht stehen geblieben, sondern haben auch danach gehandelt. Und das war ganz offensichtlich.
Dieses glaubensstarke Volk kennt Bediüzzaman in seiner Rechtschaffenheit, seine Größe, seinen Mut und seine Entschlossenheit, ist ihm treu ergeben und vertraut ihm in gleichem Maße. Darum glauben sie nicht dem, was man auch an Propaganda gegen ihn unternehmen möge. Was auch immer sie an Grausamkeiten und Gemeinheiten, die man Bediüzzaman wieder angetan hat: es stärkt nur noch die Liebe (sevgi)zu ihm in ihren Herzen (qalb)und ihre Verbundenheit mit ihm. Und so sagen sie denn: "Einen solchen Helden im Glauben (din)wie Bediüzzaman, eine solch große und (ganz offensichtlich) gesegnete (mubarek)Persönlichkeit ins Gefängnis zu werfen und (die Menschen) daran zu hindern, seine Werke ungezwungen lesen zu können, bedeutet, zu versuchen, den Glauben (din)aus Anatolien zu verbannen und sich anzustrengen, die Islamiyet zu zerstören." So wird (das Volk) zu (erbitterten) Gegnern all der Schikanen und Ungerechtigkeiten, zu denen
Kommunisten und Atheisten anstiften. Daher muss die Regierung vor allen anderen Dingen, um diesen Plan, der gegen die Regierung geschmiedet wird, zum Scheitern zu bringen, Bediüzzaman aufgrund erwiesener Unschuld frei lassen. Solange Bediüzzaman dermaßen unterdrückt wird, wird auch das Volk gegen die Regierung sein.
{(*): Dieses Bestreben (haqiqat) wurde nach den Wahlen von 1950 vollständig verwirklicht (tahaqquq). Die alte Regierung, die Bediüzzaman fünfundzwanzig Jahre lang unter furchtbaren Grausamkeiten (eshedd-i zulüm) in Einzelhaft (istibdad-i mutlaq) gehalten und immer fürchterlich gequält hatte und ein Gegner (jeglicher) Religion (din) war, wurde mit großer Mehrheit gestürzt und an ihrer Stelle die Demokratische Partei, die für die Aufhebung aller Unterdrückung und aller Grausamkeiten gegenüber der Religion (din) gestimmt hatte, gewählt.}
Um der Sicherheit (selamet)des Glaubens (din),des Landes und des Volkes willen halten wir es für unsere Pflicht, diesen Sachverhalt (haqiqat)bekannt zu machen.
Nachdem nun Bediüzzaman in der Tat im Jahre 1944 vor dem Gerichtshof in Denizli freigesprochen worden war, traf man Anordnung (memur),dass er ab sofort in einer kleinen Stadt (Emirdagh kazasi)im Bezirk Afyon (vilayet)seinen Aufenthalt (ikamet)zu nehmen habe. Während er sich dort für sich selbst mit dem Jenseits (akhira)und der Risale-i Nur beschäftigte, wurde er schließlich 1948 auf Betreiben seiner heimlichen Gegner, als wäre es noch immer nicht genug der Ungerechtigkeiten, zusammen mit fünfzig Schülern der Risale-i Nur vor den Gerichtshof für Kapitalverbrechen in Afyon gebracht, wo man gebetsmühlenartig: "Er hat einen Geheimbund gegründet. Er hetzt das Volk gegen die Regierung auf. Je älter er wird, mit desto größerer Macht und Energie versucht er (die Regierung zu stürzen) und das System zu zerschlagen. Er sagt, dass Mustafa Kemal der Deddjal des Islam, ein Sufyan sei.", und dergleichen mehr vorgeschobene Anschuldigungen gegen ihn vorbrachte und ihn schließlich ins Gefängnis warf.
Am Ende einer jahrelangen, eingehenden Untersuchung konnte jedoch kein einziger Beweis gefunden werden, (der Grund genug) zu einer Anklage gewesen wäre. Was nun aber auch immer sich hinter den Kulissen abgespielt haben mag und hinter verschlossenen Türen besprochen wurde: schließlich verurteilte das Gericht (angeblich aus Gewissensgründen (kanaat-i vidjdaniye))Bediüzzaman zu zwanzig Monaten, einen scharfsichtigen Gelehrten zu achtzehn Monaten und zweiundzwanzig weitere Personen zu jeweils sechs Monaten Freiheitsstrafe. Alle übrigen wurden freigesprochen mit der Bemerkung: "Die (Angeklagten) halten Bediüzzaman für einen großen Lehrer (murshid)und lesen die Risale-i Nur, um damit ihre innere Leere zu füllen." Die Verurteilungen aber wurden folgendermaßen begründet: "Sie haben Bediüzzaman bei der Organisation einer Untergrundbewegung unterstützt." Das Urteil wird sofort vollstreckt. Sodann wurden sie alle abgeführt.
Natürlich wurde gegen ein solches Urteil sofort Revision eingereicht. Der Kassationsgerichtshof konnte seine Nachforschungen bereits nach kurzer Zeit beenden, hob dieses Urteil von Grund an auf und erklärte sodann: "Da nun einmal Bediüzzaman Said Nursi bei dem Gerichtsprozess in Denizli von derselben Anklage freigesprochen worden ist, welcher Prozess bereits ein Kassationsverfahren durchlaufen hat, kann ein solches Verfahren nicht noch einmal wieder aufgerollt werden, und zwar selbst dann nicht, wenn das Urteil von Denizli fehlerhaft gewesen wäre." Stattdessen musste nun ein neuer Prozess eröffnet werden. Nun wollte man wissen, wie die Angeklagten selbst darüber denken. Die Nur-Schüler aber waren vollkommen unschuldig und erklärten nun, sie wollten, dass (die Aufhebung) des Urteils durch den Kassationsgerichtshof befolgt werde. Jetzt begann der Gerichtshof in Afyon des Langen und Breiten darüber nachzudenken, ob sie dem Revisionsurteil folge leisten oder nicht folge leisten sollten und am Ende beschlossen sie, dem Urteil folge zu leisten. Schließlich fingen sie damit an, in einer Art Abschlussprüfung nach
Fehlern zu suchen. Doch diese Arbeit kam irgendwie nie zu Ende und so wurde der Prozess ständig wieder vertagt. Am Ende wurden Bediüzzaman und seine Schüler, ohne dass jemals ein Urteil zustande kam, aus dem Gefängnis entlassen, nachdem sie ihre Strafe bereits abgesessen hatten. Und wie schon oben erwähnt, streckt sich dieser Prozess jetzt bereits über drei Jahre hin.
{(*): Inzwischen hat der Gerichtshof zu Afyon Bediüzzaman in beiden (Punkten der Anklage) freigesprochen und ihm 1956 endlich das Gesamtwerk der Risale-i Nur und alle seine Briefe ohne Ausnahme wieder zurückgegeben.}
Milliardenfach Schande! Eine so geniale Persönlichkeit, wie sie nicht ihresgleichen hat und jenen Dienst am Glauben (iman)versieht, der für unser Volk und Land, unsere Jugend und die islamische Welt das Allerheiligste (muqaddes)ist, und die so außerordentliche, großartige Werke verfasste, welche alle geistigen (manevi)Bedürfnisse der Menschheit zufriedenstellen können, von Prozess zu Prozess zu schleppen und sich darum zu bemühen, dass sie in den Gefängnissen zugrunde geht!
Bediüzzaman wurde auch in diesen letzten drei, vier Jahren den gleichen, dermaßen beispiellosen Schikanen ausgesetzt, wie in den zwanzig Jahren zuvor; verbrecherische Gemeinheiten gegenüber einem Mann der Wissenschaft, wie sie die Welt noch nicht gesehen hat! Qualen, die er in Denizli in einem ganzen Monat erleiden musste, hat er später in Afyon an einem einzigen Tag erlitten. Der Umgang mit ihm widersprach völlig allem Recht und jedem Gesetz. Man ließ ihn im Gefängnis ganze zwanzig Monate lang in einer ungepflegten, völlig vernachlässigten Zelle, die im Winter noch dazu ungeheizt und kalt war, allein und erwartete, er würde dort in völliger Isolierung (tedjrid-i mutlaq)schließlich (elendiglich) zugrunde gehen. Als sich während des Winters, bei strengem Frost, die Fenster des Gefängnisses millimeterdick mit Eis überzogen, hat man ihm auch noch Gift gegeben und überließ ihn dann, alt und
bereits totkrank wie er war (hal),noch monatelang seiner Qual. Auch als es schon so weit gekommen war (hal),dass (unser ehrwürdiger Meister) sich in seinem Bett noch nicht einmal mehr umdrehen konnte, wurde keinem seiner Schüler erlaubt, ihm zu Dienst zu sein. So erwartete man einfach, dass er unter diesen schrecklichen Bedingungen ganz und gar allein gelassen vom Tode dahin gerafft werden würde. Seine Krankheit verschlimmerte sich so sehr, dass er tagelang nichts mehr zu sich nehmen konnte und ohne jegliche Nahrung in einen kachektischen Zustand (vaziyet)hinüberglitt. Doch auch noch in diesem Zustand (hal),unter strenger Bewachung und ständiger Kontrolle, vernachlässigte er nicht die (mündliche) Abfassung der Risale-i Nur, sondern verfasste diese Werke auch weiterhin, wenn auch im geheimen, wie er das auch in allen früheren Gefängnissen (getan hatte). Die Gefangenen aber schrieben die Risale-i Nur (nach seinen Worten auf und) immer wieder ganz im geheimen ab, vervielfältigten sie auf diese Weise, schmuggelten sie sodann aus dem Gefängnis heraus und sicherten auf diese Weise ihre Verbreitung. So wurde denn auch in den Tagen, in denen Bediüzzaman im Gefängnis saß, die Verbreitung der Risale-i Nur nicht unterbrochen und so gelang es den Nur-Schülern, tapfer und mutig wie Husrev, hunderttausende von Exemplaren in der alten (arabischen) Schreibweise ganz im Verborgenen zu verbreiten.
Während er nun - infolge dieser Vergiftung - im Gefängnis auf dem Sterbebett lag, sagte er zu einem seiner Schüler, der einen Weg gefunden hatte, ihn zu besuchen: "Vielleicht werde ich nicht mehr länger leben können. Doch möge dann mein ganzes Leben (maudjudiyet)für das Land, das Volk, seine Jugend, die islamische Welt, ja die ganze Menschheit und Ewiges Glück und Zufriedenheit (im Jenseits) ein Opfer sein. Wenn ich sterbe, mögen aber meine Freunde keine Rache nehmen!"
Als einmal einer der Gefangenen, der durch die Anwesenheit Bediüzzamans im Gefängnis sehr viel
Unterstützung erfahren hatte, ihn durch das Fenster begrüßte (selam),wurde der verprügelt, wobei man zu ihm sagte: "Warum hast du diesen Bediüzzaman begrüßt (selam)?Warum hast du durch sein Fenster geschaut?" Die Schüler, die heimlich versucht hatten, eine Gelegenheit zu finden, ihren hoch gesegneten (mubarek)und viel geliebten Meister (Ustadh)in seinem kranken und so elenden Zustand (vaziyet)zu besuchen, erhielten die Prügelstrafe dafür zugeteilt und wurden geschlagen, wenn sie dabei ertappt wurden. Aber sie haben niemals wegen dieses Unrechts nachgegeben und riefen stattdessen mit einer Standhaftigkeit, die aus ihrem Glauben und der islamischen Würde (izzet)herrührt, bei jedem Schlag, mit dem ihre Folterknechte auf sie einschlugen: "Schlag zu! Nur zu!" Und damit folgten sie ihrem Meister Bediüzzaman, der einmal in einer Zeitung schrieb: "Spucke deinem Feind ins Gesicht! So wirst du deine Seele retten, auch wenn er deinen Leib malträtiert und dich mit seinem Stiefel auf deinem Halse würgt."
So versuchte man denn mit verschiedenerlei Schikanen und Methoden der Unterdrückung, ihn daran zu hindern, sei es innerhalb des Gefängnisses, sei es außerhalb, weiterhin sein Werk (hizmet)zu verrichten. Folterqualen wurde er unterzogen und Beleidigungen wurden Bediüzzaman zugefügt, wie sie sonst niemandem auf der Welt angetan wurden. Endlich wurde er am 20.9.49 entlassen, nachdem die Zeit seiner Strafe im Gefängnis abgelaufen war. Während aber die Gefangenen in allen anderen Gefängnissen morgens nach der Wachablösung entlassen wurden, was in dem Gefängnis in Afyon gewöhnlich um zehn Uhr der Fall war, entließ man Bediüzzaman bereits z.Zt. der Morgendämmerung, noch vor dem Morgengebet (sabah)aus dem Gefängnis, um so zu verhindern, dass sich das Volk darauf vorbereitet, ihm (am Gefängnistor) entgegenzukommen und ihm einen großartigen Empfang zu bereiten.
* * *
(Nach seiner Entlassung) wohnte Bediüzzaman Hazretleri erst noch eine Weile in Afyon. In dieser Zeit postierte man, obwohl er doch seine Strafe bereits abgesessen hatte und das Revisionsgericht das Hafturteil gegen ihn ohne alle Einschränkungen aufgehoben hatte, drei Polizisten vor seiner Türe, die dort Tag und Nacht Wache hielten. So setzten sie ihre Quälereien und ihre Unterdrückung fort (um schließlich zu erreichen), dass er es noch bereuen sollte, das Gefängnis überhaupt verlassen zu haben. Denn obwohl er doch nun einer zwei Jahre langen repressiven Behandlung im Gefängnis entronnen war, die ihn eigentlich hätte vernichten sollen, duldete man es dennoch nicht, dass (Menschen) kamen, die sich nur in seiner Krankheit nach ihm erkundigen wollten. Obwohl der russische Kommandant ihm, wie seine Biographie (Tarihtje-i hayat)
zeigt, einstmals die Freiheit geschenkt hatte, wurde den Leuten, die anlässlich eines Festtages (bayram)gekommen waren, um Bediüzzaman, der für sein eigenes Land und die gesegnete (mübarek),verehrte islamische Nation alles geopfert hatte, von seiten der Regierungsbeamten untersagt, ihn zu besuchen. Selbst von denjenigen, die dabei ertappt wurden, dass sie auch nur mit seinem Diener sprachen, wurden aus reiner Schikane die Personalien festgehalten, wobei man ihnen erklärte: "Du hast mit Bediüzzamans Diener geredet!" Doch alle diese Gesetzwidrigkeiten bewirkten, dass sich die Menschen (halk)nur noch stärker zu ihm hingezogen fühlten und nicht nachließen, immer wieder neu nach seinen Werken zu verlangen. Sie hatten im Gegenteil eher noch die Wirkung einer Peitsche, die sie zu noch größerem Eifer antrieb. Das aber entfernte diejenigen, die gegen Bediüzzaman Propaganda machten und ihre Hintermänner immer mehr von ihm. Während sie sich darum bemühten, die Verehrung des Volkes (teveddjuh-u amme)für Bediüzzaman zu zerstören, wuchs die Hochachtung (hürmet)der Leute (millet)und besonders der Jungend und die Verbundenheit der Studenten an den Hochschulen für ihn immer mehr. Je mehr Propaganda sie gegen
Bediüzzaman machten, um so stärker verschweißt mit ihm fühlten sie sich. Ziel all dieser Propaganda gegen ihn war es, die Verehrung (teveddjuh)der Leute (millet)für Bediüzzaman zu zerstören, seine Person in Misskredit zu ziehen und die weitere Verbreitung der Risale-i Nur zu verhindern. Doch die Risale-i Nur ist nicht an die Persönlichkeit ihres Verfassers gebunden. Die Risale-i Nur ist Eigentum des Qur'an. Die Risale-i Nur ist nicht gleich wie andere Werke. Die Risale-i Nur steht für sich allein wie ein Schatz von Zeugnissen und Beweisen, d.h., sie ist in sich selbst ein Beweis und ein Zeugnis. Wer die Risale-i Nur liest, betrachtet dabei nicht die Person ihres Verfassers, vielmehr richtet sich sein Blick direkt auf die Wahrheiten (haqiqat)innerhalb dieses Werkes, ihre Zeugnisse und ihre Beweise. Es ist dies und aufgrund noch vieler anderer Tatsachen (haqiqat),dass diese gegen Bediüzzaman in aller Öffenlichkeit unternommene abscheuliche Propaganda so fruchtlos bleibt. Und sie ist dazu verdammt, auch weiterhin erfolglos zu bleiben.
Diese Islamische Nation (millet)bedauert es in der Tat milliardenfach, dass dieser großartige Verfasser und Denker, der dem Land und dem Volk einen so grenzenlosen Gewinn zukommen ließ, der mit solch einer noch nie dagewesenen Selbstlosigkeit (feraghat-i nefs)und Opferbereitschaft dem Qur'an und dem Glauben (iman)dient, auf diese Weise vor die Gerichte geschleppt worden ist! So erklären wir denn im Interesse des Landes und des Volkes: diese Angelegenheit muss so schnell wie möglich beendet und vor den Gerichten zum Abschluss gebracht werden! Denn dieser Dienst am Qur'an, den Bediüzzaman hier verrichtet, umschließt die Weite der islamischen Welt (dunya)und umfasst das All. Die so hohen Wahrheiten (haqiqat)und erhabenen Kostbarkeiten, über die wir hier im Zusammenhang mit Bediüzzaman Said Nursi berichtet haben, sind nicht ohne Beweise und enthalten keine Überteibungen. Alle, die daran zweifeln, können, indem sie Bediüzzaman, der ja noch am Leben ist, persönlich kennen
lernen und, wenn sie die Risale-i Nur mit Geduld, Ausdauer und in reiner Absicht durchlesen, wahrnehmen, dass unsere Worte und Darstellungen bei der Wiedergabe der Wahrheiten (haqiqat)in dieser Biographie (tarihtje-i hayat)doch recht schwach sind. Doch werden sie dabei von ihrer Begeisterung so überwältigt sein, dass sie ihre Erkenntnisse, die ihnen in ihrer Aufrichtigkeit (ikhlas)mehr als durch uns selbst zuteil (idrak)werden, der ganzen Menschheit verkündigen werden.
Wenn nun auch die Gerichte der ganzen Welt aufgrund der Anschuldigungen der heimlichen Feinde des Glaubens (din)versuchen, Bediüzzaman zu verurteilen, so können sie Bediüzzaman dennoch nicht verurteilen, wenn diese Gerichte (ihr Urteil dabei) auf die Beweise (seiner Unschuld) stützen.
Hazret Bediüzzaman Said Nursi musste aufgrund all der Krankheiten, die ihm seine Feinde der Islamiyet mit ihrem Gift zugedient hatten, seine Tage ständig im Bett verbringen, wobei er dann sagte: "Ich warte an der Schwelle meines Grabes." Doch haben wir mit aller Macht und ganzer Kraft bei Gott dem Gerechten (Djenab-i Haqq)darum gebetet und gefleht, Er möge doch in Seiner Gnade (lütuf)diesem großen und mutigen Mann des Glaubens (din)noch die Spanne eines lang andauernden Lebens (ömur)schenken. Denn solch eines opferwilligen und wahrhaftigen Dieners des Qur'an, solch eines gewaltigen Genies, solch eines großen Denkers, solch eines mutigen (Verkünders) der Wahrheit (haqiqat),solch eines beispiellosen islamischen Gelehrten (hakim)bedarf die ganze Islamische Welt (alem)und die gesamte Menschheit (cihan).
Die Fünfzehnte Hoffnung entnehmen wir aus den Blitzen (Lem'alar), die Bediüzzaman selbst verfasst hat, während er in Emirdagh und in Afyon lebte (hayat), und fügen sie hier ein.
Fünfzehnte Hoffnung
Ich war damals in Emirdagh wegen der Schikanen, die sie mir mit der Verbannung, dem Hausarrest, der einer Einzelhaft gleich kam und mir durch die Überwachung fast unerträglich wurde, und infolge all der diktatorischen Verordnungen des Lebens überdrüssig und bedauerte es, das Gefängnis verlassen zu haben. Mit Herz und Seele sehnte ich mich nach dem Gefängnis von Denizli zurück und wünschte mich schon ins Grab.
Als ich "Gefängnis und Grab sind besser als diese Lebensweise" sagte und beschloss, ins Grab hinabzusteigen, oder wieder ins Gefängnis zu gehen, eilte mir die Gnade Gottes zu Hilfe; sie gab in die Hände der Medreset-üz-Zehra-Schüler, deren Stifte auch so produktiv wie eine Vervielfältigungsmaschine waren, eine neu herausgekommene Vervielfältigungsmaschine. Mit einem Stift, der die Vervielfältigungsmatrize beschrieben hat, entstanden auf einmal fünfhundert Exemplare eines jeden wertvollen Werkes der Risale-i Nur. Der Beginn ihrer Verbreitung und die positive Wirkung, die von ihr ausging, ließ mich dieses Leben trotz aller Strapazen und Schikanen dennoch lieben und "unendliche Male Dank!" sagen.
Eine Weile später konnten die geheimen Feinde der Risale-i Nur die Verbreitung der Risale-i Nur nicht ertragen. Sie haben die Behörden gegen uns aufgehetzt. Wieder einmal begann das Leben, mir schwer zu werden. Plötzlich erschien die Gnade des Herrn. Die verantwortlichen Beamten, die "die Lichter" am nötigsten hatten, studierten die beschlagnahmten Abhandlungen im Rahmen ihres Dienstes eingehend und mit großem Interesse. Die Lichter
aber eroberten ihre Herzen. Als sie anfingen, die Lichter zu würdigen, statt sie zu kritisieren, weitete sich die "Nur"-Medresse aus. Es hat uns hundert Grade mehr Nutzen gebracht als der uns entstandene Schaden; das ganze lähmende Entsetzen tendierte plötzlich gen Null.
Sodann lenkten die verborgenen, feindlich gesinnten Heuchler die Aufmerksamkeit der Behörden auf meine Person. Sie erinnerten sie an meine politische Vergangenheit. Sie haben beim Justizministerium, dem Bildungsministerium, den Ordnungsbehörden und dem Innenministerium Argwohn gegen mich erweckt. Durch die Provokationen der Anarchisten, versteckt unter dem Deckmantel ihrer Parteipolitik oder getarnt als Kommunisten, verbreitete sich dieser Argwohn. Sie begannen uns zu peinigen und einzusperren und die Abhandlungen, die in ihre Hände gerieten, zu beschlagnahmen. Die Tätigkeit der "Nur"-Schüler geriet ins Stocken. Um meine Person in Misskredit zu bringen, sprach eine Gruppe unter den offiziellen Beamten falsche, völlig unglaubwürdige Beschuldigungen gegen mich aus. Sie haben versucht, sehr merkwürdige Verleumdungen in Umlauf zu bringen. Jedoch haben sie niemanden überzeugen können. Danach haben sie mich unter äußerst primitiven Vorwänden in den kältesten Tagen des strengen Winters inhaftiert und in eine große, sehr kalte Zelle, in der zwei Tage lang kein Ofen stand, in absoluter Einzelhaft eingesperrt. Obwohl ich doch in meinem kleinen Zimmer an einem Tag mehrmals den (geschlossenen) Ofen angeheizt hatte und sich auch in meinem (offenen) Mangal immer glühende Kohle befand, konnte ich es auf Grund meiner schlechten körperlichen Verfassung und meiner Krankheit dort nur schwer aushalten.
Als ich so in dieser meiner Lage fror und auch innerlich voller Wut und voller Unruhe war, offenbarte sich mir durch Gottes Gnade die folgende Wahrheit in meinem Herzen: "Du hast das Gefängnis als die Schule Josefs bezeichnet. Außerdem hast du (mit deinen Schülern) damals in Denizli tausendfach mehr innere Freude als Bedrängnis verspürt.
Das geistige Verdienst und der Nutzen der Lichterabhandlungen für die Mitgefangenen, deren Erfolge auf hoher und höchster (politischer) Ebene und ähnliche Resultate veranlassten euch statt zu jammern tausendmal Dank zu sagen. Jede Stunde eures Gefängnisaufenthaltes und eures Leides ließ es zu zehn Stunden Gebet werden. Diese vergänglichen Stunden wurden unvergängliche. Insha-al'lah, so Gott will, wird der Nutzen der Lichterabhandlungen und ihr Trost für die Mitgefangenen in dieser dritten Schule Josefs euch in dieser Kälte erwärmen und eure schwere Mühsal in Frohsinn verwandeln. Wenn die Männer, auf die du wütend bist, getäuscht wurden, tun sie dir unbewusst Unrecht an. Nicht Wut wäre hier angemessen. Wenn sie dich wissentlich und in böser Absicht und im Sinne ihres Irrglaubens belästigen und schikanieren, werden sie in ziemlich kurzer Zeit für ewig mit dem Tode bestraft, zur Einzelhaft im Grabe verurteilt werden und einer immerwährenden, peinlichen Strafe ausgeliefert sein. In Anbetracht ihrer Schikanen wirst du sowohl viel Sevab (Verdienste) sammeln, als auch deine vergänglichen Stunden in unvergängliche verwandeln, als auch geistige Freuden erleben und deinen Dienst als Mann der Wissenschaft und des Glaubens in Wahrhaftigkeit versehen." So wurde ich in meiner Seele ermahnt und sagte aus all meiner Kraft Elhamdulillah, aller Dank sei Allah! Vom Standpunkt meiner Menschlichkeit und ihrer Ungerechtigkeit taten sie mir leid und so betete ich und sagte: "Oh Herr, bringe sie auf den rechten Weg!" In meiner Aussage an das Innenministerium habe ich geschrieben, dass dieses jüngste Ereignis in zehnfacher Hinsicht gesetzwidrig ist. Dabei sind die eigentlich Schuldigen diese Ungerechten selbst, die im Namen des Gesetzes gesetzwidrig handeln. Sie haben nach Ausreden und Vorwänden gesucht und versucht mit Verleumdungen und mit Erdichtungen, über die jeder nur lachen kann, welche aber alle die, welche die Wahrheit lieben zum Weinen bringen, uns und die Risale-i Nur anzugreifen. Das zeigt allen einsichtigen und gemäßigten, dass
jene innerhalb eines rechtlichen und gesetzlichen Rahmens keine Gelegenheit finden werden, die Risale-i Nur und ihre Schüler anzugreifen, weshalb jene sich dann in Haltlosigkeiten verirren.
Zum Beispiel:
Beamte, die uns einen Monat lang observiert hatten, konnten keinen Vorwand ausfindig machen, weshalb sie schließlich auf einen Zettel schrieben: "Saids Diener hat in einem Laden eine Flasche Raki gekauft und ihm überbracht." Weil sie aber niemanden finden konnten, der diesen Zettel unterschreiben wollte, schnappten sie sich schließlich irgendeinen betrunkenen Strolch, drohten ihm und befahlen ihm: "Komm her und unterschreibe das!" Er erwiderte: "Nie und nimmer, Gott bewahre mich davor! Wer könnte denn eine solch sonderbare Lüge unterschreiben?" Daraufhin mussten sie diesen Zettel zerreißen.
Ein zweites Beispiel:
Ein Mann, von dem ich nichts wusste und den ich auch bis heute nicht kenne, hat mir sein Pferd zur Verfügung gestellt, damit ich einen Ausflug mache. Aus gesundheitlichen Gründen ging ich an den meisten Tagen im Sommer ein, zwei Stunden lang spazieren, um frische Luft zu schöpfen. Ich habe es mir versprochen, dem Besitzer des Pferdes und des Wagens Bücher im Wert von fünfzig Lira zu schenken, um nicht gegen mein Prinzip zu verstoßen, d.h. um niemandem einen Dank schuldig zu bleiben. Gibt es etwa bei dieser Sache irgendeine Möglichkeit, einen Schaden zu verursachen? Es ist aber so, dass selbst der Gouverneur, die Justizbeamten, die Ordnungshüter und die Polizei uns fünfzigmal die Frage gestellt haben: "Wem gehört dieses Pferd?" Als wäre es angeblich ein großes politisches Ereignis und ein Vorfall, der die allgemeine Ruhe und Ordnung betrifft. Sie haben sogar zwei Leute mit mir zusammen verhaftet, weil sie ausgesagt hatten, der eine, dass ihm der Wagen, der andere, dass ihm das Pferd gehöre, damit diese sinnlose Fragerei aufhören solle. Es gab da noch eine ganze Reihe anderer vergleichbarer Kinderspiele, an denen wir als Zuschauer beteiligt waren, mit einem weinenden und einem
lachendem Auge, und dabei verstanden, dass diejenigen, die die Risale-i Nur und ihre Schüler angreifen, nur sich selber zum Gespött machen.
Hierzu nur einweiteres Beispiel
für ein feinsinniges Gespräch: Da als Grund für meine Verhaftung die Gefährdung der öffentlichen Sicherheit angegeben wurde, habe ich, noch bevor ich das Schreiben überhaupt gesehen hatte, dem Staatsanwalt gesagt: "In der vergangenen Nacht habe ich über dich gesprochen. Ich habe dem Polizisten, der mich im Auftrag des Polizeipräsidenten vernommen hat, gesagt: Wenn ich der öffentlichen Sicherheit in diesem Lande nicht so viel wie tausend Staatsanwälte und tausend Polizeipräsidenten gedient gehabt habe, so soll mich Allah verfluchen." Diesen Fluch habe ich dreimal wiederholt.
Danach überwältigte mich der Zorn und übermannte mich die Wut über diejenigen, die mich in dieser Kälte und zu einer Zeit, in der ich am meisten der Erholung bedurfte, mich nicht erkälten sollte und mich nicht über weltliche Dinge aufregen durfte, einer derart unerträglichen Zwangsumsiedlung, die - verbunden mit Isolation, Haft und Unterdrückung - ihren Hass und ihre Bosheit ahnen ließ, ausgesetzt haben. Doch da eilte mir Seine Gnade zu Hilfe. In meinem Herzen vernahm ich folgende Ermahnung:
"Selbst noch in dieser Ungerechtigkeit, die dir die Menschen antun, hat die Bestimmung Gottes, die zugleich auch Gerechtigkeit ist, einen großen Anteil. Zudem ist hier in diesem Gefängnis für dich gesorgt. Und diese deine Versorgung hat dich hierher gerufen. Dem muss man mit Einverständnis und Ergebenheit begegnen. Daran haben auch die Weisheit und Barmherzigkeit des Herrn einen großen Anteil, die denjenigen, die in diesem Gefängnis leben, Licht und Trost spendet, wodurch ihr auch noch Sevab (einen Verdienst) erwerben könnt. Für diesen Anteil muss man in Geduld tausendmal Dank sagen.
Außerdem hat deine Begierde auf Grund ihrer Fehler, derer du dir nicht bewusst bist, daran einen Anteil. Auf Grund
dieses Anteils musst du bei Gott um Verzeihung bitten, Ihn anflehen und deiner Begierde sagen:
'Du hast dir diese Ohrfeige verdient! Außerdem haben die verborgenen Feinde auch einen Anteil, die mit Intrigen einige leichtgläubige und misstrauische Beamte getäuscht und zu dieser Ungerechtigkeit verleitet haben. Demgegenüber hat dich die Risale-i Nur, die diesen Heuchlern fürchterliche geistige Schläge versetzt, an ihnen vollständig gerächt. Das ist schon genug für sie. Der letzte Anteil gehört den zuständigen Beamten, die an dieser Sache aktiv teilnehmen. Von den Lichterabhandlungen, die sie mit der Absicht, sie zu kritisieren, studieren, werden sie so oder so, zweifelsohne für ihren Glauben Nutzen ziehen. Bezüglich dieses Anteils ist es eine vornehme Gesinnung, ihnen um ihres Nutzens willen nach dem Grundsatz
وَالْكَاظِمِينَ الْغَيْظَ وَالْعَافِينَ عَنِ النَّاسِ
{"Sie bezwingen ihren Groll und vergeben den Menschen." (Sure 3, 134)}
zu verzeihen.'"
Aufgrund dieser wahrhaftigen Ermahnung habe ich mich entschlossen, in vollkommener Freude und Dank in dieser neuen Schule Josefs auch weiterhin zu bleiben, sogar einen harmlosen Fehler zu begehen, der eine Strafe nach sich ziehen würde, was denjenigen, die gegen mich waren, behilflich sein könnte.
Einem Mann wie mir, der keine Bindungen hat, sind in seinem fünfundsiebzigsten Lebensjahr, in dieser Welt nur fünf von siebzig geliebten Freunden am Leben geblieben. Siebzigtausend Exemplare der Lichterabhandlungen, die ihren lichtvollen Auftrag erfüllen werden, sind erhalten geblieben und befinden sich frei im Umlauf. Für einen Mann wie mich, der so viele Mitbrüder und Erben hat, die nicht nur mit einer, nein, mit vielen tausend Zungen den Dienst am Glauben versehen, ist das Grab hundertfach besser als der Aufenthalt in diesem Gefängnis. Selbst dieses Gefängnis
ist noch hundertfach angenehmer und besser als eine Freiheit unter ständiger Bevormundung draußen, die jeglicher Freiheit entbehrt. Denn statt draußen die Bevormundung von hunderten zuständigen Beamten allein zu ertragen, muss man dagegen im Gefängnis mit hunderten Gefangenen gemeinsam nur eine leicht erträgliche nachvollziehbare Bevormundung durch ein, zwei Personen wie den Direktor und den Oberwachtmeister ertragen. Außerdem erfährt man im Gefängnis unter Freunden brüderliche Zuneigung und Trost. Da sich die selbstlose Liebe, die aus der islamischen Gesinnung erwächst, und die menschliche Natur in dieser Situation der Alten erbarmt, verwandeln sich die Belastungen im Gefängnis in Barmherzigkeit. Daher war ich mit dem Gefangenendasein zufrieden.
Als ich diesmal zum dritten Prozess kam, strengte mich das Stehen in meinem Alter, meiner körperlichen Schwäche und Krankheit an. Ich setzte mich vor dem Eingang des Gerichtssaals auf einen Stuhl. Plötzlich kam ein Richter, wurde zornig und sagte in herabwürdigendem Ton: "Warum wartet er nicht im Stehen?"
Alt und schwach wie ich war, wurde ich über eine solche Unbarmherzigkeit wütend. Plötzlich sah ich, dass sich sehr viele Muslime in vollkommener Liebe und Brüderlichkeit mit barmherzigen Blicken um uns versammelten. Sie konnten nicht fort gejagt werden. Sofort tauchten zwei Wahrheiten in mir auf.
Erste Wahrheit:
Die Leute, die mir und den Lichtern versteckte Feinde waren, wollten - um den Respekt, den die Öffentlichkeit mir gegen meinem Willen entgegenbringt, untergraben zu können - die Verbreitung der Lichterabhandlungen aufhalten. Darum suchten sie manche leichtgläubige Beamte der Regierung zu täuschen und sie zu einem derart entehrenden Verhalten zu provozieren, um meine Person beim Volk in Misskredit zu bringen.
Als Geschenk für den Dienst der Lichterabhandlungen am Glauben hingegen verwies mich die göttliche Gnade
auf hundert Leute, anstelle dieses einen einzigen Mannes mit seinem entehrenden Verhalten: Diese sind es, die euch begrüßen und die euch mit aller Liebe und mit jeglichem Interesse willkommen heißen, indem sie sich für euren Dienst begeistern und mit euch fühlen. Am zweiten Tag, während ich im Untersuchungsgericht auf die Fragen des Staatsanwaltes Antworten gab, versammelten sich sogar fast tausend Leute auf dem Hof der Behörde vor den Fenstern des Gerichtssaales und brachten auf diese Weise in völliger Verbundenheit unausgesprochen ihre Forderung zum Ausdruck: "Belästigt sie nicht!" Die Polizisten konnten ihre Versammlung nicht auflösen. Und in meinem Herzen wurde mir eingegeben: Diese Leute wollen in diesem gefahrvollen Zeitalter einen vollständigen Trost und ein unauslöschliches Licht, einen starken Glauben und eine überzeugende Botschaft von der ewigen Glückseligkeit, wonach sie von Natur aus suchen. Bestimmt haben sie davon gehört, dass sich das, wonach sie suchen, in den Abhandlungen des Lichts finden lässt, sodass sie um dieses bisschen Dienstes am Glauben willen für meine Wenigkeit weit mehr Zuneigung empfinden, als ich verdient habe.
Zweite Wahrheit:
So wurde ich denn darauf hingewiesen, dass es dem entwürdigenden Verhalten gegenüber, entstanden aus einem Gerücht heraus, wir würden die öffentliche Sicherheit gefährden, und der schlechten, beleidigenden Behandlung durch ein paar irregeführte Leute, welche auf diese Weise den Respekt, den die Öffentlichkeit uns entgegenbringt, untergraben wollen, andererseits grenzenlos viele Kenner der Wahrheit und künftige Generationen voll Jubel und Begeisterung gibt.
Die anarchistische Gesinnung untergräbt unter dem Deckmantel des Kommunismus die öffentliche Sicherheit auf schreckliche Weise. Dagegen versuchen die Risale-i Nur und ihre Schüler mit der Kraft des wahrhaftigen Glaubens diese entsetzliche geistige Zerstörung überall in diesem Land aufzuhalten und zu zerschlagen. Sie arbeiten sicherlich im Sinne der Aufrechterhaltung der öffentlichen
Sicherheit und Ordnung, sodass drei, vier Gerichte und die Sicherheitsorgane von zehn Provinzen in diesen zwanzig Jahren keinen Vorfall festgestellt und aufgenommen haben, den die Risale-i Nur Schüler, welche überall in diesem Land in großer Zahl vorhanden sind, verursacht haben könnten. Ein Teil der rechtschaffenen Sicherheitskräfte aus drei Provinzen soll gesagt haben:
"Die Nur-Schüler sind geistige Ordnungshüter. Bei der Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung leisten sie uns Hilfe. Durch ihren überzeugten Glauben lassen sie bei jedem Mann, der die Lichter studiert, in seinem Sinn einen Wächter zurück, und versuchen so die öffentliche Sicherheit aufrechtzuerhalten." Ein Beispiel dafür ist das Gefängnis von Denizli. Mit den Lichterabhandlungen, die dort Eingang gefunden haben, und mit der "Frucht"-Abhandlung, die dort für die Gefangenen verfasst wurde, haben sich diese mehr als zweihundert Gefangenen innerhalb von drei, vier Monaten dermaßen gebessert und wurden gehorsam und fromm, dass selbst ein Mann, der drei, vier Leute umgebracht hatte, sich nun gar zurückhielt, die Läuse zu töten. Er begann seinem Lande ein ganz barmherziges Glied (der menschlichen Gesellschaft) zu werden, von dem nie wieder eine Gefahr ausging. Diese Lagewendung versetzte selbst die verantwortlichen Beamten in Staunen und Bewunderung.
Außerdem sagten einige junge Gefangene, die noch nicht verurteilt waren: "Wenn die Nur-Schüler im Gefängnis bleiben, wollen wir uns für solange verurteilen und inhaftieren lassen, bis wir, die wir uns an ihnen ein Beispiel genommen haben, so wie sie geworden sind." Durch ihren Unterricht werden auch wir selbst gebessert werden. Diejenigen, welche die Nur-Schüler dieser Art der Gefährdung der öffentlichen Sicherheit beschuldigen, haben sich in jedem Fall furchtbar geirrt oder sie sind getäuscht worden oder sie täuschen bewusst oder unbewusst die Behörden im Interesse des Anarchismus und versuchen uns mit ihren Schikanen einzuschüchtern. Leuten von diesem Schlag sagen wir:
Da der Tod nun einmal nicht getötet und das Grabestor nicht geschlossen werden kann, wandern die Reisenden in Scharen aus diesem Gasthaus der Welt schnell und in Aufregung einer nach dem anderen unter die Erde und verschwinden. Ganz sicher werden wir in einer sehr kurzen Zeit voneinander Abschied nehmen. Ihr werdet die Strafe für eure Ungerechtigkeit auf eine fürchterliche Weise bekommen, zumindest aber gleichsam wie am Galgen die Todesstrafe für die Ewigkeit erleiden, der für die (z. Zt. noch) entrechteten Leute des Glaubens ein Entlassungsschein ist. Die vergänglichen Freuden, die ihr in dieser Welt in der Vorstellung, unsterblich zu sein, erlebt, werden sich in bleibendes und qualvolles Leid verwandeln.
Die Wahrheit des Islam, welche mit dem Blut und dem Schwert von hunderten Millionen Märtyrern, die den Rang eines Heiligen erlangt hatten, und heldenhaften Kriegsveteranen dieses religiösen Volkes erworben wurde und aufrechterhalten wird, bezeichneten leider unsere heimlichen Feinde in ihrer Verlogenheit (munafiq)manchmal als (die Lehre des) "Orden" (tariqat)und die Art der Mystiker, die auch nur einen Lichtstrahl aus der Sonne des Islam bilden, als diese Sonne selbst, um einige oberflächliche Regierungsbeamte Irre zu führen. Diese wollen jene gegen uns aufhetzen, indem sie die Nur-Schüler, die für die Wahrheit des Qur'an und des Glaubens wirkungsvolle Arbeit leisten, als Ordensgemeinschaft und politische Organisation bezeichnen. Wir sagen es ihnen sowie denjenigen, die ihnen zu unserem Nachteil Gehör verleihen, was wir schon bei unserer Verhandlung vor dem Gerichtshof von Denizli gesagt haben:
"Für eine heilige Wahrheit, für die schon vor uns hunderte Millionen ihren Kopf hingehalten haben, wollen auch wir jetzt unseren Kopf hinhalten. Auch wenn ihr die ganze Welt für uns zu einem Feuerball machen würdet, werden wir auch dennoch bereit sein, unseren Kopf für die Wahrheit des Qur'an hinzuhalten, werden vor der Glaubenslosigkeit nicht kapitulieren und von unserem heiligen Dienst
nicht zurücktreten. Wolle es Gott!"
So eilten mir denn die heiligen Tröstungen, die mir aus dem Glauben und dem Qur'an erwuchsen, in meinen Schmerzen und in meiner Verzweiflung - einer Folge der Überraschungen meines Alters - zu Hilfe. Ich würde heute kein noch so qualvolles Jahr in meinem Alter gegen zehn der heitersten Jahre meiner Jugend tauschen. Da insbesondere dem, der im Gefängnis seine Pflichtgebete einhält und um Vergebung bittet, eine jede Stunde für zehn Stunden Gebet angerechnet wird und in Zeiten einer Krankheit oder ungerechten Behandlung, ein jeder vergängliche Tag so viel Sevab (Verdienste) bringt, wie zehn ausschließlich einem ewigen Leben gewidmete Tage, wurde mir durch diese innere Ermahnung klar, wie sehr, ein Mann, der gleich mir vor dem Tor des Grabes auf seine Abberufung wartet, zu Dank verpflichtet ist. "Unendlich Dank meinem Herrn!" sagte ich, war mit meinem Alter zufrieden und einverstanden mit meiner Haft. Denn die Zeit bleibt nicht stehen, das Leben vergeht sehr schnell. Mag es ein sorgloses und heiteres Leben sein, das man in Gottvergessenheit verbringt, es vergeht, verlischt, hinterlässt Bedauern, Undankbarkeit und manch eine Sünde, denn am Ende der Freude steht der Schmerz. Wenn es aber im Gefängnis und unter Strapazen vergeht, wird es in gewisser Hinsicht zu einem beständigen und bringt mit seinen kostbaren Früchten ein ewiges Leben zum Gewinn, weil es als eine Art Gottesdienst gilt und am Ende des Schmerzes eine geistige Freude steht. Zudem gilt es als Buße für die früheren Sünden und für die Vergehen, die zu dieser Freiheitsstrafe geführt haben, und reinigt sie. Von diesem Standpunkt aus betrachtet, müssen die Gefangenen also ihre Pflichtgebete verrichten und geduldig und dankbar sein.
* * *
Bediüzzaman Said Nursis Prozess vor dem Gerichtshof in Afyon
Die heimlichen Atheisten, die mit ihren Intrigen und Verleumdungen (schließlich erreicht haben), dass der Prozess gegen Bediüzzaman zu Afyon eröffnet wurde, hatten einen Plan geschmiedet, seine Hinrichtung zu bewirken. Seine ausführliche Verteidigungsrede ist von außerordentlicher Bedeutung und enthält alle die Wahrheiten (haqiqat),die er diesen Atheisten in ihrer Gesetzlosigkeit und Kritiksucht entgegenschleuderte und dabei seinen eigenen Tod für nichts erachtete. Im Ergebnis wurde schließlich das Hafturteil gegen ihn im Revisionsverfahren wieder aufgehoben. So wurde Bediüzzaman von demselben Gerichtshof sogar zwei Mal freigesprochen. Und am Ende wurden Bediüzzaman das Gesamtwerk der Risale-i Nur einschließlich der etwa fünfhundert Briefe vollständig und ohne Ausnahme zurückgegeben.
* * *
بِاسْمِهِ سُبْحَانَهُ
{"Im Namen dessen, der gepriesen sei!"}
Aufgrund gewisser Anzeichen bin ich zu dem Schluss gekommen, dass unsere heimlichen Feinde in dem Gedanken, den Wert der Werke der Risale-i Nur herabzusetzen, weil sie die Vorstellung haben (ich könne eines Tages den Anspruch erheben) der Mehdi zu sein (was für sie selbstverständlich irgendetwas) mit Politik zu tun hat, wozu mir dann die Werke der Risale-i Nur angeblich als Mittel dienten, nun (um ihre Pläne durchsetzen zu können) nach irgendwelchen völlig haltlosen Gründen suchen. Diese Art von Schikanen gegenüber meiner Person entstehen jedoch
aus derartigen irrigen Vorstellungen. Jenen heimlichen, skrupellosen Feinden und denen, die ihnen zuhören, wenn sie so gegen uns (hetzen), sage ich aber: "Gott bewahre! Und nochmals: Gott bewahre! Noch zu keiner Zeit habe ich meine Grenzen dergestalt überschritten und die Wahrheiten (haqiqat)des Glaubens (iman)als ein Werkzeug dazu benutzt, um Rang und Namen (maqam-i shan)für den Ruhm und Ruf meiner Person zu erwerben! Dafür sind die fünfundsiebzig Jahre meines Lebens, besonders aber die letzten dreißig Jahre, die hundertunddreißig Abhandlungen der Risale-i Nur und viele Tausend Personen, die mit mir bestens befreundet sind, meine Zeugen.
In der Tat wissen die Schüler der Risale-i Nur und auch ich selbst habe bei den Gerichtsprozessen die Zeugnisse dafür gezeigt, dass ich nicht für meinen Ruf, für Ruhm und Ansehen, meiner Person einen Rang (maqam-i shan)zuschreiben und dabei eine jenseitige (ukhrevi),geistige Stufe (mertebe)erlangen möchte, vielmehr dazu bereit bin, um den die Leuten des Glaubens (ehl-i iman)mit meiner ganzen Überzeugungskraft einen Dienst am Glauben (hizmeti imaniye)zu erweisen, nicht nur mein diesseitiges Leben und seine vergängliche Rangstufen (fani maqamat),ja (notfalls) sogar mein künftiges Leben (akhiret hayati)und alle jenseitigen, ewigen Rangstufen (ukhrevi baqi mertebe),nach denen doch einjeder strebt, aufzuopfern, ja sogar, um einigen jener armseligen die Rettung aus der Hölle (djehennem)vermitteln zu können (notfalls) selbst noch den Himmel (djennet)zu verlassen und zur Hölle (djehennem)hinab zu steigen. Doch obwohl meine wahrhaftigen Brüder das sehr wohl wissen und ich das auch vor den Gerichten in gewisser Hinsicht bewiesen habe, hat man mich trotzdem beschuldigt, in meinem Dienst an der Risale-i Nur und am Glauben (iman)der Unaufrichtigkeit bezichtigt und den Wert der Werke der Risale-i Nur Werke herabgewürdigt.
Könnte es denn etwa aufgrund eines Gesetzes überhaupt ein Verbrechen sein, wenn in der Vorstellung dieser Unglückseligen, die diese Welt (dunya)für ewig halten, doch
ein jeder wie sie selber die Religion und den Glauben (zum Schein annimmt und dann) als ein Werkzeug für (seine) weltlichen Interessen (dini ve imani dünyaya alet)missbraucht, dann aber einige aufrichtige Brüder einem Mann, der die Leute des Irrweges (ehl-i dalalet)in dieser Welt (dunya)herausfordert und auf dem Weg des Dienstes am Glauben (hizmet-i imaniye yolunda)sowohl sein diesseitiges (dunyevi)als auch notfalls sein jenseitiges Leben (ukhrevi hayat)zu opfern bereit ist und, sowie er bei den Prozessen vor Gericht behauptet, nicht diese seine eine und einzige Wahrheit des Glaubens (haqiqat-i imaniye)gegen das Königreich dieser Welt (dünya saltanati)tauschen will und deshalb nach dem Geheimnis der Wahrhaftigkeit vor der Politik und allen materiellen und geistigen Rangstufen (maddi ve manevi mertebe),die auch nur nach Politik riechen, mit aller Kraft flüchtet, beispiellosen Schikanen zwanzig Jahre lang standhält, sich in Anbetracht seines Weges nicht auf die Politik einlässt, der sich im Hinblick auf seine eigene Seele (nefs)gegenüber seinen Schülern als weit geringer betrachtet und deshalb von ihnen stets ihre geistige Unterstützung und ihr Gebet erwartet, der davon überzeugt ist, dass seine eigene Seele (nefs)ganz armselig und unbedeutend ist, dem sie, diesem Armseligen, als dem Überbringer der Risale-i Nur, die außerordentliche Glaubensstärke, die sie ihr entnehmen, wegen seines Dienstes als ihr Überbringer einige Tugenden dieser Abhandlungen zuzuschreiben und ihm, ohne auch nur im geringsten an irgendeine Politik zu denken, doch einen hohen Rang (maqam)zuschreiben und eine hohe Meinung von ihm haben, die tausendfach über jedes Maß hinaus reicht, wie es von altersher zwischen dem Meister (Ustadh)und seinen Schülern so üblich ist und ganz selbstverständlich so gehandhabt wird, als Ausdruck des Dankes sehr viel Lob und Preis darbringen, ja könnte dies denn etwa aufgrund irgendeines Gesetzes ein Verbrechen sein? Derartige Übertreibungen widersprechen zwar in gewisser Hinsicht den tatsächlichen Gegebenheiten (haqiqat).Wenn jedoch ein
Mann, der in der Fremde niemanden hat (und ganz auf sich allein gestellt ist), dagegen viele Feinde hat und da es viele Gründe gibt, die geeignet wären, seine (feiwilligen) Helfer von ihm fernzuhalten, um auch nur die innere Verfassung (quvve-i maneviye)seiner Helfer gegen all diese vielen maßlosen Kritiker zu stärken und sie davor zu bewahren, sich von ihm fernzuhalten und, um die Begeisterung derer, die ihn auf eine so übertriebene Weise loben, nicht erkalten zu lassen, (wenn also dieser Mann) ihre Lobeshymnen auf die Risale-i Nur hinlenkt und sie nicht etwa ganz und gar ablehnt, so wird verständlich, in wieweit einige Beamte, die sich darum bemühen, seinen Dienst am Glauben (hizmet-i imaniye)selbst noch an der Schwelle seines Grabes (als einen Dienst) um rein irdischer Beweggründe willen umzuinterpretieren, sich damit von jedem Gesetz und allem vernunftgemäßen Denken entfernen.
Said Nursi
* * *
بِاسْمِهِ سُبْحَانَهُ
{"Im Namen dessen der gepriesen sei"}
Meine lieben getreuen Brüder!
Erstens:
Macht euch keine (unnützen) Sorgen und Gedanken! Da hinter einem jeden Geschehnis, das uns zustößt, sowohl gleichsam durch einen Schleier verhüllt, als auch hinsichtlich seiner Konsequenzen eine Aufmunterung und ein Lächeln der Güte (inayet)und der Barmherzigkeit Gottes (rahmet)verborgen ist, es zugleich aber auch als unsere Erziehung durch alles, was uns vorgegeben (qadr)oder zustandegekommen (kismet),was recht und billig ist, uns (als ein Ausdruck) der Liebe Gottes (shefqat)begegnet, wie es sich anhand gesicherter, wiederholter Erfahrungen als wahr herausgestellt hat, ist es auch unsere Pflicht ist, selbst unter den allerbittersten Umständen und bei
aller Anstrengung (Gott trotzdem) in volkommener Geduld (sabr)zu danken.
Die Qualen, die die Nur-Schüler im Heiligen Dienst für die Glaubenswahrheiten (haqaiq-i imaniye)heute durchleiden müssen, sind nur ein Beispiel für all das, was Tausende und Millionen Kämpfer (mudjahid)für die Wahrheit (haqiqat)erlitten haben, unter ihnen auch Djerdjis, mit dem Friede sei, {der heilige Georg, einer der zahllosen Märtyrer der Syrischen Kirche, die in vorislamischer Zeit ihre Missionen bis nach China hinein ausdehnte. (A.d.Ü.)} dem man (zwei Mal) bei lebendigem Leibe die Haut herunter zog, und können im Vergleich kaum ein Tausendstel der Qualen jener Märtyrer (Missionare und Propheten) aus alter Zeit sein. Doch möge es Gottes Wille sein (insha-a'llah),dass sie im Hinblick auf Lohn und Verdienst, die sie sich dadurch erwerben, ihnen gleich und mit ihnen vereinigt sein möge.
Zweitens:
Da unsere heimlichen Feinde, die es elf Mal versucht haben, ein Attentat gegen mich zu verüben, vier Mal Anklage vor Gericht gegen uns erhoben und damit drei Mal unsere Inhaftierung erreichten (bisher) mit all ihren Plänen gegen die Risale-i Nur gescheitert sind, versuchen sie nun, mit aller List meine Wenigkeit durch eine völlige Isolierung und die Unterbindung jeglicher Kontakte zu mir auf die Folter zu spannen (und durch alle möglichen anderen Versuche) meine Nerven zu ruinieren. Ich betrachte jedoch alle diese Schikanen nur als eine Aufmunterung aus der Hand der Güte Gottes (inayet),übe mich in Geduld und danke (Gott). Dabei meine ich, dass meine Geduld in all diesen Qualen, die für mich ja zehn Mal stärker sind, weil ich doch körperlich zehn Mal schwächer bin als ihr, in euren Augen, die ihr ja solch starke und edelmütige Persönlichkeiten seid, zu winzig kleinen, unbedeutenden Anstrengungen zusammenschrumpfen, weswegen ich es nicht weiter für nötig halte, euch deswegen auch noch zu trösten.
Drittens:
Seid nicht beunruhigt, wenn sie versuchen, mich in Misskredit zu bringen, mich unter Druck setzen und versuchen, mich in Rage zu bringen. Denn das ist ein Hinweis darauf, dass sie die Risale-i Nur und ihre Schüler nicht weiter stören werden, und ein Zeichen, dass sie sich ganz und gar irren. Das heißt, dass sie Wert und Energie (hinter der ganzen Arbeit) in meiner Person suchen und deshalb mich unter Druck setzen und in Misskredit bringen wollen. Doch darin täuschen sie sich, und das dient der Risale-i Nur in sehr hohem Maße und ist dafür von großem Vorteil. Meine persönliche Aufgabe (vazife)und mein Dienst an der Risale-i Nur, den ich doch kaum richtig leisten konnte, bewirkt jetzt, dass ich sie (nun doch erfüllen kann), wenn auch im umgekehrten Sinne! {indem sie meine Schüler zu doppeltem Eifer anspornt (A.d.Ü.)} Möge Gott es wollen (insha-a'llah),dass meine Fehler (dadurch dass sie meine Schüler anspornen) im gleichen Maße zu einem Segen (sevab)werden und (auf diese Weise doch) wieder ausgeglichen werden.
Viertens:
Diese heimlichen Unruhestifter (munafiq)haben wohl einige Beamten irgendwie in die Irre geführt und sie aufgeschreckt, indem sie sagten: "Wer diesem Said begegnet, wird zu einem Freund und Nurdju (Schüler der Risale-i Nur). Deshalb darf niemand mit ihm in Kontakt kommen." Deshalb laufen sogar (die Leute) vom Wachdienst und vom Verwaltungsrat vor mir davon. Doch ich bin (trotz aller) Umstände (hal)dankbar und zufrieden. Und wenn wir uns auch nicht leiblich begegnen können, so schadet es doch nichts. Denn wir sind (trotzdem) mit Leib und Seele (manen),mit Geist (ruh)und Herz (qalb),durch unsere Aufgabe (vazifah)und in Gedanken (fikren)im selben Gebäude einander gemeinschaftlich verbunden. Wir treffen uns innerlich und das genügt!!!
Said Nursi
* * *
بِاسْمِهِ سُبْحَانَهُ
{"Im Namen dessen der gepriesen sei!"}
Meine lieben, getreuen Brüder, opferwillige und standhafte Gefährten im Dienst am Qur'an und am Glauben!
Seid nicht betrübt, weil ich seit ein paar Tagen mit Euch nicht mit meiner Feder kommuniziert habe. Doch jetzt ist mir zu Herzen gekommen, zwei Punkte zu erklären.
Erstens:
(Im Gedanken an) das Geheimnis (der Hadith) اَلْخَيْرُ فِيمَا اخْتَارَهُ اللّٰهُ {"Das Gute liegt in dem, was Gott will"}, spürte ich einen Trost aufgrund meiner Hingabe (teslim)und meines Vertrauens (auf Gott). Es ist dies wie folgt:
Da sie (die Richter) uns nun, besonders aber (die Familie) Tjalishkan nicht entlassen, vielmehr (auf deren Ansehen gar keine) Rücksicht genommen, (vielmehr auch ihre Entlassung weiter) verschoben haben, möge nun Gott wollen (insha-a'llah),dass sie doch zum Ausgleich für diesen einen materiellen Schaden hundertfach einen immateriellen Verdienst und Gewinn erhalten mögen. So liegt z.B. die Verteidigungsschrift, die auf wissenschaftlicher Grundlage und der (Erkenntnis) des Glaubens (iman)absolut fundiert und zuverlässig ist und an sechs Ministerien in Ankara verschickt wurde, seit nunmehr zwanzig Tagen (dem Gericht) zur Einsicht vor. Dabei werden sowohl die durchaus belangreichen Tatsachen (haqiqat)als auch die Neugierde der zuständigen Beamten und ihr Interesse auf sich lenken und so werden auch die (verschiedenen) Phasen unseres Prozesses diese (dafür zuständigen) Ämter sicherlich nicht gleichgültig lassen. Hätten diese Tatsachen (haqiqat)sie nun nicht bereits überzeugt, so hätten sie bis heute in jedem Fall auf einen sehr deutlichen Wink und Befehl hin bereits einen Angriff gegen uns unternommen. In diesem Fall hätten diejenigen, die stets aus
einem Körnchen (Wahrheit) eine ganze Kuppel gegen uns zu erbauen verstehen, uns deren Baumaterial unter die Augen gerieben. Das aber heißt, dass die vorliegenden Tatsachen (haqiqat)überzeugend gewesen sein müssen. Sie werden jetzt also höchstens noch eine Art Verteidigungshaltung gegen uns einnehmen wollen und uns damit ein wenig lästig fallen. Was jedoch mich selbst betrifft, so habe ich bereits für den rein materiellen Schaden und alle erlittenen Strapazen einen hundertfach größeren geistigen Gewinn erhalten. Doch wird von unseren Brüdern meines Erachtens jeder einzelne noch mehr Anteile als ich empfangen. Das aber heißt, dass es gut für uns ist, wenn sich unsere Entlassung noch etwas hinauszögert. Gleich wie also (infolge der Gefangennahme) der drei Brüder Tjalishkan sehr viele Nurdjus verschont (und nicht mehr gefangen genommen) wurden, so richteten sich auch alle Verleumdungen gegen sie, wodurch sie die Ursache dafür wurden, dass nun die Risale-i Nur den Blicken des derzeitigen Gerichtshofes entzogen wurde. Diese beiden kostbaren Verdienste haben also ihre eigene Entlassung verhindert. Diese aber hätte ihre so enge Verbundenheit mit den Nur-Werken in den Augen des Volkes zum Erlöschen gebracht.
Zweiter Punkt:
Dieser unser Prozess ist als eine so große Aufgabe am Qur'an und am Glauben (iman)mit der ganzen Islamischen Welt verbunden. Weil aber die versteckten Heuchler sich davor fürchten, versuchen sie nun (die Risale-i Nur in ihrer Bedeutung) so gering wie nur irgend möglich erscheinen zu lassen. Während sie ihr also eine große Bedeutung beimessen, bemühen sie sich gleichzeitig, sie nach außen hin als bedeutungslos darzustellen. Auf diese Weise täuschen sie die Regierung und die Justiz. Während sie z.B. die Nurdjus unter den Offizieren und Oberkommandierenden außer Acht lassen, nehmen sie einen einfachen Soldaten in Ankara, bei dem sie ein paar harmlose Abhandlungen entdeckt haben, zum Anlass, um hier den Prozess gegen die Nurdjus weiter in die Länge
zu ziehen. Sie schikanieren mich und setzen mich unter Druck, stellen sodann die Bedeutungslosigkeit meiner Person als ihre Erfahrung dar, wobei sie die machtvollen Lesungen über die Risale-i Nur und die unerschütterliche Bruderschaft ihrer geistigen Körperschaft, die sie doch nicht zum Schweigen bringen können und die tausendmal stärker ist als meine Wenigkeit, gar nicht beachten und so tun, als hätte sie überhaupt keinen Wert. Doch zittern sie in Wirklichkeit vor ihrer Bedeutsamkeit und versuchen dabei ihre hohen Kuppelbauten als kleine Körnchen darzustellen.
Zudem haben sie sich vollkommen getäuscht. Es gibt unter uns nur vier, fünf Brüder, deren Familien hinsichtlich ihres Geschäftslebens durch diese Verzögerung einen Verlust erleiden könnten. Doch möge Gott es wollen (inshaa'llah),dass sie dafür einen sehr großen geistigen Gewinn erlangen werden, hinter dem dieser materielle Verlust durch die Gnade Gottes (inayet),unter der wir stehen, vollkommen bedeutungslos wird. Macht euch keine Sorgen und lasst euch nicht beunruhigen. Unsere Aufgabe ist es, in Geduld Dank zu sagen, uns soweit wie möglich mit den Nur-Werken zu beschäftigen und dabei unsere Mitgefangenen zu trösten, die sich in noch weit größerer Bedrängnis befinden.
Said Nursi
* * *
بِاسْمِهِ سُبْحَانَهُ
{"Im Namen dessen, der gepriesen sei!"}
Meine lieben getreuen Brüder!
Eine Angelegenheit in der Form einer innerlichen Ermahnung, möchte ich, so wie sie ganz kurz in meinem Herzen (qalb)auftauchte, bekannt machen. Die Antwort auf die Verteidigungsschrift, die an die sechs Ämter gegangen und sie überzeugt hatte, ist angekommen. Sie haben also keine Möglichkeit gefunden, uns anzugreifen. Es gibt da lediglich den Plan eines einzelnen Amtes, der einen
geheimen Wink enthält, meine opferbereiten Brüder möchten doch (ihre Begeisterung) für mich ein wenig abkühlen lassen und ihre starke Verbundenheit mit mir ein wenig lockern. Sie hatten sich ja schon seit langem darum bemüht, diese heilige (qudsi),auf das jenseits (ukhrevi)ausgerichtete Verbundenheit im Glauben (imani)durch allerlei Schikanen, durch Verleumdungen und in der Isolationshaft zu zerstören; doch hatten sie keinen Erfolg. Da versuchen sie nun, sie mit allerlei leeren Behauptungen in Angst und Unruhe zu versetzen, oder eine Schwachstelle bei ihnen herauszufinden, um ihre Sichtweise in eine andere Richtung zu lenken. Möge Gott es wollen (insha-a'llah),dass die heldenhafte, eisenharte Ausdauer der Nurdjus, ihre Standhaftigkeit, die Wahrheit (haqiqat)der Risale-i Nur gleich einem mächtigen Streiter (mudjahid-i ekber)und die so wunderbare Tapferkeit ihrer geistigen Körperschaft, die in ihrer Hand ein diamantenes Schwert hält, (auch weiterhin alle) Pläne (unserer Gegner) ins Leere laufen lässt. Gleich wie das Paradies (djennet)in der Tat nicht umsonst zu haben ist, so ist auch die Hölle (djehennem)nicht ohne Sinn. Es wurde euch bereits mitgeteilt, dass wir uns im Vergleich zu den heldenhaften Kämpfern (mudjahid)aus alter Zeit kaum noch anzustrengen brauchen. Doch wo damals die Bedingungen hart waren, da besteht heute ein dringendes Bedürfnis. Deshalb möge Gott (insha-a'llah)den aufrichtigen Nurdjus viel Verdienste (sevab)zuteil werden lassen. Diese wenigen Jahre eines Lebens angefüllt mit Nichtigkeiten gleich einem Windhauch, statt vielleicht in Sünden und zum eigenen Schaden (zu vergeuden), in einem solch heiligen (qudsi)Dienst am Glauben (imani)und am Qur'an zu verbringen und dadurch ein Ewiges Leben zu gewinnen, ist den Nurdjus zugedacht. Und auch ich habe mich trotz all der vielen Angriffe und dieser so großen Schwäche, die über mich gekommen sind, dazu entschlossen, standhaft zu bleiben. Möge Gott es wollen (insha-a'llah),dass meine starken, opferbereiten, jungen, heldenhaften Brüder nicht hinter mir zurückbleiben und nicht
davonlaufen. Und mögen sie diejenigen, die davongelaufen sind, zur Umkehr bewegen, um weiter zu arbeiten wie die, welche bis jetzt weiter gearbeitet haben.
Said Nursi
* * *
بِاسْمِهِ سُبْحَانَهُ
{"Im Namen dessen, der gepriesen sei!"}
Meine lieben getreuen Brüder!
Erstens:
Zum ehrwürdigen Monat Redjeb (Redjeb-i Sherif)und der morgigen Nacht der Erfüllung (Leyle-i Regha'ib)wünsche ich euch mit Herz und Seele nur alles erdenkliche Gute (tebrik).
Zweitens:
Gebt eure Hoffnung nicht auf, beunruhigt euch nicht und macht euch keine Sorgen! Möge Gott es wollen (insha-a'llah),dass euch die Gnade des Herrn (inayet-i Rabbaniye)zu Hilfe eile! Die Bombe, die man in den letzten drei Monaten für uns vorbereitet hatte, verpuffte. Mein Ofen, das Wasserglas der beiden Feyzi und Husrevs zwei Wassergläser haben uns da die richtige Nachricht überbracht. Doch war das nicht schrecklich. Alles ist noch einmal gut abgelaufen. Möge Gott es wollen (insha-a'llah),dass dieses Feuer noch völlig ausgelöscht wird! Alle ihre Angriffe dienen nur dazu, meine Person in Misskredit zu bringen und bei der Verbreitung der Risale-i Nur Verwirrung zu stiften. Der Schlag, mit dem dieser Mann, der noch gefährlicher ist, als der bekannte Heuchler aus Emirdagh und wenn auch nur ein Werkzeug in den Händen heimlicher Atheisten, zusammen mit diesem Halbhodja, der diese ketzerischen Neuerungen (bid'a)befürwortet, uns mit aller Macht zu treffen versucht haben, (hat sich in seiner Wucht) eins zu zwanzig vermindert. Möge Gott es wollen (inshaa'llah),dass sie uns nicht ein einziges Mal verwunden noch verletzen, und das, was sie denken, was sie beabsichtigen und ihre Pläne, uns auseinander zu jagen und uns von
der Risale-i Nur zu vertreiben, auf Nichts hinauslaufen. Es ist absolut notwendig, dass wir um dieser ehrwürdigen und segensreichen Monate willen und im Vertrauen darauf, dass sie uns einen Überfluss an Verdiensten (sevab)bescheren mögen, in Ausdauer und Geduld (verharren), in Dankbarkeit auf Gott vertrauen und uns dem Grundsatz مَنْ اٰمَنَ بِالْقَدَرِ اَمِنَ مِنَ الْكَدَرِ {"Wer an das Göttliche Vorherwissen glaubt, wird frei von jeglichem Kummer."} unterwerfen. Das ist unsere Aufgabe.
Said Nursi
* * *
بِاسْمِهِ سُبْحَانَهُ
{"Im Namen dessen, der gepriesen sei!"}
Meine lieben getreuen Brüder, die ihr in dieser Welt (dunya)der Anlass meines Trostes und unermüdlich im Dienste an der Wahrheit seid!
Wenn ihr euch in diesen gesegneten Monaten, in dieser Klause (tjilehanede),in der es einen so reichen Lohn (sevabzu erwerben gilt), so viel wie möglich mit dem Qur'an beschäftigt und eure Zeit bei aller Bedrängnis so weit wie möglich mit der Risale-i Nur verbringt, so liegt darin ein reichlicher Lohn. Gleich wie sie die Bedrängnis erleichtert, ein Weg ist, Herz und Verstand (qalb ve ruh)eine kostbare Ruhepause zu verschaffen, eine hohe, verdienstvolle (sevab)Anbetung (ibadet),gleich wie die Beschäftigung mit der Risale-i Nur dem Glauben (iman)dient und zugleich auch kontemplativ (tefekküri bir ibadet)ist, so gilt sie, wie am Ende der Abhandlung über die Wahrhaftigkeit (ikhlas Risalesi)geschrieben steht, auch in fünffacher Weise als eine Art der Anbetung (ibadet).Während ich in diesen Tagen teilweise traurig und in Gedanken mit meiner
Verteidigungsschrift beschäftigt war, spürte ich in meinem Herzen (qalb):"Auch dies hier ist eine wissenschaftliche (ilmi)Tätigkeit. Zudem ist die Freiheit zur Verbreitung der Glaubenswahrheiten (haqaiq-i imaniye)ein Dienst und auf diese Weise auch eine Art Anbetung (ibadet).Wann immer ich mich so bedrängt fühlte, begann ich erneut, die Themen der Risale-i Nur, die ich schon hundert Mal erwogen hatte, voll Freude zu studieren. Ja ich betrachte sogar meine Verteidigungsschriften als wissenschaftliche Abhandlungen der Risale-i Nur. Einmal hatte einer meiner Mitbrüder zu mir gesagt: "Obwohl ich das Zehnte Wort schon dreißig Mal gelesen habe, fühle ich doch Wunsch und Bedürfnis, es wieder aufs Neue zu lesen." Daran habe ich erkannt, dass die besondere Eigenschaft des Qur'an darin besteht, dass man (ihn zu lesen) niemals überdrüssig wird, von den Abhandlungen der Risale-i Nur, die ein Spiegel der qur'anischen Wahrheiten und deren wahrhaftiger Kommentar (tefthir)sind, reflektiert wird.
Said Nursi
* * *
بِاسْمِهِ سُبْحَانَهُ
{"Im Namen dessen, der gepriesen sei!"}
Meine lieben getreuen Brüder!
Das wirksamste Heilmittel gegen diese furchtbaren Plagen und die Hoffnungslosigkeit in dieser Welt, besonders aber für die, welche von einem schweren Schlag getroffen wurden, vor allem auch für die Schüler der Risale-i Nur, ist, einander zu trösten und aufzuheitern, sich gegenseitig in seiner inneren Haltung zu stärken, einander als wahre, opferwillige Brüder in ihrem Kummer, in ihren Sorgen gleichsam eine heilende Salbe aufzutragen, ja ihnen zärtlich (shefqat)das betrübte Herz zu liebkosen. Diese wahrhaftige, auf ein jenseitiges Leben (ukhrevi)ausgerichtete Bruderschaft unter uns kann den nicht stützen, der sich
beleidigt fühlt oder Partei ergreift. Da ich nun einmal all mein Vertrauen in euch gesetzt habe und mich auf euch verlassen kann, wisst ihr auch, dass ich mich entschlossen habe, nicht nur meine Bequemlichkeit, ja meine Ehre, mein Ansehen und selbst mein Leben (ruh)freiwillig für euch zu opfern... und das habt ihr auch bereits erlebt. Dabei versichere, ja schwöre ich euch, dass die Qualen, die während der letzten acht Tage durch jenen unbedeutenden Vorfall zwischen zwei leitenden Schülern der Risale-i Nur, die einander offensichtlich aus dem Wege gehen und statt einander zu trösten, sich bloß aufregen, in meinem Herzen entstanden sind, mich in Geist (ruh)und Seele und in meinem Herzen weinen und aufschreien ließen: "Oh weh, oh weh! Hilfe! Erbarmen! Oh barmherzigster Allerbarmer, steh uns bei! Beschütze und bewahre uns und errette uns vor all dem Übel der Teufel in der Gestalt von Dschinnen und Menschen! Fülle die Herzen unserer Brüder mit Treue, Redlichkeit (sadaqah),Liebe (muhabbet)und brüderlicher Zuneigung (uhuvvet ve shefqat)!"
Oh meine stahlharten und unbeugsamen Brüder! Helft mir! Unsere Situation ist äußerst sensibel. Ich habe euch so sehr vertraut, dass ich alle meine Aufgaben (vazifah)eurer geistigen Körperschaft überlassen habe. So solltet nun auch ihr mir mit allem Können und Vermögen zu Hilfe eilen. Zwar war dieser Zwischenfall ein ganz kleiner, unbedeutender und nur kurzzeitiger, doch selbst ein Haar oder ein Sandkorn stört, wenn es in das Getriebe unserer Uhr oder in unser Auge gerät. Auch dieser Gesichtspunkt ist von besonderer Bedeutung, da drei physische Explosionen {Der Ofen und die Gläser im Zusammenhang mit seiner Verteidigungsschrift. (A.d.Ü.)} und drei psychische Beobachtungen {Die Herzattacken im Zusammenhang mit dem Streit seiner Schüler. (A.d.Ü.)} ganz genaue Kunde davon geben.
Said Nursi
* * *
بِاسْمِهِ سُبْحَانَهُ
{"Im Namen dessen, der gepriesen sei!"}
Meine lieben getreuen Brüder!
Die "Nacht der Himmelfahrt (Leyle-i Mi'radj)gleicht einer zweiten Nacht der Bestimmung (Leyle-i Qadr).In dieser Nacht so weit möglich zu arbeiten, bringt tausendfachen Gewinn. Möge Gott es wollen (insha-a'llah),dass auch ihr in Übereinstimmung mit dem Geheimnis einer geistlichen Partnerschaft in dieser kostbaren Nacht, gleich einigen Engeln, die Gott mit Vierzigtausend Zungen lobpreisen, (Gott) mit Vierzigtausend Mündern euren Dienst (ibadet)und eure Anbetung (dua)darbringen werdet, was euch in diesem Haus voll Kummer und Sorgen viele Verdienste (sevab)erbringen wird, und ihr werdet durch eure Anbetung (ibadet)in dieser Nacht euren Dank dafür darbringen, dass der Sturm, der über uns kommen sollte, noch nicht einmal ein Tausendstel Schaden angerichtet hat. Darüber hinaus beglückwünsche ich euch zu eurer großen Umsicht und bringe euch die gute Nachricht, dass die Gnade des Herrn (inayet-i Rabbani)sich hier in ganz klarer Weise für uns offenbart.
Said Nursi
* * *
Meine lieben wahrhaft getreuen Brüder!
Die Grundsätze der Abhandlung über die Wahrhaftigkeit (Lem'a-i Ikhlas)und den Geist (sirr)wahrer Aufrichtigkeit (haqiqi ikhlas)unter uns und unter den anderen mit ganzer Kraft anzuwenden, so weit wir dies überhaupt innerhalb der gegebenen Möglichkeiten können, hat sich bereits bis zu einer Notwendigkeit entwickelt. Ich habe eine zuverlässige Nachricht erhalten, dass man seit drei Monaten hier drei Männer untergebracht hat, welche die (Beziehungen unter den) mir hier besonders nahe stehenden Brüdern (mit Hilfe) der Verschiedenheit ihrer Stimmungen
und Gedanken unterkühlen sollen. Sie ziehen also die Gerichtsprozesse grundlos in die Länge, damit die Schüler der Risale-i Nur, deren überdrüssig geworden, unruhig werden und damit die sensibleren und schwächeren unter ihnen Verdacht schöpfen und den Dienst an der Risale-i Nur aufgeben sollen. Seid vorsichtig! Gebt Acht! Lasst es nicht zu, dass die Opferbereitschaft der Brüder (uhuvvet)und ihre herzliche Zuneigung (muhabbet),die ihr euch bis heute bewahrt habt, erschüttert wird! Und sollte es auch nur der Hauch (einer leisen Erschütterung) sein, so kann uns doch daraus ein sehr großer Schaden entstehen. Denn schon hat eine ganz leichte Erschütterung in Denizli uns einige Hodjas entfremdet. Obwohl es unser Dienst an Qur'an und Glaube erfordert, unser Leben (ruh)falls notwendig füreinander zu opfern, sollten wahrhaft opferbereite (Schüler), durch Schwierigkeiten oder sonstige Ursachen gereizt, nicht einander zürnen, sondern in vollkommener Demut, Bescheidenheit und Hingabe für ihre Fehler einstehen und sich darum bemühen, in ihrer Liebe und Aufrichtigkeit zueinander zu wachsen. Andernfalls wächst aus einem Korn eine ganze Kuppel, woraus dann leicht ein irreparabler Schaden entstehen kann. Ich überlasse nun (alles weitere) eurem Scharfsinn und damit möchte ich hier schließen.
Said Nursi
* * *
بِاسْمِهِ سُبْحَانَهُ
{"Im Namen dessen, der gepriesen sei!"}
Meine lieben, getreuen Brüder!
Erstens:
اَلْخَيْرُ فِيمَا اخْتَارَهُ اللّٰهُ
{"Das Gute liegt in dem, was Gott will."}
In diesem Sinne (sirr)liegt sehr viel Gutes in der Verzögerung unserer Gerichtsverhandlung und auch darin, dass unsere inzwischen entlassenen Brüder zur Gerichtsverhandlung - möge es Gott wollen (insha-a'llah)- wieder hier sein werden.
In der Angelegenheit, um die es sich bei der Risale-i Nur handelt, ist es in der Tat von ganz besonderer Bedeutung für die islamische Welt im allgemeinen und dieses Land im besonderen, dass derartige Versammlungen so von Leben erfüllt sind, dass sie die Aufmerksamkeit aller auf die Wahrheiten (haqiqat)der Risale-i Nur lenken, denn in ihrer strahlenden Gestalt, jenseits all unserer Hoffnungen, Vorsichtsmaßnahmen und (Bestrebungen) etwas zu verbergen, auch wenn unsere Gegner sie (gering schätzen) und für unbedeutend erklären wollen, unterrichtet die Risale-i Nur in ihren Lektionen Freund und Feind gleichermaßen ganz außerhalb unseres Wollens. Ohne zu zögern enthüllt sie auch noch dem am weitesten entfernten Fremdling ihre geheimsten Gedanken (en mahrem sirlarini).Da dies nun einmal die Wahrheit (haqiqat)ist, sollten wir unsere kleinlichen Kümmernisse als bittere Medizin, wie etwa Chinin, betrachten, geduldig und dankbar sein und sagen: "Oh Er (Ya Hu)!Auch das wird vorübergehen."
Zweitens:
Dem Direktor dieser Schule Josefs habe ich geschrieben: Während ich noch ein russischer Gefangener war, brach der bolschewistische Sturm zuerst in den Gefängnissen aus, so wie auch die Große Französische Revolution zuerst in den Kerkern unter den Gefangenen ausbrach, welche die Geschichte als Vagabunden bezeichnet hat. Deshalb versuchen wir Schüler der Risale-i Nur sowohl in Denizli und in Eskishehir als auch hier bei uns die Gefangenen so weit wie möglich auf den rechten Weg zu führen. In Eskishehir und in Denizli hatten wir dabei großen Erfolg. Hier werden wir aber noch erfolgreicher sein, denn als Ergebnis des Unterrichts (ders)der Risale-i Nur in dieser sensiblen Zeit und an diesem kritischen Ort milderte sich der Sturm (im Verhältnis) hundert zu eins.
{(*): Was diesen Sturm betrifft, so handelte es sich dabei um einen Aufstand im Gefängnis zu Afyon, an dem aber keiner der Schüler der Risale-i Nur teilgenommen hat.}
Andernfalls hätten fremde, widrige Strömungen, welche es verstehen, aus einem solchen Konflikt und dergleichen Zwischenfällen ihren Nutzen zu ziehen und solche Gelegenheiten geradezu erwarten, Feuer in das Pulver geworfen und einen Brand entfacht.
Said Nursi
* * *
بِاسْمِهِ سُبْحَانَهُ
{"Im Namen dessen, der gepriesen sei!"}
Meine lieben, getreuen, unerschütterlichen Brüder, die in aller Mühsal nicht niedergeschlagen geworden sind und sich nicht von uns zurückgezogen haben!
Während meine Seele (nefs)aufgrund einer physischen wie psychischen Bedrängnis um euch besorgt war, fühlte ich plötzlich in meinem Herzen: hättest du sowohl für dich als auch für nur einen einzigen deiner Brüder hier anstelle aller Sorgen und Kümmernisse vielleicht in anderer Form das Zehnfache erleiden müssen, um ihm so bald und so nahe begegnen zu können, es wäre noch immer für dich billig gewesen.
Es scheint ja notwendig zu sein, dass, wie sich in alten Zeiten die Leute der Wahrheit (haqiqat)wenigstens ein, zwei Mal im Jahr trafen, sich nun auch die Schüler der Risale-i Nur alle paar Jahre einmal in der Schule Josefs, als der günstigsten Gelegenheit, begegnen. Auch wenn mit dem Weg der Gottesfürchtigen und Asketen, entsprechend und in der Art und Weise, denjenigen Unterricht zu erteilen, die dessen am meisten bedürfen, ja allen und selbst noch ihren Gegnern, sodass nun (auf diese Weise) ihre geistige Körperschaft sprechen kann, tausend Mühen und
Plagen verbunden sind, so ist dies nicht von Bedeutung. Wenn einige wenige unserer schwächeren Brüder in früheren Gefängnissen es überdrüssig geworden sind und den Kreis der Risale-i Nur verlassen haben, so war dies ein sehr großer Verlust für sie, jedoch kein Schaden für die Risale-i Nur. An ihrer Stelle betraten robustere, aufrichtigere Schüler den Plan. Da nun einmal die Prüfungen in dieser Welt (dunya)vergänglich sind und rasch vorübergehen und uns dabei ihre Verdienste (sevab),ihre Früchte überlassen, sollten wir auf die Göttliche Gnade (inayet-i Ilahiyye)vertrauen und dankbar bleiben in Geduld.
Said Nursi
* * *
بِاسْمِهِ سُبْحَانَهُ
{"Im Namen dessen, der gepriesen sei!"}
Meine lieben getreuen Brüder und Kommilitonen in dieser Schule Josefs!
Da die kommende Nacht, die Nacht der Freisprechung (Leyle-i Berat){Die Nacht, in der wir das Buch unserer Sünden des vorigen Jahres abgeben, während Gott zugleich unsere Aufgaben für das kommende Jahr in das Buch des Lebens einträgt. (A.d.Ü)} einem heiligen Samen und einer Art Programm, der Bestimmung (muqadderat)der Menschheit gleicht, ist sie ebenso heilig wie die Nacht der Vorherbestimmung (Leyle-i Qadr).Und so wie jedes gute Werk (hasanah)in dieser Nacht der Bestimmung für dreißigtausend zählt, so steigert sich auch in der Nacht der Freisprechung (Leyle-i Berat)der Wert (sevab)einer jeden guten Tat (amel-i salihin)und jeden Wortes, das wir im Qur'an (lesen) auf zwanzigtausend. Ist er auch zu anderen Zeiten gleich zehn, so steigt er während dieser drei Heiligen Monate auf das Hundertfache und auf das Tausendfache. Und in diesen bekannten heiligen Nächten steigert er sich erst auf
zehntausend, dann zwanzigtausend, dann dreißigtausend. In diesen Nächten kann er (den Wert) einer Anbetung (ibadet)von fünfzig Jahren erreichen. Darum ist es ein großes Verdienst, wenn wir den Qur'an (lesen), um Vergebung (bitten) und die Segenswünsche (salavat über den Propheten) rezitieren.
Said Nursi
* * *
بِاسْمِهِ سُبْحَانَهُ
{"Im Namen dessen, der gepriesen sei!"}
Meine lieben getreuen Brüder!
Ich beglückwünsche (tebrik)euch von ganzem Herzen und aus ganzer Seele (ruh)zu diesem ehrwürdigen (sherif)und gesegneten (mubarak)Ramadan. Möge Gott der Gerechte euch allen in dieser Nacht der Bestimmung (Leyle- i Qadr)im ehrwürdigen Monat Ramadan einen Gegenwert (hayirli)von tausend Monaten schenken. Amin. Und möge Er ihn von euch wie ein achtzigjähriges, gottgefälliges Leben annehmen. Amin.
Said Nursi
* * *
بِاسْمِهِ سُبْحَانَهُ
{"Im Namen dessen, der gepriesen sei!"}
Meine lieben, getreuen, unerschrockenen und unerschütterlichen Brüder, die sich niemals von (einem Leben für) das Jenseits trennen und dieser vergänglichen Welt zuwenden würden!
Seid nicht traurig, dass ihr hier noch ein wenig länger bleiben müsst und man unsere Angelegenheit noch etwas in die Länge ziehen will. Nein, im Gegenteil: seid es, gleich mir, zufrieden. Da unsere Lebensuhr nun einmal nicht still
steht, sondern abläuft, bekommt (unser Leben) in diesem Haus der Kasteiungen erst durch die Früchte, die es für das Jenseits hervorbringt, seine Beständigkeit. Im Übrigen erweitert sich der Kreis (der Schüler) der Risale-i Nur. So werden z.B. auch die Gelehrten des Sachverständigenkomitees gezwungen, die Leuchte des Lichtes (Siradju-n'-Nur)sehr genau zu studieren. Wenn wir zudem entlassen würden, könnte das in der einen oder anderen Hinsicht zu Ausfällen in unserem Dienst am Glauben führen. Obwohl ich selbst dabei noch weit mehr Schikanen zu erdulden habe als ihr, möchte ich doch nicht deswegen entlassen werden. Versucht nur, euch so weit wie möglich mit Ausdauer und Geduld in dieser Art zu leben zurechtzufinden und sucht beim Abschreiben und Lesen der Risale-i Nur Trost und Erleichterung zu finden.
Said Nursi
* * *
بِاسْمِهِ سُبْحَانَهُ
{"Im Namen dessen, der gepriesen sei!"}
Zweitens:
Da wir bereits wiederholt geäußert haben: "Die Risale-i Nur ist ein machtvoller und wahrhaftiger Kommentar (tefthir)zum Qur'an", jedoch einige unaufmerksame (Leute) die eigentliche Bedeutung dessen nicht kennen, habe ich nun die Eingebung bekommen, diese Tatsache näher zu erläutern. Und diese Tatsache ist folgende: Es gibt nämlich zwei Arten Qur'ankommentare.
Die erste
ist die altbekannte Art Kommentare, wobei die Redewendungen im Qur'an und die Bedeutung seiner Worte und Sätze festgestellt, erklärt und erläutert werden.
Was aberdie zweite
Art der Auslegung betrifft, so stellt sie mit machtvollen Argumenten die Glaubenswahrheiten im Qur'an fest, erklärt und erläutert sie. Diese Art ist von sehr großer Bedeutung. Die allgemein bekannte Auslegung fasst
manchmal diese Art kurz zusammen. Doch die Risale-i Nur betrachtet diese zweite Art als die unmittelbare Grundlage und ist eine spirituelle (auf der Wahrheit des Qur'an basierende) Auslegung, die auf beispiellose Weise alle halsstarrigen (gottlosen) Philosophen zum Schweigen verurteilt.
Said Nursi
* * *
بِاسْمِهِ سُبْحَانَهُ
{"Im Namen dessen, der gepriesen sei!"}
Meine lieben getreuen Brüder!
Von maßgeblicher Seite wurde eine maßgebliche und bedeutsame Frage gestellt. Man fragte mich daher: "Obwohl ihr doch gar keine Vereinigung seid und bereits drei Gerichtshöfe euch in diesem Punkt freigesprochen haben, hat man euch doch seit zwanzig Jahren beobachtet und unter Kuratel gestellt, während (die Gerichte) in sechs Bezirken sich da nicht weiter eingemischt haben. Trotz alledem besteht zwischen den Nurdjus ein wirklich wunderbarer Zusammenhalt, wie man ihn in sonst keiner Vereinigung, keinem Gremium (oder Untersuchungskomitee) vorfindet. Wir möchten, dass ihr dieses Problem löst."
Ich habe ihnen folgende Antwort gegeben: "Die Nurdjus sind kein Gruppen-Puppen-Spiel, schon gar nicht eine politische, weltliche (dunyevi)oder widerständlerische Vereinigung, errichtet um einem persönlichen oder gemeinschaftlichen Nutzen zu dienen, auch kein Gremium, und sie können es auch gar nicht sein. Jedoch sind sie die Nachkommen, die Söhne und Töchter der alten tapferen Männer, von Millionen, die voll Freude ihr Leben (ruh)für das Land und für den Islam eingesetzt haben und Märtyrer geworden sind. Sie haben diesen Opfermut geerbt, sodass sie nun diesen einzigartigen Zusammenhalt an den
Tag legen und nun vor dem Gerichtshof in Denizli diese armen, elenden Mitbrüder an ihrer Stelle die folgenden Sätze sagen lassen konnten:
"Um der Wahrheit, d.h. der Wahrheit des Qur'an willen, für die Millionen heldenhafter (Menschen) ihren Kopf geopfert haben, sollten auch wir bereit sein, unseren Kopf zu opfern." So haben sie es in ihrem Namen gesagt und damit das Gericht in Staunen und Bewunderung zum Schweigen gebracht. Das aber heißt: Es gibt unter den Nurdjus tapfere Männer, die sich treu und wahrhaftig, nur um des Wohlgefallens Gottes (riza-yi Ilahi)willen in gläubigem Vertrauen für ein jenseitiges (Leben) einsetzen, sodass diese schrecklichen Komiteen der Freimaurer, der Kommunisten, (der Leute) des Verderbens, {einer westlich dekadenten Lebensweise (A.d.Ü.)} der Atheisten und der Tashnak {armenische Widerstandskämpfer (A.d.Ü.)} und ähnlicher, keine Möglichkeit finden konnten, ihnen Widerstand zu leisten, sodass sie sie nun mit Hilfe von Gummiparagraphen Zwietracht und Verderben säen wollen, indem sie den Gouverneur und das Gericht betrügen. Möge Gott es wollen (insha-a'llah),dass sie damit nichts erreichen werden, vielmehr den Grund dafür liefern werden, dass sich die Zahl derer, die sich für die Risale-i Nur und den Glauben (iman)hingegeben haben, noch vermehren wird.
Said Nursi
* * *
بِاسْمِهِ سُبْحَانَهُ
{"Im Namen dessen, der gepriesen sei!"}
Meine lieben getreuen Brüder!
Ich will euch von einer Frage und ihrer Antwort berichten, der ich vor vierzig Jahren einmal (begegnet bin) und
die der Frage von gestern gleicht. In jener alten Zeit, als die Schüler des Alten Said so leidenschaftlich mit ihrem Meister (Ustadh)verbunden waren, dass sie ihr Leben für ihn hingegeben hätten, war der Alte Said in der Lage, dem Komitat der Armenier rund um Van und Bitlis, also den Kämpfern der Taschnak, die zu einem hohen Einsatz bereit waren, ein "Halt!" zuzurufen und (ihre Aktivitäten) bis zu einem gewissen Grade zum Stillstand zu bringen. Er fand Mauser-Gewehre für seine Schüler, und eine Zeitlang glich die ganze Medresse einer Kaserne, worin sich Gewehre zwischen den Büchern fanden, sodass ein General, der kam und das sah, sagte: "Dies ist keine Medresse. Es ist eine Kaserne." Aufgrund der Ereignisse in Bitlis wurde er misstrauisch und befahl: "Nehmt ihnen die Waffen ab!" So nahmen sie uns die fünfzehn Mauser-Gewehre, die in unsere Hände gelangt waren, wieder ab. Ein, zwei Monate später brach der Große Krieg aus und wir bekamen unsere Gewehre wieder zurück. Wie dem auch sei...
Im Zusammenhang mit diesen Ereignissen fragte man mich damals:
"Dieses Furcht erregende, kampfbereite armenische Komitat hat Angst vor euch. Sobald ihr auf den Berg Erek steigt, ziehen sich diese tapferen Krieger vor euch zurück, verlassen die Gegend und gehen anderswohin. Was für eine Macht besitzt ihr denn, dass so etwas möglich ist?"
Zur Antwort habe ich ihnen gesagt:
"Da die armenischen Freischärler dieses einzigartige Opfer für ein vergängliches irdisches Leben bringen und für einen nur vorübergehenden Nutzen, einen negativen Nationalismus und für ihre Sicherheit und sich uns entgegenstellen, werden die Schüler, die für ein ewiges Leben und die positiven Interessen einer (welt)weiten heiligen islamischen Nation kämpfen und glauben, dass die vorherbestimmte Stunde nicht hinausgeschoben werden kann, sicherlich nicht hinter ihnen zurückstehen. Falls notwendig, werden sie sicherlich stolz und ohne zu zögern diese sichere, vorherbestimmte Stunde und einige, wenige Jahre eines illusionären äußerlichen Lebens
für Millionen Jahre eines wahren Lebens, Wohlseins und die Interessen von Milliarden ihrer Brüder im Glauben zum Opfer bringen.
Said Nursi
* * *
بِاسْمِهِ سُبْحَانَهُ
{"Im Namen dessen, der gepriesen sei!"}
Meine lieben, getreuen, glaubensstarken und liebenswerten Brüder!
Seit zwei Tagen habe ich infolge einer schweren Grippe schreckliche Schmerzen sowohl in meinem Kopf als auch in meinem ganzen Körper. Da ich mich unter diesen Umständen mit meinen Freunden treffen möchte und in gewissem Grade trostbedürftig bin und Gemeinschaft brauche, war ich durch eine schreckliche Einsamkeit und diese Isolationshaft besonders eingeengt. Klagen wie die folgende kamen mir in mein Herz: "Warum leiden wir diese Qualen? Was ist der Nutzen für unseren Dienst?"
Da spürte ich heute morgen plötzlich folgende Eingebung in meinem Herzen: Euch dieser schrecklichen Prüfung zu unterziehen und immer wieder bis in die feinsten Feinheiten hinein auf den Prüfstein geschlagen zu werden, um herauszufinden "ist es Gold oder ist es Kupfer?", euch in jeglicher Hinsicht mit äußerster Strenge zu prüfen, eure Seelen (nefs)durch drei, vier Siebe zu sichten, ob sie "etwa eigene Interessen oder Zweifel hegen, oder etwa nicht?" ist außerordentlich wichtig für euren Dienst, der einzig und allein im Namen von Recht und Wahrheit (haqq ve haqiqat)geleistet werden darf, damit Göttliches Vorherwissen (Qader-i Ilahi)und die Gnade des Herrn (inayet-i Rabbaniye)ihn gestatten können. Denn da wir nun einmal auf diesem Feld der Prüfungen unseren verstockten, ungerechten Gegnern, die nur nach einem Vorwand suchen, auf diese Weise zur Schau gestellt werden, wird nun einem
jeden klar, dass (in unserem Dienst) kein Lug und Trug, keine Selbstgefälligkeit, keine Selbstsucht, kein Vorteil in dieser (dunyevi)oder in jener (ukhrevi)Welt oder ein persönlicher Gewinn im Spiel ist, sondern einzig und allein aus Aufrichtigkeit, Wahrhaftigkeit und Gerechtigkeit (haqq ve haqiqat)erwächst. Wäre er gleichsam verschleiert und verborgen geblieben, könnte man ihm die verschiedensten Gründe unterschieben. Die einfachen Gläubigen könnten nicht mehr in ihn vertrauen. Sie könnten dann sagen: "Vielleicht täuschen sie uns nur." Und auch die gebildeten Leute würden ihre Zweifel hegen. Vielleicht würden sie dann sagen, dass (diese Nurdjus diesen Dienst nur leisten), um sich gleich einigen Höhergestellten (maqamat)in ein günstigeres Licht zu setzen und damit Vertrauen zu erwerben, und könnten sich somit nicht mehr auf unseren Dienst verlassen. So fühlen sich denn nach dieser Prüfung selbst die verbohrtesten und argwöhnischsten Leute dazu gezwungen, (in unseren Dienst) zu vertrauen. So möge euch denn nun Gott (insha-a'llah)für eure Mühe tausendfachen Lohn gewähren!
Said Nursi
* * *
بِاسْمِهِ سُبْحَانَهُ
{"Im Namen dessen, der gepriesen sei!"}
Meine lieben getreuen Brüder!
Erstens:
Ich empfing eine Eingebung, ich solle doch dieses einerseits lehrreiche Verhalten und die andererseits so erstaunliche Behandlung beschreiben, die man meiner Person in meinen beiden Gefangenschaften (im Krieg und in der Haftanstalt) zuteil hat werden lassen. Es war dies folgendermaßen:
Wir lagen in Russland an der Kostroma zusammen mit neunzig gefangenen Offizieren in einer Halle. Von Zeit zu Zeit gab ich diesen Offizieren eine Unterweisung (ders).
Eines Tages kam der russische Kommandant, sah das und sagte: "Dieser kurdische Kommandant eines Freiwilligen Bataillons hat einmal viele unserer Soldaten im Feld gelassen. Und jetzt gibt er ihnen hier politischen Unterricht. Ich verbiete das. Er darf keinen Unterricht erteilen." Zwei Tage später aber kam er wieder zurück und sagte: "Da euer Unterricht nicht politisch ist, sondern religiös und moralisch, mögt ihr also weitermachen." Und erteilte die Erlaubnis.
Während meiner zweiten Gefangenschaft hier in diesem Gefängnis verbat der (zuständige) Justizvollzugsbeamte einem meiner mir eng vertrauten Brüder, zu mir zu kommen, obwohl er doch seit zwanzig Jahren meine Lesungen gehört hatte und einen besseren Unterricht (ders)erteilt als ich. Man gestattete noch nicht einmal einem Diener, mir in meinen notwendigen Bedürfnissen (wie Wasser oder Essen) behilflich zu sein, damit niemand von mir unterwiesen werden könne. Dabei lässt doch die Risale-i Nur keine Notwendigkeit zu noch weiterem Unterricht (ders)mehr übrig; und es gibt auch gar nichts mehr zu unterrichten, auch kein Geheimnis mehr, das noch verborgen wäre. Wie dem auch sei: die derzeitigen Umstände sind der Grund, es hier nun mit dieser langen Geschichte kurz zu machen.
* * *
Ein wahrer Trost, der die Bedrängnisse, die mich plagen, zunichte macht.
Erstens:
Unsere Trübsal (zahmet)verwandelt sich in Labsal (rahmet).
Zweitens:
Jener Frohsinn, der sich in der Gerechtigkeit (adalet)göttlichen Vorherwissens (qadr)findet, und in der Zufriedenheit (rida),(die sich einstellt, wenn man sich ihr) anvertraut (teslim).
Drittens:
Jene Heiterkeit, die aus der Besonderheit erwächst, dass den Nurdjus Gottes besondere Gnade (inayet)zuteil wird.
Viertens:
Jene Freude (die sich einstellt), weil selbst noch der Niedergang nur vorübergehend ist.
Fünftens:
Bedeutende Verdienste (sevab)
Sechstens:
Sich nicht einmischen in das, was Aufgabe (vazifah)Gottes ist.
Siebentens:
Angesichts auch der schwersten Angriffe nur unbedeutende Schwierigkeiten und kleinere Wunden zu erleiden.
Achtens:
Im Vergleich zu den von härteren Schicksalsschlägen Betroffenen (haben wir es) um ein vielfaches leichter.
Neuntens:
Nachdem wir in unserem Dienst am Glauben und in der Risale-i Nur schwer geprüft worden waren, ging daraus ein hoher Bekanntheitsgrad (der Risale-i Nur) hervor, woraus unsere Freude erwächst.
Diese neun geistlichen Freuden sind uns eine so milde Salbe, eine so süße Arznei, wie sie sich gar nicht beschreiben lässt; und sie erleichtert unsere schweren Qualen.
Said Nursi
* * *
بِاسْمِهِ سُبْحَانَهُ
{"Im Namen dessen, der gepriesen sei!"}
Erstens:
In einer Zeit, da eine despotische Regierung die Menschen von der Wallfahrt abhält, Semsemwasser wegschütten lässt, zulässt, dass man uns schweres Unrecht antut, darüber hinwegsieht, wenn der "Dhu-l'Fikar" und die "Leuchte des Lichtes (Siradju-n'Nur)"beschlagnahmt werden, Beamte befördert, die uns böswilliger- und ungesetzlicherweise misshandeln, die Stimme nicht hören, die aus unserem Hause dringt, wenn unser Zustand zu einem lauten Weinen wird, die unsere Unterdrückung zum Ausdruck bringt, ist der ruhigste Ort das Gefängnis. Nur wenn es nun noch möglich wäre, uns in ein anderes Gefängnis zu verlegen, wäre das unsere vollkommene Sicherheit (selamet).
Zweitens:
Gerade so wie sie auch noch die am entferntesten Stehenden gegen unseren Willen unsere privatesten Schriften haben lesen lassen, so bestehen sie auch darauf und zwingen uns geradezu dazu, eine Gemeinschaft zu bilden. Wir aber haben nicht das geringste Bedürfnis, eine Vereinigung zu sein oder ein Komitee zu bilden. Denn unter den Nurdjus hat sich die islamische Bruderschaft durch eine Gemeinschaft in der Vereinigung aller Gläubigen durch ihre Aufrichtigkeit und durch ihre Opferbereitschaft in hohem Grade entfaltet. Denn in jener mächtigen Hingabe, die sie von Millionen ihrer Vorväter geerbt hatten, sind die Schüler der Risale-i Nur an die Wahrheit gebunden, für die ihre Vorväter ihr Leben (ruh)in vollkommener Hingabe (kemal-i ashk)geopfert haben, sodass bis heute kein Bedürfnis zurückgeblieben ist, einen öffentlichen Verein, eine politische Vereinigung oder ein Komitee zu gründen, sei es nun geheim oder für jedermann zugänglich. Das aber heißt, dass jetzt eine solche Notwendigkeit besteht, denn Göttliches Vorherwissen (qader-i Ilahi)
hat sie geschaffen, um uns dadurch in Schwierigkeiten zu bringen. Sie tyrannisieren uns mit ihren Beschuldigungen einer imaginären politischen Organisation. Was aber das göttliche Vorherwissen (qadr)betrifft, so hat es uns mit seiner Hand geschlagen und dabei gesagt: "Warum ist denn eure Aufrichtigkeit nicht vollkommen, eure gegenseitige Unterstützung nicht vollkommen? Warum seid ihr denn keine vollkommene Partei Gottes (Hisbullah)?"So wirkt sie Gerechtigkeit.
Said Nursi
* * *
Dieses Mal findet der Angriff in einem weit größeren Rahmen statt. Der Regierungspräsident (Reis-i Hukumet)und sein Kabinett greifen uns aufgrund ihrer furchtbaren Verdächtigungen nun planmäßig an. Aufgrund einer Nachricht und vieler Hinweise haben die versteckten Heuchler durch fälschliche Berichte und mit ihren Intrigen es so dargestellt, als ob wir mit dem Kalifatskomitee und der geheimen Organisation des Nakshibandi-Ordens eng verbunden seien, ja sogar ihr Bannerträger, und dadurch die Regierung in den Alarmzustand versetzt. Als Beweis führen sie aus, dass die umfangreichen Bände der Risale-i Nur in Istanbul gebunden, über die ganze islamische Welt verbreitet werden und dort überall willkommen sind, womit sie die Regierung in Angst (und Schrecken) versetzt und erreicht haben, dass die eifersüchtigen Hodjas(vom Amt für religiöse Angelegenheiten) und die (bereits) misstrauischen Beamten sich gegen uns gekehrt haben. Sie waren der Meinung, dass zahlreiche Dokumente und Hinweise ans Licht kommen würden und dass ich es dann in den Adern des Alten Said nicht mehr länger aushalten könnte und nun das unterste zu oberst kehren würde. Doch sei Gott dem Gerechten unendlicher Dank dafür, dass er diese ganze üble Lage von Tausend zu eins herabgemindert hat. Bei all ihren
Untersuchungen haben sie nichts entdecken können, was uns mit irgendeiner Vereinigung oder Gesellschaft in Verbindung hätte bringen können. Es gab nichts, was sie hätten finden können. Der Staatsanwalt war daher gezwungen, zu Lügen und Verleumdungen Zuflucht zu nehmen, die Dinge verkehrt auszulegen und Unterstellungen über irgendwelche Kleinigkeiten zu verbreiten, für die man niemanden verantwortlich machen kann. Da aber die Wahrheit nun einmal (so und nicht anders) ist, blieben wir und die Risale-i Nur zu neunundneunzig Prozent von diesem Übel verschont. Und weil dies so ist, dürfen wir uns nicht beklagen, sondern sollten tausendfach unseren Dank darbringen und von der Gnade Gottes (inayet-i Ilahiyye)in Geduld die Vollendung ihrer Manifestation erwarten. Und durch den Unterricht der Risale-i Nur sollten wir denjenigen Trost spenden, die seiner bedürfen und danach verlangen, die beständig zu dieser Medresse kommen oder von ihr gehen.
Said Nursi
* * *
Meister (Ustadh)Said Nursi hat in seiner dritten Schule Josefs (Medrese-i Yusufiye)eine Abhandlung (risalah)verfasst, deren Titel "Der glänzende Beweis (Elhuddjetu-z'Zehra)"ist. Was die Einheit Gottes (tauhid),die "Risalet- i Ahmediye (A.S.M.)"und den Kommentar (tefthir)zur Suratu-l'Fatiha betrifft, so ist diese besonders wertvolle Risalah für die im Gefängnis einsitzenden Schüler der Risale-i Nur und ihre Mitgefangenen, weil sie ja Lektionen (ders)über die Erkenntnis (ilm)und den Glauben (iman)beinhaltet und so für die im Gefängnis Einsitzenden eine wohltuende und lichtvolle (nurlu)Beschäftigung darstellt. Die Schüler, die nach dem Gerichtsurteil zusammen mit ihrem Meister (Ustadh)im Gefängnis gesessen haben, verfassten dort folgenden Lobgesang, den wir hier nun originalgetreu wiedergeben wollen.
Was ist die Risale-i Nur? Wer ist Bediüzzaman?
Die höchsten Diener des Glaubens (din),deren Ankunft zu Beginn eines jeden Jahrhunderts in einem Hadith verkündet werden, sind nicht dessen Subjekt (mubtedi'){D.h. der Mittelpunkt eines Satzes, um den sich alles dreht. (A.d.Ü.)} sondern dessen gelebter Ausdruck (muttebi').Das heißt, sie produzieren nicht von sich aus irgendetwas Neues und erfinden keine neuen Grundsätze (ahkam).Sie stärken und befestigen vielmehr die Religion (din),indem sie ihren Grundsätzen und Grundpfeilern der Religion und der Tradition des Propheten, mit dem Friede und Segen sei, folgen, das Wahre und Wesentliche des Glaubens (din)aufzeigen, alles andere, was sich mit (der Religion) vermischt hatte, für Null
und nichtig erklären, alle Angriffe gegen den Glauben (din)abwehren und zurückweisen, dem Auftrag ihres Herrn erneut wieder Geltung verschaffen und die Ehre und Erhabenheit der Göttlichen Gebote (durch ihr Leben) aufzeigen und verkündigen. Ohne die essentiellen Grundlagen (tavri esasi)zu zerstören oder den ursprünglichen Geist (ruhu asli)zu verletzten, erfüllen sie ihren Auftrag (ifa-i vazife)allein durch neue Methoden der Überzeugung, so wie sie dem Verständnis der jeweiligen Zeit entsprechen, durch eine zeitgemäße Art und Weise, die Menschen anzusprechen, sowie durch neue, detailliertere Erklärungen.
Diese Beamten ihres Herrn (Rabb)bestätigen (alle diese ihre) Aufgaben mit ihrer Tat und in ihren Werken. Sie erfüllen so (ihre Aufgabe), die Festigkeit ihres Glaubens (iman)und ihre Aufrichtigkeit (ikhlas)in sich selbst zu reflektieren. So bringen sie die Stufe ihres Glaubens (iman)durch ihre Taten zur Darstellung. Dadurch zeigen sie in der Tat, dass sie der mohammedanischen Sitte (ahlaq)voll und ganz entsprechen und in Wahrheit (haqq)mit der inneren Haltung Ahmeds und den Eigenschaften des Propheten, mit dem Friede und Segen sei, bekleidet worden sind. Kurzum: In Anbetracht ihrer Taten und ihrer guten Gesittung (ahlaq),hinsichtlich der Befolgung der Sunnah des Propheten, mit dem Friede und Segen sei, und im Festhalten an ihr, stellen sie ein schönes und vollkommenes Modell für die Gemeinde Mohammeds, mit dem Friede und Segen sei, dar und sind für sie ein Beispiel, dem man folgen sollte. Die Werke, die sie verfassen, und in denen sie das Buch Gottes (kitabullah)kommentieren, ihre Erläuterung (izah)zu den Grundsätzen (ahkam)des Glaubens (din)und die Art und Weise, wie sie diese dem Verständnis (fehim)ihrer Zeit und dem Grad ihrer Bildung (ilim)entsprechend darzustellen wissen, sind nicht in ihnen selbst und als Resultat ihres erhabenen Denkvermögens entstanden, auch nicht die Frucht ihrer eigenen Intelligenz und Bildung (zeka ve irfan).Sie sind vielmehr eine innere Eingebung (ilham)und die Stimme ihres Herzens, unmittelbar gespeist aus der
Quelle der Offenbarung (vahy)des Herrn der Reinen Botschaft (risalah). Djeldjelutiye,{ein poetisches Werk von Imam Ali} Mesnevi-i Sherif,{das Hauptwerk von Djelaluddin Rumi} Futuh-ul Ghayb{das Hauptwerk von Abdul-Qadiru-l'Djeylani} und andere Werke dieser Art sind stets auf die gleiche Weise entstanden. Für all diese heiligen (qudsi)Werke waren solche, wenn auch hochangesehenen Persönlichkeiten, nur deren Verkünder. Diese heiligmäßigen (muqaddes)Persönlichkeiten haben einen Anteil an der Auswahl (der Themen) und der Art der Erklärung dieser erlesenen Werke, d.h., diese heiligmäßigen (qudsi)Persönlichkeiten gelten gewissermaßen als eine Art Überbringer, als Spiegel, bzw. Reflektoren ihres Sinngehaltes.
Was nun die Risale-i Nur und ihren Interpreten betrifft, so findet sich in diesem vielgepriesenen Werk ein solch hoher Segen (feyz-i ulvi)
und eine in so hohem Maße wirksame Vollkommenheit, wie sie bis heute noch niemals in einem vergleichbaren Werk gefunden werden konnte. Und da man nun feststellen muss, dass sie in einer Weise, wie man sie nie zuvor in ähnlichen Abhandlungen bezeugen konnte, eine Wirksamkeit entfaltet, wie sie in der Nachfolge des Ehrwürdigen Qur'an liegt, der die Fackel Gottes (mesh'ale-i Ilahiye),die Sonne der Rechtleitung und der Mond der Glückseligkeit ist; dass ihr Wesen das reine Licht des Qur'an (nur-u mahz-i Qur'an)ist und die Wirksamkeit der Segnungen aller Lichter Mohammeds, mit dem Friede und Segen sei, in größerem Maße in sich trägt als die Werke aller Freunde Gottes (evliyaullah);dass die innere Anteilnahme an ihr, die Verbundenheit mit ihr, die heilige Leitung durch den Herrn der Reinen Botschaft (risalah)noch stärker (zu spüren) ist als in allen Werken der Freunde Gottes (evliyaullah);dass im übrigen die Geistigkeit jenes Mannes, der sich (durch den Qur'an) angesprochen fühlt und sein Interpret ist, in der Art, wie sehr er sich durch ihn angesprochen fühlt und ihn zu schätzen weiß,
unvergleichlich hoch und ohne Beispiel ist, das ist eine offensichtliche Tatsache (haqiqat),so klar wie die Sonne.
Jene Persönlichkeit wurde in der Tat noch in ihrer Kindheit, weil sie ja niemals irgendwelchen Unterricht genossen hatte, um sich vor diesen äußeren Umständen zu erretten, in einer Zeitspanne von nur drei Monaten zum Erben (varith){Die Gelehrten sind die Erben der Propheten (Hadith) (A.d.Ü.)} aller wissenschaftlichen Werke der Antike wie der Neuzeit, der Hermeneutik, der Geisteswissenschaften, der Naturwissenschaften, der Theologie und der Philosophie, eine Erfahrung, wie sie in ihrer Erhabenheit bis dahin noch nie jemandem zuteil geworden war. Von einer derart wunderbaren Gelehrsamkeit hatte man noch nie zuvor vernommen. Es besteht gar kein Zweifel, dass er, als der Überbringer des Lichtes (terdjüman-i nur),wie oben beschrieben, ganz und gar einen schlichten Anstand (iffet-i müdjessem)verkörpert, einen staunenswerten Mut und zugleich eine vollkommene Bedürfnislosigkeit zeigt, sowie in seinem ganzen Wesen von Natur (fitrat)aus ein Wunder verbunden mit einer staunenswerten Charakterfestigkeit darstellt (tedjessüm)und auf diese Weise ein Gnadengeschenk (inayet)und eine vollkommene Gabe Gottes.
Diese wunderbare Persönlichkeit forderte - selbst fast noch ein Kind und doch bereits ein respektabler Gelehrter - die ganze damalige gelehrte Welt zu einem Disput heraus, ließ alle Väter der Wissenschaften still werden und brachte sie zum Schweigen, indem er alle ihre Fragen, ganz gleich welche auch immer sie ihm stellen mochten, vollständig, zutreffend und ohne jemals zu zögern oder zu zweifeln, beantwortete, wodurch er sich bereits mit vierzehn Jahren den Titel eines Magisters (Ustadh)erwarb und weshalb nun für immer der Segen seines Wissens (feyz-i ilim)und das Licht seiner Weisheit (nur-u hikmet)von ihm ausstrahlt. Durch die Feinsinnigkeit seiner Erläuterungen, die Eloquenz seiner Darlegungen, die Sicherheit und Bestimmtheit bei all seinen kritischen Erwägungen, seinen
ebenso scharfsinnigen wie tiefschürfenden Betrachtungen, kurzum: durch das Licht seiner Weisheit versetzte er sämtliche gebildeten Leute (erbab-i irfani)in Erstaunen, womit er sich schließlich mit vollem Recht jenen illustren Titel einer "Koryphäe der Wissenschaft" erwarb, wie er in damaliger Zeit einmalig und einzigartig ("Bediüzzaman")war. Mit seinen überragenden Fähigkeiten und seiner vorzüglichen Gelehrsamkeit verbreitete er die Religion Mohammeds, mit dem Friede und Segen sei, bewies sie und zeigte sich dabei (als ein Mann, der stets) das Menschenmögliche tat, wofür das Ehrenwerte Haupt (Siegel) der Propheten (Seyyid-ul Enbiya Hazretleri),mit dem Friede und Segen sei, einer solchen Persönlichkeit mit Sicherheit seine allerhöchste Zuwendung gewährte und ihm seinen erhabenen Schutz und seine Hilfe zuteil werden ließ. So war er denn ohne Zweifel eine edelmütige Persönlichkeit, die stets dem Auftrag und der Anweisung (emir ve ferman)des Propheten Gottes (nebiyy-i aqdes),mit dem Friede und Segen sei, folgte, der seinen Weisungen entsprechend handelte und so zum Erben (varith)seiner Wahrheit wurde und diese (in seiner Persönlichkeit) reflektierte.
Da er also nun die Lichter Mohammeds, mit dem Friede und Segen sei, die Erkenntnisse Ahmeds, mit dem Friede und Segen sei, und Gottes Fackel in ihrer ganzen Fülle (fuyuzat-i shem'-i Ilahi),in ihrem höchsten Glanz erstrahlen ließ, wodurch die numerischen Hinweise in Qur'an und Hadith in ihm zur Erfüllung gelangten, womit die majestätischen Verse (ayat-i djelil),die durch den Mund des Propheten (hitabat-i nebevi),mit dem Friede und Segen sei, verkündet worden sind, in ihrer numerischen Ausdeutung auf ihn zutreffen, besteht anhand dieser Hinweise kein Zweifel, dass diese Persönlichkeit aufgrund ihres Dienstes am Glauben ein klarer Spiegel des Prophetentums (risalet)ist, die höchste, oberste, leuchtend strahlende Frucht am Baume des Prophetentums (risalet),das abschließende Wort, das aus dem Munde des Propheten (lisan-i risalet)in Hinsicht auf seine Erbschaft (irsiyet)die Wahrheit (haqiqat)
verkündigt, der letzte, der glückselig im Dienste des Glaubens (hizmet-i imani)die Fackel Gottes (shem'-i Ilahi)trägt.
Im Namen der Schüler der Risale-i Nur, die in der dritten Schule Josephs, als erste dem Unterricht in dem "Glänzenden Beweis (Elhuddjetu-z'Zehra)"und in dem "Aufscheinen des Morgensterns (Zuhretun'Nur)"gefolgt sind
Ahmed Feyzi, Ahmed Nazif, Salahaddin, Zübeyr, Djeylan, Sungur
Obwohl mir (meine Schüler) einen hundertfach höheren Anteil zugeschrieben haben, als mir eigentlich zusteht, habe ich es doch nicht gewagt, die Gefühle der Unterzeichner zu verletzen. So habe ich denn diesen Lobgesang der Schüler der Risale-i Nur im Namen ihrer geistigen Körperschaft stillschweigend akzeptiert.
Said Nursi
* * *
Achter Abschnitt
Das Leben in Isparta
Nach 1950
Ustadh Said Nursi wurde aus dem Gefängnis in Afyon am Morgen des ersten September 1949 entlassen. Zwei Kommissare brachten ihn mit einer Droschke in ein Haus. Dort fanden sich auch seine Schüler ein, um ihm zu Diensten zu sein. Im Leben des Meisters nach seiner Gefangenschaft in Afyon zeigten sich nun die nachstehenden Veränderungen. Denn bis zu diesem Zeitpunkt hatte der Meister zur Nachtzeit niemanden in seinem Hause geduldet. Vom Abend bis zum ersten Hahnenschrei hielt er seine Türe verschlossen. Nach seiner Gefangenschaft in Afyon aber blieben einige seiner getreuen Schüler ihm für seine persönlichen Dienste zur Seite. Doch behielt der Meister auch weiterhin sein privates Zimmer. Nur zu Zeiten, in denen er der Hilfe bedurfte, konnte man dort zu ihm kommen.
Nach seiner Gefangenschaft in Afyon zeigte es sich nun, dass der Meister, wie er selbst erzählt, gleichsam ein "dritter Said" wurde. Denn danach ging sein Dienst an der Risale-i Nur in eine neue Phase über. So setzte denn eine völlig neue Entwicklung ein. Diejenigen, welche dem Meister zu Hilfe kamen und ihm im Dienste an der Risale-i Nur zur Seite traten, gingen meistens noch zur Schule. Die göttliche Barmherzigkeit (rahmet-i Ilahiye)verwandelte das Unglück, Gefangener in Afyon zu sein, in vielerlei Hinsicht in einen Akt der Barmherzigkeit (rahmet).Ein Aspekt dieser Barmherzigkeit (rahmet)war folgender: Während der Tage, an denen die Gerichtsverhandlungen stattfanden, kamen die Nur-Schüler aus allen umliegenden Städten und Dörfern (vilayet ve kaza)und lernten sich dort kennen. Dort fanden sie auch die Multiplikatoren (Informationsträger), die ihnen von ihrem Meister, von der Risale-i Nur und über den
Dienst an ihr erzählten. So entwickelte sich unter ihren Händen aus einer engen brüderlichen Gemeinschaft eine geistige Kraft (quvve-i manevi),die sich (mit all ihren Elementen) durch ein auf das Jenseits und ein auf den Glauben (ukhrevi ve imani)ausgerichtetes (Leben) in der Zufriedenheit Gottes (riza-yi Ilahi)auf sie herabsenkte. Diejenigen, welche an diesen Gerichtstagen in der langen Reihe derer, welche zusammen mit ihrem Meister die Schar seiner mutigen Schüler bildeten, zum Gerichtsgebäude zogen, wurden nun das Fahrzeug, geformt aus den Herzen (qalb)der Gläubigen (mu'min),in denen sich um Gottes willen eine grenzende Liebe (muhabbet)und innere Nähe entwickelte. In der Auswirkung dieser Prozesse aber geschah es, dass sie der Anlass wurden, den Dienst für die Sache des Glaubens (iman)und des Islam zu fördern. Den Feinden des Glaubens (iman)zum Trotz war es nun, dass in der Folge dieses Unglücks viele tapfere und mutige Menschen durch die Risale-i Nur den Dienst am Glauben (iman)übernahmen und ihn sich zum Ziel ihres Lebens (hayat)setzten. Es tauchten immer neue gebildete Schüler auf. Nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis aber standen nun ständig ein oder zwei Polizisten vor der Haustüre des Meisters Wache und ließen niemanden zu ihm hinein. Auch während er noch im Gefängnis saß, versetzten sie die Leute in Angst und Schrecken, indem sie überall Lügen und Verleumdungen über ihn verbreiteten, wobei auch eine Nachricht die Runde machte, Bediüzzaman werde demnächst aufgehängt werden.
Nachdem der Meister zwei Monate in Afyon verbracht hatte, wurde er nach Emirdagh gebracht. In Emirdagh aber gab es bereits sehr viele Schüler der Risale-i Nur. Diese Schüler verrichteten nun dort die Dienste der Nurdjus (hizmet-i Nuriye).
Wie verlief der Dienst (hizmet-i Nuriye) nach der Gefangenschaft in Afyon?
In Isparta wurde die Herausgabe der maschinell vervielfältigten Bände der Risale-i Nur fortgesetzt. Der Meister war wieder, so wie es seine Gewohnheit war, mit den Korrekturen beschäftigt. Nur war der Dienst (hizmet-i Nuriye)nach dem Ende der Gefangenschaft nun in verschiedene Aufgabenbereiche unterteilt. Nur war jetzt die Herausgabe nicht mehr auf die Vervielfältigung und die Abschriften von Hand beschränkt. In damaliger Zeit konnten die verschiedenen Bereiche des Dienstes auf folgende Weise dargestellt werden:
1- In den verschiedenen Dörfern, Städten und Bezirken (vilayet, kasaba ve köy)
setzen sich die Nur-Schüler in ihrer jeweiligen Umgebung dafür ein, die Nur-Werke sowohl selbst zu lesen und zu schreiben, als auch sie bei anderen vorzulesen und zu verbreiten.
2- In Isparta und Inebolu die Risale-i Nur maschinell zu vervielfältigen, zu binden und sie in ihrer Umgebung zu verbreiten.
3- In Ankara und Istanbul unter den verschiedenen Gruppen der Bevölkerung, besonders aber an den Universitäten, unter den verschiedenen Schülern und Studenten, den jungen Leuten, den Beamten und Angestellten und auch unter den Frauen die Nur-Werke zu verbreiten, sie zu lesen und so bei vielen im Sinne der Risale-i Nur ein vertieftes inneres (manevi)
Interesse zu wecken. So sollten aus ihnen aufrichtige, opferbereite Diener des Glaubens (iman)hervorgehen. Die rasche Entfaltung des Lichtes des Glaubens (nur-u iman)in diesen beiden Zentren.
4- Zu den zuständigen Behörden wegen der Rückgabe der (beschlagnahmten) Bücher, wegen ihrer neuerlichen Beschlagnahmung an verschiedenen anderen Orten und der gleichzeitigen Belästigungen ihrer Schüler Kontakt aufnehmen. Die Risale-i Nur im Lande und unter dem Volk
hinsichtlich ihrer Bedeutung für das Heil künftiger Generationen bekannt machen und dort eine ehrliche Überzeugungsarbeit leisten... Die neue türkische Regierung (sollte) dieses neue und vollkommene Licht des Qur'an als wertvoll betrachten. Durch die modernsten Mittel der Verbreitung sollte es sowohl in Anatolien als auch in der Islamischen Welt und der ganzen Menschheit bekannt gemacht werden.
5- Die Verbreitung der Risale-i Nur in den östlichen Gebieten (vilayet)
So hatte also Said Nursi nachdem er aus dem Gefängnis in Afyon entlassen und nach Emirdagh gebracht worden war, einen neuen Blickwinkel für die einzelnen Phasen seines Dienstes gefunden und interessierte sich nun hinsichtlich seines Dienstes auch für den Sitz der Regierung. Bis zu dieser Zeit war der Dienst an der Risale-i Nur einzig auf die Vervielfältigung dieser Werke durch Abschreiben beschränkt. Der Meister hatte seit den frühen Jahren in Barla stets Kontakt zu seinen engsten Schülern gehalten, die sich um die Verbreitung der Risale-i Nur bemühten, sie zu ihrem Dienst beglückwünscht und ihnen Mut gemacht. In letzter Zeit haben sich jedoch die Schüler, Studenten und Beamten für die Nur-Werke interessiert. Und nun traten die Schüler auf den Plan, erkannten in den Nur-Werken den Sinn ihres Leben (hayat)und begannen ihren Dienst, worin sie für das Land, für das Volk und die Islamiyet einen bedeutenden Dienst leisteten.
* * *
Der Beschluss des Gerichtes zu Afyon, die Risale-i Nur zu beschlagnahmen, wurde durch das Revisionsgericht von Grund aus aufgehoben. Einer der Gründe, die schließlich zur Aufhebung des Gerichtsbeschlusses geführt haben, war der, dass das Schwurgericht (Aghir Djeza Mahkeme)in Afyon bei der Urteilsbegründung seines Schuldspruches Abhandlungen (risalah)vorlegte, ohne zu erwähnen, dass
diese Werke (bereits von dem Gericht) in Denizli (als unbedenklich) freigegeben worden waren. Das aber hatte zur Folge, dass die schon einmal freigegebenen Werke einen (erneuten) Schuldspruch von vornherein nichtig werden ließen. So wurde denn nur bestätigt, dass nach einem (bereits früher) rechtskräftig gewordenen Revisionsverfahren, die Eröffnung eines erneuten Gerichtsverfahrens (von vornherein) rechtswidrig ist. Nachdem also nun das Revisionsverfahren zu einer Aufhebung geführt hatte, begann man in Afyon erneut zu verhandeln. Doch während noch das Gericht weiter verhandelte, gelangte die Demokratische Partei an die Regierung (hükumet),übernahm die Macht (iktidar)im Staate und verkündete eine allgemeine Amnestie. Da nun diese Akte gleichfalls unter das Amnestie-Gesetz fiel, wurde das Verfahren bei dem Gericht in Afyon (dementsprechend offiziell) eingestellt.
(*): Gleichzeitig beschloss aber das Kollegium der Richter, die Werke der Risale-i Nur nicht freizugeben. Und dieser Beschluss blieb bis zu Jahre 1956 in Kraft. So beschloss denn das Gericht zwei Mal die Risale-i Nur zu beschlagnahmen. Und zwei Mal hat ein Revisionsgericht diese Beschlagnahme wieder aufgehoben. Zwei Mal folgte das Gericht in Afyon dem Revisionsurteil und gab die Risale-i Nur wieder frei. Auch dieses Mal hob das Revisionsgericht (das Urteil) wegen eines Verfahrensmangels wieder auf und verlangte (dieses Mal), dass das Amt für Religiöse Angelegenheiten (Diyanet) diese Werke untersuchen solle. Das Religionsministerium (Diyanet) ließ also alle Werke durch ein Gremium von Sachverständigen überprüfen. Am Ende gaben sie über den in der Risale-i Nur (dargestellten) Sachverhalt (haqiqat) einen wenigstens teilweise erklärenden Bericht ab.
Nachdem nun die Sachverständigen den oben erwähnten Bericht abgegeben hatten, beschloss das Gericht zu Afyon im Juni 1956 einstimmig, die Beschlagnahme der Risale-i Nur aufzuheben und die entsprechenden Werke freizugeben. Dieses Urteil wurde rechtskräftig. Von diesem Zeitpunkt an konnten nun endlich am Sitz der Regierung (Ankara) die Bände der Risale-i Nur gedruckt und verlegt werden.}
* * *
Said Nursi hatte bereits vor seiner Inhaftierung in Afyon bestimmt, dass der Direktor des Religionsministeriums (Diyanet Ishleri Reisi Ahmed Hamdi)zwei Gesamtausgaben der Risale-i Nur erhalten solle; eine Gesamtausgabe sollte er in seine Bibliothek (Diyanet Ishleri Kütübhanesine)stellen und eine weitere Gesamtausgabe für sich selbst behalten. Dann aber ereignete sich diese Geschichte mit dem Gefängnis und er konnte die Bände nicht mehr abschicken. Nachdem man ihn aber vom Gefängnis nach Emirdagh gebracht hatte, (setzte) der Meister sich hin, korrigierte die beiden bereits vorbereiteten Gesamtausgaben, übersandte sie Ahmed Hamdi und schrieb ihm nachstehenden persönlichen Brief:
Sehr geehrter Herr Ahmed Hamdi!
Etwas, das meine Seele umtreibt (hadise-i ruhiye),möchte ich Ihnen hierbei gerne mitteilen: Vor langer Zeit war es, dass Ihre Gedankenwelt (fikr)und die der Ihnen unterstellten (meslek)Hodjas auf das, was erlaubt (ruhsata)ist, ausgerichtet ist und die Dinge nach bestem Wissen und Gewissen (azimet-i sher'iye)vernachlässigt, was meiner eigenen Gedankenwelt (fikr)entsprechend nicht angemessen wäre. Das ist mir ihretwegen wie deinetwegen sauer aufgestoßen. Ich habe mich damals gefragt: "Warum handelt der nicht nach seinem Gewissen (azimet-i sher'-iye)und bewegt sich stattdessen an der Grenze des Zulässigen (ruhsata)?"und unmittelbar danach Ihnen die Risale-i Nur nicht mehr zugesandt. Vor drei, vier Jahren begann ich dann allerdings die Dinge etwas kritischer zu betrachten und in meinem Herzen (qalb)zu bedauern. Und dann empfing ich mit einem Mal die folgende Ermahnung:
"Es gibt unter deinen alten Mitschülern vor allem noch einige Leute wie Ahmed Hamdi, die sich in all dieser fürchterlichen, gewaltigen Zerstörung nach dem Grundsatz der
Schadensbegrenzung darum bemühen, auch weiterhin einem Teil ihrer Verpflichtungen in der Wissenschaft (ilm)und der Erkenntnis nachzukommen und zu bewahren, was ihnen heilig (muqaddesat)ist, dabei alles, was gefährlich ist auf ein Viertel herabzumindern, weshalb ihnen Gott (insha-a'llah)in ihrer Notlage all dies als eine Entschuldigung oder Bußübung anrechnen möge, wenn sie in der Gefahr tun, was gerade noch erlaubt (ruhsat)oder vielleicht schon ein Fehler ist." Dies vernahm ich in meinem Herzen (qalb)als eine nachdrückliche Ermahnung. So habe ich denn damit begonnen, Sie und die Ihren seit dieser Zeit wieder wie meine alten Mitschüler (medrese kardeshlerim)und Schulkollegen (ders arkadashlarim)mit den Augen wahrer Brüderlichkeit zu betrachten. Aus diesem Grund habe ich, als ich schon glaubte, die Krankheit nach meiner schweren Vergiftung werde mit dem Tode enden, daran gedacht, dass einmal Sie selbst statt meiner der wahre Besitzer, Beschützer und Bewahrer der Risale-i Nur sein werden und weil Sie schon vor drei Jahren einmal den ausdrücklichen Wunsch geäußert hatten, eine Gesamtausgabe der Risale-i Nur zu besitzen, habe ich mich entschlossen (niyet),es Ihnen auch zu geben. Z.Zt. habe ich leider kein Exemplar, dass schon vollständig abgeschrieben und von mir korrigiert worden wäre. Allerdings gelang es drei Nur-Schülern ihre einzelnen vor fünfzehn Jahren abgeschriebenen Exemplare zu einer Gesamtausgabe zusammenzufügen. Ich habe sie eigens für Sie während meiner schweren Krankheit einigermaßen korrigiert. Diese eine von drei Schülern abgeschriebene Gesamtausgabe ist mir ebenso wertvoll wie zehn von ihnen. Ich hätte diese Sammlung niemandem außer Dir gegeben. Ihr Preis entspricht ihrem geistigen (manevi)Wert und umfasst drei Dinge:
Erstens:
Sie sollen - soweit das möglich ist - für das Direktorium (Diyanet Riyaseti)und alle seine Unterabteilungen, wenn möglich noch mit den alten (arabischen) und falls nicht, dann mit den neuen (lateinischen) Buchstaben, unter Mithilfe meiner engsten Freunde, von denen
unbedingt einer die Korrektur (der Druckfahnen) beaufsichtigt, zwanzig, dreißig Ausgaben drucken lassen und sie den Unterabteilungen Ihres Amtes (Diyanet Riyaset)übersenden. Denn die Herausgabe und Verbreitung dieser Werke ist der fremdländischen, glaubenslosen Strömung (Bolschewismus) wegen die Aufgabe Ihres Amtes.
Zweitens:
Da nun einmal die Werke der Risale-i Nur Eigentum der Medresse sind, sind nun auch Sie sowohl ihr Fundament, als auch ihr Kopf und ihr Schüler. Diese sind Ihr wahrhaftiges Eigentum.
Drittens:
Die (optisch sichtbaren) Übereinstimmungen im Qur'an sollten so weit möglich im Offsetverfahren gedruckt werden, sodass man in diesen Übereinstimmungen die Wunderhaftigkeit des Qur'an erkennen kann.
Said Nursi
* * *
Einige Briefe, die Bediüzzaman Said Nursi und seine Schüler nach 1950 geschrieben haben
(Hier ein Brief), geschrieben aus Anlass eines Gesprächs, nachdem die Demokratische (Partei) es wieder erlaubt hatte, in arabischer Sprache zum islamischen Gebet (Ezan-i Muhammedi)
zu rufen
Meine lieben getreuen Brüder!
Erstens:
Wir beglückwünschen euch dazu, dass nun der Ruf zum Gebet (Ezan-i Muhammedi)wieder in vollkommener Freiheit (kemal-i ferah)von zehntausenden Minaretten verkündet wird, was sowohl für euch, als auch für das Land und die Islamische Welt (alem-i Islam)der Beginn einer bedeutsamen, festlichen Zeit (bayram)ist, in der die Kennzeichen des Islam (sheair-i Islamiye)in diesem Land wieder in Erscheinung treten dürfen. Und wir flehen,
indem wir zur Annahme eures Dienstes, eurer Anbetung (ibadet)und eurer Bittgebete (dua),durch die ihr in diesem ehrwürdigen Monat Ramadan (ramazan-i sherif)ebenso viele (Verdienste) erwerben könnt, wie in etwa dreiundachtzig Jahren, und noch etwas mehr, der Anbetung (ibadet)unser "Amen" sagen, dass ihr durch die göttliche Barmherzigkeit (rahmet-i Ilahiye)in jeder Nacht dieses Ramadan ebenso viele Verdienste (sevab)erwerben möget wie in der Nacht der Bestimmung (Leyle-i Qadr).Da ich in diesem Monat Ramadan äußerst schwach bin und nicht mehr richtig arbeiten kann, bitte ich euch um euren geistlichen (manevi)Beistand.
Said Nursi
* * *
بِاسْمِهِ سُبْحَانَهُ
{"Im Namen dessen, der gepriesen sei!"}
An meine gesegneten islamischen Brüder in den Zentren der Islamischen Welt (alem-i Islam)!
Euch aus ganzem Herzen und ganzer Seele (ruh-u can)einen herzlichen Glückwunsch (tebrik)!Wir haben euch ein Sendschreiben (tebrik),geschrieben von einem bedeutenden, gesegneten, kämpferischen (mudjahid)Gelehrten übersandt, das an Hazret Bediüzzaman gerichtet ist, der durch seine Werke eine Koryphäe der Gelehrten und zugleich auch eine Koryphäe der Kommentatoren (fuhul-i ulema ve fuhul-i müfessir)geworden ist.
Hazret Bediüzzaman beglückwünscht euch Tausende Male in seinem zur Antwort geschriebenen Briefe und dabei geruhte derselbige unvergleichliche Meister Hazret Bediüzzaman, mir den Auftrag zu erteilen, euch zu schreiben und euch sowohl seine große Freude darüber mitzuteilen, dass die Nurdjus, unsere gläubigen (mu'min)Brüder in
Anatolien, als die Nachfolger der Helden des Qur'an und des Glaubens (iman),mit den Muslimen, die in Arabien an den Wahrheiten des Qur'an (haqiqat-i Qur'aniye)interessiert sind, als zwei Brüder, die in vielfacher Reihe harmonisch aufeinander abgestimmt, einen Kreis um den Qur'an bilden und sich in Reihen um ihn scharen, und dass er zugleich auch mit eurer Absicht (niyet)über die Maßen zufrieden ist, dass eure gläubigen (mu'min)Brüder, die mit der Risale-i Nur in einem so starken Interesse verbunden sind, einen Teil davon ins Arabische übersetzen und verbreiten wollen, wobei die Nurdjus der ehrenwerten islamischen Gemeinschaft in Urfa die (in ihrem Besitz befindlichen jeweiligen) Teile der Risale-i Nur, mit denen sie gerade beschäftigt sind, gut aufheben sollen.
Oh ihr verehrten lichtstrahlenden Glieder eines edlen arabischen Volkes (qaum)!Die in der Tiefe der Geschichte begrabenen und ihre aus der Vergangenheit in die Zukunft entsprungenen Vorväter, diese Leugner unseres Propheten (kuffar),deren Heere seit vierzehn Jahrhunderten diese islamische Nation (millet)angegriffen haben, um sie zu zerschlagen, konnten nun während des Ersten Weltkrieges endlich ihre Wünsche erfüllen. Die Freundschaft (muhabbet)zwischen Türken und Arabern, diesen beiden wahrhaft islamischen Brüdern, die Tausend Jahre lang unerschütterlich standgehalten hatte, ist nun mit viel List und Tücke am Erlöschen. Man konnte es einfach nicht ertragen, dass (die Gläubigen) in ihren Herzen (qalb)ihren so großen Wunsch, sich im reinen Garten (Ravda-i Mutahhara){der Platz zwischen Mihrab und Mimber (A.d.Ü.)} jenes erhabenen Propheten, welcher der Stolz der Leute des Islam (ehl-i Islam)und des Menschengeschlechtes (nev'-i besher),die Ursache der Erschaffung (sebeb-i khilkat)allen Seins und der Spiegel aller göttlichen Segensfülle (füyuzat-i Ilahiye)ist, auf ihr Angesicht nieder zu werfen, stets lebendig erhalten wollten. Es lag diesen Leugnern des Propheten einfach) quer im Magen, dass (die
Gläubigen), um von diesem erhabenen, ruhmreichen Propheten (Peygamber-i Dhishan)auch nur ein klein wenig Zuwendung zu erlangen, bereit waren, für ihr Leben (ruh)alles und jedes zu opfern. Sie wollen, dass die Muslime ihre prächtigen Schriften, welche die Quelle ihres Stolzes sind und denen sie seit 1400 Jahren auf dem ganzen Erdenrund, wie auf den Blättern der Zeit, mit dem Stift der weißen Klinge ihrer Blutzeugen (shehid)und Glaubenskämpfer (gazi),wie mit roter Tinte geschrieben und somit der Geschichte anvertraut haben, vergessen sollen. Auf diese Weise entschlossen voranschreitend haben diese erbarmungslosen Feinde Türken und Araber, diese beiden Brüder, durch fürchterliche Verträge in Ketten gelegt, um sie so unter bittersten Qualen zu erdrücken, damit sie sich nicht wieder vereinigen können. So haben sie viele Jahre lang unter ihren stählernen Ketten gelitten. Man hat an den Muslimen jegliche Art von Bosheit ausgeführt.
Doch ach! (Die Feinde des Glaubens) konnten nicht wissen und nicht erkennen, dass die göttliche Gnade (inayeti Ilahiye)auch dieses Mal wieder den Muslimen beistehen und ihnen mit einem derart großartigen, ja einzigartigen Kommentar (tefthir)zum Qur'an, wie es die Risale-i Nur ist, und mit Bediüzzaman, ihrem Verfasser, einen ebenso großartigen Sieg (verleihen) werde. Diese Werke beweisen die göttliche Allgegenwart (vahdaniyet-i Ilahiye),die prophetische Sendung Mohammeds (Risalet-i Muhammedi),mit dem der Friede sei, und die Wahrheit von der Auferstehung (haqiqat-i hashriye)mit so mächtigen und wahrhaftigen Zeugnissen und glanzvollen Beweisen, dass bis jetzt noch kein Denker des Ostens (alim)oder des Westens (feylesof)dagegen aufstehen und ihnen zu widersprechen vermochte.
Wir Türken nähren in unserem Herzen (qalb)und in unserer Seele (ruh)im Namen Gottes und um unseres ruhmreichen Propheten (Peygamber-i Dhishan)willen immerfort eine unendliche Liebe (sevgi)und eine grenzenlose Ehrfurcht und pflegen sie, euch, dem edlen arabischen Volk (qaum)
gegenüber, unter dem sich so viele Nachkommen des Propheten (seyyid)befinden und dessen erlesene Nachfolger (sahabe-i güzin)eure Vorväter sind. Um dieses erhabenen, ruhmreichen Propheten (Peygamber-i Dhishan)und seines erhabenen Glaubens (din)willen sind wir bereit, zuerst und vor allem unseren geistigen (ruh),aber auch all unseren materiellen Besitz hinzugeben.
So bitten und beten wir denn in der großen Hoffnung auf die Gnade und Freigiebigkeit (lutf-u kerem)Gottes des Gerechten (Djenab-i Haqq),Gott möge es wollen (insha-a'llah),dass Türken und Araber, die beiden wahrhaftigen Brudervölker (millet)durch die freudige Nachricht (haber-i besharet),die uns unser geliebter Meister, Hazret Ustadh Bediüzzaman, geschenkt hat, in naher Zukunft die Einheit (ittihad)bringen wird. Und so werde denn in unserer Einheit diesen schrecklichen Feinden aller Gläubigen die von ihnen ausgestreute Saat des Verderbens ins eigene Gesicht geschleudert. Und möge Gott es wollen (insha-a'llah),dass diese unter ihren Ketten leidenden vierhundert Millionen Muslime wieder neu in einem heiligmäßigen islamischen Leben (hayat-i qudsiye-i Islamiye)an die Spitze des Menschengeschlechtes treten und so den Frieden (sulh)und eine allgemeine Versöhnung sicher stellen werden.
Ein Schüler der Risale-i Nur mit der Bitte um Euer Gebet (dua)
Hüsrev
* * *
Brief an den Ministerpräsidenten Menderes
Brief des Meisters an den Ministerpräsidenten Adnan Menderes, der die Risale-i Nur in ihrem bedeutenden Dienst für das Land, für das Volk und die Islamiyet anerkennt und zu schätzen weiß,
بِاسْمِهِ سُبْحَانَهُ
{"Im Namen dessen, der gepriesen sei!"}
Obwohl ich sehr krank bin und mich für politische Fragen nicht interessiere, möchte ich mich doch gerne mit einem solch mutigen Schirmherrn des Islam, wie es Adnan Menderes ist, unterhalten (sohbet).Da aber meine Lage (hal)und mein persönlicher Zustand (vaziyet)eine solche Begegnung nicht gestatten, habe ich anstelle einer tatsächlichen Zusammenkunft diesen Brief geschrieben, damit er statt meiner zu ihm sprechen möge.
Und zwar möchte ich hier religiös interessierten Menschen wie Adnan Menderes, der ein Schirmherr der Islamiyet ist, einige kurzgefasste Grundsätze erklären:
Erstens:
Einer der so vielen Grundsätze der Islamiyet ist die Wahrheit (haqiqat)der ehrenwerten Ayah:
وَلاَ تَزِرُ وَازِرَةٌ وِزْرَ اُخْرٰى
{"Und die belastete Seele hat nicht die Last einer anderen zu tragen." (Sure 6, 164)}
Man kann also für die Verbrechen eines anderen nicht dessen Verwandte oder Freunde verantwortlich machen. Doch bei der gegenwärtigen Politik gibt man sich damit einverstanden, wenn zufolge einer fanatischen Parteilichkeit, wegen eines einzigen Verbrechers sehr viele Unschuldige zuschaden kommen. Angehörige oder auch Verwandte eines Verbrechers müssen wegen seines Vergehens unter übler Nachrede (leiden) oder werden mit Verachtung gestraft. Auf diese Weise wandelte sich ein einziges Verbrechen in hundert Verbrechen um. Ein schrecklicher Hass
und eine fürchterliche Feindschaft kochten in den Adern hoch. Hass und Wut steigerten sich bis zur Vergeltungssucht. So entstand jenes Gift, welches das gesellschaftliche Leben gänzlich auf den Kopf stellt und den ausländischen Feinden einen Weg eröffnet, ihre Hände dabei ins Spiel zu bekommen. Vorfälle, wie sie im Iran und in Ägypten spürbar geworden sind, lassen einen solchen Sachverhalt verständlich werden. Doch ist die Situation bei uns nicht gleich wie dort. Sie ist dort weniger kritisch als hier bei uns, vielleicht nur eins zu hundert. Möge Gott uns davor bewahren! Eine solche Situation wäre hier bei uns ganz fürchterlich.
Der einzige Ausweg aus dieser Gefahr ist der: Man muss die islamische Brüderlichkeit und die reine Islamiyet als eine Nation wie einen mächtigen Stein zugrunde legen und die Vergehen, um unschuldige zu schützen, auf die Verbrecher selbst beschränkt halten.
Zudem findet dieser Grundstein aller Ruhe, Ordnung und öffentlichen Sicherheit wiederum sein Fundament in dem (oben angeführten) Grundsatz:
Fände sich z.B. in einem Haus oder auf einem Schiff neben zehn Verbrechern ein Unschuldiger, so muss man, um diesen Unschuldigen zu retten und ihn nicht in Gefahr zu bringen, um dieses Grundprinzips von Sicherheit und Ordnung willen in diesem Schiff oder Haus keine Unruhe entstehen lassen, damit dieser Unschuldige hinausgebracht werden kann.
So würde denn in Anwendung dieses qur'anischen Grundgesetzes, wegen zehn Verbrechern neunzig Unschuldige in Gefahr zu bringen, um die innere Ruhe und Ordnung nicht zu stören, der Anlass dazu sein, den göttlichen Zorn (gazab-i Ilahiye)zu wecken. Da aber nun einmal Gott der Gerechte (Djenab-i Haqq)in dieser gefahrvollen Zeit für einen Teil wahrhaft religiöser Menschen den Weg geöffnet hat, bis an die Spitze (des Staates) zu gelangen, gemahnt uns nun die Zeit daran, dass es notwendig
geworden ist, dem Grundsatz des Weisen Qur'an (Qur'an-i Hakim)entsprechend, für sich selbst einen Stützpunkt zu schaffen und gegenüber denen, die wütend auf sie sind, einen schützenden Graben zu bauen.
Ein zweites Grundgesetz der Islamiyet ist folgende ehrenwerte Hadith:
سَيِّدُ الْقَوْمِ خَادِمُهُمْ
{"Das Haupt eines Volkes ist sein Diener"}
Tatsächlich heißt, ein Amt zu bekleiden, eine Dienststelle einzunehmen. Es dient nicht dazu, andere zu beherrschen und sie um des eigenen Egos willen zu unterdrücken. Infolge unseres heutigen Mangels an einer islamischen Erziehung und der Schwachheit im Dienst und in der Anbetung, haben die Ichsucht und der Egoismus an Kraft gewonnen. Entkleidet man ein Amt seiner Funktion als einer Dienststelle, so nimmt es die Form einer Stufenleiter zur Herrschaft, zu einer Diktatur, zu Unterdrückung und Eigendünkel an. So läuft die Verrichtung eines Gebets (namaz)ohne Abdest, ohne Qiblah jeglichem Sinn für Recht und Gerechtigkeit zuwider, zerstört ihn in seiner Grundlage und stellt das Recht der Diener Gottes (huquq-u ibad)auf den Kopf. Dieses Recht der Diener Gottes kann man nicht mehr ein Recht Gottes (huququllah)nennen, um Recht (haqq)sein zu können. Es wird vielmehr zu einer Ungerechtigkeit der eigenwilligen Seele (nefsu-l'emmare).
Nun aber sagt Adnan Menderes: "Ich werde erfüllen, was die Islamiyet und die Religion (din)
erfordern." Doch den beiden oben erwähnten Grundsätzen laufen zwei fürchterliche Strömungen entgegen und widersprechen ihnen, weshalb die Wahrscheinlichkeit groß ist, dass die Völker (-Partei) durch umfangreiche Bestechungen hintergangen wird, was den ausländischen (Mächten) einen Weg einzugreifen eröffnet und zum Angriff überzugehen.
Erstens:
(Die erste Strömung) läuft dem ersten Grundsatz zuwider, demzufolge wegen eines einzelnen
Verbrechers vierzig unschuldige Menschen enthauptet und ein Dorf niedergebrannt wurde. Im Grade einer solchen Despotie (istibdad-i mutlaq)ist ein jedes Amt mit einer Bestechung in Form eines eigenen Herrschaftsbereiches verbunden, was der Seele (nefs)eine Freude bereitet, wobei gleichzeitig freiheitsliebende gläubige Menschen angegriffen werden.
Nun zum Zweiten:
Man lässt (die Menschen) die Islamiyet einer durch sie geheiligten Nation (Islamiyet milliyet-i qudsiye)aufgeben - so wie dies bereits die erste (Strömung versucht hatte) - tritt um eines einzelnen Verbrechers willen die Rechte (haqq)hunderter Unschuldiger mit Füßen, gibt sich zwar nach außen als national gesinnt, während man in Wirklichkeit rassistisch denkt, während sich doch daneben sowohl freiheitsliebende, gläubige Demokraten als auch im gesamten Vaterland siebzig Prozent noch andere Völkerstämme finden, (welches Verhalten) sich sowohl gegen die Regierung, als auch gegen die armen Türken, gegen die der demokratischen (Partei) folgende Politik richtet, wobei ihre wahnsinnigen, selbstgefälligen Seelen (nefs)eine besonders schmackhafte Bestechungspolitik betreiben und für eine rassistische Brüderlichkeit ausgeben. In dieser wohlschmeckenden Verbrüderung (befangen), können sie in ihrer Trunkenheit die Umwandlung eines solch schmackhaften Nutzens einer tausendfach wertvolleren wahrhaftigen Brüderlichkeit in Feindschaft u.dgl. ernsthafte Gefahren, gar nicht mehr wahrnehmen. Anstatt sich z.B. durch die Nationalität ihrer Islamiyet täglich von vierhundert Millionen wahrhaftigen Brüdern in dem alle umfassenden Gebet (dua)
اَللّٰهُمَّ اغْفِرْ لِلْمُؤْمِنِينَ وَالْمُؤْمِنَاتِ
{"Oh Gott vergib allen gläubigen Männern und Frauen!"}
innerlich (manevi)getragen zu sehen, geben sie in ihrem Rassenwahn vierhundert Millionen wahrhaftige Brüder für vierhundert wahnsinnige, völlig unbekümmerte (Leute) hin,
die nur an ihrem irdischen (dunyevi),völlig unbedeutenden Nutzen (interessiert) sind. Diese Gefahr ist sowohl für das Land als auch für seine Regierung, alle gläubigen Demokraten und Türken eine große Gefahr; und die so etwas tun, sind auch gar keine richtige Türken. Die edlen Türken sollten einen solchen Fehler vermeiden. Diese beiden Strömungen werden in jedem Fall versuchen, daraus ihren Nutzen zu ziehen, um so (die Partei) der gläubigen Demokraten zu stürzen, wozu sie ja auch beauftragt worden sind; was sich jetzt anhand der bereits sichtbar gewordenen Spuren herauszustellen beginnt. Wegen dieser überwältigenden Zerstörung und wegen dieser beiden mächtigen Gegner ist es notwendig, sich wie die vierzig Sahabis, die gegen vierzig Staaten zum Kampf angetreten und siegreich geblieben sind, unerschütterlich auf die Wahrheiten des Qur'an (haqiqat-i Qur'aniye)zu stützen, so wie dies ein Tausend vierhundert Jahre lang und in jedem Jahrhundert drei, vier hundert Millionen Schüler getan haben, welche die in diesen anziehenden Wahrheiten enthaltene, ewig beglückende Seligkeit in dieser und in jener Welt (dunyevi ve ukhrevi)zu ihrem Stützpunkt gemacht haben, was gegen die erwähnten Gegner und alle äußeren wie inneren Feinde ganz besonders notwendig, ja unumgänglich und der einzig mögliche Ausweg ist. Andernfalls werden eure erbärmlichen Feinde im Inland wie im Ausland euch aus einem einzigen Vergehen Tausende machen und euren früheren Vergehen noch hinzufügen und euch aufladen, so wie sie diese (auch früher schon) auf anderer Häupter geladen haben. Das aber wird für euch, für das Land und für das Volk zu einer Gefahr werden, deren Folgen sich nicht wieder gut machen lassen. Möge Gott der Gerechte (Djenab-i Haqq)euren Diensten für die Islamiyet Seinen Erfolg verleihen, euch vor den oben erwähnten Gefahren behüten! Ich und meine Nurdju-Brüder werden, wenn ihr das tun wollt und die oben erwähnten Tatsachen (haqiqat)anerkennt, uns auch entschließen, noch für euch zu beten.
Drittens:
Ein Grundsatz, der das Gemeinschaftsleben der Islamiyet betrifft, ist auch die Wahrheit (haqiqat)der folgenden ehrwürdigen Hadith:
اَلْمُؤْمِنُ لِلْمُؤْمِنِ كَالْبُنْيَانِ الْمَرْصُوصِ يَشُدُّ بَعْضُهُ بَعْضًا
{"Der Gläubige ist dem Gläubigen gleich einem Bauwerk, in dem die einzelnen Steine bleiverfugt einander Halt und Stütze gewähren."}
Das heißt: Wenn die Feinde im Äußeren angreifen, soll man alle inneren Streitigkeiten vergessen und miteinander ganz und gar solidarisch sein. Sobald auch noch der letzte, aus dem hintersten Wald kommende Hinterwäldler die Nutzanwendung dieses Grundsatzes begriffen hat, wird ein Volk, obwohl es eben zuvor noch die eigenen Väter und Brüder umgebracht hatte, nun, da ein Feind von außen in Erscheinung getreten ist, alle innere Feindschaft vergessen. Sobald aber der äußere Feind vertrieben ist, wird (ein Volk, das bis dahin) solidarisch gewesen ist - und ich sage das mit einem viel tausendfachen Bedauern: man hat schon Vorfälle erlebt (wo ein Volk) aus seinem Egoismus, seinem Eigenwillen, seinem Stolz, aus einer gnadenlosen innenpolitischen Parteigesinnung heraus, selbst wenn ihm der Teufel zur Hilfe eilte, für ihn um Erbarmen (rahmet)beten wollte, wo hingegen, wollte selbst ein Engel der oppositionellen (Partei) zu Hilfe eilen, man ihn dennoch verfluchen würde. Ja, ich habe sogar erlebt, dass ein aufrichtiger Gelehrter (alim)einem anderen großen Gelehrten, der ihm in seinen politischen Ansichten widersprach, bis zur üblen Nachrede hin verketzerte, während er einen Ungläubigen und Gegner der Islamiyet, der jedoch genau so dachte wie er, auch noch feurig lobte, um ihn so zu verteidigen. Darum habe ich den Teufel geflohen und mich zugleich vor fünfunddreißig Jahren von der Politik abgewandt.
Zudem war jetzt zu bemerken, dass den Oppositionellen das Verhalten eines Mannes, der sowohl den ehrwürdigen Monat Ramadan, als auch die Kennzeichen islamischen Lebens (in der Öffentlichkeit) und das gläubige Volk
verachtet, recht gut gefallen hat. Nun ist aber das Einverständnis mit dem Unglauben der Unglaube (kufr)selbst. Wenn jemand mit einer Irrlehre (dalalet),der Sünde (fisq),der Ungerechtigkeit (zulm)einverstanden ist, so ist dies eine Irrlehre, eine Sünde, eine Ungerechtigkeit.
Wenn man das Geheimnis (sirr)eines so merkwürdigen Zustandes (hal)betrachtet, so bemerkt man, dass die Oppositionellen das, was diejenigen, denen es bereits in Fleisch und Blut übergegangen ist, sich für das, was in den Augen ihres eigenen Volkes als eine schwerwiegende Missachtung angesehen wird, entschuldbar zu halten, selbst für gottlos und selbst für verachtenswert ansehen und es auch so darstellen möchten.
So wie denn nun die Folge all dieser verschiedenen, entsetzlichen Ungerechtigkeiten sehr gefährlich ist, so stellen sie auch die Sitten des gesellschaftlichen Lebens auf den Kopf; und das gleicht einem schwerwiegenden Attentat gegen das Land, gegen das Volk und das islamische Selbstverständnis.
Eigentlich wollte ich noch mehr dazu schreiben. Doch will ich mich hier damit begnügen, dass ich für alle freiheitsliebenden Gläubigen bereits drei grundsätzliche Punkte erklärt habe.
Said Nursi
* * *
Dem oben angeführten Sachverhalt, so wie er unser gesellschaftliches Leben betrifft, möchte ich die nachstehende Anmerkung beifügen, in der Absicht, sie Adnan Menderes übersenden zu lassen.
Anmerkung:
Um die infolge der alten nutzlosen und willkürlichen Gesetze und ihres Missbrauchs, oder vielmehr die aus einer Provokation heraus entstandene "Tidjanische Frage"
{hier geht es um einen ins Gerede gekommenen Sufi-Orden}
nicht (der Partei) gläubiger Demokraten
anzulasten und damit diese demokratische (Partei) nicht etwa in den Augen der islamischen Welt in Misskredit gerate, kam mir, als der nach meiner Vorstellung einzig mögliche Ausweg, der folgende Gedanke:
Durch die Wiederzulassung des islamischen Gebetsrufes (Ezan-i Muhammedi)hat die Demokratische (Partei) zehnfach wieder an Kraft gewonnen. Wenn aber nun auch die Ayasofya in ihren alten heiligen Zustand (vaziyet-i qudsiye)zurückversetzt würde, in dem sie sich fünfhundert Jahre lang befunden hatte, was in der islamischen (Welt) einen sehr guten Anklang finden würde und wonach sich auch die islamische Welt der Bevölkerung dieses Landes wieder wohlwollend zuwenden würde, und wenn nun auch noch, nach achtundzwanzig Jahren, in denen die Gerichte nichts gefunden haben, was zu einem Schaden gewesen wäre, und nachdem in fünf Gerichtsprozessen die Risale-i Nur wieder freigegeben worden war, nun auch die Gläubigen der Demokratischen (Partei) die Freigabe (dieser Werke) offiziell verkünden würden, {was dann 1980 auch tatsächlich geschehen ist (A.d.Ü.)} so würde dies eine heilende Salbe auch auf diese Wunde streichen.
Dadurch könnte die erneute Zuwendung der islamischen Welt gewonnen werden und ich denke auch, dass dann niemand mehr heimtückischer Weise die Schuld (der Demokratischen Partei) zuschieben könnte. Der Gläubigen der Demokratischen (Partei) wegen, besonders aber Persönlichkeiten wie Adnan Menderes wären hier zu erwähnen, habe ich die Politik seit fünfunddreißig Jahren aufgegeben. Dies alles habe ich ein, zwei Stunden lang betrachtet und dann hier niedergeschrieben.
Said Nursi
* * *
Ein Brief der Nur-Schüler in Ankara
Liebe getreue Brüder!
Euer Brief war für uns, als hätten wir einen Strahl der Sonne des Islam verspürt. Seit Jahrhunderten gab es Gedanken, die sich gegen die Menschlichkeit richteten, in der Islamiyet ihren Schaden anrichteten und sie angegriffen haben. Nun ist die Risale-i Nur vorgetreten, um die Zerstörungen der Leute des Unglaubens (ehl-i kufr)wieder zu reparieren; und sie ist - wie wir aus eurem Brief entnommen haben - unter den jungen Leuten verbreitet. Die wahrheitsliebenden Weggefährten auf dem Wege des Ewigen Lebens (ebedi hayat)sollen ihre eingebildeten hohlen Worte loslassen und durch die Risale-i Nur die Saat der Ungläubigen (kufr)zum Schmelzen bringt. Die Schüler der Risale-i Nur sind die wahrhaftigen Brüder der Leute des Herzens und des Glaubens (ehl-i qalb ve iman).Die Briefe von euch als unseren Mitbrüdern haben uns stets begeistert und werden dies auch in Zukunft noch tun. Die Risale-i Nur, die ein Kommentar (tefthir)zum Qur'an ist, lässt uns wissen, dass es in dieser Zeit eine große Torheit ist, im Irrglauben zu verharren und nicht gegen den Unglauben (kufr)anzukämpfen. In einer Zeit, in der der Kommunismus, der Anarchismus und die Freimaurerei an Boden gewinnen, ist es die wichtigste Aufgabe, der Risale-i Nur zu dienen, göttliches Wohlgefallen (riza-yi Ilahi)zu erlangen und (die Risale-i Nur) denen zu übermitteln, die danach verlangen. Wenn jemand will, dass wir uns von dieser wichtigsten und bedeutendsten segensreichen Aufgabe abwenden, so werden selbst ihre schwersten Angriffe unseren Eifer nur noch anfeuern. Die Risale-i Nur lehrt uns und beweist uns, dass diese Welt ein Gasthaus ist. Die das Ewige Leben ersehnen und ihre Aufgaben in diesem Gasthaus ernst nehmen, werden auch dementsprechend zufrieden gestellt. Das aber heißt, dass es jetzt unsere wesentlichste Aufgabe ist, den Herzen der Leute des Glaubens (ehl-i din),die aus dem Sumpf errettet werden möchten, die der Dunkelheit
überdrüssig geworden sind, ohne Nahrung geblieben sind, zu Hilfe zu eilen und bei uns selbst zu beginnen, Ausrufer des Lichtes zu sein. Besonders und vor allem hier ist es besonders wichtig und außerordentlich bedeutsam, als erstes und vor allen anderen Dingen die Risale-i Nur aufmerksam und in ständigem Nachsinnen zu lesen und uns dieses gewaltige Gesamtwerk anhand der Wahrheiten des Qur'an und des Glaubens innerlich anzueignen und uns dessen Grundsätze und Anweisungen dieses außerordentlichen Gesamtwerkes unverzüglich und vollständig zu eigen zu machen. Jeder junge und überhaupt jeder Mensch, der einmal diese gewaltig große Gnade an sich erfahren hat, wird sich fortan hundertfach, ja tausendmal zum Nutzen für das Land und für das Volk einsetzen. So kann er sich für das Land, das Volk, die Jugend und die ganze islamische Welt in großem Umfang als hilfreich erweisen und seine Kräfte und Fähigkeiten entwickeln. Darum bitten wir vor allem unseren Meister Hazret-i Bediüzzaman, aber auch euch, die ihr würdig seid, wahrhaft und aufrichtig seine Schüler zu sein, um euer Gebet (dua),damit wir das Gesamtwerk der Risale-i Nur so bald wie möglich herbeischaffen, suchen, finden, aufmerksam, nachdenklich und aufrichtig lesen mögen. In dieser Weise wollen wir zum Dienst am Qur'an und am Glauben (iman)eilen. Angesichts dessen, dass es bereits genug Beweise gibt, die darauf hindeuten, dass die Risale-i Nur in diesem Jahrhundert Anklang gefunden hat, ist jeder gläubige Mitbruder, sofern er nur über einen klaren Verstand verfügt, schon von sich aus zu ihrem Helfer bestimmt.
Da nun einmal die Risale-i Nur in diesem Zeitalter ihre besonderen Eigenheiten birgt, und da nun einmal Tausende Gelehrte sie mit großem Lob angenommen haben, und da sich der Meister nun einmal für den Qur'an zu einem mutigen Ausrufer gemacht hat, wie man seinesgleichen keinen mehr zu finden vermag, der sein ganzes Leben in Vollkommenheit, aufrechten Ganges und mit wahrheitsgemäßen Grundsätzen dem Glauben und der Islamiyet
gewidmet hat, und dabei, ohne irgendeinen diesseitigen (dunyevi)Vorteil zu suchen, sich einzig und allein um den Wohlgefallen Gottes strebend bemüht hat, würden auch die Nur-Schüler nicht zögern, mit ganzer Kraft (quvvet)ein Leben als Leute der Sunnah (ehl-i sunnah)im Rahmen des Glaubens und der Islamiyet für den Dienst zu opfern, ohne jemals nur schnödem Gewinn zu folgen, wobei hundert Tausende Nur-Schüler allem Druck und allen Drohungen zum Trotz diese Tatsache noch nachdrücklich bestätigen, sich dabei jeder Schüler darin ausgebildet hat und noch weiter ausbildet, auf all die irrigen Glaubenssätze westlicher Denker (felsefe),wie sie heute im Schwange sind, wahrheitsgemäß (haqiqi)und logisch (mantiki)Antwort zu geben; denn auf jedes Bedürfnis weiß der Qur'an eine Antwort, da sich in ihm notwendigerweise eine jede Wahrheit (haqiqat)eindeutig finden lässt; denn der Qur'an ist ein Geschenk Gottes, das auf schönste Weise Unterricht erteilt, ein Licht (Nur)und Seine Barmherzigkeit (rahmet)...Weil dies aber so ist, erklärt die Risale-i Nur, indem sie auf eine solche Weise, wie aus der Schatzkammer göttlicher Barmherzigkeit (rahmet)und Quelle Seiner Wahrheit (haqiqat)schöpfend, Unterricht erteilt, dass die Jugend und das einfache Volk sie in unmittelbarer Art verstehen kann. Aufmerksam, nachdenklich und beharrlich zu lesen und zu schreiben, als eine günstige (Gelegenheit zu nutzen), um nicht müßig zu gehen, ist der beste Gottesdienst (ibadet)und eine Quelle der Freude. (Die Risale-i Nur) ist in Gegenwart und Zukunft besonders für uns junge Leute ein außerordentlich hilfreiches und völlig ausreichendes Heilmittel, ein besonders wohlschmeckendes Elixier, das wir voll Begeisterung in uns aufgenommen haben und das für uns im übertragenen Sinne (manevi)unser Retter geworden ist. Da nun diese Wahrheiten bereits offen zutage liegen, könnte, wenn wir uns nicht an ihnen mit aller Kraft unerschütterlich festhielten, sie nicht vom Anfang bis zum Ende durchforschten, ja uns noch nicht einmal für sie interessierten, dies nur die Folge unserer Gottvergessenheit (ghaflah)sein.
Wer also nun dem Weg der Wahrheit (haqiqat)folgen will, muss von der Risale-i Nur seinen Unterricht nehmen. Und jeder, der dem Weg der Risale-i Nur in ihrem Strahlenglanze (munauvver){Beiname der Stadt Medina (A.d.Ü.)} folgt, wird wahrhaftige Glückseligkeit erlangen und sich über das Wesen des Antlitzes dieser Erde {den Sinn der Erschaffung der Welt (A.d.Ü.)} im Klaren werden, worin wir Nur-Schüler in Ankara unsere gemeinsame Überzeugung (ittifak)finden werden. Dann wird mit der Risale-i Nur, die uns im Weisen Qur'an die Schatzkammer des Ewigen Lebens schauen lässt, sicherlich eines Tages auch ihr lichtvoller Klang über dieser Welt (dunya)ertönen.
Da nun einmal die islamischen Gelehrten - einem ehrenwerten Hadith entsprechend - solange sie denn nichtweltlichen Interessen und ihren Lustbarkeiten hinterher laufen, die zuverlässigsten Erben der Propheten. Wir aber wissen, dass auch die Risale-i Nur deren vollkommene Erbin ist. Und so hat denn auch die Geistige Körperschaft der Risale-i Nur als deren wahrhaftige Erbin gelebt und lebt so noch heute. Die, welche gegen sie aufstehen, diese gottvergessenen (ghafil)tauben, blinden und gefühllosen, schrumpfen und werden kleiner. Die Risale-i Nur aber wird aufgrund ihrer überragenden Stellung sicherlich alle Philosophen, Gelehrten (ilm)und Leute der Wahrheit (haqq)in dieser Welt (dunya)zusammenrufen und alle die gesegneten Menschen von gesundem Verstand (aql)und gütigem Herzen (qalb-i kerim)zu ihren Schülern machen. Möge Gott es wollen (insha-a'llah),dass sich dies nicht erst in ferner Zukunft, sonder bereits bald bewahrheiten (tahaqquq)wird! So befindet sich denn die Welt (dunya),wie die meisten Philosophen und Gelehrten (alim)bereits gesagt haben, an einer völlig neuen Schwelle des Bewusstseis. Die Welt (dunya)sucht nach dem Licht (Nur),das sie erleuchten wird. Mehmed akif, ein Dichter der (Qur'anischen) Wahrheiten (haqiqat)sagt:
Oh mein Gott, sende uns Dein Licht (Nur); Jahrhunderte sind schon genug!
Wie betäubt liegt Dein Volk und sehnt sich nach einem Morgen am Horizont.
Und dass er mit diesen Worten auf das Licht (Nur)hinweist, ist für uns heute eine Tatsache (haqiqat).
Liebe Mitbrüder!
Betet mit uns, dass wir uns in einer Weise bemühen mögen, die der Risale-i Nur würdig ist, damit wir nicht unter den Lebensumständen in Ankara dahinschmelzen. Auf welche Weise jedoch das Licht (Nur)die Finsternis beseitigen möge, so ist doch wiederum ein Auge nötig, um es sehen und ein Kopf um es verstehen zu können. So möge denn unser Auge nicht von einer solchen Umgebung verblendet und verschleiert sein. Betet also für uns in unserer Schwäche.
Möge Gott uns allen gewähren, uns in unserem Festhalten an der Risale-i Nur als ehrwürdige (aziz)Diener eines eindeutigen Glaubens (din)zu erweisen, amin!
Einer unserer Brüder sagte: Heute morgen nach dem Gebet wurden mir die folgenden Verse eingegeben, die ich gerne unseren Brüdern mitteilen möchte:
Mein Glaube (din) ist der Islam, mein Buch der Qur'an, meine Überzeugung die Wahrheit (haqq).
Diesem Weg seine Seele (djan) zu weihen, ist Ewiges Leben.
Eure Euch sehr liebenden
Schüler der Risale-i Nur an der Universität zu Ankara
* * *
Analysen
Nach einer langen Trennung
Nun ist es vielleicht schon siebenundzwanzig, achtundzwanzig Jahre her, dass ich den Meister nicht mehr gesehen habe. Und obwohl ich doch stets die Sehnsucht gehabt habe, zu ihm zu gehen und ihn zu besuchen, sich an seinem gesegneten Antlitz voll und ganz satt zu sehen, war ich doch stets so beschäftigt, dass ich nicht die Zeit dazu gefunden habe. Doch war er mir stets meinem Herzen (qalb)nahe und war sein Geist stets in meinem Inneren (manevi)anwesend. Doch konnte denn die Sehnsucht in meiner Brust meine Sehnsucht auch nur einigermaßen befriedigen? Ihn selbst zu sehen und in meinen Armen zu halten, mein Wunsch nach seinem lichtvollen Antlitz, ja dieses spürbare Verlangen zeigte mir, wie groß es war.
Seit ich den Meister kennen gelernt habe, sind nun schon vierzig Jahre vergangen. Damals kam er fast jeden Tag zu unserem Büro. Mit den Herren Akif, Naim, Ferid und Izmirli haben wir gemeinsam so viele wirklich angenehme Stunden verlebt. Der Meister sprach mit seinem ihm eigenen Akzent über hochwissenschaftliche Fragen. Sein Umgangston war von einer Kühnheit und Majestät, die uns alle begeisterte. Seine wundervolle, ganz natürliche Auffassungsgabe war geradezu ein Geschenk Gottes. Selbst noch bei den kompliziertesten Themen zeigte sich die gewaltige Kraft und Größe seiner Intelligenz. Er war ein Kopf, in dem ständig seine Gedanken arbeiteten. Und die waren für gewöhnlich nicht gerade angelernt. Sein Wegweiser war einzig der Qur'an. Aus ihm schöpfte sich seine ganze Fülle und Intelligenz. Alle seine "Blitze (Lem'alar)"entsprangen unmittelbar dieser Quelle. Als wahrer Exeget besaß er das gleiche Mitspracherecht wie ein Imam. Sein Herz war von einem Glauben (iman)erfüllt, wie dem eines Sahabis. In seinem Herzen (ruh)lebte die Unerschrockenheit eines Hazret Omar. Als Gläubiger (mu'min),der auch im
zwanzigsten Jahrhundert das Glückliche Zeitalter noch stets innerlich (nefs)lebendig erhält, ist er ganz und gar auf den Glauben (iman)und den Qur'an ausgerichtet.
Die Grundlage für die Einheit (tauhid)und den Glauben an Gott (Allah'a Iman),welche das Ziel aller Ziele des Islam ist, war zugleich auch für ihn die Grundlage und der wichtigste Stützpfeiler für die Risale-i Nur. Hätte er in jenem Glücklichen Zeitalter gelebt, jener Zeit, in welcher der Islam entstand, so hätte ihm der Ehrenwerte Prophet die Aufgabe zugeteilt, die Götzenbilder in der Kaaba entzwei zu schlagen. Denn er war ein Feind jeder Anbetung (shirk)irgendwelcher Götzen und ihrer Gleichstellung (putperestlik)mit dem einen und einzig wahren Gott.
Es war ein langes, fast ein Jahrhundert währendes Leben, erfüllt von dem Kampf, um den Glauben (iman)und die Wahrheiten (haqiqat)des Qur'an in die Herzen einzupflanzen. Es war ein Leben, verbracht in der Tugend (fadilet)und gelebt in Unerschrockenheit. Auf dem Schlachtfeld, mit dem Schwert in der Hand, war er ein Held, der fest und aufrecht auf seinen Beinen stehend dem Feinde entgegentrat. Er war ein Held, der auch noch in Gefangenschaft sich dem feindlichen Kommandanten gegenüberstellt. Er war ein Held, der selbst noch bevor er standrechtlich erschossen werden sollte, den feindlichen Kommandanten nachdenklich werden und eines Besseren belehren konnte...
Er zögerte nicht einen Augenblick, als ein Opfer für Volk und Vaterland sein Leben (djan)zu geben. Er war ein fürchterlicher Feind von Spaltung (fitnah)und Aufruhr. Für das Wohl des Volkes konnte er jede Art von Ungerechtigkeit und alle Schikanen erdulden. Die ihn unterdrückten, verfluchte er nicht. Die ihn in den Kerker warfen, wünschte er stets nur Heil (salah)und Glaube (iman).Für sein Ideal zu sterben, war für ihn eine einfache Sache.
Er ernährte sich von einer Schale Suppe, einem Glas Wasser und einem Bissen Brot. Seine Kleidung war nur
sehr einfach und bescheiden. So trug er nur eine wattierte Jacke aus einem weißen amerikanischen Stoff. Seine Unterwäsche wechselte er, bevor sie schmutzig geworden war und ließ sie waschen. Stets achtete er sehr sorgfältig auf seine Sauberkeit. Papiergeld nahm er niemals in die Hand und trug es nicht bei sich. Als Eigentum besaß er nichts in dieser Welt (dunya).So lebte er nicht für sich selbst, sondern für die Gemeinschaft.
Äußerlich betrachtet war er zwar klein von Wuchs, jedoch Achtung gebietend, ja geradezu majestätisch. Seine Augen strahlten von sich ein Licht (Nur)aus, das leuchtete wie die Sonne. Seine Blicke hatten etwas geradezu Königliches. Äußerlich (maddi)betrachtet mag er vielleicht der ärmste Mensch der Welt sein, innerlich (manevi)gesehen gleicht er dem König der Welt (alemin sultani).
Das Leiden hat in seinem Leben von über achtzig Jahren kaum Spuren hinterlassen; nur seine Haare wurden grau. Seine Haut war stets von einem leicht lichten rosarot. Er trug keinen Bart. Und er war auch stets wach und munter wie ein junger Mann. Er war ruhig und ausgeglichen. War er jedoch einmal in Aufregung geraten, so erhob er sich löwengleich (aus seinem Schneidersitz) auf die Knie (und sprach in dieser Haltung weiter) wie ein König (shahenshah).
Was er am allerwenigsten mochte, war die Politik. Seit fünfunddreißig Jahren hat er keine Zeitung mehr in die Hand genommen. Er hat mit seinem Interesse für weltliche Angelegenheiten (dunya)gebrochen. Vom Abendgebet bis zum Morgengebet und auch noch danach bis zum Mittagsgebet empfing er niemanden, blieb vielmehr im Gebet (ibadet)versunken. Und schlief nur sehr wenig. Auch seinen Schülern verbot er streng jeglichen Umgang mit politischen Themen. Die überall im Lande lebenden, mehr als sechshundert Tausend, ja vielleicht eine Million, Schüler sind die tugendhaftesten Kinder des Landes. Auch die Anzahl der Schüler, die an den verschiedenen Fakultäten einer Universität Naturwissenschaften studieren, ist sehr hoch und
geht in die Hunderte, ja Tausende. Es gibt keinen Nur-Schüler, der nicht in seiner Klasse der tugendhafteste und der fleißigste wäre. Es gibt im ganzen Lande unter all den hundert Tausenden Schülern der Risale-i Nur keinen einzigen, der irgendwo auf Erden jemals die öffentliche Sicherheit gestört, ja auch nur einen derartigen Versuch unternommen hätte; und nie wurde irgendwo dergleichen registriert. Ein jeder Nur-Schüler ist von Haus aus ein Wahrer von Ruhe und Ordnung im Lande und ihr Wächter von seiner inneren (manevi)Einstellung her.
Ich habe (den Meister) gefragt, ob er während seiner Reise gelitten habe. Er gab mir zur Antwort, dass das, was ihm Kummer macht, nur die Gefahren sind, denen der Islam ausgesetzt ist. Früher kamen diese Gefahren von außen. Deswegen war auch der Widerstand dagegen leicht. Heute aber lauert die Gefahr von innen. So ist der Wurm bereits in den Körper eingedrungen. Damit ist auch Widerstand dagegen schwierig geworden. Ich befürchte, dass das Gemeinschaftswesen dem nicht zu widerstehen vermag, weil es den Feind nicht erkennt. Es hält seinen größten Feind, der an seinen Nerven nagt und sein Blut trinkt, für seinen Freund. Wenn der scharfsinnige Blick einer Gemeinschaft auf solche Weise erblindet, gerät die Burg des Glaubens (iman)in Gefahr. Das also ist meine Sorge; es ist dies meine einzige Sorge. Darüber hinaus habe ich gar keine Zeit, an den Kummer und die Sorgen, denen ich in meiner Person ausgesetzt bin, auch nur zu denken. Ach wäre ich doch nur tausendfach mehr dergleichen Kümmernissen ausgesetzt, wenn nur die Burg des Glaubens (iman)in Sicherheit (selamet)bliebe!
Geben Ihnen denn die hundert Tausenden Ihrer gläubigen Schüler keine Hoffnung und keinen Trost für die Zukunft?
Doch, schon, ich bin da keineswegs völlig hoffnungslos...
............
Die Welt (dunya)ist in eine große innere (manevi)Krise hineingeraten. Eine aus der westlichen Gemeinschaft geborene Krankheit erschüttert die inneren (manevi)Fundamente;
ein Unheil, eine Seuche, eine Pest breitet sich über die Erde aus. Dieser fürchterlichen Krankheit entgegen: mit welchen Mitteln und Möglichkeiten wird die islamische Gemeinschaft ihr entgegen treten? Etwa mit den verdorbenen, verfaulten, verwesten, hohlen Rezepten des Westens? Oder doch besser mit den taufrischen Grundsätzen einer islamischen Gemeinschaft? Ich sehe die hohen Häupter in Gottvergessenheit (ghaflah).Die Burg des Glaubens (iman)kann die verrotteten Säulen des Unglaubens (kufr)nicht bewahren. Deshalb habe ich all meine Bemühungen einzig um des Glaubens (iman)willen gebündelt.
Doch sie verstehen die Risale-i Nur nicht oder wollen sie nicht verstehen. Sie denken, dass ich der Hodja einer Medresse bin, der in dem scholastischen Sumpf versunken ist. Doch ich habe mich auch mit den positiven Wissenschaften, also den Naturwissenschaften und Geisteswissenschaften dieses Jahrhunderts beschäftigt. Zu diesem Zweck habe ich auch ihre tiefsten Fragestellungen durchgearbeitet. Ja ich habe zu diesem Zweck sogar selbst einige Werke verfasst. Doch darin finden sich keine derartigen mantischen Spitzfindigkeiten. Auch leihe ich mein Ohr nicht den Taschenspielereien ihrer Philosophen. Stattdessen behandle ich in ihnen das innerliche Leben einer Gemeinschaft, ihre geistige (manevi)Existenz, ihr Gewissen und ihren Glauben (iman).Ich arbeite einzig auf der Grundlage der Einheit und des Glaubens (tauhid ve iman),die der Qur'an gelegt hat und welche die tragenden Säulen der islamischen Gemeinschaft sind. An dem Tage, da diese erschüttert werden, gibt es keine Gemeinschaft mehr.
Sie sagen zu mir: "Warum hast du diesen oder jenen angerempelt?" Doch ich habe das gar nicht bemerkt. Denn vor mir brennt ein entsetzliches Feuer. Die Flammen lodern zum Himmel empor. In ihnen brennt mein Kind. Mein Glaube hat Feuer gefasst und brennt. Ich laufe, diesen Brand zu löschen, meinen Glauben zu retten. Auf dem Wege wollte mich jemand stolpern lassen und da bin ich ihm
auf den Fuß getreten. Welche Bedeutung hat das nun? Hat dieser kleine Zwischenfall vor diesem entsetzlichen Feuer noch irgendeine nennenswerte Bedeutung? Was für eine engstirnige Denkweise! Was für beschränkte Ansichten!
Denken sie etwa, dass ich solch ein selbstsüchtiger Mensch bin, der nur sich selbst (nefs)zu retten denkt? Um den Glauben (iman)der Gemeinschaft zu retten, habe ich meine Welt (dunya)zum Opfer gebracht, habe auch (das Streben) nach dem Jenseits (akhiret)aufgegeben. In den mehr als achtzig Jahren meines Lebens (hayat)habe ich so etwas wie die Freuden dieser Welt (dunya)gekannt. Mein ganzes Leben habe ich auf Schlachtfeldern, in Gefangenenlagern, in den Gefängnissen dieses Landes und vor den Gerichtshöfen dieses Landes verbracht. Keine Misshandlung ist mir erspart geblieben und es gab keine Schikane, die ich nicht erfahren hätte. Vor dem Kriegsgericht (1909) und während (meiner Kriegsgefangenschaft 1916) hat man mich wie einen Verbrecher behandelt. Wie einen Vagabunden hat man mich aus der einen Provinz deportiert und in die nächste Provinz verbannt. Während der monatelangen (Haft) in den Gefängnissen des Landes hat man mir jeden Verkehr mit der Außenwelt untersagt. Oftmals hat man versucht, mich zu vergiften. Man hat mich auf die verschiedensten Arten beschimpft und beleidigt. Ja, es gab eine Zeit, in der ich diesem Leben (hayat)tausendmal den Tod vorgezogen hätte. Würde mein Glaube (din)es nicht verbieten, mir das Leben zu nehmen, vielleicht würde Said heute unter der Erde liegen und vermodern.
Meine Natur kann all das Elend und die Beleidigungen nicht ertragen. Die Würde und Unerschrockenheit, wie sie mir der Islam verleiht, verbieten mir streng, mich in einem solchen Zustand zu befinden. Bin ich also einmal in einen derartigen Zustand hineingeraten, so lasse ich mich dennoch nicht von wem auch immer, und sei es auch ein grausamer, gewalttätiger und blutgieriger feindlicher Kommandant, erniedrigen. Ich werde diesem blutdürstigen
Gewaltmenschen ins Angesicht widerstehen. Er könnte mich in den Kerker werfen und mit dem Galgen drohen, es wäre nicht von Bedeutung. Und so habe ich es auch erlebt. Es ist alles so gewesen. Hätte dieser blutdürstige Kommandant nicht seine Grausamkeiten nach einige Minuten aus seinem Herzen, seinem Gewissen verbannt, wäre Said erschossen worden und hätte sich der Schar der Unschuldigen beigesellt.
So ist denn mein ganzes Leben (hayat)mit solchen Plagen, Qualen, Übeln und Anstrengungen vergangen. Ich habe für den Glauben der Gemeinschaft meine Seele (nefs)und mein ganzen irdisches Leben (dunya)auf dem Wege der Glückseligkeit und des Segens (selamet)aufgeopfert. Möge das so recht (helal)sein! Ich habe sie noch nicht einmal verflucht. Denn auf diese Weise hat die Risale-i Nur mindestens hundert Tausend, ja vielleicht einigen Millionen Menschen - die genaue Zahl weiß ich nicht - der Staatsanwalt in Afyon spricht von fünfhundert Tausend, aber vielleicht waren es mehr, als Fahrzeug zur Rettung ihres Glaubens (iman)gedient. Wenn ich sterbe, kann ich nur mich allein retten. Bleibe ich aber am Leben und ertrage ich so alle Mühen und Plagen, so kann ich dadurch den Glauben (iman)so vieler (Menschen) retten. Dafür sei Gott tausendmal Dank (hamd)!
Außerdem habe ich, um für die Gemeinschaft den Glauben (iman)sicher (selamet)zu stellen, auch (ein Leben) für das Jenseits (akhiret)geopfert. Ich hatte niemals die Liebe für das Paradies (djennet)noch die Furcht vor der Hölle (djehennem)im Sinn. Für die Gemeinschaft, d.h. für den Glauben (iman)von fünfundzwanzig Millionen Türken habe ich nicht einen Said, nein Tausend Said geopfert. Wenn es für den Qur'an in dieser Welt keine Gemeinschaft mehr gibt, will ich auch das Paradies (djennet)nicht mehr. Es würde mir dort zu einem Gefängnis werden. Sehe ich erst den Glauben (iman)meines Volkes in Sicherheit (selamet),werde ich auch damit zufrieden sein, in den Flammen der Hölle (djehennem)zu brennen. Denn während
mein Leib brennt, wird mein Herz zu einem Garten voll blühender Rosen.
Der Ehrenwerte Meister (Hazret Ustadh)war ganz Feuer und Flamme. Er glich einem feuerspeienden Vulkan. Wie ein Sturmwind peitschte er das Herz der See zu Bergen wogender Wellen auf. Gleich einem Springbrunnen sprudelten seine Worte majestätisch gleich heilendem Wasser (semsem)aus ihm empor. Stets konnte er alle begeistern. Für ihn war das Volk gleich einem Katheder, von dem aus er stets seine Rede fortsetzte und nicht wollte, dass man ihn unterbrach. Ich spürte einmal seine Müdigkeit und fragte ihn, weil ich dieses beunruhigende Thema wechseln wollte: "Hat man Sie vielleicht vor dem Gericht unter Druck gesetzt?"
............
Ja gibt es denn im Gesetz einen Artikel, der es zu einer Straftat deklariert, wenn jemand sich dafür ausspricht, dass unsere Frauen, unsere ehrenwerten Mitschwestern während des Religionsunterrichtes im Rahmen der islamischen Erziehung ihre Scham bewahren und auf ihre Ehre achten? Ich (Ustadh)habe die Dozenten, die sich mit dem Rechtswesen (huquq)befassen, nach ihrem Wissen befragt, wenn es darum geht, Beweise für eine Absicht aufzuzeigen, wobei es darum geht, ob der Sinn (mana)von Ausdrücken, wie: "Es tauchte in meinem Herzen (qalbe)die folgende Wahrheit (haqiqat)auf" vielleicht der sein könnte, sich damit einen persönlichen Einfluss verschaffen zu wollen.
Die Zusammenkunft mit unserem Meister hatte sich sehr in die Länge gezogen. Darum bat ich ihn nun um die Erlaubnis (mich zu verabschieden). Denn es war jetzt zu später Stunde Zeit geworden.
1952
Eshref Edib
* * *
Said Nursi und seine Schüler
Es gab da einen glücklichen alten Mann. Der war von allen Seiten (mit Menschen) zwischen acht und achtzig Jahren aller Generationen umgeben. Jeder hatte ein anderes Alter, seinen eigenen Kopf und eine besondere Arbeit. Doch diese Verschiedenheit brachte keine Trennung mit sich. Sie alle glauben nur an den Einen... Gott!... Gott, der der Herr der Welten (alemlerin Rabbi olan Allah)ist... an Seinen erhabenen Propheten... an Sein großartiges Buch... Es herrscht unter ihnen eine Atmosphäre (hal),als sei der Qur'an gerade erst offenbart worden, so, als habe ein jeder gerade gefunden, was er schon immer gesucht hatte. Betrachtet man Said Nursi und seine Schüler, so hat man das Empfinden, als sei dies das Glückliche Zeitalter (Asr-i Sa'adet).Ihre Gesichter sind Licht (Nur).Licht (Nur)erstrahlt aus ihrem Inneren. Licht (Nur)umgibt sie von außen... Alle fühlen sich innerlich wohl... Rein, erhaben, unbegrenzt und ohne Ende ist allein Er und Ihm sind sie verbunden. Er allein ist stets überall der Allseiende, Allsehende, dem auch sie als dem Schöpfer aller Welten in Hingabe verbunden sind. Ganz hingegeben zu laufen, in Liebe (vertrauensvoll geführt wie) ein Blinder zu gehen... in der Tat!... welch eine große Glückseligkeit!
Said Nursi ist ein alter Mann, der schon in drei verschiedenen Zeitepochen gelebt hat, ein alter Mann, der (in seinem Leben schon viele) Tage gesehen hat. Die drei Epochen: Meshrutiyet,{Meshrutiyet: die Zeit nach Bekanntgabe der Konstitutionellen Monarchie (1908-1922) (A.d.Ü.)} Ittihad ve Terakki,{Ittihad ve Terakki: die Zeit der Partei für "Einheit und Fortschritt" (1908-1918) (A.d.Ü.)} Djumhuriyet.{Djumhuriyet: die Zeit der Türkischen Republik (seit 1923) (A.d.Ü.)} Diese drei Perioden erfüllt von Umsturz, Zerfall und Zusammenbruch. In all diesen Jahren gab es niemanden, der
(nicht unter der Last der Ereignisse) fast verzweifelt wäre. (Doch da blieb fest stehend) auf seinen Beinen... dieser aus dem Osten gekommene, aus dem Lande der aufgehenden Sonne nach Istanbul gegangene Mann. Sein Glaube (iman)steht fest wie die Berge. Dieser Mann hat während dieser drei Epochen allem Bösen die Brust seines Glaubens (iman)als Schutzschild dargeboten. Er sagte: "Oh Gott!" Er sagte: "Oh Prophet!" Etwas anderes aber sagte er nicht. Und er trug den Kopf hoch und stolz wie der Berg Ararat. Kein Tyrann vermochte ihn zu beugen; kein Gelehrter konnte ihn besiegen... Unüberwindlich und furchteinflößend wie ein Felsengebirge stand sein Wille (irade)da... Sein Geist war von rascher Auffassungsgabe... So war dieser Said Nursi!... (Verfahren) vor dem Kriegsgericht, vor dem Strafgericht, Umstürze und Reformversuche, Galgen, die man für ihn errichtete... Verbannung... (nichts dergleichen) konnte diesen zutiefst Eindruck erweckenden Mann, diesen geistig so durchdrungenen Mann von seinem Weg abbringen! Er leistete all diesen Dingen mit unerschütterlicher Kraft (quvvet)und unbeugsamem Mut, der ihm aus seinem Glauben kam, Widerstand. "Soweit ihr glaubt, werdet ihr in jedem Fall überlegen sein." Heißt es im Ehrenwerten Qur'an (Sure "Al-i Imran", Ayah 139).Said Nursi begegnete so in etwa das Wort Gottes!
Wir haben seine Verteidigungsreden gelesen, die er vor den Gerichten gelesen hat. Diese Verteidigungsschriften, dienen nicht etwa der Selbstverteidigung (nefs).Sie sind die Verteidigungsschriften für einen großen Ruf (dava, geradezu eine Einladung). Ein Werk der Kühnheit und des Mutes eines solchen Geistes und geradezu ein Wunderwerk...
Warum war Sokrates eine solche Geistesgröße? Etwa, weil er um einer Idee willen das Leben (hayat)für gering achtete? Auch Said Nursi ist wenigstens ein solcher Sokrates. Doch von Seiten der Feinde des Islam gilt er als rückständig und man hält ihn für einen Fanatiker. Für sie muss man, um als groß zu gelten, ein Ausländer sein. Man
hat ihn von Gericht zu Gericht geschleppt. Doch selbst noch als Gefangener zeigte sich seine Überlegenheit. Man warf ihn von einem Gefängnis ins nächste. Doch für ihn waren Gefängnisse und Kerker eine Schule Josefs (Medrese-i Yusufiye).Said Nursi strahlte ein Licht (Nur)aus, das die Kerker erfüllte, ein Licht (Nur),das die Herzen erleuchtete. Zahllose brutale Mörder, unzählige Gegner eines ordentlichen, ehrenwerten Lebens sinken vor diesem Vorbild des Glaubens (iman)in sich zusammen (wie Schnee vor der Sonne und stehen) wie neu geschaffen wieder auf. Sie alle nehmen die Haltung (hal)eines ruhigen, friedlichen (selim)Gläubigen (mu'min)und guten Staatsbürgers an... Welche eurer Schulen (mekteb),welches eurer Erziehungssysteme hat so etwas zustande gebracht, könnte so etwas erreichen?
Man hat ihn von einem Exil ins nächste verbannt. Und ein jeder Verbannungsort wurde für ihn zur wahren Heimat. Wohin er auch kam, wohin man ihn auch in Verbannung schickte, dort sammelte er um sich herum aufrechte, saubere Gläubige (mu'min).Gesetze, Verbote, zivile und militärische Polizei, die dicken Wände eines Gefängnisses konnten ihn keinen Augenblick lang von seinen gläubigen (mu'min)Mitbrüdern trennen. Diese zwischen den Schülern angestauten kompakten Blockaden (kesafet)wurden durch die Religion (din),die Liebe (ashk),den Glauben (iman)ihres Lehrers (murshid)in den Zustand (hal)einer Leichtigkeit (letafet)versetzt. Die Begrenzungen, ja Bedrohungen (tahdid ve tehdid)blinder Kräfte (quvvet),einer toten Materie erzeugten in den Ozeanen des Geistes (ruh)hohe Wellen. Diese Wellen aber nahmen ihren Weg aus den Gemeindesälen der Dörfer, breiteten sich dort Stufe um Stufe nach allen Seiten hinaus und erreichten schließlich sogar die Tore der Universitäten.
Jahrelang wurde zertreten, was den Kindern des Landes heilig (muqaddesat)war und eine solcher Art vernachlässigte Generation dürstet nun nach dem Glauben, eilt auf den Spuren (des Meisters), folgt seinem Licht (Nur).
Die Botschaft des Meisters vom Licht (Ustadhin Nur Risaleleri)eilte von Hand zu Hand, von Mund zu Mund durch die Provinzen und verbreitete sich überall. Junge und Alte, Ungebildete und Intellektuelle zwischen acht und achtzig Jahren: ein jeder entnahm sich aus ihr seinen Teil und wurde von ihrem Licht (Nur)erleuchtet. Ein jeder von ihnen wurde zu einer Druckerei, einer Druckerpresse. So wurde der Glaube (iman)zum Kampf gegen die Technik herausgefordert. Und die Risale-i Nur wurde Tausende Male abgeschrieben und vervielfältigt.
Die Blinden, denen das Licht (Nur)der Augen erloschen ist, deren innere Welt, in der das Licht (ishik)erloschen ist, zur Ruine geworden ist, fürchteten sich nun vor diesem Licht (Nur)wie vor einem Scheinwerfer (ishik).Und so haben sie sich denn nicht gescheut, zu behaupten, dieser verehrungswürdige Mann stelle sich "den Reformbestrebungen (des Landes) entgegen, wende sich gegen den Laizismus", und ihn immer wieder vor Gericht gestellt, ihn wieder und wieder ins Gefängnis geworfen. Viele Male haben sie versucht, ihn zu vergiften. Sie haben ihm Gift gegeben und eine allgemeine Vergiftung (hat sich in seinem Körper ausgebreitet). Die Kerker aber wurden zu Schulen (dershane)...Ihr Licht (Nur),das Licht (Nur)des Qur'an, das Licht (Nur)Gottes überschritt die Grenzen ihres Heimatlandes und verbreitet sich nun in der gesamten Islamischen Welt. Heute gibt es in der Türkei und allen ihren (ehrenamtlichen, sozialen und wohltätigen) Vereinigungen und für jeden Einzelnen, der sein Land liebt, eine Kraft (quvvet),Said Nursi und seine Schüler, der sie ihre Ehrerbietung erweisen sollten. Sie haben keinen Verein, kein Vereinslokal, keinen Ort, keine Einrichtung, keine Partei, keine Lautsprecher, keine öffentlichen Ansprachen, Veranstaltungen, Auftritte, Paraden, Demonstrationen. Es ist dies eine gewaltige Anzahl namenloser Vollendeter, die sich bewusst, gläubig und überzeugt einem großen Ideal (dava)hingegeben haben.
O. Yüksel Serdengeçti
Bediüzzaman wird vergiftet
Vor sieben Jahren von heute an (zurück gerechnet) hat man, in einer erbärmlichen Zeitepoche, wo die Gesetze mit Füßen getreten, die Menschenrechte ans Kreuz geschlagen, die Freiheit für nichtig erachtet, der persönliche Wille und Ehrgeiz für höher gehalten wird als die Gesetze, einen achtzig jährigen Greis, einen Religionsgelehrten (din alimi)in das Städtchen Emirdagh im Vilayat Afyon verbannt. Man hat ihn dazu gezwungen, sich beim Einwohnermeldeamt anzumelden. So wurde ein Denker, dessen einziges Ziel es war, die Weisungen des Ehrwürdigen Qur'an zu verkünden und die Menschen in der Rechtschaffenheit und allem, was gut und ehrenhaft ist, zu unterweisen, ins Exil geführt... Und so hat man ihn, der an der Front sein Blut zu vergießen bereit gewesen war, in seiner eigenen Heimat in einer Weise ungerecht behandelt und schikaniert, wie sie selbst die Inquisitionsgerichte eines Menschensohnes für unwürdig erklärt hätten. Man versuchte ständig, ihm vorzuschreiben, wie sein Backenbart und wie sein Schnurrbart auszusehen habe und wie er sich kleiden müsse, Polizisten trieben ihn mit Gewehrkolben vor sich her, ja, man wollte ihn sogar zum Tode verurteilen.
Auch noch an seinem Verbannungsort ließ man ihn nicht in Ruhe. Dabei hielt die Bevölkerung dieses kleinen Städtchens es wie alle Türken für ihre Gewissenspflicht, dieser Persönlichkeit, die durch ihre wissenschaftlichen Werke, ihre Handlungen und ihre Haltung allgemein bekannt geworden ist, die von den Ahnen ererbte Gastfreundschaft zu erweisen (musellem), sowie auch den Alten, Fremdlingen und Obdachlosen zu Hilfe zu eilen.
Diese Persönlichkeit, welche den Ernst und die Würde des Islam und das Ansehen der Wissenschaft (ilm)zu wahren wusste und sich niemals um irdischer (dunya)Freuden willen irgendwelche Mühe gab, hatte zudem auch absolut keinerlei Verbindung zu irgendeiner politischen Partei oder Organisation.
So wie man das in der Türkei mit jedem gebildeten Menschen von Glaube (iman)und Charakter machte, wurde auch sein Haus oftmals durchsucht, er wurde vor die Gerichte geschleppt, alle seine Werke, seine Briefe und auch noch die kleinsten Kleinigkeiten wurden beschlagnahmt und er selbst wurde unschuldig in die Gefängnisse geworfen und dem Elend überlassen.
Und wir sagen in der Tat, dass er unschuldig war. Denn angefangen vom Gouverneur und dem Bürgermeister bis hin zu den Polizisten in den einzelnen Wachlokalen bot sich, wenn sie in ihrer niederträchtigen Begierde darauf brannten, um ihres Stolzes willen bei ihren Vorgesetzten an Ansehen zu gewinnen und in ihren Ämtern befördert zu werden, die ansonsten so seltene Gelegenheit, den Meister (Ustadh)zu quälen und zu peinigen und ihn in den Gefängnissen elendiglich schmachten zu lassen.
Die Ursachen für das Unrecht und alle diese Schikanen muss man in der Tendenz jener Zeit suchen, die Gewissensfreiheit und die Islamiyet zu unterdrücken, um so die Religion (din)zu bekämpfen. Unter den damaligen Verhältnissen (hal)war eine derartige Haltung keineswegs erstaunlich. Denn wenn sich im Lande damaliger Zeit, in der man eine gottlose, materialistische, ihren bestialischen Empfindungen unterworfene Generation im Untertanengeist erziehen wollte, eine solche Persönlichkeit, die ihr eigenes Leben bis zur Selbstaufopferung gering schätzte, sich in die Arena warf, weil sie eine Jugend wollte, die (von den Gedanken) der Freiheit, der Moral und des Glaubens erfüllt und nicht in tierischen Gefühlen gefangen ist, und für dieses Ideal wirken wollte, so war sie deshalb mit Sicherheit nicht gern gesehen. Für die Schmarotzer, die es sich zur Gewohnheit gemacht haben, auf dem Rücken von Millionen zu leben und die Rechte (haqq)des Volkes mit Füßen treten, ist dies aber ein furchterregender Zustand (hal).Diese Verfolgung und die Unterdrückung setzt sich seit vielen Jahren fort. Die Häuser derer, die Kontakte mit ihm unterhalten, mit ihm im Briefwechsel stehen oder ihm zu
Hilfe geeilt sind, werden durchsucht und sie selbst verkommen im Gefängnis zu Afyon, während ihre Frauen und Kinder auf der Straße zu Not und Elend verdammt sind.
Sein mit der Hand geschriebener Ehrwürdiger Qur'an und alle Teile der Risale-i Nur, die ja dessen Kommentar (tefthir)ist, wurden, als wären es Dokumente eines Hochverrats, beschlagnahmt und dem Staatsanwalt übergeben.
Während der gesamten Prozessdauer blieb der Haftbefehl weiter bestehen und so blieb (der Meister) weitere zwanzig Monate lang im Gefängnis unschuldig in Haft.
So ist es denn jetzt so weit gekommen, dass das Gefängnis in Afyon, in dem sich alle diese Dinge ereignet haben, von unschuldigen, nichts ahnenden Landsleuten überfüllt ist, die kein anderes Verbrechen begangen haben, außer an Gott zu glauben und seine Gebote zu erfüllen. Die Ungerechtigkeiten und die Schikanen, die man nun für angemessen hält, und über die selbst der Teufel entsetzt gewesen wäre, sind bereits zu einem Höhepunkt gelangt, den man als einen Zustand von Grausamkeit bezeichnen kann. So wie dereinst Jerusalem zum Spielplatz der Grausamkeiten und Ungerechtigkeiten, welche die Israeliten an ihren Propheten verübten, geworden war, so ist heute auch Afyon zu einer zweiten Stadt geworden, in der die Menschenrechte geschunden und die Bürgerrechte ans Kreuz geschlagen werden.
Bei den Wahlen am 14. Mai 1950 wurde diese Diktatur nach einem Viertel Jahrhundert endlich mit Stumpf und Stil ausgerottet und stürzte krachend in sich zusammen; worauf sich das Volk endlich wieder als Herr seiner eigenen Zukunft fühlen durfte und in grenzenlosem Jubel ein Freudenfest (bayram)veranstaltete.
.............
Nach dem 14. Mai 1950 erwartete nun jederman einen Wandel und musste dennoch sehen, wie der Gouverneur (vali)und die Bürgermeister ihre alten Gewohnheiten fortsetzten.
Noch immer werden zwei, drei Landsleute, die sich miteinander unterhalten, von den Untersuchungsbeamten verfolgt und steht das Haus von Bediüzzaman auch weiterhin unter Beobachtung. Desgleichen darf selbst ein Oberwachtmeister nach den Gesetzen der Türkischen Republik ohne einen (schriftlichen) Durchsuchungsbefehl in seiner Hand (keine Wohnung betreten), weil er ja sonst (die Gesetze) über die Unverletzlichkeit der Wohnung verletzen würde. Vermisst er sich dennoch dazu, wird er nicht erleben, dass man ihn dafür bestraft. Auch wird der Meister (Ustadh)wegen seiner Art, sich zu kleiden, auch weiterhin belästigt; wie in der Zeit der vorigen Regierung werden Besucher weiterhin aufgeschrieben und ins Wachlokal gerufen.
.............
Sie wollten einen achtzig Jahre alten Religionsgelehrten (din alimi)töten, der dem Volk sein Leben gewidmet hat, indem sie ihm sogar noch am Abend vor dem Großen Festtag (Ramazan Bayrami)zum Fastenbrechen (iftar)Gift ins Essen mischten. Welch eine Katastrophe, was für ein unerträglicher Zustand (hal)ist doch das! Er wurde isoliert. Er wurde ständig überwacht. Draußen vor der Türe hielt ein Wärter die Wache, während er drinnen mit dem Tode allein gelassen war.
Welche Schande! Kommt ihr Leute des Islam! Weinen wir alle zusammen! Ach nein, oh nein! Mit Weinen und Wehklagen können wir einen solchen Schmerz nicht heilen... Um Gottes willen wollen wir uns alle miteinander einsetzen!
Nihat Yazar
* * *
Bediüzzaman Said Nur
Wie unendlich viele kampfesmutige Erneuerer (mudjahid mudjeddid)und große Menschen mit einem umfassenden Geist (mana)hat nicht die Türkei hervorgebracht, die ja auch heute noch die Wiege solch großer, genialer Menschen ist! Die Lebensumstände (hayat shartlari),die ihnen (letztendlich) zu besserer Einsicht (idrak)verhalfen, die Anerkennung (itibar),die sie auf diese Weise fanden und der Respekt (hürmet),den man ihnen entgegen brachte, gereichte ihrer Würde und ihrem Ansehen keinesfalls zum Nachteil, sondern waren ihnen, wenn sie auf dem rechten (haqq)Wege voran schritten, stets nur von großem Vorteil. Diese Umstände (shart),so wie sie sich auch uns im Spiegel der letzten fünfundzwanzig Jahre wieder gezeigt haben und deren Ungerechtigkeiten wir aufs Schwerste ausgesetzt waren, haben uns zugleich auch einen solchen genialen Menschen geschenkt, der in schweren Mühen und Kämpfen (mücadele ve mücahede)geformt, von der Größe seiner Botschaft (dava)und seines Glaubens (iman)inspiriert (ilham)war und dessen Größe noch bis in die entferntesten Ecken dieser Welt (dunya)gedrungen ist, ein leuchtendes (Nur)Vorbild an Tugend (fadilet).
Dieser Mensch, der mit seinem Licht (Nur)die Dunkelheit über den Gewissen so vieler Menschen erleuchtet hat, der mit seiner Kraft (qudret)dem schwachen Glauben (iman)so vieler Menschen wieder neuen Mut gebracht und mit seinem Geist (dehasi)den Seelen (ruh)so vieler vom Pech verfolgter Menschen eine neue Begeisterung (ilham)eingeflößt hat, diese große Persönlichkeit war sicher und eindeutig Hazret Said Nursi.
Viele Menschen, die sich auf ihrem Wege verirrt hatten, haben bei ihm Unterricht in Tugend und Opferbereitschaft genommen und fanden sich am Ende glücklich und zufrieden in einem lichtvollen Garten wieder. Dieser höchst ehrenwerte Mann verfügte über eine Intelligenz und eine
Standhaftigkeit, die ebenso stark (quvvet)war wie sein Glaube (iman).Er war eine einzigartige Persönlichkeit, die sich zwanzig Jahre lang ohne mit der Wimper zu zucken der Unterdrückung und dem Unrecht entgegen warf und den fürchterlichen Schikanen und Ungerechtigkeiten mit der aus seinem Glauben (iman)geborenen Kühnheit Widerstand bot.
Die ganze islamische Welt (dunya)konnte sich der Anziehungskraft dieses Pols (qutub)nicht entziehen. Dieses Licht (Nur),dass da über einer öden und einsamen Eck der Türkei aufgegangen war, dessen Strahlen sich bis nach Pakistan und nach Indonesien ausgebreitet haben, verbreitet nun auch über unserem Volk einen Hof von Licht (hale).Wie sehr zu bedauern ist es doch, dass dieser großartige und so gesegnete Mann, der uns eine solche Ehre hat zukommen lassen, unseren blind und trübe gewordenen Herzen wieder neuen Glanz geschenkt und die Menschen, die sich auf ihrem Weg verirrt hatten, wieder auf den rechten (haqq)Weg geführt hat, an Stelle des ihm geschuldeten Respekts nur Unrecht und Unterdrückung erfahren hat. Doch all dies konnte ihn weder entmutigen, noch von seinem Wege abbringen. Im Gegenteil: er wusste ganz genau, dass ohne Kampf, ohne Opferbereitschaft und ohne jegliche Geburtswehen seine Botschaft (dava)niemals Wurzeln schlagen kann. Doch wie dem auch sei: wie sehr wir uns auch wünschen mögen, das Licht dieser Sonne auszulöschen: sein Licht (Nur)wird die dunklen Herzen wie mit einer Fackel entzünden und durch sie erleuchten. Das ist für diesen großen Menschen nur rechtmäßig (haqq)und die Frucht seiner Botschaft (dava).Wie glücklich er doch ist!
Djevat Rifat Atilhan
* * *
Bediüzzaman Said Nur
Bediüzzaman Said Nursi ist der Name eines prächtigen Menschen und großen Lehrers (murshid),der, aufgewachsen und ausgebildet in diesem schönen türkischen Heimatland, als ein genialer Mensch der gesamten Menschheit zum Vorbild geschenkt worden ist. In seinem fast neunzig Jahre währenden Leben (hayat)hat er an jedem Tag einen Lichtglanz (nur halesi)und eine Leuchte der Tugend (fadilet ishighi)in den Geist (ruh)und Verstand der türkischen Generationen eingepflanzt, gleich einem Ring seiner Durchsetzungskraft und seines Glaubens (iman),der ihn (täglich im Gebet mit Gott verbindet); und dieses Licht (Nur)hat jahrelang viele betrübte und nachtdunkle Seelen (ruh)erleuchtet und sie auf dem rechten, guten und lichtvollen Wege geleitet. Dieser großartige Meister (Ustadh)Hazret Said Nursi, der ein Wahrzeichen seines von Gott gegebenen Verstandes und Gottes außerordentlich großzügige Gabe war, gebrauchte sein Durchsetzungsvermögen und seine Standhaftigkeit im Glauben (mu'min)für Wohlfahrt und Fortschritt dieses kostbaren Volkes, setzte sich ein für seine Entwicklung; und sein Licht (Nur)überflutete die Türkei und seine benachbarten Länder und verbreitete sich bis hin nach Pakistan und Indonesien. Und so ist es denn unmöglich, die Strahlen dieses Lichtes (Nur),die Ethik, die es den Menschen schenkt und die Funken der Tugend in einem einzigen Scheffel {Hohlmaß für schüttbare feste Körper (z. B. Getreide) (A.d.Ü.)} der Werte und Wertschätzungen zu fassen.
In seiner Größe, mit seiner Durchsetzungskraft, seinem festen Willen (irade),seiner starken Überzeugungsfähigkeit und allen Eigenschaften seiner edlen Menschlichkeit ist er für uns alle beispielhaft, ja geradezu ein Vorbild geworden. Und das nicht nur für uns, nicht nur für die Muslime, nein: in seiner großen menschlichen Persönlichkeit
kann die gesamte Menschheit alle Beispiele für seinen Adel, seine edle Herkunft, seine Moral, seine Tugend, ja sogar seinen großen Glauben finden und in einer geradezu die Augen blendenden (Klarheit) betrachten. Und alle türkischen Kinder können mit Stolz auf ihr Land blicken, dass einem solch göttlichen Intellekt, einer solch großartigen Persönlichkeit, einem solchen von grundauf ehrlichen Menschen als Wiege gedient hat.
Vorgestern wurde nun wieder einmal gegen ihn verhandelt. Aus dieser Verhandlung haben wir zwei Dinge gelernt: Erstens hat die edle Generation der jungen Türken einen tiefen Respekt und ein großes Interesse an seiner erhabenen Moral (uluvv-u ahlak),seinem hohen Glauben und seiner Willenskraft (irade)...Auf der anderen Seite aber (stehen diejenigen Menschen), die sich in ihrem Luxus, durch ihren Rang und ihre Stellung, in ihrem heutigen vergänglichen (fani)und armseligen Dasein über das Elend eines rückständigen türkischen Volkes zu erheben suchen, wobei sie ihre vergifteten Eingebungen (ilham),ihre Aufträge und ihren Mut (quvvet)von den geheimen, revolutionären, zerstörerischen, internationalen Feinden aller türkischen (Werte) übernommen und das Verhalten von Menschen niederer Herkunft und unbekannter Abstammung angenommen haben. Es ist eine Schar (von Menschen), die gegenüber einer großen Menge, bestehend aus einer Versammlung Hunderttausender junger gebildeter Türken nun erschrocken versuchen, ihre vergifteten, böswilligen, destruktiven Federn, wenn auch ängstlich und zitternd, heimtückisch gegen sie zu verwenden, um letztendlich mit ihrem altmodischen Geschwätz die wahren Werte (dieser jungen Leute) verächtlich zu machen.
Dabei können wir den folgenden Vergleich anstellen: ein unserem großen Meister (Ustadhi Adham)ebenfalls sehr ähnlicher großer Mensch war Mahatma Gandi, der Anführer der indischen Befreiungsbewegung. Er ist der englischen Gewaltherrschaft, dem englischen Imperialismus mit seiner furchterregenden Ausbeutung und Besatzungspolitik
Herr geworden und hat viele Jahre (seines Lebens) dem Dienst an seiner Botschaft (dava)geweiht und dabei alle Macht (kudret)und Pracht des britischen Imperiums mit seiner gewaltigen Willenskraft (irade)lahm gelegt und in einen Zustand (hal)allgemeiner Schwäche überführt. In ähnlicher Weise ist (auch unser Meister in diesem Lande geboren und groß geworden); seine Art zu leben (hayat),zu streben und zu kämpfen war dem gleichfalls sehr ähnlich. Darüber hinaus aber empfing er von Gott dem Gerechten (Djenab-i Haqq)das Gnadengeschenk des Islam; und auch das Licht des Glaubens (iman nuru;und der Risale-i Nur) hat sich gleich einem Strahl der Sonne (mit seiner Hilfe) unter dem Klima des Islam {d.h. in den islamischen Ländern (A.d.Ü.)} von Ort zu Ort über alle Grenzen ausgebreitet.
Zwischen beiden gab es allerdings einen bedeutenden, wenn auch bedauernswerten Unterschied. Dieser Unterschied bestand darin, dass ersterem nahezu vierhundert Millionen Menschen Anhänger ein unerschütterliches Vertrauen, Hochachtung und ihre Verbundenheit entgegenbrachten. Unserem (Meister) hingegen zeigte, wenn auch nur eine begrenzte Anzahl nur wenig Adel in ihrer Gesinnung, äußerte ihm gegenüber die Verachtung der Unterprivilegierten und versuchte ihn hinterrücks anzugreifen.
Oh Herr! Warum sind wir denn nur so elend und armselig geworden, dass wir alle unsre Werte und Tugenden in wertlose Lumpen verwandeln müssen? Wir wissen ja, dass die Zahl unserer Sünden groß ist. Es reicht, unser Gott, genug ist unser Fall!
Djevat Rifat Atilhan
* * *
Wer war Bediüzzaman?
Bediüzzaman war ein Mensch, der sich in Anbetracht der allbekannten, lebensgefährlichen Abgründe, mit denen das gesellschaftliche Leben in seinem Ablauf übersät ist, darum bemühte, die geistigen (manevi)Werte im Lichte des Glaubens (nur-u imani)hochzuhalten und unter Beachtung der nötigen Sicherheitsvorkehrungen eine leuchtende Rechtleitung (ziya-yi irshadi)zu geben, dabei auch über sein eigenes Leben selbst zu bestimmen (idare)und der so gegenüber den unwissenden Volksmassen als derjenige in Erscheinung trat, der ihnen die Tatsache (haqiqat)bewusst machen konnte, dass sie bis heute nur blindlings geführt (idare)worden waren.
Bediüzzaman ist derjenige, dem es geradezu in die Augen sticht, dass die ethischen Werte und Traditionen des Volkes mit (der Entwicklung der modernen) Naturwissenschaften nicht Schritt halten und für sie keinen Ausgleich (muvazi)mehr bieten können, demzufolge sich in den Herzen (ruh)der in diesem Sinne (mana)und in dieser Weise groß gewordenen und nun verdorbenen Jugendlichen, eine trockene, menschenleere Wüste ausbreitet, deren unausweichliche Folge wiederum ist, dass unser Volk für seine Zukunft schwarz und eine Katastrophe voraussieht, wofür Bediüzzaman jedoch (den Ausweg) zur Rettung vorauszusehen vermag.
Bediüzzaman erkannte, dass durch die gewaltsame Verfremdung zwischen West und Ost {Gemeint: Zwischen dem von der Regierung aufgezwungenen Laizismus im Sinne einer Verwestlichung und dem Volk, das an seinen alten Traditionen festhalten will. (A.d.Ü.)} ein (neuer) Identitätsbegriff zustande kam, der (in manchen Dingen) zu eng, in anderen viel zu weit war, wodurch in unserem Jahrhundert lediglich eine äffische Nachahmung erreicht wurde, während Bediüzzaman ein Gelehrter (alim; war und blieb), der
in einer solchen Identitätskrise an einem Begriff der Persönlichkeit arbeitete, die sich in den Augen Gottes als der (göttliche) Funke in den Herzen versteht.
Bediüzzaman ist ein religiöser Mensch, der in Herz und Verstand (seiner Mitmenschen) eine grundlegend neue, eine göttliche Philosophie von freien Menschen, von einem freien Land prägen wollte. Dieses edle Volk braucht den Dienst solcher Menschen, die, wie Bediüzzaman die Götzen des Eigennutzes gestürzt haben, sehr, aber auch wirklich sehr.
Ziya Nur
von der Juristischen Fakultät
* * *
Eine Empfehlung an unsere Mitbrüder in der Demokratischen Partei
Die gottlosen Diener einer erbarmungslosen früheren Regierung (: der Volkspartei), deren Anführer und Diktatoren, welche die Religion (din),den Glauben (iman),die Seele (djan)und das Leben (hayat)im Lande ausgeglüht hatten, haben nun in dieser Zeit, in der sie bereits im Sterben liegt, ihre wirksamsten Waffen gegen die Demokratische Partei gerichtet, indem sie sich darum bemühen, zu zeigen, dass diese (neue Partei) noch gottloser ist als ihre eigene (alte Partei). Ein Teil (der alten Partei) hat sich das Mäntelchen der Frömmigkeit umgehängt und behauptet nun, die Demokratische Partei habe dem Volk die Religionsfreiheit (din hürriyeti)versprochen und könne nun ihr Versprechen nicht halten. Ein anderer Teil beschuldigt die Demokratische Partei, sie wolle (das Volk) in seiner Rückständigkeit bewahren, um so zu verhindern, dass diese für die Religionsfreiheit (din hürriyeti)Partei ergreift. Sie wollen diese dazu bringen, genau so wie sie selbst die Religion (din)und
alle religiösen Einrichtungen zu zerstören und besonders hart gegen die Leute des Glaubens (din)vorzugehen. Als dann die Demokratische Partei die Regierung übernahm und nun begann, hart gegen alle Kommunisten vorzugehen, dabei zugleich auch (nach mehr als zehn Jahren) den Ruf zum Gebet (Ezan-i Muhammedi)wieder zuließ, aus welchem Grunde sie die Liebe (muhabbet)des Volkes errang und dadurch zwanzig Mal mehr Macht (quvvet)erlangte als sie ursprünglich an Macht besaß, brach bei der Volkspartei (halktjilar)eine fürchterliche Panik aus.
Wir vertrauen darauf, dass die Demokratische Partei durchaus dazu in der Lage ist, zu begreifen (idrak),dass die ungerechte Politik, mit der das alte Regime gegen die Leute des Glaubens (din ehli)und die Leute des Qur'an, zu denen die Nurdjus gehören, vorgegangen ist, (die Volkspartei) in diese Lage (hal)gestürzt hat, um nun nicht selbst in diese Falle zu stürzen.
Die wichtigsten Merkmale des alten Regierungssystems sind ja bekannt. Will also nun die Demokratische Partei weiterhin (an der Macht) bleiben, so muss sie ganz und gar gegen diese Merkmale Politik führen. Sie muss einerseits hart gegen die Kommunisten vorgehen und andererseits die Religion (din)und die Leute des Glaubens schützen. Und es ist notwendig, dass sie mutig und offen auf ihrem Wege voranschreitet. In dieser Hinsicht würde sie auch nur das leiseste Zögern oder die kleinste Unehrlichkeit in den Sumpf der Volkspartei (halktjilar)stürzen.
Wir Nurdjus steigen unter gar keinen Umständen aktiv in die Politik ein. Unser einziger Wunsch besteht darin, dass in diesem Lande die Religionsfreiheit (din hürriyeti)auch tatsächlich in die Praxis umgesetzt werden kann, dass alles Unrecht und der Druck gegen die Religion (din)und die Leute des Glaubens und des Qur'an, der nun schon seit einem viertel Jahrhundert auch auf den Nurdjus lastet, voll und ganz aufgehoben wird. Daher geben wir allen Mitbrüdern in der Demokratischen Partei den guten Rat: sie sollten sich nicht von des Teufels Spielen und Listen einer
vergangenen Zeitepoche täuschen lassen und nicht auf die gleichen Irrtümer hereinfallen, (auf die auch die Volkspartei schon einmal) hereingefallen ist. Auch sollten sie Geist und Willen (ruh ve irade)des Volkes nicht verachten, so wie diese es getan hatte. Sie sollten sich gegen die Kommunisten und für die Religion (din)einsetzen und auf diesem Wege entschlossen fortschreiten.
Im Namen der Nurdjus
Sadik, Sungur, Ziya
* * *
Bediüzzaman
"Die beiden Quellen der Moral und der Religion" Eines der neuesten Bücher von Henri Bergson (1859-1941), worin er schreibt, dass besonders immer dann, wenn die Moral (ahlak)in der menschlichen Gemeinschaft auf ihre niederste Stufe abgesunken ist, nur von ehrenwerten gläubigen (dindar)Persönlichkeiten zu ihrem erhabenen Ideal emporgehoben werden kann.
Diese Meinung hat sich in der Geschichte der Menschheit (im allgemeinen) und in der Geschichte der Muslime (im besonderen) zu allen Zeiten an Hand zahlloser Beispiele bewahrheitet (tahaqquq).Bekanntlich hat die Erziehungskunst, die sich auf die Wissenschaft (ilm)von der Psychologie stützt, auf dem Wege der mündlichen Überlieferung an diesem Prinzip festgehalten und wann immer eine Generation in eine neue Richtung gelenkt werden sollte, wuchsen in Zeitepochen vor der unsrigen Menschen, die dem Beispiel derartiger Menschen folgten im gleichen Grade glücklicher heran als wir.
Bediüzzaman, war eine solche außerordentliche, ehrenwerte Persönlichkeit, die, unabhängig davon, unter welchem Volk und in welcher Zeitepoche auch immer sie
gelebt haben mochte, die Eigenschaften eines solchen vorbildlichen Menschen bewahrt hatte, auf die wir oben hingewiesen haben. Um das türkische Volk zugrunde zu richten hat man in aller Verschwiegenheit Spione herangebildet, hat das türkische Volk mit Lug und Trug in jeder Sekunde hintergangen, hat aus dieser Art der Lebensführung eine Kunst gemacht und so haben denn auch eine Menge Verräter und solche Geschöpfe, die Feinde des Volkes sind, diese ehrenwerte Persönlichkeit jahrelang wie in einer Kelter ständig unter Druck gehalten. Wir fragen nun: (Doch wen sollten wir da fragen? Und was sollten wir eigentlich von einer solchen Frage erwarten?) Ja sollte denn, wo in unserer ganzen Geschichte und bei jeder Gelegenheit die Prominenz derer, die wie die Könige in ihren vornehmen Villen leben, ihre gnadenlose, Schrecken erregende Feindseligkeit unter Beweis gestellt hat, (zu gleicher Zeit) Bediüzzaman, der seit Jahrhunderten in seinem Fleisch und Blut die Kopie eines wenigstens Tausend Jahre alten Grundrechts auf diese kostbare Erde mit sich trägt, mehr noch als der Wächter eines Aufruhrherdes seines Rechtes (haqq)auf Leben beraubt bleiben?
Wer unter uns könnte es ertragen, dass unsere Bücher, während wir über deren Seiten in Gedanken und im Geiste (fikri ve ruhi)eine Reise begonnen haben und wir plötzlich in unserer Wohnung, die wir für heilig zu halten wissen, überfallen werden, wobei unser Zimmer gestürmt wird, uns aus den Händen gerissen und beschlagnahmt werden? Eine solche Handlungsweise, und das, obwohl wir (doch eine moderne Gesellschaft) kopieren wollen, könnte es noch nicht einmal in Spanien geben, wo das soziale Leben, unter den neuzeitlichen zivilisierten Gesellschaften noch am rückständigsten ist. Nachdem es aber nun einmal passiert ist, sollte sich das wenigstens nicht auch noch ständig wiederholen.
Dabei verabscheuen wir ganz und gar alle diese bösen Taten, die sich besonders in den letzten Tagen noch verschlimmert haben, Taten, die sie auch noch für
gerechtfertigt halten und mit denen sie Bediüzzaman, den Eigenschaften seiner ehrenwerten, großen Persönlichkeit, wie seine Gelehrsamkeit (ilim),seine Moral (ahlaq),seine Tugend (fadilet)und sein Anstand (edeb)besonders auszeichnen, traktiert haben.
In diesen dunklen Tagen, die über die Türken gekommen sind, da sich die stinkenden Abwässer der Unmoral gleich einer Sintflut überall hin auszubreiten beginnen, jede Tugend unter sich erstickend, finden wir Trost, wenn wir sehen, wie der Segen, der von Bediüzzaman ausgeht, jeden Widerstand bricht und die Herzen aller wie ein Sturmwind erobert... Unsere Nächte waren sehr finster geworden und der Morgen nach so finsteren Nächten ist schon nahe herbeigekommen.
إِنَّ اللّٰهَ مَعَ الصَّابِرِينَ
{"Wahrlich, Gott ist mit denen, die geduldig sind."}
Cevdet Sezer
* * *
Diverse Briefe an seine Schüler
بِاسْمِهِ سُبْحَانَهُ
{"Im Namen dessen, der gepriesen sei"}
Sehr verehrter, sehr gesegneter, so gütiger und so sehr geliebter Hazret Ustadh!
Immer wenn wir die Risale-i Nur zu unserer geistlichen Hilfe und mit Euren Gebeten (dua)aufmerksam und nachsinnend lesen, begreifen wir (idraq),dass dies ein gewaltiges Gesamtwerk ist, das ein Entdecker der tiefen, verborgenen Wahrheit (tilsim)des Alls ist, der dieses Geheimnis (tilsim)entdeckt und löst, der große Führer (murshid-i ekber)und ein mächtiger Wegweiser (rehber-i adham)durch Gegenwart und Zukunft, und dies wiederum durch Euer Gebet (dua)und Eure geistliche Hilfe.
In der Tat, Hazret Ustadh! Wer auch immer die Risale-i Nur mit Verstand liest, begreift (idrak),dass die Risale-i Nur, sei es für dieses Jahrhundert, sei es im vor uns liegenden Jahrhundert die Menschheit aus der Finsternis ihrer Gedankenwelt (fikir)errettet, sie erleuchtet (tenvir)und auf dem rechten Weg (irshad)leitet. Die Risale-i Nur wurde nicht nur für dieses Land und sein Volk verfasst, sondern um als ein Gesamtwerk für die ganze islamische Welt und die Bedürfnisse der gesamten Menschheit eine Antwort zu geben. Für eine Menschheit, die in heutiger Zeit in einer noch nie gekannten Katastrophe, verzweifelt einen Ausweg aus diesem Unheil sucht, gibt es kein anderes Mittel der Rettung, als an der Risale-i Nur festzuhalten, was auch immer der Preis dafür sei, (zu versuchen), die licht- und glanzvollen Teile der Risale-i Nur in die Hand zu bekommen, sie aufmerksam zu lesen und über sie nachzusinnen. Jeder, der die Risale-i Nur liest, kann diese Wahrheit (haqiqat)erfassen (idrak)und wird es tun. Wenn uns dies möglich wäre, könnten wir diese Wahrheit (haqiqat),nachdem wir zu einem Punkt hinauf gestiegen wären, von dem aus man die ganze Welt überblicken kann, dem ganzen Weltall bekannt machen. Da uns aber nun einmal dies nicht gelingen kann, und da wir nun einmal den universellen Wert der Risale-i Nur allein mit der spirituellen Unterstützung unseres Meisters (Ustadh)soweit zu erfassen (idrak)vermögen, müssen wir deshalb nun die Risale-i Nur, die das Licht (Nur),eine Schatzkammer, das Wissen (irfan)und die Quelle der Vollkommenheit (kemalat)ist, ohne auch nur eine einzige Sekunde nutzlos verstreichen zu lassen, an jedem Tag und in jeder Stunde ständig, ja ununterbrochen lesen. Mögen wir uns mit Gottes Hilfe (insha-a'llah)Tag und Nacht darum bemühen! Doch so wie bei all unserem Tun wird uns auch dies durch das Gebet (dua)und den geistlichen Beistand unseres Meisters (Ustadh)gelingen.
Auch die folgende Wahrheit (haqiqat)ist ganz klar und offensichtlich: Möge jemand auch selbst ein Gelehrter (allame)sein, so bleibt er doch ein Schüler der Risale-i Nur
und seines Verfassers. Die Risale-i Nur zu lesen, ist eine Notwendigkeit und ein (inneres) Bedürfnis. Bleibt er jedoch gleichgültig (ghaflet),beugt er sich vor seinem Ego und verfällt so seiner eigenen Täuschung und liest dieses Gesamtwerk der Risale-i Nur nicht, so fällt er dadurch einem großen Mangel anheim. Uns aber ist klar (idraq)geworden, dass wir für diese gewaltige Wahrheit (haqiqat),die ein Retter der Menschlichkeit ist und über Milliarden von Menschen steht (und der zu dienen Ustadh) von seinem Herrn (memur-u Rabbaniye)beauftragt ist, in einem Maße dank schuldig sind, wie es sich gar nicht beschreiben lässt. Und wiederum durften wir durch sein Gebet (dua)und seinen geistlichen Beistand erfahren (idrak),dass es unsere Möglichkeiten überschreitet, auch nur für eine einzige Zeile dieses wunderbaren Gesamtwerkes, das die Risale-i Nur, dieses spirituelle Wunder (mu'djize-i maneviye)des Ehrenwerten Qur'an, auch nur einen Bruchteil ihres Gegenwertes zu entgelten. Darum haben wir beschlossen, an Gott den Gerechten (Djenab-i Haqq)wenigstens folgendes flehentliche Bittgebet zu richten:
"Oh Herr! Der du uns von der ewigen Einzelhaft (im Grabe) erlöst hast, indem Du uns mit der Risale-i Nur als einem Schlüssel zu der wahren Schatzkammer, in der wir das immer und ewig währende Glück aller Welten (alemin)erreichen können, ein beispielloses Werk geschenkt hast, gewähre uns, unseren geliebten, gütigen Meister (Ustadh)vor der Bosheit und Heimtücke all seiner Feinde und der Tyrannen zu bewahren; verleihe ihm bleibenden Erfolg im Dienst am Qur'an und am Glauben (iman).Schenke ihm in Deiner Güte (ihsan)Gesundheit, Wohlergehen und ein langes Leben!"
In der Tat, unser hochverehrter Meister! Wir, ein Teil der Jugend von der Universität, die wir die Risale-i Nur aufmerksam gelesen und darüber nachgedacht haben, sind nicht aufgrund irgendeiner Sympathie oder bloßen Vermutung heraus, sondern durch überwältigende Gnade (ni'met-i uzmasi),erforschend und auf wohldurchdachte Weise (tahqiqi ve tedkiki),
in der Kraft des Glaubens (quvvet-i imaniye)zu der wissenschaftlich begründeten (ilme-l'yakin),unumstößlichen und nie zu erschütternden Überzeugung gelangt, dass es Bediüzzaman in der Güte des Wahrhaftigen (inayet-i Haqq)gelingen wird, die Religionslosigkeit und die Glaubenslosigkeit, welche die Ursache bis zu unserem Jahrhundert auf diesem Erdenrund noch nie geschauter Schrecken und Grausamkeiten ist, erfolgreich zu beseitigen.
Diese unsere Überzeugung beruht nicht auf Leichtgläubigkeit oder bloßer Vermutung, sondern stützt sich auf forschende (Erkenntnisse), die sich auf wissenschaftliche (ilm)Beweise zurückführen lassen. Darum wird diese Wahrheit (haqiqat)auch von denen noch in ihren Herzen (qalb)bestätigt, die (aufgrund der äußeren Umstände eigentlich) dagegen sind. Bitte gewähren Sie uns in Ihrer Güte (shefqat)Ihr Gebet (dua),damit wir im Dienst am Qur'an und im Glauben (iman)zu jedem Opfer bereit sein mögen! Mögen wir die Risale-i Nur lesen und abschreiben, ohne daneben auch nur eine Minute zu verschwenden. Und mögen wir dabei in vollkommener Wahrhaftigkeit (ikhlas)erfolgreich sein.
Im Namen der Schüler der Risale-i Nur an der Universität
Abdulmuhsin
* * *
بِاسْمِهِ سُبْحَانَهُ
{"Im Namen dessen, der gepriesen sei"}
Vielmals gesegneter, hochverehrter Meister!
Erstens:
Alle Exemplare der Risale-i Nur, die wir unlängst empfangen haben, sind bereits verteilt worden. Alle, die sich so nach der Risale-i Nur gesehnt haben, wurden dadurch froh gestimmt. Die an der Risale-i Nur ihren Anteil haben,
kommen einer nach dem anderen herbeigelaufen. Wenn die Brust nach dem Licht (Nur)sucht, wird sie es nach dem Leitsatz (haqiqatindja):مَنْ طَلَبَ وَجَدَّ وَجَدَ {"Wenn jemand mit Nachdruck etwas fordert, wird er es auch bekommen."}
auch finden. Diesmal haben sie sich auf die vierunddreißig Exemplare der "Worte" gestürzt, die unser Bruder Ziya einmal gebracht hat. "Stab Mosis" wurde an verschiedenen Orten im Bezirk Ankara und in Anatolien verteilt.
...............
Selbst diejenigen, die den verborgenen Glanz hinter der Risale-i Nur nicht wahrnehmen können, ergreifen dennoch für sie Partei. Die Medresse der Risale-i Nur (Medresetuz'Zehra)im Umfange von Anatolien wird sich im Rahmen der ganzen Islamischen Welt ausbreiten; darauf schließen wir von der Erhabenheit der Wahrheit (haqiqat)der Risale-i Nur und von der Bruderschaft, die zwischen den Gläubigen, die sie aufmerksam und nachsinnend lesen, und den Vertretern der Wissenschaft (ehl-i ilm)entstanden ist, einer Brüderlichkeit, die sich durch nichts erschüttern lässt. Diese gewaltige (muazzam)Aktivität der Medresetu-z'Zehra geschieht so wie sich der Frühling göttlich und gewaltig über die Erde hin verbreitet, lautlos, ohne Prunk und Getöse, ohne eine äußerliche Schau, ganz bescheiden, jedoch in einer großartigen (muazzam),nicht mehr aufzuhaltenden Weise. Der Menschensohn hat es seinem Wesen nach stets eilig und möchte, ohne über das göttliche Gesetz nachzudenken, dass sich eine jede Angelegenheit in der von ihm gewünschten Zeit erledigen lässt, wobei er den kleinen Kreis seiner eigenen Verpflichtungen überspringt und auf die größeren Kreise hin ausweicht. {D.h. eine Ethik und Moral für die ganze Islamische Welt, die aber von dem leuchtenden Vorbild jedes einzelnen ausgehen muss. (A.d.Ü.)}
Dem beispielhaften Vorbild wahrhaft gläubiger Menschen, herangebildet von der Risale-i Nur, deren Same ausgestreut und deren Zeit der Ähren gekommen ist, wird mit Gottes Hilfe (insha-a'llah)in nahegelegener Zeit die ganze Islamische Welt folgen und sie werden in ihr das Licht der Rechtleitung (nur-u hidayet)erkennen.
Im Namen der Schüler der Risale-i Nur an der Universität zu Ankara
Abdullah
* * *
Ein großer Gelehrter (alim) und Mann des Herzens (qalb), dem die überwältigende Gnade (ni'met-i uzmasi) zuteil geworden ist, in Ankara die Risale-i Nur verbreiten zu können, schrieb dem Meister (Ustadh) folgenden Brief:
An den großen Streiter (mudjahid-i ekber)Hazret Bediüzzaman, den aufrichtigen Herrn (Sahibu-l'ikhlas)des Lichtes (Nur),der Vollkommenheit (kemal)und der Rechtleitung (irshad).
Von der Zeit an, da Ihr Euch mit Gott und für Gott (Lillah ve Fillah)in die Arena der Prüfungen und Erfahrungen gestürzt habt, bis heute haben Eure Exzellenz vor Gott und den Menschen (Haqq ve halk)ununterbrochen, wie man sagen darf, mit viel Mühe und Eifer und Einsatzfreude Tag und Nacht daran gearbeitet, mit Euren besonderen wissenschaftlichen Fähigkeiten (qudret-i ilmiye),erleuchtet (Nur)und rechtgeleitet (irshadiye)in außerordentlich schwierigen Umständen, das Recht der Allgemeinheit wie des Einzelnen (huququllah ve huquq-u ibad)zu verteidigen und zu schützen; die Engel und der Himmel, Gottes
Thron und der Schemel seiner Füße, die Tafel der Zeugen und der Stift, der auf ihr schreibt, Himmel und Erde, das Universum allen Seins (alem-i Kevn),Menschen und Geister (Dschinnen), die Gemeinschaft der Menschen im Ausland und die ganze Islamische Welt und auch wir armseligen Diener bezeugen dies bei Gott bis ans Ende der Zeiten als Zeugen (Esh'hedu billah)für immer und ewig.
Unser Bediüzzaman, der Ihr ein Träger des Lichtes (Sahibu-n'Nur)seid! Eurer lichtvollen (Nur)Persöhnlichkeit armseliger Freund und Diener bin ich mit Herz und Seele. Meine Freundschaft gehört nicht (wie sonst alles) der Vergänglichkeit an, ist nicht wie eine Freundschaft, die nur kommt und geht.
So wie diese Freundschaft bereits in der geistigen Welt (alem-i mana)in ihrem primären Zustand (fitrat-i zatiye),in dem sie schon bestand ehe denn die Welt ward, {als Gott Seine Geschöpfe versammelte und sie befragte: "Bin ich denn nicht euer Herr (ezel-i elestu)?" (A.d.Ü.)} Bestand hatte, so wurde sie nun in diese Welt, die wir hier bezeugen (alem-i shuhud),und das ist nun fast ein halbes Jahrhundert her, transferiert. Eure vollendete Persönlichkeit (dhat-i ekmel)durchlebte in all diesen Jahren die Zeit der Despotie (devr-i istibdad, 1878-1908)und die Zeit der Konstitutionellen Monarchie (meshrutiyet, 1908-1922)und durchstand seitdem zu verschiedenen Zeiten in der jetzigen Republik (djumhuriyet)die noch weit schlimmeren Prüfungen, Leiden und Erfahrungen und die äußerst schwierigen Umstände, wie das Kriegsgericht, verschiedene Strafgerichtsverfahren, Hauen und Stechen auf dem Schlachtfeld und ist heute auf wissenschaftlichem Gebiet (ilm)den Gelehrten unserer Zeit in wissenschaftlichen (ilm)Gesprächen und Disputationen und durch die Verbreitung Eurer prächtigen und großartigen (djelil ve djemil)Werke überlegen. All dies, Euer Verhalten, Eure Worte, Euer Tun und Lassen, was Ihr an Gutem getan habt, um Gotteslohn (a'mal-i saliha)und ohne jeden Falsch (ikhlas),Eure
erleuchtenden Gedanken (efkar-i nuriye)und all Eure kleinen und großen Anstrengungen (djihad-i asghar ve ekber)habe ich stets beobachtet, mir ein Beispiel daran genommen und in Eurer Weisheit (hikmet)meine Lehren (ders-i ibret)daraus gezogen. Das hat meine alte Freundschaft nur noch gesteigert, letztendlich gefestigt, bestärkt und bis zu (göttlicher) Liebe (ashk)und Begeisterung geführt.
In dieser Liebe (ashk)und Begeisterung habe ich seit den Zeiten von Sultan Hamid, während Ihr und die Schüler der Risale-i Nur sich um Gottes willen darum bemühten, die öffentlichen und die privaten Rechte (huquq-u umumiye ve hususiye),für die sich einsetzen, zu wahren, zu schützen und zu verteidigen, meinen Beitrag, wenn auch nur mit den Kräften einer Ameise, aus der Nähe wie aus der Ferne dazu geleistet, den innerlichen wie äußerlichen (manen-maddeten)Erfordernissen einer Freundschaft soweit möglich ohne Fehler nachzukommen, tue das noch heute und werde es auch in Zukunft tun. Diese meine Situation (hal)kennen Gott und die Menschen (Haqq ve halk)und ein bedeutender Teil Eurer Schüler der Risale-i Nur.
Möge Gott es wollen (insha-a'llah),dass mit dem Beistand des Gerechten (avn-i Haqq)und unter mohammedanischer Mithilfe der kleine wie der große Streit (djihad-i asghar ve ekber)zur rechten Zeit durch Eure beispiellose aufrichtige Liebe (ashk-i ikhlasiye)in kürze zum Sieg führen und der Irrtum seine Niederlage finden wird. Möge sich die Menschheit (insaniyet)der Welt im Aufgang der mohammedanischen Kultur (medeniyet)mit all ihrer Pracht in eine islamische Gemeinschaft (alem-i Islamiyet)verwandeln, Menschen und Geister (ins-u djinn),die Engel und der Himmel (melk-u felek)alle miteinander ein großes Fest (id-i ekber)feiern! Und mögen wir insbesondere auf diesem weltumspannenden Banquet (bayram)zu vollkommener Gesundheit und Bekömmlichkeit (kemal-i sihhat ve afiyet)speisen, unseren Durst löschen, umherwandeln und in der göttlichen Barmherzigkeit (rahmet-i Ilahiye)mit unseren Familien zusammen das Gebet (dua)fortsetzen. Möge Gott
der Gerechte (Djenab-i Haqq)von Seinem erhabenen Thron (dergah-i uluhiyet)aus unsere Gebete (dua)um der Ehre unseres Großen Geliebten (Mohammed; Habib-i Kibriya hürmet){kibriya: bezeichnet die Größe Gottes; und Mohammed ist Sein geliebter Prophet. (A.d.Ü.)} willen erhören! Amen und abermals Amen (amin thumme amin).
Hoch gesegneter (mubarek)Freund in meinem Herzen (qalbi),in meiner Seele (ruhi)und tief in meinem Innersten (sirri)!Erinnert Ihr Euch vielleicht noch an Euren armseligen Diener? Auf alle Fälle aber möchte ich mich hiermit wieder in Erinnerung bringen: Während sich noch überall im Lande der nationale Befreiungskampf (1918-23) fortsetzte, erhielten Eure Weisheit (dhat-i hakimane)mehr als 18 Einladungen von verschiedenen Personen, die sich zur Beteiligung an diesem nationalen Befreiungskampf (mudjahede-i milliye)in Ankara eingefunden hatten. Um nun darüber zu beraten, ob Ihr diese Einladung annehmen solltet oder nicht, hatten wir uns damals an einem Tag, den wir unter uns abgesprochenen hatten, in Istanbul in Eurer Wohnung zusammengefunden, unter denen auch ich mich als einer der damaligen Rechtsgelehrten (müftü)des Bataillons, Euer alter Freund Osman Nuri aus Ankara, befand. Nach dieser Zeit war ich dann an dem Amt für den Befreiungskampf (Milli Müdafaa Vekaleti)zum Mufti ernannt worden. Fast fünfundzwanzig Jahre lang bin ich dort als Mufti tätig gewesen. Vor drei Jahren habe ich nun meinen Abschied genommen. Ich habe mich jetzt in meinem Haus in Ankara niedergelassen. (In der Vorbereitung) auf meinen Heimgang bete ich Tag und Nacht für Eure Exzellenz, für alle Menschen und den Islam. Sehnlichster Wunsch und Verlangen ist aber, bevor ich sterbe, Eure Person mit meinen sterblichen Augen zu schauen, zu besuchen und um Gottes willen (noch einmal an einer) Eurer Vortragsabende (sohbet)teilnehmen zu dürfen. Das wünsche ich mir von ganzem Herzen.
Mein lieber (aziz)Geliebter unter den Geliebten! In vollkommener Hochachtung und mit allem geschuldeten Respekt grüßen (selam)wir Eure Weisheit (dhat-i hakimane)und Eure erleuchteten (nuriye)Schüler und gedenken Eurer in Liebe (ashk)und Begeisterung. Möge unser Großer Gott, der Heilige, Gerechte und Hochgepriesene (Haqq Te'ala ve Teqaddes Hazretleri)Euch auf unser Bitten und Flehen hin in beiden Welten für lieb und gut und würdig (aziz){das türkische Wort "aziz" enthält alle drei Bedeutungen} erachten. Gestattet mir, mit einem Kuss Eurer so gesegneten (mubarek)Hände unsere Sehnsucht, Hingabe und Begeisterung zum Ausdruck zu bringen. Wir erwarten Euer Gebet in aufrichtigem Glauben (dua-yi ikhlas)und Eure rechte Antwort und möget Ihr Gott befohlen (Allah'a emanet)sein als unser erleuchteter Herr (Sahibu-n'Nur)und unser aufrechter, machtvoller (irade),von Gott recht geleiteter (irshad)Hazret Efendim.
اَلْبَاقِى هُوَ الْبَاقِى
{"Gott ist Er, der da ist und der da bleibt."}
Zum Gebet in der Höhle (yar-i gar)
{als Freunde Gottes den Heiligen und Propheten ganz nahe}
auf dem höchsten Gipfel des Berges, über den Wipfeln das Nichts,
{er hat das Höchste Gut erreicht und alle niederen Dinge losgelassen. (A.d.Ü.)}
im Staub ein Diener (abd-i gubar) des Alleinzigen
Osman Nuri
* * *
Der Meister (Ustadh) reist nach Emirdagh
Ustadh Said Nursi begab sich nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis in Afyon zusammen mit seinen Schülern nach Emirdagh. Er blieb zwei Jahre lang in Emirdagh. Im Monat Muharrem (1955) ging er nach Eskishehir und wohnte dort etwa anderthalb Jahre lang im Hotel "Yildiz". Diese Reise des Meisters (Ustadh)war auch innerlich (manidar)ein Erlebnis. Denn bis 1950 konnte er von den Orten seiner Verbannung nirgendwohin reisen, d.h. er erhielt gar keine Reiseerlaubnis. Lange Zeit durfte er noch nicht einmal ins nächste Dorf gehen.
In Eskishehir traf sich der Meister (Ustadh)mit den Schülern, die sich für ihn begeistert hatten. Die Risale-i Nur brachte nun ihre Früchte; und so nahmen denn ihre jungen Schüler Kontakt mit ihm auf; und er begann in gewissem Grade sich wieder für das gemeinschaftliche Leben (hayat-i itjtimaiye)zu interessieren. Und so wie sich bei ihm viele Schüler aus allen Schichten der Bevölkerung trafen, so gab es unter ihnen auch Soldaten, besonders der Luftstreitkräfte, von denen sehr viele Nurdjus waren. Und jeder von ihnen war ein Gläubiger (iman),gehörte zu den Leuten mit hoher Moral (ahlaq),war durch den Mut der islamischen Nation geachtet und jemand, der aufrichtig (ikhlas)war und dessen Herz (qalb)von Liebe zu dem Propheten (muhabbet-i Nebeviye),von der unschätzbaren (Bereitschaft) zu einem Dienst nach den islamischen Regeln und am Vaterland erfüllt ist.
* * *
Eine Zeitlang später begab sich der Meister (Ustadh)von Eskishehir nach Isparta, wo er etwa siebzig Tage blieb. Währenddessen ließen seine Schüler den "Wegweiser für die Jugend (Gentjlik Rehberi)",an dem sie in Istanbul bereits gearbeitet hatten, drucken, weswegen nun gegen den Meister (Ustadh)Anklage erhoben und der Meister (Ustadh)nach Istanbul vor Gericht zitiert wurde.
Während der Meister (Ustadh)in Isparta und in Istanbul war, schrieb er über Themen, welche die Einheit Gottes (tauhid)betrafen und die später unter dem Titel "Schlüssel zu den Lichtwelten (Nur aleminin Bir Anahtari)"veröffentlicht werden sollten und schickte sie in Form von Briefen an seine Schüler. Sie gelten als ein besonders wertvoller Schatz unter den Abhandlungen über die Einheit Gottes (tauhid).
* * *
Vor dem Gericht in Istanbul
Einige junge Studenten, in der Absicht, der Jugend einen Dienst an Glaube und Moral (iman ve ahlak)zu erweisen, hatten in Istanbul den "Wegweiser für die Jugend (Gentjlik Rehberi)"drucken lassen. Deshalb wurde der Meister (Ustadh)nun dem Ersten Strafgerichtshof für Schwerverbrechen (Birinci Aghir Djeza Mahkeme)in Istanbul vorgeführt, unter der Behauptung des öffentlichen Anklägers, dieses Werk, geschrieben, die Grundordnung des Staates der Basis einer Religion (din)unterzuordnen, richte sich gegen den Laizismus, welcher sich auf den Paragraphen 163 stützt und sei ihrem Wesen nach nur Propaganda und Gaukelei.
Zur Teilnahme an der Gerichtsverhandlung am 22.1.1952 wurde Bediüzzaman Said Nursi von Isparta nach Istanbul überstellt, um dort zu seinem Prozess anwesend zu sein. Die jungen Schüler des Meister (Ustadh)kamen nun von der Universität und füllten den Gerichtssaal. Und es fiel auf, dass draußen auf den Gängen ein Volksauflauf entstand. Zunächst einmal wurde die Anklage, dann der Bericht der Sachverständigen verlesen und der Meister (Ustadh)ins Verhör genommen. Der Bericht der Sachverständigen erläuterte des Langen und Breiten: "Der Verfasser versucht mit diesem Werk seine religiösen Vorstellungen zu verbreiten. In seinem Wegweiser für die Jugend erläutert der
Verfasser seine Ideen zur Verteidigung der Verhüllung der Frau, wonach es der Islamiyet widerspräche, wenn Frauen halbnackt herumlaufen und dabei ihre Beine zeigen, was (im übrigen) auch gegen die Natur der Frau sei. Und weiter sagt er, im Rahmen einer islamischen Erziehung sei die qur'anische Sittlichkeit ein Schmuck, also etwas, das einer Frau zur Zierde gereiche. Er sei für den Religionsunterricht und auch deshalb wünsche er, dass sich die grundsätzliche Ordnung des Staates den religiösen Prinzipien unterordne."
Die Verteidigungsrede von Bediüzzaman Said Nursi wurde von den Rechtsanwälten Seniyyüddin Bashak, Mihri Helav und Abdurrahman Sheref Latj in Istanbul übernommen.
Das Plädoyer, welches vorgelesen wurde (und zugleich auch) die Antwort von Ustadh Said Nursi auf diesen Bericht lautete: Bediüzzaman Said Nursi teilt Folgendes mit:
Das Beispiel seines Lebens in den letzten fünfunddreißig Jahren möge als Beispiel dafür dienen, dass er sich nicht für Politik, sowie weltliche (dunya)und andere destruktive Strömungen interessiere. Das einzige, was ihn beschäftige und worauf er seine Blicke gelenkt habe, seien die Glaubenswahrheiten und der Dienst am Qur'an. Er verfolge lediglich mit ganzer Kraft (quvvet)die Sache der Rettung des Glaubens (iman).Dabei sei zu erwähnen, dass bereits von verschiedenen Gerichten der Beschluss ergangen ist, (die Risale-i Nur) frei- und zurückzugeben. Der Grund dafür, dass das Werk mit dem Titel: "Wegweiser für die Jugend (Gentjlik Rehberi)"von den jungen Leuten der Universität gedruckt worden wurde, war, dass sie so eine große Zufriedenheit hatten erreichen wollen. Gegen die in diesem Jahrhundert aufgetretenen Strömungen, besonders aber gegen Seuchen, wie Unmoral und Glaubenslosigkeit, welche die gesellschaftlichen Strukturen erschüttern, hatten sie alle Teile der Risale-i Nur, wie auch den "Wegweiser für die Jugend (Gentjlik Rehberi)"veröffentlicht und der Jugend, den unschuldigen Kindern und den Frauen im allgemeinen zu lesen gegeben, worin alles, was, vom
Standpunkt dessen, was für das Glück von Volk und Land ganz besonders dringend notwendig ist, klar und deutlich zum Ausdruck kommt. Dabei erklärte er, dass die jungen Leute an der Universität diesen Druck aufgrund der oben angeführten Ziele zwar betrieben, dies aber ohne sein Wissen getan haben.
Die (folgende) Verhandlung fand am 19. Februar 1952 statt.
An diesem (zweiten) Verhandlungstage füllten wieder eine große Besucherzahl, bestehend aus zahlreichen Studenten und anderen Intellektuellen (ehl-i irfan),die aus dem Gesamtwerk der Risale-i Nur einen großen Nutzen gezogen hatten und nun vorzeitig gekommen waren, um die Verhandlung mitzuverfolgen, die Koridore. Dann wurde der Meister (Ustadh)unter dem Jubel der Nurdjus von der Universität, gestützt auf die Arme seiner Schüler, in den Gerichtssaal geführt und setzte sich auf die Anklagebank. Auch seine Rechtsanwälte kamen herein und nahmen ihre Plätze ein. Es herrschte ein fürchterliches Gedränge im Gerichtssaal. Mehrere Tausend Leute hatten versucht, hereinzukommen, um zuzuhören. Wie Meereswogen schwappte eine gewaltige Menschenmenge durch alle Türen. Die spirituelle Bedeutung dieses schon rein äußerlich großartigen und überwältigenden Ereignisses spiegelte ein innerliches (mana)Erlebnis wieder, das von noch prächtigerer Art, ja von geradezu majestätischem Charakter war. Hier erwies eine Jugend, die in ihrer Kindheit jede religiöse Kultur hatte entbehren müssen, Said Nursi als dem persönlichen Vorbild einer Verkörperung des Lichtes (Nur)der Islamiyet, ihre Ehrerbietung und brachte ihre Dankbarkeit zum Ausdruck. Es war, als wollte sie mit ihrem Verhalten (lisan-i hal)sagen: "Oh Du großer Streiter (mudjahid),der Du mit dem Licht (Nur)des Qur'an die Finsternis des zwanzigsten Jahrhunderts durchbrichst, den Menschen des Islam die leuchtende (Nur)Frohe Botschaft am Horizont zeigst und in einer der Natur (fitrat)des Menschen angemessenen Weise zur großen und Ewigen Glückseligkeit
einlädst! Den großen Dienst, den Du insbesondere den Kindern dieses Landes erwiesen hast, wissen wir mit Dank zu schätzen. Und auch die Zukunft wird Deiner mit Hochachtung gedenken. Du hast einer Generation, die bereits dem geistigen (manen)Tode nahe war, wie ein Arzt, der sie zur Spiritualität (maneviyat),zum Wasser des Lebens (ab-i hayati)führt, einen sehr wertvollen, einen hohen Dienst erwiesen. Wir wissen, dass Du Dich darum bemüht hast, ein Volk und die künftigen Generationen, die man ins Nichts und die ewige Qual hatte stürzen wollen, im Lichte (Nur)des Qur'an zur Ewigen Glückseligkeit (ebedi saadet)zu führen und dort Gott selbst zu begegnen, und in dieser Absicht Dein Leben (hayat)zum Opfer gebracht hast...
Glaubensstarke Generationen werden Dir folgen
Jahre und Jahrhunderte werden in Deinen Fußstapfen wandeln..."
Da aber das Gedränge im Saal allmählich überhand nahm, blieb schließlich kein Platz mehr, noch die Verhandlungen fortsetzen zu können. Selbst die Polizei, die dafür verantwortlich war, die Ordnung wiederherzustellen, konnte dem Gedränge der Leute nicht Herr werden. Am Ende wandte sich der Gerichtspräsident an das Volk und sagte:
"Wenn Ihr den Herrn Hodja liebt, so macht doch ein wenig Platz, damit wir diesen Prozess fortsetzen können!" Daraufhin begann das Volk sich zurückzuziehen. Auf diese Weise konnte nun endlich der Prozess fortgesetzt werden. Der Mann, der den "Wegweiser für die Jugend (Gentjlik Rehberi)"gedruckt hatte und nach ihm die Polizei wurden verhört. Danach wiedersprach der Meister (Ustadh)dem Bericht der Sachverständigen. Als die Zeit für das Nachmittagsgebet (ikindi)beinahe schon verstrichen war, bat der Meister (Ustadh)um die Erlaubnis, das Gebet (namaz)zu verrichten. Der Vorsitzende (reis)des Gerichts nahm die Bitte des Meisters an und schloss die Verhandlung.
Während der Meister (Ustadh),auf die Arme einiger seiner, ihn innig (djan)liebenden Schüler, gestützt, zwischen
den Reihen der jungen Studenten durch die Koridore nach draußen ging, jubelten ihm Tausende aus dem Volk zu, wobei er vor den anderen seiner geliebten Schüler beide Hände zum Segensgruß (selam)hob. Vor dem Gerichtsgebäude hatten sich drei, vier Tausend Leute versammelt. Sie warteten darauf, den Meister (Ustadh)sehen zu können. Der Meister (Ustadh)stieg nun die Treppe hinunter, während eine Woge dieser Tausenden von Menschen ihm zujubelte. Es gab unter ihnen Leute, die vor Rührung Tränen in den Augen hatten. Weil es aber wegen dieses Gedränges nicht möglich war, zu Fuß zu gehen, setzten die Nurdjus den Meister (Ustadh)in ein Auto und fuhren ihn so zur Sultanahmed Moschee, wo sie gemeinsam (djemaat)das Gebet (namaz)verrichteten, und brachten ihn danach zu seiner Wohnung.
* * *
Am 5. März 1952 ging Ustadh dann zur (dritten und) letzten Gerichtsverhandlung wieder durch die Volksmenge Tausender, ihn liebenden jungen Schülern in den Gerichtssaal hinauf. Damit es aber nun nicht wie das letzte Mal im Gerichtssaal zu einem solchen Gedränge kommen und damit die Fortsetzung der Gerichtsverhandlung nicht dieses Mal wieder behindert werden sollte, sperrte ein noch zusätzlich abkommandiertes Polizei-Eskadron die Seiteneingänge ab und versuchte so das Justizgebäude mit seinen Treppen und Koridoren zu überwachen. Trotz alledem war auch diesmal wieder der Gerichtssaal bis hin zu den Türen völlig verstopft.
Die Gerichtsverhandlung begann. Als Zeuge wurde nun der Student, der den "Wegweiser für die Jugend (Gentjlik Rehberi)"hatte drucken lassen, als Zeuge vorgeladen und vernommen. Er gab das Folgende zu Protokoll: Er habe die Werke östlicher wie westlicher (Geisteswisschenschaften) gelesen. Später habe er dann auch die Risale-i Nur
in die Hand bekommen. Er fand, dass diese Werke ihm für sein Denken und Verstehen (fikr),für Herz (qalb)und Verstand (ruh)in äußerstem Maße von Nutzen waren und ihn in seiner Entschlussfähigkeit (irade)und in seiner Moral bedeutend beinflusst hätten. Um den Glauben (iman)und die Moral der jungen Leute zu schützen und zu bewahren, habe er diesen "Wegweiser für die Jugend (Gentjlik Rehberi)"aufgrund seiner großen Wirkung und in der Hoffnung, dem Vaterland damit einen Dienst erweisen zu können, drucken lassen, ohne dabei jemals das Gefühl gehabt zu haben, er habe damit etwas Verkehrtes getan.
Die Verteidigung des Meisters (Ustadh):
Aufgrund meiner schon lange andauernden Unterdrückung und meines geradezu abenteuerlichen Lebens (hayat),möchte ich zunächst eine kurze Bitte äußern. Ich bitte Sie also um Gehör!
Somit gab also das Gericht der Bitte des Meisters (Ustadh)statt, die Sache frei und ruhig anzugehen. Also hielt der Meister (Ustadh)nun eine lange und ausführliche Verteidigungsrede.
Euer Ehren (muhterem hakimler)!
Achtundzwanzig Jahre lang war ich beispiellosen Schikanen und Quälereien ausgesetzt, wurde ständig beobachtet oder saß in irgendeinem Gefängnis. Alle Verleumdungen und Beschuldigungen, die man dabei gegen mich vorgebracht hat, stützen sich jedoch nur auf einige wesentliche Punkte.
1 - Die erste Beschuldigung besteht darin, dass man mich für einen Regimegegner hält. Dabei ist doch allgemein bekannt, dass zu jeder Regierung auch eine Opposition gehört. Vorausgesetzt die Bedingung, dass dabei nicht die allgemeine Sicherheit und Ordnung gefährdet wird, kann man niemanden für seine Gedanken (fikir),
die in seinem Gewissen und in seinem Herzen wohnen, also für das, was er überlegt und worüber er nachdenkt, verantwortlich machen. Das ist ein ganz allgemeines Recht (huquq).
Sogar die mehr als hundert Millionen Muslime, die hundert Jahre lang unter der Herrschaft der Engländer gelebt haben, deren Regime in Religionsdingen besonders streng und unnachgiebig war und das glaubenslose Regime der Engländer nicht akzeptierten, werden bis heute von den englischen Gerichten in dieser Hinsicht keineswegs belästigt.
Hier wie in allen islamischen Ländern, wo von Alters her Juden wie Christen als Untertanen leben, werden sie von diesen Regierungen, obwohl sie die Religion und die heilige Regierung des Landes ablehnen, verwerfen, ihr widersprechen, dennoch niemals durch die Gesetze in irgendeiner Weise belästigt.
Ein einfacher Christ stand einmal zusammen mit Hazret-i Ömer, als dieser gerade Kalif war, vor Gericht, um einen Prozess gegeneinander auszufechten. Und obwohl dieser Christ seiner islamischen Regierung, dem heiligen Regime, seiner Religion (din)und seinen Gesetzen gegenüber ablehnend eingestellt war, wurde seine Haltung während der Verhandlung nicht in Betracht gezogen, was ganz klar zeigt, dass die Einrichtungen der Justiz darauf keinen Einfluss nahmen und in keiner Weise Partei ergriffen. Dieser prinzipielle Grundsatz der Glaubens- und Gewissensfreiheit gilt in der ganzen Welt, von den Kommunisten einmal abgesehen, im Osten wie im Westen, bei allen Einrichtungen der Justiz und in allen Lebenslagen. Ja bleibt denn nun meine Wenigkeit, der ich doch auf diesen prinzipiellen Grundsatz der Glaubens- und Gewissensfreiheit vertraut habe, mich auf Hunderte Ayat im Qur'an gestützt habe, weil ich jenem verdorbenen Teil der Gesellschaft widersprochen habe, der unter dem Deckmäntelchen der Freiheit daherkommt und eine absolute Zwangsherrschaft ausübt, der unter der Maske des Laizismus den schwersten Druck gegen den Glauben und alle Gläubigen ausübt, von den Gesetzen ausgeschlossen? Könnte vielleicht ein solches Verhalten nicht korrekt (haqiqat)sein? Gegen die Ungerechtigkeit, gegen die Despotie, gegen die
Gesetzlosigkeit zu opponieren, wird von keiner Regierung als ein Verbrechen erachtet; im Gegenteil: Opposition ist ein ganz legales, völlig korrektes Werkzeug der Waage der Gerechtigkeit (muvazene-i adalet).
2 - Diejenigen, welche die mir von der vorausgegangenen Regierung angetanen Ungerechtigkeiten und die mir zugefügten Qualen für rechtens halten, beschuldigen mich - zweitens - die öffentliche Sicherheit und Ordnung zu missbrauchen. Für derartige Verdächtigungen und frei erfundene, fälschliche Anschuldigungen habe ich mir achtundzwanzig Jahre Strafe zugezogen. Sie haben mich von Land zu Land, von Gericht zu Gericht geschleppt. Sie haben mich von einem Gefängnis ins nächste geworfen. Besuche wurden niemandem zugelassen. Ich wurde isoliert. Man hat versucht, mich zu vergiften. Man hat mich auf alle mögliche Weise beleidigt.
Wir aber sind (alle insgesamt) fünfhunderttausend opferbereite Schüler der Risale-i Nur, freiwillige geistliche Schützer, die überall im Lande für die Sicherheit und Ordnung sorgen. Die uns derartige Beschuldigungen zugefügt haben, versündigen sich auf diese Weise aufs schwerste. Doch obwohl sie uns auf eine so erbärmliche Weise beschuldigt haben, haben wir uns doch nie von unseren Emotionen hinreißen lassen. Für das Gefühl der Sicherheit in ihren Herzen und der Ordnung im Lande, für den Dienst am Glauben (iman)und am Qur'an und um diejenigen, die in ihrer Gottvergessenheit (ghaflet)in die Gesetzlosigkeit gestürzt sind, aus diesem Pfuhl der Anarchie herauszuziehen, sind wir keine einzige Sekunde untätig geblieben.
Euer Ehren (muhterem hakimler)!Das Folgende möchte ich mit Nachdruck unterstreichen: dies hier sind keine unbewiesenen Behauptungen. Sechs Gerichte in sechs verschiedenen Provinzen (vilayet),in denen man uns ungerecht behandelt hat und in die wir verbannt waren, haben nach langen und eingehenden Untersuchungen im Ergebnis nicht einen einzigen Vorfall feststellen können, wo die öffentliche Sicherheit und Ordnung in Gefahr gewesen
wäre. So beweist denn all unser Verhalten, dass unsere Lehranstalten (Nur mekteb-i irfani)einzig und allein einer wahren Herzensbildung der Nurdjus dienen, wobei sie gleichzeitig in deren Köpfe und in deren Herzen einen Wächter für Ordnung und Sicherheit setzen. Unser Unterricht im Glauben richtet sich gegen die Anarchie, gegen das Verderben, gegen alle Gottlosen und die Kommunisten. Man sollte doch bei allen Ämtern und Wachlokalen der Polizei nachfragen, ob es auch nur einen einzigen Vorfall gegeben hätte, wo vielleicht einer unter den fünfhundert Tausend Schülern der Lichterkenntnis (Nur irfan mektebi talebesi)wider die Sicherheit und Ordnung gehandelt haben sollte! Es gibt aber keinen. Da ist mit Sicherheit nicht einer. Denn es gibt da einen Wächter des Glaubens (iman),der in den Herzen (qalb)aller die Ordnung und Sicherheit auf die zuverlässigste Weise beschützt (muhafiz).
(In der Zeitung) "Sebilu-r'Reshad",Ausgabe Nr. 116 findet sich unter der Überschrift: "Die Wahrheit (haqiqat)spricht" ein Artikel, in dem ich diese Tatsachen (haqiqat)lang und breit erörtert habe. Wer da behauptet, dass ein Mann, dessen ganzes Leben (hayat)bezeugt (shehadet),dass er alle irdischen (dunya)Dinge, ja sogar die Erfordernisse des Lebens (hayat),ja sogar des Jenseits (akhiret)für seinen Glauben (din)geopfert hat, der schon seit fünfunddreißig Jahren die Politik aufgegeben hat, gegen den verschiedene Gerichtshöfe, bei all ihren Nachforschungen niemals einen Beweis in dieser Richtung gefunden haben, der nun schon über achtzig Jahre alt und bereits an die Schwelle des Grabes gelangt ist, der von allen irdischen (dunya)Gütern kaum einen einzigen Gegenstand besitzt oder darauf Wert legte, von einem solchen Manne zu behaupten, er "gebrauche die Religion (din)als ein Mittel zur Politik", ist von der Erde bis zum Himmel hinauf und vom Himmel bis wieder herab zur Erde eine Ungerechtigkeit, ja geradezu gewissenlos.
Wir Schüler von der Schule zur Erkenntnis des Lichtes (Nur mekteb-i irfani shakirdleri)haben aus dem weisen Qur'an
die folgende Lektion in der Wahrheit (haqq)empfangen: Wenn sich in einem Haus oder auf einem Schiff ein Unschuldiger und zehn Verbrecher befänden, dürfte man dann etwa, obwohl es doch das qur'anische Rechtsverständnis verbietet, um nicht das Recht (haqq)dieses Unschuldigen zu verletzen, dieses Haus oder dieses Schiff in Brand zu stecken, (das Leben) von zehn Unschuldigen wegen eines einzigen Verbrechers zu vernichten, dieses Haus oder dieses Schiff in Brand stecken? Würde man es aber dennoch verbrennen, wäre das dann etwa nicht das größte Unrecht, die schlimmste Untat und die übelste Unbarmherzigkeit? Aus diesem Grunde müssen wir aufgrund unserer Religion (din)selbst wissen, dass wir, weil es doch durch göttliches Gesetz und nach der qur'anischen Wahrheit streng verboten ist, wegen zehn Verbrechern unter hundert Menschen das Leben (hayat)von neunzig Unschuldigen in Gefahr zu bringen oder ihnen einen Schaden zuzufügen, alle Sicherheitsvorkehrungen außer Kraft zu setzen, den qur'anischen Lektionen folgend, mit all unserer Kraft (quvvet)für die Wahrung (muhafaza)der Sicherheit Sorge tragen.
So sind es denn zweifelsohne die versteckten Feinde in der vorausgegangenen Regierung, die uns zu Unrecht verdächtigen und beschuldigen, ihre eigene Gottlosigkeit als Mittel der Politik gebrauchen und wissentlich oder unwissentlich darüber in Eifer geraten, in unserem Lande ihre verderbte Ideologie einzuführen. Daraus wird ersichtlich, dass nicht wir es sind, welche die Ordnung und alle Anordnungen missachten und die innere und äußere (maddi manevi)Sicherheit und Ordnung des Landes stören, sondern dass eigentlich sie es sind. Ein wahrer Muslim, ein aufrichtiger Gläubiger (mu'min)wird niemals für Anarchie und Gesetzlosigkeit Partei ergreifen. Was die Religion (din)auf äußerste verbietet, ist Aufruhr (fitnah)und Anarchie. Denn eine Anarchie respektiert überhaupt kein Recht. Der Ehrenwerte Qur'an weist darauf hin, dass am Ende der Zeiten der Mensch, sein Charakter, seine kulturellen Errungenschaften und seine Zivilisation den Charakter
reißender Tiere annehmen, welche das Komitee von "Gog und Magog" bilden werden.
So also, Euer Ehren, hat man mich und meine Schüler achtundzwanzig Jahre lang Qualen zugefügt und uns gepeinigt. Und auch die Staatsanwälte bei Gericht haben mit Beleidigungen nicht gespart und nicht gezögert. Wir aber haben all dies geduldig ertragen. Wir haben unseren Dienst im Glauben (iman)und am Qur'an fortgesetzt. Wir haben den Männern der früheren Regierung alle ihre Schikanen und ihre Ungerechtigkeiten vergeben. Denn über sie ist das Ende, das sie verdient haben bereits gekommen. Wir aber haben inzwischen Recht (haqq)bekommen und unsere Freiheit (hürriyet)wiedererlangt. Und wir danken dafür, dass Gott uns die Gelegenheit gegeben und die Gnade gewährt hat, vor so gläubigen (iman)und gerechten Richtern, wie Ihr wie es seid, aussagen zu dürfen.
هَذَا مِنْ فَضْلِ رَبِّى
{"Dies ist von der Gnade meines Herrn."}
Said Nursi
* * *
Einige Abschnitte aus der Verteidigungsrede von Advokat Mihri Helav:
Der Verfasser der Risale-i Nur ist unter allen Verfassern und Schriftstellern der bescheidenste. Sich selbst zu loben und zu rühmen, ist ihm sein größter Feind. Allen weltlichen (dunya)Dingen hat er den Rücken zugekehrt. Nicht Geld und Gut, nicht Ruhm noch Ehre und Ansehen... Nichts dergleichen vermochte sich ihm anzuheften. Noch nicht einmal Gandi konnte von weltlichen (dunya)Dingen seine Hände so weit zurückziehen. Dieser große Mann, der sich von nur fünfzig Gramm Brot und eine Schale Suppe täglich ernährte, lebte einzig für seinen Dienst am Glauben (iman)und am Qur'an. Andere Dinge hatten in seinen Augen
keinen, aber auch gar keinen Wert und keine Bedeutung. Da dies aber so ist und man sagt, er werde für sein Werk gelobt und gepriesen, wie ist es dann nach Recht (haqq)und Gerechtigkeit, der Rechtslage entsprechend und bei wissenschaftlicher (ilim)wie menschlicher Überlegung, bei klarem Verstand und logisch (mantik)nüchternem Nachdenken vereinbar, dass man sich darum bemüht, ihn zu bestrafen, ihn nach Paragraph 163 im Netz seiner Schuld verstricken will? Dies sollte einer Einschätzung des Hohen Gerichtshofes überlassen bleiben.
...........
Hiermit möchte ich nun dieses Thema eines Widerstandes gegen die Staatsgewalt in meinen Ausführungen mit einigen wenigen Worten zu Ende bringen. Diese Persönlichkeit, die mit ihren nun bald hundert Lebensjahren hier so vollkommen aufrichtig und ehrlich vor Ihnen steht und von Ihnen ein gerechtes Urteil erwartet, ist ein Mann, der sich in seinem ganzen Leben niemals so weit erniedrigen würde, eine Erklärung abzugeben, die der Wahrheit zuwider (hilaf-i haqiqat)läuft. Er sagt jedoch in seiner ersten Gerichtsverhandlung, dass er mit der jetzigen Regierung zufrieden ist und für ihren Erfolg betet (dua).Was die alte Regierung betrifft, eine Regierung, die ihm nicht gefallen hat und die er kritisiert hat, so hat er öffentlich gegen sie geredet. In der Tat ist mein Mandant, der zusammen mit dem ganzen Volk gegen die Despotie gekämpft und sich für die Freiheit (hürriyet)und die Wiederaufrichtung der Demokratie eingesetzt hat, jetzt mit dem Erfolg, der auf diese Weise zustande kam, gleichfalls zufrieden. Auch der Sinn der Risale-i Nur besteht darin, den Herzen (qalb)die gesellschaftliche Ordnung und ihre Anordnungen einzupflanzen. So wie sich die Politiker auf ihrem politischen Gebiet (sahada)darum bemühen, die öffentliche Ordnung, sowie das Recht (haqq)und die Freiheit (hürriyet)des Volkes sicher zu stellen, so bemüht sich auch der Verfasser der Risale-i Nur auf dem geistigen Gebiet (manevi sahada)darum, diese (Werte) in die Herzen (der Menschen)
einzupflanzen. Ihre Ziele sind also die gleichen. Der Verfasser der Risale-i Nur, die eine Schule der Erkenntnis (mekteb-i irfan)ist, und seine Studenten sind die freiwilligen geistigen Wächter (manevi bektji)dieser Sicherheit und Ordnung und ihren Anordnungen. Sie kämpfen auf ihrem geistigen Gebiet (manevi saha)dafür, dass in den Herzen (qalb)und Hirnen keine Anarchie und Verderbnis zurückbleiben. Und so bemühen sie sich in vollkommener Aufrichtigkeit, ohne jede Gegenleistung, ohne Eigennutz und ohne irgendeinen Gewinn zu erwarten, einzig um Gottes Wohlgefallen willen und allein für die Zufriedenheit des Volkes und des Landes. Dies zu tun ist weder eine strafbare Handlung noch ein Verbrechen, sondern ein Dienst an Volk und Land. Was dies verdient, ist nicht Kritik sondern alle Anerkennung. Seinen Freispruch zu wünschen, ist unser gutes Recht (haqq).Der Beschluss ist Sache des Hohen Gerichtshofes.
* * *
Die Verteidigungsrede des Rechtsanwalts Seniyyüddin Bashak:
Nach dem ersten Verteidiger stand als Vertreter des Verfassers der Rechtsanwalt Seniyyüddin Bashak auf und sagte die folgenden wenigen Worte:
Diese ganze Angelegenheit ist nunmehr endlich klar geworden; dabei hat sich jetzt die Wahrheit (haqiqat)sonnenklar herausgestellt. Das Hohe Gericht hat bereits alle Dinge zur Kenntnis genommen. Dem brauche ich also kein Wort mehr hinzuzufügen. Eine solche Persönlichkeit, die mit so viel Tugend und Wertschätzung bereit ist, sich für das Volk und das Land zu opfern, und in Gottes Namen (fisebilillah)dafür arbeitet, ohne dafür irgendeine Gegenleistung oder einen Preis zu bekommen, an einen derartigen Ort zu bringen und hier wie einen gemeinen Verbrecher auf die Anklagebank zu setzen, lässt auf eine Denkweise schließen, zu der ich eigentlich gerne noch einige
Überlegungen hinzufügen wollte, wozu hier aber kein Platz ist. Man müsste dazu eine eigene Abhandlung schreiben. Gegen eine solche Denkweise vorzugehen, wäre die Aufgabe (vazifedir)eines jeden Einzelnen. Ich bin aber dessen sicher, dass die hohe Meinung (vidjdan)des Hohen Gerichtes meiner Verteidigung nicht länger bedarf. Ich fühle mich daher geehrt (sheref),für meinen Mandanten den Freispruch zu fordern.
* * *
Die Verteidigungsrede des Rechtsanwalts Abdurrahman Sheref Latj:
Danach übernahm als ein weiterer berühmter Anwalt der gläubige (iman),weithin (qudret)bekannte, hervorragende Anwalt Abdurrahman Sheref Latj gleich seinen Kollegen ehrenamtlich die Verteidigung des Meisters und begann zunächst mit einer Einführung. Dabei sagte er:
Es hat sich nun als vollkommen klar herausgestellt, dass diese hier vor Eurer ehrenwerten Anwesenheit (huzurunuza)als Angeklagter erschienene ehrenwerte (mubarek),bereits über achtzig Jahre alte Persönlichkeit in gar keiner Verbindung bezüglich dessen steht, wessen man ihn beschuldigt hat. So bin ich denn der festen Hoffnung, dass das Hohe Gericht bereits zu der völligen Überzeugung gelangt ist, in diesem Falle einen Freispruch beschließen zu wollen. Und bestünde auch nur eins zu Tausend die Wahrscheinlichkeit, dass hier ein Beschluss gegen uns gefasst werden könnte, so würde ich es dennoch für pflichtvergessen (vazifesizlik)halten, diese Verteidigung eines Unschuldigen zu vernachlässigen. Dabei wäre es nötig, auch Überzeugung und Standpunkt des Revisionsgerichtes zu berücksichtigen. Auch sollte es sich in der Verhandlung dieses Falles lediglich um einen Formfehler handeln, so möchte ich doch hier besser nichts unterlassen. Deshalb bitte ich hiermit das Hohe Gericht um die Erlaubnis, diese Verteidigung übernehmen zu dürfen.
Einverstanden, Abdurrahman Bey! Wir sind bereit, von Ihre letzte Verteidigungsrede zu hören. Bitte!
.............
Da sich in diesem Werk, welches den Titel "Wegweiser für die Jugend (Gentjlik Rehberi)"trägt, nur Anweisungen (emir)des Ehrwürdigen Qur'an und die dazugehörigen Kommentare (tefthir)befinden, es also nur Dinge enthält, welche die islamische Religon (din),sowie die Weisungen (emir)und Ratschläge (nasihat)dieser Religion (din)betreffen, und da nach Paragraph 70 der Verfassung über das Recht (haqq)und die Freiheit (hürriyet)aller Türken die Unantastbarkeit der Persönlichkeit nach seinem Gewissen, seiner Denkweise (tefekkur),der Meinungs- und der Pressefreiheit zu seinen natürlichen Rechten (haqq)gehört, und da nach Paragraph 75 der Verfassung niemand aufgrund seiner Religionszugehörigkeit oder Überzeugung (mesheb)kritisiert, verachtet oder lächerlich gemacht werden darf, verstößt es gegen das verfassungsgemäße Recht, meinen Mandanten seines verfassungsgemäßem Rechtes (hüküm)auf die Freiheit (hürriyet)der Religion (din)und das Recht, zu veröffentlichen, zu berauben und ihn dementgegen einem Strafverfahren zu unterziehen.
...........
Den unmöglichen Fall aber einmal angenommen, dass die oben erläuterten gesetzlichen Aspekte nicht in Betracht gezogen würden und man es für möglich hielte, dass mein Mandant nach dem undemokratischen Paragraphen 163 des türkischen Strafgesetzbuches weiterhin verfolgt würde, könnte ich damit beginnen, die Anklageerhebung folgendermaßen zu analysieren:
Ein Muslim mit weißen Haaren; ein im Alter ergrauter Muslim; ein Muslim, dessen Haupthaar und die Jahre eines ganzen langen Lebens vom Lichte (Nur)gebleicht sind; ein strahlend weißer Muslim, dessen Haare, Kopf und Leben und dessen ganzes Sein im Lichte (Nur)Gottes gewaschen und gereinigt worden sind. Er hatte die ganze
lange Spanne seines Lebens als Gabe Gottes (in'am-i Haqq)der Rettung des türkischen Volkes und dessen wahrem (haqiqi)Glück gewidmet. Er war entschlossen, bis er seine Seele (ruh),die ein Befehl Gottes (emr-i Ilahi)ist, dem wahren Herrn (hakiki malik)der Zeit, Gott (Allah),wieder zurückgeben (teslim)wird, auf eben diesem Wege weiter zu schreiten. Als ein großer Muslim gebraucht er seinen Leib, der ein Tempel des Hochgepriesenen (bina-yi subhani)ist, allein auf Gottes Wegen und wagt es, an diesem Tag, an dem man doch sagt: "es gibt doch heute eine Demokratie", zu sagen: "es gibt nur Gott (Allah)","es gibt das Buch (Kitab)"und "es gibt den Propheten (Rasul)"und zu der Jugend (gentjlik)sagt "habt Acht"! Und gleich kommt auch schon der Herr Staatsanwalt (also der Anwalt, der die Anklage erhebt), packt ihn, hält ihn fest und sagt:
"Jetzt komm einmal her... Du hast ein Verbrechen begangen!"
Und da hüllt sich der Horizont in pechrabenschwarze Finsternis.
Doch betrachtet nun einmal diesen edlen und vornehmen alten Muslim! Wie ruhig und wie gelassen er ist! Denn er lebt nicht in der Vielheit dieser Welt, sondern in der Einheit (vahdet)der göttlichen Allgegenwart. Er ist nicht erschöpft von der Finsternis der Nacht und lässt sich nicht hinreißen von der Vielfalt der bunten Farben des Tages. Bei allen Plagen seines Kerkers schaut er doch die Reinheit (safa)eines innerlichen Frohsinns. Selbst noch an der Tafel aller Qualen hielt er (Gott) die Treue und wurde so der Erscheinung Seiner Namen (mazhar-i tedjelli)gewürdigt. So wurde ihm die wahre Natur (haqiqat)aller Dinge geoffenbart. Alle Trübsal verwandelte er in eine Labsal (letafet).Es wurde ihm das Blut entzogen. Doch anstelle des Blutes strömt nun in seinen Adern die Fülle göttlicher Wahrheit und Gerechtigkeit (feyz-i Haqq);und der Staatsanwalt (also der Anwalt, der die Anklage erhebt), packt diesen Muslim am Arm und wirft ihn ins Gefängnis.
Warum? Wozu? Was hat denn dieser schwache Greis (piri fani)getan? Was ist denn die Schuld dieses greisen Muslims? Fragen Sie noch, was er getan hat? Schauen Sie doch einmal, was alles er nach Meinung des Staatsanwalts (der die Anklage erhebt) getan haben soll?
Ein Buch mit dem Titel: "Wegweiser für die Jugend (Gentjlik Rehberi)"hat er herausgegeben?
A - Er hat dem "Laizismus" entgegen gehandelt. Gott (Allah),die Religion (din),der Glaube (iman)sind gegen den "Laizismus" gerichtet? Sie sind es. Nun gut, und sonst noch etwas?
B - Er wollte die gesellschaftliche, ökonomische, politische und gesetzliche Basis des Staates den Grundlagen der Religion (din)anpassen. Wieso, warum und zu welchem Zweck hat er das getan?
C - In der Absicht, einen persönlichen Einfluss nehmen zu können und sich ein größeres Ansehen zu verschaffen. Nun gut, hatte er etwa die Absicht, sich daraus politisch einen Vorteil zu verschaffen? Nein, das nicht. Selbst die Sachverständigen (ehl-i vukuf)konnten eine solche Absicht nicht entdecken. Auch der öffentliche Ankläger behauptet so etwas nicht. Nun gut, aber was erwartet denn eigentlich diese Person, ein schwacher Greis (pir-i fani)in einem derartigen körperlichen Zustand, von der Welt (dunya),wenn er noch einen Einfluss auf sie ausüben will, wo er doch gar nicht die die Absicht hat, politisch einen Nutzen daraus zu ziehen?
Der Staatsanwalt sagt: "Darüber weiß ich nichts. Er will es einfach nur. Auch die Sachverständigen sagen das so."
Nun gut, aber wie hat denn dieser Muslim diese Dinge getan?
A - Indem er die Religion (din),die religiösen Gefühle und die Dinge, die in einer Religion (din)für heilig (muqaddes)gehalten werden, einfach für diese Dinge instrumentalisiert.
Was sind das für Dinge, die in der Religion (din)für heilig (muqaddes)gehalten werden? Die Religion (din)des Islam, das Gefühl, ein Muslim zu sein, die Ehrfurcht im Herzen (qalb)bei dem Wort "Allah", der Qur'an und der Kommentar (tefthir)dazu... Das heißt also: der Staatsanwalt kennt diese Dinge. Er glaubt, dass sie heilig (muqaddesat)sind.
Nun gut, aber heißt das denn, solche Dinge lediglich zu instrumentalisieren, wenn man sie doch kennt und an sie glaubt? In der Tat heißt dies nach Ansicht des Staatsanwalts, der die Anklage eröffnet, er habe sie lediglich instrumentalisiert. Wenn dem aber so ist, so instrumentalisiert sie auch der Herr Staatsanwalt in gleicher Weise... ja, er instrumentalisiert selbst ein politisches Gesetz für seine eigenen Zwecke... ja, instrumentalisiert es sogar noch dazu, einen Muslim auf diese Weise zu verurteilen. Und begeht er so nicht selbst nach Paragraph 163 eine strafbare Handlung?
"Nein" sagt der Staatsanwalt, "schließlich mache ich ja keine Propaganda." Und dennoch propagiert und suggeriert er. Wie sagte er so schön? Folgendes erklärte er:
"Genauso ist in dieser Zeit in dem Kampf des atheistischen Irrglaubens gegen den Islam die fürchterlichste unter den Divisionen, die mit dem Plan der eigenwilligen Seele unter das Kommando des Teufels gegeben wurden, die der halbnackten Damen, die mit ihren unbedeckten Beinen wie mit fürchterlichen Messern die Leute des Glaubens angreifen. Sie bemühen sich den Weg der Heirat zuzuschließen und den Weg zum Freudenhaus zu verbreitern. Die Begierde vieler nehmen sie auf einmal gefangen und verletzen ihre Herzen und Seelen mit großen Sünden. Vielleicht töten sie einen Teil von diesen Herzen."
Nun gut, ist das jetzt eine Lüge? Wird hier etwa geleugnet, dass eine Schar von Prostituierten (fahishe)für ihr Freudenhaus (fuhsh)werben und die Ehe (nikah)zugrunde richten wollen? Kämpft also die öffentliche Hand etwa nicht
gegen die heimliche oder allgemeine Unzucht (fuhush)?Bekämpft die Sittenpolizei mit ihrem Strafgesetz und den Vorschriften zur Bekämpfung der Unzucht (fuhush)diese Dinge etwa nicht bei Nacht und bei Tage?
"Das stimmt schon; diese Dinge gibt es. Aber darum kümmern müssen wir uns. Oder kümmert sich etwa Allah darum?", sagt nun der Staatsanwalt. Nun gut, mag er es so sagen. Mag er das sagen, aber das Gesetz, die Polizei und der Anwalt nehmen den Täter und den, der zu der Tat angestiftet hat, erst dann fest, wenn er die Tat bereits begangen hat, d.h. erst nachdem die Tat bereits vollendet wurde, die Ehre geschändet wurde, der Mensch gestorben ist. Es gibt gesetzlich keine Möglichkeit, bereits im Voraus Maßnahmen zu ergreifen; aber die Religion (din)hat eine solche Möglichkeit: die Furcht vor Gott (Allah)und die Religion (din).Sie informiert uns, dass dank dieser Furcht jede Art von Gemeinheit von vornherein verhindert werden kann. Die Religion (din)des Islam schreibt das so vor. Sie sagt uns, dass wir vorbeugende Maßnahmen ergreifen sollen. Und wie das? Gebt (den Menschen) Ermahnungen und gute Ratschläge (nasihatmit auf den Weg), führt sie zu der Erkenntnis Gottes, bereitet in den Herzen (qalb)der Menschen einen Platz für die Furcht Gottes und die Liebe zu Gott (Allah sevgisi);lehrt sie, das Feuer der Hölle (djehennem)und die ewige Pein und Strafe zu kennen, zu verstehen und zu fürchten, die ewige Glückseligkeit zu lieben. In dieser Furcht werden sie die Bosheiten fliehen; dann werden sie gerettet werden. Dann wird auch die Gemeinschaft, die Staatsanwaltschaft, der Staat, die Regierung und das Volk in Ruhe und Frieden leben können. Darum sollt ihr die Furcht und die Liebe zu Gott (Allah korkusu ve sevgisi)in die (Herzen) der Menschen einpflanzen.
Wie können wir dieses Werk verrichten? Also sprecht, schreibt, lest! So gut, aber heute nennt man das Propaganda. Also was soll man tun? Sind dies nicht Gottes Weisungen (Allah'in emirleri),die Weisheiten des Ehrwürdigen Qur'an (Qur'an-i Adhimu-sh'Shan'in hikmetleri)?Ist die
Religion (din)nicht Euer ganz natürliches Recht (haqq)?Wer will euch etwa davon und von Gottes Wegen abhalten? Sie sagen Euch, es sei ein Verbrechen. Ist das auch so? Lest die Weisung Gottes (Allah'in emri):
اِنَّ الَّذِينَ كَفَرُوا وَصَدُّوا عَنْ سَبِيلِ اللّٰهِ وَشَاقُّوا الرَّسُولَ مِنْ بَعْدِ مَا تَبَيَّنَ لَهُمُ الْهُدٰى لَنْ يَضُرُّوا اللّٰهَ شيْئاً وَسَيُحْبِطُ اَعْمَالَهُمْ
"So wisset denn also, dass diejenigen, die ungläubig sind, die Menschen von den Wegen Gottes abhalten und nachdem ihnen Rechtleitung (huda) zuteil geworden ist, sich gegen den Propheten (Rasul) kehren, Gott damit nicht den geringsten Schaden zufügen können, Er aber ihre Werke zunichte machen wird." (Sure 47, 32)
Nungut, aber wenn sie nun nicht zuhören? Wiederhole es denen, die dir zuhören und Glauben (iman)schenken. Denn das Werk, das ihr verrichtet, ist schon in Ordnung... also gut für die Menschen, für die Gemeinschaft, für das Volk, für die Regierung, für den Staat; es bewahrt vor dem Bösen, vor dem Schlechten. Denen, die glauben (iman),sage:
يَا اَيُّهَا الَّذِينَ اٰمَنُوا اَطِيعُوا اللّٰهَ وَ اَطِيعُوا الرَّسُولَ وَلاَ تُبْطِلُوا اَعْمَالَكُمْ
"Oh ihr, die ihr glaubt! Gehorcht Gott und gehorcht dem Propheten (Allah ve Resulu)! Und macht eure Taten nicht wertlos!"
Und wenn sie daran auch nicht glauben, sagt ihnen: Das ist gefährlich... gefährlich aber für Land und Volk ist nicht etwa die Religion (din)oder die Verbreitung des Glaubens (din),sondern die Glaubenslosigkeit. Auch unser Ministerpräsident hat gesagt: "Der Traditionalismus kann nicht als eine Gefahr für das Land angesehen werden. Heutzutage gibt es für die Verbreitung des Glaubens (din)keine hindernde Umstände (hal)mehr. Deshalb braucht man keine Maßnahmen mehr zu ergreifen."
Euer Ehren! Ihr wisst dies wohl! Aber fragt einmal den Herrn Staatsanwalt, der die Anklage erhoben hat, ob er dazu nein sagen kann!? Wenn man die Weisungen Gottes (Allah'in emirleri)und die Weisheiten des Ehrwürdigen Qur'an (Qur'an-i Adhimu-sh'Shan'in hikmetleri)
den jungen Menschen nicht erklärt, sie nicht darin unterweist, ihnen vielmehr sagt, dass Propaganda eine Straftat und daher verboten ist, wäre es dann etwa noch möglich, Sittenlosigkeit, Schamlosigkeit, Entwurzelung, Unzucht (fuhush),Ehebruch (zina),Mord und Totschlag einzig und allein durch das Strafgesetz aufzuhalten? Wie etwa wäre es möglich, solch eine schlimme Plage wie den "Kommunismus", der die ganze Welt (dunya)gefährdet, eine solch heimliche, wie allgemeine, rasche und heimtückische Zerstörung, vollständig verhindern?
Meine ehrenwerten, vaterlandsliebenden, an Gott und Seine Heiligtümer (Allah ve muqaddesat)treu verbundenen türkischen Richter! Bitte richten Sie einmal Ihr Augenmerk auf jene abscheuliche Propaganda, durch welche die reinen, noch unverdorbenen Gehirne unserer noch jungen, islamischen, türkischen Kinder einer jahrelangen Zerstörung ausgesetzt werden, auf das Gift, das die Feinde des Glaubens (din)verspritzen und auf die Lähmung, die es (in ihren Gehirnen) hervorruft!
In welch abscheuliche Umstände (hal)und Widersprüche sind wir da hineingeraten! Erkennt sie etwa der Herr Staatsanwalt nicht, verfolgt nicht die, welche mit ihren abscheulichen Angriffen der islamischen Religion (din)und allen heiligen Religionen (muqaddes din)ihre Verachtung zeigen und verhaftet etwa stattdessen denjenigen, der Maßnahmen empfiehlt, um die Jugend vor derartigen Angriffen zu schützen?
Hoch verehrte, türkische, islamische Richter! Sie können meinen Mandanten nicht allein wegen seines Wegweisers für die Jugend (Gentjlik Rehberi)aus jener Risale-i Nur, die einzig und allein das göttliche Licht (nur-u Ilahi)wiederstrahlen lässt, also jenes Licht (Nur),von dessen Glanz Gottes klarer und eindeutiger Qur'an (Qur'an-i Mubin)erfüllt ist, verurteilen!...
Verehrte, edle, islamische, türkische Richter! Sie wissen
doch recht gut, dass die wahrhaft rechtgeleiteten Gelehrten (hakiki irshad alimleri)die Erben der Propheten (enbiyanin varisleri)sind. Diese gesegneten (mubarek)Persönlichkeiten sind dazu verpflichtet, aufgrund der Weisungen dieses ganz klar verständlichen Qur'an (Qur'an-i Mubin'in emirleri)den Rat und die Erkenntnis (va'z-u nasihat),die ihnen als Erbe überkommen ist, zu verbreiten. Sie tun nur ihre Pflicht (vazife)und verlangen dafür nicht Lohn noch Entgelt. Sie erfüllen ihre Aufgabe (vazife)um Gotteslohn (fisebilillah).Sie erwarten dafür einzig die Zufriedenheit Gottes und Seines Gesandten (Allah ve Resulunun rizasi).Und sie werden diese heilige Aufgabe (muqaddes vazife)auch weiterhin bis zu ihrem letzten Atemzug (nefes)erfüllen. Denn diese Aufgabe (vazife)ist ihnen von Gott und Seinem Gesandten (Allah ve Resulu)anvertraut (emanet).Aber wie kann man denn meinen Mandanten dafür quälen und verfolgen, dass er das ihm anvertraute Pfand (emanet)an seine erlesenen (Schüler) weitergibt? Wie kann man denn einem so hochbetagten Menschen in einem schwachen und hinfälligen Körper ein derart unglaublich schweres Angebot auf die Schultern laden:
"Komm nun und geh jetzt ins Gefängnis!"
Das ist die abscheulichste Grausamkeit. Doch die Aufgabe (vazifah),eine derartige Grausamkeit zu verhindern, ist Ihnen nun anvertraut.
Was aber alle Bosheit, Sünde, Sittenlosigkeit, Niedertracht, Aufruhr und Zwietracht zu beseitigen vermag, ist das Licht (Nur)...
يُرِيدُونَ اَنْ يُطْفِؤُا نُورَ اللّٰهِ بِاَفْوَاهِهِمْ وَيَاْبَى اللّٰهُ اِلاَّ اَنْ يُتِمَّ نُورَهُ وَلَوْ كَرِهَ الْكَافِرُونَ
"Sie wollen Gottes Licht mit ihrem Munde ausblasen. Gott aber möchte fürwahr Sein Licht (Nur) vollenden (zu Seinem vollen Glanz bringen)... Auch wenn das den Ungläubigen (kafir) nicht gefällt."
Der Anwalt
Abdurrahman Sheref Latj
Nach dieser Verteidigungsrede wurde Ustadh Said Nursi von dem Vorsitzenden des Gerichtshofes gefragt, ob er dem noch etwas hinzuzufügen habe, worauf der oben erwähnte sich erhob und sagte:
Ich bitte um die Erlaubnis, nur ein einziges Wort sagen zu dürfen.
Bitte sehr!
Der lobenden Worte, die der verehrte Herr Rechtsanwalt (vekil),was meine Person betrifft, geäußert hat, bin ich nicht würdig. Ich bin nur ein schwacher Mensch, der im Dienst am Qur'an und am Glauben (iman)tätig ist. Mehr dazu zu sagen ist nicht notwendig.
Die Verkündigung des Freispruches:
Daraufhin wurde die Gerichtsverhandlung beendet. Das Richter-Kollegium zog sich zur Beratung zurück und verkündete daraufhin einstimmig den Freispruch. Dieser Beschluss wurde von den anwesenden Studenten und dem Volk stürmisch bejubelt. Da nun auch der Staatsanwalt nicht in Berufung ging, wurde dieser Beschluss hiermit rechtskräftig.
* * *
Ein Brief, den ein Schüler der Risale-i Nur an der Universität an seinen Freund nach der Ankunft (teshrif) Bediüzzamans in Istanbul schrieb.
Anlässlich der Ankunft (teshrif)unseres geliebten (sevgili)Meisters (Ustadh)bedanke ich mich für die an uns und ganz Istanbul ergangenen Glückwünsche (tebrik).Über diesem prachtvollen und so besonderen Ereignis (hadithe)brodelte die ganze große Stadt und feierte tief in ihrem Inneren ein Fest (bayram).Gelehrte (alim)und Ungebildete (djahil),Arme (fakir)und Reiche, Junge (gentj)und Alte waren zu den Gerichtssitzungen gelaufen. In seiner Herberge und wo immer er sich sonst zeigte, kamen sie zuhauf und wollten ihn sehen.
Selbst noch unsere Träume sind von Frohsinn und Freude erfüllt... Was aber unsere Feinde betrifft, so sind ihre Gesichter nun noch finsterer geworden. Letztendlich wissen sie nun, dass sie mit ihrer Zwietracht nichts bewirkt haben und nichts mehr bewirken werden. Unser Meister (Ustadh)hat all den Dingen, die große Persönlichkeiten aus ihrer Zeit als Andenken in Istanbul zurückgelassen haben, wieder einen neuen Geist (djan)eingehaucht. In den Augen unserer Brüder hat sich das Antlitz unserer Stadt völlig verändert. Ayasofya {Der Bezirk, in dem es so viele Moscheen gibt. (A.d.Ü.)} hat sich nun bis nach Sarayburnu ausgedehnt.
Draußen von den Minaretten kann man nun wieder den Ruf zum Gebet (ezan-i muhammedi (A.S.M.)) hören. Und drinnen haben die Rezitatoren (hafidh)wieder begonnen, den Ehrenwerten Qur'an vorzutragen. Fatih ersteht jeden Tag wieder neu aus seinem Mausoleum und grüßt seinen großen, gesegneten Gast in der von ihm eroberten Stadt. "Seid mir willkommen!", sagt er und er beglückwünscht ihn. Und uns erscheint es jetzt so, als könne man von der Neuen Moschee (Yeni Djami sherefesi)aus bis in den finstersten, verkommensten Winkel von Beyoghlu hinein
einen Lichtstrahl erblicken. Ayasofya, Fatih, Sultan Ahmed, Eyyüb und Süleymaniye, alle Bezirke, ja das ganze islamische Istanbul wirft gleich einer strahlenden Braut den Schleier (hidjab)von ihrem Antlitz und zeigt es uns noch prächtiger und liebenswürdiger über dieser großartigen Ankunft (teshrif)und seinem erhabenen Licht (ulvi nur)...unser Meister (Ustadh)ist nun die Sonne über unserer Stadt; geht er, wird die Sonne über unserem Horizont ihm folgen und ihre Millionen werden wieder in Finsternis versinken. Doch als ein Trost bleibt uns die Hoffnung, dass mit der Risale-i Nur ihr Glanz (Nur)Sultan Fatihs Stadt erleuchten und über ihr glänzen wird.
In dem Augenblick, in dem ich telefonisch die Nachricht von der Ankunft (teshrif)des Meisters (Ustadh)erhielt, durchzuckte plötzlich ein Strom meinen seelenlosen (djansiz)Leib und elektrisierte mich. Es war kein tödlicher, nicht ein betäubender Schlag; es war vielmehr ein belebender Strom und hat mir neues Leben (djan)geschenkt... Plötzlich durchströmte mein ganzes Sein innerlich wie äußerlich (maddi ve manevi)ein Strom von Kraft (quvvet)und ich spürte, wie ein gewaltiger Magnetismus mich zu sich heran zog. Als ich dann den Großen Strafgerichtshof (Aghir Djeza Mahkemesi)erreichte, bemerkte ich, dass das, was ich bereits zuvor gespürt hatte, auch bereits die gesamte Gemeinschaft erfasst hatte. Der ganze Gerichtshof war innen wie außen gestopft voll mit Menschen. Schon wollte ich mich mit meinen Armen durch die Menge nach vorne hindurch arbeiten. Doch da blieb mein Blick an dem Meister (Ustadh)hängen, der da auf zwei Universitätsstudenten gestützt herein trat. Und obwohl er durch seine geistige Ausstrahlung (manasi),wie auch in seiner körperlichen Erscheinung und in seiner Kleidung eine völlig ungewöhnliche Persönlichkeit war und in diesem Augenblick die Blicke der Millionen auf ihn gerichtet waren, schritt er dennoch durch sie hindurch, als berühre ihn dies nicht in seinem innersten Wesen und so, als nähme er all dies nicht weiter zur Kenntnis.
Dann bin ich im Gerichtssaal. Dann wird der erhabene Name aufgerufen. Der große Mann eines ruhmreichen Volkes, Repräsentant einer Religion (din)und einer geschichtlichen Epoche tritt ein. Nach einer kurzen Unruhe im Saal tritt nun absolute Stille ein. Jedermann spürt die Bedeutung dieses großartigen und gewaltigen Augenblicks und die allgemeine Erregung.
Obwohl der Meister (Ustadh)gesagt hatte, dass er krank sei, reagierte er dennoch von seinem Platz aus blitzschnell und sprungartig mit Einwänden und Erklärungen... und das Richterkollegium betrachtete diesen großen Mann mit Bewunderung... Zu Beginn der zweiten Sitzung war dann das Gedränge noch größer... diese staunenswerten Antworten unseres Meisters (Ustadh),wenn er direkt auf den Bericht der unverständigen Sachverständigen eingeht... und dann die Vertagung des Verhandlungstermins auf den fünften März... Zitternd näherte ich mich, meine Sünden und Schwächen tausendfach bereuend und bedauernd, küsste seine gesegneten (mubarek)Hände mit unendlicher Innigkeit, versuchte, dabei innerlich vollkommen frei zu sein und ermannte mich schließlich, ihm aufrichtig in die Augen zu blicken; dieser Augenblick, dieser Tag wird in meiner Erinnerung stets das größte und kostbarste Andenken bleiben. Meinen anderen Brüder an der Universität aber war die überaus große Ehre (sheref-i uzma)zuteil geworden, unserem Meister (Ustadh)zu Diensten sein zu können. Möge Gott der Gerechte (Djenab-i Haqq)mit unserem Meister (Ustadh)allezeit zufrieden sein und allen Schülern, besonders aber denen, die so wie ich nur schwach und ohnmächtig von Verstand sind, Standhaftigkeit, Entschlossenheit und Aufrichtigkeit schenken (ihsan).Amin.
In der Tat sagen wir, mein Bruder, Gott dem Gerechten (Djenab-i Haqq)unendlich Dank, der uns in Seiner Gnade und in unserer Hilfsbedürftigkeit die Werke eines Meisters geschenkt hat, der mit seinem Leben (hayat)und Werk befestigt hat, dass er der geistliche König dieses Zeitalters ist, weshalb uns nun Gott helfen möge (insha-a'llah),
die Risale-i Nur, welche eine Salbe für die Wunden unserer Zeit, das am besten geeignete Heilmittel ist, das Licht (Nur),das den Angriff der Finsternis, von dem die islamische Gemeinschaft (heyet-i Islamiye)bedroht ist, am besten zu überwinden vermag, und der rechte Wegweiser (rehber)für die, welche sich in den Tälern des Irrglaubens (dalalet)verirrt haben, bis zum Ende unseres Lebens zu lesen und zu verbreiten.
اَلْبَاقِى هُوَ الْبَاقِى
{"Der beständige ist der, der bleibt und besteht"}
Einer der Schüler der Risale-i Nur an der Universität zu Istanbul
Kamil
* * *
Der Meister (Ustadh) geht nach Emirdagh
Nachdem der Prozess in Istanbul mit einem Freispruch geendet hatte, ging Ustadh Bediüzzaman (auf Wunsch der Regierung) nach Emirdagh. Während er aber dort in Emirdagh an einem Tag im Monat Ramadan einen Ausflug machte, schickte man einen Feldwebel mit drei bewaffneten Polizisten zu ihm, die ihn, wie im Folgenden noch näher erläutert wird, aufforderten, sich eine Schirmmütze {Der Turban, den er trug, ist in der Türkei verboten. (A.d.Ü.)} aufzusetzen; aus diesem Grunde führten sie ihn zum Wachlokal. Daraufhin schreibt der Meister (Ustadh)eine entsprechende Mitteilung und schickt diese an das Justizministerium und an das Innenministerium (vekalet);gleichzeitig schickte er diese auch an einen Schüler in Ankara und teilt diesem mit, dass er die an diesem Vorfall interessierten Abgeordneten davon informieren soll. Die Schüler in Ankara schickten eine Kopie (dieser Mitteilung), in der er sich darüber beklagt, an die Zeitung "Der Große Kampf (büyük djihad)"und veröffentlichten sie in Samsun. Der Artikel wurde in der Zeitung "Der Große Kampf (büyük djihad)"unter der Überschrift "Der größte Beweis" unter Hinzufügung einer Anmerkung veröffentlicht. Danach schickten auch die Schüler der Risale-i Nur an den Universitäten in Ankara und Istanbul zwei, drei Artikel an den "büyük djihad" und veröffentlichten sie dort. Währenddessen ereignete sich der Vorfall von Malatya und es begann eine umfangreiche Propaganda gegen gläubige Menschen (dindar)mit Lügen, Verleumdungen, Entstellungen und Verfälschungen. Einige Personen, die sich durch derartige Provokationen hatten täuschen lassen, machten sich nun an die Arbeit, um in religiös gefärbten Zeitungen nach Punkten für mögliche Anschuldigungen (medar-i ittiham)zu suchen. Auch in Samsun wurde wegen dieses oben erwähnten Artikels mit dem Titel "Der größte Beweis" und mehrerer Artikel eines
Nurdjus von der dortigen Universität der Herausgeber der Zeitung zusammen mit dem Nurdju aus Ankara, der einige dieser Artikel an die Zeitung geschickt hatte, verhaftet und es wurde ihnen der Prozess gemacht. Gegen die Verbreitung der Nurdjuluk-Bewegung im Lande wurden Erklärungen abgegeben und Ansichten geäußert. Wie in gleicher Weise bis zu sechshundert Schüler der Risale-i Nur gezielt verhaftet wurden, wurden in der Türkei auch an fünfundzwanzig Orten Hausdurchsuchungen durchgeführt und wurde teilweise auch Anklage erhoben. Im Ergebnis wurde jedoch weder in der Risale-i Nur noch bei den Nurdjus ein Punkt entdeckt, der Grund zur Anklage gewesen wäre, sodass man zu der Überzeugung gelangte, dass hier keine Schuld vorliege.
Da aber nach Prozesseröffnung in Samsun der Beschluss zu einer Verurteilung zunächst gefasst worden, dann jedoch im Berufungsverfahren (mahkeme-i temyiz),in dem die Werke der Risale-i Nur und ihr Verfasser, Bediüzzaman, ausführlich diskutiert worden waren, von Grund auf für ungültig erklärt worden war, wurde nun der Prozess wieder aufgerollt und man gelangte zu der Überzeugung, dass in den vorliegenden Schriften kein strafbarer Tatbestand gefunden werden könne, worauf dann ein Freispruch verkündet wurde.
Wegen des Artikels mit dem Titel "Der Größte Beweis" wurde auch gegen unseren Meister (Ustadh)in Samsun ein Verfahren eröffnet. Dazu wollte man ihn auch in Samsun vor Gericht stellen. Ohne sein ärztliches Attest, dass er sehr alt und krank sei, welches ihm das Gesundheitsamt seiner kleinen Stadt (kaza)ausgestellt hatte, in Betracht zu ziehen, wollte man, dass er unter allen Umständen vor Gericht erscheinen sollte. Am Ende entschloss der Meister (Ustadh)sich, vor dem Gerichtshof in Samsun zu entscheiden und machte also auf dem Weg dorthin zunächst einmal in Istanbul Station. Da jedoch seine Gesundheit bereits so stark angegriffen war, dass er es nicht mehr ertragen konnte, diese Reise noch weiter fortzusetzen,
musste ein Ärztegremium einen entsprechenden Bericht schreiben und an den Gerichtshof senden. In diesem Bericht stand geschrieben, dass Said Nursi entsprechend der unternommenen Untersuchung es körperlich nicht ertragen könne, zu Land, zu Wasser oder vielleicht auf dem Luftwege nach Samsun zu reisen. Schließlich fasste das Richtergremium, trotzdem der Staatsanwalt mit besonderem Nachdruck darauf bestanden hatte, dass Said Nursi in jedem Fall vor dem Gericht erscheinen müsse, aufgrund des ärztlichen Attests den Beschluss, dass Bediüzzaman mit Übereinkunft beider Gerichte ersatzweise in Istanbul zum Verhör erscheinen dürfe. Letztenendes und nach vielen aufeinander folgenden Sitzungen beschloss der Gerichtshof zu Samsun, weil er ja keine (böse) Absicht erkennen konnte, die, was die Verhandlung über die Abhandlung betraf, eine Verurteilung erforderlich gemacht hätte, Said Nursi freizusprechen.
* * *
Die folgende Verteidigungsrede durch den Gerichtshof, die mit einem Freispruch ihr Ende fand, hat unser Meister (Ustadh) Bediüzzaman Said Nursi vor dem Gerichtshof in Istanbul vorgelesen.
Unsere heimlichen Feinde sind in diesem Ehrwürdigen Monat Ramadan (Ramazan-i Sherif)wieder bei der Justizbehörde gegen mich vorstellig geworden. Die Angelegenheit steht aber im Zusammenhang mit einer kommunistischen Untergrundorganisation.
Erstens:
Ganz und gar gegen jedes Recht und Gesetz, hat man, als ich so völlig einsam und allein während eines Ausflugs auf einem Berg saß, einen Feldwachtmeister mit drei bewaffneten Gendarmen zu mir geschickt. "Sie tragen auf ihrem Kopf keine Schirmmütze.", sagten sie, packten mich und schleppten mich zum Wachlokal. Deshalb
frage ich nun alle Justizbehörden, die sich doch die Gerechtigkeit auf die Fahne geschrieben haben:
Diese Leute, die sich in fünffacher Hinsicht gesetzwidrig verhalten und in fünffacher Hinsicht die islamischen Gesetze verletzen und die nun in Wahrheit (haqiqi)selbst einer Gesetzwidrigkeit beschuldigt werden sollten, und mich nun schon seit zwei Jahren in meinem Inneren (vidjdan)unter dem Vorwurf ihrer merkwürdigen Gesetzlosigkeit quälen, werden sicherlich am Tage der Wiederversammlung vor dem großen Weltgericht ihre Strafe erhalten und dafür büßen müssen. Welches Gesetz in dieser Welt (dunya)erlaubt es nun eigentlich, einem Mann, obwohl er in der Tat seit fünfunddreißig Jahren völlig isoliert lebt und noch nicht einmal in diesem kleinen Städtchen (kasaba)auf den Markt (und unter die Leute) geht, zu sagen: "Du trägst nicht die fränkische (: europäische) Mütze?"
Diesen Mann, der, obwohl ihn seit sechsundzwanzig Jahren in fünf Provinzen (vilayet)und vor fünf Gerichten die Polizei von fünf Vilayaten niemals wegen seiner Kopfbedeckung belästigt hat, und obwohl ihn insbesondere auch dieses Mal in Istanbul z.Zt. der Verhandlungen vor dem Gericht (mahkeme-i adilesi),wenn er vor den Augen von mehr als hundert Polizeibeamten, auch wenn er zwei Monate lang überall zu Fuß umherging, die Polizei ihm niemals lästig fiel, und wenn sogar das Revisonsgericht (mahkeme-i temyiz)den Beschluss verkündet hat, dass das Tragen einer Baskenmütze nicht verboten ist, und wenn selbst für alle Frauen, auch für die, welche ihr Haar offen tragen, und für alle Soldaten und die diensttuenden Beamten diese Bekleidung nicht vorgeschrieben ist, auch diese Bekleidung überhaupt keinen Sinn machen würde, und obwohl er noch nicht einmal eine öffentliche Funktion (vazifah)inne hatte - dort auch eine offizielle Bekleidung - eine Baskenmütze zu tragen überhaupt nicht vorgeschrieben ist, er darüber hinaus auch noch völlig isoliert lebt und überhaupt nicht unter Menschen geht und er im Ramadan (Ramazan-i Sherif),um seinen Geist (ruh)nicht mit derart gesetzwidrigen (hilaf-i kanun)
und hässlichen Dingen zu beschäftigen und sich die Welt (dunya)nicht in Erinnerung zu rufen, selbst nicht mit seinen engsten Freunden zusammenkommt, der selbst wenn er krank war, keine Medizin einnahm, damit der Körper sich nicht mit Herz und Verstand (ruh ve kalb)beschäftigen solle, auch die Ärzte nicht aufsuchte, dann diesen Mann dennoch aufzufordern, sich einen Hut aufzusetzen, um dann genauso auszusehen wie die ausländischen Priester, ihn durch Maßnahmen der Justiz zu bedrohen, muss bei jedem, der auch nur über ein Quäntchen Gewissen (vidjdan)verfügt, mit Sicherheit Abscheu hervorrufen.
Wenn z.B. derjenige, der ihn auffordert, sagt: "Ich leiste dem mir gegebenen Befehl gehorsam.", kann es sein, dass dieser Befehl (emir)auf einem Gesetz (kanun)beruht, das lediglich Zwang und reine Willkür (djebr-i keyfi)ist, weshalb er dann nicht sagen kann: "Ich leiste dem mir gegebenen Befehl gehorsam." So findet sich in der Tat im Weisen Qur'an eine Ayah, in der es, um es vor allem den Juden und Christen nicht gleich zu tun, heißt:
يَا اَيُّهَا الَّذِينَ اٰمَنُوا اَطِيعُوا اللّٰهَ وَ اَطِيعُوا الرَّسُولَ وَاوُلِى اْلاَمْرِ مِنْكُمْ
{"Oh ihr Gläubigen, gehorchet Gott, dem Propheten und denen unter euch, die den obersten Befehl (ulu-l'emri) haben." (Sure 4, 59)}
Unter der Bedingung, dass er nicht dem Gehorsam gegenüber Gott und dem Propheten entgegengesetzt handelt, kann er etwas tun, um einem Befehl (emir)Gehorsam zu leisten. Wenn aber diesem Beispiel entsprechend die traditionellen islamischen Gesetze (an'ane-i Islamiye kanunlari)anordnen (emretmek),Kranke mit Rücksicht (shefqatle indjitmemek)zu behandeln, Fremdlinge mit Rücksicht (shefqatle incitmemek)zu behandeln, Menschen, die um Gottes willen dem Qur'an und der theologischen Wissenschaft (ilm-i imani)dienen, keine Schwierigkeiten zu machen und sie nicht zu kränken (indjitmemek),dann trotzdem gerade ein Mann, der völlig zurückgezogen (munzevi)lebt und
dieser Welt (dunya)entsagt hat, dazu aufgefordert wird, den Hut eines ausländischen Geistlichen aufzusetzen, {Gemeint sind wohl die schwarzen Zylinderhüte, wie sie gerne von den aus dem Ausland kommenden Rabbinern getragen werden. (A.d.Ü:)} so wäre das nicht nur zehn Mal, nein, hundert Mal ungesetzlich gegenüber dem Gesetz (kanun)und überhaupt gegen alle Gesetze (kanun)islamischer Tradition und hieße, wegen eines willkürlichen Befehls (emir)die heiligen Gesetze (qudsi kanun)zu brechen. Einen Mann wie mich, der am Rande des Grabes, im hohen Alter, fremd, arm und allein (munzevi),um nicht der hochgelobten Tradition (Sunnet-i Seniye)zuwider zu handeln, seit dreißig Jahren die Welt (dunya)verlassen hat, in dieser Art und Weise zu behandeln, lässt überhaupt keinen Zweifel daran aufkommen, dass hier unter dem Deckmantel des Kommunismus in zerstörerischer Absicht ganz abscheuliche konspirative Kräfte gegen das Land, das Volk, die Islamiyet und den Glauben (din)am Werk sind, gleich wie es gegen gläubige (dindar)Abgeordnete und die Demokratische Partei, welche die Absicht (niyet)haben, der Islamiyet und dem Vaterland zu dienen und sich den zerstörerischen Kräften aus dem Ausland entgegenstellen, konspirative Mächte gibt. Deshalb sollen diese Abgeordneten Acht geben und mich in der Verteidigung gegen diese schrecklichen konspirativen Kräfte nicht allein lassen.
Anmerkung:
Obwohl der russische Oberkommandierende absichtlich drei Mal an ihm vorbei ging, blieb er dennoch sitzen und erniedrigte sich nicht vor ihm und beugte sich nicht vor ihm, um trotz der ihm drohenden Hinrichtung seine islamische Würde zu bewahren. Dem englischen Oberkommandierenden, der Istanbul (von 1918-1923) besetzt hielt und denen, die zu seinen Gunsten eine Fetva erließen, entgegnete er, um der Ehre der Islamiyet willen in einem Zeitungsartikel mit dem Satz: "Gespei in das Gesicht des Tyrannen, der sich nicht deswegen schämt!" und
gab dabei keine fünf Para auf die ihm deswegen drohende Hinrichtung. Inmitten von fünfzig Abgeordneten ließ er sich nicht von der Wut eines Mustafa Kemal beeindrucken indem er sagte: "Wer nicht betet (namaz)ist ein Verräter." Vor dem Kriegsgericht antwortete er auf jene furchterregende Frage: "Ich bin bereit, auch nur für einen einzige Themenbereich innerhalb der Scheriah mein Leben (ruh)hinzugeben; und so sagte er, der niemals ein Speichellecker war und der, um nicht den Ungläubigen ähnlich zu werden, achtundzwanzig Jahre lang ein Leben als Einsiedler gewählt hatte, ein Bannerträger des Islam und opferbereiter Diener der Qur'anischen Wahrheiten, als man ihn sinnloser und ungesetzlicher Weise aufforderte: "Du sollst den jüdischen und christlichen Geistlichen ähnlich aussehen und einen Hut aufsetzen, so wie sie es tun." und er solle so dem widersprechen, worin alle islamischen Gelehrten (ulema)übereinstimmen. Und sie drohten ihm, er werde andernfalls noch seine Strafe bekommen!" Als ein Mann, der sicherlich dazu bereit war, alles für die qur'anischen Wahrheiten zum Opfer zu bringen, auch wenn man ihn in dieser Welt (dunya)ins Gefängnis werfen, ihn bestrafen, ihn foltern, vielleicht mit einem Messer Stück um Stück zerteilen sollte, ihn in die Hölle (djehennem)werfen wollte, wolle er dennoch, auch hätte er hundert Leben (ruh),sein gesamtes Leben als ein Zeugnis zum Opfer (tarihtje-i hayatinin shehadeti)darbringen!
Was aber ist nun der Grund (hikmet)dafür, dass er diesen verborgenen Feinden des Vaterlandes und des Glaubens (din)in ihrer Nimrod-gleichen unglaublichen Tyrannei trotz einer so mächtigen geistigen Kraft (manevi quvvet),trotz seiner zu jedem Opfer bereiten Ausdauer, trotz der ihm zur Verfügung stehenden äußerlichen Gewalt (maddi quvvet)den (gegen ihn gerichteten) negativen Kräften keinen Widerstand geleistet hat? So erkläre ich denn euch und allen klar denkenden Menschen (ehl-i vidjdan),dass der Weise Qur'an, damit nicht wegen zehn Prozent erbarmungsloser Atheisten neunzig Prozent unschuldigen
Menschen zuschaden kommen, um die Ruhe und Ordnung im Lande zu bewahren mit aller Macht (quvvet)durch die Lektionen der Risale-i Nur im Herzen (qalb)eines jeden Menschen einen Ermahner zurückgelassen hat, der ihm solche Lektionen erteilt. Andererseits hätte ich während dieser achtundzwanzig Jahre eines Tages an meinen grausamen Feinden Rache nehmen können. Doch hat er aus Respekt vor diesen Unschuldigen, um die allgemeine Ordnung aufrecht zu erhalten sein Ansehen und seine Ehre gegenüber denjenigen, die ihn beleidigten, nicht verteidigt, sondern gesagt: Ich werde nicht nur das diesseitige (dunyevi hayat)Leben, sondern, falls nötig auch das jenseitige Leben (akhiret hayati)für die islamische Gemeinschaft zum Opfer bringen.
Said Nursi
* * *
Gesegneter, geliebter, ehrenwerter und verehrungswürdiger Meister! (Ustadhimiz Hazretleri)
In diesem merkwürdigen materialistischen und glaubenslosen Jahrhundert hat sich der Blickwinkel verkürzt. Die Herzen (qalb)sind von Bosheit und Schlechtigkeit erfüllt. Einzig und allein die Risale-i Nur, die in unserer Zeit jene Tropfsteine hervorgebracht hat, die sich nachweislich als absolut echt (haqiqi)aus dem Weisen Qur'an herauskristallisiert haben, lässt diese verkürzten Blicke anscheinend bis auf den Urgrund der Materie (maddenin ruhuna)hindurchdringen und erfüllt so die Finsternis, die gleichsam die Bosheit im Kerker der Herzen (qalb)ist, mit Licht (Nur).Deswegen ist es angemessen, dieses Jahrhundert als "Jahrhundert des Lichtes" zu bezeichnen.
............
Die Risale-i Nur behandelt jene Wunde der Menschheit, die zu heilen unmöglich ist, mit Arzneimitteln aus der anderen (ukhrevi)Welt.
Die Risale-i Nur und Sie, unser segensreicher Meister (mubarek Ustadh)als ihr wunderbarer Verfasser haben diese Aufgabe (vazifah)als Retter Tausender erleuchteter (munauwer)junger Menschen erfüllt und erfüllen sie noch heute. Dass dies so ist, dafür sind wir, die wir in unserem Glauben (iman)gerettet worden sind, bei unserer Armseligkeit die lebenden Zeugen (shahid).In diesem schrecklichen Jahrhundert schenkt die Risale-i Nur ihren Lesern - den glücklichen Menschen dieses Jahrhunderts - indem sie den Materialismus mit der Wurzel ausrottet, die kommunistischen Denksystheme und all die anderen irrigen Ideologien im Rahmen eines allgemeinen vernünftigen Wissens (idrak)und Denkens (ilim)als völlig haltlos erweist, das Wasser des Lebens (ab-i hayati),das man noch nicht gegen diese Welt (dunya),ja noch nicht einmal gegen den ganzen Kosmos (kainat)eintauschen möchte, und verleiht uns jenen Glauben (iman),der die Quelle zur Ewigkeit (ebedilik suyu),nämlich die Eintrittskarte zu einer ewig bestehenden Welt (beqa alemin)ist.
Geliebter und gesegneter Meister (mubarek Ustadh)!
Gegenüber dem, was Sie als unser Meister (Ustadh)uns als ein so wertvolles Geschenk geben, ist all unser Respekt und die Liebe (muhabbet),die wir Ihnen gegenüber nähren, nur wenig. Doch das Band, das uns, den Schülern der Risale-i Nur, mit Ihnen, unserem Meister (Ustadh)und Erretter verbindet, ist unsere ewige Verbundenheit mit Ihnen. Das kann keine Macht (quvvet)wieder lösen.
Ich küsse Ihre gesegneten (mubarek)Hände in Ehrerbietung und erhoffe von Ihnen Ihr Gebet (dua)!
Im Namen aller Schüler der Risale-i Nur an der Fakultät für Politische Wissenschaften
Ahmed Atak
* * *
Der nachstehende Brief wurde in Samsun veröffentlicht und erschien in der Zeitung "Der Große Kampf" (Büyük Djihad Gazete). (Seine Gegner aber nutzten diesen Brief) zu einer verleumderischen Hetzkampagne, die in Samsun einen Prozess zur Folge hatte, der aber letztendlich auf einen Freispruch durch das Gericht hinaus lief.
An den Erretter der Islamischen Welt, Krone der Leute des Glaubens (ehl-i iman)und Sprachrohr der Risale-i Nur, unseren Hochehrenwerten Ustadh Bediüzzaman Said Nursi!
Einer Mitteilung gläubiger (dindar)demokratischer Parteigenossen entsprechend haben wir erfahren, dass der Gerichtshof zu Afyon die Freigabe der Risale-i Nur beschlossen und die Rückgabe aller Abhandlungen, Briefe und (beschlagnahmten) Bände verfügt hat, da sie kein Thema enthalten, das einer möglichen Schuldzuweisung dienlich sein könnte. Wie Sie bereits vor Jahren bekannt gegeben hatten, ist "die Risale-i Nur nicht Ihr Besitztum, sondern steht im Besitz des Qur'an, strömt aus der Fülle (feyz)des Qur'an. Anatolien kann sie keine Macht (quvvet)aus dem Herzen stehlen, sie seiner Brust entreißen. Die Risale-i Nur ist an den Qur'an gebunden. Was aber den Qur'an betrifft, so ist er an den Thron des Allerhöchsten (arsh-i adham)gekoppelt. Wem aber könnte es etwa zustehen, ihn dort oben abzukoppeln, ihn so zu entwurzeln?" Die eindeutige Bewahrheitung dieser treffenden Aussage hat sich als ein glänzender Beweis dafür herausgestellt, dass dieser erhabene Dienst göttlichen wie qur'anischen Ursprungs ist. Diese Entscheidung, für Freispruch zu plädieren ist für die islamische Welt, besonders aber für das islamische Volk der Beginn einer glücklicheren Zeit. Zudem aber wurde derjenige, der vor allen (anderen mit jeder Faser) seines Seins (varlik)diesen Sieg erwartet hatte und der in der Familie "Nur" und auf dem Ozean der Wahrheiten (haqiqat)der Kapitän genannt wird, der Menschheit, die in der Finsternis des Unglaubens (zulmet-i kufur)aufbegehrt, als ein
Geschenk der Rechtleitung (hadi)gegeben. Die Gottesfürchtigen (dindar)in der demokratischen Partei, welche (diesen Prozess mit großem) Interesse verfolgt und sich die Leute des Glaubens (ehl-i iman)zu Freunden gemacht und (dabei neue) Anhänger gewonnen haben, sowie auch das Gremium der gerechten Richter beglückwünschen unseren teuren, vielgeliebten Meister in unendlicher Dankbarkeit. Dem möchten wir noch das Folgende hinzufügen:
Sie haben sich seit langen Jahren um ein Verständnis bemüht, dass aus edler und hoher Gesinnung erwächst. Um der Wahrheiten des Qur'an willen haben Sie Ihre eigenen Wünsche und Ihr ganzes Leben zum Opfer gebracht (feda-yi nefs-u djan)und damit heute den Herzen (qalb)der Leute des Glaubens (ehl-i imanin)soviel Freude gebracht wie einem ganzen Land (memleket)und seinem Volk. Diese außerordentliche Verbreitung beweist sonnenklar, wie glanzvoll und erhaben diese heilige Lehre (qudsi dava)ist, zu deren Dienst Sie gerufen wurden, desgleichen auch Ihr persönlicher Einsatz, bei dem Sie ja in der Tat auch erfolgreich gewesen sind.
Dieser wunderbare Dienst und Ihr Kampf (mudjahede),mit dem Sie sich seit fünfundzwanzig, dreißig Jahren mit unerschütterlicher Geduld und Ausdauer, allen Hindernissen und aller Mühsal zum Trotz, für die Verbreitung der Risale-i Nur einsetzen, wobei der Qur'an Ihr Herz erleuchtet (qalb-i munauwar),wird künftigen Generationen und den heldenmütigen islamischen Kämpfern ein Beispiel sein und als ein Vorbild (numune-i iktida)dienen, dem sie folgen werden. Die Strahlen der Sonne des Qur'an, die niemals untergeht, und die Blitze aus der Risale-i Nur, die immerwährende Funken sind, beseitigen die Finsternis der Unwissenheit und des Irrtums; Millionen von Herzen werden von diesem Lichte (Nur)erleuchtet, mit dem die Leute des Glaubens Ihnen dankbar geworden sind. Dieses Land und das Volk in ihm, die Geschichte und dieser Boden (auf dem sie sich abspielt) werden Ihnen Ihren Dienst und Ihre Opferwilligkeit zu keiner Zeit vergessen. Wenn einmal auch Sie,
oh Herr, in die Ewigkeit hinüberziehen werden, wird für Sie diese Dienstbereitschaft ein Samenkorn werden, aus dem ein gewaltiger Baum emporsprießen wird, der dem Lande unter sich seinen Schatten spendet; und die großen Gemeinschaften, die sich unter dem Geäst dieses Baumes der Risale-i Nur versammeln werden und die immerdar aufgehenden Strahlen der Risale-i Nur werden gleich Ihrer Dienstbereitschaft bis in alle Ewigkeit noch strahlender und noch glänzender fortbestehen.
Weil aber Sie nun das Sprachrohr der Risale-i Nur sind und da nun einmal Ihr Dienst am Glauben (iman)am Horizont des Islam erglänzt, so sind Sie auch ein Bannerträger der Rechtleitung (hidayet)in diesem Jahrhundert.
Unser strahlender Held und geliebter Meister (Ustadh),der Sie der allseits geehrte Verkündiger des Ehrwürdigen Qur'an im vierzehnten Jahrhundert islamischer Zeitrechnung sind und in dieser schrecklichen Zeit auf diese schreckliche Finsternis in großer Opferbereitschaft mit dem Lichte des Qur'an geantwortet haben und durch die allseitige Verbreitung der Risale-i Nur in hundert Tausenden von Exemplaren mit den Schreibstift hunderttausender ihrer Schüler gegen die Glaubenslosigkeit und den absoluten Unglauben eine Mauer des Qur'an errichtet haben!
Wir beglückwünschen Sie, die sie den Welten Liebe und Glück (rahmet ve saadet)gebracht, der Menschheit Trost und Segen (selamet)geschenkt und mit Ihrem heiligen Dienst den Leuten des Glaubens (ehl-i iman)die frohe Kunde gebracht und bewiesen haben, dass das Reich Gottes, welches alle Kontinente umfassen wird, bereits sichtbar geworden ist und seine Spuren sich zu zeigen beginnen. Und so wünschen wir Ihnen aus ganzer Seele (ruh)Segen zu dem lichtvollen und großen Fest (bayram).Wir erbitten (dua)für Sie von Gott dem Gerechten (Djenab-i Haqq)ein langes Leben und küssen Ihre Hände mit Hochachtung.
Die Studenten der Universität Ankara
Ismail, Salih, Atif, Ahmed, Ziya, Mehmed, Abdullah
Der Verbleib von Ustadh Said Nursi in Isparta
Im Sommer des Jahres 1953 gelangte der Meister (Ustadh)von Emirdagh nach Isparta. In Isparta gab es sehr viele getreue Schüler. In einem bereits zuvor geschriebenen Brief bezeichnet (Ustadh)Isparta mit seiner Erde, seinen Steinen als gesegnet (mubarak).Dabei erklärte er, dass die Risale-i Nur hier ihre Gestalt erhielt und von hier ihren Ausgang nahm. Ihr Zustandekommen (vudjud)war der mächtigste Anlass für sein geistliches (manevi)Leben hier in Isparta und für dessen Fortdauer. In der Tat hat Isparta durch die Zeugnisse (shahadah)der Ereignisse in vielen Jahren gezeigt und bewiesen, dass sie dieser Zuneigung ihres Meisters (Ustadh)würdig ist. Denn Barla, wo die Risale-i Nur verfasst wurde und wo auch ihre erste Medresse entstand, liegt im Bezirk Isparta. Die großen Bände der Risale-i Nur wurden hier verfasst.
Die Risale-i Nur wurde in Furcht erregender Zeit mit Tausenden Stiften abgeschrieben und in Isparta und den (umliegenden) Dörfern durch ihre Schüler veröffentlicht. Um ein Beispiel zu zeigen, genügt es, das Dörfchen Sav anzuführen. Zu der Zeit als sich Ustadh in Kastamonu befand, haben in dem Dorf "Sav"(in der Nähe von) Isparta jahrelang bis zu Tausend Stifte daran gearbeitet, die Risale-i Nur abzuschreiben und zu vervielfältigen.
Die Zentren der Risale-i Nur sind in Isparta, deren jede einzelne (mit allen anderen eine solche) Verbundenheit zeigt, als wären sie eine ganze Provinz (vilayet),ja vielleicht eine noch engere (Beziehung), und arbeiten an der Verbreitung der Risale-i Nur wie die Sendestation einer Rundfunkzentrale. Gül und Nur, die an der Herstellung (der Risale-i Nur) beteiligt sind, und alle die Schüler in ihrer Nähe, sowie die Gruppe um Mübarek, sie alle befinden sich im Vilayat Isparta.
Auch die älteren Brüder, deren jeder einzelne hinsichtlich seines Dienstes am Qur'an einem geistlichen Pol (qutub)
gleicht, auf den stolz zu sein die Brüder allen Grund (medar-i iftihar)haben, stammen alle aus Isparta.
Auch das Amtsgericht und die Sicherheitsbehörden in Isparta haben sich in Dingen der Risale-i Nur stets einsichtsvoll verhalten. Der Meister (Ustadh)hat oftmals für das Amtsgericht in Isparta gebetet (dua).In dieser Hinsicht hat er Isparta für die übrigen Vilayate als gutes Beispiel angeführt.
Unter diesen oder ähnlichen Umständen beschloss der Meister (Ustadh)den Rest seines Lebens in Isparta zu verbringen und dort dem Tod unter seinen gesegneten, getreuen Brüdern entgegen zu sehen, verfügte in seinem Testament, in Isparta, Sav oder Barla begraben zu werden und begab sich so nach Isparta. Dort mietete er sich ein Haus. An seiner Seite befanden sich vier, fünf Schüler. Mit ihnen gemeinsam rief der Meister (Ustadh)seine eigene dershane-i Nuriye ins Leben.
* * *
Einige Perioden aus seinem Leben in Isparta
Der Ablauf der Gerichtsverhandlung:
Noch bevor die Bücher vonseiten des Gerichtshofes in Afyon wieder frei gegeben wurden, begann man in Malatya aufgrund eines Vorfalls in verschiedenen Vilayaten und an einzelnen Orten (kasaba)Untersuchungen anzustellen und Prozessverfahren zu eröffnen. Derartige Prozesse wegen der Risale-i Nur und gegen die Nurdjus gab es z.B. in Mersin, Rize und Diyarbakir. Am Ende plädierten die Gerichte zwar für einen Freispruch, doch mussten sich die Anwälte aus Isparta zu den Untersuchungen, die in einigen Vilayaten durchgeführt wurden und zur Eröffnung umfangreicher Verhöre gegen die Nurdjus hinbegeben. Gegen mehr als achtzig Schüler der Risale-i Nur wurden Anklagen vorbereitet und Vernehmungsprotokolle den Richtern vorgelegt.
Sehr viele Geheimagenten der Polizei begannen nun, sich unter die Nur-Schüler zu mischen, unter ihnen umherzugehen und jede ihrer Bewegungen zu kontrollieren. An Orten wie Ankara, Istanbul, Adapazari, Safranbolu, Karabük, Dinar, Inebolu und Van wurden Nachforschungen angestellt und Verhöre durchgeführt. Am Ende all dieser Nachforschungen und Durchsuchungen gelangte man ganz allgemein zu dem Ergebnis: es konnten keinerlei verdächtige Aktivitäten gegen Volk und Staat entdeckt werden! Ganz im Gegensatz dazu füllte sich nun die Brust eines jeden Mitbürgers mit Stolz. Denn es wurde bekannt gegeben, dass alle Aktivitäten, die für die Wissenschaft (ilm),den Glauben (iman),im Dienst für das Vaterland unternommen wurden, der Einsatz für Ethik und Moral (ahlaq),den man bisher entdeckt hatte, dass außer all diesen Zielen und der Absicht, die Risale-i Nur zu lesen, sie zu verbreiten und Vorlesungen zu veranstalten nichts gefunden werden konnte "weswegen man die Nurdjus hätte beschuldigen können, was hätte ein Anlass zur Klage sein können. Man habe keine derartigen Veranstaltungen oder Tätigkeiten wahrnehmen können." Man sei im ganzen Lande zu dieser
Überzeugung gelangt. So haben denn alle diese Untersuchungen zum Verständnis der Wahrhaftigkeit der Risale-i Nur geführt. So wurde beschlossen, die Risale-i Nur (ihre Schriften und deren Verbreitung) freizugeben.
Nun errichteten die in Urfa und Diyarbakir tätigen Nur-Schüler eine Medrese-i Nuriye. Da also jetzt die Risale-i Nur in allen Volksschichten, besonders aber in den sich nun bildenden Gemeinschaften von Schülern und jungen Leuten gelesen wurde, begann man auch, wissenschaftlichen Vorlesungen (ilmi dersler)abzuhalten. Zur gleichen Zeit gewannen die so bedeutenden Studenten der Wissenschaft (talebe-i ulûm)gleichfalls an Ansehen. Auch in den östlichen Landesteilen gewann der Dienst am Glauben (iman)immer mehr an Bedeutung. Zu gleicher Zeit wurde einmal in Diyarbakir gegen einen Nur-Schüler, der im Dienst am Glauben (iman)und am Qur'an tätig war, ein Prozess eröffnet, der aber ebenfalls auf einen Freispruch hinaus lief. Das war für die Gläubigen ein Anlass zu Freude und Dankbarkeit.
Das Verfahren, das bis dahin in Afyon noch anhängig war, wurde beendet. Die Beratungskommission des Amtes für Religiöse Angelegenheiten (Diyanet Ishleri Müshavere Kurulu)hatte 1956 die Risale-i Nur geprüft und in ihrem Bericht den besonderen Dienst der Risale-i Nur hinsichtlich der Vervollkommnung von Glaube, Ethik und Moral (iman ve ahlak)bekannt gegeben. Aufgrund dieses Berichtes hat nun der Gerichtshof in Afyon die Werke der Risale-i Nur und ihre Zulassung in der Öffentlichkeit frei gegeben. Dieses Urteil ist rechtskräftig.
Nach diesem Freispruch durch das Amtsgericht in Afyon hat nun auch der Untersuchungsrichter das Gerichtsverfahren eingestellt. So hat denn die Risale-i Nur, nachdem sie durch einige Siebe der Justiz hindurchgegangen ist, eine umfassende und vollständige Freiheit erlangt und ihren guten Ruf gewonnen.
Die Verbreitung der Risale-i Nur:
Während sich nun der Dienst an der Risale-i Nur auch an einigen Orten
Anatoliens fortsetzt, findet sich heute nicht nur besonders im engeren Kreis von Istanbul, Diyarbakir und der Medrese-i Nuriyeler in Urfa, sondern auch in deren sehr weit ausgedehntem Umland dieser Dienst am Glauben (hizmet-i imaniye).Diese Dienste werden nicht nur von einem einzelnen Menschen, von einem einzelnen Zentrum, von einer ganz bestimmten Persönlichkeit, nein, weil es sich hier um einen Dienst am Qur'an handelt, in vielerlei Hinsicht von sehr vielen verschiedenen Personen geleistet und erfüllt. Unzählige getreue Schüler, deren Namen wir nicht kennen, aufrichtige Gläubige, arbeiten an dieser heiligen Aufgabe (hizmet-i qudsiye)und werden in der Verbreitung des Mohammedanischen Lichtes eingesetzt.
Die Schüler an der Universität von Ankara und die ehrenwerten, ideal gesinnten Personen bemühen sich darum, die Werke der Risale-i Nur zu drucken und überall zu verbreiten und besonders die Hände all der vielen zu erreichen, die bereit sind, sich der neuen Buchstaben zu bedienen. Die jungen Leute, besonders die an den modernen Schulen, welche die gesamte Verbreitung der Risale-i Nur übernommen haben und gerade hierfür eine besonders große Einsatzfreude zeigen, sind für dieses Land und sein Volk ein großes Glück. Denn kein Mensch, der nicht diesen Vorteil für sich in Anspruch nimmt und nicht einzig für Gottes Wohlgefallen (riza-yi Ilahi)tätig ist, kann ihnen zeigen, dass er wahrhaftig zu den edlen Kindern dieses Volkes gehört.
Die Ankunft des Meisters (Ustadh) in Barla
Der Meister (Ustadh)hatte Barla vor fündundzwanzig Jahren verlassen und war bis heute (1956) nicht mehr dorthin zurückgekehrt. Dabei war er mit Barla mehr noch als mit seinem eigenen Dorf (in dem er geboren wurde - A.d.Ü.) verbunden. Denn hier hatte er begonnen, die Risale-i Nur, die sein geistliches Leben (hayat-i maneviye)werden sollte, zu verfassen. Die "Worte (Sözler)","Briefe (Mektubat)"
und "Lichtfunken (Lemaat-i Nuriye)",die das Licht (Nur)der Rechtleitung (hidayat)durch den weisen Qur'an darstellen, haben sich von hier aus in alle Richtungen verbreitet. Aus diesem Grunde wurde Barla zum Zentrum des ersten Lehrhauses (dershane)der Risale-i Nur.
Zwar war sein Leben in Barla (1923-31) durch seine Verbannung, sein Einsiedlerdasein und seine ständige Überwachung bitter gewesen, doch da (Barla) der Ort wurde, an dem er die Wahrheiten (haqiqat)der Risale-i Nur niederschrieb, wurde sein Leben hier für den Meister (Ustadh)das süßeste und lieblichste, wie man das Leben in Barla dennoch nennen könnte. Dieses Mal kehrte er nach Barla nicht in die Verbannung, nicht in ein Gefängnis, sondern auf eigenen Wunsch (riza)und freiwillig zurück. Er kam an einem schönen Frühlingstag nach Barla. Ein Großteil seiner Schüler zog ihrem Meister (Ustadh)entgegen. Als der Meister (Ustadh)sich dem Ort näherte, an dem er acht Jahre gelebt hatte und wo seine Schule (medrese-i nuriye)gewesen war, konnte er nicht mehr an sich halten und seine gesegneten Augen füllten sich mit Tränen. Auch war es, als wolle die majestätische alte Platane ihn grüßen. Einmal, da hatte man ihn, nachdem er schon acht Jahre dort gewohnt hatte, nach Isparta deportiert. Als er damals gehen musste, hat ihn diese gesegnete Platane innerlich (manen)wieder aufgerichtet und dem Meister (Ustadh)mit ihren Ästen wie mit majestätischen Flügeln, als wolle sie sich im Gebet vor Gott dem Gerechten niederwerfen (Djenabi Haqq'a olan sedjdevari ubudiyetiyle),ihren Abschiedsgruß entboten. Diesmal aber, als sie dem Meister (Ustadh)nach langer Trennung wieder begegnete, warf sie sich vor Freude abermals vor ihrem barmherzigen Schöpfer nieder in Dankbarkeit (Khalik-i Rahman'a sedjde-i shukrana).Der Meister (Ustadh)aber breitete seine Arme an dieser gesegneten Platane aus und sagte zu den neben ihm stehenden Schülern und den übrigen Leuten, sie mögen ihn jetzt allein lassen, da er seine Tränen kaum mehr
zurückhalten konnte. Dann ging er in das Zimmer seines Lehrhauses (Nur Dershane)und blieb dort zwei Stunden; und draußen konnte man sein trauriges Weinen hören.
In der Tat erfuhr er nun ohne allen Zweifel zahllose Erscheinungen der göttlichen Barmherzigkeit (rahmet-i Ilahiye).Es hatte einmal eine Zeit gegeben, da wurde er von Ost-Anatolien in die Gegend von Isparta verbannt. Von Isparta schickte man ihn dann in die Berge in der Nähe von Barla ins Exil. Dort sollte er dann (eines Tages) gestorben und vergessen sein. Eine solche Persönlichkeit, deren bisheriges Leben (tarihtje hayatin)Zeugnis seines Heldenmutes und seiner Opferbereitschaft gewesen war, der sich die Wahrheiten (haqiqat)des Weisen Qur'an ganz unmittelbar zu eigen gemacht hatte, glaubte, dass das Glück eines Einzelnen wie auch eines ganzen Volkes von seinem Festhalten an den Wahrheiten der Islamiyet (abhängig ist). Und so war denn er auch derjenige, der dies laut verkündigte und der dafür mit vernunftgemäßen Beweisen in die Arena der Wissenschaften (ilim)trat.
Er hatte drei Epochen {in der Geschichte des Osmanischen Reiches und der späteren Türkischen Republik. (A.d.Ü.)} überlebt, jedoch seinen Nacken vor den Kommandanten nicht gebeugt, sich von dem heiligen Ruf (qudsi dava)nicht abgewandt. Er wurde verwundet; ja man hat sogar versucht ihn zu vergiften; doch er starb nicht. Wogen der Ereignisse, hoch wie Berge, konnten ihn nicht entmutigen.
Die gegenwärtigen Strömungen in unserem Jahrhundert, welche ganze Völker und Nationen ergriffen und deren Meinungen und Denkweisen verändert haben, konnten diese Persönlichkeit nicht von seinem Ruf (dava)abbringen, dem Weg des Qur'an und des Glaubens (iman)zu folgen. Mit der Kühnheit seines Glaubens war er in tiefster Seele davon überzeugt, dass die Wahrheit (haqiqat),zu der er aufruft (dava),eines Tages vom Volk angenommen werde. Dann würde es nicht mehr einen Said, sondern tausende,
ja sogar hunderttausende Saids geben. Die Entfaltung und der Sieg der Glaubenswahrheiten (haqaiq-i imaniye)und ihre Verbreitung in der menschlichen Gemeinschaft wird nun beginnen... und die dunklen Wolken, die jetzt am Horizont den Islam überziehen, werden mit der Fackel der Rechtleitung (hidayat)in der Hand des Qur'an davon gejagt werden. Der Geist (ruh)des Glaubens (iman),von dem man bisher geglaubt hatte, dass er bereits im Sterben liege, wird neu wiederbelebt werden... wird den Seelen wieder neues Leben einflößen (djanlara djan katadjak)...Das islamische Volk, das bereits im Geiste (manen)zu sterben begann, wird wieder neu ins Leben (ihya)gerufen werden... Dann wird man auch im materiellen wie im geistigen Bereich verkündigt haben, dass der Herr der Welt (aleme efendi)- nach dem Willen Gottes (bi'iznillah)- in dieser Welt (djihana)die Herrschaft (efendilik)über die Islamiyet inne hat.
So wurde denn diese allseits verehrte Persönlichkeit, die der Träger und Verbreiter dieser heiligen Wahrheit (qudsi haqiqat)ist und auf den die heutige Menschheit wahrhaftig (haqiqat)stolz (medar-i iftihar)sein kann, entsprechend den Plänen der Feinde des Glaubens (din)- damals - in diese Ortschaft gesandt, damit er gegen das Regime, das sie sich in Anatolien bereits aufgebaut hatten, nichts mehr unternehmen könne und so einen aktiven Eingriff verhindert. Aber ach! Da hatte er sich schon prinzipiell aus der Politik zurückgezogen. Er wollte sich in die Angelegenheiten der Leute dieser Welt (ehl-i dunyanin dunyasi)nicht mehr einmischen. Er arbeitete nun an der Verfassung und Verbreitung der Wahrheit (haqiqat),um in ihr die Zukunft zu erleuchten. Und Gott (Allah),der Herr des Alls (kainatin sahibi)und Sachwalter aller Ereignisse wurde sein Beschützer, sein Beistand und sein Helfer.
Als er nun fünfundzwanzig Jahre später zurückkehrte nach Barla, betrachtete er seine Erfahrungen im Dienst am Glauben (hizmet-i imaniye)als ein großes Geschenk (ikram),dachte über die Gnadengaben (inayet)nach,
beobachtete die Dinge rückblickend und freute sich darüber und weinte vor Freude und warf sich nieder in Dankbarkeit (sedjde-i shukran).
So nahm nun der Meister (Ustadh)Wohnung in Isparta. Dabei begab er sich manchmal nach Emirdagh und manchmal nach Barla. Weil aber dort die Zentren lagen, wo die Risale-i Nur verfasst worden und von wo aus sie sich verbreitet hatte, fühlte er sich dort innerlich (ruh)besonders stark verbunden. Da er sich jedoch bereits im neunten Jahrzehnt seines Lebens befand und man bereits einige Male versucht hatte, ihn zu vergiften, war er zugleich auch sehr unruhig. Seine Gesundheit war deshalb besonders stark angegriffen und sein Zustand unbeschreiblich labil. Auch innerlich (ruh),emotional, war er besonders empfindlich. Und die Welt (alem),besonders die Welt des Islam und vor allem der Bereich der Risale-i Nur und was ihn innerlich (vudjud-u manevi)berührte, beide Dinge {der Islam und die Risale-i Nur (A.d.Ü.)} bereiteten ihm in ihrem Wesen (vudjud)heftige Qualen. Zwar wirkten die Gebete (dua)seiner Schüler und die Verbreitung der Lichter des Glaubens (envar-i imaniye)wie eine heilende Salbe, doch aufgrund seines so weitreichenden Mitleids (shefqat)verstärkten sich diese Qualen von Zeit zu Zeit. Aus diesem Grunde war eine Luftveränderung besonders notwendig. So blieb er nie länger an einem Ort. Unternahm er zu einer solchen Luftveränderung einen Ausflug, so besserte sich seine Krankheit teilweise und er konnte wieder leichter atmen.
Da aber nun die Risale-i Nur bereits so weit verbreitet war und es überall so viele seiner Schüler gab, vermied der Meister (Ustadh)es nun völlig, noch mit den Leuten zu reden und zog sich ganz von ihnen zurück. "Meine stillen Gespräche (sohbet)mit der Risale-i Nur sind zehnmal nützlicher.", sagte er und lehnte auch alle Besuche ab. Auch mit den Schülern an seiner Seite sprach er nur, falls das nötig war.
Schließlich sprach er darüber, dass die letzte Phase seines Lebens gekommen sei, zweifelte stets, ob er das Ende dieses Monats noch erleben werde und erwartete auf diese Weise sein Ende. Mit der Verbreitung der Risale-i Nur war er dankbar und zufrieden. Jeden Schritt, den das Volk und seine Regierung auf dem Wege zur Islamiyet und zu seinem Glück taten, begrüßte er, gab ihm seine Zustimmung und wusste ihn zu schätzen. Er wandelte auf den Pfaden der Wahrheit und Gerechtigkeit (haqq)und betete (dua)für Menschen, welche die Kennzeichen einer islamischen Lebensführung aufrecht erhalten wollten. Zu gleicher Zeit wünschte er der islamischen Welt geistig wie materiell Heil und Segen (selamet ve saadet)und empfand über den auf diesem Wege unternommenen inneren und äußeren Eifer in unendlichem Maße Freude und Zufriedenheit.
Und so verkündete er denn, in dem Wissen, dass die Risale-i Nur, die als ein Wunder des Weisen Qur'an in unsere Zeit gehört und dass die qur'anischen Wahrheiten (haqiqat),um unser Vaterland vor der Gefahr des Kommunismus zu schützen, in der Risale-i Nur bewahrt werden und in der islamischen Welt (alem)die Quelle der Brüderlichkeit, der Fraternität (uhuvvet)und der Einheit darstellt. So konnte man nun auch hören, dass unser Glück in dieser wie in jener Welt (dunyevi ve ukhrevi saadet)daran gebunden ist, dass wir an dieser Wahrheit (haqiqat)festhalten.
Deshalb war es auch seine Überzeugung, dass es absolut notwendig ist, dass sich die Risale-i Nur nicht nur in Anatolien sondern auch in den übrigen islamischen Ländern verbreiten wird. Und so wies er denn auch darauf hin, dass vor allem politischen Eifer und dergleichen Aktivitäten die Verbreitung der Risale-i Nur sinnvoll und erforderlich ist.
* * *
Bediüzzaman und die Risale-i Nur
Was ist die Risale-i Nur und welcher Art sind ihre Erläuterungen (tefthir)?
In dem Gesamtwerk der Risale-i Nur (külliyat)werden die für jeden Menschen bedeutendsten Fragen: "Wer bin ich? Woher komme ich? Wohin gehe ich? Welche Aufgabe habe ich? Von wo kommt alles Sein (maudjudat)und wohin geht es? Worin besteht es und welches ist die Wahrheit (mahiyet ve haqiqat)?"beantwortet, erläutert und bewiesen und andere Fragen dieser Art in einer, der Wahrheit des Qur'an (haqiqat)entsprechenden Weise mit wissenschaftlicher (ilim)Überzeugungskraft, offen und mit absoluter Sicherheit, schön und faszinierend in Stil und Ausdrucksweise beantwortet und erklärt, der Geist (ruh)erleuchtet, der Verstand (aql)zufrieden gestellt.
Hier wird bewiesen und erklärt, dass diese Werke der Philosophie des Qur'an aus dem zwanzigsten Jahrhundert, wo die materielle Entwicklung einerseits die Technik, moderne Wissenschaften und die Industrie hervorgebracht hat, während andererseits die türkische Kultur geistige Werte, wie Glaube (iman),Ethik und Moral (ahlaq)umfasst und beinhaltet, alle übrigen Kulturen, die sich nur auf materielle Werte stützen können, hinter sich zurücklassen werden.
Wir arbeiten allein um Gottes Wohlgefallen willen (rizayi Ilahi).Das Glücksgefühl, das uns überströmte, wenn wir uns selbst in unserem Dienst eingesetzt haben, den Brüdern und unseren Mitbürgern, der Islamheit und der Menschheit (Islamiyet ve insaniyet)helfen zu können, die Freude und die Hoffnung, die zum ewigen Leben (ebedi hayat)gehört und die wir an dieser Pforte bereits empfangen haben und noch empfangen werden, ist für uns der einzige Ausgleich und Lohn.
Was für ein Kommentar (tefthir) ist die Risale-i Nur?
Es gibt zwei verschiedene Arten Kommentare (tefthir).Die erste: die bekannte Art Tefthir: die Ausdrücke, Wörter und Sätze im Qur'an werden erklärt, erläutert oder bewiesen. Die zweite Art Tefthir aber ist die: die Glaubenswahrheiten (imani haqiqat)im Qur'an werden mit unumstößlichen Beweisen erklärt, erläutert und bewiesen. Diese Art hat eine ganz besondere Bedeutung. Die oben angeführte bekannte erste Art Tefthir fügt nur manchmal ganz kurz eine Erklärung bei. Doch die Risale-i Nur hat sich die zweite Art von Grund auf zum Prinzip gemacht und ist so in beispielloser Weise ein geistlicher Tefthir, der selbst auch noch verbohrte Philosophen zum Schweigen bringt.
Die Risale-i Nur ist ein Gesamtwerk, das in seiner Denkweise frei ist von persönlichen Betrachtungen, wodurch der Qur'an, der unser heiliges (muqaddes)Buch ist, in jedem Jahrhundert Millionen Menschen seine Wahrheiten auf eine objektive und vernünftige Weise erklärt und so der Menschheit zum Nutzen dient.
Die Risale-i Nur!.. ein leuchtender Tefthir zu den Ayat des Qur'an... Von allem Anfang an ein Beweis für die Wahrheiten (haqiqat)des Glaubens (iman)und der Einheit Gottes (tauhid)...Dem Verständnis einer jeden Volksschicht entsprechend angelegt... zieht auch die Naturwissenschaften mit in Betracht... überzeugt selbst Zweifler noch, deren Einflüsterungen zum Trotz... spricht alle Menschen an, von den einfachen, ungebildeten bis zu den hochgebildeten und gelehrten und nötigt selbst noch verbohrte Philosophen dazu, sie anzunehmen (teslim)...
Die Risale-i Nur!.. Ein lichterfülltes Gesamtwerk... Einhundertdreißig einzelne Schriften... in Form kleinerer und größerer Abhandlungen... gibt auf die Bedürfnisse des Jahrhunderts eine vollständige Antwort... Herz und Verstand (aqli ve qalbi)stellt es zufrieden... nicht eine wörtliche sondern eine sinngemäße Auslegung (tefthir)des Ehrenwerten Qur'an...
Liefert die Beweise!... alles, was unverständlich war, wird verständlich... vom kleisten Stäubchen bis hin zu der großen Sonne eine Leiter des Glaubens (iman)...die göttliche Allgegenwart (vahdaniyet-i Ilahiye)...die Wahrheit über das Prophetentum (nübüvvetin haqiqati)...
Liefert die Beweise!... von der Erde über die Schichten des Himmels, Themen über die Engel und den Geist (ruh),die Wahrheit (haqiqat)über die Zeit, über die Tatsache der Auferstehung und des Jenseits (hashir ve akhiret),die Existenz von Himmel und Hölle (djennet ve djehennem),das wahre Wesen des Todes (mahiyet-i asliye),von der ewigen Glückseligkeit (ebedi saadet)bis hin zur Quelle aller Qualen... alle Fragen über den Glauben (iman),die der Verstand gestellt hat oder noch stellen wird, werden mit unumstößlichen Beweisen verstandesgemäß, logisch und wissenschaftlich bewiesen... Förderung der positiven Wissenschaften... ein Wunderwerk Herz (qalb)und Verstand (aql)überzeugender Beweise, die absolut sicher sind, welches die Sorge aufhebt und noch zuverlässiger ist als mathematische Problemstellungen,...
Die Arbeit an den Werken, die nicht den Buchhändlern in die Hände gegeben werden und nur in kleiner Anzahl gedruckt werden, geschieht nicht um eines geschäftlichen Zieles oder Zweckes willen; und der dabei erzielte Gewinn dient wiederum dem Druck der noch verbliebenen Werke. Eine wichtige Angelegenheit, die sehr viel Sorgfalt und Aufmerksamkeit erfordert, ist ihr realer Gegenwert, der in die Hände derer gelangen sollte, die der Risale-i Nur würdig sind, und ein Beitrag ist, der wenigstens fünfundzwanzig Menschen zugutekommt.
Dieser geistliche Kommentar (manevi tefthir)besteht aus vier großen Bänden, die "Worte (Sözler)","Briefe (Mektubat)", "Blitze (Lem'alar)"und "Strahlen (Shu'alar)"heißen und insgesamt hundertunddreißig Abhandlungen enthalten.
Die Herausgeber
Ein Ausdruck der lauteren Wahrheit
In der Risale-i Nur wird der Beweis erbracht: Gerechtigkeit (adalet)verbirgt sich manchmal hinter einer Art von Gewalttätigkeit. Denn manchmal ist der Mensch aus irgendeinem Grunde einer Ungerechtigkeit, einer Gewalttätigkeit ausgesetzt, ein Unglück bricht über ihn herein; er wird zu einer Gefängnisstrafe verurteilt, in den Kerker geworfen. Der Grund dafür ist ein Unrecht, das Urteil ist ein Verbrechen. Und dennoch ist dieser Vorfall ein Schlüssel für das Aufscheinen der Gerechtigkeit (adalet).Göttliches Vorherwissen (qader-i Ilahi)hat in diesem Fall über diesen Menschen aus irgendeinem Grunde eine solche Strafe aus der Hand eines grausamen (Herrschers) herabkommen lassen und ihn ins Unglück gestürzt und so zurecht seine verdiente Strafe, seine Verurteilung (bewirkt). Auf diese Weise tritt Gottes Gerechtigkeit (adalet-i Ilahi)in Erscheinung.
Nun denke ich über Folgendes nach: Seit achtundzwanzig Jahren werde ich von Vilayat zu Vilayat, von Kasabah zu Kasabah umhergetrieben. Ich werde von einem Gericht zum anderen geschleppt. Was für eine Schuld ist das, die man mir da anhängen will und deretwegen man mich diesen grausamen Schikanen aussetzt? Vielleicht, weil ich meinen Glauben (din)für meine eigene politische Zielsetzung instrumentalisieren wollte? Aber warum denn lässt sich hier die Wahrheit (tahaqquq)nicht feststellen? Weil es in Wirklichkeit ein solches Ding überhaupt nicht gibt. Seit Monaten, ja selbst seit Jahren hat sich ein Gericht bemüht, eine Schuld zu finden, deretwegen man mich endlich verurteilen könnte; und schließlich aufgegeben. Danach hat ein anderer Gerichtshof mich aus dem selben Grund erneut einer Verhandlung unterzogen; und war so wieder für eine Weile beschäftigt; und ich wurde unter Druck gesetzt; und ich musste die verschiedensten Schikanen über mich ergehen lassen. Doch da man damit zu keinem Ergebnis kam, gab man schließlich wieder auf. Danach packte man
mich noch ein drittes Mal am Kragen. So wurde ich fort und fort von einem Unglück ins andere, von einer Katastrophe in die nächste fortgeschleppt und gezogen. So gingen achtundzwanzig Jahre meines Lebens dahin. Am Ende haben diejenigen, die mich beschuldigt hatten, selbst verstanden, dass alle diese Schuldzuweisungen null und nichtig waren. Bringen sie nun diese Anschuldigungen mit Absicht gegen mich vor, oder haben sie nur eine gegen mich vorgebrachte Verdächtigung aufgegriffen? Aber mag es nun Absicht gewesen sein, mag es eine bloße Verdächtigung gewesen sein, so weiß ich doch in meinem Gewissen (vidjdan)mit absolut vollkommener Gewissheit, dass ich nichts mit diesen Beschuldigungen zu tun und kein Interesse an diesen Dingen habe. Ich bin kein Mensch, der die Politik als Werkzeug benutzt; und das weiß in dieser Welt (dunya)auch jeder vernünftig Denkende. Ja, das wissen sogar alle, die mich eines solchen Verbrechens beschuldigen. Warum also fahren alle, die mich derart schikanieren, beharrlich damit fort? Warum werde ich, obwohl ich doch schuldlos bin und nichts begangen habe, dennoch weiterhin so hartnäckig schikaniert und misshandelt? Warum konnte ich mich von all diesem Unglück nicht befreien? Ja, laufen denn all diese Zustände etwa der göttlichen Gerechtigkeit (adalet-i Ilahiye)nicht zuwider?
Ein Vierteljahrhundert lang konnte ich auf alle diese Fragen keine Antwort finden. Heute habe ich den wahren Grund für all die Misshandlungen und Schikanen, die man mir angetan hat, verstanden; und ich muss mit tiefstem Bedauern sagen: meine Schuld bestand darin, dass ich den Dienst am Qur'an zum materiellen und ideellen (maddi ve manevi)Werkzeug meiner Vervollkommnung gemacht habe. Doch jetzt weiß ich es und ich spüre es und ich danke Gott (Allah)tausend Mal: Denn lange Jahre hat mir mein Dienst am Glauben (iman)ohne es zu wollen, weil ich mich ja dadurch geistig wie körperlich (maddi ve manevi)höher entwickeln und vervollkommnen (kemalat),vor Strafen und Höllenqualen (djehennem)retten, ja auf diese Weise
sogar ein Werkzeug zur Erlangung der Ewigen Seligkeit (saadet-i ebediye)gewinnen wollte oder als Mittel zu irgendeinem Zweck gebrauchen, als ein gewaltiges Hindernis im Wege gestanden. Gefühle und Eingebungen (ilham),die mir aus innerstem Herzen kamen, haben mich in tiefe Verwunderung versetzt. Ein geistiger Rang (manevi maqamat),wie er einem jeden so angenehm ist und die jenseitige Glückseligkeit (ukhrevi saadet),wie man sie durch gute Taten (a'mal-i saliha)erlangt, und sich dahin auf den Weg zu machen, wie es jedem mit Recht (haqqi)zusteht, hat mich, obwohl es doch niemandem in irgendeiner Weise schadet, in meinem Geist (ruh)wie in meinem Herzen (qalb)behindert. So wurde mir gezeigt, wie außer dem Wohlgefallen Gottes (riza-yi Ilahi)die ganz natürliche (fitri)Führung im Dienste der Wissenschaft (vazife-i ilmiye:Lehrtätigkeit) einzig und allein Sache des Dienstes im Glauben (imana hizmet)ist. Denn jetzt, wo in heutiger Zeit die Glaubenswahrheiten (haqaiq-i imaniye)nicht zu anderen Zwecken instrumentalisiert werden und von nichts abhängig sein dürfen, sondern auf eine ganz natürliche Weise (ubudiyet)die Unwissenden, die das Bedürfnis haben, sie kennenzulernen, auf eine wirksame Art unterweisen, sodass im Wirrwarr dieser Welt (dunya)der Glaube (iman)gerettet und auf diese Weise den verstockten Herzen eine feste Überzeugung gegeben wird, d.h. auf eine Weise, die nicht für andere Zwecke instrumentalisiert wird, so wie dies notwendig ist, um den Qur'an unterrichten (ders)zu können, kann durch (eine Wahrheit) die den Irrtum (dalalet)eines absoluten, hartnäckigen und verbohrten Irrglaubens (kufru mutlaq)bricht, einem jeden eine solch absolute Überzeugung gegeben werden. Zu dieser Überzeugung aber kann eine Persönlichkeit in heutiger Zeit, unter diesen Umständen, unter den augenblicklichen Bedingungen nur heranreifen, wenn man weiß, dass der Glaube (din)zu keinerlei persönlichen, diesseitigen wie jenseitigen (ukhrevi ve dunyevi),materiellen wie immateriellen (maddi ve manevi)Zwecken missbraucht werden darf. Andernfalls wird
eine Persönlichkeit, die gegen die Anhänger und die Gemeinschaft, aus der diese abscheuliche geistige Körperschaft (shahsiyet-i maneviyesi)hervorgeht, aufstehen will, auch befände sie sich auf der obersten geistigen (manevi)Sprosse, dennoch diese Zweifel nicht ganz und gar ausräumen. Denn die Seele (nefs)und das Ego (ene)könnten zu dem Verbohrten, der zum Glauben (iman)übertreten will, sagen: "Diese Person hat uns mit ihrer Genialität, ihrem staunenswerten Rang (maqam)getäuscht." So sagen sie (zu ihm) und der Zweifel in seinem Inneren bleibt.
Gott (Allah)sei Tausende Male Dank dafür, dass mich seit achtungzwanzig Jahren unter der Beschuldigung, die Religion (din)für meine eigenen politischen Ziele instrumentalisieren zu wollen, göttliches Vorherwissen (qader-i Ilahi),ohne dass ich es wollte, durch eine grausame menschliche Hand in lauterer Gerechtigkeit (mahz-i adalet)ohrfeigen ließ, damit ich den Glauben (din)nicht in irgendeiner persönlichen Weise für andere Zwecke instrumentalisieren solle, mich ermahnt und zu mir gesagt hat: Hüte dich! Missbrauche nicht die Glaubenswahrheiten als Instrument für deine eigenen persönlichen Interessen, damit diejenigen, die des Glaubens (iman)bedürfen, verstehen können, dass hier allein die Wahrheit (haqiqat)zum Ausdruck kommt und die irrigen Vorstellungen der Seele (nefs)und die Einflüsterungen des Teufels (sheytan)aufhören und verstummen müssen.
So ist denn das, was in den Herzen diese Begeisterung für die Nur Risale gleich Bergen und Ozeanen bewirkt, und das Geheimnis (sirr)ihrer Wirkung in (des Menschen) Brust (qalb)und in seiner Seele (ruh)Folgendes und etwas anderes gibt es nicht: obwohl Tausende Gelehrte (alim)die gleichen Wahrheiten (haqiqat)wie die Risale-i Nur in hunderttausenden von Büchern in einer noch weit prägnanteren Sprache verbreiten, können sie dennoch dem völligen Unglauben (kufr-u mutlaq)nicht Einhalt gebieten. Wenn die Risale-i Nur im Kampf gegen den völligen Unglauben (kufru mutlaq)unter derart schwierigen Umständen dermaßen
erfolgreich ist, so ist das Geheimnis (sirr)dahinter Folgendes: es gibt gar keinen Said; auch irgendeine Machtvollkommenheit (qudret)oder Bescheinigung für diesen Said gibt es gar nicht. Die da spricht, ist nur die Wahrheit (haqiqat);es ist die Wahrheit des Glaubens (haqiqat-i imaniye)und das Licht der Wahrheit (nur-u haqiqat)wirkt in den Herzen derer, die ein Bedürfnis nach dem Glauben (iman)verspüren. Dafür ist nicht nur ein Said, nein, dafür sind tausend Said das Opfer wert. Dafür sollen auch achtundzwanzig Jahre erduldeter Leiden und Qualen, alle Schikanen, denen ich ausgesetzt bin, und alles Unglück, das über mich gekommen ist, vergeben (helal)sein. All denen, die mich gequält und gepeinigt haben, die mich von Stadt zu Stadt (kasabah)umhergetrieben haben, beleidigt haben, die mich die verschiedensten Male beschuldigt haben und mich verurteilen wollten, die mir einen Platz in den Gefängnissen bereitet haben, ihnen allen gegenüber erhebe ich keinen Anspruch auf mein Recht (haqqimi helal).
Zu dem gerechten Schicksal (adil qadere)sage ich: ich habe doch den von Dir empfangenen zärtlichen Klaps verdient. Wäre ich stattdessen, wie jeder andere, den durchaus erlaubten und völlig ungefährlichen Weg gegangen, hätte mir um mich selbst Sorgen gemacht und es nicht aufgegeben, mich an einer Fülle materieller und ideeller (maddi manevi)Güter zu erfreuen, hätte ich diese große geistige Kraft (manevi quvveti)im Dienst am Glauben (iman)verloren. Ich habe auf alle materiellen und ideellen (maddi ve manevi)Güter verzichtet, jedes Unglück ertragen, alle Leiden und Misshandlungen erduldet. Auf diese Weise haben sich die Glaubenswahrheiten (haqiqat-i imaniye)in alle Richtungen verbreitet. Auf diese Weise wurden in den Schulen der Erkenntnis des Lichtes (Nur mekteb-i irfani)hunderttausende, ja vielleicht sogar Millionen Schüler herangebildet. Sie werden schließlich auf diesem Wege im Dienst am Glauben (hizmet-i imaniye)weiterschreiten und nicht von jenem Pfade (meslek)abweichen, wo man auf alle materiellen wie ideellen (maddi ve manevi)Güter
verzichtet. Sie werden sich einzig und allein dafür einsetzen, Gottes Wohlgefallen (Allah rizasi)zu gewinnen. Viele meiner Schüler waren mit mir zusammen vielerlei Qualen, Leiden und Misshandlungen preisgegeben und wurden schweren Prüfungen unterzogen. Ich möchte aber, dass sie so wie ich allen Ungerechtigkeiten gegenüber und gegenüber all denen, die ein Unrecht begangen haben, auf all ihre Rechte (haqq)Verzicht (helal)leisten. Denn diese haben ihnen ohne es zu wissen, nach dem Geheimnis göttlichen Vorherwissens (qader-i Ilahinin sirlarina)und ohne die ganze Tiefe all seiner Erscheinungsformen begreifen zu können, unserem Ruf einen Dienst zur Entfaltung der Glaubenswarheiten (haqiqat-i imaniye)erwiesen.
Unsere Aufgabe ihnen gegenüber besteht einzig darin, ihnen Rechtleitung (hidayet)zu wünschen. Was aber diejenigen betrifft, die uns quälen und misshandeln, so wünsche ich, dass keiner meiner Schüler in seinem Herzen (qalb)auch nicht ein kleines Fünkchen der Hoffnung auf Rache nähren möge und stattdessen standhaft und treu für die Risale-i Nur wirken möge.
Ich selbst bin schon sehr krank. Ich habe weder die Kraft, etwas zu schreiben, noch etwas zu sagen. Vielleicht ist dies hier mein letztes Wort. Die Schüler der Risale-i Nur an der Medreset-uz'Zehra mögen dieses mein Testament nicht vergessen.
Said Nursi
* * *
Eine Erklärung der Nur-Schüler an der Universität als Antwort auf den Angriff, den die Feinde der Islamiyet unternommen haben und ihre gegen die Wahrheit (haqiqat) gerichtete, zersetzende Propaganda.
Liebe getreue Mitbrüder!
Eure Prüfung und euer Kampf sollen nun vergangen sein. Solche Angriffe sind für Nur-Schüler, die mit Hilfe der Risale-i Nur Unterricht (ders)im wahren Glauben (tahqiqi iman)erhalten haben und auf der Stufenleiter des Glaubens (iman)bereits fortgeschritten und höher emporgeklommen sind und so einen starken Glauben (iman)empfangen haben, in gewisser Hinsicht eine Prüfung und zugleich auch ein Prüfstein, durch den sie die Kohle von einem Diamanten unterscheiden können. Für Nur-Schüler sind Gefängnisse durch den Glauben an Gott (Allah),die Nachfolge des Propheten und durch ihr Werk im Sinne des Ehrenwerten Qur'an eine Schule Josefs {der gleichfalls lange Jahre in Ägypten im Gefängnis verbracht hat (A.d.Ü.)} (Medrese-i Yusufiye).Schikanen und Misshandlungen sind für sie gleich einer Peitsche (die sie antreibt - A.d.Ü.) und einer Niete (die sie zusammenschweißt - A.d.Ü.). Göttliche Fügung (qader-i Ilahi)ist für sie wie ein Zeichen zum Angriff, das ihnen sagt: "Auf! Steh auf und arbeite!" Im Dienst am Qur'an und am Glauben (iman)vor dem Gerichtshof zu sprechen ist für Nur-Schüler wie ein Gespräch (sohbet)mit einem Freund. Zu einer Polizeidienststelle hin und wieder zurückgebracht zu werden oder zum Einkaufen auf den Markt und wieder nach Hause zu gehen ist gar kein Unterschied. Handschellen sind im großen Kampf (djihad)um den Glauben (din)wie ein goldenes Armband. Für den, der ungerechterweise eingesperrt wird, ist dies ein Beweis dafür, dass der wahrhaft Gerechte (Haqq)ihn wieder freisprechen wird. All diese Misshandlungen und Schikanen
sind für die Nur-Schüler eine Ehre und eine besondere Auszeichnung. Wie glücklich diejenigen, welche seit dreißig Jahren als Nur-Schüler unsere älteren Brüder sind und diese Gnadengaben (ni'met)an sich erfahren haben. Wie schade für uns heute, dass wir dieser Ehre nicht mehr teilhaftig geworden sind und es nie mehr werden. Denn die Zeit dazu, sie sich noch zu erwerben, geht nun zu Ende.
Die Risale-i Nur ist ein Werk des Glaubens (iman),das Ruhe und Ordnung in diesem Lande sicherstellt und in den Herzen (qalb)des Volkes einen Kavassen {Hausdiener oder Wächter (A.d.Ü.)} zurücklässt. In den verschiedenen Gerichtsprozessen, welche die Feinde der Islamiyet heraufbeschworen hatten, wurde die Risale-i Nur freigesprochen und in einem Revisionsverfahren wurde dieser Freispruch einstimmig bestätigt und dieses Urteil über die Risale-i Nur als nunmehr rechtskräftig verkündet. In fünfundzwanzig Strafverfahren wurde stets wieder der Gerichtsbeschluss gefasst, dass "in der Risale-i Nur kein Straftatbestand festgestellt werden konnte." In dreißig Jahren konnte man bei hunderttausenden Nur-Schülern auch nicht eine einzige kriminelle Handlung entdecken. Deswegen sind die Anarchisten, die - die wissentlich oder unwissentlich - danach streben, die Verbreitung der Risale-i Nur zu verhindern, Feinde der öffentlichen Sicherheit und Ordnung und Verräter an Volk und Vaterland. Es ist nicht die Regierung, welche die Risale-i Nur behindern will; denn die Sicherheitsdienste und auch die Polizei haben verstanden, dass Bediüzzaman und die Nur-Schüler kein politisches Ziel haben. Ihr Arbeitsbereich ist ausschließlich der Glaube (iman)und die Islamiyet.
So haben sich denn die Nur-Schüler gegen die Angriffe dieser heimlichen Feinde des Glaubens (din)in der Kraft (quvvet)eben dieses Glaubens (iman),die ihnen die Risale-i Nur durch den wahrheitsgemäßen (tahqiq)Unterricht (ders)in diesem Glauben (iman)verleiht, unerschütterlich standhaft und fest um den Qur'an geschart und bilden um
ihn eine Burg, die nicht besiegt und nicht erobert werden kann. Die Nur-Schüler werden durch ihre Treue, durch ihre Standhaftigkeit und durch ihre Tatkraft, mit der sie sich für die Risale-i Nur und für ihren Meister (Ustadh)einsetzen, gegen die Angriffe, welche von den Feinden des Glaubens (din)gestartet werden, gestärkt und zusammengeschweißt. Ein Schüler schrieb an unseren Meister (Ustadh)das Folgende:
"Oh mein heldenhafter Meister (Ustadh)!Je mehr die Zahl unserer Gegner wächst, desto stärker wird auch unsere Kraft (quvvet)...Unserem allbarmherzigen Herrn (Rabb-i Rahim)sei dafür unendlicher Dank."
In dieser finsteren Zeit der Gewalt und grausamer Unterdrückung, einer Epoche absoluter Despotie ist in der Tat ein jeder zum Schweigen verurteilt. Aber ein einziger hat nicht geschwiegen und hat sich nicht zum Schweigen bringen lassen. Und wir, die Schüler dieses einen, so einzigartigen, Bediüzzaman, werden uns auch nicht besiegen lassen.
Wir Nur-Schüler müssen zuerst unseren eigenen Glauben retten. Zugleich aber haben wir auch die Risale-i Nur gelesen, die ein solch umfassender und glänzender Kommentar (tefthir)zum Weisen Qur'an ist, und wollen sie auch unseren Glaubensbrüdern (din kardeshler)zu lesen geben und so auch ihren Glauben (iman)retten. Während wir daran arbeiten, unseren Glauben zu retten und durch die Risale-i Nur um Gottes Wohlgefallen willen (riza-yi Ilahi)einen Dienst am Qur'an und am Glauben zu erweisen, messen wir den Angriffen und Offensiven keinen Wert bei und sind zur Überzeugung gelangt, dass die Störungen und Angriffe dieser heimlichen Feinde des Glaubens (din)für uns als eine Peitsche im Interesse des Glaubens (iman)und des Qur'an und als ein Ansporn wirken. Die Ergebnisse dieser Art Vorfälle und ihre Wirkungen sind seit dreißig Jahren den Augen des islamischen Volkes offensichtlich.
Liebe Brüder, die ihr unsere neuen und so begeisterten Schüler der Risale-i Nur seid! Und da ihr nun Schüler
eines solchen Meisters (Ustadh)und eines solchen Werkes geworden seid, werdet ihr auch dessen Früchte erlangen und nun noch stärker an der Risalah festhalten. Euer Eifer und eure Begeisterung wird sich noch steigern und so werdet ihr dazu gelangen, die Risalah treu und beharrlich zu lesen. Dazu beglückwünschen wir euch aus ganzer Seele und vollem Leben (ruh-u djanim),grüßen euch mit Tausenden Segenswünschen (selam),beten (dua)für euch und erwarten auch von euch euer Gebet (dua).
* * *
Wenn die Angriffe auf die Risalah einen Schaden verursachen, so haben sie doch auch einen zwanzigfachen Nutzen. Doch sicherlich ist gegenüber einem zwanzigfachen Nutzen ein einfacher Schaden so gut wie nichts. Ein solcher Angriff dient einzig und allein der Veröffentlichung der Risalah und ihrer stets weiteren Verbreitung, ist ein Grund zu ihrem weiteren Bekanntwerden und dient weiterhin dazu, noch mehr Zuversicht und Vertrauen in den Augen des islamischen Volkes zu gewinnen. Der materielle wie ideelle (maddi ve manevi)Einfluss, die Verbreitung und Veröffentlichung der Risale-i Nur über ganz Anatolien und (schließlich in der ganzen) islamischen Welt (alem),wie auch weit darüber hinaus in Europa und Amerika, deren Zeugen die Feinde der Islamiyet geworden sind, (hat dazu geführt, dass) sie wieder einige Angriffe geplant haben. Den Nachrichten entsprechend, die wir empfangen haben, hat sich der Einfluss der Risale-i Nur nach diesen Angriffen besonders in den östlich gelegenen Vilayaten im Vergleich zu früher während zehn Tagen verzehnfacht. Darüber hinaus hat sich auf diese Weise die allgemeine Aufmerksamkeit der Menschen der Risale-i Nur und dem Meister (Ustadh)zugewandt. Das aber bewirkte, dass die bisher geschlafen hatten, jetzt aufgewacht, die Faulenzer in Bewegung geraten und die Sorglosen etwas vorsichtiger
geworden sind. Obwohl nun diese Angriffe kommen und gehen, beabsichtigen sie jedoch nur, ein Mittel zu sein, um Furcht und Schrecken zu verbreiten, sind daher nur ein Täuschungsmanöver. Diese leichtgläubigen Feinde des Glaubens (din)bemühen sich in dem Wunsch, die Nur-Schüler zu verängstigen, darum, einige Beamte zu täuschen, zu provozieren und zu missbrauchen. Wissen denn diese Gottvergessenen etwa nicht, dass wir Nur-Schüler sind? Diese Gottlosen, Kommunisten und dergleichen sind von ihrem Wesen her in hohem Grade schwach. Äußerlich scheinen sie stark zu sein, doch gleichen sie in der Art, wie sie zu Werke gehen, einem verwahrlosten Kind, das mit einem Streichholz ein ganzes Haus zerstört. In der Tat sind sie überaus schwach; denn da sie noch nicht einmal so viel Macht besitzen wie ein Spatz, sind sie einzig stolz auf sich selbst (varlik).Sie leben im tiefsten Elend, niederträchtig und arm; denn den Menschen sind sie Diener und Sklaven, scheinheilige Heuchler und Speichellecker. Was aber die Leute des Glaubens (ehl-i iman)betrifft, besonders aber die, welche durch (den Unterricht) im wahren Glauben (tahqiqi iman)ihren (eigenen) Glauben entfalteten, so sind sie starke und würdevolle (Persönlichkeiten). Jeder einzelne von ihnen ist ein würdevoller Diener und ein Diener (Gottes), stellvertretend für die ganze Schöpfung. Denn sie beten den Allmächtigen in Seiner Majestät (Qadir-i Dhu-l' -Djelal),den Allweisen in Seiner Vollkommenheit (Hakim-i Dhu-l'Kemal),den Schöpfer des Kosmos (Khalik-i kainat),den
رَبُّ السَّمٰواَتِ وَاْلاَرَضِ
{"Herrn des Himmels und der Erde"}
und den,
وَهُوَ عَلٰى كُلِّ شَىْءٍ قَدِيرٌ
{"der über alle Dinge Macht hat"}
an (ibadet)und dienen Ihm (kulluk)...Ihm allein folgen sie und auf Ihn allein stützen sie sich.
Diese heimlichen Feinde des Glaubens (din)haben schon längst verstanden, dass die Nur-Schüler ihr Leichentuch stets mit sich tragen. Sie können sie nicht von der Risale-i Nur und von ihrem Meister (Ustadh)trennen. Deshalb haben sie ihre teuflischen Listen und Pläne geändert. Heute ziehen sie ihren Nutzen aus den schwachen Nerven oder dem Leichtsinn (der anderen) oder gehen den Weg einer vorsätzlichen Täuschung. Diese Heuchler und ihre Hintermänner, bzw. diejenigen, die von diesen Hintermännern in die Irre geführt worden sind, verkleiden sich als Freunde oder nehmen zuweilen die Gestalt eines Schülers an und sagen dann entweder selbst oder durch ihre Mittelsmänner: "Auch dieses ist ein Dienst an der Islamiyet. Auch jenes gehört zum Kampf (gegen den Unglauben). Wenn ihr euch dieses oder jenes Wissen aneignet, könnt ihr der Risale-i Nur sogar noch besser dienen. Dies ist sogar ein noch größeres Werk." Auf diese oder ähnliche Weise führen sie die Menschen in die Irre und trachten so, die Arbeit und den Dienst der Nur-Schüler an der Risale-i Nur nach und nach zu verringern, ihren Blick anderen Dingen zuzuwenden und streben so danach, dass sie am Ende gar keine Zeit mehr haben, noch länger für die Risale-i Nur zu arbeiten und auf diese Weise in die Falle stürzen. Oder sie bemühen sich darum, Menschen durch monatliche Zahlungen, ein kleines Vermögen, (durch Versprechungen) von Ruhm, Rang und Ansehen und ähnliche Dinge zu täuschen, zu verängstigen, um sie so von ihrem Dienst abzuhalten. Wer aber die Risale-i Nur aufmerksam liest, den rüttelt sie in seinem Denken (fikr),in seiner Seele (ruh),in seinem Herzen (qalb)auf und schüttelt ihn wach, sodass alle diese Versuche (ihn zu täuschen), ihn nur noch mehr zur Risale-i Nur hinführen, ihm wieder neue Anregungen geben, sodass die Angriffe der Heuchler, ihre Intrigen in Ziel und Wirkung aufs Gegenteil hinauslaufen. Doch Gott sei gepriesen (Fesubhanallah!)...Es geschieht sogar, dass die
Nur-Schüler, da sie ja eigentlich eine lautere Absicht (niyet)und ein heiliges (qudsi)Ziel vor Augen gehabt hatten, nun als weiteren Grund, den oben erwähnten Plänen der Heuchler zum Trotz, ganz im Gegenteil, die Welt (dunya)verlassen, sich ganz der Risale-i Nur widmen und nun selbst, so wie unser Meister (Ustadh)sagen: "(Unsere heutige) Zeit ist eine Zeit, in der Islamiyet ein Vorbild (fedai)zu sein."
اَلْحَمْدُ لِلّٰهِ هٰذَا مِنْ فَضْلِ رَبِّى
{"Dank sei Gott. Dies ist eine der Gaben unseres Herrn."}
Zur Politik haben wir kein Verhältnis, da wir uns ja (ganz und gar dem) Dienst am Glauben (verschrieben haben, der für uns Diamanten gleicht, die man auf keinen Fall mit) Glasstückchen verwechseln darf. Das Amt für religiöse Angelegenheiten sagt in seinem Sachverständigen-Gutachten: "In den Büchern der Risale-i Nur finden sich keinerlei Themen, die sich mit Politik befassen." Ja in damaliger Zeit urteilte selbst der Staatsanwalt in Afyon in seiner Anklageschrift: "Bediüzzaman und seine Schüler sind in ihren Aktivitäten nicht politisch." In der Tat sind die Nur-Schüler in ihren Aufgaben (vazifah),mit denen sie sich beschäftigen, noch stärker als selbst bei den gewaltigsten irdischen Angelegenheiten (mesail-i dunyevi).Wir haben keine Zeit uns mit Politik zu beschäftigen. Auch hätten wir hundert Hände, so würde uns dennoch die Risalah genügen. Auch stünde uns ein Vermögen zur Verfügung wie in England oder in Amerika, so würden wir uns dennoch darauf beschränken, die Sache des Glaubens zu retten. So haben wir auch keine Zeit, uns mit irgendwelchen politischen Dingen oder irgendwelchen irrwitzigen Strömungen oder Gedanken zu beschäftigen. Unser Leben ist kurz. Unsere Zeit ist knapp. So wie unser Meister (Ustadh)bereits gesagt hat: "Die Beschäftigung mit schlechten Dingen übt einen schlechten Einfluss aus und hinterlässt schlechte Spuren." Und besonders in dieser unserer Zeit "wenn man
Irrtümer ausführlich beschreibt, fallen selbst noch lautere Gedanken einer Täuschung anheim." Es hat in der Tat sogar Leute gegeben, die gesagt haben: "Ich werde in der Tat lernen, die negativen Dinge zu bekämpfen," und mit dieser reinen Absicht auch damit begonnen haben, die sich dann in der Beschäftigung mit diesen schlechten Dingen Schritt für Schritt an sie gebunden und dabei ihre Festigkeit im Glauben (din)und ihre Treue im Vergleich zu ihrer früheren Haltung vernachlässigt haben.
Die Risale-i Nur bringt das Licht (Nur)herbei, beseitigt die Finsternis und macht sie zunichte. Sie lehrt das Gute, unterscheidet und differenziert es vom Bösen und lehrt uns, es aufzugeben. Sie unterrichtet (ders)in der Wahrheit (haqiqat),rettet uns vor dem Irrtum und bewahrt uns vor dem Aberglauben.
Kurz gesagt:
Wir sind einzig mit der Risalah beschäftigt. Wir bemühen uns einzig um die Juwelen des Qur'an. Wir schaffen für die Wahrheiten (haqiqat)des Qur'an, welche in ihrem Wert den ganzen Kosmos umfassen. Wir arbeiten nur für die bleibenden (baqi)Dinge. Wir verschwenden unsere Kraft nicht für vergängliche Dinge. Unser Dienst am Glauben (iman),der (ein Dienst) an der Risale-i Nur ist, lässt kein Bedürfnis mehr zurück, uns noch mit weiteren Dingen zu beschäftigen... er genügt allen Dingen...
Zusammenfassung:
Die heimlichen Feinde des Glaubens (din),die in ihrer Erbärmlichkeit mit unserem Meister (Ustadh)Bediüzzaman und gegen die Risale-i Nur kämpfen, sind in ihrer völligen Schwäche für ewig verloren. Was aber Bediüzzaman und die Risale-i Nur betrifft, so ist sie für ewig erfolgreich und siegt allezeit. (Während unsere Feinde) sich selbst in Misskredit zugrunde richten, lässt sich die Risale-i Nur niemals zugrunde richten. Denn die Risale-i Nur ist ihrem Wesen nach Zeugnis und Beweis. (Während unsere Feinde) sich darum bemühen, (der Risalah) und ihrem Verfasser zu widersprechen, sind sie doch selbst dazu verurteilt, dass man ihnen widerspricht. Während z.B. die Geschichte klar vor unseren Augen liegt, wird ihnen
zugleich auch noch widersprochen werden. Die Risale-i Nur aber ist eine hohe Wahrheit, die für ewig und allezeit erhalten bleiben wird... Die Nur-Schüler sagten in der Tat vor dem großen Strafgerichtshof: "Kein Mensch hat die Kraft (quvvet),uns von unserem Meister (Ustadhimiz Bediüzzaman),von der Risale-i Nur und voneinander zu trennen." Auch unser Meister (Ustadh)hat in dem Band "Die Briefe (Mektubat)"gesagt: "Wäre auch einer von uns in dieser (dunya)und einer in jener Welt (akhira),einer von uns im Westen und einer im Osten, einer von uns im Norden und einer im Süden, so wären wir doch stets untereinander vereinigt."
Unser Meister (Ustadh)hat niemals einen geistigen Rang (maqam)für sich beansprucht. Von anderen ihm angebotene große und außerorentliche Titel hat er stets abgelehnt. Aber sein ganzes Auftreten, seine Haltung, sein Tun und Handeln genügten als Beweis, um zu verstehen, wer er war. Um den Dienst des Meisters (Bediüzzaman),der Risale-i Nur am Qur'an, am Glauben und an der Islamiyet verhindern zu können, hätte es einer Kraft (quvvet)bedurft, welche die Welt (dunya)in ihrer Hand zu halten und umzustülpen vermag.
Einige Sätze aus dem Großen Buch der Verteidigungsreden (Büyük Müdafaat)vor den Untersuchungsrichtern, denen unser Meister (Hazret-i Ustadh)vorgeführt wurde, in der Absicht ihn hinzurichten:
"Die Schüler der Risale-i Nur haben keine Ähnlichkeit mit anderen. {z.B. den Murieds der verschiedenen Sufi-Orden (A.d.Ü.)} Sie kämpfen nicht und man kann sie auch nicht besiegen. Denn die Risale-i Nur ist Eigentum des Qur'an. Sie ist aus dem Weisen Qur'an herausgesickert. Was aber den Qur'an betrifft, so verbindet er Himmel und Erde (arsh ve fersh)mit einer leuchtenden Kette... Wem aber stünde es zu, seine Hand danach auszustrecken?! Die Risale-i Nur ist in die Brust Anatoliens eingespflanzt. Dort kann
sie keine Kraft der Welt (quvvet)herausreißen um sie zu vernichten."
Aus der Abhandlung "Das Große Zeichen (Ayetu-l'Kubra)",die ein berühmtes und wunderbares Werk ist: "Die Risale-i Nur bessert nicht nur kleinere Schäden wieder aus, sie setzt keine Hütte wieder in Stand, sondern wirkt einer umfangreichen Zerstörung an einer weitläufigen Burg entgegen, die den Islam umfasst und deren Steine groß wie die Berge sind. Sie bemüht sich nicht nur darum, das Herz eines einzigen Menschen und sein persönliches Gewissen zu heilen, sondern das Herz des (islamischen) Volkes und das Denken der Allgemeinheit, dem durch die Verderben bringenden Mittel und Geräte, die schon tausend Jahre lang vorbereitet und angesammelt worden sind, so fürchterliche Wunden geschlagen wurden und das Gewissen der Allgemeinheit (: Muslime), das durch den Zusammenbruch der islamischen Grundsätze, Bewegungen und Kennzeichen (shea'ir),welche ein Zufluchtsort der (islamischen) Gemeinschaft im Allgemeinen und der einfachen Gläubigen im Besonderen war, allmählich verdorben worden ist, durch das Wunder des Qur'an und seine tiefen Wunden mit den Mitteln und Möglichkeiten des Qur'an und des Glaubens zu heilen. Gegen solche allgemeine fürchterliche Zerstörung, gegen solche Verwundungen und Verletzungen ist es sicherlich notwendig, Zeugnisse von unumstößlicher Wahrhaftigkeit und Beweismittel so stark wie die Berge zu finden, erprobte Heilmittel in der Wirksamkeit von tausend Gegengiften und zahllose Medikamente. Diese Aufgabe erfüllt die Risale-i Nur, entstanden in unserer Zeit, inspiriert durch ein Wunder, welches Wunder die Verkündigung des Qur'an ist, und die ein Fahrzeug ist des Fortschritts und der Entwicklung auf den Stufen des Glaubens."
Liebe Brüder! In einer Zeit, in der hunderte Gelehrte Redeverbot hatten und die Verbreitung religiöser (Schriften) verboten war, obwohl sie aufgrund ihres Glaubens (din)eigentlich dazu verpflichtet gewesen wären, die
Glaubenswahrheiten (haqiqat)zu verkünden und zu erklären, woran sie aber unter Zwang gehindert wurden, in der Männer des Glaubens erhängt wurden, in einer solch schrecklichen Zeit, wie sie die Geschichte nie zuvor gesehen hatte, einer solch entsetzlichen Epoche, in der Pläne, (dem Volk) den Qur'an, den Glauben (iman)und die Islamiyet zu nehmen in die Tat umgesetzt wurden, einer Zeit, in welcher der absolute Unglaube (kufr-u mutlaq),der Atheismus, nicht mehr aufzuhalten waren, zeigte sich Bediüzzaman Said Nursi als der Einzige, der als stets opferbereiter und unerschrockener Verteidiger und Bewahrer (muhafidh)des Qur'an, des Glaubens (iman)und der Islamiyet zum Kampf um den Glauben (djihad-i diniye)in die Arena trat.
Und Bediüzzaman hat in der Tat nicht nur ein einziges Land, wie das Land der Pharaonen, sondern ganz Europa (wegen der dort grassierenden) Gottlosigkeit als Einziger herausgefordert und tut es noch heute. Die Wahrheiten (haqiqat)des Qur'an breiten sich unter einer gnadenlosen Gewaltherrschaft, einer absoluten Despotie aus. "Unsere Aufgabe ist es, uns einzusetzen. Ob wir einen Sieg erringen, oder eine Niederlage erleiden, ob wir Erfolg haben werden und die Risalah angenommen wird, das liegt allein bei Gott dem Gerechten (Djenab-i Haqq).Wir mischen uns da nicht in die göttlichen Angelegenheiten (vazife-i Ilahiye)ein." (Ustadhhat Dinge erlebt) wie man dergleichen in der Geschichte (der Menschheit kaum jemals wieder) begegnet, Grausamkeiten und Schikanen, Ungerechtigkeiten und grobe Misshandlungen; vor seiner Türe patrouillierten Polizisten in Zivil und in Uniform, um ihn sogar daran zu hindern, zum Freitagsgebet (djuma namazi)zu gehen. Um alle diese Verbrechen, die in die Geschichte eingegangen sind, vertuschen zu können und (um zu verhindern, dass jemals) irgendwer davon hören könnte, werden sie unter besonders strengen Auflagen unter Verschluss gehalten.
Unter derartig erschwerten Umständen verfasste unser Meister (Hazret-i Ustadh)durch die Gnade Gottes (inayet-i Ilahiye)
die Risale-i Nur und legte sie zum größten Teil mit den Qur'anischen Buchstaben handschriftlich nieder. Auf diese Weise bewahrte er zugleich die Qur'anischen Schriftzüge, wodurch hunderttausende junger Türken, um die Risale-i Nur lesen zu können, die Gnade (ni'met)und die Ehre erlangten, die Qur'anische Schrift unseres heiligen (muqaddes)Buches zu erlernen. So hat unser Meister (Ustadh),der über die Kraft des Glaubens (quvvet-i iman)verfügte und wusste, wie man in völliger Aufrichtigkeit (ikhlas)die Qur'anischen Wahrheiten und den Glauben (iman)zum Wohle des ungebildeten Volkes wie auch der gebildeten Schüler insgesamt einsetzt, gezeigt, wie man sie auf eine völlig neue Art und Weise, unserer Zeitepoche angemessen verstehen, erklären und zum Ausdruck bringen kann. Und so kam denn durch die Gnade und die Wahrheit ein solch glänzender und hochrangiger Qur'an-Kommentar (tefthir)wie die Risale-i Nur zustande.
Dies sind wunderbare Werke, die Volk und Vaterland vor Atheismus und Kommunismus bewahren. Zudem hat (der Meister) zu einer Zeit, in der die Gewalt herrschte, die Kennzeichen des Islam (shea'ir)zwangsweise abgeschafft wurden, viele sich gezwungen sahen, um ihrer weltlichen Interessen willen auf diese heiligen Kennzeichen (qudsi shea-'ir)zu verzichten und zu tun, was ihrem Glauben (din)schadete, zu ketzerischen Neuerungen (bid'a)gezwungen wurden und sich durch eine Fetva veranlasst sahen, der Islamiyet entgegengesetzt zu verhalten, (zu dieser Zeit hat) Bediüzzaman, trotzdem er so viele Ungerechtigkeiten zu erleiden hatte und, bereits angeklagt, schon sein Todesurteil erwartete, sich weder in seiner Haltung (lisan-i hal),noch in seiner Ausdrucksweise (lisan-i qal),noch in seiner Handlungsweise auch nur im geringsten geändert. Im Gegenteil: "Unsere Todesstunde liegt bereits fest und daran ändert sich nichts... Der Tod ist ein Passierschein, um aus dieser vergänglichen Welt (alem-i fena)in die ewige Welt (alem-i beqa)und die Welt des Lichtes (alem-i nur)hinüberzugehen.", sagte er und warf sich in den Kampf.
Er informierte über die ketzerischen Neuerungen (bid'a)und stoppte (ihre Verbreitung), bewahrte die islamischen Kennzeichen (shea'ir),hielt die Gelobten Sitten (sunnet-i seniye)lebendig, verbreitete über dreißig Jahre lang insgeheim die Werke (der Risalah) und rief in seiner Umgebung etwas ins Leben, was einem Wieder-Aufscheinen des Glücklichen Zeitalters (devr-i saadet)glich. Um nun aber nicht den Gelobten Sitten (sunnet-i seniye)zuwider handeln zu müssen, zog er all diesen (damit in Zusammenhang stehenden) Schikanen ein Leben in der Eisamkeit (inziva)vor. Dreißg Jahre einer millionenfach vorherrschenden glaubenslosen wie beispiellosen völligen Despotie konnten Bediüzzaman in keiner Weise und zu keiner Zeit dieser Herrschaft unterwerfen, sondern besiegten im Gegenteil die grausamen Tyrannen.
Die Risale-i Nur verwandelt einen nur nachahmenden Glauben (taqlidi iman)in einen wahrhaftigen Glauben (tahqiqi iman),stärkt den Glauben, lässt uns die Glückseligkeit in beiden Welten gewinnen, schenkt uns Erfolg nach einem glücklichen Ende und bringt auch noch den glaubenslosesten Philosophen zum Schweigen. Aber die Risale-i Nur hat auch noch folgende weitere Besonderheit: Im Gegensatz zu den Theologen (mutekellim,als gelehrter des Wortes) beschäftigt sie sich nicht mit den negativen Seiten der Leute des Irrwegs, sondern unterrichtet (ders)nur die positiven Dinge, behandelt also gleichsam ohne zu verwunden. Unter diesem Gesichtspunkt beseitigt die Risale-i Nur heute jede falsche Vorstellung oder Verdächtigung, beantwortet jede Unklarheit und alle Fragen, die der Verstand aufwirft, dadurch dass sie die Begierden (nefs)zum Schweigen bringt und das Herz (qalb)überzeugt. Die Risale-i Nur erhellt den Verstand, erleuchtet das Herz und macht sich die Seele (nefs)dienstbar. Aus diesem Grunde geschieht es, dass sowohl die Leute der neuzeitlichen Schulen (mekteb)wie der modernen Naturwissenschaftler (felsefe),die nur ihrem Verstand (aql)folgen, wie auch die Sufis (ehl-i tasauvuf),die nur ihrem Herzen (qalb)
folgen, zur Risale-i Nur kommen, um nachzufragen. Dabei verstehen Schüler wie Wissenschaftler, was wahre, echte (haqiqi)Aufklärung (munevverlik)ist. Die Erleuchtung von Herz (qalb)und Verstand (aql)wird in ihrer Zusammenwirkung möglich. Allein dem Verstand (aql)zu folgen, zieht den Verstand auf die Wahrnehmungsebene hinunter. Was diesen Zustand (hal)betrifft, so gleicht er einem gebrochenen Flügel, der zur Folge hat, zum Absturz verurteilt zu sein. Ehrliche und aufrichtige Sufis (ehl-i tasauvuf)begreifen (idraq),dass unsere heutige Zeit nicht mehr die alte Zeit ist. In dieser unserer heutigen Zeit ist es notwendig, den Weg des Qur'an zu gehen, der uns auf dem Weg der Wahrheit (haqiqat)sowohl mit dem Herzen (qalb)als auch mit dem Verstande (aql)zur Wahrheit (haqiqat)hin führt, damit wir zweiflügelige Wesen sein können.
{(*): Diejenigen, die den arabisch (verfassten) Band "Mesnevi-i Nuriye" studiert haben, berichten, dass Bediüzzaman herausgefunden hat, dass von den Stufen, von denen einige wenige Persönlichkeiten, die auf ihrer siebzig, achtzig Jahre währenden Pilgerfahrt (seyr-i süluk) einen Pol (qutbiyet) erreicht haben oder selbst nun zu Helfern (auf diesem Pfad: ghausiyet) geworden sind, damit bis zu einem Punkt gelangt sind, von dem sie sagen: "Dies ist jener Gipfelpunkt (unserer Fahrt), von dem aus es nicht mehr weiter geht.", sich im Qur'an ein Weg finden lässt, auf dem die Wissenschaft (ilim) noch weiter führt. Über dieses in arabisch (verfasste) Werk, dieses großartige Wunderwerk, sagen die Gelehrten (ehl-i ilim), welche es studiert und kritisch untersucht haben: "In diesem Werk finden sich solch grundlegende, besonders tiefschürfende wie außerordentlich hohe Wahrheiten (haqiqat), dass wir, insoweit wir aus ihnen unseren Nutzen ziehen können, an ihnen einen Gewinn haben."}
Schüler, die erwacht sind, werden erkennen, dass das, was in alten Zeiten in einer Medresse mit den damaligen Methoden gelehrt wurde, in fünfzehn Jahren zum Islam und zum Glauben (iman)als Ziel führen konnte, während in heutiger Zeit die Risale-i Nur es möglich macht, das gleiche Ziel in fünfzehn Wochen zu erreichen. Unser Meister (Ustadh)geruhte zu sagen: "Wer ein Jahr lang die
Lektionen (ders)der Risale-i Nur liest, sie versteht und sie annimmt, kann zu einem bedeutenden und wahrhaft echten (haqiqat)Gelehrten werden."
Die Risale-i Nur ist eine Schatzkammer des Lichtes (Nur)und allen Segens (feyz),aus der uns das lichtstrahlende Wesen (nurani meshreb)unseres Herrn (efendimiz),des Ehrwürdigen Gesandten (Resul-i Ekrem),mit dem der Friede und Segen sei (Aleyhissalatü Vesselam)und die erhabenen Charakterzüge seiner Ehrenwerten Gefährten (Sahabe-i Kiram)erklärt werden. So geben uns denn diese hier angeführten Umstände und Beziehungen (vaziyet)einen Hinweis auf einen nagelneuen Aspekt dieser Wahrheit (haqiqat)in dem taufrischen, leuchtenden Leben (hayat)der heutigen Welt (dunya)und macht die Leute einer neuzeitlichen Schule (mekteb)und einer Medresse und die Sufis einer Tekke, {Wohn- und Versammlungsort der Sufis (A.d.Ü.)} von denen wir geglaubt hatten, dass sie von alters her gegeneinander eingestellt seien, mit der Risale-i Nur und der Einheit Gottes (tauhid)vertraut. Und sie versöhnt zudem auch noch den Westen mit dem Osten, die sich miteinander im Streit befinden (muaraza halinde).Auch von Seiten der Experten kommt hier Zustimmung und Bestätigung, dass die Risale-i Nur für die Anhänger des Islam der einzige Ausweg ist, um eine Einheit im Islam zustande zu bringen. Des Weiteren entstanden in Amerika, in Europa und besonders auch in Deutschland Strömungen, die nach ganz neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen und neuen Ideen suchten, um die Konflikte in der heutigen Welt lösen zu können. Das Gesamtwerk der Risale-i Nur kann in dieser Hinsicht seinen Beitrag leisten, wenn es richtig gesehen und verstanden (idraq)wird.
Inzwischen wurde mit Verstand und logischem Denken bewiesen, dass die Knoten, welche die westlichen Philosophen nicht hatten lösen können und von denen auch die Wissenschaftler neuerer Zeit sagen: "Die moderne Wissenschaft kann sie noch nicht lösen.", durch die
Segnungen (feyz)des Qur'an von der Risale-i Nur gefunden und aufgelöst werden können. Die Schwierigkeiten, welche auch alle Weisen (hukema)des Ostens auf vierzig Seiten nicht hatten erklären können, hat die Risale-i Nur auf einer einzigen Seite kurz und bündig dargelegt.
Bediüzzaman sagte 1935, als er in Erwartung seines Todesurteils dem Kriminalgerichtshof für Schwerverbrecher (Aghir Djeza Mahkemesi)vorgeführt wurde, nur ein, zwei Sätze zu seiner Verteidigung: "Die Risale-i Nur wird nicht erlöschen und kann nicht ausgelöscht werden. Die Risale-i Nur ist ein Licht (Nur),das aufstrahlt, wenn man hineinbläst, um es auszulöschen. Die Risale-i Nur gleicht einem Forscher, der das Rätsel (tilsim)eines ganzen Kosmos, ein hermetisch verschlossenes Geheimnis, aufdeckt und es entschlüsselt."
Zudem handelt es sich in der Frage der leiblichen Wiederauferstehung (hashr-i djismani)entsprechend den Gelehrten (hukema),wie Ibn-i Sina, eines berühmten Weisen, um eine Wahrheit (haqiqat),die besagt: "Die Auferstehung (hashir)ist eine Überlieferung (naql),an die wir glauben, zu welcher aber der Verstand (aql)nicht gelangen kann." In der Risale-i Nur aber wird sie mit dem Segen (feyz)des Qur'an in einer solch unvergleichlichen Weise bewiesen, dass ein jeder daraus seinen Nutzen ziehen kann. Die gezielten Einwände mit Irrtümern besudelter Philosophen (dalalet-alud)Europas und ihrer verderbten Schüler gegen einige rein bildlich verstandene erlauchte Ayat (ayat-i kerim)und ehrwürdige Überlieferungen (ahadith-i sherif),die sie anhand ihrer rein äußerlich betrachteten Bedeutung nicht verstehen konnten, wurden in der Risale-i Nur logisch und allgemein verständlich beantwortet und damit bewiesen, dass diese Ayat und Ahadith jede für sich ein Wunder (mudjize)sind. Auf diese Weise wurden denn auch die in heutiger Zeit aus den Naturwissenschaften wie auch den Geisteswissenschaften hervorgegangenen Irrtümer (dalalet)und Zweifel durch die Risale-i Nur von Grund auf klargestellt. Die Risale-i Nur folgt, indem sie dies tut,
einem durchaus positiven Ansatz. Die Risale-i Nur verfügt über eine außerordentlich prägnante Aussagekraft. Ihrem Stil, den man in seiner außergewöhnlichen Besonderheit auch nicht mit den berühmtesten (literarischen) Werken vergleichen kann, ist eine erhabene Rhetorik, eine große Klarheit, Flüssigkeit und Kürze zu eigen. Ja sogar als die Werke Bediüzzamans in der islamischen Welt (alem)mit Nachdruck verlangt wurden und man den "Stab Mosis" großen islamischen Gelehrten (alim)brachte, um sie ins Arabische zu übersetzen, lasen sie diese und sagten dann: "Die Werke Bediüzzamans kann nur er selbst übersetzen. Die erhabene Rhetorik der Risale-i Nur, ihre beispiellose Klarheit und Kürze zu bewahren und das in ihr dargelegte Wissen zu umfassen, sind wir zu schwach!" Auf diese Weise äußerten sich diese großen Gelehrten (alim)über die Fähigkeiten des Meister (Ustadh)und die Vollendung der Risale-i Nur.
Bediüzzaman, der sich in seinen Werken von fast allen großen Dichtern und Schriftstellern unterschied, legte größeren Wert auf die Bedeutung als auf die Wörter. Er verzichtete nicht auf die dem Wort entsprechende Bedeutung; er verzichtete auf das der Bedeutung entsprechende Wort. In seiner Ausdrucksweise zog er nicht den dem Leser entsprechenden Geschmack in Betracht, für ihn war die Wahrheit und die Bedeutung (haqiqat ve mana)das Wesentliche. Wer ein Kleid für den Körper schneidert, schneidet nicht den Körper, er schneidet das Kleid zurecht. Was in der Risale-i Nur den Geist (ruh),das Herz (qalb),den Verstand (aql)und die Einsichtsfähigkeit (vidjdan)an sich zieht und sich vor der Wahrheit (haqiqat)beugen heißt, das ist die Anziehungskraft Gottes (Ilahi);Kind und Kegel, Jung und Alt, Gebildete wie das einfache Volk kommen zu diesem Lichte (Nur)gelaufen, angezogen von dem Lichte (Nur)wie die Falter. Als ein glänzendes Beispiel für die Tatsache dieser Wahrheit (haqiqat)hat eine breite Masse von Schülern in kurzer Zeit die Feinde des Glaubens (din)in einen Zustand versetzt, der sie vor Angst erzittern lässt.
Wie in jeder anderen Hinsicht so sind allein schon in literarischer Hinsicht besonders auch wir gleich den Dichtern und Schriftstellern tausendfach davon entfernt, Wert und Bedeutung der Risale-i Nur zum Ausdruck bringen zu können. In diesem Zusammenhang möchten wir, wenn auch in aller Bescheidenheit, dennoch unserer ehrlich und aufrichtig gemeinten unendlichen Dankbarkeit, so unbedeutend sie auch sein mag, für den so großen Nutzen, den wir durch die Risale-i Nur erfahren haben, Ausdruck verleihen. Darüber hinaus kann einzig und allein der Verfasser der Risale-i Nur, der dazu die Befugnis (sahib-i salahiyet)hat und auch die nötige Sachkenntnis (sahib-i ihtisas)besitzt, zu diesen Themen Stellung nehmen.
Von Seiten der islamischen Gelehrten (ulema),welche die Tugend lieben und ihr Ego (enaniyet)um der Wahrheit (haqq)willen aufgegeben haben, wird bestätigt, dass die Risale-i Nur auf die Bedürfnisse unserer Zeit eine vollständige Antwort zu geben vermag und deshalb über alles hoch gelobt und geschätzt wurde und stets noch wird. Schon vor fünfzig Jahren berichteten die Zeitungen in Ägypten über Bediüzzaman, dass die großen Gelehrten (ehl-i ilm)anhand der Besonderheiten in den von ihm verfassten (Werken) und seines ozeangleichen genialen Wissens (ilm)Bediüzzaman Said Nursi als das Genie unseres Jahrhunderts (Fatinu-l'Asr)beurteilt haben.
Bediüzzaman hatte sich zum Prinzip (düstur-u hayat)gemacht, keine Geschenke ohne Gegenleistung anzunehmen, was selbst von seinen Feinden bestätigt wurde, während diese Feinde der Islamiyet nun die Wissenschaftler (ehl-i ilm)ihrerseits beschuldigten, was nun (der Meister) seinerseits durch sein prinzipientreues Verhalten widerlegte, indem er wiederum durch sein Verhalten beweist, dass er sein Wissen (ilm)für nichts (in der Welt) als Mittel einsetzt. So wahren und verteidigen die islamischen Gelehrten (ulema)ihre Ehre und ihre Würde wie zugleich auch das Ansehen des Islam und das Ansehen der Religion (izzet-i diniye)auch gegenüber den grausamsten und gewalttätigsten
Herrschern. So blieb (der Meister) sein Leben lang bedürfnislos und blieb selbst in Zeiten des Hungers seinen Prinzipien treu. Dazu sagte er: "Sparsamkeit und Genügsamkeit sind zwei große Schätze. Ihr Segensreichtum (bereket)genügt mir." So zog er sich vor den Menschen zurück und tut es noch heute.
Bediüzzaman Said Nursi wurde jahrelang von Gefängnis zu Gefängnis geschleppt, von einem Kerker in den nächsten geworfen, von einer Verbannung ins nächste Exil deportiert, wurde ständig unter Druck gesetzt, abscheulichen Quälereien und fürchterlichen Schikanen ausgesetzt; siebzehn Mal versuchte man ihn zu vergiften; an manchen Tagen musste er die Leiden eines ganzen Monats über sich ergehen lassen; (alle diese Ereignisse haben seinem Leben) und dem Gesamtwerk der Risale-i Nur den Stempel der Richtigkeit (sidq)und seiner Wahrhaftigkeit (haqqaniyet)aufgedrückt und sind dafür ein klarer Beweis. So hat man in Indien z.B. gefragt: "Was für ein Mensch ist dieser Bediüzzaman?" Zur Antwort hat man gesagt: "Das ist ein alter Mann, der krank, arm (fakir)und einsam in der Fremde unterdrückt wird; der keine Geschenke und keine Almosen annimmt; der trotz seiner sechzig Jahre noch immer allerlei Ungerechtigkeiten erdulden muss und dennoch nicht ablässt von seinen Idealen." Daraufhin sagen sie: "Wenn das so ist und er tatsächlich die Wahrheit (haqiqat)sagt und vor diesem völligen Unglauben (kufr-u mutlaq),der Gottlosigkeit und Glaubenslosigkeit seinen Nacken nicht beugt, wenn er nicht heuchelt und wenn er kein Speichellecker ist und dennoch einen wirkungsvollen und umfangreichen Dienst am Qur'an und der Islamiyet versieht, dann tun sie ihm damit Unrecht." {d.h. wenn sein Dienst ohne Bedeutung wäre, würden sie ihn in Ruhe lassen. (A.d.Ü.)} Was die Hochschätzung unseres Meisters (Ustadh)Bediüzzaman durch Menschen betrifft, die ihn zu schätzen wissen und die Tugend lieben, so geht es hier eigentlich
gar nicht um Lobgesänge (sena);es geht hier um Dinge, die der Meister tut; seine Aktivitäten, seine Arbeiten, wovon hier auch nur ein Hundertstel in aller Kürze und Bescheidenheit, vielleicht noch in mangelhafter Weise überliefert wird. Zudem sind die in diesem Zusammenhang stehenden Artikel, Briefe oder Abschnitte gar kein Lobpreis (medih),sondern zielen vielmehr darauf ab, den Dienst des Meisters (Ustadh)am Glauben (din)gegen diese gottlosen, erbärmlichen, erbarmungslosen Feinde des Glaubens (din),die seine Person angreifen, in positiver Weise zu verteidigen.
{(*): Die List aller Teufel unter den Dschinnen in Menschengestalt und der Ungläubigen ist folgende: einige von ihnen sagen oder lassen verbreiten: "Der Meister (Ustadh) legt keinen Wert auf seine Person. Was aber euch betrifft, so tut ihr dem Meister (Ustadh) keinen Gefallen, wenn ihr lobende Briefe über ihn schreibt, die er gar nicht will." So wollen sie verhindern, dass die Nur-Schüler die Risale-i Nur und unseren Meister (Ustadh) auf eine positive und saubere Art gegen die Feinde der Islamiyet verteidigen und so bemühen sie sich darum, sie am Nerv ihrer Leichtgläubigkeit zu treffen, sie mit derartigen Gedanken und Trugschlüssen zu täuschen und so in die Irre zu führen. Es stimmt ja in der Tat, dass unser Meister (Ustadhimiz) Bediüzzaman, wie es seine Aufrichtigkeit (ikhlas) verlangt, keinen Wert auf seine Person legt. Diese Situation (hal) spiegelt die hohe Vollkommenheit (kemalat) und erhabene Moral unseres Meisters (Ustadh). In wie weit wir um so mehr in ihm milliardenfach seinen Wert und seine Bedeutung erkennen, je weniger er selbst Wert legt auf seine eigene Person, das ist (einerseits) Gottes Güte (lütf-u Ilahi) und hängt (andererseits) von unserem Scharfsinn und unserer Menschlichkeit ab. Denn dieses Meisterwerk wie es die Risale-i Nur als Kommentar (tefthir) zum Qur'an ist, verdankt ihm seine Existenz und stammt aus seiner Quelle. Mit dem Verfasser eines solchen Werkes, sind durch die Risale-i Nur, die (den Sinn) des Lebens und Sterbens erläutert, nicht nur die heutige islamische Welt (alem), nicht nur die Menschheit in diesem unseren Jahrhundert, sind vielmehr Milliarden Menschen künftiger Generationen, verbunden.}
All diesen Umständen zum Trotz war der Meister (Ustadh)
über die Lobsprüche und dergleichen Äußerungen einzelner Persönlichkeiten wie auch der Schüler der Risale-i Nur wütend und sagte ihnen oftmals, indem er sogar ihre Hochachtung vor ihm zerbrach: "Diese Zeit ist nicht die Zeit einzelner Persönlichkeiten, sondern die Zeit einer Geistigen Körperschaft (shahs-i manevi).In der Risale-i Nur gibt es keine einzelnen Persönlichkeiten, sondern eine geistliche Persönlichkeit (shahs-i manevi).Ich bin ein Nichts. Die Risale-i Nur ist der Eigentum des Qur'an, wurde aus dem Qur'an herausgefiltert. Ihre Ehre und ihre Schönheit gehören dem Qur'an. Meine Person und die Risale-i Nur wurden miteinander verwechselt. Die besondere Eigenschaft ist der Risale-i Nur zu eigen. Was den wunderbaren Erfolg in der Verbreitung der Risale-i Nur betrifft, so kommt er den Schülern der Risale-i Nur zu; und nur in dieser Hinsicht hat mir Gott der Gerechte (Djenab-i Haqq)in Seiner Güte (ihsan)und in meiner großen Bedürftigkeit aus dem Weisen Qur'an (hakim)ein Heilmittel geschenkt; ich habe lediglich zur Feder gegriffen. Wie dem auch sein möge, so ist mir doch in dieser Zeit nur die Aufgabe (vazifah)des Dolmetschers zugefallen. So bin auch ich nur ein Schüler der Risale-i Nur. Und obwohl ich bis heute die Risalah schon hundert Mal gelesen habe, habe ich doch immer wieder das Bedürfnis, sie wieder neu zu lesen. Und so bin auch ich eurer Mitschüler."
Das Geheimnis (sirr)des außergewöhnlichen, ja triumphalen Erfolgs, den Bediüzzaman Said Nursi in seinem Dienst am Qur'an, am Glauben (iman)und der Islamiyet erlangt hat, und die gewaltige (quvvet)Wirkung der Risale-i Nur ist Folgendes: er hat für sich eine vollkommene Aufrichtigkeit (ikhlas-i etemmi)gewonnen, d.h., er hat einzig und allein die Göttliche Zufriedenheit (riza-yi Ilahi)zu seinem wesentlichen Ziel gemacht. So sagte er in diesem Zusammenhang: "Das Wesen unserer Berufung (meslek)liegt in unserer möglichst weitgehenden Ehrlichkeit (ikhlas)und der Aufgabe unserer Selbstverhaftetheit (terk-i enaniyet).Einer Tat, verrichtet mit einem Dirhem Aufrichtigkeit (ikhlas),
ist eine Tat, verrichtet mit hundert Batman ohne diese Aufrichtigkeit (ikhlas)vorzuziehen. Vor den Geschenken der Leute, im materiellen wie im übertragenen Sinne (maddi manevi),ihrer Hochachtung (hürmet),der Zuwendung, die sie mir entgegenbringen (teveddjuh-u amme)und auch vor dem Ruhm fliehe ich mit ganzer Kraft." Der Grund (hikmet)dafür, dass er Besucher nicht empfängt, ist in dieser Einstellung (sirr)zu finden. Auch die überaus große Bedeutung, die er der Wahrhaftigkeit (ikhlas)zumisst, versteht sich aus einer Notiz, die von den einhundertdreißig Abhandlungen einzig der Einleitung zur "Abhandlung über die Wahrhaftigkeit (Ikhlas Risalesi)"beigefügt ist: "Sie sollte wenigstens ein Mal in vierzehn Tagen gelesen werden." In seinem "Großen Buch der Verteidigungsschriften (Büyük Mahkeme Müdafaati)"heißt es dazu: "Die Risale-i Nur darf nicht als ein zweckdienliches Werkzeug in dieser Welt und der Schöpfung gebraucht werden; denn ihr Zweck ist einzig Gottes Wohlgefallen (riza-yi Ilahi)."
So liegt es denn im Geheimnis dieser Aufrichtigkeit (sirri ikhlas),dass ein Wissenschaftler (ehl-i ilim),der die Werke der berühmtesten islamischen Gelehrten (hükema),wie Imam Ghasali, mit dem Gott zufrieden sein möge, kritisch untersucht und erforscht (muhaqqiq ve mudaqqiq),sagt:
Der Nutzen, den mir die Lektüre einer Seite der Risale-i Nur bringt, ist eine Veredlung meines Charakters mehr denn durch zehn Seiten irgendwelcher anderer Werke.
Ein Gelehrter (muallim),der sich bereits mit wissenschaftlichen Werken (felsefe)befasst hatte, sagte:
Ich hatte mich bereits so viele Jahre mit den Werken der Natur- wie der Geisteswissenschaften (ilm ve felsefe)befasst. Nun aber habe ich erkannt, dass mich in der Behandlung der Wunden, die mir die Werke der westlichen Naturwissenschaften (felsefe)geschlagen hatten, gerade die Risale-i Nur überzeugt hat und ein Werk ist, dass auf die Bedürfnisse unserer heutigen Zeit eine vollkommene Antwort zu geben vermag.
Ein Schriftsteller schreibt:
Mein Verstand (aql)war ohne Licht (Nur)und nur mein Herz (qalb)glaubte (mu'min).Dann hat die Risale-i Nur sowohl meinen Verstand als auch mein Herz erleuchtet und meine Begierden (nefs)zum Schweigen gebracht. So wurde ich vor der Höllenstrafe (djehennem)errettet.
Ein Arzt sagt:
Seit ich meinen Nutzen aus der Risale-i Nur zu ziehen begann, zähle ich diesen Tag als den Tag, an dem ich meine Augen auftat.
Ein glücklicher Student der Universität schreibt:
Einen Brief unseres Meisters (Ustadh)oder aus der Risale-i Nur von Istanbul an irgendeinen anderen Ort zu bringen, ist für mich ein Dienst, dem ich (ein Leben als) Abgeordneter vorziehe.
Vor dreißig Jahren sagte ein aufrichtiger und tugendhafter alter Sufi (ehl-i tasauvuf), indem er auf einen jungen Mann namens Lütfü deutete: "Dieser Nur-Schüler ist bereits weiter als ich." Und dies ist nur ein Beispiel unter Tausenden, die hier ihre Eindrücke (geschildert haben).
So ist es denn aufgrund dieses großartigen Geheimnisses der Aufrichtigkeit (sirr-i ikhlas),dass die Schüler der Risale-i Nur im Dienst am Glauben (iman)und der Islamiyet unter schwierigen Umständen und Bedingungen und bei aller Begrenzung zum Erfolg gelangt sind und ihr Leben (hayat)der Risale-i Nur und dem Meister (Ustadh)gewidmet haben. So haben sie die Risale-i Nur zum Kapital ihres Lebens (sermaye-i ömür)und zum Ziel ihres Daseins (gaye-i hayat)gemacht. Da es sich aber nun bei der Risale-i Nur um eine Angelegenheit (dava)handelt, die eine Angelegenheit (dava)göttlichen Wohlgefallens (riza-yi Ilahi)ist, sind einige auserwählte Rechtsanwälte, erfüllt von ihrem Eifer für den Islam, zu ehrenamtlichen Sachwaltern der Risale-i Nur geworden und als gläubige (dindar),rechtschaffene, kämpferische (mudjahid)Schriftsteller
erlangten sie die Ehre und wurden begnadet (ni'met),das Licht (Nur)hinauszutragen, das alle Welt umfassen soll, und teilzuhaben an seiner Verbreitung. Die Veröffentlichung der Risale-i Nur, der Einfluss (den sie ausübt) und das Ergebnis (das sie damit erwirkt), lässt sich mit dem lautlosen Erscheinen (maudjudat)jener herrlichen, großartigen, prächtigen Frühlingszeit vergleichen, die sich über das Land hin ausbreitet.
Wohlan denn, Ihr meine Brüder, die Ihr die gewaltig große Gnade (ni'met)empfangen habt, welche die Risale-i Nur ist, die allen Lobes und Preisens (hamd-u sena)würdig ist! Ein so gewaltiges Genie, ein solch großartiger Denker (mütefekkir),ein derartiger islamischer Verfasser, dieser Gelehrte seines Jahrhunderts (allame-i asrin),der alles Wissen über das Hier und Jetzt und das Danach (ulum-u evvelin ve-l akhirin)beherrscht, dieser große, einsame Kämpfer (mudjahid-i ekber),dieser fromme und gottesfürchtige Mann (sahib-i zühd-ü taqva),der durch sein Dasein (varlik)die Glaubenswahrheiten (haqaiq-i imaniye)gleichsam verkörpert, solch ein Diener allen Seins (abd-i külli),der außer dem Göttlichen Wohlgefallen (riza-yi Ilahi)zu keinem Ding eine Zuneigung verspürt, ein solcher Schüler (tilmiz)des Qur'an, dem die Ehre höchster Redlichkeit (ikhlas)zuteil geworden ist, dieser Diener (hadim)des Islam, der gesagt hat: "Einzig um den Glauben (iman)zu retten, bin ich bereit, selbst in die Hölle (djehennem)geworfen zu werden.", dieser Retter des Glaubens (halaskar-i iman),der, um zur standrechtlichen Hinrichtung verurteilt zu werden, dem Kriegsgericht (Divan-i Harb-i Örfi)vorgeführt wurde unter der Anklage: "Auch du bist ein Feind des Fortschritts (mürtedji)"und dann sagte: "Wenn diese neue Konstitutionelle Monarchie (Meshrutiyet)nichts anderes ist als ein Klüngel von Despoten, dann sollen alle Menschen und Dschinnen (ins-ü djinn)meine Zeugen (shahid)dafür sein, dass ich ein Feind dieses Fortschritts (mürtedji)bin. Und hätte ich auch tausend Seelen (ruh),so wäre ich dennoch bereit, sie alle für eine einzige Wahrheit (mes'ele)des
Qur'an zu opfern." Und nachdem man ihn dann freigesprochen hatte, dankte er ihnen nicht etwa, sondern ging mit dem Ruf: "Hochlebe die Hölle für die Tyrannen! Hochlebe die Hölle für die Tyrannen!" durch eine riesige Menschenmenge auf dem Beyazid-Platz hindurch und von dannen. Und vierundzwanzig Jahre davor hatte er, als man den Plan gefasst hatte, ihn zu vernichten, vor Gericht gesagt: "Oh ihr Ungläubigen (mulhid)!Oh ihr Atheisten (zindik)!"Und weiter: "Ich habe sie sagen gehört: "Said hat die Macht (quvvet)von fünfzigtausend Soldaten... Doch da irrt ihr euch... Denn da ich im Dienste des Qur'an stehe und dem Glauben (iman)diene, habe ich nicht die Macht (quvvet)von fünfzigtausend, nein, ich bin so stark (quvvet)wie fünfzig Millionen! Darum erzittert! Wenn ihr es wagen könnt: nur zu dann! Dieser Tod wird über euren Köpfen explodieren wie eine Bombe und euch die Schädel zerspalten. Der Same, den ihr in die Erde gelegt habt, wird gleich hundertfältigen Ähren anstelle dieses einen Said euch diese hohe Wahrheit (haqiqat)(aus den Kehlen) hunderter Saids entgegen schreien." Und vor fünfzehn Jahren sagte er: "Und sollte ich selbst über so viele Köpfe verfügen wie ich Haare habe und ihr würdet mir täglich einen abschlagen, so würde ich dennoch nicht von meinem Dienst am Glauben zurücktreten. Und wolltet ihr selbst die ganze Welt über meinem Kopf in Brand stecken, so wird sich doch dieser Kopf, welcher der Wahrheit (haqiqat)des Qur'an geweiht ist, nicht vor einem Glaubenslosen beugen." Und über die Ausbeuter des mit grausamer Gewalt herrschenden Königreichs (Großbrittanien), die vor fünfzig Jahren die islamische Welt ausgebeutet hatten, gab er der damaligen Presse zur Antwort: "Pfui! Spucke in das Gesicht dieser schamlosen Tyrannen." Und zu dem Präsidenten der Großen Volksversammlung (Büyük Millet Medjlisi)sagte er: "Die höchste Wahrheit in der Schöpfung (kainat)ist der Glaube (iman).Nach dem Glauben (iman)aber folgt das Gebet (namaz).Wer nicht betet, ist ein Verräter. Ein Verräter aber verliert seine Ehrenrechte. Gäbe es aber etwas,
das noch elementarer (haqiqat)wäre als das Gebet (namaz),das zu verrichten im Ehrwürdigen (kerim)Qur'an an hundert Stellen befohlen wird, so hätte Gott der Gerechte (Djenab-i Haqq)dieses gleich nach dem Glauben (iman)befohlen." Und so begann man denn, nachdem im Parlament (medjlis)eine entsprechende Verlautbarung unterschrieben worden war, gemeinsam das Gebet (namaz)zu verrichten. Und als er während des Ersten Weltkriegs als Kommandant eines Freikorps in russische Gefangenschaft geriet, wahrte er dennoch gegenüber dem Zaren die islamische Würde (izzet)und sagte, als die Reihe, die Kugel zu bekommen, an ihn kam: "(Euer Todesurteil ist für mich) das Visum, das ich benötige, (um die Reise) ins Jenseits (akhiret)antreten zu können." So schätzte er den Tod nur für gering. Die Werke unseres Meisters (Ustadh)Bediüzzaman, dieses Bannerträgers des Islam, lesen zu dürfen, ist für uns eine ganz große Gnade (ni'met),für die wir unser Leben weihen, der wir unser Dasein widmen, auch würden wir von einer Schikane zur anderen geschleppt und so werden wir bis an unser Lebensende, nachdem wir uns in dankbarem Gebete niedergeworfen (sedjde)haben, wieder aufstehen; und das wird es uns auch wert sein...
Unser Meister sagte sehr häufig: Unser Weg besteht in einer positiven Haltung. Denn der Qur'an verbietet uns negatives Handeln.
Oh unser Herr, der uns Vertrauen schenkt (seyyid-i senedi)!Oh Geist (ruh)unseres Geistes, Herz (qalb)unseres Herzens, Leben (djan)unseres Lebens und seine kostbare (djanan)Krone, unser geliebter Herr und Meister (Ustadhimiz Efendimiz)!Da du uns nun einmal zu einem negativen Verhalten keine Erlaubnis gegeben hast und es nun einmal so ist, erbitten wir von der göttlichen Barmherzigkeit (rahmet-i Ilahiye)und versprechen wir, an den Feinden des Glaubens (din),die unseren Meister (Ustadh)auf so schandbare Weise gequält und so erbarmungslos misshandelt haben, auf die folgende Weise unsere Rache zu nehmen: wir werden die Risale-i Nur bis zu unserem
Tode standhaft und in Treuen ununterbrochen lesen und sie verbreiten! Möge Gott es wollen (insha-a'llah),dass wir sie in goldenen Lettern niederschreiben werden!
Die Schüler der Risale-i Nur an der Universität
* * *
Eine schriftliche Mitteilung des Meisters (Ustadh) über (den Empfang) von Gästen und Besuchern
An alle meine Freunde, besonders aber meine Gäste und Besucher eine Erklärung als eine Entschuldigung, zu der ich mich leider gezwungen sehe
Da ich den größten Teil meines Lebens isoliert und in Einzelhaft (inziva)verbracht habe, dreißig, vierzig Jahre lang unter ständiger Beobachtung gestanden habe und (immer wieder) belästigt wurde, zögere ich heute, unnötig Gäste zu empfangen (sohbet),ja schrecke sogar davor zurück. Zudem ist es mir schon seit langem unerträglich geworden, Geschenke, und sei es auch nur im übertragenen Sinne (manevi ve maddi)entgegenzunehmen. Überdies ist auch noch die Zahl meiner Gäste, Freunde und Besucher angewachsen. Und zudem ist es ja auch notwendig, eine Art Gegenleistung (manevi)zu erbringen. Jetzt macht mich schon ein kleines Häppchen (lokma),das man essen könnte (maddi)bereits krank. Doch auch andere Geschenke im übertragenen Sinne (manevi),einander besuchen, besonders aber umständliche (Reisen), um jemanden an anderen Orten zu begrüßen, zu besuchen, ist auch ein bedeutendes innerliches Geschenk (hediye-i manevi).Es zu erwidern kann ich aber nicht. So etwas ist nicht billig und einfach und ist mir in meiner Seele (manen)zu teuer. Ich halte mich auch für eine solche mir dargebrachte Hochachtung nicht für würdig. Auch kann ich sie spirituell (manen)
nicht erwidern. Darum auch hat die Güte Gottes (ihsan-i Ilahi)jetzt sowohl Geschenke im materiellen (maddi)Sinne, als auch Geschenke im geistigen Sinne (manevi),wie unnötige Besuche (sohbet)(durch die vor meiner Tür aufgestellten Wachtposten - A.d.Ü.) verhindert. Sie machen mich manchmal krank. Auch macht es mich krank, wenn ich für ein Geschenk (maddi)keine Gegenleistung erbringen kann. Nehmt mir das also nicht übel und seid auch nicht gekränkt!
Die Risale-i Nur zu lesen ist zehn Mal lohnender als mich zu besuchen. Denn ein Besuch bei mir sollte nur geschehen, wenn es dabei um (das Leben) im und für das Jenseits (akhiret),den Glauben (iman)und den Qur'an geht. Da ich mein Interesse für (die Dinge) dieser Welt (dunya)abgebrochen habe, sind Besuche zugunsten dieser Welt (dunya)ohne Sinn. Wenn es um (ein Leben) im und für das Jenseits (akhiret),um den Glauben (iman)und den Qur'an geht, so hat mich die Risale-i Nur aus meiner Notwendigkeit entlassen. Ja selbst mit den Brüdern, die mir durch ihre Dienste nahe stehen, treffe ich mich nicht mehr, wenn das nicht notwendig ist. Ich möchte mich nur noch mit den Personen treffen, deren bestimmte Dienste sich auf Erfolg und Verbreitung der Risale-i Nur beziehen. Nur wenn ich selbst um dieser Dinge willen ein Treffen wünsche, kann ein solches Treffen erlaubt sein und bereitet mir kein Unbehagen. Denen, die mich besuchen kommen und von diesen Dingen nichts wissen, teile ich mit, dass ich schon vor einigen Jahren durch die Zeitung bekannt gemacht habe, dass ich diejenigen, die mich sehen wollten, besonders wenn sie von weither gekommen sind, um mich zu sehen und wieder gehen mussten, ganz besonders in meine Gebete (dua)mit einschließe. Ich bete (dua)ja an jedem Morgen. Sie mögen daher, bitte, nicht gekränkt sein!
Said Nursi
* * *
بِاسْمِهِ سُبْحَانَهُ ٭ اَلسَّلاَمُ عَلَيْكُمْ وَرَحْمَةُ اللّٰهِ وَبَرَكَاتُهُ
{"Im Namen dessen, der gepriesen sei. Friede mit euch, Gottes Erbarmen und Seine Barmherzigkeit."}
Für unseren so sehr schwer kranken Meister (Ustadh)ist von einer bedeutenden Amtsperson ein Brief gekommen. Darin heißt es: "Eine schwerwiegende Verwechslung wichtiger Männer in der alten Partei hat bei einigen Beamten der alten Partei zu einem Fehler geführt, sodass die "Biographie (Tarihtje-i Hayat)"nicht veröffentlicht werden konnte."
Auch unser Meister (Ustadh)hat gesagt: "Der bedeutendste Teil dieser Biographie (Tarihtje-i Hayat)wurde bereits drei Mal in der Sebilü-r'Reshad(-Zeitung) veröffentlicht, und zwar vor dreißig, vierzig Jahren noch mit den alten, später dann mit den neuen Buchstaben. Darin enthalten sind auch Teile der Verteidigungsschriften, die bereits vor verschiedenen Gerichten verlesen wurden und ganz offiziell veröffentlicht worden sind. Neuerdings gibt es auch noch einige recht lehrreiche (haqiqatli)Briefe aus dem Ausland, wie z.B. aus Medina (Medine-i Munauvere)von ein, zwei Gelehrten (alim)mit Erläuterungen und mit ihrem Dank versehen. Weshalb auch vonseiten der Gerichte ganz offiziell keine weiteren Störungen mehr zu erwarten sind.
Zweitens:
Obwohl die Risale-i Nur vierzig, fünfzig Jahre lang unter dem Druck der Politiker in der islamischen Welt (alem)auf wunderbare Weise ganz allein verbreitet wurde, sind heute Millionen Menschen (damit beschäftigt, sie von Hand zu Hand) zu verbreiten. Und selbst wollte heute die alte Partei ihretwegen die ganze Welt (dunya)versammeln, um ihretwegen eine Mauer hochzuziehen: sie könnte es nicht. Vielmehr würde dies wie eine Bekanntmachung wirken. Und gerade deswegen sollten sich die Nur-Schüler gar keine Sorgen machen...
Drittens:
Zudem verzeihe (helal)ich der alten Partei alle die Schikanen, die ich ihretwegen erleiden musste. Denn
es gilt hier ein Grundgesetz (kanun-u esasiye)des Qur'an, dass für den Fehler des einen kein anderer, keine Partei und kein Verwandter verantwortlich gemacht wird und nicht werden kann; d.h. sowohl in Anatolien als auch in den östlichen Vilayaten hat die Risale-i Nur mit ihrer Verbreitung auf eine ganz besonders wirkungsvolle Weise der öffentlichen Sicherheit und Ordnung gedient; d.h. sie hinterlässt in eines jeden Herz (qalb)einen unsichtbaren (manevi)Wachmann, der ihm sagt, was verboten ist. Von diesem Punkt aus verhindert die Risale-i Nur, dass sich die vier, fünf Fehler der alten Partei noch hundertfach vermehren. Der Fehler von 5/100 dieser Männer hat sich nicht um 95/100 gesteigert und somit nicht um das zwanzig-, dreißigfache vergrößert. Darum sollte die überwiegende Mehrheit dieser Partei bis hinauf zur Regierungspartei der Risale-i Nur dafür dankbar sein. Denn hätte die Risale-i Nur diesen Untericht (ders),den Unterricht nach dem Grundgesetz des Qur'an (kanun-u esasiye-i Qur'aniye)nicht erteilt, dann wären durch den Fehler dieser fünf Männer Tausende anderer Männer des gleichen Fehlers schuldig geworden.
Viertens:
Es hat sich mit Sicherheit bewahrheitet: Die Risale-i Nur hat das Volk und die Islamische Welt (alem-i Islamiyet)gegen den völligen Unglauben (kufr-u mutlaq)derer, die sie aus dem Ausland angreifen wollten, bewahrt und durch ihre Unterrichtung (ders)in den geistigen Wundern (mu'djize-i maneviye)des Weisen (hakim)Qur'an den ungläubigen Philosophen keine einzige Möglichkeit zu ihrer Entgegnung mehr gelassen. So habe ich denn die sichere Nachricht erhalten: Im Ausland haben an einigen Orten eine Million junger Leute gesagt, dass "die Risale-i Nur es ist, die eine allgemeine Versöhnung (musalemet-i umumiye)sicherstellt". Und ich habe auch die Nachricht erhalten, dass einige dieser Ausländer in Ländern wie Deutschland und Amerika als Anhänger einer allgemeinen Friedensbewegung (sulh-u umumi)damit begonnen haben, die Risale-i Nur zu übersetzen.
Fünftens:
Wenn die offiziellen Leute einige neue Gesetze falsch auslegen und so ein, zwei Zeilen (in meinem Buch) kritisieren, so solltet ihr eigentlich an meiner Stelle sagen: "Ja kann man denn für den Fehler eines einzelnen Mannes zwanzigtausend seiner Nachbarn bestrafen und sie dafür einsperren? Ja gibt es denn in dieser Welt (dunya)überhaupt ein Gesetz, das so urteilt?" So gibt es denn in einem Buch, das auf jeder Seite zwanzig Zeilen zählt und fünfhundert Seiten umfasst, in irgendeiner Zeile irgendeinen Mann, der irgendwem eine fürchterliche Ohrfeige verpasst hat: Zunächst einmal: der Name dieses Mannes bleibt unerwähnt und so kann es auch keine Verantwortung dafür geben... Sollte es aber eine solche geben, wird die Zensur diese Zeile löschen. Das ganze Buch deswegen zu beschlagnahmen und zwanzigtausend Menschen dafür ins Gefängnis zu werfen, ist eine Gesetzlosigkeit, wie man dergleichen in der ganzen Welt (kainat)noch nie gehört hat und die einer Tyrannei gleich kommt. Wenn aber nun andererseits diese zwanzigtausend Zeilen bis heute den Glauben (iman)von zwanzigtausend Menschen gestärkt haben und in dieser Hinsicht daraus zwanzigtausend Tugenden und gute Werke entstanden sind, so ließe sich dafür doch sicherlich dieser eine böse Fehler verzeihen...
Wäre ich nicht so schwer krank, so könnte ich noch mehr dazu sagen. Doch könntet ihr, meine Diener und Helfer, die Korrekturen und Verbesserungen vornehmen. Obwohl die Polizisten mehr als alle anderen für den Unterricht der Risale-i Nur sein sollten, die doch im geistigen Bereich (manen)die Aufgaben der Polizisten versieht und im Dienst der öffentlichen Sicherheit eine große Kraft für die Polizisten ist, bin ich dennoch innerlich (ruh)nicht damit einverstanden, wenn man jetzt den Dienst als Durchsuchungsbeamter, der ja den Aufgaben der Polizei entgegengesetzt ist, trotzdem den Polizisten überträgt. Doch wenn ihr es für angebracht haltet, könnt ihr ihnen allen sagen, dass ich darauf verzichte, mein Recht zu bekommen (haqqimi helal).
Sechstens:
Zu meinem großen Bedauern hatte in der Nacht der Himmelfahrt (Leyle-i Mi'radj)eine Hausdurchsuchung stattgefunden. Während wir noch dieser Mi'radji Sherif und den drei Monaten (shuhur-u Selase){der Zeit vor Bayram Ramadan (A.d.Ü.)} unsere Reverenz (hürmet)erwiesen und diesem Anlass (freudig) entgegensahen, hat uns doch dieser Zwischenfall einen großen Kummer bereitet. "Ein Almosen (sadaqa)vertreibt ein Unglück (bela)."In diesem Sinne vertreibt nach einer zuverlässigen Überlieferung (hadith-i sahih)die Risale-i Nur die Unglücksfälle (bela)aus Anatolien, indem sie gleich einem Almosen (sadaqa)wirkt. Es hat bereits hundert Vorfälle der Art gegeben, dass durch einen Freispruch oder durch eine Entlassung gleichzeitig ein Unglück (bela)vermieden wurde, während sich zu Zeiten eines Überfalls gerade ein Unglück (bela)ereignete. Ähnlich wie manchmal ein Sturm aufkam oder die Erde bebte, sank dieses Mal die Temperatur auf nahezu achtzehn Grad unter Null, eine Kälte, wie ich sie noch nie zuvor in meinem Leben mitgemacht habe, während ich zur gleichen Zeit (in meinem Hause) überfallen und eine Durchsuchung durchgeführt wurde.
Unser Meister (Ustadh)konnte wegen seiner schweren Krankheit nicht weitersprechen, sagte aber zu seinem Diener, der ihn während seiner Krankheit versorgte: "Damit ihr euch (wegen dieser Hausdurchsuchung) keine Sorgen zu machen braucht, könnt ihr (den Bericht über diesen Vorfall) zur Kenntnisnahme (berayi malumat)an einige Freunde und auch an einige Beamte senden."
Der Diener unseres bereits todkranken Meisters (Ustadh)
Was mein Diener hier aufgeschrieben hat, ist in der Tat richtig
Said Nursi
* * *
بِاسْمِهِ سُبْحَانَهُ ٭ اَلسَّلاَمُ عَلَيْكُمْ وَرَحْمَةُ اللّٰهِ وَبَرَكَاتُهُ
{"Im Namen dessen, der gepriesen sei. Friede mit euch, Gottes Erbarmen und Seine Barmherzigkeit."}
Unser verehrter Meister!
Nun endlich durften wir erfahren (idraq),wie Sie von Gott dem Gerechten (Djenab-i Haqq)als Belohnung für Ihren, in schönster (Djemil)Ausdauer geführten, geistlichen (manevi)Kampf in der Art mit Seiner Güte (ihsan)beschenkt wurden, dass sich der Ruf, dem Sie in ihrem geheiligten Glauben (qudsi iman davaniz)gefolgt sind, jetzt durch die freie Veröffentlichung der Risale-i Nur bewahrheitet hat. Ihr seit Jahren andauernder heiliger Ruf (qudsi dava)und ihr hohes Ideal wurde nach einem hart erkämpften Sieg beendet. Der Wille des Gerechten (haqq),der Wunsch und die Hoffnung unseres Herzens sind in Erfüllung gegangen, der Glaube (iman)hat den Unglauben (kufr)besiegt, die Schleier der Finsternis riss ritsch-ratsch entzwei und der Horizont wurde vom Glanz des hell erstrahlenden Lichtes der Risale-i Nur erleuchtet. Um zu diesem Ergebnis, zu diesem Sieg zu gelangen, die unendliche Freude in der Gnade des Glaubens (iman ni'meti)zu erleben und auf diesem Wege auch Wahrheit (haqq)und Gerechtigkeit zu erreichen, uns und dem ganzen türkischen Volk, ja vielleicht der ganzen Menschheit Glückseligkeit zu verleihen, ist für uns die Risale-i Nur im Kampf gegen die Gewalt und diese abscheuliche Glaubenslosigkeit zum Retter geworden (kurtaridji olmush),hat unseren Geist (ruh)erneuert und die Herzen (qalb)in unserer Brust erobert und gestärkt. In dieser Betrachtungsweise bringen wir Ihnen, unserem geliebten und verehrten Meister (Ustadh),unsere Dankesschuld (minnet)und unsere Dankespflicht (shukran)dar für alle Segnungen Ihres nahezu ein Jahrhundert währenden Lebens (ömr-ü mubarek),wobei Sie in allen Phasen eines Lebens (hayat)voll fürchterlichem Elend und in schrecklicher Bedrängnis, in Kummer und Qual, jeden Augenblick
gekämpft und gestritten haben, allen Schikanen und der Verbannung zum Trotz, mit Ihrer Einsatzbereitschaft, mit Ihrer Treue, mit Ihrem Mut, unter Verzicht, aber im Bewusstsein (shu'ur)eines unendlichen Glaubens (iman)noch härter als der Stahl, kurzum: im Begreifen der Islamiyet, im Verständnis der Menschheit (insaniyet)wurden Sie in Ihrem Inneren gleich wie von außen betrachtet ein vorbildlicher Mensch, weshalb Ihnen Millionen Nur-Schüler insbesondere für Ihren Einfluss, den Sie durch das Gesamtwerk der Risale-i Nur auf die Menschenwelt (alem)ausgeübt haben, den Widerhall (den Sie damit gefunden haben), die Spuren, die Sie für immer in uns (mana)hinterlassen haben, den Weg, den Sie beschritten haben, gegangen sind und immer noch entschlossen weitergehen, ihre Begeisterung und ihre Dankbarkeit entgegenbringen.
Verehrter Meister (Ustadh)!Da Sie nun nach all den Anstrengungen und trotz Ihres hohen Alters diese harten Prüfungen beendet haben, können Sie jetzt endlich zur Ruhe kommen. Inzwischen sind auch Saids junge Leute herangewachsen, um diesen heiligen Ruf (dava),den Ruf des Glaubens (iman)und des Qur'an, in die Zukunft hineinzutragen. Sie werden im Lichte dieses Glaubens (iman)diesen heiligen und erhabenen Ruf (qudsi ve ulvi dava)weitertragen und so möge Gott es wollen (insha-a'llah),dass er sich bis zum jüngsten Tage (qiyamet)fortpflanzen und von Geschlecht zu Geschlecht weitergereicht werden möge.
Verehrter Meister (Muhterem Efendimiz)!Morgen wird man Ihrer auf den Seiten der Geschichte voller Stolz und in allem Glanz in goldenen Lettern gedenken, in Ankara die Geschichte Ihres Lebens (Tarihtje-i Hayat)noch einmal neu und ausführlich drucken, und danach am Ende ein (bayram)Freudenfest feiern. Denn diese Biographie (Tarihtje-i Hayat)ist in der Hinsicht von großer Bedeutung, dass sie über die einzelnen Abschnitte Ihres Kampfes und Ihres Einsatzes für den Ruf (dava)zur Rettung des Glaubens (iman),der stets der bedeutendste Zweck Ihres ganzen Lebens gewesen ist, und wie Sie schließlich dieses Ziel trotz
tausenderlei verschiedener Entbehrungen entschlossen erreicht haben, ohne eine Müdigkeit zu kennen, sowie die Abfassung und Einordnung der einzelnen Abhandlungen der Risale-i Nur und deren Verbreitung, was eine Barmherzigkeit ist für die ganze Welt (aleme rahmet),eine allseits befriedigende Information bietet. Und schon heute versetzt ein Meer von Licht (Nur)Millionen Menschen in tiefste Begeisterung, während es wieder und wieder aufbrausend den Unglauben (kufr)unter sich begräbt, den (Schleier) der Finsternis (und der Unwissenheit) zerreißt, dabei (die Menschen) zu Frieden und Sicherheit (selamet)führt und ihnen so zu ihrem Beschützer und Erretter wird.
Wir sind Ihnen gegenüber zu Dank verpflichtet und entbieten Ihnen aus tiefstem Herzen und in aller Liebe (muhabbet)unseren Gruß (selam)und unsere Ehrerbietung, erwarten Ihr Gebet und Ihren Segen (dua-i mübarek)und küssen, geliebter Meister (Ustadh),Ihre Hände.
Die Schüler der Risale-i Nur zu Istanbul
* * *
Die Risale-i Nur und andere Länder
Brief einer Persönlichkeit, die in Medina (Medine-i Munauvere) lebt, die Botschaft der Risale-i Nur (Nur'un haqiqati) sehr gut verstanden hat und auf diese Weise der Islamiyet dient.
Euer Exzellenz, hochverehrter und ehrwürdiger Meister, der die Brust weitet und die Herzen erfüllt! (Gönüller fatihi pek muhterem ve mükerrem Ustadhimiz Hazretleri)Ich küsse Ihre gesegneten (mubarek)Hände und bringe zusammen mit all unseren lieben und treu ergebenen (sadaqatli)Schülern an der Schwelle des Erhabenen (barigah-i kibriya)meine Gebete dar, Sie mögen stets in Frieden, Sicherheit (selamet)und bei guter Gesundheit sein! So wie Ihr Freispruch alle Nurdjus froh und fröhlich gestimmt hat und von den Muslimen nur als der größte Feiertag (bayram)bezeichnet werden kann, ist auch Ihr ergebener Diener von aller Welten (dunya)Freude und Zufriedenheit erfüllt! Und wie sollte ich denn auch nicht zufrieden sein: die gleichzeitige Freigabe all Ihrer Werke kann ja nur als ein Sieg des Geistes (ruh)über die Materie (maddiyat),des Lichtes (nur)über die Finsternis, des Glaubens (iman)über den Unglauben (kufr),der Wahrheit (haqq)über den Irrtum, der Einheit (tauhid)über die Abgötterei (shirk)und der Erkenntnis (irfan)über die Unkenntnis (djahil)betrachtet werden.
Die viele Jahre lang vor einer Kaskade aus Licht (nur)aufgetürmten Sperren, hoch wie die Berge, Gräben, tief wie Furcht erregende Abgründe und alle die bisher errichteten Dämme wurden nun endlich auf wunderbare Weise (mudjize)abgerissen, Gräben überwunden und alle Finsternis durch das Licht (nur)vertrieben.
"Vor dem Versuch, derartige göttliche Erscheinungen, wie sie aus so außergewöhnlich wunderbaren (mudjize)Ereignissen erwachsen, darstellen zu wollen, sträubt sich die
Feder, beginnen die Gedanken (fikir)zu brodeln und verbrennen alle Ideen (ilham)zu nichts als Asche.", pflegt man so zu sagen. In der Tat nehme ich mich, als Ihr bescheidener Diener, jetzt angesichts eines so außergewöhnlichen Sieges in meinem ganzen Dasein (varlik)nur noch als in meiner ganzen Schwäche wahr. Denn meinen Sinnen (tefekkur)und meiner inneren Eingebung (ilham)öffnen sich neue Horizonte. Die Welt (djihan)lässt einen prächtigen Tempel des Lichtes (nur mabedi)erahnen. In meiner Umgebung tritt mit jedem Ding, an jedem Ort, in höchster Ekstase, versunken in einem Zustand (hal)tiefster Hingegebenheit in jedem Stäubchen das Geheimnis des Hochgepriesenen (sirr-i Subhani):
وَإِنْ مِنْ شَىْءٍ إِلاَّ يُسَبِّحُ بِحَمْدِهِ
{"Und es gibt wahrlich kein Ding, das Ihn nicht lobt und preist."}
in Erscheinung...
Daher weiß ich jetzt nicht, ob ich dieses glückselige Ereignis als einen ruhmreichen Sieg, eine großartige Eroberung, eine göttliche Errettung oder als ein weltumspannendes Fest beschreiben soll. Denn dieser göttliche Sieg, den der heilige Ruf (qudsi dava)erlangte, hat der Entschlossenheit der Kämpfer (mudjahid)in der islamischen Welt (dunya)und der ganzen Menschheit neue Kraft (quvvet),ihrer Seele (ruh)neues Leben und ihrem Glauben (iman)neuen Auftrieb und Begeisterung gegeben.
In der Tat waren viele Muslime, die in ihrer Entschlossenheit und ihrem Glauben (iman),ihrer Liebe (ashk),ihren Hoffnungen und Erwartungen noch nicht die Vollendung erlangt hatten, leider in einer bitteren Verzweiflung zurückgeblieben. Sie hatten sich die Bewahrheitung (tahaqquq)eines solchen Sieges selbst im Traum (hayal ve muhal)noch nicht vorstellen können. Doch durch die Verbreitung der Risale-i Nur, die alle ihre Fülle und das Licht aus dem ehrenwerten Qur'an erhält, der, um die Menschheit zu
erleuchten und auf den rechten Weg zu leiten, wie eine göttliche Sonne von den lichtvollen Horizonten (ufuk)des gewaltigen Thrones herabgekommen ist, wurden Herzen, die an stille Seen denken lassen, Meeren gleich in Wallung gebracht und so zerbrachen die fürchterlichen Ketten, mit denen in Jahren der Grausamkeit und voll Trauer alle Hoffnungen und Erwartungen gebunden waren. Die Werke, die aus dieser Lichtquelle hervor sprudeln und ganz und gar in ihrer Fülle (feyz)und Weisheit (hikmet)sprühen, gleich wie sie dem urewigen (ezeli ve ebedi)Verlangen der Gefühle, der Gedanken und besonders all der Seelen (ruh),die in Flammen brennen {der brennende Schmerz, den alle Seelen empfinden, die sich nach Gott zurück sehnen, von dem sie sich getrennt fühlen (A.d.Ü.)} und dem Bedürfnis eines jeden Gewissens (nach Führung und Orientierung) Antwort geben, brachten sie Welle um Welle aus der sie erstickenden Finsternis heraus in die überaus sauberen, strahlenden und glänzenden Horizonte (ufuk)des Lichts (Nur).
Dieser heilige (qudsi)Sieg, der nach einem sich jahrelang stets fortsetzenden Schweigen, einer tiefen Gottvergessenheit (ghaflet),einer atemberaubenden Finsternis wie eine göttliche Sonne erstrahlt, verkündigt die gute Nachricht, dass eine im Elend lebende Menschheit auf ihrer Suche nach einem Weg zum Licht (nur)in naher Zukunft erwachen wird. Denn das Bedürfnis nach einem Glauben (din)ist nicht nur für Muslime, sondern für alle Menschen insgesamt ein urewiges (ezeli ve ebedi)Bedürfnis.
Heute leidet eine unglückselige Menschheit unter jenem beständig in ihren Herzen brennenden Schmerz und den Qualen, die daraus entstehen, dass sie der Gnade ihres Glaubens (din)beraubt sind. Es ist dies die fürchterliche Folge einer geradezu depressiven Melancholie, dass sie während des letzten Vierteljahrhunderts in zwei große Kriege mit hineingerissen wurden und zeigt jenen Wahnsinn, der jetzt auch noch an das Tor eines dritten pocht.
Und es ist in der Tat der Islam die einzige Kraft (quvvet),die alle Menschen zu Geschwistern machen und unter jener universellen Fahne versammeln kann, die unter dem Winde eines Handels und Wandels (refah)in einem glücklichen Leben (saadet),in innerer Ruhe und Sicherheit flattert, der aus den lichtdurchfluteten (nur)Horizonten (ufuk)eines ganz und überall grünenden Paradieses (djennet)herüberweht.
Denn der Zustand der Menschheit heute ist noch genauso bedauernswert wie der Zustand der menschlichen Gesellschaft in vorislamischer Zeit. Daher kann der Islam, der die Menschheit damals vor dem ewigen Verderben gerettet hat, sie auch heute noch davor retten. In der Tat ist die einzige heilende (mushfik)Hand, die diese tiefe Wunde (des ewigen Verderbens) verbinden kann, aus der die Herzen von Millionen, ja Milliarden Menschen seit Jahrhunderten bluten, der Islam. Auch wenn am Horizont (ufuk)von Zeit zu Zeit einmal einige Irrlichter auftauchen, gehört doch die Zukunft einem urewigen (ezeli ve ebedi)Stern, der all seine Lichtfülle (nur ve feyz)nicht von irgendeiner Sonne, sondern direkt vom Herrn der Welten (Rabbu-l'Alemin)empfängt. Dieser Stern wird solange bestehen bleiben, wie die Welt besteht und wird diejenigen, die ihn auslöschen wollen, stets wieder umwerfen und sie noch einmal wieder zu Boden schleudern.
Mein Meister, der mir so wertvoll ist wie ganze Welten (Djihankiymet Ustadhim)!Eurer allseits bekannten Tugendhaftigkeit (fazilane)wurden in den letzten Tagen einige Bewegungen zur Erleuchtung und Rechtleitung (tenvir ve irshad)geboren, die dem Heiligen Ruf (muqaddes dava)hätten dienen sollen, doch konnte leider keine davon die wichtige Arbeit verrichten, wie sie das Gesamtwerk der Risale-i Nur versieht und den göttlichen Sieg, den sie erreicht hat, für sich gewinnen. Denn der Weg der Propheten, der Gottesfreunde (vali),der Gotteskenner (arif),der Reinen (salih)und insbesondere der heldenmütigen Märtyrer (shehid),die freiwillig ihr Leben dem göttlichen
Geliebten zum Opfer brachten und deren Zahl nicht auf einige Millionen begrenzt werden kann, ist ein heiliger (muqaddes)Weg. Denn diejenigen, die auf diesem harten Weg voranschreiten möchten, müssen sich schreckliche Hindernisse, wie sie sich ständig vor ihnen auftun, stets vor Augen halten. In der Tat müssen diejenigen, die auf diesem Weg voranschreiten wollen, mit einem Glauben (iman)ausgestattet sein, der so unerschütterlich ist wie der Ihrige, dazu noch mit einer hohen, göttlichen Erkenntnis (irfan)und besonders auch mit der wunderbaren (Befähigung zu) Aufrichtigkeit (ikhlas)und Verzicht. Denn die Art der Verkündigung (tebligh),der Erleuchtung (tenvir)und der Rechtleitung (irshad),welcher der Ruf der Risale-i Nur in diesem bedeutenden Tal folgt, ist durch einige ganz besondere Eigenschaften gekennzeichnet. Und schließlich bitte ich noch um Ihr Gebet, mir die ganz besondere Ehre zuteil werden zu lassen, diese tiefschürfenden Gedanken, die den Menschen in ihrem Gefühl, in ihren Gedanken, ihrer Seele (ruh)und in dem (Bedürfnis ihres) Gewissens (nach Führung und Orientierung) völlig neue Horizonte (ufuk)zu eröffnen vermag, in einem eigenen ausführlichen Werk unseren verehrten (uns im Glauben verbundenen) Herzensgefährten anbieten zu dürfen. Denn diese lichterfüllten Gedanken sind solchermaßen tiefschürfend und dergestalt von Bedeutung, dass sie in einem Brief und einem Artikel von so wenigen Seiten gar nicht zur Genüge zum Ausdruck gebracht werden können.
Die Jugend, deren klare und reine Herzen sie durch das Licht des Glaubens (iman)und des Qur'an erobert haben, ist das bedeutendste Unterpfand (varlik)und der wertvollste Juwel, der den glänzendsten Beweis Ihres ihnen von Gott geschenkten Sieges bildet. Diese Jugend mit ihren klaren und reinen Herzen, deren edle und in ihrem Bewusstsein (geschulten) Seelen (ruh)ich in fast allen Versen des Gedichtes "Stimmen aus dem Licht (Nurdan Sesler)"angesprochen habe, das ist doch eine Jugend, deren Herzen in Liebe (ashk)zur Wahrheit und Wirklichkeit (haqq ve haqiqat)
entflammt sind. Ich biete Ihnen dieses Gedicht an, das ich aus einer Inspiration heraus voller Ekstase (ilham)geschrieben habe, welche mir dieser letzte Sieg gab, den der Ruf (dava)der Risale-i Nur erworben hat. Um dessen Annahme erbitte und ersuche ich Sie hiermit.
Abermals und stets auf Neue küsse ich ihre Hände und erwarte Ihre hochgeschätzten Gebete (dua)Eure Exzellenenz, mein hochverehrter Meister (muhterem Ustadhim Hazretleri)
Von Ihren geistigen Kindern
Ali Ulvi
* * *
Der folgende Text stellt die Übersetzung eines arabischen Textes von Isa Abdulqadir dar, welcher Korrespondent der Zeitung "Eddifa" ist, die in Baghdad erscheint.
Die arabische Zeitung "Eddifa", die in Baghdad erscheint, schreibt über die Schüler der Risale-i Nur das Folgende:
Welche Beziehung besteht in der Türkei zwischen den Schülern der Risale-i Nur und der Gemeinschaft der Muslim-Brüder (Ihvan-i Muslimin)?Was verbindet sie miteinander? Sind die Nurdjus in der Türkei und solche Gemeinschaften, wie in Ägypten und den Ländern der arabischen Welt, die Muslim-Brüder, die sich um die Einheit (ittihad)im Islam bemühen, eigenständige Gemeinschaften? Oder sind die einen aus den anderen hervorgegangen? Ich gebe selbst die Antwort darauf:
Die Gemeinschaft der Nurdjus und der Muslim-Brüder haben zwar, was ihre Ziele betrifft, den Dienst an den Qur'anischen Wahrheiten (haqaiq)und am Glauben (iman)und, soweit der Rahmen einer Einheit im Islam dies zulässt, auch ihren Dienst für die Glückseligkeit der Muslime in dieser wie in jener Welt (saadet-i dunyevi ve ukhrevi)im Blick, unterscheiden sich jedoch von den Nurdjus in fünf, sechs verschiedenen Punkten:
Der erste Unterschied:
Die Nurdjus beschäftigen sich nicht mit der Politik, im Gegenteil: sie fliehen vor ihr. Zwingt man sie, zu politischen Fragen Stellung zu nehmen, so machen sie aus der Politik einen Hebel für die Religion (din),sodass sie denen, die ihre Glaubenslosigkeit als einen Hebel in der Politik gebrauchen, die Heiligkeit der Religion (dinin qudsiyeti)aufzeigen können. Irgendeine politische Organisation kennen sie überhaupt nicht.
Was aber die Muslim-Brüder betrifft, so beschäftigen sie sich zugunsten der Religion je nach den Umständen in den verschiedenen Ländern mit der Politik und schließen sich auch zu politischen Organisationen zusammen.
Der zweite Unterschied:
Die Nurdjus versammeln sich nicht bei ihrem Meister (Ustadh)und werden auch nicht dazu gezwungen. Sie fühlen auch sich selbst gar nicht dazu gezwungen, sich bei ihrem Meister (Ustadh)zu versammeln. Auch halten sie es gar nicht für notwendig, sich zum Unterricht (ders)bei ihm zu versammeln. Für sie gilt das ganze große Land als ein einziges Lehrhaus (dershane).Sobald sie Bücher der Risale-i Nur in die Hand bekommen haben, erteilen diese ihnen anstelle des Meisters (Ustadh)den Unterricht (ders).Jede einzelne Abhandlung (risalah)gilt bei ihnen wie ein Said.
Insoweit es in ihrer Hand liegt, fertigen sie ohne Entlohnung Abschriften an. Und sie geben diese auch ohne eine Gegenleistung an die Bedürftigen weiter, damit sie sie vorlesen oder einer Vorlesung zuhören können. Auf diese Weise wird das ganze große Land zu einer einzigen Schule (medresse).
Was aber die Muslim-Brüder betrifft, so treffen sie ihre Lehrer (murshid),ihre Vorsitzenden (reis)in den allgemeinen Zentren und besuchen diese, um Weisungen (emir)zu empfangen oder am Unterricht (ders)teilzunehmen. Und in den untergeordneten Zentren einer übergreifenden Organisation treffen sie sich mit ihren großen Meistern (Ustadh),ihren Leitern und deren Stellvertretern (vekil),um
Unterricht (ders)zu nehmen und Anweisungen (emir)zu empfangen.
Auch durch die Zeitungen, die in den allgemeinen Zentren erscheinen, und durch Broschüren, die sie erhalten können, wenn sie ihr Entgeld dafür entrichten, bekommen sie ihren Unterricht (ders).
Der dritte Unterschied:
Die Nurdjus erhalten auch an den Hochschulen (medresse)wie die Schüler an der Darülfünun-Universität Unterricht (ders)auf dem Wege eines wissenschaftlichen Fernkurses (ilmi muhabere).So verwandelt sich ein ganzes Vilayat in eine Schule (medresse).Obwohl sie also einander nicht besuchen, einander nicht kennen und weit voneinander wohnen, erteilen sie doch einander Unterricht (ders)und nehmen so miteinander an einer Vorlesung (ders)teil.
Was aber die Muslim-Brüder betrifft, so geben sie je nach den Verhältnissen in ihren jeweiligen Ländern Broschüren und Bücher heraus und verbreiten diese an allen Enden der Erde (aqtar-i aleme),lernen auf diese Weise einander kennen und bekommen so ihren Unterricht (ders).
Der vierter Unterschied:
Die Nurdjus sind heute und zu unserer Zeit in den meisten islamischen Ländern verbreitet und bereits sehr zahlreich. Und obwohl sich die Gebiete ihrer Verbreitung über die verschiedensten Provinzen erstrecken, brauchen sie in den einzelnen Provinzen nicht um Erlaubnis nachzusuchen, wenn sie irgendwo eine Versammlung veranstalten und dort tätig werden wollen. Denn da der von ihnen eingeschlagene Weg (meslek)nicht politischer oder organisatorischer Art ist, kennen sie auch keine Notwendigkeit, in den einzelnen Provinzen für sich um eine Erlaubnis nachzusuchen.
Was aber die Muslim-Brüder betrifft, so müssen sie je nach den entsprechenden Umständen, wenn sie einen politischen Kontakt aufnehmen, eine Organisation aufrichten wollen oder die Notwendigkeit besteht, ein unter- oder übergeordnetes Zentrum zu eröffnen, an dem Ort, wo sie sich
befinden, bei der zuständigen Behörde um Erlaubnis nachkommen oder eine Genehmigung einholen. Und dabei sind sie im Gegensatz zu den Nurdjus keineswegs unbekannt. Und auf dieser Grundlage eröffnen sie für sich viele allgemeine Zentren in Ägypten, in Syrien, in Lybien und in Palästina, in Jordanien, im Sudan, in Marokko und in Baghdad.
Der fünfte Unterschied:
Unter den Nurdjus gibt es sehr viele verschiedene Schichten, angefangen von den sieben, acht Jahre alten Kindern, die in den Moscheen das "Elif-be-te-the" erlernen, um den Qur'an lesen zu können, bis hin zu siebzig, achtzig Jahre alten Greisen und Greisinnen, desgleichen Bauern oder Lastenträger bis hin zu einem bedeutenden Rechtsanwalt, einfache Soldaten bis hin zu einem bedeutenden Kommandanten finden sich unter den verschiedensten Bildungsschichten als Nurdjus wieder. All diese vielen verschiedenen Schichten unter den Nurdjus haben nur ein gemeinsames Ziel und das besteht (in dem Wunsch), unter der Leitung (hidayat)des ruhmreichen (medjid)Qur'an und der Wahrheiten des Glaubens (haqaiqi imaniye)zur Erleuchtung zu gelangen. Alle Bestrebungen gehen deshalb dahin, Wissen und Erkenntnis (ilim ve irfan)und die Glaubenswahrheiten (haqaiq-i imaniye)an die Öffentlichkeit zu bringen. Ob sie sich darüber hinaus noch mit etwas anderem beschäftigen, ist nicht bekannt. Achtundzwanzig Jahre lang haben die Gegner (der Nurdjus)eifersüchtig Intrigen (gegen sie gesponnen) und abscheuliche Prozesse (gegen sie geführt). Da man jedoch außer ihrem heiligen (qudsi)Dienst kein anderes Ziel (dieser Bewegung) finden konnte, konnte man sie auch nicht verurteilen und (ihre Bewegung) auch nicht zerschlagen. Und diese Nurdjus wissen nichts von irgendeinem Zwang, auf Kundenfang zu gehen oder neue Anhänger zu werben. Stattdessen sagen sie: "Unsere Aufgabe (vazifah)ist unser Dienst. Wir suchen keine Kunden. Sie sollen kommen, um uns zu suchen und zu finden." Auf eine Massenbewegung legen sie keinen Wert. Einem Mann, der in
Wahrheit ehrlich und aufrichtig (haqiqi ikhlas)ist, ziehen sie hundert andere vor.
Was aber die Muslim-Brüder betrifft, so ermuntern sie in der Tat genau wie Nurdjus die Menschen dazu, islamisches Wissen (ulum-u Islamiye)und islamische Kenntnisse (marifet-i Islamiye)zu erwerben und sich an den Glaubenswahrheiten (haqaiq-i imaniye)festzuhalten und leiten sie auch dazu an, doch den Verhältnissen in den entsprechenden Ländern und den Kontakten mit der Politik zufolge, legen sie großen Wert auf viele Anhänger, um so eine Massenbewegung zu werden und suchen sie deshalb noch mehr Gefolgsleute.
Der sechste Unterschied:
Die wahrhaft aufrichtigen (haqiqi ikhlas)Nurdjus legen keinen Wert auf materielle Vorteile. In gleicher Weise sind sie geradezu extrem sparsam, genügsam und bedürfnislos (faqr-u hal).Geduldig und ohne jemals irgendwelche Ansprüche an ihre Mitmenschen zu stellen, opfern sie sich ehrlich und aufrichtig (haqiqi bir ikhlas)für ihren Dienst am Qur'an, um nicht von den sehr zahlreichen und besonders hartnäckigen Leuten des Irrglaubens (ehl-i dalalet)besiegt zu werden; die Bedürftigen laden sie zu Wahrheit und Aufrichtigkeit (haqiqata ve ikhlasa)ein, um keinen Argwohn aufkommen zu lassen; und um des göttlichen Wohlwollens (riza-yi Ilahi)willen und um diesen heiligen Dienst (hizmet-i qudsiye)für nichts anderes als Werkzeug zu missbrauchen halten sie sich auf diese Weise von allen Vorteilen (faide)des gesellschaftlichen Lebens zurück.
Was aber die Muslim-Brüder betrifft, so können sie, obwohl sie doch, was ihre innere Einstellung betrifft, aus dem gleichen Geiste (mahiyet)kommen, aufgrund des jeweiligen Ortes, eines bestimmten Anlasses, sowie einiger besonderer Umstände nicht wie die Nurdjus von den irdischen Dingen lassen. Von einer Notwendigkeit zu einer ganz außergewöhnlichen Opferbereitschaft, wissen sie nichts.
Isa Abdu-l'Qadir
Buchgebet
بِسْمِ اللَّهِ الرَّحْمَنِ الرَّحِيمِ
يَا اَللّٰهُ ٭ يَا رَحْمٰنُ ٭ يَا رَحِيمُ ٭ يَا فَرْدُ ٭ يَا حَىُّ ٭ يَا قَيُّومُ ٭ يَا حَكَمُ ٭ يَا عَدْلُ ٭ يَا قُدُّوسُ
{"Im Namen Gottes, des Barmherzigen, des Allerbarmers." "Oh Gott! Oh Barmherziger! Oh Allerbarmer! Oh Einzigartiger! Oh Lebendiger! Oh Unwandelbarer! Oh Gerechter! Oh Heiliger!"}
Um Deines Gewaltigen Namens willen und um der Ehre des Qur'an, der in seiner Verkündigung ein Wunder ist, und um der Würde Deines ehrenwerten Gesandten willen, mit dem Friede und Segen sei, geleite diejenigen, welche dieses Buch gedruckt haben, ihre gesegneten Helfer und die Schüler der Risale-i Nur zur Ewigen Glückseligkeit in den Gärten des Paradieses. Amin. Verleihe ihnen immerwährenden Erfolg im Dienste am Glauben und am Qur'an. Amin. Und schreibe ihnen für jeden Buchstaben dieses Buches tausendmal Gutes in das Buch ihrer Guten Taten. Amin. Und gewähre ihnen Ausdauer, Stetigkeit und Aufrichtigkeit in der Verbreitung der "Licht"-Abhandlungen. Amin.
Oh Barmherziger Allerbarmer!... Schenke allen Schülern der Risale-i Nur Glück und Zufriedenheit in beiden Welten. Amin. Beschütze sie vor der Bosheit des Teufels in Dschinnen- und Menschengestalt. Amin. Und verzeihe diesem schwachen und hilflosen Said seine Fehler. Amin...
Im Namen aller Nur-Schüler
Said Nursi
* * *
@
Ustadh Bediüzzaman Said Nursi am Ende des Zweiten Weltkrieges.
@
Ein Foto, das 1918 von den Deutschen aufgenommen wurde als Bediüzzaman Said Nursi aus der russischen Gefangenschaft floh und dabei durch Deutschland reiste.
@
Ustadh Bediüzzaman Said Nursi kurz nach dem Ersten Weltkrieg in Istanbul zusammen mit seinem Bruder Abdurrahman.
@
Ein Foto Ustadh Bediüzzaman Said Nursi, das aufgenommen wurde als er das erste Mal in Barla war.
@
Ustadh Bediüzzaman Said Nursi als er zu einer Sitzung vor dem Gericht in Afyon mit seinen Schülern zusammen geht.
@
Ustadh Bediüzzaman Said Nursi als er zu einer Sitzung vor dem Gericht in Afyon mit seinen Schülern zusammen geht.
@
Ustadh Bediüzzaman Said Nursi auf einem Foto, das 1959 als er in Istanbul verweilte in einem Auto aufgenommen wurde.
@
Ustadh Bediüzzaman Said Nursi im Jahre 1959 als er ein Hotel in Ankara, in dem er zu Gast war, verlässt.