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Im Aufscheinen des Morgensterns

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Aus dem Risale-i Nur Gesamtwerk

Im Aufscheinen des Morgensterns

ein Zuspruch für Alte und Kranke

Kommentare zum Qur'an

Von

Bediüzzaman Said Nursi

Said Nursi (1877-1960)

...erhielt vom Scheichu-l'Islam den Ehrentitel Bediüzzaman (sprich: Bedius-Saman), welcher besagt, dass er zu seiner Zeit seinesgleichen nicht hatte.

...Zeigte schon als Knabe erstaunliches, wissenschaftliches Interesse und lernte viele Bücher auswendig. Versuchte dem Niedergang der Türkei durch Besinnung auf die Werte des Islam entgegen zu wirken.

...Schrieb 130 Abhandlungen über den Qur'an, welche in viele Sprachen übersetzt wurde.

...Lehrte entsprechend dem islamischen Glauben, dass die Schöpfung selbst stets aufs Beste über ihren Schöpfer unterrichtet und somit sogar moderne Wissenschaften Kunde geben von Gott.

Titel der Originalausgabe:Zühretünnur

Übersetzt von:Davut Korkmaz

Piccoloministraße 607

51067 Köln

http://www.lichtstr.de

Mitarbeiter:R. Wagner, U. Grünberg

(c) Alle Rechte vorbehalten Urheberrechtlich geschützt

Zum Geleit...

Dieses Buch wurde für die vielen Muslime deutscher Sprache übersetzt, die oft ihre ursprüngliche Muttersprache nur noch ungenügend beherrschen. Die Schreibweise der religiösen Begriffe sowie der arabischen Personen- und Ortsnamen folgt den unten angeführten Regeln, der Schreibweise und Aussprache. Für den Koran ist die Schreibweise Qur'an gewählt, die der Aussprache entspricht.

Korrektes Lesen arabischer Worte bzw. Texte ist eben nur durch Erlernen der arabischen Schrift möglich. Dies wird jedem Muslim dringend empfohlen - schon damit er seinen Qur'an lesen kann.

Regeln für die Schreibweise und Aussprache für die in diesem Buch verwendeten Fremdwörter:

Dhentspricht der engl. Aussprache in "there"

Ghentspricht dem deutschen "r"

Khentspricht dem "ch" in "Acht"

Shdeutsches "sch"

Thentspricht der engl. Aussprache in "thing"

Djentspricht der Aussprache des "dsch"

Tjentspricht der Aussprache des "tsch"

Qhauchloses "k"

Rwird grundsätzlich gerollt

Swird scharf ausgesprochen wie "ß"

Hwird grundsätzlich ausgesprochen

Vwird "w" ausgesprochen

Ywie in deutsch "Ja"

Zwie deutsches "s" am Silbenanfang

Doppelkonsonanten werden separat ausgesprochen. Die Verse im Qur'an (Einzahl: Ayah, Mehrzahl: Ayat) wurden nur in arabischer Schrift mit nachfolgender deutscher Übersetzung angeführt.

Fünfundzwanzigster Blitz

Ein Seelenführer für die Kranken

Geschrieben für die Kranken als eine Salbe, eine Tröstung, ein geistiges Rezept, an Stelle eines Besuches am Krankenbett und als ein Wunsch zur Genesung.

Erinnerung und Entschuldigung

Dieses geistige Rezept ist schneller als alles bisherige geschrieben worden.

{Diese Abhandlung ist in viereinhalb Stunden verfasst worden. Gezeichnet: Rüschtü, Re'fet, Husrew, Said.}

Wir haben bei dieser Abhandlung im Gegensatz zu anderen noch nicht einmal Zeit gefunden für Korrekturen und die sonst übliche Sorgfalt. Auch dabei waren wir so schnell wie bei der Abfassung, so dass wir diese Abhandlung nur einmal durchgelesen haben. Sie wurde gleich als Manuskript gedruckt. Wir haben es nicht mehr für notwendig gehalten, das, was uns so frisch und natürlich als Einfall vom Herzen kam, noch einmal zu überprüfen, um es nicht durch erkünstelte Sorgfalt wieder zu zerstören. Die verehrten Leser, besonders aber die Kranken mögen mir nicht böse sein, wenn ich sie durch einige unbequeme Bemerkungen oder ernstgemeinte Worte und Darstellungen beunruhigt habe. Außerdem bitte ich um ihr Gebet!

بِسْمِ اللَّهِ الرَّحْمَنِ الرَّحِيمِ

اَلَّذِينَ اِذَآ اَصَابَتْهُمْ مُصِيبَةٌ قَالُوٓا اِنَّا ِللهِ وَاِنَّآ اِلَيْهِ رَاجِعُونَ

وَالَّذِى هُوَ يُطْعِمُنِى وَيَسْقِينِ وَاِذَا مَرِضْتُ فَهُوَ يَشْفِينِ

{"Im Namen Allahs, des Erbarmers, des Barmherzigen. Sie sagen, wenn ein Übel sie trifft: 'Von Allah kommen wir und zu Ihm kehren wir wieder zurück.'" (Sure 2, 156) "Und wenn du krank bist, gibt Er die Genesung! " (Sure 26, 79-80)}

In diesem Funken erklären wir kurz "fünfundzwanzig Heilmittel" für die Kranken und die Unglücklichen, die ein Zehntel der Menschheit bilden, als eine wahre Tröstung und heilende Salbe.

Erstes Heilmittel:

Oh du hilfloser Kranker! Mach dir keine Sorgen! Habe Geduld! Deine Krankheit dient dir nicht zu Kummer und Sorge, sondern zum Heil. Das Leben ist ein Kapital und es vergeht. Wenn es keine Frucht bringt, büßt man es ein. Mag es auch ein ruhiges und sorgloses Leben, das in Gottvergessenheit vergeht, sein! Es vergeht sehr schnell. Die Krankheit lässt dir aus diesem deinem Kapital einen großen Verdienst als Frucht erwachsen. Ja, sie lässt der raschen Vergänglichkeit dieses Lebens keinen Raum, bewahrt es, verlängert es... damit die Früchte bleiben, nachdem es vergangen ist. Als einen Hinweis dafür, dass das Leben durch eine Krankheit verlängert wird, wurde dieses Sprichwort zum Allgemeingut: Im Unglück wird die Zeit sehr lang, im Glück jedoch sehr kurz.

Zweites Heilmittel:

Oh du ungeduldiger Kranker! Sei geduldig, ja, sogar dankbar! In dieser deiner Krankheit wird jede einzelne Minute zu einer Stunde der Anbetung. Denn es gibt zwei Arten der Anbetung. Die eine ist die positive Art anzubeten, nämlich die bekannte Art des Pflichtgebetes und des Bittgebetes. Die andere Art ist die negative; durch Krankheit und Unglück fühlt der vom Leid Betroffene seine Hilflosigkeit und Schwäche, nimmt zu

seinem barmherzigen Schöpfer Zuflucht, fleht inständig zu Ihm, gelangt zu einem reinen, ungeheuchelten, innerlichen Gebet. Ja, ein Leben in Krankheit verbracht, ohne dabei Allah anzuklagen, gilt für den Gläubigen als Anbetung, wofür es eine echte Überlieferung gibt. Auf Grund dieser echten Überlieferung und wahrhaftigen Entdeckung steht sogar fest, dass eine Minute Krankheit bei manchen geduldigen und dankbaren Kranken gleich einer Stunde Anbetung, bei einigen Vollendeten eine Minute gleich einem Tag der Anbetung gilt. Klage deine Krankheit, die dir für eine Minute deines Lebens tausend gibt, und dir zu einem langen Leben verhilft, nicht an, sondern sei dankbar!

Drittes Heilmittel:

Oh du Kranker ohne Ausdauer! Der Mensch ist nicht in die Welt gekommen, um nach seiner Lust und Laune zu leben. Zeugnis dafür gibt das ständige Kommen und Gehen der Menschen. Die jungen werden alt, und sie alle werden zwischen Tod und Trennung ständig umhergetrieben. Und obwohl der Mensch unter den Lebewesen das vollkommenste, höchste, hinsichtlich seiner Anlagen reichste, ja, sogar der König aller Lebewesen ist, verbringt er dennoch, verglichen mit den Tieren, nur ein trauriges und kummervolles Leben auf der untersten Stufe, weil er ständig über vergangenes Glück und kommendes Unheil nachdenkt. Das heißt, dass der Mensch nicht in diese Welt gekommen ist, nur um sich ein schönes Leben zu machen und ruhig und unbeschwert seine Zeit zu verbringen. Er ist vielmehr hierher gekommen als ein Mensch, in dessen Händen sich ein gewaltiges Kapital befindet, um Handel zu treiben und zu arbeiten für ein immer und ewig glückseliges Leben. Das Kapital, das ihm an die Hand gegeben wurde, ist die Spanne seines Lebens. Gäbe es keine Krankheit, würden ihn Gesundheit und Wohlbehagen zur Gottvergessenheit verleiten... Die Welt erschiene ihm als ein Freudental. Das Jenseits geriete in Vergessenheit. Man möchte nicht an Grab und Tod erinnert werden, möchte das Kapital seines Lebens wie im Leerlauf für hohle Vergnügungen ausgeben, doch die Krankheit öffnet ihm plötzlich die Augen und spricht zu ihm, zu seinem

Körper: "Du bist nicht unsterblich, nicht ungebunden, du hast eine Aufgabe. Lass deinen Stolz! Denke an den, der dich geschaffen! Wisse, dass du ins Grab steigen wirst! Bereite dich also darauf vor!" So ist also die Krankheit von diesem Gesichtspunkt aus betrachtet ein Mahner, der niemals betrügt und ein warnender Lehrer. In dieser Hinsicht sollte man sie nicht anklagen, vielmehr ihr dankbar sein und - wenn es einem zu schwer wird - um Geduld bitten...

Viertes Heilmittel:

Oh du anklagender Kranker! Was du von Rechtswegen tun solltest, ist, nicht zu klagen, sondern dankbar und geduldig zu sein. Denn dein Körper, deine Organe, deine ganze Konstitution ist nicht dein Eigentum. Du hast sie nicht gemacht... Du hast sie nicht in irgendeiner Werkstatt gekauft. Sie sind also Eigentum eines anderen. Ihr Besitzer verfügt über Sein Eigentum, so wie Er will. Wie im Sechsundzwanzigsten Wort z.B. gesagt wurde: Ein sehr reicher und hochbegabter Künstler stellt, um seine schöne Kunst und seinen kostbaren Reichtum zu zeigen, einen armen Mann für ein Stündchen gegen Honorar als Modell ein, und bekleidet diesen armen Mann mit einem besonders kunstvoll genähten und verzierten Umhang oder Anzug. Dann bestickt und modelliert er daran. Er schneidet, ändert, verlängert, verkürzt, um seine einzigartige Kunstfertigkeit zu zeigen. Wenn nun etwa dieser gegen ein Honorar angestellte, arme Mann zu jenem Herrn sagt: "Sie machen mir Schwierigkeiten... Sie befehlen mir, mich zu beugen und mich wieder aufzurichten und verursachen mir allerlei Umstände... Sie verderben die ganze Schönheit, wenn Sie an diesem Umhang, der mich schmückt, herumschneiden und kürzen.", hat er dann etwa ein Recht, so zu reden? Kann er sagen: "Sie haben ohne Mitleid und Barmherzigkeit gehandelt!"? Genauso wie in diesem Beispiel ändert dir, oh Kranker, der erhabene Meister deinen Körper - das Hemd, das Er dir angezogen hat - den Er mit erleuchteten Sinnen wie Augen, Ohr, Verstand und Herz ausgestattet hat, um die Ornamente Seiner schönen Namen zu zeigen, dreht und wendet dich unter den verschiedensten Umständen und Situationen. So wie

du Seinen Namen der Versorger in deinem Hunger kennengelernt hast, so erfahre nun auch Seinen Namen der Heiler in deiner Krankheit! Weil Schmerz und Unglück einen Teil Seiner Namen erkennen und bestimmen lassen, finden sich in ihnen Funken der Weisheit und Strahlen der Barmherzigkeit und besondere Schönheiten unter diesen Strahlen. Wenn der Vorhang sich öffnet, findest du hinter dem Vorhang der gefürchteten und verabscheuten Krankheit viele liebevolle und schöne Bedeutungen.

Fünftes Heilmittel:

Oh du Kranker, der du der Nörgelei verfallen bist! Ich bin aus Erfahrung zu der Überzeugung gelangt, dass in unserer Zeit Krankheit für einige eine Wohltat Gottes und ein Geschenk Seiner Barmherzigkeit ist. Obwohl ich dessen nicht würdig bin, kommen seit acht, neun Jahren einige junge Leute in ihrer Krankheit zu mir, damit ich für sie bete. Ich habe bemerkt, dass diejenigen jungen Kranken, die ich gesehen habe, im Gegensatz zu anderen jungen Leuten begonnen haben, an das "Danach" (Jenseits) zu denken. Sie kennen die Trunkenheit der Jugend nicht. Sie retten sich in gewissem Grade davor, sich achtlos tierischer Lust auszusetzen. Ich habe gesehen, dass ihre Krankheiten im Rahmen ihrer Fähigkeit, sie zu ertragen, eine Wohltat Gottes waren, und habe sie darauf aufmerksam gemacht. Ich sagte ihnen immer: "Mein Bruder, ich habe nichts gegen deine Krankheit, und bedauere dich nicht wegen deiner Krankheit, sodass ich für dich beten müsste. Bemühe dich um Geduld in deiner Krankheit bis zu deiner völligen Erweckung! Und wenn die Krankheit ihre Aufgabe erfüllt hat, wird dir der barmherzige Schöpfer um Seinetwillen Genesung schenken." So sagte ich weiter: "Ein Teil deiner Altersgenossen sind infolge des Unglücks ihrer Gesundheit der Gottvergessenheit verfallen, versäumen das Gebet, denken nicht an das Grab, vergessen Allah... In diesem irdischen Leben erschüttern, ruinieren, ja, zerstören sie vielleicht sogar in einer Stunde oberflächlicher Lust ein unendliches, ewiges Leben. Durch die Brille deiner Krankheit siehst du dein Grab, deine künftige Wohnstatt, in die du in jedem Falle hinabsteigen wirst, und

noch dahinter die jenseitigen Wohnstätten, und verhältst dich dementsprechend. Das besagt also, dass für dich die Krankheit Gesundheit ist, doch bei einem Teil deiner Altersgenossen ist Gesundheit eine Krankheit..."

Sechstes Heilmittel (Erster Teil):

Oh du über Schmerzen klagender Kranker! Ich bitte dich: Denke an dein vergangenes Leben und an die in den vergangenen Tagen dieses Lebens genossenen Vergnügungen und erinnere dich an die Zeiten der Schmerzen und Leiden! In jedem Fall wirst du entweder "oh" oder "ach" sagen. Du wirst entweder mit Herz und Mund sagen "Elhamdulillah" oder aber "weh" oder "ach". Pass auf, was dich "Elhamdulillah " sagen lässt, ist das Denken an Schmerzen und Unglücksfälle, die nun aber vorüber sind. Denn das macht innerlich froh. Und dafür dankt das Herz. Denn der Schmerz weicht der Erleichterung. Sind Schmerz und Unglück gewichen, lassen sie in der Seele eine Erleichterung als Nachlass zurück. Durch Nachdenken gleichsam wie aufgewühlt, entströmt Erleichterung der Seele... Danksagung gleichsam wie Tropfen. Was dich voll Sehnsucht "oh" und voll Bedauern "ach" sagen lässt, sind die in der Vergangenheit genossenen Freuden und Vergnügungen, die einen beständigen Schmerz in der Seele zurücklassen, nachdem sie vergangen sind; jedesmal, wenn du an sie denkst, wird dieser Schmerz wieder aufgewühlt... Sehnsucht und Bedauern fließen. So kann das unerlaubte Vergnügen eines Tages zuweilen ein Jahr lang einen Schmerz in der Seele hervorrufen. Und der Schmerz, den eine vorübergehende Krankheit von einem Tag hervorgerufen hat, bringt für viele Tage innere Freude über den Lohn und dazu noch die innere Freude darüber, dass der Schmerz vergangen und die Krankheit überstanden ist. Denke also, dass diese zeitweilige Krankheit, die jetzt über deinem Haupte schwebt, ihren Lohn als Ergebnis und als ihr wahres Gesicht hat, sage "Das geht auch vorüber. Ya Hu!" und sei dankbar, anstatt zu klagen.

Sechstes Heilmittel (Zweiter Teil):

{Wir haben auf der sechsten Stufe zwei Heilmittel beschrieben, weil uns dieser Funke von Natur aus so eingefallen ist. Und wir haben ihn so belassen, um seinen natürlichen Charakter nicht zu verändern; vielleicht liegt ein Geheimnis darin, das wir nicht antasten sollten.}

Oh du mein Bruder, der du an weltliche Vergnügungen denkst und deswegen unter deiner Krankheit leidest! Wenn diese Welt beständig wäre, und es keinen Tod auf unserem Wege gäbe, und die Stürme der Trennung und des Verfalls nicht bliesen, und keine Winter der Seele in der unheildurchbrausten Zukunft wären, würde auch ich mit dir zusammen deinen Zustand bedauern. Aber die Welt wird sicherlich eines Tages zu uns sagen: "Los, raus!", uns sich unserem Schreien gegenüber die Ohren zuhalten. Bevor sie uns hinauswirft, müssen wir - durch die Krankheit gewarnt - schon von jetzt an auf unsere Liebe zu ihr verzichten... bevor sie uns verlässt, müssen wir uns bemühen, sie von Herzen zu verlassen... Ja, die Krankheit erinnert uns an all dies und sagt: "Dein Körper ist nicht aus Stein oder Eisen, sondern aus verschiedenen Substanzen zusammengesetzt, welche ständig die Neigung haben, wieder auseinanderzufallen. Gib deinen Stolz auf! Begreife deine Schwäche! Erkenne deinen Eigentümer! Wisse um deine Aufgabe! Lerne, warum du in die Welt gekommen bist!"... So flüstert sie dir heimlich in deines Herzens Ohr. Die Freuden und Vergnügen dieser Welt sind also unbeständig. Besonders wenn sie unerlaubt sind, sind sie sowohl unbeständig und leidvoll als auch sündhaft. Weine nicht, weil dir nun deine Krankheit als Vorwand dient, deiner Vergnügungen verlustig zu gehen. Im Gegenteil: Denke während deiner Krankheit über die stille Anbetung, den Dienst und die Belohnung im Jenseits nach, und versuche, froh zu sein!

Siebentes Heilmittel:

Oh du Kranker, der du die Freude über deine Gesundheit verloren hast! Deine Krankheit lässt den Sinn für Gesundheit als einer Gabe Gottes nicht vergehen, sondern belebt und verstärkt ihn. Denn was beständig vorhanden ist, verliert seine Wirkung.

Ja, die Kenner der Wahrheit sagen sogar übereinstimmend:

اِنَّمَا اْلاَشْيَآءُ تُعْرَفُ بِاَضْدَادِهَا

{"Alle Dinge erkennen sich in ihrem Gegenteil."}

Zum Beispiel: Gäbe es keine Finsternis, könnten wir Licht nicht erkennen und es nicht genießen. Gäbe es keine Kälte, verstünden wir die Hitze nicht, hätten wir keinen Sinn dafür. Gäbe es keinen Hunger, fänden wir keinen Geschmack am Essen. Gäbe es keinen Durst, verspürten wir keine Lust, Wasser zu trinken. Gäbe es kein Unwohlsein, empfänden wir kein Wohlbefinden. Gäbe es keine Krankheit, hätten wir kein Gespür für Gesundheit. Demgemäß möchte der allweise Schöpfer also, dass der Mensch Seine verschiedensten Gaben kosten, jede Art Seiner Gnadenerweise schmecken solle, und ihn daher stets zur Dankbarkeit anleiten. Er hat den Menschen mit sehr vielen Anlagen ausgestattet, damit er all die verschiedenen, unzähligen Arten Seiner Gnadenerweise in der ganzen Welt koste und erfahre. So wie Er Gesundheit und Wohlbefinden gegeben hat, wird Er sicherlich auch Krankheiten, Unwohlsein und Kummer geben. Ich frage dich: "Hättest du nicht diese Krankheit in deinem Kopf, deiner Hand, deinem Bauch, würdest du dann auch Sinn und Geschmack für die Gabe Gottes verspüren und für die Gesundheit deines Kopfes, deiner Hand, deines Bauches danken? Sicherlich würdest du nicht danken, ja, vielleicht noch nicht einmal daran denken. Du würdest mit deiner Gesundheit sorglos umgehen, sie achtlos, ja, leichtfertig aufs Spiel setzen."

Achtes Heilmittel:

Oh du Kranker, der du an das Jenseits denkst! Die Krankheit wäscht und reinigt wie eine Seife vom Schmutz der Sünde. Es steht auf Grund einer "wahren Überlieferung" fest, dass die Krankheiten eine Buße für die Sünden sind. Außerdem ist in einem Hadith gesagt: "So wie von einem Baum die reifen Früchte herunterfallen, wenn man ihn schüttelt, so fallen auch von einem Gläubigen die Sünden ab, wenn er in seiner Krankheit

vom Fieber geschüttelt wird." Sünden sind für das ewige Leben wie andauernde Krankheiten. Sie sind außerdem in diesem irdischen Leben wie eine seelische Krankheit für das Herz, das Gewissen, den Geist. Wenn du geduldig bist und nicht klagst, rettest du dich durch diese vorübergehende Krankheit vor sehr vielen, lang andauernden Krankheiten.

Wenn du nicht an die Sünden denkst oder nichts vom Jenseits weißt oder Allah nicht kennst, hast du so eine fürchterliche Krankheit, millionenfach größer als diese deine kleine Krankheit. Ihretwegen sollst du jammern, denn dein Herz, dein Geist und deine Seele steht in Beziehung zu allem irdischen Sein. Durch Trennung und Zerfall werden diese Beziehungen ständig zerschnitten und dir dadurch zahllose Wunden geschlagen. Besonders, weil du nichts vom Jenseits weißt, stellst du dir den Tod als das ewige Nichts vor, und es ist scheinbar so, als sei dein wunder, kranker und zerschlagener Körper so groß wie die Welt. Es ist also zunächst einmal nötig, deine Ansichten zurechtzurücken und ein Heilmittel für deinen Glauben zu suchen, eine sicher wirkende Medizin für die zahllosen Krankheiten dieses deines großen, mit zahllosen Wunden geschlagenen Seelenkörpers und ein Gegengift, das dir sichere Genesung bringen wird.

Der kürzeste Weg, dieses Mittel zu finden, besteht darin, den Vorhang deiner Gottvergessenheit durch diese, deine äußerliche Krankheit zu zerreißen, damit dir dahinter das Fenster deiner Schwäche und Hilflosigkeit gezeigt werde, durch das du die Macht und Barmherzigkeit des Allmächtigen in Seiner Majestät kennenlernen wirst. Ja, wer Allah nicht kennt, lädt sich eine Welt voll Unglück auf sein Haupt. Wer Allah kennt, dem ist die Welt von Licht und innerer Freude erfüllt. Er empfindet sie entsprechend dem Grad, der Stärke seines Glaubens. Unter dieser inneren Freude, der Genesung, dem Gespür, das aus dem Glauben erwächst, wird der Schmerz dieser winzig kleinen, äußerlichen Krankheit weggeschmolzen und herausgedrückt.

Neuntes Heilmittel:

Oh du Kranker, der du deinen Schöpfer kennst! Wenn Schmerz, Angst und Schrecken mit den Krankheiten verbunden sind, so liegt das daran, dass manche Krankheiten zum Tode führen. Weil der Tod - mit den Augen eines Gottvergessenen betrachtet, äußerlich gesehen - schrecklich ist, erregen die Krankheiten, die ihn verursachen können, Schrecken und Panik.

Erstens:

Wisse und glaube fest daran, dass der Zeitpunkt des Todes feststeht und nicht verrückbar ist! Die am Bette der Schwerkranken weinten und sich dabei doch bester Gesundheit erfreuten, sind gestorben... die Schwerkranken aber fanden Genesung und überlebten...

Zweitens:

Der Tod ist gar nicht so schrecklich, wie es äußerlich erscheint. Wir haben in vielen Abhandlungen im Lichte des Weisen Qur'an mit völliger Sicherheit und in einer Weise, die über jeden Zweifel erhaben ist, bewiesen, dass der Tod für die Gläubigen eine Entlassung aus der Mühsal ihrer Lebensaufgabe bedeutet... also die Befreiung von der Pflicht zu jener Anbetung, welche in der Prüfung auf dem Weltenplatz ein Ausdruck von Bildung und Erziehung ist... ein Anlass, neunundneunzig von hundert Freunden und Verwandten wieder zu treffen, welche in die andere Welt gegangen sind... also ein Fahrzeug, um in die wahre Heimat, die Wohnstatt der ewigen Glückseligkeit einzugehen... eine Einladung heraus aus dem Kerker dieser Welt in die Gärten des Paradieses... dass er bedeutet, an der Reihe zu sein, aus der Freigiebigkeit des barmherzigen Schöpfers den Lohn für seinen eigenen Dienst zu empfangen. Da nun vom Standpunkt der Wahrheit aus dies das Wesen des Todes ist, sollte er nicht als so schrecklich angesehen werden, sondern - im Gegenteil - als Beginn der Barmherzigkeit und Glückseligkeit betrachtet werden. Wenn aber dennoch ein Teil der Gottesleute den Tod fürchtet, so nicht wegen der Schrecklichkeit des Todes, sondern vielmehr, um durch die Fortsetzung ihrer Lebensaufgabe noch mehr Verdienste zu erwerben. Ja, für die Gläubigen steht der Tod an der Schwelle der

Barmherzigkeit (Gottes). Für diejenigen aber, die in die Irre gehen, ist er eine Zisterne ewiger Finsternis.

Zehntes Heilmittel:

Oh du Kranker, der du dir unnötig Sorge machst! Du machst dir Sorgen wegen der Schwere deiner Krankheit. Diese Sorge verschlimmert noch deine Krankheit. Wenn du also in deiner Krankheit nach Erleichterung suchst, bemühe dich, dir keine Sorgen zu machen! Denke also an den Gewinn und den Lohn deiner Krankheit, und daran, dass sie schnell vorübergehen möge; entledige dich deiner Sorgen, schneide die Wurzel deiner Krankheit ab! Ja, Sorge verdoppelt die Krankheit; unter der äußerlichen Krankheit entsteht durch die Sorge im Herzen eine innerliche Krankheit. Auf ihr fußt die äußerliche Krankheit, verbreitet sich weiter. Wenn durch Ergebung, Zufriedenheit und den Gedanken an die Weisheit hinter der Krankheit die Sorge verschwindet, wird dieser äußerlichen Krankheit eine wichtige Wurzel abgeschnitten, sie wird leichter, vergeht zum Teil. Besonders, wenn durch eine Einbildung eine leichte, äußerliche Krankheit von einem Dirhem (wenige Gramm) entstanden ist, wächst sie durch die Sorgen um zehn Dirhem. Beseitigt man die Sorge, vergehen neun Zehntel der Krankheit. So wie Sorge die Krankheit verschlimmert, weil sie ein Zweifel an der Weisheit Gottes ist, eine Kritik an dem Erbarmen Gottes, eine Klage gegen die Barmherzigkeit des Schöpfers, so ist die Verschlimmerung der Krankheit ein Schlag entgegen der ursprünglichen Absicht. Ja, so wie Dankbarkeit die Gnadengabe vermehrt, so steigert Klage die Krankheit und das Unglück. Außerdem ist die Sorge selbst eine Krankheit. Deren Heilmittel besteht darin, die Weisheit der Krankheit zu erkennen. Weil du also schon ihre Weisheit und ihren Gewinn erkannt hast, trage diese Salbe auf deine Sorge auf und mach dich frei. Statt "ach", sage "oh", und statt zu bedauern, sage:

اَلْحَمْدُ لِلَّهِ عَلَى كُلِ حَالٍ

{"Lobpreis und Dank sei Allah für eine jede Lage."}

Elftes Heilmittel:

Oh du ungeduldiger kranker Bruder! Obwohl die Krankheit dir einen Schmerz zufügt, lässt sie dich dennoch seit dem Ende deiner vorigen Krankheit und mit dem Ende dieser Krankheit, den Sinn für das Ideelle und mit der Belohnung den Sinn für das Essenzielle verspüren. In der Zeit, die auf den heutigen Tag, vielleicht auf die jetzige Stunde folgt, gibt es keine Krankheit mehr und sicherlich aus dem Nichts auch keinen Schmerz. Wo kein Schmerz ist, gibt es auch kein Bedauern... Weil du dich auf der falschen Spur bewegst, bildest du dir etwas ein und wirst ungeduldig. Denn weil die äußeren Erscheinungen während der gesamten vor dem heutigen Tag liegenden Zeiten einer Erkrankung vorübergegangen sind, ist zugleich auch der Schmerz vorüber; geblieben ist die Belohnung, die in ihr enthalten war und die Freude an ihrem Ende. Sie müssen dir Gewinn und Freude schenken. Stattdessen aber in Ungeduld und Trauer an sie zu denken, ist Wahnsinn. Die kommenden Tage sind noch nicht gekommen... Jetzt schon an sie zu denken, an einen Tag, der nicht ist, und eine Krankheit, die es nicht gibt, einen Schmerz, den es nicht gibt, sich einzubilden und darüber nachzudenken, Ungeduld und Trauer darüber zu zeigen, dem Nicht-Sein auf drei Stufen des Nicht-Seins den Anstrich des Seins zu verleihen, was ist das, wenn nicht Wahnsinn? Also nochmals: In Anbetracht dieser Tatsache, ist das, was in einer Stunde sein wird, noch irreal: Die Zeit ist irreal, die Krankheit ist irreal, der Schmerz ist irreal. Zerstreue also nicht alle Streitkräfte deiner Geduld, die dir Gott der Gerechte anvertraut hat, zur Rechten und zur Linken, sondern konzentriere sie in dieser Stunde gegen deinen Schmerz und sage "Ya Sabur! " und harre aus.

Zwölftes Heilmittel:

Oh du Kranker, dem wegen deiner Krankheit Anbetung und Rezitation versagt bleiben und der du wegen deiner Versagung betrübt bist! Wisse, dass es auf Grund eines Hadith feststeht! "Ein frommer Gläubiger, der wegen seiner Krankheit die täglichen Rezitationen nicht zu beten vermag, erwirbt während der Zeit seiner Krankheit dennoch deren Verdienste." Für einen

Kranken, der das Pflichtgebet so weit wie möglich verrichtet, gilt während der Zeit einer schweren Erkrankung die Krankheit als Ersatz für die unterbliebenen Sunna-Gebete - und zwar als ein aufrichtiges Gebet! - wenn er geduldig ist, sich (Gott) anvertraut und die Pflichtgebete verrichtet. Dennoch lässt die Krankheit den Menschen seine Schwäche und Hilflosigkeit empfinden. Sie bewirkt, dass er in seiner Schwäche und Hilflosigkeit, ausgesprochen mit seinen Worten oder unausgesprochen mit seinen Taten, sein Gebet darbringt. Gott der Gerechte hat dem Menschen eine grenzenlose und eine unendliche Hilflosigkeit gegeben, damit er beständig am Throne Gottes Zuflucht suche, zu Ihm flehend und betend:

قُلْ مَا يَعْبَؤُا بِكُمْ رَبِّى لَوْلاَ دُعَآؤُكُمْ

{"Sprich: Mein Herr würde sich nicht um euch kümmern, wäre es nicht um eures Gebetes willen." (Sure 25, 77)}

Nämlich: "Wenn ihr nicht betet, welchen Wert habt ihr dann noch?" Entsprechend dem Geheimnis dieses Verses ist die Krankheit eine Ursache des innigen und flehentlichen Gebetes, das der verborgene Sinn der Erschaffung des Menschen ist und der Grund seines Wertes. Von diesem Standpunkt aus betrachtet, ist es erforderlich, nicht zu klagen, sondern Allah zu danken und den Hahn des Gebetes, den die Krankheit geöffnet hat, nicht zu schließen, nachdem man seine Gesundheit wieder erlangt hat.

Dreizehntes Heilmittel:

Oh du bedauernswerter Mann, der du über deine Krankheit klagst! Für manche ist eine Krankheit eine bedeutende Fundgrube, ein besonders kostbares Geschenk Gottes. Jeder Kranke kann sich vorstellen, dass seine eigene Krankheit von dieser Art sei. Es ist nun einmal die Stunde des Todes ungewiss. Gott der Gerechte hat dem Menschen, um ihn vor der völligen Verzweiflung und vor der völligen Gottvergessenheit zu bewahren, und damit Er ihn zwischen Angst und Hoffnung im Gleichgewicht halte, und jener sowohl Diesseits als auch Jenseits im Auge behalte, in Seiner Weisheit die Stunde des Todes verborgen. Es kann nun einmal zu jederzeit die

Stunde des Todes kommen. Wenn sie den Menschen in seiner Gottvergessenheit ergreift, kann ihm das für sein ewiges Leben sehr zum Nachteil gereichen. Die Krankheit lässt die Gottvergessenheit von ihm weichen und ihn an das Jenseits denken, bringt ihm den Tod zur Erinnerung, bereitet ihn auf diese Weise vor. Was für einen großen Gewinn erhält er so! In zwanzig Tagen erreicht er eine Stufe, die er in zwanzig Jahren nicht erreicht hätte. Hierfür ein kurzes Beispiel:

Unter unseren Freunden - Allah erbarme sich ihrer! - waren zwei Jungen. Der eine war Ilamali Ssabri, der andere Islamköylü Wesirsade Mustafa. Unter meinen Schülern konnten diese beiden nicht lesen und schreiben. Trotzdem habe ich sie zu meinem Erstaunen in ihrer Aufrichtigkeit in Dienst und Glauben immer in vorderster Reihe gesehen!... Den verborgenen Sinn kannte ich damals noch nicht. Nach ihrem Tode verstand ich ihn. Jeder von ihnen hatte eine schwere Krankheit. Diese Krankheit leitete sie auf dem rechten Weg. Im Gegensatz zu den anderen Jungen, die gottvergessen waren, und ihre pflichtgemäßen Gebete vernachlässigten, fand man bei ihnen in hohem Maße ernste Gottesfurcht und Eifer für ihren wichtigen Dienst, sowie eine Haltung, die ihnen für das Jenseits zum Segen wurde. Möge es Allah gefallen, ihnen für die Anstrengungen dieser zwei Jahre Krankheit Millionen von Jahren ewig glückseligen Lebens zu verleihen! Ich verstehe jetzt, dass das Gebet, das ich manchmal für ihre Gesundheit dargebracht habe, im Hinblick auf die Welt ein schlechtes Gebet war. Möge Allah dieses mein Gebet für ihre Gesundheit im Jenseits angenommen haben!

So haben diese zwei Personen nach meiner Überzeugung einen solchen Gewinn erhalten, einen solchen Verdienst, wie sie ihn in einem zehnjährigen Leben voll Gottesfurcht nicht hätten erwerben können. Hätten diese beiden wie ein Teil der Jugendlichen auf ihre Jugend und Gesundheit vertraut, sich gottvergessend in Ausschweifungen geworfen, dann hätte auch der Tod sie genau in diesem

ihrem Sündenpfuhl beobachtet und ergriffen, und sie hätten ihre Gräber statt in eine Schatzkammer des Lichts in eine Grube von Schlangen und Skorpionen verwandelt.

Weil also Krankheiten einen solchen Gewinn bringen, sollte man nicht über sie klagen, sondern in Ergebung, Geduld, ja, sogar in Dankbarkeit auf die Barmherzigkeit Gottes vertrauen.

Vierzehntes Heilmittel:

Oh du Kranker, über dessen Augen sich der Vorhang der Nacht herniedergesenkt hat! Wenn du wüsstest, welches Licht dem Gläubigen erstrahlt, und was für ein geistiges Auge er besitzt - hinter dem Vorhang, der sich über seine Augen gesenkt hat - du müsstest "hunderttausendmal Dank dem barmherzigen Herrn!" sagen. Ich will dir das durch ein Erlebnis erklären. Wie eine lindernde Salbe biete ich es dir an.

Eines Tages erblindete die Tante meines Dieners Süleyman aus Barla, der mir acht Jahre in voller Hingabe und Treue gedient hatte. Ich hatte niemals etwas an ihm auszusetzen gehabt. Diese aufrichtige Frau sagte zu mir: "Bete für mich, damit meine Augen geöffnet werden." Und dabei meinte sie es mit mir hundertmal besser als mir zukam. Sie passte mich an der Tür der Moschee ab. So machte ich mich denn zum Fürsprecher dieser guten Frau in ihrer tiefen und aufrichtigen Gläubigkeit und betete inständig: "Herr, erkenne ihre aufrichtige Frömmigkeit an und öffne ihre Augen." Zwei Tage später kam ein Augenarzt aus Burdur und öffnete ihre Augen. Vierzig Tage später schlossen sich ihre Augen abermals. Ich war sehr betroffen. Ich betete viel... Möge Allah diese Gebete für sie im Jenseits annehmen! Es wäre sonst dieses mein Gebet für sie ein sehr schlechtes und völlig falsches Gebet gewesen. Denn bis zu ihrem Ableben blieben ihr noch vierzig Tage. Nach vierzig Tagen - Allah möge sich ihrer erbarmen! - verschied sie.

Also anstatt vierzig Tage lang Barlas trauernde Weinberge mit den betrübten Augen des Alters zu betrachten, durfte die Verstorbene nun im Grabe vierzigtausend Tage

die Weinberge des Paradieses schauen. Denn ihr Glaube war stark und ihre Aufrichtigkeit fest. Ja, ein Gläubiger vermag, wenn sich der Vorhang über seine Augen herniedersenkt, und er mit verschlossenen Augen ins Grab steigt, über seine Stufe hinaus und bei weitem mehr als die übrigen Bewohner des Grabes die Welt des Lichtes zu schauen, wie wir in dieser Welt viele Dinge sehen... die blinde Gläubige nicht sehen. Im Grabe sehen diese Blinden, wenn sie im Glauben verstorben sind, entsprechend ihrer Stufe mehr als die übrigen Bewohner des Grabes. Sie schauen wie mit einem weitreichenden Fernglas - ihrer Stufe entsprechend - aus dem Grabe die Gärten des Paradieses, wie in einem Film.

Wenn du also geduldig und dankbar bist, kannst auch du ein solches innerliches Auge hinter dem Vorhang vor deinen äußerlichen Augen finden, ein Auge, das so voll ist von Licht und welches in das Paradies über den Himmeln hinüberblickt und es betrachtet, auch wenn du unter der Erde liegst. So ist also der Augenarzt, der diesen Vorhang vor deinen Augen aufzuheben vermag, dich mit diesen Augen schauen lässt, der Weise Qur'an.

Fünfzehntes Heilmittel: Oh du Kranker, der du ächzt und stöhnst! Betrachte nicht das Äußerliche deiner Krankheit und sage nicht "ach!". Betrachte ihren Sinn und sage "oh!". Wenn Krankheit nicht etwas Schönes bedeuten würde, hätte der Schöpfer in Seiner Barmherzigkeit Seinem vielgeliebten Diener und Anbeter nicht die Krankheiten gegeben. Ja, eine Echte Überlieferung sagt sogar:

اَ ْلاَنْبِيَآءُ ثُمَّ اْلاَوْلِيَآءُ، ثُمَّ اْلاَمْثَلُ فَاْلاَمْثَلُ

Das heißt: "Diejenigen, welche am stärksten von Unglück und Mühsal geplagt sind, sind diejenigen, welche auch die besten und vollkommensten unter den Menschen sind." Allen voran der Dulder Hiob (Friede sei mit ihm), die Propheten, dann die Heiligen und danach alle Rechtschaffenen betrachteten die Krankheiten, unter denen sie zu leiden hatten, als wahre Anbetung und ein Geschenk der

Barmherzigkeit (Gottes), und dankten in Geduld. Sie haben sie wie eine Operation angesehen, die von dem barmherzigen Schöpfer, dem Erbarmer ausgeht. Oh du Kranker, der du "ach!" und "weh!" schreist!, wenn du in die Schar der Erleuchteten eingereiht werden möchtest, sei geduldig und dankbar! Wenn du aber anklagst, werden sie dich nicht in ihre Gemeinschaft aufnehmen. Du wirst in die Grube der Gottvergessenen stürzen... Du wirst einen dunklen Weg gehen. Ja, ein Teil der Krankheiten, welche zum Tode führen, gilt als ein Martyrium der Seele und verleiht einen Grad von Heiligkeit, der dem eines Bekenners entspricht. Kurzum:

Es gibt besonders gesegnete Krankheiten, wie solche, die bei Geburt eines Kindes auftreten,

{Diese Krankheiten haben den Wert eines Martyriums der Seele, wenn sie sich während der ersten vierzig Tage im Kindbett einstellen.}

Ertrinken, Verbrennen, Bauchhöhlenvereiterung sowie Seuchen, die mit dem Tode den Grad der Heiligkeit verleihen. Und weil die Krankheit die Liebe zur Welt und das Interesse an ihr schwächt, mildert sie den Schmerz, der für Weltleute wegen der mit dem Tod verbundenen Trennung von der Welt besonders traurig und bitter ist, ja, lässt den Tod zuweilen sogar herbeisehnen.

Sechzehntes Heilmittel:

Oh du Kranker, der du dich über Langeweile beklagst! Krankheit lehrt tiefe Hochachtung und erzieht zu innigem Mitleid, zwei sehr gute Eigenschaften, die für das menschliche Gemeinschaftsleben von ganz besonderer Wichtigkeit sind. Denn sie bewahren ihn vor der Selbstzufriedenheit, die den Menschen zu Unbarmherzigkeit und Grausamkeit führt. Denn:

اِنَّ اْلاِنْسَانَ لَيَطْغٰى اَنْ رَاٰهُ اسْتَغْنٰى

{"Fürwahr ist der Mensch rebellisch und denkt, er sei sich selbst genug." (Sure 96, 6-7)}

Der Sinn dieser Qur'anverse lehrt, dass eine eigensinnige Seele, die sich in einem aus Gesundheit und Wohlbefinden entstandenem Zustand der Selbstzufriedenheit befindet, kein Gefühl der Achtung mehr gegenüber der Hochachtung

gebietenden Brüderlichkeit verspürt. Auch empfindet sie nicht die geschuldete Barmherzigkeit und Güte gegenüber denjenigen, die unter Unglück und Krankheit leiden. Sobald er aber krank wird, begreift er unter dieser Krankheit seine Schwäche und Armseligkeit, und bezeigt seinen Brüdern die gebührende Hochachtung. Er empfindet Achtung gegenüber den gläubigen Brüdern, die kamen, ihn zu besuchen oder ihm zu helfen. Und er empfindet Erbarmen gegenüber denen, die vom Unglück geplagt sind, jene aus mitmenschlichem Empfinden entstandene mitmenschliche Güte, die zugleich einer der wichtigsten Charakterzüge des Islam ist. Er vergleicht die Leidenden mit sich selbst. Sie tun ihm von ganzem Herzen leid, er erbarmt sich ihrer, hilft ihnen, wo er kann, zumindest durch sein Gebet, besucht sie zumindest nach islamischem Brauch, um sich nach ihrem Befinden zu erkundigen, und erwirbt so einen Verdienst.

Siebzehntes Heilmittel:

Oh du Kranker, der du darüber klagst, dass du wegen deiner Krankheit keine guten Werke mehr tun kannst! Sei dafür dankbar, dass dir die Krankheit die Türe zu guten Werken geöffnet hat, die frei sind von allen Hintergedanken! Krankheit ist das wichtigste Fahrzeug zur Annahme seiner Gebete für einen Kranken und für die, die ihn um des Wohlgefallens Gottes pflegen, zusammen mit den Verdiensten, die sie beständig erwerben. Ja, Kranke zu pflegen ist für Gläubige ein hohes Verdienst. Sich nach dem Wohlergehen der Kranken zu erkundigen und sie zu besuchen, ohne ihnen lästig zu fallen, ist ein "lobenswerter Brauch" und eine Buße für die Sünden. Es gibt ein Hadith, die sagt: "Bittet die Kranken um ihr Gebet, denn ihre Gebete werden angenommen. " Besonders dann, wenn der Kranke ein Verwandter ist, der eigene Vater oder die eigene Mutter, ist der Dienst an ihnen bedeutsam wie ein Gottesdienst und birgt in sich bedeutsamen Lohn. Das Herz der Kranken zufriedenzustellen, ihnen Tröstung zu bringen, ist wie ein bedeutsames Almosen. Glücklich ist der Sohn, der sich um Vater und Mutter in ihrer Krankheit kümmert, ihre empfindsamen Herzen

zufriedenstellt, und sie um ihre Gebete bittet. Ja, vor jenem treuen Bild, das die Haltung eines Sohnes, der in völliger Hochachtung und selbstloser Liebe, wie sie eines Sohnes würdig sind, die selbstlose Liebe seiner Eltern, welche die am höchsten zu achtende Grundlage menschlichen Gemeinschaftslebens ist, in den Tagen ihrer Krankheit erwidert, und menschliche Erhabenheit und Größe zeigt, rufen sogar auch die Engel "Masha-a'llah, Barek-a'llah!" rühmend und preisend aus. Es gibt tatsächlich während einer Krankheit sehr angenehme und erfreuliche Genüsse, welche durch die selbstlose Liebe, das Mitleid und die Barmherzigkeit um ihn herum sichtbar werden, und den Schmerz der Krankheit zu nichts werden lassen.

Dass sein Gebet angenommen wird, ist für einen Kranken eine Angelegenheit von einiger Wichtigkeit.

Ich habe seit dreißig, vierzig Jahren um die Heilung von einer Krankheit, die Rheuma heißt, gebetet. Ich habe verstanden, dass die Krankheit geschickt wurde um des Gebetes willen... Ich habe verstanden, dass das Gebet erst im Jenseits seine Frucht bringt, weil das Gebet nicht durch das Gebet, d.h. das Gebet nicht durch sich selbst aufgehoben werden kann.

Anmerkung:

Ja, manche Krankheit dient dem Gebet als Existenzgrundlage. Diente das Gebet der Krankheit als Grundlage für deren Nichtexistenz, dann wäre die Existenz des Gebetes die Grundlage für seine eigene Nichtexistenz. Das aber ist unmöglich.}

Die Krankheit ist auch selbst eine Art Anbetung, und der in ihr seine Schwäche begreift, nimmt am Throne Gottes seine Zuflucht. Es kam mir deshalb während der dreißig Jahre, die ich um Genesung betete, ohne dass mein Gebet äußerlich sichtbar angenommen worden wäre, niemals in den Sinn, das Gebet aufzugeben. Denn Krankheit ist eine Zeit des Gebetes, Heilung nicht die Folge des Gebetes. Wenn also der barmherzige Arzt und Herr Genesung schenkt, schenkt Er sie aus Seiner Fülle. Wenn aber das Gebet nicht in der von uns gewünschten Form erhört wurde, kann man nicht sagen, es sei nicht angenommen worden. Der allweise Schöpfer weiß es besser

und schenkt zu unserem Wohlergehen, was uns zum Besten dient. Manchmal verwandelt Er ein dem Weltlichen zugewandtes Gebet, erhört es um unseres Heiles willen im Jenseits... und solcherart nimmt Er es an. Wie dem auch immer sei... Ein Gebet, das durch das Geheimnis der Krankheit an Reinheit gewinnt, ist besonders dann, wenn es aus Armseligkeit, Schwäche und dem Gefühl der Blöße und Bedürftigkeit erwächst, nahe daran, angenommen zu werden. Krankheit wird so zum Angelpunkt der Reinheit eines solchen Gebetes. Sowohl der fromme Kranke als auch die Gläubigen, welche ihn pflegen, sollten die Möglichkeit zu einem solchen Gebet wahrnehmen.

Achtzehntes Heilmittel:

Oh du Kranker, der du aufgehört hast zu danken und begonnen hast zu klagen! Die Klage entsteht aus einem Rechtsanspruch. Es ist keines deiner Rechte verletzt worden, sodass du zu klagen hättest. Ja, es gibt noch viele Dankansprüche, deren Erfüllung du noch nicht nachgekommen bist. Ohne den Rechtsanspruch Gottes, des Gerechten zu erfüllen, versuchst du, dir dein Recht einzuklagen, so als ob du selber Ihm gegenüber einen Rechtsanspruch hättest. Du darfst nicht aufschauen zu denen, die sich auf einer höheren Stufe befinden als du und gesund sind, und dich dabei beklagen. Deine Aufgabe besteht vielmehr darin, in Dankbarkeit auf jene hilflosen Kranken hinunterzublicken, die sich hinsichtlich deines eigenen Gesundheitszustandes eine Stufe unter dir befinden. Hast du dir deine Hand gebrochen, schaue auf jene, die ihre Hand verloren haben! Fehlt dir ein Auge, schaue auf die Blinden, die gar keine Augen haben! Danke Gott! Es gibt niemanden, der das Recht hätte, auf Gnadengaben zu schauen, die über ihn selbst hinausreichen. Im Unglück hat jedermann lediglich das Recht, auf diejenigen zu schauen, die sich - vom Standpunkt seines eigenen Unglücks aus betrachtet - unter ihm befinden, um dankbar zu sein. Dieses Geheimnis wurde in einigen Abhandlungen mit einem Beispiel erklärt. Es folgt hier eine kurzeZusammenfassung:

Ein Herr lässt einen bedauernswerten Menschen in einem Minarett emporsteigen. Auf jeder Stufe des Minarettes erweist er ihm jeweils wieder eine andere Wohltat, überreicht ihm ein Geschenk. Und auch als er ganz oben angekommen ist, legt er ihm noch ein besonders großes Geschenk in den Arm... Doch wenn nun dieser ungehobelte Kerl alle die Geschenke vergisst, die er auf diesen Stufen empfangen hat, und - obwohl er eigentlich für diese verschiedenen Geschenke ein Gefühl aufrichtiger Dankbarkeit zum Ausdruck bringen sollte - diese geringschätzt und ohne zu danken nach oben schaut und sagt: "Ach wenn doch dieses Minarett noch höher wäre, könnte ich noch höher hinaufsteigen! Warum ist es denn nicht so gewaltig hoch wie dieser Berg oder ein anderes Minarett? ", und zu klagen begänne, was wäre das doch für eine große Undankbarkeit und Ungerechtigkeit! Desgleichen gilt: Der Mensch trat aus dem Nichtsein ins Dasein. Er blieb nicht Stein. Er blieb nicht Baum. Er blieb nicht auf der Stufe eines Tieres stehen. Er wurde Mensch. Er wurde Muslim. Er erfreute sich lange Zeit seiner Gesundheit. Es erging ihm wohl. Obgleich er damit Gnadengaben in hohem Maße erhalten hatte, entglitten sie wieder seinen Händen durch manche Störungen oder, weil er sich einiger Gnadengaben wie Gesundheit und Wohlergehen nicht würdig erwiesen hatte, oder durch seine Böswilligkeit, durch Missbrauch oder seine Hand vermochte sie nicht mehr zu erreichen. Nun klagt er, zeigt sich ungeduldig, sagt: "Was habe ich getan, dass mir solches widerfuhr? " und kritisiert mit dieser Haltung Gott den Herrn. Das ist schlimmer noch als eine äußerliche Krankheit, eine Erkrankung der Seele. Ähnlich wie ein Kämpfer, der mit gebrochener Hand weiter kämpft, verschlimmert er sein Übel noch durch seine Klage.

اَلَّذِينَ اِذَآ اَصَابَتْهُمْ مُصِيبَةٌ قَالُوٓا اِنَّا ِللهِ وَاِنَّآ اِلَيْهِ رَاجِعُونَ

{"Sie sagen, wenn ein Übel sie schlägt: Von Allah sind wir und zu Ihm werden wir wieder zurückkehren." (Sure 2, 156)}

Vernünftig ist, wer mit diesem Geheimnis sich in Geduld ergibt, bis diese Krankheit ihre Aufgabe erfüllt hat und vorübergeht...

Neunzehntes Heilmittel:

Alle Namen Gottes, der vollkommen ist in Seiner Schönheit, sind, wie der Titel "Die schönsten Namen" Gottes, des Einzigartigen, anzeigt, vollendet und schön. Innerhalb des Seins aber ist das Leben der feinste, schönste, umfassendste Spiegel der Einzigartigkeit (Gottes). Der Spiegel der Schönheit ist schön. Der Spiegel, welcher den Wert der Schönheit aufzeigt, verschönert sich, denn was an Schönheit in diesen Spiegel hineinfällt, ist schön. So ist auch das, was ins Leben hineinkommt, vom Standpunkt der Wahrhaftigkeit betrachtet, schön. Denn es zeigt die schönen Ornamente der schönen Namen (Gottes), die schön sind. Das Leben, verliefe es in Gesundheit und stetem Wohlergehen, wäre eintönig, die Spiegelung unvollständig. Ja, es wäre in dieser Hinsicht wie nichtig, gleichsam eine Negation, ließe Hohlheit empfinden und Langeweile aufkommen. Der Wert des Lebens würde gemindert. Der Sinn des Lebens würde in Langeweile verkehrt. Der Mensch in seiner Langeweile wirft sich entweder in Ausschweifungen oder in Vergnügungen, damit die Zeit rascher vergehe. Wie eine Zeitspanne, die er im Gefängnis verbringen muss, betrachtet er die Zeitspanne seines Lebens mit feindseligen Augen, möchte die Zeit totschlagen, damit sie ihm rascher vergehe. Doch ein Leben, das ständig sich wandelt und niemals sich gleicht, das wie eine Reise ständig in Aufbruch und Bewegung abrollt, lässt seinen Wert verspüren, lässt Sinn und Bedeutung der (Lebens)zeit erkennen... Wäre es auch in Mühen und Plagen, man wollte nicht, dass das Leben vergeht. Er sagt nicht in seiner Langeweile: "Ach Gott, die Sonne ist noch immer nicht untergegangen! Die Nacht ist noch immer nicht vorüber! Oh Gott, mein Gott!" Ja, frage einmal einen sehr reichen Herrn, der in einem luxuriös eingerichteten Hause müßig auf seinem Sofa liegt: "Wie ist Ihr geschätztes Befinden? " Sicherlich wird er dir mit betrübter Miene antworten: "Ach Gott, die Zeit will nicht vergehen! Komm, wir spielen Scheschbesch oder lass uns irgendeinen anderen Zeitvertreib finden!"... Oder du bekommst Anklagen zu hören, die aus Gier und Geiz erwachsen sind, wie:

"Dieses oder jenes fehlt mir noch" oder: "Ach, hätte ich doch noch diese Sache erledigt!" Frage dagegen einmal einen armen, geplagten Menschen, einen, der sich schwer mühen und anstrengen muss: "Wie geht es Dir?" Wenn er seine fünf Sinne beieinander hat, wird er dir antworten: "Gott sei Dank! Mir geht es gut. Ich habe Arbeit. Vergingen die Tage nicht so schnell, könnte ich diese Arbeit noch zu Ende bringen! Die Zeit vergeht schnell, steht nicht still. Das Leben vergeht. Ich habe ja wirklich meine Mühe, aber das vergeht auch. Es vergeht alles so rasch." Damit wird er dir zu verstehen geben, wie wertvoll das Leben für ihn ist, mit dem Ausdruck des Bedauerns über seine Vergänglichkeit! Das heißt, er vermag unter Mühen und Plagen sein Leben zu genießen und dessen Wert zu verstehen. Gesundheit und Wohlbefinden dagegen machen das Leben bitter, sodass man sein Ende herbeisehnt.

Ach mein kranker Bruder! Wisse, dass - wie wir bereits in anderen Abhandlungen ausführlich und auf unwiderlegbare Weise bewiesen haben - die Wurzel und Hefe des Übels, des Bösen, ja, sogar der Sünde das Nichtsein ist. Das Nichtsein aber ist das Böse, die Finsternis. Zustände wie gelangweilte Ruhe, Schweigen, Stille, Stillstand führen zur Langeweile, weil sie nahe am Nichtsein, dem Nihilismus liegen, weil sie die Finsternis des Nichtseins spürbar werden lassen. Was aber Bewegung und Veränderung betrifft, so sind sie das Sein, lassen sie "Sein" empfinden. Sein aber ist reine Güte, Licht. Nun ist aber die Wahrheit folgende: Die Krankheit, die du hast, dient dazu, dein kostbares Leben zu reinigen, zu festigen, zu erhöhen und zu entfalten und alle Funktionen des menschlichen Körpers anzuregen, das erkrankte Organ helfend und heilend zu unterstützen sowie die Ornamente aller der verschiedenen Gottesnamen des Meisters und Arztes aufzuzeigen. Für alle diese und noch viele andere Aufgaben wurde diese Krankheit - gleichsam wie ein Gast - in deinen Körper gesendet. Insha-a'llah , dass sie ihre Aufgabe rasch beendet und vorübergeht! Dann wird sie zu deinem Wohlergehen sagen: "Komm her! Bleibe statt meiner für immer hier!

Erfülle diese Aufgabe! Dieses Haus ist dein. Bleibe darin nach deinem Wohlgefallen! "

Zwanzigstes Heilmittel:

Oh du Kranker, der du eine Arznei gegen deinen Kummer suchst! Es gibt zwei Arten von Krankheiten. Die eine Art sind die tatsächlichen, die andere Art sind die eingebildeten Krankheiten. Was die Art der tatsächlichen Krankheiten betrifft, so hat der Erhabene, der Weise, der Heilende in Seiner großen Apotheke, die der Erdball ist, für jedes Leiden ein Heilmittel aufbewahrt. Was aber diese Heilmittel betrifft, so ist das Leiden für sie notwendig. Allah hat für jedes Leiden eine Arznei geschaffen. Ein Mittel zur Behandlung zu gebrauchen, ist erlaubt. Doch sollte man dessen Wirkung und die Heilung von Gott dem Gerechten erwarten. So wie Er die Arznei gegeben hat, so wird Er auch Heilung geben... Sich an die Anweisungen geschulter und gläubiger Ärzte zu halten, ist ein bedeutendes Heilmittel. Die meisten Krankheiten entstehen durch Missbrauch, Unmäßigkeit, Maßlosigkeit, Lasterhaftigkeit, Ausschweifung und Unvorsichtigkeit. Der gläubige Arzt wird dem Kranken sicherlich im Rahmen dessen, was (im Islam) erlaubt ist, einen Rat erteilen oder ihm etwas verbieten. Er wird ihm Missbrauch und Maßlosigkeit verbieten und ihm Trost geben. Der Kranke, der auf diese Ratschläge und Tröstungen vertraut, wird für seine Krankheit Erleichterung finden, und nach seiner Beklemmung froh und frei atmen können.

Was aber die nur eingebildeten Krankheiten betrifft, so ist ihr wirksames Heilmittel, ihnen keine Bedeutung beizumessen. Misst du ihnen eine Bedeutung bei, wachsen sie, blähen sich auf. Misst du ihnen keine Bedeutung bei, schrumpfen sie, lösen sich auf. Ähnlich, wie wenn du ein Bienenvolk aufstörst, und die Bienen dir um den Kopf schwirren. Bleibst du unbeteiligt und ruhig, zerstreuen sie sich. Genauso vergrößert sich ein Seil, das im Dunkeln vor deinen Augen pendelt, wenn du ihm eine Bedeutung in deiner Einbildung beimisst. Es macht sogar, dass du wie im Wahnsinn fliehst. Misst du ihm keine Bedeutung bei, siehst

du, dass ein einfaches Seil keine Schlange ist, und lachst über die Panik, die dich ergriffen hatte. Besteht eine eingebildete Krankheit lange Zeit fort, verwandelt sie sich in eine echte. Einbildung ist für sensible Menschen eine schlimme Krankheit. Sie bauen aus einem Samenkorn eine Kuppel. Ihre Geisteskräfte werden zerbrochen. Besonders, wenn jemand in die Hände jener unbarmherzigen, halbgebildeten oder verständnislosen Doktoren gerät, verschlimmert sich noch seine Einbildung. Handelt es sich dabei um einen Reichen, verliert er ein Vermögen. Und wenn nicht dies, dann den Verstand oder die Gesundheit.

Einundzwanzigstes Heilmittel:

Mein kranker Bruder! Deine Krankheit ist ein äußerliches Leiden. Es umgibt dich aber auch eine bedeutsame innere Freude, welche die Auswirkungen dieses äußerlichen Leidens auszugleichen vermag. Denn du hast Vater, Mutter und Verwandte. Ihre seit langem vergessenen, doch so willkommenen Zärtlichkeiten erwachen wieder, zusammen mit den liebevollen Blicken, wie du sie in deiner Kindheit erfahren hast und nun wieder neu erfährst. Die vielen Erweise der Freundschaft, die sie dir heimlich und im Verborgenen erbracht haben, erlebst du nun - ausgelöst durch deine Krankheit - in neuerlicher Zuwendung. Und sicherlich erscheint dir neben all dem dieses dein äußerliches Leiden als nur gering. Die Herren, denen zu dienen du dich gerühmt hattest und deren Gunst zu erwerben du bemüht warst, erweisen dir infolge deiner Krankheit die Dienste ihrer Barmherzigkeit. So bist du der Herr deiner Herren geworden. Zudem hast du die humanitären Gefühle der Menschheit und die Zärtlichkeit des Menschengeschlechtes zu dir selbst herangezogen und aus dem Nichts hilfreiche Kameraden und zärtliche Freunde gewonnen. Des Weiteren hast du auch von deiner Krankheit nach vieler, mühevoller Arbeit den Befehl erhalten, jetzt aber einmal eine Pause einzulegen, ruhst dich nun aus... Sicherlich sollten dich deine - im Vergleich zu den damit verbundenen inneren Wohltaten - so geringen Leiden dazu anhalten, nicht zu klagen, sondern zu danken.

Zweiundzwanzigstes Heilmittel:

Oh du Bruder, der du von schlaganfall-ähnlichen Krankheiten betroffen bist! Zunächst einmal darf ich dir verkünden, dass Schlaganfälle für die Gläubigen gesegnet sind. Das habe ich vor langer Zeit von den Heiligen gehört; denn ich kannte dieses Geheimnis noch nicht. Das Geheimnis kam auf folgende Weise in mein Herz: Die Gottesleute, wenn sie Gott, den Gerechten erreichen wollten, beachteten, um sich vor den gewaltigen geistigen Gefahren dieser Welt zu retten und sich das ewige Heil zu sichern, folgende beide Grundprinzipien:

Erstens:

Die Vergegenwärtigung des Todes. Das heißt: Sie bemühten sich in der Weise um das ewige Leben, dass sie an die Vergänglichkeit dieser Welt dachten und sich selbst als einen, der darin einen auch nur vorübergehenden Gastauftrag hat.

Zweitens:

Um sich vor den Gefahren ihrer triebhaften Seele und den blinden Empfindungen (ihrer uneinsichtigen Haltung) zu erretten, fasteten sie und kasteiten sich vierzig Tage lang wie die Novizen, um ihre triebhafte Seele abzutöten. Oh du Bruder, der du die Hälfte deiner Körperfunktionen eingebüßt hast! Diese zwei Grundprinzipien, die dich schnell und leicht zum Heile führen, sind dir in den Schoß gefallen. Der Zustand deines Körpers gemahnt dich ständig an das Ende alles Diesseitigen und die Vergänglichkeit des Menschen. Die Welt kann dich nicht mehr ersticken, die Gottvergessenheit deine Augen nicht mehr verschließen. Einen nun mehr halben Menschen kann seine triebhafte Seele sicherlich nicht mehr durch schändliche Neigungen und fleischliche Gelüste verführen; er wird rasch von der Plage jener Begierde errettet.

So kann ein Gläubiger durch das Geheimnis des Glaubens, der Ergebung und des Vertrauens (auf Gott) aus einer so schweren Krankheit wie einem Schlaganfall in kurzer Zeit den gleichen Nutzen ziehen wie die Heiligen aus ihren Kasteiungen. So erscheint dir dann diese schwere Krankheit nur mehr als gering.

Dreiundzwanzigstes Heilmittel:

Oh du Kranker, der du hilflos in der Fremde bist und niemanden hast! Wenn du in der Fremde zugleich auch krank bist, niemanden hast und sich nun selbst in den härtesten Herzen ein Mitleid dir gegenüber regt, und wenn du nun so die Blicke derer, die mit dir fühlen, auf dich lenkst, wirst du dann nicht etwa auch den Blick dessen, der sich selbst zu Beginn jeder Sure des Qur'an mit dem Attribut "der Erbarmer, der Barmherzige" vorstellt, und der mit einem Funken Seiner Zärtlichkeit in allen Müttern für alle Kinder mit dieser wunderbaren Zärtlichkeit sorgen lässt, der jeden Frühling durch eine Manifestation Seiner Barmherzigkeit das Antlitz der Erde wieder neu mit Seinen Gnadengaben erfüllt, der im ewigen Leben des Paradieses in all Seiner Schönheit eine Manifestation Seiner Barmherzigkeit ist, diesen Blick des barmherzigen Schöpfers, dem du im Glauben verbunden bist, und den du anerkennst, indem du in deiner Krankheit und Schwäche unausgesprochen zu Ihm flehst, in dieser deiner Krankheit mit Sicherheit auf dich lenken, wo du doch in der Fremde bist und niemanden hast? Wenn das aber nun so ist, dann ist Er da, es gibt Ihn, Er schaut auf dich und alles ist für dich da. Im Grunde genommen ist derjenige in der Fremde wirklich allein, und hat tatsächlich niemanden, welcher in Glaube und Ergebung keine Verbindung mit Gott hat oder seiner Verbundenheit mit Ihm keinen Wert beimisst.

Vierundzwanzigstes Heilmittel:

Oh ihr, die ihr die unschuldigen Kinder pflegt und die alten Leute, die den unschuldigen Kindern gleich geworden sind!... Auf euch wartet im Jenseits ein hoher Verdienst. Strebt mit Eifer danach, euch diesen Verdienst zu erwerben... Die Krankheiten der unschuldigen Kinder sind ein Training für diese noch zarten Körper, eine Askese, einer Spritze und einer Zuchtrute des Herrn gleich, dazu bestimmt, ihr Leben zu reinigen und das Kind auf das Leben sowohl in dieser Welt vorzubereiten und zugleich - wie die Sündenbuße der Erwachsenen - auch auf das Leben des Geistes, damit es gegenüber einer ruhelosen zukünftigen Welt widerstandsfähig

werde. Sie ähneln einer Spritze für den Geist, gegeben, damit es sich für die Zukunft und für das Jenseits entwickeln kann. Die aus ihnen erwachsenen Verdienste werden auch im Buche der Taten der Eltern aufgezeichnet, besonders aber im Buche der Mutter, wenn sie zum Wohle ihres Kindes ihre eigene Gesundheit eingesetzt hat. Dies steht fest für die, welche sich die Wahrheit zu Eigen gemacht haben. Was die alten Leute betrifft, so ist es ein großes Verdienst, sie zu pflegen, auch sie um ihr Gebet zu bitten, besonders wenn es der Vater oder die Mutter ist, ihre Herzen zu erfreuen und ihnen treu zu dienen. Das trägt sowohl zum Glück in dieser Welt bei als auch zur Glückseligkeit in der jenseitigen. Dass dies so ist, steht auf Grund der Überlieferung und auch vieler geschichtlicher Ereignisse fest. Glückselig ein Kind, das dem alten Vater, der alten Mutter gehorcht, entsprechend der Haltung, die es auch bei seinen eigenen Kindern sehen möchte! Unglücklich das Kind, wenn es seine Eltern kränkt! Es wird außer der Strafe im Jenseits auch schon im Diesseits viel Unglück als Strafe erfahren. Auch dies steht auf Grund vieler Ereignisse fest. Ja, Leute des Glaubens sollten nicht nur nach den Alten, den Unschuldigen schauen, wenn es ihre Verwandten sind (denn die wahre Bruderschaft besteht im Geheimnis des Glaubens), es ist vielmehr ein Erfordernis des Islam, ihnen mit Geist und Gemüt zu dienen, wenn sie ihnen begegnen, wenn der verehrte alte, kranke Mensch sie braucht.

Fünfundzwanzigstes Heilmittel:

Oh meine kranken Brüder! Wenn ihr ein Gegenmittel sucht, das besonders wirksam ist und jeden Kummer heilt, das wahrhaft wohlschmeckend und rein ist, dann entwickelt euren Glauben! Das heißt: Gebraucht dieses reine und heilige Gegenmittel, welches der Glaube ist, in Reue und Bußfertigkeit, mit Gebet und Gottesdienst, ein Heilmittel, das aus dem Glauben kommt! Ja, wegen ihrer Liebe zur Welt, und weil sie ihr verhaftet sind, haben wohl wahrscheinlich die Gottvergessenen einen kranken Seelenkörper, so groß wie die Welt. Was aber den Glauben betrifft, so haben wir bereits

in sehr vielen Abhandlungen unwiderlegbar bewiesen, dass der Glaube diesen Seelenkörper wie die Welt, wund und blau unter den Schlägen des Verfalls und der Trennung, plötzlich heilt, von seinen Wunden befreit, und ihm wahre Genesung schenkt. Um euch nicht länger lästig zu fallen, will ich mich kurz fassen.

Was den Glauben als ein Heilmittel betrifft, so wirkt es, wenn man seine pflichtgemäßen Gebete so weit wie möglich verrichtet. Gottvergessenheit, Ausschweifung, fleischliche Gelüste und (islamisch) ungesetzliche Vergnügungen behindern die Wirkung dieses Gegenmittels. Weil also die Krankheit Gottvergessenheit aufhebt, Begierden tötet und hindert, dass man sich (islamisch) ungesetzlichen Genüssen hingibt, sollt ihr daraus euren Nutzen ziehen. In Reue und Bußfertigkeit, mit Gebet und inbrünstigem Flehen sollt ihr das reine, heilige Heilmittel und das Licht des wahren Glaubens gebrauchen... Gott der Gerechte gebe euch Gesundheit, und nehme eure Krankheiten als Buße für eure Sünden an! Amen, amen, amen...

وَقَالُوا الْحَمْدُ ِللهِ الَّذِى هَدٰينَا لِهٰذَا وَمَا كُنَّا لِنَهْتَدِىَ لَوْلاَ اَنْ هَدٰينَا اللهُ لَقَدْ جَآءَتْ رُسُلُ رَبِّنَا بِالْحَقِّ

سُبْحَانَكَ لاَعِلْمَ لَنَآ اِلاَّ مَاعَلَّمْتَنَآ اِنَّكَ اَنْتَ الْعَلِيمُ الْحَكِيمُ

اَللّهُمَّ صَلِّ عَلٰى سَيِّدِنَا مُحَمَّدٍ طِبِّ الْقُلُوبِ وَدَوَآئِهَا وَعَافِيَةِ اْلاَبْدَانِ وَشِفَآئِهَا وَنُورِ اْلاَبْصَارِ وَضِيَآئِهَا وَعَلٰى اٰلِهِ وَصَحْبِهِ وَسَلِّمْ

{"Wir wären nicht geleitet, hätte nicht Allah uns geleitet. Wahrlich, es kamen die Gesandten unseres Herrn mit der Wahrheit." (Sure 7, 41) "Gepriesen seist Du! Wir haben kein Wissen, außer dem, das Du uns gelehrt hast. Denn Du bist der Allwissende, der Allweise." (Sure 2, 32) "Oh Allah, segne unseren Herrn Mohammed, den Arzt unserer Herzen und seine Medizin, Wohlergehen für unsere Leiber und deren Heilung, ein Licht und eine Leuchte unseren Augen. Segne ihn und seine Familie und seine Gefährten!"}

Siebzehnter Brief

(Anhang zum Fünfundzwanzigsten Blitz)

Ein Beileidsbrief zum Tode eines Kindes

بِسْمِهِ وَاِنْ مِنْ شَىْءٍ اِلاَّ يُسَبِّحُ بِحَمْدِهِ

{"In Seinem Namen und fürwahr; es gibt kein Ding, das nicht lobend Ihn preist!" (Sure 17, 44)}

Lieber Mitbruder Hafiz Halid Efendi,

وَبَشِّرِ الصَّابِرِينَ اَلَّذِينَ اِذَآ اَصَابَتْهُمْ مُصِيبَةٌ قاَلوُآ اِنَّا ِللهِ وَاِنَّآ اِلَيْهِ رَاجِعُونَ

{"Im Namen Allahs, des Erbarmers, des Barmherzigen; Und verkündige den Geduldigen, wenn ein Unglück sie trifft, dann sagen sie: Von Allah sind wir und zu Ihm werden wir zurückkehren." (Sure 2, 155-156)}

Mein lieber Bruder! Über den Tod deines Kindes bin ich sehr betroffen. Aber

اَلْحُكْمُ ِللهِ

{"Der Urteilsspruch ist Allahs Sache."}

sich einzufügen in den Willen Gottes, sich zu ergeben in den Ratschluss des Herrn, ist Kennzeichen des Islam. Gott der Gerechte möge Ihnen Geduld zum Guten verleihen! Er möge es zum Quartiermeister und zu Ihrem Fürsprecher im Jenseits machen! Ihnen und anderen aufrechten Gläubigen, die in der gleichen Lage sind wie Sie, eine hohe und frohe Botschaft zu verkünden und eine wahrhaftige Tröstung aufzuzeigen, werden wir "Fünf Punkte" darlegen.

Erster Punkt:

Das Geheimnis von

وِلْدَانٌ مُخَلَّدُونَ

{"Ewige Jünglinge" (Sure 76, 19)}

im Weisen Qur'an ist Folgendes, kurz erklärt: Die noch als Minderjährige verstorbenen Kinder der Gläubigen werden im Paradies ewig als beständig liebenswerte Kinder mit

einem des Paradieses würdigen Aussehen verbleiben. Sie werden ihrem Vater und ihrer Mutter, wenn sie dereinst ins Paradies eingehen, auf ihrem Schoße ein ewiger Anlass zur Freude sein. Kinder werden ihren Eltern eine sichere Quelle zartester Empfindungen wie kindlicher Liebe und Liebkosungen sein. Behauptungen derer, welche sagen, es könne im Paradiese Kindesliebe und Liebkosungen nicht geben, weil dies ein Ort für Zeugung nicht sei, obwohl doch im Paradiese jede Art des Frohgenießens sich findet, entbehren der Wahrheit. Zudem bedeutet für ein kurzes Leben von zehn Jahren in dieser Welt Kindesliebe und Liebkosungen, vermischt mit Schmerz, millionenjahrelange Kindesliebe und Liebkosungen, unvermischt, rein und ohne Schmerz zu gewinnen, für Leute des Glaubens die größte Quelle der Glückseligkeit. Dafür gibt der Ausdruck

وِلْدَانٌ مُخَلَّدُونَ

{"Ewige Jünglinge" (Sure 76, 19)}

aus dem ehrwürdigen Qur'anvers einen Hinweis und frohe Kunde.

Zweiter Punkt:

Es war einmal ein Mann. Der saß in einem Gefängnis. Man schickte ihm eines seiner geliebten Kinder. Der arme Gefangene litt eines Teils unter seinem eigenen Kummer, zum anderen auch darunter, dass er seinem Kinde keine Bequemlichkeiten verschaffen konnte. Und darüber war er traurig. Da schickte der barmherzige Herrscher ihm einen Mann und ließ ihm sagen: "Dieses Kind ist zwar dein Sohn, aber es ist auch einer der Untertanen meines Volkes. Ich werde es zu mir nehmen und in einem schönen Schloss für es sorgen." Da beginnt der Mann zu klagen und zu jammern und sagt: "Mein Sohn ist mir die Quelle meines Trostes. Ich gebe ihn nicht her." Seine Mitgefangenen sagen zu ihm: "Dein Schmerz ist unsinnig. Anstatt dein Kind zu bedauern, solltest du lieber bedenken, dass es nicht länger in diesem dreckigen, stinkenden, bedrückenden Gefängnis zu verbleiben braucht. Es wird in ein Schloss gelangen und darinnen froh und glücklich sein. Wenn du um deiner selbst Willen traurig bist

und deinen eigenen Vorteil suchst, so wisse, dass du außer einem zweifelhaften Gewinn nur Mühen, Sorgen und Bedrängnisse für das Kind haben wirst, wenn dein Sohn hier bleibt. Geht er aber dahin, wirst du tausend Vorteile haben. Denn er wird die Barmherzigkeit des Königs auf dich herabziehen und als dein Fürsprecher bei ihm gelten. Und der König wird wünschen, dass dein Sohn dich wieder sieht. Sicherlich wird er ihn nicht ins Gefängnis schicken, damit ihr euch hier begegnet, sondern dich aus dem Gefängnis holen und ins Schloss bringen lassen, um dich dort mit ihm zusammenzuführen. Das alles aber unter der Bedingung, dass du auf den König vertraust und ihm Gehorsam leistest."

So wie in diesem Gleichnis, mein lieber Bruder, soll man, wenn einem Gläubigen wie dir, ein Kind stirbt, so denken: "dieses Kind ist unschuldig. Sein Schöpfer ist zudem barmherzig und freigiebig. Er hat ihm, statt meiner mangelhaften Fürsorge und Zärtlichkeit, Seine so vollkommene Gnade und Barmherzigkeit geschenkt und es zu sich genommen. Er hat es aus diesem irdischen Kerker mit seinen Mühen, Sorgen und Plagen herausgeholt und in den Garten Seines Paradieses geführt. Wie glücklich ist doch dieses Kind! Wäre es in dieser Welt geblieben, wer weiß, was aus ihm geworden wäre. Deswegen bedauere ich es nicht, sondern wisse, dass es glücklich ist. Bleibt noch zu sagen, dass - was mich und meinen eigenen Vorteil betrifft - so bedauere ich mich ebenfalls nicht, werde ich nicht traurig und betrübt, denn wäre es in der Welt geblieben, so hätte es mir für zehn Jahre seine vorübergehende, mit Sorgen vermischte kindliche Liebe geschenkt. Wäre es aufrichtig geblieben, begabt für einen weltlichen Beruf, hätte es mir wahrscheinlich geholfen. Doch durch seinen Tod wird es in der Ewigkeit des Paradieses zehn Millionen Jahre eine Quelle kindlicher Liebe sein und als ein Fürsprecher zur ewigen Glückseligkeit dienen. Wer einen augenblicklichen zweifelhaften Vorteil verloren, dafür aber tausend zukünftige, unzweifelhafte Vorteile gewonnen hat,

ja, sicher und bestimmt wird derjenige nicht Trauer und Schmerz zeigen, nicht hoffnungslos jammern.

Dritter Punkt:

Das verstorbene Kind war Geschöpf, Eigentum, Diener und Anbeter des barmherzigen Schöpfers, war ganz und gar Sein Werk und Ihm gehörig, den Eltern als ein Freund gegeben, der ihnen für kurze Zeit zur Betreuung überantwortet wurde. Vater und Mutter waren ihm zum Dienst bestellt. Den Eltern wurde für ihren Dienst als gegenwärtiger Lohn ein Wohlempfinden bei ihrer Liebe und Güte verliehen. Wenn nun der barmherzige Schöpfer, Herr über 999 Anteile von tausend, es in Seiner Barmherzigkeit und Weisheit für notwendig erachtet, dieses Kind aus deinen Händen zu nehmen und deinen Dienst an ihm zu beenden, ist es für Leute des Glaubens nicht angemessen, mit einem einzigen, scheinbaren Anteil gegen den Herrn der tausend wahrhaftigen Anteile mit deinem Jammern und Weinen zu klagen, vielmehr gleicht dies den Gottvergessenen und denen, die auf Irrwegen gehen.

Vierter Punkt:

Wenn die Welt ewig wäre, auch der Mensch ewig darinnen bleiben könnte und auch die Trennung ewig wäre, dann hätten Kummer, Schmerz und hoffnunglose Betrübnis ihren Sinn. Da aber nun einmal diese Welt ein Gasthaus ist, darum werden Sie, werden auch wir dahin gehen, wohin das verstorbene Kind gegangen ist. Außerdem ist der Tod nicht nur deinem Kind bestimmt, sondern ein Weg, den ein jeder gehen wird. Und da nun einmal die Trennung nicht ewig ist, werden wir uns später einmal im Zwischenreich oder auch im Paradiese wiedersehen. Man soll

اَلْحُكْمُ ِللهِ

{"Der Urteilsspruch ist Allahs Sache."}

sagen. Er hat gegeben. Er hat genommen, und soll man in Geduld danken.

Fünfter Punkt:

Die selbstlose Liebe ist unter den Erscheinungsformen der göttlichen Barmherzigkeit die zarteste, schönste, willkommenste, anmutigste und ein Erleuchtung schenkender Heiltrank. Sie ist stärker als jede Liebessehnsucht. Sie ist das Fahrzeug, mit dem man rasch Gott den Gerechten erreicht. So wie sich die irdische, diesseitige Liebe nach sehr vielen Mühen in die wahre Liebe verwandelt und Gott den Gerechten findet, so auch die selbstlose Liebe, jedoch verbindet sie ohne Mühe das Herz mit Gott dem Gerechten in einer noch kürzeren, reineren Weise. Sowohl der Vater als auch die Mutter lieben ihr Kind über alles in der Welt. Wird ihnen ihr Kind aus den Händen genommen, und sind sie wahre Gläubige, so wenden sie ihren Blick von der Welt ab, und finden den wahren Wohltäter (Gott). "Weil also nun die Welt vergänglich ist", sagen sie, "ist sie es nicht wert, dass wir unser Herz an sie hängen." Wohin nun auch immer das Kind gegangen ist, es entsteht die Neigung, dorthin zu gehen. Und so erlangen sie eine Haltung von geistiger Größe.

Leute, die in Gottvergessenheit dahin leben und auf Irrwegen gehen, sind von der Glückseligkeit und der frohen Botschaft dieser fünf Wahrheiten ausgeschlossen. Vergleichen Sie damit, wie schmerzlich ihre Lage ist!

Eine ältere Dame sieht ihr einziges, so vielgeliebtes Kind auf dem Sterbebett. Und weil sie sich die Welt in ihrer Gottvergessenheit und in ihrem Irrtum als ewig vorstellt, erscheint ihr der Tod als das Nicht-mehr-sein und die ewige Trennung, und sie sieht nicht mehr vor sich ein weiches Bett, sondern denkt an die Erde des Grabes. In ihrer Gottvergessenheit und in ihrem Irrtum denkt sie nicht an das Paradies der Barmherzigkeit, des Erbarmers, des Barmherzigen und die Gnade der ewigen Gärten.

So können Sie ermessen, in welcher Hoffnungslosigkeit sie Trauer und Schmerz erleidet. Aber Glaube und Islam, das Fahrzeug der Glückseligkeit beider Welten spricht zum Gläubigen: "Der barmherzige Schöpfer dieses Kindes, das auf dem Sterbebett liegt, wird es aus dieser schmutzigen

Welt heraus in Sein Paradies führen, für dich sowohl zum Fürsprecher machen als auch zu einem ewigen Sohn. Die Trennung ist nur eine vorübergehende. Darum mache dir keine Sorgen! Sprich:

اَلْحُكْمُ ِللهِ اِنَّا ِللهِ وَاِنَّآ اِلَيْهِ رَاجِعُونَ

{"Der Urteilsspruch ist Allahs Sache." "Denn Allahs sind wir und zu Ihm kehren wir zurück." (Sure 2, 156)}

Sei geduldig!

اَلْبَاقِى هُوَ الْبَاقِى

{"Der Beständige ist Er, der bleibt und besteht."}

Said Nursi

Zweiter Blitz

بِسْمِ اللّهِ الرَّحْمنِ الرَّحِيمِ اِذْ نَادٰى رَبَّهُ اَنِّى مَسَّنِىَ الضُّرُّ وَاَنْتَ اَرْحَمُ الرَّاحِمِينَ

{"Im Namen Allahs, des Erbarmers, des Barmherzigen; ...als er seinen Herrn anrief: Unheil hat mich heimgesucht. Doch Du bist der über alles Barmherzige." (Sure 21, 83)}

Dieses Bittgebet von Hasret Eyyub (Hiob - Friede sei mit ihm!) ist oft erprobt worden, und hat sich als wirksam erwiesen. Auch wir sollten, wenn wir diesen Qur'anvers verwenden, dieses Gebet sprechen:

رَبِّى اَنِّى مَسَّنِىَ الضُّرُّ وَاَنْتَ اَرْحَمُ الرَّاحِمِينَ

{"Unheil hat mich heimgesucht. Doch Du bist der über alles Barmherzige. " (Sure 21, 83)}

Im wesentlichen verhält es sich mit der bekannten Geschichte von Hasret Eyyub (Friede sei mit ihm) folgendermaßen:

Während er lange Zeit zahllose Wunden und blaue Flecken trug, vergegenwärtigte er sich den Lohn für seine Leiden und ertrug sie mit vollkommener Geduld. Später aber fürchtete er, dass er nicht länger mehr zu Dienst und Anbetung würde fähig sein, weil sich in seinen Wunden Würmer anzusiedeln begannen und ihn an Herz und Zunge quälten, der Stätte des Gedenkens und der Erkenntnis Allahs. Deshalb sprach er sein Bittgebet nicht um seiner eigenen Ruhe willen, sondern für seinen Dienst und die Anbetung Gottes: "Oh Herr! Das Übel beunruhigt mich. Es beeinträchtigt meine Zunge, wenn ich Deiner gedenke, und mein Herz, wenn ich Dir diene und Dich anbete." Und Gott, der Gerechte nahm dieses aufrichtige, reine, selbstlose, um Allahs willen verrichtete Gebet in wunderbarster Weise an. Er gewährte ihm vollkommene Gesundheit und erwies ihm alle Arten Seiner Barmherzigkeit. Dieser "Blitz" umfasst fünf Anmerkungen.

Erste Anmerkung:

Im Gegensatz zu den sichtbaren Wunden der Krankheit von Hasret Eyyub (Friede sei mit

ihm) haben wir unsichtbare Krankheiten der Seele und des Herzens. Wenn unser Inneres nach außen und unser Äußeres nach innen gewendet würde, erschienen wir stärker verletzt und erkrankt als Hasret Eyyub (Friede sei mit ihm). Denn jede Sünde, die wir begehen und jeder Zweifel, der uns kommt, fügt unserem Herzen Wunden zu. Die Wunden von Hasret Eyyub (Friede sei mit ihm) bedrohten nur sein kurzes irdisches Leben. Unsere unsichtbaren Wunden bedrohen unser ganzes, langes, ewiges Leben. Wir bedürfen des Bittgebetes von Hasret Eyyub (Friede sei mit ihm) tausendmal mehr als er. Gerade so wie die Würmer, die sich in Hasrets Wunden anzusiedeln begannen, ihm Herz und Zunge beschwerten, genauso werden auch die Wunden, die uns die Sünde schlägt, werden auch die Einflüsterungen und die Zweifel, die sich in diesen Wunden einnisten - Gott bewahre! - das Innere unseres Herzens, die Stätte des Glaubens, beschweren und den Glauben belasten. Auch werden sie die Zunge beeinträchtigten, die den Glauben zum Ausdruck bringt, und ihr die geistige Freude zu rauben suchen, um sie vom Gottesgedenken ab und zum Schweigen zu bringen.

Ja, sobald die Sünde einmal in das Herz eingedrungen ist, schwärzt, verdunkelt und verhärtet sie es, bis das Licht des Glaubens ausgelöscht ist. In jeder Sünde liegt ein Weg zum Unglauben. Wird die Sünde nicht gleich durch das Verlangen nach Vergebung gelöscht, wächst sie von einem Wurm zur Schlange, die am Herzen nagt.

Beispielsweise wird ein Mann, der heimlich eine schändliche Sünde begeht, die Entehrung fürchten, die daraus entsteht, dass andere davon erfahren. Darum fällt es ihm auch sehr schwer, die Existenz von Engeln und anderen geistigen Wesen anzuerkennen. Und schon bei einem geringen Anlass möchte er sie leugnen. Gleichermaßen wird jemand, der eine große Sünde begeht, welche Höllenstrafen nach sich zieht, das Nichtvorhandensein der Hölle aus ganzer Seele wünschen und einen geringen Anlass oder

Zweifel nutzen, um die Hölle zu leugnen, wenn er nicht zum Schutz den Schild der Vergebung aufnimmt.

Ebenso wird jemand, der die fünf Gebete nicht verrichtet und seine Verpflichtung zu Dienst und Anbetung bricht, in Bedrängnis geraten, gerade so, als habe er eine der Pflichten gegenüber seinem Direktor vernachlässigt. Seine Vernachlässigung der fünf Gebete, entgegen den wiederholten Weisungen des Königs der Ewigkeiten, wird ihn sehr bedrücken und er wird aus diesem Gefühl der Bedrängnis heraus aus tiefstem Inneren wünschen: "Ach, gäbe es doch diese Geschöpfespflicht zur Anbetung nicht!" Und aus diesem Wunsch wird dann der Wunsch erwachsen, Allah zu leugnen, worunter man bereits ein Gefühl der Feindschaft Ihm gegenüber ahnen kann. Kommt dann ein Zweifel an der Existenz Gottes in sein Herz, wird er versuchen, diesen Zweifel als einen schlüssigen Beweis zu etikettieren. Vor ihm öffnet sich das Tor zu einem furchtbaren Abgrund. Der Ärmste weiß nicht, dass er sich durch seinen Unglauben im Gegensatz zu der nur geringen Mühe seiner Geschöpfespflicht millionenfach fürchterlichen Strapazen ausgesetzt hat. Er flieht vor dem Stich der Mücke und liefert sich dem Biss der Schlange aus. Und noch zahlreiche andere Beispiele könnten mit den drei obigen aufgeführt werden, um den Sinn der Worte zu verdeutlichen:

بَلْ رَانَ عَلٰى قُلوُبِهِمْ

{"Wahrlich, ihre Herzen sind wie mit Rost befleckt." (Sure 83, 14)}

Zweite Anmerkung:

Wie hinsichtlich der Bedeutung von Schicksal und Glaube schon im "Sechsundzwanzigsten Wort" erläutert wurde, haben die Menschen aus den drei folgenden Gründen kein Recht, sich über Unglück und Krankheit zu beschweren:

Erster Grund:

Gott der Gerechte hat dem Menschen den Körper angezogen wie ein Kleid und macht an ihm Seine Kunst sichtbar. Er hat den Menschen zu einem Modell gemacht, an dem Er dieses Kleid - des Menschen Körper - zuschneidet, umformt und ändert, um die Erscheinungen Seiner verschiedenen Namen zu zeigen. Und

ebenso wie der Name "Heiler" die Existenz von Krankheit voraussetzt, bedingt auch der Name "Versorger " das Vorhandensein des Hungers, und so auch die anderen Namen in dementsprechendem Sinn.

مَالِكُ الْمُلْكِ يَتَصَرَّفُ فِى مُلْكِهِ كَيْفَ يَشَآءُ

{"Der Eigentümer des Eigentums verfügt über Sein Eigentum, wie Er will."}

Zweiter Grund:

Durch Unglück und Krankheit wird das Leben geläutert, vervollkommnet, gestärkt, entfaltet, bringt seine Frucht, erreicht Vollkommenheit, erfüllt seine Lebensaufgabe... Ein Leben, das man eintönig auf seinem Ruhelager verbringt, gleicht weniger dem absolut Guten des Seins als vielmehr dem absolut Bösen des Nichtseins und neigt dazu hin.

Dritter Grund:

Dieses unser diesseitiges Haus ist ein Ort der Prüfung, ein Dienstgebäude und nicht ein Ort für Vergnügungen, Lohn und Belohnung. Und weil es ein Dienstgebäude ist und eine Stätte der Anbetung, entsprechen Krankheiten und Unglücksfälle - soweit sie nicht den Glauben beeinträchtigen und in Geduld ertragen werden - dem Dienst und der Anbetung, ja, unterstützen noch darin. Und weil sie jede Stunde der Anbetung zu einem ganzen Tag machen, sollte man dafür dankbar sein, statt zu klagen. Es gibt ja zweierlei Arten der Anbetung; die positive und die negative. Was mit positiver Anbetung gemeint ist, ist bekannt. Die negative Art aber ist die, das der Mensch, wenn ihn Unglück oder Krankheit trifft, seine Schwäche und Hilflosigkeit verspürt, sich seinem barmherzigen Herrn Zuflucht suchend zuwendet, Seiner gedenkt, zu Ihm fleht und Ihm solcher Art eine aufrichtige Anbetung darbringt. In diese Anbetung vermag sich keine Heuchelei einzuschleichen, sie ist rein. Wenn man dann geduldig ist, an den Lohn der Plage denkt und dafür dankt, so wird jede Stunde wie ein ganzer Tag der Anbetung gelten. Das kurze Leben wird ein langes Leben. Manchmal gilt sogar eine einzige Minute der Anbetung so viel wie ein ganzer Tag. Einmal war ich sehr besorgt wegen einer furchtbaren Krankheit, die einen meiner Mitbrüder namens Muhadjir Hafis

Ahmet befallen hatte. Da wurde ich in meinem Herzen ermahnt: "Beglückwünsche ihn! Für ihn gilt jede Minute wie ein Tag der Anbetung." Und so ertrug er denn auch seine Krankheit mit Geduld und Dankbarkeit.

Dritte Anmerkung:

Wie wir schon verschiedentlich erklärt haben, wird jeder Mensch, der über sein vergangenes Leben nachdenkt, laut oder in seinem Herzen "ach!" oder "oh!" ausrufen, d.h., er wird es entweder bedauern oder "Elhamdulillah!" sagen. Bedauern erwächst aus den Schmerzen, die von dem Ende früherer Freuden herrühren, die man aufgeben musste. Denn am Ende der Freude steht der Schmerz. Manchmal zieht eine vorübergehende Freude einen beständigen Schmerz nach sich. Darüber nachzudenken bedeutet einen Schmerz zu eröffnen (gleich einer Wunde), aus dem Bedauern (wie Eiter) fließt. Die dauernde geistige Freude jedoch, welche nach dem Aufhören des vorübergehenden Kummers folgt, den er in seinem bisherigen Leben erfahren hat, lässt den Menschen sagen: "Elhamdulillah!". Wenn der Mensch über diese natürliche Haltung hinaus nun noch an den Lohn - die Frucht seines Leidens - denkt, die ihn im Jenseits erwartet, und daran, dass sein kurzes Leben infolge der Leiden als ein langes Leben gilt, so wird er nicht nur geduldig sondern auch dankbar sein und sagen:

اَلْحَمْدُ ِللهِ عَلٰى كُلِّ حَالٍ سِوَى الْكُفْرِ وَالضَّلاَلِ

{"Lob sei Allah für jeden Umstand, in dem auch immer ich mich befinde, wenn nur nicht in dem des Unglaubens oder des Irrtums."}

Ein bekanntes Sprichwort sagt: "Das Unglück währt lange ". Ja, Leidenszeit ist lange Zeit; aber nicht, weil sie quälend lange währt, wie man gewöhnlich glaubt, sondern weil sie die gleiche Frucht trägt wie ein langes Leben.

Vierte Anmerkung:

Wie wir schon im Ersten Kapitel des "Einundzwanzigsten Wortes" erklärt haben, ist die Kraft der Geduld, die Gott der Gerechte dem Menschen verliehen hat, ausreichend, um jedes Unglück zu ertragen, wenn sie nicht für leere Befürchtungen verschwendet wird. Aber der Mensch verschwendet unter dem Druck leerer Befürchtungen die Kraft seiner Geduld für die Beschäftigung

mit der Vergangenheit und der Zukunft, bildet sich ein, dieses vorübergehende Leben sei von ewiger Dauer, verliert die Geduld und hat keine Kraft mehr, gegenwärtiges Unglück noch länger zu ertragen. Und so beginnt er zu klagen. Es ist, als klage er - Gott verhüte es! - Ihn, den Gerechten, vor den Menschen an. In völlig ungerechtfertigter, ja, geradezu wahnsinniger Weise beklagt er sich und beweist seine Ungeduld. Denn die Ruhe am Ende jeden Tages bleibt, auch wenn er unglücklich war; wenn der Schmerz vergangen ist, bleibt mit seinem Entschwinden Freude zurück; wenn die Sorge vorüber ist, bleibt der Lohn. Darum sollte man sich nicht beklagen, sondern freudig danken, nicht mit allem hadern, sondern zufrieden sein. Denn das vergängliche Leben, das vergangen ist, wird um des Unglücks willen einem ewigen, gesegneten Leben gleich. Sich in schwermütigen Erinnerungen an vergangene Schmerzen zu verlieren und einen Teil seiner Kraft auszuharren, darauf zu verschwenden, ist Narrheit. Und was die kommenden Tage betrifft, so sind sie noch nicht gekommen. Schon jetzt an Krankheit und Unglück künftiger Tage zu denken, Ungeduld zu zeigen und zu klagen ist Dummheit. "Morgen, übermorgen werde ich Hunger haben, Durst haben", zu sagen und dann heute immerzu Wasser zu trinken, Brot zu essen, was für eine närrische Dummheit ist das! Desgleichen ist es eine solche Torheit, wollte man schon jetzt über kommender Tage Krankheiten und Leiden nachdenken, die es im Augenblick noch gar nicht gibt, sich darüber Sorgen machen, ungeduldig sein, sich selbst gegenüber entgegen aller Notwendigkeit so grausam sein, dass sie jedes Recht auf Barmherzigkeit und Mitleid aufhebt.

Kurz gesagt: Sowie Dankbarkeit die göttlichen Gnadengaben vermehrt, so vermehrt Klagen das Leid und macht jeden Anspruch auf Barmherzigkeit hinfällig.

Im ersten Jahr des ersten Weltkrieges wurde ein frommer Mann aus Erzurum von einer schrecklichen Krankheit befallen. Ich besuchte ihn und er beklagte sich bitterlich: "Seit

hundert Tagen habe ich nicht mehr geschlafen und keine Nacht ein Auge zu bekommen." Ich war sehr bekümmert. Plötzlich kam mir ein Gedanke und ich sagte:

"Bruder, diese hundert qualvollen Tage sind nun wie hundert Tage voll Glück. Denke nicht mehr an sie und beklage dich nicht. Betrachte sie vielmehr mit Dankbarkeit. Und was die kommenden Tage betrifft, so sind sie noch nicht gekommen. Vertraue auf die Gnade deines Herrn in der Überfülle Seines Erbarmens. Weine nicht, bevor man dich schlägt. Fürchte dich nicht vor dem Nichts. Verleihe nicht dem Nichtsein den Anstrich des Seins. Bedenke die jetzige Stunde. Deine Kraft der Geduld reicht für diese Stunde. Handle nicht wie ein wahnsinniger Kommandant, dem zu seiner Rechten der linke Flügel einer feindlichen Streitkraft zu Hilfe kam und ihn mit frischen Kräften unterstützte, und der, noch bevor der Feind mit dessen rechtem Flügel an seiner linken Seite angegriffen hatte, so verfährt, dass er seine Streitkraft von der Mitte aus nach rechts und links ausschwärmen lässt und so seine Mitte schwächt, sodass der Feind ihn mit einer nur unbedeutenden Streitkraft vernichtend in der Mitte schlägt! Handle nicht so wie er, mein Bruder! Konzentriere alle deine Kräfte auf diese Stunde! Denke an die Barmherzigkeit Gottes und den Lohn im Jenseits und daran, wie dein kurzes vergängliches Leben eine lange und dauerhafte Form erhält! Statt dich so bitter zu beklagen, sei froh und dankbar! "

Sehr erleichtert sagte er: "Elhamdulillah" Meine Krankheit ist nur noch ein Zehntel dessen, was sie vorher war."

Fünfte Anmerkung:

Dieser Punkt umfasst drei Dinge.

Zum Ersten:

Ein Unglück, das wirklich ein Unglück ist, das Schaden bringt, ist ein Unglück, das dem Glauben Schaden bringt. Wenn ein Unglück dem Glauben schadet, soll man immer zum Thron Gottes seine Zuflucht nehmen und zu Ihm um Hilfe rufen. Ein Unglück aber, das den Glauben nicht berührt, ist gar kein Unglück, wenn man es vom Standpunkt der Wahrheit betrachtet. Manchmal handelt es sich dabei um eine Warnung der Barmherzigkeit

(Gottes). Wenn ein Hirte einen Stein unter seine Schafe wirft, die eine fremde Weide betreten wollen, spüren sie, dass dies eine Warnung ist, die sie davor bewahren soll, Schaden anzurichten. So kehren sie willig um.

Genauso ist vieles von dem, was äußerlich betrachtet ein Unglück wäre, teils eine Warnung Gottes, teils eine Ermahnung, teils eine Buße für die Sünden; manch ein Unglück rüttelt den Menschen in seiner Unachtsamkeit auf, schenkt ihm eine Art Bewusstsein göttlicher Gegenwart. Was jene Art von Unglück betrifft, das wir Krankheit nennen, so handelt es sich dabei nicht um ein Unglück, sondern vielmehr, wie schon gesagt, um eine besondere Zuwendung Allahs, die ihn reinigt. Nach einer Überlieferung heißt es: "Sowie man von einem Baum die reifen Früchte herunterschüttelt, so fallen von einem Kranken die Sünden ab, wenn er vom Fieber geschüttelt wird."

Hasret Eyyub (Friede sei mit ihm) hat in seinem Bittgebet, um des Dienstes und der Anbetung willen, um seine Genesung gebetet und nicht um seiner eigenen Bequemlichkeit willen, als ihm sein Herzensgebet und Gottesgedenken schwer wurden. Auch unsere Intention bei diesem Bittgebet sollte in erster Linie die Heilung unserer inneren, seelischen Wunden sein, die von der Sünde herrühren. Wegen körperlicher Krankheiten sollten wir nur dann (zu Gott) unsere Zuflucht nehmen, wenn sie uns Dienst und Anbetung erschweren, aber nicht indem wir Einwände erheben und anklagen, sondern mit einer demütigen Bitte um Hilfe sollten wir unsere Zuflucht (bei Gott) suchen. Wenn wir also Seine Herrschaft über uns angenommen haben, müssen wir auch die Dinge annehmen, die uns von Seiner Herrschaft gegeben werden. Einwände gegen Schicksal und Bestimmung zu erheben, gewissermaßen "ach" und "oh weh" sagend anzuklagen und mit dem Schicksal zu hadern, hieße Seine Barmherzigkeit zu beschuldigen. "Wer mit dem Schicksal hadert, zerbricht sich seinen Kopf auf einem Amboss. Wer die Barmherzigkeit Gottes beschuldigt, bleibt von der Barmherzigkeit ausgeschlossen." Wer seine

schon gebrochene Hand dazu benutzt, um mit dieser Hand Rache zu nehmen, zerbricht sie ja noch mehr. Ebenso verdoppelt ein Mensch, der - von einem Unglück betroffen - mit Protest, Anklage und Angst reagiert, sein Unglück.

Zum Zweiten:

Materielles Unglück wächst, wenn man es als groß betrachtet, und wird klein, wenn man es als klein ansieht. Zum Beispiel: Ein Mensch hat in der Nacht einen Traum. Misst er ihm eine Bedeutung bei, bläht er sich auf; misst er ihm keine bei, löst er sich auf. Will man einen Bienenschwarm abwehren, so wird er nur noch angriffslustiger, während er sich zerstreut, wenn man ihn nicht beachtet. Auch materielles Unglück wächst, wenn man es als groß und bedeutsam ansieht. Es dringt mit der Angst in den Körper ein, nistet sich im Herzen ein, verursacht so ein seelisches Unglück, nährt sich daraus, pflanzt sich fort. Wird aber die Angst durch Übereinstimmung mit dem Schicksal und Gottvertrauen zum Erlöschen gebracht, so wie man einen Baum von seiner Wurzel trennt, dann wird auch das Unglück leichter und leichter werden, so wie ein Baum vertrocknet, dessen Wurzeln abgetrennt wurden, bis man es schließlich nicht mehr als Unglück empfindet. Um dieser Wahrheit Ausdruck zu verleihen, habe ich einmal das Folgende gesagt:

Lass du Ärmster deine Klagen! Vertraue auf Gott vor dem Unglück! Denn wisse, dass ein Fehler ist, zu klagen, sich im Unglück noch zu plagen.

Hast du gefunden den, der dich plagte, wisse: Glück und Freundschaft und ein Geschenk umhüllt dir die Plage.

So lass denn nun dein Klagen! Danke! Es lächeln die Rosen. Es freut sich die Nachtigall.

Findest du Ihn nicht, dann wisse, dass die Welt liegt in Qualen, Vernichtung in ihr, Zerstörung in ihr. Es droht dir eine Welt voll Unglück ( = Hölle) ! Was klagst du über dein kleines Missgeschick? Komm doch, vertraue!

Voll Vertrauen lache ihr ins Gesicht, der Plage! Auch sie wird lachen, die Plage. Wird lächelnd sich umwandelnd dir entschwinden.

Wenn man im Zweikampf den schrecklichen Feind anlächelt, wird er versöhnlich werden, wird seine Feindseligkeit lächerlich erscheinen, zusammensinken, vergehen. Wer dem Unglück mit Gottvertrauen begegnet, erreicht dies ebenso.

Zum Dritten:

Jedes Zeitalter hat seine Besonderheit. In diesem Zeitalter der Gottvergessenheit hat das Unglück seine Form gewandelt. Zu bestimmten Zeiten und für bestimmte Menschen ist Unglück gar kein Unglück, sondern Wohlwollen Gottes. Da ich diejenigen, die von einer Krankheit oder einem Unglück betroffen sind, zur heutigen Zeit als glücklich betrachte - unter der Voraussetzung, dass ihr Unglück nicht ihren Glauben berührt - kommt es mir nicht in den Sinn, gegen Krankheit oder Unglück eingestellt zu sein. Und ich habe auch nicht das Gefühl, sie bedauern zu müssen. Denn immer wenn ein junger Kranker zu mir kam, stellte ich fest, dass er seine religiösen Verpflichtungen und auch das Jenseits viel ernster nahm als seine Alterskameraden. Hieraus schließe ich, dass Krankheit nicht ein Unglück ist für solche Menschen, sondern vielmehr eine Art Gnadengabe Gottes. Denn obwohl Krankheit in seinem ziemlich kurzen, vergänglichen irdischen Leben eine Belastung bewirkt, bringt sie ihm doch Gewinn für das ewige Leben, gilt als eine Art des Dienstes und der Anbetung. Würde er die Gesundheit finden, könnte er sicherlich im Rausche der Jugend und den Vergnügungen seiner Zeit nicht mehr die Einstellung bewahren, die er Zeit seiner Krankheit für sich gewonnen hatte, sondern würde sich vielleicht in Vergnügungen stürzen.

Schlusswort

Gott der Gerechte hat den Menschen mit grenzenloser Schwäche und mit unendlicher Armseligkeit versehen, um Seine grenzenlose Macht und Seine unendliche Barmherzigkeit zu erweisen. Auch hat Er, um die zahllosen Ornamente Seiner Namen zu offenbaren, den Menschen in der Weise erschaffen, dass Er ihn wie eine Maschine gemacht hat, die unzählige Arten von Schmerz zu empfinden und zahllose Arten von Freude wahrzunehmen vermag. Und in dieser Maschine, die der Mensch ist, gibt es Hunderte von Teilen, deren jedes einzelne seinen eigenen Schmerz, seine eigene Freude, seine eigene Aufgabe hat und eine eigene Belohnung für sich empfängt. So wie im Kosmos, der einem großen Menschen gleicht, alle Namen Gottes hervortreten, so erscheint auch im Menschen als Mikrokosmos die Gesamtheit Seiner Namen. Und so wie Gesundheit, Wohlergehen, Freude und andere angenehme Dinge dazu führen, Dank zu sagen, so leiten sie auch die Maschine dazu an, ihre verschiedenen Aufgaben zu erfüllen. Dadurch wird der Mensch zu einer Art Dankesfabrik. Ebenso werden durch Unglücksfälle, Krankheiten, Schmerzen und andere erregende und bewegende Störungen die anderen Zahnräder dieser Maschine in Bewegung versetzt, in Schwung gebracht. Der Stoff der Hilflosigkeit, der Schwäche und Armseligkeit, der dem Wesen des Menschen zu Grunde liegt, wird verarbeitet. Nicht nur die Zunge, nein, jedes einzelne Teil des Körpers wird zu einer Ausdrucksform der Zuflucht und Hilfesuche. Es ist als würde der Mensch durch diese Störungen zu einer Schreibfeder, die bewegt wird, und in sich wiederum Tausende der verschiedensten Schreibfedern enthält. Er schreibt auf das Blatt seines Lebens oder die Tafel seiner Träume die Geschicke seines Lebens, verkündet den Namen Allahs und wird selbst zu einer göttlichen, gereimten Kasside(Lobgedicht), erfüllt so seine Geschöpfespflicht.

Brief an einen Arzt,

der von der Risale-i Nur sehr begeistert ist, und der durch eingehendes Studium der Risala erwacht ist.

Einen schönen Gruß! O glücklicher Arzt, der seine eigene Krankheit zu heilen hat. Mein inniger und verehrter Freund!

Zu diesem seligen Erwachen, das dein begeisterter Brief bezeugt, kann man dir wirklich gratulieren.

Wisse nun! In allem, was da ist, ist das Leben das kostbarste. Unter den Pflichten ist die kostbarste der Dienst am Leben. Unter den Diensten am Leben ist der kostbarste das Arbeiten für die Verwandlung dieses vergänglichen Lebens in das ewige Leben. Die gesamte Bedeutung und aller Wert dieses Lebens besteht darin, Kern, Anfang und Quelle des ewigen Lebens zu sein. Denn beschränkt man seinen Blick nur auf dieses vergängliche Leben, dann verdirbt und vergiftet man das ewige Leben. Es wäre das der gleiche Wahnsinn wie die Bevorzugung des augenblikklichen Blitzes vor der immerwährenden Sonne. In Wahrheit sind diejenigen Doktoren selbst am meisten krank, welche oberflächlich, und welche Materialisten sind. Wenn sie aus der heiligen Apotheke des Qu'ran die Medikamente des Glaubens als ein Gegengift zu entnehmen wissen, können sie sowohl ihre eigenen Krankheiten als auch die Wunden der Menschheit heilen. So wie dein Erwachen eine Salbe für deine eigenen Wunden ist, wird es dich - insha-a'llah - auch zu einem Medikament für die Krankheit der Ärzte machen.

Außerdem weißt du auch, dass für einen verzweifelten, hoffnungslosen Kranken eine innere Tröstung manchmal heilsamer ist als tausend Medikamente. Dagegen fügt ein Arzt, der im Sumpf des Naturalismus erstickt ist, zu der leidvollen Verzweiflung dieser hilflosen Kranken noch eine Finsternis hinzu. insha-a'llah, macht dieses dein Erwachen dich für solch Hilflose zu einer Quelle der Tröstung und einem Arzt des Lichtes.

Said Nursi

Du weißt ja, dass das Leben kurz ist, der notwendigen Arbeiten aber zu viele sind. Wenn du dir einmal deinen eigenen Kopf untersuchst, so wie ich das getan habe, wie viel nutzlose, wertlose, bedeutungslose Kenntnisse wirst du darin finden, tote Dinge gleich einem Haufen Holz! Denn ich habe diese Untersuchung vorgenommen und viele überflüssige Dinge gefunden. Es ist also notwendig, einen Weg zu suchen, um diese philosophischen Wissenschaften und naturwissenschaftlichen Erkenntnisse nutzbringend, erleuchtend und lebendig zu machen. Wenn du nun Gott den Gerechten um ein Erwachen bittest, den Erhabenen Weisen (Hakim-i Dhu-l'Djelal)darum, deine Gedanken auf Sein Konto umzubuchen, dieses Holz mit Seinem Feuer in Licht umzuwandeln, dann werden deine nutzlosen wissenschaftlichen Kenntnisse als ein wertvolles, göttliches Wissen gelten.

Mein scharfsinniger Freund! Das Herz wünscht sich sehr, dass die Naturwissenschaftler vorwärts streben mögen mit einem Gefühl für die Notwendigkeiten - wie Hulusi Bey - entsprechend ihrer Sehnsucht nach dem Lichte des Glaubens und dem Geheimnis des Qur'an. Da nun einmal die "Worte" (Risale-i Nur)dein Gewissen angerührt haben, bedenke, dass jedes einzelne Wort nicht von mir stammt, sondern ein Brief des Verkünders des Qur'an an dich, und ein Rezept aus der heiligen Apotheke des Qur'an ist! Mit diesen "Nur"-Abhandlungen eröffne in meiner Abwesenheit einen Gesprächskreis mit mir. Und wenn du den Wunsch danach hast, schreibe mir einen Brief! Aber sei mir bitte nicht böse, falls ich nicht antworte! Denn ich schreibe schon seit langem sehr selten Briefe. Ja, sogar auf die vielen Briefe meines Bruders habe ich in drei Jahren nur ein einziges Mal geantwortet.

Said Nursi

Bittgebet

Oh Gott, oh mein Herr! Mit dem Auge des Glaubens, belehrt durch den Qur'an und in seinem Lichte unterrichtet durch Deinen höchst ehrenwerten Gesandten, mit dem Friede und Segen sei, und durch die Manifestation Deines Namens "der Allweise" sehe ich: Es gibt im Himmel überhaupt keinen Umlauf und keine Bewegung, die durch ihre Wohlordnung Deine Existenz nicht aufzeigt und beweist. Und es gibt überhaupt keine Himmelskörper, die nicht für Deine Herrschaft und Deine Allgegenwart Zeugnis ablegen und auf sie hinweisen, indem sie lautlos und ohne Lärm ihren Dienst versehen und sich frei ohne Stützpfeiler halten. Und es gibt auch keinen Stern, der durch seine wohlausgewogene Erschaffung, seine wohlgeordneten Verhältnisse, sein funkelndes Lächeln und durch das Siegel seiner Ähnlichkeit mit allen anderen Sternen nicht auf die Majestät Deiner Gottheit und Deine Allgegenwart hinweist und sie bezeugt. Und unter den zwölf Planeten gibt es keinen, der durch seine weisheitsvolle Bewegung, seine gehorsame Unterwerfung, seinen wohlgeordneten Dienst und seine zugehörigen Monde nicht für die Notwendigkeit Deiner Existenz Zeugnis ablegt und nicht auf das Königreich Deiner Gottheit hindeutet.

So wie alles, was in den Himmeln wohnt, Zeugnis ablegt, genauso legen alle gemeinsam in ihrer Gesamtheit - Oh Schöpfer, der Du die Erde und die Himmel erschaffst! - ein dermaßen klares Zeugnis für die Notwendigkeit Deiner Existenz und - Oh, der Du die Atome in ihrem wohlgeordneten Gefüge lenkst und leitest und diese Planeten mit ihren wohlausgewogenen Monden kreisen lässt und Deinen Befehlen unterwirfst! - ein dermaßen starkes Zeugnis für Deine Allgegenwart und Deine Einheit im Grade der Offensichtlichkeit ab, dass so viele leuchtende Zeugnisse und funkelnde Beweise, wie es Sterne am Himmel gibt, dieses Zeugnis bestätigen. Diese klaren, sauberen und schönen Himmel, die mit ihren überaus großen

und überaus schnellbeweglichen Himmelskörpern die Form und Gestalt eines Heeres und einer königlichen Flotte, geschmückt mit elektrischen Lampen annehmen, zeigen ganz offensichtlich die Majestät Deiner Herrschaft und die gewaltige Größe Deiner alles erschaffenden Macht, weisen auf Deine Autorität, die den grenzenlosen Kosmos unterwirft, und auf Deine unendliche Barmherzigkeit, die alle Lebewesen in ihren Schoß aufnimmt, hin und bezeugt, dass Dein Wissen, das alle Angelegenheiten der Geschöpfe im Himmel erfasst, im Griff hält und ordnet, alles umspannt, und dass Deine Weisheit alles umschließt. Dieses Zeugnis und dieser Hinweis ist dermaßen sichtbar, als wären die Sterne Bekenntnisworte der Himmel und ihre lichtvollen Beweise, die einen Körper angenommen haben. Was die Sterne in der Arena, im Meer und im All des Himmels betrifft, so sind sie wie dienstbereite Soldaten, wohlgeordnete Schiffe, wunderbare Flugzeuge und einzigartige Lampen, die die Pracht Deiner göttlichen Königsherrschaft demonstrieren. Die Auswirkungen der Sonne, die ein Stern ist und diesem Heer einem Soldaten gleich angehört, auf die Planeten und auf unsere Erde machen uns deutlich und lassen uns ahnen, dass die Sterne, die die Gefährten der Sonne sind, nicht ohne Aufgaben sind und ein Teil von ihnen mit jenseitigen Welten in Beziehung steht, ja sie vielmehr Sonnen der beständigen Welten sind.

Oh der Du notwendigerweise da sein musst! Oh der Du der Eine, der Allgegenwärtige bist! Diese wunderbaren Sterne, diese einzigartigen Sonnen und Monde werden in Deinem Reich, in Deinen Himmeln, mit Deinem Befehl, mit Deiner Macht und Deiner Kraft, mit Deiner Lenkung und Leitung in Dienst gestellt, wohlgeordnet und beauftragt. Alle diese Himmelskörper preisen den einen und einzigen Schöpfer, der sie erschaffen hat, kreisen lässt und lenkt, machen Seine Größe bekannt und rufen in der ihr eigenen Weise: "Gepriesen sei Allah, Allah ist groß!" All ihre Lobpreisungen biete auch ich Dir dar und nenne Dich hochheilig.

Oh majestätischer Allmächtiger, der Du im Glanz Deiner gewaltigen Ausstrahlung verborgen bist! Oh Du absolut Mächtiger, der Du auf Grund Deiner gewaltigen Größe unsichtbar bist! Belehrt durch Deinen Weisen Qur'an und unterrichtet durch Deinen höchst ehrenwerten Gesandten, mit dem Friede und Segen sei, habe ich erkannt: Wie Himmel und Sterne Deine Existenz und Allgegenwart bezeugen, so bezeugt auch die Atmosphäre mit ihren Wolken, Blitzen, Donnern, Winden und Regen die Notwendigkeit Deiner Existenz und Deine Allgegenwart.

In der Tat ist es Deine Barmherzigkeit und Deine Weisheit, die eine Wolke ohne Leben und Bewusstsein mit dem Regen, der das Wasser des Lebens ist, den notleidenden Lebewesen zu Hilfe schickt. Der Zufall, der selbst nur ein Ausdruck des Chaos ist, kann hier nicht seine Hand im Spiel haben. Der Blitz, der die stärkste Form der elektrischen Energie darstellt, und durch den Hinweis seiner Leuchtkraft die Menschen dazu anspornt, sie in ihrem praktischen Leben anzuwenden, präsentiert Deine Macht in der Atmosphäre aufs Schönste. Der Donner, der die Ankunft des Regens ankündigt, die weite Atmosphäre zum Sprechen bringt und mit dem Hall seiner Rezitation den ganzen Himmel erfüllt, lobpreist Dich mit lauter Stimme und bezeugt Deine Herrschaft. Die Winde, die die lebenswichtigsten Mittel für die Versorgung der Lebewesen bringen, am einfachsten zu Nutzen sind, die Atemluft spenden, die Seelen erquicken und mit noch anderen ähnlichen Aufgaben betraut sind, weisen auf die Tätigkeiten hin, denen Deine Macht zu Grunde liegt, und bezeugen Deine Existenz, indem sie die Atmosphäre einer Weisheit zufolge in eine "Tafel der Manifestation von Zerstörung und Aufbau" verwandeln, das heißt, in eine Art "Schiefertafel", auf der die Winde mit Deiner Macht zeichnen, etwas zum Ausdruck bringen und wieder abwischen. Der Regen, der mit Deinem Segen von den Wolken gemolken zu den Lebewesen herab gesandt wird, legt mit den Worten seiner wohlausgewogenen und wohlgeordneten Tropfen Zeugnis für Deine

grenzenlose Barmherzigkeit und für Deine unendliche Liebe ab.

Oh der Du die Verfügungsgewalt über alles besitzt und ununterbrochen erschaffst! Oh der Du der Erhabene bist in Deiner Fülle! So wie die Wolke, der Blitz, Donner, Wind und Regen, ein jeder die Notwendigkeit Deiner Existenz bezeugen, so weisen sie in ihrer Gesamtheit, in der sie eine Einheit bilden, zusammen sind, harmonisch ineinander laufen und sich gegenseitig in der Diensterfüllung beistehen, obwohl sie von ihrer Art und Weise her voneinander weit entfernt und von ihrem Wesen her einander entgegengesetzt sind, auf Deine Allgegenwart und Deine Einheit mit Nachdruck hin. Des Weiteren bezeugen sie, dass Deine Herrschaft in ihrer Größe den riesigen Himmel in einen einzigartigen Versammlungsort verwandelt und an manchen Tagen mehrmals füllt und leert, und dass Deine gewaltige Macht über diese weite Atmosphäre gleich einer Schiefertafel, auf der geschrieben und korrigiert wird, und gleich einem Schwamm, der ausgedrückt wird und dadurch den Erdengarten bewässert, verfügt und alles umfasst. Genauso zeigen sie, dass Deine Barmherzigkeit und Deine Weisheit in ihrer unendlichen Weite die ganze Erde, alles Geschaffene unter dem Himmelszelt versorgt, sie lenkt und leitet und allen Dingen zu Hilfe eilt. Die Luft in der Atmosphäre wird für so zweckmäßige Aufgaben gebraucht, und Wolke und Regen werden mit so großem Nutzen eingesetzt, dass dieser Gebrauch, dieser Einsatz ohne ein alles umfassendes Wissen und ohne eine alles erfassende Weisheit nicht möglich ist.

Oh der Du mit Deinem freien Willen handelst! Deine Macht, die durch die Ereignisse in der Atmosphäre jederzeit eine Nachbildung der Wiederversammlung und der Wiederauferstehung vorführt, in einer Stunde den Sommer in den Winter und den Winter in den Sommer verwandelt, eine Welt hervorbringt und eine Welt in das Verborgene schickt und noch andere vergleichbare Tätigkeiten vollbringt, weist darauf hin, dass sie diese Welt in das Jenseits

verwandeln und im Jenseits ewig bleibende Tätigkeiten darbieten wird.

Oh Majestätischer Allmächtiger! Die Luft, die Wolke und der Regen, der Blitz und der Donner, sie alle und die ganze Atmosphäre stehen in Deinem Reich, unter Deinem Kommando und Deiner Führung, versehen ihren Dienst in Deiner Kraft und Macht und sind mit verschiedenen Aufgaben betraut. Diese Geschöpfe des Himmels, die in ihrem Wesen voneinander weit entfernt sind, loben ihren Kommandeur und Herrscher und preisen Deine Barmherzigkeit, indem sie Deinen Befehlen und Kommandos rasch und ohne Säumen nachkommen.

Oh Du majestätischer Schöpfer der Erde und der Himmel! Belehrt durch Deinen Weisen Qur'an und unterrichtet durch Deinen höchst ehrenwerten Gesandten bekenne und erkenne ich: So wie die Himmel mit ihren Sternen und die Atmosphäre mit allem, was ihr zugehört, die Notwendigkeit Deiner Existenz, Deine Einheit und Deine Allgegenwart bezeugen, genauso legt die Erde mit all ihren Geschöpfen und zyklischen Veränderungen für Deine Existenz und für Deine Allgegenwart so viele Zeugnisse ab, wie viele verschiedene Formen des Seins es auf ihr gibt. In der Tat gibt es auf der Erde keine einzige Veränderung und keinen Wechsel wie das jährliche Wachstum der Baumrinde und die Häutung der Tiere - sei es nun im Kleinen oder Großen - die mit ihrer Wohlordnung nicht auf Deine Existenz und Deine Allgegenwart hinweisen sollte.

Zudem gibt es auch kein Tier, das nicht seiner Schwäche und Bedürftigkeit entsprechend barmherzig versorgt und mit lebenswichtigen Organen in Weisheit ausgestattet wird und Deine Existenz und Einheit nicht bezeugt.

Zudem gibt es überhaupt keine Pflanze und kein Tier, die nicht in jedem Frühling vor unseren Augen erschaffen werden und Dich nicht durch die einzigartige Kunst in ihnen, durch die feinsinnige Verzierung auf ihnen, durch ihre Hervorhebung mit ihren eigentümlichen Merkmalen

und durch ihr Wohlgeordnetsein und Wohlausgewogensein bekannt geben.

Die fehlerlos, perfekt, verziert und mit Unterscheidungsmerkmalen erschaffenen und die Erdoberfläche füllenden, Tiere und Pflanzen genannten, Wunder Deiner Macht sind ein solches Zeugnis für die Existenz und die allgegenwärtige Einheit und Weisheit und unendliche Macht ihres weisen Schöpfers, dass es glänzender und stärker ist als das Zeugnis des Lichts für die Sonne. Die Pflanzen und Tiere, die die Erdoberfläche füllen und einzigartige und wunderbare Kunstwerke Deiner Macht sind, aus einer begrenzten Anzahl von großen und winzig kleinen Eiern, Spermien, Samenkörnern und Kernen, die aus denselben Bestandteilen bestehen und einander ähnlich aussehen, mit Unterscheidungsmerkmalen perfekt, geschmückt und fehlerlos erschaffen werden, legen ein dermaßen starkes und glänzendes Zeugnis für die Existenz, die allgegenwärtige Einheit, Weisheit und unendliche Macht ihres Schöpfers ab, das noch glänzender und stärker ist als das Zeugnis des Lichts für die Sonne.

Zudem gibt es überhaupt kein Element wie Licht, Luft, Feuer, Wasser und Erde, das nicht Deine Existenz und Einheit bezeugen sollte, indem es, wie mit Bewusstsein begabt, perfekten Aufgaben nachgeht, obwohl es über kein Bewusstsein verfügt; überaus wohlgeordnete und verschiedene Früchte und Ernten aus der unsichtbaren Schatzkammer herbeiholt, obwohl es gleichförmig ist, alles um sich herum einnimmt und sich überall bis in den letzten Winkel hinein ausbreitet.

Oh Du Schöpfer, der Du allmächtig bist! Oh Du Eröffner, der Du alles weißt! Oh Du Lenker und Leiter, der Du erschaffst! Wie die Erde mit all ihren Bewohnern bezeugt, dass ihr Schöpfer der Notwendig-Seiende ist, so bezeugt sie Deine Allgegenwart und Deine Einheit - oh Du allgegenwärtiger Einer! Oh Du Barmherziger und Erbarmer! Oh Du Spender und Versorger! - ganz offensichtlich durch die Einheit und Gemeinsamkeit der Gesichter ihrer

Bewohner, dadurch, dass sie bunt gemischt einander Hilfe leisten und dass die Namen und Tätigkeiten, die ihre Versorgung betreffen, ein und dieselben sind, so viele Male, wie es Formen des Daseins gibt.

Und sowie die Erde, die einem Heerlager, einem Ausstellungsort, einem Ausbildungsplatz gleicht, und auf der vierhunderttausend verschiedene Völker von Pflanzen und Tieren ihre voneinander unterschiedlichen Ausrüstungen wohlgeordnet erhalten, die Majestät Deiner Herrschaft und Deine Macht, die alles erfasst, zeigt, genauso zeigt auch die gütige und freigiebige, unterschiedliche Versorgung all der zahllosen Lebewesen zur rechten Zeit am richtigen Ort, aus einfacher, trockener Erde und der Gehorsam all dieser zahllosen Lebewesen in vollkommener Bereitschaft gegenüber den Befehlen des Herrn, dass Deine Barmherzigkeit alles umfasst und Deine Herrschaft über allem steht.

Des Weiteren bezeugen die Lenkung und Leitung der Scharen der Geschöpfe, die sich auf der Erde ständig erneuern und in Tod und Leben der Reihe nach ablösen, und die Versorgung und die Verwaltung der Tiere und der Pflanzen, dass sie nur mit Deinem Wissen, das alles umfasst, und mit Deiner unbegrenzten Weisheit, die in allen Dingen herrscht, möglich sind. Eine dermaßen große Bedeutung, die dem Menschen, der für eine kurze Zeit auf der Erde zahllose Aufgaben versieht, und der über alles Dasein auf Erden verfügt, und der mit Begabungen und geistigen Fähigkeiten ausgestattet ist, als würde er eine endlose Zeit leben, (eine solche Bedeutung, die dem Menschen) auf dem Übungsgelände dieser Welt, diesem zeitweiligen Heerlager der Erde, diesem vorübergehenden Ausstellungsort beigemessen wird, (eine solche Bedeutung und) dermaßen große Ausgaben, dermaßen unendliche Erscheinungen der Herrschaft, dermaßen grenzenlos viele Ansprachen Gottes des Gepriesenen (an den Menschen durch die Natur) und so viele Gaben Gottes ohne Ende, passen mit Sicherheit keinesfalls in diese so kurze Spanne

voll Leid, ein Leben voller Sorgen und voller Veränderungen und diese Welt voller Katastrophen und voller Vergänglichkeit. Vielmehr können sie nur für ein anderes und unendliches Leben und für einen ewig bestehenden Ort der Glückseligkeit sein. Daher weisen sie auf die Gottesgaben hin, die wir im Jenseits, in der ewig bestehenden Welt vorfinden werden, ja bezeugen dies.

Oh Du Schöpfer aller Dinge! Alle Geschöpfe dieser Erde werden in Deinem Reich, in Deiner Welt, durch Deine Macht und Kraft, durch Dein Vermögen und Deinen Willen, durch Dein Wissen und Deine Weisheit gelenkt und geleitet und sind Dir gehorsam.

Die Herrschaft, deren Aktivitäten auf dem Antlitz der Erde beobachtet werden, präsentiert einen dermaßen großen Umfang und Machtbereich, deren Verwaltung, Maßnahmen und Versorgung dermaßen vollkommen und dennoch dermaßen sensibel ist, deren Durchführungen überall in einer vollkommenen Einheit, Zusammenhalt und Gemeinsamkeit erscheint, was uns mitteilt, dass sie eine Verfügungsgewalt, eine Herrschaft ist, die eine Ganzheit bildet und überhaupt keine Unterteilung duldet. Des Weiteren heiligt die Erde mit all ihren Bewohnern den Schöpfer und gedenkt Seiner mit zahllosen Zungen noch klarer als sich mit Worten sagen lässt. Unausgesprochen durch ihre unendlich vielen Geschenke dankt sie dem majestätischen Versorger, lobt und preist Ihn.

Oh Du, der Du hinter der gewaltigen Macht Deiner Erscheinung verborgen bleibst! Oh Du, der Du Dich mit Deiner gewaltigen Größe verhüllst! Oh Du allheiliger Herr! Mit allem Gedenken und allen Lobpreisungen der Erde heilige ich Dich über allen Fehlern und Schwächen und allem, was sie Dir Beigesellen, und lobpreise Dich und danke Dir mit all ihren Lobpreisungen und Danksagungen.

Oh Du Herr über Land und Meere! Belehrt durch den Qur'an und unterrichtet durch Deinen höchst ehrenwerten Gesandten, mit dem Friede und Segen sei, habe ich erkannt: So wie die Himmel, das Weltall und die Erde für

Deine Existenz und Deine Einheit Zeugnis ablegen, genauso legen Meere, Ströme, Quellen und Flüsse für die Notwendigkeit Deiner Existenz und für Deine Einheit und Deine Allgegenwart im Grade der Offensichtlichkeit Zeugnis ab.

In den Meeren, welche die Staunen erregenden Verdunstungsbecken unserer Erde sind, gibt es in der Tat überhaupt kein Wesen, noch nicht einmal einen Tropfen Wasser, der nicht durch seine Existenz, seine Wohlordnung, durch seine Nützlichkeit und durch seine Beschaffenheit Seinen Schöpfer bekannt machen sollte. Unter den einzigartigen Geschöpfen, die in gewöhnlichem Sand und in gewöhnlichem Wasser bestens versorgt werden und unter den Meerestieren, die überaus wohlgeordnet erschaffen sind, besonders unter den Fischen, von denen einer mit einer Million Eiern die Meere belebt, gibt es kein einziges, das nicht durch seine Erschaffung, seine Aufgabe, seine Führung, seine Verwaltung und seine Versorgung ein Zeichen für seinen Schöpfer setzt und nicht Zeugnis für seinen Versorger ablegt.

Des Weiteren gibt es unter den wertvollen, besonderen, schön verzierten Schätzen im Meer keinen einzigen, der Dich nicht durch seine Erschaffung, den Zauber seiner Natur und seine nützlichen Eigenschaften erkennt und zu erkennen gibt. Sowie jedes Einzelne Dich bezeugt, so bezeugen sie auch in ihrer Gesamtheit Deine Einheit und Allgegenwart, in ihrer Gemeinsamkeit bei aller Vermischung, durch das einheitliche Siegel ihrer Erschaffung, in der Leichtigkeit ihrer Erschaffung und der Vielheit ihrer Anzahl. Genauso weisen diese Meere, die die Erdoberfläche mit ihren Kontinenten umspannen, frei schwebend und um die Sonne kreisend, ohne (ihr Wasser) zu vergießen oder zu verschleudern, ohne das Land zu überschwemmen, (die Meere) in denen aus gewöhnlichem Sand und Wasser verschiedene Lebewesen und Bodenschätze in schönster Ordnung erschaffen werden, ihre Versorgung und ihre sonstigen Bedürfnisse umfassend und reibungslos gesteuert und

befriedigt werden, und auf denen keine der sonst zahllosen Kadaver zu sehen sind, auf Deine Existenz und die Notwendigkeit Deiner Gegenwart entsprechend der Vielzahl alles dessen, was in ihnen ist, hin und bezeugen es. Sowie sie die majestätische Größe Deiner Macht, die alles umfasst, in aller Deutlichkeit zeigen, genauso zeigen sie die grenzenlose Weite Deiner Barmherzigkeit und Deiner Souveränität, die alles - angefangen von den riesengroßen Sternen, die über den (Weiten und Höhen) der Himmel ihre Bahnen ziehen, bis hin zu den winzig kleinen Fischen, die in den (Weiten und) Tiefen der Meere ihre Nahrung finden - erreicht und umfasst, und weisen durch ihre Wohlordnung, ihren vielfachen Nutzen, ihr Gleichgewicht, ihre Weisheit und ihre Ausgewogenheit auf Dein alles umspannendes Wissen und Deine alles umfassende Weisheit hin. Seine Barmherzigkeit, die in diesem Gasthaus der Erde für die Reisenden derartige Wasserbecken bereit stellt, und die diese den Menschen für ihre Reisen und Fahrten, für ihre Schiffe, ihren Gewinn zur Verfügung stellt, zeigt, dass derjenige, der seinen Gästen, die auf ihrem Weg in dieser Herberge eine Nacht rasten, so viele Gastgeschenke aus dem Meer bietet, mit Sicherheit am ewig bestehenden Sitz Seines Königreiches ewige Meere Seiner Barmherzigkeit besitzt, sodass eine solche (Herberge) nur eine kleine, vergängliche Nachbildung davon ist. So zeigen die Meere, welche samt ihren Staunen erregenden Bewohnern die Kontinente in solch wunderbarer Weise umspannen und die Geschöpfe in den Meeren, die so wohl verwaltet und versorgt werden, ganz offensichtlich, dass sie nur durch Deine Macht, Deine Stärke, Deinen Willen und Deine Weisungen, in Deinem Reich Deinen Befehlen folgen. Sie bringen auf ihre eigene Weise den Lobpreis ihres Schöpfers zum Ausdruck und rufen: "Allahu Ekber,Gott ist groß!"

Oh majestätischer Allmächtiger, der Du die Berge für das Schiff der Erde als Masten voller Schätze

{Schätze der Berge: Sind hier im weitesten nur möglichen Sinne zu verstehen, also nicht nur als Bodenschätze. Die Schätze der Berge sind auch alles, was auf den Bergen wächst und lebt: die Wälder und Felder, die Kräuter und Heilpflanzen, das Vieh und überhaupt alle Tiere. Ja, sogar die reine Luft ist ein Schatz der Berge. (A.d.Ü.)}

errichtet hast! Unterrichtet durch den höchst ehrenwerten Gesandten, mit dem Friede und Segen sei, und belehrt durch den

Weisen Qur'an verstand ich: Sowie die Meere Dich erkennen und zu erkennen geben, genauso erkennen und verkünden Dich auch die Berge, die dazu dienen, das Land vor der Überflutung der Meere zu schützen, die Luft von den giftigen Gasen zu reinigen und das Wasser zu halten und zu speichern, und die den Lebewesen als Schatzmeister der notwendigen Mineralien dienen.

Es gibt keine von den Arten der Steine auf den Bergen, von den Sorten der Stoffe, die für verschiedene Krankheiten als Heilmittel gebraucht werden, von all den verschiedenen Mineralien, die für die Lebewesen, besonders für die Menschen so notwendig sind, von den Pflanzenarten, die die Berge und die Wüsten mit ihren Blumen und Blüten verzieren und mit ihren Früchten beleben - die durch ihre Zweckmäßigkeit und ihre Wohlgeordnetheit, die keineswegs einem Zufall zugeschrieben werden kann, durch ihre schöne Beschaffenheit, durch ihre Nützlichkeit, besonders der Mineralien wie Salz, und Alaun und Kristallen wie Zitronensäure und Chininsulfat, die zwar ähnlich aussehen, deren Geschmack sich aber stark voneinander unterscheiden, und besonders durch die Pflanzen, die aus gewöhnlicher Erde die verschiedensten Arten von Blüten und Früchten hervorbringen - nicht den Absolut-Allmächtigen, Allweisen, Allbarmherzigen und freigiebigen Meister und die Notwendigkeit Seiner Existenz offensichtlich bezeugen. Mit ihrer Gemeinsamkeit, durch ihre gleiche Verwaltung, gleiche Regeln und durch die Gemeinsamkeit ihrer Quelle, ihrer Wohnstatt, ihrer Erschaffung und ihrer Gestaltung, durch ihre Einheit, ihre Preiswürdigkeit, ihre einfache Art, ihre Vielzahl und durch ihr schnelles Entstehen bezeugen sie die Einheit und Allgegenwart ihres Meisters.

Sowie die Geschöpfe, die auf der Oberfläche und im Innern der Berge - überall auf der Erde - zu finden sind, und jede Spezies von ihnen in gleicher Zeit, auf gleiche Art und Weise, ohne Fehler, überaus perfekt und schnell, ohne

irgendwelche Verwechslung - obwohl sie mit verschiedenen anderen Arten vermischt waren - hervorgebracht werden, wobei eine Arbeit die andere nicht behindert, die Majestät Deiner Herrschaft und die gewaltige Größe Deiner Macht, der nichts zu schwer fällt, zeigen, so zeigen auch die Berge, deren Oberfläche mit wohlgeordneten Bäumen und Pflanzen, und deren Inneres mit Mineralien gefüllt ist, wie sie auf der ganzen Erde die zahllosen Bedürfnisse alles Lebendigen befriedigen, deren verschiedensten Krankheiten, ja sogar ihren unterschiedlichen Sinnen und Empfindungen dienlich sind, und den Bedürftigen zur Verfügung stehen, die unendliche Weite Deiner Barmherzigkeit und den grenzenlosen Umfang Deiner Herrschaft. Die Mineralien, die im Dunkel der Erde verborgen und vermischt waren, wurden durch den Allwissenden und Allsehenden, ohne Verwechslung, wohlgeordnet, den Bedürfnissen entsprechend bereit gestellt, wodurch man den Umfang Seines auf alles bezogenen Wissens, und Seine alles umfassende und jedes Ding ordnende Weisheit - durch die Anfertigung der Heilmittel und durch die Speicherung der Bodenschätze - die Schönheit der barmherzigen und freigiebigen Verwaltung Seiner Herrschaft und die vorsorgliche Feinheit Seiner Güte in aller Klarheit erkennt.

Diese riesigen Berge, die für die durchreisenden Gäste in dieser Herberge "Erde" als wohlgeordnete Versorgungslager für ihre Bedürfnisse in der Gegenwart und in der Zukunft, als Gerätelager und perfekte Magazine vieler Bodenschätze, die für das Leben notwendig sind, dienen, sind Hinweise, vielmehr Beweise, sogar Zeugnisse dafür, dass der Meister, der so freigiebig, gastfreundlich und so weise und zärtlich, so mächtig ist und Seine Herrschaft mit so viel liebender Sorgfalt ausübt, mit Sicherheit über ewige Schatzkammern mit ewigen Geschenken in einer ewigen Welt für die Gäste verfügt, die Er liebt. Anstelle der Berge hier (auf Erden) versehen dort (im Jenseits) die Sterne dieselbe Aufgabe.

Oh Du, der Du über alles mächtig bist! Die Berge sind Speicher in Deinem Reich, und was in ihnen ist, steht durch Deine Macht und Stärke, durch Dein Wissen und Deine Weisheit zur Verfügung. Sie loben und preisen den Schöpfer, der sie in dieser Weise beauftragt hat und zur Verfügung hält.

Oh barmherziger Schöpfer! Oh gütiger Herr! Unterrichtet durch den höchst ehrenwerten Gesandten, mit dem Friede und Segen sei, und belehrt durch den Qur'an habe ich verstanden: Sowie das All und die Himmel, Erde, Meere und Berge mit dem, woraus sie bestehen und mit ihren Geschöpfen Dich erkennen und zu erkennen geben, so geben alle Bäume und Pflanzen, mit ihren Blättern, Blüten und Früchten Dich im Grade der Offensichtlichkeit zu erkennen und erkennen Dich. Sowie alle Bäume und Pflanzen mit allen ihren Blättern, die sich im Gottesgedenken ekstatisch bewegen, mit allen ihren Blüten, die durch ihre Ausschmückung die Namen ihres Meisters beschreiben und bekannt geben, mit allen ihren schönen und guten Früchten, die in Seiner barmherzigen Erscheinung lächeln, und deren Wohlordnung wunderbaren künstlerischen Aufbaus, die keineswegs dem Zufall zuzuschreiben ist, deren wohlgeordnete Ausgewogenheit, ihre wohlausgewogene Ausstattung, deren verzierte Ornamente, deren verschiedene, schöne Düfte und deren verschiedene Geschmacksarten für die Notwendigkeit der Existenz des unendlich barmherzigen und freigiebigen Meisters im Grade der Offensichtlichkeit Zeugnis ablegen, so legen sie alle gemeinsam durch ihre Einheit und Zusammengehörigkeit auf der ganzen Erde, durch die Ähnlichkeit des Siegels ihrer Erschaffung, durch die Verbundenheit in ihrer Lenkung und Leitung, durch die Entsprechung der Umstände und des Ablaufs ihres Wachstums und durch die Entsprechung der auf sie bezogenen Namen des Herrn und durch die Verwaltung der zahllosen Einzelnen dieser hunderttausend Arten gleichzeitig ohne Verwechslung, obwohl sie miteinander vermischt sind, für die Einheit und Allgegenwart des

Meisters, der notwendigerweise da sein muss, ein klares Zeugnis ab.

Wie sie für die Notwendigkeit Deiner Existenz und für Deine Allgegenwart Zeugnis ablegen, so zeigen zahllose Einzelne in dem Heer der Lebewesen auf der Erde, das aus vierhunderttausend Völkern besteht, welche auf Hunderttausende Arten und Weisen ohne Verwechslung und ohne Fehler ernährt und versorgt werden, die majestätische Größe Deiner allgegenwärtigen Herrschaft und die gewaltige Größe Deiner Macht, die einen Frühling in der Leichtigkeit einer Blume erschafft, und ihre Verbundenheit mit allem Sein. Des Weiteren zeigen sie die grenzenlose Weite Deiner Barmherzigkeit, die den zahllosen Tieren und Menschen überall auf der riesigen Erde verschiedenste Sorten zahllos vieler Speisen zur Verfügung stellt, und den grenzenlosen Umfang Deiner Herrschaft, die diese zahllos vielen Arbeiten vollbringt, Gaben verteilt, alle versorgt und alle ernährt, die Ihre Vorhaben bestens durchführt und deren Plänen und Ausführungen alles, sogar die Atome Gehorsam leisten und sich unterwerfen. Diese Bäume und Pflanzen, deren jedes Blatt, jede Blüte, jede Frucht, jede Wurzel, jeder Ast und jeder Zweig mit allem, was sie betrifft und wessen sie bedürfen, zeigen ganz offensichtlich, dass Dein Wissen alles umfasst und Deine Weisheit alles umschließt, und weisen mit zahllos vielen Fingern darauf hin - sie loben und preisen die Schönheit Deiner überaus vollkommenen Kunstfertigkeit und die Vollkommenheit Deiner überaus schönen Gaben mit zahllosen Zungen. Diese so wertvollen Gaben und Geschenke, der außerordentlich hohe Wert der gemachten Aufwendungen und der erwiesenen Gastfreundschaft, durch die Hände der Bäume und Pflanzen in dieser vorübergehenden Herberge, in diesem vergänglichen Gasthaus in wenig Zeit, einer nur kurzen Spanne, weisen darauf hin, ja legen vielmehr Zeugnis dafür ab, dass der barmherzige Herr, der Seinen Gästen hier so sehr Seine Güte erweist, sich nach all Seinen umfangreichen Ausgaben und zahlreichen Geschenken, durch die Er Seine Liebe zeigen und unter Beweis

stellen möchte, nicht entgegengesetzt verhalten wird. Das heißt: damit die Geschöpfe nicht sagen könnten: "Er ließ es uns schmecken und machte dann mit uns ein Ende, bevor wir noch zu Ende gegessen hatten." und damit das Königreich Seiner Gottheit für sie nicht zusammenbricht, Er Seine grenzenlose Barmherzigkeit nicht verleugnet und nicht verleugnen lässt und damit alle Seine Freunde, die nach Ihm sehnsüchtig verlangen, durch Entsagung nicht zu Feinden werden, denen Er in einem ewigen Land, in einer ewigen Welt einen ewigen Aufenthalt gewährt, weshalb Er aus den ewig bestehenden Schatzkammern Seiner Barmherzigkeit in Seinen ewigen Paradiesen Frucht tragende Bäume und Blüten tragende Pflanzen, wie sie der Ewigkeit und dem Paradies würdig sind, bereit hält. Die aber, die hier zu sehen sind, sind nur Musterbeispiele, die den Kunden vorgeführt werden.

Sowie die Bäume und andere Pflanzen Dich mit all ihren Blättern, Blüten und Früchten - als ihren Worten - loben, preisen und Dir danken, so lobt dich auch ein jedes (von diesen Worten) besonders. Die unausgesprochenen Lobpreisungen, die durch ihre Taten, besonders durch ihre Früchte, die in einzigartigen Formen, mit sehr unterschiedlichem Fruchtfleisch, mit überaus bewunderungswürdiger Kunstfertigkeit, mit außergewöhnlich wunderbaren Kernen gemacht, und als Speisetafeln in die Hände der Bäume und auf die Häupter der Pflanzen gelegt und zu Seinen lebendigen Gästen gesandt werden, steigern sich zur Deutlichkeit eines gesprochenen Wortes. Sie alle stehen in Deinem Reich, durch Deine Kraft und Macht, mit Deinem Willen und Deinen Gaben, durch Deine Barmherzigkeit und Weisheit im Dienst und sind jedem Deiner Befehle gehorsam.

Oh allweiser Meister, der Du im Glanz Deiner gewaltigen Ausstrahlung verborgen bist! Oh Du allbarmherziger Schöpfer, der Du auf Grund Deiner gewaltigen Größe unsichtbar bist! Mit den Sprachen und der Anzahl aller Bäume und aller Pflanzen, aller Blätter, Blüten und Früchte

heilige ich Dich über jeglichen Fehlern und Schwächen und allem, was sie Dir beigesellen, lobe und preise Dich.

Oh allmächtiger Schöpfer! Oh allweiser Lenker und Leiter! Oh allbarmherziger Erzieher! Unterrichtet durch Deinen höchst ehrenwerten Gesandten, mit dem Friede und Segen sei, und belehrt durch den Weisen Qur'an verstand und bekenne ich: Sowie die Pflanzen und Bäume Dich kennen und Deine heiligen Eigenschaften und Deine schönen Namen bekannt geben, so gibt es keinen unter den Menschen und den Tieren, die zu den beseelten, (fühlenden) Lebewesen gehören, der nicht durch innere und äußere Organe, die überaus wohlgeordnet in seinem Körper wie ein Uhrwerk gehen und angetrieben werden, durch Sinnesorgane und Empfindungen, die in seinem Leib mit einer überaus feinen Ordnung, mit einer hochempfindlichen Ausgewogenheit angelegt sind, und der nicht auf Grund seiner weisheitsgemäßen Ausstattung und der überaus feinen Ausgewogenheit seiner Glieder für die Notwendigkeit Deiner Existenz und für die Wahrheit Deiner Eigenschaften Zeugnis ablegt. Denn: bei einem so hochempfindlichen Kunstwerk, das nur das Werk eines Sehenden sein kann, einer so klarsichtigen Weisheit, die ein Bewusstsein voraussetzt, und einer so vollkommenen Ausgewogenheit, die gründliche Planung voraussetzt, können sicherlich blinde Kräfte, die unbewusste Natur und ein planloser Zufall nicht ihre Hände im Spiel gehabt haben. Es kann nicht ihr Werk sein und ist nicht möglich. Und aus sich selbst heraus zu entstehen und diese Formen anzunehmen, ist auch eine hundertfache Unmöglichkeit in einer Unmöglichkeit. Denn, in diesem Fall müsste jedes Atom ein so umfassendes Wissen und eine so umfangreiche Macht wie Gott besitzen, um alles, ja sogar die Entstehung unseres Körpers, selbst alles in der Welt, mit dem es in Kontakt kommt, kennen, erkennen und zu Stande bringen können. Dann könnte man die Entstehung des Körpers auf es zurückführen und sagen, dass er aus sich selbst entstanden sei. Unter den Sachverhalten,

wie dem einer einheitlichen Planung in ihrer Gesamtheit, einer einheitlichen Lenkung und Leitung, der Einheit ihrer Arten und Gattungen und der einheitlichen Prägung bei ihrer Erschaffung, die aus der Übereinstimmung der Sinnesorgane in den Gesichtern aller, wie Auge, Ohr und Mund ersichtlich ist, die ein einheitliches Siegel der Weisheit, das sich in jedem einzelnen Gesicht jeder einzelnen Art erkennen lässt, und dem der Gleichheit bei der Versorgung und der Erschaffung und eines gemeinsamen Miteinanderlebens, gibt es keinen, der nicht für Deine Einheit und Allgegenwart ein sicheres Zeugnis ablegt. Es gibt kein einziges (Zeugnis) von ihnen, in dem sich die Erscheinungen aller Namen, die sich auf den ganzen Kosmos beziehen, finden, das für sich allein kein Zeichen für die Einheit Deiner Allgegenwart setzen könnte.

Sowie die Menschen mit den Tieren, die auf der ganzen Erdoberfläche in hunderttausend Arten verbreitet, wie ein wohlgeordnetes Heer ausgerüstet und Anordnungen unterstellt sind, Gehorsam leisten und in Dienst stehen, vom Kleinsten bis zum Größten von ihnen, unter denen die Befehle der Herrschaft wohlgeordnet fließen, die majestätische Größe Deiner Herrschaft zeigen, und ihre Erschaffung - die trotz ihrer großen Vielzahl sehr wertvoll, trotz ihres überaus schnellen Zustandekommens vollkommen einwandfrei und trotz ihrer kunstvollen Ausstattung dennoch sehr leicht verläuft - die gewaltige Größe Deiner Macht beweisen, so beweisen sie ganz deutlich auch den grenzenlosen Umfang Deiner Barmherzigkeit, die zu allen, von einer Mikrobe bis zum Nashorn, von der kleinsten Fliege bis zum größten Vogel überall, vom Osten bis zum Westen, vom Norden bis zum Süden, alle ihre Nahrung erreichen lässt, und die unendliche Weite Deiner Herrschaft, die jeden wie einen dienstbereiten Soldaten seinen natürlichen Aufgaben nachgehen lässt und die Erdoberfläche für das Heer der Neurekrutierten, anstelle der im Herbst Entlassenen, in jedem Frühling zu einem Heerlager macht.

Sowie jedes der Tiere, die als kleine Muster und verkleinerte Beispiele dieses Kosmos mit einem überaus tiefen

Wissen und mit einer überaus feinsinnigen Weisheit, ohne ihre Organe miteinander zu vermischen oder zu verwechseln, in voneinander verschiedenen Formen, ohne eine Verwechslung, ohne einen Mangel, ohne einen Makel gebildet werden, dafür so viele Zeichen wie ihre Zahl setzen, dass Dein Wissen alles umfasst und Deine Weisheit über allem steht, so verweisen sie, indem jedes von ihnen als ein wunderbares Kunststück und als das Werk einer wunderbaren Weisheit kunstvoll und schön gemacht wird, auch auf die überaus vollkommene Schönheit der Kunstfertigkeit Deiner Herrschaft hin, die Du liebst und ausstellen möchtest. Alle, besonders die Jungtiere, die überaus zärtlich und fürsorglich ernährt und deren Launen und Wünsche befriedigt werden, erbringen grenzenlos viele Hinweise für die überaus anmutige Schönheit Deiner Güte.

Oh barmherziger Erbarmer! Oh Du Vertrauter, der Sein Versprechen hält! Oh Herr des Gerichtstages! Unterrichtet durch Deinen höchst ehrenwerten Gesandten, mit dem Friede und Segen sei, und gelehrt durch Deinen Weisen Qur'an verstand ich: Das erlesenste Ergebnis des Kosmos ist das Leben. Der erlesenste Extrakt des Lebens ist der Geist. Die erlesensten unter den Geisttragenden, sind diejenigen, die Bewusstsein haben. Der Vielseitigste unter den Bewusstseintragenden ist der Mensch. Der ganze Kosmos steht aber im Dienst des Lebens und arbeitet dafür. Die Lebewesen stehen denjenigen, die Geist besitzen, zu Diensten und helfen ihnen. Die Menschen lieben von ihrem Wesen her den Schöpfer innig und aufrichtig. Auch der Schöpfer liebt sie und versucht ihnen bei jeder Gelegenheit Seine Liebe zu erweisen. Die Begabungen des Menschen und seine geistigen Anlagen beziehen sich auf eine andere, ewig bestehende Welt und auf ein ewig dauerndes Leben. Das Herz des Menschen und sein Bewusstsein verlangt mit aller Kraft nach ewigem Bestehen. Seine Zunge bittet den Schöpfer mit zahllosen Gebeten um ewiges Bleiben. Mit Sicherheit und auf gar keinen Fall kann wahr sein und wäre es möglich, diese Menschen, die Ihn sehr lieben und von Ihm geliebt werden, die Liebende und Geliebte sind,

dem Tod auszuliefern, ohne sie wiederzubeleben, und sie dadurch zu kränken und zu einer ewigen Feindschaft zu veranlassen, wo sie doch für eine ewige Liebe geschaffen sind. Vielmehr ist er zu dieser Welt gesandt worden, sich hier anzustrengen für ein glückliches Leben in einer anderen ewigen Welt und es zu gewinnen. Die Namen Gottes, die in dem Menschen erscheinen, weisen durch ihre Ausstrahlung in diesem vergänglichen und kurzen Leben darauf hin, dass die Menschen, die ihnen als Spiegel dienen, in der ewig bestehenden Welt deren bleibende Manifestationen erleben werden.

In der Tat wird der treue Freund des Ewigbestehenden für ewig bestehen und der bewusstseinstragende Spiegel des Beständigen muss beständig bleiben.

Dass die Seelen der Tiere für ewig bestehen werden, und dass einige bestimmte Tiere wie der Wiedehopf des Propheten Salomo, mit dem Friede sei, und seine Ameise, die Kamelstute des Propheten Salih, mit dem Friede sei, sowohl mit ihrer Seele als auch mit ihrem Leib in die ewige Welt gehen, und dass jede Tiergattung einen einzigen Leib besitzen wird, den sie ab und zu gebrauchen, geht aus einer zuverlässigen Überlieferung von dem Propheten hervor, was auch die Weisheit (Gottes), Seine Wahrheit, Seine Barmherzigkeit und Seine Herrschaft erfordern.

Oh Du Allmächtiger, unser unwandelbarer Halt! Alle, die da lebendig sind, eine Seele haben und über Bewusstsein verfügen, sind in Deinem Reich, nur durch Deine Kraft und Deine Macht und allein durch Deinen Willen und Deine Maßnahmen und durch Deine Barmherzigkeit und Deine Weisheit den Befehlen Deiner Herrschaft unterworfen und durch naturgegebene Dienste verpflichtet. Ein Teil von ihnen steht im Dienst des Menschen, nur durch Deine Barmherzigkeit, nicht wegen seiner Kraft und seiner Überlegenheit, sondern wegen seiner angeborenen Schwäche und Ohnmacht. Jede Gattung verrichtet ihr spezielles Gebet, indem sie auf ihre eigene Art und mit ihren eigenen Worten den Schöpfer und Angebeteten preist, Ihn über allen

Fehlern und über allem, was sie Ihm beigesellen heiligt, Ihm für Seine Gaben dankt und Ihn lobt.

Oh, allheiliger Herr, der Du im Glanz Deiner gewaltigen Ausstrahlung verborgen und auf Grund Deiner Größe unsichtbar bist! Mit der Absicht, Dich mit der Lobpreisung aller Beseelten zu heiligen, rufe ich:

سُبْحَانَكَ يَا مَنْ جَعَلَ مِنَ الْمَآءِ كُلَّ شَىْءٍ حَىٍّ

{"Gepriesen seist Du, Oh Du, der Du jedes Ding durch das Wasser lebendig gemacht hast!"}

Oh Du Herr der Welten! Oh Du Gott der Ersten und der Letzten! Oh Du Herr der Himmel und der Erde! Unterrichtet durch den höchst ehrenwerten Gesandten, mit dem Friede und Segen sei, und belehrt durch den Weisen Qur'an habe ich verstanden und bin zur Überzeugung gelangt:

Sowie der Himmel, das Weltall, die Erde, Land und Meer, Bäume, Pflanzen und Tiere mit ihrer Gesamtheit, mit ihren Gliedern und mit ihren Zellen Dich kennen, bekannt geben und Deine Existenz und Deine Einheit bezeugen, beweisen und darauf hinweisen, genauso bezeugen die Lebewesen die ein Auszug des Kosmos sind, die Propheten, die Heiligen und die Theologen, welche die Erwählten unter den Menschen sind, und ihr Herz und ihr Verstand, die aus ihnen geläutert sind, anhand ihrer Beobachtungen, ihrer geistigen Entdeckungen, ihrer Inspirationen und ihrer Erkenntnisse mit einer Sicherheit in der Kraft von Hunderten Folgerungen und Hunderten Übereinstimmungen der konkreten Kenntnisse die Notwendigkeit Deiner Existenz, Deine Einheit und Deine Allgegenwart und geben uns Kunde davon. Die Propheten und die Gottesfreunde beweisen diese Kunde durch ihre Wunder, die Theologen durch ihre Gewissheit. In der Tat gibt es in den Herzen überhaupt keine Erinnerung aus dem Verborgenen, die auf einen Herrn hinter dem unsichtbaren Schleier hinweist, keine echte Inspiration, die uns auf einen, der sie eingibt, lenkt, keine Gewissheit, die in Form einer wahrhaftigen Gewissheit Deine heiligen Eigenschaften und Deine Schönen Namen enthüllt, keinen Propheten und keinen

Gottesfreund, der mit seinem lichtvollen Herzen die Lichter dessen, der notwendigerweise da sein muss, mit augenscheinlicher Gewissheit betrachtet, keinen Reinen und keinen Getreuen, der mit seinem erleuchteten Verstand die Zeichen der Notwendigkeit dessen, der alle Dinge erschafft, und die Zeugnisse Seiner allgegenwärtigen Einheit mit einer wissenschaftlichen Gewissheit bestätigt und beweist, welche die Notwendigkeit Deiner Existenz, Deine heiligen Eigenschaften, Deine Allgegenwart, Deine Einheit und Deine Schönen Namen nicht bezeugen, sie uns nicht zeigen und nicht auf sie hinweisen. Besonders unter den eindeutigen Wundern des höchst ehrenwerten Gesandten, mit dem Friede und Segen sei, dem Vorbeter, Führer und Erwählten unter allen Propheten, Heiligen, Theologen und Getreuen, und von den Versen über die Einheit Gottes und von den heiligen Fragestellungen über die Glaubensfragen im Qur'an, dessen Verkündigung ein Wunder ist, der die konzentrierte Zusammenfassung all der heiligen Bücher ist, welche die Wahrheit lehren, gibt es keine, die die Notwendigkeit Deiner Existenz, Deine heiligen Eigenschaften, Deine Allgegenwart, Deine Einheit und Deine Namen nicht bezeugen, nicht zeigen und auf sie nicht hinweisen.

Sowie alle diese Hunderttausenden zuverlässigen Berichterstatter auf Grund ihrer Wunder und Zeugnisse Deine Existenz und Deine Einheit bezeugen, genauso machen sie die Größe Deiner Herrschaft, die die allumfassenden Angelegenheiten Deines gewaltigen Thrones verwaltet, alle Erinnerungen, Wünsche und Gebete des Herzens, bis zu den Verborgensten und Einfachsten kennt, sie hört und ihnen nachgeht, und die gewaltige Größe Deiner Macht, die zahllos verschiedene Dinge vor unseren Augen gleichzeitig erschafft, und auch das größte Ding genauso leicht wie eine Mücke zu Stande bringt, ohne dass eine Tat eine andere Tat, eine Arbeit eine andere Arbeit behindert, übereinstimmend und gemeinsam bekannt, verkünden und beweisen sie.

Sowie sie außerdem den grenzenlosen Umfang Deiner Barmherzigkeit, die diesen Kosmos für die beseelten

Wesen, besonders für die Menschen zu einem vollkommenen Schloss macht, das Paradies und die ewige Glückseligkeit für Menschen und Dschinnen vorbereitet, selbst das kleinste Lebewesen nicht vergisst und sich bemüht, selbst noch das schwächste Herz zu befriedigen und zu erfreuen, und die unendliche Weite Deiner Herrschaft, der alle Arten von Schöpfungen, angefangen von einem Atom bis zu den Planeten, ihren Befehlen Gehorsam leisten, die sie unterwirft und in den Dienst stellt, verkünden und anhand ihrer Wunder und Zeugnisse beweisen, genauso bezeugen sie übereinstimmend und gemeinsam, dass Dein Wissen, das den Kosmos zu einem großen Buch gemacht hat, dessen Abhandlungen ebenso zahlreich sind wie seine Teile, das den Lebenslauf alles dessen, was da ist, in dem "deutlichen Vorbild" (das Buch der Planungen) und in dem "deutlichen Buch" (das Buch der Ergebnisse) von den Büchern der "wohlverwahrten Tafel" überträgt, und das Inhaltsverzeichnis aller Bäume und ihre Programme in den Kernen und in den Lebenslauf jedes einzelnen Bewusstseintragenden in seinem Gedächtnis ohne Fehler geordnet einträgt, alles umfasst, und dass Deine Heilige Weisheit, die mit allem, was da ist, so viele nutzbringende Funktionen verbindet, sogar einen Baum entsprechend der Zahl seiner Früchte ebenso viele Ergebnisse hervorbringen lässt; die in jedem Lebewesen so viele Ziele verfolgt, wie es Glieder, Organe und Zellen hat, sogar der Zunge des Menschen so viele Aufgaben gegeben und sie mit ebenso vielen Geschmacksempfindungen, gleich kleinen Messinstrumenten, ausgestattet hat wie die Speisen Geschmacksnuancen haben, alles mit einschließt; dass sich die Erscheinungen Deiner majestätischen und anmutigen Namen, deren Beispiele wir in dieser Welt sehen, in der Ewigkeit in einer noch glänzenderen Form fortsetzen, dass Deine Gaben, deren Beispiele wir in dieser vergänglichen Welt betrachten, an dem Ort der Glückseligkeit in einer noch prunkvolleren Form ewig bestehen und weiter existieren; und dass diejenigen, welche sie in dieser Welt gesehen und so sehnsüchtig nach ihnen verlangt hatten, ihnen auch in der Ewigkeit wieder

begegnen und sich mit ihnen zusammenfinden werden, dies alles zeigen uns die Propheten und verweisen darauf.

Vor allem verkündet Dein höchst ehrenwerter Gesandter, mit dem Friede und Segen sei, auf Grund hunderter seiner eindeutigen Wunder, mit Deinem Weisen Qur'an, gestützt auf hunderte seiner zuverlässigen Ayat, verkündigen alle Propheten durch ihren lichtsprühenden Geist, alle Gottesfreunde (Heiligen) aus ihrem erleuchteten Herzen und alle Theologen mit ihrem erleuchteten Verstand verkünden auf Grund Deiner in den heiligen Blättern und Büchern so oft wiederholten Versprechungen und Drohungen, vertrauend auf Deine heiligen Namen und Eigenschaften wie auf Deine Macht, Barmherzigkeit, Güte, Weisheit, Majestät und Schönheit, auf Deine majestätische Würde und auf das Königreich Deiner Herrschaft, anhand ihrer geistigen Entdeckungen, ihrer Visionen und ihrer wissenschaftlich fundierten Sicherheit, die ewige Glückseligkeit den Menschen und den Dschinnen. Sie tun kund, dass es für die Leute des Irrweges eine Hölle gibt, machen es öffentlich bekannt, bekennen und bezeugen es.

Oh Allweiser, Allmächtiger! Oh Erbarmer und Barmherziger! Oh Freigiebiger, der Sein Versprechen hält! Oh zorniger Herr voll Würde, Größe und Majestät! Du bist hunderttausendfach heilig über jedweder Bestätigung der Leute des Irrweges und des Unglaubens, die so viele Deiner Namen und Eigenschaften, so viele Deiner treuen Freunde der Lüge bezichtigen, so viele Deiner Versprechungen bestreiten, die Herrschaft Deines Königreiches als nicht erforderlich kategorisch ablehnen, die zahllosen Gebete und Anrufungen Deiner zahllosen geschätzten Diener, die Du liebst und die sich dadurch, dass sie Dich anerkennen und Dir ihren Gehorsam leisten, darum bemühen, von Dir geliebt zu werden, zurückweisen, die durch ihren Unglauben, ihre Empörung und indem sie Dein Versprechen für eine Lüge halten, Deine majestätische Größe und Würde und die Ehre Deiner Gottheit angreifen und die Liebe Deiner Herrschaft herabwürdigen, und ihrer Verleugnung

der Auferstehung am Jüngsten Tag! Du bist grenzenlos hoch und erhaben! Ich bekenne, dass Deine grenzenlose Gerechtigkeit, Deine Schönheit und Deine Barmherzigkeit heilig ist und frei von einer solch unendlichen Ungerechtigkeit und Hässlichkeit! Die Ayah

سُبْحَانَهُ وَتَعَالٰى عَمَّا يَقُولُونَ عُلُوًّا كَبِيرًا

{"Gelobt sei Er und erhaben über das, was sie sagen, gepriesen ist Er, hocherhaben und groß!" (Sure 17, 43)}

möchte ich nach der Anzahl der Zellen meines Körpers sagen! Alle diese Deine treuen Botschafter und aufrichtigen öffentlichen Ausrufer Deines Königreiches bezeugen mit wahrhaftiger Gewissheit, mit augenscheinlicher Gewissheit und mit wissenschaftlich fundierter Gewissheit die Schätze Deiner Barmherzigkeit im Jenseits, die Fundgruben Deiner Gaben in der ewigen Welt und die wunderschönen Erscheinungen Deiner Schönen Namen, die in der ewigen Glückseligkeit vollständig hervortreten, weisen auf sie hin und geben von ihnen frohe Kunde. Sie bekennen, dass der große Strahl Deines Namens "Al-Haqq, der Wahre", der die Quelle, die Sonne und der Hort aller Wahrheiten ist, die Wahrheit der größten Wiederversammlung am Jüngsten Tag ist, und lehren es Deinen Dienern.

Oh Herr der Propheten und der Getreuen! Alle diese (Propheten...) stehen in Deinem Reich, unter Deinem Befehl, in Deiner Macht, durch Deinen Willen und entsprechend Deiner Führung, durch Dein Wissen und Deine Weisheit im Dienst und versehen ihre Aufgaben. Sie machen die Erdkugel durch ihre Anrufungen Deiner Heiligkeit und Deiner Größe, durch ihren Lobpreis und ihr Zeugnis (La ilaha illa'llah)zu einem gewaltig großen Gedenkhaus (dhikr)und die Schöpfung zur großen Moschee.

Oh Herr, der Du über mich und über die Himmel und die Erde verfügst! Oh Schöpfer, der Du mich und alle Dinge geschaffen hast! Um Deiner Macht, die die Himmel mit ihren Sternen, die Erde mit allem, was zu ihr gehört, und alle Geschöpfe mit all ihren Eigenschaften unterwirft, um Deines Willens, Deiner Weisheit, Deiner Herrschaft und

Deiner Barmherzigkeit willen, lass mich meine Begierde (nefs)beherrschen! Und lass mich meine Wünsche beherrschen! Für den Dienst an Qur'an und Glaube lass die Risale-i Nur die Herzen der Menschen beherrschen! Gib mir und meinen Mitbrüdern einen vollkommenen Glauben und ein gutes Ende. Sowie Du den Propheten Moses, mit dem Friede sei, das Meer, den Propheten Abraham, mit dem Friede sei, das Feuer, den Propheten David, mit dem Friede sei, den Berg und das Eisen, den Propheten Salomo, mit dem Friede sei, die Menschen und Dschinnen, und den Propheten Mohammed, mit dem Friede und Segen sei, die Sonne und den Mond hast beherrschen lassen, so lass nun auch die Risale-i Nur unsere Herzen und unseren Verstand beherrschen! Bewahre mich und die Schüler der Risale-i Nur vor dem Übel der Begierde und des Teufels, vor der Qual im Grab und vor dem Höllenfeuer und gib uns die ewige Glückseligkeit in den Gärten des Paradieses! Amin, amin, amin.

سُبْحَانَكَ لاَعِلْمَ لَنَآ اِلاَّ مَاعَلَّمْتَنَآ اِنَّكَ اَنْتَ الْعَلِيمُ الْحَكِيمُ

وَاٰخِرُ دَعْوٰيهُمْ أَنِ الْحَمْدُ ِللهِ رَبِّ الْعَالَمِينَ

{"Gepriesen seist Du! Kein Wissen haben wir, außer dem, was du uns gelehrt hast. Denn Du bist der Allwissende, der Allweise." (Sure 2, 32)

"Und der Schluss unseres Gebetes sei: 'Aller Lobpreis und Dank gebührt Allah, dem Herrn der Welten!'" (Sure 10, 10)}

Wenn ich mit diesem Unterricht, den ich den Bittgebeten des Propheten aus dem Qur'an und aus dem Djaushanul'Kebir(Anrufung der Namen Gottes) entnommen habe und als ein Gebet durch Nachdenken vor der Schwelle des barmherzigen Herrn darbringe, Fehler begangen habe, so bitte ich Seine Barmherzigkeit um Verzeihung, indem ich den Qur'an und das Djaushanu-l'Kebir mir zum Fürsprecher anbiete.

Said Nursi

Sechsundzwanzigster Blitz

Ein Seelenführer für die Alten

Diese Abhandlung beinhaltet sechsundzwanzig "Hoffnungen" und tröstende Lichter.

Erinnerung:

Der Grund, dass ich am Anfang jeder "Hoffnung " meine seelischen Schmerzen dermaßen in Trauer versetzend und Mitleid erregend geschrieben habe, liegt darin, dass ich die außerordentliche Wirkung des Heilmittels, welches aus dem Weisen Qur'an kommt, zeigen will. Diese Abhandlung, die den Alten gehört, konnte aus drei, vier Gründen eine schöne Ausdrucksweise nicht beibehalten.

Erstens:

Da sie zu meinem Lebenslauf gehört, war ich in meiner Vorstellung in vergangenen Zeiten, und sie wurde in dieser damaligen Stimmung geschrieben. Daher konnte ich eine wohlgesetzte Ausdrucksweise nicht immer durchhalten.

Zweitens:

Da sie in einer Zeit nach dem Morgengebet geschrieben wurde, in der ich mich sehr müde fühlte und gezwungen war, schnell zu schreiben, ist die Ausdrucksweise unregelmäßig geworden.

Drittens:

Da ich nicht immer jemanden bei mir habe und der Schreiber, den ich habe, vier, fünf Aufgaben hat, die die Risale-i Nur betreffen, ist sie unregelmäßig geworden, da wir keine Zeit für die Korrektur hatten.

Viertens:

Nach der Abfassung waren wir beide, mein Schreiber und ich müde, konnten auf den Inhalt nicht konzentriert achten und begnügten uns nur mit einer oberflächlichen Korrektur. Mit Sicherheit werden sich in der Ausdrucksweise Fehler finden. Ich bitte die verehrten Alten, meine Fehler in der Ausdrucksweise mit Nachsicht zu betrachten. Die gesegneten Alten, deren Hände die Barmherzigkeit Gottes nicht leer lässt, mögen uns auch in ihre Gebete mit einschließen, wenn sie ihre Hände nach der Schwelle Gottes ausstrecken.

بِسْمِ اللَّهِ الرَّحْمَنِ الرَّحِيمِ

كٓهٰيٰعٓصٓ ذِكْرُ رَحْمَتِ رَبِّكَ عَبْدَهُ زَكَرِيَّا اِذْ نَادٰى رَبَّهُ نِدَآءً خَفِيًّا قَالَ رَبِّ اِنِّى وَهَنَ الْعَظْمُ مِنِّى وَاشْتَعَلَ الَّرأْسُ شَيْبًا وَلَمْ اَكُنْ بِدُعَآئِكَ رَبِّ شَقِيًّا

{"Im Namen Allahs, des Erbarmers, des Barmherzigen. Qaf-Ha-Ya-'Ain-Sad. Gedacht sei (in dieser Verkündigung) der Barmherzigkeit, die dein Herr seinem Diener Zacharias bezeigt hat! (Damals) als er im Stillen seinen Herrn anrief! Er sagte: 'Herr! Das Gebein ist mir schwach geworden, und der Kopf altersgrau. Und ich hatte, wenn ich zu dir, Herr, betete, nie Misserfolg.'"(Sure 19, 1-4)}

Dieser "Blitz" besteht aus sechsundzwanzig "Hoffnungen".

Erste Hoffnung:

Oh Ihr verehrten alten Schwestern und Brüder, die Ihr in ein reifes Alter gekommen seid! Ich bin auch alt, wie Ihr. Ich will die "Hoffnungen", die ich in der Zeit meines Altseins dann und wann gefunden habe, und manche von den geistigen Zuständen, die ich erlebt habe, niederschreiben, um Euch an dem tröstenden Licht dieser Hoffnungen teilnehmen zu lassen. Das Licht, das ich gesehen habe, und die Türen der Hoffnungen, die ich gefunden habe, wurden mit Sicherheit meiner mangelhaften, gleichsam getrübten Begabung entsprechend gesehen und geöffnet. Insha-a'llah, so Gott will, werden Eure sauberen und klaren Begabungen die von mir gesehenen Lichter noch glänzender erscheinen lassen und die von mir gefundenen Hoffnungen noch weiter stärken.

Die Quelle, Born und Brunnen dieser folgenden Hoffnungen und Lichter ist also der Glaube.

Zweite Hoffnung:

Am Anbeginn meines Alters betrachtete ich einmal die Welt an einem Nachmittag im Herbst von einem hohen Berg aus. Auf einmal überkam mich ein Gefühl des Mitleids und der Trauer und eine in gewisser Hinsicht dunkle Stimmung. Ich sah, ich war alt, der Tag wurde auch alt, das Jahr wurde alt und die Welt wurde auch alt. Inmitten dieses Altseins verspürte ich, dass sich die Zeit der Trennung von der Welt und des Abschieds von allen meinen Geliebten näherte. Das Altsein erschütterte mich zutiefst. Plötzlich öffnete sich die Barmherzigkeit

Gottes mir gegenüber dermaßen, dass sie diese Mitleid erregende Traurigkeit und Trennung in eine starke Hoffnung und in das Licht einer glänzenden Tröstung umwandelte.

In der Tat, oh Ihr Altgewordenen wie ich! Die Barmherzigkeit des gütigen Schöpfers, der sich uns im Weisen Qur'an an hundert Stellen mit den Eigenschaften "der Barmherzige, der Gütige" vorstellt, der Seine Barmherzigkeit ständig den Lebewesen auf der Erde, die sich nach Barmherzigkeit sehnen, zu Hilfe schickt, der jedes Jahr den Frühling mit grenzenlosen Gaben und Geschenken aus dem Verborgenen füllt und uns, die wir der Versorgung bedürfen, zu Hilfe eilt, und der dem Grade der Schwäche und Hilflosigkeit entsprechend Seine Barmherzigkeit erscheinen lässt, ist für uns in diesem unserem Altsein die größte Hoffnung und das stärkste Licht. Diese Barmherzigkeit zu finden, ist nur dadurch möglich, dass man durch den Glauben in nähere Beziehung mit diesem Barmherzigen tritt und in der Einhaltung der Pflichtgebote Ihm gegenüber seinen Gehorsam erweist.

Dritte Hoffnung:

Einmal, als ich aus dem Schlaf in der Nacht meiner Jugend am Morgen des Altseins erwacht war, betrachtete ich mich selber. Mein Körper bewegte sich in Richtung des Grabes, als liefe er einen Abhang hinunter. Wie Niyazi Misri sagte:

"Jeden Tag fällt ein Stein von meinem Lebensgebäude auf die Erde,

Der Geist liegt sorglos und ahnungslos, während sein Gebäude eine Ruine wird."

so wurde auch mein Körper, der das Haus meines Geistes ist, zu einer Ruine, in der jeden Tag ein Stein herunterfiel. Meine Erwartungen und meine Hoffnungen, die mich fest an die Welt banden, begannen zu zerreißen. Ich verspürte, dass sich die Zeit der Trennung von meinen zahllosen Freunden und Geliebten näherte. Ich suchte nach der Salbe für diese geistige, sehr tiefe und scheinbar unheilbare Wunde. Ich konnte sie nicht finden. Nochmals sagte ich wie Niyazi Misri:

"Das Herz nach Bestand, Gott der Gerechte, dass verschwand der Körper verlangt,

Von einem unheilbaren Schmerz bin ich betroffen, ach! Wofür selbst Lokman (der Arzt) den Rat nicht weiß."

Anmerkung:

Das heißt: Obwohl mein Herz mit aller Kraft nach ewigem Bestehen verlangt, erfordert die Weisheit Gottes die Zerstörung meines Leibes. Ich bin von einem unheilbaren Schmerz betroffen, den auch der Arzt Lokman nicht heilen kann.}

Auf einmal wurde das Licht des ruhmreichen Propheten, mit dem Friede und Segen sei, der das Sprachrohr, Beispiel, Inbegriff, Ausrufer und Repräsentant der Barmherzigkeit Gottes ist, unser Fürsprecher, der Menschheit ein Geschenk der Rechtleitung zu einer guten Salbe und einem Heiltrank für jene unheilbar geglaubte Wunde, meinen grenzenlosen Schmerz. Es verwandelte meine düstere Verzweiflung in eine lichtvolle Hoffnung.

Ja, in der Tat, ihr meine sehr verehrten Herren und Damen, die ihr wie ich euer Altsein fühlt! Wir gehen; Darüber können wir uns nicht hinwegtäuschen. Auch wenn wir davor die Augen schließen, können wir nicht länger bleiben. Das ist der Aufbruch. Die Welt des Grabes, die uns durch die finsteren, irrigen Vorstellungen, die aus Gottvergessenheit und zum Teil von den Leuten des Irrweges kommen, als Trennung und finster erscheint, ist der Versammlungsort der Freunde. Sie ist die Welt des Wiedersehens, vor allem mit unserem Fürsprecher, dem Geliebten Gottes, mit dem Friede und Segen sei, und mit allen unseren Freunden. In der Tat ist er seit 1350 Jahren der König von 350 Millionen Menschen, der Erzieher ihrer Seelen, der Lehrer ihres Verstandes und der Geliebte ihrer Herzen. An jedem Tag werden so viele Pluspunkte für die Wohltaten seiner ganzen Gemeinde nach dem Geheimnis von

ااَسَّبَبُ كَالْفَاعِلِ

{"Der Verursacher wird bewertet wie der Täter."}

auf das Konto seiner guten Taten gebucht. Er ist der Anlass und das hohe Ziel Gottes in Seiner Schöpfung. Er ist der Grund für die Erhöhung des Wertes allen Seins. In dem

Augenblick, als er, Ahmed, mit dem Friede und Segen sei, nach absolut zuverlässiger Überlieferung und auf Grund wahrhafter visionärer Schauungen zur Welt kam, rief er "Oh meine Gemeinde, oh meine Gemeinde". Genauso wird er am Tage der Wiederauferstehung, an dem jeder nur an sich denken und "meine Seele, meine Seele (= ich; ego)" rufen wird, wieder "Oh meine Gemeinde, oh meine Gemeinde" rufen und in einer heiligen und zuhöchst erhabenen Opferbereitschaft mit seiner Fürsprache seiner Gemeinde zu Hilfe eilen. Wir gehen in die Welt, in die diese Persönlichkeit gegangen ist. Wir gehen in eine solche Welt, die um jene Sonne mit den Sternen von zahllosen Reinen und Heiligen erleuchtet wird.

Das also ist der Ausweg, um die Fürsprache jener Persönlichkeit zu erlangen, Nutzen zu ziehen aus seinem Licht und sich vor der Finsternis der Grabeswelt zu retten: die Befolgung seiner "hochgeschätzten Sitte".

Vierte Hoffnung:

In einer Zeit, in der ich den Fuß schon über die Schwelle des Alters gesetzt hatte, nahm zugleich auch meine Gesundheit, die meine Gottvergessenheit fortgesetzt hätte, schaden. Alter und Krankheit haben mich zusammen angegriffen, haben mir ständig auf den Kopf getrommelt und haben mir den Schlaf geraubt. Ich hatte nichts, was mich an die Welt hätte binden können, wie Haus, Hof und Familie. Als Frucht meines Lebens, des Kapitals, das ich im Rausch der Jugend verloren hatte, fand ich nur Fehler und Sünde. Wehklagend sagte ich wie Niyazi Misri:

"Ein Geschäft habe ich nicht gemacht,

die Barschaft meines Lebens veflog,

aufgewacht hab ich mich aufgemacht,

doch ach, die ganze Karavane ist auf und davon schon,

und ich ohne Ahnung.

Tränen in den Augen, brennend der Schmerz, ratlos der Verstand, und ich ohne Ahnung."

Damals war ich in der Fremde. Eine Traurigkeit in Verzweiflung, ein Bedauern in Reue und eine nach Hilfe suchende Sehnsucht verspürte ich. Auf einmal kam der

Qur'an, dessen Verkündigung ein Wunder ist, mir zu Hilfe. Er öffnete mir eine Tür zu einer starken Hoffnung und verlieh mir das Licht einer dermaßen wahrhaftigen Tröstung, das selbst eine hundertfach stärkere Verzweiflung als die in meinem damaligen Zustand zu beseitigen und jene Finsternisse zu vertreiben vermochte.

In der Tat, oh Ihr verehrten alten Frauen und Männer, deren Bindungen mit der Welt sich wie bei mir zu lösen und deren Fäden, die Euch mit der Welt verbinden, abzubrechen beginnen!

Ist es möglich, dass der majestätische Schöpfer, der diese Welt äußerst vollkommen und wohlgeordnet wie eine Stadt und wie ein Schloss erschuf, mit Seinen wichtigsten Gästen und Freunden in jener Stadt und in jenem Schloss nicht sprechen sollte? Er machte dieses Schloss nun einmal mit Absicht, ordnete und verzierte es mit Seinem Willen und mit Seiner Entscheidung. Der, welcher etwas tut, weiß, was er tut; und so ist es auch der, welcher etwas weiß, der weiß, was er sagt. Da Er uns dieses Schloss, diese Stadt nun einmal zu einem schönen Gästehaus und Handelsplatz machte, wird es auch mit Sicherheit eine Beschreibung, ein Buch geben, das Seine Beziehungen zu uns aufzeigt und was Er von uns erwartet.

So ist das Vollkommenste jener heiligen Schriften, der Qur'an, dessen Verkündigung ein Wunder ist, der sich in vierzig Hinsichten als Wunder zeigt, der in jeder Minute mindestens auf hunderttausenden Zungen ist, der Licht sprüht, der mit jedem Buchstaben mindestens zehn Segenspunkte und soviel Segen wie von zehn Wohltaten, manchmal zehntausend, manchmal in dem Geheimnis der Nacht der Bestimmung (Leyle-i Qadir),dreißigtausend Wohltaten und so viele Früchte im Paradies und Licht in die Grabeswelt (Berzah)bringt. Im Kosmos gibt es überhaupt kein Buch von gleichem Rang, das mit ihm konkurrieren könnte, und niemand kann ein solches herbeibringen. Da dieser Qur'an in unserer Hand nun einmal das Wort und der Erlass ist, welcher die absolute Herrschaft des majestätischen

Schöpfers der Himmel und der Erde, Seine Gottheit und den Umfang Seiner Barmherzigkeit offenbart, und eine Quelle Seiner Barmherzigkeit ist, halte dich an ihm fest! Eine Heilung für jeden Schmerz, ein Licht für jede Finsternis und eine Hoffnung für jede Verzweiflung liegt darin.

So ist der Schlüssel dieser ewigen Schatzkammer der Glaube und die Ergebung, dadurch dass man ihn hört, annimmt und liest.

Fünfte Hoffnung:

In einer Zeit, zu Beginn meines Altseins war ich auf dem Berg Juscha in Istanbul in der Umgebung vom Bosporus mit dem Wunsch, ein Einsiedlerleben zu führen. Im Alleinsein suchte meine Seele nach einer Erholung und innerer Ruhe. An einem Tag betrachtete ich von diesem hohen Berg die Umgebung bis zum Horizont. Ein überaus trauriges und bedrückendes Bild von dem Untergang und der Trennung sah ich durch die Ermahnung des Altseins. Von der hohen Stelle des fünfundvierzigsten Zweiges meines Lebensbaumes, welcher das fünfundvierzigste Lebensjahr war, ließ ich mein Auge über die unteren Sprossen meines Lebensbaumes schweifen. Ich sah, dass sich innerhalb eines jeden Jahres da unten an jedem Ast zahllose Leichnahme meiner lieben Freunde und Bekannten befanden. In einem überaus bedrückenden seelischen Eindruck, der von jener Trennung und von dem ständigen Abschied erwuchs, dachte ich an die Freunde, die sich von mir verabschiedet hatten, und stöhnte wie Fuzuli Bagdadi:

"Jedes Mal, wenn ich mich daran erinnere, dich wieder zu treffen, muss ich weinen.

Solange mein dürrer Körper noch atmet, werde ich erheben ein Wehgeschrei."

So suchte ich nach der Tür einer Tröstung, eines Lichtes und einer Hoffnung. Plötzlich kam mir das Licht aus dem Glauben an das Jenseits zu Hilfe. Er gab mir ein nie erlöschendes Licht und eine nie zerbrechende Hoffnung.

Oh, ihr Schwestern und Brüder, die ihr alt geworden seid, wie ich! Da es nun einmal das Jenseits gibt und es ewig

besteht und noch schöner ist als diese Welt, und da der Herr, der uns erschaffen hat, nun allweise und barmherzig ist, sollen wir nicht über das Alter klagen und trauern. Im Gegenteil ist das Alter, das im Glauben und in der Gottesanbetung ein reifes Alter erreicht, ein Zeichen der Entlassung vom Lebensauftrag und des Heimgangs in das Land der Barmherzigkeit. Daher müssen wir uns darüber freuen. In der Tat haben alle die, nach einer Hadith, 124 tausend Propheten, welche den edelsten Teil der Menschheit verkörpern, gemeinsam und übereinstimmend verkündet, und zwar gestützt teils auf ihre eigene Zeugenschaft, teils auf die Gewissheit ihrer Wahrhaftigkeit, dass über die Existenz eines Jenseits Einmütigkeit besteht und alle Menschen dorthin gebracht werden, so wie es der Schöpfer des Alls fest versprochen hat, sie in das Jenseits hinüberzuführen. In ähnlicher Weise bezeugen auch die 124 Millionen Heiligen, welche die Berichte (der Propheten) mit ihren Beobachtungen, Entdeckungen und Zeugnissen als gesichertes Wissen bestätigen, dass es ein Jenseits gibt. Auch alle Namen des weisen Baumeisters des Alls, deren Manifestationen in dieser Welt sichtbar werden, erfordern ganz offensichtlich eine beständige Welt und bezeugen wiederum die Existenz des Jenseits. Jedes Jahr im Frühling empfangen alle diese unzählbar vielen, wie tot auf ihren Beinen stehenden Skelette der Bäume, auf dem ganzen Erdenrund von der grenzenlos Urewigen Macht auf den Befehl: "Kun fa yakun!" ein neues Leben, offenbaren "ba'thu ba'd al-maut", werden die dreihunderttausend Pflanzenarten und Tiergattungen auferweckt und wieder versammelt, bilden hunderttausende Beispiele der Auferstehung und Wiederversammlung. So ist auch die Urewige Weisheit niemals kleinlich berechnend und dennoch niemals verschwendend. So erfordert auch die beständige Barmherzigkeit und das immerwährende Gnadengeschenk, das alles, was da lebt und der Nahrung bedarf, in vollkommener Liebe auf wunderbare Weise ernährt und jeden Frühling in kurzer Zeit Arten von Schönheit und Wert ohne Zahl und Grenzen hervorbringt, ganz offensichtlich

die Existenz eines Jenseits. Schließlich gibt es da noch diese starke, unerschütterliche und immerwährende Liebe zur Beständigkeit, Begeisterung für die Ewigkeit und Hoffnung auf Unsterblichkeit im Menschen, der die vollkommenste Frucht der Schöpfung, das bevorzugte Kunstwerk des Meisters der Schöpfung ist, und mit allem, was da ist und lebt, in dieser Schöpfung am stärksten verbunden ist, die ganz offensichtlich ein Zeichen und Beweis dafür ist, dass wir nach dem Ende dieser vergänglichen Welt eine beständige Welt, eine jenseitige Wohnstatt und einen Ort der Glückseligkeit vorfinden werden. Und dieser Beweis trägt in sich eine so absolute Sicherheit, dass man die Existenz des Jenseits genauso klar und offen annehmen muss, wie die Existenz des Diesseits.

Anmerkung:

In der Tat ersieht man aus dem folgenden Beispiel, wie leicht es ist, eine Nachricht positiv aufzunehmen, und wie außerordentlich schwierig es ist, sie zu bestreiten oder zu widerlegen. Sagt also jemand: "Es gibt auf dieser Welt einen gar seltsamen und wunderbaren Garten, wo Milch in Dosen wächst." und ein anderer wollte sagen: "So etwas gibt es nicht.", so könnte der erstere seine Behauptung ganz leicht dadurch beweisen, dass er uns diesen Garten zeigt oder einige Früchte aus ihm herbei bringt. Der andere aber, welcher das bestreitet und diese Behauptung widerlegen wollte, müsste zum Beweis dafür die ganze Welt vorführen und besichtigen. Wenn wir einmal davon absehen, dass diejenigen, die uns Nachricht bringen über das Paradies, uns Hunderttausende von Absonderungen, Früchten und Spuren dessen gezeigt haben, so genügen in gleicher Weise bereits die Zeugnisse, die dies auf Grund zweier zuverlässiger Zeugen fest belegen. Wer dies aber abstreiten will, muss das ganze grenzenlose All und die ganze unbegrenzte Zeit betrachten und besichtigen, und - nachdem er alles durchsiebt hat - den Gegenbeweis antreten, und so diese Nicht-Existenz vor Augen führen. So, oh ihr meine alten Brüder, könnt ihr nun verstehen, wie stark der Glaube an das Jenseits ist...}

Da aber nun einmal der wichtigste Unterricht, den uns der Weise Qur'an erteilt, der Glaube an das Jenseits ist, ist dieser Glaube so stark, und liegen in diesem Glauben eine solche Hoffnung und eine solche Tröstung, dass die Tröstung, die aus diesem Glauben hervorgeht, dazu im Stande ist, dem Alter, das den Menschen befällt, hunderttausendfach Widerpart zu bieten. Wir alten Leute sollten:

اَلْحَمْدُ ِللّهِ عَلَى كَمَالِ اْلاِيمَانِ

{"Allah sei Dank für den vollkommenen Glauben."}

sagen und uns unseres Alters erfreuen.

Sechste Hoffnung:

Einmal, als ich in dem Schmerz meiner Gefangenschaft von den Menschen floh, verweilte ich allein auf der Hochebene von Barla auf dem Gipfel des Tannenberges (Tjam Daghi). So allein wie ich war, suchte ich nach einem Licht. Eines Nachts befand ich mich in meinem nach oben hin offenen Baumhaus in dem Wipfel einer hohen Tanne auf dem Gipfel dieses hohen Berges. Mein Alter und mit ihm verbunden drei, vier verschiedene Arten ineinander verquickter Entfremdungen machten sich mir bemerkbar. Wie bereits im "Sechsten Brief" erläutert, erweckte diese Nacht mit ihren Stimmen, die aus dem Raunen und Rauschen der Bäume kamen, mit ihrer Traurigkeit, in der ich in meinem Alter still, stumm und allein in der Fremde zurückblieb, in mir ein tiefes Gefühl der Rührung. Es gemahnte mich das Alter daran, dass - so wie der Tag mit einem schwarzen Grab vertauscht wurde und die Welt sich in ein schwarzes Leichentuch eingehüllt hatte - sich auch der Tag meines Lebens in eine Nacht, diese Welt, wie ein Tag, sich in die Nacht des Zwischenreiches (Berzah)und auch der Sommer des Lebens sich in die Winternacht des Todes verwandeln werde, und sagte in meines Herzens Ohr. Und sogleich sagte mir meine Seele: "Nicht nur weit entfernt von der Heimat bin ich hier. Nein, noch heftiger sind Trauer und Schmerz mir ob meiner Lieben, die ich während fünfzig Jahren meines Lebens verloren habe. Allein zurückgeblieben bin ich hier als ein Fremder und mein Weinen darüber ist schlimmer noch als mein Heimweh. Und schon wächst in mir die Trauer und der Schmerz einer Entfremdung, noch stärker als die Fremdheit in der Gestalt dieses seltsamen Berges und der Erscheinung dieser unheimlichen Nacht. Es ist die Kunde, die das Alter mir vom Nahen der festgesetzten Zeit der Trennung von aller Welt bringt." Entfremdet fand ich mich inmitten der Fremde. Trauer über Trauer nahm Gestalt an.

Da suchte ich nach einem Strahl der Hoffnung und des Lichtes. Da kam mir plötzlich der Glaube an Allah zu Hilfe und es wurde mir ein solcher Trost zuteil, dass er mir in meiner vielfachen Verlassenheit vollauf genügte und mir auch dann noch Trost genug gewesen wäre, hätte sie sich tausendfach vermehrt.

In der Tat, oh ihr alten Männer und Frauen, kann es Fremde für uns nicht geben, weil wir nun einmal einen barmherzigen Schöpfer haben; und weil es nun einmal Ihn gibt, sind auch alle Dinge für uns da; weil es nun einmal Ihn gibt, gibt es auch Seine Engel. Wenn das aber so ist, dann ist auch diese Erde nicht leer. Die unbewohnten Berge und die öden Wüsten sind erfüllt von den Dienern und Anbetern Gottes des Gerechten. Außer diesen, Seinen mit Bewusstsein begabten Dienern und Anbetern kann in Seinem Licht und in Seinem Namen selbst jeder einzelne Stein und Baum uns zu einem vertrauten Freund werden. Auf ihre Art können sie Zwiesprache mit uns halten und uns erfreuen. In der Tat legen alle Beweise und Zeugnisse entsprechend der Menge alles dessen, was da ist im All und entsprechend der Zahl der Buchstaben dieses großen Weltenbuches Zeugnis ab für Seine Existenz und beweisen nach der Menge der Ausrüstungsgegenstände, Nahrungsmittel und Gnadengaben, die Ausdruck der Liebe, Barmherzigkeit und Gnade für alles Lebendige sind, auf die (göttliche) Barmherzigkeit hin, zeigen uns die Schwelle zu unserem Schöpfer, Baumeister und Beschützer, der für uns der Barmherzige, und der Freigiebige, Freund und Vertrauter ist. An dieser Schwelle ist das Bewusstsein der eigenen Schwäche und Hilflosigkeit der vollkommenste Anwalt. Und die beste Zeit, sich dieser seiner Schwäche und Hilflosigkeit bewusst zu werden, ist das Alter. Diesem Alter, das an einer solchen Schwelle willkommener Anwalt ist, darf man nicht zürnen, man muss es lieben.

Siebente Hoffnung:

In einer Zeit, am Anbeginn meines Altseins, als sich das Lachen des Alten Said in das Weinen des Neuen Said umgewandelt hatte, stellten sich

die Weltleute (Politiker) in Ankara mich noch als den Früheren Said vor und luden mich dorthin ein. Ich ging. Es war bald Herbstende, da ich einmal die höchste Stelle der mehr als ich altgewordenen, zerfallenen, abgetragenen Festung von Ankara bestieg. Diese Festung erschien mir als Ereignisse der Geschichte, die sich in Stein verwandelt hatten. Der Herbst, Altsein des Jahres, mein Altsein, das Altsein der Festung, das Altsein der Menschheit, das Altsein des ruhmreichen osmanischen Reiches und das Ableben der Herrschaft des Kalifats und das Altsein der Welt ließen mich in einem überaus traurigen, niedergeschlagenen und schmerzvollen Zustand von dieser hohen Festung in die Bäche der vergangenen Zeit und auf die Berge der zukünftigen Zeit schauen, und ich schaute. In Ankara verspürte ich inmitten der vier-, fünffachen Finsternisse des Altseins, die ineinander eng umschlungen mich umfassten, einen dunkelsten geistigen Zustand,

{Damals war dieser geistige Zustand in Form eines Bittgebetes in persischer Sprache in der Abhandlung "Liebe (Hubab)" in Ankara erschienen.}

weshalb ich nach einem Licht, einer Tröstung, einer Hoffnung suchte. Nach rechts, in die vergangene Zeit schaute ich und suchte nach einer Tröstung. Die Vergangenheit erschien mir als ein riesiges Grabmal meines Vaters, meiner Großväter und meiner Gattung, und vermittelte mir ein Gefühl der Verlassenheit statt einer Tröstung. Die Zukunft, auf meiner linken Seite, betrachtete ich, um nach einer Abhilfe zu suchen. Ich sah sie als ein großes und finsteres Grab für mich, für meine Altersgenossen und für die künftigen Generationen. Statt einer Vertrautheit überkam mich Entsetzen. Von rechts und links schaute ich entsetzt auf den gegenwärtige Tag, in dem ich mich befand. Diesen meinen gottvergessenen und geschichtsbewussten Augen erschien dieser gegenwärtige Tag als ein Sarg, der einen halbtoten und auf der Schlachtbank leidenden Körper, quasi meinen Leichnam trug. Als ich dann auch in dieser Hinsicht verzweifelt war, hob ich meinen Kopf und betrachtete die Krone meines Lebensbaumes. Ich sah, dass dieser Baum nur eine einzige

Frucht hatte, diese Frucht war mein Leichnam. Er hing oben am Baum und schaute mich an. Auch von diesem Anblick war ich entsetzt und senkte meinen Kopf. Ich betrachtete den unteren Teil, die Wurzel des Lebensbaumes. Ich sah, dass die Erde dort unten wie eine Mischung aus der Erde, zu der meine Knochen geworden waren, und der Erde, aus der sie ursprünglich erschaffen worden waren, quasi mit Füßen getreten wurden. Das war also auch kein Heilmittel, sondern fügte zu meinem Schmerz nur noch einen weiteren Schmerz hinzu. Blieb einzig noch der Blick nach hinten. Ich sah: Die Welt, die keine feste Grundlage hat und vergänglich ist, rollt in den Bächen der Nichtigkeiten und in dem Dunkel des Nichts immer weiter. Wo ich doch für meinen Schmerz nach einer lindernden Salbe suchte, wurde ihm noch Gift hinzugefügt. Da ich auf dieser Seite auch nichts Gutes sah, schaute ich nach dem, was vor mir lag und richtete meine Blicke dahin. Ich sah: Das Tor des Grabes stand offen, mitten auf meinem Weg. Mit geöffnetem Maul erwartete es mich. Hinter ihm verlief eine Straße, die in Richtung Ewigkeit führte, und die Scharen, die auf dieser Straße gingen, traten schon von weitem in mein Blickfeld. Gegen diese Schrecken, die aus sechs verschiedenen Richtungen kamen, hatte ich nichts anderes außer dem Bruchteil einer persönlichen Entscheidungsfreiheit, die mir als einen Stützpunkt und Waffe zur Verteidigung dienen sollte. Diese persönliche Entscheidungsfreiheit, welche gegen zahllose Feinde und unzählbare, schädliche Dinge die einzige Waffe des Menschen ist, ist mangelhaft, unzureichend, schwach und kann nichts zu Stande bringen. Sie kann einzig nur der Akzeptanz dienen. Weder vermag sie in die Vergangenheit zurückzugehen, sodass sie die Trauer, die mir aus ihr entstand, beenden könnte, noch in die Zukunft vorauszugehen, sodass sie die Ängste, die aus ihr erwuchsen, hindern könnte. Ich sah, dass sie meinen Hoffnungen und Schmerzen bezüglich dem, was vergangen ist und was noch kommen wird, nichts nutzte. Als ich noch in der Furcht, Verlassenheit, Finsternis und Verzweiflung, die aus diesen sechs Richtungen

kamen, zappelte, eilten mir die Glaubenslichter, die am Himmel des Qur'an, dessen Verkündigung ein Wunder ist, leuchteten, zur Hilfe. Sie erleuchteten diese sechs Seiten so sehr und füllten sie so mit Licht, dass, auch wenn sich jene Schrecken und Finsternisse hundertfach verstärkt hätten, dieses Licht dennoch gegen sie überreichlich wäre. Es verwandelte alle diese Schrecken einen nach dem anderen in Trost und diese Einöden eine nach der anderen in Vertrautheiten. Es ist dies wie folgt:

Der Glaube zerreißt diese fürchterliche Gestalt eines großen Grabmales der vergangenen Zeit und zeigt mir mit augenscheinlicher, sogar wahrhaftiger Gewissheit, dass sie eine vertraute, erleuchtete Versammlung und ein Zusammentreffen der Freunde ist.

Und der Glaube zeigt mit wissenschaftlicher Gewissheit die Zukunft, die durch gottvergessene Betrachtung in der Gestalt eines großen Grabmals erscheint, in der Gestalt einer liebenswerten Versammlung bei dem Gastmahl des Erbarmers in den Palästen der Glückseligkeit.

Und der Glaube zerbricht die Gestalt der gegenwärtigen Zeit, die in gottvergessener Betrachtung wie ein Sarg aussieht, und auch die Gestalt dieses gegenwärtigen Tages und lässt diesen Tag sichtbar vor Augen die Gestalt eines Geschäftes annehmen, eines Handelsabkommens für das Jenseits, eines prächtigen Gästehauses des Erbarmers.

Und der Glaube zeigt mit wissenschaftlicher Gewissheit, dass die einzige Frucht, die der Baum des Lebens trägt, nicht eine Leiche ist, wie es ja in gottvergessener Betrachtungsweise erscheint, sondern dass mein Geist, der das ewige Leben in sich trägt und ein Anwärter für die ewige Glückseligkeit ist, sein zerfallendes Nest verlässt, um zu den Sternen zu reisen.

Und der Glaube zeigt mir in dem Geheimnis des Glaubens, dass die Erde, zu der meine Knochen geworden sind und die Erde, aus der sie erschaffen wurden, keine bedeutungslosen, vermoderten Gebeine sind, die man

mit Füßen tritt, sondern dass diese Erde das Tor der Barmherzigkeit und ein Vorhang vor dem Saal des Paradieses ist.

Und der Glaube zeigt mir im Geheimnis des Qur'an den Zustand der Welt, die hinter mir lag und in Gottvergessenheit betrachtet in Nichtigkeit, in der Finsternis des Nichtseins dahinrollte. Was diese Welt, die scheinbar in Finsternissen dahinrollt, betrifft, so zeigt der Glaube mir, dass sie ein Teil der Briefe dessen ist, der nichts und niemandes bedarf, dessen aber alles und jedes bedarf, und dass sie die Seiten der Ornamente des Gepriesenen ist, die ihren Auftrag erfüllten, ihren Sinn zum Ausdruck brachten und ihre Früchte an ihrer Stelle im Dasein ließen.

Und der Glaube zeigte mir, im Lichte des Qur'an, das Grab, das vor mir mit aufgerissenen Augen auf mich lauerte, und die Straße, die hinter dem Grab in die Ewigkeit führt, dass dieses Grab kein Eingang zu einem Schacht ist, sondern das Tor in die Welt des Lichtes, und dass dieser Weg nicht in die Nichtigkeit und in das Land des Nichts führt, sondern ins Dasein, in das Land des Lichts und in die ewige Glückseligkeit. Da der Glaube mir dies vollkommen überzeugend zeigte, wurde das Grab zu einem Heilmittel und einer Salbe für meine Wunden.

Und der Glaube verleiht dem Menschen anstelle einer bruchstückhaften, persönlichen Entscheidungsfreiheit, die kaum mehr ist als ein wenig Akzeptanz, eine Urkunde, die sich in der Hand dieser persönlichen Entscheidungsfreiheit gegen zahllose Feinde und Finsternisse auf eine nicht endende Macht stützt und mit einer grenzenlosen Barmherzigkeit verbindet. Vielmehr wird der Glaube zu einer Urkunde in der Hand dieser persönlichen Entscheidungsfreiheit. Diese persönliche Entscheidungsfreiheit ist Waffe des Menschen, zwar selbst noch unzulänglich, schwach und mangelhaft. Aber wie ein Soldat, der, wenn er seine persönliche sehr geringe Kraft im Namen des Staates verwendet, tausendfach mehr Arbeiten, als in seiner Kraft liegen, vollbringen kann, genauso kann durch das Geheimnis des Glaubens auch diese bruchstückhafte, persönliche

Entscheidungsfreiheit ein Paradies von einer fünfhundertjährigen Breite gewinnen, wenn sie im Namen Gottes des Gerechten auf Seinen Wegen eingesetzt wird.

Und der Glaube nimmt die Zügel dieser persönlichen Entscheidungsfreiheit, die in die vergangene und die zukünftige Zeit nicht eindringen kann, aus den Händen des Leibes und übergibt sie dem Herzen und dem Geist. Da aber der Lebensbereich des Geistes und des Herzens nicht nur auf die gegenwärtige Zeit beschränkt ist wie der des Körpers und sowohl sehr viele Jahre der Vergangenheit als auch sehr viele Jahre der Zukunft zu seinem Lebensbereich gehören, bleibt diese persönliche Entscheidungsfreiheit nicht mehr nur persönlich und bruchstückhaft sondern gewinnt ihre Ganzheit. Wie sie in die tiefsten Bäche der vergangenen Zeit durch die Kraft des Glaubens eindringen und die Finsternis aller Traurigkeit beseitigen kann, so kann sie durch das Licht des Glaubens die fernsten Berge der Zukunft besteigen, und die Ängste vernichten.

Nun, ihr Geschwister, Damen und Herren in hohem Alter, die ihr wie ich die Mühsal des Alters durchmachen müsst! Elhamdulillah, aller Dank sei Allah, dass wir nun einmal Leute des Glaubens sind und da im Glauben so viele lichtvolle, angenehme, liebliche, süße versteckte Schätze vorhanden sind, und da unser Alter uns an diese Schätze noch näher heranführt, sollten wir uns doch in jedem Fall nicht über das Alter, wenn es denn aus dem Glauben gelebt wird, beklagen, sondern vielmehr dafür tausende Male danken.

Achte Hoffnung:

Zu einer Zeit, da sich mein Haupt mit weißen Haaren, dem Merkmal meines Alters zu bedecken begann, sah ich den Tumult des Weltkrieges, welcher den tiefen Schlaf meines Jungseins (in dem ich mich bis dahin noch immer befunden hatte) noch mehr vertiefte, erfuhr ich die Ungewissheit meiner Gefangenschaft, stieg auf zu Amt und Würden, Ehre und Ansehen. Als ich dann in Istanbul ankam, wurde ich, angefangen von dem Kalifen, über den Scheich-ul'Islam, den Obersten Kommandanten

bis hinab zu den Schülern in den Medressen mit weit größerer Hochachtung willkommen geheißen, als mir eigentlich zustand. Der Rausch der Jugendzeit und die geistige Haltung, die aus diesem Zustand erwuchs, vertiefte jenen Schlaf dermaßen, dass ich die Welt als quasi beständig und mich selbst in einem seltsamen Zustand erfuhr, gleich einem, der, als sei er selbst unsterblich, der Welt verhaftet ist.

In jener Zeit ging ich im heiligen Monat Ramadan in die gesegnete Moschee Bayezid in Istanbul, um den Rezitatoren zu lauschen, die den Qur'an aufrichtigen Herzens vortrugen. Der Qur'an, dessen Verkündigung ein Wunder ist, verkündet mit seinem hohen Anspruch vom Himmel herab durch den Mund der Rezitatoren den Erlass

كُلُّ نَفْسٍ ذَآئِقَةُ الْمَوْتِ

{"Eine jede Seele wird einmal den Tod kosten!" (Sure 3, 185)}

mit großer Macht, ein Ruf, welcher die Vergänglichkeit des Menschen und die Sterblichkeit alles Lebendigen verkündet. Dieser Ruf drang in mein Ohr ein, nistete in meinem Herzen, schlug jene so mächtigen Schichten des Schlafes, des Rausches und der Gottvergessenheit in Stücke. Ich ging aus der Moschee. In der Trunkenheit jenes langen und tiefen Schlafes, der so lange über meinem Haupte gelegen hatte, erlebte ich mich noch Tage lang wie ein Schiff, das gleich einem Unwetter, Feuer und Rauch über meinem Kopf, die Orientierung verloren hat. Jedes Mal, wenn ich mich im Spiegel betrachtete, sagten mir meine weißen Haare: "Gib Acht!" In der Ermahnung meiner weißen Haare wurde mir meine Lage klar und ich sah:

Die Jugendzeit, der ich so sehr vertraut hatte und in deren Freuden ich vernarrt gewesen war, sagte mir Lebewohl. Und das irdische Leben, dessen Liebe ich so sehr verhaftet gewesen war, begann zu verlöschen. Und die Welt, der ich so sehr verhaftet gewesen, in die ich geradezu verliebt gewesen war, sagte mir: "Viel Glück auf deinem Weg!", und gemahnte mich daran, dass ich aus diesem

Gasthaus ausziehen werde. Sie selbst aber sagte zu mir: "Gott befohlen!" und bereitete sich auf ihren Abschied vor. Wenn der Qur'an, dessen Verkündigung ein Wunder ist, den Vers

كُلُّ نَفْسٍ ذَآئِقَةُ الْمَوْتِ

{"Eine jede Seele wird einmal den Tod kosten!" (Sure 3, 185)}

in seinem gesamten Sinngehalt verkündet, so sagt er damit: "Die Menschheit ist in ihrer Ganzheit eine Seele. Um wieder aufzuerstehen, wird sie sterben. Und auch die Erde ist eine Seele. Um ihre ewige Gestalt annehmen zu können, wird auch sie sterben. So ist auch der gesamte Kosmos eine Seele. Um seine jenseitige Gestalt annehmen zu können, wird sie auch sterben." Meinem Herzen öffnete sich diese Bedeutung durch den Hinweis dieses Qur'anverses.

In dieser Verfassung betrachtete ich meine Lage: Die Jugend, die die Quelle der Freude ist, vergeht. An ihre Stelle tritt das Alter, das der Ursprung der Trauer ist. Und dieses so glanzvolle, strahlende Leben vergeht. Der uns so finster und schrecklich erscheinende Tod bereitet sich vor, an seine Stelle zu treten. Ich sah, dass die Welt, die wir in ihrer Beständigkeit für so lieblich halten, und die die Geliebte der Gottvergessenen ist, in großer Geschwindigkeit ihrem Untergang entgegen strebt.

Um mich selbst zu täuschen und meinen Kopf erneut in die Gottvergessenheit zu versenken, hielt ich nach dem Genuss gesellschaftlicher Anerkennung Ausschau, die ich in Istanbul weitaus mehr erfahren hatte, als ich verdiente, was mir jedoch nichts nutzte. Alle Hochachtung, alles Entgegenkommen und aller Trost können nur bis an das nahegelegene Tor des Grabes reichen und verlöschen dort. Und unter dem geschmückten Schleier des Ruhmes und der Würde, die ein Traumziel der Ruhmsüchtigen ist, sah ich eine bedrückende Heuchelei, eine kalte Selbstgefälligkeit und einen nur vorübergehenden Rausch. Und so verstand ich, dass diese Dinge, die mich bis jetzt getäuscht

hatten, mir keinerlei Trost geben können und es in ihnen überhaupt kein Licht gibt.

Um erneut vollständig zu erwachen, begann ich wieder den Qur'an-Rezitationen in der Bayezid Moschee zuzuhören, um an der himmlischen Lektion des Qur'an teilzunehmen. Sodann vernahm ich und entnahm dieser himmlischen Lektion frohe Botschaften mit heiligen Erlassen wie

وَبَشِّرِ الَّذِينَ اٰمَنُوا

{"Verkünde frohe Botschaft denjenigen, die glauben, usw."}

Durch den Segen, den ich aus dem Qur'an erhielt, suchte ich nicht mehr von außerhalb Trost, sondern gerade innerhalb jener Dinge, die mir Furcht, Verlassenheit und Verzweiflung einflößten, nun den Trost, die Hoffnung und das Licht. Dank sei Gott dem Gerechten hunderttausendmal: Innerhalb des Schmerzes selbst fand ich das Heil, innerhalb der Finsternis selbst fand ich das Licht und innerhalb der Furcht selbst fand ich den Trost. Als allererstes betrachtete ich das Gesicht des Todes, das alle in Schrecken versetzt und das als das Allerschrecklichste dargestellt wird. Ich sah im Lichte des Qur'an:

Der Schleier des Todes ist zwar finster, schwarz und hässlich; für einen Gläubigen aber ist sein wirkliches Antlitz schön und von guter Ausstrahlung. Und in vielen Abhandlungen stellte sich diese Tatsache mit unwiderlegbar sicheren Beweisen heraus. Wie wir schon in vielen Abhandlungen wie in dem "Achten Wort" und in dem "Zwanzigsten Brief" erläuterten, ist der Tod keine Hinrichtung, keine Trennung, sondern der Anfang des ewigen Lebens, sein Anbeginn und der Feierabend von der Mühsal des Lebensauftrages, eine Entlassung und ein Ortswechsel. Er ist ein Wiederzusammentreffen mit den Scharen der Freunde, die in das Zwischenreich ausgewandert sind. Durch dergleichen Wahrheiten wie diese, erkannte ich das wahre, schöne Gesicht des Todes. Nicht fürchtend, sondern in einer Hinsicht sehnsüchtig betrachtete ich das Antlitz des Todes. Ich verstand nun ein Geheimnis, das den Ordensleuten entsprechend in dieser Verbundenheit mit dem Tod liegt.

Dann betrachtete ich mir die Jugendzeit, die in ihrem Vergehen mich wie jeden zum Weinen bringt, über die jeder entzückt ist, deren Liebhaber ein jeder ist, und die mit Sünden und in Gottvergessenheit vergeht und vergangen ist. In ihrem derartig schönen, geschmückten Kleid erkannte ich ein überaus hässliches, trunkenes, berauschtes Gesicht. Hätte ich ihren Sinn nicht schon vorher erkannt, so hätte sie mich für hundert Jahre zum Weinen gebracht - falls ich so lange auf Erden verweilt hätte - nachdem sie mich für einige Jahre berauscht und zum Lachen gebracht hatte. Wie auch einer derer, denen es so ergangen war unter Tränen gesagt hat:

لَيْتَ الشَّبَابَ يَعُودُ يَوْمًا فَاُخْبِرَهُ بِمَا فَعَلَ اْلمَشِيبُ

Das heißt: "Ach könnte meine Jugendzeit eines Tages zurückkehren, würde ich mich bei ihr beklagen, welch traurige Zustände dieses Altsein über mich brachte."

Tatsächlich weinen die Alten - wie der obige - die den Sinn der Jugendzeit nicht kannten, indem sie sie bedauern und sich nach ihr sehnen, wenn sie an sie zurückdenken. In Wirklichkeit ist die Jugend ein ganz besonders solventes Handelsgut, ein guter und schöner Anlass zu segensreichen Taten, wenn sie von den Gläubigen, den Leuten des Herzens, d.h. Leuten, die sich ständig der Gegenwart Gottes bewusst sind und die ihre Sinne beisammen und das Herz am rechten Fleck haben, für Gottesdienst, für segensreiche Taten und für einen Handel ausgegeben wird, der für das Jenseitige nutzt. Und diese Jugend ist für diejenigen, die sie nicht missbrauchen, sondern die ihre religiöse Pflicht kennen, ein Geschenk Gottes, das wertvoll ist und froh stimmt. Wenn die rechte Leitung, Sittsamkeit und Gottesfurcht nicht die Jugendzeit begleitet, ist sie sehr gefährlich. Durch ihre übermütigen Handlungen schwächt die Jugend ihr Ewiges Glück und das jenseitige Leben. Sie verdirbt vielleicht auch ihr weltliches Leben vollkommen. Ja, sie wird sogar an Stelle der ein-, zweijährigen Freude in der Jugendzeit viele Jahre im Alter Kummer und Sorge haben.

Die meisten Menschen kommen in ihrer Jugendzeit zu Schaden. Daher müssen wir Alten, Allah danken, dass wir nicht mehr den schädlichen und gefährlichen Einflüssen der Jugendzeit ausgesetzt sind. Wie alle Dinge werden auch mit Sicherheit die Freuden der Jugend vergehen. Wurde aber diese Zeit für Gottesanbetung und segensreiche Taten ausgegeben, bleiben an ihrer Stelle ihre Früchte bestehen und bewirken, eine Jugend im ewigen Leben zu gewinnen.

Dann betrachtete ich die Welt, in die die meisten Menschen verliebt und vernarrt sind. Im Lichte des Qur'an sah ich: Es gibt drei universelle Welten, die ineinander verflochten sind.

Der Aspekt der ersten betrifft die Namen Gottes, für die sie als Spiegel dient!

Der Aspekt der zweiten betrifft das Jenseits, für das sie ein Acker ist!

Der Aspekt der dritten betrifft die Weltleute! Für Leute, die gottvergessen leben, ist sie ein Spielplatz.

Zudem hat jeder in dieser Welt seine eigene riesengroße Welt. So, als ob nach der Anzahl der Menschen Welten ineinander verflochten sind. Aber für jeden ist sein eigenes Leben die tragende Säule seiner persönlichen Welt. Wenn aber sein Körper zusammenbricht, bricht auch seine eigene Welt über seinem Kopf zusammen und bricht auch sein Weltuntergang an. Da die gottvergessen lebenden Leute diesen Zustand ihrer eigenen Welt (in sich), die so leicht zusammenzubrechen droht, nicht kennen, halten sie sie für so beständig wie die Welt (um sich und) im Allgemeinen und beten sie an.

"So wie die Welten der anderen habe auch ich eine Welt für mich, die leicht zerbricht und verdirbt. Was hat diese meine persönliche Welt in dieser so kurzen Lebensspanne für einen Nutzen?", fragte ich mich. Im Lichte des Qur'an erkannte ich: Sowohl für mich, als auch für jeden anderen gleicht diese Welt einem zeitweiligen Messe- und

Handelszentrum, einem Gasthaus, das sich jeden Tag füllt und wieder leert, einem Basar, der zum Anund Verkauf aller, die da auf der Straße kommen und gehen, errichtet ist, ein Buch, in dem der urewige Designer in Seiner Weisheit immer wieder aufs Neue schreibt und wieder löscht. Jeder Frühling ist ein Brief von Ihm, geschrieben mit goldenen Lettern; und jeder Sommer ist Seine gereimte Kasside. Die Welt ist eine Vielzahl von Spiegeln, die die Erscheinungen der Namen des majestätischen Schöpfers immer neu zeigen. Sie gleicht einer Baumschule für das Jenseits, einem Setzbeet der Barmherzigkeit Gottes, einem Webstuhl, der vorübergehend aufgestellt wurde, um die Szenen, die in der ewigen Welt gezeigt werden sollen, auf ihm zu gestalten. In diesem Sinn erkannte ich die Welt und dankte hunderttausendmal dem majestätischen Schöpfer, der diese Welt in dieser Form und Gestalt erschafft. Und ich erkannte, dass diejenigen, denen die Liebe zur Welt, die doch der Menschheit als deren schöner innerer Aspekt geschenkt wurde, der das Jenseits und die Namen Gottes betrachtet, missbrauchen und sie (die Liebe) als deren vergänglichen, hässlichen und verderblichen Aspekt ausgeben, einen Aspekt der Gottvergessenheit, der den Sinn der heiligen Hadith

حُبُّ الدُّنْيَا رَأْسُ كُلِّ خَطِيئَةٍ

{"Die Liebe zur Welt ist der Anfang aller Fehler."}

erkennen lässt.

Dies also, meine Damen und Herren im vorgerückten Alter, habe ich im Lichte des Weisen Qur'an und durch mein eigenes Alter als Wahrheit erkannt, nachdem mir der Glaube die Augen geöffnet hatte. Und in vielen Abhandlungen bewies ich sie mit unwiderlegbaren Zeugnissen. Ich fand dadurch eine wahrhaftige Tröstung, eine starke Hoffnung und ein hell strahlendes Licht. Ich fand Zufriedenheit in meinem Alter und war froh, dass meine Jugend vorüber war. So sollt auch ihr nicht weinen, sondern danken. Da dies nun einmal der Glaube ist und so die Wahrheit, mögen

die Leute der Gottvergessenheit weinen, mögen die Leute des Irrweges weinen...

Neunte Hoffnung:

Während des ersten Weltkrieges befand ich mich weit weg im nordöstlichen Russland in der Stadt Kostroma in Gefangenschaft. Es befand sich da am Ufer des bekannten Wolgastromes eine kleine Moschee der Tataren. Ich langweilte mich unter den Offizieren, die dort als meine Kameraden mit mir gefangen waren. Es verlangte in mir nach Einsamkeit. Draußen konnte ich nicht ohne Erlaubnis spazieren gehen. Die Tataren leisteten für mich eine Bürgschaft und nahmen mich in diese kleine Moschee am Ufer der Wolga mit. Ich schlief allein in der Moschee. Der Frühling war nahe. In diesen langen und tiefen Nächten im Norden des weiten Landes lag ich sehr lange wach. In diesen dunklen Nächten, in dieser düsteren Fremde, bei dem melancholischen Rauschen der Wolga, in dem klagenden Rinnen des Regens, in dem sehnsuchtsvollen Wehen des Windes wurde ich zumindest vorübergehend aus meinem tiefen, sorglosen Schlaf aufgeweckt. Ich wusste mich überhaupt noch nicht alt. Aber wer den Weltkrieg gesehen hat, der ist alt. Es war, als sei mir das Geheimnis von

يَوْمًا يَجْعَلُ الْوِلْدَانَ شِيبًا

{"Der Tag, an dem sich Kinder als Greise wiederfinden."}

offenbar geworden. In solchen Tagen, da Kinder zu Greisen werden, war ich vierzig Jahre alt; aber ich befand mich in einem solchen Zustand, als sei ich schon achtzig Jahre alt. Während dieser dunklen langen Nacht, in dieser betrüblichen Fremde, in diesem betrüblichen Zustand überkam mich eine Art Verzweiflung am Leben. Ich betrachtete meine Schwäche, meine Einsamkeit, gab meine Hoffnung auf. Während ich mich noch in diesem Zustand befand, kam mir die Hilfe aus dem Weisen Qur'an. Mein Mund sprach:

حَسْبُنَا اللهُ وَ نِعْمَ الْوَكِيلُ

{"Gott ist mein Genügen und Er ist der vortrefflichste Anwalt." (Sure 3, 173)}

Und auch mein Herz sagte weinend:

غَرِيبَمْ بِيكَسَمْ ضَعِيفَمْ نَاتُوَانَمْ اَ ْلاَمَانْ كُوَيمْ

عَفْوُجُويَمْ مَدَدْخَوٰاهَمْ زِدَرْكَاهَتْ اِلٰهِى

{"Ich bin in der Fremde, ohne Verwandte, schwach, kraftlos. Ich flehe um Schutz. Ich bitte um Verzeihung. Ich rufe um Hilfe an Deiner Schwelle, oh Allah!"}

Mein Geist dachte auch an die alten Freunde in der Heimat und stellte sich meinen Tod in der Fremde vor und wie Niyazi Misri sagte ich:

"Ich habe die Sorge um weltliche Dinge aufgegeben und

meine Flügel im Nichts gebreitet und

Begeisterung mit jedem Atemzug! -

fliege ich und rufe aus: Freund! Freund!"

So sagte ich und suchte Freunde. Wie dem auch sei, in dieser langen Nacht in der Fremde, die so voll der Sehnsucht, von Traurigkeit und Klage erfüllt das Herz rührte, wurde meine Hilflosigkeit und Schwäche an der Schwelle des Hauses Gottes zu einem so großen Fürsprecher und Mittler, dass ich noch jetzt darüber erstaunt bin. Denn einige Tage später brach ich völlig unerwarteter Weise und - obwohl ich kein russisch konnte - ganz allein zu einer Flucht über eine Entfernung von einem Jahr Fußmarsch auf. Meine Schwäche und Hilflosigkeit rief die Gnade Gottes herbei und so habe ich mich auf wunderbare Weise gerettet. Auf dem Wege über Warschau gelangte ich nach Österreich, kam in Istanbul an. Es ist ein großes Wunder, auf was für eine leichte Art ich mich zu retten vermochte. Obwohl auch die klügsten und tapfersten Männer, selbst wenn sie russisch konnten, nicht ans Ziel gelangten, habe ich doch auf eine ganz leichte und einfache Weise diese meine Reise auf der Flucht zu Ende geführt. Aber der Charakter jener oben erwähnten Nacht in der Moschee am Ufer der Wolga hat in mir den folgenden Entschluss reifen lassen: "Ich werde den Rest meines Lebens in Höhlen verbringen! Ich habe mich um das soziale Leben der Menschen gekümmert und jetzt ist es genug. Da ich nun einmal am Ende einsam ins Grab steigen werde, will ich die Einsamkeit wählen, mich ab heute an die Einsamkeit

gewöhnen." Aber in Istanbul ließen mich meine vielen bedeutenden und wichtigen Freunde und das glanzvolle irdische Leben dort in Istanbul und besonders so nutzlose Dinge wie Ruhm und Ehre, die man mir im Übermaß erwies, diesen meinen Vorsatz vorübergehend vergessen. Als ob diese Nacht in der Fremde das lichtempfindliche Schwarz im Auge meines Lebens gewesen wäre und der weiße, glanzvolle Tag von Istanbul das lichtunempfindliche Weiß im Auge meines Lebens, sodass ich nicht nach vorne schauen konnte, und wieder einschlief, bis dass mir zwei Jahre später Abdulkadir Geylanis Buch "Futuh-ul'Ghayb"(Durchbruch durch das Unsichtbare) erneut die Augen öffnete.

Also oh ihr alten Frauen und Männer! Wisset, dass die Schwäche und Ohnmacht im Alter ein Anlass ist, die Barmherzigkeit und Güte Gottes heranzuziehen. Wie ich in meinem persönlichen Leben durch viele Ereignisse immer wieder erfahren habe, so zeigt auch die Erscheinung der Barmherzigkeit auf dem Antlitz der Erde, diese Wahrheit in einer Überaus offensichtlichen Weise. Denn die Schwächsten und Ohnmächtigsten in der Tierwelt sind die Jungtiere. In der Tat sind sie es, die die süßeste und schönste Erscheinung der Barmherzigkeit erfahren. Durch die Ohnmacht eines Jungen im Nest auf dem Wipfel eines Baumes nimmt die Erscheinung der Barmherzigkeit als einen gehorsamen Soldaten seine Mutter in Dienst. Sie fliegt umher und bringt ihm seine Nahrung. Wann immer aber dieses Junge im Erstarken seiner Flügel seine Ohnmacht vergisst, sagt ihm seine Mutter "Geh, such deine Nahrung selber!" und sorgt sich fortan nicht mehr um ihn.

Also, dieses Geheimnis der Barmherzigkeit, das für die Neugeborenen gilt, gilt auch für die Alten, die hinsichtlich der Schwäche und Ohnmacht den kleinen Kindern gleichen. Ich habe so viele Erfahrungen, die mich absolut sicher überzeugen, dass, wie den Säuglingen ihre Nahrung wegen ihrer Ohnmacht durch die Barmherzigkeit in einer wunderbaren Weise, aus den Hähnen der Brüste gesandt

wird und fließt, auch den gläubigen Alten, die eine Unschuld erlangt haben, ihre Nahrung in Form des Segens gesandt wird. Außerdem beweist eine heilige Hadith diese Tatsache in dem folgenden Abschnitt:

وَ لَوْ لاَ الشُّيوُخُ الرُّكَّعُ لَصُبَّ عَلَيْكُمُ الْبَلاَءُ صَبًّا

Anmerkung:

Der übrige Abschnitt der Hadith,

وَلَوْ لاَ الْبَهَائِمُ الرُّتَّعُ وَالصِّبْيَانُ الرُّضَّعُ

"Wären kein Vieh auf der Weide und keine zu stillenden Kinder..." usw. - oder so wie überliefert.}

d.h.: "Wären keine alten Leute mit gebeugten Rücken unter euch, so würden Unglücke über euch wie eine Sintflut herabstürzen," was besagt, dass die tragende Säule in einem Haus, die Alten sind, die in ihm leben, und dass, was ein Haus vor Unglücken schützt, die hilflosen alten Frauen und Männer mit gebeugtem Rücken sind, die in dem Haus leben.

Da die Schwäche und Ohnmacht des Alters nun einmal ein solcher Anlass ist, die Barmherzigkeit Gottes heranzuziehen, und da der Weise Qur'an nun einmal mit den Versen

اِمَّا يَبْلُغَنَّ عِنْدَكَ الْكِبَرَ اَحَدُهُمَآ اَوْ كِلاَهُمَا فَلاَ تَقُلْ لَهُمَا اُفٍّ وَلاَ تَنْهَرْهُمَا وَقُلْ لَهُمَا قَوْلاً كَرِيمًا وَاخْفِضْ لَهُمَا جَنَاحَ الذُّلِّ مِنَ الرَّحْمَةِ وَقُلْ رَبِّ ارْحَمْهُمَا كَمَا رَبَّيَانِى صَغِيرًا

{"Und zu den Eltern (solltest du) gut sein. Wenn eines von ihnen (Vater oder Mutter) oder (alle) beide bei dir (im Haus) hochbetagt geworden (und mit den Schwächen des Greisenalters behaftet) sind, dann sag nicht 'Pfui!' zu ihnen und fahre sie nicht an, sondern sprich ehrerbietig zu ihnen, und senke für sie in Barmherzigkeit den Flügel der (Selbst)erniedrigung (d.h. benimm dich ihnen gegenüber aus Barmherzigkeit freundlich und gefügig) und sag: 'Herr! Erbarm Dich ihrer (ebenso mitleidig), wie sie mich aufgezogen haben, als ich klein und (hilflos) war!'" (Sure 17, 23-24)}

die Kinder in einer überaus wunderbaren Ausdrucksweise in fünf Hinsichten zum Respekt und zur Liebe den alten Müttern und Vätern gegenüber aufruft, und da die Religion des Islam nun einmal Respekt und Güte den Alten gegenüber befiehlt, und da die Menschlichkeit in ihrem Wesen den Respekt und die Barmherzigkeit den Alten gegenüber erfordert, bekommen wir Alten auf jeden Fall anstelle von einem vorübergehenden materiellen Genuss, welcher der Genussfähigkeit der Jugend entspricht, die Barmherzigkeit

und den Respekt, welche geistig, beständig und wertvoll sind und aus der Güte Gottes und aus dem Mitgefühl erwächst, und die geistigen Freuden, die aus dieser Barmherzigkeit und diesem Respekt herrühren. Daher sollen wir dieses unser Altsein gegen hundertmal Jugend nicht tauschen. Ja, ich versichere euch, dass ich, könnte man mir zehn Jahre Jugend des Alten Said zurückgeben, kein Jahr von dem jetzigen Zustand des Neuen Said in seinem Alter abgeben würde. Mit meinem Alter bin ich zufrieden. Ihr sollt auch mit eurem zufrieden sein.

Zehnte Hoffnung:

Einmal aus der Gefangenschaft zurückgekehrt, übermannte mich in Istanbul für ein, zwei Jahre wieder die Sorglosigkeit. Das politische Klima hatte mir den Blick von mir selbst hinweg gehoben und in alle Winde zerstreut. So saß ich eines Tages in Istanbul an hoher Stelle im Eyyub Sultan Friedhof und blickte hinunter in den Bach. Ich ließ meine Blicke über Istanbul hinweg bis zum Horizont schweifen. Plötzlich sah ich, wie mir meine persönliche Welt starb. Es kam mir eine Phantasievorstellung, so als zöge sich gewissermaßen mein Geist hinweg. Ich sagte mir: "Bringen mir etwa die Inschriften auf den Grabsteinen dieses Friedhofes solche Phantasievorstellungen?" Ich zog meinen Blick wieder zurück, ließ ihn nicht in die Ferne schweifen, sondern richtete ihn auf den Friedhof. Mein Herz wurde gemahnt: "In diesem Friedhof um dich herum ist hundertmal Istanbul. Denn hundertmal wurde Istanbul hierher entleert. Du kannst dich nicht vor dem Urteil des Allmächtigen Königs retten, der die Einwohner von ganz Istanbul hierher entleert hat, und eine Ausnahme bilden. Auch du wirst gehen! " Ich verließ den Friedhof und trat in dieser fürchterlichen Vorstellung in ein kleines Zimmer der Eyyub Sultan Moschee ein, wie ich das schon oft getan hatte. Ich dachte mir, dass ich in dreifacher Hinsicht ein Gast bin: So wie ich in diesem Zimmer hier ein Gast bin, so bin ich ein Gast auch in Istanbul, ein Gast auch in dieser Welt. Ein Gast muss auf den Weg achten. Wie ich aus diesem Zimmer weggehen werde, so werde ich eines

Tages auch aus Istanbul weggehen, eines Tages auch aus der Welt weggehen.

In diesem Zustand beschlich Schmerz, Kummer und Sorge mir Herz und Verstand, ein Gefühl des Mitleidens in der Stunde der Trennung. Denn ich verliere nicht nur ein, zwei Freunde, nein, so wie ich mich von tausenden mir liebgewordenen Freunden in Istanbul trennen muss, so werde ich auch mein so geliebtes Istanbul verlassen müssen. So wie ich mich in dieser Welt von hunderttausenden Freuden trennen muss, so muss ich auch diese schöne Welt verlassen, die ich so liebe und der ich verhaftet bin. So dachte ich und begab mich wieder an jenen hohen Platz auf dem Friedhof. Ich ging damals gelegentlich ins Kino, weil mich diese neue Technik interessierte. In diesem Augenblick kamen mir die Menschen wie Schatten vor, die im Kino von der Vergangenheit in die Gegenwart hineinprojiziert werden, wobei man längst Verstorbene wieder umherwandeln sieht. In gleicher Weise erschienen mir die Menschen, die ich in diesem Augenblick sah, wie wandelnde Leichname. Mein Phantasiebild sprach zu mir: Da man nun einmal einen Teil derer, die hier auf dem Friedhof liegen, im Kino umherwandeln sehen kann, betrachte auch diejenigen, welche ganz bestimmt einmal auf diesen Friedhof getragen werden, so, als habe man sie bereits hierher gebracht. Auch sie sind wandelnde Leichname... Plötzlich wandelte sich im Lichte des Weisen Qur'an und unter der Rechtleitung von Gauth-u 'Adham Scheich Geylani (Allah heilige seine Geheimnisse) Hazretleri diese betrübliche Verfassung in einen fröhlichen und glücklichen Zustand um. Und zwar so: In dieser trübseligen Verfassung gemahnte mich das Licht, das aus dem Qur'an hervorgeht:

Du hattest im Nordosten, in Kostroma, in der Fremde, ein, zwei mitgefangene Offiziere zu Freunden. Du wusstest, dass diese Freunde auf jeden Fall nach Istanbul zurückkehren würden. Hätte jemand zu dir gesagt: "Willst du nach Istanbul zurückkehren oder hier bleiben?" und hättest du auch nur einen Funken Verstand gehabt, wärest du

damit einverstanden gewesen, froh und heiter nach Istanbul zurückzukehren. Denn von tausend und einem Freund sind 999 in Istanbul. Ein oder zwei sind hier geblieben. Auch sie werden dorthin zurückkehren. Nach Istanbul zu reisen bedeutet für dich keine bedauerliche Trennung, keinen schmerzlichen Abschied. Und nun, da du angekommen bist, bist du etwa nicht zufrieden? Du hast dich vor den so düsteren, langen Nächten und den so kalten stürmischen Wintern in diesem feindlichen Land gerettet. Du bist in dieses schöne Istanbul gekommen, das in dieser schönen Welt wie ein Paradies ist. In gleicher Weise gilt: "Von deinen Lieben sind seit deiner Kindheit bis zum heutigen Tage neunundneunzig von hundert in dieses dir Furcht einflößende Gräberfeld umgesiedelt worden. Du hast noch ein oder zwei Freunde, die in dieser Welt zurückgeblieben sind. Auch sie werden dorthin umgesiedelt werden. Dein Tod in dieser Welt ist keine Trennung, sondern eine Begegnung. Du wirst deine Freunde wiedersehen. Sie, das heißt die ewigen Geister, verlassen ihr alt gewordenes Nest unter der Erde, ein Teil wandelt zwischen den Sternen, ein Teil wandert über die Stufen der Schattenwelt." So wurde ich ermahnt. Ja, Qur'an und Glaube haben diese Wahrheit in einem solchen Grade und mit so absoluter Sicherheit bewiesen, dass, wer nicht ganz und gar ohne Herz und Verstand ist, oder wessen Herz nicht auf einem Irrweg versunken ist, sie im Glauben annehmen muss, als sähe er sie vor Augen. Denn der freigiebige und barmherzige Meister, der diese Welt mit so zahllosen Arten Seiner Huld und Güte geschmückt hat und über ihr Seine Herrschaft mit solcher Gast- und Menschenfreundlichkeit walten lässt, der auch so winzige und bedeutungslose Dinge wie ein Samenkorn schützt, wird sicherlich und gewiss den Menschen, dieses vollkommenste und vielseitigste, dieses bedeutendste und geliebteste unter all Seinen Geschöpfen, nicht so ganz ohne Sinn und Erbarmen verurteilen, zerstören, vernichten, wie es nach außen hin den Anschein hat. Nein, der Barmherzige Schöpfer begräbt Seine geliebten Geschöpfe für eine Zeitlang unter der Erde, damit sie ihnen

ein Tor zur Barmherzigkeit werde, so wie ein Bauer den Samen in die Erde streut, damit er in einem neuen Leben erblühe.

{Diese Wahrheit wurde in anderen Abhandlungen so klar, wie zwei mal zwei vier ist, bewiesen, besonders im "Zehnten" und "Neunundzwanzigsten Wort".}

So also erschien mir dieses Gräberfeld lieblicher als Istanbul, nachdem ich einmal diese Ermahnung aus dem Qur'an empfangen hatte. Das Leben wie ein Eremit in der Einsamkeit wurde mir willkommener als gesellschaftlichen Umgang zu pflegen. So fand ich denn auch in Sariyer ein abgelegenes Haus für mich nahe am Bosporus. So wie mir der Ghauth-u 'Adham(Allah heilige seine Geheimnisse) durch sein "Futuh-ul'Ghayb"zum Meister, Arzt und Lehrer geworden war, so wurde mir nun Imam Rabbani(Allah möge mit ihm zufrieden sein) mit seinem "Mektubat"(Briefe) zu einem Freund, Vater und Lehrer. Um diese Zeit begann ich schon älter zu werden und von den Genüssen des Stadtlebens Abstand zu nehmen und mich vom gesellschaftlichen Leben abzusondern. Dadurch bin ich sehr froh geworden. Dank sei Allah...

Also ihr Leute, die ihr wie ich in das Alter (des Lebens) eingetreten seid und durch die Ermahnung des Altseins öfters an den Tod erinnert werdet! Im Lichte des Glaubensunterrichtes, den uns der Qur'an erteilt, sollen wir das Alter, den Tod und die Krankheit als schön betrachten, ja mehr noch: uns in gewisser Hinsicht darauf freuen. Da wir nun einmal ein grenzenlos wertvolles Geschenk wie den Glauben besitzen, so ist auch das Alter schön, auch die Krankheit ist schön und auch der Tod ist schön. Was unschön ist, das sind die Sünden, die Ausschweifungen, die Ketzerei und der Irrglaube.

Elfte Hoffnung:

Nachdem ich aus der Gefangenschaft nach Istanbul zurückgekehrt war, wohnte ich mit meinem verstorbenen Neffen Abdurrahman (er ruhe in Frieden) zusammen in einer Villa auf dem Berg Tjamlidja. Dieses mein Leben konnte man vom Standpunkte des

irdischen Lebens aus betrachtet für Menschen meines Standes als das glücklichste Leben bezeichnen.

Denn ich hatte mich aus der Gefangenschaft gerettet. An der "Dar-ul'Hikmet" hatte ich in meinem Beruf als Wissenschaftler entsprechend in höchstem Maße Erfolg mit meinen wissenschaftlichen Publikationen. Ich genoss ein hohes Ansehen und man hatte mich mit Ehren überhäuft. Verglichen mit anderen Wohnvierteln Istanbuls wohnte ich hier in Tjamlidja in der schönsten Gegend. Alle meine Angelegenheiten waren aufs Beste geordnet und es fehlte mir an nichts. Mein verstorbener Neffe Abdurrahman, ein hochintelligenter, idealgesinnter Schüler, wohnte bei mir und war zugleich mein Diener und Sekretär und mein Adoptivkind. Ich wusste, dass ich in dieser Welt mehr als andere glücklich war. Da schaute ich in den Spiegel: Ich erblickte weiße Haare auf meinem Kopf und in meinem Bart. Da wurde plötzlich mein Geist wieder so wach wie während meiner Gefangenschaft in der Moschee von Kostroma. Infolgedessen begann ich die Umstände und Ursachen kritisch zu betrachten, mit denen ich in meinem Herzen verbunden war, und die ich für den Angelpunkt meines irdischen Glückes hielt. Welche ich auch immer untersuchte, ich sah, dass sie faul, nicht des Interesses wert, und trügerisch waren. In der gleichen Zeit beobachtete ich bei einem Kollegen, den ich für absolut loyal gehalten hatte, eine Unkollegialität und unvorstellbare Unzuverlässigkeit. Ein Widerwille gegenüber dem irdischen Leben überkam mich. Ich sagte mir in meinem Herzen:

Habe ich mich denn so völlig geirrt? Ich sehe, dass uns sehr viele Menschen in unserer Situation beneiden, wo wir doch in Wirklichkeit zu bedauern wären... Sind alle diese Menschen verrückt geworden? Oder werde ich jetzt selbst verrückt, sodass ich die Menschen, welche diese Welt anbeten, für verrückt halte? Wie dem auch sei... erst jetzt erkannte ich mit dem Scharfsinn, den das Alter verleiht, die Vergänglichkeit der vergänglichen Dinge, für die ich mich interessiert hatte.

Ich betrachtete mich selbst, erkannte schließlich meine Schwäche. Zu gleicher Zeit sagte mir mein Geist, der nach Ewigkeit verlangte und dem Vergänglichen verhaftet war, das er für beständig erachtete, mit aller Kraft: Da nun einmal mein Körper vergänglich ist, was soll mir da noch aus dem Vergänglichen an Gutem zuteil werden? Da ich nun einmal hilflos bin, was habe ich da noch von diesen Hilflosen zu erwarten? In meinem Kummer sagte ich mir: es muss einen Unvergänglich-Unsterblichen, einen Allmächtig-Ewigen geben, der einen Ausweg findet. So begann ich Ihn zu suchen. Zu dieser Zeit begann ich vor allem bei der Wissenschaft, die ich seit langem studiert hatte, Tröstung und Hoffnung zu suchen. Leider hatte ich bis zu diesem Zeitpunkt die philosophische und die islamische Wissenschaft zusammen in mich hinein gefüllt und irrtümlicher Weise angenommen, dass die philosophischen Wissenschaften ein Mittel zur Vervollkommnung und eine Quelle der Erleuchtung seien, während doch alle diese philosophischen Fragestellungen meinen Geist über alle Maßen besudelt und mein inneres Wachstum behindert haben. Da kam mir plötzlich die heilige WeisheitGottes des Gerechten in Seiner Barmherzigkeit und in Seiner Freigiebigkeit aus dem Weisen Qur'an zu Hilfe. Wie in vielen Abhandlungen erklärt wurde, hat sie alle Befleckung durch diese philosophischen Fragestellungen von mir abgewaschen und mich gereinigt. Mit einem Satz gesagt: Die Finsternis des Geistes, die die Weisheit der Philosophen ist, erstickte meinen Geist von allen Ecken des Alls. In welche Richtung ich auch immer schaute, nach Licht suchte, in ihren Fragestellungen konnte ich kein Licht finden, keinen Atem schöpfen. Da zerstreute die Lehre von der Einheit (Tauhid),die mit dem Satz: "La ilaha illa Hu(Es gibt keine Gottheit außer Ihm)" von dem Weisen Qur'an unterrichtet wird, alle diese Finsternisse durch ein überaus strahlendes Licht. Beruhigt atmete ich auf. Aber mein Ego und der Satan stützten sich auf den Unterricht, den sie von den Leuten des Irrweges und von den Leuten der Philosophie erhalten hatten, und griffen Herz und Verstand an.

Der Angriff auf meine Seele und die Debatte mit ihr endete - Allah sei Dank! - mit einem Sieg des Herzens. Diese Debatten wurden in sehr vielen Abhandlungen teilweise aufgeschrieben. Ich begnüge mich damit, hier nur einen von tausend Siegen des Herzens darzustellen, nur ein einziges Zeugnis unter tausenden Zeugnissen vorzulegen, um den Geist eines Teiles der alten Leute, die von Jugend an mit dem, was man die Weisheit der Fremden und die Wissenschaften ihrer Zivilisation nennt, und zum einen Teil ein Irrtum, zum anderen Teil sinnlose Problemsuche ist, ihren Geist befleckt, ihr Herz krank gemacht und ihr Ego aufgebläht hat, zu reinigen. Mögen sie vom Übel des Satans und vom Egoismus befreit werden und zur Wahrheit von der Einheit (Tauhid)gelangen! Es geschah dies wie folgt:

In Vertretung der philosophischen Wissenschaften sprach meine Seele zu mir: "Alle Dinge im Universum stehen natürlicher Weise in einer Wechselbeziehung zueinander. Jedes Ding hat seine Ursache. Früchte darf man von einem Baum, Getreide vom Feld erwarten. Warum soll man auch das unbedeutendste, kleinste Ding von Allah erwarten, von Allah erflehen?" In dieser Zeit enthüllte sich mir das Geheimnis der Einheit (Tauhid)im Lichte des Qur'an auf folgende Weise. Mein Herz sprach zu dieser meiner Philosophenseele: Das unbedeutendste und kleinste Ding wie auch das größte Ding kommt unmittelbar aus der Macht des Schöpfers der Universen, geht aus Seiner Schatzkammer hervor. Auf andere Weise kann es nicht geschehen! Die Ursachen sind jedoch nur ein Schleier. Denn die Geschöpfe, die wir für die unbedeutendsten und kleinsten halten, werden manchmal - wenn man sie erst einmal so betrachtet, wie sie erschaffen und künstlerisch gestaltet wurden - noch größer als die größten unter ihnen. Wenn eine Mücke vom künstlerischen Standpunkt aus betrachtet ein Huhn zwar nicht zu übertreffen vermag, so steht sie doch auch nicht hinter ihm zurück. Und wenn dem so ist, gibt es auch keinen Unterschied zwischen groß und klein. Und entweder ist das ganze auf verschiedene materielle Ursachen zurückzuführen, oder alle Dinge gemeinsam

sind einer einzigen Persönlichkeit zuzuschreiben. Wie aber der erste Fall unvorstellbar ist, so ist der zweite Fall notwendig und zwingend. Denn wenn alles einer einzigen Person, nämlich einem Allmächtig-Urewigen zuzuschreiben ist; da sich nun einmal aus der Weisheit und Ordnung alles Seienden mit absoluter Sicherheit ergibt, dass Er ein Wissen besitzt, das alle Dinge umfasst, und da nun einmal in Seinem Wissen der Maßstab aller Dinge bestimmt ist, und da nun einmal - wie wir mit eigenen Augen sehen können - ständig aus dem Nichts mit unendlicher Leichtigkeit unendlich kunstvolle Werke entstehen, und da nun einmal dieser Allmächtig-Allwissende, was auch immer Er will durch Seinen Befehl: "Kun fa yakun!" so wie man ein Streichholz entzündet - ins Dasein zu rufen vermag, so besitzt Er auch, wie wir anhand von zahllosen starken Beweisen erklärt haben, und zwar besonders im "Zwanzigsten Brief" und auch am Ende des "Dreiundzwanzigsten Blitzes" bewiesen haben - eine grenzenlose Macht... Sicherlich beruht diese offensichtliche wunderbare spielerische Leichtigkeit auf diesem umfassenden Wissen und Seiner gewaltigen Macht. Zum Beispiel: Wenn man in einem Buch, das mit einer dem Auge unsichtbaren Tinte geschrieben wurde, ein Mittel aufträgt, das dafür bestimmt ist, diese Schrift sichtbar zu machen, so erweist dieses riesige Buch plötzlich für jedermanns Auge seine Existenz und macht sich selbst lesbar. Im allumfassenden Wissen des Allmächtig-Urewigen sind alle Dinge in ihrer eigenen Form und in ihrem vorgegebenen Maß entsprechend festgelegt. Diese unbeschränkte Allmacht, trägt mit Ihrem Befehl: "Kun fa yakun!" mit dieser grenzenlosen Macht und einem alles durchdringenden Willen, mit spielerischer Leichtigkeit Ihre Kraft, die eine Manifestation ihrer Macht ist, auf das Wesen des Wissens auf, so wie man ein Mittel auf diese Schrift aufträgt, um jedem Ding einen nach außen hin wahrnehmbaren Körper zu verleihen, ihn für das Auge sichtbar zu machen, um die Weisheit der Ornamente lesbar werden zu lassen. Wenn man nicht alle Dinge gemeinsam diesem Allmächtig-Urewigen zuschreibt, Ihm, der aller

Dinge Wissen hat, dann ist es notwendig, den Körper auch des kleinsten Dinges, wie einer Mücke, aus den meisten Elementen der Welt in einem nur ihr eigentümlichen Maßstab entsprechend zusammenzustellen. Zudem ist dies nur dann möglich, wenn die Zellen, die im Körper dieser winzigen Mücke arbeiten, das Geheimnis ihrer Erschaffung und ihre künstlerische Vollendung in allen Einzelheiten kennen. Denn auf Grund von Ursachen, die in der belebten oder unbelebten Natur liegen, kann offensichtlich und in Übereinstimmung mit allen Leuten von Verstand nichts aus dem Nichts entstehen. Also müssen sie in jedem Fall zu ihrer Hervorbringung zunächst erst einmal die Bestandteile zueinander bringen. Um welches Lebewesen es sich nun aber auch immer handeln mag, es enthält in sich von den meisten Elementen ein Exemplar und verkörpert in sich Muster der meisten Arten. Es ist so, als sei es eine Zusammenfassung des Weltalls gleich einem Samenkorn. Sicherlich ist es notwendig in diesem Fall mit den empfindlichsten Messinstrumenten die Bausteine eines Baumes festzustellen, um aus ihnen ein Samenkorn zu konstruieren, und die Bauelemente des Erdkreises zu ermitteln, um mit ihrer Hilfe ein Lebewesen zusammensetzen zu können. Es sind aber nun einmal die Ursachen, die in der unbelebten Natur liegen, unwissend und leblos und verfügen über kein Wissen, sodass sie einen Plan, eine Liste, einen Entwurf, ein Programm aufstellen könnten, um danach eine unsichtbare Gussform zu schaffen, damit die einzelnen Zellen nicht zerfallen, sodass die Funktionsfähigkeit des Zellverbandes gestört würde. Weil aber Bildung und Gestaltung eines Baumes oder einer Fliege auf zahllose Arten möglich ist, wird sie auf eine einzige Form und Größe innerhalb einer unübersehbar großen Anzahl von Möglichkeiten festgelegt. Dabei lösen sich die Zellen nicht aus ihrem Verband, obwohl ihre Atome sich gleich einem Sturzbach ständig erneuern. Vielmehr erfolgt der Austausch der Zellen geordnet, in einem nie abreißenden Strom, ohne Verwendung einer Gussform, unter Beibehaltung des Zellgefüges innerhalb eines geschlossenen Ganzen und allem,

was lebt, wird seine vorgegebene Gestalt verliehen. Es ist offensichtlich, in welchem Grade dies unmöglich, unwahrscheinlich und weit davon entfernt ist, vernünftig zu sein. Sicherlich vermag dies jeder, der nicht blind ist in seinem Herzen, zu erkennen. Ja entsprechend der Wahrheit:

اِنَّ الَّذِينَ تَدْعُونَ مِنْ دُونِ اللهِ لَنْ يَخْلُقُوا ذُبَابًا وَلَوِ اجْتَمَعُوا لَهُ

{"Setzten sich alle Dinge außer Allah, die ihr anruft und anbetet, zusammen, so könnten sie auch nicht einmal eine Fliege erschaffen." (Sure 22, 74)}

und nach dem Mysterium des großen Qur'anverses könnten - selbst wenn alle die Ursachen, die in der unbelebten Natur liegen, sich zusammensetzten und einen freien Willen besäßen - diese auch nicht den Körper einer einzigen Fliege mit den dazu passenden Organen zusammensetzen. Und könnten sie ihn zusammensetzen, sie können dennoch nicht die in diesem Körper wirkende Ordnung aufrechterhalten. Und könnten sie sie aufrechterhalten, sie könnten dennoch nicht die Atome, die ständig ausgetauscht werden und in diesem Körper ihre Funktion beginnen, zu rechter Wirksamkeit veranlassen. Wenn also dies so ist, können die Ursachen zur Erschaffung von Baum und Fliege nicht diesen selbst zur Verfügung stehen. Das heißt also, dass deren tatsächliche Verfügung in Händen eines Anderen liegt. Ja es gibt tatsächlich Einen, der über sie verfügt. Entsprechend dem Mysterium des Qur'anverses:

مَا خَلْقُكُمْ وَلاَ بَعْثُكُمْ اِلاَّ كَنَفْسٍ وَاحِدَةٍ

{"Eure Erschaffung und Wiederauferstehung ist nicht anders als die einer einzigen Seele." (Sure 3, 27)}

erschafft Er alle Lebewesen auf dem Erdkreis mit der gleichen Leichtigkeit wie eine einzelne Mücke. Er erschafft den Frühling mit gleicher Leichtigkeit wie eine einzelne Blume. Denn für Ihn ist es nicht notwendig erst vorher die Bestandteile beisammen zu haben. Von Ihm geht der Befehl aus: "Kun fa yakun!"und Er ruft in jedem Frühling außer den Grundbausteinen zu unzähligen, gerade für den Frühling so typischen Pflanzen und Tieren, auch deren unzählige Formen, Farben, Gestalten und Bedingungen aus dem Nichts hervor. In Seinem Wissen sind die Pläne und Entwürfe, die Tabellen und Programme aller Dinge vorgegeben.

Alle Atome bewegen sich Seiner Anweisung folgend in Seinem Wissen und Seiner Macht. Mit der spielerischen Leichtigkeit, wie man ein Streichholz entzündet, erschafft Er ein jedes Ding. Kein Ding weicht auch nur um Haaresbreite von Seiner Bahn ab. So wie die Gestirne Sein gehorsames Heer bilden, so sind auch die Atome einem wohlgeordneten Heere gleich. Da sie sich nun einmal in ihrer Bewegung auf die urewige Macht stützen und nach den Grundsätzen des urewigen Wissens tätig werden, gelangen Seine Werke mit Sicherheit Seiner Macht entsprechend ins Dasein. Sieht man hingegen diese Individuen als unbedeutend und klein an, werden Seine Werke dadurch nicht geringer. Mit Seiner Kraft und Macht verbunden, lässt eine Mücke einen Nimrod elend zu Grunde gehen, zerstört eine Ameise den Palast des Pharao, trägt ein Tannensamen - klein wie ein Stäubchen - einen Tannenbaum - groß wie ein Berg - auf seinen Schultern. Wie wir diese Tatsache in vielen Abhandlungen bewiesen haben, vermag ein Soldat, versehen mit einem Soldbuch, betrachtet man seine Zugehörigkeit zum Kaiser, dergleichen Taten zu vollbringen, wie einen König gefangenzunehmen, der hunderttausendmal mächtiger ist als er. So also vermag jedes Ding - verbunden mit der urewigen Macht - wundervolle Kunstwerke zu Stande zu bringen, die hunderttausendfach über die Naturgesetze hinausgehen.

Kurzum, die Entstehung eines jeden Dinges, das in höchstem Grade kunstvoll ist und doch mit einer derartigen Leichtigkeit erschaffen wurde, zeigt, dass es ein Werk des Allmächtig-Urewigen ist, welcher ein allumfassendes Wissen besitzt. Anderenfalls wird es auf Grund hunderttausender Unmöglichkeiten nicht ins Dasein treten, im Gegenteil, es wird aus dem Bereich des Möglichen, der vorhandenen Umstände, austreten und in den Bereich des Unmöglichen, der nicht vorhandenen Umstände, eintreten, ja sogar aus der Betrachtung der notwendigen Voraussetzungen ausscheiden und sich in die nicht in Betracht kommenden einreihen, weil von Anfang an Grundvoraussetzungen fehlen.

Kein Ding wird Gestalt annehmen, vielmehr seine Gestalt verlieren und zu einem Unding werden.

So schwieg denn meine Seele auf Grund dieser ins Einzelne gehenden, so starken und so tiefschürfenden und so offensichtlichen Beweisführung, nachdem sie vorübergehend ein Schüler des Satans und ein Anwalt der Leute des Irrweges und der Philosophie gewesen war.

"Li'llah-il'hamd!" Ich bin nun völlig zum Glauben gelangt. Und ich sprach:

"Ja ich brauche einen solchen Schöpfer und Herrn, der auch die unscheinbarsten Dinge kennt, die mir am Herzen liegen, auch mein leisestes Flehen, so wie Er das geheimste Bedürfnis meines Herzens erfüllt und diese riesige Welt in das Jenseits umwandelt, der diese Welt auflösen und statt ihrer das Jenseits errichten wird, um mir eine ewige Glückseligkeit zu verleihen. So wie Er in der Lage ist, sowohl eine Mücke zu erfinden, als auch den Himmel zu erschaffen, so muss Er auch die Sonne gleich einem Auge am Firmament befestigen und auch die Macht haben, jede Zelle in meinem Auge zu gestalten. Kann Er aber eine Mücke nicht erschaffen, dann kann Er auch nicht tun, was mir am Herzen liegt, dem Flehen meines Geistes nicht lauschen. Kann Er die Himmel nicht erschaffen, dann kann Er mir auch die ewige Glückseligkeit nicht verleihen. So also ist mein Herr der, welcher in der Lage ist, sowohl das, was mir am Herzen liegt, zu veredeln, als auch den Wetterhimmel in einer Stunde mit Wolken zu erfüllen oder von ihnen zu entleeren, das Diesseits ins Jenseits zu verwandeln, das Paradies aufzubauen, mir dessen Türe zu öffnen, und zu sagen: "Los, komm rein!"

Nun also ihr meine alten Brüder, die ihr so wie ich unglücklicher Weise einen Teil eures Lebens mit lichtloser Philosophie und fremdländischer Wissenschaft verbracht habt! Versteht ihr jetzt den heiligen Erlass, den der Qur'an unablässig verkündet: "La ilahe illa Hu(Es gibt keine Gottheit außer Ihm!)" Wie stark und voll Wahrheit Er doch ist! Er ist auf keine Weise zu erschüttern, zu verletzen oder zu

verändern. Versteht, wie dieser Glaubenssatz alle innerliche Finsternis auflöst und alle innerlichen Wunden heilt...

Diese lange Erzählung wurde in die Hoffnungstore meines Altseins zum Teil ohne meinen freien Willen eingereiht. Ich wollte es nicht, sogar zögerte ich, als würde sie nur langweilen. Ich kann aber sagen, dass es mir so diktiert wurde. (Wie dem auch sei... Ich komme wieder zur Sache.) In Folge der weißen Haare auf meinem Kopf und in meinem Bart und der Unzuverlässigkeit eines treuen (Kollegen) überkam mich ein Ekel vor jener Freude an dem irdischen, prunkvollen, äußerlich angenehmen und aufregenden Leben in Istanbul. Meine Seele suchte nach geistigen Freuden anstelle von den Freuden, in die sie vernarrt war. Sie wünschte in diesem Zustand des Alters, der in den Augen der Gottvergessenen kalt, schwer und unangenehm ist, eine Tröstung und ein Licht. "Fe-lil'lahil'hamd",hunderttausendmal Dank Gott dem Gerechten, fand ich an Stelle all dieser weltlichen Freuden, die unwahr, abgeschmackt, ohne Ziel, ohne Sinn waren, die wahren, immerwährenden und erlesenen Freuden des Glaubens in dem "La ilahe illa Hu(Es gibt keine Gottheit außer Ihm)" und in dem Licht der Einheit Gottes. Ich erkannte, dass das Altsein, dass in den Augen der Gottvergessenen kalt und schwer erscheint, in diesem Licht der Einheit Gottes sehr leicht, warm und lichtvoll ist.

Meine älteren Damen und Herren! Da ihr nun einmal den Glauben habt, und da ihr nun einmal die Pflicht- und Bittgebete verrichtet, welche den Glauben erleuchten und entwickeln, könnt ihr euer Altsein als eine ewige Jugend betrachten. Denn ihr könnt damit eine ewige Jugend erwerben. Das Alter, das in Wirklichkeit kalt, schwer, hässlich, finster und leidvoll ist, ist aber das Alter der Leute des Irrweges, ja vielmehr auch ihre Jugend. Sie müssen weinen und sagen: "Oh weh, wie schade!" Ihr, oh meine verehrten gläubigen alten Leute! Ihr sollt in Freude danken und sagen: El'hamdu li-l'lahi 'ala kulli hal!"

Zwölfte Hoffnung:

In einer Zeit, in der ich im Kreis Barla von der Provinzhauptstadt Isparta in einer Gefangenschaft voller Schikanen unter dem Namen Verbannung in der Fremde, allein, ohne Verwandte in einem Dorf, in einem Zustand, in dem mir der Briefverkehr und der Umgang mit der Außenwelt untersagt war, in der ich sowohl krank war, als auch alt und elend, hatte Gott der Gerechte mir aus Seiner vollkommenen Güte ein Licht, das sich auf die feinsinnigen Geheimnisse des Weisen Qur'an bezieht, zum Anlass der Tröstung geschenkt. In ihm versuchte ich diesen bitteren, schmerzhaften Zustand, in dem ich mich befand, zu vergessen. Ich konnte meine Heimat, meine Freunde und meine Verwandten vergessen. Aber ich konnte "zu meinem Kummer" einen nicht vergessen. Es war mein verstorbener Neffe, der gleichzeitig mein Adoptivkind, mein opferwilligster Schüler, mein mutigster Freund war, Abdurrahman. (Möge Gott sich seiner erbarmen!) Vor sechs, sieben Jahren hatten die Umstände uns getrennt. Weder wusste er, wo ich war, sodass er mir zu Hilfe eilen und mich trösten konnte, noch wusste ich von seiner Lage, sodass ich ihm keinen Brief schreiben und ihm mein Herz nicht ausschütten konnte. Ich brauchte nun einmal in meinem Alter solch einen opferwilligen und getreuen (Helfer). Später brachte mir jemand einen Brief. Ich öffnete ihn und sah, dass er die wahre Lage von Abdurrahman genau zeigte. Ein Abschnitt aus seinem Brief, in dem sich drei Wunder zeigten, wurde in die Sammlung des "Siebenundzwanzigsten Briefes" eingereiht. Über diesen Brief musste ich damals sehr weinen und muss ich auch in diesem Moment immer noch weinen. Der verstorbene Abdurrahman (möge Gott sich seiner erbarmen!) schrieb in seinem Brief sehr ernsthaft und aufrichtig, dass ihm die Lust an dieser Welt zum Ekel geworden war und mich zu erreichen sein größter Wunsch war. Wie ich ihn versorgt hatte, als er noch klein war, so wollte nun auch er mir in meinem Alter dienen. Außerdem wollte er mir bei meiner wahren Aufgabe in dieser Welt, der Veröffentlichung der feinsinnigen Geheimnisse des Qur'an, mit seiner geschickten Feder,

helfen. Er schrieb sogar in seinem Brief: "Schicke mir zwanzig oder dreißig Abhandlungen. Ich will zwanzig, dreißig Exemplare selbst abschreiben und andere beauftragen, sie (handschriftlich) zu vervielfältigen."

Dieser Brief gab mir erneut eine große Hoffnung, was dieses Leben betrifft. Ich hatte einen dermaßen mutigen Schüler gefunden, der eine geradezu geniale Begabung besaß und mir eine sehr viel größere Treue und Verbundenheit bewies, als ein leibliches Kind sie mir je erweisen könnte. Ich hatte diese Gefangenschaft voller Schikanen, dieses Nichts- und Niemanden-haben, diese Fremde und dieses Altsein vergessen. Bevor er diesen Brief schrieb, bekam er ein Exemplar von dem gedruckten "Zehnten Wort" (über den Glauben an die Wiederauferstehung nach dem Tode) in die Hand. Diese Abhandlung wurde für ihn zu einem Heiltrank, der alle Wunden seiner Seele, die er in sechs, sieben Jahren empfangen hatte, heilte. Er schrieb mir diesen Brief in der Stimmung eines starken und glänzenden Glaubens, als wartete er auf seine Todesstunde. Ein, zwei Monate später, als ich mir vorstellte, ein glückliches Leben auf der Erde durch Abdurrahman zu verbringen, bekam ich zu meinem Kummer plötzlich die Nachricht von seinem Tod. Diese Nachricht war für mich eine solche Erschütterung, dass ich sie auch heute, d.h. noch nach fünf Jahren, verspüre. Sie versetzte mich in einen solchen Zustand des Schmerzes, des Mitgefühls und der Trauer, der zehnfach schmerzhafter war als meine Gefangenschaft voller Schikanen, die Einsamkeit in der Fremde, Alter und Krankheit. Mit dem Tod meiner Mutter selig war mir die Hälfte meiner eigenen Welt gestorben. Mit dem Tod Abdurrahmans sah ich, dass nun auch die andere Hälfte gestorben war. Mein Interesse an der Welt ist ganz und gar erloschen. Denn wäre er am Leben geblieben, so hätte er mir in diesem Leben ein starker Halt bei meinen Aufgaben für jenes Leben sein können, ein guter Nachfolger, genau der, welcher nach mir meinen Platz hätte ausfüllen können, eine Tröstung, ein zutiefst opferbereiter Kamerad in dieser Welt. Er wäre ein überaus kluger Schüler,

ein überaus zuverlässiger Besitzer und Verwalter der Risale-i Nur Werke gewesen. Er und die Risale-i Nur: Subjekt und Objekt! In der Tat ist ein solcher Verlust angesichts der Menschheit und für Menschen wie mich ein Schmerz, der tief in mir brennt und mich verbrennt. Zwar gab ich mir nach außen hin wirklich alle Mühe ihn zu ertragen, doch tief in meinem Inneren tobte der Sturm. Hätte mir die Tröstung, die ich dann und wann aus dem Licht des Qur'an empfing, keine Linderung gebracht, so hätte ich es nicht ertragen können. Damals ging ich einsam und allein an den Bächen und auf den Bergen von Barla spazieren. An einsamen Orten saß ich traurig und allein. Immer wenn Szenen von dem glükklichen Leben, das ich in früheren Zeiten mit meinen treuen Schülern, wie Abdurrahman verbracht hatte, wie ein Film vor meinem inneren Auge vorüber liefen, eilte die Trauer herbei, heftete sich an Alter und Fremde und brach mir erneut das Herz. Plötzlich wurde mir das Geheimnis des heiligen Qur'anverses

كُلُّ شَىْءٍ هاَلِكٌ اِلاَّ وَجْهَهُ لَهُ الْحُكْمُ وَاِلَيْهِ تُرْجَعُونَ

{"Alle Dinge vergehen außer Seinem Angesicht." (Sure 28, 88)}

offenbar.

Es ließ mich

يَا بَاقِٓى أَنْتَ الْبَاقِى يَا بَاقِٓى أَنْتَ الْبَاقِى

{"Oh Beständiger, Du bist es, der bleibt und besteht! Oh Beständiger, Du bist es, der bleibt und besteht!"}

rufen und flößte mir dadurch eine wahre Tröstung ein. An jenen einsamen Bächen sah ich mich in jenem traurigen Zustand in dem Geheimnis dieses heiligen Verses an der Spitze der drei großen Beerdigungen, wie bereits in der Abhandlung "Die Sprossenleiter des Vorbildes des Propheten " darauf hingewiesen wurde.

Erstes (Begräbnis): Ich erblickte mich selbst als ein Grabmal über den Grabsteinen von fünfundfünfzig Saids, die bis zu meinem fünfundfünfzigsten Lebensjahr im Verlaufe meines Lebens gestorben und begraben worden waren.

Zweites Begräbnis: Ich erblickte mich selbst in der Gestalt eines Lebewesens, klein wie eine Ameise, und krabbelte

über das Gesicht dieses Jahrhunderts, das glich einem Grabstein an der Spitze einer großen Beerdigung meiner Zeitgenossen und aller Menschen, die seit der Zeit Adams, mit dem der Friede sei, gestorben und im Grabmal der Vergangenheit beigesetzt worden waren.

Was die dritte Beerdigung betrifft, so gestaltete sie sich meiner Vorstellung entsprechend im Geheimnis dieses Qur'anverses als das Große Vergehen des Kosmos gleich dem aller Menschen im alljährlichen Strom des Vergehens aller Welten (individuellen Lebens) auf dem Antlitz der Erde.

So eilte mir folgender ehrwürdiger Qur'anvers mit seiner hinweisenden Bedeutung zu Hilfe, welcher dieses entsetzliche Bild, entstanden aus der Trauer um den Tod Abdurrahmans, vollständig zu erleuchten vermochte und mir eine wahrhaftige Tröstung und ein unauslöschliches Licht brachte.

فَاِنْ تَوَلَّوْا فَقُلْ حَسْبِىَ اللهُ لاَ اِلٰهَ اِلاَّ هُوَ عَلَيْهِ تَوَكَّلْتُ وَهُوَ رَبُّ الْعَرْشِ الْعَظِيمِ

{"Wenn sie sich abkehren, dann sprich: Mir genügt Gott. Es gibt keinen Gott außer Ihm. Auf Ihn vertraue ich. Und Er ist der Herr des majestätischen Thrones." (Sure 9, 129)}

In der Tat verkündet dieser Qur'anvers: Es gibt Einen Gott, den Gerechten und Er ist aller Dinge Wert. Er ist der Ewige, der Seiende, der Beständige und Er allein ist genug. Ein einziger Funke Seiner Gnade ersetzt (und Ihm entspricht) die ganze Welt. Das Aufscheinen Seines Lichtes schenkt den aufgeführten drei großen Beerdigungen geistiges Leben und zeigt, dass sie keine Beerdigungen (Leichenzüge) sind, sondern der Zug derer, die ihren Auftrag beendet haben und in andere Welten hinüber gegangen sind. Da dieses Geheimnis im "Dritten Blitz" bereits erläutert wurde, begnüge ich mich hier damit und sage, dass das zweimalige Rufen

يَا بَاقِٓى أَنْتَ الْبَاقِى يَا بَاقِٓى أَنْتَ الْبَاقِى

{"Oh Beständiger, Du bist es, der bleibt und besteht! Oh Beständiger, Du bist es, der bleibt und besteht!"}

welches die sinngemäße Bedeutung des Qur'anverses

كُلُّ شَىْءٍ هَالِكٌ اِلاَّ وَجْهَهُ

{"Alle Dinge vergehen außer Seinem Angesicht." (Sure 28, 88)}

zum Ausdruck bringt, mich von jener überaus schmerzlichen Trauer befreit hat. Es ist dies wie folgt:

Das erste Mal sagte ich,

يَا بَاقِٓى أَنْتَ الْبَاقِى

{"Oh Beständiger, Du bist es, der bleibt und besteht!"}

und damit begann eine Behandlung gleich einer Operation meiner grenzenlos vielen seelischen Wunden, die im Untergang meiner Welt, dem Untergang zahllos vieler geliebter Freunde in der Welt, mit denen ich wie mit Abdurrahman verbunden war, und durch das Zerreißen der Verbindungen mit ihnen entstanden.

Der Satz

يَا بَاقِٓى أَنْتَ الْبَاقِى

{"Oh Beständiger, Du bist es, der bleibt und besteht!"}

den ich zum zweiten Mal sagte, wurde für all diese zahllos vielen seelischen Wunden sowohl eine Salbe als auch ein Heiltrank. Das heißt: Du bist derjenige, der ewig besteht. Mag gehen, wer da gehen will. Du allein genügst. Du allein bestehst ewig. Das Erscheinen Deiner Barmherzigkeit ist Genüge gegenüber dem Untergang aller Dinge. Du allein bist. So sind auch für den Menschen, der durch den Glauben an Deine Existenz seine Zugehörigkeit zu Dir anerkennt und sich im Geheimnis des Islam (der Ergebenheit) dieser Zugehörigkeit entsprechend verhält, alle Dinge gegeben. Untergang und Vergänglichkeit, Tod und Vernichtung sind nur ein Schleier, dienen nur der Erneuerung, gleichen einer Reise zu den verschiedenen Wohnstätten. Indem ich so dachte, verwandelte sich dieser Trennungsschmerz, jener brennende, traurige, leidvolle, finstere und entsetzliche Seelenzustand in einen fröhlichen, freudigen, erlesenen, lichtvollen, lieblichen und vertrauten Zustand. Meine Zunge, mein Herz, ja sogar alle meine Körperzellen

brachten es auf ihre Art zum Ausdruck: "Elhamdulillah",aller Dank sei Allah!

Ein Tausendstel dieser Erscheinung der Barmherzigkeit ist das Folgende: Von diesem Bach, dem Ort meiner Traurigkeit, und in jenem Zustand meiner Trauer, kehrte ich nach Barla zurück. Ich sah, dass ein Junger namens Mustafa von Kuleönü kam, um mich einiges über die rituelle Waschung vor dem Gebet (Abdest)und über das Pflichtgebet (Namaz)zu fragen. Mein Geist las wie in einem Vorgefühl im Geist dieses jungen Mannes die Aufrichtigkeit seines Geistes und den wertvollen Dienst,

{Der "Kleine Ali", welcher der kleine Bruder dieses Mustafa ist, schrieb mit seiner guten und schönen Schrift mehr als siebenhundert "Lichter"-Abhandlungen ab. So wurde er zu einem vollkommenen Abdurrahman und bildete auch viele Abdurrahmans aus.}

den er in Zukunft der Risale-i Nur leisten werde. Obwohl ich damals keine Besucher annahm, konnte ich ihn nicht zurückweisen. Ich empfing ihn.

{Er hat bewiesen, dass er mit Recht verdiente, nicht nur empfangen, sondern auch willkommen geheißen zu werden. (*)

(*) Ein Vorfall, der die Meinung des Meisters über Mustafa, den ersten Schüler der Risale-i Nur, bestätigt, er verdiene, willkommen geheißen zu werden, ist der folgende: Ein Tag vor dem Arafat-Tag, dem Opferfest, wollte mein Meister einen Ausflug machen. Als er mich beauftragte ein Pferd zu besorgen, sagte ich dem Meister: "Du brauchst nicht runter zu kommen. Ich werde die Haustür schließen und hinten durch das Holzlager hinausgehen". Der Meister sagte: "Nein, geh du nur durch die Haustür hinaus" und kam runter. Nachdem ich durch die Tür herausgegangen war, verriegelte er die Tür von innen. Ich ging fort und er wieder hinauf. Dann legte er sich nieder. Nach einer Weile kam Mustafa von Kuleönü zusammen mit Haci Osman. Der Meister empfing niemanden und wollte es auch gar nicht. Besonders empfing er damals nie zwei Männer zu gleicher Zeit und wies sie immer ab. Stattdessen war es, als der erwähnte Bruder Mustafa von Kuleönü mit Haci Osman kam, so als spräche die Tür auf ihre Art: "Dein Meister wird dich nicht empfangen, aber ich werde mich dir öffnen." Und es öffnete sich die Tür, die von innen verriegelt war, für Mustafa von selbst. Das also heißt - und die Zukunft bestätigte diese Ansicht des Meisters über Mustafa, nämlich: "Mustafa verdient, Willkommen geheißen zu werden", wofür die Tür selbst Zeugnis ablegte. (Bericht von Husrew) Es ist in der Tat richtig, was Husrew schreibt. Ich bestätige es. Die Tür hieß diesen gesegneten Mustafa an meiner Stelle Willkommen und empfing ihn. (Bestätigung von Said Nursi)}

Später ist es mir klar geworden, dass mir

Gott der Gerechte anstelle von Abdurrahmen der im Dienst an der Risale-i Nur ein hervorragender Nachfolger hätte sein und die Aufgabe eines wahrhaften Erben vollkommen hätte durchführen können, diesen Mustafa als Musterbeispiel geschickt hat, als habe Er zu mir sagen wollen: "Ich habe von dir einen Abdurrahman genommen und werde dir dafür dreißig Abdurrahman gleich diesem Mustafa, den du siehst geben, als einen Schüler in deinem Glaubensdienst, Neffen, Adoptivkind, Bruder und opferbereiten Kameraden." Und in der Tat, Dank sei Allah, hat Er mir dreißig Abdurrahman gegeben. Darauf sagte ich:

"Mein weinendes Herz! Nun hast du ja ein Musterbeispiel gesehen. Damit hat Er die größten Wunden deiner Seele geheilt. So musst du auch davon überzeugt sein, dass Er alle deine Wunden und deine Traurigkeit, heilen wird."

Also, oh ihr alten Brüder und Schwestern, die ihr in der Zeit eures Alters ein Kind oder einen Verwandten, den ihr lieb hattet, verloren habt! Ihr tragt die schwere Last des Alters auf eurem Rücken und auf euerem Kopf und seid nun auch noch mit dem schweren Gram der Trennung beladen! Ihr habt bestimmt erkannt, dass mein Zustand viel ernster als euer war. Da mich ein solcher ehrwürdiger Qur'anvers nun einmal behandelt und geheilt hat, so befinden sich bestimmt heilende Medikamente für alle eure Schmerzen in der heiligen Apotheke des Weisen Qur'an. Wendet ihr euch im Glauben an ihn und benutzt die Medikamente im Dienst und in der Anbetung Gottes, so werden sich die schweren Lasten des Alters und des Grams, die ihr auf eurem Rücken und auf eurem Kopf tragt, sehr erleichtern.

Der Sinn der ausführlichen Darstellung dieses Kapitels ist der, zu veranlassen, dass für den verstorbenen Abdurrahman reichlich viele Segensgebete gesprochen werden. Ihr sollt dessen nicht überdrüssig werden! Außerdem wollte ich

mit der so unangenehmen und leidvollen Darstellung meiner so schrecklichen Wunde, die euch vielleicht sehr rührte, Mitleid hervorrief und erschreckte, zeigen, was für eine wunderbare Heilung in dem Heiltrank des Weisen Qur'an liegt und was für ein glänzendes Licht er ist.

Dreizehnte Hoffnung:

{Anmerkung: Es ist eine feine Übereinstimmung, dass die Geschichte mit der Medresse, von der die Dreizehnte Hoffnung berichtet, genau dreizehn Jahre vor dieser Abhandlung geschah.}

In dieser "Hoffnung" möchte ich von einer wichtigen Szene in meinem Lebens sprechen, und das möchte ich jedenfalls auch ziemlich ausführlich tun. Nur bitte ich Euch darum, euch dabei nicht zu langweilen und nicht zu ärgern.

Nach der Flucht aus der russischen Gefangenschaft während des Ersten Weltkrieges hielt mich meine Lehrtätigkeit im "Haus der Weisheit" (Dar-ul'Hikmet)in Istanbul zwei, drei Jahre lang fest. Danach flößte mir, ausgelöst durch die Unterweisung des Weisen Qur'an, den Segen von Gauth-u 'Adham (Scheich Geylani)und wachgerüttelt durch (die erneute Entdeckung) meines Alters, das städtische Leben in Istanbul Ekel ein und wurde ich des gesellschaftlichen Lebens überdrüssig. Das Gefühl der Sehnsucht nach der Heimat, welches Heimweh genannt wird, führte mich dazu, in meine Heimat zurückzukehren. Da ich nun einmal sterben werde, will ich in meiner Heimat sterben, sagte ich und ging nach Van. Vor allem besuchte ich in Van meine Medresse, die Horhor genannt wird. Ich sah, dass auch sie, wie die anderen Wohngebiete in Van, während der russischen Besetzung von den Armeniern in Brand gesteckt worden war. Da war die berühmte Festung von Van, welche ganz aus dem Felsen heraus gehauen ist. Meine Medresse stand wie angeklebt genau an ihrem Fuß. Meine Schüler in dieser Medresse, die ich vor sieben, acht Jahren verlassen hatte, wahrhafte Freunde, Brüder und Vertraute, traten mir vor Augen. Ein Teil von diesen meinen opferbereiten Freunden sind als wahre

Märtyrer (direkt), ein anderer Teil infolge der Katastrophe als geistige Märtyrer (erst später) gestorben. Ich konnte meine Tränen nicht mehr zurückhalten. Ich stieg zur höchsten Stelle der Festung hinauf, etwa so hoch wie zwei Minarette über der Medresse, und setzte mich. Meine Phantasie versetzte mich in die Zeit vor sieben, acht Jahren zurück. Und da meine Phantasie ziemlich stark ist, hat sie mich in der damaligen Zeit eine ganze Weile umher geführt. Es gab dort oben niemand, der mich aus meiner Phantasie hätte zurückrufen, aus jener Zeit hätte zurückführen können. Denn ich war allein. Jedes Mal wenn ich meine Augen öffnete, sah ich innerhalb von sieben, acht Jahren so viele Verwandlungen, als wäre ein Jahrhundert vergangen. Ich sah, dass die Innenstadt zu Füßen der Festung, wo meine Medresse lag, ganz und gar verbrannt und zerstört war. Was ich früher gesehen hatte und heute sah, betrachtete ich mit solch traurigen Augen, als wäre ich erst nach zweihundert Jahren wieder zur Welt gekommen. Die meisten Männer in diesen Häusern waren meine Freunde und Kameraden. Der größte Teil von ihnen starb entweder auf der Flucht (Möge Allah ihnen barmherzig sein!) oder geriet in der Fremde ins Elend. Und weiter sah ich, dass alle Häuser der Muslime in Van - außer dem Wohnviertel der Armenier - zerstört waren. Es tat mir in meinem tiefsten Herzen weh. Ein solches Mitleid ergriff mich, dass ich, hätte ich tausend Augen gehabt, mit ihnen allen zusammen geweint hätte. Ich glaubte, ich wäre aus der Fremde in meine Heimat zurückgekehrt, aus der Fremde geflüchtet. "Jammer und Elend!", es traf mich das Gefühl der Fremde am furchtbarsten in meiner Heimat. Ich sah hunderte meiner Schüler und Freunde, die mit mir, wie der in der Zwölften Hoffnung erwähnte Abdurrahman, innerlich tief verbunden waren, im Grab und ihre Wohnstätten als Ruinen. Es gab da seit langem von jemandem einen Ausspruch in meinem Gedächtnis. Seinen Sinn konnte ich nicht erkennen... Vor dieser traurigen Szene erkannte ich aber seinen Sinn vollständig. Dieser Ausspruch lautete:

لَوْلاَ مُفَارَقَةُ اْلاَحْبَابِ مَا وَجَدَتْ لَهَا الْمُنَايَا ِالٰٓى اَرْوَاحِنَا سُبُلاً

Das heißt: "Gäbe es keine Trennung von den Freunden, so könnte der Tod keinen Weg zu unserer Seele finden, sie nicht erreichen, um sie zu holen." Das heißt also, was in tiefster Seele den Menschen sterben lässt, ist die Trennung von den Freunden. So hat denn in der Tat noch niemals ein Schmerz so sehr in mir gebrannt, mich weinen lassen. Wenn mir keine Hilfe aus dem Qur'an und aus dem Glauben gekommen wäre, würde dieser Gram, dieses Leid und diese Trauer in mir so übermächtig geworden sein, dass sie in mir die Seele hätte vertrieben. Schon in alter Zeit weinten die Dichter über die Wohnstätten, in denen sie sich mit ihren Freunden getroffen hatten und die mit der Zeit zu Ruinen wurden. Ich hatte eine Szene voll unendlichem Schmerz, Trennung und Leid vor Augen. Trauer eines Mannes, der nach zweihundert Jahren in die Wohngebiete seiner Freunde zurückkehrt, die er so sehr geliebt hatte... da weint mein Auge, weinen mit ihm mir Seele und Herz. Vor meinen Augen zeigte sich mir damals die Zeit, in der sich, so wohl bebaute fröhliche, bevölkerte und belebte Plätze in Trümmerfelder verwandelt hatten, eine Zeit, wo ich in meinem schönsten Leben mit knapp zwanzig Jahren mit einem Lehrauftrag tätig gewesen war und sie mit meinen ehrenwerten Schülern verbracht hatte, gleich den schönsten Szenen auf einer Leinwand und wurde eine nach der anderen wieder lebendig. Dann starben sie dahin und verschwanden wieder und das ganze setzte sich noch eine Weile vor meinem inneren Auge fort. Damals staunte ich sehr über die Haltung der Weltleute. Auf welche Weise betrügen sie sich? Denn so wie diese Lage nun einmal ist, zeigt sich doch offensichtlich, wie vergänglich die Welt ist und dass die Menschen in ihr nur Gäste sind. Ich sah nun mit eigenen Augen, wie richtig es ist, wenn die Kenner der Wahrheit immer sagen: "Die Welt ist verräterisch, betrügerisch, und schlecht. Von ihr sollt ihr euch nicht täuschen lassen."

Ich erkannte auch selbst, dass der Mensch, wie er mit seinem Körper und seinem Haus verbunden ist, genauso auch mit seiner Stadt, mit seinem Land, sogar mit seiner

Erde verbunden ist. Denn, als ich angesichts meines Körpers voll Mitleids mit mir selbst und über mein Alter mit nur zwei Augen weinte, so wollte ich über meine Medresse, nein, nicht wegen ihres Alters, sondern über ihren Tod mit zehn Augen weinen. Und wegen des Todes der Hälfte meines schönen Heimatlandes muss man und muss ich mit hundert Augen weinen. Es ist eine Hadith überliefert, die sagt: An jedem Morgen ruft ein Engel:

لِدُوا لِلْمَوْتِ وَابْنُوا لِلْخَرَابِ

das heißt: "Ihr werdet geboren und kommt zur Welt, um zu sterben; und ihr errichtet Gebäude, damit sie zerstört werden."

Diese Tatsache habe ich also nicht mit meinen Ohren sondern mit meinen Augen wahrgenommen. Und so wie mich meine damalige Lage in Tränen versetzte, so versetzt auch meine Vorstellung seit zehn Jahren mich in Tränen, wenn sie sich an diese Lage erinnert. Die Zerstörung der Wohnstätte am Fuß jener alten Festung, die tausende Jahre überlebte, und die Stadt unter ihr, die innerhalb von acht Jahren um achthundert Jahre alterte, und das Sterben meiner Medresse, die am Fuß jener Festung, so lebendig und ein Versammlungsort von Freunden war, veranschaulichen das Sterben aller Medressen im ganzen Osmanischen Reich. Und als Zeichen der geistigen Größe ihrer Leichen wurde die Festung in Van, heraus gehauen aus einem einzigen Felsmassiv, ihr Grabstein. Es war mir, als ob meine verstorbenen Schüler, die vor acht Jahren in dieser Medresse mit mir zusammen gewesen waren, in ihren Gräbern mit mir weinten. Ja sogar die Mauern der Ruinen dieser Stadt und die umher liegenden Steine weinten mit mir. Damals wurde mir klar, dass ich diese Einsamkeit in meiner eigenen Heimat nicht ertragen konnte. So dachte ich denn: "Entweder muss auch ich zu ihnen ins Grab steigen, oder mich auf dem Berg in eine Höhle zurückziehen und dort auf meinen Tod warten." Und so sagte ich: "Da nun einmal in dieser Welt der Schmerz über die Trennung so unerträglich ist, dass er alle Geduld zerreißt, alle Widerstände

bricht und brennt, ist der Tod doch dem Leben vorzuziehen. Diese schwierige Lebenslage ist ein Schmerz, den man nicht ertragen kann." Damals ließ ich meine Blicke nach den bekannten sechs Seiten ausschwärmen und war alles finster. Die Gottvergessenheit, die aus jenem heftigen Schmerz erwächst, ließ mir die Welt schrecklich, leer, und einsam erscheinen, als würde sie über meinem Kopf zusammenstürzen. Als mein Geist gegen diese grenzenlos vielen Übel, die mir gegenüber eine feindselige Haltung eingenommen hatten, nach einem Stützpunkt suchte und nach einer Stelle, von der ich für die grenzenlos vielen, sich bis in die Ewigkeit ausstreckenden Wünsche meines Geistes Hilfe herbeirufen konnte, ausschaute und als ich gegen die Trauer und das Leid, das von diesem Trennungsschmerz, dem Abschied, der Zerstörung und dem Tod herrührte, eine Tröstung erwartete, offenbarte sich mir plötzlich die Wahrheit des folgenden Verses aus dem Qur'an, dessen Verkündigung ein Wunder ist,

سَبَّحَ ِللهِ مَا فِى السَّمٰوَاتِ وَاْلاَرْضِ وَهُوَ الْعَزِيزُ الْحَكِيمُ لَهُ مُلْكُ السَّمٰوَاتِ وَاْلاَرْضِ يُحْيِى وَيُمِيتُ وَهُوَ عَلٰى كُلِّ شَىْءٍ قَدِيرٌ

{"Gott preist, was in den Himmeln und auf der Erde ist. Und Er ist der Mächtige, der Weise. Ihm gehört die Königsherrschaft der Himmel und der Erde. Er macht lebendig und lässt sterben. Und Er hat Macht zu allen Dingen." (Sure 57, 1)}

Sie befreite mich von dieser meiner Vorstellung, die mein Mitleid erregt, diesen Schmerz über die Trennung hervorgerufen, mir Trauer und Furcht eingeflößt hatte, und öffnete mir die Augen. Es war mir, als schauten mich die Früchte in den Kronen der Obstbäume an und lächelten. So als wollten sie zu mir sagen: "Schenke auch uns deine Aufmerksamkeit und bleibe nicht bei den Ruinen stehen! "

So gemahnte mich die Wahrheit dieses ehrwürdigen Qur'anverses: "Warum betrübt dich die Gestalt eines Briefes so sehr, der - geschrieben von Hand der Menschen, die Gäste sind, auf das Blatt, das der Grund 'der Stadt Van' ist, und deren Form angenommen hat - in die fürchterliche Flut der russischen Invasion hineingeraten ist und ausgelöscht wurde? Betrachte doch einmal den Urewigen Designer, den wahren Herrn und Eigentümer aller Dinge:

Seine Briefe werden, so wie du sie auf dem Blatt, das 'Van' hieß, in gleicher vollkommener Pracht, wie du sie in früheren Zeiten gesehen hattest, neu und weiter geschrieben werden. Deine Klage darüber, dass diese Orte hier leer, zerstört und verwaist da liegen, erwächst aus der irrigen Vorstellung und dem Vergessen Seines wahren Eigentümers, und dass du die Menschen nicht als ihre Gäste, sondern als ihre Eigentümer siehst..." Aber aus diesem Fehler heraus und weil meine Lage von geradezu beißender Schärfe war, öffnete sich mir am Ende ein Tor zur Wahrheit und meine Seele bereitete sich darauf vor, diese Wahrheit vollständig anzunehmen. So wie man das Eisen in Feuersgluten schmiedet, bis es weich wird und man es leicht biegen und formen kann, so wurden auch mir jene traurige Lage, in der ich mich befand und schreckliche Zustand meiner Seele zu einem Feuer, das mich weich werden ließ. Der Qur'an, dessen Verkündigung ein Wunder ist, zeigte ihr mit der Wahrheit des oben erwähnten Qur'anverses den Segen, den die Glaubenswahrheiten enthalten, vollständig und brachte sie dazu, ihn anzunehmen. "Li-l'lahi-l'hamd", aller Dank gebührt Allah, für den Segen des Glaubens, der so wie wir bereits in verschiedenen Abhandlungen, wie der des "Zwanzigsten Briefes", eindeutig bewiesen haben, in der Wahrheit dieses Qur'anverses dem Geist und dem Herz jedes Menschen, entsprechend der Stärke seines Glaubens, eine Stütze verleiht. Die Kraft, mit der ich hundertfach fürchterlicherem und entsetzlichem Unglück als jenem schrecklichen Zustand widerstehen konnte, gab mir der "Glaube an Allah" und ermahnte mich wie folgt: "Alles ist dem Befehl deines Schöpfers, der der wahre Eigentümer dieses Landes ist, unterworfen. Die Zügel aller Dinge sind in Seiner Hand. Es genügt, dass du Sein bist und Ihm gehörst." Nachdem ich meinen Schöpfer erkannt und mich auf Ihn allein gestützt hatte, gaben alle feindseligen Dinge ihre Feindschaft mir gegenüber auf. Und ich begann nun, in meiner Lage Freude zu empfinden, über die ich zuvor nur zu weinen vermocht hatte. Wie wir bereits in vielen Abhandlungen mit sicheren Zeugnissen

bewiesen haben, wurde mir das Licht, das aus dem "Glauben an das Jenseits" erwächst, zu einer Stütze, die nicht nur meinen winzig kleinen, vergänglichen, kurzlebigen, weltlichen Wünschen nach meinen Freunden und meiner Verbundenheit mit ihnen zu genügen vermochte, sondern selbst meinen unendlich vielen und nie enden wollenden Wünschen nach einer unendlichen, unvergänglichen ewig glückseligen Welt Stütze und Halt. Denn derjenige, der sich im Glauben auf das Erbarmen des Allbarmherzigen Allerbarmers stützt, der im Aufscheinen Seiner Barmherzigkeit über dem Antlitz Erde, die eine Wohnstätte in diesem Kosmos und ein vergängliches Gästehaus ist, und der Seinen Gästen in jedem Frühling Seine zahl- und grenzenlos vielen, kunstvollen und schönen Gaben auf diesem Tisch des Frühlings schenkt, um sie für ein zwei Stunden zu erfreuen, und der darüber hinaus acht immerwährende Paradiesgärten für eine endlose Zeit mit unendlich vielen Sorten Seiner Gaben füllt und für Seine Diener und Anbeter als ewige Wohnstätten vorbereitet, findet so Stütze und Halt in seiner Zugehörigkeit zu Ihm, die ihm noch in ihrem schwächsten Ausdruck und für seine grenzenlos ewigen Hoffnungen eine bleibende Hilfe ist.

Des Weiteren erschien das Licht, das durch die Wahrheit dieses Qur'anverses aus dem Licht des Glaubens kam, so glänzend, dass die Finsternis der oben erwähnten sechs Richtungen taghell erleuchtet wurden. Denn es erhellte den Zustand, in dem ich mich nach dem Verlust meiner Medresse und der Schüler und Freunde aus dieser Stadt befand und über sie weinte, und sagte zu mir:

Die Welt, wohin deine Freunde gegangen sind, liegt keineswegs im Dunkel. Sie haben nur ihren Aufenthalt gewechselt. Ihr werdet euch wieder treffen. So ermahnte es mich und endete gänzlich mein Weinen. Es ließ mich verstehen, dass ich in dieser Welt Leute finden werde, die ihre Stelle einnehmen und ihnen gleichen. "Li-l'lahil'hamd ", aller Dank gebührt Allah, Er hat in der Tat die in Van zu Grunde gegangene Medresse mit der Medresse in Isparta

wieder ins Leben gerufen und auch die Freunde von dort mit noch mehr und wertvolleren Schülern und Freunden gleichsam wieder ins Leben gerufen.

Des Weiteren teilte es mir mit, dass die Welt nicht leer noch einsam ist. Meine Vorstellung, das Bild eines zerstörten Landes, war falsch. Der wahre Eigentümer verändert nach der Erfordernis Seiner Weisheit die Szenerie der ganzen Aufstellung der Menschheit und erneuert so den Brief (den Er geschrieben hat). Wie man an einem Baum ein Teil der Früchte pflückt und diese dann jedes Mal wieder durch neue Früchte ersetzt werden, so sind auch Untergang und Trennung innerhalb der Menschheit gleichsam Entsatz und Erneuerung. Sie haben vom Standpunkt des Glaubens aus betrachtet nicht Trauer und Leid zur folge, das aus dem Verlust der Freunden herrührt, sondern bewirken vielmehr eine Erneuerung, eine Trauer, die nach aller Trennung ihre Versöhnung findet durch das Wiedersehen an einem anderen, schöneren Ort. Außerdem hob es auch das Antlitz all der Wesen im ganzen Kosmos, das mir so finster erschienen war, aus jenem fürchterlichen Zustand empor ins Licht. Als ich damals für diese meine neue Lage danken wollte, fiel mir der folgende arabische Text ein, der genau diese Wahrheit beschreibt. Ich sagte Folgendes:

اَلْحَمْدُ ِللهِ عَلٰى نُورِ اْلاِيمَانِ الْمُصَوِّرِ مَا يُتَوَهَّمُ اَجَانِبَ اَعْدَآءً اَمْوَاتًا مُوَحِّشِينَ اَيْتَامًا بَاكِينَ اَوِدَّآءَ اِخْوَانًا اَحْيَآءً مُونِسيِنَ مُرَخَّصِينَ مَسْرُورِينَ ذَاكِرِينَ مُسَبِّحِينَ

Das heißt: Infolge der Gottvergessenheit, die unter dem Einfluss jener fürchterlichen Vorstellung entsteht, erschien mir alles in der Welt, entweder als fremd und feindselig,

{Gemeint sind die Unglücke wie Erdbeben, Stürme, Taifune, Pest und Feuersbrunst.}

oder als Furcht einflößende Leichen, oder als Waisen, die über ihr Niemandes-Sein weinen.

Dieses Furcht erregende Bild, das meiner gottvergessenen Seele in ihrer Vorstellung vorgeführt wurde, betrachtete ich im Lichte des Glaubens und erkannte mit augenscheinlicher Gewissheit: Diejenigen, die mir fremd und feindselig erschienen, sind mir Freunde und Geschwister geworden. Was aber jene anscheinend so Furcht einflößenden Leichen betrifft, so ist ein Teil von ihnen (z.B. Berge und Meere, nicht einfach tote Materie, sondern in Wahrheit) lebendig und einladend, ein anderer Teil (d.h. die Lebewesen) sind diejenigen, die aus dem Dienst entlassen worden sind. Und was wie Wehgeschrei klingt und weinende Waisenkinder, gleicht dem Murmeln derer, die Gottes gedenken und Ihn lobpreisen.

Nachdem ich dies alles im Lichte des Glaubens betrachtet hatte, war ich dem majestätischen Schöpfer so unendlich dankbar, der mir diesen Glauben verlieh, welcher die Quelle so unendlicher Geschenke ist. So ist es denn in dieser Welt mein Recht und meine Pflicht, in meinen Dank, meinen Lobpreis Gottes alle lebenden Wesen in dieser meiner eigenen kleinen Welt, welche die große ganze Welt reflektiert, in meiner Vorstellung, in meiner Absicht mit einzuschließen. Von diesem Standpunkt aus betrachtet sagte ich, entsprechend dem Ausdruck und der Sprache alles dessen was da lebt, im ganzen wie im einzelnen: "El'hamdu li-l'lahi 'ala Nuri-l'iman, aller Dank sei Allah für das Licht des Glaubens"

Des Weiteren dehnten sich die Lebensfreude, die durch jene schreckliche Haltung der Gottvergessenheit ins Nichts gesunken war, und die Hoffnung, die ganz und gar geschrumpft und eingeschlafen war, und die mir zugedachten Gaben und Genüsse, die doch so sehr auf engsten Kreis beschränkt gewesen, dass sie fast zu Grunde gegangen wären - wie wir bereits in anderen Abhandlungen mit Sicherheit bewiesen haben - im Lichte des Glaubens auf einmal über jenen eng umschriebenen Kreis des

(menschlichen) Herzens so weit aus, dass er schließlich den ganzen Kosmos umschloss. Anstelle der Gaben, die in jenem Garten Horhor vertrocknet waren und ihren Geschmack eingebüßt hatten, machte das Licht des Glaubens das Haus dieser Welt und das Haus jener Welt gleichsam zu je einem Gabentisch, zu einer Tafel der Barmherzigkeit. Es verlieh dem Menschen nicht nur zehn sondern hundert Organe, wie Auge, Ohr und Herz, damit ein jeder Gläubige sich seinem Grad entsprechend wie mit einer überaus langen Hand zu diesen beiden Tischen des Erbarmers ausstrecken und die Gaben von jeder Seite nehmen könne. Um dieser erhabenen Wahrheit Ausdruck zu verleihen und für diese unendlichen Geschenke zu danken sagte ich damals:

اَلْحَمْدُ ِللهِ عَلٰى نُورِ اْلاِيمَانِ الْمُصَوِّرِ لِلدَّارَيْنِ مَمْلُوئَتَيْنِ مِنَ النِّعْمَةِ وَالرَّحْمَةِ لِكُلِّ مُؤْمِنٍ حَقاً يَسْتَفِيدُ مِنْهُمَا بِحَوَاسِّهِ الْكَثِيرَةِ الْمُنْكَشِفَةِ بِاِذْن ِخَالِقِهِ

Das heißt: "Dem Schöpfer, der diese Welt und das Jenseits mit Gaben und Segen erfüllt und den wahren Gläubigen anhand der Fähigkeiten, die sich im Licht des Glaubens und des Islam entwickelten und gediehen, ermöglicht, sich von beiden gewaltigen Tischen zu bedienen, und der mir diesen Glauben gab, sage ich mit allen Zellen meines Körpers Lob und Dank, dass es, wenn es mir möglich wäre, diese und jene Welt füllte, für das Geschenk des Lichtes des Glaubens."

Da der Glaube nun einmal in dieser Welt eine so große Wirkung hat, wird er auf jeden Fall an bleibender Stätte solcher Art Früchte und Segen bringen, dass es der Verstand in dieser Welt nicht fassen und beschreiben kann.

Nun, oh Ihr alten Frauen und Männer, die Ihr wie ich durch das Alter unter dem Schmerz der Trennung von so vielen Freunden leidet! Auch wenn der älteste von Euch

(chronologisch zwar) älter sein sollte als ich es bin, schätze ich, dass ich doch innerlich älter bin. Denn: Da meine Empathie und mein Mitgefühl mit den anderen meiner Natur entsprechend besonders ausgeprägt sind, leide ich nicht nur unter meinen eigenen Schmerzen, sondern im Geheimnis dieser Zärtlichkeit auch unter dem Schmerz von tausenden meiner Mitbrüder. Daher bin ich so alt, als hätte ich viele hundert Jahre gelebt. Wie sehr ihr auch immer unter dem Unglück der Trennung gelitten habt, so seid ihr doch von diesem Unglück nicht so sehr betroffen wie ich. Denn ich habe kein Kind, sodass ich immer an mein Kind denken müsste. In diesem so tiefen Mitempfinden und der Zärtlichkeit, die in meinem Wesen liegt, empfinde ich immer den Schmerz der vielen tausend islamischen Kinder, ja selbst den armen Tieren gegenüber Mitleid und Schmerz. Ich besitze keine Familie, sodass ich meine Gedanken nur ihnen widmete. Vielmehr fühle ich mich diesem Land, ja sogar der ganzen islamischen Welt wegen meiner islamischen Begeisterung so eng verbunden wie meinem eigenen Hause. Ich habe Mitgefühl mit den Leiden meiner Glaubensgenossen in diesen beiden Häusern und bin traurig, wenn ich von ihnen getrennt bin.

So genügte mir das Licht des Glaubens bei allen meinen Schmerzen, die von dem Übel meines Alters und meiner Isolation herrühren. Es gab mir eine unzerstörbare Hoffnung, ein unauslöschliches Licht und eine nie versiegende Tröstung. Auf alle Fälle reicht euch der Glaube vollständig gegen die Finsternis, die Gottvergessenheit, die Trauer und das Leid, die aus dem Altsein kommen. Und überhaupt ist das Alter so völlig finster, so vollkommen lichtlos und trostlos, und die Trennung, am schmerzvollsten und schrecklichsten, wenn es das Alter und die Trennung der Leute des Irrweges und der Ausschweifung ist. Den Glauben, der diese Hoffnung, dieses Licht und diese Tröstung gibt, wahrzunehmen und seine Wirkung zu verspüren, ist nur dadurch möglich, dass man sich gegenüber Gott bewusst so verhält, wie es in Seinem Dienst und Seiner Anbetung dem Alter würdig ist und dem Islam entspricht. Andernfalls

ist dies nicht möglich, wenn man sich bemüht, den Jugendlichen gleich zu sein, den Kopf betrunken in Gottvergessenheit vergräbt und dabei sein Alter vergisst. Ihr sollt an die folgende Hadith denken:

خَيْرُ شَبَابِكُمْ مَنْ تَشَبَّهَ بِكُهُولِكُمْ وَشَرُّ كُهُولِكُمْ مَنْ تَشَبَّهَ بِشَبَابِكُمْ

Das heißt: "Die besten unter euren Jugendlichen sind diejenigen, die in ihrer Sorgfalt und Enthaltung von Ausschweifungen den Alten gleichen. Und die Schlechtesten unter euren Alten sind diejenigen, die in ihren Ausschweifungen und wie sie ihren Kopf in Gottvergessenheit vergraben den Jugendlichen gleichen."

Oh ihr Geschwister, ihr alten Männer und Frauen! Eine heilige Hadith besagt: "Wenn ein Gläubiger, der sechzig, siebzig Jahre alt ist, vor der Schwelle Gottes seine Hände erhebt und betet, schämt sich die Barmherzigkeit Gottes, seine Hände leer zurückzuweisen." Da sich die Barmherzigkeit dermaßen respektvoll euch gegenüber erweist, sollt auch ihr dieser Barmherzigkeit in Seinem Dienst und Seiner Anbetung mit Respekt entgegentreten.

Vierzehnte Hoffnung:

In der Einführung des "Vierten Strahls", in dem der lichtvolle Vers Hasbiye "Es genügt... " (Sure 3, 173) erklärt wurde, wird ganz kurz folgendes gesagt: In einer Zeit, in der die Weltleute mich von allen Dingen isoliert hatten, geriet ich auf fünf verschiedene Arten in die Fremde. In der Gottvergessenheit, die aus einer inneren Unruhe erwuchs, betrachtete ich geradewegs mein Herz und durchsuchte meinen Geist, ohne die tröstenden und helfenden Lichter der Risale-i Nur zu beachten. Ich sah, dass mich eine überaus starke Sorge um meine Existenz, eine mächtiges Interesse an ihren Grundlagen, ein heftiges Verlangen nach ihrem Fortbestand, eine grenzenlose Schwäche und eine unendliche Armseligkeit beherrschten. Dagegen löscht aber eine fürchterliche Vergänglichkeit dieses Fortbestehen aus. Aus dieser Haltung heraus sagte

ich mit folgenden zu Herzen gehenden Worten eines Dichters:

"Das Herz nach Bestand, Gott der Gerechte, dass verschwand der Körper verlangt,

Von einem unheilbaren Schmerz bin ich betroffen,

ach! Wofür selbst Lokman (der Arzt) den Rat nicht weiß."

Ich senkte meinen Kopf. Plötzlich kam mir der Vers

حَسْبُنَا اللهُ وَنِعْمَ الْوَكِيلُ

{"Gott genügt uns. Welch vorzüglicher Sachverwalter!" (Sure 3, 173)}

zu Hilfe. "Lies mich mit Aufmerksamkeit!" sagte er mir. Und so rezitierte ich ihn auch eines Tages fünfhundertmal. Und während ich ihn rezitierte, öffneten sich mir "neun Stufen" seiner kostbaren Lichter, nicht nur mit wissenschaftlicher (rationaler) Gewissheit, sondern auch mit augenscheinlicher (realer) Gewissheit.

Erste Stufe:

Die Sorge um mich und meine eigene Existenz, ist mir nicht um meinetwillen und um meiner eigenen Existenz willen gegeben, vielmehr findet sich in meiner Natur eine wenn auch nur schattenhafte Erscheinung des einen Namens des Herrn, dem die Vollkommenheit und die Größe ist, und der absolut vollkommen ist, den man unmittelbar liebt, ohne einen Grund. Die Liebe in meinem Wesen, die auf die Existenz, die Vollkommenheit und das Fortbestehen des absolut Vollkommenen hin orientiert ist, verlor und verirrte sich in ihrer Gottvergessenheit, heftete sich an Schatten und Schemen und verfiel der Sorge um den Fortbestand ihres Spiegelbildes. Da tauchte in mir der Vers

حَسْبُنَا اللهُ وَنِعْمَ الْوَكِيلُ

{"Gott genügt uns. Welch vorzüglicher Sachverwalter!" (Sure 3, 173)}

auf und lüftete den Schleier. Ich sah, verspürte und nahm mit wahrheitsgemäßer Gewissheit wahr, dass das Glück und die Freude über mein Fortbestehen genauso und sogar in einer noch vollkommeneren Form in meinem Bekenntnis, in meinem Glauben und in meiner festen Überzeugung liegt, dass der Vollkommen-Beständige ewig

fortbesteht, und dass Er mein Herr und mein Gott ist. Die Beweisquellen dessen wurden bereits in der Abhandlung, in der der Vers Hasbiye("Es genügt...") behandelt wurde, dermaßen feinsinnig und tiefschürfend in zwölf Absätzen, die mit "überdies" beginnen, erklärt, dass diejenigen, die ihre fünf Sinne beisammen haben, in Erstaunen versetzt und sich ihres Glaubens bewusst wurden.

Zweite Stufe:

Als mich die Weltleute mit Intrigen und Spitzeln, trotz der grenzenlosen Schwäche in meinem Wesen und trotz meines Alters und meiner Verlassenheit, in der Fremde und in meiner Isolation angriffen, sagte ich meinem Herzen: "Ein einzelner, schwacher und kranker Mann mit gebundenen Händen wird von ganzen Armeen angegriffen. Gibt es denn für mich keinen Zufluchtsort?" So sagte ich und wandte mich an den Vers

حَسْبُنَا اللهُ وَنِعْمَ الْوَكِيلُ

{"Gott genügt uns. Welch vorzüglicher Sachverwalter!" (Sure 3, 173)}

Dieser Vers teilte mir mit: Durch deine Glaubenszugehörigkeit als deinem Ausweis gehörst du einem dermaßen absoluten, allmächtigen König, der auf der Erde in jedem Frühling den Heeren von Pflanzen und Tieren, die aus vierhunderttausend Völkern bestehen, vor allem aber den Menschen ihre Werkzeuge in vollkommener Wohlordnung und alle Arten von Nahrung und jegliche Versorgung gibt. Nicht wie die Fleisch- und Zuckerkonzentrate der Speisen, welche die zivilisierten Menschen in den letzten Jahren entdeckten, vielmehr hundertfach vollkommener als diese neuzeitlichen Konzentrate, werden von jeder Sorte aller Speisen in die Konzentrate, die Samen und Kerne heißen, hinein gepackt. Auch in diesen Konzentraten werden die zuvor geschriebenen Rezepte, welche ihr Reifen und Gedeihen betreffen, eingewickelt und um sie zu schützen in kleine Kästchen hineingelegt und verteilt. Was die Erschaffung dieser Kästchen betrifft, so werden sie in der Fabrik كَافْ نُونْ , die in dem Befehl كُنْ (Sei!) enthalten ist, dermaßen schnell, leicht und in Hülle und Fülle produziert, dass der Qur'an sagt: "Der Schöpfer befiehlt und es

geschieht." Da du durch den Ausweis deiner Glaubenszugehörigkeit nun einmal einen solchen Zufluchtsort findest, kannst du dich auf eine grenzenlose Kraft und Macht stützen. Nachdem ich von diesem Vers meinen Unterricht bekommen hatte, fand ich eine dermaßen große Geisteskraft und verspürte eine solche Macht aus dem Glauben, mit der ich nicht nur gegen meine gegenwärtigen Feinde, sondern auch gegen die aller Welt antreten konnte. Ich sagte aus meiner ganzen Seele

حَسْبُنَا اللهُ وَنِعْمَ الْوَكِيلُ

{"Gott genügt uns. Welch vorzüglicher Sachverwalter!" (Sure 3, 173)}

Dritte Stufe:

Als ich unter dem Druck aller Fremde, Krankheiten und Ungerechtigkeiten meine (bisherigen) Interessen an der Welt abgebrochen fand, gab mir der Glaube ein, dass ich ein Kandidat für eine immerwährende Glückseligkeit in einer ewigen Welt und in einem ewig bestehenden Land bin. Darauf hin verzichtete ich auf ein "Oh weh", welches aus der Klage fließt und sagte ein "Oh, oh", das die Freude zum Ausdruck bringt. Dieses Ideal, geistliche Ziel und Ergebnis der Schöpfung kann einzig und alleine durch die grenzenlose Macht des Absolut-Allmächtigen wirklich werden, der alle Bewegungen, das Verhalten, die Haltungen und Tätigkeiten aller Geschöpfe in Wort und Tat kennt und sie aufzeichnet und der diese winzig kleine und absolut schwache Menschengattung zu Seinem Freund und Ansprechpartner macht und ihr eine Stellung über allen Geschöpfen verleiht, und dadurch dass Er dem Menschen Seine grenzenlose Güte gibt und ihm einen Wert beimisst. Als ich so dachte, wollte ich eine Erklärung über diese beiden Punkte, d.h. über die Tätigkeit einer solchen Macht und über die wirkliche Bedeutung dieses äußerlich unbedeutenden Menschen, um meinen Glauben entfalten und meinem Herzen Sicherheit geben zu können. Wiederum wandte ich mich an diesen Vers. Er sagte und befahl: Achte auf die نَا (uns) in dem Wort حَسْبُنَا (es genügt uns...) und höre wie viele noch zusammen mit dir in Wort und Tat das حَسْبُنَا (es genügt uns...) rufen!

Plötzlich bemerkte ich, dass auch grenzenlos viele Vögel und die kleinen Vögelchen, die Fliegen, und unzählbar viele Tiere, Pflanzen und Bäume wie ich in der Tat die Bedeutung von

حَسْبُنَا اللهُ وَنِعْمَ الْوَكِيلُ

{"Gott genügt uns. Welch vorzüglicher Sachverwalter!" (Sure 3, 173)}

rezitieren und jeden dazu bringen, sich daran zu erinnern, dass sie einen Verwalter haben, der sich für alle ihre Lebensbedingungen verbürgt. Er erschafft hunderttausend verschiedene Sorten Vögel aus Eiern, die einander ähneln und aus dem gleichen Stoff bestehen; hunderttausend Gestalten von Tieren aus den sich einander gleichenden Tropfen; hunderttausende Arten von Bäumen aus den sich einander ähnelnden Kernen und bringt sie ohne Fehler, ohne Makel, ohne sie zu verwechseln, geschmückt, wohl ausgewogen, wohlgeordnet, in einer voneinander unterschiedenen Form vor unseren Augen, besonders in jedem Frühling außerordentlich viel, außerordentlich leicht, außerordentlich umfangreich und in Hülle und Fülle zu Stande.

Diejenigen, welche die Merkmale meines Charakters und meines Menschseins, wie auch die jedes Gläubigen verstehen wollen, und diejenigen, die wünschen, mir zu folgen, sollen in der Abhandlung über "Ich", d.h. meine Seele, die in dem نَا (uns) von حَسْبُنَا (es genügt uns...) mit enthalten ist, nachschauen, verstehen und ihren Unterricht darüber erhalten, was meine Existenz ist, die sich als ebenso bedeutungslos, gering und armselig erweist, wie die Existenz jedes Gläubigen, was das Leben ist, was das Menschsein ist, was der Islam (Ergebenheit) ist, was wohlverstandener Glaube ist, was die Erkenntnis Gottes ist und wie die Liebe zu Ihm sein soll!

Vierte Stufe:

In einer Zeit, als mich das Alter, die Fremde, Krankheit, Niederlagen und dergleichen Zustände, die meine Existenz erschütterten, unerwartet trafen und in Besorgnis versetzten und ich merkte, dass meine Existenz, mit der ich sehr stark verbunden und in die ich geradezu

verliebt war, und die Erscheinungsformen aller Geschöpfe in das Nichts verschwinden, wendete ich mich wieder an diesen Vers "Hasbiye"(es genügt...). Er sagte mir: "Achte auf meine Bedeutung und betrachte sie mit dem Fernglas des Glaubens!" Ich betrachtete und sah mit dem Auge des Glaubens, dass dieser mein Körper, so unbedeutend wie ein Stäubchen, und das Dasein eines jeden Gläubigen der Spiegel eines grenzenlosen Seins ist, und ein Anlass, durch eine grenzenlose Ausdehnung, zu unendlichen Existenzbereichen zu gelangen und das ein Wort der Weisheit ist, das außer sich selbst noch viele wertvollere Formen des Seins, die ewig bestehen, als Früchte hervorbringt. Mit einer wissenschaftlichen (rationalen) Gewissheit erkannte ich, dass entsprechend seiner Zugehörigkeit auch nur einen Augenblick zu leben, so wertvoll wie ein für ewig bestehendes Dasein ist. Denn aus dem Bewusstsein des Glaubens heraus verstand ich, dass dieser mein Körper ein Kunstwerk und eine Erscheinung dessen ist, der notwendigerweise da sein muss, und rettete mich dadurch vor den Ängsten in der Einsamkeit und vor den Schmerzen grenzenlos vieler Trennungen. Ich erkannte, dass in der vorübergehenden Trennung von allen Geschöpfen, die ich liebe und mit denen ich in der Anzahl der Taten und der Namen Gottes, die besonders die Lebendigen betreffen, geschwisterliche Beziehungen angenommen hatte, eine beständige Zusammenkunft mit ihnen liegt. So gewinnt auch mein Körper, so wie der jedes Gläubigen, durch den Glauben und durch die Zugehörigkeit, die aus dem Glauben erwächst, ohne jede Trennung Lichter von grenzenlos vielen Wesen, die da für immer verbleiben, auch wenn er selbst geht und ist damit zufrieden, als wäre er da geblieben.

Zusammenfassung:

Der Tod ist keine Trennung, er ist eine Zusammenkunft, ein Ortswechsel und bringt eine ewige Frucht.

Fünfte Stufe:

In letzter Zeit war mein Leben wieder von sehr schweren Umständen erschüttert und mein Blick

wurde mir auf mein Leben und seine Zeit gerichtet. Ich sah, dass mein Leben wie im Flug verging. Seine Bahn neigte sich dem jenseitigen Ende zu. Unter dem Druck (der Verhältnisse) wandte sich mein Leben dem Verlöschen zu. Und ich dachte mit Bedauern, dass die wichtigen Aufgaben des Lebens, seine großen Vorzüge, sein Nutzen und seine Kostbarkeiten, wie sie in meiner Abhandlung über den Namen "Hayy"(Gott der Lebendige) erklärt wurden, nicht so schnell verlöschen sollten, sondern ein langes Leben verdienten. Wieder wandte ich mich dem Vers

حَسْبُنَا اللهُ وَنِعْمَ الْوَكِيلُ

{"Gott genügt uns. Welch vorzüglicher Sachverwalter!" (Sure 3, 173)}

zu, der mein Lehrmeister ist. Er sagte mir: "Betrachte das Leben nach dem Lebendigen, der aus sich selbst besteht (Hayy-i Qayyum),der dir das Leben gab. Da betrachtete ich es also und sah: Wenn sich mein Leben nur in einer Hinsicht auf mich bezieht, so bezieht es sich doch in hundertfacher Hinsicht auf den, der lebendig ist und aus sich selbst besteht. Wenn von dessen Ergebnis ein Teil mir gehört, so gehören tausende meinem Schöpfer. In diesem Fall genügt es einen Augenblick lang im Bereich des Wohlwollens Gottes zu leben und braucht es daher keine lange Zeit. Diese Wahrheit wird in vier Problemstellungen erklärt. Diejenigen die nicht tot sind oder die, die lebendig sein wollen, sollen das Wesen des Lebens, seine Wahrheit und sein wahres Recht in diesen vier Problemstellungen finden und wieder zum Leben kommen.

Die Zusammenfassung dessen ist wie folgt: Solange das Leben auf den Herrn ausgerichtet ist, der lebendig ist und aus sich selbst besteht, und der Glaube das Leben mit Leben und Geist erfüllt, erlangt es Beständigkeit, bringt beständige Früchte hervor und qualifiziert sich dermaßen, dass es die Ausstrahlung der Ewigkeit empfängt, und die Länge oder Kürze der Lebensspanne wird von geringer Bedeutung.

Sechste Stufe:

In einer Zeit, in der mich mein Alter, das mich inmitten der Ereignisse der Endzeit, welche mit einer

allgemeinen Trennung die Zerstörung der Welt verkünden, an meine persönliche Trennung gemahnte, und meine Seele in meinen letzten Lebensjahren mit außerordentlicher Sensibilität und mit allen Sinnen meines Wesens die Schönheiten zu verehren und alles Gute zu lieben und sich für die Vollkommenheit zu begeistern begann, sah ich, mit einer ungewöhnlichen Klarheit und Eindringlichkeit, dass Untergang und Vergehen, mit ihrer ständigen Zerstörung und Tod und Vernichtung mit ihrer beständigen Trennung, in fürchterlicher Weise dieser schönen Welt und aller schönen Schöpfung übel mitspielen, sie in Stücke reißen und ihre Schönheit vernichten. Damals, als weltliche Natur und Leidenschaft in mir aufwallte und -brauste, wandte ich mich wieder zu diesem Vers "Hasbiye"(Es genügt...), um etwas zu finden, was mich trösten konnte. Er sagte mir: "Lies mich und betrachte mit Aufmerksamkeit meine Bedeutung!" Ich trat auch in das Observatorium des Verses in der Sure "Nur"(Licht)

حَسْبُنَا اللهُ وَنِعْمَ الْوَكِيلُ

{"Gott ist das Licht der Himmel und der Erde. Usw..." (Sure 24, 35)}

und schaute durch das Fernglas des Glaubens nach den weitesten Schichten dieses Verses "Hasbiye"(Es genügt...) und betrachtete durch das Mikroskop des Glaubensbewusstseins seine fernsten Geheimnisse und sah: Wie Spiegel, Gläser und glänzende Dinge, ja sogar Wasserbläschen die unsichtbaren und unterschiedlichen Schönheiten der Sonnenstrahlen und die verschiedenen Schönheiten der sieben Farben dieser Strahlen, durch die Erneuerungen, Bewegungen, unterschiedlichen Fähigkeiten und Lichtbrechungen diese Schönheiten und ihre anmutigen Erscheinungen erneuern und sehr schön darstellen, genauso kommen und gehen diese schönen Kunstwerke, diese süßen Geschöpfe und vollkommenen Wesen, ohne sich aufzuhalten, um für die heilige Schönheit des majestätischen Schönen, der die Sonne aller Ewigkeiten ist, und für die immerwährenden Schönheiten Seiner grenzenlos schönen Namen und für die Erneuerungen ihrer Erscheinungen als

Spiegel zu dienen. Die Schönheiten, die bei ihnen sichtbar werden, sind nicht ihr Eigentum, vielmehr Zeichen einer immerwährenden, heiligen, absoluten und reinen Schönheit, die sich ständig offenbart und ihre Merkmale, ihre Blitze und ihre Erscheinungen zeigen will. Sehr starke Beweise dazu wurden in einer Abhandlung der Risale-i Nur eingehend erklärt. Dort beginnen die Erklärungen mit dem folgenden Satz: "Hier werden drei von diesen Zeugnissen kurz und in einer sehr verständlichen Weise erklärt." Jeder mit Sinn für das Schöne und Gute, der diese Abhandlung liest, gerät in Begeisterung und hält sie nicht nur für sich sondern auch für die Anderen für nützlich. Besonders in dem "Zweiten Zeugnis" werden fünf Punkte erklärt. Jeder Mensch mit klarem Verstand und redlichem Herzen, wird in jedem Fall in Hochschätzung , Begeisterung und mit Einverständnis dazu sagen "Masha-al'lah(So wie es Gott wollte!) Fe-tebareka-l'lah(Gott möge es segnen!)" Er wird sich bemühen, sein Gefühl für den Wert seiner Existenz, die ihm so armselig und wertlos vorkommt, zu erhöhen. Er wird begreifen und bestätigen, dass er in seinem Dasein ein einzigartiges Wunder ist.

Fünfzehnte Hoffnung:

Ich war damals in Emirdagh wegen der Schikanen, die sie mir mit der Verbannung, dem Hausarrest, der einer Einzelhaft gleich kam und mir durch die Überwachung fast unerträglich wurde, und infolge all der diktatorischen Verordnungen des Lebens überdrüssig und bedauerte es, das Gefängnis verlassen zu haben. Mit Herz und Seele sehnte ich mich nach dem Gefängnis von Denizli zurück und wünschte mich schon ins Grab.

Als ich "Gefängnis und Grab sind besser als diese Lebensweise" sagte und beschloss, ins Grab hinabzusteigen, oder wieder ins Gefängnis zu gehen, eilte mir die Gnade Gottes zu Hilfe; sie gab in die Hände der Medreset-üz-Zehra-Schüler, deren Stifte auch so produktiv wie eine Vervielfältigungsmaschine waren, eine neu herausgekommene Vervielfältigungsmaschine. Mit einem Stift, der die

Vervielfältigungsmatrize beschrieben hat, entstanden auf einmal fünfhundert Exemplare eines jeden wertvollen Werkes der Risale-i Nur. Der Beginn ihrer Verbreitung und die positive Wirkung, die von ihr ausging, ließ mich dieses Leben trotz aller Strapazen und Schikanen dennoch lieben und "unendliche Male Dank!" sagen.

Eine Weile später konnten die geheimen Feinde der Risale-i Nur die Verbreitung der Risale-i Nur nicht ertragen. Sie haben die Behörden gegen uns aufgehetzt. Wieder einmal begann das Leben, mir schwer zu werden. Plötzlich erschien die Gnade des Herrn. Die verantwortlichen Beamten, die "die Lichter" am nötigsten hatten, studierten die beschlagnahmten Abhandlungen im Rahmen ihres Dienstes eingehend und mit großem Interesse. Die Lichter aber eroberten ihre Herzen. Als sie anfingen, die Lichter zu würdigen, statt sie zu kritisieren, weitete sich die "Nur"-Medresse aus. Es hat uns hundert Grade mehr Nutzen gebracht als der uns entstandene Schaden; das ganze lähmende Entsetzen tendierte plötzlich gen Null.

Sodann lenkten die verborgenen, feindlich gesinnten Heuchler die Aufmerksamkeit der Behörden auf meine Person. Sie erinnerten sie an meine politische Vergangenheit. Sie haben beim Justizministerium, dem Bildungsministerium, den Ordnungsbehörden und dem Innenministerium Argwohn gegen mich erweckt. Durch die Provokationen der Anarchisten, versteckt unter dem Deckmantel ihrer Parteipolitik oder getarnt als Kommunisten, verbreitete sich dieser Argwohn. Sie begannen uns zu peinigen und einzusperren und die Abhandlungen, die in ihre Hände gerieten, zu beschlagnahmen. Die Tätigkeit der "Nur"-Schüler geriet ins Stocken. Um meine Person in Misskredit zu bringen, sprach eine Gruppe unter den offiziellen Beamten falsche, völlig unglaubwürdige Beschuldigungen gegen mich aus. Sie haben versucht, sehr merkwürdige Verleumdungen in Umlauf zu bringen. Jedoch haben sie niemanden überzeugen können. Danach haben sie mich unter äußerst primitiven Vorwänden in den kältesten Tagen des strengen

Winters inhaftiert und in eine große, sehr kalte Zelle, in der zwei Tage lang kein Ofen stand, in absoluter Einzelhaft eingesperrt. Obwohl ich doch in meinem kleinen Zimmer an einem Tag mehrmals den (geschlossenen) Ofen angeheizt hatte und sich auch in meinem (offenen) Mangal immer glühende Kohle befand, konnte ich es auf Grund meiner schlechten körperlichen Verfassung und meiner Krankheit dort nur schwer aushalten.

Als ich so in dieser meiner Lage fror und auch innerlich voller Wut und voller Unruhe war, offenbarte sich mir durch Gottes Gnade die folgende Wahrheit in meinem Herzen: "Du hast das Gefängnis als die Schule Josefs bezeichnet. Außerdem hast du (mit deinen Schülern) damals in Denizli tausendfach mehr innere Freude als Bedrängnis verspürt. Das geistige Verdienst und der Nutzen der Lichterabhandlungen für die Mitgefangenen, deren Erfolge auf hoher und höchster (politischer) Ebene und ähnliche Resultate veranlassten euch statt zu jammern tausendmal Dank zu sagen. Jede Stunde eures Gefängnisaufenthaltes und eures Leides ließ es zu zehn Stunden Gebet werden. Diese vergänglichen Stunden wurden unvergängliche. Insha-al'lah, so Gott will, wird der Nutzen der Lichterabhandlungen und ihr Trost für die Mitgefangenen in dieser dritten Schule Josefs euch in dieser Kälte erwärmen und eure schwere Mühsal in Frohsinn verwandeln. Wenn die Männer, auf die du wütend bist, getäuscht wurden, tun sie dir unbewusst Unrecht an. Nicht Wut wäre hier angemessen. Wenn sie dich wissentlich und in böser Absicht und im Sinne ihres Irrglaubens belästigen und schikanieren, werden sie in ziemlich kurzer Zeit für ewig mit dem Tode bestraft, zur Einzelhaft im Grabe verurteilt werden und einer immerwährenden, peinlichen Strafe ausgeliefert sein. In Anbetracht ihrer Schikanen wirst du sowohl viel Sevab (Verdienste) sammeln, als auch deine vergänglichen Stunden in unvergängliche verwandeln, als auch geistige Freuden erleben und deinen Dienst als Mann der Wissenschaft und des Glaubens in Wahrhaftigkeit versehen." So wurde ich in meiner Seele ermahnt und sagte

aus all meiner Kraft Elhamdulillah, aller Dank sei Allah! Vom Standpunkt meiner Menschlichkeit und ihrer Ungerechtigkeit taten sie mir leid und so betete ich und sagte: "Oh Herr, bringe sie auf den rechten Weg!" In meiner Aussage an das Innenministerium habe ich geschrieben, dass dieses jüngste Ereignis in zehnfacher Hinsicht gesetzwidrig ist. Dabei sind die eigentlich Schuldigen diese Ungerechten selbst, die im Namen des Gesetzes gesetzwidrig handeln. Sie haben nach Ausreden und Vorwänden gesucht und versucht mit Verleumdungen und mit Erdichtungen, über die jeder nur lachen kann, welche aber alle die, welche die Wahrheit lieben zum Weinen bringen, uns und die Risale-i Nur anzugreifen. Das zeigt allen einsichtigen und gemäßigten, dass jene innerhalb eines rechtlichen und gesetzlichen Rahmens keine Gelegenheit finden werden, die Risale-i Nur und ihre Schüler anzugreifen, weshalb jene sich dann in Haltlosigkeiten verirren.

Zum Beispiel: Beamte, die uns einen Monat lang observiert hatten, konnten keinen Vorwand ausfindig machen, weshalb sie schließlich auf einen Zettel schrieben: "Saids Diener hat in einem Laden eine Flasche Raki gekauft und ihm überbracht." Weil sie aber niemanden finden konnten, der diesen Zettel unterschreiben wollte, schnappten sie sich schließlich irgendeinen betrunkenen Strolch, drohten ihm und befahlen ihm: "Komm her und unterschreibe das!" Er erwiderte: "Nie und nimmer, Gott bewahre mich davor! Wer könnte denn eine solch sonderbare Lüge unterschreiben?" Daraufhin mussten sie diesen Zettel zerreißen.

Ein zweites Beispiel: Ein Mann, von dem ich nichts wusste und den ich auch bis heute nicht kenne, hat mir sein Pferd zur Verfügung gestellt, damit ich einen Ausflug mache. Aus gesundheitlichen Gründen ging ich an den meisten Tagen im Sommer ein, zwei Stunden lang spazieren, um frische Luft zu schöpfen. Ich habe es mir versprochen, dem Besitzer des Pferdes und des Wagens Bücher im Wert von fünfzig Lira zu schenken, um nicht gegen mein Prinzip zu verstoßen, d.h. um niemandem einen Dank schuldig zu bleiben. Gibt es etwa bei dieser Sache irgendeine Möglichkeit,

einen Schaden zu verursachen? Es ist aber so, dass selbst der Gouverneur, die Justizbeamten, die Ordnungshüter und die Polizei uns fünfzigmal die Frage gestellt haben: "Wem gehört dieses Pferd?" Als wäre es angeblich ein großes politisches Ereignis und ein Vorfall, der die allgemeine Ruhe und Ordnung betrifft. Sie haben sogar zwei Leute mit mir zusammen verhaftet, weil sie ausgesagt hatten, der eine, dass ihm der Wagen, der andere, dass ihm das Pferd gehöre, damit diese sinnlose Fragerei aufhören solle. Es gab da noch eine ganze Reihe anderer vergleichbarer Kinderspiele, an denen wir als Zuschauer beteiligt waren, mit einem weinenden und einem lachendem Auge, und dabei verstanden, dass diejenigen, die die Risale-i Nur und ihre Schüler angreifen, nur sich selber zum Gespött machen.

Hierzu nur ein weiteres Beispiel für ein feinsinniges Gespräch: Da als Grund für meine Verhaftung die Gefährdung der öffentlichen Sicherheit angegeben wurde, habe ich, noch bevor ich das Schreiben überhaupt gesehen hatte, dem Staatsanwalt gesagt: "In der vergangenen Nacht habe ich über dich gesprochen. Ich habe dem Polizisten, der mich im Auftrag des Polizeipräsidenten vernommen hat, gesagt: Wenn ich der öffentlichen Sicherheit in diesem Lande nicht so viel wie tausend Staatsanwälte und tausend Polizeipräsidenten gedient gehabt habe, so soll mich Allah verfluchen." Diesen Fluch habe ich dreimal wiederholt.

Danach überwältigte mich der Zorn und übermannte mich die Wut über diejenigen, die mich in dieser Kälte und zu einer Zeit, in der ich am meisten der Erholung bedurfte, mich nicht erkälten sollte und mich nicht über weltliche Dinge aufregen durfte, einer derart unerträglichen Zwangsumsiedlung, die - verbunden mit Isolation, Haft und Unterdrückung - ihren Hass und ihre Bosheit ahnen ließ, ausgesetzt haben. Doch da eilte mir Seine Gnade zu Hilfe. In meinem Herzen vernahm ich folgende Ermahnung:

"Selbst noch in dieser Ungerechtigkeit, die dir die Menschen antun, hat die Bestimmung Gottes, die zugleich auch Gerechtigkeit ist, einen großen Anteil. Zudem ist hier in diesem Gefängnis für dich gesorgt. Und diese deine

Versorgung hat dich hierher gerufen. Dem muss man mit Einverständnis und Ergebenheit begegnen. Daran haben auch die Weisheit und Barmherzigkeit des Herrn einen großen Anteil, die denjenigen, die in diesem Gefängnis leben, Licht und Trost spendet, wodurch ihr auch noch Sevab (einen Verdienst) erwerben könnt. Für diesen Anteil muss man in Geduld tausendmal Dank sagen.

Außerdem hat deine Begierde auf Grund ihrer Fehler, derer du dir nicht bewusst bist, daran einen Anteil. Auf Grund dieses Anteils musst du bei Gott um Verzeihung bitten, Ihn anflehen und deiner Begierde sagen:

'Du hast dir diese Ohrfeige verdient! Außerdem haben die verborgenen Feinde auch einen Anteil, die mit Intrigen einige leichtgläubige und misstrauische Beamte getäuscht und zu dieser Ungerechtigkeit verleitet haben. Demgegenüber hat dich die Risale-i Nur, die diesen Heuchlern fürchterliche geistige Schläge versetzt, an ihnen vollständig gerächt. Das ist schon genug für sie. Der letzte Anteil gehört den zuständigen Beamten, die an dieser Sache aktiv teilnehmen. Von den Lichterabhandlungen, die sie mit der Absicht, sie zu kritisieren, studieren, werden sie so oder so, zweifelsohne für ihren Glauben Nutzen ziehen. Bezüglich dieses Anteils ist es eine vornehme Gesinnung, ihnen um ihres Nutzens willen nach dem Grundsatz

وَالْكَاظِمِينَ الْغَيْظَ وَالْعَافِينَ عَنِ النَّاسِ

{"Sie bezwingen ihren Groll und vergeben den Menschen." (Sure 3, 134)}

zu verzeihen.'"

Auf Grund dieser wahrhaftigen Ermahnung habe ich mich entschlossen, in vollkommener Freude und Dank in dieser neuen Schule Josefs auch weiterhin zu bleiben, sogar einen harmlosen Fehler zu begehen, der eine Strafe nach sich ziehen würde, was denjenigen, die gegen mich waren, behilflich sein könnte.

Einem Mann wie mir, der keine Bindungen hat, sind in seinem fünfundsiebzigsten Lebensjahr, in dieser Welt nur fünf von siebzig geliebten Freunden am Leben geblieben. Siebzigtausend Exemplare der Lichterabhandlungen, die

ihren lichtvollen Auftrag erfüllen werden, sind erhalten geblieben und befinden sich frei im Umlauf. Für einen Mann wie mich, der so viele Mitbrüder und Erben hat, die nicht nur mit einer, nein, mit vielen tausend Zungen den Dienst am Glauben versehen, ist das Grab hundertfach besser als der Aufenthalt in diesem Gefängnis. Selbst dieses Gefängnis ist es noch hundertfach angenehmer und besser als eine Freiheit unter ständiger Bevormundung draußen, die jeglicher Freiheit entbehrt. Denn statt draußen die Bevormundung von hunderten zuständigen Beamten allein zu ertragen, muss man dagegen im Gefängnis mit hunderten Gefangenen gemeinsam nur eine leicht erträgliche nachvollziehbare Bevormundung durch ein, zwei Personen wie den Direktor und den Oberwachtmeister ertragen. Außerdem erfährt man im Gefängnis unter Freunden brüderliche Zuneigung und Trost. Da sich die selbstlose Liebe, die aus der islamischen Gesinnung erwächst, und die menschliche Natur in dieser Situation der Alten erbarmt, verwandeln sich die Belastungen im Gefängnis in Barmherzigkeit. Daher war ich mit dem Gefangenendasein zufrieden.

Als ich diesmal zum dritten Prozess kam, strengte mich das Stehen in meinem Alter, meiner körperlichen Schwäche und Krankheit an. Ich setzte mich vor dem Eingang des Gerichtssaals auf einen Stuhl. Plötzlich kam ein Richter, wurde zornig und sagte in herabwürdigendem Ton: "Warum wartet er nicht im Stehen?"

Alt und schwach wie ich war, wurde ich über eine solche Unbarmherzigkeit wütend. Plötzlich sah ich, dass sich sehr viele Muslime in vollkommener Liebe und Brüderlichkeit mit barmherzigen Blicken um uns versammelten. Sie konnten nicht fort gejagt werden. Sofort tauchten zwei Wahrheiten in mir auf.

Erste Wahrheit:

Die Leute, die mir und den Lichtern versteckte Feinde waren, wollten - um den Respekt, den die Öffentlichkeit mir gegen meinem Willen entgegenbringt, untergraben zu können - die Verbreitung der Lichterabhandlungen aufhalten. Darum suchten sie manche leichtgläubige Beamte der Regierung zu täuschen und sie

zu einem derart entehrenden Verhalten zu provozieren, um meine Person beim Volk in Misskredit zu bringen.

Als Geschenk für den Dienst der Lichterabhandlungen am Glauben hingegen verwies mich die göttliche Gnade auf hundert Leute, anstelle dieses einen einzigen Mannes mit seinem entehrenden Verhalten: Diese sind es, die euch begrüßen und die euch mit aller Liebe und mit jeglichem Interesse willkommen heißen, indem sie sich für euren Dienst begeistern und mit euch fühlen. Am zweiten Tag, während ich im Untersuchungsgericht auf die Fragen des Staatsanwaltes Antworten gab, versammelten sich sogar fast tausend Leute auf dem Hof der Behörde vor den Fenstern des Gerichtssaales und brachten auf diese Weise in völliger Verbundenheit unausgesprochen ihre Forderung zum Ausdruck: "Belästigt sie nicht!" Die Polizisten konnten ihre Versammlung nicht auflösen. Und in meinem Herzen wurde mir eingegeben: Diese Leute wollen in diesem gefahrvollen Zeitalter einen vollständigen Trost und ein unauslöschliches Licht, einen starken Glauben und eine überzeugende Botschaft von der ewigen Glückseligkeit, wonach sie von Natur aus suchen. Bestimmt haben sie davon gehört, dass sich das, wonach sie suchen, in den Abhandlungen des Lichts finden lässt, sodass sie um dieses bisschen Dienstes am Glauben willen für meine Wenigkeit weit mehr Zuneigung empfinden, als ich verdient habe.

Zweite Wahrheit:

So wurde ich denn darauf hingewiesen, dass es dem entwürdigenden Verhalten gegenüber, entstanden aus einem Gerücht heraus, wir würden die öffentliche Sicherheit gefährden, und der schlechten, beleidigenden Behandlung durch ein paar irregeführte Leute, welche auf diese Weise den Respekt, den die Öffentlichkeit uns entgegenbringt, untergraben wollen, andererseits grenzenlos viele Kenner der Wahrheit und künftige Generationen voll Jubel und Begeisterung gibt.

Die anarchistische Gesinnung untergräbt unter dem Deckmantel des Kommunismus die öffentliche Sicherheit auf schreckliche Weise. Dagegen versuchen die Risale-i Nur und ihre Schüler mit der Kraft des wahrhaftigen Glaubens

diese entsetzliche geistige Zerstörung überall in diesem Land aufzuhalten und zu zerschlagen. Sie arbeiten sicherlich im Sinne der Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung, sodass drei, vier Gerichte und die Sicherheitsorgane von zehn Provinzen in diesen zwanzig Jahren keinen Vorfall festgestellt und aufgenommen haben, den die Risale-i Nur Schüler, welche überall in diesem Land in großer Zahl vorhanden sind, verursacht haben könnten. Ein Teil der rechtschaffenen Sicherheitskräfte aus drei Provinzen soll gesagt haben:

"Die Nur-Schüler sind geistige Ordnungshüter. Bei der Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung leisten sie uns Hilfe. Durch ihren überzeugten Glauben lassen sie bei jedem Mann, der die Lichter studiert, in seinem Sinn einen Wächter zurück, und versuchen so die öffentliche Sicherheit aufrechtzuerhalten." Ein Beispiel dafür ist das Gefängnis von Denizli. Mit den Lichterabhandlungen, die dort Eingang gefunden haben, und mit der "Frucht"-Abhandlung, die dort für die Gefangenen verfasst wurde, haben sich diese mehr als zweihundert Gefangenen innerhalb von drei, vier Monaten dermaßen gebessert und wurden gehorsam und fromm, dass selbst ein Mann, der drei, vier Leute umgebracht hatte, sich nun gar zurückhielt, die Läuse zu töten. Er begann seinem Lande ein ganz barmherziges Glied (der menschlichen Gesellschaft) zu werden, von dem nie wieder eine Gefahr ausging. Diese Lagewendung versetzte selbst die verantwortlichen Beamten in Staunen und Bewunderung.

Außerdem sagten einige junge Gefangene, die noch nicht verurteilt waren: "Wenn die Nur-Schüler im Gefängnis bleiben, wollen wir uns für solange verurteilen und inhaftieren lassen, bis wir, die wir uns an ihnen ein Beispiel genommen haben, so wie sie geworden sind." Durch ihren Unterricht werden auch wir selbst gebessert werden. Diejenigen, welche die Nur-Schüler dieser Art der Gefährdung der öffentlichen Sicherheit beschuldigen, haben sich in jedem Fall furchtbar geirrt oder sie sind getäuscht worden oder sie täuschen bewusst oder unbewusst die Behörden im

Interesse des Anarchismus und versuchen uns mit ihren Schikanen einzuschüchtern. Leuten von diesem Schlag sagen wir:

Da der Tod nun einmal nicht getötet und das Grabestor nicht geschlossen werden kann, wandern die Reisenden in Scharen aus diesem Gasthaus der Welt schnell und in Aufregung einer nach dem anderen unter die Erde und verschwinden. Ganz sicher werden wir in einer sehr kurzen Zeit voneinander Abschied nehmen. Ihr werdet die Strafe für eure Ungerechtigkeit auf eine fürchterliche Weise bekommen, zumindest aber gleichsam wie am Galgen die Todesstrafe für die Ewigkeit erleiden, der für die (z. Zt. noch) entrechteten Leute des Glaubens ein Entlassungsschein ist. Die vergänglichen Freuden, die ihr in dieser Welt in der Vorstellung, unsterblich zu sein, erlebt, werden sich in bleibendes und qualvolles Leid verwandeln.

Die Wahrheit des Islam, welche mit dem Blut und dem Schwert von hunderten Millionen Märtyrern, die den Rang eines Heiligen erlangt hatten, und heldenhaften Kriegsveteranen dieses religiösen Volkes erworben wurde und aufrechterhalten wird, bezeichneten leider unsere heimlichen Feinde in ihrer Verlogenheit (munafiq)manchmal als (die Lehre des) "Orden" (tariqat)und die Art der Mystiker, die auch nur einen Lichtstrahl aus der Sonne des Islam bilden, als diese Sonne selbst, um einige oberflächliche Regierungsbeamte Irre zu führen. Diese wollen jene gegen uns aufhetzen, indem sie die Nur-Schüler, die für die Wahrheit des Qur'an und des Glaubens wirkungsvolle Arbeit leisten, als Ordensgemeinschaft und politische Organisation bezeichnen. Wir sagen es ihnen sowie denjenigen, die ihnen zu unserem Nachteil Gehör verleihen, was wir schon bei unserer Verhandlung vor dem Gerichtshof von Denizli gesagt haben:

"Für eine heilige Wahrheit, für die schon vor uns hunderte Millionen ihren Kopf hingehalten haben, wollen auch wir jetzt unseren Kopf hinhalten. Auch wenn ihr die ganze Welt für uns zu einem Feuerball machen würdet, werden wir auch dennoch bereit sein, unseren Kopf für die Wahrheit

des Qur'an hinzuhalten, werden vor der Glaubenslosigkeit nicht kapitulieren und von unserem heiligen Dienst nicht zurücktreten. Wolle es Gott!"

So eilten mir denn die heiligen Tröstungen, die mir aus dem Glauben und dem Qur'an erwuchsen, in meinen Schmerzen und in meiner Verzweiflung - einer Folge der Überraschungen meines Alters - zu Hilfe. Ich würde heute kein noch so qualvolles Jahr in meinem Alter gegen zehn der heitersten Jahre meiner Jugend tauschen. Da insbesondere dem, der im Gefängnis seine Pflichtgebete einhält und um Vergebung bittet, eine jede Stunde für zehn Stunden Gebet angerechnet wird und in Zeiten einer Krankheit oder ungerechten Behandlung, ein jeder vergängliche Tag so viel Sevab (Verdienste) bringt, wie zehn ausschließlich einem ewigen Leben gewidmete Tage, wurde mir durch diese innere Ermahnung klar, wie sehr, ein Mann, der gleich mir vor dem Tor des Grabes auf seine Abberufung wartet, zu Dank verpflichtet ist. "Unendlich Dank meinem Herrn!" sagte ich, war mit meinem Alter zufrieden und einverstanden mit meiner Haft. Denn die Zeit bleibt nicht stehen, das Leben vergeht sehr schnell. Mag es ein sorgloses und heiteres Leben sein, das man in Gottvergessenheit verbringt, es vergeht, verlischt, hinterlässt Bedauern, Undankbarkeit und manch eine Sünde, denn am Ende der Freude steht der Schmerz. Wenn es aber im Gefängnis und unter Strapazen vergeht, wird es in gewisser Hinsicht zu einem beständigen und bringt mit seinen kostbaren Früchten ein ewiges Leben zum Gewinn, weil es als eine Art Gottesdienst gilt und am Ende des Schmerzes eine geistige Freude steht. Zudem gilt es als Buße für die früheren Sünden und für die Vergehen, die zu dieser Freiheitsstrafe geführt haben, und reinigt sie. Von diesem Standpunkt aus betrachtet, müssen die Gefangenen also ihre Pflichtgebete verrichten und geduldig und dankbar sein.

Sechzehnte Hoffnung:

Einmal - und ich war schon alt - verbüßte ich in Eskischehir eine einjährige Gefängnisstrafe und wurde dann entlassen. Ich wurde nach Kastamonu verbannt. Die Polizisten und ein, zwei Kommissare

nahmen mich zwei, drei Monate als Gast auf. Man kann sich nun vorstellen, wie sehr sich ein Mann wie ich an derartigen Plätzen belästigt fühlen muss, der ein Einsiedlerleben geführt hat und sich selbst durch eine Unterhaltung mit seinen engsten Freunden bedrängt fühlt, und der die Änderung (= Europäisierung) seiner (orientalischen) Bekleidung nicht ertragen kann.

Doch da kam mir in meinem Alter und in dieser verzweifelten Lage plötzlich die Güte Gottes zu Hilfe. Der Kommissar und die Polizisten in dieser Polizeidienststelle wurden mir zu treuen Freunden. So haben sie mich z.B. niemals dazu aufgefordert, (wie die Europäer) einen Hut zu tragen. Sie waren sogar wie meine Diener und fuhren mich sogar in der Stadt umher, wann immer ich dies wünschte. Danach zog ich dieser Polizeidienststelle gegenüber in die "Schule des Lichtes" (Medrese-i Nuriye)in Kastamonu (d.h. in meine Privatwohnung) ein und begann mit der Abfassung der "Lichterabhandlungen" (Nurlar).Die heldenhaften Schüler, wie Feyzi, Emin, Hilmi, Sadik, Nazif, Selahaddin kamen immer zu dieser Medresse um der Veröffentlichung und Vervielfältigung der Lichterabhandlungen willen. Ihretwegen kamen wertvolle wissenschaftliche Gespräche zu Stande, noch glänzender als in meiner Jugend mit meinen alten Schülern.

Danach ließen meine heimlichen Feinde bei einem Teil der Beamten und einigen eingebildeten Hocas und Scheichs gegen uns Verdächtigungen aufkommen. Das hatte zur Folge, dass wir und die Schüler der Lichter (Nur),die aus fünf, sechs Städten ins Gefängnis von Denizli gebracht worden waren, in dieser Schule Josefs zusammenkamen. Die Einzelheiten dieser Sechzehnten Hoffnung, welche den wahren Inhalt dieser Hoffnung glänzend zeigen, bilden meine Verteidigungsschrift vor dem Gericht, zusammen mit den kurzen Briefen, die ich in Kastamonu geschrieben hatte und die in die Briefsammlung

eingereiht worden sind und die ich im Gefängnis in Denizli an die mitgefangenen Brüder heimlich geschickt habe. Für die ausführliche Erklärung verweise ich auf diese Briefsammlung und meine Verteidigungsschrift. Hier will ich nur einen kurzen Hinweis geben.

Ich hatte die meine persönlichen und auch die besonders heiklen Abhandlungen, welche Ssufyan und Wundertaten (Keramet)der Lichtabhandlungen betreffen, unter Kohlen- und Holzhaufen versteckt. Sie sollten nach meinem Tod oder nachdem die Häupter an der Spitze der Regierung fähig geworden wären, die Wahrheit zu hören und zur Besinnung zu kommen, veröffentlicht werden. Während ich selbst aber noch völlig unbesorgt war, führten Durchsuchungsbeamte und der Vertreter der Staatsanwaltschaft plötzlich in meiner Wohnung eine Hausdurchsuchung durch. Sie förderten diese geheimen, heiklen Abhandlungen unter den Holzhaufen zu Tage. Daraufhin verhafteten sie mich und lieferten mich trotz meines schlechten Gesundheitszustandes in das Gefängnis in Isparta ein. Als ich noch über den Schaden, der die Lichtabhandlung betraf, sehr traurig und bekümmert war, eilte uns die Güte Gottes zu Hilfe. So begannen denn nun die Leute der Regierung diese heiklen Abhandlungen, die versteckt und doch zu lesen für sie so dringend notwendig war, mit großem Interesse und sehr viel Aufmerksamkeit zu lesen. So wurden die hohen amtlichen Dienststellen zu einer Art Schule der Lichter (Medrese-i Nuriye).Nachdem sie sie kritisch gelesen hatten, fingen sie an, sie zu schätzen. Sogar, als wir noch in Denizli im Gefängnis waren, lasen sehr viele offizielle und inoffizielle Leute ohne unser Wissen das "Große Zeichen", welches in aller Heimlichkeit gedruckt worden war. Sie stärkten dadurch ihren Glauben und ließen uns das Unglück unserer Inhaftierung vergessen.

Danach haben sie uns in das Gefängnis von Denizli eingeliefert. Sie hatten mich absolut isoliert in eine stinkende, feuchte und kalte Zelle eingesperrt. Als ich nun in meinem Alter, meiner Krankheit und durch viel Leid, das mir daraus erwuchs, dass meine unschuldigen Kameraden meinetwegen diese Qualen erleiden mussten, auch in großem Schmerz und innerer Bedrängnis wegen der Unterbrechung der Arbeit mit den Lichtabhandlungen, sowie sehr

erregt und besorgt wegen ihrer Beschlagnahmung, eilte mir plötzlich die Güte des Herrn zu Hilfe. Auf einmal ließ Er dieses große Gefängnis in eine Schule des Lichts (Dersane-i Nuriye)umwandeln und bewies, dass es eine Schule Josefs war. Mit den diamantenen Schreibfedern der Schüler der "Medreset-üz-Zehra"begannen sie die Lichtabhandlungen zu verbreiten. Sogar vervielfältigte ein heldenhafter Schüler unter diesen Umständen in drei, vier Monaten mehr als zwanzig Exemplare von der "Frucht"-Abhandlung und der Verteidigungsschrift mit der Hand. Beide begannen sich sowohl im Gefängnis als auch draußen zu verbreiten. Das ließ uns den Schaden in diesem Unglück zu großem Gewinn werden, unsere Sorgen in Frohsinn umwandeln und bestätigte das Geheimnis von

عَسٰٓى اَنْ تَكْرَهُوا شَيْئًا وَهُوَ خَيْرٌ لَكُمْ

{"Aber vielleicht ist euch etwas zuwider, während es gut für euch ist." (Sure 2, 216)}

Danach, als die ersten Sachverständigen auf Grund ihrer falschen und oberflächlichen Urteile gegen uns heftige Kritik übten und der Erziehungsminister neben seinen fürchterlichen Angriffen gegen uns auch eine Erklärung veröffentlichte und sogar in einigen Nachrichten die Hinrichtung einiger von uns gefordert wurde, eilte uns die Güte des Herrn zu Hilfe.

Als wir vor allem von den Sachverständigen in Ankara heftige Kritik erwarteten, kamen ihre lobenden Berichte. (Sie beschlagnahmten unsere Abhandlungen gleich kistenweise und durchsuchten sie), konnten aber in fünf Kisten voll Lichtabhandlungen nur fünf bis zehn Fehler finden. Vor dem Gericht bewiesen wir, dass die Punkte, die sie als falsch und fehlerhaft angekreidet hatten, die reine Wahrheit waren und dass die Stellen, die sie für falsch und fehlerhaft hielten, sie selbst verurteilten (indem sie sie falsch beurteilten!). Außerdem fanden wir in ihrem fünfseitigen Bericht diese fünf, zehn Fehler und zeigten sie ihnen auf. Als wir wegen der "Frucht"-Abhandlung und der Verteidigungsschrift, die wir an sieben amtliche Stellen geschickt hatten, und wegen all der Abhandlungen des Lichts,

die zum Justizministerium gesandt wurden, besonders wegen der Abhandlungen, die wir für uns als vertraulich bestimmt und behandelt hatten und die uns als Beleidigungen und moralische Ohrfeigen ausgedeutet werden konnten, Bedrohungen und scharfe Befehle (der Militärdiktatur) gegen uns erwarteten, schickte uns der Ministerpräsident einen äußerst milden, sogar tröstlichen Brief. Als suchten sie Frieden mit uns, bedrängten sie uns nicht, was mit Sicherheit beweist, dass die (Erkenntnisse der) Wahrheit in der Risale-i Nur sie durch das Wunder der Güte Gottes besiegt hatte und sich ihnen als Wegweiser erwies. Sie machte diese großen Ämter zu einer Art Schule und rettete den Glauben vieler Unschlüssiger und Ratloser. Das brachte uns eine innerliche Freude und einen Gewinn, der hundertfach größer war als unsere Bedrängnis.

Danach versuchten mich die heimlichen Feinde zu vergiften. Der verstorbene Hafiz Ali, ein heldenhafter Märtyrer der Nur-Bewegung ging an meiner Stelle ins Krankenhaus (gab für mich sein Leben und starb deshalb zu gleicher Zeit, wenn auch an einem anderen Ort, weshalb das Gift, das man mir gegeben hatte, nicht wirken konnte) und reiste statt meiner in das Zwischenreich (berzah).Das stürzte uns in dunkle Traurigkeit. Wir haben viel um ihn geweint.

Vor diesem Unglück schrie ich mehrmals laut vom Berg bei Kastamonu herab: "Oh meine Brüder! Werft dem Pferd kein Fleisch und dem Löwen kein Heu vor!" Das heißt: "Gebt nicht einem jedem jede Abhandlung, damit man uns nicht angreift." Das heißt: Es war als hätte Hafiz Ali (Möge Gott sich seiner erbarmen!) mich über eine Entfernung von sieben Tagen Fußmarsch wie durch ein geistiges Telefon gehört, und mir noch zu gleicher Zeit geschrieben: "Meister, es ist in der Tat ein Wunder der Risale-i Nur, dass sie dem Pferd kein Fleisch und dem Löwen kein Heu vorwirft. Vielmehr wirft sie Heu vor das Pferd und Fleisch vor den Löwen, sodass dem Aslan (Löwen) Hoca die Abhandlung über die "Wahrhaftigkeit im Islam" überreicht wurde. Nach sieben Tagen bekamen wir seinen Brief und rechneten nach: Zur selben Zeit, da ich so laut vom Berg herab

gerufen hatte, hatte auch er diese denkwürdigen Sätze in seinem Brief geschrieben.

Während uns noch das Ableben eines solchen geistigen Helden des Lichtes und die Sorge, dass diese Heuchler uns mit ihren Intrigen heimlich zu bestrafen suchen sollten, und dass sie auch mich auf Grund meiner Krankheit infolge einer Vergiftung durch einen offiziellen Befehl zwingen könnten, ins Krankenhaus zu gehen, in Bedrängnis brachten, kam uns auf einmal die Güte Gottes zu Hilfe.

Durch die aufrichtigen Gebete meiner gesegneten Brüder (und die Bereitschaft von Hafiz Ali nach meiner Vergiftung selbst den Tod auf sich zu nehmen) wurde die Gefahr einer Vergiftung überwunden. Jener gesegnete Märtyrer beschäftigt sich anhand überzeugender Hinweise in seinem Grab weiter mit Lichtabhandlungen und gibt den Engeln, die ihn befragen, aus den Lichtabhandlungen Antwort.

Der heldenhafte Schüler Hasan Feyzi in Denizli, der an seiner Stelle und in gleicher Gesinnung tätig wurde, sowie seine Kameraden leisteten heimlich wirksame Dienste. Auch unsere Feinde waren für unsere Entlassung aus dem Gefängnis, da sich die Mitgefangenen durch die Lichtabhandlungen unerwartet bekehrt hatten. Wie in der Geschichte von den Heiligen Sieben Schläfern (Ashab-i Kehf),wurde das Gefängnis, anstelle eines Hauses des Leidens für die Nur-Schüler zu einer Höhle der Heiligen Sieben Schläfer und zu den Höhlen der Asketen früherer Zeiten. Sie arbeiteten mit Herzensruhe für die handschriftliche Vervielfältigungen und deren Verbreitung. Das bewies, dass uns die Gnade des Herrn zu Hilfe eilte.

Außerdem ist meinem Herzen eingefallen, dass die großen Qur'anexegeten, wie Imam 'Adham, in den Gefängnissen litten. Dem großen Mudjahid(Kämpfer) wie Imam Ahmed ibn Hanbel wurden wegen einer einzigen Frage bezüglich des Qur'an im Gefängnis (von den Mutesiliten) sehr viele Qualen zugefügt. Er beklagte sich nicht und hielt sich in vollkommener Geduld und Standhaftigkeit bezüglich dieser Fragen (nach dem Qur'an) nicht schweigend

zurück. Sehr viele Imame und Gelehrte, die sehr viel mehr als ihr unter Qualen leiden mussten, dankten in vollkommener Geduld und ließen sich nicht erschüttern. Auf alle Fälle ist es eure Pflicht, für sehr wenig Anstrengung um der vielen Erkenntnisse der Wahrheit im Qur'an willen, wofür ihr sehr großen Segen und Gewinn bekommt, tausendfach zu danken. Hier möchte ich ein Beispiel für die Offenbarung der Gnade des Herrn trotz der Ungerechtigkeiten des Menschen kurz erklären.

Als ich zwanzig Jahre alt war, sagte ich immer: "Wie die Leute, die sich in früheren Zeiten in die Höhlen zurückzogen und der Welt entsagten, will auch ich mich am Ende meines Lebens in eine Höhle auf einem Berg zurückziehen und das gesellschaftliche Leben der Menschen aufgeben. "

Außerdem hatte ich in meiner Gefangenschaft im Nordosten im Ersten Weltkrieg beschlossen: "Ich will von jetzt

an mein Leben in Höhlen verbringen. Aus dem politischen und gesellschaftlichen Leben werde ich mich heraus halten. Ich habe mich bis jetzt genug damit beschäftigt." Als ich dies sagte, erschienen mir die Gnade des Herrn und die Gerechtigkeit der Bestimmung (qader).Als eine Barmherzigkeit in meinem Alter verwandelten sich diese Höhlen aus meiner Vorstellung in Gefängnisse, in Häuser unter polizeilicher Aufsicht, in völlige Isolation, in Einsamkeit und Zurückgezogenheit, was eine viel bessere Ausgestaltung meines Entschlusses und Wunsches war. Sie gaben uns die Schule Josefs, die die Höhlen der Asketen und Eremiten auf den Bergen übertraf, und Einzelzellen, damit wir unsere Zeit nicht verschwenden. Sie gaben uns sowohl den jenseitigen Gewinn eines Einsiedlerlebens in Höhlen, als auch den kämpferischen Geist für den Dienst an der Erkenntnis der Wahrheit von Glaube und Qur'an. Ich hatte mich sogar fest entschlossen, nach dem Freispruch meiner Kameraden ein Geständnis zu erfinden, um weiter im Gefängnis bleiben zu können. Die Unverheirateten, wie Husrew und Feyzi, sollten bei mir bleiben. Ich wollte durch einen Scheingrund in Einzelhaft bleiben, um nicht mit den Menschen zu sprechen und meine Zeit nicht mit nutzlosen

Unterhaltungen, dem Austausch von Höflichkeiten und mit Selbstdarstellungen zu verbringen. Aber die Bestimmung Gottes und unser Schicksal brachten uns in eine andere Haftanstalt. Nach dem Geheimnis von

اَلْخَيْرُ فِيمَا اخْتَارَهُ اللهُ عَسٰٓى اَنْ تَكْرَهُوا شَيْئًا وَهُوَ خَيْرٌ لَكُمْ

{"Was Gott tut, das ist wohlgetan." "Aber vielleicht ist euch etwas zuwider, während es gut für euch ist." (Sure 2, 216)}

wurde uns als Barmherzigkeit in meinem Alter ein Auftrag in dieser dritten Schule Josephs gegeben, um im Dienst am Glauben noch aktiver arbeiten zu können, was nicht in unserer Entscheidung und außerhalb unserer Macht lag.

Darin, dass mir die Gnade Gottes, als Barmherzigkeit in meinem Alter, die Höhlen, die für meine Jugend geeignet gewesen wären, in der ich noch stark war und keine Feinde hatte, in Einzelhaft im Gefängnis umgewandelt hat, liegen drei Weisheiten und drei bedeutende Vorteile für den Dienst an den Lichterabhandlungen (Nurlar):

Erste Weisheit und der erste Vorteil:

In heutiger Zeit können Versammlungen gefahrlos für die Nur-Schüler nur in den Schulen Josefs stattfinden. Außerhalb Treffen zu organisieren, ist teuer und verdächtig. Manche hatten sogar vierzig Lira ausgegeben, um kommen und mit mir sprechen zu können. Sie trafen sich entweder mit mir nur für zwanzig Minuten, oder sie gingen wieder zurück, ohne mich gesehen zu haben. Um einigen meiner Brüder persönlich begegnen zu können, nehme ich die Mühsal des Gefängnisses gerne an. Das heißt, unsere Inhaftierung ist für uns ein Geschenk, ist ein Segen.

Zweite Weisheit und der zweite Vorteil:

In heutiger Zeit kann der Glaubensdienst durch die Lichtabhandlungen nur dadurch geschehen, dass sie überall bekannt gemacht und die Aufmerksamkeit derer, die ihrer bedürfen, auf sie gelenkt wird. Unsere Inhaftierung lenkt also die Aufmerksamkeit auf die Lichtabhandlungen und wirkt wie eine Bekanntmachung. So finden sie selbst noch die verbohrtesten und die bedürftigsten und retten ihren Glauben. Deren Hartnäckigkeit wird gebrochen und sie retten sich so vor der Gefahr (verloren zu gehen). So breitet sich die Schule der Lichterabhandlungen weiter aus.

Dritte Weisheit und der dritte Vorteil:

Die Nur-Schüler, die ins Gefängnis gebracht wurden, bekommen bezüglich ihrer Haltung, ihrer Moral, Wahrhaftigkeit, Opferwilligkeit voneinander Unterricht und suchen keine weltlichen Vorteile mehr im Dienst an den Lichtabhandlungen.

Da sie anhand vieler Zeichen erkannt und sogar mit ihren eigenen Augen in jeder Mühsal und Anstrengung in der Schule Josefs zehn-, sogar hundertfach mehr weltliche und jenseitige Vorteile und gute Ergebnisse erfahren und dabei erfolgreiche, reine Dienste am Glauben verrichtet haben, werden sie vollständig wahrhaftig und lassen sich nicht mehr wegen kleinlicher, persönlicher Vorteile erniedrigen.

Diese Häuser des Leidens (Gefängnisse) haben, besonders für mich, eine hintergründige Bedeutung, und die Umstände dort sind für mich zwar traurig aber keineswegs unerwünscht. Dies ist wie folgt zu verstehen:

Ich sehe wieder dieselben Umstände wie ich sie schon in meiner Jugend in meiner Heimat in den früheren Medressen gesehen hatte. Denn: In den Ostprovinzen kam die Versorgung der Schüler mancher Medressen von außerhalb, während in anderen selbst gekocht wurde. In noch vieler Hinsicht glichen sie diesem Haus des Leidens (Gefängnis). Wenn ich (die Umstände) hier mit einem beinahe angenehmen Bedauern betrachte, gehe ich in meiner Vorstellung in jene frühere, angenehmere Zeit meiner Jugend zurück und vergesse die Umstände meines Alters.

Einundzwanzigster Brief

بِاسْمِهِ سُبْحَانَهُ وَاِنْ مِنْ شَىْءٍ اِلاَّ يُسَبِّحُ بِحَمْدِهِ

بِسْمِ اللَّهِ الرَّحْمَنِ الرَّحِيمِ

اِمَّا يَبْلُغَنَّ عِنْدَكَ الْكِبَرَ اَحَدُهُمَآ اَوْكِلاَ هُمَا فَلاَ تَقُلْ لَهُماَ اُفٍّ وَلاَ تَنْهَرْهُمَا وَقُلْ لَهُمَا قَوْلاً كَرِيمًا وَاخْفِضْ لَهُمَا جَنَاحَ الذُّلِّ مِنَ الرَّحْمَةِ وَقُلْ رَبِّ ارْحَمْهُمَا كَمَا رَبَّيَانِى صَغِيرًا رَبُّكُمْ اَعْلَمُ بِمَا فِى نُفُوسِكُمْ اِنْ تَكُونُوا صَالِحِينَ فَاِنَّهُ كَانَ لِْلاَوَّابِينَ غَفُورًا

{"Im Namen des Hochgelobten und fürwahr; es gibt kein Ding, das nicht lobend Ihn preist!" (Sure 17, 44) "Im Namen Allahs, des Erbarmers, des Barmherzigen; Wenn eines von ihnen (Vater oder Mutter) oder (alle) beide bei dir (im Haus) hochbetagt geworden (und mit den Schwächen des Greisensalters behaftet) sind, dann sag nicht 'Pfui!' zu ihnen und fahr sie nicht an, sondern sprich ehrerbietig zu ihnen, und senke für sie in Barmherzigkeit den Flügel der (Selbst)erniedrigung (d.h. benimm dich ihnen gegenüber aus Barmherzigkeit freundlich und gefügig) und sag: 'Herr! Erbarm dich ihrer (ebenso mitleidig), wie sie mich aufgezogen haben, als ich klein (und hilflos) war!' Euer Herr weiß sehr wohl, was ihr in euch verbergt. (Er erkennt) falls ihr rechtschaffen seid (euren guten Willen an, auch wenn ihr seinen Geboten nicht durchweg nachzukommen vermögt). Den Bußfertigen ist Er bereit zu vergeben." (Sure 17, 23-25)}

Oh du, der du Gottvergessen lebst, in wessen Haus sich die alte Mutter oder Vater, oder ein pflegebedürftiger, oder ein hilfloser oder blinder Verwandter oder Glaubensbruder befindet!... Achte auf diesen ehrwürdigen Qur'anvers und siehe, wie in diesem Vers zur Zärtlichkeit gegenüber den altgewordenen Eltern aufgerufen wird. In der Tat ist die höchste Wahrheit in der Welt die selbstlose Liebe der Väter und der Mütter ihren Kindern gegenüber; und das erhabenste Recht ist, dass sie dieser selbstlosen Liebe gegenüber von ihnen Hochachtung bekommen. Denn, sie opfern ihr Leben in vollkommener Freude für das Leben ihrer Kinder und geben es aus. Daher steht jedem Kind zu, das von dem Menschsein nicht abgefallen ist und sich nicht in ein Untier umgewandelt hat, jene verehrten, treuen und opferwilligen Freunde aufrichtig hochzuachten, ihnen innig zu dienen, ihre Wünsche zu erkennen und ihre Herzen zu erfreuen. Onkel und Tante der väterlichen Seite gilt als Vater und der mütterlichen Seite gilt als Mutter. So wisse, wie erbärmlich und gemein es ist, die Anwesenheit jener segensreichen Alten lästig zu finden und ihren Tod zu wünschen, und komme zur Besinnung. Verstehe, welch eine hässliche

Ungerechtigkeit und Erbärmlichkeit es ist, den Untergang des Lebens dessen zu wünschen, der sein Leben für dein Leben geopfert hat!

Oh du Mensch, der du von der Sorge um den Lebensunterhalt betroffen bist! Wisse, dass die Säule des Segens, der Anlass der Fülle und der Vertreiber des Unglückes in deinem Haus dein alter oder blinder Verwandter ist, der in deinem Hause lebt und den du lästig findest. Sage nur ja nicht: "Mein Einkommen ist knapp, ich kann damit nicht auskommen." Denn, gäbe es den Segen nicht, der ihretwegen kommt, auf jeden Fall würde die Knappheit bei deiner Lebenshaltung noch größer werden. Vertraue mir, dass das wahr ist. Ich kenne absolut sichere Beweise dafür und kann dich auch davon überzeugen. Um es nicht in die Länge zu ziehen, fasse ich mich hier kurz. Verlasse dich auf mein Wort. Ich versichere, diese Wahrheit ist absolut sicher, sogar meine Begierde und mein Teufel haben sich davor ergeben. Eine Wahrheit, die die Hartnäckigkeit meiner Begierde gebrochen und meinen Teufel zum Schweigen gebracht hat, muss dich überzeugen können.

In der Tat sendet der majestätische Schöpfer in Seiner Gastfreundschaft, der durch das Zeugnis des Kosmos im unendlichen Grade barmherzig, gütig, freundlich und freigiebig ist, wie Er zu den Neugeborenen, die Er zur Welt sendet, ihre Nahrung in einer äußerst freundlichen Weise durch die Hähne der Brüste in ihre Münder fließen lässt, auch die Nahrung der Alten, die wie Kinder geworden sind und mehr als die Kinder die Barmherzigkeit verdient haben und der Zärtlichkeit und Liebe bedürftig sind, in Fülle. Er lädt ihre Versorgung nicht auf die habgierigen und geizigen Menschen.

اِنَّ اللهَ هُوَ الرَّزَّاقُ ذُوالْقُوَّةِ الْمَتِينُ وَكَاَيِّنْ مِنْ دَآبَّةٍ لاَ تَحْمِلُ رِزْقَهَآ اَللهُ يَرْزُقُهَا وَاِيَّاكُمْ

{"Gott ist es, der (allen) Unterhalt beschert und Macht und Festigkeit zu Eigen hat." (Sure 51, 58)}

Die Wahrheit, die diese Verse zum Ausdruck bringen, machen alle Arten der Lebewesen ohne Worte durch ihre Tat

bekannt und verkünden die Wahrheit dieser gastfreundlichen Freigiebigkeit. Nicht nur die Nahrung der alten Verwandten, sogar auch die mancher Tiere wie Katzen, die dem Menschen als Freund gegeben wurden und deren Nahrung innerhalb der Versorgung der Menschen gesandt wird, kommt in Fülle. Ein Beispiel, das dieses bestätigt und welches ich erlebt habe:

Meine nächsten Freunde wissen auch: Vor zwei, drei Jahren hatte ich jeden Tag ein halbes Brot - das Brot in diesem Dorf war damals klein - als Ration, die mir meistens nicht ausreichte. Dann kamen zu mir vier Katzen als Gäste. Dieselbe Ration reichte sowohl für mich als auch für sie. Meistens blieb noch etwas übrig.

Es wiederholte sich dieser Umstand dermaßen oft, dass ich zu der Überzeugung gelangte, ich hätte einen Nutzen aus der Segensfülle der Katzen. Mit fester Überzeugung gebe ich bekannt: Sie waren mir keine Last und mir gegenüber keinen Dank schuldig, sondern ich war ihnen zu Dank verpflichtet.

Oh du Mensch! Wenn ein Tier in der Gestalt eines Raubtieres in das Haus eines Menschen zu Gast kommt und ein Anlass zum Segen wird, so kannst du das in das Verhältnis bringen, wenn sich ein Mensch, der unter den Geschaffenen der Ehrwürdigste ist, oder ein gläubiger Mensch, der unter den Menschen der Vollkommenste ist, oder ein hilfloser und siechender alter Gläubiger, der am meisten der Hochachtung und der Barmherzigkeit würdig ist, oder ein Verwandter, der unter den siechenden Alten am meisten Zärtlichkeit, Dienst und Liebe verdient, oder Mutter und Vater, die unter den Verwandten die wahrsten Freunde und treuesten Geliebten sind, in dem Zustand ihres Altseins mit dir im selben Haus befinden, in welchem Grade sie ein Anlass zur Fülle und ein Mittel der Barmherzigkeit sind, und nach dem Geheimnis von

لَوْلاَ الشُّيُوخُ الرُّكَّعُ لَصُبَّ عَلَيْكُمُ الْبَلآَءُ صَبًّ

d.h. "Gäbe es keine Alten mit gebeugten Rücken unter euch, so würden die Katastrophen wie die Sintflut auf euch

niederregnen", kannst du dir vorstellen, in welchem Grade sie ein Grund für die Aufhebung (der Verhängung) eines Unglücks sind.

Also, oh du Mensch, komme zur Besinnung! Wenn du nicht vorher stirbst, wirst du ein Greis werden. Wenn du deinen Eltern gegenüber nicht respektvoll bist, so werden dir auch deine Kinder, nach dem Geheimnis von

اَلْجَزَآءُ مِنْ جِنْسِ الْعَمَلِ

{"Die Strafe entspricht der Art der Tat."}

nicht dienen. Magst du dein Leben im Jenseits, so ist hier für dich eine wichtige Fundgrube, stell dich in ihren Dienst, achte auf ihr Einverständnis! Magst du dein Leben in dieser Welt, stelle sie wiederum zufrieden, damit dein Leben ihretwegen wohl und dein Unterhalt segensreich wird. Sonst wirst du, wenn du sie lästig findest, ihren Tod wünschst und ihre zärtlichen und leicht empfindlichen Herzen kränkst, der Fall für das Geheimnis von

خَسِرَ الدُّنْيَا وَاْلآخِرَةَ

{"Verlierer der Welt und des Jenseits."}

Willst du die Barmherzigkeit des Erbarmers, so sollst du diesen Anvertrauten des Erbarmers und Seinen Pfändern gegenüber in deinem Haus barmherzig sein.

Es gab einen Mann unter meinen Mitbrüdern namens Mustafa Tjavush. Ich sah ihn in seinen religiösen und weltlichen Angelegenheiten erfolgreich. Das Geheimnis davon wusste ich nicht. Danach erkannte ich den Grund seines Erfolges: Dieser Mann kannte die Rechte seines alten Vaters und seiner alten Mutter, achtete auf dieses Recht vollständig und gelangte ihretwegen zu Wohlstand und Segen. Insha-al'lah, wolle es Gott, setzte er sein jenseitiges Leben in Stand. Wer glücklich sein will, soll ihm nacheifern!

اَللّٰهُمَّ صَلِّ وَسَلِّمْ عَلٰى مَنْ قاَلَ اَلْجَنَّةُ تَحْتَ اَقْدَامِ اْلاُمَّهَاتِ وَعَلٰٓى اٰلِهِ وَصَحْبِهِ اَجْمَعِينَ

سُبْحَانَكَ لاَعِلْمَ لَنَآ اِلاَّ مَاعَلَّمْتَنَآ اِنَّكَ اَنْتَ الْعَلِيمُ الْحَكِيمُ

{"Oh Allah! Segne den, der sagt: 'Das Paradies liegt unter den Füßen der Mütter', und seine Familie und alle seine Gefährten." "Gepriesen seist Du! Wir haben kein Wissen, außer dem, das Du uns gelehrt hast. Denn Du bist der Allwissende und der Allweise." (Sure 2, 32)}

Siebzehnter Blitz

Zwölfte Notiz:

Oh meine Freunde, die ihr diese Notizen hört! Ihr solltet wissen, dass der Grund dafür, dass ich manchmal meine Gebete, das Seufzen und Flehen meines Herzens zu meinem Herrn, das doch eigentlich im Verborgenen geschehen sollte, entgegen meiner Gewohnheit niederschreibe (der Grund dafür der ist), von der göttlichen Barmherzigkeit die Annahme der Worte dieses Buches anstelle (der Worte) meiner Zunge zu erbitten, wenn der Tod meine Zunge bereits zum Schweigen gebracht hat. In diesem so kurzen Leben sind die Reue und das Bedauern, das ich mit meiner Zunge vorübergehend (zum Ausdruck bringen kann), in der Tat ungenügend, um in dieser kurzen Zeit meines Lebens für meine unendlich vielen Sünden Vergebung erlangen zu können. Die Zunge dieses Buches ist dagegen bis zu einem gewissen Grade beständiger und daher besser geeignet. So schrieb ich denn vor dreizehn Jahren,

{Dreizehn Jahre vor der Veröffentlichung dieser Abhandlung.}

als sich infolge der Stürme und Wirbelwinde in meiner Seele (ruh)das Lachen des Alten Said in das Weinen des Neuen Said verwandelte und ich am Morgen des Alters aus dem Schlaf jugendlicher Gottvergessenheit erwachte, meine Seufzer und mein Flehen in Arabisch nieder. Dessen Bedeutung auf Türkisch ist kurz gefasst folgende:

Oh Du mein Barmherziger Herr! Mein Freigiebiger Schöpfer! Durch eine falsche Entscheidung meinerseits sind meine Lebenszeit und meine Jugendzeit nutzlos vergangen. Alles, was mir von diesem meinem Leben und meiner Jugend als Frucht in meiner Hand geblieben ist, sind Sünden, die mich schmerzen, Schmerzen, die mich demütigen und Einflüsterungen, die mich in die Irre führen wollen. Und mit diesem schweren Joch und meinem kranken Herzen nähere ich mich, die Schamröte im Gesicht, meinem Grabe. So wie alle meine Freunde, Verwandten und Altersgenossen, die bereits vor meinen Augen gestorben sind, werde auch ich, so wie sie, ohne allen Unterschied oder irgendeine Abweichung nach rechts oder links, mich dem Grabe nähern.

Dieses Grab ist die erste Wohnstatt auf dem Weg aus dieser flüchtigen Welt in die Welt eines ewig Abgeschieden-seins und die erste Tür, die sich zu ihr öffnet. Und ich habe mit absoluter Sicherheit verstanden, dass dieser Weltbereich (dunya),an den ich gefesselt und in dem ich gefangen bin, nur vergänglich ist. Er wird sterben, untergehen und verschwinden. Und wie man beobachten kann, ziehen alle Lebewesen in ihm, Karawane um Karawane durch ihn hindurch und gehen verloren. Und besonders für solche, die so wie ich in sich eine eigenwillige Seele tragen, ist diese Welt besonders grausam und trügerisch. Für eine Freude, die sie gibt, lässt sie (die Menschen) tausend Schmerzen erleiden. Für eine Traube, die sie gibt, teilt sie hundert Ohrfeigen aus.

Oh Du mein Barmherziger Herr und Freigiebiger Schöpfer! Entsprechend dem Geheimnis von

كُلُّ اٰتٍ قَرِيبٌ

{"Alles, was kommt, ist nahe."}

erkenne ich heute: Ich werde mich binnen kurzer Zeit in mein Leichentuch hüllen, in meinen Sarg steigen und mich von meinen Freunden verabschieden. Während ich mich dem Grabe zuwende und davon gehe, rufe ich weinend in der Sprache des Zustandes meiner Leiche und mit den Ausdrücken der Sprache meines Geistes (ruh)am Hofe (dergah)Deines Erbarmens: Gnade und Erbarmen (el aman),oh Erbarmer, oh Barmherziger, errette mich vor der Schande meiner Sünde! So habe ich denn den Rand meines Grabes erreicht. Das Leichentuch um meinen Leib geschlungen stehe ich am Rande meines Grabes, oberhalb meines Leichnams, erhebe mein Haupt zum Dergah Deines Erbarmens und schreie klagend, mit ganzer Kraft: Gnade und Erbarmen (el aman),oh Erbarmer, oh Barmherziger, befreie mich von der schweren Bürde meiner Sünden! So bin ich denn nun in das Grab hinabgestiegen. Ich bin eingehüllt in mein Leichentuch. Die mich bis hierher begleitet haben, haben mich hier zurückgelassen und sind davon gegangen. Ich aber warte auf Deine Verzeihung und Dein Erbarmen... Nun kann ich bezeugen, dass es keinen Ort der Zuflucht und keine Rettung gibt außer bei Dir. Und mit all meiner Kraft rufe ich zu Dir, mit dem hässlichen Gesicht meiner Sünden, der wilden Gestalt meiner Auflehnung und aus der Enge dieser Stätte heraus:

Gnade und Erbarmen (el aman),oh Erbarmer, oh Barmherziger, oh Du mein Richter (Deyyan),befreie mich aus dieser Gesellschaft meiner hässlichen Sünden, weite (meiner Seele) diesen Platz! Oh mein Gott, Dein Erbarmen ist meine Zufluchtsstätte und Dein Geliebter (Habib),das Erbarmen aller Welt, ist das Fahrzeug, um Dein Erbarmen zu erlangen. Nicht Dich klage ich an, sondern meine Seele (nefs)und meinen eigenen Zustand (hal)beklage ich vor Dir!

Oh Du, mein Freigiebiger Schöpfer! Mein Barmherziger Herr! Dein Geschöpf, mit Namen Said, Dein Kunstwerk und Dein Diener, der doch aufständisch, schwach, unaufmerksam, unwissend, ungehorsam, blind, elend und nun alt geworden ist, einem Wegelagerer und einem Sklaven gleich, der seinem Herrn davon gelaufen ist, bereut nun nach vierzig Jahren und möchte zu Deinem Dergah wieder zurückkehren. Er nimmt nun Zuflucht zu Deinem Erbarmen. Er bekennt Dir seine zahllosen Sünden und Fehlleistungen... Von Zweifeln geplagt und den verschiedensten Krankheiten betroffen, seufzt er und fleht er zu Dir. Wenn Du in Deiner vollkommenen Barmherzigkeit ihn annimmst, ihm vergibst und Dich seiner erbarmst, so ist dies Deiner würdig, denn Du bist ja der Erbarmer, der Allbarmherzige. Wenn Du ihn aber nicht annimmst... an welcher Türe außer Deiner Türe soll ich dann anklopfen? Welch andere Tür gibt es noch? Außer Dir gibt es keinen Herrn, sodass man zu Seinem Hof (Dergah)gehen könnte. Es gibt keinen wahrhaft Anbetungswürdigen (Ma'bud)außer Dir, sodass man bei Ihm Zuflucht suchen könnte... "

لاَ اِلٰهَ اِلاَّ اَنْتَ وَحْدَكَ لاَ شَرِيكَ لَكَ اٰخِرُ الْكَلاَمِ فِى الدُّنْيَا وَ اَوَّلُ الْكَلاَمِ فِى اْلاٰخِرَةِ وَفِى الْقَبْرِ اَشْهَدُ اَنْ لاَ اِلٰهَ اِلاَّ اللهُ وَ اَشْهَدُ اَنَّ مُحَمَّدًا رَسُولُ اللهِ صَلَّى اللهُ تَعَالٰى عَلَيْهِ وَسَلَّمَ

{"Es gibt keine Gottheit außer Dir. Du bist der Eine Allgegenwärtige. Keinen Teilhaber hast Du (an Deiner Gottheit). Mein letztes Wort in dieser Welt und mein erstes Wort im Grabe und in jener Welt ist: 'Ich bezeuge, dass es keine Gottheit gibt außer Gott, und ich bezeuge, dass Mohammed der Gesandte Gottes ist. Gott der Erhabene schenke ihm Friede und Segen!'"}

Buchgebet

بِسْمِ اللَّهِ الرَّحْمَنِ الرَّحِيمِ

يَا اَللّٰهُ ٭ يَا رَحْمٰنُ ٭ يَا رَحِيمُ ٭ يَا فَرْدُ ٭ يَا حَىُّ ٭ يَا قَيُّومُ ٭ يَا حَكَمُ ٭ يَا عَدْلُ ٭ يَا قُدُّوسُ

{"Im Namen Gottes, des Barmherzigen, des Allerbarmers." "Oh Gott! Oh Barmherziger! Oh Allerbarmer! Oh Einzigartiger! Oh Lebendiger! Oh Unwandelbarer! Oh Gerechter! Oh Heiliger!"}

Um Deines Gewaltigen Namens willen und um der Ehre des Qur'an, der in seiner Verkündigung ein Wunder ist, und um der Würde Deines ehrenwerten Gesandten willen, mit dem Friede und Segen sei, geleite diejenigen, welche dieses Buch gedruckt haben, ihre gesegneten Helfer und die Schüler der Risale-i Nur zur Ewigen Glückseligkeit in den Gärten des Paradieses. Amin. Verleihe ihnen immerwährenden Erfolg im Dienste am Glauben und am Qur'an. Amin. Und schreibe ihnen für jeden Buchstaben dieses Buches tausendmal Gutes in das Buch ihrer Guten Taten. Amin. Und gewähre ihnen Ausdauer, Stetigkeit und Aufrichtigkeit in der Verbreitung der "Licht"-Abhandlungen. Amin.

Oh Barmherziger Allerbarmer!... Schenke allen Schülern der Risale-i Nur Glück und Zufriedenheit in Beiden Welten. Amin. Beschütze sie vor der Bosheit des Teufels in Dschinnen- und Menschengestalt. Amin. Und verzeihe diesem schwachen und hilflosen Said seine Fehler. Amin...

Im Namen aller Nur-Schüler

Said Nursi

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