Risale-i Nur · Deutsch

Islamische Glaubenswahrheiten

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Aus dem Risale-Nur Gesamtwerk

Islamische Glaubenswahrheiten

Kommentare zum Qur'an

von

Bediüzzaman Said Nursi

Said Nursi (1877-1960)

...erhielt vom Scheichu-l'Islam den Ehrentitel Bediüzzaman (sprich: Bedius-Saman), welcher besagt, dass er zu seiner Zeit seinesgleichen nicht hatte.

...Zeigte schon als Knabe erstaunliches, wissenschaftliches Interesse und lernte viele Bücher auswendig. Versuchte dem Niedergang der Türkei durch Besinnung auf die Werte des Islam entgegen zu wirken.

...Schrieb 130 Abhandlungen über den Qur'an, welche in viele Sprachen übersetzt wurde.

...Lehrte entsprechend dem islamischen Glauben, dass die Schöpfung selbst stets aufs Beste über ihren Schöpfer unterrichtet und somit sogar moderne Wissenschaften Kunde geben von Gott.

Titel der Orginalausgabe:Tabiat Risalesi, Meyve'nin 6. Mes'elesi, Hüve Nüktesi, 11., 16., 17., 22., 23. Sözler

Übersetzt von:Davut Korkmaz

Piccoloministraße 607

51067 Köln

http://www.lichtstr.de

Mitarbeiter: R. Wagner,U. Grünberg

(c) Alle Rechte vorbehalten Urheberrechtlich geschützt

Zum Geleit...

Dieses Buch wurde für die vielen Muslime deutscher Sprache übersetzt, die oft ihre ursprüngliche Muttersprache nur noch ungenügend beherrschen. Die Schreibweise der religiösen Begriffe sowie der arabischen Personen- und Ortsnamen folgt den unten angeführten Regeln, der Schreibweise und Aussprache. Für den Koran ist die Schreibweise Qur'an gewählt, die der Aussprache entspricht.

Korrektes Lesen arabischer Worte bzw. Texte ist eben nur durch Erlernen der arabischen Schrift möglich. Dies wird jedem Muslim dringend empfohlen - schon damit er seinen Qur'an lesen kann.

Regeln für die Schreibweise und Aussprache für die in diesem Buch verwendeten Fremdwörter:

Dhentspricht der engl. Aussprache in "there"

Ghentspricht dem deutschen "r"

Khentspricht dem "ch" in "Acht"

Shdeutsches "sch"

Thentspricht der engl. Aussprache in "thing"

Djentspricht der Aussprache des "dsch"

Tjentspricht der Aussprache des "tsch"

Qhauchloses "k"

Rwird grundsätzlich gerollt

Swird scharf ausgesprochen wie "ß"

Hwird grundsätzlich ausgesprochen

Vwird "w" ausgesprochen

Ywie in deutsch "Ja"

Zwie deutsches "s" am Silbenanfang

Doppelkonsonanten werden separat ausgesprochen.

Die Verse im Qur'an (Einzahl: Ayah, Mehrzahl: Ayat) wurden nur in arabischer Schrift mit nachfolgender deutscher Übersetzung angeführt.

Das Buch "Wunder Mohammeds" von Bediüzzaman Said Nursi

Für westliche Religionswissenschaftler scheint festzustehen, dass Mohammed keine Wunder gewirkt hat. Vielmehr sei das Wunder der auf ihn herabgekommene Qur'an. Eine Aufforderung der Mekkaner, sich durch ein Demonstrationswunder zu legitimieren (Sure 17, 90ff), habe er ausdrücklich abgelehnt: "Bin ich denn etwas anderes als ein Mensch und ein Gesandter?" Ähnlich habe sich Jesus in ähnlicher Situation (Matth. 12, 38 ff) verhalten. In der späteren Überlieferung häuften sich die Wunderberichte, die auch Parallelen zum Wirken Jesu enthalten.

Hat aber die Religionswissenschaft recht, wenn sie hier von Legendenbildung spricht? Das Buch von Bediüzzaman Said Nursi "Wunder Mohammeds" weißt in eine andere Richtung. Es zeigt auf, dass schon der Qur'an voller Hinweise auf wunderhaftes Tun und Geschehen im Zusammenhang mit der Verkündigung und den Taten des Propheten ist. Was die Überlieferung anbetrifft, geht es unter Prüfung der Authentizität auf die zahlreichen Ahadith ein. So vermittelt es Vertrauen in die Zuverlässigkeit der Berichte.

Was uns hier, wie auch in den Erzählungen der Jesu-Wunder und anderer Religionsstifter, als Wunder begegnet, hängt meines Erachtens mit subtileren Wirklichkeiten zusammen, die wir modernen Menschen nicht mehr so richtig wahrnehmen oder uns weigern, zu Kenntnis zu nehmen. Es gibt tieferliegende Hüllen des Menschen. Es gibt einen physischen Bereich, das ist der Kraftbereich, das also, was die körperliche Form mit Leben erfüllt. Es gibt einen astrahlen Bereich. Dahinter öffnet sich der Bereich des Mentalen und des Urbildlichen, der Schönheit und des engelhaften Wirkens. Wenn nun der soirituelle, mit Gott verbundene Mensch imstande ist, die Kräfte dieses unsichtbaren und verborgenen Bereichs zu aktivieren, dann verändert er für einen in der Glaubensgeschichte bedeutsamen Moment die sichtbare Wirklichkeit.

Bediüzzaman Said Nursi spricht vom Blick in das Unsichtbare, vom Hinwegziehen der Schleier des Verborgenen. Das zeigt sich in den Wundern Mohammeds, von denen ich wenigstens hinweisen möchte auf die Wasser-Wunder, die uns zeigen, wie aus den Fingern des Gesandten Wasserströme fließen, auf die Baum-Wunder, da Bäume zum Propheten kommen und sich neu einwurzeln, auf Speisungswunder, da tausend Menschen von vier Handvoll Nahrung gesättigt und fünftausend sich vom Wasser aus seinen Fingern satt tranken. Man denkt an Entsprechendes aus der Jesu-, Buddha- und Krishna-Überlieferung und auch wohl daran, dass sich ähnliches heute bei Sai Baba ereignet. Erwähnt sei hier das Wort Jesu: "Wer an mich glaubt, aus dessen Leibe werden Ströme lebendigen Wassers fließen" (Joh. 7, 38).

Das Berichtete verweist auf Wirkungen im Kräftebereich des Verborgenen, die sich einer esoterischen Sicht erschließen und als durchaus im Einklang mit der Gesamtwirklichkeit, dem Makrokosmos des Universums und dem Mikrokosmos des Menschen, erweisen. Ist doch der Mensch, nach einem Wort des mystischen Kalifen Ali, das Wesen, in dem das Weltall zusammengefaltet liegt.

Wir haben heute ein Weltbild, das bezieht sich nur auf die Dinge des physischen Bereichs. Darüber wissen wir zwar ungeheuer viel, so dass wir kaum noch imstande sind, dieses Wissen zu ordnen. Die Physiker, die sich mit den Grenzfragen des Physischen beschäftigen, sind längst dahinter gekommen, dass man eine andere Ebene erreichen muss, um die Zusammenhänge des Universums zu verstehen.

In diesen Hintergrund weiht uns das Buch Bediüzzaman Said Nursi ein. Es enthüllt die Vielzahl der Schichten des Verborgenen im Wirken des Propheten Gottes, insbesondere das Geheimnis, welches der Qur'an ist. Dieses Geheimnis tritt als ein strahlendes und leichtendes Wunder aus der Darstellung von Bediüzzaman Said Nursi hervor.

Prof. Dr. P. Schwarzenau

Dreiundzwanzigster Blitz

Abhandlung über die Natur

Obwohl dies eigentlich die Sechzehnte Anmerkung zum Siebzehnten Blitz wäre, wird sie wegen ihrer Bedeutung als Dreiundzwanzigster Blitz bezeichnet. Sie vernichtet die aus dem Naturalismus herauswachsende atheistische Philosophie, ohne ihr noch die Chance zu einer späteren Renaissance zu lassen. So zertrümmert sie den Grundstein des Unglaubens vollständig.

1. Hinweis

Mit dieser Abhandlung wird anhand von neun Unmöglichkeiten, die mindestens neunzig Unmöglichkeiten beinhalten, dargelegt, in welchem Maße die wahre Natur des Weges, den die Gottesleugner unter den Naturalisten beschritten haben, unvernünftig und hässlich ist und in welchem Grade sie auf Aberglauben beruht. Weil aber diese Unmöglichkeiten schon in anderen Abhandlungen teilweise dargelegt wurden, können wir hier einige Stufen überspringen, indem wir uns ganz kurz fassen. Es steigt daher plötzlich der Gedanke auf: Wie konnten nur so berühmte und vernünftige Philosophen einen so deutlichen und offensichtlichen Aberglauben annehmen und auf einem solchen Wege fortschreiten? Ja, sie konnten die wahre Natur des von ihnen eingeschlagenen Weges nicht wahrnehmen. Aber die Realität dieses Weges, die Prämisse und das Resultat dieses Weges ist dergestalt, dass ich bereit bin, den Zweiflern mit ganz klaren und unwiderlegbaren Zeugnissen ausführlich darzulegen und zu beweisen,

dass eine Zusammenfassung ihrer Lehre,

{Der Grund für die Verfassung dieser Abhandlung ist der, dass man in besonders verletzender und besonders hässlicher Weise seine Geringschätzung der Wahrheiten des Glaubens zum Ausdruck gebracht und einen Aberglauben genannt hat, was dem unzulänglichen Verstande nicht erreichbar ist, Atheismus und Naturalismus miteinander in Verbindung gebracht und so den Qur'an angegriffen hat. Dieser Angriff entfachte im Herzen einen heiligen Zorn, den Atheisten heftige und fürchterliche Ohrfeigen zu versetzen und auch denen, die ihr Antlitz von der Wahrheit ab und den Doktrinen des Aberglaubens zugewandt haben; wenn auch sonst die Lehre der Risale-i Nur eine vornehme, freundliche und milde Rede ist.}

deren Voraussetzungen und zwangsläufige Resultate hässlich und abscheulich und dem Verstande unzugänglich sind und werde dies auch am Ende jeder Unmöglichkeit, die ich niederschreiben werde, darlegen.

بِسْمِ اللَّهِ الرَّحْمَنِ الرَّحِيمِ

قَالَتْ رُسُلُهُمْ اَفِى اللهِ شَكٌّ فَاطِرِ السَّمٰوَاتِ وَاْلاَرْضِ

{"Im Namen Allahs, des Erbarmers, des Barmherzigen. Es sprachen ihre Gesandten: Gibt es etwa einen Zweifel an dem Schöpfer der Himmel und der Erde?" (Sure 14, 10)}

Diese ehrwürdige Ayah zeigt, in der Form einer verneinenden Fragestellung, indem sie aussagt, dass es "über Gott den Gerechten keinen Zweifel gibt und geben darf", dass die Existenz und Einheit Gottes ganz offensichtlich ist.

Ein Hinweis vor der Erklärung dieses Geheimnisses:

1338 bin ich nach Ankara gegangen. Ich sah, dass sich in die Überzeugung von Leuten des Glaubens, die sich des Sieges der islamischen Armee über die Griechen erfreuten, sehr schlimme atheistische Gedankengänge einzuschleichen begannen, die sie zerstören und vergiften könnten. "Oh weh!", sagte ich, dieser Drache nagt ja an den Fundamenten unseres Glaubens. Weil diese Ayah ganz offensichtlich die Existenz und Einheit Gottes verständlich macht, habe ich durch sie Hilfe erhalten, aus dem Weisen Qur'an ein starkes Zeugnis entnommen und eine arabische Abhandlung geschrieben, die geeignet ist, das Haupt des Atheismus zu spalten. Ich ließ sie in der Druckerei "Yeni Gün" in Ankara drucken. Weil es aber nur wenige gab, die arabisch konnten und daher diesem Werk auch kaum eine Bedeutung beimaßen, zeigte

dieses doch so kurz und treffend formulierte und starke Zeugnis leider keine Wirkung. Dieses atheistische Gedankengut aber entwickelte sich leider und gewann an Macht. Ich muss also zwangsläufig dieses Zeugnis erklären, soweit wie dies in türkischer Sprache möglich ist. Da einzelne Teile dieses Zeugnisses bereits in einigen Abhandlungen vollständig erläutert wurden, werde ich sie hier nur kurz niederschreiben. Viele Zeugnisse, die sich in anderen Abhandlungen verstreut finden, sind teilweise in diesem Zeugnis zusammengefasst. Jedes einzelne von ihnen kann als eines seiner Komponenten betrachtet werden.

Einführung

Oh Mensch! Wisse, dass es fürchterliche Worte gibt, die den Mund der Menschen verlassen, ohne dass sie deren Gottlosigkeit bemerken. Leute des Glaubens gebrauchen sie, ohne es zu wissen. Wir erklären hier drei äußerst wichtige von ihnen.

Erstens:

"Es wurde verursacht", d.h. die Ursachen haben diesen sichtbaren Dingen ihre Existenz verliehen.

Zweitens:

"Es bildete sich selbst", d.h. es bildete sich aus sich selbst heraus, entstand, erwuchs.

Drittens:

"Es erfordert die Natur", d.h. es ist natürlich, die Natur erfordert es, bringt es zu Stande.

Ja, es gibt nun einmal ein Dasein und das kann auch nicht geleugnet werden. Zudem gleicht jedwedes Sein einem Kunstwerk, das mit Sinn und Verstand ins Dasein gerufen wurde. Überdies besteht es nicht ewig und ohne Anfang, sondern wurde neu geschaffen. Auf jeden Fall, oh du Atheist, wirst du sagen, dass das, was hier ist, z.B. dieses Tier da durch Ursachen der unbelebten Natur hervorgebracht wurde, d.h. dieses Sein wurde durch die Verknüpfung von Ursachen ins Dasein gebracht... oder aber: Es hat sich selbst eine Form gegeben... oder aber: Es kam unter der Einwirkung natürlicher Ursachen als natürliches Ergebnis zu Stande... oder aber: Es ist ein Geschöpf aus der Kraft des Glorreichen-Allmächtigen.

Da aber dem Verstande außer diesen vier Wegen kein anderer Weg mehr offen bleibt, steht uns, wenn wir mit absoluter Sicherheit beweisen können, dass die oben genannten drei Wege nicht

gangbar sind, auf einem Aberglauben beruhen, außerhalb des Möglichen liegen, zwangsläufig und offensichtlich nur noch der vierte Weg als die ohne allen Zweifel einzig sichere Lehre von der (alles bewirkenden Einheit und) Gegenwart Gottes offen.

Erste Streitfrage:

Ein Geschöpf hat durch eine Verknüpfung der Ursachen aus der unbelebten Welt Gestalt angenommen und ist so ins Dasein getreten. Wir wollen hier unter sehr vielen Unmöglichkeiten nur drei erwähnen.

Erste Unmöglichkeit:

In einer Apotheke findet man Hunderte von Gläsern, die mit den verschiedenartigsten Substanzen angefüllt sind. Man wolle nun aus diesen Heilmitteln eine wundersame Salbe gewinnen, die lebendig sein soll! Außerdem ist es erforderlich, aus ihnen ein wundersames lebendes Heilmittel herzustellen. Wir sind gekommen und haben in dieser Apotheke eine große Menge dieser lebendigen Salbe und von diesem lebenden Heilmittel gesehen. Wir haben jede dieser Salben untersucht.

Wir haben gesehen: Jedes dieser Gläser enthält eine bestimmte Menge, ein, zwei Dirhem (= 6 Gramm) von diesem, drei, vier Dirhem von jenem, sechs, sieben Dirhem von etwas anderem usw. Es wurden verschiedene Mengen unterschiedlicher Arzneimittel verwendet. Hätte man ein Dirhem mehr oder weniger entnommen, wäre diese Salbe nicht mehr lebensfähig, könnte ihre Wirkung nicht mehr zeigen. Und auch dieses lebende Heilmittel haben wir geprüft. Es wurde aus jedem Glas eine ganz bestimmte Menge entnommen. Wäre es auch nur um ein Geringes mehr oder weniger gewesen, hätte das Heilmittel seine Besonderheit verloren. Es gibt nicht nur mehr als fünfzig verschiedene Gläser, man hat auch noch unterschiedliche Mengen von jedem Mittel verwendet, da jedes von ihnen sein eigenes Maß kennt.

Ja, wäre es denn auf irgendeine Weise möglich und wahrscheinlich, dass die aus den verschiedenen Gläsern entnommenen unterschiedlichen Mengen dadurch zueinander gekommen sein und sich miteinander vermischt haben könnten, dass irgendein sonderbarer Zufall oder vielleicht ein Windstoß die Gläser umgeworfen habe, wodurch die Arzneien ausgelaufen seien und jede von ihnen sich mit dem nur allein ihr eigenen genauen Maß zu einer bestimmten Salbe vereinigt hätten... Gäbe es vielleicht etwas, das

ein noch größerer Aberglaube, noch unwahrscheinlicher und absurder wäre als dieses? Könnte ein Esel selbst eine doppelte Eselei annehmen und dann ein Mensch werden, er würde sagen: "Eine solche Idee kann ich nicht annehmen" und davonlaufen.

So ist es also wie in diesem Beispiel: Alles, was Leben in sich enthält, ist sicherlich eine solche lebendige Salbe. Und jede Pflanze gleicht einem lebenden Heilmittel, das aus vielen unterschiedlichen Substanzen zusammengesetzt ist, für das viele spezifische Maßeinheiten angewandt wurden. Dies den Ursachen und Elementen der Natur zuzuschreiben und zu sagen: "Die Ursachen haben dies bewirkt" ist hundertfach weiter von jeglicher Vernunft entfernt, unmöglicher und absurder, als die Entstehung einer Salbe in einer Apotheke durch das Umstürzen der Gläser.

Kurzum:

Alles Lebendige in dieser großen Apotheke der Welt kann nur aus der unendlichen Weisheit, dem grenzenlosen Wissen und einem alles umfassenden Willen Gestalt annehmen, durch Urteil und Bestimmung des Urewigen-Weisen, der die Waage hält. Ein Unglükkseliger, welcher sagt: "Dies haben die Ursachen der natürlichen Elemente zu Stande gebracht, die taub und blind, einem Sturzbach ohne Grenzen gleich dahinströmen ", ein dummer Phantast, der sagt: "Dies wunderbare Heilmittel ist ganz von selbst entstanden, dadurch, dass die Gläser umgestürzt und ausgelaufen sind." Er spricht noch törichter als ein törichter Trunkenbold. Ja, dieser Unglaube, diese Torheit, diese närrische Trunkenheit ist reine Phantasterei.

Zweite Unmöglichkeit:

Wäre nicht ein jedes Ding dem Glorreichen-Allmächtigen zuzuschreiben, welcher Ein- Einziger ist, sondern auf Ursachen aus der unbelebten Natur zurückzuführen, dann müsste notwendigerweise bei der Entstehung alles dessen, was da lebt, eine Vielzahl von Ursachen und Elementen beteiligt sein. Es ist aber ganz offensichtlich eine Unmöglichkeit, dass in dem Körper eines so kleinen Geschöpfes wie einer Mücke eine derart große Anzahl von Vektoren, die voneinander verschieden und einander entgegengesetzt sind, in so vollkommener Ordnung, mit einer so empfindlichen Maßgenauigkeit und in so vollständiger Übereinstimmung wirksam werden, dass jeder, der auch nur so viel Bewusstsein besitzt, wie sich im Flügel einer Mücke befindet,

sagen muss: "Das ist unmöglich. Das kann nicht sein." Ja, der winzige Leib einer Mücke steht mit den meisten Ursachen und Elementen des Alls in Verbindung, ist sogar dessen Zusammenfassung. Wären sie nicht dem Urewigen-Allmächtigen zuzuschreiben, dann müssten diese Ursachen der unbelebten Natur selbst neben ihrem Körper zu finden sein, oder aber in ihren winzigen Leib eintreten. Ja, es wäre sogar erforderlich, dass sie in jede einzelne Facette ihres Auges eintreten, die ein verkleinertes Abbild ihres Körpers ist. Denn, wenn die Ursache aus der unbelebten Natur kommt, muss sie auch neben oder in dem verursachten Objekt wirksam werden. In diesem Falle müsste man davon ausgehen, dass sie wie ein Meister im Inneren der biologischen, chemischen und physikalischen Bausteine und Grundelemente dieser winzigen Zelle arbeiten, dort, wo nicht einmal die Spitzen der Fühler einer Mücke mehr Platz finden.

Also würde sich einer solchen Hypothese selbst noch ein ungewöhnlich spitzfindiger unter den Sophisten schämen.

Dritte Unmöglichkeit:

Eine unverrückbare Grundregel sagt:

اَلْوَاحِدُ لاَ يَصْدُرُ اِلاَّ عَنِ الْوَاحِدِ

{"Einheit entsteht nur aus der Einheit."}

das heißt, wenn eine Existenz Einheit besitzt, kann sie nur von einem Einzigen, von einer einzigen Hand geschaffen sein. Besonders dann, wenn dieses Ding in der so vollendeten Ordnung seiner Existenz und mit den ihm eigenen Maßen alle Aspekte des Lebens in sich gesammelt aufzeigt, kann sie offensichtlich nicht durch viele verschiedene Hände geschaffen worden sein, weil das eine Ursache zu Streitigkeiten und Verwirrungen wäre, sondern muss vielmehr von der Hand eines Allmächtigen und Allweisen geschaffen worden sein. Da dieses Durcheinander verschiedener Hände in einem Durcheinander unendlich vieler lebloser Naturelemente, die - taub und blind, ohne Verstand und Bewusstsein - nicht ihre Grenze kennen, diese Blindheit und Taubheit von Ursachen auf unendlich vielen grenzenlos möglichen Wegen, Verbindungen und Vereinigungen nur noch vermehrt, ist es so weit davon entfernt, noch vernünftig zu sein, wie die gleichzeitige Annahme von hundert Unmöglichkeiten, dass diese Existenz in ihrer Wohlgeordnetheit und Proportionalität und Einheitlichkeit

sich darauf stützen sollte.

Aber selbst dann, wenn wir einmal von dieser Unmöglichkeit absehen wollen, müssen sicherlich dennoch die Einwirkungen der Ursachen der unbelebten Natur eine Angriffs- und Berührungsfläche haben. Aber diese Berührungsfläche mit den Ursachen der unbelebten Natur kann bei lebenden Wesen nur deren Oberfläche sein. Trotzdem sehen wir, dass das Innere der Lebewesen zehnmal mehr geordnet ist als deren Äußeres, feiner gestaltet und künstlerisch noch vollendeter, obwohl es die Hände der Ursachen der unbelebten Natur nicht erreichen und nicht berühren können. Obwohl die winzigsten Pflanzen und die winzigsten Tierchen künstlerisch noch weit staunenswerter gestaltet und noch einzigartiger geschaffen sind als die großen Geschöpfe, hieße es, hundertfach blind und tausendfach taub zu sein, wollte man dies starren, einsichtslosen, grobkörnigen, weitmaschigen, grobkalibrigen, einander entgegengesetzten, blinden Ursachen zuschreiben, wo doch die Hände und die Werkzeuge der Ursachen der unbelebten Natur in ihnen gar keinen Platz finden, ja sie noch nicht einmal auch nur von außen berühren können!...

Aber es gibt noch eineZweite Streitfrage.Sie behauptet: "Es hat sich von selbst gebildet." Das heißt: Es ist aus sich selbst heraus entstanden.

Nun, auch dieser Satz enthält viele Unmöglichkeiten. Er ist in vielfacher Hinsicht unmöglich und irrig. Um ein Beispiel zu geben, wollen wir drei von diesen Unmöglichkeiten erklären.

Erste Unmöglichkeit:

Oh du hartnäckiger Leugner! Dein Egoismus hat dich so dumm gemacht, dass er dich in deinen Schlussfolgerungen dahin führt, hundert Unmöglichkeiten zugleich anzunehmen. Denn du existierst; und du bist nicht einfach ein Stückchen tote, unveränderliche Materie. Vielmehr gleichst du einer wohldurchdachten und aufs Beste konstruierten Maschine, die sich ständig erneuert und einem wundervollen Palast, der beständig renoviert wird. Die Zellen deines Körpers sind zu jeder Zeit an der Arbeit. Dein Körper lebt in ständiger Beziehung mit dem All, was besonders seine Erhaltung und Funktionstüchtigkeit und was seine Fortpflanzung betrifft, und befindet sich in einem beständigen Austauschprozess. Die Zellen, die in deinem Körper arbeiten, achten darauf, dass diese Beziehungen nicht beeinträchtigt

werden und dieser Austauschprozess nicht gestört wird. Dabei gehen sie mit Umsicht vor und es ist, als seien sie auf den Kosmos hin ausgerichtet. Sie fassen zuerst deine Ausrichtung auf den Kosmos ins Auge und erfüllen danach ihre Aufgabe. In deinem äußerlichen und innerlichen Wohlbefinden ziehst du entsprechend dieser wunderbaren Erfüllung der Aufgabe deiner Zellen deinen Nutzen.

Wenn du nicht annehmen willst, dass sich die Zellen deines Körpers wie winzige Beamte oder wie ein Heer des Urewig-Allmächtigen verhalten oder der Bleistiftspitze des Bauplanzeichners gleichen bzw. den Punkten, die er damit macht, dann ist für jede Zelle, die in deinem Auge arbeitet, ein solches Auge notwendig, welches das Ganze deines Körpers von allen Seiten zugleich sehen kann, ein Auge, welches auch das ganze Weltall, mit dem du verbunden bist, zu sehen vermag; man müsste ihr einen solchen Verstand verleihen wie von hundert Genien, welche deine ganze Vergangenheit und die Zukunft kennen und begreifen müssten, die Generationen vor dir und nach dir, den Brunnen, aus dem alle deine Elemente hervorgegangen sind und die Quelle ihrer Versorgung. Einer von deinen Zellen, die wie du in dieser Angelegenheit nicht einen Funken Verstand besitzt, so viel Wissen und Bewusstsein zuzuschreiben, wie sie tausend Platons nicht besitzen, ist ein tausendfach wahnwitziger Aberglaube!...

Zweite Unmöglichkeit:

Dein Körper gleicht einem einzigartigen Palast mit tausend Kuppeln. Die Steine in jeder dieser Kuppeln verharren, sich einander gegenseitig stützend, freitragend und ohne Säulen. Ja, dein Körper ist sogar noch tausendmal wunderbarer. Denn der Palast deines Körpers erneuert sich ständig in vollendetem Regelmaß. Von Geist, Gemüt und den Feinheiten der Seele, die unsere Bewunderung erregen, einmal ganz abgesehen, kommt jedes Organ schon allein deines Körpers einem kuppelüberkrönten Saale gleich. Die Zellen wie die Steine in dieser Kuppel, die einander gegenseitig in so vollkommener Harmonie und Ordnung stützen, bilden ein wunderbares Gebäude, ein überragendes Kunstwerk und bezeigen gleich Auge und Zunge ein einzigartiges Wunderwerk der Macht.

Wären nicht alle diese Zellen Beamten gleich dem Befehl des Meisters dieser Welt unterstellt, dann müsste jede einzelne Zelle sowohl absoluter Herr über alle Zellen in diesem Körper, als auch

jede einzelne ein absoluter Sklave sein; es müsste jede einzelne der anderen sowohl gleichgestellt als auch bezüglich ihrer Souveränität der anderen entgegengesetzt sein; sie müsste sowohl Ursprung und Quelle all der vielen Eigenschaften sein, die einzig dem Notwendig-Seienden zugehören, als auch von vielen Bedingungen abhängig und an sie gebunden und zugleich auch völlig frei und ungebunden sein. Ein solches in sich einheitliches und wohlgestaltetes Geschöpf, welches nur das Werk des Ein-Einzigen und Geheimnis der Einheit sein kann, unzähligen Zellen zuzuschreiben ist für jeden, der auch nur über ein Fünkchen klaren Bewusstseins verfügt, ganz klar und offensichtlich eine Unmöglichkeit; ja, das sind hundert Unmöglichkeiten.

Dritte Unmöglichkeit:

Wäre dein Körper nicht gleich einer Handschrift, geschrieben mit der Feder des Urewigen-Allmächtigen, welcher Ein-Einziger ist, sondern der Natur zugehörig, wie von den Ursachen gedruckt, dann müssten sich in deinem Körper entsprechend der Anzahl der Zellen und Organe deines Körpers tausende verschiedener natürliche Gussformen gleich ineinander verschachtelten Kreisen vorfinden. Denn wenn dieses Buch, das sich hier in unseren Händen befindet, eine Handschrift ist, so hat ein einziger Stift all dies geschrieben und es beruht auf der Kenntnis seines Schreibers.

Wenn es sich dabei aber um keine Handschrift handelt, die mit einer Feder geschrieben wurde, man vielmehr sagte, es sei aus sich selbst entstanden, oder die Natur habe es zustande gebracht, dann wäre gleich wie für den Druck eines Buches eine besondere Type für jeden einzelnen Buchstaben notwendig, um es drucken zu können. So wie sich in einer Druckerei ebenso viele Typen befinden, wie es Buchstaben gibt, damit die Buchstaben nachher auch in Erscheinung treten können, so müssen auch an Stelle eines einzigen Stiftes, ebenso viele Typen wie Buchstaben vorhanden sein.

Ja, es kommt manchmal vor, dass sich unter diesen Buchstaben einmal ein Riesenbuchstabe befindet, in dem eine ganze Seite mit einem kleinen Stift und feinen, dünnen Linien hinein geschrieben wurde, sodass für die Beschriftung eines einzigen Buchstabens Tausende von Drucktypen notwendig werden. Wenn sie nun aber sogar in wohlgeordneterweise miteinander verschachtelt sind

und die Gestalt deines Körpers annehmen, dann müssen wir für jedes einzelne Organ, für jedes einzelne Gewebestückchen entsprechend der Anzahl der einzelnen Bestandteile ebenso viele verschiedene Gussformen verwenden.

Nun denn! Wolltest du auch jetzt noch alle diese hundert Unmöglichkeiten dennoch für möglich halten und die Herstellung aller dieser wohlgeordneten kunstvollen Drucktypen, dieser vollendeten Gussformen und Schreibfedern nicht wiederum auf einen einzigen Prototyp zurückführen wollen, dann benötigte man für die Verfertigung dieser Schreibfedern, Gussformen und Drucktypen wiederum eine gleichgroße Anzahl Modelle dieser Schreibfedern, Gussformen und Drucktypen. Denn auch sie wurden einmal hergestellt und auch sie sind vollendete Kunstwerke, usw... das setzt sich nacheinander so fort...

So verstehe denn auch du! Dies ist ein Gedankengang, der in sich eine so große Zahl Unmöglichkeiten und Irrtümer mit sich bringt, wie es Zellen gibt. Oh du dickköpfiger Nichtsnutz! Schäme auch du dich... Gib deinen Irrtum auf!

Dritte Streitfrage:

"Es erfordert die Natur", das heißt, die Natur macht es notwendig. Die Natur bringt das zu Stande. Siehe, diese Behauptung enthält viele Unmöglichkeiten. Um ein Beispiel zu geben, erwähnen wir drei von ihnen.

Erste Unmöglichkeit:

Wenn man das augenfällige und weisheitsvolle künstlerisch-kreative Schaffen, das sich in allem Sein, besonders aber in der belebten Natur zeigt, nicht der Feder des Bauplanzeichners und der Macht der Urewigen Sonne zuschreiben, sondern von der Natur und einer Kraft ableiten will, die taub und blind und ohne Verstand ist, dann müsste man auch die Natur mit zahllosen unsichtbaren Maschinen und Druckereien ausstatten, damit sie jedes Ding verfertigen kann, oder aber stattdessen jedes Ding mit einer Macht und Weisheit ausstatten, die das All zu erschaffen und zu regieren vermag.

Denn so wie die Sonne sich in jedem Glasstückchen und in jedem Wassertropfen auf der Erde widerspiegelt, so muss man auch, wollte man nicht alle diese winzigkleinen Sonnen auf die eine einzige Sonne am Himmel zurückführen, es annehmen, dass alle die besonderen Eigenschaften, welche die natürliche, erschaffene Sonne besitzt, sich in einem winzig-kleinen

Glasstäubchen, in dem noch nicht einmal ein Streichholzköpfchen Platz finden kann, zwar sichtbar klein, aber in der ganzen Tiefe der Bedeutung der Sonne verkörpern. Ja, man muss sogar entsprechend der Anzahl der Glasstäubchen ebenso viele natürliche Sonnen annehmen. Genauso wie in diesem Beispiel müsste man, wollte man die Existenzen und Lebewesen nicht unmittelbar auf die Erscheinung der Namen der Urewigen Sonne zurückführen, in allen Existenzen, besonders aber in allem, was da lebt, eine Natur und eine Macht voraussetzen, die grenzenlose Macht, unendlichen Willen, unbegrenztes Wissen und ewige Weisheit besitzt, ja sogar ein Gott wäre.

Ein solcher Gedankengang aber ist der größte Aberglaube und Irrtum einer Unmöglichkeit, den es im Weltall gibt. Ein Mensch, der das Kunstwerk des Schöpfers des Alls einer vorgeblichen, belanglosen, entscheidungsunfähigen Natur zuschreibt, zeigt damit sicherlich, dass er hundertfach tierischer als das Tier ist und ohne jeden Verstand.

Zweite Unmöglichkeit:

Wenn diese überaus geordneten ausgewogenen Existenzen voll Kunst und Weisheit nicht einer einzigen Person zugeschrieben werden, die unendliche Macht und Weisheit ist, sondern stattdessen von der Natur abgeleitet werden, dann muss man voraussetzen, dass die Natur in jedem Stückchen Erde so viele Maschinen enthält, wie der Anzahl aller Druckereien und Fabriken Europas entspricht, und dass dieses Stückchen Erde das Wachsen und Gedeihen von zahllosen Blumen und Früchten veranlassen kann, deren Quelle und Werkbank es ist. Man kann in der Tat sehen, dass z.B. eine Schüssel voll Erde, die den Blumen als Topf dient, die Fähigkeit hat, aus den Samen - wie sie der Reihe nach hineingeworfen werden - Form und Gestalt aller Blumen in ihrer Mannigfaltigkeit und Verschiedenartigkeit zu bilden.

Wollte man dies nicht auf den glorreichen Allmächtigen zurückführen, dann könnten sie, fände sich nicht in dieser Schüssel voll Erde für jede einzelne Blume eine besondere unsichtbare Maschinerie der Natur, nicht in diesen Daseinszustand treten. Denn was die Samen betrifft, so sind sie wie die Spermien und die Eier aus der gleichen Substanz. Denn wie ein Teig bestehen sie aus einer Mischung von Wasserstoff, Sauerstoff, Kohlenstoff und

Stickstoff, ungefügt und ungestaltet. Wind und Wasser, Wärme und Licht; jedes von ihnen wirkt einem Gießbach gleich in seiner undifferenzierten Art und ohne jedes Unterscheidungsvermögen auf sie ein und bringt aus dieser Erde zahllose, ganz verschiedene, überaus planmäßig und kunstvoll gestaltete Blumen hervor. Es müssen sich also offensichtlich und zwangsläufig in der Erde, die sich in dieser Schüssel befindet, ebenso viele unsichtbare Druckereien und Fabriken winzigen Ausmaßes befinden, wie man sie sich in Europa vorstellen kann, damit sie so viele lebendige Stoffe und tausenderlei verschiedene Textilien herstellen können.

Da kann man also nun vergleichen, in welchem Grade die Gedanken der ungläubigen Materialisten von der Bahn des noch Vernunftgemäßen abgewichen sind. Siehe, wie weit diese Törichten, Berauschten in Menschengestalt, die glauben, dass die Natur ein Erfinder sei und von sich selbst behaupten, dass sie Wissenschaftler und Männer von Verstand seien, sich von Verstand und Wissenschaft entfernt haben und was für einen hochkomplizierten und auf gar keine Weise möglichen Aberglauben sie sich selbst als Weg ausgesucht haben! Lache über sie und spucke vor ihnen aus!...

Sobald man sagt:

Man kann alles Sein auf die Natur zurückführen, entstehen derart merkwürdige Unmöglichkeiten, Probleme im Grade einer Negation. Wenn man aber das Sein der Persönlichkeit des Einen zuschreibt, der nichts und niemandes bedarf und dessen alle und alles bedarf, wie wird dann wohl diese Problematik gelöst? Wie kann man eine Schwierigkeit, die einer Unmöglichkeit gleich kommt, in eine Leichtigkeit umwandeln, die an Zwangsläufigkeit grenzt?

Antwort:

Im Falle der ersten Unmöglichkeit zeigt z.B. das Phänomen der Sonneneinstrahlung mit vollkommener Leichtigkeit und ohne alle Schwierigkeiten vom kleinsten Stäubchen bis zur Oberfläche des größten Meeres seine Fülle und seine segensreiche Wirkung ganz einfach in den kleinen Sonnen, die sich widerspiegeln. Wollte man aber von der Sonne absehen, dann müsste man, trotz einer bis zum Grade der Negation reichenden Komplikation es für möglich halten, dass die Sonne in den Dingen selbst reale Gestalt angenommen habe. Führt man in dieser Weise alles Sein unmittelbar auf die Persönlichkeit des Einen, der nichts

und niemandes bedarf und dessen alle und alles bedarf, zurück, dann kann auch alles Sein alles das, was es benötigt mit der an Zwangsläufigkeit grenzenden Leichtigkeit und Automatik auf Grund dieses Phänomens und kraft dieser Verbindung von ihm erlangen. Wollte man aber von dieser Verbindung absehen und dieses Dienstverhältnis in Führerlosigkeit verkehren und alles Sein der eigenen Führung und der Natur überlassen, dann müsste man trotz hunderttausender Probleme und Komplikationen bis zum Grade einer Negation, notwendigerweise annehmen, dass die blinde Natur eine solche Macht und Weisheit besitzt, das All zu erschaffen und zu regieren und im Körper eines Lebewesens wie z.B. einer Mücke, die eine verkleinerte Inhaltsangabe des Alls darstellt, diesen Körper gleich einer wunderbaren Maschine erschaffen habe. Dies aber ist nicht nur eine Unmöglichkeit, dies sind vielmehr tausend Unmöglichkeiten.

Kurzum:

So wie es unmöglich und ausgeschlossen ist, dass der Notwendig-Seiende in Seiner Person einen Teilhaber oder Gegenpol habe, ebenso ist es unmöglich und ausgeschlossen, dass Er in Seiner Herrschaft und bei der Erschaffung eines Dinges einen anderen als Teilhaber oder Mitwirkenden habe.

Was aber die Schwierigkeit der zweiten Unmöglichkeit betrifft, so wurde bereits in verschiedenen Abhandlungen bewiesen, dass das, was für ein einziges Ding leicht ist, ebenso für alle Dinge einfach wird, wenn man alle Dinge dem Einzigen und Alleinigen zuschreibt. Führt man sie aber auf die Ursachen und auf die Natur zurück, so wird das nicht nur für ein Ding, sondern auch für alle Dinge zur Schwierigkeit, was wir bereits mit verschiedenen unwiderlegbaren Zeugnissen bewiesen haben. Eine kurze Zusammenfassung eines solchen Zeugnisses ist Folgendes:

Wenn ein Mann als ein Soldat oder als ein Beamter in seines Königs Diensten steht, dann vermag dieser Beamte oder dieser Soldat auf Grund dieses Dienstverhältnisses hunderttausendmal mehr zu leisten als auf Grund seiner persönlichen Befugnisse. Und im Namen seines Kaisers kann er zuweilen sogar einen König gefangen nehmen. Denn für die Leistungen, die er erbringt und die Tätigkeiten, die er ausführt, verschafft er sich Vollmacht und Ausrüstung nicht selbst und braucht sie sich auch nicht selbst zu verschaffen... Aufgrund seines Dienstverhältnisses übernehmen

die königliche Schatzkammer, das Zeughaus und das Heer, das für seine Versorgung zuständig ist, Ausrüstung und Verantwortung. Das heißt, dass die Werke, die er vollbringt, voll Majestät sein können wie die eines Königs und die Leistungen, die er zeigt, so wundervoll sein können wie die eines Heeres.

Auf diese Weise zerstört eine Ameise auf Grund ihres Dienstverhältnisses den Palast des Pharao... richtet eine Mücke in diesem Auftrage Nimrod zu Grunde... und aus diesem Verhältnis erwachsen dem Samenkorn eines Tannenbaumes, klein wie ein Weizenkorn, alle Äste und Zweige einer riesigen Tanne.

{Ja, wenn diese Verbindung gegeben ist, bekommt dieser Same einen Befehl von der Bestimmung Gottes, bringt solche wundervollen Werke hervor. Wollte man aber von dieser Verbundenheit absehen, so erforderte die Erschaffung eines solchen Samens eine noch weit größere Kunstfertigkeit, noch weit mehr Anlagen und Fähigkeiten als die Erschaffung einer riesigen Tanne. Denn dann müssten sich ja alle die Eigenschaften und Fähigkeiten der Tanne, die ein Werk der Macht ist und sich auf dem Berge verkörpert in diesem Baum, der in dem Samenkorn verborgen ist, das ein Werk der Bestimmung ist, wiederfinden. Denn die Fabrik, welche diesen riesigen Baum hergestellt hat, ist dieses Samenkorn. Der durch die Bestimmung in ihm enthaltene Baum wird durch die Macht nach außen hin sichtbar und nimmt die Gestalt einer Tanne an.}

Wenn diese Verbindung aufgehoben und dieses Dienstverhältnis gelöst wird, muss er zur Durchführung dieser Arbeiten die Verantwortung auf seinen Schultern tragen und sich die Ausrüstung auf den eigenen Rücken laden. Dann müsste er seine Arbeit nach Maßgabe seiner winzigen Fäuste und nach Anzahl der Munition auf seinen Rücken laden. Wollte man dann noch von ihm erwarten, dass er seine Pflichten und Aufgaben mit der gleichen spielerischen Leichtigkeit ausführe wie zuvor, dann müsste er sicherlich die Kraft eines Heeres in seiner Hand halten und sich die königliche Rüstungsindustrie auf seinen Rücken laden. Selbst die Moritaten und Bänkelsänger, die Gaukler und Komödianten würden sich dergleichen Phantastereien schämen!...

Kurzum:

Führt man alles Sein auf den Notwendig- Seienden zurück, dann ist alles mit zwangsläufiger Folgerichtigkeit ein Leichtes. Es aber vom Aspekt der Natur her zu betrachten, ist bis

zum Grade der Negation kompliziert und liegt außerhalb der Reichweite des vernünftigen Denkens.

Dritte Unmöglichkeit:

Zwei Beispiele, die in einigen Abhandlungen erläutert worden sind, zur Erklärung dieser Unmöglichkeit.

Erstes Beispiel:

In ein Schloss, das in einer menschenleeren Wüste erbaut und errichtet und mit allem Komfort der Zivilisation eingerichtet und ausgestattet wurde, tritt ein völlig unzivilisierter Mensch ein, sieht sich darin um... erblickt darin tausende überragender Kunstwerke... sagt in seinem Mangel an Bildung und Zivilisation: "Von außen hat keiner daran mitgewirkt. Eines von den Dingen in diesem Schloss hat dieses Schloss erschaffen und alles, was sich darinnen befindet."

Und er beginnt es zu durchforschen. Welches Ding er auch immer betrachtet... auch sein primitiver Verstand vermag kein Ding zu erblicken, das dies alles erschaffen haben könnte. Dann findet er ein Heft, in dem der Bauplan dieses Schlosses, ein Inhaltsverzeichnis seiner Einrichtung und die Gesetze seiner Verwaltung niedergelegt sind. Zwar hat auch dieses Heft, ohne Hände, ohne Augen, ohne einen Hammer so wenig wie die übrigen Dinge in diesem Schloss irgendeine Fähigkeit, es einzurichten und auszustatten. Er findet aber keinen anderen Ausweg und weil er sieht, dass dieses Heft im Vergleich mit den anderen Dingen im Hinblick auf die Lehre von den Gesetzen der Wissenschaft in Beziehung zu dem Gesamt des Schlosses steht, sieht er sich gezwungen zu sagen: "Da also ist das Heft, das dieses Schloss erbaut, eingerichtet und ausgestattet hat und das diese Dinge erschaffen, verteilt und befestigt hat."... So wandelt er seine Primitivität in die Phantastereien der Toren und Trunkenbolde um...

Nun tritt also wie in unserem Beispiel ein primitiver Mensch, getragen von dem Gedanken des die Gottheit leugnenden Naturalismus, in dieses Schloss der Welt, das noch in unendlichem Maße besser geordnet und vollkommener ist als das Schloss in unserem Beispiel und allseits voll wunderbarer Weisheit. Er denkt nicht, dass dies ein Kunstwerk des Notwendig-Seienden ist, der in Seiner Person außerhalb des "Kreises der Möglichkeiten" (= die geschaffene

Welt) ist und wendet sich von Ihm ab und wendet sich stattdessen dem Kodex der göttlichen Gesetze und dem Katalog der Kunstwerke des Herrn zu, der Tafel innerhalb des "Kreises der Möglichkeiten", welche vom göttlichen Geschick beschrieben und wieder abgewischt wird, dem Buch über die Ausführung der Gesetze der göttlichen Macht, auf Grund dessen alles verwandelt und neu gestaltet wird und das man so fälschlicher Weise "Natur" nennt. Und er sagt: "Da nun einmal diese Dinge nach einer Ursache verlangen, gibt es außer diesem Heft kein Ding, das zu ihnen in Beziehung stünde. Zwar akzeptiert der Verstand in keiner Hinsicht, dass dieses Heft ohne Auge, ohne Verstand, ohne Macht die Werke der vollkommenen Herrschaft zu Stande bringen könnte, die eine grenzenlose Macht erfordern. Da ich aber nun einmal einen urewigen Schöpfer nicht akzeptiere, glaube ich, dass es das Beste wäre, zu sagen, dass dieses Heft dies alles erschaffen hat und erschaffen kann." Wir aber sagen dagegen:

Oh du dummer Trunkenbold, der du noch dümmer bist als ein dumm gewordener Dümmling! Ziehe deinen Kopf aus dem Sumpf der Natur und sieh dich um! Blicke auf den glorreichen Meister, den alles, was da ist von den Atomen bis hin zu den Planeten, mit so vielen verschiedenen Zungen bezeugt und auf den sie mit ihrem Finger hinweisen... Siehe, wie der Urewige Architekt in diesem Schloss, das Er geschaffen und in diesem Heft, in das Er sein Programm hineingeschrieben hat, sichtbar wird... Lies Seinen Erlass! Höre Seinen Qur'an!.. Rette dich vor deinen Phantastereien!

Zweites Beispiel:

Ein völlig unzivilisierter Mensch betritt einen ausgedehnten Kasernenhof. Er sieht, wie ein ganzes, großes, wohlgeordnetes Heer gemeinsam exerziert und alle Bewegungen diszipliniert durchführt. Er beobachtet, wie auf die Bewegung eines Soldaten hin ein ganzes Bataillon, eine Kompanie, ein Zug aufsteht, sich setzt, auf einen Feuerbefehl hin Feuer gibt. Weil er in seinem primitiven, unkultivierten Denken nicht begreift, dass hier ein Kommandeur auf Anweisung der Regierung und nach königlichem Gesetz kommandiert und weil er das leugnet, stellt er sich vor, diese Soldaten seien durch ein Seil miteinander verbunden. Er denkt sich, was für ein wundersames Seil doch dieses vorgebliche Seil sein müsse, ist erstaunlich. Danach geht er wieder...

Er geht an einem Freitag in eine riesengroße Moschee, ähnlich der Hagia Sophia. Er wird Zeuge, wie die Gemeinde der MUslime auf das Wort eines Mannes hin aufsteht, sich verneigt, sich zu Boden wirft und sich setzt. Weil er die Schariah, die aus einer Sammlung geistiger, himmlischer Gesetze besteht und die inneren Prinzipien, die den Weisungen des Herrn der Schariah zugrunde liegen, nicht begreift, stellt er sich vor, dass handfeste Seile diese Gemeinschaft gebunden hätten und diese seltsamen Seile sie gefangen hielten und tanzen ließen. Er verlässt die Moschee mit solchen Gedanken eines Gauklers, wie sie selbst wilde Tiere in der Gestalt wildester Menschen zum Lachen gebracht hätten und geht davon...

Genauso also wie in diesem Beispiel betritt ein Ungläubiger, der das gottleugnende Gedankengut der Naturalisten vertritt, welches eine reine Grausamkeit ist, diese Welt, welche für unzählige Soldaten ein ausgedehnter Kasernenhof des Sultans von Ewigkeit zu Ewigkeit und den Kosmos, der eine wohlgeordnete Moschee des Ewig- Angebeteten ist. Er stellt sich die unsichtbaren, kosmischen Gesetze, welche Anordnungen des ewigen Sultans sind und Seiner Weisheit entstammen nur als einzelne, rein äußerliche Gesetze der Materie vor. Er vermeint, dass die theoretischen Gesetze der Herrschaft des Königs, die Naturgesetze des Ewig-Angebeteten, die unsichtbaren, nur den Wissenschaftlern bekannten Sittenund Moralgesetze und alle Prinzipien nur eine äußerliche praktische Bedeutung hätten. Er setzt an Stelle der göttlichen Macht und den aus Seinem Wissen und Wort kommenden und nur den Wissenschaftlern vertrauten Gesetzen nur die natürlichen und menschlichen Gesetze ein, legt in ihre Hände die Erschaffung der Welt und bezeichnet sie sodann als "Natur". Er nimmt an, dass die Kraft, welche nur eine Erscheinung der Macht des Herrn ist, selbst eine Macht besäße und aus sich selbst zu allem imstande sei.

{Bediüzzaman gibt hier eine so kurz gefasste Zusammenschau der Gesetze, dass ihre Übersetzung mit einem einzigen deutschen Wort unmöglich wird. Wir bringen deshalb hier einen kurzen Kommentar. 1. Kavanin-i itibariye: Unsichtbare, nicht unmittelbar wirksame Naturgesetze, welche den Wissenschaftlern eine Beschreibung des Kosmos ermöglichen. Hierher gehören z.B. die Vermessung der Erde und ihre Längen- und Breitengrade. 2. Scheriat-i fitriye-i kübra: Die sichtbaren, unmittelbar wirksamen Gesetze. Sie werden in der Natur als Naturgesetze wirksam und erweisen sich unter den Menschen z.B. als Gottes Hilfe in Not. 3. Ahkam: Gebote, die Gott den Menschen befohlen hat, z.B. beten, fasten, Almosen geben sowie menschliche Gesetze, z.B. das Strafrecht und das Zivilrecht. 4. Düstur: Unsichtbare, aber sehr wohl wirksame Gesetze. Es sind dies in der Natur die Formeln zur Berechnung in der Mathematik, Physik, Chemie usw., z.B. Formeln zur Berechnung von Zeit, Raum, Materie, Energie usw. Im menschlichen Zusammenleben sind es Grundsätze, Prinzipien und Leitmotive, z.B. alle Menschen sehnen sich nach dem Licht. 5. a) Ilim: Das Wissen Gottes über alle Dinge. b) Kelam: Das Wort, das Gott an den Menschen richtet, z.B. im Qur'an. c) Vücud-u ilmi = Der Lehrkörper: Das Wissen, über das die Gelehrten unsichtbar verfügen, weil es für die Außenstehenden nicht sichtbar ist, z.B. die Gesetze des Rechtsgelehrten, die gültig und wirksam, aber nicht offensichtlich sind. (A.d.Ü.)}

Das alles aber bezeugt eine Primitivität des Denkens noch tausendmal simpler als die Primitivität in unserem Beispiel.

Kurzum:

Das Ding, das die Naturalisten "Natur" nennen und das nur in ihrer Vorstellung, aber nicht in der Realität existiert, kann bestenfalls und wenn es eine äußerliche Realität besitzt, nur ein Kunstwerk aber kein Künstler sein. Es ist eine Dekoration,

aber nicht der Dekorateur. Es ist ein Rechtsspruch aber kein Richter. Es ist ein Naturgesetz, aber nicht der Gesetzgeber. Es ist ein erschaffenes Ehrenkleid, aber nicht der Schöpfer.

{Gott verhüllt sich hinter Seiner Schöpfung wie hinter einem Schleier. Die Menschen, welche Gott hinter diesem Schleier nicht zu erblicken vermögen und Seine Ehre nicht zu würdigen wissen, werden von Seiner Natur wie von einem Ehrenschild zurückgewiesen.}

Es ist ein reagierendes Objekt und kein agierendes Subjekt. Es ist ein Kodex von Gesetzen, nicht seine durchführende Instanz. Es verfügt selbst über keine Macht. Es ist eine Lineatur und nicht das Lineal...

Kurzum:

Da es nun einmal eine Schöpfung gibt und da dies auch schon einmal am Anfang der Sechzehnten Anmerkung gesagt wurde, kann man sich logischerweise über die vier Wege hinaus keinen weiteren Weg mehr vorstellen, wie all das, was da ist, ins Dasein gelangt sein könne. Von diesen vier Aspekten haben sich drei - jeder von ihnen auf Grund dreier Unmöglichkeiten - mit absoluter Sicherheit als Aberglaube erwiesen. Dadurch ist mit absoluter Sicherheit der Weg der Einheit als der vierte Weg sicherlich zwangsläufig und offensichtlich bewiesen. Was aber den vierten Weg betrifft, so zeigt die Ayah

اَفِى اللهِ شَكٌّ فَاطِرِ السَّموَاتِ وَاْلاَرْضِ

{"Gibt es etwa einen Zweifel an Allah dem Schöpfer der Himmel und der Erde?" (Sure 14, 10)}

ohne Zweifel und Verdacht, dass die Persönlichkeit der notwendigen Existenz Gott ist und dass alle Dinge unmittelbar aus Seiner Macht hervorgehen und die Himmel und die Erde Ihm zur Verfügung stehen.

Oh du armseliger Mensch, der du deine Zuflucht zu den Ursachen nimmst und die Natur anbetest! Es ist nun einmal jeden Dinges Wesen genauso erschaffen wie das Ding selbst. Es ist ein Werk, das der Künstler erst neu gestaltet hat... Auch sein Ergebnis wurde gebildet gleich wie seine Ursache. Und es bedarf nun einmal zur Schaffung jeden Dinges sehr vieler Geräte und Werkzeuge. Es gibt also einen absoluten Allmächtigen, der diese Natur gemacht und diese Ursache erschaffen hat. Und warum sollte der vollkommene Allmächtige das Bedürfnis haben, solche ohnmächtigen Elemente bei der Erschaffung zu Partnern Seiner Herrschaft zu machen?! Gott behüte! Er hat das Ergebnis unmittelbar zusammen mit der Ursache erschaffen. Er hat diese Anordnung und Reihenfolge in diesem offensichtlichen Kausalitätsverhältnis verfügt, um das Aufscheinen Seiner Namen und Seine

Weisheit zu erweisen. Er hat Ursachen und Natur zu einem Schleier vor Seiner Macht gestaltet, damit man sich an diese wenden und bei ihnen nachsuchen könne, wenn in den Dingen offensichtlich unheilvolle Fehler und Mängel auftreten. Auf diese Weise bleibt Seine Würde unangetastet.

Ist es für einen Uhrmacher etwa leichter, für eine Uhr Zahnräder zu verfertigen, um sie danach in die Uhr in Reih' und Ordnung einzufügen... oder ist es etwa leichter, in diese Zahnräder eine wundersame Maschine einzubauen und danach die Herstellung dieser Uhr den Händen einer solchen automatischen Maschine zu übergeben, damit sie eine Uhr herstellen solle? Wäre dies etwa nicht außerhalb der Möglichkeiten? Also auf, du, wenn du noch recht und billig zu denken vermagst... sei du der Richter!

Oder es habe ein Schreiber Tinte, Feder und Papier gebracht. Wäre es leichter, wenn er nun selbst dieses Buch schriebe... oder sollte er innerhalb des Papiers, der Tinte, der Feder einzig für dieses eine Buch noch mühsamer eine eigene Schreibmaschine erfinden, noch kunstvoller als dieses Buch, und danach zu dieser Maschine, die kein Bewusstsein hat, sagen: "Los! Nun schreib 'mal!" und sich selbst nicht weiter darum kümmern? Wäre das etwa nicht hundertmal schwieriger als das Schreiben selbst?

Wollte man sagen:

Ja, eine Maschine zu erfinden, die ein Buch schreiben kann, ist hundertmal schwieriger als dieses Buch. Aber wäre es nicht vielleicht doch eine Erleichterung unter dem Aspekt einer Maschine, die von dem gleichen Buch viele Exemplare schreiben kann?

Antwort:

Der urewige Künstler hat in Seiner grenzenlosen Macht in den Dingen ihr eigenes Wesen und Antlitz erschaffen und erneuert jederzeit das Aufscheinen Seiner Namen, um wieder eine andere Form zu zeigen, sodass kein Brief des Unwandelbaren und kein Buch des Herrn irgendeinem anderen Buche gleich wäre. In jedem Falle wird Er, um wieder andere Bedeutungen zum Ausdruck zu bringen auch wieder ein anderes Antlitz wählen. Wenn du Augen hast, betrachte das menschliche Antlitz und siehe: Von Adams Zeiten bis heute, ja vielleicht in Ewigkeit steht absolut sicher fest, dass jedes Antlitz in Anbetracht der Antlitze aller jedem Einzelnen gegenüber ein Unterscheidungsmerkmal aufweist und dabei in diesem kleinen Antlitz die Grundelemente

übereinstimmen. Deshalb ist jedes einzelne Antlitz ein anderes Buch. Schon die künstlerische Gestaltung erfordert einen unterschiedlichen Schriftsatz, eine andere Gestaltung des Buches, eine andere Abfassung des Textes. Auch um das Material zusammenzubekommen und alles an den rechten Ort zu bringen, als auch um alles für den Körper notwendige richtig einzusetzen, benötigt man ein ganz und gar anderes Atelier.

Nun ja, wir haben einmal den unmöglichen Fall angenommen, die Natur unter dem Aspekt einer Druckerei zu betrachten. Eine solche Druckerei hätte aber außer der Aufgabe, die Texte zu setzen und zu drucken, d.h. in eine gefertigte Gussform zu bringen, auch noch die Aufgabe, die dazu benötigten Bestandteile in dem ihnen eigenen Maße von den Enden der Welt zusammenzubringen, nach einem besonderen System zu verarbeiten und dann dem Druckvorgang anzuvertrauen, wobei die Herstellung des Drucksatzes noch hundertmal schwieriger wäre als die Verarbeitung der Materie für den Körper eines Lebewesens. Für all das aber ist wiederum die Macht und der Wille eines vollkommen Allmächtigen erforderlich, der diese Druckerei erschaffen hat. Das aber heißt, dass die Annahme einer solchen Druckerei und ihrer Voraussetzungen ein ganz und gar unsinniger Aberglaube ist.

So also hat, wie in diesem Beispiel mit der Uhr und dem Buch, der glorreiche Meister, der aller Dinge Mächtige, der die Ursachen erschaffen hat, auch das Verursachte erschaffen. Er verbindet in Seiner Weisheit das Verursachte mit den Ursachen. Er bestimmt mit Seinem Willen die Natur der Dinge, deren Erscheinung nur ein Spiegelbild und eine Reflexion der Gesetze in den Dingen ist, ein Spiegelbild der großen Naturgesetze Gottes, die ein Ausdruck der Werke Gottes im Alltag sind und mit den Geschehnissen im Kosmos im Zusammenhang stehen. Er hat in Seiner Macht den Bauplan für die Natur erfunden, dementsprechend sie ihre äußere Gestalt zeigt und die Dinge dieser Naturanlage entsprechend erschaffen... So hat Er beides (Bauplan und Ausführung) miteinander verbunden... Ja, gibt es denn etwas noch Einfacheres als diese Annahme einer solchen Tatsache, die doch in einem solchen Grade verstandesgemäß und das Ergebnis zahlloser Beweise ist... Ja, ist das denn nicht im Grade einer Notwendigkeit

sogar erforderlich?

Wäre es leichter, diese primitiven äußeren Gegebenheiten, ohne Einsicht und Bewusstsein, geschaffen und geprägt wie sie sind, die du als Ursachen und Natur bezeichnest, mit allen für das Zustandekommen eines Dinges notwendigen Geräten und Werkzeugen zu versehen, damit sie selbst ganz alleine mit Umsicht und Weisheit die Dinge verfertigen? Wäre dies nicht bis zum Grade einer Negation außerhalb des Möglichen? Wir überlassen dies deinen unklaren Vorstellungen zur Klärung!

Der Gottesleugner und Naturanbeter sagt: Da du mich nun schon einmal zu Klarheit und Einsicht einlädst, sage auch ich: ich habe eingesehen, dass ich bis jetzt einen falschen Weg eingeschlagen hatte, der sowohl hundertfach unmöglich war, als auch sehr gefährlich und im äußersten Grade hässlich. Aus Ihren obigen kritischen Betrachtungen wird verständlich für jeden, der auch nur einen Funken Verstand besitzt, dass es unmöglich und unvorstellbar ist, die Schöpfung den Ursachen und der Natur zuzuschreiben. Und jedes Ding unmittelbar dem Notwendig-Seienden zuzuschreiben, ist notwendig, ja zwangsläufig

اَلْحَمْدُلِلَّهِ عَلَى اْلاِ يمَانِ

sage ich und nehme den Glauben an.

Aber ich habe noch einen Zweifel. Ich akzeptiere es, dass Gott der Gerechte der Schöpfer ist. Aber was schadete es Seiner Königsherrschaft, wenn ein paar winzige Ursachen bei der Erschaffung unbedeutender Dinge beteiligt wären und dabei ein wenig Lob und Preis gewönnen? Würde dies Seinem Königtum Abbruch tun?

Antwort:

Wie wir in einigen Abhandlungen ganz klar bewiesen haben, besteht das besondere der Herrschaft darin, eine Beteiligung an ihr zurückzuweisen. Ja, noch nicht einmal ein unbedeutender Herrscher, ein Beamter, wird eine Beteiligung seines Sohnes an den Herrschaftsaufgaben dulden. Einige fromme Herrscher haben sogar ihre eigenen Kinder umgebracht in dem Verdacht, dass diese sich an ihrer Herrschaft beteiligen wollten; und das obwohl sie sogar Kalifen waren. Dies beweist, wie grundsätzlich das "Gesetz von der Ablehnung einer Teilhaberschaft "

an der Herrschaft gilt. Angefangen bei dem Erscheinen zweier Direktoren in einer Provinz bis hin zu dem Auftreten zweier Könige in einem Reich, zeigt es sich, dass "das Gesetz von der Ablehnung einer Teilhabe ", welches das Erfordernis der Unabhängigkeit in der Herrschaft ist, seine Macht in der Geschichte der Menschheit durch sehr seltsame Wirren erwiesen hat.

Siehe in welchem Grade diese, wenn auch nur schattenhaften Weisungs- und Herrschaftsbefugnisse unter schwachen und hilfsbedürftigen Menschen jegliche Teilhaberschaft zurückweisen, die Beteiligung anderer ablehnen und eine Partnerschaft in der Herrschaft nicht anerkennen und danach streben, mit einem schrankenlosen Fanatismus ihre Unabhängigkeit im Amt zu bewahren; und wenn du dann vergleichen kannst, in welchem Grade bei einer vollendeten Herrschaftsbefugnis, bei der Herrschaft Gottes, in welchem Grade bei einer vollendeten Weisungsbefugnis, der der Erhabenheit Gottes, in welchem Grade bei einer vollendeten Unabhängigkeit, bei der Einheit Gottes, in welchem Grade bei einer vollendeten Autarkie, bei der Allmacht Gottes, Ihm, dem Glorreichen, diese Ablehnung einer Beteiligung, diese Zurükkweisung einer Partnerschaft, diese Abwehr einer Teilhaberschaft, in welchem Grade dies bei einer solchen Herrschaft notwendig, zwangsläufig und unentbehrlich ist, dann vergleiche dies!

Aber es ist noch ein Zweiter Punkt, über den ich im Zweifel bin:

Wollte man den Ursachen, einigen Winzigkeiten etwas göttliche Verehrung zuwenden, welchen Mangel erführe dadurch die Anbetung des Vollkommenen-Angebeteten, welcher der Notwendig-Seiende ist und dem die Geschöpfe vom Atom bis hin zu den Planeten dienen?

Antwort:

Der allweise Schöpfer des Weltalls hat den Kosmos wie einen Baum erschaffen, dessen vollendetste Frucht die mit Bewusstsein begabten Lebewesen sind. Unter allem aber, was Leben und Bewusstsein trägt, hat Er den Menschen gemacht, als die Frucht, welche alles in sich vereinigt. Und was für den Menschen am wichtigsten, ja sogar der Erschaffung des Menschen Folge, Ziel seiner Natur und Frucht seines Lebens, ist Gott zu danken, Ihn anzubeten und Ihm zu dienen. Wird der absolute Herrscher, der unabhängige Befehlshaber und der Eine- Einzige, der - um selbst geliebt zu werden und um sich zu

erkennen zu geben - das All erschuf, den Menschen, der die Frucht des ganzen Universums ist, und die Dankbarkeit und die Anbetung, welche die größte Frucht des Menschen ist, dies in die Hände eines anderen geben? Wird Er wohl ganz im Gegensatz zu aller Weisheit das Ergebnis der Erschaffung und die Frucht des Alls zunichte machen? Nein und abermals nein!.. Wird Er damit einverstanden sein und es gestatten, dass der Dienst und die Anbetung Seiner Geschöpfe anderen dargebracht wird, in einer Weise, die es dahin bringt, Seine Weisheit und Seine Herrschaft zu verleugnen? Und würde Er, der in Seinen Taten in unendlichem Grade selbst geliebt werden möchte und sich zu erkennen geben möchte, sich selbst in Vergessenheit geraten lassen und all Seine vollkommensten Geschöpfe anderen ihren Dank abstatten und sich den Ursachen gegenüber erkenntlich zeigen und ihnen ihre Liebe und ihre Anbetung darbringen lassen? Oh du mein Freund, der du es nun aufgegeben hast, die Natur anzubeten! Auf nun und sprich!

Und er sagt: "Elhamdulillah!" Diese meine beiden Zweifel sind nun beseitigt. Du hast zwei so glänzende und starke Beweise für die göttliche Einheit vorgelegt und dafür, dass Er in Wahrheit der Angebetete ist und keiner außer Ihm der Anbetung würdig ist; das abzustreiten käme einer Verleugnung der Sonne am lichten Tage gleich.

Nachwort

Der Mann, der die atheistische Naturphilosophie aufgegeben hat und zum Glauben gelangt ist, sagt: Elhamdulillah! Ich habe keine Zweifel mehr. Aber es gibt da noch einiges, was ich gerne wissen möchte.

Erste Frage:

Wir hören von vielen, die in ihrer Trägheit das Gebet aufgegeben haben und sagen: Hat Gott der Gerechte unseren Dienst und unsere Anbetung nötig, dass Er diejenigen, welche das Gebet aufgegeben haben, im Qur'an mit großer Macht und mit allem Nachdruck bedrängt und sie mit einer entsetzlichen Strafe wie der Hölle bedroht? Wie passt das zum Qur'an, der doch sonst so maßvoll, geradlinig und gerecht ist, wenn er auf einen winzigen Fehler im privaten Bereich mit solch äußerster Heftigkeit reagiert?

Antwort:

Gewiss, Gott der Gerechte hat deinen Dienst und deine Anbetung nicht nötig. Er braucht gar nichts von dir. Aber es ist für dich selbst vonnöten, zu dienen und anzubeten. Du bist innerlich krank. Denn wir haben bereits in vielen Abhandlungen bewiesen, dass es dieser Dienst ist und die Anbetung, die das Gegengift gegen die Wunden deiner Seele darstellen. Wird etwa ein Kranker, den ein gütiger Arzt dazu drängt, wegen seiner Krankheit eine heilsame Arznei zu trinken, zu dem Arzt sagen: "Hast du es nötig, mich dermaßen zu bedrängen?" Du verstehst, was für ein Unsinn das wäre.

Der Qur'an, der diejenigen, welche ihren Dienst aufgekündigt haben und von der Anbetung abgekommen sind, so fürchterlich bedroht und eine so schreckliche Strafe über sie verhängt, ist einem Könige vergleichbar, der darüber wacht, dass seine Untertanen ihre Pflicht erfüllen und einem aufsässigen Manne eine seiner Verfehlung entsprechende fürchterliche Strafe erteilt, wenn er seine Untertanenpflicht verletzt hat.

In gleicher Weise verletzt ein Mann, der Gott nicht mehr dient und Ihn nicht mehr anbetet, die Rechte alles dessen, was da ist, bedeutend und tut den Untertanen des Königs von Ewigkeit zu Ewigkeit im übertragenen Sinne ein schweres Unrecht an. Denn die Vollkommenheit allen Seins wird auf dem Antlitz derer sichtbar, die sich ihrem Meister zugewandt haben und Ihn rühmen

und verehren. Diejenigen, welche Ihn nicht verehren und Ihn nicht anbeten, sehen diese Anbetung allen Seins nicht und können sie auch nicht sehen, ja leugnen sie vielleicht sogar. Zu gleicher Zeit verachten sie alles Sein, das Gott rühmt und Ihn preist und so einen hohen Rang einnimmt und deren jedes Einzelne ein Brief des Unwandelbaren und ein Spiegel der Namen des Herrn ist, indem sie es von seinem hohen Rang herabziehen und es als ohne Bedeutung, ohne Aufgabe, ohne Leben und ohne Ordnung begreifen, es in seiner Vollkommenheit leugnen und verletzen.

In der Tat sieht ein jeder das All gleich einem Spiegel seiner selbst. Gott der Gerechte hat den Menschen als einen Maßstab, als eine Waagschale des Alls geschaffen. Aus dieser Welt heraus hat Er jedem Menschen seine eigene Welt gegeben. Er zeigt ihm die Farbe dieser Welt entsprechend der inneren Einstellung dieses Menschen. Zum Beispiel sieht ein ganz hoffnungslos und traurig weinender Mensch alle Welt in einem Bilde hoffnungslosen Weinens. Ein Mensch aber, der freudig und vergnügt ob der frohen Kunde vollkommen fröhlich lächelt, sieht auch alle Welt fröhlich lachen. Ein Mensch, der in ernstem und tiefem Nachsinnen Gott rühmt und Ihn preist, entdeckt auch und sieht gewissermaßen, wie alles, was da ist, Gott eine solche Anbetung und einen solchen Lobpreis darbringt, wie es diesen auch in der Tat und in der Wahrheit gibt...

Ein Mensch aber, der Gott nicht achtet oder Ihn verleugnet und Ihn nicht mehr anbetet, macht sich von allem, was da ist, konträr und völlig im Gegensatz zu ihrer wahren Natur ein fehlerhaftes Bild und verletzt sie geistiger Weise in ihren Rechten. Zudem begeht ein solcher, der das Gebet aufgegeben hat, da er nicht Herr seiner Seele ist, ein Unrecht gegenüber seiner eigenen Seele, die ein Diener seines Herrn ist. Dieser ihr Herr droht dem Menschen, der seiner eigenwilligen Seele nachgibt, streng, damit dieser sie in ihre Pflicht nimmt. Zudem gilt die Aufkündigung seines Dienstes und die Unterlassung seiner Anbetung, als des Sinnes der Schöpfung und des Zieles der Natur, auch als eine Auflehnung gegen die göttliche Weisheit und den Willen des Herrn. Und dafür wird er seine Strafe empfangen.

Zusammenfassung:

Wer das Gebet unterlässt, tut damit seiner eigenen Seele unrecht - der Seele, die ein Diener und Verehrer

und Eigentum Gottes des Gerechten ist - und verstößt dabei gleichzeitig gegen die berechtigten Ansprüche des Kosmos. Ja gerade so wie der Unglaube eine Beleidigung gegenüber der Schöpfung ist, so ist auch die Unterlassung des Gebetes eine Leugnung der Vollkommenheit der Schöpfung. Weil sie ein Verstoß gegen die göttliche Weisheit ist, ist sie auch mit einer so fürchterlichen Drohung verknüpft und zieht sie auch eine so strenge Bestrafung nach sich.

Um also diesem Rechtsanspruch und dem oben erwähnten Sachverhalt Ausdruck zu verleihen, wählt der Qur'an, der in seiner Verkündigung ein Wunder ist, auf wunderbare Weise diesen strengen Ausdruck und stimmt so in seiner Aussage voll und ganz mit der Erfordernis der Situation überein, was man als die Wahrhaftigkeit in der Aussageweise bezeichnet.

Zweite Frage:

Der Mann, der den Naturalismus aufgegeben hat und zum Glauben gelangt ist, sagt:

Es ist eine Tatsache von überwältigender Größe, dass ein jedes Sein in jeglicher Hinsicht, in jeglicher Beziehung, unter allen Umständen und Verhältnissen vom göttlichen Willen und der Macht ihres Herren abhängig ist. In Anbetracht ihrer gewaltigen Größe will uns dies nur schwer in den Kopf. Wo hingegen diese maß- und grenzenlose Überfülle, die sich vor unseren Augen ausbreitet und diese unbeschränkte Leichtigkeit, mit der sie erschaffen und gestaltet wurde, diese maß- und grenzenlose Leichtigkeit und Simplizität, mit der die Dinge aus der Einheit heraus gestaltet wurden, die sich auf Grund der oben angeführten Beweise bewahrheitet hat, diese maßund grenzenlose Leichtigkeit, welche mit den Worten des Qur'an:

مَا خَلْقُكُمْ وَلاَ بَعْثُكُمْ اِلاَّ كَنَفْسٍ وَاحِدَةٍ

und:

وَمَآ اَمْرُ السَّاعَةِ اِلاَّ كَلَمْحِ الْبَصَرِ اَوْ هُوَ اَقْرَبُ

{"Eure Erschaffung und eure Auferstehung ist gleich der einer einzigen Seele." (Sure 31, 28) "Es ist aber weder eure Erschaffung noch Eure Auferstehung (schwieriger) als die einer einzigen Seele, und die Angelegenheit der Stunde nicht mehr als ein Augenzwinkern oder noch näher." (Sure 16, 77)}

dargelegt oder ähnlichen Ayat ganz offensichtlich gezeigt wird, diese überwältigende Tatsache zeigt sich in einer durchaus akzeptablen und völlig verständlichen Weise. Was ist das Geheimnis

dieser Leichtigkeit und die Weisheit, die dahinter steht?

Antwort:

In der Erklärung zu:

وَهُوَ عَلٰى كُلِّ شَىْءٍ قَدِيرٌ

{"Und Er ist aller Dinge mächtig." (Sure 5, 120)}

wie sie sich im Zehnten Wort des Zwanzigsten Briefes findet, wird dieses Geheimnis auf eine absolut klare und deutliche und offensichtliche Weise erklärt... Besonders im Anhang zu diesem Brief wird noch weit klarer bewiesen, dass die Erschaffung allen Seins genauso leicht wird, wie die eines einzelnen Dinges, wenn man sie auf den Einzigen Meister zurückführt. Führt man sie aber nicht auf den Einen-Einzigen, den Gegenwärtigen zurück, dann wird die Gestaltung eines einzigen Dinges genauso schwierig wie die allen Seins und die eines Samenkorns ebenso kompliziert wie die eines Baumes. Führt man sie aber auf den wahren Meister zurück, dann wird das All so einfach wie ein Baum, ein Baum wie ein Samenkorn, das Paradies wie ein Frühling und der Frühling wie eine Blume.

Wir verweisen hier nur auf ein, zwei unter Hunderten von Beweisen, die die Quelle der Geheimnisse aufzeigen und die Weisheit, die hinter ihnen steht. In ihnen wird ganz klar und offensichtlich, mit welcher Leichtigkeit alles Sein so ganz und schnell, wohlgeordnet, wertvoll und kunstvoll gestaltet ins Dasein tritt, dessen grenzenlose Überfülle für jedermann offensichtlich ist. In ihnen findet sich für ein Geringes mit Leichtigkeit von jeder Gattung eine Fülle von Arten. Dies haben wir bereits in anderen Abhandlungen dargelegt. Zum Beispiel:

So wie es hundertmal leichter ist, hundert Soldaten dem Kommando eines einzigen Offiziers zu unterstellen, als einen Soldaten dem Kommando von hundert Offizieren, die Ausrüstung eines Heeres von einem Hauptquartier aus durch ein einheitliches Gesetz zu regeln, von einer einzigen Fabrik aus durch den Befehl eines einzigen Königs ebenso leicht ist, als handelte es sich dabei um

einen einzelnen Soldaten... ebenso ist es genauso schwierig, einzelne Soldaten durch verschiedene Hauptquartiere ausstatten zu lassen, ihre Ausstattung verschiedenen Fabriken und verschiedenen Kommandeuren zu überlassen, als handelte es sich dabei um ein ganzes Heer. Denn für die Ausrüstung eines einzelnen Soldaten müssen ebenso viele Fabriken vorhanden sein, wie für ein ganzes Heer notwendig sind.

Desgleichen wird es unter dem Geheimnis der Einheit offensichtlich, dass die Lebenssubstanz, die einen Baum aus einer einzigen Wurzel, von einem einzigen Zentrum aus und durch ein einziges Gesetz ernährt, so wie dieser Baum Tausende von Früchten bringt, auch eine einzelne Frucht mit gleicher Leichtigkeit hervorbringt. Geht man aber von einer Vielheit aus, statt von der Einheit und käme die Lebenssubstanz, die für jede Frucht notwendig ist, von verschiedenen Stellen, dann wäre die Schwierigkeit für jede einzelne Frucht dieselbe wie für einen ganzen Baum. Ja, für ein einziges Samenkorn, welches das Urbild eines Baumes in sich enthält, und für sein Programm bestünde die gleiche Problematik wie für einen ganzen Baum. Denn all das, was für das Leben eines einzigen Baumes an Lebensnotwendigem erforderlich ist, ist auch für ein einziges Samenkorn notwendig.

So gibt es also gleich diesem Beispiel noch Hunderte von Beispielen, um zu zeigen, in welch grenzenlosem Maße das Sein tausendfach mit Leichtigkeit aus der Einheit heraus ins Dasein tritt, um wie vieles leichter noch als auch nur ein einziges Ding aus einer Vielheit und Mannigfaltigkeit heraus. Weil aber diese Tatsache schon in anderen Abhandlungen ebenso klar bewiesen wurde, wie zwei mal zwei vier ist, überlassen wir das diesen und wollen hier nur ein besonders wichtiges Geheimnis von dem, was so einfach und leicht ist, unter dem Gesichtspunkt der göttlichen Bestimmung, des Wissens und der Macht des Herrn darlegen. Es ist dies Folgendes:

Du bist und hast ein Sein. Wenn du dieses auf die urewige Macht (Gottes) zurückführst, hat Er dich in einem einzigen Augenblick durch einen Befehl, durch Seine unendliche Allmacht aus dem Nichts heraus erschaffen, so wie man ein Streichholz entzündet. Führst du dich aber nicht auf Ihn zurück, schreibst du vielmehr dein Sein den Ursachen der Materie und der Natur zu, dann wird es für dich, der du eine wohlgeordnete Zusammenfassung des Alls und seine Frucht bist, dessen verkleinertes Inhaltsverzeichnis und Liste, notwendig, die materiellen Bestandteile deiner Existenz aus dem All und seinen Elementen herauszusieben, sie mit feinen

Instrumenten zu messen und zu wiegen und sie so von den Ecken der Welt her zusammenzubringen, um dich zu gestalten. Denn die materiellen Ursachen können nur sammeln und gestalten. Sie können nicht selber schaffen, was sie nicht

vorfinden, was nicht vorhanden ist, nicht aus dem Nichts bilden. Alle Leute von Verstand werden dies bestätigen. Also müssen sie die Bestandteile für den Körper eines kleinen Lebewesens von den Enden der Welt her zusammenbringen.

So verstehe also nun, wie leicht dies alles für die Einheit Gottes ist und wie schwer für eine Vielheit und was für ein irriges Denken!

Zweitens:

Vom wissenschaftlichen Standpunkt aus betrachtet ist alles unendlich leicht. Zum Beispiel: "Qader" ist eine Art der Wissenschaft, die für jedes Ding sein Maß und seine ihm eigene unsichtbare Gussform bestimmt. Und dieses durch "Qader" bestimmte Maß gilt für den Körper eines Dinges als sein Plan und sein Typ. Wenn die Macht es erschafft, dann erschafft sie es ganz leicht entsprechend diesem durch "Qader" bestimmten Maß. Wird dieses Ding nicht auf den Glorreichen, Allmächtigen zurückgeführt, der der Herr einer allumfassenden, grenzenlosen und urewigen Wissenschaft ist, dann tauchen - wie wir dies bereits oben erklärt haben - nicht nur tausend Schwierigkeiten, nein, hundert Unmöglichkeiten auf. Denn dann wird es notwendig, von außen her tausende materieller Gussformen im Inneren eines kleinen Tierchens zur Anwendung zu bringen, wenn es ein solches durch (Gottes) "Qader"und Wissen bestimmtes Maß nicht gäbe.

So verstehe also nun das Geheimnis der unendlichen Leichtigkeit in der Einheit und die grenzenlosen Schwierigkeiten im irrigen Denken und in der Vielheit und wisse, wie wahrheitsgemäß und hoch und recht die Wahrheit ist, welche in der Ayah:

وَمَآ اَمْرُ السَّاعَةِ اِلاَّ كَلَمْحِ الْبَصَرِ اَوْ هُوَ اَقْرَبُ

{"Es ist aber weder eure Erschaffung noch Eure Auferstehung (schwieriger) als die einer einzigen Seele, und die Angelegenheit der Stunde nicht mehr als ein Augenzwinkern oder noch näher." (Sure 16, 77)}

zum Ausdruck kommt!

Dritte Frage:

Der, welcher früher ein Feind war, jetzt aber sich bekehrt hat und ein Freund geworden ist, spricht: Die besonders

fortschrittlichen unter den Philosophen unserer Tage sagen: "Aus dem Nichts kann nichts entstehen; und nichts kann verloren gehen. Was den Betrieb im Weltall aufrechterhält, ist nichts anderes als nur Synthese und Analyse."

Antwort:

Die modernsten unter den Philosophen, welche das Sein nicht im Lichte des Qur'an betrachten, sind in ihrer Betrachtungsweise dahin gelangt, einzusehen, dass die Entstehung und Gestaltung des Seins aus der Natur und aus den Ursachen heraus - so wie wir das bereits oben nachgewiesen haben - bis zur Unmöglichkeit schwierig ist und haben sich nun in zwei Gruppen gespalten.

Die erste Gruppe bilden die Nihilisten, welche von der Vernunft abgerückt sind, die eine Besonderheit des Menschen darstellt. Sie sind damit noch tiefer gesunken als die unvernünftigen Tiere. Sie leugnen die Existenz des Alls. Ja, sie leugnen sogar ihre eigene Existenz... Im Wege ihres Irrtums halten sie es für erheblich leichter, sowohl sich selbst als auch das All zu leugnen, als Ursachen und Natur zum Herrn der Schöpfung anzunehmen. Sie sind der absoluten Unwissenheit verfallen.

Die zweite wird von der Gesellschaft derer gebildet, welche eingesehen haben, welch grenzenlose Schwierigkeiten es mit sich bringt, wenn man irriger Weise von dem Standpunkt ausgeht, dass Ursachen und Natur als Schöpfer eine Mücke oder ein Samenkorn hervorgebracht hätten. Denn das setzte eine Fähigkeit voraus, die außerhalb der Bandbreite menschlichen Verstandes liegt. Deshalb leugnen sie zwangsläufig die Schöpfung und sagen: "Es kann nichts aus dem Nichts entstehen" und halten auch den Untergang für unmöglich, indem sie urteilen: "Was einmal da ist, kann nicht wieder verschwinden."

Sie setzen eine Situation voraus und stellen sich vor, es handele sich in allem nur um eine Bewegung von Atomen, die - vom Winde des Zufalls umhergetrieben - Analyse und Synthese, Auflösung und Wiedervereinigung zu Stande brächten... So komm also nun und betrachte dir diese Leute auf der untersten Stufe der Unwissenheit und der Dummheit, die sich selbst doch für äußerst intelligent halten! Wisse, wie sehr ein solcher Irrealismus den Menschen zum Narren, zum Lumpen und zum Agnostiker werden lässt und ziehe daraus deine Lehre!

Es ist doch wohl eine noch größere Unwissenheit und Dummheit, die urewige Macht, die jedes Jahr gleichzeitig vierhunderttausend Arten auf der Erdoberfläche hervorbringt, welche die Himmel und die Erde in sechs Tagen geschaffen hat und in jedem Frühling in sechs Wochen eine neue Welt voll Leben hervorbringt, noch kunstvoller gestaltet als das All und mit noch größerer Weisheit erfüllt und im Rahmen eines urewigen Wissens nach einem vorgegebenen Maß und Plan allem, was da erst noch im Projektionsstadium vorhanden ist und noch nicht Gestalt angenommen hat, ganz leicht eine nach außen sichtbare Gestalt verleiht, so wie man z.B. eine Chemikalie auf ein Schriftstück aufträgt, das mit einem für das Auge unsichtbaren Mittel niedergeschrieben wurde, um es sichtbar zu machen; diese urewige Macht für ferne zu halten und ihr Wirken zu leugnen ist doch wohl noch dümmer als der Nihilismus der zuvor erwähnten Gesellschaft.

Diese Unglückseligen, die in ihrer absoluten Machtlosigkeit nichts anderes in Händen halten als ihr kleines Stückchen Selbstbestimmung, vermögen auch in ihrem Pharaonenstolz kein Ding null und nichtig werden zu lassen und kein Stäubchen Materie aus dem Nicht-da- und Nicht-vorhanden-sein hervorzubringen und weil es nicht in der Hand der Natur und der Ursachen liegt, in die sie ihr Vertrauen setzen, etwas aus dem Nichts zu erschaffen, sagen sie in ihrem Unverstand: "Was nicht ist, kann auch nicht werden; und was schon vorhanden ist, kann unmöglich wieder zunichte werden." Diesen irrigen fehlerhaften Grundsatz wollen sie auch auf den Vollkommenen- Allmächtigen anwenden. Ja, der Glorreiche, Allmächtige erschafft die Dinge in zweifacher Weise:

Erstens, durch Hervorbringung, Neuerschaffung. Das heißt, Er gibt das Sein aus dem Nichts, dem Nichtvorhandensein und stellt ihm auch alles notwendige zur Verfügung, indem Er es aus dem Nichts erschafft. Zum anderen bildet und gestaltet Er neu. Das heißt, um die Vollkommenheit Seiner Weisheit und die Erscheinung vieler Seiner Namen aufzuzeigen und um der Tiefe Seiner Weisheit willen, erbaut Er einen Teil von allem Sein aus den Elementen des Kosmos. Er schickt ihnen durch das Gesetz der Fürsorge die Atome und die Zellen, die Seinem Befehle gehorchen und lässt diese in ihnen wirken. Ja, der Vollkommen-Allmächtige erschafft die Dinge auf diese beiden Arten, nämlich die Form der Neuschöpfung

einerseits und die der Neugestaltung andererseits. Die Dinge vom Noch-vorhanden-sein ins Nicht-mehr-vorhanden- sein und vom Nicht-Sein ins Da-Sein zu rufen, ist vollkommen leicht, ist ganz und gar einfach, ja sogar ein immerwährendes und allgemein gültiges Gesetz.

Ein Mann, der angesichts dieser Macht, die im Frühling dreihunderttausend Arten lebender Geschöpfe Form und Gestalt, ja außer ihren Elementen auch noch alle ihre Modalitäten und Konditionen aus dem Nichts heraus zu verleihen vermag, noch sagt: "Es kann nichts aus dem Nichts entstehen", müsste ja selbst ein "Nichts" sein!..

Der Mensch, der den Naturalismus aufgegeben hat und zur Wahrheit gelangt ist, spricht nun: Gott dem Gerechten sei mein Lob, Preis und Dank zahllos wie der Sand des Meeres! Ich habe den vollkommenen Glauben erlangt. Ich wurde vor Zweifel und Irrtum errettet und keine Unsicherheit mehr ist in mir zurückgeblieben. "Lobpreis und Dank sei Allah für die Religion des Islam und die Vollendung im Glauben!"

اَلْحَمْدُ ِللّهِ عَلَى دِينِ اْلاِسْلاَمِ وَ كَمَالِ اْلاِيمَانِ

سُبْحَانَكَ لاَعِلْمَ لَنَآ اِلاَّ مَاعَلَّمْتَنَآ اِنَّكَ اَنْتَ الْعَلِيمُ الْحَكِيمُ

{"Dank sei Allah für die Religion des Islam und einem vollkommenen Glauben. Gepriesen seist Du! Kein Wissen besitzen wir, außer dem, das Du uns gelehrt hast. Denn Du bist der Allwissende, der Allweise!" (Sure 2, 32)}

Die sechste Problemstellung aus der "Meyve Risalesi" (Frucht - Abhandlung)

Den Erklärungen in den meisten Abschnitten der Risale-i Nur und dem Beweis durch zahllose unwiderlegbare Zeugnisse entsprechend wird hier nur ein Hinweis auf ein einziges Zeugnis unter tausend allgemeingültigen für den Glauben an Allah angeführt.

Ein Teil der Schüler des Gymnasiums in Kastamonu besuchte mich. Sie sagten: "Unterrichte uns bitte über unseren Schöpfer. Unsere Lehrer in der Schule sprechen von Allah überhaupt nicht."

Ich sagte ihnen: Jede Wissenschaft, die euch in der Schule gelehrt wird, spricht ständig auf ihre eigene Art von Allah und unterrichtet über den Schöpfer. Wendet also dieser eure Aufmerksamkeit zu und nicht Lehrern (die nicht von Allah sprechen).

Zum Beispiel: Eine vollkommen eingerichtete Apotheke, ausgestattet mit zahllosen Tuben und Gläsern, in denen sich lebensspendende Seren und Arzneimittel - zusammengestellt mit Hilfe einer hochempfindlichen Waage - befinden, weist ohne Zweifel auf einen hochgelehrten Chemiker, Arzt und Apotheker hin. Ebenso weisen auch die Seren und Arzneimittel in den Tuben und Gläsern, mit denen wir die vierhunderttausend verschiedenen Pflanzen- und Tierarten vergleichen können, die sich in der Apotheke unserer Erde finden, selbst noch blinde Augen darauf hin, in welchem Maße vollkommener und größer als diese Apotheke in unserer Straße die große Apotheke der Welt sein muss, und der Apotheker und Arzt in all Seiner Majestät in ihr, wenn ihr sie mit den Maßstäben der medizinischen Wissenschaft betrachtet, die ihr studiert.

Ein weiteres Beispiel: Eine wundervolle Fabrik, die tausender verschiedener Stoffe aus einfachem Material webt, unterrichtet uns zweifelsfrei über ihren Fabrikanten und hochgelehrten Maschinenbauer. Ebenso teilt uns auch diese rollende Produktionsanlage des Herrn, die wir unsere Erde nennen, mit ihren hunderttausenden von Lieferungsausgängen und hunderttausenden vollständiger Fabriken an jedem einzelnen von ihnen, mit und unterrichtet uns darüber, in welchem Grade der Erbauer und Besitzer dieser Erdkugel, mit den Maßstäben der Maschinenbaukunde, die ihr studiert, größer und vollkommener ist, als diese Fabrik von

Menschenhand.

Ein weiteres Beispiel: Ein vollständig eingerichtetes Depot, ein Lebensmittellager, ein Laden, in dem tausend und noch eine verschiedener Güter von allen Seiten herangeholt geordnet und bereitgestellt liegen, lässt uns zweifelsfrei erkennen, wer es verwaltet und sein Herr und Besitzer ist. Ebenso lässt uns dieses Depot, dieser Laden des Herrn mit seinen tausend und noch einem verschiedenen Geräten, Gütern und Konservenpaketen, erkennen, in welchem Maße dieses Raumschiff des Hochgelobten, das ein Lebensmittellager des Allerbarmers ist und das wir unsere Erde nennen, die in einem Jahr ihre regelmäßige Reise in einem Kreis von vierundzwanzigtausend Jahren Fußweg beschreibt, dabei noch hunderttausend Arten trägt, die der verschiedensten Speisen bedürfen, und das auf seiner Fahrt durch die Jahreszeiten reist, wobei der Frühling einem großen Waggon - gefüllt mit Tausenden verschiedenster Speisen für die notleidenden Lebewesen - gleicht, die ihre Nahrung im Winter aufgezehrt haben, verglichen mit den Maßstäben der Wirtschaftswissenschaften, die ihr studiert habt und noch studieren werdet, größer und vollkommener ist als diese Anlagen und unterrichtet uns dementsprechend mit vollkommener Sicherheit über den Herrn, der dieses Depot lenkt, leitet und verwaltet, das unsere Erdkugel ist, und weckt unsere Begeisterung für Ihn.

Ein Heer, in dem sich vierhunderttausend Völker zusammenfinden, deren jedes nach seiner eigenen Verpflegung verlangt, seine eigenen Waffen benötigt, seine eigene Kleidung trägt, deren jedes nach eigener Anordnung übt und nach einem anderen Zeitraum entlassen wird, dieses Heer und sein Lager mit seinem Kommandanten, der einzig und allein allen diesen verschiedenen Völkern ihre ganz unterschiedliche Verpflegung und völlig verschiedenen Waffen, ihre Kleidung und Ausrüstung gibt, ohne dabei etwas zu vergessen oder zu verwechseln, weist offensichtlich und ohne allen Zweifel auf eben diesen wunderbaren Kommandanten hin und weckt unsere Begeisterung für ihn. Ebenso lässt auch das Heerlager, das sich in jedem Frühling über das Antlitz der Erde erhebt und aufs Neue seine Waffen aufnimmt, ein neues Heer des Hochgelobten aus vierhunderttausend Tier- und Pflanzenvölkern, die ganz verschiedene Bekleidung, Verpflegung und Ausrüstung

erhalten und denen ein einziger allmächtiger Oberbefehlshaber in vollendeter Ordnung ihre Stellungs- und Entlassungsbefehle erteilt, ohne irgendetwas zu vergessen oder zu verwechseln, für jeden, der seinen Verstand beisammen hat, erkennen, in welchem Maße dieses Heerlager der Erde im Frühling, verglichen mit den Maßstäben der Militärwissenschaft, die ihr studieren wollt, größer und vollkommener ist als das obenerwähnte menschliche Heer und Heerlager, und unterrichtet uns dementsprechend, Ihn mit Lobpreis und Bewunderung als unseren Herrn und Herrscher, der die Welt lenkt und befehligt in Heiligkeit anzunehmen, erweckt in uns Dank und Verehrung und ruft unsere Begeisterung für Ihn wach.

In einer wunderbaren Stadt mit Millionen von kreisenden elektrischen Lampen, die überall hin gelangen, lassen diese Lampen, die immer mit Brennstoff versorgt sind, und ihre Fabrikation offensichtlich und ganz ohne Zweifel ihren wunderwirkenden Meister und über alles fähigen Elektriker, der die Fabrik erbaut und die kreisenden Lampen erschaffen hat und sie mit Brennstoff versorgt, der auch die elektrischen Anlagen überwacht, voll Bewunderung erkennen, segnen und sich für ihn begeistern. Ebenso stoßen auch die Sternenlampen an der Schlossdecke der Welt in dieser kosmischen Stadt, obwohl doch einige von ihnen - nach Aussage der Astronomen - tausendmal größer sind als unsere Erdkugel und sich siebzigmal schneller bewegen als eine Kanonenkugel, nicht miteinander zusammen, erlöschen nicht und sind stets mit Brennstoff versorgt. Auch unsere Sonne, die, wie ihr gehört habt, nach Aussage der Astronomen millionenmal größer als unsere Erde ist und viele Millionen Jahre alt und eine Lampe und ein Ofen in diesem Gasthaus des Allbarmherzigen und für die täglich so viele Meere an Heizöl notwendig wären, wie die Erde Ozeane enthält, oder ganze Gebirge von Kohle oder Holzstöße, so groß wie tausend Erden, um sie nicht ausgehen zu lassen, und die erhabenen Sterne, die wie sie ohne Öl, ohne Holz und ohne Kohle brennen und nicht auslöschen und rasch miteinander dahineilen, ohne aneinander zu stoßen, weisen mit ihren Lichtfingern auf die allumfassende Gewalt und Herrschaft Gottes hin und zeigen uns, um wie vieles größer und in welchem Maße vollkommener als in diesem unserem Beispiel, die Lampen

und Leuchten dieses Weltenschlosses in unserer wundersamen kosmischen Stadt sind. Wenn ihr die Elektrotechnik dementsprechend studiert oder noch studieren werdet, wird sie uns in gleichem Maße über den König unterrichten, der dieses gewaltige Ausstellungsgelände des Kosmos eingerichtet hat und es verwaltet und dessen die leuchtenden Sterne Zeugen sind und deren Beleuchtungsmeister Er ist, und in Lobpreis und Verherrlichung unsere Begeisterung und Verehrung für Ihn wecken.

Gäbe es, um ein weiteres Beispiel anzuführen, ein Buch, in dessen einzelne Zeilen sehr klein ein ganzes Buch hineingeschrieben sei und in dessen einzelne Worte mit feinem Stift eine Sure des Qur'an hineingeschrieben sei, ein sehr bedeutungsvolles Buch, in dem sich alle Themen gegenseitig stützen und ergänzen, so zeigte dieser wunderbare Band die außerordentlichen Fähigkeiten und Begabungen seines Schreibers und Verfassers und ließe uns ohne Zweifel, klar wie der Tag, die Vollkommenheit seines Schreibers, seines Autors, erfahren und seine Kunstfertigkeit erkennen. Es würde uns dazu veranlassen, "Masha-a'llah, Barek-a'llah!"

{Masha-a'llah: Wie wunderbar ist es doch das, was mit Gottes Willen geschehen ist! Barek-a'llah: Segne es Gott!}

zu sagen und unsere Verehrung zum Ausdruck zu bringen.

Ebenso lässt auch dieses große Buch der Schöpfung, in dem eine einzige Seite die Oberfläche unserer Erde ist und auf ihr ein einzelner Bogen der Frühling mit seinen vierhunderttausend Tier- und Pflanzenarten, die vierhunderttausend Büchern gleichen, und in dem, wie wir mit eigenen Augen sehen, ein Wort gleich einem Baum wie eine Kasside oder ein Kern gleich einem Punkt fehlerlos, makellos, ohne sich zu irren oder etwas zu verwechseln, vollkommen und wohlgeordnet eines im anderen das vollständige Verzeichnis eines Buches niedergeschrieben wurde, von einer Feder bewerkstelligt, dieser Sammelband des Alls erkennen, dass diese Verkörperung des Großen Qur'an der Welt, in dem sich so unendlich viele Bedeutungen und mit jedem Wort so viele Weisheiten finden, so viel größer, vollkommener und bedeutender ist, als unser Buch in dem obenerwähnten Beispiel und wie im gleichen Grade, betrachtet mit dem großen Maßstab und dem scharfen Blick der Physik, die ihr lernt, und durch die Lese- und Rechtschreibkunde, die ihr in der Schule praktisch übt, der Designer dieses kosmischen Buches und sein Schreiber so grenzenlos vollkommen ist. Es macht Ihn durch das Wort "Allah-u Ekber"

{Allah-u Ekber: Gott ist groß!}

bekannt, heiligt und erhebt Ihn mit "Subhan-a'llah",

{Subhan-a'llah: Gepriesen sei Gott!}

lobpreist Ihn mit "Elhamdu-li'llah"

{Elhamdu-li'llah: Lobpreis und Dank sei Gott!}

und weckt unsere Begeisterung für Ihn.

So ermöglicht also einem Menschen jede von Hunderten von Wissenschaften sowie die obenerwähnten Wissensbereiche mit ihren geeichten Maßstäben, ihrem eigenen Spiegel und mit ihrer weitsichtigen Optik eine Betrachtungsweise, durch die er den glorreichen Schöpfer dieses Kosmos in Seinen Namen erkennen, Ihn durch Seine Attribute und in Seiner Vollkommenheit schauen kann.

So ist es denn, um diesen obenerwähnten Beweis zu führen, der ein wunderbares und glänzendes Zeugnis der Einheit ist, dass der Qur'an, ein Wunder der Verkündigung, so häufig die folgenden Verse wiederholt:

رَبُّ السَّمٰوَاتِ وَاْلاَرْضِ

{"Herr der Himmel und der Erde."}

خَلَقَ السَّمٰوَاتِ وَاْلاَرْضَ

{"Er schuf die Himmel und die Erde."}

Mit solchen Versen unterrichtet uns der Qur'an über unseren Schöpfer, habe ich den jungen Schülern gesagt. Sie haben auch alles so angenommen und zur Bestätigung gesagt: "Unendlicher Dank sei unserem Herrn dafür, dass wir eine so reine und wahrheitsgetreue Lektion erhalten haben. Möge Allah mit dir zufrieden sein!"

Da habe auch ich zu ihnen gesagt:

"Der Mensch, der unter tausend verschiedenen Schmerzen leiden und tausend unterschiedliche Arten von Freuden genießen kann, ist als ein lebendiger Organismus, der über seine große Schwäche hinaus auch noch zahllose innere und äußere Feinde und über seine grenzenlose Armseligkeit hinaus auch noch von unendlich vielen äußeren und inneren Faktoren abhängig ist, ein armseliges Geschöpf, auf das unablässig die Schläge des Untergangs und der Trennung herabprasseln.

Wenn er sich aber nun plötzlich dem König in Seiner Majestät voll Glaube und Anbetung verbindet und nun gegen alle seine Feinde einen Stützpunkt und in all seinen Bedürfnissen einen Quellgrund der Hilfe findet, so könnt ihr euch vorstellen, wie er, gleich jedem, der sich durch die Zugehörigkeit zu seinem Herrn geehrt fühlt und auf seinen Stand stolz ist, wenn er sich nur einem solchen allmächtigen und

allbarmherzigen König gläubig verbindet, anbetend in Seinen Dienst tritt und sein ewiges Verbannungsurteil in eine Entlassungsurkunde umwandelt, in einer großen Zufriedenheit und Dankbarkeit und mit einer tiefen Ehrerbietung stolz sein kann."

Was ich damals den jungen Schülern gesagt habe, das sage ich noch einmal genauso meinen vom Unglück betroffenen Mitgefangenen: Wer Ihn kennt und Ihm gehorcht, der ist ein Glückseliger, säße er auch in einem Gefängnis. Wer Ihn vergisst, und säße er auch in einem Schloss, der ist ein Unglückseliger. Ja, es sagte einmal ein solcher Glückseliger, der zu Unrecht verurteilt worden war, bei seiner Hinrichtung zu den unglückseligen Gewaltmenschen:

"Ich werde nicht hingerichtet, vielmehr gehe ich mit einer Entlassungsurkunde in die ewige Seligkeit ein. Ich sehe euch aber zu ewiger Verbannung verurteilt und das ist für mich eine vollständige Genugtuung."

لآَ إِلٰهَ إِلاَّ اللهُ

{"Es gibt keinen Gott außer Allah!"}

sagte er und gab freudig seine Seele hin.

سُبْحَانَكَ لاَعِلْمَ لَنَآ اِلاَّ مَاعَلَّمْتَنَآ اِنَّكَ اَنْتَ الْعَلِيمُ الْحَكِيمُ

{"Gepriesen seist Du! Wir haben kein Wissen, außer dem, das Du uns gelehrt hast. Denn Du bist der Allwissende, der Allweise." (Sure 2, 32)}

Anmerkung über "Hu!"

بِاسْمِهِ سُبْحَانَهُ نْ مِنْ شَيْءٍ اِلاَّ يُسَبِّحُ بِحَمْدِهِ

اَلسَّلاَمُ عَلَيْكُمْ وَ رَحْمَةُ اللَّهِ وَ بَرَكَاتُهُ اَبَدًا دَائِمًا

{"Im Namen dessen, der gepriesen sei; und fürwahr; es gibt kein Ding, das nicht lobend Ihn preist; Der Friede (Selam) Allahs sei über euch und Sein Erbarmen und Sein Segen für immer und ewig"}

Meine sehr lieben und treuen Brüder, Meine Brüder, ich habe bei den Worten

لآَاِلَهَ اِلاَّهُوَ

{"Es gibt keinen Gott außer Ihm."}

und

قُلْ هُوَاللَّهُ

{"sprich: Er ist Gott."}

in dem

هُوَ

{"Er"}

ein verborgenes Zeichen der Einheit Gottes erblickt, als ich in meiner Vorstellung eine Reise durch die Welt der Gedanken unternahm und dabei die Luft von ihrer rein materiellen Seite her betrachtete. So habe ich bemerkt, dass der Weg des Glaubens in unendlichem Grade einfach und im Grade der Notwendigkeit leicht beschreitbar ist und dass sich auf dem Weg der Abgötterei und des Irrglaubens in unendlichem Grade Schwierigkeiten und tausende von Unmöglichkeiten finden. Diese Erklärung in ihrer ganzen Länge und Breite will ich hier in einer kurzen Anmerkung zusammenfassen.

Es kann in der Tat eine Handvoll Erde der Reihe nach hunderten von Blumen als Beet dienen. Wollte man dies der Natur, den Ursachen zuschreiben, so müsste man entweder annehmen, dass in diesem Beet hunderte unsichtbarer Maschinen oder Fabriken, vielleicht ebenso viele wie Blumen, in entsprechend kleinem Maßstab vorhanden seien, oder aber, es müsste jedes kleine Stäubchen dieser Erde alle diese ganz verschiedenen Blumen mit ihren unterschiedlichen Eigenschaften und lebenden Organen herstellen können, als ob es über ein unbegrenztes göttliches Wissen und eine grenzenlose Macht verfügte.

Genauso müsste dann auch jedes Luftteilchen und ein jeder Windstoß, den der Wille und Befehl Gottes aussendet, ein Atemzug Luft, wie man ihn benötigt, um

هُوَ

{"Er"}

zu sagen, oder so viel Luft wie unter unserem Nagel Platz hat, so viele Telefongespräche wie es in der Welt gibt, Telegrafengeräte, Radioapparate, so unendlich viele verschiedene Kommunikationszentren und Ämter, so viele Hör- und Sprechmuscheln enthalten, sodass es alle diese

unendlich vielen verschiedenen Arbeiten gleichzeitig und in einem Augenblick bewerkstelligen kann, oder aber, es müsste ein Luftteilchen, in dem das Wort

هُوَ

{"Er"}

schwingt oder jedes Atom eines Teilchens in der Atmosphäre so viele unsichtbare Persönlichkeiten und ihre Fähigkeiten in sich enthalten, wie es Telefongespräche und all die vielen anderen telegrafischen Nachrichten und Rundfunksendungen in der Welt gibt, alle ihre Sprachen kennen und gleichzeitig auch die übrigen Atome unterrichten und sich über sie verbreiten können, denn diese Funktion kann man tatsächlich zum Teil wahrnehmen und diese Fähigkeit findet sich in allen Luftteilchen. Hier wird ganz klar sichtbar, dass sich auf dem Weg der Leute des Unglaubens, der Naturalisten und Materialisten nicht nur eine Unmöglichkeit, vielmehr so viele Unmöglichkeiten, Unvorstellbarkeiten und Schwierigkeiten befinden, wie es Atome in der Luft gibt.

Führt man aber all dies auf den Göttlichen Meister in Seiner Majestät zurück, dann wird die Luft mit all ihren Atomen zu einem Seiner gehorsamen Soldaten. Sie kann das mit Erlaubnis und durch die Macht ihres Schöpfers, durch ihre Verbundenheit mit Ihm und auf Ihn gestützt, im Aufscheinen der Kraft ihres Meisters, in einem einzigen Augenblick, blitzschnell, so leicht, wie man

هُوَ

{"Er"}

sagt und dadurch die Luft in Bewegung setzt. Das heißt, das, was die Feder der Macht unermüdlich, wunderbar und wohlgeordnet aufzeichnet, wird zu einer Seite, wobei die Atome die Spitze dieser Feder bilden und die Funktion dieser Atome darin besteht, die Punkte aus der Feder der Göttlichen Vorausschau zu formen. Das alles geschieht mit der gleichen Leichtigkeit, mit der sich ein einzelnes Atom bewegt.

Während ich also die Worte sprach:

لآَاِلَهَ اِلاَّهُوَ

{"Es gibt keine Gottheit außer Allah."}

und

قُلْ هُوَاللَّهُ

{"Sprich: Er ist Allah."}

untersuchte ich auf meiner Reise durch die Welt der Gedanken das Reich der Lüfte und studierte es als ein Element und erkannte

diese umfassende Wahrheit mit augenscheinlicher Sicherheit in all ihren Einzelheiten und Zusammenhängen. So wie in dem Aussprechen des Wortes

هُوَ

{"Er"}

und in der Luft, die man dazu benötigt, ein so glänzendes Zeugnis und ein Blitzstrahl der göttlichen Allgegenwart mit inbegriffen ist, so ist auch in seiner Bedeutung und in dem Hinweis, den es enthält, eine überaus lichtvolle Erscheinung der göttlichen Einheit in jedem Ding und ein sehr starker Beweis für die göttliche Einheit hinter allen Dingen enthalten und ein präziser Hinweis darauf, auf welche Person sich das Pronomen

هُوَ

{"Er"}

in seinem offensichtlichen und verborgenen Sinne bezieht, woraus ich mit wissenschaftlicher Sicherheit erkannt habe, warum sowohl der Qur'an, ein Wunder der Verkündigung, als auch die Mystiker in ihrer Meditation über die Einheit dieses heilige Wort so oft wiederholen. Dafür ein Beispiel: Es ist ja doch so, dass man einen Punkt auf einem weißen Blatt mit zwei, drei anderen Punkten, die man daneben setzt, verwechselt und dass ein Mann, der viele verschiedene Aufgaben gleichzeitig erledigt, dabei durcheinander kommt, und dass ein kleines Lebewesen, dem viele Lasten aufgebürdet werden, darunter erdrückt wird, und dass eine Zunge und ein Ohr, die verschiedene Worte gleichzeitig aussprechen und aufnehmen, die Ordnung zerstören und Verwirrung anrichten. Dennoch habe ich, während ich mit dem Schlüssel und Kompass

هُوَ

{"Er"}

durch das Reich der Gedanken reiste, mit augenscheinlicher Sicherheit gesehen, dass in jedes Luftteilchen, ja sogar in jedes einzelne Atomtausende verschiedener Punkte, Buchstaben, Worte gesetzt sind, oder gesetzt werden könnten, und dass sie dennoch nicht durcheinander geraten und die Ordnung nicht zerstören und dennoch sehr viele ganz verschiedene Aufgaben erledigen, dass sie dennoch, ohne eine Verwirrung anzurichten, und obwohl jedes Teilchen und jedes Atom mit vielen sehr schweren Lasten beladen wird und dennoch sich nicht schwach zeigt, sie vielmehr ohne zurückzubleiben in vollkommener Ordnung trägt, ja obwohl tausende ganz verschiedener Worte, von unterschiedlichem Charakter und verschiedener Bedeutung in vollkommener Ordnung zwischen Ohr und Zunge ein- und ausgehen, etwas in diese kleinen Ohren hineintragen, ohne es zu verwechseln und zu verderben, von diesen winzigen Zungen ausgehen, und dass jedes Atom und Teilchen,

während es seine bemerkenswerten Aufgaben wahrnimmt, in vollkommener Freiheit durch seinen ekstatischen Zustand, durch das Zeugnis und mit den Worten der obenerwähnten Wahrheit

لآَاِلَهَ اِلاَّهُوَ

{"Es gibt keine Gottheit außer Ihm."}

und

قُلْ هُوَاللَّهُ

{"Sprich: Er ist Allah."}

sagt, sich hin und her bewegt und dass inmitten der Schallwellen, bei Sturm und Regen, Donner, Blitz und Ungewitter ihre Ordnung nicht gestört wird, sie ihre Aufgaben nicht verwechseln und mit keiner ihrer Tätigkeiten eine andere behindern... Dies habe ich mit augenscheinlicher Sicherheit beobachtet.

Das heißt also, es müsste jedes Atom und jedes Molekül über eine grenzenlose Weisheit, unendliches Wissen und Können, und über ein unermessliches Vermögen, Macht und solche Eigenschaften verfügen, wie sie ein absoluter Herr über alle Atome haben müsste, sodass es diese Aktivitäten durchführen könnte. Das sind aber so viele Unmöglichkeiten und Irrigkeiten, wie es Atome gibt. Auf diesen Gedanken kann auch kein Teufel kommen. Also wird die Luft im Grade einer lebendigen, augenscheinlichen und wissenschaftlichen Gewissheit zu einer Seite für die Feder der göttlichen Macht und Vorausschau, die der Herr in Seiner Majestät mit grenzenlosem Wissen und mit unendlicher Weisheit beschreibt, zu Seiten, die Er ständig umblättert, und die einer "Wohlbewahrten Tafel" in einer veränderlichen Welt, einer Schreibtafel für Seine ewig neuen Taten gleichen und zu einer Tafel, die Er beschreibt und löscht und wieder neu beschreibt, Ihm zum Zeugnis.

So wie uns also die Luft schon als das Transportelement der Stimme in ihrer obenerwähnten Einzigartigkeit die obenerwähnte Manifestation der Einheit und Gegenwart Gottes aufzeigt und damit die zahllosen Unmöglichkeiten des Irrglaubens sichtbar macht, so versieht die Luft diese subtile Aufgabe, während zu gleicher Zeit unter anderen wichtigen Dingen die Wellen der Elektrizität und des Lichtes und die Kräfte der Anziehung und

Abstoßung durch sie hindurch gehen, und während zu gleicher Zeit und in vollkommener Ordnung zu allen Pflanzen und Tieren der für ihre Atmung, Fortpflanzung und andere lebensnotwendige Dinge erforderliche Bedarf gelangt. Dies hat mich mit augenscheinlicher Sicherheit zu der Überzeugung gebracht, dass sie mit absoluter Sicherheit beweisen, ein Thron für den Willen und Befehl Gottes zu sein und es ist ganz unwahrscheinlich, ja sogar völlig unmöglich, dass diese blinden vom Wind des Zufalls umhergetriebenen Kräfte, eine taube Natur, wirre und ziellose Ursachen, tote, starre, unvernünftige Materie sich in die Aufgaben der Luft einmischen, eine Seite in ihrem Buch beschreiben könnten. Ich habe erfahren, dass jedes Atom und jedes Molekül durch seine Funktion ein

لآَاِلَهَ اِلاَّهُوَ

{"Es gibt keine Gottheit außer Ihm."}

und

قُلْهُوَاللَّهُ

{"Sprich: Er ist Allah."}

sagt. Gleich wie mir dieses "Hu!" zu einem Schlüssel wurde, um alle diese wunderbaren Funktionen des materiellen Aspektes der Luft zu erkennen, so wurde mir auch die Luft selbst gleich diesem "Hu!" zu einem Schlüssel für die Welt der Bilder und zur Welt der Bedeutungen.

Tausende Selam allen!

Elftes Wort

بِسْمِ اللَّهِ الرَّحْمنِ الرَّحِيمِ

وَالشَّمْسِ وَضُحَيهَا وَالْقَمَرِ اِذَا تَلَيهَا وَالنَّهَارِ اِذَا جَلَّيهَا وَ الَّيْلِ اِذَا يَغْشَيهَا وَ نَفْسٍ وَمَا سَوَّيهَا وَ اْلاَرْضِ وَمَا طَحَيهَا وَ السَّمَآءِ وَمَا بَنَيهَا

{"Im Namen Allahs, des Erbarmers, des Barmherzigen Bei der Sonne und ihrem Strahlenglanz und bei dem Mond, welcher ihr folgt, und bei dem Tage, wenn er sie in ihrer Pracht zeigt, und bei der Nacht, die sie bedeckt, und bei dem Himmel und dem, welcher ihn baute, und bei der Erde und dem, welcher sie ausbreitete, bei der Seele und dem, welcher sie bildete und ihr die Neigung zu Schlechtigkeit und Geradheit eingegeben hat, wohl dem, der sie läutert; Elend aber der, welcher sie unter Sünden begräbt!" (Sure 91, 1-10)}

Oh Bruder! Wenn du die verborgenen Geheimnisse und Mysterien der Erschaffung des Kosmos und des Menschen schauen, Sinn und Weisheit des Gebetes begreifen willst, betrachte gemeinsam mit meiner Seele die folgende gleichnishafte Erzählung:

Es war einmal ein König. Seine Reichtümer füllten viele Schatzkammern. In diesen Schatzkammern gab es alle Arten von Juwelen, Diamanten und Smaragden. Einzigartige Schätze gab es da, die noch verborgen waren. Und es waren da wundervolle Kunstwerke, die Seine vielfältige Meisterschaft und Vollkommenheit offenbarten. Und auch Seine Kenntnisse umfassten alle die Staunen erregenden Wissenschaften. Darüber hinaus schloss Sein Wissen auch noch unzählige schöne Künste mit ein. Es entspricht dem Geheimnis eines jeden Herrn in Schönheit und Vollkommenheit, dass er die Schönheit in seiner Vollkommenheit und die Vollkommenheit in seiner Schönheit betrachten möchte und möchte, dass sie von anderen betrachtet werde. Deshalb wollte auch dieser ruhmreiche König eine Messe eröffnen, um den Menschen den Glanz Seines Reiches, Seine kostbaren Schätze, die Wunderwerke Seiner Kunst und die bewunderungswürdigen Resultate Seiner Wissenschaften an den Ständen dort vor Augen zu führen. So wollte Er von Seiner zuvor noch unsichtbaren Schönheit und Vollkommenheit auf zweierlei Weise Zeugnis

geben:

In erster Hinsicht,

damit Er sie in eigener Person und mit den Augen des sachkundigen Fachmannes betrachte,

Zum zweiten,

damit Er sie mit den Augen der anderen sehe.

Zu diesem Zweck begann Er damit ein riesengroßes, prachtvolles Schloss zu bauen. Auf meisterhafte Weise unterteilte Er es durch Höfe und Säle, schmückte diese mit den unterschiedlichsten Juwelen aus Seiner Schatzkammer, stattete es mit den schönsten, feinsten Arbeiten der Kunst und des Handwerks aus, ordnete und gestaltete alles bis ins Einzelne nach Kenntnis der besonderen Gegebenheiten und Zusammenhänge. Nachdem Er das ganze Schloss mit wunderbaren und staunenswerten Werken der schönen Künste ausgestaltet und vollendet hatte, ließ Er darin Tische mit den verschiedensten, wohlschmeckenden Speisen aufstellen und verteilte so Seine Gnadengaben. In jeder Abteilung hatte Er für die einzelnen Gruppen einen besonderen Tisch vorbereitet. Ja, Er hatte ein öffentliches Fest mit einer derartigen Freigiebigkeit und einem solchen künstlerischen Einfallsreichtum vorbereitet und auf den Tischen viele kostbare Geschenke verteilt, als ob mit jedem von ihnen hundert erlesene Kunstwerke Gestalt angenommen hätten. Dann lud Er von allen Enden Seines Reiches die Bewohner und Untertanen zu einer Besichtigung, einem Ausflug, einem Gastmahl ein. Dann erklärte Er Seinem ehrwürdigen Botschafter den Sinn des Palastes und die Bedeutung seiner Einrichtung und ernannte ihn zu Seinem Lehrer und Sprecher darin. Er sollte den Leuten anhand der Einrichtung des Schlosses den Erbauer des Schlosses nahe bringen, die Dekorationen des Schlosses erklären und seine Allegorien auslegen, sie dessen Piktographie lehren und was die Harmonie seiner Ornamente und die Ausgewogenheit seiner Verzierungen ist, in welcher Weise sie auf die Vollkommenheit und Meisterschaft des Schlossherrn hindeuten, und die Besucher des Schlosses solcher Art unterweisen und sie über die Besucherordnung und das Zeremoniell der Besichtigung informieren, sowie ihnen entsprechend dem Wohlgefallen des Königs, der ihnen verborgen blieb, den Ablauf der Audienz schildern.

Und siehe: Es findet sich da für den Lehrer und Meister in jedem Teil des Schlosses ein Stellvertreter und Gehilfe. Er selbst aber

nimmt den höchsten Platz innerhalb seiner Schüler ein und unterrichtet alle Besucher folgendermaßen:

"Oh ihr Leute! Der König dieses Schlosses, welcher unser Herr ist, will sich euch dadurch bekannt machen, dass Er euch diese Dinge hier zeigt und dieses Schloss aufbaute. Auch ihr sollt euch darum bemühen, Ihn kennen zu lernen und Ihn richtig zu verstehen. Zudem möchte Er sich euch mit dieser Einrichtung hier liebenswert machen. Und auch ihr werdet dadurch, dass ihr Seine Kunstwerke hochschätzt und Seine Taten rühmt, verdienen, dass Er euch liebt. Und weiter hat Er euch schon durch diese Gnadengeschenke hier vor euren Augen Seine Zuneigung bewiesen. Dementsprechend sollt auch ihr Ihm durch euren Gehorsam eure Zuneigung erweisen. Und weiter hat Er euch durch diese vielen Gaben und Seine Gastfreundschaft Seine Liebe und Sein Erbarmen bewiesen. Dementsprechend sollt auch ihr Ihm durch eure Dankbarkeit eure Ehrerbietung erweisen. Und weiter möchte Er durch die Werke Seiner Vollkommenheit auf die Schönheit Seiner Namen hinweisen. Dementsprechend sollt auch ihr mit Sehnsucht danach verlangen, Ihn zu sehen und Sein Wohlwollen zu erwerben. Und weiter möchte Er euch dadurch, dass Er allen diesen Kunstwerken und Ornamenten, die ihr hier vor euch seht, welchen Er jeweils mit Seinem eigenen Stempel und Seinem persönlichen Siegel eine unfälschbare Prägung verliehen hat, zeigen, dass alles Ihm zu eigen ist und dass dies alles das Werk Seiner Hand ist, und dass Er allein der Herr ist, der Alleinige, der Einzige. Dementsprechend sollt auch ihr Ihn als den Einen, den Einzigen und Alleinigen erkennen und anerkennen - Ihn, der nicht Seinesgleichen kennt." Solche Worte sprach er und auch noch andere, wie sie ihm und seinem Amt angemessen waren. Daraufhin teilten sich die Ankommenden in zwei Gruppen auf.

Erste Gruppe:

Diese Leute, weil sie sich selber kannten, Verstand im Kopf und das Herz auf dem rechten Fleck hatten, betrachteten die staunenswerten Werke in diesem Schlosse und sagten: "In ihnen muss etwas Großes verborgen sein." Und weiter verstanden sie, dass sie nicht ohne Zweck sind, dass sie nicht einfach ein Spielzeug sind. Darum erwachte ihr Interesse. "Was mag das hier wohl bedeuten, was verbirgt sich dahinter? " sagten sie. Während sie darüber nachdachten, hatten sie plötzlich die Rede des Lehrers

und Meisters gehört und verstanden: Bei ihm liegen die Schlüssel zu allen Geheimnissen. Da gingen sie, wandten sich an ihn und sagten: "Friede sei mit dir, Meister! Ein solch prächtiges Schloss braucht wahrlich einen solchen aufrichtigen und klarsichtigen Verkünder wie dich. Ja, was unser Herr dir offenbart hat, sollst du uns lehren und erklären." Da erklärte der Botschafter ihnen die Ansprache, die er gehalten hatte. Sie hörten aufmerksam zu, nahmen auch alles an und zogen viele gute Lehren daraus.

So taten sie, was dem König wohlgefiel. Weil aber der König mit ihrem vorbildlichen Verhalten zufrieden war, lud Er sie noch in ein anderes, noch größeres, unbeschreiblich schönes Schloss ein und hieß sie darin willkommen. Dazu erwies Er ihnen alle Ehren, so wie es der Großmut eines solchen Königs geziemt und wie es solch gehorsamen Leuten entspricht und wie es sich für solche Gäste gebührt und wie es der Größe eines solchen Schlosses entspricht... Und Er schenkte ihnen ewige Glückseligkeit.

Was aber diezweite Gruppebetrifft, so waren sie in ihrer Gesinnung verdorben und hatten ihr Mitgefühl verloren. In den Fesseln ihrer Begierden hatten sie, als sie in das Schloss eintraten, für nichts anderes mehr Interesse als für die köstlichen Speisen.

Sie hatten vor all der Schönheit die Augen geschlossen und vor den Weisungen des Lehrers und den Ermahnungen seiner Schüler die Ohren verstopft. Sie schlugen sich den Bauch voll wie die Tiere und fielen in Schlaf. Sie tranken von dem Rauschtrank, der dort nicht zum Trinken, sondern für andere Zwecke bereit stand. Betrunken schrieen sie gewaltig und brachten alles durcheinander. Die Gäste und Besucher versetzten sie in große Unruhe und begingen Unverschämtheiten entgegen den Anweisungen des Schlossherrn. Da nahmen sie die Soldaten des Schlossherrn und warfen sie ins Gefängnis, wie es derart Sittenlosen gebührt.

Oh Freund, der du mit mir zusammen diese Geschichte gehört hast! Sicherlich hast du verstanden, dass dieser ruhmreiche König dieses Schloss mit der obenerwähnten Absicht erbaut hat. ie Durchführung seines Planes aber ist von zwei Dingen abhängig:

Erstens:

Es muss diesen Botschafter, den wir hier vor uns sehen und dessen Rede wir gehört haben, geben. Denn gäbe es ihn nicht, würden alle seine Pläne zunichte. Denn ein Buch, das man nicht versteht, bleibt - ohne Lehrer - nur Papier ohne Sinn.

Zweitens:

Die Menschen müssen die Worte des Botschafters annehmen und ihm gehorchen. Das heißt, das Kommen des Botschafters machte die Erbauung des Schlosses notwendig und die Menschen, welche ihm zuhören, sind die Bedingung für die Erhaltung des Schlosses. Wenn das aber so ist, kann man sagen: Gäbe es den Botschafter nicht, hätte dieser ruhmreiche König dieses Schloss nicht erbaut. Und weiter kann man sagen:

Wenn die Anweisungen des Botschafters von den Leuten nicht mehr befolgt werden, wird dieses Schloss sicherlich umgebaut und umgewandelt werden.

Oh mein Freund! Diese Geschichte ist hier zu Ende. Nachdem du gehört hast, worauf dieses Gleichnis hinweisen möchte, komm nun und betrachte die Ausdeutung seiner Bilder.

Da ist nun also das Schloss, diese Welt hier, dessen Dach der Himmel bildet, von dem die Sterne hernieder strahlen und ihn mit ihrem Lächeln erleuchten. Sein Grund und Boden aber ist das Antlitz der Erde, im Osten wie im Westen über und über mit Blumen geschmückt.

Der König aber ist der Herr der Heiligkeit, der Sultan von Ewigkeit zu Ewigkeit, den die Sieben Himmel und die Erde und alles, was zwischen ihnen ist, jede in der ihnen eigenen Sprache lobpreisen. Und weiter ist Er der allmächtige König, der die Himmel und die Erde in sechs Tagen erschaffen hat. Vom Throne Seiner Herrschaft lässt Er den Tag und die Nacht gleich einem schwarzen und einem weißen Faden einander folgen, schreibt Seine Wunder und Zeichen auf die Seiten des Alls und Er ist der Herr, der sich in Seiner Allmacht und Majestät die Sonne, den Mond und die Sterne dienstbar gemacht hat. Die Säle des Schlosses aber sind die achtzehn tausend Welten, die Er jede für sich auf ihre Art geschmückt und gestaltet hat.

Die einzigartigen Kunstwerke aber, die wir in dem Schloss gesehen haben, sind die Wunderwerke der Allmacht des Allwissenden, so wie wir sie in dieser Welt sehen können, und das Gastmahl, das uns in dem Schloss erwartet hat, ist ein Zeichen für die wunderbaren Früchte der göttlichen Allmacht, wie wir sie in dieser Welt besonders zur Sommerzeit und besonders in den Gärten von Barla vorfinden.

Die Schlossküche aber und der Herd darin, das ist unsere Erde und das Feuer in ihrem Inneren. Die verborgenen Reichtümer und Juwelen aber, die wir in unserem Gleichnis gesehen haben, sind ein Beispiel in Übereinstimmung mit den Manifestationen der Heiligen Namen Gottes.

Die Ornamente und Allegorien, die wir gesehen haben, aber sind die Kunstwerke, mit denen unsere Welt wohlausgewogen geschmückt ist und das harmonische Design aus der Feder der Allmacht, das auf die Namen des Allmächtigen in Seiner Glorie hinweist.

Der Botschafter ist aber unser Herr Mohammed, mit dem Friede und Segen sei. Was aber seine Helfer betrifft, so sind es die Propheten, mit denen der Friede sei, und ihre Schüler die Heiligen und die Gelehrten.

Des Weiteren sind die Diener des Herrschers in dieser Welt ein Beispiel für die Engel, mit denen der Friede sei. Die Besucher und die geladenen Gäste aber in unserem Gleichnis sind ein Beispiel für die Dschinnen und die Menschen und die Tiere, welche im Gasthaus dieser Welt die Diener des Menschen sind.

Was aber die beiden Gruppen betrifft, so ist die eine die der Gläubigen, der Schüler des Weisen Qur'an, der die Wunderzeichen des Buches der Schöpfung kommentiert. Die andere Gruppe ist die der Ungläubigen und der Aufsässigen, die nur dieses irdische Leben kennen und ihren Begierden und dem Teufel folgen. Den Tieren gleich, ja vielleicht noch niederer als sie, sind sie, stumm und taub, die Gruppe derer, die in die Irre gehen.

Die erste Schar bilden die Frommen und diejenigen, die Gottes Wohlgefallen erlangt haben. Sie haben auf den Botschafter gehört, dessen Wirkungsbereich zweiseitig ist. Dieser Botschafter ist zugleich auch Diener und Verehrer Gottes. Als Sein Diener und Verehrer stellt er seinen Herrn vor, beschreibt und erklärt Ihn in Seinen Attributen, damit er seiner Gemeinde an der Schwelle Gottes des Gerechten zugleich auch dessen Anwalt sei. Andererseits ist er auch der Botschafter, der den Menschen und Dschinnen als ein Gesandter die Gesetze seines Herrn, den Qur'an verkündet.

Diese glückliche Gemeinde hat ihren Botschafter angehört Sie haben

ihr Ohr der Verkündigung des Qur'an geöffnet. Sie haben verstanden, dass sie nun durch das Gebet, welches alle Arten der Anbetung umfasst, mit der vornehmsten Aufgabe innerhalb vieler hoher Verpflichtungen bekleidet worden sind. In der Tat haben sie die Aufgaben und Verpflichtungen, auf die das Gebet durch seine verschiedenen Worte und Handlungen hinweist, genau verstanden. Es sind die folgenden:

Erstens:

Sie haben Seine Werke gesehen und die Herrschaft des verborgenen Königs in Seinen Großtaten erschaut. Sie haben darin ihren Auftrag als Betrachter Seiner Schönheit verstanden und in ihrer Berufung "Allah-u Ekber" gesagt, um Seine Größe anzuerkennen und zu preisen.

Zweitens:

Sie haben die Schönheiten und den Glanz Seiner Werke gesehen, welche die Manifestationen der heiligen Namen Gottes sind, und ihren Auftrag als deren Verkündiger erkannt. Sie haben "Subhanallahi velhamdulillah " gesagt und so ihrer Berufung zur Heiligung und anksagung entsprochen.

Drittens:

Sie haben die Gnadengaben Gottes, die in den Schatzkammern der göttlichen Barmherzigkeit gespeichert sind, mit allen inneren und äußeren Sinnen verkostet. So erkannten sie ihren Auftrag und folgten sogleich ihrer Berufung zu Danksagung und Lobpreisung.

Viertens:

Sie haben die Juwelen in den Schatzkammern der göttlichen Namen abzuwägen und ihren Auftrag verstanden. Sie folgten sogleich ihrer Berufung, Ihn in Seiner Reinheit und Heiligkeit zu rühmen.

Fünftens:

Sie haben die Urkunden ihres Herrn gelesen, welche Er auf den Zeilen Seiner Vorausplanung mit der Feder Seiner unendlichen Macht geschrieben hat. Aus diesem Auftrag erwuchs ihnen ihre Berufung, darüber nachzusinnen und dem Herrn ihre Bewunderung entgegenzubringen.

Sechstens:

Sie haben in der Erschaffung der Dinge beobachtet, wie diese so fein und schön gefertigt und wie künstlerisch sie gestaltet worden sind. Mit diesem Auftrag, den Namen Gottes zu heiligen, haben sie ihre Berufung auf sich genommen, den Schöpfer in Seiner Majestät und Meister in Seiner Vollkommenheit zu lieben und in Sehnsucht nach Ihm zu verlangen.

Mit anderen Worten: Sie haben die Schöpfung mit all ihren

Kunstwerken betrachtet; und nachdem sie die obenerwähnten Aufgaben als Diener und Anbeter des Verborgenen erfüllt hatten und ihrer obigen Berufung gefolgt waren, stiegen sie zu einer Stufe auf, von wo sie auch die Handlungen und Taten des Allweisen Baumeisters beobachten konnten. Sie sagten ihrerseits voll Staunen und in der Erkenntnis des Glorreichen Schöpfers, der sich seinen bewusstseinstragenden Wesen Seinerseits in den Wunderwerken Seiner Kunst zu erkennen gegeben hatte, indem sie Ihn in Seiner Gegenwart zunächst folgendermaßen ansprachen:

سُبْحَانَكَ مَا عَرَفْنَاكَ حَقَّ مَعْرِفَتِكَ

{"Gepriesen seist Du! Nicht konnten wir Dich erkennen, wie Du mit Recht erkannt werden solltest!"}

"Das, was Dich erkennen lässt, sind die Wunderwerke all überall in Deiner Schöpfung". Danach haben sie Ihm, der sie mit den schönsten Früchten Seiner Barmherzigkeit dazu geführt hatte, Ihn zu lieben, in aller Liebe und Verehrung entgegnet:

اِيّاكَ نَعْبُدُ وَاِيّاكَ نَسْتَعِينُ

{"Dich allein beten wir an und nur von Dir erbitten wir Hilfe".}

Danach haben sie ihrem wahrhaftigen Geber, der ihnen mit Seinen köstlichen Gaben Güte und Erbarmen erwiesen hatte, mit Dank und Lobpreis entgegnet und gesagt:

سُبْحَانَكَ وَبِحَمْدِكَ

{"Gepriesen seist Du und hochgelobt."}

"Wie können wir Dir würdig und recht unseren Dank erweisen. Du bist es, der unseres Dankes in einer solchen Weise würdig ist, dass alle Deine Gnadengeschenke all überall in der Welt mit ihrem Dasein ganz offensichtlich ihren Dank und Lobpreis zum Ausdruck bringen. Des Weiteren machen alle Deine Gnadengaben, so wie sie auf dem Markt dieser Welt aufgereiht und über das Antlitz der Erde verbreitet sind weithin ihren Dank und Lobpreis bekannt. Zudem bezeugen alle die aufs Beste dargestellten Früchte Deiner Barmherzigkeit und Deine aufs Schönste angeordneten Gnadenwerke Deine Freigiebigkeit und Gastfreundschaft und statten so vor den Augen Deiner Schöpfung ihren Dank ab."

Danach haben sie Ihm, der Seine Schönheit, Majestät, Vollkommenheit und Größe im Spiegel der über das Antlitz der Erde wandernden Existenzen aufscheinen lässt,

اَللَّهُ اَكْبَرُ

{"Gott ist groß!"}

entgegnet, sich in ihrer Schwäche voll Hochachtung verneigt und sich in Liebe und Verehrung vor Ihm niedergeworfen. Danach haben sie Ihm, der in Seinem vollkommenen Reichtum die Fülle Seines Vermögens und die Weite Seiner Barmherzigkeit geoffenbart hat,

وَاِيَّاكَ نَسْتَعِينُ

{"Und nur von Dir erbitten wir Hilfe."}

entgegnet, ihre Armut und Bedürftigkeit vor Ihm offengelegt und so ihre Wünsche und Gebete dargebracht.

Danach haben sie Ihm, dem glorreichen Schöpfer, der Seine köstlichen, wunderbaren, fein und schön gefertigten Kunstwerke an den öffentlichen Ständen Seiner Ausstellung ausgebreitet hat, mit den Worten

مَاشَاءَ اللَّهُ

{"Es ist so, wie es Allah wollte!"}

entgegnet. So würdigten sie Ihn und Seine Werke und sagten voll Bewunderung: "Wie schön sind sie gemacht!".

Sie betrachteten sie und wurden zu Zeugen und sagten:

بَارَكَ اللَّهُ

{"Du hast sie gesegnet, Oh Gott und gesegnet seist Du!"}

und legten Zeugnis ab mit den Worten:

اَمَنَّا

{"Wir glauben!".}

"Kommt und seht!" sagten sie und riefen alle voller Freude zur Zeugenschaft auf:

حَىَّ عَلَى الْفَلاَحْ

{"Kommt zu eurem Heil!"}

Zudem haben sie Ihm, dem König von Ewigkeit zu Ewigkeit, der die Herrschaft Seines Königreiches überall im ganzen Kosmos bekannt gemacht und Seine Einheit geoffenbart hat, Gehorsam und Ergebung entgegen gebracht, Ihn in Seiner Einheit bestätigt. Sie sagen:

سَمِعْنَا وَ اَطَعْنَا

{"Wir hören und gehorchen!" (Sure 2, 285)}

Danach haben sie Ihm, dem Herrn der Welten, der Seine Göttlichkeit aufscheinen lässt, mit ihrer Anbetung, die darin besteht, dass sie ihre Hilflosigkeit in ihrer Schwäche und ihre Armseligkeit in ihrer Bedürftigkeit zum Ausdruck bringen, und mit dem Ihm schuldigen Gebet, das eine Zusammenfassung des Dienstes und der Anbetung ist, entgegnet. Auch haben sie in dieser großen Moschee, als die wir unsere irdische Behausung bezeichnen, noch dergleichen andere Aufgaben der Anbetung verrichtet, die sie ganz und gar erfassen und welche die Verpflichtung ihres Lebens und Aufgabe ihres Daseins darstellen und so jene Gestalt erlangt, die in der Schöpfung den höchsten Rang und Wert einnimmt. Sie sind zu einer Stufe über allen Geschöpfen aufgestiegen, wodurch sie das Amt eines vertrauten Kalifen der Erde erlangten, ausgerüstet mit Glaubensstärke, Vertrauen und Sicherheit. Nach diesem Ort der Bewährung, diesem Prüfstand hat ihnen ihr freigiebiger Herr den Sold der ewigen Glückseligkeit für ihren Glauben verliehen und sie als Lohn für ihre Ergebenheit in das Haus des Friedens eingeladen. Dort hat Er sie dann in Seiner Barmherzigkeit so reichlich beschenkt, wie es noch kein Auge gesehen und wovon noch kein Ohr gehört hat und was noch in keines Menschenherz gedrungen ist. Er hat ihnen Ewigkeit und Unsterblichkeit gegeben. Denn der Betrachter einer ewigen und unsterblichen Schönheit, nach der er sich sehnt und in der er sich spiegelt, wird mit Sicherheit ewig bestehen bleiben und in die Unsterblichkeit eingehen. Das also ist der erwartete Anteil der Jünger des Qur'an. Gott der Gerechte möge uns ihnen zuzählen. Amen!...

Aber, was die andere Gruppe betrifft, die das Böse tut und öffentlich Sünde begeht, so hat sie, als sie mit ihrem Heranreifen in dieses Weltschloss eintrat, allen Beweismitteln für die Allgegenwart des Einen Unglaube entgegengebracht und allen Gnadengeschenken Gottes Undankbarkeit entgegengebracht und indem sie alles Sein verleumderisch als wertlos betrachtet, hat sie es geringgeschätzt und allen Manifestationen der Gottesnamen Zurückweisung entgegengebracht und Gott verleugnet. So hat sie in

einer kurzen Zeit ein unendliches Verbrechen begangen und eine unendliche Strafe verdient. Dementgegen aber wurden dem Menschen das Lebenskapital, die menschlichen Organe und Funktionen für die oben beschriebenen sechs Aufgaben übertragen.

Oh meine verblendete Seele und mein leidenschaftlicher Freund! Glaubt ihr etwa, dass die Aufgabe eures Lebens darin bestünde, dem Beispiel der heutigen sogenannten Zivilisation folgend, nur der Deckung des eigenen Bedarfs zu leben und - mit Verlaub zu sagen - nur darauf beschränkt ist, dem Bauch und der Begierde zu dienen. Oder glaubt ihr, dass diese Sinne und Empfindungen, welche die Triebkraft eures Lebens sind, dem Antrieb einer Maschine vergleichbar, und diese empfindlichen Organe und Werkzeuge, diese so harmonisch aufeinander abgestimmten Anlagen und Fähigkeiten, sowie die Fähigkeit zu kritischem Denken und Betrachten einzig dem Zweck dienen, sie in diesem vergänglichen Leben für die Befriedigung primitiver Begierden und niederer Gelüste zu verwenden? Nein, Gott bewahre! Vielmehr gibt es zwei Gründe dafür, dass all diese Dinge für euer Dasein erschaffen wurden und wesensgemäß in euch angelegt worden sind und ihr Zweck ist der folgende:

Zum Ersten:

Gott, der wahre Geber möchte, dass alle Arten Seiner guten Gaben in Dankbarkeit wahrgenommen werden. Auch ihr sollt euch dieser bewusst werden und Ihm dafür dankbar sein, Ihn anbeten und Ihm dienen.

Zum Zweiten

möchte Er euch auch alle Erscheinungen der heiligen Namen Gottes, von denen ein Großteil in der Welt erschienen ist, mit Hilfe der oben angeführten Qualitäten nach und nach verstehen lassen und euch zu erfahren, ja gleichsam zu kosten geben. Auch ihr sollt in diesem Kosten und Erfahren Ihn erkennen und zum Glauben an Ihn gelangen.

Demgemäß kann sich die menschliche Vollkommenheit aus diesen beiden Wurzeln heraus entfalten und so wird der Mensch zum Menschen.

Seine Qualitäten wurden ihm nicht gegeben, ein Leben zu gewinnen, das dem gleicht, wie ein Tier sein Leben lebt. Betrachten wir diese tiefe Weisheit in folgendem Gleichnis:

Es habe zum Beispiel ein Herr seinem Diener zwanzig Goldstücke

gegeben, damit er sich von einem bestimmten Stoffe einen Anzug kaufen solle. Dieser Diener ging und kaufte einen wunderbaren Anzug vom besten Stoff und bekleidete sich damit.

Nun sehen wir im nächsten Bild: Es habe dieser Herr einem anderen Diener tausend Goldstücke gegeben, ihm auf einem Stück Papier einige Dinge aufgeschrieben, ihm in seine Tasche gesteckt und ihn damit zu einem Handel gesandt. Nun wird jeder, der Verstand im Kopf hat, wissen, dass dieses Kapital nicht dazu da ist, einen Anzug zu kaufen. Denn der erste Diener hatte mit den zwanzig Goldstücken einen Anzug von bestem Stoff gekauft. So sollten diese tausend Goldstücke sicherlich nicht für einen Anzug ausgegeben werden. Wenn aber nun dieser zweite Diener den Zettel in seiner Tasche nicht lesen würde, sondern dem ersten Diener folgend das ganze Geld einem Kaufmann für einen Anzug gäbe, dafür aber den schäbigsten Anzug erhielte, der noch dazu fünfzigmal schlechter wäre als der Anzug seines Kollegen, so würde dieser Diener sicherlich für die grenzenlose Dummheit, die er begangen hätte, mit aller Strenge zur Rechenschaft gezogen und schwer bestraft werden.

Oh meine Seele und du mein Freund! Sammelt euren Verstand! Verausgabt nicht euer Lebenskapital und die Talente eures Lebens wie ein Tier, ja in einem Grade, der noch weit unter dem eines Tieres liegt, nur für dieses vergängliche Leben und seine irdischen Genüsse. Anderenfalls werdet ihr, obwohl doch euer Leben von seiner Qualität her fünfzigmal über dem höchstentwickeltsten Tier steht, noch fünfzigmal tiefer als das niederste unter ihnen fallen.

Oh meine sorglose Seele! Wenn du auch nur in geringem Maße das Ziel deines Lebens erkennen, sein Wesen erfassen, seine Gestalt begreifen, seine tiefe Wahrheit erschauen, seine vollkommene Glückseligkeit erfahren möchtest, so siehe: Alle Ziele deines Lebens liegen in den folgenden neun Anweisungen beschlossen.

Erstens:

mit der Waage der in deinem Körper angelegten Sinne die Gnadengaben, die in den Schatzkammern der Barmherzigkeit Gottes aufbewahrt sind, zu wägen und für sie alle deine Dankbarkeit zu erweisen.

Zweitens:

mit den Schlüsseln der in dir wesensgemäß angelegten

Qualitäten die verborgenen Schatzkammern der heiligen Namen Gottes zu öffnen und den Herrn der Heiligkeit durch diese Namen zu erkennen.

Drittens:

die einzigartigen Kunstwerke und feinsinnigen Manifestationen der Namen Gottes in den Ausstellungen dieser Welt vor den Augen der Geschöpfe bewusst in deinem Leben darzulegen und vorzustellen.

Viertens:

an der Schwelle zur Herrschaft deines Schöpfers deinen Dienst und deine Anbetung mit Wort und Tat und in deiner ganzen Haltung zum Ausdruck zu bringen.

Fünftens:

Wie ein Soldat die verschiedenen Orden, die ihm sein König verliehen hat, an offiziellen Tagen anlegt und so die Auszeichnungen seiner Huld dadurch zeigt, dass er mit ihnen vor den Augen seiner Majestät erscheint, sollst auch du dich bewusst mit deinen menschlichen Qualitäten, die die Manifestationen der Gottesnamen dir verliehen haben, schmücken und so vor den Augen des Ewigen Zeugen erscheinen, vor Ihm, der alles bezeugt und sie alle zu Zeugen aufruft.

Sechstens:

Alles, was Leben in sich enthält, bringt seinem Schöpfer seine Früchte, die eine Erscheinungsform des Lebens sind, als lebendige Geschenke dar, lobpreist in diesen Zeichen des Lebens seinen Meister in der Erscheinung seines Lebens, möchte mit diesen Produkten und Resultaten dem Spender des Lebens dienen und Ihn anbeten. Dies alles sollst du im Bewusstsein betrachten, im Schauen darüber nachdenken und im Vorstellen bezeugen.

Siebtens:

Dein eigenes Wissen, deine Fähigkeiten, deinen Willen und dergleichen kleine Abbildungen der Attribute und Eigenschaften Gottes, die dir für dein Leben gegeben worden sind, als Maßeinheit anzunehmen, und die absoluten Eigenschaften und Heiligen Attribute des Glorreichen Schöpfers mit Hilfe dieser Maßstäbe zu erkennen. Wenn du zum Beispiel mit deiner eigenen Kraft und deinem eigenen Wissen und mit deinem eigenen Willen dieses Haus wohlgeordnet gebaut hast, sollst du in dem Vergleich zwischen dem Weltenschloss zu deinem eigenen Häuschen den Baumeister dieser Welt anhand dieses Verhältnisses als den Allmächtigen, Allweisen, Allwissenden, Lenker und Leiter erkennen.

Achtens:

Ihrem jeweils eigenen Ausdruck entsprechend die Bedeutung der Worte der Existenzen in dieser Welt über die Allgegenwart eines einzigen Schöpfers und Seine Königsherrschaft zu verstehen.

Neuntens:

Mit deiner Hilflosigkeit und Schwäche, deiner Armseligkeit und Bedürftigkeit als Maßstab die verschiedenen Abstufungen in den Manifestationen der göttlichen Macht und des Reichtums deines Herrn zu begreifen. Wie man zum Beispiel je nach der Stärke des Hungers und je nach der Verschiedenheit der Bedürfnisse den Geschmack des Essens in seinen verschiedenen Arten und Abstufungen zu unterscheiden versteht, genauso sollst auch du in deiner grenzenlosen Schwäche und Armseligkeit, die grenzenlose Macht und den Reichtum Gottes in seinen verschiedenen Abstufungen erkennen und verstehen.

Dieses also und noch andere ähnliche Anweisungen sind kurz gefasst die Ziele deines Lebens.

Betrachte nun das Wesen deines eigenen Lebens, dessen einzelne Blickpunkte sich folgendermaßen aufzählen lassen:

Es ist eine Liste einzigartiger Werke, hervorgebracht durch die Manifestationen Gottes... und weiter ist es die Elle, an der die Attribute und Taten Gottes gemessen werden können... und weiter ist es eine Waage aller Welten... und weiter ist es ein Inhaltsverzeichnis dieser unserer Welt... und weiter ist es eine Landkarte des Kosmos... und weiter ist es ein Auszug aus dem Großen Buch... und weiter ist es ein Schlüsselbund, der alle verborgenen Schatzkammern der Macht öffnet... und weiter ist es eine vollkommene Symphonie, deren Harmonien über die ganze Schöpfung verteilt und mit allen Zeiten verknüpft ist. Dergleichen sind die Blickpunkte in dem Wesen deines Lebens.

Es ist also nun der Gestaltung deines Lebens und der Art deiner Aufgabe entsprechend das Leben gleich einem Wort der Schrift. Es gleicht einem mit der Feder der Macht geschriebenen Wort der Weisheit. Sichtbar gemacht und hörbar geworden ist es ein Beweis für Gottes Schönste Namen. Auf diese Weise ist also die Gestaltung deines Lebens ein Auftrag und eine Entsprechung zu dem oben gesagten.

Es verhält sich nun aber mit dem Geheimnis deines Lebens so: Es gleicht einem Spiegel der Erscheinungen der Einheit und der

Einzigartigkeit Gottes. Das heißt, es gleicht einem Spiegel des einen und einzigartigen Herrn in dessen Brennpunkt Seine Namen, wie sie sich in der ganzen Welt zeigen, vollständig in Erscheinung treten.

Was aber nun das vollkommene Glück in deinem Leben betrifft, so besteht es darin, die ganze Lichtfülle der Urewigen Sonne mit dem Spiegel deines Lebens einzufangen, in dich aufzunehmen und zu lieben, in diesem Bewusstsein deine Sehnsucht nach Ihm zum Ausdruck zu bringen, dich in dieser Liebe zu Ihm zu verlieren und dem Widerschein dieses Lichtes in der Tiefe deines Herzens eine Heimstatt zu bereiten. In diesem Sinne führt dich ein Ehrwürdiges außerqur'anisches Wort Gottes zu höchsten Höhen.

Es lautet (persisch) kurz

مَنْ نَه كُنْجَمْ دَرْ سَموَات ُو زَمِين اَزْ عَجَبْ كُنْجَمْ بَقَلْبِ مُؤْمِنِين

{"Ich habe für mich weder in den Himmeln noch auf der Erde einen Platz gefunden; doch habe ich meinen Platz gefunden im Herzen meines Gläubigen."}

Oh meine Seele! Da also Dein Leben auf solche erhabene Ziele gerichtet ist und solche wertvollen Schätze in sich enthält, ist es dann etwa sinnvoll und einsichtig, wenn du es für vergängliche, egoistische Vergnügungen und für vorübergehende irdische Genüsse ausgibst und es so verlierst? Wenn du es nicht verlieren möchtest, so überdenke die in dem vorigen Gleichnis aufgezeigten Wahrheiten und den Schwur zu Anfang der folgenden Sure, der das beschwörende Gegenstück dazu ist und handle danach.

وَالشَّمْسِ وَضُحَيهَا وَالْقَمَرِ اِذَا تَلَيهَا وَالنَّهَارِ اِذَا جَلَّيهَا وَ الَّيْلِ اِذَا يَغْشَيهَا وَ السَّمَآءِ وَمَا بَنَيهَا وَ اْلاَرْضِ وَمَا طَحَيهَا وَ نَفْسٍ وَمَا سَوَّيهَا فَاَلْهَمَهَافُجُورَهَا وَتَقْوَيهَا قَدْاَفْلَحَمَنْزَكَّيهَ وَقَدْخَابَمَنْدَسَّيهَا

{"Bei der Sonne und ihrem Strahlenglanz und bei dem Mond, welcher ihr folgt, und bei dem Tage, wenn er sie in ihrer Pracht zeigt, und bei der Nacht, die sie bedeckt, und bei dem Himmel und dem, welcher ihn baute, und bei der Erde und dem, welcher sie ausbreitete, bei der Seele und dem, welcher sie bildete und ihr die Neigung zu Schlechtigkeit und Geradheit eingegeben hat, wohl dem, der sie läutert; Elend aber der, welcher sie unter Sünden begräbt!" (Sure 91, 1-10)}

اَللّهُمَّ صَلِّ وَ سَلِّمْ عَلَى شَمْسِ سَمَآءِ الرِّسَالَةِ وَ قَمَرِ بُرْجِ النُّبُوَّةِ وَ عَلَى اَلِهِ وَ اَصْحَابِهِ نُجُومِ الْهِدَايَةِ وَ ارْحَمْنَا وَ ارْحَمِ الْمُؤْمِنِينَ وَ الْمُؤْمِنَاتِ اَمِينَ اَمِينَ اَمِينَ

{"Oh Gott gieße Deinen Frieden und Segen aus über der Sonne am Himmel Deiner Botschaften und dem Mond im Sternenkreis der Propheten und über seine Familie und seine Jünger, welche die Sterne der Rechtleitung sind. Erbarme Dich unser und erbarme Dich aller gläubigen Männer und Frauen. Amin! Amin! Amin!"}

Sechzehntes Wort

بِسْمِ اللَّهِ الرَّحْمَنِ الرَّحِيمِ

اِنَّمَآ اَمْرُهُ اِذَآ اَرَادَ شَيْئًا اَنْ يَقُولَ لَهُ كُنْ فَيَكُونُ فَسُبْحَانَ الَّذِى بِيَدِهِ مَلَكُوتُ كُلِّ شَيْءٍ وَاِلَيْهِ تُرْجَعُونَ

{"Im Namen Allahs, des Erbarmers, des Barmherzigen; Sein Befehl ist nur, wenn Er ein Ding will, dass Er zu ihm spricht: Sei! und es ist. Und Preis dem, in dessen Hand die Herrschaft über alle Dinge ist und zu dem ihr dereinst zurückkehren werdet." (Sure 36, 82-83)}

Geschrieben, um meiner Seele Quelle des Glaubens zu sein, wurden hier vier Lichtstrahlen dieser Ayah aufgezeigt, um die Finsternis zu zerstreuen und meiner blinden Seele zur Einsicht zu verhelfen.

Erster Strahl:

Oh du meine einfältige Seele! Du sagst: "Die Einheit in der Gestalt Gottes im Zusammenhang mit Seiner allumfassenden Wirksamkeit; Seine persönliche Einheit im Zusammenhang mit der Ganzheit Seiner Herrschaft; die Einheitlichkeit in Seiner Autorität im Zusammenhang mit Seiner ungeteilten Verfügungsgewalt, die keinen Teilhaber kennt; Seine Unabhängigkeit vom Raum verbunden mit Seiner Gegenwart an jedem Ort; Seine unendliche Erhabenheit über allen Dingen verbunden mit Seiner Nähe zu ihnen; Seine Einzigkeit im Zusammenhang mit allen Dingen, die Er in Seiner Hand hält; sind Wahrheiten, die sich im Qur'an finden. Der Qur'an ist aber vernunftgemäß. Da er aber vernunftgemäß ist, lädt er dem Verstand nicht Dinge auf, die der Verstand nicht annehmen kann. Der Verstand jedoch sieht hier einen offensichtlichen Widerspruch. Ich möchte eine Erklärung, der sich der Verstand zu unterwerfen vermag."

Antwort:

Da dies nun einmal so ist, wollen auch wir, wenn du das um der Stärkung deines Glaubens willen wünschst, gestützt auf den Segen des Qur'an, sagen: Der Name "Nur(Licht)" hat

viele unserer Schwierigkeiten aufgelöst. Er wird mit Gottes Hilfe auch diese lösen. Wir wollen dazu den Weg eines Gleichnisses wählen, um dem Verstand Klarheit und dem Herzen Erleuchtung zu bringen, und sagen so, gleich wie Imam Rabbani (Gottes Wohlgefallen sei mit ihm):

نَه شَبَمْ نَه شَ َرَسْتَمْ مَنْ

غُلاَمِ شَمْسَمْ اَزْ شَمْسِ مِى ُويَمْ خَبَرْ

{"Ich bin weder die Nacht, noch liebe ich die Nacht. Ich bin ein Verehrer der Sonne und bringe von der Sonne Kunde." (Orig. pers.)}

Da ein Gleichnis der klarste Spiegel für das Wunder des Qur'an ist, wollen auch wir dieses Geheimnis in einem Gleichnis betrachten. Es ist dies wie folgt:

Ein einzelnes Wesen oder Objekt erhält durch Reflexion eine Beziehung zu der Gesamtheit seiner Gegenobjekte. Obwohl es nur ein einzelnes konkretes Objekt ist, beherrscht es dennoch, einem Oberbegriff vergleichbar, alle anderen Objekte. Zum Beispiel: Obwohl die Sonne ein konkretes Objekt ist, nimmt sie dennoch auf alle reflektierenden Gegenstände einen solchen allgemeinen Einfluss, dass sie mit all ihren Erscheinungsweisen und Spiegelungen das Antlitz der Erde erfüllt. Ja die Erscheinungsformen sind so zahlreich wie die Tröpfchen und glänzenden Stäubchen. Dabei umfassen die Hitze, das Licht der Sonne und die sieben Farben, die in ihren Strahlen enthalten sind, ein jedes Ding, umgeben und umhüllen es und gleichzeitig nimmt jedes durchscheinende Ding mit dem Bild der Sonne auch deren Wärme, ihr Licht und ihre siebenfarbigen Strahlen in sich auf und hütet sie gleich einem Augapfel. In seinem klaren Herzen bereitet es ihr einen Thron. Das heißt, so wie die Sonne mit ihrer Gegenwart alle die Dinge umfasst, denen sie begegnet, so findet sich auch in jedem Ding mit all den vielen Eigenschaften der Sonne durch ihre wesensgemäße Einheit gewissermaßen eine Erscheinung ihrer selbst. So sind wir denn über das Gleichnis von den Reflexionen zu deren Thematik vorgedrungen und wollen nun unter den vielen Arten

der Reflexion auf jene drei Arten hinweisen, welche die Quelle zu diesen Beispielen sind.

Erstens:

Es sind Reflexionen der opaken, nicht glänzenden materiellen Dinge. Ihr Spiegelbild ist sowohl von ihnen verschieden, also nicht das Original, als auch leblos und tot. Es besitzt außer seiner eigenen Bildidentität keine originäre Eigenschaft. Wenn du{Bediüzzaman spricht zu seinem Ich. (A.d.Ü.)} zum Beispiel in ein Spiegelkabinett hineingehst, werden aus einem Said tausende Said. Doch du allein bist wirklich und richtig lebendig. Alle anderen sind es nicht wirklich und richtig. Die Eigenschaften alles Lebendigen sind in ihnen nicht.

Zweitens:

Es sind die Reflexionen der lichtausstrahlenden materiellen Dinge. Ihr Spiegelbild ist nicht das Original selbst, in seiner Art jedoch auch nicht von ihm unterschieden. Es umfasst nicht das Wesen, besitzt jedoch die meisten Eigenschaften der Lichter. Es wird wie diese zum wirklichen Dasein hinzugezählt. Zum Beispiel: Die Sonne scheint auf die Erde. Sie zeigt in jedem Spiegel ihr Bild. In jedem Spiegel finden sich das Licht und die sieben Farben ihrer Strahlen, wie sie für die Sonne typisch sind. Nehmen wir einmal den unmöglichen Fall an, dass die Sonne ein bewusstseintragendes Wesen wäre. Ihre Wärme wäre ihre Macht, ihr Licht wäre ihr Wissen und die sieben Farben ihre sieben Sinne. Diese eine und einzigartige Sonne findet sich in gleicher Zeit in jedem Spiegel wieder und könnte jeden Einzelnen zu ihrem Thron oder zu einer Art von Telefon machen. Es gäbe dann zwischen ihnen keine Störungen. Die Sonne könnte sich mit jedem von uns durch einen solchen Spiegel unterhalten. Während wir von ihr weit entfernt sind, würde sie zu uns kommen, näher als wir zu uns selbst kommen.

Drittens:

Es sind die Widerspieglungen der lichtvollen Geister. Ihr Spiegelbild ist zugleich auch ihr Ebenbild und hat überdies auch ein eigenes Dasein. Da ihre Erscheinung aber von der Beschaffenheit der Spiegel abhängig ist, stimmt sie mit dem Wesen, das der Natur ihres Geistes zu Grunde liegt, nicht ganz überein. Zum Beispiel: Als der Erzengel Gabriel, mit dem der Friede sei, in der Gestalt von Dihye(= Name eines Jüngers des Propheten Mohammed) vor unserem Propheten stand, warf er sich gleichzeitig auch vor der Gegenwart Gottes am gewaltigen Thron mit seinen prächtigen Flügeln nieder. Überdies befand er sich währenddessen auch

an zahllosen anderen Orten und verkündete die Gebote Gottes. Die eine Aufgabe behindert eine andere Aufgabe nicht. Es ist also aufgrund dieses Geheimnisses, dass der Ehrenwerte Prophet, mit dem Friede und Segen sei, der in seinem Wesen und der Ausstrahlung seiner Persönlichkeit nach Licht ist, alle die Segensgebete seiner Gemeinden in der ganzen Welt zu gleicher Zeit hören kann und bei der Auferstehung allen Heiligen im selben Augenblick begegnen wird. Dabei wird es keine Interferenzen geben.

Es gibt unter den Heiligen sogar eine Gruppe, die man "ebdal(Ausgetauschte)" nennt und deren Ausstrahlung sich so machtvoll zu entfalten vermag, dass man sie gleichzeitig an mehreren Orten wahrnehmen kann. Man sagt, dass dabei dieselbe Person ganz verschiedene Dienste versieht. So wie in der Tat ein Körper aus Glas, Wasser oder ähnlicher Materie zum Spiegel wird, genauso werden für die Geistwesen auch die Luft, der Äther und manche Gestalten der Traumwelt zu einem Empfangsspiegel und damit zu einem blitz- und gedankenschnellen Land- und Seefahrzeug. Diese Geistwesen bewegen sich mit Gedankengeschwindigkeit in einen solchen klaren Spiegel hinein, verkörpern sich darin, nehmen Wohnung in diesem Körper, bewegen sich mit dieser ihrer feinstofflichen Wohnung. Sie können sich auch an tausenden von Orten gleichzeitig einfinden.

Es können also Geschöpfe, die in ihrem Dienst derart abhängig und in ihren Fähigkeiten so begrenzt sind wie die Sonne, und Wesen, die von materiellen Bedingungen abhängig sind und deren Licht nur geborgt ist, während sie in ihrer Lichtnatur an dem einen Ort lokalisiert sind, sich an sehr vielen anderen Orten einfinden. Sie sind zwar ein abhängiger Bestandteil der Schöpfung, können aber einen vollkommenen Einfluss auf eine Ganzheit ausüben. Zu gleicher Zeit können sie mit ihrem kleinen Anteil Entscheidungsfreiheit sehr viele Aufgaben erfüllen.

Ja, welches Ding vermöchte sich wohl der Zuwendung des Einen, in dessen Eigenschaften ein alles beherrschender Wille, vollkommene Macht und ein alles umfassendes Wissen aufscheinen und sich in Seinem Wirken offenbaren, dem Hochheiligen, der unabhängig ist von der Materie und erhaben über sie, der frei und ledig ist aller Fesseln der Begrenzung und der Undurchdringlichkeit

der Finsternis, für den alle diese Lichter, die leuchtenden Dinge und erleuchteten Wesen nur einen dichten Schatten vor dem Lichtglanz Seiner heiligen Namen bilden, für den das ganze Sein und alles Leben, die Welt der Geister und die Welt der Träume nur ein zur Hälfte blinder Spiegel Seiner Herrlichkeit ist, dessen Eigenschaften allumfassend und dessen Wirken alldurchdringend ist, zu entziehen, welches Werk Ihm schwer werden, welches Ding sich vor Ihm verstecken, welche Einzelheit fern von Ihm bleiben, welcher Mensch sich Ihm nähern, ohne dabei ein Ganzes zu werden?

So ist dir denn die Sonne in der Tat durch ihr unbegrenztes Licht nahe, ja dir durch ihr immaterielles Spiegelbild näher verbunden als dein Augapfel, während du in deiner Begrenztheit weit von ihr entfernt bist. Um sich ihr zu nähern, musst du dich von vielen Bindungen lösen und noch viele Stufen zu deiner Ganzwerdung übersteigen. Du musst gleichsam innerlich zur Größe der Erde heranwachsen, dich bis zum Mond erheben. Erst dann kannst du der Sonne unmittelbar gegenübertreten, dich ihr im Grade ihrer ureigenen Stufe nähern und ihr ohne Schleier begegnen. Genauso ist dir auch der Schöne, der Glorreiche, der Herr der Herrlichkeit, der Herr aller Vollkommenheit ganz nahe. Du bist von Ihm weit entfernt.

So du über die Kraft des Herzens und die Erhabenheit des Geistes verfügst, bemühe dich die einzelnen Absätze in unserem Gleichnis der Wahrheit entsprechend auszudeuten!

Zweiter Strahl:

Oh du unverständige Seele! Du sagst: Solche Ayat wie

اِنَّمَآ اَمْرُهُ اِذَآ اَرَادَ شَيْئًا اَنْ يَقُولَ لَهُ كُنْ فَيَكُونُ

{"Führwahr, die Sache Gottes ist dies: Wenn Er ein Ding will, sagt Er dazu nur: Sei!, dann ist es." (Sure 36, 82)}

und ferner:

اِنْ كَانَتْ اِلاَّ صَيْحَةً وَاحِدَةً فَاِذَاهُمْ جَمِيعٌ لَدَيْنَا مُحْضَرُونَ

{"Es wird nur ein einziger Posaunenstoß sein, und siehe da, sie alle sind vor uns gebracht." (Sure 36, 53)}

besagen, dass die Dinge einzig auf Seinen Befehl hin unmittelbar ins Dasein treten. Dagegen besagen aber solche Ayat wie

صُنْعَ اللَّهِ الَّذِى اَتْقَنَ كُلَّ شَيْءٍ

{"Das Werk Allahs, der alle Dinge ordnet!" (Sure 27, 88)}

und

اَحْسَنَ كُلَّ شَيْءٍ خَلَقَهُ

{"Er schuf alle Dinge in bester Form." (Sure 32, 7)}

dass die Dinge durch eine gewaltige Macht mit einer genauen Kenntnis und durch eine feinsinnige Kunstfertigkeit gepaart mit Weisheit stufenweise ins Dasein treten. Wie lassen sich diese beiden Gesichtspunkte miteinander vereinbaren?

Antwort:

Wir schöpfen aus dem Gnadenstrom des Qur'an und sagen:

Erstens,

hier ist kein Widerspruch. Bei einem Teil ist es gleich einer Erschaffung aus dem Nichts. Bei einem nderen Teil ist es gleich einer Entfaltung entsprechend einem Vorbild.

Zweitens:

Die unendliche Wohlgeordnetheit, die große Zielgerichtetheit, die künstlerische Schönheit und Vollkommenheit, die wir in der Natur bezeugen, trotz aller mühelosen Schnelligkeit, Leichtigkeit, Vielfalt und weltweiten Verbreitung alles Lebendigen legen für die mit diesen beiden verschiedenen Arten von Ayat gegebene Wahrheit beredtes Zeugnis ab. Wenn dies aber so ist, dann erübrigt es sich, über ihre Bewahrheitung zu disputieren. Vielmehr lässt sich lediglich fragen: "Was ist die tiefere Weisheit?" Da dies aber so ist, wollen auch wir auf diese Weisheit mit einem vergleichenden Beispiel einen Hinweis geben.

Ein Handwerker, zum Beispiel ein Schneider, kreiert mit viel Fleiß und Geschick ein Meisterwerk und entwickelt es zu einem Musterexemplar. Danach kann er dann schnell und leicht weitere Modelle herstellen. Ja, diese Leichtigkeit entwickelt sich manchmal in einem solchen Maße, dass es scheint, als gehorchten ihm die Dinge und er erlangt auf diese Weise ein leistungsstarkes Gleichmaß. Es ist wie bei einer Uhr, die sich auf Knopfdruck einschaltet und läuft. Genauso auch hat der allweise Baumeister und allwissende

Architekt dieses Weltenschloss mit allen seinen Ausstattungen in schönster Form aufgebaut und sodann für alle Dinge, kleine wie große, für ihre Teile wie für ihr Ganzes, in vorausschauender Ordnung ein Maß als Muster festgesetzt. Siehe, so erschafft denn dieser urewige Architekt ein jedes Jahrhundert gleich einem Modell, schmückt es mit den Wundern Seiner Macht und bekleidet es mit einer neuen Welt. Er nimmt jedes Jahr als ein Maß an und näht nach dessen Größe eine frische Welt, verziert sie mit den Wunderwerken Seiner Barmherzigkeit. Er macht jeden einzelnen Tag zu einer Zeile und schreibt darauf ganz neue Existenzen, geschmückt mit den Feinheiten Seiner Weisheit. Der Allmächtige macht jedes Jahrhundert, jedes Jahr, jeden einzelnen Tag zu einem Modell und gestaltet zudem auch jeden einzelnen Berg, jede Wüste, die Obst und Gemüsegärten und jeden Baum auf Erden zu einem Modell. Von Zeit zu Zeit schafft Er ganz frische Schöpfungen auf dem Erdboden und bringt je eine neue Welt ins Dasein. Er nimmt je eine Welt weg und ersetzt sie durch eine andere wohlgestaltete Welt. In jeder Jahreszeit stellt Er in jedem Obst- und Gemüsegarten immer wieder ganz neue Wunderwerke Seiner Macht und Geschenke Seiner Barmherzigkeit aus. Er schreibt je ein weisheitsvolles Buch. Er schafft in Seinem Erbarmen immer wieder eine neue Küche. Er lässt immer ein neues kunstvolles Kleid anziehen. In jedem Frühling lässt Er jeden Baum mit einem Umhang aus Seidenbrokat frisch bekleiden. Er verziert ihn ganz neu mit Schmuckstücken, die Perlen gleichen. Er füllt ihm die Hände mit sternengleichen Geschenken Seiner Barmherzigkeit. Also ist derjenige, der diese Tätigkeiten in schönster Kunstfertigkeit und vollkommener Wohlgeordnetheit vollbringt, und der diese Wunderwelten, die durch das Seil der Zeit miteinander verbunden, einander ablösen, mit unendlicher Weisheit und Güte, mit vollkommener Macht und Kunstfertigkeit wechselt, mit Sicherheit allmächtig und allweise. Er ist es, der alles sieht, der Allwissende. Für den Zufall ist in Gottes Werken kein Platz. So ist denn Er allein der Herr der Herrlichkeit, der gesprochen hat:

نَّمَآ اَمْرُهُ اِذَآ اَرَادَ شَيْئًا اَنْ يَقُولَ لَهُ كُنْ فَيَكُونُ وَمَآ اَمْرُ السَّاعَةِ اِلاَّ كَلَمْحِ الْبَصَرِ اَوْ هُوَ اَقْرَبُ

{"Führwahr, die Sache Gottes ist dies: Wenn Er ein Ding will, sagt Er dazu nur: Sei!, dann ist es." (Sure 36, 82) "Und die Angelegenheit "der Stunde" ist nur wie ein Augenblick oder noch kürzer." (Sure 16, 77)}

So verkündet Er denn zugleich die Vollkommenheit Seiner Macht und erklärt zugleich, dass Auferstehung und Wiederversammlung im Verhältnis zu Seiner Macht ganz leicht und ohne Mühe sind. Durch den Qur'an, dessen Verkündung ein Wunder ist, sagt Er, dass die Angelegenheiten auf einen bloßen Befehl hin zu Stande kommen. Damit will Er ausdrücken, dass Seine Tätigkeiten in der Schöpfung, die Macht und Entscheidungswille beinhalten, und dass alle Gegenstände Seinen Befehlen unterworfen und folgsam sind und dass Er alle Dinge in einer absoluten Leichtigkeit ins Dasein ruft, weil Er sie ohne Mühe und Anstrengung erschafft.

Schlusswort: Manche Ayat bringen die künstlerische Schönheit und vollkommene Weisheit in den Dingen, besonders am Anfang ihrer Erschaffung zum Ausdruck. Ein anderer Teil der Ayat erklärt im äußersten Grade die Leichtigkeit und Geschwindigkeit und außerordentliche Unterwerfung und Mühelosigkeit in den Dingen, besonders bei ihrer Wiedererschaffung und Wiederherstellung.

Dritter Strahl:

Oh du meine Seele, die du mit deinen Einwänden deine Grenzen überschreitest! Du sagst: Solche Ayat wie:

بِيَدِهِ مَلَكُوتُ كُلِّ شَيْءٍ مَا مِنْ دَآبَّةٍ اِلاَّ هُوَ اَخِذٌ بِنَاصِيَتِهَا وَ نَحْنُ اَقْرَبُ اِلَيْهِ مِنْ حَبْلِ الْوَرِيدِ

{"Und Preis dem, in dessen Hand die Herrschaft über alle Dinge ist!" (Sure 36, 83) "...Es gibt kein Tier auf Erden, das Er nicht an seinem Schopf hielte." (Sure 11, 56) "...denn Wir sind ihm (dem Menschen) näher als seine Halsschlagader." (Sure 50, 16)}

zeigen uns, in welch unendlichem Maße Gott uns nahe ist.

وَ اِلَيْهِ تُرْجَعُونَ تَعْرُجُ اْلمَلاَئِكَةُ وَالرُّوحُ اِلَيْهِ فِى يَوْمٍ كَانَ مِقْدَارُهُ خَمْسِينَ اَلْفَ سَنَةٍ

{"...und zu Ihm werdet ihr zurückkehren!" (Sure 2, 245) "Zu Ihm steigen die Engel und der Geist empor an einem Tag, dessen Maß fünfzigtausend Jahre ist." (Sure 70, 4)}

Zu diesen Ayat wird außerdem noch in einer Hadith erwähnt: "Gott, der Gerechte, ist hinter siebzigtausend Schleiern verborgen." Dergleichen Wahrheiten wie Mi'radj(= Himmelfahrt des Propheten Md.) zeigen, in welch unendlichem Maße wir von Gott entfernt sind. Ich möchte eine Erklärung geben, die dieses unzugängliche Geheimnis dem Verstand zugänglicher macht.

Antwort:

So höre denn:

Zum ersten:

Wir hatten im letzten Teil des Ersten Strahls gesagt: Während die Sonne dir durch ihr unbegrenztes Licht und in ihrem immateriellen Spiegelbild nahe ist, ja näher noch durch deine Augen, in denen sie sich spiegelt und die deiner Seele Fenster sind, bist du in deiner Begrenztheit und materiellen Verhaftung weit von ihr entfernt. Du kannst nur einen Teil ihres blendend hellen wie ihres schattenhaften Lichtes zu schauen trachten, nur mit einer Art ihrer Erscheinungen, einem Teil ihrer Manifestationen in Berührung kommen, nur in wenigen Farben, die ihre Eigenschaften sind, nur in einzelnen Strahlen, die ihren Namen gleichen, und nur in einem kleinen Teil dessen, was sie bescheint, ihr nahe kommen. Wenn du dich der Sonne auf ihrer ureigenen Stufe nähern und ihrer Persönlichkeit in deiner eigenen Persönlichkeit auf dem geraden Weg unmittelbar begegnen möchtest, musst du dich von vielen Bindungen lösen und noch viele Stufen zu deiner Ganzwerdung übersteigen. Du musst gleichsam durch diese innerliche Loslösung zur Größe der Erde heranwachsen, dich ähnlich der Luft ausdehnen, mit deinem Geiste in Raum und Zeit verbreiten und dich bis zum Mond emporschwingen, dem Mond gleich der Sonne gegenübertreten. Dann erst kannst du ihr selbst ohne Schleier begegnen, gewissermaßen den Anspruch erheben, ihr begegnet zu sein.

Genauso ist dieser Vollkommene in Seiner Majestät, dieser Herrliche ohnegleichen, Er, dessen Dasein eine Notwendigkeit ist, der alle Existenzen ins Dasein ruft, diese immerwährende Sonne, dieser Sultan von Ewigkeit zu Ewigkeit dir näher, als du es dir selbst bist. Du jedoch bist von Ihm unendlich entfernt. Besitzt du genügend Geistesstärke, bemühe dich unser Gleichnis in seinen Einzelheiten auszudeuten.

Zweitens:

Zum Beispiel:

وَلِلَّهِ اْلمَثَلُ اْلاَعْلَى

{"Bei Gott sind die erhabensten Gleichnissen!" (Sure 16, 60)}

Ein König kann unter vielen verschiedenen Namen auftreten, zum Beispiel als Oberbefehlshaber in den vielen einander übergeordneten Rängen. Er hat Einfluss und Geltung vom obersten Befehlsbereich des Kriegsministers über den Marschall, den General, den Hauptmann bis zum Feldwebel hinunter in allen weiten und engen, großen und kleinen Bereichen. Demnach erkennt ein einfacher Soldat in dem kleinen Zuständigkeitsbereich, dem sein Feldwebel dem Range nach vorsteht, die für ihn maßgebliche Kommandostelle und tritt über diesen kleinen Geltungsbereich mit dem obersten Befehlshaber in Kontakt und Berührung. Wollte er mit dem Träger des ursprünglichen Namens in Kontakt treten, ihm unter dessen Namen gegenübertreten, müsste er die ganze Stufenleiter vom Feldwebel bis zum Kriegsminister emporklimmen. Das heißt, dass der König diesem einfachen Soldaten im Namen des Königs, seiner Herrschaft, seines Gesetzes, Kraft seines Wissens, per Telefon, durch seine Maßnahmen, ja sollte dieser König ein Heiliger von der lichten Ausstrahlung eines Ebdal sein, in seiner persönlichen Gegenwart sehr nahe ist. Nichts kann ein Hindernis für ihn sein, einen Schirm gegen ihn bilden. Der einfache Soldat ist jedoch sehr fern von ihm. Tausende von Zwischenstufen trennen ihn von ihm, tausende von Schleiern scheiden sie voneinander. Manchmal jedoch erweist er ihm entgegen seiner Gewohnheit sein Erbarmen und ruft einen einfachen Soldaten in seine Gegenwart, erweist ihm seine Huld.

Genauso auch: Während der Herr, der Majestätische, der den Befehl

كُنْ فَيَكُونُ

{"Sei! Und es ist." (Sure 2, 117)}

erlässt, und dem gegenüber Sonnen und Sterne befehlsbereiten Soldaten gleichen, ihnen und allem noch näher ist, als sie es sich selbst sind, ist jedoch alles sehr fern von Ihm. Wer da vor Seine Gegenwart treten, Seine gewaltige Größe unverschleiert schauen wollte, der müsste siebzigmal tausende Schleier, die dunklen wie auch solche aus Licht, die der Schöpfung und ihrer vordergründigen

Betrachtungsweise, auch die Seiner Namen und Attribute überwinden, mit jedem Namen tausende Stufen Seiner besonderen und allgemeinen Erscheinungsformen überschreiten, alle diese so hohen Stufen Seiner Attribute hinter sich lassen, bis er zu dem gewaltigen Thron emporsteigen könnte, in dem Sein gewaltiger Name sichtbar wird. Wäre da nicht Er es, der ihn zu sich zieht und ihm Seine Huld erweist, er müsste sich tausende von Jahren darum bemühen und den geistigen Weg einschlagen. Wolltest du dich Ihm z.B. in Seinem Namen "Schöpfer" nähern, müsstest du zunächst mit Ihm als deinem persönlichen Schöpfer, sodann mit Ihm unter dem Aspekt des Schöpfers der ganzen Menschheit, sodann mit Ihm unter dem Namen des Schöpfers alles Lebendigen, sodann mit Ihm unter der Bezeichnung des Schöpfers alles Geschaffenen in Verbindung treten. Anderenfalls bleibt die Offenbarung, die dir zuteil wird, nur winzig und schattenhaft.

{Der König in unserem Beispiel bedient sich, weil seine Möglichkeiten begrenzt sind, auf der Stufe, wo er als der Kommandant auftritt, die Marschäle und Generäle als Übermittler. Der Absolute Allmächtige jedoch, Er, der "in dessen Händen die Herrschaft über alle Dinge", ist unabhängig von der Hilfe der Mittler. Mittler sind rein augenscheinlich. Sie sind ein Schild Seiner Ehre und Größe. In Seinem Dienst, ihrer Anbetung und Bewunderung, in ihrer Hilfslosigkeit und Armseligkeit sind sie die Ausrufer und die Zuschauer im Königreiche ihres Herrn. Sie sind keine Helfer, können im Königreiche ihres Herrn keine Partner sein.}

Vierter Strahl:

Oh meine faule Seele! Die Wahrheit über das Gebet, welches eine Art Himmelfahrt ist, besteht wie in dem obenerwähnten Gleichnis darin, dass du gleich einem einfachen Soldaten, der zum Erweis seiner lauteren Huld in die Audienz seines Königs gerufen wird, gleichfalls zum Erweis Seines Erbarmens zur Gegenwart des Herrn der Herrlichkeit und zur Anbetung des Herrn in Seiner vollkommenen Schönheit gerufen bist. Es besteht darin, "Allahu Ekber"zu sagen, mit Herz und Verstand oder doch in seiner Absicht die beiden Welten zu überschreiten, sich von den materiellen Bindungen freizumachen, zu einer Stufe ganzheitlicher Anbetung, oder doch zu einem Schatten oder Abbild der Ganzheit emporzusteigen und so gleichsam der Ehre Seiner Gegenwart teilhaftig zu werden. Und es ist ein überwältigendes Erlebnis, was jeder nach seiner Fähigkeit erfahren kann, wenn er Gott mit den Worten anspricht:

اِيَّاكَ نَعْبُدُ

{"Dich allein beten wir an!" (Sure 1, 5)}

Bei den Bewegungen während des Gebetes immer wieder "Allahu Ekber, Allahu Ekber"zu sagen, ist gewissermaßen ein Hinweis auf die Stufen, die man hinter sich lässt, auf den geistigen Fortschritt und darauf, dass man aus einem kleineren Bereich in einen allumfassenden Bereich hinüberschreitet und es ist eine Bezeichnung

in der Seine Größe in ihrer Vollkommenheit über all unser Begreifen hinaus zusammengefasst wird. Es ist gewissermaßen ein jedes "Allahu Ekber"ein Zeichen für die Stufen, die wir gleich einer Himmelfahrt hinter uns zurücklassen.

So bedeutet denn, einen Strahl dieser Wahrheit über das Gebet, dem Geist oder dem Sinne nach, in der Vorstellung oder im Traum auch nur schattenhaft zu erfahren, hohe Glückseligkeit. So ist es denn dieses Geheimnis, welches die Pilger während der Wallfahrt so oft "Allahu Ekber"ausrufen lässt. Denn die heilige Pilgerfahrt ist im Grunde genommen für jeden ein Dienst und seine Form der Anbetung auf einer alles umfassenden Stufe. Es ist, als ob ein Soldat an einem besonderen Tage, wie einem Festtag, genauso wie ein General mit dem ganzen Stab zum Fest des Königs geht und seine Huld empfängt. Genauso tritt auch der schlichteste Pilgersmann gleich einem Heiligen, der die letzte Stufe hinter sich gelassen hat, vor das Antlitz seines Herrn und Ihm unter Seinem Titel "gewaltiger Herr aller Enden der Erde" gegenüber. Ihm wird die Ehre eines vollendeten Dienstes und einer allumfassenden Anbetung zuteil. Sicherlich wird das Feuer der Begeisterung darüber, dass sich ihm durch seine Wallfahrt die ganze Stufenleiter bis zum Throne der Herrschaft Gottes geöffnet hat, dass ihm die überwältigenden, alles umschließenden, göttlichen Horizonte gleichsam wie durch ein Fernglas erschaubar geworden sind, dass sich ihm in Herz und Sinn durch dieses Erkennungszeichen das

Bewusstsein für den Umfang des Bereiches, in dem alles Gott dient und Ihn anbetet, allmählich erweitert, wird der heilige Schauer und die Ehrfurcht einflößende Majestät, die sich ihm vor den Stufen Seiner Größe und an den Horizonten Seiner Erscheinung enthüllt, mit dem Ausruf "Allahu Ekber! Allahu Ekber!"seinen befriedigenden Ausdruck finden und so wird der Pilger von dieser stufenweisen Enthüllung, die er innerlich bezeugt und erfahren hat, Kunde geben

Dieser Sinn findet sich findet unterschiedlich abgestuft je nach Erhabenheit und Umfang zunächst bei der Pilgerfahrt, dann auf unterschiedlichen Stufen in den Festgebeten, in dem Gebet um den Regen, in den Gebeten zur Zeit einer Sonnen- und Mondfinsternis, und in den Gebeten, die man in der Gemeinschaft verrichtet. Aus diesem Geheimnis erhellt die Bedeutsamkeit der islamischen Erkennungszeichen, auch wenn sie als nur traditionell eingestuft werden.

سُبْحَانَ مَنْ جَعَلَ خَزَآئِنُهُ بَيْنَ الْكَافِ وَ النُّونِ فَسُبْحَانَ الَّذِى بِيَدِهِ مَلَكُوتُ كُلِّ شَيْءٍ وَاِلَيْهِ تُرْجَعُونَ سُبْحَانَكَ لاَ عِلْمَ لَنَآ اِلاَّ مَا عَلَّمْتَنَآ اِنَّكَ اَنْتَ الْعَلِيمُ الْحَكِيمُ رَبَّنَا لاَ تُؤَاخِذْنَآ اِنْ نَسِينَآ اَوْ اَخْطَاْنَا رَبَّنَا لاَ تُزِغْ قُلُوبَنَا بَعْدَ اِذْ هَدَيْتَنَا وَهَبْ لَنَا مِنْ لَدُنْكَ رَحْمَةً اِنَّكَ اَنْتَ الْوَهَّابُ

وَصَلِّ وَ سَلِّمْ عَلَى رَسُولِكَ اْلاَكْرَمِ مَظْهَرِ اِسْمِكَ اْلاَعْظَمِ وَ عَلَى اَلِهِ وَ اَصْحَابِهِ وَ اِخْوَانِهِ وَ اَتْبَاعِهِ آمِينَ يَا اَرْحَمَ الرَّاحِمِينَ

{"Preis dem, der zwischen Qaf und Nun Seine Schätze ausgebreitet hat." "Und Preis dem, in dessen Hand das Wesen aller Dinge ist! Und zu Ihm kehrt ihr zurück." (Sure 36, 83) "Gepriesen seist Du! Wir haben kein Wissen, außer dem, das Du uns gelehrt hast. Denn Du bist der Allwissende, der Allweise." (Sure 2, 32) "Unser Herr, ziehe uns nicht zur Rechenschaft wegen unserer Fehler und dem, was wir durch unsere Vergesslichkeit unterlassen haben." (Sure 2, 286) "Unser Herr, lass unsere Herzen nicht mehr irregehen, da Du uns geleitet hast, und gib uns Deine Barmherzigkeit! Fürwahr, Du bist der Geber." (Sure 3, 8) "Und Friede und Segen sei mit Deinem ehrwürdigen Botschafter, dem, der die Manifestationen Deiner gewaltigen Namen erfahren durfte, und mit seiner Familie und seinen Gefährten und (Glaubens)brüdern und seiner ganzen Gefolgschaft. Amin, Oh Du, der Barmherzigste aller Barmherzigen!"}

Ein kurzer Anhang

Der Allmächtige, der Allwissende, der Allweise, der Schöpfer, zeigt Seine Macht und Weisheit in der Regelmäßigkeit und Wohlgeordnetheit, welche in Seinen Gewohnheiten, den Naturgesetzen, Form angenommen hat, und äußert sich darin, dass in Seinen Werken niemals ein Zufall auftreten kann. Er zeigt auch in den Abweichungen von Seinen Gesetzen, in solchen wunderbaren Umgehungen Seiner Gewohnheiten, also der Naturgesetze, in den äußerlichen Veränderungen, in der Vielfalt der Gestaltung, im Wechsel der Gezeiten, von Aufgang und Untergang, von Aufstieg und Niedergang Seinen Willen, Seine Entscheidungsfreiheit, Seine Handlungsfreiheit, Seine Ermessensfreiheit, die an keine Bedingungen geknüpft ist. So zerreißt Er den Schleier des Gleichmaßes und verkündet, dass alles jederzeit, in allen Dingen und unter allen Umständen Seiner bedarf und Seiner Herrschaft unterworfen ist, um so aus der Gottvergessenheit wachzurütteln und die Blicke der Menschen und Dschinnen von den Ursachen weg auf Gott, den Verursacher aller Ursachen, hinzulenken. Die Erklärung des Qur'an fußt auf dieser Grundlage.

Zum Beispiel: In den meisten Gegenden bringt ein Teil der Obstbäume in dem einen Jahr Früchte hervor, das heißt, sie werden aus der Schatzkammer der Barmherzigkeit in die Hände der Bäume gegeben, sie uns zu geben. Im anderen Jahr bringt uns der selbe Baum keine Früchte, obwohl alle äußeren Ursachen die gleichen sind.

Ein weiteres Beispiel: Im Gegensatz zu anderen wichtigen Ereignissen ist das Kommen des Regens so unbestimmt, dass man es zu den fünf unberechenbaren Dingen zählt. Denn in unserem Dasein stehen das Leben und seine Fülle an oberster Stelle. Was aber den Regen betrifft, so wird er sicherlich, weil er die Quelle des Lebens und dessen reinste Fülle ist, als Wasser des Lebens und Strom der Fülle nicht unter das Gesetz des Gleichmaßes eingeordnet werden, welches zu Gottvergessenheit führen und zu einem Vorhang werden könnte, vielmehr wird der Herr aller Gnaden, der Lebensspender, der Herr der Herrlichkeit ihn nach der Fülle Seines Erbarmens unmittelbar und unverborgen in Seiner Hand halten,

damit die Pforten für Bitt- und Dankgebet alle Zeit geöffnet bleiben mögen.

Ein weiteres Beispiel: Die Ausformung einer bestimmten Gestalt und die Versorgung mit allem Notwendigen, wie sie auf unerwartete Weise gleich einem unverdienten Gnadengeschenk geschieht, zeigen ganz besonders schön die Entscheidungs- und Handlungsfreiheit des Herrn. Vergleiche damit auch noch andere Taten Gottes, ähnlich denen, wie Er sich die Lüfte dienstbar macht und über die Wolken verfügt.

Siebzehntes Wort

بِسْمِ اللَّهِ الرَّحْمَنِ الرَّحِيمِ

اِنَّا جَعَلْنَا مَا عَلَى اْلاَرْضِ زِينَةً لَهَا ِلنَبْلُوَهُمْ اَيُّهُمْ اَحْسَنُ عَمَلاً وَاِنَّا َلجَاعِلُونَ مَا عَلَيْهَا صَعِيدًا جُرُزًا وَمَا اْلحَيَاةُ الدُّنْيَآ اِلاَّ لَعِبٌ وَلَهْوٌ

{"Im Namen Allahs, des Erbarmers, des Barmherzigen. Fürwahr, Wir haben, was auf Erden ist, ihr zum Schmuck gemacht, um die Menschen zu prüfen, welche von ihnen am besten sind in ihren Handlungen. Führwahr, Wir werden, was auf Erden ist, wieder zu Staub werden lassen." (Sure 18, 7-8) "Doch was ist das Leben in dieser Welt anderes als Spiel und Zeitvertreib?" (Sure 6, 32)}

Dieses Wort besteht aus zwei erhabenen Kapiteln und einem glänzenden Anhang.

Der barmherzige Schöpfer, freigiebige Versorger und weise Baumeister hat diese Welt als ein Fest für die Welt der Seelen, Geister und Engel eingerichtet und sie mit dem einzigartigen Schmuck all Seiner Namen verziert. Er hat alles, was da lebt, sei es groß oder klein, hoch oder niedrig, mit einem für ihn geeigneten, mit Sinnesorganen ausgestatten Körper bekleidet, der es ihm ermöglicht, auf diesem Festplatz alle die ungezählten verschiedenen Schönheiten und Gnadengaben zu genießen, ihm so ein körperhaftes Dasein gegeben, mit dem Er ihn einmalig auf diese Bühne sendet. Zudem hat Er dieses Fest, das hinsichtlich Zeit und Raum sehr weit ausgedehnt ist, in Epochen, Jahre und Jahreszeiten, ja sogar Tage und Tageszeiten eingeteilt und jede Epoche, jedes Jahr und seine Zeiten, ja sogar in gewisser Hinsicht jeden Tag und seine Zeiten, für alle mit Geist begabten und beseelten Geschöpfe und Seine Pflanzenkunstwerke nach Art eines Festumzuges zu einer hohen Messe gestaltet und besonders im Frühling und im Sommer ist das Antlitz der Erde für alle Arten Seiner kleinen Kunstwerke eine solche Reihe prächtiger Festveranstaltungen, dass die Engel und die Geister in den hohen Welten und die Bewohner der Himmel davon angezogen werden, um diese Schaustücke zu betrachten.

Für Leute, die nachdenken, aber ist sie ein so schöner Studiersaal, wie er sich kaum beschreiben lässt.

Aber bei diesem Gastmahl Gottes, an diesem Festtag des Herrn, tritt der Erscheinung des Namens "Erbarmer" und "Lebensspender" auch der Name "der Vernichter" und "der Todbringende" mit Trennung und Tod entgegen. In Anbetracht dessen scheint der Satz

وَسِعَتْ كُلَّ شَيْءٍ

{"Die Weite Meines Erbarmens umfasst alle Dinge."}

von der alles umfassenden Weite Seines Erbarmens äußerlich nicht zutreffend zu sein. In Wahrheit jedoch gibt es da einige übereinstimmende Gesichtspunkte. Einer dieser Gesichtspunkte ist folgender:

Der freigiebige Baumeister, der barmherzige Schöpfer erweckt in Seiner Barmherzigkeit bei den meisten einen Widerwillen gegen die Welt, sobald alle die Gruppen von Festzugsteilnehmern vorübergezogen sind und diese Teilnehmer am Festzug ihr vorgegebenes Ziel erreicht haben. Er vermacht ihnen den Wunsch nach Ruhe und die Sehnsucht in eine andere Welt umzuziehen als Geschenk und zu der Zeit, da sie von ihrer Lebensaufgabe entbunden werden, ruft Er in ihren Seelen ein Gefühl der Sehnsucht nach ihrer ursprünglichen Heimat wach. Zudem ist es nicht mehr weit weg von der grenzenlosen Barmherzigkeit des Allerbarmers, wenn dieser einem Soldaten, der sein Leben in Erfüllung seiner Pflicht während einer Kampfhandlung verloren hat, den Rang eines Märtyrers verleiht, oder wenn er einem Schaf, das zum Opfer geschlachtet wurde, im Jenseits für ewig leibliche Existenz schenkt und es damit belohnt, dass Er es für seinen Besitzer, dem Buraq gleich, auf die Stufe eines Reittiers über den Sirat erhebt. Desgleichen dürfte es nicht weit von der unerschöpflichen Schatzkammer der Barmherzigkeit zu finden sein, wenn auch die übrigen Seelen und besonders die Tiere, die den ihnen entsprechenden natürlichen Dienst im Herrn verrichten und den Befehlen des Hochgelobten gegenüber Gehorsam leisten und die beseelten Wesen, die sich ganz besonders angestrengt haben, verschiedene für sie passende geistige Belohnungen erhalten und eine Art

inneren Verdienst entsprechend ihren Anlagen. Sie sollten sich nicht so sehr gekränkt fühlen, wenn sie aus dieser Welt gehen müssen, sich vielmehr darüber freuen.

لاَ يَعْلَمُ الْغَيْبَ اِلاَّ اللَّهُ

{"Niemand kennt das Verborgene außer Gott!"}

Der Mensch jedoch, der unter allen beseelten Wesen der würdigste ist und aus diesen Veranstaltungen in qualitativer wie quantitativer Hinsicht den meisten Nutzen zu ziehen vermag, der in diese Welt so sehr vernarrt und in sie verliebt ist, wird als eine Gabe der Barmherzigkeit um eines Abscheues vor dieser Welt willen und um in die ewige Welt hinüber zu gehen, in einen Zustand der Sehnsucht versetzt. Wer nicht in einem menschlich nur allzu menschlichen Sumpf des Irrtums festsitzt, wird aus diesem Zustand sein Gutes gewinnen. Er wird in der Ruhe des Herzens hinübergehen. Wir wollen hier nun für Betrachtungsweisen, die diesen Zustand hervorrufen, fünf Beispiele anführen.

Erstens:

Im Herbst des Lebens zeigt Er auf allen schönen und anziehenden Dingen den Stempel der Vergänglichkeit und des Zerfalls und alle Bitterkeit des Lebens, lässt den Menschen vor dieser Welt zurückschrecken und bewegt ihn zur Suche nach den bleibenden Werten.

Zweitens:

In Anbetracht dessen, dass neunundneunzig von hundert Freunden, mit denen man sich verbunden fühlte, aus dieser Welt geschieden und in ein anderes Leben hinübergegangen sind, schenkt Er ihm dank seiner aufrichtigen Liebe eine Sehnsucht nach dem Ort, zu dem seine Freunde gegangen sind, seiner Todesstunde freudig entgegenzusehen.

Drittens:

Er lässt den Menschen durch manche Dinge seine unendliche Schwäche und Armut verspüren, gibt ihm zu verstehen, wie schwer die Bürde des Lebens und die Last des Daseins ist, flößt ihm den tiefen Wunsch nach Ruhe ein und schenkt ihm eine wahre Begeisterung, nach einem anderen Land zu gehen.

Viertens:

Einem gläubigen Menschen zeigt Er im Lichte des Glaubens, dass der Tod keine Hinrichtung sondern ein Ortswechsel ist. Was aber das Grab betrifft, so ist es nicht die Öffnung zu einer finsteren Grube, sondern das Tor zu lichtvollen Welten.

Was aber diese Welt betrifft, so ist sie bei all ihrer Pracht verglichen mit dem Jenseits einem Kerker gleich. Das bedeutet mit Sicherheit, aus dem Kerker dieser Welt heraus in die Gärten des Paradieses zu gehen, heraus aus dem lärmenden Treiben des körperlichen Lebens in eine Welt der Ruhe, zu einem Platz für einen Seelenflug, sich aus dem betäubenden Getöse der Welt davon zu schleichen, um in die Gegenwart des Allbarmherzigen einzutreten; es ist eine Reise, wie man sie mit tausend Sinnen ersehnt; ja, es ist die Glückseligkeit.

Fünftens:

Einem Menschen, der auf den Qur'an hört, macht Er durch das Wissen um die qur'anische Wahrheit und durch das Licht der Wahrheit klar, dass es für den, der das Wesen dieser Welt kennt, ganz und gar sinnlos ist, die Welt zu lieben und ihr verfallen zu sein. Das heißt, er sagt dem Menschen und beweist ihm:

"Die Welt ist ein Buch des Einzigartigen. Seine Buchstaben und Worte sind nicht Beweis für sich selbst, sondern für die Person, die Merkmale und Attribute eines Anderen. Da dies aber nun einmal so ist, lerne ihre Bedeutung kennen und nimm sie an!... lass Ausschmückung und Gestaltung, dann geh!...

Zudem ist sie ein Acker!... säe, ernte, schütze!... wirf die Spreu fort!... nimm sie nicht wichtig!

Zudem ist sie wie ein Bildschirm, auf dem ständig Bilder einander ablösend erscheinen und wieder verschwinden. Weil dies aber so ist, so wisse, was sich auf ihm zeigt, betrachte die Lichter, verstehe die Erscheinung der Namen, die auf ihm sichtbar werden, liebe Ihn, den sie nennen, und gib deine Bindung an die Glasstückchen auf, die zerbrechen werden und für den Kehricht bestimmt sind.

Zudem ist sie ein Marktflecken. Weil dies aber so ist, erledige deine Besorgungen!... komm und laufe nicht hinter den Karawanen her, die sich von dir entfernen und dir keine Beachtung schenken, müde und umsonst, bemühe dich nicht!

Zudem ist sie ein zeitweiliger Ausflugsort. Weil dies aber so ist, betrachte sie als ein warnendes Beispiel!... schenke deine Aufmerksamkeit nicht ihrem äußerlich hässlichen Gesicht, sondern wende sie ihrem verborgenen, schönen, auf die Ewige Schönheit gerichteten Antlitz zu!... mache einen angenehmen

und zufriedenstellenden Ausflug, dann kehre um!... weine nicht wie ein unverständiges Kind, wenn auf der Bühne des Lebens nach all dem Schönen und Guten, das du gesehen hast, der Vorhang fällt!... beachte es nicht!

Zudem ist sie ein Gasthaus. Weil dies aber so ist, iss und trink mit der Erlaubnis des freigiebigen Gastherrn, der sie geschaffen hat, und danke Ihm!... handle und bewege dich im Rahmen der Gebote!... dann schaue nicht zurück!... brich auf und geh!... verliere dich nicht in ihr in unziemlicher und aufdringlicher Weise!... strebe nicht unvernünftig nach Dingen, die von dir fortstreben und dir nicht gehören!... ersticke nicht in vergänglichen Geschäften, gebunden an sie!"

Mit diesen und anderen ähnlichen Gegebenheiten zeigt er den Menschen die Geheimnisse hinter dem Gesicht dieser Welt, erleichtert ihnen so die Trennung von ihr, ja bewirkt, dass sie den Erwachten sogar erwünscht wird, und lässt sie so in allem, was da ist und geschieht, die Spuren Seiner Barmherzigkeit schauen. Wie also der Qur'an es durch diese fünf Aspekte gezeigt hat, weist er auch noch mit anderen qur'anischen Ayat auf dergleichen Aspekte hin.

Wehe denen, welche aus diesen fünf Aspekten nicht ihre Lehre ziehen!...

Zweiundzwanzigstes Wort

(zwei Kapitel)

Erstes Kapitel

بِسْمِ اللَّهِ الرَّحْمَنِ الرَّحِيمِ

وَيَضْرِبُ اللهُ اْلاَمْثاَلَ لِلنَّاسِ لَعَلَّهُمْ يَتَذَكَّرُونَ وَتِلْكَ اْلاَمْثاَلُ نَضْرِبُهَا لِلنَّاسِ لَعَلَّهُمْ يَتَفَكَّرُونَ

{"Im Namen Gottes, des Erbarmers, des Allbarmherzigen. Gott stellt für die Menschen Gleichnisse auf, damit sie sich ermahnen lassen sollten. " (Sure 14, 25) "Und so stellt Gott Gleichnisse für die Menschen auf, damit sie darüber nachdenken sollten." (Sure 59, 21)}

Einst wuschen sich zwei Männer in einem Teich. Da verloren sie wunderbarer Weise das Bewusstsein. Als sie ihre Augen wieder öffneten, sahen sie, dass sie in eine sonderbare Welt versetzt worden waren. Es war dies eine Welt, in der Anordnung und Einordnung an ein Königreich, ja eine Burg, ja sogar ein Schloss denken ließ. Voll Erstaunen blickten sie sich um. Sobald man sie in gewisser Weise betrachtete, schien sie eine riesengroße Welt zu sein. Betrachtete man sie in einer anderen Art, erschien sie ihnen wie ein wohlgeordnetes Königreich. Besahen sie sie in wieder einer anderen Art, glich sie einer vollendet schönen Burg. Und blickten sie abermals in einer anderen Weise auf sie, so kam sie ihnen wie ein Schloss vor, das eine weitere außerordentlich prächtige Welt in seinem Inneren beherbergte. Sie wanderten darin umher und betrachteten sie. Sie bemerkten, dass sie von Geschöpfen bewohnt war, die sich auf irgendeine Art miteinander verständigten. Doch verstanden sie deren Sprache nicht. Sie schlossen aber aus ihrem Verhalten, dass sie wichtige Aufgaben wahrnahmen und bedeutende Aufträge erfüllten.

Da sagte der eine der beiden Männer zu seinem Gefährten: "Dies ist eine wunderbare Welt, die sicherlich ihren Verwalter, ein wohlgeordnetes Königreich, das auch einen König, eine vollendet schöne Burg, die auch einen Burgherr, ein kunstvoll erbautes Schloss, das sicherlich auch seinen Baumeister hat. Wir sollten uns darum bemühen, ihn kennen zu lernen. Denn Er war es verständlicher Weise, der uns hierher gebracht hat. Wenn wir Ihn nicht kennen lernen, wer anders sollte uns dann helfen. Was

können wir sonst schon von diesen armen Geschöpfen hier erwarten, deren Sprache wir nicht verstehen und die uns gar nicht beachten?

Außerdem wünscht der Herr, der diese riesengroße Welt in der Gestalt eines Königreiches, in der Form einer Burg, nach Art eines Schlosses gemacht und von seinem Anfang bis an sein Ende von wunderbaren Dingen erfüllt hat, es mit allen Arten von Ornamenten verziert und es mit eindruckerweckenden Wunderwerken ausgestattet hat, sicherlich etwas von uns und all denen, die hierher gekommen sind. Wir wollen Ihn kennen lernen. Zudem wäre es notwendig, zu erfahren, was Er von uns will."

Doch der andere entgegnete ihm: "Ich glaube nicht, dass es so einen Herrn, wie du sagst, überhaupt gibt und er diese ganze Welt hier völlig allein regiert." Sein Gefährte gab ihm zuAntwort:"Lernen wir Ihn nicht kennen und bleiben Ihm gegenüber gleichgültig, so ist der Vorteil, den wir dabei haben, gar keiner, der Nachteil, den das haben könnte, jedoch ein gewaltiger. Bemühen wir uns darum, Ihn kennen zu lernen, ist unser Einsatz nur ein geringer, der Gewinn, den wir erzielen könnten, jedoch ein gewaltiger. Ihm gegenüber gleichgültig zu bleiben ist also völlig sinnlos." Jener Verblendete erwiderte jedoch: "Ich erblicke all meine Ruhe und mein ganzes Wohlergehen gerade darin, gar nicht an Ihn zu denken. Außerdem beschäftige ich mich nicht mit Dingen, die mein Verstand nicht erfassen kann. Alle diese Dinge hier sind nur zufällig. Ich verstehe zwar nichts von diesen Dingen, doch läuft hier alles von selbst und geht mich nichts an." Sein verständiger Gefährte meinte aber: "Deine Verbohrtheit kann auch mich, ja sogar noch viele andere ins Unglück stürzen. Es geschieht manchmal, dass wegen eines Menschen Sittenlosigkeit ein ganzes Königreich untergeht."

Wiederum wandte jener Verblendete ein: "Entweder beweist du mir unwiderleglich, dass dieses riesige Königreich einen einzigen König, einen einzigen Meister hat, oder aber du störst mich nicht länger!"

Nun machte ihm sein Gefährte folgenden Vorschlag: "Da also nun deine Verbohrtheit sich zum Irrsinn steigert, wirst du noch mit deiner Verbohrtheit den Zorn über uns und sogar das ganze Land heraufbeschwören. So werde ich dir also nun an Hand von zwölf Beweisen aufzeigen, dass diese Welt, die einem Schloss gleicht, dieses Königreich, das einer Burg gleicht, einen einzigen Meister hat und dass es einzig

dieser Meister ist, der alles regiert. Bei Ihm gibt es weder Fehler noch Mängel. Dieser Meister, den wir nicht sehen können, sieht uns und alle Dinge, hört alle unsere Worte. Alle Seine Taten sind einzigartig und wunderbar. Alle diese Geschöpfe, die wir hier sehen, sind, auch wenn wir ihre Sprache nicht verstehen können, in Seinen Dienst gestellt."

Erster Beweis

Komm her und schaue dich nach allen Richtungen um! Gib Acht auf alles! In allen diesen Dingen ist eine verborgene Hand am Werk. Denn siehe: ein Ding, das so klein ist wie ein Kern, der kaum soviel wiegt wie ein Dirhem (etwa 3g), vermag eine Last von tausenden Batman (etwa 8kg) zu tragen.

{Anmerkung: Anspielung auf die Samenkörner, welche Bäume auf ihrem Kopf tragen.}

Dinge, ohne auch nur ein Stäubchen von Verstand, versehen überaus weisheitsvolle Aufgaben.

{Eine Anspielung auf so zarte Pflänzchen wie die Reben des Weinstocks, die sich selbst nicht erheben und ihre Früchte nicht selbst tragen können, strecken ihre kleinen Hände nach anderen Bäumen aus, umarmen sie und suchen an ihnen Halt.}

Das also heißt, dass sie nicht aus eigenem Antrieb arbeiten. Es ist da jemand im Verborgenen, der ihr mächtiger Herr ist und sie ans Werk setzt. Würden sie dies von sich aus tun, dann müsste alles hier im Lande rings umher einem Wunder gleichen. Es müssten alles dies hier außerordentliche Dinge sein, die von einem Wundertäter bewirkt wurden. Das aber wäre jedoch absurd.

Zweiter Beweis

Komm und achte einmal darauf, wie schön alle diese Felder und Wälder, die Straßen und Plätze, die Häuser und Wohnungen geschmückt sind! In ihnen allen gibt es etwas, das von diesem verborgenen Herrn Kunde gibt. Es ist so als trügen sie alle ein Siegel oder Wappen, dass von ihrem verborgenen Herrn Kunde gibt. Sieh doch einmal, was Er hier vor unseren Augen aus einem Dirhem Baumwolle schafft!

{Anmerkung: Anspielung auf ein Samenkorn, z.B.: der Samen des Schlafmohns, fein wie Staub; der Kern einer Aprikose, leicht wie ein Dirhem (3g); ein Melonenkern. Sie bringen aus der Schatzkammer der Barmherzigkeit (Gottes) Blätter hervor, die feiner gewebt sind als ein Tuch, weiße und gelbe Blumen, die klarer und schöner sind als Batist, und Früchte, die aromatischer sind als alle Süßigkeiten, wohlschmeckender als Köfte (eine Art türkische Klößchen, meistens mit Fleisch) und feiner als jegliche Packung Feinkost und bieten sie uns an.}

Siehe, wie viele Ballen Tücher

aller Art wie Batist oder Batikstoffe u. dgl. Er daraus hervorbringt! Siehe, wie viele Arten Süßigkeiten, wohlschmeckende Bällchen Köfte hier hergestellt werden! Kämen auch tausende von Menschen wie wir, sich damit zu bekleiden oder davon zu essen, es würde für sie alle reichen! Und betrachte einmal weiter, wie Er das Eisen hier, die Erde, das Wasser, die Kohle, das Kupfer, Silber und Gold unsichtbar in Seine Hand nimmt (und sie formt und in Seiner Hand aus Erde) Fleisch wird.

{Anmerkung: Eine Anspielung auf die Erschaffung der (Körper der) Tiere aus den Elementen (der Erde) bzw. deren Samen.}

So komm also nun und siehe... Oh du unverständiger Mensch! Alle diese Werke sind jenem Herrn zu eigen, in dessen (Hand und) wunderbarer Macht das ganze Land ruht, mit allem, was zu ihm gehört. Alle entsprechen sie Seinen Wünschen.

Dritter Beweis

Komm und siehe diese einzigartigen, beweglichen Kunstwerke!

{Anmerkung: Anspielung auf Tiere und Menschen. Denn ein Tier ist ein kleines Inhaltsverzeichnis dieser Welt und da auch der Mensch ein verkleinertes Abbild der Schöpfung (Körper, Seele, Geist) ist, kann man auch sagen, dass sich für alles, was es (im Himmel und auf Erden) gibt, im Menschen ein Beispiel (Körper, Rede, Wille, Träume, Phantasie) findet.}

Jedes von ihnen ist so gestaltet, dass es von diesem riesigen Schloss ein kleines Abbild (= eine Welt im Kleinen) ist. Alles, was es in diesem Schloss gibt, findet sich in diesem winzigen beweglichen Werk wieder. Ja wäre es den überhaupt möglich, dass ein anderer als der Baumeister dieses Schlosses kommen und dieses wunderbare Schloss in solch einem kleinen Werk konzentrieren könnte!? Und wäre es außerdem überhaupt möglich, dass sich in einem Werk von der Größe eines kleinen Kistchens, obwohl es doch einen in sich (vollendeten) Kosmos im Kleinen umfasst, etwas fände, dessen Gang nur zufällig oder aber sinnlos wäre!? Das aber heißt, dass, wie viele dieser einzigartigen Kunstwerke das Auge auch erblickt, sie doch alle (Gute wie Böse) das Siegel des

verborgenen Meisters tragen. Ja sie gleichen sogar einem Boten, einem Ausrufer. Sie sagen unausgesprochen:

"Wir sind die Kunstwerke jenes Herrn, der diese unsere ganze Welt ebenso leicht zu erschaffen vermochte, wie Er auch uns selbst ganz leicht geschaffen und ins Dasein gerufen hat."

Vierter Beweis

Oh du eigensinniger Freund! Ich will dir etwas zeigen, was noch wunderbarer ist. Schau, in diesem Land hat sich jedes Werk, jedes Ding verändert und verändert sich weiterhin. Nichts verbleibt im selben Zustand. Gib Acht, alle diese toten Gegenstände, die wir hier sehen, diese Kästchen, die nichts zu empfinden scheinen, haben alle die Gestalt eines absoluten Herrschers angenommen. Es ist, als herrsche jedes Ding über alle anderen Dinge. Betrachte also einmal diese Maschine hier! Maschine hier! Es ist als erteile sie ihre Befehle.

{Anmerkung: Diese Maschine ist eine Anspielung auf die fruchttragenden Bäume. Denn es ist erstaunlich, wie sie ihre Blätter (gleich Tüchern) weben, sie mit Blumen schmücken, ihre Früchte zur Reife bringen und sie uns anbieten. Hunderte von Werkbänken und Fabriken scheinen sie dafür auf ihren dünnen Ästen zu tragen. Unterdessen bemühen sich so prächtige Bäume wie die Tanne und die Zeder weiterhin darum, ihre Werkbänke auf trockenem und steinigem Boden aufzustellen.}

So kommen denn alle Werkzeuge und Materialien, die sie für Schmuck und Werk benötigt, von weit entfernten Stätten herbeigelaufen. So siehe denn, wie auch dieses leblose Ding hier sich so, als ob es nur eines Winkes bedürfe, ein anderes riesengroßes Ding dienstbar macht und für sich arbeiten lässt.

{Anmerkung: Anspielung auf die Getreidekörner und die Eier der Insekten. Da hinterlässt z.B. eine Wespenart ihre Eier auf den Blättern einer Ulme. Da verwandelt diese riesige Ulme plötzlich ihre Blätter den Eiern in einen Mutterschoß, eine Wiege, einen Speicher, gefüllt mit Nahrungsvorräten gleich Honig. Es ist, als ob der Baum auf diese Weise an Stelle seiner Früchte nun selbst lebendige Früchte hervorbrächte.}

Ziehe hierzu auch noch andere Dinge zum Vergleich heran! Es ist, als ob ein jedes Ding alles in der Welt erschaffene in seinen Dienst stellte. Wolltest du also nun diesen verborgenen Herrn nicht anerkennen, dann müsstest du alle die Meisterschaft, die Kunstfertigkeiten, Vollkommenheiten, die wir in allem Geschaffenen, in den Steinen,

in der Erde, den Tieren und den Menschen finden, (Stück für Stück) jedem einzelnen Ding zuschreiben. So müssten also an Stelle des allein wunderwirkenden Herrn, (an den zu glauben dir) weit davon entfernt (erscheint,) vernünftig zu sein, Milliarden von Wundertätern da sein, die gleich Ihm und zugleich einander entgegengesetzt und dennoch einander gleich und wiederum ineinander zu finden sein sollten, sodass diese Ordnung nicht zerstört werde und die Welt nicht in Unordnung gerate. Würden sich jedoch in diesem Riesenreich auch nur zwei Finger (eines fremden Partners von außen) einmischen, (geriete alles) durcheinander. Denn wo zwei Schulzen in einem Dorf, zwei Meister auf einer Burg, zwei Könige in einem Reich wären, bringen sie alles durcheinander. Wie also wäre es denkbar oder möglich, dass es unzählige absolute Herrscher geben könnte!?

Fünfter Beweis

Oh du argwöhnischer Freund! Komm nun und achte auf die Kunstwerke dieses Schlosses, alle die Schönheiten dieser Stadt, die ganze große Ordnung in diesem Reich und denke über alle die wundervollen Werke in dieser Welt nach! Wäre die Feder des verborgenen Herrn, der so wunderbar und meisterhaft ist, nicht am Werke und müsste man also die Kunstwerke anderen unbedachten Ursachen, blindem Zufall und den tauben Kräften der Natur zuschreiben, so wäre es auch notwendig, dass in diesem Reich selbst jeder Stein und jedes Kraut ein so wundervoller Schreiber, ein so außerordentlicher Kalligraph sein müsste, dass er in einen einzigen Buchstaben tausend Bücher hineinschreiben und in einem einzigen Ornament Millionen von Kunstwerken zusammenfassen könnte. Denn sieh einmal wie sich in jedem dieser Steine die Kunstwerke des ganzen Schlosses, die Gesetze zur Verwaltung einer ganzen Stadt, das Programm zur Gestaltung eines

großen Reiches wiederfinden. Das aber heißt, dass die Verfertigung solcher Kunstwerke ebenso wunderbar ist wie die Gestaltung des großen Reiches. Wenn das aber so ist, dann ist auch jedes Schmuckstück, jedes Kunstwerk gleich einer Verkündigung oder einem Siegel dieses verborgenen Herrn.

{Anmerkung: Eine Anspielung auf den Menschen als die Frucht am Baume der Schöpfung und zugleich auch auf eine Frucht, die das Programm und Inhaltsverzeichnis dieses ihres Baumes in sich trägt. Denn was die Feder der Macht im großen Buche der Welt geschrieben hat, davon hat sie auch eine Zusammenfassung in den einzelnen Menschen hineingeschrieben. Was auch immer die Feder der Bestimmung in einen Baum, groß wie ein Berg, hineingeschrieben hat, das hat sie auch in seiner Frucht, nicht größer als ein Fingernagel, zusammengefasst...}

Da es aber nun einmal keinen Buchstaben geben kann, der nicht auf seinen Schreiber hinwiese, ein kunstvoll gestaltetes Schmuckstück, das nicht auch seinen Designer bekannt machte... wie könnte es dann sein, dass der Designer, der in einen einzigen Buchstaben ein ganzes großes Buch hineingeschrieben hat, in einem einzigen kunstvoll gestalteten Schmuckstück tausend Kunstwerke zusammengefasst hat, nicht durch Sein Buch und durch dieses Schmuckstück zu erkennen wäre...

Sechster Beweis

Komm, wandern wir über diese weite Ebene!

{Anmerkung: Eine Anspielung auf das Antlitz der Erde im Frühling und im Sommer. Denn hunderttausende verschiedener Arten von Geschöpfen werden untereinander vermengt und vermischt, gleichzeitig erschaffen und auf der Erdoberfläche eingetragen. So werden sie ohne alle Mängel und Fehler in vollkommener Ordnung ausgetauscht. Tausende von Tafeln des Allbarmherzigen werden gedeckt und wieder aufgehoben, wieder und wieder neu gedeckt. Jeder Baum gleicht einem Kellner, jedes Beet einem Speisekessel.}

Siehe, da ist inmitten dieser Ebene ein hoher Berg. Da wollen wir hinaufsteigen, damit wir die ganze Umgebung betrachten können. Außerdem wollen wir gute Fernrohre mitnehmen, die uns alle Dinge in greifbare Nähe rücken. Denn in diesem wunderbaren Land geschehen wunderbare Dinge, ereignet sich in jeder Stunde, was die Vernunft übersteigt. Sieh nun! Es verwandeln sich plötzlich die Berge, die Ebenen und die Städte. Und wie sie sich verwandeln! Das geschieht auf folgende Weise: Millionen untereinander vermengter, vermischter Dinge werden in vollkommener Ordnung umgewandelt. Es findet da eine ganz erstaunliche Verwandlung statt. Es ist, als würden Millionen verschiedener Stoffe gleichzeitig am selben Ort gewebt werden. Siehe, jetzt sind alle die uns wie Blumen und Blüten lieb gewordenen und vertrauten

Dinge verschwunden und an ihre Stelle sind in bester Ordnung andere, ihnen dem Wesen nach ähnliche, der Substanz nach aber verschiedene, neu gebildete getreten. Es ist, als glichen diese Berge und Ebenen einer Seite, auf die hunderttausende verschiedener Bücher geschrieben würden. Ja sie werden sogar ohne Fehler und Mängel geschrieben. So ist es denn hundertfach unmöglich, dass diese Dinge aus sich selbst entstanden sein sollten. Ja es ist sogar tausendmal unmöglich, dass diese in so unendlichem Grade kunstvollen und mit so viel Aufmerksamkeit gestalteten Dinge aus sich selbst entstanden sein könnten. Stärker als ihre eigene (Existenz) beweisen sie die ihres Meisters. Zudem ist der, welcher dies alles vollbringt, der Herr, der allein Wunder tut und sie mühelos tut. Tausend Bücher zu schreiben ist für Ihn genau so leicht, wie einen einzigen Buchstaben zu schreiben. Darüber hinaus siehe auch wie Er alles mit einer solchen Weisheit an seinen rechten Platz stellt und so freigiebig allen Seine Güte erweist, wie es ihnen zukommt. Des Weiteren öffnet Er allen huldvoll Türen und Tore, ihnen allen ihre Wünsche befriedigend. Des Weiteren bereitet Er ihnen allen ihre Tische so freigiebig, dass alle Völker Seines Reiches und auch die Tiere ihren Tisch finden, jedes nach seiner Art und Gattung, ja sogar jeder einzelne aus Seiner Huld einen Tisch mit seinem eigenen Namen und Zeichen empfängt. Könnte es also in dieser Welt etwas geben, was noch unvorstellbarer wäre, als dass unter diesen Dingen, die wir hier sehen, Dinge rein zufällig sein könnten, oder sinnlos oder nutzlos, oder dass sich verschiedene Hände (in ihre Verwaltung) einmischen könnten, dass ihr Meister nicht aller Dinge mächtig wäre, oder sie Ihm nicht dienstbar wären!? Nun denn, mein Freund! Wenn du nun noch dazu in der Lage bist, versuche doch noch einen Einwand dagegen vorzubringen!

Siebenter Beweis

Nun komm, mein Freund! Lassen wir nun die Einzelheiten und wollen wir statt dessen das Verhältnis der einzelnen Bestandteile dieser wunderbaren Welt zueinander betrachten, welche die Gestalt eines Schlosses hat. Siehe nun: In dieser Welt geschehen alle Dinge, vollziehen sich die großen, allgemeinen Umwandlungen in einer Ordnung von so hohem Grade, dass alle Steine,

die Erde und die Bäume und alle Dinge, die wir in diesem Schloss (und in seinen Gärten) vorfinden, jede für sich wie selbständig handelnd, die ganze, umfassende Ordnung in dieser Welt beobachten und sich im Einklang mit ihr bewegen. Dinge, die am weitesten voneinander entfernt sind, eilen einander zu Hilfe. So siehe denn: Aus der unsichtbaren Welt kommt eine Karawane gezogen.

{Anmerkung: Hier werden die Bäume und all die übrigen Pflanzen mit Karawanen verglichen, die allen Tieren ihre Nahrung bringen.}

Ihre Tragtiere sind die Bäume und alle die übrigen Pflanzen, ja selbst die Berge, sie tragen ein Tablett mit Speisen auf ihren Köpfen. Siehe nun: Sie bringen den verschiedenen Tieren, die auf dieser Seite (= dem Diesseits) warten, ihre Nahrung. Und siehe weiter: Jene gewaltige elektrische Lampe in der Kuppel (des Schlosses) spendet ihnen Licht und kocht ihnen zugleich auch all ihre Speisen auf das Beste.

{Anmerkung: Jene gewaltige elektrische Lampe ist eine Anspielung auf die Sonne.}

Man braucht nur die Speisen, die wie von unsichtbarer Hand an einem Strick befestigt zu sein scheinen, zum Kochen vor sie zu halten.

{Anmerkung: Was den Strick und die daran befestigten Speisen betrifft, so sind dies die kleinen Zweige der Bäume, an denen die wohlschmeckenden Früchte hängen.}

Und siehe nun weiter, wie dort vor diesen armen, schwachen, kraftlosen und hilflosen Jungen (der Tiere) kleine mit köstlicher Nahrung gefüllte Säckchen herabhängen, Brunnen gleich, an denen sich diese kraftlosen Geschöpfe nur noch mit ihrer Schnauze festzusaugen brauchen.

{Anmerkung: Die Säckchen sind eine Anspielung auf die Zitzen der Muttertiere.}

Zusammenfassung:

Alle Dinge in dieser ganzen Welt helfen einander, als wären sie für einander bestimmt, reichen einander die Hand, als könnten sie einander erkennen und verstehen. Um sich einander zu vervollkommnen, stehen sie zueinander Schulter an Schulter. Sie stärken einander den Rücken und arbeiten zusammen. Du kannst nun alle Dinge heranziehen, um sie damit zu vergleichen! Die Anzahl der Beispiele ist nicht zu zählen... So zeigen denn alle diese oben angeführten Beziehungen und Verhältnisse mit der gleichen Sicherheit, mit der zwei mal zwei vier ist, dass dem Meister dieses wunderbaren Schlosses, d.h. dem Herrn

dieser einzigartigen Welt, alle Dinge dienstbar sind. Jedes Ding arbeitet nach Seinem Willen. Alle Dinge gleichen Soldaten, die bereit sind, Ihm zu dienen. Alle Dinge laufen (wie ein Geschäft, eine Maschine) durch Seine Kraft. Alle Dinge bewegen sich auf Seinen Befehl. Alle Dinge werden in Seiner Weisheit geordnet. Alle Dinge helfen einander mit Hilfe Seiner Freigiebigkeit (d.h. des Menschen Hilfe kommt von Gott). Alle Dinge eilen in Seiner Barmherzigkeit einander zu Hilfe, d.h. sie werden durch sie in Bewegung gesetzt. Nun denn, mein Freund, wenn du nun noch dazu in der Lage bist, versuche doch noch ein Wort dagegen vorzubringen!

Achter Beweis

Komm, oh du mein unvernünftiger Freund, der du dich, gleich meiner Seele (nefs),selbst für klug hältst! Da willst du den Herrn dieses prächtigen Schlosses nicht anerkennen. Dabei weist doch jedes Ding auf Ihn hin, tut Ihn kund, legt für Ihn Zeugnis ab. Wie kannst du das Zeugnis all dieser Dinge leugnen! Doch in diesem Fall musst du auch dieses Schloss leugnen und sagen: "Die Welt gibt es gar nicht. Dieses Land gibt es nicht." und leugne dich selbst und dann löse dich selbst in Nichts auf! Oder aber komm zur Vernunft und höre mich an! So siehe denn: Es gibt in diesem Schloss einheitliche Elemente, Stoffe,

{Anmerkung: Die Elemente, Stoffe, die so zahlreiche Aufgaben in bester Ordnung erfüllen und mit Erlaubnis ihres Herrn allen Bedürftigen zu Hilfe eilen und auf göttlichen Befehl überall hineindringen, ihnen Unterstützung bringen, alles Lebensnotwendige herstellen und alle Lebewesen damit ernähren, welche Quelle, Mutter und Wiege der Gewebe und aller Muster göttlicher Kunstwerke sind, spielen auf die vier Elemente: Luft, Wasser, Licht und Erde an.}

die dieses Schloss und das ganze Land erfüllen und es zugleich umschließen. Alle Dinge, die in diesem Lande hergestellt werden, sind offensichtlich aus diesen Stoffen gemacht. Das aber heißt, wem diese Stoffe gehören, dem gehören auch alle Dinge, die daraus verfertigt werden. Wem der Acker gehört, dem ist auch die Ernte. Wem das Meer gehört, dem ist auch alles, was darinnen ist. Und weiter siehe: alle diese gewebten

Stoffe, diese mit kunstvollen Mustern angefertigten Tücher werden alle aus der gleichen Materie (z.B. aus Wollfäden) hergestellt. Derjenige, der das Ausgangsmaterial herbeischafft, es vorbereitet und sodann zu Fäden verspinnt, ist offensichtlich ein und derselbe. Denn diese Arbeit duldet keinen Partner. Da dies aber so ist, sind alle diese kunstvoll gewebten Stoffe Sein Eigentum. Und weiter siehe: alle diese hier gewebten und verfertigten Stoffe aller Art finden sich überall im ganzen Land. Alle diese Kinder von der gleichen Art sind so verbreitet, dass sie alle gleichzeitig miteinander, nebeneinander, in gleicher Weise hervorgebracht werden. Das aber heißt, dass dies die Tätigkeit eines einzigen Herrn ist, auf einen einzigen Befehl in Gang gesetzt wird. Anderenfalls wäre es unmöglich, dass sie in ein und derselben Zeit auf gleiche Art, auf dieselbe Weise, übereinstimmend in Aufbau und Form miteinander harmonieren könnten. Da dies aber so ist, weisen alle diese kunstvoll gestalteten Dinge als eine Verkündigung jenes verborgenen Herrn auf Ihn allein hin. Es ist, als sagte jeder einzelne dieser geblümten Stoffe, jede kunstvolle Maschine, jeder wohlschmeckende Bissen als Siegel dieses wundertätigen Herrn, Sein Stempelabdruck, Sein Kennzeichen, als das Mal Seiner Spur unausgesprochen: "Ich bin das Kunstwerk dessen, welcher auch der Eigentümer der Kisten und der Besitzer der Kaufläden ist, in denen ich mich befinde." Und ein jedes Muster spricht: "Ich bin ein Muster, eingewebt in das Tuch dessen, der das Tuch und sein Muster und den ganzen Ballen Stoff gewebt hat." Jeder wohlschmeckende Bissen spricht: "Der mich zubereitet hat, ist auch derjenige, dem der Topf ist, in dem ich mich befinde." Jede Maschine spricht: "Der mich gebaut hat, ist auch derjenige, der im ganzen Lande alle die gebaut hat, die mir gleichen und der uns überall im ganzen Lande herstellt. Das heißt, Er ist auch der Eigentümer des Landes und der König dieses Reiches. Da dies aber so ist, kann nur der, dem das ganze Land gehört und welcher der Herr jenes Schlosses ist, unser Herr und Besitzer sein." Um z.B. ein einziges Koppelschloss oder einen einzigen Uniformknopf besitzen zu können, wäre es notwendig, alle Fabriken zu besitzen, die sie herstellen, um deren tatsächlicher Besitzer zu sein. Man würde (diese Dinge) sonst einem zivilen Angeber aus der Hand nehmen, ihm sagen, dass sie Militärgut sind, und ihn deswegen

bestrafen.

Zusammenfassung:

Die Elemente dieses Landes sind Stoffe, die im ganzen Lande vorkommen. Auch ihr Besitzer kann nur ein Einziger sein, der Herr, dem auch das ganze Land gehört. So weisen denn die Kunstwerke, die im ganzen Reich verbreitet sind, da sie einander gleichen und dieselbe Prägung tragen, ja alles, was sich überall im ganzen Lande findet, darauf hin, dass sie Kunstwerke eines einziges Herrn sind, der über alle Dinge herrscht.

Nun denn mein Freund! Es gibt nun einmal in diesem Lande, d.h. in jenem prächtigen Schloss, ein Merkmalder Einheit, ein einheitliches Siegel. Denn ein Teil der Dinge ist einfach und allumfassend. Ein anderer hingegen weist, obwohl sich (die Dinge einander) gleichen und sich überall finden, dennoch eine Einheit in seiner Art auf. Was diese Einheit betrifft, so weist sie immer auf den Einen hin. Das also heißt, dass sein Meister, sein Eigentümer, sein Herr, sein Erbauer ein und derselbe sein muss. Darüber hinaus achte nun auch darauf, wie hinter dem Schleier des Unsichtbaren ein Seil hervortritt.

{Anmerkung: Das Seil ist eine Anspielung auf einen fruchttragenden Baum. Die tausenden von Fäden auf seinen Ästen und Zweigen und die an ihnen hängenden Diamanten, Orden, Gaben und Geschenken spielen auf die verschiedenen Arten von Blumen und Sorten von Früchten an.}

Siehe, wie sodann tausende von Fäden aus ihm hervor wachsen. Betrachte die Enden der Fäden: An ihnen sind Diamanten, Orden, Gaben und Geschenke angebunden. Sie bieten jedem das ihm entsprechende Geschenk an. Ja weißt du denn nicht, was für ein törichtes Verhalten es ist, einen solchen Herrn, der hinter einem so einzigartigen Schleier vor dem Unsichtbaren so wunderbare Gaben und Geschenke für Seine Geschöpfe hervorbringt, nicht anzuerkennen und Ihm nicht zu danken. Wolltest du Ihn jedoch nicht anerkennen, so wärest du ja gezwungen zu sagen: "Diese Fäden bringen an ihren Enden von selbst Diamanten und andere Geschenke hervor und bieten sie uns an." Dann aber müsste man auch einem jeden Faden die Bedeutung eines ganzen Königreiches zuschreiben. Dabei macht doch eine unsichtbare Hand vor unseren Augen diese Fäden und befestigt an ihnen die Geschenke. Das aber heißt, dass jedes Ding in diesem Schloss weit mehr auf jenen wundertätigen Herrn

hinweist als auf sich selbst. Erkennst du Ihn nicht an, wirst du durch eine solche Leugnung all dieser Dinge hundertfach unter das Tier hinabsinken.

Neunter Beweis

Komm nun, mein Freund, der du nicht recht zu urteilen weißt! Du glaubst nicht an den Herrn dieses Schlosses und willst auch gar nicht an Ihn glauben. Denn das liegt dir fern. Da Seine Kunstwerke und Seine Taten so wunderbar sind, dass sie die Vernunft übersteigen, verirrst du dich zu deren Leugnung. Doch das, was dir wirklich fern liegt und was eigentlich schwierig für dich ist, die wahren Probleme und all die fürchterliche Mühsal entsteht daraus, dass du nicht an Ihn glaubst. Denn wenn wir an Ihn glauben, wird alles, was mit diesem Schloss, dieser Welt zu tun hat, so leicht, als handele es sich dabei nur um eine einzige Sache, wird ganz einfach. Darin findet sich die Quelle dafür, dass alles auf dem Markt so billig und so reichlich vorhanden ist. Wenn wir nicht an Ihn glauben und es Ihn gar nicht gäbe, dann würde jede einzelne Angelegenheit ebenso schwierig sein, wie sämtliche Angelegenheiten dieses ganzen Schlosses. Denn jedes einzelne Ding ist genauso kunstvoll wie das ganze Schloss. So bliebe dann nichts mehr, was noch billig und reichlich vorhanden wäre. Nichts mehr von den Dingen, die wir hier sehen, würde noch in unsere Hand, ja in niemandes Hände mehr gelangen. So betrachte denn nur einmal die hier an diesen Fäden hängenden Vorratspäckchen.

{Anmerkung: Diese Vorratspäckchen sind eine Anspielung auf die Geschenke der Barmherzigkeit (Gottes) wie Zucker- und Wassermelonen und die Granatäpfel, die Vorratsbehältern aus der Macht (Gottes) gleichen und die Kokosnüsse, welche natürliche Milchdosen sind.}

Kämen sie nicht aus der Küche Seiner verborgenen Wunder, könnten wir sie nicht sogar gegen ein ganzes Vermögen erwerben, obwohl sie doch jetzt für ein paar Münzen zu haben sind.

Alles, was uns so fern liegt, alle Schwierigkeiten, Probleme, ja Katastrophen und alles, was unmöglich ist, entsteht in der Tat daraus, dass wir nicht an Ihn glauben. So bekommt ein Baum seine Lebenskraft aus einer einzigen Wurzel, entsprechend einem einzigen Gesetz, aus ein und demselben Boden. Die Gestaltung tausender

von Früchten geschieht demnach mit der gleichen Leichtigkeit wie die einer einzigen Frucht. Wenn die Früchte dieses Baumes mit jeweils einem anderen Platz, einer anderen Wurzel, einem jeweils unterschiedlichen Gesetz verbunden wären, würde die Gestaltung jeder einzelnen Frucht genauso schwierig werden, wie die des ganzen Baumes. Auch die Ausrüstung eines ganzen Heeres von einer einzigen Zentrale aus, einem einzigen Gesetz entsprechend und durch eine einzige Fabrik geschieht trotz einer großen Zahl (Soldaten) genauso leicht wie die Ausrüstung eines einzigen Soldaten. Erfolgte aber die Ausrüstung und Versorgung jedes einzelnen Soldaten an ganz verschiedenen Orten, so müssten für die Ausstattung jedes einzelnen Soldaten ebenso viele Fabriken vorhanden sein, wie man für die Ausrüstung eines ganzen Heeres benötigt.

Den beiden Beispielen entsprechend gilt: Es ist in diesem wohlverwalteten Schloss, in dieser vollkommenen Stadt, in diesem blühenden Land, in dieser prachtvollen Welt die Erschaffung all dieser Dinge, wenn man sie auf einen einzigen Herrn zurückführt, ebenso einfach, geschieht mit der selben Leichtigkeit, dass in ihr die Ursache dafür zu finden ist, dass (alles) so unendlich billig und reichlich und in solcher Fülle vorhanden ist. Anderenfalls wären alle Dinge mit so vielen Kosten und Schwierigkeiten verbunden, dass man nichts davon erhalten könnte, gäbe man auch die ganze Welt dafür.

Zehnter Beweis

Komm nun, mein Freund, der du ein wenig zur Einsicht gelangt bist! Seit fünfzehn Tagen sind wir jetzt hier.

{Anmerkung: Die fünfzehn Tage sind eine Anspielung auf fünfzehn Lebensjahre und damit das Alter zur Eigenverantwortlichkeit im Glauben.}

Wenn wir die Anordnungen dieser Welt nicht kennen und ihren König nicht anerkennen, haben wir eine Strafe verdient. Es bleibt uns keine Entschuldigung mehr. Denn fünfzehn Tage lang ist man (als habe man uns eine Frist gesetzt) nicht an uns herangetreten. Doch sind wir sicherlich nicht ohne Auftrag hier. Inmitten dieser so empfindlichen, kunstvollen, schönen, harmonisch gestalteten und lehrreichen Kunstwerke können wir nicht wie Tiere umherlaufen und

sie beschädigen und dürfen sie auch gar nicht beschädigen. Denn sicherlich ist auch die Strafe, die Seine Majestät, der König dieses Reiches verhängt, fürchterlich. Dass dieser Herr, welch mächtiger Herr Er in Seiner Majestät ist, mögt ihr schon daraus ersehen, dass Er diese riesengroße Welt lenkt und leitet, als sei sie ein Schloss und sie sich drehen lässt wie ein Schöpfrad. Er lenkt dieses große Reich so wie man einen Haushalt leitet, ohne dass dabei irgendwelche Mängel in Erscheinung treten. Siehe also, wie Er dieses Schloss, diese Stadt, dieses Land von Zeit zu Zeit in vollkommener Ordnung füllt und in vollkommener Weisheit wieder leert, so wie man eine Schale füllt und sie wieder leert. So wie man eine Tafel deckt und sie wieder aufhebt, so bringt Er in Seinem Riesenreich landauf, landab mit verborgener Hand der Reihe nach die verschiedensten Speisen, deckt damit die unterschiedlichsten Tafeln, lädt dazu ein und hebt sie wieder auf.

{Anmerkung: Diese Tafeln sind eine Anspielung auf das Antlitz der Erde im Sommer, wenn hunderte von immer wieder frischen und immer wieder anderen Tafeln des Allbarmherzigen aus der Küche Seiner Erbarmung immer wieder neu gedeckt werden. Jedes Beet ist wie ein Kessel (in dieser Küche) und jeder Baum gleicht einem Diener (an einem dieser Tische)}.

Er hebt die eine auf und deckt schon wieder die nächste. Auch du kannst das beobachten und wenn du Verstand hast, kannst du verstehen, welch großzügige Gastfreundschaft sich hinter Seiner furchtbaren Majestät verbirgt. Und weiter siehe, wie alle diese Dinge Zeugnis für das Königreich ihres verborgenen Herrn und Seine Einheit ablegen. In gleicher Weise legen auch alle diese Umwandlungen und Veränderungen, (die vor unseren Augen vorüberziehen,) so wie Karawane um Karawane (vor unseren Augen) herangezogen kommt und vorüberzieht und so wie uns in der Tat (Blüten, die zu Früchten heranreifen,) Tisch um Tisch decken und danach die Tafel wieder aufheben, (wonach sich dann im Frühjahr mit Samen und Knospen der Kreis) wieder schließt, für Dauerhaftigkeit, Beständigkeit und Ewigkeit des Herrn ein Zeugnis ab. Denn zugleich mit allen vergänglichen Dingen vergeht auch ihre Zeit und mit ihr alles, was sie hervorgebracht hat.

Nach ihnen entsteht jedoch all das, was wir ihnen zugeschrieben hatten, wiederum neu. Das also heißt, dass nicht (diese vergänglichen

Dinge) jene Werke hervorgebracht haben, es vielmehr die Werke dessen sind, (dessen Stern niemals sinkt und) der keinen Untergang kennt. Wenn des Stromes Wellen vergehen, der Glanz auf den ihnen nachfolgenden Wellen jedoch der gleiche ist wie der (Glanz der) ihnen vorangegangenen (Wellen), so wird daraus ersichtlich, dass (die Sonne), die ihnen Glanz verleiht, die (wahre) Herrin jenes hohen Lichtes ist, welches (das Wechselspiel aller Wellen) bescheint. So zeigt auch der rasche Wechsel aller Dinge und (der Umstand, dass) alle Dinge nach ihnen wieder die gleiche Farbe erhalten, dass dies eine Manifestation, ein Schmuck, ein Abbild, ein Kunstwerk des einen und ewigen Herrn ist, für den es nicht (Ende noch) Untergang gibt...

Elfter Beweis

Komm oh Freund! Ich will dir nun noch einen Beweis vor Augen führen, einen, der die gleiche Überzeugungskraft hat wie alle zehn vorangegangenen. Komm! Dort drüben in der Ferne ist eine Halbinsel. Wir wollen an Bord eines Schiffes gehen und hinüberfahren!

{Anmerkung: Das Schiff ist die Geschichte und die Halbinsel das Glückliche Zeitalter des Propheten. An der dunklen Küste dieses Zeitalters legen wir diese einem mehr ärgerlichen als bürgerlichen Leben gemäße Kleidung ab und segeln an Bord des Schiffes der Geschichte über das Meer der Zeit zur Halbinsel des Glücklichen Zeitalters und gehen dort auf der Arabischen Halbinsel an Land, um den zu besuchen, auf den die ganze Welt stolz (Fahr-i Alem, mit dem Frieden und Segen sei) ist. Während wir ihn bei der Erfüllung seines prophetischen Auftrages betrachten, erkennen wir, welch strahlendes Zeugnis der Einheit Gottes er ist, sodass er das Erdenrund von einem Ende zum anderen und auch Vergangenheit und Zukunft, die beiden Gesichter der Zeit erhellt und die Finsternis des Unglaubens und des Irrweges vertreibt.}

Denn dort müssten die Schlüssel zu dieser verwunschenen Welt sein. Denn alle schauen nach dieser Halbinsel aus, richten auf sie ihre Erwartungen und erhalten von dort ihre Weisungen. Auf also, fahren wir hinüber! Wir sind also nun auf der Halbinsel angelangt. Siehe, dort findet eine mächtige Versammlung statt. Alle großen des Reiches scheinen sich da zu einer bedeutsamen Feier versammelt zu haben. Merke gut auf! Dort ist der Fürst, der Präsident dieser gewaltigen Versammlung. Komm, lass uns noch

etwas näher herzutreten! Wir wollen diesen Fürsten kennen lernen! Sieh doch, welch berühmte Auszeichnungen

{Anmerkung: Die tausend Orden sind die Wunder des Propheten, mit dem Friede und Segen sei, deren Zahl nach Ansicht von Kennern und Forschern an die tausend erreicht.}

er hat, und die mehr als tausend Orden, die er trägt! Und wie mächtig er im Wort ist! Und wie angenehm ist dennoch seine Gesellschaft und die Unterhaltung mit ihm! Ich habe in diesen fünfzehn Tagen ein wenig von dem erfahren, worüber er spricht. Nun magst auch du es von mir lernen. Siehe, er spricht von dem wundertätigen König dieses Landes. Er sagt: "Jener ruhmreiche König hat mich zu euch gesandt." Siehe, er wirkt solche Wunder, dass kein Zweifel mehr daran bleibt, dass er der auserwählte Diener und Gesandte des Königs ist. Beachte nun, dass nicht nur die Geschöpfe dieser Halbinsel seinem Wort lauschen, er vielmehr auf wunderbare Weise alle im Land dazu bringt, ihn zu vernehmen. Denn von nah und fern bemüht sich jeder seine Rede hier zu hören. Ihm hören nicht nur die Menschen zu, sondern auch die Tiere, ja siehe, sogar die Berge hören die Befehle, die er erteilt, und sie erbeben. Jene Bäume begeben sich an den ihnen angewiesenen Platz. Wo immer er es will, da bringt er Wasser hervor. Ja seine Finger spenden sogar wie eine Mutter und tränken gleich dem Kauthar(-strom des Paradieses). Aus ihm lässt er lebensspendendes Wasser trinken. Siehe, die große Leuchte

{Anmerkung: Die große Leuchte ist der Mond, welcher durch ein Zeichen von ihm in zwei Teile gespalten wurde. Das heißt, wie Maulana Djami (1415-96) sagt: Jener, des Schreibens unkundige, der niemals etwas geschrieben hatte, schrieb mit seinem Finger ein Elif (ein arab. Buchstabe, der die Form eines "I" hat) an den Himmel wie mit einer Feder auf ein Blatt und machte so aus einer "40" zwei "50". Das heißt, der Mond sah vor der Spaltung wie ein Mim (arab. Buchstabe "M"; seine Form ist rund und sein Zahlwert gleich "40") aus, nach der Spaltung waren zwei Sicheln entstanden wie zwei Nun (arab. Buchstabe "N"; sein Wert ist "50")}.

dort oben an der hohen Kuppel des Schlosses, die doch ein Ganzes ist, spaltet sich auf ein Zeichen von ihm in zwei Hälften. Das heißt, dass das ganze Land mit allem, was darinnen ist, seinen Weisungen nachkommt. Sie horchen und gehorchen ihm, als wüssten sie: er ist "der erwählte und wahrhaftige Wortführer des verborgenen und wunderwirkenden Herrn, der Herold Seines Reiches, der Erschließer Seiner tiefen Geheimnisse (tilsim)und

ein vertrauenswürdiger Gesandter, der Seine Befehle verkündet." So sagen denn alle vernünftig denkenden an seiner Seite zu jedem Wort, das er spricht: "Ja, so ist es richtig und recht." und bestätigen ihn damit. Ja sogar die Berge und die Bäume im Lande und die große Lampe, die alle Länder erleuchtet, sprechen wie ihr Haupt seinen Winken und Befehlen neigend: "Ja, das ist in der Tat so."

{Anmerkung: Die große Lampe ist die Sonne. Einmal schlief der Prophet, mit dem Friede und Segen sei, und hatte dabei sein Haupt in den Schoß Imam Alis, mit dem Gott zufrieden sein möge, gebettet, der dadurch sein Nachmittagsgebet versäumte. Da drehte sich die Erde in der Gegenrichtung wieder zurück und brachte die Sonne wieder zum Vorschein. Durch dieses Wunder vermochte er sein Gebet noch in der Zeit zu verrichten.}

Nun denn, oh du verblendeter Freund! Wäre es denn überhaupt möglich, dass sich irgendeine Art von Falsch oder Verlogenheit in den Attributen seines wunderwirkenden Herrn fände, die er mit ganzem Nachdruck erwähnt, und in den Befehlen, die er übermittelt, da er eine so lichtvolle, würdevolle und durchaus ernstzunehmende Persönlichkeit ist, geschmückt mit tausend Orden aus des Königs eigener Schatulle und bestätigt von allen Würdenträgern im Lande? Sollte darin eine Unwahrheit möglich sein, so müsste man auch sowohl die Existenz als auch den Sinn dieses Schlosses, seiner Lichter und der dort versammelten (Würdenträger) bestreiten. Wenn du es also jetzt noch vermagst, dann strecke einmal den Finger deiner Einwendungen dagegen aus und siehe, wie dein Finger unter der Macht der Beweise zerbricht und sich dir ins eigene Auge bohrt...

Zwölfter Beweis

Nun komm also mein Bruder, der du nun schon ein wenig zur Vernunft gekommen bist! Über die gesamte Kraft der oben angeführten elf Beweise hinaus will ich dir nun noch einen weiteren Beweis zeigen. So siehe denn hier diesen leuchtende Erlass (ferman),der von oben herabgekommen ist und den jeder entweder mit Staunen oder mit Ehrfurcht, jedoch mit größter Aufmerksamkeit betrachtet.

{Anmerkung: Der leuchtende Ferman ist eine Anspielung auf den Qur'an und das Siegel darauf bestätigt ihn als ein Wunder.}

Diese mit tausend Orden ausgestattete Persönlichkeit

hält des Sultans Ferman in seinen Händen und erklärt allem Volk seinen Sinn. Siehe, die Abfassung dieses Fermans ist so glanzvoll, dass er die bewunderungsvollen Blicke aller auf sich lenkt und er erwähnt so ernste und bedeutende Fragen, dass jeder ihm sein Ohr leihen muss. Denn er erklärt nacheinander alle die Werke und Taten, die Befehle und auch die Qualitäten seines Herrn, der über dieses ganze Land regiert, der dieses Schloss geschaffen hat und alle diese wunderbaren Dinge hier hervorbringt. Siehe, wie dem ganzen Werk dieses Fermans das große Siegel aufgeprägt ist, wie zugleich auch jede Zeile, jeder Satz ein solch unnachahmliches Siegel trägt! So ist auch in dem Sinn, den Wahrheiten, Weisungen und Weisheiten, denen er Ausdruck verleiht, je eine Ihm eigentümliche Gestaltung in Form eines geistigen Stempels zu sehen, so wie er nur Ihm allein entspricht.

Zusammenfassung:

Dieser Große Ferman weist klar wie die Sonne auf Seinen Großen Herrn hin, sodass ein jeder, der nicht gerade blind ist, das erkennen kann...

Wohlan denn mein Freund! Wenn du nun zur Einsicht gekommen bist, so sollte dir dies genügen... Solltest du aber noch etwas zu sagen haben, dann sage es nun. Da gab jener hartnäckige Mann zurAntwort:"Ich kann zu diesen deinen Beweisen nur sagen: Dank sei Gott, ich glaube! Und nun glaube ich mit dem strahlenden Glanz der Sonne und der Klarheit des lichten Tages: Der König dieses Landes ist ein einziger in Seiner Vollkommenheit (Kemal).Der Herr (Sahib)dieser Welt ist ein einziger in Seiner Majestät (Djelal).Der Meister, der dieses Schloss erbaut hat, ist ein einziger in Seiner Vollendung (Djemal).(Dies) nehme ich (fest als meinen Glauben) an. Möge Gott mit dir zufrieden sein, weil du mich von meiner alten Verbohrtheit und von meinen Torheiten errettet hast. Jeder einzelne deiner Beweise hätte alleine schon ausgereicht, um diese Wahrheit aufzuzeigen. Ich wartete jedoch noch und hörte dir noch weiter zu, weil sich mit jedem Beweis, den du erbracht hast, die Schichten der Erkenntnis und die Blütenkelche des Wissens in noch größerem Wohlgeruch und immer reicherer Schönheit entfalteten und die Fenster zur göttlichen Liebe sich zu noch höherem Wohlgefallen, zur Fülle des Lichtes und der Güte geöffnet haben."

Dieses Gleichnis, das auf die Große Wahrheit der Einheit

(tauhid)und den Glauben an Gott hinweist, ist hier zum Abschluss gekommen. Nun wollen wir mit dem Segen des Erbarmers, aus der Fülle des Qur'an und dem Lichte des Glaubens, aus der Sonne der wahren Einheit (tauhid)zwölf Strahlen (lem'a)und eine Einführung in Ergänzung dieser zwölf Beweise in Form des obigen Gleichnisses aufzeigen.

وَمِنَ اللهِ التَّوْفِيقُ وَالْهِدَايَةُ

{"Und von Gott kommen aller Erfolg und die Rechtleitung."}

Zweites Kapitel

Einführung

بِسْمِ اللَّهِ الرَّحْمَنِ الرَّحِيمِ

اَللهُ خَالِقُ كُلِّ شَىْءٍ وَهُوَ عَلٰى كُلِّ شَىْءٍ وَكِيلٌ لَهُ مَقَالِيدُ السَّمٰوَاتِ وَاْلاَرْضِ فَسُبْحَانَ الَّذِى بِيَدِهِ مَلَكُوتُ كُلِّ شَىْءٍ وَاِلَيْهِ تُرْجَعُونَ وَاِنْ مِنْ شَىْءٍ اِلاَّ عِنْدَناَ خَزَآئِنُهُ وَمَا نُنَزِّلُهُ اِلاَّ بِقَدَرٍ مَعْلوُمٍ مَامِنْ دَآبَّةٍ اِلاَّ هُوَ اٰخِذٌ بِنَاصِيَتِهَا اِنَّ رَبِّى عَلٰى صِرَاطٍ مُسْتَقِيمٍ

{"Im Namen Allahs, des Erbarmers, des Allbarmherzigen. Gott ist der Schöpfer aller Dinge und Er ist aller Dinge Sachwalter. Sein sind die Schlüssel der Himmel und der Erde." (Sure 39, 62-63) "Gepriesen sei der, in dessen Hand die Herrschaft über alle Dinge (ruht) und zu Ihm werdet ihr (dereinst) zurückgebracht." (Sure 36, 83) Und nichts gibt es unter den Dingen, wovon Wir nicht einen Vorrat hätten. Davon senden Wir nur eine bestimmte Menge herab." (Sure15, 21) "Es gibt kein Tier, dass Er nicht am Schopfe hielte. Wahrlich, mein Herr ist (im Gegensatz zum Menschen) auf dem geraden Weg." (Sure 11, 56)}

Einer der Hauptpole des Glaubens ist der Glaube an Gott. In der Abhandlung darüber (Katre Risalesi)hatte ich bereits kurz erklärt, dass ein jedes Ding in der Schöpfung mit fünfundfünfzig Zungen das seinsnotwendige Sein (Vudjub-u Vudjud)und die Einheit (vahdaniyet)Gottes, des Gerechten, beweist und bezeugt. Zugleich habe ich auch in einer Abhandlung ("Nokta"= der Punkt) vier der allgemeinen Beweise für die Seinsnotwendigkeit und die Einheit Gottes, des Gerechten erwähnt, deren jeder die Überzeugungskraft von tausend Beweisen hat. Da ich zudem in meinen zwölf arabischen Abhandlungen hunderte von unwiderlegbaren Beweisen für die Seinsnotwendigkeit und Einheit Gottes, des Gerechten erwähnt habe, möchte ich mich hier mit ihnen begnügen und nicht in eingehende Erörterungen darüber einsteigen. Ich möchte mich hier nur darum bemühen, in diesem "Zweiundzwanzigsten Wort" der Risale-i Nur "Zwölf Strahlen (Lem'a)"aus der Sonne des Glaubens an Gott aufzuzeigen.

Erster Strahl

Es gibt zwei Arten, um zum Glauben an die Einheit (tauhid)zu gelangen. Zum Beispiel: Kommen in einem Marktflecken oder einer kleinen Stadt für einen hohen Herrn verschiedene Güter an, so erkennt man auf zweierlei Weise, dass es seine Güter sind. Die

erste ist kurz und einfach zu sagen: "Eine so gewaltige Menge an Gütern kann gar kein anderer besitzen als allein nur dieser Herr." Unter der Aufsicht eines einfachen Mannes sind jedoch mancherlei Diebstähle möglich. Auf die einzelnen Teile können sich viele als Eigentümer ausgeben. Die zweite Art ist die, dass man an jedem Bündel eine Karte liest, auf jedem Ballen ein Siegel erkennt und auf allen Frachtbriefen Sein Stempel sieht, der sagt "Alle Dinge gehören dem Herrn." So erkennt man denn in diesem Falle in jedem Ding indirekt seinen Herrn.

Genauso ist es mit der göttlichen Einheit (tauhid).Man gelangt zu ihr auf zweierlei Wegen.

Erstens:

Tauhid ist die ganz einfache und offensichtliche Erkenntnis:"Gott der Gerechte ist eins. Er hat weder einen Partner noch Seinesgleichen und Ihm gehört das All."

Zweitens:

Der wahre Glaube an die Einheit Gottes (tauhid)besteht darin, in allen Dingen das Siegel Seiner göttlichen Allmacht, den Stempel Seiner Herrschaft und eine Zeichnung aus Seiner Feder zu erkennen. Dadurch öffnet sich mit jedem Ding unmittelbar ein Fenster zu Seinem Licht. Seine Einheit wird bestätigt, und dass alles der Hand Seiner Macht entspringt und dass es in Seiner Göttlichkeit keinen Partner, in Seiner Herrschaft keinen Helfer gibt und Er aller Dinge Eigentümer ist. So gelangt man zum Glauben mit einer Gewissheit, die an wahrhaftige Gewissheit grenzt, und lebt in einer Art beständiger (göttlicher) Gegenwart. So möchte denn auch ich in dieser Abhandlung die Strahlen der Wahrheit dieser reinen und erhabenen Einheit (tauhid)aufzeigen und darlegen.

Hinweis:

Oh du gottvergessener Anbeter der Ursachen! Die Ursachen sind nur ein Schleier. Denn die Würde und Majestät (Azamet)Gottes erfordern dies. Am Werk ist jedoch die Allmacht dessen, der nichts und niemandes bedarf und dessen aber alles und jedes bedarf (Samed).Denn die Einheit und Majestät (Djelal)Gottes erfordern es und verlangen Seine Souveränität. Die Beamten des Ewigen Sultans sind keine Mitwirkenden in Seiner Königlichen Herrschaft. Sie sind vielmehr die Ausrufer im Königreich Gottes und die ministeriellen Beobachter Seiner Herrschaft. Und diese Beamten, Seine Werkzeuge, dienen dazu, den Ruhm Seiner göttlichen Allmacht und die Majestät Seiner Herrschaft sichtbar werden zu lassen, sodass die schmutzigen Angelegenheiten nicht

der Allmacht Gottes angelastet werden können. Gott gleicht nicht einem menschlichen König, der von Schwäche befallen und in der Not seiner Armseligkeit Beamte zu Partnern in seinem Königreich gemacht hat, weil er selbst so schwach und hilfsbedürftig ist. Das also heißt, dass die Ursachen den Zweck zu erfüllen haben, die Ehre Gottes und den Ruhm Seiner Allmacht vor der vordergründigen Betrachtungsweise des Verstandes zu schützen. Denn so wie die beiden Seiten eines Spiegels hat auch jedes Ding seine "königliche (mulk)"Seite, die der bemalten Rückseite des Spiegels vergleichbar ist. Sie kann verschiedene Farben und Formen haben. Die andere (Seite eines Dinges aber) ist die Seite, die sich auf die Engel bezieht, (malakut= die Seite der Engelwelt), vergleichbar mit der Seite eines Spiegels, also seiner eigentlichen Spiegelseite. Die königliche und von uns sichtbare Seite kennt Zustände, welche dem Ruhm und der Vollkommenheit der Macht des Einzigartigen widersprechen. Ursachen dienen dem Zweck, derartige Zustände auf sie zurückzuführen, sich als deren Quelle angeben zu können. Auf der "Malakut"-Seite eines Dinges jedoch, an der Seite seiner Zweckbestimmung (oder Sinngebung) also, ist alles klar, deutlich und schön. Diese (Seite) ist für die unmittelbare Einwirkung der Macht Gottes (ohne Vermittlung der Ursachen) geeignet. Sie steht nicht im Widerspruch zu (Gott und) Seiner Ehre. Deshalb sind die Ursachen lediglich vordergründig und nicht tatsächlich. Sie bilden nicht den eigentlichen Hintergrund (des Spiegels und aller Erscheinungen in ihm), haben keinen Einfluss auf der "Malakut"(-Seite der Dinge).

Zudem ist noch eine weitere Weisheit hinter den äußeren Ursachen die folgende: Es sollen ungerechtfertigte Anklagen und hohle Einwände nicht gegen den Vollkommen- Gerechten gerichtet werden. Darum werden Anklagen und Einwände auf Ursachen als deren Zielscheibe zurückgeführt. Denn so lässt sich ein Fehler auf sie (= seine Ursachen) zurückführen. Die Ursache ist somit irgendein Versagen. Um dieses Geheimnis in Form eines feinsinnigen Beispiels darstellen zu können, wird dieses Gleichnis aus der geistigen Welt angeführt: Hazret- i Azrail (der Todesengel), mit dem der Friede sei, sagte einmal zu Gott dem Gerechten: "Wegen meiner Aufgabe, die Geister abzuholen, werden sich Deine Diener und Verehrer bei mir beklagen, mir deswegen zürnen."

Gott der Gerechte entgegnete ihm in der Sprache Seiner Weisheit: "Ich will, dass zwischen dir und meinen Dienern und Verehrern ein Schleier aus Unglücksfällen und Krankheiten sei, sodass sich ihre Klagen gegen ihn richten, dir aber nicht zürnen sollen."

So siehe denn, wie die Krankheiten zu einem Schleier geworden sind. Sie sind es, auf die man alle Bitternis, die man im Tode empfindet, schieben kann; doch liegt die Wahrheit über die Abberufung der Geister in der Weisheit und Schönheit, die mit der Aufgabe Azrails, mit dem der Friede sei, verbunden ist. Desgleichen gilt, dass auch Hazret-i Azrail selbst ein Schleier ist. Auch er dient dazu, Ursache mancher Umstände zu sein, die bei der Abberufung der Geister äußerlich gnadenlos und der vollendeten Barmherzigkeit Gottes nicht zu entsprechen scheinen. Er ist es, der dieses Amt wahrnimmt und somit der göttlichen Allmacht als ein Schleier dient. Es erfordern die Würde und Majestät Gottes in der Tat, dass die Ursachen vor dem Auge der Vernunft als Schleier über der Hand der Allmacht Gottes liegen sollen... Die Einheit und Majestät Gottes (Tauhid ve Djelal)erfordert, dass die Ursachen ihre Hände aus dem eigentlichen Wirken Gottes heraushalten sollen...

Zweiter Strahl

Betrachte den kosmischen Garten, das Blumenbeet dieser Erde und dieses wunderschöne, sternengeschmückte Antlitz des Himmels aufmerksam! So wirst du sehen, dass der Meister in Seiner Majestät, der Schöpfer in Seiner Vollkommenheit auf jedem einzelnen von Seinen Kunstwerken, die ausgestreut und ausgebreitet sind, ein Siegel, das dem Schöpfer aller Dinge zu Eigen ist, ein Stempel, der dem Meister aller Dinge angehört, und eine unnachahmliche, glänzende Prägung mit der Feder der Macht eingetragen hat, wie auf den Seiten der Nacht und des Tages, des Sommers und des Frühlings. Nun wollen wir hier einige von diesen Siegeln, Stempeln und Prägungen als Beispiele anführen.

Betrachte z.B. eines unter den zahllosen Siegeln, eines von denen, die dem Leben aufgeprägt sind. "Er (Gott) macht aus einem Dinge alles und aus allen Dingen ein einziges." Denn aus

einem Tropfen Sperma und aus dem gewöhnlichen Trinkwasser erschafft Er zahllose Körperzellen und unzählige Tierarten. So ist also aus einem Ding alle Dinge zu machen mit Sicherheit das Werk des Vollkommen-Allmächtigen. In gleicher Weise verwandelt Er die zahllosen Speisen, mögen wir nun tierische oder pflanzliche Nahrung genossen haben, und macht aus den verschiedenen Inhaltsstoffen in vollendeter Ordnung die jeweiligen Körper, webt für jeden von ihnen seinen eigenen Pelz und gestaltet ihre Organe. Der dies alles bewirkt, ist mit Sicherheit der, welcher aller Dinge mächtig ist, der Vollkommene-Allwissende. Der Schöpfer des Lebens und des Todes lenkt in der Tat das Leben an der Werkbank dieser Welt in Weisheit mit derartigen wunderbaren Anordnungen Seines Gesetzes, dass Vollzug

und Durchführung dieses Gesetzes den Charakterzug jenes Herrn tragen, der die Zügel des Weltalls in Seinen Händen hält. Wenn also nun dein Verstand noch nicht erloschen und dein Herz noch nicht blind geworden ist, so wirst du verstehen, dass das, was in vollkommener Leichtigkeit und Wohlgeordnetheit alles aus einem Ding erschafft und in vollkommener Ausgewogenheit und Ordnung kunstfertig aus allen Dingen ein einziges hervorbringt, das Kennzeichen ist, das uns den Meister aller Dinge zeigt und dem Schöpfer aller Dinge zu Eigen ist.

Da macht z.B. jemand in Seiner Wunderkraft aus einem Dirhem einer watte-ähnlichen Substanz hundert Ballen Baumwoll- und Seidentuch, desgleichen Batist und noch verschiedene andere Stoffe. Und Er macht aus einem Dirhem dieser Substanz auch noch Helva(türk. Honig), Baklava(Kuchen) und viele andere Speisen. Und wenn du noch weiterhin siehst, wie jener Eisen und Steine, Honig und Butter, Erde und Wasser in Seine Hände nimmt und sich unter ihnen alles in reines Gold verwandelt, so wirst du sicherlich und ohne jeden Zweifel daraus schließen, dass Jenem eine solche Kunstfertigkeit zu Eigen ist, dass alle Elemente der Erde unter Seinen Befehl gestellt sind, und dass alles, was in der Erde und unter der Erde ist, sich seinem Urteilsspruch unterwirft. Die Erscheinung der Weisheit und Macht Gottes ist jedoch in der Tat noch tausendmal wunderbarer als hier in unserem Beispiel. So siehe denn darin ein einziges Siegel unter so vielen Siegeln Gottes,

die das Leben als Sein Merkmal trägt.

Dritter Strahl

Betrachten wir nun die Lebewesen unter all dem, was erschaffen ist und in diesem kosmischen Strom des Lebens kreist! Du wirst sehen, wie viele Stempel es gibt, die der Lebendige, der Ewige (al-Hayy al-Qayyum)jedem einzelnen unter all den Lebewesen aufgeprägt hat. Einer unter diesen Stempeln ist folgender: Ein Lebewesen, z.B. der Mensch, ist wie ein verkleinertes Beispiel dieses Kosmos, eine Frucht am Baume dieser Schöpfung und ein Samenkorn dieser Welt, da es die meisten Prägungen der Arten dieser Welt in sich trägt. Es ist, als sei dieses Lebewesen ein Tropfen, mit äußerst empfindlichen Instrumenten, herausgefiltert aus dem gesamten Kosmos. Dieses Lebewesen zu erschaffen und es zu beherrschen, erfordert also die Fähigkeit, den ganzen Kosmos in Händen halten zu können.

Nun also, wenn dein Verstand noch nicht in deinen Vorstellungen ertrunken ist, so kannst du verstehen: Ein Wort der Macht (Gottes), wie es eine Biene ist, zu einer Art verkleinertem Inhaltsverzeichnis der meisten Dinge zu machen, und auf einer Seite (der Schöpfung), wie es der Mensch ist, die meisten Themen dieses Weltenbuches (der Schöpfung) einzutragen, und weiter in einem Punkt, wie es ein winzig kleiner Feigenkern ist, das gesamte Programm eines riesig großen Feigenbaumes einzugeben, und in einem Buchstaben, wie es des Menschen Herz ist, die Werke aller Namen (Gottes), die sich in den Abschnitten, Perioden, Äonen dieser großen Welt manifestieren und sie umfassen, aufzuzeigen und in dem Erinnerungsvermögen des Menschen, das so viel Platz wie eine Linse einnimmt, so viele Bücher aufzuschreiben, wie sie in einer großen Bibliothek zu finden sind, und das ausführliche Inhaltsverzeichnis aller Ereignisse der Welt in diesem winzig kleinen Flecken zu vermerken, ist sicher und gewiss ein Stempel, der dem Schöpfer aller Dinge zu Eigen ist und dem glorreichen Herrn der Welt angehört.

Nun also, wenn ein einziger Stempel unter so vielen Stempeln des Herrn auf den Lebewesen in dieser Weise sein Licht zeigt, und auf diese Weise dessen Zeichen und Wunder (Ayat)lesen lässt, wenn du also nun gleichzeitig alle diese Stempel sehen und betrachten

könntest, müsstest du dann etwa nicht sagen:

سُبْحَانَ مَنِ اخْتَفٰى بِشِدَّةِ ظُهُورِهِ

{"Gepriesen sei der, welcher hinter solch machtvoller Erscheinung dennoch verborgen bleibt."}

Vierter Strahl

Siehe all das, was über dem Ozean des Himmels segelt und bunt über das Antlitz der Erde verstreut ist und beachte all diese verschiedenen Kunstwerke! Du wirst sehen, wie auf ihnen allen ein Münzsiegel der Urewigen Sonne aufgeprägt ist, das keine Fälschung erlaubt. Wir haben bereits ein, zweimal gesehen, wie auf allem, was Leben hat, Sein Stempel und auf dem Leben selbst Sein Siegel erscheint. Auch die Art und Weise, wie Er die Dinge ins Leben ruft, trägt eine solche Münzprägung. Da aber Beispiele dem Verstand die tiefen Bedeutungen näher bringen, wollen auch wir diese Wahrheit an Hand eines Beispieles aufzeigen.

So zeigt sich z.B. bei der Sonne eine solche Münzprägung in ihrem Spiegelbild, in ihrem Widerschein auf allen Planeten und bis hin zu den Wassertropfen, den kleinen Glasstückchen und den schimmernden Schneekristallen, ein leuchtendes Zeichen, wie es der Sonne entspricht. Nimmst du nicht an, dass all diese kleinen Sonnen, die in zahllosen kleinen Dingen sichtbar werden, ein Widerschein und Spiegelbild dieser (einen, großen) Sonne sind, dann musst du aber annehmen, dass in jedem Wassertropfen, in jeder Glasscherbe, die einen Strahl (der Sonne) empfangen hat und in jedem Staubkörnchen, das vom Licht (der Sonne) getroffen wurde, die eigentliche, ursprüngliche Sonne enthalten ist, was jedoch einer ganz außerordentlichen Torheit, einer grenzenlosen Dummheit zu verfallen hieße.

In gleicher Weise findet sich durch die Urewige Sonne in der Art, wie sie die Dinge ins Leben ruft, d.h. ihnen das Leben schenkt, was eine Erscheinungsweise ihrer Strahlenkraft ist, auf allem, was da lebt, ein solches Münzsiegel, dass - selbst wollten wir einmal annehmen, dass alle Ursachen sich miteinander versammeln könnten und jede von ihnen für sich selbst die Freiheit einer eigenen Entscheidung hätte - sie dennoch nicht jenes Münzsiegel imitieren können. Denn jedes einzelne Lebewesen, das ein Wunder der Macht ist, gleicht einem Brennpunkt der Namen Gottes, die

die Strahlen der Urewigen Sonne sind. Wenn diese wunderbare, künstlerische Verzierung, diese einzigartige Dichtung der Weisheit, diese Erscheinung des Geheimnis der Einheit (Ahadiyet),wie sie in einem Lebewesen zu betrachten ist, nicht dem Einen und Einzigartigen Herrn (Dhat-i Ahad-i Samed)zugeschrieben wird, dann müsste man annehmen, dass in jedem Lebewesen, selbst in einer Mücke und einer Blume eine grenzenlose Schöpferkraft verborgen ist; und dass in ihnen ein alles umfassendes Wissen und eine absolute Willenskraft (irade),die in der Lage ist, das Weltall zu lenken und zu leiten, zu finden ist, ja sogar müsste man annehmen, dass in ihnen die ewigen (baqi)Attribute dessen, der da notwendiger Weise sein muss (Vadjibu l-Vudjud),vorhanden sind. Selbst jeder einzelnen Zelle einer Blume und einer Mücke müsste man eine Gottheit zuschreiben, was jedoch hieße, dem törichtsten Irrweg zu verfallen, in den Abgrund des dümmsten Aberglaubens hinabzustürzen. Denn den einzelnen Zellen der Schöpfungen, insbesondere, wenn es sich dabei um Samenkörner handelt, wurde eine solche Aufbau gegeben, dass jede einzelne Zelle auf das Leben ausgerichtet ist, deren winzigstes Teilchen sie in der Schöpfung darstellt. Sie enthält einen Bauplan, der dem Aufbau (des Ganzen) entspricht.

Es ist sogar so, als hätte sie dabei ihre ganze Gattung vor Augen, sodass Samenkörner - manche von ihnen auch mit kleinen Flügelchen versehen - an allen Orten ausgesät werden, welche für die Fortpflanzung der Gattung geeignet sind, um dort das Fähnlein ihrer Gattung aufzurichten, wofür sie dann auch besondere Eigenschaften erhalten. Eine Zelle ist sogar in der Art konstruiert, dass das Lebewesen, von dem sie das winzigste Teil ist, seine Tätigkeit zu Gunsten aller Geschöpfe, mit denen es verbunden ist und die seiner bedürfen, seine lebensnotwendigen Beziehungen fortsetzen kann.

Wäre also nun diese Zelle nicht ein Beamter des Vollkommen- Allmächtigen, wäre ihre Verbindung zu dem Vollkommen- Allmächtigen abgebrochen, dann müsste man dieser Zelle ein allessehendes Auge und ein allesumfassendes Bewusstsein zuschreiben.

Zusammenfassung:

Wollte man die kleinen Sonnen und die vielen verschiedenen Farben in den Wassertropfen und Glasstückchen nicht auf eine Spiegelung, einen Widerschein der (einen, großen) Sonne zurückführen, so wäre es notwendig,

dass man an Stelle dieser (einen, großen) Sonne zahllose (einzelne, kleine) Sonnen annimmt. Dies aber erfordert einen Aberglauben anzunehmen, der ganz und gar unvorstellbar ist. Genauso müsste man auch, wollte man nicht alles dem Einen, Vollkommen- Allmächtigen zuschreiben, an Stelle Gottes (des Einen, Einzigen) zahllose Götter annehmen, ebensoviel wie es Stäubchen im All gibt. Das aber hieße, eine Unmöglichkeit von einer hundertfachen Unmöglichkeit als Tatsache anzunehmen und damit dem Irrsinn eines Fieberwahns zu verfallen.

Mit einem Wort: Durch jedes einzelne Stäubchen öffnen sich uns drei Fenster zu dem einen Licht der Urewigen Sonne und zur Notwendigkeit Göttlichen Seins.

Erstes Fenster:

Jedes Stäubchen (Atom, Zelle, Samenkorn) gleicht einem Soldaten, der wie innerhalb militärischer Kreise in jeder Gruppe, Kompanie, Bataillon, Division, Armee, Heer seine Zugehörigkeit und dieser Zugehörigkeit entsprechend seine Aufgabe hat, der dieser Aufgabe entsprechend seine Anordnungen erhält und sich dementsprechend bewegt... So hat denn z.B. selbst eine Zelle in deiner Sehlinse ein bestimmtes Verhältnis und eine Aufgabe in deinem Auge, deinem Kopf, deinem Körper, in den Venen und Arterien, in den Nerv- und Lymphbahnen, welche dem Kreislauf, der Wahrnehmung, den Bewegungen dienen, und in deiner Spezies usw. mit ihrer Fähigkeit sich zu vermehren, etwas anzuziehen, abzuwehren oder auszuscheiden und sich für eine bestimmte Gestalt mit anderen Zellen zusammenzuschließen. Dadurch demonstriert sie vor jedem Auge, das nicht erblindet ist, dass sie ganz offensichtlich das Kunstwerk eines Urewigen-Allmächtigen und sein befähigter Beamter ist, Seiner göttlichen Führung untersteht.

Zweites Fenster:

Jedes Atom in der Luft kann jede Blume, jede Frucht besuchen. Es kann so in jede Blume, jede Frucht eintreten und darin tätig werden. Wäre es nicht ein dienstbereiter Beamter des Vollkommen-Allmächtigen, der alles sieht und alles weiß, dann müsste dieses umherschweifende Atom Struktur und Aufbau jeder Frucht und jeder Blume und alle ihre verschiedenen Kunstarten und -formen, nämlich die Kunst des Schneiders, der jede von ihnen bekleidet und die Kunst eines vollendeten und universellen Modeschöpfers

kennen und beherrschen. So macht ein solches Atom einen Strahl des Lichtes der Einheit (tauhid)sonnenklar sichtbar. Vergleiche nun auch das Licht mit der Luft und das Wasser mit der Erde!

Wie bekannt liegt der eigentliche Ursprung aller Dinge in den folgender vier Elementen: Nach neuerer naturwissenschaftlicher Lehre: Wasserstoff (bildet das Wasser), Sauerstoff (dient in der Luft zum Atmen), Kohlenstoff (dient der Verbrennung zur Gewinnung von Energie, Licht und Wärme) und Stickstoff (dient in der Stickstoffsynthese dem Aufbau der Pflanzen: Grundlage fast allen Lebens auf der Erde). Diese vier chemischen Elemente (H-O-C-N) entsprechen den vier Grundelementen (Wasser, Luft, Feuer, Erde) der Alten.

Drittes Fenster:

Nehmen wir eine handvoll Erde, die nichts ist als ein wenig Staub! Wenn wir nun einen Topf mit diesem Staub füllen, so wird er zur Grundlage für Wachstum und Gedeihen aller Arten blühender und fruchtbringender Pflanzen. Säen wir nun den Samen jeder Sorte blühender und fruchtbringender Pflanzen aller Welt in ihm aus, so bestehen diese Samenkörner aus keinen anderen Elementen als die Spermien der Tiere. Auch die Samenkörner bestehen ähnlich wie die flüssigen Spermien aus Kohlenstoff, Stickstoff, Sauerstoff und Wasserstoff, ähneln einander in ihrer Zusammensetzung und unterscheiden sich voneinander nur in ihren Eigenschaften. Nur die Feder (qalem)der göttlichen Vorausbestimmung (qader)überträgt auf sie geistig gesehen ihr Programm. Wir stecken also nun diese Samenkörner der Reihe nach in den Topf. So erwartest du, dass aus jedem Samenkorn eine Pflanze Form und Gestalt annimmt, mit all ihren wunderbaren Bestandteilen, und glaubst daran, als sei dies bereits geschehen. Wären diese Staubkörner nicht Beamte und dienstbereite Diener eines Herrn, der alle Dinge in all ihren Entwicklungsstadien und -formen kennt und der mächtig ist, allen Seinen Geschöpfen den ihnen entsprechenden Körper samt all ihren Organen zu verleihen und dessen Macht alle Dinge leicht und mühelos unterworfen sind, so müssten sich in jedem Staubkörnchen dieser Erde so viele unsichtbare Fabriken und Druckereien befinden, wie es blühende und fruchtbringende Pflanzen gibt, sodass sie der Ursprung all dieser verschiedenen Pflanzen sein

könnten, deren Form und Gestalt so weit voneinander entfernt und voneinander verschieden ist. Oder aber man müsste ihnen ein alle Existenzen umfassendes Wissen und eine Macht verleihen, die alle ihre verschiedenen Formen erschaffen könnte, damit die Erde Ursprung all ihrer Formen sein könnte. Das aber heißt, dass man ebensoviel Götter annehmen müsste, wie es Staubkörnchen in der Erde gibt, wenn es diese Verbindung mit Gott dem Gerechten nicht geben sollte. Dies aber wäre ein Aberglaube, der tausendfach unmöglich ist. Sind sie jedoch Beamte, dann ist dies ganz einfach. Ein Soldat eines mächtigen Königs (Sultan)kann z.B. im Namen dieses Königs (Padischah)und (im Vollzug seiner königlichen) Gewalt ein Volk zur Auswanderung zwingen, zwei Meere miteinander vereinigen und sogar einen König (Schah)gefangen nehmen. In gleicher Weise kann sogar mit dem Befehl des Königs von Ewigkeit zu Ewigkeit eine Mücke Nimrod zu Boden werfen, eine Ameise das Schloss des Pharaos zerstören, vernichten, ein Feigenkorn einen Feigenbaum tragen, (der aus ihm emporwächst).

Überdies gibt es in jedem Staubkörnchen auch noch zwei wahre Zeugen für die Notwendigkeit und Einheit (Vahdet)des Schöpfers. Der erste nimmt trotz seiner völligen Schwäche sehr große und sehr verschiedene Aufgaben wahr, während der andere sich trotz seiner unbelebten Natur der allgemeinen Ordnung entsprechend so verhält, als liebte er die Ordnung und hätte ein umfassendes Bewusstsein. Das aber heißt, dass jedes Stäubchen mit seiner Schwäche für die Notwendige Existenz des Vollkommen-Allmächtigen und in der Beachtung der kosmischen Ordnung für die Einheit Gottes (Vahdet)Zeugnis ablegt.

كَمَآ اَنَّ فِى كُلِّ ذَرَّةٍ شَاهِدَيْنِ عَلٰٓى اَنَّهُ وَاجِبٌ وَاحِدٌ كَذٰلِكَ فِى كُلِّ حَىٍّ لَهُ اٰيَتَانِ عَلٰٓى اَنَّهُ اَحَدٌ صَمَدٌ

{"So wie für den, der notwendigerweise (Vadjib) da ist und der Einzige (Vahid), für den in jedem Stäubchen mit Sicherheit zwei Zeugen sind, gibt es auch in allem Lebendigen, zwei Wunderzeichen (Ayat) für den, welcher der Einzige (Ahad) und Unabhängige (Samed) ist."}

So findet sich denn in der Tat auf allem, was da lebt das Siegel Seiner Einheit (Ahadiyet)und die Prägung seiner Unabhängigkeit. Denn ein jedes Lebewesen zeigt gleichsam wie ein Spiegel alle die Namen, deren Manifestationen sich in den meisten Schöpfungen offenbaren. Es ist so, als ob dieses Lebewesen einen Brennpunkt darstellt, in dem sich die Erscheinungen des gewaltigen Namens des Lebendigen

und Beständigen (Hayy ve Qayyum)zeigt. So trägt es also den Stempel der Einheit (Ahadiyet),da es eine Art Schatten der Einheit des Herrn (Ahadiyet- i Dhatiye)ist, verborgen unter dem Schleier des Namens "al-Muhyi(der Lebensspender)". Überdies zeigt dieses Lebewesen, da es einem verkleinerten Abbild des Kosmos und einer Frucht am Baume der Schöpfung gleicht, die Prägung der Unabhängigkeit Gottes (Samediyet),dadurch dass alle seine weltumspannenden Bedürfnisse innerhalb seines winzig kleinen Lebensbereiches mit unerwarteter Leichtigkeit befriedigt werden. Durch diese Verhältnisse wird sichtbar, dass das Lebewesen einen Herrn hat, der sich ihm zuwendet, wie sonst keine anderen Seiner Schöpfungen und dessen (Gnaden)blick die Stelle aller geschaffenen Dinge ersetzt. Alle Welt vermag nicht die Stelle der Zuwendung dieses Einen zu ersetzen.

نَعَمْ يَكْفِى لِكُلِّ شَىْءٍ شَىْءٌ عَنْ كُلِّ شَىْءٍ وَلاَ يَكْفِى عَنْهُ كُلُّ شَىْءٍ وَلَوْ لِشَىْءٍ وَاحِدٍ

{"Ja, in der Tat genügt für alle Einzelnen der Eine und Einzige an der Stelle von Allem und nicht genügen einem Alles, so nicht statt aller Einzelheiten der Eine (al-Vahid)."}

Desgleichen zeigen diese Verhältnisse, dass - so wie dieser sein Herr keines Dinges bedürftig ist - sich auch Seine Schätze um kein Ding verringern und in Seiner Macht kein Ding schwer ist. So ist denn dies eine Art Prägung, die einen Schatten Seiner Unabhängigkeit (Samedaniyet)offenbart. Das aber heißt, dass jedes Lebewesen einen Stempel Seiner Einheit (Ahadiyet)und eine Prägung Seiner Unabhängigkeit (Samediyet)trägt. In der Tat rezitiert ein jedes Lebewesen in der Sprache seines Lebens (d.h. durch sein Leben bringt es zum Ausdruck)

قُلْ هُوَ اللهُ اَحَدٌ اَللهُ الصَّمَدُ

{"Sprich: Er ist Gott, der Einzige (Ahad). Er ist Gott, der Unabhängige (Samed)" (Sure 112, 1-2)}

Außer diesen beiden Siegeln gibt es auch noch zwei wichtige Fenster. Da diese jedoch bereits an anderer Stelle ausführlich behandelt worden sind, haben wir sie hier nur kurz zusammengefasst.

Da nun einmal in dieser Welt ein jedes Stäubchen diese drei Fenster und diese beiden Luken öffnet, wie auch das Leben zwei Tore gleichsam hin zu dem Notwendig-Seienden, dem Einzigen öffnet, ist es dir jetzt möglich, die obigen Beispiele auf ein Stäubchen bis hin zur Sonne in Bezug auf alle Stufen der Schöpfung mit ihrer lichtvollen Ausstrahlung der Erkenntnis (ma'rifet)über den Herrn, in Seiner Majestät, anzuwenden.

So schreite durch die obigen Beispiele schrittweise in der Erkenntnis (ma'rifet)Gottes und in Seiner Gegenwart (huzur)geistig fort und ziehe deinen Nutzen aus ihnen...

Fünfter Strahl

Um z.B. ein Buch zu schreiben oder einen Brief abzufassen, genügt ein Schreibstift zu seiner Niederschrift. Dort aber, wo es um einen Buchdruck oder eine Drucksache geht, benötigt man dazu ebensoviel Schreibstifte, d.h. Drucktypen, wie das Buch Buchstaben hat, damit ein solches Buch gedruckt und herausgebracht werden kann. Sollte nun in einige Buchstaben des Buches ein Großteil von diesem Buches in sehr feiner Schrift hineingeschrieben werden - z.B. die ganze Sure Yasin in die beiden Buchstaben Ya und Sin hineingeschrieben werden - so benötigt man für diesen einen Buchstaben auch noch alle diese winzigen Buchstaben zusätzlich, damit es gedruckt werden kann.

Sagtest du in gleicher Weise, dass dieses Weltenbuch (das Buch der Schöpfung), die heilige Schrift, aus der Feder der Macht des Einzigartigen und ein Brief des Einen Herrn ist, schlägst du auf einen Weg ein, der geradezu notwendigerweise leicht und auch unbedingt verständlich ist.

Schreibst du es hingegen den Ursachen und der Natur zu, dann beschreitest du einen Weg, der sehr schwierig, unvorstellbar kompliziert und dermaßen abergläubig ist, den man noch nicht einmal im Traum annehmen könnte. Es müssten dann für die Natur in jeder Handvoll Erde, in jedem Tropfen Wasser, in jedem Lufthauch Milliarden metallener Druckereien, nicht zu zählende und unsichtbare Fabriken vorhanden sein, damit die Entstehung solcher zahllosen blühenden und fruchttragenden Kunstwerke zum Erfolg geführt werden können. Oder aber, man müsste in ihnen ein alles umfassendes Wissen annehmen, eine Macht, die zu all diesem die Kraft besitzt, um für diese Kunstwerke eine wahrhaftige Quelle zu sein. Denn für die Entstehung aller Pflanzen bedarf es einer bestimmten Menge Erde, Wasser und Luft. Denn alle blühenden und fruchttragenden Pflanzen sind so harmonisch und ausgewogen gestaltet und jede für sich eine auserwählte, in ihrer Art sehr unterschiedlich, sodass für jede wieder

eine andere, nur für sie geeignete Fabrik bzw. ein spezielles Druckverfahren notwendig wäre. Das aber heißt, dass - wollte man die Natur, statt lediglich wie eine Lineatur zu sein, zur Urquelle machen - man in jedem einzelnen Gegenstand einen Maschinenpark vorfinden müsste. Somit ist der Kern all dieser Naturanbeterei ein Aberglaube, für den sich alle Abergläubigen schämen sollten. Siehe, welch eine grenzenlos wahnwitzige Absurdität die Kinder des Irrtums da vertreten und sich noch selbst für klug halten. Ziehe deine Lehre daraus!

Zusammenfassung:

Jeder Buchstabe in einem Buch stellt z.B. als Buchstabe nicht mehr als sich selbst dar und bringt lediglich durch sein Aussehen seine eigene Existenz zum Ausdruck, während er über seinen Schreiber mit zehn Worten berichtet und ihn auf vielfältige Weise vorstellt. Zum Beispiel: "Mein Schreiber hat eine schöne Handschrift. Sein Stift ist rot. Er ist dieses, er ist jenes. ", sagt er. Und genauso gilt: Ein jeder Buchstabe im großen Buch der Schöpfung stellt als ein Objekt (der Schöpfung) nicht mehr als sich selbst dar und zeigt nicht mehr als sein eigenes Aussehen. Als die Namen des urewigen Designers jedoch stellt er eine Kasside (ein Gedicht) dar und zeigt auf diese Namen mit so viel Zeigefingern hin, wie er Eigenschaften hat, bezeugt den Träger dieser Namen. Das aber heißt, dass selbst ein Sophist, ein Haarspalter, auch wenn er sowohl sich selbst als auch die ganze Welt leugnet, in seiner Torheit dennoch nicht so weit gehen darf, den Schöpfer in Seiner Majestät zu verleugnen!...

Sechster Strahl

Der Schöpfer in Seiner Majestät hat jedem einzelnen Seiner Geschöpfe das Siegel Seiner Einheit (Ahadiyet)aufs Haupt und all Seinen Kunstwerken ins Antlitz geprägt (wovon wir in den obigen "Strahlen " einige gesehen haben). In gleicher Weise hat Er auch jeder Art (von Geschöpfen) viele Siegel Seiner Einheit (Ahadiyet),einer jeden Gruppe (von Arten) mannigfache Stempel Seiner Einheit (Vahidiyet),bis hin zu der Welt (mit all ihren Arten von Geschöpfen) die verschiedensten Prägungen Seiner Einheit (Vahdet)in einer über alles glänzenden Weise aufgedrückt. So wollen wir denn hier nur ein Siegel, einen Stempel unter so vielen Siegeln, Stempeln, Prägungen, die im Frühling auf der Seite

der Erdoberfläche aufgedrückt sind, aufzeigen. Es ist dies wie folgt:

Dass der Urewige Designer über das Antlitz der Erde hin im Sommer und im Frühling wenigstens dreihunderttausend Tier- und Pflanzenarten aus der grenzenlosen Vermischung und Vermengung (ihrer Samenkörner) heraus auswählt und voneinander trennt und in so hohem Grade wohlgeordnet und voneinander wohlgeschieden zum neuen Leben, Wachstum und Gedeihen erweckt, ist ein Siegel der Einheit Gottes (Tauhid),wie auch der Frühling in seiner Pracht so klar und deutlich ist. Wenn in der Tat zur Frühlingszeit in der Neubelebung der erstorbenen Erde dreihunderttausend Beispiele der Auferstehung in vollkommener Ordnung hervorgebracht und dreihundert verschiedene Arten bunt gemischt schließlich fehlerlos, makellos und ohne jede Verwechslung ausgewogen, harmonisch, überaus wohlgeordnet und in vollendeter Form (im Buch der Schöpfung) auf diese Seite eingetragen werden, die die Erde ist, sollte jeder, der auch nur ein Fünkchen Bewusstsein hat, verstehen können, dass dies ein persönliches Siegel des Herrn in Seiner Herrlichkeit (Dhat-i Dhu l-Djelal)ist, des Vollkommenen-Allmächtigen (Qadir-i Dhu l-Kemal)und des Vollkommenen-Allweisen (Hakim-i Dhu l-Djemal),der über eine unendliche Macht (qudret),ein alles umfassendes Wissen (ilm)und über eine den ganzen Kosmos lenkende Willenskraft (irade)verfügt. Der Weise Qur'an bestimmt (ferman)hierzu:

فَانْظُرْ اِلٰٓى اٰثاَرِ رَحْمَةِ اللهِ كَيْفَ يُحْيِى اْلاَرْضَ بَعْدَ مَوْتِهَا اِنَّ ذٰلِكَ لَمُحْيِى اْلمَوْتٰى وَهُوَ عَلٰى كُلِّ شَىْءٍ قَدِيرٌ

{"Siehe die Zeichen der Barmherzigkeit Allahs: wie Er die Erde nach ihrem Tode wieder lebendig macht! Fürwahr, Er ist es, der die Toten wiederbelebt, und Er hat Macht über alle Dinge." (Sure 30, 50)}

Mit Sicherheit ist für die Macht des Schöpfers, der bei der Wiederbelebung der Erde dreihunderttausend Beispiele für die Auferstehung innerhalb einiger Tage erschafft, auch die Auferstehung des Menschen in der Tat dementsprechend leicht. Ja, könnte man etwa zu jenem wunderwirkenden Herrn, der zum Beispiel den Mohnblume nberg oder den Subhan-Berg (4434 m) mit einem Wink Seines Fingers aufzuheben vermag, sagen: "Könntest Du diesen riesigen Stein, der unseren Lebensweg den Bach hinunter

versperrt, hinwegräumen?" Ja könnte man etwa in gleicher Weise den Allmächtigen-Allweisen (Qadir-i Hakiem),den Freigiebigen-Allbarmherzigen (Kerim-i Rahim),der Himmel und Berg und Erde in sechs Tagen erschaffen hat und sie zu allen Zeiten füllt und leert, fragen: "Könntest Du die Erde über uns, die uns den Weg zu Deinem Gastmahl in der Ewigkeit versperrend vor uns ausgebreitet ist, hinwegräumen? Würdest Du uns etwa aus dem Erdreich emporführen und könntest Du es dann aufs Neue unter uns ausbreiten?" Läge dies etwa fern aller Betrachtung?

Du hast nun das Siegel der Einheit (Tauhid)gesehen, welches das Antlitz der Erde im Sommer trägt. Nun siehe! Es zeigt sich da ganz offensichtlich der Stempel der Einheit Gottes (Vahidiyet),der im Frühling auf der gewaltigen Lenkung und Leitung der Erde durch den Allsehenden und Allweisen sichtbar wird. Denn diese Tätigkeit wird in ihrem absoluten Umfang, trotz ihrer unbegrenzten räumlichen Ausdehnung, zugleich auch in ihrer vollendeten zeitlichen Ausdehnung und trotz dieser Geschwindigkeit in absoluter Freigiebigkeit, in absoluter Ordnung und vollendeter Kunstfertigkeit und als eine vollkommene Schöpfung sichtbar. Sie ist ein Stempel, der nur jenem gehören kann, der ein grenzenloses Wissen und eine unendliche Macht besitzt. Wir sehen in der Tat, dass sich Schöpfung, Lenkung, Leitung und Wirksamkeit Gottes über die ganze Erdoberfläche in unbegrenzter Ausdehnung erstreckt. Des Weiteren vollendet sich das Werk bei aller räumlichen Ausdehnung auch in der zeitlichen Ausdehnung (d.h. der Frühling erstreckt sich räumlich und zeitlich gleichzeitig über die ganze Erde). Zudem wird in dieser zeitlichen und räumlichen Ausdehnung auch eine vollendete Freigiebigkeit sichtbar. Diese Freigiebigkeit wird in ihrer räumlichen und zeitlichen Ausdehnung zugleich auch in ihrer vollendeten Leichtigkeit sichtbar. Des Weiteren ist diese Freigiebigkeit und unbeschwerte Leichtigkeit in ihrer räumlichen und zeitlichen Ausdehnung, diese in jeder Art, in jedem Einzelexemplar sichtbar werdende vollkommene Ordnung und so auserlesene und vollendete Kunstfertigkeit, diese absolute Verschiedenheit innerhalb einer grenzenlosen Durchmischung (d.h. in einem Gemisch von Samenkörnern reift dennoch jedes einzelne zu einer unverwechselbaren Pflanze heran),

dieses so wertvolle Werk innerhalb einer so großen Fülle, diese völlige Übereinstimmung in einem so weiten Bereich (d.h. die Übereinstimmung von zwei gleichen Pflanzen trotz weltweiter Entfernung zwischen ihnen) und diese so besondere Kunstfertigkeit, dies alles mit solch unbeschwerter Leichtigkeit hervorzubringen, in einem einzigen Augenblick, an jedem Ort, in gleicher Weise, Sein wunderbares Kunstwerk in jedem einzelnen Exemplar als ein Werk Seines wundertätigen Wirkens hervorzubringen, ist sicherlich und ganz gewiss das Siegel jenes Herrn, der - obwohl doch an keinen Ort gebunden - dennoch an jedem Ort zugegen ist und alles sieht, vor dem nichts verborgen ist und dem nichts und kein Ding schwer wird. Sterne und Stäubchen sind vor Ihm in Seiner Macht gleich.

So habe ich z.B. die Reben gezählt, die an einem Rebstock hingen, der zwei Finger dick war und den ich als ein ganz kleines Exemplar für die Trauben des Wunders aus dem Garten der Freigiebigkeit jenes Gütigen-Allbarmherzigen (Rahim-i Dhu l-Djemal)angesehen habe. Ich kam bis einhundertfünfundfünfzig. Dann zählte ich die Trauben einer Rebe: es waren an die hundertundzwanzig. So dachte ich und sagte mir: Wäre dieser Rebstock gleich einem Wasserhahn, aus dem fortwährend Honignektar fließt, so würde dieser Nektar bei diesen hohen Temperaturen in der Sonne dennoch ausreichen, damit all ihre vielen hundert Trauben gestillt werden, gleich winzigen Wasserschläuchen der göttlichen Barmherzigkeit. Dabei steht ihm doch manchmal nur ein geringe Menge Flüssigkeit zur Verfügung. Es muss also der, welcher dies bewirkt, jener sein, welcher aller Dinge mächtig ist.

سُبْحَانَ مَنْ تَحَيَّرَ فِى صُنْعِهِ الْعُقُولُ

{"Gepriesen sei der, welcher den Geist dessen in Erstaunen versetzt, der Seine Werke bewundert. "}

Siebenter Strahl

Beachte, wie du mit ein wenig Aufmerksamkeit die Stempel erkennen kannst, die der Eine und Einzigartige (Dhat-i Ahad-i Samed)auf die Fläche der Erde aufgeprägt hat. Erhebe deine Augen und betrachte einmal das große Buch der Schöpfung, so wirst du erkennen, wie über der Gesamtheit des ganzen Alls das Siegel der Einheit Gottes (Vahdet)mit

jener Klarheit lesbar wird, die Seiner Größe entspricht. Denn die Geschöpfe dieser Fabrik, dieses Schlosses, dieser wohlgeordneten Stadt gleichen den Menschen und den Dingen, die einander stützend und ergänzend einander die Hände reichen und einander ihre Bedürfnisse mitteilend "Ich bin bereit. Ich stehe zu Diensten." sagen. Hand in Hand arbeiten sie in Harmonie und Ordnung miteinander. In gegenseitigem Austausch dienen sie allen Lebewesen. Schulter an Schulter richten sie sich gemeinsam auf ein Ziel aus und leisten ihrem Allweisen (Hakiem)Lenker und Leiter Gehorsam. Bei der Sonne und dem Mond angefangen, der Nacht und dem Tag, dem Winter und dem Sommer, bis hin zu den Pflanzen, die den bedürftigen und hungrigen Tieren gleichsam zu Hilfe kommen, von den Tieren, die den schwachen, ehrenwerten Menschen gleichsam zur Hilfe eilen, ja sogar bis hin zu den Nahrungsmitteln, die gleichsam zur Hilfe der feinen, zarten Nachkommenschaft der Pflanzen, Tiere und Menschen kommen und bis hin zu jenen Bestandteilen der Nahrung, die in die Zellen des Körpers hinüber wechseln und sich so nach dem Grundsatz gegenseitiger Unterstützung verhalten, zeigt dies alles für den, der nicht gerade blind ist, dass sie sich in der Macht eines äußerst freigiebigen Koordinators befinden und auf den Befehl eines einzigen allweisen Direktors Folge leisten.

Während also nun diese gegenseitige Hilfeleistung, diese Solidarität, dieses Wechselspiel zwischen Frage und Antwort, dieses Ineinander-verflochten-sein, diese Dienstbereitschaft, Ordnung und Harmonie, wie sie im Weltall ihre Gültigkeit hat, mit Sicherheit bezeugen, dass sie durch die Anordnungen eines einzigen Direktors dirigiert und durch die Maßnahmen eines einzigen Koordinators gelenkt wird, ist die allen zuteil werdende Gnade in der umfassenden Weisheit, wie sie ganz offensichtlich in all den kunstvoll gestalteten Dingen sichtbar wird und das in dieser Gnade aufstrahlende weitreichende Erbarmen (Rahman)und die Versorgung, die über diesem Erbarmen ausgebreitet ist und der verteilte Unterhalt, um alles Lebendige mit dem zu versorgen, wessen es bedarf, ein so glänzender Stempel der Einheit (Tauhid),dass jeder Mensch, dessen Verstand noch nicht ganz und gar erloschen ist und der noch nicht erblindet ist, es verstehen und erkennen kann.

Dies ist in der Tat die Leinwand der Weisheit, auf dem die Absicht, das Bewusstsein und der Wille (irade),der die ganze Welt erfüllt, dargestellt sind. Vor dieser Leinwand der Weisheit ist die Leinwand der Gnade (inayet)heruntergelassen, auf der die Gastfreundschaft, die Zierde, die Schönheit und die Güte zu sehen sind. Vor dieser bemalten Leinwand der Gnade ist die Leinwand der Barmherzigkeit heruntergelassen, auf der die Schlaglichter der Gnade (in'am)und der Verehrung (ikram)sichtbar werden, die das All erfüllen und durch die Gott die Menschen dazu veranlassen möchte, Ihn zu lieben und Ihn zu erkennen. Vor dieser angeleuchteten Leinwand allgemeinen Erbarmens ist ein Tischtuch für die Versorgung aller ausgebreitet, auf dem das Mitleid, die Güte, die Verehrung (ikram),die vollkommene Liebe (kemal-i shefqat),die hohe Bildung und die Gastfreundschaft des Herrn wahrzunehmen ist.

Alles Geschaffene, ob groß ob klein, von den Atomen angefangen bis hin zu den Sonnen, mögen es nun Einzelexemplare oder deren Gattungen sein, ist mit einem prächtigen Gewand aus dem Stoff der Weisheit bekleidet, das dessen Frucht trägt und mit seinem Ziel, Zweck und Nutzen geschmückt ist. Dieser Bekleidung seiner äußeren Gestalt, die der Weisheit entspricht, ist je nach seiner Größe ein Gewand der Gnade (inayet),verziert mit den Blumen der Gastfreundschaft und der Güte, übergestreift. Zu diesem so verzierten Kleid der Gnade (inayet)hat Gott Seinen Geschöpfen, die von den Funken der Liebe (Gottes in den Herzen Seiner Geschöpfe), der Verehrung (mit der Gott Seine Geschöpfe auszeichnet), des Mitleids und der Gnade (in'am= was Gott den Geschöpfen in Seinen Geschenken erweist) strahlende Orden Seiner Barmherzigkeit verliehen. Während Er ihnen diese glänzenden, mit Edelsteinen besetzten Auszeichnungen umhängt, breitet Er über die Erde für alle Arten von Lebewesen Tische zu ihrer aller Versorgung und für ihre Bedürfnisse. So weist denn dieses Tun mit der Klarheit der Sonne auf den Herrn in Seiner Herrlichkeit hin und zeigt Ihn, den Versorger, in Seiner grenzenlosen Weisheit, Freigebigkeit (kerim)und Barmherzigkeit. Ja, ist dies nicht so? Bedarf nicht alles Lebendige seiner Versorgung?

Wir sehen in der Tat, dass jeder Mensch des Unterhaltes und der ständigen Versorgung in seinem Leben bedarf. Alles, was es auf der Erde gibt und speziell die Lebewesen haben in ihrer Gesamtheit oder einzeln, ihre Körper oder ihre Körperteile, im Laufe ihres Lebens, ihrem Fortbestand und auf die Dauer ihres Lebens viele materielle Wünsche und geistige Bedürfnisse. Obwohl die Bedürfnisse und Nöte der Lebewesen so groß sind, dass sie sich selbst nicht das kleinste befriedigen können, ihre Kräfte zur Erfüllung selbst des kleinsten Wunsches nicht ausreichen, beobachten wir, dass alle ihre Wünsche, ihre geistige und materielle Versorgung rechtzeitig sehr gut und unvermutet, in vollkommener Weisheit und

مِنْ حَيْثُ لاَ يَحْتَسِبُ

{"Von wo wir es nicht erwartet hatten." (Sure 65, 3)}

erfüllt werden. Weisen etwa Not und Armut der Lebewesen, diese Art Hilfeleistung und Versorgung aus dem Unsichtbaren nicht sehr deutlich auf den Versorger in Seiner Weisheit und Majestät (Djelal),auf den Lenker und Leiter in Seiner Barmherzigkeit und Vollkommenheit (Djemal)hin?

Achter Strahl

Es ist bekannt, dass eine Getreidesorte, die auf einem Acker ausgesät ist, zeigt, dass der Eigentümer dieses Getreides auf jeden Fall die Verfügungsgewalt über den Acker hat, und zeigt auch, dass das Getreide zur Verfügung des Besitzers dieses Ackers steht. Ebenso zeigen auch diese Äcker, welche die Elemente (Licht, Luft, Wasser und Erde) sind, aus denen alle Geschöpfe entstehen, in all ihrer Einheit, Einheitlichkeit und allgemeinen Wirksamkeit, ebenso die Pflanzen und Tiere, welche man als Gottes Geschöpfe bezeichnet und die eine Frucht Seiner Erbarmung, ein Wunder Seiner Allmacht und ein Wort Seiner Weisheit sind, in ihrer Gleichheit und in ihrer Ähnlichkeit, in ihrer Verbreitung an so vielen Stellen, in ihrem Auftreten und Heimischwerden an so vielen Orten, dass sie dem

einen und einzigen wunderwirkenden Meister zur Verfügung stehen, in der Weise, dass jede einzelne Blume, jede einzelne Frucht, jedes einzelne Tier ein Siegel, ein Stempel, eine Prägung dieses Meisters ist. Wo immer sie sich finden, sagt ein jedes von ihnen unausgesprochen: "Ich bin das Siegel dessen, dessen Schöpfung auch dieser Ort hier ist. Ich bin ein Stempel dessen, dessen Schrift auch dieser Platz hier ist. Ich bin eine Prägung dessen, aus dessen Stoff auch mein Land hier gewebt ist." Das aber heißt, dass die Herrschaft über das einfachste Geschöpf in den Händen dessen ruht, der über alle Elemente verfügt. Er lenkt auch die Einzeller unter den Tieren und Pflanzen. Der Unterhalt aller Tiere, die Versorgung aller Pflanzen und die Erhaltung der ganzen Schöpfung ist dem zu Eigen, der im Besitz der Herrschaft ist. Wer nicht blind ist, vermag dies zu erkennen. In der Tat spricht jedes einzelne Wesen in der Sprache seiner Gleichheit oder Ähnlichkeit mit all den anderen Wesen: "Nur der, der Eigentümer meiner Rasse ist, kann mein Besitzer sein. Ist er es nicht, dann kann er nicht mein Besitzer sein." Jede Art bringt dadurch, wie sie gemeinsam mit all den anderen Arten über die Erde hin verbreitet ist, zum Ausdruck: "Nur der, welcher auch der Eigentümer über die ganze Erde ist, kann mein Besitzer sein. Wenn er nicht der Eigentümer der ganzen Erde ist, dann kann er nicht mein Besitzer sein." Die Erde sagt, als Mitträgerin der Gesetze des Himmels, im Ausdruck der Verbundenheit mit der Sonne zusammen mit den anderen Planeten: "Nur der, welcher auch der Eigentümer des ganzen Universums ist, kann mein Besitzer sein. Wenn er nicht der Eigentümer des ganzen Universums ist, dann kann er nicht mein Besitzer sein." Nehmen wir einmal den unmöglichen Fall an, jemand sagte zu einem mit Bewusstsein begabten Apfel: "Du bist mein Kunstwerk!", dann würde der Apfel ihm in der Sprache seines So-seins das Reden verbieten: "Wärest du dazu in der Lage, alle Äpfel auf Erden zu formen, würdest du über alle Früchte zu verfügen wissen, die über die ganze Erde verbreitet und mit mir völlig gleich sind, sogar über alle Geschenke des Allerbarmers, die mit einem Schiff aus der Schatzkammer der Barmherzi gkeit kommen, so könntest du die Herrschaft über mich beanspruchen." So würde dieser Apfel zu ihm sprechen und dem Törichten ins Gesicht schlagen.

Neunter Strahl

Wir haben bisher auf einige Siegel, Stempel und Prägungen hingewiesen, die auf den winzigsten Teilchen, den kleinsten Abschnitten (des Schöpfungsbuches), dem Ganzen (Buches), dem Kosmos in seiner Gesamtheit, dem Leben und allem Lebendigen und dem Schöpfungsakt selbst sichtbar werden. Wir wollen nun noch auf ein Siegel unter diesen zahllosen Siegeln, die den verschiedenen Arten aufgeprägt sind, hinweisen.

Es ist ja bekannt, dass die unendlich vielen Früchte eines fruchttragenden Baumes, alles was sie benötigen aus einer einzigen Hand, durch das selbe Gesetz, von einem einzigen Zentrum aus erhalten, wodurch alle Mühe, Anstrengung und Kosten so leicht werden, dass der Unterhalt für ihre Gesamtheit der Versorgung einer einzigen von ihnen gleich kommt. Das heißt also, für den Fall, dass es eine Anzahl von verschiedenen Zentren für jede Frucht gäbe, ein ganzer Baum an Mühe, Kosten und Einrichtungen notwendig wäre, sie heranreifen zu lassen. Sie alle unterscheiden sich jedoch (gleich den Früchten eines einzigen Baumes) lediglich in ihren Eigenschaften (und nicht grundsätzlich wie verschiedene Bäume) voneinander. Genauso sind für die militärische Ausrüstung eines einzigen Soldaten ebenso viele Fabriken erforderlich, wie für ein ganzes Heer. Das aber heißt, dass sich die Anstrengungen entsprechend der Anzahl der Einzelindividuen vervielfachen müssen, sobald man von der Einheit (vahdet)zur Vielzahl übergehen will. So ist denn die überwältigende Leichtigkeit, wie sie offensichtlich bei jeder Art sichtbar wird, mit Sicherheit das Werk der Leichtigkeit und Einfachheit, die aus der Einheit (Tauhid)erwächst.

Zusammenfassung:

Alle die verschiedenen Sorten gleicher Art, alle die verschiedenen Exemplare der selben Sorte beweisen durch ihre Übereinstimmung im Grundsätzlichen und ihre Ähnlichkeit, dass sie die Schöpfung eines einzigen Künstlers sind. Denn so erfordert es ihre Übereinstimmung (vahdet)in der Handschrift (des Künstlers) und die Gleichheit (ittihad)des Siegels. Desgleichen verlangt die vollendete Leichtigkeit und Mühelosigkeit, die wir bezeugen können, im Grade einer Notwendigkeit

danach, dass sie die Werke eines einzigen (vahid)Künstlers sein müssen. Anderenfalls würde daraus eine Schwierigkeit entstehen, die sich bis zum Grade einer Unmöglichkeit steigert und das Ende (von der Gleichheit) der Art und die Zerstörung (der Gleichheit) der Sorte herbeiführt. Also noch einmal kurz gesagt: Sobald man alles auf Gott den Gerechten zurückführt, wird (die Erschaffung) aller Dinge ebenso leicht wie die eines einzigen Dinges. Führt man aber alles auf die Ursachen zurück, wird (die Erschaffung) eines einzigen Dinges so schwer wie die aller Dinge insgesamt. Weil dies so ist, zeigt die überwältigende Leichtigkeit, wie man sie überall in der Welt bemerkt und die grenzenlose Fülle vor unseren Augen sonnenklar das Siegel der Einheit (vahdet).Wären diese Früchte, die in so reicher Zahl in unsere Hände gelangen, nicht Eigentum des All-Einzigen (Vahid-i Ahad),könnten wir auch nicht einen einzigen Granatapfel essen, selbst wenn wir die ganze Welt dafür hergeben wollten.

Zehnter Strahl

Das Leben ist jene Erscheinung, die uns die Schönheit (der Namen Gottes) zeigt. Es ist einerseits Zeugnis für die Einheit (Ahadiyet)Gottes und darüber hinaus auch eine Erscheinung Seiner Gegenwart (vahdet).Dahingegen ist der Tod die Erscheinung, die uns Seine Majestät (Djelal)offenbart. Er ist auch ein Zeugnis für die Einheit Gottes und für Seine Allgegenwart (vahidiyet).Dafür ein Beispiel:

وَ ِللهِ الْمَثَلُ اْلاَعْلٰى

{"Bei Gott sind die erhabensten Gleichnisse." (Sure 16, 60)}

Es ist in der Tat so, dass die Wellen, die mit einem großen Strom mitziehen und vom Lichte der Sonne überstrahlt werden und die gesamte Oberfläche unserer Erde, wenn sie das Licht der Sonne reflektiert, auf diese Weise Zeugnis ablegen für die Sonne. Auch wenn die Wellen und Wassertropfen vergehen und wenn der Glanz der Erde dahinschwindet und wenn dann auf immer wieder neuen Wassertropfen und Wellenberge, wenn auf den glänzenden Flächen unserer Erde die Sonne wieder in all ihrer Pracht erstrahlt und ihr Strahlenglanz in makelloser Schönheit fortbesteht,

legen sie mit absoluter Sicherheit dafür Zeugnis ab, dass die Strahlen und Lichter, wenn sie aufleuchten, sich verändern, sich wieder erneuern, aufstrahlen, erglänzen, Erscheinungsweisen jener einen, immerwährenden (baqi),beständigen, erhabenen Sonne sind, die in ihrem Sonnenschein keine Vergänglichkeit kennt. Das aber heißt, dass, so wie diese Wellen in ihrem Entstehen (, wenn sie im Lichte der Sonne) erglänzen, die Existenz der Sonne aufzeigen, sie auch in ihrem Untergang und in ihrem Entschwinden, Dauer, Beständigkeit und Einheit der Sonne aufzeigen.

In gleicher Weise bezeugt all das, was mit dem Strome des Lebens dahin zieht durch sein Dasein und durch sein Leben notwendigerweise Einheit und Existenz dessen, der notwendigerweise da sein muss. Auf diese Weise bezeugt all das durch seinen Tod und Zerfall auch die notwendige Existenz Seiner Ewigkeit und Unsterblichkeit und Seine Einheit (Ahadiyet).In der Tat zeigen alle ansprechenden Kunstwerke und alles Geschaffene in seiner Schönheit, jeder Wechsel von Tag und Nacht, Sommer und Winter, Jahrhunderte und Jahrtausende hinaus mit Sicherheit Existenz, Dauer und Einheit (Vahdet)des Herrn in Seiner erhabenen, ewigen, sich fortwährend manifestierenden Schönheit (Djemal)auf. So weisen diese Kunstwerke, wenn sie mit allem, was ihre äußerlich sichtbaren Ursachen waren, sterben und vergehen auch auf die Nichtigkeit dieser Ursachen hin und darauf, dass dies nur ihr Kleid war. Dieser Umstand beweist mit Sicherheit, dass diese Kunstwerke, diese Ornamente in ihrer Erscheinung Kunstwerke des Herrn in Seiner Schönheit (Djemal)und Majestät (Djelal)sind, die sich immer wieder erneuern, Ornamente, die sich beständig verändern, Spiegelreflexe, die fortwährend in Bewegung sind, Siegel, die einander unablässig folgen, Prägungen, die in Weisheit einander ablösen, Kunstwerke eines Herrn, der in all Seinen Namen heilig und vollkommen (Djemil)ist...

Zusammenfassung:

Das Große Buch des Universums erteilt uns mit seinen kosmischen Versen (Ayat)Unterricht vom Dasein und von der Einheit (Vahdet)Gottes. In gleicher Weise bezeugt es alle die Attribute der Vollkommenheit (Kemal),Herrlichkeit (Djemal)und Majestät (Djelal)des Herrn der Herrlichkeit (Djelal)

und beweist Seine makellose, von allen stofflichen Fehlern und Mängeln freie Vollkommenheit (Kemal).Denn es ist ja allgemein bekannt, dass die Vollendung (Kemal)eines Werkes auf die vollendete Meisterschaft seines Schöpfers hinweist, die der Schaffung des Werkes zu Grunde liegt und ihr voraus geht. Was jedoch diese Meisterschaft (Kemal)betrifft, so ist sie ein Beweis für den Grad Seiner Meisterschaft (Kemal),d.h. für die Vollendung (Kemal)Seines Namens. Diese Vollendung (Kemal)Seines Namens aber ist ein Beweis für Seine vollendeten Fähigkeiten, d.h. für die Vollendung Seiner Attribute. Diese Vollendung (Kemal)Seiner Attribute aber ist ein Beweis für die Vollkommenheit Seiner nur Ihm eigenen Fähigkeiten, d.h. Seiner Vorzüge und Qualitäten. Dies aber ist Seine persönliche Vollkommenheit und sie ist ein Beweis Seines vollkommenen Seins und Wesens. Diese Kette der Beweise beginnt mit jener Ahnung, die in Anbetracht Seiner Schöpfung in uns aufsteigt und steigert sich mit einer gewissen Zwangsläufigkeit bis zu einer offensichtlichen Erkenntnis.

Zum Beispiel: Die erlesenen Kunstwerke und die gesamte künstlerische Gestaltung eines Schlosses von vollendeter Schönheit weist auf jene Vollendung hin, die einem solchen Juwel zu Grunde liegt. Die Vollendung eines solchen Werkes aber weist auf einen hohen Grad der Meisterschaft hin, der wiederum auf Rang und Namen des Erbauers verweist. Sein hoher Rang und Name aber weist auf die vollendeten Fähigkeiten dieses Meisters hinsichtlich seines Kunstwerkes hin. Seine Begabung und seine vollendeten Fähigkeiten aber weisen auf Seine Vorzüge und Qualitäten hin... Genauso weisen auch die Werke dieser Welt, die wir als fehlerlos, als makellos bezeugen und worin das Geheimnis der Ayah

هَلْ تَرٰى مِنْ فُطُورٍ

{"Erblickst du einen Mangel darin?" (Sure 67, 3)}

sichtbar wird, auf die Wohlgeordnetheit in der Schöpfung des Kosmos hin und legen ohne irgend einen Zweifel Zeugnis für die Vollendung in den Taten dessen ab, der da die Macht hat, sie zu bewirken. Was aber diese Vollendung Seiner Taten betrifft, so bezeugt sie offensichtlich den hohen Rang und Namen dessen, der in Seiner Majestät der Urheber all dieser Taten ist. Was aber diesen hohen

Rang und Namen betrifft, so bezeigt und bezeugt er notwendigerweise die vollendeten Fähigkeiten dessen, dem diese schönen Namen zu Eigen sind.

Was aber diese vollendeten Fähigkeiten betrifft, so bezeigen und bezeugen sie mit Gewissheit das Vollendete des Urgrundes dessen, der der Träger dieser vollendeten Fähigkeiten ist. Dieser Urgrund aber bezeugt in seiner Vollendung wiederum mit absoluter Gewissheit die Vollendung des Seins, welches das Wesen dieses Urgrundes ist, in der Weise, dass alles, was uns im ganzen Kosmos als vollkommen entgegentritt, im Vergleich mit dieser Seiner Vollkommenheit nur ein matter Abglanz, ein Hinweis (ayat)auf die Vollkommenheit (Kemal),eine Spur der Majestät (Djelal),ein Zeichen für die Schönheit (Djemal)des Herrn in Seiner Vollkommenheit ist.

Der elfte Strahl, so gewaltig wie die Sonne

Er, den wir bereits im "Neunzehnten Wort" vorgestellt haben, er, der das gewaltige Zeichen im großen Buch der Schöpfung ist, der machtvolle Name im großen Qur'an, der Kern und die leuchtendste Frucht am Weltenbaum, die Sonne des Weltenschlosses, die leuchtende Scheibe des Mondes am Himmel der islamischen Welt, der königliche Herold göttlicher Herrschaft, er, der die Weisheit besitzt, die das Geheimnis (tilsim)der Schöpfung enthüllt, Mohammed al-Amin (= der Vertrauenswürdige), unser Oberhaupt, mit dem Friede und Segen sei, breitet seine Flügel aus und behütet unter den Flügeln seiner Sendung alle Propheten, beschützt zugleich unter den Flügeln des islamischen Glaubens die ganze islamische Welt, durchkreuzt so mit ihnen alle Schichten der Wahrheit, zeigt mit der ganzen Kraft aller Gesandten und Propheten, aller Heiligen und Getreuen, aller Theologen und Forschern (muhaqqiq),die hinter ihm stehen, die Einheit (Vahdaniyet)Gottes auf, erschloss ihnen den Weg zum Throne des alleinigen Gottes (Ahadiyet),wies ihnen den Glauben an Gott und bewies ihnen die göttliche Einheit (Vahdaniyet).Ja bliebe denn da noch Raum für irgendeinen Zweifel oder Irrtum, der den Zugang (zu dieser Wahrheit) verschließen oder verhüllen könnte? Da wir aber nun schon einmal im "Neunzehnten Wort" mit vierzehn "Tropfen" aus dem Lebenswasser der Erkenntnis und auch im "Neunzehnten Brief" mit neunzehn "Hinweisen" auf die verschiedenen Arten der Wunder dieser wunderwirkenden

Persönlichkeit dieses sichere Zeugnis (= Mohammed ASM) kurz zusammengefasst, beschrieben und erläutert haben, wollen wir uns hier mit diesem Hinweis begnügen und mit einem Segensgebet (salavat-i sherif)enden und dabei dieses sichere Zeugnis der Einheit nochmals bestätigen und auf die Grundlagen von dessen Richtigkeit hinweisen...

اَللّٰهُمَّ صَلِّ عَلٰى مَنْ دَلَّ عَلٰى وُجُوبِ وُجُودِكَ وَوَحْدَانِيَّتِكَ وَشَهِدَ عَلٰى اَوْصَافِ جَلاَلِكَ وَجَمَالِكَ وَكَمَالِكَ اَلشَّاهِدُ الصَّادِقُ الْمُصَدَّقُ وَالْبُرْهَانُ النَّاطِقُ الْمُحَقَّقُ، سَيِّدُ اْلاَنْبِيَآءِ وَالْمُرْسَلِينَ، اَلْحَامِلُ سِرَّ اِجْمَاعِهِمْ وَتَصْدِيقِهِمْ وَمُعْجِزَاتِهِم.. وَاِمَامُ اْلاَوْلِيَآءِ وَالصِّدِّيقِينَ، اَلْحَاوِى سِرَّ اِتِّفَاقِهِمْ وَتَحْقِيقِهِمْ وَكَرَامَاتِهِمْ.. ذُوالْمُعْجِزَاتِ اْلباَهِرَةِ وَالْخَوَارِقِ الظَّاهِرَةِ وَالدَّلاَئِلِ الْقَاطِعَةِ الْمُحَقَّقَةِ الْمُصَدَّقَةِ لَهُ.. ذُوالْخِصَالِ الْغَالِيَةِ فِى ذَاتِهِ، وَاْلاَخْلاَقِ الْعَالِيَةِ فِى وَظِيفَتِهِ، وَالسَّجَايَا السَّامِيَةِ فِى شَرِيعَتِهِ الْمُكَمَّلَةِ الْمُنَزَّهَةِ عَنِ الْخِلاَفِ، مَهْبِطُ الْوَحْىِ الرَّبَّانِىِّ بِاِجْمَاعِ الْمُنْزِلِ وَالْمُنْزَلِ وَالْمُنَزَّلِ عَلَيْه، سَيَّارُ عَالَمِ الْغَيْبِ وَالْمَلَكُوتِ، مُشَاهِدُ اْلاَرْوَاحِ وَمُصَاحِبُ الْمَلٰٓئِكَةِ، اَنْمُوذَجُ كَمَالِ الْكَآئِنَاتِ شَخْصاً وَنَوْعاً وَجِنْساً، اَنْوَرُ ثَمَرَاتِ شَجَرَةِ الْخِلْقَةِ، سِرَاجُ الْحَقِّ، بُرْهَانُ الْحَقِيقَةِ، تِمْثَالُ الرَّحْمَةِ، مِثَالُ الْمَحَبَّةِ، كَشَّافُ طِلْسِمِ الْكَآئِنَاتِ، دَلاَّلُ سَلْطَنَةِ الرُّبوُبِيَّةِ، الْمُرْمِزُ بِعُلْوِيَّةِ شَخْصِيَّتِهِ الْمَعْنَوِيَّةِ اِلٰٓى اَنَّهُ نَصْبُ عَيْنِ فَاطِرِ الْعَالَمِ فِى خَلْقِ الْكَآئِنَاتِ، ذُو الشَّرِيعَةِ الَّتِى هِىَ بِوُسْعَةِ دَسَاتِيرِهَا وَقُوَّتِهَا تُشِيرُ اِلٰٓى اَنَّهَا نِظَامُ نَاظِمِ الْكَوْنِ وَوَضْعُ خَالِقِ الْكَآئِنَاتِ نَعَمْ، اِنَّ نَاظِمَ الْكَآئِنَاتِ بِهٰذَا النِّظاَمِ اْلاَتَمِّ اْلاَكْمَلِ هُوَ نَاظِمُ هٰذَا الدِّينِ بِهٰذاَ النِّظَامِ اْلاَحْسَنِ اْلاَجْمَلِ، سَيِّدُنَا نَحْنُ مَعَاشِرَ بَنِى اٰدَمَ وَمُهْدِينَا اِلَى اْلاِيمَانِ نَحْنُ مَعاَشِرَ اْلمُؤْمِنِينَ، مُحَمَّدٌ بْنُ عَبْدِ اللهِ بْنِ عَبْدِ الْمُطَّلِبِ عَلَيْهِ اَفْضَلُ الصَّلَوَاتِ وَاَتَمُّ التَّسْلِيمَاتِ مَادَامَتِ اْلاَرْضُ وَالسَّمٰوَاتُ. فَاِنَّ ذٰلِكَ الشَّاهِدَ الصَّادِقَ الْمُصَدَّقَ يَشْهَدُ عَلٰى رُؤُوسِ اْلاَشْهَادِ مُناَدِياً، وَمُعَلِّماً ِلاَجْيَالِ الْبَشَرِ خَلْفَ اْلاَعْصَارِ وَاْلاَقْطَارِ، نِداَءً عُلْوِياًّ بِجَمِيعِ قُوَّتِهِ وَبِغَايَةِ جِدِّيَّتِهِ وَبِنِهَايَةِ وُثُوقِهِ وَبِقُوَّةِ اِطْمِئْناَنِهِ وَبِكَمَالِ اِيمَانِهِ اَشْهَدُ اَنْ لاَ اِلٰهَ اِلاَّ اللهُ وَحْدَهُ لاَ شَرِيكَ لَهُ

{"Oh Gott segne den, der auf die Notwendigkeit Deines Seins, Deine Einheit (Vahdaniyet) hinweist, Deine Majestät (Djelal), Deine Schönheit (Djemal) und Deine Vollkommenheit (Kemal) bezeugt, den Zeugen, der in seiner Treue bestätigt wurde, einen Beweis, der in Zuverlässigkeit spricht, den Meister der Gesandten und Propheten, den Träger des Geheimnisses (sirr = Wahrheit, Lehre), in dem sich (alle Propheten) vereinigen und ihn bestätigen, den Wundertäter, den Vorsteher aller Heiligen und Getreuen im Geheimnis ihrer Eintracht, ihrer Erkenntnis (tahqiq) und ihrer Wunder (keramat), den, der eindeutig Wunder (mu'djisat) wirkt, offensichtlich Einzigartiges tut, der gesicherte, geprüfte, bestätigte Beweise erbringt, dessen Persönlichkeit an guten Charaktereigenschaften reich ist, an hoher Moral in der Erfüllung seiner Aufgaben, an erhabenen Vorzügen in der Vollkommenheit seines ihm geoffenbarten Gesetzes (Scharia), der überraschenderweise zum Empfänger der Offenbarung des Herrn wurde in dem Zusammentreffen dessen, der herabsendet durch den Überbringer (nml. den Erzengel Gabriel) des Herabgesandten (nml. den Qur'an) an seinen Empfänger (nml. Mohammed ASM), den Reisenden durch die Welt des Unsichtbaren (gayb) und Seiner Engel (malakut), der Zeugnis ablegt von den Geistern (ruh) und mit den Engeln vertrauten Umgang (sohbet) pflegt, das Musterbeispiel für die Vollendung des Kosmos in seinen einzelnen Wesen, in seinen Gattungen und Arten (den Früchten am Baum der Schöpfung, die wie Lichter sind), den Leuchter der Gerechtigkeit, den Zeugen für die Wahrheit, das Abbild der Barmherzigkeit, das Beispiel für die Liebe (muhabbet), ihn, der das Geheimnis (tilsim) des Kosmos entdeckte, den Herold des Königreiches seines Herrn, den, der in seiner hohen geistigen Persönlichkeit ein Zeichen dafür ist, dass er das alleinige Ziel des Schöpfers der Welt ist bei der Erschaffung des Kosmos, des Herrn über das Gesetz (Scharia), das in seiner alles umfassenden Weite gültig und wirksam ist, weil es über die Ordnung des Seins ausgebreitet ist und durch den Schöpfer der Welt eingesetzt wurde, denn es ist in der Tat das Prinzip der Ordnung im Kosmos, denn es ist die Ordnung, welche die Vollkommenheit vollendet, ihn, den Stifter des Gesetzes (Nazim; der Ordner) dieses Glaubens (din) in schönster und bester Ordnung, unser Oberhaupt, der uns, die Völker aus den Söhnen Adams, zum Glauben geführt hat, uns, die gläubige Gemeinde Mohammeds, des Sohnes Abdullahs, des Sohnes Abdu l-muttalibs, mit dem aller Segen sei und all unsere Gebete! Mit ihm sei die Fülle des Segens (teslimat) solange Himmel und Erde bestehen. Denn er ist der zuverlässige und vertrauenswürdige Zeuge. Er bezeugt auf den Häuptern derer, die zur Zeugenschaft aufrufen, und die lehren, den Generationen von Menschen aller Jahrhunderte und aller Länder und ruft mit lauter Stimme, mit aller Macht und großem Ernst, mit unendlicher Geduld (vuthuq), aus der Kraft seines Herzens und aus der Vollkommenheit seines Glaubens (iman): Ich bezeuge, dass es keine Gottheit (ilah) gibt außer Gott (Allah), dem Einen, der keinen Partner (sherik) hat."}

Der zwölfte Strahl, so gewaltig wie die Sonne

Der zwölfte Strahl dieses "Zweiundzwanzigsten Wortes" ist ein Ozean der Wahrheit, sodass alle zweiundzwanzig "Worte" nur zweiundzwanzig Tropfen daraus sind und eine solche Quelle der Lichter, dass diese zweiundzwanzig "Worte" nur zweiundzwanzig Strahlen aus dieser Sonne sind. Jedes einzelne dieser zweiundzwanzig "Worte" ist in der Tat nur ein Strahl aus einer Ayah, die wie ein Stern am Himmel des Qur'an glänzt und ein einziger Tropfen aus einer Ayah, die gleich einem Strom aus dem Ozean des Qur'an (al-Furqan,hier gleich einem Scheidewasser) heraustritt und eine einzige Perle aus einer Ayah, die einem Schmuckkästchen gleicht, gefüllt mit Juwelen aus der gewaltigen Schatzkammer des Buches Gottes. So sagt denn dieses Buch Gottes, das wir im Vierzehnten Tropfen des "Neunzehnten Wortes" einigermaßen dargestellt haben, das von dem Gewaltigen Namen, von dem Gewaltigen Thron, von der Gewaltigen Erscheinung Seines Herrschaftsbereiches herabgesandt wurde, in der Weite und Hoheit, welche das Urewige Einst mit der künftigen Ewigkeit vereint, die Erde mit dem Thron (Gottes) verbindet, immer wieder in all Seiner Macht und in aller Gewissheit:

لاَ اِلهَ اِلاَّ هو

Es gibt keinen Gott (ilah)außer Ihm, führt das All des Weltalls

dafür zum Zeugen an und macht es zu einem Zeugnis für Ihn. Es rezitiert in der Tat der ganze Kosmos gemeinsam:

لاَ اِلهَ اِلاَّ هو

{"Es gibt keinen Gott (ilah) außer Ihm."}

Wenn du also den Qur'an mit dem Auge eines friedfertigen Herzens betrachtest, so wirst du in der Tat sehen, dass seine sechs Seiten (d.h. von welcher Seite auch immer du ihn betrachten magst - A.d.Ü.) so glänzen, so klarsichtig sind, dass keine Finsternis, kein Irrtum, kein Zweifel, nicht Lug noch Trug in ihn einzudringen vermögen und sich im Kleid seiner Ehre dafür keine Öffnung befindet und kein Riss entdecken lässt. Denn betrachtet man ihn von oben, so erkennt man ihn als das Wunder, welches das Gütesiegel auf ihm ist, von unten die Zeugnisse und Beweise (auf die er sich stützt), hinter ihm das lautere Wort, die Offenbarung des Herrn als seine Stütze, von der Seite erblickt man die beiden Seiten (= Diesseits und Jenseits), welche die Glückseligkeit in den Welten in sich enthalten, rechts befragt er den Verstand nach Gewissheit und Bestätigung, lässt links das Gewissen bekennen und seine Ergebenheit beteuern. In seinem Inneren findet sich die lautere Rechtleitung (hidayet)aus Barmherzigkeit. Die Oberseite ist wie bezeugt das reine Licht (nur)des Glaubens (iman).Seine Früchte sind die Theologen (asfiya)und Forscher (muhaqqiqin),die Gottesfreunde (auliya)und Getreuen (siddiq),die in offensichtlicher Gewissheit mit der Vollkommenheit (kemalat)als Mensch geschmückt sind. Wenn du dein Ohr fest an die Brust des Sprachrohrs des Unsichtbaren presst und lauschst, wie seine Stimme ganz tief drinnen in himmlischem Ton mit einer solchen Freundlichkeit und zugleich Bestimmtheit, mit einem so unendlichen Ernst und einer so grenzenlosen Erhabenheit zu dir spricht, so wirst du hören, dass der Qur'an mit einer solchen Bestimmtheit, ausgestattet mit einem Zeugnis, immer wieder zu dir sagt:

لاَ اِلهَ اِلاَّ هو

{"Es gibt keinen Gott (ilah) außer Ihm."}

Was er dir im Grade der Gewissheit einer Lebenserfahrung mitteilt,

das empfängst du als die Verstandes- und Herzensbildung, gleich einer wissenschaftlichen Gewissheit von der Kraft einer augenscheinlichen Gewissheit...

Zusammenfassung:

Der Ehrenwerte Gesandte, mit dem Friede und Segen sei, und das unterscheidende Urteil (furqan-i ahkem)sind jede für sich einer Sonne gleich. Der eine ist der Mund der bezeugten Welt (alem-i shehadet)und zeigt uns mit allem Nachdruck die Wahrheit mit dem Finger des Islam und seiner Botschaft (risalet)inmitten von tausend Wundern, bestätigt von allen Propheten und Heiligen... Der andere ist der Mund der unsichtbaren Welt (alem-i gayb)und zeigt uns mit ganzem Ernst die selbe Wahrheit mit dem Finger der Wahrhaftigkeit und Rechtleitung (hidayet)inmitten von vierzig Aspekten seiner Wunderhaftigkeit, bestätigt von allen den wunderbaren Zeichen (ayat)des Seins... Ja wäre denn diese Wahrheit (haqiqat)etwa nicht heller als der lichte Tag und noch leuchtender als die Sonne?

Oh du armer Mensch, der du durch deine Verbohrtheit in den Irrtum verstrickt bist!

{Diese Anrede richtet sich gegen denjenigen, der sich darum bemühte, den Qur'an (seine Botschaft) zum Verstummen zu bringen und den Glauben an ihn auszulöschen.}

Wie könntest du mit der Leuchte deines Verstandes, die doch noch matter ist als ein Glühwürmchen, gegen solche Sonnen (d.h. den Propheten und den Qur'an) angehen? als ob du sie gar nicht nötig hättest? Versuchst du etwa, sie auszublasen? Nein! Pfui doch, oh über deine Vernunft, die verneint, und deinen Verstand, der verleugnet! Wie könntest du denn das Wort und den Ruf (da'va)leugnen, der aus dem Munde der unsichtbaren und dem der bezeugten Welt im Namen des Herrn aller Welten und des ganzen Weltalls ergangen ist? Oh du Armseliger, der du noch kleiner als eine Fliege und schwächer als eine Mücke bist! Wer bist du denn, dass du versuchst, den Herrn des Alls in Seiner Majestät (Djelal)als Lügner hinzustellen?

Nachwort

Oh du mein Freund, der du nun zu Herz und Verstand gelangt bist! Wenn du also dieses "Zweiundzwanzigste Wort" vom Anfang bis zum Ende verstanden hast, so halte nun zugleich auch die zwölf "Strahlen" fest in deiner Hand! Wenn du somit eine Leuchte der Wahrheit von der Stärke tausender elektrischer Lampen gefunden hast, so hefte dich nun an die Ayat aus dem Qur'an, die vom Gewaltigen Thron herabgesandt worden sind. Besteige den Buraq des Erfolgs (d.h. vertraue dich der göttlichen Führung an - A.d.Ü.), durcheile mit ihm die Himmel der Wahrheiten und tritt vor den Thron der Erkenntnis Gottes...

Sage:

اَشْهَدُ اَنْ لآَ اِلٰهَ اِلاَّ اَنْتَ وَحْدَكَ لاَ شَرِيكَ

{"Ich bezeuge, dass es keinen Gott (ilah) gibt außer Dir. Du bist der Einzige und kein Teilhaber ist an Deiner Seite."}

Und wenn du sodann sagst:

لآَ اِلٰهَ اِلاَّ اللهُ وَحْدَهُ لاَ شَرِيكَ لَهُ لَهُ اْلمُلْكُ وَلَهُ الْحَمْدُ يُحْيِى وَيُمِيتُ وَهُوَ حَىٌّ لاَ يَمُوتُ بِيَدِهِ الْخَيْرُ وَهُوَ عَلٰى كُلِّ شَىْءٍ قَدِيرٌ

{"Es gibt keine Gottheit (ilah) außer Gott (Allah). Der Einzige ist Er. Keinen Partner hat Er. Ihm gehört aller Besitz (mulk) und Ihm gebührt jeglicher Dank (hamd). Er schenkt das Leben und den Tod. Er ist das Leben. Nicht stirbt Er. In Seiner Hand liegt alles Gute und Er ist aller Dinge mächtig."}

so verkündige in der Großen Moschee des Kosmos Seine Einheit (Vahdaniyet)über den Häuptern alles Geschaffenen im All...

سُبْحَانَكَ لاَعِلْمَ لَنَآ اِلاَّ مَاعَلَّمْتَنَآ اِنَّكَ اَنْتَ الْعَلِيمُ الْحَكِيمُ رَبَّنَا لاَ تُؤاَخِذْنَآ اِنْ نَسِينَآ اَوْ اَخْطَاْناَ رَبَّناَ وَلاَ تَحْمِلْ عَلَيْنَآ اِصْراً كَمَا حَمَلْتَهُ عَلَى الَّذِينَ مِنْ قَبْلِناَ رَبَّناَ وَلاَ تُحَمِّلْناَ مَالاَ طَاقَةَ لَناَ بِهِ وَاعْفُ عَنَّا وَاغْفِرْ لَنَا وَارْحَمْنَآ اَنْتَ مَوْلٰينَا فَانْصُرْناَ عَلَى الْقَوْمِ الْكَافِرِينَ رَبَّناَ لاَ تُزِغْ قُلُوبَنَا بَعْدَ اِذْ هَدَيْتَنَا وَهَبْ لَنَا مِنْ لَدُنْكَ رَحْمَةً اِنَّكَ اَنْتَ الْوَهَّابُ رَبَّنَآ اِنَّكَ جَامِعُ النَّاسِ لِيَوْمٍ لاَ رَيْبَ فِيهِ اِنَّ اللهَ لاَ يُخْلِفُ الْمِيعَادَ اَللّٰهُمَّ صَلِّ وَسَلِّمْ عَلٰى مَنْ اَرْسَلْتَهُ رَحْمَةً لِلْعَالَمِينَ وَعَلٰٓى اٰلِهِ وَصَحْبِهِٓ اَجْمَعِينَ. وَارْحَمْناَ وَارْحَمْ اُمَّتَهُ بِرَحْمَتِكَ يَآ اَرْحَمَ الرَّاحِمِينَ وَ اٰخِرُ دَعْوٰيهُمْ اَنِ الْحَمْدُ ِللهِ رَبِّ الْعَالَمِينَ

{"Gepriesen seist Du. Wir haben kein Wissen, außer dem, das Du uns gelehrt hast. Du bist der Allwissende, der Allweise." (Sure 2, 32) "Oh Herr, zieh uns nicht zur Rechenschaft für das, was wir versäumt oder vergessen haben. Oh Herr, lade uns nicht die Lasten auf, die Du denen aufgebürdet hast, die vor uns waren. Oh Herr, belaste uns nicht mit dem, was wir nicht zu tragen vermögen. Vergib uns, verzeihe uns, erbarme Dich unser. Du bist unser Meister (Maulana). Hilf uns gegen das Volk der Ungläubigen!" (Sure 2, 286) "Oh Herr, lass unsere Herzen nicht in die Irre gehen, nachdem Du uns rechtgeleitet hast. Schenke uns von Dir die Fülle Deiner Erbarmungen. Denn Du bist der Geber aller Gaben (al-Vahhab). Oh Herr, du versammelst die Menschen an dem Tage, über den es keinen Zweifel gibt. Denn Gott bricht nicht, was Er versprochen hat." (Sure 3, 8-9) "Oh Gott, gieße Friede und Segen aus über den, den Du als Barmherzigkeit für die Welten gesandt hast, über ihn, seine Familie und seine Gefährten insgesamt! Erbarme Dich unser! Erbarme Dich Deiner Gemeinde (umma) in Deinem Erbarmen. Oh Du Barmherzigster aller Barmherzigen! Und am Ende (ihres Gebetes) rufen sie: Lobpreis und Dank sei Dir, dem Herrn der Welten!" (Sure 10, 10)}

Dreiundzwanzigstes Wort

Diese Abhandlung besteht aus zwei Kapiteln.

بِسْمِ اللَّهِ الرَّحْمَنِ الرَّحِيمِ

لَقَدْ خَلَقْناَ اْلاِنْسَانَ فِىٓ اَحْسَنِ تَقْوِيمٍ ثُمَّ رَدَدْنَاهُ اَسْفَلَ سَافِلِينَ اِلاَّ الَّذِينَ اٰمَنُوا وَعَمِلُوا الصَّالِحَاتِ

{"Im Namen Allahs, des Erbarmers, des Barmherzigen. Wahrhaftig, Wir haben den Menschen erschaffen und ihm den höchsten Wert verliehen; dann erniedrigten Wir ihn zum Geringsten aller Geringen, ausgenommen diejenigen, die glauben und gute Werke tun." (Sure 95, 4-6)}

Erstes Kapitel

In den folgenden fünf Punkten werden wir nur fünf Werte des Glaubens unter tausenden erklären.

Erster Punkt:

Durch das Licht des Glaubens steigt der Mensch zur höchsten Höhe auf und erreicht einen Wert, der ihn für das Paradies qualifiziert. In der Dunkelheit des Unglaubens steigt er hinab zum Niedrigsten der Niedrigen und nimmt eine Form an, die ihn für die Hölle geeignet macht. Denn Glaube ist eine Beziehung, die den Menschen mit seinem erhabenen Meister verbindet. Der Wert des Menschen entsteht aus der göttlichen Kunst und den Ornamenten der Gottesnamen, die an ihm im Lichte des Glaubens beobachtet werden. Unglaube trennt diese Verbindung, sodass die Kunst des Herrn nicht mehr sichtbar ist und der Wert des Menschen reduziert wird auf den Preis seiner bloßen physischen Existenz, wobei diese physische Existenz des Menschen fast keinen Wert hat, denn sie besteht nur aus einem zeitlichen, vergänglichen und sterblichen tierischen Leben. Wir werden dies durch einen Vergleich erklären.

Auch bei den von Menschenhand geschaffenen Kunstwerken unterscheidet sich der Materialwert vom Kunstwert. Zuweilen können beide wie gleich erscheinen, zuweilen kann der Materialwert höher als der Kunstwert sein. Zuweilen geschieht es auch, dass man bei einem Materialwert von fünf Pfennig, zum Beispiel

für Eisen, ein Kunstwerk im Werte von fünf Pfund entdeckt. Ja, zuweilen können Antiquitäten Millionen wert sein während ihr Materialwert kaum fünf Pfennig beträgt. Bringt man solch ein antikes Kunstwerk zu einer Antiquitätenmesse, kann es für eine Million verkauft werden, wenn man es als Werk eines alten Meisters ausstellt, wenn man dabei diesen begnadeten Künstler erwähnt, der es geschaffen hat. Andererseits, bringt man es zum Schrotthändler, so kann es zum Preis von fünf Pfennig als Eisen gekauft werden.

In gleicher Weise ist der Mensch ein einzigartiges Kunstwerk Gottes des Gerechten und das eleganteste, gnadenvolle Wunder Seiner Macht, da er den Menschen wie eine Welt im kleinen erschuf und ihn zur Verkörperung der Erscheinungen und Ornamente all Seiner Namen machte.

Wenn das Licht des Glaubens in ihn einströmt, können all diese bedeutsamen Ornamente in ihm entziffert werden. Ein Gläubiger entziffert sie im Bewusstsein seines Verstandes. Und in dieser seiner Beziehung lässt er sie entziffern. Das heißt, die göttliche Kunst, die im Menschenwesen enthalten ist, manifestiert sich selbst durch solche Aussagen wie: "Ich bin das Werk des Erhabenen Meisters, Sein Geschöpf und die Verkörperung Seines Mitleides und Seiner Freigiebigkeit." Glaube besteht also in der Beziehung zum Meister, offenbart die gesamten Kunstwerke im Menschen. Insoweit die göttliche Kunst im Menschen sichtbar wird, bestimmt sie des Menschen Wert. Er entspricht dem Spiegelbild der Einzigartigkeit Gottes. So erhebt sich der Mensch aus seiner Bedeutungslosigkeit auf diese Weise über alle Geschöpfe zum Gesprächspartner Gottes und Gast des Herrn, würdig des Paradieses.

Wenn der Unglaube, der im Abbruch dieser Beziehung besteht, in den Menschen eingeht, sinken alle diese bedeutsamen Ornamente der Gottesnamen ins Dunkel, können nicht mehr entziffert werden. Denn wenn der Meister in Vergessenheit gerät, können auch die spirituellen Aspekte in ihrer Beziehung zum Meister nicht mehr verstanden werden. Es ist, als würde alles auf den Kopf

gestellt. Viele bedeutsame und erhabene Künste und Ornamente des Geistes verbergen sich auf diese Weise. Ein Teil dessen, was übrig bleibt und mit den Augen wahrgenommen werden kann, wird geringfügigen Ursachen zugeschrieben, der Natur oder dem Zufall, verfällt schließlich. Obwohl jedes einzelne für sich ein funkelnder Diamant ist, erscheint es wie trübes Glas. Ihr Wert wird nur noch in der animalischen Substanz gesehen. Aber Ziel und Ergebnis dieser Substanz ist, wie gesagt, ein Leben von sehr kurzer Dauer zu führen, unerheblich, als das schwächste, hilfsbedürftigste und unglücklichste aller Tiere, und am Ende zu verfallen und zu verwesen. So ruiniert Unglaube das Wesen des Menschen und verwandelt einen Diamanten in Kohle.

Zweiter Punkt:

Der Glaube ist in gewisser Weise ein Licht. Er erleuchtet den Menschen, lässt alle die oben aufgeführten Ewigen Briefe lesbar werden. Genauso erleuchtet er auch das Universum. Vergangene und zukünftige Zeiten werden aus der Dunkelheit errettet. Dies Geheimnis erklären wir durch ein Gleichnis, das ich in einer geistigen Schau in Bezug auf ein Geheimnis der Ehrwürdigen Ayah

اَللهُ وَلِىُّ الَّذِينَ اٰمَنوُا يُخْرِجُهُمْ مِنَ الظُّلُمَاتِ اِلَى النُّورِ

{"Allah ist der Freund der Gläubigen und führt sie aus der Finsternis in das Licht." (Sure 2, 257)}

gesehen habe. Es war dies wie folgt:

In einer Schau, die ich erlebte, sah ich: Zwei hohe Berge standen sich gegenüber... zwischen ihnen war furchterregend eine Brücke gespannt. Unter der Brücke eine tief eingeschnittene Klamm... ich befand mich auf dieser Brücke. Und die Welt lag in dichter Finsternis - Dunkel ringsumher. Ich schaute nach rechts. In unendlicher Finsternis erblickte ich ein großen Grabmal, d.h. es tauchte aus meiner Phantasie auf. Ich schaute nach links. Es war, als erblickte ich riesige Stürme inmitten fürchterlicher Wellen von Finsternis, Unruhen und heraufziehende Katastrophen. Ich schaute von der Brücke hinunter. Ich meinte, einen sehr tiefen Abgrund zu erblicken. Gegen diese schreckliche Finsternis hatte ich nur eine schwache Taschenlampe. Ich schaltete sie ein, schaute

mich in ihrem Zwielicht um. Eine ganz fürchterliche Situation tauchte vor mir auf. Ja, sogar vor mir auf dem Brückenkopf und darum herum wurden schreckliche Drachen, Löwen und Wölfe sichtbar. "Hätte ich doch diese Taschenlampe nicht bei mir gehabt! Ich hätte diese Schrecken nicht gesehen! " sagte ich mir. Wann immer ich auch meine Lampe irgendwohin richtete, überliefen mich von dort diese Schrecken. "Oh Gott", sagte ich, "diese Lampe ist das Unglück über meinem Haupte!" Ich war auf sie böse. Ich schleuderte die Taschenlampe zu Boden, zerbrach sie. Als hätte ich mit ihrer Zerstörung den Schalter zur großen elektrischen Lampe der Beleuchtung der Welt bedient, wurde plötzlich die Finsternis vernichtet. Und alles wurde von dem Lichte dieses Scheinwerfers erfüllt. Die Wirklichkeit aller Dinge wurde mir gezeigt. Ich sah: Die Brücke, welche ich erblickt hatte, war eine Straße durch eine Ebene in einer wohlgepflegten Gegend. Und ich bemerkte: Das große Grabmal, das ich zu meiner Rechten gesehen hatte, war von Anfang an ein Versammlungsplatz für Anbetung, Gottesdienst, Gespräch und Gottesgedenken unter der Führung erleuchteter Menschen in einem schönen, grünen Garten gewesen. Und das, was ich zu meiner Linken für Bergesgipfel und Abgründe, erfüllt von Stürmen und Unruhen, gehalten hatte, erwies sich mir in meiner inneren Schau als ein gewaltiges Festmahl, ein schöner Park, ein erhabener Aufenthaltsort zur Erquickung der Seelen hinter schönen, lieblichen, reizvollen Bergen. Und ich sah, dass jene Geschöpfe, die ich für fürchterliche Wölfe und Drachen gehalten hatte, friedliche Haustiere waren wie Kamele, Rinder, Schafe und Ziegen.

اَلَْحَمْدُ لِلَّهِ عَلَي نُورِ اْلاِيمَانِ

{"Aller Lobpreis und Dank sei Allah für das Licht des Glaubens."}

sagte ich, zitierte die Ayah:

للهُ وَلِىُّ الَّذِينَ اٰمَنُوا يُخْرِجُهُمْ مِنَ الظُّلُمَاتِ اِلَى النُّورِ

{"Allah ist der Freund der Gläubigen und führt sie aus der Finsternis in das Licht." (Sure 2, 257)}

Und so erwachte ich aus dem Gesicht, das ich erschaut hatte. So sind also diese beiden Berge Anfang und Ende des Lebens...

d.h. die irdische Welt und die Schattenwelt. Was die Brücke betrifft, so ist sie der Weg des Lebens. Ihre rechte Seite aber Vergangenheit, ihre Linke die Zukunft. Die Taschenlampe ist das menschliche Ego, das in seiner Selbstgefälligkeit dem eigenen Wissen vertraut und nicht auf die Offenbarung des Himmels hört. Was mir wie Wölfe erschien, sind die staunenswerten Gebilde und Ereignisse in der Schöpfung. Der Mensch also, der auf sein Ego vertraut, in finstere Gottvergessenheit gestürzt und dem Dunkel seiner Irreleitung verfallen, gleicht meinem ersten Zustand in dieser Schau, sieht die Vergangenheit in seiner, einer Taschenlampe entsprechenden mangelhaften und irrigen Kenntnis in Form eines riesigen Grabmals und dem Dunkel des Nichtseins. Die Zukunft erscheint ihm als Einöde, von fürchterlichen Stürmen durchtobt, abhängig vom Zufall. Jedes einzelne Ereignis und Geschöpf, welches doch ein gehorsamer Diener Gottes, des Weisen und des Barmherzigen ist, erweist sich ihm als Wolf, der ihm schaden will. Er erfährt sich als Gegenstand der Ayah:

وَالَّذِينَ كَفَرُوٓا اَوْلِيَآئُهُمُ الطَّاغُوتُ يُخْرِجُونَهُمْ مِنَ النُّورِ اِلَى الظُّلُمَاتِ

{"Die Ungläubigen sind die Freunde derer, die sich widersetzen und ihn aus dem Licht in die Finsternis führen." (Sure 2, 257)}

Erreicht ihn die Führung Allahs, tritt der Glaube in sein Herz ein, wird das pharaonische Ego

{Die Herrschaft des Pharao über das Volk Israel und sein Widerstand gegen die Befehle Gottes. (A.d.Ü.)}

zerbrochen; hört er und gehorcht dem Buche Allahs, so gleicht er meinem zweiten Zustand in dieser Schau. So erhält die ganze Welt plötzlich die Farben des Tages, wird vom Lichte Gottes erfüllt. Die Welt vermag die Ayah

{"Allah ist das Licht der Himmel und der Erde." (Sure 24, 35)}

zu entziffern. Dann ist die Vergangenheit kein riesiges Grabmal mehr für ihn, vielmehr sieht er mit den Augen des Herzens, wie die Gemeinschaft der reinen Seelen, nachdem sie unter der Führung eines Propheten oder Gottesfreundes eines jeden Jahrhunderts ihre Geschöpfespflicht erfüllt und ihre Aufgaben im Leben beendet haben, mit den Worten "Allahu Ekber" (Allah ist unvergleichlich groß) sich zu den erhabenen Stufen aufschwingen und

auf die Seite der Zukunft hinüberwechseln. Zur linken Seite hinüberblickend, bemerkt er von weitem im Lichte des Glaubens in den Weingärten des Paradieses das Gastmahl der Barmherzigkeit, das in den Schlössern der Glückseligkeit bereitet ist, hinter manchen bergesgleichen Umwälzungen der Schattenwelt und des Jenseits

{Die Welt zwischen Tod und Auferstehung und die Welt nach dem Jüngsten Gericht. (A.d.Ü.)}.

Und er erkennt, dass Ereignisse wie Stürme, Beben und Seuchen jede für sich ein gehorsamer Diener sind. Er sieht, dass Frühlingsstürme und Regengüsse äußerlich zwar rauh und hart sein mögen, in Wirklichkeit aber eine Quelle mildester Weisheit sind. Und sogar den Tod sieht er als Beginn des ewigen Lebens, und das Grab als Tor zur Ewigen Seligkeit. Man mag sich die übrigen Aspekte selbst ausdeuten. Bringe die Wirklichkeit in Übereinstimmung mit dem Gleichnis!

Dritter Punkt:

Der Glaube ist sowohl Licht als auch Kraft. Ja, derjenige, der den wahren Glauben in Händen hält, vermag der ganzen Welt Widerstand zu leisten und sich je nach der Stärke seines Glaubens vom Druck aller Geschehnisse zu befreien. "Ich vertraue auf Allah.", sagt er und durchkreuzt mit dem Schiffe des Lebens in vollkommener Sicherheit die haushohen Wogen der Geschehnisse. Er vertraut all seine Last der mächtigen Hand der grenzenlosen Allmacht (Gottes), durchquert ruhig diese Welt, rastet im Zwischenreich. Danach vermag er sich in das Paradies aufzuschwingen, um in die Ewige Glückseligkeit einzugehen. Andererseits, wenn er die Last dieser Welt nicht Gott anvertraut, behindert sie nicht nur seinen Aufschwung, sondern zieht ihn zum Niedrigsten der Niedrigen herab. Das will besagen: Glaube (iman)führt zu Einheit (tauhid),Tauhid zu Hingabe (teslim),Teslim zu Vertrauen, Vertrauen zu Glückseligkeit in den beiden Welten (Diesseits und Jenseits) Das darf man jedoch nicht falsch verstehen! Vertrauen bedeutet nicht, die Ursachen vollständig außer Acht zu lassen. Es heißt vielmehr, die Ursachen hinter dem Schleier der Hand des Allmächtigen (Gottes) zu erkennen und anzuerkennen. Von den Ursachen auszugehen heißt, dies als eine Art tätigen Gebetes anzusehen, die Ergebnisse aber nur von Gott dem Gerechten zu erwarten, die Folgen als von

Ihm kommend zu erkennen und Ihm dankbar zu sein. Als Beispiel für einen, der sich Gott anvertraut und einen, der dies nicht tut, steht folgendes Gleichnis:

Es waren einmal zwei Männer. Sie hatten sich Rücken und Kopf mit schweren Lasten beladen, eine Fahrkarte gelöst und ein großes Schiff bestiegen. Der eine stellt seine Last auf dem Schiff ab, sobald er es betreten hat und setzt sich darauf, um sie zu bewachen. Der andere, weil er sowohl dumm als auch stolz ist, stellt seine Last nicht ab. Jemand sagt zu ihm: "Überlass deine schwere Last dem Schiff und mache es dir bequem!" Er antwortet: "Nein, das tue ich nicht. Vielleicht kommt sie zu Schaden. Ich bin stark. Ich werde meinen Besitz auf meinem Rücken und auf meinem Kopf bewahren." Noch einmal sagt jemand zu ihm: "Du bist auf diesem Schiff des Sultans in Sicherheit. Es ist stärker als du und trägt dich und uns. Es bewahrt noch besser, vielleicht wirst du, wenn dir schwindlig wird, mitsamt deiner Last ins Meer stürzen. Außerdem wird deine Stärke allmählich nachlassen. Dieser gebeugte Rücken, dieser Kopf ohne Verstand wird diese allmählich schwerer werdende Last nicht mehr tragen. Zudem wird der Kapitän, wenn er dich in diesem Zustand sieht, sagen, du seiest verrückt und dich vom Schiff weisen. Oder er wird sagen, du seist ein Verräter, der unser Schiff beleidigt und uns auslacht, und Befehl geben, dich einzusperren. Überdies hast du dich zum Narren gemacht. Du hast dich selbst zum Gespött gemacht mit deiner Eitelkeit, die dem Aufmerksamen diene Schwachheit offenbart, mit deinem Stolz, der deine Jämmerlichkeit zur Schau stellt, und mit deinem gekünstelten Verhalten, das deine Heuchelei und Nichtswürdigkeit entschleiert. Jeder lacht über dich." Nachdem ihm dies gesagt worden war, kam der arme Kerl zur Besinnung. Er stellte seine Last ab, setzte sich darauf und sagte: "Oh, möge Gott Wohlgefallen an dir haben! Ich bin vor Mühsal, Gefangenschaft und Gespött bewahrt worden."

Nun, oh Mensch, der du kein Vertrauen zu Gott hast! Komme auch du wie dieser Mann zur Besinnung! Vertraue auf Gott! Nur so wirst du vor der Bedrängnis in der Gefangenschaft des Diesseits

bewahrt bleiben, davor, vor aller Welt ein Bettler zu sein, vor jedem Ereignis zu zittern, vor eitlem Ruhm und Spott, vor Qual im Jenseits.

Vierter Punkt:

Glaube macht den Menschen zum Menschen. Sogar den Menschen zum Sultan(König). Wenn das so ist, dann ist des Menschen ursprüngliche Aufgabe der Glaube und das Gebet. Unglaube macht den Menschen zu einem völlig kraftlosen wilden Tier.

Unter tausenden Beweisen in dieser Streitfrage gibt alleine der Unterschied, wie Menschen und Tiere zur Welt kommen, einen klaren Beweis und ein sicheres Zeugnis dafür. Ja, der Unterschied, wie Menschen und Tiere zur Welt kommen, zeigt, dass Menschlichkeit durch Glaube Menschlichkeit ist. Denn in dem Augenblick, in dem ein Tier zur Welt kommt, ist es seinen Anlagen entsprechend vollkommen, so, als habe man es aus einer anderen Welt bereits vervollkommnet gesendet. In zwei Stunden oder zwei Tagen oder zwei Monaten lernt es alle seine Lebensbedingungen, seine Beziehungen zur Umwelt und die Gesetze des Lebens kennen und seine Anlagen zu gebrauchen. Wenn der Mensch die Fähigkeit, sich seinen Lebensunterhalt zu verdienen und einen Beruf auszuüben, in zwanzig Jahren erwirbt, erlangt sie ein Tier wie der Spatz oder die Bienen in zwanzig Tagen; es wird ihm gleichsam eingegeben.

Das heißt, die Hauptaufgabe eines Tieres besteht nicht darin, sich durch Lernen zu vervollkommnen und durch den Erwerb von Kenntnissen zu entwickeln und in seiner offensichtlichen Schwäche um Hilfe zu bitten oder zu beten. Seine Aufgabe besteht vielmehr darin, seinen Anlagen entsprechend zu handeln, tätig zu sein, in aktivem Dienst und in der Anbetung. Was den Menschen betrifft, so muss er, wenn er zur Welt kommt, alles lernen, und unkundig der Gesetze des Lebens vermag er seine Lebensumstände noch nicht einmal in zwanzig Jahren zur Gänze zu lernen und zu begreifen. Vielmehr muss er bis zum Ende seines Lebens lernen und vermag ferner - in einer so bescheidenen und schwachen Gestalt zur Welt gesandt - erst im Alter von ein, zwei Jahren sich auf die eigenen Füße zu stellen. Erst mit fünfzehn Jahren unterscheidet er Schaden und Nutzen. Und erst mit Hilfe der Gesellschaft erlangt er Vorteile und vermeidet Nachteile.

Das heißt, die natürliche Aufgabe des Menschen besteht darin, sich durch Lernen zu vervollkommnen, durch Gebet zu dienen und anzubeten. Nämlich: "Durch wessen Barmherzigkeit werde ich mit solcher Weisheit geleitet?

Durch wessen Großmut werde ich mit solcher Güte erzogen? Wessen Wohlwollen ist es, durch das ich mit solch einem Feingefühl ernährt und versorgt werde?" Dies gilt es zu wissen, und der, welcher unter tausenden seiner Bedürfnisse nicht eines zu befriedigen vermag, sollte in der Sprache seiner Schwäche und Armut zu dem Herrn und Richter über seine Bedürfnisse zu flehen, zu Ihm bitten und beten, das heißt sich mit den Flügeln seiner Schwäche und Armut zu den höchsten Stufen des Dienens und der Anbetung emporschwingen.

Der Mensch ist in die Welt gekommen, um sich mit den Mitteln der Wissenschaft und des Gebetes zu vervollkommnen, entsprechend seinem Wesen und seinen Anlagen hängt alles von der Wissenschaft ab. Einer jeden wahren Wissenschaft Basis, Quelle, Licht und Geist ist die Erkenntnis Allahs und das Fundament dieser Basis ist der Glaube an Allah.

Da der Mensch in seiner grenzenlosen Schwäche grenzenlosen Plagen ausgesetzt und den Angriffen zahlloser Feinde ausgeliefert und bei seiner grenzenlosen Armut gleichzeitig in grenzenloser Not befangen ist und grenzenlose Wünsche zu befriedigen sucht, ist seine natürliche Hauptaufgabe nach dem Glauben das Gebet. Das Gebet ist aber die Grundlage von Dienst und Anbetung. Ein Kind, das einen Wunsch auf dem Herzen hat, den es nicht zu befriedigen vermag, sagt dies entweder oder weint, d.h. es äußert sich in der Sprache seiner Schwäche durch das Gebet seiner Handlungen oder in Worten. So verhilft es seinem Wunsch zum Erfolg. In gleicher Weise ist der Mensch unter allen Geschöpfen der Welt wie ein liebes, nettes und höfliches Kind. Entweder muss er vor dem Throne des Erbarmers, des Barmherzigen, in seiner Armseligkeit und Schwäche weinen, oder beten in seiner Armut und

Not, damit ihm sein Wunsch erfüllt werde und er sich für die Erfüllung dankbar erweise. Anderenfalls ist er wie ein dummes und unartiges Kind, das sich vor einer Fliege fürchtet und sagt: "Ich unterwerfe diese nicht zu unterwerfenden seltsamen Dinge, die tausendfach stärker sind, meiner Macht, mache sie mir nach meinen Vorstellungen und mit meiner Geschicklichkeit dienstbar." So verkehrt er in seiner Undankbarkeit die Grundnatur des Menschen ins Gegenteil und zieht sich selbst eine fürchterliche Strafe zu.

Fünfter Punkt:

Der Glaube erfordert das Gebet als unanfechtbares Fahrzeug, und die menschliche Natur verlangt es mit Macht. Auch erlässt Gott der Gerechte entsprechend der Frage die Verfügung: "Wenn ihr nicht betet, welchen Wert habt ihr dann noch?" und befiehlt:

قُلْ مَا يَعْبَؤُا بِكُمْ رَبِّى لَوْلاَ دُعَآؤُكُمْ

{"Sprich: Mein Herr würde sich nicht um dich kümmern, wäre es nicht um deines Gebetes willen." (Sure 25, 77)}

اُدْعُونِىٓ اَسْتَجِبْ لَكُم

{"Rufe mich an! Ich werde dir antworten." (Sure 40, 60)}

Wenn du sagst:

"Wir beten oft, aber unsere Gebete werden nicht angenommen. Die Ayah gilt jedoch allgemein und besagt, dass es für jedes Gebet eine Antwort gibt."

So lautet dieAntwort:Auf das Gebet zu antworten ist das eine, es anzunehmen das andere. Es gibt für jedes Gebet eine Antwort. Aber es anzunehmen und genau das Verlangte zu geben hängt von der Weisheit Gottes des Gerechten ab. Zum Beispiel: Ein krankes Kind ruft: "Herr Doktor, schauen Sie mal her!" Der Arzt: "Ja, bitte, was möchtest du?" Das Kind: "Geben Sie mir diese Medizin! " Der Arzt wird ihm entweder geben, was es verlangt hat, oder er wird ihm in diesem Falle etwas Besseres geben, oder er wird es ihm, wenn es zur Verschlimmerung der Krankheit führen würde, nicht geben. Darum beantwortet Gott der Gerechte, der vollkommene Allweise, der Allschauende, immer Gegenwärtige, das Gebet Seiner Diener und Anbeter. Er verwandelt die Schrecken der Einöde und Menschenleere durch Seine stete Bereitschaft

zu antworten in Vertrautheit. Aber Er gibt dem Menschen nicht, was dessen Lust und Laune gebietet, sondern so, wie es die Weisheit des Herrn erfordert: entweder, was er verlangt hat, oder etwas Besseres oder nichts.

Weiter ist das Gebet Dienst und Anbetung. Dienst und Anbetung aber trägt seine Frucht im Jenseits. Weltliche Gründe bestimmen die Zeit für eine Art des Gebetes und der Anbetung. Diese Gründe sind nicht dessen Ziel. Zum Beispiel: Das freie und das rituelle Gebet um den Regen ist eine Anbetung. Die Zeit der Dürre ist die Zeit dieser Anbetung. Andererseits sind Gebet und Anbetung nicht dazu da, den Regen herabzuziehen. Bestünde ihre Absicht allein darin, wäre das Gebet nicht rein und aufrichtig und verdiente es nicht, angenommen zu werden. So ist die Zeit des Sonnenunterganges die Zeit für das Abendgebet. So ist die Zeit der Sonnen- und Mondfinsternis bestimmt für zwei rituelle Gebete, "kusuf" und "husuf" genannt. Weil nämlich die Verfinsterungen des Tages- und Nachtgestirns auf eine Art die Größe Gottes sichtbar zu machen dienen, lädt Gott der Gerechte Seinen Diener zu dieser Zeit zu einer Art Anbetung ein. Andererseits dient das Gebet (namaz)nicht dazu, die Verfinsterung von Sonne und Mond aufzuheben, deren Beginn und Ende durch astronomische Berechnungen ermittelt werden kann. Das gleiche gilt auch während einer Dürreperiode für das Gebet um Regen.

Während eines Unglückszustandes oder drohender Gefahr ist die Zeit für einige besondere Gebete, weil der Mensch zu dieser Zeit seine Schwäche begreift und in Gebet und Fürbitte zum Throne des Grenzenlos-Allmächtigen Zuflucht nimmt. Wenn trotz aller Gebete ein Unglückszustand nicht enden will, darf man nicht sagen: "Das Gebet wurde nicht erhört." Vielmehr muss man sagen: "Die Zeit zu beten ist noch nicht vorüber." Wenn Gott der Gerechte in Seiner Gnade und Freigiebigkeit einen Unglückszustand beendet, Licht über Licht... dann ist die Zeit für das Gebet zum Ende gekommen, vorübergegangen. So ist das Gebet ein Geheimnis des Dienstes und der Anbetung. Dienst und Anbetung dient aber allein dazu, "das Antlitz

Allahs" zu schauen. Man muss vor Ihm allein seine Schwäche offen legen, zu Ihm allein seine Zuflucht nehmen. An Seiner Herrschaft soll der Mensch keinen Anteil zu nehmen versuchen. Ihm soll er die Vorsorge überlassen. Seiner Weisheit soll er vertrauen. An Seiner Barmherzigkeit darf er nicht zweifeln. Ja, es steht in der Tat durch die Klarlegung der "klaren Zeichen" fest: Von allen Wesen preist Ihn jedes in seiner Art, betet zu Ihm jedes auf seine Weise, hat jedes seine Form, sich vor Ihm niederzuwerfen; so ist alles, was von der ganzen Welt zum Throne Gottes aufsteigt, ein Gebet. Dies geschieht entweder als Ausdruck der Entwicklungsfähigkeit - wie die Gebete aller Pflanzen und Tiere, die - jede für sich - aus der grenzenlosen Fülle (Gottes) eine Gestalt erheischen, um als ein Ausdruck der Namen (Gottes) geoffenbart zu werden - oder in der Sprache der naturgegebenen Bedürfnisse [Die Gebete aller Lebewesen in ihren zwingenden Bedürfnissen, die zu befriedigen nicht in ihrer Macht steht, die - jedes für sich - in der Sprache ihrer naturgegebenen Bedürfnisse von der grenzenlosen Freigiebigkeit (Gottes) zur Erhaltung ihres Lebens etwas zu ihrer Versorgung erheischen] oder als Ausdruck einer Notlage. (Jedes beseelte Wesen betet in einer Notlage inständig und nimmt zu seinem unsichtbaren Schutzherrn Zuflucht... vielmehr wendet es sein Antlitz dem Herrn der Barmherzigkeit zu.) Diese drei Arten des Gebetes werden immer angenommen, wenn kein Hindernis dazwischen liegt.

Die vierte Art ist die bekannteste: unser Gebet. Es gibt zwei Arten. Die erste durch Tat und Verhalten, die zweite mit Herz und Mund. Zum Beispiel: Wenn man von den Ursachen ausgeht, ist es ein Gebet der Tat. Es genügt nicht, wenn bestimmte Umstände zusammentreffen, um das Ergebnis hervorzubringen; es handelt sich vielmehr darum, jene Haltung einzunehmen, mit der Gott der Gerechte zufrieden ist, wenn man in der Sprache des Verhaltens ein Ergebnis wünscht. Zu pflügen bedeutet also, an die Pforte der Schatzkammer der Barmherzigkeit zu klopfen. Diese Art, durch die Tat zu beten, erreicht meistens ihre Annahme, weil sie sich an Name und Attribut des Grenzenlos-Freigiebigen (Gottes)

richtet. Die zweite Art zu beten ist mit Herz und Mund; darum zu bitten, etwas zu erlangen, was die Hände nicht erreichen können. Davon ist der bedeutendste Gesichtspunkt, das schönste Ziel und die süßeste Frucht diese: "Ein Mensch, der betet, begreift, dass es jemanden gibt, der zu erlauschen vermag, was sein Herz bewegt, dessen Hand alles erreichen kann, der jeden seiner Wünsche zu erfüllen weiß... der Mitleid mit der Schwäche hat, ihm in seiner Armseligkeit zu Hilfe kommt."

Nun also, oh du schwacher Mensch! Du armseliges Geschöpf! Lass nicht deinen Händen entgleiten, was - wie das Gebet - der Schlüssel ist zur Schatzkammer der Barmherzigkeit und ein Angelpunkt grenzenloser Kraft. Ergreife ihn, steige auf zur höchsten Höhe der Menschlichkeit; wie ein König nimm die Gebete der ganzen Welt auf in dein eigenes Gebet. Sage wie ein universeller Diener, wie ein Generalvertreter:

اِيَّاكَ نَسْتَعِينُ

{"Dich allein bitten wir um Hilfe." (Sure 1, 4)}

Sei ein schönes Beispiel für die ganze Welt!

Zweites Kapitel

Hier werden fünf Anmerkungen behandelt über das Glück und Unglück des Menschen.

Als Allah den Menschen erschuf, verlieh Er ihm den höchsten Rang und Wert und gab ihm eine recht umfangreiche Veranlagung mit. Darum ist er in eine Stätte der Prüfung geworfen, wo er vom Geringsten aller Geringen zum Höchsten aller Hohen, von der Erde bis zum Himmel, von dem Atom bis zur Sonne der Reihe nach die Ränge und Stufen empor zu klimmen oder hinunterzustürzen vermag. Wie ein Wunder der Allmacht, als endgültiges Ergebnis der Schöpfung und ein Meisterwerk in diese Welt gesandt, öffnen sich vor ihm die beiden Wege, die zu grenzenloser Erniedrigung oder Erhöhung führen. Wir wollen nun das Geheimnis dieses erstaunlichen Fortschritts und Rückschritts des Menschen in "fünf Anmerkungen " erklären.

Erste Anmerkung:

Der Mensch ist auf die meisten Arten der Schöpfung angewiesen und steht in einer Beziehung zu ihnen. Seine Bedürfnisse erstrecken sich bis an aller Welt Enden, und seine Sehnsüchte reichen bis in die Ewigkeit. So wie er sich eine Blume wünscht, so wünscht er sich auch einen weltweiten Frühling. Und so wie er nach einem Garten verlangt, so verlangt er auch nach dem Paradies. So wie er sich danach sehnt, einem Freund zu begegnen, so sehnt er sich auch danach, der Schönheit und Größe (Gottes) zu begegnen. So wie der, welcher seine Geliebte in einer anderen Wohnung besuchen will, die Türe dieser Wohnung öffnen muss, so muss er, um seine Freunde zu besuchen, von denen neunundneunzig Prozent ins Zwischenreich übergesiedelt sind, um sich vor ewiger Trennung zu retten, seine Zuflucht nehmen zum Throne der unendlichen Allmacht (Gottes), welche die Pforte zur ungeheuren Welt schließt und das Tor zum Jenseits, das ein wundervoller Versammlungsort ist, öffnet, welche diese Welt aufheben und statt ihrer das Jenseits begründen und erbauen wird. Wer nun einem

Menschen in solcher Lage der in Wahrheit Angebetete sein kann - und das kann nur der Eine Allmächtige und Allgewaltige (Gott), der Eine, die Barmherzigkeit und Schönheit (Gottes), der Eine, die vollkommene Weisheit (Gottes) sein - der hält die Zügel aller Dinge in Seinen Händen, besitzt alle Schätze und den Blick für alle Dinge, ist an jedem Ort anwesend und von keinem Ort abhängig, von Fehlern und Schwächen frei und heilig, erhaben über allen Mangel. Denn nur der vermag die grenzenlosen Bedürfnisse des Menschen zu befriedigen, der grenzenlose Macht und umfassendes Wissen besitzt. So ist also nur Er allein der Anbetung würdig.

Nun denn, oh Mensch! Wenn du nur Ihn allein anbetest und Ihm allein dienst, wirst du einen Rang über allen Geschöpfen erwerben. Wenn du von dem Dienst und der Verehrung Abstand nimmst, wirst du ein verachtenswerter Sklave von schwachen Geschöpfen sein. Wenn du auf dich selbst und deine Fähigkeiten stolz bist, es aufgibst, auf Gott zu vertrauen und zu beten, dich in Stolz und Anmaßung verirrst, sinkst du auf eine Stufe unterhalb der Bienen und Ameisen in ihrer Nützlichkeit und Genialität, bist du schwächer als Spinnen und Fliegen. Hinsichtlich deiner bösen und unheilvollen Taten wirst du schwerer wiegen als ein Berg und schlimmer sein als eine Seuche.

Ja, oh Mensch! In dir sind zwei Grundzüge: der eine Grundzug ist Genialität, wahres Sein, Wohltätigkeit, Lebensbejahung, Handlungsfähigkeit. Der andere Grundzug ist Unheil, Verneinung, Übel, Lebensverneinung, Passivität. Hinsichtlich des ersten Grundzuges stehst du noch unter Biene und Sperling, bist du schwächer als Spinne und Fliege. Hinsichtlich des zweiten Grundzuges übertriffst du den Berg, die Erde, die Himmel. Du trägst eine Last, vor der sie den Mut verlieren, ihre Schwäche zeigen. Du wirkst in einem weiteren und größeren Bereich als sie. Denn wenn du tust, was gut und genial ist, kannst du nur innerhalb deiner Schwingungsweite und soweit deine Hand reicht, deine Kraft es vermag, genial und gut sein. Wenn du aber Übel und Unheil anrichtest, werden das Übel und das Unheil sich wie eine Seuche ausbreiten.

Zum Beispiel: Unglaube ist ein Übel, ein Unheil, eine Verneinung. Aber diese eine einzige Schuld beinhaltet eine Beleidigung der ganzen Schöpfung, eine Geringschätzung aller Gottesnamen, eine Entwürdigung der ganzen Menschheit. Denn alles Geschaffene hat einen hohen Rang und eine wichtige Aufgabe. Denn es ist ein Brief des Herrn, ein Spiegel des Hochgelobten, beauftragt von Gott. Was aber den Unglauben betrifft, so bewirkt er, dass all dies seinen Rang der Spiegelgleichheit, des Auftrags und der Bedeutsamkeit verliert und dann die Stufenleiter der Sinnlosigkeit, zu einem Spielzeug des Zufalls und mit dem Unheil des Untergangs und der Trennung auf die Stufe der vergänglichen Dinge herabsinkt, die rasch zugrunde gehen und zerfallen, der Bedeutungslosigkeit, der Wertlosigkeit, der Nichtigkeit. Desgleichen schätzt er die Gottesnamen gering, deren Ornamente, Anmut und Schönheit in der gesamten Schöpfung und im Spiegelbild des Geschaffenen erscheinen, indem er sie leugnet. Und er wirft den Menschen, der den Rang eines Kalifen der Erde bekleidet - eine Kasside (Lobgesang) der Weisheit in Versen, welche die Erscheinung aller Gottesnamen wundervoll aufzeigt, ein Wunder der ozeangleichen Macht (Gottes), einem Samenkorn gleich, das die Anlage zu einem immerwährenden Baum in sich trägt - und der, weil er so große Verantwortung für das ihm anvertraute Gut übernimmt, über Himmel, Erde und Berge erhöht wird und dadurch einen Vorzug vor den Engeln erwirbt, auf eine Stufe herab, noch niedriger, schwächer, kraftloser und armseliger als ein niederes, vergängliches und verlorenes Tier. Und er lässt ihn auf die Stufe einer gewöhnlichen Tafel herabsinken, bedeckt mit Bedeutungslosem, Hingekritzeltem, Leicht-Vergänglichem.

Zusammenfassung:

Die eigenwillige Seele kann in ihrer übelwollenden, unheilvollen Art zahllose Verbrechen begehen, aber ihre Fähigkeit, genial und gut zu sein, ist sehr schwach und unbedeutend. Ja, sie vermag ein Haus an einem Tag zu zerstören, aber nicht in hundert Tagen zu bauen. Wenn sie jedoch ihren Egoismus aufgibt, von Gott die Führung zum Guten und zum wahren Sein erbittet, sich von Übel, Unheil und Selbstüberhebung

abwendet, um Vergebung bittet, ein vollkommener Diener und Verehrer (Gottes) wird, dann erlangt sie das Geheimnis:

يُبَدِّلُ اللهُ سَيِّاٰتِهِمْ حَسَنَاتٍ

{"Allah wird seine Schuld in Gutes verwandeln." (Sure 25, 70)}

Ihre grenzenlose Fähigkeit zum Schlechten wandelt sich in eine grenzenlose Fähigkeit zum Guten. Sie nimmt den Wert eines "Ahsen-i Taqvim"(Schönsten in der Schöpfung) an und steigt zur höchsten Höhe auf. Nun denn, oh du unbedachter Mensch! Betrachte die Fülle und die Freigiebigkeit Gottes des Gerechten! Obwohl es billig und gerecht wäre, für eine einzige Schuld tausend zu schreiben und für eine gute Tat eine oder gar nichts zu schreiben, schreibt Er für eine Schuld nur eine, für eine gute Tat dagegen zehn, manchmal siebzig, manchmal siebenhundert, manchmal siebentausend. Ziehe also aus dieser Anmerkung den Schluss, dass in die furchtbare Hölle zu kommen billig und gerecht, der Lohn deiner Taten ist, ins Paradies einzugehen aber lautere Freigiebigkeit.

Zweite Anmerkung:

Der Mensch hat zwei Gesichter. Das eine betrifft sein Ego und ist dem weltlichen Leben zugewandt. Das andere betrifft den Dienst und die Anbetung und blickt auf das Ewige Leben. Hinsichtlich des ersten Gesichtes ist er ein so hilfloses Geschöpf, dass sein Grundkapital nur ein bedeutungslos schwacher Wille - ein Wille, dünn wie ein Haar - ein geringes Vermögen Macht, eine schnell verlöschende Flamme Vitalität, eine schnell vergehende Spanne Leben und ein rasch verfallendes Stückchen Dasein ist. Zugleich befindet er sich in diesem Zustand als ein empfindliches und schwaches Exemplar unter ungezählten anderen Exemplaren innerhalb der unendlich großen Familie, die über alle Schichten der ganzen Welt verstreut ist.

Hinsichtlich des zweiten Gesichtes und besonders, was seine Schwäche und Armseligkeit betrifft, die auf Dienst und Anbetung ausgerichtet ist, verfügt er über eine besonders große Schwingungsweite. Und er besitzt eine besonders große Bedeutung. Denn: Der weise Schöpfer hat den Menschen in der Geistigkeit

seines So-Seins mit einer unendlich großen Schwäche und einer grenzenlos weiten Armseligkeit ausgestattet. So sei er wie ein universeller Spiegel des Barmherzigen in Seiner grenzenlosen Macht und des Herrn allen Reichtums und aller Freigiebigkeit in Seinem grenzenlosen Reichtum, ein universeller Spiegel, der die zahllosen Erscheinungen des Allmächtigen sammelt. Ja, der Mensch ähnelt einem Samenkorn. Gleich ihm sind dem Samenkorn von der Macht (Gottes) bedeutende geistige Anlagen und von der Bestimmung (Gottes) ein fein abgestimmtes und kostbares Programm mitgegeben worden. So soll es unter der Erde arbeiten, aus dieser engen Welt emporwachsen, in die weite, luftige Welt hineinwachsen und von seinem Schöpfer in seiner Fähigkeit unausgesprochen erbitten, ein Baum zu werden, jene Vollkommenheit zu erreichen, die ihm gebührt. Wenn dieses Korn aufgrund seiner schlechten Anlage die ihm gegebenen innerlichen Funktionen dazu missbraucht, einige unter der Erde liegende Giftstoffe an sich zu ziehen, wird es nach kurzer Zeit an diesem engen Orte fruchtlos vergehen und verderben. Wenn dieses Korn seinen innerlichen Funktionen, gemäß dem Befehl (Gottes)

فَالِقُ الْحَبِّ وَالنَّوَىٰ

{"Er lässt das Weizenkorn und den Dattelkern keimen." (Sure 6, 95)}

entspricht und sie richtig anwendet, wird es aus dieser engen Welt emporwachsen, ein großer, fruchtbarer Baum werden, und sein kleines Stückchen Wahrheit, sein geistiges Antlitz, wird die Gestalt einer großen und ganzen Wahrheit annehmen.

In gleicher Weise sind nun auch den menschlichen Wesen von der Macht (Gottes) wichtige Funktionen und von der Bestimmung (Gottes) ein kostbares Programm anvertraut worden. Wenn der Mensch auf dieser engen irdischen Welt, gleichsam wie unter der Erde des diesseitigen Lebens, seine geistigen Anlagen nach seinen egoistischen Launen missbraucht, wird er - gleich wie das verdorbene Korn - nach einem kurzen Leben für einen bedeutungslosen Genuss an einem engen Ort unter mühevollen Umständen

vergehen und verderben. Nachdem er moralische Schuld auf seine unglückliche Seele geladen hat, wird er von der diesseitigen Welt Abschied nehmend heimkehren.

Wenn er dieses Korn der Begabung mit dem Wasser des Islam und dem Lichte des Glaubens in der Erde des Dienstes und der Anbetung aufzieht, seine geistigen Anlagen im Gehorsam gegenüber dem Auftrag des Qur'an auf die wahren Ziele ausrichtet, wird er ein Korn sein, das die Anlagen zu einem ewigen Baum und einer immerwährenden Wirklichkeit in sich trägt sowie dazu, unendliche Gnade und Vollkommenheit im Paradies zu erlangen und ein hervorragendes Werkzeug und eine gesegnete und erleuchtete Frucht am Baume der Welt zu werden.

Ja, der Fortschritt besteht in Wirklichkeit darin, das Gesicht der dem Menschen verliehenen Sinne wie Herz, meditative Wahrnehmung, Geist, Verstand, ja sogar Traumvorstellung und andere dem Ewigen Leben zuzuwenden, damit jeder von ihnen mit der ihm eigenen Aufgabe des Dienstes und der Anbetung betraut werde. Andererseits, was diejenigen, die sich im Irrtum befinden, als ihren Fortschritt ansehen, nämlich: sich in alle Verästelungen des irdischen Lebens zu verstricken, jede Art von Vergnügungen, bis hin zu den größten Ausschweifungen, zu genießen und dabei alle feineren Empfindungen, Herz und Verstand als Gehilfen ihrer selbstsüchtigen Seele in den Dienst zu nehmen, ist nicht Fortschritt, sondern Rückschritt. Diese Wahrheit habe ich in einer geistigen Schau unter folgendem Gleichnis beobachtet:

Ich kam in eine Großstadt. Ich sah, dass es in dieser Stadt große Schlösser gab. Ich betrachtete die Tore mancher Schlösser. Ein Fest wie eine glanzvolle Theatervorstellung lenkte die Aufmerksamkeit auf sich. Es war eine große Vergnügung und alle amüsierte sich. Ich wurde darauf aufmerksam, dass der Schlossherr ans Tor gekommen war, mit einem Hund spielte und sich an dessen Spiel beteiligte. Die Damen plauderten charmant mit einfachen jungen Leuten. Die Töchter des Hauses aber leiteten die Spiele der Kinder. Und der Pförtner tat wie ein Schauspieler, der sie alle kommandierte. Da sah ich, dass das Innere dieses riesigen

Schlosses gähnend leer war. Alle bedeutsamen Aufgaben waren vernachlässigt worden. Die Moral der Leute war so verfallen, dass sich vor der Pforte dieses Bild ergab.

Dann ging ich weiter, traf ein anderes großes Schloss. Ich sah, dass sich vor dem Tor ein treuer Hund ausgestreckt hatte. Es gab dort einen ernsten, rauhen, verschlossenen Pförtner. Die Lage war ruhig. Ich wurde neugierig. Warum ist dies so? Jenes so? Ich trat ein. Ich sah, dass es innen sehr festlich war.

Die Bewohner des Schlosses in den verschiedenen Stockwerken waren mit verschiedenen bedeutsamen Aufgaben beschäftigt. Die Männer im ersten Geschoss verwalteten das Schloss und trafen ihre Anordnungen. Ein Stockwerk höher wurden die Knaben und Mädchen unterrichtet. Darüber beschäftigten sich die Frauen mit allen schönen Künsten und Handfertigkeiten. Ganz oben sah ich, wie des Schlosses Herr mit dem König Verkehr pflegte und sich mit persönlichen wie erhabenen Aufgaben beschäftigte, um die Ruhe des Volkes zu sichern und seine eigene Entwicklung und Vervollkommnung zu fördern. Weil sie mich nicht sehen konnten, verbot mir niemand die Besichtigung. Dann ging ich hinaus und sah mich um. Überall in der Stadt gab es diese zwei Arten von Schlössern. Als ich danach fragte, sagte man mir: "Die Schlösser, deren Tore festlich und deren Inneres leer ist, gehören den Vorstehern der Ungläubigen und denen, die sich im Irrtum befinden. Die anderen den aufrichtigen Großen unter den Muslimen." Dann fand ich in einer Ecke noch ein Schloss. Ich erblickte darüber den Namen "Said". Ich wurde neugierig. Als ich es genauer in Augenschein nahm, schien es mir, als erblickte ich meine Gestalt darauf. Ich war so überrascht, dass ich aufschrie, meine Sinne wiederfand und erwachte. Ich werde nun diese geistige Schau ausdeuten. Möge es Allah wohlgefällig sein!

Was also diese Stadt betrifft, so bedeutet sie das gesellschaftliche Zusammenleben der Menschen und den Ort ihrer Zivilisation. Jedes einzelne dieser Schlösser ist ein Mensch. Die Schlossbewohner aber sind die Sinne des Menschen wie Auge, Ohr, Herz

meditative Wahrnehmung, Geist und Verstand und Erscheinungen wie Lust, Laune, Liebe und Zorn. In jedem Menschen hat jede Empfindung eine andere Aufgabe, zu dienen und anzubeten. Jede hat ihre eigene Lust und ihren Schmerz. Lust, Liebe, Laune und Zorn sind wie der Pförtner und sein Hund. So heißt denn diese hohen Empfindungen der Lust und Laune unterwerfen und ihre eigentlichen Aufgaben in Vergessenheit geraten lassen sicherlich Rückschritt und nicht Fortschritt. Die anderen Aspekte kann man sich selber ausdeuten.

Dritte Anmerkung:

Hinsichtlich seiner Handlungen, Taten und körperlichen Leistungen ist der Mensch nicht mehr als ein schwaches Tier und ein hilfloses Geschöpf. Hinsichtlich dessen, was er besitzt und worüber er verfügen kann, ist sein Rahmen so eng gesteckt, dass er ihn mit einer Hand zu umspannen vermag. Und sogar bei den Haustieren, die sich der Mensch gezähmt hat und von denen ein jedes seinen Anteil an der Schwäche, Hilflosigkeit und Faulheit des Menschen erhalten hat, bemerken wir im Vergleich mit den ihnen entsprechenden wild lebenden Tieren einen gewaltigen Unterschied (z.B. Ziegen und Ochsen, die als Haustiere oder in freier Wildbahn leben). Aber der Mensch ist als ein ehrenwerter Pilger in der Herberge dieser Welt in einer solchen Lage, dass er bitten, fragen und annehmen muss, ohne selbst etwas dazu beitragen zu können. So wurde er ein Gast des Freigiebigen (Gottes), der ihm Seine Schatzkammer unendlichen Erbarmens geöffnet hat. Und Er hat ihm zahllose einzigartige Geschöpfe als seine Diener zur Verfügung gestellt. Und Er hat diesem Gast zu seiner Erholung, zu seinem Vergnügen und zu seinem Nutzen einen so großen Lebensraum geschaffen und bereitgestellt, einen Kreis, der sich vom Zentrum bis zur Peripherie erstreckt, so weit das Auge reicht, ja darüber hinaus so weit und breit, wie er es sich nur zu erträumen vermag.

Wenn also der Mensch auf sein Ego vertraut, nur im weltlichen Leben sein Ideal sieht, sich nur um seinen Unterhalt sorgt und nur für einige vergängliche Vergnügungen arbeitet, wird er in einem sehr engen Lebenskreis untergehen. Alle ihm verliehenen Anlagen,

Sinne und Fähigkeiten werden ihn vor der Versammlung (am Tage des Gerichtes) anklagen und als Zeugen gegen ihn auftreten. Sie werden seine (Prozess)gegner sein. Wenn er sich aber als ein Gast weiß, als Gast des freigiebigen Herrn, im erlaubten Rahmen das Kapital seines Lebens ausgibt, arbeitet er innerhalb eines so weiten Rahmens gut für ein langes ewiges Leben. Dort kann er aufatmen und sich ausruhen. Und sodann bis zu den höchsten Höhen aufsteigen.

Und auch alle ihm verliehenen Anlagen und Fähigkeiten werden mit ihm zufrieden im Jenseits seine Zeugen sein. Ja alle dem Menschen verliehenen außerordentlichen Anlagen sind ihm nicht für dieses wertlose diesseitige Leben, sondern für ein sehr wertvolles bleibendes Leben verliehen worden. Denn wenn wir den Menschen mit dem Tier vergleichen, sehen wir, dass der Mensch hinsichtlich seiner Anlagen und Fähigkeiten sehr reich ist. Hundertfach reicher als das Tier. Genießt er das diesseitige animalische Leben, fällt er hundertfach tiefer; denn jeder Genuss, den er durchlebt, trägt die Spur tausender Schmerzen. Der Schmerz gegenüber der Vergangenheit, die Angst vor der Zukunft und auch der Schmerz nach jedem Genuss, nimmt ihm den Reiz, hinterlässt eine Spur in seinem Genuss. Nicht so das Tier! Es genießt ohne Schmerz, noch beängstigt es die Angst vor der Zukunft. Es lebt und schläft in Ruhe, dankt seinem Schöpfer.

Das heißt also, dass der Mensch, der als ein Musterbeispiel der Schöpfung erschaffen wurde, noch hundertfach unter ein Tier wie den Sperling herabsinkt, obwohl er doch von seiner Substanz her dem Tier hundertfach überlegen wäre, wenn er sich in seinem Denken auf das rein Irdische beschränkt. Ich hatte diesen Tatbestand bereits weiter oben in einem Gleichnis erklärt. Ich möchte in diesem Zusammenhang dieses Gleichnis noch einmal anführen. Es war dies wie folgt:

Ein Herr gibt seinem Diener zehn Goldstücke und befielt ihm: "Lassen Sie sich einen Anzug aus einem Stoff von guter Qualität schneidern!" Einem zweiten gibt er tausend Goldstücke, steckt ihm einen Zettel in die Tasche, auf dem verschiedene Dinge

aufgeschrieben stehen und schickt ihn zum Basar. Der erste Diener kauft für zehn Goldstücke einen vollendeten Anzug aus bestem Stoff. Der zweite Diener in seiner Verrücktheit schaut dem ersten Diener hinterdrein, gibt einem Kaufmann die tausend Goldstücke und verlangt, ohne den Zettel zu lesen, der in seiner Tasche steckt, einen Anzug. Aber der gewissenlose Kaufmann gibt ihm einen Anzug aus einem alten, schäbigen Stoff. Der unglückselige Diener tritt vor seinen Herrn hin. Er wird zornig zur Rede gestellt und streng bestraft. Wer also ein bisschen Verstand besitzt, begreift, dass dem zweiten Diener die tausend Goldstücke nicht gegeben wurden, um damit einen Anzug zu kaufen, sondern um damit ein bedeutendes Geschäft abzuschließen.

Desgleichen gilt: Der Mensch verfügt über geistige Anlagen und menschliche Sinne, deren jeder im Vergleich mit einem Tier hundertfach weiter ausgebildet ist. Wozu gebraucht der Mensch seine Anlagen und Fähigkeiten, wie zum Beispiel das Auge, welches alle Schattierungen der Schönheit zu unterscheiden vermag, oder die Geschmacksempfindungen seiner Zunge, welche alle die verschiedenen Geschmacksrichtungen einer Mahlzeit gesondert wahrzunehmen vermag, oder den Verstand, welcher in alle Feinheiten der Wahrheit eindringt, oder das Herz, welches sich nach jeder Art Vollkommenheit sehnt? Wozu gebraucht das Tier seine weit weniger, vielleicht nur ein, zwei Stufen entwickelten Fähigkeiten? Der Unterschied besteht nur darin, dass das Tier eine Fähigkeit für seinen eigenen Gebrauch besonders entwickelt hat. Doch diese Entwicklung ist für es eine spezifische. Der Reichtum des Menschen an Fähigkeiten erhellt aus folgendem Geheimnis:

Die Sinne und Empfindungen des Menschen wurden durch seinen Verstand und seine Vorstellungskraft weit entwickelt und ihr Bereich ausgedehnt. In seiner Notlage entstanden ihm zahlreiche verschiedene Empfindungen. Und seine Empfindsamkeit hat sich in verschiedenster Hinsicht entfaltet. Die Zusammengesetztheit seiner Natur hat dazu beigetragen, seine Wünsche auf sehr

viele Ziele zu richten. Und weil er sehr viele natürliche Aufgaben vorfand, haben sich seine Anlagen und Fähigkeiten gewaltig ausgebildet. Und weil er seiner Natur nach zu jeder Art Anbetung geschaffen war, wurde ihm jene Fähigkeit verliehen, welche den Samen zu jeglicher Vollkommenheit in sich enthält. Doch wurde ihm ein so großes Kapital und ein solcher Reichtum an Fähigkeiten sicherlich nicht dazu verliehen, um lediglich dieses bedeutungslose, vergängliche irdische Leben kennen zu lernen.

Vielmehr besteht die Grundaufgabe des Menschen darin, seine auf zahllose verschiedene Ziele gerichteten Verpflichtungen wahrzunehmen, seine Schwäche, Armseligkeit und Fehlerhaftigkeit in Dienst und Anbetung zum Ausdruck zu bringen, in seiner Weitsichtigkeit den Lobpreis allen Seins zu betrachten und zu bezeugen, in allen Gaben die Hilfe der Barmherzigkeit (Gottes) zu erkennen, dafür zu danken, die Wunder der Allmacht des Herrn in Seinen Werken zu schauen und aus diesem Anblick die Lehre zu ziehen und darüber nachzudenken.

Oh du unbedachter Mensch, der du die Welt anbetest, das irdische Leben liebst und das Geheimnis um deinen Rang und Wert in Seiner Schöpfung vernachlässigst! "Der alte Said" hat die Wirklichkeit dieses Lebens in einer geistigen Schau gesehen. Höre das Gleichnis der Schau, das ihn in einen "neuen Said" verwandelt hat:

Ich schaute: Ich bin ein Reisender. Ich gehe einen langen Weg, d.h. ich bin ihn gesandt. Seine Exzellenz hatte mir von den für mich bestimmten sechzig Goldstücken von Zeit zu Zeit eine kleine Summe Geldes zur Verfügung gestellt. Während ich noch davon lebte, gelangte ich zu einer Herberge. Es war eine Vergnügungsstätte, in der ich während einer Nacht zehn Goldstücke zum einen für Spiel und Spaß verschwendete, zum anderen, um mir damit einen Namen zu machen. Am Morgen hatte ich kein Geld mehr in meiner Hand. Ein Geschäft hatte ich nicht abgeschlossen. Ich hatte nichts erworben, was ich am Ziel meiner Reise hätte verwenden können. Von dem Geld, für das ich mir Schmerzen, Sünden und Vergnügungen erworben hatte, blieben

mir nur Wunden, blaue Flecken und Kummer übrig. Plötzlich, während ich mich noch in diesem traurigen Zustand befand, tauchte ein Mann vor mir auf. Er sagte zu mir: "Du hast dein ganzes Vermögen verloren. Schläge hättest du verdient. Bankrott wirst du ans Ziel gelangen! Du gehst mit leeren Händen. Aber wenn du Verstand hast, steht dir die Tür zur Verzeihung offen. Bewahre dir von den fünfzehn Goldstücken, die du noch bekommst, jedes Mal nach Erhalt die Hälfte als Rücklage auf. Kaufe dir davon einige Dinge, die du benötigen wirst, wenn du am Ziel bist." Ich sah, dass meine Seele nicht damit einverstanden war. "Ein Drittel", sagte er. Auch dem leistete meine Seele nicht Folge. Danach sagte er: "Ein Viertel!" Ich sah, dass meine Seele ihre liebgewordene Gewohnheit nicht aufgeben wollte. Da wandte sich der Mann ärgerlich ab und ging.

Plötzlich änderte sich die Szene. Ich erblickte mich in einem Zug, der mit Fallgeschwindigkeit durch einen Tunnel raste. Ich befand mich in Panikstimmung. Es gab keinen Ausweg. Man konnte nirgendwohin fliehen. Das Seltsame aber war, dass sich zu beiden Seiten des Zuges zauberhaft schöne Blumen und wohlschmeckende Früchte zeigten. Ich sah sie an wie ein unerfahrener Rekrut und streckte meine Hand nach ihnen aus. Ich versuchte, die Blumen zu pflücken, griff nach den Früchten. Aber die Blumen und Früchte waren mit Disteln und Dornen bedeckt und stachen mir die Hände blutig, wenn ich sie berühren wollte. Der Zug entriss sie mir im Vorbeifahren, und sie zerschnitten mir die Hände. Es kam mir sehr teuer zu stehen. Plötzlich sagte ein Bahnarbeiter zu mir: "Gib mir fünf Kurush! Du kriegst so viele Blumen und Früchte, wie du willst. Du wirst dir mit deinen zerschnittenen Händen statt für fünf Kurush für hundert Kurush Schaden antun. Außerdem bekommst du noch eine Strafe. Du darfst sie nicht ohne Erlaubnis pflücken."

In meiner Bedrängnis streckte ich den Kopf hinaus und blickte nach vorne, um zu sehen, wann der Tunnel zu Ende sei. Aber an Stelle der Tunnelausfahrt erblickte ich viele Löcher. Leute wurden aus dem langen Zug in diese Löcher hineingeworfen. Ich sah ein Loch vor mir. Zu seinen

beiden Seiten waren ein Paar Grabtafeln aufgestellt. Ich schaute neugierig hin. Ich sah, dass darauf mit großen Buchstaben der Name "SAID" geschrieben stand. "Ach", seufzte ich traurig und betroffen. Plötzlich hörte ich die Stimme des Herrn, der mir vor der Tür jener Herberge einen Rat erteilt hatte, sagen: "Bist du nun zu Verstand gekommen?"

"Ja", sagte ich, "Aber ich habe keine Kraft mehr. Es gibt keinen Ausweg."

"Bitte um Verzeihung", sagte er, "und vertraue (dich Gott an)!"

"Das habe ich bereits getan."

Ich erwachte... Da war "der alte Said" verschwunden. Ich fand mich als "neuer Said" wieder.

Ich werde von dieser geistigen Schau ein, zwei Teile ausdeuten. Möge es Allah wohlgefällig sein. Die übrigen Aspekte mag man selber deuten.

Was die Reise betrifft, so ist sie eine Reise, die aus der Welt der Seele, dem Schoß der Mutter, durch Jugend und Alter, Grab und Zwischenreich, Auferstehung und Brücke in die Ewigkeit führt. Was aber die sechzig Goldstücke betrifft, so bedeuten sie die sechzig Jahre Lebenszeit. Als ich dieses Gesicht schaute, war ich schätzungsweise fünfundvierzig Jahre alt. Ein Zeugnis darüber habe ich nicht. Aber die verbliebenen fünfzehn Jahre für die Ewigkeit zu wirken, dazu hat mir ein aufrichtiger Schüler des weisen Qur'an Anleitung gegeben. Die Herberge ist für mich wohl Istanbul. Der Zug aber ist die Zeit. Jedes einzelne Jahr ist ein Wagen. Der Tunnel ist das irdische Leben. Die dornigen Blumen und Früchte sind die verbotenen Genüsse. Die verbotenen Vergnügungen bereiten bei der Vorstellung ihres Endes Schmerzen, während man sich ihnen hingibt, und lassen das Herz bluten, zerreißen es, wenn man Abschied nehmen muss. Zudem folgt ihnen die Strafe. Der Bahnarbeiter hatte gesagt: "Gib fünf Kurush. Dafür gebe ich dir soviel wie du willst." Die Bedeutung dessen ist: Was man durch legale Arbeit im erlaubten Rahmen an Genuss und Vergnügen erhält, genügt für das Wohlbefinden. Es ist

nicht notwendig, etwas Unerlaubtes zu tun. Die übrigen Teile kann man sich selber ausdeuten.

Vierte Anmerkung:

Der Mensch gleicht in dieser ganzen Welt einem zarten und zierlichen Kindlein. Dabei besitzt er in seiner Schwäche eine große Kraft und in seiner Hilflosigkeit eine große Macht. Denn es ist die Kraft in seiner Schwäche und die Macht in seiner Hilflosigkeit, die ihm alles Sein dienstbar macht. Wenn der Mensch seine Schwäche begreift, mit seinen Worten, Taten und durch sein Verhalten betet und im Bewusstsein seiner Hilflosigkeit um Hilfe bittet, erweist er zur rechten Zeit seine Dankbarkeit für diesen Dienst und erlangt zu gleicher Zeit die Erfüllung seiner Wünsche; seine Ziele werden ihm erreichbar; und das alles in einer Weise, wie er es aus eigener Kraft nicht zu einem Hundertstel vermocht hätte. Aber manchmal schreibt er fälschlicherweise die Erfüllung eines Wunsches nach einem Gebet der Tat seiner eigenen Kraft zu. So lässt zum Beispiel die Stärke in der Schwäche eines Kükens eine Henne einen Löwen angreifen, und ein gerade zur Welt gekommenes Löwenjunges macht diesen reißenden, hungrigen Löwen sich selbst dienstbar und lässt ihn hungern, um selbst satt zu werden. Ist diese Stärke in der Schwäche nicht bemerkenswert und das Aufscheinen der Barmherzigkeit (Gottes) nicht einer Betrachtung wert?...

In gleicher Weise, wie ein verwöhntes Kind seinen Wünschen mit Weinen oder Betteln oder einem traurigen Gesicht zum Erfolg verhilft und sich so die Starken unterwirft, so vermöchte es mit tausendfacher Stärke jedoch nicht einen unter tausend Wünschen zu erfüllen. Weil also seine Schwäche und Hilflosigkeit zu Liebe und Fürsorge bewegt, so kann es sich mit seinem kleinen Finger selbst große und starke Leute dienstbar machen. Wollte aber nun ein solches Kind diese Liebe verleugnen und die Fürsorge zurückweisen und in törichtem Stolze sagen: "Ich unterwerfe diese Leute meiner Macht!", so würde es sicherlich eine Ohrfeige bekommen.

In gleicher Weise zieht sich auch der Mensch, der die Barmherzigkeit seines Schöpfers verleugnet und dessen Weisheit verwirft und wie Qarun(Er revoltierte gegen Moses. - A.d.Ü.) undankbar gegenüber der Gabe (Gottes) sagt:

اِنَّمَآ اُوتِيتُهُ عَلٰى عِلْمٍ

{"Ich habe das durch mein eigenes Wissen und meine eigene Macht erhalten." (Sure 28, 78)}

sicherlich selbst auch eine solche "Ohrfeige" zu. Wie wir also gesehen haben, wurden ihm solche Werte wie menschliche Königsherrschaft, persönliches Wachstum und kulturelle Vollkommenheit nicht als sein Verdienst, nicht infolge eines Sieges, nicht durch Kampf gegeben, sondern das alles wurde ihm aufgrund seiner Schwäche unterworfen; ihm wurde aufgrund seiner Hilflosigkeit geholfen; es wurde ihm aufgrund seiner Armut als Wohltat erwiesen, aufgrund seiner Unwissenheit eingegeben, aufgrund seiner Bedürftigkeit als Gastgeschenk verehrt. Und der Grund seiner Königsherrschaft ist nicht Macht und wissenschaftliches Können, es ist vielmehr die Güte und das Erbarmen des Herrn, die Barmherzigkeit und Weisheit Gottes, die ihm alle Dinge dienstbar gemacht hat. Ja, was den Menschen, den solches Ungeziefer wie ein Skorpion ohne Augen oder eine Schlange ohne Beine zu besiegen vermag, sich in die Seide einer kleinen Raupe kleiden und den Honig eines giftigen Insektes essen lässt, ist nicht seine Macht, es ist vielmehr die Unterwerfung des Herrn als Folge menschlicher Schwäche und ein Gastgeschenk der Barmherzigkeit (Gottes).

Oh Mensch! Da dies nun einmal die Wahrheit ist, gib deinen Stolz und deine Selbstgefälligkeit auf! Bringe vor dem Throne Gottes deine Schwäche und Hilflosigkeit um Hilfe bittend, deine Armseligkeit und Bedürftigkeit flehend und betend zum Ausdruck und erweise dich als Anbeter und Diener! Sage:

حَسْبُنَا اللهُ وَنِعْمَ الْوَكِيلُ

{"Allah ist unser Genügen und unser bester Anwalt." (Sure 3, 173)}

und schwinge dich empor!

Sage aber nicht: "Ich bin nichts. Welchen Wert hätte ich denn, dass der Allweise mir diese ganze Welt dienstbar machen wollte und von mir für all dies einen Dank erwartete?"

Tatsächlich giltst du ja nichts, wenn man deine Gestalt und

deine Seele betrachtet. Aber hinsichtlich deines Auftrages und deines Ranges bist du ein Besucher in dieser ganzen großartigen Welt und ihr aufmerksamer Beobachter, ein sprachgewandter und beredter Sprecher dieses geheimnisvollen Daseins, ein verständnisvoller Leser im Buche der Welt, ein staunender Betrachter der lobpreisenden Schöpfung und ein achtungsgebietender Werkmeister der anbetenden Werke (Gottes).

Ja, oh Mensch! Du bist im Hinblick auf das Leben der Pflanzen und deines Körpers und in Anbetracht deiner tierischen Seele ein winzig kleiner Bruchteil, ein armseliges Geschöpf, wie ein schwaches Tier, das inmitten der Wellen des ganzen fürchterlichen Daseinsstromes hin und her geworfen wird. Wenn du dich aber, erleuchtet vom Lichte des Glaubens, das die Strahlen der Liebe Gottes in sich enthält, durch islamisches Verhalten vervollkommnest, wirst du als Mensch, Diener und Anbeter wie ein König sein, als ein Teilchen wie ein Ganzes, trotz deiner Kleinheit eine Welt, trotz deiner Geringfügigkeit von hohem Rang, ein Stellvertreter in einem großen und weiten Bereich sein, der sagen kann: "Der Barmherzige, mein Herr hat mir die Welt zur Heimstatt bereitet. In diesem Heim machte Er Sonne und Mond zur Leuchte, den Frühling zu einem Rosenstrauß, den Sommer zu einem Gastgeschenk bei Tisch und die Tiere zu Dienern. Und Er gab mir die Pflanzen als Schmuck und Versorgung in meinem Haus."

Nachsatz: Wenn du auf dein Ego horchst und auf den Teufel, sinkst du zum Niedrigsten der Niedrigen herab. Wenn du auf die Wahrheit und den Qur'an horchst, steigst du zum Höchsten der Hohen auf und wirst der ganzen Welt ein Musterbeispiel sein.

Fünfte Anmerkung:

Der Mensch wurde in diese Welt gesandt als ein Gast und ein Beauftragter, und ihm wurden sehr wichtige Fähigkeiten mitgegeben. Und diesen Fähigkeiten entsprechend wurden ihm auch sehr wichtige Aufgaben anvertraut. Damit aber der Mensch sein Ziel erreiche und seine Aufgabe erfülle, wurden ihm nachhaltige Anregungen erteilt und furchtbare Drohungen ausgesprochen. Wir werden hier die Grundsätze über die Aufgaben

des Menschen, seinen Dienst und seine Anbetung, die wir an anderer Stelle bereits erklärt haben, noch einmal zusammenfassen, um das Geheimnis des Menschen um seinen höchsten Rang und Wert verstehen zu können.

So hat der Mensch - nachdem er in diese Welt gekommen ist - in zweifacher Hinsicht Dienst und Anbetung zu verrichten. In erster Hinsicht ist es Dienst und Anbetung in der "dritten Person", ein Nachsinnen. In der zweiten ist es Dienst und Anbetung in der Gegenwart, der "zweiten Person", eine Hingebung.

Erste Hinsicht,

die Königsherrschaft (Gottes) über das Universum zu sehen, im Gehorsam zu bekräftigen und zu Seiner Vollkommenheit und Schönheit bewundernd aufzublicken.

Danach zeigen sich die Menschen, um einander zu belehren, die einzigartigen Kunstwerke, bestehend aus den Ornamenten der heiligen Namen Gottes, machen sie bekannt, rufen sie aus.

Danach wägen sie die Juwelen der Gottesnamen, von denen jeder einzelne eine verborgene Schatzkammer des Geistes ist, mit der Waage der Einsicht und schätzen lobpreisend ihren Wert mit dem Herzen als Schatzmeister der Werte.

Danach lesen sie die Seiten von Himmel und Erde aus dem Buch des Seins, Briefe (der Schöpfung), geschrieben mit der Feder der Macht (Gottes), und sinnen bewundernd darüber nach.

Und während sie die Verzierungen und Feinheiten an den Kunstwerken des Seins bewundern und preisen, sehnen sie sich danach, ihren Schöpfer kennen zu lernen, der alle Schönheit besitzt, und verlangen danach, in die Gegenwart ihres vollkommenen Meisters einzugehen und Seine Liebe und Freundlichkeit zu erlangen.

Zweite Hinsicht:

Hier geht es um die Gegenwart (Gottes) und das Gespräch (des Menschen mit Gott). Der Weg führt vom Werkstück zum Meister. Man sieht: Ein erhabener Meister möchte sich selbst durch Seine wunderbaren Kunstwerke mitteilen und zu erkennen geben. Glaube und Erkenntnis kommen ihm als Antwort entgegen.

Danach sieht man: Ein barmherziger Herr möchte ob der schönen Früchte Seiner Barmherzigkeit selbst geliebt werden. Wenn man seine Liebe auf Ihn allein beschränkt

und seine Anbetung Ihm allein zueignet, um Ihm allein zu dienen, wird man auch selbst von Ihm geliebt.

Danach sieht man: Er, der freigiebig die Geschenke Seiner Gnade erteilt, umhegt den Menschen mit geschmackvollen Geschenken für Leib und Seele. Dieser bringt Ihm in seinen Taten, seiner Handlung, seinen Worten, ja wenn es ihm möglich wäre mit allen seinen Empfindungen und Fähigkeiten Lob, Preis und Dank entgegen.

Danach sieht man: Er, der Gewaltige in Seiner vollkommenen Schönheit zeigt Seine Größe, Vollkommenheit, Erhabenheit und Schönheit im Spiegel des Daseins, in ihm die Blicke des aufmerksamen Betrachters einfangend. Dieser begegnet Ihm demütig bewundernd mit den Worten: "Allahu Ekber!"(Allah ist unvergleichlich groß!) "Subhanallah!"(Allah sei gepriesen!) und wirft sich in liebender Anbetung nieder.

Danach sieht er: Er, der Vollkommen-Reiche zeigt in vollendeter Freigiebigkeit die Schatzkammern Seines unendlichen Vermögens. Der Mensch entgegnet Ihm rühmend und verehrend, erbittet und erfragt von Ihm in völliger Armseligkeit.

Danach sieht er: Der erhabene Schöpfer hat die Erde einer Ausstellung gleich erschaffen. Dort hat Er die ganzen antiken Kunstwerke ausgestellt. Der Mensch entgegnet Ihm voll Staunen und Hochachtung: "Mashaallah!"(so hat es Allah gewollt!), "Barekallah!"(Allah hat gesegnet!); "Allahu Ekber!"(Allah ist unvergleichlich groß!), und Seine vollkommene Güte preisend kommt er Ihm antwortend entgegen.

Danach sieht er: Der Eine {Vahid-i Ahad: Eins über allen Geschöpfen, eins in jedem einzelnen Geschöpf. (A.d.Ü.)} prägt im Schlosse des Universums mit Seinem unnachahmlichen Münzsiegel, Seinem nur Ihm eigenen Siegel der Propheten, Seinem nur Ihm zubestimmten königlichen Siegel, kraft königlichen Privilegs allem Sein den Stempel Seiner Einheit (Vahdet)auf.

Und Er malt und stickt die Wunderzeichen Seiner Einheit (Tauhid)und richtet an den Enden des

Weltenhimmels die Fahne Seiner Einheit (Vahdaniyet)auf und verkündet Seine Herrschaft. Der Mensch begegnet Ihm mit einer Affirmation, im Glauben, in der Einheit (Tauhid),in der Einsicht, mit dem Zeugnis, seinem Dienst und seiner Anbetung und kommt Ihm so antwortend entgegen.

So also wird er durch diese verschiedenen Arten der Anbetung und des Nachsinnens zum wahren Menschen, und er zeigt, dass er "Musterbeispiel der Schöpfung" geworden ist. Ausgestattet mit der Kraft und dem Segen des Glaubens wird dem Menschen eine Seele anvertraut als ein Gut, und er wird so ein treuer Kalif der Erde.

Oh du unbesonnener Mensch, der du mit dem höchsten Grad und Wert der Schöpfung erschaffen wurdest und in deiner Böswilligkeit auf die Seite der Niedrigsten der Niedrigen hinübergehst! Höre mich! Auch ich habe so wie du in der Trunkenheit meiner Jugend und in meiner Gottvergessenheit die Welt für schön und angenehm gehalten. In dem Augenblick, da ich an der Schwelle des Alters aus der Trunkenheit meiner Jugend erwachte, erkannte ich, wie hässlich jenes Antlitz der Erde war, das dem Jenseits abgewandt ist und das ich für schön gehalten hatte, und wie schön ihr wahres Antlitz ist, welches in das Jenseits hinüberschaut.

Betrachte nun die beiden Tafeln der Wahrheit, die ich im zweiten Kapitel des "Siebzehnten Wortes" beschrieben habe, und siehe selbst:

Erste Tafel:

beschreibt die Wirklichkeit der Welt der Gottvergessenen, so als ginge ich selbst auf Irrwegen und so wie ich sie durch den Schleier der Gottvergessenheit gesehen habe, jedoch ohne betrunken zu sein.

Zweite Tafel:

zeigt die wahre Welt derer, die recht geleitet und sich der göttlichen Gegenwart bewusst sind.

Ich habe sie so gelassen, wie ich sie damals beschrieben habe. Sie sehen wie ein Gedicht aus, sind aber kein Gedicht...

سُبْحَانَكَ لاَعِلْمَ لَنَآ اِلاَّ مَاعَلَّمْتَنَآ اِنَّكَ اَنْتَ الْعَلِيمُ الْحَكِيمُ

رَبِّ اشْرَحْ لِى صَدْرِى وَيَسِّرْ لِىٓ اَمْرِى وَاحْلُلْ عُقْدَةً مِنْ لِسَانِى يَفْقَهُوا قَوْلِى

اَللّٰهُمَّ صَلِّ عَلَى الذَّاتِ الْمُحَمَّدِيَّةِ اللَّطِيفَةِ اْلاَحَدِيَّةِ شَمْسِ سَمَآءِ اْلاَسْرَارِ وَمَظْهَرِ اْلاَنْوَارِ وَمَرْكَزِ مَدَارِ الْجَلاَلِ وَقُطْبِ فَلَكِ الْجَمَالِ اَللّٰهُمَّ بِسِرِّهِ لَدَيْكَ وَبِسَيْرِهِٓ اِلَيْكَ اٰمِنْ خَوْفِى وَاَقِلْ عُثْرَتِى وَاذْهِبْ حُزْنِى وَحِرْصِى وَكُنْ لِى وَخُذْنِى اِلَيْكَ مِنِّى وَارْزُقْنِى الْفَنَآءَ عَنِّى وَلاََتَجْعَلْنِى مَفْتوُناً بِنَفْسِى مَحْجُوباً بِحِسِّى وَاكْشِفْ لِى عَنْ كُلِّ سِرِّ مَكْتُومٍ يَاحَىُّ يَاقَيُّومُ يَاحَىُّ يَاقَيُّومُ يَاحَىُّ يَاقَيُّومُ وَارْحَمْنِى وَارْحَمْ رُفَقَـآئِى وَارْحَمْ اَهْلَ اْلاِيمَانِ وَالْقُرْاٰنِ اٰمِينَ يَآ اَرْحَمَ الرَّاحِمِينَ وَيَآ اَكْرَمَ اْلاَكْرَمِينَ

وَاٰخِرُ دَعْوٰيهُمْ اَنِ الْحَمْدُ ِللهِ رَبِّ الْعَالَمِينَ

{"Gepriesen seist Du! Wir haben kein Wissen, außer dem, das Du uns gelehrt hast. Denn du bist der Allwissende, der Allweise!" (Sure 2, 32) "Herr! Mache mir die Brust weit und meine Angelegenheiten leicht! Löse das Band meiner Zunge, damit sie meine Worte verstehen! Oh Allah! Gib Deinen Frieden und gieße aus Deinen Segen über Mohammed, der Sonne im Himmel der Geheimnisse, der Verkörperung der Lichter, dem Brennpunkt der Erhabenheit, dem Polarstern am Firmament der Schönheit. Oh Allah, bei Deinem Geheimnis, bei Deiner Gegenwart, bei seiner Himmelfahrt: gib mir Sicherheit in meiner Furcht, entwurzele mich, wenn ich zögere, vertreibe meine Sorge und meine Gier! Sei mit mir! Nimm mich von mir weg hin zu Dir! Gewähre mir, mich von mir selber zu lösen und lass nicht zu, dass ich in mich selbst vernarrt werde, beschämt werde durch meine Sinne! Entschleiere mir jedes verborgene Geheimnis! Oh Lebendiger! Oh Beständiger! (Ya Hayy! Ya Qayyum!) Erbarme Dich meiner! Erbarme Dich meiner Freunde! Erbarme Dich Deiner Gläubigen und derer, denen Du den Qur'an herabgesandt hast! Amen - Oh Erbarmer der Barmherzigen! Oh Großzügigster der Großzügigen!" Und der Schluss unseres Gebetes sei: "Aller Lobpreis und Dank gebührt Allah, dem Herrn der Welten!"}

Buchgebet

بِسْمِ اللَّهِ الرَّحْمَنِ الرَّحِيمِ

يَا اَللّٰهُ ٭ يَا رَحْمٰنُ ٭ يَا رَحِيمُ ٭ يَا فَرْدُ ٭ يَا حَىُّ ٭ يَا قَيُّومُ ٭ يَا حَكَمُ ٭ يَا عَدْلُ ٭ يَا قُدُّوسُ

{"Im Namen Gottes, des Barmherzigen, des Allerbarmers." "Oh Gott! Oh Barmherziger! Oh Allerbarmer! Oh Einzigartiger! Oh Lebendiger! Oh Unwandelbarer! Oh Gerechter! Oh Heiliger!"}

Um Deines Gewaltigen Namens willen und um der Ehre des Qur'an, der in seiner Verkündigung ein Wunder ist, und um der Würde Deines ehrenwerten Gesandten willen, mit dem Friede und Segen sei, geleite diejenigen, welche dieses Buch gedruckt haben, ihre gesegneten Helfer und die Schüler der Risale-i Nur zur Ewigen Glückseligkeit in den Gärten des Paradieses. Amin. Verleihe ihnen immerwährenden Erfolg im Dienste am Glauben und am Qur'an. Amin. Und schreibe ihnen für jeden Buchstaben dieses Buches tausendmal Gutes in das Buch ihrer Guten Taten. Amin. Und gewähre ihnen Ausdauer, Stetigkeit und Aufrichtigkeit in der Verbreitung der "Licht"-Abhandlungen. Amin.

Oh Barmherziger Allerbarmer!... Schenke allen Schülern der Risale-i Nur Glück und Zufriedenheit in Beiden Welten. Amin. Beschütze sie vor der Bosheit des Teufels in Dschinnen- und Menschengestalt. Amin. Und verzeihe diesem schwachen und hilflosen Said seine Fehler. Amin...

Im Namen aller Nur-Schüler

Said Nursi

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